Morgenausgabe Nr. 283 A 143 4S.Iahrglsalcm«rStr. KZ/SiZ. Un die Partei! Parteigenosfinnm und P arteigenoffen! vie Sozialdemokratische Partei hat den ttampf gegen die Notverordnung aufgenommen. Sie will die sozialen Errungenschaften der Arbeiterklasse erhalten. Dazu find Sparsamkeit am rechten Grt und neue Einnahmen notwendig, vie llotverordnung spart an den Nermsten und schont die Reichsten, vie Sozialdemokratie fordert, daß ihr sozial un- gerechter Inhalt durch einen gerechteren ersetzt wird. In diesem Kampf steht die Sozialdemokratie fast allein. Im Reichstag hat sie von 577 Sitzen nur 145— ein viertel! vie anderen Parteien, die sich gegen die Notverordnung erklärt haben, verfolgen ganz andere Ziele als fie. Nationalsozialisten und veutschnationale, Erotzagrarier und volksparteiliche Scharfmacher wollen die Arbeiterbewegung vernichten. Sie wollen eine Regierung der Rechten als Ueberleitung zum Faschismus, vazu brauchen sie den Zusammenbruch. Ihn herbeizuführen, ist der Zweck ihrer Minierarbeit— und die Rommunisten helfen ihnen dabei! vie Rrise ist schwer, vie öffentlichen Einnahmen sinken, vie Susgaben steigen. Ausländische Gläubiger haben ihr« Guthaben abgezogen, vie R e i ch s b a n k hat eine Milliarde in Gold und Devisen hergeben müssen; fie kann bald keine Noten mehr drucken, weil die Golddeckung fehlt. Dadurch wird eine neue Inflation verhindert, aber nicht das Steigen der Not. werden die Kredite weiter eingeschränkt, so drohen Zusammenbrüche und vermehrte Arbeitslosigkeit. Und wenn die Gemeinden kein Geld mehr haben, um Unterstützungen zu zahlen— was dann? vie Rechtsradikalen und die Rommunisten rührt das alles nicht. Ihnen ist es recht, wenn es noch schlimmer wird, denn sie hoffen, im Erüben fischen zu können. Im wachsenden Elend des Volkes suchen sie politischen Gewinn. vie Sozialdemokratie will von dem, was jene wollen, das gerade Gegenteil: Schutz der Masten vor wachfenöer Vmlenöaag, nicht die Katastrophe und nicht den vürgerkrieg! Sie will gerecht« Maßnahmen, um die sozialen Leistungen zu erhalten, ver Rechtsdiktatur durch Steigerung des Elends den weg zu ebnen, das überläßt sie den Rommunisten. vie sozialdemokratische Reichstagsfraktion hat richtig gehandelt, indem sie die Pläne der faschistisch-kommunistischen Koalition zuschanden machte. Sie hat richtig gehandelt. indem sie für diesen Zeitpunkt die Einberufung des Reichstags ablehnte. Sie hat richtig gehandelt, indem sie auf den sofortigen Zusammentritt des ljaushaltsausschufies verzichtete. Sie tat es, nachdem die keichsregierung demnächstigen Ausschußberatungen zugestimmt und sich außerdem zur vorherigen Milderung einiger sozialer Harten bereit erklärt hatte, vie sozialdemokratische Reichstagsfraktion hat richtig gehandelt, indem fie ein« in harten verhandlungskämpfen errungene Position besetzte, um von ihr aus den Kampf um die unbedingt notwendigen weiteren Aenderungen der Notoerordnung fortzuführen. Die Regierung Brüning ist nicht unsere Regierung. wir haben mit ihr weiter nichts zu tun, als daß wir ihr gegenüber die Interessen des arbeitenden Volkes vertreten. parteigenoffen? Zerreißt doch endlich das Lügengewebe der Gegner, die erzählen. daß an der Regierung vrüning, an der Notverordnung, an der Wirtschaftskrise, kurz an allem Nebel der Welt die Sozialdemokratie die Schuld trägt! Zeigt den Massen die wirklichen Kräfteverhältnisse, erklärt ihnen die Gründe unseres Handelns? wir verhehlen nicht die Schwer« des Kampfes, nicht die Größe der Gefahr. Kommt eine Rechtsdiktatur, so ist nicht nur jede Hoffnung auf eine Erleichterung der Reparations- lasten zerstört, sondern auch dem Fortschritt des Sozialismus die brutale Gewalt entgegengestellt, vie Demokratie, die politischen Rechte der Arbeiter zu erhalten, ist doppelt notwendig in einer Zeit, in der das versagen des kapitalistischen Systems den Kampf für den Sozialismus zur Forderung des Tages macht. Mehr umstritten, mehr gehaßt und mehr berannt denn je, geht die Sozialdemokratie, ganz auf sich selbst und die Treu« unserer Genossen gestellt, im Sturm ihren weg. Sie bleibt, was fie war und ist: die deutsche Arbeiterpartei! Parteigenossen! Gebt den Zweifelnden neuen Mut, zeigt den Irrenden den rechten weg! Stärkt die Macht der Sozialdemokratischen Partei und der Gewerkschaften! Je schwerer der Kampf, je größer die Gefahr, desto notwendiger sind Einigkeit und Begeisterung für die großenZiele des Sozialismus. lebe die freie Arbeiterbewegung! 4?s lebe die Sozialdemokratie! Berlin. 1$. Juni Der Parteivorstand. Seipel an die Sozialdemokratie. Partei zur Koaliiionspolitik nur bereit, wenn der bisherige Kurs geändert wird. Wien. ld. Ziinl.(Eigenbericht.) Der österreichische Bundespräsibent beaustrogle am Freilag den prölokcn und christlich.sajialen Abgcorbneken Seipel mit der Reubildung der Regierung. Der Auftrag wurde erteilt, nachden, die christlich.soziole Fraktion ein Kabinett Gürtler sowie eine Regierung unter Führung des bisherigen Sozialminisiers R e s ch abgelehnt hakte. Als Scipels Plan wird die Bildung eines Konzcntra- tionsministeriums mit Einschluß der Sozial- demokralen bezeichnet. Seipel soll dazu erklärt haben, er sei bereit, einem anderen die Führung eines solchen Ministeriums zu überlassen. In parlamentarischen Kreisen bezeichnet man eine derartige Regierung jedoch für unmöglich. Man glaubt vielmehr. daß Seipel bestrebt ist, ein Kabinett zu bilden, in dem alle b ü r g e r- lichcn Parteien einschließlich des heimwchrblocks vertreten find.» Wien. 19. Juni, nachts.