BERLIN Donnerstag lS.ZNNI 1931 10 Pf. flr. 260 B 140 4». Lahrgang Erfcheisttüslich sußerSoaittas«. Zugleich Abendausgabe de«„Vorwärts'. Bezugspreis beide Ausgaben SS Pf. pro Woche, 3,60 M. pro Monat. Redaktion und Expedition: Berlin SWK3, Lindenstr. 3 Fernsprecher: Dönhoff(L. 7) 292—297 Aozeigenprei«: Die einspaltige Nonpareillezeile 80 Pf., Reklamezeile S M. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto: Vorwärts-Verlag G. m. b. H.. Berlm Vr. 37 SZS.— Der Verlag behält sich da« Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor! Wirbelfiurm im Westen Bisher ein Toter und über 40 Verletzte Oer Mord an der Mutter Die Mordkommission der Polizei sagt aus Vletkenberg, IS. Zmtt. Da» Tost der Elf« zwischen herscheid und Holthausen wurde gestern abend von einem furchtbaren wirbelsturm heimgesucht, der mit ungeheurer Geschwindigkeit dochinbranste, Häuser- dächer über 100 Meter weit durch die Luft davontrug. Bäume eut- wurzelte und Mauer- und Giebelwände zum Einsturz brachte. Dachziegel und Dachsparren wurden durch die Luft gewirbelt. Türen und Fensterscheiben eingedrückt und schwere Balten prasselten zu Boden. Aus dem Bahnhos Plettenberg-Oberstadl wurde ein Güterschuppen dem Erdboden gleichgemacht und ein schwerer Eisenbahnwaggon au» den Schienen geschleudert. Eine in der TlShe liegende Fabrik wurde vollkommen zerstört. Zu dem von dem Wlrbelsturm betroffenen Gebiete ist nach den bisher rorliegenden Meldungen eine Person durch einstürzende Mauern um» Leben gekommen, lieber 40 Personen erlitten durch einstürzende Mauern und durch umherfliegende Steine und Balken mehr oder weniger schwere ver- l e h u n g e n. Der Sachschaden Ist nngeheoer grotz; man schätzt ihn aus fast ein« Million Mark. Am schwersten wurde Plettenberg- Oberstadt. Holthausen und h e r s ch e i d heimgesucht. In diesen Ortschaften wurden 120 bi» 140 wohn- Häuser und Nebengebäude schwer beschädigt. Die Dächer von sieben Fabrikgebäuden wurden abgedeckt und deren Einrichtung schwer beschädigt. Die Drahlfiistsabrik von pickardt ist vollkommen vom Erdboden verschwunden. Wald durch Wirbelsturm vernichtet. Rastel, 18. Juni. Ein Wirbelswrm hat am Mittwochabend im Waldgebiet der Lahnwerke, zwischen hassenhausen(Kreis Lumbda) und Staufenberg, furchtbare Verheerungen angerichtet. Etwa 40 Morgen alte über 40 Meter hohe Fichten mit meist ein bis zwei Festmetern wurden vernichtet. Der Sturm hob die Stämme entweder aus dem Boden oder knickte sie in Mannshöhe ab, so daß der alte herrliche Fichtenbestand jetzt ein Ehaos von kreuz und quer durcheinanderliegen- den Stämmen bildet. Es handelt sich um öOOO Festmeter Fichten. Lleberfall aus Gsldbriesträger. Zwei jugendliche Täter festgenommen. Zu den heutigen Vormittagsstunden wurde der SZjährige Ober- geldbriefträger Friedrich Assahk aus der Tilsiter Straße 76, al» der Beamte den Flur des Hauses kopernikusstrahe 10 be- trat, von zweijungenBurfchen überfallen. Die jugend- lichen Räuber versuchten den Geldbriefträger niederzuschlagen und ihm die Geldtasche zu eotrcißeu. Es gelang dem Ueberfallenen jedoch. sich von seinen Gegnern zu befreien, eine Pistole zu ziehen und die Banditen in die Flucht zu jagen. Beide konnten im Laufe der nächsten Stunden festgenommen werden. Die Täter, ein 2l Jahre alter Schmied Fritz M. au» der Gabels- bergerstraße und der 22jährige Arbeiter Erich F. aus der Memeler Straße, sind seit Jahren arbeitslos. In ihren Familien herrscht, wi« festgestellt wurde, bittere Not, und so mögen die beiden jungen Burschen auf den Plan gekommen sein, sich durch einen Ueberfall Geld zu beschaffen. Als heute der Beamte gegen �49 Uhr den Hausflur Kopernitusstr. 10 betrat, stürzten aus einer Nische zwei Burschen hervor und versuchten, den Beamten zu Fall zu bringen. Als das nicht gelang, umklammerte einer der Täter den Geldbriefträger von hinten, während der andere mit einem Sandsack auf sein Opfer einschlug. Die beiden Uebeltäter waren aber an den Unrechten gekommen. Assatzk setzte sich heftigzur Wehr und er tonnte seine Pistole ziehen, so daß die beiden Burschen, als sie sahen, daß ihr Plan gescheitert war. die Flucht ergriffen. Anläßlich der Uebersälle, die in der letzten Zeit in verschiedenen Städten auf Geldbriefträger verübt worden sind, Hot die P o st e i n e �Bewaffnung durchgeführt. Die Geldbriefträger tragen meistens einen Gummiknüppel und eine Pistole bei sich. Diese Vorsicht hat jich hente bewährt. Für die Schuld des Angeklagten und für die Beurteilung des Zustandes, in dem er sich während der Tat befunden, ist mit von entscheidender Bedeutung, welche Darstellung er von dem blutigen Ereignis bei seiner ersten Vernehmung bei der Kriminalpolizei ge- macht hat. Darüber wurden heute morgen die Beamten der Mord- kommission gehört, als erster Kriminalkommissar Nebe. Zu Beginn der Verhandlung richtete der Vorsitzend« an den Angeklagten folgend« Worte: In der Voruntersuchung hat auch die Frage eine Nolle gespielt, ob zwischen Ihnen und Ihrer ItluUermörder �hietecke bei der Jlusfage, neben ihm fein Verteidiger Mutter nicht besondere Beziehungen bestanden hätten. Sie haben das bestritten. Sie bestreiten es auch heute noch. An» geklagter: Ja, ganz entschieden. Vors.: Sie haben erklärt, daß es gor nicht in Ihrem Wesen liegen würde. A n g e k l.: Ja. Kommissar Nebe sagte sodann aus, daß er am Morgen des 7. August davon benachrichtigt wurde, daß der Angeklagte sich ge» stellt und erklärt habe, er habe seine Mutter in Notwehr getötet, sei von ihr mit der Pistole bedroht worden, sei ihr zuvorgekommen und habe sie erstochen. In dem Polizeirevier fand der Kriminal- kommissar die Pistole vor; im Laui befand sich eine Patrone. Die Kriminalpolizei schritt nun zur sachlichen Feststellung und dann zur Vernehmung de» Angeklagten. Er schilderte seine Jugend, seine Kindheit, die hysterischen Anfälle der Mutter, beschuldigte sie u. a. der Sodomie. Er habe sie nicht für zurechnungsfähig geHallen und den Eindruck gehabt, sie wolle ihn beseitigen. Seine Darstellung schien in vielen Punkten übertrieben, in manchen Punkten tonnte er sie auch nicht aufrechterhalten. Er hob besonders hervor, daß die Mutter gegen seine Heirat gewesen sei und ihn in der letzten Zeit gehaßt habe. Ueber den 6. August erzählte er, daß er bereit» am Morgen mit der Mutter eine Auseinandersetzung gehabt und es u. a. abgelehnt habe, ihr die 20 Mark zu geben, die sie be- nötigt«, um zur Beerdigung ihrer Schwester nach Chemnitz zu reisen. Als er abends nach Hause kam, setzte er sich zur Mutter in das Badezimmer. Kriminalkommissar Nebe hebt nun ganz besonders diejenigen Punkte hervor, in denen sich die jetzige Darstellung de» Angeklagten von der früheren unterscheidet und die dem Beamten bereits bei der Vernehmung widerspruchsvoll erschienen. So hatte Thtelecke z. B. ausführlich erzählt, wie die.Mutter, als er auf dem Klosettdeckel saß, plötzlich einen Gegenstand genommen hat, der hinter einem Tuch versteckt war und er ein klickendes Federgeräusch vernommen habe. Als er am nächsten Morgen m das Badezimmer gekommen sei, habe er aus dem Stuhl den zum Trockueu hingelegten Revolver gesehen. Erst als ihm im Laufe der Vernehmung vor- gehalten worden sei, daß das mit der Pistole unmöglich stimmen könne, habe er diese Darstellung fallen gelassen. Auch in den an- deren Punkten erschien die Darstellung des Angeklagten sehr Zweifel- Haft: Er wollte seinen rechten Arm unter die Badewanne gesteckr haben, um die Seife hervorzuholen. Seine rechte Hüfte mußte also der Richtung des rechten Armes gefolgt sein: da konnte aber die in der Badewanne sitzende Mutter unmöglich den Dolch au» der Scheide gerissen haben: er habe immer wiederholt, er besinn« sich auf alles bloß wie im Nebel. Als er dann am nächsten Morgen aufgewacht sei, sei ihm in Erimurung gekommen, daß er im hause ja eine Mumie habe. Er habe daran gedacht, sie nach mexikanischem Ritus zu beerdigen, da« geschehe aber stets im Raum«, in dem der Mensch gestorben sei. Dem Kriminalkommissar ist auch die Ruhe und Sachlichkeit aufgefallen, mit der der Angeklagte den Hergang der Tat geschildert habe. Rechtsanwalt Dr. Mendel macht dem Zeugen verschiedene Vor- Haltungen aus dem Vernehmungsprotokoll. So bat die Mutter z. B. gesagt, man solle ihr aus dem Weg« gehen, ihr Gehirn brenne. Sie habe einen unbändigen Haß gegen die„Weiber" und gegen das Gebären von Kindern geäußert. Sie hat den Standpunkt ver- treten, eine Heirat sei unsittlich: sie wolle mit dreckigen Weibern nicht» zu tun haben, die Bälger müßten vernichtet werden. Sie sei bereit, für den Mann, den sie liebt, jedes Opfer zu bringen, auch den Sohn zu töten. Ferner hatte der Angeklagte bei der Vernehmung ausgesagt, di» Mutter habe versucht, Material gegen ihn zu be- schaffen, um ihn ins Irrenhaus zu stecken. Er habe seinerseits versucht, die Mutter in die Irrenanstalt zu bringen, weil er sie für geisteskrank gehalten habe. Aus eine Frage Sanitätsrats Dr. Leppmann erwidert der Zeuge: Ich habe den Angeklagten 24 Stunden nach der Tat vernommen: seine erste Vernehmung fand 12 Stunden nach der Tat statt. Es kam dann folgender von dem Angeklagten niedergeschriebener Traum zur Verlesung, den er im Untersuchungsgefängnis hatte: Ich lag auf der Ruhestatt, das Bett stand links an der Wand, über mich beugte sich meine Frau, ich wollte sie streicheln, plötzlich stellt sich ein Körper zwischen sie und mich. Es war Marham(so nannle der Angeklagte früher die Mutter). Von dem lähmenden Schreck wurde ich wach. Das war am Uebergang von Mittwoch auf Donnerstag. Wehe, wenn sich das jeden Mittwoch wiederholen sollte. Ich habe Angst vor dem Irrsinn. Außer dem Kommissar Nebe ist am heutigen Tage eine große Anzahl von Zeugen geladen, darunter auch dieFr�iu des Angeklagten, feine Tante Paulinka, die Witwe seines Vaters Frau Krüger, sein bester Freund Ben Gorian und dessen Mutter. Hindenburg graiulieri Ooumer. Wiederherstellung der Höflichkeit zwischen dem deutschen und französischen Staatspräsidenten. Reichspräsident von Hindenburg hat, wie amtlich mitgeteilt wird/ dem neuen Präsidenten der französischen Republik, Paul Doumer, au» Anlaß seines Amtsantritts ein Glückwunschtelegramm gesandt. Der französische Präsident hat dem Reichspräsidenten sofort gedankt. * So unwichtig man die Höflichkeitsbezeugungen zwischen Staats- oberhäuptern auch nehmen mag, so sind sie doch ein sicheres Kenn- zeichen dafür, ob die Beziehungen zwischen zwei Staaten wieder völlig normal geworden sind. Als Eberl von der Nationalvcrsamm- lung und Hindenburg durch Volksabstimmungen zum Präsidenten der Deutschen Republik gewählt wurden, hat der französische Staats- Präsident diese Aeußerung der Höflichkeit unterlassen; ebensowenig hatte der Reichspräsident in früheren Jahren den neuen französischen Staatspräsidenten zum Amtsantritt gratuliert. Auch vor drei Jahren erhielt zum 80. Geburtstag der Reichspräsident aus Frankreich keinen Glückwunsch. Es ist deshalb zu begrüßen, daß die Reichsregierunz jetzt die Initiative ergriffen hat, um beim Amtsantritt Doumers die deutsch-französtschen Beziehungen in dieser Hinsicht zu normalisieren, Oer Protest der Opfer. Entschließung gegen die Ttotverordnung. Die Funktionäre im Gau Groß-Berlin des Reichsbundes der Kriegsbeschädigten, Kriegsteilnehmer und Kriegerhinterbliebenen haben zu der Notverordnung wie folgt Stellung genommen: „Sie erheben entschiedensten Protest gegen die weitere Entrechtung oller Kriegsopfer. In ganz besonderem Maße werden von der Notverordnung neben den Leichtbeschädigten, den Arbeitslosen, den Bewohnern ländlicher Gegenden die Zusatzrenten- empfänger und die sogenannten erwerbsfähigen Witwen unter 4S Jahren betroffen. Als unhaltbar werden die Bestimmungen der Notverordnung empfunden für alle Versorgungsbcrechtigten mit Einkommen aus öffentlichen Mitteln. Die erneute Umwandlung von Rechtsansprüchen in Kannleistungen mutz als Berstoß gegen Treu und Glauben betrachtet werden. Die Bestimmungen der Notverordnung, besonders soweit sie sich mit der Reichsversorgung befassen, erschüttern aufs allerschwerste den Glauben an Recht und Gerechtigkeit. Sie sind auch nicht geeignet, der Republik in den Reihen der Kriegsopfer Freunde und Streiter zu sichern! Steigerung des Elends ist unausbleibliche Folge der Notverordnung. Die Funktionäre des Gaues Berlin bitten daher den Bundesvorstand, daß er nichts unversucht läßt, die Be- stimmungen der Notoerordnung zu beseitigen, besonders soweit sie die Existenz der Versorgungsberechtigten bedroht. Dem Bundes- vorstand sichern die Funktionäre rückhaltlose Unter- st ü tz u n g zu in seinem Kampfe für die durch G u t u n d Blut erkauften Rechte der Kriegsopfer! Die Funktionäre geloben, nun erst recht für die Ausbreitung des Reichsbundes sich einzusetzen." „Im Kampf gegen das Chaos." Rundfunkvortrag des Genossen Vogel. An Stelle des Interviews der Woche wird Partei Vorsitzender Reech-tagsabg. Genosse chans Bogel über das Thema„Im Kampf gegen das Chaos" im Programm der Aktuellen Ab- teilung der Funkstunde heut« abend um MÜ Uhr sprechen. Das Wüien der Faschisten. Strolche, die den Schuh des Staates zu haben glauben. Braun schweig, 18. Juni.