Morgenausgabe Jlr. 271 A 137 4S. Jahrgang Wöchentlich SVPf� monatlich 3.60 M. im voraus zahlbar, Postbezug 4,32 M. einschließlich 60 Pf. Postzeitungs« und 72 Pf. Postbestellgebühren. Auslands» abonnement 6,— M. pro Monat; für Länder mit ermäßigtem Drucksachen- porto b,— M. * Der �vorwärts* erscheint wochentäg- lich zweimal. Sonntags und Montags einmal, die Abendausgabe für Berlin und im Handel mit dem Titel.Der Abend". Illustrierte Beilage.Volk und Zeit". Ferner.Frauenstimme". �Technik",„Blick in die Bücherwelt". .Jugend«Lo?wärt»"u.»Stadtbeilage" Berliner Voltsblati Sonnabend 15. Zuni 1931 Groß-Äerlin 10 Pf. Auswärts 15 pf. Die eins palt Nonpareillezelle 80 Pf. Netlamezeile 5,— RM.„Kleine An- zeigen" das fettgedruckte Wort 23 Pf. Zulässig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 12 Pf. Rabatt lt. Tarif. Stellengesuche das erste Wort IS Pf„ jede» weitere Wort 10 Pf. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Zeile 60 Pf. Familien» anzeigen Zeile 40 Pf. 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Ihre Durchführung würde eine unerträgliche Verschlechterung der Lebenshaltung des werktätigen Volkes zur Folge haben. Die sozioldemokralische Reichstagssraktion war und ist bereit, zur Sicherung der sozialen Einrichtungen und zur lleberwindung der Wirtschaftskrise an der Sanierung der öfsent- lichen Finanzen mitzuwirken. Die neue Notverordnung hat aber durch ihre krasse Einseitigkeil, die die unteren Volksschichten auf das schwerste belastet, die größte Erregung ausgelöst. Diese Erregung ist um so berechtigter, weil die Notverordnung Eingriffe enthält, die sozial nicht gerecht, unzweckmäßig und nuhlos sind, dabei aber ungeheuer verbitternd wirken. Die sozialdemokratische Reichs- togsfraktion verlangt deshalb eine Aenderung der Notverordnung, die den berechtigten Forderungen der breiten Massen des Volkes entspricht. Die Fraktion Hot davon Kenntnis genommen, daß der Frak- tionsoorstand Verhandlungen mit der Reichsrcgierung aufgenommen hat. um eine durchgreifende Abänderung der Notverordnung zu erreichen. Sie wird die Entscheidung über ihre wetteren Schrille von dem Ergebnis dieser Verhandlungen abhängig machen. Des- halb vertagt sich die Fraktion aus Dienstag, vormittags 3 Uhr. In der neuen Sitzung wird sie sich entscheiden, ob sie eine Einberufung des Reichstags verlangen soll/. Ueber die Bedeutung dieses Beschlusses unterrichtet der nebenstehende Leitaufsatz. Die Parteibürokratie der Deutschen Volkspartei die als Reichsausschuß der Volkspartei firmiert, nahm am Freitag ein Referat des Herrn Dingeldey über die poli- tische Lage entgegen. In dem offiziellen Bericht über die Tagung heißt es, daß dieses Referat„mit st ü r m i s ch e m Beifall" aufgenommen wurde. Was Herr Dingeldey ge- redet hat, wird nicht mitgeteilt. Auch erfährt man aus dem Bericht nichts über die ferneren Absichten der Volkspartei. Man vernimmt aus ihm lediglich, daß die Parteibürokratie Herrn Dingeldey ihr„volles Vertrauen" ausgesproche» und sich„in Geschlossenheit" hinter ihn gestellt hat. Dieses Ergeb- nis stand, fest, noch bevor der Reichsausschuß zusammen- getreten war. Auf Grund seiner Zusammensetzung konnte es gar nicht anders sein. Die Hugenbergische„Telunion" erhält aus führenden Kreisen der Volkspartei eine ziemlich kleinlaute Erklärung, in der über„irreführende Kommentare" geklagt wird. Der Beschluß auf Reichstagseinberufung habe in Wirklichkeit d�- Sinn gehabt, die Autorität des Reichskanzlers, die nicht nur durch die Notverordnung, sondern auch durch das Versagen einzelner Persönlichkeiten des Kabinetts ge- litten habe, wiederherzustellen und ihr dasjenige Maß an Stärke zu geben, ohne das das bis zum Erlaß der Notverordnung dem Kabinett entgegengebrachte Ver- trauen weitester Kreise unwiederbringlich verlorengehen müsse. Die bevorstehenden Aufgaben der inneren Gesundung, besonders der nunmehr aufgerollten Tributrevision, seien so schwierig, daß sie mit Aussicht auf Erfolg nur dann durchgeführt werden könnten, wenn der Glaube an den un- beugsamen Willen der Regierung, auf dem von ihr bisher als richtig erkannten Wege fortzuschreiten, immer weitere Kreise erfasse. Daß die De utscheVolks parte! irgendwelcher Katastrophenpolitik Vor- schub leisten könnte, sei e>n völlig ab s u r d e r Gedanko. Rur Besonnenheit könne uns vorwärtsbringen. Zur Besonnenheit gehöre aber in einer so gefahrvollen Lage wie heute auch der Wille, von dem als richtig erkannten Wege sich durch keinerlei Einflüsse abbringen zu lassen. Eine Regierung, die danach handle, könne der vollen Unterstützung der Deutschen Volkspartei gewiß sein. Stilistisch ist diese Erklärung ein Meisterstück unfreiwilli- en Humors. Politisch hat sie nur einen Sinn, wenn sie den �ückzug vorbereiten soll. Eingreifen der Reichsbank. Oer Zentralausschuß einberufen. Der Zentralausschuß der Reichsbonk ist für heute nach- mittag 5 Uhr zu einer Sitzung einberuscn worden. Diese Einberufung des Zentralousfchusses der Reichsbonk läßt sehr ernste Entscheidungen erwarten. Die Kündigungen ausländischer Kredite haben in den letzten Tagen nicht ab- sondern zugenommen. Die Reichsbonk hat noch unserer Kenntnis seit dem 1. Juni mindestens Milliarden Mark abgeben müssen, die zum Teil durch Goldoerkäufe beschafft worden sind und die notwendig waren, um den Devisenbedarf der deutschen Banken zu befriedigen. Es ist ofsenbar so, daß dos Aus- land, besonders Amerika, dos srüher fast unbegrenzte Ver- trauen in Deutschland immer mehr verloren hat, wozu dos unver- antwortliche Vabanque spiel rechtsstehender Regie- rungsparteien und die durch die Notverordnung ausgelöste politische Unruhe in Deutschland zweifellos erheblich beigetragen haben. Wahrscheinlich hat die Aufrollung der Reparations- frage in Zusammenhang mit den Reden von Leuten vom Schlage Schachts die Mißtrauenslawine Amerikas ins Rollen gebracht, was sich aus der Entwicklung der Kurse deutscher Dollar- anleihen ziemlich deutlich ablesen läßt. Jedenfalls steht die R« i chs b a n k, die die 40prozentige Deckung des Notenumlaufes durch Gold und Devisen unter keinen Umständen unterschreiten lassen darf, durch die fortdauernden Devisenverluste jetzt vor dem unabweisbaren Zwang, sehr ernste Maß- nahmen zur Verteidigung ihrer Notendeckung zu treffen. Die Mittel zur Notendcckung liegen j e tz t n o ch recht erheblich über der untersten �gprozentigen Grenze.. Die Reichsbonk muß ober der Gefahr vorbeugen, daß diese Grenze erreicht wird. Die Reichs- dank wird dieses Ziel kaum mit einer Diskonterhöhung erreichen. die im ollgemeinen dazu dient, Auslandsdevisen wieder ins Land zu ziehen und die Devisenreserven der Reichsbant zu verstärken. Dem steht das Mißtrauen des Auslandes entgegen. So wird der Reichsbank nichts anderes übrig bleiben, als eine K r e d i t r e st r i k- t i o n, d. h. eine Einschränkung derjenigen Kredite, die die Reichs- dank bisher ihrer Kundschast, das heißt in erster Linie den Banken, in Mark zur Verfügung zu stellen bereit war. Auf diesem Wege werden den Banken die Möglichkeiten genommen, durch Jnonspruch- nähme von Reichsbankkredit Devisen von der Reichsbank gegen Reichsmark zu oerlangen, und die Großbanken werden zugleich ge- zwungcn, in stärkerem Maße als bisher ihre eigenen Devisenjordc- rungen im Ausland zu kündigen und den Gegenwert in Devisen nach Deutschland zu bringen. Diese Maßnahmen der Reichsbank dienen der Verteidigung der Notcndeckung und sind eine absolut sichere Garao.tie ge- gen jegliche Erschütterung der Währung. Gerade weil aber die Gefahr einer Währungscrschutterung durch das Mittel einer Krediteinschränkung niit absoluter Sicherheit ausgeschlossen wird, ist die Kreditrestriktion als solche um so gefährlicher für das Wirtschaftsleben. In dieser Gefahr für ds Wirtschastsleben ist denn auch der außerordentliche Ernst der gegenwärtigen Situation be- gründet. Und der Ernst der wirtschaftlichen Situation wird ver- stärkt durch die Gefahren, die sich aus den gegenwärtigen p o- litischen Schwierigkeiten im Reiche ergeben. Deshalb ruht auf allen, die heute und in den allernächsten Tagen politische Entscheidungen zu treffen haben, eine ungeheure Derant- w o r t u n g. Die Maßnahmen, die die Reichsbank wahrscheinlich heute treffen wird, sind Abwehr- und Heilmoßnohmen. Diese Maßnohmen werden ober mit größter Wahrscheinlichkeit kaum zu dem notwendigen Er- folge führen, wenn nicht gleichzeitig auf politischem Gebiet der von rechts her geförderten Katastrophenpolitik ein Riegel vorgeschoben, und wenn nicht baldigst eine solche Verständi- gung über die finanzielle und soziale Umgestaltung der Rotverord- nung gesunden wird, so daß in kurzer Frist das Mißtrauen im Aus- lande verringert und beseitigt werden kann. An der Grenze. Oie Verhandlungen über die Nowerordnung. Von Ruckolt Breitscheid. Die Entschließung, in der die sozialdemokratische Reichs- togsfraktion ihre Beratungen am Freitag ausklingen ließ, ergab sich zwangsläufig aus der politischen Situation. Seit Donnerstag abend stehen die Vertreter der Fraktion mit dem Reichskanzler in Verhandlungen über die Möglichkeit der Ab- änderung wesentlicher Bestimmungen der Notverordnung. Es ließ sich�im Freitag, und es läßt sich heute noch nicht über- sehen, ob die Verhandlungen zu einem günstigen Ergebnis führen werden. Man kann in dieser Beziehung sogar außer- ordentlich skeptisch sein. Aber nachdem sie einmal aufgenom- men waren, konnten sie nicht durch den Beschluß, einer Ein- berufung des Reichstag zuzustimmen, unterbrochen werden. Die Gegner rechts und links werden es der Sozialdemo- kratie zum Vorwurf machen, daß sie nicht ohne weiteres die Aufhebung der Verordnung verlangt habe, der Rotverord- nung, deren Grundcharakter sie doch scharf verurteilt und deren Bestimmungen sie fast ohne Ausnahme für unheilvoll erklärt. Aber die Fraktion hatte sich die Frage vorzulegen, was eine solche Aufhebung im gegenwärtigen oder auch in einem spä- teren Zeitpunkt bedeutet. Sie hätte sicher nicht die Folge, daß nach dem unvermeidlichen Sturz des Kabinetts Brüning ein anderes kommen würde, das das Gesamtdefizit von 2,4 Milliarden in einer für die Arbeiterklasse erträglicheren Weise zu decken suchte. Gewiß trüge die Sozialdemokratie dann nicht mehr die unmittelbare Mitverantwortung für die Lasten, die dem Volke auferlegt werden, und diese Erwägung kann sehr wohl in den nächsten Tagen zu einer Veränderung der bis- herigen Taktik fuhren. Aber die Lasten selbst wür- dem auf diese Weise nicht verringert werden, und solange also auch nur eine entfernte Aussicht besteht, das, was uns jetzt zugemutet wird, auf dem Wege von VerHand- lungen in unserem Sinne zu beeinflussen und zu verändern, dürfen wir diesen Weg nicht verlassen. Erst wenn sich heraus- stellt, daß alle Bemühungen vergeblich sind, oder daß die Härten, die beseitigt werden können, gegenüber denen, die noch bleiben, nicht ins Gewicht fallen, ist der Augenblick ge- kommen, über das Abweichen von der Linie, die wir seit dem September vorigen Jahres innegehalten haben, zu diskutieren und zu beschließen. Die Sozialdemokratie lehnt es ab, in der K r i s e n m ach e re i mit der Deutschen Volks- Partei in Konkurrenz zu traten. Die Frivolität dieser Gruppe, deren politische Anmaßung im umgekehrten Verhältnis zu ihrer politischen und parlamentarischen Bedeu- tung steht, hat keine Grenzen. Sie hat die Einberufung des . Reichstags nicht etwa gefordert, weil sie ernsthafter- und ehr- licherweise die Notverordnung als unerträglich für sich und ihre kapitalistischen Anhänger erachtet. Sie will den Konflikt, weil sie glaubt, daß aus ihm eine Situation ent- stehen werde, in der sich das industrielle Großkapital zum un- beschränkten Herrscher über die deutschen Geschicke aufschwin- gen könne. Daß sie sich über diese Möglichkeiten und beson- ders über die Dauer einer solchen kapitalistischen Diktatur schweren Täuschungen hingibt, ist eine Sache für sich. Aber um eines vermuteten Augenblickserfolgs willen setzt die Deutsche Volkspartei, die sich doch so gern als die eigentliche Vertreterin der Interessen der Wirtschsfi aufspielt, gerade diese Wirtschast aufs Spiel.?5ie kennt genau so gut wie wir oder noch besser die Lage am Geldmarkt. Sie weiß, wieviel ungezählte Millionen die Reichsbank in den letzten Tagen hat abgeben müssen. Sie macht sich nicht das geringste Gewissen daraus, die herrschende Panik noch zu steigern, und sie geht auch leichten Herzens darüber hinweg, daß eine Rechts- regierung, der sie die Bahn bereitet, die Aussichten auf eine Revision des Doung-Planes, auf eine Erleichterung unserer ausländischen Zahlungsverpflichtungen vollständig versperren würde. Niemand wird erwarten, daß die Sozialdemokratie dieses verbrecherische Hasardspiel mitspielen werde. Vielleicht werden die„Staatsmänner" um Herrn Dingel- dey sich., bis Montag oder Dienstag eines anderen besinnen. Man hört ja, daß der Reichsbankpräsident Luther und der Reichsaußenminister C u r t i u s, die beide an ihren Partei- freunden ebensoviel Freude erleben wie seinerzeit Gustav Stresemann, bei den Verstockten und Verbohrten alle Hebel an- setzen, um ihnen die Unvernunft ihres Handelns gerade vom kapitalistischen Standpunkt aus klar zu machen. Vielleicht wird sich die knappe Mehrheit vom Donnerstag bis zu der Stunde, in der im Aeltestenrat die Entscheidung fällt, in eine Minderheit verwandelt haben. Aber das kann natürlich nichts Mhcherren gegen Kohlenpreisfenkung. Oer Reichsfinauzminister Dietrich der Ltnwahrhastigkeii bezichtigt. Die Notverordnung sieht vor. daß der Steintohlenindustrie, und zwar sowohl den Unternehmern wie den Arbeitern die Zahlung der Beiträge zur Arbeitslosenversicherung erlassen werden kana Reichsfinanzminister Dietrich hat erklärt, und in der Notoerordnung ist der Erlaß der Beiträge auch an eine solche Be» dingung geknüpft, daß die Senkung der Kohlenpreise mit dieser Maß- nähme erreicht werden soll. In einer Zechenbesitzerver» s a m m l u n g des Rheinisch-Westfälischen Kohlensyndikats wurde nun die Auffassung und die Erklärung des Reichssinanzministers voll» ständig desavouiert. Das Ruhrtohlensyndikat übergibt der Presse folgende Mitteilung: „Nach Presseauslassüngen habe der Reichsfinanzminister Dr. Dietrich in einer Sitzung der Staatspartei eine Mitteilung ge- macht, wonach mit den Vertretern des Bergbaus über ein« Preisermäßigung von einer Mark je Tonne ver» handelt werde. Wenn der Minister diese Aeußerung tatsächlich getan haben sollte, so entspreche sie nicht den Tatsachen. Es sei richtig, daß vor Erlaß der Notoerordnung dem Bergbau von der Regierung mitgeteilt worden sei. was die Notverordnung bringen werde, und daß damals erörtert worden sei, welche.Er- sparniss« und eventuell welche Preissenkungen sich hieraus er- geben können. Der Bergbau habe aber damals zum Ausdruck gebracht und auch begründet, daß und warum er diesen Plan f ü r o e r f e h l t halte. Deshalb könne von Verhandlungen über Preissenkung nicht die Rede sein, und der Bergbau könne seine Hand zu solchen Plänen nicht bieten." Die Ruhrherren können und werden ihre Hand also zu Plänen, wie sie die Notverordnung vorsieht und Herr Dietrich sie will, nicht reichen. Werden die Ruhrherren auf den Erlaß der Beiträge zur Arbeitslosenversicherung verzichten? Werden die Ruhrherren die Löhne der Bergarbeiter, wie es die Notverordnung evenwell vorsieht, deshalb nicht um die Versicherungsbeiträge kürzen, weil sie gegen eine Preissenkung sind? Oder werden sie, was ihnen ähnlich sähe, beides ein st ecken wollen und jede Preissenkung gleich- zeitig ablehnen? Im übrigen wird sich auch Herr Reichsfinanz» minister Dietrich zu äußern haben. Kapitalismus macht zweimal Mehrwert Wirffchastssituation reif für Planwirtschaft. Die Wochenschrist.Die deutsch« Republik" schreibt zu der Wirtschafts» und Staatskris«, in der sich Deutschland zur Zeit befindet: Es ist noch nicht lange her, daß ein.fortschrittlicher Kapitalismus in Deutschland sich mit der Einschränkung seiner Herrschast und seiner Prositrate durch die Erfüllungspolitik nach außen und die Sozialpolitik nach innen im eigenen Interesse— also mit Risikoprämien— abgefunden zu haben schien. Da« war die Aera Strosemanns und der Großen Koalition. Sie kam nicht ohne Absplitterung eines srondierenden Flügels der Großwirtschaft— vor allem in den agrarischen Kreisen Ostelbiens aber auch in der westdeutschen Großindustrie— zustande. Di« Wirtschaftskrise hat auch die.vernünftigen" Wirtschasts- führer nervös und wild gemacht und in das Lager der Frondeure getrieben. Im Faschismus bot sich das politisch« Au»- kunftsmittel, von den sozialen Forderungen der Demokratie los» zukommen. Als die Sozialrevolte des proletarifierten Mittelstandes statt den marxistischen Parteien der.nationalen" Opposition m Gestalt der Hitlerbewegung zugute kam. und dl« Bildung eine» falsche« Bewußtsein» großer Btassea geglückt war. tonnte man den Versuch machen, mehr oder minder freiwillig übernommen« Bindungen des deutschen Kapitalismus zu be- fei ti gen. Ein Vorstoß in drei Richtungen: gegen das Niveau der Löhn« und