Morgenausgabe Oiensi M»--- DUM � IZ aaM !SÄÄ?.#Äs4SS■■ MM■■ U M � � Auswärts 1 .m,chll.ßlich svPs. P°,tz.it«.gi. und MD vWI WM W W W iW MW W // Ml«gi�B9z 72 Ps/Postbeft«llgebühr«n. Ausland»- J0KjS3 MW W» DD MW WW WW MW MS WM ijL ES WA � fite ein) polt Rsnpan abonnement 6,— tDL pro tStPRot; füe I j DM WD DW MD vi» DW»M MD KW) MW WM RcttamcjeUe 5,— 9t9t. Gdnber mit ermäßigtem fituflo�eiw I M �W �W BS MD DD DM DW DW DW SW! ASs. zeigen" da» fettgedruckt ""° � W>> ML MJkM MM. M| MM/ fiet.Bormärt«- erscheint machentäg. � W //tB �»'meUrtl Bort JOB hch ameimot, Sonntag» und Montag, D�J WM> // W lb Buchslaben zählen ß emmal. die«bendau»gahe s2r Bert.n /Z— HR«rbei.-markt Zeile so l und im Handel mit dem Titel.Der V/-neelaen teile 40 Vl A» issaszstsa»•<»CNHtlCT S? vWs'Plfllf Jentvawvsan der«Sozialdemokratischen Oavtei Deutschlands lag 931. 10 Pf. 15 Pf. »illezette 80 Pf. „ttleine«n. :e Wort 25 Pf. e Worte), jedes Rabatt lt. Tarif. ! Wort lü Pf, f. Worte über it zwei Worte. pf. Familien« zeiaenannahms iraße3. wochea« s 17 Uhr. da» Recht der r Anzeige« vorl Borwärts-Verlag G. m. b. H. Postscheckkonto: Berlin I7 536.—Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten, Lindenftr.3,Dt.B.».DiZc.-Ees.,Deposit«nk., Jerusalemer Sir.65'SS. Neue Gchuldenkonferenz? Ergebnis von Ehequers— Revision, nicht nur Moratorium. Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstr. 3 Fernsprecher: Dönhoff L3S— 237. Telegramm-Adr.: Sozialdemokrat Berk«. Lonttoa, 8. Juni.(Eigenbericht.) Im Verlauf der Unterhaltungen in Ehequers wurden auch die Abrüstungssrage und die Frag« der Zollunion berührt, der Haupteil der Unterredung galt jedoch dem R e p a r a- tionsproblem. Di« Darstellungen der deutschen Minister haben olle Zweifel an der Wirklichkeit der deutschen Not, die man hier vielleicht noch hatte, zerstreut und haben auch England von der Notwendigkeit zum Handeln überzeugt. Es hat sich ferner «ine Uebereinftimmung der deutschen und der englischen Auffassung dahin ergeben, daß beide Länder eine Revision des Doung-Plans einem Moratorium vorziehen. Dieser Weg der Revision erfordert internationale Zusammenarbeit und die Feststellung des Kommuniques über die Notwendigkeit internationaler Zusammenarbeit hat den konkreten Untergrund, daß eine international« Aktion in diesem Sinne, also dieser Revision der Reparationen und der damit zusammenhängenden interalliierten Schulden ins Auge gefaßt worden ist. An dieser Aktion soll nach englischer Auffassung der Völkerbund nicht beteiligt werden. Vielmehr mußten zunächst die Besprechungen zwischen den Staatsmännern der beteiligten Länder fortgesetzt werden. Es läge durchaus nahe, daß Dr. Brüning in Paris zunächst ähnliche Unterhaltungen führe wie in England. Das Ziel wäre schließlich die Einberufvng einer in lmiafi analen Konferenz zwecks - Klärung des Kriegsschuldenproblem».' Ehe man sich diesem Ziel weiter nähere, wolle man jedoch den Aufenthalt Stimsons in Europa abwarten. Keinesfalls solle sich Deutschland an die Spitze einer internationalen Bewegung zur Revision der Kriegsschulden stellen. Was erstrebt werde, sei«ine wirklich internationale Aktion, bei der die Aktivität von den Gläubigern ebenso sehr ausgehen müßte wie von den Schuldnern. Segenbesuch in Aerlin. Loudou, 8. Juni.(Eigenbericht.) Der englische Außenminister Henderson wird den Besuch des Reichskanzlers Dr. Brüning und Außenministers Dr. Cur- t i u s aller Voraussicht nach noch im Laufe des Sommers in Berlin erwidern. Der genaue Termin des Besuchs soll schon demnächst vereinbart werden. Oos Echo in Paris. Paris, 8. Juni.(Eigenbericht.) Di« Pariser nationalistische Presie stellt am Montag mit Be- friedigung fest, daß die Unterredungen in Ehequers zu keinem greifbaren Ergebnis geführt haben.„Paris Nouvelles" erklärt, die englischen und die deutschen Minister hätten ihre Ohnmacht«ingestehen müssen, irgend etwas unternehmen zu können, ohne die Hilfe anderer Mächte in Anspruch zu nehmen. Das mit großem Geschrei angekündigte deutsche Manöver sei also ge- scheitert, es werde aber hinter den Kulisien so r t g e s e tz t werden. Der Londoner Korrespondent des„Jntransigeant" berichtet, der all- gemeine Eindruck sei der, daß dos Ergebnis der Unterredungen in dem Worte„Nicht s" zusammengefaßt werden könne. Der„Temps" spricht die Meinung aus, daß die Zusammenkunst von Ehequers in keiner Weise die international« Lage geändert habe. E» habe nur«ine direkt« Fühlungnahme zwischen den englischen und deutschen Staatsmännern stattgefunden, bei der ober kein Beschluß über die von den deutschen Ministern aufgeworfenen Fragen und über die Mittel und Weg« gefaßt worden sei/ mit denen ihre Lösungen vor- bereitet werden könnten. Ein« gegenteilige Ansicht vertritt nur das„Journal des Debats", das erklärt, Deutschland habe erreicht, was es wollte: die Frage einer Revision des Aoung-Planes sei auf das internationale Tapet ge- bracht worden, und zwar dank der Gefälligkeit der englischen Re- gierung unter den bequemsten Bedingungen für Deutschland. Karl Gareis. Zum 10. Jahrestag seiner Ermordung. Von Fechenbach. Die Erinnerung an Karl Gareis führt uns zurück in das düsterste Kapitel der politischen Geschichte Deutschlands, in die Zeit der Geheimbünde, der Organisation Konsul, der bayeri- scheu Einwohnerwehren, in die Zeit der Hochblüte der Feme- morde. Auch Karl Gareis fiel vor jetzt 1v Iahen, am 9. Juni 1921, einem Fememord zum Opfer. Kaum 32 Jahre war Genosse Gareis geworden, als ihn in nachtdunkler Straße die Mordkugeln der Münchener Ein- wohnerwehr-Feme trafen. Er war der Sohn einer bayerischen Beamtenfamilie, hatte Geschichte, Philosophie und Philologie studiert und war zum Gymnastallehrfach gegangen. Als Offizierstellvertreter kam er während des Krieges schwer verwundet in französische Gefangenschast. Es ist geradezu er- fchütternd, was die Leidensgefährten aus der Gefangenschaft über seine hingebende Kameradschaft berichten, über die Selbstlosigkeit, mit der er sich unter Hintansetzung seines eige- nen Schicksals für feine Gefährten einsetzte, um deren Los zu verbessern. Wieberholt zog er sich dadurch längere und kürzere Gefängnisstrafen zu. Aber weil er aus dem Erlebnis des Krleges, das ihn im tiefften durchwühlt hatte, die theoretische und praktische Konsequenz gezogen hat und sich zum Sozia- lismus bekannte, haben ihn Nationalisten, die während des Krieges ihre Heldentaten in der Heimat vollbrachten, be- schimpft und verleumdet. Die Gesinnungsfreunde des Haken- kreuzlers F r i ck, dieses Pirmasenser Heimathelden, haben schließlich offen zu Gareis' Ermordung aufgefordert und es fanden sich dann auch dunkle Gestalten, die der Aufforderung nachkamen. Schon 1916 war Goreis als Austauschoffizier infolge einer schweren Lungenerkrankung nach Davos gekommen. Dort fand der Siebenundzwanzigjährige nicht nur körperliche Gesundung, sondern auch geistige Klarheit im Suchen nach neuer Lebensform. Das Studium des Sozialismus hatte ihn dort gefesselt und als er Ende 1917 wieder nach Bayern kam, war er überzeugter Sozialist. Er arbeitete als Assistent in verschiedenen bayerischen Gymnasien, erlebte die Revolution mit und trat später der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei bei. Den selbstlosen und reinen Menschen Karl Gareis hat die bayerische Arbeiterschaft dann im Juni 1920 in den Bayerischen Landtag gewählt. Es war eine schwere Zeit. Der Kapp-Puffch war von den faschistischen Bünden in Bayern dazu benutzt worden, die Regierung H o f f m a n n durch außerparlamentarischen Druck zu stürzen und an ihre Stelle dem Landtag ein Kabinett K a h r aufzuzwingen. Die Jahre der Kahr-Regierung von 1920 bis 1923 waren zugleich die Zeit, da sich die faschistischen Bünde in Bayern, vor allem die Einwohnerwehren bis zur Hochblüte entwickelten. Im l!ampf gegen diese legalen und illegalen faschistischen Gewalten wuchs Gareis zur Führer- Persönlichkeit. Er war bald der führende Kopf der Fraktion, beherrschte in Kürze die parlamentarische Praxis und hatte, wenn er zu einer Frage das Wort ergriff— weil er stets Wesentliches zu sagen hatte— das Ohr des Hauses, selbst die Aufmerksamkeit seiner erbittertsten politischen Gegner auf der rechten Seite des Parlaments. Das Jahr 1920 brachte für die USP. jene schwere Krise, die schließlich zur Spaltung der Partei durch die Anhänger der Moskauer 21 Punkte führte. In diesem innerparteilichen Kampf stand Gareis von Anfang an auf der Seite der Demokratie und gegen die schematische Uebertragung russischer Methoden auf die Länder Mittel- und Westeuropas. Es war für ihn zur politischen Notwendig- k e i t geworden, an der Schaffung einer großen, das gesamte Proletariat umfassenden Partei mitzuarbeiten und sich für die W! e d e r o e r e i n i g u n g der beiden sozialdemokratischen Parteien einzusetzen. Er sollte aber dieses Ziel seines Strebens nicht mehr miterleben dürfen. De« Kampf gegen den Faschismus bezahlte er ein Jahr vor der Wiedervereinigung mit dem Leben. Seitdem die Regierung Kohr in Bayern im Sattel saß, gewissermaßen als Vollzieher der illegale« faschistischen Bünde, war die systematische Bewaff- nung der bayerischen Einwohnerwehren durchgesührt worden. Die Einwohnerwehren hatten sich als Nebenregierung in Bayern etabliert und verstanden mehr und mehr in die voll- ziehende Gewalt einzudringen, in der klaren Erkenntnis, daß sich im parlamentarischen System die Machtverhältnisse stärker von der Legislative nach der Exekutive verlagert hatten. Eine der wichtigsten Positionen der Einwohnerwehr- faschisten waren ihre Vertrauensleute in der Münchener Sturm gegen Brüning. Oie fechte will ihn stürzen.— Ehristlichfoziale bedenNich. In der Presse der Rechten und in ihren Versammlungen hat der Generalsturm gegen das Kabinett Brüning ein- gesetzt. Die Hugenberg- Presse gibt spaltenlang die letzte Sonntagsrede ihres Herrn und Meisters in München wieder, die in der Versicherung gipfelt, die Reichsregierung habe ihr Vertrauen verwirtschaftet und müsse fort. In Stuttgart tobte am gleichen Tage der Führer der Alldeutschen, der Iustizrot C l a ß: er appellierte an den Reichspräsidenten, er möge jetzt Brüning beseitigen, so wie er als Ehef der Obersten Heeres- leitung Bethmann beseitigt habe. Eine dementsprechende Ent- schließung wurde einstimmig angenommen. In der„DAZ." versichert Fritz Klein, die Regierung könne unmöglich bleiben wie sie ist: sie müsse sich nach links öder nach rechts erweitern. Er ist für die Erweiterung nach rechts. Für die Gesamtlage ist es nicht ohne Bedeuwng. daß die Neine Gruppe des Christlichsozialen Volksdienstes, die zu den Hilfstruppen Brünings gehört, in Bewegung geraten ist. Ihr Organ, die„Tägliche Rundschau", versichert:„Diese Rot- verordnungkannsonichtbleiben." Der Christlich- soziale Volksdienst, sagt sie weiter, stehe vor allerschwersten Ent- scheidungen, die ihn nötigen können, von seiner Handlungs- sreiheit weitgehend Gebrauch zu machen. Daß die Rotverord- nung so nicht bleiben kann, ist ganz unsere Meinung. Allerdings möchten wir die Regierung Brüning nicht durch eine Regierung nach den Wünschen von Hugenberg und Claß ersetzt sehen. Käme eine solche Regierung, so würde auch die Notverordnung nicht so bleiben, wie sie ist, sondern wir würden noch viel schlimmere Dinge erleben. Die Sozialdemokratie ist nicht dazu da, die Dittawrpläne der Rechten zu fördern. Das überläßt sie den Kommunisten. Sie wird aber versuchen müssen, der Notverordnung die G i f t- zähneauszubrechen.„Die Grenze dessen, was unserem Bolke an Entbehrungen auferlegt werden kann, ist nicht nur erreicht, sie ist überschritten", schreibt jetzt sogar die„Ger- mania". Darf man daraus und aus den Bemerkungen der Täglichen Rundschau" schließen, daß sich das Z e n t r u m und die Christlichsozialen den Bestrebungen der Sozialdemokratie, eine Aenderung der Notverordnung herbeizuführen, nicht ent- gegenstellen werden? Und wie stellt sich zu diesen Bestrebun- gen die Reichsregierung? Das sind Schicksalsfragen. Sie erheische» ein« rasche und ftpr* Zxdxoortl Die Polizeibeamten mahnen. In ernster Sorge um die Sicherung der Republik. Di« Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Polizeibeamten machte in einer Zuschrift an den Leipziger Parteitag auf e r n st e staatspolitische Gefahren aufmerksam, die aus einer psychologisch falschen Behandlung entstehen können. In der Zu» schrift heißt es unter anderem: „Die zu erwartende Notverordnung sieht eine erneute Kürzung der Bcamtengehältcr vor. Wir wollen hier nicht die Gründe wiederholen, die sich allgemein gegen eine solche anführen lassen. Wir wollen aber in berechtigter Interessen- Vertretung der Polizeibcamten, zu der wir als Beamtengewcrk- schaftler sicher berufen sind, nichts weiter tun, als unser« Mit» glieder vor schweren und untragbaren Opfern schützen und dem Parteitag unsere politischen Besorgnisse vor- tragen, die sich aus einer solchen Kürzung ergeben. Dabei stellen wir offen die Frage:„Wo in aller Welt hat je ein Staat in Zeiten der Not und Gefahr den Hütern der staatlichen Sicherheit und den bewaffneten Garanten der staatlichen Ordnung die Mittel zum Leben gekürzt und eingeschränkt? Wo hat je ein Staat die ihn schützende bewaffnete Macht in Stunden erhöhter Gefahr vor den Kopf gestoßen?" Es ist Pflicht der deutschen Republik, eine den Staatsintercssen zuwiderlaufende Agitation unter den Po- lizeibeamten zu verhindern durch Sicherftellung ihrer Lebens- interessen. Soll es wirklich der deutschen Republik vorbehalten bleiben, ihre Polizeibeamten in demselben Augenblick, wo sie drin- gend ihrer bedarf, mit einer Gehaltskürzung zu bedenken. die für weite Kreise, besonders der unteren Polizei- beamtenschaft, als untragbar bezeichnet werden muß* Man kann nicht umhin, derartige Pläne gegenüber der Polizei- beamtenschaft vom Standpunkte der republikanischen Staatspolitik aus als sehr bedenklich zu bezeichnen. Da- mit soll nicht zum Ausdruck gebracht werden, daß etwa die Staats- und Verfassungstreu« der Polizeibeamtenschojt von der Kürzung oder Steigerung ihres Gehaltes aus zu bewerten sei. Die Vergangenheit hat genügend bewiesen, daß solche Ge- danken absurd sind. Gegen Abbau der Neichsleistungen. Sämtliche kommunalen Spitzenverbände haben sichgcgenden Abbau der Kriegsopferversorgung ausgesprochen. Sie befürchten, daß der Abbau der Reichsleiswngen gegenüber den Kriegs- opfer««ine neue Steigerung der gemeindlichen Wohlfahrts- ausgaben nach sich zieht. Was sagt die Stimmen zum L «Leipzig,? ZZoltezeituns: Der Parteitag hat nur einmal do»Nerhiiltni»d«r Kräfte zwischen den einzelnen„Schattierungen" festgestellt. Das geschah bei der Abstimmung über den Antrag, durch den die Disziplin der Fraktionen in den einzelnen Körperschaften für die Zukunft festgelegt worden ist. Der Antrag, dessen Fassung vom Parteivorstand vorgeschlagen worden war, wurde mit 324 gegen 62 Stimmen angenommen. Die Mißbilligung des Verhaltens der neun Genossen wurde vorher in einfacher Abstimmung gegen l? Stimmen beschlossen. Aber auch dos obige, durch namentlich« Abstimmung festgestellte Verhältnis der Kräfte verfälscht noch die Stärke der einzelnen Gruppen. Der Genosse Wels hatte abgelehnt, über den letzten Satz besonders abstimmen zu lasten. Er lautet: „Zuwiderhandlungen gelten als parteischädigendes Verhalten." Zu- widerHandlungen können demnach den Ausschluß zur Folge haben. Diese letzte Konsequenz zu ziehen, weigert« sich beispielsweise die Mehrheit der Berliner Landsmannschaft. Der Mittelsotz, nach dem der Parteitag„von den Fraktionen in ollen öffentlichen Körper- schasten ein einheitliches und geschlossenes Auftreten" fordert, wäre andernfalls gegen etwa 30 Stimmen angenommen worden, s o d a h die eigentlich« Opposition auf dem Parteitag nicht mehr als etwa drei Dutzend Delegierte um- faßte. Man vergleiche das mit den Kraftproben, die in Magdeburg bei der Wehrfrage gemacht worden find. Dort ergab sich eine außer- ordentlich starke Minderheit. In Leipzig war sie auf rund drei Dutzend Delegiert« zusammengeschrumpft, obwohl die Belastungen, die der Partei noch dem 14. September erstanden sind, kaum zu ver- gleichen waren mit dem, was die Koalitionsära Hermann Müller der Partei auch in den schlimmsten Zeiten brachte. Wenn trotzdem die Opposition keinen weiteren Raum zu gewinnen vermocht«, dann bezeugt das im Angesicht all dieser Schwierigkeiten, daß der Wille zur Geschlossenheit und Einheit als unbedingte Notwendigkeit an«?- kannt worden ist. Dies ist ferner der Ausdruck für die Erkenntnis, daß unter dem Zwang der Verhältnisse eine in ihren Grundzügen andere Taktik nicht möglich ist. Gewiß bleibt trotzdem für die Kritik mancherlei Gelegenheit, Man kann geteilter Meinung sein, ob die Forderungen der Partei, der Reichstagsfrattion, immer mit dem wünschenswerten Nachdruck vertreten worden sind. Aber kaum drei Dutzend Mann haben den Gedanken offen zum Ausdruck zu bringen oersucht, daß die Aera der Tolerierung beendet und damit den Faschisten der Weg geebnet werden solle. ..Volkszeitung Düsseldorf"(O. F. Schulz): Die Opposition gegen die Parteiführung ist angesichts des war- nenden Zeitgeschehens bis auf eine klein« Gruppe zusammen- geschmolzen.... Dieses Bild verstärkte sich von Tag zu Tag. Wenn man von der nicht wegzuleugnenden Tatsache ausgeht, daß jede V«> «egung ihr« Opposition hat, so kann man im Interesse der Be» «egung nur wünschen, daß dies« Opposition so gut ge» führt wird, daß die Gesamtbewegung daoon Nutzen hat. So« lange Paul L e v i die geistig« Leftung der Parteiopponenten hott«. konnte man von einer intellektuell durchgebildeten Opposition sprechen. Mit dem Tod« Levis ist dos ander« geworden. Die Opposition hat kein Gesicht mehr, sie ist ohne Führung. Da» kam auf dem Parteitag in beklagenswerter Weif« zum Ausdruck, schließlich nicht nur durch den völligen Mißerfolg des Auftretens, sondern da« trat auch durch die Zersplitterung der ao sich schwachen Kräfte in die Erscheinung.■ „Das Polt". Zeua-Weimar: Auch wenn wir den neun Geuoffen den guten Glaube« zu» billigen, daß sie nach dem Grundsatz gehandelt haben, dl« Idee müsse parteipreffe? immer höher stehen als die Partei, fo müssen wir- ihnen doch fagah daß ihnen das noch lange nicht das Recht gibt, die Disziplin zu brechen. Bei der Frage der Panzerkreuzerabstimmung aber hat es, sich für die neun Genossen weniger um die Idee(gegen ein Mord«. Werkzeug für den Krieg) als vielmehr, und das ist das Entscheidend� um ein« Protestaktion gegen die Toler.ierungs� politik der Reichstagsfraktion gehandelt. Und da mußle der Parteitag eingreifen. Er hat das getan mit einer Deutlichkeit und Schärfe, die Wiederholungen ausschließen. In Zukunft stellt sich jeder Funktionär außerhalb der Partei, der sich der Fraktionsdisziplin nicht fügen will. Ein Ak», geordneter der Sozialdemokratie ist in erster Linie ein Funktionär den die Partei als Vertreter in das Parlament schickt, um dort die Ziele und Forderungen der Partei zu vertreten und zu propagieren. Wenn er anders handelt, so ist er entweder für ein« solche Funktion nicht geeignet, oder er treibt mit dem ihm von der Partei übertragenen Amt Mißbrauch. „Sächsisches Dolksblat t", Zwickau(M. S e y d e w i tzX Politische und sachliche Meinungsverschiedenheiten über den ein« zuschlagenden Weg zu dem gemeinsamen Ziel sind allerdings in de? Sozialdemokratischen Partei vorhanden, sie sind mit aller Klarheit und Deutlichkeit auf dem Parteitag zum Ausdruck gebracht worden, aber der Parteivorsitzende Wels hatte durchaus recht, wenn er in seinem Schlußwort ausdrücklich feststellte, daß alle Sozial- demokraten und alle Redner des Parteitages nur von dem gemeinsamen Willen beseelt waren, der Partei� der Arbeiterklasse und dem Sozialismus zu dienen. 