(Eigenbericht.) Der verband(Fraktion) der sozialdemokratischen Ab- geordnelen und Bundesräte hat nach längerer Beratung die Auf- forderung des zur Regierungsbildung vom Bundespräsidenten be- ruscnen ehemaligen Bundeskanzlers Dr. Seipel abgelehnt, und diese« einstimmigen Beschluß Dr. Seipcl in einem Schreiben mitgeteilt, das u. a. besogt: „Der sozialdemokratische Verband ist sich dessen bewußt, daß das Land in schwerer Not und Gefahr ist. Der Verband ist bereit, auch als Opposition sachlich und mit den anderen Parteien zur Abwehr der wirtschaftlichen Gefahr zusammenzuarbeiten. Der Verband hat nicht grundsätzlich abgelehnt, in dieser schweren Stunde auch in eine Konzentrationsregicrung aller dcmo- kratifchcn Parteien einzutreten, um an der Ueberwindung der wirt- schaftlichen Schwierigkeiten auch unmittelbar mitzuwirken. Aber die Sozialdcmokraien können nicht in eine Regierung eintreten, die den bisherigen Regierungskurs der bürgerlichen Parteien ohne grundsätzliche Aenderung fortsetzen würde. Die Sozialdemokraten könnten die Mitverantwortung für die Re- gierung nur dann tragen, wenn der g a n z e G e i st der Gesetzgebung und Verwaltung grundsätzlich und wesentlich ver- ändert würde. In den Verhandlungen mit Dr. Seipel haben die Sozialdemokraten nicht den Eindruck gewonnen, daß die bürgerlichen Parteien schon bereit sind, der Notwendigkeit einer Aenderung des Regierungslurses, die den Sozialdemokraten ermöglichen würde, die Mitverantwortung zu übernehmen, Rechnung zu tragen. Daher ist der Verband der Meinung, daß die Voraussetzungen für den Eintritt der Sozialdemokraten in die Regierung derzeit noch nicht gegeben sind. Der Verband macht nachdrücklich daraus aufmerksam, daß es heute die größte Sorg« fein muß, die Arbeitslosenmofien vor dem phgstschea Untergang zu bewahren. Der Verband fordert daher nicht nur, daß die Absicht einer gesctz- liehen Verschlechterung der Arbeitslosenversicherung aufgegeben wird, sondern darüber hinaus, daß sowohl der Arbeitslosenversicherung als auch der Notstandsaushilse(Krisensllrsorge) die notwendigen sinanzicllen Mittel beschafft werden; er wird sein Verhalten gegen- über der Regierung vor allem von ihrer Haltung zu diesen Lebens- fragen huudcrttauscnder Arbeiter und Angestellten abhängig machen." •k 3n später Nachtstunde kursiert das Gerücht, daß Dr. S e i p c l den Austrag zur Kabinettsbildung zurückgeben und dann ein Uebergangskabinett unter der Leitung des niederösterreichischen Landeshauptmannes Dr. B u r e s ch oder des ehemaligen Bundeskanzlers Dr. R a m e k zum Zwecke der Einleitung von Reu- wählen gebildei werden solle. Faschisten erzwingen Prozession. Völkerkonflikt dauert unverändert an. Rom, lS. Juni.(Eigenbericht.) Das vatikanische Staatsorgan dementiert am Freitagabend die im Ausland verbreiteten Meldungen, nach denen die schweren Sonslikte zwischen dem Vatikan und der italienischen Regierung behoben seien. Auf die letzte diplomatische Role des Heiligen Stuhles sei bisher eine Antwort überhaupt noch nicht eingegangen. Am Freitag haben die obersten Kirchenbehörden das Verbot zur Abhaltung von Prozessionen außerhalb der Kirche teilweise wieder ausgehoben, um den Faschisten die Möglichkeit zu nehmeo. die Prozessionen durch Aufreizung der Be- völkerung gewaltsam zu erzwingen, wie e» In den letzten lagen ia Südilallca versucht wurde. .ber Zweck der Reise sei. Im höchsten Maße wünschenswert würde es auch fein, wenn sich eine persönliche Fühlungnahme zwischen dem deutschen Reichskanzler und verantwortlichen französischen Staatsmännern erreichen ließe. Jede Möglichkeit muß ausgenutzt werden, dem Ausland ein wahrheitsgetreues Bild von der wirtschaftlichen Lage Deutsch- lands und namentlich von der Rot seiner Arbeiterklasse zu übermitteln. Wir können uns nicht vorstellen, daß eine solche Informierung ohne Eindruck bliebe. Hoover berät. Washington, IS. Juni. Präsident Hoover erklärte heute über seine Be- sprerhungen im Weißen Haus, er habe mit mehreren Führern beider politischen Parteien über M a ß n a h» men gesprochen, die geeignet seien, zur wirtschaftlichen Wicdergesuudung sowohl in den Bereinigten T t a a t en und im Ausland beizutragen und insbeson- derc eine Stärkung der Lage in Deutschland herbeizuführen. Man sei sich noch nicht über b c- st i m m t c Pläne schlüsfig geworden, aber die Art, in der die Vertreter beider Parteien auf die Angelegenheit ein» gegangen seien, sei durchaus befriedigend Dp Wesen. Wichtige Entscheidung im Oaoge. washiaglt«. IS. Juni. Di« Wichtigkeit der Besprechungen, die Präsident choouer heute abgehalten hat, kann an den Persönlichkeiten ermessen werden, di« zu ihnen herangezogen wurden. Der Präsident hatte zuerst ein« längere Unterredung mit dem Staatssekretär Stimson, hieraus eine mit den Führern der beiden Senatsfratttonen und an» Wießend daran eine mit dem Untcrschatzsekretär Mills. Der Präsident der Senatskommission für Finanzen Smoot ist telegraphisch eilig st nachWashingtonberufen worden. Die Besprechungen wurden dann am Nachmittag sortgesetzt. choover empfing den Unterstaatssekretär Klein, der Fachmann in Auhenhandelsfragen ist, und daran anschließend eine- der ältesten Mitglieder der Finanzkommission des Repräsentantenhauses Bacharach. Das Eingreifen des Präsidenten wird in Zusammenhang ge- bracht mit den gestrigen Unterredungen zwischen Mellon und Macdonald in London und zeigt, wie man. glaubt, daß eine wichtige Entscheidung über die amerikanischen und euro- päischen Finanzen im Gange sei. Goebbels-Sportfest verboten. Gleichzeitig auch die kommunistische„Spartakiade". Der Polizeipräsident teilt mit: Fn letzter Zeit versuchen die radikalen Parteien politische Aufzüge und Demonstrationen unter dem Deckmantel sportlicher Veranstaltungen durchzuführen, wobei sie den politischen Charakter zu verschleiern suchen. So hatte die„Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei" die Absicht, am kommenden Sonnabend im Deutschen Stadion eine groß« p o l i» tische Kundgebung in Form eines.