BERLIN Dienstag 16. Zum 1931 10 Pf. Nr. 226 B 138 48. Lahrgang €tfdj eint täglich außer Sonntags. Zugleich Abendausgabe des..Vorwärts". Bezugspreis beide Ausgaben 85 Pf. prr ZVoche. 3,6oM. pro Monat. Redaktion und Expedition: Berlin SW6S,Lindenstr.3 Fernsprecher: Dönhoff(A 7) 292—297 Anzeigenpreis: Di« einspaltizeNonpareillezeile So Pf., Reklamezeile S M. Crniäßigunaen nach Tarif. Postscheckkonto: DorwartS-Derlag G.m. b.H.. Berlin Nr. 37 536.— Der Verlag behält sich das Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen»orl Schwere Entscheidungskämpfe Einberufung des Reichstags abgelehnt/ Aeltestenrat vertagt sich auf-18 Ahr/ Regierung droht mit Rücktritt, wenn der Haushaltsausschuß bemfen wird Heute vormittag beschloß das Reichskabinett einstimmig, die Einberufung des Haushaltsausschusses oder des Reichstages sofort mit dem Rücktritt des Gesamtkabinetts zu beantworten. * Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion begann ihre Beratungen um S Uhr früh. Sie nahm einen Bericht des Fraktionsvorsitzenden Breit- scheid entgegen und verhandelte dann bis 12 Uhr mittags weiter. Es ergab sich sehr bald, dasi sich eine große Mehrheit der Fraktion von einer Einberufung des Reichstags in der gegebenen Situation für die Beseitigung der sozialen Härten der Rotverordnung keinen praktischen Erfolg versprach. Tie Debatte drehte sich infolgedesien in erster Linie um die Frage, ob die Einberufung des Haushaltsaus- schusses des Reichstages ein geeigneteres Mittel sei. um die antisozialen Bestimmungen der Rotverordnung durch bessere und gerechtere zu ersetzen. Für die Einberufung des Haushaltsausschusses waren noch am gestrigen Abend viele gewesen» die lieber noch einen versuch zur Verstän- digung unternehme« wollten, statt einem offenen Konflikt mit seinen vielleicht sehr unheilvollen Folgen für die Arbeiterklasse entgegenzugehen. Mittlerweile hat aber die Regierung Brüning in ziemlich apodiktischer Form erklärt, daß sie nicht nur im Falle der Einberufung des Reichstagsplenums. sondern auch in dem Fall, daß der Aeltestenrat den Zusammentritt des Haushaltsausschusies beschließe, ihren Rücktritt er- klären werde. Durch die eigensinnige Haltuckg der Reichsregiernng schien also auch dieser Aus- weg verbaut. Tie Fraktion vertagte sich zur Mittagszeit auf 2 Uhr nachmittags, um den Bericht ihrer Vertreter über den Verlauf im Aeltestenrat zu hören und Stellung zu ihm zu nehmen. Äer Aeltestenrat vertagt. Zu der Sitzung des Zl e l t e st e n r a l e s des Reichstages ist wider Erwarten schnell die Entscheidung über Richteinberus u n g des Reichstages g e f a l l e u. 3n der Abstimmung stellte Präsident Lobe fest, daß sich nur die Rationalsozialistea mit 107, die Deulschnationaleu mit 41. die Kommunisten mit 77, die Wirtschastspartei mit 22 und die Landvolkpartei mit IS Stimmen für die Einberufung ausgesprochen haben, das sind zusammen 265 Stimmen, während zur Einberufung des Reichstages 2Sg Stimmen erforderlich gewesen wären. Alte andere« Parteien haben sich gegen die Einberufung ausgesprochen, so auch die Deutsche Volkspartei. Die Entscheidung über die von den Sozial- demokratcn angeregte Einberufung des haus- Haltsausschusses sälll heute nachmittag, da die Weilerberawng auf IS Uhr vertagt wurde. Die Deulschnationalen gaben dazu die Erklärung ob, daß sie an solchen Verhandlungen im haushaltsaus- schütz kein Interesse hätten. Der Vertreter der wirtschastspartei ver- trat die Auffassung, datz man im haushaltsausschutz die Auf- rollungderReparationssrage doch nicht erreichen könne, deshalb lege feine Araktion auf die Einberufung des Haushalts- ousschusies keinen wert. Ralionolsozialisten und Kommunisten be- hielten sich ihre Entscheidung vor. * Um IM Uhr erschien Reichskanzler Brüning im Reichstag und empfing sofort die Führer der sozialdemokratischen Fraktion. » In der volksparteilichen Froktionssitzung berichtete deren Borsiizend-r Dingeldey, datz der Reichspräsident im Falle des Rücktritts des Kabinetts Brüning zunächst den Führer der Deutsch- oationalen Part«, Hngenberg. mit der Reixbildung Deutsche... sr-\ fyfl'Q r�" DeUTJCHER 6.® P ... schont eure hohen Pensionäre! des Kabinetts beauftragen würde. Auher den Sozial- demokraten und der Bolkspartei waren auch die hinter der Regie» rung stehenden Fraktionen heute vormittag zu Sitzungen im Reichs- tag zusammengetreten, die ebenfalls noch andauern. Die Haltung der Börse. Oevisennachfrage ruckgängig. Der Verlauf der heutigen Börse wurde völlig von den«in- laufenden Nochrichten über den Stand der politischen Ver- Handlungen beherrscht. Die unsichere Stimmung in den Vormittagsstunden machte einer zuversichtlicheren Auffassung Plag, als die ersten Nachrichten über eine beabsichtigte Vertagung des Aeltestenrates durch- sickerten. Ferner wirkte der weitere Rückgang in der Devisennachfragc belebend. Nach ziemlich sicheren Schätzungen dürsten die Deoisenabgänge am Montag nicht mehr als 49 Millionen Mark betragen haben. Der D o l l a r k u r s wurde heute mit 4,21,2 gegen 4,21,3 am Montag notiert. Am Rentenmarkt machte sich eine weitere Befestigung bemerkbar und bei den wichtigsten Werten des Aktienmarktes konnten sich gleichfalls verschiedentlich Kursbesserungen durchsetzen. So notierten ACG. 89 Prozent nach einem Ansangskurs von 79, Kaliwerke Salzdetfurth 166 nach 162 Prozent, Siemens 132 nach 139 Prozent, während I. G. Farben nach einem Rückgang von 113 auf 114M Prozent sich wieder bis auf 117M Prozent erhotten. Hilfe für die Gemeinden? Ein Tropfen auf den heißen Stein. Zur Erleichterung der kommunalen Wohlfahrtslasten haben die Länder wenigstens die Hälfte des Betrages, den sie durch die Ge- haltstürzung ersparen, auf die Gemeinden und Gemeindeoerbönde zu verteilen. Diese Mittel reichen aber nur aus, um die bedräng- testen Gemeinden wenigstens mit geringen Summen zu unterstützen. Nach dem Entwurf der preußischen Ausführungsverordnung, die der Preutzische Siaatstai am 17. Juni beraten wird, Negieruttgsfiurz in Oldenburg. Die Einheitsfront Thälmann-Hugenberg-Hitler. Oldenburg, 16. Iuni. Im Oldenburger Landlag wurde heule nach längerer Debatte der Vlitztrauensanlrag der Rationalsozialisten gegen die aldenburgijche Staalsregiernng mit einem Ueberraschungsergebniv angenommen. Für das Ministerium stimmten lediglich vier Abgeordnete, und zwar die Slaatsparlei, das Landvolk und die Deutsche Volks- parte!. Gegen die Regierung stimmten 24 Abgeordnete, die Rgtionalsozialisten. die Deutschnakionalen und die Kommunisten. Das Zentrum und die Sozialdemokraten enthielten sich der Stimme(20 Abgeordnete). Eine Erklärung der Regierung zu dem Ergebais des Mihtrauensvotums steht noch mis. werden nur diejenigen Bezirksfürsorgeverbönde(Stadt- und Land- kreise) berücksichtigt, in denen die Zahl der Wohlsahrtserwerbslosen mehr als 29 Prozent über dem Durchschnitt liegt. Die Berechnungen stellt das Statistische Landesamt an. Der Durch- schnttt wird bei Stadtkreisen für einzelne Größengruppen(Städte mit 29 999 bis 59 999 Einwohnern, solche mit 59 999 bis 199 999 Einwohnern usw.), bei Landkreisen für die Gesamtheit der Landkreise errechnet. Sehr selisam, Herr Giaatsanwali! Anklage gegen Überfallene Neichsbannerleute. Fürstenwaide, 16. Juni.(Eigenbericht.)' Am Sonntag, dem 12. April d. I., wurden mehrere Partei« �genossen und Reichsbannerkameraden in Jänicken» darf bei Fürstenwalde von einer starken Stahlhclmkolonne über« fallen, als sie mit der Flugblattverbreitung beschäftigt waren. Die Stahlhelmer versuchten unseren Genossen die Flugblätter zu entreißen und schlugen, als diese sich zur Wehr setzten, sofort auf diese ein. Reben einigen Leichtverletzten wurde ein Reichsbanner- kamerad bewußtlosgeschlagen. Da die Namen verschiedener Stahlhelmer festgestellt werden konnten, wurde Anzeige gegen die Rowdys erstattet. Aber bei der Staatsanwaltschaft in Frankfurt an der Oder scheint Frau Justitia seltsame Wege zu wandeln. Der Staatsanwalt hat— man halte sich fest— nicht etwa gegen die mit Namen genannten Prügelhelden vom Stahlhelm Anklage erhoben, sondern gegen unsere Parteigenossen und Reichsbanncrkameraden wegen verbotener Flug- blattverteilung. Ist es schon ein Stück aus dem Tollhaus, diese Angelegenheit so zu verschieben, daß jetzt die Überfallenen Sozialdemokraten als die angeblichen Sündcnböcke dastehen, so wird der Vorfall dadurch noch skandalöser, daß die sozialdemokratischen Flugblatt- Verteiler die Genehmigung ihrer Werbeaktion bei dem zustän- digen Londratsamt Lebus eingeholt und auch erhalten haben. Außerdem ist es sehr merkwürdig, daß gegen die Stahlhelmer eine Anklage gegen Unbekannt vorliegt, obwohl die Namen mehrerer Prügelhelden bekannt sind. So ist unter anderem die Be- tciligung des Stahlhelm-Ortsgruppenfllhrers M e i n k c bei den Bor- ganzen in Iänickendorf festgestellt. Bei der bestehenden Sachlage ist nicht daran zu zweifeln, daß die Anklage gegen die sozialdemokra- tischen Flugblattoerteiler wiedereingestellt werden muß. Krakeel in Braunschweig. Beschwerde beim Beichsinnenminifier über Franzen. Vraunschweig. 16. Juni.(Eigenbericht.)" In der heutigen L a n dt a g s s i tz u n g kam es zu große» Tumulten, als ein' kommunistischer Redner eine scharf« Er- klärung gegen die Notverordnung verlas, in der der Fratyenregierung der Vorwurf gemacht wird, nichts zu ihrer Auf- Hebung getan zu haben. Auf die Zanschen- und H e i l r u f e der N a z, begannen die Z�ribünenbesucher mit Nieder- rufen auf FranZen zu reagieren. Di« Sitzung wurde unter- brachen und der kommunistische Redner zunächst ausgeschlossen. -e Auf Grund der abermaligen Ausschreitungan der braunschmeigi- schen SA., die am letzten Sonnabend im hiesigen Arbeiterviertel mit Stahlruten und anderen Schlaginstrumenten beoxlffnet unter dem Schutz der Polizei aufmarschieren und Straßenpassanten nieder- knüppeln konnte, hat der Gauvorstand des Reichsbanners eins Beschwerde an das Reichsinnenministerium ge- richtet. Es wird auf die unhaltbaren Zustände hingewiesen und verlangt, daß die Notverordnung zur Bekämpfung politischer Aus- schreitungen endlich gegen die Parteifreunde des Herrn Franzen durchgeführt wird. Oingeldeys Verbündete. Nette Früchtchen als Abgeordnete. Braun schweig. IS. Juni.(Eigenbericht.) Das größte Rauhbein des Braunschweigischen Landtags ist der Naziabgeordnete Schneider aus Pattensen. Schneider, der im p r e u.ß i s ch c n Regierungsbezirk Hildeshoim seinen Wohnsitz hat, ist von dem Gauführer Ruft aus Hannover auf die Kandidatenliste für den Braunschweigischen Landtag gesetzt worden, damit er nicht mehrere Gefängnis st rasen absitzen muß. Jetzt liegen wieder mehrere Ersuchen der Staatsanwaltschaften vor. die Immunität dieses Schneider aufzuheben, damit er feine Strafen antreten kann. In einem Urteil des Landgerichts Göttingen heißt es über Schneider:„Der Angeklagte ist zwar schon einmal wegen ahn» licher Beleidigungen vorbestraft, trotzdem erfordert die vorliegende Straftat keine besonders ernsthafte Würdigung, sondern verdient im wesentlichen als Rüpelei eines unreifen Fanatikers eingeschätzt zu werden." Schneider hatte u. o. in Versammlungen der Nazis gesagt:„JnBerlinsitzendievollgefressenen S-h w e i n e, von denen keines unter M> Pfund wiegt. So viele und so schwere Schwein«, wie in Berlin sitzen, gibt es sonst kaum noch." Stresemann bezeichnete dieser Koalitionsfreund der braunschweigischen Volkspartei als den„Flaschenbier- Doktor", der„seine Wanderniere wieder einmal in Bewegung ge- setzt" habe. Hilferding nannte er einen Finanzbanditen usw. Man kann der Volkspartei wirklich dazu gratulieren, daß sie mit einem solchen Ehrenmann an einem Strange der Franzen- Regierung ziehen darf. Aazihorden überfallen einen Lehrer. In Notwehr vier Angreifer niedergeschossen. Kassel, 16. Juni.