'Das ganz besonder« Charakteristikum dieses Leipziger Partei- tages war, daß er keinerlei klare politische Entscheidung getroffen hat, daß er den politischen Entscheidungen über die brennenden Fragen aus dem Wege gegangen ist. Mit den Mitteln der Ge- schäftsführung und der Regie wurde von der Parteitagsleitung eine klare Stellungnahme zu der weiteren Fortführung der Tolerierungs- Politik und der jetzt herauskommenden neuen Notverordnung der Regierung Brün ing verhindert. Insbesondere dadurch, daß all« zur Tolerierungspolitit und zu der neuen Notverordnung Stellung nehmenden Anträge der Parteilinken als erledigt erklärt wurden durch Annahme anderer vom Parteivorstand schnell ein« gebrachter Anträge oder durch Uebergang zur Tagesordnung. Sa hatten die Delegierten des Parteitags bei den politischen Entsche»- düngen immer nur abzustimmen, ob sie diesen oder jenen Antrag durch die Annahme eines anderen Antrags für erledigt betrachten wollen, oder ob sie über diesen oder jenen Antrag zur Tagesordnung übergehen wollen, nie aber darüber, ob sie für die Fortsetzung der Tolerierungspolitik und ob sie für oder gegen die neuen Notverord, nungen sind. Dies« Taktik der Partestagsleitung, alle klare» politischen Entscheidungen zu verhindern, sind mcht zuletzt auch ein Beweis dafür, daß die Mehrheit für oder gegen die Fortsetzung der Tolerierungspolstik auch auf diesem Parteitage eins sehr zweifelhafte war und daß darum durchaus nicht erwiesen ist, ob sich bei einer klaren Entscheidung nicht«ine Mehrhest gegen die neuen Notverordnungen und gegen die Fortsetzung der Tolerie, rungspolitik ausgesprochen Höste. Jedenfalls zeigt da» Ausweiche» vor der politischen Entscheidung die schwache Position der Partei« Mehrheit, die auf dem Partestag über die Schwierigkesten hinweg, kommen wollte dadurch, daß sie die Entscheidung über die m der Gegenwart brennenden politischen Fragen der Reichstag»� fraktion zugeschoben hat, die nach einem Beschluß des Parteitag» am Irestag kommender Woche zusammentrete» soll, in» zu der neuen Notverordnung und zu der eventuellen Estckerufung des Reichstags Stellung zu nehmen, Polizeidirskfton. Polizerpräsident war der Faschist P ö hn c r, der sich später am Hiller-Putsch beteiligte und der Leiter der politischen Abteilung rm Polizeipräsidium, der Faschist Fr ick, der nach dem Hitler-Putsch wegen versuchten Hochverrats zu einem Jahr drei Monaten Festungshaft oerurteilt wurde und erst vor wenigen Monaten seine un- rühmliche Roll« als thüringischer Innenminister ausge- spielt hat. Die politische Abteilung der Polizei arbeitete mit der Einwohnerwehr bei der Beschaffung und Bergung von illegalen Waffen zusammen und im Zusammenhang mit dieser Waffenbergung wurden 19?0 und 1921 wiederholt Personen von der Einwohnerwehr-Feme ermordet, weil die Faschisten glaubten, daß durch sie ihre geheimen Waffenverschiebungen aufgedeckt werden könnten. Einen dieser Morde, den am Dienstmädchen Sandmeyer, und einen Mordversuch an dem früheren Reichswehrsoldaten D o b n e r, deckte Karl Gareis im Bayerischen Landtag auf und wies gemeinsam mit dem Führer der sozialdemokratischen Fraktion, Genossen Timm, die Verbindung der faschistischen Mörderzentrale mit der politischen Abteilung der Münchener Polizei nach. Es war dies die erste größere gemeinsame politische Aktion der beiden sozialistischen Parteien vor der Wiedervereinigung. Die reaktionären Parteien des Bayerischen Landtags sprengten den auf Antrag Timm-Gareis eingesetzten Unter- suchungsausschuß und verhinderten so die Aufklärung der skandalösen Zusammenhänge zwischen der faschistischen Mord- organisation der Einwohnerwehr und der Münchener Polizei. Die Mörder gingen straflos aus, obwohl die Möglichkeit be- standen hätte, sie der Tat zu überführen. Von da ab wurde eine unerhörte Mordhetze gegen Gareis inszeniert, den die bayerischen Faschisten als ihren gefähr- ljchsten Gegner erkannt hatten. Gareis bekam Drohbriefe, die ihm seine Ermordung ankündigten. Das hielt ihn nicht ab, im Landtag, in der Presse und in Versammlungen seinen leidenschaftlichen und rücksichtslosen Kampf gegen den Faschis- mus fortzuführen, nachdem er einmal die Gefährlichkeit des Faschismus für Republik und Demokratie erkannt hatte. Am 9. Juni 1921, als Gareis von einer Versammlung heimkehrte, wurde er am Vorgarten seiner Wohnung kurz vor Mitternacht ermordet. Obwohl die Ermittlungen der Polizei in der gleichen Nacht aufgenommen wurden, beginnen die Akten doch erst mit einer Vernehmung am 12. August 1921! Und zwar handelt es sich um die Vernehmung eines Parteifreundes von Gareis, der ihn an jenem Abend begleitet hatte. Ihn beschuldigte man fälschlicherweise des Mordes, verfolgte also eine völlig falsche Spur. Die wirklichen Mörder waren inzwischen längst in Sicherheit. Im Feme-llntersvchungsausschuß des RÄchstags im Jahre 192ö veranlaßte Genosse Paul Leo i die Verhaftung des früheren Leutnants S ch w e i g h a r t als des Mordes an Gareis verdächtig. All« Spuren für die Ermordung der Sandmeyer und für die Ermordung von Sareis wiesen auf Schweighart. In der Sache Sandmeyer war auch«in Ver- fahren gegen Schweighart eingeleitet, aber der Beschuldigte wieder außer Verfolgung gesetzt worden, obwohl der Verdacht für seine Beteiligung am Mord fortbestand. Paul Levi hatte im Untersuchungsausschuß nachgewiesen, daß dem Schweig- hart durch Vermittlung der politischen Abteilung der Münchener Polizei— die unter Fricks Leitung stand ein Paß auf einen falschen Namen besorgt worden war. mit dem er kurz nach dem Mord an Goreis nach Oesterreich floh. Trotzdem ist der Mord bis heute ungesühnt und die Amnestie der Fememörder, die mit t o m m u n i st i s ch e r Hilfe im vorigen Jahr im Reichstag beschlossen wurde, nimmt jede Möglichkeit, daß der Mord an Karl Gareis je gesühnt wird. Krawatte in Dresden. Blutiges Nachspiel zu Chemnitz. Dresden. 8. Juni. Wie vom Polizeipräsidium Dresden mitgeteilt wird, wurden am Sonntagabend drei mst Bautzener und Löbtauer Nattonal- sozialisten besetzt« Lastkraftwagen, die vom nationalsozialistischen Treffen in Chemnitz kamen und in der Wernerstraßc in Dresden- Löbtau tanken wollten, von einem Trupp politischer Gegner mit Steinen beworfen. Dabei ging die Windschutzscheibe de» Lastkraftwagens in Trümmer und der Kraftwogenführer erlitt er- hebliche Kopfverletzungen. Zwei Polizeibeamt« eilten Hechel und nahmen die Verfolgung der Täter auf, die in den Bürgergarten flüchteten, wo gerode ein« Veranstaltung der Kommunistischen Roten Hilfe statt- fand. Die beiden in den Bürgergarten eindringenden Polizei» beamten und die ihnen folgenden Nationalsozialisten wurden sofort vom Saal« her mit Biergläsern usw. beworfen. Um sich durchzu- setzen, mußten die Beamten ihre Pistolen ziehen. Zwischen den nachfolgenden Nationalsozialisten und den im Saale anwesenden Kommunisten kam es zu einer schweren Schlägerei, bei der es auf beiden Seiten Leichtverletzte gab. Dem Ueberfallkommando gelang es, die Ruh« bald wiederherzustellen. Dabei wurden die Beamten wiederholt von Angehörigen der Roten Hilfe angegriffen. Fünfzehn Teilnehmer der Versammlung wurden verhaftet und im Polizeipräsidium den Nationalsozialisten, die von den Kommu- nisien als Angreifer bezeichnet wurden, gegenübergestellt Ein« Durchsuchung der Nationalsozialisten nach Waffen oerlief crgebniZ- los. Drei Schwerverletzte muhten hem Krankenhaus zugeführt werden, Eine von dem Polizeibericht stark Abweichende Darstellung gibt un» ein Eigenbericht über die geschilderten Borfäll«. Noch diesem Bericht haben die Nationalsozialisten, die auf Last- wagen von dem sächsischen Gautreffen zurückkehrten, in der Dres» dcr.er Dorstadt Löbtau das tammunistischeStandquartier im Restaurant Bürgergarten gestürmt. In dem Lokal veranstaltet« die Internationale A r b e i t e r h i l f« zur Zeit des lieber- falls ein Tanzvergnügen. Vier Personen wurden schwer, zahlreiche leicht verletzt, Als die Nationalsozialisten in das Lokal eingedrungen waren und die Meng« auseinanderswb, wurde sie von den Rowdy» mtt Slühlen, Gläsern, Aschenbechern, Tassen und Tellern beworfen. Zerschlagene Fenster, eingetretene Türen, zertrümmerte Stühle gaben Zeugnis von dem Treiben der offenbar nicht mehr nüchternen, viel- fach mit Stoß- und Hiebwaffen versehenen Angreifer. Di« Polizei nahm auffälligerweise zunächst 15 bis 20 Zivilisten fest, bei denen aber leine Waffen gefunden wurden. Die hauptbeteiligten Nazis wurden erst später festgenommen. Siegenvald verieidigt Roiverorönung. Kondgebvng der christlichen Sewerkfthaste«. Cleve, 8. Juni. In einer großen Kundgebung der christlichen Gewerkschaften des Niederrhein« sprach am Sonntag Reichsarbeitsminister Dr. Sie- gerwald über das Sanierungsprogramm de? Reichsregicrung, Er führt« aus: Wir befinden uns inmitten einer großen Wirtschafts- und Finanzmisere. Reich, Länder, Gemeinden und Arbettslosenoersiche- rung weifen»in Defizit von weit über zwei Milliarden Mk. auf. Diese Beobachtungen find keine bloße deutsche Erscheinung, sie sind eine Folge der Weltwirtschaftskrisi». Neben uns hat A m e- r i k a im letzten Jahre 3,S Milliarden und rechnet im laufenden Jahr« mit 6 bis 7 Milliarden Mk. Defizit in seinem Staatshaushatt. Auch England, Italien, Australien, Oesterreich usw. stehen in den größten Sorgen um di« Balancierung ihrer öffentlichen Haushalte. Diese Länder, insbesondere die reicheren, befinden sich aber trotzdem in einer unvergleichlich besseren Lag« al» Deutschland, da sie noch auf Reserven zurückgreifen können. Deutschland» Steuer- quellen und Möglichkeiten sind aber restlos ausgeschöpft. An dem Sanierungsprogramm der Reichsregierung wird von allen Seiten die Kritik einsetzen: sie kann st« vertragen und ist über- zeugt, daß kein« Regierung«in wesentlich andere» Programm vorlegen könnte. Wenn bei den Ländern 75—80 Proz., bei den Gemeinden einschließlich der Wohlfahrtserwerbslosen ebenfalls 80 und mehr Prozent Personalausgaben sind, dann ist es selbst» verständlich, daß auch auf di« Personalausgaben zurückgegriffen werden mußt«. Ohne erneute Heranziehung der Beamten war di« gemeindliche Wohlfahrtserwerbslos enfürforze nicht in Ordnung zu bringen. Da» deutsch« Volk befiehl zu 55 Proz. aus Lohn, und Geholks. empsängera. Nach der neuen Gehaltskürzung der Beamten werde« ia der SssenMchen und In der Privutwirkschast 1931 rund S1/» bis 9 Milliarden Mk. Gehälter und Löhne weniger bezahlt ol» 1929. Davon entfällt etwa die Hälfte aus vermehrie Arbeitslos i g k e i« und Kurzarbeit. Die Preise find oichl in de« gleichen Ausmaß gesunken, al» infolge vermehrter Arbeitslosigkeit. Kurzarbeit und Sürzuug der Bezüge der in Arbeit stehenden Be? amien, Angestellten und Arbeiter der Gesamtlohn in der deut. schen Botkswirlschast sich vermindert hat. Die GeHall»- und Lohnpolitik muß künftig, von Iluau»geglichen Helten abgesehen, im gauzen vorsichtig behaadel l«erden, meuu nicht ela mei- lerer größerer, innerlich nicht ausbalancierter Schrumpfungsprozeß eintreten soll. Die Reichsregierung verlangt von dem deutschen Volke unbe- quem« und harte Opfer. Arbeitgeber und Arbeitnehmer zahlen künftig für Arbeitslosenversicherung und den Krisenfonds etwa 81H Proz. der Grundlöhne. Dos sind Opfer, wie sie kein zwettes Land der Well kennt. Das müssen auch die Arbeitslosen würdigen. Wenn auch ihre Lage sehr schwer ist. müsse» sie doch bedenken, daß auch bei erschwerten und gekürzten Bezüge» nebe» England kein zweiter Staat der Welt für seine Arbeits, losen in solchem Ausmaß und mtt ähnlicher Plamnäßigkett sorgt wie Deutschland. Di« Krankheitsursachen der Welt, die ungeheure Wirtschastskrisis zu besettigen, liegt nicht in de» deutschen Volles Kraft uud Macht. Wohl aber kann Deutschland, nachdem«» mtt großen Anstrengungen sein eigenes Haus so gut als möglich bestellt hat, sagen: Jetzt ist die Stunde Europas und Amerika» gekommen. Es geht nicht bloß um die Rettung Deutsäilands: es geht um die fett Jahrhundert ten erarbeitet« europäische Kultur und Zivilisation. Aazi-Abgeordneier als Revolverschühe. Wuppertal. 8. Juni. Zwischen Kommunisten und Nationalsozialisten kam es hier a« Sonnabendabend zu einem Zusammenstoß, zu dem die Polizei heute folgende Einzelheiten mitteilt: Etwa 15 Nationalsozialisten wollte» sich nach Elberfeld, dem Treffpunkt für einen bei der Polizei anget meldeten Nachtmarsch begeben. Unterwegs wurden sie von Ans hängern der Kommunistischen Partei überfallen, wobei ein Kom, munist durch«inen Schuß verletzt wurde. Zur Feststellung de« Sachoerhalts nahm die Polizei 13 Zwangsgcstellungen vor. Unter den Verhafteten befindet sich auch der nationalsozialistische Reichs» tagsabgeordnete Veller, der nach übereinstimmenden An, gaben mehrmals geschossen und dann die Waffe einem Ge» sinnungsgenossen weitergegeben haben soll. Nach Vernehmung zahl, reicher Personen wurden die Festgenommenen im Laufe des Sonn, tags wieder entlassen. Das Referat des Genossen Tornow über„kapitalistische Wirt, schaiisanorcbi? uud ArbeiterNasse. das auf dem Leipziger Par, t« i t a g gehalten wurde, ist soeben in Broschürenform erschienen. Preis 20 Pfennig. Zu hoben in der Parteibuchbandlung I. W, H. Dietz Nachf,. Berlin SW. 68, Lindenstraße 2 und sämtlichen„Vor» wärts"»Speditionen. Erich Mühsam und da? Volkslied. In unserer Sonntagsausgabe hatten wir die Karikaturenreihe„Bäckergeselle und Kammerherr" mtt dem Motto versehen:„Es war einmal ein Bäckergesell', ein frecher Gesell', ein kecker Gesell'" und diese Zeile als„altes Volkslied" be- zeichnet. Hierzu teil uns Erich Mühsam mit, daß dieses Volks- lied von ihm herrührt und erst auf das gelchätzte Alter von 20 Jahren zurückblickt.— Um so besser! Volkstümlicher kann ein Dichter bei Lebzeiten doch gar nicht werden. keine Unterbrechung der Arbeit der Republikanischen Beschwerdestelle. In der rechtsstehenden Presse wird jetzt die Meldung verbreitet, daß„endlich der Betrieb der Republikanischen Beschwerde- stelle beendet" ist. Diese Meldung entspricht, wie die Beschwerdestelle mitteilt, in keiner Weise den Tatsachen, Die Arbeit der Beschwerde» stelle im Kampf gegen die offenen und versteckten Gegner der Re- publik geht, ungestört welter, gleichzeitig bleibt die Gewähr für un» bedingte Diskretion allen Wilarbeitern gegenüber erhalten. Kampstagung der Konsumvereine. Oer Zentralverbond in Magdeburg. Magdeburg, i. 3unl. sElzenbericht.) S£ra Monkag wurde in Magdeburg der 2 8. Genossen» schaslslag de? Zeniralverbande» Deutscher Sonsumvereiue in der sestllch geschmückten Stadt Holle vom Senior der Genossenschaft». bewegung, Heinrich Lorenz, eröffnet. Orgelspiel und Gesang der Arbeiters cinger gaben den Degrühangen einen feierlichen Auftakt. Viele Behörden des Reiches. Preutzens, der Provinz Sachsen, der Stadt Magdeburg, die Spitzem) er einigungen der freien Gewerkschas» ten und der Gewerkschaftiverbände, zahlreiche ausländische Groh» cinkauszgenossenschasten und Konsumgenossenschaften haben ihre Vcrlretcr entsandt, die der Tagung ihren vollen Erfolg wünschten. 3n der Reihe der Begrüßungsansprachen erweckte die Rede de» Magdeburger Oberbürgermeister» Reuter durch sein tiefe» soziale» Vcrstündniz für die Genossenschaftsbewegung besondere, Interesse. Die Schilderungen der Vertreter de« Auslandes liehen die Fort- schritte in der internationalen Genossenschastsbewegung erkennen. vertreten sind ZS0 Konsumvereine mit«04 Stimmen und 39 Gäste. Die Magdeburger Tagung des Zentralverbandes Deutscher Konsumvereine ist eine Kampf- und Aufbautagung in einem ganz besonderen Sinne. Die Schlag- und Werbetraft der Konsumvereine Hot sich in dem schweren Krisensahr 1939 von neuem bewiesen. Die Zahl der Mitglieder stieg von 2,99 auf 3,05 Millionen Familien. Die Spareinlagen, die die Mitglieder ihren Vereinen anvertraut haben, erhöhten sich von 374 auf 496 Millionen Mark. Das Wachstum früherer Jahre ließ sich gewiß nicht aufrechterhalten. Aber es ist ein Zeichen von unoergleichllcher Werbekraft, daß trotz der furchtbaren Not der Massen die Mitgliederzahl und die Summe de» den Vereinen anvertrauten Kapitals weiter ge- stiegen ist. Das vergangene Jahr war aber auch deshalb ein besonders schweres Jahr, weil die wirtschaftliche Reaktion im Kampf gegen die Konsumvereine Triumph« feiern konnte. Gesetzgebung und Rechtsprechung sollten die Konsumvereine schwächen. Di« Ver> braucherorganisationen wurden mit einer Sonderumsatz st euer belastet, die Gerichte, die ordentlichen und die der Finanzhöfe, nahmen einseitig für den privaten Handel gegen die Konsum- vereine Partei. Dazu kam eine Zollpolitik des Reiches, die nicht nur die Lebenshaltung der Massen verteuerte, sondern auch die billige Versorgung der arbeitenden Massen durch die Konsumvereine in Frage stellte. Die so furchtbar hcrabgcdrückte Kaufkraft der deutschen Volks- maffen könnte zur Belebung der Gesamtwirtschaft und auch zur Ueberwindung der Arbeitslosigkeit viel fruchtbarer genutzt werden, als es heute geschieht, wenn sich Staat und Oeffentlichkeit der all- gemein verbilligenden und die Preise nach unten regulierenden Funktion der Konsumvereine voll bewußt wären. Leider ist das nicht der Fall. Um so größer ist die Aufgabe der arbeiten- den Massen selbst, die für ein« bessere wirtschaftliche Gelellschafts- ordnung kämpfen, aus eigener Kraft den Wirkungsbereich zu er- weitern und zu vertiefen. Westen nichts Aeues" zugelassen. Aber nur für geschlossene Veranstaltungen. Der Film„Im Westen nichts Neues" ist auf Antrag der Herstellerfirma am Montag von der Berliner Filmprüfstelle zur Aufführung in geschlossenen Veranstaltungen zuge- lassen worden. Er darf, jedoch nur vor den gesetzgebenden Kärperschosten des Reiches und der Länder fomie� in oefchlpffenen Veranstaltungen der nachstehend genannten Organisationen vorgeführt werden, zu denen nur Mitglieder dieser Orgarrisationen und deren Familienangehörige Zutritt haben und deren Vorstände einen ordnungsmäßigen Verlauf der Veranstaltung gewährleisten. Der Film darf aufgeführt werden durch Verbände und Vereinigungen ehemaliger Ztriegsteilnchmer, der Kriegsbeschädigten und Kricgerhinterbliebenen; durch Verbände. Arbeitsgemeinschaften und andere Bereinigungen. die dem Zweck des internationalen Friedens dienen: durch Berufsverbände, Berufsvercine, Standes- und Bildung?. Vereinigungen. Ausgeschlossen von der Aufführung sind Vereinigungen, die sich zum Zwecke der Vorführung des Bildstreifen» bilden. Vor Jugendlichen darf der BiLdftreisen guck? im Rahmen der vor. stehend bezeichneten geschlossenen Veranstaltungen nicht vor- geführt werden. Da? Verbot des Films durch die Oberprrfstells ist mit dein vorstehend wiedergebcnen Spruch zunächst zu einem Teil wieder gutgemacht. Es erfolgte seinerzeit unter dem Druck der Straße. Sie führte den Kampf gegen den Film mit weißen Mäusen, Blindschleichen. Stinkbomben und ähnlichen Raritäten der Hitlerbewegung. Die Filmoberprüfftelle kapitulierte. Sie begründete das Verbot damit, daß der Film das deutsche An- sehen im Ausland schädige und gab sich damit selbst über die Grenzen Deutschlands hinaus der Lächerlichkeit preis. Achnlichss ist von den Herren Sachverständigen des Auswärtigen Amtes und des Reichswehrminisicriums zu sagen, die es vorgezogen haben, bei der neuen Prüfung am Montag erst gar nicht zu erscheinen, obwohl der Film in seinem deutschen Urtext kaum wesentlich geändert worden ist. Insgesamt sind 69 Meter gestrichen worden. Die Gewerkschaften, das Reichsbanner und alle anderen republikanischen Organisationen Deutschland, werden in den nächsten Monaten dazu beitragen, daß der Film in Massenoersamm- lungen gezeigt wird. Völlig unverständlich und durch nichts zu begründen ist das Vorführungsverbot des Bild st reifen» für Jugend- l i ch e. Den jungen Meirichen, die erst während des Krieges und später geboren wurden, muß in allererster Linie ein wahrheits- getreues Bild des Krieges vorgehalten werden, damit sie wenigstens «ine kleine Vorstellung davon erhalten, was der heranwachsenden Generation in einem künftigen Kriege bevorsteht. Ludin begnadigt. Sofort aus der Festungshast«ntlassen. Karlsruhe, 8. Juni Der im Leipziger Reichswehrprozeß zti Festungshast verur- teilte Leutnant Ludin ist, einer Blättermeldung zufolge, am Sonnabend früh aus der Festungshaft entlassen worden. Leutnant Ludin hatte vor einiger Zeit ein Gnaden- g e s u ch an den Reichspräsidenten gerichtet. Grazynski wird ausgezeichnet. Der polnisch« Staatspräsident hat mehrere Führer de? Verbandes der Schlestschen Aufständischen. darunter den Wosewoden Grazynski. mit dem Unabhäugigkeitzkreuz (gfc her linafchnnm���� nmutnä/fm*. Zaungäste in Chequers. BRun!n& /wcdohald Die deutschen Nationalisten:„Lieber Gott, laß möglichst wenig dabei für Deutschland herauskomme«!