„Sport- festes" zu veranstalten. Diese Veranstaltung war ur- sprünglich als eine rein sportliche ausgegeben worden, ist aber nach den Ausführungen, die das Berliner Organ der NSDAP.,„Der Angriff", in seiner Ausgabe vom Freitag, dem IS. Juni, bringt, offenbar eine politische Demonstration. Dieser Versuch, die klaren Bestimmungen der Notverordnung des Herrn Reichspräsidenten vom 28. März 1931 zur Bekämpfung politischer Ausschrei- tungen zu umgehen, kann nicht geduldet werden. Der Polizeipräsident hat sich daher veranlaßt gesehen, die im übrigen nicht polizeilich angemeldete Kund- gebung auf Grund des 8 1 Ziffer 4 der Verordnung des Herrn Reichspräsidenten vom 28. März 1S31 zu verbieten, weil de« Umständen nach zu besorgen ist, daß die öffentliche Sicherheit und Ordnung gefährdet werden. Aus dem gleichen Grund« ist auch die für den 4. bis 12. Juli von kommunistischer Seite geplante so- genannte Spartakiade verboten worden. Das Reparationsproblem. Wann und wie wird es aufgerollt? Nachdem das Schiff der Notoerordnung einstweilen über die Klippen gebracht ist, und die Stürme durch den Ver- zicht auf die Einberufung des Reichstags zunächst gebannt find, hat die Regierung die Möglichkeit gefunden, sich in Ruhe dem Reparationsproblem zu widmen. Kabinettssitzungen finden statt, die sich mit diesem Gegenstand beschäftigen, und eine Anzahl von deutschen Botschaftern ist in Berlin an- wefend, um ihre Ansichten vorzutragen und gleichzeitig Wci- sungen über die Behandlung der Frage gegenüber den Re- gierungen entgegenzunehmen, bei denen sie beglaubigt sind. Daß der Plan dahin geht, in absehbarer Zeit von dem im Poung-Plan gewährten Recht einer selbständigen Er- klärung des Transfer- Moratoriums Gebrauch zu machen, ist heute schon kein Geheimnis mehr, und es kommt heute im wesentlichen nur darauf an, die Gläubigerstaaten auf diesen Schritt vorzubereiten und sich eine klare Vor- stellung von seinen wirtlichen Wirkungen zu machen. Es gibt zwar Leute— und sie sind nicht nur im Lager der national- sozialistischen Rechten zu suchen—, die eine solche Vordere!- tung für abwegig halten und einem sofortigen das Ausland nicht berücksichtigenden Vorgehen Deutschlands das Wort reden. Wir können dabei ganz von denen absehen, die einfach die Zahlungseinstellung auch über das im Doung-Plan fest- gesetzte Maß hinaus befürworten und brauchen uns nur mit den anderen zu beschäftigen, die meinen, daß die alsbaldige Verkündung des Transfer-Moratoriums dem deutschen Geld- markt und der deutschen Wirtschaft k e i n e n S ch a Ä e n zu- fügen würde. Diese Dränger berufen sich auf die Devisen- abzüge der letzten Woche, die nach ihrer Ansicht schon auf die „Reparationskrise" zurückzuführen sind. Es werde, so meinen sie, auf dem Geldmarkt sogar eine Beruhigung eintreten, wenn die deutsche Regierung sich unmittelbar zum Handeln entschlösse. Run kann man der offiziellen Behauptung, wonach der Deviscnabfluß seinen Hauptgrund in der Unsicherheit über das Schicksal der Notverordnung gehabt habe, starke Zweifel ent- gegensetzen, und die am Freitag wieder angestiegene Devisennachfrage gibt diesen Zweifeln recht. Aber damit ist doch noch keineswegs gesagt, daß ein unbedachtes Vorgehen in der Reparationsfrage die Unruhe der ausländi- fchen Kreditgeber nicht noch weiter vermehren und die Situation Deutschlands nicht noch beträchtlich verschlechtern werde. � Doch machen wir uns zunächst noch einmal klar, was das Transfer-Moratorium, d. h. der Aufschub der Uebertragung deutscher Zahlungen aus dem Aoung-Plan, bedeutet: Die Re- gicrung kann mit 9l)tägiger Ankündigung für höchstens zwei Jahre vom Fälligkeitstermin ab die Uebertragung des im Poung-Plan als aufschiebbar bezeichneten Teils der Jahres- zahlun� an die Gläubigerstaaten aufschieben. Die Gesamt- .4,-l?istung>�üs dem Noimg�Pkärt stelästft stch stir dös Rechnungsjahr 1931/32 auf rund 1800 Millionen Mark. Von diesem Betrag kann für eine Summe von 660 Millionen Mark der Uebertragungsaufschub n i ch t in Anspruch genommen werden. Cs bleiben also über 1100 Millionen Mark, deren Ueberweisung aufschiebbar wäre. Ziehen wir davon die Sach» leistungen ab, so kommen wir auf rund 700 Millionen Mark für das ganze Rechnungsjahr und auf einen von dem Termin des Inkrafttretens des Moratoriums abhängenden Bruchteil dieser Summe. Für Deutschland würde sich also zunächst eine Ent- lastung um einige hundert Millionen Mark ergeben. Dazu kommt aber dann noch, daß wir, wenn der Transfer-Aufschub ein Jahr in Wirksamkeit gewesen ist, auch die Möglichkeit haben, die Zahlung der Hälfte der nicht transferierten Summe auf ein Jahr hinauszuschieben, und was mindestens ebenso wichtig ist, daß der nicht übertragene, sondern nur in deutscher Währung an die Baseler Bank für Internationale Zahlungen abgeführte Betrag wahrscheinlich ganz oder zum Teil in die deutsche Wirtschaft ge- leitet wird. Schließlich tritt auch automatisch der besondere Beirat der Bank zusammen, um die deutsche Wirtschafts- läge einer Prüfung zu unterziehen. Run aber sind unsere europäischen Gläubiger die Schuld- ner der Vereinigten Staaten von Amerika, und wir wisten, daß sie in ihren Zahlungsmöglichkeiten sehr stark von der Jnnehaltung der deutschen Verpflichtungen abhängen. Es könnte ihnen nicht gleichgültig sein, wenn ihre Budgets durch das plötzliche Ausbleiben der deutschen Millionen und durch die gleichzeitige Aufrechterhaltung der amerikanischen An- spräche an sie erschüttert würden. Die Folge würde die denk- bar schwerste Zerstörung des deutschen Kredits fein und die deutsche Wirtschaft würde in das Chaos geroten. Aus diesem Grunde dürfen wir wohl annehmen, daß die Regierung olles versuchen wird, ein Einvernehmen mit den europäischen Gläubigern und mit Amerika zu erzielen. Wie die Dinge dann im einzelnen weitergehen werden, läßt sich vorläufig nicht absehen. Es kann sein, daß die Gegen- feite uns das Transfer-Moratorium durch eine Anleihe abkaufen möchte. Vielleicht entschließt man sich auch zu der für uns günstigeren Lösung der Auflegung einer Inland- anleihe in Amerika, deren Zinsen wir zu garantieren hätten. Auf alle Fälle, und so sehr die Zeit auch dängen mag, und so lebenswichtig für die Nation eine große Verringerung der Reparationszahlungen ist— ein überstürztes Vorgehen würde verhängnisvoll für Deutschland sein. Mitte Juli kommen Macdonald und Henderson nach Berlin. Wenige Tage später wird ihnen der amerika- Nische Staatssekretär Stimson folgen. Selbstverständlich ist der Besuch der englischen Minister nicht nur ein Akt der Höflich- keit, sondern er hat den Zweck, die Besprechungen von Chequers fortzusetzen und zu vertiefen. Selbswerständlich wird die Anwesenheit Stimsons benutzt