Gehälter, gegen die sozialen Leistungen und gegen die Reparationslast. Es paßt zwar nicht zur Theorie des kapito- , Wischen Systems, aber um so bester in das Gewinnstreben seiner Nutznießer, daß diese Propaganda der Negierung staatlicher Ein- griff« in die Freiheit der Privatwirtschaft durch eine ganz gegen» sätzliche positive Aktion.ergänzt" wurde: durch das starre Fest- halten an den selbstgeschaffenen Bindungen(Kartell« und Preis» absprachen) und das Bestreben, jedes Risiko von der privaten Initiative auf den Staat und die Gesellschaft(Zölle, Subventionen, Ausfallgarantien) abzuwälzen. Wir haben längst den Zustand, indem die Privatwirtschaft zwar ihr« Gewinn« selbst behalten und sogar der Besteuerung ent» ziehen will(Kopitalflucht), ihre Verluste aber— als ob das«ine Selbstverständlichkeit wäre— auf den Staat, d. h. aus die Mäste der.kleinen Leute" abbürdet. Wir sind jetzt sogar in der Lage, daß diese„Neinen Leute" mit einem außerordentlichen Opfer(Krisen- steuer) den Betrieb einer Wirtschast durch Subvention»- kapital ermöglichen sollen, die ihr eigenes Kapital in die Schweiz gebracht hat. Zu deutsch: Man versteht es, sich den Mehrwert— aus dem Umweg üb« den Staat— zweimal erstatten zu lassen. Dies« Situation schreit geradezu nach Sozioltfierung. Sowohl die.fuboeilt ionsbedürftige" Schwerindustrie— Kohle, Eisen und Stahl— wie die unrentable Großlandwirtschaft sind mehr als reif, sozialisiert und dann freilich auch umorganisiert zu werden. Die Theorie, daß Hebernahme der Produktionsmittel in Krisenzeiten wirtschaftlich zum Verhängnis führen müsse, ist wider- fegt durch die Tatsache, daß die Allgemeinheit längst die Kosten für die Krise des kapitalistischen Systems in Form von Ar- beitslosenunterftützung, Subventionen und Zöllen trägt. Es wäre nur gerecht, daß auf die.Sozialisierung der Schulden" auch die Sozialisierung des Besitzes folgte. Daß der Ausweg aus dieser durch die Anarchie in Produktion und Verteilung der Güter und die Disproportionen in der Kapital» Versorgung der Wirtschaft entstandene Krise Planwirtschaft heißt, ist ernstlich nicht mehr zu bestreiten. Aber Planwirtschaft bei Privatbesitz der Produktionsmittel wäre ein Widerspruch in sich. Die Regierung Brüning ist nicht als direkter Exponent des deutschen Kapitalismus zu betrachten. Das könnt« noch Lage der Ding« doch nur noch eine rein faschistische Regierung— das vielberufene Direktorium— sein. Brüning hat versagt, jetzt mästen wir die Macht in die Hände nehmen: so lautet dem Sinn« nach die Einladung, di- der.Langnamverein" vor seiner letzten Tagung verschickte. Nachher fand man die Situation offenbar noch nicht ganz reif zur offenen Uebernohme der Macht— vielleicht hofft man, das Zentrum und mit ihm den jetzigen Kanzler selbst auf die Dauer doch noch.herumzukriegen"— und beschränkte sich auf nichtssagende sozialreaktionöre Deklamationen, für die sich die erste Garnitur des deutschen Unternehmertums nicht zu schade vorkam. Aber das .Direktorium" bleibt in petto. Dingeldey hat seinen Auftraggebern bereits in jeder Form nach dem Munde geredet. Nur scheint der Regierung Brüning ein« Gnadenfrist bewilligt, außenpolitisch und für die Revision des Voung-Plan- die unangenehme Vorarbeit zu leisten. Das.nationale" Direktorium soll sich nicht gleich vor dem Ausland kompromittieren müssen, dazu sind die jetzigen Minister gut genug. Der Gedeanke ans Ausland, an die kurzfristigen Kredite und an den Kapitalbedarf der deutschen Wirts chast sollte eigentlich die faschistische Regierung«riedigen, noch«he sie geboren ist. Aber Katastrophenpolitik«st wieder einmal der Weisheit letzter Schluß. Schließlich sind es ja auch schon fast acht Jahre her. daß wir die schlimmen Ersahrungen des Cuno-Experimentes machen mußten. Wer nicht sehen will, daß sich eine Wiederholung des politischen Unfugs vorbereitet, der im Jahre 1923 mit dem gutgläubige» in Illusionen befangenen Volke angestellt wurde, hat die Altionen der.nationalen" Kreise nicht begriffen. Und es besteht nicht die geringste Hoffnung, daß wir um diese Wiederholung des Unglücks- johres herumkommen, wenn die Regierung, keine anderen Lösungen zu bieten hat. als sie bei der letzten Notoerordnung in Erscheinung traten. Not ja, aber kein Handeln, das der Taksache dieser Not eni- spräche. Dies« Notverordming ist nicht nur «ine durch die gesellschofilichen Machtverhältnisse erzwungene soziale Ungerechtigkeit. sie wird ihren Zweck nicht erfüllen und statt zur endgültigen Sa- nierung der Fittänzen und.AnkürbeluNg� tzer Wirffchast zu einer neuen Einschrumpfung des Konsums und damit selbstver- ständlich auch der Produktion und des Steueraufkommens führen. Opfer müsten gebracht werden, aber es beginnt sich ein elementarer Unwille gegen Opfer zu regen, die keinen Sinn haben. Erscheint doch die gegenwärtige Reichsregierung selbst mehr und mehr als«in Opfer, ein Opser der Tatsache nämlich, daß man der Wirtschaftskrise nicht in der politischen Abhängigkeit von Kreisen begegnen kann, die durch ihr« bloße Existenz die Ueber- Windung der Krise verhindern. Abhängigkeit von den Interestenver- tretern des Großgrundbesitzers, deshalb wird die so bitter nötige Agrarreform, verbunden mit der Senkung der Agrarzöllc, oerhindert. Abhängigkeit von der Reichswehr, deshalb keine ins Gewicht fallenden Sparmaßnahmen an der Stelle des Reichs- Haushalt», wo er'» vertrüge. Abhängigkeit von der Deutschen Volksportei, deshalb die mehr als übertriebene Schonung der.Selbständigen" bei der Stasfelung. der Krisensteuer und der beginnende Abbau der sozialen Leistungen. Brüning führt nicht, kann gar nicht führen, weil ihm Führung nicht gestattet wird, weil die Kreise, auf die er sich stützt und die ihn jeden Tag zu Fall bringen können, die ihn nur nach dem Maß der Konzessionen messen, das er ihnen zu machen hat, weil die wahren Herren Deutschland» diesen uneigennützigen und sachkundigen Posi- tiker der Mitte nur als Wandschirm sür ihre eigenen nach ganz anderer Richtung weisenden Tendenzen vorschieben. Bis zu dem Tag, an dem er ihnen nicht mehr willfährig genug oder— entbehr. sich erscheint!.> an dem Urteil über die Partei ändern, die wie keine andere ihren Untergang oerdient hat. Die Haltung der Sozialdemokratie— das muß ausdrücklich festgestellt werden— wird nicht durch Rücksichten aus den oolksparteilichen Wahnwitz von heute oder ihre zu erwartende bessere Erkenntnis von morgen bestimmt. Wir beobachten nur aufmerksam die Manöver unserer Gegner und bemühen uns, ihnen nicht in die Hände zu arbeiten. Leiten lgssen mit uns ausschließlich von den Interessen der Arbeit'er- klaffe, den gegenwärtigen wie den zukünftigen. Und dar- aus ergibt sich, daß wir in dem Kampf um die Abwehr einer irgendwie gearteten Diktatur bis zur äußersten denkbaren Grenze gehen müssen. Wir wollen nicht den Vorwurf des jetzigen Geschlechts und derer, die ihm folgen, auf uns laden, daß wir irgend etwas versäumt hätten, was der Abwehr des Faschismus dienen konnte, und daß uns in diesem kritischen Moment die Herrschaft über unsere Nerven verloren ge- gangen sei. Der Regierung indessen und den bürgerlichen Parteien sei mit aller Deutlichkeit gesagt, daß wir unmittelbar vor der Grenze stehen, bis zu der wir gehen können, und daß es daher notwendig ist, den Forderungen, die wir in bezug auf die Notverordnung an sie richten, Entgegenkommen zu zeigen. Damit werden wir wahrscheinlich bei der Deutschen Volks- partei keinen Eindruck machen. Aber wir erwarten, daß die anderen, und namentlich das Zentrum ein Verständnis für die Bedeutung eines Abschwenkens der Sozialdemokratie auf- bringen. Wir wissen sehr genau, welch« Folgen ein Umlegen unseres Steuers für das Land und nicht zuletzt für das Prole- tariat nach sich ziehen kann. Wir gehen an die Dinge mit dem größten Ernst und mit vollem Verantwortungsbewußt- fein heran. Aber wir sehen auf der anderen Seite auch, welches Unheil durch die Durchführung der Notverordnung, wie sie ist, heraufbeschworen werden wüvde, und wir legen all denen, die eine Politik der Vernunft treiben wollen, die Frage vor, ob sie sich imstande glauben, das Staatsschiff durch die Wogen eines von ihnen selbst erregten Radika« lismus der Massen hindurchzusteuern. Regierung und bür- gerliche Parteien stehen genau so vor einer Grenze wie wir. Ebenso wie uns liegt ihnen die Pflicht des Nachdenkens und der gewissenhaften Prüfung ob. Versäumen sie sie, so nehmen sie eine Schuld aus sich, die nicht gebüßt werden kann. Arüningö Heimkehr aus Neudeck. Der Reichskanzler D r. B r ü n i n g hat gestern dem Reichspräsidenten in Neudeck in Ostpreußen Bericht erstattet. Er kehrt heute nach Berlin zurück. Es verlautet, daß zwischen dem Reichspräsidenten und ihm volle Uebereinstimmung bc- stehe, so daß er in der Lage sei, an der neuerdings ein- geschlagenen Richtung festzuhalten. Das würde bedeuten, daß er nach wie vor eine Umbildung seines Kabinetts und eine Einberufung des Reichstags ablehnt. Inwieweit er bereit ist. über die Aenderungen der Notverordnung zu verhandeln, wird sich bald zeigen müssen. Von der Entscheidung dieser Frage hängt das weitere Verhalten der Sozialdemokratie ab. Oie Opfer der Bremer Krawalle. Zwölf Polizeibeamte verletzt. Bremen, 12. Juni. Bei dem gemeldeten lieberfall von Kommunisten auf Polizei» �ante und Nationalsozialisten, die sich in den gestrigen Nacht- sttviden zutrug, sind, wie sich jetzt herausstellt, insgesamt 12 Polizeibeamte und eine ganze Reihe von Nationalsozia- listen verletzt worden. Zwei Nationalsozialisten erlitten so schwere Verwundungen, daß sie dem Krankenhaus zugeführt werde» mußten. Dem dort eingelieferten SA.-Führer Kulenkampff ist die Schädeldeck« zertrümmert worden, er schwebt in Lebens- gefahr. Di« Polizei hat insgesamt 9 Kommunisten festgenommen und diejenigen, die einwandfrei auf frischer Tat ertappt wurden, in Haft behalten, um sie dem Untersuchungsrichter zuzuführen. Sie «erden sich wegen Landfriedensbruch zu verantworten haben. Versammlungsverbot in Bremen. Bremen, 12. Juni. Wegen der politischen Ausschreitungen in der letzten Zeit hat die Polizeidirektion auf Grund de» Artikels 123 der Reichsverfassung in Verbindung mit der Verordnung vom 28. März 1931 für Bremen» Stadt und-Land und in Vegesack alle politischen Versammlungen unter freiem Himmel, einschließlich aller politischen Umzüge und Propagandafahrten, wegen unmittelbarer Gefahr sür die öffent- liche Sicherheit und Ordnung bis auf weiteres verboten. Neue Schießerei in Hamburg. Hamborg, 12. Juni. Am Freitag, um 17 Uhr. versuchte eine etwa S Personen zählende Menschenmenge auf dem Schaarmarkt zu demonstrieren. Herbeieilende Ordnungspolizisten, die eine Demonstration verhindern wollten, wurden von der Menge aus beschossen. Hierauf er- widerten die Beamten das Feuer. Dabei wurden ein Hafenarbeiter durch einen Knieschuß und eine nicht an der Demonstration be- teiligte Frau durch einen Fußschuß verletzt. 19 Personen wur- den s e st g e n o m m e n. Die Ruhe konnte völlig wiederhergestellt werden. Lteberfall auf Stahlhelmer. Erfurt. 12. Juni. Am Freitag wurden im Arbeitsamt Erfurt zwei Stahl- helmer von Kommunisten mit Stöcken und Messern übel zugerichtet. Ein Stahlhelmer erhielt einen gefährlichen Messerstich. Wie ver- lautet, sollen die Täter Berliner Mitglieder der KPD. sein, die zur Zeit die Erfurter Partei umorganisieren. Landvolkführer verhöhnt Justiz. Hamkens verweigert freiwilligen Strafantritt. Itzehoe. 12. Juni. Der Landvolkführer Wilhelm Hamtens, der dieser Tage zum Antritt der ihm im letzten Itzehoer Landoolkprozeß zuerkannten zweimonatigen Gefängnisstrafe aufgefordert worden war. hat ein Telegramm an die Staatsanwaltschaft Altona gesandt, in dem er dieser den Vorwurf macht, sie«olle ihn wirtschaftlich rui- nieren. Zum dritten Mol« sei für ihn der Strafantritt zu Beginn der Erntezeit angesetzt worden. Er werde der geradezu grotesken Aufforderung, sich sreiwillig zu stellen, nicht nachkommen. Landespolizei und Hakenkreuz. Sozialdemokrattscher Vorstoß in Württemberg. Stuttgart. 12. Juni.(Eigenbericht.) Im Pürttembergischen Landtag führte die Sozial- demokrati« bei der dritten Beratung de« Etats ein« große Aus- sprach« über die Taktik der politischen Polizei in Württemberg herbei. An Hand umfangreichen Materials konnte der sozialdemotra- tische Redner, den Nachweis erbringen, daß ein Teil der leiten» den Polizeibeomten zugunsten der N a t i o n a l f ozi a» listen angestellt ist. Alle in der letzten Zeit zu verzeichnenden Provokationen der hakentreuzlerischen LandÄnechtssormationen in Nagold, Swttgart-Heslach, Feuerbach usw. kamen zur Sprache. Die Nazis durften sich bei dieser Gelegenheit der besonderen Sympathie der Polizei erfreuen, während ihre Gegner unter Anklage gestellt wurden. Unter diesen Umständen sei das gegen alle, auch die verfassungstreuen Parteien gerichtet« allgemein« Verbot aller Versammlungen unter steiem Himmel für das ganze Land«in schweres Unrecht. Di« Antwort de» Staatspräsidenten Bolz auf da» erdrückend« Beweismaterial war kläglich. Auf Einzelhetten ging er über- Haupt nicht ein, weil er sie angeblich nicht nachprüfen könne. Zu dem allgemeinen Verbot habe er sich entschlossen, weil er anders die Ruhe und Ordnung nicht glaube aufrechterhalten zu können. Die parteipolitische einseittge Einstellung der leitenden Beamten seiner Polizeiverwaltung stellte er i n A b r e d e. Di« sozialdemokratische Fraktion gab sich mit den Erklärungen des Staatspräsidenten nicht zufrieden. Sie brachte folgenden Antrag ein:«Der Landtag wolle beschließen, einen Untersuchungsausschuß einzusetzen zur Feststellung der zwischen Beamten der Innenverwaltung, insbesondere der staat- lichen Polizei und den Organisationen der Nationalsozialistischen Partei bestehenden Beziehungen, sowie der zwischen ihnen getrof- senen Verabredungen über die Abwicklung bestimmter Aktionen der Ratwnassozialistischen Partei, wie sie bei den Vorgängen in Hes- lach, Nagold usw. zutage getreten sind." Da der Landtag noch der Verfassung verpflichtet ist, einen solchen Untersuchungsausschuß einzusetzen, wenn er von einem Fünftel semer Mitglieder(16) beantragt wird und die sozialdemo- kratische Fraktion allein 21 Mitglieder zählt, war die An- nähme des Antrages von vornherein sicher. Den sozialdemokratischen Beschwerden wird nunmehr mit der gebotenen Gründlichkeit nach- gegangen werben. Der Untersuchungsausschuh hat das Recht der Akteneinsicht und selbständigen Beweiserhebung, zur Zeugenver- nehmung usw. Er kann also in jeder Beziehung Klarheit und da-- durch die Voraussetzung für eine Säuberung der Verwaltung von Beamten schaffen, die nicht auf dem Boden der republikanischen Verfassung stehen. Kapitel Abrüstung, vi« französische Regierung fordert 50 Mil» lionen Franken als Borschuß sür die Erzeugung von synthetischem Ammoniak in den staatlichen Pulverfabriken in Toulouse.— Die Dewehrfabrik Warschau hat einen neuen kleinkalibrigen Karabiner hergestellt. Damtt sollen die zu milttärischen Uebungen einberufenen Jugend ar Uppen ausgerüstet werden. Ein solcher Karabiner kostet 130 Zloty(65 Mark). Zu der Kommunisten ver Haftung tn Beval verbreitet die Polizei, hierbei den Beweis erhalten zu haben, daß aus Rußland neue Leiter heimlich nach Estland geschickt wurden, die die Agitation gesteigert, eine Gebeimdruckerei eingerichtet und mehrere Attentate, darunter „Liquidation" Unzuverlässiger vorbereitet haben. Aach dem Ltrieil. Seldte und Oüsterberg wurden wegen ZSeschnnpfung der Ztepubli» zu je SSV Mar» Seidstrafe verurteilt. hu,- und auf eine Republik, die sich von uns nicht beschimpfen läßt, dürfen wir nicht mal schimpfen!" Mwirffchast der Landbund-„Bonzen". Wie die Preußentasse geneppi wurde. Im Untersuchungsausschuß des Preußischen Landtages über die Preußenkasse erstattete am Freitagabend der Berichterstatter L e i n e r t(Soz.) den Schlußbericht über die Geschäfte der Preußenkasse mit dem Reichslandbundkonzern, besonders der Genossenschaftlichen Aentralkasse. Genosse Leinert stellte fest, daß es den an.die Genossenschaftliche Zentralkasse angeschlossenen Genossenschaften an echtem genossenschaftlichem Geiste gemangelt hat, was auf ihren engen Zusammenhang mit dem Landbund und deflen politische Einflüsse zurüitzu führen ge- wesen ist. Ob die Genossenschaften dem Landbund direkte Zu» Wendungen finanzieller Art gemacht hoben, konnte vom Ausschuß nicht festgestellt werden. Jedoch haben einzelne Genossenschaften als„propogandabeitrSge- Summen au den Land- bund abgeführt, weil dieser die Propaganda für die Genossenschaften mitmachte. Die meisten Landbundgenossenschasten leisteten fich eine luxurtSse Verwaltung, die weit über ihre Verhältnisse hinaus- gehende Mittel beanspruchte. To hat zum Beispiel Breslau allein mehrere hunderttausend Mark auf Automobilkonto stehen gehabt. Es wurden viel zu viel Direktoren mit sehr hohen Gehältern und langfristigen Verträgen angestellt(weswegen man sich auf der Rechten über die sozialdemokratischen„Bonzen" dauernd aufregt. Red.) So tonnte es nicht ausbleiben, daß mehrer« Genossenschaften ihre Haftungen nicht ausbringen konnten. Durch Verschiebung ihrer Vermögens st ücke machten sie sich selbst t o n k u r s» reif. Dann mußte die GAK.