BERLIN Zrettag 12. 3uni 1931 10 Pf. Ar. 220 B 135 48. Lahrgang Ersckeintttslich anßerGonnt«g«. Zugleich Abendautgabe des.Vorwärts'. Bezugspreis beide Ausgaben 85 Pf. proWoche. 3,60®. pro Monat. Sedakllvn und Expedition: Berlin SWos, Lindcnstr. 3 Fernsprecher: Dönhoff 292—297 nVnHOtidb Anzetgenpret«: Die einspaltigeNonpareilleleile 80 Pf., Reklamezeile S M. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto: VorwärtS-Verlag G. m. d.H.. Berlin Nr. S? 536.— Der Verlag behält sich das Recht der Ablehnung nicht aenebmer Anzeigen vor! Gesegnet sei die Bombe...! Kommunistische Golidaritäiserklärung mit den Bombenlegern Brüning bei Hindenburg Heute nach Gut Neudeck abgereist In der heutigen Landtagssitzung gedachte Präsident Bartels in einem Nachruf, den die Abgeordneten stehend anhörten, des in der Nacht an einem Schlaganfall verstorbenen sozial- demokratischen Abgeordneten R ö s l e r- Breslau. Hierauf gab Abg. fUrsf(Komm.) folgende Aufsehen erregende Erklärung ab: „Der sozialdemokratische Abgeordnete Kirchmann hat gestern hier die Behauptung aufgestellt, ich hätte mit noch anderen Kommunisten zugunsten des wegen der Bombenattentate verurteilten völkischen Bauernführers Claus Heim einen Bittgang zum Iustizminifter getan. Er hat dieses Vorgehen als eine Vertrauenskundgebung für die Regierung auf» gefaßt. Wir protestieren gegen eine solche Auslegung. Wir haben beim Justizminister die Forderung auf Frei- lassung des völkischen Bauernführers gestellt sstürmisches hört, hört! bei de» Soz.). Wir haben das getan, weil im Hintergrund der Bombenattentate die Not der Bauern st-ht. Diese Bombenanschläge waren die Ausdrucks- form des politischen Kampfes der ausgebeuteten Bauern gegen den Kapitalismus. («türneisches hört, hört, bei den Soz.) Außerdem hat Claus Heim vorsorglich darauf geachtet, daß bei seinen Attentaten keine Menschenleben vernichtet wurden, son- der« nur Mauersteine in die Luft flogen. Die KPD. ist sich bewußt, daß sie mit der Forderung auf Freilassung des Bombenlegers Claus Heim nur den Willen der breiten Massen und der notleidenden Bauernschaft erfüllt."(Große Bewegung im ganzen Haufe.) Angfiverkäufe an der Börse. Kursdruck auf Rentenwerte/ Aktienkurse durch Groß- danken gestützt. Der Beschluß der Reichstagsfraktion der Deutschen Volkspartei, für die Einberufung des Reichstages zu stimmen, hat an der heutigen Börse die seit Tagen anhaltende schwere Verstimmung über die poli- tische Lage vertieft. Die Börse war ausgesprochen schwach. Bei den festverzins- lichen Rentenwerten drückten Ang st Verkäufe auf die Kurse. Bei den Bankaktien griffen die Großbanken mit Stützungen ein, so dgß die Kurse zum Teil gehalten werden konnten. Trotzdem waren bei verschiedenen schweren Werten starke Kurs- einbräche zu verzeichnen. So gingen Siemens von 125,3 auf 120,75 Proz. zurück, I. G. F a r b e n von 110,5 auf 106.75 Proz. und Rheinisch-Westfälische Elektrizitätswerke von 100 auf 93 Proz. Am Rentenmarkt waren besonders K o m- munal- und Staatsanleihen schwach, die im Durchschnitt 1 bis 2 Proz. gegenüber den gestrigen Kursen verloren. Bater und Mutter erschoffen. Aach der(Schreckenstat sich selbst umgebracht. Neumünster, 12. Juni. Aus bisher ungeklärten Gründen schoß heute früh der Handelsvertreter Christoph Müller seine Mutter nieder, erwartete dann in der Wohnung seinen aus der «ladt heimkehrenden Vater und tötete diesen durch einen Revolverschuß in den Hals. Der Täter richtete darauf die Waffe gegen sich selbst und machte seinem Leben durch einen Schuß in die Schläfe ein Ende. Die schwerverletzte Mutter konnte noch lebend ins Kranken- herus gebracht werden, jedoch ist chr Zustand hoffnungslos. Da» geheime Aenlralkomitee der estnischen Kommunisten ist während einer witzung verhaftet worden, darunter der seit langem g«- suchte Leiter, der die Decknomen Koik und Fleischer führte. Be- schlagnahmt wurden das Archiv, die Kasse und Briefschaften sowi? die Einrichtung von zwei Gehemidruckereien. Der Reichskanzler ist heule vormittag um 8 Uhr nach Reudeck abgereist. Er kehrt am Sonnabendvormillag nach Berlin zurück und wird dann die mit den Parteien eingeleiteten Verhaudtungen fortsetzen. Brüning drohi mii Rücktritt. Gesamtdemission der Regierung? Von unterrichteter Seite erfährt der„Soz. Pressedienst", daß der Reichskanzler dem Kabinett für den Fall, daß sich für die Einberufung des Reichstags eine Mehrheit findet, die Gesamt- d e m i s s i o n vorschlagen wird. Komme es soweit, so sei der Reichs- kanzler entschlossen, einen Auftrag zur Neubildung der Regierung unter keinen Umständen anzunehmen. In- sofern sei das Manöver, den Rücktritt zu erzwingen, um ei«? Umbildung des Kabinetts unter Führung von Brüning zu erreichen, von vornherein als gescheitert zu betrachten. Der Reichsbankpräsident wird im Verlauf des heuti- gen Vormittags auf feine volksparteilichen Freunde nochmals dahin einwirken, daß sie von der Forderung auf Einberufung des Reichs- tags bis auf weiteres Abstand nehmen. Reichsausschuß der Volkspariei. Am Freitagvormittag trat der Reichsausschuß der Deutschen Volkspariei in Berlin zu einer Sitzung zusam- men, die der Erörterung der politischen Lage galt. Mehrere Mit- glieder des Reichsausschusses hatten bereits an der Donnerstagsitzung der Reichstagsfraktion teilgenommen. Wie wir hören, stimmten in der gestrigen Sitzung der Reichs- tagsfraktion der Deutschen Volkspartei 15 für die Einbe- rufung und 13 gegen die Einberufung des Reichstags. Vor Doch der Segen kommt von oben... lleber tausend Strafmandate über je drei Tage Hast erließ Kränzen wegen des Schulftreiks an den weltlichen Schulen Da leugne noch einer, daß die faschistische Herrschast produktiv ist! der Abstimmung verlieh der Reichsaußenminister Dr. C u r t i u s die Fraktion. Wie es heißt, fühlt er sich nicht mit der Mehr- heit der volksparteilichen Reichstagsfraktion, sondern mit dem K a b i n e t t s o l i d a r i s ch. Die Abgeordneten Kahl und Kar- d o r f f gehörten ebenso wie Eurtiua zur Minderheit ihrer Fraktion. In der heutigen Sitzung des Parteiausschusses werden Dr. Curtius und der Reichsbankpräsident Luther nochmals versuchen, ihren Einfluß gegen eine Einberufung des Reichstags geltend zu machen. Landvolk will Oieinch stürzen. Wie die„Landvolk-Nachrichten" mitteilen, steht man in der Landoolkfraktion auf dem Standpunkt, daß vor der Entscheidung über die Wiedereinberufung des Reichstags erst Klarheit darüber geschaffen werden muß, wie die Regierung sich die weitere Behandlung der Reparationssrage denkt. In engem Zusammenhang damit steht die Frage einer U m- Wandlung des Reichskabinetts. Diese Umbildung sei von der Landvolkpartei seit den Septemberwahlen gefordert worden. Sie sei heute akuter denn je, sowohl was die Person des Reichs- a u ß e n m i n i st e r s anbelangt, wie auch die des Reichs- f i n a n z m i n Ist e r s. Aögefehen von den schwerwiegenden sachlichen Bedenken gegen die Politik des Finanzministers kommt noch hinzu, daß man es aus persönlichen Gründen für unmöglich hält, einen Vizekanzler wie Dietrich auf die Dauer im Amt zu belassen. Selbstverständlich sei für die Landoolkpartei auch die Frage von ausschlaggebender Bedeutung, wie sich Deutschnationale und Nationalsozialisten zu einer Regierungsumbildung ver- halten. Die letzte Rede Hugenbergs in Porta lasse zunächst noch den weitgehendsten Kombinationen Spielraum, da Hilgenberg zwar einerseits stark die realpolitische Notwendigkeit eines Zusammengehens mit dem Zentrum erkennt, anderer- seits aber grundsätzlich nicht mit denen paktieren will, die dem ?)oung-Plan zugestimmt haben. Für das eine oder andere würden sich die Deutschnationalen bald entscheiden müssen. Schließlich sei für die Landoolkpartei die Sicherung der Fort- führung der gegenwärtigen Agrarpolitik eine ihrer Kardinalforderungen. Nach dieser Aeußerung der„Landvolk-Nachrichten" wird an- genommen, daß die Landoolkfraktion am Dienstag für die Ein- berufung des Reichstages stimmen wird. Die Opfer der Kriegsopfer. Eine(KrNärung des Reichsbundes der Kriegsbeschädigte, l. Bei Besprechung der neuen Notverordnung wurde in einem großen Teil der deutschen Tagespresse mitgeteilt, daß sich die Kriegsbeschädigtenorganisationen— wie der Rcichs- arbeitsminister Stegerwald angeblich in einer Pressebesprechung ver- sichert haben soll— ausdrücklich bereit erklärt hätten, ebenfalls Opfer zu bringen. Der Reichsbund der Kriegsbeschädigten, Kriegsteilnehmer und Kriegerhinterbliebenen teilt uns dazu mit, daß seine Vertreter bei keiner Gelegenheit irgendwie zum Aus- druck gebracht haben, daß die Kriegsopfer gewillt, oder auch nur in der Lage wären, weitere Opfer zu bringen. Noch kurz vor dem Erlaß der Notverordnung ist von dem Bundes- Vorsitzenden Pfändner anläßlich der Beratungen über die 4. Zusammenstellung der Zusatzrentenbestimmungen im Reichsarbcits- Ministerium wiederhalt erklärt worden, daß der Reichsbund der Kriegsbeschädigten gegen jeden Abbau der Reichsvcrsorgung und sozialen Fürsorge s ch ä r f st e n P r o t e st erheben müsse und unter keinen Umständen steh mit der Aenderung der Zusatzrenten- bestimmungen in der vorliegenden Form einverstanden erklären könne. Dieser Erklärung stimmten auch die anwesenden Vertreter des Kyffhäuserbundes und des Reichsvcrbandes der Kriegs- beschädigten zu. Der Reichsbund der Kriegsbeschädigten hat bereits mit den maßgeblichen Fraktionen des Reichstages wegen?l u s h e b u n g der rigorosen Bestimmungen der Notverordnung die Verbindung aufgenommen. Kommunistische Aufruhrhehe Krawalle im ganzen l�eich- 2 Toie, zahlreiche Verletzte Goebbels heißt Hase... Er weiß von gar nichts. Das Schöffengericht Berlin-Mitte fällte heute morgen unter dein Vorsitz des Landgerichtsdirektors Dr. Arndt einen Frei» spruch, gegen den die Staatsanwaltschaft zweifelsohne Berufung einlegen wird. Auf der Anklagebank sahen Dr. Goebbels und der nationalsozialistische Schriftsteller Ernst Pfister. Di« Anklage lautete auf Vergehen gegen das Republikschutzgesetz,§5 Abs. 2(Beschimpfung der Reichsfarben). Der imposant« Auf- niarsch des Reichsbanners am 11. August 1929 war den Nationalsozialisten derart in die Knochen gefahren, dah das Mit- teilungsblättchen der NSDAP., Sektion Alexanderplatz,„Rund um den Alex" zu der Versassungsseier 1930 von Herrn Pfister einen Schimpfartikel mit der Ueberschrift„Berfassungsfeier" verzapfen lieh. In diesem Geistesprodukt hieß es u. a.: „Mit einein Stolz, um die sie keiner beneidet, feiern Jahr iiir Jahr am 11. August die schwarzrotgoldenen Politiker(und solche, die es werden wollen) die Verfassung, die den Juden Prcuß zum Verfasser hat und die die Nationalversammlung 1919 in Weimar annahm. Eine Anzahl /fchwarzrotgelber(vergeht nie. dah mit diesen Farben im Weltkrieg zu Desertion und Landes- verrat aufgefordert wurde) Fahnen werden wehen, das erstaunte Volt wird großangelegt« Reden hören und die französische Fremdenlegion in Deutschland(das Reichsbanner) latscht durch die Asphaltwüste Berlin." Als Herausgeber des Sektionsblättchens war Dr. G d e b- b c l s angegeben. In der heutigen Verhandlung erklärte Dr. Goebbels, mit dem Mitteilungsblatt nie etwas zu tun gehabt zu haben,«s handele sich in diesem Falle wie in vielen ähnlichen darum, dah man sich seines Namens ohne sein Wissen bedient habe. Sein Privatsekretär Gras Schimmelmann bestätigte, dah Goebbels stets„einen Mordskrach" gemacht habe, wenn ihm zu Ohren ge- kommen sei, daß irgendwelche Blätter oder Plakate ohne sein Ein- Verständnis ihn als Verantwortlichen bezeichneten. Eigentümlich nur, dah die untergeordneten Stellen trotz dieses angeblichen Mords- kraches den Namen des Gewaltigen immer wieder„mißbraucht" haben! Herr Pfister erklärte, daß er sich dessen überhaupt nicht bewußt sei, die Reichssarben beschimpft zu haben. Er habe nicht etwa die Fahnen gemeint, die auf den Reichsgebäuden wehen, sondern die schwgrzrotgclben Privatfahnen; die Reichsfarben seien ja schwarz- rotgold. Im übrigen lieg« auch keine öffentlich Beschimpfung vor: das Blättchen findet Verbreitung bloh unter den Mitgliedern der Sektion Alexanderplatz. Der Staatsanwalt erblickte die öffentliche Beschimpfung doch für gegeben. Das Blättchen werde selbstverständlich nicht bloß von den Mitgliedern der Sektion, sondern auch von deren Ang«- hörigen und den der NSDAP. Nahestehenden gelesen; er beantragte an Stelle einer an sich verwirkten Gefängnisstrafe von zwei Wochen eine Geldstrafe in Höhe von 490 M. Dr. Goebbels sei freizusprechen, da man ihm nicht nochweisen könne, dah er von dem Er« scheinen des Artikel» Kenntnis hatte. Das Gericht sprach beide Angeklagt« frei; im Gegensatz zum Staatsanwalt teilte es die Meinung des Angeklagten Pfister, dah In diesem Falle van«iner öffentlichen Beschimp- fung kein« Red« sein könne. In der Berufungsinstanz wird grund« stjtzlich zu entscheiden sein, ob die Beschimpfung der Reichsfarben in einem Blättchen, das in die Hände von 250 Nationalsozialisten gelangt, wirklich als„nicht öffentlich geschehen" anzusprechen ist. *■ Vor einer andere» Abteilung de» Schöffengericht» stand die Redakteurin Melitta Wiedemann, die bi» zu ihrem An- schluß an die Stennes-Partei im„Angriff" tätig war und dort in eine Kritik über einen Diskussionsabend„Revolutionäre Schrift» steller und der Krieg" einen Redner als„I u d e n s ch w e i n" be> zeichnet hatte. Diese Angeklagte wurde wegen Beleidigung zu 75 M. Geldstrafe verurteilt. Oer neue Genaispräsideni. Reaktionäre Mehrheit wählt Hebron. Paris, 11. Juni.(Eigenbericht.) Die Wahl des neuen Senatspräsidenten, die am Donnerstagnachmittag stattfand, war gewissermaßen eine zweit« Auflage der Wahl von Versailles. Im zweiten Wahlgang ge- lang es dem Kandidaten, Senator Lebrun, den Sieg davonzu- tragen. Er wurde mit 147 Stimmen gewählt, während der radi- kale Senator Jeanneney nur 139 Stimmen auf sich vereinte. Im ersten Wahlgang war das Stimmenverhältnis 143 gegen 141. Dieses Ergebnis ist nur dadurch zustandegekommen, daß einige radikale Senatoren nicht an der Sitzung teilgenommen und andere nicht für ihren Kandidaten gestimmt haben. Wenn die 148 radikalen Senatoren sämtlich an der Wahl teilgenommen und für Jeanneney gestimmt haben würden, hätte dieser mit Unterstützung der 17 sozialistischen Senatoren gewählt werden müssen. Der Senat zählt zurzeit rund 310 Mitglieder. Van diesen waren 289 anwesend, so daß die absolute Mehrheit, die fiir die Wahl erforderlich ist, 144 betrug. Der neue Präsident Lebrun ist 60 Jahre alt und ein Freund und Landsmann Poincakes. Reichsgericht und Wöhrdener Vluiiaten Revision der kommunistischen AngeNagten verworfen. Leipzig, 11. Juni. Der dritte Strafsenat des Reichsgerichts hat am Domierstag die gegen das Urteil des Schwurgerichts Altona eingelegt« Revi- f i o n im Prozeß wegen der Wöhndener Kommunistentumult« v e r- morsen. In dem Prozeß handelte es sich einmal um einen k o m m u- n i st i f ch c n lieb er fall auf Nationalsozialisten am 18. Februar 19Z9, wobei mehrere Nationalsozialisten schwer verletzt worden waren. Am 7. März 1930 war es dann in Wöhrden zu em«n zweiten Aufammenftoß gekommen, bei dem zwei Nationalsozialisten durch Stiche tödlich verletzt wurden. Auch ein Kommuni st fand den Tod; acht Personen waren schwer verletzt worden. Das Urteil des Aitonaer Schwurgerichts lautete gegen den konnnu- nistischen Parteifunktionär He u ck ous ein Jahr neun Monate Ge- sängnis, gegen Zwölf Kommunisten auf Aesänguisstrafen von fünf bzw. sechs Monaten, gegen den einzigen nationalsozialisti- schen Angeklagten aus zwei Monate Gefängnis. Drei Kommunisten waren freigesprochen worden. In der Begründung der Revisionsverwersung wird namentlich darauf hingewiesen, daß die Nationaksozialisten in Wöhrden nicht einen verbotenen Umzug veranstaltet hätten, wie die Kommunisten behaupten, und daß die Nationalsozialisten sich auch durchaus im Sinne de»§ 57 des Reichsstrafgesetzbuches in Notwehr befunden hätten. Frankfurt a. TR.. 12. Zuni.