BERLIN Montag 15. Zum 1931 10 Pf. Nr. 274 B 137 48, Jahrgang Erschtinttüglich außerEonatag«. Zugleich Abendausgabe des„Vorwärts". Bezugspreis beide Ausgaben 85 Ps. pro Woche, SMM. pro Monat. Redaktion und Expedition: Berlin SW 63, Lindenftr. 3 Fernsprecher: Dönhoff 7) 292— 29? Anzeigenpreis: Die einspaltige Nonpareillezeile 8o Pf., Reklamczeile 5M. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto: Vorwarts-Verlag G. m. b. H.. Berlin Nr. 87 58«.— Der Verlag behält sich das Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor! ES Schiffskatastrophe in Krankreich 400 Konsumgenossenfchastler ertrunken Paris. 13. Jmrf.(Eigenbericht.) Eine furchtbare Schiffskatastrophe, die fUev Voraussicht nach 300 bis 400 Menschen das Leben gekostet hat, hat sich am Sonntag nachmittag an der bretonifche» Küste vor der Loiremündnng ereignet. Ei» kleiner Ansflngsdampfer, der am Sonntag morgen von Nantes ans mit etwa 300 Mitgliedern der Arbeiter- genossenschaften an Bord nach der vor der Loiremündnng gelegenen Insel Noirmontier gefahren war, ist ans dem Nückweg, etwa fünf Meilen von St. Nazaire entfernt, in einen Stnrm gerate» und gekentert. Man glaubt, daß die Passagiere, nm sich vor dem Wind zn schützen, die Unvorsichtigkeit begange« haben, sich säntt- lich nach der windgeschützten Seite des Dampfers zu de- geben, so daß das kleine Schiff das Gleichgewicht verlor und von einer Sturzwelle umgeworfen wurde. Die Wärter eines nahegelegenen Leuchtturms waren Augen- zeuge« der Katastrophe. Sie alarmierten sofort die Hafenverwaltung von St. Nazaire, die zwei Dampfer an die Unglücksstelle entsandte. Infolge des hohen See- gangs war das Rettung swerk sehr erschwert. Gegen Mitterwacht kehrten die Rettungsdampfer mit nur acht Neberlebende«(darunter zwei Oesterreicher) und vier Leichen an Bord nach St. Nazaire zurück. Die ge- naue Zahl der Opfer läßt sich noch nicht feststellen, da ein Teil der Ausflügler ans der Insel znrückblieb und das Festland über eine» Damm erreichen wollte, der bei Ebb« passierbar ist. Die Hinfahrt war bereits so be- wegt, daß viele Personen krank wurden und daher auf die Rückreise z« Wasser verzichteten. In einer Minute gesunken. Nach den letzten Rachrichten aus Saint Nazaire hat das Schiffs- Unglück in der Bucht von Bourgneuf etroa 350 Todesopfer gefordert. Erst später stellte es sich heraus, daß etwa 150 Ausflüglsr den Dampfer wegen des heraufziehenden Unwetters bereits in Pornic verlassen hatten, um mit der Eisenbahn nach Nantes zurückzukehren. Acht Personen konnten aus dem Wasier gezogen werden. Vor der Ausfahrt hatte dos Ausflugskomitee übrigens erklärt, daß die Gäste eine große Ueberrafchung erwarte. Diese Voraussage hat sich nun in ganz unerwartet schrecklicher Weise erfüllt. Ein Geretteter be- richtet, daß der Dampfer In einer Minute gesunken sei. Durch dos Hindrängen der vielen Menschen nach einer Seite habe er starke Schlagseite erhalten und sei durch eine Sturzsee plötzlich gekentert. An Bord hätten sich im Augenblick des Unglücks unbeschreibliche Szenen abgespielt. Alles sei so schnell gegangen, daß kaum Zeit gewesen sei, einen Gedanken zu fassen. Die mark- erschütternden Schreie der Ertrinkenden, darunter viele Frauen und Kinder, hätten den Swrm und das Brausen des Seeganges über- tönt. Ein Opfer nach dem anderen sei vor seinen Augen versunken. Von der französischen Westküste laufen Slurmberlchte ein. die das Dampferunglück verständlich machen. Der Orkan dauerte etwa 4 Stunden und richtete schweren Schaden an. Bei Dünkirchen wurde ein Kraftwagen vom Sturm in den Kanal geschleudert, wobei die beiden Znsassen den.Tod fanden, lleber Granville ging ein sintflutartiger Regen nieder, der die niedriger gelegenen Teile des Ortes vollkommen unter Wasser sehte. Schilderung eines Gereiteien. Einer der Geretteten hat dem Berichterstatter des„Matin" in St. Nazaire folgende Schilderung von der Katastrophe gegeben: „Ich war mit meiner Mutter, die leider auch ertrunken ist, an der Steuerbordseite geblieben. Plötzlich sahen wir. wie sich das Schiff unter dem Gewicht der aus die Vackbordseite geeillen Passagiere aus die Seite legte. Zm gleichen Augenblick kam eine furchtbare Welle aus uns zu. die den Dampfer völlig zum kentern brachte. Inner- halb einer Minute begann er mit dem Kiel nach oben in den Fluten zu versinken Ich bemerkte im Wasser ein Ruder, an das ich mich festklammerte. Nicht weit von mir entfernt sah ich ein Rellungs- boot des Dampfers, in dem bereits einige Passagiere Platz ge- nommen hatten. Ich machte übermenschliche Anstrengungen, um sie zu erreichen und wurde in das Boot gezogen. Die furchtbare See brachte das Voot aber zum kentern. Zwei Znsassen ertranken. So gut« ging, klammerte ich mich an das kieloben treibende Boot fest, bis die Rettnngsdampfer«schienen. Ilm mir sich ich Mann«, Arbeiterführer bei Brünina Eine Konferenz jagt die andere Der Reichskanzler empfängt um 12 Uhr die Vertreter der Gewerkschaften aller Richtungen zu einer gemeinsamen Besprechung über den Inhalt der Not- Verordnung bzw. die wirtschaftlich« Lage Deutschlands. Von den freigetverkschaftlichen Organisationen nehmen Leipart, Graßmann und Aufhäuser an den Beratungen teil. Die Führer der Regierungsparteien werden um 4 Uhr, die der Sozialdemokratie um 6 Uhr empfangen. Um 3 Uhr nachmittags tagt der Vorstand der sozialdemo- k ratischen Reichstags frckktio». Um 11 Uhr trat das Kabinett zu einer Sitzung zusammen, in deren Verlauf der Reichskanzler die Minister über seine Verhandlungen mit den Partei- führern informierte. Das Kabinett ist mit Brüning der Anffasiung, daß Aendernngen an der Notverordnung vorgenommen werden solle«, jedoch erst im Oktober nach dem Wiederzusammentritt des Reichs- tages. Der Reichskanzler ist am Sonntagabend von der Hildes- heimer Tagung des Zentrums nach Berlin zurückgekehrt. Er wird die am Sonnabend unterbrochenen Verhandlungen mit den Parteien wied« aufnehmen. Zunächst sind Einzelbesprechungen geplant. Dann soll eine KonferenzmitsämtlichenRegierungs- Parteien folgen, an die sich eine Besprechung mit Vertretern der Sozialdemokratie anschließen wird. An der Konferenz mit den Re- gierungsparteien werden auf Wunsch des Reichskanzlers der preu- ßische Ministerpräsident Braun, Reichstagspräsident Lobe und der Reichsbankpräsident Dr. Luther teilnehmen. Im Regierungslager ist man neuerdings überzeugt, daß«ine Verständigung zwischen der Reichsregierung, den Regierungsparteien und der Sozialde/nokratie erzielt und die Einberufung des Reichs- tags zunächst vermieden werden kann. Man ist dieser Ueberzeugung nicht, weil man bereit wäre, die Notverordnung sofort in dem erforderlichen Maße zu ändern, sondern auf Grund der allgemeinen politischen und wirtschaftlichen Lage. Der Optimismus, der von dem Reichskanzler und allen Reichsministern geteilt wird, stützt sich nicht zuletzt auf die offensichtlichen Bemühungen der V o l k s p a r t e i, ihren Beschluß auf Einberufung des Reichstags möglichst schnell und ohne viel Aufsehen in sein Gegenteil zu verkehren. Eine Mitteilung von führender Seite der Deutschen Volkspartei in der„Kölnischen Zeitung", die am Sonntagabend auf Grund der Unterredung zwischen dem Reichskanzler und dem volksparteilichen Führer Dingeldey während der Eisenbahnfahrt des Reichs- kanzlers noch Hildesheim der Oeffentlichkeit übermittelt wurde und die auf Herrn Dingeldey persönlich zurückzuführen sein dürfte, deutet die Möglichkeit einer Rückkehr der Volkspartei in das Regierungslager für heute bereits an. Natürlich nicht aus der Einsicht, daß der Beschluß der Volkspartei vom Donnerstag eine Dummheit war, sondern weil hinsichtlich der Ausrollung des Reparationsproblems, der Notoerordnung und der geforderten Um- bildung des Kabinetts zwischen dem Reichskanzler und Dingeldey eine„Annäherung" zu erwarten sei. Die Volkspartei stellt also in Aussicht, daß Brüning ihr mindestens auf halbem Wege ent- gegenkommen wird, und dieses Entgegenkommen dürste ihr einen neuen Umfall wert sein. Vom Zentrum wird erklärt, daß Brüning Herrn Dingeldey bisher in keinem Punkte nachgegeben habe und auch nicht daran denke, feine Regierung gemäß dem Wunsche d« Volkspartei nach rechts zu erweitern. Brüning hat am Sonntag auf der Hildesheimer Tagung seine Unterredung mit Dingeldey nur gestreift. In seinen Ausführungen legte er den Hauptwert auf eine Darstellung der Weltwirtschafts- läge und eine Betrachtung über die wirtschaftliche Situation Deutsch- lands. Der Verlauf der anschließenden Debatte ließ keinen Zweifel darüber, daß die künftige Politik des Zentrums mindestens bis auf Frauen und Kinder auf dem Wasser schwimmen, die so furchtbare Schreie ausstießen, daß das Brausen des Swrmes übertönt wurde. Einen nach dem anderen sahen wir in den Fluten verschwinden. Nach meiner Ansicht sind etwa 350 Personen an Bord gewesen, da 100 bis 150 Personen aus der Insel zurückgeblieben sind." Arbeiter fuhren in den Tod. Paris. 15. Zun«. Zu d« Katastrophe wird ergänzend berichte«: Der vergnü- gungsdampfer„St. Philbert" war am Sonntag vormittag von Nantes ans mit 500 bis 600 A u s f l u g l e r a an Bord nach der Znsel Noirmoutier ausgelaufen. Die Mehrzahl der Passagiere be- stand aus Mitglied«» eines Geselligkeitsvereins und des Genossen- schaftsverbondes des Departements Niederloire, d. h. also vornehm- sich aus Arbeitern der Stadt Nantes und des Loire- gebiete». Nach einem mehrstündigen Aufenthalt aus der Znsel begaben sich die Ausflügler um 15 Uhr zur Rückfahrt an Bord. Die Anker wurden bei schönstem Wetter gelichtet. Doch erhob sich nach etwa einstündiger Fahrt ein heftiger Sturm, der von Minute zu Minute on Stärke zunahm. Der kleine Vergnügungsdampfer war dem Seegang nicht gewachsen und geriet sehr bald in eine äußerst kritische Lage. Vermutlich wurde dos Unglück noch dadurch be- schleunigt, daß alle Passagiere nach Steuerseite drängten, um vor dem Unwctl« Schutz zu suchen, wobei das Fahrzeug Schlagseite erhielt. Eine Sturzsee, wie sie an der Westküste nicht selten ist, verstärkte das Ueb«gewicht und brachte die„St. Philberl" mit Sekundenschnelligkcit zum Kentern. Die Leuchtturmwärter von KapSt. Gildas waren ohnmächtige Zeugen des Unglücks. Sie konnten nichts anderes tun, als die Rettungsgesellschast von St. Nazaire zu benachrichtigen, die sofort den Schlepper„Pornic" zur Rettung der Schifsbrüchigen entsandte. Bald darauf lief auch der Lotsendampser von St. Nazaire nach der Unglücksstelle aus, doch erschien alle Hilfe infolge des hohen See- ganges von vornherein hoffnungslos. Um 23 Uhr kehrten die beiden Fahrzeuge in den Hafen zurück und bestätigten den. furchtbaren Um- fang der Katastrophe. Der Lotsendampfer hatte sieben Ueber- lebende und eine Leiche an Bord, während der Schlepp« einen Ueberlebenden, den österreichischen Staatsangehörigen Irl- l i n e k, und drei Frauenleichen geborgen hatte. Alle üb- rigen Fahrgäste des Unglücksdampsers müssen in den Wellen den Tod gesunden haben. Die Ueberlebenden waren zum größten Teil bewußtlos und viel zu erschöpft, um einen Augenzeugenbericht geben zu können. Die Unglücksbotschaft rief in Nantes, von wo die Mehr- zahl der Verunglückten stammt, eine unbeschreibliche Erregung hervor. Der Präsekt und d« Bürg«meister begaben sich sofort an Bord eines Kutt«s, um den Ort der Katastrophe zu besichtigen. Der Präsident des Genossenschaftsoerbandes, dessen Mitglieder auf dem Ausflug den Tod fanden, Vorsitzender des Internationalen Arbeitsamtes, Albert Thomas, wurde benachrichtigt und hat von Genf aus seinem tiefen Mitgefühl Ausdruck verliehen. Die genaue Zahl der Opfer festzustellen und die Ursache der Katastrophe zu klären miro erst am heutigen Montag möglich sein. lteberbelastung des Dampfers? Man hält es für wahrscheinlich, daß der 189 t große Dampf« überbelastet war. Wie einige Frühblätter zu melden wissen, sollen viele Frauen und Kinder an dem verhängnisvollen Aus- flug teilgenommen haben. Augenzeugen, die den mit dem Sturm kämpfenden Dampfer von der Mündung der Loire aus beobachtet haben, erklären übereinstimmend, daß die„St. Philbert" schon eine ganze Stunde vor dem Sinken starke Schlagseile nach Steuerbord halte. Da die Katastrophe nur fünf Meilen von der Küste entfernt eintrat, konnte das plötzliche Sinken des Fahrzeuges deutlich wahr- genommen werden. Im Gegensatz zu anderen Nachrichten heißt es, daß der Schiffskörper noch zwei Stunden aus den Wellen empor- ragte und von Sturzseen überspült wurde. Diese Beobachtung läßt die Schlußfolgerung zu, daß der Dampf« auf ein Riss oder eine Sandbank aufgelaufen sein muß. Die Passagiere sprangen zum größten Teil über Bord oder wurden von den Wellen mit- gerissen. Erst um 18,30 Uhr habe man nichts mehr von dem Wrack gesehen und auch die noch mit dem Seegang kämpfenden Schiff- brüchigen aus den Augen verloren. Als der erste Rettungsdampf« an der Unglücksstelle erschienen sei, habe er nicht mehr viel aus- richten können. Die See sei in weitem Umkreis mit Leichen und Trümmern bedeckt gewesen. Den„Diktatoren" zur Antwort! Bedeutsame Erklärungen aus dem Maschinistenkongreß weiteres die Politik des Reichskanzlers ist. Welcher Art diese Po- litik sein wird, zeigt jene Entschließung, die am Sonntag in Hildes- heim angenommen wurde. Die Entschließung stellt in der Form einen Ausruf an das Deutsche Volk und an die Weltöffentlichkeit dar. Es interessiert daran vor allem, daß sich das Zentrum mit der Notverordnung, wie sie ist, zunächst abgefunden hat, trotz der scharfen Kritik der christlichen Gewerkschaften und trotz des Pro- testes, der aus den Arbeiterschichten des Zentrums gegen die Not- Verordnung sich geltend machte. Entschließung des Zentrums. H i l d e s h e i m, IS. Juni.