(Eigenbericht.) In der� Sonntagnacht wurde in Celze bei Hofgeismar der Lehrer Teschko von einer Nazihorde überfallen und brutal mißhandelt. Die Nazis und Stohlhclmer, die im benachbarten Wirtshaus von Bonnet eine Kirmes gefeiert hatten, zogen vor das Schulhaus, in dem der Lehrer wohnt und forderten mit blutrünstigen Reden den Lehrer auf, herauszukommen. Ilm Unglück sür seine Kinder zu verhüten, ging der Lehrer, notdürftig bekleidet, hinaus, um die Leute zum Fortgehen zu bewegen. Die Nazis und Stahlheimer riefen in einem fort:„Schlagt den Hund tot" und griffen den Lehrer tätlich an. Nachdem er«inen schweren Hieb über den Kopf bekommen hatte, zog er seinen Revolver und schoß, bereits auf dem Boden liegend, im hoch fbe t Notwehr auf die Angreifer.'• Von den aus Hofgeismar stammenden Nationalsozialisten und Stahlhelmern wurden vier Personen verletzt. Ein Nationalsozialist erhielt einen Lungenschuß,«in anderer wurd« am Hals, ein weiterer am Arm verletzt. Die Verletzten wurden durch Krankenauto nach Kassel ins Krankenhaus geschafft. Der Lehrer hat eine schwere Augenoerletzung erhalten, die unter Umständen zum Verlust des Auges führen kann. Er hat weiter schwere Verletzungen am Kopf davongetragen, die im Krankenhaus genäht werden mußten. Die Untersuchung über den Naziüberfall ist im Gange. Oberster Kardinal ausgewiesen. Oer Abwehrkompf der spanischen Republik. Madrid, 16. Juni.(Eigenbericht.) Als der vor vier Wochen unmittelbar nach dem Älostersturm aus Spanien geflohene Kardinalprimas Segura am Montag versuchte, nach Spanien zurückzukehren, wurde er in der Nähe von Madrid festgenommen. Die Aufforderung der Behörden, das Land sofort wieder zu verlassen, lehnte Segura mit dem Hin-. weis ab, daß er krank sei und nur in dem spanischen Klima ge- sunden könne. Segura wurde daraufhin aus Anordnung der Re- gierung von zwei Aerzten unterlucht. die feststellten, daß er o ö l l i g gesund ist. Das Kabinett wird nunmehr seine Ausweisung anordnen und ihn voraussichtlich bereit» heute bis zuc französischen Grenze schassen lassen. Nie linke Hand für SO 000 Mar». Ein„deutscher Marek" zu i Jahr Gefängnis verurteilt. K o b u r g. 16. 3uai. Das Schöfsevgerichl in Koburg fällte nach Mitternacht das Urteil gegen den..deutschen Marek", den Mechaniker Alfred S ch a d aus Wolds ochsen, der bekanntlich angeklagt war. sich auf einem hock- klotz die linke Hand abgeschlagen zu haben, um auf diese betrügerische Weise in den Besitz der Versicherungssumme von 60000 Mark zu gelangen. Das Gericht verurteilte Schad wegen vorsätzlichen Betrugsversuches zu 1 3ahr Gefängnis und Traguvg der Gerichtskosten. Der Angeklagte wurde noch der Urteilsverkündung sofort in hast genommen. Die Verurteilung erfolgte auf Grund des Veweisverfahrens und der Sachverständigengutachten, die durchwog uN- günstig für Schad ausfielen. Die letzten Zeugen, die gestern noch z�r Vernehmung kamen, konnten keine Klärung des Tat- beftanfres bringen. Auch die Aussagen des Bruders des Angeklagten. Ernst Schad. der seiner Zeit im Verdachte der Bechilfe gestanden hatte, tonnten Yen Angeschuldigten nicht entlasten. Die medizinischen Sachverständigen gaben ihr Gutachten übereinstimmend dahin ab, daß die Vorgänge keineswegs sich so abgespielt haben konnten, wie Schad sie geschildert hat. Das Abhacken der Hand konnte nur auf einer harten Unterlage erfolgt fein, es sei auch sehr wahrscheinlich,' daß Schad vor der Ausführung der Tat seinen Arm abgebunden hgtte, da er sonst einen viel größeren Blutverlust erlitten hätte, als es totsächlich geschehen war. Es liegt auch die Möglichkeit vor, daß eine dritte Person die Tat ausgeführt oder Beihilfe geleistet Hab«. doch lasse sich hierfür kein sicherer Beweis' erbringen. Der Staats- anwalt hielt den Beweis des Betruges und der Selbstverstümmelung sür erbracht und beantragte 1 Jahr 6 Monate Gefängnis. Die SOS Todesopfer bei Nantes? Darunter-150 Kinder/ Fortsetzung der Bergungsversuche Paris. 16. 3uni.(Eigenbericht.) Die am Montag früh nach dem Schauplatz der furchtbaren Schiffstataftrophe entsandten Dampfer sind im Lause des Abends nach St. Bazoires zurückgekehrt. Sie haben 66 weitere Leichen geborgen, die infolge des heftigen Wellengangs ohne Kleidungsstücke waren, fo daß ihre 3dentitll< nur schwer festzustellen sein wird. In St. Nazaires find die Fahnen auf Halbmast gehißt. Eine gtohe Menschenmenge erwartete die Dampfer. Ein Güter- schuppen am Hafen wurde zu einer Totenkapelle ausgeschmückt, in der die Leichen aufgebahrt wurden. Die Leichen sind mit Zetteln versehen, auf denen besondere körperliche Kennzeichen zur leichteren Identifizierung verzeichnet sind. Vorläufig konnten erst die Namen von vier Toten festgestellt werden. Die Suche nach den anderen Leichen wird am Dienstag durch Marineflugzeuge und Bergungs- Kämpfer fortgesetzt. Neuerding» hat sich herausgestellt, daß nur 27 Personen mit dem Auw von der Insel zurückgekehrt sind. Ibie genaue Zahl der Passagiere auf der Hinfahrt wird von der Schiffahrtsgesellschaft mit 440 angegeben. Außerdem sollen aber noch mindestens 50 Säuglinge und etwa 100 Kinder zwischen vier und sieben 3ohrrn. die keine Fahrkarten zu lösen brauchten, an Bord des Dampfers gewesen sein. Danach muß sich die Zahl der Ertrunkenen auf über 500 belaufen. Von einer zehnköpsigen Familie, die sich an Bord des Un- glücksdampfers befand, wurde niemand gerettet. Unter den Opfern befinden sich auch 32 österrcichisch.e Arbeiter einer Fabrik bei Nantes. Bei der Eröffnung des Zentralbüros der Arbeiter« konsumgenossenschaften waren von 35 Angestellten nur 2 zur Stelle. Alle übrigen sind ertrunken. Einen großen Teil der Schuld an dem Unglück trifft die Schiff- fahrtsgesellschast,-da der Dampfer nur für den Flußvsrkehr mit einer Höchstbelastung von 500 Personen zugelassen war. Der deutsche Bot- schafter von Hoesck) hat am Montag Außenminister Briand dos BeileidderdeutschenRegierungzuder Katastrophe zum Ausdruck gebracht. Dampfer auf der Totensuche. Die Bergungsdampfer bringen unausgesetzt Leichen noch Nantes. Die Szenen find immer dieselben: Ein Dampfer, die Flagge auf H a l b m a st, läuft im Hafen ein. Auf dem Deck liegen, mit einem schwarzen Tuch dedeckt, die Leichen. Das Tuch ist meisten» zu klein, so daß Füße und Köpfe unbedeckt sind. Bisher wurden die Leichen von 63 Frauen, 6 Männern und einem Kind geborgen. Sie wurden in einem Raum der Schiffahrtsgesellschaft aufgebahrt. Die Toten haben meist ihre Sonntagsanzüge, die teilweise stark zerrissen sind. Manche haben sich verletzt und ihre Körper sind mit geronnenem Blut bedekt. Sie liegen fast alle in der gleichen Haltung da. Ihre Hände sind erhoben, al» ob sie den Himmel an- flehen wollten. Es war ihre letzte Geste im Todeskampf-. Bisher konnten nur vier Leichen identifiziert werden. Die Untersuchung über die Ursache der Katastrophe de» stätigt die bereits gestern angegebenen Einzelheiten. Eine ungeheure Sturzwelle hat den Dampfer buchstäblich umgekippt. Das Schiff war durchaus nicht für die hohe See gebaut und anscheinend viel zu sehr überladen. Bruch im Apparat Die Zellenbauer der KpO. versagen Außer der Sozialdemptratio wagt es keine Partei, der Oeffentlichkeit genaue Zahlen über ihren MUgliederstand mitzuteilen. Am wenigsten hört man darüber von der Kommunistischen Partei. Maw weiß nur aus alter Erfährung, daß ihre Orga- nisation umso schwächer ist, je mehr sie den Mund aufreißt. Jetzt wird aber im„Parteiarbeiter", einer Zeitschrift für die kom- muniftischen Funktionäre, etwas übet da» Ergebnis einer kommu- nistischen Wcrbekampagne mitgeteilt, die von Oktober bis März durchgeführt worden ist. Wir erfahren hier, daß die Mitgliederzahl in dieser Zeit um 73 296 auf 268 3 9 7 gestiegen sein soll. Selbst wenn dies« Angabe zutreffen sollte, so würde die Kommunistische Partei trotz der sür sie so günstigen polttischen und wirtschaftlichen Situation noch nicht einmal den vierten Teil der Stärke der Sozialdemokratischen Partei erreicht haben. Da ober die Fluktuation der Mitglieder in ber Kommu- njsttschen Partei außerordentlich groß ist, so wird man sicher da» Richtige treffen, wenn man von der für März ongegebetzeii Mit- gliederzahl noch erhebliche Abstriche macht. Dieser Aweifel an der Richtigkeit der Angabe über den Mit- gliedeözuwachs erscheint umso berechtigter, als der„Parteiarbeiter" zugehen muß, dqtz die Betriebszellen der Kommunistischen Partei wesentlich zurückgegangen sind. E« heißt dort: „Die Schere zwischen politischem Einfluß und organisatorischer Vsr- ankerung in den Betrieben hat sich trotz objektiv günstiger Umstände erweitert." Das bedeutet soviel, daß die Kommunistische Partei mit ihrer lärmenden Agitation zwar den politischen Flugsand. die ewig Indifferenten in der arbeitenden Bevölkerung zuweilen in Bewegung setzen kann, daß ihr organisatorischer Einfluß auf die Arbeiterschaft und vor ollem der auf die Betriebe noch immer vor- hältnismäßig gering ist. Dos gleiche Bild ergibt sich bei den Angaben über die Zahl der Straßcnzellen. Zusammenfassend wird in dem„Partei- arbeiter" bemerkt:„Außerordentlich wichtig ist die Tatsache, daß heute noch in fünf Sechst«! unserer Ortsgruppen weder Betriebs- noch Straßenzellen bestehen... Masseneintritt« von Arbeitern in die Partei, trotzdem keine Aufwärtsentwicklung der Betriebszellen, keine Durchsetzung des Prinzips der Zelle al» untere Parteieinheit." >,'-------"*4« W•"««*»«.,.<5 Vor einigen Jahren ist die„Zelle" im Betrieb und in der Straße als die e i g e n t l i ch e OrgonisatioN'sform der Kowmu- nistischen Partei bezeichnet worden. Di« Wohnbezirksorganisation wurde als„sozialdemokratisch" verschrien. Aus Grund de» jetzt von der KPD. für die Funktionäre bestimmten Berichts kommt man zu der Schlußfolgerung, daß die Kommunistisch« Partei mit der Form ihrer Organisation Schiffbruch erlitten hat und ebenso den Ümsong ihrer Organisation„trotz objektiv günstiger Umstände" nicht wesentlich zu erweitern vermochte. beiden Bertcidiger plädierten auf Freispruch. Der Angeklagte be- tcucrte noch im Schlußwort seine Unschuld und schloß mit den Worten: Lieber lasse ich mich an die Wand stellen, als unschuldig einsperren._ Fenstersturz eines Fünfjährigen. Kopfüber auf den Hof gestürzt. Im Haus« Beusielstraße 11 in Moabit ereignete sich in den gestrigen späten Abendstunden ein schwerer Unglücksfall. Der fünf- jährige Heinz K n o b l i ch mochte sich in einem unbewachten Augen- blick am Küchenfenster zu schaffen und lehnte sich hinaus. Der Junge oerlor dabei das Gleichgewicht und stürzte aus dem 2. Stockwert kopfüber auf den Hof hinab. Mit lebensgefährlichen Verletzungen wurde das unglücklich� Kind durch die Feuerwehr ins Möabiter Krankenhaus gebracht. ♦ Auf dem Bahnhos W e d d i n g warf sich gtstern abend der Ztzjahrigt Friseur Willi Flügger aus der Hussitenstraße vor die Räder eines einfahrenden Zuges. Der Selbstmörder fand im Dirchow-Krankenhaus Aufnahm«, wo er schwer daniederliegt. Gelbstmord nach Verurieilung. Oarlehensschwindler Görs im Untersuchungsgefängnis vergiftet. Der gestern von der 3. Strafkammer dos Landgericht» II zu 2 3ahren Z Wochen Gefängnis. 15 000 AI. Geldstrafe und Z 3ahren Ehrverlust verurteilte Darlehnvschwindler Gör» ist heute morgen um 7 Uhr von den Beamten de» Untersuchungsgefängnisses in feiner Zelle tot aufgefunden worden. Da er keine äußeren Merkmale de, gewaltsamen Todes aufwies, liegt zweifelsohne eine Selbstvergiftung vor. Mit der näheren Untersuchung der Todesursache und der Umstände, unter denen der verurteilte Görs sich da» Gift hatte beschaffen können, sind die Behörden augenblicklich noch beschäftigt. Der Tote hat vier Briese hinterlassen: an seinen Verteidiger, den Strafkammervorsihenden Landgerichts- dlrektor Schneider, an den Oberdirektor des Unterjuchuogsgefäng. uijjes und an feine Frau. Görs, von Beruf Kaufmann, hat in Spandau ein grpß auf- gezogenes Finanzer ungsin st itut gegründet. Mit Hilfe von Jnseräten und einem Heer von 2000 Vertretern warb er in der Provinz Darlehnssucher an. Die Provision für die Vermittlung von Darlehen betrug S Praz. der Summe. Görs hatte auch Geldgebe? zur Hand, die in Wirklichkeit nur über ganz geringe Kapitalien ver- fügten: drei von diesen„Geldgebern" wurden vom Gericht zu Ge- fängnisftrafen verurtellt. Im ganzen liefen in seinem ginanzie- rungsinstitut etwa eine halb« Million Darlehnsgefuch« ein. Zehn- tausand» find um m«hr als 400000 M. beschwindelt worden: von hundert Klienten des Institut« erhielten mehr als 1 Proz. in Wirklichkeit Darlehen. Die VerhanWung gegen die Angeklagten Görs und Genossen hatte am 27. Mai begonnen. An der Schuld des letzt toten Görs tonnt« kein Zweifel bestehen. Er hatte es von vornherein auf Schwind« angelegt. Rot treibt in den Tod. Auf dem Kemperplatz erschoß sich gestern abend, kurz nach 11 Uhr. ein unbekannter Mann. Passanten«itten her- bei und schafften den Schwerverletzten sofort in die Charitä. Hier stellten die Aerzte fest, daß er sich zwei Kopfschüsse beige- bracht hotte. Der Unbekannte hatte, bevor er den Selbstmordversuch ausführte, seine Papiere zerrissen und verstreut.