� Staatsvertrag mit der Landeskirche Beratung im preußischen Landtag. Zu Beginn der Montogsitzung überwies der Preußische Landtag zunächst eine Anzahl Antröge über Unwctterschäden dem Hauptausschuß, ebenso einen Antrag über die N o t l a g e der K l e i n s ch i f f e r. Drei neue Siedlungsgesetze wurden dem Siedlungsausschuß zur Vorberatung überwiesen. Abg. Schwenk(Komm.) beantragt, ein kommunistisches Miß- traucns votum gegen dos Stoatsministerium. begründet mit der neuen Notverordnung des Reiches, auf die Tagesordnung zu setzen. Der sofortigen Berotiing wird von Zentrumsseit« widerfprochen. (Großer Lärm bei den Kommunisten.) hierauf tritt das Haus in die Tagesordnung ein: Erste Lesung der StantsvertrSge mit den evangelischen Landes- kirchcn. Abg. Schwenk(Komm.) beantragt die herbeirusung des Ministerpräsidenten. Abg. Schulz-Neukölln(Komm.): Der Ministerpräsident soll selbst seine Schandpolitik hier verteidigen.(Stürmischer Beifall und Hände- Latschen bei den Kommunisten, dreimaliger Niederms gegen Otto Braun.— Abg. Ruschke: Welcher Turksstoner hat Euch denn wieder d i e Komödie besohlen?— Heiterkeit und Bestall links und In der Mitte.) Der Antrag wird gegen die Stimmen der Kommunisten ab- gelehnt.(Neue Lärmszenen.) Kultusminister Dr. Grimme: Als vor zwei Jahren der Landtag dem katholischen Kirchen- vertrag zustimmte, hat die Mehrheit entsprechende Verhandlungen mit den evangelischen Landeskirchen gewünscht. Geleitet vom Paritätsgedanken ist das Stoatsministerium diesem Ersuchen des Landtages nachgekommen, und das Ergebnis der langwierigen Ber. Handlungen liegt Ihnen jegt vor. Die Revolution von 1918 hat auch das Verhältnis von Staat und Kirche grundlegend geändert.(Widerspruch und Lärm bei den Koi»m.) Bis 1918 war der Träger der st a a t l i ch e n Spitze zugleich Träjjer der höchstcnKirchengewalt. Diese einheitliche oberste äspitze verschwand, als das preußische Königtum zu existieren aufhörte. Solange die Einheit von Thron und Altar gegeben war, war für einen Kirchcnvertrag kein Raum. Anders nach 1918. Die Weimarer Ver- fassung nimnit die Trennung von Staat und Kirche in Aussicht.(Stürmischer Widerspruch bei den Komm.) Aber zur Durchführung der geldlichen Ablösung der Kirchcnrechto wären Mittel erforderlich, die heute außerhalb aller Diskussionen stehen. Es bleibt also nur die vertragliche Abgrenzung des Reiches des Staates und des Reiches der Kirche übrig. Der Gedanke einer solchen Abgrenzung ist erstmalig 1848 ausgesprochen worden. Aber notür- lich hat man ihn in der nachfolgenden Rsaktionsperiode nicht ausgeführt. Auch heute wird ein solcher Vertrag für manch- kirchlich gesinnten Staatsbürger die schmerzliche Ausgabe dessen bedeuten, was ibn mit dem Wesen der Evangelischen Landeskirche untrennbar ver- knüpft schien, dos Aufgeben des Monarchen als obersten Landes- bischof. Es ist nicht meine Aufgabe, mit dieser Auffassung zu streiten: mit dieser innerkirchlichcn Frage müssen die evangelischen Landes- kirchen seihst fertig werden. Ihre Mehrheit hat sich aus den Stand- punkt gestellt, daß das Organisationsgefügc der evangelischen Kirche so gefestigt ist. daß sie nicht im gleichen Maße der Anlehnung an den Staat bedarf wie zu Luthers Zeit. Die Kirche im neuen repu- blikanifchen Staat wird also frei sein: aber diese Freiheit der Kirche findet eine Grenze da, wo sie die Freiheit des Staates gefährden könnte. Mit diesem Vertrag endet end- gültig die Identifizierung des Staates mit einer bestimmten Reli- gionsgemeinschaft. Der Slaok will künftig sämtlichen Religionen und. wie ich ausdrücklich hinzufüge, Weilanschauungen mit voller Parität gegen- überstehen. Im Preußischen Landtag kann an dem Bertrag nur die Frage inter- essieren, ob in ihm die staatlichen Interessen genügend ge- sichert und die staatlichen Hoheitsrechte ausreichend gewahrt sind. Die politische Klausel soll verhindern, daß die Freiheit, die der Staat der Kirche gibt, sich gegen ihn selbst wendet. Zwei Wächte können nur dann friedlich zusammenleben, wenn sie sich gegenseitig die Freiheit garantieren. Die Zustände der letzten sieben Zahre bedeukeien eine einseilige Verpflichtung des Staates, ohne daß die Kirche zu irgendeiner Rücksichtno!>a)a auf die Lebensinteressen des Staates verpflichtet war. Jetzt wird eine neue Demarkation»- linie gezogen: die Kirche verpflichtet sich, von ihrer Freiheit keinen Gebrauch zu wachen, der die staatliche Freiheit gefährden könnte. Dieses positive Verhältnis zu Staat und Staatsform haben die Der- treter der Kirche bei den Verhandlungen für eine Selbstver- ständlichkeit erllärt.(Lärmender Widerspruch bei den Komm.) Der grundsätzliche Widerspruch gegen diese Aussassung ging bestimmt nicht von der linken Seite aus, sondern von jenen, die an chrem Ideal der Wiederherstellung der Einheit von Thron und Altar . Mh alten. Sonst aber ist bie Stellung zn diesem Kirch envostrag meist nicht nach der Parteizugehörigkeit erfolgt, weil er die Weltanschauung des einzelnen berührt. Er führt aus den eigentlichen parteipolitischen Bezirken heraus und stellt ein Befriedungswerk dar, dessen letzter Sinn es ist, daß der freie Staat allen Religionen und Weltanschau- ungsgemeinschaften ohne Unterschied in voller Parität das Lebens- recht garantiert. Es kann auch ein nationaler Gewinn darin liegen. wenn die kirchlichen Kreise in Zukunft dem Staat von Weimar nicht mehr unterstellen können, daß seine religiöse Parität Religion»- seindschaft bedeute. Mögen sich Volksstaat und Volkstirche in Zukunft immer im Dienst der sozialen Idee begegnen!(Großer Lärm bei den Komm. Beifall in der Mitte.) Abg. Soch-Oeynhausen(Dnat.): Wir begrüßen die vertragliche Sicherung der Kirchenrechte. Aber wir haben gegen die politische Klausel erhebliche Bedenken. Abg. Rickers(Soz.): Die sozialdemokratisch« Fraktion erkennt an, daß Paritätsgründe das Stoatsministerium oeranlaßt haben, dem Landtag diesen Eni- wurf vorzulegen. Wir begrüßen, daß der Vertrag mit keinem Wort auf die Schul« Bezug nimmt und sich dadurch sehr wesentlich von den bayerischen Konkordaten unterscheidet. Nachdem das katholische Kon- kordat in Preußen auf jede Bezugnahme auf die Schule verzichtet hat, war dos freilich eine Selbstverständlichkeit. Auch die An- stellung der Religionslehrer au den Pädagogischen Akademien bleibt ausschließlich Staatsangelegenheit. Die politische Klausel im§ 7 des Vertrages erscheint geeignet, die evangelischen Kirchcn zu veranlassen, staatsfeindlichen Bestrebungen in ihren Kreisen stärker als bisher entgegenzutreten. Trotz dieser Vorzüge des Vertragsentwurfs hallen wir ernste Bedenken. Als seinerzeit der Landtag diesen Bertrag mst den evangelischen Kirchen forderte, haben wir unsere Bedenken bereit» geltend gemacht und uns der Stimme enthalten. Der Grundsatz der Varität ist bisher aus die Freidenker- Organisationen nicht angewendet worden, wir müssen ver- langen, daß das Versäumnis bald nachgeholt wird. Die gegenwärtige finanzielle Lage des Staates hat bei asten kulturellen und"sazialen Aufgaben zu großen Abstrichen geführt: eine Mehrbelastung des Staates zugunsten kirchlicher Zwecke erscheint uns daher gegenwärtig kaum tragbar. Wir müssen diese Bedenken um so mehr in den Lordergrund rücken, als die evangelischen Landes- kirchcn es bisher verabsäumt haben, sich auf den republikanischen Volksstaat einzustellen. Stahlhelmgeistliche und Nazipastoren sind außerordentlich unerfreuliche Erscheinungen und nicht geeignet, in der Volks- und Arbeitcrmass« die Hoffnung zu nähren, daß die Kirchen von diesem Entgegenkommen des Staates den richtigen Gebrauch machen werden. Die sozialdemokratischen und republikanischen Volks- kreise hoben kein Verständnis dafür, daß die evangelische Lirchen- leitung nicht wie das katholische Episkopat vor den rechtsradikalen Parteien gewahrt und zum Ausdruck gebracht hat. daß die Ansichten dieser Parteien sich schlechterdings mit dem Geist des Christentums in keiner Weise vertragen.(Lebhafte Zustimmung bei den Soz.) Wir behalten uns unsere endgültige Stellungnahme bis zur dritten Lesung vor. Abg. Ausländer(Komm.): Die chrislliche Kirche ist der Kultur- faschismu«. Abg. Stendel(D. Vp.): Wir bedauern außerordentlich, daß für Meinungsverschiedenheiten zwischen Staat und Kirche nicht ein obligatorisches Schiedsgericht vorgesehen ist. Ein Teil meiner Freunde wird daher den Bertrag ablehnen. Abg. Baeckcr(Deutsche Fraktion): Wir wollen nicht die Gleich- bcrechtigung der Weltanschauungen, sondern den christlichen Staat. Für uns ist dieser Vertrag kein befriedigender Ausdruck der historischen, kulturellen und nationalen Stellung der evangelischen Kirche in Preußen. Aber wir erhoffen in Bälde eine Staatsleitung, der auch die evangelischen Kirchen Vertrauen schenken können. Abg. Graue(D. Staatsp.): Gegen die Resolution, die diesen Ver- trag forderte, haben vor zwei Jahren nur Kommunisten und Deutsche Votkspartei gestimmt. Wenn die Kommunislen hier von Ausplünde- rung des Staates und der Voltsmassen zugunsten der Psasscn sprechen, so stellen wir die einfache Tatsache fest: der Vertrag erhöht die Kirchendotationen um 1,2 Millionen: aber die gegenwärtige Re- gierung und der gegenwärtige Landtag haben den Staatszuschuß an die evangelische Kirche um 7 Millionen gekürzt. Abg. heslermann(Wp.): Wir begrüßen dieses Fricdcnswerk. Abg. Lindner(Christl.-soz. Volksdienst): Unsere ursprünglichen Bedenken gegen den Vertrag sind nach seiner Annahme durch die obersten Kirchenbehörden geschwunden. Abg. Dr. Gras von Posodowsky: Dieser Bertrag ist mit der Reichsversassung unvereinbar. Abg. Schulz-Neukölln(Komm.): Wir werden die Kirche zer- stören.(Zurufe bei den Komm.: Allen Kirchen den roten Hahn aufs Dach!) Nieder mit den Psasscn! Nieder mit Brüning und nieder mit Braun-Severing!(Stürmischer Beifall und Händeklatschen bei den Komm.) Damit schließt die Debatte. Kirchenvertrag und Pfarrer- besoldungsgejetz gehen an den Haupiausschuß. Nächste Schunfl Mittwoch, 12 Uhr: Zweite Lesung. Schuß der Arbeitskrast! Eine Kundgebung im Reichstag. der Arbeitskrast vor Unfall und Krankheit war �.e nötiger als heute, wo die Renten gekürzt und die Löhne gesenkt werden und wo schon eine kleine Verstümmelung für den Arbeiter Sturz in Dauerarbeitslosigkeit bedeutet. Kein Wunder also, wenn der Allgemeine Deutsche Gewerkschaftsbund den Vierten Vauarbeiterschutzkongreß im Reichstag, d. h. mehr in Hörweite der Reichsrcgierung, eröffnete. Nahezu 4lK> Delegierte aus dein ganzen Reich sind erschienen. Sie sind zum Teil non den baugewerblichen Verbänden, zum Teil von den Bauarbeiterschutzkommissionen entsandt. Auch eine große Anzahl Baukontrolleure, die aus den Reihen der organisierten Ar- beiterschaft hervorgingen, nehmen an der Tagung teil. Der Vorsitzende des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes, Theodor L e i p a r t, begrüßte die Gäste und Delegierten und ge- dachte des vor kurzem verstorbenen Gustav H e i n k e, der zusammen mit Silberschmidt für die Verbesserung des Bouarbeiterschutzes bahnbrechend gewirkt hat. Nahezu 18 Jahre— führte Lciport in einem kurzen Ueberblick über die Bauarbeiterschutzbewegung aus— sind seit dem letzten Vauarbeiterschutzkongreß im Jahre 1913 in Leipzig verflossen. Eine lange Zeit, in der sich manches geändert hat. Damals war Deutsch- land ein blühendes Land, heute stöhnt es unter den Rachwirkungen eines verlorenen Krieges, die einen umfassenden Arbeiterschutz erst recht notwendig machen. Die Unfallverhütungsoorschriften für den Hochbau sind seit 1�> Iahren vereinheitlicht, die für den Tiefbau und für die Montage von Stahlbauten sind damit in Uebereinstimmung ge- bracht: leider sind die beiden letzten Unfallverhütungsoorschriften noch nicht in Kraft getreten. Hoffentlich werden die Beratungen über den Entwurf einer„Musterverordnung zum Schutz gegen Gefahren bei Bauarbeiten", der den Gewerkschaften vor kurzem zur Stellung- nähme zugeleitet wurde, so beschleunigt, daß auch diese Bestim- mungen spätestens am Ende des Jahres in Kraft treten können. Nach Einführung dieses Schlußstücks wäre dann die der heutigen Zeit und der modernen Bauweise Rechnung tragende einheitliche Grundlage für den Bauarbeiierschuh geschaffen. Ungeklärt sind noch die Fragen der Bauaufsicht, an der sich Baupolizei, Gewerbeaufsicht und Berufsgenossenschosten beteiligen. Dieses Nebeneinander ist wenig wirtschaftlich. Der ADGB. hat bereits 1928 zur Vereinheitlichung der Ar- beitsaufficht Vorschläge gemacht. Geschehen ist bis jetzt nichts, obwohl die Regierung auf Sparsamkeit drängt. Der Deutsche Städtetag hat den Abbau der Baukontrolleure angeregt. Wir erheben dagegen P r o t c st. Nicht Abbau, sondern Ve r- m e h r u n g der Baukontrolleure ist notwendig, und wir erwarten hierfür auch die Unterstützung des preußischen Wohlfahrtsministers. Für die Entwicklung des gesamten Arbeiterschutzes ist die B e- teiligung der Arbeiterschaft an der Verwaltung der Unfallversicherung von größter Bedeutung. Trotz des im Artikel 161 der Verfassung aufgestellten Grundsatzes der maß- gebenden Mitwirkung der Versicherten ist der Einfluß der Arbeit- nehmerschaft.in den Berufsgenossenschaften und Ausftihrungs- behörden heute— fast 11 Jahre nach Inkrafttreten der Reichs- Verfassung— noch verschwindend gering. Die Gewerkschaften er- warten von der Regierung, daß nun endlich den 24 Millionen Menschen in der Unfallversicherung die In der Verfassung zugesagte maßgebende Mitwirkung eingeräumt wird. Gegen die Forderung der Arbeitgeberoerbände auf Abbau und teil- weisen Wegfall der Unfallrenten erheben wir schärfsten Protest. Auch wir erwarten von der Regierung eine Reform der Unfall- Versicherung— ober eine zum Nutzen der Versicherten. Seit über 49 Jahren bemühen sich die baugewerblichen Ver- bände um die Verbesserung des Bauarbeiterschutzes. In zähem Ringen sind sie schrittweise vorwärts gekommen. Viel ist ober noch zu tun. Auch in Zukunft können wir nur durch Einigkeit und diszipliniertes Vorgehen etwas erreichen. Zweck und Ziel des Bauarbeiterschutzes wurde von dem Vorsitzenden des Deutschen Baugewerkbundes, Nikolaus Bernhard, erörtert. Er schllderte die Fülle der Gefahren, die den Bauarbeiter Tag für Tag in seinem Beruf bedrohen und die Unfallziffern immer wieder ansteigen lassen. Im Jahre 1927 verunglückten tödlich 1932, 1928: 1139 und 1929: 872. Mit den entschädigten Unfällen steht das Baugewerbe unter den ge- werblichen Berufsgenossenschaften an zweiter Stelle, mit 9,42 pro 1999 Vollarbeiter gegenüber 5,47 im Durchschnitt, und in der Zahl der gemeldeten Unfälle fleht das Baugewerbe an erster Stelle mit 139,49 Unfällen pro 1999. Vollarbeiter gegenüber 91,83 im Durch- schnitt der 69 Berussgenossenschaften. An einer ausreichenden Ueberwachung der Bauten fehlt es noch sehr. Noch nicht jede zweite Baustelle wird nach der beruf» genossenschaftlichen Kontrollstatistik einmal im Jahr revidiert. Das ist sträflich wenig. Würden nicht neben den 137 Aufsichts bsamten der Berufsgenossenschaften auch noch 249 Arbeiter- kontrolleurc und die Polizeiorgane vorhanden sein, dann wäre es um die Bauarbeiterschutzkontrolle schlimm bestellt. Die Betriebs� Vertretungen sind nicht unabhängig genug, um etwas durchzusetzen. Die Arbeiterfürsorge auf den Bauten liegt noch sehr im argen. Zehntausende von Bauarbeitern müssen noch immer ihre Mahlzeiten bei jeder Witterung im Freien einnehmen, während für die Baumaterialien ein geschützter Raum vorhanden ist. Es fehlt noch vielfach an Waschgelegenheiten: die Aborte sind meistens in erbärmlichem Zustand und ein Hohn auf Sitte und An stand. Die Frauenarbeit am Bau ist noch immer nicht restlos befestigt, obwohl sie an sich ungesetzlich ist. Auch eine ernsthaft« L o h n g a r a n t i e für die Bauarbeiter besteht nicht. Wenn über dem Bauspekulanten der Pleitegeier kreist, sind die Bauarbeiter meistens die Leidtragenden. Die Kundgebung fand ihren Abschluß mit der einstimmigen An- nähme einer Entschließung im Sinne der Ausführungen von Leipart und Bernhard. Die Kohlenfrage in Genf. Spanische Vermittlungsvorfchläge. Gens, 8. Juni. .uie heute den ganzen Tag vertraulich geführten Verhandlungen nnerhalb der Gruppe der Regierungsvertreter der internationalen Arbeitskonferenz über die endgültige Stellungnahme zu der jetzt für das gesamte Arbeitszeitabkommen im Kohlenbergbau ent- scheidend gewordene Frage der Heber st uiidenregelung im Braunkohlenbergbau sind zunächst ohne Ergebnis ver- tagt worden. Zur Verhandlung gelangte ein Kompromißoorschlag, der den übrigen Regierungen den Antrag der deutschen Regierung auf Erhöhung der im Abkommen vorgesehenen Ueberstunden für den Braunkohlentagebau und Braunkohlentiefbau annehmbar machen sollte. Nach diesem Kompromißoorschlag, der von dem spanischen Regierungsvertreter vorgebracht wurde, soll die Ueber- stundenregelung im Braunkohlenbergbau lediglich auf Grund tariflicher Vereinbarungen zwischen den Arbeitgebern und den Arbeitnehmern zulässig sein. Ferner wurde eine Herab- s e tz u n g der von der deutschen Regierung geforderten Erhöhung der Ueberstunden im Braunkohlentagebau auf 259 und im Braun- tohlentiefbau aus 159 behandelt. In den Verhandlungen haben die Vertreter der deutschen und der englischen Regierung auf Grund der Londoner Vereinbarung eine übereinstimmende Haltung ein- genommen. Eine Stellungnahme der deutschen Regierungsvertreter zu den Komproniißvorschlägen liegt bisher noch nicht vor. Freiwilliger Arbeiisdienst? Präsident Syrup prophezeit ihr eine große Zukunft. Der Präsident der R e i ch s a n st a l t Dr. S y r u p sprach gestern .ms einer Kundgebung des Reichsverbandes für Herren- und Knaben- bekleidung über„aktuelle Probleme des Arbcitsmarktcs und der Ar- bestsbeschassung". Er kam dabei auch auf die A r b c i t s d i c n st- Pflicht zu sprechen, die er als utopisch bezeichnet«. Aber die Frage oosfreiwilligen Arbeitsdienstes werde in nächster Zeit eine große Rolle spielen. Das schwierige dabei werde die Auswahl der Arbeiten sein. Es dürfe sich nur um Arbeiten handeln, die lediglich persönliche Auswendungen und nicht nennenswerte Ma- terialaufwendung erfordere. Soll man annehmen, der Präsident der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung habe die Notverord- nung der Reichsregierung entweder nicht aufmerksam genug, gelesen oder nicht richtig verstanden? Oder soll man annehmen, Herr Dr. Syrup glaubt, anderen sei es so ergangen? Jedenfalls wollen wir über den angeblich freiwilligen Arbeitsdienst folgend« Tatsachen fest- stellen: Di« hierftir'in Beträcht kommenden Jugendlichen scheidcp von voricherein aus, weil sie in 99 von Isti) Fällen, nicht mehr Air- sprach auf Unterstützung haben und somit ihre Unterstützung zur För- decung des freiwilligen Arbeitsdienstes gleichfalls wegfällt Oder rechnet man damit, daß die Jugendlichen, denen man künftig nur noch das Recht zur Beitragszahlung lassen will, erheblich in ihrer Frei- Willigkeit gefördert werden, tvenn man ihnen die Pflicht des Unter- stützungsbezuges abnimmt? Für die Reichsanstalt kämen eigentlich nur die„Versicherten" über 21 Jahre in Betracht. Da die Notverordnung den Arbeits- ämtern anheimstellt, den Bezug von Unterstützung von einer A r- beitsleistung abhängig zu machen und gleichzestig die Bc- stimmung aushebt, wonach Pflichtarbeit keine Arbeit sein darf, die sonst von einem Arbeitnehmer in regelmäßiger Arbeit gemacht werden mühte, ist es ohne weiteres klar, daß es sich hier um eine„freiwillige" Arbeitspflicht auch für den über 21 Jahre alten Arbeitslosen handelt. Ob die Rolle, die diese„ftei- willige" Arbeitspflicht spielen wird, groß sein wird, vermag heute noch niemand zu sagen. Wie ihre moralische Wirkung sein, welche politische Folgen sich aus ihr ergeben müßten, darüber kann ein Zweifel kaum bestehen. Kommunistische plane. Gegen die Gewerkschaften. Die Bezirksleitung der KPD. Berlin-Brandenburg mit Lausitz- Grenzmark hat seinerzeit eine Resolution beschlossen, die die„Rote Fahne" iiiTUmfan� von über drei Spalte» am Sonntag veröfsent- lichte.