Morgenausgabe Ar. 269 A 136 4S.Iahrgang Wöchentlich SV nionotn�i 3,60 M Im voraus zahlbar. Postbezug 4,32 M. einschließlich 60 Pf. Postzeitun gs- und 72 Pf. Postbestellgebühren. Auslands» adonnement 6.— M. pro Monat; für Länder mit ermäßigtem Drucksachen- votto V.— M. Der �Sonvärts- erscheint wochentSg» lich zweimal, Sonntags und Montags einmal, die Abendausgabe für Berlin und im Handel mit dem Titel„Der Abend". Illustrierte Beiloge„Dolt und Zeit". Ferner„Frauenstimme". �Technik".„Blick in die Bücherwelt". .Jugend-Dorwärts"u..Etadtbeilage" P- Berliner VoltSblatt Freitag 12. 3uni 1931 Groß-Äerlin 10 Pf- Auswaris 15 pf. Die einlpalt. Nonparetllezeile 80 Pf. Reklamezeile 5.— RM.„Kleine An- zeigen" das fettgedruckte Wort 25 Pf. (zulässig zwei fettgedruckte Worte), ledes weitere Wort 12 Pf. Rabort It. Tarif. Stellengesuche das erst« Wort 15 Pü jede» weitere Wort 10 Pf. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worle. Ardeitsmarkt Zeile 60 Pf. Familien» anzeigen Zeile 40 Pf. Anzeigenannabm« lm5)auptgefchäftLindenslraßeI. wachen» täglich von. SV, bi» 17 Uhr, Der Verlag beholt sich das Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor! Äentrawvgan der Sozialdemotvatikchen tztoetei Deutschlands Redaktion u n d V e r l a g: Berlin SW 68. Lindenstr. 3 Pernsprecher: Dönbofs L92— 297. Tclcgramm.Adr.: Soiialdemolra, Berlin. Vorwärts-Verlag G.m.b.H. Posticheckkonto: Berlin Z7öZL.— Bankkonto: BankdcrArbciter.Angesiclltcnund Beamten, Lindeilsir.S,Dt.B.ii.Disc..Ges.,Deposil«ilr.,Jcrusalemer Eir. 65:66 Volkspariei will Reichstag! Gozialdemokraien bei Brüning. Die Fraktion der Volkspartei faßte am Schluß einer sehr langen und stürmischen Sitzung den Beschluß, d ie E i n b e- rufung des Reichstages zu verlangen. Eine Inter- vention des Reichsbankpräsidcnten Dr. Luther, der die Folgen einer Reichstagseinberufung als katastrophal schilderte, blieb ergebnislos. Die Volkspartei hat sich mit ihrem Beschluß gegen den Willen der Regierung gestellt, in der sie durch eines ihrer Mitglieder, Dr. Curtius, vertreten ist. Ein Entschließung, die jede Mitverantwortung für die Notverordnung ablehnt und ihre Aufhebung fordert, wurde abgelehnt. Im ganzen scheint ein ziemliches Durcheinander geherrscht zu haben, doch zeigt sich, daß die Strömungen, die auf einen Regierunossturz und ein Rechtsdirektorium hin- arbeiten, stark sind. * Im Anschluß an die Ministerbesprechung empfing Reichs- kanzlcr Dr. Brüning am Donnerstagnachmittag verschiedene Parteiführer zur Erörterung der gesamtpolitischen Lage. Außer dem Landoolkführer Dr. G e r e k e stattete der Partei- sichrer der Deutschen Volkspartei, Abgeordneter Dr. Dingel- d c y, Dr. Brüning einen längeren Besuch ab, bei dem die Notoerordnung und die außenpolitischen Notwendigkeiten be- sprachen wurden. Am Abend empfing dann der Reichskanzler die Unterhändler der sozialdemokratischen R e i ch s t o g s f r a t t i o-n. Ueber den Verlauf dieser Besprechung, an der auch der Reichsarbeitsministcr Dr. S t e g e r- w a l d teilnahm, berichtet der„Sozialdemokratische Presse- dienst": Die Vertreter der Sozialdemokratie unterbreiteten dem Reichskanzler ihre Bedenken gegen die Notverordnung und machten ihn mit Nachdruck auf die politischen Folgen des Inkrafttretens insbesondere derjenigen Bestimmungen der Notverordnung aufmerksam, die einen weitgehenden Abbau der sozialen Leistungen bezwecken. Der Reichskanzler betonte, daß die Einberufung des Reichstages mit schweren Gefahren für die Kreditverhältnisse verbunden sei und man im gegenwärtigen Augenblick davon eine weitere Zuspitzung der Wirtschaftskrise, der Arbeitslosigkeit und der Finanz- schwierigkeiten befürchten müsse. In der Besprechung wurde ein endgültiges Er- gebnis nicht erzielt. Die Besprechungen über die von der Sozialdemokratie gewünschten Abänderungen der Not- Verordnung sollen nach der Rückkehr des Reichskanzlers van Neudcck und nach einer Fühlungnahme mit dem Rcichskabinett fortgesetzt werden. Nach einer weiteren Mitteilung des„Sozialdemokratischen Pressedienstes" ist die Reichsregierung zu Aenderungen unter der Voraussetzung bereit, daß dadurch deren finanzielle Er- trägnisse nicht beeinträchtigt werden. Die eventuellen Abände- rungen sollen jedoch weder durch den Reichstag noch durch einen Ausschuß beschlossen, sondern auf dem Wege interner Verhandlungen vereinbart werden. Inwieweit auf diesem Wege eine Verständigung möglich ist, läßt sich zurzeit noch nicht sagen. Gegen die Notverordnung. Protest der Berliner Epitzenorganisationen. Die vorstände de» orleausschusse» verlin de» Allgemeinen Deutschen Gewcrkschaslsbunde» und de« Ortskartells Vcrlin des Allgemeinen freien Angestelltenbundes haben sich am 11, Zum 1931 mit der neuen Notverordnung be- schästig«. Velde Vorstände lehnen einmütig die Ifotvergrdnung ab. Znsbesondere weil die Bestimmungen über die Arbeilslosenhilse und die Slasselung der Krisenstcuer für die Arbeitnehmer völlig un- tragbar sind. Al» geradezu unerhört betrachten die Vorstände die rigorosen Eingriffe in das Tarifrechl und die einseitige venachteiligung der Arbeilnehnier össenllicher vetriebe und Verwaltungen. Diese Maßnahmen bedeuten geradezu eine Aufsorde- rnng an die privaten Unternehmer, die Löhne und Gehäller weiterhin zu senken. Es muß als eine Provokation wirken. wenn man die wohlerworbenen Rechte der Arbeiter und Angestellten an die Sozialversicherung und dos Tarifrecht schmälert und beseitigt, dagegen keinerlei Abstriche am Wehcelat und den hohen Pensionen der ehemaligen Offiziere vornimmt. Christen fordern Revision. „Abänderung der Roiverordnung unumgänglich." Die Führung des Deutschen Gewcrkschaftsbundes, der Spitzenorganisation der christlichen Gewerkschaften, nahm nach eingehender Prüfung der neuen Notoerordnung folgende Eni- schließung an: „Die Notverordnung des Reichspräsidenten vom 5. Zuni 1931 hat uns wegen ihrer Wirkung auf die soziale Loge der deutschen Arbeitnehmer mit äußerster Besorgnis erfüllt. Das Ziel einer Sa- nierung der öffentlichen haushalte wird von der Verordnung in einer rein fiskalischen weise angestrebt, die nach unserer Ansicht d i e sozialen Ungerechtigkeiten vermehrt und die ve- Hebung der wirtschaftlichen Krise hemmt, statt sie zu fördern. Der Abbau der sozialen versicherungsteiflungen überschreitet da« not- wendige Maß und macht in zahlreichen Zöllen die Ausrechterholtung einer menschenwürdigen Lebenshaltung unmöglich. Die steuerlichen Maßnahmen, die der Sicherung des Haushaltes und der veschaffnng von Miltein für die Krisensürsorge und der Schaffung neuer Arbeitsmüglichkcilen dienen sollen, sind in vielea Punkten wirtschaftlich unzweckmäßig und sozial ungerecht. Sie gehen von der einseitigen Ausfassung aus, daß die Einkommen der freien Wirtschaft schonungsbedürftig feien, dagegen die Ein- kommen der Lohn- und Gehaltsempfänger für den steuerlichen Zugriff eine ungleich härtere velastung vertragen. Der Zweck, die Kapilalbildung zu fördern, wird durch diese ungleichmäßige ve- Handlung der verschiedenen Einkommensgruppen nicht erreicht, da- gegen wird eine außerordentliche soziale Verbitterung über die ungleichmäßige und ungerechte Behandlung hervorgerufen. Das gilt in erster Linie von der Gestaltung der Krisenstcuer. Durch den Abbau der sozialen Leistungen und durch die unge- rechte Verteilung der Steuerlasten auf die verschiedenen Einkommens- bezieher ist noch unserer Ansicht der Grundsatz verletzt, daß die Not durch gemeinsame und gleichmäßige Anstrengungen aller Volksschichten bekämpft werden muß. Gerade weil wir der Ueberzeugung sind, daß in diesen Zeiten her Not die Herstellung stabiler und ausgeglichener haushalte der öffenttichen Hand ein dringendes Erfordernis ist, das nur unter Opfern erfüllt werden kann, verlangen wir eine zweckmäßigere und gerechlere, bevölkerungspolitisch vertretbare Verteilung dieser Opfer und halten deshalb eine Abänderung der Notverord- nung vom S. Zuni 1931 in ihren sozial bedenklichen Punkten für unumgänglich. Dabei scheint es uns notwendig zu sein, daß viel schärfer, als es bisher versucht worden ist, und über die vorliegende Notverordnung erheblich hinausgehend, die Reform und Verbilligung der gesamten öffentlichen Verwaltung in Angriff ge- nommen wird, wir sind der Meinung, daß auf diesem Gebiete sowohl für den Augenblick wie für die Zukunft beträchtliche Er- sparnisse erreichbar sind. Nrbcn einer gerechteren Verleitung der Opfer und neben einer kräftiger zupackenden Reform der Verwal- lung von Reich, Ländern. Gemeinden, verlangen wir eine zielbe- wußte und lalkräslige Zortsührung der eingeleiteten Revision der Reparalionsverträgc, von der nicht nur die Entlastung des Reichshaushaltes, sondern weitgehend auch die Behebung der Wirtschaftskrise abhängt." Das Organ der christlichen Gewerkschaften,„D e r Deutsch e", fügt dieser Entschließung hinzu, daß die darin aufgestellten Forderungen für die Reichsregierung Gegenstand ernstesten Prüfung fein dürften. Sie würde sich darüber um so weniger hinwegsetzen können, als auch die O p p o f i- tion anderer poli tisch er Kräfte recht stark zu werden droht. Die Situation sei für die Regierung äußerst schwierig, aber, so schließt das Blatt mit deutlichem Borwurf, die Regierung hätte sich einen Teil der Schwierigkeiten sparen können, wenn sie die endgültige Gestaltung der Nowerordnung nicht nur der Bürokratie überlassen hätte. Naziblalt in Bayern verboten. Nach einer Meidimg des „Völkischen Beobachters", ist die in Augsburg erscheinende„Neue Nationofzeitung", das Organ der Nationnlsozialislen, von der Kreis- rcgierung von Schwaben und Neuburg auf die Dauer von drei Wochen verboten worden. Die Befreiungsschwindler Lüge und Wahrheit in der Reparationsfrage. In dem groß angelegten Manöver der Rechten zur Wieder- Herstellung ihrer alten Macht spielt die Reparations- frage eine bedeutungsvolle Rolle. In frivolster Weise werden die außenpolitischen Interessen des deutschen Volkes als Vorspann für innenpolitische Absichten mißbraucht. Das Volk wird systematisch belogen und betrogen. Zunächst wird der Anschein erweckt, als ob nur die Rechte den Willen hätte, Deutschland von der Last der Reparationen zu befreien- Die Linke, besonders die Sozialdemokratie hat nach dieser Art von Geschichtsklitternng durch ihre schlappe oder gar landesvcrräterische Haltung den Verlust des Krieges und die hohen Kriegsentschädigungen, die Deutschland auferlegt worden sind, verschuldet. Wird ihr Einfluß ausgeschaltet und kommt eine forsche, st ramme Rechtsregierung ans Ruder, dann schwinden die Tributpflichten wie Schnee in der Sonne, und Deutschland marschiert wieder mächtig in der Welt voran. Auf dieser primitiven Konstruktion ist der gegenwärtige Reparationsfeldzug der Rechten aufgebaut. Es ist die Spekulation gewissenloser Volksbetrüger auf Dummheit und Unwissenheit. Wenn wir, nach T i r p i tz, kopflos in den Weltkrieg „hineingeschlittert" sind, so geschah das zu einer Zeit, in der noch nicht der Schatten eines soziali�mokratischen Einflusses auf die Außenpolitik existierte. Im Kriege aber ist die Sozialdemokratie ohne Unterschied der Richtung— die Ablehnung der Kriegstredite durch einen Teil ihrer Ab- geordneten war ein Protest gegen eine katastrophale Re- gierungspolitik— f ü r die Landesverteidigung eingetreten. Ganz einheitlich war sie im Erstreben eines Friedens ohne Annexionen und Entschädigungen, wofür ihre Führer in der Rechtspresse mit dem Erschießen bedroht wurden. Bei den Friedensverhandlungen konnte man sich auf feiten der Gegner darauf berufen, daß Deutschlands herrschende Kreise stets das Recht des Siegers auf Entschädigungen vertreten hatten— nun nahm der wirkliche Sieger dieses Recht eben für sich in Anspruch. Im Gegensatz zur Rechten, die praktisch stets den unver- söhnlichsten Feinden Deutschlands in die Hände arbeitete, war die Sozialdemokratie vom ersten Tage der Nachkriegszeit an ununterbrochen bemüht, die Lasten des Friedensvertrages für das deutsche Volk zu erleichtern. Grundsätzlich vertritt sie, und mit ihr die ganze Sozialistische Arbeiterinternationale, die Auffassung, daß alle inter- nationalen Kriegsschulden und- Repara- tionen gestrichen werden sollen. Wenn diese Auf- fassung noch nicht zum Siege gelangt ist, so kommt das daher, daß die Parteien der Sozialistischen Arbeiterinternalionale in fast allen Ländern der Welt von der Ausübung der aus- schlaggebenden politischen Macht noch weit entfernt sind. Wer also ernstlich die Streichung der Reparationen erstrebt, der darf den Einfluß der Sozialisten in der Welt nicht bekämpfen, sondern muß ihn mit allen Kräften fördern. Die Entwicklung der Reparationsfrage seit Kriegsschluß bis heute ist für Deutschland unbefriedigend. Alle Fortschritte aber, die erzielt wurden, wurden unter maßgebender Be- teiligung der Sozialdemokratie erzielt, während die Staats- mannskunst der Rechten den furchtbaren Rückschlag des Ruhrkriegs und die Inflation brachte. Die Sozialistische Internationale hatte schon zuvor— im Februar 1922— auf ihrer Frankfurter Konferenz ein Programm aufgestellt, das die Leistungen Deutschlands auf den reinen Wiederaufbau beschränkte, die Streichung aller internationalen Kriegsschulden und die Errichtung eines internationalen Instituts forderte, das die Finanzierung der Hilfsaktion für die von Verwüstung oder-Hungersnot heim- gesuchten Länder übernehmen solUe. Wäre dieser Plan ver- wirklicht worden,- so hätte Deutschland längst keinen Pfennig mehr zu bezahlen. Die Internationale hat seit 1922 dauernd in der Richtung dieses Planes gearbeitet, und was in späteren offiziellen Plänen an Vernunft zu finden war, ist zu erheb- lichem Teile auf das Frankfurter Programm zurückzuführen. Der Poung-Plan brachte gegenüber dem Dawes- Plan— dem seinerzeit die deutschnationale Reichstagsfrak- tion zur Annahme verholfen hatte, indem die Hälfte von ihr für ihn stimmte— Erleichterungen von durchschnittlich einer halben Milliarde jährlich. Wenn diese Erleichterungen nicht fühlbar geworden sind, so kommt das daher, weil seitdem die Weltwirtschaftskrise für die deutschen Reichs- finanzen eine MMiardenbelastung gebracht hat. Diese Mil- liardenbelastung«legt natürNch die Erleichtenmgen 5« Joung-Planes um ein Mehrfaches auf. In einer Zeit, in der Deutschland seinen Beamten, An» gestellten und Arbeitern die schwersten Opfer zumutet, um das Gleichgewicht der Finanzen notdürftig herzustellen, be° deutet der Zwang, eindreiviertel Milliarden an das Ai&land abzuführen, eine große Härte. Der Wunsch nach Zahlungs- erleichterungen und-auffchub ist unter diesen Umständen, ob- wohl der Young-Plan erst vor kurzem abgeschlossen wurde, berechtigt; denn der Ausbruch der Weltwirtschaftskrise ist höhere Gewalt, deren Eintreten nicht vorausgesehen werden konnte. Um zu Erleichterungen und Aufschub zu gelangen, ist es notwendig, ein sehr schwieriges Verftändigungs- werk zu unternehmen. Dieses Verständigungswerk wird durch das Treibet der Rechten— Stahlhelmparaden und wüste Hetze gegen das Ausland— nicht erleichtert, sondern erschwert. Kämen die Kreise, die diese Hetze betreiben, gar zur ausschlaggebenden Macht, so müßten sie sich auf den aller» härtesten Widerstand der Gläubiger Deutschlands gefaßt machen. Eine einseitige Einschränkung oder Einstellung der deutschen Zahlungen ohne vorangegangene Verständigung mit unseren ehemaligen Kriegsgegnern ist mit der Herbei- führung einer vollständigen Wirtschaftskata- st r o p h e gleichbedeutend. In Erkenntnis dieser Tatsache haben sogar die Nationalsozialisten im Auswärtigen Ausschuß des Reichstags die Annahme eines kommunistischen Antrags auf sofortige Einstellung der Zahlungen durch Stimment- Haltung verhindern geholfen. Was die Rechte betreibt, ist n i ch t„die Befreiung Deutsch- lands aus der Tributknechtschaft". Die Führer der Rechten sind nicht so dumm zu glauben, daß mit ihren Methoden die Befreiung erreicht werden kann; sie spekulieren nur auf die Dummheit der anderen. Sie laufen voran und haben eine große Schnauze— wer aber nicht mitläuft und mitschreit, der ist bestenfalls ein Schlappschwanz, zumeist aber sogar ein „Marxist" und„Fronknecht des internationalen Kapitals". Auf diese Weise konkurrieren sie in skrupelloser Ausnutzung der Verzweiflung, in der sich breite Volksmassen infolge ihrer Not befinden, erfolgreich mit den Kommunisten. Die Sozialdemokratie wird jeden prak- tischen, erfolgversprechenden Schritt zurEr- leichterung der Reparationslasten mit ihrer ganzen Kraft. unter stützen. Aber sie denkt nicht da- ran, mit den Wehrwölsen zu heulen. Sie weigert sich, den großen Volksbctrug, den die Rechte um die Reparationsfrage herum ausführt, mitzumachen— um der Wahrheit und um des deutschen Volkes willen! 250 Millionen fürs Reich. Ein von Luther vermittelter Bankenkredit. Das Reich hat die Befriedigung seines Kasse nbedarfs im Juni durch einen lteberbrückungstredit bei den Großbanken sichergestellt. Unter Führung der Reichsbank wird dem Reich bis Ende Juni ein Kredit- von-2 S l> M illi a n e n Mark ausbezahlt, der inmonatlichen Raten in der Zeit vom lö. Januar bis ZK. April Zg32 zurückzuzahlen ist. Der Kredit ist jeweils mit Z Proz. über Reichsbantdistont zu verzinsen, heute also zu dem Lombardsatz von 6 Proz. Die Banken erhalten dafür Schatz- anweisungen. Praktisch dürft« die Geldbeschaffung für das Reich wenigstens im Augenblick in der Hauptsache über die Reichs- dank erfolgen, die ihrerseits entweder Wechsel der Banken diskon- tieren oder die Schatzanweisungen beleihen wird. Dieser Weg ist wahrscheinlich, da die Banken selbst kaum in größerem Umfange freie Gelder zur Verfügung haben dürften, zumal die Kündigung ausländischer Kredite die freien Bankmittel nicht unerheblich ver- kürzt hat. In erster Linie sollen die 250 Millionen zur Ab» lö s u n g der im Juni fällig werdenden 33 Millionen Mark ältere Schatzanweisungcn und der im Juli fälligen Z22 Millionen Reichs- kredite verwendet werden. Der Juli bringt für das Reich wieder größere Steuereinnahmen, so daß ein Kreditbedarf des Reiches im Juli unwahrscheinlich ist. Das Direktorium vom Rhein. Hitlers Geheimverhandlungen mit der Industrie. KSln, 11. Juni.(Eigenbericht.) In den letzten Wochen haben, wie von zuverlässiger Seite ver« lautet, im rheinisch-westfälischen Industriegebiet zwischen Vertretern der Deutschen Volkspartei, der Deutschnationalen und Hitler mit den Beauftragten der Industrie zwecks Vor» bereitung der eventuellen Bildung eines Direktoriums Ver- Handlungen stattgefunden. In den entscheidenden Fragen soll»in« Uebereinstimmung erzielt worden sein. Im einzelnen verlautet, daß Hitler auf Drängen der Wirtschaftsvertreter sich bereit erklärt habe, zunächst außerhalb dieses Direktorium» Gewehr bei Fuß zu stehen. Er habe freilich die Bedingung gestellt, daß vor allem der Reichsinnenmlnister W i r t h von seinem Posten verschwinde. Er soll auch den Sturz Groeners gefordert, schließlich aber diese Forderung zurückgezogen haben unter der Be> dingung, daß Schleicher aus dem Reichswehrministerium verschwinde. Die Hochgeborenen. Volk wird geschröpft.— Veriragliche Zahlungen werden verweigeri. „Llngenuhte Geldquellen." Gutsvorfieher a. O. sollen Gemeinden schröpfen. In der Juninummer der Zeitschrift„Das Superphosphot", einer Monatsschrift für Phosphorsäure-Düngung, die non der Deutschen Superphosphot-Jndustrie herausgegeben wird, erscheint«in Aufsatz:„Geldquellen, die noch ungenutzt blieben", der nicht mehr und weniger fordert, ol» daß die Bor- sicher der früheren Gulsbezirke von den Ilachfolgegemeinden alle Auswendungen zurückvergütet verlangen sollen, die für da» Gemein- wohl der Gutsbezirke gemacht wurden, wie z. B. für Straßen, öffent, lichc Wege, Brücken, Armenhäuser, Feuerlöschgeräte, Spritzenböuser, Wasserläuse, Schulhäuser,- Telephon- und Lichtleitungen, Kanolisa- tion usw. Zur Begründung wird gesagt, daß die meisten Guts- bezirke kein eigentliches Vermögen gehabt haben, sondern daß dies« Aufwendungen aus dem Privatvermözen de» Guts- Vorstehers gemacht wurden! Praktisch liegen die Dinge so, daß Schulen, Armenhäuser usw. von den Gemeinden aus dem Auskommen an Gemeindesteuern er« richtet und unterhalten werden. In den Gutstz�zirten war der Guts- besitz«, der zugleich auch Gutsvorfteher war, meist der einzige, der L raunschweig. II. Juni.(Eigenbericht.) Der ehemalige Herzog von Braunschweig weigert sich. den auf ihn entfallenden Zuschuß zum Landesmuseum und zur Landesbibliothek in Wolfenbüttel von 70lW0 Mark jährlich zu zahlen. Er begründet die Weigerung mit seiner finanziellen Notlage. Die sozialdemokratische Landtagsfraktion Hot deshalb an den Volksbildungsminister Dr. F ranzen die Anfrage gerichtet, was er zu tun gedenke, um die Schließung der beiden wichtigen Kulturinstitut« des Landes Braunschweig zu verhindern. Gleichzeitig fragt die so- zialdemokratische Fraktion, ob der Staat beabsichtige, den ehemaligen Herzog von Braunschweig zur Erfüllung seiner Pflichten anzuhalten. Der Herzog, der zu den reichsten Männern Deutschlands gehört, kann die 70 000 Mark Verwaltungstoftenzuschuß mühe» los aufbringen, zumal er erst 192S vom Lande Braunschweig KZ 000 Morgen Land mit 3 Schlössern und 4 Domänen als Ab- findung erhalten hat. Die Weigerung des Herzogs erfolgt wahr- scheinlich nur in der Absicht, vom Landtag die Zustimmung zu dem Verkauf des berühmten Bildes von Vcrmecr„Das Mädchen mit dem Weinglas«" zu erzwingen. Ileustrelih, 11. Juni.(Eigenbericht.) Di« Erbinnen des ehemaligen Grotzherzogs haben gegen da, Urteil auf Aufhebung der Schiedssprüche, die der Großherzogin und ihren Töchtern, darunter der ehemaligen Krön- Prinzessin Militza von Montenegro vier Millionen zusprachen. bei dem Oberlandesgericht Rostock Berufung«ingelegt. Die großherzoglichen Damen setzen also all« Hebel in Bewegung, um das völlig verarmte Land Neustrelitz, das vor Finanzsorgen nicht ein noch aus weiß, nach um Millionen zu schröpfen. Oer Herzog mit dem Armenrecht. Weimar. 11. Juni.(Eigenbericht.) Das Oberlandgericht in Jena hat dem ehemaligen Herzog von Altenburg in seinem Abfindungsprozeß gegen den thü- ringischen Staat das Armcnrecht zuerkannt. Im Juli 1919 hat der Herzog vom Staate Thüringen als einmalige Abfindung 12,7 Millionen Papiermark erholten. Dieser Betrag entsprach da- mal» einem Goldwert von 3'- Millionen Mark. Außerdem erhielt der Herzog 170 Hektar Wald, ein Schloß und die Wertgegenstände in ollen Schlössern, die ihm gehörten. In 10 Jahren hat er dieses er auf Grund des einmal eine Menge Vermögen verpulvert. Jetzt versucht Armenrecht» zu Lasten der Steuerzahler noch Geld herauszuschlagen. Verhandlungen des Staates Thüringen mit dem 5)«zog über dessen weitere Ansprüche hat der Thüringische Landtag abgelehnt. Als letzt« Hoffnung hat der Herzog daraufhin das Gericht angerufen. Mecklenburger Mnanzsorgen. Oeuffchnationale Quertreibereien. Zceustrclih. 