B 133 48. Jahrgang BERLIN MtNvo» 10. Zum 1931 Ers»eiatt»glich außer Sonntag«. Zugleich Abendausgabe de«.Vorwärts'. Bezugsoreis beide Ausgaben SS Ps. pro Woche. 3,soM. pro Monat. Sledaktion und Expedition: Berlin SW68, Lindenstr. 3 Fernsprecher: Dönhoff 292— 29? SfuUauigaße Anjetgenpret«: Die einspaltige Nonparcillezelle «oA.. Reklameieile SM. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto: VorwärtS-Verlag G.m.b.H.. Berlin Nr. S7S36.— Der Verlag dehält sich da« Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeiaen vorl Neues Unglück in Neurode Wieder ein Kohlensäureeinbruch.— Bisher 2 Tote und 5 Gchwerverlehte Breslau. 10. Juni. Auf der vierten Sohle der Hohlen, und Ton- Werke in ktohlendorf bei N e u r o d e im Eulen» «ebirgc ereignete sich gestern abend gegen'All Uhr beim Schichtwechsel ein 5t ohlensäurea usbruch, der sieben Bergleute tötete; sechs Leichen konnten bereits geborgen werden. Bier Bergleute haben Ver» letzungen davongetragen. Die Rettungsmannschaften sind eifrig an der Arbeit, um weitere Unglücksfälle zu verhüten. Zur Zeit gilt die Gefahr als beseitigt. Man S)er Wiiglticftsfchachl nimmt an. daß sich noch mehr Verunglückte in der Grube befinden. Die Untersuchung über die Ursache des Kohlen- fäureauSbruches ist im Gange. Das Unglück ruft die Erinnerung wach an die furchtbare Grubenkatastrophe. die sich vor etwa einem Jahr gleichfalls in Neurod«, und zwar auf der Wenzeslausgrube ereignete» wobei mehrere hundert Todesopfer zu beklagen waren. Der Ausbruchsherd liegt etwa 500 Meter unter der Erdober- fläche in einem im Abteufen begriffenen Gefenk. Der Ausbruch er- folgte nach dem planmäßigen Erschütterungsschießen, und zwar gleich, nachdem man nach Ablauf der vorgeschriebenen Wartezeit die Schießtüren wieder geöffnet hatte. Die ums Leben Gekommenen find die Arbeiter gewesen, die den Auftrag hatten, die Baue auf durch das Schießen etwa ausgebreitete Kohlensäure zu untersuchen. Das Unglück Hot, wie berichtet, sieben Mann das Leben ge- kostet, vier sind schwer verletzt. Die getöteten Bergleute find bis auf zwei verheiratet gewesen. die verheirateten waren fast alle Väter mehrerer Kinder. In dem gefährdeten Gebiet arbeiten gewöhnlich 100 bis 140 Leute, die aber wegen des Schießens hinter die Schießtüren zurückgezogen waren. Die Rettungs- und Bergungsarbeiten haben eigene Leute der Grube durchgeführt, die mit Gasschutzmasken ausgerüstet waren. Das Grubenunglück hatte in der Nacht den kleinen Ort Kohlen- darf alarmiert, und in kurzer Zeit hatte sich eine größere Menschen- menge eingefunden, die mit Bangen weitere Unglücksnachrichten befürchtete. Erst nachdem die Belegschaft vollzählig geborgen war und sich niemand mehr im Schacht befand, trat eine langsame Bc- ruhigung ein. Im Änappschafts-Lazarett liegen die Toten und die Verletzten. Den Verletzten geht es den Umständen entsprechend gut, so daß mit einer weiteren Erhöhung der Totenziffer nicht zu rechnen ist; sie werden mit Sauerstoff behandelt. Die Toten weisen nicht die geringsten Verletzungen auf. Lebendig verbrannt. Apandnnglück im Zentrum.— Ein Mädchen umgekommen. Die Feuerwehr wurde gegen V*2 Uhr mittags zu einem Wohnungsbrnnd nach der Klosterftr. 02 alarmiert. GSi« Mädchen, dem der Weg ins Freie durch die Flammen abgeschnitten war. kam hilflos um. Di« Unglückliche wurde in völlig verkohltem Zustande geborgen. Die Revisionsdebatte Wortlaut der Erklärung Briands- Ein amerikanischer Plan Die Aeußerung Briands in der gestrigen Kammerdebatte war ausführlicher als die erste, knappe Telegrammfassung scheinen lieh. Der aus Paris übermittelte genaue Wortlaut ist: Was die Reparationen angeht, so kann Deutschland darüber seine eigenen Ideen haben. Der neue Plan enthält Möglichkeiten für Deutschland, die ihm bekannt sind, wir aber haben unser Recht und man kann die feierlich unterzeichneten Verträge nicht ausheben, ohne daß wir zustimmen. Der Zjoung-Plan kann nicht geändert werden, denn er hat einen definitiven Charakter. Cr ist noch ganz frisch und man darf ihn nicht wieder in Frage stellen. Reden wir daher nicht von neuen Revisionen, von neuen Repa» rationskonserenzen. Der französische Außenminister ist jedenfalls in dieser Richtung nicht befragt worden. Wäre dies geschehen. so hätte er sich nicht engagiert, ohne vorher das Parlament zu Rate gezogen zu haben." Nachdem die Vertagung der außenpolitischen Interpellations- debotte auf unbestimmt« Zeit beschlossen war, bedauerte Ministerpräsident L a v a l die Zwischenfälle bei der Rückkehr Briands aus Genf, deckte aber die Polizei in jeder Beziehung. Sie hob« durchaus ihre Pflicht getan. Die Besprechung der Interpellation Franklii,-Bouillons über die Unmöglichkeit, B r i a n d länger als Außenminister sein zu lassen, wurde auf Verlangen des Ministerpräsidenten und mit 3l4 gegen 252 Stimmen abgelehnt. * In dieser Form ist die Aeußerung Briands zwar weniger kate- gorisch als in der ursprünglich Übermittellen Fassung, sie bleibt dennoch ziemlich widerspruchsvoll und jedenfalls wenig erfreulich. Daß der Poung-Plan nicht ohne Zustimmung Frankreichs ge- ändert, geschweige denn„aufgehoben" werden darf, ist sekbstver- ständlich. Richtig ist auch, daß er in seiner Präambel davon spricht, daß der darin ausgestellte Zahlungsplan„endgültigen Charakter" trage. Wozu hätte man sich sonst die Mühe gegeben, die einzelnen Annuitäten bis zum Jahre 1988 genau vorzuschreiben? Was damit praktisch gemeint war, darüber waren sich im Haag die Auguren einig. Rur dursten sie es damals nicht laut sagen, son- dern so tun, als ob sie auf 60 Jahre hinaus alles genau geregelt hätten. Ilm den Rationalisten im eigenen Lande wirksam cnt- gegentreten zu können, die ihm aus Chequers einen Strick drehen Geteilter Schmerz... PSUTtOtB VCLkW••- 'HPOSTKjeUB*. Arbeiter:»Merkwürdig mich trifft es, und er schreit' wollen, hat nun Briand geglaubt, die Fiktion vom endgültigen Charakter des Doung-Plan aufrechterhalten zu müssen. Er hat freilich damit nur erreicht, daß er den deutschen Nationalisten einen neuen Anlaß geboten hat, Frankreich als das unbarmherzige Land hinzustellen, das starrsinnig auf seinem Schein besteht, während Fraktionsvorstand tagt. Besprechung der politischen Lage. Der Vorstand der sozialdemokratischen Reichstagssraktion ist heule vormittag im Reichstag ustter dem Vorsitz des Abge- ordneten V reitscheid zu einer Sitzung zusammengetreten. Der Vorstand hat sich mit der durch den Erlaß der neuen Notverordnung geschaffenen politischen Lage beschäftigt. Er erkennt die Notwendigkeit an, die Finanzen des Reichs, der Länder und der Gemeinden auf eine sichere Grundlage zu stellen. Der Vorstand ist aber der Auffassung, daß die zu diesem Zweck erlassene Notverordnung in einzelne» Teilen so harte Maß- nahmen für die breiten Massen der Bevölkerung enthält, daß ihre Abänderung dringend erforderlich erscheint. Der. Fraktionsvorstand wird zunächst mit dem Reichskanzler in Ver- bindung treten, um festzustellen, inwieweit durch Verhandlungen die für notwendig gehaltenen Abänderungen erreicht werden können. Da die Sozialdemokratische Fraktion, sowie die Fraktionen an- derer Parteien erst in den nächsten Tagen zusammentreten, dürste in der heutigen Sitzung des Aeltestenausschusses eine Entscheidung über die Einberufung des Reichstags noch nicht gefällt werden. Die Sozialdemokratische Fraktion tritt am Freitag zusammen. in England, in Italien und selbst in Amerika die Erkemirins an Boden gewinne, daß der Poung-Plan in seiner ursprünglichen Form nicht mehr aufrechtzuerhalten sei. Damit hat der französisch« Außenminister weder seinem Lande. noch dem Frieden einen Dienst erwiesen. Wenn die ganze Welt ein- sieht, daß infolge der Wirtschaftskrise und des Steigens des Gold- wertes die Voraussetzungen, unter denen der Poung-Plan aufgestellt worden ist, sich geändert haben, warum soll sich Frankreich als einziges Land bis zuletzt dieser Erkenntnis verschließen und schließ- lich nur widerwillig zu einer neuen internationalen Konferenz sörm>, lich schleifen lassen, die doch einmal kommen wird? Es ist der alte psychologische Fehler, den Frankreich seit zwö�f Jahren Deutschlanv gegenüber begeht, zuletzt in der Räumungs. frage. Und dann wundert man sich in Frankreich, daß das deutsche Volt die französischen Zugeständnisse nicht dankbar genug würdigt! Meinungswandel in Washington. washiaglon, 10. Juni. Die außenpolitischen Korrespondenten O u l a h a n von>„Ncw Port Times" und P e a r s o n von„Baltimore Sun", behaupt-m, daß hier ein Plan ausgearbeitet werde, durch den die Weltdepression gemildert werden könnte, und zwar offenbar durch gleichzeitige Herabsetzung von Rüstungen. Reparationen und alliierten Kriegsschulden. Pearson glaubt, daß eine amtliche Bestätigung vorläufig nicht zu erwarten sei, da Präsident Hoover noch keine festen Eni- schlösse gefaßt habe, sondern die Ergebnisse von S t i m s o n s Europa-Reise und die dadurch erhoffte Einwirkung auf den .Kongreß und die öffentliche Meinung abwarten wolle. Hoooer hoffe, daß die deutsche Regierung bis dahin keinen formellen Schritt tun werde, der, so lange nicht die Vereinigten Staaten auf die obenerwähnte Umstellung und Verknüpfung der drei Punkt« hinreichend vorbereitet seien, die hier im Bildungsprozeß begriffene internationale Hilfsaktion erheblich erschweren, wenn nicht stören würde. Außer B o r a h Hot sich inzwischen auch Senator vingham. der Hoover nahesteht, zu einer liberalen Stellung in der Frage der Schulden der Alliierten bekehrt Kommunistische Ausschreitungen Krawalle im Ruhrgebiei— Sieine gegen LtSA.-Konsulai und gestern offen erklärt, man könne ein zweijähriges Mo» r a t o r i u m in Erwägung ziehen, während er bisher unentwegt den Standpunkt vertrat, daß die Alliierten auch bei Einstellung der deutschen Reparationsleistungen weiterzahlen müßten. Der ehenwlige Botschafter der USA. in Berlin, ch o u g h t o n, trat in einem oielbemerkten Hochschulvortrag sehr eindringlich dafür ein, daß man Deutschland durch Herabsetzung seiner Zahlungen vor dem Zusammenbruch und seine westlichen Nach- barländer wie die ganze Welt vor den Folgen eines solchen Zu- sammenbruchs bewahren müsse. In N e w- D o r t e r Finanzkreisen hat die ruhige fach- liche Art, mit der die deutschen Vertreter ihre Angelegenheiten vor- trugen, guten Eindruck gemacht, und man hofft, daß aus den engen Beziehungen, die zwischen Deutschland und England nun- inehr hergestellt worden sind, sich eine Basis für weitere VerHand- lungen mit anderen in Frage kommenden Mächten ergeben werde. Es bleibe nur zu hoffen, daß diese Verhandlungen sich nicht zu langwierig gestallen und daß es gelingt, störende politische Einflüsse zu überwinden. Unter der Ueberschrift„Schuldenherabsetzung" gegen Herabsetzung 'der Rüstungen" schreibt die„Evening Post" im Leitartikel, wenn die Welt eine wirkliche Verringerung der Rüstungslasten erhalten tonnte, wenn die gewaltigen Aufwendungen für Mannschaften und Materialien für die Kriegsvorbereitungen merklich in ganz .Europa eingeschränkt werden, könnte kein ehrlich denkender Mensch leugnen, daß dies praktisch wie psychologisch eine große Hilfe für die Nationen bedeuten würde. Eine solche Veränderung würde den Vereinigten Staaten wie der übrigen Welt in einem Maße zugute kommen, daß es sich wohl lohnen könnte, als Gegenleistung die Konten zu verringern, die in den Büchern des Schatzamts eingetragen sind. Zusammenschluß der Miiielparteien? Von Dietrich bis Treviranus. Seit«inigen Wochen sind, wie wir erfahren, Verhandlun- gen zwischen der Staatspartei, der Deutschen Volks- Partei und den Volkskonseroativen im Gange, mit dem Ziel des Zusammenschlusses der Mittelparteien. Wie wir hören, sind die Verhandlungen bereit» ziemlich weit fort- geschritten. Der geistige Vater dieser neuen Partei soll der Reichs- finanzminister und Führer der Staatspartei Dietrich fein, der sich auch bei der Gründung der Staatspartei besonders betätigt hat und jetzt vor allem die Unterstützung seines volkskonseroativen Minister- kollegen Treviranus findet. Kommunistische Mßtrauensaniräge. Morgen Beratung im Aeltestenausschuß des Landtags. Der Aeltestenrat des Preußischen Landtages nahm in einer Sitzung am Mittwoch einig« Aenderungen an dem bisher in Aussicht genommenen Beratungsplan vor. Von den Kommunisten ist ein Mißtrauensantrag gegen das preußische Staatsministerium eingebracht worden, der mit der aktiven Mitwirkung des P/cußenkabinetts an der Nowerordnung der Brüning-Regierung begründet wird. Dieses Mißtrauensvotum soll in der Donnerstag sitz ung, die 11 Uhr vormittags bs- ginnen wird, als erster Punkt der Tagesordnung zur Beratung ge- stellt werden. Protest der Kriegsopfer. Llnerträgliche Angriffe auf erworbene Rechte. Der Bundesvorstand des Reichsbundes der Krieg»- beschädigten hat in seiner Sitzung vom Dienstag zu den Bestimmungen der 2. Itotoerordnung des Reichspräsidenten zur Sicherung von Wirtschast und Finanzen vom S. Zun! 1931 Stellung genommen. Er stellt mit größtem Befremden fest, daß trotz aller Proteste Hunderltausender von Kriegsopfern und trotz nachdrücklichster Warnungen der Organisationen, der Städte und Gemeinden sowie der Tagespresse die durch Blut erworbenen Rechte der Kriegsopfer in einer untragbaren Weise angegriffen worden sind. Die Notverordnung übertrifft alle Befürchtungen. Besonders trifft sie die Zusahrentenempsänger, die „Leichtbeschädigten", die Arbeitslosen, die Bewohner ländlicher Gegenden und die in öffentlichen Diensten stehenden Versorgungs- berechtiglen in einem nicht zu verantwortenden Ausmaß. Der Bundesvorstand protestiert aus da» nachdrücklichste gegen die neuen Abbaumaßnahmen. Er ersucht den Reichstag, alsbald in eine Nachprüfung der Notoerordnung einzutreten und die unerträglichen Bestimmungen zu beseitigen. Dabei sind die im Reichsbund vereinigten Kriegsopfer der Auffassung, daß es trotz aller Schwierigkeiten noch INöglichkeiien genügend gibt, den Haus- Halt des Reichs, der Länder und Gemeinden zu sichern, ohne in die von der Reichsregierung und vom Reichstag selbst wiederholt ol» unzulänglich anerkannte Versorgung und Fürsorge einzugreifen. Härten gegenüber kriegöbefchädigten Beamten. Durch die neu« Notverordnung werden die in öffentlichen Diensten stehenden Kriegsbeschädigten in vielfacher Beziehung und deshalb äußerst ungerechterweise unverantwortlich hart betroffen. Nicht nur, daß sie durch die Gehaltskürzung eine erhebliche Ein- kommensminderung erleiden, wird ihnen durch die Aenderung der Bcrechnungsart ihrer Kriegsbeschädigtenrente eine weitere Mrzung ihres bisherigen Einkommens zugefügt. Soweit sie zu den Leicht- beschädigten gehören, fällt die Kinderzulage für das erste Kind fort- Darüber hinaus»ritt für alle Kriegsbeschädigten und Kriegerwitwen durch die Herabsetzung und teilweise Abschaffung der Ortszulagen eine allgemeine Rentenmindcrung von durchschnittlich 8 bis 30 Proz. ihrer bisherigen Rente ein. Neben diesen allgemeinen Kürzungs- bestimmungen wirkt sich die Verschärfung der Bestimmungen über die Anrechnung der Kriegsrenten auf das aus öffentlichen Mitteln bezogene Einkommen 62 RVG) für sämtliche kLiegsbcschädigten Beamten, Angestellten und Arbeiter des Reichs, der Lander und Gemeinden katastrophal aus. Bei einem Einkonimen aus öffent- lichen Mitteln von mehr als 210 M. monatlich, ruht bereits die Kriegsopferrcnte in Höhe der Hälfte des Betrages, um den dos Gehalt oder der Lohn 210 M. übersteigt. Bei einem Gehalt von 100 M. monatlich werden somit bereits 95 M. aiif die Rente an- gerechnet, jedoch verbleiben dem Versorgungsbcrechtigten wenigstens drei Zehntel der Grundrente. Die nach dem Einkommensteuergesetz zu- lässigen Abzüge, sowie die am 1. Februar und 1. Jull 1031 angeordneten Gehaltskürzungen sind bei der genannten Einkommens- Bochum, 10. Juni.