BERLIN Sonnabend 13. Juni 1931 Der Abend Erfcheint täglich außer Sonntags. Sugleich Abendausgabe des Vorwärts". Bezugspreis beide Ausgaben 85 Pf. pro Woche, 3,60 M. pro Monat. Redaktion und Expedition: Berlin SW68, Lindenstr.3 Fernsprecher: Dinhoff 292-297 Spalausgabe des„ Vorwärts 10 Pf. Nr. 272 B 136 48. Jahrgang Anzeigenpreis: Die einfpaltige Nonpareillezetle 80 Pf., Reklamezeile 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto: Vorwärts- Verlag G. m. b... Berlin Nr. 37 536. Der Verlag behält sich das Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor! Bon Bombe zu Bombe Kommunistischer Frontwechsel in acht Monaten Am Sonnabend, dem 6. Juni, gab die Rote Fahne" bekannt, daß drei kommunistische Landtagsabgeordnete in einer Unterredung mit dem preußischen Justizminister Schmidt die Freilaffung des wegen Verbrechens gegen das Sprengstoffgesetz zu sieben Jahren Zuchthaus verurteilten Landvolfführers Claus Heim verlangt hätte. Sie fnüpfte hieran diesen Kommentar: Im gemeinsamen Kampf müssen die Arbeiter und armen Bauern um die Befreiung aller Opfer der Klassenjustiz fämpfen. Wenn sich das Dorf ebenso, entschieden für die Sache der aus Not oder Ueberzeugung zum Zuchthäusler" gewordenen Proletarier einsetzt, wie die Kommunistische Partei für die verfolgten Führer feiner Sache, dann muß es gelingen, alle Freunde des Volkes aus dem Kerker zu befreien." So also schrieb die Rote Fahne" vor acht Tagen. Inzwischen hat sich die Landtagsfraktion der Kommunisten feierlich zu diesem Schritt bekannt und ihre Solidarität mit den Bombenlegern befundet. Früher schlugen die Kommunisten andere Töne an. Lassen wir fie felbft sprechen. Im Sommer 1929 hatte die Bombenlegerpeft ihre größte Ausdehnung gewonnen. Damals schrieb die Rote Fahne"( Nr. 143 vom 6. August 1929): Wir haben sichere Informationen darüber, daß neue schwerere Angriffe in Borbereitung find. Bor wenigen Tagen fand in Köslin( Pommern) eine Besprechung von Nationalsozia liften, Bauern und Mitgliedern der Ehrhardschen Organisation Konsul im Anschluß an die Stralsunder Bauernlundgebung statt. Man entschied sich, im systematischen Vorgehen auf Berlin nunmehr Mecklenburg und Pommern in Angriff zu nehmen. Dort sollen schon in der nächsten Zeit Sprengungen von Gebäuden und zwar vor allem gewerkschaftlichen und genossenschaftlichen vorgenommen werden. So hofft man, gestützt auf die Bauernbewe gung, den großen Marsch auf Berlin vorzubereiten. Und die SPD.? Von allen Bombenattentaten hat die Polizei des Sozialdemokraten Grzesinski bisher keinen einzigen verhaftet, weil in den Behörden immer noch die von der SPD. geschützten und geförderten Vertrauensmänner der weißen Reaffion fißen. Die fozialdemokratischen Chefs wollen auch gar nicht ernsthaft gegen den Faschismus vorgehen, deren Führer die Fememörder von den Koalitionsregierungen ja eben erst freiHeute sind die gleichen Bombenleger proletarische RI affenfämpfer, für deren Befreiung die Kommunisten sich einzusehen haben. T Am 31. August 1930 verurteilte das Altonaer Gericht elf An getlagte zu Zuchthausstrafen, darunter den jetzt von den Kommunisten mit besonderer Liebe behandelten Claus Heim zu fieben Jahren Zuchthaus. Fünf Angeklagte erhielten Gefängnis. strafen. Die Rote Fahne" brachte dieses Urteil ohne jeden Rommentar! Ahnte sie schon damals, daß sie nach noch nicht acht Monaten ihr Herz entdecken würde für die„ völkischen Bombenattentäter", die faschistischen Verbrecher", die„ Klaffengenossen" der bürgerlichen Richter? Kirchenvertrag angenommen Mißtrauensantrag mit 220 gegen 167 Stimmen abgelehnt In der heutigen Landtagssigung teilte Präsident Bartels mit, daß für den verstorbenen Abg. Roesler( Soz.) der Abg. Müller- Breslau( S03.) in den Landtag eingetreten ist. bg. Müller- Breslau gehörte dem Landtag bis 1918 an. Hierauf antwortet Abg. Kirchmann( So3.) in einer Erklärung auf die gestrigen Ausführungen des Abg. Kerff( Komm.) über die Aktion der Kommunisten zugunsten des völkischen Bauernführers Claus Heim: Die Kommunisten haben gestern selbst bestätigt, daß sie beim preußischen Justizminister die Freilassung von Claus Heim gefordert haben.( Sehr richtig! bei den Komm.) Sie begründen diese Aktion damit, daß die Bombenanschläge Heims als Hinter Brüning verhandelt. Neue Besprechung mit Sozialdemokraten. Im Laufe des Vormittags empfing der Reichskanzler auch die sozialdemokratischen Parteiführer. Der Besprechung wohnten bei der Reichsarbeitsminister Dr. Stegerwald und der Führer der Zentrumspartei, Abg. Kaas. Abg. Schulz- Neukölln( Komm.) lehnt in längeren Ausführungen und in beschimpfenden Aeußerungen gegen die Kirchen, den Papst und die Sozialdemokraten den Vertrag ab. Es kommt wiederholt zu lärmenden Unterbrechungen, wobei der Redner und andere fommunistische Abgeordnete zur Ordnung gerufen werden. Abg. Riders( S03.) erklärt, daß für die sozialdemokratische Fraktion die schon in der ersten Lesung geäußerten Bedenken gegen den Vertrag nicht zerstreut find. Insbesondere vermiffe fie eine paritätische Behandlung aller Weltanschauungen. Die sozialdemokratische Fraktion werde sich deshalb der Stimme enthalten. Abg. Dr. Graf von Posadowity( Aufwertungspartei) erklärt, zugleich im Namen der volksparteilichen Abgeordneten Dr. Hallensleben und Dr. Böhm sowie für den welfischen Abg. Biester, daß sie dem Vertrage wegen der schweren Bedenken gegen die politische Klausel nicht zustimmen fönnten. Bei ihrem Kampf gegen die Kirche würden die Kommunisten auf Granit beißen. Abg. Kube( Njoz.)[ von den Kommunisten mit lärmenden Zu rufen empfangen: Diätenschieber!] lehnt für seine Gruppe den Vertrag ab. Der siegreiche nationalsozialistische Staat werde die Interessen der Kirche nach den Grundsäzen des Deutschtums vertreten. Abg. Jufti( Landvolkpartei) stimmt dem Vertrage zu. Abg. Dr. Heß( 3.) protestiert gegen die Schmähungen der fatholischen Kirche und ihres Oberhauptes durch den Abg. SchulzNeukölln, der in seinen Reden nur Roheiten häufen den Kommunisten. Zurufe: Büttenredner.) gelassen sind. Diese Faschisten sollen nach dem Willen der refors lichkeit einer Einberufung des Haushalts. fönne, weil er sich nicht anders zu helfen wisse.( Großer Lärm bei mistischen Spizen schon bald wieder eine wichtige Rolle als Bluthunde gegen die in einem neuen Aufschwung sich befindende Arbeiterbewegung spielen. Reformisten und Faschisten gehören zusammen und darum gebührt beiden gemeinfam der vernichtende Schlag, den die revolutionäre Arbeiterschaft ihnen versezen muß." Nach der Ansicht der Roten Fahne" vom 4. Juni 1931 erfolgt dieser ,, pernichtende Schlag" gegen den Faschisten Heim durch einen Bittgang zum preußischen Justizminister, um die Freilassung der Bombenleger zu fordern; der Schlag gegen die ,, Reformisten" erfolgt wie üblich durch Schimpffanonade!! Die Bombenleger wurden trotz der kommunistischen Schimpfe reien verhaftet und am 26. August 1930 begann vor dem Altonaer Schwurgericht der Prozeß gegen 21 Personen wegen Vergehens gegen das Sprengstoffgefeß. Lefen wir in den Gerichtsberich ten der Roten Fahne" nach: In Nr. 199 vom 27. August 1930 wird von dem„, mehrfach verschobenen Prozeß gegen die völkischen Bombenattentäter, nach deren Hintermännern nicht geforscht werden darf", gesprochen. In Nr. 200 vom 28. Auguft beklagt sich die ,, Rote Fahne" über einen dem Angeklagten Johnson bewilligten Urlaub mit den Worten: Sonderbare Freiheiten, die faschistischen Verbrechern in der Untersuchungshaft gegeben werden." Am 30. August, in Nr. 202, steht zu lesen, daß ein Teil der Angeklagten nicht zur Verhandlung erschienen sei und sich anderwärts amüsiere". Es wird gesagt: Jeder proletarische Angeklagte würde wegen solchen Verhaltens sofort verhaftet, würde mit Ordnungsstrafen durch das Gericht bedacht werden. Aber diese Karikatur eines Gerichtes aus Klaffengenossen der Angeklagten findet nichts dabei." Damals waren die Bombenleger Klassengenossen der Mitglieder des bürgerlichen Gerichts", das sich, wie die„ Rote Fahne" am 27. August 1930 züinend festgestellt hatte, aus drei Hofbesizern, einem Borsteher, einem Schaffner und einem Hausmeister zusammen jette. Im Laufe der Verhandlungen wurde u. a. die Mög ausschusses diskutiert, doch kam es zu keiner entfcheidenden Stellungnahme. Die Besprechungen sollen nach der Rückkehr des Reichskanzlers, der sich heute nachmittag zu einer Sigung des Vorstandes und der Reichstagsfraktion der Zentrumspartei nach Hildesheim begibt, wieder aufgenommen werden. Dom gründe die zunehmende Not der bürgerlichen Massen durch das kapitalistische System hätten. Sie unterstützen also die Reichsbauernbund erhobene Forderung auf Freilassung Heims.( Hört, hört! bei den Soz.) Da in Preußen die Freilassung Berurteilter nur durch Gnadenafte möglich ist, haben die Kommunisten also mit ihrem Schritt beim Justizminicher einen solchen Gnadenakt nachgesucht.( Sehr wahr! bei den Soz. Großer Lärm bei den Komm.) Damit haben minister befundet. Wir erklären also vor der Deffentlichkeit, daß sie also ihr besonderes Vertrauen zum Justiz die Kommunisten sich für eine den Nationalsozialisten naheftehende Bewegung einsetzen, die nachweislich dreizehn Bombenattentate veranlaßte. Davon war in sechs bis sieben Fällen Heim als Rädels. führer beteiligt. Dafür ist er zu sieben Jahren Zuchthaus verurteilt worden.( Hört, hört! bei den Soz.) Die Kommunisten besorgen also mit ihrem Eintreten für Heim die Geschäfte der arbeiterfeindlichen Rechtsparteien.( Sehr wahr bei den Soz.) Zur Geschäftsordnung beantragt hierauf Abg. Müller( Komm.) die sofortige Behandlung eines fommunistischen Antrags, der gegen die anläßlich der Sportpalastfundgebung in Berlin erfolgte Verhaftung des Reichstagsabgeordneten Thälmann protestiert und Bestrafung der schuldigen Beamten fordert. Gegen die Behandlung des Antrages wird Widerspruch erhoben. Hierauf beginnt die dritte Lesung der Vorlage über den Staatsvertrag mit den evangelischen Landeskirchen. Abg. Dr. Heß( 3.) erklärt, daß das Zentrum aus staatsrecht lichen Gründen dem Vertrage zustimmen wird. die Abg. Koch- Deynhausen( Dnat.) schließt sich diesem Protest an. Nach einer Erwiderung des Abg. Schulz- Neukölln( Romm.) wird Aussprache geschlossen. Zunächst wird abgestimmt über den fommunistischen Mißtrauensanfrag gegen die Staatsregierung. Er wird in namentlicher Abstimmung mit 220 gegen 167 Stimmen abgelehnt. Zu dem kommunistischen Antrag, durch die Einflußnahme Preußens im Notim Reichsrat für Aufhebung der verordnung zu sorgen, erklärt Abg. Leinert( Soz.), daß nach der Verfassung eine Entscheidung darüber nur Reichstage und im Reichsrat herbeigeführt werden kann. Da also ein solcher Antrag vollkommen sinnlos ist, werde die fozialdemokratische Frattion ihn ablehnen. im Der Antrag wird in namentlicher Abstimmung mit 206 gegen 151 Stimmen abgelehnt. Der Staatsvertrag mit den evangelischen Landeskirchen wird hierauf in namentlicher Abstimmung mit 202 gegen 54 Stimmen bei 105 Enthaltungen der Sozialdemokraten angenommen. Ebenfalls angenommen wird in namentlicher Abstimmung gegen die Kommu nisten das Pfarrerbesoldungsgesetz. Die Sigung dauert an. Neue U- Bootfatastrophe. Ruffisches U- Boot gesunken.