11. Juni.(Eigcnt'ericht.) Di« Beratungen des Landtagsausschusses von Mecklenburg- Strelitz wegen des Anschlusses an Preußen sind zu einem ge- wissen Abschluß gekommen. Obwohl die Vertreter der Deutschnationalen erklärten, daß sie nicht glaubten,-die Selbständigkeit de Landes könne auch nur kurze Zeit noch ausrecht- erholten werden, gaben sie die Erklärung ab, daß sie für den Anschluß nicht stimmen würden. Dabei wurde von ollen Seiten anerkannt, daß d« Steuer- a u s s a l l den Etat des Landes derartig verschlechtern würde, daß mit einen, Defizit von etwa vier Millionen Mark würde gerechnet werden müsse». Es«urden Zweifel gehegt, ob es an- gesichls der bereit»«ruf 20 Willionen gestiegenen Schuldenlast bei einer Bevölkerung von 110000 Einwohnern noch möglich sein würde, eine Anleihe eniszunehmen, die zur Abdeckung alter Ver- pflichtuirgen und zur Deckung des Defizits aus �dem Jahre 1931 unbedingt«rsorderlich sei. Die Abstimmung wird im Landtag varaussich-tlich Ende des Monats erfolgen. Großer Krach im Kranzen-Reich. Haussuchungen bei nationalsozialistischen Kührern. Braunschweig. 11. Juni.(Eigenbericht.) Ein großer Krach ist unter den Brauns chw eiger Nazis entstanden. Ihr« Oberbonzen beschuldigen sich gegenseitig, belastende Akten und Dokumente gestohlen zu haben, die dieser Tage in dem sozialdemokratischen„V o l k s f r«u n d" verössentlicht wurden. Wie verlautet, hat die brounschweigische Polizei bei prominenten Nazi- führern Haussuchungen veranlaßt. Deutschland in der Schwebe. Vandervelde über den Leipziger Parteitag. In der„Depeche de Toulouse" schildert Emil« Bander- n e l d e den Parteitag der Sozialdemokratie. Er schildert, wie ma» sich in Deutschland auf der Waffe tfch e 1 de zwischen Dl kt a- tur und Demokratie befindet und schließt seine Darlegung über die organisatorisch« Stärke der Partei mit einer Frage und seiner Antwort darauf: „Oft kommen einem(bei aller Bewunderung des mächtigen Partciapparates) die Worte Iaure» in Amsterdam in den Sinn, der sich fragte, ob in dieser gewaltigen Masse die Kampskraft und die wirklich« politisch« Macht dem Sinn für Disziplin und dem g e- nialen Organisationstalent gleichkommt? Auch diesmal, in Leipzig, tauchte diese Frage wie von selbst an dem Sonntag der mächtigen Demonstration auf. E» gibt wohl kein Land in Europa, das bei den Freunden de» Friedens und der Demokratie so sehr wie Deutschland ernste Fragen auslöst. Aber zugleich muß dieses Land Hoffnungen auslösen angesichts einer Arbeitertlasie, die in einem Halbjahrhundert der Propaganda und de» Kampfes geformt, durch dauernde Kampf- proben, vor allem nach dem Kriege, gereist und jetzt bewundern»- wert ist in ihrer Kaltblütigkeit, Festigkeit und ihrem Verständnis für die Gefahren aller Art, denen fi« jetzt begegnen muß. Zweifellos hängt gegenwärtig da» Schicksal Deutschlands in der Schwebe. Nirgends sind die M i t t e l p a r t e i e n so schwach, um nicht zu sogen so faul und verseucht, was wirklich eine Nebertreibunz wäre. Nirgends hat der brutalste und autokratischste aller Kopita- lismeN tnlt HlkfS d« nntianalistifchen P f y ch as e soviel Gewicht bei den unzufriedenen Massen wie in Deutschland. Aber nirgends auch scheint die Sozialdemokratie stärker und für den Frieden und die Demokratie kampfbereiter zu sein. Wer ihren Kamps aus Leben und Tod au» der Nähe versolgl, seht Berlrouen in sie. Sie ist sich ihrer Kraft bewußt. Sie ist auf jedes Ereignis vor- bereitet: Die Männer, die sie an der Spitze des Reiches aus Sorge vor etwas Schlimmerem duldet, sind keineswegs gesichert. Sic könnte kaum auf die Regierung im Reich rechnen, wenn sie nicht durch Braun und Sevcring die Zügel in Preußen fest in der Hand hätte. Di« Kommunisten bekämpfen sie als das schlimmste Hebel. Di« Hakenkreuzler und ihre Verbündeten wissen, daß beinahe allein sie es ist, die sie von der Macht sernhält. Gegen sie sind sie zu allem bereit, selbst dazu, die Maske der Legalität anzulegen. Vor sechs Monaten fürchteten die Pessimisten, daß sie zur Macht kommen würden. Aber wenn die Wirtschaftskrise sich nicht verschlimmert oder der Verrat der Mittelparteien ihnen nicht die Tore öffnet, so kann man jetzt sagen, daß sie keinen Erfolg haben werden." einen nennenswerten Betrag an Gemeindesteuern hätte leisten müssen und nicht geleistet Hot. Dafür wurden dies« Mittel von ihm jedoch teilweise für die genannten Einrichtungen aufgebracht. Aber es wurden auch vielfach Steuerumlagen zur Schaffung solcher Einrich- tungen erhoben, so daß tatsächlich der Beitrag des Gutsbesitzer-Guts- Vorstehers nur als Teil des Steueraufkommens betrachtet werden kann. Es gehört eine gehörige Portion Unverfrorenheit dazu, diese Aufwendungen jetzt von den Nachsolge-Gemeinden zurückzuverlangen. Noch skandalöser ist allerdings, daß die Zeitschrist einer großen I n- dustriegruppe, die diese Frage absolut nichts angeht, die wohl schon in anderen landwirtschaftlichen Fachblättern erhoben« Auf» sorderung verbreitet. Agiiaiion in Oldenburg. Volksporteiler und Rechtsradikale stimmen für Aufhebung der»wer Ordnung. Oldenburg. 11. Juni. Die Tolerierung der Oldenburger B-amtcnregierung durch die Nationalsozialisten Hot nur 24 Stunden angehalten. Be- reit» in der heutigen zweiten Sitzung de» neugewählten Landtag» kam e» zum Krach. Den Anlaß hierzu gab«ine Erklärung des Ministerpräsidenten Eastebohm quf«>nc nqtionplsozialistische Anfrage, daß nach geltendem Recht die Nötverordnung selbstverständlich auch in Aldenburg zur Durchführung käme. Mit dieser Erklärung waren die Nationalsozia« listen nicht zufrieden. Sie ließen erklären, st« mußten von dieser Haltung der Regierung ihr« weiter« Einstellung abhängig machen, und stellten jetzt«inen Mißtrauensantrag. Sodann trat der Landtag in die Beratung«ine» deutschnatio- nalen Dringlichkeitsontrags«in, in dem die Staatsregierung ersucht wird, vom Reichskanzler zu fordern, daß die Notoerordnung sofort außer Kraft gesetzt werde. Nach sehr erregter Aussprach« wurde dtr deutschnationale Antrag mit 23: 21 Stimmen angenom« wen. Dafür stimmten die Deutschnationalen, die Ratio- nalsozialisten und die Deutscht Voltspartei. Di« Kommunisten enthielten sich der Stimme, weil die Nationalsozialisten und Deutschnationalen vorher nicht für einen weitergehenden kom- munistischen Antrag gestimmt hotten, der die oldenburgische Regie- rung beauftragt, die Notverordnung in Oldenburg nicht durch- zuführen. Die Abstimmung über das Mißtrauensvotum erfolgt in der Vollsitzung am Dienstag. wie Das unruhige Wuppertal. Zusammenrottungen und Krawatte. Köln. II. Juni. Wie aus Wuppertal berichtet wird, kam es sowohl in Barmen in Elberfeld zu größeren Ansammlungen, die wiederholt das Einschreiten der Polizei erforderlich mochten. So hatten sich abends im Stadtviertel Neubach in Elberfeld etwa 800 Personen an- gesammelt, die jedoch zerstreut werden konnten. Eine Anzahl von ihnen wurde nach Waffen durchsucht, einige sind zur Polizei gebracht worden. Gegen fälO Uhr abends schritt die Polizei erneut in diesem Stadtviertel ein, um größere Ausschreitungen zu verhüten. Di« Beamten wurden dabei mit Stein en beworfen und mußten wiederholt vom Gummiknüppel Gebrauch machen. Auch in der Innenstadt von Barmen kam es in den späten Abendstunden wieder- halt zu größeren Zusammenrottungen, bei denen die Ordnung ober nicht gestört wurde. Einig« Personen wurden wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt festgenommen. polnischer Protest in Berlin. Gegen Areslaver Stahlhelmkuvdgebung. Di« polnisch« Regierung hat ein« Protestnote wegen der anti- polnischen Reden und des militärischen Charakter» der Breslauer Stahlhelmkundgcbimg hier überreichrn lasten. Di« Reichsrcgierung steht auf dem Standpunkt, da der„Stahlhelm" ein« rein private Orgamsation sei und deutsche Behörden mit ihm nicht, gemein hätten, trage sie keinerlei Verantwortung für diese Kundgebung. Die deutsche Krankenstube. ,Oer Patient fiebert, Schwester, wir wollen es zunächst einmal ganz dunkel machen." Macdonald gegen Gozialabbau. Widerstand gegen die Kommisfionsvorschläge. London, 11. Juni. Aus einer Versammlung der Ardetterabgeordneien im Unter- hau» erklärte Ministerpräsident Macdonald, dch die Regierung die Empfehlungen der königlichen Kommission für Arbeitslosen ver- ficherung betreff» der Uebergangsunterftühungen. Verringerung der Anterstühungen. Erhöhung der Beiträge und Verlängerung der Wartezeit ablehnen«erde. Da» bedeutet, daß die Regierung die wesentlichsten Empfehlungen der Kommission ignoriert. Mac- donald empfahl jedoch, denjenigen Teil de» Bericht» anzunehmen, der sich mit der mihbräuchlichen Inanspruchnahme der Arbeits- loseounterstühung befahl und stellt die Vorlage eines entsprechenden «esehentwurse» noch vor Beendigung der jetzigen Sitzungsperlode des Parlament» in Aussicht. Von diesem Gesetzentwurf werden n. a. betroffen:«erheiratete Frauen sowie Gelegenheit»- und Kurz- arbeiter, die ausreichende Löhne verdienen. Macdonald gab zu verstehen, dah die Regierung da» Unterhaus bald um eine Verlängerung der Bestimmungen für die Uebergang,- Unterstützungen und einen erweiterten Kredit für die Arbeitslosenversicherung ersuchen werde. Im Unterhaus erklärte Macdonald, dah die Regierung auch jetzt nach Vorlage des vorläufigen Berichts der königlichen Kommission für die Arbeitslosenversicherung nicht beabsichtige, eine Konferenz der Parlamentsparteien zur Beralun der Arbeitslosenversicherung einzuberufen. s* Die ablehnende Stellungnahme der Arbeiterregierung gegen die Abbauvorschläge der eingesetzten Kommission ist für Deutschland um so bedeutungsvoller, als sich die Reichsregierung, insbesondere der Arbeitsminister S t e g e r w a l d, auf die englischen Kommissions- vorschlüge berufen hat, um die Abbaubestimmungen der Rotverord- nung gegenüber den Arbeiterorganisationen zu rechtfertigen. Die englischen Gewerkschaften haben mit derselben Entschieden» beit gegen diese Pläne Front gemacht wie die deutschen. Die eng» tische Regierung erkennt diesen Widerstand als berechtigt an. Herr Stegerwald mühte nun, wenn er konsequent bleiben wollte, unter Berufung auf das englische Beispiel einer entsprechenden Aende- rung der Notverordnung zustimmen. Darüber hinaus mag die deutsche Arbeiterklasse an diesem Bei- spiel erkennen, was es bedeutet, ob die Sozialdemokratie an der Regierung ist oder nicht. Amerika hält Deutschlands Lage für ernst, aber nicht kritisch. vtashinglon, 11. Juni. Staatssekretär Stimson hatte heute wiederum eine lange Unterredung mit Präsident ch o o o e r. In einer Pressekonferenz, die in Stimsons Abwesenheit stattfand, erklärte Unter st aats- sekretär Castlr, dah die Regierung der Bereinigten Staaten die Lage in Deutschland für ernst ansehe. Diese Ansicht der Regierung teile ein jeder in den Bereinigten Staaten. Deutseh- lands Lage, so fuhr Eqstle fort, stelle eine allmähliche Auf- Häufung von ungünstigen Faktoren dar, aber man sei in Amerika nicht der Ansicht, dah sie im gegenwärtigen Augenblick ausgesprochen kritisch sei. Ein taktisches Manöver Mussolinis. Rom, 11. Juni.(Eigenbericht,) Die italienische Regierung beabsichtigt, wi« der Korrespondent des„Sozialistischen P r e s s e d i e n st e s" zuverlässig erfährt, auf den Ueberschuh aus den deutschen Reparation»- zahlungen zu verzichten, wenn alle anderen europäischen Gläubiger da, gleiche tun. Gemeint ist vor allem Frankreich. Man erwartet hier von der eventuellen Amiahme eines solchen Vorschlags weniger große praktische Wirkungen für die Lösung der Reparationssrage, als vielmehr eine moralische Einwirkung aus Amerika. Wenn Amerika sehen würde— so argumentiert man hier— dah es den europäischen Staaten mit einem Opfer Ernst sei, und dah sie auf Summen verzichten, die bisher nur dem Ausbau ihrer Rüftungeiz gedient hätten, dann würde Amerika mit Rückficht auf das Gelingen der Abrüstungskonferenz vielleicht eher zur Streichung von Schulden oder zu einem beträchtlichen Schuldennachlah bereit sein. Aber Italien ist, wohlgemerkt, nur dann zu einem Verzicht auf den genannten Ueberschuh bereit, wenn alle, Frankreich voran, sich ebenfall» dazu bereit erklären. Darin liegt die Schwierigkeit des zunächst rein taktisch zu nehmenden Manöver». Aeihlen läßt wählen. Die Kampfparole der Sozialdemokratie. Ziemlich plötzlich hat die Regierung Bethlen das ungarische Abgeordnetenhaus aufgelöst und die Neuwahl auf die Zeit vom 28. Juni bis 7. Juli festgesetzt. Schon am 13. Juli tritt das neue Haus zusammen. Die Regierung Bethlen hat für den Wahlkampf die denk- bar kürzeste Zeit festgesetzt, außerdem die Zeit, wo die Land- bevölkerung den ganzen Tag auf dem Felde schwer arbeitet, um den Ausfall durch Regentage nicht allzu schwer werden zu lassen. Die Wahl ist nur in Budapest und Hm- g e b u n g sowie in sieben großen Provinzstädten geheim, sonst überall öffentlich: sozialdemokratisch wählen bedeutet da. sich der Rache der Gutsherren, Gendarmen und„Erwachen- den" auszusetzen. Nicht wenige Landarbeiter sind auf Wanderarbeit im Ausland. Und IS 000 Mitglieder der„Kgl." ungarischen Ge- h e i m a r m e e sind gerade jetzt zu mehrwöchigen Hebungen einberufen! Das Mandat des Parlaments wäre erst anfangs des nächsten Jahres abgelaufen. Der gesamte Wahlapparat der Regierung— die Verwaltungsbehörden und die Brachialgewalt inbegriffen— find bereits in voller Tätigkeit für die Regierungskandidaten. Die besonders große. Eile, die Bethlen so plötzlich bekundet, charakterisiert die all- gemeine Lage Ungarns. Die allgemeine wirtschaftkiche Sta- qnation, verschärft durch die absolut verfehlte, nur mit dem Interesse der Großgrundbesitzer und Bankkapi- t a l i st e n rechnende Wirtschaftspolitik der Regierung hat in der Arbeiterklasse, aber auch im Kleinbürgertum, große Unzufriedenheit und Erbitterung angehäuft. Die sozialdemo- kratischen Abgeordneten haben in der Budgetdebatte die Regierung wiederholt darauf hingewiesen, und die Schaffung des geheimen Wahlrechtes gefordert. Bethlen spekuliert auf die Nichtwähler, obwohl von den 245 Mandaten des Ab« gcordnetenhaufcs 199 aus öffentlicher Abstimmung— inan kann sagen: ans der Ernennung durch den Grafen Bethlen— hervorgehen. Von den 199 Mandaten der öffent- lichen Abstimmung hatte 82 Proz. die Regierungspartei ein- geheimst, die demokratische Opposition aber kaum einige Mandate erzielen können! Unter diesen Umständen war in der Sozialdemokratischen Partei eine Strömung für Boykottierung dieser Wahl entstanden, doch hat der Parteioorstand nach'gründlicher Prüfung für Wahlbeteiligung entschieden. Der Landesparteiausfchuß hat mit allen gegen sieben Stimmen eine Resolution beschlossen, die das-terroristische System der öffentlichen Abstimmung brandmarkt und konstatiert, daß die herrschenden Klassen— sich auf brutale Gewalt stützend— mit verstocktem Haß sich den berechtigten Forde- rungen des Volkes widersetzt und das Land dem wirt- schaftUchen Zusammenbruch und neuen revolutionären Erschütterungen entgegenführt. Der Parteiausschuß verweist aus die fürchterlichen Ver- heerungen. welche das Regime im Interesse der Grohgrund- besitzer, der Hausherren und der Großkapitalisten mit seiner Wirtschaftspolitik in allen Schichten der Bevölkerung an- richtet; er verweist auf die immer größere tiefe Unzufrieden- heit und auf die Erbitterung unter den Industrie- und Land- arbeitern, Angestellten und Beamten, deren Leiden gegen- über die Regierung nur zynische Indolenz bekundet und deren gewaltsamen Ausbruch sie nur mit den Mitteln der Gewaltherrschaft zu unterdrücken vermag: er verweist auf die sich immer schärfer zuspitzende Krise der landwirtschast- lichen Produktion und auf die darauf folgende schwere wirt- schaftliche und politische Lage des Landes. Und auf Grund all dessen konstatiert der Parteiausschuß, daß die Sozial» demokratische Partei es als ihre elementarste Pflicht zu be- trachten hat, in dieser schweren Situation oller berechtigten Unzufriedenheit und Erbitterung der arbeitenden Beoölke- rung Ausdruck zu verleihen, die Stimme des Volkes laut werden zu lassen, alle im Volke geborgenen Kräfte zu organi- sieren und in den Kampf zu führen— gegen die Reaktion. Zum Schluß wird aber die W a h l b e t e i l i g u n g der Sozialdemokratischen Partei verkündet, um auch mit Hilfe der Parlamentstribüne jenem Kampfe dienen zu können, der außerhalb des Parlaments von der Bevölkerung der Städte und Dörfer immer schärfer, entschlösse- ner, opferwilliger geführt werden muß. Als Wahl» parole wird ausgegeben: gesetzliche Arbeitslosen- Versicherung, ehrliche Bodenreform, auf Grund welcher die besitzlosen Landproletarier und Klein- dauern zu Boden und Existenzmöglichkeit gelangen können: alloemeine, elementare Freiheitsrechte, vollständiges Selbstdestimmungsrecht und allgemeines, geheimes Wahlrecht. Wegen des Berichts über diese Sitzung des Parteiaus- schusies wurde das Parteiorgan„Mpszava"(., Volksstimme") unter dem Rechtstitel:„Vergehen gegen das Ansehen der Nation und Aufreizung zum Klassenhaß" zweimal k o n- f i s z i e r t. Die zweite Ausgabe mußte— wie die Staatsanwaltschaft ihren Utas begründete— deshalb konfisziert werden, weil die nach Hinweglassung der inkriminierten Stellen leer gebliebenen weißen Flecke>.oufreizen- d e r" wirken als die bedruckten Seiten... Das der Auftakt zu Bethlens Wahlvorbereitungen! Aationawersammwng im Kloster? lleberfiedlung nach dem Escorial geplant. Madrid, 11. Juni.(Eigenbericht.) Die Nationalversammlung, um deren Tagungsort in der letzten Zeit viel gestritten wurde, wird— wie jetzt endgültig feststebt— in Madrid zusammentreten. Für den Fall jedoch, daß e» in der Hauptstadt zu h-ih werden oder wenn es zu B e e i n> flujsungsversuchen der Stratze kommen sollte, wird sie nach dem Kloster Escorial übersiedeln. Der Ministerpräsident und mehrere Minister haben inzwischen das Kloster Escorial besucht und festgestellt, dah die Aula der Universität genügend Raum bietet, um die Abgeordneten aufzunehmen. Die Rationalversammlung wird auf jeden Fall in dem Gebäude des alten Kongresses eröffnet und selbst darüber beschließen, ob und wann sie nach Escorial übersiedeln will. Strafellas Nachfolger al, Generaldirektor der Bundesbohnen ist Baurat Dr.-Jng. Egon Seefehlner. a. o. Professor an der Technischeu Hochschule w Wien, bbher im Direktorium der AEG.- Oie Entwaffnung Oeuischlands. Sin Schreiben Briands an den Völkerbund. Genf. 11. Juni. Da» amtliche Mitteilungsorgan des Böikerbundssekretariats veröffentlicht einen Brief, den B r i a n d als Vorsitzender der Bot- s ch a s t e r k o n s e r e n z am 16. März 1931 iin Namen der belgi- schen, englischen, französischen, italienischen und japanischen Regie- rking an das Generalsekretariat gerichtet hat. Darin heiht es, dah bei der Zurückziehung der militärischen Sachverständigen der diplo- matischen Misstonen in Berlin am 31. Januar 1930 die Gesamtheit der Fragen, deren Regelung der Grund für die Anwesenheit der militärischen Sachverständigen in Berlin gewesen sei, noch nicht geregelt gewesen wäre. Die Durchführung der Entwaffnungs- bestimmungen sei bis zum 31. Januar 1927 von der Interalliierten Militärkontralltommission überwaiht worden: seither sei kein Kon- trollorgan mehr zuständig gewesen. Zum' Schluh schreibt Briand wörtlich: „Die Botschafterkonferenz ist infolgedessen nicht befugt, ein Gesamturteil abzugeben über die Durchführung derjenigen militäri- schen Bestimmungen, die onlählich der Zurückziehung der Jntcr- alliierten Vilüärkontrollkommission als geregelt angesehen worden waren. Ebensowenig hat die Konserenz zunächst hie Befugnis, ein Ge- sawlurleil abzugeben über das Anwachsen der Militärbudgets de» Reiche», da die Frage der militärische« Ausgaben in dem Friedensvertrag nicht direkt erwähnt ist. Dagegen haben gewisse besondere Punkte, die noch seit der Zurück- ziehung der Interalliierten Militärkontrollkommission zu regeln waren, zu jenen Feststellungen geführt, die in einem b e s o n, deren Schriftstück zusammenzufassen als notwendig angesehen worden ist. Diese Feststellungen, auf die die Batschasterkonserenz besonders die Aufmerksamkeit des Lölkerbundsrqts lenken möchte, beziehen sich hauptsächlich auf die Artikel 160(E f f e k t i v b e- nb ÄetrmtietnB jl» 1W(Pattzev. 