werden, um die ame- rikanische Seite der Angelegenheit zu erörtern, auch wenn die Amerikaner Wert ans die Verstchenmg legen, daß das nicht Keine Lobsprache für Oingeldey. Aus der Hauptausschußsitzvng des Zieichsverbaodes der deuffchen Industrie. Im Reichsvcrband der deutschen Industrie wurde gestern dos Thema diskutiert: Wo stehen wir wirtschafts- und finanzpilitisch? Das Referat sollte Geheimrot Kastl halten. Infolge seiner Ertran- kung sprach für ihn Generaldirektor Silverberg. Sllverberg nahm zunächst Stellung zur letzten Notverordnung der Reichsregie- rung. Er sah drei„gute" Wirkungen dieser Notverordnung: Sie fei geeignet. Sparsamkeit in die Verwaltung zu bringen, man dürfe von ihr eine Konsolidierung unserer inneren staatlichen Verhältnisse er- warten und die Regierung hätte eine erfreuliche Unabhängigkeit vom Reichstag bewiesen. Das Vertrauen, das der Reichsregierung augenblicklich entgegengebracht würde, gelte nur Brüning per- s ö n l i ch. Wenn man Brüning stürze, wisse man nicht, was sonst und wer sonst. Zur Belastung der Arbeite rscha st durch die Notverordnung meinte Silverberg, daß die Grenze der Be- lastungsmöglichkeit erreicht sei. Dringlicher kann die Resormbedürs- tigkeit der Notverordnung nicht dargetan werden, als unseres Er- achtens durch diese Aeußerung Silverbergs. Zur Reparations- frage empfahl Silverberg, auf vorgezeichnetem legalem Wege eine Revision durch ein Transfermoratorium anzustreben. Darüber hinaus müsse durch diplomatische Verhandlungen, die aufs äußerste zu beschleunigen wären, ein« Aenderung des bestehenden Zustandes versucht werden. Es fei 5 Minuten vor Zwölf. Und im übrigen soll« die Industrie dem Reichskanzler ihr Vertrauen durch die Tat be- weifen, selbst wenn man gegen einige Kabinettsmitglieder Bedenken habe, immer unter der Rücksicht, was geschehen würde nach einem Rücktritt Brünings. In der Diskussion sprachen unter anderem Earl Friedrich von Siemens, der entsprechend dem Programm der Tagesordnung eine Ehrenrettung der kapitalistischen Wirtschafts- ordnung versuchte. Er lobte die gute alte Zeit, während jetzt eigent- lich die Menschen an den Zuständen schuld wären. Ernst von Bor- s i g machte scharf. Die Zwangstaris« in der bisherigen Form dürfe der Staat einfach nicht beibehalten. Er solle sich darauf beschränken, Mindestlöhne zu garantieren, die Spitzenlöhne aber sollten den Marktgesetzen unterworfen sein. Nicht ohne Pikanterie waren die Ausführungen F r 0 w e i n s, der ein« scharfe Kritik an dem Verhalten der Deutschen Bolkspartei in den letzten Tagen übte, das doch die Wirtschast eine reichliche Summe Geldes gekostet hätte. Wenn man dazu die Schwierigkeit der Verhandlungen erwögt, die der eigentlichen chauptausschuhsitzung vorausgingen, nämlich die Präsidial- und Vorstandssitzung am Donnerstag und Freitag, sowie die temperamentvollen Auseinandersetzungen im Klub von Berlin, so darf man sehr wohl der Meinung sein, daß von der Industrie Herrn Dingeldey durchaus nicht h u n d e rt p r 0 z e n» tige Lobsprüche für seine Taktik der letzten Tag« erteilt worden sind. (Sozialdemokratie und(Sozialpolitik. Mit dem Einfluß der Sozialdemokratie steigen die sozialen Leistungen. In unbewachten Augenblicken entschlüpft sogar gegnerischem Munde die Wahrheit oder wenigstens ein Stück von ihr. So schreibt heute in einem Leitaufsatz Hugenbergs„Tag": „Die Sozialpolitik wurde Trumpf, nachdem die Sozialisierung sehlschlug. ZNii dem Einfluß der Sozialdemokralen stiegen— was versprochen und zu beweisen war— dl« sozialen Leistungen. Aber man ignorierte dabei das nationale Schick- sal und glaubte an die Möglichkeit einer sozialen Autarkie. Man sah nicht di« Nation, sondern nur die Klasse, man schuf so» ziale Rechte und vernachlässigte die nationalen Pflichten." Man weiß also sogar bei Hugcnberg, daß mit dem Einfluß der Sozialdemokratie die sozialen Leistungen wachsen. Diese Wahrheit kann auch nicht entwertet werden durch den fürchterlichen Unsinn, mit dem der Lerfasier sie paart. Die Sozialdemokratie soll dos nationale Schicksal ignoriert haben? Das hat sie keineswegs getan, sie hat vielmehr sehr genau beobachtet, wie unheilvoll das nationale Schicksal durch einen verstiegenen Nationalismus beeinflußt werden kann. Umgekehrt kann man das nationale Schicksal durch nichts günstiger beeinflussen, als durch den Ausbau der sozialen Rechte, dessen Förderung durch die Sozialdemokratie das Hugen- berg-Dlott notgedrungen anerkennt. - Kommunistische Cliquenkämpfe. Teddy tritt ovf der Stelle.— Lllttalinke und Ztevistomste» auf der Lauer. In der Kommunistischen Partei geht es wieder einmal drunter und drüber. Nach außen hin wird dauernd Zunahme. Stärk« und Geschlossenheit markiert, im Innern jedoch bekämpfen sich die 0 e r s ch i e ö e n e n„Richtungen" bis aufs Messer. Seit der letzten Ekki-Tagung tritt Teddy Thälmann„aus der Stelle". Die Moskauer Kritik an den Mißerfolgen der KPD., ganz besonders in ihrer Gewerkschastsspaltung und in der Aufziehung der schwindsüchtigen RGO.-Gebilo«, die nicht einmal ihre eigenen „Bonzen" bezahlen können, Hot den sogenannten reoifionisti- schen Flügel gestärkt, dessen kaltgestellte Führer mit dem Kreml in Moskau Verbindung in der Hoffnung halten, daß ihre Stund« bald bei einer neuen„Schiebung" im Berliner Kacl-Lieb- knecht-Haus kommen wird. Der u l t r a l i n k e Kurs, der vor einigen Wochen in der Inszenierung von„Barrikadenkämpfen" und bewußt provozier. ten Zusammen st äßen mit der Staatsgewalt seinen Höhe- punkt erreichte, kämpft verzweifelt gegen di« mehr legale und parlamentarische Richtung. Daß dies« Gelände gewinnt, geht aus den konfusen Parolen der Gewerkschaftsleitung der KPD.