— Bon der Lützow-Brücke sprang kurz vor 3 Uhr ein« noch unbekannte Frau in den Landwehrkanal. Die Feuer- wehr konnte sie nur nach als Leiche bergen'. Die Fryu ist etwa 28 Jahre alt, 1,65 Meter groß und von schwächlicher Figur. Am Kinn hat sie eine 5 Zentimeter lange Narbe. Ihr Taschentuch ist H. T. gezeichnet. Die Leiche wurde in» SchauhaUS gebracht. Ll-Booi-Wrack festgestellt. Taucher tödlich verunglückt. Ancona, 16. Juni. Als da, Wrack eines gesunkenen Unterseebootes wurde durch Taucher des Hafenkommandos von Venedig«in Hindernis fest- gestellt, dos Fischer auf See in der Nähe von Porto Recanuto dadurch entdeckt hatten, daß sich ihre Netze darin verfingen. Das Wrack liegt auf 26 Meter Tiefe und ist nach Ansicht der Blätter wahrscheinlich«in österreichisches Fahr- zeug, das während des Krieges gesunken sein muß. Der Taucher, der dreimal von Bord eines Schleppers zu dem Wrack hinuntergestiegen war, verunglückte heim letztenmal tödlich. Seine Leiche wurde an Bord gezogen, wo festgestellt wurde, daß er erstickt war. Verhaftung des Landtagsabgeordnelen Lohfe. Der Gquleiter der NSDAP, iür Schleswig-Holstein. Landtogsabgeordnster Löhs«. bekannt geworden hauptsächlich dadurch, daß er seine Landtagskarte an einen Hakenkreuzjreund abtrat, der sich dann vom Minister Franzen„legitimieren" ließ, wurde Montagsrüh von zwei Kriminal- beamten in seiner Wohnung sestgenammen und dem Polizeipräsidium und dann dem Amtsgericht in Altona zugeführt. Als erst« oller Regierungen hat die amerikanische dem Völker- l-und zur Vorbereitung der Abrüstungskonferenz ihren Rüstung»- st a n d mitgeteilt. Ihre Ausstellungen enthalten keine Angaben über da» lagernde Material und die ausgebildeten Reserven. Die Armeeitärke beträgt 140 OOO Mann und 13 000 Ossizlere. die Marine hat lloOOO Mann und 10 000 Offizier«. Die Flott« zählt 631 Krieg». schisse mit 2 Millionen Tonnen. Die reinen Heertsapgaben bettagen SSS Millionen Dollar. Reinhardts„Schöne Helena" Kurfürstendammtheaier Die Operette O f f« n b a ch» ist in vielfachem Sinn unzeitgemäh geWürden. Schöne chelena. travestierte Antike— das Bildungsideal. das da heruntergerissen wird, dies Ideal von klassischem Griechen- tum, bei uns längst fragwürdig geworden, verschlissen, scheint heute eher schutzbedürftig als spottwürdig. Das alte Sparta, bevölkert von bekannten Figuren der Pariser Gesellschaft, Operette als indiskreter Spiegel und Skandalchronik des Zweiten Kaiserreichs— das war einmal beispiellos verwegenes Zeittheater, alarmierend, eins große Sache nicht nur für Frankreich, sondern für Europa, dessen Metropole das Paris Napoleons des Dritten gewesen ist. Doch schon in den siebziger Jahren begann in der Hauptstadt der französischen Re- publik die Operettenherrlichkeit Ossenbachs zu verblassen. Diese Ope- rette war Angriff, Kampf, lustiger Krieg, mit tödlichen Waffen ge- führt, die nicht verwunden, war vernichtendste Zeitkritik', die wird vor Gespenstern der Vergangenheit nicht wieder lebendig. Und der Lperettenmusiker Offenbach? Auch der Kampf, den er geführt hat, der Kampf gegen die Große Oper Meyerbeers, dessen theatralisch- pompösen Theaterstil er dem Gelächter der aufhorchenden Musikwelt preisgab, ist in unserer Zeit gegenstandslos, beziehungslos geworden. Man milß diese Situation höchster Unzeitgemähheit vor Augen haben, um die Größe des Triumphes zu ermessen, den gestern„Die schöne Helena" auf der Bühne des Kurfürstendammtheaters errungen hat. Am Musikgenie Ofsenbach Hot sich das Theatergenie Max Reinhardt von neuem entzündet: das ist, kurz gesagt, die Formel, ouf die hier Kritik zu bringen ist. Vor zwei Jahrzehnten, im Münchener Künstlertheater, war Reinhardts Ofscnboch-Jnszenierung emer der glänzendsten Erfolge des europäischen Theater». Aber auch zwischen damals und heut« steht ein Stück Weltgeschichte. Damals war bei uns sozusagen noch Offenbachs Zeit. Damals ließ sich vielleicht die Versammlung der griechischen Duodezfürsten als Zerr- bild des Monarchenhaufens nehmen, von dem Deutschland regiert wurde. Heute wäre es ein billiges Vergnügen, aus dem Herrscher- tum des gottbegnadeten Königstrottels Menelaus eine satirische Haupt- und Zentralaffäre zu machen. Reinhardt drängt alles, was zeitbedingt war, auch die Opernparodie, auf deren einst sichere Wir- kung er sich mit Recht nicht mehr verläßt, in den Hintergrund. So wird die Aufführung ein beglückender Abend der Musik und des Theaters— der leichtbeschwingten, bezaubernden, mitreißenden Musik und der reichsten, reifsten, vollkommensten Theaterkunst, von einer Hand gemeistert, die alle Arbeit, allen Vorsatz unspürbor macht. Wunderbar, diese Klugheit eines geniehasten Theaterinstinkt«, mit der Reinhardt vor allem im Unterlasten die Inszenierung dem Bedürfnis der Gegenwart anpaßt, ganz ohne jenen krampfhaften Willen zur Modernisierung und Aktualisierung, mit der bei uns jede angebliche„Renaissance" eingeläutet wird. Das Werk ist freilich nicht geblieben, wie es war. An die Erneuerung des Textes haben Egon Friedell und Hanns Saßmann viel Witz und Geist ge- wandt. Der Partitur hat Erich W. K o r n g o l d. der sie eingerichtet hat, eine Reihe von Stücken aus anderen Offenbach-Werken eingefügt. (Für die Instrumentierung hatte er an A. Straßer einen ousgezeich- neten Mitarbeiter.) Einzelnes klingt freilich mehr nach Korngold als nach Ofsenbach. Aber immer wieder, etwa im Uebergang vom gesprochenen zum gesungenen Wort, in der schmiegsamen Anpastung an die Szene, erkennt man, wenn man näher hinhört, den feinen, überlegenen, theaterkundigcn Musiker. Der Musik ist breiter Raum, ihrer Vorbereitung war(unter Korngolds Führung) viel gute, erfolgreiche Arbeit gewidmet. Offen- dach wird gesungen-, von Stimmen, die höchste Ansprüche er- füllen. Aber es ist nicht wie bei Rotter, wenn der berühmte Opern- star ungeschickt neben der Operette steht: und nicht wie im Opern- theater, wo fast jede Operettcnaussührung die Mitwirkenden in zwei getrennte Lager teilt: Opernsänger und Operettendarsteller. Diese unvergleichlich schön singende, blendend schöne Helena der Iarmüa N o v o t n a fügt sich mit anmutiger Natürlichkeit und Selbst- Verständlichkeit in das lebendige Gesamtbild: und Gerd Niemait. dessen jugendlicher Tenor eine Entdeckung für die Opernbühn« ist, macht als Prinz Paris, der sich leicht und locker auf der ihm un- gewohnten deutschen Bühne bewegt, sympathische und glaubhafte Figur. Es ist die schöpferische Kraft des Regisseurs, dessen bildender Wille, im ganzen wie in jeder Einzelpcrsönlichkeit fruchtbar wird. Schauspielerische Höchstleistung des Abends: der Menelaus Hans Mosers: das Stück zeitloser Menschlichkeit, dos in der Ehebruchs- komödie steckt, erhält durch ihn Akzente von erschütternder Tragi- komik. Und neben diesen eine Füll« wirksamer Gestalten: Wall- burgs Kolchos: das Zwillingspaar der beiden Ajax«, deren Ton der dezent chargierende Hubert v. Meyerinck angibt, der polternde Agamemnon Leo Schützendorfs: der mit unscheinbarer Sicherheit pointierend« Merkur F r i e d e l l s. Als aufgehendes Operntalent fällt Frieds! Schuster auf. Und auf der Bühne ein« überwältigende Fülle von bunter Lebendigkeit, von Schönheit und tänzerischer Bewegtheit, die sich im zweiten Finale zu großartiger Phantastit steigert.' l�Iaus Lnngsdeim. Gin„Amerika-plan". Hoovers Wahlkampagne gegen staatliche Arbeitslosenhilfe. New Bork, 16. Juni.(Eigenbericht.) In einer in Indianapolis gelittenen Rede verteidigte Staatspräsident H o o o« r auf einem Bankett republikanischer Chef- redakteure die hohen Schutzzollmauern Amerikas und die Ein« wänderungsbeschränkungen. Er wandte sich zugleich scharf gegen jede Sozialgesetzgebung, und zwar insbesondere gegen jede staat- liche Unterstützung von Arbeitslosen. Er trete für die Arbeits- lofenverficherung ein, sofern sich diese auf einen Vertrag zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern beschränke. Die Re« gierung müsse man dabei aber aus dem Spiel lasten. Hoovcr, der es peinlich vermied, auf das Reporations- Problem einzugehen, schloß seine Ausführungen, indem er nach dem Muster des russischen Fünfjahresplans einen„Amerikanischen Plan" vorschlug, nach dem für die in den nächsten zwanzig Jahren um Millionen wachsende Bevölkerung bessere Lebensbedingungen geschaffen werden sollen, und zwar durch den Bau besserer Häuser, schönerer Städte, Tausender neuer Fabriken, leistungsfähiger Eisen- bahnen, neuer Autostraßen und Schiffahrtskanöle, um 25 Millionen PS. erhöhter elektrischer Energie, um 20 Proz. vermehrter Landwirtschaftsprodukte, neue Parks, Schulen und Kirchen, für die um 20 Millionen vermehrte Bevölkerung. Die Rede Hoovers wird allgemein als Auftakt zu der kommen- den Präsidentfchoftskampagne betrachtet. Llm die Bebauung des Güdgeländes. falsche Informationen an die prefse. Eine„der Baukredit A.-G. nahestehende gemeinnützige Aktien- gesellschast" haste in einer Pressebesprechung der Oeffent- lichkest eingehende Mitteilungen über die angeblich unmistefhar be- vorstehende großzügige Bebauung des Schöneberger Süd- g« l ä n d e s Mit billigen Kleinwohnungen gemacht. So wurde dem Vertreter des„V o r w ä r t s" erklärt, daß die Aussicht auf die Verwirklichung des Projektes, das die Errichtung von insgesamt 15 000 Wohnungen vorsieht, ernsthaft sei, zumal die zustöiWgen Stellen der Stadt, Preußens und des Reiches seit Monaten bearbestet worden seien. Man machte auch bereits genaue Angaben über die Höhe der Mieten. Wie wir hierzu von den ver- antwortlichen Stellen erfahren, muß das Gesamtprojekt bei ernst- haster Prüfung noch als sehr phantastisch bezeichnet werden. Man steht der Verwirklichung des Planes schon aus rein finanziellen Gründen noch sehr skeptisch gegenüber, zumal nicht einmal das nötig« Eigenkapstal bei der Gesellschast vorhanden sein soll. Es haben wohl einzelne unverbindliche Vorbesprechungen stattgefunden, aber darüber hinaus ist«s zu keinem greisbaren Ergebnis gekommen. Bei den Misteilungen an die Press«, die von den Inter«st»ntin aus- gegeben worden sind, scheint es sich demnach um eine Irreführung der Oeffenilichkeit zu handeln, und die auf dem Gelände angesiedsllon Kleingärtner scheinen wieder einmal ohne Grund in starke Veun- ruhigung gebracht worden zu fein. Der Verband sozialer Baubetriebe bittet uns, mitzuteilen, daß er an der Preste- befprechung in keiner Weife mitgewirkt hat. Sozialdemokratisches Waldfest. Das große Voldkreffen der Steglitzer Sozialdemokraten, das für die Parteimitglieder nun schon Tradition geworden ist. wurde diesmal mit den Genossen de, Kreises Zehlendorf gemeinsam gefeiert.» Anmarsch und Abmarsch vollzog sich in geschlossenem Züge mit den roten Fahnen, die das Jungvolk trug, vorbei an den alten Patrizieroillen des Steglitzer Fichteberges, den Gärten und Villen des neuen Reichtums in Dahlem, dem Prunkbesitz der Grunewald- Millionäre. Nun ist der Grunewald erreicht, es wird abgeschwenkt in» offene Gelände. Es entwickelt sich ein Leben, das jede starre Form verliert: die Veranstaltung wird zu einem Fest, das jung und alt restlos zufriedenstellt. Di« Jugend Hot ihre eigenen Dinge vor, sie gruppiert sich zumeist um die Musik und um die Fahnen: ein prachtvolles Bild, die blauen Blusen der SAI., der Roten Falken und der Äinderfreunde, wie sie gegen das Grün des Waldes abstechen mit den weißen und farbigen Kleidern