177(Tätig. feit der Verbände), 178(militärische E i n r i ch t u n» g e n). Die Feststellungen gestatten nicht, die über die einzelnen Punkte erzielten Resultate, als befriedigend anzusehen. Es wird eventuell Sache des Välkerbundsrats sein, aus diesen Tat- fachen die F o l g e r u n g e n zu ziehen, die er für angebracht hält." * Nach dem geltenden Recht bedürste es zur Vornahme einer „Investigation"(Entwaffnungskontrolle durch den Völkerbund) des dahingehenden Antrag« eines Ratsmitgliedes und der Glaub- haftmachung von Verfehlungen Deutschlands. Das obenstehende Schreiben kann, so meint das Auswärtige Amt, dem Völkerbund keinen Anlaß zu irgendwelchen Beschlüssen oder Mahnahmen geben. Völkerbund, höre! Geföngniöstrofe für Abdruck einer' Rät�rede. Die Rede de» Reichsouhenministers Dr. Curtiu» in der Januorkagung de, Völkerbundsrates zur Behandlung der Minder- heitsvölter in Polen ist in ganz Polen unbeanstandet veröffentlicht worden, auch in deutschen Blättern— ober dos„Pefener Tageblatt* wird dafür konfisziert. Vor Gericht erklärt« der Staats- onwslt. dqh die Rede von Eurtius eine Verächtlichmachung de» polnischen Staates fei und da»..Pofener Tageblatt* nur zu diesem Zwecke die Eurtius-Rede veröffentlicht habe: strenge Ke> strasung sei angebracht. Das Gericht schloß sich dem Antrage an und verurteilte den Verantwortlichen zu einem Monat Ge« f ä n g n i s. Der Völkerbundsrat sollte sich wohl verbitten, dah der Abdruck von Reden der Ratsmitglirdrr, in öffentlicher Sitzung gehalten, unter Strafe gestellt wird! vrr„Rote Pfeil". Die Sowjetbahnverwoltung kündigt auf der Bahnstrecke Moskau— Leningrad«inen neuen Exprehzua unter dem Namen„Der Rote Pfeil* an. Er legt dte Strecke iz 10 Stunden {Krück nch$ vor aOem ffer kiltoWWe baßammt. Die Stahlhelmer verurteilt. Das Gericht hält ein Verfassungskolleg:„Es gibt kein Zwischenreich, nur eine demokratische Republik!" Das Erweiterte Zchösfengericht Berlin-Mitte der» urteilte gestern die Stahlhelmführer S e l d t e und Diisterbcrg wegen gemeinschaftlichen Vergehens gegen das Gesetz zum Tchuhe der Republik(Verächtlich- machung der verfassungsmäßig festgestellten«taats- form) zu je 80 0 M. G e l d st r a f e und den verant- wortlichen Redakteur des„Stahlhelm", K l e i n a u» wegen desselben Vergehens zu 300 M. Geldstrafe. Alle Exemplare der Beilage deS„Stahlhelm", die„Bc- wegung", werden eingezogen. In der Urteilsbegründung führte Landgerichtsdirektor Steinhaus ungefähr folgendes aus: Das Gericht hatte zu prüfen, ob das Republikschutzgefetz rechts- wirksam sei. In dieser Hinsicht genügte die Feststellung, daß es auf verfassungsmäßigem Wege beschlossen und verkündet, also rechts- gültig sei. Daß durch die Aeußerung der Angeklagten die heu- tige Republik gemeint war, ist jedem klar. Jeder im- befangene Leser hat die Uebcrzeugung gewinnen müssen, daß es sich um die Republik handelt, in der wir im Augenblick leben. Des- halb war es dem Gericht nicht verständlich, wie die An- geklagten durch den Mund ihres Verteidigers behaupten konnten, sie hallen nicht die Weimarer Verfassung, sondern das Bismarck feindliche Reich des Marxismus als das Zwischen- reich gemeint. Es gibt kein Iwischenreich, sondern bloß die demokratische Republik, in der wir leben. Sie ist weder marxistisch noch faschistisch, sondern es ist die Republik, die auf Grund der Weimarer Verfassung entstanden ist. hierbei spielt es gar keine Rolle, ob die verfassungsmäßigen Minister dieser Republik der Sozialdemokratischen oder der Deutschnationalcn oder sonst irgendeiner Partei angehören. Daß diese Staatsform durch die Aeußerungen des Aufrufs v e r- ö ch t l i ch gemacht werden sollte, ist auch ohne juristische Auslcgun- gen für den gesunden Menschenverstand des einfachen Staatsbürgers ohne weiteres ersichtlich. Das Wort„u n d e u t f ch" ist zweifellos ein Verächtlichniachcn. Ebenso wenn gesagt wird, dieses„Zwischen- reich" drohe die völkische, sittliche, kulturelle und auch wirtschaftliche Grundlage der deutschen Nation völlig zu zerstören. Das ist das schlimmste, was man einem Staate vorwerfen kann, denn da- durch wird behauptet, daß er das direkte Gegenteil von dem tue, was seine Aufgabe sein sollte. Die Behauptungen der Angeklagten sind aber auch überlegt und böswillig gemacht worden. Den Angeklagten Seldte und Düstcrbcrg die Ueberlegung absprechen, hieße sie kränken. Andererseits sind beide Angeklagten durchaus ernst zu nehmende Persönlichkeiten. Sie haben das ganze Elend des Krieges und seine Folgen miterlebt. Sie gehören nicht zu den unzähligen geistig und körperlich Minderjährigen, die irgend- eine Ansicht nachbeten. Diese Angeklagten wissen aber auch, daß die Weimarer Verfassung mehr als irgendeine andere das sittliche, kulturelle und wirtschaftliche Wohl der deutschen Ration fördern wollte. Sie wissen auch, daß gerade die deutsche Verfassung im Gegensah zu anderen Verfassungen nicht dem wohl irgendeiner einzelnen j Oberschicht dienen sollte, sondern dem ganzen volle. Daß diese Republik nicht olles, was die deutsche Verfassung gewollt, hat ausführen können, daran tragen Krieg und Nachkriegs- zeit die Schuld. Die Republik ist nicht für die Folgen dieser be- sonderen Verhällnisse verantwortlich zu machen, sie hatte einen Krieg zu liquidieren, für den sie nichts konnte. Dos alles w i s sen die Angeklagten. Und wenn sie trohdem sagen, daß dies- Republik die Grundlagen der Ration zu zerstören drohe, so handeln sie böswillig. Da nun das Gericht Böswilligkeit angenommen Hot, so erschien eine Beweisaufnahme überflüssig. Die von der Vcr- tcidigung benannten Zeugen wären aber auch eher Gutachter, und zwar größtenteils rcpublikfeindliche Gutachter gewesen.. Bei dem Strafmaß war zu berücksichtigen, daß die Aeußerungen eine ungeheure Kränkung und Verächtlichmachung darstellen. Es mag der Fall sein, daß die Republik in ihrer Noblesse vielzulangeKränku-n genhingenommen Hot, und man mag wohl verstehen, wenn Staatsbürger mitunter der Ansicht seien, daß diese Kränkungen nicht vorgekommen wären, wenn die Deutsche Republik auch ihrerseits in ihrem Wappen das Rutenbündel und das Beil führen würde, wie dies Staaten im Osten und Süden tun, Staaten, mit denen manche unserer Volksgenossen lieb- äugeln. Das Gericht hat mildernde Umstände als vorliegend er- könnt. Es erblickt sie darin, daß die Aeußerungen in politisch bewegter Zeit gefallen sind, und daß sie auch aus ehrlicher Ueberzeugung getan wurden: ferner darin, daß die Angeklagten für das gemeinsame Vaterland— denn wir haben ein gemeinsames Vaterland trotz alledem— einst gekämpft und geblutet haben. Wenn das Gericht nicht auf Gefängnisstrafen erkannt hat, so nicht aus Angst Märtyrer zu schaffen,— das sei hier ausdrücklich festgestellt—, wenn vielleicht auch dem einen oder dem anderen angenehm wäre, daß Märtyrer grschafst würden. „Angriff"- Leute aus der Anklagebank. Wegen Beschimpfung nnd Verleumdung. In zwei verschiedenen Gerichtssälen verantworten sich Dr. Goebbels und Dr. L i p p« r t: Dr. Goebbels vor der Be- rufungsinftanz der 2. Strafkammer des Landgerichts l, Dr. Lippert vor dem Amtsgericht Berlin-Mitte. Dr. Goebbels war vom Schöffengericht Berlin-Mitte am 4. April wegen Beleidigung des Vizcpolizeipräsidenten Dr. Weih zu ISO» Mark Geldstrafe oerurteilt worden. Er hatte in einer Rede im Kriegervereinshaus und hinterher auch in einer Broschüre u. a. gesagt, es genüg«, den Namen Isidor zu nennen, um damit die korrupte Berwaltungi Berlins zu meinen. Dr. Goebbels war auch zur Verhandlung erschienen. Der Staatsanwalt beantragte Verwerfung der Be- r u f u n g und das Gericht verfuhr demgemäß. Dr. Goebbels wird also blechen müssen, wenn er es nicht vorzieht, 15 Tage abzusitzen. Dr. Lippert war wegen Beleidigung, des Stadtbankdirektors Fellner angeklagt. In einem„Angrifs'-Artikel war von den dunk- len Geschäften, die der neuernannte Stadtbankdirektor in einer Blumenhandlung angeblich getrieben haben sollte, gesprochen wor- den. In der jetzigen Verhandlung erklärte Dr. Lippert, der als verantwortlich gezeichnet war, daß er beim Erscheinen des Artikels auf Urlaub gewesen sei, ihm also vollkommen fernstehe und ihn in dieser Form nicht gebilligt hätte. Er sei bereit, eine entsprechende Erklärung abzugeben. Es kam ein Vergleich zustande, der u. a. dahinging, daß Dr. Lippert sich durch ein Urteil im Zivilprozeß davon überzeugt Hobe, daß die seinerzeit im„Angriff" gegen Direktor Feitner er- hobenen Vorwürfe ungerechtfertigt seien. Dr. Lippert über- nahm auch die Kosten des!8erfahrens. Der Text des Vergleichs soll im.Angriff" abgedruckt werden. Also wieder einmal ein blamabler Reinfall des Naziorgans. ] Verurteilie Messerhelden. Gefängnisstrafen für Hitler-Rowdys. München, 11. Juni.(Eigenbericht.) Das Münchener Strafgericht verurteilte fünf Hitler-Burschcn wegen schwerer Körperverletzung zu Gefängnis st rasen von 3 Wochen bis zu 1t> Monate n. Mildernde Umstände wur- den ihnen wegen der besonderen Art des Roheitsdcliktes versagt, ebenso wurde die beantragte Bewährungsfrist abgelehnt. Der Staatsanwalt hatte geringere Strafen beantragt. In der Nacht zum 1. März überfiel eine Truppe von acht jugendlichen Hitler-Rowdys, die aus einer Weinkneipe kamen, auf der Straße eine Gesellschaft von Männern und Frauen, weil sich einer von ihnen durch einen Zuruf gehänselt glaubte. Der 18jährige Nationalsozialist Eichner, der das Signal zum Ueberfall gegeben hatte, stach sofort wie ein Besessener mit dem Messer um sich und verletzte dabei auch einen seiner Parteifreunde. Dann ging er von hinten auf den in Verteidigungsstellung befindlichen Maschinisten Engl los und rannte ihm das Messer in den Rücken. Engl wurde lebensgefährlich an der Lunge verletzt. Erst nach Monaten wurde er wiederhergestellt. Als er zusammengebrochen war, traten die Hitler-Buben aus dem Schwerverletzten herum und brachten ihm noch klaffende Kopfwunden bei. Auch der Vater des Ma- schinisten, der seinen Sohn aufheben wollte, wurde mißhandelt. Im Verlauf der Gerichtsverhandlung wurde festgestellt, daß es sich nicht um eine politische Rauferei gehandelt habe, da die Ueber- fallenen keiner politischen Partei angehörten und überhaupt nicht wußten, daß sie es mit Hakcnkreuzlern zu tun hatten. Das Motiv der Hitler-Rowdys wurde vom Gcrichtsvorsitzenden als reine R a u f l u st gebrandmarkt. -12 Todesurteile in Rangoon. Nachspiel zu der Oezember-Nevolte. Rangoon, 11. Juni.(Eigenbericht.) 12 an der Rebellion im letzten Dezember beteiligte Personen wurden in Tharawaddy zumTodeverurteilt. 26 Personen, darunter ein buddhistischer Priester, wurden zu lebenslänglicher Gefangenschaft oerurteilt. Aus der Partei. Warnung vor Spaltern. Unter Berufung auf die in den Verhandlungen des Parteitags in Leipzig erfolgten Mitteilungen über die in Köln erscheinende uno im ganzey Reich oerbreitete Zeitschrift„Der rote Kämpfer" faßte der Parteivorstand in seiner Donnerstagsitzung folgenden Beschluß: Die Zeitschrift„Der rote Kämpfer", marxistische Arbeiter- zeitung, Herausgeber und verantwortlicher Schriftleiter: Joseph Prenner, Köln, Roonstraße 43 II, Druck: H. Walzer u. Co., Düssel- dorf, ist ein parteifeindliches und ein parteis chädi- g e n d e s O r g a n. In der Zeitschrist, die angeblich von Sozial- dcmokraten für Sozialdemokraten herausgegeben wird, die aber in ihrer ganzen Art kommunistischer Spaltung?- arbeit dient, werden fortgesetzt in den Artikeln, die a l l e c. n o- n y m erscheinen, die schwersten Beschimpfungen und Verleumdungen gegen die Partei oerbreitet, die geeignet sind, das Ansehen der Partei zu schädigen und das Vertrauen zu ihr zu erschüttern. Die Herausgabe und Verbreitung der Zeitschrift„Der rote Kämpfer" sowie die Mitarbeit an ihr i st e i n pa r t e i s ch ä d i g e.n- das Verhalten. Berlin, den 11. Juni 1931. Der Parteivorstand. (Gewerkschaftliches siehe 2. Beilage.) BcrantwarUich fiir Politik: Birtor Schiff: Rirtlckaft:®. fllinadböf"; Sewcrkschaftsbcwcquno: I. St«i»er; iZemHeto::: Dr. Jol,n Sdnfoo>«fi; l'otalcs und gonftiflts: fftis Jkarflödt; Än,eigrn: Td. ffilotfc; sämtlich in Berlin. Berlar: Borwärt-.Lcrlaa G m. b. H.. Berlin. Druck: Vocloärto.Buchdruckerei und Verlagoanstalt Paul Sinqcr u. Co.. Berlin EM 6S, Lindenltran«& Hierzu 3 Bcilaflcn und.Etadtbeilage'. WERTHEIM Zusendung von 5 M an. Ofost, Gemüse u, leicht verderbliche Artikel werden nicht zugesandt Setveit(Per rat t (Billige HehensmitteJ Frisch. Fleisch Konserven . Pfund 0.66 0.78 Querrippe. Rinderkamm p�nd Gulasch 0.86 Liesen 0.55 Gehadtfes---- Pfund 0.70 Schmorfleisch ohnpfulw 1.14 Roastbeef mH Knock, Pfd. 1.00 Kalbskamm... Pfund 0.70 Kalbsbrust- 0.80 Kalbskeule �Ä'O.eB Kalbsschnitzel. Pfund 1.80 Hammel«Vorderfl. 0.88 Schweinebauch Pfund 0.66 Schweinebialt. Pfund 0.74 SchweineschlnkenPfd.0.78 Kahler ohno Knochen, Pfd. 0.90 Fr. Bratwurst SpezS 0.95 Nierentalg aui9Äd 150 Fische Makrelen VuÄ an 0.14 Seelachs.. Pfund von an 0.1 5 Kabeljau piKh�pfd? Fischfilet Goldbars. Pfund von an 0.28 Zander u- �iS'fon.» 0.32 Lebende Aalepen Stneit, in dessen verlaus Korten eine p i st o l e zog und auf Frau palte, die ans die Treppe flüchtete, drei Schüsse abgab. Die Kugeln versehlteu glücklicherweise ihr Ziel. Als Hausbewohner durch die Detonation der Schüsse und die Hilferufe der Frau aufmerksam wurden und hinzueilten, lief der Täler die Treppe hinunter und tötete sich durch einen Schuß in die Schläfe. Dm Räuber auf dem Wedding. Der Raubüberfall auf den Rektor aufgeklärt. Schon nach einer Woche ist es gelungen, den aussehen- erregenden Raubüberfall aus den städtischen Rektor Alfred T r i n k a u s aus der Liebenwalder Str. 34a aufzuklären. Die Ermittkungen, die dos Raubdezernat der Kriminalpolizei »Pier Leitung von Kriminalkommissar Nebe angestellt hat, haben jetzt zur Fsstnahme der drei Beteiligten geführt. Die Fest- genommenen sind ein 25 Jahre alter Paul Müller, ein 30 Jahre alter Eugen Geser aus der Hermannstraße in Neukölln und ein 29 Jahre alter Händler Georg Kantereit. Alle drei bestreiten vorläufig noch, den Ueberfall verübt zu haben. Die drei Leute kennen sich schon seit einer Reihe von Jahren. In der letzten Zeit hatte Kanterei einen Straßenhandel mit Obst im Südosten der Stadt eröffnet. Von wirtschaftlicher Not kann bei keinem der drei die Rede sein. Die Eltern aller drei sind achtbare und begüterte Leute und die Söhne hätten nicht lötig gehabt, einen räuberischen Ueberfall zu unternehmen. Der Plan zu der Tot ist ofsenbar von Kantcreit ausgegangen, der der geistig Ueberlegen« ist. Aus dein Zentrum, wo sie keinen Erfolg holten, gingen sie zum Wedding. Hier beobachteten die drei, daß her Rektor T. gewohnhcitsgemöh nach der Bank in der Reinickcn- oorscr Straße zunt Geldholen ging. Müller, der Besitzer eines Motorrades brachte es in Ordnung und fuhr die beiden anderen hin. Für seine Beteiligung hat er von der Beute 20 Mark erhalten. Die Ltriei'e im Kommumstsnprozeß. Is nsnn Monate Gefängnis wegen Naufhändel. Das Schwurgericht I verurteilte in der gestrigen VerHand- Uing wegen der politischen Exzesse in der Sylvesternacht am Zions- kirchplatz, wobei der Nationalsozialist Reiser tödlich verletzt wurde, die Angeklagten Roßgoderer und Erich Danielowstki lediglich wegen Raufhandels zu 9 Monaten G e s än g- n i s, da nicht mit Sicherheit sestgestellt werden konnte, wer an dem Tod des Nationalisten die Schuld trage, obwohl vieles gegen Roh- goderer ssireche. As beide» anderen Angeklagten Hanselow und Wilhelm Danielowsti erhielten drei und vier Monate Gefängnis. Thälmann im Sportpalast. Gestern sprach Teddy Thälmann im Sportpalast. Drinnen viel Sowjetfahnen, Tamtam dazu und die gewohnte Hetze gegen die Sozialdemokratie, ohne die es ja nun mal bei den Kommunisten nicht geht. Draußen viel Polizei. Die Zu- aangsstraßen sind abo�lverrt, man sieht Neugierige und zu Graupen hier und da Nazis. Und man hat das beruhigende Gefühl, daß die republikanische Polizei sich die größte Müh- gibt, allzu rabiate Zu- iamnienstöhe zwischen den feindlichen Brüdern, den Thälmann- Jüngern und den Hitler-Anbetern, nach Mögllchkelt zu verhindern. Uebrijjens hat vorher die Polizei im Sportpalast etwa 100 Leibes- Visitationen aus Waffenbesitz hin vorgenommen. Ein mit Pistole und scharfer Munition ausgerüsteter Jungkommunist wurde der Abteilung TA. zugeführt. Auch Thälmann wurde visitiert. Cr sträubte sich und wurde deshalb zur Wache geleitet, von der er nach der Feststellung, daß er kerne Waffen bei sich hatte, ohne Der- zug entlassen wurde. Die Sicherheit der Armen, Einer mnh dem andern helfen!— Mehr Verbundenheit! Arm ist jeder, der von einem Tage zum anderen sorgen, der heute für morgen arbeiten muß. Aber Armut ist nicht gleich Besitz- losigkeit. Auch der Arme schasft sich durch seinen Fleiß, durch Sparsamkeit Werte, die für ihn wertvoll und teuer sind. Darum ist der Arme ebenso wie der Reiche das Objekt der Habgier. So traurig es ist: ein Zehnmarkstück, ein kleiner goldener Ring, eine Uhr sind oft schon für ihren Besitzer die Ursache des jammervollen Endes geworden. Es war immer schon so, daß weit mehr dem Armen als dem Reichen gestohlen wurde. Der Wohlhabende ist imstande, alle mög- lichen Schutzmaßnahmen zu treffen, die heute technisch so vec- vollkommnet sind, daß da kaum noch von einer Unsicherheit ge- sprachen werden kann. Aber dem Armen fehlen die Mittel dazu. Oder gibt es doch Möglichkeiten für den nicht viel Besitzenden, feine geringe Habe zu schützen? Wie schützt sich die Laubenkolonie? Da wohnen eine Unmenge von Stadtleuten im Sommer eigent- lich mehr in ihrer„Laub e" als in dem Steinhaus irgendeiner Proletariergegend. Ja, es gibt heute nicht wenige, die überhaupt nur noch in der Laube wohnen. Die Laube steht in einem Gärtchen, das einen wertvollen Zuschuß zu der heute so schmalen Lebens- Haltung liefert. Aber der Zaun ist nicht hoch, und selbst Stacheldraht kann man unschwer durchschneiden. Da ist in einer Nacht die ganze Ernte beim Teufel. Und wenn in der Laube mitnehmenswerte Dinge vorhanden sind, so fehlen die anderntags auch. Man hat also Wächter anzustellen. Doch die Laubengrundstücke sind oft sehr umfangreich, und an allen Stellen zugleich kann der eine alte Mann, der nebenbei auch mal einnickt, nicht sein. Aber ein paar scharfe Hunde, die, auf gemeinsame Kosten gehalten, den gemeinsamen Besitz der Siedlung schützen, sind wohl möglich einzustellen. Die Hunde brauchen nicht die eingehegte» Grundstücke belaufen. Sie sollen nur auf den Wegen innerhalb des großen Siedlungszaunes frei umher- laufen. Wenn ein wenig Ordnung in der Kolonie herrscht und vor allem das Gefühl der Gemeinsamkeit, das beim Proletarier das vordringlichste sein sollte, vorhanden ist, so sind auf diese Weise am besten die Angrisse der Asozialen abzuwehren. Außerdem sollte jede Siedlung wenigstens eine Telephonverbindung zur nächsten Polizeistation haben. Die Kosten dafür, auf die Gesamtheit der Siedler umgelegt, sind minimal. Selbstschllsse, Wolfshaken und elek- irisch geladene Drahte in die Gärten zu legen, ist nicht ratsam. Der Besitzer ist für jeden durch solch« Anlagen entstehenden Schaden haftbar und kany für eine Körperverletzung, auch wenn sie einem nächtlichen Eindringling zugefügt wird, mindestens zivilrechtlich verantwortlich gemacht werden. Die vielen Morde in Ladengefchästen. Wir haben in letzter Zeit schaudernd eine ganze Anzahl von Morden miterlebt, deren Opfer fast durchweg„kleine Leute" waren. Besonders Ladeninhaber männlichen und mehr noch weib- lichen Geschlechts sind gefährdet. Und doch gibt es hier beinahe un- fehlbare Sicherheitsmaßnahmen. Wer unbekannte Personen oder solche, die er nicht ganz genau kennt, vor oder nach Ladenschluß. zu sich einläßt, der muß sich mit den traurigen Folgen abfinden. Aber auch innerhalb der Geschäftszeit ist die Gefahr des Ueberfalls und selbst des Mordes heut« groß. Warum? Weil jeder Ladeninhaber nur für sich lebt, denkt und handelt. Ich habe schon vielen kleinen Geschäftsleuten die Anlage einer einfachen elektrischen Klin- gelverbindung mit dem Nachbarn empfohlen. Mit bestem Er- folg. Sobald eine Person, die sich verdächtig macht, den Laden betritt, drückt der ja sehr häufig alleinstehende Ladeninhaber auf einen unter dem Ladentisch angebrachten Klingelknopf. Die Klingel alarmiert den Nachbarn, der schnell hinüberläuft und nachsieht. Diese einfache Maßnahme genügt vallkommen, um den mit bösen Absichten ein- getretenen„Käufer" zu oerscheuchen. Es ist eine erwiesene Totsache, daß alle Verbrecher den Versuch zur Tat sofort einstellen, sobald sie sich von der Wachsamkeit und vom Argwohn des Ladeninhabers überzeugen müssen. Hat man wirkliche Werte im Laden oder liegt die Annahme einer erheblichen Tageskasse nahe, so sollte der Laden- inhaber die Ausgabe für einen kleinen Wachhund nicht scheuen. Es ist durchaus nicht notwendig, einen großen oder gar einen bissigen Hund im Laden, in der Wohnung, in der Laube zu halten. Im Gegenteil, der bissige Hund bedeutet oft eine Gefahr für die Kund- schast und deswegen Schaden für den Besitzer. Der kleinste Kläffer— allerdings ein Kläffer muß es sein!— ist ein besserer Schutz, als alles andere. Der Gelegenheitsdieb soll erst noch gesucht werden, der dem lauten Gebell des Hundes standhält.. Stärkerer Schutz für die Wohnung. Wie steht es nun mit der Etagenwohnung?— Da kommt zuvörderst die W o h n u n g s t ü r in Frage. Heute, wo jeder an seinem Radio bastelt, ist das Legen einer elektrischen Leitung wirk- lich kein Kunststück mehr. Run läßt sich an die Enttoetür unschwer eine Klingelleitung anschließen, die, sobald das Schloß aufgeht, einen sogenannten Fortschallwecker in Bewegung setzt, der mit seinem grellen Getöse die Nachbarschaft ohne weiteres alarmiert. Die gewöhnliche Entreetür ist, auch wenn sie nicht oben diese blödsinnigen Lichtfenster hat, gar kein Schutz, selbst dem wenig raffinierten „Klingelfahrer" gegenüber. Wem es nun nicht darauf ankommt, der läßt dies« Tür mit anderthalb Millimeter starken©fohlplatten abdecken und sich ein sogenanntes Stangenschloß mit Sicherheits- schlüssel einbauen. Wem das zu teuer ist, der kann wundervoll durch schmale Blechstreifen oder starke Drähte, die er in fünf Zentimeter Abstand auf die Rückseite seiner Tür nagelt, das Durchschneiden der Türfüllungen verhindern. Ein Sicherheitsschloß muß mindestens sieben„ZuHaltungen" haben, sonst nützt es nichts. Aber auch dieses ist für S Mark erhältlich, und anbringen kann man es sich sehr gut selber. Es werden in Berlin und auf dem Lande nicht etwa nur die paar Einbrüche begangen, die in den Zeitungen vermerkt sind. Ein« Polizeistatistit sprach jüngst davon, daß ein Prozent der begangenen Einbrüche aufgeklärt wird. Ich glaube nicht daran, daß auf hundert schwere Diebstähle auch nur einer kommt, dessen Bcrüber entdeckt wird. Ich habe einmal gemeinsam mit dem Wirt eines Vorort- lokals zwei Leute dingfest gemacht, Mann und Frau, bei denen die Polizei dann etwa 300 Pfandschein« vorfand, die 800 Ein- brächen entsprachen, die diese beiden Spezialisten durchweg nur bei Schneidern begangen hatten. Und auch diese Zahl konnte bei weitem nicht der gesamten Menge der Diebstöhle entsprechen, denn es wurde nachgewiesen, daß das Ehepaar sein Geschäft seit mehr als 15 Jahren betrieb, ohne jemals gefaßt zu werden. Die letzte Ursache für das Ueberhandnehmcn der Dieb- stöhle ist die furchtbare wirtschaftliche Not. Der Grund aber, aus welchem eine so unendlich geringe Prozentzahl der Verbrechen entdeckt wird, ist in der Gleichgültigkeit und Teilnahmslosig- keit der Menschen untereinander zu suchen. Vom Wirt oder vom Verwalter richtig geleitete Häuser, in dem die Mietsparteien eine menschliche Gemeinschaft bilden, lverden wenig oder gar keine Eigen- tumsdelikt« zu verzeichnen haben. In solcher Gesamtheit ist das Interesse des einzelnen gleich dem Interesse aller. Jeder bemüht sich um jeden und jeder weiß, daß Nachbars Sicherheit auch seine eigene bedeutet. Mögen die reichen Leute sich„vornehm" gegen- einander abschließen und ihren.Individualismus" auch in der Wohnung und Abgeschlossenheit bekunden— der Arm«, der Prole- tarier hat die Pflicht, kollektivistisch zu denken und zu handeln. Das heißt, einer soll für den andern eintreten und neben seinen Einzelinteressen die seiner Mitmenschen wahrnehmen. Hans Neue Schule für Britz. Der Plan gestern vom Stadtgemeindeausschug genehmigt. Der Sladlgemeindeausschuß von Berlin trat gestern zu einer kurzen Sitzung zusammen, in der einige wichtige Beschlüsse gefaßt wurden. So stimmte der Gemeindeausschuß dem vom Siadt- schulral Rydahl vorgelegten Plan der Errichtung einer neuen Volksschule in Britz zu. Mi« der Durchführung dieses Be- schlusses wird endlich die Schulraumnot in Britz ein Ende finden. für deren Zlufh?buog sich die sozialdemokratischen Der- t r e t e r sowohl in Neukölln wie in der Berliner Zentrale seit langem cingesehk haben. Das Gesamtprojekt des neuen Voltsschulbaues steht die Errichtung in zwei Hauptabschnitten vor, und zwar jeweils für eine cinfoche Volksschule mit 19 Klassen. Das Gebäude soll aus dem Kellergeschoß und drei Obergeschossen bestehen. Die K o st e n für den ersten Bauabschnitt werden bei einem Bauindex von 160 auf 1,2 Millionen festgesetzt. Um der schwierigen Finanzlage der Stadl Rechnung zu tragen, soll von diesem