-Zen- tral« hervor, die zwischen den Losungen gegenüber den freien Gc- werkschaften„R a u s" und„R« i n" hin- und herschwankt und mit diesem Dualismus bereits Opposition bei den unentwegten Gc- wcrkschaftsspaltern ausgelöst hat. Zum ideologischen Wirrwarr gc- seilt sich ein erbitterter Kampf hinter den Kulissen um die Futterkrippe. Man erzählt sich, daß durch die klebrigen Hände einiger Prominenter wieder einmal allerlei Gelder für illegaleZweck« gegangen sind, ohne restlos hierfür verwendet worden zu sein. In diesem Zusammenhang sei auch ein Vorstoß der kommunistischen Opposition erwähnt, der sich gegen den von Thäl- mann aus durchsichtigen Gründen gedeckten Rcichstagsabgeordneten L e 0 w richtet. Die Opposition nennt ihn in der Oessentlichkcit einen„bewußten Ar b« i t e r s ch ä d li n g", der „trotz vielfacher Anprangerune. nach wie vor an einem Abend in Hu r e n g e s e l l s ch a f t wehr Arbeiter- grvschen verpraßt(!) als tausend« Kampfbunwnitgliedcr mit ihren Familien allwöchentlich zu verleben hoben". Die oppositionelle„Arbciierpolitik" kündet neue Enthüllungen an. Magistrat gegen Oberpräsident. Anrufung des Landesschiedsgerichts. In einer ausführlichen Denkschrift erhebt der Oberbürger. nie ister von Berlin namens der städtischen Körperschaften Be» schwerd« gegen den Beschluß des Oberpräsidenten vom 3. Juni, der die Besoldung der Kommunalbeamten betrifft. Gegen den Beschluß ruft der Oberbürgermeister das Landesschieds- g e r i ch t zur Entscheidung an. In der ausführlichen Begründung, wird besonders das viel» fache Fehlen eines staatlichen Stichmannes zur Ermittlung de? Besoldungshöhe der städtischen Beamten bemängelt. Auch soweit ein solcher genannt wird, fehl- die Begründung dazu. Der Ob.-r- bürgermeister verlangt, daß der tatsächliche Wirkungs. kreis eines Beamten berücksichtigt wird. In der Beschwerde wird weiter hervorgehoben, daß der Beschluß der Aufsichtsbehörde u. a. die im Z43 des Preußischen Besoldungsgesetzes vorgesehene Berück» sichtigung der örtlichen Verhältnisse außer Betracht läge. Krisenlösung des Hansabundes. „Die Sozialpolitik ist beseitigt, die öffentlichen Betriebe sind privatisiert. Wer noch lebt, kann jetzt wieder Arbeit kriegen!" Kleine Geschenke... Die Korruption bei Raiffeisen. Langsam bringt der Urahew-Prozeh in Dr«sden an den Tag, daß die tolle Getdocrschleuderung der Raiffeisen-Vank an Uralzew und andere Glücksritter doch nicht allein auf Schlamperei und Leicht- sinn, sondern auf direkte Korruption zurückzuführen war. Schon der Raisfeifen-Untersuchungsausschuh des Landtags hat in seinen Feststellungen ausgesprochen, das ein dringender Der- dacht in dieser Richtung zum mindesten gegen die Prokuristen der Raisfeisen-Bant bestehe. Er hat aber mit den unzureichenden Mitteln der parlamentarischen Untersuchung die Tatbestände bis ins letzt« nicht klären können. In Dresden wurde nun im„kleinen" Uralzew-Prozetz der Raiffeisen-Prokurist Dr. Lange als Zeuge vernommen, der der eigentlich« Gelddisponent und Leiter der Kreditabteilung bei Raiff- eisen in der fraglichen Zeit gewesen war. Im kommende»„großen" Uralzew-Prozetz dürfte der platz Dr. Langes wahrscheinlich auf der Anklage batik sein. Es wird ihm nämlich zur Last gelegt, daß er sich von Uralzew für die ihm gewährten Millionenkredit« aus der Raisfeisen-Kasse hohe Provision Hobe zahlen lassen. In'Dres&fci, nSb die Mkkage um Ding« geht, die zeitlich nach der RaisseisKi-Affäre liegen, trat Dr. Lange als Zeuge auf und wurde sogar vereidigt, obwohl gegen diese Dereidigung außer» ordentlich schwer« D«denken vorlagen. Lange be st ritt zunächst hartnäckig, von Uralzew jemals Geschenke an. genommen zu hoben. Uralzew aber ist über diesen Undank gar nicht entzückt. Er erinnert Lange an einen ko st baren Perser- t e p p i ch aus seiner Sammlung, den er ihm zum Geschenk gemacht und den Lange auch angenommen habe. Lange leugnet. Uralzews Frau sagt aus, daß ihr Chauffeur den Teppich zu Dr. Lange gebracht habe und daß sie ihn in dessen Wohnung auch habe liegen sehen.(Uralzew und Lange wohnten, was auch bezeichnend ist, in einem westlichen Vorort in zwei benachbarten Villen.) Als Lange noch immer nicht gestehen will, erinnert ihn Uralzew weiter an eine goldene Uhr, die sich Lang« von ihm hat schenken lassen. hier knickt Lange zusammen und beantwortet die Jrage des Vorsitzenden, ob dies denn wahr sei. mit einem leisen„Za". Eben hatte er noch auf das bestimmteste erklärt, niemals ein Geschenk von Uralzew erhalten zu haben. Diese Geschenke dürsten jedoch nur ein ganz kleiner Teil der Wahrheit sein, mit der auch Uralzew immer noch aus taktischen Gründen zurückhält. Steht doch fest, daß die Raiffeisen-Prokuristen von anderen Kunden der Raifseisen-Bank sich unter allen möglichen Vorwänden Summen von Zehntausenden hoben zahlen loflen. Dem Dr. Lang« hat zum Beispiel von der Firma T h i a z «in«„Gewinnbeteiligung" von 7000 Dollar, gutgeschrieben. Bald darauf verkracht« die Firma Thias mit einer Schuldenlast von über einer Million, die der Raifseisen-Bank verloren ging. Der Haupt- inhaber flüchtet« nach Südamerika und erschoß sich dort, al» er wegen Wechselfälschung verhaftet werden sollte. Verleumdung in einer Frage. .Beleidigungsprozeß gegen ein vöMscheS Blättchen. Bor dem Amtsgericht Berlin-Mitte kam eine der üblichen Nationalistischen Verleumdungen zur Verhandlung. Der verantwort- liche Schriftleiter des sogenannten„Deutschen Borwärts", ein gewisser Oskar Krüger, hatte sich wegen übler Nochrede zu ver- antworten, dessen Opfer unser Rcdaktionskollege Victor Schiff war. In der Nr. 1l) vom 7. März d. I. erschien in dem genannten bölkischen Blättchcn ein Leitartikel mit der Ueberschrift:„Eine Frage an den SPD.