(Eigenbericht.) Zm Verlaus der gemeinsamen Tagung des Partei- Vorstandes und der Reichstagssraktion de» Zentrums gab am Sonntag zunächst der Reichskanzler eine vebersicht über die Weltwirtschaftslage. Anschließend machte Rcichs- arbeitsminister Stegerwald nähere Ausführungen über den Inhalt der Notverordnung. Außer Brüning und Stegerwald waren der Reichsverkehrsminister Guerard und die preußischen Rlinister Steiger und hirlsiefer anwesend. In der Debatte, die mittags gegen 2 Uhr nach kaum drei- stündiger Dauer abgeschlossen wurde, gab es scharfe Kritik an der Notverordnung. Trotzdem wurde dem Reichskanzler und den Reichsministern des Zentrums das Vertrauen der deutschen Zcntrumspartei ausgesprochen. Zwar beständen gegen Einzelheiten der letzten Notverordnung auch im Zentrum starke Bedenken, ja, manche finanzielle Bestimmung der Ver- ordnung würde in Zeiten gesicherter wirtschaftlicher und politischer Verhältnisse geradezu unoer st ändlich und unerträglich erscheinen, lim aber die Nation zu erhalten, um eine geordnete Staats- und Wirtschaftsführung zu ermöglichen, um das Absinken in ein finanzielles, wirtschaftliches und damit politisches Chaos zu vermeiden, stütze die Zentrumspartei auch heute die Reichsregierung und spreche dem Reichskanzler und den der Partei angehörigen Mitgliedern des Kabinetts ihren Dank aus. Sie tue dies auch in der Erwartung, daß durch die Zusammen- fassung aller Kräfte im gegenwärtigen Augenblick am raschesten eine Lage geschaffen wird, die die Milderung der größten Härten der Notverordnung ennöglicht. Die Zentrumspartei wisse, daß die Regierung unter Abwägung aller Möglichkeiten den Weg für eine durchgreifende Erleichte- rung untragbarer Reparationslasten vorbereitet und betreten hat. Sie stärke die Regierung in diesem Bemühen, weil nur bei einer baldigen Lösung der Reparationsfrag« die Wirtschaft- liche und politische Beruhigung eintreten kann, die Deutschland wie auch andere Staaten und Völker Europas vor revolutionären Erschütterungen und vor namenloser Verelendung bewahre» kann. Sie rufe deshalb alle Gutgesinnten und Einsichtigen in der Welt aus, die notwendigen Entscheidungen zu treffen, bevor es zu spät ist. Noch größere Opfer könne das deutsche Volt nicht tragen. Wir haben ein Reckst auf Leben und Freiheit in einem geordneten und befriedeten Europa. In dieser ernsten Zeit seien zaghafte parteiegoistische Ueber- legung nicht am Platze. Die Einberufung des Reichstag» gefährde die nationale Arbeit der Reichsregierung. Die Zen- tnmwfraktion wird deshalb die Einberufung ablehnen. Der Parteien Haß und Leidenschaft müssen schweigen. Die Not der Nation muß die Gegensätze endlich überbrücken. Deutschland müsse in der Stunde der Gefahr ein starkes und einiges Geschlecht finden. Die Sitzung wurde kurz vor 3 Uhr nachmittags beendet. In feinem Schlußwort stellte Prälat Kaas fest, daß die Partei die Leitung nicht enttäuscht habe, da die aus allen Teilen des Reiches anwesenden Führer und Unterführer in einer solchen Stunde den nötigen Mnt und Bcrantwortungsfreudigkeit gezeigt haben. politisches Llrteil gegen Eckert. Oer Führer der religiösen Sozialisten am Gehalt bestrast. Karlsruhe, IS. Juni. Am Sonntag mittag sprach das kirchliche Dienstgericht der Evangelischen Landeskirche Badens unter dem Vorsitz des Ober- Bürgermeisters Dr. F i n t e r- Karlsruhe nach dreitägiger Beratung Pfarrer Eckert- Mannheim, den Führer der religiösen Sozialisten, des D i e n st o e r g e h e n s für schuldig und verurteilte ihn zur Dienststrafe der Zurückversetzung im Dien st alter um sechs Jahre. Der Verurteilte hat die gesamten Kosten zu tragen. Pfarrer Eckert hatte von der Kirchenbehörde ein Rede- verbot als Politiker ausgesprochen erhalten, dem er sich widersetzte. Darauf erfolgte die vorläufige Amtsent- Hebung. Gegen diese Maßnohme strengte Pfarrer Eckert beim kirchlichen Dienstgericht Klage an, die jetzt durch Urteil dahin ent- schieden worden ist, daß, wenn ein Pfarrer aus Gewissenszwang gegen den Faschismus öffentlich redet, er am Gehalt be, straft wird. Faschistische und Stahlhelmpriester dürfen nngerügt durch die Lande ziehen. „Stahlhelm" verboten. Wegen einer Karikatur. Der Berliner Polizeipräsident hat das offizielle Organ des „Stahlhelms auf Grund der Notverordnung vom 28. März bis ein- schließlich 28. Juni verboten. Als Begründung für dieses neue drei- wöchige Verbot wird angeführt, daß in der Nr. 23 des.Stahlhelm' der Reichskanzler und der Reichsssnanzminister durch ein« Karikatur grob beschimpft und böswUtig verächtlich gemacht würden. s Die Bundesleitung des„Stahlhelms' behauptet, daß die Karikatur nicht den Reichskanzler und den Reichsfmanzminister, sondern zwei Finanzbeamte darstelle. Der.Stahlhelm' werde gegen die Auslegung der Karikatur Protest erheben. Es sei das erfteenial, daß eine Zeitung auf Grund der Notverordnung wegen einer Karikatur verboten werde. Wir halten die Ausrede, daß in der Karikatur nicht Brüning dargestellt würde, für seh? dumm. Die Bildähnlichteit ist unbestreit- bar. Aber trotzdem sind wir der Meinung, daß die Karikatur keinen Anlaß zum Verbot geben konnte, wenn man nicht die Wirkungsmöglichkeit politischer Satire überhaupt abschaffen will. Wir nehmen deshalb an, daß sich das Verbot hauptsächlich stützt auf die Unterschrift, die den Kanzler(oder Curtius) zu seinem Kol- legen, der mit ihm die Steuerpresse dreht, sagen läßt:„Sehen Sie, Herr Kollege, jetzt spuckt er(der ausgepreßte Steuerzahler, Red. des „Borw.") nicht nur Geld, jetzt spuckt er auch schon Blutl' Dies« Aeußerung ist so polizekwidrig witzlos, daß sie schon deshalb nicht zur Karikatur gehört. Die Dauer des„Angriffs'-verbots abgekürzt. Der Reichs- minister des Innern hat dem Verlag„Der Anariff' mitgeteilt, daß er die Dauer des Verbots des„Angriff" auf die Zeit bis zum 18. Juni ISS1 einschließlich herabsetze. Dresden, IS. Juni.(Eigenbericht.) Bei der Eröffnung des zur Zeit in Dresden tagenden Verbands- tage» des Verbandes der Maschinisten und Heizer gaben der Ver- treter des Bundesvorstandes des ADGB., Wilhelm Eggert, der Vorsitzende des Einheitsverbandes der Eisenbahner, Reichstags- abgeordneter Franz Scheffel, und der Vorsitzende des Maschinistenverbandes, Hermann Klebe, bedeutsame Erklärungen darüber ab, daß die Gewerkschasten nicht gewillt sind, eine faschistisch-schwerindustriellc Diktatur zu dulden. Eggert nahm in seiner Begrüßungsrede zu dem Problem der Zeit ausfiiihrlich Stellung, indem er ausjührte: Die Gefahre», in die die deutsche Arbeiterschaft gekommen ist, sind zu vergleichen mit dem Kreisel, der auf der Straße hin und her gepeitscht wird. Un- geheures geht auf wirtschaftlichem und finanzpolitischem Gebiete vor. Den anwesenden ausländischen Gästen muß gesagt werden, daß kein« Wirtschaft unter der Krise derart leidet wie die deutsch«. Es besteht die Gefahr, daß die gegenwärtige Krise zu einem Dauerzustand wird. Entgegengetreten werden muß der Behauptung, daß diese Krsse eine vorherrschend deutsche Krise sei. Sie ist eine Krankheitserscheinung des kapitalistischen Wirt- schastssystems. Güterfülle, berstende Lagerspeicher und Massennot können überhaupt nicht als Spezialkrrse eines Landes bezeichnet werden. Die deutsche Arbeiterschaft will nicht in das Joch früherer Jahrzehnte zurück. Es wird behauptet, daß die kapitalistische Wirtschaft kerngesund sei und nur gehindert und eingeschränkt werde von staatlichen Bin- Zinserhöhung hei den Ranken. Nach der Diskonterhöhung der Neichsbank. Wie WTB.-Handelsdienst erfährt, hat die Stcmpclvereinigung aus Anlaß der Erhöhung des Reichsbankdistontsatzes auf 7 Proz. beschlossen, mit Wirkung vom IS. Juni d. I. die Zins- sätz« für täglich fällige Gelder in provisionssreier Rechnung aus 4 Proz.(bisher 2% Proz.), in provisionspflichtiger Rechnung auf 4X Proz.(bisher 3 Proz.) festzusetzen. Der Zinssatz für Sparkonten bleibt mit 4 Proz. vor- läufig unverändert. Entsprechend der Festlegung des Sollzinssatzes auf 1 Proz. über Rcichsbankdiskontfatz betragen die Krcditbedin- gungen mit Wirkung vom 13. Juni d. I. 3 Proz. Sollzinjen zuzüglich der üblichen Kreditprovision. Blutige Znsammenstöße. Drei Beteiligte durch Schüsse verseht. In den frühen Morgenstunden des Sonntags kam es an der Ecke Voxhagener Straße und warschauer Straße zwischen Nationalsozialisten und Kommunisten zu einer schweren Schlägerei. Im Verlaufe des Handgemenges, an dem sich etwa 40 Personen beteiligten, wurden eine Reihe von Schüssen gewechselt. Als die Polizei dem Slraßenkampf ein Ende bereitete, lagen drei Männer mit Bauch- und Armschüssen bewußtlos am Boden. In einem Lokal in der Petersburger Straße hatten sich gegen 7 Uhr früh etwa 25 bis 30 Hakenkreuzler versammelt, die dann geschlossen abzogen, um in der Umgebung Zeitungspropaganda zu treiben. Eine Gruppe Kommunisten geriet mit diesem Haken- kreuzlertrupp in Streit, der sofort in die übliche Schlägerei aus- artete. Bon beiden Seiten wurde scharf geschossen. Ein Polizei- beamter des 84. Reviers, der sich gerade auf dem Wege nach seiner Dienststelle befand, wollte die streitenden Parteien auseinander- bringen. Der Beamte wurde jedoch von einem der Beteiligten gleich mit Schüssen empfangen. Glücklicherweise verfehlten die Geschosse sämtlich ihr Ziel. Erst als das U e b e r f a l l k o m m a n d o er- schien, liehen die Gegner voneinander ab und flüchteten in die um- liegenden Häuser. Sieben Kommunisten, darunter auch der Mann, der auf den Beamten geschossen hatte, konnten aus ihren Berstecken hervorgeholt und fe st genommen werden. Außerdem wurde ein Hakenkreuzler zwangsgestellt. In einem Hausflur in der Romintencr Straße wurde eine scharfgeladene Mehrladepistole gesunden und beschlagnahmt. Die drei Berlegten, ein 28 Jahre alter Sportlehrer Erich Schmidt aus der Mirbachstr. 37(Bauchschuß), der 21iährige Maurer Herbert Kramer aus der Bromberger Straße 11(Oberarmschuß) und der IS Jahre alte Lehrling Erich G l e i x n e r aus der Heidenfeldftraße(Bauch- und Oberarmschuß) fanden im Krankenhaus am Friedrichshain Aufnahme. Schmidt und Kramer sind Mitglieder der NSDAP., der jugendliche Gleixner, der am schwersten oerletzt ist, gehört zu den Kommunisten. düngen. Nach unserer Meinung ist eine solche Gesundheit die G e e sundheit eines Skandals, die ein Unglück für das Boll bedeutet. Es ist unsere Aufgabe, klar zu erkennen, daß die Ver- Hältnisse auf des Messers Schneide stehen. Die„reaktionäre Bande vom Rhein und Ruhr', wie sich ein bürgerliches Blatt ausdrückt. spielt mit dem Diktaturgedanken. Demgegenüber muß klipp und klar betont werden, daß die Gewerkschaften ihre ganze Macht in die Waagschale werfen werden, wenn es darum geht, grund- sätzliche Errungenschaften zu verteidigen. Macht gegen Macht. so steht die Frage. In diesem Kampf kann der Verband der Maschinisten und Heizer in seiner Stellung zum Produktionsprozeß eine bedeutsame Rolle spielen. Wer die Kraftquelle in seiner Hand hat, ist mächtig im Wirtschaftsleben. Die Gewerkschaftsmitglieder müssen eingehängt Ellenbogen an Ellenbogen in dieser schweren Zeit zusammenstehen. Niemals war dies notwendiger als jetzt. Scheffel als Vertreter der Organisation der Essenbahncr Deutschlands äußerte sich in ähnlicher Weise. Auch aus seinen Worten ging hervor, daß die gewerkschaftliche Macht heut« keine Phrase ist. Der Vorsitzende des Verbandes der Maschinisten und Heizer, Klebe, nahm die Gelegenheit war, um zu erklären, daß der Maschinistenverband, wie schon so oft, in dieser schwierigen Situation seine wirtschaftliche Schlüsselstellung in die Waagschale werfen werde. Der Verband steht da, wenn der Bundesvorstand des ADGB. ruft. Diese ernsten Erklärungen verantwortungsbewußter Gewerk- schaftsführer sind ein Warnungszeichen. Die deutsche Arbeiter- klasse ist nicht gewillt, ein schwerindustrielles Direktorium oder eine faschistisch angehauchte Diktatur zu dulden. Die Untersuchung der Politischen Polizei im Präsidium ist noch nicht abgeschlossen. Im Laufe des Tages soll noch eine Reihe von Zeugen vernommen werden, da es bisher nicht möglich war, ein klares Bild über die blutigen Vorgänge zu bekommen. Außer- dem hofft die Polizei noch weitere an der Schlägerei Beteiligte er- Mitteln zu können._• Schweres nächtliches Gewitier. OreiBlißeinschläge.- Oachstuhl inZieinickendorf entzündet. In den frühesten Riorgenstunden kam über Verlin ein außer- ordentlich heftiges Gewitter zur Entladung. Gegen Z Ahr schob sich eine dicke wolkenmaner herauf. Das Gewitter war von zahlreichen elektrischen Entladungen und einem wolkcnbrucharttgen Regen be- gleitet. Die Temperaturen, die nach dem Regensall erheblich ge- funken waren, stiegen heute vormittag unter der Wirkung der Sonnenstrahlung wieder erheblich. Ein Blitzeinschlag setzte den Dachstuhl des Hauses Albert-Freytag-Straße 61 in Reinickendors-Oft in Brand. Die Feuerwehr hatte längere Zeit zu tun, um die Flammen, die sich in kurzer Zeit aus den ganzen Dachstuhl aus- gebreitet hatten, niederzukämpfen. In der K a i s e r- F r i e d r i ch- Straße, unweit des Hertzbcrgplatzes in Neukölln, schlug der Blitz in einen Straßenbahnmast ein und setzte mehrere Kabel in Brand. Der Schaden wurde durch Arbeiter der BVG., die mit einem Gerätehilfswagen herbeigeeilt waren, bald behoben. Em dritter Blitzeinfchlag fuhr in der K a i f e r st r a ß e in Marien- darf in einen Baum und richtete außerdem in einem Straßen- bahnkabel Zerstörungen an Brotfabrik eingeäschert. Gollnow, 15. Juni. Sonntag früh kurz nach 4 Uhr wurde in der Mühle der Göll- nower Brotfabrik ein Feuer bemerkt, das sich mit rasender Geschwindigkeit trotz der Windstille ausbreitete. In wenigen Mi- nuten schlugen bereits die Flammen aus dem hohen Gebäude her- aus. Die freiwillige Feuerwehr rückte mit Großalarm an und setzte sofort zwei Motorspritzen an. Es gelang, das anschließende Wohnhaus zu halten, während aus dem Mühlwerk auch nicht ein Stück gerettet werden konnte. Die stärksten Eisenträger bogen sich in der Gluthitze, und mit Getöse stürzten die Maschinen in die Tiefe. Die Ursache des Feuers ist noch nicht geklärt, immerhin ist eine Mehlstaubexplosion möglich. Später stammte das Jeuer noch einmal auf und erfaßte, obwohl die Feuerwehr mit zwei Motorspritzen eingriff, auch die umfangreiche Bäckerei. Der Schaden, der durch Versicherung gedeckt sein soll, dürfte 1 Million Mark be- tragen. Die Gollnower Brotfabrik befindet sich zur Zeit in Konkurs. Die Mühle sollte am Montag zur Zwangsversteigerung kommen. Durch den Brand werden die Gläubiger voraussichtlich nicht stärker geschädigt werden. 3)ie Sprünge der Sieichsbank Murre des äyiskontfalses der'Deutfchen Jleiciisbanh ton tlovember 1029 bis Juni 1031 Oben: Dr. Luther, seit März 1930 Präsident der�Deutschen erreicht wurde. Infolge der Zurückziehung des ausländischen Kapitals Reichsbank.