(Genossenschaftliche Zentraltqsse) als Zentralinstiwt für fl« einspringen. Diese wurde dadurch selber kontursreif. Ausdrücklich stellte der Verichterstatter fest, daß die Schwierig- leiten der GZÄ. nicht etwa zurückzuführen waren auf eine schlechte Lage der Landwirtschaft, die im Jahre 1924 infolg« der Inflation fast schuldenfrei dastand, sondern auf die Abstellung der Genossenschaften auf die Zweck« des L a n d b u n d« s. Speziell«in größenwahnsinniges Experiment des damaligen Direktors Landtags- abgeordneten Stubbendorf hat zum Ruin der GZK. geführt. Im Gegensatz zu seinem Mitdirettvr Hofsmann und zu dem eigent» liehen Zweck der Genossenschaften wollte Stubbendorf mit diesen im Jahre 1924«ine Aktion zur Stützung der Getreidepreise durch- führen. Mit viel zu geringen Mitteln begonnen, mußte diese Aktion fehlschlagen und zu großen Verlusten führen. Nach« dem die GZK. bei einem Eigenkapital von sakkifch nur einer Million Mark einen Totalverlnst von etwa 1 Millionen erlitten halt«, mußte die Preußenkaff« einspringen, um den völligen Zu- sammenbruch zu verhindern. Di« Berkaufsstelle der Landbund» Unternehmungen übernahm gegenüber der Preußenkasse die Bürg- schaft. Da aber die Verkaufsstelle selber nur ganz geringes Kapital hatte, war sie zu dieser Burgschaftsübernahme nur imstande, indem sie durch Buchungsmanöver ihr Vermögen erhöhte. So wurden die Grundstücke des Landbundes. die mit 1,2 Millionen zu Luch standen, auf 2 Millionen Mark heraufgebucht. Ferner verkaufte man ein werlloses Aktienpokcl, das mit einer Mark zu Buche stand, für den Nominalwert von 1 Million Mark an ein« Dortmunder Zweigstelle, kreditierte dieser den Sauspreis, setzte ihn aber voll mit einer Million unter die Aktiven ein. So hatte man einen„Gewinn" von 999 999 M. aus dem Verkauf des wertlosen Paketes erzielt! Der Berichterstatter stellte fest, daß an dem Totalverlust von etwa 7 Millionen die Preußentasse in erheblichem Maße beteiligt sei. Sie hat außerdem noch mehrere hundert- tausend Mark bei der Liquidation zum Ausgleich von Harten her- gegeben, ohne daß dieser Betrag ausreichte. Während der früher« Präsident Semper der Preußenkasse vor dem Ausschuß den Standpunkt oertreten hat, daß— im Gegensatz zur Raiffeisenbank — den Landbundgenossenschaften satzungswidrige Geschäfte nicht zur Last fielen, stellte der Berichterstatter fest, daß die Roggen» stützungsaktion unter Stubbendorf ein genossenschqfts» fremdes Geschäft gewesen ist. daß außerdem an den Landbund mehrere hunderttausend Mark aus Genossengelder gezahlt worden sind, um den Zusammenbruch des Orgqmsationsapparates des Landbundes zu verhindern. Ganz zweifellos sind für diese Zwecke auch Mittel der Preußenkasse verwandt worden. Der Berichterstatter saßt diese Gesichtspunkte in einer Reih« von Feststellungen zusammen, über die in der nächsten Sitzung des Ausschusses am 6. Juli eine Aussprache stattfinden und Beschluß gefaßt werden soll. Ausläufer des Ltralzeff-prozesses. Disziplinarverfahren gegen Oberlehrer Oziekan. Der Generalstaatsanwalt in Kassel ist einer Meldung des Preu- ßischen Pressedienstes zufolge angewiesen worden, gegen den im Dresdener Uralzeff-Prozeß belasteten Strafan st altsober- lehrer Dziekan in Kassel-Wehlheiden, früher in Berlin-Moabit, die Einleitung des förmlichen Disziplinarverfahrens mit dem Ziele der Dienstentlassung und die Amtssiespension bei dem Disziplinar- senat des Oberlandesgerichts Kassel zu betreiben. Kommunifiisthe Ehrlichkeit. Wie die„Rote Fahne" Parlamentsberichte retuschiert. Der Amtliche Preußische Pressedienst schreibt: Der preußische Ministerpräsident Dr. Braun Hot am 11. Juni im Landtag ein« Erklärung abgegeben, die sich auf die Notverord- nung der Reichsregierung bezog. Diese Erklärung war sehr kurz und machte in der Presse etwa 15 Zeilen aus. Schon das war der „Roten Fahne" zuviel. Sie strich einige Zeilen, und merkwürdiger- weise gerade die entscheidenden. Auch sonst beliebt sie eigenartige Redaktionsmethoden. Der Ministerpräsident hat zunächst fest- gestellt, daß die preußische Regierung an der Notverordnung der Rcichsregierung weder mitgewirkt noch eine Mitverantwortung übernommen habe und sodann erklärt: „Die preußische Regierung hat auch zur Zeil keine Veranlassung. sich mit dem Znhall dieser Verordnung zu beschästigen. jedoch wird die preußische Regierung, sollteu die Bestimmungen der Verordnung sich in der Praxis als ganz unhaltbar erweisen. im Rahmen ihrer Zuständigkeit auf enl- sprechende Aenderungen hinwirken." Was macht die„Rote Fahne" daraus? Sie bringt im Fett- druck einen Satz: „Preußen hat keine Veranlassung, bei der Reichsregierung die Aufhebung der Notoerordnung zu verlangen" und st reicht und verschweigt völlig den entscheidenden Nach- satz, daß die preußische Regierung gegebenenfalls auf entsprechende Aenderungen hinwirken wolle. Die Tendenz dieser merkwürdigen Korrekturen an der Erklärung des Ministerpräsidenten ist klar: Den Lesern der„Roten Fahne" soll nicht bekannt werden, daß die preußische Staatsregierung ge- gebenenfalls von ihren Möglichkeiten Gebrauch machen wird, auf Aenderungen der Notverordnung Hinzuwirten. Die Leser der „Noten Fahne" sollen eben mit allen Mitteln, auch mit denen gröbster Fälschung, in sture und fanatische Feindschaft gegen die preußische Staatsregierung hineingehetzt werden. Daß eine der- artige Redattionsführung noch auf den Ehrentitel Journalistik An- spruch machen kann, wäre wohl zuviel behauptetl Die Sehe gegen Gevering. Auf der gleichen Linie wie diese Parlamentsbericht« bewegt sich der Bericht, den die„Rote Fahne" von gestern morgen über die Rede des preußischen Innenministers, Genossen Severing. vor den preußischen Landjägerbeamten gab. Severing hatte nach eindringlicher Darlegung der gegenwärtigen politischen und sozialen Spannungen und unter Hinweis auf die kommunistischen Pöbeleien folgendes ausgeführt: „Gegen diese Beschimpfungen setzen wir unter gutes Gewissen und etwas Humor. Wir haben in diesen Krisenzeiten unsere Pflicht und Schuldigkeit zu tun, und es wäre daher falsch, sofort zum Schießprügel zu greifen, es wäre aber auch falsch, Äusrührern gegenüber mit Lavendel und Thymian vorzugehen. Nachsicht gegenüber Redensarten, keine Nachficht gegenüber jenen, die durch Taten ein vollständiges Chaos herbeiführen wollen. Ich brauch« kein« neuen Dienstvorschriften zu erlassen, Sie selbst wissen, in «elcher Situation Sie von den ernstesten Mitteln Gebrauch zu machen haben." Jeder Unbefangene wird aus diesen Worten entnehmen, daß Preußens Polizeiminister sich ganz klar gegen eine übereilte An- wendung der Schußwaffen— so wie es von der Rechten stets ge- fordert wird— ausgesprochen hat. Für die„Rote Fahne" aber existieren diese Worte nicht. Im Bericht dieses Blattes.ftnden lpir im Fettdruck: „Gegen diese Beschimpfungen setzen wir unser gut« Gewissen und etwas Humor(!)... E» wäre falsch. Aufrührern gegen- über mit Lavendel und Thymian vorzugehen— ketue Nachsicht gegenüber jenen, die durch Talen ein vollständig«(Chaos herbeiführen wollen." Durch die Unterschlagung de» entscheidenden Satze», der ent- schieden« Zurückhaltung bei der Anwendung der Schußwaffen fordert, erweckt das Kommunistenorgan den Anschein, als ob Se- v« r i n g die Landjäger zu besonders schroffem Bor» gehen aufgefordert hätte. Der Zweck dieser Hinterhältigkeit liegt auf der Hand. Den Anhängern der KPD. soll eingehämmert werden, daß Preußens Innenminister, der Sozialdemokrat Severing, e, sich in der jetzigen Zeit besonders angelegen sein läßt, die Polizei „scharf zu machen". Das ist dann wieder ein Grund mehr, um die kommunistischen Arbeiter gegen die„Republik de» Polizei- knüppels" und die„sozialdemokratischen Bluthunde" aufzuwiegeln und zu Krawallen zu verleiten, für die leider in den allerwenigsten Fällen die Verführer zu büßen haben. Das Rindvieh an der Krönt. Kriegsgeheimnisie des Nozihäuptlings Esser. Nürnberg. 12. Juni(Eigenbericht). Der verantwortliche Redakteur der sozialdemokratischen „Fränkischen Tagespost' wurde am Freitag wegen an» geblicher Beleidigung de? Nationalsozialisten Esser zu 400 M k. Geldstrafe verurteilt. Esser, der als besonderer Vertrauter Hitler» in München zu einer einträglichen Stellung und zu ösfentlichen Würden gekommen ist, hat seit vielen Iahren den Borwurf des Frontdrück«- b e r g« r s aus sich sitzen lassen. Der Vorwurf geht zurück aiss die Aussage eines Kriegsfreiwilligen, der 1918 mit Esser gleichzeitig Militärdienst in der Heimat macht« und dem gegenüber Esser sich dahin äußert«:«Du bist ein Rindvieh, mevn du dich frei- willig an die Front meldest, mach es so wie ich und drücke dich. Ich gehe nicht hinaus, ich kenne den Schmindel." Di« Aeußerung Essers wurde 1924 in der damals existierenden völkischen„Deutschen Presse" veröffentlicht und seitdem dutzendmal wiederholt. Bis 1929 klagte Esser niemals und als«r vor zwei Jahren den ersten Schritt dazu tat, ließ er nach einigen Monaten durch Zurückziehung der Klage den Prozeß wieder einschlafen. Erst jetzt zog er den verantwortlichen Redakteur der„Fränkischen Taxespost" vor den Kadi, da diese? Blatt einen Bericht des„Sozialdemokratischen Pressedienst" über einen Nazi- tunuckt in München veröffentlicht habe, in dem Stadtrat Esser wiederholt als Frontdrückeberger bezeichnet worden war. Die Ktog« wurde am Freitag in München verhandelt und der sozialdemokratische Redakteur zu 400 Mk. Geldstrafe verurteilt. Das äußerst merkwürdige Urteil wurde damit be- gründet, daß die Richtigkeit der von dem Kriegsfreiwilligen Geist- best gemachten Aussage nicht erweislich wahr fei. Dabei wurde aus alten Kriegsatten festgestellt, daß dieser Front- freiwillig« die Sachdarstellunx der„Deutschen Presse" bei einer Dernebmung am 30. Oktober 1925 in Kempten eidlich be» st ä t i g t hat. Dieser Eeistbesk ist aber nicht mehr erreichbar. Er sst vor einiger Zeit nach Amerika ausgewandert und dort nicht mehr zu finden. Die Dermutung liegt also nahe, daß der Mut jjur»ndbchen Durchführung feiger Klage W mittelbare« Zu- sammenhang mit der Unauffindbarkeit des Gesstbefk steht. — Man darf die Frag« stellen, ob Esser bei dem Prozeß etwa seinen Parteifreund Frick aus Pirmasens als Entlastung»» zeugen gehabt hat._ Gleiches Volk— gleiche Rot. Sparprogramm in Oesterreich. Wien. 12. Juni(Eigenbericht). Im Hausholtsousschuß de? Nationalrats verlangte der Finanz- minister, daß das Finanz- und Sparprogramm der Regierung mit größter Beschleunigung angenommen werde: die Regierung müsse wissen, ob sie aus Herstellung der Ordnung im Staatshaushalt im Sinne ihres Proxramm, rechnen könne oder nicht. Die Lage sei sehr ernst, die Regierung könne eine Verzögerung nicht mehr verantworten. Den Bertretern der Regierungsparteien gqb der Bundeskanzler «in« ähnliche Erklärung ab. Er verlangt« ihr« Entscheidung spätestens im Berlauf der nächsten Woche. Di« Regierung be- antragt sehr bedeutende Erhöhungen dez Kasse«, und Teezolls, so, wie der Monopolpreise von Salz und Tadak. Ooumergues letzter Ministerrat. Französischer Votschasterwechsel. Bari». 12. Juni(Eigenberichts. Präsident Doumergue führte am Freitax zum letztenmal den Borsitz im Ministerrat. Ministerpräsident Laual sprach Dou- mergu« den Dank für die dem Land geleisteten Dienste aus. Dou- mergae dankte für die Mitarbeit der Miatjta Der Ministerrat hat aus Borschlag Briands den Brüsseler Bot- schafter Peretti de la Rocca in den.Ruhestand versetzt und den Botschafter in Madrid, E o r b i n, zu seinem Nachfolger er- nannt. Der Botschafter in Moskau, H e r b e t t e. wurde in gleicher Eigenschaft nach Madrid versetzt. Ein Nachfolger in Moskau ist noch nicht bestimmt. Nach dem Minfterrat stattet« das diplomatische Korps dem scheidenden Präsidenten seinen Abschiedsbesuch ab. Lebruns Antrittsrede. Paris. 12. Juni(Eigenbericht). Senatspräfident L e b r u n trat am Freitag nachmittag fein Amt an. In seiner Antrittsrede sagt« Lebrun u. a.:„Um die schiper« Krise zu überwinden, die aus Europa lastet, muh es sich zu einem Werk der Zusammenqrbeit und Wiederannäherung vereinen. Für dieses Werk setzt sich Frankreich seit zehn Iahren in loyqler Weise«in und bringt dafür Opfer, die man manchmal für über- trieben halten kann. Morgen wie gestern bleibt Frankreich dieser notwendigen Zusammenarbeit zugetan. Zu diesem Zweck bringt es der Welt mit der berechtigten Sorge um Sicherheit seine glühende Friedensliebe, mit der Sorge um die Wahrung seiner in den Verträgen feierlich anerkannten Recht« sein weitgehendes Verständnis für die Interessen und Be« dürfnisse der anderen Völker und mit der Anhänglich- feit an die historische Ueberlieserung sein Vertrauen zu den neuen Organismen zum Ausdruck, die es mit dem internationalen Leben oerknüpfen." Lebrun teilte dann mit, daß Senator M e j a n fein Mandat niedergelegt hat. Gegen Mejan war wegen betrügerischen Bankrotts einer von ihm geleiteten Promnzdank Aufhebung seiner Immunität beantragt, Kleinarbeit im Landtag. Oeuischnationale fordern Beseitigung des Tarifrechis. Im weiteren Verlauf der gestrigen Landtogsfitzung über- wies das Haus einen Antrag über Unwetterschäden in den Kreisen Hanau und Gersfeld ohne Begründung und Besprechung dem Hauptausschuß. t Bei den Berichten des Ausschusses für die Landwirtschaft wird unter anderem ein sozialdemokratischer Antrag zur Annahme empfohlen, der eine Einwirkung auf das Reich verlangt, daß künftig Brotpreiserhöhungen unterbleiben sollen. Abg. helbig(Wp.) wendet sich gegen' den Antrag. Aus dem erhöhten Brotpreis habe man eine politische Hetze gegen die Bäcker- meister gemacht. Auch die Konsumgenossenschaften hätten nicht anders als die Bäckermeister handeln können. Die Politik des Reichsernährungsministers Schiele und seines Kommissars Dr. Baade, von dem man behauptet habe, daß er 6000 Mark monatlich verdient, habe vollkommen versagt. Abg Schwecht(Dnat.) hält die Brotpreiserhöhung für unbe- rechtigt. Seine Freunde seien für-eine Senkung, wenn gleichzeitig die Getreidepreise gestützt werden. Er beantragt Rückverweisung. Abg. Zürgensen(Soz.): Unser Antrag ist nicht der Ausfluß po- litischer Hetze, sondern allernüchtern st«Sachlichkeit. Die Vorwürfe des Abg. Helbig gegen die Konsumgenossenschaften sind in jeder Hinsicht unberechtigt. Die Behauptung, daß Reichskommissar Baade monatlich 6000 Mark oerdient haben soll, ist im Unter- suchungsausschuß des Reichstages nachgeprüft und ihre völlige Haltlosigkeit nachgewiesen worden.(Hört! hört! bei den Soz.) Abg. Donners(Wp.) greift unter Bezugnahme auf schriftliche Aeußerungen eines Krefelder Bäckerinnungsmeisters die Konsum- genossenschasten in der Brotpreisfrage an. Abg. Zürgensen(Soz.) weist diese Angriffe auf die Genossen- schaftsbewegung nochmals zurück. Ein Krefelder Bäckerinnungs- meister könne kein Kronzeuge gegen den Wirtschaftsfaktor der Kon- svmgenossenschaften sein, die vielfach in der Preisbildung auf dem Markt maßgebend geworden sind. Das private Unternehmer- tum wolle zwar die Preise hochhalten, dafür aber den Lohn- und Gehaltsabbau durchführen.(Sehr wahr! bei den Soz.) Gegen die Stimmen der Sozialdemokralen wird die Zurückvcr- Weisung des Antrages an den Ausschuh beschlossen. Hierauf wird auf Antrag des Rechtsausschusies ohne Aus- spräche ein deutschnationaler Antrag, der die Vollstreckung des Todes- Urteils an dem TUassenmörder kürten verlangt, mit der Begründung abgelehnt, daß der Landtag dafür unzuständig ist. Der Hauptausschuß empfiehlt unter anderem Ablehnung von Anträge der Deutschnationalen und der Wirtschastspartei, die über Preußen beim Reiche Aenderung bzw. Aufhebung des geltenden Tarifrechls verlangen. Abg. Brückner(Soz.) erklärt dazu, daß die Schwerindu- st r i e durch ihre Vertretung in den Rechtsparteien jetzt über den Landtag auf das Reich einwirken will, einschneidende Aenderungen des Tarifrechts durchzuführen. Ueber die preußische Regierung beim Reich etwas durchzusetzen, sei zwar ein ollgemein üblicher Weg. Daß jetzt die Deutschnationalen ihn benutzen, müsse aber besonders auffallen, weil sie im Reiche seit geraumer Zeit ihre Mitarbeit eingestellt haben. Wenn die Unternehmer über lange Dauer der Tarife klagen, so sei darauf aufmerksam zu machen, daß in Zeiten wirtschaftlichen Niederganges gerade die Unternehmerver» bände auf den Abschluß langfristiger Tarife, bis zu 5 Jahren, zum Beispiel im graphischen Gewerbe, gedrängt haben. Mit den An- trägen werde die Absicht verfolgt, das Tarifrecht zu er- s ch ü t t e r n. Die Sozialdemokratie werde sich aber mit Erfolg gegen den ersten Schritt dazu zur Wehr setzen.(Beifall b. d. Soz.) Die Abgg. harsch(Z.), Benscheid(Komm.), Bleyer-Hermsdorf (Christl-Soz.) lehnen die Anträge ebenfalls ab. Abg. Otler(Soz.) weist darauf hin, daß die Anträge zweifellos den Zweck verfolgen, durch Lohnabbau die Lebenshaltung der Arbeiterschaft noch weiter herabzudrücken. Die Erfahrung habe bewiesen, daß damit die Wirtschaft nicht an- zukurbeln ist,'sondern die Krise sich dadurch verschärft.