-Borstand? Wer ist S ch i f f- B a l d e r? Wir erwarten Antwort". In diesem Aufsatz wurde Bezug genommen auf einen gewissen Siegfried Balder, der während des Krieges als Verfasser von Flugblättern und dergl. zeichnete, die im Auftrage des franzö- fischen Generalstobes an der Front verbreitet wurden. Angeblich soll dieser Balder in Wirklichkeit Schiff geheißen und vor dem Kriege in Paris gelebt haben. Da nun Genosse Victor Schiff selber als Sohn eines österreichischen Journalisten in P a r i s geboren ist, warf das Bläitchen die Frage auf, ob nicht der„Vorwärts"-Redak- teur, dem gleichzeitig eine für Deutschland schädlich« Tätigkeit im Auslande nachgesagt wurde, identisch sei mit jenem Agenten der französischen Heeresleitung. Die Antwort auf diesen in versteckter Form erhobenen Vor- wurf des Landesverrats war eine Prioatklage des Genossen Victor Schiff wegen übler Nochrede. In der Verhandlung regte der Amtsgerichtsrat von P l a t e n einen Vergleich an. Er hielt dem Deklagten eine nicht mißzuver» stehende Moralpauke über Sitte und Anstand im politischen Leben und meinte, daß es das gescheitest« sei, dem Nebenkläger ein« Ehrenerklärung abzugeben. Der Vertreter des Beklagten er- klärte, daß sein Mandat sich bereits aus der prioatklage von der Irrigkeit seiner Vermutungen in Bezug auf die Persönlichkeit des Nebenklägers überzeugt Hab« und daß er bereit äre, die erwünschte Ehrenerklärung abzugeben. Rechtsanwalt Otto Landsberg lehnte aber jeden Ver- gleich a b. Der Beklagte hätte bereits vor drei Monaten, als er sich aus der Prioatklage davon überzeugt hatte, daß der Artikel nichts anderes als üble Nachrede darstell«, den Mut haben sollen, seine Leser dementsprechend zu informieren. Er habe es jedoch unterlassen. Zur Rechtfertigung des Artikels berief sich der Beklagte Oskar Krüger auf die„internationale und franzosenfreundliche" Haltung des Klägers Victor Schiff, unter anderem auch auf eine Rede, die er auf einer internationalen Studententagung in Strahburg gehalten habe. Der Artikel enthalte keine Beleidigungen,«inen a n- deren Weg zu prüfen, ob Balder und Victor Schiff die gleiche Person seien, habe er nicht einschlagen können, daher seine Anfrage an den Vorstand der Sozialdemokratischen Partei. Im übrigen nahm er für sich den§ 193 in Anspruch. Rechtsanwalt Otto Landsberg entgegnete, der Artikel enthalte den Vorwurf des Landesverrats und lasse keinen Zweifel darüber, daß der Verfasser seinen Lesern die Ueberzeugung oonderIdentität jenes„Balder" und Victor Schiff beibringen wollte. Von Wahrung berechtigter Interessen könne keine Rede sein. Victor Schiff fügte noch hinzu, er habe in der vom Beklagten erwähnten Straßburger Rede nur gesagt, daß Elsaß-Lochringen kein Anlaß zu einem neuen Krieg sein dürfe, daß dieses Problem als internationale Angelegenheit zwischen Deutschland und Frankreich im Sinne des Vertrages von Locarno erledigt sei, und daß da« elsessische Volk durch drei Abstimmungen zu den ftanzösischen Kammerwahlen zum Ausdruck gebracht habe, daß es im Rahmen der französischen Republik leben wolle; selbst die Autonomisten hätten immer entschieden betont, daß sie für das Verbleiben Elsoß-Lothrin» gen? bei Frankreich«inträten. Der Richter setzte den Verkündungstermin für nächsten Freitag fest, erklärt« aber schon gestern, daß«in« B«strafung unbe- dingt erfolgen müsse, daß von der Anwendung de«§ 193 kein« Red« fein könne und daß er«ine Geldstrafe„zwischen Zül» und<00 M." festsetzen würde. Oer Herr Sekretär. Ein Verleumder bestrast. Momberg. 19. Juni.(Eigenbericht.) Das Schöffengericht E b e rn bei Bamberg verurteilte am Donnerstag den Sekretär des Bezirksamtes Ebern, Wagner, wegen Bsleidigung des Polizeipräsidenten Grze- sinsti. Der Sekretär hatte nach einer gesprengten sozialdemo- kratischen Bersammlung im Gastzimmer des Versammlungslokals zwei Stunden lang in wüsten Ausführungen die Republik be- schimpft. Unter anderem äußerte er über den Polizeipräsidenten Grzefinski:„Grzesinski sei ein verwahrloster Mensch und seine Der- gangenheit sei sehr schlecht." Selbstverständlich bestritt der Nazi wie immer, diese beleidigenden Aeußerungen getan zu haben. Er wurde aber durch einwandfreie Zeugen überführt, während seine Eni- lastungszeugen versagten. Da» Gericht verurteilte den völ- tischen Verleumder zu 150 Mark Geldstrafe. Ein mustergültiger Landtagspräsident. Oer Parlamentsskandal in Braonschweig. Braun schweig, 19. Juni.(Eigenbericht.) In der Freitagsitzung des Braunschweigischen Land- tags kam es wieder zu einem Auszug der sozialdemokratischen Fraktion. Der nationalsozialistische Präsident Zörner wandte sich gegen eine Erklärung der sozialdemokratischen Fraktion, die seine Ge- schästsführung tadelte. Er behauptet, daß er nicht verpflichtet sei, einen nationalsozialistischen Zwischenruser. der von Reichsbanner- kameraden als Mordgesellen gesprochen habe, zur Ordnung zu rufen, da tatsächlich das Reichsbanner Morde be- gangen hätte. Die Fraktion der Sozialdemokratie wehrte sich gegen den Eingriff des Präsidenten in die Debatte und pro- testiert« gegen seine einseitige Stellungnahme. Da die Dolks- Partei ocn von ihr mitgewählten Präsidenten nach wie vor stützt, kam die sozialdemokratisch« Fraktion überein, unter Protest gegen die einseitig« Geschäftsführung Zörners den Landtag zu ver» lassen. Vorher wurde ein Amnestiegcsetzentwurf der Sozialdemokratie verhandelt, der die Straffreiheit für Eltern»erlangt, deren Kinder am Schulstreik der wettlichen Schule in Braunschweig teilgenommen haben. Die Redner der Nationalsozialisten erklärten, daß dieser Gesetzentwurf nicht einmal diskussionsreif sei und die Eltern schwer bestraft werden müßten. Der Entwurf wurde dem Hauptausschuß zur Erledigung überwiesen. Film„Im Ivcsicn nichts Neues" als künstlerisch anerkannt.. Die Universal-Film-A.-G. teilt mit, daß der Film„Im Westen nichts Neues" am Freitag vom Lampe-Ausfchuß als künstlerisch anerkannt worden sei. Stahlhelm-Zrechheiien. Wann wird die Republik hart werden? München, 19. Juni.