— Unser« Darstellung zeigt das rapide Fallen des Reichs- aus Deutschland sah sich dieReichsbank nun zu der beträchtlichen Her, bankdistontes bis zum Juni v. I., als der niedrigste Satz(4 Proz.) aufsetzung gezwungen, die einen Zinsanreiz für das Ausland bezweckt. Pslar-V-Voot in Gefahr! WilkinS meldet schweren Maschinenschaden. New Bork. IS. Juni. Sir Hubert Wilkins, der itapitän des Untersee- bootes„R a u 1 1 1 u S", meldet in einem Funkspruch, das» das Schiff inmitten deS LzeanS einen Maschinen- schaden erlitten habe. Ter Dampfer„Jndepen- d e n c e Hall" ist zu Hilfe geeilt, und auch die amerika- nischen Kriegsschiffe..A r k a n s a S" und„W y o m i n g" haben KurS nach dem Standort des Unterseebootes ge- nommen. Der Dampser„President Roofevelt' hat gestern nachmittag eine weitere drahtlose Meldung erhalten, nach der das lJ-Boot mit dem Backdordmotor nur noch so lange weiterfahren könne, bis die elektrische Batterie ausgebraucht sei. Die drahtlose Verbindung ist inzwischen wegen Mangel an Strom an Bord der „Nautilus" unterbunden worden. Einer letzten Meldung zufolge sind die Maschinen der.�Nautilus" inzwischen vollständig zum Stillstand gekommen, so datz sie ge- schleppt werden mutz. Ein Versuch der amerikanischen Kreuzer„Wyoming" und „Arkansas", das Unterseeboot„Nautilus" zu schleppen, ist an dem hohen Seegang und an der Maiwoerierunfähigkeit des Untersee- bootes gescheitert. Heute früh bei Tageslicht soll versucht werden, das Unterseeboot durch einen Schleppdampfer möglicher- weise bis Oueenstown zu bringen. An Bord des„Nautilus" befindet sich alles wohl. * Die Unterseeboote werden in letzter Zeit von auffallendem Un- glück versalzt. Seit zwei Wochen liegt ein sowjetrufsischez II-Boot in der Ostsee mit 28 Mann Besatzung auf dem Meeresgrund, bald darauf versank im chinesischen Meer ein britisches U-Boot, und nur 8 Mann konnten sich retten. Und nun hat es den„Nautilus" gepackt, das nach Jules Vernes Phantasieroman„2l1 Meilen unterm Meer" genannte U-Boot, mit dem Wilkins den Nordpol erreichen und dort mit dem„Graf Zeppelin" zusammentreffen will. Zum Glück ist nur die Maschine auher Betrieb, und nach steuer- losem Treiben auf den? Atlantik zwischen Nordamerika und Groß- britannien ist„Nautilus" im Schlepptau eines Tonkdampfers. Wie aber, wenn solcher Mafchincrtschaden unter Wasser, ja unter dickem Polareis geschähe... Amerika wariei... Knegsschvldenminderung vielleicht nach den Berichten Mellon«! und Stimsons. Washington, 13. Juni. Unterstaatssekretär Castle erklärte in einer Pressekonferenz, ihm fei von einem deutschen Plan der Herabsetzung des Zinsenöienstes der internationalen Schulden auf Kosten Amerikas, der Macdonald in Chequers von Brüning unterbreitet worden sein soll, nichts bekannt; er glaube, daß die Meldung als Versuchsballon gewisser französischer Publizisten zu betrachten und nicht auf irgendwelche maßgebenden Stellen zurückzuführen sei. Seiner Kenntnis nach seien in Chequers keine konkreten Pläne erörtert worden. Neue Anfragen nach der amerikanischen Politik in der Schuldenfrage beantwortete Unterstaatssekretär Castle dahin, die amerikanische Auffassung von der Trennung der Reparationen und Kriegsschulden sei bekannt. Dies bedeute jedoch kein starres Festhalten an einer These. Die Regierung behalte sich vielmehr stets ihre E n t s ch l u ß f r e i h e i t vor und studiere diesen Fragen- komplex sehr sorgfältig, um, „falls eine ernste Krise eintritt, in Erwägung darüber einzn. treten, ob eine vorübergehende Aenderung der hiesigen Politik erforderlich ist". Gegenwärtig gebe es eine solche Krise noch nicht, und die Politik der Vereinigten Staaten habe sich nicht geändert. Castle gab zu, daß zwischen dem Staatsdepartement und dem Schatzamt Kon- ferenzen über die Schuldenfrage stattfinden, damit im Falle einer Krisis dem Präsidenten ein einheitliches Gutachten über die Lage vorgelegt werden kann. Wie aus London gemeldet wird, berichtet hierzu„Times", die amerikanische Regierung sei sich voll bewußt, daß in Deutschland eine Lag« entstehen könne, die eine Neueröffnung der Schuldensrage erzwingen würde. Aber noch sei eine derartige Lage nicht entstanden; mit anderen Worten: nur die endgültige Uebcrzeugung, daß das sinanziellc und soziale Gesüge Deutschlands sich in Gefahr eines völligen Z u f a in in e n b r u ch s befinde, würde die amerikanische Regierung zwingen, die Aenderung in chrer Politik, von der Castle sprach, zu erwägen.— Der Korrespondent der„Morning Post" schreibt aus Washington: Sollten Mellon und Stimson von ihren Europareisen mit der lleberzniAung zurückkehren, daß der Zusammenbruch de» deutschen Kredit» unvermeidlich sei. so würde eine Aenderung in der amerikanischen Politik eintreten. „Times" berichtet weiter aus New Park: Augenblicklich erregen die finanziellen und wirtschaftlichen Verhältnisse Deutschlands in Amerika mehr Aufmerksamkeit als die eigene innere Lage. Die Ereignisse werden vielleicht eine Aenderung der ameri- konischen Politik sogar ohne Verminderung der Landrüstungen in Europa erzwingen. Es besteht jedoch wenig Grund zu der An- nähme, daß eine Aenderung schon jetzt in Aussicht genommen sei. Briands Kriedenswerk. Öt weiht ihm sein Leben. pari», 15. Juni.(Eigenbericht.) Auf einem Tressen von Kriegsteilnehmern in Gourdon sprach Außenminister Briand unter anderem von der Außenpolitik: Man habe versucht, den Frieden zu organisieren, und er hoffe, daß bald die letzten Mißverständnisse, die zwischen einem Volke, dem e r s i ch zugewandt habe(gemeint ist Deutschland) und Frankreich be- ständen, fallen. Dos werde nicht leicht sein. Aber es liege auch kein Grund vor, sich entmutigen zu lassen. Der Organisation des Friedens müsse ganz Europa dienen. Deutschland und Frankreich seien zwei Elemente davon, aber es gebe noch andere. Er hoff«, daß andere Nationen in diese Organisation eintreten würden, dann würde es wirklich unmöglich sein, den Frieden zu stören. Die europäische Union sei inzwischen etwas Machtvolles geworden. Er versprecht solange er tätig sei und solange er atme, auf ihrem Wege fortzufahren. Landbundsührer Höfer gestorben. Der Parteiführer des „Deutschen Landvolks" und thüringische Abgeordnete Ernst H o f e r- St. Bernhard, der zur Erholung nach einer schweren Kopsgrippe in Konstanz am Bodcnsee weilte, ist dort plötzlich gestorben. „Wautilus" fiinhl SOS Das Unterseeboot des Kapitäns Wilkin« „Nautilus", das vor zehn Tagen von Princetown zu seiner Nordpolfahrt ge- startet ist, hat hOS-Ruse ausgesandt, in denen mitgeteilt wird, daß einer der Motoren defekt sei. Später tonnte das Schiff nicht mehr selbsttätig seine Fahrt fortsetzen und mußte ins Schlepptau genommen werden. Oben: Kapitän Wilkins. Zollunion und Großdeutschland Tagung des Oesterreichisch-deuischen Volksbundes Gleiwitz. 15. Juni. Unter dem Vorsitz des Reichstagspräsidenten L ö b e hielt der Oesterreichisch-Deutsche Volksbund hier seine Bundestagung ab; aus Deulsch-Oesterrcich waren unter anderem Landeshauptmann Leser aus dem Burgenlonde und Ministerialrat Dr. Zuck- Wien gekommen. Reichstagspräsident Lobe führte«inleitend aus, daß. wenn auch der staatspolitische Anschluß Oesterreichs an Deutschland noch in der Ferne lieg«, der Bund um so mehr die Aufgabe habe, die Angleichung der Verhältnisse in den beiden Ländern zu fördern, um den schließlichen Anschluß nach Kräften zu erleichtern. Der widerstand gegen die Zollunion zeigt, wie weit wir heule noch von der vollkommenen Anerkennung der Gleichberechtigung Deutschland» und Oesterreichs entfernt find. Der Deutsche Reichstag würde sich niemals getrauen, gegen eine Zollunion zwischen Frankreich und Belgien Stellung zu nehmen. Wir werden uns aber nicht abschrecken lassen. Die Zollunion war auch ein Schritt zur endgültigen Einigung der beiden Staaten; aber zum Beispiel der Zollvertrag zwischen Schweden und Norwegen hat nicht zur staatspolitischen Einigung geführt. Politisch stehen wir aus dem Standpunkt, daß niemand in der Welt uns das Recht obstreiten kann, unsere wirtschaftlichen An- gelegenheiten gemeinsam mit dem Staat zu regeln, der mit uns durch Blut, Kultur, Sprache und Geschichte verbunden ist. Aber wir verschweigen auch keinen Augenbli� daß unser Ziel durch eine Zollunion nicht erledigt ist. Nicht nur auf wirtschaftlichem, sondern auch auf nationalem Gebiet erstreben wir die Bereinigung. Ministerialrat Dr. Zuck- Wien berichtete, daß der Volksbund in Oesterreich mit 530 Mitgliedskörperschaften rund zwei Millionen Einwohner erfaßt, daß also, abgesehen von den Kindern und Greisen, S0 proz. der gesamten Bevölkerung von Oesterreich im Volks- bund organisiert sind. Den Berichten des geschäftsführenden Direktors Dr. M i s ch l e e und des Gauleiters La n g e r- Frankfurt o. M. und Oberstudien- direktor Dr. M ii ll e r- Potsdam folgte«ine gründlich« Aussprache. Telegraphische Glückwünsche hatten übersandt: Vizekanzler Dr. Schober, Bürgermeister S e i tz- Wien, sowie die Landes- hauptleute aller österreichischen Länder. Den Höhepunkt der Tagung bildete die öffentliche An» schlußkundgebung auf dem Ring, die auch auf den Deutsch- landsender übertragen wurde. Mit Tausenden. Männern und Frauen der Bevölkerung hatten sich auch zahlreich« offizielle Ber, treter eingesunden. Nach der Begrüßungsansprache des Oberbürgermeisters Dr. Geisler ergriff, lebliaft begrüßt und des öfteren von starkem Beifall unterbrochen, Landeshauptmann Leser- Burgenland das Wort, um zunächst die Aehnlichkeit der Geschichte des Burgenlandes mit derjenigen Oberschlesiens zu schildern. Landtagsabg. G r z i m e k sprach im Namen Ostpreußens, worauf— lebhast begrssht— Reichslagsprösident Löbe ausführte: Die Anhänger der Anschlußbewegung sind keineswegs Gegner des Planes, alle Zollschranken in Europa fallen zu lassen. Aber nachdem sich olle Staatsmänner fünf Jahre lang vergeblich darum bemüht haben, kann es niemand dem deutschen Volke ver- denken, wenn es von unten her diesen Abbau versucht. In» und Ausland mögen nochmals erfahren, daß die Forderung, nach der österreichischen und der deutschen Republik nicht vergessen wird. Löbe richtete an die Welt den Appell, die österreichischen Bundesländer über ihre Staatszugehörigkeit abstimmen zu lassen. Es wird sich dann herausstellen, daß 98 Proz., vielleicht sogar ll» Proz., der österreichischen Bevölkerung für den An- schluß sind. Lobes Rede klang aus: Vorwärts für den Gedanken der großdeutschen Republik. - Calderon-Keier. Schiller-Theaier. Zur Erinnerung an den 250. Todestag des spanischen Dichters Calderon(si 25. Mai 1681) wurde eine drei Stunden dauernde Gedächtnisfeier veranstaltet. Schon zu seinen Lebzeiten waren seine Ideale— die spanische Weltmachtstellung, sein absolutistisches König- tum, der allein seligmachende und Ketzer verbrennende Glaube— erschüttert. Und heute ist das letzte Stück des alten Spaniens dahin- gesunken. Trotzdem bleibt Calderon ein großer Dichter und ein seltsamer Mensch. Die heutige Wissenschaft würde diesen Hosdichter und Aristokraten, der einige hundert geistliche und weltliche Dramen verfaßt hat, diesen Soldaten, der als Geistlicher starb, diesen Jesuiten- schüler, der kühl und klar und weltlich war bei aller Glaubens- brunst, wohl zu den großen Monomanen rechnen. Der größte Dichter der Gegenreformation ist heute tot wie das ganze alte Spanien. Der„Richter von Zalamea", eines und das andere der Luftspiele— das ist alles, was von ihm lebendig geblieben ist. Die nom Dramaturgen der Staatsthcater Adam Kuckhofs geleitete Matinee gibt in einem stimmungsvollen Rohmen von alt- spanischer Musik dramatische Proben, einen ausgedehnten Vortrag und Rezitationen in Spanisch und Deutsch. Das Fronleichnamspiel „Balthasars(Belsazars) Nachtmahl" ist ein gutes Beispiel dieser ganzen Art. allegorisch, naiv-wundersüchtig, im Grunde ganz mittelalterlich. Man stelle sich vor, wie etwa Shakespeare solchen Stoff angepackt hätte! Ferdinand Hart(Balthasar), Hans Otto (der Gedanke im Narrengewande), Maria Koppenhöfer und Mathilde K u s s i n suchten in den streng nüchtern stilisierten Rahmen Pirchans Farbe und Leben zu bringen.— Die leichtere Art Calderons zu repräsentieren war ein von Wilhelm v. Scholz frei und modern bearbeitetes mythalogisches Stück„Die Zauberin, der Riese und der Affe"— ein Ausschnitt— berufen. Mit vielerlei Clownspäßen und Lustigkeiten fährt es spielerisch daher und machte in der witzigen Aufmachung Eindruck. Den Festvortrag hielt Prof. Karl D o ß l e r- München, gediegen, gründlich, nur zu breit an dieser Stelle. Er suchte uns auch den Menschen Calderon, der bei aller Weltüberwindung ein ganzer Mann war, näher zu bringen. Eine Gegenüberstellung mit Shakespeare hätte noch deutlicher gezeigt, welch ein Abgrund uns von Calderon trennt. D- Frank-Lloyd-wright-llvilellviis. Die Vreuimchs Akademie der Künste imanilullcl in iljrcn RSumcn am?arllcr Platz eine AuSilellung von Werken dcZ amerikanischen Archileklcn Frank Lloyd W r i g st t. dir Mill- woch. 1-2 llstr, vor qcladencm Publikum eröffnet wird. Bon Mittwoch •2 llstr ab ist die Ausslcllung allgemein zugänglich. Sühnenchronlt. Der Hcldcntcnor Karl Sortmann wurde für s die nächst« Spielzeit an die Städtische Oper verpslichtel. „Dame und Hund". Matinee im Deutschen Künstlertheater. Die Ehefrau sticht da? Dienstmädchen bei ihrem Mann aus. Das gelingt ihr durch einen Kleidertausch und durch eine unter- schlagen« Brille. Ida Mainka-Weber hat in der Idee des Stücks keinen originellen Einfall. Dagegen sind einzelne Szenen gut erfunden. Die Komödie schwankt zwischen einer Parodie und einem Gesell- schastsspicl. Die Parodie richtet sich gegen die Sentimentalitäten und Verschrobenheiten einer guten alten Zeit in der Art von Kaisers „Kolportage", ohne jedoch eine prägnante Formulierung zu finden. Uederspitzungen stehen neben Szenen, die auch mit realistischer Breite gespielt werden können. Dein Stück fehlt der Ausgleich, und es endet mit fanstdickeni Kitsch, der ernst gemeint ist. Der Regisseur Hans B r a h m niacht sich dos Leben leicht. Er läßt von der ersten bis zur letzten Szene paradieren, und zwar so aufdringlich parodieren, daß sich schwer« Langeweile über das Theater lagert. Statt zu dämpfen, übersteigert er. Die Menschen werden aus eine einzige Note festgelegt, gleichen Marionetten und finden kein« Entfaltungsmöglichkeiten. Nur Ludwig S t ö s s e l als Schwiegervater mit dem Johannistrieb durchbricht diesen Stil, während Erwin F a b c r, der Ehemann, der seine Figur am Ansang gut umreißt, mit ihr später zu jonglieren beginnt. Harriet A d a in s, Anita Redlich und Otto M a t! h i e s beschränken sich aus Karikatur. F. Seh. Künstliche Mesenkristalle. In den letzten Jahren ist es der Wissenschaft gelungen, Kristalle in Stunden zu züchten, zu deren Schaffung die Natur unabsehbare Zeiten brauchte. Man hat in dem physikalischen Laboratorium der Universität Göttingen, wie Dr. H. Schröter in der Frankfurter Wochenschrift„Die Umschau" mitteilt, aus verschiedenen Salzen söge- nannte Eiskristalle hergestellt, die die Größe einer Faust erreichen. Diese Kristalle dienen als Material für die Erforschung des Atom- baues, da in ihnen eine regelmäßige Anordnung der Atome besteht. Das Verfahren besteht darin, daß das Salz vollständig geschmolzen und dann in die Schmelze ein Kühlrohr ein Platin eingeführt wird. Die vielen kleinen Kriställchen, die sich dann bilden, werden au» der Schmelze durch 5)eben des Kühlrohrs immer mehr herausgehoben, bis sie schließlich nur noch in einem Punkt die Oberfläche der Schmelze berühren; von diesem Berührungspunkt au» wächst nun der Einkristall. Um große Kristalle von 10 Zentimeter Kantenlänge zu züchten, bodars es freilich der genauesten Regulierung der geeigneten Temperaturen und großer Geschicklichkeit. Bisher be- schränkt sich der praktische Nutzen dieser Kristallerzeugung noch aus die Herstellung von Platten, Prismen und Linsen, die für optische Untersuchungen dienen, aber jedenfalls ist es geglückt, der Natur«ins ihrer größten Kunststücke abzulauschen und künstlich nachzuahmen. Die Polen in Deutschland Girömungen in der Minderheii Zwischen der Korfantyschen„Polonia" und der Posener nationa- listischen„Polska Aachodnia"(„Söeft polen") ist ein Kampf um den Einfluß in der polnischen Minderheit in Deutsch-Oberschlesien aus- gebrochen. Die polnische Minderheit in Deutschland besteht über- wiegend aus Arbeitern(Westfalen, Berlin und andere Ge» biete). Sie befassen sich weniger mit nationalen Dingen, schließen sich vielmehr den deutschen Arbeiterorganisationen an, um ihre wirtschaftliche Lage zu verbessern. Angesessene Polen gibt es außer in Oberschlesien in Ostpreußen und Grenzmark-Posen. Dort sind es meist Bauern, die sich mit nationalen und politischen Dingen weniger befassen. In dem Beuthener Industriegebiet wohnen Arbeiter, hingegen in der Oppelner Umgebung Bauern. Von den polnischen Arbeitern in Deutsch-Oberschlesien ist nur ein geringer Teil polnisch-nationalistisch. 