(Eigenbericht.) Der Braunhausterror nimmt im Lande Braunschweig Formen an, die die republikanische Bevölkerung mit größter Unruhe und Erbitterung erfüllen. Die Parteifreunde des Franzen wähnen sich schon im„Dritten Reich" und können Tag für Tag Brutalitäten begehen, ohne daß ihnen Polizei oder Justiz das Handwerk legen. Der„Bolksfreund" berichtet heute über neue ungeheuerliche Vorgänge, die sich bei einem SA.- Aufmarsch im Kreise Gandersheim abgespielt haben. Dieser Kreis, der eine sozial- demokratische Mehrheit hat, und der bei den letzten Wahlen eine weitere Zunahme der sozialdemokratischen Stimmen erbrachte, ist von dem berüchtigten Naziabgeordneten Schneider auss Korn ge- nommen worden. Nachdem er in der Kirche zu Greene mit seinen Horden den Segen des Pastors Ehlers erholten hatte, durch- zog er ohne Genehmigung der Ortspolizeibehörden die einzelnen Ort- fchaften, in denen Arbeitermehrheiten vorhanden sind, und terra- risierte die Bevölkerung. In Opperhausen übersiel ein Trupp von Sv Mann jugendliche Arbeiter und schlug sie nieder. Zwei konnten nicht flüchten und wurden fürchterlich zu- gerichtet. Nachdem sie mit Zaunlatten, Totschlägern usw. be- sinnungslos geschlagen waren, wurden sie in einen Fluß geworfen und nach dem Wiederauftauchen erneut geschlagen. Sie liegen jetzt schwer darnieder. Mit offenen Messern und Schußwaffen rasten die Rohlinge durch den Ort, dessen sozialdemokratischer Gemeindevorsteher vergeblich die Landespolizeibehörde um Schutz ersucht hatte. Diese hatte geantwortet, es würde schon alles in Ruhe verlausen. Bisher ist keiner der Hakenkreuzbanditen festgenommen worden! Die Empörung der friedliebenden Bevölkerung richtet sich nicht allein gegen Franzen und fein Verbrecherregime, sondern vor ollem auch gegen die unerträglich gewordene Passivität des Reichsinnenmini st eriums, dem diese tollen Zustände im heutigen Braunschweig durch verschiedene Beschwerden bekannt sein müsien. Braunhäusler verhastei... weil sie Stennes-Leute überfielen. Daazig, 18. Juni.(Eigenbericht.) Auf Veranlassung des Untersuchungsrichters wurden der na- tionalsozialistische Standartenführer Lindmayer und sechs seiner Gesinnungsfreunde am Mittwoch verhaftet und i« das Gerichtsgefängnis eingeliefert. Die Verhaftungen stehen in Zusammenhang mit einem U e b e r s a l l, der von nationalsozia- listischer Seite auf mehrere Anhänger von Stenn«? verübt wurde. 1 Landkreise in Aot. Erbrückt durch die Arbeitslosigkeit. Noch den Berechnungen des Preußischen Landkreistages sind sür einen Wohlsahrtserwerbslosen in ländlichen Bezirken jährlich durchschnittlich 000 M. auszubringen. Hiervon werden aus der Notoerordnung und den preußischen Mitteln durchschnittlich 12S M. jährlich gedeckt. Die Notoerordnung bringt nur eine Entlastung von einem Fünftel der aufzuwendenden Mittel. Den länd- lichen Bezirksfürsorgeverbänden bleibt eine unaufdringliche Last, denn die Zahl der Wohlfahrtserwerbslosen wird mit 217 000 beziffert. Dabei ist die eigene Ersparnis auf Grund der Herab- setzung der Gehälter bei rund 100 ländlichen Bezirksfürsorgeverbänden mit 3 Millionen eingerechnet. Gieine gegen das Konsulat. Jungenstreiche in Leipzig. Leipzig, 18. Juni.(Eigenbericht.) Mehrere junge Leute warfen gestern abend kurz vor acht Uhr unter Niederrufen Steine gegen dasamerikanischeKon- s u l a t, wobei eine Eckfensterscheibe zertrümmert wurde. Die u n- bekannt gebliebenen Täter flüchteten sofort nach den Anlagen des Dittrich-Ringes und nach der inneren Stadt. Die Per- folgung, die sofort aufgenommen wurde, blieb ergebnislos. Auch das Ueberfallkommando muhte unverrichteter Ding« zurückkehren. Verfaffungsstreii in Preußen Staatsrat rust den Staatsgerichtshof an Der Preußische Staatsrat befaßte sich am Donnerstag mit der Frage der Anrufung des Staatsgericht shoses zur Entscheidung der verfassungsrechtlichen Streitfälle mit dem Staatsministerium. Dr. W e s e n f e l d berichtete über die Beratun- gen des Ausschusses. Es handele sich um einen alten Streitfall. 1923 sei es nicht zu einer Entscheidung des Staatsgerichtshofes über die Frage gekommen, wann der Staatsrat beim Erlaß von Ver- ordnungen zu hören sei. Man habe damals ein Kompromiß ge- schlössen, nachdem die Staatsregierung entgegenkommende Erklärun- gen abgegeben habe. Es fei die Bildung eines besonderen Ausschusses angeregt worden, der sich aber als nicht praktisch erwiesen habe. Tatsächlich seien Verordnungen noch weiter erlassen wor- den, ohne daß der Staatsrat gehört worden sei, obgleich nach Ansicht des Staatsrats auf Grund der preußischen Verfassung die Anhörung notwendig gewesen wäre. Besonders habe der Erlaß der Polizei- Verordnung über Anlage, Einrichtung und Betrieb von Waren- und Geschäftshäusern vom 17. Oktober 1930 und die Verordnung über Verteilung der Pauschbeträge zur Ablösung von Verwaltungskosten- Zuschüssen auf die Gemeinden vom 13. Dezember 1930 ohne An- hörung des Staatsrats der Verfassung widersprochen. Der Staatsrat beschloß ohne weitere Aussprache, wegen der Verfassungswidrigkeit dieser Verordnungen die Entscheidung des Staatsgerichtshofes anzurufen. Ferner erklärte der Staatsrat§ 4 des Gesetzes über die Feststellung des Haushaltsplans für das Rech- nungsjahr 1931 für verfassungsrechtlich unzulässig und beschloh, die Entscheidung des Staatsgerichtshofes anzurufen. Des weiteren gab der Staatsrat der Auffassung Ausdruck, daß bei den Ausführungsoerordnungen zu den Notver- ordnungen des Reichspräsidenten die Verfassungsbestimmungen über die Vorlegung zur Begutachtung nicht richtig zur Anwendung gebracht seien und daß auch diese Frage der Entscheidung des Staatsgerichtshofes unterbreitet werden solle. Mgierungserweiterung in Baden. Neue Schwierigkeiten aufgetaucht. Karlsruhe, 18. Juni(Eigenbericht). Die Verhandlungen über die Erweiterung der badischen Regierung durch die Volkspartei sind noch dem Beschluß des Partei- au-fchusses der badischen Sozialdemokratie, der im Gegensatz zur sozialdemokratischen Landtagssraktion gegen die Erweiterung des Kabinetts ist, auf acht Tage vertagt worden. Die Zentrumesraktion des Badischen Landtages hat inzwischen wissen lassen, daß sie auf der Erweiterung der Koalition unter allen Umstänven bestehen müsse und Konsequenzen ziehen werde, falls die Sozialdemokratie auf chrem Standpunkt beharre. Opfer der Schwerinduftrie Im Namen der Schwerindustrie fordert der Führer der 30-Mann-Froktion der Volkspartei, Herr Dingeldey, die Umbildung der Reichsregierung. Die vier Minister, die wir hier vorstellen, sind zunächst als Opfer ausersehen, um dem „Schweine-Schmid" und anderen Günstlingen der Ritter vom Stahl Platz zu machen. Oben: Dietrich, Curtius: unten: Stegerwald, Wirth. Verhaftungen in Bochum. Aeberweisung nach Leipzig. Bochum. 18. Juni.(Eigenbericht.) Bon den Kommunisten, die am Sonntag bei einer Haussuchung in dem Essener Gebäude der KPD. während eines Kursus über „Strategie und Taktik" überrascht wurden, sind nach dem Abschluß der polizeilichen Ermittlungen 13 dem Unter- suchungsrichter vorgeführt worden. Das umfangreiche beschlagnahmte schriftliche Belastungsmaterial wurde dem Reichs- g e r i ch t in Leipzig übermittelt. Unter den von der Polizei dem Gericht überwiesenen Personen befindet sich auch der Essener kommu- nistische Stadtverordnete Schwenk. Krawalle in Kaiiowitz. Feuergefecht zwischen Arbeitslosen und Polizei. Breslau, 18. Juni.(Eigenbericht.) In dem Kattowitzer Vorort Zawodzie kam es am Mittwoch zu blutigen Zusammenstößen zwischen Arbeitslosen und der Polizei. 'Ein Arbeitsloser wurde getötet, acht wurden verletzt. Als die Arbeitslosen eine Demonstration zu bilden versuchten, trat ihnen die Polizei mit der Aufforderung entgegen, den Zug auf- zulösen. Dieser Ausforderung wurde zunächst nicht Folge geleistet, so daß die Beamten mit der Waffe einschritten. Die Demonstranten sammelten sich jedoch immer wieder in den Nebenstraßen, bewarfen die Polizei mit Steinen und schössen zum Teil auch auf sie. Die Beamten erwiderten das Feuer, so daß schließlich ein regelrechtes Feuergefecht entstand. Als die Kämpfe beendet waren, nahm die Polizei umfangreiche Haussuchungen vor. Insgesamt wurden 33 Personen verhaftet. Aeiie Festungsmilliarden. Noch zwei Jahre Vau an der französischen Ostgrenze. Pari». 18. Juni.(Eigenbericht.) Die Heereskommission der Kammer hat vor kurzem die Grenz- Verteidigungsanlagen im Elsaß und in Lothringen besichtigt und festgestellt, daß die Arbeiten nach reiflich durchdachlst» Planen unternommen und durchgeführt werden. Die Befeftignnpn hatten einen reinen Verteidigungscharakter, stellten also keine Drohung gegen irgendein Land dar. Sie sollten einen etwaigen neuen Einfall nach Frankreich oerhindern und müßten daher so schnell wie möglich vollendet werden. Di? Finanzkommission der Kammer scheint der- selben Meinung zu sein, denn sie hat am Mittwoch einen Gesetz- entwurf angenommen, in dem 2% Milliarden Franken neuer Kredite für den Grenzausbau verlangt werden. Da nach Er- klärungen des Vorsitzenden der Heereskommission die Arbeiten noch zwei Jahre dauern werden, müssen von der Regierung wahr- scheinlich weitere Kredite angefordert werden. Der sozialistische„Populaire" protestiert gegen diese Rüstungs- Politik, die nach einem Ausspruch Briands in Gourdon Europa und die ganze Welt mit blutigem Schlamm bedeckt habe. Diese sog. Verteidigungsanlagen seien eine seltsame Einleitung für die allge- meine Abrüstungskonferenz. ZUvisionsgespräche im Gange. Mellon bei Maedonald.- Oeutfcher Boffchaster in Berlin. London. 18. Juni.(Eigenbericht.) Der amerikanische Finanzminister Mellon, der am Mittwoch in England eintraf, machte bereits am Nachmittag des gleichen Tages dem englischen Ministerpräsidenten Macdonald einen Besuch in seiner Dienstwohnung. Im Anschluß daran führten beide im Parlament eine längere Unterhaltung. In den nächsten Tagen sollen die Be- sprechungen fortgeführt werden. Der deutsche Botschafter in Rom ist zu Besprechungen über das Reparationsproblem in Berlin eingetroffen. Der deutsche Boffchafter in Paris wird heute hier erwartet, während der deutsche Botschafter in London am Freitag in der Reichshauptstadt eintreffen wird. Der deutsche Botschafter in Washington wird ebenfalls an diesem Tage erwartet. Die Botschafter werden Instruktionen darüber erhalten, in welcher Art die Reichsregierung bereits in allernächster Zeit die Reparotionssrage auszurollen gedenkt. Als ersten Schritt wird die Reichsregierung den Aufschub des Transfer erklären. Als Zeitpunkt dafür war bisher Anfang August in Aussicht genommen. Ein Priester für-IvOvOO Gläubige. Ein Einschränkungsgefeh in Mexiko. Mexiko, 18. Juni. Die Frage d�r Ausübung der Tätigkeit der mexikanischen katholischen Geistlichen ist vom Staate Veracruz in der Weise gelöst worden, daß auf je 100 000 Einwohner ein Geisllicher ent- fällt. Da dieser Staat 1 130 000 Einwohner zählt, dürfen 11 katho, lische Priester im Staate Veracruz ihr Amt ausüben. Giraßenbahnunglück in Dresden. Zusammenstoß zweier Züge.