(Eigenbericht.) Der Stahlhelm genießt in Bayern seit langem besondere Schimpf- und Hetzfreiheit. Nirgends findet sich ein Staatsanwalt, der gegen diese Offiziersclique mit hohen Pensionen die Gesetze anwendet. Auf einer Tagung in Kempten prahlle der bayerische Lande»- führer, der als Hetzer berüchtigte O b e r st Lenz, mit der grenzen- losen Duldsamkeit der Behörden und verhöhnte die Autorität des Staates mit dem Hinweis, daß er selbst schon wiederholt mit dem Republikschutzgesetz in Konflikt gekommen, aber noch niemals verurteilt worden sei. Die au» Angst vor dem Stahlhelm feige Republik getraue sich überhaupt nicht, Stahlhelmsührer, die Ge- fäagnisstrafen verwirkt hätten, ins Gefängnis zu stecken, sondern begnüge sich, sie mit bescheidenen Geldstrafen zu belege«. Da der größte Teil der Bevölkerung von Kempten und Um- gebung sich der durch Hakenkreuzler verstärkten monarchistischen Parade ferngehatten hatte, fiel der Oberst mit wüsten Befchimp- fungen und Drohungen über das Bürgertum her. In hemmungsloser Wut nannte er die gegenwärtige Epoche eine „grauenvolle Zeit der Feigheit, der politischen Syphilis und einer feigen erbärmlichen bürgerlichen Mitte". Durch die Gemeinheit und Charakterlosigkeit der bürgerlichen Mitte sei unserer Zeit das Deutschtum und das Christentum abhanden gekommen. Gewissen katholischen Politikern unterstellte er, daß sie wieder den Dreißigjährigen Krieg, aufleben lassen wollten, um da, protestantische Christentum zu vernichten. Nach dem bayerischen Oberst sprach der russische Rittmeister Kustow, dem die Aufgabe zugewiesen war, den Zuhörern das Gruseln vor dem russischen Bolschewismus beizubringen. Hiilerleuie als Erpresser. Die„prominenten" künden Brandstiftung an. München. 19. Juni(Eigenbericht). Mit Erpressungsdrohungen wollen die Hitlerleute in Vmzern die Vorführung des Remarquc-Films„Im Westen nicht» Neues" selbst in geschlossenen Vorstellungen verhindern. Wie der Vorsitzende des Landesverbandes der bayerischen Filmtheaterbesitzer Engl mitteilt, haben„prominent« Mitglieder einer politischen Partei" ihn formell wissen lassen, daß von den Kinos, die diesen Film spielen werden,„kein Stein auf dem anderen bleiben würde". Selbstverständlich handelt es sich dabei um Hakenkreiizler. Der Landesverband hat bereits Maßnahmen beraten, die ein ungestörte? Vorführen des Films sichern sollen. Er hofft dabei auf die Unterstützung der Polizei, die zum Schutze der für geschlossene Lorstellungen gemieteten Theater ver. pflichtet ist. Zunächst wird es Aufgab« der Staatsanwaltschaft sein. die verbrecherischen Darbereitungen der Hitlerbanditen durch die Verhaftung der Erpresser zu unterbinden. Treuegelöbnis zur Partei. Hans Vogel vor der Nürnberger Parteigenossenschast. Nürnberg, 19. Juni.(Eigenbericht.) In einer Riesenoer. sammlung der Nürnberger Partei» organisation sprach heut« abend der Genosse Hans Vogel über die letzten Vorkommnisse im Reichstag und über die politische Situa- tion. In der Diskussion sprachen alle Redner, auch die, die mit der Halwng der Fraktion nicht einverstanden sind, unumwunden aus, daß die Fraktion sich in einer schwierigen Situation be- sunden habe und daß sie volles Vertrauen zur Politik der Reichstagsfraktion habe. Es wurde dann folgende Resolution angenommen: „Die heute überaus stark besuchte Versammlung der Nürn- berger Parteiorganisation ist sich mit der Sozialdemokratischen Reichstagsfraktion einig in der Verurteilung der Notver- ordnung. Die Versammelten lehnen mit der Partei eine Ver- antwortung für diese Notoerordnung auf das entschiedenste ab. Sie fordern deshalb die Reichstagsfraktion auf, den Kampf auf Um- änderung der Notoerordnung zugunsten der notleidenden Schichten mit aller Schärfe fortzusetzen. Die Versammelten versprechen, die Sozialdemokratische Reichstagsfraktion in ihrem Kampfe gegen die mit der Reaktion verbündeten Kommu- nisten tatkräftig zu unterstützen. Sie geloben, gegen- über den Lügen und Verleumdungen oller Gegner, die Schlagkraft der Partei noch mehr zu stärken und so den Boden vorzubereiten für einen günstigen Ausgong des Endkampfes der werktätigen Massen gegen ihre Ausbellter und ihre Helfershelfer. Diese Resolution wurde von der Riesenoersammlung nahezu einstimmig angenommen. Mit einem Arbeitergesang endet« dann die prachtvolle Versammlung. Schuß in Depefchenogevlur. In das Rsdaktionslokat der im Zentrum von Warschau gelegenen Telegraphenagentur„Expreß" wurde abends von der Straße aus geschossen. Alle Redakteure waren anwesend. Keiner wurde getroffen. Verurteilung wegen Landsriedensbrnchs. Sieben Personen, die ssch in Duisburg an den Slroßcntumulten am 3. Juni beteiligt hatten und überführt werden tonnten, Fensterscheiben eingeschlagen zu haben, mußten sich vor dem Schöffengericht verantworten. Drei von ihnen wurden wegen schweren Landfriedens- bruches zu je 6 Monaten, die anderen vier zu je 3 Monaten Gefängnis verurteilt. Gerüchte von Aendcrungen im Rcichsfinan, Ministerium, be- sonders von der Abficht, den Staatssekretär Schäfjer zu entfernen und, durch den volksparteilichen Ministerialdirektor � Zaichen zu ersetz««, werden offiziell als unzutrsffend bezeichnet, Theater, Lichtspiele usw. I) T'aLlicK 5 u. 816 Morgen Z Vorstdlungen 2, 6 und 816: ▼10TOBXA und ihr HUSAR Dt Riesenerfolges sSuj�i verlängert! Benutzen Sie Den Vorverkauf 1-MC I eHina-Tlieatei Täglich 8V» Uhr Zum goldenen Anker Valottl, Horncy, Eloholtz, Behner, Stössel, Faber, Walter. P> Elite-Sänger— i Kottbusser Str. fi Tägl SV» v. 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Feuerwerk/ Tombola/ Kinderfackelzug/ Tanz Beginn nachmittags 3 Uhr Eintritt 30 Pfennig OeatsdiK Theater 8 Uhr Der Hauptmann von ROpeniik v. Carl Zuckmayer Sigii; Uiiiz Rilpift Die KomOdie Täglich 8V- Uhr Dienst am Kunden loo Dut Bob und Hai tossn Regie: HansDeppe Rurrarsteudamm- Theaier Bismarck 449 |jV»JJihrJ Die schöne Helena voa licqui onenhadi ■«gl«: HazRtinääTdt KÄ6 JUERGEN5 Alexanderplatr Neu« Kt>nig«tr.43 LUNA PARK Heute Gross-Feuerwerk haustohd BETRIEB KEMPINSKI1 3 Ocweba CaMiuth. ftlnimpteo-OtwulssAaft. Sabü. n Tdtn OrdentUdie General verMmmtimg i Zt. Jni 1931, mm. 9 Uhr,!» L»U1 UMtio Is Tritt». Tagesordnung; 1. Geschäftsbericht: a. Bericht de» Lorstandes und des Aulsichtsrats, h Genehmigung der Bilanz Gewinn- und Bcrluftrechnung per 31. Dezember ISA). C. Beschlußfassung Uber die Berteiwng des Gewinne», d. Entlastung de» Vorstände» 2. Revlstonsbericht. 3. Bauprogramm 1931, 4. Bewilligung von Hypotheken. 5. Anträge. s. Neuwahl der ausscheidenden Aussicht». ratsmttglieder.— Zur Teilnahme an der Generalversammlung sind die eingetrage- nen Genossen berechttgt. Der Vorsland: EMir. Bilrw, hllsrr. Htm. Sdiolu. EiaiJS�Bettenusip: Kindarb., Polster, Chaisel.» an Jaden, Teü& Katalog frei. Eiaenmöbelfabrik Suhl tTbha> Stahl- I n-Holz- ab Lager Ulelibiecn. Stahl- uietonbauien jeder Art. Angeb. u Prosp. kosten I Gebr Jldienliadi 6.ra.U.H.. welfleuau Sied Elsen, und Wellblechwerke— Postfach 3SS „Deutsche Bau- AautcUusg Berlin: Freigelände Abt. Qartgcn" Am 17. Juni 1931 verstarb nach kurzen, schweren Seiden mein lieber Man», unser ireusorgender Bater und Großvater, der Zimmermann Karl Mahn im 74. Ledensjahre.