„Festgestellt" wird darin:„Es beginnt eine Unter- grabung der Massenbasis der Sozialdemokratie(Durchführung all- gemeiner Diskussionstage und Konferenzen mit den SPD.- Arbeitern)." Der längste Abschnitt ist den„e r n st e n Mängeln und Schwächen" gewidmet.„Besonders schwerwiegend sind die in Durchschnitt sehr unbefriedigenden Ergebnisse in der Berliner Metallindustrie und bei der BVG., sowie das katastrophale Ver- sagen der Parteiorganisation im Lausiher Bergrevier". Der Rohrlegerstreik habe bewiesen, daß den Kommunisten, die diesen Kamps führten, die notwendige Verbindung mit der poli- tischen Arbeit der KPD. fehlte und daß sie die Manövrierfähigkeit der Reformisten bei kleinen Kämpfen nicht richtig einschätzten. „Der Rohrlegerstreit sowie eine ganze Reihe anderer Fälle beweisen auch, daß die Oppositiousarbeit in den reformistischen Gewerk- schasten völlig unzulänglich geleistet wird." Die Revolutionsmacher erkennen offenbar, daß die kommunistischen Quertreibereien innen- hasb der Gewerkschaften heute nicht mehr so leicht sind als früher. „Eine weitere Schwäche zeigt sich gegenwärtig, in der Organisation des Landarbeiterstreit». Di« kommunistischen Ortsgruppen sind im allgemeinen noch nicht fähig, solch« Streiks auszulösen(!) und zu führen". Besonders zu führen. Um den ernsten Mängeln der Schwächen abzuhelfen, ist es dringend erforderlich, den Reformisten auch innerhalb der großen Gewerkschastsorganisalionen. die sie nach beherrschen(Arbeiter, Angestellten- und Beamtenverbände), als geschlossene revolutionäre Opposition gegenüberzutreten und eine entscheidende Wendung in der Gesamtpartei vorzunehmen(die wievielte„Wendung" ist das? Red. d.„V."),„um die bisher stark vernachlässigte(!) Opposition?- arbeit in den reformistischen Gewerkschaften unverzüglich zu ver- stärken". Die KPD. mit ihrer RGO. soll sich besonders einsetzen für Kampf der VDG.-Arbeiter. den der Berliner Metallarbeiter und den der Landarbeiter. Die„Arbeit" auf dem Lande soll intensiver be- trieben werden,„energische Organisierung und Führung von Land- arbeiterstreiks" durchgeführt und die Parteiortsgruppen der KPD. zur Einstellung ihrer Arbeit auf den Streik erzogen werden. U. a. will die KPD.„systematische M a s s e n d i-- k u s s i o n der Parteimitgliedschaft mit den SPD.-Arbeitern und stärkste Anwendung der Einheitsfronttaktit von unten". Nun, die Berliner Bezirksleitung der KPD. wird noch manche ellenlange Resolution produzieren und noch manche„Wendung" machen müssen, bevor ihren ernsten Mängeln und Schwächen ab- geholfen ist. Die SPD.-Arbeiter verzichten auf die„systematischen Massendiskussionen", denen die KPD. sie zu unterwerfen gedenkt. und was die„revolutionäre Opposition" in den Gewerkschaften be- trifft, ist schon dafür gesorgt, daß die Bäumchen der RGO. nicht zu hoch wachsen.___ Katholische Faschisten? Koblenz, 8. Juni.(Eigenbericht.) In der Abtei Marialoch fand am Sonntag eine interne Kon- ferenz katholischer Politiker, Wirtschastsführer, Arbeitervertreter und einflußreicher Sozialwissenfchaftler statt. Professor Othmar Spann, der bekannte Wiener Soziologe, der seit vielen Iahren die heute im faschistischen Korporativ st aat erfüllte„Stände- idee" vertritt und einer der theoretischen Führer des ö st e r- reichischcn Heimwehrfaschismus war, hielt dos Haupt- reserot. Die Leitung der Konferenz lag in Händen des Privat- dozenten Dr. A. D e m p f, einem Mann, der für die Ständeideologie den sozialphilofophischen Unterbau zu legen versucht und in den letzten Iahren bei den Zentrumstagungcn und politischen Kursen der katholischen Studentenschost wiederholt hervorgetreten ist. Diese Ideologen eines katholisch begründeten Faschismus hoben bisher im politischen Katholizismus der Nachkriegszeit wenig Verständnis ge- funden. Jetzt betrachten sie ihre Zeit anscheinend für gekommen. Eine französische Aoiverordnung. Verlängerung der VezugSdauer derArbeitslosenunterstühung Varls, 8. Juni.(Eigenbericht.) Zluf Grund einer vom Arbeitsminister erlassenen Verordnung ist die Dauer der Auszahlung der staatlichen Arbeitslosen- unter st ützung von fünf auf sechs Monate verlängert worden. Der Erlaß ist zeitlich nicht begrenzt. Da nur 41999 Arbeitslose unterstützt werden, kostet das dem französischen Staat nicht viel._ Verhandlungen im Augsburger Textilkonflikt. Augsburg, 8. Juni... Der bei der Baumwollspinnerei am Stadtbach ausgebrochene wilde Streit ist heute wieder beigelegt worden. Die Belegschaft ist heute fast vollzählig zur Arbeit erschienen. -ß Die Aussperrung in der Augsburgcr Stadtbachspinnerei wird in diesen Tagen in Verhandlungen zwischen der Betriebsleitung und den Tcxtilorbeiterverbänden aus der Welt geschafft werden. Die Aussperrung, von der 1499 Arbeiter betroffen wurden, ist die Folge eines von der kommunistischen RGO. an- gezettelten wilden Streits Unorganisierter. Der Streit war ein Fehlschlag. »eheimei Rrpieruna-rat Se»«, eieiiun, d-r C.-itet Iws Suraüschen Seminar» an der Dentscken todyvtmle für gSolitil, hältink»lv!a1> 6. einen vtkentlichen ZZortraa iidcri„Di: deutschen An- ncitcllten in den Detricdcn der n«n»icNin'on". Sintritt frei. �reie G ewerkschafts-Jugend Berlin Keutc, Uhr. tagen die Gruppen: Adlerehgs: Griippenkjeim Adler»- dos, BiRnarckstr. I. Spieladend auf der Aeliwiese.— Schdneweide: Iuaendbelm Niederlchiincn?eide. Nerliner Elr. ZI. fMäd6x»schuk im Keller.) gridel Lall: berliner Ad-nd.— i>ant»»>: Zugenddcrn KiMnaenstr. Zimmer z. gllbrer der Arbeiterd.-megung: Legion.— Gesertschattsd«»»: Enaelufcr S4—25, Saal 11. Wie steden wir«im Böltcrbund?— Wedding: Nngenddeim Dilldenowsir. 5, 2 Sreppen, Zimmer 11. Die Arbeiferset'aft in grnnsreich.— Rcu-Lichtenbeeg: Iugentllcim Guniersir. fi Wie Pechen die freien m den gelden. christlichen und Lirsch-Dunckorfchen Sewerkichafien?— grantfurter Allee: Städt. Iugendch.-im Litauer Str. Iii. Die Entmicklunq«- neschichte der deutschen freien Gewertittaflen.— Lichtenderg: Zugendcheim Dolkestr. 22. Die grau im Grwerdsleden.— Oftcnde: Iunrnddeim Zarlidorsf, Tre»kvwallec 44 lKonl-öchnlel. Schon ad 19 Uhr. Airllchaftliche Entwicklung der Menschheit.— Treptow: Schule Wildcndruchstr. 53—543 Uhr Sroriplaft Tiergarten, im Schillerpark und auf der Wiese 7 im Trepiowir Tart. Verantwortlich für Politik: Victor Schiff: Wirtschaft: S. KlingeldSser; Gewerlkchaftsdewegun«: Ä. Steiner: Feuilleton: Dr. John Schikowrti: Lotole» und Sonstige»: isrift Karstadt: Anzeigen: Th. Glocke: sämtlich in Verlin. Verlag: Vorwärts-Verlog G m b. S.. Berlin. Druck: Vorwärtz.Vuckdruckeres und Verlagsanstalt Daul Singer u. Co. Berlin SW. 33, Lindenstrafte 3 chirr,, 2 Beilagen. MÄGGT Suppen 4 A kosten nur noch I V �9 Jtr. 263• 4S. Mrgotts*1• Oienslaq. P, 3iini 1931 Ladenplünderer vor Gericht Wegen schweren Landfriedensbruchs sechs Monate Gefängnis. Die ungeheure Not schafft Gärung und Verzweiflung. Unver- entwortliche Elemente machen sich die seelische Ausweglosigkeit junger Menschen zunutze und hctzcir sie in Ladcnpliinderungen hinein, in Verbrechen gegen Eigentum und Ordnung, die der Arbeitslosig- keit und Not keine Lösung, die Verhetzten aber ins Gefängnis bringen. Zwei solche Ladenplünderer verantworteten sich gestern vor dem Schiicllschöfsengericht wegen schweren Land- friedcnsbruches in Tateinheit mit Plünderung und Diebstahl. Beide Angeklagten, junge Burschen, der eine seit anderthalb Jahr ohne Arbeit für eine Unterstützung von 18 M., der andere seit fast zwei Jahren arbeitslos, er wohnt bei den Eltern— trafen sich des Morgens am 4. Juni und verabredeten sich, am Nachmittag irgendwo etwas Eßbares zu holen. Glaubt man ihnen, fo haben sie den Beschluß unabhängig von anderen gefaßt und waren dann am Nachmittag, ausgerüstet mit ihren Aktentaschen, in die Filiale des Nordstern, Ecke Reichenberger und Lausitzer Straße hineingegangen, hatten jeder drei Würste in ihre Aktentasche verstaut und wurden unmittelbar danach auf der Straße gefaßt. Die Zeugen wollten es aber anders wissen. Etwa zehn bis zwölf Burschen, sämtlich mit Aktentaschen in der Hand, drangen in den Laden, holten sich vom Schaufenster und vom Ladentisch Würste, im ganzen etwa einen Zentner, und verschwanden. Der Staatsamvalt beantragte gegen jeden der Angeklagten sechs Monate Gefängnis. Das Gericht verurteilte einen von den beiden, der bereits einmal wegen unbefugten Waffenbesitzes bestraft war, zu sechs Monaten drei Wochen Gefängnis, den anderen zu sechs Monaten Gefängnis— die M i n d e st st r a f e für schweren Landfriedensbruch. In der Urteilsverkündung führte Landgerichts- direktor Steinhaus aus, daß es sich bei der Straftat nicht um einen Einzelfall, sondern um ein Glied in einer ganzen Kette von Plünde- rungen handle, die in den letzten Wochen in gewissen Gegenden Berlins die Kaufleute in Furcht und Schrecken versetzt hätten. Es sind dies nicht impulsiv entstandene Plünderungen von jungen Burschen, sondern A k t i o n e n, die von einer bestimmten Stelle lanciert und beeinflußt werden. Wenn es sich um wirklich hungrige Menschen handeln würde, die sich nicht anders als durch einen Diebstahl in einem Bäckerladen oder Wurstladen zu helfen wußten, so könnte man vielleicht von Mund- raub reden. Hier dagegen hatte eine Verabredung statt- gefunden. Die Angeklagten und die anderen nicht verhasteten jungen Burschen hatten speziell zum Zweck der Plünderung ihre Aktenmappen mitgenommen. Der Hastbefehl gegen die An- geklagten blieb aufrechterhalten; die Frage der Bewährungs- f r i st soll erst nach angestellten Ermittlungen geprüft werden. Die beiden jungen Leute, die während der Gerichtsverhandlung guten Mutes schienen, machten während der Urteilsverkündung ä u ß e r st e r n ste G e s i ch te r; man merkte es ihnen an, daß sie den Ernst der Lage gar nicht erfaßt hatten; daß es schwerer Land- friedensbruch sei, daran hatten sie nicht gedacht, und das hatten ihnen die Einflllsterer und Hauptschuldige nicht gesagt. Es ist an dieser Stelle bereits einmal die Anregung ge- macht worden, Urteile wie dieses hier, öffentlich zu plaka- t i e r e n. Es wäre zweifelsohne unbedingt erforderlich, daß man an sämtlichen Stempelstellen Berlins bekanntgibt, daß ähnliche Handlungen uirter schweren Landfricdcnsbruch fallen und daß die Mindest st rase sechs Monate Gefängnis, die Höchststrafe Zucht- Haus ist. Vielleicht würden sich die jungen Leute doch noch überlegen, ob es sich verlohnt, wegen der paar Pstind Wurst, die doch keine Erleichterung in ihrer Not bedeutet, auf Monate ins Gefängnis zu wandern. Oer Kube-Schwindel. Tlachprüfung gibt«! nicht, wenn«! gegen Marxisten geht. wie leichtfertig gewisse kreise vorgehen, wenn es sich darum handelt, Vertreter der Republik zu verunglimpfen und zu beleidigen, zeigte ein Prozeß, der vor der l. Großen Strafkammer des Landgerichts I unter Vorsitz von Landgerichtsdirektor Krüger stattfand. Der praktische Arzt Dr. Alfred Braun aus Bremerhaven hatte an den nationalsozialistischen Reichstagsabgeordneten K u d e einen Brief gerichtet, in dem es hieß, daß der damalige preußisch« Minister des Innern G r z e f i n s k i sich nach der Rückkehr von dem Amerikafluge des„Graf Zeppelin" bei einem von der Stadt Bremerhaven veranstalteten Empfange so schwer betrunken habe, daß er den Blicken der anderen Anwesenden durch eine Rollwand entzogen werden muhte. Das genügte Herrn ftube, den Brief ohne jede Nachprüfung im Ländtag zu. verlesen und in.Be rs am m.-. lai n gen bekanntzugeben.' Do.s einzige,- Mas. er. onderiev war?- da? er den angeblichen Vorgang von Bremerhaven nach Weser- münde verlegte. An der ganzen Geschichte ist kein wahres Wort. Grzesinski hatte überhaupt an gar keinem Empfang teilgenommen, sondern war vom Schiff ohne jeden Aufenthalt nach Berlin zurückgefahren. Wie die nationalsozialistischen Verleumder nachher mit billiger Entschuldigung sagten, lag eine leicht nachprllf- bare Personenverwechselung vor. Man richtete sich aber nach dem Satze: Immer frech verleumden, es bleibt schon etwas hängen. Dr. Broun war wegen Beleidigung und übler Nachrede zu SOO Mark Geldstrafe, Herr Kube zu 1000 Mark verurteilt worden. Gegen das Strafmaß hatte Dr. Braun Bc- rufung eingelegt, und die Strastammer setzte die Strafe auf 8 0 0 Mark herab, da sich der schwerhörige Angeklagte in schlechter Wirtschaftslage befindet. Ausdrücklich betont aber das Gericht, daß die Berufungsinstanz genau wie das Schöffengericht die Schwer« der Tat und die Schuld des Angeklagten festgestellt habe. Es handele sich um durch nichts bewiesene Behaup» tungen und um eine schwere Beleidigung des damaligen preu- ßischen Innenministers. Festnahme zweier Laubendiebe. Oer jüngere war der Anführer. Seit einiger Zeit wurden die L a u b e n b e s i tz e r in T e m p e l h o f und Neukölln empfindlich bestohlen. Während der Nacht drangen Einbrecher in die Häuschen ein und schleppten alles weg, was sich nur irgendwie verwerten, ließ, Haushaltsgegen- stände, Ggi�tzHcrüte, Wäsche, Kleidungsstücke,�«., sogar die essen, e» Feldbettstellen' Am Sonntag legten sich nun Kriminalbeamte des. Reviers 218 auf die Lauer, um den nächtlichen Eindringlingen endlich auf die Spur zu kommen. Sie sahen auch bald einen alteren Mann und einen Jungen anmarschieren und nahmen beide fest, als sie das Ihäuschen aufbrachen. Die Ertappten sind ein 18 Jahre alter Hans F. und ein 49 Jahre alter Rudolf S. Bei der Bar- nchmung hat sich seltsamerweise herausgestellt, daß der jung« Bursche der Anführer zu diesen Diebereien gewesen ist und daß der ältere sich seinen Anordnungen fügte. Die treibende Kraft zu den Beutezügen war die Mutter des Hans F., die ihren Sohn und ihren Liebhaber S. allnächtlich ausschickte. Frau F. wurde ebenfalls festgenommen, man entließ sie dann aber vorläufig wieder, da sie ein kleines Kind zu versorgen hat. Hans F. und sein Helfershelfer S. sind geständig, in den letzten beiden Wochen a ch t La u b e n e i n b rü ch e verübt zu haben. Da das Treiben aber schon seit dem Einsetzen der warmen Jahreszeit geht, kommen wahr- schcinlich viel mehr Diebstähle auf das Konto. Von dem gestohlenen Gut konnte bisher nichts wieder herbeigeschafft werden. Theaterkrawall in Bad Homburg. Tlazis veranstalten Schießerei— Panik im Publikum. Zu geradezu unglaublichen Skandalszenen kam es im kurlhealer von Bad Homburg anläßlich der llr- aufführung eines Scherzspiels„R e i n e ck e Fuchs". Da die Nationalsozialisten in Erfahrung gebracht hatte», daß der unter einem Pseudonym in Erscheinung getretene Autor des Stückes der Verleger der„Frankfurter Zeitung" Dr. Heinrich Si- mon. war, versuchten sie unter ohrenbetäubendem Lärm die Auf- führung zu verhindern. Um ihrem Gebrüll den nötigen Nachdruck zu verleihen, gaben sie zahlreiche R e v o l v e r s ch ü s s e ab. Unter den Theaterbesuchern, darunter vielen Kindern, brach eine riefige Panik aus. Polizei mußte schließlich in das Theater ein- dringen und die tobenden Nazis zur Vernunft bringen. Oos Erd- und Seebeben. Auch in Holland und Aachen verspürt. Amsterdam, 8. 3»ni.(Eigenbericht.) Das(Erb- und Seebeben im südwestlichen Nordseebeckcn. von dem in der Rocht zum Sonnlag die englische hauplsladl bc- troffen wurde, ist auf vielen Plätzen in Holland wuhr- genommen worden. Es wurde bis in die Gegend von Aachen verspürt. Am stärksten machte sich das Beben auf der Insel T c y e l be- merkbar, wo nachts um 2 Uhr die gesamte Bevölkerung wach wurde. In der Provinz Nordholland fielen in Bergen auch Bilder oon den Wänden. In Haarlem wurden viele Bewohner durch ein lautes unterirdisches Getöse geweckt. In der Provinz S ü d h c l l a n d machten sich namentlich im Haag Erdstöße bemerkbar. Sie blieben jedoch aus den Norden der Stadt und Schcveningen beschränkt. Hier trat das Erdbeben ziemlich heftig auf. Weitere Beobachtungen werden aus A l t m a a r und D c v c n t e r gemeldet. In Aachen find zahlreiche Leute aufgewacht und hoben beobachtet, wie leichtere Gegenstände von den, Stoße hin und her bewegt wurden. Die Erdbebenwarte hat leider keine Aus- Zeichnungen machen können, da sich der Aachener Seismograph nicht mehr in Tätigkeit befindet. Aus dem 4. Siock in die Tiefe. Im 5)ause Swinemündcr Straße 7 6, im Norden Berlins, spielte sich gestern ein entsetzlicher Vorfall ab. Die OSjährige Witwe Bewa W i ck a d e aus der Unter- Wasserstraße 92, die dort bei ihrer Schwiegertochter zu Bc- such weilte, stürzte aus dem Fenster der im 4. Stockwerk gelegenen Wohnung auf die Straße hinab. Mit schweren Verletzungen wurde die alte Frau durch die Feyerwehr ins Krankenhaus gebracht. Bei der.Einlieferung-konnte jedoch nur noch der Tod festgestellt werden Ob>ein-Unglücksfolb vorliegt- oder-es, such um die Verzweiflungstat einer Lebensmüden-handelt,- ist noch Gegenstand der kriminal-poli- zeilichen Ermittelungen. Wechsel im Dezernat für Fürsorgeerziehung. Im Landesjugendamt ist der Dezernent für Fürsorge- erziehung und Kindergartenwesen, Obermagistratsrat K n a u t h, aus organisatorischen Gründen von seinem Posten abberufen worden. Sein Nachfolger ist noch nicht ernannt. Man spricht da- oon, daß Direktor Krebs vom Erziehungsheim Lindenhof das Dezernat übernehmen wird. Ob Magistrotsrat Knauth mit einem anderen Dezernat betraut wird, ist ebenfalls noch Gegenstand von Von I. ILF UND F. PETROW Der geblümte englische Stoff riß entzwei, es klang ,ie der Ruf einer Möwe. Die Lehne war mit mäch- gem Krach zur Seite geschleudert. Die Schatzgräber zerrten is Futter weg, zogen die kupfernen Nägel heraus und ver- nkten ihre Finger in die weiche Füllung. Die beunruhigten Sprungfedern surrten. Binnen fünf Minuten war der Stuhl > seine Bestandteile aufgelöst. Nach allen Seiten hin rollten !e Sprungfedern. Der Wind trug die verfaulte Füllung der den Platz hin. Die gebogenen Beine lagen in einer irube. Es waren keine Brillanten da. „Nun, l)aben Sie etwas gefunden?" fragte Worobjew mchend.. Vater Fedor war mit Wolle bedeckt, er atmete schwer nd schwieg. „Sie sind ein Abenteurer, rief Worobjew,„Vater Fedor, h werde Sie ohrfeigen!" „Dazu haben Sie zu kurze Arme", erwiderte der Priester. „Wohin wollen Sie jetzt gehen, schmutzig, in diesem ustand?" „Was geht das Sie an?" „Schämen Sie sich, Vater! Sie sind einfach ein Dieb." „Ich habe Ihnen nichts gestohlen." „Wie haben Sie denn von�der Sache erfahren? Sie Iben das Beichtgeheimnis zu Ihren Gunsten ausgenützt? iehr gutt Sehr edel!" Worobjew verließ mit einem empörten„Pfui!" den ilatz und wandte sich, im Gehen die Asrnrel seines Mantels utzend, nach Hause. An der Kreuzung zweier Boulevards erblickte er seinen ompagnon. Er war ihm seitlich zugewendet, stand mit chobenem Fuß da, er ließ sich den oberen Teil seiner Schuhe iit einer kanariengelben Creme putzen. Worobjew eilte auf m zu Der Direktor summte leise und sorglos einen ihimmy:„Früher machten es die Botokuden.. „Erzählen Sie mir jetzt nichts", sagte er rasch,„Sie sind zu aufgeregt, beruhigen Sie sich." Ostap gab dem Schuhputzer sieben Kopeken, nahm Worobjew unter den Arm und schleppte ihn mit sich durch die Straßen. „Jetzt heraus damit." Ostap hörte mit gespannter Aufmerksamkeit alles an, was ihm der erregte Worobjew erzählte.