(Sehr wahr! bei den Soz.) Abg. Hecken(Dt. Frakt.) setzt sich für Annahm« der Antrüge ein. Die Antrage werden abgelehnt. Ein Antrag des Hauptausschusies fordert unter Ablehnung weitergehender kommunistischer Anträge nach dem furchtbaren Ex- plosionsunglück in der Magdeburger Sacharinsabrik. das eine große Zahl von Todesopfern forderte, strengste Durchführung der ein- geleiteten Untersuchung und dauernde Kontrolle dieses gefährlichen Betriebes durch die Gewerbeaufsicht. Abg. Kaßner(Komm.) greift die Werksleitung, die Aussicht?- behörde und die Sozialdemokratie an, die er für das Unglück ver- ontwortlich macht. Abg. wiltmaack(Soz.) lehnt es ab, eine solche Katastrophe zu demagogischen parteipolitischen Zwecken zu benutzen, wie es die Kommunisten tun. Die Sozialdemokraten sind für strengste Durch- führung der Untersuchung. Ganz offenbar habe bei der Kata- strophe die Gewerbeaufsicht versogt. Außerdem leide der dicht- bevölkerte Stadtteil, in dem sich die Fabrik befindet, dauernd unter den Abgasen des Betriebes. Ein Regierungsvertreter erklärt, daß die Gewerbeauf- sicht deshalb nicht habe eingreifen können, weil ihr die neu auf- genommene Fabrikation des gefährlichen Ungezieferpräparates, dos explodierte, nicht bekannt gewesen sei. Der Ausschußontrag wird angenommen. Angenommen werden noch eine Reihe weiterer Ausschußan- träge. Auf Antrag des Handelsausschusses werden ferner die großen Anfragen und Anträge über die Grubenkatastrophen fn Alsdorf und Eschweiler durch die inzwischen erfolgten Maßnahmen der Bergbehörde für erledigt erklärt. Angenommen wird noch ein Antrag, festzustellen, wieviele krankfeiernde Bergorbeiter 1930 im Oberbergomtsbezirk Dortmund f r i st- los entlassen worden sind. Nächste Sitzung: Sonnabend 10 Uhr. Tagesordnung: Dritte Be- ratung des Staatsvertrages mit den evangelischen Kirchen, Pfarrer- besoldungsgesetz. Abstimmung über den kommunistischen Mißtrauens- antrag gegen die Staatsreg'ierung. (Gewerkschaftliches siehe 1. Beilage.) Berantwortlich fllr Pelitik: Victor Schiff; Wirtschaft: S.»liaarlhSfcr; Gewcrklchaftsbewegun«: Ä. Steiner: Feuilleton: Dr. John Schilowoli; Lokales und Sonstiges: Frist llarftödt: Anzeigen: Zh. Stocke: sämtlich in Berlin. Verlag: Vorwärts-Verlag<6. m. b. K., Berlin. Druck: Vorwärts-Buchdruckerei und Bcrlagsanstalt Paul Singer u. Co.. Berlin SW. S8. Lindenstrake 1 Hierzu 2 Beilage». ab Lager Wellblech-, stahl- DMonbauien jeder Art. Angeb. u. Prosp. Kosten! GebrAdienbadi G.iilIl&. Weldenan Sieg Eisen- und Wellblochwarke— Postfach 389 .Oeutscbe Bau-Ausstellung Berlin: Frelgelinde Abt. Garagen' | 3.15 Uhr Flora 3434 Rautheo iriuht Kirdivcih am Tegernsee Eebla— Kemblc— Boote Krehan« Tucher£ Co. mw. | Sonnabend und Sonntag ja 2 Vorstellungen| 4 und S" Uhr. 4 Uhr kleine Pr i MM PLAZA Tägl. 5 u. Bis DAS TAOES- GESPRACM B E R LINS VIKTORIA LI N D IHR HUSAR margarete umotte Bln.-Steglitz, Fichtestr.10. Tel. Stegh 3684 Ideder aar Dsute- Rezitationen Guido Thielscher •rntet Sturme aor Bogoliteruno im Rose-Theater „Drr Jubel ist groß und bs- rscheigt."(Ttmpo) Nur noch 14 Tage: „Der wahre Jakob" Wochent. 816, Sonnt. S« u. st Uhr Rose-Garten Das erste Sommertheater Berlins I Woelient. S» Uhr, Sonnt. 5 Uhr Großes Konzert und internationaler Varietäteil. öisietzte W oche; Die Schwankoperette:„Ott Llsbetverbot'*. Ab 15. Juni vollständig neuer Variet�teil u. die Operette von Josef Snaga;„Der Hutmacher Sr. Durchlaucht44 Qr. Frankfurter Str. 132 E 7 Weichsel 3422 O-Bahn Strausberger Platz Billettkasse geöffnet von 1 1— 1 und 4—9 Uhr. VolKsbtmne Theater am BBlowplalr. 8 Uhr Lumpazivagabundus Staatl. Slhiller-Hi. 8 Uhr Haus Herzenstod Deoisdies Theaiei 8 Uhr Der Haaptmann von Röpenllk v. Carl Zuckpiayer Regie; Heinz Hilpert Die Komödie Täglich 8Va Uhr Dienst am Kunden iod Dut Bois und Hai Hansen Regie: Hans Oeppe Kurtürsienflamm- Theater Bismarck 449 Geschlossen UaDiaa. den Ii. innt. zum ersten Mal Die schöns Helena von lacqnes oneniiadi Regle: UaxRelniiardi metropoi-iiieater Täglich 89, Uhi Die Toni aus Wien Mad; Christians, Michael Bohnen "V Täglich 8V« Uhr Zum goldenen Anker Valetll, Hornej, Stossel, Faber, Waller. r- Elite-Sänger— Kottbusser Str. 6 Tägl«>/. U Die gröle los- itithngs- Rim Pnu laBt sdiöne Frauen um M sein! von HarryWalden Komiscne oper j Friedrichsir. 104 8»/» Uhr Frauen haben Musikal. Schwank von Arnold Musik v. Walt. Kollo Sonimerpr.0�0-7.00| Am Mittwoch, dem 10. Juni, verschied nach langem schwerem Lungenieiden im.Waldhaus Charlottenburg" unser lieber Sohn, Bruder und Schwager, der Bureauangestellte Fritz Etzkorn im Aller von 24 Jahren als Opfer der Unterernährung in den Kriegsjahren. Die Eltern und Brüder Friedrich Etekorn und Berta, geb. Köster. Hans Etakorn und Marianne, geb. Morawski, Ervin Etakon. Berlin NO SS, Wohnstadt Carl Lcgien. T rauerfeier am Montag, dem Ii. Juni, 19'� Uhr, im Krematorium GerichlsträBe o7;38 Berliner||lk-TriO M■■ k 5 1 1■. wLahnatr. 74/76J LUNA PARK Hpiit»* Kriminal-Fest mit intsrets. Preisbowerb Wer sind die Drei? Preis: 1000 ML bar Ab 4 Uhr: Konaerl Sensal. VARIETt- Progr. Fest-Feuerwerk aMMBsry vsiwfl&saB Reichshallen-Theater AUabendUch| st»| Uhr Stefttiner Sänger Wlederanlireiea PaalBrlttoii Zum Schluß der Schwank „Alles verrückt!" 130 rnn BlMume im Verwaltungsgebäude einer Organisation(Bewachung Tag und Nacht) in günstiger Verkehrslage solort iu vermieten Anfragen sind unter Chiffre B 74 zu richten an die Vorwärtsexpedifion Prinzen- Straße 63 Deultdier Metallarbeiter-YeM VervaltnngoateUe Berlin Todasanzslge Den Mitgliedern ,ur Nachricht, daß unser Kollege, dtr Brenner August Setzkoni om lt. Juni gestorben ist. Di« Einäscherung findet Montag. den 15. Juni. IS1/, Udr, int Zkrema- toriunt Baumschulenweg statt. Rege Beteiligung wird erwartet. D0»«I»'I»0 Ferner verstarb am L Juni unser Kollege, der Schlosser Otto Pierasch Am 6. Zum verstard serner unsere Kollegin, die Arbeiterin LIIs Heller geb. 21. August 1885. Ehre ihre« Andeuten! Die Beisetzungen haben bereit« stattgefunden Die Orts*ervallamg Am IL Juni entschlief nach kurzem. schweren Leiden mein lieber Mann. guter Bater und Bruder, der Ee» werkschastoangestellt« a. D. Relnliold Kosan im eben vollendeten 82. Lebenoiahre. Im Namen der trauernden Hinter- bliedenen Minna Kosan, geit.Mascbkovifz Berlin-Trevtow. 12. Juni 1931. Reue Krug-Allee 56. Die Einäscherung findet am Montag, dem>5 Juni, nachm. 5>/, Uhr, im Krematorium Baumschulenweg statt. Meine geliebte Frau, unsere liebe gute Mutter. Schwiegermutter, Schwägerin und Großmutter �nna Zirker geb. Heuer, ist entschlafen. Berlin, im Juni 1931 Echneidemfihler Str. 4 Benno Zirker Hans Zirker WlUi KObeoer and Fraa* geb. Zirler Georg Zirker Gerhard und Lothar HQbener Wir bringen sie am 14. Juni. 14 Uhr. von der Neuen Halle de« judischen Friedhose» Weißensee zur letzten Ruhestätte. Damsu-Sfrumpte Wasdikunttseide, Slrapozter- qualitat, neue Farben, oder Seidenflor,«terk oder feie- fädig................... 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Christionat. «Spenickerfiraße 39. Lalteftell« Adalbert. straße. 7tr. 27i* 48. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Sonnabend, 43. Iuni 4931 Schrei der Not ISO 000 Menschen stehen vor dem Nichts Am heutiq-n Sonnalxnd wird die Notgemcinfchaft für den Frankenwald in Helmbrcchts in Oberfranken unter dem Titel:„Das unbekannte Land" im Lichthof des ehemaligen ftunstgewerbetnuseiims in der Prinz-Albrecht-Straße eine Frankenwaldausstellung eröffnen, die einerseits all« Natur-, Heimat- und Wanderfreunde interessieren wird, anderer- fcits aber sich ganz besonders an die Wirtfchastspolitikcr wendet Der Frankenwald, das ist das touristisch wenig auf- geschlossene, dem Norddeutschen und dem Berliner zumindest wenig bekannte Gcbirgswaldgebict, das die Brücke zwischen Thüringer Wald und Fichtelgebirge bildet. Größere Städte hat das Gebiet nicht. An feinem Ostrand liegt Hos in Bayern, im Süden K u l m b a ch. Im Norden bildet die Grenze der berühmte uralte Thüringer Grenzpfad, der Rennsteig. Alles, was von P r o b U- Zella, der thüringisch-bayerischen Grenzstation, bi» nach K r o> nach und Lichtenfels links der Bahn, also östlich liegt, ist Frankenwald. Kronach, Helmbrechts, Naila, Stadtsteinach, Münch- berg und Teufchnitz find die 5)auptorte. Niemond wird sie kennen, rielleicht mit Ausnahme von Kronach an der Berlin— Münchener Strecke, das mit seiner herrlichen alten Feste Rosenberg ein beliebtes Ziel für Jugendwanderer ist. Der Frankenwald ist von jeher ein Gebiet der Hausindustrie gewesen, und es wird dort etwas hergestellt, was bei uns kein Mensch ahnt und weiß, nämlich die Druden-, Leib-, Brust-, hals- und Kopftücher für die eingeborenen Völker der ganzen Welt. Indien, Persten, Java, die Negerländer, China, die ABC-Staaie» von Südamerika bezogen und beziehen teilweise heute noch die aus dem Frankenwald kommenden Schals, rn.d die Ausstellung aller dieser eigenartigen Gewebe wird für unsere Frauenwelt keine geringe Anziehungskraft haben. 1917 wurden in Oberfranken noch SOOil 5) andweb stuhle gezählt. 1300 meist weibliche Personen waren nur mit dem Drehen der Fransen für diese Tücher beschästigt. Kro- nach und Lichtenfels, die südwestlichen Einfallspforten zum Franken- wald, waren und sind die Heimstätten eines zweiten bodenständigen Wirtschaftszweiges, der Korbflechterei. 1901 war diese Pro- duktion auf 10 Millionen Mark gestiegen, von der für 8 Millionen allein ins Ausland ging. In einem ganz verarmten Dorf kam jetzt ein Volksschullehrer auf den Gedanken, nach zeitgemäßen Mustern farbige Bastkörbe herstellen zu lassen. Er bildete eine Genossenschaft und hatte Glück damit. Auch davon sieht man eine Kollektion aus- gestellt, und jedes Stück ist so schön, daß man es sofort kaufen möchte. Einzigartig ist auch die große Schiefcrindustrie, die sich besonders um das oberhalb von Probstzella gelegene Lc- heften gruppiert. Weiterhin findet man B l e i st i f t f a b r l- kation, Glasindustrie, Schu Hindu st rie, und als An- . hängfel der Thüringer, bzw. der benachbarten. Sonneberger- Spiel- warenindustrie die M o skenklebcrei. Wenn'der ahnungslose Wanderer durch ein abgelegenes Dors komnit, können ihm plötzlich die scheußlichen Fratzen der zum Trocknen aufgehängten Masken an- giinscn. Und alles, alles ist jetzt vor dem Erliegen und dem Zu- sammenbruch. Das Ausland schützt sich durch hohe Zollmauern und macht den Export unmöglich. Es ist festgestellt worden, daß Nord- amerika ein aus Deutschland kommendes Tafeltuch im Wert von 300 Mark mit 240 Mark Einfuhrzoll belegt, während Deutschland selber nur etwa 1ö Mark verlangt. Jnsalgedessen wird Deutschland mit billigen Stickereien aus der Tscheche!. Italien und selbst China versorgt. Bon rund 6000 oberfränkischen Stickerinnen sind nur noch 8,4 Proz. voll beschästigt und 44 Proz. arbeitslos. Von 1800 Korb- flechtern im Bezirk Kronach find 54 Proz. arbeitslos, hinzu kommen aber die den Absatz erschwerenden, zum Teil jammervollen verkehrsverhältnifse. Di« R e i ch s p o st leistet sich dort folgendes Heldenstück: Der Ort Dürrenweid liegt von dem gewerbefleißigen Geroldsgrün nur zwei Kilometer entfernt. Eine Postsache ober macht, um von Dürrenweid nach Geroldsgrün zu kommen,«inen Umweg von über 130 Kilometer und kommt erst nach drei Tagen in dem zwei Kilometer entfernten Ort an. Die großen Bahnlinien Berlin— Saalfeld— Probstzella— Bamberg— München und Berlin— Leipzig— Hof— Regensburg— München gehen an dem Gebiet vorbei, das auch von keiner wesentlichen Bahnlinie gekreuzt wird. Die Straßen sind bis in den März hinein von Schnee blockiert und unpassierbar. Folgender Fall gehört nicht zu den Seltenheiten: In den Schiefer- brächen in Lehesten sind Arbeiter tätig, die in 48 Kilometer Ent- fcrnung von ihrer Arbeitsstätte wohnen. Um rechtzeitig bei der Arbeit zu sein, müssen sie um 2 Uhr früh aufstehen und kommen abends um 10 Uhr heim, haben also nur vier Stun- den Zeit zum Schlafen. Sic können weder Bahn noch Autobus benutzen, sondern nur ihr Rad, dos sie natürlich bei den starken Steigungen im Gebirge auch noch schieben müssen. Bor zehn Jahren noch fand man in abgelegenen Dorfhäusern zur abend- lichen Beleuchtung den— Kienspan. Man kannte weder Petroleum noch Kerzen, die den armen Leuten eben zu teuer waren. Das sind nur«in paar Bildousschnitte. Möge die Ausstellung ihren Zweck erfüllen und auch Berlin und Norddcutschland auf dieses an sich wunderschöne Berg- und Waldland hinweisen, vor allem aber auf seine nicht mehr zu ertragende wirtschaftliche Not. Nur etwa 150 000 Menschen wohnen lsier, von denen sich der größte Teil nur noch von Kartoffeln und Malzkafsce ernähren kann. Der Geschäfts- führer der Notgemeinschaft, Dr. Michel, wird in der heutigen Kundgebung in einer Ansprache die unerträglichen wirtschaftlichen und sozialen Nöte dieses an sich unendlich armen Gebietes schildern. Der Notgemeinschast gehören auch die Gewerkschaftskar- t e l l e Helmbrechts, Naila, Kronach und Teufchnitz des ADGB. an. Vom eigenen Hund zerfleischt. Friseurehepaar in Lichtenberg schwer verieht. Zn seinem Geschäft in der Iungstrah« 19 in Lichtenberg wurden gestern nachmittag der 40 3ahre alte Friseur Olto G e b i s ch und sein« gleichaltrige Frau von ihrem Schäferhund, der ossenbar einen Tollwutanfall erlitten hat, angefallen. Dos sich wie sinnlos gebärdende Tier brachte den Eheleuten schwere Bißwunden bei. Gcbisch hatte das sonst friedliche und harmlose Tier in eine Stube neben dem Laden gesperrt. Als sich der Hund durch Scharren an der Tür.bemerkbar machte, öffnete Frau G., um zu sehen, was. es gäbe.—--Her hu n-d-jt-ü-r-z tfe vch Plötz l> ch auf serne herriii und brachte ihr an den Beinen und Armen schwere Bißverletzungen bei. Als Gebisch seiner Frau, die das rasende Tier nicht abzuwehren vermochte, zur Hilfe eilte, wurde auch er von dem Hund durch schwere Bißwunden am ganzen Körper verletzt. Durch die offenstehende Laden- tür lief der Hund dann davon. Ein Polizeibeamter, der des Weges kam und von dem Dorfall sofort in Kenntnis gesetzt wurde, nahm die Verfolgung des Tieres auf, um es unschädlich zu machen und weiteres Unheil zu verhüten. Auf dem Hof des Grundstücks Blumcnthalstrahe 24 gelang es dem Beamten, den Hund einzuholen und durch einen Schuh aus seiner Dienstpistole zu töten. Während Frau Gebisch nach Anlegung von Ratverbänden auf der nächsten Rettungsstelle und einer Schutzimpfung wieder entlassen werden konnte, mußte ihr Mann in das Lichtcnberger Hubertus- Krankenhaus gebracht werden. Der Kadaver des Hundes wurde, da Verdacht auf Toll- wvt besteht, dem Robcrt-Koch-Jnstitut zur eingehenden Untersuchung überwiesen. Ein„seiner" Arzt. Ein Jahr Gefängnis wegen versuchter Abtreibung. Das Schöffengericht Berlin-Mille verurleillc gestern Dr. Lorenz, in dessen Wohnung im Juni vorigen Dahrcs die 17jährige Gerda 71. unmittelbar nach einem an ihr vorgenommenen Eingriff verstarb, wegen versuchler Abtreibung zu einem Jahr Gefängnis und den Kinobesiher w. wegen Beihilfe zu 2 Monalen Gefängnis. Eine Bewährungsfrist wurde für den Arzt abgelehnt. Das Gericht ist über den Antrag des Staatsanwalts— 9 Monate Gefängnis für den Arzt, ISO TR. Geldstrafe für den Kinobesitzer— hinausgegangen. Dieser Dr. Lorenz dürfte nach dem, was über ihn im Prozeß bekannt wurde, nicht mehr wert sein, praktischer Arzt zu bleiben. Nicht wegen der versuchten Abtreibung: nein, wegen seines Ver- Haltens zu der unglücklichen Siebzehnjährigen. Verlockt durch das marktschreierische Aushängeschild„Institut für operationslose Be- Handlung von Frauenleiden", kommt sie in ihrer Not zu ihm und ist nicht imstande, die 500 M. aufzubringen, die er siir die Operation oerlangt. Schon nach der ersten Untersuchung wird er z u d r i n g- (ich, macht beim zweiten Versuch den Vorschlag, sie möge seine Freundin werden, dann würde er es unentgeltlich machen und fordert beim dritten Besuch im voraus Beweise dafür, daß sie ihm später noch vollführtem Eingriff nicht sofort untreu werden würde. Und wie dieser Doktor das alles ohne richtige Vorstellung van dem Ver- brccherischen dieses Ausnutzens der seelischen Not des Mädchens ini Gerichtssaal schilderte, so tat er es auch dem Vater der Siebzehn- jährigen gegenüber, als dieser ihn aussuchte, um etwas über die Umstände zu hören, unter denen seine Tochter starb.„Ich hätte ihm an die Kehle springen können", sagte der einfache Mann vor Gericht.