- Besatzung verloren. Paris, 13. Juni. Chaobry" im Hafen von Wladivostok gefunken. Die HeNach Mosfauer Meldungen ist das ruffifche U- Boot bungsversuche sind im Gange. Man hat feine Hoffnung, die Bejahung des U- Bootes reffen zu können. Das amerikanische Unterseebootmutterschiff, Bigeon" ist in Weiheimei eingetroffen. Seinen Tauchern gelang es heute vormittag, ein Drahtseil um den Rumpf des Poseidon" zu schlin gen und man wird morgen versuchen, das Unterseeboot zu heben. Beruhigung für Devifen. Vor der Entscheidung der Reichsbank. Der Zellkralausschutz der Reichsbank, der heute nachmitag um 5 llhr zusammentritt, wird die Entscheidung über die Erhöhung des Reichsbankdiskonts sötten. Roch dem gestrigen De- visensturm hat sich heute die Lage wesentlich beruhigt. Zwar hoben auch an der heutigen Börse auch noch weitere Devisenob- Ziehungen stattgefunden, aber das Ausmaß ist bis aus ein Drittel der gestrigen Devisenverkäufe, die über 200 Millionen Mark be- trugen, gesunken. Ganz deutlich zeigte sich heute, daß die Devisen- Hamsterer ihr Geschäft stark obgedrosselt habe». Zu dieser Beruhigung haben im wesentlichen die aus New Aork gemeldeten Erklärungen amerikanischer Groß- danken beigetragen, wonach die Kreditabzüge aus Deutschland im wesentlichen ihr Ende erreicht hätten. Der Zentralausschuß der Reichsbank wird fein« Entschließungen heute nachmittag aus Grund dieser neuesten Entwicklung auf dem Devisenmarkt fassen. Die Notwendigkeit, den Reichsbankdi-kont sofort um 2 Proz. auf insgesamt 7 Proz. zu erhöhen. scheint nach der heute eingetretenen Beruhigung nicht mehr gegeben zu sein und man rechnet in Wirtschastskreisen bereits damit, daß sich die Reichsbank nur mit einer einprozentigen Heraufsetzung des Wechselzinssatzes begnügen wird. A-uch hofft man auf Grund der augenblicklichen Lage, daß die Reichsbank von ihrer schärfsten Waffe in derartigen Situa- tioncn, wie sie bei dem Deviscnsturm der letzten Tage gegeben waren, der Drosselung der Wirtschaftskreditc, nicht Gc- brauch machen wird. Es bedarf aber keines Hinweises, daß auch schon die Erhöhung des Reichsbankdiskontes um 1 Prozent eine neue schwere Belastung der Volkswirtschaft darstellt, da schon bei dein bis- herigen Diskontsatz von 5 Proz. das Zinsgefälle, also der Unterschied zwischen den ausländischen und den deutschen Zinssätzen bereits anormal hoch ist. Die Börse befestigt. Nach den schweren Kurseinbrüchen am Freitag hat sich die Börse heute wesentlich beruhigt. Auf dem Aktienmarkt erholten sich Siemens von 123 auf 127?� Proz., Rheinisch-Westfälische Elektrizitätswerke von 93 auf 96 Proz., Salz-Detfurt ooif 153K auf 158 Proz. und 3. G. Farben von 109!� auf 112 Proz. Auch auf dem Renten markt hat sich die bessere Stimmung durchgesetzt, und wenn auch verschieden« Rentenwerte, so vor allem Staats- und Kommunalanleihen, noch einige Kursverluste erlitten, so war doch von stärkerer Beunruhigung nicht mehr die Rede. 3m wesentlichen hat zu diesem Stimmungsumschwung die leichte innerpolitische Entspannung beigetragen, da die Börse bei der Deutschen Volkspartei an ein Einlenken glaubt. Die Llnnihen im Reich. Schießereien in Köln.- Mehrere Verletzte. S ä l n. 13. Zum.(Eigenbericht.) Zu Köln- Mühlheim kam es am Zreilagnachmiltgg zu Zusammenstößen zwischen Kommuoisten und der Polizei. Als die Polizei einen kommunistischen Demonstrationszug auflösen wollte. wurde au» den Reihen der DcmMistranten scharf geschossen. Die Polizei erwiderte ebenfalls mit scharfen Schüssen. Ein Kam- munist wurde verletzt und von seinen Gesinnungsfreunden aus einem Fahrrade demonstratio zum Krankenhaus geschafft. Ein Polizei- offizier erhielt einen Messerstich in den Kopf, außerdem wurde eine Frau verletzt. Zn den späten Abendstunden wiederholten sich die Krawalle in Mühlhcim. Auch in der Kölner Altstadt kam es Zu Zusammen- flößen zwischen Kommunisten und der Polizei. Die Ruhe konnte jedoch bald wieder hergestellt werden. Der Oberpräsident der Rheinprovinz hat das Kölner K o m m u n i st e n o r g a n auf die Dauer von vier Wochen v e r- boten. Dos verbot erfolgte wegen Aufforderungen zu Gewalttätigkeiten. Zusammenstöße in Oarmstadt. Darmstadl, 13. 3uni. Nach Schluß einer Kundgebung des kommunistischen Kampf- bundes gegen den Faschismus, an der etwa 150 Personen teilnahmen, versuchten diese in den Abendstunden einen Demonstrations- z u g zu bilden. Beim Anrücken den Polizei zerstreuten sich die Demonstranten, versuchten aber, in den Nebenstraßen sich erneut zu formkeren. 3n einem Beklcidungsgeschäft wurden Schaufenster- scheiden eingeschlagen und vor einem Gasthof ein Lastkraftwagen umgeworfen. Die Polizei, die energisch mit dem Gummiknüppel ein» schritt, wurde mit Steinen beworfen, kannte aber die Ruhe wieder herstellen und drei Ruhestörer festnehmen. Siraßentumutte in Düsseldorf. Düsseldorf. 13. 3uni. Die Erwerbslosen hatten für gestern abend hier eine Hunger- dcmonstration in das Stadtinncre geplant, die aber rechtzeitig vcr» hindert werden konnte. 3mmerhin kam es zu einer größeren An- sammlung von etwa 600 Pcrsonen,aus dem Woringer Platz. Nach ihrer Zerstreuung überfiel eine Gruppe von ungefähr 30 Personen zwei Stahlhelmleute. Einer von ihnen wurde so schwer vcr- letzt, daß er ins Krankenhaus übergeführt werden mußte. Zusammenrottungen in Kiel. Siel, 13. 3uni. Win in den letzten Tagen kam es auch gestern abend in der A l t- st a d t und im Stadtteil Gaarden zu größeren Ansammlimgen, die ein polizecliches Einschreiten erforderlich machten. Um 11 Uhr wurden im Verlagshaus der„Kieler Neuesten Nachrichten' mehrere Schaufensterscheiben eingeworfen. Die Täter, bei denen es sich nach Angabc von Zeugen um Kommunisten handeln soll, sind entkommen. Zwischenfäl in Leipzig. Leipzig, 13. 3uni. Am Freitag abend ist es wieder zu Zwischenfällen gekommen. 3n der Nähe des„Neuen Rosenkranz", einer von Nationasiozialisten besuchten Gastwirtschast, sammelten sich Kommunisten zu Kund- gedungen. Sie wurden von der Polizei auseinandergetrieben. 3» der Mcrseburger Straße wurden durch Kommunisten vtrschiedenc Schaufensterscheiben eingeschlagen und kleinere Diebstähle verübt. Am Freitag abend sind verschiedene Verhaftungen vorgenommen worden. Die Hauptversammlung der australischen Arbeiterpartei hat am Freitag die von der Konferenz der australischen Ministerpräsidenten entworfenen Pläne zur finanziellen Rettung des Landes nach dreistündiger lebhafter Aussprache mit 26 gegen 13 Stimmen gebilligt. Alles wegen Laube mii Krau und � Eigentümlich der Mensch, der sich heute vor dem Land- gericht III zu verantworten hat, eigentümlich und schrecklich das verbrechen, das ihm zur Last gelegt wird und eigenartig seine Beweggründe zur Tat. Er hat in der Rächt vom 30. zum 31. Zanuar d.?. seine Wohnlaube in der Kolonie„Freihell" bei Spandau, in der Frau und Kinder schliefen, in Brand gesteckl. war am nächsten Tag zu seinem ausgebrannlen heim, das er mit soviel Mühe ausgebaut und an dem er so gehangen Halle, zurück- gekehrt, war vor der Schupo davongelaufen und hol sich am 4. Februar, nachdem er aus den Zeitungen erfahren, daß Frau und Sind am Leben geblieben, der Polizei selbst gestellt. Nun steht er da unter der Anklage der Brandstiftung und des versuchten Totschlages an Frau und Kindern, mit einem von Leid zerquälten Gesicht, lächelt immer wieder unmottviert, aus innerer Verlegenheit heraus, stockt und wird van innerer Bewegung übermannt, als er die Einzelheiten der Tat selbst jchil- dern soll. Etwas ist bei dem Mann im Augenblick der Tat nicht ganz in Ordnung gewesen, etwas stimmt auch heute nicht. Der Sachverständige, Dr. Frommer, wird über ihn sein Gutachten erstatten. Der Vorsitzende. Londgerichtsdirektor Ohldorff versucht, in den Angeklagten tiefer einzudringen und seine Tat zu verstehen. Es ist nicht leicht. Verworren und traurig war schon L.s Jugend. Seit 1927 ist er in Berlin und die größte Zeit über arbeitslos. Die Ehe ist nicht ganz glücklich, die Frau unsauber in der Wirtschast und In der Wäsche. Die ersten beiden Kinder srül? gestorben. Er ist kein Trinker, aber lcidenschastlicher Raucher, ist leseeifrig und in der Leihbibliothek abonniert. Als Wohnhaus dient ihn eine Laube, die er für 120 Mark erworben und mit viel Mühe ausgebaut hatte. Und er ist leidenschaftlicher Radichörer. Hier beginnt das Drama, das zur Katastrophe führt. L. hatte im 3ahre 1928 auf Abzahlung einen Radioapparat er- warben. Als 100 Mark abgezahlt waren, verkaufte er den Appa- rat. Er war arbeitslos und brauchte Geld. Die Firma ließ für die restlichen 60 Mark die Laube pfänden. 3hr Wert wurde auf 20 Mark bestimmt. 1930 wurde dem L. von einem Vertreter ein zweiter Radioapparat auf Abzahlung verkauft. Auch dieser wurde von der ersten Firma gepfändet. Am 15. 3anuar verliert der Angeklagte seine Arbeit in der Färberei des Schwagers. Jlugkatafirophe im Saargebiet. Absturz der Maschine— 4 Personen geiötei. Saarbrücken, 13. 3unl. henle morgen gegen 8J0 Uhr ereignete sich K» Saarbrücke« ein schweres Flvgzeogunglück. dem vier Personen zmn Opfer ge- fallen sind., Die Maschine, die den verkehrzwifchen Saarbrücken und Köln versieht nnd heule morgen wegen Rehel» mit einer Verspätung von etwa einer halben Stunde gestartet war. Ist kurz nach dem Abflug, nachdem sie sich in einer höhe von ungefähr 50 Meter befand, hinter der in St. Arnual ganz nahe am Flughafen gelegenen Landjägerkaferne abgestürzt und verbrannt. Die Fahrgäste Fromm nnd weigel sowie die Lefahungswit- glieder: erster Flugzeugführer Weichard«ad Flugwaschinisten- funket Sampmeyer wurden getötet Es handelt sich«m ein Doraier-Merkur-Zlugzeug. Volkspariei gegen Volkspariei. Stuttgart gegen Berlin. Stuttgart 13. 3uni(Eigenbericht). Der Württembergifche Landtag, der am Freitag die Haushalls- beratungen mit der Annahme des Etats abschloß, lehnte u. a. einen kommunistischen Antrag auf Aufhebung der Notverord» nung der Reichsregierung mit den Sttmmen de» Zentrums, der Demokraten und der Deutschen Volkspariei ab. Die Sozialdemokratie und die Bauernbündler enthielten sich der Sttmme. E» ist de- merlenswert, daß sich die V o 1 k s p a r t e i 1 e r im Württembergischen Landtag auch während der Aussprache über den kommunistischen Antrag in Gegensatz zu der Reichstagsfraktion stellten. Bei Kranzens wie bei Kricks. Es knistert im Koalifionsban. Braunschweig. 13. 3uni(Eigenbricht). Die 3ungdeutschen, deren Abgeordneter Schräder die einzige Stutze des Nazikabinetts darstellt, find ergrimmt daß sie für ihre Steigbügelhalterdienste obendrein andauernd Fußtritte von den Nazis beziehen. 3n einer Versammlung der 3ungdeut- schen kommt die Mißstimmung offen zum Ausdruck, obwohl der Abgeordnete Schräder bemüht war, zu bremsen. Der sogenannte Komtur für Braunschweig verlangt, daß die Angriffe der Haken- kreuzler gegen die„Doungdeutschen" endlich aufhörten, widrigenfalls der jungdeutsche Abgeordnete sich gegen die Naziregierung wenden müsse. Schräder hofft noch, daß Franzen öffentlich vor den An- griffen seiner eigenen Presse abrücken möge. Auch Kaniereii geständig. Wo aber blieb das Geld? Zu dem Raubüberfall aus dca Rektor I r i n k a u s erfahren wir. daß gestern auch der dritte ver- hastete, der Händler Georg Kanlereil, unter der Last des Bewelsmalerlals ein Geständnis abgelegt hat. Er gab nun zu, daß er auf den Rektor eingeschlagen habe, will ober nur die Faust benutzt haben. Das kann nicht die Wahrheit sein, denn es wurde bei K. ein Schlagring gefunden, mit dem zweifellos die Hiebe, die den Knochen zersplitterten, geführt worden sind/ Die bloße Faust hätte so schwere Verletzungen wohl kautn hervorgerufen. Uebcr den Verbleib des gestohlenen Geldes macht K. Angaben, die angezweifelt werden. Er sagt, daß er die 3000 M., abzüglich der 20 M., die er Müller gab, in die Hosentasche gesteckt habe. Am Sonnabend besuchte er eine Badeanstalt am Kottbusier Ufer und dort soll ihm das Geld gestohlen worden sein. Ebensowenig wie das Geld ist bisher die Aktentasche des Ueber- fallenen gefunden worden. Unter Hinweis auf die vom Lehrer- verein ausgesetzte Belohnung von 800 Mark werden olle, die über den Verbleib des Geldes etwas wissen, gebeten, sich bei der Dienststelle A 5 im Polizeipräsidium zu melden. eines Radio inder in Brand gestecki Er glaubte sich von ihm ungerecht behandell. Für die erste Wohl« fahrtsunterstützung in Höhe von 10 Mark wurden Lebensmittel ge- kaust. Ein Teil der Sachen war bereits versetzt. Bretter von der Laube ois Heizmaterial abgerissen. Am 30. 