— 12 Personen verletzt. Im Vorort Zizschewig stieß heute vormittag auf eingleisig betriebener Strecke ein E i l w a g e n der Linie 15 mit einem ent- gegenkommenden Slraßenbahnzug zusammen. Durch den Anprall wurden 17 Personen verletzt, davon vier schwer. Die beiden Straßenbahnwagen waren so ineinander ver- keilt, daß sie nur durch auf beiden Seiten vorgespannte Triebwagen wieder auseinandergezogen werden konnten. Das Unglück wird aus Versagen der elektrischen Signaleiurichtung zu- rückgeführt. Abermals sechs Gchupobeamte verhastet Nachwehen der Karlshorster Destechungsaffäre. Die Untersuchung der karlshorster Bestechungsaffäre, bei der wilde Buchmacher und Schupobeamte Hand in Hand arbeiteten, hat in diesen Tagen zur Festnahme von sechs weiteren Beamten geführt. Es sind durchweg junge Beamte, die der Bereitschaft angehören. Obgleich die Beschuldigten noch streiten, sich irgendwie strafbar ge- macht zu haben, hat sich der Verdacht im Verlaufe der kriminal» polizeilichen Erhebungen gegen sie erheblich verschärft. Das Verhalten der Polizeibeamten kann selbstverständlich in keiner Weise entschuldigt werden. Erklärlich wird es aber, wenn man a» die wirtschaftliche Notlage gerade der unteren Beamten denkt. Es handelt sich durchweg nur um kleine Zuwendungen, die den Beamten gemacht wurden.. Wenn man sich die klägliche Bezahlung der unteren Beamten- g r u p p e n vor Augen hält, dann erst wird es überhaupt verständ- lich, daß einige Beamte in unverständlicher Leichtfertigkeit ihren Ruf und den Ruf der gesamten Polizeibeamtenschaft aufs Spiel setzen, nur um ein paar Mark nebenbei zu verdienen. Freigesprochen wurde in neuer Verhandlung nach Aufhebung der Verurteilung zu einem halben Jahr Gefängnis der ehemalig« deutsch-sozialistische Lodzer Sejmabg. Genosse Z a r b e. Er hatte Ge- Heimpolizisten den Zutritt zum Parteitag verwehrt, zumal sie einen Gerichtsbefehl nicht vorweisen tonnten. ZorschimgsmWi auf dem Zungfraujvch Erforschung der kosmischen Sirahlen/ Lnternaiionale Zusammenarbeit Während wir doch der Lufthülle unserer Erde am meisten ver- danken, die uns das Leben erst ermöglicht, Hot sich die Wissenschast bisher verhältnismäßig wenig um sie gekümmert. Es waren immer die unteren Schichten, die den Gegenstand der Wettersor- schung bildeten, und erst in den letzten Jahren, als der Begriff der „Stratosphäre" durch die kühnen Pläne der Raketensahrer und schließlich durch die erfolgreiche Fahrt Professor Piccards schon bei- nahe ein Modeschlagwort geworden war, bereitete sich auch eine großzügigere Erforschung der höheren Luftschichten vor. Die meteoro- logische Wissenschost hat erkannt, daß sie die Erde mit einem Netz von Wächtern, von meteorologischen Beobachtungzstotionen, über- ziehen und daß sie alle Luftschichten gleichmäßig durchforschen muß, wenn sie mit ihren Versuchen, sichere Wettervorhersagen auch auf längere Sicht zu machen, Erfolg haben will. Die Grönlandexpedi- tion Professor Wegeners und auch ein Teil der Arbeit Sven chedins durch Zentralasien dienen diesem Ziel. Wichtiger noch als einzelne Rekordleistungen, wie der groß- artige Flug von Professor Piccard, ist eine ständige Beobachtung 3)er ScJtienen- Zeppelin wird Freitag und Sonnabend weitere Probefahrten machen und am Sonnabend in Berlin eintreffen. der Lust in größeren Höhen. Wie sehr auch die Erforschung der Lustschichten durch'Flugzeugo, Ballons usw. mit Hilfe feinster In- sirumente gefördert wurde, so liegt es doch auf der Hand, von inelchem Vorteil für die Wetterkunde dauernde systematische Unter- suchungen in dieser Höhe sein müssen. Eine hochalpine meteoro- logische Forschungsstelle war deshalb schon lange der Wunsch der Wissenschast, nun endlich erfüllte durch die Eröffnung der in beinahe 400N Meter Höhe auf dem Iungfraujoch errichteten„Forschung? st otion Jungfraujo ch". Die Entstehungsgeschichte des Instituts beginnt früher, als an- genommen werden könnte. Schon beim Bau der Jungfraubahn verpflichtete sich ihr Schöpfer Guyer-Zeller, ein wissenschaftliches Institut finanziell zu unterstützen, falls es dort errichtet werden würde. Das war im Jahre 1894. Aber erst lange Jahre, nachdem die Jungfraubahn bereits gebaut war, wurde diese Idee wieder aufgegriffen und von der„Schweizerischen naturforschenden Gesell- schast" im Jahre 1922 eine Kommission zu diesem Zweck ernannt. Guyer-Zeller gab als wissenschaftliche Ziele nur meteorologische und tellurisch-physikalische Untersuchungen an. Eine Erweiterung der Ziele und der Gedanke, eine internationale Basis zu schaffen, die der Forschungsstation Iungfraujoch ihren besonderen Wissenschaft- lichen Charakter geben könnte, wurde dann von der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften vertreten, die eine internationale Beteiligung der verschiedensten Wissenschaften or- ganisierte und finanzielle Hilfe leistete. Nachdem die rechtliche Seite des Planes geregelt war und der Kanton Bern Steuerfreiheit zu- gesagt hatte, konnte am 5. September 1930 die offizielle Gründung der Stiftung im Beisein der Vertreter der beteiligten Staaten statt- finden. Die finanzielle Unterlage wurde durch die Leitung der Jungfraubahn, die beteiligten wissenschaftlichen Gesellschaften, den schweizerischen Bundesrat und viele Stifterbeiträge von privater Seite sichergestellt. Angesichts der großen Bedeutung, die man den meteorologischen Forschungen in diesen Höhen zumaß, ist übrigens schon im Jahre 1926 im Sattel des Iungfraujochs ein kleines Holztürmchen, im Firn schwimmend, als provisorische Station erbaut worden. Im Anschluß daran wurde auch für astronomische Beobachtungen und Untersuchungen ein Stützpunkt errichtet, woraus hervorgeht, daß auch diese Wissenschaft dem Plan dieser Station großes Interesse entgegenbrachte Denn wenn auch immer größere Fortschritte in der Schärfe und Genauigkeit der Instrumente gemacht werden konnte, mit denen der Astronom den Wcltenraum durchforscht, so biete die mit Staub durchsetzte Luftschicht auf der Ebene doch stets gewisse Hindernisse, die zum Beispiel auf den Höhen des Jungfrau- jochs fortfallen. Außerdem können die astronomischen Beobachtun- gen nicht mehr durch jene Wolkenbildungen gestört werden, die in geringeren Höhen entstehen Der Physik ist ebenfalls zum Studium der durchdringenden Höhenstrahlung, von der beim Stratosphärenflug Professor Piccards so viel die Rede war, Gelegenheit geboten Professor Kol- Hörster- Potsdam und andere Forscher haben 1926 am provi- sorischen Stützpunkt entsprechende Studien getrieben, um das G e- heimnis jener aus dem Weltall kommenden Strahlen zu klären. Auch die Forschungsziele der Zoologie und Botanik sind berücksichtigt worden. Das Tier- und Pflanzenleben in den Hochgebirgsgegenden bietet ja in seiner Verschiedenheit zu den auf der Ebene wirkenden Bedingungen immer wieder inter- essantes Studienmaterial. Die Medizin wird in dieser Forschung«- station vielleicht wichtige Anregungen empfangen. Fragen, die das Verhalten des Atmungsapparates, die Vorgänge der Blutbildung und die Ordnung in den Körpersäften betrefsen, werden hier be- handelt werden. In dieser Mannigfaltigkeit der wissenschaftlichen Bestrebungen und der internationalen Beteiligung verschiedener Länder liegt die hervorragende Bedeutung der Forschungsstation Iungfraujoch. Die wissenschaftlichen Bestrebungen einer Reihe von Nationen werden hier, soweit es die Ziele und Arbeitsgebiete der Station zulassen, zusammenlaufen und sich hoffentlich gegenseitig befruchten. Zum Ausdruck gelangt diese internationale Beteiligung in der Zusammensetzung des Stiftungsrates, in dem außer der Schweiz und Deutschland Frankreich, England, Oesterreich, Belgien mit je 2 Mitgliedern gleichberechtigt vertreten sind. Ueberaus große Schwierigkeiten bereitete übrigens die bauliche Durchführung des Planes, wie man sich ja bei dieser großen Höhe vorstellen kann. Heftige Schnee st ürme, die tagelang wüteten, warjen immer wieder riesige Schnee- Massen auf den Bauplatz und machten die Verkehrswege un- gangbar. Grimmige Kälte und Lawinen störten die Arbeiten und stellten ungewöhnliche Anforderungen an die Willenskraft der Be- teiligten. Trotzdem sind alle Widerstände überwunden worden, und der Bau steht als ein stolzes Denkmal zielbewußten menschlichen Planens. Gelegen auf einer Felsrippe im steilen Schneehang, der von der Sphinx gegen den Aletschgletscher abfällt, ist er von der Endstation Iungfraujoch durch einige Stollen zugänglich. Das Ge- bäude mußte so in di� Feldwand gepaßt werden, daß Steinschlag und abrutschender Schnee darüber hinwegfallen können. Außerdem ist das flache Dach mit Granitplatten belegt zum Schutze der dar- zinter gelegenen Isolierbeläge vor Steinschlag. Eine vollständig durchgeführte innere Korkschale und die Holzvertäselung, in der Wohn- und Schlafräume gehalten sind, wehren das Eindringen der Kälte ab. Für sanitäre und technische Anlagen aller Art ist aus- reichend Sorge getrogen worden. Fünf Stockwerke steigen in die Höhe und enthalten zahlreiche für die verschiedensten Bedürfnisse geeignete Wohn- und Arbeitsräume. Mit dieser Forschungsstätte hat die Wissenschaft wieder einen Schritt vorwärts getan, und wir dürfen erwarten, daß die Erfolge, die in ihr erzielt werden, den Mühen entsprechen, die ihr Aufbau erfordert hat. vr. L.?ermc. Deutschland wirbt im Film. Die Film- und Bild-Arbeitsgemeinschafr Groß-Berlin will, daß der Film möglichst weiten Kreisen dient. Sie will die Schulen für den Film gewinnen, sie will Er- wachsenenpflege durch ihn treiben und sie will erstreben, daß er zu wissenschaftlichen Jllustrationszwccken herangezogen wird. Inter- essant ist, daß in Leipzig sich Vertreter der Wissenschaft zusammen- fanden, die die gleichen Pläne bekundeten, Film und Wissenschast einander näher zu bringen. In Berlin war nun die Hauptgemeinschoft ausländischer Stu- dierender in Verbindung mit dem Auslandsomt des Deutschen Studenten-Verbandes an die Arbeitsgemeinschaft mit der Bitte um einen Deutschland-Film herangetreten, dessen Zusammen- stellung Dr. Walter Günther übernahm. Zu der Vorführung hielt er auch den erläuternden Vortrag. In Filmen und Lichtbildern.zeigt er die Grundlinien deutscher Entwicklung, von d.em Stück Alt-Rom, das noch in uns lebt, bis zur planmäßigen Arbeit der Jetztzeit. Man kennt Deutschland nicht. wenn man ein pabr Geschichtszahlen auswendig weiß. Um Deutsch- land richtig zu beurteilen, muß man die Noturverbundenheit seiner Bevölkerung verstehen, muß man wissen, wie sie aus unerhörten Schwierigkeiten heraus(wie Dorf- und Stodtanlagen noch heute zeigen), Neuland schuf, wie sie an der Nordseeküst« durch das Deichen zur Genossenschajtsorbeit kam. Der Tonfilm„Stahl" zeigt, wie die Arbeiter in der zur Wahrheit gewordenen Hölle stehen und schuften für das tägliche Brot. Und selbst dieser Lebensunterhalt ist heute geschmälert; denn viele, viele Werke liegen still. Aus allem ersah man, wir haben ein ungeheures Filmmaterial über Deutschland, das, wenn man es zu sichten und zu ordnen ver- steht, den Ausländern und auch uns selbst das richtige Sehen ver- Mitteln kann. An diesen lehrreichen Vortragsabenden aber knüpft sich wiedenim die dringende Forderung noch Schaffung eines Filmarchivs. Ersteht es nicht bald, dann gehen ungeheure Wert« verloren. e. b. Haydn vor 200 Jahren geboren. Im Jahre 1932 wiederholt sich zum zweihundertsten Male der Geburtstag des Komponisten Josef Haydn, der auch der Schöpfer des Deutschlandliedes ist. Schlichte Feiern in Wien und Eisenstadt (B u r g e n l a n d), der engeren Heimat Hoydns, wo er den größten Teil seines Lebens verbrachte, sind im„Hoydn-Iahr 1932" vor- gesehen: außerdem ober soll das Andenken des berühmten Komp»- nisten durch Erwerb das Hoydn-Wohnhauses in Eisenstadt und Umgestaltung zu einem Haydn-Liszt- und Heimatmuseum, durch ein einfaches Haydn-Mal, besonders ober durch die Errichtung eines Haydn- S t i f tu n g s ha u s e s geehrt werden. Das Haydn- Stiftungshaus soll ähnlich wie die in Allenstein, Schneidemühl und anderen Grenzorten errichteten Voltshäuser zu einem kultu- rellen Mittelpunkt des Burgenlandes werden, ein Festsaal, Volks- bildungsräume, eine Bibliothek, die.zentrale Jugendherberge usw. sollen dort untergebracht werden. Zur Durchführung der gesamt- deutschen Haydn-Iahrfeier gründete die burgenländische Landes- regierung die H a y d n- S t i f t u n g in Berlin, die Reichs- und Staatsbehörden haben Beiträge dazu bereits geleistet oder in Aus- ficht gestellt. Auf einem Presseabend der Haydn-Stiftung machte der Landeshauptmann-Stelloertreter des Burgenlandes, Genosse Ludwig Leser, die zahlreich erschienenen Pressevertreter mit den Absichten und Zielen der Haydn-Stiftung bekannt und forderte zu tatkräftiger Mitarbeit auf. Zur Ehrung eines seiner größten Söhne, dessen unsterbliche Werke in der ganzen Welt für Deutschland zeugen, müsse sich das ganz« deutsche Volk, auch über die Landesgrenzen hinaus, zusammenfinden. Afrika braucht Nationalparks. In einer Sitzung der englischen Geographischen Gesellschaft forderte Major Hingston, der kürzlich mit Unterstützung des britischen Kolonialamtes die afrikanischen Kolonien und Vecwaltungs- gebiete Englands bereist und auf ihren Wildbestand untersucht hat, die Schaffung von acht neuen Nationalporks mit einem Umfang von mindestens 3000 Quadratkilometer. Er hält diese Maß- nähme für den schwerbedrohten Wildbestand für unbedingt notwendig. „Unter allen Ländern, in denen das Tier noch in freier Wildbahn lebt, ist Afrika bei weitem das wichtigste", führte er aus.