ersten Hauptabschnitt zunächst nur ein Ausschnitt errichtet werden. Di« Kosten belaufen sich auf 300 000 Mark. Sämtliche dem Stadigemeindeausschuß vorliegende Vorlagen über die F l u ch t l i n i e n f e st s e tz u n g wurden an den Städte- bauausschuß zurückverwiesen, weil die neue Notverordnung Bestimmungen enthält, die sich auch auf die Fluchtliniengesetzgebung entscheidend auswirken können. Ebenso wurde eine Vorlage, die die Erstattung van Schisfahrtsabgaben an den preußischen Staat ver- handelte, an«inen'Sonderausschilh überwiesen. Schließlich beschloß der Staidtgemeindeausschuß, während der Stadtverordneten- f e r i e n keine Sitzungen abzuhalten. Freude für Großstadttinder. Sonnentage auf den städtischen Außenspielplätzen. Unter dem Zwange der Einsparungen in der Stadtwirtschost Berlin» sind auch die sozialen Hilfsmaßnahmen für die onterernährte und körperlich zurückgebliebene Schuljugend eingeschränkt worden. Der Prozentsatz der pflegebedürftigen Schulkinder in Berlin Ist sehr hoch und nur einem Teile kann durch regelmäßige Schul- speisungen geHolsen werden, obwohl gerade die Jugend von den zwangsläufigen Einschränkungen in der häu»Iichea Lebenshaltung am schwersten betrosfeu wird. Di« Betreuung der in Berlin zurückgebliebenen Schullinder während der großen Sommerserien ist schon seit einigen Jahren durch das Landesjugendamt als ein soziales Hilfs- werk erfolgreich durchgeführt worden. Auch in diesem Jahre sollen die Ferienspiele wieder auf den st ä d t i s ch e n Außen- s p i e l p l ä tz e n durchgeführt wert»«», damit ein möglichst großer Teil der in Berlin verbleibenden Schulkinder die Ferienwochen in frischer Lust verbringen kann. Mit Beginn der Sommerferien von Juli bis Anfang August werden die Auhenspielplötz« Grunewald, Dahlem, Jungfernheide, Tegel, Blankenfelde, Blich, Wartenberg, Pserdebucht, Wuhlheide, Königsheide und Plönterwald fiir die Ferien- spiele freigegeben. Als weitere Maßnahme für die Ferienzeit ist die Bereitstellung der Turn- und Sportplätze und die Freigabe der S ch u l h ö f e für die Kinder in Aussicht genommen. Die Kinder aus den Außenspielplätzen werden dort verpflegt. Spielgeräte stehen zur Verfügung. Die Beförderung der Kinder zu und von den Spiel- Plätzen erfolgt kostenfrei. Aus den Spielplätzen wird ihnen ein Morgengetränk, ein kräftige» M i t t a g e s s e n und Nachmittagskaffee mit Gebäck verabreicht. Der Elternbeitrag ist sehr gering bemessen, er soll auch in diesem Jahre voraussichtlich wieder täglich 30 Pf. für das erste und 15 Pf. für das zweite Kind betragen, während die übrigen Kinder einer Familie beitragsfrei sind. Die Kinder ver- sammeln sich täglich um 7.30 Uhr aus den Schulhösen, die in allen Schulen bekanntgegeben werden. Die Ferienspiele sind Lichtblicke im Dasein der Großstadt- linder, die verurteilt sind, in dem Steinmeer der Weltstadt und oft zwischen tust- und lichtleeren Höfen ohne Sonne auszuwachsen. Ihnen einige Wochen wirtlicher Erholung und Kräftigung zu bieten, ist ein« sürsorgerische Aufgabe des Landesjugendamtes, der, wie die Erfahrung lehrt, ein voller Erfolg beschieden ist. 7. kreis Eharlottenburg. Zwiegespräch zwischen Paul Hertz und Kurt Rosenseld heute 19 Vi Uhr im Wohlfahrtssaal, Königin- Eliiabeth-Sttahe 6, über„Die Offensive der Reaktion und die richtige Taktik der Sozialdemokratie". Anschließend Diskussion. Di« Philosophie INasaryks behandelt der Dortrag ,des Univ.» Prost Dr. I. M i r t s ch u k vom Ukrainischen Wissenschaftlichen Institut am heutigen Freitag. 20 Uhr, im Hörsaal 88 der Universität. Gestrandeter Llayddampfer. Der 2250 Tonnen große Dampfer „Anatolia" des Norddeutschen Lloyd strandete im Amazonenstrom. Die Ladung tonnte gelöscht werden, der Dampfer ist verloren. Der Hungerriemen Momentbilder von Straßenecken, Mietskasernen und Amtsstuben Die nachstehenden Ausschnitte sind zwischen dem Morgen und dem Mittag eines einzigen Tages gesammelt. Sie sind nirgends retuschiert. Sie zeigen, wie ein Drittel der Berliner Bevölkerung kaum noch sein Leben zu fristen vermag. Ein Arbeitsloser geht zu seiner Krisenkasse des Arbeits- amts Berlin-Mitte. Für den Anfangsbuchstaben seines Namens wird die Unterstützung morgens zwischen 8 und 9 Uhr gezahlt. Noch in der vorigen Woche standen in dieser Stunde Hunderte von Männern vor den Kassenschaltern und warteten auf das Geld. Eine bis anderthalb Stunden dauerte die Abfertigung. Heute waren in der geräumigen Halle drei Männer.„Nanu", fragte der eine,„was ist denn hier los, haben die alle Arbeit gekriegt?"„Nein", gibt man ihm zur Antwort,„wo sollen denn die Arbeit her haben. Aber ihre Krisenwochen sind um, die sind alle der Wohlfahrt überwiesen. Die kriegen jetzt E.-H., ewige Hilfe." Ewige Hilse sagen die Berliner Erwerbslosen zur Erwerbslosen-Hilfe der Stadt Berlin. 44 Mark im Monat. Tag für Tag Schrippen mit Margarine. Ein achtzehn-, neunzehnjähriger Bursche hat auf seinem Zahl- l ogen quittiert und erhält vom Kassierer acht Mark und zwanzig Pfennige aufs Brett gezählt. Da erschrecken selbst die hinter ihm stehenden Arbeitslosen.„Nun sage mal", fragen sie den Jungen, „was fängst Du denn mit den paar Groschen an?"„Eltern habe ist nicht", äußert sich der Gefragte,„da wohne ich bei einer alten Frau in der P.-Sttaße. Da habe ich eine Kammer, für die muß ich monattich 12 Mark Miete zahlen. Dann bleiben mir noch von der Unterstützung 5 Mark wöchentlich. Dafür kaufe ich mir Schrippen und Margarine. Davon muß ich leben. Ich möchte gerne wieder mal ein warmes Mittagessen im Leibe haben, aber dazu reicht es nicht. Meine Kleidung zerfällt mehr und mehr, es ist gut, daß mir meine Schlummermutter immer die Kragen wäscht." 27 Pfennig statt 1/45 M. Wir wollen jetzt eine Unterhaltung wiedergeben, an der man ermessen kann, was es für das Unternehmertum bedeutet, eine industrielle Reservearmee zu haben. Ein Schlosser von Bergmann erzählt:„Ich komme vom Urlaub zurück, da sagt der 'Meister zu mir: Sie sind entlassen. Ich sage, nanu, ich hatte doch immer noch ganz schöne Arbeit. Aber der!' Meister meint,»nein, es ist nichts mehr, meine Papiere Legen im Büro. Ich gehe zum Büro, da sagt man mir: Gott, ja, wissen Sie, wenn Sie wollen, können Sie hierbleiben. Aber nicht mehr für 1,45 M. die Stunde: nur noch für 77 Pf. Nun habe ich mir überlegt, gehe ich stempeln, kriege ich zwanzig Mark Unterstützung und lande bald in der Wohl- fahrt. Bleibe ich da, habe ich immer noch meine paar dreißiger Mark. Da bin ich geblieben." Ein Entlassener von Siemens spinnt den Faden weiter: „Als ich meine Papiere bekam, ging ich noch mal zum Meister. Ich sagte, ja ja, nun beißen unsereinem auch die Hunde. Da ant- wartet der Meister: eigentlich könnten Sie hierbleiben. Ich mache ein sehr erstauntes Gesicht, da fährt er fort: Sie müssen mal nach- denken. Nachher ersuhr ich, daß er den gelben Nachweis in der Brandenburgstraße gemeint hatte, da hätte ich mich für 79 Pf. die Stunde vermitteln lassen können. Wer das mache ich nicht." Ueber die''Straße geht ein Parteigenosse, Mitglied einer Wohlfahrtskommission. Fragen nach Woher und Wohin.„Ich will mal raus fahren und Psefferlinge sammeln nach dem Regen. Denn das Geld reicht nicht hin und nicht her. Ich bin jetzt auch schon sechs Wochen in der Krise". Dieser arbeitslose Parteigenosse hat nun noch arme, alte Rentner zu betteuen. Er meint:„Es ist furcht- bar. Da kommt man nun zu den alten Leuten und dann muß man ihnen sagen: Mutterken, et dud mir leid, aba et jibt schon wieda wenja Jeld. Da hat man jetzt den alten Leuten von ihren 59 Mark im Monat noch eine Mark abgezogen, inzwischen ist'wieder alles teurer geworden. Dabei leben die Leute doch bloß noch von den Eßmarken, dazu kaufen sie sich ein bißchen Brot und Schmalz. Wovon die eigentlich ihre Miete zahlen, ja, ich weiß das nicht. Am besten ist immer noch, wenn sich ein paar alle Leute zusammen- schmeißen und aus einem Topf wirtschaften, ober alte Leute sind wunderlich, die vertragen sich schlecht. Aber man hat selber nichts, und soll noch anderen helfen." llttd beim Schuster... Beim Flickschuster in einer kleinen Straße.„Hören Sie bloß aus", sagt der, ,cha bringen mir die Leute im April ihre Schuhe. Heute im Juni stehen sie noch hier. Als sie damals kamen, hatten es alle eilig,„Mcesta, wenn et jeht, zu übcrmorjen früh. Dann haut man hin und nachher holt keiner die Schuhe ab. Ohne weiteres brauchen die Leute die Schuhe, aber sie haben kein Geld, sie abzuholen. Dabei müssen das Leute sein, die noch drei Groschen haben, denn die Arbeitslosen, die kommen doch gar nicht zu mir, weil sie ihre Schuhe von der Wohlfahrt besohlt kriegen. Es ist schlimm." An einer Kraftdroschken- Halte st elle stehen vier Chauffeure. Die sind am schlimmsten dran, denn wer fährt noch Taxi? Sie unterhalten sich über das ewige Thema, die schlechte Zeit. Einer sagt, er ist jetzt von früh um 8 Uhr bis mittags um 2 Uhr gefahren und hat 3,59 M. eingenommen. Gestern bei der Abrech- nung waren von 199 Chauffeuren 99 dabei, die keine zehn Mark Tageskasse hatten. Sie kommen einmütig zu dem Schluß, es ist besser, stempeln zu gehen, als Taxi zu fahren. Trotzdem das so ist,-ift-der Betriebsstoff noch verteuert wordern bis zu 41 Pf. pro Liter.:?,''' Zum Krämer kommt der Bierkutscher und seufzt, es wird immer weniger. Man sehe sich doch auch abends die Kneipen an, sie find leer. Die Folge ist Produktionseinschränkung bei den Brauereien, Arbeiterentlassungen und wieder ist die Massenkaufkraft ein Stück gesunken. Der Bierkutscher erzählt von einem Zigarren- Händler, der macht jetzt einfach die Zigarettenschachteln auf und ver- kauft wieder lose. Mag kommen, was will. Neun Zigaretten können nur noch die wenigsten kaufen, zwei Zigaretten für, einen Groschen würde sich auch mal ein armer Arbeitsloser leisten. Im Kriege hatten wir den Schleichhandel und jetzt geht das, wenn auch noch zaghaft, wieder los: Gesetze zerbröckeln vor der Not wie ein alter Brotkanten! Von der Schulbank in den Arbeitskampf! Der letzte freie Sommer gehört der Erholung! Ein kurzer Blick in die statistischen Aufzeichnungen der Schul- ärzte oder in die oft recht pessimistisch gehaltenen Gutachten der Gewerbeärzte, die die Berufstauglichkeit zu prüfen haben, gibt uns reichlich Aufklärung über den keineswegs glänzenden Gesund- heitszustand der künftigen Berufsanwärter. Aber auch ohne die verschiedenen fachmännischen Urteile zu kennen, wissen wir, wie es um das körperlich« und seelisch« Wohl unserer Großstadt- jugend bestellt ist, deren gesunder Entwicklung sich so schwer- wiegende Faktoren feindlich in den Weg stellen: Not an den lebenswichtig st en Dingen. An reichlicher, kräftiger Nahrung und an gesunden Wohnstätten auf der einen Seite, an einem geregelten, geordneten Zuhause auf der anderen Seite. Und wie die kräfttgende Sonne nicht die dumpfen, finsteren Wohnlöcher der Hinterhäuser erreicht, so erhellt und erwärmt auch kein Strahl innerer Zufriedenheit von Bater oder Mutter des Kindes wärme- suchendes Gemüt. Das wächst heran m einer ewig-drückenden Atmosphäre von Not und Elend und sehnt sich nach Freiheit, Lust und Licht! Geldverdienen erscheint als der einzige Ausweg aus diesem Jammer, als der Inbegriff allen Glückes. Aber zur Arbeit gehören ein paar feste Knochen, eine kräftige Lunge und ein ge- fundes Herz; klein, altzuklein aber ist der Prozentsatz derer, die all dies aufzuweisen haben. So muß alles geschehen, noch in letzter Minute, knapp vor Toresschluß der Kindheit, der neuen Generation Kräftigung für den bevorstehenden schweren Existenz- kämpf zu vermitteln. Ferienerholungsfahrien für Zugendliche. Seit einigen Jahren werden von den einzelnen Bezirks- jugendämtern Ferienerholungsfahrten für Jugendliche unter- nommen, die zur Schulentlassung kommen, oder sich bereits in der Berufsausbildung befinden. Die städtischen Körperschaften haben dieser Notwendigkeit im vorigen Jahr dadurch Rechnung getragen, daß sie für die E r h o l u n g s o e r s ch i ck u n g der berufs- schwachen und auch bereits berufstätigen Jugend größere Beträge in den Etat einstelllen: so war es auf diese Weise im Jahre 1929 möglich, etwa 799 Jugendlichen einen längeren Erholungsurlaub zu oerschaffen. Dieser Prozentsatz verschickter Jugendlicher war naturgemäß ein allzukleiner, und es hieß, neue Weg« smien, um die Erholuugsverjorgung Jugendlicher zu erweitern. Einzeln« Bezirksjugendämter stellten nun kleinere Gruppen von etwa 15 bis 29 Jugendlichen zusammen, die unter der Leitung von«in bis zwei in der Jugendpflege erfahrenen Führern Erholungs- fahrten nach dem In- und Auslande(Oesterreich, Polen, nordische Länder) unternahmen. Die Sache wurde so gehandhabt, daß sich die Gruppenleiter vor Antritt der Reis« feste Standquartiere in Jugendheimen, Herbergen, Landhäusern oder sonstwie geeigneten Unterkunftsstätten sicherten; von diesen Stand- quartieren aus wurden dann Ausflüge und kurze oder länger« Wanderungen unternommen. Für die Berpflegung sorgt die junge Gesellschaft selbst, und da den Gruppen meist auch«ine werb- liche Führerin beigegeben ist, macht der Küchenzettel kein« allzu? großen Schwierigkeiten; diese Selbswersorgung bedeutet naturgemäß eine erhebliche Berbilligung der Gesamtkosten. Für 6V Mark vier Wochen an die See. Es gehört natürlich schon ein besonders gut funktionierender Rechenstift dazu, mit 69 Mk. einschließlich Hin- uni? Rückfahrt eine vierwöchige Erholungsreise zu bewerkstelligen: aber der Be- weis wurde erbracht, daß dies tatsächlich möglich fft und freudig- schwungvoll« Berichte der jugendlichen Fahrtteilnehmer aus der einen Seite, zufriedenstellende ärztliche Untersuchungsergebnisse auf der anderen Seite hab«n den körperlichen und seelischen Er- folg dieser Erholungsfahrten voll bestätigt. Natürlich ist die Fahrtvergünsttgung bei der Reichsbahn und auch bei den ausländischen Bahnen miteinkalkuliert, die ja bei einer vierwöchi- gen Reisedauer und einer bestimmten Personenzahl ohne weiteres gewährt wird. Die wirklich schönen und wertvollen Erfolge diefsr Feriener- hosungsfahrten sollten auch allen übrigen Bezirksjugendämtern ein Ansporn sein, ihren Jugendlichen solch letzte Erholungstour zu er- möglichen: das Landesjugendamt Berlin, daß diesem Gedanken soweit wie möglich fördernd gegenübersteht, hat bereits im April vorigen Jahres seine finanzielle Hilfsbereitschaft in der Weise zugesagt, daß es in Fällen, wo die Fahrtteilnehmer die Kosten nicht allein aufbringen können, aus Spendenmitteln einen Zuschuß von 19 Mark pro Jugendlichen für höchstens 29 Teil» nehmer zur Verfügung gestellt: die Verteilung des Geldes bleibt dem betreffenden Bezirksjugendamt überlasse»; ferner übernimmt das Landesjugendamt die Kosten für einen Führer bis zum Höchst- betrag« von 89 Mark. Voraussetzung für diese Zuschußbewtlligung ist eine Mindestfahrtdauer von 4 Wochen, da hiervon, wie bereits erwähnt, die Gewährung der Fahrpreisermäßigung ab- hängt uns daß die Fahrtteilnehmer sich im Alter von 14 bis 17 Jahren befinden: nur in Ausnahmefällen sollen 13jährige in Frag« kommen. Was die Nerichte erzählen. Ein Lehrer hatte mit Schulkindern und Lehrlingen eine Oesterreich-Fahrt gemacht, und er berichtet, wie die Erholungssahrt über- Haupt von Anbeginn an gehandhabt wurde. Die Auswahl der Kinder erfolgte aus der Klaffe und seiner Jugendgruppe, bestehend aus ehemaligen Schülern der Schule, gemeinsam durch Aerzte und Lehrer. Sämtliche Teilnehmer stammten von sozial schwierig- gestellten Arbeitereltern, und die Kostenausbringung war nur mit Hikfe von bezirksamtlichen Zuschüssen möglich. Aber es wurde ökonomisch gewirtschaftet, und die Unkosten betrugen pro Kopf einschließlich Hin- und Rückfahrt, Versicherung, Zwischenübernachtungen, Wohn- und Ernährungsgeld 1,89 M. pro Tag. In Deutschland gab es bis zur Grenze gemäß Bestimmung des Ver- eins„Landaufenthalt für Stadtkinder" Freffahrt, in Oesterreich 59 Prag. Ermäßigung für Iugendwanderer: durch D-Zug-Genehinigung hatten wir eine sehr erleichterte Fahrt. Unser Heim, das in Vorarlberg liegt und bereits im Frühjahr durch Ver- mittlung der Alpenjugendheime gemietet wurde, war freundlich, sauber und angenehm. Es war vollkommen auf Selbstbewirt- schastung eingestellt: gute und billige Lebensmittel Hollen wir uns von unseren Nachbarn. Die beste Alpenoollmilch, Butter und Eier, Salat und Gemüse wurden im Hausgärtchen selbst gezogen, im Konsum gab es alles übrige. Bei der Hausarbeit ist alles mit von der Partie: da wird gefegt und gewaschen, geplättet, genäht, Schuh- werk instand gehalten und Gartenpflege getrieben. Einen Mords- spaß machte es den Kindern, den Bauern im Heu zu helfen: den ganzen Tag wird gesungen, Geige und Klampfe ertönen von lustigen Wanderliedern, dann wieder wird ein Tänzchen riskiert, und wenn schlecht Wetter ist, dann wird gelesen oder es werden Erlebnifle ausgetauscht. Kleinere und größere Wanderungen mit strengster Vorsicht vor Uehcranstrengung eröffneten der frohen Gesellschaft die landschaftlichen Schönheiten, in den Ruhetagen wurde fleißig gesonnt und gebadet. Auch die unterrichtlichen Ergebnisse waren wertvoll auf dem Gebiete der Erdkunde, Naturkunde und Volkswirtschaft. Dos gesellige Zusammensein erweckte und stärkt« das Gemein- schaftsgesühl der jungen Menschen, und der Bericht schließt, gleich all den anderen, mit den Worten, daß solche Erholungssahrten für die seelische und körperliche Entwicklung der Jugend von außer- or.dtntlich«r Bedeutung sind. VerlinerTlagung für neues Baueü." In Berlin tagte die Vereinigung der Internationalen Kongresse für neues Bauen, um das umfangreich« Thema des nächsten Kon- gresses„Die funktionelle Stadt"((die funktionelle Stadt als Einheit von Wohnen, Arbetten, Erholung, Verkehr) in kollek- tiver Zusammenarbeit zu beraten. Anwesend waren u. a. die Delegierten von Belgien(Bourgeois), Dänemark(Heiberg), Deutsch- land(Gropius), Finnland(Aalto), Frankreich(Barbe), Holland (van Eesteren), Polen(Syrkus), Schweden(Markelius), Schweiz (Steiger) und von vielen anderen Ländern, wie Spanien, Amerika, Tschechoslowakei, Ungarn, Norwegen. Der Kongreß„Die funktio- nelle Stadt" soll im Herbst 1932 in Moskau stattfinden. Im Unterschied zu anderen Kongressen besteht das Wesen der Jnter- nationalen Kongresse für neues Bauen darin, daß die Kongreß- chemen durch jedes Mitglied individuell bearbeitet werden. Erst durch dies« Maßnahme kann die Atmosphäre eines Arbeitskongresses entstehen. Es fft klar, daß die Mitglieder einer solchen Arbeits- gemeinschaft von einer einheitlichen Einstellung ausgehen müssen. Eine Zrankenwald-Ausstellung wird am 13. Juni in Berlin(im Lichthof des ehemaligen Kunstgewerbemuseums, Prinz-Albrecht- Straße) eröffnet. Sie dauert bis zum 28. Juni. Ihr Zweck ist, die Oeffentlichkeit auf das furchtbare Elend der Bsvölke- rung des Frankenwaldes aufmerksam zu machen. Auch der Fronkenwald gehört zu den deutschen Elendsgebieten. Die Aus- stellung ist ein letzter verzweifelter Versuch, für die Bevölkerung Hilfe zu schaffen. Bohnenkaffee schmeck guh— Aber Katlireiner schmeck auch schr gnt/ Hnö ist- öabei billiger? M(!) billiger... Das 25-Pfenm In das Gebiet der Oberspree** K ö p e n i ck ist eine» der Eingangstor« zu den Herrlichkeiten der Qberspre«. Es ist nicht nur der Hauptort des IS. Berliner Ver» moltungsdezirke», es ist auch ein Berliner Verkehrsmittel- punkt von hervorragender Bedeutung. Wer die öffentlichen Der- kehrsmittel für eine Wochenendfahrt hierher benutzt, sollte nicht vergessen, daß Tausende und aber Tausend« vor allem Sonntags in das seenreichs Gebiet der Obevspree fahren, und daß zu ganz be- stimmten Stunden„Verkehrsspitzen" eintreten, die«in„Mit- kommen" oft unmöglich erscheinen lassen. Dabei geht dann meist die Erholung, die das Wochenende bot, wieder verloren. Dem Massenandrang bei der Heimfahrt ist keine Verkehrseinrichtung gewachsen. Man vergesse nicht, daß es nicht nur in Berlin, sondern in allen Weltstädten unmöglich ist, die Unzuträglichteit der„Der- kehrsspitze" zu beseitigen. Für den Wochenendausflügler gibt es nur ein Mittel, dem allgemeinen Gedränge zu entfliehen, nämlich das, die Heimfahrt frühzeitig anzutreten. Nach Köpenick fahren außer der Eisenbahn die Straßenbahn- limen 87, 187 und 95. Di« Linie 83 läuft von Mahlsdorf nach Wendenschloß in die Nähe der Müggelberge, die Linien 84 und 184 verbinden Friedrichshagen und Köpenick mit Mt-Glienicke. Am weitesten nach Osten fahren die Straßenbahnlinie 86, die an der Kirche von Schmöckwitz endet und in Köpenick, Hirtestraße, beginnt, und die Linie 187, die in Rahnsdorf endet. Von hier bietet der Autobus A 22 noch die Möglichkeit, Hessenwinkel am Dämeritzsee zu erreichen. Mitten in das Gebist der Müggelberge fährt Autobus A 43, der zwischen Bahnhos Köpenick und Müggelheim verkehrt, und schließlich möge auch darauf hingewiesen werden, daß die Linie A 27 von Köpenick, Schloßplatz, bis Bahnhof Kaulsdorf fährt. In Köpenick kann man, wenn man von der Innenstadt her mit den Linien 87, 187 und 95 kommt, am besten an der Linden- Ecke Bahnhosstrahe zur Weiterfahrt umsteigen. Wer von Wenden- schloß(Linie 83) au, die Wanderung in die Müggelberge an- tritt, kann entweder am Ufer des Langen Sees über die Wirtschaften Waldesruh, Schmetterlingshorst und M a r i« n l u st wandern und von hier geraden Weges zum Müggelturm empor- steigen. Wer jedoch die Waldeseinsamkeit liebt, möge an der Rücker st raße Ecke Goethe st raße aussteigen und über den Goetheplatz geraden Weges zum Wald gehen. Auf prächtigen Dirkenalleen kommt man hier zum sogenannten„Kanonenberg". Der Weg führt von hier rechts ab zum Teufelssee(3 Kilometer) oder direkt hinauf zum Kamm der Müggelberge(etwa Z Kilo- meter). Die Müggelberge weisen eine größte Höhe von 115 Meter über dem Meeresspiegel aus und ragen etwa 82 Meter über dem Wasser- spiegel des Müggelsees. Sie sind wie geschaffen, Aussicht,- türme zu tragen, die einen„Lug ins Land" gewähren. Von der Höhe des Müggelturms sind vor uns die Wälder um den Müggelsee g- Wochenende Ueber die Müggelberge hinweg ausgebreitet, ver Nein« Teufelsse« zu unseren Füßen leuchtet au» dunNem Grün. Der aufmerksam« Beobachter erkennt, wie groß die Fläche diese» See» früher war. E« ist da» Schicksal der märtischen Seen, langsam zu sterben, zu verlanden. Breit und wuchtig liegt dahinter der fast eiförmige Müggelsee. Dampfer und Boot« aller Art gleiten auf seiner blauen Fläche. Aus seinem gegenüberliegenden Ufer stehen die Schornsteine des größten Berliner Wasserwerkes und links von ihnen die Häuser von Friedrichshagen, überragt von einem spitzen, schlanken Kirchturm. Ueber Köpenicks Türme hinweg taucht der Blick in das Nebelmeer der Weltstadt. Im Süden schlingt sich das silbern« Band der Dahme. Ueber weite Wälder hinweg grüßen aus der Ferne die Funktürme von Königswusterhausen, die