BERLIN Dienstag 9. Juni + 1931 Der Abend Erfcheint täglich außer Sonntags. Bugleich Abendausgabe des Vorwärts". Bezugspreis beide Ausgaben 85 Pf. pro Woche, 3,60 m. pro Monat. Redaktion und Expedition: Berlin SW68, Lindenstr. 3 Fernsprecher: Donhoff 292-297 " Spätausgabe des„ Vorwärts 10 Pf. Nr. 264 B 132 48. Jahrgang Anzeigenprets: Die einfpaltige Nonpareillezeile 80 Pf., Reklamezeile 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. Woftscheckkonto: Vorwärts- Verlag G. m. b... Berlin Nr. 37 536. Der Verlag behält sich das Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor! Spionage im Leuna- Werf Die Scheuerfrau als Oberspionin Ceipzig, 9. Juni( Eigenbericht). Bor dem Reichsgericht begann heute einer der interessantesten Spionageprozesse der letzten Jahre. Es handelt sich um den Berrat militärischer Geheimnisse und wichtiger Industriepatente an Frankreich. Dem Hauptangeklagten, dem Händler Beder aus Weißenfels, war es gelungen, feine Frau als Scheuerfrau in den Bureaus des Leunawerks unterzubringen, wo sie mit Hilfe von Nachschlüsseln unter anderem einen genauen Lageplan des Werks und wichtige Patentschriften entwendete. In dem Plan war genau angegeben, was in den 400 000 Betrieben des Werks produziert wird. Durch seinen Stiefjohn, den Obergefreiten Bollrat, befam er auch Berichte über die Reichswehr. Kommunistisches Revolutionsspiel 3ynischer Mißbrauch der Arbeiter für Parteizwecke Hamburg, 9. Juni.( Eigenbericht.) einer Fortsetzung der kommunistischen Taktik zu rechnen, die zweifellos in der Absicht geübt wird, blutige Zusammenstöße herbeizuführen. Krawalle in Duisburg. Seitdem die neue Notverordnung heraus ist, sind in Hamburg täglich kleine Straßenunruhen zu verzeichnen, die systematisch von der Kommunistischen Partei herbeigeführt werden. Besonders bewegt war der Montag. Vom Vormittag bis zum späten Abend verDuisburg, 9. Juni. In der Innenstadt tam es gestern abend abermals zu Aus= suchten die Kommunisten, vor allem junge Burschen, Ein von der besonders in der inneren Stadt und im unübersicht schreitungen gegen Polizeibeamte. Die Festnahme des lichen Gängeviertel Demonstrationen durchzuwerbslosen durchzog unter lauten Rufen gegen die NotverordPolizei nicht genehmigter Demonstrationszug von Ers führen, die allerdings immer sehr schnell von der Polizei nung mehrere Straßen der Innenstadt. Als sich dem Zuge am dieser Gelegenheit Fensterscheiben des Alsterpavillons, den Bug auflösen wollte, wurden die Beamten von den Demonstran aufgelöst werden konnten. Kommunisten warfen bei Friedrich Wilhelm- Plaz ein Polizeikommando entgegenstellte und späten Nachmittag machten die Kommunisten sich auf dem Zwei Polizeibeamte wurden so erheblich verlegt, daß fie fich in eines großen Caféhauses an der Binnenalster, ein. Am ten beschimpft und mit Steinen und anderen Gegenständen beworfen. bar. Es wurden die Straßenlaternen zertrümmert zu Boden geworfen, mit Füßen getreten und anderen dicht bevölkerten Stadtteil in Hamburg bemerk. ärztliche Behandlung begeben mußten. Ein Beamter wurde und Ascheneimer auf die Straße geworfen. Zu ernsten schwer mißhandelt. Insgesamt wurden sechs Bersonen feftzwischenfällen ist es glücklicherweise noch nicht gekommen. genommen und dem Polizeigefängnis zugeführt. Später bildeten fich neue Zusammenrottungen, die aber von der Polizei zerstreut Sein Haupthelfer war der aus dem Saargebiet flammende Defonomieverwalter Philipp Amman. Umman erfolgte im Sommer des Borjahres unter fenfationellen Umständen. Umman entsprang einem Kriminalbeamten durch die Hintertür und suchte sich schwimmend durch die Saale zu retten. Er Hintertür und suchte sich schwimmend durch die Saale zu reffen. Er wurde mitten im Strom von einem ihm nachsehenden Schupobeamten verhaftet. Beder war es gelungen, ins Saargebiet zu fliehen. Der verhaftet. Beder war es gelungen, ins Saargebiet zu fliehen. Der Polizeibeamte lieferte ihn jedoch an der Grenze wieder aus und wurde deshalb von einem französischen Gericht zu brei Monaten Gefängnis wegen Freiheitsberaubung verurteilt. Die übrigen Angeklagten find größtenteils ehemalige Leuna- Arbeiter, die infolge von Arbeitslosigkeit in not geraten, dem Beder Material lieferten. Die Berhandlung vor dem 4. Straffenat des Reichsgerichts führt Reichsgerichtsrat Schmih. Die Angeklagten erzählen zunächst ihre Lebensgeschichte. Beder ist kriegsfreiwilliger gewesen und mehrfach verwundet worden. Von den anderen Angeflagten ist der eine Borfihender der Ortsgruppe Weißenfels des Werwolf. Von den beiden Reichswehrsoldaten ist der eine durch Bermittlung des Werwolf zur Reichswehr gefommen, der andere war Freitorpsmitglied und an der Niederwerfung des mitteldeutschen Aufstandes beteiligt. Nach Aufnahme der Personalien wurde die Deffentlich. keit für die ganze Dauer der Verhandlung ausgeschlossen. Die Pleite um Franzen. Finanzmißwirtschaft im Großen. Braunschweig, 9. Juni.( Eigenbericht.) Der Braunschweiger Naziregierung ist es immer noch nicht gelungen, einen Kredit zur Abdeckung ihrer von Woche 3u Woche anfteigenden Schulden aufzunehmen. Wie bekannt wird, haben sich Berhandlungen mit einer großen deutschen Bank über die Aufnahme einer Anleihe zerschlagen, als nähere Einzelheiten über die von den Nazis verursachte fataftrophale Finanzlage des Landes in der Oeffentlichkeit bekannt wurden. Die Kreditwürdigkeit des Landes ist durch die Willkürmaßnahmen der jetzigen Regierung, die fyftematisch alle republikfreuen Beamten pensioniert und durch republikfeindliche ersetzt, völlig untergraben. Die Pensionsliften find für Braunschweiger Berhältnisse ins gigantische gestiegen. Allein im Monat April wurden 1081 000 Mart für Ruhegehälter ausgegeben. Der Fehlbetrag für 1931 ist bis auf 4,5 millionen Mart gestiegen. Selbst die Braunschweigische Staatsbant hat sich geweigert, der Naziregierung weiteren kredit einzuräumen. Monarchisten wählen nicht. Beil sie in Spanien in hoffnungsloser Minderheit sind. Madrid, 9. Juni.( Eigenbericht.) Die monarchistischen Bereinigungen Spaniens haben beschlossen, bei den bevorstehenden Wahlen Stimmenthaltung zu üben. Angeblich weil die Regierung jede Opposition unmöglich mache, in Wirklichkeit jedoch, weil ihre Lage völlig hoffnungslos ist und fie nicht einmal die Aussicht befizen, ein Dugend Mandate zu erlangen. Außerdem fehlt es den Monarchisten seit der Flucht ihres Königs an den notwendigen Mitteln. Berichte der bürgerlichen Presse, die von Barrikaden. bau" reden, sind weit übertrieben. Die Polizei brauchte sich nur sehen zu lassen und schon verschwanden die Unruhestifter. Bisher sind 45 Personen fest. genommen und dem Gericht zugeführt worden. Für heute abend hat die Kommunistische Partei zu einer Versammlung aufgerufen, die in einem Saal in der inneren Stadt stattfindet. Ursprünglich waren Demonstrationen zu diesem Versammlungslokal beabsich tigt, die jedoch von der Polizei verboten worden sind, Trotzdem ruft die kommunistische Hamburger Volks. während die Versammlung abgehalten werden darf. zeitung" zu Demonstrationen auf, die auch Straßen in der Bannmeile berühren. Es ist also auch für heute mit " Der tiefere Grund Jm Westen nichts Neues! Sat Jugendliche FORM Wenn 3hr Jungens alles schon vorher zu sehen bekommt, ist ja der Krieg später gar feine ile ber raschung mehr für Euch!" Gleiche Brüder, gleiche Hiebe. Ein Limbach( Sachsen), 9. Juni. Am Montagabend fam es hier zu blutigen Zusammen. stößen zwischen Nationalsozialisten und Kommunisten. SS.- Mann wurde von Kommunisten angepöbelt, die aber die Flucht ergriffen, als zwei andere Nationalsozialisten dazu tamen. Später wurde der SS.- Mann wieder gestellt, in eine Tür gezogen und erhielt mit einem eisernen Fußabstreicher einen Schlag über den Kopf. Der SS.- Mann erhielt bald Beistand von Kameraden, die Straße und im Gebäude entspinnenden Schlägerei wurden von den des Täters habhaft zu werden versuchten. In der sich auf der Nationalsozialisten sechs Mann verletzt, davon zwei schwer. Auch von den Kommunisten wurde eine große Anzahl verletzt; einer von ihnen soll eine schwere Kopfverlegung davongetragen haben. ,, Nie gegen rechts..." Wer fällt der Justiz in den Arm? In den meisten kommunistischen Versammlungsreden, sicher aber in jeder fommunistischen Parlamentsrede zum Justizhaushalt fann man den stereotyp wiederkehrenden Sag hören: die republikanische Justiz geht zwar mit äußerster Schärfe gegen die Kommunisten vor, gegen Rechtsradikale aber verhänge sie niemals wirksame Strafen. Nun tann man allerdings der Ansicht sein, daß in einer ganzen Reihe von Fällen gegen rechtsradikale Rowdys die Justiz zu milde geurteilt hat. Ganz unzweifelhaft aber gibt es auch Fälle, in denen gegen rechtsradikale Täter die ganze Schwere des Ge= seges zur Anwendung gekommen ist, und zwar betreffen diese namentlich: 1. die Fememörder der Schwarzen Reichswehr, 2. die holsteinischen Bombenleger. In den verschiedenen Fememordprozessen sind von den Gerichten etwa ein Dugend Todesurteile, daneben zahlreiche Zuchthausstrafen bis zu fünfzehn Jahren im Einzelfall ausgesprochen worden. In den Bombenlegerprozessen bewegten sich die Strafen gegen die Haupttäter gemäß den Bestimmungen des Sprengstoffgefeges zwischen fünf und zehn Jahren Zuchthaus. Erklärlich, daß in beiden Fällen die Rechte ein gewaltiges Geschrei erhoben und mit Amnestieforderungen eingesetzt hat. Was aber tun die Kommunisten? Freuen sie sich, daß hier nun einmal ihrer Forderung nach strenger Justiz gegen rechts entsprochen worden ist? O nein! Es zeigt sich, daß ihre Sympathie für Leute, die mit Gewalt gegen den demokratischen Staat Dorgehen, in jedem Fall stärker ist als ihre Abneigung gegen deren rechtsraditale Gesinnung. Für die Fememörder haben sie bereits Arm in Arm mit der Rechten Amnestie herbeigeführt Benn Oberleute n a n i Schulz heute Gauführer her najlonaksozkalistischen SA. für Berlin und Brandenburg ist, so übt er diese Tätigkeit von der Kommunisten Gnaden. die ihn hierzu aus dem Zuchthaus befreit haben. Das gleiche gilt ron dem Leutnant Heines, dem Rathenau-Mörder T e ch o w und anderen Schlagetoten, die ihre dank den Kommunisten wiedergewonnene Freiheit zu berufsmäßiger Tätigkeit als SA.- Führer benutzen. Jetzt hoben die Führek der kommunistischen Landtagsfraktion in Preußen beim Justizminister Schmidt die sofortige Freilassung von Klaus Heim und den anderen Bombenlegern gefor- dcrt. Die„Rote Fahne" bemerkt mit besonderem Mißfallen, daß Genosse Severing es sei. der sich der Freilassung der Bombenlcger widersetzt. Offenbar meinen die Kommunisten, daß Hitler Ersatz für S t e n n e s und die anderen rebellisch gewordenen Führer der SA. aus den Reihen der Bomben leger brauche. Jedenfalls steht eins fest: Während die Kommunisten die Re- publik schmähen, weil die Republik angeblich gegen Rechtsradikale nicht vorginge, sind sie es selber, die in jedem Falle, wo Rechtsradikale schwer bestraft worden sind, mit Feuereifer an deren Be- gnadigung arbeilen. Wenn er eine Knarre gehabt hatte. Reichsgericht hebt Urteil gegen Ttazi auf. Leipzig, g. Juni. Das Landgericht II Berlin hatte am 20. Februar d. 3. den Schneider Heinrich heidrich aus Berlin wegen feine» tällichen Augriffs auf den früheren Berliner Polizeipräsi- denken Zörgiebel zu vier Monaten Gefängnis ver- urteilt. Das Reichsgericht hat da» Urteil aufgehoben und die Sache an die Borlnstonz zurückgewiesen. Wie erinnerlich, war Polizeipräsident Zörgiebel damals in dem Augenbick, als er als Zeuge den Sitzungssaal eines Berliner Gerichts verließ, von dem Angeklagten Heinrich Heidrich angefallen worden und erhielt von diesem mit dem Ruf„Arbeitermörder" einen Schlag gegen das Kinn. Festgestellt war weiter worden, daß sich der Angreifer noch seiner„Heldentat" auch noch rühmte. Er stieß die ganz offenkundige Morddrohung aus: Wenn ich eine knarre gehabt hätte, so wäre noch etwas ganz anderes passiert. Dieses Urteil ist vom Reichsgericht auf die Revision des Angeklagten aufgehoben und die Sache zu nochmaliger Verhandlung an die Vorinstanz zurückverwiesen worden, weil die Strafkammer einen Beweisantrag im Zusammenhange mit einem Film mit»ngenü- gender Feststellung abgelehnt hatte. Sozialistische Pfarrer— vogelfrei! Die unduldsame Kirche Luthers. Am h 2. Juni tritt in Karlsruhe das kirchliche Dien st ge- r i ch t zusammen, um über die vom badischen Kirchenprösidenten beantragte Entfernung des Führers des Bundes religiöser