„In der Fülle und Mannigfaltigkeit der Tierarten, in der Größe, dem einzig- artigen Charakter und der vorgeschichtlichen Bedeutung läßt sich kein anderer Kontinent mit Afrika oergleichen. Leider aber sind viel« Tiere bereits durch den Menschen ausgerottet worden. So ver- schwanden z. B. der afrikanische Blaubock, das Quagga und eine Art Zebra olle im letzten Jahrhundert. Das weiße Rhinozeros, das noch vor einigen Iahren in reicher Zahl vorhanden war, ist jetzt vis auf 20 Exemplare im Zululand und 130 am Oberlauf des Nils zu- sammengeschmolzen. Di« ganze afrikanische Tierwelt wird von der fortschreitenden Zivilisation immer mehr bedroht. Ich zweifle, ob irgendeine der drei großen Dickhäuterarten, der Elefant, das Rhino- zeros und das Flußpferd, die nächsten 60 Jahre noch überleben wird, wenn die gegenwärtigen Zustände andauern." Major Hingston teilt die zerstörenden Mächte in vier Klassen ein: 1. Ausbreitung der Kultur, 2. Ansprüche des Handels, 3. Tätigkeit der Sportsleute, 4. Gefahren der Krankheit. Er glaubt, daß die Jäger am wenigsten an dem Verschwinden der asrikanischen Tierwelt schuld sind, da sie sich gewöhnlich mit wenigen Trophäen begnügen. Viel schlimmer hausen die Eingeborenen, die das Wild erlegen, um sich Nahrungsmittel zu oerschassen, und unter den Herden wahre Blutbäder anrichten. Was die Krankheitsgesahren anbelangt, so ist es besonders die Tsetse-Fliege, die von Zeit zu Zeit furchtbare Opfer unter dem Wilde hervorruft. Um die Träger dieses gefährlichen Insektes auszurotten, wurden ollein im Zululand im vergangenen Jahre weit über 20 000 Stück Wild getötet. Obwohl Afrika bereits einige Wildschutzgebiete besitzt, fordert Hingston die Ar.mge neuer Schutzparks, besonders in Ost-Afrika. Hier gibt es noch große Herden von Wild, die nur auf diese Weise vor dem Untergang bewahrt werden können. Deutscher Volksbühnentag. Der Deutsche Bolksbühnentag, der am 27. und 28. Juni in Würzburg stattfindet, wird auch eine öffent- liche Kundgebung umfassen, bei welcher der Sozialpsychologe Prof. Hendrick de Man- Frankfurt, der neue Berliner Generalintendant Carl Eberl und Lehrer S i e l a f f- Stettin als Redner austreten. Lichtsest in Wien. Die Wiener Festwochen erreichten heute mit dem großen Lichtfest ihren Höhepunkt. Rathaus, Parlament, Maria- Theresien-Denkmal, Messepalast, Oper, Karlskirche und Hochstrahl- brunnen waren hell erleuchtet. Bor dem Rathaus trugen 6000 Sänger des Arbeitersängerbundes und des Ost- märkischen Sängerbundes Chorgesänge vor. In den Straßen be- wundern viele Zehntausend« von Menschen die festliche Beleuchtung der großen Gebäude. Reue Hebung am Remi-See. Die erweiterten Trockenlegungs- arbeiten am Nemi-See. die auf Veranlassung Mussalinis einige ge- funkene Kaiferschiffe der späteren römischen Zeit freilegen sollen, sind nunmehr in ein neues Stadium getreten. Eine zweite große Galeere ist zum Vorschein gekommen und scheint nach den bisherigen Fest- stellungen erheblich besser erhalten zu sein, als ihre Vorgängerin. Der Urmensch von Australien. Die Hoffnung, Neues über den prähistorischen Menschen zu erfahren, knüpfte sich an die Entdeckung eines Menschenschädels, die kürzlich in Mittelaustralien gemacht wurde. Wie der Direktor des australischen Instituts für anatomische Forschung versichert, zeigt der Schädel in Gestalt und Einzelheiten ausfallende Aehnlichkeit mit dem Pekinger Schädel, der, wie man annimmt, einem Menschen gehört, der vor einer Million Iahren auf der Erde lebt«. Dieser Pekinger Schädel wird zum Beweise dafür angeführt, daß der Mensch in dieser Frühzeit bereits ein denkfähiges Wesen war, dos aufgerichtet ging. Nack den Bekundungen Pro- sessor Osbornes von der Universität Melbourne gibt dieser austra- tische Schädel weitere Ausklärung hinsichtlich der Physiologie und des ausrechten Ganges des Uxmenschen. Clne Schwanneke-Gedenkitunde veranstaltet da« Theater in der Behren- ftrahe gemcinlam mit dem Deutschen Bühncnklub. Sie findet Sonntag. den 21., mittag« 12 Uhr, im Theater in der Behrenstrahe statt. vühnenchroait. Ab Freitag, den 13. Juni, beginnen die Aufführungen der �.Schönen Helena- im Kurlmstendamm-Thcatcr täglich um 8'/. Uhr. Scheuen vor Lüneburger Züchtern. Prügeldirektor Straube und seine„Topfkratzergarde". Vor dem Lüneburger Gericht beginnt heute ein groteskes Schauspiel. Aus der Anklagebank sitzen neben dem berüchtigten Prügelpädagogen Straube und seiner„T o p f k r a tz e r g a r d e" die Meuterer, die am 18. Februar v. I., mit Stuhlbeinen bewaffnet, Fensterscheiben einschlugen und ein«„Revolte" inszenierten, um hinterher unter Duldung und Anspornung des Direktors Straube von den ihm„treuen" Zöglingen— der„Topskratzergarde",— in der schlimmsten Weise mißhandelt zu werden. An diesen Mißhand- lungen ist der Zögling Ledebour gestorben. Also lautet die An- klage gegen den Erziehungsdirektor Straube unter anderem auf Körperverletzung mit tödlichem Ausgang, gegen die „Meuterer" auf Zusammenrottung mit Gewaltanwendung. Die Staatsanwaltschaft hat sich jede erdenkliche Mühe gegeben, aus der kindlichen Meuterei der Zöglinge eine Revolte zu kon- struieren, hat sämtliche Iungens, sowohl die Mißhandelten als die Mißhandler, in Haft genommen und bloß den Hauptschuldigen, den Prügeldirektor Straube, auf freien Fuß belassen. Die skandalösen Zustände in der Scheuener Erziehungsanstalt sind bereits Gegenstand ausführlicher Erörterungen in dem Beleidigungsprozeß der Stadt- rätin W e y l gegen einen kommunistischen Redakteur gewesen. Die Scheuener Anstalt ist ausgelöst, der Fall Scheuen nicht mehr aktuell. Aber als drohende Warnung, als Mahnung, die Fürsorgeerziehung unfähigen Direktoren aus der Hand zu nehmen und wildgewordene Spießer-Erzieher nicht auf junge Leute loszulassen, erhält sowohl der eben in Segeberg erledigt« Ricklinger Fürsorgeerzicherprozeß wie der kommende Scheuener Prozeß in Lüneburg die größte Be- deutung. Damit soll nicht gesagt sein, daß die Zustände in Rickling und in Scheuen typisch wären für die Fürsorgeerziehungsverhältnisse überhaupt. Traurig genug, daß sie überhaupt möglich waren, obgleich das Berliner und das Kieler Wohlfahrtsamt das Prügeln von Zöglingen aufs schärfste untersagt hatten. Im Falle Scheuen hat sich übrigens bitter gerächt, daß eine Anstalt, die ursprünglich ganz anderen Zwecken dienen sollte, schließlich eine große Anzahl schwer pfychopathischer Jungen bei vollkommen unge- nügendem Erzieherpersonal beherbergen mußte. Es war anfangs geplant gewesen, im Landeserziehungsheim Scheuen nur junge Leute unterzubringen, deren allgemeines Verhalten eine freie Behandlung ermöglichen würde. Sie sollten über ihre freie Zeit verfügen können. Celler Sportvereinen angehören dürfen und nur wenig Aufsicht erhalten. Das Jungenmaterial, das in die Anstalt geschickt wurde, war aber ganz anders geartet. Und Direktor Straube, unfähig, mit den Jungen fertig zu werden, griff zu Mißhandlungen. Vielleicht hätte man richtiger getan, nur Straube auf die Anklagebank zu setzen und die 35 Zöglinge als Zeugen zu hören. Aufhebung des Ernährungsgeldes. Es besteht Anlaß zu der Annahme, daß das städtische Er- nährungsgeld gefälscht wird. Die. Ausgabe von Er» nährungsgeld in der bisherigen Form ist daher mit so- sortiger Wirkung eingestellt worden. Das bis jetzt aus- gegebene und von den Kaufleuten an Zahlungsstott angenommene Ernährungsgeld wird nur noch bis zum 30. Juni 1931 bei den Einlösungsstellen der Bezirks- Wohlfahrts- und Jugendämtern an- genommen. Oer Bühnennachweis (Sin Wort zu seiner Rechtfertigung Der in jüngster Zeit befehdete„Bühnennachweis" ist eine Zu- sammenfassung kontrollierter Agenten, die— genau wie die früheren Privatagenten— individuell arbeiten Innerhalb des Kon- trollorgans des„Vühnennachweis" arbeiten für das Schau- spiel sechs Agenten. Auf demselben Gebiet haben vor Er- richtung des„Bühnennachweis" höchstens zehn ernsthafte Privat- agenten gearbeitet. Berücksichtigt man die Tatsache der allgemeinen schweren Wirt- schaftslage und den damit zusammenhängenden Umstand, dah der in guten Iahren innerhalb der Engagements auf ungefähr 40 bis 50 Prozent zu schätzende Wechsel auf 20 bis Z0 Prozent zurückgegangen ist, so ergibt sich, daß die Zahl der im„Bühnennachweis" tätigen Agenten durchaus für die notwendige Vakanzenbesetzung ausreicht. Von diesen Agenten arbeiten zwei nicht innerhalb der Zentrale, sondern in Vermittlungsstellen in Mainz und in München. Weitere Vermittlungsstellen innerhalb des Reiches aufzuziehen ent- spricht weder dem Bedarf noch der Praxis vor Errichtung des „Bühnennachweis". Es haben lediglich in Süddeutschland. in Mainz und in München zwei private Großagenturen bestanden, wogegen in keiner anderen deutschen Stadt sich Privotagenten be- tätigten, wenigsten« nicht solche, die für die Besetzung der Vakanzen an den deutschen Bühnen in Frage kamen. Zu der Oper arbeiten innerhalb des„Bühnennachweis" fünf Agenten. Hier ist angesichts des Abbaues der deutschen Oper die Anzahl der inner- halb der Kontrolle des„Bühnennachweis" frei arbeitenden Agenten durchaus identisch mit den Notwendigkeiten der Vermittlung, wie auch in derOperette, bei'der vier Vermittler tätig sind, die Vakanzen anstandslos und reibungslos besetzt werden können. Es wäre ein Fehler, in einem Institut bei dieser schlechten Wirt- schaftslage, wo auf dem Arbeitsmarkt für die Bühnenmitglieder das Angebot die Nachfrage um mehr als das Doppelte übersteigt, mehr Kräfte in Tätigkeit zu setzen, als unbedingt zur Bewältigung der Vermittlungsarbeit notwendig stnd. Der„Bühnennachweis" hat bis heut« die Möglichkeit gehabt, S00 freie Stellen künstlerisch wertvoll zu besehen. E» ist eine irrig« Auffassung, daß der„Bühnennachweis" ledig- lich für diejenigen tätig fei, die stch persönlich in Berlin oder an den Vermittlungsstellen dem betreffenden Agenten vorstellen. Die Vermittler des„Bühnennachweis" reisen während der Saison in die einzelnen Städte, lernen auf ihren Reisen die Mit- glieder kennen und machen ihre Empfehlungen schriftlich. Es gibt unzählige vermittelte Bühnenangehörige, die die Räume des „Bühnennachweis" weder betreten noch je gesehen haben und die trotzdem infolge unserer Orientierungsreisen und der Kenntnis der einzelnen Theater und ihrer Notwendigkeiten, in die freien Stellen vermittelt worden find. Was den Film anbetrifft, so ist zu sagen, daß die dort tätigen Agenten unter der Kontrolle des„Bühnennachweis" wie alle anderen Disponenten arbeiten, in den kurzen Wochen des Bestehens dieser Filmvermitt- lungsstelle bereits namhafte Verträge abgeschlossen haben, nicht nur für bekannte, prominente Filmdarsteller, wie Bassermann, Sandrock, Tiedtke, Thimig, Falkenstein usw., sondern afich für eine Reihe von jungen Kräften, die wir für den Film entdeckt und dem Tonfilm zugeführt haben. Diese Stelle des„Bühnen- Nachweis" arbeitet auch mit dem Rundfunk und der Schallplatten-' industrie und wird dafür sorgen, daß das wilde Agenten- Unwesen auf dem Gebiete des Films verschwindet. Der„Bühnennachweis" wird sowohl nach der künstlerischen als nach der wirtschaftlichen Seite hin den Beweis erbringen, daß die Absichten des Gesetzes, auch in die Vermittlung von Künstlern Ordnung, Klarheit und Verantwortung hineinzu- bringen, verwirklicht werden. Die SchNchkungsverhandlungen im Lohnstreit im Ruhrbergbaa sind durch den Schlichter auf Samstag, den 20. Juni, vormittags 10 Uhr, im Verwaltungsgebäude des Zechenverbandes, angesetzt worden. Wetter für Berlin. Weitere Abkühlung, wechselnd wolkig, nur strichweise Schauer, südwestliche Winde.