3anmir holte sich L. in Spandau die erste Zlpril-Arbeitslosenunterstützung von 12,50 Mark. Am 17. Februar sollte die Laube versteigert werden.„Ich war bc- reits die ganze letzte Zeit über schwermütig." erzählt er.„Ich wollte nicht mehr noch Hause. Ich konnte nicht mit arttchen, daß dos Ding mir weggenommen werden sollte. Ich beschloß, mit dem Geld auf die Walze zu gehen. An Frau und Kinder habe ich nicht mehr gedacht. Ich holte mir ein paar Bücher aus der Leihbibliothek, irrte durch die Straßen, besuchte schließlich verschiedene Kneipen und kam so um X3 Uhr nachts doch noch Hause. Meine Frau war noch munter. Ich holte die Petroleumlampe aus dem Schlafzimmer, fetzte mich in die Küche und wollte lesen, konnte nicht, rauchte eine Zigarette an und warf das Streichholz in den offenen Schrank. Das Papier fing Feuer. Ich riß einige Kleider herunter, erstickte die Flamme, verließ die Laube und schloß die Tür von außen zu. Als der Angeklagte sich zwei Tage später der Polizei ffefke, erklärte er. er habe die Laube angezündet Er habe an Frau und Kind nicht gedacht. Es wäre vielleicht besser gewesen, wenn sie verbrannt wären. Als der Borsitzende ihn heute fragt: Weshalb haben Sie die Laube angezündet, ist der Angeklagte lange Zeit nicht imstande, vor innerer Bewegung auf die Frage zu antworten und erklärt schließlich, er habe Frau und Kinder nicht verbrennen wollen. Das Feuer sei durch seine Unvorsichtigkeit ent- standen. Er habe gedacht, es sei von ihm erstickt worden. Dann sagt er immer wieder: Alles ist durch diesen Mist gekommen, daß sie mir die Laube haben wegnehmen wollen. Man- wird aus diesem Menschen nicht ganz klug. Eins weiß man aber ganz bestimmt, er hat seine Tat teils in Trunkenheit— er trank ja sonst fast überhaupt nicht—, teils aus Berzweiflung be- gangen. Seine Frau verweigerte die Aussage. Seine Schwester konnte ihm nur Gutes sagen. Verkehrsunglück auf Wochenmarki. Pferdegespann geht durch— Krau schwer verletzt. Das durchgehende Pferdegespann eine? Markthändlers rief heute vormittag unter den zahlreichen Besucherinnen des Wochen- Marktes in der Soorstraße in Charlottenburg eine Panik hervor. Die Pferde, die mit dem Wagen am Ausgang des Marktes standen, scheuten plötzlich und rasten davon. Mehrere Per- k.a u f s st ä n d c wurden von den Pferden umgerissen und zahlreiche Personen unter Holzlatten und Plänen begraben. Glücklicherweise stellten sich die Folgen später als nicht so gefährlich heraus, wie es zuerst den Anschein hatte. Die meisten Frauen kamen init dem Schrecken davon. Lediglich die 48jährige Frau Marchs Plank aus der Soorstraße erlitt schwere innere Verletzungen sowie Knochen. brüch« und mutzte in das Wilmersdorjer HUdegard-5krantenhauz gebracht werden. Das Gespann konnte von einigen beherzten Männern aufgehalten und wetteres Unheil verhütet werden. Vor dem Hause Wilhelmsaue 36 in Wilmersdorf stürzte heute früh der SSjährige Kutscher Hermann Göldner aus der cEregmaringenftroße 35 so nngföcklich oom_ FShrersnz seines fahrenden Möbelwagens, daß er auf der-H-te-l 1« g et ö t e t wurde.*.;_L2 Wetterbefferung in Sicht. Oer Amtliche Wetterdienst ist sehr optimistisch. Der Witterungscharakter, der für die nächsten 24 Stunden für unser Gebiet bestimmend sein wird, läßt für den morgigen Sonn- tag die schönsten Hoffnungen für ausgesprochenes Ausflugswetter aufkommen. Heiter, teil» wolkig, trocken und schwache nordöstliche Winde, so lautet die Prognose des amtlichen Wetterdienstes. """* Die am Freitag einsetzende stark« Bewölkung mit der damit verbundenen ziemlich erheblichen Abkühlung, die sich besonders in den Nachtstunden sehr bemerkbar machte, war auf den Einbruch maritimer Luftmassen.zurückzuführen. In dem Bereich dieser Kaltluftzone stieg das Barometer kräftig. Im Westen des Kontinents lagert zurzeit ein verbreitetes Hoch, mit seinem Kern über Nordsrantreich. Nach den vorliegenden Anzeichen wird dieses Hoch, das langsam nord- ostwärts zieht, unser Wetter günstig beeinflussen. Infolge der Sonneneinstrahlung dürften außerdem die Temperaturen wieder wesentlich steigen. Vier Gchupobeamte festgenommen. Bon der Berliner Schutzpolizei sind gestern �nehrere Beamte verhaftet worden, die in dem dringenden Verdacht der Bestechlichkeit stehen. Außerdem wurden 7 Buchmacher dingfest gemacht, die die Polizeibeamten zu dem pflichtwidrigen Verhalten durch Geld- geschenke veranlaßt haben. Die Berliner Kriminalpolizei führt seit einiger Zeit einen Kampf gegen die wilden Buchmacher auf den Berliner Rennbahnen. So oft sich die Beamten bisher zeigten, verschwanden die wilden Buchmacher. Man schöpfte deshalb Verdacht und stellt« nach langen Ermittlungen fest, daß Beamte der Schutzpolizei den Buchmachern Signale gaben. Richl Razi, sondern kost. Der hossnungsoolle Zunge Mann, der den Polizeipräsidenten Aörgiebel im Gcrichtssaal attackierte und dafür bestrast wurde, hat bekanntlich das Reichsgericht angerufen mit dem Erfolg, daß das Urteil aufgehoben und zur nochmaligen Verhandlung zurückverwiesen wurde. Die Nachricht wurde im „Vorwärts" mit der Ucbcrschrift versehen:„Reichsgericht hebt Urteil gegen Nazi auf". Das war falsch, denn der Schneider H e i d r i ch läßt uns durch einen geschäftigen Anwalt„auf Grund des 8 11 des Reichspressegesetzes" eine Berichtigung zuschicken, die betont, daß er K o m m u n i st sei. Wir stellen dos gern noch einmal fest, find aber der Meinung, daß der Kommunist Heidrich mehr Ursache habe, sich zu schämen, als Berichtigungen zu Herschicken. Aber ob Nazi oder Kozi— wo ist in bezug auf Scham da noch ein Unterschied? « Hochkonjunktur in Polarforschung Werden sich„Aauiilus" und„Graf Zeppelin" am Pol treffen?/ Die Aussichten der beiden Expeditionen In diesem Sommer wird sich— wenn alles gut geht— in den eisigen Wüsten des Polargebietes ein Ereignis abspielen, das selbst die Phantasie eines Jules Verne nicht zu ersinnen gewagt hätte: die Begegnung zweier Polarexpeditionen, von denen keine den üblichen Weg auf dem Eise genommen hat— die«ine fährt unter dem Eise, und die andere fliegt mit dem Sstiftschifst Wenn sich„Nautilus" und„Graf Zeppelin" treffen... ja, besteht denn tatsächlich begründete Aussicht, dah dieser Plan, der wie eine Ge- schichte aus einem utopischen Zukunftsroman klingt, auch allen Ernstes verwirklicht wird? Man hat beiden Plänen— auch von durchaus ernst zu nehmender wissenfchastlicher Seite aus— den Vorwurf gemacht, daß es sich zum mindesten um leichtfertige und allzu riskante Unternehmen handele, ja das Wort.unmöglich" war nicht selten am Schluß der vielen Gegenartikel zu lesen, in denen zu diesen Fragen Stellung genommen wurde. Wie steht es nun mit diesen Einwänden? Beginnen wir mit dem geplanten Polflug des„Graf Zeppelin", der ja bekanntlich schon für das vorige Jahr geplant war und dann wegen verschiedener äußerer Schwierigkeiten nicht durchgeführt wurde. Man hält diesem Plan entgegen, daß man das wertvolle Luftschiff aufs Spiel setze, nur um einiger wissenschaftlicher Probleme willen, man erinnert vor allem an die Katastrophe der„3talia", die bekanntlich unter Nobiles Führung im Polargebiet abstürzte. Auf die Bedeutung derartiger Fahrten wollen wir weiter unten noch eingehen. Wie aber steht es mit der Gefahr für Luftschiff und Besatzung? Selbstverständlich wird ein derartiges Unternehmen immer mit einem gewissen Risiko verbunden sein, das Risiko ist aber durchaus nicht so groß, wie viele Kritiker annehmen. Zunächst herrscht, um die für die Expedition vorgesehene Zeit im Polgebiet dauernd Tag, es fallen also die für die Navigation sehr un- angenehmen Unterschiede zwischen Tag und Nacht vollkommen weg. Ebenso gibt es dort oben keine Gebirge, also auch keine dadurch erzwungenen chöhenänderungen im Kurse, und endlich fällt die Gefahr der gefürchteten Böen weg, weil sich diese infolge der gleich- mäßigen Unterlage— Polarcis— gar nicht bilden können. iBöen entstehen bekanntlich durch die verschiedene Erwärmung benachbarter Gebiete.) Wenn wir noch erwähnen, daß es im Polargebiet auch keine Gewitter gibt, so bleibt eigentlich nur eine einzige Gefahr wirklich übrig: die Gefahr der Vereisung. Ucber diese Frage liegen sehr gründlich« Erfahrungen bereits vor, und man kennt auch die Mittel, sich dagegen zu schützen— vor allem durch dauernde Sondierungen der Atmosphäre, durch eingebaute Alarmthermo- mcter in der Hülle usw. So wird die Luftschiffleitung stets über die Temperatur- und Feuchtigkeitsverhältnisse der Luftschichten in der Umgebung des Luftschiffes orientiert sein und kann jederzeit diejenige Höhe aussuchen, in der keine Vereisungsgefahr mehr be- steht. Im übrigen ist für den Fall einer Havarie eine vollständige P o l a r a u s r ü st u n g für die Besatzung an Bord, ebenso werden Polarhunde und Schlitten mitgenommen usw., so daß auch im schlimmsten Falle nur das Luftschiff, nicht aber die Besatzung ver- loren ist. Daß dieser Fall aber eintreten wird, ist außerordentlich unwahrscheinlich Etwas schwieriger liegen die Dinge bei der geplanten„Na u- tiius".