BERLIN Donnerstag 11. Mi 1931 10 Pf. Nr. 268 B 134 48. Jahrgang Trsch einträglich außerGonntag«. Zugleich Abendausgabe des.Vorwärts". Bezugspreis beide Ausgaben 8S Pf. proWoche. 3,«0M. pro Monat. Redaktion und Expedition: BerlinSW68,Lindenstr.S Fernsprecher: Dönhoff 292—297 AnzetgenpretStDie einspaltigeNonpareillezeile 8o Pf., Reklamezeile SM. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto: Vorwärts-Verlag G.m.b.H� Berlin Nr. 37 S3K.— Der Verlag behält sich das Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor! Mßtrauenskomödie in Preußen Kasper-Theater oder Politik? Auf der Tagesordnung der heutigen Sitzung des Landtages stand ein kommunistischer Mißtrauensantrag gegen das preußische Gesamtministerium. Abg. Kasper(Komm.) begründet den Antrag. Die dritte Not- Verordnung sei ein unerhörtes Verbrechen am werktätigen Volk. Die preußische Regierung trage dafür die volle Verantwortung. Die KPD. würde den revolutionären Kampf dagegen aufnehmen. ZNinisierpräsidenl Braun (von Kommunisten mit Niederrusen empfangen): Die Kritik des Vorredners richtete sich gegen R e i ch s g e s e tz e, die die Unter- schrist der Reichsregierung und des Reichspräsidenten tragen. Reichspräsident und Reichsregierung tragen die versasiungs- mäßige Verantwortung für die Notverordnung und ihren Inhalt. Die preußische Staatsregierung hat an dem Zustandekommen der Notverordnung uicht mitgewirkt.(Großer Lärm bei den Kommu- nisten, Abg. Frau. L u d e w i g wird von der Sitzung a u s g e- schlössen, weil sie fortwährend„Lüge" kreischt.) Die preußische Regierung hat daher auch keine Veranlassung, Stellung zu den einzelnen Bestimmungen der Notoerordnung zu nehmen. Sobald sich Bestimmungen dieser Notverordnung in der Praxis als unhaltbar erweiseu. wird die preußische Staatsregieruug auf Abänderung der Notverordnung hinwirken. Die Antragsteller aber haben offen- bar das Bedürfnis, während der Vertagung des Reichstags aus dem preußischen Landtag einen Ersatzreichstag zu machen. Daran mitzuwirken, lehnt die Staatsregierung ab.(Lebhafter Beifall bei der Mehrheit, großer Lärm bei den Kommunisten.) Abg. Kirchmann(Soz.): Für die Kommunisten ist es längst eine ausgemachte Sache, daß, wer nicht die neueste Moskauer Linie einhält, ein ausgemachter Lump und Verbrecher ist. Wollten die K o m m u n i st n ernst genommen werden, müßten sie erst aufhören, grob und wild herumzuschimpfen.(Lärm bei den Kom- munisten.) Der ganze kommunistische Antrag ruht auf dem Taschen- spielertrick, die Regierung Brüning mit der Regierung Braun und die Regierung Braun mit der Sozialdemokratischen Partei durch- einander zu mischen. Wenn nun soeben festgestellt worden ist, daß die preußische Regierung die Verantwortung sür die dritte Not- Verordnung nicht trägt, ist das Mißtrauensvotum von vornherein hinfällig.(Erneuter Lärm bei den Kommunisten.) Sie scheinen die Diskussion zu fürchten: sonst würden sie doch nicht brüllen wie rm Zoologischen Garten. Die Geschichte der kom- munistischen Mißtrauensanträge gegen die Regierung Braun ist ein Kapitel für sich: es gab Zeiten, in denen die kommunistische Fraktion bei Mißtrauensanträgen gegen die jetzige Preußcnregierung nicht mitgemacht hat. Aber offenbar erscheint die heulige furchtbare Zeit den Kommunisten besonders geeignet, die Reaktion in Preußen wieder zur Macht zu bringen. Es ist nicht die Not der Erwerbslosenmassen, die die Kommunisten hier sprechen läßt. Es ist die Politik des Stahlhelms und der Nationalsozialisten, in deren Dienst sie jetzt den Vorstoß gegen das Kabinett Braun unternehmen.(Großer, anhal- tender Lärm bei den Komm.) Auch das kann uns nicht rühren, daß die Hunde heulen, wenn man mit Knüppeln unter sie schmeißt. (Sehr gut.) Ich stelle also fest: die preußische Regierung hat den Inhalt der Nptverordnung, nicht zu verantworten, und die Sozialdemokratische Partei lehnt die Verantwortung für diese Notverordnung ausdrücklich ab. Wir anerkennen die Notwendigkeit der Sanierung der Reichsfinanzen.(Aha! bei den Komm.) Käme ihre Katastrophenpolitik zum Erfolg, wären die Arbeiter insgesamt die Opfer.(Sehr wahr! bei den Soz.) Aber die Sozialdemokratie betrachtet zahlreiche Bestimmungen der Notverordnung als außerordentlich unsozial, als im schroffsten Wider- spruch zu den Forderungen sozialer Gerechtigkeit stehend.(Lebhaste Zustimmung bei den Soz.) Der Redner wendet sich dann den einzelnen Bestimmungen der neuen Notverordnung zu. Die Sitzung dauert fort. Llm ein Hakenkreuz in den Tod. Mies i. B., 11. Juni. Eine Gesellschaft junger Burschen besuchte die Ruine Wolfs- berg bei Tfchernyschin. Ein 18jähriger Lehrling wollt« auf dem Turme ein Hakenkreuz aufpflanzen. Das morsche Gestein gab nach und der Bursche stürzte ab. Er blieb mit einem Schädel- bruch tot liegen. Gasmaske am rechlen 3leck Bei dem Erdbeben, das England während der Anwesenheit der deutschen Minister heimsuchte, ist ein Hauptrohr der Londoner Gasleitung brüchig geworden. Deshalb mußten Arbeiter mit Gasmasken durch Aufreißen der Straßen nach der schadhasten Stelle suchen. So wurden die Gasmasken wirklich gegen— Gas verwendet! Acht Mann elend erstickt! Sie Lleberlebenden der„Poseidon"« Mannschaft aufgegeben. London, 11. Juni. Heber die Versuche, das in chinesischen Gewässer« gesunkene U-Boot„Poseidon" zu heben, liegen heute morgen keine weiteren Nachrichten vor. Der von ver- schiede nen Seiten verbreiteten Nachricht, daß acht Mann der Besatzung noch am Leben seien, steht die Londoner Admiralität sehr skeptisch gegenüber. Der im Laufe des gestrigen Nachmittags eingegangene Bericht des eng- tischen Flottenkommandanten in China über die Kata- strophe erwähnt jedenfalls nichts von der Möglichkeit, daß sich noch ein Ueberlebender an Bord des gesunkenen U-Bootes befinden könnte. Klugschnsten in der Kaserne. Soldaten werden durch Kommunisten in Gefahr gebracht. Zürstenwalde. 11. Juni.(Eigenbericht.) Die Versuche der Kommunisten, Zersetzungsmaterial in die Kaserne der Reichswehr zu bringen, hatten Anfang April bekanntlich zur Verhaftung einer Anzahl kommunistischer Funktionäre und einiger Reichswehrsoldaten geführt. Am Mittwochmorgen wurde nun neuerdings eine Anzahl Exemplare der kommunistischen Zer- setzungsschrift„Der Rote Reiter" in der Kaserne des Reiter- rcgiments 9 in Fürstenwalde aufgefunden. Teilweise erfolgte die Zustellung der Zersetzungsschrift an Regimentsangehörige durch die Post. Die Absender sind bis jetzt noch unbekannt. Zur Untersuchung sind heute einige Offiziere des Reichswehrministeriums und Beamte der politischen Polizei in Fürstenwolde eingetroffen. Etatsarbeit im Rathaus. Wichtige Beschlüsse des HaushaltSausschusses. Im Rathaus wird jetzt an der Verabschiedung des Haushaltsplans mit Hochdruck gearbeitet. Die Arbeiten im h a u s- Hallsausschuß sind bereits erfreulich weit vorangeschritten. heute vormittag wurden die ersten wichtigen Beschlüsse gefaßt. Grundsätzlich wurde für den neuen Haushaltsplan festgelegt, daß die Uebertragbarkeit der Etatstitel und der Positionen mit dem Etatsjahr 1931 durchweg auszuheben sei, soweit sie nicht ausdrück- lich im Etat ausgesprochen wird. Mit Zustimmung der Sozial- demokratie wurden Antröge angenommen, für die Haushalts- bcratungen die Wirtschaftspläne der st ä d t i s che n G e s e l l s ch a f» t e n dem Haushaltsplan beizufügen, soweit dies bisher nicht ge- schehen ist, und der Stadtverordnetenversammlung auch fernerhin die Geschäftsberichte und Bilanzen der städtischen Gesellschaften nebst den Prüfungsberichten der Hauptprüfungsstelle zur Kenntnis- nähme zugehen zu lassen. Bei dem Kapitel Siedl ungs- und Wohnungswesen kam ein wichtiger sozialdemokratischer Antrag zur An- nähme, in dem auf die Bestimmungen sür die Z w a n g s b e w i r t- schaftung von Wohnungen hingewiesen wird, wonach in den vergangenen Jahren eine erhebliche Anzahl großer Wohnungen auf Kosten der Stadt aufgeteilt und in Kleinwohnungen umge- wandelt wurden. Da in der Regel Kleinwohnungen einen ge- ringeren Mietertrag pro Quadratmeter Nutzfläche haben, als Großwohnungen, war die Stadt genötigt, neben den Umbau- kosten laufende M i e t z u s ch ü s s e an die Hauseigentümer zu zahlen. Der Haushaltsausschuß hat nun den Magistrat ersucht zu prüfen, ob nicht die Zahlung solcher Mietzufchüsse e i n g e st e l l t werden kann. Erneut wurde auf die Beschlüsse der Stadtverordneten- Versammlung Bezug genommen, die eine Vorlage über die Zu- sommenlegung der städtischen Wohnungsbaugesellschaften vorsehen und umgehend vom Magistrat gefordert wird. Es wurde ferner beschlossen, die im Etat eingesetzte Summe von S3 Millionen Mark Hauszinssteuermittel ausschließlich zum Bau von genügend großen hygienisch und bautechnisch einwandfreien Arbeiterwohnun- gen durch die Stadt zu verwenden. Ueber die Tätigkeit der W o h- n u n g s ä m t e r soll ein Bericht vorgelegt werden, um über die Umbildung des Aufgabenkreises der Wohnungsämter mit der Auf- gäbe der Wohnungspflege Stellung zu nehmen. Durch den Magistrat sollen schließlich die Bezirksämter auf dem Wege der Darlehens- gewährung in die Lage versetzt werden, laufende Verpflichtungen aus Einrichtungsarbeiten für Dauerkolonien zu erfüllen. Totschlag in der Silvesternacht. Vier Arbeiter auf der Anklagebank. Die Prozesse über tödlich verlaufene Ausschreitungen radikaler Rowdy« häufen sich in diesem Sommer in fast noch erschreckenderem Maße als im vorigen Zahr. Es ist die grausige Ernte einer blutigen Saat, die im Winter und im Frühling gesät wurde, vor dem Landgericht I steht der Fall des Nationalsozialiften Reiser zur Verhandlung, der in der Silvesternacht getötet wurde. Angeklagt sind der Kutscher Wilhelm vauielowsti. sein Bruder, der Arbeiter Erich vanielowski. und die Arbeiter Fanselow und Roßgoderer. Die ersten drei haben sich wegen gemeinschaftlicher Körperverletzung, der letzte wegen Totschlags und un- befugten Waffenbesitze» zu verantworten. In der Nacht vom 31. Dezember 1930 zum 1. Januar 1931 befanden sich Fanselow, Roßgoderer, Wilhelm Danielowski und desien Braut, bereits stark angesäuselt, auf dem Weg zum Lokal „Am nasier» Dreieck". Am Zionskirchplatz kamen ihnen drei National- sozialiften entgegen, und zwar der Maurer Reiser, der Stukkateur Eckhardt und der Händler Hoppe. Beide Parteien rochen gewisser- maßen schon aus der Ferne, daß sie Gegner seien. Es kam nach Austausch der üblichen Schimpfereien und Rempeleien zu Tätlich- keiten. Einige Stunden später fand ein Schupowachtmeister im Hause Griebenowstraße 19 den Maurer Reiser mit einem Dolch im Schädel. Vier Tag« darauf war«r tot. Die Anklage behauptet, daß der Arbeiter Roßgoderer— dieser allein befindet sich in Haft— den Reiser verfolgt und ihm die Messerstiche versetzt habe. Die Angeklagten schildern die Vorkommnisse jener Nacht«in wenig anders als die Anklag«. Sie bestreiten, die Angreifer ge- wefen zu sein. Zwar seien sie betrunken gewesen, aber ruhig ihres Weges gegangen, hätten vor sich ein Arbeiterlied gesungen, keines- wegs gegrölt, und seien mit dem Heil-Hitler-Ruf begrüßt worden. Die Nationalsozialisten feien die Angreiser gewesen. Besonders Itoßgoderer will von einer Schlägerei nichts wissen und auch kein Messer bei sich gehabt haben. Er wird aber vom Angeklagten 5anselow insofern belastet, als dieser mit Bestimmtheit behauptet, »ei ihm ein Messer gesehen zu haben. Roßgoherer soll sich auch zerühmt hoben, er habe einen fertig gemacht:„Junge, daß saß Iber."' Zur Verhandlung ist eine große Anzahl von Zeugen geladen. Zlls ein chauptindiz gegen Roßgoderer gilt die Tatsache, daß er m jener Nacht eine Seppl-Kleidung getragen hoben soll. Schöner„Kulturbund"! Oer Mann der italienischen„Zustizreform" soll in Verlin sprechen. Auf Einladung des„Deutschen Kulturbundes" soll der italienische Iustizminister Professor Rocco in der nächsten Woche im Herrenhaus einen Vortrag halten. In der Ankündigung wird Herr Rocco als„Schöpfer der Ver- faffung des faschistischen Italiens" bezeichnet. Das ollein wäre alles eher denn ein Ruhmestitel. Darüber hinaus hat er als Justiz- minister die Justiz in Italien zur Dirne der faschistischen Mord- Franzens Mißwirtschast und Korruptionswirtschaft degradiert. Seine„Iustizreform" hat die Unabhängigkeit der Richter völlig aufgehoben, die zu blinden Werkzeugen des Regime, degradiert wurden, und den nichtfaschistischen Rechtsanwälten die Ausübung ihres Be- rufes untersagt. Von