S o z i a l i st e n, des Mannheimer Stadtpfarres Ecke r t, aus seinem Amte zu entscheiden. Nun nimmt die Bruderschaft sozialistischer TheolvKen Deutschlands, die unter dem Vorsitz von Pfarrer Lic. Dr. Picchowski- Berlin steht, in einer öffentlichen Erklärung zum Fall Eckert ausführlich Stellung. Zunächst wird ausgezeigt, daß die Pfarrer Eckert zur Lost gelegten Amtsverstöße nur eine vorgeschobene Maske find, hinter der sich grundsätzliche politische und kirchenpolitische Entscheidungen vollziehen. Eckert gehört der Sozialdemokra- tischen Partei an, ist Führer der religiös-sozialistischen Bewe- gung in Deutschland und hat sich geweigert, behördlichen Versügun- gen nachzukommen, die in seinen Augen eine Beeinträchtigung seiner kampfessreiheit gegen den unchristlichen Faschismus bedeuten mußten. Eckert ist Exponent des klassenbewußten Proletariats und des kirchlich fortschrittlichen Bürgertums. Demgegenüber erscheint der badische Kirchenpräsident, der sich schützend vor seine nationalsozialistischen Geistlichen stellt, selber als deutschnationaler Parteiredner agitatorisch tätig gewesen ist und aus seiner Dienstwohnung im Gebäude des Evangelischen Oberkirchenrats anläßlich der Reichsgründungsfeier die schwarzweißrote Fahne gehißt hat, als Vertreter der reaktionären und orthodoxen Bevölkerungsgruppen. Weiterhin zeigt die Erklärung den Widerspruch auf zwischen beamtenrechtlicher Bindung und innerster religiöser Ver- pflichtung unter Hinweis auf die Entscheidung des kirchlichen Ver- waltungsgerichts vom 18. März, die Eckert Unrecht gab: „Es muß ausgesprochen werden, daß es für alle Handlungen, die aus religiösem Zwang heraus geboren werden, im Bewußtsei» des protestantischen Geistlichen nur eine Antwort gibt, der er zu gehorchen hat:— das Gewissen! Die Entscheidung vom 18. März respektiert diese Autorität für den Geistlichen durch- aus, will ihre Gültigkeit aber nur für die unmittelbare K a n z e l t ä t i g k e i t des Pfarrers anerkennen, nicht ober für sein außerdienstliches Austreten. Es ist klar, daß eine solche Ab- I grenzung auf ein zweierlei Maß hinausläuft und darum vor dem Forum der Religion unmöglich ist. Den religiösen Menschen bindet die Religion, verpflichtet das Gewissen nicht Nur in j der Kirche, sondern mit der gleichen Schärfe und Entschiedenheit auch außerhalb der Kirche in Handlungen seines Lebens." Unter denselben Blickpunkt ist das Verhältnis von Religion und Politik zu stellen. Alle großen Propheten sind durchaus Politiker gewesen „Selbstverständlich setzt das politische Auftreten des Geistlichen hohe menschliche Qualitäten voraus. Aber wo der Geistliche zum öffentlichen Wirken aus dem Gefühl der Verantwortung vor Gott, also aus einer innersten religiösen Nötigung herausgetrieben wird. Hot die evangelische Kirche jedes Recht verloren: zu„maßregeln" oder zu„verbieten"." Endlich rechnet die Bruderschaft mit der kirchlich orthodoxen Presse ob. die sich in der unchristlichsten Weise darin überbot, die Persönlichkeit Eckerts zu verunglimpfen. Die ErNärung schließt: „Wir, die wir Eckert in der Bruderschaft kennen, wissen, daß er seinen Kampf gegen den unchristlichen Faschismus als eine gottgewiesene Aufgabe wertet und daß er darum allen Anweisungen seiner Behörde widersprechen mußte, von denen er überzeugt war. daß sie eine Hemmung dieses gottgewiesenen Kampses bedeuten. Die Beweggründe seines Tuns sind völlig rein und tiefreligiöser Art. Dieses vor aller Welt feierlich auszusprechen. erscheint uns brüderliche Pflicht, in einem Augenblick, in dem ein kirchliches Dienstgericht zusammentritt, um über die gegen ihn be- antragte Dienstentlassung zu entscheiden. Mögen die Richter vom 12. Juni bedenken, daß die Beseitigung Eckerts gleichbedeutend ist mit der Beseitigung des stärksten Pfeilers, der bis- her die an und für sich schwache Brücke des Vertrauens zwischen Kirche und Proletariat getragen hat." Die Schlüsselstellung Amerikas Anleihen oder(Anstellung seiner Schuldenttlgung London. 9. Juni. Der diplomatische Korrespondent des„Daily Telegraph" erklärt, daß ein dreijähriges Moratorium die wahrscheinliche Folge der Chequers-Besprechungen sein werde. Trotz der Schweig- samkeit der amtlichen Stellen sei er in der Lage mitzuteilen, daß man in Chequers etwa zu folgenden Schlußfolgerungen gekommen sei; Die Zeit sei noch nicht r e i f sür die Einberufung einer neuen internationalen Konferenz oder für die Ernennung eines neuen Sachoerständigenausschusses zur Nachprüfung des Repara- tionsproblcms. Das treffe in viel höherem Maße auf das inter- nationale Schuldenproblem zu. Infolgedessen werde eine völlige Revision des Doung-Planes noch nicht erwogen. Man erkenne aber den Ernst der finanziellen und wirtschaftlichen Lage Deutschlands sowie die Notwendigkeit einer Erleichterung an. Diese Erleichterung solle durch ein teilweises Moratorium für den ungeschützten Teil der Jahreszahlungen gemäß dem Poung- Plan vorgenommen werden. Es sei Deutschlands Wunsch, ein drei- jähriges Moratorium hinsichtlich der ungeschützten Zahlungen in Höhe von 1,32 Milliarden oder mindestens von einer Milliarde zu erhalten. England aber könne auf die Einnahmen aus den Reparationen nicht verzichten, wenn es nicht gleichzeitig ent- sprechend« Zugeständnisse von Amerika erhalt«, was im großen und ganzen auch für andere Länder zutreffe. Der Schlüssel zur Lösung liege also bei Amerika. Man sei sich aber auf der englischen wie auf der deutschen Seite darüber klar, daß es nicht angebracht sei, Amerika offiziell um eine Einstellung der Schulden- zahlungen anzugehen, ganz besonders im Hinblick auf den Fehl- betrag im amerikanischen Haushalt und auf die Präsi- dentschaftswahlen. Diese Frage habe einen ziemlichen Pessimismus hervorgerufen. Der Korrespondent berichtet weiter, an anderen Stellen glaub« man, daß diese Schwierigkeiten am besten folgender- maßen ausgeräumt würden: Amerika könnte für die Dauer des Moratorium» den Ausfall von rund einer Milliarde Mark dadurch ausgleichen, daß es das Tempo bei der Tilgnng der inneren Schulden verlangsam« oder die Abtragung der inneren Schulden ganz e i n st e l l« oder Amerika könnte jährlich eine Anleih« von einer Milliarde auflegen, deren Zinsen und Tilgung von Deutsch- land oder von Deutschland und seinen alliierten Gläubigern gemein- sam garantiert und bezahlt werden sollten. Aus der Darstellung der„Times" über Chequers sei noch sol« gendes hervorgehoben: Auf der englischen Seite habe die Neigung bestanden, mit Vorbehalt die deutschen Beweisgründe anzunehmen, die in zu großem Ausmaße die Reparationszahlungen für die gegen- wärtige schwierige Lag« der deutschen Industrie und Landwirtschast verantwortlich gemacht hatten. Man erkenne zwar an, daß die beut- schen Schwierigkeiten sehr groß seien, ober viele von ihnen seien auf andere Gründe zurückzuführen. Die deutschen Minister hätten keine endgültigen Vorschläge für die Einstellung der Reparatisns- zahlungen gemacht, obwohl die ganze Tendenz dahin gegangen sei, daß Deutschland diese Zahlungen nicht weiter fortsetzen könne. Der diplomatische Korrespondent des„Daily Herold" meint, daß die Chequers-Besprechungen ein neues Kapitel in den englisch-deutschen Beziehungen eröffnet hätten. Die Unterredungen hätten neues Vertrauen gegeben und bestehendes Mißtrauen be- seitigt. Sie seien von dem Gedanken der Zusammenarbeit beherrscht worden, die Möglichteft einer Mächtegruppierung gegen Deutsch- land oder irgendeine andere Macht unmöglich zu machen. Die Europareise der Staatssekretäre. Washington, 9. Juni.(Eigenbericht) Die neue Notverordnung der Reichsregierung hat hier außer- ordentlich überrascht. Man war allgemein auf scharfe Maßnahmen gefaßt, hat bisher jedoch nicht den Eindruck gehabt, daß es um die wirtschaftliche und finanzielle Lage Deutschlands wirtlich so ernst bestellt ist, wie es aus der Notverordmmg hervorgeht. Unter diesen Umständen wird die Frage eines zwei- jährigen Moratoriums erörtert, ja man diskutiert die Möglichkeit einer Schuldenreoision bzw. einer Streichung der Schulden auch bereits in maßgebenden Regisrung-kreisen und vor allen Dingen der Bankwelt. Amtlich wird dementiert, daß die Reise des Staats- sekretär» S t i m s o n nach Europa mit der Reparationsfrage irgend etwas zu tun habe. Man ist jedoch in unterrichteten Zkreisen all- gemein überzeugt, daß Stimson und Staatssekretär Mellon ihre Ferien in England und Frankreich nicht ohne inoffizielle Erörterungen mit den maßgebenden europäischen Persönlich» leiten über das Schuldenproblem beenden werden. Die Stellung- nähme Europas zu dem Abrüstungsproblem dürste auf das Ergebnis sowohl der inoffiziellen als auch der offiziellen Befprechun- gen amerikanischer Staatsmänner über die Reparotionsfrage be- sonderen Einfluß haben. Das Pech des Zuwelendiebes. Schnelle AufNärungsorbeit der Polizei. Zn der vergangenen Rächt wnrden einem reifenden lluwelenhändler an» seinem Anto im Horden Berlins mehrere Koffer gestohlen, in denen sich Juwelen im Werl von über 30000 Mark befanden, ver Dieb, ein zwanzigjähriger arbeitsloser Dreher Herbert R. au» der Bernauer Straße, konnte bereits zwei Stunden nach der Tat verhaftet und die Beute ihm wieder abgenommen werden. Gegen IL Uhr nachts hielt der Jmvelier mit seinem Auto vor dem Hause Reinickendorfer Straße 39. Von Angehörigen wurde er verständigt, daß noch in der späten Stunde ein Kunde von außer- halb ihn telephonifch zu sprechen wünsche. Der Juwelier schloß den Wagen ob und eilte in die Wohnung hinauf. Dies« Gelegenheit benutzte der Drehev R. dazu, die Scheibe am. Führersitz einzuschlagen und zwei kleine Musterkosser zu stehlen, in denen sich silberne und goldene Uhren sowie Brillanten befanden. Als der Bestohlene an den Wagen zurückkehrte, war der Täter bereits über alle Berg«. Dom zustän- digen Polizeirevier, dem sofort Anzeige erstattet worden war, wurden sogleich Fahndungsmaßnahmen ergriffen. Tatsächlich konnte der Dieb schon nach kurzer Zeit ermittelt und festgenommen werden. Eine Schupostreif« sah auf einer Bank in der Oudenarder Straße einen jungen Mann sitzen, der mehrere Koffer bei sich hatte. Auf die Frage des Beamten, was sich in dem Koffer befinde, gab der Fremde ausweichende Antworten und behauptete, ein Wander- bursche zu sein. Dieser Bluff nützte ihm aber nichts, und als die Beamten die Koffer öffneten, erkannten sie, daß sie den Juwelendieb vor sich hatten. Der jugendliche Täter wurde dem Polizeipräsidium eingeliefert. Mii dem Messer gegen den Liebhaber. Bardame wegen versuchten Totschlags angeklagt. Eine Frau, die zum Messer greift, um den Liebhaber, der ihr untreu geworden, zu töten, wie die Anklage behauptet,— um ihn nur zu schrecken, wie es die Angeklagte selbst will— erlebt man in Moabit nicht oft. Die Bardame B. stach am 29. November v. I. den Fobrikdircktor N. im Cafe Knie in die rechte Brustseite. Sie hatte Glück, der Mann blieb am Leben, so daß sie sich vor dem Landgericht I nur wegen versuchten Totschlags zu verantworten Hot. Die Angeklagte, eine 32jährige, ziemlich verbrauchte Frau, mit einem starken Stich ins Hysterische, mit theatralischen Gesten und einem unmotivierten gekünstelten Lächeln, erzählt langatmig und ausführlich ihre trübe Kindheit und ihre bewegte Vergangenheit. Die zerrütteten Eheoerhältniffe ihrer Eltern hatten ihr Leben gewissermaßen vorbestimmt. Sie wohnte bald bei der Mutter, bald beim Vater, wurde von besten Geliebten schlecht behandelt, knüpfte früh Verhältnisse mit verschiedenen Männern an, ließ sich aushalten, wurde von einem ihrer Geliebten, einem Arzt, zum Morphiumgenuß oerführt, geriet später ins Bnrleben, trank, rauchte, spielte, schluckte Kokain und lftt auch an den seelischen Folgen einer oererbten Syphilis, an der Vater und Mittler zugrunde gingen. Die Angeklagt« entwickelte sich ollmählich zu einer großen Kokotte, wechselte wiederholt ihre Freunde, erreichte auch einen gewissen Wohlstand, mietete eine 7-Zimmer-Wohnung. die sie zum größten Teft weitervermietete und bewirtschaftete zeitweise mit einem Kompagnon«in Restaurant. Sie gab das Unternehmen auf, um ihren letzten Geliebten, einen Fabrik. direktSr besser beobachten zu können. Dies letzte Derhältnis führte zu einer Katastrophe. Nach Aufgabe des Restaurants kam die An- geklagte immer mehr herunter. Schließlich wurde sie dem Direktor lästig, er ließ sie fallen und verlobte sich mit einer anderen. Das wollte die Frau