1922 hat die polnische Partei in Preußen 5,? 000 Stimmen und zwei Mandate erhalten. Seither ist die Stimmenzahl immer mehr zurückgegangen und die polnischen Man- date fielen dem Zentrum zu. Erst bei der Reichstagswahl 1930 ist die Stimmenzahl wieder auf 37 000 gestiegen, was für ein Mandat nicht ausreichte. In Deutschland erscheinen 10 polnische Zeitungen, alle haben eine gemeinsame Redaktion, nur eine Lokalredaktion am Erscheinungsort. Der Leiter der gesamten polnischen Presse heißt Kate Ibach. Die polnische Presse in Deutschland segelt im Sanacja- Fahrwasser(Pilsudski). Doch hat es den Anschein, daß den Polen in Deutschland, besonders aber in Deutsch-Oberschlesien, diese Partei- richtung nicht entspricht. Die Kattowitzer„Polonia" hat in Beuthen eine Lokalredaktion eingerichtet und führt eine ständige Rubrik:„Deutsch-Oberschlesien". Das Eindringen der„Polonia" in Deutsch-Oberschlesien hat einen heftigen Konkurrcitz kämpf zwischen der„Katolik"- presse und dem Korfanty- Organ heraufbeschworen. Die „Polska Zachodnia" mobilisiert den Staatsanwalt gegen die„Polonia", die sich erdreistet hat, ihre christlich-demokratifche, antipilsudskische Parteipolitik in die Minderheit in Deutsch-Ober- schlesien hineinzutragen. Der„Polonia" wird Nationalverrat vorgeworfen und die„Katolik"presse, die sich in ihrer Existenz be- droht fühlt, ist ganz außer Rand und Band. Neben der Presse scheint die Sanacja die Oberhand in der pol- nischen landwirtschaftlichen Genossenschaftsbewe- g u n g zu haben, in den Raiffeifenkassen und den Spar- und Bor- schußkassen, etwa 100 an der Zahl. Die landwirtschaftliche Bevölke- rung braucht Kredite, und da diese Banken im Sanacja-Fahrwasier segeln, erteilen sie Kredite nur an solche Personen, die demselben politischen Lager angehören. Nur vier Kreditgenossenschaften haben sich aus der Einflußsphäre der Sanacja befreien können. Die„Polska Zachodnia" wird immer massiver: jüngst hat sie dem Korfanty-Blatt Denunziation, Demoralisation, Verrat nachgesagt. Die Sache ist aber nicht so tragisch: es ist ein Konkurrenzkampf zwischen zwei Unternehmungen mit natio- nalem Einschlag. Inzwischen hat die Sanacja auch unter den Polen in der Tschechoslowakei Positionen errichtet und dasselbe will sie in Frankreich, Deutschland und Amerika erzielen. Einigung über Staatsangehörigkeitsfragen. Verhandlungen zwischen Deutschland und Polen über die Minderheiteneingabe Naumann-Graebe vom 2S. Februar 1929 und über streitige Staatsangehörigkeitsfälle haben am 29. Mai zu einer Verständigung geführt. Danach erkennt Polen in einer Reihe von Fällen die polnische Staatsangehörnigkeit von Unter- Zeichnern der Minderheiteneingabe an, in anderen Fällen werden die Beteiligten von der deutschen Regierung als Reichsdeutsche anerkannt. Theaterdonner in Genf. Leere Drohungen der faschistischen„Arbeitervertreter". Genf, IS. Juni.(Eigenbericht.) Der alljährliche Kampf der Arbeitervertreter auf der Internatio- nolen Arbeitskonferenz um das Recht der Arbeiterorgani- s a t i o n e n, unabhängig von den Regierungen ihre Vertreter zu entsenden, spitzte sich auch diesmal hauptsächlich bei der Prüfung des Mandats für den italienischen Arbeitervertreter zu. Da eine starke Minderheit des Mandatsausschusses gegen den faschistischen Vertreter Einspruch erhob, drohte die italienische Delegation mit Abreise und der faschistische Arbeitsminister sogar mit Austritt aus dem Internationalen Arbeitsamt. Aus all den großen Gesten ist indessen nichts geworden. Nur während der Beratung des Berichts der Mandatskommission blieben die Faschisten der Sitzung fern und ließen eine schwache Erklärung verlesen. Im übrigen wird die italienische Delegation weiter an den Arbeiten teilnehmen. Die Abstimmung in der Bollversammlung vom Sonnabend er- gab die Anerkennung des faschistischen Arbeitermandats mit 76 gegen 22 Stimmen(gegenüber 98 gegen 29 Stimmen im Vorjahre). Diese zunehmende Mißstimmung der Konferenz über die den Satzungen widersprechende Entrechtung der Arbeiterschaft in Italien wurde noch unterstrichen durch die Stimmenthaltung der englischen und der spanischen Regierungsvertreter. Wegen der Proteste hat Italien wiederum die notwendige Ratifikation jenes Uebereinkom- mens verweigert, nach dem der Verwaltungsrat um 8 Mitglieder erweitert werden soll. Das Mandat des polnischen Arbeiteroertreters, der entgegen der Satzung durch die Regierung von kleineren Verbänden und nicht von dem wesentlich stärkeren Verband der Amsterdamer Richtung delegiert worden ist, wurde ebenfalls trotz des Protestes der Arbeiter- gruppe von der polnischen Regierung anerkannt. In den Kommissionen hat man sich über das Kohlen- arbeitszeitabkommen und die Erweiterung des Abkommens über das Zulassungsalter von Kindern zur Industrie- und Gewerbe- arbeit so weit geeinigt, daß die Beschlüsse inzwischen den Redaktions- ousschllssen zugeleitet werden konnten. Offene Singstunde des Sozialistischen Kulturbundes. Das Er- gcbnis eines Preisausschreibens des Sozialistischen Kulturbundes für ein neues sozialistisches Lied soll möglichst großen Teilen der Arbeiter- schaft bekannt werden. Die Lieder sollen in einer öffentlichen Singestunde zum Bortrag kommen. Alle sangeslustigen Genossen und Genossinnen, besonders die Kreise der sozialistischen Arbeiter- jugend und Kindersreunde, sind zu. dieser Singestunde«ingeladen. 33. Abteilung. Erwin K a h l e r t, Goßler- Unser Genosse straße 18, ist tödlich veru�lückt. Ehre feinem Andenken. Einäsche- rung Dienstag, 16. Juni, 1654 Uhr, Krematorium Baumschulenweg. Um rege Beteiligung wird gebeten. Wetter für Berliu. Etwas kühler, teils wolkig, teils heiter, ohne erhebliche Niederschläge, mäßige westliche bis südwestliche Winde.— Für Deutschland. In den Küstengebieten noch leicht veränderlich, im übrigen Reiche trocken und namentlich im Süden zeitweise heiter, im allgemeinen etwas kühler. Rundfunk am Abend. Rückschau. „Quer durch die Dialekte." Die Funkstunde brachte unter diesem Titel eine Wochenenddarbietung, die wirklich hübsch und lustig war. Man hatte Mundarten aus allen Gegenden Deutschlands zusammengesetzt und ließ sie vergnügt bei einer Sitzung des zu diesem Zweck erfundenen„Vereins zur Erhaltung der Dialekte" durcheinanderreden. Das gab ober kein unentwirrbares Chaos von Mundarten, aus dem nur die eine oder die andere verständlich auf- leuchtete. Zu dem schwer verständlichen Plattdeutsch wurde das Ohr durch verschiedene Zwischenrufe geführt; in reinste Dialektsätze mischte sich verhochdeusschte Aussprache. Natürlich fehlten auch die Klassiker der Dialekte nicht, sogar die allerletzten, Cläre Waldoff und Dans Reimann, waren auf Schallplatten vertreten. Alles war mit leichter Hand amüsant durcheinandergemischt. Weshalb wurde der geistige Vater dieses Abends den Hörern eigentlich verschwiegen? Die F u n k st u n d e und der Deutschlandsender haben in letzter Zeit mehrfach den seltsamen Ehrgeiz bewiesen, möglichst ähnliche Parallelprogramme zu bringen. Am Sonntag übertrug der Deutschlandsender aus der Staatsoper Unter den Linden den„Zigeunerbaron". Berlin setzte zur gleichen Zeit einen Opernabend an, der Wagner- und Verdi-Arien brachte, gesungen von Mafalda S a l v a t i n i und Walter K i r ch h o f f. Das sah fast aus, als wollten sich die beiden Sender mit ihren Sonn- tagsprogrammen Konkurrenz machen: wahrscheinlich aber wird der Grund dieser seltsamen Doppelbesetzung nur in einer unzureichenden Zusammenarbeit der beiden Sender zu suchen sein. In der E l t e r n st u n d e sprach Oberschulrat Dr. Theodor Bahn er über das Thema:„Was kann zur Auslese und zur Förderung begabter Kinder geschehe n?" Er kam bei seinen Betrachtungen zu dem Ergebnis, daß alles, was da- für getan wird, zu wenig ist und zu wenig bleiben muß, wenn man Begabtenförderung nur im Wege eines normalen Schulbesuchs treiben will. Andere geistige Ausstiegsmöglichkeiten müssen geschaffen werden, die auch bei fortgeschrittenem Lebensalter Weiterbildung und Erschließung der Hochschulen vermitteln, wobei beides keinesfalls un- bedingt immer in akademische Beruf« führen, sondern vor allem dazu dienen soll, das Weltbild des einzelnen zum Nutzen der Ge» meinschaft zu erweitern. Tes. Montag, 15. Juni. Berlin. 16.55 Blindenkonzerf. I. Brahms: Rhapsodie G-Moll, op. 70, Nr. 2(Hans Johow, Flügel). 2. Schubert, Wolf(Edmund Josefiak. Bariton). 3. Kahn (Margarete von Wintcrfeldt, Sopran). 4. Chopin: Fantasie-Impromptu Cis-Moll(Hans Johow, Flügel: Ben Gcyscl). 17.30 Delphinjagd im Schwarzen Meer(Otto Steinicke). 17.50 A. Pritzel: Der Existenzkampf der Bcrufsmusikc 15.15 Dr. med. Ernst Rothe: Unheilbar? 18.45 Konzert. 15.30 Erika Weidner: Die Stenotypistin. 20.00 Orchesterkonzert. 21.00 Tages- und Sportnachrichten. 21.10 Anatole France. Ein Querschnitt von Willy Haas und Artur Rosen. 22.00 Frankfurt: Zeitberichtc. 22.40 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Königswusterhausen. 15.00 Paul Ucbe: Unterrichtsstunde in der Grundschule. 17.30 Prof. Dr. J. Wolff: Friedr. von Flotow zum Gedächtnis. 18.00 Kurt Hotzel; Bekenntnisse der jungen Generation. 18.30 Dr. Gerhard Masur: Bildung und Gesellschaft in Deutschland im 19. Jahrhundert.* 18.55 Wetter für die Landwirtschaft. 19.00 Englisch für" Anfänger.■■'••' vai 19.25 Prof. Dr. Münch: Anbau ausländischer Holzarten. 19.45 Wetter für die Landwirtschaft. Anschließend Ob.-Ihg. Nairz: Viertelstunde Funktechnik.£ äO.OO Unterhaltungsmusik. 20.30 Prof. Dr. Otto Auhagen: Die Agrarrevolution in Sowjetrußand. 21.00 Leipzig: Sinfonickonzcrt. 22.00 Frankfurt: Zeitberichtc. Veranttvortl. für die Redaktion: Serbert Lepöre, Berlin: Anzeigen: Tb. Glocke. Berlin. Verlag: Vorwärts Verlag G. m. b. H.. Berlin. Druck: Vorwärts Buch« druckerei und Verlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SD VfL Lindenstrake 8. Hierzu 1 Beilage. Montag, 15. 6. Staats-Oper Unter d. Linden 287. A.-V. 20 Uhr Bohdme Ende g.Z2>/i Uhr Montag. 15. 6. staut. Oper Bismarcksir 20 Uhr Qeschl.Vorstilg. Die EottfiliniDg aDsdemlerail Ende 22-/, Uhr Staats-Oper An Plitz der Rniblll V.-B. 20 Uhr Aus einem Totenhaus Oeffntl. Kartenverkauf Ende n. 22 Uhr Staatl. Schansph. (im Cigdingnairkll. 48, R.-S. 20 Uhr Cetil Rtiodes Uli» Rirtniiitiut Enden. 22V, Uhr MI. Ititiller-IDeater. Otarilbg Haus Herzenstod Ende gegen 22-/, Uhr Reichshallen-Theater AllabendUch| w| Uhr Stefttiner Sänger fWleileraaliielsn Pool Oritioa Zum Schluß der Schwank „Alles verrückt!" 1 6.15 Ohr Flora 3134 Raudien erlaoht Kirdhwcih am Tegerxuee Rebla— Kemble— Bootz Krehan. Tücher& Co. usw. Rose-Garten das beliebteste Sommerthcater 3 Programme: I. Großer Konzertteil II. 8 Sensation. Variete- Nummern III. Operette. Woehsnt B» v, Sonnt. 5 V. ..Der Hutmacher Kr. Dorchlsacht" Gr. Operette von Josef Snaga Wochcnt. Kafleekochen an gedeckten Tischen Preise: 0.60—2.00 M. THE AT ER Guido Thielscher „Der wahre Jakob" Sonntasr: 645 u. 9 Uhr, Wochentags 81S Ühr Bereits 1 5 Vorstellungen und IS ausverkaufte Häuser! Nur noch bis 25. Juni Des ungewöhnlichen Erfolges wegen; Sonntag:, 21. Jnnl, 3 Vorstlff.s 230 645 90c Uhr. Preise 0.50 bis 3.- M. Gr. Frankfurter Str. 132. U-Bahn. Srausberger PI. Sie kaufen am besten im 6tägigen Vorverkauf: 11-1 und 4-9 Uhr. Tel. Bestellungen ununterbr. unter E7 Weichsel 3422. 