„Psui, solch ein Arzt." Der Vater leugnete, daß er seine Tochter verstoßen hätte, wenn sie sich ihm offenbart hätte. Und doch wird diese gewußt haben, weshalb sie sich Vater und Mutter nicht anvertraute. Ihre einzige Vertraute war ihre Freundin, und von dieser er- fuhr man, wie der Kinobcsitzer an der Siebzehnjährigen gehandelt hatte. Niemand anders als er konnte der Vater des Kindes sein: das wußte sowohl er als auch seine Braut. Aber erst als sie ihm mit der Blutprobe drohte, gab er ihr die 20 Mk. sllr den 2lrzt. um hinterher dem Noter gegenüber in einem Trostbriefe die Vater- schost einem anderen zuzuschieben. So war Gerda bloß auf sich selbst und auf die Freundin angewiesen, und so ist sie im„Institut für operationslose Behandlung" zugrunde gegangen. Dr. Lorenz erklärte aber gestern vor Gericht, daß seine Praxis jetzt gut gehe. Wer weiß, ob er sich nicht des öfteren seine Arzthonorare anders bezahlen läßt als mit Geld? Eine Vorstrafe. die viele Jahre zurückliegt, läßt ihn in dieser Hinsicht nicht ganz ungefährlich erscheinen. Nächtlicher ttebcrfall auf eine Frau. In der Nacht vom Donnerstag zum Freitag wurde die ZZjährize Frau S. aus Charlottenburg in der Rehbrücker Straße in Tief- werder bei Spandau von einem Manne angefallen, der ihr die Kleider vom Leibe riß und versuchte ihr Gewalt a n z u t u n. Als sich die Ileberfallenc heftig zur Wehr setzte und laut um Hilfe rief, schwang sich der Täter auf ein Fahrrad und flüchtete. Schon gestern konnte der Wüstling, ein 31 Jahre alter Maler Georg D. aus Spandau von der Polizei festgenommen werden: der Täter ist geständig. Er beschuldigte einen Freund, ihn zu dem Ueberfall angestiftet zu haben. Der Betreffende' ist daraufhin ebenfalls in Gewahrsam genommen worden. „Ich und mein Kollege kommen aus Berlin", berichtigte Ostap und drückte gleichzeitig Worobjews Ellbogen,„ich möchte aber nicht, daß man davon spricht." Bald darauf wieder unterbrach er Worobjew, der sich an den Frühling seines Lebens zu erinnern begann und sagte: „Berlin hat eine merkwürdige Gewohnheit. Man pflegt dort so spät zu speisen, daß man nicht weiß, ist es ein spätes Mittag- essen oder ein frühes Abendbrot." Elena Stanislawowna besann sich, riß ihren Kaninichen- blick von Worobjew los und ging in die Küche. „Und jetzt vorwärts, vorwärts, vorwärts!" flüsterte Ostap. Er nahm Polesow unter den Arm.„Wird die Alte keine Un- annehmlichkeiten bereiten? Eine verläßliche Frau?" Polesow faltete die Hände, wie zum Gebet. „Rußland wird Sic nicht veraessen", sagte Ostap wichtig. Worobjew hielt einen süßen Piroggen in der Hand und hörte Ostap verwundert zu. Der war aber nicht zu halten. Er ging los. Der große Organisator war begeistert— die Rauschstimmung vor einem großen Coup. Er lief wie ein Panther im Zimmer hemm. Elena Stanislawowna sah ihn in dieser Aufregung, als sie eben einen Samowar mühevoll aus der Küche trug. Ostap trat galant zu ihr, nahm ihr den Samowar ab und stellte ihn auf den Tisch. Der Samowar brodelte. Ostap beschloß zu handeln. „Madame", sagte er,„wir sind glücklich, in Ihrer Per- fon.- Er wußte nicht, wen er in Elena Stanislawownos Person zu sehen glücklich war und mußte von neuem be- ginnen. So sagte er in geschäftlichem Ton:„Ein großes Ge- heimnis. Staatsgeheimnis." Er wies mit der Hand auf Worobjew.„Wer ist Ihrer Meinung nach dieser mächtige Alte? Sagen Sie nichts— Sic können es nicht wissen. Dies ist ein Riese des Gedankens. Vater der russischen Demokratie Mird eine dem Zaren nahestehende Persönlichkeit." Worobjew stand aus und sah sich verloren um. Da er aus Erfahrung wußte, daß Ostap Bender nschts ohne Be- rechnung tat, schwieg er. Polesow dagegen erzitterte vor allem, was er hier hörte. Er stand in der Pose eines Menschen da, der bereit ist, den Parademarsch zu exekutieren, den Kopf stramm nach oben gerichtet. Elena Stanislawowna setzte sich auf einen Stuhl und sah Ostap erschrocken an. „Sind viele der Unseren in der Stadt?" fragte Ostap ohne Umschweife.„Wie ist die Stimmung hier? Elena Stanislawowna, wir wollen uns mit Ihrer Hilfe mit den besten Persönlichkeiten der Stadt in Verbindung setzen, mit jenen, die durch das leidige Schicksal gezwungen sind, sich reserviert zu verhalten. Wen kann man Ihrer Ansicht nach hierher einladen?" Bei der Beratung, an der auch Vittor Michailowitsch teilnahm, kam man zu dem Schluß, daß man Maxim Petro- witsch Tschanischnitow berufen konnte, den gewesenen Be- amten des städtischen Rathauses, der jetzt seltsamerweise Sowjetarbeiter geworden war, ferner den Geschäftsmann Djadjew sowie den Direktor der Odessaer Kunstgewerbe- genossenschoft Kisljarsti und schließlich noch zwei sehr vcrläß- liche junge Leute. „Da wir so weit sind, stelle ich das Ersuchen, diese ge- nannten Herren sofort zu einer kleinen, streng geheimen Be- ratung einzuladen." Polesow stürzte aus der Tür. Die Kartenaufschlägerin sah Worobjew vcrehrungsvoll an und entfernte sich gleichfalls. „Was soll das bedeuten?" fragte Worobjew und blies die Wangen auf. „Das bedeutet, daß Sie ein Reaktionär sind", sagte Ostap. „Warum?" „Darum... Gestatten Sie mir eine ziemlich banale Frage— wieviel Geld besitzen Sie?" „Funsunddreißia Rubel." „Und mit diesem Betrag wollen Sie alle Ausgaben unseres Unternehmens bestreiten?" Worobjew schwieg. „Das ist eben die Sache, mein teurer Chef. Ich glaube, Sie beginnen zu verstehen. Sie werden jetzt eine Stunde lang ein Phänomen an Geist vorstellen müssen und gleichzeitig eine Persönlichkeit, die dem Zaren nahegestanden hat." „Wozu all das?" „Weil wir ein gewisses Betriebskapital brauchen. Ich feiere heute meine Hochzeit. Ich bin kein hergelaufener Bettler. Ich lasse mich nicht lumpen. Ich will an diesem be- sonderen Tag»in Gelage veranstalten." „Was habe ich also zu tun?" stöhnte Worobjew. „Sie haben nur zu schweigen. Zuweilen nur, um sich wichtig zu machen, blasen Sie die Wangen auf." „Das ist doch alles... Betrug." „Wer bat das eben gesagt? War es vielleicht Graf Toiftoi? Oder Darwin? Rein, ich hörte es eben aus dem Munde eines Menschen, der gestern noch in die Wohnung der Grizewa eindringen und der armen Witwe die Möbel stehlen wollte. Denken Sie lieber nicht nach. Schweigen Sie und vergessen Sie nicht, die Wangen aufzublasen." „Wozu sich in eine so gefährliche Sache einlassen? Man wird uns noch anzeigen!" „Beunruhigen Sie sich nicht. Die Sache wird so durch- geführt werden, daß niemand sie verstehen wird. Legt wollen wir Tee trinken." Während die Unternehmer aßen und tranken und der Papagei seine Körner vertilgte, erschienen die Gäste. Rikescha und Wladja kamen mit Polesow. Viktor Michailowitsch wagte es nicht, die jungen Leute dem Geistes- riefen vorzustellen. Sie setzten sich in eine Ecke und sahen zu, wie der Vater der russischen Demokratie kaltes Kalbfleisch verzehrte. Der gewesene Beamte des städtischen Rathauses, ein dicker, alter Mann, schüttelte lange Worobjews Hand und sah ihm in die Augen. Begleitet von Ostaps wachem, lebhaftem Interesse tauschten die Mitbürger der Stadt ihre Höflichkeiten aus. Mitten im allgemeinen Gespräch wandte sich Ostap an Tscharuschnikow:„In welchem Regiment haben Sie gedient?" Tscharuschnikow räusperte sich.„Ich... ich habe über- Haupt nicht gedient, da ich das Vertrauen der Gesellschaft be- saß und enthoben wurde." „Sind Sie Adeliger?"» „Ja, ich bin es gewesen." „Ich hoffe, Sie sind es geblieben? Rur Mut. Man wird Sie brauchen. Hat Ihnen Polesow gesagt?— Das Ausland wird uns helfen. Vollständige Geheimhaltung der Organi- sation aber ist nötigl Aufpassen!" Ostap jagte Polesow von Rikescha und Wladja weg und fragte gerade heraus, streng:„In welchem Regiment habt ihr gedient? Das Vaterland mird euch brauchen. Seid ihr adelig? Sehr gut. Der Westen wird uns helfen. Rur Mut. Vollständige Geheimhaltung der Organisation, das heißt der Einzahlungen und ähnliches, ist am Platze. Aufpassen!" (Fortsetzung folgt.) Der Tod der Margot Candelier Kapellmeister Borchard zu zehn Monaten Gefängnis verurteilt Saarbrücken, 12. Zunl. Unfer grohem Andrang wurde heule vor der I. Strafkammer -es Landgerichts Saarbrücken der Prozeß gegen den Berliner ttapellmeisler Erich Borchard und seinen ISjährigcn Prim- geider Heinz h o f f m a n n. die der fahrlässigen Tötung eines jungen Blädchens, Margot E a n d e l ie r, beschuldig! werden, durch- geführt. Borchard, ein Mann von 45 Zähren, wurde zu 10 Mo- nalen Gefängnis und Hofsmann zu drei Monaten Gefängnis vcr- urteilt, hoffmann wird Strafaufschub bewilligt. Borchard nahm das Urteil ruhig entgegen und verzichtete auf einen Rechtseinspruch. Hoffmann lehnte das Urteil ab. -i- Beim Zeugenaufruf erscheint eine ganze Anzahl von jungen Mädchen im Saal; zum großen Teil sind es Barmädchen aus dem Bergnügungslokal, in dem Borchard sich mit seinen Freundinnen amüsiert hat. Auch seine Berliner Freundin Gerda F. ist zur Stelle. Borchard spricht mit sehr leiser Stimme. Erst im Lause des Ver» hörs gewinnt er langsam an Sicherheit. Vors.:„Wann haben Sie die Margot Candelier rcnnengelernt?3 Borchard:„Am 6. April. Es war der sechste Tag meines Aufenthalts in Saarbrücken. Zwei Tage vorher war ich nüt Lotte Diener bekanntgeworden." Der Angeklagte erzählt, wie die neue Bekanntschaft gleich am Abend in der Apollo-Bar begossen wurde. Am frühen Morgen begab sich Borchard mit der Diener und der Candelier ins Hotel„Ercelsior", wo sie in getrennten Zimmern schliefen. Am nächsten Tag« mietete sich Borchard bei der Witwe Traut wein ein. hoffmann zog gleich mit. Ich habe auch die Candelier gleich mitgenommen, weil sie mir sagte, daß sie nicht niehr bei der Diener wohnen wolle. Die Candelier schlief auf der Chaiselongue. Tagsüber war sie in der Wäscherei„Parisia", wo sie angestellt war. Abends trafen wir imnier im Casö Kiefer zusammen. Am Morgen des 11. April, um 5-8 Uhr früh, wollte ich Margot wecken. Da sah ich, daß sie fast unbekleidet auf der Chaiselongue lag. Ich konnte sie nicht wach- kriegen. Borchard ändert jetzt seine Darstellung gegenüber der Vor- Untersuchung insofern, als er angibt, daß er neben der Bewußtlosen auf dem Tische eine geöffnete Morphium-Ampulle liegen sah, srühcr hat er von Phanodorm gesprochen. Vors.:„Das imt dem Morphium haben Sie sonst immer abgestritten. Sie haben erklärt, sie Hütten ihr ganzen Morphium hoffmann in Derwahrunz gegeben." Borchard:„Ja, weil ich nicht in Versuchung kommen wollte, wieder Morphium zu nehmen. Ich hatte am Tage vorher ein Paket mit Morphium bekommen und dieses auch gleich genommen. Den Rest ließ ich im Zimmer stehen. Die Candelier wird es wohl ausgetrunken haben. Als ich sah, daß die Candelier nicht aufstehen konnte, weckte ich hoffmann, und dann versuchten wir zu zweit, das Mädchen aufzurichten. Sie blieb bc- wußtlos. Ich bat daher die Nichte meiner Wirtin, mir einen Schlauch zu geben, mit dem ich der Bewußtlosen den Magen auspumpen könnte." Vors.:„Wie kamen Sie überhaupt auf diesen Gedanken?" A n g e k l.:„Meine Freundin F. hatte einmal in Berlin einen Selbstmordversuch mit Morphium begangen. Damals sah ich, wie der Arzt auf dieselbe Weise bei ihr eine Magenauspumpung vor» nahxn. Ich flößte ihr dann Milch ein. Nachdem ich ihr den Schlauch in den Mund eingeführt hatte, erbrach sie. Ich wollte noch ein Brechmittel für sie- beschaffen und schickte Hofsmann in die Apotheke, doch bekam er dort nichts, weil er kein Rezept hatte. Ich gab ihr daher Kognak zu trinken. Sie erhielt den Inholt einer ganzen Flasche eingeflößt." Vors.:„Sagen Sie uns etwas über Ihr Verhältnis zur Candelier." A n g e t l.:„Die Diener war meine Freundin. Die Candelier empfand ich als hindcr- nis. Ich behielt sie nur aus Mitleid." Vors.:„Warum haben Sie keinen Arzt zur Bewußtlosen gerufen?" Angekl.:„Ich fand es nicht für nötig. Es ging ja alles normal. Nachdem ich die Wirtin instruiert hatte, fuhr ich mit Hossmann nach dem Ausflugs- ort Deutsch-Mühlwege, wo wir uns trennten und ich zum Mittag- essen zurückblieb. Als ich nach Hause zurückkam, war Margot Candelier bercils tot." Vors.:„Wie wurden Sie Morphinist?" Angekl.:„Ich bin dem Morphium seit dem Jahr« 1028 verfallen. Ick) hatte ein schweres Nierenleiden, erhielt schmerzstillende Injektionen und gewöhnte mich so an das Gift." Der zweite Angeklagte hoff- mann bestätigt im wesentlichen die Aussagen Borchards. Er macht in seiner Aussage einen unsicheren Eindruck. Aus seinen Bekun- düngen geht hervor, daß Borchard innerhalb der 24 Stunden, die der Entdeckung des Unglücks vorangingen, ungefähr 2 5 Morphin ni-Ampullen genommen haben dürfte. Als erste Zeugin wird die neunzehnjährige Stenotypistin Lotte Diener, ein hübscher, kleiner ,.Flapper"°Typ, vernommen. Die Bekanntschaft mit Borchard hatte sie in der— Drehtüre des FunktionSr-Vanaminluna! Dienstag, den 16. Juni 1931, 19'/. Uhr, im großen Saal des Saolban Friedrichshain, Am Friedrichshafn 16/23 Genosse Siegfried Aufh ä u$ e r, M. d. R., spricht über: SozialdemokraSie und Notverordnungen Die politisehen Vertrauensleute haben Zutritt.— Zutritt nur gegen Vorzeigung der Fartetfunklionfirkarte für 1931 mit gleichlautendem Parieimitgliedsbudi._ Der Bezirksvorstand. Mit Rücksicht auf die am Dienstag, 16. Juni, stattfindende allgemeine Funktionärkonferenz findet die für den 16. Juni vorgesehene Funktionärinnenversammlung erst am Honfag, fiem 29.|nnl,\9li- Dfisr. in den Kammersälen, Teliower Straße, statt. Das Frauensekretariat. Schloß-Cafes in Saarbrücken gemacht. Sie charakterisiert den Angeklagten folgendermaßen: Borchard tonnte nicht einsam sein. Er stand völlig unter der Einwirkung des Morphiums, und ich hielt es für meine Pflicht, ihm beizustehen, obwohl ich wußte, daß er verheiratet ist und eine langjährige Freundin hat.' Damit er nicht allein bleibe, habe ich vorgeschlagen, daß die Candelier ihn auf seinen Reisen begleiten solle, obwohl mir dieser Vorschlag schwer- gefallen ist. Die Candelier hat gesagt:„Dir zu Liebe Lotte, gehe ich mit." Vors.:„Wie war die Candelier Männern gegenüber?"— Zeugin:„Sie erklärte mir einmal: Ich bin Französin, ich kenne nur die Liebe, weiter nichts. Ich nehme keine Rücklicht, sondern lasse mich nur von meinem Temperament leiten.. Mehrer« Zeugen sagen darüber aus, ob d«r Candelier ein Selbstmordversuch zuzutrauen sei. Während einige behaupten, sie sei in den Tagen vor chrem Tod« sehr bedrückt gewesen, wollen andere an ihr keine Veränderung bemerkt haben. Die Diener er- klärt einen Selbstmord für möglich: es sei ihr bekannt, daß die Candelier sich schon zweimal die Pulsadern durchschnitten hätte. Es folgt, als Zeugin die Nichte der Wirtin Borchards, Frieda Feil. Borchard sei mit den Worten ins Zimmer getreten:„Ich habe mir für heute nacht ein Mädchen mitgenommen. Jetzt ist ober etwas Schlimmes passiert. Geben Sie mir einen Gasschlouch." Borchard meinte, es sei keine Gefahr vorhanden, er werde schon, wenn es nötig sein sollte, den Arzt benachrichtigen. Als ehemaliger Pfleger und Sanitäter verstehe er auch etwas davon. Großen Ein- druck ruft die Aussoge des Arztes, Dr. Schröder, hervor, der als Erster den Tod der Candelier konstatierte. Er fand auf dem Tisch das Glasröhrchcn, in dem nach Angabe Borchards Phanodorm gewesen sein soll. Der Arzt erklärte:„Wenn die Candelier wirklich Phanodorm genommen hat, so kann dieses unmöglich allein ihren Tod verschuldet haben. Auch dann nicht, wenn sie das ganze Röhr- chen verbraucht haben sollte." Das Gericht kam dann zu dem eingangs mitgeteilten Urteil. Landwirte um 60000 Mark betrogen. Selbstmord eines Landbnndgeschä'stsführers. Greiz, 12. Juni. Der Geschäftsführer des Greizer Landbundes, das Staatsratsmitglied Hermann D i f f e r t, hat sich am Freitag vormittag in seiner Privatwohnung mit einem Jagdgewehr eine schwere Schußverletzung in der Herzgegend beigebracht, an deren Folgen er aus dem Transport zum Krankenhaus gestorben ist. Bei einer Revision waren größere Unterschlagungen aufge- deckt worden. Die Untersuchung ist noch im Gange. Es steht bereits fest, daß die unterschlagenen Gelder weit über 50 000 Mark de- tragen und eine Anzahl Landwirte, da sie Bürgschaft übernommen haben, schwere Verluste erleiden werden. Sprechchor für Proletarische Feierstunden. Treffpunkt zum Ausflug nach Samt, Sonntag, den 14. Juni, früh 6 Uhr, Bahnhof Gesundbrunnen, Eingang Bellermannstraße. 3m Ralnrlhcaler Berlin-Fricdrichshagen gelangt am Sonntag, dem 14. Juni, um 13 Uhr,„Die versunkene Glocke" von Gerhard Hauptmann zur Ausführung. Eintrittskarten zu 2,—, 1,50 und 1,— M. sind an der Kasse ab 17 Uhr sowie auf telcphonischcm An- ruf(R 4 7531) zu haben. Die Tanzparodislen Christiane und Duroy gastieren im Monat Juni im„Haus Vaterland" am Potsdamer Platz, und zwar mit großem Erfolg. Das Künstlerpaor weiß ein volles Parkett launig zu unterhalten und btingt manches Neue aus dem Reich der Tanzparodic. In den„Zwei Albertos" treffen wir alte Bc- kannte, die auch hier ein aufmerksames und dankbares Publikum finden. Beide beherrschen den grotesken Stepptanz in allen mög- lichcn Nuancen, wobei der mannliche Portner ein besonderes Maß von Geschicklichkeit und Kraft auszubringen Hot. Di« Choreographie vertritt Lys Legan, während das„h a u s q u a r t e t t" und die munteren Girls für ein buntes, abwechslungsreiches Rahmen- Programm besorgt sind. Deltcraussichlcn für Berlin. Ein wenig kühler, wechselnde Bewölkung, strichweise noch Schauer oder Gewitter. Für Deutschland. Im Osten zahlreiche, im Westen nur vereinzelte Regenschauer und Gewitter: überall Temperaturrückgang. Großfeuer in KönigsbergerWarenhaus Oachstuhl heruntergebrannt.