unter allen Umständen verhindern; sie lauerte dem Direktor auf, wartete stundenlang vor seiner Haustür, erzwang hin und wieder Zuwendungen von ihm und wiederholt auch Aussprachen. Solch ein« Aussprache fand am 29. November im Cafö Knie statt. Die Angeklagte hatte neben sich in Papier eingewickelt ein Messer liegen. Als dem Direktor die stürmischen Vorwürfe der An- geklagten lästig wurden, und er Anstallen machte, zu bezahlen und fortzugehen, ergriff die B. das Messer und stach ihm m die Brust. Es gelang ihm, ihre Hand festzuhalten; die weiteren Stiche, die sie gegen seinen Kops führte, gingen fehl. Ueber den Geisteszustand der Angeklagten wird Medizinalrat Dr. Dyrensurch vernommen werden. Schüsse auf Nattonalsozialifien. Kommunisten unier Anklage des versuchten Totschlages. vor dem Landgericht I begann heule morgen zum zweitenmal die Verhandlung gegen die Znngkommnnistrn päd« und Stiller wegen versuchten Totschlags und unbefugten Waffenbesitzes. Der Prozeß wurde vor wenigen Wochen vertagt, da der Ange- klagte Stiller zwar noch vor dem Termin oerhajtet Wörden konnte, die Verhandlung gegen beide Angeklagten ober gemeinsam durch- geführt werden sollte. Am 4. April befanden sich einig« Mitglieder der Hitler-Jugend auf dem Heimwege von ihrem Diskutier- abend. Am Molkenmarkt wurden sie von einigen Kommunisten an- gerempelt, die Hiller-Jungen baten, man möge sie doch in Ruhe lassen. Als Antwort sollen beide Angeklagten Waffen gezogen und geschossen haben. Einer von den Hitter-Jungen wurde a m Oberarm verletzt. Beide Angeklagten bestreiten, geschossen zu haben. Die Beweisaufnahme dreht sich in der Hauptsache um die Frage, cb sie von den Zeugen mit Bestimmtheit als Täter wiedererkannt werden. postauto brennt am Halleschen Tor. Große Ausregung rief heute vormittag ein Autobrand am Halleschen Tor hervor. Im stärksten Derkehrsgetriebe ging gegen 11 Uhr vor dem Hause Gitschiner Straße 113 ein Po st- ayto in Flammen auf. Die alarmierte Feuerwehr konnte trotz starken Wassergebens von dem brennenden Auto, das mit Autoreifen und anderen Autozubehörteilen beladen war, wenig retten. Der Vorfall hotte in der belebten Gegend eine gewaltige Schar Neu- gieriger angelockt. Das Feuer ist offenbar durch einen Vergaser- brand entstanden. Wieder ein Fenstersturz. Ein tragischer Unglücksfall Hot sich in Neukölln ereignet. Im Hause Ostastraßc 5 wohnt dort der Kriminalrat i. R. Zabel mit seiner 59 Jahre alten verwitweten Schwestsr Anna Berg- mann, geb. Zabel. Am Montagabend wollten die Geschwister eine Reise antreten und hatten bereits alle Borbereitungen getroffen. Das Gepäck stand zum Abholen fertig da. Im letzten Augenblick ging Frau Bergmann noch in ein Nebenzimmer, um die Fenster ordentlich zu schließen. Dabei hat sie sich anscheinend zu weit nach vorn übergebeugt, denn plötzlich verlor sie das Gleichgewicht und stürzte auf die Straße hinab. Der Pförtner des Hauses, der als erster das Unglück wahrnahm, rief schnell einen Rettungswagen herbei, der die Verunglückte nach dem Krankenhaufe brachte. Dort ist Frau Bergmann aber bald nach der Aufnahme verstorben. Zeugen des Unglücks find im Zimmer nicht gewesen,«in Selbstmordversuch kommt auch nicht in Betracht. * Ein anderer entsetzlicher Norfall spielte sich in der vergangenen Nacht auf dem Dorortbahnhof K a r l s h o r st an der Strecke nach Erkner ab. Am östlichen Ende des Bahnsteigs hielt sich ein alter Mann auf, der sich plötzlich vor die Räder des einfahrenden elektri- schen Zuges warf. Der Lebensmüde wurde auf der Stelle g e- tötet. Es handelt sich um den 71jährigen Hausdiener Hermann Blumenthal aus der Brandenburgstraße 47. Da» Motiv zu der Verzweiflungstat ist noch ungeklärt. Finnischer Terror. 72 Lappoleut« wurden vom Landgericht in Montsälä wegen der gewaltsamen Verschleppung von Kommunisten zu Gefängnisstrafen von 2— �Monaten verurteilt. Blütenlese aus der Notverordnung Soziale Reaktion. Die Notverordnung vom 6. Juni, ein Dokument von 35 Druckseiten, aufgeteilt in 7 Teile und 40 Kapitel, enthält bei genauer Durchsicht viel mehr, als nach den Vorankündi- gungen zu erwarten war. Man erlebt bei der Lektüre »mancherlei Ueberraschungen, aber leider keine angenehmen. Der rote Faden, der sich durch das Gestrüpp der Paragraphen allzu deutlich hindurchzieht, ist der Geist der sozialen Reaktion. Selbst an der Stelle, an der die Reichs- regierung unter dem harten Zwang der Zahlen einen un- vernünftigen Widerstand gegen die Erschließung neuer Steuerquellen aufgegeben hat und sich zur Krisensteuer auf- gerafft hat, ist durch die groteske Zweiteilung der Tarife— höhere Besteuerung der Lohn- und Gehaltsempfänger, Schonung der veranlagten Einkommensteuerpflichtigen— der unsoziale Geist des gesamten Gesetzgebungswerts ge- wahrt. Dazu kommt dann noch auf der Aufbringungsseite die Massenbelastung durch die Z u ck e r st e u e r, die Streichung der L o h n st e u e r e r st a t t u n g e n bei den Arbeitslosen und die Verbindung der Mineralölzölle als Finanzquelle mit einem Schutzzollgeschenk an die deutschen Produzenten. Noch schlimmer aber als auf der Einnahmen- feite kommt die soziale Reaktion zum Ausdruck in einer Häufung von unsozialen Maßnahmen auf der Ausgabenseite. Der ditte Teil der Notverordnung hat die verheißungs- volle Ueberschrift„Arbeitslosenhilfe". Der Hauptinhalt» der sich unter dieser schönen Ueberschrift verbirgt, ist der syste- matisch« Abbau der an sich geringen Hilfeleistungen, die die Opfer der Krise, die Arbeitslosen, bisher erhalten haben. Das Kernstück ist die allgemeine Herabsetzung der Hauptunter st ützungen. Leider stellt sich heraus, daß es noch eine Irreführung und Schönfärberei war. wenn in den ersten Verlautbarungen von einem Abbau der Leistungen in Höhe von 5 Proz. gesprochen wurde. Die Hauptlinter- stützung wird in der Arbeitslosenversicherung nach Pro- zenten des Einheitslohnes berechnet. Sie betrug bisher in der Klasse 75 Proz, in Zukunft 70 Proz. 60. II 65 III 55 IV 47 V und VI 35 Vir 37,5 VUll-Xl 35 50 42 30 32,5 30 Das heißt, die Differenz von je 5 Proz. bezieht sich auf den Prozentsatz vom Einheitslohn. Das bedeutet als Prozent- satz von der gezahlten Hauptunterstützung in der Klasse I rund 7 Proz., und dieser Prozentsatz der Kür- zung steigt von Stufe zu Stufe bis auf 14 Proz. bei den höchsten Lohnklasien. Dieser Abbau der Hauptunterstützungs- sätze von 7 bis 14 Proz. wird für einen großen Teil der Empfänger in der Wirklichkeit noch dadurch verschärft, daß sie künftig in niedrigere Lohnklassen eingereiht werden» weil im Gegensatz zu der bisherigen Hebung bei Kurzarbeitern in Zukunft für die Berechnung der Lohnklassen nur der Lohn zugrunde gelegt wird, den sie auf Grund der Arbeitszeit- Verkürzung ausgezahlt erhielten. Eine weitere Verschlechterung, die gerade nach dem Fort- schritt des Lohnabbaus im letzten halben Jahr hart empfun- den werden wird, liegt darin, daß die Wartezeit für Arbeitslose ohne zuschlagsberechtigte Angehörige und bis zu drei zuschlagsberechtigten Angehörigen allgemein v o n 7 a u f 1 4 T a g e verlängert wird, für Arbeitslose mit vier und mehr zuschlagsberechtigten Angehörigen von 3 auf 7 Tage. Am schlimmsten werden die Jugendlichen von dem Abbau betroffen. Sie werden, soweit familienrechtliche Unterhaltspflichten ihnen gegenüber bestehen, d. h. also prak- tisch, soweit sie Eltern mit Einkommen haben, bis zum 21. Lebensjahr vollkommen aus der Arbeitslosen- Versicherung ausgeschaltet, während sie bisher vom 16. Lebensjahr an unterstützungsberechtigt waren. Abgesehen von der ungeheuren sozialen Härte, die in dieser Aus- fchließung der jungen Menschen, die arbeiten wollen, aber zur Arbeit nicht zugelassen werden, liegt, muß man sich auch dar- über im klaren sein, daß diese Behandlung im höchsten Maße geeignet sein muß. die ohnedies unheilvoll um sich greifende politischeRadikalifierungderIugendlichen weiter zu verschärfen. Diese Gefahr wird auch in keiner Weise dadurch abgemildert werden durch die in der Notver- ordnung enthaltene, überaus merkwürdige Konstruktion des freiwilligen Arbeitsdienstes. Dieser Arbeitsdienst, auf dessen wirtschaftliche Problematik wir im Augenblick nicht eingehen wollen, enthält als Kernstück die Bestimmung, daß „die Beschäftigung im freiwilligen Arbeitsdienst kein Arbeitsverhältnis im Sinne des Arbeits- rechts begründet", d. h. also, daß die Arbeiter im frei- willigen Arbeitsdienst— und ob die Freiwilligkeit bei den Jugendlichen, dem man die Arbeitslosenunterstützung ent- zieht, immer gegeben sein wird, ist höchst zweifelhaft— sozial vollkommen entrechtet sein werden, daß für sie jeder Arbeit- nehmerschutz, den das moderne Recht begründet hat, fehlen wird. Selbst ob die Vorschriften des Arbeitsschutzes und der Sozialversicherung auf den freiwilligen Arbeitsdienst anzu- wenden sind, bleibt der Entscheidung des Reichsarbeits- Ministers vorbehalten. Die nächste Kategorie der in ihren Rechten noch besonders Verkürzten sind die S a i f o n a r b e i t e r. d. h. die Arbeits- losen, die einem Beruf oder Gewerbe angehören, in dem eine regelmäßig wiederkehrende Arbeitslosigkeit berufsüblich ist, also in erster Reihe die B a u a r b e i t e r. Die Höchstdauer ihrer Arbeitslosenunterstützung wird von 2 6 auf 20 Wochen verkürzt,«rßerdem erhalten sie wie bisher schon im Winter, so jetzt für die ganze Dauer ihrer Unter- stützung nur die Sätze der Krisenfürsorge. Diese Regelung muß um so härter wirken als die Größe der Arbeitslosigkeit, die wir im Baugewerbe seit mehr als einem Jahre unab- hängig von allen Saisonschwankungen zu verzeichnen haben, die frühere Trennung zwischen bcrufsüblicher und konjunk- tureller Arbeitslosigkeit praktisch stark verwischt hat. Verheirateten Frauen wird in Zukunft die Arbeitslosenunterstützung nur gewährt, soweit sie bedürftig sind. Die Prüfung der Bedürftigkeit erfolgt nach den Vor- schriften der Krisenfürsorge. Die Empfänger von Kriscnunter stützung sollen in Zukunft verpflichtet sein, die Beträge, die für sie aus der Krisenfürsorge als Hauptunterstützung aufgewendet werden, zu erstatten, sobald sie ein Einkommen haben und ihr Fortkommen durch die Erstattung der Unterstützung nicht un- billig erschwert wird. Zu allen diesen Verschlechterungen kommt noch hinzu, daß es in der Verordnung ausdrücklich vorgesehen ist, daß es So jchim,.. kann man es wieder haben, wenn man bloß ein bißchen dem Hugenberg Nachlaufen möchte. Fritz Eitel ist zwar von einem Gericht der Republik wegen Kapitalverschiebung verurteilt worden, aber beim Stahlhelm und bei seinen Gardisten in der herrlichen Dorkriegsuniform macht er immer nöch die patriotischen MSnnerherzen erbeben. in Zukunft noch schlimmer kommen kann. Wenn die Gefahr besteht, daß die laufenden Ausgaben der Reichsanstalt ihre laufenden Einnahmen übersteigen, so hat der Vorstand recht- zeitig den finanziellen Ausgleich sicherzustellen. Er darf zu diesem Zweck den Beitrag erhöhen, aber auch die Höhe der Arbeitslosenunterstützung bis auf die Sätze der Krisenunter- stützung allgemein herabsetzen und die Höchstdauer der ver- sicherungsmäßigen Arbeitslosenunterstützung verkürzen. Kom- men die notwendigen Beschlüsse nicht rechtzeitig zustande, so kann die Reichschrcgierung ihrerseits die entsprechenden An- Ordnungen treffen. Damit wird finanziell die Arbeits- losenversicherung vom Rcichshaushalt vollkommen abgehängt und möglicherweise eintretende weitere Verschlechterungen werden vorwiegend auf die Schultern der Arbeitslosen abgewälzt. Aus der Fülle der an anderen Stellen enthaltenen sozial- reaktionären Maßnahmen heben wir noch einige Punkte hervor. In dem Abschnitt„Sicherungen des Haushalts" werden für die Arbeiter aller öffentlichen Betriebe und Verwaltungen Ermächtigungen für Lohnherab- setzungen gegeben, auch wenn nach dem Ablauf der tariflichen Vereinbarungen keine neue tarifliche Regelung zustande kommt. Die Swndenlohnsätze der Reichsarbeitcr sollen zum Beispiel dann um 1— 4 Reichspfennig gekürzt werden, und außerdem entfällt der Kinderzuschlag für ein kinderzuschlag- fähiges Kind. Bei den Angestellten treten die gleichen Gehalts- kürzungen wie bei den Beamten ein. Länder und Gemeinden werden verpflichtet, spätestens vom 1. Oktober 1931 ob die Dienstbezüge ihrer Angestellten und die Stundenlöhne ihrer Arbeiter, soweit sie die Bezüge der entsprechenden Arbeit- nehmer im Reichsdienst übersteigen, herabzusetzen. Das heißt also: dort, wo bisher die Gemeinden noch eine sozialere Lohn- Politik getrieben haben, wird die Nivellierung auf die neuer- dings herabgedrückten Bezüge der Angestellten und Arbeiter im Reichsdienst erzwungen. Die Reichsknappschaft wird gezwungen, vom 1. Juli 1931 ab die Leistungen der Pensionskassen zu ver- mindern. In Abänderung des Tabaksteuergesetzes werden die Sonderunter st ützungen für die Tabakarbeiter, die infolge von steuerlichen Maßnahmen arbeitslos geworden sind, vollkommen gestrichen. Dagegen bleiben die Abfindungen für die betroffenen Unternehmer in voller Höhe erhalten. Der Abrundung des Bildes dient es, wenn wir noch er- erwähnen, daß die Gelegenheit benutzt wird, um das Nacht- b a ck v e r b o t für die Brotfabriken aufzuheben. Wie gesagt, es handelt sich hier nur um eine Blütenlese und keineswegs um eine erschöpfende Dar- st e l l u n g der Fülle von sozialreaktionären Einzelheiten, die in diese Notverordnung hineingepackt worden sind. Jedenfalls ist es der Geist des sozialen Abbaus, die Tendenz der Abwälzung der Krisenlast auf die schwächsten Schultern. die dieses Produkt der„Staatskunst" der Regierung Brü- ning kennzeichnet. Städtebau in LlSSR. Vortrag von Ernst May. Im Rahmen des Internationalen Kongresses für neues Bauen sprach im Herrenhause Ernst May über den Bau neuer Städte in der USER. May, der als Stadtbaurat in Frankfurt a. M in kurzer Zeit ganze Trabantenstädte für den Wohn- bedarf geschaffen hatte, ist im vorigen Jahr als Autorität ersten Ranges nach Rußland berufen worden, um die Neugestaltung ganzer Städte für das ungeheure Reich zu übernehmen, eine Aufgabe, die in so gewaltigem Ausmaß noch nie einem Städtebauer gestellt worden ist. Ernst May hielt den Bericht über seine Tätigkeit als Vorbereitung zum nächstjährigen Kongreß für Internationales Bauen, der in Moskau tagen und als Thema haben soll:„Die funktionelle Stadt." Selbswerständlich ist die engste Verknüpfung der staatlichen Plan- Wirtschaft mit der Form der neuen Städte, die sich da erheben, wo Industrie, Bergbau, Konzentration der Landwirtschaft nach dem Fünfjahresplan der Sowjets sie erfordern. Diese Städte sind übrigens nicht als Massenballungen gedacht, sondern als Verteiler der wirt- schaftlichen Kräfte über das ganze Land, in der Größe von 100000 bis 200 000 Einwohnern. Ihre sehr strenge und fast monoton an- mutende Erscheinung ist bedingt durch die soziale Gleichartigkeit ihrer Bewohner: es sind reine Arbeiterstädte. Ihre Lage richtet sich nach dem Vorkommen der Industrien, Kohlenlager usw. und den geographischen Gegebenheiten: ihr« Gesamtform, ihr Grundriß nach den wirtschaftlichen Notwendigkeiten ihrer Bewohner, die möglichst bequem für ihre Arbeit und Lebensform untergebracht werden müssen. Daher sind von May im wesentlichen zwei Systeme ver- wirklicht: die ausgelockerte Einheitsstadt in der speziellen Band- form, d. h. streifenförmige Anlage von Industriebauten, Grün- gürtet, Wohnstadt in paralleler Anordnung— und die Auflösung in T r a b a n t e n st ä d t e, die mit der Bandstadt kombiniert werden kann. Den Grundriß der neuen Städte bestimmt das Maß des Kollektivismus. May zeigte eine Reihe von neuen Stadtplanungen, die durch- gängig nach folgenden Prinzipien erbaut werden: Nordsüdrichtung der Baublöcke, ihre Zusammenfassung zu quadratischen„Quartalen"' mit etwa je 10 000 Einwohnern, jedes Quartal durch breite Grün- gürtel vom anderen getrennt und in sich eine kleinere Gemeinschaft bildend, durchlaufende Ostwestverbindungsstraßen mit den Verkehr»- Mitteln, Konzentration der Verwallungs- und ftulturgebäude an einem leicht erreichbaren Mittelpunkt. Man hat ähnliche Ideal- siedlungen in Plänen ja. schon seit Jahrzehnten gekannt. Neu und �erstaunlich ist ihre sofortige Durchführung in der Praxi», und— das ist der springende Punkt: mit einer nie erhörten Einstellung auf das Gemeinschaftsleben. May gab allerdings zu, daß immer noch etwa 70 Proz. der Wohnungen als Indimdualhäuser für Privatbesitz gebaut würden, die anderen 30 Proz. verteilen sich auf zwei spezielle Sowjetnormen: die K o l l e k t i v w o h n u n g« n, in denen jeder noch seine normalen Privaträume hat, und die Kommune. Häuser, in denen der AnteU des einzelnen auf 6 bis 0 Quadrat- . meter(Ehepaare 12 bis IL Quadratmeter) hsrabgedrückt ist und das ganze Leben sich in Kollektiven vollzieht. Nicht nur Speisesäle, Klubräume für Arbeit und Spiel und Bibliotheken, sondern auch die gesamte Erziehung der Kinder in Krippen. Kindergärten, Schul- internaten sind gemeinschaftlich. Sinn dieser Organisation: die Frau, deren Arbeitskraft drüben durchaus gebraucht wird, weil Arbeiier- Mangel herrscht, anstatt Arbeitslosigkeit, völlig von ihren Hausfrauen- und Mutterpflichten zu entlasten. Die Entwicklung zur Auflösung der Familie stellte May nicht etwa nur in Rußland fest, sondern in der ganzen Welt. Gegen diese riesigen Projekte wäre zweierlei Grundsätzliches zu sagen. Einmal sind es bisher nur Pläne und es steht noch sehr dahin, ob und wann sie verwirklicht werden. Prinzipiell aber ist gegen diese Art Städtebau einzuwenden, daß sie wohl in den starren Fünfjahresplan hineinpaßt und den architektonischen Niederschlag seiner Mechoden darstellt, daß sie ober nie und nimmer auf Menschen von heute anwendbar ist. Das Schema dieser Städte und Woh- nungen preßt wie ein eisernes Korsett die Menschen zu einer seelen- losen Gleichartigkeit zusammen. E» sind Städte für Staatssklaven, die kein persönliches Eigenleben mehr führen dürfen inid deren Dasein nur den einen Sinn hat: für den ganzen Staat als Kuli zu schuften und Kinder zu zeugen. Lau! F. Schmidt. Schau- und Wissenschastssammlung. Eine Vergleichsauöstellung. Im Verlaufe seiner wechselnden Ausstellungen bringt das Museum für Naturkunde, Inoalidenstraße 43, zur Zeit eine interessante Gegenüberstellung der Unterbringung der Schau- und der wissenschaftlichen Sammlung. Bei einer Zeichnung, die das ganze Gebäude zeigt, ist die Schausammlung rot, die Wissenschaft- liche blau umrändert Im ersten Augenblick ist man unwillkürlich erstaunt über die Austeilung. Wie wenig Platz wird für die Schau und wie viel wird für die Wissenschaft beansprucht. Dabei ist das Gegenteil der Fall, denn die Schausammlung ist so gestaltet, daß sie vollkommen übersichtlich ist und darum verhältnismäßig viel Platz beansprucht. Die einzelnen Objekte der wissenschastlichen Sammlung dürfen nur den allergeringsten Raum für sich in An- spruch nehmen, und deshalb sind oft mehrere Tiere in einem Spiritusglas und mehrere Insekten an einer Nadel aufgespießt. Falls man die wissenschaftlich« Sammlung genau so breitspurig auf- bauen wollte wie die Schausammlung, dann müßte man ein Ge- bäude zur Verfügung haben, das mindestens von der Invaliden- straße bis Unter die Linden reichte. Die im Erdgeschoß befindliche Schausammlung enthält 40 000 Objekte, die wissenschaftliche hingegen 16 Millionen. Da denkt der Laie unwillkürlich, es würde ihm viel an Sehenswertem unter- schlagen. Und doch ist dos nicht der Fall. Das Publikum bekommt alles Wichtige in bester Auswahl zu sehen. Zur Bekräftigung hier «in leicht kontrollierbarer Vergleich. In der Schausammlung kann man sich an den ausgestopften gemeinen deutschen Eichhörnchen er- freuen, die noch nach ihrem Tode viel von ihrer einstigen Lebendig- keit verraten; die wissenschaftliche Sammlung hingegen hat ein RiefemnatssA« Eechhörnchenjellen. Kg Ochmnk fa der Soyder- ausstellung ist mit ihnen gefüllt, und da hängen aneinandergereiht, Schmunghafter Tanz", 3eremonielle Klage"," Ferner Ruf". Ob. über 500 Eichhörnchenfelle. Das eine fommt beispielsweise aus Brandenburg und das andere aus einer Stadt nahe bei München. An dieser Riesenanzahl von Objekten das Museum hat über 1000 Eichhornfelle macht der Wissenschafter seine Vergleiche. Das Endresultat interessiert vielleicht die Allgemeinheit. Diese Sonderausstellung bietet viele Vergleichsmöglichkeiten in dem Sinne Hie Schau hie Wissenschaft". Sie furiert aufs gründlichste von der Ansicht, daß dem Museumsbesucher vielleicht eine Sehenswürdigkeit unterschlagen würde, lehrt aber zugleich die Achtung vor der sorgfältigen Arbeit aller sammelnd und organisatorisch tätigen Menschen, die ein solches Riefenmaterial zu verwalten haben. Stellungslose Schauspieler. e. b. Beim RGO.- Theater spielen fie nicht mit. Ueber die im gestrigen Abend" bereits erwähnte RGO- Berfammlung erhielten wir noch folgende Zuschrift: M Eine furchtbare Berzweiflung und ein entsegliches Elend herrscht jetzt unter den Schauspielern. Jeder weiß, daß die Arbeitslosen ziffern gerade in diesem Beruf ins ungeheure steigen werden. Viele Theater, schließen, die anderen bauen ab. Die Schauspieler liegen auf der Straße. Der Paritätische" ist die Stellenvermittlung der Schauspieler. Da er nicht in der Lage ist, allen Schauspielern Brot zu verschaffen, gibt es selbstverständlich Unzufriedene. Nun macht es fich die fommunistische RGD., Seftion Bühne, zur Aufgabe, das Vertrauen der Schauspieler zu diesem Stellennachweis zu untergraben. Sie rief zu einer Versammlung im Wilhelmshoj" auf. Allerdings folgten diesem Ruf überraschend wenige Bühnen= angehörige. Herr Nerking vom„ Paritätischen" fonnte alle Beschuldigungen gegen den Bühnennachweis mit sympathischen, logisch- sachlichen Ausführungen widerlegen. Der Paritätische ist nicht schuld. Das ging jedem ein. Also wer? Die Redner führten ungefähr folgendes aus: Das Elend ist erschreckend groß. Es be steht keine Aussicht auf Besserung. Im Gegenteil weiß jeder, daß es noch viel schlechter wird. Die Arbeitslosenziffer der Schauspieler wird ungeheuer steigen. Wer ist nun schuld am Elend? Die Wirtschaftsfrise. Wer ist schuld an der Wirtschaftskrise? Brüning. Wer ist schuld an Brüning? Die Sozialdemokraten." Da sitzt also der Hase im Pfeffer. Die Sozialdemokraten sind schuld, daß die Schauspieler fein Brot haben. Darum Rampf bis aufs Messer. Mer bringt Rettung? In Sowjetrußland gibt es feinen einzigen arbeitslosen Schauspieler. Im Gegenteil, es entstehen immer neue Bühnen. Es mangelt an Kräften. Na also! Liegt etwas flarer auf der Hand? Wo liegt das Heil, alles Heil des Schauspielers? Im kommenden Sowjetdeutschland. Mit viel Temperament, Schwung und schnellem Redefluß( beim zweiten Redner holte der zweite Satz fast den ersten wieder ein) versuchte man den Zuhörer zu überrennen. Vor lauter Begeisterung und Bewunderung sollte er nicht zum Nachdenken tommen. Warum verweigern nun die kommunisten den Theatern die Unterstühungen? Warum müssen deswegen so viele Theater schließen und Schauspieler brotlos werden? Die Kommunisten nehmen den Schauspielern Arbeit und Brot und stürzen sich dann auf die Hungernden, versprechen ihnen Arbeit und Brof in einem Sowjetdeutschland. Wie üblich, wurde am Schluß der Bersammlung eine faftige Resolution angenommen. Da fast nur noch einige RGD.- Mitglieder anmesend waren, wurde sie auch fast einstimmig angenommen. Kehraus der Tanzsaison? Lifelore Bergmann, die mit Andrei Jerschit im Bühnensaal der Bigman- Schule tanzte, gehört zu den sympathischsten Erscheinungen des jüngsten Nach muchses. Sichere, in allen Sätteln gerechte Technik versteht sich heute von selbst. Kein tänzerischer Ausdrud scheint der jungen Palucca- Schülerin versagt, und die Stala der Stimmungsmuancen ist umfangreich. Ihr Bestes gibt sie in festlich schwingendem Pathos: PROGRAMM für die Zeit vom 9. bis 11. Juni BTL wohl der Stil durchweg rein abstraft ist, pflegen die Höhepunkte Der Kompofitionen seltsamerweise meiſt pantomimisch zu sein. Ihr Partner Andrei 3erschit zeigt sich als glänzender Gymnafti. fer. Wie weit seine tänzerische Begabung reicht, fann ich nach dem, was ich bisher von ihm sah, nicht beurteilen. Der Gestaltung der Tänze mangelt der flare Aufbau und die Gipfelung. Starte Augenblidseffekte, aber feine nachhaltige Wirkung. Fehler, die sich überminden lassen und von denen wir hoffen wollen, daß sie mit der Zeit überwunden werden. J. S. Arbeitslose stellen aus. Kunst und Können der Arbeitslosen" betitelt sich eine eigenartige Ausstellung im Hauptbahnhof in Nürnberg. In erster Linie sind es ausgezeichnete Arbeiten auf funstgewerblichem Gebiete, die hier zu sehen sind. Die Veranstal tung, die viel Zuspruch findet, geht von der Nürnberger Interessengemeinschaft der Arbeitslosen aus. Hartung Intendant des hessischen Landestheaters. Die Vermaltungskommission des hessischen Landestheaters hat den Berliner Intendanten Gustav Hartung zum Nachfolger Eberts gewählt. Har tung ist bereits früher Leiter des hessischen Landestheaters gewesen. Hans Reinmar ist von der Intendanz der Städtischen Oper noch für ein zweimaliges Auftreten verpflichtet worden. Er singt am 12. Juni den Nelusco in der Afrikanerin" und am 17. Juni den Amonasro in" Aida". Dienstag, 9. 