(Eigenbericht.) 3n Bochum, Waltenscheid und Steele kam es am Dienstag- abend wieder zu Zusammenstößen mit der Polizei, kommn- nistische Störtrnpps suchten sich zu Demonstrationen zu- sammenzuschließen und zogen unter Rufen gegen die Regierung Brüning durch die Straßen. Der Polizei wurde bei der Auflösung der Züge Widerstand geleistet. Die Beamten wurden mit Steinen, Sohlenftücken. Flaschen und Tellern beworfen. 3n Steele und Bochum wurde zur Schußwaffe gegriffen, es wurde jedoch niemand verletzt. In Bochum wurde der Vorsitzende des Kampfbundes gegen den Faschismus, Rostek, verhaftet. In Wattenscheid wurden 6, in Steele 12 Personen festgenommen. Oemonstraiionen in Oorimund. Dortmund, 10. Juni. In einigen Außenbezirken kam es gestern zu Demonstratio- neu von Erwerbslosen gegen die neue Notverordnung. Am Abend sammelt- sich in dem Stadtteil Hörde eine größere Menschen- menge an, die die Polizei bei ihrem Erscheinen mit Schmährufen empfing. Da die Menge nicht freiwillig auseinanderging, muhte der Platz unter Anwendung des Gummiknüppels geräumt werden. In Mengede kam es ebenfalls zu einer Ansammlung von etwa 200 Erwerbslosen, die' vor die Wohnungen der oberen Zechen- boomten zogen und dort demonstrierten. Als die Menge auf etwa 300 Personen angewachsen war, traf ein Ueberfallkommando ein, das die Demonstranten zerstreute. Ein Rädelsführer konnte festge- nommen werden. Es bildeten sich dann noch kleinere Trupps von Demonstranten an den Straßenecken, die die Polizeibeamten be- schimpften. Sogar Kinder wurden zu den Demonstrationen mitge- nommen. Ein später nochmals gebildeter Demonstrationszug wurde wiederum vom Ueberfallkommando unter Anwendung des Gummi- grenze schon berücksichtigt. Lediglich Pflegezulazeempsänger sind von diesen harten Bestimmungen ausgenommen. Biel« Beamte, öffentliche Angestellte und Arbeiter verlieren durch diese un- geheuerlichen Anrechnungsbestimmungen von ihrem monatlichen Einkommen Beträge von 70 bis 150 M.l Der Reichsbund der Kriegsbeschädigten ist bereits an die Fraktionen des Deutschen Reichstages mit dem Ersuchen um Aenderung der unhaltbaren rigorosen Bestimmungen der Not- Verordnung herantreten. Großfeuer in Schöneberg. Vorderhavsdachflnhl völlig niedergebrannt. Durch ein Großfeuer wurde heute vormittag der Dachstuhl des langgestreckten Vorderhauses Gustav- Mttller-Straße 37 in Dchöneberg völlig zerstört. Das Feuer, das ofseubor seinen Ausgang in einer Boden- kammer genommen hat, wurde erst bemerkt, als aus den Dachluken meterhohe Flammen herausschlugen. Zlus den ersten Alarm rückten zunächst zwei Löschzüge an die Brandstelle. Das Fcucr hatte sich jedoch inzmischc» auf den Dachstuhl in seinem ganzen Uinfang« ausgebreitet, so daß für die angrenzenden Häuser größte Gefahr bestand. Auf Grotzfeueralarm rückten unter knüppels auseinandergetrieben. In Marten kam es wiederhokk zu Demonstrationen. Das Ueberfallkommando wurde mit„Nieder"- Rufen empfangen. Aus den Fenstern wurde mit Blumentöpfen und Steinen auf die Beamten geworfen. Ferner wurden Schmährufe laut wie„Hungergarde, Severing-Knschte" usw. Mehrere Demonstranten flüchten in die nahegelegenen Häuser. Beamte, die ihnen folgten, wurden mit dem Messer in der Hand empfangen. Einige Durchsuchungen nach Waffen wurden vor- genommen blieben aber ergebnislos. Unter den Demonstranten waren viele Auswärtige zu beobachten, offenbar handelt es sich um ein p l a n m ä ß i g es B o r g e h e n. Verschiedentlich wurde sogar versucht, vor Beginn der Demonstrationen das Ueberfall- kommando telephonisch nach einem anderen Stadtteil zu rufen, um die Beamten durch dieses Manöver abzulenken. Verletzte wurden bisher nicht festgestellt. Fenster im amerikanischen Konsulat zertrümmert. Dresden, 10. Juni. Vor dem Gebäude der Sächsischen Bank in Dresden, in dem sich auch das amerikanische Konsulat befindet, kam es am Montagabend, wie erst jetzt bekannt wird, zu ei»er Kundgebung. Kommunisten warfen Flaschen durch ein Fenster im eisten Stock des Gebäudes. In den Flaschen fand man Zettel mit folgen- der Aufschrist:„Nieder niit dem amerikanischen Mordimperia- lismus.— Für das brüderliche Büirdnis der schwarzen und weißen Iungproleten! Hinweg' mit der blutigen Lynchjustiz an unseren Negerkameraden!" Di« Dresdener kommunistische„Arbeiterstimmc" schreibt zu den Borgängen, sie wären der„Protest revolutionärer Jungarbeiter gegen die geplante Hinrichtung von acht Negcr-Iungarbeitern in USA.". Leitung des Oberbranddirektors G e m p p noch fünf weitere Züge an, von denen aber nur zwei in Tätigkeit zu treten brauchten. Aus insgesamt sieben Schlauchleitungen stärkster Kaliber wurde das Feuermeer von den Nachbardächsrn und über eine mechanische Leiter bekämpft. Nach mehrstündiger, angestrengter Arbeit konnte der Brandherd endlich lokalisiert werden. Erpressung an einer Aröeiierin. Immer wieder der 1 218.- Zwei Monate Gefängnis für den Erpresser. Eine Arbeiterin erhielt an dem letzten Siloesterabend einen Brief, der mit den Worten begann:„Einer, der alles weiß und Sie ins Zuchthaus bringen kann." Der Schreiber forderte 100 M. Schweigegeld an«ine postlagernde Adresse, da er sie sonst wegen Vergehens gegen den§ 218 bei der Staatsanwaltschaft anzeigen würde. Nach einer ausführlichen Erläuterung dieses Paragraphen schloß er mit der Behauptung, daß die Frau sicherlich lieber 100 M. zahlen würde, als z» der angeblichen Mindeststrafe von drei Jahren Zuchthaus verurteilt zu werden. Die Polizei ermittelte den Schreiber als den 26Iährigen Hausdiener Müller, der dieser Tat wegen heute vor dem Schöffengericht Berlin-Mitte stand. Cr wurde wegen versuchter Erpressung zu zwei Monaten Gefängnis per- urteilt. Opiumschieber als Naziheld Wir stellen vor: Herr von Zander, Adjutant der Standarte I In die Oefsentlichkeit dringt tropfenweise— longsam aber sicher— das Wissen von jenen Elementen, die sich in der NSDAP. bei der Vorbereitung des Dritten Reiches gegenseitig überbieten. Der Leutnant a. D. von Zander stellt ein« wahrhaft glück- liche Kombination von kriminellem Geisteskranken und Geistes- schwachen dar. Daher wohl seine ganz besondere Eignung zum Adjutanten der Standarte I des Gausturms Berlin. Als solcher und wohl wegen seiner Geistesschwäche hat er die Dreistigkeit, den Fiskus auf Schadenersatz wegen 23 M. zu verklagen. Im Zusammenhang mit der C r m o r d u n g der Reichsbanner- leute in der Hufelandstraße sollte auch bei Leutnant a. D. von Zander in der Hebbelstraße eine Haussuchung stattfinden. Am 12. Februar 7 Uhr 30 morgens erschienen zwei Kriminalbeamte vor der Wohnungstür und verlangten durch wiederholtes. Klopfen und Klingeln Einlaß. Der Schlüssel war in der Innenseite der Tür, Herr von Zander war also zu Hause. Niemand regte sich aber. Die Beamten klopften und klingelten weiter. Vergeblich. Als der Schlosser erschien, meldet« sich plötzlich Herr von Zander. Er hinderte jedoch den Schlosser durch Hin- und Herschließen des Schlüssels am Oeffnen der Tür, das Schloß war schließlich verdorben, die Tür mußte aufgebrochen werden. Herr von Zander erhielt wegen unnötiger Alarmierung des Ueberfallkommandos— das hatte er vorher getan— eine Geld st rase in Höhe von 20 TO.; um sich zu revanchieren, verklagte er das Polizeipräsidium wegen Beschädigung seiner Tür auf einen Schadenersatz in Höhe von 23 M. Nun sah man sich den Herrn näher an, und da ergab sich folgendes: Arme Studenten wurden von dem Burschen bestohlen. Herr von Zander, aus einer Familie stammend, der zahlreiche höhere Offiziere angehören, war eines schönen Tages gezwungen, wegen verschiedener wenig schöner Dinge seinen Ofsiziersrock aus- zuziehen. Nun gab es für den hemmungslosen, moralisch minder- wertigen Menschen keinen Halt mehr. Der Papa, Regiments- kommandeur, hatte den Monatswechsel eingeschränkt, der Zwei- undzwanzigjährige brauchte Geld, er legte sich auf Paletotdiebstähle, in dem er den Studenten der Berliner Universität ihre letzten Kleidungsstücke stahl und sie versetzt«. Einen ähnlichen Diebstahl beging er auch in einem D-Zug. Das Stehlen brachte aber zu wenig Geld ein, der Leutnant a.D. versuchte es nun mit Betrü. g e r e i e n. Auf den Namen eines Offiziers, dessen Mitglieds» nummer im Deutschen Offizieroerein er zufällig erfahren hatte, be- stellte er bei dem Warenhaus für deutsche Ossiziere und Beamte eine Auswahlsendung von wertvollen Glashütter Uhren, ließ sie an ein Pensionat in Wiesbaden schicken, ersuchte die Pensions» inhaberin in einem Schreiben, das er mit dem Namen jenes Leut- nants unterzeichnet«, die Sachen nach Berlin per Post zu über- Mitteln, mietete sich hier unter dem Namen desselben Leutnants ein Zimmer und nahm das Postpaket in Empfang. Die Uhren, die den Wert von 2000 M. hatten, versetzte er für 500 M. In der Verhandlung vor der 11. Ferienstrafkammer des Landgerichts I, vor der«r sich wegen Diebstahls, Betruges und schwerer Urkunden- fälschung zu verantworten hatte, berief er sich auf seinen Geistes- zustand und wurde auf Grund des Z 81 der Strafprozeßordnung auf die Dauer von sechs Wochen tn die Irrenanstalt Herz- berge gebracht. Die zweite Verhandlung führte zu einem Frei- spruch auf Grund des§ 51, also wegen Unzurechnungsfähigkeit. Das ärztliche Zeugnis sprach von einem erblich belasteten, degenerierten, psychopathischen, reizbaren, charakterschwachen, ethisch mangelhaft veranlagten Individuum. Das also ist der Adjutant der Standarte I des Gaufturms Berlin. 1914 wurde dann Herr von Zander vom Amtsgericht Berlin- Tempelhof wegen Geistesschwäche e n t m ü n d ig t. Nach dem Kriege OpiumschieSer.' Nach dem Kriege setzte der Herr Leutnant a. D. sein kriminelles Treiben fort. Im Jahre 1920 erschwindelte er in einem Garderoben- geschäft Kleider im Werte von 4000 M. und bei einer Schneiderin Wäsche im Werte von 2000 M., entwendete einem Redakteur eine Legitimationskarte, mit der er sich» einen Reisepaß besorgte, gab eine falsche eidesstattlich« Versicherung ab, beging Betrügereien auf falschen Militärsahrscheinen und militärischen Ausweisen, wurde im Jahre 1921 wegen Vergehens gegen die Verordnung über den Vsr- kehr mit Opium zu 1000 TO. Geldstrafe verurteilt, im Jahre 1928 wegen Versicherungsoergehens, im Jahre 1930 wegen Vergehens gegen ZZ 1492, 1493 zu 50 TO. Geldstrafe, im Jahre 1931 wegen Nichtbefolgung zu 20 M. Geldstrafe. Bei einer Durchsuchung des berüchtigten NSDAP.-Verkehrslokals in der Hebbelstraße 20 wurden bei ihm 50 Patronen vorgefunden und bei der Durchsuchung seiner Wohnung eine Mauserpistole. In der heutigen Verhandlung vor dem Landgericht I bezweifelte der Bertreter des Fiskus die Prozeßfähigkeit des Herrn von Zander angesichts der seinerzeit gegen ihn ausgesprochenen Entmündigung wegen Geistesschwäche. Im übrigen legte der Vertreter des Fiskus dar, daß für die Schadenersatzklage überhaupt keine rechtlichen Grundlagen bestehen. Der Vertreter de, Herrn von Zander machte sich dagegen unter ironischem Lächeln der Richter die Argumentation des Herrn Leutnant a. D., jetzigen Adjutanten der Standarte I, zu eigen und bereitete den anwesenden?lnwälten wie auch den Rich- tern einige vergnügte Minuten. Bei der trockenen Materie der Zioiloerhandlungen immerhin eine angenehme Abwechslung. Das Gericht bestimmte die Verkündung des Urteils für nächsten Mittwoch. Ein Imperialisten-Drama Hans Ketzberg:„Cecil Nhodes" im Siaatstheater Wns bleibt, ist der Eindruck: l?ans Rehberg, bisher noch un- genannt in der deutschen Dramatik und im Berliner Literatur- geschwätz, hat seinen Kops nicht verloren, als er Weltgeschichte durch einen theatralischen Kopf auffangen ließ. Diesen Kopf trägt Cecil Rhades, der britische Machtexponent und Regent in Rhodesia, Buren- töter, der Schuldige, wenn Transvaals Bauern 1900 von Lord Äitschener erschossen, wenn ihre Hütten verbrannt und wenn auch ihre Frauen und Kinder nicht geschont wurden. Mitten im heißen, schwarzen Lande wurde ein Prachtgrab aufgebaut. Darin ruhen die Gebeine von Cecil Rhades. Das deutsche Schauspiel von Cecil Rhades nimmt diesen Imperialismus sehr ernst. Der Mann beschäftigt die Phantasie Rehbergs als ein zwar herzkranker, doch genialer Staatsmann. Rhodes wird im gleichen Atem mit Julius Cäsar und Napoleon genannt. Das Londoner Kabinett stellt sich ihm mißtrauisch entgegen. Es verzögert den Krieg, den Cecil Rhodes immer wieder verlangt. Dann allerdings, als auch die insularen Strategen und Diplomaten den schönen Kolonialbraten vollkommen gewittert haben, sind sie nicht mehr zu bändigen. Sie stoßen, stoßen vorwärts zur Ausrottung der Burenfreiheit. Tragisch« Helden sterben auf der Bühne immer im letzten Augenblick vor ihrem letzten Siege. So bricht auch Rhodes an krankem Herzen zusammen, nachdem er eben noch vor seinen ausgemergelten und verhungerten Untertanen den Verlust seiner besten und treuesten Freunde beweint hat. Rehbergs Theatersinn baut das Schauspiel genau so, wie es sich akademisch gehört: Aufstieg, Ruhepause, Abstieg mit Kanonen. donner und Apotheose. Trotz dieser Schulmäßigkeit und der oft geschwollenen Kulissensprache zeigt sich die Tüchtigkeit des Drama- tikers im Einfädeln und Weiterspinnen der Theaterereignisse. Da ist die große Szene, in der Präsident Krüger mit den Briten zusammenprallt. Der fromme, bäuerliche Bure gegen die glatten, theatralisch allzu geglätteten Briten. Während das Wichtigste, die Frage ob Krieg oder Frieden, verhandelt wird, ist Cecil Rhades eingeschlafen. Als er die Augen wieder aufschlägt, als er, zugleich mächtig und müde, dem Burenpräsidenten an den Leib rückt, treffen sich zwei Weltanschauungen. Das ist nicht mir bühnenwirksam, das verrät auch tieferen Geist. Cecil Rhodes geht in Sanssouci spazieren. Die deuts.!�.