- Ecktürme abgestürzt. Söaigsberg, 12. Juni. heute nachmittag brach in dem am Altstädtischen Markt ge- legenen Kaufhause Alexander u. Echternach Groß- seuer aus, das sich mit rasender Geschwindigkeit über das drei Stockwerke umfassende Gebäude ausbreitete. Der gesamte Dachstuhl des großen Hauses und das oberste Stockwerk brannten vollkommen herunter. Reichswehr und Schutzpolizei unterstützten die Feuerwehr bei den Ausräumungsarbeiten. Gewaltige Mengen von brennenden Stoffballen wurden zusammen mit Bettstellen und Dachsparren auf die Straße geworfen. Insgesamt waren 26 Rohre eigesetzt, unter anderem auch das Motorlöschboot, das mit einer Schlauchleitung die Straße geworfen. Insgesamt waren 25 Rohre eingesetzt, unter Die Oberleitung der elektrischen Straßenbahn und verschiedene Licht- leitungen wurden von den Heruntersallenden Türmen, insbesondere dem großen Eckturm des Warenhauses, beim Absturz zerrissen. Der Strom wurde aber vorher ausgeschaltet, so daß kein weiterer Schaden verursacht wurde. Der Schaden ist ungeheuer groß und noch nicht abzuschätzen. Auch über die Entstehungsursache des Brandes hat man noch nichts ermitteln können. Spart. Rennen zu hoppegaricn am Ireitao, dem 12. Zum. l. Rennen. 1. Jambus lHallnes), 2. Oriolus, 8. Loe. Toto: 40: 10. Platz: 18, 16. 20:10. Ferner Uesen: Petronia, Silberling, Hochwald, tztgricola, Taklö. 2. Nennen, t. lNorie Loiiüe(Streik), 2. Vierzeiler, 3, venllo. Toto: 81:10. Platz: 88, 37, 21:10. Ferner tiefen: Brifsago, venuila. LceanuS, Onega, Parzenländer, Slcmod, Landjunkcr, Reichcnbach, Noienau. 3. R e n n e n. 1. Siniflut(Böhlke), 2. ChrySka, 3, Reilemarschall. Tolo: 14: 10, Platz: 10,13:10. Ferner iiesen: Coblenz, Cornelia. 4. R e n n e n. 1. Freiweg II(Reslenberger), 2. Rosmarin. 3. Scapod. Toto: 27: 10. Platz: II. 11:10. Ferner Iiesen: Meitterpolier, Granit. 5. Rennen 1. Rotkäppchen tHayneS), 2. Chrhsanlbenie. 3. Bc- freiungsfeier. Toto: 17: 10. Platz: 12, 14:10. Feiner tief: Lillith. 6. Rennen. 1. Filmenau(Hngneniiil. 2. Rdebar, 3. Sopran. Toto: 62: 10. Platz: 80, 47: iO. Ferner listen: Wafannllo, German cus, Georgia 7. R e n n c n. 1. Eroica(Printen), 2. Rtorgenwind, 8. Kerner. Toto 35:10. Platz: 13, 13, 17:10. Ferner lic'ert; Faschist, Kapitän, GraalsS: Eajjcnjunge, Malatesta, Edu, Tannenberg II., llufenduazen tue diese Rubrik sind » S r 1 i» SS SS, Liadenjtraße 3, parieinachrichien für Groß-Verlin stets an da» BezirkssetretarisS !. Hat, 2 Treppen rechts, ja richte». Beginn aller Veranstaltungen WA Uhr. sofern keine besondere Zeitangabc! heule, Sonnabend, lZ. Juni: 2. ftreit. Sie Scn.citcit bc« f rüderen lviailomitcc« treffen sich Wt SiWliuNt der AontrolltatiAkeit auf unserem Sommerfest bei Nöstel, VttUltz.tr. 10« 7. und 8. Kreis. Juristisch« Sprechstuvde findet von 17 bis 18 Uhr im Zu» qeubheim Rastnettstr. 4 statt, e�leqenbeit zum StirckenOustrltt. 75. Abt. 20 Uhr Lokal Lindcuhof, Am Wilhclmplah, MstglteVervcrsammLuna. ernst Rencnnnn: Parteiiaa und Rotnero rdnnna. ZNorgen, Sonnlag, 14. Juni: 7. Abt. lsamilienansflna nach chnSenncncnborf. Waldschär.ke. Treffen» Utzr. ftinbcc und antfrfs FahriverbUliaunq 8% Uhr Stcmoct Vsrort- dabahof. Kahrt bis Frohnau, dann Waidwea bis znm Ztfel. Nachzügler treffen sich im Ncstourant Waldschanke. Gaste sind herzlich Vlllkommen. s?ür Kmderbclustmungvn ist geformt. Um rcqe Betr'.liguva butet die Ab- teilnnn-leitung..»_.„ 16. und 18.«6t. Löwenbroucrei, Hochftr. 1-2, Tonrmerfest.«nfana 15 Uhr. Eintritt 56 Pf. Gäste hcrjstich willkommrn. Karteu nur bei des Bezirks. führsru. � 27. Abt. Tahrt der fünaeren Varteiqenosssn nach Guircmt.£tcffaunfc 6 Uhr Bahnhof Gesundbrunnen, Millioncnbrü-Oe. Gäste Mlskonrm-en. 82. Abt. Die Adteilunq deteil'.gt sich q�chlosfcn an dein morqrn, Eonntaq. staltfindenden Waldtreffen. Antreten zum geNVlnsamen Abmarsch Uhr Dilppclylah., �_. 132. Abt. Bcsichtimtnq des Schulgartens unter fsLhnw» in Bsan?enkeN>e. Die Genossinnen und Genossen trvsfcn sich 9 Uhr auf.dem Bahnhof Blanken. bürg. Besichtigung um 19 Uhr. Gäste willkommen. -t- 13. Kreis. Montag, 15. Juni,«reis'zorstandssihuna w der Ände, TemVelhof, �riedrich-Karl- Eck« Werderstraße. Arbeiisgemeinschast der kinderfreunde Groß-Derlin. greis Nenkösin. Kruppe Fafkr. Seilte Treffpunkt»ut Tatzrt nach Uetzdork UM 16 Uhr am Bahnhof Aarser.�ricdrich-Straße. Unkosten 1. M.— Gruppe Lichllär�f'-r. Note gasten. Heute �eltfahrl. Alle werden erwartet.-- Grupp« frtifc Reuter. Sonntag, 14. Juni, ffrljrt nach Grünau. Treffpunkt 7�,4 Uhr Rathaus Brisi. 46 Pf. � � �-j Gruppe Äöpcnuk. Treffpunkt heute, Uhr. Bahnhof Ärtpemi,?ur fochrt nach Erkner. Unkosten: Iunpfalken und Rote galten 76 Pf. Nestfaiken 46 Pf. Ave eine Zitrone und Essen für beide Tage mitbringen. K-ei« Lichtcnbera. Die Areishclfersi�una finde: umständehalber nickt Eonn- abend. 1.?. Juni, sondern Dienstaa, 16. Juni, 19*6 Uhr. in den Baracken, Ratljavsstrahe. statt. � t. v Restfalkenhelfcr.— Kursus Brieselang.— Abfahrt Eonnabemd, 17.33 Uhr, Lehrter Bahnhof, ftahrfchei-.ifahrer eine halbe Stunde frUher. Nach?.sslUer: Kursnsbeainn Sonntaa 9 Uhr. � � s. Kreis Tempelhsf. Sonntaa. 14. Juni, BeteiUquna am Waldfest der Partei. Gruppe Tempelhof trifft sich 10 Uhr am Ullsteinljaus, Teltowtanal. Eferbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation v«. Abt. A-n 1». Juni rerftOTb noch lonfirnt nni ftkn-crcm Leiden unfer chenofft grib(IRIorn, je,, R?..Vi, gäelelstr. 19, im inpendlichen Älter von. 23 Jahren. Ehre frinetn Andenken. Seftcttunn iKontnn. 15. Inn:, 19!.- Uhr, grcmntocinm(SeritfitflroSe. Ilm.ohlreiche Beleiliounp wird aebeten. 79. Abt. linsere licdc Genoisi". Marie RieUimiXIer, Ecdanstr. 41, ist Don. nerstao, II. Juni, noch tanqtt Uranfficit verstorben. Ehre ihrem An»enken. Einäscherung Mvntoq, 13. Juni, 13 llhr, Ärematorium Wilmersdorf. Reo- Setcilisur.fl erwortet die Abteilung.. 82. Abt. Unsere Genossin Marqareie Maah ist am 8. Sunt unerwartet aefwrben. Ehre ihrem Unö-r.len. Di« Seeriiauna Hot am 12. Juni stail- aefunden. 1 SozialifiisKe Arbeiterjugend Groß-Verlin cklnsendangea für diese Jtubri? nur an bei Jagendfefrclariat JJeffin SW 68, Xtedenffröfa S Fnntioaärversommluna Montan, 15. Juni. 19'4 Uhr. Schulaula Kochstr. 13. (Genosse Dr. Kurt Löwenstein, M. d. R.. siprickt über:„Dir Lehrrm des Partei- taaes und die Iuaend". Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt, Harten zum RATT zu Zl) Pf. können aegen sofortige Bezahlung abgeholt werden. heute Treffpunkte für Fahrten: Weichinn lR.-ss.): 17 Ilde Saljnfaf Weddin«.— tzlmimplntz: 3044 OTt Slodtifchf ffiefundtrunnen. SWorflen,« Utzr, edendort.— Snmnnnpln»: Rod- sahrer Isiie Utzr Helmdolsiplop. llnkosten 40 Li.— LnLesche» Tor: 1714 Uhr Slote stche. Die Ellern treffen sich mnrnen 1% Uhr Lehrter Dahnhot.—?teu- föajt VIII; 20 Uhr. Ro-fer-fftirhtich-.Crtc AeitirlfNaze.— Jfrnsmolber Platz Ii: 1« und 20 Uhr Dahn ho f JPc.fienfce.., * Wctbchesirl Prpn, lauer Bern: TSonderleiterfchrt. IS Uhr Prenzlauer Allee. fZnhrsield«0 Pf. Werbe be,irk Panlow: Werdeheiirkztrefsahrt. siarow 13.16 Uhr, Dianken- dura Isi.D Uhr. Pankow 13.L> Uhr. Werbet«, irk Osten: ssrankfurter Allee 307. 18 Uhr.„Probleme der Jugend." Morgen, Sonnlag, 14. Iuni. Neukölln 7: 6 Uhr Nenterr-latl.— eütnreftrn: 6 Uhr Belle. ülll.onee.Plad. — Besten: 6H Uhr Bahnhof Blilowstrasie. Vorträge, Vereine und Versammlungen. /A A Reichsbanner..Schwarz-Rot-Gold". Eeschllktsstelle: Berlin S. 14. Eebastianstr. 37—38, Lok 2. Tr. Rontaq, 13. Juni,»ilmerebors lOrt»verein). 20 Uhr Turnen und Bor lehr aanq in der Treitschke.Säliile, Prinilreaentenstrasie. Ren- kölln-Britz.'>..stameradichaft. 20 Uhr Miialiedcrveriammlunlien: 1. Zua hei Schnbeilo, Weichlelslr. 5. 2. 3ua hei Siol.ee, Böhmische Str. 43— 44. Pankow (Ortsnctein). 19 Uhr in«errohnlet Turnhalle Antreten sämtlicher stameraden in Bundeskleiduna. Pslichiveranstalluna.— ikepenlik lOrtsverew). Bonn» abend, 13. Juni, 20 Uhr. Werbeveranstalliinq de»?nnanner» im Etadttheaier. Airtrelen aller Kameraden in Vundeokleidima.— SDHttc. 6. Kameradschaft. Sonnten, 14, fluni. Die Kameraden beieiliqen sich an der Peranstaltnna der 7. Ableilunq in Hohenneuendorf, hlesdonrant Maldschllntze(Rabe Pahnhos).— Treptow(Crlsocrein). Tonntan, 14. Juni, Abfahrt nach Liihhen: Treptow ,3>4 Uhr, Baunrsch'.ilenrven 3'., Uhr, Lchljneweibe 31h Uhr, Adlershof und fZasilenbem 3� Uhr. sitnsOA Bnnde-tzleiduna und Srotbeirtcl. Zahnen und Smielmannnua fahren mit.— Äret« g. Beiirk Bernau,(üonnlaa, 14. Juni, Degirkstreffen. Eintreffen der Ortsnereine in Bernau, Kaiferstr. 79, Lokal Madilch, 714 Uhr, in Bnndeskleidnna mit fZOhnen und Musik.— Bernau. eonnto«, 14. fluni, 7VI Uhr, Antreten am Vereinslokal in Bundesileidung mit STahncn und Musik jum Ve/irk st reffen. Pflichweranstaltung. Arbeiter. Radio. Bund Teutschland, e. B. Ortoaruppe Berlin. El>arl»tten. dura: Lokal Lehmann, 51 im ig wq 8. ssreitaa, 19. fluni, Vastolabei:», 2/1 Uhr. — Friedrichsselde: Lokal Tempel, Sudrrntstr. 7. Moutaa. 13. Juni, technisehe Plauderei, LS Uhr.— flriedrichshe.in: Lokal Wertalla, ftohenlcheftr. 3. Ton- nerolasi, 18. Juni, Crpcrimeittierabend, M Uhr.— Gesundbrunnen: Lokal Shintbera, Gtettiner Str. 52. sZreitasi. 19. fluni, feraqeabend. 20 Uhr.— sireuihera-Tempelhos: Lokal Thiele, sllledrinaerstr. 9. fsreüaa, 19. Juni:»Tie Schirmaiiterhochfreanenestufe", Rest.: Gen. Kirsch, 20 Uhr— Lichtenberg: Lo- kal Kämmerlein, Riaaer Str. 50— Cl. Freitag, 19, fluni, Instandsetzen»nsiers Slraftoecitorkers, 2» Uhr.— Reukölln-Treniow: Lokal Ggoers, Kaiser. Friedrich. Strafte 8. ssreitag, 19. fluni, praktischer K-end. Leitung: Gen. Gimpel, 20 Uhr. — Prenzlauer Berg: Lokal Klug. Taugiger Str. 71. Dienstag. 10. Juni. Erperimentier-Vauarhrüen. Leitung: Gen. Ringel, 18 bis 20 Uhr. Technische Plauderei unter.Zugrundelegung der in der Poetragsreihe:..Einsllhrung in die Zladatechnik" gesammelten Grsahrunaen. Leitung: Gen. Sprenger. 20 bis ?2 Uhr.—-Achtung' Montag, 13. fluni, Reieltenherger Str. 30, Löf II r.» Techniiersitzuu», 19 Uhr. Pflichtübung für alle Techniker. Reichsbunb dcr Krieqsbeschüdigten, Kriegsteilnehmer und Kriegeeliinter- bliebenen, Bezirk Zentrum 1 II. Sonntag. II. fiim-, Ausflug nach Sehulgen- darf. Treffpunkt 9 Uhr ctettiner Pororthahnhof. SoäMllglct werden im Linden- ho: erwartet. Sftcitelifliiife Gemeinde. Sonntag. 11 Uhr, Pappelalle? 15, Dortrag des Seren C. ffiltthauet; Sorialismus oder Staatskapitalismus? Briefkasten derRevakSion. s. 1. Die Kün�iqim<7, Nationalsozialisten 3 (7), Gelber Werkoerein 4(3), sonstige Vereinigungen 6(0), Unorganisierte 19(21). Achtung, Bauarbeiter'. Die Bausperre gegen die Firma P e c st. Spandau, Berliner Chaussee, und auf der Baustelle Jrenenstraße (Lichtenberg), ist ausgehoben, da die tarisvertraglichen Verpflich- tungen erfüllt sind. Deutscher Baugewerksbund Baugewerkschasl Berlin. .�reie Gewerkschafts-Lugend Verlin Heule, Eovnadevt, sint» folflnibe SSttauftalluttflHi: SiiMttis: Scrnrnct. nochtslreüxn in der L!rer»In>inrr,sonncn>,iid«. Treficn um 1"% und ihn 20 Vj Ubr<&&rliSrt Bobnbof. Unkostrn etwa 1,25 M.— Iuaend. qrnpp« fct< Deitichr» Beileidiiugiardeiter-Berbandes. Wandcrur.a Dudrowbrra. Trrtfrn irm 1TO Uhr SWlifccr Badndof. Vorhalt.— Mvracn,£onnt«s, sind fclqend« Si-rauftaluintK": 3uflenbnt*m dr« ftciomloctbanbt«: g'ahrt nach Zojsin. Teetfrn 8 Uhr«.nhaTter Badnbof, Ecke MLktrrnitraßr. Kogrn 1 20 M. —«arten filt»i«(Sotmeraucndfrifr am 30. Juni in Seicfclan« sind in den Srupven tu dobrn. G Iugendstruppe Zentralverbandes der Angestellten Seutr, eannaixnd: Spiel« im Zs«ie» ad 19 Ultt Svarwla» humdsldt- Hain und im Hchillerpaek. 1 SädpruJfcirorfr 309 Fichlelgebirge. Das schnwcke Wcrbehcst„Ins Fichtel- gebrrge", das die Vcrkahrsv«rbände dieser von der Natur so bevor- zogt«« Landschaft jetzt gemeinsam mit dem Fichtelgebirgsverem herausbrachten, ist dazu berufen, diesem„deutschen Paradies", wie es die Alten nannten, wieder die Geltung als Reisegebiet zu ver- schaffen, die es verdient. Auserlesene Lichtbilder lassen die Eigen- ort des verwitterten Granitgcbirges mit seinen romantischen Schluchten und trutzigen Felfenburgen, seine lieblichen Täler und bewaldeten Hänge erkennen. Zu beziehen durch alle Reifebüros und gegen lä-Pfcnnig-Marke durch die Vcrkehrsverbände in Bay- rcuth, Hof und Selb. Ostseebad Heiligenhofen sholslein). 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Juni auf SO, 4 Millionen Mark. Hinsichtlich der Devisen- abzöge ist man teilweise auf Schätzungen angewiesen, da die Reichs- dank nur die Veränderungen der sogenannten derkungsfähigen Devisen(d. s. Auslandswechsel mit nur 14tägiger Laufzeit) anzeigt, während die Verkäufe von Devisen mit längerer Laufzeit, die unter „Sonstige Wechsel und Schecks� und„Sonstige Aktiva" verbucht werden, nur summarisch aus der Bewegung auf diesen Konten ge- schätzt werden können. Infolgedessen läßt sich die wirkliche Höhe der Devisenverluste seit dem 1. Juni nur annähernd bestimmen. Sie dürfte sich bis einschließlich gestern auf kaum weniger als dreioier-tel Milliarden Mark belaufen, wobei besonders zu bemerken ist, daß in den letzten vier Tagen durchschnittlich mehr als 100 Millionen Mark Devisen abgegeben werden muhten. Dreiviertel Milliarden Devisenverluste brauchen gegenüber einem jetzt noch vorhandenen Gold- und Devisenbestand von annähernd 21/2 Milliarden Mark keine währungstechnische Beunruhigung auszulösen. Vorläufig liegen die Nachteile dieser Devisenabzapfungen hauptfäch- lich darin, daß die Aeichsbank bei einem weiteren Anhalten der Devifennachstage schnell zu scharfen Abwehrmaßnahmen greifen muß. Zum mindesten sind die bisherigen Vorgänge auf dem Devisen- markt jetzt ein absolutes Hemmnis für die rein konjunkturpolitisch längst fällige und bis vor kurzem auch geldmarkttechnisch noch mög- lich gewesene Krediwerbilligung durch Diskontherabsetzung. Jetzt besteht im Gegenteil für den Fall einer weiteren Zuspitzung aus dem Devisenmarkt die dringende Gefahr entweder einer Diskont- erhöhung oder— was wahrscheinlicher und vielleicht auch zweck- mäßiger ist— die Gefahr einer Kreditrestrittion gegenüber den Banken. Da der größte Teil der Devisen auf aus- ländische Geldkündigungen zurückzuführen ist und diese Auslands- gelber wegen der Beunruhigung über Deutschlands politische und wirtschaflliche Lage zurückgezogen werden, also auch durch einen höheren Zinsanreiz nicht im Lande gehalten werden könnten, fo müßte diesmal eine Diskonterhöhung— das übliche Mittel, um Auslandsgeld anzuziehen— voraussichtlich versagen. Sogar über den demonstrativen Wert einer Diskonterhöhung gegenüber dem In- und Auslande kann man durchaus im Zweifel fein. Es steht zu befürchten, daß das Alarmsignal einer Diskontheraufsetzung, statt beruhigend zu wirken, im Gegenteil die politisch verursachte Unruhe und das Mißtrauen des In- und Auslandes erst recht verstärken würde. Da auch jetzt die deutschen Großbanken ihre Devisenanfor- derungen zu einem erheblichen Teil mit Reichsbankkredit finanzieren dürsten, so würde eine Beschneidung ihrer Kredite durch die Reichs- baut wahrscheinlich■ auch diesmal prompt— wie bereits früher schon— eine Eindämmung der Deoisennachfrage zur Folge haben. Mit Rücksicht auf die schwerwiegenden Folgen einer solchen allgemeinen Krediteinschränkung. besonders bei der heutigen Läge der deutschen Wirtschaft, wäre es wünschenswert, daß die Anwendung dieses letzten Verteidigungs- mittels der Reichsbant der deutschen Volkswirtschaft erspart bliebe. Da» ist aber jetzt zweifelhaft geworden, nachdem selbst die Par- tei des Reichsbankpräfidenten Katastrophen- Politik zu treiben begonnen hat. Noch bis vor kurzem schien es, daß die Devisenabziehungen, soweit jedenfalls das Ausland die Ursache ist, abebben würden. Nach Angaben der Banken spielten bis in die letzte Zeit Anforderungen inländischer Kunden für Kapitalsluchtzwecke keine entschei- dende Rolle, sondern nur die Geldabziehungen des Auslandes. Die außergewöhnliche Höhe der letzten Devisenabzüge mit mehr als 100 Millionen täglich lassen auch hier auf einen Wandel schließen, denn es ist nicht anzunehmen, daß lediglich die Nichtverlängerung jeweils fälliger Auslandskredite solche große Tagessummen aus- machen würde. Vor allem aber ist wahrscheinlich, daß die Groß- b a n k e n im voraus und für alle Fälle ihre eigenen Devisenreserven auf Kosten der Reichsbank weitgehend zu erhöhen trachten, um im Falle einer befürchteten Krediteinschräntung weniger von der Reichsbank abhängig zu sein. Bisher ruhte der ganze Druck der Devisenabzüge restlos auf der Reichsbank, obwohl die großen Privatbanken ihrerseits über reichlich« Devisen- guthaben im Auslande verfügen, deren Einsetzen die Stöße auf dem Devisenmarkt stärker hätte abfangen können. Leider bestätigen auch die jetzigen Vorgänge wiederum, daß die Reichsbank nicht— wie es sein sollte— die letzte, sondern die erste Devisen- bzw. Liquidations- reserve des Landes darstellt. Es scheint uns aller Anlaß gegeben, den Großbanken begreiflich zu machen, daß die Auf- rechterhalhxng oder Verstärkung ihrer Devisenflüssigkeit nicht aus- schließlich auf Kosten und zu Lasten der Allgemeinheit gehen darf. Denn die Rückwirkungen einer der Reichsbank aus Deckungsgründen etwa aufgezwungenen Diskonterhöhung oder Kreditrestriktion müßten die deutsche Wirtschaft im gegenwärtigen Stadium der Konjunktur unabsehbar schädigen. Die Banken haben die Auspowerung der Reichsbank auch nicht so nötig, wie es scheint. Die deutschen Großbanken haben in den letzten Monaten mit der Aufnahme von neuen kurzfristigen Aus- landskrediten merklich zurückgehalten, teils freiwillig, teils zwangsläufig. Man darf annehmen, daß die in den letzten Jahres- bilanzen mit rund 4% Milliarden Mark ausgewiesene kurzfristige Auslandsverschuldung der Banken inzwischen um mindestens V* Milliarde verringert worden ist. In dem Rest von etwa 4)4 Mi!