- Expedition. Man weiß zwar aus gründlicher Er- fahrung, daß man mit einem modernen Unterseeboot vor un- erwarteten Havarien ziemlich gesichert ist, man weiß auch, daß man sehr lange Strecken unter Wasser sogar in ziemlich großer Tiefe ohne weiteres zurücklegen kann—, über die besonderen Ver- hältnisfe einer Unterseebootsfahrt im Polargebiet aber liegen noch keinerlei Erfahrungen vor. Trotzdem ist der Plan dieser Fahrt durchaus nicht leichtsinnig gefaßt worden: der Gefahr eines Zu» sammenstoßes mit dem Eise— das im Polargebiet normalerweise nur wenige Meter tief geht— wird man durch EinHallen einer genügenden Tiefe(etwa 4» Meter) sowie durch entsprechende Ver- langsamung der Fahrgeschwindigkeit ersolgreich begegnen können. Ferner ist bekannt, daß die Eisschicht des Polarmeeres im Sommer an vielen Stellen freie Stellen aufweist-, entsprechende Einrichtungen an Bord des„Nautilus" werden es ermöglichen, diese Stellen auf- zufinden und dann durch Auftauchen den Lustvorrat zu erneuern. Auch sonst ist das Boot selbst und die ganze Expedition so gründlich und sachgemäß vorbereitet, daß ihr Gelingen zwar nicht ge» sichert, aber durchaus nicht unwahrscheinlich ist. Nehmen wir also einmal an. daß alles klappt und beide Ex- peditionen ihr Ziel erreichen— werden sie sich dann auch wirklich treffen? Die dazu nötige genaue Ortsbestimmung der beiden Fahrzeuge ist nämlich insofern sehr schwierig, als im Polgebiet sowohl Kreiselkompaß als auch Magnetkompaß versagen, und serner die Orientierung nach den Sternen infolge des dauernden Polar- tages ebenfalls nicht möglich ist. Die Ortsbestimmung muß als» nach der Sonne und— dies ist aber nur dem Luftschiff möglich, da der„Nautilus" nicht über die entsprechenden Apparate ver- fügt— durch Funkpeilung erfolgen. Da bei derartigen Be- stimmungen kleine Differenzen— die aber dann unter Umständen Hunderte von Kilometer ausmachen— durchaus möglich sind, wird es keine ganz leichte Ausgabe sein, den„Nautilus" vom Lust- schiff aus zu finden. Es handelt sich also um einen Versuch, dessen Gelingen noch keineswegs gesichert ist. Zum Schluß noch ein paar Worte über die Bedeutung der- artiger Unternehmungen, die ja durchaus nicht um den Sensation willen unternommen wenden, wenn es auch im Falle des„Nau- tilus" eine allzu geschäftstüchtige amerikanische Reklome manchmal so scheinen ließ. In Wirklichkeit aber liegt für die gesamte Mensch- heit ein ganz außerordentliches praktisches Interesse neben dem rein wissenschaftlichen vor. Vor allem aus zwei Gründen: zunächst ist der Weg über das Polarmeer für den Luftverkehr von größter wirtschaftlicher Bedeutung, da der Weg von Europa nach beiden Küsten des nördlichen pazifischen Beckens weitaus am gün- stigften über die Arktis führt. Die Fernfluglinien der Zukunft von Berlin nach Tokio oder San Franziska werden sicherlich über das Polargebiet führen. Zweitens aber wird unser Wetter zu einem sehr wesentlichen Teile von den Verhältnissen im Polargebiet be- stimmt, und es ist außerordentlich wünschenswert, über die dortigen meteorologischen Derhällnisse laufend orientiert zu sein. Das ober wäre nur durch die Anlage von polaren Wetterstationen möglich— der Erforschung derartiger Möglichkeiten dient vor allem das ge- plante Treffen von„Nautilus" und„Graf Zeppelin". Dr. H. Woltereck. Kundgebung der GAL. Gegen Nofverordnung— für Sozialismus! Trotz aller Sorgen dieser Notzeit ist die Sozialistische Arbeiter- jugend kampfesmutig auf dem Plane, wenn es heißt, ein Bekennt- nis für die Idee des Sozialismus abzulegen. Das bewies der Geist, der gestern auch die überfüllte Versammlung in den Eermania-Festsälen beseelte. Musik der SAJ.-Kapelle leitet« die Kundgebung ein. Mit stür- mischem Beifall belohnt, zeigten die„roten Rebellen" ihr Können. Der gemeinsame Gesang des Liedes von der jungen Garde des Proletariats folgte. Dann führte der Vorsitzende, Genosse Schmidt, aus, daß diese Kundgebung zugleich ein Appell an die Reichstagsfraktion zur Beseitigung der Notverordnung und ein Gelöbnis, diszipliniert in den Reihen der So- zialdemokrotie zu kämpfen, sei. Genosse Seyd«witz sprach über„Die Notverordnung der Regierung Brüning und die Jugend". Wenn heute Empörungsausbrüche hungernder Massen zu ver- zeichnen sind, so ist Voraussetzung dieser Empörung die verfehlte Politik der bürgerlichen Regierungen. Kein Mensch weiß, was Das Füllhorn „Nur nicht fragen, wo es herkommt!" morgen kommt. Aber glaubt nicht, was die Kommu- nisten sagen, daß der Kapitalismus aus sich allein heraus zusammenbricht. Im Gegenteil, sein wohlbedachtes Ziel ist der Ver- such, alle Lasten auf die Arbeiterklasse abzuwälzen und Löhne und Sozialgesetzgebung radikal abzubauen. Die neue Notverordnung ist der Beweis, daß die kapitalistischen Kreise ohne Rücksicht auf das Proletariat vorzugehen entschlossen sind. Der Marsch wird fort-� gesetzt, und ungeheuer ist das Maß der Zumtuungen,' die durch die Notverordnung an die Arbeitschaft gestellt werden. Einige Bei- spiel«: Die Notverordnung ermächtigt die Kommunen, die ihr unterstehenden Arbeiter und Angestellten auch unter Tarifbruch in ihren Bezügen herabzufetzen. Es ist kein Zweifel, daß die Ab- sicht dahin geht, dies auch auf die Privatbetriebe zu übertragen. Im März hat Reichsarbeitsminister Stegerwald gesagt, daß schon zu viel an Reallohn abgebaut sei. Die von der Regie- rung daraus gezogene Schlußfolgerung ist ein weiterer Abbau. Bei den Leamtengehältern hat man den Anschein erwecken wollen, daß man oben höhere Prozentsätze anwende als bei den unteren Gehalts- stufen. In Wahrheit aber führt der Abbau der Kinder- zulage für das erste Kind- zum gegenteiligen Ergebnis. Nur an die hohen Pensionen hat man sich nicht herangewagt. Die Generale beispielsweise, oder besser gesagt, die früheren Gene» rale— heute sind st« schlichte Arbeiter in den Reihen der NSDAP. (Heitere Zustimmung)—, sind in ihren Bezügen ungeschmälert. Da spricht man von wohlerworbenen verjajsungsmäßigen Rechten! Als wenn die Verfassung nicht auch für die anderen, für die Arbeiter Rechte festgelegt hätte! Nein, der A b b a u d e r S o; i a l g e s« tz- g e b u n g wird trotz aller Rechte radikal durchgeführt. Für die Knappschaf te n gibt man zur Deckung des Defizits ein paar Milliönchen unter der ausdrücklichen Bedingung, daß die Lei- stungen abgebaut werden. Bei der Arbeitslosenversicherung hat man mit Nachdruck betont, daß die Hauptsache die Verhinderung eines generellen Abbaues sei. Heut« ist der allgemeine Abbau da. Die Herabsetzung der Ansprüche.geht bis zu 14 Proz. Bei der Krisenunterstützung verliert die Lohnklasse Vl fünf, die Lohnklasse XI bei zwei Kindern 13 Mark. Dieser letzte Satz ist von 31,50 auf 18,52 Mark verringert. Die Wartezeit ist allgemein verlängert worden. Verheiratete Frauen werden besonders hart betroffen, und die größte Sünde wird an den Jugendlichen begangen, die,"trotzdem sie Beiträge bezahlt haben, bis zum 21. Lebensjahre ausgeschlossen sind. Als Ersatz will man die Arbeitsdienstpflicht einführen, die man jetzt„frei- willigen Arbeitsdienst" nennt. Dabei sollen die Wehrvcrbände besondere Funktionen erhalten. Der Sinn dies«? Liebiingsgesetzes des Ministers Treoiranus ist, daß die Jugend wieder wehr- fähig werden stlft das ist eine chauvinistische militaristische An- gelegenheit, gegen die sich die Jugend wehren muß.(Stürmischer Beifall.) Zum Schluß einige politi schc Bemerkungen! Die Fraktion hat in ihrer heutigen Sitzung die Notoerordnung als unmöglich und untragbar gekennzeichnet.(Stürmischer Beifall, Zwischenrufe:' Jetzt kommt das Aber.) Nein, es ist k e i n Aber dabei.(Er- neute Zustimmung.) Zudem erzwingt die Volkspartei den Bruch der Tolerierung Brünings durch die Sozialdemokratie. Nach meiner U«berzeugung handelt es sich um Wochen, wenn nicht um Tage, daß die Sozialdemokratie in Opposition gegen die Regierung steht. (Stürmisches Bravo.) Dpnn wird nicht Freude und Wohlsein herrschen. Der Kampf für die Arbeiterklasse wird schwer sein. Aber wir fürchten ihn nicht, weil wir wissen, daß am Ende der harten Opfer der Sieg des Proletariats steht." (Anhaltender Beifall.) Nach weiteren Vorträgen der„roten Rebellen" schloß der ge- meinsame Gesang der Internationale die machtvolle Kundgebung. Paul Loncour oertritt die französische Regierung vor dem Jme.'- nationalen Gerichtshof, der am 2. Juli seine Beratungen über die deutschäsierreichische Zollunion beginnt. planck-Medaille für Prof. Sommerfeld. Die vor zwei Jahren anläßlich des 70. Geburtstages des Be» gründers der Quantentheorie von den deutschen Physikern gestiftete goldene Planck-Medaille für besonders verdienstvolle Arbeiten auf dem Gebiet der Quantenlehre, die damals an Einstein und im vorigen Jahre an den dänischen Physiker Nils Bohr verliehen wurde, erhielt in diesem Jahre in einer Festsitzung der P h y s i- kalischen Gesellschaft der Gelehrt« Professor Arnold Sommerfeld aus München. Bei der Ueberreichung gab Planck seiner Freude darüber Ausdruck, daß er diese persönliche Uebergobe an Sommerfeld noch erlebe, der durch seine Arbeiten über Atombau und Spektrallinien geradezu der Begründer der Quantenmechanik geworden sei. Im anschließenden wissenschaftlichen Teil der Sitzung hielt dann Sommerfeld'einen Vortrag„Zur Theorie des Ramsauer Effektes", mobei es sich um eine der Lichtbeugung analoge Erscheinung bei Zusammentreffen langsam bewegter Elektronen mit Atomen handelt. Dann sprach noch der Potsdamer Astronom E. F. Freund» l i ch„über einen Nachweis der Ablenkung des Lichtes im Schwere- feld der Sonne". Er legte dar, daß auch den Beobachtungen der Sonnenfinsternis vom 9. Mai 1929 die von der Relativitätstheorie vorausgesagte Ablenkung des Lichtes sich unzweifelhaft ergebe, ober um einen geringen Betrag größer, als es die Theorie verlangt. Hierzu bemerkte der anwesende Einstein, daß die experimentell fest- gestellten Tatsachen die unanfechtbare Grundlag« bilden und die Theorie ihnen angepaßt und verbesiert werden müsie. Lt. Filmschaffende wollen selber produzieren Der neugewählte Na�solger Lupu Picks als Vorsitzender der D a ch o(Dachorganisation der Filmschaffenden Deutschland? E. V.) G. W. P a b st �ielt in einer stark besuchten Versammlung der Dacho im Zoo eine programmatische Rede. Das Kulturprogramm der Dacho umfaßt den Kampf um das Urheberrecht der Filmschaffenden, den Kampf gegen die Zensur, die Errichtung eines deutschen Tonfilmarchios und die Konstituierung eines„Lupu-Pick-Preifes" für die jährlich beste deutsche Filmleistung. Der Preis wird verliehen durch eine Gruppe bedeutender Persönlich- leiten des deutschen Kunst- und Kulturlebens unter interessierter Mitarbeit des Kultusministeriums. Das wirtschaftspolitische Programm enthält u. a. auch die Forderung einer tariflichen Regelung der anarchischen und un- würdigen Arbeitsverhältnisse bei der Filmproduktion, die zum Schaden der Filmschaffenden und des künstlerischen Filmniveaus bis heute ungeregelt sind. Von weittragender grundsätzlicher Bedeutung ist die Mitteilung G. W. Pabsts, daß die Filmschaffenden der Dacho nunmehr selbst mit der Produktion von Filmen beginnen unter Gewinnbeteiligung der Mitarbeiter und unter völliger Ausschließung von Industrie und Kapital. Die finanzielle Grundlage soll bereits gesichert sein. Folgen der Münchener Katastrophe. Die Verwaltung der Kapenhagener Glyptothek hat unter dem Eindruck der Münchener Brandkotastrophe cinstünmia den Entschluß gefaßt, prinzipiell keine Kunstwerke mehr für Ausstellungen außerhalb des Museums zw 1 verleihen. Der Eichenkranz in der Neuen Mache. Seit der Ein- weihung der Neuen Wache als Gedächtnisstätte für die Gefallenen des Wellkrieges entzückt der in goldenem und silbernem Schimmer leuchtende Eichenkronz, auf dem das freie«Licht des Himmels ruht» eine Schöpfung des Prof. Ludwig Gies, jeden Besucher. Tessenow hatte ursprünglich beabsichtigt, den Toten des Weltkrieges einen Kranz aus vollem Golde zu widmen. Diesen Gedanken mußte man freilich fallen lassen. Aber auch über die jetzige Ausführung des Kranzes find schon irreführende Uebertreibungen in Umlauf. In Wirklichkeit besteht der Kranz aus einem schweren silberneu Kern mit 235 aufgeschraubten größeren und kleineren Eichenblättsrn, auf die wiederum in einer freien malerischen Anordnung teil? Goldblech gelötet, teils Blattplatin aufgelegt ist. An Material sind 192,50 Kilo Silber aus zusammengeschmolzenen allen Reichsmünzen und 0,35 Kilo Feingold aus österreichischen Goldkronen für diesen Zweck verwendet worden. Der gesamte Silberwert beträgt 8000 M., der Goldwert 17 800 M., und die Gesamtkosten für den Ehrenkranz einschließlich der Kosten der sehr mühseligen Verarbeitung und auch einschließlich des Künstlerhonorars belaufen sich auf 46113 M. Preisabbau der Berliner Slaatsthealer. Die Berliner Staatsthcater haben als erstes Theater mit dem Abbau ihrer Kassenpreise begonnen. Vom 1. September dieses Jahres tritt eine Preissenkung um durchschnittlich. 