ihm stammen auch die Ausnahmegerichte, die be> reits Dutzende von Todesurteilen gefällt haben. Er ist mitver- ontwortlich für die grauenhaften Deportationen nach den subtropischen Mittelmeerinseln, wo neben Demokraten und So- zialisten auch Führer des Südtiroler Deutschtums schmachten, und wo wehrlose Menschen straffrei gepeinigt und miß- handelt werden, weil die sogenannte Justiz des Herrn Rocco ihre schützende Hand über die Henkersknechte hält. Das ist also der Mann, den ein angeblicher Kulturbund hier, in einem Kulturstaat, als Vortragenden auftreten läßt. Daß er eine solche Einladung annimmt, kann man ihm nicht verdenken, denn er hat alles Interesse daran, Anschluß an die zivilisierte Welt zu ge- Winnen. Um so schärfer muß das Urteil über die Veranstalter gesprochen werden, die die W ü r d e l o s i g k e i t eines solchen Bor- trogsabends verschuldet haben. Siinkbomben gegen denRemarque-Mlm Oeutsch-böhmische Studenten protestieren auf ihre Art. Tetfchea a. d. 11. Juni. Bei der Aufführung des Remarque-Filmes„Im Westen nichts Neues" warfen fünf junge Studenten der landwirtschaft- lichen Hochschule in Liebwerd Stinkbomben. Zwei Frauen wurden dadurch ohnmächtig. Die Vorstellung wurde unterbrochen und die Werfer oerhaftet. Sie leugneten, doch fand man bei ihnen die Schachteln und auch Flaschen mit Salzsäure und Zink, eine Lösung, die sehr gefährlich werden kann. Die�Zorstellung tonnte später fortgesetzt werden. Der Film war schon in den Grenzstädten Reichenberg, Grottau, Warnsdorf, Schluckenau, Rumburg usw. wochenlang bei Massenbesuch gelaufen, ohne daß es zu Störungen gekommen war. Matteotti-Rede verboten. Die Reaktion in Holland. Die für Dienstag vorgesehene Rundfunkrede des General- sekretärs des Internationalen Gewerkjchaftsbundes Schevenels über Matteotti wurde durch den Niederländischen Rundfunk- Kontrollausschuß verbaten. Das Verbot ist ein beschämendes Armutszeugnis für die Behörden. Der Parteivorstand der holländischen Sozialdemokratie richtete an die Regierung ein Protesttelegramm, in dem er betont, daß das Verbot eine Verletzung verfassungsmäßiger Rechte sei, die die Re- gierung zu wahren habe. Der Innenminister erklärte, man habe in der Rede Schevenels eine Gefahr für die Sicherheit des Staate» erblickt. » Die Sendezeiten der beiden holländischen Rundsunksender Hil> versum und Hülsen sind auf vier Sendevereine auf» geteilt, und war auf den A r b« i t e r r a d i o--B u n d„B a r a", auf die katholischen, evangelischen und liberalen Rodiovereine. Der staatliche Kontrollausschuß hat nach der königlichen Verordnung, die Stahlhelm Zwischenspiel wegen Vor dem Schöffengericht Berlin-Mitte fand heute der Prozeß gegen die Stahlhelmführer S e l d t e und Düsterberg und gegen den verantwortlichen Redakteur des„Stahlhelm", Kleinau statt. Am 18. Januar d. I. erschien zur 60. Wiederkehr des Reichsgründungstages in der Zeitschrift„Stahlhelm" ein schwarzweißrot- umrandeter Aufruf der Bundesführung, dessen lieber» schrift lautete:„Kampf dem Z w i s ch e n r e i ch". „Seit 13 Iahren", hieß es in dem Aufruf,„lebt das deutsche Volk im nichtdeutschen Zwischenreich des bismarckfemd- lichen Marxismus. Diesem Zwischenreich, das die völkische, sittliche und kulturelle und auch die wirtschaftliche Grundlage der deutschen Nation völlig zu zerstören droht, habt ihr den Kampf angesagt, um aus dem Geist der Frontkameradschaft und der Volksgemeinschaft das wahre deutsche Reich und d i e Ration erstehen zu lassen." Auf Veranlassung der Republikanischen Beschwerdestelle hat die Staatsanwaltschaft wegen dieser beiden Sätze de» Aufrufes gegen die Unterzeichner desselben Seldte und Düsterberg wie auch gegen den verantwortlichen Redakteur Kleinau Anklage erhoben. Seldte gibt an, er sei vor dem Kriege als Fabrikbesitzer in Magdeburg tätig gewesen, sei Hauptmann der Reserve, habe im Felde seinen Arm verloren und mehrere Auszeichnungen erhalten. Er fei gegenwärtig Fabrikdirektor in Magdeburg und habe im Jahre 1918 aus den damaligen Zuständen heraus gegen dieRevolutionden„Bund der Frontsoldaten" gegründet, dessen Vorsitzender er ist.(Da ist Seldte ein klobigerJrrtum unter- laufen. In Wirklichkeit hat er den„Stahlhelm" sich al» eine Art republikanischen Kriegerverein gedacht und sich lebhaft bemüht auch Sozialdemokraten dafür zu gewinnen. Red.) Radau auch „Revolution" mit Blumentöpfen Iraakfurt a.M„ II. Juni.(Eigenbericht.) Im Lause der gestrigen Nochmittags- und Abendstunden kam es auch in F r a n k f u r t a. M. zu erheblichen Zusammenstößen kommunistischer Demonstranten mit der Polizei. Die Vorgänge sind ofsevsichtlich von der kommunistischen Partei- leitung planmäßig organisiert worden. In den Vororten, so in der Friedrich-Ebert-Siedlung, in der Siedlung Frankenallee, Bocken» heim und Höchst, sammelten sich kleine Hausen, die mit Rot-Front- Geschrei und den Rufen„Nieder mit der Regierung Brüning" oder „Arbeiter, wehrt euch gegen die Notverordnung" anscheinend die Ausgabe hatten, die Polizei in diese Vororte zu ziehen. Zu gleicher Zeit sammelten sich in der Altstadt größere Massen an, die sich vor- läufig in den engen Straßen und Höfen verborgen hielten, sich dann aber gegen 19 Uhr an der Ecke Fahrgasse und Bapponnsteaße sam» melten, Demonstrationszüge bildeten und der Polizei Widerstand leisteten, als diese die Demonstranten zum Auseinandergehen auf- forderte. Die Polizei mußte wiederholt Gewalt onwenden. Sie ließ Mannschaften auf Bereitschoftswagen in die Innen» und Alt» stadt sichren, die zunächst größere Ausschreitungen verhindern konnten. Gegen 22 Uhr sammelten sich aber die Kommunisten, die bisher in den Außenbezirken die Polizei beschäftigt hatten, mitten in der Stadt an der Konstablerwoche. Der Unfug nahm nunmehr größeren Umfang an. Als die Polizei gegen kommunistische Sprech- chöre vorging, wurde aus den Fenstern einzelner Häuser mit Steinen und Blumentöpfen auf die Polizei geworfen, so daß diese jetzt mit den Revolvern in der Hand gegen die Demonstranten vorging. Als auf die Rufe„Fenster zu" die Stcinwürfe fortgesetzt wurden, wurden zahlreiche scharfe Schüsse abgegeben, durch die jedoch niemand verletzt wurde. Die Unruhen dehnten sich bis nachts gegen 12 Uhr aus. Es wurde wiederholt geschossen, jedoch keine Person verletzt. Mehrere Demonstranten wurden festgenommen. Äluiopfer in Kassel. Kassel, 11. Juni.(Eigenbericht.) Di« Demonstrationen am Mittagabend, über die wir schon kurz ihn einsetzte, lediglich die Aufgabe, solche Vorträge zu verhindern, die die Sittlichkeit verletzen oder Andersgesinnte kränken könnten. Zu diesem Zweck hat der Kontrollausschuß auch das Recht, die Vorlegung der Manuskripte zu verlangen. Eine politische Zensur liegt nicht in den Befugnissen des Kontroll- ausschusses. Bereits vor vierzehn Tagen hat der Kontrollausschuß einen Vortrag des sozialdemokratischen Abgeordneten Rechtsanwalt D u i s oerboten, wobei natürlich nur politische Gründe bestimmend ge- wesen sein können. Auf eine Klage des Arbeiter-Radio-Bundes ist damals der Staat durch einstweilige Verfügung verurteilt worden, das Dortragshonorar, die Sende- und Ge» richtskosten zu bezahlen. Der Dortrag des Genossen Duis ist da. nach wieder auf das Programm gestellt, jedoch abermals verbeten worden. Auch im vorliegenden Fall ist mit einer solchen Klage zu rechnen. Oos Ende des Münchener Glaspalastes Selbstentzündung ölgetränkter Lumpen als Ltrsoche. ZNünchen, 10. Juni. Die polizeilichen Erhebungen über die Ursache de» Brande», dem der Slaspalast am ö. Zuni zum Opfer gefallen ist. sind zu einem vorläufigen Abschluß gelaugt. Der Polizei- bericht meldet u. a.: Die Ermittlungen und Nachforschungen erfolgten in erster Linie in der Richtung auf vorsätzliche Brand st iftung. Bei den eingehenden und umfassenden Erhebungen hat sich bisher nicht der gerin-gste tatsächliche Anhaltspunkt für vorsätz» liche Brandstiftung ergeben. Während auf einem Kontroll» gang um 2 40 Uhr noch nichts bemerkt worden war, sah um 3 20 Uhr der nächste Wächter bereit» zwei Kammern und teilweise auch die N-benräume brennen. Auch der Feuerwächter de« Glaspalastes sah aus den beiden Kammern das Feuer herausschlagen. Um vor Gericht des„Zwischenreichs" Es sei beim Stahlhelm üblich, anläßlich bestimmter(Ereignisse Bot» schaften zu erlassen. Die 60. Wiederkehr des Reichsgründungstages fei solch eine Gelegenheit gewesen. Er nehme kein Wort von jener Botschaft zurück, er stehe vollkommen auf ihrem Boden. Düsterberg ist während des Krieges Abteilungschef im Kriegs� Ministerium gewesen. Auch er erklärt, jedes Wort des Austufs auf» recht zu erhalten. Der Angeklagte Kleinau ist bereit, nicht nur formal die Der» ontwortung zu übernehmen, sondern sie auch für den Inhalt des Aufrufs zu tragen. Vors.: Wer von den Angeklagten will sich zum Aufruf äußernd Angeklagter Seldte: Ich werde es nach dem Plädoyer des Oberstaatsanwalts tun. Oberstaatsanwalt Köhler erhält das Wort zu seinem Plädoyer. Er führt aus: Die Angeklagten haben die verfassungs» mäßig festgestellte Staatsform überlegt und böswilligver» ächtlich gemacht. Bei der Strafzumessung muß berücksichtigt werden, daß der Stahlhelm im allgemeinen sich von Angriffen wie dieser hier bisher zurückgehalten hat, daß auch kein ähnliches Der- fahren bisher gegen ihn anhängig gemacht worden ist. Deshalb bin ich der Auffassung, daß in diesem Falle auf Geldstrafe erkannt werden kann und beantrage gegen die Angeklagten Seldte und Düsterberg an Stelle der an sich oerwirkten Gefängnisstrafe von je zwei Monaten eine Geldstrafe in Höhe von je 800 M. und gegen den Angeklagten Kleinau an Stelle der an sich verwirkten Gefängnisstrafe von einem Monat eine Geldstraf« von 400 M. Sodann spricht der Verteidiger. R.-A. Everling, der bestreitet. daß der Aufruf eine Beschimpfung der verfassungsmäßig festgestellten Staatsform enthalte. Schließlich verlangt er, daß die Angeklagten nicht zu Geldstrafen, sondern zu Gefängnis oerurteilt würden. in Frankfurt - nach bolschewistischer Anweisung berichteten, haben inzwischen Menschenopfer gefordert. Als die Polizei gegen die Demonstranten in der Altstadt vorging, wurde sie aus den Fenstern und von den Dächern mit Blumentöpfen und Dachziegeln beworfen. An einer Stelle der Stadt fielen aus den Reihen der Demonstranten mehrere scharfe Schüsse, durch die ein Polizeibeamter einen Bauchschuß erlitt. Der Beamte ist seinen Verletzungen inzwischen erlegen. Auf die Ergreifung de» Täters ist eine Belohnung von 1000 M. ausgesetzt worden. Der Polizeipräsident beabsichtigt angesichts der Borgänge in den letzten Tagen ein Berbot von Umzügen unter freiem Himmel. Mord und Mordhehe. Das Echo der Ehemniher Vl tittaten. Chemnitz. 11. Juni.(Eigenbericht.) Von den 72 Kommunisten, die im Zusammenhang mit den blutigen Zwischenfällen in Chemnitz anläßlich des Sachsentrefsens der Nazis verhaftet worden sind, sind IS in Hast behalten worden. Sie werden im Laufe des Mittwochs der Staats- onwaltschaft zugeführt. Wer die tödlichen Schüsse abgegeben hat. konnte bisher noch nicht ermittelt werden. Der Tod der zwei Nationalsozialisten wird von dem völlig im Fahrwasser der Naziblätter schwimmenden„Chemnitzer Tagesblatt" zu einer unverhüllten Mordhetze gegen die Arbeiterschaft ausgenutzt. So schreibt dieses Blatt:„Dieser Vorfall zeigt ganz deutlich, daß die ungeheure Mordhetze der Marxisten bei dem roten Untermenschentum blutige Früchte getragen hat. Die wahren Ur- Heber dieser Mordtat sitzen auch hier in Parteistellen der marxistischen Mordfront." In dieselbe Kerbe schlägt die Nationalsozialistische Partei, Ortsgruppe Chemnitz, die in der Chemnitzer bürgerlichen Presse eine Todesanzeige für ihre beiden getöteten Parteimitglieder veröffentlicht, in der es heißt:„Zwei deutsche Männer mußten wiederum ihr Leben lassen, weil das blut- und ehrbewußte Deutsch- land heute schutzlos den marxistischen Mörderorganisationen aus- geliefert ist." Die Polizei ist gegen diese Mordhetze bisher noch nicht ein- geschritten. gleiche Zeit bemerkten auch verschiedene Personen außerhalb des Glaspalastes Feuer. Was die Brandursache betrifft, so scheidet Brandentstehung durch Feuerstätten aus. Elektrische Leitungen befanden sich im Glaspalast nicht. Da« Gebäude hatte außer Gas- lichtbeleuchtung in den Büro- und Nebenräumen keine Licht- a n l a g e. Fahrlässige Brandstiftung durch Rauchen kann nach den Erhebungen nicht angenommen werden. In den Ausstellung?