der anderen, da- Zwischen das Zlot der Fahnen. Verwundert bleiben die zahlreichen Ausflügler stehen. Mancher Fremde tritt heimlich hinzu, um etwas von dem bunten Festprogramm abzulauschen. Da ist da» 5lasperlecheater, da erscheinen die„Roten Rebellen", die mit Rhychmu», Gesang und Sprechchor die Herzen mitreißen. Der Krsisleiter, Genosse Palmer, spricht davon, daß neue» Blut, neue Aktivität in die Bewegung zu bringen die Ausgab« der sozialistischen Jugend sei. Jugend feiert das Finkenkrugfeff. Eine kleine Biertelstunde von der Bahnstation F i n k e n k r u g entfernt liegt am Rande des Woldes das Landjugendheim Finten- krug. Aber es ist weit mehr als ein gewöhnliche» Jugendheim, es ist gewisiermaßen die Kleinausgab« eines Rittergutes, und zwar besonderer Art, denn es wird nur von Frauen oder jungen Mädchen bewirtschaftet. Die Geschichte dieser kleinen Gutswirtschaft ist gleich- zeitkg ein Stück Geschichte sozialer Arbeit, wie sie unter den erschwerten Bedingungen der Nachkriegszeit immer wieder geleistet wurde. Anna von Gierte, die Leiterin de»„Vereins Iugend- ht im Eharlottenburg", dem da» Landjugendheim angeschlossen ist, gründete das Heim im Jahre 1921, um erholungsbedürftige Kinder der Großstadt in Licht und Sonne zu bringen. Aber dieser kleine Anfang ist mit dem heutigen Helm nicht mehr zu vergleichen. Au» einem Morgen Land sind 63 Morgen geworden, da» Kinder- erholungsheim. der Grundstock des Ganzen, besteht noch und ist vor allem in Ferienzeiten stark belegt. Hinzugekommen sind jedoch im Laufe der Jahre verschiedene Ausbildungsanstalten für Mädchen, die dem Heim seinen jetzigen Charakter geben: Ausbildung zur Kinder- Heimpflegerin, gärtnerische Fachausbildung. Ausbildung zur Ge- flügelzuchtgehilfin, hauswirtschastliche» Lehrjahr und Haus- und landwirtschaftlich« Arbeitsstätte für Schülerinnen des soziolpäda- go zischen Seminar» des Vereins Jugendheim Charlottenburg. Am Sonnabend hatte da» Heim zu seinem alljährlichen Finkenkrug- säst eingeladen. Den Gästen wurden von liebenswürdigen Führe- rinnen die Einrichtungen und Arbeitsstätten gezeigt— im übrigen aber gehörte der Tag dem Kinde. Theater. Volkstänze ynd Kinder- spiele sorgten für Unterhaltung, und beim Kasperletheater fand sich all und jung in gemeinsamer Frödlichkett zusammen. Petrus hatte es sich nicht nehmen lassen, da» Fest durch besonders gutes Metter zu verschönen, und da« weit« Gelände des Heime», fönst«in« Stätte ernster Arbeit, war von Freude ersüllt bis in die Abendstchiden. Vlliudski läßt dieser Tage ein Buch„Geschichtliche Verbesie- rungen" erscheinen. Im Vorwort spricht er der jetziaen Generation das Recht ab, über ein«„so zentrale Gestalt" wie die sein« zu ur- teilen.. i „Oer Erlkönig". Atrium. Da» Märchen ist des Filmes liebstes Kind, das heißt, des stummen Filmes. Aber deswegen besteht noch lange keine Not- wendigkcit, Goethes Erlkönig zu vertonfilmen. Im Gegenteil, Goethes Worte sind so knapp, so ungeheuer einprägsam,, däß eine filmische Belebung der Ballade eigentlich von vornherein zum Erliegen verurteill ist. Es P des Aufachtens wert, daß sich ausgerechnet die Franzosen an diesen Stöfs wagten, der ihnen, nach unserem Geschmack beurteilt, nicht besonders liegt. Trotzdem ersteht unter Marie Luise I ri b e.» Regie oft wahr« Märchensnmmung von tiefster Wirkung. Wirerleben den im Mondschein liegenden Walo und die Uebergäna« von der un- heimlichen Wirklichkeit zu den Wahngebilden des kranken Kindes sind sehr gelungen. Doch setzt das erste Versagen ein, sobald Erlkönigs Töchter erscheinen. Sie wirken nicht wie Elsen, sondern eher wie Anreize für ein Nachtlokal. Als dann der Erlkönig sich als Tod zeigt, kommt plötzlich und unerwartet ein stramm militärischer Ein- schlag in den Film, und der Schimmel des Todes wird von einem regelrechten Paukcnpserd begleitet, aus dem offenbar ein waschechter Milstärpauter im Sattel sitzt. Dadurch geht dem deutschen Publikum die Märchensttmmung ein für allemal verloren, und der Schauer löst sich in Lächerlichkeit auf. Daran ändert auch der stimmungs- volle(freilich typisch katholische) Abschluß nichts mehr. Otto Gebühr ist durchaus lebenswahr und darum groß. Der kleine Raymond spielt(obwohl er laut Programm ein Kind deutschsprechender Eltern sein soll, die aus Rußland fliehen mutzten) in der uns erschreckenden Reise aller französischen Filmkinder. Vorweg sah man den schon bekannten entzückenden Starewitsch- FilNi„Der oerzauberte Wald". Dieser Film ist so einzig- artig und so unendlich zart, daß durch ihn ungewollt dlir Hauptfilm vergröbert wird. e. d. Das ideale Heimai-Mufeum. Das Heimat-Museum, das nicht in erster Linie wissenschaftlichen Interessen, sondern der Erziehung der Allgemeinheit und der Schul« dient, gewinnt in unserer Kultur immer größere Bedeutung. Wie ein solches ideale« Heimatmuseum eingerichtet sein müßte, schildert Prof. Zepp in der„Umschau". Ein solches Institut mutz nach seiner Forderung stets Stellvertreter der Wirtlichkeit sein und die Kunde der nahen Umwelt, die uns durch Beobachtungen und Wanderungen zuteil wird, vertiefen. Es muß die Natur und Kultur der Heimat als große Einheit erfassen und nichts darf darin für sich bleiben. Nicht dürfen Massen des gleichen Gegenstandes in Glasschränten aufgehäuft werden, sondern jeder Gegenstand muß zu dem anderen in Beziehung treten, das eins sich aus dem anderen organisch ent- wickeln. So läßt sich in sinnvoller Zusa�imenschau darstellen:„Eine Einzellandschast, wie sie heute aussieht und wie sie entstand, unser Land in der Tertiärzeit, im Diluvium, Landschaft und Industrie- entwicklung, Gang der Besiedlung von der ältesten Zeit bis zur Gegenwart. Die Menschen des Heimotraume», ihre Kultur- entwicklung: auch Tiergruppen, Vegetationsübersichten, Insektarien, Aquarien und Terrarien sollten nicht fehlen." Zu diesem Zweck müssen Modelle. Reliefs, Karten, Skizzen, Bilder erst geschaffen werden. Wenn die Entwicklung der Heimatlandschast in ihren Haupt- formen im Laus der Erdgeschichte dargestellt ist, dann wird sich auch die Kultur sinnvoll zeigen lassen, und zwar stets im Zusammenhang mit der Natur. Nur Bilder aufzuhängen oder Köpfe und Krüge in Vitrinen aufzustellen, kann die hohe Aufgabe eines Heimatmuseums nicht erfüllen. Die volkspädagogisch« Bedeutung einer solchen Sammlung liegt in der Anschaulichkeit, die sich nur dann dem Be- schauer unmittelbar aufdrangen kann, wenn eine sinnvolle An- ordnung und Gliederung durchgeführt ist. Shaw über die Weltsprache. Ein Vortrag, den Bernord Shaw kürzlich In London über .Bibliotheken und englische Sprache" hielt, gab deNi Redner will- kommen« Galcgenheit, sich in seiner kaustischen Art über die eng- lisch» Sprache zu verbretten..Es ist eine seltsame Erscheinung", sagte er,„daß selbst ein so hervorragender Schriftsteller wie Iame? Joyce, obwohl ihm fünshunderttausenb Wort« der englischen Sprache zur Verfügung stehen, um seine Bücher zu schreiben, trotzdem die Zeit damit vergeudet, neue Worte zu erfinden. In seinen letzten Werken zählt man an die 90 Proz. Worte, von denen man bisher keine Ahnung hott«." Dann bezeichnete Shaw die englische Sprache als eine Sammlung von Geräuschen, von denen man nur 208 als fest bestimmbare Laute bezeichnen könne. Ein Bauer der Grafschaft Somerset könne gut und gern mit dreihundert Worten in seinem Leben auskommen, vorausgesetzt, daß man ihm noch ein paar kräftige Flüche zubillige. Show ging dann auf die Möglichkeit ein, daß sich die Mensch' heit auf ein« gemeinsame Weltsprache einige, und beleuchtet pie Aussichten, die das Englische dabei hat. Die größte Aussicht, Welt- sprach« zu werden. Hot seiner Ansichi Nach die Sprache mit dem geringsten grammatikalischen Ballast. Die Grammatik sei ein« ltn- geheuerlichkeit und außerdem meist ganz überflüssig. Englisch stehe jedensalls in dieser Beziehung am günstigsten da. Seiner lieber- zeugung noch dürfe das„Pidgin-English", die Sprache des Ge- fchästslebens, die meiste Aussicht haben, dos klassische Englisch der Zukunft zu werden. Ein Engländer sogt:„Es tut mir aufrichtig leid, Ihnen nicht gesällig sein zu können": der Chinese sagt im gleichen Fall einfach:„Kann nicht", und drückt sich damit ebenso klar wie einfach aus. Der Ausländer, der jorgsam darauf achtet, sich eine korrekte englische Aussprache anzueignen, muß sich in Eng- land überzeugen, daß hierzulande kein Mensch«in korrektes Englisch spricht. Wir alle haben jeder eine andere Aussprach«. Diederherstellunq eines Maya-Heiligkvms. Eine merkwürdige kreisförmige Anlage, der E a r a c o l, dessen Ruinen vor längerer Zeit in der Nähe von Ehichen Jtza, d«r heiligen Stadt der Mayas, aufgefunden wurde und zu den' inb-resiarttesten Baulichkeiten von Nukatan gehört, ist jetzt von amerikanischen Archäologen teilweile wiederhergestellt worden. Es ist nunmehr ein mächtiger Tvrni, der sich über zwei breite Terrassen erhebt. Das genaue Alter des Cäracol hat sich bisher nicht feststellen lassen: man vermutet ober, daß«s eine Sternwarte war. von der aus oie Astronomen der Mayas ihre erstaunlichen Beobachtungen und Berechnungen anstellten. Latein und Griechisch abgeschasst. Vom nächsten Jahr« an wird die amerikanifche Pale- Universität von den Anwärlern auf einen akademischen Grad die Kenntnis der lateinischen und.griechischen Sprache nicht mehr verlangen. Dieser Beschluß der größten ameri- kanischcn Hochschule ist bezeichneno für hie modernen Ziel« des amerikanischen Bildunessystem». Die Studenten von Aale drücken in ihrem täglich erscheinenden Organ ihre Genugtuung darüber aus, daß sie enhiich von deNi Zwang befreit sind, Den ihnen„der Unverstand der Vorfahren" aufgezwungen habe. Anders urteilt da- gegen Professor Ralph Magoffin, der Altmeister oer klassischen Studien an der Universität New Pork und Präsident des Ver- bandes der klassischen Philologen.„Ich halt« es, rundheraus gesagt, für ein Unglück", klagt er.„daß nach 200 Iahren humanistijch.-r Hochblüte eine unserer großen Universitäten einen Entschluß?aßt. in dem viele Sachkundige nur ein bedauerliches Sinken ihres Niveaus zu sehen vermögen. Der Entschluß ist die Konsequenz au; der materialistischen Anschauung unserer Zeit. ver Bich als Düngcmitlelfabrik. Der Blitz vereinigt beim Durchschlagen durch die Luft ihre Bestandteile Stickstoff und Sauer- stoff ebenso zu Stickstoffverbindungen, die als Düngemittel brauch- bar sind, wie die künstlich hervorgerufenen elektrischen Entladungen in den Düngemittelfabrilen. Während in diesen die Funken eine Länge von 4,5 bis 6 Meter erreichen, arbeitet die Ngtur mtt Blitz- funken bis 600 Meter Länge, die auf ihrem langen Weg entsprechend große Mengen der Verbindungen in der Lust erzeugen, die von) gleichzeitig niedergehenden Regen in die Ackererde mitgenommen werden So liefert die Natur dem Landwirt jährlich kostenlos etwa 100 Millionen Tonnen gebundenen Stickstoffs als Dünger. Freilich ist dieser Wohltäter Blitz auch gefährlich. Photogräphien haben gezeigt, daß der Blitz vom Luftzug seitlich abgelenkt werden kann, so daß es gefährlich ist, sich bei einem Gewitter im Luftzug bei einem offenen Fenster aufzuhalten. Ein neuer Lind'ey. Bon dem amerikanischen Richter Ken B- Linösey, dem Verfasser der„Revolution der moderneu Jugend" und der Kameradschaftsehe" erscheint demnächst in deutscher lieber. setzune ein neues Buch„Das gefährliche Leben". Finnland im Alkoholkampf Vollständige oder gemilderte Prohibition helsingfors, im Juni. 11)17 mürbe in Finnland das vollständige Alkoholoerbot einge- sührt. Die finnische Volksvertretung ipollte 1W7 das Alkoholoerbot, aber dos Gesetz scheiterte am Widerstand der russischen Regierung. Zehn Jahre nachher nach der russischen Märzrevolution, wax es dann �o weit: Finnland wurde das trockenste Land Europas. Der Alkohol in jeder Form verschwand aus dem geselligen Leben,— aber nur, um unterirdisch in gefährlicherer Form wiederzukommen. Der Spritschmuggcl blühte aus. jenes von einer gewissen Ro- manfif verbrämte Gewerbe dunkler Ehrenmänner, bei dem das Risiko ebensbg oroh ist wie der Gewinn. Die Schärenwqlt, die so malerisch der Küste Finnlands vorge- lagert ist. wurde der Schauplatz wilder Vcrsolgungcn und nächtlicher Jagden. Die biedere Fischerbeoölkerung der Küste verlernte die Arbeit und wurde durch den Schniuggel und den Fusel korrumpiert. Der ordinäre Branntwein drang dann durch zahlreiche unsaubere chände ins Innere des Landes und wurde teuer genug an die Bauern und Arbeiter losgeschlagen. Den Bemittelten stand jeosicher Alkohol zu Ncpp�Preiscn zu Gebote. Die Schmuggeleinsuhr von Sprit in Finnland wird vorsichtig aus m i n d e st c n s 1t> M i l l i a- n e n Liter jährlich geichätzt. Mit der Zeit würden die Volksschäden, der Korruption und des geheime� Alkoholverbrouchs immer offenkundiger, und es entstand eine Bewegung auf eine Revision des Prohibitionsgesetzes. 