6. Staats- Oper Unter d. Linden 281. A.-V. 1912 Uhr Nea einstudiert Der Zigeunerbaron Ende 222 Uhr Dienstag. 9. 6. Städt. Oper Bismarckstr Turnus II 20 Uhr Das Spitzentuch der Königin Ende n. 23 Uhr Staats- Oper Staatl. Schausph. Am Platz der Republik V.-B. 20 Uhr Der Barbier von Sevilla Oeffentl. Kartenverkauf ( am Gendarmenmarkt). 241. A.-V. 20 Uhr Uraufführung: Cecil Rhodes Ende 222 Uhr Ende 22 Uhr Staatl. Schiller- Theater, Charltbg. 20 Uhr Haus Herzenstod Ende nach 2212 Uhr Volksbühne Theater am Bülowplatz. 8 Uhr Lumpazivagabundus Staatl. Schiller- Th. 8 Uhr Haus Herzenstod Staatsoper Am Pl.d.Republik 8 Uhr Der Barbier von Sevilla Deutsches Theater 8 Uhr Der Hauptmann von Köpenick v. Carl Zuckmayer Regie: Heinz Hilpert Winter Garten. Die Komödie 8.15 Uhr Flora 3434 Rauchen erlaubt Kirchweih am Tegernsee Rebla Kemple Bootz Krehan Tucher& Co. usw. Reichshallen- Theater Allabendlich Uhr Stettiner Sänger Zum Schlus Täglich 82 Uhr Dienst am Kunden von Curt Bois und Max Hansen Regie: Hans Deppe KurfürstendammTheater Bismarck 449 Geschlossen Sonnabend, 13. Juni, zum ersten Mal Der Welltheaterbund, der 1929 in Barcelona und 1930 in Ham burg zusammengetreten war, wird seine fünfte Tagung wieder in Paris abhalten. Der diesjährige Kongreß, bei dem Firmin Gémier den Borsig führen wird, findet vom 25. bis 27. Juni statt. Ausstellungschronit. Neue Ideen zur wirtschaftlichen Gestaltung des fünstlertschen Bühnenbildes" lautet das Thema der Bühuenbildausstellung, die die Vereinigung fünstlerischer Bühnenvorstände im Aulagebäude am Kaiser- Franz- Josef Platz eröffnet hat. Die Ausstellung fann fostenlos wochentags zwischen 9 und 1 Uhr besucht werden. Ubr bejum Das Rofe Kreuz von Berlin veranstaltet am 12. Juni aus Anlaß des diesjährigen Rotfreuztages einen Beethoven- Brahms- Abend in der Philharmonie. Frig Busch( Staatsoper Dresden), der Pianist Rudolf Serkin sowie das Berliner Philharmonische Orchester haben ihre Mitwirkung zugesagt. zeit beginnt Montag, den 17. August. Die Spielzeit der Städtischen Oper endet am 28. Juni; die neue SpielWetter für Berlin: Größtenteils wolfig mit fortdauernder Neigung zu Niederschlägen und mäßigen jüdwestlichen Winden, etwas wärmer. Für Deutschland: Im Westen und Süden etwas Erwärmung, aber immer noch vielfach Niederschläge, im Osten vorübergehende Besserung. Berantwortl. filr die Redaktion: Serbert Lepère, Berlin: Anzeigen: Th. Glode Berlin. Verlag: Borwärts Berlag G. m. b. S., Berlin, Druck: Borwärts Buch bruckerei und Verlagsanstalt Baul Ginger& Co., Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Sierzu 1 Beilage. Guido Thielscher erntet Stürme der Begeisterung im Rose- Theater " Der Jubel ist groß und berechtigt." ( Tempo) Nur noch 14 Tage: ,, Der wahre Jakob" Wochent. 815, Sonnt. 545 u. 9 Uhr Rose- Garten Das erste Sommertheater Berlins! Wochent. 530 Uhr, Sonnt. 5 Uhr Großes Konzert und internationaler Varietéteil 815 letzte Woche; Die Schwankoperette: ,, Das Liebesverbot". Ab 15. Juni vollständig neuer Varietéteil u. die Operette von Josef Snaga: ,, Der Hutmacher Sr. Durchlaucht", Gr. Frankfurter Str. 132 E7 Weichsel 3422 U- Bahn Strausberger Platz Billettkasse geöffnet von 11-1 und 4-9 Uhr. ,, Alles verrückt!" Die schöne Berliner ik- Trio Mittwoch, 10. 6.: Wiederauftreten Paul Britton. Helena von Jacques Offenbad Neuk811n. Regie: Max Reinhardt! Lahnstr. 74/75.] Eisschränke auch gegen moles 18 Monats- Raten Radatz Berlin W 66, Leipziger Straße 122/123 essing- Theater Täglich 8% Uhr Zum goldenen Anker Valetti, Tiedtke, Wiemann, Horney, Stössel, Faber, Walter. SCALA Tägl. 5 und 81/ 2U. Edmund Fritz' Singing Babies Mae Wynn u. Buddy, 10 Deblars usw. Elite- Sänger Kottbusser Str. 6 Tägl 8 U. Die große AusstattungsRevue Posse Laßt schöne Frauen um mich sein! von HarryWalden KINO TAFEL Moabit Steglitz Film- Palast Kammersälel Film a. W. a. 6.30 Uhr Titania- Palast W. 6.30, 9 U. Teltower Str. 1 Artushof Film u. Bühne S. ab 5 Uhr Perleberger Str. 29 Stg.4, 6.30,9 U Bühnenschau Steglitz, Schloßstr. 5, Ecke Gutsmuthsstr. Neuaufführung! Richard Tauber Potsdamer Straße 38. 100 proz. Tonfilm: Tänzerinnen für W. 5, 7, 9, S. 3, 5, 7, 9 Uhr Der Mann, der seinen Mörder sucht. Ein Lustspiel mit Heinz Rühmann, Lien Deyers Rheinstraße 14( An der Kais.- Eiche) W. ab 5.15, S. ab 3.15 Uhr Das Geheimnis seiner Frau, 8 Akte, m. E. Jannings Der Maharadscha von Domelanien m. Adolphe Menjou Südamerika gesucht mit Dita Parlo Belprogramm Welt- Kino Alt- Moabit 99 Wochent. 6.45, 9.05 Sonntags ab 4.45 100 proz. Tonlustspiel: Seitensprünge mit Gerda Maurus, Oskar Sima Tonwoche Tonbeiprogramm Charlottenburg Odeon, Potsdamer Str.75 Kant- Lichtspiele W. 5, 7, 9, S. 3, 5, 7, 9 Uhr in seinem schönsten Tonfilm: Das lockende Ziel mit Lucie Englisch, Oskar Sima Tönendes Beiprogramm Jugendliche haben Zutritt Zeli Zehlendorf- Mitte Wochentags 7, 9 Uhr Sonntags 5, 7, 9 Uhr Potsdamer Str. 50 Stg. 3 Uhr: Jugendv. Tonfilm: Der Mann, der seinen Osten W. 6.30, 9, Stg. ab 5 U. 100 proz. Tonfilm: Voruntersuchung Germania- Palast mit Gustav Fröhlich, Bassermann, Brausewetter Beiprogramm Süden Primus- Palast Am Hermannplatz, Urbanstr. 72/76 Wo. 6.45, 9 U., Sonnt. ab 5 U. Zwei Stunden Lachen Lustiges Beiprogramm Bühne: Frankfurter Allee 314 Wochentgs. 6.30 U., Sonntags ab 5 Uhr Neuaufführung! Tonf.lmoperette: Zwei Herzen im Dreivierteltakt mit Grell Theimer, Walt. Janssen, Willy Forst, Oskar Karlweis Bühne: 2 Varieténummern Belprogramm Jugendliche haben Zutritt HAUS VATERLAND KURFURST 7460 P Vergnügungs Restaurant Berlins BETRIEB KEMPINSKI Komische Oper Blumenspenden Friedrichstr. 104 812 Uhr jeder Art liefert preiswert Frauen haben Paul Golletz vormals Robert Meyer das gern... Mariannenstr. 3 Musikal. Schwank F8, Oberbaum 1303 d von Arnold Musik v. Walt. Kollo Sommerpr.0.50-7.00 Metropol- Theater Täglich 8 Uhr Die Toni aus Wien Mady Christians, Michael Bohnen esonders wirksam sind die KLEINEN ANZEIGEN im Vorwärts" und trotzdem !! billig!! PROGRAMM für die Zeit vom 9. bis 11. Juni Weißensee Schloßpark Film- Bühne Berliner Allee 206-210 100 proz. Tonsprechfilm: Hochstapler aus Liebe mit H. Junkermann Bühnenschau Friedrichsfelde US Kino Busch Woch. 6.15 u. 9 U. Sbd. 5, Stg. 32 U. Alt- Friedrichsfelde 3 Pat und Patachon auf Freiersfüßen Luna- Palast Woch. ab 6 Uhr Gastspiel Leo Morgenstern, in seiner Gr. Frankfurter Str. 121 urkomisch. Szene: Schwerarbeiter" Jugendliche haben Zutritt 12 Mörder sucht mit Heinz Rühmann Th. am Moritzplatz Beiprogramm Mariendorf Tonfilm: Der falsche Ehemann mit Maria Paudler, Joh. Riemann Bühne: Curt Roda, Anita Schorr Belprogramm W.6,9, Stg. ab 5 Stg. 5, 7, 9 Uhr. 100 proz, Tonfilm: Rosenmontag mit Lien Deyers, Math. Wiemann Lustiges Beiprogramm Norden Müllerstraße 136, Beg: Wochtg. ab 6.30, 9. Stg. ab 4.30 U. Frankenburg, Stg. 3 Jgd- v. Alhambra Ecke Seestraße Tonfilm: In Wien hab' ich einmal ein Mädel geliebt mit Rich. Talmadge Der geheimnisvolle Kavalier Mariendorfer Wochentg. Lichtspiele ab 7 Uhr Donnerst: Schuberts Frühlingstraum Kantstr. 54( an der Wilmersdorfer Str.) Stg. ab 3 Uhr Ma- Li Seitensprünge mit Gerda Maurus, Chausseestr. 305 Oskar Sima, Adele Sandrock Pat und Patachon auf Freiersfüßen. W. 5, 7, 9 Uhr Das glänzende Lustspiel: Die Unzertrennlichen. Jugendliche Zutritt! Turmstraße 12 W. 5. 79U. S 3,5,7,9 U Greta Garbo spricht deutsch in Anna Christie Alexanderstr. 39-40 ( Passage) Den ganzen Tag geöffnet, Stgs. ab 3 Uhr und das ist die Hauptsache! mit Nora Gregor, Harry Liedtke Westen Primus- Palast Potsdamer Str. 19 Ecke Margaretenstr. W. 5.15, 7.15, 9.15, Stgs. ab 3.15 Uhr Der Schrecken der Garnison mit Felix Bressart. Jugendl. Zutritt! Friedrichstadt Franziskaner Tageskino ab 11 Uhr vorm. Georgenstraße( Ecke Friedrichstraße) Die letzte Warnung m. L. la Plante Tonfilm: Die drei von der Tankstelle mit Harvey, Fritsch- Belprogramm Wilmersdorf Atrium Beba- Palast Kaiserallee, Ecke Berliner Straße Täglich 7, 9.15 Uhr, Stgs. 5, 7, 9,15 Uhr Die Dreigroschenoper, der große Tonfilmerfolg jetzt in französischer Fassung mit Albert Préjean, Margo Lion. Regie: G. W. Pabst Tönendes Beiprogramm Schöneberg 100 proz. Ton! ustspiel: Tingel- Tangel mit Kampers, Elisabeth Pinajeff, Alfred Braun- Beiprogramm Tempelhof Tivoli Berliner Str. 97 Südosten Luisen- Theater Reichenberger Str. 34 Anf. W. ab 61/2 U. Stg. ab 5 U. Tonfilm: Das Schicksal der Renate Die Langen mit Mady Christians fidele Herrenpartie-Beiprogramm Beg. 7, 9 U. Stgs. 3 Uhr: Jug.- Vorst. 100 proz. Tonoperette: In Wien hab' Stella- Palast ich einmal ein Mädel geliebt Beiprogramm Neukölln Mercedes- Palast Titania Schönebg. Stg.ab3 Wochent. 6%, 9 Uhr, Sonnt. 5 Uhr: W.5,7,9 Hermannstraße 212, Ecke Jägerstraße Hauptstraße 149 100 proz. Tonlustspiel! Eine Freundin so goldig wie da mit Anny Ondra, Bressart Beiprogramm Friedenau Kronen- Lichtspiele Rheinstr. 65 W. 7, 9, Uhr Tonoperette: Zwei Herzen im Dreivierteltakt mit Willy Forst Bühnenschau Beiprogramm Jugendliche haben Zutritt Südwesten Köpenicker Straße 11-14 Wochtgs. 7, 9 U., Sonntags ab 5 Uhr 100 proz. Tonf.: Die heilige Flamme mit Dita Parlo, Gustav Fröhlich Bühne: 2 Trebillos, Luftakt, Genia und Vittorio, Musik.- Akt Sternwarte- Treptow Große Frankfurter Straße 74 Tonoperette: Kaiserliebchen mit Liane Haid, W. Janssen, Bendow Beiprogramm Bühnenschau Wochent. 5, 7, 9 U., Sonnt. 3, 5, 7, 9 U. Tonschwank: Die zärtlichen Verwandten mit Bressart, R. Roberts Tonbeiprogramm Schwarzer Adler Frank. Pharus- Lichtspiele Allee 99 Müllerstr. 142 W. 5,7,9 U., Stg. 3,5,7,9U. Woch. 5, 7, ca. 9, Stg. 3, 5, 7, 9 U. Großtonfilm: Schatten der Unterwelt mit Harry Piel, Dary Holm Tönendes Beiprogramm V. T. Lichtspiele früher Kriminaltonfilm: D- Zug 13 hat Verspätung- Stumme von Portici mit Szőke Szakall Pankow Frankfurter Allee 48 W.5, Stg. 3 Uhr Palast- Theater Tonoperette: Die lustigen Weiber von Wien mit Willi Forst und Lee Parry Großes Belprogramm Zentrum Mittwoch, 8 Uhr: Die letzten Segel- Babylon, schiffe( Filmvortrag) Donnerstag, 8 U.: Mit Byrd zum Südpol( Film) Nordosten Elysium" Prenzlauer Allee 56 Wochent. ab 7, Sonpt. ab 5.Uhr: Zapfenstreich am Rhein m. Siegfried am Bülowplatz Wochentags 6.30 Uhr Breite Straße 21 a W. 7 u. 9, Stg. 5, 7, 9 100 proz. Tonfilm: Grock( Aus dem Leben ein. berühmt. Artisten) mit Liane Hayd Beiprogramm Jugendliche haben Zutritt! Tegel Sonnabends u. Sonntags ab 5 Uhr Filmpalast Tegel Bahnhof 100 proz Tonfilm: Das Schicksal der Renate Langen mit Christians, Abel Tonbelprogramm Bühnenschau Neu- Lichtenberg Arno/ Bühnenschau/ Tonwochensch. Kosmos- Lichtspiele Flora- Lichtsp. Landsberger Lückstr. 70 40/41 straße 2 Stgs. 2 U. Jgd.- Vorst. W.6, Stg. 4 U. Tonfilm: Dämon des Meeres mit Wilhelm Dieterle, Lissi Arna Ausgezeichnetes Tonbeiprogramm Hennigsdorf Beg. W. 6, 8.30 44, 61/2, U. Sonntags 5, 7, 9 U. Berliner Straße 59 Stg. 2 U. Jug.- Vorst. Mittwoch, Donnerstag! Verlängert: Tonschwank: Wenn die Soldaten mit Charl. Ander, Verebes Beiprogramm Wochent. 7, 9 Uhr Filmpalast St., 3/4 3. W. S, So. ab 3 Uhr Wochentags ab 6.30, Sonntags ab 4 U. Sexualtonfilm: Feind im Blut Tonfilm: Liebe auf Befehl Sonnab. und Sonntags ab 5 Uhr Lichtspiele Südwest Tonlustspiel: Der Tanzhusar mit Blücherstr. 