- räumen bestand strengstes Rauchverbot. Auch den am Abend vorher bis 20% Uhr in der Ausstellung beschäftigten Malern kann irgend- welches unüberlegtes Umgehen mit Licht oder Feuer nicht zum Vorwurf gemacht werden. Dagegen wurde festgestellt, daß die Maler am Abend vorher nach Schluß der Arbeit in einer der beiden erwähnten Kammern Nessel st offbauschen auf einem Haufen zusammen- gelegt hotten, die sie zum Abreiben von Oelfarbe an einer Holz- wand verwendet hatten, die mit einer Mischung au» Firnis und Terpentinöl getränkt worden waren. Nach den vor- hergegangenen heißen Tagen war die Hitze innerhalb des Glas- palastes noch sehr groß. Nachdem im vorliegenden Fall der Auf- bewahrungzort der Oellumpen zweifelsfrei auch der Brandherd war und für vorsätzliche Brandstiftung oder sonstige Fahrlässigkeit sich keine Unterlagen ergeben haben, muß Selbstentzündung der ölgetränkten Lumpen als Brandursache angenommen werden. Das vom gerichtschemischcn Institut erstattete Gutachten ist in Würdigung der vorliegenden Umstände nach Prüfung der Oelmischung und des Nesselstoffes zu dem gleichen Ergebnis ge- kommen. Schurmanu mit der Staaisplaketie. Die badische Staatsregie- rung hat dem früheren amerikanischen Botschafter in Berlin, Schur» mann, in Anerkennung seiner Verdienste um das Zustandekom- men des neuen Heidelberger Umverfitätsgebäudes die badische Staats- Plakette»erliegen. Christentum n« Eine Aussprache t Im Programm der Deutschen Welle diskutierten gestern Ge» noss« Wilhelm Sollmann und L-ic. D. Mumm ijber ..Christentum und Sozialismus". S o l l m a n n wünscht Auseinandersetzung über Christentum und Sozialismus zunächst ohne Berücksichtigung der kirchlichen Gemeinschaften oder des parteigebundenen Sozialismus. Mumm stimmt zu. Cr formuliert die Frage so: Ob bi- blisches Christentum und marxistischer Sozialis- mus vereinbar sind. Sollmann: Mir ist es stets unbegreiflich gewesen, daß christliche Menschen gegen den Sozialismus sein können. Christen- tum scheint mir dem Sozialismus verwandt. Mumm gibt die Glaubenssätze seiner christlichen Weltan- schauung in dem Bekenntnis zu Christus und zum ewigen Leben. S o l l m a n n betont, daß hierin doch kein Wiederspruch zu So- zialismus und Marxismus liege. Der Marxismus ist eine wirt- schaftspokitische und sittliche Lehre. Christliche Welt- anschauung hat daneben Platz. Der Freidenker wende sich nicht van der Kirche ab, weil er Sozialist ist, sondern weil seine naturwissen- schaftlichen und philosophischen Erkenntnisse ihn zu dieser Weltan- schauung geführt haben. Mumm findet wirtschastspolitische und sittliche Forderungen zugunsten der Unterdrückten auch im Christentum. Er wendet sich gegen den Begriff„Klassenkampf" und gegen den Kampf gegen Privatbesitz. S o l l m a n n klärt ihn auf: Nicht gegen den erarbeiteten Privatbesitz ist der Sozialismus, nur gegen den g r o h k a p i t a- listisch beherrschenden. Das sozialistische Bekenntnis zum Brudertum, zur Solidarität stehe sicher nicht im Widerspruch zum Christentum. Wir wollen den Klassenkampf nicht, er i st da, er ist uns aufgezwungen worden. Der Sozialismus will alle Ar- b« i t e r ohne Unterschied ihrer religiösen Stellung zusammen- fassen. Auch die christlichen Gewerkschaften, obwohl sie den Klassenkampf grundsätzlich ablehnen, müssen sich mit ihm beschäs- tigen, müssen ihn für ihre Arbeiterrechte führen. Mumm gibt das zu. Aber er spricht von der Kampf- s ä h i g k e i t der Organisation, die nicht als Normalzu- stand gelten dürfe. Sollmann wiederholt seinen Hinweis, daß auch die Sozia- listen nur aus Friedenswillen Klassenkämpfer ge- worden seien. Er hebt hervor, daß nicht nur in Deutschland viele Bekenner der christlichen Religionen, darunter hunderte von Geist- lichen, zur Sozialdemokratischen Partei zählen, sondern daß es ganze Länder mit betont christlichem Sozialismus gäbe, zum Bei- spiel England. In Deutschland sind Gegensätze zwischen Christen- tum und Sozialismus vor allem aber durch die enge Verbunden- heit der Kirche mit dem Königtum entstanden. Die Arbeiterschaft mußte sich naturgemäß von solchem Christentum abwenden. d Sozialismus or dem Mikrophon Mumm erklärt, daß es schon vor dem Kriege eine Strömung in der evangelischen Kirche gegeben habe, die die Freiheit der Kirche wollte, daß aber auch heute der neue preußische Kirchenver- trag diese Freiheit noch einenge. S o l l m a n n: Wenn der preußische Staat einen gewissen Ein« stutz auf die Kirche behalten will, so doch nur darum, weil sie sich staatsfeindlich betätigt hat. Mumm gib das zu, nennt es sanft„Entgleisungen", die vor- kamen und nach vorkommen. Er macht es der Sozialdemokratischen Partei zum Vorwurf, daß von ihren 143 Abgeordneten nur 10 evangelisch und 7 katholisch, die übrigen aber freireligiös feien. S o l l m a r. n: Unsere Abgeordneten bekennen sich da- zu, wenn sie keine innere Bindung mehr an die Kirch« haben. Aber wenn Sie bei den bürgerlichen Fraktionen nach- fragen würden, so wären darunter sicher sehr viele, die sich zwar Christen nennen, die ober nie in eine Kirche gehen oder das Abend- mahl nehmen. Andererseits stellen wir es jedem frei, sich zur Kirche zu bekennen. Severing zum Beispiel tut es heute noch, und er hat dadurch als Parteiführer keine Schwierigkeiten gehabt. Mumm(etwas gedämpft): Natürlich ist die innere Emstek- lung für das Christentum maßgebend, aber Ihrer Bewegung fehle die Hoffnungsfreudigkeit, die das Christentum und seine Märtyrer beseelt. S o l l m a n n: Blutzeugen hoben auch die Sozialisten und die Freidenker gehabt. Was wir immer wieder der christlichen Kirche zum Vorwurf machen müssen, ist, daß sie jede scharfe Stel- lungnahme gegen den mammonistischen Seelen- m o r d vermissen läßt. Mumm zählt einzelne christliche Wohltäter auf: er findet, daß auch der Kampf gegen geistigen Schund und Schmutz sittliche Tat der Kirche sei. S o l l m a n n: Die christlichen Persönlichkeiten wollten immer nur den Opfern der kapitalistischen Wirtschaft helfen. Der So- zialismus will die Quellen verstopfen, um solche Opfer zu vermeiden. Wir sind keineswegs gegen Bekämpfung schlechter Literatur. In unserer Jugendbewegung ziehen wir sehr erfolgreich dagegen zu Felde. Zu den heutigen Problemen von „Schund und Schmutz" stehen wir anders als Sie persönlich: Sie haben aber auch in den christlichen Kirchen eine Menge Menschen, die darin weniger engherzig sind als Sie. Mumm begeistert sich plötzlich für Macdonald, den er in die Meihe der deutschen christlichen Arbeiterführer stellt.„Macdonald ist ein Gesinnungsfreund von uns." S o l l m a n n: Er ist aber sozialistischer Arbeiterführer und Mitglied der Internationale. So steht also nichts dagegen, daß Sie auch beitreten. Mumm scheint in seinem schwungvollen Schlußwort doch noch nicht völlig bereit zu sein.... //Eiserner Dienst für denStaat" Severings Mahnung an die Landjäger. Heute vormittag begann im Lehrervereinshaus der B e r- bandstaz des Verbandes Preußischer Landjäger«)» b e a m t e r, der durch eine Rede des preußischen Innenministers, Genossen Severing, eingeleitet wurde. Dem Verband gehören die meisten preußischen Landjägereibeamten an. Genosse Severing führte aus: Durch meine Anwesenheit soll der ern st e Charakter der heutigen Zeit unter- strichen werden. Nicht nur als Ihr Vorgesetzter, sonder als Ihr Kollegs stehe ich vor Iljnen, um der Ueberzeugung Ausdruck zu geben, daß die preußischen Landjäger auch in dieser harten Zeit treu zu diesem Staate stehen, zur deutschen Republik. Die heutige Notzeit ähnelt der vor hundert Iahren, jenen Zeiten, die Preußen zwischen 1806 und 181S und nachher durchgemacht hat. Glücklicher- weise sind derart trüb- Zeiten auch im Leben der Völker selten. Das ist natürlich kein Trost, mein Hinweis auf die Vergangenheit soll nur zeigen, daß auch solche trüben Zeiten überwunden werden, wenn das Land über die geeigneten Männer oerjügt. In unserem demokratischen Staat kommt es allerdings nicht bloß auf ein paar Führer an. sondern darauf, daß eine recht breite Schicht zu finden ist, die bereit und geeignet ist, durch höchstes Ber- antwortungsgefühl gegenüber dem Staate die Not zu überwinden. Ich Halle es für meine Pflicht, hier vor aller Oeffentlichkeit zu sagen, daß die preußische Landjägerei zu dieser Schicht gehören will. Sie werden treu Ihre Pflicht erfüllen, wenn man Sie auch be- schimpst; sind Sie die kleinen„Bluthunde", so gelte ich als der„Generolbluthund". Gegen diese Beschimpfungen setzen wir unser gutes Gewissen und etwas Humor. Wir haben in diesen Krisenzeiten unsere Pflicht und Schuldigkeit zu tun, und e» wäre daher falsch, sofort zum Schießprügel zu greifen, es wäre aber auch falsch, Aufruhrern gegenüber mit Lavendel und Thymian vorzugehen. Nachsicht gegenüber Redensarten, keine Nachsicht gegenüber jenen, die durch Toten ein vollständiges Chaos herbeiführen wollen. Ich brauche keine neuen Dienstvorschriften zu erlassen, Sie selbst wissen, in welcher Situation Sie von den ernstesten Mitteln Gebrauch zu machen haben. Wir werden nach längere Zeit mrt diesen schwierigen Verhältnissen zu rechnen haben. Es ist noch nicht abzusehen, wie lange wir noch in dieser Talsohle wandern müssen. Ich wünsche nur, daß es den Besprechungen in Chequers gelungen sein möge, den ersten Schritt zur Lockerung unserer Verpflichtungen und damit zur Förderung der europäischen Verständigung zu tun. Allerdings, ohne Abbau der Zollmauern ist an eine Erleichterung der europäischen Wirtschaftslage nicht zu denken. All das aber braucht Zeit und bis zu dem Augenblick, in dem es besser wird, heißt es, die Nerven zu behaltenl Dos heißt, eiserne Dienstleistung für den Staat. Wenn Sie auch mit der Art der Gehaltskürzung nicht einverstanden sind, und wenn Sie mit vielen anderen Schichten des deutschen Volkes der Meinung sind, daß die letzte Not- Verordnung viele unsoziale Bestimmungen«nt- hält, so darf doch, wie immer auch sich die endgültig« Gehalts- kürzung auswirken sollte, kein Zweifel an der Erfüllung Ihrer Pflicht entstehen. Was ich hin kann, um die vonReichs wegen angeordnete Gehaltskürzung für die preußische Polizei aus- zu gleichen, will ich tun. Singe aber erst einmal der Gedanke an die Zuverlässigkeit der Organe des Staate, verloren, dann käme erst recht der Gedanke an den Staat ins Wanken. Severing ging im Anschluß an diese Ausführungen auf Orgonifationsfragen der Landjägerei ein. „Wir schatten um auf Hollywood." Capitol. Herr Paul Morgan kommt nach Hollywood und macht bei den Stars seine Antrittsvisite und sieht nebenbei Aufnahmen, die sich aber hauptsächlich auf Girlporaden beschränken. Die Girls werden außerdem in koloriertem Zustand dem Zuschauer serviert, und die amerikanischen Kolorierungskünste bedeuten keine ungetrübte Freude. Girls sollten endlich aus dem Film verschwinden. Sie verbreiten nur noch Langeweil«. Der Film könnte auch heißen„Stars und Starverehrung" oder „Stars am häuslichen Herd" und so ähnlich. Man überrascht Adolphe Menjou bei einem heldenhaften Kampf mit der deutschen Sprache, Ramon Nooarra beim Singen eines schmachtenden Liedes. Luster Keaton zeigt das' unbewegliche Gesicht und John Gilbert sein schönes, heldenhaftes Profil. Heinrich George probt für den„Alexander- platz", während Greta Garbo dem Publikum nur den Anblick ihrer Villa gönnt, einer sehr schönen Villa allerdings. Mit vorsichtigen Fingern wird etwas von der Schminke der Stars abgewischt. Auch große Menschen haben ihre Schwächen, aber sie bleiben doch in allen Lebenslagen bedeutend. Die Witze, die hier gemacht werden, sterben an Altersschwäche, und die Austiahmen von Hollywood, etwa von den Atelierstraßen, bewegen sich nur an der Oberfläche. So präsentiert sich das Ganze als eine Angelegenheit, deren Zweck nicht zu erkennen ist. Dabei könnte aus dem Sujet ein« hübsche Groteske entstehen. � Abkommen Reibaro-Rolter. Die Abonnentengemeinschaft der Reibaro hat mit den Rotterbühnen einen Vertrag, abgeschlossen, wonach ihre Mitglieder in der nächsten Saison zu ermäßigten Prei- fen Operettenvorstellungen im Metropoltheater und Berliner Theater erhalten. Ob aus dieser Erweiterung der Reibarogrupp« nun alsbald „das größte Theaterbüro der Welt" Wersen wird und ob sich weitere Konfümentenorganisationen wie etwa die Funkfreunde anschließen werden, ist vorderhand reine Zukunftsmusik. Almenkrankheit unheilbar. Nach Meinung holländischer