- liarden stecken aber noch etwa 1?4 Milliarden sogenannte Rembours- kredite(Garantieverpflichtungen bei ausländischen Banken für Wechfelkredite deutscher Importeure), die erfahrungsgemäß kaum gekündigt werden. So blieben als durch Kündigung gefährdet an- zusehen noch vielleicht 2� Milliarden. Zur Deckung ihrer Aus- landsoerpslichtungen unterhalten mm die Großbanken auf der anderen Seite entsprechend Gegenguthaben im Auslande: diese sogenannten valutarifchen Deckungsmittel wurden in den letzten Jahresbilanzen mit rund 1% Milliarden ausgewiesen. Unter der Annahm«, daß diese privaten Devisenreserven der Großbanken nach den letzten großen Vorraiskäufen der Banken wahrscheinlich sich nicht ver- ringert haben, würden also höchstens% bis 1 Milliarde der Großbanken zur Deckung auf die Devisen- und Goldreserven der Reichs- bant angewiesen sein. Die Danken wären also in der Lage, die Reichsbank erheblich mehr zu schonen, als es bisher geschehen ist, und zur Vermeidbarkeit einer Kreditrestriktion erheblich beizutragen. Jedenfalls ist die Dage für die Reichsbankpolitik hochverantwortlich und für die G e f a m t w i r t f ch a f t sehr ernst. Für die Sicherheil der Währung, das fei mit aller» Rachdruck gesagt, besteht keinerlei Gef«Hr. Gerade aber weil keinerlei Inflation»- gefohr bestehen kann, sind die wirtschaftlichen Gefahren um so größer. Gegenüber diesen unabsehbaren wirtschaftlichen Gefahren scheinen rechtsstehende Regierungsparteien jetzt vabanque spielen zu wollen. Diesen Gefahren zu begegnen muß auch die grundlegende Um- gestaltung der Rotoerordnung in sozialpolitischer Hinsicht dienen, nachdem die Unruhe und das Mißtrauen des Auslandes. die unser Kreditsystem so ernst bedrohen, auch durch die innerpoli- tischen Wirkungen der Rolverordnung verstärkt worden sind. 33V 300 Wohnungen. So viel worden 4930 noch gebaut. Das Reichsstatistrsche Amt stellt fest, daß im Jahre 1030 nicht Zveniger als 330 300 Wohnungen gebaut worden sind. Ebenso viel wurden im Jahr« 1928 gebaut, dagegen stellte sich für das Jahr 192S die Zahl der gebauten Wohnungen um 2,5 Proz. höher. Zum erstenmal wurde im Jahre 1930 die G r ö ß e der Neuwohnungen ermittelt. Von denn 307 000 NeuwohnUngen entfallen 47,7 Proz. auf Kleinwohnungen(1—3 Räume), 49,4 Proz. auf mistlere Wohnungen(4— 6 Räume) und 2,9 Proz. auf größere Wohnungen(7 und mehr Räume). Der Anteil der Kleinwohnungen hat in den letzten Jahren ständig zugenommen. Von den Neuwohngebäuden wurden 79,4 Proz. mit Unter- stützung öffentlicher Mittel, also mit Hilfe von Hauszins- steuern usw. errichtet. Bei den Kleinwohnungen macht die Jnan- spruchnahme von Hauszinssteuer etwa 80 Proz. aus. Bei den Vau- Herren sind über die Hälfte private Auftraggeber, doch geht der Anteil ständig zurück. Die privaten Bauauftraggeber betrugen 1927 noch 60,3 Proz. gegenüber 51,3 Proz. im Jahre 1930. -II Milliarden Lebensversicherungen. Die Entwicklung der privatversichemng im Jahre 4930 Das Versicherungsgeschäft ist nach dein Jahresbericht des Reichsverbandes der Privatversicherung im Jahre 1930 nicht ungünstig verlaufen. Der Zusammenbruch einiger Unter- nehmen ändere nichts an der Tatsache, daß die E n t w i ck l un g ..gesund' sei. Die Gesamtprämieneinnahme ist auch im Jahre 1930 weiter gestiegen, auf etwa 2,7 Milliarden Mark. Don der Steige- rung um 100 Millionen entfallen 80 Millionen auf die Lebens- Versicherung. Der Lebens»ersicherungsbestand betrug am Ende des Jahres 1930 etwa 17 Milliarden Mark(1913: V> Milliarden): die Prämieneinnahme in der Lebensversicherung erhöhte sich auf 670 Millionen Mark. Für die Feuerversicherung war das Jahr 1930 wesentlich günstiger als das Jahr 1920. Die Summe für Braudschäde» ging nämlich von 142 auf 106 Millionen Zurück. Die anderen Zweige der Sachoersiche- rung(Haftpflicht-, Transport-, Kreditversicherung) schlössen nicht fo günstig ab.__ Versicherungsgewinne. Wir konnten schon an den Allianz-Abschlüssen zeigen, daß die Aktionäre der Versicherungsgesellschaften heute Renten beziehen, die in der deutschen Wirtschast nicht ihresgleichen haben. Die Hauptgesellschajt des Nordstern-Konzerns, die Nordstern und Vaterländische Allgemeine Versicherungs-A.-G., hat mit starken Ver- lusten abgeschlossen(aus der Uebernahme der zusammengebrochenen „Vaterländische und Rhenania'). Aber die Nord st«rn Lebens- v e r s i ch e r u n g s b a n k A.- G., Berlin, hat glänzend verdient (wie im Vorjahr)! Die Aktionäre erhalten wieder die außer- ordentliche Dividende von 14 Proz.; dazu erhalten sie eine Z u- s ch r e i b u n g zu ihrer Kapitalbeteiligung, die noch einmal 10 Proz. ausmacht, so daß sie insgesamt 24 Proz. Dividende bekommen. Glück- liche Leute, die jährlich ein Viertel ihrer Kapitalbeteiligung als Rente beziehen! Die Zollgeschenke der Nowerordnung. Allein 40 Millionen ans der Erhöhung der Mineralzölle. Aus Fachkreisen wird uns geschrieben: „In der 2. Beilage Ihres Blattes vom 10. Juni, Nr. 265, nehmen Sie zu der Notverordnung Stellung und erwähnen hierbei die Gewinne, die dadurch der Schwerindustrie unverdient in den Schoß gefallen sind. Da es hierbei beiläufig heißt, daß dieser Punkt im Rahmen der ganzen Notverordnung nur eine Kleinigkeit dar- stellt, es verlohnt sich nachzuprüfen, wie groß dieses Geschenk für das schwerindustrielle und Chemiekapital ist. Man muß nämlich wissen, daß an Benzol etwa zwei Drittel des deutschen Bedarfs, das sind etwa 330 000 Tonnen, von den im Benzolverband vereinigten Jnlandszechen erzeugt werden. Die in- ländische B e nz i n erzeugung erfolgt in erster Linie in den den I. G. Forben gehörenden Leunawerken, die etwa 100 000 Tonnen Benzin aus dem Wege der Kohlenverflüssigung herstellen. Daneben wird auch aus dem deutschen Erdöl im Hannoverschen und den be- nachbarten Gebieten etwa 50000 Tonnen Benzin im Jahre ge- wonnen. Es gibt somit eine inländische Produktion an Benzin und Benzol, die etwa 480 000 Tonnen im Jahre beträgt und die wohl- verstanden von der in der Notverordnung vorgesehenen Zollerhöhung nicht betroffen wird. Diese Zollerhöhung beträgt beim Benzin 9,03 M. je 100 Kilo (neuer Zoll 21,93 M. anstatt des alten von 12,90 M. per 100 Kilo) und beim Benzol 8,40 M. je 100 Kilo(neuer Zoll 20,40 M. anstatt des alten von 12 M.). Hierzu kommt noch das im Inland her- gestellte Petroleum, bei welchem die Zollerhöhung 8,75 M. je 100 Kilo ausmacht. Dies alles ergibt zusammen ein Sümmchen von mindestens 40 Millionen Mark. Da man es unterlassen hat, die inländischen Erzeuger mit einer entsprechenden Ausgleichssteuer zu belegen, fließen diese Summen als müheloser Gewinn in die Taschen des Schwerkapitals, das nur beim Benzol die Differenz bisher nicht voll aufgeschlagen hat. Die Geschädigten hierbei sind die Verbraucher und die Gewerbetreibenden, die diese Zuwendungen an die Großindustrie in der Form von erhöhten Betriebsstoffpreisen zu tragen haben." Brandenburgs Krastwirtfchafi. Ausbau beim MEW.— Kapitalerhöhung notwendig. Die Märkisches Elektrizitätswerk Aktien- gefellfchaift, Berlin(MEW.), wurde jahrelang als gemischt- wirtschaftliches Unternehmen gemeinsam von der Provinz Branden- bürg und der AEG. geführt. Seit 1920 befindet sich das ganze Kapital in öffentlicher Hand, zur Hälfte bei der Provinz Brandenburg und zur Hälfte bei den angeschlossenen Stadt- und Landkreisen. Der Abschluß für das Geschäftsjahr 1930 ist in An- betracht der Krise sehr günstig: das ist wieder ein. Zeichen dafür, daß die öffentl-iche Hand durchaus in der Lage ist, in der Verfor- gungswirtschaft Hervorragendes zu leisten. Der Bruttoertrag ist von 25,2 Millionen Mark im Jahre 1929 auf 26,8 Millionen Mark im Jahre 1930 gestiegen. Da der Bilanzwert der Anlagen, deren Ausbau in Anbetracht der Wirtschaftskrise nur beschränkt weitergeführt wurde, sich von 149,1 auf 160,5 Millionen Mark erhöhte, wurden die Ab- schreibungen und Mckstellungen von 15,6 aus 17,1 Millionen Mark gesteigert. Auf das 50-Millionen-Kapital wird wieder eine Dividende von 10 Proz.. verteilt. Die Bankguthaben find mit 6,6 Millionen Mark(8 Millionen) immer noch sehr hoch. Die Ge- samtsumme der Reserven(gesetzlicher Fonds, Abschreibungsfonds, Rückstellungen) hat sich auf 113,4 Millionen Mark erhöht. Der S t r o m a b s a tz des MEW. war mit 525,8 Millionen Kilowattstunden im Jahre 1930 um 3,5 Proz. höher als im Jahre 1929, allerdings nur durch erhöhte Lieferung an die Ueberland- zentrale Pommern. Im eigenen Absatzgebiet wurde ein Rück- gang um 1,7 Prozent festgestellt, was noch günstig ist, da der durch- schnittliche Rückgang in Deutschland 5 Proz. beträgt. Der Rückgang beim MEW. entfällt zum größten TeilaufindustrielleGroß- ab nehmer, während Genossenschaften und Kleinabnehmer nicht unerheblich mehr Strom verbrauchten. Das Versorgungsgebiet des MEW. umfaßt jetzt 43 Land- und Stadtkreise und 2771 Orte. Im Jahre 1930 wurden das private Elektrizitätswerk Werneuchen und die Westprignitzer Clektrizitätsgenossenschaft K a r st ä d t übernommen. Am 15. April 1930 ist die Angliederung des Freistaates Mecklenburg- Schwerin an das Netz des MEW. endgültig vereinbart worden, wodurch sich das gesamte Versorgungsgebiet auf 51000 Quadratkilometer erhöht. Um die Uebernahme der in Mecklenburg-Schwerin vorhandenen Betriebsanlagen und den weiteren Ausbau durchführen zu können, wird das G r u n d k a p i t a l des MEW. um 15 Millionen Mark erhöht. Das iniernaiionale Agrarkrediiinstiiui. Die englische Regierung hat die Konvention über die Errichtung eines internationalen Agrarkreditinstitutes, die der Völterbundsrat in seiner Maitagung beschlossen hat, unter- zeichnet. Deutschland hat seine Unterschrift für die Kon- vention bereits anläßlich der Ratssitzung abgegeben, gleichzeitig aber den Vorbehalt gemacht, daß Deutschland sich an der Koiwention nur beteiligt, wenn eine Anzahl namentlich aufgeführter Staaten sie ratifiziert haben. Französische Zollerhöhungen. Die Regierung hat in der Kammer emen Gesetzentwurf auf Verdoppelung des Zolltarifs (allgeeminer Tarif und Mindesttarif) für Getreide, Trocken- gemüse und ähnliche Produkte eingebracht und weiter einen Gesetzentwurf, durch den der allgemeine Tarif für diese Pro- dukte überhaupt erhöht wird. In der Begründung wird hervor- gehoben, daß der allgemeine Tarif nicht ausreiche, um die Einfuhr von ausländischen Konkurrenzprodukten zu verhindern. Beispiels- weise setzt der Gesetzentwurf für Weizen den allgemeinen Tarif auf 160 Franken pro 100 Kilo fest, für Hafer den Zollsatz des all- gemeinen Tarifs auf 60 Franken, den des M i n d e st t a r i f s auf 30 Franken pro 100 Kilo, den Zollsatz des allgemeinen Tarifs für Gerste auf 30 Franken, des Mindesttarifs auf 50 Franken pro 100 Kilo, den Zollsatz des allgemeinen Tarifs für Roggen auf 70, den des Mindesttarifs auf 35 Franken pro 100 Kilo, den Zollsatz des allgemeinen Tarifs für Zucker auf 331,50 Franken(Mindesttarif unverändert) und den Zollsatz des allgemeinen Tarifs für Leinsamen auf 25 Franken(vom Mindesttarif befreit)(1 Franken— 16 Pfennig). Pslichlrevision und Wirtschaftsprüfer. Im neuen Aktienrecht ist die Pflichtrevision vorgesehen. Sie soll von öffentlich be- stellten Wirtschaftsprüfern vorgenommen werden. In einem freien Vertrage(also nicht durch Gesetz) haben sich die deutschen Länder verpflichtet, bei der Bestellung dieser Revisoren nach ein- heitlichen Grundsätzen zu verfahren. Auf einer Tagung des In- stituts für das Revision»- und Treu Handwesen E. V., der Standesvereinigung der Wirtschaftsprüfer, wurden die Fragen der Bestellung, der Ausbildung usw. eingehend erörtert. Bei dem Deutschen Industrie- und Handelstag wird noch im Juni die„Hauptstelle" sür dit Bestellung von Wirtschaftsprüfern, die die einheitlichen Grundsätze für die Zulassung aufstellt, gebildet. Zu- lassung und Prüfung selbst erfolgen durch die„Zulassungs- und Prüfüngsstellen", von denen in Preußen bereits einige errichtet sind. Bis Ende 1935 dauert die Uebergangszeit: danach sind Studien- und AuSbildungsgang streng vorgeschrieben. Die Ford-Fabrik in Köln in Betrieb genommen. Die Ford- Fabrik auf dem Kölner Industriegelände in Köln-Niehl wurde am Freitag mit einer kurzen Feier förmlich in Betrieb genommen. Be- reits vor einiger Zeit wurde die grobe Fabrikation aufgenommen und das Werk in Gang gesetzt. fiseoa loraliant Hühneraugen, verdickte Hornschwielen an Händen und Füßen hat sich„Leolin" als sauberstes und bequemstes Mittel zur gründlichen Beseitigung aller haften Haut- Wucherungen bestens bewährt. Packung für mehrmaligen Eebrauch mit genauer Eebrauchsanweisung SO Ps. In allen llhlorvdont- Verlaussstellen zu haben. lllax Sbemardi: SBweimol tRum Hamburg-Sk. Pauli. Zu einem Rudel zusammengedrängt stehen die Pferde in der kleinen Galopparena inmitten eines— Restaurants. Rund um diese zirkusähnliche Reitdahn, die nur fußhoch von künstlichem Strauchwerk umgrenzt ist, setzt sich der„Grüne Rasen" in Form von nassen Sägespänen fort. Tischchen, merkwürdig hohe Tischchen, wachsen aus dem weichen Boden. Ein riesiger Schanktisch, blech- beschlagen, ragt wie ein Panzerkreuzer aus der sägespünenen Brandung. Auf einem Balkönchen zusammengepfercht klebt die Musik- kapelle gleich einem Schwalbennest an der Decke. Scheinwerfer tauchen diese sonderbare Landschaft in alle Regenbogensarben. Trara! Ein Posaunensignal, ein schmetternder Marsch— es geht wieder los. Natürlich begrüßt der Wirt seine Gäste hoch zu Roß. Er ist in vollem Reiterdreß, der Zylinder glänzt wie das Lackstiefelpaar, auch der Frack... Ebenso ist die Bedieming im Sattel zu Hairse. Cowboys als Billettverkäufer und schimicke Amazonen mit„Rox-Dropps" und„Zigarren-Zigaretten". In der abgegrenzten Arena kann man Galoppreiten, und wer das nicht will, der kann gemütlich an den Schanktisch herantraben und ein Glas Bier genehmigen. An den merkwürdig hohen Tischchen läßt sich vom Sattel aus äußerst bequem Banille-Eis schlürfen oder Bockwurst mit Salat verzehren. Bezahlt wird an den berittenen Ober. Er ist stets im Handgalopp da und reitet gegebenenfalls einem Zechpreller durch das ganze Restaurant bis auf die Straße nach. Statt der weißen Schürze ziert ihn ein Schimmel, an dem er sich auch gelegentlich die bierfeuchten Hand« abwischt. Die Pferde sind natürlich alle auf Musik dressiert. Sobald die Kapelle loslegt, ist es mit der Alleinherrschaft der Reitlustigen aus. Dann geht es immerzu rund im Kreise um den Panzerkreuzer und um das ganze Restaurant. Der Ober begleitet seine Gäste, und das Zigarettensräulein rechnet im Tanzschritt ihrer Stute ab. Irgend- welche Seitensprünge werden nicht geduldet. Der Andrang ist groß. Jeder möchte einmal in seinem Leben ein Pferd in einem Restaurationsbetrieb umherlenken. Insbesondere sind es die jungen Mädchen, die vom Herrensattel nicht mehr herunterzukriegen sind. Sorgenvoll blicken Mütter und Kavaliere von der Galerie aus dem Treiben zu. Reiten kostet Geld, ganz besonders in einem Restaurant... Daß man aus alten Sachen immer wieder neue machen kann, das weiß jede Hausfrau, jeder Schneider und Dichter. Der Unter- nehmer dieser neuartigen Reitbahn— ein verkrachter Zirkusdirektor — hat es lediglich verstanden, aus dem schon etwas veralteten Hippodrom unserer Väter eine neue großstädtische Rummelplatz- Attraktion zu schassen. Hals- und Beinbruch!. ie Hinter diesem„reitenden Restaurant" liegt Old Billies Schieß- bude, die„Lebende Zielscheibe". Die Schießerei nach den papiernen Scheiben und langweiligen Tonpfeifen war Billies Publikum schon längst zum Halse herausgewachsen. Sechs Schuß für einen Groschen, nichts sehen, nichts treffen und nichts gewinnen können, nööö— Old Billies Schießbude sackte langsam ab. „Donnerwetter!" Statt der alten, zerlöcherten Pappscheib« stand plötzlich ein ausgestopftes, nacktes Mädchen im Ziel. „Schieß man, min Junge, schieß sie toot!" grunzte Billie und strich für drei Schuß den neuen �arif von fünfundzwanzig Pfennigen ein. Sobald man aber das Ziel anvisierte, sträubten sich einem die Haare. Das war kein« ausgestopfte Puppe! Man hatte das Gewehr auf ein lebendes, junges Mädchen in hauchdünnem Trikot angelegt. Es lachte, gähnte und warf ab und zu eine Kußhand nach den Schützen. Trotzdem schoß man fingerlange, spitze Bolzen mit roten Haarbüscheln aus das arme Wesen... Rätseihaft! Old Billie, der tüchtige Schießbudenbesitzer, holte mit der Zange einen Bolzen nach dem anderen wieder aus dem Mädchen heraus. Aus Herz, Busen und Eingeweide, lind das arme Wesen lächelte... „Schieß, min Junge, schieß sie toot!" Dieser Ruf klingt bis zum reitenden Restaurant, den ganzen Tag und die halbe Ngcht. Aber man kann sie nicht erschießen, obwohl man sie von oben bis unten durchlöcherte. Man kann nicht um die Ecke feuern, denn das Mädel steht in Wahrheit seitwärts in der Kulisse des Schicßzeltes. Raffinierte Spiegel-Reflextechnik verHilst der alten Schießbude plötzlich zu neuem Leben. Neue Sachlichkeit, vermenschlicht... Brrrrr.