12 Karlweis, Verebes, Gr. Theimer, 100 proz. Tonlustspiel: Friedl Haerlin Der wahre Jakob m. F. Bressart, Reichhaltiges Beiprogramm R. A. Roberts Gutes Beiprogr. mit Olga Tschechowa, Riemann Zwischen den Seilen Aus dem intimen Leben der Geschlechter Tonbelprogramm (Beilage Dienstag, 9. Juni 1931 SivMimS �fio/ndktftitfsi koft&osA Prof. Dr. Walter Crropius: Bekenntnis zum Hochhaus Prof. Dr. F. Bernstein: Alterssichtlgkeit und liehensdaaer In dem Institut für mathematische Statistik der Universität Gottingen wurden von mir und meinem Mitarbeiter in den letzten zwei Jahren Untersuchungen über Vergreisung und Lebensaus- sichten angestellt, deren erste Ergebnisse jetzt vorliegen. Es handelt sich dabei um den Zusammenhang zwischen dem Zeitpunkt des Eintretens des bekonnten Altersmerkmals des Menschen, das als A l t e r s s i ch t i g k e i t bezeichnet wird. Dos Altern des Menschen findet in sämtlichen Organen statt. wobei allerdings unbekannt ist, ob diese Organe gleichartig von den Alterserscheinungen ergriffen werden, oder ob nicht beträchtliche Unterschiede zwischen ihnen bestehen. Die Alterssichtigkeit des Auges beruht darauf, daß die Augen- linse durch Ablagerung von gewissen Produkten des Stoffwechsels ollmählich in einen Erstarrungszustand übergeht. Infolge- dessen vermag die Augenlinse nicht mehr die gekrümmte Form an- zunehmen, die notwendig ist, wenn wir in der Nähe deutlich sehen wollen. Die Ablagerungen, um die es sich hier handelt, sind die gleichen, die auch in anderen Teilen des Körpers erfolgen und auch in diesen den Alterszustand hervorrufen. Diese Ablagerungen scheinen schon sehr früh einzusetzen, denn die Fähigkeit der Augenlinse, ge- krümmt zu werden, nimmt bereits von den ersten Lebenstagen an ständig ab. Man Hot festgestellt, daß der sogenannte Nahepunkt des menschlichen Sehens, das heißt derjenige dem Auge am nächsten gelegene Punkt, in welchem man noch deutliches Sehen erzielen kann, im Alter von 10 Iahren etwa 10 Zentimeter beträgt und dann im Laufe des Lebens ständig hinausrückt. Ueberschreitet dieser Punkt die Entfernung bequemen Lesens, die etwa bei 30 Zentimeter Augenabstand liegt, so macht sich das Bedürfnis nach einer Zusatz- linse geltend, welche den Nahepunkt wieder auf bequeme Leseent- fernung bringt. Diese Zusatzlinsen sind die Altersbrillen, welche verordnet werden müssen. Die Stärke der Altersbrille wird in sogenannten Dioptrien gemessen. Mit diesen Borgängen hat es nichts zu tun, daß die Augen ihrem Bau entsprechend in kurzsichtige, normalsichtige und weitsichtige unterschieden werden, je nachdem die Linse vom Augenhintergrund zu weit entfernt ist, in richtiger Entfernung sich befindet, oder ihm zu nahe steht, um ein deutliches Bild zu geben. Diese Abnormitäten müssen zunächst einmal korrigiert werden, damit ein auf den unendlichen Horizont eingestelltes Auge diesen deutlich sieht, und erst dann, wenn das Sehen auf unendlich korrigiert ist, kann man das Nohefehen untersuchen, dessen Gelingen von der Biegbarkeit der Linse und nicht vom Bau des Auges ab- hängt. Hieraus erklärt sich, daß zum Beispiel kurzsichtige Personen, bei denen beide Korrekturen in entgegengesetzter Richtung liegen� noch im höchsten Alter ohne Altersbrille lesen, ohne daß etwa die Bieg- barkeit der Linse, das heißt die eigentlich« Alterssichtigkeit günstiger wäre Die Untersuchung beschäftigt sich mit der Frage, wie hoch die noch zu erwartende Lebensdauer für bestimmte Altersgruppen ist, bei denen starke, mittlere oder geringe Alterssichtigkeit festgestellt war. Diese Fragen wurden an dem Material der Göttinger und Leipziger Universitätsaugenkliniken sowie an dem zweier Privat- ärzte geprüft. Es wurde bei den Personen, die diese Kliniken in dem Zeitraum von 1880 bis 1008 konsultiert hatten, die damalig« Alterssichtigkeit ermittelt, wobei, um möglichst Gleichartigkeit der Fälle zu erhalten, mannigfache Beobachtungen auszuschalten waren. Das so gewonnene Material wurde von den Wohnungsämtern zum Zwecke der weiteren Feststellung über die Lebensdaten bear- beitet und führte zu Ermittlungen der T o d e s d a t e n der Per- sonen, die inzwischen verstorben waren. Auf Grund dieser Feststellungen ergab sich aus dem ganzen Material einwandfrei, daß in jeder untersuchten Alters- klaffe die Personen von geringerer Alterssich- tigkeit eine höhere Lebensdauer, die Personen von hSherer Alterssichtigkeit«ine geringere Lebensdauer zu erwarten haben. Danach ist der Erstarrungsgrad der Linse bis zu einem ge- wissen Grade ein wirklicher Maßstab für die eingetretene Dergrei- siing des Körpers, welche die natürliche Lebensdauer beschränkt. Bei dem Leipziger Material war es möglich, diesem Zusammen- hang noch genauer nachzugehen, weil die Todesursachen ermittelt werden konnten. Dabei ergab sich, daß, wenn man alle diejenigen Todesursachen ausschaltet, die mit der Vergreisung wenig oder gar nichts zu tun haben, daß dann der Zusammenhang noch viel deut- licher wird. Bei Beschränkung auf diejenigen Fälle, in denen der Tod durch Herzschlag oder Gehirnschlag erfolgt war, und die im Alter über S0 Jahre die Hälfte oller Todesfälle ausmachten, er- gaben sich nach dem Grade der Alterssichtigkeit in der mittleren Lebenserwartung durchschnittliche Unterschiede von mehr als zehn Iahren, dos heißt von nahezu der Hälfte der noch zu erwartenden Lebenszeit. Genaueres lehrt die folgende Tabelle: Mittlere Lebenserwartung lMänner und grauen) Untersuchungs- Grad der Alterssichtigkeit altersgruppe übernormal normal unternormal 44—49..... 17,9 22,5 31,8 50—53..... 15,5 18,9 23,2 54-58..... 11,2 13,9 19.8 59—63..... 11,4 10,3 13,4 64...... 6,4 9,9 10,9 Das heißt also, daß ein Mann von 52 Iahren, der im Jahre 1900 eine Alterssichtigkeit von 1,0 v hatte, mit einer Lebensdauer von etwa 23,2 Jahren rechnen konnte, wenn Todesfall infolge einer äußeren Infektion oder Schädigung(Tuberkulose, Unfall usw.) außer Betracht bleibt, und nur Todesfall an Alterserscheinungen(Herz- und Gehirnschlag) in Betrocht gezogen wurde. Es war eine be- kannte Tatsache, daß die Lebensdauer der Frauen durch- schnittlich VA Jahre höher ist, als die der Männer. Demgegen- über konnten wir feststellen, daß hinsichtlich des Eintritts der Alters- stchtigkeit und der durch diese gemessenen Dergreisung zwischen Männern und Frauen ein merklicher Unterschied nicht besteht. Die kürzere Lebensdauer der Männer ist also eine Folge ihrer ungünstigeren Lebensweise und nicht die Folge früherer Ber- greisung. Es haben si» auch kleine, ober keineswegs sicher gestellte Unterschiede zwischeu Stadt- und der Landbevölkerung und Die Meinungen über die ideale Wohnform stehen sich scharf gegenüber; sie entsprechen in ihren Wurzeln der alten Antithese von Stadt und Land. Der Mensch braucht Gegensätze zur Anregung und Entspannung. Die sortschreitende Entwicklung hebt nun neuer- dings die krassesten Gegensätze auf, bringt Errungenschaften der Stadt ouss Land hinaus und Reize der Natur zurück in die Stadt. Der Wunsch des Städters nach dem Land, des Landmenschen noch der Stadt ist elementarer Natur und sucht stetig nach Befriedigung. Der Kampf um die Wohnsorm ist also in seinem Kern psycho- logischen Ursprungs, daher auch panischen Rückschlägen und Psychosen unterworfen, wie wir sie in dem leidenschastlichen Kampf gegen die Mietkaserne erlebt hoben. Die verheerenden Folgen der wilden Bautätigkeit in den Städten brachten als gesunden Rück- schlag die Tendenz des„Zurück in die Natur" und den Kampf der Behörden und privater Persönlichkeiten um das Ziel, die Mehr- zahl des Volkes im Einsamilienheim mit Garten unterzubringen. Schuld an dem Wohnungselend dicht zusammengedrängter Miet- kasernen ist ober nicht die Wohnform des mehrctagigen Groß- Hauses, sondern die kurzsichtig« Gesetzgebung, die den Bau der Dolkswohnungen ohne ausreichende soziale Sicherung skrupelloser Spekulation preisgab. Das mit Verantwortung geplante, mit reich- lichen Abständen in breite Grünflächen gestellte Großhaus kann jedoch alle Bedingungen nach Licht, Lust und Auslauf erfüllen, und außerdem dem Bewohner ein Fülle weiterer Vorteile bieten. Die Besonderheit der Großstadtsiedlung vieler werktätiger Menschen um einen engen Eitykern fordert kurze Wege, das heißt Ausnützung der vertikalen Baugliederung zur Verkürzung der horizontalen Entsernungen. Die Wohnsorm des Flachbaus steht dieser Grundtendenz der Stadt entgegen. Ist eine vernünftig« Stadtenwicklung denkbar, wenn alle Bewohner im Eigenheim mit Garten wohnen? Ich glaube, nein. Di« wirtschastlichen Erfahrungen und die Umstellung.zahlreicher Bolkskreise in der Lebens- und Wohnausasssung lassen keinen Z weisel, daß die einseitige Ziel- setzung zugunsten des Eigenheims zu Verwirrungen führte und nachteilig auf die gesamte Wohnungspolitik wirkte. Nach dem Stand der Dinge ist der Gedanke, die Mehrzahl des Volkes in Eigenheimen unterzubringen, bestimmt eine wirt- schaftliche Utopie. Entscheidend für die Wahl der Wohnform des Städters sst der höchste für ihn erreichbare Wohneffekt. Dieser hängt ab von seinen Neigungen, von seinem Beruf und seinem Geldbeutel. Für den Durchschnitt der Bevölkerung ist das Wohnen im Eigenheim un- wirtschaftlich, da es als Kleinwohnung unrentabel und außerdem zeitraubend in der Bewirtschaftung ist. Den Vorteil der unmittel- baren Erdnähe tauscht der Bewohner mit dem Nachteil langer Anmarschwege, weiter-Schulwege und erschwerten Einkaufs ein. Die Belastung durch Fohrkosten ist sehr hoch und die Nebenkosten des Einfamilienhauses, wie: Reparaturen. Wasserzufuhr, Ab- Wässerung, Müllabfuhr, Straßenreinigung usw. dürfen nicht ver- gessen werden. Wenn nun die Praxis des Wohnungsbaues unter Würdigung auch der nicht wirtschaftlichen Faktoren zeigt, daß umfassende Teile der Bevölkerung auf dem Wege des Heimstättenbaues nicht versorgt werden können, so ergibt sich daraus eindeutig, daß das gut organisierte, moder ne Großhaus nicht als notwendiges zwischen Bevölkerung verschiedener Gegenden ergeben. Ebenso er- gaben sich klein« Unterschiede zwischen der Dergreisung von heute und früher. Die Untersuchungen werden noch in der Richtung fortgesetzt, alle Unterschiede zu prüfen. Weitere Altersmerkmale sollen in gleichem Zusammenhang untersucht werden, und es erscheint nicht unmöglich, daß es gelingt, aus der Kenntnis des Alterszuftandes eines Menschen viel weiter- gehende Voraussagen auf den natürlichen Lebenslauf zu machen, als dies bisher möglich war. OderreKiernnxGrnt Dr. E. Rösle: Krank'enkarten in Rnssland Wenn ein Arzt in Deutschland etwas über die Krankheiten der Ellern oder sonstigen Verwandten eines Patienten erfahren will, so ist er in den meisten Fällen auf die Aussag'en des Patienten selbst angewiesen, der jedoch meist nur oberflächlich oder falsch darüber orientiert ist. Aber nicht überall ist es so schlecht hiermit bestellt. Kommt i m ländlichen Gebiet des Moskauer Gouvernements ein Patient zum Arzt seines Reviers, so sucht auch der sich zunächst Kenntnis von der Krankengeschichte der Familie zu verschajfen— aber nicht mittels der Aussagen des Patienten, sondern mittels seiner Familienkartei. Da ein Landarzt in Rußland nicht— wie es bei unseren Land- örzten der Fall ist— einen ärzllichen Zwergbetrieb in seiner Wohnung leitet, sondern über ein kleines Krankenhaus oder mindestens über ein Ambulatorium verfügt, so ist er verpflichtet, organisierte Arbeit zu leisten. Dazu gehört die Familienkartei, in der die für jeden behandelten Patienten ausgefüllten Kranken- karten familienweise nach Dörfern aufbewahrt werden und deren wichtigster Inhalt außerdem noch auf einer Familienkarte übersichtlich zusammengefaßt wird. Da diese Einrichtung schon lange vor de ni Kriege von der Semstwo-Verwaltung, der die Wohlfahrtspflege auf dem Lande oblag, geschaffen wurde, so kann der Arzt sich rasch über die in der Familie und bei den Vorfahren beobachteten Krankheiten an Hand dieser Auszeichnungen Kenntnis verschaffen und braucht sich daher nicht auf die meist unzuverlässigen Aussagen des Patienten zu verlassen. In dieser Einrichtung hoben wir die erste medizinische Familienregistrierung für engbegrenzte Gebiete mit einer bodenständigen Bevölkerung. vor uns, bewirkt von Aerzten für A e r z t e, ein Idealgebilde, wie es wohl keiner unserer Erblichkells- und Familienforscher sich hätte erträumen lassen— und wie wir es sonst nirgends finden, weil die Vorbedingungen hierzu nur in Ruß- land gegeben sind. In Rußland sind nämlich die Dorfbewohner schon wegen öe'r großen Entsernung der Dörfer voneinander gezwungen, zu keinem anderen als zu ihrem Reoierarzt zu gehen, der si« un- llebel betrachtet werden darf, sondern als echtes Wohngebilde unserer Zeit mit aller Sorgsalt behandelt statt vernachlässigt werden muß. Die schlechten Beispiele der bisherigen Mietkasernen dürfen uns nicht hindern, dieses Problem völlig neu anzufassen! Dabei ergibt sich, daß die bisher bekannte Form des mi t t e l h o h e n Stockwerkhouses weder die Vorteile des Flachbaus, noch die des vieletagigcn Hochhauses zeigt, dem es in sozialer, psychologischer und teilweise auch wirtschaftlicher Hinsicht unterlegen ist. Es hat den Nochteil zu geringer Blockabstände, geringer Besonnung, zu kleiner