(Eigenbericht.) 3n der Frankfurter Altstadt wiederHollen sich in der Nacht zum Freilag die von Kommunisten organisierten Tumulte. Die Demonstranten wurden von Radlern und Motorradfahrern systematisch organisiert. Um 23 Uhr räumte die Polizei mit dem Gummiknüppel das sogenannte Rot« Eck an der Kreuzung der Pattonstraße und der Schnurgasse, wo kommunistische Proooka- leur« die Menschcnmassen aufwiegelten. Der Verkehr mußte zeit- weilig gesperrt werden. Eine kleine Barrikade aus Brettern, Bal- ken und umgestürzten Karren in der Töngesgasse wurde um Miller- nacht durch die Polizei aufgeräumt. Mehrere Personen wurden verhaftet. Ernstere Zusammenstöße konnten vermieden werden. Vor dem Schnellrichter fanden bereits die Krawalle vom Mitt- woch in der Frankfurter Altstadt ihre Sühne. Ein Zigeuner, der an den Unruhen teilgenommen hatte, wurde zu drei Manaten Gefängnis, die anderen Angeklagten wurden zu einer bzw. zwei Wochen Gefängnis verurteilt. Zwei Toie in Kassel. Insgesamt vier Todesopfer der Unruhen. Kassel. 12. Juni. In der Altstadt, besonder- am Altmarkt und Martinsplatz, kam es gestern abend wiederum zu großen Ansammlungen. Di« Polizei ging, als die erregte Menge durch Zurufe weiter aufgehetzt wurde, sofort energisch vor, mußte aber wieder von der S ch u h w a f f e Gebrauch machen. Gegen Mitternacht herrschte in den Straßen der Altstadt noch große Unruhe. Einige Verhaftungen wurden vorgenommen. Die gestrigen Unruhen in der Kasseler Altstavt haben noch ein weite- res Todesopfer gefordert. Heute abend fand man in seiner in der Marktgasse befindlichen Wohnung den 90jährigzn Schuhmachermeister N a u mit einem Kopfschuß tot auf. Wahr- scheinlich ist der Greis bei der gestrigen Räumung der Altstavtstraßen beim Fensterschließcn von einer Kugol getroffen worden. Kastel, 12. Juni. Bei den erneut einsetzenden Unruhen am Donnerstagabend wurde der Metzgergeselle Dominikowski kurz nach Mitternacht angeschossen und mußte im schwerverletzten Zustand ins Kasseler Krankenhaus gebrocht werden, wo er inzwischen seinen Vor- letzungen erlegen ist. Die Polizei nahm fünfzig Verhaf- tungen vor, darunter die eines kommunistischen Führers, der nachweislich geschossen hat. Scharfe Schüsse in LauenSurg. Lauenburg a. d. Elbe, 12. Juni. Die Kommunisten veranstalteten hier gestern abend einen von der Polizei genehmigten Demonstrationszug, den, sich 150 aus Lüne- bürg eingetroffene Kommunisten anschlössen. Nach Schluß der Per- anstaltung entstand zwischen de» Lüneburger und Lauenburger Kommunisten in«iner Wirtschast eine wüste Schlägerei. Polizeibeamte oersuchten, den HauptverantworLichcn, der sich Zehn Arbeiter getSiet. Reue Katastrophe im Bergwerk Konstantinopel, 12. Iuni. In dem Kohlenbergwerk Zonguldat am Sestwarzen Meer ereignete sich eine Cxplosion, wobei zehn Arbeiter getötet wurden. Zahlreiche andere wur- den verletzt. Hitler oder Thälmann— ganz egal! Verbrüderung von Razis und Kozis vor dem Sportpalast. Man schreibt uns: Wie sehr Nazis und Kozis, die sich aus purer Rauflust so gern gegenseitig Straßenkämpfe liesern, im Grunde ein Herz und eine Seele sind, bewies ein ungemein charakteristischer Vorfall bei der T h ä l m a n n- V e r s a m m l u n g im S p o r t p a l a st. In der Nähe der Alvenslebener Straße waren sich SA.- und Rot-Front- Leute in die Haare geraten und beschimpften sich gegenseitig aufs gröblichste. Ausdrücke wie„Lumpen",„Schweine",„Verräter", „Mörder" und„Banditen" waren noch das Salonfähigste, was sich die Mannen vom Hakenkreuz und Sowjetstern an den Kopf warfen. Als dann aber Polizei erschien, um die schimpfgewaltigen Recken auseinander zu bringen, änderte sich urplötzlich die Szenerie. Es entstand eine Einheitssront Hitler-Thölinann, wie sie inniger nicht gedacht werden kann. Als mehrere Kommunisten festgenommen wurden, verabschiedeten sich die Nazis von den neugewonnenen Bundesgenossen mit einem freundlichen„Heil.5)itler". worauf die Kozis liebenswürdig mit„Rot Front" dankten. Ein allgemeines Händeschütteln unter Nazis und Kozis war die Folg«. Ein National- sozialist, der sich sogar als Funktionär der NSDAP, ausgab, sagte unter dem Beifall der Kommunisten:„Gegen die da(auf die Polizei zeigend) sind wir einig! Im Grunde ist das ja auch egal, ob Hitler oder Thälmann— die Hauptsache ist, daß es Bruch gibt und die ganze Bude auseinanderklappt! Es ist ja nur ein Unterschied der Taktik." Dies« Sätze hotten direkte Verbrüde- rungsszenen zwischen Hakenkreuz und Sowjetstern zur Folge. Aus all dem läßt sich ersehen, wohin die verbrechcrisch-sinnlose Politik der KPD.-Fllhrung die eigenen Leute treibt und wie in Wahrheit der„wahrhafte Kampf gegen den Faschismus" aussieht, von dem die Kommunist«,, immer so gern zu erzählen pflegen. Qualvoller Tod einer Schwangeren. Sine Siebzehnjährige bei Abtreibung zugrunde gegangen. Vor dem Schöffengericht Berlin-Mitte begann heute morgen die Verhandlung gegen den Arzt Dr. Lorenz und den Kino- besitzer W. Der Arzt verantwortete sich wegen Abtreibung, der Kinobcsitzer wegen Beihilfe. Der Prozeß ist in so vielen 5?iii- sichten bemerkenswert, daß er nach Urteilssälluug noch eine aus- führliche Darstellung verdient. Dr. Lorenz, früher Landarzt in Pommern, war im Jahre 1929 nach Berlin gekommen, betätigte sich anfangs als wilsenschaft- licher Beirat einer Firma und eröffnete Anfang 1930 eine ärztliche Praxis. An seiner Haustür prangte ein Schild„Institut für vpe- rationslose Behandlung von Frauenleiden". Eines Tages«schien bei ihm ein 17jähriges junges Mädchen und bat ihn, eme Abtrei- bung bei ihr vorzunehmen. Er forderte ein Honorar in Höhe von unter den Lüneburger Kommunisten befinden sollt«, festzustellen. Dabei wurden die Polizeibeamten umringt, zu Boden geschla- gen, mit Steinen beworfen und zum Teil erheblich verletzt, so daß sie schließlich gezwungen waren, mehrer Schüsse abzugeben. Ein Kommunist wurde e,« tötet und zwei verletzt. Schwere Zusammenstöße in Hamburg. Hamburg, 12. Juni. Im Anschiuß an eine kommunistische Protestversammlung gegen die Notverordnung, die von etwa 5000 Personen besucht war, kam es an verschiedenen Stellen der Stadt zu Zusammenstößen mit der Polizei. Ein besonders schwerer Zusammenstoß ereignete stch gegen Mitternacht am Zeughausmarkt. Die Polizei mußte hi«r inehrere Schüsse abgeben, wobei vier Personen verletz l wurden. Bei einem späteren Zusammenstoß an der Englischen Kirche fielen ebenfalls Schüsse, auch hier soll«s einen Derletzten gegeben haben. Dem energischen Zugreifen der Polizei mit einem größeren Mannschaftsaufgebot gelang es dann, den Zeughausmarkt zu räumen und die Ruhe wiederherzustellen. Hamburg, 12. Juni. Soweit bisher festgestellt werden konnte, sind bei den gestrigen Tumnjten insgesamt sieben Personen, darunter ein Polizeibeamier, verletzt worden. Drei Personen, darunter der Polizeibeamte, mußten wegen schwerer Verwundungen ins Kranken- haus geschafft werden. Kommunisten gegen Hitler-Aufmarsch. Bremen. 12. Juni. Gestern abeich hatte die Rationchsozialistische Partei zu einer Protestkundgebung gegen„Mord und Terror" aus einem der größ- ten Freiplötze in Bremen ausgerufen. Bereits lang« vor dem An- marsch der SA. waren die Zugangsstraßen von Zlndersdenkenden, in der Hauptsache von Kommunisten, dicht besetzt, die beim Erscheinen der SA. in Rot-Frant-Ruse ausbrachen. Die Polizei hatte schon Mühe, dem Zug überhaupt einen reibungslosen Anmarsch zu sichern. Der Hohentorplatz war von etwa 3000 Kommunisten umlagert. Bi-Her wurden zwölf Personen festgenommen. Drei'Polizeibeamte und einige Kommunisten wurden verletzt. Tumulte in Elberfeld. Wuppertal, 1?. Juni. In der Nacht auf Freitag ist es in Elberfeld wiederum in der Umgebung des Rathauses zu großen Strahentumulten ge- kommen. Vor allen Dingen in der Bachstraße, in der Paradestraß« und im Hoskamp kam es zu großen Menschenansammlungen und Demonstrationen. Dabei wurde auch an einigen Stellen das Pflaster aufgerissen und eine Anzahl von Straßen» laternen zertrümmert. Die Polizei mußte eine große An» zahl von Zwangsgestellungen vornehmen. 300 bis 500 Mark; er ließ dabei durchblicken, daß er es.inentgeltlich machen würde, wenn sie sich bereit erklären würde, seine Freundin zu werden, die Siebzehnjährige lehnte da» Zlnerbieten ab. Man einigte sich auf 100 Mark. SO Mark wurden angezahlt. Unmittelbar nach dem operatwen Eingriff starb die Patientin: in den Kreislauf war Luft hineingeraten. Dr. Lorenz wird fahrlässige Tötung nicht zur Last gelegt. Seine Schuld an der Abtreibung hat er früher zugegeben: jetzt bestreitet er sie. Er behauptet, es sei schon vor ihm ein Eingriff vorgenommen worden. Das Sachver- ständigengutachten ist dagegen anderer Ansicht. Der Kinobesitzer W. bestreitet wieder, mit der Siebzehnjährigen in irgendwelchen Beziehungen gestanden zu haben. Er habe ihr die 50 Mark, deren sie zur Anzahlung beim Arzt benötigte, gegeben, um einen Skandal zu vermeiden. Auch seine Braut sollte von der Erpressung, die an ihm begangen worden sei, nichts erfahren. Die Braut war es aber, die mit der Siebzehnjährigen zum Arzt gekommen ist. Die zahlreichen Zeugen werden über diesen in seinen Einzelheiten psychalogisch äußerst komplizierten Fall manches Inter- essante zu berichten wissen. Ihre Vernehmung steht erst bevor. Gefährlicher Wohnlaubenbrand. Ein Feuerwehrmann schwer verletzt. Die Spandauer Feuerwehr wurde heute mittag nach der Sandstraße 3 alarmiert, wo auf dem Siedlungsgelände eine Wohnlaube in Brand geraten war. Bei den Löfcharbeiien wurde der Feuerwehrmann Szaffranietz von einer hervor, schießenden Stichflamme getroffen und am Kopf schwer verletzt. Der Verunglückte erhielt von Sanitätern erste Hilfe. Bon der leichtgcbauten Wohnlaube konnte leider weniz gerettet werden. Baukaiastrophe in Polen. 14 Arbeiter unter den Trümmern begroben. Beim Umbau eines dreistöckigen Gebäudes in Lodz, das fü? Militärzwecke hergerichtet werden sollte, wurden die alten Decken und Fußböden abgetragen. Plötzlich brach eine abgesteifte Decke im dritten Stockwerk ein und schlug durch die übrigen Geschosse hin- durch, so daß sämtliche Zwischendecken bis zum Parterre mit großem Getose einstürzten. 14 Bauarbeiter wurden unter den Trümmern begraben; fünf mußten mit schweren Verletzungen in» Krankenhaus übergeführt werden. Dies« Katastrophe erweckt die Erinnerung an eine ganz ähnliche, die sich vor mehreren Jahren in Berlin beim Umbau des Verlags- Hauses Mofse ereignete. Hthswette über Spanien. Madrid, 12. Juni.(Eigenbericht.) Spanien wird gegenwärtig von einer furchtbaren Hitze- welle heimgesucht. Schon seit drei Togen zeigt das Thermometer in Sevilla über 40 Grad. In Madrid wurden am Donnerstag eben- falls 40 Grad erreicht. Während der Nacht tritt kaum«in« Ab- kühlung ein. Friedensuniform in Frankreich. Das französische Kriegs- Ministerium hat eine Verordnung veröffentlicht, die im wesentlichen eine Rückkehr zu den Vorkriegsuniformen bedeutet. Allerdings handelt es sich dabei vornehmlich um die Paradeuniform. Wie aus der Verordnung im einzelnen hervorgeht, werden die roten Hosen und auch das rote Käppi wieder eingeführt. Das Ende des Welfenfonds Ein preußischer Gesetzgebungsakt Wir berichteten am Freitagmorgen von Absindungsprozessen, die der ehemalige Herzog von Altenburg, die Erbinnen des Groß- Herzogs von Mecklenburg-Strelitz und andere„Ehemalige" gegen „ihre" Lander führen. Ein gegen das Land Preußen schwebender Abfindungsprozeß hat am Donnerstag durch einen vom Landtag in zweiter und dritter Lesung angenommenen Gesetzentwurf ziem- lich unbemerkt sein Ende gesunden. Es handelt sich dabei um den ehemals berühmten und berüch- tigten„W e l f c n s o n d s". Als im Jahre 1866 das Königreich Hannooer von Preußen annektiert wurde, erhielt das bis dahin in Hannover herrschende Welfenhaus eine Summe von etwa 4 0 M i l- tionen Gold mark als Abfindung. Dieses Geld gelangt« ober Nicht zur Auszahlung an das Fürstenhaus, sondern wurde von Bismarck wegen welsischer Umtriebe, namentlich wegen der Gründung einer„welfischen Legion" alsbald beschlagnahm». Die Zinsen des Welfenfonds verwandte Bismarck, der wegen dieses Geldes keiner parlamentarischen Kontrolle unterlag, zur Unterstützung seiner Politik und namentlich der ihm ergebenen Presse, weswegen allgemeinen der Welfenfonds als„Reptilien- f o n d s" und die aus ihm subventionierte Presse als„R e p t i l i e n- presse" bezeichnet wurde. Als durch die Heirat des Herzogs von Brounschweig mit der Tochter Wilhelms II. die Aussöhnung zwischen Welsen und Hohenzollern zustande kam, wurde auch die Rückgabe des Welsen- fonds vereinbart, jedoch behielt Preußen noch ein Mitverfügungs- recht. Durch die Inflation wurde dann der in Staatspapieren angelegte Fonds fast ganz entwertet. Das Welsenhaus vertrat nun aber den Standpunkt, daß die sehr geringe Auswertung der betreffenden Staatspapiere seinen Herausgabeanspnich gegen das Land Preußen nicht berühr«, da das Welsenhaus noch gar nicht Eigentümerin des Fonds geworden sei. Das Land Preußen habe den Herausgabeanspruch des Wclfenhaufes auf 46 Millionen M. und zwar möglichst mit IVO Prozent aufzuwerten. Hierüber schwebte seit Jahren ein Prozeß, der jetzt beim Reichsgericht zur Entscheidung anstand. Bei der bekannten Einstellung des Reichsgerichts in Absindungsprozessen erschien es durchaus wahr- scheinlich, daß dieses den Welsen eine sehr hohe Aufwertung ihres Anspruches zugebilligt haben würde. Durch das jetzt angenommene Gesetz macht nun Preußen von einer ihm durch Reichsgesetz offen gelassenen Be- f u g n i s Gebrauch, nämlich die Aufwertung von einmaligen Leistungen für die Abgeltung von Hoheitsrechten nach dem Illuster des Gesetzes über die Aufwertung der Renten der Standesherren zu regeln. Die normale Aufwertungsquote dieses vor zwei Jahren vom Reichstag beschlossenen Gesetzes beträgt bekanntlich 8 Prozent, sie geht in gewissen Fällen auf fünf Prozent heninter, steigt bei Entschädigungen für Grundbesitz bis auf 25 Prozent. In diesen reichsgesetzlich vorgeschriebenen Grenzen hält sich nach dem preußischen Gesetz die Aufwertung des Welfenfonds. Sie dürste nach einer vorläufigen Schätzung 4 bis 5 Millionen Mark betragen, während bei einer freien Aufwertung durch das Reichsgericht mit dem mehrfachen Betrag zu rkffflien gewesen wäre. Bon welfischer Seite scheint man allerdings mit dem Einwand operieren zu wollen, daß der Welfenfonds nicht unter das preußische Gesetz fiele, weil es sich hier nicht um Entschädigungen für ö f f e n t- lich-rechtliche Berpflichtungen, sondern um Privatbesitz des Hannoverschen Fürstenhauses gehandelt habe. Doch dürste dieses Argument kaum durchschlagen, und damit der seit 65 Jahren in der deutschen Geschichte heruinspukende Welfenfonds sein Ende ge- funden hoben. „Jtotigo", ein Tierfilm. Llfa-Pavillon. Auch Sumatra ist ein Tierparadies. Freilich hat die Tierwelt hier einen ganz anderen Charakter als im gelobten Ostasrita. Sie tritt nicht in solchen Massen in Erscheinung, aber sie weist inter- «ssantc Charaktere auf, die in Afrika fehlen. Ernst B. S ch o e d s a ck, uns schon als Mitschöpfer des„Chang"-Filmes bekannt, hat aus dem vollen geschöpft, al» er das Tierepos aus den Dschungeln Sumatras schuf. Das Tier, immer wieder dos Tier, steht im Mittelpunkt dieses Filmes. Der Mensch— der Tigerjäger Ali und sein Sahn— ist nur das Bindeglied für die einzelnen Tiergruppen. Der Dschungel steht unter dem Terror des Tigers. Er ist allbeherrschend, sein Ge- brüll treibt all« Tiere in die Flucht. Er ist der Feind aller, und wenn Ali ihn erschießt oder sein Faktotum, der ri«sige Wasserbüffel, ihn im Kampfe erlegt, so fühlt sich alles«rleichtert. Auch der räuberische Leopard muß daran glauben(der afrikanische Tiersilm kommt schon ohne dos Töten aus�. Aber mit den anderen Tieren lebt Ücr Mensch in Frieden.'Die Äffenhorde plündert gelegentlich seine Hütte! der Ranga aber, der jung« Orang-Utan(gleich Wald- mensch) wird gar zum Hausfreund. Entzückend sind die Bilder, die das Zusammenleben von Orangmutter und Jungen schildern. Welche Zärt» lichkeit, welche Spiellust, welche Besorgtheit und Zutunlichkeit! Das Junge mit dem melancholischen Blick wivd«in wahrer Freund des Malaienjungen, den er warnt, als der Tiger nachts erscheint. Wundervoll lebendig und pousfierlich spielen und toben die großen Horden der geselligen kleinen Assen. Ihre Kletterkünste gehen über olle Vorstellungen. Auch sonst werden noch mancherlei fesselnde Bilder aus dem Tierleben Injulindes vorgesührt. Der Tonfilm be- gnügt sich damit, die Stimmen der Tiere wiederzugeben. Der Mensch bleibt Stumm.