20 Proz. ein. Entsprechend der Herabsetzung der gewöhnlichen Kassenpreise erfolgt auch in den Jahres- und in den Teilabonnements eine Preissenkung, die zum Teil sogar über die durchschnittliche 20prozcntige Ermäßigung hinausgeht. Das bedeutet, daß bei der Oper Unter den Linden die Kassenpreise, die bisher zwischen 2 und 15 Mark lagen, künftig zwischen 1,50 und 12 Mark sich bewegen werden. Auch für die Staatlichen Schauspiele ist eine Senkung der Preije, die zum Teil scgar eine Herabsetzung von 25 Proz. bedeutet,»orgcsehcn, während für die Kassenpreise des Schillertheaters, die an und für sich schon niedrig gehalten sind, die Herabminderung verhältnismäßig geringer ist. Der Reichsverband bildender Künstler hielt in Darmstadt seine diesjährige Tagung ab. Der bisherige Generalsekretär Otto Marcus, der seinen Rücktritt erklärte, wurde zum Ehrenmitglied ernannt. Die gleiche Ehrung wurde Hans Balufchek und Felix Hollerberg zuteil. Zum Nachfolger Marcus' wurde Rudolf Bosselt-Braunschweig gewählt. Die Tagung iaßte den wichtigen Beschluß, bei der Reform des Urheberrechts die Beteiligung des Künstlers an der Wertsteige- rung seiner Werke bei Weiterverkäufen einzuführen. Die halbierte. Bevölkerung von konslanlinopel. Nack) den Schlüssen, die man aus den neuen Wahlen in Stamvul auf die Bevölkerung ziehen kann, geht die Einwohnerschaft des früheren Konstantinopcl immer mehr zurück. Die Stadt hat danach feil der letzten Volkszählung 1927 wieder gegen 1101X10 Einwohner ver- loren. Di« Gesamtziffer betrug damals 690 735 Seelen, von denen 477 740 dem mohammedanischen Glauben angehörten. Gegenwärtig sind es höchstens noch 580 000 Einwohner, kaum die Hälfte der Ziffer, die Konstantinopel vor dem Kriege befaß. Der Hauptgrund liegt in den schlechten wirtschaftlichen Verhältnissen. Die Verwaltung der Stadt, die sich über ein so großes Gebiet erstreckt, wird immer schwieriger, und je mehr der Magistrat die Bewohner mit Steuern belastet, desto mehr von ihnen flüchten und desto schlechter gehen die Geschäfte. Trotzdem bleibt Stambul auch weiterhin das Herz der Türkei. Zoachim-Feier. Anlählich des IM. Geburtstages von Joseph Joachim stnden gemeinschaftliche Feiern der Staatlichen alademischen Hochschule für Mufit. der Preußischen Akademie der Künste und der Singakademie statt. Am 27. Juni beginnt eln Konzert in der Staatlichen Hochschule mit Korn- Positionen Joachims. Am 28. Juni, 12 Uhr mittags, findet eine Feier am Grabe statt. Abends um 8 Uhr spielen in der Singatademie 3 Ouarielte von Joachim-Schülern. Am 29. Juni l931, abends, rniid in der Preußischen Akademie der Künste«ine Feier abgehalten. Während dieser Tage wird eine Jomhim-AuSstellimg m der Hochschule für Wufik stattfinde». « Verbrecher als„ Kinderfreund" Wanderbund Kameradschaft und seine dunklen Hintergründe Fortgefehter schwerer Sittlichkeitsverbrechen an Knaben im Alter von 11 und 12 Jahren wird der 36 Jahre alte Heinz Rothenbücher beschuldigt, der sich Kunstzeichner nennt. Er ist auf Anzeigen hin von der Kriminalpolizei feffgenommen und wird dem Richter vorgeführt werden. Bei der Unterfuchung hat sich herausgestellt, daß er mit größtem Raffinement zu Werke gegangen ist, um die Kinder feinen unsauberen Gelüffen gefügig zu machen. Rothenbücher hat sich bis vor etwa einem Monat in der Gegend von Hanau und Offenbach aufgehalten und kam dann nach Berlin. Hier wohnte er in Untermiete. Vor 14 Tagen bezog er ein neues Quartier in der Stolpischen Straße 28. Die Knaben in der Umgegend lockte der Wüstling an sich unter der Vorspiegelung, daß er einen Wanderbund gründen wollte. Es sollte eine Art Pfadfinderbund sein, dem er den Namen Rameradschaft" gab. Die Vereinigung war aber nicht angemeldet, war vielmehr als eine sogenannte ,, wilde" anzusehen. Die Jungen, die den Gedanken begeistert aufgriffen, beschafften sich Wanderhemden, Wimpel und was sonst noch dazu gehört und verkauften im Auftrage des Rothenbücher kleine Fähnchen und Bücher. Der Kunstzeichner" gab auch jedem Mitglied seines neuen Bundes einen angeblichen Ausweis. Besonders rege entfaltete er seine Tätigkeit während der Pfingstferien. Jetzt hatten die Kinder ausreichend freie Zeit. Rothenbücher versprach den Jungen, Wanderungen und Spa ziergänge mit ihnen zu machen. Durch die Erzählungen der ersten Rinder tamen immer neue zu dem Kameradschaftsbund" hinzu, deffen Mitgliederzahl sich, wie jetzt festgestellt werden fonnte, auf 10-15 belief. Zum Teil waren die Knaben in der Wohnung des R. gewesen, wo er sich schwer an ihnen vergangen hatte. und trat mit ihnen zu der ungewöhnlichen Zeit um 6 Uhr abends einen Wandergang nach dem Grunewald an. Als die Knaben am Sonntagabend um 8 Uhr nach Hause zurüdfamen, waren ſie von dem strapaziösen Wege vollkommen erschöpft und im Wesen niedergedrückt. Die besorgten Eltern nahmen die Jungen ins Gebet und erfuhren nun, was hinter der harmlosen" Wanderung eigentlich stedte. Um das Wohlbefinden der Jungen hatte sich der Führer nur wenig gefümmert. Sie hatten nachts in einem unzulänglichen Zelt schlafen müssen und waren Opfer des Sittlichkeitsverbrechers geworden. Die Eltern erstatteten nunmehr Anzeige bei der Kriminalpolizei und der Jugenderzieher" wurde festgenommen. Db außer den bisher bekannten Knaben noch andere ihm verfallen sind, bedarf der Untersuchung. In Berlin ist der sogenannte Kunstzeichner, der feinen Nachweis über eine regelrechte Tätigkeit erbringen fann, noch nicht befannt gewesen. Desto besser kennt man ihn in der Gegend von Hanau und Offenbach. Dort ist er wegen fortgesetter Sittlichkeitsverbrechen an minderjährigen Knaben bereits mit Zuchthaus vorbestraft. Seine letzte Strafe, die auf 1 Jahr und 6 Monate Gefängnis lautete, erhielt er noch 1930. Rothenbücher wird dem Richter vorgeführt erhielt er noch 1930. Rothenbücher wird dem Richter vorgeführt werden; es ist damit zu rechnen, daß gegen ihn Haftbefehl erlassen werden wird. Im Interesse der restlosen Aufklärung seines Treibens märe es erwünscht, wenn sich die Eltern folcher Kinder, die sich dem Pfad. finder bunde Kameradschaft" angeschlossen haben, bei der Dienststelle E 1, Kriminalfommissar Streme, im Polizeipräsidium melden würden. Es handelt sich, soweit man feststellen fonnte, um Jungen, die in der Stolpischen Straße, der Schivelbeiner Straße und Am vergangenen Sonnabend versammelte R. die Kinder um sich den angrenzenden Straßenzügen wohnen. Baugewerksbund an den Kanzler Die Auswirkungen der Nowverordnung Der Deutsche Baugewertsbund hat unter dem 11. Juni dem Reichstanzler ein Schreiben zugehen lassen, in dem auf die Auswirkungen hingewiesen wird, die die Notverordnung für die Bauarbeiter und den Baumarkt haben würde. In dem Schreiben heißt es: | arbeiter damit arbeitslos. 3weifellos wird die Einführung des freiwilligen Arbeitsdienst es dem Baugewerbe noch weitere Arbeitsmöglichkeiten entziehen und das Heer der arbeitslosen Bauarbeiter vergrößern. Sie droht außerdem, die noch tariflich geregelten Arbeitsverhält. niile der Bauarbeiter in Unordnung zu bringen und damit einem meiteren Lohndrud Vorschub zu leisten. Die durch alle diese Maßnahmen in ihren Löhnen gedrückten oder arbeitslos gemachten Bauarbeiter aber werden ihrer gefeßlichen Ansprüche beraubt und für den Fall, daß sie überhaupt einmal Arbeit finden, mit der Kürzung des steuerlichen Existenzminimums bestraft. Für diese Politik fönnen wir fein Wort der Entschuldigung finden. Eine start zunehmende Rabitalisierung, muß die unvermeidliche Folge sein. Eine entscheidende Besserung der Lage der BauDie Bauarbeiterschaft ist schon seit Jahren unter Berufung auf den Saisoncharakter des Baugewerbes ein beliebtes Dbjeft für die Reformen der Arbeitslosenversicherung. Für sie sind schon bisher eine ganze Anzahl von Ausnahmebestimmungen in Kraft, und da die neue Notverordnung eine ganze Reihe einschneidender allgemeiner Verschlechterungen der Unterstügung bringt, fonnte die Bauarbeiterschaft wohl erwarten, nicht nochmal weiteren besonderen Berichtechterungen der Unterstützung unterworfen zu werden. Sie fonnte das um so mehr erwarten, als die der Reichsregierung wohlbekannte ungeheure Arbeitslosigkeit im Bausarbeiterschaft tann allerdings nur durch gewerbe mit irgendweicher Berufsüblichfeit nichts mehr zu tun hat. Zugleich sei in diesem Zusammenhang darauf hingewiesen, daß die Begründung der Unterstützungsverschlechterungen für die Bauarbeiter mit dem Saisonzuschlag, der angeblich in ausreichendem Maße in den Bauarbeiterlöhnen enthalten sei, durch den Lohnabbau im Baugewerbe ihre von uns schon immer bestrittene Berechtigung vollends verloren hat. Sind doch die Stundenlöhne im Baugewerbe durch Lohnfenfungen und Umgruppierungen der Lohnklassen im allgemeinen um 12 bis 15 Pf. und in Einzelfällen sogar bis zu 35 Pf. gesenkt worden. Nun ist es schon nach den bisher geltenden Bestimmungen des AVAVG. für jeden Bauarbeiter ein Glücksfall, in den Genuß der ordentlichen Unterstützung zu kommen. Es ist deshalb voll. ständig ungerechtfertigt. für diejenigen Saisonarbeiter, die die schweren Bedingungen für den Unterstützungsbezug erfüllen, noch eine über die allgemeinen Verschlechterungen hinausgehende besondere Kürzung der Unterstügungsdauer und eine grundsätzliche Sentung des Unterstügungsbetrags auf die Säge der Krisenunterstüßung anzuordnen. Diese Bestimmungen bedeuten, daß die Bauarbeiter während ihrer Beschäftigung wohl die ordentlichen Beiträge für die Arbeitslosenversicherung zu entrichten haben, daß sie aber andererseits praktisch aus der Arbeitslosenunterftüßung fast vollständig ausgeschaltet sind und grundsäglich nur als Wohlfahrtsunterstützungsempfänger behandelt werden. Die Bauarbeiterschaft muß diese Berdrängung aus dem öffentlichen Unterstützungswesen um so drückender empfinden, als sie gleich zeitig zu Sonderleistungen für die Allgemeinheit herange. zogen wird. Wirkt sidy nämlich die Niederschlagung der Lohnsteuererstattungen schon als allgemeine Strafsteuer auf Arbeitslosigteit, aus, jo gewinnt sie bei der derzeitigen fatastrophalen Lage des baugewerblichen Arbeitsmarttes geradezu den Charakter einer Sonderstrafsteuer für die Zugehörig. feit zu baugewerblichen Berufen. Dieser Sachverhalt wird noch da durch verschärft, daß für die neue Krisensteuer eine Erstat tungsmöglichkeit gleichfalls ausgeschlossen ist. Es wird infolgedessen faum einen Bauarbeiter geben, dem das im Lohnsteuergesetz vorgesehene Existenzminimum in voller Höhe angerechnet wird. Viele Zehntausende von Bauarbeitern werden auf diese Weise jogar erhebliche Steuern zahlen müssen von einem Einkommen, das im Endeffekt weit unter der einkommensteuerpflichtigen Einkommensgrenze bleibt. Erst entzieht die Regierung durch eine Reihe von Verordnungen so unerfeßlichen Trägern der Baufinanzierung mie den Sozialversicherungsanstalten flüssige Mittel, dann fürzt sie die leberweisungen aus der Hauszinssteuer und macht die Baudie Wiederbeschaffung von Arbeitsmöglichkeiten erreicht werden. Wir verweisen in diesem Zusammenhang insbefondere auf die ungeheuren Möglichkeiten, die nach wie vor im Wohnungs und Straßenbau bestehen und bitten die Regierung, ihr Augenmerk vornehmlich auf die Beschaffung von Auslandstapital für den Wohnungsbau und auf die Frage der zweiten HypoSonnabend, 13.6. Sonnabend, 13.6. Staats- Oper Städt. Oper Unter d. Linden 285. A.-V. 1912 Uhr Bismarckstr Turnus II 20 Uhr Das Aida Rheingold Ende g. 23 Uhr Staats- Oper Am Platz der Republik 22. R.-S. 1912 Uhr Die Hochzeit des Figaro Deffentl. Kartenverkauf Ende g. 222 Uhr Staatl. Schausph. ( am Gendarmenmarkt). 245. A.