1922- bildete sich der„Verband für Voltsnüchternheit ohne Verbot" finnisch: Ta>sKieIIc>Uc>maii Kansanraittiuden edistäniisyhdistys —(bitte nachsprechen!).. Sein Gegenpol ist der„Verbotsgesetz- Verband". Auch die Frauen, stets eifrige Gegner des Alkohols. konnten sich den ossenkundigen Schattenseiten der totalen Prohi- bition nidst verschliehen: sie setzten eine Petition auf, in der die Aenderung des Prohibitionsgefetzes verlangt wird und erzielten binnen einem Monat ohne besondere Agitation 118 099 Unterschriften. Der Stimmungsumschwung in der Beurteilung der Prohi- bitionsfrage fand Widerhall bei der Regierung. Zu Anfang dieses Jahres wurde«in Studienausschuß für die Probleme des Altohol- Verbotes und zur Ausarbeitung kontreter Vorschläge eingefetzt. Dieser Ausschuß heißt das Björkenheim- Komitee: sein Vor- sitzender ist der populäre Edvard Björkenheim. der eigentliche Vater der finnischen Absiinenzbewegung. Seines Zeichens ein Gutsbesitzer in der Nähe von Wasa, hat er sich abseits von aller Politik den Kampf gegen den Alkohol zur Lebensaufgabe gemacht. Er ist der reine Typ eines Volksmannes, der, ohne nach politischen Aemtern und Ehren zu trachten, sich um der Sache willen in den Dienst einer sozialen Idee stellt. Björken- heim erfreut sich denn auch einer fast sagenhaften Volkstümlichkeit kein Wunder bei einem Volke, das den Alkohol durch den Sport verdrängen will. Dos Björkenheim-Kvmitee setzt sich paritätisch, aus Vertretern der beiden Lager zusammen.- Die erste- Aktion des Komitees war- ltezeichnenderwcise- der Dorschlag an die- Regierung/ den imlitärischen See- Ueber Ivachu ugsdiefistj de r die-Zott»� behördcn im Kampf gegen den Schmuggel zu unterstützen hat, durch die Einstellung schnellsahrende.r Motorkutter.zu ver- stärken. Weiter erklärt das Komitee, Wein bis 12 Proz. Alkoholgehalt und Bier zum freien chandel zuzulassen: Bronnt- wein bleibt auch fernerhin gänzlich verboten. Bei diesem Borschlag sprechen sichtlich auch handelspolitische Rücksichten auf die Deintändcr Frankreich und Spanien mit. dl« häusliche Wciobereitung. die stark zöge- nommen Hot, soll damit gedrosselt werden. Damit ist ober dos Schicksal der Prohibition keinesfalls ent- schieden. Im Gegenteil, gegenwärtig dürfte eine Novelle zum Pro- hibjtionsgesetz schwerlich eine Mehrheit im Parlament finden. Die gesamte Sozialdemokratie ist prinzipiell für Ausrechterhal- tung der v ol l l st ä n d i ge n Prohibition, die bürgerlichen Par- teien sind in dieser Frage sehr zersplittert. Don der führenden Re- gierungspartei z. B. den Agrariern, sind nur wenige fyr eine Aen- derung des bestehenden Totalverbotes. Die Bolksstimmung ist durch- aus nicht eindeutig gegen die Prohibitron. Entgegen der Petition der 118 999 Frauen spricht sich eivc Adresse der sozialistisckicn Frauenver bände für die Aufrecht- crholtung des Totalverbotes aus. Bei einer Probeobstimmung unter den 5000 Studenten der Universität Helfingwrs hoben nur 11 Proz. für«ine Erleichterung der Prohibition gestimmt. Ueberhaupt ist fast die gesamte Jugend, wohl unter dem' Einfluß de, Sportes, für völlig« Prohibition, ein wichtiges vr/tepädagngisch»s Symptom. Es wird also im cherbst, wenn dos Björkenheim-Komitee mit seinen endgültigen Vorschlägen hervortritt, noch heftige Kämpfe um die Frage„naß over trocken" geben. Bernhard L-arney. „Meinigkeiien" aus der Notverordnung. Das Arbeitsamt als Mieteneintreiber. Aus manchen wenig beachteten kleineren Bestimmungen der Notverordnung kann man so deutlich den Einfluß des.Interessenten- Hausens" erkennen. Wo Industrie und Handel durch Subventions- versprechen, wo Selbständige in Stadt und Land trotz der Notlage des Reiches mit recht ansehnlichen Geschenken bedacht wurden, konnten dod) die Hausbesitzer nicht ganz leer ausgehen. Wie der„Vorwärts" schon ausführlich berichtet hat, erhalten die Haus- besitzer aus Hauszinssteuermitteln auf Kosten der Allgemeinheit Gs- schenke. Der§ 175 des Arbeitslosenversicherungsgesetzes hat jetzt auch einen Absatz d bekommen, wonach der Borsitzende eines Arbeitsamtes iy besonderen Fällen anordnen kann, daß ein angemesiener Teil der Arbeitslosenunterstützung zur Begleichung des Mietzinses für die Wohnung des Arbeitslosen an den Vermieter ausgezahlt wird. Daß im Z III desselben Gesetzes ausdrücklich die Unpfänd- barkeit der Arbeitslosenunterstützung festgelegt ist, kümmert die verantwortlichen Herren für die Notverordnung nicht. Gewiß sind in vielen Fällen Arbeitslose den Mietzins etwas schuldig geblieben: ober in allen diesen Fällen ist zur gegebenen Zeit das Wohlsahrtsamt eingesprungen, das auf Grund der Fürsorge- pflichtverordnung dazu gezwungen ist. Nicht Böswilligkeit, sondern Unmöglichkeit bei den kärglichen Sätzen der Arbeitslosenver- sicherung war der Grund zur Nichtzahlung, denn in hundert- taufenden Fällen erreichen die Arheitslosenverpcherungssätze. j n a ch trith f i kstfsial Ö f W fl h f sa h'rfl sfätze der�koüimunolen l Fürsarge.- jchfi'c Eine Sksparnis kann durch diese-Bestimmün��mcht erzielt werden, denn jetzt wird der Arbeitslose statt Geld zur Miete Geld für Lebensmittel von der Wohlfahrt erholten. Wie wäre es, wenn jeder Vermieter, der den Antrag stellt. einen Teil der Unterstützung an ihn als Mietzins auszuzahlen, dos Geld auf der zuständigen Zahlstelle des Arbeitsamtes selbst ab» holen mühte? Das stundenlang« Warten auf Pfennige m Reih und Glied mit den Arbeitslosen würde diesen Herren bestimmt gut bekommen. Die notleidenden Hausbesitzer auf der Stempelstelle, da» wäre immerhin etwas Neues. Tttchi Abbau, sondern Ausbau. Reichskonferenz der Sozialversicherungsaugestellte«. Die im Zcntralverband der Angestellten vereinigten Angestellten und Beamten der Soziawersicherungsträger hielten in Dresden ihre R« i ch s t o n s e r s n z ab. An der Tagung nahmen 399 Delegierte aus allen Teilen des Reiches und von ollen Zweigen der Sozial- Versicherung teil. Der frühere Reichsarbeitsminister Rudolf W i s s e l l sprach nach dem Begrüßungswort des Verbandsvorsitzen- den Urban über„Sinn und Grenzen der Sozialpolitik". Die Sozialversicherung, so betonte er, ist nicht Staatshilfe, sondern organisierte Selbsthilfe der großen Massen der Arbeit- nehmer. An Stelle des individualistischen Spörens tritt das soziale Sparen. Der Glückliche tritt für den Unglücklichen, der Gesunde für den Kranken ein. Vorübergehend mag in Zeiten wirtschaftlicher Krisen auch das sozialpolitisch Erreichte angelastet werden, auf die Dauer jedod) kann die Reaktion den Ausbau der Sozialversicherung nicht hemmen. Es ist. die große Aufgabe der Gewerkschaften, in der kapitalistischen Wirtschaftsordnung die Ausbeulung der Arbeitnehmcrschaft aus ein Mindestmaß einzuschränken. Die Gewerkschaften müssen die trogen- den Säulen und treibenden Kräfte eines Weiterbaues der Sozialpolitik sein. Die Angriffe auf die Soziowerstcherung crsordern.heute aus feiten der Arbeitnehmer erhöhte Aktivität. Der Reichsrqdigruppcnleiter Hugo Brenk« gab den Geschäfts- bericht. Die Konferenz faßte ihren Willen in zwei Ent- schließungen zusammen. Eine davon beichästigt sich mit der grundsätzlichen Stellung des Verbandes zur Sozialversicherung, die andere enthält einen scharfen Einspruch gegen die sozial- reaktionären Vorschriften der Notverordnung. Deutsche Hochschule für Politik. I. K. Dagnik. ein früherer Mitarbeiter Gandhis, hält in englischer Sprache am 19. Juni 1931, 29 Uhr. im Großen Hörsaal der Hochschule für Politik. Berlin W. 5ö, Schinkelplatz 6, einen ösfentlichen Vortrag über „Tbc Indian Round Table Conference in London*. Eintritt frei. „Mutter und Kind in der Kunst." Unter diesem Thema ver- onstaltet der Verein M ü t t e r h i l f e E. V. am 17. Juni 1931, 19 Uhr. im Harnackhaus der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft zur Förde- rung der Wissenschaften, Berlin-Dahlem, Jhnestr. 16—29, einen Vor- tragsabend. Der Reinerlös ist für wohllätige Zwecke gedacht. E i n- trittstarten zu 5, 2 und 3 Mark sind in der Gsschästsstelle des Vereins: Berlin-Dahlem, Ziethenstr. 24, Telephon: Äreitenbach 3751, sowie an der Abenkasse zu haben. Wetter für Berlin: Noch ziemlich heiter und warm, mäßige südliche Winde.— Für Deutschland: Im Nordosten Bewölkungs- zunähme, sonst überall beständiges und warmes Wetter. Berantwortl. kür die Rcdattwn: Lerbert Lepi-re, Berlin: An, eigen: tb. Stocke. Berlin. Verlag: Lorwiirts Verlag®. m. 6. 6., Berlin. Druck: Vorwiirts Buch. bruckerei und Berlagsanftalt Paul Eiugcr& Co., Berlin£38 68, Lintlenftrahe 8. Sier»» l Beilaae. I,■; ! JS---- 1-!»'. 6 Buoh-bw- au�,'■' 6' IS Monats raten ÖlaMatz Berlin W 66. Leipziger Straße 122/123 PROGRAMM f0r läie Zeit vorn 16. bb 18, Juni IC I M O-T A F S L PROGRAMM für die Zeit vo® 16. bb 18. Juni ©IO ÜJ Potsdamer Strafe ZS W S, 7, 9. S. 3. 5, 7. 9 Uhr D-Zag 15 hat Venpltang m Charl. So>a— Der Stamme rea Portici mit Siegfried Arno, Trade Berliner Rheinstratje 14 Älche, W. ab 5.15, S. ab 3.15 Uhr Karibon, ein Abenteuer aus dem wilden Westen in 9 Akten— Wettlaaf um den Mann, 7 Akte, mit Bebe Daniel». Jugendliche haben Zutritt! Odeon, Potsdamer Str. 75 W. 5, 7. 9. S. 3, 5. 7, 9 Uhr Lustspiel: Oer falodte Ehemann mit Maria Paadler, Jonanne» Ri mann, Tibot von Haimar u. a m. Turms iraije 12 s Vi. 7,9 c Lustspiel; Oer Mann, der seinen Mörder sacht mit Heinz Rahmann, Uen Der er s Alcxandcrstr. 39-40 (Passage) Den ganzen Tag geöffnet, Stgs. ab 3 Uhr Die heilige Flamme mit Oostav Fröh Idi. Otia Paria was tan Prsmus-Falasl Potsdamei Stt 19 Ecke Margaretensu Joel en ags MS. 7.15, 9.15 Uhr S nn agä 3-15, 5.15. 7.15. 9 15 Uht Der Sc recken der Gamisoa mit Helbi Bressari 'Uatn iiiche hanen Zutritt Franziskaner ab[f EÄm jeorgenjiraöe(Ecke Friedrichstrafie) Nor eine Nacht— Tonfilm; Oer tanzhosar— Toky, der Gelger elprogr,-- Moabit A. vtii ab Film n. W. a. 6J0Uhr evrrusnoi Bahne s. ab 5 Uhr Perleberger Str. 29 BOhnenschaa Tonoperette; Land des Lldrelns mit Richard Tanber— Beiprogramm Ws-'It-K'inrs Wochent 6,45, 9.05 weu-mno Sonntags ab 4 45 Mt7Moabit 99 ' 100 proz. Tonfilm: Gefahren der Liebe mit Bastcrmann, Toni v. Byk Tonwoche Tonbeiprogramm Titania-PalasnUÄ Steglitz, SchIoBstr.5. Ecke Cutsmuthsstt Ab beule I Der gewaltige Kriminaltonfilm ,M* Regie. Frlis Lang mit der großen Besetzung Tönendes Beiprogramm W lahianeiorf-Mitte-M �__CharioMent>ura H Kant-Lichtspiele Kamstr 54(an derWilmersdorter Str.) W. 5, 7, 9 Uhr Sfg. ab 3 Uhr Das Schicksal der Renate Langen mit Mady Cbrisrians Gnies Beiprogramm Atrium Bcba-Palost Kalserallee, Ecke Berliner Straße Tiglich 7, 9.15 Uhr, Stgs. 5. 7. 9,15 Uhr Deutsche Tonfestwoche! Tonfilm: Der Erlkönig m O, Gebühr Auf der Bühne wirken täglich abwechselnd Berliner Sängercnöre mit Beiprogramm Jugendliche haben Zutritt! SeliöHebhra Titania Schoncbg. � 5.7.9 _ Sig abß ilauptstraße 49 100 proz. Toniilm Er und ie.n« Schwester mit Anny Ondra. Vlasta Borisn Beiprogramm- Woche Fnebona. Kroncn-Licfotspielc Öheinstr. 65 Wochemags 7. 9',br Sonntags 5, 7, 9 Uhr TSazerlanesMr Südamerika gesnehl mit DUa Parlo, Paol Otto. Harry Frank- Flick und flocky Steglitz Zcli Wochentags 7, 9 Uhr Sonntags 5, 7. 9 Uhr Potsdamer Str. 50 Stg. 3 Uhr; Jugendv. VorantersadiaBj mit Bass ermann, Fröhücfay Brauseweiter Beiprogramm d��~M~A'e'n'cio~f....... H Ma I 1 Marlendorler Wochentg. I ia-lel Lichtspiele ab 7 Uhr Chausseestr. 