* Warum zu dem Film ein deutsches, lehrhaftes Vorspiel gesiigt wurde, ist völlig unerfindlich. Das Rangosilin spricht für sich selbst. bleibt stumm. L>. Die Bibliothek Aapoleons. Ausstellung in der Staalsbibliothef. Die Bibliothek Napoleons, der ein leidenschaftlicher Bücher- liebhaber und-sammler war, betrug annähernd 160 060 Bände. Diese Prioatbibliothek wie auch die großen Staatsbibliotheken, die er durch Borbier zusammenstellen lich, oerschwanden nach dem Sturz des Kaisers. Das relativ größte Kollektiv befand sich in der Bibliothek des Louvre, die aber beim Aufstand der Kommunarden 1871 eingeäschert wurde. Eine kleine Kollektion ist heute»och im Schloß von Fontaintgeau zu sehen. Run taucht plötzlich eine um- sanxreich« Sammlung von Büchern aus dem Besitz des Kaisers und der Kaiserin Marie Luise in Berlin auf, die der Verein der Freunde der Staatsbibliothek im Ausstellungssaal der Staatsbibliothek Unter den Linden zeigt. Die Bibliothek ist nicht nachträglich gesammelt worden, sondern stammt direkt aus dem Be- fitz Napoieonz und der Kaiserin. Wie sich dies« Sammlung in ihrer Gesamtheit erhalten hat, ist bisher unbekannt geblieben. Di« Bände find fast ausschließlich in rotes Maroquinleder ge» bunden und zeigen das Wappen des Kaisers oder der Kaiserin. Verschiedene Bände sind auch mit dem Allianzwappcn versehen. Die Bibliothek umfaßt hauptsächlich Werke in französischer Sprache. Tacitus, Ariost, Tasso und die zeitgenössischen Engländer wie Richardson liege» in Uebersetzungcn vor. Wundervoll eine Groß- sotioausgabe mit Kupsern der Rocineschen Dramen oder Saint Pierres„Paul und Virginia" in deniselbe» Format. Die Bibliothek vermittelt keinen Ucberblick über die Interessen- kreise des Kaisers. Sie kann es nicht, da sie nur als Teil eines Ganzen bewertet werden muß. Reben den Klassikern der französi- schen Literatur stehen Werke»aturwissenschastlichen und ethnogra- phischen Charakters, historisch« Bücher über Frankreich und Paris und Auszeichnungen von den Taten Napoleon». Das Schicksal dieser Sammlung ist unbestimmt. Hoffentlich zerflattcrt sie nicht in alle Winde._— t, Die Aussagen Jugendlicher. Auf der 20. Tagung der Deutschen Gesellschaft für gerichtliche und soziale Medizin, die in Leipzig stattfand und eine Fülle wichtiger Referat« bringt, behandelte Privat- dozent Dr. med. Böhmer-Kiel das Kapitel„Aussagen Jugendlicher". In 25 Fällen von Sittlichkeitsdelikten wurden 47 jugendliche Zeuginnen untersucht. Etwa zwei Drittel waren glaubwürdig, cm Drittel mar unglaubwürdig. Bei den Glaubwürdigen handelte es sich um fast durchweg gesunde, körperlich und geistig ihrem Alter entsprechende Linder. In einem Fall von Schwachsinn erschien das Kind durch Alwin Strandes 65 Jahre In voller geistiger und körperlicher Frische feiert heute Alwin Brandes, der Vorsitzende des Deutschen Metallarbeiter- Verbandes und Mitglied des Reichstags, seinen 65. Geburtstag. Wer Brandes persönlich näher kennt, wird überrascht sein, daß dieser immer nrbeitsfrcudigc, gutmütige Riese schon die„Alters- grenze" erreicht hat. Es ist noch zu früh, um auf die Verdienste und die kämpferische Vergangenheit von Brande» hinzuweisen. Wir hoffen und wünschen, daß Brandes noch viele Jahre auch in der Zukunft, wie er es bisher g�tan hat, seinen Mann stehen möge. seine besonderen Fähigkeiten glaubwürdig. In den Fällen von Un- glaubwürdigkeit handelte es sich etwa in einem Drittel um Ursachen, welche auch dem Laien erkennbar waren, in zwei Dritteln der Fälle konnte die Ursache erst durch den Sachverständigen festgestellt werden. Die glaubwürdigen Kinder gehörten dem jüngeren Alter zwischen vier und fünfzehn Jahren an, unglaubwürdige dem Alter zwischen acht und zweiundzwanzig Iahren. Bei diesen machten sich deutliche, ungünstige Einflüsse vorzeitiger Erotisierung. der Pubertätsentwick- lund und der Verwahrlosung bemerkbar. Wünschenswert ist eine Regelung der Strafprozeßordnung in dem Sinne, daß die Zuziehung Sachverständiger rechtzeitig gewährleistet wird und die Sachbearbei- tung auch bei den Strafvcrsolgungsbehörden durch Kcignete Kräfte erfolgt. Verringerung derGroßstadibevölkerung Seit einigen Jahren ist in der Entwicklung der Großstädte ein Umschwung eingetreten, der freilich zunächst durch Eingemeindungen verdeckt war. Das früher fast selbstverständliche, sich von Jahr zu Jahr verstärkende Wachstum der Großstädte hat aufgehört, und an feine Stelle ist zunächst ein« verlangsamte Zunahme, schließlich, wie aus den soeben erschienenen Veröffentlichungen des Preußischen Statistischen Landesamtes hervorgeht, im Jahre 1930 sogar eine Abnahme getreten. Dieser Umschwung in der Entwicklung ist in erster Linie auf ein» Richtungsänderung in der Binnenwanderung zurückzuführen. Während 1927 der Wanderungsüberfchuß der Groß- städte des Freistaates Preußen noch über 100 000 betrug, verringerte er sich in den folgenden Jahren immer mehr: die Zahl der Fort- gezogenen übertraf die der Zugezogenen um mehr als 50 000. Der Geburtenüberschuß, der sich auf 43 228 belief, reichte daher nicht aus, den Wanderungsverlust wettzumachen. Einen Geburtenüberschuß hatten bis auf Berlin sämtliche Großstädte. Am größten war er in den Großstädten des rheinisch-westfälischen und de» oberschlesischen Bergbaugebietes. Berlin hatte wied»r einen Sterbeüberschuß von 5911 Personen. Die neue Münchener Kunstausstellung. Di« Münchener Künstlerschast wird eine neue Kunstausstellung im Deutschen Museum, Bibliotheksbau, veranstalten. Die chrandgeschädigten Künstler werden durch das Hilfswerk entschädigt werden. Diese neue Ausstellung wird vom 15. Juli bis 15. Oktober stattfinden. Der Goliath von Sibirien. Wie aus einer sowjetrussischen Ver- össentlichung zu entnehmen ist, lebt in einem vardersibirischen Dorfe der wohl zur Zeit größte Mensch Europas. Es ist ein 35jähriger Bauer namens Kasaniof, der die erstaunliche Länge von 2,82 Meter aufweist. Sein Brustunisang mißt 1,43 Meter, sein Körpergewicht über 4 Zentner. Die Märtyrer. Run hat man sie mal angesackt, Die Düsterberg und Seldte. Zwar sind sie nur zu Geld verknackt — Und kaum zu ihrem Geld«, Doch immerhin und einerlei: Den rauhen Stahlhelmhorden Sind dadurch schon die großen zwei Zu Märtyrern geworden. wir sehen sie ganz butlerweich Sich ihre Tränen wischen. was war' bloß, hieb' das..Zwischenreich" Mal wirklich ernst dazwischen? Hans Lauer. Ortnamen, die wechseln. Der Name der norwegischen Stadt T r o n d j e m ist neuerding» Gegenstand heftigen Streites unter ihren Bürgern gewej«n. Weil sie an der Mündung des Flusses Nidelven liegt, hieß sie jähr- hundertelang Nidaros, dann Trondjem. Vor«twa zwei Jahren wurde dieser Name von der Karte gestrichen und durch das altehr- würdige Nidaros ersetzt. Jetzt hat man diesen Namen wieder auf- gegeben und Trondjem zu neuen Ehren gebracht. Als der Name seinerzeit geändert wurde, genehmigte das Parlament die Namens- änderung ohne Befragung der Bürger. Jetzt aber haben die Ein- wohner dem Storthing ihren Standpunkt klargemacht. Infolgedessen haben sich beide Kammern beeilt, den Namen Trondjem wie- der in seine alten Recht« einzusetzen. Trondjem ist übrigens nicht der einzige Ortsname, der den Karthographen Arbeit und' Verdruß bereitet. Da ist beispielsweise die australische Stadt B e n d i g o, die ihren Namen nach dem well- berühmten Nottinghamer Ringkämpfer Bendigo erhielt, der später ein großer Prediger wurde. Der Name wurde später in Sandhurst geändert, aber die Australier konnten sich mit dem neuen Namen nicht befreunden, und so wurde die Stadt, die heute eine der wich- tigsten Bergstädte Australiens ist. neuerdings wieder auf Bendigo umgetauft. „Hauptmann von Köpenick" Ilwmal. Zuckmayers zeitgemäßes Drama Hot schon die 100. Aufführung im Deutschen Theater erreicht, und es ist zu wünschen, daß es in der nächsten Saison noch weitere Jubiläen erlebt. Für alle, die Sehnsucht nach der guten alten preußischen Zeit haben, ist es lehrreichste Anschauung. Die militaristische Verdummung und Verunmenschung wird hier an dein denkbar klassischsten Fall demonstriert. Eine Flut von Lachen schwemmt diese Vergangenheit, die bitter und menschenmordend sein konnte, weg! Aber das Prinzip:„Stramm stehen und Maul halten" ist leider immer noch nicht ausgestorben. Die bis ins kleinste durch« gearbeitete glänzende Aufführung mit Adalbert als neuem Haupt- mann, ist wahrer Dienst am Volke. heute um 19.30 Uhr im Berliner Rundfunk:„Ein Ausschnitt au, dem Leben des jungen Arbeiters." Es handelt sich um eine Art Runidgespräch junger Arbeiter über brennende Tagesprobleme. Alson» paquet spricht heule in der.Kämet a. Unter den Linden 14, in der lilbendvorluhrung um 9 Uhr über daS Thema:„Neue Wege der Filmproduttion: Kollektiv oder Kooperativ?" Ulraimsche» wissen'chasl.iche» llnslilut. Heule, 8 Uhr abend», findet im Hörsaal 28 der Umocifitüt cm Vortrag in deutscher Sprache statt:.Die Vhilosophie MasarykS". vortragender ist der Univ.«Pros. Dr. I. Mirtschuk.______ Borchard-prozeß beginnt. Das Rätsel um den Tod der Margot Candelier. Saarbrücken, 12. Zum. Bor dem Saarbrückener Schwurgericht begann heule mittag der Prozeß gegen den 45jährigen Kapellmeister Erich B o r ch a r d und seinen ISsährigen Primgeiger Hein; h o f s m a n n, die der fahr- lässigen Tötung eines jungen Mädchens. Margot Eandelier, beschuldigt werden. Vorchards Leben spiegelt deutlich den tragischen Niedergong eines hochbegabten Künstlers wieder, der durch fortgesetzten Rausch- giftgenuß zu einem hypernervöscn, von Launen und Stimmungen beherrschten Menschen geworden war. Seit Jahren ist Borchard dem Morphium versallen und olle Versuche, ihn endgültig von dieser ver- derblichen Neigung zu heilen, sind bisher erfolglos geblieben. Das Morphium dürste auch die eigentliche Ursache der Tragödie von Saarbrücken gewesen sein. Borchard gab vor der wjjjizei die bereits bekannte Darstellung, daß Margot Eandelier ofsenbar aus Bcrzweiflung darüber, daß er sie aus seiner Wohnung weisen wollte, einen Sclbstmordvcr- s u ch unternomincn habe. Den Beweis dafür sollte eine leere Hülse liefern, die früher ein»eronalähnlichcs Schlafmittel enthalten hatte und aus der die Eandelier neun Tablettci, entommen hoben soll. Borchard gab dann an, daß er versucht habe, mit einem Gasschlauch den Magen der Bewußtlosen auszupumpen und, als diese wieder die normale Atmung zurückgewonnen zu haben schien, mit Hoffmann zu Tisch gegangen sei. In der Anklage wird jedoch eine Reihe von wichtigen Indizien angeführt, die auf ein fahrlässiges Verschulden der beiden Angeklagten hinweisen. So wurden bei ihnen nach ihrer Verhaf- tung Tabletten van dem angeblich verschwundene» Schlafmittel ge- funden. Die Untersuchung Hot keinerlei Spuren dieses Mittels in der Leiche ergeben, dagegen wiesen die Anzeichen darauf hin, daß Margot Eandelier eine kräftige Morphiumeinspritzung erhalten haben dürste. Die Anklage nimmt an, daß die ganze Selbstmordkomödie von Borchard inszeniert worden sei, um sein Bcrschulden am Tode des Mädchens zu vertuschen. Der Prozeß, der ursprünglich um neun Uhr beginnen sollte, wurde im letzten Augenblick verschoben, so daß die Berhandlung erst um VA2 Uhr eröffnet wurde. Brand auf einem deuischen Dampfer. Bremen. 12. Juni. Der Norddeutsche Lloyd teilt mit: In einem Proviantkllhlraum des. auf der Reede von Blisimgen liegenden deutschen Dampfers „P o r k" brach ein unbedeutendes t-chodenfeiier aus, dos sofort von der Besatzung mit Bordmitteln wieder gelöscht wenden konnte. Der Dampfer Hot seine Reise nach Havanna— Mexiko bereits fortgesetzt. Zu, Institut für Scxualwissenschost findet der nächste sexual- wisienschastliche Frageabend am Montag, dem 15. Juni, abends 20 Uhr, im Ernft-Haeckel-Saal(In den Zelten 9 a, Eingang Gartenportal) statt. Unkostenbeitrog 20 Pf., Erwerbslose die Hälfte. Vereinbarung im Einzelhandel. Gehalts- und Manteltarif verlängert. wie uns vom Zenkralverband der Angestellten heute mitgeteilt wird, haben mit dem Arbeilgeberverband für den Berliner Einzel- Handel Verhandlungen staltgefunden über die Erneuerung des Manleltarifoertrages. Diese Verhandlungen haben schliehlich zu einer Einigung geführt, fo daß der alle Mantellarifvertrag mit einigen unwesentlichen Aenderungen wieder in Srast geseht wird. Im Anschluß an diese Verhandlungen wurde dann über den Gehaltstarifvertrag verhandelt, den die Unternehmer gleichfalls gekündigt halten. Die Vertreter des Arbeilgeberverbandes forderten einen Gehaltsabbau von Z Prozent. Auf Grund der Argumente der Gewerkschaftsvertreter erklärten sich die Vertreter des Arbeitgeber- verbände? bereit, mit ihren Mandanten nochmals Rücksprache zu nehmen. Das Ergebnis dieser Aussprache ist nunmehr die Zurück- Ziehung der Kündigung des G eh a l ts t a r i s v e r- trag es, so daß dieser bis Ende August unverändert weiter in Kraft bleibt. Borsig als Bahnbrecher. Er kürzt die Renten. Die Firma Borsig tut sich sehr viel darauf zugute, daß sie, wie auch verschiedene andere Großbetriebe, soziale Einrichtungen in ihrem Tegeler Wert hat, die besonders für die alten Arbeiter von Nutzen sind. Daß aber selbst diese sozialen Einrichtungen der Unter- nehmer ein sehr unsicherer Faktor für die Arbeiter sind, hat in letzter Zeit gerade die Firma Borsig bewiesen. Sie schickte vor einigen Monaten an die Arbeiter, die von ihr eine Rente er- halten, einen Fragebogen, in dem sie genaue Auskunft verlangte über die sonstigen Rentenbezüge und eventuellen Einkommen aus Vermietungen, Nebenerwerb usw. Im Mai hat nun die Firma Borsig die von ihr gewährten Renten an die alten Arbeiter oder deren Witwen teilweise bis um 50 Prozent gekürzt, was von der Firmenleitung mit der augenblicklichen wirtschaftlichen Not- läge begründet wird und dem Hinweis, daß auch der Staat und alle anderen öffentlichen Einrichtungen zu solchen Maßnohmen greifen müssen. In Wirklichkeit hat Borsig wieder einmal„bahnbrechend" ge- wirkt. Was dieser Abzug bedeutet, wird am besten klar, wenn man sich die Höhe der bisher gewährten Renten bei der Firma Borsig ansieht. Die Bestimmungen der Arbeiterfürsorge sehen z. B. vor, daß ein Arbeiter nach 30- bis 34jähriger Befchäfti- g u n g bei der Firma 30 Prozent seines letzten durchschnittlichen Verdienstes als Rente erhält, was bei einem qualifizierten Fach- arbeiter im Höchstfalle eine Rente von 75 Mark monatlich entspricht. Für den Arbeiter, der eine solche Rente bezogen und daraufhin seine Lebenshaltung eingerichtet hat, muß es zu einer Katastrophe in seinem Haushalt führen,.wenn ihm dieser Betrag um 50 Prozent gekürzt wird. Sitten aus dem Dritten Reich. Hakenkreuzarzt im Obdachlosenasyl. Im Städtischen Obdach war ein junger Arzt, Dr. Walbrnch� beschäftigt. Er hat sich einer in derselben Anstalt tätigen Kranken- schwester mit sexuellen Absichten genähert, ist aber von ihr ab- gewiesen worden. Die Schwester erzählte ihren Kolleginnen, Dr. Walbruch habe ihr nachgestellt. Die Mitteilung wurde unter dem Anstaltspersonal verbreitet und, wie das in solchen Fällen zu geschehen pflegt, noch mancherlei hinzugesetzt. So wurde schließ- lich behauptet, die Schwester habe auch den Direktor des Obdadzcs eines unsittlichen Verhaltens beschuldigt. Deshalb wurde die Schwester entlassen. Sie klagte beim Arbeitsgericht. Dr. Walbruch(ein Hakenkreuzler, der in der Anstalt den„Angriff" verbreitet hat) wurde als Zeuge vernommen. Er gab ohne weiteres zu, daß er die Klägerin um- armt und geküßt hat und sagte, da sei doch nichts dabei, das sei seine persönliche Angelegenheit. Es sei nicht wahr, wenn die Klägerin behaupte er habe ihr nachgestellt. Jemand nachstellen sei eine fortgesetzte Handlung. Die Umarmung sei aber nur ein einmaliges, spontan erfolgtes Vorkommnis gewesen. Die Klägerin versicherte, nicht nur durch Umarmung und Kuh, sondern auch durch unzweideutige Handgriffe habe der Zeug« seine Absicht zu erkennen gegeben. Die angebliche Aeußerung der Klägerin über den Direktor sollte durch das Zeugnis einer Krankenschwester erwiesen werden, die das Gericht aber nicht vernahm, weil sie aus eigener Kenntnis nichts wußte, sondern nur von Dr. Walbruch gehört hatte, daß die Klä- gerin die betreffende Aeußerung verbreitet haben solle. Die Klägerin erklärte dazu, sie habe über den Direktor nichts gesagt. Diese Be- schuldigung gegen sie sei von Dr. Walbruch erfunden, der sich damit an ihr rächen wolle. Das Gericht kam zu der Ansicht, daß die Entlassung der Klägerin unberechtigt sei. denn die ihr zur Last gelegte Verleumdung des Direktors sei nicht erwiesen und die Aeußerung über Dr. Walbruch entspreche der Wahrheit. Das Urteil erging dahin, daß die Klägerin weiterzu beschäftigen oder mit 1460 M. zu entschädigen ist. Die„nationalen" Eisenbahner. Sieben von 1071 am Verbanbssih. Im„Abend" wurde kürzlich eine TU.