„Aha! Kleiner, schwarzer Bart? Sehr richtig! Ueberzieher mit Persianerkragen? Ich verstehe. Das ist der Stuhl aus dem Armenhaus. Er hat ihn heute früh für drei Rubel gekauft." „Warten Sie doch../ Und Worobjew schilderte dem Generaldirektor die ganze Niederträchtigkeit Vater Fedors. Ostap ward düster. „Faule Sache", sagte er.„Ein geheimnisvoller Gegner. Wir müssen ihm zuvorkommen. Seine Tracht Prügel hat er bei uns aufgehoben." Die Freunde begaben sich in das Gasthaus„Stenka Rasin" und speisten dort. Nachdem Ostap noch in Erfahrung gebracht hatte, wo früher das Wohnungsamt war und welches Amt sich jetzt in dem Hause befand, endete dieser Tag. Papagei, Schlosser und Kartenausschlägerin. Ein feuchter, dunkler Torgang führte in den Hof des Hauses Nummer sieben in der Perlcschingasse. Dort befanden sich zwei Türen, knapp über den scharfen Steinen des Hof- platzcs. Ueber der rechten Tür hing ein Messingschild, darauf mar in Kurrentschrift graviert; W. M. Polesow.— Ueber der linken Tür hing ein weißes Blechschild; Roben und Hüte. Das alles war aber nur Schein. Im Roben- und Hüte- atelier gab es keine Hüte, keine Mannequins, keine Stulpen für graziöse Damenhüie. Dagegen hauste in der Dreizimmer- wohnung unter anderm ein schneeweißer Papagei in roten Höschen. Der fraß ganze Tage lang Körner und spuckte die Schalen durch das Gitter seines Turmkäfigs. Dunkelbraune Vorhänge an den Fenstern. Ueber dem Klavier eine Kopie des Böcklinbildes„Insel der Toten" unter Glas, in einem Phantasicrahmen. Ein Stück Glas fehlte und der ungeschützte Teil des Bildes war von Fliegen derart beschmutzt, daß man im unklaren blieb,.was auf diesem Teil der Insel vorging. Im Schlafzimmer saß die Hausfrau auf dem Bett. Sie stützte sich mit dem Ellbogen auf einen achteckigen Tisch und legte Karten aus. Die Witwe Grizewa saß vor ihr, in einen wollenen Schal gehüllt. „Verehrte Gnädige, vorerst muß ich Sie darauf ausmerk- sam machen, daß ich für eine Seance bei mir mindestens fünfzig Kopeken berechne." „Bitte sehr, aber vor allem die Zukunft", bat die Witwe kläglich. Die Hausfrau begann die Karten auszulegen. Kprz dar- auf schon vermochte'sie das Schicksal der Witwe zu verkünden. „Große und kleine Unannehmlichkeiten warten Ihrer. Treff- König liegt auf Ihrem Herzen, der mit einer Karo-Damc be- freundet ist." Dann las sie aus der Hand. Die Handlinien der Witwe waren klar, kräftig, tadellos. Die Lebcnslinie so lang, daß ihr Ende den Puls berührte. Die Linien des Verstandes und Kunstsinnes gaben sogar der Hoffnung Raum, daß die Witwe die Obsthandlung aufgeben und sodann in absehbarer Zeit der Menschheit ansehnliche Meisterwerte in irgendeinem Zweig der Kunst oder der Wissenschast schenken würde. Die Venushügel waren mächtig wie die Berge der Mandschurei und ließen wunderbare Schätze an Liebe und Zärtlichkeit ahnen. Das alles erklärte die Kartenausschlägerin der Witwe und gebrauchte dabei Ausdrücke, wie sie eben nur im Milieu der Graphologen� Chiromanten und Pferdehändler üblich sind. „Ich danke Ihnen, Madame", sagte die Witwe,„ich weiß schon, wer der Trcff-König ist. Und auch die Karo- Dame ist mir bekannt. Gibt der König aber Hciratsaussicht?" „Der König? Jawohl,-es scheint so, meine Gnädige." Von neuer Hoffnung beflügelt, ging die Witwe nach Hause. Und die Kartenausschlägerin gähnte, ließ den Rachen einer Fünfzigjährigen sehen und begab sich zum Brunnen. Das schüttere graue Haar, die schlasfen, weit ausladenden Hüften— sie war alt, und wenn Worobjew sie jetzt gesehen hätte, hätte er nie Elena Baur in ihr wiedererkannt, die schöne Frau des Staatsanwalts. Die von ihm so sehr ge- liebte Elena, von der der Gerlchtssekretär gesagt hatte:„Sie ist so duftig, sie ist so lustig." Madame Baur wurde beim Brunnen von ihrem Nach- bar, dem Schlosser Viktor Michailvwitsch Polesow begrüßt. Polesow füllte Wasser in einen Benzinbehälter. Er hatte das Gesicht eines Teufels aus der Operette, den man besonders lange mit Ruß beschmiert hat, bevor man ihn auf die Szene hinausließ. (Fortsetzung folgt.) Crw�gvngen. Ob'trmaWratsräi Anaukh, der M tmvgen?ahr«n im Fürsorgewesen tätig ist, galt als Sachkenner, doch wurde sein Name in der Angelegenheit Scheuen letzthin in oft etwas unlieb- samer Weise genannt. Seine Abberufung wird vom Magistrot auf rein organisatorische Gründe zurückgeführt. Gemecker. Jeder Berliner kennt und liebt die Mitmenschen, die bei sedem Bcrgnllgen, bei jeder geselligen Veranstaltung etwas zu„meckern" haben, denen nie etwas richtig und gut genug gemacht werden kann. In der Kommunalverwaltung spielen diese Roll« der Meckerer die Kommunisten. Jeder vernünftige Mensch muß anerkennen, doh die Berliner Stadwerwaltung unter führendem sozialdemokrati- schen Einfluß gerade auf dem Gebiet des Badewesens in den letzten Jahren Bor bildlich es geschaffen hat, Einrichtungen, um die Berlin von vielen Städten der Welt beneidet wird. In der kommunistischen Presse aber sindet man auch darüber nur Gemecker. Spaltenlang meckert sich ein Herr in der Miinzcn- bergpresse über das„Ostseebad Wannsee" aus. Es paßt ihm nichts. Wenn der anspruchsvolle Herr eine Einzelzell« für den galten Tag nehmen will, so könne das kein Minderbemittelter bezahlen. Ja, warum muß man denn das? Mindestens 99 Proz. der Besucher fühlen sich sehr wohl bei den Wechselkabin«n oder in den großen Gorderobenhailen. Wer aber die 39 bzw. 29 Pf. dafür nicht hat, den stört keiner, wenn er sich«infach am Strand« auszieht, wie das alltäglich Tausende tun, die so das Garderobegeld gänzlich sparen. Auch das Restaurant ist dem kommunistischen Meckerer zu teuer. Offenbar sieht«r nicht, daß die große Masse der Besucher nach altem Berliner Brauch, genau wie sie das bei jedem anderen Sonnta�sausflug auch tun, sich ihre Stullen und sonstigen Eßvorräte mitbringen. Ebenso regt es die meisten nicht auf, daß man für die Benutzung des Tischtennis 69 Pf. zahlen muß, dieweil sie hinausgegangen sind, um Wasser, Lust und Sonne zu genießen, ober nicht, um allerhand modische Faxen zu treiben, mit denen sich die ■westlichen Snobs annisieren, die aber für die Gesundheit und die Erholung auch nicht einen Deut beitragen. Nun aber die Hauptbeschwerde des Meckerers: Es ist ihm viel zu voll: es gebe kaum einen Weg, um über die im Sande liegen- den Massen ins Wasicr zu gelangen. Diese Behauptung ist zwar stark übertrieben, aber immerhin hat der Meckerer darin recht, daß das Strandbad im Jahre 1939 anderthalb Million«» Befncher hatte, und daß an einzelnen heißen Tagen Besuchsziffern von 49 999 und mehr zu verzeichnen waren. Aber ist dieser Massenbesuch nicht die beste Widerlegung seiner Nörgelei? Würden die Zehntausende denn wirklich das Strandbad bis zum letzten Fl«ckchen ausnutzen, wenn alles nur verkehrt und unzweck- mäßig für die Massen eingerichtet wäre? Oder freut sie nicht viel- mehr auch chr Anteil an den blitzsauberen Hallen, an den jeder- mann offenstehenden Brause- und Sonnenbädern, an der 899 Meter langen, gedeckten Promenade, an den Liegemöglichteiten unten am Strand oder oben im Walde?!- Gewiß ist auf Erden nichts vollkommen, und gewiß ist bedauer- lich, daß man dem, der Strandkörbe, Liegestühle oder geschlossene Kabinen für den ganzen Tag begehrt, solches nicht ohne Extra- entgelt zur Verfügung stellen kann. Nur mächten wir gern« wisien, wie die Kommunisten dos fertig bekämen. Bisher haben sie noch nicht im mindesten gezeigt, daß sie etwas Besseres leisten, sondern nur. daß sie über olles meckern können. Besser ist davon noch nichts geworden. Vielleicht aber verrät uns der kommunistische Meckerer ein Rezept, wie man ein Strandbad für die Massen einer Millionen- stobt schafft, in dem es bei schönem Wetter nicht voll ist! Pech beim„Wohnungsuchen." Auf frischer Tat ertappt. Bei einer seltsamen Methode, ein„Zimmer zu suchen", wurde der aus Polen gebürtige Moses Grünspan in der Luitpold- straße gesaßt. Ihn interessierten vor allem die Wohnungsschlösser, die er eifrig mit einer elektrischen Tafchenlampe ableuchtete. Mit einem Dietrich versuchte er dann, eine Wohnung zu öffnen, hatte ober kein Glück. Noch weniger Erfolg hatte- er in eines Wohnung nebenan. Hier beobachtete ihn der Inhaber durchs Guckloch, um plötzlich die Tür aufzureißen und den Besucher am Kragen zu nehmen. Auf dem Revier erzählte der Ertappte unter großem Wortschwall, daß er nicht daran gedacht habe, einzubrechen, sondern nur ein möbliertes Zimmer habe mieten wollen. Es besteht kein Zweifel, daß diese Art von Zimmersuche den Wünschen der Wohnungsinhaber keineswegs entspricht. Herr Grünspan wird wahrscheinlich aus Deutschland ausgewiesen werden. Die Unruhen von Iinowsurt. Gefängnisstrafen im Aufwhrprozeß. Eberswalde, 8. Juni. Vor dem Eberswalder Schöffengericht wurde der erste fn der Reihe der Prozesse wegen kommunistischer Unruhen in Finowfurt verhandelt. Es stehen eine Anzahl von Angeklagten vor Gericht, die beschuldigt sind, Arbeitswillige bedroht und miß- handelt zu haben. Während die Angeklagten vor Gericht jede Schuld leugneten, ergab die Beweisaufnahme, daß die arbeitswilligen Arbeiter auf das schwerste geschlagen und erheblich verletzt worden sind. Nach mehrtägiger, abwechslungsreicher Verhandlung wurden gegen 15 Angeklagte wegen Landfricdensbruch, Nötigung oder Be- leidigung Gefängnisstrafen von drei Monaten bis zu zwei Jahren verhängt. Ein Angeklagter wurde freigesprochen. Ein aufgeklärter Lteverfall. ' Der Fall des Taxichauffeurs Max Klemm, über den wir am Freitagabend berichteten, beschäftigt nach wie vor die Kriminal- polizei. Klemm, der auf der Ehaussee nach Bernau zwischen Karow und Buch bewußtlos aufgefunden war, hatte zuerst angegeben, von drei jungen Burschen überfallen und ausgeraubt worden zu sein. Dann sagte er aus, von politischen Gegnern niedergeschlagen zu sein. Er bekennt sich abwechselnd als Haken- kreuzler und Kommunist. Im Krankenhaus wurde aber festgestellt, daß seine Verletzungen nicht sehr gefährlich waren. Im Laufe des Montag wurde er aus dem Krankenhaus entlassen und von der Kriminalpolizei einem eingehenden Verhör unterzogen. Er mußte jetzt zugeben, daß er den Ueberfall fingiert habe. Er hatte sich mit seiner Braut erzürnt und in seiner Wut wollte er einen Raubüberfall vortäuschen, um sich als Opfer interessant erscheinen zu lassen. 7. Kreis. Vildungsausschuß. Freitag, 12. Juni. 19Va Uhr, im Wohlfahrtssaal Eharlottenburg. Königin-Elisabeth-Str. 6: Streit- g e s p r ä ch zwischen den Reichstagsäbgcordncten Dr. Paul H e r � und Dr. Kurt Rosenfeld über:..Die Ossensive der Reaktion und die richtige Takllk der Sozialdemokratie". Hochmut als NSDAP- Apostel Wegen groben Unfugs und Aufreizung zum Klassenha� verurteilt Bei der NSDAP, wundert man sich eigentlich über nichts mehr— am wenigsten über Vorstrafen ihrer„Führer". Wer weiß: vielleicht fühlen sich diese gerade wegen ihrer Vorstrafen zur Rettung des deutschen Volkes ganz besonders berufen. Solch ein Retter Deutschlands und Apostel der NSDAP.-Wahrheiten stand jetzt vor dem Schöffengericht Schönebcrg unter der Anklage des groben Un- fugs und der Aufreizung zum Klassenhaß. Der Mann hieß Hochmut, feine Vorstrafe lautete: 2 Jahre Zuchthaus wegen versuchter Brandstiftung. Der Herr besaß nämlich einen Büchcrvertrieb. Und eines Tages brannte fein Laden ab. Natürlich hatten feine politischen Gegner, Reichsbanncrlcute oder Kommunisten, das Feuer angelegt. Das Gericht schenkte Herrn Hochmut wenig Glauben und schickte ihn ins Zuchthaus. Run fühlte er sich zum NSDAP.-Apostel berufen und legt« sich auf die Schrift- stellerei. Seine erste Broschüre hieß„Wie schütze ich mein Eigen- tum vor dem Staatsbankrott?" Sie erlebte eine Auslage bon 19 999; die Auflage seines zweiten Geiftesproduktes„Volk in Not" betrug 25 999; das dritte„Zusammenbruch der Dolkewirtschoft" kam in 5999 Exemplaren heraus. Alle drei Machwerk« fanden Absatz, ihr Inhalt bewegte sich auf dem Niveau von Feders Wirtschafts- theorien und Goebbels Volksversammlungsreden. Besonders schlecht kamen natürlich die Juden weg.„Wehe dir, wehe dir Jerusalem... Fürchte den Tag der Abrechnung... Du bist auf dem besten Wege, aus den Listen der lebenden Menschheit gestrichen zu werden." Herr Hochmut war aber nicht nur Wirtschoftstheoretiker, sondern auch geschäftstüchtig. Er verbreitet« Reklamezettel mit großer Schlagzeile„Wie schütze ich mein Eigentum?" Der Leser mußt« glauben— vor Einbrechern; es standen auch sonst Dinge darin, die mit dem Inhalt der Broschüre nichts gemein hotten. Der Staats- ainvalt erblickte in dem Inhalt der Broschüren Aufreizung zum Klassenhaß und in der Verbreitung der trügerischen Reklamezettel groben Unfug. Und so saß Herr Hochmut jetzt wieder auf der An- klagebank, neben ihm seine Verleger, Herr Nonnemann, wegen Unterschlagung und Betruges zu 4 Monaten Gefängnis vorbestraft, und ein Herr Musik. Herr Hochmut gefiel sich in langen politischen Reden; der Staatsanwalt ließ sich aber nicht überzeugen, er war der Ansicht, daß die Ausfälle gegen die Juden bei der Agitation der NSDAP. auf fruchtbaren Boden fallen könnten, daß der Inhalt der Bro- schüren Schwindel und Lüge und gerade mit Rücksicht auf tzie heutige Zeit die verlogene Hetze der NSDAP, besonders strafbar sei. Er beantragte gegen Herrn Hochmut wegen groben Unfugs 6 Wochen Hast und wegen Aufreizung zum Klassenhoß 3 Monate Gefängnis und 59 Mark Geldstrafe, gegen Nonnemann entsprechend 4 Wochen Haft und 599 Mark Geldstrafe, gegen Musik 4 Wochen Haft und 6 Wochen Gefängnis. Das Gericht nahm die drei Herren woniger tragisch als der Staatsanwalt. Es betrachtete die durch die NSDAP.-Hetze ver- ursachte Gefahr als keine unmittelbare, erblickte im Inhalt der Broschüren nichts anderes als hohle Phraseologie und verurteilte den Angeklagten Hochmut wegen groben Unfugs bloß zu 59 Mark und wegen Aufreizung zum Klassenhaß zu 399 Mark, den Angc- klagten Nonnemann wegen groben Unfugs zu 59 Mark und sprach den Angeklagten Musik frei... Freigesprochene Nazis. Die Schießerei in der Naugarder Straße. Seit dem 2. Inn! beschästigke sich das Schwurgericht III mit der Schießerei in der N a u g a r d e r Straße, bei der zwei Arbeiter getötet worden waren. Bereits im vorigen Jahre hatte die Verhandlung stattgefunden, und die Nationalsozialisten Me i e r, Prüfte und D o m k« waren wegen Raufhandels und unerlaubten Waffenbesitzes zu je zwei Jahren Gefängnis verurteilt worden, während sie von der Anklage des Totschlages freigesprochen worden waren. Auf die eingelegte Revision hatte dos Reichsgericht das Urteil, so- weit die Bestrafung wegen Raufhandels in Frage kam, ausgehoben und zur nochmaligen Verhandlung an dasselbe Schwurgericht zurück- verwiesen. Rechtskräftig geworden ist die Straf« für das Schuß- Waffenvergehen, wofür IJahrGefängniseingesetzt worden war. Diese Strafe haben die Angeklagten auch bereits durch die dreizehnmonatige Untersuchungshaft verbüßt. Ein Trupp Nationalsozialisten war nachts in der Nougardcr Straße mit Mitgliedern eines Arbeiterfußballvereins in Streit geraten und hatte geschossen. Im Gegensatz zu der ersten Verhandlung, in der der Anklagevertreter 5 Jahre Zuchthau» beantragt hatte, beantragte diesmal Staatsanwaltschaftsrat Heist die Freisprechung der Angeklagten von der Anklage des Rauf- Handels, da die neue Verhandlung ergeben habe, daß die Angeklagten angegriffen worden waren und sich in Notwehr befunden hatten. Auch eine fahrlässige Tötung, die das Schwurgericht nach der Weisung des Reichsgerichts nochmals zu prüfen hatte, komme nicht in Frage, da die beiden Getöteten nicht, wie zuerst angenommen worden war, an dem Zusammenstoß unbeteiligt gewesen waren, sondern zu den A n g r e i f c r n gehört hatten. Das Schwur- gericht sprach dem Anttag gemäß die Angeklagten Meier, Prüfte und Domke von der Anklage des Totschlages in Tateinheit mit Rauf- Handel auf Kosten der Staatskasse frei. Die Unter- suchungshast wurde auf die Strafe für unerlaubten Waffenbesitz in Anrechnung gebracht. Die Haftbefehle wurden aufgehoben. Oas neue Gesichi der Giädie. Anläßlich der Verbandstagung deutscher Gartenarchitekten sprach im Hörsaal der Staat!. Sunstbibliothek Senator Dr. A l t h o f s aus Donzig über„Grün- und Freiflächen im Stadtplan der Zukunft". Das Mittelalter und die ihm ähnelnden Kleinstädte in heutiger .-Zeit brauchen selbswerstänidlich die Unterbrechung des Stadtbildes 'mit Grünflächen nicht in dem Maße wie die Großstädte. Es -war ein Versäumnis des vorigen Jahrhunderts, die fallenden Festungsgürtel der Städte nicht zu Grünflächen umzuwandeln, wie es z. B. Köln und einige andere Städte in großzügiger Weife getan haben. Die Gründerzeit nach 1879 brachte die ersten Grün- anlagen in den Stadtplan, doch waren diese noch wahllos verstreut und ohne Verbundenheit mit der Bebauung. Erst unsere Zeit bringt, wie auf ollen Gebieten des Lebens, einen vollständigen Wandel. Das Weltbild, das durch Technik und Rationalisierung sich von Grund auf verändert hat, bedingt auch ein anderes Gesicht der Städte. Die Frage ist nur, ob sich in Zukunft der K o l l e k t i- v i s m u s nach dem Muster Amerikas und Rußlands durchsetzen, oder die Entwicklung der indwiducllen Wohnkultur Fortschritte machen wird. Der Redner ist Freund der letzteren Wohnform. Er bevorzugt Eigenhäufer mit eigenem Garten; doch schließt er anderer- seit? ein Kompromiß, indem er ausgedehnte Grünflächen sür die Städte fordert, die dem Eigeicheimgedattken nicht Rechnung tragen können. Danzig, wo vier Fünftel der Bodenfläche in städtischem Besitz sind, hat es leicht, die vorbildlichste Gartenkultur- zu schasten. In Zukunft wird sich die alte Kllstenstadt zu der schönsten deutschen Gartenstadt entwickeln. Der Raum ist sogar so verschwenderisch vorhanden, daß die Schrebergärten im Weichbild der Bebauung ver» ankert werden, daß genügend Spielwiesen, Sportplätze und Schwimmanlagen mit verhältnismäßig wenig Aufwand an Mitteln geschaffen werden konnten. Der zweite Redner des Abends, Gartenarchitekt Hirsch aus Wiesbaden, sprach über„Produktive Grünanlagen". Obwohl es stark utopistisch anmutet, wenn der Redner Grünairlagen im Stadt- bilde fordert, die durch Siedlerstellen mit Landwirtschaft und Bich- zucht produktiv gestaltet werden sollen, so ist der Gedanke doch ganz aus der Rot der Zeit abgeleitet. Der Redner sprach mit Recht davon, daß Arbeitsbeschastung und Notstandsarbeiten erst dann produktiv werden, wenn gleichzeitig neue Existenzmöglichkeiten damit verbunden sind. Er verlängerte seinen Llrlaub. Erteilt die Sträfvollzugsbehörde einem Gefangenen Urlaub, so hat sie stets die eine große Sorge, daß der Beurlaubte von sich au- „über den Zapfen wichst" und den Urlaub verlängert. So hat der Einbrecher Paul M a l ch i n, der in Brandenburg«ine dreijährige Zuchthausstrafe zu verbüßen hat, einen achttägigen Weihnacht-- urlaub aus nicht weniger als sechs Monate ausgedehnt. In dieser Zeit hielt er sich in Berlin auf und ging hier seinem alten Gewerbe nach. Gestern wurde er in der Petersburger Straße von Beamten des Embruchsdezernats erkannt und festgenommen. Die Kriminalpolizei untersucht augenblicklich, welche Einbrüche der letzten Zeit auf Malchin zurückzuführen sind, und sie ist der Ueber- zeugung, daß sein Konto keineswegs gering ist. Frau Geheimrat schimpfte. Das Potsdamer Amtsgericht verurteilte die Gattin des G«> Heimen Sanitätsrats und Frauenarztes Dr. Steffeck, Frau Martha S t e s s e ck, wegen Beleidigung des Apothekers H. aus Potsdam zu 399 Mark Geldstrafe. Der Apotheker mit seiner Familie wohnten in einer Potsdamer Villa zusammen. Auf dem gemein- fchaftlichen