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Bilder aus dem Bezirk Neurode Jteurobe, 13. Juni 1931. Dort, wo der Kamm des Eulengebirges in breiten sanften Wellen nach Süden absteigt, bieten die weichen grünen chänge alle Vorbedingungen für ein schlcsisches Allgäu. Trotzdem ist der Kreis Neurode Jndustriekreis, Textilarbeit war im Eulengebirge immer zu Hause. Aus den armseligen Katen der Hausweber von Kaschbach wanderte sie einerseits„ins Land hin- unter", in die großen Fabriken von Langenbielau und Peterswaldau und bot weiter aus der Südseite den Prole- tarierinnen des Kreises Neurode karge Beschäftigung. Kurzarbeit ist heute kein Fremdwort mehr für diese Betriebe: gegenwärtig wird versucht, 52 Webstühle durch einen Menschen bedienen zu lassen. Der zweite wesentliche Industriezweig ist der Bergbau. Er ist kümmerlich und gefahrenreich. Das Gestein ist schlecht ge- lagert: Kohlensäure lauert als gefährlicher Feind. Wenn die aus- gemergelten Gestalten mit den vorgeschobenen, im Knie ruhenden Beinen des Bergbewohners nicht feit Iahren so entbehren gelernt hätten: wenn sie den noch vorhandenen Bergbau nicht durch ihren Hunger möglich machten, wäre das ganze Gebiet nur noch von Wohlfahrtsunterftützten bewohnt. Fraglich, ob es diesem Schicksal auf die Dauer entgeht. „Wenn die Leute soviel Geld hätten, wie Geduld— sie wären längst Millionäre--", sagt der kritische Betrachter. „Vergessen Sie nicht, welche jahrelange Erziehungsarbeit aber hier geleistet wurde", antwortet im Brustton der Ueberzeugung ein gemäßigter bürgerlicher Politiker in dieser Gegend. Vielleicht würde den Leuten das Durchhalten schwerer, wenn nicht dieser oder jener ein armseliges Stück Acker hätte. Er baut, wie der Kleinbauer in dieser Gegend, Kartoffeln und wohl auch Getreide, baut sie immer wieder, obwohl der Boden kärglich ist und Wetterstürze den am Hange liegenden Acker oft genug zer- reißen und fortschwemmen. Diese trotz aller Mühsal konservativ« Einstellung ist das größte Hindernis bei der längst notwendigen Umstellung auf Grünlandwirtschaft. Neben diesen kleinen Wirtschaften verstreute die Laune der Natur da und dort noch winzige Ansiedlungen mitten in die Berge; dort wohnen ebenso genügsame Holzfäller, die im Sommer den ganzen Tag auf schwerer Arbeit, im Winter durch meterhohe Schneewehen wochenlang van aller Welt abgeschnitten sind. Neben ihrer Tätigkeit müssen die Familien ebenfalls kargen Acker bestellen, wenn es reihum gehen soll. So lebt das Volk der Arbeit im Kreise Neurode— still, unendlich geduldig, oft aber auch durch jahrelange Not und Entbeh- rung um das Beste gebracht, was Menschen haben, können: Das Vertrauen auf eigene Kraft und ein« Zukunft, die aus dem Willen zum Kampfe wächst. Der Gegensatz fehlt nicht: umfangreicher Großbesitz an Nutzland und Forsten ist vorhanden. Die Grafen sind nicht eben dünn gesät in dieser Gegend. Wer soziale Gegensätze am krassen Beispiel begreisen will, der besuche Landarbeiter- Wohnungen. Das Motorrad des Landarbeitersekretärs knattert durch den späten Abend: erst um diese Zeit findet inan die Leute zu Hause. Wir betreten aus einem der gräslichen Dominien das Leute- haus: es ist ein ehemaliger Stall, dickwandiges Gewölbe. Die Fenster der Wohnungen sind klein und verschwinden fast zwischen den Wänden. In einer Wohnung ist der Putz von der Decke ge- fallen. Die Bretter der darüberliegenden Dielung werden bald nach- folgen. Der Ofen kann nur halb seinen Zweck erfüllen, weil nur auf dem offenen 5?crd einigermaßen Hitze zu erreichen ist. Den Wänden fehlt selbstverständlich jeder Anstrich, der sie auch nur einigermaßen freundlich machen könnte. Das Hausgerät? Drei nicht überzogene Betten für vier Men- fchen, alt« Kästen mit dumpfig riechender Strohfüllung, ein hölzerner Tisch, das Notwendigste an selten gereinigtem Geschirr. Wo soll Lust zur Ordnung und Pflege dieser Dinge herkommen, wo selbst der Trieb zur Sauberkeit, wenn die Arbeit nicht abreißt? Die f a st bstjährige Frau, die ihren Mann und zwei Söhne zu be- treuen hat, muß Tag für Tag noch mitarbeiten. Das Hos- gängerwesen besteht noch: schulentlassene Kinder müssen, so- fern sie bei den Eltern wohnen, aus dem gleiche Hofe mitarbeiten. Auch vor den Schulkindern macht der Großbesitz nicht halt. Wir sind gar nicht erstaunt, später zu hören, eine ganze Menge der Leute seien Analphabeten. Noch einige andere Wohnungen. Eine zeigt zwischen Fenster und Mauer handgroße Spalten, welche die Bewohnerin mit Lumpen ausgefüllt hat: den Ofen hat sich die Landarbeiterin mit Lehm selbst „gebrauchsfertig" zurechtgeschmiert. Eine dritte Wohnung hat Hoch- wasscr gehabt, ist dumpfig und schimmlig. Das bißchen Kram und die Gesundheit der Bewohner gehen zum Teufel: niemand gibt dem ohnedies schlecht ge st eilten Landarbeiter für diese Einbuße auch nur einen Pfennig. Der Fußboden ist nur teilweise gedielt. Das Loch kostet obendrein mo- natlich fünf Mark Miete. Und schließlich eine letzte Höhle— dumpf, zugig, ein wahres Grabgewölbe. Daneben liegt eine drcisenstrige trockene große Stube. die als Wohnung gut zu gebrauchen wäre. Aber da kampieren die herrschaftlichen Hühner. Weil die so viel wichtiger und wertvoller sind— Menschen legen nun einmal keine Nutzeier und Arbeitskraft ist jeden Tag zu ersetzen— mußte schon einmal eine polnische Landarbeiterin im Kuhstall nächtigen. Man oersteht mit einem Male den Ruf nach den unentbehrlichen polnischen Arbeits- kräften. Die ander« Seite ist die weit in den dunklen Hof leuchtende Peranda des Pächters, wohnlich und wohlig, voll bequemer Möbel. Auf dem Hofe ist uns der Gestiefelte begegnet und hat sich in forschem Tone erkundigt,„wer die Herren seien". Besuche bei Landarbeitern können aber zum Glück noch nicht verboten werden. Im übrigen soll der Herr auf die„v u m r u t a Verbände" („vom roten Verbände") alles andere als gut zu sprechen sein. In einem der Orte bemerkt der Lehrer Ungeziefer bei mehreren Kindern seiner Schule: er sondert die Kinder ganz unauffällig ab und gibt eine Mitteilung nach Hause, es möchte für die Säuberung gesorgt werden. Als Antwort kommt folgender Brief einer Dominialarbeiterin: „Geehrter Herr Lehrer, ich bin doch neugierig, warum die Kinder erst in die Schule gehen. Ich schicke sie wegen Rechnen, Schreiben und Lesen und was zur Schule gehört. Diesmal kommt Luise aus der Schule geweint wegen der Läusewirtschaft. Die Kinder mögen gar nicht mehr gern zur Schule gehen. Sind denn die Läuse dem Herrn Lehrer eine solche Ueberlast? Wir hoben nicht olle Tage Zeit, Toilette zu machen. Unsere Toilette ist die Düngergabel und Schaufel. Kommen die Kinder aus der Schule, sind wir in Arbe't und kommen im Finstern nach Hause. Die Kinder hoben auch Beschäftigung genug. Müßte der Herr Lehrer mit uns arbeiten, so würde er vor Müdig- keit keine Läuse sehen. Wir wollen nicht die Apotheke füttern: unser Geld ist genau(knapp)! Noch Läusefutter kaufen, das ist zuviel! Kommt das Mädchen nicht auf ihren Platz, so schicke ich sie erst nicht in die Schule: denn auf dem Platz haben sie nur Läusegedanken. Solch eine Wirtschast war noch nie. Ist denn kein anderer Rat, da ist am besten der Telch, da kommen So paradox es klingen mag, es gibt keine Kohlen- säureoergiftung. Eine Vergiftung setzt eine chemische Wirkung voraus und die Wirkung der Kohlensäure ist eine rein mechanische, wie etwa der elektrische Strom, oder der luftleere Raum. Um dies zu erklären, muß erst einmal gezeigt werden, was die Kohlensäure wirklich ist. Kohlensäure ist ebensowenig eine Säure, wie sie giftig ist. denn jeden Tag genießen wir von ihr in Form von Mineralwässern und Selter, ohne darunter zu leiden, jeden Tag atmen wir mit unseren Lungen beträchtliche Mengen dieser imaginären Säure aus, die keine ist. Kohlensäure ist das Endprodukt eines V e r b r e n n u n g s- Prozesses, bei dem 1 Atom Kohlenstoff— organische Substanz durch 2 Atome Sauerstoff restlos verbrannt wird. Sie ist also ein Kohlendioxyd und würde erst durch Hinzutraten von Wasserstosf zu einer Säure. Von dieser nichtexistierenden Säure sind wohl die Salze bekannt, die Karbonate(Soda, Potasche usw.), die Bikar- bonate usw. Sie liefern mit Säuren zusammengebracht, wiederum die„Kohlensäure", z. B. in der Form des Brausepulvers. Kohlensäure ist für den menschlichen Körper in Heineren Mengen ein mechanisches, somit physikalisches, aber kein chemisches Stimulans, da sie keinerlei chemische Veränderungen herbeizusllhren vermag. Sie ist also vollkommen ungiftig und kann in großen Mengen den Magendarmkanal passieren. Anders aber mit den A t m u n g s o r g a n e n. Im Körper wird die Kohlensäure als Endprodutt der Verbrennungsvorgänge beim Ausatmen ausgeschieden, es ist dies der Anteil, den man als verbrauchte Lust bezeichnet, ein Gemisch aus wenig Sauerstoff, viel Stickstoff und Kohlensäure. Deshalb entstehen in ungelüsteten Räumen, wo viele Menschen sind, Beklemmungs- erscheinungen und Atemnot. Kohlensäure ist ein nicht atembar«» Gas. Sie steht somit auf gleicher Stuse mit dem Stickstoss, der ohne Sauerstossbeimengung nicht atcmbar ist, im Gemenge aber die Luft darstellt..Ebenso ober auch mit dem luftverdünnten oder luftleeren Raum. Der?lufenthalt in nicht atembaren Gasen führt aber nicht zur Vergiftung, sondern zur Er st ick», ig. Erstickung ist Unterbindung der Sauerstoffzufuhr, somit keine chemische Abriegelung der Lebensoorgänge, wie sie für eine Ver- gistung typisch ist, sondern eine rein mechanische BeHemmung. Dies zu wissen und zu verstehen, ist von sehr großer Bedeutung für die erste Hilfeleistung. Bei Unterbindung der Sauerstoffzufuhr werden die Lebens- Prozesse im animalischen Körper rasch eingestellt. Dabei ist es voll- kommen gleichgültig, ob dies durch Zuschnürung des Halses oder durch Einführung eines sauerstofflosen Gases erfolgt. Eines der häusigsten derartigen Gas« aber ist die„Kohlensäure". Sie ist bedeutend schwerer als die normale Lust, sammelt sich somit in einem geschlossenen Räume unten am Bode» als„Satz" an(Hundsgrotte aus Capri). Sie mengt sich also nur wenig mit Luft, sondern sinkt in derselben zu Boden(Todestal auf Java). Alles nun, was mit seinem Atmungsorgan nicht über die ge- gebene Schicht hinausragt, muß ersticken: ist die Konzentration groß, und das ist sie immer, wo eine hohe Schicht steht, so tritt der Tod scheinbar plötzlich durch Umfallen ein. Nach den ersten Schauer- berichten über das Aussehen der Opfer jener Katastrophe von Neurode, die vor ungefähr einem Jahre stattfand, lautsten dieicnizen über das Aussehen der bestatteten Leichen wesentlich anders:„Die Gesichter sind seltsam lebendig. Es scheinen nicht Tote zu sein, die da liegen, nur Schlafende". Und diese Erscheinung hängt aufs engste mit der Art der E r st i ck u n g zusammen, der eine Art Narkose mit vorgängigem Bewußtseinsverlust vorausgeht. Der Tod ist somit ein relativ milder Tod, wenn sich die Katastrophe so ereignet, wie dies auch bei dem Unglück in Neurode der Fall war. Dies ist jedoch die einzige Beruhigung, zu wlsien, daß sie nicht gelitten haben. Und diesen Trost kann man mit Bestimmtheit geben. In dem Momente, wo der Einbruch eines Kohlensäureftromes in einen Schacht oder Stollen erfolgt und die konzentrierte, schwere Luftmasse einströmt, treibt sie augenblicklich die otembare Luft an die Kinder samt den Läusen von der Welt und der Lehrer darf nicht Kummer um die Bant haben..." Ein grelles Schlaglicht auf die Londarbeiternot: die wichtigsten Dinge unseres Kulturlebens sind für den deutschen Landarbeiter Luxus. Dicht daneben gehen Tag für Tag gute Deutsche, denen es trotz vieler Klagen und mancher Sorgen an nichts fehlt: sie dulden diese Unterdrückung des Menschentums und bauen auf ihrem Er- gebnis neue Lehren vom Herrenmenschentum und einer bevorzugten Rasse. Trotz aller drückenden Not aber fehlt ein Lichtblick nicht. Einer der Funktionäre des Landarbeiterverbandes, den wir besuchen, kramt in seinen Papieren und hält den gedruckten Tarif- vertrag für Landarbeiter in der Hand. In diesem Schriftstück liegt unendlicher Wandel der letzten Jahre. Wir wären schon viel weiter, wenn nicht— um mit Lassalle zu reden— die verfluchte Bedürfnislosigkeit vieler Menschen und ihr mangelndes Verständnis für den Wert der Organisation immer wieder Hindernisse auf dem Wege zur Höhe wären. Buckoik Zimmer. die Decke und in den Schächten hoch und sackt selber zu Boden. Jeder darin Befindliche wird augenblicklich narkotisiert und verliert damit Flucht- und Orientierungsmöglichkeit. Zwei, drei Atemzüge, und die Narkose ist vollkommen. Diese Narkose> st noch nicht der Tod. Sie geht aber langsam in den Tod über, wenn aus dieser Phase, die man latentes Leben, latenten Tod nennen kann, keine Rettung erfolgt. Es ist hier nicht der Ort, mich darüber zu äußern, ob man in den heimgesuchten Schächten nicht durch Anbringung besonderer Vor- richtungcn die Todesopfer vermeiden könnte, sondern wir sollen uns hier daran erinnern, daß es oberirdische Möglich- leiten gibt, die uns betreffen können, Schächte, Gärkeller(sch'm ein Keller, in dem einige Faß Wein gären), können eine ähnliche Katastrophe im kleinen bedingen. Und hier müssen wir wissen, daß der anscheinend Tote nicht tot ist, sondern daß er sich unter Umständen stundenlang in einem Uebergangsstadium zwischen Leben und Tod befindet und gerettet werden kann, daß er nach einer Stunde vielleicht wieder gesund unter uns sitzen wird, wenn wir uns richtig verhalten.» Mit den modernen Sauerstoffapparaten und Gasmasken kann man ohne Gefahr für den Retter den Gefallenen herausholen, ohne diese jedoch nur, wenn man an einem Seil von vorsichtigen Dritten oben gchalten wird, die einen beim Umfallen sofort hochziehen. Liegt der Verunglückte oben und besitzt er noch eine 30 Grad Celsius übersteigende Körperwärme, dann muß mit aller Energie das Leben wieder in Gang gesetzt werden. In allererster Linie, und dies hat man bis jetzt vergessen oder übersehen, muß die Körper- temperatur durch heiße Decken und Tücher von außen wieder annähernd aus 37/38 Grad gebracht werden und zugleich mit der künstlichen Atmung begonnen werden... auch wenn kein Sauerstosfapparot zur Stelle ist. Denn die erste Phase der Rettung besteht in der Erhaltung der Körperwärme und dem Beginn der künstlichen Atmung. So ist es theoretisch möglich, den anscheinend Toten nach Stunden wieder zum Leben zu bringen, denn außer der Erstickung hat er in seinem Stoffwechsel ja nicht, wie bei einer richtigen Vergiftung, Schaden erlitten. Dann aber muß der Arzt und die heute darauf speziell ein- geübte Feuerwehr gerufen werden, ohne daß inan einen Moment long die künstliche Atmung ausgeben darf. Die Verhältnisse liegen ungleich günstiger wie bei Ertrunkenen, da die Luftröhre voll- kommen offen und frei ist. Die Lungen sind ja sowieso unser Aus- scheidungsorgan für die Kohlensäure. Kommen nun Arzt, Sauerstossapparat und Feuerwehr, so kann mit Energie und zweckstrebiger Arbeit Atmung und Herztätigkeit wieder in Gong gesetzt werden. Der Arzt wird sich insbesondere mit der Wießerinsunktionssetzung der Herztätigkeit befassen und da es sich um einen„Toten" handelt, vor direkten Einspritzungen ins Herz mit Lobelin und Kampfer keineswegs zurückschrecken und diese durch eine zweckmäßige Herzmassage unterstützen, welche im Notsalle auch Kenner der ersten Hilfe anwenden sollen. Ueberraschenderweise tritt bei dieser Behandlung oft nach längerer Zeit wieder vollkommene Infunktionssetzung ein und der Verunglückte erholt sich unglaublich rasch, ohne, wie dies im Gegensatz dazu bei der Kohlenoxydtarxaretüe kalkenielä. eBuch Tom Thealerprolelarial Bersin nennt sich die erste Theaterstadt der Welt. Nun gut, wir wollen nicht darüber streiten. Aber eines steht doch fest: Wer immer in Paris die Theater, die großen und die kleinen, besucht hat, nimmt als besonders starken Eindruck die Leidenschaft, Exakt- heit, Hingabc mit, die er bei allen Mitwirkenden, selbst vom Par- terre aus beobachten konnte. Es ist zum Beispiel ganz erstaunlich, mit welcher unbekümmerten Energie das ganz« Personal eine Revue arbeitet. Auch beim Gastspiel der Mistinguet in Berlin war, ob- gesehen von allem Künstlerischen, die Lust, mit der alle arbeiteten, ein Phänomen für sich. Man spürte, daß die Maschine nicht nur ging, sondern daß es ihr geradezu Freude machte, zu gehen. Diese Lust an der Arbeit, die unverdrossene Freude an der Bühne, diese begeisterte Einordnung des kleinsten und geringsten Mitwirkenden in den Gesamtrhythmus— das ist das eigentliche Thema der 22 Novellen uns Skizzen, die die geistvolle C o I e t t e zu einem Novellenbuch„Komödianten" vereinigt hat.