-Meldung wiedergegeben. wonach der Herr ReichsbahndirektorLaverrenzin einer Werbeversammlung des„Reichsverbandes nationaler Eisenbahner" (Sitz Frankfurt a. d. O.) als Referent auftrat. Hierzu wird uns aus Frankfurt a. d. O., dem Sitz dieses „nationalen" Gebildes, berichtet, daß es völlig im Verborgenen „blüht". Einige Beamte gehören ihm als Mitglied an, Ar- b e i t e r aber so gut wie keine. Beweis: Die Betriebsratswahl am 9. Mai 1931, bei der von 1077 Wahlberechtigten wohlgezählte sieben Stimmen für die völkische..Großorganisation" abgegeben wurden. Im September 1930 haben der Verband nationaler Eisenbahner, Sitz Frankfurt a. d. O., und der Nationalverband deutscher Reichs- eisenbahner, Sitz Breslau, sich„zu einer Grohorganisation unter dem Ztamen„Reichsverband nationaler Eisenbahner e. V." endgültig zusammengeschlossen". Die Eisenbahner sind über die„Großorganisation" zur Tages- ordnung übergeangen. Weder Laverrenz noch Hugenberg-TU. können ihr auf die Beine helfen. Veranwortl. füc die Reda?tion: Serbcrt Lepsre, Berlin: Anzeigen: Tb. SloSe. Berlin. Verlag: Vorwärts Verlag G. m. b. H., Berlin. Vorwärts Buch. druckerei und Verlagsanstalt Paul Singer Sc Co.. Berhn EW 68, Lmdenstrane o. Hierzu 1 Beilage. Freitag, 12. 6. Staats-oper Unter d. Linden 284. A.-V. 20 Uhr Intermezzo Ende n 22% Uhr Staats-oper Im Piiti dir RipoUik V.-R 20 Uhr Falsfafl MML lartmirkiuf Ende 22-/, Uhr Freitag. 12. 6. Stadt. Oper Bismarckstr Turnus II l?-/- Uhr Die ifrikanerin Ende n.221(j Uhr Staat). Schauspti. lim Gndarminnirkl). 244. A.-V. 20 Uhr Der blaue Boll Ende 22 Uhr Staat!. SchHater. CMg 20 Uhr Bürger Schippel Ende 22-/, Uhr metropoi-Ttieater Täglich SV, Uhr Die Toni aus Wien Mady Christians, Michael Bohnen ■> Elite-Singer— i Kottbusser Str. 6 Tägl.SV, U. Die groBe lit- stiitingt- Retci Pnu LaBf sdiÖDß Frauen um midi sein! von HarryWalden Täglich 8'/, Uhr Zum goldenen Anker Valeltt, ttorney, Stossel, Faber, Walter. Komische opor Friedrichstr. 104 8Vi Uhr Franen haben das gern... Muslkal. Schwank von Arnold Musik r. Walt. Kollo .Sommerpr. 0.50- 7.00 VolKsbttline Theater am BO'owplatz. 8 Uhr Lumpazivagabundus Staat). Sdiiller-Th. 8 Uhr Bürger Schippel Staatsoper Am PI. d. Republik 8 Uhr Falslaff Deatidiet Miel 8 Uhr Der Hauptmann von Röpenidt v. Carl Zuckmayer Regie; Heinz Hilgert Die Komödie Täglich SVs Uhr Dienst am Kunden von Curt Bois und Man Hansen Regie: Hans Deppe Rurffirslendamm- Theater Bismarck 449 Geschlossen Uantoo. den IS. Inn), zum ersten Mal Die schöne Helena von lacqoes onentiad) Regle; Max Relnnnrdi Reichshallen-Theater Allabendlich|**| Uhr Stettiner Sänger vlederanflrDteo Paul Brllion Zum Schluß der Schwank „Alles verrückt!" Guido Thielschcr •rntet Storni» dir BaosItUrung im Rose-Theater „Der Jubel ist groß und berechtigt.*4(Tempo) Nur noch 14 Tage: „Der wahre Jakob" Wochent. Bis, Sonnt. 5*6 u. s Uhr Rose-Garten Das erste Sommertheater Berlins! Wochent sx Uhr, Sonnt 5 Uhr Großes Konzert und. internationaler Varietöteil. Söletztc W ochc; Die Schwankoperette:„Das Uebesverbot*'. Ab 15» Juni TOlIatlndig neuer Varietöteil n. die Operette ron Josef Snaga;»»Der Hutmacher Gr. Durchlaucht«1 Qr. 132 Frankfurter Str. E 7 Weichsel 3422 O-Bahn Strausberger Platz Billettkasse geöffnet ron 1 1— 1 und 4—9 Uhr. Betten-Fürst Berlin- Neukölln Herrn ann- straße 33 Berlin- Tempeitioi Berliner Gegründet 1908 Straße 132 Telephon» F» Ncnkfllln 1414 BETRIEB KEMPIHSKlO Für Ferien u. Reise! Mäntel Blusen Kleider Kostüme in unübertrefflichef Auswahl in„Bernharde- Qualitäten xu äußerst billigen Preisen. Wer bietet das? Das altbekannte Spezial- haus f. Damenkonfektion Dieses Smok.- 75 1 kottüm kostet O W| W. Bernhard Nachfolg. Belle- AUi an ce- Str. 10511. xoz am Hall eschen Tor. PROGRAMM für die Zeit vom 12. bü 15. Juni KIN O-TAFEL PROGRAMM für die Zeit vom 12. bk 15. Juni IZENZ Potsdamer Strafe 35 W. 5, 7, 9. S. 3, 5. 7. 9 Uhr Der UebesexureB mit Din. Gr.lla, Georg Alexander, imeph Schmidt Jugendliche haben Zutritt! Rhcinstrafze 14 W. ab 5.15, 8. ab 3.15 Uhr SOS. Die Insel der Tränen mit Lia de Poill, Panl Wcgcncr— Der neue Weltmeister mit William Fairbanki Odeon, Potsdamer Str. 75 W. s. 7, 9. s. 3, 5. 7. 9 Ubr Walzerparadiet mit Charlotte Sosa, Jose Wcdorn, Ernst Vcrebes Turmstrafje 12 sas.7.9u Walzerparadies mit Charlotte Snsa, Jost Wcdorn, Ernst Vercbcs Alexanderstr. 39-40 (Passage) Den ganzen Tag geöffnet, Stgs. ab 3 Uhr Das Geheimnis der roten Katze mit Siegfried Arno, Ernst Vcrebes, Panl Wcstermcier ■ Weiten» Primus-Palast Potsdamer Str. 19 Ecke Margaretenstr Wochentags 5.15, 7.15, 9.15 Uhr Sonntags 3.15, 5.15, 7.15. 9.15 Uhr Der Schrecken der Garnison mit Felix Dressart Jugendliche haben Zutritt! M FrleUricHstadt M Franziskaner abLThr�mm Georgenstraße(Ecke Friedrichstraße) Nor eine N.dil— Tonfilm: Der TuMhnur— Toby, der Geiger Beiprogramm Moabit Staalltz A.1, Film n. W. a. 6.30 Uhr ATIUSnOI Bühne S. ab 5 Uh r Perleberger Str. 29 Bfihnenrdiaal 100 proz. Tonfilm: Moritz m.dil»ein Glück mit Slegfp. Arno— Tönende, Beiprogramm W-U Ifinn Wochent 6.4S, 9.05 YT CU-IVIUO Sonntags ab 4 45 Alt-Moabit 99 100 proz. Tonfilm: Gefahren der Liebe mit Ba,, ermann» Toni ▼. Eyk Tonwoche Tonbeiprogramm f Charlottenburg"Tb Kant-Lichtspiele Kamstr. 54(an der Wilmersdorfer Str.) W. 5, 7, 9 Uhr Stg. ab 3 Uhr Ich geh an» und da bleib,! da mit Camilla Horn/ Beiprogramm W WHmaradorF M Atrium Bcba-Palasi Kaiserallee, Ecke Berliner Straße Täglich 7, 9.15 Uhr, Stgs. 5. 7. 9,15 Uhr Die Dreigrosdbenopcr, jetzt in französischer Fassung mit Alb. Pr�Jean, Margo Lion. Regie: G. W. Pabst Tönendes Beiprogramm Montag: Premiere: Erlkönig ���Sehönetoerg���J Titania Sdiönebg. �a7bj Hauptstraße 49 100 proz. Tonfilm: Da» Sdiidual der Renale Langen mit Mady Christians Tonbefprogramm Kronen-Lichtspiele Rheinsir. 65 Wochentags 7. 9 Lhr Sonntags 5, 7, 9 Uhr Tgnzerinnen für Südamerika gesucht mit Dlta Parlo, Pao! Otto, Harry Frank— Filde and Flodty Titania-Palast s�t�u, Steglitz, Schloßstr. 5, Ecke Gutsmuthsstr Ab heute! Der gewaltige Kriminaltonfilm„M- Regie: Fritz Lang mit der großen Besetzung Tönendes Beiprogramm g»ghlendorf-Hitte U Zeli -Wochentags 7. 9 Uhr Sonntags 5, 7, 9 Uhr Potsdamer Str. 50 Stg. 3 Uhr: Jugendv. Voruntersuchung mit Bassermann» Fröhlids Beiprogramm Alf- f S Mariendorfer Wochentg. I la-1.1 Lichtspiele ab 7 Uhr Chausseestr. 305 Tonlustspiel; Kascrnenzaober mit Lncie Englisch, Fritz Scholz Gates Beiprogramm XlVOll Berliner Str. 97 Beg. 7, 9 U. Stgs. 3 Uhr: Jug.-Vorst. lOOproz. Tonfilm; Ich geh ans— und da bfeibsi da mit Camilla Horn Beiprogramm W Neukölln g Mercedes- Palast Hermannstraße 212, Ecke Jägeratraße Wochent. 6�, 9 Uhr, Sonnt. 5 Uhr; Sommerpreise Tonfilm: Drei Standen La dien über Pal and Patacfaon auf Freicrstübeo beiprogramm— Bühne: Gastspiel Leo Morgenstern in seiner Szene: „SAwcr arbeiter* Jugendliche haben Zutritt > SOdwestegi B Lichtspiele Südwest Blücherstr. 12 W. 5. So. ab 3 Uhr 100 proz. Tonlustspicl: Der talsche Ehemann mit M. Pandlcr Matroseofireictoc— Beiprogramm Film-Palast Kammersäle Teltower Str. 1 W. 6.30, 9, Stg. ab 5 U- lOOproz. Tonfilm: Der Tanzhasar mit Oskar Karlweis, Greil Theimer Die Schenke i. Urwald mitL.Chaney Primus-Palast Am Hermannplatz, Urbanstr. 72/76 Wo. 6.45, 9 U„ Sonnt ab 5 U. Der lustigste Tonfilm: Zwei Herzen im Dreivlericliakl mit Greil Theimer, Irene Elsingcr Bühne: Tribolon.Smlles, Excentrics Vasques, der Mann auf dem Eiffelturm Jugendliche haben Zutritt Th. am Moritzplatz Beg.: Wochtg. ab 630, 9. Stg. ab 430 U. Tonfilm; Schuberts Frühlingstraum mit Carljöken, S. Arno, Englisch, Greil. Theimer— Gr. Beiprogramm SOdostcn 1 Luisen-Theater Reichen berger Str. 34 Anf. W. ab ö'li U. Stg. ab 5 U. Tonfilm: Die Docks von New York mit George Bancrofi Weib im Oschangel mit C. Ander Stella-Palast Köpenicker Straße 11—14 Wochtgs. 7, 9 U., Sonntags ab 5 Uhr Tonfilm: D-Zag 13 hat Verspätang mit Charl. Susa— Bühne: Fredy Sieg von Carows Lachbühne in dem lustig Sketsch: Rcvac im Kittchen Sternwarte— Treptow Sonnabend 8 Uhr, Sonntag 4, 6, 8 Uhr: Mit Byrd zum Südpol(Film) B Nordosten W j* Ely Sium Prenzlauer Allee 56 Wochent ab 7. Sonnt, ab 5 Uhr: Schaffen der Unterwelt mit H. Plel Bühnenschaa— Tonwocfacnschaa FIora-Lichtsp.'ÄT Wochentags ab 6.30, Sonntags ab 4 U. Der große Lachschlager; Die Brüniigamswliwe(Tonfilm) Osten Germania-Palast Frankfurter Allee 314 Wochentgs. 6.30 U„ Sonntags ab 5 Uhr Neuaufführungl Tonfilmoperette: Zwei Herzen Im Drelyierfell.kf mit Greil Theimer, W.II. Janssen, Willy Forst, Oskar Karlweis Bühne; Z Varlelfnommern Beiprogramm Jugendliche haben Zutritt Luna-Palast Äsa.bÄ Gr. Frankfurter Str. 121 Tonfilm; Die Faschingsfee tpit Anny Ahlers, Ernst Verebes ab 5 ■V, Frankenburg, stgMjgl? Große Frankfurter Straße 74 Tonoperette; Schneider Wlbbel mit Panl Henckel» Beiprogramm— Gr. Bühnenschaa Sdiwarzcr Adler Xnee« Woch. 5, 7, ca. 9. Stg. 3. 5, 7, 9 U. Großtonfilm; Pai and Palachon anf Freiersffl�en Bühne: Fred Schani-Ensemble, Zigeunerklänge Jugendliche haben Zutritt! V. T. Lichtspiele v�o". Frankfurter Allee 48 W. 5, Stg. 3 Uhr Fra Dlavolo(Der Teufelsbruder) mit Tino Patlicra Beiprogramm W Zcntruin""fc Babylon, am Dülowplatz Wochentags 630 Uhr Sonnabends u. Sonntags ab 5 Uhr lOOproz Tonfilm: Der Licbesexprc� mit Dina Gratia, G. Alexander, J. Schmidt Bühne; Gastspiel Kabarett d. 17/öhr. Jugendliche haben Zutritt W Ncu'Uchfnbcrg Kosmos-Lichtspiele Lückstr. 70 Wochent. 7, 9 Uhr Sonntags 5, 7, 9 U. Tonposse: Pension Schöller mit jakob Tiedtke, Kampers Flip, der Frosch Beiprogramm WeiOensAtt Schloßpark Film- Bahne Berliner Allee 206—210 Tonfilmlustspiel: Seifensprünge mit G, Maurus, O. Sima Beiprogramm— Bühnenschaa W FrlnttricHzfelde M Kino Busch woch.6.i5u.9u. Stg. 5, 7. 9 Uhr Alt-Friedrichsfelde 3 100 proz. Tonfilm: Ariane mit Elisa heih Bergner, Rad. Förster Gnies Beiprogramm— Woche Norden AlV.wn.Kwi> Müllerstraße 136, AUiamnra Ecke Leestraße Wochent 5, 7. 9 U., Sonnt. 3, 5, 7, 9 U. Tonfilmoperette: Zwei Herzen im Drelyierieliakt mit Janssen, Forst Beiprogramm Pharus-Lichtspicle Müllers tr. 142 W.5.7.9U., Stg. 3,5,7, 9U. Tonoperette: Der Llebcsexpre� mit Dina Gratia, Alexander, Schmidt Sein letzter Gang mit G, ßancroft Pank« EZ3 Palast-Theater Breite Straße 21 a W. 7 u. 9, Stg. 5, 7,? U 100 proz. Tonfilm: Der Prozeh der KItty Kellermann (Hokuspokus) mit Haryey, Frlisch Beiprogramm j Teae'* Filmpalast Tegel suasef' Stgs. 2 U. Jgd.-VorsL W. 6. Stg. 41M U. Tonfilm: Ihr Jange mit Hans Feh er, Magda Sonja Grones Beiprogramm > Hennigsdorf � Filmpalast stg. 4�1' mfa Berliner Straße 59 Stg. 2 U. fug.- Vorst, Ton Operette: Der Beitelstadcnt mit Bollmann, Scholz RcUhhaliiges Beiprogramm föellage Freitage 12. Juni 1931 gprAbmiS SiuilajuL&ißa de**o¥t&deA Waiferiporlrapfodie im Siegen Sine durchaus rtäfferige Qefchichte/ Ton Heinrich Memmer Ich bin ein„blutiger Laie", wie mein Freund, der enragierte Wassersportler, diese anormale Menschenkategorie(frei nach dem Englischen) nennt, Leute, die nicht einmal den Besitz eines Bootes anstreben, aber urplötzlich hat sich an dieser allgemeinen, alle Volksschichten umfassenden begeisterten Liebe des Berliners für diese eine Sache, an dieser seiner größten Verbrüdertheit und Begeiste- rungssähigkeit die meine entzündet. Wenn mir wieder einer be- hauptet, daß Berlin keine Seele besitzt— es gibt nicht wenig solcher Leute in der Welt—, führe ich ihn schnurstracks zu jener Bank, wo ich gestern vom Regen eigentlich in die Traufe der tief herab- hängenden Zweige einer Werftweide geflüchtet war. Dort, in dieser Ecke des zusammengeballten Wassersportbetriebes wird ihm der innere Sinn des da und dort in Bruchteilen Erblickten(durch die allgemeine Stadtatmosphäre immer wieder Verwischten) ein- für allemal klar vor Augen treten, und er sieht(hoffentlich ist es ein! fchaft auffressen.. einflußreicher Weltpolitiker) diese vielfach so spröde anmutende Frauen niemals. Berlinerstadt, wie ich es feit gestern tue, von der einnehmendsten, zugleich rührendsten und schillerndsten, von der herzaufschließendsten Seite. Und sollte er— dieser Berlinanfchwärzer— dem meerbeherr- schenden englischen Volk angehören, das das Wort„Boot" öfter und gewichtiger als jedes andere im Munde führt, so werde ich nicht anstehen, ihm unter die Nase zu reiben, daß dieser so seltsam see- männisch empfindende Binnenlandsberliner, der allerdings im Vsr- gleich zur kleinen Themse über ihn rings umgebende wald-, park-, wiesen- und stadtumsäumte Riesenwasserslächen verfügt, die schönsten, ausgedehntesten und verzweigtesten, die irgendeine Stadt der Welt aufweisen kann—, daß dieser auf ehemaligem Meeresboden ohne Weltruf herumschinakelnde märkische Großstädter eine verdammt andere Sache aus dem Wassersport herausgeholt hat als der traditio- nelle vielgerühmte Wassersport«nglishman. Nicht eine mon- däne, sich auf teppichbelegte Punts beschränkende Angelegenheit, nicht eine sportlich angehauchte Gesellschafts funktion mit preziösen, teeservierenden Sonnenschirmladies ist der Wassersport in Berlin, sondern ein Volks sport— eine Volts erholung, ein Volks- vergnügen. Das Volk ist bei diesem in 100 Romanen verherrlichten, aus Dutzenden von Flüssen in ollen fünf Erdteilen nach englischem Muster betriebenen fashionablen englischen Wassersport bestenfalls Zuschauer. Ein simpler Nichtsportklubruderer gilt als Eindringling unter diesen zum ckolcelarnientc, zum Herumliegen und Träumen einladenden punts, die man nebst.Kanadiern" auch häusig in dem sich an englische Gebräuche anlehnenden Hamburg findet. In Berlin stellt das Volk, das emsige Paddlervolk den Hauptkontingent der Wasserfahrer. Der Berliner ist ein demokratischer Wasiersportler. Wie Windmühlen drehen sich die Paddel vor mir im Kreise. Kleine, kleinste, frisch-frank-fröhlich