— Für Deutschland: Ueberall wolkiges Wetter mit einzelnen Schauern und noch etwas sinkenden Temperaturen. D!� Arbeitslosigkeit m Deutschland Stand je-weils Ende Hai In 1000 Personen Z S H änn er I Fr a uen «mj Mb-llMM 19S7iiuümniiiiiiiiiiiiiiii 1928 im5° I929i Aus dieser Graphik ergibt sich der Umfang der Arbeitslosigkeit in der günstigsten Jahreszeit, Ende Mai jedes Jahres, wo es keine Saisonarbeitslosigkeit gab. Das Bild für das laufende Jahr zeigt deutlich, daß der Begriff der Saisonarbeit, von dem die Notverordnung bei der Schlechterstellung der arbeitslosen Bauarbeiter ausgeht, die als„Saisonarbeiter" im Sommer vollbeschäftigt sein müßten, durch die Entwicklung der Dinge über- holt ist. Protest der Bankangestellten. In einer stark besuchten Mitgliederversammlung des freigewerk- schaftlichen Allgemeinen Verbandes der Bankange- st« l l t e n wurde die Notverordnung gründlich durchleuchtet und einmütig und entrüstet abgelehnt. Di« am Schlüsse der Versamm- lung angenommene Entschließung hat folgenden Wortlaut: Die Mitgliederversammlung der Ortsgruppe Berlin des Allge- meinen Verbandes der deutschen Bankangestellten vom IS. Juni 1931 stimmt der Entschließung der Vorstände der Berliner Ortskartelle vom AfA-Bund und ADGB. vom 11. Juni, worin die Notverord- nung vom S. Juni d. I. einmütig abgelehnt wird. 1. Da die Notverordnung die wichtigsten in der Reichsverfasiung verankerten sozialen Grundrechte der Arbeitnehmerschast— Tarif und Arbeitslosenhilfe— total verletzt, 2. geradezu unerhörte Eingriffe in die Sozialversicherung darin enthalten sind, 3. die antisoziale Staffelung der Krisensteuer völlig untragbar ist, 4. die Notverordnung als direkte Aufforderung an die privaten Unternehmer wirken mutz, Löhne und Gehälter weiterhin zu senken, 5. sie keinerlei Abstriche am Wehretat sowie den hohen Pensionen der ehemaligen hohen Militärs und der hohen Minifterial- und Berwaltungsbürokratic enthält, voll und ganz zu. Die Versammlung aber verlangt von den Gewerkschaften, daß an diesem ablehnenden Standpunkt beharrlich und unverrückbar fest- gehalten wird. Von den Spitzenorganisationen und ihrer parlamentarischen Vertretung wird gefordert, daß sie alle Mittel daransetzen, um die Aufhebung dieser ebenso provokatorischen wie untragbaren Notver- ordnung zu erzwingen. Bauarbeiterprotest. Die Baugewerksck�aft Dresden des Deutschen Bau- gewerksbundes hat an den Reichearbeitsmini st er eine Ein- gab« gerichtet, in der„gegen die unerhörten scharfen Bestimmungen der Notverordnung" protestiert wird:„Wir verlangen Arbeit und eine Arbeitern gerechte Versicherungsleistung." In der Eingabe wird festgestellt, daß von den 13 832 Mitgliedern der Baugewerkschaft Dresden im Juni 7814 arbeitslos sind und die Arbeitslosigkeit doppelt so groß ist als im Vorjahre. Die Bauarbeiter haben nicht mehr während 26 Wochen im Jahre Arbeit, können sich also zu einem großen Teil keinen Unterstützungsanspruch mehr sichern. Trotzdem ist für den Unterstützungssall der Bauarbeiter einmal die Dauer der Arbeitslosigkeit um sechs Wochen oerkürzt, der Hundert- satz um 5 herabgesetzt und nur noch die Krisenuntcrstützung zu- gelassen. Die Rückerstattung der Lohnsteuer, die für die Bau- arbeiter noch eine gewisse Roll« spielt«, fällt fort und die Karenzzeit ist verlängert. Die Streichung des Absatzes 3 des§ 91 der Arbeitslosenversicherung führt dazu, daß viele Gemeinden nur noch Pflicht- und Fürsorgearbeit kennen, wodurch die sogenannt« freie oder Not- standsarbeit noch mehr als bisher verdrängt wird. Die in Arbeit stehenden Dresdener Bauarbeiter haben erst im April dieses Jahres eine Lohnkürzung von mehr als 10 Proz. er> fahren und bezeichnen nach allem die Verschlechterungen durch die Notverordnung als untragbar. Oer Textilkampf in Rordfrankreich. Solidarität der belgischen und franzöflschen Streikenden. Paris. 18. Juni.(Eigenbericht.) In Roubaix ging am Dienstag nachmittag die angekündigte Zusammenkunft zwischen Vertretern der unabhängigen Textilfabriken und Delegierten des Streikkomitees vor sich. Die Delegierten der christlichen Gewerkschaften erklärten sich im Prinzip mit dem Ver- mittlungsoorschlag der unabhängigen Ardeitgeber einverstanden und man glaubt, daß auchdiesoziasistischenGewerkschaften trotz einiger Bedenken dieselbe Haltung, einnehmen werden, wenn die betreffenden Firmen einen Kollektivvertrag mit den Ar- beitern abschließen. Demnächst soll erneut verhandelt werden. Di« belgischen Textilarbeiter sind bereit, die Arbeit sofort wieder aufzunehmen, sobald ihre französischen Kameraden den An- sang machen. Die in dem Texttlkonsortium zusammenge- schlossenen Firmen halten nachwieooranihrerForderung fest, die Löhne sofort in höhe der Amvefeuheitsprämie zu kürzen. Sie wollen am Montag ihre Fabriken wieder eröffnen in der Hoff- nung, daß eine große Zahl von belgischen Arbeitern in die Fabriken zurückkehrt._ Sur die Arbeitslosen in LlGA. Wohltätige Sammlungen als Nersicherungsersah. Washington, 18. Juni. Da« Hooversche Arbeitslosenkomitee wird demnächst unter den Auspizien der Regierung einen Feldzug zur Erhöhung der loo-ZNillioaeu-Dollar-Zeichnungen für die Unterstützung der Arbeiis- losen eröffnen. Trotz der Meldungen über ein Anziehen der Ge- schäftstätigkeit rechnet man mit einem harten Winter und einer Zunahme der Zahl der Arbeitslosen. 32 000 Ehen weniger. In der zweiten Hälfte des Jahres 1930 wurden, wie das Statistische Reichsamt feststellt, 32 000 Ehen weniger geschlossen als in der gleichen Zeit des Vorjahres. Der Rückgang'der Eheschließungen hängt zweifellos mit der schweren Wirtschaftskrise zusammen. Rückschau. Im Programm der Funkstunde berichtete Dr. med. H. Sachs „Aus der Fü rsorge stelle für herzkranke Kinder". Diese Fürsorgestelle besteht in Berlin erst seit einigen Jahren; die Oefsentlichkeit weiß kaum von ihr, obwohl hier eine Arbeit geleistet wird, die für die Volksgesundheit von wesentlicher Bedeutung ist. Das herzkranke Kind bedarf einer besonderen ärztlichen Ueber- wachung und Beratung, wenn es in den normalen Schulbetrieb eingegliedert werden soll. Der Vortragende betonte, daß ängstliche Verzärtelung vermeintlich herzschwacher Kinder genau so falsch und infolge Begünstigung entwicklungshemmender Einflüsse oft schwer schädigend ist wie die Ueberanstrengung der wirklich organisch herz- leidenden. Beidem soll durch die Arbeit der Fürsorge vorgebeugt werden. Infolge der zahlreichen diagnostischen Möglichkeiten, die ihr zur Verfügung stehen, kann das organische Leiden von einer harmlosen Störung mit Sicherheit unterschieden und den Erziehern die entsprechende Beratung erteilt werden. Als dringend wünschens- wert erklärte der Vortragende die Einrichtung von Schulen und H e i m e n für herzkranke Kinder, in denen diesen auch die körperliche Uebung, die ihnen sonst in der Schule vorenthalten werden muß, in der für sie richtigen Dosierung zum Nutzen ihrer gesamten Ent- Wicklung geboten werden kann. „Ein Besuch im Kultusmini st erium" wurde den Hörern des Schulfunks der Deutschen Welle geboten. Schüler aus einer Dorfschule und einer höheren Schule dursten durch die Arbeits- räume des Ministeriums gehen und sich Auskunst holen über die Tätigkeit, die hier auch für sie täglich geleistet wird. Ihnen und sicher allen, die sie am Radioapparat ihrer Schulen im Geiste be- gleiten konnten, wurde der große Zusammenhang des Bildungs- systems im preußischen Staate deutlich gemacht, über da« ihnen der Kultusminister, Ministerialdirektoren und andere Beamte mit gleicher Bereitwilligkeit Auskunst gaben. Tee. Donnerstag, 18. Juni. B c r 1 1■. 16.0S Int. Joacliim Bothmer: Eine VIertelstonde Technik. 36.30 1. Faure: Sonate, op. 13(Prof. Alberl Jaroiy, Violine. Plütel; Paul Loyonnet). 2. Couperln, Ravel, Ritandon(Paul LojronneÜ. 3. Debussy; Sonate(Prof. Albert Jarosy). 17.30 K. E. Friedmann; Hinter den Kulissen einet Reisebüros. 17.55 Das schwarze Schaf, ein Spiel für Kinder. Worte: R. Seite. Musik; Paul Hftffer. Aus!.: Gertrud van Eyseren mit der Kunterbnnt-Oruppe. 18.20 Vagabunden-Dichtungen. Gespräch zwischen R. H. Duwell und Haus Reiser. 18.40 Interview der Woche. 19.00 Ünterhaltungsmusik. 21.00 Tages- und Sportnachrichten. 21.10 Balladen. 22.15 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Taniaraslt 'K 8 41 g ä t« 8 a t e r h»** e u. 16.00 Lehrer W. Hottmann: Landarbeiterkfnder feäern ein Somnjeefeet, 17.30 Mersmann; Hausmusik. 18.00 Schlesische Heimat. 18.30 Minlst.-Rat Prof. Dr. Wlndelband: Eilnuei'ungeu des nbatea BtBow. 18.55 Wetter für die Landwirtschaft. 19.00 Englisch für Fortgeschrittene. 19.30 Dr. Leonhards: Wanderausstellung Hanaawer. 19.50 Wetter für die Landwirtschaff. AnschllcBend: Min.-Rat Goslar: Die Zensor w der Peidis-eataaoeag ad in der Präzis. 20.15 Trier; Eröffnungsfeier der 6. Reichstagung des KatboKadMi Jmgmänncr- verbandes Deutschlands._ Stcnne lonrnt erst später. tSrteftot Jftone, der nttt ferner rieftoeo geltstabf. dem«rüRten-hrftbouftselt, Oos it für einen Äirft» in etrtwpo oebout tnutbr, schon Ende dieser Woche aus dem für ihn feit lünocter Seit referoiecten Tempel. hofet Selb aufboii en wollte, hat sich mit RiURcht auf ein ue-tetuuSrlia in Berlin spielendes.Prfuentnter nehmen entschlossen, fein Gastspiel später m besinnen. Dirrlloe Krone handelt mit diesem Entschluß i« Gesaptttttteresie de» deutschen notleidenden girfusaewerbes._____ Berantwortf. fllt hie Rehoktion: Serbert 8c»«t, Berlin:«nseigen: Tb.»locke. Verlin. älerlop: Vorwärts Verlas®. m. b. Berlin. Druck: Borwärfs Buch, bruckeret und Verlagsansialt Paul Einser& Co., Berlin BS 88, Lindenstrasie S. Sierzu 1 Beilage. Berliner inh-TriO II•■ k• 1 1■. w Ufaute 74/7BJ Volks bUhne Tiaatif im BülowplatL 8 Uhr Lumpazivagabundus Staatl.Sdiillii-Tb. 8 Uhr Haus Uerzenstod Staatsoper AmPl.d.Republlk 8 Uhr Der Barkler von Sevilla -- Elite-SSnjjer- Kottbusser Str. 6 Tägl 8V« U. Die infe luv itattsagi- Riyui Pntt U6t sdiöne Fnaeo um midi stial von HarryWilden MtsN JUERGEJ / Alexanderplatz Neue König«tr.43 ODlItongs-.Rabatt- u.Reklamemsrken gegen Nachahmung gesetzt, gesch. fertigt seit 4S)ahr als SpexlalUlt Conrad HOller Leipzig;• Schkeuditz ran Bttf und billig? 