Treppenhaus beschimpfte die Angeklagte den Apotheker mit den Worten:„Proletengesellfchaft",„Fauler Kerl"«.Apotheker können bloß Pillen drehen und Rizinus verkaufen". Altes Pöbel- pack, wir wohnen in einer Potsdamer Villa und nicht in einer Maurermeisterbareckc". Man muß schon sagen, daß das für eine Frau, die sich selber doch bestimmt für sehr gebildet hält, allerhand ist. Für die Apothckerfamilie war das Zusammenleben mit dieser Frau in der Villa natürlich derart unerträglich, daß sie eines Tages auszogen, um sich vor den Belästigungen der Angeklagten zu retten. Die Verurteilung ist für die Frau Geheimrat ein gehöriger Denk- zettel. Lim das Necht der Dissidenten. Aus Leserkreisen wird uns geschrieben: Vor dem Landgericht I in Berlin schwebt gegenwärtig eine Klage, die das Interesse aller sozialistischen Kreise erregen sollte. Die Allgemeine Freie Lehrergewcrkschaft und der Frei- denkervcrband haben durch einen dissidentischen Junglehrer gegen das Land Preußen eine Schadenersatzklage wegen Nichtanstellung als Lehrer erheben lassen. Artikel 136,2 der Reichsversassung besagt, daß die Zulassung zu öffentlichen Aemtcrn unabhängig von dem religiösen Bekenntnis ist und daß niemand vcrpslichtct ist, seine religiöse Uebcrzeugung zu ostenbaren. Trotzdem wird in Preußen die Angabe der Kirchen- Zugehörigkeit vom Lehrer verlangt, und Anwärter, die keiner Kirche angehören, werden nicht angestellt. Es gibt nämlich noch einen Artikel 174, der bestimmt, daß bis zum Erlaß des im Artikel 146,2 vorgesehenen Reichsgesetzes(Reichsschulgesetz! d. Red.) es bei der bestehenden Rechtslage bleibt. Dadurch ist für Preußen das Schul- unterholtungsgesetz vom 28. Juli 1996 immer noch in Kraft, wonach an den öffentlichen Schulen Preußens in der Regel nur evangelische oder katholische Lehrer angestellt werden können. Juristische Klügelei hat herausgefunden, daß die Worte„in der Regel" nur besagen, daß im allgemeinen an evangelischen Schulen keine katholischen Lehrer angestellt werden sollen, und umgekehrt. Auf konfessionz- lose Lehrer beziehe sich das nicht. Trotzdem gab es schon vor dem Kriege dissidentische Lehrer im öffentlichen Schuldienst. So ist es also im 12. Jahre der Republik immer noch so, daß der Lehrer, der seiner lleberzeugung folgend mit der Kirche bricht, von der Er- zieherarbeit an einer öffentlichen preußischen Schule ausgeschlossen ist. Für ihn gibt es keine Demokratie. Auch bei diesem Prozeß ist der immer stärker werdende Ein- fluß der Kirche in Preußen zu spüren. Als im Jahre 1929 die deutschnationale Landtagsfraktion vor dem Staatsgerichtshof den Versuch unternahm, die Ungesetzlichkeit der weltlichen Schulen fest- zustellen, tonnte der Vertreter der preußischen Staatsregierung noch unter Hinweis auf den Artikel 136 der Reichsverfassung aussprechen, daß die Zulassung dissidentischer Lehrer an öffentlichen Schulen recht- mäßig sei. In der jetzt schwebenden Klage heißt es in � der Erwiderungsschrift des Rechtsvertreters des preußischen Staates unter Hin- weis auf Artikel 174 der Reichsversassung: Die Schulaufsicht-be- Hörden bewegen sich auf gesetzlicher Grundloge, wenn sie die An- stellung dissidentischcr Lehrer ablehnen. Das ist ein Schulbeispiel dafür, daß die beste Reichsversassung und die besten Gesetze nur ein Fetzen Papier sind, wenn die Re- aktion zur Macht kommt. Aulobus wieder durch die Reue Königstraße. Die wegen Unter- grundbahnbauarbeiten in der Neuen Königstratze zwischen Alexandex- plotz und Lietzmannstraße angeordnete Umleitung der Omnibusse A 8, A 12, A 14 und A 39 über Kaiserstraße— Kleine Frankfurter Straße— Lietzmannstraße ist soeben ausgehoben worden. Die Wogen fahren ab Dienstag, den 9. Juni 1931, wieder den fahrplanmäßigen Weg durch die Neue Königstraße. Eine seltsame Mißgeburt. Im Hospital von Port Said brachte eine eingeborene Frau ein Kind männlichen Ge- schlecht» mit zwei- Köpfen, vier Armen und zwei Füßen zur Welt. Das unglückliche Wesen, das bei der Geburt 15 Zentimeter maß, starb nach einigen Stunden. parieinachrichten fiBfcakaaatn für diese Rubrik sind >« r l t» SS Ltadenstraß« 3. T sürGroß-Berlin stet»«» da,?e,iri«sekr«taria> 2. Hof, 2 Treppe» recht», zu eichte» Beginn aller Veranstaltungen lS� Uhr. sofern keine besondere Zeitangabe! Heule, Dienslckg, den S. Juni: 2. flnci». Tcktunq, Abieilunqolcitu»»«»! Der Deeicbt»ow Parteitao findet vsrauesichtlich in der z. Woche de» Juni i» ei« fammlunn ftott. iacr sirei»n»>tal>eter,er. IZ. Nrei» Zunae Parteincnosicn. Zufonemenkunft im Krim tSeentoni-strab« (Ginconn Sötzftr-d«). 14. Jirci». BildnnRtk-mmifsion. Sitinnq deute im Partei bSeo Zuldostrabc. 8. ildt. 2l> Uhr fsunitionäesitzun«! bei Rickcrt. Mitgliederversammlungen und Zahlabende morgen, ZNillwock), den 10. Iuni, in nachstehenden Lokalen: z. Arei». Ndieiln»««- 14 b!» 21. Zah laben de für all-«bteilunoe» in de» bekannten Lokalen. 18. Krei». 20 Uhr sireiemitalicdrroerfomwlmia im Lokal.Run Pferde markt". Bericht»om Parteita«. 1. Abt. Hackefcher Hof. Posentbaler Ctr. 40—41. Etadt»lrorbneter Tieabert Loewi,!„Da, neue Desctz Grotz.Bcrlin". 2. Lbt. Lohann, Brüdcrstr. 18. Viktor seliger:„Der Parteitag der Sozial. demokratie". Z. Abt. Saal I Eewerkschaftshauz, Cn.zclufcr 24'2ö. Max Srinitzer:„Der Parteitag". 4. Abt. Belvcdere, Aleranderstr. 21. Karl Dressel:..Sur politischen Lage". 5. Abt. Roscnthaler Hof. Aoseiilhalcr Str. 1312. Willy Rogge:„Die wirt- slitaftspolitisch« Lage". 7. Abt. Sahlabende m den bekannten Lokalen. 8. Abt. Sah labendem Richert, Etcinmchstr. Zbo, Plath, Lilhowstr. 7, Klcmkc, Elsholzstr. Ig und Seiler. Stctnmehstr. 2g. g. Abt. Kegierrch, Ouihowstrohe. Ecke Pcrlcdcrgcr Straße. Dr. Mönchen:»Der Fünfjahresvlan in Rußland". 10. Abt. Schulaula, Serhardstr. 4'Z. Paul Zippel:..Sozialpolitik". 11. Abt. 18': Uhr Bcrger, Leveßowstroße, Ecke Iagowslraße. Ernst Rüben: ..Sur politischen Lage. Funktionäre bereit, 18 Upr. 12. Abt. Die Ableilungaoersanwilunq am Mittrooch fällt au,. Dafür Funktio. närocriammlung bei Schmidt, Äiclefstr. 17, 2Y Uhr. 11. Abt. Arminiu»hallen, Bremer Str. 72'71. Dr. Norbert Marx: Etreifzstge durch die Innen, und Außenpolitik". 24. Abt. Sohlabendc in folgenden Lokalen: 1. Gruppe: Rösner, Immanuclkirch. straße 2ä. 1» Gruppe: Ahllchläger, Wins-, Grfc Cristburgcr Straße. 2. Gruppe: Bieberstein. Donziger Str. 4>>. Vortrag: Die dritte Front des Klassentampscs". Referent Gen. R. Schröter. 1. Gruppe: Wcnzke, Carmen» Snlno-Straße.11, Eche Kosemannstraße. Assred Flatau:„Parteitag und sozialistischer Tagc-kainpf". 4. Gruppe: Restaurant„Hcrmannshcim", Laubenkolonie. 21. Abt. 23 Uhr Sahlabende in den bekannten Lokalen. 28. Abt. Aogc», Schwedter Str. 23. Genosse Abramowitsch:„Erziehung". Bor. an,-ig«: Der Familicnousslug findet am 21. Juni statt. Näheres in der Mitgliedernersammlung. 27. Ab«. Sahlobendr in den bekannten Lokalen. 28. Abt. Abieilungopersainmlung Echwedter Festsälc, Schiwedter Str. 21. Vor. trag von Friß Naphtali:»Die Wirtschaftskrise". Funktionäre eine Stunde norher ebenda. 28. Ab». Altersheim. Donziger Str. 82. Max Hepdemann: Aufgaben de, Prolc. tariat, in d-r Krise". 10. Abt. Sablabeude in den bekannten Lokalen. Zl. Abt. Sahlaben de: Goldschmidt, Stolpischc Elr. 18. Meißner, Sännelbelner � Eiraße 17. Schwarz. Lornholmer Slr. g und Lokal Malmöer, Ecke Born- holmcr Straße. 12. Abt. Sahlabcnde in den bekannten Lokalen. Gruppe Meier jetzt Kraut. straße Z4a. 33. Abt. Sahlabende bei Müller. Simplonstr. Il, Becher, Simon-Dach, Str. 0, Soffmann, Stralaucr Allee 17. Vortrag:„Weg aus der Krise". Referent Georg Buchmonn. 14. Abt. Schulaula, Litauer Str. 18. Dr. Friedrich Hertneck:„Der Parteitag". 11. Abt. Sohsodende: 1. Gruppe: Schulz, Samarilcrftr. 18. 2. Gruppe: Miit, Rigaer Straße, Elle Voiglstraßc. 1. Gruppe: Schule. Samarilerstr. 20. 4. Gruppe: Lemble, Schreinerstr. 18. S. Gruppe: Graubncr, Loiglstr. 21. 18. Abt. Fahladende in den bekannten Lokalen. 17. Abt. Sohl, und Distussionsabcud in den bekannten Lokalen. 18. Abt. Sahlabcnde in allen 18 Bezirken an bekannter Stelle. In allen Fahl. vdenden auf die außerordentlich« Milgliedcrverfainmlung aufmerksam machen. 18. Abt. Bangcwerkshau« Großheerenstr. 88. Dr. Kät« Frankcnthal:„Leipzig". 10,1 Abt. Sahlmoegen früh 3 Ilde Rarlgralen Cck. Vortrag„Der Parteitag i» Leipzig". Referent Genasi« Sqbol». 41. Abt. 23 Uhr Sohlabendc in den oekannlen Lokale». 42..Abt. 23 Uhr Sahlabenden in den bekannten Lohalen, 41. Abt. 23 Uhr Sahlabcnde in den bcbästnlin Lotoltn....... 44. Abt. Gruppen zahlobende in den bekannten Lokalen., 43. Abt. Sablabeude in den bekannten Lokalen. Gruppe Hohlstein: Sommer, Wiener Siraße. 47. Abt. Sahlabende Bezirke 87 bis 133 wie Üblich. 82. und 81. Stadtbezirk bei Rorarius, Adalbcristr. 21. Lokal Krause,, Moriannenplatz 22. Hcnny Iodueznnski:„Parteitag und die neuen Notocrordnungen". 48. Abt. Sahlabende: Keller. Fürftenstr. 1. Präfle. Prinzenstr. 21. Tctzlaff, Ritterstr. 33. Ehemann, Brandenburgstr. I. Res. Gen. Majonnek. hl. Abt. 20 Uhr Zahlabende mit Vortrag in den bekannten Lokalen für alle 4 Gruppen 12. Abt. 23 Uhr hei Kosske, Kaiserin, Augusta. Allee 81, Dr, Gerhard Lnckow: „Die Notoerordnungen". Gruppe Sicmcnsstadt: 30 Uhr Gruppenversomni» jung bei Sommer, Nonnendommollec 87. Biklor Mallna: Der Parteilag". 11. Abt. 3. Gruppe: Sahlabcnde bei Möller, Franklinftr. 18. Vortrag:„Die 'Arbeit im Stadtparlament". Ctadto, Genossin Lange, 8, u. 7. Gruppe: Jugendheim, Rosincnstr. 4. Hanns Allmann:„Die Freidenkcrbcwcgung", 18. Abt. 23 Uhr Funktionärnerlawmlung bei Liersch, Kanlftr, 82. Sämtliche Funktianöre haben zu erscheinen. 17. Abt. Sahlabend in allen 1 Gruppe» i» den bekannten Lokalen. 18. Abt. Ranlchaus, Rankestr. 4. Dr. Kurt Lowcnstein, M. d. R.:„Der Parteitag". 87. Abt. Adteilnnasversammliing Lokal W'irzbacher. Babnbossrestaurant Grüne. Wold. Gen. Anfhänscr. M. d. R.:„Partei»nd die Noioerordnung". 68. Abt. 28 Uhr bei Sandmann, Westfälische Str. 42. Stadtverordnete Minna Todenhagen:„Das neue Gesetz Groß. Berlin". 7t. Abt. Lau. Hildegardsir. 14. Diskussionsabend. 72. Abt. Rolenou. Parziner Straße, Eche Landocher Straße. Stadtverordneter Max Krcuzigcr:„Das neue Gesetz Groß. Berlin". 71. Abt. Deutsches Haus. Breite Slr. 14. Dr. Alfred Korach:„Zur politischen Lage". 74. Abt. PcrOanimlung am Mittwoch fällt aus. Weiter« Mitteilungen durch d e Beiirkstührer. 74a Abt. 20 Uhr Schneider. Potsdamer Str. 21. Genosse Schlimme:„Wirt. schaktskrisc und Doppelverdiener". 74d Abt. ölühmer. Tcltowcr Chaussee, Elke Dahlemcr Wag. 78. Ab». 23 Uhr bei Schilling. Königin.Lujse.Stratzc. 77. Abt. Sahlabende in den bekannten Lolaicn. 78. Abt. 23 Uhr bei Thiele. Ebcrsstr. 18. Di?kussion->ahend der Abteilung. Thema:„Der Leipziger Parteitag". Sahlabende fallen aus. 78. Abt. Sahlabeude in folgenden Lokalen: Arendt. Bautzcner Straße. Eike Großgörschenstraße. Grunow. Gaßlcrstr. 11. Holt. Siegiriedstr. 8. Reimaini, Sedanstr. 17. Hönisch. Gotenstr. 80. Podzus, Sachsendamn, 40. In sämt. lichen Iahlabenden Aussprach«»der den Parteilag in Leipzig. 78a Abt. Ledigenheim, Eythstraßc. Haus Fraiickc:„Kollektivismus— Sozialismus". 80. Abt. Abteilungsversammluiiq im Hclmholtz.Gnmnassum. Rubeusstraße. Georg Mendt:„Der Parteitag und die gegenwärtige valijifche Silualio»". 82. Abt. Sahlabend i» den betannlen Lokalen. Der«. Bezirk laa» jetzt bei Max Mechler. Am Markt 3. Der 8. Bezirk hält seinen Sahlabend am Freitao. 12. Juni, bei Otto Thiele, Elle Birtbusch.»nd Sicinenastraße ad, 81. Abt. Sahlabcnd i» West: bei Rohde, Htndenburgdanim, Eike Roonstraßc. Süd: Fritsche. Berliner Str. 123». Ost: Vuberick, Lorenzstr. 17. In allen Sahlabenden Borlrag. »4. Abt. 20 Uhr bei Lehmann, Kaiscr.Wilhclm.Etraßc. Gen. Palmer: Bericht vom Parteitag. 83. Abt. 20 Uhr Sahlalentc: 2. Bezirk: Lokal Sur Linde. Werderstr. 12. 3. Bezirk: Lokal Hennig. Friedrich-Wilhelm.. Eike Monteusielstraße. Ref. Ozen.Liesko:„Notverordnung und Krankenkaffc". 3. Bezirk: Lokal Senning. Kaiier.WllhelM'Str. l. Ref. Will» Schran'e�„Sozial. Erziehungsarbeit". 6. Bezirk: Lokal Schäfer. Ringbahnstr. 12. 7. Bezirk: Lokal Kappel, Germaniastraße, Ecke Gottlied.Dunkel.Etraße. Referent Gen. Tolksdorf: „Innere Verwaltung". 86. Abt. 20 Uhr Gohlkes Festsäle, Ehaussetstr. 41. Richard Hille: Berichi. erftattung vom Parteitag. 87. Abt. Acht»»,! Die Mitglicder-ersammlung muß»mstäudcholber am Daanerstaq, 11. Ju.i, 2o ubr. bei Schuster, Kirchfrr. 68, st-..... Richard Hille:„Parteitag und Parteipolitik". stattfinden. 88. Abt. 20 Uhr Sahlabend i» der Schill« Roonstroße, 8». Abt. Sahlabend- für alle Bezirke i» den betannten Lolglen. Lokal Jahn, Fitldastr. 43. Dr. Mar Schulte: Karl Mar,". »1. Abt. 1». u. 20 Bezirk bei Fleckinger. Wißnionnstr. 10. 22. u. 28. Bezirk bei Köster. Karl,ggrienstr. 4. Res. Max Fechner, M.». L. 10. Bczirk bei Lstddeke. Karlsqartenftr. 12. 1«. u. 45. Bezirk bei Rausch. Flughakenstr. 20. R«f. Erich Raddatz. M. d. L. 48. u. 47. Bezirk bri Schreiber, FluohaseU. straße T. Ref. Gen. August Händel. 18. u. 41. Bezirk bei Mäuseler, Flug- bafenstr. 48. Ref. Stadtrat Schneider. 17. u. 43. Bezirk bei Palm, Mainzer Straße 18. Rek. Richard Günther,«l. Bezirk im Restaurant zum Flug. Hafen, Mahlower Slr. 10. Ret. Franz Gronenberg. 82. Abt. Die Bezirkszusammenkünste der nachstehenden Bezirke sindtn pünki. ßchicksal im Spiegel der Lilcialur" Christian Mäbl. Bez. 34 lind 33: bei Gaut-r Rachflg.. Harzer Str. 88. Dortrag:„Wie erhalt« ich mein« Recht- irr der Sozialversicherung". Heinrich Backhaus.. Bezirk 36: bei Fischer, Sxibrlberaer Str. U. D-rrtaa:„Die RGO.-n Theorie und Prari,". Gen. Scoßma»». Bezirk 59, 81 u. 82: b« Wolff, Kaiscr-Friedrich. Straß« 171. «lelsIIsiIiM-Miill VcrwaUangutclIe Berlin Todesanzeige Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Zinkgießer Heinrich Weher am 6. Juni gestorben ist. Die Einäscherung findet Mittwoch, den 10 Juni. 10'/, Uhr. im Krema. torium Gerichtftratzc statt. Rege Beteiligung wird erwartet. » Versammlung«ler erirerds- losen klelllromonteore Tagesordnung: 1. Bortrag überUnterstützungseinrichtungen undsonsttge Vorichrifien siirEiweidslofe. 2. Branchenangclegenheitcn Mitgliedsbuch und Etempellarle legili- Mieren. vi« OrKveriB»Itaa3. •9—i 1 Bekanntmachung. t Die in der Zeit vom ch 1. Juli bis 30. September 1930 versegteu Pfänder sind versteigert worden. Heber- schüfsc sind bis zum 0. Juni 1932 abzuheben. Staatliches Leihamt. t l. • 193 i ver | Ichl 5 193 L KLEINE ANZEIGEN iiiiiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiitiiiiiiiiiiinniiiiiiiiii Utberschriftswsrt 25 Pf., TtxtwortlSPf. Wloderholungsrabatt:10mal5 Pror j 20 mal oder'l 000 Worte Abschluß 10 Proz. 2000 Worte 15 Proz. 4000 Worte 20 Proz./ Stellengesuch�: Ueber3Chriftswort 15 Pf.. Textwort 10 Pf ✓ Anzeigen, welch© tür die nächste Nummer bestimmt sind, müssen bis 4l/a.Uhr nachmittags im Verlag, Linder�str. 3. oder auch In sämtlichen Vorwärts-"Filislen und -Ausgabestellen abgegeben sein verKaule meidongsstflctn. ■uiasche asui. | Linkpiano», .Mictpiaiw, über- >ai>- preiswert. Pianofabrit Link. Drunnenstraße Ii.' Wenig getragen« Kavaliergardcrobe von Millionären, Aerzten. Anwälten. Fabelhaft billige Preise. Empfehle Tgillenmäntcl.Balc» tot,. Frack». Smo- king,. Gchrockan- züae. Solen. Spar!.. Gehpelze. Gelegen- beitskäufe in neuer Garderobe. Weite, ster Wea lohnend. Lothrinaerstraße 33. 1 Treppe. Rosen- thalcr Platz" rstirrSlier mobil Patentmatratzen „Primisssma". M«. tallbetten. Aiifsca». Matratzen. Ehaise- lonaucs Balter Stargarderftraßc achtzeh n.KeinLaden Schlalzimener 373,—: Ruhebette!: •25.—. Ri-fenau-. wähl. Tcllzahlnng Kamerling. Kassa» nienallee 33. Möbel im FabrlkgrbLnd!, KüSien. Schlafzini- mir, Speiieziinmcr. Einzelmöbel enorm billig, da geringe Spesen. 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Bezirk 100, 107 u. 110: Einkopf, Kaiser-Friedrich-, Ecke Mareschftraße. Seigewasfer:„Die Ueberwindung des Faschismus", Bezirk 112 u. 113: Just,»iemejjstr. 19. Bezirk 108, 109; Siedlung, im Bärwinkel. Stelter:„Die politische Lage". Bezirk 113: König, Kanner Str. 14. Bezirk 110, 117: Prißkow, Richardltraße, Ecke Schöneweider Straße. #5. Abt. Bogen der Kreismitgliederoersainmlung am 12. Juni fallen die Viertelzahlabende aus. 90. Abt. Bezirksabende. Bezirk 101, 102, 120: bei Hirsch, Jerlin.Neukölln, Thennasstr. 2. Ref. Gen. Brinkmann. Bezirk 121, 122, 123, 124, 120 und 127: bei Zillmer, Neukölln, Rogatstr. 56. Ref. Gen. schropp. Bezirk 118, 119: bei Brandt, Neukölln, Thüringer Ecke Wipperstraße. Ref. Gen. Stadt. rat Reinhardt. 99. Abt. gahlabende fallen aus. 99» Abt. Großsiedlung Britz. Die Zahlabende fallen aus, dafür Mitgkiederuer. fatnullung ani Mittwoch, 17. Juni. 190. Abt. Lokal Ruppert, Neuköllner Straße. Anna Borrnann, Neukölln. Thema wird in der Verfammlung bekanntgegeben. JOt Abt. Iahlabende. 1. Bezirk im Lokal Graetzstr. 1, Distufsiansabend Uber die politische Lage. 2. Bezirk bei Manz, Kiefholzstraße 21. Reorganisation der Stadt Berlin. Stadwerardneter Robert Rahde. 3. Bezirk bei Damnick, Graetzstr. 28. Vortrag des Genossen Neumann: Stellungnahme zum Bezirks- und Reicktsparteitaa. 4. Bezir bei Doohling, Kiestiolz. Ecke Eisenstraße. Frarnzen und das Naziregiment in Brannschweia. Genosse Eschlevp. 3. Be- zirk im Lokal Beermannftr. 10. Aus9pracheabend. 6. Bezirk. An bekannter Stelle Aussprackieabend. 192. Abt. Mitgliederrerlammlimqen. Bezirke 1 bis 13 im Lokal Borgmonn, Bairmfchnienstr. 80. Bezirke 14 bis 10 im Lokal Neu-Tivoli, Neue»rua- allee. Thema: Die Werks- und Finanzpolitik der Stadt Berlin. Referenleu: Sladirat Orttnann und Siadtuerordueier Reinbold. 193. Abt. Zahlobeude i» de» bekannten Lokalen. Referenten die Genossen Wermuth, Besster und Damden. tot. Abt. 20 Uhr im kle-inen Saal des„Knffhäuier", Berliner Str. 91. Frei- qeistiae Kultur. Nekere»!: Genosse Graul. 105. Abt. Lakai„Nalskeller". Bismarekslr. 58. Bericht uoin Parteitaa. 100. Abt..Logenhaus", Friedrichstr. 01, 20 Uhr. Genosse I. Oriopp: Der?er- kouf der st öd Ii scheu Werk. 197. Abt. Bei Zobian. Referent: Genosse Edmund Walter: Die Nazibewearmg in den Betrieben. Parieiangelegenbeiien. 108». Abt. Die Zohlabeirde finden in diesem Monat nicht statt. Dafür Mit- gliederversammlnna am Mittwoch, dem 17. Juni. 110. Abt. 20 Uhr bei Werner» Köpenicker Sir. 125. Bernhard Krüger: Die Not- �Verordnungen. 111. Abt. Zahladend um 20 Ubr im Lokal Paul Seimann, Waltersdorfer Straße 100. Der Porieitag. Referent: Genosse Willam. 114. Abt. Logenkassno. K>:orrpron>enade 2. Georg Maußner, M. d. L.: Agrar- witkschaft und Vreisbildnn«. 113. Abt. 1. Gruppe bei Stöber, Iungstr. 28. 2. Gruppe im Restaurant Tivoli. Weichfelstr. 0. 3. Gruppe bei Nadtte, Mügqei- Ecke Scharnwoberstraße. 4. Gruppe bei Seipke, Kronprinzenstr. 47. 110. Abt. Hcnfeler, Borhagener Str. 02. Dr. Alfred Bauerineifter: Die Wirt- schaftlichen Probleme zwischen Oesterreich und Deutfckstand. 117. Abt. Kerns Festsäle, Türrschmidtftr. 43. Dr. Kurt Rosenfeld, M. d. R.: Die Sozialdemokrolie einst und fetzt. 118. Abt Die Zahlabende am Mittwoch, dem 10 Juni, fallen aus und werden auf den 17. Juni verlegt. Tagesordnung: Stellungnahme zum Parteitag. 119. Abt. Lokal Wegener, Frankfurter Allee 236. Wilhelm Tielge ns: Arbeiter und Akademiker. 121. Abt. Der Zahlabend am Mittwoch fällt umständehalber aus. Es wird ein- geladen. 122. Abt. Porath, Marzahner Str. 31. Margarete Schenkakowskv: Zur poli» tilchen Lage. 122». Lindner, Äövenicker Str. 165— 107. Kurt Schindler: Die Zollpolitik der Regierung Brüning. 124. Abt. Mahlsdorf-Söhe. Zahladend bei Jakob. Genosse Emil Barth spricht über die Notverordnung. Die übrigen Zahiabende falle» wegen der bevor- ftehenden Mttgliedervcr'taminiung aus. Notiz am 14. Juni beachten! 124». Abt. Draber, llhianditr. 18, Funktionärs, tzung. 20 Uhr Mitgliedervec- lammlunq ebendort. Fritz Weigei: Die programmatisck>e:l Ultd praktischen Ziele der SPD. 123. Abt. Der Zahiabend am Mittwoch fällt aus, dafür Beteiligung an der Kreismitaliederversammiung in Weißensee, Lokal„Zum Pferdemarkt". 