Grünflächen und zu geringen Auslauss. Beim zehn- stöckigen Bau steigt jedoch bei gleicher Ausnutzung des Geländes und gleicher Wohnfläche der Abstand der Gebäudeblöcke voneinander nahezu auf die doppelte Entfernung, und zwar ohne jede Wirtschaft- liche Einbuße. Im zehn- oder zwölsstöckigen Hochwohnhause kann auch der Erdgeschohbewohner den Himmel sehen! Statt auf 20 Meter breite begrünte Korridore schauen die Fenster auf 100 Meter breite baumbestandene Grünflächen, die die Luft reinigen helfen und weite Tummelplätze für die Kinder bieten. Hier dringt die Natur in die Großstadt ein, und wenn auch olle Dächer zu Gärten werden, was ja fast noch nirgends ge- schehen ist, so würde sich der Städter dort oben auch noch dos Land zurückerobern, das durch den Bau des Hauses an Boden ver- lorengeht. Nur das Großhaus kann außerdem dem einzelnen Bewohner einen großen Teil der mühseligsten und zeitraubendsten Haus- arbeiten abnehmen durch zentrale Bewirtschaftungsanlagen, die auch vom vollswirsschaftlichen Standpunkt aus so bedeutungs- voll sind, weil sie auch in der Endabrechnung an Zeit und Material- aufwand sparen. Zentrale Beheizungs- und Warmwasseranlagen, zentrale Wäschereien, Aufzüge, zentrale.Küchenonlagen, elektrische Kühlschränke, Vakuumanlogen, mechanische Be- und Entlüftungen, ja schließlich auch gemeinsame Klubräume, Sportanlagen und Kinder- gärten lassen sich im Großhaus viel eher, verwirklichen, da die Kosten auf eine große Anzahl von Familien verteilt werden, Kosten, deren Sinn es ist, den errungenen Zeitgewinn in das Aller- wichtigste umzumünzen, in Lebensgewinn! Gemeinschafts- einrichtungen bedeuten keine neue Mechanisierung des Individuums, sondern sie befreien das Leben von unnötigem Ballast, um es desto ungehemmter und reicher entfalten zu lassen. Die Großstadt muß sich positivieren! Sie braucht den Anreiz der eigen entwickelten, ihrem Lebensorganismus entsprechenden besonderen Wohnform, die ein Maximum an Lust, Sonne und Pflanzenwuchs mit einem Minimum an Verkehrswegen und an Bewirtschostungsaujwand vereint. Der Flachbau kann nicht allein das Allheilmittel sein; die logische Folge wäre die Auflösung und Verleugnung- der Stadtl- Nicht Ausläsung-, sondern A-us» lockerung ist aber das Ziel! Diese Forderungen kann das vielstöckige Wohnhochhaus erfüllen und deshalb gehört seine Förderung zu den dringendsten Aufgaben des Wohnbaus. Großstädter, bekennt euch zur Großstadt! Aber: Laßt Raum in ihr für die Vegetation! Baut Wohnhochhäuser, dann wird das ge- wonnene Bauland zum Garten! entgeltlich behatjdest, da er nicht nur Arzt, sondern auch ein sanitärer Beamter ist, der für die Gesundheitsverhältnisse seines Reviers ver- antwortlich ist. Er erleichtert also sich und seinem Nachfolger die Arbeit, wenn er über jede Familie Buch führt. Es ist verständlich, daß eine so praktische und nützliche Ein- richtung von der Sowjetregierung gefördert wurde. Diese ging hierin noch weiter, indem sie die Aufstellung und Führung eines Gesund- heitspasses—„Sanitäres Journal" genannt— s ü r die werktätige Bevölkerung in den Städten und Industriezentren vorschrieb. Ein solcher Paß hat allerdings nur individuellen Charakter: jedoch wird auch hierin nach den Krank- hellen und bemerkenswerten krankhaften Merkmalen der Eltern des Inhabers gefragt. Er wird bereits beim Uebergang von der Schule zur Erwerbsorbeit ausgestellt, da von dem Ergebnis der erstmaligen Untersuchung durch einen sachkundigen Gewerbearzt die Eignung des Inhabers zu dem gewählten Berufe abhängig ist, und da vor dem Eintritt in die Beschäftigung etwaige Krankheitsbefunde beseitigt werden müssen, soweit dies möglich ist. Dieser Paß soll nicht nur der staatlichen Fürsorge für das gesundheitliche Wohl des Inhabers dienen, sondern auch dem Staate Unterlagen für die Untersuchung des Einflusses der verschiedenen Beschäftigungen auf den Ge- sundheits'zu stand der Arbeiter verschaffen, damit der Arbeitsschutz rationell gestaltet werden kann. In einer solchen gewiß ideal gedachten Einrichtung haben wir eine offene Krankheitsregistrierung bei der werk- tätigen Bevölkerung vor uns, wie eine solche in diesem Umfang noch nirgends besteht. Aber die Offenheit der ärztlichen Befunde in dem mit dem Inhaber wandernden Passe ist schon manchem— selbst wenn es sich nur um einen harmlosen Defekt handelte— zum Verhängnis geworden: sie würde auch den deutschen gesetzlichen Be- stimmungen zur Wahrung des ärztlichen Berufsgeheimnisses wider- sprechen. In Ruhland ergaben sich Nachteile dadurch, daß Arbeitgeber keine Arbeiter einstellen wollten, in deren Gesundheitspaß irgendwelche Defekt« verzeichnet sind. Aus diesem Grunde sahen die russischen Gewerkschaften sich veranlaßt, gegen diese zwar wohlgemeinte, aber für manchen schädliche Einrichtung Stellung zu nehmen. Mit diesem russischen Gesundheitspaß ist eine schon lange vorher auch bei uns erörterte Idee verwirklicht worden. Aber diese Idee hat auch bei uns nach dem Kriege bereits eine praktische Anwendung gesunden— allerdings nur bei der wohl kleinsten, ober sehr auserlesenen Beoölkerungsgruppe, nämlich bei der Reichsmarin«. Die Dortell« eines Gesundheitspasses für jeden Angehörigen der Reichsmarine lagen schon in Anbetracht der langen Dienst- und ärztlichen Beobachtungszeit klar auf der Hand. Aber die Reichsmarine führt diese Pässe geheim, da sie nur der ärztlichen Informierung dienen. Damit ist die Idee einen Schritt vorwärts gekommen, der dort zu weiteren praktischen Ausführungen Anlaß geben dürfte, wo die Vorbedingungen dafür ge. geben sind. Das sollen die besten Boxer sein! Eine Rangliste mit- Namen In Amerika werden bekanntlich von Zeit zu Zeit Ranglisten] amerita tommende Suarez und der frühere Federgewichtsweltber besten Boger aufgestellt. Früher war das ein Privileg meister Louis Kid Kaplan folgen. Die Klasse der Weiter hat des verstorbenen Teg Ridard und mas er sagte, das galt auch. den Farbigen Jad Thompson als Meister, zweiter ist Young Nach seinem Abgang wurde einmal im Jahre von 60 maßgebenden Corbett, dritter Jad Fields, der auch schon einmal den Journalisten eine Abstimmung über die zehn Besten in jeder Klasse Titel trug. Miden Walder wird nicht mehr als Mittelgewichtsvorgenommen, und zwar dergestalt, daß der erste 10 Bunfte erhielt, meltmeister geführt, obwohl ihm der Titel noch nicht im Ring abder zweite 9 und dann herab bis zu 1 Bunft für den letzten, so daß genommen worden ist. Seine Nachfolgeschaft soll zwischen Vince der beste im günstigsten Falle 600 Punkte erhalten konnte. Dundee und Ben Jeby ausgestoßen werden; beide haben den englischen Meister Len Hazven besiegt. Jezt hat zum ersten Male ein Vorstandsmitglied der National Boring Association, Donoghue, eine Rangliste herausgegeben, also ein Berufener, wenn er auch nur in jeder Klasse zwei oder drei für die Würdigsten hält. Im Fliegengewicht sind zur Zeit Frantic Genaro und Midget Wolgast die Führenden; bei den Bantams steht der Panama Neger Al Brown an erster Stelle, gefolgt von dem Norweger Pete Sanstöl, auch in Berlin nicht unbekannt. Dritter ist der aus dem Fliegengewicht tommende Newsboy Brown, Battling Battalino ist Meister der Federgewichte; der fürzlich von ihm geschlagene frühere Olympiasieger Fidel 2a Barba ist der nächste und der Franzose Kid Francis ist dritter. Im Leichtgewicht herrscht Canzoneri, der der aus SüdGuter Sport der B- Klasse Abendsportfest in Reinickendorf Am Sonnabend hatte der Freie Sportverein Rei nidendorf West zu einem Abendsportfest geladen. Trok des unbeständigen Wetters befiligten fich etwa 200 Arbeitersportler, meist aus den Nordvereinen. Es gab einige recht achtbare Leistun gen bei den Sportlern der B- Klasse zu sehen. Hennig- Moabit erzielte in den 100 Metern mit 11,8 Sef. die beste Zeit vor Jörs Neukölln 11,9 Sef. Eine starke Besetzung hatte der 1500- meterLauf. Sennert- ASC. nahm bald nach dem Start die Führung. Jedoch fonnte er sich erst in der Zielgeraden von Schönebed- Reus föln- B. freimachen. Auch Blechschmidt- Neukölln und Blenn- Often entpuppten sich als guter Nachwuchs. In der Schwedenstafette zeigte Moabit gutes Können. Der gleiche Verein sah in der 10mal 100- Meter- Stafette faft wie der Sieger aus, doch liefen ihm die legten Läufer von ASB.- Wedding den Rang ab. Bei den Frauen belegten die tüchtigen Sportlerinnen von Often in allen Konkurrenzen die ersten Plätze, während die Jugendabteilung von Volkssport- Wedding in den Jugendläufen die Sieger stellten. Doch auch Reinidendorf präsentierte gutes Jugendmaterial. So holte sich Rudolf- Reinickendorf mit 1,58 Meter den Hochsprung und mit 41,11 Metern das Speerwerfen. Die Zeit von Boltssport. Wedding in der 4X100 Meter Jugendstafette, 48,4 Sekunden, ist recht ansprechend. Sportler: 100 Meter 1. Sennig Moabit, 11,8 Gef. 2. Jörs Boltssport. Steutöln, 11,9. 3. Blofche Boltssport Wedding. 1500 Meter 1. Gehnert AGC., 4: 28,8. 2. Schönebed Boltssport Neukölln, 4: 29,6. 3. Menu Often. Beitfprung 1. Bräuer Tegel, 5,65. 2. Gonnemann unnd Saaba Boltsport Wedding, 5,48. Epeerwerfen 1. Eonnemann Boltssport Wedding, 43,90. Lemgau ASC., 3. Sonnemann, R., Boltssport Wedding. Sochsprung 1. Sermann Often, 1,66. Rugelstoßen 1. Lemgau AGC., 11,22. 2. Sennig Moabit, 10,70. 3. Sonnemann Boltssport Wedding 10,16. Schwedenstafette 1. Moabit 2: 11.8. 2. Boltssport Wedding, 2: 14,4. 3. Tegel. 10 X 100 Meter- Stafette 1. ASB. Wedding 2:08. 2. Moabit, 2: 04,5. 3. Reinickendorf. Sportlerinnen. 100 meter 1. Dumle Often, 13,4. 2. Bleul Often 14.0. 3. Schoßnid AGB.- Wedding. Rugelftoßen 4 Rilogramm 1. Dumte Often, 9 Meter, 2. Schacht Often, 8,95 meter. Sochsprung 1. Bleul Often, 1,37 Meter. 2. Eidinger Boltssport Wedding, 1,35 Meter. 3. Bleul II Often und Weidlich Moabit, 1,33 meter. 4X 100 Meter Stafette 1. Often, 55,1 Set. 2. AGV.Wedding. 3. Boltssport Bedding. Jugend: 100 Meter 1. Fischer Boltssport Webbing, 12,3 Gef. 2. Rahlau. 3. Booch, beide Bolksport Wedding. Speermerfen 1. Rudolf Reinidendorf, 41,11 Wester. 2. Bagels Boltssport Neukölln, 40,20 Meter. 3. Scherfte Reinidendorf. Sochsprung 1. Rudolf Reinidendorf, 1.58 Meter. 2. Rehfuß Bernau. 3. Maurer Reinidendorf. 4X 100 Meter- Stafette Boltssport Wedding, 48.4 Get. 2. Reinickendorf. 3. AGB. Wedding. Arbeiterschach 1. Der am Sonntag in Wittenberge ausgetragene BettLampf der 3. Runde um die Kreismeisterschaft Bittenberge gegen Berlin endete nach vierstündigem Kampf mit 9: 1 für Berlin. Während des Kampfes gab der junge Hans Gerstenberger eine Simultanvorstellung an 6 Brettern, die er mit 5½ zu ½ Bunften gemann. Die am gleichen Tage abgehaltene Werbeveranstaltung Ber Freien Arbeiter- Schachvereinigung Berlin, Nordenbezirf, brachte folgende Resultate: Abteilung Humboldthain gegen Lichtenberg 8 zu 2 Buntte, Wedding gegen Friedrichshain 6 zu 4 Bunfte. Am Simultanspiel Herbert Karl nahmen 20 zum Teil recht starfe Spieler teil, es endete nach dreistündigem Spiel mit 19 gewonnen und 1 verloren für Karl. Heute, Dienstag, 20 Uhr, findet der 2. Spielabend der Arbeitsgemeinschaft mit Borträgen über Partieeröffnungen statt, alle ftarten Spieler der Abteilungen werden erscheinen. Autoschau im Grunewald F Der republikanische Deutsche Reichs Auto Club hatte diesmal seine Riefenauffahrt wieder auf der Grunewald- Rennbahn. In einer fast endlosen Schlange starteten hier die Wagen schon von den Vormittagsstunden ab zur 4. internationalen Auto- Schönheitsfonkurrenz, die nach den starken Erfolgen der Vorjahre wieder aus= geschrieben war. Zu beiden Seiten des Preisrichtertisches erhoben fich Masten mit den Hoheitszeichen der Republit, defilierten stundenlang die Wagen der bedeutendsten deutschen Fabritate mit geschmadpollen und reizenden Karosserien, angefangen vom Stoemer, Mercedes- Benz, Adler bis zum kleinen DKW. Das zeitweise recht mechselvolle Better vermochte die Festtagsstimmung nicht zu trüben. Eine interessante und originelle, wenn auch nicht mehr neue Unterbrechung der Autoschau, brachte der historische Fahrzeugtorfo. Bom ältesten bis zum modernsten Behifel passierten die Wagen vor den zahlreichen Zuschauern Revue. Die Veranstaltung tann als außerordentlich gelungen bezeichnet werden. Den Titel des schönsten deutschen Wagens aller Kategorien erhielt ein AdlerWagen mit der Karosserie Gropius- Adler. Als schönster Wagen Barlins wurde vom Bublifum ein Mercedes- Benz( Serie) gewählt. Flugsport und Milchpropaganda Tempelhof hatte wieder