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Er redet von..glänzenden Er- fahrungen', weil er bei dem An- und Abtransport eine..herzliche' Begrüßung und Verabschiedung zwischen den Pflegeeltern und Kindern beobachtet hat. Er schwenkt..das rote Tuch', weil er Tat- fachen, die das„Hilfswerk' alles andere denn als ein Werk der Nächstenliebe kennzeichnen, hilflos gegenübersteht— und schreibt: „Es ist durchaus unberechtigt und den Tatsachen völlig wider- sprechend, wenn linksgerichtete Zeitungen aus Berlin usw. sich über diese Kinderunterbringung in ungehöriger Weise auslassen und nur völlig unnütze Erregung in die maßgebenden Kreise hineinbringen. Aber mit der Wahrheit halten diese Leute es nicht so genau, sie lassen sich von einem Uneingeweihten die Ohren vollhängen und posaunen dann den schönsten Unsinn in unverantwortlicher Weis« in die Welt hinaus." Diese unsachlichen Ausführungen lassen immerhin daraus schließen, daß bei der Ruhrkinderverschickung mitunter Interessen wirksam sind, die mit der vielgerühmten Sorge um das Wohlergehen der Kinder nichts zu tun haben. Was hat denn die Landunterbrin- gung für die Kinder und die Ausnahmefamilien in Wahrheit zu bedeuten? Die im„Abend" veröffentlichten, gegen die dilettantische Verschickungsaktion gerichteten Aufsätze beruhen keineswegs aus einer SpezialMeinung des Verfassers. Man höre doch nur, was Fachleute und Kenner der ländlichen Verhältnisse zu dieser Landunterbringung von Stadt- und bzw. Ruhrkindern zu sagen haben. Die nachfolgenden Aeußerungen stammen zum Teil von Kreisfsirforgerinnen, Landlehrern, Kreisjugend- pflegern, Sandpfarrern, Amts« und Gemeinde- Vorstehern, Vertrauenspersonen von Kreis- jugendämtern.Landjägereibeamtenundanderen. Mögen sie auch denen, die die„Kulturwidrigkeit' dieses Verschickung«- systems noch nicht genügend erkannt haben, endlich die Augen öffnen. Da wird gesagt: „Die Ruhrkinder sind miserabel untergebracht. Sie haben keinen Schrank, kein Schubfach für Kleidtr und Wäsche. Viel- fach werden die ihnen zugewiesenen Aufenthaltsräume noch zur Ab- stellung von Geräten und altem Gerumpel benutzt. An die k ö r p e r- liche Leistungsfähigkeit der Kinder werden über Ge- bühr hohe Anforderungen gestellt. Im günstigsten Falle stehen sie morgens um 6 Uhr auf und gehen um 9 Uhr abends zu Bett.' „Die Kinder(elf- bis dreizehnjährige Mädchen) haben die völlige Arbeit eines Dienstmädchen» zu oerrichten: Reinigen der gesamten Wohnung, Versorgen der vorhandenen Klein- linder. Sie erhalten keinen Pfennig Geld.' „Der Unterricht wird durch die Ruhrkinder sehr erschwert. Sie kommen müde und abgespannt zur Schule. Schularbeiten werden meistens nicht gemacht. Offensichtlich werden sie mit Arbeit überla strt.* „Die Kinder müssen vor der Schul« Vieh füttern. Don den Handarbeit»- und Spielnachmittagen werden sie ferngehalten. Do» Geld zur Beschaffung der notwendigsten Lernmittel wird ihnen von den Pflegeeltern nicht gegeben.' „Die Kinder werden nur in dem Gedanken aufgenommen: Das sind einige Hände mehr in meiner Wirtschaft, die kann ich gut gebrauchen.' „Die Kinder werden stark in der Landwirtschaft be- schäftigt. Aber die Arbeit läßt wenigstens keinen Unfug auf- kommen, zu dem die meisten Ruhrkinder neigen."(!) „Da die Ausbeutung der Kinder auch bei schärfster Kontrolle nicht verhütet werden kann, sollte die Verschickung der Ruhr- linder grundsätzlich unterlassen werden.' „Die Kinder machen einen verwahrlosten Eindruck. Beim Landwirt ist gegen 4 Uhr die Nacht vorbei.' In anderen Fällen wird darüber geklagt, daß die Kinder schmutzig, auch mal mit Ungeziefer behaftet in die Schule kommen und schlechtes, unsauber zubereitetes Essen erhalten. Dann heißt es wieder: „Die hier untergebrachten Kinder sind Hilfsschüler. Ein Umschulungsschein fehlt. Sie hoben keine Hefte, kein Schreibzeug. Die Ausstattung der Kinder mit Lernmitteln macht große Schwierig- kciten. weil die Landwirte das Geld dazu nicht hergeben.' „Die Uebcrweisung von Ruhrkindern ist nicht zu verantworten. Von Pflege und Erziehung kann keine Rede sein. Als sie im vorigen Jahr im Dorf spazieren gingen, wurde dies als Sünde bezeichnet." „Eine schulische Versorgung der zwanzig Ruhrkinder besteht nicht. Die vorhandene Schule reicht knapp für die einheimischen Kinder aus. Nicht schulfreundlich eingestellte Land- wirte finden das in Ordnung." „Die Ausnutzung der wehrlosen Ruhrkinder ist unerhört. Sie werden von der Schule abgehalten, in der Haus» und Landwirtschaft oder beim Dreschen beschäftigt. Auch hören und lernen sie nichts Gutes." „Gegen die Unterbringung von Ruhrkindern muß ich mich ganz entschieden aussprechen. Niemandbehandeltsiepfleglich. Sie müssen nur schwer schuften." „Ungewaschen, mit zerrissenen Kleidern, verdreckten Schuhen und schmutziger Wäsche gehen die Kinder zur Schule. Es fehlt jede erziehliche und hygienische Beeinflussung- Es ge- hört ins Reich der Phantasie, wenn die Pslegestellen als Erholungs- stellen für die Kinder bezeichnet werden. Die Kinder werden nur als Arbeitskräfte behandelt. Die Arbeitszeit dauert von ZUHrfrühbisIv Uhrabends. Ist das nicht entsetzlich traurig und empörend zugleich?" „Es ist nicht mit anzusehen, wie die Kinder, die in schlechten Schlafräumen untergebracht sind, bei schlechter B«- Handlung unter der harten Arbeitsleistung, die von ihnen verlangt wird, zu leiden haben. Schulpflichtige Kinder sollten den Bauern grundsätzlich nicht zugewiesen werden." „Die Kinder sind außerhalb der Schule nur schädigenden Einflüssen ausgesetzt. Die Landwirte bevorzugen selbstver- stöndlich Schulentlassene. Ich muß mich aber auch gegen deren Zuweisung aussprechen, weil sie ebenfalls nur als k o st e n- lose Arbeitskräfte ausgebeutet werden." „Für die Ruhrkinder auf dem Lande bleibt nach meinen viel- festigen Beobachtungen die ihnen in Aussicht gestellte Erholung eine Fata Morgan a. Wer die Not der Landwirtschaft kennt. weiß, daß die zur Pflege überwiesenen Kinder vom frühen Morgen bis in den späten Abend hinein arbeiten müssen, ohne auch nur die geringste Entschädigung dafür zu er- halten. Soll eine abgerissene Hose oder ein schlechtes Kleid für eine Jahresarbeit als Geschenk oder gar Arbcitsver- güwng anzusprechen sein?" „So wie ich die Sache sehe, bedeutet die Landunterbringung sür die Ruhrkinder nichts anderes als die Ableistung eines Arbeitsdienstes, der sich auf neun Monate, ein Jahr oder noch länger erstreckt. Wo bleibt da die Erholung, die man den Kindern verspricht und die ihre Eltern für sie erhofsen! Soll denn ein neuesHeerFürsorgebedürftiger gewaltsam heran- gezogen werden? Die Schädigung, die diesen Kindern widerfährt, bedeutet letzten Endes doch Schädigung des Volkskörpers." Durch diese Aeußerungen ist die wirkliche Sachlage genügend charakterisiert. Sie könnten betrübend lang fortgesetzt und durch be- sonder» krossc, aber typische Einzelfälle ergänzt werden. Warum die Ruhrkinder auf dem Lande im Rahmen der gegenwärtigen Unter- bringungsart zwangsläufig ausgenutzt werden müssen, ist im„Abend" vom l. Juni 1931 in dem Aufsatz„Ruhrkinder wieder auf dem Lande!" nachgewiesen worden. Mögen sene grund- sätzlichen Erörterungen durch die hier wiedergegebenen Aeußerungen verdeutlicht werden. Mit vorbeugenden erholungs- oder gesundheits- fürsorgerischen Grundsätzen, mit dem Volkswohl ist es niemals vereinbar, daß schulpflichtige, irgendwie bereits geschädigte, als er- holungsbedürftig deklarierte Kinder als Arbeitskräfte auf dem Lande Verwendung finden. Zudem noch in einer Zeit bedrückendster Arbeitslosigkestl Fensterscheiben«nöSchnlorönnng Ich bedauere es, so begann ich meine Rede in der Schüler- Vertreterversammlung, daß ich erst heute mit meinen Sorgen zu Euch komme; vielleicht, nein sicher hätte ich es schon früher tun sollen. Mit einer Kleinigkeit will ich den Anfang machen, und wenn wir uns verstehen, werde ich mich häufiger bei Euch sehen lassen. Und nun setzte ich den SV Jungen und Mädchen, den Vertretern von KSl) Kindern, auseinander, wie die Zahl der zerbrochenen Fensterscheiben merkwürdig groß sei, entschieden recht viel größer, als sie bei einem ordnungsmäßigen Kaputtgehen zu sein hätte. Gewiß, Scheiben gingen immer entzwei, das sei nicht ver- wunderlich, und die Glaser müßten auch Arbeit haben-, aber in unserem Falle sei es wirklich zu schlimm. Einige Kinder nickten verständnisvoll. Andere taten ziemlich desinteressiert, als ob st« es nicht für so sehr wichtig hielten und auch nicht für merkwürdig bei solch zerbrechlichem Material. Kleine Pause.— Niemand meldete sich zu meiner Unter- st ü tz u n g oder zur Abwehr oder mit S ch u tz m a ß- nahmen. So mußte ich denn selbst Vorschläge andeuten: Gitter an den gefährdeten Stellen, polizeiliche Ueberwachung der Straßen in den Nachmittagsstunden, bessere Unterrichtung der Klassen über den zum mindesten der Schulleitung unangenehmen Sachverhalt, straffere Ordnung und mehr Aufsicht beim Spiel... Weiter brauchte ich nicht zu sprechen. Die Wortmeldungen wurden zahlreich und dringend. Gleich der erste Redner stürzte sich mit Eifer ins Gefecht. Wenn es darauf hinausliefe, eine neue Liste von Geboten oder Verboten zu schaffen, so mühte er sich von vorne- herein energisch dagegen wenden. Macht man bei jeder Kleinigkeit eine Vorschrist, so braucht niemand mehr über sein Tun und Lassen nachzudenken. Je mehr Gesetze, desto weniger Selbständigkeit. In unserer Schule gibt es überhaupt zu viel Anordnungen und Aufsicht. Auf dem Spielplatz, an den Treppen, auf den Fluren, in -Lmpreisausschrelben öcs ftOHV. Die Einsicht in die inneren und äußeren Schwierigkeiten, mit denen die deutsche studierende Jugend zu kämpfen hat, hat den A l l- gemeinen Deutschen Gewerkschaftsbund veranlaßt, ein Preisausschreiben zu erlassen, das den jungen Studie- renden ermöglichen soll, sich intensiv mit konkreten Fragen des modernen deutschen politischen Lebens zu beschäftigen. Es handelt sich um Fragen, deren Beantwortung gleicherweise geeignet ist. die Beziehungen zwischen der akademischen Jugend und der Arbeiter- schaft zu vertiefen und die jungen Studierenden anzuregen, an der Lösung von Problemen mitzuarbeiten, die das Leben selbst, der Kampf um ein neues deutsches Arbeits- und Wirtschaftsrecht, aufge- warfen hat. Das Preisausschreiben stellt folgende Aufgaben: l. Der Meinungsstreit um die Wirtschaftsdemokratie feit dem Hamburger Gewerkschaftskongreß. Der Gedanke der Wirtschaftsdemokratie, wie er auf dem Ham- burger Gewerkschaftskongreß(1928) und in dem Buche„Wirtschafts- demokratie" behandelt worden ist, hat in der Oeffentlichkeit lebhasten Widerhall gefunden. Die gegen den Gedanken erhobenen Einwände, Gegenvorschläge, Ergänzungen usw. sind systematisch darzustellen und kritisch zu würdigen. An eine geschichtliche Darstellung ist nicht gedacht. Ausführliche Zitate sind zu vermeiden. Wichtig ist eine knappe, übersichtliche und klare Systematik. Genaue Hinweis« im Text und ein Literaturverzeichnis sind erforderlich. 2. Wirkungen des modernen Arbeitsrechts auf die Rechtsgestallung der Sozialversicherung. Auszugehen ist bei der Behandlung des Themas von den wesent- lichen Grundgedanken, die sich im Arbeitsrecht der Nachkriegszeit durchgesetzt haben. Insbesondere sind also die arbeitsrechtlichen Bs- ftimmungen der Reichsversassung. ferner die Tarisvertragsverord- nung, die Arbeitszeitoerordnung, das Betriebsrätegesetz, das Arbeits- gerichtsgesetz, die Aendeningen der Gewerbeordnung und des Handelsgesetzbuches zu berücksichtigen. Es ist zu prüfen, inwieweit diese neuen arbeitsrechtlichen Gesetze sich in den einzelnen Sozial- Versicherungsgesetzen ausgewirkt haben bzw. inwieweit sie Reformen notwendig machen, z. B. Auswirkungen der Anerkennung der Ge- werkschaften als Vertreter der Arbeitnehmerschaft durch Artikel 165 der Reichsverfassung auf die Wahl oder Berufung der Beisitzer in Körperschaften der Sozialversicherung: Konsequenz des Grundsatzes der„Mitwirkung" der Arbeitnehmerschaft bei Gründung von Krankenkassen usw.; Auswirkung des Tarifgedankens(im Gesetz über Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung): Bedeutung arbeitsgerichtlicher Entscheidungen für Versicherungsträger oder Der- ficherungsbehörden. Für die Lösung beider Aufgaben hat der ADGB. 4999 M. zur Verfügung gestellt, die sich in folgender Weise auf die Preisträger verteilen würden: je lOM) Reichsmark als 1. Preise W 600„ M 2. W „ 400„„ 3.„ Den PriWrichtern steht es frei, die Preise nach dem Wert der eingereichten Arbeiten anders zu bemessen. Preisrichter sind für die erste Aufgabe: Dr. B. Harms, Professor an der Universität Kiel, Dr. B. K u s k e, Professor an der Universität Köln, Theodor Leipart. Vorsitzender des ADGB. Für die zweite Aufgabe: Dr. H. D e r s ch, Professor an der Universität Berlin, Dr. A. Grieser. Ministerialdirektor im Reichsarbeits» Ministerium. Theodor Leipart, Vorsitzender des ADGB. Das Preisausschreiben ist an olle deutschen Universitäten, Tech- nischen Hochschulen(einschließlich Danzig) und Handelshochschulen übersandt worden. Die Studierenden können sich daher über die Bedingungen der Arbeiten, die bis zum 1. Mai 1932„Einge- schrieben" an den ADGB. zu senden find, bei chrer Hochschule in- formieren.