— Sw«n Meiihui: 8i n In Madrid, unter einem Stück Erde, das bei den republikanischen Spaniern ein ähnliches Ansehen genießt, wie die Gräber der März- gefallenen bei den dankbaren Berlinern, liegen die Maigefallcnen des Jahres 1M8, das sind jene Aufständischen, die für ihr bour- bonisches Königshaus gegen die napoleonische Gewalt gekämpft haben und auf Murats Befehl erschossen worden sind. Als Europa Napoleon niedergekämpft— und der große Ver- gewaltiger des Erdballs den vielen kleinen wieder Platz gemacht hatte, kehrte der Spanier Ferdinand VlI. auf den Thron zurück. Wie in allen Ländern hatten sich auch die spanischen Massen optimistisch dem Traum von Frecheit und besseren Tagen hingegeben, ergeben warteten sie auf die Verwirklichung der töniglicherseits ver- fprochenen Verfassung. Aber derselbe Ferdinand, der einmal als Prinz von Afturien, in seiner Eigenschaft als Thronfolger, die Hoff- nung der Nation und der Sammelpunkt ihrer Liebe gewesen war, zögerte nun die Erfüllung der alten Verpflichtung hinaus. Unruhen begannen im Lande auszubrechen. Endlich mußte es auch dem Vertrauensseligsten klar geworden sein, daß regieren— Politik treiben heißt, und daß es in der Politik keine Gefühle und vom Königshause keine Dankbarkeit gibt. Det König— das ist die Reaktion. Der Königsbegriff schließt diese Bedeutung in sich ein. Der Mann, der dem jahrelangen Gewittermurren den erlösenden Blitz entlockte, war Don Rafael Riego, der Oberst des Regiments Afturien. Wir können uns heute, zu unserem Glück, eine Revolution, deren Führung Generale und Oberste innehaben, nicht mehr vor- stellen, denn die Ausgabe der Revolution ist inzwischen dem Pro- letariat zugesallen, das sich zur Wahrung seiner Interessen nur durch sich selber oertreten kann. Der Aufstand jenes spanischen Obersten erhärtet die uns längst bekannte Lehre, daß eine Revolution, die sich dem Individuum, der unkontrollierten Persönlichkeit anvertraut, auf gefährlich lockerem Boden steht. Am 1. Januar 182!) hob Riego in Eadix die Fahne des Auf- stands: Es war die Fahne der Verfassung, die Spanien versprochen und nicht erfüllt worden war. Nach seinem festen Glauben— und wohl auch in Wahrheit— waren die Erwartung und die Unzu- friedenhett im Lande mittlerweile so heftig geworden, daß es ihm nichts anderes als dieses Signals zu bedürfen schien, um das wahre Volksgefühl zu entfesseln. Die Fahne wehte im Winde— aber die Wirkung blieb aus. Keine der erwarteten Aktionen geschah. Die Soldaten der Garnisonen, die Besatzungen der Schiffe vor Eadix blieben still— das heißt, die Führer vollzogen nicht den erwarteten Uebertritt. Mangelnde Vorbereitung, das Grundübel der vielen spanischen Aufstandsoersuche, wurde der Sache zum Verderben. Indem Riego noch auf die Wirkung seines Beispiels wartet— sein Batallion hatte sich laut zu seinem Führer bekannt—, wächst die Gefahr um ihn her. Die Freunde, rwr allem der General Ouirogq auf San Fernando, sehen sich bereits in ihrer eigentlichen Absicht gehindert— die Königlichen sind auf dem Weg, um sie zur Kapi- tulation zu zwingen. Statt freier Angrifssmöglichkeit bleibt den Bedrängten das harte Muß der Verteidigung. In dieser verzweifelten Lage, in der es keine Wahl mehr gibt, tritt Riego seinen nachmals berühmten Marsch durch Aydalusien an. Dieser Zug seiner Armee— die aus 1000 Mann bestand— soll die noch unentschlossenen Freunde der Sache zum Anschluß entflammen. Ohne sichtbaren Erfolg gelangt er in 25 Tagen nach Malaga. Hier eirdlich stellt sich der Zuzug von neuen Truppen ein; dazu gute Meldungen aus andalufiscken Garnisonen, die ihre Erhebung ver- sprechen, sobald Riego sich nur persönlich bei ihnen zeige. Das Glück scheint sich ihm zuzuwenden, der Marsch durchs Land scheint sich nun endlich segensreich auszureisen. Neuer Mut... Aufbruch, Wanderung, Abenteuer, Kämpfe mit königlichen Truppen, hier und da stoßt Verstärkung dazu.... Aber es find nicht die erwarteten großen Ströme, die ihm entgegenkommen, sondern nur Bächlein. Riego weiß, daß nur ein großer Erfolg, ein Sieg das Land auf seine Seite ziehen und zur Erhebung bestimmen könnte. Wie aber siegen, da die verbündeten Freunde, vollauf in ihren eigenen schwierigen Situationen gesangen, nicht mehr zum Beistand imstande sind?— In den Straßentämpfen von Moron verliert der auf- ständische Oberst des Asturien-Regiments mehrere hundert Mann. Aber der wesentliche Zug der Unternehmung— und das ist Riegos Charakterzug— zeigt sich darin, daß selbst Niederlagen nur vor- wärts treiben. Es gibt kein Zurück, die Flamme im Führer ist zu stark zum Verlöschen. Mit dem Rest seines„Heeres" setzt er den leidensvollen Propagandamarsch fort. Er wandert nach Cordoba — aber dort endlich angelangt, kann die moralische Kraft des Führers nicht mehr helfen: Strapazen und vor allem— Erfolglosigkeit haben die Widerstandsfähigkeit seiner Truppe ausgehöhlt. Die Soldaten ziehen nach Haus, in die Garnison, müde des un- stäten Daseins— nur noch willens, von der Amnestie, die ihnen vom König zugesichert ist, zeitig Gebrauch zu machen. Jetzt scheint der Aufstand nur noch eine Idee, die im Herzen Riegos wohnt. Der besiegte Revolutionär zieht sich in die Berge zurück, lebt scheu wie ein Mörder. Die gewaltsame, übermenschliche Arbeit der letzten Wochen— die Revolution selber... ist nicht alles verloren? Eine aufschlußreiche Pointe der Weltgeschichte bietet sich hier dem Betrachter: Während der Mann seine Sache verloren glaubt, hat sie im Zentrum des Landes eigentlich schon— gesiegt. Sein Beispiel hat gewirkt, was es wirken sollte: Es hat den Tatgewillten in Madrid den Boden geschaffen, auf dem sich weiter voranschretten läßt. Der Ruf nach der Verfassung bricht unhemmbar los, er schallt bis in die Zimmer des Königs, der sich zur Nachgiebigkeit gezwungen sieht. Dieser Erfolg macht die Bewegung noch größer. Im ganzen Lande ist ihr Heller Widerschein sichtbar. Das Leuchten dringt auch in Riegos Versteck in der Sierra de Ronda. Ein gewaltigerer Umsturz in der Seele eines Menschen als jetzt in Riegos ist nicht denkbar. Der berauschende Duft dieser ver- späteten Frucht seines Heroismus macht ihn taumeln. Die Glut seiner Phantasie, die ihm vormals trügerisch im voraus den Erfolg vorgaukelte, ü b e r st e i g t jetzt noch das Maß des Ruhmes, der— schon in Wirklichkeit lohendheiß— ihm entgegenschlägt. Wo er, der Mann des Volkes, erscheint, stehende Tausende an den Wegen, nun, da auf eine zauberhafte Weise der Erfolg mit ihm ist, findet er Unterstützung in Hülle und Fülle. Selbst die Soldaten, die. sich seinen Aufrufen verschlossen hatten, können sich nun keinen rühm- licheren Führer mehr denken, als diesen Mann, den das Land mit Ehren überhäuft. Konnte es für den König unter diesen Umständen ein sichereres Mittel geben, seinen gefährlichsten Feind unschädlich zu, machen, als indem er ihn— sozusagen— in seinen Freund zu verwandeln suchte? Der Revolutionär wird zum„�lariscal de campo"(Feldmarschalleutnant) befördert; jetzt untersteht chm die andalusische Armee. Die nationale Armee— das heißt aber diesmal: die Revolu- tionsarmee— war verwirklicht. Was mußten die Gemäßigten, die inzwischen ans Regierungsruder gelangt waren, dazu für Gesichter machen? < Wie erzählt wird, hat sich Riego in einer Audienz mit dem König männlich gerad gehalten. Der König bekam einige Wahr- heiten— seltene Leckerbissen für einen Monarchen— zu hören. Die republikanische Festigkeit— die oberste Tugend—, Unbestechlichkeit, wäre für Riego wohl zu proklamieren. Indessen löst sich jetzt aus dem Bilde des Mannes ein Charakterzug— oder nennt man es richtiger eine Wirkung seines Temperaments?— kurz, ein sehr menschliches und sehr verhängnisvolles Laster: das Uebergewicht der Persönlichkeit zuungunsten der Tätigkeit für die Masse. Es wäre für Riego und feine Anhänger vermutlich klüger gewesen, bei aller Entschlossenheit und Kraft doch nicht das provozierende Muskelspiel der Ueberlegenheit vor seinen Gegnern auszuführen. So aber lieferte er ihnen die Mittel in die Hände, ihn aus Madrid zu snt- fernen. Zum Generalkapitän von Galicien ernannt, wird er nach Oviedo im nordwestlichen Spanien geschickt— um nicht„verschickt" zu sagen. Er ist ein Spielball der Politik seiner Feinde— aber das Rad der Ereignisse schwingt wieder herum: Seine Rehabilitie- rung wird zur polittschen Notwendigkeit. Er wird zum General- kapitän von Arragonien gemacht. Aber dies ist sein Schicksal: Wieder trägt ihn die Begeisterung des Volkes im mitreißenden Rausch über die Grenzen kluger, dem Ziele dienlicher Zurückhaltung fort— wofern Riegos Leben sich nicht überhaupt jenseits solcher Vernunftsgrenzen entwickelt. Die Regierung hat allen Grund, die F-ssellosigkeit dieses Führers zu fürchten, die den Funken zur allgemeinen Entfesselung schleudern kann. Eine Verdächtigung gegen Riego. die seine revolutionären Pläne im aktuellen Stadium erscheinen läßt, gibt die Handhabe, ihn wieder dem Kreise seiner gefährlichen Wirkung zu entziehen. Die Folge davon— daß sein Name den ihm ergebenen Waffen mächtiger noch als vorher zum Symbol der Befreiung wächst. E r ist gleichsam die Fahne, die auf keinen Fall verletzt, beleidigt oder gar verloren werden darf. Und so ist es durchaus natürlich, daß der Soldat— zur Führung de» Kongresses berufen wird. Wie vormals rettet sich der König aus seiner Verlegenheit, indem itVk' Hand, die ihn hinabstoßen will, scheinbar freundlich— festhält. Riegos soldatische Tugenden, Unerschrockenheit und Zähigkeit» stützen ihn in seiner neuen Posstion— aber sie gefährden ihn auch. Es ist eben der Soldat in ihm, der die Entscheidung durch die kürzeste, explosive Entwicklung sucht. Bedrohlich schwingt er sich auf die Stufen des Throns, der König fühlt die Grundstützen wanken — aber das Wagnis löst naturgemäß die Gegenaktion der anderen Seite aus. Riego, der Soldat als Politiker, fordert, ja, zwingt Entscheidung, Stellungnahme, Bekenntnis der Parteien heraus. Der Mangel an diplomatischem Willen ruft einen Eingriff der Franzosen in die spanischen Verhältnisse hervor— und nun ist die Armee präzise vor die Wahl gestellt, ob mit den Franzosen gegen Riego oder für ihn. Eine Spaltung des Heeres ist die Folge. Noch einmal, zum letzten, entwickell Riego den unnachgiebigen Siegeswillen, der ihn vom 1. Januar 1820 bis hierher getragen hat — weniger als vier Jahre genügen für so viele Stürze und neue Erhebungen in einem Leben—. Die ihm treuen Truppen führt er gegen die mit den Franzosen vereinigten Spanier. Er unterliegt. Und nun scheint das Rad seines Lebens um die Spanne der letzten drei Jahre zurückgedreht: Wieder, wie einst nach seinem andalusischen Marsch, verbirgt er sich in den Bergen. Er wartet auf die erneute Stunde der Revolution. Aber nicht die ersehnte gute Botschaft dringt in sein Versteck, sondern Soldaten, um ihn gefangen zu nehmen. Zwei Hirten— um die auf seinen Kopf ausgesetzte Be- lohnung zu verdienen— haben den gestürzten Mann des Volkes verraten. Ein grausiges Nachtftück ist der Weg, den Riego jetzt gehen muß. Wo sind die Klänge des Jubels, der freudigen Marschgesänge, die ihn sonst bei seinem Nahen am Eingang der Städte empfingen? Dies Spanien, das ihn nun auslacht, bespuckt, verhöhnt— ist es dasselbe von ehemals? Wiederholt sich hier das abgeschmackte Spiel von der käuflichen, hin und her schwankenden Pöbelgunst? Null, es ist eben das andere Spanien, das den Ton der Musik jetzt be- stimmt— und diese Musik reißt viele andere Melodien, die zu widerstehen nicht kräftig oder einfach nicht mutig genug sind, mit in ihren zerstampfenden Rhythmus. Ist das spanische Volk, das—, vor Gier, den Helden von gestern fallen zu sehen, heute schon sein nachgeformtes Abbild durch die Straßen Madrids schleift, um es unter wollüstigem Seufzen und vergnügtem Heulen an den Galgen zu hängen? Oder ist es nur derjenige Teil der Massen, der dem republikanisch gesinnten Führer auch ehemals Feind war? Laßt uns dies letzte glauben, es wäre die geringere Schande. Wenige Tage nach dem Vorvergnügen folgt die Haupt- Vorstellung. Dieselben Straßen, die von dem freudigen, bewegten Spalier der Begeisterten bei jedem Erscheinen des Helden wogten, die von jubelndem Zuruf hallten— dieselben Straßen sehen letzt denselben Mann, in einen Sack genäht, aus dem nur der Kopf herausragt, den Weg bis zum Galgen geschleppt. Will jemand bc- haupten, es gäbe in ganz Madrid keine Hundert, keine Tausend, die diese Schande nicht empfänden, mit der sich Spanien, nein, die Menschheit, selber beschmutzt? O doch, es gibt diese Hundert, es gibt diese Tausend... aber die Gewehre der königlichen Armee halten die Sprungbereiten in Schach. Nur in den Augen des Pöbels starb er in Schande. Menschen wie ihn adelt der Galgen. Seine Schuld war eine tragische. Er kämpfte seinen Kampf für die Republik als Persönlichkeit— er wußte nichts von der selbstüberwindenden Mäßigung, die der Kampf für die Massen— der zuletzt wieder ein Kamps für den einzelnen ist{ordert. Er mußte untergehen. Tyrannen sind nicht vom einzlenen aus bekampsbar— der Wille der Millionen, die, bei aller individuellen Abgegrenztheit voneinander, in dem einen, revolutionären Gefühl eins sind: Nur dieser Wille, der für viele ein Opfer ist, kann die Menschen vom Schwärm der blutsaugerijchen Parasiten.befreien. Aber Don Rafael Riego lebte in einer zu frühen Epoche der Revolution, als daß er von sich aus den'Weg und das Ziel hätte finden können.__... ä)a8 rveiße Ilashorn nird gefchillsl Wie es weiße Elefanten tris große Seltenhett grbt, so gibt es auch noch eine winzige Anzahl weißer Nashörner. Und zwar kommen diese klafstschen, höchsten Schutzes bedürftigen„Naturschutz- den-kmäler" in dem Uganda-Protektoratsgebiet in Nordostafrika vor, in dem westtich vom Albertnil gelegenen Teil. Die. Regierung dieses englischen Territoriums wünscht, daß das seltene Tier sorgfältig erhalten werde, und hat zu seinem Schutz eine Verordnung erlassen, die selbst noch eine in Selbstverteidigung geschehene Tötung des weißen Nashorns ahndet. Wie es in der Verordnung heißt, sind Fälle vorgekommen, in denen Personen, die anderes Wild in diesen Gebieten jagten, in Selbstverteidigung weiße Nashörner getötet haben. Indessen ist dieses Tier nicht gewohnheitsmäßig angriff?- lustig, und ein geschickter und jorgfälliger'Jäger dürfte keine Schwierigkeiten haben, Angriffe zu vermeiden. Künftig wird der Gouverneur von Uganda Jagdscheine eines jeden aufheben, der ein weißes Nashorn tötet oder verwundet, selbst wenn er das unter Umständen getan hat, die nach den geltenden Bestimmungen keine Uebertretung bedeuten. Sehr originell ist die Einschärfung für Tierphotographen. Personen, die das Schutzgebiet betreten, um das weiße Rashorn zu photographieren, werden nämlich daraus auf- merksam gemacht, daß jede unnötige Betätigung gegenüber einem geschützten Tier, die geeignet erscheint, es zu stören, zu erschreckei öder in Wut zu versetzen, mit einer Geldstrafe von 100 Pfund»de- 6 Monaten Gefängnis, wenn die Uebertretung sich auf mehrere Tiere erstreckt, mit einer Geldstrafe von 2S0 Pfund oder 18 Monaten Haft geahndet wird. Es wird auch zur Kenntnis gebracht, daß es die Absicht der Regierung ist, gegen jeden, der ein weißes Nashorn als Folg« eines Versuchs, das Tier zu pholographieren, verwunde! oder tötet, ein Verfahren einzuleiten, es sei denn, daß vorher beim Gouverneur eine besondere Erlaubnis zum Photographieren ein- geholt worden ist. A. G. Wie die Trichinose erkannt wurde. Im Januar 1861 erkrankten in München fünf Personen einer siebenköpfigen Familie unter Symptomen von Müdigkeit, Frost- und Hitzegefühl, sowie starkem Fieber. Die anfänglich gestellte Diagnose, Darmerkrankung oder Typhus, mußte wegen der völlig neuartigen Ueberempfindlichkeit der Extremitäten aufgegeben werden, deren reringste Berührung die heftigsten Muskelschmerzen ausloste. Schließlich wurden zwei der am stärksten befallenen Personen, bei denen Lungenasfektionen hinzugekommen waren, hinweggerasst, während die übrigen Familienmitglieder genafen. Die Sektion ergab, so liest man in der „Umschau", die völlige Durchsetzung des Gewebes der willkürlichen Muskeln mit kleinen Würmchen, die. im Gegensatz zur richtigen Aus- sassung des Assistenten Dr. K. Weigel. der die Sektion kettende Professor nicht als Krankheitsursache ansah. Erst das Auftreten eines gleichartigen, ebenfalls zum Tode führenden Falles in Dresden brachte Professor Zenker dazu, diese bisher als harmlos angesehenen Würmchcn, die Trichinen, als Krankheitserreger zu erkennen. Diese Erkenntnis zog dann die obligatorische Fleischbeschau nach sich, wodurch eine Erkrankung an Trichinose bei ordnungsgemäßer Hand- habung der gesetzlichen Vorschriften heute zu den Seltenheiten gehört. Australien hat mehr als die zehnfache Zahl Schafe als Ein- wohner, und zwar sind etwa hundert Millionen Schafe vorhanden.