> Herren, Wilhelms II. Kabinettches und Hosgeneralc umnäselu, um- schnarren, umnebeln den fremden Gast. Er aber staunt vor dem, was der Preußenkönig Friedrich ausgebaut hat, und er bedauert. daß e r nicht Erbe solcher Ueberlieserung, daß er nur gequälter Schöpser einer neuen Ueberlieserung sein darf. Das ist wiederum sehr bühnenwirksam, wenn auch unbewußt so ausgedeutet, daß dem Dichter beim Kommen des Dritten Reiches nicht der Hals ab- gedreht wird. Ueberhaupt der Kontrast zwischen England und Deutschland, gespiegelt durch Rehbergs Dichterphantasie! Wilhelms II. Depesche an Ohm Krüger bedeutet für die Engländer, wenigstens ihren theatralischen Vertreter Cecil Rhodes, noch nicht den Alarmruf, um den deutschen Mitbewerber um den Platz an der Sonne Feind- schaft zu schwören. Nach Rehberg bietet ein durchaus respektables Deutschland dem kleinen Burenvolk die Freundschaft an, und die Engländer ducken sich, wenigstens solange, wie die Zehnminuten- szene aus der Bühne dauert. Der Dichter weiß nicht, was nach 1900 folgte, und er braucht es auch nicht zu wissen, da ihm nur an der Augenblickswirkung liegt. Die Rollen stimmen, wenn auch die Historie manchmal malträtiert wird. Aber es sind Paraderollen in dem Stück, und der Regisseur Lothar M ü t h e l tut gut, den Darstellern freien Laus zu lassen. So entfaltet sich aus der Bühne zwar das Virtuosentum, und es wird vieles allzu scharf, allzu theatralisch aufgetragen, doch sehr deutliche Wirkungen werden erzielt. Walter Frank spielte einen dämonischen Cecil Rhodes, einen richtigen Helden des Schicksals, einen Märtyrer und Bösewicht. Er spielt ihn mehr vom Rhetorischen als von der Seele her, doch er wirkt interessant. Dann kommen Hadank, Gentschow, Laubinger, Paul Günther, Minetti. Sie schwelgen alle in ihren Rollen, sie sind versesien auf Pointen, zu denen ihnen das Stück gar keinen Anlaß gibt. D u n s k u s spielt den Präsidenten Krüger, und die Spannung, die er bringt, liegt in der Rolle, aber auch in dem Talent des Künstlers, diese Ehrlichkeit und Gläubigkeit und körper- liche Kraft durch vorzügliche Maske und schweres Wort und massive Bewegungen imponierend zu charakterisieren. I'lsx Hochdorf. Die Absichten auf Revision. Innerpolitische Voraussetzungen. Der„Sozialdemokratische Pressedienst" schreibt: Die Meldungen, die die Presse über die Ergebnisse der Besprechung von Chequers sowie über die Absichten der Reichsregierung in der Revisionsfrage bringt, sind alle mit der denkbar größten Vorsicht auf- zunehmen. Die einzige positive Versicherung, die uns gegeben wird, ist die, daß die Reichsregierung nicht die Absicht hat, bereits in den nächsten Tagen Beschlüsse bezüglich der Ankündigung eines Transfermatoriums zu fassen, d. h. daß sie zunächst nicht daran denkt, von dem Rechte Gebrauch zu machen, das ihr der Poung-Plan selber gewährt. Das ist durchaus be- greiflich, denn dieses Recht ist von sehr zweifelhaftem Wert. Die einseitige Erklärung eines Moratoriums würde den deut- schen Kredit erschüttern und die Gefahr der Zurückziehung kurzfristiger ausländischer Anleihen beträchtlich erhöhen. Außerdem aber würde eine im Rahmen des Joung-Plans liegende Abstoppung der Uebertragung von Zahlungen an das Ausland für die deutsche Wirtschaft und die deutschen Finanzen kaum von Bedeutung sein. Es wäre angesichts des Gesamtdefizits, das bei Reich, Ländern und Gemeinden fast auf 21,2 Milliarden zu beziffern ist, wirklich nur ein Tropfen auf einen heißen Stein. Nun bezeichnet es der Londoner„Daily Telegraph" als den Wunsch der deutschen Regierung, einen dreijährigen Zah- lungsaufschub hinsichtlich der ungeschützten Zahlungen in Höhe von mindestens einer Millarde Mark zu erreichen. Es spricht mancherlei für die Richtigkeit dieser Mitteilung und es kann keinem Zweifel unterliegen, daß hier ein an sich erstre- bcnswertes Ziel aufgestellt wird. Deutschland bedürfe in der Tat einer derartigen Atempause und sie könnte ihm zu einer Wiederbelebung seiner Wirtschaft verhelfen. Aber es ist klar, daß seine Gläubigermächte an eine Erfüllung dieses Wunsches nur denken können, wenn Amerika für dieselbe Zeit auf die Eintreibung seiner Schulden bei England, Frankreich, Italien usw. verzichtet. Bisher war die Neigung dazu in Washington und New York kaum vorhanden, und es ist frag- lich, ob sie durch neuere Vorschläge, wie beispielsweise den. daß Amerika jährlich eine Anleihe von einer Milliarde auflegen könne, deren Zinsen und Tilgung von Deutschland garantiert werde, wachzurufen ist. Jedenfalls gilt es, zwei Gruppen von Hindernissen zu überwinden, die eine, die in Europa, und die andere, die jenseits des Atlantischen Ozeans liegt. Doch welches auch immer die Wünsche und Absichten des Kabinetts Brüning fein mögen, es muß sich unter allen Um- ständen auch der innerpolitischen Voraussetzungen für den Erfolg seiner Aktion bewußt bleiben. Einstweilen gibt es sich der Hoffnung hin, durch die Verkündung der Notverordnung mit ihren unerhörten Härten eine der wesentlichsten dieser Voraussetzungen geschaffen zu haben. Mag sein, daß es ihm gelungen ist, das Ausland von der Größe der wirt- schaftlichen und finanziellen Not, die auf Deutschland lastet, zu überzeugen. Briands Rede zeigt, daß das leider bei Frankreich noch nicht der Fall ist. Aber auf der anderen Seite ist die Aufnahme, die dieser Schritt des Kabinetts im eigenen Lande gefunden hat, so ungünstig, wie nur möglich, und am ungünstigsten in den Kreisen derer, die als Arbeiter, Angestellte und Beamte eine weitere, sehr beträchtliche Verschlechterung ihrer Lebens- Haltung auf sich nehmen sollen. Und diese Opposition wird die Regierung nicht mit dem Hinweis überwinden können, daß sie eben jetzt in ihrem Bemühen, außenpolitische Erleichte- rungen zu erreichen, durch innenpolitische Auseinander- setzungen nicht gestört werden dürfe. Mit der Eröffnung von mehr oder weniger bestimmten Aussichten auf eine in der Zukunft liegende Revision der Zahlungsverpflichtungen wird sie die Stimmen derer nicht zum Schweigen bringen, die gegen die neue und unmittelbare Mehrbelastung Widerspruch erheben und dabei auf die ungeheuerliche Ungerechtigkeit der Lastenverteilung hinzuweisen vermögen. Die dem Kabinett und namentlich dem Reichskanzler nahestehenden Zeitungen erklären mit Entschiedenheit eine Einberufung des Reichstags in diesem Augenblick für unerträglich. Zugegeben, daß das Parlament in seiner gegenwärtigen Zusammensetzung zu Beschlüssen von bedenklichen Folgewirkungen gelangen könnte. Aber diese Gefahren wären zum mindesten beträchtlich zu verringern, wenn die Regierung sich bereit finden würde, über den Inhalt der Notoerordnung in. eine Dis- k u s s i o n einzutreten und den Standpunkt aufzugeben, als ob sie wirklich die einzig mögliche Lösung des Problems gefunden hätte. Gerade wenn sie mit Rücksicht auf Revisions- Verhandlungen dos Risiko einer Ablehnung der Not- Verordnung und der daraus sich möglicherweise ergebenden politischen Konflikte vermeiden will, muß sie gegenüber den allzu berechtigten Abänderungsforderungen Entgegenkommen beweisen. Tut sie es nicht, so nimmt sie selber die Ver- antwortung für die Herbeiführung einer Situation auf sich, die außen- und innenpolitisch in gleicher Weise Verhängnis- voll wäre. Und sie sollte auch klug genug sein, zu erkennen. daß die Drohung mit einem Abgleiten der Staatsleitung nach rechts hin in der gegenwärtigen Stunde schon deshalb nur geringen Eindruck machen kann, weil jeder sich darüber klar sein muß, daß eine Regierung, auf die die Herren Hitler und Hugenberq oder der Stahlhelm unmittelbaren oder mittel- baren Einfluß besitzen, schon gar nicht imstande sein würde. eine auch nur vorübergehende Erleichterung unserer Repara- tionslasten zu erreichen. Wagner-Festspiele in Paris. In der Großen Oper haben gestern abend unter großer Beteiligung des Publikums die Wagner-Fest- spiele in deutscher Sprache begonnen, die�scit zwei Iahren zu einer ständigen Einrichtung der französischen Staatsoper geworden sind. In diesem Jahre leitet sie Leo Blech. Mit„T r i st a n u n d I s o l d e" sind gestern abend die Festspiele in einer geradezu mustergültigen Ausführung vor ausverkauftem Hause eröffnet worden. Lco Bisch konnte mit den deutschen vollsten nach Schluß der Vorstellung sür geradezu begeisterte Ovationen etwa ein dugendmal danken. 5 Millionen Gottlose. Bei einem Kongreß der Vereinigung der Gottlosen in Moskau hielt der Vorsitzende, der General Tukatschewsky, eine Ansprache, in der er den Erfolg ihres Wirkens hervorhob. Die Mitglledcrzohl der Vereinigung umfaßt danach 5 Millionen, von denen 640 000 in Moskau sind und t>- Millionen in der Ukraine. Die Bereinigung hat 00 antireligiöse Museen und 00 antireligiöse Universitäten ins Leben gerufen und breitet sich nach den Mit- teilungcn des Generals in Rußland immer weiter aus. vros ttbrnunb husserl spricht heute abend S'l, Uhr in der Kant. Desellschast tUnivcrsität, Hörsaal 122) über:»Phänomenologie K8b Anthropologien „Oer Zigeunerbaron." Neueinstudierung in der Lindenoper. Nach der„Nacht in Venedig", dem„Spitzentuch der Königin", dem„Lustigen Krieg" ist das in Berlin die vierte Strauß-Operette in wenigen Monaten: die zweite, mit deren Hilfe Unter den Linden Spielplan und Besuch belebt werden sollen. Die Feststellung wirst ein Licht aus die Situation, in der nicht nur die Stactsaper, sondern überhaupt Oper und Operntheater sich heute bei uns befinden. Die Sehnsucht des Operettenkomponisten Johann Strauß war es immer gewesen, sich auf der Bühne der Wiener Hofoper ausgeführt zu sehen; Frucht dieses stillen Ehrgeizes ist„Der Zigeunerbaron". ein zwitterhaftes Werk, an dem wir wenig Freude haben— trotz einer Fülle melodischer Einfälle, die darin untergebracht sind. Doch noch mehr als die Art ihrer Verarbeitung entzieht sich der läppische Text den Ansprüchen der Oper. Man müßte wenigstens versuchen, das alles so leicht und unwichtig wie möglich zu nehmen: die Aus- führung der Lindenoper macht daraus eine steife, ernste Sache. Auch der Operettenhumor, den Waldemar H e n k e an die dankbare Figur des Schweinezüchters Csupan zu wenden glaubt, schlägt nicht ein Unter Kleibers Führung wird mit gemessenem Elan sauber nmsiziert, in den Hauptrollen von Marcel Wittrisch besser gc- sungen als von Vera Schwarz. Der Höhepunkt des Abends ist erreicht, als im dritten Akt die stegreich heimkehrenden Truppen m't Militärmusik über die Bühne marschieren. In Reih und Glied ge- richtet, stramm, schneidig,«ine Lust, Soldat zu sein. Die Operette wird zum Fridericus-Film, und die Leute applaudieren, als säßen sie im Ufa-Palast. X. L. Eine Woche Hochschulmusik. Die Veranstaltung einer„Musitwoche" gab der Staatlichen Hochschule für Musik Gelegenheit, zum Schluß des Schulsahrs zu zeigen, was alles mit den hier ausgebildeten Schülerkräflen ge- leistet werde» kann. Das sollte kein Einblick in der» Unterricht und seine unmittelbaren Ergebnisse sein, man hatte nicht den Eindruck von Prüsungskorrzerten. sondern von sorgfältig vorbereiteten Dar- bietungen— aber die Ausführenden waren Studierende der Hoch- schule. Den Abschluß bildete ein Vortragsabend der Orchester- schule mit Lorklossen des Deutschen Musikerverbandes unter Professor W. Gmeindls Leitung, mit Bruckners VIII. Sinfonie als einziger Programmnummer. Wie hier ein« der größten Auf- gaben der symphonischen Literatur bewältigt wurde, das war eine durchaus imposante Leistung. Nur bei den Bläsern schien es frei- lich hie und da geboten, den nachsichtigeren Maßstab anzulegen, auf den der gute Wille Lernender Anspruch erheben darf. Aber was mit diesen Kräften vollbracht werden kann, das zeigte sich am Zlbend vorher in der Wiedergabe von Arnold Schönbergs„Gurre- Liedern". Mit dieser außerordentlichen Ausführung tritt der Direktor der Hochschule, Professor Franz S ch r e k e r. aus der künstlerischen Reserve des Erziehers und stellt sich und das von ihm geleitete Institut in das Zentrum des Berliner Musiklebens. Kaum in eiuem anderen Rahmen wäre es unter den heutigen Berliner Verhältnissen möglich, den riesenhaften Orchesterapparat auszubringen, den Schön- bergs Partitur vorschreibt und den die Hochschul« ganz aus eigenen Mitteln aufzustellen oermag. Auch dl« Solisten, unter denen Ilse Herrmann mit sehr sicher geführtem Sopran. Stefan Schwer mit bemerkenswert schönem Tenormaterial auffällt, sind Schüler. Den Hochschulchor verstärken der Männerchor der Staatlichen Akademie sür Kirchen- und Schulmusik und der Charlottenburger Lehrer- Gesangverein. „G u r r e- L i e d e r", das Werk, dem eine Dichtung von I. P. Jacobsen zugrunde liegt, ein« Art lyrisch-dramatische Kan- täte, ist m seiner großen, maßlosen,»och völlig unselbständigen Art ein typisches Iugendwerk. Ueberschwenglich schwärmerisch, schwel- gend in Klang, zerfließend in Harmonie: nichts darin kündigt den späteren Schönberg an. den radikalen Verleugner all unserer musi- kalischen Grundbegriffe, Zerstörer aller Grundlagen. So gründlich seine Abkehr, so tief war er in seinen Anfängen besangen in lieber- kommenem— in der Welt Wagners, au» der Strauß und Pfitzncr, von Mahler nicht zu reden, längst zu eigenem, persönlichem Stil vorgedrungen waren. Als Ausgongspunkt einer inneren Entwick- lung, die zum Extrem des heutigen Schönberg geführt hat, bilden die„Gurre-Lieder" ein musikgeschichtlichcs Dokument von ganz be- sonderer Kuriosität. Ein Abend war neuen Kompositionen, S ch iil e r k o m p o s i- tionen, gewidmet. Berlin, München, Köln, Stuttgart in schönem Wettbewerb. Nur Kammermusik: für den, der am Ansang steht, das schwierigste, gefährlichste Gebiet. Man hörte manches, das von beachtenswerter Begabung zeugt. Karl Höller, Studierender der Münchener Akademie, bestätigt in seinem Klavierquartett ein Talent, das schon in anspruchsvollcrem Rahmen, beim Bremer Tonkünstler- fest, aufgefallen ist. In einer Suite für Koloratursopran und Kammerorchester zeigt Trudc Rittmann, Schülerin Jornachs in Köln, beträchtliches Können und Sinn für knappe Form. Und H. Genzmer macht in einer..Musik für sieben Blechbläser" seinem Meister Hindemith Ehre, ohne nur nachzumachen, was er von ihm gelernt hat, Diese vier kurzen Sätze, die unter Ferdinand Leitnerz Führung sehr gut gespielt wurden, werden ihren Platz im Konzert- repertoire finden. Eine Aufführung der Opernschule„Der fliegende Holländer" ergänzte das musitalische Programm der Woche. Unter Prüwers und Harths Anleitung wird hier auch für das Theater ausgezeichnete Vorarbeit geleistet. Den Glücksfall des echten Bühnentalents vermag freilich Erziehung nicht zu schaffen. K. P. „Harold, halt dich fest." Llfa-palaft am Zoo. Es ist nachgerade schon zur Ueberlieserung geworden, die som- merliche Kinoslaute mit einem Harold-Lloyd-Film zu be- kämpfen. Diesmal ist Harold der strebsame, herzlich gute und bedauerns- wert ungeschickte jung« Mann, der beruflich gerne vorwärtskommen möchte. Er macht nicht nur eine Bombenkarriere, er bekommt auch noch ein entzückendes Mädel. In der Zeit der katastrophalen Massen- arbeitslosigkeit ist es mehr als heikel, das Thema des armen, vor- wärtsstrebenden Menschen zu behandeln. Aber die drei Manuskript- schreiber tun das außerhalb der Grenzen jeder Wirklichkeit. Sie konstruieren tolle Einfälle, die ihr Star erträglich gestallet. Der Tonsilm ist von recht anfechtbarer Art. Zu Ansang ver- nimmt man ein paar englische Worte, dann sieht man lebhaft, ober tonlos redende Schauspieler und wird unterdessen von konservierter blecherner Begleitmusik bestürmt, und zum Schluß hört man wiederum ein paar englische Brocken. Mithin behandelt man das Publikum ein bißchen von oben herab. Man läßt Harold diesmal sogar zu einer schauspielerischen Leistung kommen und benutzt erst zum Schluß seine bedeutenden artistischen Fähigkeiten. Die gebraucht er für unglaubliche Klette» reien, und das Publikum, das von vornherein weiß, dem guten Harold passiert nichts, erträgt den Nervenkitzel der gefährlichen Situationen mit Schmunzeln und kommt sich dieserholb noch wunder wie nervenstork vor. Größte Beachtung verdient der Kullurfilm„Räuber im V o g e l r e i ch". Er zeigt die Raubvögelnnitter alz rührend treue Pflegerinnen ihrer Jungen. c. b. Vikiar Schwanneke ist nach lägerer Krankheit gestorben. Cr ist nur ü0 Jahre alt geworden. Seine frohgemute, volkshaste Kunst hat vielen Leuten in Berlin Freude gemacht: in fast allen Theatern, auch ln der Volksbühne, ist er aufgetreten, und auch im Film hat das Talent des Komikers gezündet. Schwanneke, ein gebürtiger Brounschweiger, wurde nach dem Umsturz in München von seinen Kollegen zum Intendanten des Staatstheaters gewählt. Später siedelte er nach Berlin über, wo er nach berühmtem Muster in der Rankestrahe eine Weinstube aufmachte, die von zahlungskrästigeren Künstlern und ihrem Anhang besucht wurde. Für das Reichsehrenmal, das als Ehrenhain bei Bad Berta in Thüringen in Aussicht genommen ist, soll«in allgemeiner Ideen- Wettbewerb für die künstlerische Äestallung ausgeschrieben werden. Die Geschäftsstelle der vtistung bejindet sich im Reichsministerium des Innern, Platz der Republik 6. Die größte deutsche Wanderbühne. Cinc Wanderbühne, die monatlich insgesamt 1S2 verschiedene Spielort« bespiell, ist bestimmt die größte ihrer�lrt. Es handelt sich um die„Gemeinnützige Schaubühne Hambnr g", die mit Unterstützung des Hamburger und des preußischen vtaates und der Reichsanstalt für Arbeitslosenunterstützung geschaffen wurde. Leiter dieser Wander- bühne ist Paul Elmar. Lleberstunden für Bergleute Unmögliche Korderungen der deutschen Negierung Genf, 10. Juni.