(Verlag Karl Zsolnay, Wien.) Der Untertitel dieses Buches heißt Meine Gefährten und ich, und so teilt uns Colette durch diesen Zusatz mit, daß ihre Novellen und Skizzen aus der Welt des Theaters nicht am Schreibtisch entstanden sind, sondern in ihren eigenen Wanderjahren bei Bühne, Variete und Revue. In vielen Jahren der Tourneen hat sich in Colettes geistvolles und gütiges Aug« eine Welt von Bühnenlichtern gespiegelt, deren Reflex nun dieses Buch ist, be- zaubernd leicht und geistvoll geschrieben, wie nur sie es kann. Denn ihre Besonderheit ist es ja, wie nebenbei, scheinbar ganz kunstlos, ein Erlebnis zu erzählen, raffiniert den Stoff ordnend, und doch so natürlich in der Wiedergabe, als ob ein guter Gesellschafter einem kleinen Kreis von Freunden etwas erzählt. Eine der Skizzen dieses Bandes heißt Die Arbeiterin— aber Arbeiter oder Arbeiterinnen könnte jede dieser Novellen, könnte das ganze Buch heißen. Diese Künstler, die kleinen und die großen, die Anfänger, die sich mit Neugier und gieriger Entflammung in das Bühnenleben stürzen, die alten Komödianten, die von Tournee zu Tournee ihre Engagements suche», die Revuetänzer, die Girls, die Trapezvirtuosen und Equilibristen, und dann der ganze Troß der Mitarbeiter, die Garderobieren, die Thcatcrarbeiter, die kleine Frau an der Kasse, die 2 Jahr« die Bons ausgibt und die ScUüssel zu den Garderoben, ja selbst die Hunde, die in einem Varieteakt mitwirken, sie alle hat Colette beobachtet, beschrieben und ein ganzes Schicksal enthüllt, in dem sie nichts tut, als einmal einen Menschen auf der Treppe zu belauschen, einmal bei der Unterrichtsstunde. einmal im Eisenbahnwaggon und einmal bei der Arbeit. Wie Daumier sagte,„Zeigen Sie mir das Ohr eines Menschen, und ich werde ihnen den ganzen Menschen aufzeichnen", so zeichnet auch die Dichterin einen ganzen Menschen, indem sie ihn in einem schönen Augenblick zeigt. Das Reizendste an diesen Erzählungen ist aber der Hauch der Schönheit, der aus der selbstlosen und unverdrossenen Arbeit dessen, was man früher„Künstlervölkchen" nannte, hervor- geht. Colette verklärt nichts. Sie zeigt Mühsal, Entbehrungen, Lebensgefahr, Liebe und Eifersucht, Wochenbett und Prostitution, und doch ist diese Welt romantisch schön, weil alle ihre Arbeit so lieben, daß sie durch die Liebe, mit der sie das Marlyriium der Kunst tragen, glücklich, ja beneidenswert erscheinen. Ein ganz an- spruchsloses Buch, diese„Komödianten" der Colette, aber, richtig gelesen, enthüllt es eine Welt und das Geheimnis begeisterter Arbeit, das man so bald nicht vergessen wird. belix Stössinger. WAS DER TAG BRINGT MinuiinmiimiiinimniimiiiiiinmiiinniiinniimnmminmniuuiniiimiiimiitinmiiiimimniiimiiiiiiininiiiimiMiiiiinmniini.'inimmtminmniMiiniiiiiiiiiiiiiniiiiiiimiiD ERZÄHLT VON YORICK Zwei Outachten Da gab es im Rheinland einen Alimentenprozeß. Der Beklagte bestritt, der Vater zu sein. Er ging so weit, zu behaupten, daß die Klägerin das Kind aus gewinnsüchtigen Motiven untergeschoben habe, und daß sie überhaupt noch Jungfrau sei. Zwei ärztliche Kapazitäten wurde», bemüht. Einmal der Ge- richtsarzt, zum anderen ein berühmter Berliner Gynäkologe. Der Gerichtsarzt erklärte wörtlich:„Die Angeklagte ist«ine typische Jungfrau und niemals Mutter gewesen." Der große Gynäkologe erklärte ebenso wörtlich:„Ich habe einen eindeutigen Beweis für eine stattgehabte Geburt festgestellt." Das Verfahren über die Widerklage des Mannes wegen Kindes- Unterschiebung wurde eingestellt. Mit Recht. Denn, nicht wahr, wenn es nicht mal die Aerzte wissen.... Rationalisierung In Westdeutschland gab es eine Fohrradfirma. Der Vater des Inhabers hatte das Geschäft durch zähen Fleiß hochgebracht. Klein hatte man angefangen: jetzt beschäftigte man dreihundert Arbeiter. Immerhin. Eines Tages aber rief der junge Chef, übrigens als persönlich wohlmeinend bei seinen Arbeitern bekannt, den Betriebsrat zu sich und legte folgendes dar: Man habe bisher den Preis des Rohfahrrades auf zwölf bis lS Mark für das Stück kalkuliert. Dieser Preis ergebe sich, wenn man rechne, daß in einer bestimmten Arbeitszeit die dreihundert Arbeiter hundert Fahrräder herstellen. Nun ergebe sich aber, daß bei Einführung des laufenden Bandes in der gleichen Zeitspanne von nur hundert Arbeitern tausend Fahrräder hergestellt werden könnten, und daß sich dann der Preis für das Einzelfahrrad nur auf fünf Mark stelle. Aus diesein, rein rechnerischen Grunde habe er sich entschlossen, das laufende Bond einzuführen. Und der junge Ehef schloß an diese Darlegung die Mitteilung, daß er zweihundert Arbeiter entlassen müsse. „Entlassung infolg« der Rationalisierung"— es war nichts da- gegen zu machen: das alte Lied.... Die maschinelle Anlage für Fließarbeit wurde gebaut. Die neue Produktion begann. Alles klappte, genau noch Errechnung. Wäh- rend die zweihundert Entlassenen stempeln gingen, wurden Tausende von Fahrräder») hergestellt, deren Rohpreis sich auf fünf Mark stellte. Der junge Chef schien rechtbehalten zu haben. Außerhalb der Fabrik gab es aber nicht nur die zweihundert, gab es Millionen Arbeitslose, gab es eine Wirtschaftskrise. Daran, nur daran»nag es wohl gelegen haben, wenn. man nicht ein Nach- lassen der Qualität annehmen will— daß sich für die neunhundert »nehr produzierten Fahrräder keine Abnehmer fanden. Weil weiter nur hundert Stück verkaufbar waren, die Maschine aber unterhalten werden mußte, stieg, trotz geringerer Lohnausgaben, der Einzelher- stellungspreis pro Fahrrad auf achtzig Mark. Um mit Georg Hermann zu reden: es kam, wie es kommen niußte. Die Firma konnte im Konkurrenzkampf nicht bestehen, ging in Konkurs, mußte verkauft werden. Der Käufer ober sah sich gezwungen, um die Firma weiter- führen zu können, die Maschinenanlage für das laufende Band ab- zureißen und die alte Produktionsweise wieder einzuführen. Die entlassenen zweihundert wurden wieder eingestellt, und dos Unter- nehmen florierte wieder. Denn es gibt in der Wirtschaft wie in der Medizin kein All- Heilmittel, das für jede Krankheit paßt: und es gibt, vielleicht leider, sowohl in der Wirtschaft wie in der Medizin nicht nur Notwendig- ketten und Fortschritte, sondern auch— Moden! Etienne hält Wort Etienne ist der elfjährige Sohn einer Frau Marie Gase, wohn- hast in einem Städtchen des französischen Departements Haute- Garonne. Ihr Mann starb im allerletzten Monat des großen Krieges, kurz nach seinem Urlaub: er hinterließ ihr nichts als den Knaben Etienne, der acht Monitte nach des Vaters Tode geboren wurde, und die Rente als Kriegerwitwe: eine Rente, die mehr als kümmerlich»var. Außerdem blieb der Frau aus dem Kriege ein schweres Lungenleiden. Mutter und Sohn lebten mühsam genug dahin, gern gemieden von den übrigen Bewohnern des Hauses: Armut lockt niemanden zu sich. Frau Gase wurde schließlich bettlägerig, so daß ihr Polizei- beamte die Zahlungsanweisungen für ihre Rente ins Haus bringen niußten. Die letzte derartige Anweisung wurde ihr am 23. Februar dieses Jahres überbracht. Bon diesem Tage an hat niemand mehr Frau Gase zu Gesicht bekommen— außer ihrem Sohn Etienne und einem großen Schäferhund, von dem das Kind trotz allen Hungers untrennbar war. Es fiel zwar auf, daß der Junge immer verlumpter, immer blasser, immer knochiger aussah. Doch oermochte das niemanden zu beivegen, sich um ihn und um seine Mutter zu kümmern. Erst als er immer»nehr verwilderte, die Schule zu schwänzen begann und endlich überhaupt nicht mehr zum Unterricht erschien— erst da griff die Menschheit ein, natürlich auf dem obligaten Umweg über die Behörde. Es wurde nämlich beantragt, das Kind in Fürsorge- erziehung zu geben. Dazu benötigte man die Genehmigung der Mutter: und so und nur so kam es. daß ein Beamter bei Frau Gase erschien. Vor der Wohnungstür faß, den Schäferhund, der verhungert aussah wie sein Herr, neben sich, das Kind Etienne. „Wo ist deine Mutter?" fragte der Beamte. „Ausgegangen!" sagte Etienne. Behörden aber geben sich nicht so schnell zufrieden wie Private; und überdies fiel eine Hast, eine Angst in Etiennes Wort dem Be- omten auf. Er wollte sich selbst überzeugen, er lieh sich durch Etienne und selbst durch den Schäferhund nicht einschüchtern: ehe er aber noch in die Wohnung eintreten tonnte, rief Etienne: „Gehen Sie nicht da hineinif Mutter ist tot!"— Es war so. Frau Gase war tot— seit drei Monaten. Als sie starb, im Fieber lag, die Agonie schon da war. hatte sie, wohl aus irgendeiner Vision heraus, dem Kinde zugeflüstert:„Lebe wohl, Sage nichts." Vielleicht hatte sie ihm die Rente erhalten wollen— der Junge hörte nur das„Sage nichts". Er sagte nichts. Er hielt Wort. Er lebte drei Monate lang neben dem toten Leib seiner Mutter. Das Grauen der Verwesung hotte nicht vermocht, ihn zum Wortbruch zu treiben.... Montag 15. Juni 1931 Nr. 274 48. Jahrgang 50 Jahre Autotypie Das Jubiläum der Bilddruckkunst Fünfzig Jahre sind vergangen, seit es dem ZNünchener Georg M e i s e n b a ch 1881 zum ersten Male gelang, Rildcr ans Metallplallen zu übertrogen und damit zu drucken. Die Aulo- t y p i c. mit der man sich allerdings vorher schon in England und Frankreich beschäftigt hatte, gelangte dann für die Bildvervietsältigung zu ungeahnter Bedeutung. Ohne dieses Berfohren, das die Reproduktion photographischer und anderer bildlicher Borlage» mit großer Schnelligkeit und Genauigkeit gestattet, sind unsere Heuligen Zeitungen und Zeilschriften kaum denkbar. Betrachtet man einmal eine Abbildung in einer Zeitschrist oder Zeitung mit der Lupe, so entdeckt man, daß die scheinbar geschlossenen Bildslächen sich in lauter einzelne schwarze und weiße Punkte aus- losen. An den hellen Bildstellen stehen dünne schwarze Punkte auf weißem Grunde weit auseinander, während, je dunkler der Farbton wird, die schwarzen Punkte dicker werden und bis zur gegenseitigen Berührung zusammenrücken. Dem unbewaffneten Auge erscheinen auf diese Weise alle Farbtöne zwischen hell und dunkel und man erhält den Eindruck einer Originalphotographie. Diese Umwandlung der tichtabstusungen einer Vorlage in einzelne Lildpuakte ist da» Wesen der genialen Erfindung Meisenbachs. Sie wird durch einen sogenannten R a st e r bewirkt. Er besteht aus zwei zusammengekitteten Spiegelglasplatten mit je einer Anzahl feiner paralleler Querlinien, die eingraviert und geschwärzt werden und sich nach Zusammensügen der Glasplatten im rechten Winkel kreuzen. Es entsteht so ein Liniennelz, das bei der photographischen Ausnahme der Borlage, die entweder selbst eine Photographie, eine Strichzeichnung oder ein Gemälde sein kann, dicht vor die licht- empfindliche Glosplatte gebracht wird. Die von dem mit elektrischen Bogenlampen hell beleuchteten Original zurückgeworfenen und durch das Objektiv in die Kamera dringenden Lichtstrahlen werden in- folgedessen gezwungen, erst die winzigen, durchsichtigen Oessnungen des Rasters zu passieren, ehe sie auf die lichtempfindliche Platte treffen. Nun ist es allgemein bekannt, daß helle Farben mehr Licht- strahlen zurückwerfen als dunkle. Bon den hellsten Stellen des Originals fallen also die meisten Lichtstrahlen durch den Raster auf die Platte und wirken auf ste so stark ein, daß sie die kleinen Raster- öffnungen überstrahlen. Es bilden sich hierdurch im Negativ, nämlich der Platte, die eng zusammenstehenden schwarzen Punkte mit dazwischen befindlichen, feinen weißen Punkten, die später im Klischee als dünne schwarze Punkte auf weißem Grund« erscheinen. Umgekehrt ist es bei den dunklen Stellen des Originals, die viel« der von den Lampen kommenden Lichtstrahlen verschlucken und nur wenige durch den Raster auf die Platte zurückwerfen, was im Negativ in der Dunkelkammer entwickelt, verstärkt, fixiert und geschwärzt, um e» nach vollständiger Trocknung unmittelbar auf eine welall- platte zu kopieren. Diesem Zweck dienen sorgfältig blankpolierte Zink- oder Kupferplatten von etwa IL bis 2 Millimeter Stärke, aus die eine lichtempfindliche Bichromatschicht aufgetragen wird. Ist die Belichtung der unter dem Negativ befindlichen Metallplatte beendet, so wird sie in einer Lösung(meist Methylviolett) entwickelt, wobei die vom Licht ge- troffenen Stellen nicht verändert, die Schicht an den übrigen Stellen jedoch gelöst wird und so eine Angriffsfläche für die beim folgenden Aetzprozeß angewendete Säure bietet. Nach leichtem Anfärben der festgebliebencn Stellen und Einbrennen der Platte über dem Gasrost ist die Schicht nunmehr säurefest und die Platte ätzfertig. Der jetzt folgende Aehvorgang erfordert viel Verständnis und Fachkenntnis des Aehers. Da das Bild aus der Platte aus vielen, mehr oder weniger seinen Punkten besteht, die sehr leicht verletzlich sind, so kann durch zu langes Aetzen, wobei ja die Zwischenräume zwischen den Punkten immer größer und diese selbst immer kleiner werden, alles verdorben werden. Die Platte kommt zunächst zum Anätzen das erstemal in das Bad, das für Kupferplatten Eiscnchlorid, für Zintplatten Salpetersäure enthält. An Hand eines hiernach gemachten Abdruckes und durch steten Vergleich mit dem Original werden vom Aetzer diejenigen Stellen, die nicht weiter aufgeätzt werden dürfen, mit Asphaltlösung abgedeckt, bis nach mehrmaligem Aetzen der Prozeß beendet ist, wenn die Farbtonwerte als mit dem Original über- einstimmend erscheinen. Da die Säure nicht nur, wie es gewünscht wird, in die Tiefe