hier wie zarte Gespinste erscheinen. Im Osten leuchtet gelb die kahle Sandtuppe der Gofener Berge, die die Schiller- warte krönt. Und endlich im Nordosten erkennt der Kundige die Hügel um Woltersdorf und die Industriewerk« von Rüder«- dorf-Kaltberge. Ein Panorama, das man inukier und immer wieder sehen kann, ohne zu ermüden. Wir stehen auf der Höhe einer Insel, die von breiten Seen und schmalen Wasserläusen um- geben ist und deren Umfang etwa 40 Kilometer beträgt. In der Müggelturmwirtschast ist ein kleines, aber fthenswertes und vor allem sehr übersichtliches Heimatmuseum(Eintritt 10 Pf.). Hier wird die Geschichte dieser Landschaft lebendig. Der geologische Ausbau der Müggelberge ist zu erkennen, Ausgrabungen geben Kunde von vergangenen Völkern. In den Müggelbergen soll der Germanenstamm der Semnonen gehaust haben, der dann im Sturm der Völkerwanderung von den Wenden verdrängt wurde. Angeblich soll in der Näh« der Bismarckwarte das Heiligtum des dreiköpfigen Wendengotte» Triglaw gestanden haben. Sehr hübsch ist da, Modell des germanischenHauses. Unsere Vorfahren haben sehr bescheiden gewohnt, und e» soll in Deutschland Güter geben, auf denen Landarbeiter noch heute auch nicht luxuriöser untergebracht sind... Ein Kammwanderung über die Bismarckwarte hinweg zeigt das vielgestaltige Gebilde der Müggelberge. Immer wieder schweift der Blick in die Ferne über Wald und Wasser und Himmel. Der Weg führt uns zu der nördlich verlaufenden Ehaussee Köpenick — Müggelheim. Wir gehen hier zur Endhaltestelle des Autobus A 43, die gleich am Ansang der langgestreckten Siedlung Müggel- heim liegt(vom Müggelturm aus etwa 3 Kilometer) und können von hier au, die Heimfahrt antreten. Man kann auch über die Chaussee hinweg zum Ufer des Müggelsees wandern und dann über Prinzengarten und Rübezahl zum Spreetunnel nach Friedrichshagen gehen, wo man Anschluß an die Straßenbahnlinie 84 bzw. 184 erhält(etwa 5 bis S Kilometer vom Müggelturm aus). Wer den Weg um den Müggelsee entlang nach Osten wählt, muß sich bei Rahnsdorf übersetzen lassen und kann dann mit der Straßenbahnlinie 187 zurückkehren. Ist der Mensch so schlecht? Aeue Wege zor Gefängnisreform. Es. ist ein« Forderung der sozialistischen Stu- dentenschaft, in den Hochschulen neben den wissenschaftlichen Forschern auch pädagogisch befähigte Praktiker zu Worte kommen zu lassen, um den Studenten im Hinblick auf seinen späteren Beruf über die ihn erwartenden Anforderungen aufzuklären und wenigstens zum Teil die ungesunde Trennung von Theorie und Praxis zu über- winden. Aber bis jetzt noch stellt sich dieser Erkenntnis die ganze Ueberlicferung des falschen Unioersttätsideols des vorigen Jahrhunderts entgegen. So bleibt uns nur übrig, durch unsere wissen- schaftlichen Fachschaften die Notwendigkeit einer neuen Zeit zu pro- pagieren. Daß uns jedoch auch sehr viele nicht sozialistische Studenten zustimmen, bewies der überfüllte Hörsaal der Universität, in dem Genosse Krebs, Direktor des Erziehungsheims Lindenhof, über seine fünfjährige Tätigkeit in der Strafanstalt Untermaß» feld in Thüringen berichtete. Der alte Strafvollzug nahm dem Verbrecher, der doch ein kranker Mensch ist, in den dunklen unhygienischen Zuchthäusern den letzten Rest von Willen und Energie. Die auf reine Vergeltung auf- gebaute Zuchthausstrafe prägte im Laufe der Zeit das Verbrecher- gesicht. Das Zuchthaus war eine Verbrecherschule. Mehr a l s fünfzig Prozent aller Verbrecher, die ihre Straf« ab- gebüßt hatten, wurden rückfällig. Fast hundert Prozent aller derjenigen, die schon mehrfach rückfällig geworden waren, fanden den Weg zum Leben nicht mehr zurück! sie starben im Zuchthaus. Ist der Mensch so schlecht?, fragt Krebs. Sollt« es unmöglich sein. da» Gute im Menschen wieder zum Dorschein zu bringen? Er hat«? versucht durch Humanisierung des Strafvollzugs, verbunden mit verantwortungsvoller Erziehung. Sein« Erfolge sind überraschend groß, nur«in Viertel der Entlassenen kehrten zum Verbrechen zu- rück, während die anderen die Kraft zum Leben wiederfanden. Krebs hat au» dem Zuchthaus eine Erziehungsanstalt gemacht. Endlich sei noch darauf hingewiesen, daß bei einem modernen Strafvollzug der Verbrecher dem Staat« jährlich nur die Hälfte kostet. Hoffen wir. daß Preußen sich die Erfahrungen diese» verdienst- vollen Mannes zu«igen macht. Arbeilerabstiaenlen und Davidsohn. Der Deutsche Ar- beiter-Abstinentenbund teilt un» mit: Um Mißverständ- nissen vorzubeugen, weisen wir ausdrücklich darauf hin, daß Georg D a v i d f o h n, der nachweislich seit mehr als zwei Iahren in, Solde des Brauerbundes steht, bereits seit neun Iahren dem Arbeiter-Abstinentenbund nicht mehr angehört. Er ist An- fang 1922 seines Borstandsamtes in unserer Organisation enthoben worden und hat danach einen eigenen Verein„Verband sozia- listischer Abstinenten' gegründet. Wir haben seitdem nicht» mehr mit ihm gemein gehabt. Der Arbeiter-Abstinentenbund und seine führenden Genossen standen im schärfsten Gegensatz zu David- söhn und sind von ihm unaufhörlich verunglimpft worden. Musiker«ms Brot gebracht. Schildbürgerstreich in Pankow.' E» ist bekannt, daß unter den Lerufsmusikern die Arbeit«- losigkeit besonder, groß ist. 70 Proz. aller Berus»musit«r find ohne Engagement. Sollte«» da nicht einer Behörde, wie dem Be- zirksamt in Pankow, eine Pflicht fein darauf zu achten, daß diese Not nicht noch vergrößert wird? Weit gefehlt! Vor kurzem wurde die Bewirtschaftung de, Bürgerpark-Restaurants in Pankow vom Bezirksamt neu verpachtet. Der Pachtvertrag, welchen mit Ausnahme der Kommunisten die gesamte Bezirksversammlung zustimmte, enthält besonder« Bestimmungen hinsichtlich der Musik- Veranstaltungen. Auf Antrag der sozialdemokratischen Vertreter in der zuständigen Deputation wurde besonders im Vertrag fest- gelegt, daß nur hauptberufliche Zivilmusiker beschäftigt werden dürfen, ferner, daß der Pächter verpflichtet ist, bei Bedarf von Ar- beitskräften, insbesondere auch Musikern, sich der öffentlichen Ar- beitsnachweise zu bedienen. Der Bezirksversammlung in Pankow ging nun eine. „Vorlage zur Kenntnisnahme' des Bezirksamtes zu, in der mit- geteilt wurde, daß einem Ersuchen des Pächters entsprochen worden sei, ihm abweichend vom Vertrage, während des Sommerhalbjahres 1931 das Spielen einer Reichswehrkapelle zu gestatten, mit Rücksicht darauf, daß noch drei weitere Zivilkapellen beschäftigt würden. Gegen diese vom Bezirksamt sanktionierte offensichtliche Vertragsverletzung, die Reichswehrkapelle hatte inzwischen gespielt, wurde in einem so- zialdemokratischen Dringlichkeitsantrage nun verlangt, daß da» Be- zirksamt den Pächter zur Innehaltung der Vertragsbestimmungen anzuhalten habe. Der Bertrag sei mit Zustimmung der Bezirksoer- fammlung zustand« gekommen, so daß etwaig« Abänderungen auch nur mit Zustimmung der Bezirksversammlung erfolgen könnten. 3m Zllteresse der arbeitslosen Musiker dürfe dem Ersuchen des Pächter» unter keinen Umständen stattgegeben werden. Und nun das Beschämende! Die Bezirksversammlung lehnte gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und Kommunisten den Dring- lichkeitsantrag ab. Darüber hinaus wurde auf Antrag der Deutsch- nationalen im Bertrage das Wort„Zivil" vor„Berufsmustkern" gestrichen, so daß es dem Pächter jetzt jederzeit während der ganzen Dauer des Vertrages gestattet ist, ohne Rücksicht auf die Not der Zivil-Berufsmusiker Militärkapellen spielen zu lassen. Ohne daß der Pächter überhaupt einen solchen Antrag gestellt hätte, änderte die Bezirksversammlung den Pachtvertrag einseitig ab. Die Verordnung de» Reichswehrmirtisterium», daß Militärkapellen nur dort konzertieren sollen, wo es an Zwiltapellen man- gelt, und daß zuvor mit den örtlichen Behörden über die Not- wendigkeit verhandelt werden soll«, hatte für da» Bezirksamt keine Bedeutung. Es genügt dem Bezirksamt, wenn angeblich drei weitere Zivilkapellen beschäftigt werden, wobei gar nicht geprüft wurde, ob die Zahl der in diesen drei Zivilkapellen beschäftigten Musiker nicht weit geringer ist al» in der einen Militärkapelle. Auch in rechtlicher Beziehung kann der Beschluß des Bezirksamtes und der bürgerlichen Mehrheit der Bezirksversammlung Folgen haben, die nicht abzusehen sind. Der energische Protest des sozialdemokratischen Fraktion»- redners vermochte leider nicht den Schildbürgerstreich zu verhindern. Tchül«r spielen ihr selbstgeschriebenes Stück. Die Quartaner der Karl-Marx-Schule in Neu- k ö l l n haben sich eine russische Novelle von Panteljew zum Schau- spiel umgedichtet und spielen es unter freundlichem Beifall der Zu- fchaner auf der Bühne. Nett und amüsant sind die Abenteuer, die Petja, ein kleiner, frecher Jung«, erlebt. Er hat bei einer passen- den Gelegenheit eine Uhr entwendet und verteidigt sein gestohlenes Gut heldenhaft. Das Publikum jubelt, als Petja im Waisenhaus gebadet wird. Eine richtige Badewanne steht auf der Bühne und die kleinen Schauspieler sind eifrig bei der Sache. Manches könnte besser gemacht werden, aber jedes Kind gibt sein Beste», und das gibt den Ausschlag für den Erfolg. � Doppelbesetzung des Schwurgerichts lll. Wegen der Häufung der Schomvgerichtssachen des Bezirks des Landgerichts III ist das gegenwärtig tagende Schwurgericht des Landgerichts III nicht in der Lage, sämtliche Strafsachen in der zur Verfügung stehenden Zeit zu erledigen. Es hat sich daher die Not- wendigksit ergeben, vom 15. Juni ab«in zweites Schwur- gericht unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors Beringer in Tätigkeit treten zu lassen. Droschkenchausteur al« Zeuge gesucht, der am 12. Januar 1931. 1% Uhr, von Neue Königstrahe Ecke Jostystraße Autobusverletzten noch der Oderberger Straße 50(Milchgeschäft) fuhr und dann weiter zur Unfallstation Cantianstraße brachte. Gegen Unkostenvergütung wird der Droschkenchausfeur höflichst gebeten,� sich bei dem Verletzten, Friedrich Birnbacher, Berlin N. 58, Oderberger Straße 50, zu melden. KARSTADT WILD UND GEFLÜGEL FISCHE u. RÄUCHERWAR. 1 Suppenhühner frisch an Pfd. 0.95 = Wolga-Hühner..... an Pfd. 0.88 1 Enten.............. an Pfd. 1.00 Z Frische Tauben..... an Stck. 0.62 Z Rehblätter frisch.... an Pfd. 0.88 || Rehkeule........... an Pfd. 1-55 1 Wildragout........... Pfd. 0.26 I OBST UND GEMUSE Erdbeeren............. Pfd. 0.45 Kirschen............. Pfd. 0.28 Tafeläpfel............. Pfd. 0.62 .Stachelbeeren, unreif, 2 Pfd. 0.35 Rhabarber........ an 4 Pfd. 0.10 Gurken............ an Stck. 0.20 Kohlrabi........ an Mandel 0.18 Schoten........... an 3 Pfd. 0.40 Tomaten. 2 Pfd. 0.75 Radieschen.........4 Bund 0.10 Neue Kartoffeln..... 3 Pfd. 0.48 I Seelachs o. K. i. Gz.». an Pfd. 0.15 Kabeljaufilet....... an Pfd. 0.30 Lebende Schleie.... an Pfd. 0.75 Lebende Aale...... an Pfd. 0.85 Räucheraal Bund 0.35, Pfd. an 1.80 Seelachs geräuchert., an Pfd. 0.36 Schellfisch geräuchert an Pfd. 0.34 KOLONIALWAREN Burma-Reis...........Pfd. 0.18 Auszugmehl Pfd. 0.28 Haferflocken..........Pfd. 0.25 Hartweizengrieß...... Pfd. 0.28 Mandelpudding lose.,. Pfd. 0.40 Tafelöl(Salatöl!....... an Ltr. 0.78 Hartgrießmakkaroni... Pfd. 0.50 Backpflaumen...... an Pfd. 0.28 Kirschen, getrocknet.. an Pfd. 0.48 Aprikosen......... an Pfd. 0.75 Mischobst.......... an Pfd. 0.40 V«rsfium«n Sie nicht unsere Kakteen- Zucker wird teurer Ausstellung WIMWÜllllllilllMMIillMl wir verkaufen bis zum 15. Juni zum alten Prei» MWW«lIIIil>!iIiiiililIlil!WlWli!I««MMIIM BUTTER UND KÄSE Molkereibutter...... Pfd. 1.20 Aii*rf./, d». 0.38 Jg. Schnittbohnen.>/, D$. 0.42 Jg. Erbsen mittelfein Vi 0». 0.75 Jg. Erbsen m. Kar... Vi D». 0.80 Steinpilze........»/, d». 1.20 Stachelbeeren v,. 0.80 Pfaumenkonfit. ca. 2 Pfd.E. 1.08 Apf.-Himb.-Marm. ca. 2 Pfd. E. 1.20 Erdb.-Himb.-GaL ca. 1 Pfd. GL 0.88 WEINE U.SPIRITUOSEN WU RSTWAREN Apfelwein____ Ltr. 63, 5 Ltr. 3.00 Bowlenwein Ltr. 0.78, 5 Ltr. 3.50 Rheinwein... Ltr. 1.10, 5 Ltr. 5.25 Moselwein... Ltr. 1.20, 5 Ltr. 5.75 Johannisbeerw. Ltr. 0.75, 5 Ltr. 3.50 Tarragona.. ltr. 1.00, 5 Ltr. 4.75 Frankenweilerer...mit FI. 0.80 Jubil.Weinbr. Lob v. Bingen Fl. 4.50 Obstschaumwein., Fl. 1.26, 1.00 Zitronenmost...... Ltr. 1.40 Himbeer o. Kirschsaft tetur. 1.50 Hlmbeer-, Kinduatt, gr. Sekttl. 1.18 Leber- oder Blutwurst Pfd. 0.50 Dampfwurst.. t,.,*.. Pfd. 0.85 Wiener.........»...Pfd. 1.08 Schlackwurst..... an Pfd. 1.38 Landleberwurst.. an Pfd. 0.78 Fleischwurst..... an Pfd. 0.74 Braunschweiger..... Pfd. 0.88 Jagdwurst....... an Pfd. 0.98 Leberwurst feine.. an Pfd. 1.08 Cervelat o. Salami an Pfd. 1.30 Schinkenspeck... an Pfd. 1.38 Nußschinken........ Pfd. 1.55 KONFITÜREN DELIKATESSEN Herrenkringel....... Pfd. 1.00 Gloria-Keksmischung Pfd. 1.00 Erfrischungswaffeln.. Pfd. 0.90 Mürbeteig Des». Törtchen Pak. 0.40 Gelee-Früchte...... Pfd. 0.70 Pfefferminz-Fondant. Pfd. 0.80 Eisbonbon.......... Pfd. 0.60 Saure Bonbon-Misdtg. Pfd. 0.50 Saure Drops........ Pfd. 0.50 Himbeeren......... Pfd. 0.50 Olsardinen...... 2 Dosen 0.58 i Fettheringe L Tom.____ D». 0.48 W Makrelen L Tom....... Ds. 0.60 m Import. Sardellen... Pfd. 0.68 1 Senfgurkon 2Pfd.-D».8.T«,l Pfd.-D». 0.48 Z Eisbein o. Kn.. ca. 1 Pfd.-D». 0.78 1 Rindfleisch in eig. Saft.. D». 1.15 Z Würstchen 5 Paar..,..0». 0.85 Z Ital. Salat.......... Pfd. 0.70" Mayonnaise........ Pfd. 0.70 LEBENSMITTEL «!lll|MliI!Il!Il!!IIMIIiitiI>liililiIIiil!iii!I!liIiI>I!lllWlM!!lW!«lizMliW«lIlWMIlllIIi. MIM «MW Nr. 269» 48. Jahrgang 2. Freitag, �2. Juni«31 Wo steht die Wirtschast? Der Bericht des Konjunkiurinstiiuts für das zweite Quartal-195-1* Das I n st i t u t für Konjunkturforschung stellt für die wirtschaftliche Lage in Deutschland und in der Welt im zweiten Quartal 1331 im wesentlichen folgende Diagnose: Deutschland: Der konjunkturelle Abfchwung der Wirtschaftstätigkeit hat sich während der letzten Monate nicht mehr in gleicher Schärfe fortgesetzt wie vordem. Bei den Verbrauchs güterinduflrien trat eine ge- ringe Belebung auf. Der Rückgang in der Beschäftigung der Droduktionsgülerindustrie hat sich verlangsam«. Die Periode schärfster Produktionsrückgänge könne aber noch nicht ohne weiteres als überwunden betrachtet werden. Gegenwärtig sind durch die anhaltende Enge des Kapitalmarkts sowie durch die ge- spannte Lage der öffentlichen Wirtschaft Faktoren geschassen, die eine solche Diagnose nicht ohne weiteres zulassen. Das gilt um so mehr, als die E x p o r t a u s s i ch t e n der deutschen Industrie anhaltend schlecht sind und die Aussichten auf erhöhte Kapitaleinsuhr durch die Beunruhigung, zu der insbesondere die österreichische Bankenkrise geführt hat. noch ungünstiger geworden sind. Die Voraussetzungen zu einem Ausschwung sind jeden- falls nicht gegeben. Produktion und Beschäftigung werden sich vielmehr im verbleibenden Teil des Jahre» 1331 weiter depressiv verhalten. Weltwirtschaft: Die Rückgangsbewegung Hot sich auch in den letzten Monaten in allen von der Weltwirtschaftskrise ersahten Ländern fortgesetzt. Die Rückgangs i n t e n s i t S t war jedoch im oll- gemeinen leicht abgeschwächt. Der internationale Güteraustausch stand jedoch weiter im Zeichen starken Rückgangs. Die Preise einzelner Rohstoffe, die zu Beginn des Jahres angezogen hatten, sind in den letzten Monaten zum Teil erneut gefallen. Auch die Hausse an den internationalen Aktienmärkten wurde im März durch eine neue Baisse abgelöst. Immerhin dürste die weitaus gröhte Strecke der weltwirtschaftliche» Ab- schwungsentwicklung bereits durchlaufen sei«. * Keine weitere Derschlechtevung der Wirtschaftslage in Deutsch- land, in der Weltwirtschaft aber noch Fortsetzung des Wirtschaft- liehen Abstiegs, das sind die Schlüsse, zu denen das Konjunktur- inftitut bei der Beurteilung der gegenwärtigen Gefamtwirtschafts- läge kommt. Dem neu« st e« Stand der Dinge kann das In- ftitut insofern nicht gerecht werden, als die meisten der berück- sichtigten Daten nur bis End« April oder Mitte Mai gehen und die internationalen Auswirkungen des Ausrollens der Repara- tionsfroge sowie die innerpolitischen Wirkungen der letzten Notverordnung noch kein« Berücksichtigung finden konnten. Daß die Deprofsion in Deutschland fortdauern wird, ist keine Ueber- raschung. Man rechnet ja für die Weltwirtschast mit einer Krisen- dauer von noch etwa ein bis zwei Iahren. Jedenfalls hat auch die Arbeiterschaft allen Anlaß, den Ernst dieser Lage richtig einzuschätzen. Für die Arbeiter- klasse, ebenso aber auch fiir ihre Gegner, ist zu berücksichtigen, daß politische Entscheidungen und Veränderungen irgendwelcher Art an den sehr großen Schwierigkeiten und Nöten, die sich aus der Wirtschaftslage ergeben, in absehbarer Zeit nichts ändern können. Um f» wichtiger ist ein einheitliches und geschlossenes Zusammenstehen und Vorgehen der Arbeiterklasse. Schlaglichter zu Deutschlands Wirtschaftslage. Im ganzen sind die deutschen Wirtschaftsverhällnisse nicht schlechter, sondern eher günstiger als die Tendenz der weltwirtschaftlichen Entwicklung. Zum erstenmal seit anderthalb Jahren hat sich die Produktion in einer Reche von Industrie- zweigen, besonders in der Textilindustrie, der Bekleidungs« und Schuhindustrie, gehoben. Die Beschäftigung in den Verbrauchs- güterindustrien hob sich(abgesehen von den typischen Saison- industrien) von 55,2 Proz. der möglichen Stundenleistung im Januar auf 53,8 Proz. im April. Ursache dieser Entwicklung ist nach dem Institut die Oesfnung der durch den Lagerobbau früher geschaffenen Nachsragereserven. In den Produktionsgüter» industrien hat sich dagegen die Lage noch weiter verschlechtert, wenn auch der Zug nach unten nicht mehr so groß ist wie 183l>. Bisher hat sich 1331 der allgemeine Produktionsumsang nicht weiter verschlechtert. Aber die wirtschaslslätigkeit in Deutschland entspricht heute nur noch etwa derjenigen von 1321, was noch dem Institut fiir den ungewöhnlichen Charakter des gegenwärtigen Konjunkturrückschlags kennzeichnend ist. Bei allen früheren Krisen Hab« nämlich der Konjunkwrrückschlag niemals hinter das bei dem vorhergehenden Konjunkturaussthwung erreichte Niveau zurückgeführt. An anderer Stelle wird gesagt, daß unter arbeitsmarkt- politischen Gesichtspunkten der Beschästigungsstand von 1926 erreicht sei. Da keine Kräfte am Werk seien, die mit Sicherheit in den kommenden Monaten eine Besserung erwarten lassen, sei die deutsche Wirtschaft vorerst daraus angewiesen, eine Besserung über den Weg der Kostensenkung und den der Hebung der Realkaufkraft durch Preisabbau zu suchen. Be- merkenswert sind die Schätzungen für die Entwicklung der deutschen Arbeits- lofigkeit. Das Institut sagt, daß die saisonmähigen Faktoren die Arbeitslosig- keit in diesem Sommer kaum nennenswert unter die Niermillionengrenz« drücken werden(der Tiefstand 1930 war 2,63 Millionen), und daß sich die Arbeitslosigkeit im Durchschnitt 1931 aus rund VA Millionen stellen werde. Die Arbeitslosigkeit des kommenden Winters werde kaum unter der des letzten Winters liegen. Im Durchschnitt Januar/April 1931 lagen die Wechsel- beziehungen um 13,8 Proz. urfter denen von 1930 und um 30 Proz. unter denen von 1929. Bon März 1929 bis April 1931 sei der Geldumlauf um 5,6 Proz. gesunken, was die schärfste Schrumpfung seit dreißig Jahren bedeute. Im Giro- und Abrechnungsverkehr der Reichsbank sei bis März 1931 ein Rückgang um ein Viertel eingetreten. Politisch interessant ist die Feststellung, daß der deutsche Bedarf an Devisen— zur Zinszahlung für Aus- landsartleihen und für Reparationen von rund 230 Millionen— durch die Deviseneingänge aus dem Exportüberschuß der Handels- bilanz und aus dem Forderungsüberschuß der Zahlungsbilanz g e- deckt werden kann. Daraus ist der Schluß zu ziehen, daß die gegenwärtige große Devisennachsrage, die ja in der Tat andere Ursachen hat, durch die Nachfrage nach Roparations- und Zinszahlungsdevisen nicht hervorgerufen ist. Der deutsche Kapitalmarkt ist durch Ausländsanleihen fast nicht erleichtert worden. Im ersten Vierteljahr betrugen sie nur 1 Million Mark, im April und Mai wurden nur 19 Millionen Mark deutsche Anlechen im Ausland ausgelegt. Das Ausland habe keine deutschen Werte gekaust, vielmehr seien nicht unerhebliche Beträge aus dem Ausland nach Deutschland zurückgeflossen. Die Lage des deutschen Kapitalmarktes werde durch den Bedarf des Reiches, der Reichsbahn und der Kommunen— bei Reich und Reichsbahn in den nächsten Monaten allein 500 Millionen— noch oerschärst. Ueber die Drosselung der Löhne und Gehälker macht das Institut wieder einige Angaben für das erste viertel- jähr 1331. Ohne den Abbau der Beamtengehälter, ohne den Ab- bau der übertariflichen Löhne und Gehälter bei Arbeitern und Au- gestellten ergibt sich bei sehr vorsichtiger Schätzung allein in der Industrie aus zunehmender Arbeitslosigkeit, Surzarbeil und Lohn- und Gehaltssenkung für das erste Vierteljahr 1331 ein Einkommens- und kauskrastaussall von i'A Milliarden Mark, was gegenüber der gleichen Zeit des Vorjahres einen Rückgang von 15 Prozent bedeutet. Das Bruttoauskommen bei der L o h n st e u e r beträgt im ersten Quartal 1331 unter Berücksichtigung der eingetretenen Aenderungcn(auch Ledigensteuer) nur etwa 80 Prozent der gleichen Zeit des Vorjahres. Wieder wird festgestellt, daß dem- gegenüber die Preissenkungen bei weitem nicht stark genug wqren, um eincu Ausgleich für die Verluste des Arbeits- einkommeus zu schassen. Jehlspekulaiion in Kunstseide. Die neuen Verluste bei Aku und Glanzstoff. In einer Meldung teilten wir vor wenigen Tagen mit, daß die Gewinn- und Verlustrechnung der Vereinigten Glanz st oss- Fabriken A.-G., Wuppertal-Elberseld, auch für 1930 mit einem Minus abschließt. Aus dem Geschäftsbericht der All- gemeene Kunstzijde 11 nie N. V.(Aku), A r n h c i m:n Holland, die das Kopital der Vereinigten Glanzstossabriken zu säst 100 Proz besitzt, geht jetzt hervor, daß der für 1930 ausgewiesene Gewinn nur dem Vortrag aus dem Jahre 1323 in Höhe von 6,32 Millionen Hollandguldcn(ein Gulden gleich 1,68 M.) zu danken ist. Da der neue Vortrag nur noch 1,66 Millionen Gulden beträgt, ist bei der Aku tatsächlich ein Vertu st von 2,26 Millionen im Jahre 1330 eingetreten. Dieser Verlust ist die Folge der G e w i n n l o s i g k e i t der meisten Beteiligungen, in erster Linie von Glanzstoff. Auch die eigenen Werke der Aku in Holland(es werden nur die Gesamt- zifssern für die Betriebe und die Beteiligungen gegeben) durften ohne Gewinn gearbeitet haben: denn aus sie ist der Hauptbetrag der Abschreibungen(1,37 Millionen Gulden) zu rechnen. Die dauernden Beteiligungen stehen mit 86,5 Millionen Gulden(86,8 Millionen) wenig verändert zu Buche; die Aenderungen beziehen sich aus den Konzcrnumbau. Was aber besonders zu be- tonen ist— der Buchwert der Beteiligungen ist weit höher als der heutige Börsenkurs; er entspricht dem Wert zur Zeit der Trust- bildung Aku-Glanzstoff. Die Aku-Verwaltung ist der Ansicht, daß „das Kursniveau keinen Maßstab mehr für die Bewertung der Be- teiligungen bilde". Sollte ober die Gewinnlosigkeit der Tochter- gcsellschaften noch einige Zeit andauern, so werden sie früher oder später ihr Kapital zusammenstreichen müssen; und Aku wird dann auf den Posten Beteiligungen erhebliche Beträge a b- schreiben müssen. Der Abschluß von Glanz st off zeigt für 1930 einen Verlust von 2,73 Millionen Mark. Trotz der unerhört hohen Ab- schreiöungen des Vorjahres(66,39 Millionen) mußten nämlich auch im letzten Jahr noch Abschreibungen in Höhe von 9,59 Millionen Mark vorgenommen werden; davon entfallen 3 Millionen aus das Warenlager, dessen Wert von 10 auf 6,95 Millionen Mark ermäßigt wurde. Die Neuen G l a n z st o f f w e r k e A.