128. Abt. 1. Bozn/k bei Roack, Kaiser-Feiedrich�Str. 33. 2. Bezir? bei Griffel, 5taifer.Friedrich.Str. 15. 3. Bezirk bei Köder, Berliner Str. 80. Refe- renk: Dr. W. Groß: Grundlagen der neuen Erziehung. 4. Bezirk bei Fulde, Berliner Sir. 97. Referent: Klühs: Die faschistische Gefahr. 3. Be. zirk bei Bureik, Berliner Str. 98— 99. Referent: Saar. 6. Bezirk bei Heinzc, Kifsingenstr. 40 tKiiilnaenklanßel. Referent In: Anna Sartdch: Der s Leipziger Parteitag. 7. Bezirk. bei Bader, Kifstnqenstr. 4, Referent: T&i Gostomski: linfer Kampf um die Arbeitslosenversscherunq.-8. Bezirk . bei Gtasse, Kifstttgenslr. 11. Referent:. Mehlhesse:- Kullür» und Freidenker. .Pewegung. 9, uud 10. Bezirk bei Lehmann, Mühlenstraße..Referent: W, Kubig.'" 129. Abt. Gruppe 1 bis 4 im Lokal„Sängerheim", Pankow, Fforastraße. Re* ferentln: Luise Äähler, M. d. R.: Parteitag. Gruppe 3 bis 8 im Lokal „Türkisches Zelt", Mener, Breite Straße. Referent: MUHlmann. Grnvve 9 im Lokal Neumoitn, Mendelftraße,. Referent: Henri, Reiff. Heiterer Abend. Gruppe 10 im Lokal Mandel, Galenusstraße. Referent: Krüger: Mieter. fragen. 130. Abt. Schulz, Tiniusstr. 00. Jockel Meier: Der Parieiiog. 132. Abt. Klug, Doristr. 2. Vortrag des Genossen Eolllieb Reese. 133. Abt. Rvssack, Sauplstr. 71. 134. Abt. 20 Uhr bei Göpfcrl, am Dohnhof. 137. Abt. Gemeinsamer Zahiabend stir alle Bezirke im Boikshaus, Scharn» »ebcrstr. 114. Hans Bauer: Prolelariat und Strafrccht. 138. Abt. 20 Uhr fftrftlxuis, Augnste.Viktooio.Str. 34. Stadtverordneter Kart Klingler: Finanzsorgen der Stadt Berlin. 139. Abt.„Alter Krug", Hauptstraße. Ref. Stadtverordneter Heinrich Schäfer: Bewag und Stadt Berlin. 140. Abt. Woitschgch, Ernststr. 1. Eduard Zacher i, M. b. 8.: Die letzten voll. tiscknn Ereignisse. Paeteiangelegenheiten. 140». Abt. Heese, Verliner Sir, 73, Stadtverordneter Paul Robinson: Von der Bewag zur Berliner Licht, und Kraft.A,-G. 141. Abt. Lokal Hosfmann, Edelweißftr. 3, Robert Breuer: Die Presse und das arbeitende Boll. 143. Abt. 20 Uhr bei Iarius, FUrst-Bismarck�traße. August Neumann: Polt» iifckie Tagesfragen, Donnerstag, den 11. Juni: ■40. Abi 20 Uhr Abteilungsiniigliederversammlung bei Förster, Dreibund- straße 11, Referent: Ministerialrat Genosse Dr. Joachim: Neue Wege der Sozialvoiitik, Dezirkslührer laden hierzu ein, SS. Abt. Tempelhaf. 20 Uhr Zahiabend, 1. Bezirk im Lokal Pinger, Dorf, straß« 32. Mar Brinitzer: Zur politischen Lage, 8. bis 1l. Bezirk bei Wollenberg, Berliner Str. 1, 20 Uhr. Vortrag des Genossen Zürgenstn: Agrarlrife, 129. Abt. Schnlzendorf. Seiligensee. Siedlung am Bahnhof Seiligenfee. Mit- gliederxerfainmlung»m 20 Uhr im Roftanront Sünert, am Bahnhof Schul, endorf. Referent: Genosse Schäfer: Die Amwandluna der Bewag und die neue Stadtrerwaltnng. Areitag. den 12. Juni: 17. Ik«i». 19 Uhr S-Hulaula Marktstraße, Krcisncrtreterversammlnng. Fritz Thurm: Terichterswttung vom, Parteitag. Fraucnveranstallung. 13». Abt. Donnerstag, 11. Juni, 20 Uhr, in der Baracke Lintauer Straße Sclfcrinnensstzun«. Bezirksausschuh für Arbeiterwohlfahrt. 4. Kreis. Tonnerstaq. 11. Juni, Iv?, Uhr, bei Klug. Dan�iqer Str. 71. Zvlcmia'e �unktionärionfercnz. Arbeitsgemeinschaft der fünderfrcunde Groh-Berlin. Rostsalkenhelfer! Sorgt für baldige Einsendung der Lagergelder. Auch müssen bis zum Woche nendkurfua in Brieselang die Meldekisten IRome, Wah. nmng, Geburlsdatuin) abgeliefert sein lietzter Termin). Die Teitnahme am jturius ist für Lagcrteilnshmer Pflicht. | Sterbetafel der Groß- Berliner Partei« Organisation' 128. Zlbt, Unser Genosse Fritz Klinkenmüllcr, Pankow, ist nach kurzem Krankittager am Donnerstag verstorben. Ehre seinem Andenke». Beisetzung am Mittwoch, dem 10, Juni,»'8 Uhr. auf dem Stähl. Friedhof Roinickendori Humboldtstroße,____ Vortrage, Vereine undVersammtungen. Bereivlgnug ehem. Kliegogefaugener, Berlin.Sude». Donnerstag, II. Juni, 2014 Uhr. bei Krüger, Grimmstr. 1, Wetteraussichlcn für Berlin. Meist bewölkt mit Neigung zu leichten Regenschauern, feucht-mild bei magigen westlichen Winden. Für Deutschland. Ilcbcrall wolkig bei wenig geänderten Tcmpc-' rvtarrn, dejoiiders in Nord- und. Mstteldcuijchland vielfach Schauer. Sozialistische Arbeiterjugend Groß- Berlin (Knsendunaen für diese Rubrik nur an das Zugend sefretaria� 35erfln SW 68, �indenstrabe 3 Abicilungslcitcr! 5olt sofort, roemr noch nicht qcscl>clion, die Karten für die EonnenwenHfcier ab. Karten zzum„RAST" werden ebenfalls schon jetzt (nnr nraen soforUae Bc-atzlunq) ansqeqcbcn. Karten für Jugendliche 30 Pf. BB.-S'tzunq heute, 18 Uhr, Portrattssaal des Parteivorstandcs. heute, Dienstag, 19Vj Uhr: Arkonaplatz: Eiisqbcthkirchstr. 19,„Die Lage der Arbeiter in Deutschland und in Sowjetrußland."— Gewerkschastshaus: Köpc Nicker Str. 92, Zehn- Minuten-Referate.— Zöllnifcher Park: Wailenstr. 18,„Warum freie Ee- werkfchaften?"— Oranienburger Tor: Tieckste. 18. Milgliederoerfamminng.— Rofenthaler Vorstadt: Elifadethlirchstr, 19,„Wie liehen wie zur Einheitsfront?" — Zentrum: Landsberger Str. 30.„Warum SAF.?"— Brunnenplatz: Pank. fteaße 22,„Unseee Roichsverfassung."— Gesundbrunnen I: Gotenburger Sir. 2.„Unsere Dichter: Von Heine bis zur Gegenwart".— Lcopaldplatz: Seestr. 84.„Bub uud Mädel".— Schillerpark: Schöningstr. 17..�ugendichutz uud Fuaeudrecht,"— Wedding. Nord: Turiner Ecke Seestraße,„Barum SAF.V" — Wedding lR,-F.): Willdenowstr. 3,„Wege und Ziele der UdSSR,"— Arns- walber Platz I: Rasteuburger Sir, 10. Kurzreferate,— Balkan: Mandelftr. 2. „Was will die SBJ?"— Kelmhaltzpiatz: Danziger Str. 02, B. 2.„Arbeiter. fport,"„ Nordosten I: Danziger Str. 62, B, 3 r,„Erste Hilfe bei Unglücks- fällen,"— Weißensee: Parkste. 36.„Jugendliche und Wewerkschafien,"— Wärlhee Platz: Kastailienallee 82,„8 218,"- Hasenheide: Wassertorstr, g, Ar- beilsgemei»s bringen. Bei Regenwetter 19 Uhr Ernststr, 10. Theater, Lichtspiele usw. Dienstag, 9. 6. Slaafs-Oper Unter d. Linden 281. A.-V. 19",: Uhr Heg einstadierl Der Ende 2210 Uhr Dienstag. 9. 6. Stadt. Oper Bisrnarckstr Turnus II 20 Uhr Das Spi!2sntuch der Königin Ende n. 23 Uhr Staats-Oper An Platt der Pepehlik V.-B. 20 Uhr. Der Barbier von Sevilla lleltnitt. Harten rerkae' Ende 221- Uhr Staatl. Sdiauspli. (am Gendarmenmark i). 241. A.-V. 20 Uhr Uraafführang; Cecil Rhedes Ende 223< Uhr Staati. StltülBr-Tlieater, üiarltlig. 20 Uhr Haus HerzensSod Ende nach 22�0 Uhr *""S. Edsinnd Fritz' bies r... Man Wynn M s u. Buddy, j|:-> 10 DeMars nt«. Tägl. 5 u. Bis DAS TAOES- GSSPUACH B E KLiN£ V!KTOS?IA UND I H 0 HUSAR Berlin-Gesundbrunnen Die ideo'e unterharuRcsstEtte iup jeaermaon Dlenslag, B. lonl bis Montao. 15. luni BÜHNE: Lltfiibaro-Oritlesicr. leilcno: Paul Rensei Zum ersten Male in Bcrlfnl Ciaslspiel MMelMtWlwMÄ in seinem Klasse- Ensemble in dem unerhörten Lachschlager von Wilh. Hartstein Der sdtdneWtsiielisi FILMTEIL Auf vteiseiiigcn Wunsch eine Woche verlfingcrll Eine altbekannte Operette— ein neuer Tonfiim-Erfolq! Kaiserliebchen mit Liane Haid, Walter Janssen beginn der Vorstellungen: Wochentags 5*2 u. 8»« Uhr, Sonntag 3. Slh, 8 Vs Uhr. Preise der Plätze: Im Parkett und Rang 0,80 bis 1,50 M.. Balkon und Logen 2.—, 2 50. Sonntag 3 Uhr Einheitspreis: Parkett u. Rang 0,80 M.. Balkon und Loge 1,20 M. Tel.: Humboldt 1636-1637 Volhsbühne Theater am Bülowplal;. 8 Uhr Lumpazivagabundus Staat! Jdiiller-Ib. 8 Uhr Haus Herzenstod Staatsoper Am PI. d. Republik 8 Uhr Der Barbfer von Sevilla Deofsdies TM 8 Uhr Der Hauptmann von KOpenidt v. Carl Zuckmayci Regie: Heinz Hilgert Die Komödie Täglich 810 Uhr Dienst am Kunden von tuit Bim und Mai Hamen Regie; Hans Dcppe Runörstenüamm- Theater Bismarck 440 Geschlossen sonnanend. 13. lunt, zum e kZion Idol Die zchänc Helena von lacquos Olienbodi Regle; MaxRetnbonli 6.15 Uhr Flora 3434 Raudien erlaubt Kirchwcih am Tegernsee Rebla— Kemple— boolz Krehan— Tucher£ Co. usw. MMMW �ipugungT Restairanl Berlins BETRIEB'K KEMPIHSKlO IKU.'M PARK Heute 9'/, Feuerwerk Reichshallen-Theater Allabendlich| w| Uhr Steltiner Sänger Zum Schluß: „Alles veitöettt!" Kitfwtdi, 10. E.: WiiderauMti Paul DrittOO. [essing-Tmei Täglich 81'. Uhr Zum goldenen Anker Valelti, Tiedlkc, Wiemann, Horncy, Stössel. Faber, Walter. Kcmiscne oper Friedrichstr. 104 81- Uhr Frauen haben das gern... Musikal. Schwank von Arnold Musik v. Walt. Kollo Sommcrpr 0.50-7.00 metronoi-Ttieater Täglich 8". Uhr Die Toni aus Wien Mady Christians, Michael Bohnen — hlite-Sänger«— Kottbusser Str. 6 Tag!•*/« U. Die groRe Aus- slattungs- Tevue Potse Lafit sdinne Frauen um midi sein! von Harry Waiden Afexanderpiatz Neue Königstr. 43 erntet Stürme der Begeisterung im Rose-Theater „Derjuhml ist groß und berechtig t.**(Tempo) Nur noch 14 Tage; „Der wahre Jakob*' Wochent. Bts. Sonnt. 5<6 u. 9 Uhr Rose-Garten Das erste Sommertheater Berlins! Wochent. S30 Uhr, Sonnt. 5 Uhr Großes Konzert und internationaler Varietöteil. SiSletztc Woche: DieSchwank- oporette: ,,Das Llebesvcrtot". Ab 15. Juni yollstandig neuer VarietÄteil u. die Operette Ton Josef Snaga:„Der Hutmacher Sr. Durchlaucht11 Qr. Frankfurter Str. 132 E 7 Weichsel 3422 Ü-Bahn Strausberger Platz Billcttkassc geöffnet von 1 1— 1 und 4— 9 Uhr. . Ziehnag. T«n 17, bis 23. Jnai 1931 Aduzehnie große Volkswohl- Lotte rief 430000 48 095 Gewinne und 2 Prämien im g von RM' 500001 "Äno*. 750001 2 Haupt» gew. zu je 50000 RM 2 Prämien! Berliner IIIh-TriO Neukölln. � Lahnstr. 74J7S.1 Llnlauierer Wettbewerb mit Sr. Scholl! j, 25669«IK« f.'»i4000Gi lj-'SdiZOOTO I-sse i» 1 Ii hl voppeUese in 2 M l LISkIlsIli'isjL�v.�K LII!l!!l!llsick7.�'l!r.M Porto und Gewinnliole 35 Pi. In allen durch Plakate kennllich.lj Verkaufsstellen und durch| H. C. Kroger A,-G, Berlin W 8, Friedrichstr. 1 92/93 g Postscheckkonto: Berlin 215 bämtliche Gew.. auf t Wunm Jahre 1929 einen Rückgang: berücksichtigt man aber, daß die Produktion von zwei Monaten infolge der Aussperrung ausgefallen ist, so liegen die Ziffern bei fast allen Produkten Verhältnis- mäßig höher als im Jahre 1929 An Kupfer wurden 21 199(1929: 22 999) Tonnen produziert, das find 19 Proz. des deutschen Bedarfs: an Silber 109 990(123 499) Kilogramm. Am stärksten ging infolge der schlechten Baukonjunktur die Er- zeugung von Schlacken st einen zurück, von 39,9 auf 17,8 M'l- lionen Stück. Der Bruttoertrag sank von 14,95 Millionen im Jahre 1929 aus 7,8 Millionen im Jahre 1939: der.,oerloreneZuschuß"vonRcichundPreuben von 2,65 Millionen ist in der letzten Summe bereits enthalten. Die Unkosten ermäßigten sich nur von 6,86 auf 5,89 Millionen, die Abschreibungen von 4,76 auf 4,21 Millionen, so daß ein Berl.tst von 2,17 Millionen Mark ausgewiesen wird, der a u- der R e- ferne(6 Millionen Mark) gedeckt werden soll. In der Bilanz erscheinen die Anlagen eller Art mit 44,46 Millionen gegenüber dem Vorjahre(46,15) wenig verändert. Die Wertpapiere sind mit 15,19 Millionen aufgeführt, davon sind 1,14 Millionen eigene Aktien. Der Bestand an Stolberg- Aktien, auf die im vorigen Jahr nicht weniger als 3,3 Millionen abgeschrieben werden mußten, hat sich nach durch Austausch gegen eigene Aktien erhöht. Da die Stolberg-Aktien mit mehr als 190 Proz.(Börfeukurs 35 Proz) bewertet sind, steckt hier ein bisher nicht offengelegter, für das Unternehmen»nt.-? Um- ständen sehr gefährlicher V e r l u ftp o st e n. Die Vorräte find ganz erheblich niedriger, mit 9,66 gegen 15,31 Millionen Mark, bewertet worden, nicht allein wegen des Preissturzes, auch oeil sie mengenmäßig verringert wurden. Dieser Posten enthält heute noch stille Reserven, obwohl man bei der Herabwertung eine stille Reserve von 2,2 Millionen aufgelöst hat. Auch die Forde- rungen sind stark, von 21,12 auf 14,46 Millionen zurückgegangen. Auf der Passiv-Seite erscheint das Aktienkapital wieder mit 37,5 Millionen. Die Dollaranleihe hat sich durch Rückkäufe von 11,3 auf 19 Millionen ermäßigt? die Lieferungsschuld in eigenen Aktien(3,15 Millionen) ist infolge des Austauschs gegen die Ltol- berg-Aktien verschwunden: Uebergangsposten ermäßigten sich von 5,7 auf 4,7 Millionen. Vor allem aber find die Schulden, besonders die Bankschulden, um nicht weniger als 7,2 Millionen, von 36,5 auf 29,3 Millionen zurückgegangen. Es ist also gelungen, die Schulden erheblich abzubauen, natürlich zum erheblichen Teil dadurch, daß man die hochverzinslichen Bankschulden zurückzahlte und die unverzinslichen Subventionen nahm. Zur weiteren Herabminderung der Verpflichtungen werden die Forsten der Mansfeld-A.-G., wahrscheinlich mft Wirkung ab 1. Juli 1931, zu einem Preise von 5,5 Millionen Mark auf den preußischen Staat übergehen. Der eigenkliche Gefamtverlusi setzt sich wie folgt zusammen: ausgewiesen sind 2,17 Millionen Mark, dazu verlorener Zuschuß 2,65 Millionen, Buchgewinn bei Stolberg- Aktien-Tausch(zur Abschreibung verwandt) 9,68 Millionen. Dazu wäre noch der durch die Herabwertung der Vorräte entstanden« ein- malige Verlust(Auflösung der Bestandsreserve) m Höhe von 2,2 Mill. Mark zu rechnen. Das ergibt einen Gesamtverlust von 7,7 Mill. Mark im Geschäftsjahr 1939. Er würde sich erheblich höher stellen, würde man die Sondcrbelastung der Belegschaft durch den über den Durchschnitt hinausragenden Lohnabbau berück- sichtigen. Schließlich find auch die gewährten Vergünstigungen durch Steuern« chl aß und Sondertaris« in Rechnung zu stellen. Im Geschäftsbericht werden die Vorgänge, die zur Sub- vention führten, ausführlich erörtert. Der Suboentionsvertrag sieht für die Jahre 1931 und 1932 eine Zahlung von höchstens 5,64 Millionen Mark jährlich vor, die später aus Gewinnen zurück- zuzahlen sind. Die Rückzahlungspflicht endigt 12 Jahre nach Ende der Subventionszeit. Außerdem zahlen Reich und Preußen zu- sammen jährlich 1,4 Millionen Mark, die für B e t r i e b s v e r- befferungen— z. B. Umstellung der Wertseisenbahn auf Groß- raumwagen— bestimmt und auf alle Fälle zurückzuzahlen sind. Die Zahlungen erfolgen nach Prüfung durch die Behörden. Zur Zeft werden die monatlichen Höchstsummen(9,47 Millionen) gezahlt, ohne die Verluste zu decken. Ueber die weitere Entwicklung kann man nicht» sagen. Bei einem Kupferprels von 19,5 Cents fe englisches Pfund wurde der jährliche Gesamtverlust auf 8 Millionen Mark berechnet: jetzt liegt der Kupferpreis etwas höher als S Cents. Wenn also die Erlöse heute und in absehbarer Zeit weit niedriger als die Selbst- tosten Lege«, so ist es doch ein gewisser Erfolg, daß die Selbstkosten um 8 Proz. gegenüber denen von 1913 ermäßigt wurden. Die Belegschaft, deren Zahl sich von 29 999 auf 17 599 ermäßigte, hat zu diesem Erfolg nicht nur durch Lohnopfer, sondern auch durch gesteigerte Leistungen beigeftagen, was aus- drücklich anerkannt wird. Die Verwaltung dieses Unternehmens, das nur durch die beson- deren Leistungen und Opfer der Belegschaft und durch die Zuschüsse der Allgemeinheit gehalten wird, hätte es n i ch t nötig gehabt, gegen die Sozialversicherung loszuziehen; außerdem ist die an- gegebene soziale Belastung je Tonne Kupfer eine irreführende Zahlenspielerei, da die Produktion aller Nebenprodukte nicht berücksichtigt wurde. Sachsens Siromwirischast. Die Sächsischen Werke verteilen 7 Prozent Dividende. Gesteigerte Eigenstromerzeugung. Die Aktiengesellschaft Sächsische Werke(ASW). Dresden, deren Aktien sich alle im Besitz des sächsischen Staates befinden, versorgt das Land Sachsen und jetzt sogar einen Teil Thüringens mit elektrischer Energie. Der Stromabsatz ging in der zweiten Hälfte des Jahres 1939 zurück, so daß der Absatz des ganzen Jahres an die Indu- strie um 12,5 Prozent niedriger war als 1929: die Stromabgabe an Elektrizitätswerke ging nur um 7 Prozent zurück, während die an Landwirtschaft, Haushalt und Kleingewerbe durch starke Werbung sogar um 11,5 Prozent gesteigert werden konnte. Die Braunkohlensörderung aller Werke der ASW. ging von 3,82 auf 3,61 Millionen Tonnen, also um 5,4 Prozent. zurück. Der Stromverkauf betrug im Jahre 1939 847 Mil- lionen Kilowattstunden, das ist gegen 1929(917 Millionen) ein Rück- gang um 7,6 Prozent. Die eigenen Werke der ASW. konnten ihre Erzeugung durch Inbetriebnahme neuer Anlagen von 914 auf 988 Millionen Kilowattstunden steigern, während der Bezug f r e m- den Stromes von 295 auf 112 Millionen Kilowattstunden zu- rllckging. Von dem Bruttogewinn von 18,99(Vorjahr 17,74) Mil- lionen Mark werden 12.42(19,32) Millionen der Erneuerung s- r ü ck l a g e zugewiesen. Aus dem Reingewinn von 5,38(6,67) Millionen Mark wird auf das voll gewinnberechtigte Kapital eine Dividende von 7 Prozent verteilt. Bei einem Aktienkapital von 199 Millionen Mark und langfristigen Anleihen von etwa 165 Mil- lionen beträgt die Erneuerungsrücklag« jetzt 84,5 Millionen Mark. Konkurrenz von Elekiriziiat und Gas. 72. Jahresversammlung der Gas- und Wasserfachmänner. Auf der Breslauer Tagung des deutschen Berems der Gas- und Wassersachmänner sprach über das problematische Verhältnis von Gas und Elektrizität der aus den Ferngasdebatten wohl- bekannte Gaswerksdirektor Dr. N ll b l i n g aus Stuttgart. Das Energieproblem Gas— Elektrizität faßte Nübling als ein Ge- famtproblem auf, in das die Einzelprobleme der beiden Energie- arten sich einfügen müßten. Erste Voraussetzung für planmäßige Energiewirtschaft sei, daß die Gemeinden sich endlich den Ge- danken zu eigen machten, daß sie als Eigner der Energiebetriebe Wirtschaftsträger sind und sich von der veralteten Einstellung, ass seien ihre Energiebetrieb« nur finanzielle Ausbeu- tungsobjekte, freimachen müssen. Der Vortragend« skiz- zierte den Stand der energiewirtschaftlichen Ent- wicklung etwa so, daß Beleuchtung und motorische Kraft scheinbar unbestrittene Domänen der Elektrizität seien und das Gebiet der Wärmewirtschaft bisher fast ausschließlich dem Gas vorbehalten bleibe. Neuerdings schicke sich die Elektrizität an, auch in der Wärm«. Wirtschaft mit dem Gas in Wettbewerb zu treten. Auf Grund der in der Kohle enthaltenen und aus ihr gewonnenen Wärmeeinheiten er- rechnete der Vortragende, daß man j« Kilogramm Kohle auf dem Weg über die Entgasungdas 4 bis 4�fachean Wärme» meng« gegenüber dem Weg über die Stromgewinnung erhalle. Nach einer eingehenden Darstellung der Bedeutung der Gas- beleuchtung und des Gasmotors wurde der Wettbewerb zwischen Gas und Elektrizität in der Warmwasserbereitung und dem Kochen erörtert und festgestellt, daß es wirtschaftlich nicht zu verantworten sei, wenn von der einen Energieart Kapitalwerte neu investiert werden, während gleichzeitig berefts vorhandene Kapital- wert« in den Gaswerken brachgelegt oder vernichtet werden sollen. Volkswirtschaftlich bedenklich sei die Hebers remdung der deutschen Elektrizitätswirtschaft, von deren 6 Milliarden investiertem Kapital 2 Milliarden Auslandskapital seien. Herrenkonsektion in der Krise. Bei der Tagung des Reichs- Verbandes für Herren- und Knabenkleidung wur- den einige Ziffern über den Umsatzrückgang im Einzelhandel von Herrenkonfektion gegeben, die zeigen, wi« stark auch hier Lohn- und Gehaltsabbau und der Kaufkraftausfall durch die Arbeitslosigkeft sich auswirken. Den stärksten Rückgang gegenüber dem gleichen Monat des Vorjahres zeigte der November 1939 mit einem um fast 39 Prozent geringeren Umsatz. Infolge des Oftergeschäftes zeigte der März 1931 gegenüber März 1939 nur einen Rückgang um 8 Prozent, der April dafür einen um so stärkeren mit 29 Pro- zent. Die ersten vier Monate des Jahres 1931 zusammen zeigten einen Rückgang gegenüber der gleichen Zeit des Vorjahres um 18 Prozent. Die Abwanderung der Käufer zu billigen Waren zeigt sich in folgender Feststellung: Während von 199 Käufern im April 1939 52 mehr als 89 Mark bei einem Kauf anlegten, waren es im April 1931 nur noch 31. Unter 59 Mark gaben von 199 Käufern im April 1939 nur 19, im April 1931 aber 36 Käufer