mal seinen großen Tag. Propagandatag für Milch und für die Fliegerei. Tausende und aber Tausende von Erwachsenen und freudig erregten Kindern umsäumten das Feld. Zuerst startete Thea Rasche und holte den Milchonfel von der Milchstraße ab, und der erzählte den Kindern netta Geschichten und brachte vor allen Dingen Geschente mit. Dann startete der von Ingenieur Berliner geführte Freiballon des Reichsmilchausschusses, und die Kunstflieger Reim und Reichert tobolzten oben in der Luft herum, daß den Zuschauern das Herz | Meister im Halbschwergewicht ist Marie Rosenbloom, Jim Slattery der nächste, dann kommt der Italo- Amerikaner Lou Scozza, der zum ersten Male in der oberen Gruppe erscheint. Im Schwergewicht ist die Reihenfolge Schmeling, Stribling, Sharkey. Ob Schmeling auch der erste Plaz gehört, muß er erst erweisen. Es haperte schon bei Sharfen und gegen Stribling hat er auch noch nicht gewonnen. Immerhin ist es bemerkenswert, daß sich unter den besten auch europäische Boger befinden, während früher nur Amerikaner dieser Ehre teilhaftig wurden, und daß die Juniorklassen ( Leicht- und Weltergewicht) von der National Boring Association nicht mehr anerkannt werden. Probespiel der Auswahlhandballmannschaften. Mittwoch, 10. Juni, 19.30 Uhr, findet im Stadion Boltspart Rehberge das nächste Spiel der Auswahlmannschaften statt. Pünktliches Erscheinen der Spieler ist dringend notwendig. Kreisleitung. J. A. Mar Richter. Kronenpreis zu Karlshorst. Als weiteres bedeutendes Ereig nis des Hindernissports bringt der Verein für Hindernisrennen am Mittwoch, 10. Juni, in Karlshorst den Kronenpreis zur Entscheidung, einen mit 7000 m. ausgestatteten Ausgleich für die erste Klaffe, der über 4400 Meter der schweren Hauptbahn führt. Das Rennen beginnt um 15 Uhr. alloles Bundestreue Vereine teilen mit 1. Kreis. ATuSpB. Altersriege. Zum Sportfest nach Budenmalde ant Gonne tag, dem 14. Juni, Abfahrt Anhalter Bahnhof 8.09 Uhr mit Sonntagstid fahrkarten. Gonnabend, 11. Juli, Schwimm- und Badeabend auf dem Ciche Blak in Röpenid. Frankfurter Allee 307. Donnerstag, 11. Juni, 20 Uhr. Abt. Tiergarten, Lehrter TB.„ Die Naturfreunde". Mittwoch, 10. Juni, 20 Uhr. Abt. Often( Jugendgr.), Str. 18-19. Abt. Rosenthaler Vorstadt, Weinmeisterstr. 16-17. Abt. Weißensee, Pistoriusstr. 24. Abt. Prenzlauer Berg, Danziger Str. 62, Badeabend Bögenfee 18 Uhr. Abt. Neukölln, Bergstr. 29. Abt. Süd- West, Vortstr. 11. Abt. Lichtenberg, Gunterstr. 44. Naturkundliche Abt., Johannisftr. 15. Kartellbezirk 15, Treptow. Alle Abteilungen holen Rastkarten von Albert Bengsch, Niederschöneweide, Berliner Str. 11911, ab. Sportverein Moabit. Dienstag, 9. Juni, nach dem Turnen und BlakFreibad Blökenfee. Dauerkarten für Erwachsene und Freikarten für Jugend in training: Besprechung aller Bienfahrer. Jeben Mittwoch: Badeabend im der Bereinsgeschäftsstelle. Uebungsabende für Männer, Frauen und Jugend auf dem Sportplak Tiergarten jeden Dienstag und Donnerstag ab 18 Uhr. Hallenturnen der Frauenabteilung( über 25 Jahre) jeden Dienstag, 20 Uhr, Turnhalle Quikomftr. Auskunft erteilt: Bruno Broste, Waldstr. 42. Arbeiter- Schwimmverein Hellas. Badetage täglich Wassersportplak Blögen. fee. Uebungstage: Dienstag und Freitag ab 17 Uhr für alle Abteilungen. Wafferballtrainingstage: Montag und Donnerstag. Rurfus für Rettungs Aufnahme neuer Mitglieder( auch Nichtschwimmer) an den Uebungstagen. Boltssport Wedding. Mittwoch, 10. Juni, 20 Uhr, Zusammenkunft aller Dinmpiabeteilnehmer bei Saath am Sparrplak. Arbeiter Schüßenbund. Freitag, 12. Juni, 20 Uhr, Vorftandsfitung bei stehen blieb. Thea Rasche wurde leider wieder vom Bech verfolgt. fchwimmer: Mittwoch. Uebungstag im Stadtbad Webbing: Mittwoch ab 18 Uhr. Als sie ihren roten BTW.- Eindeder aus dem Rückenflug in die Normallage brachte, riß ein großes Stück ihrer Höhensteuerung ab. Mit vieler Mühe gelang es der Pilotin, ihre Maschine über die Hallen hinwegzubringen und zu landen. Die Luftpolizei beschlag. Schüße, Ruheplakirr. 18. nahmte die Maschine sofort und stellte eine Untersuchung an. Fräu lein Dröbeljahr brachte mit ihrem Ballonhüpfen eine heitere Note in das abwechslungsreiche Programm, das mit Kunstflügen und einem Fallschirmabsprung von Fräulein Beyer seinen Abschluß fand. Motorflugzeug hatte hochschleppen laffen, traf im Laufe des Nach Der Segelflieger Fuchs, der sich in Staaten von einem mittags in Tempelhof ein und freuzte in einem wunderbaren halbstündigen Fluge über dem Hafen. 4 Die Tennisserie Ergebnisse der letzten Treffen Die Treffen der Arbeitertennisspieler am verganTabellenstand ganz wesentlich veränderten und manchen Mann genen Sonntag brachten fast durchweg hohe Resultate, die den schaften einen Vorsprung gaben, der von den anderen Mannschaften nur sehr schwer wieder eingeholt werden fann. In der Frauen A Gruppe landete TR.- Friedrichshain gegen TR.- Köpenid einen Bunttsieg von 18: 0. Röpenid war mit Ersatz und unvollständig angetreten. Ziemlich ausgeglichen war das Treffen zwischen TR.- Wedding und FT.- Spandau; Spandau siegte mit 10: 8 Punkten. In der B Gruppe für Frauen erhöhte TR.- Lichtenberg gegen TR.- Charlottenburg seinen Tabellenvorsprung durch ein 18: 0, Charlottenburg gab die Punkte fampflos ab. Die A Gruppe für Männer brachte nur ein Treffen: TR.- Friedrichshain schlug TR.- Gesundbrunnen mit 17: 1. Gesund brunnen spielte mit Erfaz, die Niederlage brachte aber das tattische Bersagen einiger Spieler. TR.- Wedding holte sich in der TR.- Wedding holte sich in der B- Gruppe für Männer fampflos 18 Puntte von TR.- Charlottenburg. In der gleichen Gruppe erfämpfte sich TR.- Köpenid einen einwandfreien Sieg über TR.- Friedrichshain mit 16: 2 Punkten. Die aufstrebende Mannschaft von TR.- Prenzlauer Berg verbesserte wesentlich ihren Stand in der C- Gruppe für Männer durch einen 15: 3- Sieg über TR.- Friedrichshain. Im etwa gleichen Bunktverhältnis mit 13: 5 Buntten siegte FT.- Spandau über TR.- Gesundbrunnen. Spiele am 14. Juni. 9 pres nod Durch die Olympia- Ausscheidungen in Magdeburg haben eine Reihe von Mannschaften Ruhe. Tennis- Rot- Köpenid spielt in der A Gruppe für Frauen gegen TR.- Wedding um 9 Uhr in Röpenic. Auf eigenem Plaz dürften sich die Köpenicker Frauen behaupten. Im Friedrichshain spielt um 14 Uhr in der B- Gruppe für Frauen TR. Friedrichshain gegen TR.- Gesundbrunnen. Die mutigen Gesundbrunner werden die Mehrzahl der Punkte abgeben müssen. In der A Gruppe für Männer hat um 14 Uhr an der Heerstraße FT.- Spandau TR.- Gesundbrunnen zu Gast. Wenn die Gesundbrunner taktisch nicht versagen, dürften sie das Treffen für sich entscheiden. TR. Lichtenberg tritt in der B Gruppe für Männer um 9 Uhr in Lichtenberg gegen TR.- Wedding an. Das Treffen fann ausgeglichen enden. In der gleichen Gruppe fährt TR.- Friedrichshain um 9 Uhr zu TR.- Charlottenburg, Charlotten burch fönnte fich durchsetzen. C- Gruppe jür Männer: FT. Span dau gegen TR.- Neukölln, 14 Uhr, Heerstraße; Friedrichshain gegen TR.- Gesundbrunnen, 14 Uhr, Friedrichshain. D.Gruppe für Männer: TR.- Charlottenburg II gegen TR.- Weißenfee I, 9 Uhr, Charlottenburg; TR.- Weißensee II gegen TR.- Charlottenburg III, 14 Uhr, Weißensee; TR- Neukölln gegen TR.- Lichtenberg, 9 Uhr, Neukölln. Alle Treffen in der C- und D- Gruppe müssen als volltommen offen bezeichnet werden. Altmeister Wagner- Leipzig beendet das 5000- Meter- Laufen fiegreich bei den Olympiaausscheidungen der Arbeitersportler in Neukölln. FUNK UNDRückschau. AM ABEND Eine sehr interessante Unterhaltung fand im Programm der Funkstunde statt zwischen Friz Kortner und Hans Kafta über Theatertrise Rollentrise". Der Titel charafterisierte nicht ganz den Inhalt des Zwiegesprächs; jedenfalls fonnte er zu der Annahme verführen, die rein persönliche Tatsache, daß solle den Stoff für ein Interview abgeben. Das war glüdlicherweise Friz Kortner in dem vergangenen Winter in Berlin nicht spielte, nicht der Fall. Nicht ein ehrgeiziger Schauspieler, sondern ein theaterbesessener, theatergläubiger Mensch stand in Friz Kortner vor dem Mikrophon und versuchte, zur Klärung des Begriffes, Theaterfrise" beizutragen und von sich aus Wege zu ihrer Lösung zu zeigen. Soweit er dabei auf seine Untätigkeit im legten Spielwinter hinwies, geschah es nicht aus getränkter Schauspielereitelkeit, sondern weil Kortner fie als fymptomatisch wertete. Es fehlt an Rollen- das bedeutet für ihn: es fehlt an dramatischer Produktion überhaupt. Kortner ist davon überzeugt, daß das Theater heute vor allem produktive, nicht nur reproduktive Arbeit leisten müsse. Er will die Anregung des dramatischen Schaffens durch das Theater.. Er selber hatte ja eine Theatergründung geplant, die dann nicht zustande kam. 3udmaŋers Hauptmann von Köpe= nid" wurde, wie Kortner mitteilte, auf seine Veranlassung eigentlich für dieses Theater geschrieben. Das ist immerhin ein flarer Bemeis dafür, daß Kortners Darlegungen mehr sind als bloße Theorien. Natürlich will er das Wert von Talenten oder gar Genies nicht eingeengt wissen; nur dort, wo Stillstand herrscht, soll das Theater eingreifen. Aber nicht durch Aufträge, um die es fich dann nicht weiter fümmert, sondern in beständiger engster Zusammenarbeit mit dem Autor. Kortner will das Zeitstud und das zeitbetonte Stüd. Dem Mangel des Zeittheaters, der bisher immer wieder deutlich hervortrat, sieht er mit Recht darin, daß die von ihm gebotenen Werte an einer Bernachlässigung des geistigen Inhalts frankten. Hier wird also eine scharfe Auslese der anregenden Kräfte einsetzen müssen, wenn neue Form auch wirklich mit neuem, lebendigem Inhalt gefüllt werden soll. Das Werk des dramatischen Genies ist zeitlos; Kortner schränkte diese Bemerkung dann aber dahin ein, daß er eine fünstlerische, zeitentsprechende Bearbeitung für notwendig halte, da jede Gegenwart vergangene Epochen aus einem anderen Gesichtswinkel betrachte, auf den sich auch die Bühnen einstellen müßten. Bloße regietechnische Modernisierung gehe an dem wesentlichen Gehalt des Stüdes zu sehr vorüber. ,, Aus den Anfängen der modernen Arbeiterbewegung" berichtete Genosse Arthur Crispien. Er schilderte, wie sich aus einem Broletariat ohne Gemeinschaftssinn die machtvoll geeinte Arbeiterflasse entwidelte. Mit Ferdinand Lassalles Programm fäßen, daß der Arbeiterstand sich als selbständige politische Partei tonstituieren müsse, betrat der Allgemeine Deutsche Arbeiterverein, der am 23. Mai 1863 in Leipzig gegründet wurde, zuerst den Weg, der den Arbeiterstand von den Spuren der verschiedenen bürgerlichen Interessengebiete in die flare Richtung zu seinen Zielen führte. Crifpien gab als Abschluß seiner interessanten Ausführungen einen furzen Ueberblick über die Persönlichkeiten, die auf dieser oft sehr steinigen Bahn die ersten Helfer und Führer waren. Dienstag, 9. Juni. Berlin. Tes. 16.05 Prof. D. Werner Gruehn, Dorpat( Estland): Die Stufen der mystischen Versenkung. 16.30 Studio, Aus der Arbeit der Rundfunkversuchsstelle bei der Staatlichen Hochschule für Musik von Prof. Georg Schünemann und Max Butting. Neue Rundfunkmusik. Schallplattenaufnahmen der Rundfunkversuchsstelle. 17.15 Doktor Ueberall erzählt. 17.35 Klaviervorträge. 1. Bortkiewicz: a) Lamentation op. 17, Nr. 1; b) Prélude op. 33, Nr. 9; c) Prélude op. 33, Nr. 6; d) Gavotte caprice op. 3, Nr. 3. 2. Liszt: Rhapsodie Nr. 6.( Celeste Chop- Groenevelt, Flügel.) 17.55 Bücherstunde. ,, Essays".( Am Mikrophon: Dr. Rudolf Kayser.) 18.25 Unterhaltungsmusik. 19.30 Hans Schirmer: Billige Sommerfrischen zwischen Weser und Rhein. 20.00 Hoffmanns Erzählungen", Oper. Musik von Jacques Offenbach. 22.15 Reinhold Otte: 10 000- km- Fahrt des Automobilklubs von Deutschland. 22.30 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Königswusterhausen. 16.00 Dr. Leonore Kühn: Auf den Trümmern von Troja. 16.30 Leipzig: Konzert. 17.30 Mersmann: Neue Musik. 18.00 Min.- Rat Prof. Peters- Baugewerbeschulen und Bauen von heute. 18.30 Reg.- Rat Dr. V. Engelhardt: Universalismus in der Geschichte. 18.55 Wetter für die Landwirtschaft. 19.00 Französisch für Anfänger. 19.30 Dr. G. E. Heinecke: Welthandel und Reparationen. 19.55 Wetter für die Landwirtschaft. 20.00 Elsbeth Weichmann: Kind und Erziehung in Sowjet- Rußland. 20.30 Mühlacker: Sinfoniekonzert. 21.15 Langenberg: Uraufführung: Die Löwin und der General". 22.10 Dr. Josef Räuscher: Politische Zeitungsschau. Anschließend: Hamburg; Flotow- Lortzing- Nicolai.