bemannte und beweibte, blitzblank saubere Spitzboote kommen vorübergeschossen... landen neben meiner Trauerweidenbank, auf der ich gebannt im Nassen sitze, auf die es naß herunterfließt. Ein Paddlerpaar fährt ein... Ich habe sie so oft gesehen, aber nie recht beachtet.. diese „Wasserflöhe" auf die die zwischendurchkreuzenden Segeljollen herabgucken.... während die großen Motor- und Segelkreuzer ihrer- seits auf diese herabblicken..., ich, der ich auf dem bauchigen Dampf- schiff ziemlich verständnislos auf alles dieses Wassergewimmel herab- zublickcn pflegte— ein blutiger Laie. Aber: hier liegt jetzt so ein putziges Dingelchen zum Greifen nahe vor mir, mit geklinkerten Planken: und ein Paar springt heraus, das süße kleine Steuer vor- sichtig aushenkend, die geliebte leichte Last sachte auf einem Eisen- roller unter das schützende Schuppendach fahrend: vorsichtig auf einen Bock hebend, mit Gummischwamm abtrocknend, mit Leder- läppen abreibend, mit fürsorglicher gemeinsamer Liebe wie ein Kind hegend und pflegend: und nach unendlichen Prozeduren in ein all- bedeckendes Persenning-Segeltuch eintaschend, um— eine Stunde ist vorüber und die Sonne scheint wieder— das Wickelkind sorgsam, von außen, in das enge Abschlußschlasgemach zu schieben, unter dem und neben dem sich in langen Reihen viele solche Schließfächer mit anderen Kindern befinden, alle Arten, olle geliebt und alle betreut. Da kommt ein Schwimmhosenmann jetzt mit einem noch spitzeren, dünneren Scharpieboot und fäyrt nach vielen Umständlichkeiten mit einem seitlichen Motor aus, zwei braungebrannte Faltbootjünglinge, die ja auch Paddler sind, schlüpfen vor den Weidenzweigen tief in ihr Schlupfloch. Damenmannschaften, Herrenmannschaften rekrutieren sich unter Kommandorufen, Motorgeknatter, ober... Meine Gedanken sind noch immer bei dem Paddlerpaar, denn ich kenne auch so ein typisch-berlinerisches, durch eine Paddelboot- Partnerschaft eng und fest aneinandergeschmiedctes Liebespaar, das jetzt gerade(Markbauern, achtet auf eure Kartoffeln!) sich auf einer Urlaubswafserzigcunerwanderung mit unbestimmtem Ziel und unbegrenztem Enthusiasmus befindet, ein Gummi- bodenzelt zum Kampen mitführend und— und ihr neues Ge- burtstagsblechgefchirr, das er praktischerweife' geschenkt hatte,„Walterchen"... und ich hoffe nur, die Tapferen holen sich keinen Rheumatismus dafür, daß sie sich einem Interview entzogen haben, das ich jetzt gerne vornehmen möchte. Plötzlich denke ich auch an die B a d e w i e f e n und Kampwälder, an denen die Berliner Wasiersportleute aller Kategorien anlegen(außer den etepetetenen), und an das quietschvergnügte Gewurrle daselbst, an das irgend etwas Zusammenbrodeln, an das Jns-Wasser-pantschen, an Gitarregezupfe, an Grammophongedudle, an die Illuminationen einer venezianischen(aber in Venezia gar nicht so idyllischen) Nacht. Wieviel gesünder, erholender und(jawohl!) moralischer ist das (trotz allem) hier als ein Tanzvergnügen. Und nicht teurer als die Kneipe. Berliner Jugend von heute, du bist auf dem rechten Wege! eine(jetzt ist's eine andere harmlose kleine, sich verprustende sechs- beinige) Damenmannschaft vom vorbeirauschenden Dampfer aus zu necken: wehrlos sitzen sie da und lassen stumm diese nicht sehr „herren"haften Späße über sich ergehen. ... Ha, aber jetzt hat sich(ganz wehrlos sind Frauen nie) eine verteufelt frisch aussehende, auf eine Lachgelegenheit spitzende Dampferladung von Backfischen herangeschoben... und als unten ein Steuerkommandant seine— wie mir scheint— wunderbar korrekt arbeitende Mannschaft puterrot vor Wut anbrüllt, so daß sich ihm die Haare sträuben, platzt oben eine von den Verteufelt- frischen aus der ganzen Fülle ihrer Jugend mit einem hellen Ge- lächter heraus, und je mehr sie lachen, alle, alle, desto wütender und röter brüllt der Kommandanterich, der nichts als Ruder in der Welt sieht, so daß ich jeden Moment befürchte, er wird die ganze Mann- und oben haben sie... ganz wehrlos sind Ich sah aber auch Damen Herren und Herren Damen komman- dieren(wie das ja im Leben auch so gemischt zugeht), die sonder- barsten Besatzungen, tollsten Kähne, darunter Kajaks, mit denen die Eskimos schon auf die Welt kommen: die man ebensowenig abstreifen kann wie seine Haut: Kostüme, Farben: unendlich variiert, nur die M o t o r l e u t e fahren städtisch grau gekleidet(unsportlich scheint's uns Laien und ihrem Fahrzeug unangepaßt) hinter Glaswand und mit einer Zigarette im Mund durch das Kleinbootgetriebe der jungen Leute, die sie alle, fast olle sind außer den F a- Milien- oder Gefellfchafts-Motor-Hausbooten, die jetzt dort wie ein verschlossenes Geheimnis vorüberfahren: mit fixem Ziel, die liebliche Zigeunere! vermeidend. Und ein Hemdsärmeliger rudert auch da, mit Kind und Kegel im Alltagsanzug, an eine ver- flosfene naiv-unsportliche Zeit gemahnend... Di« knatternden Stinktästen... Mir ist's, als hörte ich meinen Seglerfreund, der in seinen Ge- schäftsstunden mit großer Fixigkeit Bücher verkaust und mit noch größerer Fixigkeit in jeder freien Minute zum Wasser rennt, über die sich mehrenden knatternden Stinkkästen losdonnern, die die heilige Wafserruhe stören und die Flüsse aufwühlen:„Jeder kann ins Boot springen und den Motor in Gang setzen, aber zum Segeln gehören seelische Eigenschaften: Geistesgegenwart, Ge- wandtheit, Entschlossenheit..." „Hm", sagt aber der Motorbootsahrer,„fährst d u abends, wenn der Wind sich gelegt hat, mit Holzwind: pullend, stakend? Nee, ihr schraubt euch alle'nen Motor an und macht egal ratatat, ihr Stillen." Jetzt streicht ein Paddelboot mit einem taschentuchgroßen Treibersegel vorüber, und an der Seite hat es einen minia- turen, vielleicht f4-, vielleicht- L- M o t o r... Die Fixigkeit des Berliners, die pedantische Sauberkeit und Ordnung, das mit Patenten und Patentchen viele praktische Fragen lösen wollen, das was dem simpleren Ueberseemenschen am kampenden Berliner sonst unnötig kompliziert und umständlich erscheint» im Bootsleben fügt sich's prächtig zusammen— Großstadtluxus und Natur- g e n u ß werden in diesem einen Fall in dieser Stadt zu einer wirk- lichen Harmonie verbunden. Und um wieviel fesselnder ist diese Vollständigkeit im kleinen bescheidenen, als eine schon wirklich hoch- seefähige zedernholzgetäfelte D i e s e l m o t o r j a ch t, die bis Schmöckwitz 50 Mark verschmockt Aber das Allerkurioscste(davon hörte, das sah ich jenen Abend noch), das sind die Romantiker, die (wie ich) das ewig Unerreichbare anstreben: in einer gemütlich aus- staffierten kleinen Hundehütte am Wasser weckenden, als hätten sie auch ein Wasseroehikel, die dort davon träumen oder es sich sogar konkret einbilden, daß sie auch mit dazu gehören— gerade d i e gehören besonders mit dazu. Ehe ich vollständig aufgeweicht war, hatte ich aber doch in der Werft Schutz gesucht: bei den unheimlichen Radau machenden Wasserflitzern, auch Gleitboote, Rutscher oder Outboard genannt, die mit S0 Kilometer Geschwindigkeit über die erschreckte arme Wasierfläche rasen und alle(die nicht drin sitzen) rasend machen. Dickbäuchig schliefen sie hier in Gegenwart des fachmännisch herumhämmernden Verwalters, den ich, kaum erblickt, so schon auf ein Interview festnagelte., Also nee, verkaufen tut man sein Boot trotz der miesen Zeiten nicht(und kriegte auch wenig dafür): neu angeschafft wird wenig, aber eisern ist der Wille, seinen Schatz zu halten: selbst Stellungslose von den vielen kleinen Wassersportlerangestellten, so schwer es ihnen ankommt, halten ihr Boot, das doch immerhin, billigst, 100 Mark Erhaltungskosten das Jahr verschluckt. Harry P i e l hat zwar nebenan seinen Motorkreuzer zu verkaufen, aber nur um sich einen noch teuereren anzuschaffen.. und ob ich übrigens die spanischen Gleitboote mit Flossen an der Seite gesehen hätte, die sich noch mehr aus dem Wasser heben: 69 Kilometer die Stunde? Bald wird man wie die Flugfische im Bogen über de-- Dampfer weghopsen. ffierlm-ZParis-ffenf-ffierlin Jlutoreifeeindrücke von Victor Schiff Am Mittwoch, dem 13. Mai, war die Präsidentenwahl in Versailles, die sich bis in die zehnte Abendstunde hinzog, am Freitag- vormittag begann in Genf die Tagung des europäischen Ausschusses. So blieb mir gerade der Himmelfahrtstag übrig, um die nahezu 600 Kilometer lange Strecke Paris— Genf zurückzulegen, die etwa der Entfernung Berlin— 5>«idelberg entspricht. Das läßt sich natürlich- schon machen, vorausgesetzt, daß man früh losfährt und daß die Reise einigermaßen noitnal verläuft. Aber schon mit der ersten Vorbedingung haperte es einigermaßen. Die Abfahrt von der Garage erst gegen 9 Uhr morgens war schon reichlich spät. Und wenn auch die Durchquerung von fast ganz Paris an jenem Feiertagsmorgen ein Leichtes war, es dauerte doch eine gute Weile, bis ich die richtige Chaussee nach Dijon— Genf entdeckte. Denn die normale Ausfallstraße führt gerode durch das Gelände der Kolonial- ausstellung und ist daher gegenwärtig gesperrt. Ich konnte zunächst nur die allgemeine Richtung einhalten, kam durch lauter Villen- oororte an der Marne, die ich zuletzt vor einem Vierteljahrhundert gesehen hatte, und erst nach gut 20 Kilometer fand ich Anschluß an ! die richtige„route n�tionslc", aus der schon ein reger Ausflugs- verkehr herrschte. Es waren zumeist die richtigen„Sonntags- fuhren", wie man sie hierzulande kennt: Eltern, Kinder, Grammophon, Schwiegermutter, Dackel und Freßkorb in einem Wägelchen zusammengepfercht, das ächzend seine Fracht vorwärts- schoukelt. Aus der guten, ober nicht sehr breiten Chaussee mußte ich in der ersten Stunde etiva fünf Dutzend solcher Ausslugsfuhren überholen, und das strengt an. Aber zwischen den mittelalterlichen Städtchen N a rg i s und Provinz läßt der eigentliche Aus- flugsverkehr allmählich nach und man genießt wieder die menschen- leere, staubfreie Landstraße� van mächtigen Pappeln und Buchen beschattet, während ringsum kilometerweit saftige Wiesen und noch grüne Kornfelder jenen Eindruck von geruhsamer Wohlhabenheit erzeugen, der für die französische Provinz charakteristisch ist. Der Quelle der Seine entgegen. Kommandorufe... Wie außerordentlich diszipliniert diese Mannschaften sind(dos alte Vereinswesen war ja der goldene Boden dieser in letzten Iahren grandios aufblühenden Wasservehikelherrlichkeit)! Wie der aufrecht am Steuer Stehende mit dem Megaphon auf Mord und Brand drauflos meckert(am Bootssteg ruft diesem selber noch einer: �.Haltung!" noch)!. Und die Damenmannschaftsmeckerin meckert, am Bootsboden kauernd, noch viel ärger, obwohl sie doch alle fo brav drauflos rudern und lieblich anzusehen sind in ihren Himmel- blauen, safrangelben, kirschroten Turnhöschen über dem Badeanzug _ aber was oerstehe ich davon: ich bin ja ein„blutiger Laie". finde ich. daß es rächt galant und auch nicht originell ist, so Man begegnet nach etwa 100 Kilometer wieder der Seine, die man nunmehr flußaufwärts noch weitere drei oder vier Stunden lang bis zu ihrer Quelle in der Hochebene von Langres verfolgt. Mit Ausnahme von Troyes�, einer ftimmungslosen Großstadt von etwa 100.000 Einwohnern, die zum guten Teil in der alt- cingessenen Baumwollindustri« beschäftigt sind, heißen alle größeren Orte auf der Strecke nach dem Fluß: N o g e n t- suOSeine, R o m i l l y- sur-Seine, Bar- sur-Seine, C h ä t i l l o n- sur-Seine. Aber schon ist es längst kein Fluß mehr, ein Bach, ein Bächlein ist diese Seine— niemand würde in diesem dünnen Streifen Wasser, über den stellenweise ein geübter Leichtathlet mit Anlauf hinüber- springen könnte, den breiten, majestätischen Strom ahnen, der die Hauptstadt Frankreichs durchquert. In den Nachmittagsstunden wird die Landschaft etwas gebirgiger. Oft muß man recht steile Strecken hinaufklettern. Man durchquert die Hochebene von Langres und die weinreichen Hügel der Cüte-d'Or. Stärkerer Verkehr kündet die'Nähe einer größeren Stadt: in der Tat, bald erblickt man unten in der Ebene die Abrisse von Kirch- und Schloßtürmen: Dijon. Doch bevor noch die Straße sich senkt, fährt man abermals an einem Schlachtendenkmal vorbei. Schon wieder! Und wiederum eine Erinnerung an den Krieg von 1870/71! Ist denn die ganze französische Erde, sogar so weit südlich, mit dem Blut deutscher und französischer Soldaten ge- tränkt worden? Es waren dort, wenn ich mich recht entsinne, die letzten Zuckungen der Nationalarmee, die Gombctta nach dem Zu- jommenbruch von Sedan aus der Erde gestampft hatte. Hier bei Dijon lieferte« sich bayerische Truppen und die italienische Freiwilligen- -legion Garibaldis die letzten Gefechte vor der endgültigen Waffen- ftreckung. Zn der Hauptstadt von Burgund. Dijon Hot, wenn man so sagen darf, eine große Zukunft hinter sich. War es doch im Mittelalter die Haupt st adt des Herzogtums Burgund, dessen Herrscher lange Zeit hindurch über einen großen Teil des heutigen Frankreichs geboten und wieder- holt nahe daran waren, die französische Königskrone an sich zu reißen. Wer weiß, ob dann nicht Dijon als Hauptstadt Frankreichs und später als Weltstadt Paris verdrängt hätte? Der siegreiche Widerstand der Schweizer Eidgenossen bei Murten und Grandson hat diesen Träumen Karls des Kühnen ein Ende. bereitet, der schließlich ein Jahr später, 1477, in einer Schlacht bei Nancy sein Leben ließ. Von dieser Glanzzeit Dijons datieren herrliche Bauten im spätgothischen Stil, vor allem das Palais der Herzöge von Burgund, das heute zum Teil als Museum eingerichtet ist, zum Teil als Rathaus dient. Aber die Zeit fehlt mir leider, alle diese Kunstwerke im einzelnen zu besichtigen. In vier Stunden wird es dämmern und ich will ja noch vor Anbruch der Dunkelheit auf der Jura-Paßhöhe fein. Jni schnellsten Tempo geht also die Fahrt weiter, dem Saone-Tal entgegen. Reisenmisere. Schon erblicke ich zwei Kilometer vor mir das Städtchen A u x o n n e an der Saöne und weiter in der Ferne zeichnen sich im Südosten die Vorläufer des Juragebirges als— pfch!— ein Reifen seinen letzten Atemzug hcrauszischt. Na, schadet ja nicht-, einen Reservereisen Hobe ich ja noch, der mir in Frankfurt„ge- flickt" wurde. Mit der durch die Erfahrungen der letzten Tage ge- wonnenen liebung gelingt es mir, wenn auch um den Preis eines Schwitzbades in der Nachmittagssonne, den Radwechsel in knapp zehn Minuten zu vollziehen, als— pfui Tcuset!