___ den Klassen: überall stehen Jungen und Mädchen, die aufpassen, daß alles zu seiner Richtigkeit kommt. Keiner braucht mehr aus sich selbst zu achten, es ist ja immer einer da, der ihm das abnimmt. Zum Schluß machte der Vierzehnjährige den Vorschlag, die ganze Aufsicht abzuschaffen, dann habe in Zukunft jeder auf sich selber aufzupassen, und das wäre erst die richtige Ordnung. Ein gleichaltriges Mädchen widersprach dem Vorredner energisch. Sie könne sich schon denken, was dabei herauskäme. Gewiß, viele Kinder verhalten sich so, wie Hans es will: aber manche Hadem sich, so wenig in der Gewalt, daß sie immer w jeder Dummheiten machen. Sollen die frechen Jungs denn einfach durch die Spiele der Mädchen laufen? Soll jeder mit der Mütze auf dem KiDf über den Flur spazieren? Soll aus den Treppen olles durch- einander und gegeneinander laufen? Wir müssen unsere Gesetze behalten, und wir müssen unsere Aufsicht behalten, weil es immer Kinder gibt, die sich nicht in acht nehmen. Die müssen wir zurechtweisen, denen müssen wir helfen. Die Debatte wurde lebhaft in diesem Gegensatz geführt. Der Vertreter der radikalen Selbstverantwortlichkeit fand Zustimmung bei fast allen größeren Kindern. Sie waren tn diesem Augenblick völlig davon durchdrungen, daß Gesetze und vor allem die Polizei den Menschen unselbständig machen, ihm jegliche Verantwortung ob- nehmen und deshalb schädlich seien. Das vorsichtigere Mädchen hatte Unterstützung bei den Kleinen, die vielerlei Bedenken vor- trugen und sich ausmalten, was nun alles geschehen könne, wenn niemand mehr aufpasse. Nach Ablauf einer Stunde tonnte der Leiter der Versammlung zur Abstimmung kommen. Der Antrag war im Laufe der Aussprache so abgemildert worden, daß man zunächst nur einen Versuch machen wolle, gänzlich ohne Aufsicht auszukommen. Sie solle auch nicht plötzlich überall verschwinden, sondern etappenweise und möglichst unmerklich abgebaut werden. So umgeändert, wurde der Antrag mit großer Mehrheit angenommen. Da saß ich nun mit meinen schutzlosen Fensterscheiben. Kaum ein Wort war dazu gesprochen, und ich selbst hielt die nun gänzlich veränderte Situation auch nicht für geeignet, darauf zurückzukommen. Da» Schicksal ging seinen Weg. Die Aussicht wurde nach und nach eingezogen, zuerst auf dem obersten Flur, dann auf dem mitt- leren und so weiter. Die Hofaufsicht sollte als letzte herankommen. Bevor man jedoch den letzten entscheidenden Schritt tat, etwa ein Vierteljahr nach jener denkwürdigen Sitzung, kam ein Antrag zur Verhandlung, den. ursprünglichen Zu st and wieder- herzustellen. Ebenso gründlich und ebenso ernst wie beim ersten Mal wurde die Angelegenheit besprochen, das Für und Wider noch einmal erwogen, vor allem aber das Ergebnis des bisherigen Versuches mit anerkennenswerter Offenheit behandelt. Der Versuch habe bewiesen, daß man sich getäuscht habe. Die Zahl der Kinder, die nicht ohne Gesetz und Helfer(freundlicherer und sinngemäßerer Ausdruck für Aufsicht!) leben könnten, sei doch größer, als man gedacht. Man wolle es lieber wieder so halten wie früher. Ein Antrag in diesem Sinne fand eine noch größere Mehrheit wie jener entgegengesetzte vor einem Vierteljahr— und niemand schämte sich seiner Bekehrung durch die harte Sprache der Tatsachen. Und meine Fensterscheiben? Noch immer lag die Anregung unerledigt da. Es hatte ja auch Wichtigeres zu überlegen und zu tun gegeben. Aber merkwürdig, es schien, als ob die Behandlung des Themas überhaupt nicht mehr vonnöten sei. Der Scheiben- bruch war so zurückgegangen, daß er erheblich unter dem lag. was «in Glasermeister wohl sür einen Haushalt als normal bezeichnet haben würde. Auch in der Folgezeit blieb dieser angenehme Zu- stand bestehen. So wurde das, was eine Hauptsache werden sollte. auf ein Nebengleis abgeschoben. Aber im Unterbewußtsein haben sich die Dinge ohne ein Dazutun aufs beste geordnet, woraus zu schließen wäre, daß das Wohlgelingen der Kindererziehung nicht immer von Anordnung, Vorschrift und Kontrolle abhängig ist, son- dern sich auch in der Stille ergeben kann, wenn man Zeit und Geduld für das ollmähliche Reifen als Erziehungsfaktor nicht gering einfHätzt. �evernwun. Die„Fricdrichshain" fliegt Das billigste Kleinflugzeug der Welt/ Flugsport wird Volkssport! 3m Winter faßten die Mitglieder der„S t u r m v o g e l"- Ortsgruppe Friedrichshain den Entschluß, ein Motor- flugzeug zu bauen. Die Konstruktionspläne waren da, die Fach- leute und viele arbeitsfreudige Hände auch. Aber das Geld fehlte. Mit Ach und Krach kriegte man tausend Mark zusammen.„Tausend Mark für ein Motorflugzeug? Werden die denn reichen?" Sie reichten! Die Ortsgruppe Friedrichshain baute unter Anleitung des Konstrukteurs F. Koch und des Ingenieurs Erbrecht das billigste Kleinflugzeug der well! Vor vier Wochen wurde die sauber gearbeitete Maschine aus der Taufe gehoben, und am Mittwoch abend flog sie Koch den Ver- tretern der Presse vor. Draußen in Johannisthal! Auf diesem weiten Feld, auf dem vor zwanzig, zweiundzwanzig Jahren die Pioniere der deutschen Luftfahrt, wie Grade. Hanuschke, Dorner. ihre ersten Luftsprunge machten, soll nun auch die„Friedrichshain" fliegen. Die Maschine wird aus der Halle gebracht, ein Stückchen geht's übers Feld, Koch klemmt sich in die Kiste, der Propeller wird angeworfen, und nach kurzem Anlauf springt die„Friedrichshain" in die Luft. Die Steig- geschwindigkeit ist gut, die Maschine liegt ruhig, jetzt geht sie links in die Kurve. Ach, man hat das alles schon tausendmal gesehen, man achtet sonst nicht darauf, ober diesmal ist es doch etwas anderes: diese waschine, die dort fliegt, sie ist das Werk von slugfport- begeisterten Arbeitern. Noch eine Platzrunde und noch eine. Aber der Motor ist wohl etwas erregt über die vielen Augen, die sich aus ihn richten, er kommt ins Stottern, pffpff, ein Zylinder streikt. Landung! Ruhig und Sicher! Jetzt geht man dem Motor mit Zangen, Schraubenziehern und Schlüsseln zuleide, diesem Biest, dos gestern noch lief, daß es eine Freude war. Aber so ist es nun einmal bei Besichtigungen! Zehn Minuten später haut die„Friedrichshain" wieder ab. Koch mag sich da oben ärgern über die hundert Touren, die ihm fehlen, wir unten freuen uns. Die„Friedrichshain" fliegt. Sie entspricht allen Erwartungen, die man an sie geknüpft hat. Schweiß und Mühe sind nicht umsonst gewesen.---„Wie spät?"—„Sieben Uhr!"— „Gut, da können wir gleich noch ein bißchen schulen!" Die jungen Flugschüler, die Rollversuche machen sollen. scharen sich um Koch und Erbrecht, man macht sich auf einen thcorctstchen Vortrag gefaßt, aber das geht alles ganz anders vor sich.„Also, wer ist der erste?" Schon sitzt einer drin. Der Propeller wird angeworfen.„Los, und dann links rum! Aber den Zaun stehen lassen!" Der Junge prescht los, jetzt rollt er links rum, und jetzt kommt er an, stolz wie ein Spanier. Aber da kriegt er schon einz aus den Deckel.„Willst wohl Rennfahrer werden, was? Bist du blind? Kein Gefühl für Geschwindigkeit?— Der nächste!"—„Also los! Brille richtig aufsetzen. Brille gehört auf die Augen und nicht vor die Stirn! Kein Rennfahrertempo,'n bißchen reingefühlt mit'm Hebel! Ab!" Na. der kann's schon besser. Und nun kommt der dritte, der vierte. Da heißt's nicht:„Gestatten Sie mal" oder„Wollen Sie vielleicht die Güte haben." Nee, es herrscht der bekannte rauhe, aber herzliche Ton in der Fliegerei. Und da spielt keiner die gekränkte Leberwurst, sie blinzeln sich zu, sie pfeifen sich an— sie lernen fliegen! Aber nun gibt es so ehäws wie eine kleine Sensation: ein Mädchen sitzt in der Kiste und soll den ersten Rolloersuch machen. Na, da brüllt ihr der Flug- lehrer natürlich erst ein paar Instruktionen ins Ohr, und dann rennt er ein Stückchen mit, und dann rollt das Mädchen rechts rum, statt links rum; Schuld hat natürlich diese ekelhaste, verschmierte Brille, aber was macht es? Das Mädchen freut sich, ihre Augen strahlen vor Stolz, und sie schmettert raus:„Mit'n bißchen Herz- klopfen geht alles!" Und sie alle, die Jungen und Mädel, sie werden beim ersten Flug natürlich noch ein bißchen Fracksausen haben, ober dann werden sie die Maschine schon kennen und beherrschen und fliegen! ' Als wir wieder draußen stehen auf der staubigen Chaussee, da hören wir immer noch das Lied des kleinen Propellers. Und es ist ein schönes und kraftvolles Lied, das er singt. Die Pioniere der deutschen Bolksfliegerei sind an der Arbeit! Hz-. Wo. ♦ Beim Bau der„Frisdrichshoin" ist man davon ausgegangen, ein Flugzeug zu schaffen, das sowohl in der Herstellung als auch in seinem Betrieb äußerst billig ist. Diese beiden Forde» rungen konnten erfüllt werden, da ja keine Maschine gebaut werden sollte, die bei jedem Wetter und bei Wettbewerben zu starten hat. Es handelt sich also um eine Schön wettermaschine, mit der oorgeschulte Sturmvogel-Mitglieder Flüge innerhalb der Flughafen- zone ausführen sollen. Die Baukosten einschließlich Motor stellten sich auf insgesamt 9 Z l) M. Die lausenden Ausgaben werden etwa 5 M. pro Flugstunde betragen. Die Schulung erfolgt nach dem sogenannten Rollsystem. Es wird vorausgesetzt, daß sich die Schüler bereits als Gleit- und Segelflieger betätigt haben. Ein gut ausgebildeter Segelflieger wird die Maschine bestimmt nach ein- ständiger Ausbildung fliegen können. Es ist geplant, die Einzelteile der Kochschen Volksflugzeuge in den Bauabenden der Verbands- ortsgruppen herstellen zu lassen, die eigentliche Zusammensetzung der Flugzeuge aber soll in einer zu diesem Zweck besonders her- zurichtenden Verbandswerst erfolgen. Wahrscheinlich werden im Laufe der nächsten Monate mehrere Ortsgruppen des Sturm- vogels über selbstgebaute Kleinflugzeuge verfügen, so daß die Mitglieder in Berlin, wo ein taugliches Segelfluggelände fehlt, sehr schnell zu fliegerischen Leistungen kommen können. Kpeltermi gestorben Im 79. Lebensjahre ist einer der ersten und verdienstvollsten Freiballonfahrer der Welt, S p e l t e r i n i, gestern ver- starben. Eduard Spelterini. beschäftigte sich schon in jungen Jahren mit der Luftfahrt und zwar mit derem ältesten Zweig, dem Frei- ballonsport. Er war selbst Besitzer eines Freiballons„Sirius" und hatte die ersten brauchbaren Ballonphotographien des Hochgebirges hergestellt. Am 3. Oktober 1898 überflog Spelterini mit dem Ballon ..Wega" die Alpen von Sitten über die Diablerets nach Langres. Der Flug war die erste Alpenüberfliegung, seine Be- gleiter waren Professor Heim und Dr. Maurer. Die Flugzeit be- trug Stunden. Dieser ersten Alpenüberfliegung folgte die zweite am 1. August 1900 und weitere in den nächsten Jahren. Spelterini war der Spezialist für Alpenübcrfliegungen mit dem Freiballon: durch seine Flüge veranlaßt flogen auch die Deutschen Bröckelmann, Erbslöh und der Schweizer de Beauclair(Ballon der weltberühmte„Cognac"), jeder mit mehreren Begleitern über die Alpen. Der längste dieser Flüge dauerte 30 Stunden und führte den Deutschen Erbslöh von St. Moritz über Mailand— Venedig— Laibach bis hinter Budapest. Auch der Italiener Usuelli flog nach den erfolgreichen Alpenüberquerungen Spelterinis von Mailand bis nach Air les Bains in Südfrankreich. Spelterini. einer der ge> übtesten und erfahrensten Freiballonfahrer aller Zeiten, hat in feinem Leben 570 Ballonfahrten unternommen und dabei 1240 Menschen als Passagiere mit in die Luft genommen, deren größter Prozent- satz Gelehrte waren, die diese Fahrten im Dienste der Wissenschaft unternahmen. W. H. Arbeiter-Rasenspicle Wodieatags-Fufj- und Handball Beim letzten Wochentagsfußballspiel hatten die Pankower großes Pech mit der Auswahl des Gegners. Waren die früheren Mannschaften von echtem sportlichem Geiste beseelt, so kann man das von Saxonia nicht behaupten. Bei jeder Gelegenheit wurden die Entscheidungen des Schiedsrichters kritisiert. Es dürste Aufgabe des Vorstandes von Saxonia sein, die Mitglieder über Zweck und Ziel der Arbeitersportbewegung aufzuklären. Der 5: 2-Sieg der Pankower stand schon bei Beginn des Spieles fest. Bessere Technik und größere Spielerfahrung wird stets über den großen Mund siegreich fein! Nowawes Schüler gegen Pankow: Trauer lagerte auf den Ge- sichtern der kleinen Pankower, denn ihr zweites Spiel gegen Nowa- wes ging mit 4:3 verloren. Trotz zeitweiser Ueberlegenheit der Pankower Stürmer gelang es den„Nudelbergern", durch Unauf- mcrksamkeit der Pankower Hintermannschaft drei Tore vorzulegen, dem die Pankower nur eins entgegensetzen konnten. Dann aber legten die Blouweißen los. In gleichen Abständen wurde bis zum Unentschieden aufgeholt. In den letzten 10 Minuten spielten beide Mannschaften auf Sieg. Kurz vor Schluß gelang es dann Nowawes, bei der Unaufmerksamkeit des linken Verteidigerflügels, den Siegestreffer zu schießen. Trotz der Niederlage werden die Pan- kvwer nicht verzagen. 