(Eigenbericht.) Der Antrag der deutschen Regierung in der Kohlenkommission der Internationalen Arbeitskonserenz aus 150 Ueberstunden im Ties- bau bzw. 250 Ueberstunden im Togbou der Braunkohle ist in der Reglerungsgruppe des Kohlenausschusses abgelehnt worden. Ein Antrag der österreichischen Regierungsvertreter auf ISO bzw. 200 Ueberstunden fand indessen in der Regierungsgruppe eine Mehrheit. Die Regelung der Braunkohlenfrage niacht weiterhin die größten Schwierigkeiten, die auf die unverhältnismäßig weitgehenden Ueberflundenforderungen der deutschen Regierung zurückzuführen sind. Weder die Arbeitergruppe noch ein Teil der Regierungen sind bereit, diesem Verlangen zu entsprechen. Auch in der Unternehmeroruppe sind die Absichten geteilt. Angesichts des auch weit vorgeschrittenen Arbeiterabbaues, der allein in Deutschland 23 000 Bergarbeiter im Braunkohlenbergbau betrossen hat. ist es der Arbeitergruppe unmöglich, über die Kotnpromihvorschläge des Internationalen Arbeitsamts hinauszugehen. Man erblickt in der Haltung der deutschen Regierungsdelegation insofern eine Zwiespältigkeit, als vor wenigen Tagen der Delega- tionsführer Dr. Brauns in der Aussprache über den Bericht des Direktors Ausführungen machte, die allgemein als sozialpolitisch ver- ständig aufgefaßt wurden. Sie enthalten u. a. einen vielbeachteten Hinweis auf Rotwendigkeit einer Arbeitszeitverkürzung. Wahrscheinlich hat diese Rede einem Teil der deutschen Presse Der- anlassung gegeben, gegen diese Tendenz Stellung zu nehmen, was eine gewisse Rückwirkung auf die Haltung der Delegation in der Kohlenkommission gehabt zu haben scheint. Allgemein herrscht der Eindruck vor, daß hier innerdeutsche Ressortstreitigkeitcn vor der Wellössentlichkeit zum Auslrag kommen. Wir halten es dringend für geboten, daß die Regierungserklär- rung diesem für Deutschland so ungünstigen Zustand sofort ein Ende bereitet, da die Entscheidungen unmittelbar bevorstehen und ein Scheitern des Abkommens durch deutsche Schuld schwerste Folgen nach sich ziehen muß. -i- Ein Antrag der Arbeitnehmergrupp« will, daß in den Ländern mit günstigeren Arbeitsbedingungen als den im Abkommen vorge- sehenen aus Grund des Abkommens keine Verschlechterung der Ar- beitsbedingungen vorgenommen werden dars. Der Regierungsvertreter der Tschechoslowakei wandte sich dagegen, da in seinem Lande eine kürzere Arbeitszeit bestehe uno die Konkurrenzfähigkeit der tschechoslowakischen Unternehmer er- schwort werde durch längere Arbeitszeit z. B. im deutschen Braun- kohlenbergbau. Die Regierungsvertreter Polens, Frankreichs und B« l- giens unterstützten diese Opposition. Die ablehnende Haltung dieser Rcgierungsvertreter brachte den englischen Vergbauminisler Shinwell zu scharfem Widerspruch. Shinwcll hatte in der vorigen Sitzung, die Erklärung abgegeben, daß die Regierungsgruppe ge- schlössen für den Antrag der Arbeitnehmer stimmen werde. Die be- treffenden Regierungen hätten in den Verhandlungen der Regie- runzsgruppe in keiner Weise zu erkennen gegeben, daß sie den Ar- beitnehmerantrag� für den sich Shinwell sehr stark eingesetzt hatt«, nicht annehmen würden. Die englische Regierung werde ihre bis- herigen Konzessionen in der Braunkohlenfrage zurückziehen, wenn die genannten Regierungen ihre ablehnende Haltung aufrecht er- hielten. Der französische Arbeitnehmervertreter machte der deutschen Regierung sozialreaktionäre Einstellung in der Arbeitszeitfrage für den Braunkohlenbergbau zum Vorwurf, wogegen sich der deutsche Regierungsvertreter Ministerialdirektor Dr. Sitzler wandte. In Deutschland hätten die Bergarbeiter mehr Urlaub, als die Ueberstunden ausmachten.(Das stimmt doch wohl nur. wenn außer den in der Urlaubszeit enthaltenen Arbeitsstunden auch die arbeitsfreien Stunden aufgerechnet werden, über die das Unternehmertum nicht zu verfügen hat. D. Red.) Die deutsche Re- gierung sei übrigens für den Antrag der Arbeitnehmer. Unter großer Unruhe ließ dann der Vorsitzende Reichsarbeits- minister a. D. Dr. Brauns zunächst über den im Arbeitnehmer- antrag ausgesprochenen Grundsatz abstimmen. Die Abstimmung ergab bei teilweiser Stimmenthaltung bzw. Ablehnung der Arbeit- geber und der Regierungsgruppe die Annahme des Grundsahes. Ueber den Antrag selbst soll in einer späteren Sitzung abgestimnit werden. Die weiteren Beratungen wurden auf Mittwoch vertagt. Die Arbestnehmergruppe hat nochmals die Uebersiundenforde- rungen der deutschen Regierung abgelehnt und sich lediglich bereit gefunden, für den Entwurf des Internationalen Arbeitsamts zu stimmen. pilsudskis neues Kabinett Ignoranten als Minister Der Militärputsch des Josef Pilsudski im Mai 1926 wurde> damit begründet, daß auf den häufigen Regierungswechsel der polnischen Republik endlich einmal eine Zeit der Stabilität folgen müsse. Stabil ist seitdem nur die unumschränkte Macht Pilsudskis geblieben, aber seine Regierungen wechselte er nach Laune, lind sie alle haben, mögen sie noch so viel Worte machen, nur ein Programm: Pilsudskis Gebot. Das gilt erst recht von der neuesten polnischen Regierung unter der Leitung des Obersten P r y st 0 r, der— wie Pilsudski und die meisten Obersten—«in Renegat der polnischen Sozialistischen Partei ist. Die vorherige Regierung des Obersten S l a w e k mußte gehen, weil ein Teil der Minister die Offiziere nicht länger von dem fünszehnprozentigen Gehaltsabzug an den Beamten ausnehmen wollte, dem übrigens noch ein weitersr Gehaltsabzug folgen soll. Dem Kabinett Slawe? gehörte als Finanzminister Herr M a t u s z e w s k i an, und dieser Finanz- minister war immerhin so gewissenhaft, sich den plötzlichen und im Slal nicht begründeten Forderungen Pilsudski» im Interesse der Staatsfinanzen zu widersetzen. Man hat ihn entfernt: dafür ist der Bruder des Diktators Minister geworden, jener Jan Pilsudski, der als Kleinstadtrichter nach keiner Richtung hin irgendwelche Begabung gezeigt hat. Jan Pilsudski wird seinem Bruder nicht widersprechen, wenn dieser befiehlt, für irgendwelche Zwecke Millionen auszugeben. So ist seinerzeit der Finanzminister Czechowicz zu gewaltigen Etatsüberschreitungen, darunter 8 Millionen für Wahlmache, gezwungen worden, was ihm die Anklage des Sejm vor dem Staatsgerichtshof und nachher dem Anklagevertreter Hermann Liebermann— Brest- Litowsk eingebracht hat. Inzwischen hat man freilich ein Parlament zusammengefälscht, das keine solche Ministeranklage mehr er- heben wird. Auch Slawek selbst hat sich die allerhöchste Ungnade zugezogen. Als Führer der Regierungspartei im Sejm oertrat Slawek die Forderung seiner Fraktionsgenossen, die wenigstens ab und zu ein« Sejmtagung haben wollen; man begründet dieses Verlangen mit der Rücksicht auf.das-westliche Ausland, vor dem doch der Schein aufrechterhalten werden soll, daß Polen«in parlamentarisch regierter Staat ist. Pilsudski aber will dem Parlament kein« andere als die von ausländischen Anleihegebern gewollte Funktion ein- räumen, nämlich für die Anleihen der Regierung die Bürgschaft im Namen der Völker Polens zu übernehmen. Was darüber ist, ist vom Uebel, zumal in jeder Sejmtagung die noch immer nicht voll- ständig ausgerottete Opposition wenigst«»- ein paar Minuten lang die Wahrheit hinausschreien kann. Das Oberstenregime verbraucht gewaltige, nicht im Etat vor- gesehene Mittel für das Heer von Spitzeln, die das ganze Land behorchen, beobachten und gelegentlich auch unbesonnen« Menschen zu Gewaltakten verleiten, mit deren Bekämpfung die Spitzelei ihre Staatsnotwendigkeit immer aufs neue beweisen kann! Als Wirtschaftsminister hat man«inen General Zarzycki eingesetzt, von dem man gleichfalls noch nie gehört hat. daß«r sich mit der öffentlichen Wirtschaft irgendwie vertraut gemacht hätte. von dieser Regierung abhängiger Kreaturen find neue Schandtaten zu erwarten, sobald nur erst die Besprechung der Utraiaerv«rfolguug im Völkerbund vorbei, diese„Vazisizi�ung" und Brest-Litowsk Halbweg» vergessen find. Einer der Intimsten des Marschalls, der Oberst Beck, hat die Greuel von Brest-Litowsk angeordnet, die der Oberst B j e r n a z k i ausgeführt hat. Man sagt diesem Beck nach, daß er einen sehr weftntlichen Anteil an der gräßlichen Ermordung des Generals Z a g ä r s k i gehabt habe. Eines Tages, so heißt es. wird Beck, der jetzt schon Vizeminister im Außenministerium ist, den Außen- minister Z a l e s k i ersetzen, womit dann auch die Außenpolitik vollständig den Launen Pilsudskis ausgeliefert wäre. Mgendamm wird gebaut. Baukosten Millionen. wie aus Stralsund gemeldet wird, ist der R ü g e n d a m m- bau gesichert. Die Herstellungskosten einschließlich der Fahrstraße betragen rundZI Millionen Mk. Der Vau wird noch in diesem herbst in Angriff genommen werden. Viehhändler ermordet. Oer angebliche Mörder in Berlin festgenommen. In einer Berliner Gastwirtschaft ist heule vormiltag ein wohnungsloser jüngerer Mann unler dem verdacht des Mordes an dem Viehhändler Ernst Merten aus Golzow bei Frankfurt 0. d. 0. festgenommen worden. Merten war seit dem 2 Mai mit seinem Motorrad plötzlich ver- schwunden. fünf Tage später wurde seine Leiche aus der Oder, un- weit Frankfurt gelandet. Der Viehhändler hatte noch am 2. Mai in der Nähe von Golzow eine Kuh gekauft und das Tier ordnungs- gemäß nach Berlin verfrachtet. Obgleich an der Leiche keine Spuren eines gewaltsamen Todes entdeckt wurden und sich in den Taschen sowohl die Brieftasche wie auch die goldene Uhr vorfanden, hielt sich hartnäckig das Gerücht, daß Merten das Opfer eines Mordes geworden sei. Dir Suche nach dem Motorrad ist bisher ergebnislos verlaufen. Heute mittag wurde in Frankfurt die Obduktion vorge- nommen, über deren Ergebnis bis zur Stunde nach nichts bekannt- geworden ist. Von der Polizei werden bisher Zweifel gehegt, ob auf Merten überhaupt ein verbrecherischer Anschlag verübt worden ist. Man neigt auf Grund des vorläufigen Untersuchungsergebnisies nämlich zu der Annahme, daß der Viehhändler auf der Rückfahrt nach Golzow in der Dunkelheit den Weg verfehlt ha� und mit dem Rad in die Oder stürzte, wo er hilflos ertrank. Der Festgenommene, der in der Gegend von Golzow gesehen worden ist. behauptet, daß sein Ausenthalt bei der Ortschaft mindestens vier bis fünf Wochen zurückliege. Außerdem hat er ein Alibi angeboten, das zur Zeit nachgeprüft wird. Gemeinschafi der Zungen. Das neue Heim der Zugfcharen. Einen großen Aktivposten auf dem Gebiet der Jugendhilfe be- deutet der immer weiter fortschreitende Ausbau des Gemeinschafts- wesens. In ihren neuen Arbeits- und Freizeiträumen im Hause Berlin N., Bergstraße 77, hat der Arbeitskreis der„Z u g f ch a r e n" wiederum ein wertvolles Stück jugendpflegerischer Arbeit geleistet. Dem im selben Hause bereits vorhandenen Kinderheim wurden jetzt durch Hinzunahme des Erdgeschosses und der Kellerräume ein Raum für fröhliche Geselligkeit, eine Wäscherei und Büglerei, eine Bastelwerkstatt und eine Kleiderkammer angegliedert. An den Wasch- Maschinen walten künftige Wäscher fleißig ihres Amtes, am Plättbrett steht die jugendliche Büglerin, in der Bostelwerkstatt formen geschickte Hände allerlei Nützliches und Ergötzliches und in der Kleidcrkammer heißt es aus Alt mach Neu! Die Jungen und Mädchen, die sich hier nützlich machen und nebenbei für ihren späteren Berus lernen, er- halten für ihre Tätigkeit Bezahlung: im Spielraum gibt es Ping- P 0 n g und Schachspiel, Halma, Mühle, Tanzunterricht, Gymnastik, Vorträge und kleine Aufführungen. So ist für praktischen und ftöh- lichen Zeitvertreib Sorge getragen; ftöhliches Lachen und reger Besuch sind die beste Anerkennung für die wertvolle Arbeit. Die hellen, freundlichen Räume, bei aller Einfachheit der Ge- staltung doch mit Verständnis und Wärme geschaffen, sahen bei ihrer Eröffnung einen großen Kreis fördernder Freunde. Ober- studienrat Kawerau las Rilkes„Requiem" über den Tod des jungen Grafen Kalkreuth, den schwere innere Konflikte das Leben fortwerfen ließen; er leitete davon über aus die heutigen, noch viel schwierigeren Daseinsbedingungen junger Menschen, und daß es unser aller Pflicht sei, nach Möglichkeit zu helfen. In Vertretung des Landesjugendamts waren Obermagistratsrat K 0 b r a ch und Magistratsrat Müller erschienen. Ein Kutscher ertrunken. Don dem Wagen ins Wasser gerissen. Gestern gegen 13� Uhr ertrank aus einem Abladeplatz in der Leipziger Straße in Potsdam der Kutscher Emil Ebel aus Drewitz. Ebel hatte einen Wagen mit Steinen beladen und wollrs ihn zurückziehen. Er spannte deshalb die Pferde an den Hinterwagen. Trog des Anziehens der Pferde rückte der Wagen etwas nach hinten, E. bekam einen Stoß von der Deichselstange in die Magengegend. taumelte und stürzte ins Wasser und versank sogleich. Die alarmiert« Feuerwehr sowie die Hafen- und Schifsahrtsschutzpolizei konnten die Leiche mit dem Suchg«rät erst nach etwa einer halben Stunde bergen. Motorbootexplosion auf der Ostsee. Verunglückte Heimsahrt zweier Berliner Polizeibeamten. Stralsund. 10. Juni(Eigenbericht). Zwei Berliner Polizeibeamte waren mit einem Motorboot auf der Rückfahrt von dem Ostseebad Zingst nach Berlin. Wegen der langen Fahrt hatten sie über 100 Liter Benzin an Bord. In der Nähe von B a r h ö f t gerieten sie in dem schwie- rigen Fahrwasser auf Strand. Die Versuche, das Schiff wieder frei zu bekommen, blieben erfolglos. Wahrscheinlich hat sich dabei der Motor heiß gelaufen, so daß er schließlich explodierte. Dabei geriet auch das an Bord befindliche Benzin in Brand. In letzter Minute gelang es den beiden Beamten, sich aus höchster Not zu retten, daß sie über Bord sprangen. Sie konnten schließlich das Land erreichen, während das Boot vollständig verbrannte. 20000 paar Schuhe vervramii. Stockholm. 9. Juni. In der Schuhfabrik A l m in Gotenburg brach heute nachmittag Großfeuer aus, das in kurzer Zeit fast den ganzen Fabrik- komplex vernichtete. Nicht weniger als 20 000 Paar fertige Schuhe und ansehnliche Posten halbfertiger Waren verbrannten. Außer- dem wurden zwei benachbarte Gebäude durch Funkenflug ange- zündet. Angeblich ist der Brand, desse» Schadenhöh« sehr groß ist, durch Selbstentzündung entstanden.____,.! Wetter für Berlin und Umgebung: Welleryin woMg mit etwas Regen und mäßigen Südwestwinden. Keine wesentlich« Temperatur- änderung.— Für Deutschland: Im allgemeinen Fortdauer de)' herrschenden Witterung. Brarntwortl. Mr die RedaNi-n: Seebert Sepe«, Drrliii:«lueizr»: Td.«Uäc, «»Ii». Berla«: BorivSrt» B»la«®. m. b. K„»etli». Druck:«»rwärt» Buch. druck»» und Verlagsanstalt Paul Singer& Ca.. Berlin 628<58. Lindenstraste 3. Stert» 1 Beilage. Mittwoch, 10. 6. staats-Oper Unter ck. Linden 282. A.-V. Wh Uhr Carmen Ende g. 23 Uhr Staats-oper tu Piltz dir RnaUQ V.-B. 20 Uhr Aus einem Totenhaus OtttniL Kirtranrtnt Ende g 221/« Uhr Mittwoch. 10. 6- Stadl oper Bistnarckstr Turnus II 19>A Uhr Die Mürtlöte Ende 22'/» Uht Staat). Stepli. Iub CnluonBiMI. 242. A.-V 20 Uhr Cetil Rh od es Ende n.22'/« Uhr Staati. Sütilier-Itieater.[Mg 20 Uhr Haus Herzenstod Ende nach 22', Uhr VolKshtthne Ttat« in BOlowjlati, 8 Uhr Lumpazivagabundus SlaatLSdiiüer-Tli. 8 Uhr Haus Herzenstod Staatsoper Am Pl.d. Republik 8 Uhr Ans einem Tolenhasss • Elite-Sänger—■ Kottbusser Str. 6 Tägl«>/, U Bit grofle*«I- ttittingi- RnuPnu LaBt sdiö« Frauig um midi»Iii von HarryWalden SS In der Gesemtauflage de*.Vorwärts- sind besonder» wirksam und trotzdem sehmnimf Reichshailen-Theater Allabendlich[eQ Uhr Stettiner Sänger Hnti Wiederaaftrst. Paul firillOD Zum Schluß: „Alles verrückt!" erntet StOrme der Beoeteteninc im Rose-Theater „DirJuM ist groß loid bs- nchtiat.*(Ttmpoi Nor noch 14 Tage: ..Der wahr« Jakob" Woctient.»Ii. Sonnt. Sü u. 9 Uhr Rose-Garten| Oa* erste Sommertheater Berlins I Moehent. 