wirkt, sondern auch die seinen Pünktchen von der Seite her angreift, so wird ein Einstäuben der Platte mit aller- feinstem Asphaltstaub vor jedesmaligem Aetzen vorgenommen, was beim Erhitzen in Verbindung mit der aufgewalzten Farbe die Bildung einer säurefesten Schutzschicht zur Folge hat, die sich auch seitlich um die Punkte schmiegt und so deren Unterfressung verhindert. Nach dem Bcstoßen der Platte und der Befestigung auf einem Holz- oder Eisenuntersatz ist die Autotypie fertig zum Druck. Für die Wahl des verschieden weiten und engen Rasters mit im allgcineinen 24 bis 80 Linien auf l Zentimeter ist die Art des Papiers, auf das später gedruckt werden soll, maßgebend. Rauhes Papier ersorderl einen weiten Rasier, da es die Farbe stärker als glattes Papier aussaugt. Daher kommen Photographien auf grobem Zeitungspapier nicht so scharf heraus, als auf glattem Zeitschriftenpapier. Zur Herstellung einer farbigen Autotypie ist als Vor- löge ein buntes Original notwendig, von dem beim Dreifarbendruck nacheinander drei Ausnahmen für die gelbe, rote und blaue Platte unter Zwischenschaltung geeigneter Filter gemacht werden. Durch Uebereinanderdrucken der drei Aetzungen mit Normalfarbcn wird ein Abzug gewonnen, an Hand dessen sowie des Orginals das Abdecken der einzelnen Teilplatien erfolgt. Da durch Mischen der drei Grund- färben gelb, rot und blau doch nicht all« Zwtschentöne zu erzielen sind, so benutzt die Vierfarbenautotypie das neutrale Schwarz als Ergänzung, das große Tiefen herzustellen ermöglicht. Die Vierfarbcnautotypie läßt sich leichter verdrucken, da kleine Un- stimmigkeiten in der Farbgebung weniger als bei der Dreifarben- autotypie stören. Itleine Technik Ein neuer Zeitschalter. Bei den Zeitschaltern für Treppenhaus- beleuchtung zeigt eine grundsätzlich neue Bauart ein aus der dies- jährigen Leipziger Messe zum ersten Male der Oeffentlichkeit vor- geführter Druckknopszeitschalter, der auf deni pneumatischen Prinzip beruht. Die Verzögerung des automatischen Ausschalten» wird in verblüffend einfacher Weise dadurch bewirkt, daß der von' Hand betätigte Druckknopf einen Gummiball im Schalter zusammen- drückt. Der Gummi des Balls hat das Bestreben, in seine Ursprungs- form zurückzukehren und saugt die vorher herausgedrückte Luft an. Ein Ventil gestattet, die Zeit des Zurückströmens der Luft zu regeln. Während der Ausdehnung des Gummibehälters wird ein Kippschalter betättgt, mit dessen Hilfe nach Ablauf der eingestellten Zeit der Strom unterbrochell wird. Durch eine Ventilschraube kann eine bestimmte Schaltzeit, z. B. 3,6 oder ll> Minuten, eingestellt werden. Ceuchfpifzc zum Strumpfstopfen. Die Elektrotechnik, die sich einen Haushaltungsgegenstand nach dem anderen erobert, hat nunmehr auch den alten guten Stopfpilz elektrifiziert. Der modernisierte Stopfpilz, der das Reparieren feiner Gewebe ganz beträchtlich er- leichtert, hat einen Kopf aus mattiertem Glase, unter dem sich eine kleine Glühlampe verbirgt und wird durch eine Litzenschnur mit der nächsten Steckdose verbunden. Ein Zwischentransformator im Griff verringert die normale Hausleitungsspannung auf 8 Volt; der Stromverbrauch ist kaum merklich. verstärkte» technisches Interesse. In seinem Verwaltungsbericht über das letzte Geschäftsjahr des Deutschen Museum» in München berichtet Oskar von Miller, daß im letzten Jahre im Deutschen Museum 671 708 Besucher, b. H. 50 000 mehr als im Vor- jähre gezählt worden seien. Die durchschnittliche Besucherzahl belief sich also auf 1840-, dies« Zahl wurde jedoch zuweilen bei weitem überttoffen, so besonders am 15. August 1930, wo nicht weniger als 8650 Personen das Museum besichtigten. 2814 Vereinigungen, Schulen usw. besuchten das Museum gruppenweise: darunter be- fanden sich zahlreiche Gruppen aus dem Ausland«, zum Teil sogar aus Uebersee. Durch die Reisestiftung des Museums wurde 371 Stipendiaten aus allen Teilen des Deutschen Reiches die Reis« nach München und das Studium des Deutschen Museums ermöglicht. Diese Zahlen beweisen da» starke und noch immer zunehmende Be- dürfnis weitester Kreise nach technischer und naturwistenschaftlicher Belehrung. Do» Grammophon im Kodak. Ilm dem Notschrei nach einein möglichst leichten und handlichen Koffergrammophon zu befriedigen, ist jetzt ein Sprechapparat in Form einer Rollsilmkomcra aus den Markt gekommen, der nur 1,75 Kilogramm wiegt. Das Gehäuse des neuen Grammophons, dos von außen einer Kamera täuschend ihn- lich ist, ist aus lederbezogenem Stahl und kann daher einen ge- hörigen Stoß vertragen: zum Gebrauch wird der Deckel abgenommen, und der innenliegende Tonarm aus den Trichter gesteckt. Die Platte wird durch eine Schraube auf dem Plattenteller festgehalten, mit der auch der Deckel des Apparats verschlossen wird. Trotz ihrer Klein- heit spielt die Maschine alle Plattengrößcn durch. Und nun ade Waldesstille und Meeresruhl Flugzeugrad aus Elektron Als Graf Zeppelin, der Erbauer der nach ihm benannten Luft- schiffe, erstmalig in der Geschichte der Technik das Leichtmetall in größerem Ausmaße zum Bau seines Luftschisfes verwendete, ahnt« wohl niemand die beispiellose Entwicklung, die dieser neuzeitliche Baustoff nehmen würde. Seither hat sich da» Leichtmetall als Bau- stoff die verschiedenartigsten Gebiete der Technik erobert. Erinnert sei an die Propeilerschnellbahn von Kruckenberg— Hannover, sowie an den vielumstrittenen Panzerkreuzer A, bei dem ebenso wie beim Schienenzeppelin Leichtmetall in ganz bedeutenden Mengen ver- wendet wurde. Daß die Leichtmetallbauweise im Flugzeugbau aller Länder immer größere Verbreitung findet, dürste ebenso wie die Verwen- dung dieses neuzeitlichen Baustoffes beim Straßenbahn- und Eisen- bahnwagenbau bekannt sein. Auch gibt es beinahe keinen Gegen- stand des täglichen Lebens, der nicht ebenfalls in Leichtmetall zu haben ist. Bisher war man allerdings der Meinung, daß diesem Baustosf übermäßige Beanspruchungen nicht zugetraut werden dürften. Durch besondere Veredelungsoerfahren, die ständig weiter ausgebildet werden, ist es jedoch der Wissenschast gelungen, diesem Werkstoff die Festigkeitswerte zu verleihen, die ihn auch zu anderen bisher nicht in Frage kommenden Verwendungszwecken benutzbar erscheinen lassen. Als neuester Leichtmetallbaustosf findet seit einiger Zeit das Elektron in erhöhtem Maße Verwendung. Elektron ist eine Magnesiumlegierung von 1,75 bis 2,0 spezifischem Gewicht, äußerst zäh und hart und besonders politurfähig. Es hat langer wissen- schaftlicher Forschungsarbeit bedurft, ehe die Technik soweit war, daß man aus diesem neuen Leichtmetall erstmalig Vollräder sür die größten und schwer st en Verkehrsflugzeuge drehen tonnte Das abgebildete Rad ist für das größte Ganzmetall- landslugzeug der Welt, die Junters J. 38 bestimmt, und läßt die Bearbeitung diess neuen Metalls erkennen. Es hat einen Durch- messer von 83 Zentimeter, mit dem Pneumatik von über IV- Meter. Die Benzintanks von Motorrädern, Kleinautos und Flugzeugen werden in steigendem Maße ebenfalls aus Elektron hergestellt. Trotz- dem rastet die Forschung nicht, das neueste Leichtmetall, das Beryllium, ist schon auf dem Marsche, es wiegt bei gleichen Festig- keitswerten nur etwa ein Drittel des Elektron, ist aber vorläufig noch zu teuer, um praktische Verwendung finden zu können. Neues vom Funk Wie wir erfahren, wird auch in diesem Jahre den Ausstellern für die 8. Groß« Deutsche Funkausstellung Gelegenheit gegeben werden, Neukonstruktionen von Störschutzmitteln aller Art sowie auch von Maschinen und Geräten, die von vornherein mit Schutzeinrichtungen gegen Störungen des Rundfunkempfangs ausgerüstet sind, zur Schau stellen. Die Industrie zeigt hierfür bereit» ein starke» Interesse. Es befindet sich schon eine ganze Anzahl von Geräten mit gutem Störschutz auf dem Markt, an denen man feststellen kann, daß die Entstörung der Geräte in den meisten Fällen mit einfachen Mitteln und geringen Kosten erreichbar ist. Die diesjährige 8. Große Deutsche Funkausstellung wird voraussichtlich ein gutes Bild über zeitgemäße, den Rundfunkempfang nicht mehr störende elektrische Geräte für Haushalt und Gewerbe geben. Es wäre zu begrüßen, wenn recht zahlreiche Anmeldungen derartiger Geräte eingehen wür- den. Die Ausstellungsleitung für die 8. Große Deutsche Funkaus- stellung(Berlin-Eharlottenburg 9, Königin-Elisabcch-Strahe, Hau» der Funkindustrie) nimmt Anmeldungen von Maschinen und Ge- räten mit Schutz gegen Rundfunkstörungen entgegen. * „Eine Viertelstunde Funktechnik.- Di«„Deutsche Welle" hat seit kurzem in ihrem Programm eine Veranstaltung„Viertelstunde Funk- technik" aufgenommen, in derem Rahmen allgemein interessierende, von Hörern gestellt« Fragen über Einrichtung und Betrieb von Empfangsanlagen besprochen werden. Ueber Fragen, die sich nicht zur Beantwortung durch den Sender eignen, wird schriftlich Aus- tunft gegeben, sofern ein freigemachter und mit Anschrift versehener Umschlag miteingesandt wird. Alle Briese sind an die„Deutsche Welle G. m. b. H.", Berlin-Charlottenburg 9, Masureuallee, zu richten. Der Briefumschlag muh das Kennwort„Viertelstunde Funk- technik- tragen. Rundfunk und Elektrizitätswerke in Dänemark. In Dänemark haben sich die Elektrizitätswerke in ihrer weitaus überwiegenden Mehrzahl entgegenkommenderweise bereit gefunden, Sckiutzdestim- mungen zugunsten ihrer Kunden, die Rundfunkhörer sind, zu erlassen. Ein der Reichs-Rundfunk-Gefellschast zugegangener Bericht umfaßt 81 dänische Städte mit 71 Elektrizitätswerken: von diesen haben 16 Werke unaufgefordert und völlig aus eigenem Entschtuß Matz- regeln zum Schutze des Rundfunkempfanges getroffen, weitere 29 Etektrizitätswerke haben ihre Sttomabnehmsrbedingungen im Sinn« des Rundfunkschutzes ergänzt oder vollkommen neue Bs- dingungen erlassen. In den übrigen Fällen schweben noch VerHand- lungen: nur verschwindend wenige Werke haben sich aus besonderem Anlaß ablehnend verhalten. vom Rundfunk de» Ausland««. Ab 1. Juni d. I. arbeitet der frangöfifche Sender Radio- Normandie aus Welle 219,9 Meter. — Der italienische Sender Palermo, dem die Gemeinschaftswelle 453,2 Meter zugeteilt ist, ist am 7. Juni 1931 eröffnet worden.— Der Sender A u ck l a n d hat einen besonderen Schulunterricht für Landschulen«ingeführt, der auf Kurzwellen gesendet wird.— Aus Polen wird berichtet, daß der Sender Warschau II auf kurzen Wellen betrieben werden wird, sobald der neue Warschauer Groß- sender eröffnet ist.— Der Bau de» 22-I nutzt, ebenfalls davon Nachricht gegeben wird, damit die Zuschauer vom Ausfallen des Spiels in Kenntnis gesetzt werden können. Eintracht-Reinickendorf hatte das am Sonnabend alles „vergessen"! N o r m a n n i a hatte sich den Bundesneuling A S V.- S ü d- osten verpflichtet. Wenn Normannia geglaubt hat, bei einem Spaziergang den Sieg zu finden, so hatten sie sich gewaltig getäuscht. Die Südostler zeigten ein Spiel, das mit etwas mehr Glück leicht zum Siege führen konnte. Nur dem Umstände, daß die Verteidigung dem Torwart die Aussicht versperrte, hat es Normannia zu vsr- danken, daß es noch zum Ausgleich kam. Nachdem sie die Mann- schaften bei der Halbzeit mit dem Resultat von 1: 1 trennten, hatten die Südostler nach der Pause bedeutend mehr vom Spiel. Ein schneller Lauf des Rechtsaußen brachte den Gästen die Führung. Normannia versuchte nun durch Einsetzen aller verfügbaren Kräfte das Resultat zu verbessern, aber erst kurz vor Schluß gelang es dem Mittelstürmer, einen Weitschuh anzubringen. Mit dem unent- schiedenen Resultat von 2:2 wurde das Spiel beendet. Weitere Resultate: Union-Tempelhof gegen Neuruppin 12:5, Vorwärts-Wedding gegen Schwarz-Weiß 5: 2, Lichtenberg I gegen Volkssport-Neukölln 1:(5, Butab gegen Blankenburg 2: 2, Hansa gegen Drewitz 4: 2, Schönebcrg gegen Friedenau 3: 2, Brieselang gegen Wilmersdorf 0: 8, ASV.-Neukölln gegen Hoppe- garten 1: 4, Lichtenberg 2 gegen Volkssport-Neukölln 1: 3, Hansa 2 gegen Teltow 5: 4, ASV.-Neukölln gegen Hoppegarten 4: 3, ASV.- Jugend gegen Normannia 1: 1, Lichtenberg Jugend gegen Staaken 3: 1, Nowawes Schüler gegen Pankow 4: 3. * Pankow gegen Saxonia. Die Pankower setzen ihre Spiele morgen, Dienstag, gegen Saxonia fort. Das Spiel findet auf dem städtischen Sportplatz in der Kissingenstraße in Pankow statt und beginnt um 18,30 Uhr. isUJuruLbaML' „Osten" Sieger im Stralau-Blitzturnier Ein Blitzturnier hat die Aufgabe, die Zuschauer in einer ununterbrochenen Reihenfolge Spiele zu zeigen, bei denen alle Spieler ihre ganze Kraft einsetzen müssen. Wenn die Stralauer das beabsichtigten, so haben sie vollen Erfolg gehabt! Das, was die Mannschaften von Osten, Brandenburg, Lichtenberg, K a u l s d o r s und Stralau gestern boten, verdient allgemeine Beachtung und Anerkennung. In allen Spielen wurde äußerst flott und fair gekämpft, nur schade, daß manchmal die Schiedsrichter nicht ganz auf der Höhe waren. Das flotteste und wohl auch beste Spiel lieferten sich Kaulsdorf und Lichtenberg, die den Reigen der Kämpfe einleiteten. Wenn auch die Lichtenberger im allgemeinen etwas bester waren, so glichen die Kaulsdorser stets durch gute Ab» wehrarbeit aus. Im Nachstehenden wollen wir die erzielten Resul- täte ebenfalls in Blitzform wiedergeben. Kaulsdorf— Lichtenberg: In der 9. Minute landete Lichtenberg den 1. Treffer. 15. Minute 1: 1, 16. Minute 2: 1, 18. Minute 2: 2. Stralau— Osten; Halbzeit 0: 0, Schluß 0: 0. Brandenburg— Lichtenberg: Halbzeit 0:0, 11. Minute 1: 0, 16. Minute 2: 0, 19. Minute 3: 0. Stralau— Kaulsdorf: Halbzeit 0: 0, 12. Minute 1: 0, doch verhinderte Abseits diesen Erfolg. Schluß 0: 0. Osten-Brandenburg: Riesenüberraschung; 2. Minute 0: 1. 3. Minute 1: 1. 