— sich herausstellt, daß auch der Reservereisen lustleer ist und auf die Handpumpe herzlich wenig reagiert. So muß ich die letzten zwei Kilometer Gefälle bis Auxonne„auf Latschen" kullern. Tankstellen gibt es dort so viel man will, ober die Wertstätten sind an diesem Feiertag alle geschlossen. Diese Eröffnung machte mir, nebenbei berichtet, ein junger Mittelschüler aus Bonn, der mit seinen Kameraden gerade spazieren ging und der sich riesig darüber freute, einem Deutschen in diesem recht abgelegenen Nest zu begegnen. Ich auch, aber ich wünschte, ich hätte keinen Anlaß gehabt, mich auch nur eine halbe Minute dort auszuhalten. Schließlich gelingt es, eine elektrische Luftpumpe aufzutreiben. Der Reifen scheint zu halten, vorläufig wenigstens. Auf bis zur nächsten Stadt, D ö l e, dort soll es Werk- stätten geben, die auch heute offen find. Der Reifen ist wirklich brav: er schafft gerade noch die 20 Kilometer bis Döle, um am Eingang der Stadt, als hätte er feine Schuldigkeit getan, abermals die Puste zu verlieren. Und zu allem Unglück wirkt sein Beispiel ansteckend auf seinen Nachbarn, der sich fast im selben Augenblick gleichfalls entleert. Eine schöne Bescherung! Ich versuche, mir einen neuen Reifen zu kaufen. Der Händler führt aber die Größe nicht, telephoniert mit einem Kollegen, verspricht dann, innerhalb zehn Minuten mit dem neuen Reisen zu erscheinen— nach einer Stunde kehrt er ergebnislos zurück! Die Hoffnung, noch am selben Abend Genf zu erreichen oder auch nur die Paßhöhe vor der Dunkelheit, ist jetzt endgültig dahin. Denn es ist inzwischen schon hier Nacht geworden. Aber ich kann unmöglich hier liegen bleiben. Die schadhaften Reifen werden von einem Monteur provisorisch repariert und ich fahre auf gut Glück weiter, ohne Reservereifen, hinein in das Juragcbirge. Wir werden mal sehen, wie weit wir kommen. Sf&i?b€s,i?l üfermccnzs Dlosiav: f>ie fjescbicble dei? Wccbe: Sczllcxdfe vom bvomiomdtom Hof In Dem Dorfe ÄoHutuS, imtoeit von Äctmo, sictite der Bauer Dronz Koller sein Anwesen in Brand. Er iiossic, mit Hilfe der Bersichcrungo- sunune, den verschuldeten Hof halten»u können. Franz Koller blickte noch«inmal vorsichtig um sich; niemand mehr war auf dem Hof. Der Knecht hütete drunten auf der Weide die Kühe; seine Frau war ins benachbarte Ottenschlag zum Markt gefahren. Auch aus den Dorfhäusern jenseits der Straße kam kein Laut. Ein glites, sanftes Summen war die einzige Stimme des schwülen Nachmittags: das kam von den tausend Menen, die in den Maulbeerbäumen schwirrten. Alles war gut so; gut und gut bedacht.. Koller ging über den schmalen Hof in dke Scheune. Er zog einen Kerzenstumpf aus der Tasche. Die Länge hatte er genau auLgemcssen: in einer halben Stunde, nicht eher, würde das Flämmchen den Fußboden erreicht haben. Erst auf diesem Boden lag eine dünne Lunte aus Stroh; wenn die in Brand geriet, war auch das letzte Restchen Wachs verbrannt. Die Lunte wiederum führte zu ewem dicken Strohseil; und das Strohseil war durch ein Loch in der Scheunendecke in den Strohboden hineingeführt. Niemand also würde feststellen können, woher dos Feuer ge- kommen war. das auf diesem Boden, scheinbar dort, ausbrechen würde. Gut so; gut und gut bedacht. Cr mußte dennoch inehrmals und qualvoll schlucken, eh« er das Zündholz an die Kerze hielt. Noch einmal dachte er an sein Kind, für das er das alles ja im letzten Grunde tat. Es sollte wohlhabend sein, wenn einer es würde heiraten wollen; wohl- habend, wie alle Kollers seit Jahrhunderten gewesen waren. Und dazu— dazu mußte das sein. Er blickte in die zaghaste Flamme, fast träumend— barg dann das Zündholzrestchen sorgsam in der Tasche und wandte sich um, dem Hof zu. Er erschrak: mitten auf dem Hof, seine Puppe im Arm, stand das Kind.. Hastig schloß er das Scheunentor; das breite Braun des alten Holzes deckte den schmalen Schein der Kerze. Hatte das Kind ge- sehen...? Zum erstennial fiel ihm auf, wie groß und blau die Augen der Fünfjährigen waren; aber sie sahen nicht auf die Scheune, sahen nur auf ihn, ruhig und hell. Er nahm das Kind an der Hand, griff zur Sense, die an der Mauer lehnte, und zog die Kleine zum Hof hinaus. Miteinander schritten sie durch das stille Dorf seiner Wiese zu. Da würde er mähen, es war hohe Zeit dazu, das Kind würde am Raine sitzen und spielen, und er würde selbst erst den Feuerschein bemerken, wenn die Flamme schon aus dem Dach« schlug... gut, gut bedacht... Die Wiese war erreicht. Er dengelte die Sense; es klang wie das rhythmische Piepen eines Bogels; die Kleine lächelte und ließ ihre Puppe danach tanzen. Es wäre schön, wenn es so bleiben würde, so friedsam und sicher; es war nötig, daß auch des Kindes Kind an diesem, an seinem Wiesenrain würde sitzen können. Seine Schuld war es nicht, daß es nur— nur so ging. Abgerackert hatte er sich von früh bis spät, das war gewiß. An feiner Arbeit hatte es nicht gelegen; vielleicht an seinem Rechnen; er verstand nichts von der Art, in der die von heute, die aus den Städten rechneten. Wie er so dachte und sich zu rechtfertigen suchte, hatte er, sich selbst unbemerkt, schon zu mähen begonnen. Er blickte nicht auf, er wagte es wohl nicht, er würde noch immer früh genug ausblicken, um den roten Hahn auf dem Scheunendach zu sehen; seinem Ohr, das bald das Peitschenknattern der Flammen hören würde, tat das leise, taktmäßige Zischen der Schneide im Gras, tat das rauschende Fallen der Halme wohl. Er arbeitete lange. Seine Frau war in der Stadt, sein Kind bei ihm, der Knecht auf der Weide— keinem Menschen konnte ein Leid geschehen. Nun blickte er doch auf, um nach dem Kind zu sehen. Am anderen Ende der langen Wiese mußte es sitzen. Aber da saß es nicht. Er hielt die Hand über die Augen und sah rundum; er sah nichts Menschliches. Er rief;«s kam keine Antwort. Schweiß trat auf seine Stirn, die Hand überm Auge zitterte. Plötzlich roch er etwas Beizendes, roch er Rauch; blickte zum Dorf, schrie auf—: wahrhaftig, Qualm, Feuer, und sein Kind nicht bei ihm— sein Kind, für das er dies getan hatte, wahrscheinlich, gewiß nach Hause gelausen, ins Feuer hinein... Er warf die Sense hin, er jagte in großen Sprüngen über die Wiese und auf den Weg, da kamen ihm schon die verzweifelten Jamnierschrcie der Sturmglocke entgegen, mitunter Rufe dazwischen aus Frauenkehlen... aus Kinderkehlen...? Unsinn... Die Dorfftraße war versperrt von grauen, riesigen Walzen aus Dampf, die rollten hin über ratlos umherlaufende Menschen; von allen Feldern und Wiesen kamen Männer in ebenso großen Sprüngen wie er; zu spät, er wußte ja, zu spät, alles war gut bedacht! Wenn nur das Kind— aber es würde nebenan sein, bei der kleinen Lotte, mit der es immer spielte, es würde nicht allein ins Haus gelaufen sein, natürlich nicht; und bestimmt nicht— bestimmt nicht in die— in die Scheune... Mein Gott: das Kind in der Scheune! Zum Hintereingang hinein, von wo es die Kerze nicht sehen konnte, wo das Fensterchen war, durch das es so gern aufs Feld-- Franz Koller rannte wie unter den Schlägen einer Peitsche, war in der Dorfstraße, stieß Menschen beiscite, mar vor seinem Hof, da brannte nicht nur die Scheune, da brannte auch schon, der Stall, da glommen die Fenster- kreuze am Wohnhaus... Eine warf sich gegen ihn, seine Frau, die mit dem Rad« aus Ottenschlag zurück war:„Das Kind, wo ist das Kind?" „Es muß im Dorf sein!" Die Frau lief hin uud her, stieß all« Menschen an, wolllc lrt jedes Haus:„Mein Kind, wo ist mein Kind, ist mein Kind hier..." Der Vater stand ganz still, er lauschte in das Prasseln, er schrie der anrückenden Wehr zu:„Ruhig, ruhig doch—" Und dann hörte er es: dos dünn« Rufen, das zirpende Weinen, das Wimmern: hörte es aus der Scheune: das Kind war in der Scheune! Er stürzte in den Hof, auf die Scheune zu. Ein Teil des Firstes brach ein, auf seinen Fuß sank«in brennender Balken, er stieß ihn mit dem anderen Fuß beiseite, hinkte weiter, ins brennende Tor. Da rissen ihn drei Männer zurück. Er machte sich frei, schlug nach ihnen. Es kamen mehr, sie überwältigten den Tobenden, sie hatten Stricke, mit denen sie ihn banden wie einen Gefangenen, und jo trugen sie ihn zurück. Sie setzten ihn auf die Steinfliesen des Hauses gegenüber seinem Hof, zu Füßen seiner Frau, die nach ihrem Kind schrie. Pom nahen Dorjteich her dröhnte das Stampjen der Pumpe, der Schlauch, der schlaff vor ihm sich vorbeiwand, füllte sich mit Nässe, wurde rund, prall— dann zischte er spitz auf: Wasser! Wie ein Säbel schlug der Strahl in die Flammen. In seinem Schutz schritt ein Feuerwehrmann durch das Tor der Scheune. Der gebundene Vater schrie wie ein Tier. Es hörte niemand hin, es war gut, daß niemand hin hörte: es waren Worte zwischen diesen Schreien, die ihn hätten verraten können. Aber sie standen alle wie Steine und sahen auf das Tor, aus dem der Feuerwehr- mann wiederkommen mußte; mit dem Kind wiederkehren mußte oder— oder allein... Sekunden, Minuten, Ewigkeiten-- endlich ein vielstimmiger, ein gellender Ruf, so gellte die Freude: Vor der Scheune stand wankend der Retter, ein Bündel in den Armen: das Kind! Sie nahmen dem Vater die Stricke. Man trug sein Kind an ihm vorbei. Er tat die Hände ineinander, als bete er es an; als gelobe er sich ihm zum Knecht. Die Scheune stürzte prasselnd zusammen. Auch der Stall war niedergebrannt. Vom Wohnhaus standen nur die massiven Mauern. Das Kind lag im Krankenhaus, mit vielen Brandwunden. Die Aerzte hofften es zu retten Franz Koller hatten sie verhaftet. Sie hielten ihn drei Tage lang fest, und sie verhörten ihn zwölf Stunden lang. Er leugnete, und er verriet sich nicht. Er leugnete nicht mehr für sich: er leugnete für sein Kind. Er selbst würde es nie vergessen, nie verwinden können, was geschehen war; das wußte er. Es hieß, daß die ent- stellenden Brandmale im Gesicht und am Körper des Kindes immer bleiben würden. Also, da es nun häßlich sein würde; mußte es reich sein. Es ging um den Sinn seiner Tat, nun erst recht. Er mußte lügen. Wenn er zwischen den Kreuz- und Querfragen eine kurze Weile die Augen schloß, um alles genau zu überlegen ünd sich nicht zu verraten: dann sah er sein Kind vor sich, sah sonder- barerweise nur immer die Augen seines Kindes, wie sie ihn nach dem Anzünden der Kerze vom Hofe aus angesehen hotten, groß, hell; diesem Blick, diesen Augen, die fast erloschen wären durch ihn, war er fortan Untertan, das war ihm klar; sie waren seine einzigen Gesetze, seine einzigen Richter, um ihretwillen log er denen vor, die andere ihm zu Richtern gesetzt hatten. Franz Koller log geschickt, und man mußte ihn entlassen. Er verhandelte mit der Versicherung, er war ein zäher Partner, der das Seine wahrte.„Gib doch nach, nur ein klein wenig nach!" riet feine ängstliche Frau; aber er schloß seine Augen und sah seines Kindes Augen, und beharrte. Nach zwei Wochen sollte er das Kind zum erstenmal sehen dürfen. Er fuhr nach Krems, wo es im Krankenhaus lag. Zuvor ging ei; zur Agentur der Versicherung und ließ sich seine große Entschädigung einhändigen. Alles schien nun gut zu sein; gut und gut bedacht. Als er aber in das weiße Krankenzisiimer trat, geschah etwas Merkwürdiges. Aus einem Bausch von Verbänden sahen ihn die Augen des Kindes an. Nur die Augen; alles andere war ver- bunden; alles andere war wahrscheinlich— entstellt... Der Bater begann zu zittern. Er hatte das Aussehen eines Greises bekommen nach dem Brand; jetzt aber überfiel ihn eine nie gekannte Schwäche. Um dieser Augen willen hatte er gelogen; aher in diese Augen hinein konnte er nicht lügen. Er fühlte es tief und voll Angst, und er streckte die Hand aus in Abwehr einer Frage. „Guten Tag, Vater!" sagte verwundert das Kind. Und nach einer Weile, in kindhafter Neugier und Gespanntl)eit: Wer hats denn anzündt, Vater?" Da senkte Franz Koller die Schultern vor dem Blick des Kindes, unter dem dröhnenden Einbruch der Sinnlosigkeit all seines Tuns; er sah nicht mehr den Arzt, der im Raum war, und nicht mehr die Krankenschwester, und er antwortete leise, wahrhastig und gehorsam: ..Ich-' PÜJ? DEN KLEINGÄRTNER Zwei Fliegen im Brief Dieser Brief war kein gewöhnlicher Brief. Denn er enthielt zwei Fliegen(um ganz gewissenhaft zu sein: zwei tote Fliegen). Und diese zwei Fliegen waren wiederum auch keine gcwA>nlichen Fliegen, denn in einem Schreiben versicherte der Einsender, sie wären ganz gefährliche Biester und hätten in der Umgebung von Bernau fast die ganze Pflaumenernte vernichtet. Das stimmte nun nicht ganz, denn jene besagten Fiegen entpuppten sich bei ge- nauerer Beobachtung als Gartenhaarmücken(Libio hortu- lanus), die harmlos sind und sogar eine gewisse Bedeutung als Pollenträger haben. Der wirkliche, ganz gefährliche Obstbaum- schädling, die Pflaumensägewespe(ttoplocampa minuta) sieht fast genau so aus wie die Gartenhaarmücke und wird daher oft mit dieser verwechselt. Das S ch a d e n b i l d sei hier kurz beschrieben. Trotz guten Blütenwetters und befriedigendem Fruchtansatzes fallen �ft die jungen Früchtchen von Pflaumen, Mirabellen und Zwetschgen, wenn sie etwa S Millimeter lang find, zu�Loden, ja manchmal regnen die Früchte förmlich herab. An den ersten abgefallenen Früchten be- findet sich ein Loch, später sind meist 2 bis 3 Löcher vorhanden. Beim Oeffnen der Frucht bemerkt man, daß der größte Teil des Fruchtfleisches sowie der Kern verschwunden ist und das Innere stattdessen eine jauchige, schwärzliche Masse enthält. Zur selben Zeit weisen viele der noch am Baum hängenden Früchte ein mit bräunlichem Kot verstopftes Loch auf; im Innern aber liegt eine gekrümmte, weißliche Larve, die durch ihren Fraß den Abfall der noch grünen Früchte verursacht. Ueber die L e b e n s g e s ch i ch t e des Schädlings sei folgendes mitgeteilt. Die Larven in den Früchten schlüpfen aus den Eiern der Pflaumensägewespen, die etwa 0,4 bis 0,5 Zentimeter lang sind, also etwa die Größe einer Stubenfliege haben. Sie haben einen schwarzen Körper, braungelbe Beine, schwarzbraune Fühler und klare Flügel mit braunem Geäder. Daneben tritt noch die gelbe Sägewespe auf(ttoplocavipa flava), deren Körper, Beine und Fühler bräunlichgelb sind, während die Flügel im Ansatzteil grau getrübt sind. Die Weibchen schneiden mittels einer sägeartigen Vorrichtung am Hinterende ihres Körpers— daher der Name— am Kelch oder dessen Zipfeln einen schmalen Schlitz, in den sie das Ei gleiten lassen; dieses liegt nun wie in einer Tasche eingebettet. Ein einziges Weib- chen ist imstande, etwa 30 Eier abzusetzen, also 30 Blüten zu be- legen. In der Regel schlüpfen die ersten Larven nach vier bis fünf Tagen. Sie hoben drei Beinpaare, einen schwarzbraunen Kopf und die letzten Körpersegmente sind auf der Oberseite dunkel verfärbt. Befindet sich die Eitasche im Kelchgewcbe, so frißt sich die Larve meist direkt ins Innere; aus der im Kclchzipfel gelegenen Eitasche kriecht sie über den Kelchausschnitt noch dem Blütcnboden, benagt Kelchwände und Fruchtknoten und wandert auch zu benachbarten Blüten. Diese Gewohnheiten der jungen Larve spiele für die Be- kämpsuyg eine wichtige Rolle. Schließlich bohrt sie sich in den Fruchtknoten ein. frißt Fruchtfleisch und Kern und verläßt die Schale, un> auf eine andere, noch unbewohnte Frucht überzuwan- dern. Auch dies ist für die Bekämpfung wesentlich. In der neuen Frucht verzehrt sie lediglich den Kern und geht in den meisten Fällen noch auf eine dritte und vierte Frucht über. Nunmehr aus- gewachsen fällt sie gewöhnlich mit der letzten Frucht zu Boden, bohrt sich heraus und geht sofort in die Erde. Schon in den nächsten stunden beginnt sie sich in einen ovalen, festen, braunen Puppen- kokon einzuspinnen: er ist 5 bis 6 Millimeter lang. 3 Millimeter breit und außenseitig leicht gerauht oder mit kleinen Steinchen be- setzt. In diesem Kokon überwintert die Larve, verpuppt sich darin im Frühjahr und nach etwa 14 Tagen durchstößt die ausgebildete Sägewespe den Kokon, um nach kurzem Umherwandern in die Baumkronen zu fliegen. Eine befriedigende Vernichtung der schlüpfenden Sägewespen vor der Eiablage ist zur Zeit nicht möglich. Infolgedessen richtet sich die Bekämpfung gegen die Larven, die sich mehrfach außerhalb der Früchte aufhalten. Das Ziel ist, sie während der Ueberwanderung zu vergiften und damit den Befall neuer Früchte zu oerhindern. Die erste Behandlung erfolgt zu der Zeit, in welcher die Mehrzahl der Junglaroen in der oben geschilderten Weise in die Blüten einwandert, die zweite Behandlung geschieht etwa 8 Tage später, kurz bevor der Hauptschub der Larven den ersten Wohnungswechsel vornimmt. Die erste Wiederholung ist nötig, weil der Giftbelag bei den rasch wachsenden Früchten, die allseitig überzogen sein müssen, schnell zerreißt. Bekanntlich soll man Pflaumen, Zwetschgen und Mirabellen im Frühjahr mehrmals gegen Pilzkrankheiten mit Schweselkaltbrühe behandeln: wir mischen also für die Spritzungen gegen die Pflaumensöge- wespenlaroen Arsenpräpakate mit Schwefelkalkbrühe. Mit solchen Mischbrühen werden außerdem auch andere Schädlinge wie die rote Spinne, Raupen des Frostspanners und Blütenwicklers usw erfaßt. Es wären also folgende Behandlungen auszuführen: Früh- lingsspritzung, kurz noch der Blüte, mit Bleiarsen 1 bis 2 Prozent plus Schwefelkalkbrühe 2 Prozent oder Kalkarsen 0,4 Prozent plus Schwefelkalkbrühe 2 Prozent. Frühsammer- spritzung, 8 bis 10 Tage später, mit Kalkarsen 0,4 Prozent plus Schwefelkalkbrühe 2 Prozent(kein Bleiarsen!) Der Erfolg der Be- kämpfung ist abhängig von der Wahl des richtigen Zeitpunktes der- selben, von der sachgemäßen Herstellung der Spritzbrühen und von der Gründlichkeit besonders der ersten Spritznng. Die Anschauung, durch Aufsammeln und Vernichten der herabgefallenen Früchte die Larven bekämpfen zu können, ist irrig(siehe die oben geschilderte Lebensgeschichte): einen gewissen Erfolg kann man dadurch haben. daß man kurz vor der Ueberwanderung der Larven die befallenen Bäume schüttelt und die sich dann loslösenden, noch bewohnten Früchte mit Tüchern auffängt und vernichtet. Da in den letzten drei bis vier Iahren in einigen Gebieten Deutschlands der durch den Larvenfratz der Sägcwespe bewirkte Ernteausfall so bedeutend gewesen ist, daß die Wirtschaftlichkeit einer großen Zahl von Obstbaubetrieben in Frage gestellt wurde, ist es Pflicht eines jeden Obstgartenbesitzers, die Ausbreitung dieses gefährlichen Schädlings mit allen Mitteln zu verhindern. An dieser Stelle sei auch auf die Biologische Reichsanstalt für Land- und Forstwirtschaft in Berlin- Dahlem. Königin-Luise-Straße 19, ver- wiesen, die eine Reihe ausgezeichneter, mit instruktiven Zeichnungen versehenen Flugblätter und Merkblätter(Preis pro Stück 10 Pf.) über tierische und pflanzliche Schädlinge und deren Bekämpfung herausgegeben hat. H. Fr. Pohlenz. £ Buch -Liebe vor stvansig Jahren „Es liest die schöne Rickele ein Buch von Rene S ch i ck e l e", lautete einmal ein Elsässer Schüttelreim: ungefähr zu jener Zeit, als Schickeles„Hans im Schnakenloch" erschien. Jetzt hat der Ernst- Rowohlt-Verlag eine 1910 erschienene Erzählung Schickeles heraus- gebracht, in der eine Pariser Ausgabe der„schönen Rickele" die Hauptrolle spielt und die sich„Meine Freundin L o" nennt. Es geht um die Liebe. Lo, die französische Schauspielerin, und Henri, der deutsche Journalist, durchleben ein paar Monate glück- licher und leidenschaftlicher Hingegebenheit. Dann tritt ein französischer Parlamentarier in Los Gesichtskreis. Der Liebes- Himmel verdüstert sich, und schließlich fliegt der Schmetterling zu ■einer neuen Blume. Zuweilen gelingen Schicke!