8» Uhr, Sonnt S Uhi Großes Konzert und toter- netionaler Varictateil. cttMetzte Woche: Die Schwant operette:„Dat Uebesverbot" Ab t5. Juni ToIIstludig neue* Varieteteil u. die Operette von Josef Snaga„Der Hut- machsr Sr. Durchlaucht" Gr. Frankfurter Str. 132 E 7 Weichsel 3422 O-Bahn Strausberger Platz BiUettkasse geSUnet von 1 1—> und 4— 9 0hr. ÜSelloge Mittwoch, 10. Juni 1931 StiaLxuJiQaßß du ieo*v>tzs& Agentenbericht über Friedrich Engels Auffindung eines wichtigen Dokuments Die nachstehend veröffentlichte biographische Notiz über Fr. Engels war bis jetzt in der Literatur völlig unbe- k a n n t. Abgesehen davon, dag sie nirgends veröffentlicht worden ist, hat man bis jetzt auch nie aus sie hingewiesen. Und doch ist sie von bedeutendem Interesse in bezug auf die Biographie von Fr. Engels. Der Verfasser dieser Notiz scheint mit außergewöhn- licher Genauigkeit alle Einzelheiten aus dem Leben des jungen Engels gekannt zu haben. Wie es sich herausstellt, war ihm nicht nur die Vorgeschichte der literarischen Tätigkeit des jungen Engels bekannt— d. h. der Zeitraum, in dem er seine literarische Arbeit unter dem Pseudonym F. Oswald veröffentlichte—, die erst vor kurzem durch die Arbeiten von G. Meyer und D. R j a z a n o f f neu beleuchtet worden sind, er war vielmehr auch über einige Einzel- Helten, die bis jetzt den Biographen von Engels unbekannt waren, genau unterrichtet. Von diesen Einzelheiten müssen in erster Reihe die Hinweise aus die Beziehungen zwischen Engels und seiner Familie erwähnt werden. Die Engelsschen Biographen oermuteten auch früher, daß in der Uebersiedlung Engels nach Manche st er Ende l842 auch der Wunsch seines Vaters eine gewisse Rolle spielte. Das nachstehend veröffentlichte Dokument stellt aber zum erstenmal fest, daß dieser Reise nach England ein scharfer Familienkonflikt und ein Ultimatum des Vaters vorausging. Von ganz besonderem Interesse ist ferner die Erwähnung der literanschen Tätigkeit des jungen Engels: es werden hier auch „einige kleine Broschüren" erwähnt, die von Engels in Berlin im Jahre 1841— 42 verfaßt worden sind, darunter auch seine Broschüre über S ch e l l i n g. Diese Stelle im genannten Doku- ment bringt die Vermutung nahe, daß auch andere Broschüren von Engels(über andere Themen, nicht nur über Schelling) vorhanden waren. Den Engelsforschern sind aber bloß zwei Broschüren von Engels aus dieser Zeit bekannt, und in beiden handelt es sich über Schelling. Da der Verfasser dieser Notiz gut informiert zu sein scheint, sprechen alle Gründe dafür, daß unter den anonym er- schienenen Broschüren jener Zeit noch«ine oder einige von Engels verfaßt worden sind, die aber unbekannt geblieben sind. Weniger konkret ist die Schilderung der Zeitperiode 1845— 48, in der es sich um di« Tätigkeit Engels im„K o m m u n i st e n b u n d e" handelt. Der Verfasser der Notiz weist darauf hin, daß näher« An- gaben darüber bereits in seinen anderen Berichten enthalten sind. Leider sind aber diese Berichte bis jetzt noch nicht aufgefunden .worden. Aus den beiläufig gemachten Bemerkungen ist zu. ersehen, daß diese Dokumente ganz besonders wertvolle Angaben über die .Geschichte des Bundes in der.Vormärzzeit entHallen, wie z. B. über die Verhandlungen der Londoner und Pariser Vereine, übet die Gründung des Zentralmarkt des Bundes, über die Vorarbeiten zum.�kommunistischen Manifest" usw. Die Auffindung dieser Dokumente würde von außerordentlicher Bedeutung sein Im Zusammenhang damll ist die Frage Wer den Ursprung dieses Dokumentes außerordentlich wichtig. Es wurde in den Akten des Sächsischen Innenministeriums über Fr. Engels gefunden(für den liebenswürdigen Beistand bei der Er- mittlung dieses Dokumentes sprechen wir dem Direktor des Sächsi- schen Staatsarchivs, Herrn Dr. Beschorner, unseren innigsten Dank aus). Diese Dotuznent« wurden als Beilage zu den„Ver- traulichen Mitteilungen der Polizei kammer zu Kopenhagen" vom 28. Januar 1853 nach Dresden gesandt. Der Verfasser dieser Notiz ist ein Londoner Agent der Dänsschen Polllischen Polizei. Es unterliegt keinem Zweifel, daß dieser Agent den Kressen der da- maligen deusschen Emigration angehörte. Es handelt sich sicher um einen Emigranten, der den Kreisen des„Arbeiter-Dereins" und des „Kommunistenbundes" sehr nahe stand und Engels persönlich gut gekannt hat. Wer das war, läßt sich leider nicht feststellen. Diese Feststellung wäre aber von außerordentlicher Wichtigkeit. Nach dem Inhalt des Dokumentes zu urteilen sst es anzunehmen, daß der Berfasser den literarischen Kreisen angehörte. Seine Mitteilungen über Engels verraten einen Mann, der die Feder gut beherrschte und der in diesen Kreisen bereits Anfang der 40er Jahre verkehrte. Aus seinem Urteil über den Eindruck, den die ersten Artikel Engels hervorgerufen haben, ist zu ersehen, daß es ein Zellgenosse war, der allem Anschein nach in B e r l i n lebte. Es läßt sich fast mll Be- stimmtheit feststellen, daß er die Bekanntschast mit Fr. Engels in Berlin geschlossen hat, da seine Informationen über das Leben Engels in Berlin und in der Zeit, ehe er nach Berlin kam, ganz besonders ausführlich und genau sind. Sollten diese Schlußfolgerungen auf Wahrheit beruhen, sind doch schon einige Anhaltspunkte über die Persönlichkeit des Ver- fassers dieses Dokumentes vorhanden, ungeachtet dessen, daß die deutsche Emigration in London in den Jahren 1852— 53 sehr zahlreich war. Es ist natürlich noch nicht an der Zeit, diese Vermutungen der Oeffentlichkeit preiszugeben. Bedeutend wesentlicher wäre es aber, die anderen Berichte dieses Londoner Agenten der Dänsschen Politischen Polizei ausfindig zu machen. Der Verfasser dieser Zeilen wandte sich in dieser Angelegenheit an das Dänische Staatsarchiv in Kopenhagen. Leider sind dort keine Spuren der „Vertraulichen Mitteilungen" vorhanden(derartige„Vertrauliche Mitteilungen" wurden damals von den leitenden Organen aller politischen Polizeibehörden und aller deutschen Grundstaaten heraus- gegeben), die irgendeinen Aufschluß zu den polizeilichen Dokumenten jener Zeit geben könnten. Das bedeutet aber keineswegs, daß es keinen Zweck hat, andere Spuren dieser Londoner Berichte zu ver- folgen. Die Auffindung dieser Dokumente dürfte einen wichtigen Bellrag zum Studium der Geschichte des„Kommunistenbundes" und des politischen Kampfes innerhalb der deutschen Emigration der 40er und 50er Jahre liefern. ö. dlilcolsfewslci. ®a« Dokument London, den 14. Dezember 1852 Friedrich Engels ist um das Jahr 181S oder 1820 geboren. Sein Vater ist ein außerordentlich reicher Fabrikant in Barmen und besitzt zugleich eine Seidenmanufaktur in Manchester, Der junge Engels erlernte dos kaufmännische Geschäft(ist also nicht Handlungsdiener, wie Ihnen fälschlich berichtet worden) und machte sich zuerst einen schriftstellersschen Namen, während er, im Jahre 1841, in dem Kontor eines bremischen Kaufmanns arbeitete. Da- mals nämlich schrieb er unter dem Namen Friedrich Oswald mehrere Artikel für Tagesblätter, besonders, wenn ich nicht irr«, für den �Tebeeraphen" von Gutzkow, welche wegen ihrer Frische und Kühnheit Aussehen erregten. Ihre Tendenz war eine belletristlsch-junghegelsche und Noch keineswegs eine kommunistische. Vom Herbst 1841 bis zum Herbst des nächsten Jahres hielt sich Engels in Berlin auf, wo er als Freiwilliger in der Garde- artillerie Militärdienst leistete. Während dieses Zeitraumes gab er einige klein« Broschüren heraus, unter anderem«ine Schrift gegen den damals wieder auftauchenden Philosophen Schelling. Des angenommenen Namens Oswald bediente er sich besonders deshalb, um bei der Empfindlichkeit seines Vaters, der ein Mann von strenger Gläubigkeit und konservativer Gesinnung ist, nicht anzustoßen. Gleichwohl konnte er nicht fehlen, daß die Richtung des jungen Engels bei seiner Familie bekannt wurde. Es wurde daher in Barmen im Familienrat beschlossen, ihn der aus. klärerischcn Atmosphäre Deutschlands zu entziehen und ihn an die Fabrik nach Manch« st er zu schicken. Sein Vater kündigte»ihm an, er soll sich entweder nach England begeben und ein ordentlicher Kaufmann werden, oder es werde ihm jeder Zuschuß entzogen werden. Engels fand es also, nachdem er seiner Militärpflicht als preußischer Untertan genügt, vorteilhafter, nachzugeben und sich nach Manchester zu verfügen. Das war im Spätherbst 1842. Doch ruht« seine schriftstellerische Tätigkeit nicht. Schon im nächsten Jahre lieferte er in das erste und einzige Heft der Deutsch» franzö- fischen Jahrbücher von Rüg« und Marx ein paar Auf- sätze, deren einer Carlyles Buch„past and prcsent" besprach. Diese Neue Schriften: Marx und Engels Innerhalb der sozialistischen Bewegung machen sich heute, vor allem in der Jugend, die theoretischen Auseinandersetzungen in ver- stärktem Maße bemerkbar. Der Streit um aktuelle politische Tages- fragen— Sicherung und Festigung der Republik— hat. trotz Hitler- tum, an Heftigkeit der ersten Jahre verloren: eine gewisse Stabili- sierung ist eingetreten, eine Atempause, die zur Rechenschaftslegung benutzt wird. Aber es dst selbstverständlich, daß diese theoretischen Auseinandersetzungen niemals ein Theoretisieren um der Theorie willen sein können. Der Marxismus muß immer als Theorie und Praxis der gesellschaftlichen Bewegung verstanden werden, und eine einseitige Betonung birgt immer die Gefahr der Entwicklung zum Nur-Polititer oder Nur-Theoretiker in sich. Diese Gefahr ist bei der Jugend besonders groß: sie neigt leicht zu Ueberspitzungen und ein- seitigen Auffassungen, die schließlich doch nur in eine Sackgasse führen. Solche Erwägungen mögen den beiden biographischen Schriften „Karl Marx" und„Friedrich Engels" zugrunde liegen, die I. P. Mayer kürzlich im Verlag der Vereinsdruckerei in Trier herausgegeben Hot. Die beiden Schriften nennen sich„ein Abriß", aber sie sind eine vorzügliche Einführung in das Leben und Wirken der beiden Männer, deren Namen untrennbar mit der Geschichte des Sozialismus und der Arbellerbewegung verknüpft sind. Untrennbar ist ihr Wirken auch voneinander. Die zwei Bändchen, obwohl völlig in sich abgeschlossen, gehören aus diesem Grund« auch zusammen und ergänzen sich aufs beste. Der Verfasser schildert in großen Zügen das Leben von Marx und Engels— besonders des jungen Marx. das in den letzten Jahren durch neuere Forschungen in den Mittel- punkt des Interesses gerückt ist— und ihre Arbeit, wobei er unter geschickter Verwendung von Zitaten aus ihren Werten einen Ueber- blick über die Entwicklungsgeschichte des Marxismus gibt. Dabei steht bei„Marx" mehr die Theorie im Vordergrunde, während bei „Engels" mehr das persönliche Verhältnis der beiden zueinander und das Politische hervorgekehrt ist. Mit wenigen Sätzen wird immer dos Wesentlich« herausgearbeitet. So, wenn der Verfasser das persönliche Verhältnis der beiden zueinander darstellt: der Brief- Wechsel über den Tod von Engels' Lebensgefährtin— damit ist eigentlich alles gesagt. So ist es auch mit der Darstellung der Theorie: ein paar Zitate, kurzer verbindender Text, und das, worauf es ankommt, ist angedeutet. Der große Pädagogische Wert der beiden Schriften liegt klar zutage: man bekommt zunächst einen Gesamtüberblick, und diese kurzen Einführungen erleichtern das Studium der Werke selbst un- gemein. Dabei ist Sprache und Darstellung stets klar und ver- ständlich, doch ohne Popularitätshaschcrei. Die beiden Schriften werden vor allem den jungen Sozialdemokraten in Arbeits- gemeinschaften und beim Selbststudium große Dienste leisten. Der Preis von 1 Mark pro Bändchen kommt einer weiten Verbreittmg entgegen. Richard Junge. Humaner Strafvollzug in Polen Der Gcfängnisdirektor lieh den inhaftierten Abgeordneten vor- führen und sprach zu ihm: „Unser großer Marschall Pilfudski in seiner überströmend.» Milde hat anzuordnen geruht, daß den politischen Gefangenen von jetzt ab die Hälfte der zulässigen Hafterleichterungen gewährt werden.— Rauchen Sie?" „Danke, nein." „Lesen Sie Bücher?" „Leidenschaftlich!" Der Gesängnisdirektor lächelle nachdenklich: „Ich werde Ihnen Raucherlaubnis geben." Jonathan. Artikel waren ganz kommunistisch,«ine Richtung, die sich nunmehx in England durch den Marxschen Einfluß immer stärker ausbildete. Er kündigte, wie er sagte, ver Bourgeoisgesellschast offenen Krieg an Den Hauptschlag, gegen diese Gesellschaft glaubte Engels zu führen, als er in der ersten Hälfte des Jahres 1845 sein Buch „Ueber die Lage der arbeitenden Klassen in Enge l a n d" herausgab. Der genannten Schrift, über 20 Bogen stark, und von Otto Wiegand in Leipzig verlegt, dienten die Studien. welche Engels in Manchester gemacht, zur Grundlag«. Sie ist zum Teil mit ziemlicher Sachkenntnis, zum Teil mit einem wunderlichen Pathos geschrieben: die einfachsten und natürlichsten Dinge im Leben der Arbeiter, welche sich aus der ökonomischen Situation von selber ergeben, stellt Engels auf Rechnung des Egoismus der Bours geoisie, und er schließt einmal einen besonderen leidenschaftlichen Abschnitt mit dem Ausrufe:„Fluch über die Bourgeoisie". Diese Schrift gab Engels unter seinem Namen heraus, sie war daher das Signal eines ernstlichen Bruches mit der Familie. Der junge Kommunist scheint nun eine Zeitlang in etwas unregel- mäßige Verhältnisse gelebt zu haben. Cr verließ seinen Posten in Manchester und hielt sich abwechselnd in Brüssel, Paris und London auf, um an den Organisationsversuchen, welche in dem Jahre 1848 innerhalb der kommunistischen Partei vor sich gingen, teilzunehmen. Di« Hauptaufmerksamkeit von Marx und Engels richtete sich auf den Arbeitervereln, welcher seit 1840 in London gegründet war und welcher besonders durch die Vermittelung dieser beiden mit den Vereinen in Paris in Kartell trat Ueber die Rolle, welche Marx bei der Neukonstruierung des Londoner Vereins spielte, wie den Statuten ein von Marx verfaßtes Manisest zugrund« gelegt wurde, wie man eine kommunistische Zentralmacht schuf, wie Marx nach Brüssel ging, von dort ausgewiesen wurde und sich nach Paris begab, habe ich Ihnen bereits das Wesentlichste dargestellt. Bei allen diesen Dingen war Friedrich Engels Marxens Begleiter und rechte Hand. Auch siedelte er im April 1848 mit nach Köln über, um bei der Redaktion der„Neuen Rheinischen Zeitung" eine Stelle zu übernehmen. Als im Frühjahr 1849 die Reichsver- faffungsbewegungen am Rheine ausbrachen und zu gleickier Zeit die„Neue Rheinische Zeitung" einging, begab sich Engels nach dem aufftändischen Elberfeld, wurde ober von dort durch die revolutionäre Behörde selber, welche ose Bewegung von kommu- nistischer Färbung freiholten wollte, fortgewiesen. Engels ging aber zunächst nach der Pfalz, sodann nach Boden, und machte den Kamps gegen die preußische Armee als sogenannter Adjutant Willichs mit. Ueber die Schweiz und Frankreich flüchtet� er nach London, trat hier in den Marx-Willichschcn Kommunistenbund ttnv arbeitete mit Marx an der hestweise erscheinenden Forssetzung der„Neuen Rheinischen Zeitung". Bei dem Bruch, welcher im Komstee ausbrach, stand er auf feiten Marxens gegen Millich. Dieser Bruch war zugleich das erste entschiedene Symptom des Unterganges der kommunsstsschen Emigration. Engels sah ein. daß er für Exsstenz und Stellung jeden Boden verliere: er hielt es daher an der Zeit, sich mit'seiner Familie zu oersöhnen. Seine Anerbietungen wurden mit Freuden angenommen, und er befindet sich seitdem wieder bei der Fabrik des Vaters in Manchester. Ueber S ch a p p e r glaube ich Ihnen bereits Auskunft gegebe» zu haben. Er ist ein Demagoge aus dreißiger Schule und kompro- mittterte sich durck)' seine Teilnahme an dem Frankfurter Attentat. Als Flüchtling errichtete er in Straßburg eine Bierbrauerei. emigrierte später nach London und fungierte hier in der Tat von 1848 als Präsident des Arbeitervereins. Er begleitete sodann den Marx nach Paris und Köln, wo er bei der„Neuen Rheinischen Zeitung" Korrektor wurde Seine nachherige Teilnahme an den Konflikten des Londoner Kommunistenkomitees kennen Sie gleich» falls schon, er