12. Minute 2; 1, 15. Minute 3: 1, 17. Minute 4: 1, 19. Minute 5: 1. Pause im Turnier! Denn: Stralaus und Brandenburgs Frauen betraten den Platz. In einem interessant durchgeführten Spiel zeigten die Vertreterinnen des sogenannten schwächeren Ge- schlechts, daß sie auch etwas von der edlen Kunst des Handball- fpielens verstehen. Die S t r a l a u e r blieben schließlich mit 2:0 Toren siegreich. Stralau— Lichtenberg: 4. Minute 1:0, 6. Minute 2:0, 7. Minute 2; 1, nach der Pause keine Tore. Schlußresultat 2:1. Kaulsdorf— Brandenburg: 4. Minute 0:1, 5. Minute 1:1, 8. Minute 1:2, 9. Minute 1: 3, 12. Minute 1; 4, 14. Minute 1: 5, 16. Minute 1: 6, 17. Minute 1: 7. Osten— Lichtenberg: 9. Minute 1: 0, 13. Minute 2: 0, 14. Minute 3: 0, 17. Minute 3: 1. Stralau— Brandenburg: 2. Minute 1:0, 4. Minute 1: 1, 11. Minute 2: 1, 19. Minute 3: 1. Kaulsdorf— Osten: 3. Minute 0: 1, 5. Minute 0: 2, 8. Minute 1;2, 9. Minute 1: 3, 11. Minute 1; 4, 13. Minute 1: 5. Turniersieger ist Osten mit 7 Gewinnpunkten: es folgen: Stralau mit 6, Brandenburg mit 4, Kaulsdorf mit 2 und Lichtenberg mit 1 Gewinnpunkten. Den Abschluß des Tages bildete ein Treffen der zweiten Mannschaften von Stralau und Brandenburg, das die Brandenburger nur knapp mit 2: 1 für sich entscheiden konnten. FTGB. Osten hatte am Sonnabend das Wiederholungs- spiel aus der Herbftserie gegen Eiche-Köpenick zu absolvieren, mit 6:3(3:3) tonnte sich Osten die Punkte holen. Beide Mann- schaften hatten reichlich Ersatz eingestellt. Das Spiel selbst war sehr verteilt, aber etwas hart. Osten konnte sich auf seinen Torwächter verlassen, während bei Köpenick die gute Fangtechnik auffiel. Grundlinie die Straße von Buckow nach Rudow bildet, ging«« za- rück nach Britz. Der Verlaus des Rennens: Theek(Volkssport-Neukölln) führt die ersten 3 Kilometer, dann schließen Leistikow und Nakoins(ASS.) auf und alle drei lausen bis zum 8. Kilometer geschlossen. Hier setzt sich Leistikow an die Spitze und führt bis zum Schluß. Ihm folgt zunächst Nakoins, der sich jedoch eine Fußverletzung zuzieht und einige 100 Meter vor dem Ziel von Theek überholt wird. 1. Leist,» kow(ACE.) 1 Stunde 44 Minuten 03 Sekunden; 2. Theek(Volkssport-Neukölln) 1 Stunde 56 Minuten 27 Sekunden; 3. Nakoins (ACE.) 1 Stunde 56 Minuten 37 Sekunden. Hertha BSC deutscher Fußballmeister 3n letzter Minute sicherte sich Hertha-BSC. im Endspiel um die deutsche Zuhballmei Perschaft den Titel gegen München IßSO. 50 000 Zuschauer sahen bis zur Halbzeit München in 2:1- Führung liegend als Meisterschaflsfavorilen. dann kam Hertha-BSE. auf und glich zum Stande 2:2 aus. Zn letzter Minute gelang Hertha-BSC. der dritte Treffer. Die Berliner sind damit zum zweitenmal hinlereinander deutscher Fußballmeister geworden. Wohltätigkeits-Radrenncn Viel dürfte bei der Veranstaltung, die der Bund Deutscher Rod» sohrer gestern auf der Olympiabahn als Unterstützungsveranstalwng, für die beim Brande der Rütt-Arena geschädigten Renn» sahrer durchführte, nicht herausgekommen sein. Es mögen knapp 1000 Besucher den Weg nach Carlshof gefunden haben. Das zahlen» mäßig schwach besetzte Stundenmannschaftsrennen, da» auch noch genug laue Kampfesmomente auswies, fiel an Ahlers- Becker, die 40 Kilometer führten und 31 Punkte sammelten; zweite wurden Prinz-Stock(26) vor Manthey-Patzak(13) und Skrzypnick- Kapruka(10 Punkte. Im Hauptfahren passierte Beincrt als erster das Ziel. Das Mannschaftsomnium, das drei Wett- bewerbe brachte, sah im Gesamtergebnis die Mannschaft Ahlers, Becker und Gröning in Front, während sich ihre Klubkameraden Beinert. Stock und Negd den zweiten Platz sicherten. Erdmannsti. Goltz und Wagner kamen als dritte ein. Das Erstfahren holte sich Wehr._ Kleiner Sport von überall Die Schwimmersparte des 1. Bezirks im 1. Kreise des Arbeiter- Turn- und Sporlbundes veranstaltete am Sonntag in der Wild au er Badeanstalt ein W e r b e s ch w i m m s e st zugunsten der Schwimmabteilung der Freien Turnerschast Wildau. Trotz mehrerer lokaler Veranstaltungen am gleichen Tage war die Ver» anstaltung ein voller Erfolg. Die zum 1. Bezirk gehörenden Vereine Müggelsee und Strausberg blieben dieser Veranstaltung fern, und so wurde das reichhaltige Programm lediglich von L-Schwimmern aller Altersklassen der Freien Schwimmer Groß-Berlin mit ihren Gruppen Neukölln, Oberspree. Lichtenberg, dem Schwimmverein Möwe und der Wildauer Schwimmabteilung bestritten. Besonderen Anklang fanden bei den Zuschauern Rettungsvorführungen. Tau- ziehen der Schwimmer gegen Turner, Schau- und humoristisches Springen, Reigen und Wasserballspiel. Stühkamps SEE.— BSC. Auf dem Platz in Eichkamp lieferten sich S E.-E h a r l o t t« n b u r g und Berliner Sport-Elub den vereinbarten Klubkampf, den die Charlottenburger mit 207)4: 204'A Punkten gewannen. Es fehlten jedoch einige der Besten,'so Körnig, Großer, Wiese, Werckmeister und Gehrke. Das internationale Bahngehen über 5000 Meter holte sich der Charlotten- burger Schwab in 22: 28,3 gegen den Italiener Valente(22: 30,3) und Schnitt(Charlottenburg). Die Sieger im Kludkampf lauten: Hochsprung: Lange-SCC. 1,81 Meter; 100 Meter: Schlöske-SEC. 11,1; 400 Meter: Pöschke-BSC. 50,2; 110 Meter Hürden: Lang- waldt-BSC. 16,5; Kugel: Weiß-BSC. 13,56 Meter; Stabhoch: Klatt und Schulz-SCC. 3,30 Meter; 1000 Meter: Wichmann SEE. 2:31,4; Weitsprung: Meicr-SCC. 7,14 Meter; Diskus: Hänchen- SEE. 41,94 Meter; 5000 Meter: Engert-BSC. 15: 47,6; Speer: Eberle-BSE. 53,31 Meter; 10 X 400 Meter: BSC. 8:42,2. Tennis-Bornssia besieg« Schalke 04 mit Z: 2<0: 1). Der wegen seiner Verstöße gegen die Amateurbestimmungen des bürgerlichen -Fußballbundes seinerzeit disqualifizierte, jetzt aber wieder aufge» nommene Fußballverein Schalke 04 wurde am Sonntag von Tennis» Borussia im Poststadion geschlagen. „Soli"-Werbung. Der Werbemonat des Arbelter-Rad- und Kraftfohrer-Bundes„Solidarität" bringt gut« Ergebnisse. Im ganzen Reiche sind in den Iunitagen die„Roten Reiter" unterwegs, rührig die Werbetrommel für die Organisation zu schlagen. Da wer- den Ausfahrten veranstaltet, die bis ins kleinste Dorf führen, um die, die noch abseits stehen, aufmerken zu lassen und sie für die Idee des Rodsports zu begeistern; es werden Flugblätter werbenden Inhalts verteilt, die alles Nähere darüber enthalten, was„Soli" für einen geringen Mitgliedsbeitrag zu bieten vermag. Wer im Juni zu„Soli- darität" kommt, spart außerdem die Eintrittsgebühren. Für die kleinen Radler und Radlerinnen— bis zum 14. Lebensjahr— gelten besondere Vergünstigungen. Wer sonst etwas über„Soli" erfahre.« will, wende sich an die Gaugeschäftsstelle, Berlin O. 34, Romintener Straße 30, Telephon Andreas 3579(Ernst Seeger), wo er gern Auskunst erhält. Arbeiterschach. Dienstag. 16. Juni, 20 Uhr, veranstaltet die Abteilung Pankow einen Werbeäbend bei Fuhde, Pankow. Berliner Straße 97. Vortrog Kaulfers über Eröffnungen; anschließend Simultanvorstellung, Gästeturnier. TB..Di« Soturfmint*". Die»»ta«, 16. Juni, 20 Uhr. fflcbbinfl�jrfuniw btunnen: 3ufl«iibf>«im Willdknowstr. 5.— Humboidtbaw: Ebenda.— Norden: Sonnenduraer 61t. 20.— Trieb richshoin: Iuaendhciin Frankfurter Alle« ZM. — Osten: Iuaendbeim Ebertnstr. 12.— Schdiieberg. Friedenau: Iuaendheim Offcnbacher Str. S.— Arbeitskreis der Itinaeren: Iu«endh«un Fluadafcn. strafe 08.— Oderschbneweid«: Fuaendbeim Laufener Str. 2.— Henniasdorf: Fnaendbeiin Biidowitr. 16.— Mittwoch, 17. Zu»>, 20 Uhr. Iuqendäruvoe Osten: Iuacnddeim Frantsurter Allee.W7.— To»i>«i»taa, 18. Zuui,>0 Uhr. Naturkundlich- Llbt'ilunA: vghgnnisstr. 15.— Streichorchester: 10 Uhr bei Weißenbcraer, Freiliaralhstr. 0, v. I.— Rosentbaler Vorstadt: Schul« W«in- mristerstr. 16—17.— Tiergarten: Jugendheim Lehrter Str. 16—10.— Prerti- lauer Berg: DanAiger Str. 62, Baracke 2.— Südwesten: syorcksrr. 11 R. 4. Treffen ISld Uhr Tlorck- Eck« Gneisenoustrahe.— Neukölln: Bergsir. 20.— Lichtenberg: Tugendheim Sunterstr. 44 lAstronomie).— ZSeihense«: Zugendbei« Piswriusstr. 24. ASB. Reuköll«. Leichtathlet«». Training ,um RAST jeden Dienstag und Donnerstag. 18 Uhr. Neuköllner Stadion. Frauen jeden Mittwoch. Männer jeden Montag Mustertlalle. jeden Freitag Turner. 20 Uhr.«inder jeden Mittwoch und Freitag. 18 Uhr. Dalther.Nathenau.Schutr, Boddinftrahe. Neu- ausnahmen an den Itebungsabenden. Reichsbanner, WaNerlportabteilung, Zug vbersPree. Boetsdau»»öo-nick, Wen denschlohstr. 122. Dienstag. Ib. Juni, 20 Uhr, Mitgliederversammlung. Kartell fiir Arbeitersport nah Körperpflege, BegilZ Eharlotteabneg. Dien«. tag. 16. Funi. 20'*. Uhr. Sittunq mit den B-reinsvorstänhen bei Adler. Ehar. lottenburg, Kaiser-Fried rich. Ecke Griinsttahe. Der Sonntag für Wien Ausscheidungen für Turner, Schwimmer, Tennisspieler und Radfahrer Die von den Geraer Arbeiterturnern für den Arbeiter- Turn- und Sportbund organisierten Ausscheidungskämpfe für die Geräteturner waren nach der technischen Seite ein großer Erfolg. Besonders günstig schnitten die thüringischen Turner gegenüber denen der anderen Kreise des Bundes ab. Im Zehnkampf belegten drei Thüringer die ersten Plätze. Bester wurde Limburg aus Ruhla mit 248 Punkten, ihm folgt Rahnfeld-Greiz mit 246 und Hartleb-Rudolstadt mit 238 Punkten. Im Siebenkampf wurde Rödel-Greiz Sieger mit 267 Punkten, zweiter Sieger wurde Neubert aus Röblitz i. Sa. mit 260 Punkten, und an dritter Stelle steht Fischer-Mannheim mit 246 Punkten. Sdmiinmau»zcheiclungen in Erfurt Das große Nordbad in Erfurt war der Schauplatz prächtiger und spannender Kämpfe der Bewerber für die olympische Schwimmermannschast. Alle 95 gemeldeten Schwimmer und Schwimmerinnen waren am Start. Eine besonders hervor- ragende Leistung vollbrachte Werner- Breslau, der im Beliebig- schwimmen die l500-Meter-Strecke in 24 Minuten 12,4 Sekunden zurücklegte und laut sportärztlicher Untersuchung frisch aus dem Wasser kam. Im Kunst- und Turmspringen der Männer belegten Nachtigall und Greising-Berlin die ersten Plätze. Im Kunstspringen der Frauen wurde Himper-Düsseldorf Siegerin. Das 100-Meter- Brustschwimmen der Frauen gewann Stall au» Plauen i. V. und das 100-Meter-Crawlschwimmen Frohn-Berlin in 1 Minute 22,4 Se- künden. Einen besonders heißen Kampf gab es im 100-Meter- Crawlschwimmen der Männer, in dem sich Werner-Breslau vor Frohn-Berlin den 1. Platz sicherte. „Solidarität" in Frankturt a. M. Bei gutein Wetter und auf idealer Rennstrecke wurden auf der Strecke Frankfurt— Mörfelden— Gräfenhausen— Darmstadt(Wendepunkt)— Arheiligen— Langen— Sprendlingen— Frankfurt die Ausscheidungen der Arbeiterradfahrer für Wien ausgetragen. Alle gemeldeten Mannschaften starteten in Abständen von zwei Mi- nuten. Aus der Mannschaft der Ortsgruppe Groß-Berlin. die am 24. und 26. Mai in Breeslau die Ostgaubundmeisterfchast gewann, mußten bereits nach 5 Kilometer Balte und Praufe wegen Sturz zurückbleiben. Die Berliner mußten daher mit nur vier Mann weiterfahren. Hofjmann muhte dann noch wegen Kettenschaden drei- mal absteigen, so daß ein großer Zeitverlust eintrat. Sieger wurde der Bundesmeister Mutterstadt. Beim 50-Kilometer-Einzelfahren wurde bis Darmstadt ein ruhiges Tempo gefahren, wenn auch ein- zelne Ausreißversuche vorkamen. Dann wurde aber sehr aufs Tempo gedrückt, so daß einige schwache Fahrer abfielen. Kurz vor dem Ziel ereignete sich ein Massensturz, dem leider sechs Fahrer zum Opfer fielen. Im gleichen Moment wurde von Richter-Dresden ein Spurt angezogen, der sich aber am Ziel mit dem dritten Platz hinter dem Sieger Hönning-Friesenheim und Sochtleben-Berlin begnügen mußte. Der Verlauf des 10-Kilometer-Einzclfohrens war ohne besondere Er- eignisse. Am Wendepunkt blieben ebenfalls durch Sturz drei Fahrer zurück: den Endspurt zog Unger-Berlin 300 Meter vor dem Ziel an und siegte mit mehreren Längen vor Herbert Müller-Schönau und E. Hasche-Hamburg. Die Tennisdelcgation Die 42 Bewerber für die olympische Tennisdele- g a t i o n nach Wien lieferten sich erbitterte Kämpfe. Die Vertreter von Leipzig und Berlin kamen nicht über die Vorrunden, dagegen behaupteten sich die Dresdener und KottbusserSpieler sehr gut. Die Ergebnisse der entscheidenden Spiel« sind im Männer-Einzel: Meier- Dresden gegen Pampel-Zwickau 6:2, 6:4. Männer-Doppel: Schwarik, Pöschke-Kottbus gegen Kulofa, Holfert-Dresden 6:4, 6:3. Frauen-Doppel: Pampel-Zwickau, Kröger-Hamburg gegen Schramm. Duch-Kottbus 4:6, 6:1, 6:3. Gemisch-Doppel: Schramm-Schwa- rik-Kottbus gegen Scheinhart, Partsch-Hannover 6:3, 6:3.' Nach den von den Spielern und Spielerinnen in Magdeburg gezeigten Leistungen hat der Tcnnisausschuß des Arbeiter-Turn- und Sport- bundes für die Olympiadelegation nach Wien folgende Spieler aus- gewählt: Kulosa, Holfert, Seipelt und Schmidt-Dresdcn; Günther- Berlin: Schwarik und Lindow-Kottbus; Partsch-Hannover; von den Frauen: Meier-Dresden; Pampel-Zwickau; Brinkmann-Berlin; Kröger-Hamburg._ In Luckenwalde: Bundesoffenes Sportfest Die Luckenwaldcr Turnerschaft veranstaltete gestern bei präch- tigem Sportwetter anläßlich ihres 25jährigen Bestehens ein bundesosjenes Sportfest. Berlin war� mit etwa 150 Sportlern vertreten. Neben der näheren Umgebung von Luckenwalde war noch Leipzig, Stettin und Fürstenwolde mit guten Sportlern dabei. Luckenwalde ist einer der bestsundiertesten Vereine des Arbeiter-Turn- und Sportbundes. Der Verein besitzt eine 52 000 Quadratmeter große Sportanlage mit 400 Meter Aschenbahn, 4 Spielfeldern, Turnhalle, Vereinsräumen und Freibad. Auf einer derartig günstigen Anlage find für die Stadtvereine vorzügliche Sport- und Erholungsgelegcn- heitcn gegeben. Vereine, die ähnliche Sportstätten besitzen, werden immer den Dank für ihre frühere weitsichtige Politik durch den guten Besuch der Großstädter erhalten, denn sie haben die Möglichkeit, Sportfeste mit einer Wochenendfahrt verbinden zu können. Dem zahlreich erschienenen Luckenwalder Publikum— 1500 Besuchern— wurde guter Sport geboten. Zu erwähnen sind von den Einzellei st ungen der 100-Meter-Iugendlaus in 11,8 Sekunden von Junker-Luckemvalde, wie überhaupt die Luckenwalder Sportler im ganzen einen ausgezeichneten Eindruck machten. Die ASCerin Schulz lief mit 13 Sekunden nachträglich die beste Olympiazeit. Im 100-Meter-Lauf der Sportler schlug Höwler-Stettin mit 11,5 Sekunden knapp Heldt-ASE. Einen ausgeglichenen Kampf lieferten sich Schirdewahn-Leipzig und Braun-ASC.; der Leipziger lief einen Meter vor Braun ein. Wagner-Lcipzig bewies im 3000-Meter-Lauf immer noch seine überlegene Klasse. Die 4X100 Meter sowie die Olympische Stafette sah ACE. vor Stettin als Sieger, während Stettin dafür die 10 X 200 Meter für sich buchen konnte. Recht spannende Kämpfe lieferten sich die 2. Mannschaften der.�-Vereine und die Vereine der V-Klasse, nur Brustbreiten trennten sie oft am Ziel. Im Rahmen der Veranstaltung fanden noch einige Pro- pagandaspiele statt. Im Hockey schlug Ostring mit 4:2 den Freien Spandauer Hockeyclub. Ein Handballspiel der Frauen zwischen ASV. Wedding und Luckenwalde 1. Abteilung endete mit 4: 2 für die ersteren, Halbzeit 1: 2. ZS-tanl-PrufwiA in Neukölln Am Sonntag vormittag gingen einige Arbeiter-Lang- st r e ck e n l ö u f e r, die sich für den S5-Kilometer-Straßenlauf in Wien interessieren, über die Distanz. Der Lauf führte von Britz nach Buckow. Nach dreimaligem Ablaufen des Dreiecks, dessen