« in dieser im übrigen auf ironische Resignation abgestimmten Erzählung die Töne erdentrückter Wehmut, die dem flüchtigsten Liebesrausch den Atemschlag der Ewigkeit erteilen: im ganzen weiß man ober doch kaum recht, was man mit dieser, drei Jahre vor dem Krieg, in grauer Vorzeit also sich abrollenden und weder wahrhast zeitlosen noch zeiterfüllt typischen„Geschichte aus Paris" anfangen soll. Manchmal äugt die Politik, damalige fran.zösssche Politik, in das Buch hinein, indessen bildet sie nur den locker hingetupsten Hinter- grund und kommt über das Anekdotische nicht hinaus. Hans Bauer. Arbeiter'- Rasenspiele -ARBEiTEH ruSSBALL Kommende Spiele Am Sonnabend stehen sich aus dem Sportplatz in der Scharnweberstroße in Reinickendorf Eintracht und Saxonia gegenüber. Den Reinickendorfern sollte es wenig Mühe kosten, den Exerleuten eine Niederloge zu bereiten. Trotzdem ist noch nicht aller Tage Abend. Saxonia Hot es bestimmt in sich, auch ein um- gekehrtes Resultat herbeizuführen. Das Spiel beginnt um 18 Uhr. — Auf dem Sportplatz in der Normannenstraß« in Lichtenberg er- wartet Rormannia den Besuch des jüngsten Bundesmitgliedcs ASV.- Südost, mit zwei Männermannschajten. Beginn 18 Uhr. Am Sonntag finden trotz der fortgeschrittenen Jahreszeit immer noch Serienspiele statt. Es treffen sich: ASB.-Neukölln und Hoppegarten. Saxonia gegen Eintracht-Bezirksmannschaft. Vorwarts-Wedding gegen Schwarz-Weiß. Cladow gegen Branden- bürg. Potsdam gegen Rathenow, Falke gegen Werder. Alt-Bens- dorf 2 gegen Ncetzen. Lehnin gegen Trechwitz. Grebs gegen Jeserig. Fohrde gegen Alt-Bensdorf 1. Teltow gegen Brück. Friedenau gegen Schöneberg.— Börsenspiele: Freie Scholle gegen Britz 88. Wansdorf gegen Elsthal. Butab gegen Blankenburg. Union-Tempelhof gegen Reu-Ruppin. Wilmersdorf gegen Brieselang. Wacker 3l) gegen Strausberg. Oberspree gegen Eiche-Köpenick. Eiche-Bezirk gegen Osten. Kogel gegen Minerva-Bczirk.— Zweite Mannschaften: Freie Scholle gegen Britz 88. Butab gegen Teltow 3. Friedenau gegen Schöneberg. Oberspree gegen Eich« 3. — Iugendmannschaften: Freie Scholle gegen Minerva. Lichtenberg I gegen Staaken. Drewitz gegen Minerva 2. Nowawes 2 gegen Normannia 2. Saxonia gegen Nowawes. Wilmersdorf gegen Borwärts-Wedding. ASB.-Neukölln gegen Normannia.— Schüler: Drewitz gegen Minerva. Nowawes gegen Pankow. Beginn der Spiel«: Erste Männermannschaften 17 Uhr. Zweite Männermannschaften 15.15 Uhr. Jugend und Schilermann- schaften 18 Uhr. tfcmddaü In der 1. Klasse hat am Sonnabend FTGB.-Osten ein Wiederholungsspiel aus der Herbstserie gegen Eiche-Köpenick zu ab- jolvieren. Es findet um 19 Uhr auf dem Urbanplatz statt. Bis jetzt war Köpenick immer der Sieger und könnte es bestimmt auch wieder werden, wenn die Osten-Mannschaft so spielt wie am ver- gangenen Sonntag. In Gesellschaftsspielen stehen sich am Sonn- abend noch gegenüber: Eiche-Köpenick 2 gegen Fichte 2, Bitzow gegen Marwitz. Bolkssport-Wedding 4 gegen Norden 3, Lankwitz gegen Volkssport-Neukölln 3. Lankwitz-Frauen gegen Neukölln- Jugend, Spandau gegen Norden 3, Köpenick gegen Fichte. » Serienspiele finden am Sonntag nur zwei statt und zwar Osten-Frauen gegen Bohnsdorf um 14 Uhr in der Bödicker- straße und Nowawes-Jugend gegen Bohnsdorf in Nowawes. FTGB.-Stralau veranstaltet am Sonntag auf dem Sportplatz Bödickerstraße ein Blitzturnier. Die Spieleinteilung ist folgende: Lichtenberg gegen Kaulsdorf, Stralau gegen Osten, Brandenburg gegen Lichtenberg, Stralau gegen Kaulsdorf, Osten gegen Brandenburg, Lichtenberg gegen Stralau, Kaulsdors gegen Brandenburg, Osten gegen Lichtenberg, Stralau gegen Brandenburg, Kaulsdorf gegen Osten. Weiterhin spielen noch die Frauenmann- schaften und die 2. Männermannschaften von Brandenburg und Stralau. Die Spiele beginnen um 13 Uhr. » Die Gesellschaftsspiele am Sonntag sind bei den Männern: Halle gegen Baumschulcnweg, Friedrichsfelde gegen Ruhlsdorf, Fichtenau gegen Fußballklub Oberfpree, Kaulsdorf 2 gegen Kleingärtner 1, Adlershof gegen Groß-Besten 2, Nordring 2 gegen Strausberg 1, Schönwalde gegen Friedrichsthal 2. Friedrichs- thal 1 gegen Süden 2, Teltow gegen Bornstedt, ASB-Neukölln 1 gegen Volkssport Neukölln 2. Frauen: ASE. 1 gegen Volkssport Neukölln 2, Zossen gegen Volkssport Wedding 2, Reinickendorf-West gegen Mahlsdorf, Daumschulenweg gegen Nordost. Bürgerliche Amateure Der Kampf um Prenn In einem offenen Brief an den Bundesleiter des Deutschen Tennis bundes haben die für den Länderkampf Deutschland— 'Amerika aufgestellten Spieler Zander, Eichner und Henkel verlangt. die Suspendier ung Prenns aufzuheben und ihn in die deutsche Ländermannschast einzureihen. Gleichzeitig wird dabei bemerkt, daß kameradschaftlicher Geist und Solidaritätsgefühl die Spieler eigentlich veranlassen müßte, sich an die Seit« ihres Käme- raden zu stellen und die Teilnahme am Landerkampf ohne ihn ab- zulehnen. Der Bundesleiter Schomburgk hat es abgelehnt, in«in schwebendes Verfahren einzugreifen und sich außerstande erklärt, die Suspendierung Prenns aufzuheben. Der deutsche Spitzenspieler Prenn hatte bekanntlich von einer Fabrik die Lieferung von Tennisschlägern unter gleichzeitiger Zah- lung einer Geldsumme angenommen. Man mag zu dem„Fall Prenn' stehen wie man will. Es geht aber nicht an, daß aktive Sportler ihren Verband mit Gewaltmaßnahmen bedrohen. So etwas nennt man Disziplinlosigkeit, und für diese ist im sportlichen Ver- kehr kein Platz. Der offene Brief an den Tennisbund zeigt aber auch ein« groß« Inkonsequenz. Wenn immer zu repräsentativen Spielen bisher nur die alte Garde berüekstchtigt worden ist, schrien die Jungen Zetermordio, fühlten sich zurückgesetzt und verlangten, daß man auch ihnen einmal Gelegenheit gäbe, in Großkämpfen mit- zuwirken. Wo nun endlich diese Möglichkeit gegeben ist, erklärt man in aller Oeffentlichkeit, daß die aufgestellte Mannschaft nur geringe Aussichten hat, ehrenvollen Widerstand zu leisten, und zeigt damit deutlich die mangelnde Reife für solche Aufgaben. Neue Freunde! Norwegen nimmt an der Olympiade teil In diesem Entschluß des Pfingsten abgehaltenen Bundestages des Norwegischen Arbeitersportbundes kommt die Sympathie dieses Verbandes zur Sozialistischen Arbeitersportinternationale(SASJ.) in fest umrissener Form zum Ausdruck. Wir freuen uns diejes Erfolges der auf demokratischer Grundlage ruhen- den sozialistffchen Sportidee und heißen die neuen nordischen Freunde der SASJ. in Wien und damit im Kreise der Sozialistischen Arbeitersportinternationäle herzlich willkommen. Zwar hat sich der norwegische Bund der SASJ. noch nicht offiziell angeschlossen, aber der Bundestag bracht« zum Ausdruck, daß sich der Verband ideolo- gffch als Mitglied der. SASJ. fühlt. Nach Wien zum 2. Arbeiter- Olympia soll eine Delegation von 29 Sportlern entsandt werden. Bezeichnend für die Einstellung des norwegischen Arbeitersport- bundes zur kommunistischen Sportinternationale(RSJ.) Moskau ist, daß auf dem Bundestag kein Kommunist als Funktionär gewählt wurde. Das Gegenstück Die große Stockholmer bürgerliche Tageszeitung„Dagens Nyheter' bringt in ihrer Ausgabe A 21 835 auf Seite 17 folgende Meldung:„L y n- O s l o auf einer Tournee nach Ruß- l a n d. Der bekannte norwegische Fußballklub Lyn-Oslo wird am Monatsende eine Wettkampfreise nach Rußland antreten. Auf dem Wege nach Rußland spielt der Osloer Klub in Stockholm." Daß es sich bei Lyn-Oslo um einen bürgerlichen Fußballklub han- delt, wird uns von Helsingfors bestätigt durch die Meldung, daß am 3. Juni die bürgerlich« Fußballmannschaft JFK.-Helsingfors gegen Lyn gespielt hat. Zum RAST Die Kulturaussfellung Der Reichs-Arbeiterfporttog am 28. Juni im Grunewaldstadion soll nicht nur ein Sportfest der bundestreuen Aicheitersportler, sondern mich ein Massenaufmarsch der sozialfftischen Arbeiterschaft gegen alle reaktionären Mächte werden. Zum ersten Male in dieser Art wird, trotz der beengten Verhältnisse, auch die übliche Kulturausstellung eine ganz bestimmte Richtung bekommen. Es kommt dabei weniger auf das Propogandamühigc für dip einzelnen beteiligten Organisationen, als auf die gute Ge- meinschaftswirkung an. Und deshalb ist der Gedanke, in dieser Ausstellung ein« Photoreportage vom Arbeitersport zu bringen, sehr begrüßenswert. Wir hören da, daß mit dem Arbeiter-Lichtbildbund insbesondere �ie Kulturorganisationen zum Aufbau beitragen. Alle Sportarten sollen zur Geltung kommen. Und zwar wird nicht das leider noch allzu übliche reine Sportlehrphoto oder gar die„schöne" Gruppen- stellung da« Ausschlaggebende sein. Die vorzügliche, bild müßig« Erfassung des sportlichen Lebens und der wirNich guten Leistung und Haltung beim sportlichen Treiben wird voronstehen. Daneben bringt der Arbeiter-Laienspielerverband eindrucksvolles Material von seiner Arbeit. Nach den Auseinandersetzungen mit der kommunisti- schen Richtung des Arbeiter-Theaterbundes ist auch die Unterstützung dieser Organisation notwendig. Für alle Photofrcunde in den verschiedensten Arbeiter-Sport- organisationen ist fernerhin wichtig, daß auch mit dem diesjährigen Rast ein Photowettbewerb verbunden wird.„Der spannende Moment" ist das Stichwort, unter dem der Massenaufmarsch, die sportlichen Darbietungen und die Einstellung des Publikums gleicher- maßen bild- und reportagemäßig erfaßt werden sollen. Segeltlüge über Berlin Sie verden viederüolt Segelflieger Otto Fuchs, der mit dem Segelflugzeug„Star- kenburg" der Akademischen Fliegergruppe der Technischen Hochschule Dannftadt in den letzten Wochen seine Segelslüge über der-Reich?- Hauptstadt und den Fernsegelflug Berlin— Frankfurt a. d. O. aue-t führte, hat soeben mit seinen Kameraden Berlin wieder verlassen, um zunächst andere, seit langem vorgesehene segelfliegerische Aus- gaben zu erledigen. Dazu gehört auch die Einrichtung eines Lehr- gange» für Segelfliegen mit Schleppstart durch Motorflugzeuge, wie es in Berlin wiederholt erfolgreich vorgeführt wurde. Fuchs, der seine Berliner Flüge mit' Unterstützung ds? Aeroklubs von Deutschland ausgeführt hat, äußerte sich über den Erfolg seiner Versuche sehr besriedigt. Er hat den Beweis erbracht, daß ein Segelflug über ebenem Gelände und über dem Häusermeer einer Stadt unter Ausnutzung der thermischen Aufwinde durchaus möglich und zudem, entgegen der Auffassung allzu Aengstlicher, auch durch- aus gefahrlos ist, da bei der auherordenttichen Schwebefähigkeit von Hochleiswngssegelflugzeugen(in 1999 Meter Höhe werben bei ab- soluter Windstille noch etwa 22 Kilometer zurückgelegt!) selbst im ungünstigsten Falle stet? ein« Landung außerhalb des Wcichbisdcs der Stadt vorgenommen werden kann. Fuchs wird, wie er beim Abschied zum Ausdruck brachte, im Herbst noch einmal nach Berlin kommen, um seine Versuche des Schleppstarts und des motorlosen Fluges über der Ebene und über der Stadt fortzusetzen und zu ergänzen Segelflüge aus dem Zungfraujoch. Der ausgezeichnete Frank- furter Segelflieger Günther G r o e n h o f f unternahm seinen ersten Flug aus dem Iungfraujoch. Er startete mit seinem „Fafnir", mit dem er den denkwürdigen Rekordflug nach der Tschechoslowakei ausführte, umflog den Gipfel der 4167 Meter hohen Jungfrau, um schließlich in Jnterlaken zu landen. Bei der Landung wurde der Apparat beschädigt, doch will Groenhoff seine alpinen Segelflüge demnächst wieder aufnehmen. Das Siedskaus ladet ein Die Jenaer Naturfreund« schreiben dem„Vorwärts": Unser Wanderheim Siebshaus, idyllisch in herrlichem Hochwalde in der Nähe der bekannten„Leuchtcnburg" bei Kahla an der Saale, im sogenannten Holzlande gelegen, ist uns erhallen geblieben. Unter der Thüringer Frick-Regierung bemühten sich im vorigen Jahre die Stahlhelmer um das Siebehaus und hatten es auch zugesprochen erhalten. Es kam aber der Zwiespalt in diese Gesellschaft, und unseren sofort eingesetzten Bemühungen ist es gelungen, dieses so köstlich gelegene Siebshaus für die Arbeit» nehmerschaft zu erhalten. Der zum Siebshaus gehörige Teich wird im Herbst dieses Jahres wieder hergestellt werden. Alle» Freunden eines einfachen, aber idyllisch gelegenen Wanberheimes empfehlen wir das Siebsl>aus zum Besuche. Auskunft und Zugendleiterwochenendturfe des ADGB. Das Bezirksfekretariat des ADGB. Berlin-Brandenburg-Grenzmart veranstaltet an sechs Sonntagen nacheinander in Jugendherbergen Wochenendkurse i» der Form von Arbeitsgemeinschaften zur Ausbildung von Jugcndleitern. Die regelmäßige Körperschulung der Teilnehmer liegt in den Händen eines Sportlehrers. Veranstaltungen größeren Stiles zur Heran- bildung von Hilfskräften für die Betreuung erwerbsloser Jugend- licher blldeten die Lehrgänge des Bezirksausschusses des ADGB. in der Jugendherberge in Lagow(17. bis 27. Januar 1931) und im Ferienheim des Touristenvereins„Die Naturfreunde" am liederfee bei Eberswalde(18. bis 28. Mörz 1931). XafttalhKtetn Minerva W ülcmlälln sucht für seine Männer.. Iuaent» und Echitkerrnann schaften Mitn.'icder. T!äunn jeden Krcitaci: CchUIer ISM? Ul>r. Iuaend 13 Uljr, Männer 30V4 Uhr bei 6drrBbcr, Stcimn.'ästr. 52. Sonnabend. IS. guni, Männer.Monnschaftosihunä, 19 Uhr, bei Schröder. Arbeiter-Keglerbund. Alle an der Wcrbeverinstaltuna in Bra, Idenburg Teilnehmenden treffen sich 14. 5Umi. S Uhr, Totedzmer Fernbahnhof. Vollasport Renlölln-Brih. Wcltlinderlaa-Eprrchchorprobc fUr alle Kinder: Sonnabend, 13. Juni, IS Uhr, Sonnenplati, Sonncuallee. Dienstan. IS, Auui, Abendivortseft in Brih, Treseburqer User: Kinder liZh Uhr, Enpachsene 16 Uhr. 1. uird 3. Frauenableilu»«: 18 Uhr Abmarsch Bhf. Rcutölln.