- G., Breslau, und die Spinnfaser A.- G., Elsterberg, wurden Glaixzstoss durch Fusion„angeschmolzen". Dadurch erklärt sich im wesentlichen die Erhöhung der Anlagekonten von 10,6 aus 50,8 Millionen Mark und die gleichzeitige Verringerung der Beteiligungen von 72,9 auf 69.0 Millionen Mark. Für die Be- Wertung der Beteiligungen gilt dos gleiche wie bei der Aku. Bezeichnend aber ist folgende Maßnahme: Glanzstosf hat bei der letzten Kapitalerhöhung im Lause des Jahres 1930 der Glanz- st o f f- C o u r t a u l d s G. m. b. H., die zum Ausbau der Werke vorgcnontmen wurde, für 2 Millionen Mark Anteile übernommen; jetzt„hält man es für richtig, die Hälfte dieses Betrages(also eine Million Mark) abzuschreiben". Dos ist wieder ein schlagendes Beispiel für die Art, wie deutsche Wirtschaftsführer das Kapital verwalten: kaum ist es angelegt, muß man es gleich wieder „vernichten", nämlich abschreiben, weil es einem über- setzten Industriezweig zugeleitet wurde. Jehlexpansion wird zugegeben. In den Ausführungen der Geschäftsberichte findet sich die Mitteilung, daß der G e s a m t a b s a tz(im Vorjahr 120 Millionen Mark) um etwa 3,5 Proz. gestiegen sei, da der Kunstseidcobsatz>m Gegensatz zur Entwicklung in anderen Ländern in Deutschland im Jahre 1330 zunahm. Die Preise seien im Berichtsjahr noch einmal um 30 bis 37 Proz. gesunken. Zugegeben wird, daß der gewaltige Ausbau der kunstseidenindustrie sich als riesige Fehl- spetulation erwiesen habe. Der Aku-Glanzstoss-Konzern mußte die Betriebe in Petersdors, Arnheim und St. Pölten stillegen. Die Ueberproduktiou der Industrie sei noch nicht beseitigt. da alle Produzenten zur Herabminderung ihrer fixen Kosten die Leistungsfähigkeit der noch im Betrieb befindlichen Fabriken voll auszunutzen suchten. Daß die Lösung dieser Misere durch Bildung eines Bertaufssyndikats(d. h. also durch kartellmäßiges Hochtreiben der Preise!) gesucht werden müsse, darüber seien ftch die „Führer der Kunstseidenindustrie heute" klar. Wirkliche Führer hätten nicht erst so viel Kapital verbaut, um dann die Anlagen wieder st i l l z u l e g c n oder schlecht auszunutzen, d. h. dasKapi- tat wieder zu vernichten. Verlängerung des Weizenkoniingents. Die Reichsregierung Hot die Verordnung, wonach die deutschen Mühlen von Mitte Mai bis Mitte Juni zur Hälfte des Monats- bedarfs ausländischen Weizen zu dem von 25 aus 20 Mark herabgesetzten Zoll einführen dürfen, vorläufig bis Mitte Juli verlängert. Gleichzeitig sind die Hauptzollämter er- mächtigt worden, gegenüber einigen bisher noch nicht beteiligten Mühlen bei der Zuteilung der Kontingente entsprechende Rücksicht zu üben. Abschlüsse der preußengruben. Hibernia-Derluste durch llebernahme einer Stickstoffanlage. Wie wir bereits mitteilten, hat die Absatzkrise auch die beiden Ruhrkolenzechen des preußischen Staates, die Berg- wcrks- A.-G. Rccklinghausen und die Bergwerks- gesellschaft Hibcrnia, nicht verschont. Aus den Geschäfts- berichten geht hervor, daß der Kohlenoersand bei beiden Zechen im Jahre 1930 etwa um 17 Proz. geringer war als im Jahre 1929. Der Bctricbsgcwinn bei Recklinghausen ging nur von 12,0 Mill. Mark im Jahre 1929 aus 11,1 Mill. Mark im Jahre 1930 zurück; stärker sank der Reingewinn, von 3,8 aus 2,2 Mill. Mark. Das ist eine Folge der um 3 Mill. aus 6,0 Mill. Mark erhöhten A b- schreibungcn, wenn auch die Zuweisung zum Wcrkcrhaltungs- ionds von 1 auf 2 Millionen Mark herabgesetzt wurde. Es wird eine Dividende non 1(im Vorjahr 6) Proz. verteilt; von dem 67 Mil- lionen Mark betragenden Kapital sind 7,5 Millionen Mark noch nicht eingezahlt. Der noch nicht beendcHe Ausbau der Anlagen zeigt sich in der Erhöhung des Kontos 3, Anlagen im Bau" von 1,8 aus 12,1 Mill. Mark(nach erfolgter Abschreibung), was eine Ermäßigung der Bankguthaben von 16,3 auf 3,2 Mill. Mark zur Folge hatte. In der Erhöhung der Borrät c von 1,0 aus 5,6 Mill. Mark zeigt sich die Wirkung der schlechten Absatzlage. Für die Gewinnrcchnung wirkte sich die Acnderung der B c- tciligung am Ruhrkohlensyndikat günstig aus: Die Verbrauchsbeteiligung erhöhte sich von 0,5 auf 1,2 Mill. Tonnen gegen eine entsprechende Benninderung der Verkaufsbeteiligung, wodurch namhafte Beträge an Umlagezahlungen erspart wurden. Diese Erhöhung der Verbrauchsbeteiligung war nötig, da im Oktober die erweiterte Stromerzeugungsanlage und im No- oember 1930 das Stick st osfwerk Scholven in Betrieb ge- nommen wurden. Die Belegschastszisser verminderte sich um 9 Proz. aus 12 613 Köpfe. Stärker aber nahm die Zahl der tatsächlich a r b e i- t e n d c n Belegschaft(also unter Einrechnung der Feierschicht) ab, nämlich um durchschnittlich 11,5 Proz. Ungünstiger war der Abschluß d e r H i b e r n i o. Sic wurde als„reine Zeche" mit höherer Verkaussbcteiligung durch die Um- lngeerhöhungcn des Syndikats stark belastet. Bor allein hat sich die Uebernahme einer der beiden Stick st ossanlagen der Gasver- arbeitungsgesellschast m. b. H. mit hohen Lorröten bei der schlechten Loge des Stickstossmarktcs als finanzielle Belastung er- wiesen. Das Jahr 1330 schließt also mit einem Verlust von 0,5 Mill. Mark ab, während noch im Jahre 1929 aus einem Rein- gewinn von 3,2 Mill. Mark eine Dividende von 5 Proz. gezahlt wurde(Stammkapital 72 Mill. Mark, davon noch nicht eingezahlt 10,8 Mill. Mark). Der Betriebsüberschuß ist von 8,1 aus 5,5 Mill. Mark zurückgegangen. Ob dabei schon Abschreibungen aus die von 1,3 aus 15,1 Mill. Mark erhöhten Vorräte vorher abgesetzt sind, ist nicht Der richtige Weg zur Erlangung blendend weißer Zähne Drücken Sie einen Strang Ehlorodont-Zahnpast« aus die trockene Chlorodont-Zahnbürste(Spezialbürste mit gezahntem Bofitenschnitt), bürsten Sie Ihr Gebiß nun nach allen Seiten, auch von unten nach oben, tauchen Sie erst jetzt die Bürste in Wasser oder besser in Chlorodont- Mundspülwasser und spülen Sie damit unter Gurgeln gründlich nach. Der Erfolg wird Sie überraschen. Der mißfarbene Zahnbelag, der sich besonders bei Rauchem unangenehm bemerkbar macht,»erschwindet und die Zähne erhalten einen wundervollen Elsenbcinglanz. 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Die sinan zielle Belastung durch die erwähnte Erweiterung zeigt sich in einem Rückgang der Bankguthaben von 9,g auf 1,4 Mill- Mark. der Forderungen von 13,1 auf 10,7 Mill. Mark: unter den Passiven erhöhten sich die S ch u l d e n von 12,4 auf 38,2 Mill, Mark(darunter M,g Mill. Mark langfristige Darlehen). Die Belegschaft wurde im Jahre 1930 um 14 Proz, au 12183 Köpfe vermindert. Die arbeitende Belegschaft muht« aber die Einlegung von Feierschichten hinnehmen. Da sich die Absatz lag« auch im neuen Jahr nicht gebessert hat, mußten weitere Entlassungen vorgenommen werden. Automobilabsatz im Mai. Schlechte Aussichten für il931.- Gebesserte Ausfuhr. Der Absatz von Kraftfahrzeugen hatte im März und April stark zugenommen, da die Automobilauestellung in Verbindung mit Preissenkunzen und technischen Neuerungen die Kauflust an- geregt hatte. Wie der neueste Wochenbericht des Instituts für Kon junkturforschung mittellt, hat der Absatz im Mai nicht mehr zu genommen, so daß von einem konjunkturellen Umschwung nicht gesprochen werden kann. Im Mai wurden etwa 8100 bis 8200 Personenwagen und etwa 1500 Lastwogen abgesetzt. Nach den Erfahrungen der V o r s a h r e «erden bi» Ende Mai etwa 50 Proz. des Gesamtiahresabfotze« per« kaust, so daß jetzt schon eine Schätzung der Gesamtumsätze de» Jahres 1931 möglich ist. Nach den Zahlen der ersten fünf Monat« schätzt das Institut den Gesamtumsatz auf h? 000 bis 58 000 Personenwagen(1930 fast 82 000) und 13 000 Lastwagen(1930 fast 16 000). Die deutschen Firmen dürfen danach mit einem Absatz von etwa 44 000 Personen- und 860 Lastwagen(1930 etwa 58 700 Personen- und 10 100 Lastwagen) rechnen. Die Ausfuhr von Kraftfahrzeugen hat sich dagegen in den ersten vier Monaten dieses Jahres erheblich gebessert. Vom Januar bis April wurden 1778(im Vorjahr 1225) Personenwagen und 992(im Vorjahr 953) Lastwagen ausgeführt. Wenn auch dadurch der Absatzausfoll der ganzen Autoindustrie nicht ausgeglichen wird, so werden doch einzelne Unternehmen durch gesteigert« Ausfuhr ihre Lage erheblich bessern können. Guie Zeiten für„Chade"- Aktionäre. II Prozent Dividende für dsS bekannteste internationale Spekulationspapier. Obwohl Argentinien zu denjenigen Ländern gehört, auf deren Wirtschast die Krise in besonders schwerer Form sich aus» gewirkt hat, verzeichnet die Chade, die w i ch t i g st e E l« k t r i z i» tätsgesellschaft der 2 Millionen Einwohner zählenden Haupt« stadt Buenos Aires, auch im Jahre 1930 einen Rekord- gewinn. Die„Chade", hervorgegangen aus der Deutsch-Ueberseeischen Clektrizitätsgesellschast, die bereit» vor dem Kriege ein Faktor von internationaler Bedeutung war, gehört seit der ersten Nochkriegs« zeit zum Einflußbereich des belgischen Sofina-Konzerns. Es ist also in der Hauptsache belgisches Kapital, das an dieser Gesell» schaft arbeitet, doch sind u. a. auch deutsche und amerikanische Kapttalgruppen beteiligt. Die Chade-Aktien stnd da, bekannteste internationale BSrsenpapier. Die Gesellschaft hat noch Beteili. gungen an anderen argentinischen und auch an belgischen, fran» zösischen- und deutschen Clektrizitäts- oder Gasgesellschaften. Vor einigen Pahren errichtet« die Gesellschaft bei Buenos-Lircs, hart am Meere gelegen, ein neues Großkraftwerk von gt» mal tigern Ausmaß. Die Maschinenleistung der Gesellschaft betrögt jetzt etwa 427 000 Kilowatt(die gegenwärtige Leistung der Werke der Berliner Kraft- und Licht-A.-G. beträgt nicht ganz 764 000 Kilowatt). Di« Stromabgabe der Chade und ihrer Tochtergesellschaften stieg von 752 Millionen Kilowatt im Jahre 1929 auf 829 Millionen im Jahr« 1930, also um 10 Prozent. Di« Zahl der Stromabnehmer Hot sich von 430 000 auf 461 000 ver« mehrt, d. h. um mehr als 7 Proz. Dementsprechend war auch die Gewinnentwicklung! der gesamte Rohgewinn Hot sich zwar um«in« Kleinigkeit vermindert, nämlich von 120,8 auf 119,9 Millionen Gold, Peseta». Der Reingewinn konnte jedoch von 52,7 auf 54,2 Mil- lionen Pesetas, d. h. auf rund 70 Millionen Mark, gesteigert werden. Daher konnte auch die Gesellschaft di« auch bei guten internationalen Papieren nicht sehr häufig vorkommende Dividende von 17 Prozent ausschütten. Da» gesamte Vermögen(Bilanzsumme) der Gesellschaft ist setzt auf 976,2 Millionen Pesetas gestiegen, d. h. auf rund 1,25 Mil« liarden Mark. Weder die Bilanz-, noch die Ertragsziffern lassen auch nur im geringsten erkennen, wie stark Argentinien durch die Wirtschaftskrise betroffen worden ist. Rohiiseu-rzeugung im Mal. Im Mai ist die deutsche Roh- eisenerzeugung gegenüber April etwas gestiegen. Die arbeitstägliche Erzeugung betrug 17 892 Tonnen gegenüber 17 640 Tonnen im April dieses Jahres und 27 731 Tonnen im Mai vorigen Jahres. Die Eisxnlieferungen in Ruhland. Wie zu dem Abschluß der Verhandlungen mit der Sowjetregierung über die Lieferung von 200 000 Tonnen Eisenerzeugnissen noch bekannt wird, entfallen auf Stabeisen 40 Proz., Bleche ebenfalls 40 Proz. und auf Formeisen und Knüppel 20 Proz. Innerhalb von zwei Monaten soll das ge- famte Quantum zur Ablieferung kommen. Luhke-Ioseph A.-G. übernimmt Fronkfurler Armaluren. Die Fr. Butzke-Bernhard Joseph A.-G., Berlin, die.zum Machtbereich von Wolf Netter u. Jacobi gehört, schließt das Geschäftsjahr 1930 ohne Gewinn und Verlust ab. Die Frankfurter Armaturen- f o b r i k A.-G., deren Kapital im Besitz von Butzke-Joseph ist. soll im Wege der Fusion übernommen und der Betrieb fast vollständig nach Berlin gelegt wevden. 1 Gewerkschasten un» Notverordnung. Geschlossene Kampffront Voraussetzung des Erfolges. Vom Allgemeinen Deutschen Gewerkschafts- bund wird uns zu der Notverordnung der Reichsregierung ge- schrieben: „Die Reichsrcgierung ist des Glaubens, daß die neue Not- Verordnung den einzigen Weg zur Aufrechterholtung des Gleich- gewichtes der öffentlichen Haushalte aufzeigt, den einzigen Weg, der deutschen Wirtschaft in ihrer schwierigen Lage die Ansammlung produktiven Kopitals zu ermöglichen und sie in ihrem Konkurrenz» kämpf auf dem Weltmärkte zu unterstützen. Wenn die Gewerk- schaften diesen Glauben der Reichsregierung teilen könnten, wären sie bereit, der deutschen Arbeiterschaft vorübergehend weitere Opfer zuzumuten: denn es gibt keine Schicht des Volkes, die von der Be- lebung der Wirtschaft und der Sicherheit der Finanzen in ihrer ganzen Existenz so abhängig ist wie die deutsche Arbeiterschaft. Aber die Gewerkschaften teilen diesen Glauben nicht. Sie sind vielmehr der entschiedenen Ueberzeugung, daß di« Reichsregie- rung das Ziel auf dem von ihr eingeschlagenen Wege niemals er- reichen wird. Es gibt keine dauernde Sicherung der deutschen Finanzen ohne eine voraufgegangene Belebung der deutschen Wirkschaft. Die neue Notverordnung enthält kein positives wirt- schaftspolitische» Programm. In keiner der von der Reichsregierung vorgeschlagenen Maßnahmen ist die Einsicht er- kennbar. daß die Wirkungen der Weltwirtschaftskrise auf die deutsch« Wirtschaft mit finanzpolitischen Maßnahmen der deutschen Re- gierung allein nicht behoben werden können. Auch die Ankündi- gung einer Revision des Poung-Planes, die nur in langen Ver- Handlungen durchzusetzen wäre, kann der Gegenwartsnot der deut- schen Wirtschaft nicht steuern. Mit keinem Wort ist von Maß nahmen die Red«, auf dem Weg« internationalen Zusammenwirkens oller von der Wirtschaftskrise betroffenen Staaten«inen Weg zur Gesundung de? Wirtschaft zu suchen. Die neue Notverordnung wird nicht, wie feierlich verkündet morden ist, die letzte Notverordnung sein. Sie wird es nicht sein können, weil ihren Mahnohmen der wegweisende wirtschoslspolitisch« Gedanke fehll, der die Ursachen der deutschen Wirtschafts« und Finanznot zu b« seitigen sucht. Di« neu« Notverordnung ist nur ein Versuch, auf der Linie de» gering st«n Widerstandes vorzugehen. Auf dem Weg« einer untragbaren Belastung der armen und ärmsten Schichten de» deutschen Volk«, will die Reich»- regierung da» Geld zusammenscharren, um da» Defizit der öffentlichen Haushalt« zu decken. Die deutschen Arbeitnehmer sind ohnehin steuerlich schwerer belastet als die Arbeiterschaft in allen anderen Industriestaaten. Da» Maß ihrer Belastung mit Steuern und Sozialbeitrögen hat längst di» Grenz« überschritten, di« bei dem Abschluß der Reparationsregelungen von den ausländischen Sachverständigen als berechtigt anerkannt worden ist. Nichtsdestoweniger hat sich di« Reichsregierung dazu entschlossen, Steuern«inzuführen, die die abhängige Arbeit ungleich schwerer belaste» al» die übrigen Kreise de» Volke». Sie mutet nicht nur denen, die nach in Arbelt stehen, weitere schwer« Bürden zu, sie verkürzt auch noch dos Noteinkommen der Arbeits- losen, da» ohnehin nur zur dürftigen Fristung de» Lebens reicht. In demselben Augenblick, in dem sie denen, Mo in den letzten Jahren immer wieder«ine Einschränkung ihrer Lcbensmöglichkeiten erfahren haben, den kargen Lohn und die Bezüge kürzt, gibt sie der Großlandwirtschaft und der Schwerindustrie offene oder verschleierte Subventionen. Sie schmälert die Recht« der Arbeiterschaft und stärkt durch ihren Einfluß auf die Schlich- tungsorgone die rücksichtslose Politik des Unternehmertums, dessen reaktionärer Mochtwillen im gleichen Verhältnis wächst, wie die soziale Not und die Belastung des Arbeitsmarktes zunimmt. Durch diese Mahnahmen wird der Wirtschast nicht gehalfen. Di« dauernde Schmälerung der ohnehin geschwächten Kaufkraft der breiten Volksmassen wird vielmehr zu einer weiteren Einschränkung der Produktion und Freisetzung von Arbeitern führen. Die Rotoerordnung wird da» soziale Elend in Deutschland steigern. Ihr« Durchführung hat aber nicht nur sozial und wirtschaftlich verhängnisvolle Folgen, sie beschwört auch unabsehbare politisch« Gefahren herauf, indem st« den innerpolitischen Feinden der Deut- schen Republik Zündstoff zu ihrer Agitation gegen den demokratischen Staat liefert. Die politische Unsicherheit, die durch di« Notverordnung gesteigert wird, untergräbt das Vertraue» des Auslandes. Ohne Vertrauen zur Stabilität der deutschen politischen Verhältnisse und damit der deutschen Wirtschaft läßt sich aber der letzt« Sinn jeder Notoerordnung in der heutigen Zeit nicht verwirtlichen, unserer Wirtschaft«inen neuen Antrieb zu geben und dadurch auch di« Finanzen des Staates dauernd sicherzustellen. Di« Gewerkschaften sind sich einig in der Ueberzeugung, daß die neue Notverordnung sowohl in ihren entscheidenden Neuregelungen wie durch die Fülle gehässiger und wirkungsloser Einzelbestimmun- gen. die eine von jedem politischen Instinkt verlassene Bürokratie in ihre Paragraphen eingeschmuggelt hat. den sozialreaktionären Geist noch überbietet, der im letzten Jahr Ge- setzgebung und Verwaltung beherrscht. Die Gewerkschaften sind sich aber auch bewußt, daß ihr Kampf gegen diese Notper« Ordnung nur dann zu positiven Erfolgen führen kann, wenn die Arbeiterschaft rückhaltlos zu ihren Organisationen steht und ausschließlich den Weisungen ihrer Führer folgt. Di« Arbeiterschaft hat keine Freunde, keine wirtschaftlichen, keine poki- tischen Bundesgenossen außerhalb ihrer eigenen Reihen. In keinem Abschnitt der Nachkriegszeit war es so notwendig wie heut«, daß der Block der wirtschaftlich und politisch organisierten Arbeiterschaft, der Gewerkschaften und der Sozialdemokratie, eine f« st g e f ü g t e, geschlossen« Einheit bildet, die sederzett zur Ab« wehr wie zum Angriff eingesetzt werden kann." „Angleichung" der Reichsbahngehälier. Llnd wie steht es mit der Arbeitszeit? Vom vorstand des Einiheitsvevbonches der Eisenbahner Deutschlands wird uns zur Notverordnung weiter geschrieben: Don einem gerechten Ausgleich ist der Inhalt der Notverordnung weit entfernt. Da» zeigt sich auch bei der vorgesehenen weiteren Kürzung der Gehälter der ReichÄmhnbeamten. die in ihrer Aus- Wirkung für die Beamten mit den niedrigsten Einkommen durch den Wegfall des halben KinderAuschlages für das erste Kind einen pro- zentual höheren Einkoimnensverlust als bei den oberen Beomtengruppen bedeutet. Ganz besonders unsozial wirkt die Not- Verordnung auch auf di« Meinen Pensionäre und Rentenempfänger und auf die Bezieher von Witwen- und Waisenrenten, denen nach Wegfall jeder Freigrenz« von ihren ohnedies dürftigen Bezügen noch 4 bis 5 Proz. gekürzt werden. Dieses Unrecht steht in schreiendem Gegensatz zu der Behandlung, di« den G r o ß- Pensionären zuteil wird, bei denen eine stärkere Kürzung der Penston angeblich au» verfassungsrechtlichen Gründen nicht mög> lich ist. Für den Geist der Notverordnung ist bezeichneich, daß«in« über den allgemeinen� Gehaltsqbbau hinausgehende Gehaltskürzung bei den Staats- und Gemeiichsbeamten angeordnet wird, soweit ihre Gehälter höher liegen ol« bei gleichzubemertenden RcichSbeamten. Bei der Reichsdahn aber besteht der Zustand, daß überhundcrt- tausend Beamte der unteren und mittleren Gruppen seit 1927 niedrigere Bezüge erhalten als die vergleichbaren Reichs- beamten. Was an diesen Beamten aus diese Weise eingaspars wird. wird in Form von Leistungszulogen und zugunsten der leiteichen Reichsbahnbeomten wieder ausgegeben. Diesen Zustand findet die Reichsrsgiemng onscheineird ganz in der Ordnung. Unter den Reichobahnbeamten herrscht große Empörung auch darüber, baß trotz Abbaus der Ä«Hölter ob 1. Februar 1931 der Generaldirektor«ine Verkürzung der über 48 Stunden hin- ausgehenden Arbeitszeit und Dienstschichten a b- gelehnt hat. Daran scheitert« bischer auch die Herabsetzung der Arbeitszeit für mehr als hie Hülste der Reichsbahnarbeiter, nämlich soweit sie nach dem Reichsbahngesetz die gleiche Arbeitszeitregetung haben wie di« Beamten. Die Reichsbahn-Gesellschaft kann sich hie? allerdings auf das schlechte Beispiel berufen, das die Reichs- regierung gibt, meil auch für die Reichsbeamten di« 4Sstündige Dienstzeit noch nicht«iaderherzestellt worden ist.— Wie vereinbort die Reichsregierung diese Mißständ« im eigenen Hause mit ihren Empfehlungen, in den Privatbetrieben durch Senkung der Arbeit»- zeit die Arbeitslosigkeit zu verringern? Kohlenkompromiß angenommen. Genf. 11. Juni.(Eigenbericht.) In der Kohlenkommission wurden am Donnerstag für den Braunkohlenbergbau die von der Arbeiter- und von der Regierungsgrupp« vorbereiteten Vermittlungsanträge zur Regelung der Ueberstunden mit klarer Mehrheit a n- genommen. Danach wird die Ueberstundenzahl des Entwurf» für den Braunkohlentiefbau von 150 auf 75 vermindert. Die zuständigen Behörden können aber tariflich« Vereinbarungen zulassen, die für Gruben mit besonderen geologischen oder technischen Verhältnissen weitere 75 Ueberstunden pro Jahr vorsehen dürfen. Für den Braunkohlentagebau wurde di« Ueberstunden- zahl des Entwurfs von 250 auf 100 ermäßigt. Bei besonderen Bedürfnissen sind tarifliche Vereinbarungen bis zu höchstens 100 weiteren Ueberstunden pro Jahr möglich. Vor Ablauf von 3 Jahren nach Inkrafttreten de« Abkommens soll über ein« weitere Kürzung dieser Ziffern Beschluß gefaßt werden. Zur Annohme im Plenum bedarf es jedoch einer Zweidrittelmehrheit. Zusätzliche Arbeii bei der Veichsbahn. Aber nicht für Ausgesteuerte. Di« Verhandlungen zwischen der Reichsbähnhauptoerwaltung und den Eisenbahnergewerkschaften über di« Durchführung der von der Notverordnung vorgesehenen Arbeltsbeschaffung durch die Reichsbahn kamen am Donnerstag zu einem gewissen Ab- schluß. In der Hauptsach« dürfte sich die Arbeltsbeschaffung folgen- dermaßen gestalten: Durch Oberbauarbeiten sollen rund 60000 Arbeiter — nicht 120 000, wie in der Presse behauptet worden war— etwa fünf Monatelang beschäftigt werden. 