5tädtemannscbatt gegen Nordfing 8: 6 Nun ist es endlich gelungen, die Handball-Städte- Mannschaft zusammenzubringen. Die.�-Mannschaft gilt nun als Städtemannschaft, muh sich aber mit einem neuen Torwächter abfinden. Gestern abend fand ein Spiel gegen FTGB.-Nordring 1. Männermannschaft statt. Der Vorteil der eingespielten Mannschaft machte sich sofort bemerkbar, denn Nordring war der Städtemann- schaft gewachsen und zeigte sogar zeitweise eine kleine Ueberlegen- bcit. Die Städtemannschaft ging in Führung, jedoch hatten die Nordringer bald den Gleichstand wiederhergestellt. Allmählich schölte sich die Städtemannschaft heraus und konnte in gleichmäßigem Ab- stand davonrennen. Am Schluß der ersten Halbzeit stand es dann 0:2 für die Städtemannschoft. Die zweite Halbzeit wurde auch wieder sehr wechselvoll, ständig wanderte der Ball von einem Tor zum anderen. Nordring gelang es bald, die Torzahl auf drei zu erhöhen, während die Städtemannschaft kurz hintereinander zwei Tore buchen konnte. Mit drei weiteren Toren rückten dann die Nordringer in bedenkliche Nähe, während die Städtrmannschaft trotz vieler Angriffe nichts Zählbares mehr schießen konnte: das End- r e I u l t a t lautete demnach 8:6Tore fürdieStädtemonn- schaft. Bei dem Mittelläufer machte sich Ueberorbeitung in den letzten Spielen bemerkbar. Die Stürmerreihe zeigte Manchmal nicht die Zusammenarbeit, die man beim letzten Spiel gesehen hat. Der Nordring-Linksaußen war der gefährlichste Mann: schnell konnte er sich durcharbeiten, aber leider wurde er zu wenig bedient. Bei den Nordringern war die gesamte Hintermannschaft aus dem Posten, während bei der Städtcmannschaft der Torwächter nicht sicher war. Arbeiter- Wasserballserie Union-Hellas II 1 2:2/ Charloltenburg-Hellas II 1 5:2 Hohe Niederlagen mußte der Tabellenletzte Hellas II bei. seinen letzten Spielen einstecken. Die Höhe dieser Niederlagen überrascht um so mehr, als die Mannschaft bei den ersten Spielen in der Sommerserie ein verbessertes Können gezeigt hatte. Allerdings wurde in beiden Spielen viel Ersatz eingestellt, der, obwohl spiele- risch nicht schlecht, sich schwer der Mannschaft anpaßte. Bei der großen Auswahl von tüchtigen Spielern beim ASV. Hellas sollte es eigentlich möglich sein, eine besser eingespielte zweite Mannschaft aufzustellen. Die Union-Leute waren ihrem Gegner am Montag in der Tak- tik um Klassen überlegen und gewannen nach Gefallen. Fast alle Union-Tore waren Ergebnisse eines sauberen Zuspiels. Besonders in der 2. Halbzeit offenbarte sich Unions Ueberlegenheit. Hellas II zeigte sein schlechtestes Spiel in dieser Serie. Bedeutend eifriger kämpften die Hellas-Leute am Mittwoch in ihrem aussichtslosestem Spiel gegen den Bundesmeister Charlotten- bürg. Nach einigen beiderseitig erfolglosen Angriffen fand sich Charlottenburg zu haushoher Ueberlegenheit zusammen und legte in überraschender Art 11 Tore bis zur Pause vor. In der 2. Halb- zeit zeigte Hellas II endlich besseres Zusammenspiel und kam bei verhaltenem Spiel des Meisters zu 2 oerdienten Toren. Charlotten- bürg erzielte„nur" nach 4 Treffer.— Heute abend stehen sich Neu- köll» und Lichtenberg im Flußbad Klingenberg geaenüber. Die Chancen sind verteilt. Das für morgen, FreitagabMd, in Aussicht genommene Spiel zwischen Berlin XII und Neptun in Weißensee muß infolge Verhinderung von Berlin XII ausfallen. Die Ge- winnpunkte fallen an Neptun. �fbeitersclnviminef in Provinz und Reich Eine staunenswerte Opferfreudigkeit bringen die Berliner Ar- beiterschwimmer bei der Unterstützung der Bruderoereine im Reiche aus. Nicht weniger als fünf schwimmsportliche Veranstaltungen werden am kommenden Sonntag von Berliner Vereinen besucht. Zu der weiter unten genannten Fahrt der Freien Schwimmer Char- lottenburg nach Braunschweig sind folgende zu nennen: Stettin empfängt die Freien Schwimmer Groß-Berlm und den ASV. Kreuzberg, Frankfurt(Oder) den ASV.-Hellas, Perleberg die Freien Schwimmer Spandau und Senftenberg wird die Freien Schwimmer Berlin XII zu Gast haben. Die Wasserball- Bundesmeisterschastzmannschast der Freien Schwimmer Charlotten« bürg fährt am Sonntag zum„Schwimmclub Delphin, Braun- schweig", um dort bei einem Schwimmfest mitzuwirken. Olympiakämpfe der Schwerathleten Am Sonntag, 21. Juni, veranstalten die bundestreuen Schwerathleten im Böhmischen Brauhaus, Landsberger Allee 11—13, eine letzte Prüfung für die Teilnehmer an der Wiener Arbeitersport-Olympiade. Im besonderen dürste es zu Höchst- leistungen bei den Hebern kommen.£»ier bewirbt sich der beste deutsche Heber, Bruno Kehr, dem aber Walloscheck, Schulz. Poeckern, Hüsfner und Hertel das Leben schwer machen werden. Die Ringer warten mit einer erstklassigen Besetzung auf: die Vereine Sparta, Alt-Wedding und Lichtenberg-Friedrichsselde werden sich im Kampf messen. Im Boxen wird die Mannschaft von Lichtenberg-Friedrichs- felde gegen die Kombination von Tegel, Alt-Wedding und Nordost starten und wird alles aus sich herausholen müssen, um ein für sie gutes Resultat zu erzielen. Die Kämpfe finden im Garten statt und beginnen um 10 Uhr, das Konzert wird ausgeführt vom Großen Berliner Konzert-Orchefter. Eintritt 50 Pf. Arbeiierschach Am heutigen Donnerstag spricht in. der Abteilung Kreuz- b e r g der Freien Arbeiterschachvereinigung Groß-Berlin bei Krepp, Plan-Ufer 75/70, der Schachspieler Brandt über Endziele. In der Abteilung Mitte hält bei Bloschinski, Kastanienallee 54, Schach- spieler Jungeitsch einen Vortrag am Demonstrationsbrett. Gäste zu den Veranstaltungen, die um 20 Uhr beginnen, herzlich will- kommen. Am Sonntag. 21. Juni, findet in Eggersdorf bei Strausberg ein Wettkampf zwischen den Abteilungen Prenzlauer Berg, Weißensee und Eggersdorf statt. Der Berliner JNeister Karge spielt bei dieser Gelegenheit an zwanzig Brettern Simultan. Be- ginn der Wettkämpfe im Lokal Catholy, Strausberger Straße, um 15 Uhr. Sonnenwendfeier der FTGB. Die Mitglieder des Freikörperkulturbezirkes der Freien Turnerfchoft Groß-Berlin oeronstolten eine Sonnenwendseier auf chrem Gelände am Hinteren Pätzsee am Sonnabend 20. Jimi. Um 23 Uhr wird di« Feier beginnen, die, out vorbereitet, alle Teil- nehmer begeistern wird. Rezitationen, Musik und der Festspruch werden beim Brennen des Feuers zur festlichen Stimmung bei- tragen. Mitglieder von Bruderorgonisationen sind zur Teilnahme herzlich eingeladen. Sonntagsrückfahrkarte bis Groß-Besten und Fußweg an der Bahn entlang bis Kilometer 38. Erfolge bei„Soli" Am Dienstag fand in Weißensee die Gründungsversammlung einer Kraftfahrer-Abteilung von„Solidarität" statt. Das Ergebnis der Versammlung war, daß die Sportler, die der Arbeiterradsahr- bewegung noch fern stehen, einsehen mußten, daß nur der Arbeiter- Rad- und Kraftfahrer-Bund„Solidarität" die großzügigsten Ver- sicherungsunterstützungen hat. Der Leiter der Abteilung ist Otto Heyl, Weißensee, Buschallee 10a. Anfragen und Ausnahmeanträge sind dorthin zu richten oder an Lokal Gallas, Lehder- Ecke Greifswalder Straße. ..................* Am 20. Juni veranstaltet der Arbeiter-Rad- und Kraftfahrer- Bund„Solidarität" feine Sonnenwendseier in Berkenbrück bei Fürstenwalde. Das Programm wird von der Bezirksjugend gestellt. Beginn gegen 21 Uhr. Alle Abteilungen werden gebeten, so zu starten, daß sie um 21 Uhr in Berkenbrück sind. Deutschlands Fußballmannschaft kämpfte in Stockholm unenk- schieden. Die deutsche Fuhballnationalmannschaft, die sich auf einer Nordlandreise befindet, trug am Mittwoch gegen Schweden ihr erstes Spiel auf dieser Reise aus. Da beide Mannschaften nur Durchschnittliches leisteten, gab es keine Tore: 0:0 war das Er- gebnis. Am Sonntag tritt die deutsche Nationalmannschaft in Oslo gegen Norwegen an. Deutsche heeres-ZNeisterschaslen. In der Zeit vom 19. bis 21. Juni finden nach dreijähriger Pause die Meisterschaften des deutschen Reichshceres in Hannover statt. Im Gegensatz zu früheren Jahren hat man alle Sportarten, die außerhalb der Leichtathletik liegen, fallen lassen. Oessentliche llcbungsstunde bei„Sparta 1896". Anläßlich der Neuköllner Sportwerbewoche vom 14. bis 20. Juni hat der Kraft- turnoerein„Sparta 1890", Neukölln, Turnhalle der Schule Elbe- ftrahe 11/12, an seinen beiden Ucbungsabenden, Dienstag und Frei- tag, 18 Uhr für Schüler, 20 Uhr für Männer, öffentliche U e b u n g s st u n d e im Ringen, Gewichtheben und Artistik an- gesetzt. Gäste willkommen! Solid-ritüt, AtaftfahKr. Jouren für conntaq, 21. Juni: Abt. SttujbCTfl: Co[»>ittf« un0 Scrfcitbrurf. Start: 20. Juni. ISVa Ubr, Schielilche Drücke. 21. Zun-,' Uhr. H-rmannpIo».— Abt. Norden: Uedersee...Naturfreunde. heim". Sonnenwendfcier. Start: 20. Juni, llVi Uhr. 23. Juni. Sie Uhr. See. straße.S2.— Abt. Neukölln: Badeiahrt ium Ten? Slee. Start: 7 llhr£ohen» �ollernplah.— Abt. Pankow: StollindKN— Mohcncr �ee. Start: 7Zz Uhr Pankow. Berliner Str. 80.- Abt. Lichtenbera: Mellcniiec. Start: 0 Uhr Oder. Ecke ifinowstraße.— Abt. Ooerschönc weide: Svreewald. Start: 20 Juni, 18 Uhr, Wilh-lminenhofftrafie.— Abt. Charlottenbur«: Alle Sportsaenolsen bcteiliaen sich an der Nartellveranstaltuna im Dostspork Iunafernheite.— Abt. Tempel. hol.Mariendorf: Derienbrüct(Sonncnw.ndfeier). Start: 20. Juni. 1» llhr. Kurfürsten. Ecke Schützensiraße.— Ver'aimnlungen finden statt: Abt. Lichten. berg: Am 18. Zinni bei Senkel, Oder. Ecke Zinowstraße, 20 Uhr.— Abt. Char. lottenbur«: Am 18. Juni, 20 Uhr, bei Reimer, Wilmersdorfcr Str. 21. ASB. Weddina. Geschäftsstelle: Paul Rchseldt, Perlin R. 65, Oudenorder Straße 30. Leichtathletikabteiluna: Hallentraining. Mijnner: Dienstags Schul« Lütticher Str. 41—48 und Freitags s-bule Lütticller Str. 4. 20 Uhr. Frauen: Montags und Donnerstags Schule Lütticher Str. 4, 20 Uhr. Jugend: Dicns- tags und Freitag« Schule Lütticher ölr. 4. 20 Uhr.— Platltraining: In den Monaten Mai bis September jeden Dienstag, Donnerstag und Sonnabend im Stadion des Bolksparks Rehbcrge.— Waldlauftraining: In den Winter» monaten jeden Donnerstag ab 20 Uhr und jeden Sonntag ad 10 Uhr im Bolkspark Rehberge. Umklerdcraum im Stadion.— Kandballadteilung: In den Monaten� Mai bis September gemeinsames Training mit den Leichtathleten. Handballspiel« im Bolkspark Redberge.— Die Hockenabteilung trainiert jeden Donnerstag und Sonnabend auf dem Sportplah Christ aniaftrohs, während der Wintermonate jeden Donnerstag ttM lOrx Uhr in der Schule Lütttcher Straß« 47— 48 Sihung jeden Donncrstoa nach dem Training. V«richrslo.al: Karl Kaiser. Lütticher Str. 4. Telephon: v« 1S82. Arbeiterlchngen-Bnrd. Sonnabend, 20. Juni, Kleinkaliber. und Bogen, schießen. Reichsbannersportplatl Friedrichsfckde. Am Upstallweg, 18 Uhr. Di« auigrstellt« Mannschaft«um Fernfchießen mit Weimar hat pünktlich»u er. scheinen. NB. Colegi». Jeden Freitaa Sihuna und Ncnazefnahmen im Vereins! okat Thunak. Charlottenburg. Wiclandftr. 4. Rächst« Borstandsslilun« wonnabend. 20. Juni, bei Krause in Eotom. ?t«i« Kanu-Unjon Groß-Berlin, Abt. Lavel. Donnerstag. 18. Juni. 18 Uhr, Training im Bootshaus. Sonnabend. 20. Juni, Bcreinsfahrt nach dem Beltener Stichkanal»ur Sonnenwendfeier. Waslerlportoerei»„Frateraitcs". sAusgelchiedcne Gruppe des?RL.».trei. heil".) Bootshaus: Erkner, Seeltr. 7— 14. Auskunft bei Friß Funke, Reichen. berger Sir. 122. Sitzungen jeden 1. und 3. Donnerstag im Monat. Ngchfls Sitzung Donnerstag, 18. Juni, im.Zgllensteiner" fOberbanmbrücke), 30 Uhr,