aus. Großhandelsindex gesunken. Die amtliche Großhandelsindexziffer wurde für den Durchschnitt des Monats M a i auf 113,3(1913— 199), also gegenüber dem Monatsdurchschnitt April(113,7) um 9,4 Proz. niedriger berechnet, obwohl die Gruppe Agrarstoffe gestiegen ist. Auf den 3. Juni berechnet, zeigt der Großhandelsindex mit 111,6 gegen- über der Borwoche ein Absinken um 1,2 Proz. EMS Katarrhe. Asthma, Emphysem, Grippefolgen, Rück- stände von Lungen- und Rippenfellentzündung, Herz- und Kreislaufstörungen Trink«, Bade«» Inhalatloot«, Terrain Ich res UntrrhaltHngen tmd Sport jeder Art/ Zdtmniße Preise EMSEB WASSER a*M/ PASItLÜI/ QUELLSALZ Gerdiand: Sin Heuer gewartet fflewnüfrer der grohen Doppelgemeindeschule liegt ein« Park. anläge mit grünen decken und Sträuchern, mit winzigen Rasen- flächen, Bänken, zerbröckelten Faunstatuetten und einem auegetrock- neten Springbrunnen. Dies bißchen Grün, diese weißen Bänke und der Buddelplatz sür die Kleinsten bringen etwas Frohsinn, etwas verirrte Natur und ein wenig Gesundung in diese arme, angc. kränkelte Gegend. Das riesige, unfreundlich« Gebäude der Schule wirkt aber einschüchternd auf den von kleinen, lichten Bäumen umstandenen„Park", Dies rote, tasernenmähige Haus erdrückt brutal die winzige Oase in der steinernen, asphaltierten, gemauerten Stadt» wüste. Di« Bänke der Anlog« sind vom frühen Morgen bis zum Abend besetzt. Arbeitslose versuchen hier die Gedanken zu verscheuchen, die sie in den muffigen Stuben anfallen. Ganz alte Männer sitzen hier, manche mit Medaillen auf der Brust, manche mit erloschenem Blick in den trüben Augen, viele, die während mühsamer, geguäl- ter schnell absackender Diskussionen noch hitzig werden und solche, die für alles nur ein Achselzucken haben, sie verstehen die tempn- besessen«, harte, grausame Stadt nicht mehr. In der Lethargie dieser Menschen, der jungen und alten, der Frauen und Männer, der hofsenden und jener, die ihre Hossnung an den Nagel gehängt haben, wie einen ausgedienten Bratenrock. dringt in Abständen von jeweils 40 Minuten ein Lachen, Prusten und ein Lebensatem aus dem ganz großen Schulhof, der von den Straßen nur durch Gitterstobe getrennt ist. Es ist Pause. Im Kreis gehen Arm in Arm die Mädchen in lichten Kleidern und auf der anderen Seite die Jungen, die kleinen und die größeren. Selten verirrt sich ein Nußstangenfridolin oder ein Etswoffeladolar hier- her. Dos sind die Kinder armer Leute. Die Kinder der Erwerbs- losen sind dabei, die in der Parkanlage sitzen, plötzlich aufspringen, an die nächste Eck« rennen, wo gratis ein Arbeitsmarkt verteilt wird, und immer wieder kommen und immer heftiger sich gegen die bestialischen Gedanken wehren. Es ist schon gegen 12 Uhr mittags. Der Schulhof ist leer. Nur eine Klasse kleiner Jungen spielt in einer Eck« Völkerball. Der große Sandplatz wirkt dadurch nur noch kahler. Ein junger Mann geht langsam die Straße hinauf. Er schaut auf sein« Armbanduhr. Er wartet wohl. Es ist im Wohnviertel der Proleten sehr still. Nur aus einem geöffneten Fenster der Schulkaserne dringt ein Frühlingslied, von dünnen, zirpenden Stimmchen gesungen, cin Frühlingslied, das sehr oft jäh abbricht. In den Zwischenräumen tönt«in« suchtige Stimme. Dann geht es wieder an. Man hört die Unlust der singenden Kinder aus dem kahlen, nackten Klassen- zimmer schallen. Der junge Mann hat Zeit. Man fühlt es förmlich, wie er sich fürchtet vor der träge dahinfchleichenden Zeit. Er steht am Zaun und sieht den spielenden Jungen zu, blickt wieder auf seine Uhr und geht dann weiter zur Parkanlage, geht vorbei an den Mädchen, die da sitzen und Kitschromane zerlesen, an den jungen Männern. an den Uralten.... In aller Augen zuckt es fluchtig auf.„Das ist ein Neuer!" sagen die Blicke.„Der gehört zu uns!" Die lang- samen, schleppenden Schritt« de- Neuen, des Arbeitslosen, des Gut- gekleideten, der wohl noch nicht lange stempelt, noch Hoffnung hat, sagen es. Er setzt sich. Es ist gleich zwölf. Einige der blassen und koketten, der schlam- pigen und geschminkten, der matronenhaften, der jungen und jung- sten Mütter erheben sich, um die winzigen Kindgeschöpfe, die im Sandkasten krabbeln, um die Kinder von der Schule zu holen. Der jung« Mann steht auf und geht. Vor dem Schultor wimmelt es. Schulschluß Der Kleinsten. Der„Neue", der Arbeitslose steht etwas abseits. Die Mütter unter- halten sich. Sie nehmen ihre kleinen Mädchen und Jungen an die Hand und ziehen schweigend, bedrückt, ja, angsterfüllt, fast drohend über dem Geelucks der Kleinen ab. Die kleine Quelle der Kinder ist versiegt. Die Schulglocke läutet. Der Hof leert sich. Die Straße ist wieder still. Und die wartenden Mütter sind aus der Anlage verschwunden. Aber auch die, die bleiben, warten. Aus das Glück, auf ein« Stellung, auf Ar- beit, auf den Tod.... Vor dem Schultor steht ein kleines Mädchen. Es trägt ein buntes Kleidchen. Jetzt hebt es den Zipfel des Kleides und fährt damit in die Augengegend. Weint das Kind? Jetzt erst geht der „Neue", der immer öfter und länger in der Anlag« warten wird, auf das kleine Mädchen zu. Als es den Vater sieht, oersiegen die Tränen. Dann fragt es nach der Mutter, die sonst immer kam„Mutter hat ein« Stellung, gefunden!" Cr faßt mit einer fremden, umständlichen Beweguge die Patschhand der Tochter. Sie gehen. Das Kind hüpft neben seinen ausholenden, schleppenden Schritten. Der kleine Mund plap- pert. Der Vater schweigt. Sie gehen. Immer verbissener wird sein Schweigen, immer schleppender werden seine Schritt« werden, je länger er in der Parkanlage warten wird.... Waller Xelfllkote: Sinkehr Srmähhmg aus dem Jugendherbergsleben In den Wald krönen hingen die Nebelgewänder düster dahin- stürmender Wolkenfrauen, die unaufhörlich Regenströme auf die längst satte Erde schütteten. Der Herbergsvater der Jugendherberge in W. saß in seinem Der- waltungszimmer, mutterseelenallein. Ungewohnte Stille war um ihn. Kein Lachen umschwirrte ihn, kein Scherz oder Singen klang. Hans, der Schäferhund, war auch voll Müdigkeit und Verstim- mung. Er war der Freund der Jungen und Mädel, die mit ihm scherzten, herbergten, weiterzogen, dem Bach, den Winden, den Wolken noch. Der Herbergsvater sah nach der Uhr. Eine Gruppe war ange- meldet. In einer Stunde wollte sie eintreffen. Ob sie kommen wur- den? Bei solchem Wetter? Und dazu noch Mädchen, stets gehegter als Jungen, und von einer Lehrerin geführt, die immer vor- sichtiger, bedächtiger war al» ein männliches Wesen. Die Stunde verrann. Niemand kam. Hans lag an der Tür, döst« und blinzelte mit müden Augen, und der Herbergsvater los ein Nachrichtenblatt, während draußen die Regenfrauen, schwer und grau durch Feld und Wald stapften. Da spitzte Hans die Ohren! Dann sprang er an die Tür, öffnete sie— das hotten ihn die Großstadtjungen gelehrt— und stürmte hinaus. Und schon kamen sie herein, frisch und fröhlich, triefend vor Nässe wie vierzehn Nein« Regenfräulein. Und mit ihnen kam die treue Hüterin, ihr Fräulein Franziska, fast wie eine uralte Wolkenfrau aussehend— wäre nicht im Auge ein helles Leuchten gewesen. „Guten Tag, Herbergsvater! Da sind wir!" „Kinder, nicht so drängen! Schnell umziehen' Trockene Sachen an!" Und zum Wirt gewandt, fragte die besorgte Leiterin: „Ist der Ofen geheizt?" Die Mädchen hatten längst die köstliche Wärme entdeckt und jubelten:„Großartig! Und wißt Ihr, wa» es nachher gibt? Schweinerippchen mit' Sauerkraut!" „Hm!" mochten alle, bis auf eine. Die meinte:„Bloß Rippchen? Ich könnte richtige Rippen verschlingen, solchen Hunger habe ich!" Die vierzehn Regenfräulein verschwanden in dem ihnen zu- gewiesenen Raum. „Und nun, Herr Wirt, wo kann Ich mich umziehen? Wo ist mein Zimmer?" „Dort, wo die Schülerinnen sind!" Da wurde das Antlitz von Fräulein Franziska wirtlich grau. Da, Leuchten im Aug« starb, und sie erschrak heftig: „Ich soll dort mit den Mädchen zusammen schlafen? Ich habe immer mein Zimmer gehabt!" Haben Sie keinen Raum für mich, bestimmt nicht?" „Nein, verehrhtes Fräulein, Jugendherbergen sind keine Hotels!" Aerger und Zornesröte brannten auf den Wangen der Führerin. Währenddessen zwitscherte drinnen die vierzehnköpfige Schwal- benschar, al» sei blouester Himmel und ungetrübtester Sonnenschein. „Ich werde mich beschweren!" ereiferte sich Fräulein Franziska. Ich bin bejahrt! Ich wandere gern. Aber mein Zimmer muß ich hoben. Oder ich muß umkehren!" Und die Tür öfnend schrie sie den Mädchen zu: „Ruhe! Ist das ein Benehmen?" Die Tür polterte ins Schloß. Verständnislos schwieg die Schar, doch nur für einen Augen- blick. Dann lochte wieder frohe Sorglosigkeit von plappernden Lippen. Ernst und bestimmt entgegnete der Herbergsvater:„Umkehren können Sie! Auch die Beschwerde steht Ihnen frei!" „Ist hier ein Gasthaus?" „Ein sehr einfaches, im Dorf, zehn Minuten von hier." „Dahin werden wir gehen!" Und die Tür zum Mädchenraum öffnend, rief sie:„Kinder, wer kommt mit in einen Gasthof? Er ist nicht weit von hier. Es gibt da Zimmer!" Alles schwing. Man hörte draußen den Regen. „Nun, wer hat Lust und Mut?" „Fräulein Franziska, ist es hier nicht viel netter als in Gasthöfen und Hotels? Wir möchten hierbleiben", riefen zwölf Zungen. Zwei der Mädchen waren schon in der Küche tätig. „Unerhört!" Mehr konnte Fräulein Franziska im Augenblick nicht sagen.„Dann geh ich eben allein!" Der Herbergsvater bemerkte:„Es finden übrigen» im Gasthof nur drei bis vier Personen Platz. Außerdem dürft« Ihr Auszug sich wohl kaum mit den Pflichten einer Führerin vereinen lasten. Wandergruppen sind in allem ein» Einheit." „Aber, Herr Hausvater, da» weiß ich! Doch sehen Sie, ich bin alt! Ich habe nie mein Schlafzimmer mit jemand geteilt und soll mich nun--- Nie! Nie! Lieher hock ich in der Küche!" „Fräulein Franziska, die Büchsen sind geöffnet. Sollen wir die Rippchen aufs Feuer fetzen?" „Natürlich!" Barsch und schneidend wie Novemberwind klang da» Wort. Und zum Wirt gewandt:„Die Sache ist erledigt. Ich werde ganz energisch Beschwerde einlegen!" Bold darauf sperrten die vierzehn Mädel die hungrigen Schnöd- lein auf. schmatzten, schwatzten, scherzten, und als alle Schüsseln leer waren, begannen sie ein Tänzchen zum Klang ihrer Gitarren. Di« Augen de« Herbergsvaters strahlten! Han» sprang bellend herum. Doch abseits saß urgrimmig und zu eisigem Polarschweigen er- starrt die Führerin.— Die Zeit des Schlafengehens war gekommen. Au» Decken. Vor- hängen und Aerger hatte Fräulein Franziska eine Mauer um sich gebaut, hinter der sie in ihr Lager stieg und sich entkleidete. Sie tat kein Auge zu, aber auch den Mund nicht auf, als die vierzehn anfingen zu schnattern, al, seien sie plötzlich Gänschen ge- worden. Sie glaubten„die Alte" schlafend. Jugend redet ohne Vor- ficht. Doch auch vieles Schöne drang ans Ohr der Lehrerin, Träume von Zukunft, Ferne. Glück. Allmählich wurden auch die eifrigsten Zungen müde, und nur noch tiefe Atemzüge gesunder Jugend schwebten im Raum. Nur eine fand keinen Schlaf, sondern zürnte ihrem Geschick, grübelte, lauschte dem strömenden Regen, sann, erwog, überlegte und hielt stumme Zwiesprache mit der eigenen lange entschwundenen Lugend. Fräulein Franziska sah sich als kleine» Mädchen, umhegt, be- hütet, bevormundet. Ach, wie oft hatte es geheißen:„Das darfst du nicht, Fränzi, das schickt sich nicht!" Wie gern hatte sie den Wald durchstreift, Blumen gepflückt, oder im Waldgros gelegen. Und wenn die Heidelbeeren reiften und die Erika zu blühen begann und eine tiefe Sonnenstille im Walde wie träumend ruhte, dann war sie im innersten Herzen wahrhaft beglückt gewesen— bis harte, tadelnde, immer nörgelnde Worte sie aus harm- loser Freude aufschreckten. Und doch wußte sie nie, was sie eigentlich verbrochen hatte. Und die Reisen mit den Eltern— ach, die waren stet» so förm- lich und steif, so vorschriftsmäßig und alttantenhaft gewesen, daß ihr Nein«», übermütiges Herz und ihr heiteres Gemüt allmählich ganz unfroh wurden. Etwas Ungelebtes war in ihr verschlossen worden und hatte sie vorzeitig alt gemucht. Wie anders war die Zeit jetzt! Heute durste die Jugend jung fein und wie Bienen wandernd im Lande umherschwärmen! Wie ruhig die Schar atmete! Sicher blühten auf allen Wangen Röslein, Traumröslein sorgloser Iugendwanderfreude. Fräulein Franziska strich mit der Hand über ihre Ettrn, als wollte sie etwas wegwischen. Sie ballte die Hand zur Faust. Ja. zerknüllen wollte sie die alten verschrobenen Anschauungen, welche einst herrschend gewesen. War es nicht wunderschön, nach dem Wandern ein freundliche» Dach in einem gastlichen Heim über dem Kopf zu haben, da» nicht Kalkulation erbaut hatte und betrieb, sondern Menschenfreundlichkeit und Liebe zur wandernden Jugend? Nein, sie wollte nicht mehr zürnen— sondern versuchen, vtti säumte Jugend nachzuholen.-- Vierzehn Lerchen sangen, vierzehn Finken schlugen vor Seligkeit, al» sie am Morgen den Himmel wie eine blaue strahlende Glocke sich in unendlicher Höhe wölben sahen! Vor dem Abschied aber sagte Fräulein Franziska zum Haus- vater:„Gestern hätte ich Sie umbringen können— heute bin ich die Fünfzehnte der Schar! Und so soll» bleiben! Auf Wiedersehen!" In der Ferne oerklang ein Lied—— „Wir sind jung, die West ist offen! O du weite schöne Welt———— u Gerhard Tenamer: 3)ie Jßhtme des Oaseans Slippvlffle auf tlladeira „Hamburg— Madeira— Südamerika" lautet die Route meine» Dampfers; das bedeutet ein paar Stunden des Aufenthaltes aus der herrlichen„Grünen Insel" der Portugiesen, auf der längst der Sommer seinen Einzug gehalten hat, wenn sich bei uns noch kaum erst der Frühling schüchtern hervorwagt. Kaum ein« Woche ist der schmucke Ueberseedampfer seit der Abfahrt von Hamburg unterwegs, hat bei täglich wärmer werdender Witterung Nordsee, Kanal und Golf von Bistaya durchquert, und nun taucht aus tiefblauem Meer ein schmaler Landstreifen empor: Madeira, die„Blume des Ozeans". Höher und höher steigt da» einsame Eiland aus dem azurnen Gewoge, schon von ferne den Ankömmling durch«in wahres Bukett leuchten- der Farben überraschend. Welch ein beredtes Bild, von der vulka- nischen Vergangenheit der Insel und von ihrem erdgeschichtlichen Aufbau offenbaren die Steilabsälle, in denen das Ufer gegen die See zu abstürzt! Wie seltsam der Kontrast zwischen den finsteren Basalt- und Lavabänken und den leuchtend roten Aschenmassen; zwischen den grünen Tälern und den wüsten, mit Schlacken und Geröll erfüllten Schluchten, in denen sich dereinst die glühenden Lavaström« zu Tal wälzten! Von den endlosen Urwäldern freilich, die die Portugiesen bei der Entdeckung der Insel im Jahre 1419 vorfanden, und die dem Eilande die Bezeichnung„Holzinsel" eintrugen, ist nichts mehr zu sehen. Rücksichtsloser Raubbau hat die weiten Wälder so gut wie resttos verschwinden lassen. Aber die Entdecker haben nicht nur zer- stört, sie bauten auch auf! Dessen wird man inne, nun sich das Schiff der paradiesischen Bucht von Funchal nähert. Leuchtend weiße, rol- gedeckte Häuser inmitten des üppigen Reichswms südlichen Pslanzen- wüchse», dahinter sanft geschwungene grüne Höhen, von nackten Fels- schroffen unterbrochen, die im Sonnenglast flimmern;— davor die abgründige Bläue des Meeres; ein ungeheurer Saphir, in dessen schimmernder Fläche sich das Bild dieser traumhasten Insel spiegelt. Freilich, sie braucht durchaus nicht immer so romantisch-verjonnen zu sein, wie es die Unruhen bewiesen haben, von denen Funchal vor kurzem heimgesucht wurde. Indessen— von solchen Angelegenheiten pflegt man in den Ländern des Südens nicht so viel Aufhebens zu machen wie bei uns; sie gehören beinahe zum„normalen" Verlauf der Dinge. Kaum ist der Anker gefallen, so fällt ein Schwann lebhafter brauner Menschen über das Schiff her und überschüttet auch die an Bord Verbleibenden mit Beweisen der gesegneten Fruchtbarkeit dieser glücklichen Insel. Körbeweise werden Blumen und Früchte auf den Dampfer geschleppt. Dann drängen sich die Passagiere in sommcr- lich leichter Kleidung am Fallreep, und die Barkassen bringen mit lustigem Knattern ihre lebende Fracht ans Land.— In possierlichem Ochsengespann, das statt der Räder Kufen trägt und so bunt verziert ist, daß es eher zu einem Karussell zu gehören al» wirklichem Verkehr zu dienen scheint, fährt man zur Zahnrod- bahn, die auf den„Monte" hinausführt. Alle Gespanne laufen hier aus Kufen, und wirklich ist da» buche Kopfsteinpflaster aus Basblt- geröll durch das ständige Abschleifen so glatt geworden, daß die sonderbaren Gesährte nicht anders dahingleite!', als Schlitten durch Schnee. Erst durch Nebenpslanzungen und blühende Gärten mit Palmen und Araukarien, Azalien, Kamelien und der ganzen üppigen Vege-. tation südlicher Länder, dann durch prachtvolle Platanen- und Eichen- wälder steigt die Bahn auf die Kuppe des grünen Berges, der die Stadt überragt. Wundervoll ist der Blick hier von oben. Tief unten im Tale die malerische Stadt, mit grünen Hängen sich amphitheatra- lisch an den Berg schmiegend. Ringsum in blauer Unendlichkeit der Ozean. Wie ein Spielzeug liegt der große Dampfer in der Bucht. Boote und Barkassen gleiten gleich winzigen Insekten durch da» Meer. Ungern nur reißt sich da» Auge los von dem zauberischen Bilde. Aber die bläuliche Rouchfahn«, die sich über dem Kamin de» Schisse» ktäusest, gemahnt an baldige Abfahrt. Auf regelrechten Rennschlitten fährt man zu Tal. Der grau- haarige Alte, der den Schlitten lenkt, versteht sich auf sein Handwert nicht schlechter als der Führer eines Bobsleighs in Davos oder in St. Moritz. Kurze Barkassenfohrt, und schon liegt die Stadt wieder hinter mir, umjaßt der Blick die Spitze des Berges, von dem herab man vor kaum einer Stunde noch die wette Sicht über die Bay von Funchal genoß. Dreimal heust die Dampfpfeife auf. Dann geht ein Zittern durch den Leib des Schiffes, und die schäumenden Wirbel am Heck künden, daß die Propeller ihre ersten Umdrehungen tun. Rasch vergrößert sich die Entfernung zwischen Dampfer und Land. Der Himmel überzieht sich mit glutendem Rot. bläuliche Schatten legen sich über das einsame Etland, das mehr und mehr in sich zusammenschrumpft: gleichsam, als fei es für kurze Zeit aus dem Meere ans Licht gestiegen, um nun wieder in die dunklen Tiesen des Ozeans zurückzukehren. Die weißen Häuserzeilen zwischen den grünen Gärten und Wein- bergen tauchen in dämmerigen Dunst, die Umrisse der Berge zer- fließen im Abendnebel. Von den Höhen de» Torgebirges schickt eben ein einsamer Leuchtturm das erste flammende Strahlenbündel über die See. Lange noch, nachdem von Madeira nichts mehr wahrzu- nehmen ist, zuckt der matter und matter werdende Blitz über das Meer. Dann verschlingt auch ihn der Ozean, und nur der breite Schaumstreif, der sich hinter dem Schiff durch die Fluten zieht, weist noch die Richtung, in der die„Blume des Ozeans" liegen muß. Leprakranke in Deutschland. Im Jahre 1930 wurden sechs neue Fäll« von Aussatz gemeldet, und zwar je einer aus Preußen und Württemberg und vier aus Hamburg. Bei den beiden ersten handelte es sich um Rückwanderer, bei den anderen vier um Ausländer: von diesen kamen drei aus Südamerika und einer aus Estland. Die An- steckung war, soweit es ermittelt werden tonnte, im Ausland, zumeist in Südamerika, erfolgt. Von den bereits früher gemeldeten Kranken wurde in Preußen einer unter Verpflichtung zur dauernden Beob- achtung entlassen, ferner reiste je einer aus Hessen und Hamburg im Berichtsjahre in seine Heimat ab, ebenso aus Hamburg ein neu ge- meldeter Kranker. Ein im Jahr« 1927 in Hamburg eingetroffener Kranker wurde am Ende des Jahres 1930 nach einem preußischen Ort oerlegt. Am Ende des Jahres betrug somit die Gesamtzahl der im Deutschen Reich in Behandlung befindlichen Aussatzkranken 10 (gegen 8 am End« de» Jahres 1929). Davon befanden sich in Preußen 3(2). Württemberg 1(—), Hessen—(1), Hamburg 4(3), Lippe 1(1) und Lübeck 1(1).