30S lOOproz. Tonfilm: TSler geenchi mit Harry Halm Das ansgczekfan. Tonbeiprogramm TiVOU Berliner Str. 97 ßeg. 7, 9 U. Stgs. 3 Uhr: Jug.-Vorst lOOproz. Tonfilm: Ich heirate meinen Mann mit Igo Sym, Trade Berliner Tonbelpragramm Neukölln 3 Mercedes- Palast Heririannstraße 212. Ecke Jägcrsuaßc Wochent t'n, 9 Uhr, Sonnt 5 Uhr Zwei Grotnimef Zirkus mit Charlie Chaplin Tonfilmerfolg: Flieger Zwei Gipfelleistungen der Filmkuns: erneut auf dem Spielplan Lichtspiele Südwest Blücherstr. 12 W. 5. So. ab3Uhr lOOproz Toniusfspiel- Komm zi mir zum Rendezvonz mit R. A. Roberts. F. Schals Schand- mit Carl de Vogt(Stummei Film) Film-Palast Kammersäle Teltower Str. 1 W. 6-M, 9. Stg. ab 5 U- lOOproz. Tonfilm: Wenn die Soldaten... mit Charlotte Ander, H. Thimlg, Vcrebes Beiprogramm i � Primus-Palast Am Hermannputz, Urbansir. 72/7« Wo. 6.45, 9 U„ Sonnt ab 5 U. E. A. Duponts Meistertoawerk; Atlantik mit Fritz Korfner, Willy Forst, Thcod. Loos, Franz Lederer. Lade Mannhelm— Gr. Bclprogr, Bünne; Internationales Variete Th. am Moritzplatz Beg.: Wöchig ab 6-50, 9. Stg. ab 4-50 U. Tonfilmoper: Oer König der Vagabunden trit Jeanette Macdonald Ansgezelchnde gr. Beiprogramme Luiscn-Thcatcr lleiclienberger Str. 34 Anf. W. ab b'/r U. Stg. ab S U. Billige Volkspreise Seine Freundin Anette mit Llssi Arna Streng vertraaliih mit Eddy Canlor Stella-Palast Köpenicker Straße 11—14 Wochtgs. 7. 9 U., Sonntags ab 5 Uhr lOOproz Tonfilm nur noch bis einschl Donnerstag O-ZngiS bal Verspthmg mit CbarL Sc sa Cr. Beiprogramm- Bübnenschaa Sternwarte- Treptow Mittwoch, Donnerstag 8 U' r: Karlb o, C.lebn:sse indianische Jager in Nordamerika „Elysium Prenzlauer Allee Wochent. ab 7. Sonnu ab 5 Lhr: Tonopsrette: Die Faschingsfee mi Anny'Ahlers, Verebt» Bühnciifcbaa— Tonwochensehaa Fiora-Lichtsp. LAii«�«r Wochentags ab 6-50. Sonntags ab 4 U. Tonfilm: Die Königin etner Nacht SfhönheU tat Trumpf Oatan Germania-Palast Frankfurter Allee 314 Wöchenigs. 6.30 U- Sonntags ab 5 Uhr fonfilm: Arme kleine Eya Ein Kampffilm gegen§ 218 mit Grete Mosheim, Ed. ▼. Winter- stein. H. Hildebrandt, H. Wangcl Ausgezeichnetes Befprogrsmm Bühne; 1 VariettnOmmem Luna-Palasl Gr. Frankfurter Str. 121 Tonfilm; Arme kleine Ev« mit Grete Mosheim Bühne: Aa Müller-LIncke u Partner Frankenburg, s�W'v/ Große Frankfurier Straße 74 Vier Teufel(Zirkusftlm) Beiprogramm— Gr. Bübnenschaa Schwarzer Adler Woch. 5. 7. ca. 9, Stg. 3, 5. 7, 9 U Großtoniilm; Fat und Falsch on aal Freier stüchen Bühne: Fred Schani-Ensemble, Zigeunerklänge Jugendliche haben ZutrittT V. T. Lichtspiele vUo�o Frankfurter Allee 48 W. 5. Stg. 3 Uhr Spitzentonfilm; Arlane mit Elisabeth Betgaer Gjoges Beiprogramm Babylon» am B&lowplatz Wochentags 630 Uhr Sonnabends u. Sonntags ab 5 Uhr 10p proz. Tontiim: TS er gesucht mit Gerda Maurus. C. L. Dlebl Bühne: Nila Marz u. L Meledian Midis, Damen-Jazz Kosmos-Lichtspiele Lflckstr.TO Wochent 7. 9 Uhr Sonntags 5, 7. 9 U. Tonoperette: Königin ciaer Nacht mit Friedet Hlzlin . Mlcky Maas Im PnppenUad WuiOunsea Schloßpark Film. Bühne Berliner Allee 206—210 Tonfilm: Am Ende der Well Der Hauptmann tob Köpenick Gute Bübnenschaa Beiprogramm » Fried rlchofwldu> Kino Busch Alt-Friedrichsfelde 3 100 proz. Tonfilm: Die Csikotbatoneg mit Grell Thdmer, Ernst Verebcs Gnies Beiprogramm Jugendliche haben Zutritt Alhambra eÄe?��� Wochent 5, 7. 9 U, Sonnt 3, 5, 7, 9 U Tohfilmoperette: Zwei Herzen im DrcMetieltakt mit Janssen. Forst Beiprogramm_____ Pharus-Licfatspiele Müllerstr 142 W. 5, 7,9 ü, Stg. 3,5,7, 9U Tonoperette: Der Llehesexpreg mit Oina Gralla. Alexander, Schmtdl Sein letzter Gang mit G. Bancrott fl Pankow■ Palast-Theater Breite Straße 21 a W. 7 u. 9, Stg. 5, 7, 9 U Tonlustspiel: Seitensprünge mit G. Flaums, O. Sims, WaUbnrg, ■ d. Sandrock Beiprogramm »UflUc Filmpalast Tegel«*�2' Stgs. 2 U. Jgd.-VorSL W. 6, Stg. 4>,c U. TonMIm: Ihr Jnnge mit Hans Feher. Mag da Sonja Grones Betprogramm U TtÜRnfBoSorir""� Fiimpalast stg. 830 . U. Berliner Straße 59 Stg. 2 U. lug.-Vor st Tonqperette: Der Bettelstudent mit Bollmann, Schulz.., Reichhaltige» Beiprogramm föelloge Dienstag, 16. Juni 1931 BprjUipnD Qr�c****■ vo+tb&tik Max Wagner: Elekeimtiiis zur Heimstätte Kürzlich sprach der Deutsch-Amerikaner Rosenthal, ein be- kannter amerikanischer Genossenschaftsführer, hier in Berlin über die Wohnungsoerhältniss« in Amerika. Der Gegensatz zwischen dem, was ich in diesem Vortrag von Amerika hörte und dem, was Prof. Dr. WalterGropiusin seinem Aufsatz„Bekennt- nis zum Hochhaus" schreibt, ist so groß, daß ich ein Wort darüber sagen muß. In Amerika wohnen über SO Proz. aller Familien im Einfamilienhaus(bekanntlich auch in England). Die Sehnsucht nach dem Boden ist noch im Wachsen begriffen. Sogar der Präsident von Amerika ist Mitglied einer Baugenossenschast und fördert den Siedlungsgedanken, wo er nur kann. Der Deutsch- Amerikaner erklärte, daß das Streben des Menschen nach dem Ein- familienhaus international sei. Er habe das in den letzten sechs Monaten in ollen Ländern feststellen können, die er be- sucht habe. Nur in Deutschland habe er gefunden, daß die Menschen noch zu eng beieinander und übereinander wohnen. Besonders über die Berliner Mietskasernen sei er erschrocken. Er sei mit der Bahn 30 bis 40 Minuten aus Berlin herausgefahren und Hobe große unbebaute Flächen gesehen. So etwas sei in Amerika unmög- lich. Die Berliner hätten in ihrer Wohnungspolitik bis jetzt große Fehler gemacht, die sie wieder gutmachen könnten, indem sie ein Wohnungsbauprogramm auf 20 Jahre aufstellten und jedesIahr S Proz. der Einwohner in Heimstätten ansiedelten. Die Frage der Entfernungen sei eine Derkehrssrage, die leicht gelöst wer- den könne. Es sei nicht einzusehen, worum das in Berlin nicht mög- lich sei, was in anderen Weltstädten als selbstverständlich angesehen werde. Und nun kommt Gropius mit seinem„Bekenntnis zum Hochhaus" und will uns beweisen, daß WohnstäUen-Siedlung eine Uwpi« sei! Cr empfiehlt zehn- und mehrgeschossige Wohntürme und behauptet, daß diese Wohnform aus vielerlei Gründen die einzig richtige Lösung sei. Als Gropius noch Leiter des Bauhauses in Dessau war, war er noch Freund der Siedlung und baute auch noch solch«. Er selbst wohnte in einem sehr schönen Einfamilienhaus«. Und wer dieses„Meisterhaus", gelegen zwischen Bäumen, zum Schutze gegen Neugierige mit einer Mauer umgeben, gesehen hat, der kann sich nicht denken, daß sich Gropius im achten Stockwerk seines Wohn- turmes, umgeben von 100 Familien, wohlfühlt. Als Gropius vor zwei Iahren auf einer Tagung der Reichs- forfchungsgefellschaft zum ersten Male mit seiner Idee des Wohnhoch- Hauses an die Oefsentlichkeit trat, schüttelten viel« Kenner seiner Der- gangenheit den Kopf, und mancher hat ihm seine neu« Theorie gründ- lich widerlegt. So hat z. B. P e u s- Dessau damals in der Anhalter „Volkswacht" folgendes geschrieben: „Wir müssen heraus aus der Bodenmonopolwirt» s ch a f t. Es muß aufhören, daß man, wenn man sich irgendwo draußen ansiedeln will, siir einen Boden, dtt je Quadratmeter nur 10 Pf. Ackerwert hat, S Mk. zahlen soll und unter Umständen muß, wenn man den 10-Pf.>Ackerboden eine» anderen in einen Wohnboden für sich umwandeln will. Dies« infame Ausbeuwng desien, der kein Wohnland hat, durch den, der das Land oft nicht einmal selber be- baut, muß unbedingt so schnell wie möglich aus der Welt geschafft werden... Vor dieser Ausbeuterband« weichend, sich ins zehnte Ge- schoß zu flüchten, als ob es gar nicht genug Land für uns unten gäbe, als ab wir gar kein Anrecht mehr an die Erde unten hätten, das ist die Höhe tollster Unnatur im Menschenleben... Ein Aehngeschoßhaus ist schon als Geschäfts- oder Büro- Haus eine höchst fraglich« und oft gefährliche Sache. Man denke nur an die Feuersgefahr. Als Wohnhau» ist das Zehngeschoßhaus«in ganz toller Wahn- sinn, gegen den gar nicht schroff genug Stellung genommen werden kann. Herr Gropius aber möge, gerade weil er zum Doktor ehrenhalber gemacht worden ist, sich darüber klar werden, daß er nicht alles ver- steht, daß mit der„reinen Bausachlichkeit" allein die Lösung der Wohnungsfrage nicht herbeizuführen ist, daß dazu die große Revo- lution der Bodenreform und ein« Sozialreform gehört, die von der Auffasiung diktiert wird, daß alle Familien Anspruch auf eigenes Land und auf ein eigenes Heim haben. Normalisierung, Typisierung. wie überhaupt alle Rationalisie- rung des Wohnungsbaues können auch für das erdgeschosiige Eigen- heim im Garten reichste praktische Anwendung finden. Aber all« Rationalisierung ist heilloser Unsinn, wenn chr Zweck das ge- funde und glückliche Familienleben, statt es zu sichern, kaputt macht. Alle Mittel haben ihrem Zwecke zu dienen. Das Mittel, das den Zweck tötet, ist ein Irrweg. Das Zehngeschoh-Wohnhaus ist solch ein Irrweg allerschlimmster Art, wo es immer gebaut würde." Soweit Peus. Er hat recht. Auch unsere Reichstags- f r a k t i o n ist seiner Meinung, denn sie hat vor kurzem dem Reichs- tag nicht den Entwurf zu einem„Hochhausgesetz", sondern zu einem „W ohnheimstättengesetz" vorgelegt. Dieser Antrag der Fraktion wird noch vor Zusammentritt des Reichstags im Wohnungs- ousschuß beraten werden. Da auch andere Fraktionen grundsätzlich für ein Wohnheimstättengesetz«intreten, ist zu hoffen, daß der Reichs- tag das Gesetz recht bald beschließt. Es wird auch höchste Zeit! Denn die Wohnungsstag« ist vor allem auch eine Bodenkrage. Durch das neue Gesetz soll endlich' dem Bodenwucher Einhalt getan und billiger Boden beschafft werden. Das Gesetz soll bestimmen, daß der Steuerwert des Bodens zugleich der Ankaufswert bei Enteig- nungen usw. ist. Hätten wir das Gesetz schon gehabt, dann brauchte die Stadt Berlin bei ihren Grundstückskäufen am Alexanderplatz nicht 80 Millionen Mark mehr zu zahlen, als der Steuerwert der Grund- stücke betrug. Dann brauchte die Stadt auch nicht Hunderte von Millionen für Bodenvorratswirtschast festzulegen, um späteren Preis- steigerungen nicht zum Opfer zu fallen. Mit diesen vielen Millionen, die Zwischenhändlern und Bodenschiebern in die Tasche geflossen sind, hätte die Stadt rund um Berlin viel Land erwerben können, um es billig im Erbbaurecht oder als Reichsheimstätten weiterzugeben Heute sehen wir, wie zahllose Terraingesellschasten wie Pilze aus der Erde schießen, um große Landslächen in Parzellen auf- zuteilen. Ueber 200 000 landhungrige Großstadt- menschen haben sich bereits solche Parzellen zu einem Preise er- warben, der für die Parzellierungsgesellschaften ein glänzendes Ge- fchäft bedeutet. Gerade die Wochenendbewegung in Verbindung mit dem Streben nach der eigenen Scholle'ist ein Beweis dafür, daß der Großstadtbewohner aus der Mietkaserne heraus will. Auch die Kleingärtner und Laubenkolonisten würden sicher lieber dauernd auf ihrem Lande wohnen wollen, als immer wieder in die Mietswohnung zurückkehren. Eine Bedeutung gewinnt die ganze Frage durch die gegenwärtige Wirtschaftskrise mit ihrer Arbeitslosigkeit. Der Sieben- stundentag ist auf dem Marsche. Es gibt Wirtschaftssührer, die be- houpten, daß vier und fünf Stunden tägliche Arbeit genügten, um mit den vorhandenen Maschinen dasselbe zu produzieren wie vor einiger Zeit in täglich acht Stunden Was soll bei sieben- oder sechs- stündiger Arbeitszeit der Proletarier in einer neunten oder zehnten Etage mit seiner freien Zeit anfangen? Wie soll er sich einen Ersatz für seinen Lohnausfall verschaffen? Was fangen heute die Voll-Erwerbslofen in ihrer Mietswohnung an? Die Lösung aller dieser Fragen bringt nicht das Zehngeschoßhaus von Gropius, sondern die Heimstätte. In ihr wird bei genossenschaftlicher Zusammenfasiung auch noch Zeit für gewerkschaftliche und politische Betätigung bleiben. Das Programm der Sozialdemokratischen Partei nimmt in einem besonderen Abschnitt Stellung zur Wohnungs- und Boden- frage und verlangt Förderung der Siedlungs- und Heimstätten- bewegung. Es handelt sich darum für uns Sozialdemokraten nicht um ein„Bekenntnis zum Hochhaus", sondern um die Programm- forderung, die auch in Artikel 155 der Reichsverfaffung