60 Proz. der zusatzlichen Arbeiten will die Reichsbahn in eigenerRegte durchführen und 40 Proz. durch Privatunternehmer fertigstellen lassen. Von den 60 000 neu einzustellenden Arbeitern würden 36 000 Zeitorbeiter, d h. Cisenbahnarbeiter sein, während der Rest von 24 000 Arbeitern aus Arbeitslosen der Prtoatindustrie geholt werden müßten. Diese 24 000 siird allein die zusätzlichen Arbeiter". Di« Regierung hat der Reichsbahn die Verpflichtung auferlegt, daß die neu einzustellenden Arbeiter nur 40 Stunden arbei- t e n. Diese Arbeitszeitverkürzung soll jedoch auf di« übrigen Bahn- Zwischen 20 Uhr und Mitternacht schnwkt Mokk« am besten, besonders wenn er aus Ha« bereitet wird. Kaffee Ha« ist mild und aromatisch. Seine feinen Geschmacksstoffe werden 4 auch im stärksten Aufgufi nicht durch Bitterstoffe übertönt. [{J Edlen Hochgewachsen aus 4«-9 000 Fuß Höhe verdankt er seine unQber« treffliche Qualität.- Dabei ist Kaffee Heg coffeinfrei und vöilif unschädlich. � Cr kann niemals Ihren Schlaf stören. o a vnterfyolKmflwfetItcr nliSt OTertrege«»ertfrt. 5«tnrr fi,ht di« 5tohJ«rorbnung di« Verpflichtung cor, baß die neu einzustellend«» Arbeitskräfte aus der Masse der unter st üßungsberech» t i g t e n Arbeitslose» genowwen wcrden. Au»gesteu«rte dürfen nicht verwendet werden! Da» Reich dezweitt da- mit einer Entlastung der Staatsauegaben für die Arbeitslosenunterstützung. Die Gemeinden und Ausgesteuerten können sehen wo sie bleiben. Schließlich fordert die Regierung, daß die neu Einzustellen- den noch Möglichkeit im Lause der Arbeitstampagne von fünf Monaten ausgewechselt werden. Eine zu starke Auswechselung etwa jeden Monat oder alle zwei Monate— würde unwirtschaftlich wirken und die U n f a l l g e f a h r« n st e i g e r n. Auch ist zu bedenken, daß bei den Oberbauorbeiten(Brücken, und Tunnelbauten) die Unsollgefohr eine große Rolle spielt. Trotzdem wird sich«in« gewiss« Auswechslung insosern ermöglichen lassen, als die Arbeiten an verschiedenen Stellen abgesetzt werden. Infolgedessen können bei jeder Inangriffnahme der zusätzlichen Lahnunterhal- tungearbeit an einer neuen Stelle neue Arbeitskräfte aus der Räch- barschaft des neuen Arbeitsstandortes herangezogen werden. Lohnabbau von achi Prozent! Bor dem Schlichter des Bezirk» Niederschlesien wurde heute nach langer Aussprach« die Vereinbarung getroffen, daß die Löhn« für die schlesische Mühlcnindustrie ab laufende Woche um 8 Prozent zu kürzen sind. Di« Abmachung gilt bi» zum 24. Februar 1932. Die Unternehmer hatten ursprünglich einen Abzug um 15 Prozent gefordert.-- nur Me Wahl von Sozsaldemvkraten ergoß. NezelH. nenderweisr vereinigte der Wortführer der.Opposition' die wenigsten oppositionellen Stimen aus sich, wo» daraus schließen läßt, daß ihm selbst seine eigenen Anhänger nicht viel Lertrauen entgegenbringen. Di« Generolversammiung nahm ebensalls in einer Entschließung zur Rotoerordnung Stellung, in der sie die Notwendigkeit anerkennt, daß die Regierung neu» Einnahmequellen er- schließen muß, sich aber ganz entschieden gegen de» sozial« reaktionären Inhalt der Rotverordnung wendet und vom ADGB. erwartet, daß er ein« Aenderung der Verordnung herbeiführt. Machtprobe berfranzösifchen Texiilinbustriellen Kommunistische Hirngespinste. Die Lithographen vnd Steindrucker lehnen sie ab. Im Gegensatz zu der letzten Generalversammlung der Berliner Lithographen und Stelndr ucker, die infolge eines organisierten Roda», der RGO.-Anhänger vorzeitig geschlossen werden mußte, verlief die Generaloersammlung am Mittwoch im Gewertschastshaus verhältnismäßig ruhig. Die Seneraloersammlung nahm in der Hauptsache Stellung zum Verbandstag am 16. August in Erfurt. Bei der Debatte über die Anträge zum Verbandstog wurden oftmals in scharfer, aber allgemein sachlicher Weise die Klingen gekreuzt zwischen unseren Genossen und den Kom- munisten. Gegen die Antröge des Ortsvorstandes selbst wußte die „Opposition" nicht viel vorzubringen, denn sie betrafen nur rein innerorganisotorisch« Dinge und sind darauf abgestellt, die Organi- sation auch über die Krise hinaus aktionsfähig zu erhalten. Hinsichtlich der gegenwärtigen politischen Situation, mit deren Beurteilung die Debatte schließlich nur noch ou»g«füllt war. zeigten sich jedenfalls die„Reformisten' als viel weiterblickend« Köpfe ols die berufsmäßigen..Oppositionellen', die ausgerechnet jetzt ihr Sswjetdeutschland zum Greifen nahe sehen! Dt« opppsitionellen Anträge verfielen mit großer Mehrheit der Ablehnung. Roch größere Augen«erden die RGO.-Anhänger bei den Lithographen > und Stcindruckern über das Ergebnis der Wahlen der Delegierten zum Verbandstag machen, die mit erdrückender Mehrheit Pari». 11. Juni.(Eigenbericht) Angesichts der ergebnislosen Verhandlungen über di« Beilegung des Textilarbeiterstreiks hat der Verband der Stoffabrikanten von Roubaix-Toucoing beschlossen, am Montag die Betriebe wieder zu öffnen, den Arbeitern aber die A n« e s- n h e i t» p r ä in i e n nicht auszuzahlen. Der Verband hält olle«eiteren Verhandlungen für nutzlos, da er keine weiteren Zugeständnisse machen könne. Pari», 11. Juni. Wie au« Lille gedrahtet wird, ist der Vorschlag einiger, dem Jndustriellenverband nicht angehörender Unternehmer, erst vom 1. September ab eine Gehaltskürzung von Z Prozent eintreten zu lassen, von der streikenden Arbeiterschaft geprüft und wohlwollend aufgenommen worden. Ein Beschluß wurde vorläufig jedoch nicht gefaßt, da man da» Ergebnis der Verhandlungen mit dem Arbeit- gebervcrband abwarten will. Letztere sordern bekanntlich eine sofortige Lohnkürzung um 4 Prozent. Die Aussperrung in Norwegen. vgl», tt. Juni. In der großen Ausspernmg. die jetzt fast zwei Monate dauert und ungefähr 60 000 Personen betrifft, haben der norwegische Arbeit- geberverband und die Gewerkschaften heute ihr« Antworten auf die Vorschläge de» von der Regierung bestellten Schlichter» erteilt. Wie der Schlichter mitteilt, sind seine Vorschläge von beiden Parteien abgelehnt worden. Darauf hat er beide Parteien ersucht, die einzelnen Borschläge in gemeinsamer Sitzung unter seiner Beteili- gung zu prüfen. Riiilttioiiai'-Vsrrsinnilima! D{en«i«g, den 1«. Juni 1931, 19'/, Uhr, im �rosien S««I de« Se«U»«u Friedrichihein, Am Friedriduhaln 16/23 Genosse Siegfried Auf h& u« e r, M. d. IL, spricht Ober: Soxialdemokratld und Notvarordnungan Die politischen Versteuensleule haben Zutritt.— Zutritt nur gegen Voreeigung der PerteilunktlonirWie för 1931 mit gleichlautendem Parteimitgltedsbuch, Der Basirksvorsiand. Heist der erwerbslosen Zugend! Notverordnung eine Gefahr für Zugend und Gesettschast. Walter Eschbach, der Iugendleiter des Zentralperbandes der Angestellten, schreibt uns: Die neue Notverordnung, di« unter anderem bestimmt, daß jugendliche Erwerbslose bis zu 21 Iahren keine Unterstützung mehr erholten sollen, lenkt den Blick auf dies« am härtesten be- trofsene Gruppe der Erwerbstätigen. Schon einmal, im Jahre 1926, mußten infolge der großen Zahl erwerbsloser Jugendlicher für sie besondere Maßnahmen getroffen werden. Ihre Zahl muß heute noch höher eingeschätzt werden, wurden doch schon im Herbst 1930 rund 600 000 jugendlich« Ewerbslos« an- genommen. Es braucht nicht im einzelnen auseinandergesetzt zu werdcn, daß die Gefährdung des jungen arbeitslos gewordenen Mcn- schen durch die neue Maßnahme ungeheuer verschärft wird. Di« Bitterkeit, ohne eigenes Verschulden aus dem Envtrbsprozeß hin- ausgeworfen zu sein, wird sich steigern. Sie kann unübersehbare Zolgen hoben. die sich bereit» andeuten in den Ausraubungen von Lebensmittel- geschäften der letzten Tage. E» ist auch zu berücksichtigen, daß die Aussteuerung junge Menschen trifft, deren Däter vielfach ebenfalls ohne Erwerb sind, so daß die Rot ins Ungemesiene gesteigert werden muß. Angesichts dieser Tatsachen haben sich in den letzten Monaten di« Organisationen bemüht, Veranstaltungen durchzuführen, die den Zweck verfolgen, Teile der erwerbslosen Jugend für gewisse Zeiten aus der trostlosen Lage ihres unfreiwilligen Feiern? herauszu- nehmen. Die Berliner Gruppen der Freien Angestelltenjugend, der Freien Gewerkschaftsjugend und der Sozialistischen Arbeiterjugend haben im Mai und Juni in der Jugendherberge Altenhof am Werbellinsee zwei Jungenkurse und einen Mädchenkursa» durchgeführt, die von durchschnittlich je 30 Teilnehmern beschickt waren und die je eine Woche dauerten. Im Mittelpunkt dieser Er» w«rb»losenfretzeiten stand jeweils unter sachkundiger Leitung die Erörterung staatsbürgerlicher, sozialpolitischer, hygienischer und ar» beitsrechtlicher Fragen. Di« Freistunden dagegen wurden aus. gefüllt mit Spiel, Unterhaltung und einer Ganztagswanderung. Bei allen Teilnehmern wurde die größte Freud« darüber geäußert, an diesen achttägigen Freizeiten beteiligt gewesen zu sein. Für die sozialen Verhältnisse der Jugendlichen ist folgendes recht bezeichnend: Bei den Jungen war die knapp« Hälft« über 6 Monate erwerbslos, bei den Mädchen ebenfall». lieber 12 Monat« ohne Erwerb waren 6 Jungen und 2 Mädchen. Die Eltern halte« keinen Erwerb bei 18 Jungen und bei 8 Mädchen. Die Wohnverhältnisse ergaben folgendes Bild: Von den Jungen wohnten 22 in Wohnun- gen mit 2 Räumen(Küche mit eingerechnet all» 1 Raum). Von ihnen mußten unter anderein 9 mit insgesamt 4 Personen, Z mit insgesamt 5 Personen, 1 mit insgesamt 6 Personen und 1 mit insgesamt 7 Personen zusammenwohnen! 20 Jungen wohnten In Wohnungen mit 3 Räumen(einschließlich Küche); hier mußten unter anderem 2 Jugendliche mit insgesamt 6 Personen und l Jugendlicher mit insgesamt 8 Personen zusammen wohnen. Bei den Mädchen lagen die Wohnverhältnisse ebenso ungünstig. Zwei Teilnehmerttmen wohnten in Wohnungen mit nur einem Ranm. �reieGewertschaftSsLugenö Berlin solche Mittel vom Vtagt bereitgestellt werden. IVJI heute, isla Mc, tagen ine«cuvpen: Adlee-h-f! Druppenheim Adler»- hef, JViMiinrtflu. J. Jugend und scruellc Brodlnne.— Nord ring: Ju- " venddetm. Schule Snnnenducger Sir. 20. Sebräuche bei Eannen-wend- feiern.- AeiniSendort Oft: CUifleiiichclin Lindoncr Straße> Baracken!. Nn. varische Arbeilerdewegung.— Süden: Iugendbeim Wafierleestr. 9. Lieder. ledrabend.— adarlettendurg! Iugcnddeim Spreestr. 30. Schindler dringt wat Reue».- geppelinpla«:?ugendl>eiin Turiner Eck« Ecestraße. Enlstchung und «nrmicklung der freien Sewerd-chaften.— Iugendbei m Svortvlg« Eeedurger S:raße. Ae ff«3. hl Wort und Bild.— Aen.walder gtl«*: Pasteurstr.«4- SS(Obemfllirfnilf). Bunter Abend.— Aermannvlafl: JWniAtim Sandcrslr. U, Ecke Labrechtstraßr. Biskullwnsobeird: Slgoj, SJAme. Steife, die eine zusammen mit 3 anderen, die zweite zusammen mit 5 anderen Personen! Weiterhin mußten unter anderem 7 Mädchen in 2 Räumen(einschließlich Küche) zusammen mit in«, gesamt 3, 4 und 9 Personen wohnen! Diese kurzen Angaben beleuchten blitzartig die Verhäftnlssee, unter denen die erwerbstätig»,- durch die Wirtjchastskris« arbeite- los gewordenen Jugendlichen zu leben haben. Darum ist es Pflicht von Staat und Gesellschaft, zu lindern und zu helfen. Die Organi- sationen, die di« Kurs» durchgeführt haben, hatten eigene Mittel zur Verfügung gestellt und einen staatllchen Zuschuß erhalten. Bei dem ?ünstigen Ergebnis der Freizeiten darf erwartet werden, daß auch ür spätere, ähnlich« Veranstaltungen für dt« «romMosr Jugend Zuqendgruppe desZeniraiverbandeS der Ansiesteliien 5>e>rte, sind folgende Bcranslaltunaen: R erden: kiuqendbeim Lerrtzing- ftrofie 10. Vonrag:„Streisgugc durch den Sozialismus'. Referent: Hülm.— Südwesten: Jugendheim Boeckltr. 11(2. Hof, Quergebaube, 1 Treppe. äimmet Sl.»unter Abend.— Berltnee Druckerei, und ve»l»g»>S«feI> schuft Mi. h. H.(heschöffsstniiden von 20 bi» 22 Uhr im Jugendheim Ebertultn, 15,— Phptogeweiirschaft: Arbeitsabeiid im Jugendheim Lindenstr. 4,— Spiele I« geeie» ad 18 Uhr Sportploh„ftinfome Pappel'(Norden). ItofeaSunsMjat diese Ruhr» sind >« r l t» 0®«1. Lindenltrahe 3, parieinachrichien für Groß-Verlin stet,«n da» Brzlrtefetreteria» echt», i» richte». 2. Hat.«Treppe« recht», Beginn aller Veranstaltungen 19Vt Uhr» sofern keine besondere Zeitangabel heute. Areiiag, 12. Juni. S. steei». strn, Mitglied« rverlammlung in den Andreaefestfäle», Andrea» st r»dc H. Berichterstattnng vom Reichsparteilag. Referent: Senaste Pinglka. »iernfston. Partrimitgliedsbnch bitte mitdringen. 7. steei». Im W«htf-hrt»Iaal. ahnrlottrnbnrq, stönigin-Slif-beth-Stead, T. ' lelpi Streitgespräch zwischen den Reichstagsadgeorbneten Dr. Paul Herst»nd Dr. 5tnrt Rosrnfel» über:„Die Offenstvr der Rraktion und die nichtige Tattit der Sozialdemokratie'. 17. Steei». 1» Uhr streieoertretrrverlamenlun« in de» Schu lernt» Rerttstrafi«. Berichtepftattring»«m Parteitag. Referent: Frist Thurm. » 1Z. steril Senntaa, 14. Juni, ISaldtrrftr»«Irr Pariristenatze» mtt de» strich». Senntag, 14. Juni, Waldtreffe» aller Parteistenastr»«et de««e» nestrn de» streife» zehlendorf IM Sriincwald. Räh« der Serien fpielvläste. stronprinzenallee. Semeiniamer Admarfch mit Mufit pünktlich 14 Uhe ad Steali». Düppelplast. Luftige«ettfpietr, Puppenspiele. Die rete» Rebellen. Rückmarsch mit Siocklaternen. Vezirkvausschusi für Arbeiterwohlsahrk. 3. stveie. Alle Adteiluuasleiter der Arboiterwabltahot rvcrbcn gebeten, sich in der streizmitgliederricrfamratmifl am Freitag, dem II. Iiiiii, bei dem ffiw lipssen Hartwig zur Entgegennahme von Material einzufinden. Arbeilsgemeinschasi der hinderfreunde Sroß-Lerlin. I 17. StceU Lichtenberg. Saniiabenb, 13. Juni, ISili Uhr, im Heim«bullte r< stroRc«re.ishelferfistun«.__„ streie Reukölln. Kruppe Falke. Iunqfqlkrn und Rote ssalren. Mr find hept» in der Schule Herstbergplast ad 17 Ultr. Sonnobeitd Habet nach nach Bernau. Uestdorf. � Krupp« Qturnrfalte. Hcutf, Rreh.afl, find alle sialicn auf der Wiese Son:trnollee ad 17 Uhr.— Kruppe Lichtlämpfer. Iungsalten sind heute Sportplast Sonnenollee ab 17 Uhr. Rate galten stetste Baracke Sang- dosersirafie. Sonnabend steltfahrt. Bezirk grtedrichnhain. Heilte, 1« die 19' e Uhr, fairen. Verstunnilung in: Heim Litauer Str. Ist. Sonr Zloir galLcn und Juno- Treffen zur streie- fahrt 1« Uhr an den KTutwiifornmelplätien. strei» Ist'/s Uhr Schlesi scher Bahn- h»f, Eingang gruchtstraste. Schlafibck. Wofchgrug und ein, ßstretne mitbringen. shahritostrn für Ziestfalten 40 Bf., alle anderen 70 Pf. Ende Sonnlog. 20 Uhr. Montag, 20 Ustr, stP.�Sistung im Keim Diestelmeyerstr, 3—6. Dienetag, 20 Uhr, SlH..Eitzuna im gleichen Heim. Sterbetafel der Groß« Berliner Partei« Organisation| 25. Adt. Am 9. fluni vevschied lensrre treue, bewiihrt« Senofstn Wien« Äitäet, Berlin ZiC. Iii. Schnefdetnithler Str. 4. Senosstn stirker stand schon unter dem Sozialhsfeirgesest in unseren Reihen. Eh« ihrem Andenken. Dia, lstcnrdiguna findet am Sonwag. dem 14. Juni. 14 Uhr, PPM Jüdischen ssried- bat ZveiHenkd«, Reue Holle, ago statt. Rege Brtetligpna erbeten.— Am 0. Juni »enftavd unser lanafüdriaer. bewährter Kenaste Richard Ritschke. RO. Ist. Cothanwestr. IS. Eh« feinem Andenken. Etniischerung Eannodend, 1Z. Justiz 101, Uhr, strematorium Derichistrahe. Um regt Betchliguna«med gebeten. WW ■bXLJH Sozialistische Arbeiterjugend Groß- Serllo rnnfrstdungen fdr diese Rodest nee«> da« IechitdtechetWchM aafin«SV 68.«Zede»ftrate» Ccffmütriie Kundgebung stcnK, litt Uhr, im g rohen Saal der Kermaniaseftsäle, Sdanffeeftr. ll«. Bor- trag:.Di, fletoerordnnng der Regierung Brüning und dir Jage od'. Zadoen und Traneparrntc mitbringen. Alle Kruppenoeranstaltungcu lalle» au». Tresspunkke der Zlbleilungen und Werbebezirke: Balkan: IT/i Uhr �!Inst»tn'. Dgnzigrr Strohe Eck, Prenzlauer Mee. Prenzlauer Berg und streozberg: l« Udr Kerinaniafestföle.—«rrbedrzirl Renk»»: 1,14 Udr u�-hit Ratstauo-Neutillln.—«rrbebeziri Sck«»a>evg: l«sti Uhr Bechnbof Echstgederg. � «veften: vek�iMchr Werbe fei er im Rationalbof, Blllowstr. 37.(Sie ffeiec fittsttt d« stimmt statt.) Morgen. Treffpunkte für Aahrien: «Seddinq<«..(?.): 1? Uhr Pohnhdk Wedding.- Rrstköll» ITO: 20 Ustp Staiscr.ffnedrich. Eck, Weichsplstrahe. «erbedezlrk Prenzlauer Beta: Waicherleitersahrt. Treffpunkt 1, Uhr Bahn» hak Prenzlauer Allee-(sodrgeld«0 Pf. »«dedeztrl Pankewi Werbede,irl».?rekfahrt nach Krün Heide. Treffpunkte: starvw Istllll Uhr, Blankenburg 10.22 Uhr, Pankow 19.20 Uhr. * Bora»zeige: Montag, 15. Juni, 19 Uhr, irmiktiouckrversanimlii ng in den Schulau la stvchstr. 1Z.«Lenosse Dr, guet LSwc»stein, Al. d. R„ spricht üb«: .Sit Lehren dep Parteitage» und di« Jugend'. Voriräge, Vereine undÄersammlungen. G Reichsbanner..Schwarz-Rok-Gold". «»fchSktsstell': Brillit S. 1«. Srbaftianstr. Has!. T«. Sonntag, 14. Zoni. Wedding(Sri operein), ftsti Uhr Airtreten Bahn- Hof chciünbbrunnen ,ue(fahrt noch Bernau. Stegli,(Ortsverein). Alle staineraden beteiligen sich geschlossen. am Waldsast bor SPS. a�BaMWWWBaaaea�iEaaaaW�iaBaWtzW IZOll lihr in Zipil. Tempelhof(Orlsvevein), Antreten:> Uhr zitm strelslreffeir in Lstdben, Ullsteinbau-,«ameradschaft Tenipeldof und Rarirndprf. Ist Uhr stamepadschaft Lichlenpadt, Kolp» Ecke flotfrr.Wilhelm-Strgße. ZNeines Rarstch- gepäck.___ Zlrbetter-Samariier Bund e. V.. Kolonne Berlin. 1 SelchSsteftel,: R. 24, Sr. Hamburger Str. 20. Tel.» v 1 Sorbe» 334«. AddeiNlnq Lichtenberg. MttqNederverfammltrng am ssreifag. dem> ____ 12. antü, 20 Übe. Lokal Serbte.»rvstpoingenfte. 47. Unter der Tagesoadirm:»: Neuwahlen. Reich»oeirr»t/. Pfd. 0,48 Sülze................... Pfd. 0,48 Sülzwurst.....'......... Pfd. 0,68 Dampfwurst........... Pfd. 0,85 MettWU rst Braonachw. Art...Pfd. 0,88 Jagdwurst............. Pfd. 0,98 Wiener Würstchen..Pfd. 1,04 Feine Leberwurst...Pfd. 1,08 Schinkenpolnische..Pfd. 1,08 Zervelat............... Pfd. 1,30 Salami.................. Pfd. 1,30 Fetter Speck.......... Pfd. 0,68 Magerer Speck....... Pfd. 0,88 Schinkenspeck....... Pfd. 1,38 Nußschinken.......... Pfd. 1,55 Käse und Fette Camembert........2 stet 0,25 Harzer.................. Pfd. 0,25 BlockkäseTU�Ait,20»f0,Pfd. 0,68 Edamer wu........... Pfd. 0,72 Holländer 40«/0........ Pfd. 0,72 Steinbuscher voUfett, Pfd. 0,72 Tilsiter vollfett......... Pfd. 0,72 Münster vollfett........ Pfd. 0,88 Italien. Käse 45- 50»/» Pfd. 0,95 Schweizer............. Pfd. 1,28 Allerfeinste deutsch« Molkereibutter....... Pfd. 1,44 Allerfeinste deutsche Markenbutter......... Pfd. 1,48 Margarine........... 2 Pfd. 0,75 Kokosfett........... 2 Pfd. 0,75 Fische •Lachs gefroren........ Pfd. 0,58*Seelachsgr.AKo.,t.g.1Pfd. 0,15 •Zander gefroren....... Pfd. 0,38'Schellfisch i. g....... Pfd. 0,32 •Kabeljau gr,o.Ko.,i.g,Pfd. 0,20'Kabeljaufilet....... Pfd. 0,30 *Ia allen Häusern ausser Andreasstr. Kolonialwaren Bruchreis........—..Pfd. 0,14 Moulmainrels......... Pfd. 0,24 Patnareis.........— Pfd. 0,32 Eierfadennudeln..... Pfd. 0,50 Eiermakkaroni...—.Pfd. 0,66 Eierschleifchen...... Pfd. 0,65 Hartweizengriess...Pfd. 0,28 Weizengriess........ Pfd. 0,30 Kalif. Birnen getroekn., Pfd. 0,60 Kalif. Pfirsische getr, Pfd. 0,62 Kalifornische Pflaumen ohne Stein, getrocknet.,.. Pfd. 0,50 Gerste gebrannt........ Pfd. 0,24 Kaffee frisch gebr., Pfd. von 1 ,90 Räucherwaren Schellfisch gerfnehert, Pfd. 0,34 Fleischsalat.......... Pfd. 0,75 Obst und Gemüse Kirschen.............. Pfd. 0,28 Erdbeeren............ Pfd. 0,45 Bananen............. 2 Pfd. 0,92 Tafeläpfel australische, Pfd. 0,52 Ananas................ Pfd. 0,85 Stachelbeeren unreif, 2Piii. 0,35 Radieschen....... Bund 0,10 Grüne Gurken..stock von 0,20 Kopfsalat......... 3 Köpfe 0,1 0 Rhabarber........... 4 Pfd. 0,10 Möhren...... Grosses Bond 0,48 Grüne Bohnen....... Pfd. 0,32 Schoten............. 3 P'<1- 0,40 Kohlrabi.............. Bund 0,22 NeuerWirsingkohl Pfd. 0,1 5 1 Neue Kartoffeln 3 Pfd. 0,48 Seelachs gerSucbert.. Pfd. 0,36 Flundern gro»eegerlneb.,Ptd. 0,48 Rochenfleisch....... Pfd. 0,48 Makrelen in Tomaten. Dose 0,50 Wild und Geflügel Rehkochfleisch...... Pfd. 0,26 Rehblätter............. Pfd. 0,88 Rehkeulen............. Pfd. 1 ,55 Waldtauben gefroren, st. 0,50 Hühner gefroren........ Pfd. 0,88 Suppenhühner iritch, PH.«n 0,85 Enten fiisch............ Pfd. 0,95 Gänse frisch...... Pfd. von 1 ,05 Konserven 1, Dose Kaiserschoten............ 1,15 Junge Erbsen mittelfein,.. 0,75 Gem. Gemüse fein...___ 1,20 Junge Karotten......... 0,58 Stangenbrechbohnen.. 0,60 Sellerie tafelfertig.......... 0,65 Aprikosen ohne Stein..... 0,95 Gemischte Früchte.... 1,40 Pfirsiche'/j Frucht, geschält 1,30 Ananas............»ij Dose 0,75 Weine Preise ohne Flasche*/, FI. 1929er Edenkobener.. 0,75 1929er BruttigerMark. 0.95 192äerSiefer8h. Horn. 1.25 1927erWintricher Sonnenseite......... 1,45 1926er Rüdesh. Kiesel. 1,60 Heringssalat.......... kfd 0,70 Schlemmer-Roulade w Burgunder/Torna tentunke, Dose 0,80 Sardinen MarkeHertie, Dose 0,45 Sardinen...5 Portionsdosen 0,95 1929er Zeltinger Himmelreicn, Natur.. 1,85 1926erGraves weiss.. 1,85 1 Liter Spez.-Apfelwein. Natur 0,68 Rot Johannisbeerwein T. Qualität............ 0,85 Kirsch- oder Stachelbeerwein............ 0,95 Erdbeerwein, herrurr.ijGil. 1,25 Malaga. MeUehrguteCitaL 1,45 Douro-Portwein.iolieQinL 2,1 0 Deutscher Weinbrand, abgelagerte Qualität...Liter 4,60 10 FI. 7,00 9.00 12,00 14,00 15,00 17,50 17,50 5 Ltr. 2,75 4,00 4,50 6,00 7,00 10,00 Zitronen 0,48 Dtzd. von Himbeer- oder Kirschsaft mit la Eaffiuade<■ OA 10 FL 11,50, Wochenend. eingekocht, l/i Sekt-Fl. 1 Äif* 10 FL 11,50, Wochenend- fAV paebung � Fl 0,50, mit fi. Staat). Stbiilrtater, lltaM 20 Uhr Bärger Schippel Ende 22'/. Uhr B und »/-IL krtlr' SinginglabiBi Mu Wyna N. Buddy, 1t Deblin sm. PLAZA Tfigl. S u.«16 DAS TAGESGESPRÄCH BE R LINS Reichshallen-Theater Allabendlich|*| Uhr Stettiner Sänger VlederBDliieisR Panl BrUion Zum SchluB der Schwank „Alles verruckt!" . Ziehniig. vom 17. Ui 23. Joai 1931 Atfifzeiinte große Volkswohl- Lotteriel 48098 Gewinne und 2 Pr&zniea in I H 4300001 Höchst- w !>oppelIos- i tri::;-.1750001 150000 > 75000! 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Frankfurter Str. 132 E 7� Weichsel 3422 O-BahnStrausberger Platz Billettkasso geöffnet von 1 1— 1 und 4— 9 Ohr. 1 8 1S Hilf. Flon 3434. Hiuche« et Im 1)1 | B. L. A, vom ö. e. „Lachen! Lachen! Lachen!" vorspricht dor oed rückte Spielplan. Indessen— er bietet Ja viel mehr. Auch fachen, gewißl Daneben aber packt einen dos Staunen, die Bewunderung vor oo ma notier Gipfelleistung buntester Va r i e t 6- K u n e L Songabud imd Soutags je 2 Vontiilmgen 4 und 8" Uhr. 4 Uhr kleine Pr Berliner|||kTriO N k a 1 1■. wL&hiutx. 74/76J HOPPEGARTEN Heute 12. Jlini 3'/. Uhr Graditz- Rennen Ällgemeine Ortskrankenkasse for den Verwaltungsbezirk XI der Stadt Berlin Scbinebetg-FriedenaD Bekanntmachung Der 25. Uachlraz jur Satzung, welcher hen Destmubungen her Nowerorhnungen oom 26. Juli 1930 uub 1. Dezember Ii enlsurechen» ergänzt wuihe. ift am t. Juni 1931, soweit ni- irre-Brrkäufsstell-n Ist allen Stadtteilen. veitüDie) MetallaibeMM VerwaltiugMielle Berlin Nachruf Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unier Aollege, der Eiettromonieur Eygil Christensen am 29. Mai gestorben ist. Ferner verstarb am 6. Znni unser Aollege, der Mechaniker drtur Stiertzel Ehre ihrem Andeuteai Die Beisetzungen habe» bereits staitgesunden. via Gvtevewralinog «omöopsthis «In.