-V. 20 Uhr Cecil Rhodes Ende 22% Uhr Ende 22 Uhr Staatl. Schiller- Theater, Charitbg. 20 Uhr Haus Herzenstod Ende 22 Uhr Reichshallen- Theater Allabendlich Uhr Stettiner Sänger Wiederauftreten Paul Britton Zum Schluß der Schwank ,, Alles verrückt!" Metropol- Theater Deutsches Theater 8 Uhr Täglich 8% Uhr Die Toni Der Hauptmann von Köpenick aus Wien Mady Christians, v. Carl Zuckmayer Michael Bohnen Regie: Heinz Hilpert Guido Thielscher erntet Stürme der Begeisterung im Rose- Theater Der Jubel ist groß und berechtigt." ( Tempo) Nur noch 14 Tage: ,, Der wahre Jakob" Wochent. 815, Sonnt. 545 u. 9 Uhr Rose- Garten Das erste Sommertheater Berlins! Wochent. 530 Uhr, Sonnt. 5 Uhr Großes Konzert und internationaler Varietéteil. 815 letzte Woche; Die Schwankoperette: ,, Das Liebesverbot". Ab 15. Juni vollständig neuer Varietéteil u. die Operette von Josef Snaga: ,, Der Hutmacher Sr. Durchlaucht" Gr. Frankfurter Str. 132 E 7 Weichsel 3422 U- Bahn Strausberger Platz Billettkasse geöffnet von 11-1 und 4-9 Uhr. thet, die für das Schicksal der Bauarbeiter schlechthin entscheidend ist, lenfen zu wollen. Zunächst aber erwarten mir, daß die unerträglichen Härten der Verordnung vom 5. Juni baldigst fühlbar abgemildert werden. Eine Besserung der Beschäftigungsverhältnisse würden wir auch Darin sehen, wenn der Herr Reichsarbeitsminister nachdem ihn die Verordnung dazu ermächtigt für das Baugewerbe allge= mein die Vierzigstundenwoche anordnen würde. -w Bierzig Fahrten gestrichen. Amerikaner besuchen Europa nicht mehr. London, 13. Juni. 3mischen den großen europäischen und amerikanischen Schiff. fahrtsgesellschaften ist eine Bereinbarung zustande gefommen, monach ein erheblicher Teil der für den Sommer geplanten Fahrten zwischen Amerika und Europa eingestellt wird. Bisher wurden bereits 40 Ueberfahrten vom Fahrplan gestrichen. Dieser Schritt hat feine Ursachen darin, daß das amerikanische Reisepublikum, das sonst alljährlich im Sommer die großen Passagierdampfer bis auf den letzten Platz zu füllen pflegt, in diesem Jahr fast völlig ausblieb. Die Zahl der belegten Bläge ist faum größer als sonst im Winter. Die Schiffahrtsgesellschaften find infolgedessen großen Verlusten aus gefeßt. 1. a. haben sich folgende Linien dem Uebereinkommen angeschlossen: die Hapag, der Norddeutsche Lloyd, White Star Line, Cunard Line, United States Line, Holländisch- Amerikanische Dampfschiffahrtsgesellschaft, Canadian- Pacific Line. Theater der Woche. Bom 15. bis 22. Juni Volksbühne. Theater aur Bülowplay: Zumpazi Vagabundus. Staatstheater. Staatsoper Unter den ginden: 14. Rigeunerbaron. 15. Boheme. 16. Gianni Schicchi. 17. Schmanda. 18., 21. Aegyptische Helena. 19. Meistersinger. 20. Trou badour. 22. Fürst Igor. Staatsoper am Blag der Republik: 14. Butterfin. 15., 22. Aus einent Totenhaus. 16. Fliegende Solländer. 17. Falstaff. 18. Barbier von Sevilla. 19. Rigoletto. 20. Sauberflöte. 21. Carmen, Städtische Oper: 14. Meistersinger. 15. Entführung aus dem Eevail. 16., 18. Gpigentud der Königin. 17. Aiba. 19. Hoffmanns Erzählungen, 20. Caval Jeria. Josephslegende. 21. Butterfin. 22. Rauberflöte. Staatliches Schauspielhaus: 14. Friedrich von Somburg. 15., 17., 18., 21. Cecil Rhodes. 16. Nora. 19. Portugalefische Schlacht. 20., 22. Urgög. Staatliches Schiller- Theater: 14. 100 000 Taler. 15., 17., 18., 20., 21., 22. Saus Herzenstod. 16. Emilia Galotti. 19. Ziebe auf dem Lande. Theater mit festem Spielplan: KomödienAurfürstendamm- Theater: 14. Geschlossen. Ab 15. Die schöne Helena. Deutsches Theater: Der Hauptmann von Köpenid. Die Komödie: Dienst am Aunden. Theater in der Stresemannstraße: Gestern und Heute. haus: Schwengels. Romische Oper: Frauen haben das gern DeutLessingsches Künstler- Theater: Intimitäten. 14., 12 Uhr: Dame und Hund. Theater: Zum goldenen Anker. Metropol- Theater: Die Toni aus Wien. Rose- Theater: Der wahre Jakob. Gartenbühne: Der Sutmacher Sr. Durch Taucht. Theater in der Klosterstraße: Die Hofe. Wintergarten, Plaza, Scala: Internationales Barieté. Reichshallen Theater: Stettiner Gänger. Theater am Rottbusser Tor: Elite- Sänger. Nachmittagsveranstaltungen: Rofe Boltsbühne. Theaer am Bülowplag: 14. Lumpasi Bagabundus. Theater: 21., 14 und 174 Uhr: Der wahre Jakob. Gartenbühne: Ronzert und Baricté. Theater in der Klosterstraße: 14. Die Rufine aus Warschau. 21. Kleine Glavin. Wintergarten: 14., 20., 21. Internationales Barieté. Plaza, Scala: Internationales Varieté. Erstaufführungen der Woche: Montag. Rurfürstendamm Theater: Die schöne Helena. Dienstag. Shlokpart Theater: Das Parfüm meiner Frau. Donnerstag. Lindenoper: Die ägyptische Selena. Wetter für Berlin: Teils heiter, teils wolfig, schwache Luftbewegung, wieder etwas höhere Temperaturen. Für Deutschland: Im Nordosten noch fühl und veränderlich, im übrigen Reiche beständig und besonders im Süden und Westen ziemlich warm. Berantwortl. für die Rebattion: Serbert gepere, Berlin; Anzeigen: Th. Glode, Berlin. Berlag: Borwärts Berlag G. m. b. S., Berlin, Drud: Borwärts Buch. bruckerei und Berlagsanstalt Baul Ginger& Co., Berlin SW 68, Lindenstraße 3. Sierau 1 Beilage. Volksbühne Die Komödiel Theater am Bülowplatz. 8 Uhr Lumpazlvagabundus Täglich 8 Uhr Dienst am Kunden von Curt Bois und Max Hansen Staatl. Schiller- Th. Regie: Hans Deppe 8 Uhr Haus Herzenstod Lessing- Theater Täglich 84 Uhr Zum goldenen Anker Valetti, Horney, Stössel, Faber, Walter. KurfürstendammTheater Bismarck 449 Geschlossen Montag, den 15. Juni, zum ersten Mal Die schöne Helena von Jacques Offenbac Regie: Max Reinhardt Elite- Sänger Komische Oper Kottbusser Str. 6 Friedrichstr. 104 812 Uhr Frauen haben das gern... Musikal. Schwank von Arnold Musik v. Wait. Kollo Sommerpr. 0.50-7.00 Tägl.8% U. Die große AusstattungsRevue Posse Laßt schöne Frauen um mich sein! von HarryWalden SCALA Tägl 5 und 81/20. Edmund Fritz Singing Babies Mas Wynn u. Buddy, 10 Deblars usw. Besonders PLAZA Tägl. 5 u. 815 DAS TAGES GESPRACH BERLINS VIKTORIA UND IHR HUSAR wirksam sind die KLEINEN ANZEIGER in der Gesamt- Auflage billig! des Vorwärts" and trotzdem außerordentlich HAUS VATERIAND KURFURST 7460 # Vergnügungs Restaurant Berlins BETRIEB KEMPINSKI Alfred Wildegans Behördlich zugel. Buchmacher Hauptstelle: Berlin- Neukölln, Hermannstr. 10 Am Südausgang des U- Bahnhofes Hermannstraße Fernsprecher: Neukölln( F 2) 7771 und 7772 Telegrammadresse: Ansaferox- Berlin Nebenstellen: Meßpalast: Ritterstr. 69. Leiter: Willy Zschiesche.- Belle- Alliance: YorckStraße 69. Leiter: Erwin Vanehr.- Chausseestr.: Chausseestr. 116. Leiter: Otto Radke. Wilhelmplatz: Charlottenburg, Berliner Str. 79. Leiter: Max Cornelius.- Kalserdamm: Charlottenburg, Kaiserdamm 21. Leiter: G. Lindemann Wettscheine werden in allen Annahmestellen eingelöst! Die einzige Ersatzkasse für sämtliche Berufszweige ist die Kranken- und Sterbekasse für das Deutsche Reich im Jahre 1884 gegründet ( Lichterfelder Ersatzkasse) im Jahre 1884 gegründet die Versicherungspflichtigen und Nichtversicherungspflichtigen ausreichenden Krankenversicherungsschutz bietet Hauptverwaltung: Berlin N 24, Oranienburger Str. 67 und 300 Verwaltungsstellen im Reich Beilage Sonnabend, 13. Juni 1931 Der Abend Shalausgabe des Vorwärts TECHNIK EROBERT DIE EDER EINE LANDSCHAFT zu vervollständi gen. Gerade in den letzten Jahren find bedeutende Neuanlagen standen. In Mitteldeutschland, abseits von großen Verkehrsstraßen,| Unternehmen noch liegt das liebliche Tal der Eder. Auf dem Massiv des Ederkopfes auszubauen und in Westfalen, wo auch die Quellen von Sieg und Lahn liegen, entspringt dieser wenig bekannte Fluß und nimmt seinen Lauf durch Hessen( Regierungsbezirk Kassel) und das ehemalige Waldeck vorbei an dem Heilbad Wildungen und der altehrwürdigen Bischofstadt Frizlar, und mündet unweit der Stadt Kassel in die Fulda. Von den Ausläufern des rheinischen Schiefergebirges reichlich mit Zuflüssen versorgt, bildet die Eder mit ihrem Wasserreichtum eine bedeutende Zubringerin für die Weser; besonders im Frühjahr und Herbst kann sie zum reißenden Strome werden, und das Flutgebiet im Unterlauf zeugt noch heute von Ueber schwemmungen und Hochwasser. Mit dem zunehmenden Schiffsverkehr auf der Weser ergab sich die Notwendigkeit, diesen wichtigen Zufluß zu regulieren. Um einen gleichmäßigen Wasserstand zu ermöglichen und gleichzeitig das Gefälle für technische 3mede nußbar zu machen, beschloß man die Anlage eines großen Staubedens. In der Nähe der Ortschaft Hemfurth, wo das Tal nach einem breit ausladenden Becken sich start verengt und damit die günstigste Stelle für eine Talsperre bot, wurde im Jahre 1910 mit dem Bau begonnen. Eine riefige Staumauer von faft 50 Meter Höhe und entsprechender Stärke eine Fahrstraße führt jetzt darüber murde errichtet und iroz mancherlei Hindernissen Hochwasser, Frost, TerrainEdertalsperre schwierigkeiten Die größte Talin menigen Jahren vollendet. Sperre Europas war damit geschaffen. 25 Kilometer Tal wurde in einen See verwandelt, fruchtbares Land geopfert; blühende Ortschaften mußten verlassen und zerstört, die Bewohner an anderer Stelle wieder neu angefiedelt werden. Heute noch tann man in dem flaren Wasser die Ueberbleibsel des früheren Bringhausen erkennen. Wer in die Gegend von Kassel fommt, soll nicht unterlassen, die Talsperre zu besuchen. Der Edersee, diejes fünstliche Beden, wird ihm ein unvergeßliches Erlebnis bleiben. Man glaubt, an einem Alpensee zu stehen, so flar und farbig ist das Wasser, so fräftig spiegeln sich Berge und Wälder darin wider. Das vielfach gewundene Tal zeigt immer wieder wechselnde Formen und eröffnet ständig neue Perspektiven und Ausblicke. Dort, wo früher die Seitentäler und Zuflüsse mündeten, schneiden jetzt spiegelnde Buchten tief in das Land ein. Felspartien ragen wie Inseln und Riffe aus der Wasserfläche hervor. Als Abschluß liegt dominierend auf waldiger, steiler Höhe die alte Feste Waldeck über dem breiten Endbeden vor der Sperre. Jmponierend sind die Abmessungen dieser umgeformten Natur Rund 2 Millionen Staurverk Affolderu Rubikmeter Wasser faßt das Becken, die Tiefe erreicht fast 40 Meter; das Gefälle an der Staumauer schwankt zwischen 17 und 41 Meter. Vielfach sind die Vorteile dieser großzügigen Anlage: Die Hochwassergefahr ist so gut wie beseitigt, die Wasserzufuhr zur Weser einheitlich gesichert, der Wasserüberschuß im Frühjahr und Herbst aufgespeichert. Ferner ist ein See geschaffen worden, an dessen idyllischen Ufern die einstmals ärmlichen Dörfer sich zu lebhaft be= suchten Sommerfrischen und Kurorten entwickelt haben. Der entscheidende Gewinn ist jedoch die neu erschlossene Kraftquelle: Aus dem konzentrierten Gefälle werden zwei Elektrizitätswerte getrieben, die eine Leistung von 20 000 Kilowatt verbürgen. Das erste Wert Hemfurth I wurde im Jahre 1914 in Betrieb genommen, das zweite erst nach dem Kriege. Eigentümerin ist die Preußische Elektrizi täts A. G.