Vota- niker, die auf dem Gebiet« Der Ulmenbiologi« viele Versuche an- gestellt haben, ist das Ulmenfterben nicht zu bekämpfen. Die kran- ken Baume müssen alle sofort gefällt werden, wobei darauf zu achten ist. daß Holz, Rinde und Laub vollständig an Ort und Stelle vernichtet werden. Der Erreger ist ein kleiner Pilz, der durch ein als Ulmenkäfer bezeichnetes Insekt übertragen wird. Man will ver. suchen, experimentell solche Ulmensorten herauszufinden, die gegen den Pilz fest sind. „Ausstellung des deutschen Luches" in Buenos Aires. In An- Wesenheit des provisorischen Präsidenten Uriburu und seiner Mi- nister wurde im Pavillon für schöne Künste in Buenos Air«, Die „Ausstellung de? deutschen Buch«»" eröffnet, die vom Börsenverein deutscher Buchhändler im Namen de, gesamten deutschen Buch- Handels veranstaltet wird. vi« Ersiausiührulig der.ichinen Helena» im Kurfürstendamm.Tieater ist aus Montag verlegt worden. Di- g-lästen«arten Malten Äültiateit, die Korten jür spätere Dorstcllunzen werden an der Kasse umgetauscht. Julius Ehrlich, der deutsche Dirigent, ist von der Sowjetregierung»um iUtUr dar riMchen Staatlich« Oper« 2««r»grah mmtat ward« Alt-Berliner Ausstellung. In.der Zeit der Bauausstellung und der Bautagungen zeigen. auch die Berliner Museen eine Ausstellung Berliner Bauten: dos Kupfer st ichkabinett hat in einer sehenswerten Schau die Blätter vereinigt, in denen vom 17. Jahrhundert an die Graphik die schäirsten Bauten Berlins vor Augen geführt hat. Die Reihe beginnt zeitlich mit Philipp Uffenbachs Radierung eines Ringel- stechen? vor dem Berliner Schloß, jenem Renaissancebau, den sich der Kurfürst Ioachin II. durch Caspar Theyß von 1538 an erbauen ließ. Der alte Graphiker Hot 1592 die ganze schmuckreiche Fassade am Schloßplatz vor Augen gehabt. Ein Jahrhundert später, 1695, sticht Bernhard Schultz den großen Plan von Berkin inmitten seiner neuen Befestigung, wie sie der große Kurfürst so stark angelegt hatte. Am Ende des 18. Jahrhunderts, 1780 entstanden die berühmten Blätter Jean Rosenbergs, die kolorierten großen Ansichten hervor- ragender Straßenzüge mit ihren Hauptbauten. Ein reizendes Blatt ist jene Droschkenanstalt in der Landsberger Straß« 19, um 1810 dargestellt: das war ein Privatunternehmen, aber unter priviligierter Aufsicht, das hier in der hübschen Lithographie seine Fuhrwerk« auf dem Hos zeigt. Eduard Gärtner läßt mit seinen Ansichten vom Portal der Universität und vom Eingang zum Schauspielhause den Geist der Schinkelzeit lebendig werden. Der Amerikaner Joseph Pennell ähnelt den Blick von der Stralauer Brücke aus die Innen- stadt recht seinem Manhattan an. Die Folgen der Ansichten der neuen Häfen, die Paul Herrmann radierte, die Straßenbilder von Georg Fritz sind eine Chronik des im Neu-Beriin bewahrten Alt- Berlin. Aber lang und schmerzlich ist die Liste olles dessen, was zu- gründe gegangen ist und nun hier im Bild« noch einmal gezeigt wird. Dos ist der schöne Bau der Akademie, der, als der Zeughaus- architekt Rering ihn als Stallgebäude errichtete, nur einstöckig war, der dorm 1696/1697 sür Akademiezwecke aufgestockt wurde, 1743 abbrannte, 1749 neuerstand, 1835 von Schinkel umgebaut wurde; Schleuen hat ihn gestochen. Da ist die alte Münze von Heinrich Gentz am Werderschen Markt, der Schöpsungsbau des Berliner Klassizismus, 1886 ohne Rot abgebrochen. Da ist das Palais der Gräfin Lichtenau, der Favoritin Friedrich Wilhelms II., gegenüber dem Charlottenburger Park am anderen Spreeufer. Und unsere Verlustliste geht weiter zu Gropius' de» Aelteren schönem Diorama, zu Schinkel» Packhof am Kupsergraben, zu der monumentalen Durchfahrt von Unter den Linden zur Neuen Wichelmstraße, gleich» falls einer Schöpfung Schinkels, die bis in unser« Zeit stand. Um so mehr müssen weitere Verlust« des schönen Alt-Bersin in Zukunft nach Kräften verhütet werden. Menschen gingen vorüber. pari». Anfang Juni 1931. Die Goulu. Zur Zeit hat Paris eine viel besuchte Ausstellung von Gemälden des großen Abenteurers Touloufe-Lautrcc orga- nifiert. Der Name dieses Molers ist eng mit der Tänzerin Goulu verknüpft, die er volkstümlich und zum großen Kasienstück des heute ganz auf den Hund gekommenen Lrils Moulin rouge gemacht hat. Die Goulu! Noch heute laufen alte Herren nur in die Gemälde- ausstellung, um die Goulu wenigstens noch einmal auf der Lein- wand zu sehen. Die Goulu, da» war einst vor 30 Jahren die heimlich« Kaiserin von Pari». Wo» ist ein« Mistinguett gegenüber einer Goulu! Merkwürdig: Beide sind Jüdinnen, die berühmteste französische Tänzerin von damals und die berühmtest« von heut«. Aber die Mistinguett kam au» einem armen Milieu, will nicht gern an die Vergangenheit erinnert fein und hat sich zu einer geld- gierige« Kerle ber bürgerlich»» SesMchast pntwtztB, der ße. bje Sechzigjährige, weibliche Verbrcchertypen mit der jugendlichen Gc? wandcheit einer Zwanzigjährigen vortanzt, während die Goulu, mit 16 Jahren Wäscherin und mit 17 liahren Tänzerin, es nur bis zum 40. Lebensjahr auf den Brettern aushalten konnte. Dann begann der �Abstieg. Sie wurde Tierbändigerin, Bonbonverkäuserin und oertrödelte alte Waren. Müde und abgeplagt schleppte sie sich in eine Dorstadtbaracke, einst hotte sie einen Palast. Sie starb vor zwei Jahren. Als sie einmal kurz vor ihrem Tode, in Fetzen gehüllt, ihren Ball, die dloulin rouge, die sie durch ihren Quadrillentanz berühmt gemacht hatte, in Begleitung einiger Freunde wieder aufsuchen wollte, wurde sie von den Kontrollbeamten infolge ihrer furchtbaren Kleidung hinausgewiesen, und erst die Direktion verschaffte ihr widerwillig noch ein letztcsmal Zugang zu der großen Stätte ihres Wirkens und ihres Ruhms. Di« Goulu ist vergessen. Sie hatte 15 000 Liebhaber, solange sie öffentlich auftrat. Einige letzte gehen noch zur Gemäldeausstellung. Zu ihrem Grabe bequemt sich keiner mehr. Nicht mal ein kleines Gänseblümchen mehr legt jemand von denen aus ihr Grab, die einst Millionen dafür gegeben hätten, mit ihr auch nur einen Blick austauschen zu dürfen.� Die Besiegten. Nur an Severine denken noch die Menschen, an die große Schriftstellerin und Rednerin, deren Rede für Sacco und Banzetti ein unvergleichliches Meisterwerk war. Einmal im Jahre besuchen alle großen französischen Schriftsteller, die links stehen, gemeinsam das Gryb von Severine.„Man muß immer die Wahrheit sagen, empfahl Severine auf ihrem Totenbett. Das tat ich im Gedanken an sie", lautet der Anfang des Buches„Menschen gingen vorüber..." von Marcelle Capy, die eben dafür den Severine-Preis erhielt. Capy schildert in ihrem Buche ein kleine» französische» Dorf, das vom Krieg überrascht, wird. Im Februar 1918 kommen deutsche Gefangene. Man hatte sich ge- schworen, sie zu boykottieren, aber sie waren auch Menschen, und bald waren Fritz, Franz und Karl im Dorf beliebt. Ein französischer Soldat kam als Kriegsblinder heim, und er gab Franz die Hand: „Ich bin nicht böse aus Sie!" Als die Deutschen nach Kriegsende das Dorf verließen, trauerten alle ihnen nach. Da verstand man im Dorfe, daß die Menschen nicht dazu geschaffen sind, sich zu hassen und zu verachten, sondern sich kennenzulernen und gemeinsam zu arbeiten.„Hätten die Menschen sich schon früher kennengelernt, so hätten sie nicht im Feuer der Schlachten den Tod gesät, so wären sie nicht getäuscht und erniedrigt worden." Xuit Lerv. Filmaufnahme der lebenden Zelle. Ein wichtiger Fortschritt zum Studium de« Krebse» und anderer Krankheiten ist jetzt durch eine Bervollkommnung der Technik gemacht worden, die es gestattet, Filmaufnahmen von dem Wachstum der lebenden Zellen herzustellen. Diese Technik, die an dem New-Yorker Rockefeller-Institut für medizinische Forschung ausgebildet ist, wurde von einem Mitglied de» Instituts, Dr. Albert Ebeling, der Amerika- nischen Chemischen Gesellschaft vorgeführt. Mit Hilfe dieser Auf- nahmen lassen sich jetzt vergleichende Studien des Wachstums der gesunden und der bösartigen Zellen vornehmen.„Was wir hier versuchen", sagt Ebeling,„ist die Begründung einer neuen Physio- logie der lebenden Zelle. Ihre letzte Aufgab« wird darin bestehen, zu ergründen, wte man lebende menschliche Zellen gesund erhält und wie man bösartig« Erkrankungen, so den Krebs, bekämpfen kann." Die gegenwärtige ungenügende Kenntnis der Elemente des menschlichen Körper» ist nach seiner Ansicht die Folge de» grundsätz- lichen Irrtum», der darin bestand, daß man nur die Zellform er- forscht hat, während man das Studium der Zellfunktion übersah. Deshalb ist man trotz«ine» fast 100jährigen Studiums der Zell« in der Erkenntnis der Zellkrankheiten noch nicht viel weiter gekommen. Da» neue Derfahren bietet nun«wen Weg, um die Vorgänge w der fOttton Z-ll» MS» Li ökjG'jchen., v � � � Grubenunglück vor dem Landtag Oer Kirchenverirag in zweiter Lesung angenommen Staatsvertrages mit der evangelischen Landeskirche. Zu Beginn der Mittwochsitzung des Landtages ge> dachte Präsident Bartels des neuen Grubenunglücks aus der Zeche Rüben des Neuroder Reviers in Schlesien, das durch einen Kohlensäureausbruch am Dienstag sieben Bergarbeitern das Leben kostete und wobei vier weitere Bergleute schwer verletzt wurden. Er sprach den Hinterbliebenen und den Verletzten das Beileid des Landtages aus. Zur Geschäftsordnung beantragt hieraus Abg. Kasper (Komm.) sofort einen Antrag zu verhandeln, in dessen Einleitung von der volksfeindlichen und verbrecherischen Politik des Landtages die Rede ist. Der Antrag schließt: Der Landtag erklärt sich mit sofrtiger Wirkung für aufgelöst! Die Behandlung des Antrages scheitert an Widerspruch aus dem Haufe Nunmehr beantragt Abg. Sobottka(Komm.) die so- sortige Behandlung einer Großen Anfrage seiner Fraktion wegen des Ncuroder Grubenunglücks. Da niemand widerspricht, wird die Große Anfrage unter der Voraussetzung auf die Tages- vrdnung gesetzt, daß sich die Regierung zur Beantwortung bereit- erklärt. Hierauf tritt das Haus in die Tagesornung ein. Da die Staats- regierung sich inzwischen zur Beantwortung der kommunistischen Großen Anfrage wegen des Neuroder Grubenunglücks bereit erklärt hat, erhält das Wort zu ihrer Begründung Abg. Sobolika(Komm.), der erklärt, daß dieses jüngste Un- glück kein Zufall, sondern eine Folge vernachlässigter Gruben- sicherheit und rücksichtslosen Antreibersystems sei. Es finde sich kein Richter, der die Schuldigen ins Zuchthaus bringe. Mit dem ge- heuchelten Mitleid des Landtages fei den Opfern nicht gedient. (Präsident Bartels rügt diesen Ausdruck!) Mit diesem System des Bergarbeitermordes durch den Kapitalismus werde die revolutionäre Arbeiterschaft rücksichtslos aufräumen. Ministerialrat Rother(von den Kommunisten mit beleidigenden Zurufen empsangen) sührt in Beantwortung der kommunistischen Großen Anfrage aus, daß es nicht leicht sei, unmittelbar nach dem Unglück über die Ursache erschöpfende Auskunst zu geben. Es stehe aber fest, daß auf der Rubengrube Erschütterungsschüsfe vorschriftsmäßig abgegeben wurden, während sich die Belegschaft hinter den Schießtüren zurückgezogen hatte. Eine Viertelstunde später gingen die dazu bestimmten Berg- leute vor, um zu revidieren. Kurz daraus sei die erst« Meldung über den Kohlensäureausbruch gekommen. Es waren also zwischen dem Schießen und dem Ausbruch rund 25 Minuten vergangen. Es sei durch die sosort eingeleitete Rettungsaktion gelungen, mehrere gasvcrgistete Berorbeiter lebend zu bergen. Eine Untersuchung ist sosort eingeleitet worden. Die Behauptung der Anfrage, daß die Belegschaft schon an der Arbeit war, beruhe auf einem Irrtum. Di« Tatsache, daß der Kohlensäureousbruch sich eine halbe Stunde nach dem Schießen ereignete, sei ein Vorkommnis, das sich in der jahrzehntelangen Bekämpfung solcher Ausbrüche nur ganz ver- einzelt ereignet hat. Die von dem Abg. Schwenk(Komm.) beantragte sofortige Besprechung der Anfrage kann nicht stattfinden, da sie von den Kommunisten selbst nicht genügend unterstützt wird. Es folgt die zweite Lesung des Abg. Dr. Ausländer(Komm.) beantragt hierzu die sofortige Abstimmung über einen kommunistischen Antrag, der die Aussetzung dey Debatte über den Staatsvertrag solange fordert, bis die Re- gierung Material über die finanzielle und politische Auswirkung vorgelegt habe. � Der Antrag wird gegen die Stimmen der Kommunisten ab- gelehnt. Abg. Koch-Oeynhausen(Dnat.) gibt für seine Fraktion eine Erklärung ab, aus der hervorgeht, daß die Deutschnationalen trotz schwerer Bedenken dem Vertrage zustimmen werden. Ein großer Teil seiner Fraktion halte insbesondere die politische Klausel für bedenklich. Bedauerlich sei, daß seinerzeit das Zentrum die gleich- zeitige Verabschiedung des evangelischen Vertrages mit dem katho- tischen Konkordat verhindert habe. Dadurch seien die kirchenfeind- lichen Kreise gestärkt worden. Abg. prelle(Dt. Frakt.) erhebt ebenfalls gegen die politische Klausel Bedenken. Innerhalb seiner Fraktion sei die Stellungnahme zu dem Vertrag nicht einheitlich. Abg. Benscheid(Komm.) lehnt unter heftigen Ausfällen gegen die Sozialdemokratie den Kirchenvertrag ab. Abg. Dr. von Eampe(D. Vp.) erklärt, daß auch in seiner Frak- tion die Stellung zu dem Vertrag keine einheitliche ist. Es sei zu prüfen, ob der evangelischen Kirche als Kulturmacht ersten Ranges vom Staate ihr Recht wird. Im Ausschuß habe Abg. Lauscher(Z.) sich in innere evangelische Fragen ein- gemischt. Die Mehrheit seiner Fraktion werde, wenn auch schweren Herzens, dem Vertrage zustimmen. Abg. Dr. Lauscher(Z.) protestiert dagegen, daß er sich habe in evangelische Fragen«inmischen wollen. Das Zentrum habe sich in alter guter Tradition zurückgehalten. Abg. Graue(Staotsp.) erklärt für seine Partei die Z u st i m- m u n g zu dem Vertrag, weil er die besten Grundsätze eines späteren Liberalismus verkörpert. Die Abgg. hestermann(Wirtschp.) und Meyer-Hermsdors (Christl.