stand auf feiten Willichs und behielt mit diesem die Leitung des Arbeitervereins. dtalfifllna An dos Werk von Frank Schölten:„Palästina. Bibel, Talmud, Koran"(Eine vollständige Darstellung aller Textstellen in eigenen künstlerischen Aufnahmen aus Gegenwart und Vergangenheit des Heiligen Landes. Zafsa, Band 1. Di« Ein- gangspfort«. Band 2, Jaffa, die Schöne. Mit 820 Tiefdruckbildern. Preis je Band 43 M. Verlag I. Hoffmann. Stuttgart.) kommt man mit mir rationaler Betrachtung nicht heran. Ilm diese seltsam« Durchdringung von künstlerischem Schauen und relegiöser Gelehr- samkeit voll zu begreifen, muß man selbst von der Mystik des„Heili. gen Landes"«rgrisfen sein, muß man selbst fühlen und ahnend er- fassen, wie in Palästina Jahrtausende der Vergangenheit mit gegen- wärtigster Technik, Zivilisation und Kultur in lebendigster Berüh- rung und Einheit nebeneinander bestehen, um zur Einheit zusammen- zufließen. Bibel, Talmud und Koran illustriert durch Bilder aus dem heutigen Leben des Landes und seiner Bevölkerung? Es ist eher umgekehrt: die Hauptsache sind wohl die herrlichen Bilder, von denen immer eins schöner ist als dos andere, und der Text ist nur Erläuterung, Illustration. Me Bilder für sich geben eine voll- ständige wissenschaftliche Landeskunde Palästinas, der geographischen Einteilung des Landes folgend. Di« vorliegenden Bände behandeln nur di« Hafenstadt Jaffa, weitere Bände sollen Jerusalem, Naza- reth, das Iordantal und das Tote Meer, Tiberias und den See Genezareth usw. darstellen. Di« biblischen Stätten sind abgebildet, die drei großen Religionsbekenntnisse Christentum, Judentum und Islam in ihren verschiedenen Zweigen»nd Ridstungen, ihren Menschen. Bauten. Gebräuchen, Sitten und Einrichtungen: Stadt und Umgebung, Wirtschaftsleben, Geographie, Pflanzen- und Tierwelt. Mythologie und Geschichte bis zum Weltkriege: alles, was wissens- wert und interessant, ist hier vereinigt: alles verbunden durch die entsprechenden Texte des religiösen Schrifttums und genau« Hin» weise auf Parallelstellen. Zum ersten Male haben wir hier eine völlig tiH»denzfreie Bearbeitung des ungeheuren Stoffes, eine unerschöpfliche Fundgrub« und Anregung, für Anthropologen. Geographen, Theologen und— wenn man den wissenschaftlichen Apparat der kritischen Anmerkun. gen überschlägt— ein schönes Buch, dessen Bilder man gerr immer wieder betrachten kann. Dr. K. Lewin. "Radio aus alloi?'Wolf Funkevlod. Auf der letzten Seite eines amerikanischen Prooinzblattes eine kurze Notiz: „Der kleine Dampfer„Virginia" geriet in Seenot. Auf die SOS-Rufe eilte Hilfe herbei. Passagiere und Mannschaften wurden gerettet. Der Funker der„Virginia" konnte aber nicht mehr gerettet werden. Er versank mit dem Schiff." In dieser kleinen Meldung liegt das ganze Heldentum eines Menschen, der bis in den Tod am Radiosender seinen Dienst versah, um andere zu retten. Wieviele solcher Fälle lassen sich auszählen! Die Funkkabine auf jedem Schisf ist heute nicht weniger wichtig als die Kommandobrücke. Abgeschnitten von aller Welt schwammen fr/Iher die Schiffe dahin, heute sitzt ein Mensch an seinen Apparaten in der Funkkabine und spricht mit aller Welt. Wenn sich das Schiff ruhig und sicher durch das Meer hindurch- arbeitet, dann gibt der Funker in aller Ruhe die Telegramme von Bord und empfängt Privatmcldungen. Im Sturni aber wird die Funkkabine zum Gehirn des Schiffes. Dann bestimmt der d r a h t lose Wetterbericht den Kurs. Der Funkerdienst auf einem Ozeanriesen ist zwar sehr an- strengend, ober die Funker dieser Ozeanstädte kennen nicht so den Kampf im Aether»ms Leben wie ihre Kollegen auf den kleinen Schiffen. „Drei Punkte, drei Striche, drei Punkte, TXJE TUE TUE TA TA TA TUE TUE TUE, so ist SOS(englische Abkürzung von„Ssvc our souls*—„Rettet unsere Seelen"): das Funkzeichen, das jeder Funker im Traum auswendig kennt. Wenn das kleine Schisf in Seenot„höchster Stufe" ist, dann sendet der Funker diesen Ruf. Jedes Schiff, welcher Nation auch immer, eilt hin, um zu helfen. Durch Peilungen kann man fest stellen, wo das um Hilfe rufende Schiff ist. Natürlich ist es wichtig, daß die Hilfezeichen ununterbrochen gesandt werden. Deshalb ver- läßt der Funker seinen Platz als Letzter. Der Kapitän kann die Kommandobrücke ruhig verlassen, die Mannschaften sitzen schon im Boot, nur der Funker bleibt an seinen Apparaten und ruft um Hilfe: für alle. So lange klingt das SOS, bis die Antennenmaste um- knicken, dann erst verläßt der Funker seinen Platz. Uno meistens ist es dann schon zu spät..... Während er noch mit der Welt in Verbindung steht, stürzen die Wellen in die Funkkabine... Vielleicht hört er noch in der Hörmuschel die Antwort eines Kollegen:„Ja, wir eilen zur Hilfe..." Zu spät für den, der sie rief... Und dann liest man wieder eine kurze Notiz:„Alle gerettet. Der Funker fand den Tod am Platz seiner Arbett". Narban Gurütts. Kuvzwellencmptatig im Sommcv Die Sommermonate sind für den Empfang der wichtigsten Kurzwellensender die günstigste Zeit des Jahres. Im Gegensatz zu den Empfangsverhältnissen auf den regulären Rundfunkwellen im Sommer ist der Kurzwellenempfang in den Sommermonaten am besten. Schon mit einem Kurzwellenempfänger mit zwei bis drei Röhren erzielt man in Berlin jetzt Lautsprecherempfang der ameri- kanischen Kurzwellensender! Der Bau eines Kurzwellenempfängers ist nicht schwer und nicht allzu teuer. Dagegen ist die Einstellung eines Kurzwellenempfängers recht schwierig und erfordert Uebung. Die Radioindustrie stellt jetzt zwar Kurzwellenempfänger her, deren Bedienung sehr leicht ist, diese Apparate sind ober sehr teuer. »»ic & Buch Gefchichle der Sexualmoral Rudolf G o l d sch ei d betrachtet in seiner soeben erschiene- neu Schrift„Zur Geschichte der Sexual in oral"(Elbe- mühl-Verlag, Wien 1931) die historische Entwicklung der sexuellen Moral vom Standpunkt der materialistischen» Geschichtsauffassung. Die moralischen und rechtlichen Bindungen des sexuellen Leben», die in einer bestiminten Epoche herrschen, sind von der jeweiligen' Klassenordnung abhängig, so daß geradezu der Satz gilt:„Sage mir, welche Gesellschaftsordnung, welche Klassenordnung du wünschst und ich werde dir sagen, sür welche Sexualmoral du dich einsetzen wirst." Alle bisherige Sexualmoral stand im Dienste der Ausrecht- erhaltung der Klassenherrschaft. Die herrschenden Klassen unter- werfen sich selbst nicht den sexuellen Bindungen, die sie den Beherrsch» ten auferlegen. Für jede Herrschaftsordnung, die Dauer erstrebt, steht natur- gemäß das Sexualproblem und die damit verknüpfte B e v ö l k e- rungs frage im Mittelpunkt des Interesses. Durch die genera- tive Ausbeutung der proletarischen Frau, die gezwungen wird, mög- liehst viel« Kinder in die West zu setzen, wird ein unerschöpflicher Menschenüberfluß erzielt: dieser ist die wichtigste Voraussetzung der ungestörten Fortdauer der wirtschaftlichen Massenausbeutung. Deshalb sind es klassenmäßige Sonderinteressen, die sich selbst be- scheidenen Sexualreformen mit großer Intensität entgegenstellen. „Soziale Not und sexuelle Not sind Zwillingsschwestern. Wer die soziale Not nicht beseitigen will, weil er ein Leben der Wenigen auf Kosten der Vielen will, der wird auch die sexuelle Noi nicht beseitigen wollen." Die bisherige Sexualmoral verschleiert die wahren Ursachen sozialer Mißstände: sie schiebt dem einzelnen die Schuld an Uebes- ständen zu, die in Wahrheit auf die mangelhaften gesellschaftlichen Einrichtungen zurückzuführen sind. Durch die herrschende Sexual- moral wird z. B. die enge Verflechtung verdeckt, die zwischen Pro. st i t u t i o n und Abtreibung auf der«inen Seite und W o h- nungselend und Arbeitslosigkeit auf der anderen Seite bestehen. Die heutige wesentlich geänderte wirtschastliche, soziale und kulturelle Struktur der Gesellschaft steht im Widerspruch zu dem ideoldgischen U«berbau der traditionellen Sexualmoral. Die soziale Struktur verändert sich rascher als di« Sexualinoral, und das Sexual recht bleibt wiederum hinter dem Wandel der sozialen Struktur und der Sexualmoral weit zurück. Das beweist die wach» sende Zahl der Schwangerschaftsunterbrechungen, die trotz der Straf- bestimmungen des Z 218 vorgenommen werden. Eine ver- änderte Scxualmoral ist bereits— allen Widerständen zum Trotz— in die Alltagswirklichkeit«ingedrungen, sie wird mit Not- wendigkeit weitere Anerkennung finden und auch zu einer Aende- rung der rechtlichen Bestimmungen führen: denn für das Leben der Massen notwendige Reformen lassen sich auf die Dauer nicht auf» halten. Mit dem Aufstieg der organisierten Arbeiterschaft hat be- reits eine Veränderung der bisherigen, durch Klasseninteressen be- dingten Sexualinoral eingesetzt, sie wird sich immer mehr durch- setzen und zu Anschauungen führen, die dem wahren Interesse d«'- einzelnen und der Gesamtheit gerecht werden. 1)r. L. �Veinberx. So ist also der Kurzwellenempfang immer noch eine Angelegen- heit der Bastler, diese aber werden belohnt durch den ungeheuer interessanten Kurzwellenempfang. In Deutschland sind jetzt schon mit ganz einfachen Apparaten folgende Ueberseesender aus der Kurzen Welle zu empfangen: Bandoeng, Niederländisch-Jndien— Schenectady, USA.— Rabat, Marokko— Pittsburg— Buenos Aires— Nairobi, Ostafrika— Melbourne, Australien und viele andere. Der Kurzwellcnempfang überbrückt jede Entfernung. Der Empfang ist aber ziemlich unregelmäßig und in der Laut- stärke schwankend. Wir bcpien... Bei einem Autorennen in Frankreich verunglückte ein Wagen vor dem Reporter am Mikrophon. Der Fahrer wurde tödlich ver- letzt... und der Reporter schilderte ruhig weiter... Eine furchtbare Reportage des Todes zwischen den Schilderungen der Frühjahrs- moden der versnobten Zuschauer. Die amerikanischen Rundfunkgesellschaftcn teilten mit, daß sie in diesem Jahr durch die Rundfunkreklame mit einer Einnahme von 75 Millionen Dollar rechnen. Das ist eine 3öprozentige Steigerung gegenüber 1930!(Trotz der Krise!) Während des Parteitages der SPD. gab der belgische Sozio« listenfunk genaue Berichte über die Tagung. Der italienische Rundfunk vermeidet jetzt Ucbertragungen aus der Mailänder Scala. Man fürchtet anscheinend, daß eine Kund- gebung für Toscanini in den Aether klingen könnte. Das Moskauer Radioprogramm bringt in feinem musikalischen Teil 80 Proz. Militärmusik. Fast alle Hörspiele schildern das „herrliche" Soldatenleben, und der„Heldentod" ist immer der dra- matische Schluß. Der spanische Rundfunk bringt besondere Sendungen für Krankenhäuser, Asyle und Gefängnisse. Der tschechische Rundfunk ist bemüht, jeder nationalen Minder- heit ihr Rundfunkprogramm zu geben. Jetzt werden russische Vor- träge für Karpatho-Rußland gehalten. Die Neger haben in USA. einen eigenen Rundfunksender be- kommen. Das gesamte Programm wird von einer Negcrorgani- sation bestritten. Ein wunderbares Bergarbeiterhörspiel hörten wir von einem englischen Sender. Dieses Hörspiel ist geschrieben als Denkmal für die vielen, die ihr Leben hingaben im Kampf um die Kohle. Es soll aber auch an die Hunderttausende erinnern, die täglich ihren Kampf um ihr Brot in höchster Lebensgefahr führen. Kloino HeiFachfungon Segen dee Kalaatregbe Wie leben wir doch aneinander vorbei! In München ist der Glaspalast niedergebrannt. An dreitausend Bilder sind von den Flammen zerstört worden. Die Zeitungen sind voll trübseliger Betrachtungen. Es wird von einem Trauertag deutscher Kunst geredet. Die Kunstreferenten haben reichlich Raum zur Verfügung gestellt bekommen und weisen uns überzeugend nach, daß ein ganz großes, ein Iahrtausend-Debatel der Malerei vorliegt. Namen fallen: Moritz von Schwind, Professor Herterich, Philipp Otto Runge, Kaspar David Friedrich, Josef Anton Koch, Karl Blechen.... In der Hand der Kunstrefcrcnten haben diese Namen einen schweren und gewichtigen Klang: ein jeder hat Profil und Inhalt, mit jedem verbinden sich Dutzende von Begriffen. Unsereiner aber kneift die Lippen aufeinander, senkt beschämt den Kopf und muß es gestehen, wie kaffrig und banausisch er sich dabei auch vorkommt: man war über die Münchener Romantik-Ausstellung und die auf ihr ver- tretenen Künstler leider ziemlich unorientiert, was man mit der Ueberlastung mit anderen Arbeiten und einem intensiven Familien- leben gütigst entschuldigen zu wollen bittet.... Es ist eine unumstößliche Tatsache: Niemals haben mehr Leute davon gewußt, daß ein Lebenswerk des Professors Herterich existiert, als in dem Augenblick da zu melden war, daß dieses Lebenswerk zerstört worden ist. Die Malerei nimmt in dieser Be- ziehung selbstverständlich keine Sonderstellung ein: Irgendeine Insel mag in der Südsee liegen, die erst in der Leute Mund kommen wird, wenn eine schreckliche Springflut sie verwüstet, irgendein siamesischer Staatsmann mag leben, dem erst ein Attentat zur Popularität ver- hilft, irgendein technisches Problem mag in Köpfen spuken, dem erst der Märtyrertod eines von ihm Besessenen allgemeine Beachtung verschafft. Natürlich wissen die Geographen längst um die Insel, die Aüßcnpolitiker längst um den Staatsmann, die Techniker längst um das Problem: aber es wäre eine ungelegene Zeit, wenn sie, über eine flüchtige gelegentliche Benachrichtigung hinaus, die Mitwelt mit ihrer Kenntnis behelligen: sie fänden ihr Ohr verschlossen, ihre Gedanken nicht zur Aufnahme bereit. Die Zeitungen und Zeitschriften bringen Reproduktionen von Bildern der verbrannten Ausstellung. Die Leser blicken von ihren tausend Tagesdingen, ihren tausend Tagessorgen einige Augenblicke hoch: schauen sich eine von ihnen vernachlässigte Welt der Schönheit an urrd sind ihr und denen, die in ihr leben, plötzlich so nahe wie sie noch niemals waren und wie sie niemals wieder sein werden. Die Erde ist voll latenter Wunder. Jeder Jahresbericht eines Kegelvereins, jedes verstaubte Aktenbündel einer Archivverwaltung ist letzten Endes für irgend jemanden zu irgendwelcher Zeit von spannendstem Interesse und von nervenzerreißender Geladenheit: und immer kann irgend etwas geschehen, das die versteckten Gebiete groß und breit in den Vordergrund rückt und alle strahlenden Schein- werfer der Oeffentlichkeit aus sie konzentriert. Es ist der Segen der Katastrophen, daß sie einen Schmerz der unmittelbar Beteiligten produzieren, dessen Kraft das tausendfach in Anspruch genommene Interesse der Fernstehenden, eherner und gewaltiger als olles andere, auf das beweinte Objekt lenkt und ihnen die Weite und Buntheit der West offenbart. Usus Dauer. RätsehEcke des„Abend" (iiiuuuiiiiiuuiiuiiuiiui!niiiiifiiiuiiniiuiiiiiuuiuuiwiuniiiinaiiiuiiituiiiJiuiuuuiuuuttU'iUuutiuuiinuBiiniiHiiMifliuuuiJiiim)iuiiiuii]iiuuinuiii!iiiiiiiiiiiuiuuimiini Kreuzworträtsel 51 I Waagerecht: 1. Sohn(hebräisch): 4. türkischer Vorname: 5. feiner Schmutz: 8. Gewässer: 12. Nibelungenfigur: 13. Schank- stube: 14. Getränk: IS. Stadt in der Rheinprovinz: 16. Spaß: 18. Europäer: 20. soviel wie Elfe: 22. spanische Münze: 24. türkische Münz«: 29. asiatisches Hochland: 31. soviel wie Dichter: 32. Grad- einteilung: 33. Bindewort: 34. trockenes Gras: 35. Endsilbe: 37. still und leer: 38. griechisch„neu": 40. Gefrorenes: 41. Staat in den Vereinigten Staaten von Nordamerika: 43. Feuerwerkskörper: 46. nordisches Göttergeschlecht: 49. griechischer Dichter: 50. Züchtigungswerkzeug: 51. Hafendamm: 52. Behüter der Schafe.— Senkrecht: 1. Biblische Stadt: 2. spanischer Artikel: 3. griechische Sagengestolt: 5. Teil des Halses: 6. Sinnesorgan: 7. Nibelungen- figur: 9. Herrschertitel: 10. weiblicher Vorname: 11. frühere deutsch« Festung: 14. Teil des Schiffes: 17. Teil des Gesichts: 19. Farbe: 21. Teil des Auges: 23. lateinische Präposition: 24. nordischer Gott: 25. Pelztier: 26. lateinische Abkürzung sür„ein Jahr": 27. englisch« Schriftstellerin: 28. soviel wie„herom": 30. Präposition: 34. sagen- hast« Aphroditepriesterin: 36. Stadt in Belgien: 39. Doppelookal: 41. süddeutsche Stadt: 42. Fisch: 44. Präposition: 45. Pronomen; 47. Wintersportgerät: 48. schlechte Lebenslage..