( Preag), die weiterhin bemüht ist, das fruchtbare 3 entEDER EDER SEE WALDECK HEA EDERTALSPERRE KRAFTWA 四 NEU- BRINGHAUSEN HOCHSDEICHERBECKEN EDER AFFOLDERN UTAUWERK AUSGLEICH BECKEN Unterhalb der großen Talsperre ist ein zweites Beden angelegt worden, um die Wasserabgabe an die Weser noch besser regulieren zu fönnen und das weitere starte Gefälle der Eder rationell zu verwerten. Zugleich sollte es Entnahmebeden merden für die Itung ein: der Strom fließt zurüd aus den kleinen Zentralen, die anschließende Errichtung eines Speicherfraftmerfes. In einer Länge von 6 Kilometern zieht sich dieser zweite Stausee talabwärts bis zu dem Dorf Affoldern, allerdings nicht in ganzer Talbreite; ein fräftiger Staudamm trennt ihn von dem Gelände ab. Am Ende ist eine starke Wehranlage mit Kraftwerf errichtet. Bei einem Gefälle von 7 bis 9 Meter läuft hier eine Turbine mit getuppeltem Generator, der zirka 2500 Kilowatt erzeugt. Diese Anlage entstand in den Jahren 1928 bis 1929. Im Anschluß daran wurde mit dem Speichertraftwert. Bringhausen begonnen. Eine Zentrale ist hier im Bau begriffen, wo der Strom, nicht wie in Hemfurth und Affoldern, direkt durch das Edergefälle erzeugt wird, sondern die Wasserkraft durch anderseitig gelieferte Elektrizität erst energiebringend aufgespeichert werden muß. Es ist ein Nachteil der Dampffraftwerke, daß sie einen ununterbrochenen Betrieb erfordern und in den Nachtstunden sowie an Sonn- und Feiertagen leerlaufen müssen, das heißt ihren Strom nicht absetzen können, während sie zu den Haupttageszeiten, morgens und abends, nicht Strom genug liefern können. Das mußte zu dem Gedanken führen, Energie aufzuspeichern, um Spigenleistungen zu ermöglichen. Die Erfahrungen, die man mit Akkumulatoren gemacht hatte, waren schlecht und ließ diese Form der direkten Stromansammlung bald wieder aus der Praxis verschwinden. Vorteilhafter erwies sich schon das Verfahren, überschüssigen Dampf in isolierte Be hälter zu faffen, wie etwa in der berühmten Ruthfpeicheranlage im Kraftwerk Charlottenburg. Nach den letzten Erfahrungen ist die Methode, Wasserkräfte aufzufpeichern, die meitaus rationellste.( Allerdings ist das nur in bergigem Gelände möglich.) In höher gelegene Baffins wird in den Leerlaufftunden Wasser hinaufgepumpt, um dieses Kapital von Energie in den starten Verbrauchszeiten wieder zu verwenden. An der Eder entsteht bei Bringhausen so ein Speicherkraftwerk. Es hat auf der Welt kaum feinesgleichen. 300 Meter über dem Spiegel der Eder, in der Nähe von Neu- Bringhausen, ist ein Beden von mächtigen Dimensionen angelegt worden. In einen Bergsattel eingebaut, braucht es nur an einer Seite durch eine Mauer abIn dieses geschlossen zu werden. Hochreservoir sollen die vereinigten Dampfkraftwerke der Breag( HessenNassau, Hannover, Westfalen) wäh= rend der Feierstunden das Wasser aus dem unteren Ederbecken hinaufpumpen. Zwei Druckrohre Don 2,5 Meter Durchmesser bei einer Länge von rund 1000 Meter stellen die Verbindung her Don Beden und Maschinenhaus( Kraft- und Pumpwerk), das zwischen Hemfurth und Affoldern errichtet wird. Vier Maschinensäge tommen hier zur Aufstellung, bestehend aus je einer Turbine von 40 000 Pferdefräften, direkt verbunden mit der elektrischen Maschine, die zweifache Arbeit zu leisten Dermag: sowohl stromerzeugend ihr eigentlicher Zweck als auch motorisch zum Antrieb der Bumpe, mit der sie automatisch gefuppelt werden kann. Riesige Energiemengen können hier umgesetzt werden. In elektrischen Einheiten ausgedrückt, fann bas Wert 115 000 Kildwatt leisten. Dementsprechend groß ist auch sein Aktionsradius. Das ganze Gebiet der Preußischen Elektrizitäts A.-G., das von der Dstsee bis zum Main, von der Elbe bis nach West= falen reicht, wird von hier aus zu den Hauptverbrauchszeiten mit Strom versorgt werden. Das Werk steht sozusagen im Lieferungsverhältnis zu den Dampfkraftanlagen, die dadurch be deutend rentabler werden und vor der Ueberlastung gesichert sind. Eine Arbeitsgemeinschaft der fräfteerzeugenden Stätten der Preag ist so entstanden, die in dem Speicherfraftwerk Bringhausen ihren Mittelpunkt hat. Man vergegenwärtige fid) nur diesen ungeheuren Kraftwechsel, dieses Fort- und Zurück, Auseinander- und Zufammenfließen der elektrischen Energie. Für die Spitzenleistungen am Abend haben die Wassermengen mit dem Gefälle aus der mächtigen Höhe die enorme Arbeit geleistet, den Strom Hunderte Don Rilometern im Umkreis in das Land geschickt, um die fleinen Werke zu unterstützen, da segt in der Nacht die Umschal Maschinen des Speicherwertes, die kurz vorher noch Strom geliefert haben, werden zu Verbrauchern. Als Motoren sehen sie die gewaltigen Pumpen in Bewegung, um das Wasser, das vorher treibende Kraft mar, wiederum auf die Höhe hinauf zu treiben; nach kurzer Ruhe tritt dann der Wechsel des gewaltigen Spieles wieder ein. Auf der Abbildung von Bringhausen sehen mir die Maschinenhalle mit Werkstatt und Nebenräumen 135 Meter lang umgeben von gewaltigen Eisenmasten und Tragekonstruktionen. Sie bilden das Gerüst für das Schaltwerk, diese wichtige Verteilungs-, Umformungs- und Sicherungseinrich tung, die sonst wohl in Gebäuden, hier, aber auch vielfach andermärts, im Freien aufgebaut mind; aus Raummangel ist sogar das Dach mitverwendet worden. Hoch oben sind die Sammelschienen aufgehängt. Auf kleinen Gerüsten stehen die Spannungswandler, Spulen und sonstige Apparate, die wiederum mit den Transformatoren und Delschaltern, die hinter dem Gebäude aufgestellt werden, verbunden sind. Hier wird der Strom umgeformt und über mächtige Fernleitungen dem Verbrauchernetz zugeführt, resp. er fließt aus dem Lande hier zusammen und wird wieder umgeformt für die motorische Arbeit des Pumpwerkes. In Hemfurth, Affoldern und Bringhausen hat die Preag eine eigenartige Vereinigung verschiedener Wasserkraftwerke geschaffen, die zusammen eine Leistungsfähigkeit von 210 000 PS darstellen. Berlin ist infofern an der Anlage beteiligt, als die SiemensSchudert Berte für Bringhausen und Affoldern Generalunternehmer sind und auch für die Kraftwerke Hemfurth die elektrische Einrichtung geliefert haben. Noch im Laufe des Sommers soll der erste Maschinensatz von Bringhausen in Betrieb genommen werden. Ein geniales Werk geht damit seiner Vollendung entgegen, das nicht nur in Deutschland, sondern auch im Auslande gebührende Achtung und Bewunderung finden wird. ( Text und Zeichnungen von Hugo G. Müller.) Speicherwerk Bringhausen Sport am Sonntag Neuköllns Arbeitersportler werben! In jedem Jahre veranstaltet der Bezirk Neukölln des Kartells für Arbeitersport und Körperpflege, Berlin E. B., eine Werbemoche für den Arbeitersport, die zugleich der Auftakt zum Rast ist. Trotz der wirtschaftlichen Verhältnisse, die die Werbetätigkeit der einzelnen Sportorganisationen, wie auch die des Kartells außerordentlich erschweren, werden die Neuköllner Arbeiter sportler dennoch eine Werbeaktion durchführen, die die Veranstaltungen der Vorjahre weit übertreffen wird. Ein zwölffeitiges Werbeheft, das einen einleitenden Text, das Programm der Woche und die Anschriften und Uebungsstätten der Vereine enthält, wird in tausenden Exemplaren verbreitet werden. Eingeleitet wird die Werbewoche morgen, Sonntag, durch einen artellspieltag" im Stadion, Play 6, und auf dem Sportplag Innstraße. Die spielstärksten zehn Mannschaften der Neuköllner Vereine werden an diesem Tage mit gleichwertigen Mannschaften aus dem Kreise interessante Fußball-, Handball. und Hockeyspiele austragen. Dienstag, 16. Juni, und Freitag, 19. Juni, werden die Freien Schwimmer" und Schwimmverein Möwe" an der Kaiser Friedrich- und an der Wildenbruchbrücke Wasserballspiele, Reigen- und Rettungsschwimmen durchführen, die für jeden Zuschauer von besonderem Interesse sein dürften. In zwei Abendsportfesten werden die Leichtathleten der Vereine Bolfssport", der„ FT. Briz 88" und der ASC." am Dienstag in Briz, Sportplaz Treseburger User, und am Donnerstag im Stadion, Plaz 2, für die Bewegung werben. " 3wei große und besonders interessante Veranstaltungen werden vom ASV.- Neukölln" am Mittwoch, 17. Juni, und vom Boltssport Neukölln- Brig" am Donnerstag, 18. Juni, auf dem Sportplatz Innstraße durchgeführt werden. Musikalische Darbietungen werden diese beiden Veranstaltungen umrahmen. Wer noch einmal die großen gymnastischen Sondervorführungen aus dem Hallensportfest im Sportpalast sehen will, der komme zu diesen beiden Veranstaltungen. Die Wiener Tänze sowie die Olympiadeübungen und Geräteturnen werden ebenfalls vorgeführt. Der Sonnabend wird dann alle Neuköllner Arbeitersport organisationen zu einem gemeinsamen Werbeumzug durch die Straßen Neuköllns und in einer Abschlußkundgebung auf dem Herzbergplay vereinen. Nach der allgemeinen Werbetätigkeit wird dann der„ Volfssport Neukölln- Brig" am Sonntag, 21. Juni, auf seinem Sonnenplag alle Freunde des Arbeitersports zu einem fröhlichen und humorvollen Sommerfest einladen. ** Die deutsche Fußballmeisterschaft. Chefredakteur Dr. Willy Meist spricht am Vorabend des Kampfes um die deutsche Fußballmeisterschaft heute, Sonnabend, 19.20 Uhr, über das Thema ,, Was fehlt dem deutschen Fußball?" im Programm der Aktuellen Abteilung des Rundfunts. Fußball. Im Vordergrund des Interesses steht die Entscheidung der deutschen Fußballmeisterschaft zwischen Hertha BSC. und München 1860 im Stadion zu Köln- Müngersdorf. Die Berliner Olympiabahn bringt gut befezte Amateurradrennen, die der BDR. durchführt. Anfang 16.30 Uhr. Klubkampf SCC. BSC. Die beiden Leichtathletikvereine, der Sport- Club Charlottenburg und der Berliner Sport- Club, tragen am Sonntag ab 3.30 Uhr auf dem neuen SCC.- Plaz am Bahnhof Eichkamp einen Klubwettstreit aus. Das Programm besteht aus zwölf Wettbewerben, zu denen jeder Verein vier Teilnehmer stellt. Auf beiden Seiten wirken die besten Kräfte mit. Im Mittelpunkt des Moderenntages auf der Grunewaldbahn steht das über 1800 Meter führende Podbielski Rennen, um dessen 10 800 Mart sich Markgraf, Ladro, Tantris, Erifa, Geranium jomie die Dreijährigen Fathia, Kavallerist und Hegemeister bewerben. Tennis. Der Länderkampf Deutschland- Amerika auf den Berliner Blauweiß- Blägen gelangt zum Abschluß. Heute, am Sonnabend, 17 Uhr, steigt das Doppelspiel zwischen Lott- van Ryn und Zander- Eichner. Achtung, Wassersportler! Schleusensperrung. Am Sonntag, dem 14. und 21. Juni, wird die Betriebszeit der Unterschleuse auf die Zeit von 6 bis 10 und 15 bis 18 Uhr festgesetzt, weil die Spree wegen der Bauarbeiten an der Jannowizbrücke für den Durchgangsverfehr gesperrt ist. Arbeiter- Wasserballserie Hellas I- Lichtenberg 20: 3!