enthalten ist: Jedem Deutschen eine gesunde Wohnung und allen deutschen Familien, besonders den kinderreichen, eine ihren Bedürfnissen entsprechende Wohn- und Wirtschaftsheim statte! Vegetarismus und Rohkost In den„Sllddeütschen Monatsheften"(Mai-Heft) bedauert Maximilian Oskar Bircher-Benner in Zürich, daß das Publikum noch immer verständnislos Vegetarismus und Fleischkost einander gegenüberstellt. Diese Gegenüberstellung ist eine ober- slächliche und unwisienschaftliche Konstruktion:„In Wirtlichkeit handest es. sich. um a u f b a.u e n des her niede r re.i ß e n d e diätetitche Eigenschaften unserer Nahrungsmittel, die gleicherweis« bei Pflanzen,' wie bei Fleischkost beobachtet sein wollen." Nicht viele wissen, daß es auch eine aufbauend« Tierkost und eine niederreißende Pflanzenkost gibt. Die aufbauende Tierkost holt sich z. B. der Löwe, wenn er sein Leutetier lebend frißt und bei den gefüllten Eingeweiden beginnt. Die vergleichende Anatomie zeigt unwiderleglich, daß der Mensch ein F r ü ch t e e s s e r ist. Das grüne Blatt ist der Ursprung aller Nährkrost auf Erden und stellt somit die voll- kommenst« Nahrung dar, die es gibt. Ihm am nächsten stehen die aus dem Blatt hervorgehenden eßbaren Pflanzenorgan«, also: Früchte, Samen, Knospen. Blüten, Wurzeln und Stengel. Bei einer Erwärmung über 50 Grad Celsius beginnt die Zerstörung der ausbauenden Eigenschaften unserer Nahrungsmittel. Der Mensch kann aus die Dauer nur gesund bleiben, wenn die Nahrung genügend Arbeiter-Samariter an der Arbeit Jeder von uns kennt jene Männer mit weihen Mützen und Armbinden, die bei Demonstrationen und sportlichen Veranstaltungen Ohnmächtige oder Verunglückte betreuen und jene weißen Motor- boote mit dem Bundesabzeichen in den Freibädern und freien Ge- wäsiern, deren Rettungsmannschaft bei plötzlich einsetzenden Un- wettern alle Hände voll zu tun hat. Wo. es auch sei, tun die Arbeitersamariter ihr« Pflicht, dem Wahlspruch treu: An jedem Ort. zu jeder Zeit, Sind wir zur„Ersten Hilf'" bereit. Der Geschäftsbericht 1930 de» Arbeitersamariter-Bundes, Kreis Berlin-Brandenburgi liegt nunmehr vor. Es wurden im vergangenen Jahre 19 743 Wachen besetzt, wozu 431S8 Samariter und insgesamt 317 426 Dienststunden notwendig waren. Leistung: 42 788 erst« Hilfen. 4042 Krankentransporte. 738 Hauspflegefälle. 76mal wurden Wiederbelebungsversuche gemacht, davon 2 2 m a l mit E r f o l g. Der Bund verfügt über 6 Autos(mzwlschen 7) und vier Motorboote. Der Wert des Besitzes eigener moderner Kranken- transportmillel kommt erst recht zur Geltung, wenn man die Ver- Hältnisse auf dem Lande berücksichtigt. In Berlin besteht ja ein von der Stadt organisierter Retwngs- und Kronkentransport- dienst, durch den jeder Schwerkranke in kurzer Zeit in das Kranken- Haus gebracht werden kann. In kleinen Städten und auf dem flachen Lande aber fehlt das. Hier hat der ASB. eine Lücke auszufüllen im Dienst an der Allgemeinheit, und wir verstehen, weshalb sich der Bund bei seiner Arbeit der Politik enthält. Die Zahl der Trans- parte erhellt deutlich Notwendigkeit und Leistung der Institution, wobei die auf dem Land« zu bewältigenden Entfernungen in die Rechnung einzusetzen sind. Um so bedauerlicher ist es, wenn man im Geschäftsbericht liest: „Trotzdem von feiten des Zentralkomitees für das preußisch« Rettungswesen immer wieder aus den Ausbau des Reitlings- und Krankentransportwesens durch Zusammenarbeit der Behörden und Oraanilationen hingewiesen wird, müssen wir leider feststellen. daß wir von feiten des Herrn Oberpräsidenten der Provinz Bran- denbura seit der konstituierenden Sitzung niemal» mehr zu einer SiNuna eingeladen worden sind, so daß alle Fortschritte auf diesem Gebiet von unserer Organisation selbst erzielt wurden." Dem kann man die verständnisvoll« Einstellung des Ausschusies im Krche Niederbar nun entgegensetzen, an desien Spitze Landrat Schlemminger steht. Der Geschäftsbericht betont im übrigen, daß die Kolonnen bemüht sind, den Wünschen und Anordnungen des Zentralkomitee» für das preußische Rettung?- wesen nachzukommen. Wieviel Ansehen und Teilnahme die Samariterkolonnen gerade bei der Bevölkerung auf dem flachen Lande genießen, beweist die rege Beteiligung, an allen internen Ereignisien der Kolonnen- arbeit, sei es die öffentlich« Vornahme einer Prüfung neuer Mit- glieder durch einen Arzt oder die Abhaltung einer Uebung, meist gemeinsam mit der Ortsfeuerwehr. Die Zufchauermengen sind meist recht ansehnlich. Der Tvn des Feuerhorns und die Signale des Rettungsautos, das von der„Unglücksstelle" zum Sammelplatz und zurück durch die meist sonntäglich stillen Straßen rast, läßt die Be- wohner aufhorchen. Mit interessantem Eiser verfolgt der ganze Ort die Arbeit der Helfer. Viel« stellen sich bei angenommenen Unglücks- fällen als sogenannte„Uebungsobjekte" zur Verfügung und be- kommen so das Können der Samariter am eigenen Leibe zu spüren. Besondere Erwähnung verdient die im April vorgenommene Einweihung des Krankenautos der Kolonne Oderberg, die geradezu ein Volksfest war. Die Kolonne hatte in eigener, auf- opferungsvoller Arbeit aus einem alten angekauften Personenwagen durch Umbau und vollständige Ueberholung einen neuen Kranken- wagen gemacht, der allseitige Anerkennung fand. Außer der Hilfe bei Unfällen betreibt der Bund Volks- belehrung. Im letzten Geschäftsjahr wurden 87 öffentliche Vor- träge(teils mit Lichtbildern) gehalten, die den Zweck hatten, auf dem Gebiet der persönlichen Gesundheitsvorsorge aufklärend, belehrend und vorbeugend zu wirken. Hierbei wurde stets auf die Gefahren nichtsachgemäßer Krankenbehondlung durch Pfuscher hingewiesen. Weiter ist der Bund bestrebt, die Kräfte, die in der Jugend- bewegung stecken, zu fördern. Im Oktober vorigen Jahre» wurden die Lienewitzseen zwischen Kaputh und Ferch gepachtet. An ihren Ufern ist«in W a l d e r h o l u n g s h e i m im Entstehen, bestimmt für Arbeiterkinder, die in den Ferien dort außerhalb der Großstadt sich erholen können. Bis das Werk vollendet fein wird, steht ein Blockhaus bereits als alkoholfreie Gaststätte wandernden Iugendgruppen offen. Hoffentlich gelingt es der Kreisleitung Berlin- Brandenburg, ihr Ziel trotz der geringen Mittel unter Mitarbeit der Kolonne Nowawes zu erreichen. Heinr Adam. ungekochtes, unerhitztes Frischmaterial enthält. Der Ernährungs- . kranke bedarf zum Gesundwerden der vollwertigen Eigenschaften der Rohkost weit mehr als der Gesunde. Im Weltkriege tauchte der Name des Amerikaners Harare Fletcher auf, der bekanntlich seine Gesundheit durch gründliches Kauen und aufmerksames Be- achten seines Geschmqcksinnes wiedergerponnen.hatte. Dabei war er zu einer erstaunlichen Verminderung der Znsuhr an'Nahrung unh, zu., weitgehender Bevorzugung der Pegetabilien gelangt, alles im Widerspruch zu der herrschenden Ernährungslehre. Im Jahre 1902 machte der Professor der Physiologie an der Jale-Universttät H. Chittenden sein großes Ernährungsexperiment. Er und 25 seiner Mitarbeiter hatten gelobt, ihre volle Lebensarbeit zu leisten. Jeder sollte das ihm nötige Mindestmaß an Eiweiß und Kalorien sich zuführen, bei dem er völliges Wohlbefinden noch aus- recht zu erholten vermochte. Dos Ergebnis war überraschend. Die Eiweißzufuhr wurde um 50 Proz. vermindert. Di« Kalorienzusuhr um 30 Proz. Außerdem wurde ein Ueber- gang zu vegetabiler Kost beobachtet, und das Ergebnis? Erhöhte Leistungsfähigkeit, Verschwinden von allerlei vorher vor- hondenen Gesundheitsstörungen, Prof. Chittenden selbst verlor sein hartnäckiges, chronisches Kniegelenkreißen. Durch die Versuche von Chittenden und später seines Kollegen Benedikt wurde der Sag erhärtet, daß die Fleischnohrung eine der mächtigsten Ursachen des Rheumatismus ist. Interessant ans der Statistik von Krankenkassen ist der Umstand, daß hie Krankenkassen sechsmal soviel Rheumatiker verpflegen als Tuber- kulöse, und daß die dafür ausgewendete Derpslegungssumme dreimal so groß ist, wie die für Tuberkulöse aufgewandte Summe. Entscheidend für die wettere Forschung wurde das sogenannt« Wisconsin-Experiment vom Jahre 1906. Das Ergebnis lautete:„Scheinbar gleichwertige Nahrungsmittel wirken entgegen aller Voraussicht ganz verschieden." Drei von vier Versnchsnahrungen wirkten z. B. zerstörend auf Gesundheit, Wackistum uttd Fortpflanzung, ohne daß man eine Erklärung dafür zu finden vermochte. Jetzt erkannte man, daß die chemische Ernährungsforschung dos Problem der Ernährung nicht zu lösen vermocht hatiei Man sah aber auch ein, daß die Pathologie sich als unfähig erwiesen hatte, die Ursachen dieser Krankheiten aufzuhellen, und es ergab sich, daß das bisher mißachtete grüne Blatt ein vollkommenes Nahrung?- mittel ist, daß dagegen das so hoch bewertete- M u s k e l f l e i s ch ein unvollständiges Eiweiß trägt und dreier Vitamine und dreier Mine- ralien ermangelt. Das praktische Ergebnis jener Forschungsarbett lautete etwa:„Eßt weniger Fleisch und weniger Hülsenfrüchte, dafür mehr Vegetabilien mit revidierter Kochkunst. Reichlich frische Vegctabilien, frisches Obst, Nüsse und Salate, dazu gesunde, reine Milch und Brot aus ganzem Korn." Der englische Ernährungssorscher Carrison ernährte Affen mit ausschließlicher Dampfkochtopfnahrung. Sämtliche Versuchstiere starben innerhalb 100 Tagen. 30 Proz. der Tiere waren an Magen- und Zwölfsingerdarmgeschwüren zugrunde gegangen. Eines Tages traf Carrison einen schon 20 Jahre lang verdauungskranken Menschen. Er verordnete ihm die natürliche Affendiät, worauf der Kranke gesund wurde. Am 11. April 1915 lief der deutsche Httss- kreuzer„Kronprinz Wilhelm", der 255 Tage auf hoher See gewesen war und nach allgemeiner Auffassung die beste Verpflegung an Bord hatte, in den Hasen von New-Port-New ein. Die gesamte Mann- schast des Dampfers war schwer krank. In kurzer Zeit wurde die Mannschaft aber gesund durch Frischkost und Absude von Kartoffel- schalen und Gemüsen. Nach Bircher-Benner ist der Vegetarismus ein instinktiver Protest erblich geschwächter Konstitutionen und erkrankter Menschen gegen die Fleischkost. Die Rohkost ist zugleich uralte Menschen- nahrung Und ganz neu gewonnene Forschung, gleichsam das Produkt der Zurückbesimnung. Mtt Verständnis, Erfahrung und Sorgfalt angewendet, ist sie eine Ernährungsform' von höchster Heilkraft. Als reichlicher Bestandteil jeder Mahlzeit macht sie die menschliche Ernährung vollwertig, schützt die Gesundhett, hilft dem Wachstum und sichert die Fortpsttmzung. Dr. S. Geht der Boxsport ein? Die Ursachen des Niederganges— wir haben keine Boxer mehr? Die Berufsboxer Haben wieder einmal eine Saifon Hinter sich, der Sommer wird für sie voraussichtlich sehr bitter werden, vielleicht einen oder den anderem ein bißchen Kleingeld bringen, für das Gros sind die Ausfichten sehr düster. Man kann nicht sagen, daß die verflossene Saison sehr ereignisreich war. und daß sie den Be- rufsboxern besondere Erfolge gebracht hat Im Gegenteil, bei Kämpfen mit Internationalen trat der Klassenunterschied mitunter peinlich deutlich zutage. Die geringe Zahl der Veranstaltungen in dem abgelaufenen Abschnitt ist in erster Lixiie auf den Mangel an Unternehmungsgeist zurückzuführen. Wir haben augenblicklich in ganz Deutschland nicht einen einzigen Mann, den man wirklich als Unternehmer bezeichnen könnte, allenfalls gibt es Nutznießer äugen- blicklich günstiger Konjunkturen. Eine ziemliche Enttäuschung auf diesem Gebiet ist Herr Direktor Picard, der sich vollständig vom Sport abgewandt hat, dem er seinen Namen verdankt, und mit dem er ganz gut verdient hat. In Berlin haben wir jetzt den Unternehmerkonzern D a m s k i- Burda- Koslowski, wenn der letztere auch mit Rücksicht auf feine Stellung als Vorsitzender des Verbandes deutscher Faust- kämpfer offiziell als technischer Leiter fungiert. Nebenbei bemerkt, eine merkwürdige Kombination: Vorsitzender des Verbandes und Boxunternehmer! Dieser Zusammenschluß ist bestimmt kein idealer Zustand: Konkurrenz ist jetzt hier so gut wie ausgeschlossen. Wer hier etwas machen will, muß die drei in irgendeiner Form mithin- einnehmen, wenn