— elcr.— Zahlenrätsel Für jede Zahl in nebenstehender Figur ist ein Buchstabe zu setzen, so daß sich in den waagerechten Reihen Wörter fol- gender Bedeutung ergeben: 1. männlicher Vorname: 2 toter Mensch: 3 deutsche Stadt: 4. Bitterwurz: 5. Name eines Sonntags.: 6. Krankheitserscheinung: 7. Erdteil: 8 Stadt in England; 9. Teil der Hand— Die erste senkrechte Reihe muß dann den Namen einer deutschen Stadt ergeben. 14. L. Silbenrätsel Aus den Silben al anz bal ber bern bob der di di e ei en fe feu ga gen har har la li lin na nau ner ri te te lik ü zer sind 10 Wörter zu bilden, deren Anfangsbuchstaben von oben nach unten gelesen und deren Endbuchstaben von unten nach oben gelesen ein Sprichwort ergeben. Di« Wörter bedeuten: 1. Eidechsenart; 2. Stadt am Vodensee; 3. italienischer Nationalheld: 4. nordischer Vogel: 5. Statthalter einer Provinz in Indien: 6. Musik- instrument; 7. Bündnis von Staaten;"8. Hunderasse; 9. Kletterpflanze: 10. Schiffahrtskunde.—«kr.— Kopfwechsel. Ich rate dir gut, so sei doch kein D--. Es lebt sich famos bei Rotspohn und H--, Das ist und das bleibt eine feine N--. Da schwinden die Sorgen, du spürst keinen K--. ab. Geographisches Kammrätsel Werden die Buchstaben dieser Figur richtig geordnet, so er- geben die senkrechten Reihen: l. einen russischen Fluß: 2. eine deutsche Stadt; 3 einen bekannten Gebirgspaß: 4 eins europäische Hauptstadt; 5 eine Stadt in Aegypten. Die waagerechte Reihe ergibt ein europäisches Reich»K Auflösungen in der nächsten Rätselecke Auflösungen der letzten Rätselecke Kreuzworträtsel. Waagerecht: 1. Hus: 3. Ade; 5. Sud; 7. Aar; 9. Lot: 11. Untat: 13. Ferne: 15. Eis: 17. Leo; 18. Don: 19. Wal; 21. Ute; 23. Helot: 24. Spa; 27. Gas: 28. Bau; 30. Ost: 32. Met: 33. Elias: 35. Tiger, 37. Aga. 38. Ära: 39. mit; 4». Uhu: 41. Sir.— Senkrecht: 1. Heu: 2. Satin: 3. Art; 4. elf; 5. Streu: 6. die: 8. Aas; 10. Oel; 12. Reo; 14. Not; 16. Salat: 18. das: 19. Weg: 20. Los: 22. Emu: 25. Pol; 26. Asiat: 28. Begas: 29. Ate; 31. Tag: 32. mir; 33. Elm: 34. Sau: 35. Tau; 36. rar.— Bernhard Shaw Silbenrätsel: 1. Tauxhall; 2. Omega; 3. Recklinghausen: 4. Wtw.i 5. Ananas; 6. Elekira; 7. Rarität: 8. Tetanie; 9. Session: 10. Ignorant; 11. ZNeise; 12. ZUemarandiim: 13. Emmaus: 14. Rienzi; 15. Rorschach.—„Vorwärts immer, rückwärts nimmer." Rösselsprung: Nichts elender ist./ alp halb geschlafen, halb gewacht:/ du hast dann nicht ausgeruht/ und hast kein Werk vollbracht. Friedrich Rückert(Rückert, Weisheit des Vrahinanen). Bruchstücke: Brand, Linde, Elbeuf, Isar, Birne, lcsching, Ring, Etage, Ilngei�— Bleibtreu-Desreggcr. Dreierlei: Kid, Lid, Cid Einsetzrätsel: Rock, Amt, Tor, haar. Eis, Rot, Ann. Uhr.— Rockhenau. 25 Jahre Arbeiter- Athletenblind Ein Jubiläum in der Arbcitersportbeweöund Am 16. August felerf der Arbeiter-Alhlelenbund 'De\ii\d)lanb5 im ganzen Bundesgebiet das Fest seines 25jährigen Bestehens. 3n eine Zeit der schwersten Wirt- schaslskrise sällt dieses Jubiläum der Sraftsportler. Aber der Bundesvorstand will beweisen, dah seine Organisation— eine der xröhten ihrer Art— in der Arbeiter- Sportbewegung stark und frei ist. Leber, Ringer, Boxer. Iiu-Iitsu-Sporller und Artisten schufen sich diesen Bund, der in der Sozialistischen Arbeiter-Sportiuter- nntionale werlvolles schafft. Der 16. August 1931 soll der Eliletag des Bundes sein. Zn allen Orlen rüsten die Vereine für diesen Tag. Im Dezember des Jahres 1906 beschlossen die Vertreter von 18 Vereinen mit 400 Mitgliedern, den Grundstein zum Vau des „Arbeiter-Athletenbund Deutschlands" zu legen, da es ihnen klar war, dah nur eine große Organisation die Pflege des Kraftsports wirkungsvoll propagieren und den Aufstieg der Bewegung fördern kann. Di« ersten Jahre ließen aber keine allzu große Entwicklung des neuen Bundes zu. Das Jahr 1910 brachte dann die Verlegung des Vorstandssitzes nach Magdeburg, wo er bis zum heutigen Tag verblieb. 1914 musterte d«r Bund schon 7314 Mitglieder, aber die Krieg-jahre legten den Sportbetrieb völlig still. Der erste Vcr- bandstag nach dem Krieg« konnte Vertreter von über 20 000 Mitgliedern begrüßen— dann aber ging die Entwicklung mit Riesen- schritten bis auf 60 000 im Jahre 1923. Aber Inflation und De- slation gab es auch bei den Athleten. Trotzdem 1928 durch das bundessäiadigende Verhalten einzelner Vereine politische Kämpse in den Bund der Kraftsportlcr getragen wurden, ist heute die Spal- tung schon fast überwunden, denn gerade diese Kämpfe lösten über- all die größte Aktivität aus, und mit gutem Erfolg ging es an die Abwehr. heute zählt der Bund bereits wieder mehr als 50 00 orgoni- fierte Sportler. Die Verringerung der Mitgliederzahl ist keineswegs nur der Spal- tungsaktion der Opposition zuzuschreiben, sondern auch auf die Wirt- schaftskrise zurückzuführen. Auf gutem Boden steht heute wieder eine achtunggebietende Organisation, und die Gewähr für einen weiteren Ausbau ist gegeben. Frei von Bruderzwist kann der AAB. seine Kräfte zum Nutzen seines sportlichen und kulturellen Pro- gramms verwenden. Was schuf der Bund? Es ist schwer, im Rahmen eines Zeitungsartikels die in mehr als zwei Jahrzehnten geleistete Arbeit auf kulturellen, sowie auf sportlichem Gebiet« aufzuzählen. Seit dem Jahre 1907 hält die Zeitschrift„Die Athletik" die Verbindung unter den Mit- gliedern aufrecht. Eine Geschäftsstelle beim Bundesvorstand ver- mittelt den Vertrieb von Sportartikeln. Auf dem ersten Verbands- tag, der nach dem Kriege in Mannheim tagte, wurde u. a. die U n f a l l u n t e r st ü tz u n g für alle Mitglieder beschlossen. Und am 6. September 1930 krönte der Bund seine Arbeit im Dienst der Körperpslege mit der Einweihung jein«r als mustergültig an- erkannten Bundesschule. In schwerer Zeit wurde dieses Werk geschaffen. Der Bau der Schule in Magdeburg-Groß-Ottersleben ist ein Beweis, daß der Wille zum gemeinsamen Schaffen und der Idealismus bei den Mitgliedern vorhanden ist. In Kursen werden die Funktionäre der Vereine geschult, um dann in den Vereinen, Bezirken und Kreisen des Bundes zum Wohl der Bewegung und der gesamten sozialistischen Arbeiterschaft wirken zu können. Geleitet werden die Kurse von hervorragenden Technikern und Theoretikern. Der Bundesvorstand hat ein umfassendes Erziehungspro. g r a m m ausgearbeitet, denn die größte Sorgfalt l«gt der Bund seit jeher auf die Heranziehung und Ausbildung des Rachwuchses. Schüler und Jugendliche werden in umsichtiger und verantwortungs- bewußter Leitung zu brauchbaren Menschen und zu sportlich erfolg- reichen Kämpfern erzogen.» Keine Einzelleiskungcn, sondern Rlassensporl! Der Krastsport ist auch heute noch vornehmlich die Leibesübung der werktätigen Menschen. Im K o l l e k t i o s p o r t erblickt der Bund sein erfolgreiches Arbeitsfeld und der M a n n f ch a f t s- s p o r t ist sein Element. Durch eine straffe und mustergültige Organisation versteht es der AAB., d«n neuzeitlichen Aufbau des Uebungsbetriebes immer aufs neue zu beleben und zu fördern. Gepflegt werden in erster Linie Ringen und Gewichtheben, ferner das Boxen, Jiu-Jitsu, Leichtathletik und A r t i st i k. In Sparten ist der Uebungsbetrieb gegliedert. In allen Disziplinen konnte der Athletenbund große, eindrucksvolle Erfolge in nationalen und internationalen Sportmeetings erreichen. Von den mehr als 1500 Vereinen standen im letzten Jahr rund zwei Drittel in Mannschaftskämpfen. Die Boxmeisterschaft des Bundes sah 65 Vereine um den höchsten Titel im Wettbewerb, neue Höchstleistungen bringt fast jedes Sportfest. Die Kraftsportler können auf die vergangenen Jahre und auf die geleistete Arbeit mit Stolz zurückschouen. Der unbeugsame Idealismus und der Glaube an die Zukunft waren immer wieder die Kraft, die der gesamten Bewegung den Antrieb gaben, heute hat sich der Arbeiter-Athletenbund zu einer wahren Großmacht er- hoben und ist aus der Arbeiter-Sportbewegung nicht mehr fort- zudenken. Georx Mischke. "15781 Meter! Piccards Höhenrekord anerkannt Der Aero-Club der Schweiz hat die von Prof. P i c c o r d und Ingenieur Kipfer bei ihrem Strathofphärenflug er- reichte höhe von 15 781 Meter nach genauer Ueberprüfung der Instrumente als nationalen Höhenrekord für Freiballons mit mehr als 4000 Kubikmeter Inhalt anerkannt. Gleichzeitig ist diese Leistung als Weltrekord beim internationalen Luftfahrtvcrband an- gemeldet worden, der sich bereits bei seiner gegenwärtig in Bukarest stattfindenden Tagung damit beschäftigen wird. Prof. Picrard, der bei seinem Unternehmen an alles andere als an eine sportliche Höchstleistung gedacht hat, wird somit Inhaber des absoluten höhen- Weltrekords. ZegeMIüZe vom Jungfraujoch Von, Forschungsinstitut der Rhön-Rossitten-Gesellschast wurde eine Expedition nach der Schweiz unternommen, um im Alpengebiet Untersuchungen im Interesse des Segelflugsports anzustellen. Der bekannte Segelflieger Günther G r o e n h o f f wird in den nächsten Tagen von dem 3500 Meter hoch gelegenen Jungfraujoch aus mehrere Segelslüge unternehmen. ver Deutschlandflug Das Meldecrgebnis Der Aeroklub von Deutschland gibt jetzt das Meldeergcbnis für den von ihm diesjährig erstmals veranstalteten Rundslug durch Deutschland bekannt. Danach haben bis zum.Meldeschluß am 1. Juni 16 Wettbewerber ihre Nennung abgegeben, sie werden sich um die ausgeschriebenen Preise von 75000 M. bewerben. Zur Unter- stützung der notleidenden Flugzeug- und Motorenindustrie waren sowohl rein deutsche Flugzeuge und Motore vorgeschrieben, ebenso wie die Teilnahme nur aus Deutsche und Oesterreicher beschränkt war. Von bekannteren Piloten nehmen teil Pose und Siebel, die sich bein, vorjährigen Europa-Rundflug gur placieren konnten, sowie die deutsche Kunstflugmeisterin Lies«! Bach. Alle drei benutzen den be- währten Klemm-Eindecker mit Argus-Motor. Weitere Meldungen gaben ab: Akademische Fliegergruppe Berlin mit Junkers Junior und Siemens-Motor und Klemm-Argus, die Akademische Fliegergruppe Darmstadt ebenfalls Klemm-Argus, Holle: BFW.-Siemens, Aachen: Junkers-Siemens. Leipzig: Klemm-Argus, Hannover: Klemm-Argus, Königsberg: Klemm-Argus, ferner Luft- fahrt-Vereinigung Münster. Flugverein Niederrhein Duisburg. Deutsche Lustfahrt-G. m. b. h., alle mit Klemm-Argus. Einzel- Meldungen gaben ab: Ludwig Maier-Giesen, Klemm-Siemens, und Rudolf Heß-München, BFW.-Argus. Es ist bedauerlich, daß Oester- reich bisher keine Meldungen abgegeben hat. jedoch steht zu hoffen. daß Meldungen noch nachgeholt werden. Rütt eröffnet wieder Am Freitag, 12. Juni, wird Berlins neue Radrennstätte im Polizei st adion, Chausieestraße, Eingang Kesselstraße, mit gut besetzten Amateur- und Berussfahrerrenncn eröffnet. Im Mittel- punkt des reichhaltigen Programms steht ein Stunden-Mannschasts- rennen nach Sechs-Tage-Art für Berufsfahrer, hier werden sich 15 Paare dem Starter stellen. Lothar Ehmer, Krüger, Funda, Leh- mann, Wissel, Bruno Wolke, Dorn, Nickel usw. haben neben den übrigen Berliner Rennfahrern ihre Meldung abgegeben. Ein Aus- fcheidungsfahren sowie ein Vorgabesahren wird von den gleichen Fahrern bestritten. Die Fliegerrennen werden infolg« ihrer starken Besetzung interessanten Sport bieten. Den Amateuren sind zwei Rennen vorbehalten. Ein Erstfahren(Punktefahren über 2000 Meter) sür Fahrer, die in Bahnrennen noch keinen Platz belegt haben, und für die übrigen Amateure gleichfalls ein Punktefahren über 4000 Meter. 65 Amateur« sind für diese Rennen eingetrogen. Da dieser Renntag im Zeichen eines Wohltätigkeitsrenaens für die durch den Brand der Rütt-Arena geschädigten Rennfahrer steht und außerdem wirklich volkstümliche Eintrittspreise erhoben werden, wird die neue Bahn sicher mit einem gut besuchten Haus rechnen können. Beginn der Rennen 18.30 Uhr. Kleiner 5port von Überall Ilm die Bundesbormeisterschaft im AAB. In den Ausscheidung-- kämpfen um die Bundesmcisterschaft im Boxen des Arbeiter-Ath- letenbundes standen sich in Stahfnri gegenüber der norddeutsche Meister Essen und der mitteldeutsche Meister Staßfurt. Essen stellte eine besonders starke Mannschaft, sie war aber gegenüber der Technik Staßfurts im Nachteil. Der Kampf endete mit einem Resultat oon 11: 5 für Staßfurt. In einem S t ä d t e k a m p f trafen sich Union Braunschweig und Vorwärts Sudenburg. Der Braunfchweigcr Mannschaft stand ein besonders ringerfahrener Gegner gegenüber; die Punkte fielen in fast allen Klassen an Vorwärts. Resultat 12: 4 für Sudenburg. Der Arbeiter-Schwimmverein Kreuzberg teilt allen Interessenten mit, daß während der Sommermonate im„Alten Studentenbad", Ratibor- Nähe Reichenberger Straße, jeden Mittwoch und Sonn- abend die Uebungsstundcn des Vereins, für Kinder ab 15 Uhr, für alle übrigen ab 17 Uhr, stattfinden/ Alle, die das Schwimmen un- entgeltlich erlernen wollen, seien darauf hingewiesen. Auskunft und Aufnahme neuer Mitglieder jederzeit im Bad. Tennissporl— Volkssport! Das ist die Parole, die sich der Berliner Tennisklub„Schwarz-Rot-Gold" gestellt Hot. Bei ganz geringen Beiträgen, ohne Eintrittsgeld zu erheben, bietet der Klub seinen Mitgliedern auf seiner großen Anlage am Avuseingang un- beschränkte Tennisspielgelegenheit auch für Anfänger, sowie ohne Extrazuschläge Gelegenheit zur Ausübung von Leichtathletik, Gym- nastik und Rosenspielen. Auskunft erteilt der Vorsitzende Martin Schneider. Berlin C2, Königstr. 39, Telephon Kupfergraben 3851. Jahresbeitrag 60 M., für Jugendliche und in der Ausbildung Be- griffene 30 M. Sporkergebnisse im(freien Keglerbund. Die„Riege auf Bohle" des Bezirks Westen, ermittelt in drei Kämpfen a 100 Kugeln, setzt sich aus folgenden Mitgliedern zusammen: 1. Meckel(Eorso), Bezirks- meister, 2219 cholz, 2. Langer(Bundestreue) 2190, 3. M. Behrens (Bück dich) 2181, 4. Weinrich(Eorso) 2179, 5. Kühnle(Eorso) 2176, 6. Kossatz(Bück dich) 2175. 7. Berg(Bück dich) 2174, 8. Donner (Frohsinn-Moabit) 2162, 9. Schindler(Frohsinn-Moabit) 2156, 10. Born(Frohsinn-Moabit) 2155. Für die„Tour de France" 1931. die Radrundsahrt durch Frank- reich, die in der Zeit vom 30. Juni bis 26. Juli zum Austrag kommt und bekanntlich das größte und schwerste Straßenrennen der Welt ist, stehen jetzt u. a. die Namen der deutschen Teilnehmer fest. Die deutsche Ländermannschaft vertreten zunächst die Deutsch- landfahrer Metze, Thierbach, Stöpel, Geyer, Buse und Siegel sowie Sierowski und Altenburger. Zu diesen kommen noch Olbötcr, Ussat und Nitzschke, die in der Kategorie der Tourensahrer starten. Dreistädtekamps im Achter. Der traditionelle Dreistädtekampf im Achter zwischen Berlin, Wien und Budapest wird am 21. Juni im Rahmen der Grünauer Iubiläums-Regatta wieder- holt. Für dieses interessante Rennen wurde in Budapest ein Aus- scheidungsrennen durchgeführt, das Hungaria siegreich beendete/ Hungaria wird als» den Ungarischen Verband am 21. Juni ver- treten. Modetag im Grunewald. Sonntag, 14. Juni, findet aus der Grunewald-Rennbahn das erste Moderennen 1931 statt. Die Ver- anftalwng wird auch diesmal unter Mitwirkung des Reichsverbandes der deutschen Mode-Jndustrie vor sich gehen. „Schalke 04" in Berlin. Einen seltenen Fußbollgast, die els oon„Schalke 04", wird die Reichshauptstadt am 14. Juni wieder einmal in ihren Mauern haben. Die Requalifizierten sind von Tennis-Vorussia zu«inen, Freundschaftsspiel«ingeladen worden, das im Poststadion ausgetragen wird. Dreimal 4,275 m Stabhochsprung Bei einein großen Hochschul-Leichtathletikfest in C h i k a g o zeig'e es sich wieder einmal, daß die Amerikaner über eine ganze Garde erstklassiger Stabhochspringer verfügen. Während für Europa die kürzlich von de», Franzosen Ramadier mit 4,035 Meter erzielte Leistung schon eine gewisse Sensation bedeutet, sind in Ainerika Sprünge von weit üb�r 4 Meter an der Tagesordnung. Einiges Zlufsehen erregte es aber selbst in USA., als bei jenem Meeting in Ehikago gleich drei Mann glatt eine Höhe von 4,275 Meter bewältigten. lkTSB.