-Soz.) stimmen dem Vertrage ebenfalls zu. Abg. Leiner»(Soz.) erklärt, daß die Sozialdemokraten sich ent- sprechend ihrer Haltung im Ausschuß die endgültige Entscheidung bis zur dritten Lesung vorbehalten und deshalb jetzt Enthaltungs- karten abgeben werde. In namentlicher Ab st im m.u n g wird Artikel 1 des Vertrages mit16ägegenZ7Stimmen derKommunisten und einiger Volksparteiler bei 74 Enthaltungen der Sozialdemokraten angenommen. Mit ungefähr derselben Mehrheit und den- selben Enthaltungen wird Artikel 2 in namentlicher Abstimmung angenommen, der den Zeitpunkt des Inkrafttretens bestimmt. Es folgt die zweite Lesung des Pfarrerbe foldungs- ge setz es. Abg. Dr. Ausländer(Komm.) wendet sich sehr scharf gegen die Vorlage. Das Gesetz wird in namentlicher Abstimmung gegen die Kom- munisten angenommen. Nächste Sitzung: Donnerstag. 11 Uhr. Auf der Tagesordnung stehen der kommunistische Mißtrauensantrag gegen das Staats- Ministerium und die Beteiligung Preußens an den Kosten der Ar- beitslosenfllrsorge. �GO.-Mann vor Gericht. Ein Nachspiel zur Kundgebung auf der Toilette. Wir berichteten kürzlich darüber, daß anläßlich der fristlosen Entlassung eines Mitgliedes des Arbeiterrats der Firma Karstadt, das der NGO. angehört, eine„große Protestkundgebung der KPD." — auf den Toiletten des Warenhauses veranstaltet wurde. Der entlassene Arbeiterrat klagte am Montag vor dem Arbeitsgericht gegen die Firma Karstadt. Als Mundanwalt hatte er sich einen jungen Mann der NGO. mitgebracht. Zwischen dem Gerichtsvorsitzenden und dem NGO.-Vertreter entspann sich zunächst ein interessantes Frage- und Antwortspiel. Die Frage, ob er öfter vor Gericht auftrete, verneinte der REO.-Jüngling zunächst. Auf die Frage, ob er überhaupt noch nie vor Gericht aufgetreten sei, antwortete er oerlegen mit Ja. Das sei aber in eigener Angelegenheit geschehen. Nochmals befragt, gab er zu. auch schon seine Frau vor Gericht vertreten zu haben und bei einem noch eindringlicheren Fragen des Vorsitzenden entsann er sich darauf, auch schon einmal einem Freund vor Gericht Beistand geleistet zu haben. Die verneinende Antwort aus die Frage, ob er im Auftrage eines Verbandes sich der Klage des«nt- lassenen Arbeiterrats angenommen habe, wollte er sogar beeiden. Jedem Anwesenden war es klar, daß er im Auftrags der RGO. erschienen war und seine„revolutionären" Hintermänner nur ver- leugnete. Der Vorsitzende hatte offenbar Mitleid mit ihm und forschte ihn nicht weiter aus, denn wahrscheinlich hätte er sich noch aus mehrere„Freunde" besonnen, für die er schon den RGO.-Mund- anwalt gespielt hat. Der Kläger tonnte nur von Glück sagen, daß er seine Klage zum größten Teil allein vertrat, denn außer dem Mut mangelte es diesem RGO.-Beistand auch an den arbeitsrecht- lichen Kenntnissen. So wußte er z. B. nicht einmal, daß ein Ver- gleich nicht für berufungsfähig erklärt werden kann. Das Glück war dem Kläger günstig. Das Gericht folgte seinen Angaben und trat nicht weiter in eine Beweiserhebung ein, weil die nachträgliche Zustimmung des Arbeiterrats zur Entlassung des Klägers vorlag. Es billigte ihm den Lohn von rund 160 Mark von der Zeit seiner Entlassung an bis zur Zustimmung des Arbeiter- rots zur Entlassung und dem Ende der anschließenden Kündigungs- fnst zu.___ Gensaiionsmache um jeden preis. „12 Uhr Blett" von der Krastag kräftig abgeführt. Die„Krastag"(Krastdroschken-Aktiengesellschaft) stellt uns folgendes Schreiben zur Verfügung, das sie an die Redaktion des „12 Uhr Blatt" gerichtet hat: „In Ihrer Ausgabe vom Montag, dem 8. Juni d. I., Nr. 131, letzte Seite, bringen Sie unter der Ueberfchrift:„Neue Taxenkrise durch Benzinpreiserhöhung" die falsche Meldung, daß wir mit Rücksicht auf die kürzlich stattgefundene Benzinpreiserhöhung unseren sämtlichen Chauffeuren gekündigt hätten und die Neueinstellungsverträge nur bei einer Beteiligung der Fahrer von 25 Proz. statt wie bisher 33� Proz. abschließen wollen. Ihre Behauptungen entsprechen nach keiner Richtung hin der Wahrheit. Unsere Firma hat keinerlei Kündigungen der Fahrer aus dem von Ihnen erwähnten Anlaß heraus ausgesprochen. Unsere Firma denkt auch nicht daran, von sich aus auf das Ergebnis der Verhandlungen, die zwischen den Ge- werkschasten und der Arbeitsgemeinschaft Berliner Kraftdroschken- verbände geführt werden sollen, durch Maßnahmen, wie Sie diese von uns fälschlicherweise behaupten, Einfluß zu nehmen. Wir stellen fernerhin fest, daß bis zum 30. Juni d. I. trotz der ausgesprochenen Kündigung der Lohnvereinbarungen die bisherigen TarijoerhältnEe für urijer« Firma maßgebend smd, Es ist uns jedenfalls unverständlich, wie Sie ein« solche Nach- richt, die Sie hinsichtlich ihres Inhalts bestimmr nicht nachkontrolliert haben, der Oefsentlichkeit übergeben konnten. Wir fordern Sie deshalb unter Hinweis auf§ 11 des Presse- aesetzes auf, in der nächsten Nummer Ihrer Zeitung an der gleichen Stelle und in derselben ausfallenden Form eine Berichtigung vor- stehenden Inhalts zu bringen. Wir unterlassen nicht, darauf hinzuweisen, daß wir uns weiter- gehende Ansprüche vorbehalten müssen, da wir in der von Ihnen gebrachten Notiz eine schwere Schädigung des Rufes unserer Firma erblicken." Zu dieser„dicken Zigarre" der Krastag zwei Bemerkungen: Es ist in der bürgerlichen Sensationspresse üblich, verantwortungs- los falsche oder gefälschte Meldungen zu lancieren, die dann von der kommunistischen„Arbeiterpresse" übernommen werden— wenn der Prozeß sich nicht in umgekehrter Richtung absipelt. Selbst sind die Herrschaften oft reaktionär bis auf die Knochen. Unsere zweite Bemerkung richtet sich an die Krastag. Die Krastag erklärt zwar, sie denke nicht daran, die Verhandlungen mit den Gewerkschaften zu beeinflussen. Sie müßte aber wissen, daß solche Verhandlungen gegen st andslos sind, nachdem die Innung erklärt hat, die Kündigung sei rechtsungültig. Internationale Arbeitszeitregelung. Einigung über den Braunkohlenbergbau. Gens, 11. Juni. Nach ungemein schwierigen Verhandlungen, in deren Verlauf das Zustandekommen einer internationalen Konvention über die Arbeitszeit in den Kohlenbergwerken mehrfach in Frage gestellt war, ist gestern in der Kohlenkommission der Internationalen Ar- beitskonferenz eine Einigung bezüglich der Braunkohlenberg- werke erzielt worden. Angesichts des Widerstandes der Arbeitergruppe gegenüber den deutschen Ueberstundenforderungen hatte die deutsche Regierungs- delegation gestern nachmittag, einen neuen Antrag eingebracht. Die Regelung stellt sich nach den deutschen Anträgen nun so dar, daß im Braunkohlentiesbau 73 wirtschaftliche Ueberstunden den Unternehmern durch die Behörden zur Versügurng gestellt wer- den können, daß die zuständigen Behöroen weitere 73 Ueberstunden, für die aber tarifliche Vereinbarungen notwendig sind, zugestehen können. Diese zusätzlichen 75 Ueberstunden sind aber nur für solche Distrikte zulässig, wo besondere technische und geo- logische Ausbeuteverhältnisse vorliegen. Für den Braunkohlentagbau sind gemäß den deutschen Anträgen 100 Ueberstunden ohne weiteres zulässig. 100 weitere Ueberstunden bedürfen der Zustimmung der Tarifpar- t e i e n. Für den Braunkohlentiefbau sowohl wie für den Tagebau ist vorgesehen, daß spätesten- drei Jahr« nach Inkrafttreten der Konvention über die Möglichkeit einer weiteren Verwinde- r u n g der Zahl der Ueberstunden beraten und beschlossen werden soll. Schließlich ist noch zu erwähnen, daß gemäß dem Entwurf des internationalen Arbeitsamts die Arbeitszeit im Braunkohlen- tiesbau 7?L Stunden, im Tagbau 8 Stunden betragen soll. An der Annahme dieser Anträge wird nicht gezweifelt. Das Zustandekommen der Konvention scheint demnach gesichert zu sein. Neuwahlen in Gens. Hennann Müller wieder im Derwaltungsrai des IAA. Genf. IL Juni. Gestern nachmittag wurde gemäß dem Statut der internatio- nalen Arbeitsorganisation die Neuwahl für den Verwal- tungsrat des Internationalen Arbeitsamtes sür die nächsten Jahre vorgenommen. Wesentliche Aenderungen sind in der bisherigen Zusammensetzung nicht eingetreten. In der Regie- rungsgruppe wurde Dänemark an die Stelle Schwedens, Brasilien an die Stelle Argentiniens gewählt. In der Arbeitgebergruppe ist an die Stelle des tschechoslowakischen Vertreters Hodac der dänische Vertreter Oerstedt getreten Deutschland ist im Verwaltungsrat durch Ministerialdirektor Dr. Weigert(Regierungsgruppe), Kommerzienrat Vogel(Arbeitgebergruppe) und den Reichstags- abgeordneten Hermann Müller(Arbeitnehmergruppe) vertreten. Nationalsozialistische Schmutzfinken. Das Reichsbannerverkehrslokal von Sawatzki in der Allcnsteiner Str. 23, unweit der Hufelandstr., war in der vergangenen Nacht das Ziel nationalsozialistischer Schmierkolonnen. Kurz nach 1 Uhr verließen die letzten Gäste die Gaststätte. Bald darauf müssen die Hitlergardisten im Dunkel der Nacht mit Teer- t ö p s e n angerückt sein, um die drei Schilder des Restaurants mit großen Hakenkreuzen zu beschmieren. HeiNtlich' still und leise ver- schwanden sie auch wieder. Eine Zeitlang war in der Hufeland- straße Ruhe. Seitdem aber N a z i- K o l l a tz, einer der Mord- buben, die zwei unserer Genossen in der Silvesternacht seig« er- mordeten, wieder in seinem„Swrm" aufgetaucht ist, scheinen die Burschen eine erhöhte Aktivität beweisen zu wollen. Das Reichs- banner wird auf der Hut sein. Die Zahl der Arbeitslosen in England betrug am 1. Juni 2 629 971, was seit Mitte Mai eine Zunahme um 123 000 bedeutet. Wetter für Berlin und Umgegend: Warm, teils heiter, teils wolkig und noch Neigung zu einzelnen Schauern, südwestliche bis westliche Winde.— Für Deutschland: Im Süden und Südosten beständig und trocken, im Norden und Nordosten noch einzelne Niederschläge, überall warm. Verontwortl. filc die Redaltion: Herber« Lcpd», Berlin: Anzeigen: Tb. Elock«, Berlin. Verlag: Lorwiirts Verlag D. m. b.£>.. Berlin. Druck: Vorwärts Buch- druckerei und Terlagsanltalt Vau! Singer& Co.. Berlin SW es. Lindenlirabe 3 Hierzu 1 Beilage. Winker -Qarren* Volüsbiihne Theater in Bülowplali. 8 Uhr Lumpazivagabundus Staatl.Sdiiller-Th. 8 Uhr 100 000 Taler Staatsoper Am Pl.d. Republik 8 Uhr nadame Bnflerfiy Komische Oper Friedrichsir. IM SVj Uhr Frauen haben das gern... Mutlkal. Schwank von Arnold KIFINB' ÄIN in der Gesamtauflage des.VorwÄrls" sind besonders virksaer und trotzdem sehr billig) Oeotsdie: üeatei 8 Uhr Reute zun 100. Mai Der Hauptmann von Röpenidt v. Carl Zuckmayer Reg«; Heinz Hilpert Die Komödie Täglich 8Vi Uhr Dienst am Kunden nu Curt Boh und Mai Husen Regie: HansDeppe Ruriarstendamm- Tbeater Bismarck 149 Geschlossen MonlSD. den 15. Innl. iura ersten um Die schöne Helena von lacques oneabadi Regle; Max Reighardi Lwiw-TbatH Täglich S>/« Uhr Zum goldenen Anker Valcttl, Tledtke, Wiemann, Horney, Stössel, Faber, Walter. metropoi-iheaier Täglich SU« Uhr Die Toni aus Wien Mady Christians, Mldiacl Bohnen Guido Thielscher erntet Stürme der Begeisterung im Rose-Theater „DtrJuM Ut groß und Cw- nchtist."