— Doirnerotaq, 1«. Juni, Werbe« he nd nicht nuf dem Hcrhberäplah, sondern auf dem I n n p I o h lKaiser-Friedrich- Ecke Innstrahe). Kinder ab 18 Uhr. Erwachsen« ab 19 Uhr. Pom 15. bis 21. Juni lein Ucbunnobetrieb. Lichtenberg, 1 sucht Eeqncr mit 2. Männrrmannschast 1NM 14. Juni auf eiaenrm Vlati. Riickspiel zuaesichert. Anschrislen an Kurt Spieckcrmann oder ssreiton ab 2V Uhr unter K l> 066«. iireie Photo-veiciniguun Vcrlin. Sonnabrnd, 13. Juni, ssahri nach Straitoberq— Blume»thal. Abfahrt 13.26 b;n). 18.26 Uhr ab Schief. Bahnhok. .Solidarität". Radsahrer. Sonnlaa, 14. Juni. 2. Abt.« Siad-»nd Kra>!- fahrcr: Lirpnihsee. Siari 5 Uhr Rodde, Mcffenbachstr. 36,— 3. Abt.: Uet>- dorf— Liepnidsce. Start 5 Uhr Marianncnplah.— 6. Abt.: birabowsee. Stach 6 Uhr gelt. Kopenhaaener Str. 1U— 9. Abt.: chroh-chlienielcr See. Start 5 Uhr Triftstr. 63.— Abt. ssricbrichohai-n(aemifchtc): Llepnihsce für alle ssahrrr. Start 6 Uhr Veteroburqer?lah.— Abt. Lichtenbern: Störihscc. Start 6 Uhr bei Senkel, Ober. Ecke Tinowstrah»,— Abt. Wclhrnicc: Rabtonr Vlohsec, Start 6 Uhr Antonplah, Autofahrt nach ssürstendera, Start 3 Uhr Lrhberitr. 48— 49.— Abt, Sütulölln;' 13. Juni Spinalre bei Stortow, Start 23 Uhr, 14, Juni LoHenHinbe, Siari(i Uhr, beide bohrneallcruvlah— Abt. Oberschöncweide: körti-trufl. Start 6 Uhr Emmerich, Wilhrlmineuholitr, 64. — Abt, Treptow-Paumschnlenwea: Vöhsee. Start 6 Uhr Bhf. Baumschulen- weq.— Abt, Schöneberg: 13. Juni srinvw in der Marl, Start 18 und 20 Uhr Ebert, Eberoftr. 18.— Abt, Eharlottendura: 13. Juni Iuaendtaur Luchhittte. Start 18 Uhr. 14. Juni Srohes sse Ilster. Start 6 Uhr Bereinololal.- Ab!. Moabit: 13. Juni Birlenwerber-EIsenauelle, Italienische Rächt. Start 17 Uhr. 14. Juni Birlenwerder. Karlosfelpufferlonr. Start 6 Uhr Wiclcfstr. 17.— Abt. Reinickendorf: Mühleubecker See. Start 7 Ubr PioolnUtr. 108.— Abt. Wilmersdorf: 13. fluni Wanderfahrt nach Schwedt a. d. Oder. Start 1« Uhr.- Rennfahrer Berlin.Mitte: Bahnrennen im Slabion Grunewald. Training 8—10 Uhr.— Berfamvilunaen vom 13. bis 20. Juni. Am 16. Juni bei Galla» Weihensec, Lebder» Eck« Greifsivaldcr Strahe, 20 Uhr, 61ri>::dunä»ve?janunlun« für«ine kraftfahrerabteilunq in Weihcnsec.— 2. Abt.: 17.. 20 Uhr, Ab» teilunassihun«. Lock. Schänleinstr. 6.— Weitere Abtcilunässihnnqcn: 1. Abt.: 19. Richert, Steinmehstr. S6.i.— 3. Abt.: Förster Pereinsbous. Tochter Str. 9. — 6. Abt.: 18. kelt. kopenhaaener Str. 17.— 9. Abt.: 17. Schrlrihtr, Tchs> strafte 63.— Friedrichshain iaenrifchte): 19. forn. Forndocher Str. 8.— 9!ni» lölln: 18. kaifer.Friedrich.Ctr. 171—172.— Lichtenbera: 16. Kenlel. Oder» strafte 18.— Moabit: 18. Cchmibt, Wiclcfstr. 17.— Wilmersboch: 17. Lau, Lilbcaarbstr. 14.— Charlottenbura: 18. Reimer, Wilmersdorlcr Sir. 21.- Scktäncbera: 17. Ebert, Ebersitr. 18.— Slenlift-Lichterfelde: 17. Schul.'. Birk» buschstr. 90.— Weiftensce: 19. Raael, Pistoeiusslr. 27.— Reinickendorf: 17. Remnann, Pantow. Provin'str. 108.— Oberschöneweide: 19. Emmerich. Wilhelminenhofstr. 64.— Kaulsdorf: Escherich. Alt-Kaulodorf. Ecke Torfstraftc. — Mahlsdorf: 16. Anders, Bahnhafstr. 37.— Rennfahrer V«rlin»Mitte: 19. VräU'Onellc, Sendelstr. 2l.— Alle Siftnnaen beainnen um 20 Uhr. Gäste will- lamme».— Alle Iuaendlichen rüsten ,»r Sonnenwendfeiee der Robfahrer. Iuacnd am 20. Juni in Berleivbrück bei Fürftenwalde. Veainn 21 Uhr. .Äem dicksier und mein langsier Freund tragen jetzt ebenfalls die elegante und gediegene Fertigkieldung von Leineweber. Sie waren ungeheuer überrascht, als sie für ihre wirklich schwierige Figur bei uns sofort wundervoll passende Anzüge fast„wie nach Maß" fanden. Seitdem schwören sie auf Leineweber und bleiben ganz gewiß schon deshalb mein längster u.mcin dickster Freund Herren- Anzüge ftu, Cheviot sowie reinwolL Kammgarnstoffen m. neuen ausdrucksvollen Streifen A"T M. 56- S2r- T1/" Herren- Anzüge Kammgarn-u.CheviotUoffe neuester Wahl, ausgezeichnete Verarbeitg. n. Paßform JT M. 86.- 75, DJ* Blaue Anzüge aus reinwollen. Kammgarn, bewahrte Stammqualitäten i.allerbcstcrSchneiderarbcit M. 110.- 86.. JO* Herren- Anzüge Hochwertige rheinländisdie Kammgarnstoffe in aehr vornehmen Farbstellungen Q*7 125.- no- y/• 5oinow?b?r Samter hat gehört... Eine äußerst empfindliche Seele. Gestern fand vor der 7. Strafkammer des Land- gcri chts I in«inein seit längerer Zeit schrvebenden Beleidigungs- prozeß des kommunistischen Rechtsanwalts Dr. S a m t e r gegen den Vorsitzenden des Deutschen Freidenker-Verbande? Genossen S i e v e r s Termin statt. Die Vorgeschichte dieses Prozesses ist lang. Ms vor einigen Vahren der Deutsche Freidenker-Verband die kommu- nistischen Spalter aus seinen Reihen entfernte, erregte er damit die Wut der Betroffenen. Mit allen Mitteln ver- jsuchten sie, die Führer des Verbandes und vor allem den Genossen Sivers unmöglich zu machen, und hierbei tat sich Rechtsanwalt Dr. .Samter besonders hervor. Wiederholt hatte Sicosrs Verleumder gerichtlich belangt. Entweder sind sie bestrast worden, oder sie chatten reumütige Ehrenerklärungen abgegeben. Die chetze ging jedoch weiter. Da wurde gesagt, die Verwaltung des Werbandes fei bestechlich, wobei man mit Fleiß das Wort„Ver- avaltung" wählte und keinen Namen nannte. Da munkelte mau von Unterschlagungen, selbstverständlich ohne Beweise zu haben, und aus der Tatsache, daß ein ungetreuer Angestellter sofort entlassen aind auf eine Anzeige des Verbandes hin gerichtlich bestraft worden war, machte man eine riesengroße, zum Himmel stinkende Kor- ruption. Dies und ähnliches stand in den Zeitungen. Herr Samter arbeitete auch in-der heutigen Verhandlung mit seinem schon be- Zäunten Wendungen: Es hat mir jemand gesagt. Ich habe gehört, usf. Endlich riß dem Genossen Sievers die Geduld. Als im Ver- Zause eines Prozesses Dr. Samter wiederum mit einer vagen, aus der Luft gegriffenen, verschwommen gehaltenen Beschuldigung her- auskam, rief er ihm im Gerichtssoal zu: Das ist Ihre berufsmäßige Unehrlichkeit! Herr Samter fühlte sich beleidigt und klagte. In der ersten Instanz hat Genosse Sievers dargelegt, daß ihm leine Herabsetzung des Anwaltstandss vollkommen fern gelegen habe. Er habe sagen wollen, daß Dr. Samter den Respekt vor der Ap- waltsrobe mißbrauche und seine Stellung vor Gericht zu politischen Zwecken ausnutze. Das Gericht erkannte damals gegen Sievers unter Zubilligung weitgehender Milderungsgründe auf 100 Mark Geldstrafe. Beide Parteien legten Berufung ein, Genosse Sievers gegen die Straf« überhaupt, Dr. Samter gegen das Strafmaß. Auch dies- mal blieb Genosse Sieoers bei seiner Darstellung. Seit Jahren hätten die Kommuni st en versucht, ihn in seiner Ehre herabzusetzen, und bevor die inkriminierte Aeußerung gefallen sei, habe er gesagt: Mit solchen Verleumdungen müsse man sich herumschlagen. Samter habe darauf geantwortet:„Und Sie werden doch hereinfallen!" Dies habe ihn zu dem Ruf von der be- rufsmäßigen Unehrlichkeit Samters veranlaßt. In verworrenen, fahrigen Darlegungen versuchte gestern der Kommunist Dr. Samter sein Verhalten zu rechtsertigen und Sievers ins Unrecht zu setzen. Als seine Erzählungen ins Uferlose zu gehen drohten, stellte ihn der Vertreter des Angeklagten, Rechtsanwalt Genosse Otto Landsberg, vor die klare Frage, ob ihm von seinem Gewährsmann zu Ohren gekommen sei, daß Genosse Sievers bestechlich wäre. Dr. Samter zögerte. Dann sagte er: Nein. Landsbcrg erklärte: Dos genügt mir. Da der Vertreter des Dr. Samter die Ladung mehrerer Zeugen beantragte und das Gericht dem stattgab, wurde die Verhandlung auf unbestimmte Zeit vertagt. Zugzusammenstoß auf privatbahn. ilö Personen verletzt. Altona, 12. Juni. Auf der Altona-Kaltenkirchener Eisenbahn er- folgte heute nachmittag um 3.10 Uhr zwischen Tanneneck und Ulz- bürg der Z u s a m m e n st o ß eines Triebwagenzugcs mit einem Güterzug, wobei 16 F a h r g ä st e des Triebwagenzuges verletzt wurden. Beide Zugführer erlitten ebenfalls Verletzungen, jedoch besteht bei keinem der Verletzten Lebensgefahr! sie sind nach An- legung von Notverbänden in die Krankenhäuser Kaltenkirchen und Altona sowie auf Wunsch in ihre Wohnungen befördert worden. Der Zusammenstoß ist darauf zurückzuführen, daß das Personal des Triebwagenzuges auf der Kreuzungsstation Tanneneck, ohne das Eintreffen des Gegenzuges abzuwarten, abgefahren ist. „G Z8's" Flug nach London.„G 38", das viermotorige Riesenflugzeug von Junkers, ist am Donnerstag früh nach London gestartet, wo es gegen 11 Uhr vormittags landete. Kurze Zeit darauf flog die Maschine nach Amsterdam. Wetter für Verlin: Zunehmende Bewölkung, später Gewitter- regen mit Abkühlung.— Für Deutschland: Im Osten teils heiter, teils wolkig und in Ostpreußen auch etwas wärmer. In West- und Süddeutschland, später auch in Mitteldeutschland oielsach Gewitter- regen mit sinkenden Temperaturen. Rückschau. Uebertragung aus London im späten Abendprogramm der Funkstunde. Im Coventgarden-Theater. wird Verdis „R i g o l e t t o" in italienischer Sprache gesungen. Die Aufführung, der jubelnde Beifall des englischen Publikums mitten im Akt klingen nah, als kämen sie aus einem Berliner Opernhaus. Solche natürlich gewachsene Paneuropa-Kundgebung wäre beglückend gewesen, selbst wenn sie künstlerisch weniger befriedigt hätte als diese Uebertragung. Mit der Tanzmusik zu früher Abendstunde kam wieder einmal die große Zahl jener Tanzlustigen auf ihre Rechnung, die durch Be- russarbeit oder Rücksichtnahme auf die Nachbarschaft daran ver» hindert sind, sich zu der üblichen Mitternachts-Tanzmusik des Rund- funks zu vergnügen. Allerdings ist es ein programmtechnischer Mangel, wenn der Tanzabend so gelegt wird, daß den Empfängern des Berliner und des Königswusterhausener Senders nur die Wahl offensteht zwischen der Tanzmusik und Vorträgen für fortgeschrittene Schüler der englischen Sprache und für Landwirte. Arbeitsgerichtsdirektor Dr. H. Kaufmann sprach im Pro- gramm der Deutschen Welle unter dem Titel:„Treiben Sie Rechtshygiene?" Gerade für den großen und besonders viel- seitig zusammengesetzten Hörerkreis der Deutschen Welle waren diese grundsätzlichen Darlegungen sehr wichtig, die alle Rechtskundigen und ihr Publikum ermahnen wollten, ihre Einstellung zur Rechts- Wissenschaft ebenso zu reformieren, wie sie hoffentlich ihre Ein- stellung zur Medizin schon reformiert haben, also nicht erst schweren Krankheiten mit den letzten Mitteln zu Leibe zu rücken, sondern vorzubeugen, ehe es so gefährlich geworden ist. Die gerichtliche Aus- einandersetzung sollte erst dann von den Parteien und ihren Be- ratern in Erwägung gezogen werden, wenn alle Versuche, den Streit auf dem Wege vernünftiger Verhandlungen beizulegen, fehlgeschlagen sind. Der Vortragende forderte, daß viel stärker, als es heute häufig noch der Fall ist, dem jungen Rechtsstudenten der Weg der gütlichen Verhandlungen als der beste Rechtsweg gezeigt und das Problem, wie sich aus einem Streitfall eine Klage aufbauen läßt, dafür etwas zurückgestellt wird. Tee. Freitag, 12. Juni. Berlin. 16.05 Hans Schiff und Kapitän Horn: Wassersport— Massensport— Disziplin. 16.30 Unterhaltungsmusik. 17.45 Weiße, rote, braune, schwarze Menschen.(Dr. Otto Neurath.) 18.05 Das neue Buch. Stampfer: Grundbegriffe der Politik(J. H. W. Dietz Nachf.v Berlin). Am Mikrophon: Dr. Wolfer. 18.15 Erwin Zimmermann: Hinaus ins Grüne für 25 Pfennige. 18.40 Ludwig Fulda liest Heiteres aus eigenen Dichtungen. 19.05 Joh. Strauß: 1. Ouv.„Juventus academica", op. 73. 2. Konzert für Klavier und Orchester, op. 72. Dir.: Prof. Dr. Paul Gracner. Berliner Funkorchester. 19.40 Mitteilungen des Arbeitsamts. 19.45 Dr. Josef Räuscher: Politische Zeitungsschau. 21.00 Wegweiser ins Wochenende. 21.05 Tages- und Sportnachrichten. 21.15 Von der Arbeit. 22.15 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Anschließend: Abendunterhaltung. Königswusterhausen. 16.00 Dr. Hans Fischer: Musik und Heimatkunde. 16.30 Leipzig: Konzert. 17.30 Karl Schettler: Das Stadtschicksal Berlins. 18.00 Landesrat Dr. Brunn; 40 Jahre deutsche Invalidenversicherung. 18.30 Min.-Rat Prof. Dr. Windelband: Erinnerungen des Fürsten Bülow, 18.55 Wetter für die Landwirtschaft. 19.00 Wissenschaftlicher Vortrag für Zahnärzte. 19.30 Gespräche mit Jugendlichen. 19.55 Wettet für die Landwirtschaft. 20.00 Breslau: Eine Dichtung für Musik. ßefcbäft#'Jln�äger föezirfo Jlo«den~€fien «MEishram In SchoHolane achtet auf die aufgedrucfiteii Preise!— meist Nachahmungen zurßchl ßeseiisciian(Ur Eiscreme-FaDrikaiion ni.v.n.. nui 87, siemenssiraoe 12, nnoaDit 5761 Kalter Kuß Konkurrenzlos! RoIlfilm-KlappKamera, 6X9, Lederbezug mit Aplanat 1:8 in Vario nur 20.00; dito mit Anastigmat 6,3 nur 27.50; 9X12 Kamera. Triebeinstellung, Rahmensucher mit Anastigmat 6,3 in Vario nur 33.00; dito mit Anast. 4,5 nur 44.00; Metallmessingstativ, 4-teiIig, nur 5 60; dito, 5-teilig, nur 7.20; Metallkassette 9X12 0.65; Filmpaokkassette 9X12 nur 2.40; I Rollfilm6X9 nur0.75; Filmpack 6X9 nur2 10,9X12 nur Z.lo; I Dizd. Extra-Lpeziai-Rlatten 9X12 nur 1.60; I Dtzd. Bromsilber ortholicht Platten 9x12 nur 1.80; 10 la Postkarten nur 0 40 Verlang. Sie unsere Liste V koste nl, Barlin 89. M FoMO-llQilBlftS N.8 65," Chausi�estrais« Fleisch Wurst Willy MieShina Friedrichshagen, Friedrichstr. 97 billig gut Weddingplatz, Müllerstraße 1 74 Prenzlauer Allee 204 r Deckt euren Bedarf in Eisenwaren, Werkzeugen, Haus- u. Küchengeräten bei Erast Wiese Frankfurter All« 16 Vom Zenlralfirtedhol treffen sich Genossen in Steinpel- "(X. Hecht inh,; Alfred Schneller Berlin S 14, Annenstr. 10 Fernruf F 7 J a n n owl tzSÖl 8 Ii efert Stempel jeder Art J. Andermann Ges. m. b. H. K 34, Menilir Strafe 50, Fcrnspr. Kfeigstadt 3200/91 Eiergroßhandel Import Groß- Destillation Prenzlauer Allee 17S und Kolonie Jangfcrshöhe» Ostsees träfe c BOtzov-Biere- Püsener Urauell Familienaufenthalt Vereinszimmer noch frei. r » Bosenmaier Str. 11-12 3SäIe,6Vereinsziinnier zu Versammlungen und Festlichkeiten A.£äckemäcker Optisches JnstHul II 58, Schönhauser Jlllee 136 XicferatU für tSmll. 3lran henkasgen § Farben-lacke Tapeten- Linoleum Spezialhaus an datall engros Wilh. Beischlag 115 Lychener Str. nur 115, 04. Humboldt 6028 Fenster- und Gehdude Reinlgungs Gesellschan m.b.H. Berlin S036,Schle8ischeStr.42 Fernruf: F8, Oberbaum 3553-54 Billigste und zuverlässigste Ausführung aller Reinigungsarbeiten/ Bohner- und Oelmaschinen/ Staubsauger/ Vertreterbesuch Jederzeit unverbindlich Icsnenicker Ratskeller SchloBstraBe 4 1 Billigesehr guieKüoie, gepflegte Getränke J Zimmer tflr Getellschaften and Vereine Sonnabends u. Sonntags Kanstierkonzert Vereinige Tifdtlermeitter G. m. b. H. Bau- und ftöbcUisdilerel Köpenick, Glienicker Strafee 19 * BANDAGIST Lieferant sämtlicher Krankenkassen sowie städtischer und staatlicher Behörden LANGE Gebr. Löfller Berlin Ol 7, Ostbahnhof[224 Kartoffelgroßhandlung kaufen und verkaufen alle Sorten Speisekartoffeln waggonweise Auto- Reparaturen sowie Reparaturen an Maschinen aller Art. Anfertigung von Ersatzteilen. M. Hecker, Bln.-Friedrichsliageii TeL: F4, 60U. Sföuipeifabrih Werner& Schade Berlin N, Kastanienallee-43 Fernsprechanschluß Humboldt 1011-101. liefert KautsiM- ond Metallstempel prompt QERMANIA-PRACHTSXLE CARL RICHTER Berlin N 4, Chausseestr. 110:i Norden 473 u.6080 Säle für Festlichkeiten, Kongresse usw. bis 1200 Personen fassend zu den günstigsten Bedingnngen|R-I26 Gute Küche:i Gepflegte Blare:s Solide Preise HUZI Horsnann loron* I(3ROSSDEST I LL ATI O N SflT« eSS™ Prinzessinnanstpasse 17 Branoenburgslr. Bevor Sie PMobCfi kaufen besichtigen Sie Zahlungserleichterung meine Ausstellung ohne Aufschlag, bei Kassa 5% [R. 219 JULIUS KIWI Tischlermeister Berlin N. Chausseestr. 60