-Wicnfahrer. mug bis a»m 20. 3 mit in d» Gcilchlifisstel!« otmelkfm kein. Die Abrechnnna Mi, dem Pireinstasficrcr ist Monla», 22. 3uni. Die SuBcnSiKritCciftRitna ist von ffonnctstcfl, 11., auf ycnnccstafl, IS. Juni, iicrlcnt.— Bezirk Nordost: Dounersiafl, 11. Juni, 20 Ufr, lZunktionlirlitmiia bei Bieberstein, ikanzioer Str.«ü.— Bezirk Pankom: Tonncrotaa, 11. Juni, 20 Uhr, Qufictoti>e».tIid)t Senrralversammlunq im Vcreinsiokal.— Ruder. de, Irl:!?on>icrs!a«, 11. Juni, 20 Ufit, SitUiiifl bei Schmidt, Cchitnewcidc, Ber- liner Str.«7—00. Bezirislartell griedrichodai». Sonnabend. 13. Juni, Ictstcr Termin siir Ein- sendunaen fitr nnsero WcrbtTchrist. gusiendbcrbcriisdlaketten abrechnen! .Solidarität", Krastsabre?! Touren Sonntaa. 11. 3n»i. Abt. Isrietricho- lniin: Glasows««. Start(iVi Uhr Landsbcracr Platt.— Abt. Krcuzdcra:»allin- 4«». Start 7 Ul>r Zicichcnbern«: Str. Ol.— Abt. Lichtenbero: Miillensec b«i Wandlid. Start 7 Ubr Oder. Eike ginowst raste.— Abt. Oberschilneweidc: Wsltsigcr Eec( Stoiber, i), Start fl llbr Wilheimintnbofstr. 61. Suic galtdootsahr«r Berlin, gusanimenkilnste Tonnerstaq, 11. Juni. 20 Ubr. Grupp« Norden: Iunendbcim Brnnncnplast. vlruvve Nordosten: örhädels VierhoUen, Prenzlauer Allee 02. Grrlppo Siidosten: Svortliau», Dirit- scnstraste 1. Gäste rvilliomnien. Aartellbezirk EchSncbera-Kriedenan. Tannerstoa. 11. Juni, 20 Uhr, Sistnng- Bomlnieuo-Spieiplast, 8immer 30. Vertreter und Techniker der Abteilungen müsse» erscheinen. Anoaabe der Naittarten und unser Abcndsportfcst. Tenni,-Rot Grost-Berlin. Abi. Neuljjlln: Tomierötaa, 11. Juni, 201» Ubr, Mitqliederversammlung, Cosa Reinhardt. Kaseicheidc 37.— Hockeisobteilunq: L-oekentrainina wegen Magdeburger Turnirr nicht dielen, sondern nächst n Sonnabend. Riltksch«».' In dem Zyklus der Deutschen Welle„Bilder vom Heu- j t i g e n Rußland" beleuchtete Elsa Wetchmann das Problem„Kind und Erziehung". Ruhland rühmt sich, das Land dcö jungen Menschen zu sein. Das stimmt mit den Eindrücken des; Reisenden jedenfalls insofern überein, als er im Sowjetstaat wenig alten, weihhaarigen Menschen begegnet. Aber auch bei näherer Besichtigung der Einrichtungen, die der neue russische Staat für die Kinder getroffen tiat, scheint sich die Behauptung zu bestätigen. In den Krippen und Kleinkinderhorten sind die Grundforderungen von Hygiene, Ernährung, Körperpflege beachtet: sie werden auch in der Belieferung mit Lebensmitteln bevorzugt. Die gegenwärtige Anzahl solcher Anstalten gibt die Regierung mit 2000 an, wovon etwa 200 sich auf dem Lande befinden. Das heißt aber, daß etwa 20 Millionen Kinder unter 8 Iahren von solcher staatlichen Fürsorge noch nicht erfaßt werden und unter den elendsten Verhältnissen oft im elterlichen Haushalt leben müssen. Was die Kinderheime an geistiger Ausbildung bieten wollen, läßt sich in drei Punkte zusammenfassen: Werkunterricht. Erziehung zum Kollektivismus und politisch« Aufklärung. Wirtlich durchgebildet ist nur diese politische Schulung: in den Kindergärten schmücken grellfarbige Revolutionsbilder die Wände und Porträts der lommu- nistischen Führer, die Kinder bauen aus Klötzchen Kirchen, um diese dann jubelnd zu zerstören, sie sehen in ihren ersten Schulbüchern überall Abbildungen, die in ihnen Haß gegen alles„Bourgeois«" erwecken sollen. Der Schulunterricht führt diese Erziehung konsequent weiter. Alle Schulfächer sind mit politischer Agitation durchtränkt, die den Kindern den russischen Sowjetstaat und seine Lehren als das Vollkommene, Absolute, Unveränderliche darstellen. Die Kinder wachs«! in einer Halbbildung auf, die g l a u b e n s t r e u bleiben muß, weil sie nichts anderes als die Gesetze und Lehren dieses Staates erfährt. Der Fünf-Jahres-Plan hat den Schulzwang eingeführt— als Theorie. Tatsächlich mangelt es Rußland viel zu sehr an Schulen und Lehrern, um sämtlichen Kindern den Besuch einer Schule möglich zu machen. Jene werden bevorzugt berück- stchtigt, deren Eltern der kommunistischen Partei oder einer Gewerk- schast angehören. Ebenso wurde das Etnheitsschulpro- gramm längst wieder abgebaut, da es sich für den Sowjetstaat als zu kostspielig erwies, und statt dessen«ine vier- jährige Elementar-Pflichtschule geschaffen, an die sich verschiedene Aufbauschulen angliedern. Noch immer aber durchziehen verwahrloste Kinder in H o r d e n das Land. Aon der Regierung wird ihre Zahl aus 300 OOO geschätzt, von der Witwe Lenins auf dle drei- bis vierfache.Höhe. Die offizielle Erklärung für diese heimatlosen Kinder heißt, daß es sich um Waisen aus der Revolution handele. Dem steht aber die Tatsache gegenüber, daß bereits Fünf- bis Achtjährige sich in diesen Kinderscharen befinden, die sich also immer aufs neue aus der russischen Not, dem Elend, dem Hunger rekrutieren. Köln gab eine Uraufführung„Die Löwin und der Ge- n e r a l", Hörspiel von Eduard Reinacher, an den Deutsch- landsender welter. Die Geschichte von einem Schneider, der seiner Braut zuliebe Soldat wurde, und der als Ehemann wieder zum Schneider wird, da seine Frau schließlich doch erkennen läßt, daß ein lebender Schneider mehr wert ist als ein toter Soldat. Die Gestalten der simplen Komödie hatten gut herausgearbeitete charak- teristische Formen, was zu gleichen Teilen das Verdienst von Ver- fasser, Sprechern und Regie war. Die Funkbühn« ist mit. diesem Spiel um kein Kunstwerk, wohl aber um ein brauchbares Unter- Haltungsstück bereichert zu werden. Tos. Mittwoch, 10. Juni. Berlin. 16.05 Aktuelle Abteilung. 16.30 ünterhaltunismusik. 17.30 Aktualität und Ewiekeitswert, Qespräch zwischen Erich Eranzen und Ernst Gläser. 18.00 Schubert. Schumann, Brahms: Lieder.(Marl« Mora von Ooetz, Sopran. riiiael; Bruno Seidler-Winklcr.) 18.20 Intendant Hans Meißner. Stettin: Notschrei eines Theaterleiters. 18.10 Paul Westhelm und Oeoree Orosz: Der Künstler als Zeilschilderer. 19.05 Mitteilunzen des Arbeitsamtes. 19.10 Blasorchester-Konzert. 20.30 Uraufführunc:„Die TragSdle des William Eox" oder Die SsJiIacht am „Schwarzen Freitas", Hörstück von Johannes R. Becher. Resie: Max Bin«. 21.44 Wetter-. Taces- und Sportnachrichten. AnschlleSend bis 0.30; Tanzmusik. Könltswusterhausen. 16.00 Ministerialdirektor Dr. Erich Wende: Grundlaten des Elternrechts. 16.30 Hamburz: Konzert. 17.30 0. Catolre-Trto, op. 14.(Eintflhrunt Prof. Petschnlkolf. Mltw.: Meinhardt. Petschnlko(f-Lleberm«nn-T rio.) 18.00 Dr. Hans Kern; Das Problem der Liebe in der Philosophie. 18.30 Prof Dr. Mildbraed: Botanisches für die Reisezeit, 18.55 Wetter für die Landwirtschaft. 19.00 Dr. Hermann: Das Erfinderrecht und die Beamten. 19.20 Lic. Ü. Mumm, M. d. R.. Willi. Sollmann, M. d. R.: Christentum und Sozialismus. Anschließend: Von München; Bunter Abend mit Adom Müller u. Hans Roßmann, 21.15 Hamburg: Eine Stunde Arbeit. Sag« und Sang mit Seefahrern. Fischern und Bauern. Gegen die Notverordnung Protest der sächsischen Staatsarbeiter Di« im Gesamtverband der Arbeitnehmer der öffentlichen Bc- triebe und des Personen- und Warenvertehrs zusammengeschlossenen sächsischen Staatsarbeiter(Berwaltungsarbeiter) hielten am 7. Juni eine von der Bezirksleitung Freistaat Sachsen Oes Gesamtverbandes einberufene, von etwa 80 Delegierten besuchte Konferenz ab. Nach einem Referat von chauffe von der rvirtschast-politischen Abtei- lung des Verbandsoorstandes Berlin über den Stand der deutschen Volkswirtschaft unter besonderer Berücksichtigung der Verhältnisse in den öffentlichen Betrieben, ging Preißler von der Bezirks- leitung auf die besonderen sächsischen Verhältnisse ein. Die Or> ganisation Hab« bereits Ende 1930 der Sächsischen Staatsregierung erklärt, daß Arbeitszeitoerkürzung und Lohnsenkung zugleich für die sächsischen Staat-arbeiter nicht tragbar sei Wenn nun in allen Reichsbetrieben die Vierzigstundenwoche eingeführt werden soll, dann sei es verständlich, daß sich mancher Staatsarbeiter die Frage vor- legen werde, ob es denn überhaupt noch einen Zweck habe, zu arbeiten! denn das Einkommen der sächsischen Staatsarbeiter wurde dann soweit herabgedrückt, daß es zur Bestreitung des nackten Lebens- Unterhalts nicht mehr ausreicht. Die sächsischen Staatsarbeiter seien natürlich kein« grundsätzlichen Gegner der Vierziastuncenwoche, müßten es aber ablehnen, mit Rücksicht auf ihre seit Jahren unzu- längliche Bezahlung als Versuchsobjekt für das Experiment der Vierzigstundenwoche ohne jeglichen Lohnausgleich mißbraucht zu werden. Die Konferenz faßte folgend« Entschließung: „Durch die neue Notoerordnung des Reichspräsidenten werden der arbeitenden Bevölkerung Deutschlands neu«, geradezu untrag- bare Lasten auferlegt. Darüber hinaus Hot die Reichsregierung den Erlaß der Notverordnung zu einem noch nie dagewesenen Druck des Tarifrechts benutzt. Unter Umgehung aller tariflichen Ge- bundenheiten, unter Umgehung der Tarifgesetzgebung dekretriert die Reichsregierucktz in der neuen Notoerordnung einen erneuten Lohn- abbau für alle Arbeiter und Arbeiterinnen der Reichs-, Länder- und Gemeindebetriebe. Damit hebt der Reichsarbeitsminister sein den Gewerkschaften gegebenes Versprechen, keinen zweiten Lohnabbau zuzulassen, selbst auf. Die am 7. Juni im Volkshaus zu Dresden tagende Konferenz der sächsischen Staatsarbeiter protestiert auf das entschiedenste gegen dieses Treu und Glauben widersprechende Versahren. Die Kon- serenz beauftragt den Verbandsvorstand, wenn schon die Arbeitszeit auf 40 Stunden herabgesetzt werden solle, mit allen Mitteln dahin zu wirken, daß von diesem Experiment nicht nur die Arbeiter in den öffentlichen Betrieben allein betroffen werden. Der Verbands- vorstand wird weiter beauftragt, sich mit der Reichstagsfraktion der SPD. in Verbindung zu setzen, um das Schlimmste zu verhüten." AfA.-Nund und Notverordnung. Der AsA-Bundesvorstand teilt mit: Die Notoerordnung vom 5. Juni enthält neben den bereits allgemein bekanntgewordenen unerhörten sozialen Verschlechterungen und Belastungen der ge- samten Arbeiterklasse, auch eine Reihe von besonderen Eingriffen in den gesetzlichen Angestelltenschutz und das bestehende Angestellten- recht. Die Behörden-, die Bergbauangestellten und eine Reihe weiterer Gruppen werden auch noch in einzelnen Sonderbestimmun- gen der Notverordnung hart getroffen. Der AfA-Vorstand wird selbstverständlich in der Bekämpfung dieser Notverordnung diese Angriffe auf das soziale Recht und die Lebenshaltung der Angestellten mit aller Schärfe zurückweisen, er- hält jedoch angesichts der großen politischen und sozialen Gefahr statt eines Sondervorgehens der einzelnen Arbeitnehmergruppen die geschlossene Abwehr aller Gewerkschaften für notwendig. Aus diesem Grunde wird der AfA-Bundesvorstand in Gemeinschaft mit d e m A D G B. zur Notoerordnung und der damit entstandenen Lage Stellung nehmen. Der AfA-Vorstand ist auch an den heutigen Beratungen des ADGB.-Vorstandes beteiligt. Organisation der Polizeibeamten. Llebertritt zum Schrader-Verband. Die bisherigen Vorstandsmitglieder des Allgemeinen Verbandes der Polizeibeamten im Allgemeinen Deutschen Beamtenbund, Hildebrand, Fischer und Klenz, sind zum Allgemeinen Preußischen Polizeibeamtenoerband übergetreten. Bei den sich widersprechenden Meldungen von beiden Seiten ist noch nicht klar ersichtlich, ob ein allgemeiner oder nur teilweiser llebertritt der Mitglieder des Allgemeinen Verbandes damit verbunden ist oder noch erfolgen wird. Sinn und Grenzen der Sozialpolitik. Neichskonferenz der Sozialversicherungsangestellten. Die im Zentralverband der Angestellten ver- einigten Angestellten und Beamten der Sozialversicherungsträger halten am 14. Juni in Dresden ihre Reichskonferenz ab. Die Tagung beschäftigte sich mit den großen sozialpolitischen und wirtschaftlichen Fragen der Sozialversicherung und ihrer Angestellten. Das ein- leitende Referat über„Sinn und Grenzen der Sozialpolitik" hält der frühere Reichsarbeitsminister Dr. K. c. Rudolf Wissel!, MdR. An der Konferenz nehmen Delegierte aller Zweige der Sozial- Versicherung aus allen Teilen des Reiches teil. Oer sächsische Meialtschiebsspruch. Am 7. Juni nahmen die Mitglieder der großen Tarifkommission für das Tarifgebiet der sächsischen Metallindustrie den Bericht über die Lohnoerhandlung vor dem vom Reichsarbeitsamt eingesetzten Sonderschlichter Dr. H e u e r- Berlin entgegen. In der Aussprache wurde der Schiedsspruch, der eine weitere Senkung der Grundlöhne für Lohn- und Akkordarbeiler um 2 Pf. pro Stund« und damit auch eine entsprechend« Kürzung der Akkord« bringt, unter Hinweis auf die im Arbeiterhaushalt seit langem vor, herrschende bittere Not allgemein für unannehmbar erklärt. All- seitig wurde hervorgehoben, daß der niedrige Lebensstandard der Arbeiterschaft nicht noch mehr gedrückt werden dürfe und beschlossen, die endgültige Entscheidung über den Schiedsspruch den Mitglieder- Versammlungen zu überlassen._ „Ankurbelung der Wirtschaft." Durch Zechenstillegungen und Arbeiterentlassungen. Die Gewerkschaft des Steinkohlenbergwerks Ewald in her, l r i; zeigt die Stillegung des unterirdischen Betriebes der Zechen- anlagen„Ewald Fortsetzung" und der Betriebe der damit zusammen- hängenden Tagesanlagen an. Zur Entlassung kommen 2200 Arbeiter und 1Z0 Angestellte. Die Einstellung des Betriebes soll spätestens zum 30. Tuni 1931 erfolgen. Welter bringt die Gewerkschaft h ib eru i a in Herne 180 Arbeiter auf der Schachtanlage„Schlaegel und Eisen 1/2" in Rcckling- Hausen zur Entlassung._ Texiilkampf in Nordsrankreich. Noch keine Einigung.- Kommunistische Machenschaften. Paris, 9. Juni.(Eigenbericht.) Die am Montag von dem Liller Präfekten eingeleiteten Schlich» tungsverhandlungen im Textilarbeiterstreik haben bisher zu keinem Ergebnis geführt. Der Präfekt teilte in einer Unterredung mit den Vertretern der sozialistischen und christlichen Gewerkschaften mit, daß die Unternehmer an ihrer Absicht, die Löhne um vier Prozent zu kürzen, festhalten. Die Arbeitervertreter erklärten darauf, daß sie jede Lohnsenkung ablehnen. Der Präfekt will trotzdem die VerHand» lungen heute forffetzen. Bei dem Empfang der Vertreter der sozialistischen Gewerkfchaf» ten kam es auf der Präfektur zu einem Zwischenfall. Kaum war die Arbeiterdelegation in das Büro des Präfekten eingetreten, als eine starke kommunistischen Abordnung unter Führung eines Ab» geordneten erschien und gleichfalls um eine Unterredung bat. Der Präfekt erklärte, er könne di« Kommunisten nicht sofort empfangen, da er mit den sozialistischen Arbeitern berate. Trotz der heftigen Proteste des kommunistischen Abgeordneten blieb der Präfekt bei seiner Weigerung. Die Kommunisten begannen darauf in den Korridoren zu lärmen, bis sie schließlich von Polizeibeamten aus der Präfektur gewiesen wurden. Ein zweiter Zwischenfall entstand im Anschluß an eine von den sozialistischen Gewerkschaften veranstaltete Straßenkund» g e b u n g. Etwa 400 Kommunisten, die an dem Umzüge teilgenom» men hatten, wollten das Gebäude de« Textilkonsortiums stürmen. Die Polizei gab mehrere Schüsse ab, durch die jedoch niemand ver» letzt wurde. Sechs Manifestanten wurden verhaftet, vier von ihnen aber bald wieder freigelassen. Berichtigung! Sprechchor für Proletarische Feierstunden: Di« Uebungs stunde findet nicht heute, Mittwoch, sondern am Donnerstag, 11. Juni, in der Sophien-Schule, Weinmeifterftr. 16/17, um 19)4 Uhr, statt. � dkfMfts-Jtn&iger* (Bezirk füden-Weften maiernatte Berlin G.m.b.N. 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