(Ttmpol Nur noch 14 Tage: „Oer wahre Jakob" Woehent. Bis, Sonnt. 5« u. 9 Uhr Rose-Garten Das erste Sommertheater Berlins! Woehent SM Uhr. Sonnt 5 Uhr Großes Konzert und internationaler Variet�teil. Sisietzte Woche; Die Schwankoperette;„Das Llebesverbof*. Ab 15. Juni vollständig neuer Variet6tei! u. die Operette von Josef Snaga.„Der Hutmacher 8r. Durchlaucht« Gr. 132 Frankfurter Str. E 7 Weichsel 3422 O-Bahn Strausberger Platz Billettkasse geöffnet von 1 1— 1 und 4— 9 Uhr. — Elite-Sänger � Kottbusser Str. 6 Tägl.SV« U. Di« graS« Aus- stattnngs- Revne Posm LaBt sdiöae Frauen um midi seinl von HarryWalden Reichshallen-Theatei Allabendlich[5] Uhr Stettiner Sänger �Wtederanlireten Paul Britto Zum Schluß der Schwanl „Alles verrückt!' BETRIEB-j � KEMPIKSKItJ Berliner(Ilk-TriO M• n k 6 i I B. Lahns tr. 74J76J KsNaSe Donnerstag, lt. Juni 1931 e Nuhrkmöer wieder auf dem Lande! Hrundfätzliches zu einer Kritik/ Von �ngen Leöerer Sobald offene Witterung einsetzt, wird die zur Tradition ge- »aordene Verschickungsaklion„erholungsbedürftiger" Ruhrkinder in Landaufenthalt durchgeführt. Wie sehr hierbei die in der vor- beugenden Erholungs- uns Gesundheitsfürsorge geltenden Grundsätze im Kern verletzt werden, ist in den im „Abend" vom 20. Mai und 11. November 1930 verösfentlichten Aufsätzen.. bedanke dich herzlich" und„Ruhrkinder klagen an" aus Grund tatsächlicher, nicht etwa nur meinem LanSkrei? festgestellter Vorkommnisse geschildert worden. Daß die fast unterschiedslos zum Rachteil der Kinder hervortretenden Mißstände mit der Person der Pflegeeltern gar nichts zu tun haben, fonvern an den verschärften Arbeits-, den besonders drückenden Wirtschafts- und Lebensverhält- nisten der kleinen Landwirte begründet sind, war deutlich ausgc- sprachen. Von berufener Seite werden nun lediglich in Ansehung dieses vdcr jenes Einzelfalls die damaligen Ausführungen als„über- trieben" bezeichnet. Aber oen wesentlichen Gründen, weshalb bei der Pflegefamlli« auf dem Lande die notwendigsten Voraussetzungen für eine verantwortliche Unterbringung„erholungsbedürftiger" Kinder im allgemeinen überhaupt nicht gegeben sind, weshalb gegen die Entsendung von Stadtkindern aufs Land in der Regel dann nichts einzuwenden sein dürfte, wenn am Aufnahmeort eine örtliche Erholungsfürsorgeeinrichtung besteht, von der die Kinder tagsüber erfaßt werden, worum den Kinoern tatsächlich kein Erholungs- auf enthalt, sondern nur ein den Zweck der Landunter- bringung zerstörender Arbeitsaufenthalt seitens der kleinen Bauern gewährt werden kann, ist keineswegs nachgegangen worden. Soll etwa die Mitteilung, daß„auch teils recht schwer erzieh- bare Kinder entsandt werden, die auch in der Heimat den Eltern und sonstigen Erziehern viele Schwierigkeiten machen", den Wert eines aus psychischen, pädagogischen, hygienischen, wirtschaftlichen und sozialen Gründen zu bestreitenden Unterbringungssystems recht- sertigen? Das stt doch nur ein bedeutsames Argument, dos scharf gegen die seit vielen Iahren wahllos geübte Ruhrkinderverfchickunz spricht. Auch in dem weiteren Einwand, daß bei der augenblicklichen schwierigen Lage der Landaufenthalt für Kinder aus den Großstädten trotz mancherlei Unzuträglichkelten soviel Vorteile biete, daß dieses Werk, solange die große Arbeitslosigkeit anhält, nicht zum Erliegen kommen dürfe, kann, wie an späterer Stelle erkennbar wird, die Bei- beHaltung der Landunterbringung in Einzelpflcgestellen keine Stütze finden. Nach den Berichten der Entsendestellen sotten sich die in Land- pflegestellen untergebrachten Kinder„durchweg gut erholt" haben! Daß schlecht ernährte, im Wachstumsalter befindliche Kinder im allgemeinen im Verlauf von 8, 10, 12 oder noch mehr Monaten unter dem Einfluß von Klimawechsel und veränderter Ernährungs- weise äußerlich sich„erholen" oder ein« dem Wachstum propor- tionale � Gewichtszunahme erzielen können, ist nicht weiter verwun- derlich. Inwieweit aber das Gesamtbefinden der Kinder überhaupt gehoben wird, kann gor nicht beurteilt werden, weil meist nicht einmal der körperliche Befund bei der Entsendung und dem Eintreffen vor Antritt des Landaufenthalts, ferner während und nach Ablauf der Aufenthaltszeit festgestellt wiro. In Ermangelung dieser Unterlagen ist es schwerlich möglich, die angeblich positive körperliche Förderung der Kinder, die ja nur bei nachgehender ärztlicher. Kontrolle effektiv beweis- bar ist, zu ermitteln. Die von jeher unzureichenden Grundlagen für die Unterbringung erholungsbedürftiger Stadtkinder in bäuerlichen Pflsgefamilien sind gegenüber den Vorjahren noch u n- zureichender geworden. Einer Meldung aus Perleberg„Ruhr- linder vermißt" war kürzlich zu entnehmen, daß auch in diesem Jahr „trotz der großen Not der Landwirtschast" Westprignitzer Landwirte sich bereit gefunden hatten, über 200 erholungsbedürftige Kinder aufzunehmen. Diese Darstellung erweckt den Eindruck, als ob die Aufnahmefamilien gewissermaßen ein„Opfer" bringen würden. Dem- gegenüber ist allgemein festzustellen, daß die Ruhrkinder von den kleinen Bauern— und nur von diesen!— nicht trotz, sondern gerade wegen der wirtschaftlichen Not stark„gefragt" sind. Nie- wand wird hieraus dem Landwirt, für den heute die Sorge ums eigene Brot stärker denn je in den Vordergrund tritt, einen Vorwurf machen wollen. Aber auch niemand wird unter diesen Verhältnissen ernsthaft annehmen wollen, daß die Absicht oder der Wille bestim- mens ist. Ruhrkinder aufzunehmen, um sie durch systematische Körperpflege und Ernährung zu kräftigen, um ihnen ein Milieu zu bereiten, durch das sie psychische und geistige Förderung erfahren können. Ein oder zwei Ruhrkinder bedeuten prak- tisch eben zwei oder vier Arme, die den Lohn für ein oder zwei jugendliche Arbeitskräfte ein- sparen helfen. Die Kinoer müssen also nach wie vor als Feld- und Gartenarbeiter, als Kuh-, Schaf- und Gänse Hirten, Futter» knechte, Hausangestellte, Lousboten oder gar alles in einem Ver- wendung finden. Den vielfach durch die Arbeitslosennot der Ellern besonders schwer betroffenen Kindern wird aber niemals dadurch ein„Dienst" erwiesen, daß sie ungeachtet der Grausamkeit unge- heuerlicher Arbeitslosigkeit an Stell« jugendlicher Arbeiter als Ar» bsitskräfte auf dem Lande gebraucht werden. Nicht durch die selbstverständlich sein sollende ärztlich« Auswahl der Kinder, auch nicht durch die Behebung aller sonstigen schweren Mängel, di« der Ruhrkinderverschickung die ganzen Jahre her an- haften, vielmehr nur durch die Einstellung der völlig verfehlten Aktion ist vorläufig der Weg dafür frei zu bekommen, daß auch die Ruhrkinder die gesundheita- und«rziehungsfürsorgerische Be- treuung erfahren, der sie durch die Verschickung aufs Land in Einzelpflegestellen ohne Vorhandensein einer Erholungsfürsovgeeinrichtung am Aufnohmeort entzogen werden. Das Verantwortungsbewußtsein gegenüber unserer Jugend erfordert, die sachlich gebotenen Folge- rungen klar zu ziehen. Selbst wenn die in Not befindlichen Eltern ihre Kinder, nur um sie als„Ester" los zu sein, auch in denkbar ungeeignete Pflegestellen geben wollen, so kann dies vom gesell» schaftlichen, staats- und wirtschaftspolitischen Standpunkt aus nicht aet'illigt werden. Hier haben andere Hilfsvorkehrungen Platz zu greifen. Niemals wird es aber zu verantworten sem. erholungs- bedürftige, schwer erziehbare oder zur Arbeits- fähigkeit zu fördernde Kinder in ein Milieu zu geben, in dem sie ihren gesundheitlichen, geistigen und psychischen Entwick- lungshemmungen entsprechend nicht willen weckend und willen st ärkend betreut, sondern in kaum wieder gut zu machen- der Weis« vernachlässigt oder geschädigt werden Durch vorbeu» gende, in einfachster Form durchgeführte örtliche Erholungsfürsorge(Obst-, Gemüse-, Milchkuren, Gymnastik, Solbäder, Liege-, Luft- und Sonnenbadturen, Halb-, Ganz- und Mehrtagswonderungen, Sport- und Werkarbeitsstunden und dergl.) läßt sich ohne außerordentliche Aufwendungen meistens schon wesent- liche Abhilfe schaffen. Welch« erholungs- und gesundheitsfürsorgerischen oder heilpäda- gogifchen Faktoren im übrigen(Klimawechsel, Erholungs- und Kur- heim, Kindergarten und Hyrt) zur Anwendung zu bringen sind, wird in jedem Falle der Arzt zu bestimmen haben. Hierbei soll man sich jedoch ganz besonders bewußt sein, daß jede auf die Jugend- sürsorg« heute falsch angewandte Sparmaßnahme sich später einmal bitter rächen muß. Mehr denn je bedarf der in Nr. 6 der„Volks- wohlfahrt" vom 1. März 1931 abgedruckte Aufruf der Reichs- arbeitsgemeinschaft für Iugenderholungs- und Heilfürsorg«(Iehrag.) seitens aller die Jugendwohlfahrtsauf- gaben durchführenden Stellen tatbcreiter Beherzigung:„vorbeugende Gesundheitsfürsorge in Form differenzierter Erholungssür- sorge ist die voraussehung für eine Bewahrung der heranwachsenden Zugend vor schwerem gesundheitlichem Schaden und für die Entwicklung zu leistungsfähigen Gliedern des deutschen Volks- und Wirtschaftslebens." Der Schul €iu Menfchenschitkfat Kurt K. ist ein mäßig begabter, träger, zu geistiger Arbeit nie ausgelegter, körperlich aber gut entwickelter Junge. Er ist zurück- haltend im Wesen, oft beinahe scheu., gutmütig und im ganzen willig und anhänglich. Gelegentlich nimmt er teil an kleinen Rau- fereien, dummen Streichen seiner Mitschüler, die sich gegen Schule oder Lehrer richten: aber schwerere Eharokterschler waren bei ihm nicht aufgefallen. Typisch ist seine Neigung zum Schul- schwänzen, die sich allerdings erst in den beiden letzten Schul- jähren herausbildete. Zunächst fehlte er unvermittelt einen Tag. Am nächsten brachte er eine schriftliche Entschuldigung, angeblich von der Mutter geschrieben, in der Kopfschmerzen als Fehlgrund an- gegeben waren. Bald dovouf fehlte er zwei Tage und brachte wiederum«inen ähnlichen Zettel mit! Schließlich blieb er einmal eine ganz« Woche aus. Die Schrift der Entschuldigungszettel war dem Lehrer durch ihre ungelenken Züge aufgefallen: außerdem war der Junge auf der Straße gestchen worden, und so entschloß sich der Lehrer zu einem Hausbesuch. Eine Proletarierwohnung in einer Mietkaserne des Hafen- Viertels, eng, dürftig, unordentlich. Wäschegeruch aus der Küche (eine oerheiratete Schwester mit kleinen Kindern wohnte mit in der Wohnung). Der Vater wußte von dem Fehlen seines Sohnes kein Sterbenswort, die Mutter, die dos Gespräch von der Küche aus mit auffing, ebensowenig. „Nanu! der Kurt ist doch gesund wie'n Fisch im Wasser. Ist i m Leben nicht krank gewesen. Ist mittags immer pünktlich nach Haus gekommen. Schlag halb zwei, wenn seine Schwester aus der Schule kam(sie besuchte eine andere Schule), war er auch da. Na, Herr Lehrer, ich werde ihn mir mal vornehmen, wenn er nach Hause kommt. Ne Abreibung ist ihm sicher" Am nächsten Tag erscheint Kurt kleinlaut in der Schule. „Wo hast du gesteckt. Junge?" „Im Hofen." „Den ganzen Tag?" „Ne, morgens. Mittags bin ich nach Haus gekommen, nach- nnttags wieder hin." „Und die Entschuldigung?" „Hab ich selbst geschrieben." „Warum hast du die Schule geschwänzt?" Darauf kein« Antwort. „Hast du keine Schularbeit gehobt und bist aus Furcht vor Strafe weggeblieben?" Es ist nichts Rechtes aus ihm herauszubekommen. Aber man muß schon sagen, er hat die Sache raffiniert angefangen. Der erst« Fehltag mit der selbstgeschriebenen Entschuldigung war der Ver- suchsballon. Und da günstiger Wind wehte, nahm die Bummelei ihren Fortgang. Heftige Bedrohungen und körperliche Strafen wurden vermieden: Schulangst hat ja schon manches Kind auf Ab- wege getrieben. Die Straf« bestand einzig darin, daß Kurt alle ver- säumten Hausarbeiten nachzuholen hatte. Lang« Zeit ging alles gut. Und dann fehlte Kurt eines Tages wieder, und nichts Gutes ahnend machte der Lehrer sogleich wieder einen Hausbesuch. Es war die alte Geschichte. Der Junge trieb sich herum und oerbarg sein Schwänzen durch das pünktliche Eintreffen zur Mittagszeit. Dem Vater war der zweite Lehrerbesuch peinlich.„Eigentlich kann der Junge nichts dafür", meinte er entschuldigend.