/ Neptun- Möwe 9: 5 | Ein wenig schönes Spiel gab es am Donnerstag in Plögensee. Lichtenberg trat seinem Gegner Hellas I mit start erjaggeschwächter Mannschaft gegenüber, was sich sehr nachteilig ausmirtte. Das Spiel begann mit einem Ueberraschungserfolg Lichtenbergs. Hellas fam zunächst durch wenig verständiges Aufbauspiel der Hintermannschaft nur langsam in Schwung. Nach einem Durch bruch gab der erste Stürmer an den besser stehenden Mittelstürmer ab und der Ausgleich war erzielt. Begünstigt durch die sehr nachläffige Berteidigungsarbeit Lichtenbergs gelang es dem gleichen Spieler, fast stets ungedeckt zu bleiben und nacheinander noch vier gute Vorlagen zu verwandeln, ehe Lichtenberg zu seinem zweiten| Erfolg kam, der aus einer guten Kombination resultierte. Hellas| blieb bei der uneinheitlichen Spielweise seines Gegners weiter start überlegen und erhöhte seinen Vorsprung bis zur Pause auf 8: 2. Das Spiel Lichtenbergs wurde in der 2. Spielhälfte immer lustloser. Dazu ließ der völlig unmögliche Torhüter jeden Schuß passieren, so daß ein derart abnormes Ergebnis zustandekommen konnte. Möme machte es seinem Gegner Neptun am Freitag in Beißensee nicht leicht, Sieg und Bunfte zu erringen. Die Gesamtleistungen bei der Mannschaften waren ziemlich ausgeglichen; Neptun gemann den Kampf nur durch seine größere balltechnische Reife. Bei schnellem Abspiel war Möwe zunächst einmal erfolgreich, dann glitt dem Neptuntorsteher ein schon gestoppter Ball über die Hand 2: 0 für Möme. Neptuns Abspiel wurde jetzt genauer und bald war der Ansplußtreffer erzielt. Während Möme durch zu enges Stürmerspiel nur noch einmal bei einem Gedränge vor dem Tor mit Glück erfolgreich war, erarbeiteten sich Weißensees Stürmer bei guten balltechnischen Leistungen eine knappe 4: 3- Führung bis zur Spielhälfte. Möwe sorgte auch in der 2. Halbzeit für ein scharfes Tempo, doch blieb Neptun taktisch überlegen. Die bessere Sturm reihe entschied das Spiel. Hellas II absolviert in der nächsten Woche zwei Serienspiele: Am Montag in Blößensee gegen Union und am Mittwoch in Westend gegen Charlottenburg. In beiden Spielen hat Hellas II wenig Aussichten. Rütts neues Beginnen Die Premiere im Polizei- Station Walter Rütt fonnte mit der Premiere seiner im Polizeistadion in der Kesselstrafte gelegenen Aschenbahn vollauf zufrieden sein. Etwa 3000 Besucher waren erschienen, die gute Fliegerkämpfe zu sehen bekamen. Das riesige Stadion selbst bot ein buntes Bild. Die Stehplätzler waren frühzeitig genug erschienen, um auf den Anhöhen oder an den Barrieren feste Position zu fassen, während die, die etwas mehr zahlen konnten, gemächlicher ihren nummerierten Sitzplatz einnahmen. Born am Eingang der von der Rütt- Arena her be kannte Eisenbahnwagen, der hier das„ Direktionsbüro" abgibt. Gleich daneben liegt eine alte, nicht mehr benußte Turnhalle, die der findige Rütt als Umkleideraum für die Attiven gemietet hat; alles nur Provisorium und trotzdem Ersatz, der sich sehen laffen tann. Boor die ersten Wettbemerke stiegen, durfte Altmeister Will: Arend blumengeschmückt mit seinem unwiderstehlichen Kopfnicken die offizielle Einweihungsrunde fahren. Dann hatten die Mmateure das Wort. Das Erstfahren, offen für die, die im Bahnrennen sich noch nicht placieren fonnten, fiel an Groening, während Golz das Hauptfahren gewann. Drei Wettbewerbe waren für die Professionals vorgesehen. Da war es Petri, der im Ausscheidungsfahren den Stärkeren vor Dorn, Balke und Bruno Wolfe abgab und der mit 110 Meter Vorgabe bedachte Longardt, der als Erster das Ziel vor Dorn( 105), Balke( 115) und Kantorowicz( 50 Meter Vorgabe) passierte. Es mar vorn vornherein klar, das der Malmann Ehmer oder seine nächsten Kollegen dank der unmöglichen Vorgabeverteilung nichts auszurichten vermochten. Den Beschluß der Eröffnungsveranstaltung bildete das Hauptrennen, ein Stundenmannschaftsrennen, das die Mannschaft Engelmann W. Nickel sicher nach Hause brachte. Sie überrundete das Feld zweimal und nur Lehmann- Wissel konnten einmal die Ueberrundung mit vollziehen. Das ergebnis mar: 1. Engelmann- B. Nickel 40,100 Kilometer, 33 P.; eine Runde zurüd: 2. Lehmann- Wissel 34 B.; zwei Runden zurück: 3. DornPetri 23 P.; 4. B. Wolfe Mandelfom 17 B.; 5. Krüger- Funda 11 P.; 6. Ehmer- D. Nickel 8 P.; 7. Feder- Nemmann 1 B. -tz. Jnfernationales Jubiläumsbogen des PSB. Die am 30. Juni 1931 vom Polizei- Sport- Berein dargebotene Jubiläumsborveranstaltung wächst weit über den Rahmen der üblichen Wettbewerbe hinaus und wird durch die Teilnahme hervorragender ausländischer Kämpfer zu einer außergewöhnlichen Sache. Schließung der Hauptwanderausfunftsstelle im Stadtamt für Leibesübungen. Die Hauptmanderauskunftsstelle des Stadtamtes für Leibesübungen wird für den direkten Verkehr mit dem Bublifum vom 21. Juni 1931 ab gefchloffen. Die Wanderberatung wird von diesem Zeitpunkte ab restlos von den Bezirksämtern durch die Stadtjugendpfleger durchgeführt. Bundesreue Vereine teilen mit: Freie Sport- und Schüßenvereinigung Groß- Berlin, Abteilung Brenzlauer Berg. Sonnabend, 13. Juni, Pflichtfahrt. Treff 17% Uhr bei Reche, Meger Straße 26, mit Marschgepäd. Freie Bafferfahrer Röpenid 1924. Lagerfahrten: 13. Juni Flatensee, 20. Juni Rroffinsee. Vorstandssitung 25. Juni, 20 Uhr. Freie Wasserfahrer Aufwärts". Dienstag, 16. Juni, Monatsversammlung bei Reußner, Seeftr. 62. Bootsstandintereffenten sind eingeladen. TB. Die Naturfreunde". Sprechcor- Generalprobe zur Eonnenpendfeier nicht Gonntag in Meißnershof, sondern Dienstag, 16. Juni, 20 Uhr, in Treptow, Spielwieje 9. Freier Rörperkulturkreis Kreuzberg. Beteiligung an der Protestversammfordern alle Geländebesucher und Freunde der Bewegung sowie alle Arbeiter. sportler zur Teilnahme auf. Untoftenbeitrag 20 Bf. RB. Bormärts". Dienstag, 16. Juni, außerordentliche Borlanbeitung. Donnerstag, 18. Juni, Mitgliederversammlung. lung Dienstag, 16. Juni, 20 Uhr, Lehrervereinshaus, Aeganderplas, gegen die Anträge der katholischen Aktion und der evangelischen Sittlicdeitsbünde. Wir Raft. Montag, 15. Juni, 19½ Uhr, Kreisgeschäftsstelle, Elfäffer Str. 86-88, legte Gigung zu den Raft"-Borbereitungen. Tagesordnung: Bericht über die bisherige Vorbereitung, endgültige Programmaufstellung. Alle am„ Raft" be teiliaten Verbände müssen vertreten fein. Alles was im Programm ver öffentlicht werden foll, muß am Montag drudfertig vorliegen. Spätere Wünsche tönnen auf feinen Fall berücksichtigt werden. Am Dienstag, geht das Programm in Drud. FUNK RUNDAM ABEND Rückschau. Zweiter Abend in dem Funkstundenzyklus Von der Arbeit". Vor dem Mitrophon Fred Hildenbrand mit acht Arbeitern, fleinen Angestellten, Arbeitslosen. Auch eine Verkäuferin ist in der Gruppe. Ehe Hildenbrand die Unterhaltung beginnt, sagt er, was ihr Sinn sein soll: Massenschicksal zu zeigen. Jeder dieser Menschen vor dem Mikrophon ist ja nicht nur er selber, er ist Teil einer Millionenschar, die sein Leben führt, seine Nöte leidet, seine Wünsche wünscht. Aber fam dieser Eindruck während des Gespräches den Hörern wirklich? Hildenbrand saß zwischen dieser Menschengruppe und ließ sich erzählen von ihrer Arbeit und Arbeitslosigkeit, von ihren täglichen Sorgen und von ihren Mußestunden. Aus seinen Fragen da klang warmherziges Interesse an diesem grauen und harten Leben, die von sich sprachen, schicksalergeben oder noch erfüllt von einer kleinen Hoffnung. Aber jedes Leben erzählte nur sich selber, nicht einmal das der Familie, erst recht nicht das der Gemeinschaft, und das fonnte gar nicht anders sein. Um dieses Interview auf eine breitere Basis zu schieben hätte man einen Fragesteller haben müssen, der nicht nur ein fluger und ehrlicher Journalist und ein teilnahmsvoller Mensch war, sondern der vor allem die wirtschaftlichen und sozialen Grundlagen dieser Massenschicksale genau fannte. Hildenbrands Fragestellung mußte immer wieder die Einzelpersönlichkeit unterstreichen, weil ihm die Masse hinter dem einzelnen verschwand, der als erschütternde Wirklichkeit vor ihm saß. Aus den Berichten baute sich so nur die Oberfläche des Daseins, das jeder dieser Menschen führt. Irgendwie hat jeder für sich aus Einnahmen und Schulden und Ausgaben, aus Arbeit und Arbeitsuchen und Freizeitbeschäftigung diese Oberfläche einigermaßen ausgeglichen und gerundet; sonst könnten sie der inneren Spannung ja teinen Widerstand mehr leisten. Das wirkliche Leben aber liegt darunter, das ,, Was Leben der Masse, das große, gemeinsame Schicksal. wünschen Sie sich?" fragte Hildenbrand im Gespräch jeden einzelnen. Er glaubte, daß auf dem Boden der proletarischen Lebensführung Sehnsüchte wachsen nach handwerklicher Betätigung und wohlsituierter Bürgerlichkeit, und so fuggerierte er wünsche nach solchen Zielen, die wahrscheinlich nur darum von einigen afzeptiert wurden, weil sie ein Ausdrud ihrer allgemeinen SehnIn Wirklichkeit sucht nach wirtschaftlicher Besserstellung waren. haben alle diese Menschen wohl nur einen großen Wunsch: regelmäßig arbeiten und ausreichend verdienen zu können. Wer täglich Sorgen hat, wie er heute oder vielleicht morgen den notdürftigsten Lebensbedarf zahlen kann, der wünscht natürlich zuerst Be. freiung von dieser schwersten La ft. In diesem Befenntnis, das aus allen Antworten flang, wurde zum einzigen Male eigentlich deutlich der Ton der Gemeinsamkeit angeschlagen: das Individuum ist wunschlos- geworden. Die Masse wünscht sich Brot. Gemeinschaftleben und Gemeinschaftsschidsal zeigten sich dagegen mirklich in einem Hörbild der Deutschen Welle. In dem Zyklus ,, Die Welt des Arbeiters" wurde ein von Dr. Else Hildebrand zusammengestellter Ausschnitt aus der Lebensführung jugendlicher Proletarier geboten. Die jungen Menschen gaben dabei Einblice in ihr Weltbild, das ungeschminkt und nüchtern die graue Wirklichkeit erfaßt hat. Aber es ist durchleuchtet vom Zukunftswillen, von dem Wunsch nach Besserung, von dem Pflichtbemußtsein des einzelnen, für diese Besserung alle seine Kräfte 311 bilden und einzusehen. Die Veranstaltung hinterließ einen starten Eindruck. Tes. 16.05 Unterhaltungsmusik. Sonnabend, 13. Juni. Berlin.. 18.00 Erzählung der Woche.( Iwan Heilbut.) 18.30 Prof. Dr. Erwin Schrödinger: James Clerk Maxwell( geb. 13. Juni 1831). 18.55 Schottische Lieder.( Marga Moris- Schlemüller, Sopran. W. Gundvaldsen. Violine. Julius Berger, Cello. James Simon, Flügel. Berliner FunkChor. Ltg.: Maximilian Albrecht.) 19.20 Interview der Woche. 19.45 Unterhaltungsusik. 20.30 Quer durch die Dialekte. Ein fröhlicher Abend. 22.15 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Anschließend bis 0.30: Tanzmusik. Königswusterhausen. 16.00 Schulraf Paul Quaß: Schulfunk- Arbeitsgemeinschaft in der Grenzmark. 16.30 Hamburg: Konzert. 17.30 Prof. Dr. Friedrich: Heilkraft des Lichtes. 18.00 Französisch für Fortgeschrittene. 18.30 Otto Heller: Weltberühmte Sportpreise. 18.55 Wetter für die Landwirtschaft. 19.00 Heinz Engel: Die Visitenkarte der fernen Sender. 19.30 Ludwig Klinenberger: Erinnerungen an Henr. Ibsen. 19.55 Wetter für die Landwirtschaft. 20.00 Langenberg: Lustiger Abend. 21.00 Wien: Promenadenkonzert. Sonntag, 14. Juni. Berlin. Indianertanz? Wenn die Kleinen der Freien Turnerschaft Groß- Berlin Kindertag haben, herrscht eitel Lust und Freude 6.30 Funkgymnastik. 8.00 Für den Landwirt. 8.55 Morgenfeier. 10.05 Wettervorhersage. 11.00 Oberschulrat Dr. Th. Bohner: Auslese und Förderung Begabtei. 12.20 Diemar Möhring liest eigene Dichtungen. 12.30 Königsberg: Mittagskonzert. 14.00 Stella Hay: Märchen. 14.30 Solistenkonzert. 1. Durra: Lieder.( Annelies Rust, Sopran.) 2. Schubert: Lieder.( Marc André Souchay, Bariton.) 3. Beethoven: a) Cavatine ( Quartett op. 130); b) Senate E- Moll, op. 90( Alice Jacob- Loewenson, Flügel). 4. Brahms: Lieder( Annelies Rust). 5. Schumann: Lieder ( Marc André Souchay. Flügel: Erich Rust). 15.30 Dr. Leo Matthias: Billige Reise durch Frankreich. 18.45 1. Beethoven: Trio Es- Dur, op. 70, Nr. 2. 2. Haydn; Klaviertrio G- Dur, Nr. 1( Susanne Kiẞ- Gottfried, Flügel; Therese Gosztony, Violine; Harry Son, Cello). 19.35 Hans Mühlhofer liest Dichtungen. 20.00 Sportnachrichten. 20.15 Mafalda Salvatini und Walter Kirchhoff singen ,, Wagner liner Funkorchester. Dir.: Bruno Seidler- Winkler. 22.00 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Tanzmusik. Königswusterhausen. 7.00 Hamburg: Hafenkonzert 11.30 Bach- Kantaten. Verdi". Ber12.20 Königsberg: 700- Jahr- Feier Großes Remter auf der Marienburg. 13.00 Mittagskonzert. 15,30 Armin T. Wegner: Babylon einst und jetzt. 16.00 Königsberg: Blasorchesterkonzert. 18.45 Landesschulrat Dr. Espe: Jugend am Scheidewege. 19.10 Dr. Simon, Ania Simon: Bereitschaft zum Leben. 19.30 Werner Bergengruen liest eigene Dichtungen. 20.00 Staatsoper, Unter den Linden: Der Zigeunerbaron", you Joh. Stran Dir.: Generalmusikdir. Erich Kleiber.