nicht sie selbst, dann die Boxer, die sie an der Hand haben. Ein neuer Unternehmer wird die drei immer, direkt oder indirekt, gegen sich haben. Eine Aenderung bzw. Besserung der Lage durch die Unternehmer ist vorläufig nicht zu erwarten, sie gehen ihre alten, ausgetretenen Wege, haben keine Initiative, wissen nicht Bescheid, wo» bei den anderen vorgeht, haben anscheinend auch keinen Einblick in die wirklichen Verhältnisse, sonst würde der schlechteste Platz bei Boxveranstaltungen nicht immer noch 2 M. kosten. Die Preisskala beim letzten Sportpolastabend war von 2 bis 15 M.. das kann der weitaus größte Teil des Publikums nicht mehr zahlen. Gutbesetzte Programme werden stets ihr Publikum haben, die Leute gehen ja zu Zehntausenden aus den Fußballplatz, und da sollte es nicht möglich sein, ein paar tausend Menschen mehr in den Sportpalast zu bringen? Ja. der Sportpalast! das Haus in der Potsdamer Straße, trägt oben die Inschrift:„Dem deutsche» Spor t." Das paßte viel- leicht früher einmal, heute ist er in erster Linie ein politisches Ver- sammlungslokal. Für den Besitzer Schapiro ist der Sportpalast weiter nichts als eine Einnahmequelle, und solange das chaus allein 5000 M. für einen einzigen Boxobend kostet, scheidet der Sportpalast au» der Kalkulation, eines seriösen Unternehmens aus. Bei einer zeitgemäßen Reduzierung brauchte der Sportpalast nicht Monate lang leer zu stehen. Daß die Veranstaltungen nicht mehr das große, frühere Inter- esse beim Publikum finden, ist erklärlich. Es liegt zum größten Teil an den Akteuren, und besonders diejenigen, die zur Zeit der Prenzel, Wiegert, Breitensträter, Samson dabei waren, werden sich für die jetzige Art nicht begeistern können. Der Unterschied ist der: früher gingen die Boxer aus k. o. aus, wollten entscheidend siegen, heute kommt es den Meistern nur darauf an. möglichst r i s i k o l o s über die Runden zu kommen. Der Schrei nach dem ..Knocklzuter* geht übrigens durch die gaiize boxsportliche Welt. Das Publikum wußte, wenn Dempsey, Carpentier und andere Schlag- gewaltigen im Ring standen, brauchte es nicht lange auf eine Ent- fcheidung zu warten. Leider haben wir unter unseren Boxern nur sehr wenige, die größeren Ansprüchen genügen, unter den Schwergewichtlern schon gor nicht. Wir haben hier schon eine ganze Anzahl von Interessenten für deutsche Boxer gehabt, darunter mehrere aus Amerika, doch genügte das Material den Anforderungen nicht, fast alle sind zu schwach in der Mittelpartie. Hier müßte schon bei der Aufnahme neuer Mitglieder in den VDF. schärfer gesiebt werden, noch besser wäre es vielleicht, den Zuzug für eine Zeitlang zu sperren bei den schlechten Aussichten in diesem Beruf. Dann sollte der Verband auch ein schärferes Augenmerk auf die Praktiken �wisser Manager richten, die sich irgendeinen Jungen greifen, den sie für ihre ge- schästlichen Zwecke gebrauchen können, der sie ernährt und den sie einfach aus die Straße setzen, wenn er nicht erwartungsgemäß ein- schlägt. So ist es auch unverständlich, daß man B e s s e l m a n n, aus dem bestimmt etwas zu machen ist, einen Mann als Trainer gibt, der auf diesem Gebiet noch nicht die geringsten Erfahrungen aufzuweisen hat. Ein guter Boxer ist nicht auch gleich ein guter Trainer. Es sind immer dieselben Boxer, die ein bißchen Arbeit haben, das Gros ist beschäftigungslos. Diese Parias können nur unter größten Entbehrungen ihr Dasein fristen. M i t Schrippen im Magen ist schlecht boxen, von einem regelrechten Training ist überhaupt keine Rede mehr, nichts wäre wohl berechtigter und mehr angebracht, als daß der Verband ein- mal eine Veranstaltung für feine arbeitslosen Mitglieder abhält. Andererseits haben sich die Boxer ihr Schicksal zum großen Teil selbst zuzuschreiben, sie hotten es schon lyehr als einmal in der Hand, ihre Lage zu bessern, ließen aber alle Chancen ungenutzt, es ist aber auch niemand da, der sie aus ihrer Lethargie aufrüttelt. Ob der Berufsboxsport die richtigen Männer an der Spitze hat, möchte man stark bezweifeln. Man läßt die Sache einfach treiben, »nd nur, um den Betrieb zu beaufsichtigen, braucht man keine ganze Kompanie. In der Boxsportbehörde sitzen einflußreiche Männer, die schon etwas tun könnten, wenn sie wollten, aber wahrscheinlich wissen sie nicht, wie sie das anzufangen haben, und es war wohl doch ein Fehler, nicht auch Fachleute in die VBD. zu nehmen. Wir haben inaktive Boxer genug, die sich dazu eignen. Jedenfalls kommt dsr Berufsboxspart auf die Art, wie er zur Zeit behandelt wird, nicht weiter, sondern immer mehr abwärts. Es geht doch bei den anderen, man braucht sich nicht unbedingt nach Paris und London richten: Verschiedenes, was dort geboten wird, würde hier auf Widerstand stoßen. Es kau n� und muß mehr g e- tan werden, doch sind die Aussichten für eine Belebung sehr gering, weil die beamteten Herren die Zeichen der Zeit nicht verstehen und ihrer Aufgabe in diesen Zeiten nicht gewachsen sind. vemo. Solidarität fuhr die Olympia« Ausscheidungen Im gestrigen„21 6 c n d" teilten wir einige Ergebnisse mit, die bei den Straßenausscheidungswettbewerben des Arbeiter-Rad- und Kraftfahrerbundes„Solidarität" für die Wiener Arbeiterolympiade erzielt wurden. Folgende Resultate seien noch nachgetragen: Zweiter des ö0-Kilometer-Mann- jchaftsfahrens, das von Mutterstadt in 80:37,2 gewonnen wurde, ist Nürnberg in 80:45 vor Schönau in 80:41 geworden. Das 20-Kilometer-Einzel fahre m sicherte sich der Hohen- ktrchener Karl Nagel in 30:07 vor A. Fink- Homburg v. d. H., der die gleiche Zeit fuhr. Hart hinter ihnen kam der Dortmunder Paul Jochen ats dritter ein. Im Bergfahren erwies sich Georg Hucke-Wuppertal als der weitaus beste Mann. Die nächsten Plätze besetzten Fink-Homburg vor der Höhe und K. Klein-Oberursel i. T. Nach Erledigung dreier Vorspiele und eines Zwischenspiels standen sich im Jnnenraum des Frankfurter Stadions Oggersheim und Braunsdorf zur Entscheidung im Dreierradball gegenüber. Das Spiel endete mit 4:2 fiir die Braunsdorfer. Recht gut schnitten die Brandenburger, die im Gruppenkun st fahren durch die bewährten Caputher ver- treten waren, in diesem Wettbewerb ob. Caputh fiel mit 14,89 Punkten der erste Platz zu. Gustavsburg, wohl der schwerste Gegner, mußte sich als zweiter mit 14,52 Punkten begnügen. Freiburg — 12,54 Punkte— und Vinnhorst— 11,29 Punkte— waren die nächsten. Nun zu den Bahnfahrern, deren Kampsstätte die Stadion- bahn war. Da waren zunächst drei Ausscheidungsfohren über 1, 2 und 10 Kilometer mit je drei Dorläufen zu bestreiten. Die beiden ersten eines jeden Vorlaufs qualifizierten sich für den E n d l a u f. der im 1» K i l o m e t e r- L a u f von Forstmeier-Nürnberg in 1 Min. � 34,1 Sek. vor Lorenz-Mannheim und Schubert-Schönau, im 2-Kilometer-Lauf von Prestele-Augsburg in 2 Min. 42,3 Sek. vor Nitzschke-Berlin und Schilausky-Köln und im 10-Kilometer-Laus von Hassert-Mutterstadt in 19. Min 25,1 Sek. vor Richter-Dresden und Mühlensiep-Düsseldorf gewonnen wurde. Im 20-Kilometer- Mannschaftsfahren passierte Nürnberg als erster das Ziel vor Dresden, Augsburg, Mannheim und Köln, während da» Stundenmannschaftsfahren Mannheim vor Nürnberg und Köln in Front sah. �rheiter-feimisseirie Ergebnisse der letzten Spiele Die Serienspiele am vergangenen Sonntag endeten erwartungsgemäß. lediglich Lichtenberg II von Tennis-Rot scheint ver- sagt zu haben. In der.�-Gruppe Frauen holte sich TR.- Köpenick einen glatten Sieg mit 14: 4 über TR.-Wedding. Frauen 8: TR.-Friedrichshain schlug TR.-Gesundbrunnen mit 17: 1. FT.-Spandau schlug in der Männer». �-Gruppe TR.- Gesundbrunnen mit 10: 8 Punkten. In der Männer- B- G r u p p e setzten die Charlottenburger ihre Siegesserie fort, sie schlugen TR.» Friedrichshoin mit 14:4 In der Männer- L- G r u p p e landete TR.-Friedrichshain gegen TR.-Gesundbrunnen wohl einen Sieg, die Punkte fallen jedoch wegen Nichtbeachtung der Bedingungen an Ge- sundbrunnen(14: 4 Punkte). TR.-Charlotteirburg II verlor in der Männer- II- G r u p p e gegen TR.-Weißensee I mit 4: 14 Punkten, Weißensee II mußte sich aber dafür Charlottenburg III mit 6:12 Punkten beugen. TR.-Lichtenberg behauptete sich gegen TR.-Neu- kölln mit 14: 4 Punkten. Die«Tour de France" Die Nätionolwannschasten für die vom 30. Juni bis 26. Juli stattfindende„Tour de France" sind nunmehr jast vollständig beisammen. Deutschlands Interessen vertreten bekanntlich unter Führung de» Dresdeners Thierbach noch Siegel, Geysr, Stöpel, Metze, Aitenburger, Buse und Sieronski. Für die Schweiz starten Gillard, Pipcy, Antenen und Büchi, für Australien Opperwann, Nicholson, Lamb und Thomas. Frankreichs Ver- treter sind neben dem Borjatzrssieger Loducq A. Magne, B. Faure, Marechal, Ch. Pelissier, Mauclair, Peglion und Le Calvez. Dazu kommen weiterhin die Belgier Haeinerlinck, Rebry, Bonduol, Demuyjere. I. Verwaecke, Schepers, Dewacle und van Rysselberghe, die Italiener Bettesini, Di Paceo, Camusso und F. Giacobbe sowie der Spanier Cepeda. Arbeiter- Hockey Eine Kampsszene vor dem IIGB..Tor im Spiel Volkssport Aeukölln-Lritz gegen ATGS-Mariendorf. das Volkssport 3:2 gewann. Flugsport in Johannisthal Als Auftakt zu einer Werbewoche veranstaltete da»„Rote Kreuz" in Johannisthal einen Flugsonntag. Trotz des reich- haltigen Programms war die Veranstaltung nur mäßig besucht. Der Flughajen Tempelhos ersreut sich durch seine günstige zentrale Lage größerer Beliebtheit bei den Berlinern.' Die Zeiten, wo die Flug- sportbegeisterten auf den Dächern der zu Iohannisthaler Flug- Meetings fahrenden Eisenbahnzüge sahen, sind längst vorüber und werden wohl auch nicht mehr wiederkehren. Das Programm wurde mit einem Geschwaderflug eröffnet, an dem sich die Pilotin Schisse? und die Flugzeugsührer Gras Schamnburg, Reim und Roschke be- teiligten. Die sich daran anschließende„Bombenschmeißerei" war vollkommen uninteressant und überflüssig: sie hat auf einer flug» sportlichen Veranstaltung, die noch dazu im Zeichen eines„rpten Kreuzes" steht, ebensowenig zu suchen, wie sogenannte..Lustkämpfe". Einen ganz wunderbaren Anblick dagegen bot der Ausstieg eines Heißluftballons, von dem Willi Konrad in 300 Meter Höhe absprang. Die Piloten Schaumburg, Albrecht und Reim zeigten wieder sehr saubere Kunstflugfiguren, und die bekannte Fallschinnpilotin Bycz- kowsky führte ihren 36. Absprung aus. Im Lustrennen siegten Sperling(Junkers Junior) und Schulze-Eckardt(Klemm). Sehr in- teressant war auch das Modellfliegen. Viele der kleinen, von Schülern der Kant-Schule und der Volksschule Johannisthal erbauten Flug- zeuge erzielten ganz beachtliche Leistungen. Nach Schluß der Ver- anstaltung führten die Maschinen des„Sturmvogels" Rundflüge zu ermäßigten Preisen aus. Der neue, mit aufklappbaren Flügeln ver- sehene Doppeldecker des Konstrukteurs Gabriel macht einen sehr sauberen Eindruck, zeigt aber keine konstruktiven Neuerungen. Die Maschine, mit der der Erbauer einen Langstreckenflug nach Australien unternehmen will, ist mit einem 85-LS-Wercedes ausgerüstet und soll eine Reisegeschwindigkeit von 140 Kilometer entwickeln. Die Wasserwacht bittet um Angabe folgender Eigner-2l!dressen: Autoboot„Schelm", 8— 9 Meter lang, Stahlbau, außen weiß ge- strichen. Autoboot„Spatz", nähere Angaben unbekannt. Segel- boot„Geisha", Nr.„d-l" oder„W" 120. Ferner teilt die ZVasser» wacht mit, daß der Iohnson-Außenbord-Motor, Type P E 50, Motor-Nr. 145 282, 24 PS, mit elektrischem, schwarzen, runden Starter gestohlen ist. Mitteilungen an die Wasserwacht e. 25., SW. 61, Planuser 61(Bärwald 8154) erbeten. Sitiit. und Rnnu-Skrcin 1«4. fooiiliouä$o!ina6eTf,SKj«)4 Uhr, äff.'ntlidxr Werde. abeub für all- auf dem Turnplatz SIcüfäOn. BalffT.Ufiebriift�lraSt. Sonnabend, Jfl. Juni. SporUerum,ua durck> Neukölln. Abmarsch in Sparikleidunq 16 Uhr vom Kertzberapiatz.(UmlleitKn in der Schule.) Sonntag, 21. Zun., Sommerfest aller Abieiluugeu auf dem Sonnenplatz ad 11 Uhr, Kartell fSr Brbelterfpert»od enirpttzpflege. 1.1. jteoi». Heute, 20 Uhr,„iut Linde". Werder. Cd« griedrick-Narl-Strane. unchliflc Bcfvrechuna. Arbe>t«r.Phata.