„E r h a t e s v o n m i r. Ich war in meiner Jugend auch so ein Schulschwänzer. Wissen Sie, fünf Stunden lang still in der Bank sitzen, dos war nichts für mich. Ich meinte, ich müßte verrecken vor Langeweile. Und wenn dann noch schönes Wetter war, dann konnten mich keine zehn Pferde in der Schule halten. Senge habe ich gekriegt nach der schweren Not, aber geholfen hat sie nichts." Jahre später bekam der Lehrer einmal Besuch von einem jungen Menschen in Arbeitskleidung mit verrußtem Gesicht. Es war Kurt K. „Ich komme gerade hier vorbei", sagt« er,„und da wollte ich doch meinen früheren Lehrer mal besuchen." „Dos ist ja nett von dir, Kurt, aber ich dächte, du hättest nichts für mich übrig." „Wieso?" „Weil du früher jede Gelegenheit gesucht Host, Unterricht und Schule zu schwänzen." „Ach, das war früher", sagte Kurt leichthin.„Mir war es in der Schule z u 1 a n g w« i l i g." Er sagte das offenherzig und ohne Verlegenheit.„Jetzt Hobe ich es besser. Ich fahre Auto." Nun, dieses Auto erwies sich als ein bescheidenes Liefer- Wägelchen, mit welchem Kurt für jein« Firma ausgebesserte Schuhe ' Mitgeteilt vou C Dautz an die Kundschaft zu bringen hatte. Und dieses Herumgondeln in der Gegend gefiel ihm in feinem Freihettsbedürfms offenbar. Selbst oi« Sommerhitze und mancherlei Pannen konnten ihn nicht verdrießen. Allerdings war er erst vier Wochen dabei. „Es hat mich gefreut, Kurt, daß du deinen früheren Lehrer nicht vergessen hast. Aber nun wird es bei kleinem Zeit, daß du wieder ins Geschäft kommst, es ist gleich Feierabend." „Das will ich ja gar nicht", erwiderte Kurt mit pfiffigem Gesicht und steckte sich«ine frische Zigarette an.„Je später ich zurück- komme, desto mehr Zeit kann ich mir als Ueb erstunden an- schreiben, und jede Stund« macht 70 Pfennig." Wirklich brachte er es fertig, mit allerlei Anekdoten aus seinem Berussleben noch eine halbe Stunde hinzubringen,«he er endlich ausbrach. War er nun aus dem Gefühl der Anhänglichkeit oder aus nüchterner Berechnung zu seinem früheren Lehrer gekommen? Zweifellos war es ihm ein« Gewohnheitssache geworden, Ueber- stunden zu schinden,. wie man so sagte. Er handelte genau wie früher aus der gleichen Mischung von Naivität und Raffiniertheit, wozu sich dann eine bedenkliche Willensschwäche gesellte. Das drittemal begegnete er seinem Lehrer, als der mit einer Reihe Berufskollegen die örtliche Strafanstalt besichtigte. Kurt stand in Sträflingskleidung auf dem Gesängnishof inmitten einer Kolonne Autzenarbeiter, die zur Feldaibeit geführt wurde. Seinen Lehrer sehen und anrufen war eins: er strahlte dabei über das ganze Gesicht in naiver Freude des Wiedersehens. Kurt hatte eine Urkundenfälschung begangen, höchst- wahrscheinlich mit derselben Leichtfertigkeit, mit der er seine Ent- schuldigungen schrieb oder Ueberftunden buchte. Ererbt« Willens- schwäche hatte ihn auf diese Bahn getrieben, auf welcher Elternhaus und Schule keine hemmenden Faktoren einzuschalten vermochten. Die Erbmasse bestimmte das Wesentliche seines Handelns uno seines Geschicks. Nur unter ganz besonderen Vorbedingungen wird er künftig vor dem Straucheln bewahrt bleiben. Er braucht eine feste Hand, die ihn leitet: Beschäftigungsarten die seiner Selbständigkeit zu viel Spielraum lasten, verleiten ihn zu Unredlichkeiten. Und die stumpfsinnige. Tag für Tag sich gleichbleibende Eintönigkeit der Arbeit scheint ihm gleichfalls verderblich: er liebt die Abwechslung. Aber pflegt das Leben feine Stiefkinder mit so einsichtiger Weisheit zu behandeln? Stuöienfahrten Was eis Vater sagt 3ii unserem Artitel..Studien fahrten— Schüler der Kars- Marx. Schule berichten" wird uns von einem Bater«-eschrioben: In meiner Kindheit zeigten wir mit dem Zeigestock auf unsere Städte, Ströme, Gebirge und auf die Grenzen mit den Ländern, welche dahinter logen.--- Für viele war es uninteressant,— es war ja alles so weit, und man mußte schon reicher Leute Kind sein, um das alles sehen zu können. Nur den Träumern war es möglich, in die Ferne zu schweifen, auf den Schnellbahnen der Gedanken.— Und erschrockene Kinderaugen schauten dann oft nach einer Frage zu dem Lehrer empor: sie wußten nichts, gar nichts. Wie sollten sie auch im Augenblick wissen, wo Lissabon ist, wo sie doch eben noch im Bergwald mit wilden Tieren kämpften und die blaue Blume der Sehnsucht blühen sahen. So war es in meiner Kindheitszeit, unser Vaterland hat sich tn vielem geändert Mein Junge war elf Jahre alt, als sein Lehrer mit den Kindern und Eltern beschloß, eine dreiwöchige Fahrt ins Sauerland zu machen. Groß war die Angst mancher Mutter, groß auch das finanzielle Opfer mancher Arbeitereltern, das Reisegeld aufzubringen,— aber es wurde geschafft, kein Kind blieb zurück, und selbständiger, inner- lich gereifter und froher kamen sie nach Hause, jahrelang von ihren Eindrücken zehrend. Trotz ihrer vielen Fahrten kreuz und quer durch Deutschland ist die Sehnsucht der jetzt Sechzehnjährigen nicht geringer geworden, sie wollen in ihren letzten beiden Schuljahren sogar noch einen Teil Englands und Frankreichs kennen lernen. Man möge mir nur nicht sage», daß dies nur anschaulicherer, interessanterer Erdkundeunterricht sei, nein, dieses gemeinschaftliche Reisen einer ganzen Schulklasse läßt allen Lernstoff besser reifen. Land und Leute lernten sie kennen und verstehen, und wir Eltern freuen uns mit ihnen und wünschen, daß alle Kulturvölker ihre Kinder so reisen ließen: emibegrenzte Horizonte gäbe es dann nicht mehr so viele, wie es sie heute leider noch gibt. Ruciolt Adamat. Malermeister. Vorbereitungen zum Kampf Allenthalben werden die besten Leute für die Olympiade ermittelt Nur noch ivenige Wochen trennen uns von dem Weltsport- fest der Sozialistischen Arbeitersportinternatio- nale in Wien. Die Stadt an der Donau ist den Arbeitersportlern Symbol geworden. Kein Zweifel, daß dort während der Tage vom 22. bis 26. Juli eine der gewaltigsten und eindruckvollsten Kundgebungen der sozialistischen Arbeitersportler stattfinden wird. Für die Prüfung der deutschen Wettkämpfer ist der 14. Juni ein bedeutsamer Tag. Im Buirdesmaßstab führt an diesem Tag der Arbeiter-Turn- und Sportbund vier große Prästm- gen durch. Der Arbeiter-Rad- und Kraftfahrerbund„Solidarität"' hält ebenfalls eine Auslese ab. Die Turner in Gera. Deutschland stellt fiir Wien 13 Turner, 7 Turnerinnen und 2 Kampfrichter. 17 Turner aus Sachsen, Thüringen, Lausttz, Schlesien, Hessen, Baden, Württemberg.Morddeutschland und Bayern bewerben sich in Gera um die Ausnahme in die Olympiamann- schaft. Sie sind die besten ihrer Kreise und gewährleisten erst- k lässige. Können. Der Mitteldeutsche Rundfunk bringt am Sonntag von 22.70 bis 22.30 Uhr ein« Reportage von diesem Gerätewettstreit. Schwimmer in Erfurt. Spannende Wettkömpse sind von den 93 Bewerbern in den eii�elnen Schwimm- und Sprungarten zu erwarten. Vierzig Schwimmer, drei Springer und zwei Springerinnen sollen Deutsch- land in Wien oertreten. Di« Wasserballmannschaft steht in der Dereinsmannschast von Berlin-Charlottenburg bereits fest. In Erfurt treffen die besten Kräfte aus den verschiedensten Teilen des Bundesgebietes im sportlichen Wettkampf zusammen. Handballspieler in Magdeburg. Am Sonntag ist die zweite Probe der vorgesehenen Länder-. Mannschaftsspieler. In der ersten, gegen die sehr spielstark« Städte- Mannschaft Hannover, gelang ihnen in einem temperamentvollen Spiel ein 13:11-Sieg. Diesmal ist die gleichfalls sehr spielstark« Magdeburger Städtemanrrschaft der Gegner. In der zweiten Halb- zeit wird in der Ländermannschaft der durchschlagkräftige Innensturm Hannovers mitwirken. Auch die Tennisspieler. Hier geht es in Magdeburg um die Auswahl der sechs besten Spieler und Spielerinnen. Die Ausscheidungskämpse beginnen bereits Sonnabend, 13. Juni. 42 zugelassene Spieler und Spielerin- nen haben 85 Meldungen abgegeben. Vertreten sind Gera, Dresden, Berlin, Hannover, Hamburg, Kottbus, Leipzig, Breslau und Magdeburg. Süddeutsche Lootssahrer in Mannheim. Der süddeutsche Kreisverband des Arbeiter-Turn- und Sport- bundes, dem die Kreis« Baden-Psalz. Hessen-Mittelrhein, Württemberg und Bayern angehären, bringt sein« Olympiaausscheidungen im Kasackfahren am Sonntag aus dem Rhein bei Mannheim- Sondhafen zum Austvag. Solidarität in Frankfurt a. M. Für die im Juli in Wien stattfindende Arbeitersport-Olypiade nehmen die im Arbeiter-Rad- und Kraftfahrerbund„Solid ari« tat' organisierten Radler am 14. Juni die Ausscheidungen vor. Äampfstätte ist da» schöne Stadion der alten Mainstadt Frankfurt. Mehrere hundert Fahrer sind auf Grund der Ausschreibung zu diesen wichtigen Ausscheidungswettbewerben zugelassen:«s sind die Besten aus„Solidarität" und diese Besten werden in der verschie- denen Rodsportarten miteinander um die Zulassung zur Olympiade stretten. E» sind die Olympiade-Anwärter für Flieger- und Straßenrennen, Radball- und R a d p o l o s p i e le n, Reigenfahren u. ä. festzustellen. Daneben haben die Motor- radfahrer mehrer« Wettbewerbe zu erledigen. lARBEflER. TUSSEALL Pankow gegen Wilmersdorf 2: 1 Durch die Wochentagsspiele werben sich die Pankower immer mehr Anhänger. Auch des gestrige Spiel brachte einen für die Pan- kower Verhältnisse zahlreichen Besuch. Ein groß Teil trägt auch die Auswahl der Gegner dazu bei. Die Wilmersoorfer paßten sich dem Rahmen der bisher ausgetrogenen Spiele sehr gut an, von Anfang an zeigten beide Mannschaften«inen fair und flott durchgeführten Kampf, doch waren die Angriffe der Pankower stets etwas durchdachter. Bei dem sehr guten Torwart der Wilmers» darfer fanden sie aber keinerlei Gegenliebe. Alle noch so gut ge- ineinten Schüsse hielt er mit einer Ruhe, die selbstverständlich schien. In der 12. Minute mußte er sich aber denn doch geschlagen bekennen, sinen Weitschuß des Mittelläufers konnte er nicht mehr erreichen. Rur wenige Minuten später wollte«in Verteidiger Wilmersdorfs den Ball zum Torwart zurückgeben: der nachsetzende Pankower Stürmer erfaßte die Gelegenheit und schoß unter dem Torwart hin- durch den zweiten Treffer. Dann schienen die Wilmersdorfer aus dem Konzept gekommen zu sein. In der 25. Minute gelang dem Halbrechten Pankows wisüer ein Erfolge Der Halblinke hatte es aber zu oilig, bevor der Fall die Linie überschritten hatte, befand er sich bereits hinter der Torlinie. Den Abstoß nahmen Wilmersdorfs Stürmer auf, und bs- vor es sich Pankows Torwart richtig überlegt hatte, war der Ball im Netz. Da ereignete sich kurz vor der Pause«in bedauernswerter Unglücksfall. Durch Preßfchag eines Wilmersdorsers und eines Pankowers wurde der Wilmersdorscr schwer verletzt, so daß seine Ueberführung ins Krankenhaus notwendig wurde. Nach der Pause begannen beide Mannschaften mit 10 Spielern. Man merkte e? allen an, daß ihnen der Dorfall doch noch in den Gliedern stak. Trotzdem blieb das Spiel weiterhin äußerst flott. Wohl hatten beide Mannschaften des öfteren Aussichten, den gegne- rischen Torwart zu überwinden, der Ball fand aber nie sein Ziel. Mit dem Schlußresultat von 2:1 beendete der Schiedsrick� ter einen flotten und fairen Kampf. Die Pankower Schüler konnten ebenfalls einen ein- drucksoollen Sieg von 2: 0 erringen. In einem eifrigen Spiel gegen Drewitz zeigten sie eine kleine Ueberlegenhcit. Die einzelnen Durchbrüche der Drewitzer endeten meist schon bei dem Pankower Mittelläufer, der mit dem Drewitzer Torwart der beste Spieler auf dem Felde war. Die beiden Erfolge der Pankower rekrutierten, sich aus Langschüssen des Linksaußen.— Lichtenberg! hatte mit feiner Jugendwerbeoeranstaltung im Rummelsburger Waisen- Haus sinen vollen Erfolg. Da Normonnia unverständlicherweise im letzten Augenblick absagte, stellte sich Luckenwald II zur Der- ftigung. Das erzielte Resultat von 1:1 entsprach vollkommen den gezeigten Leistungen. Das am Sonntag, 14. Juni, stattfindende W a l d f e st des Arbetter-Sport-Kartells Tempelhof wird eingeleitet durch ein Fußballspiel de» im 13. Kreise einzig bestehenden bundestreuen Fuß- ball-Klubs„Union 28" und dem Fußball-Klub„Sportfreunde Neu- ruppin". Das Spiel beginnt um 13%. Uhr auf dem Sportplatz in Lichtenrade, Marienfelder Straße. Die„Union" tagt jeden Freitag, 20 Uhr. bei Görlitz, Mariendorf, Chaufleestr. 19. Gesinnungsfreund« als Spieler und Gäste stets willkommen. �XMdJoaiV Das zweiie Auswahlspiel Zum zwetten Male standen sich gestern die Auswahl» Mannschaften der Berliner Arbeiterhandballer gegenüber. In der �-Mannschaft war der Mittelstürmer der U-Mannschaft auf Halblinks eingetreten. Die B-Mannschaft ging nach dem Anwurf sofort zum Angriff vor, der aber durch die flink« Arbeit de, �-Mittelläufers zerstört wurde. In der dritten Minute war e» der Rechtsaußen A der den Torreigen eröffnete. Doch sofort führte der Mittelstürmer B den Ausgleich herbei. In der fünfzehnten Minute schoß dann der Mittelstürmer B das zweite Tor, daß aber in der siebzehnten Minute wieder gleich gezogen wurde. Dann folgt« wieder Tor und Ausgleich. Bei Halbzeit ergab sich dann ober doch «in Stand von 6: 3 für Der Mittelläufer B halle gut gefallen, so daß er für die zweite Halbzeit in die �.