-. SI»Z.-.«öl!... Möllen-. Dann-. Ben-. Innere n.Ntrvenl.,| glcpr MOnistr. 9. BeDandi. nur 2 H. LWSCI io-l. i-i.SM.-i. Aücheu! »roher Preissturz! Weih, farbig, na- turlackiert»on 94LS an. Ankleide» schränke jeder Sröb«. Schintcstrahe 8—9 sSotibusser Brücke). Fabrikgebäude. G«. öffnet bis 6 Übe. Polierte Fimmer 590,—. Die- lengorniturcn 39,—. Riefenausmadl. Teilzahlung. Ste- merling, Kastanien. aller 56.> �iilerttrjie 8löi-enki-ie6et334,abds. OwoIkenlos.O heiher.Ohalbbedeckt ®vwlkig,Obedrekr,*Regen,AGraup«In nee:SNebel,TtGewittef©Windstille In Sllddeutschland herrschte am Donnerstag heiteres und sehr warmes Wetter. Die Temperaturen stiege» hier mittags allgemein auf 27 bis 36 Grad. Im übrigen Reiche wurden 22 bis 2Z Grad, in den Küstengebieten nur 17 bis 26 Grad als höchste Temperaturen gemessen. Dabei war es dort wechselnd bewölkt, und es kamen besonders in der östlichen Hälfte des Reiches R-g.ensälle vor, die teilweise recht ergiebig und verschiedentlich von Gewittern begleitet waren. Die obenstehende Wetterkarte zeigt jetzt über dem west- lichen Mitteleuropa einen Ausläufer eines über dem Mittelmeer befindlichen Hochs. Da er sich ostwärts fortzubewegen scheint, dürfte sich unser Wetter am Freitag unter seinem Einfluß freundlicher als bisher gestalten. Welieraussichlen für Berlin: Warm, teils heiter, teils wolkig, ohne erhebliche Niederschläge, südwestliche bis westliche Wsvde.— Für Deutschland: Im Süden und Südosten beständig und trocken, im Norden und Nordosten noch einzelne Niederschläge, überall warm. anllclit Produkte fetzt so billig:! Ein Beispiel: Diesen Einkaufsbeutel, echt Leder, erhalten Sie für 60 einfache Gutscheine. Auch wertvolle Gutscheine tragen alle Packungen der Sunlicht Erzeugnisse; die doppelgroßen Packungen von Lux Seifenflocken und Viru sogar zwei. Sammeln Sie die Gutscheine! Sie erhalten dafür schöne Gaben. Verlangen Sie unseren reich illustrierten Werbegaben-Katalog 1 SK6-SI Lnx Seifenflocken für alle gute Wäsche Normalpaket..30 Pfg. Doppelpaket.. 50 Pfg. yim zum sparsamen Putzen und Scheuern Normaldose...30 Pfg. Doppeldose... 50 Pfg. Sunlicht Seife für große Wäsche, für Hand und Haus sclstfick..30 Pfg. Würfel....25 Pfg. M M Rill Gl Sl ILSUIAI 1 A.G. MANNHEIM-BtRLIN Dil; GUTEN SUNX1CXXT PRODUKTE �SZrung: Schon sicM Jahre all „Bist du schon als kleines Kind nach Amerika gekommen?" fragte ich Hanna. Sie ließ ihre Näherei in den Schoß fallen und sah mich mit ernsten Augen an.„Nein, ich war ein großes Madchen von acht Jahren." „Bon acht Iahren! Na, wie du schon groß gewesen sein mußt! Warum seid ihr denn herübergekommen?" Mich interessierten alle diese armen Emigranten, die sich geduldig, in Scharen, wie willenlose Herden, durch die Eisenbahnstationen führen ließen, die die Heimat aufgegeben hatten und mit der fragwürdigen Hoffnung nach Amerika zogen, hier vielleicht leichter durchs Leben zu kommen. Wieviel schweres Schicksal log schon bis jetzt auf diesen Menschen, auf diesem Mädchen hier, die dann glücklich sind, für die Amerikanerinnen arbeiten, nähen und kochen zu dürfen, was hatten die wohl schon an Armut und Elend erlebtl „Also, ein großes Mädchen von acht Iahren warst du damals schon", wiederHolle ich. „Oh, natürlich", sagte Hanna.„Drüben, wenn man acht Jahre all ist und kleinere Geschwister da sind, muß man schon erwachsen sein mit acht Iahren. Wie sollte man sonst der Mutter helfen?" „Ja... und dich haben dein Vater und deine Mutter her- gebracht? Erzähl' mir etwas von euch", bat ich sie. „Nein", antwortete Hanna.„Vater und Mutter waren damals schon tot. Meine Tante, Vaters Bruders Frau, hat uns geHoll. Ich kann es ja erzählen, Madam, aber es wird Sie sicher traurig machen." „Erzähl' nur, Hanna, auch wenn es traurig ist", ermutigte ich sie. „Ich weiß nicht...", Hanna zögerte,„ob ich es ordentlich erzählen werde, ich werde reden, so gut ich tonn. Mein Vater war ein Fischer in Schweden. Er hatte sein eigenes Boot und war oft wochenlang fort. Manchmal, wenn das Wetter gar zu schlecht war, konnte er noch viel länger nicht nach Hause kommen. Meine Mutter war eine Deutsche. Sie war sehr schön," fügte Hanna leise und verschämt hinzu.„Außer mir waren noch drei jüngere Kinder da. Olga war sechs und Hilda vier und Jens, der war noch klein, vielleicht anderthalb Jahr« alt. Unser Haus stand gleich beim Dock. Im Sommer kamen Hunderte von Touristen, die auf die nahen Berge ringsum stiegen, denen verkaufte Mutter heißen Kaffee und Brot und Käse. Aber nicht deshalb allein wohnten wir ganz einsam und abseits von den anderen Leuten in dem kleinen Haus«. Wir mußten nahe am Dock sein. Wenn Vater spät vom Fischen heim- kam, da brauchte er nicht über die Straße zu gehen. In Schweden liegt der Schnee im Winter ost so hoch, daß man nicht durch kann. Letzten Winter ging Vater wieder fort mit seinem Boot, und Mutter verkühlt« sich, und«ine schwere Krankheit kam über sie. Und wenn sie zu schwach war, um für die kleineren Kinder zu sorgen, lag sie in der Küche und sah zu, daß ich es richtig mackcn sollte�" „Und wovon habt ihr da gelebt?" „Oh, es war genug zu essen da, viel getrocknete Fische, und die kochte ich mit Reis. Eines Tages sagte Mutter zu mir:„Hanna, du bist ein großes Mädchen, ich muß dir etwas sagen. Der Vater kommt vielleicht noch lange nicht heim und der Winter ist schon da. Ich kann nicht mehr lange warten, ich nniß bald gehen. Dann mußt du dich nicht vor mir fürchten, wenn ich weih wie der Schnee sein werde und»icht mehr mit euch sprechen kann. Aber ich will „ auch nicht, daß die Kleinen sich vor mir fürchten, vor mir, der Mutter! Nein, das will ich nicht!" Und sie sagt« mir, was ich... später... zu tun hätte. Ich sollte ihr beide Augen zumachen und ihr die Hände fest falten und die Tür vom Schuppen gut schließen." Hanna hott« ihre Näherei wieder ausgenommen. Langsam zog sie die Stiche und zuweilen schluckte sie ein trockenes Schluchzen. „So, eines Nachts", fuhr sie fort,„eines Nachts bald darauf, sagte mir Mutter, ich solle ihr bestes Nachtgewand bringen und ihr helfen, es anzuziehen. Dann küßte sie die Kinder in ihrem tiefen Schlaf und setzt« sich auf den Stuhl neben dem Feuer und sagte, ich sollte ihr Jens in die Arme legen. Sie versucht«, ihn hin und her zu schaukeln und sie sang ihm ein kleines Lied. Aber sie war so schwach, ich mußte ihn ihr fortnehmen. Dann nahm sie einen großen Schal und band ihn mir um die Schultern und lehnte sich schwer an mich, und wir gingen hinaus in den Schuppen. Mutter hatte nur ihr Nachtgewand an. Sie tnig mir auf, ein breites Brett, das dort stand, über zwei alte Stuhlgestelle zu legen. Es war mir zu schwer und sie wollte mir helfen, aber da befiel sie wieder ein langer Husten, und sie mußt« sich an der Tür festhalten, und sie sah traurig auf die beschneite Straße und aus die fernen Berge, die im kallen Mondlicht weih herüberschienen. Als das Brett über den Stühlen lag, hieß sie mich, ein Leintuch darüber breiten und ein Kisien für den Kopf holen, und Mutter legte sich daraus, und mit einem zweiten Leintuch ließ sie sich zudecken.„Ach, Mutter, nimm doch eine warme Decke", bat ich.„Nein", sprach sie so leise, daß ich es kaum hören konnte.„Jetzt mußte ich herkommen, solange ich noch Kraft dazu hatte. Aber es soll bald zu Ende sein, und es wird schneller gehen, wenn es kall ist. Oh, Hanna, meine Tochter, mein gutes Kind..." Ich hielt Müllers Hand. Sie wurd« kalt, sie wurde immer kälter. Ich blies meinen Atem auf sie, aber sie wurde nicht wärmer. Da wußte ich, daß ich ihr die Augen zumachen sollte, und mit Vaters Sonntagstaschentuch deckte ich sie zu und mit meinen Schür- zenbäitdern band ich ihre Hände zusammen. Dann holte ich einen Kamm und flocht Mutters Haare in zwei Zöpfe, wie ich es immer getan hatte, seitdem sie krank geworden war. Dann schloß ich die Schuppentür und ging ins Haus und kroch zu den Kindern ins Bett, um mich zu wärmen. Nächsten Tag sagte ich den Kindern, Mutter wäre fortgegangen. Sie weinten ein bißchen, wurden aber bald still. Ich besorgte alles für sie und spielte mit ihnen, und einige Tage vergingen. Das Wetter wurde noch schlechter, der Sturm peitschte den Schnee vor unserem Hause zusammen, niemand kam vorüber. Wenn die Kinder bei Nacht schliefen, schloß ich den Schuppen auf, um nach Mutter zu sehen. Oft sah ich ihr bei Mondfchein ins Gesicht, oft bei Kerzenlicht." Hanna schwieg einen Augenblick und sagte dann leise:„Noch heute macht mich Kerzenlicht so unendlich traurig." „Das Wetter wurde bald besser", fuhr sie fort,„und da kam ein Mann durch den tiefen Schnee gestapft, und der brachte meiner Mutter die Nachricht, Vater werde nicht nach Hause kommen, er sei ertrunken. Als er meine Mutter sah und die Kinder und mich... da hatte er Wasser in den Augen. Er ging dann weiter durch den Schnee, vier Meilen bis in die Stadt, zu einer Dame, die dort wohnte. Und sie kam in einem Schlitten mit Pelzen und Glöckchen, und im zweiten Schlitten waren noch andere Leute und eine Frau zog Mutter ein schönes weißes Kleid an und weiße Strümpfe. Mutters Haar ließ sie, wie ich ihre Zöpfe geflochten hatte, aber sie legte einen Kranz von weißen Blumen und grünen Blättern um ihren Kopf. Und dann schickte die Dame ihren Schlitten um alle Leute ringsum, damit sie kämen und die tapfere Frau sehen sollten, die ihren Kindern eine Zeit des Grauens und eine furchtbare Er- innerung für dos ganze Leben ersparen wollte. Und die Leute bewunderten olle meine Mutter." Hanna seufzte tief auf.„Ach, wenn die Mutter sich nur sechst so schön gesehen hätte!" „Und was geschah mit euch Kindern?" fragte ich. „Die Dame nahm uns mit in ihrem Schütten. Ich wollte lieber mit der Mutter bleiben, aber sie sagte, das ginge nicht, ich müßte doch für die Kinder sorgen, sie würden weinen bei lauter fremden Menschen. So ging ich mit, aber die Kinder weinten gar nicht, sie freuten sich, über die Glockchen, am Schlitten. Und dann schickte die Dame Männer, die legten Mutter in einen Sarg und trugen ihn in die kleine Kapelle im Friedhof, und im Frühling, als der Schnee schmolz, legte man sie in die Erde. Und einen weißen Stein ließ die Dam« über ihrem Grab aufftellen und auf dem stand: „Die Kraft im Herzen der Armen ist die Hoffnung Schwedens." Die Dame schrieb dann an Vaters Bruder und der schickte sein« Frau, damit sie uns nach Amerika holen sollte," „Sagten die Leute bei euch zu Hause nicht auch, daß du ein wunderbares kleines Mädchen warst?" fragte ich noch. „Oh. ich war doch''schon acht Jahre alt!" schloß Hanna ihr« Erzählung.(Aüs dem Ämeriranlschen übersrlü.) 3>aul 5. Sdimidl: 3)as Opfer der Stomantiherbilder Itas sie uns wahrhaft bedeuten Genau vor 25 Jahren fand in den Räumen der Nationalgalerie die erste große Heerschau der deutschen Kunst von 1775— 1875 statt. auf der alle die großen, damals fast völlig vergessenen Meister der Romantikerzeit entdeckt und für immer unserem Bewußtsein wieder- geschenkt worden sind. Jetzt sollt« erneut eine kleinere Uebersicht über diesen unseren köstlichen Besitz in München gezeigt werden: viele deutsche Galerien, zahlreiche Privatbesitzer haben schweren Herzens ihre Schätze nach München geschickt. Sie werden sie schwer- lich noch einmal herleihen: eine so furchtbare Wund«, wie die durch den Brand des Glaspalastes geschlagene, heilt nicht so weit, daß man diese Warnung je vergessen könnte. Ilm zu wissen, nein, um wirklich zu erleben, was der Schmerz um diese 110 zerstörten Kleinodien deutscher Kunst bedeutet, muß man freilich gelernt haben, welch« reinen und tiefen Werte gerade jene kurze Blütezeit deutscher Romantik zwischen 1800 und 1830 hervorgebracht hat. Diese Dinge sind nicht mit beliebigen älteren Bildern zu vergleichen, mögen sie selbst von weit berühmteren Meistern stammen. Sie stehen uns näher als irgend« eine andere Kunstwelt, selbst die der Dürerzeit nicht aus- genommen: ob sie die allerhöchste Qualität oder gar Weltruhm erreicht haben mögen, steht dabei nicht so sehr in Frage wie die Intensität der Empfindung, die sie in uns als tiefste und geheimnis- vollste, als schönste und reinste Verkörperungen deutscher Art erwecken. Ja, so ist es: wir lieben sie, weil sie unserem Herzen ganz nahe stehen: weil sie mit Ueberspringung eines Jahrhunderts uns wie aus der Gegenwart erzeugt erscheinen, weil wir in ihnen ganz und vollkommen die Gemütswerte finden, nach denen wir heute mehr denn je verlangen. Zwischen den Runge, Schwind, C. D. Friedrich. Olivier, Koch, Blechen— und der Gegenwart liegt ein Jahrhundert des Abfalls der Deutschen von ihrem Idealismus, ein Jahrhundert der Anbetung von Schein und Materialismus, ein unfrommes und unsrohes Jahrhundert. Es hat uns vieles gebracht, aber es hat uns ein unschätzbares Kleinod genommen: die Ruhe der Seele und die Ehrfurcht vor der Größe. Daß wir so arm 1m Gemüt geworden sind, empfinden die Besten, und sie sühlen den lebendigen Abglanz dieser heiteren Seelengröße in den Bildern jener großen Künstler al» unverlierbaren Schatz unseres Volkes. Keine andere Kunst, außer der deutschen Musik von Bach bis Schumann, vermag diese Empfindung zu erwecken. Borgeahnt ist sie in vielen Werten deutscher Gotik von Konrad Witz bis zu Dürer:«irklich zeitgemäß und unmittelbar w ihrem Ewigkeitsgehatt ist aber doch nur die Malerei der Romantiker für uns. Und gerade die verbrannten Bilder bringen uns dies mit schmerzlicher Inbrunst zum Bewußtsein. Das Bildnis„Wir Drei" von Runge, das ihn selber mit Frau und Bruder darstellt, ist darum ein so unvergängliches, eines der höchsten Meisterwerte der Kunst schlechthin gewesen, weil es die stärksten Bande menschlichen Gemeinschaftsgefühls mit klarer und«indringlicher Symbolkrast versinnbildlicht und die geistige Macht jener Menschen von 1810 mit hoher Eindringlichkeit uns bewahrt hat. Wir brauchen nicht kirchlich gläubig zu sein, um die„Grablegung Christi" von Cornelius, oder Führichs„David als Hirtenknabe" als Gestalten unserer religiösen Hingebungsfähigkeit zu erleben. Jede von den Vernich- teten acht Landschaften C. D. Friedrichs bedeutete uns ein Sinnbild unserer echtesten, aus dem Gemeinschaftsgefühl alles Lebens kommende Naturliebe,«in Hineinströmen unserer Seele in die Allmutter Natur. Auf härtere und ganz männliche Weise hat I. A. K o ch dies« allumspannende deutsche Naturauffassung in Dar- stellung italienischer Bergschönheit übertragen: wir beklagen den Verlust von neun Beispielen seiner herrlichen Idealität. Und so geht es mit der Märchenromantik S ch w i n d s, in dessen himmlischen kleinen Bildchen der Sagenschatz unserer Vergangenheit wie die ewig junge, immer noch wirkende Schöpferkraft der deutschen Natur- erkenntnis lebt: so geht es mit der ein wenig(echt deutsch!) über- treibenden Pathctik der südlichen Landschaften Rottmanns, mit der stillen Innigkeit sonndurchglühter Täler und Baumriesen des Campagna-Schwärmers Rohden. Sehr reserviert ist die süße Herbigkeit der menschbelebten Landschaften O l i v i e r s. verwandt der des allzu früh gestorbenen genialen Karl Fahr und des jungen Schnorr o. Carolsfeld: ungestüm und mit dem Stigma unstillbaren Leides gezeichnet die flammende Beredsamkeit unseres Berliner Blechen, dessen phantasieoollste Erfindung, der „Blitzstrahl", nun nicht mehr existiert. Das ist nur ein flüchttger Auszug aus dem endlosen Trauerzug der toten Bilder, die unsere Sorglosigkeit anklagen. Wenn ihr Verlust das eine Gute hätte, daß wir von heut« an die überbliebenen Schätze ihrer Meister in unseren Museen(also vor allem: im obersten Geschoß der Nationalgalerie) fleißiger besuchen und würdigen lernten, so wäre ihr Opfer doch nicht ganz vergebens gewesen. Trerin: Jm(Äe()fs Jfrfcrbflro JiuUurbild aus Sorrfetnißland Iwan Bortschok hat mir einen Heiratsantrag gemocht und da sind wir zusammen ins Registrierbüro gegangen, um die Ehe re- gistrieren zu lassen. Mir ist eigentlich die ganze Geschichte riesig unangenehm— ein Ukrainer ist er, und dann dieser häßliche Zu- name, aber daran läßt sich nichts äydern und ich gehe tapfer mit. Im Registrierbüro dauert es immer einige Zeit, bis man daran kommt. In langer Reihe warten die Pärchen. Plötzlich schaut mein Bortschok auf die Braut neben uns und klopft sie auf die Schulter: „Ganka! Ganka!" Und sofort wirft sich diese Ganka meinem Bräuti- gam an die Brust. „Endlich habe ich dich gesunden, mein Schatz!" Er ist auch ganz glücklich, faßt sie bei der Hand, sie aber redet in einem fort auf ihn ein: „Ich habe schon vier Burschen deinetwegen einen Korb ge- geben, hierher nach Moskau bin ich dich suchen gekommen. Und was ist denn das für ein Fräulein mit dir?" „Das?", sagt Bortschok.„zum Registrieren! Wie man mir er- zählt hat. daß du schon längst geheiratet hast, habe ich mir gedacht: Hol alles der Teufel! Jetzt werde auch ich heiraten. Und wer ist denn mit dir da, was ist das für ein Kerl?!" Ganz bleich ist mein Bortschok geworden. Sofort fängt Ganka zu weinen an:„Ein Schuft ist das! Ueber- redet hat er mich, der Hund!" Ich sehe schon, es kommt zu einem Skandal, da mache ich mich lieber davon und der Bräutigam Gankas geht hinter mir her. Einen netten blauen Anzug hat er an. Schwarze Augen... „So etwas Unangenehmes" sagt er zu mir.„Ein merkwürdiges Mädchen ist das. hat gar kein Verständnis für meine Lage. Jetzt habe ich mir eine Weinstube eingerichtet, alles ist bereit, wie soll ich da ohne Frau auskommen?" „Auch ich bin schlecht daran", sage ich,„gerade habe ich meine Stellung verloren. Was soll ich jetzt im Winter anfangen?" Da betrachtet der Bräutigam Gankas aufmerksam meine neuen Lackschuhe und macht mir auf der Stelle einen regelrechten Heiratz- antrag. „Also", denke ich mir.„wahrscheinlich ist das schon so mein Schicksal, daß ich heute heiraten muß." Und so gehen wir wieder zum Registtiertisch. Der Ukrainer und seine Ganka haben schon unterschrieben. Und er sagt zu mir: „Nichts für ungut. Kränken wollte ich dich nicht.. Aber mein Bräutigam mißt ihn gleich von oben bis unten und sagt:„Meine Braut haben Sie nicht zu duzen! Verstanden?" (Aus drin«lüWdicn Übersetzt von Mrrander Serichenkron.) »r. K. srai«*; 3)a8„Uerbrecherohr" Aus dem Naturwissen der vorigen Generation hat sich in weitesten Kreisen die Ansicht befestigt, daß es zu den Entartungs- Merkmalen des Menschen gehöre, aus dem äußersten Wulst des Ohres ein Neines, zipfelfövmiges Wülstchen zu tragen, das als „Darwinzipfel" bezeichnet wird, weil der große Naturforscher Darwin als erster darauf aufmerksam gemacht hat, daß es bei gewissen Affen, zun, Beispiel den Pavianen, ganz allgemein vor- komme, bei dem Menschen also«inen Anklang an Tiersorm dar- stelle. Nicht alle Menschen besitzen diesen Zipfel. Und als man daraufhin eine große Anzahl von Menjchentypen untersuchte, glaubte man seststellcn zu können, daß namentlich Schwachsinnige, Verbrecher, überhaupt Entartete dieses eigenartige Merkmal regel- mäßig an.sich tragen. Von da ab stand es felsenfest, der Darwin- zipfel deute auf Minderwertigkeit. Wer ihn besaß, schämte sich dessen und hielt sich gewissermaßen für gcbrandmarkt. Nun stellt es sich heraus, daß sich die Sache doch anders verhält. Zunächst kam man von der Tierforschung her zu der Ueberzeugung, daß auch das Affenohr nur ausnahmsweise auf diese Art gestaltet sei, vor allem, daß dieser Zipfel keineswegs der Spitz« des Tierohres, wie man sie bei Pferd oder Hund ausgeprägt sieht, entspricht. Dann aber wendete sich die Statistik selbjt gegen das„Verbrecherohr". Wenn man Zehntausend« von Menschenohren vergleicht, stellt sich heraus» daß dieses angeblich« Entartungsmerkmal gerade bei nor- malen und gutgearteten Menschen viel häufiger ist als bei Krank- haften und Verbrechern. Wohl ist gerade deren Ohr besonders oft abnorm gestaltet, aber nicht in dieser Richtung. Den letzten Entscheid hierüber bringt eine kürzlich erschienene großangelegte Arbeit des finnischen Menschenforschers Koarlo Hilden. Nachdem andere gezeigt hatten, daß die niederen Menschen- rassen(wie die Ainos auf Sachalin oder die auf Baumnestern lebenden Orang-Kubus von Sumatra) weit seltener diese sogenannten Tierohren besitzen als die hochkultivierten Europäer, stellte Hjlden fest, daß gerade in Finnland, wo zivilisiertere Schweden mit primi- tiven Finnen zusammenleben, dos„Tierohr" bei den Schweden häufiger ist, ferner, daß die Frauen es weit seltener besitzen als die Männer und schließlich— was das Merkwürdigste ist— daß die beiden Ohren des Menschen hierin nicht gleich sind. Das rechte Ohr trägt den Zipfel weit häufiger als das linke. Von einem„Eni- artungsmerkmal" oder gar einem„Verbrccherkennzeichen" kann überhaupt keine Rede sein. Damit sind wohl die Akten über das Verbrecherohr geschlossen. Der Ohrenzipfel ist ein für Abstammungsfragen und Charakter gleichgültiges Rassenmerkmal. Der finnische Forscher glaubt, es gehöre zum„nordischen Menschen". Diese Annahme wird vielleicht durch ähnliche Untersuchungen in anderen Ländern noch revidiert werden. Sicher aber ist, daß niemand mehr wegen seines„Darwin- zipfels"«in Gefühl von Beunruhigung zu haben braucht. Was Japans Ehemänner tun und lassen sollen. In früherer Zeit pflegten die Frauen in Japan zu allen Wünschen ihrer Gatten ergeben Ja und Amen zu sagen. Deshalb hat die folgende Liste von Geboten für Ehemänner, die in der Tokioer Frauenzeitung„Fujokal" abgedruckt wird, symptomatische Bedeutung.„Betätigt euch ein ganzes Leben lang nicht mehr als Spielverderber und Störenfriede. Leistet euch gelegentlich vielmehr einmal einen Spaß, selbst wenn er nicht sonderlich witzig sein sollte. Weshalb wollt ihr eure Geistes- blitze nur für die Freunde aussparen?"—„Trommelt beim Essen mit euern Eßstäben nicht auf der Schüssel herum, denn solche Musik geht den Frauen leicht auf die Nerven."—.Kümmert euch um ihre Wünsche. Wenn die Frau euch nahelegt, mit ihr zusammen Einkäuie zu machen, begleitet sie, selbst wenn euch solche Wege lästig sind. Und kehrt auf dem Heinnveg irgendwo«in, um etwas zu essen oder zu trinken. Die Frauen haben das gern."—„Ganz gleich, wie groß die Liebe zu eurer Gattin ist, hockt nicht innner zu Haufe, fondern befteit hier und da eure Frau von eurer Gegenwart."— „Wenn sie gelegentlich einmal besonders hübsch aussieht, so vergeßt nicht, ihr das zu sagen, und wenn sie einmal minder gut aussieht, so empfiehlt es sich, sich in einem solchen Falle eher einer frommen Lüge schuldig zu machen, als ihr die Wahrheit zu sagen."—„Vergebt ihren Geburtstag nicht und begehr diesen Tag alljährlich mit einer kleinen Feier."—„Fahrt sie nicht gleich heftig an, wenn sie ja einmal vergaß, einen abgetrennten Knopf wieder anzunähen. Sie würde die Antwort nicht schuldig bleiben, und dann würden die Dinge ihren bösen Laus nehmen."—„Denkt stets daran, daß auch eurer Frau das Recht zusteht, eine eigen« Meinung zu haben."