-Mannschaft als linker Läufer«ingestellt wurde. Auch die beiden Torwächter wechsellen. Einige Minuten nach der Pause hatte dann B-Halblinks das vierte Tor geschossen. Die .�-Mannschaft kam jetzt viel zum Schuß und konnte bis zur fünf- undvierzigsten Minute fünf weitere Tore ausholen. Erst jetzt hatte die B-Mannschaft durch einen Bodenroller den fünften Erfolg zu verzeichnen. Wieder war e» die �-Mannschaft, die noch fünfmal dem B-Tor«ächter Gelegenheit gab, den Ball zur Mitte zu geben. Vor dem Schlußpfiff gelang es noch der B-Mannschaft das sechste Tor«inzusenden. Das Schlußresultat lautete 16: 6 für die .�-Mannschaft. Das Spiel selbst war gestern etwas besser als das vorher- gehend«. In der B-Mannschaft war ein gutes Zusammenspiel und eine sichere Hintermannschaft vorhanden. Bei A fielen die langen 'Vorlagen aus. Die Halbstürmer waren die stärksten Posten: Halb- link» durch seinen scharfen Schuß und Halbrechts mit dem unbe- rechenbaren Linkshandschuß. * Man fragt sich, nach welchen Grundsätzen und Erfahrungen die Auswohl der Mannschaften vorgenommen wurde.„Auswahl"- Mannschaften sollten doch eigentlich die Elite der vorhandenen Spieler darstellen: da ist es einfach unverständlich, daß ein Resultat von— 16: 6 Toren zustande kommen konnte. Selbstverständlich werden auch Auswahlmannschaften nie gleichwertig sein: sie sind Menschen und keine Maschinen. Aber 16: 6 läßt doch wohl darauf schließen, daß die Auswähler sich die Arbeit gor zu leicht machten. E» wird Zeit, daß sich Berlin eine repräsentative Städtemannschaft . zulegt, die allen berechttgten Ansprüchen genügt und dghei dauernd stabil bleibt. A�beiter'W asser ballscrie Weiljenscc— Hellas II 5: X, Charloitcnbnrg- Berlin XU 10:3 „Neptun"-Weibensee gewann am Montag In Plützensee nicht sehr überzeugend gegen die wie immer äußerst eifrig kämpfende Zweite des ASV.-Hellas. Die ersten Spielminuten standen im Zeichen einer sehr aufmerksamen Arbeit der Hellasverteidigung, hinter der die Leistungen der Stürmer etwas zurückstanden. Lang- sam kam die durch Ersatz sichtlich geschwächte Neptunmannschaft ins Spiel: einen genau zugespielten Ball vermochte der rechte Stürmer trotz Behinderung scharf in eine Ecke de» Hellastors zu setzen. Der Bann war gebrochen, die bessere Balltechnik entschied, bald stand es 4:0 für„Neptun". Ein scharfer Weitschuß des Hellasverbinders wurde vom Torhüter knapp verpaßt, mit 4:1 für Weißensee ging es in die Pause. Die zweite Spielhälste brachte wenig aufregendes. Beide Sturmreihen zeigten wenig und jeder Partei war nur noch ein Erfolg vergönnt. Berlin XII besuchte am Mittwoch den Bundesmeister Chor- lottenburg in Westend und verlor unverdient hoch. Berlin war in den ersten Spielminuten durch besseres Zuspiel leicht überlegen, doch schössen die Stürmer die unglaublichsten Sachen. Charlottenburg fand sich dann endlich, und trotz des aufopfernden Spiels der starten Berlinverteidigung steigerten sich die Erfolge Charlotten- bürg« auf 6: 0 bis zur Pause. Auch die zweite Spielhälfte erbrachte zunächst ein ähnliches Bild. Unerhörtes Schußpech bei Berlin und Erfolg fast jeden Angriff» von Charlottenburg durch schwimmerische Ueberlegenheit. Erst nach dem zehnten Erfolg des Meisters über- nahm Berlin wieder da» Kommando und endlich mit Erfolg. Ein- «inhalb restliche Spielminuten genügten, um drei Tore äufzuholen, die jedoch nichts mehr an der einwandfrei bezogenen Niederlage ändern konnten. Heute abend stehen sich in Plötzenfee Hellas und Lichtenberg. morgen in Weißensee„Neptun"-Weißensee und Möwe gegenüber. Hella» und Weißensee sind Favoriten. Immer schneller? bleue Anto-Weltrekordversudie Wie au» Sydney gemeldet wird, hat der australische Auto- rennfahrer Norman Smith, der dem von Sir Malcolm Campbell am Strande von Daytona Besch in Florida mit 395 Stundenkilo- meiern aufgestellten Geschwindigkeitsweltrekord zu Leibe gehen will, feine Vorbereitungen nunmehr beendet. Wie in allen derartigen Fällen, wird das Konstruktionsgeheim- nie des Wagen» natürlich auch von Norman Smith ängstlich gehütet. Soviel ist aber doch schon bekannt, daß es sich bei dem in den Harkneßwerken in Sydney erbauten Wagen um einen Rennwagen handelt, der mit einem Napier-Lion-Flugzeugmotor ausgerüstet ist. Die zröölf Zylinder sind in drei Reihen zu je vier angeordnet, der Wagen so niedrig gebaut, daß sich der Kopf de» Fohrers nur 95 Zentimeter über dem Erdboden befindet. Dadurch konnte man natürlich den Schwerpunkt sehr niedrig legen. Die Retordversuche mit dem neuen Mammutrennwagen, der noch schneller al» Campbell» „Blauer Bogel" sein soll, finden in den nächsten Wochen an der Küste von Neuseeland statt, wo«in« neunzig Meilen lange schnür- gerade Rennstrecke vorhanden ist. Reisebüro für Wasserwanderer Die„Freien Faltbootfahrer Berlin E. V." wollen die auf Grund ihrer vielen Feriensahrten auf allen bedeutenden Gewässern Mittel- «uropas gemachten Erfahrungen allen Arbeitersportlern zur Der- fügung stellen. In der Geschäftsstelle, Berlin N. 20, Gropius- straße 5, werden an jedem Dienstag und Freitag in der Zeit von 18 bis 20 Uhr an Interessenten bereitwilligst Auskünste über Ferien- fahrten erteilt: für Eir�elfohrer werden Fahrten an Hand von Wasserkartcn zusammengestellt. Aus Anlaß der Olympiade werden mehrere Fahrten, die Wien als Mittelpunkt haben, veranstaltet. So startet am 5. Juli die erste Gruppe für eine dreiwöchige Fahrt nach Heiming am oberen Inn. Zu dieser Fahrt sind lohnende Ab- siecher in die Tiroler Bcrgwelt geplant. Die zweite Gruppe fährt am 11. Juli ebenfalls nach Heiming und beteiligt sich an der vom Bund angesetzten Fahrt. Die dritte Fahrt geht am 18. Juli nach Passau und wird dort auf die Bundesfahrt der Jnnfahrer stoßen. Die vierte Fahrt, die billigst«, verläßt am 18. Juli mit dem Sonder- zug Berlin und geht über Wien nach Linz an der Donau. Dort Vereinigung mit den Fahrern und am Donnerstag, 23. Juli, am Tage der Olympiadeerössnung, geschlossene Einfahrt in Wien. Nach den Festtagen werden die Faltbootfahrer, in kleine Gruppen ein- geteilt, noch einig« schöne Tage auf der Moldau verleben.' Ab- schluß der Fahrten ist Prag. Allen Interessenten wird gern in der Geschäftsstelle Auskunft erteilt. „Tennis-Rot*"' im Westen Da die Charlottenburger Abteilung von Tennis-Rot nicht alle Sportfreudigen aus dem Berliner Westen aufnehmen kann, machte sich das Fehlen einer zweiten Abteilung im Westen unangenehm bemerkbar. Durch Einrichtung einer neuen Abteilung, die auf den Plätzen an der Karlsruher Straße täglich spielen wird, wird diese Lücke ausgefüllt. Die Aufnahme bei Tennis-Rot setzt die Zu- geHörigkeit zur Partei oder zu einer freien Gewerkschaft voraus. Gesinnungsfreunde und Parteigenossen, die sich der neuen Abteilung anschließen wollen, geben sofort ihre Adresse an die Letterin Margot Lew, Schöneberg, Meraner Str. 6. Selbstverständlich werden auch Anfänger aufgenommen. Die meisten Abtegungen von Tennis-Rot haben Aufnahmesperre, Mitglieder nehmen nur noch auf: Weißensee, Wedding, Pankow und die oben angeführte neue Abteilung.— Auskünfte über den Verein erteilt K. Kohler, O. 34, Weidenweg 62. Tel. L 8 Andreas 9436. Toxrisk-oerei».Die Ratiirs««-»!»--. BilSuaacIaiifuCBa beute. 20 Uhr, 3ohanni»str. 14—16.(ftciWfl, 12. juni, 20 Ubr. Schul« Weinmeiiterstr. IS— 17, Sprech chorprobc jut Sonfffiwiwnbftier.— Kwilofl, 12. Zu»i. 20 Übt Abt. Treptsw: Iua«nbb«im Ellenftr. Z.— Abt. Schöichauser Vorstobt: 3uaorJcheim RaftamcnoUcc 81.— Abt. Vinxtaplotu Iuaeudbvun i'otfcinfl. Ecke ffixauutai&c. — Abt. Stils; Iuaenbheim Ehaugcestr. 43.— Abt. Siibolt: Seim Britz«« Straft« 27.— Kalrbootobteiluna: Iobairnisstr. 15.— Abt. Lichtenrade:»H Ubr bei Deblam. Babnhof- Eck« Goltzstraft«.— Abt. Cbarlottentnn«: Iutzrnbbeim Svreestr. 30.— Iu<>c;«boruiwc Sumbotbtbain: Zuaenbbeim SchSllstedtsir. L— Pboto.Arbeitsaemeinschaft Neukölln: Berastr. 2!>.— Pbato»Arbeit«a«u>«inschaft Own: Frankfurter Aller 307.— g-brte» 13.114. Junr. Abt. Ebarlottrnburq: Rachtwanderuna. Treffen 20 Ubr fiobannisstift.— Abt. Treptoiv; Nlabischsre. — Abt. Pren, lauer Vera: Kremmen. Treffen 18 Ubr Stett. Varartdbi.— Abt. Tieraarten: Meiftnersbof. Abfahrt 0.13 Ubr Bbf. Gesundbrunnen.— Iuaenb Osten: Erkner— Störitzseo. Treffen 18 Ubr.— Aabrtea 14. Inai. Abt. Webditw-Gefundbreinnen: Grattenntzdittten.— Abt. ffriebrichebaiir: Bernau— Boaensee. Abfahrt 0 Ubr Stett. Bbf.— Abt. Norden: Abfahrt 7 Ubr noch Bernau.— Abt. Mitte; Sanflelsber«— Mailee. Absahnt 8.19 Ubr Triebrichstr. — Abt. Südmelt: Seidefee. Trftfen auf dem Berein»«eliinde.— Abt. ZbxikSän: Seidefee.— Abt. Schönhauser Vorstadt: sfahrt nach der Birlenheide.— Abt. Sumboldthain: 18./14. Oranienbura— Schnelle Sovel. isTtvB. Baltmrfahrt 8. dt» II. Juki noch Stettin noch einiae Bllötze frei. Saften: 20 M. einfchlieMich Bervtleanna. Melbuna chefchäftMIell«.— Beiiii Süden; Wienfahrer treffen stch Ddnnerataa Urban �Zportblatz. Am 18. und 14. Zun: Partie Sölierner See. Abfahrt Sonnabend, 20.1« Uhr®8rt. Bhf.— Tenni»be,irt Nenköllo; ffreitaa, 12. fluni, 20 Uhr. Mitalieberversaimirlmig, Lokal Serfurtbvlatz 7. isreie Schwimmer Eharlottenbnra. Kanuabtei Uina. Bersamntluna Donner». taa. II. Juni, 20 Uhr. im Bovtohau» in Tiefwerder. Anmewuna neuer Mit. qlieder. Kartell für Arbeitersport und KZrpervfleae Eharlottenbnra. Bereine Hofen Karten Zum Rast ffrettaa, 12. Juni, bei Reumann, Saefelerstr. IM, ab. Rückschau. „Die Tragödie des William Fox" oder„Die Schlacht am Schwarzen Freitag" ist gewiß ein imponierend eindrucksvoller Doppeltitel. Johannes R. Becher hatte ihn für ein Hörspiel gewählt, das in Berlin uraufgeführt wurde. Mit Dichtung hatte das Werk nichts zu tun. Es wollte in einfachster Form Volkswirt- schaftliche Aufklärung über den großen Bankkrach am„Schwarzen Freitag" geben. Falls der sachliche Inhalt des Spiels zutreffend � war— was hier nicht entschieden werden lann—, so hatte die Aufführung dadurch ihre Berechtigung. Allerdings muß festgestellt werden, daß anspruchslosere weltgeschichtliche Hörbilder, die wir erlebten, bisweilen stch au» weit stärker gezeichneten Einzelgestalten aufbauten. Becher hatte sich die Sache sehr einfach gemacht: jeder Person war der Leitsatz ihrer Weltanschauung in den Mund gelegt. Mehr als diese Stimme wurde keine Erscheinung des Spiels. An- schließend sprach Hans Winge über die Entwicklung des Ton- film». Er hatte, wie er entschuldigend mitteilte, zur Vorbereitung auf seinen Vortrag nur wenige Stunden zur Verfügung gehabt. Warum eigentlich? Er versuchte, da» beste daraus zu machen, aber es war begreiflich, daß er kaum mehr als einen flüchtigen Ueber- blick geben tonnte. Des. OovverstaK, lt..Juni. Berlin. 16.05 Prof. 0. Hocbstetler; Aas dem Tatebuch meiner Tiere. 16.30 1. K. Wiener; pünl Stücke, op. 15(1223).(Marie Zweit, Pllltel und Willy Frey, Vialine.) 2. t) Son come tarlalletta(Unbekannt); b) Marcello: Aria: C) J. Brahms: Ueder.(Qerda Klemmt. Sopran. Fintel: Julius Bflrter.) 3. Mozart; Sonate B-Dur, K.-V. 454.(Marie Zweit und Willy Frey.) 17.30 Eutenlsches Wissen und Selbsterriehunt.(Prof. H. Muckermann.) 17.50 Bruno Ahrends: Die Itndliche Sledlunt auf der Berliner Bauausslellunt UNO ihre Bedeutunt für den Groflstidter. 18.15 ChPrtesinte. 18.35 Ernst H. Hoch liest eitene Ertihlunten. 19.00 Bunter Tsntabend. 20.25 Tates- und Sportnachrichten. 20.35 Sinloniekonzert Dir.: Dr. Heine Unter. 1. Hindemlth: Ouv.„Neues vom Täte". 2. Haydn; Kontert für Cello und Orchester, D-Dur.(Josef Schuster.) 3. Tschalkowsky: Sinfonie Nr. 4, F-MoII. op. 36.(Berliner Funkorchester.) 21.50 Wetter-, Tates- und Sportnachrichten. 22.05 Aus dem Conventtarden. London: 3. und 4. Akt aus„Ritoleflo" von Verdi. K8nit«»usteihansen. 16.00 Öberschnl ritin Cmmy Beckmann; Tatunt des Allt- deutschen Lehre. rinnen-Vereins 17.30 Mersmann: Hausmusik. 18.00 Arbeitsterlchtsdirektor Dr. Hannes Kaufmann; Treiben Sie Rechfs- hytiene? 18.30 Mildbraed: Botanisches für die Reisezeit. 18.55 Wetter für die Landwirtschaft. 19.00 Entlisch für Fortteschritteno. 19.30 Ob.-Ltndw.-Rat Sehieder; Wie führt der Kleinlandwirt Min? Bücher?