— In tiefer Trauer im Namen der Hinterbliebeneu Pankow. Altersheim Ann» Mahn geb. Schlfer und Kinder. Die Beerdigung findet am Montag. dem S2. Juni, nachmittag» 3 Uhr. von der Halle de, Panlower Gemeinde- friedhof» Nr. 3 Echönholzer Heide. Bahnhofstraße, statt. Dlnütii» Metallarbeiter-TeM Verwaltungsstelle Berlin Todesanzeige Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Dreher Auton Hiuderderger geh. 97. August 1883, am 17. Juni gestorben ist. Ehre seine« Anheulen! Die Einäscherung findet am Man- tag. dem 22. Juni, 18 Uhr. im Krematorinm Serichtitraße statt. Rege Beteiligung wird erwartet. Ute OrtsTerwallnng Anläßlich der EiltÄschernng meme» lieben Manne», unsere» guten Bater» Reinkold Kosan sage ich allen Verwandten. Freunden und Bekannten, den Rednern sowie den Reichsbannertameraben, dem Ge- samtverdand und der 4i. u. 102. Avt. der SPD. liir die vielen Beweise der Teilnahme meinen herzlichsten Dank. Im Namen der Hinterbliebenen Minne Kosen, geb. Maschkewiir. 19. Juni 1931. 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Die Haltestelle Prenzlauer Promenade, Ecke Wisbyer Straße, erreicht man. mit den Straßenbahn- l i n i e n 8, 17, 56, 71, 72 und 73. Der Autobus sährt durch die Heinersdorfer und Berliner Straße nach Heinersdorf, das bereits in einer ländlichen Umgebung liegt. Von hier geht die Reise auf der Landstraße entlang an kleinen Siedlungshäusern und gepflegten Gärten vorbei über Blankenburg und Karow nach Buch. Schon von weitem grüßen der Wasserturm und die beiden Schornsteine des Kraft- roerks, das die Heilanstalten der Stadt Berlin, die hier errichtet würben, mit Strom versorgt. Die südlich der Eisenbahn liegenden Anstalten bleiben rechts liegen, der Autobus biegt alsbald links ein und hat nach wenigen Minuten sein Endziel erreicht. Wir schreiten über die Straße. Neben einem Giebelhaus ist der unscheinbare Eingang zu dem wundervollen alten Park von Buch, dessen grüner Vipseldom uns alsbald umfängt. Nach wenigen Schritten schon ist die Welt, die„da draußen stets betrogen braust", versunken. Wenn wir vom Eingang aus in geroder Richtung weitergehen, stoßen wir aus das alte Schloß, einen einfachen, ländlichen Bau, der bisher dem Berliner Ober- bürgermeister als Sommeraufcnthalt diente. Ketten sperren den Weg ab. Aber links ragt ein anderes Bauwerk auf, dessen schmale, hohe Fenster auf einen grünen Rasenplatz blicken, in dessen Mitte eine bronzene Tiersigur aufgestellt ist. Von hier aus gesehen, wirkt dos Bauwerk wie ein in seinen Anfängen steckengebliebenes Schloß. Ei» merkwürdiges Gebäude, das man zum zweiten Male nicht wiederfinden dürfte: Seine Borderseite ist aus roten Backstein ge- bildet und soll ein wehrhaftes Kastell darstellen. Hohe, von Efeu umrankte Bäume ragen über das Haus empor, das sich in einem stillen See spiegelt, auf dem weiße Schwäne dahingleiten. Mitten durch das grüne Reich des alten Parks fließt im Schatten dichter Sträucher und hoher Bäume die muntere Ponte, die in der Nähe der Straße sogar eine Art von Liliputwasserfall bildet. Da- neben gibt es noch weitere kleine Fließe und Gräben, über die zahl- reiche Brücken und Stege hinwegführen. Auf unbewegten Gewässern haben sich Wasserpflanzen friedvoll angesiedelt. Im nördlichen T.eil des Parks steht ein einfacher, mit einem Relief verzierter, fast würfelförmiger Gedenkstein, der an die unglückliche Julie von Voß erinnert. Friedrich Wilhelm II. hatte sie zur Gräfin Ingelheim ernannt, um sie neben seiner rechtmäßigen Gattin und seinen anderen Mätressen besitzen zu können. Bald darauf starb Julie von Voß bei der Geburt ihres Sohnes, als sie kaum 23 Jahre alt war. Sie ist im Grunde das Opfer eines höfischen Intrigenspiels geworden, dessen Zweck es war, den König von feiner einflußreichen Mätresse, der Madame Rietz, zu entfernen. Den höfischen Cliquen war jedes Mittel recht, um Macht und Einfluß zu gewinnen. In der 1731 bis 1736 erbauten Rokokokirche von Buch, die sich prächtig in den alten Park einfügt, liegt Julie von Voß begraben. Der Park und das angrenzende Gut gehörten zur Zeit der Reformation einer Familie von Röbel, bei der Luthers Freund, Philipp Melanchton, � häufig zu Gast war. Ausgrabungen des Märkischen Museums, die in Buch vorgenommen wurden, förderten Reste von Pfahlbauten, Töpfer- und anderen Arbeiten zutage. Buch soll früher eine wendische Sied- lung gewesen sein. Auf Schritt und Tritt geht man hier auf ge- fchichtlichcm Boden. Nach dem Verlassen des Parks wenden wir uns nach rechts, gehen unter der Ueberfllhrung der Eisenbahn hin- durch und kommen alsbald zu einem hübschen kleinen Wald, der sich nordwestlich der Eisenbahn erstreckt. Nach einem Weg von etwas Über einen Kilometer Länge erreichen wir die Chausiee, die von Schönow nach Buchholz führt. In der Witte des Wäldchens, das und mehr von dem Verfügungsberechtigten innerhalb eines Monats nach der Freimeldung an jeden Wohnungsuchenden frei v e r- mietet werden, der sich im Besitze einer entsprechenden Be- scheinigung des Wohnungsamtes befindet. Der Mietvertrag bedarf jedoch zu seiner Wirksamkeit der Genehmigung des Wohnungsamtes. Die Bestimmungen des Reichsmielcngesetzes und des Mieterschutz- gesetzcs werden durch die neue Lockerung nicht berührt. Schlößchen im Park von Buch. vom Lietzengraben durchflössen wird, liegt die F ö r st e r e i B u ch. Schöne Spazierwege führen nach allen Seiten. Wir können nach Buch zurückkehren und die bereits genannten Verkehrsmittel zur Heimfahrt benutzen, wir können aber auch nach Buchholz wandern und mit Straßenbahnlinie 24 nach Hause fahren. Buch- holz hieß bis 1913 Französisch-Buchholz, zur Erinnerung an seine französischen Bewohner, die ihres Glaubens wegen ihre Heimat ver-� la�en.liatteN' Und vom Großen Kurfürsten' hier- angesiedelt wurden. Büchholz- gehört heute cbeli7ölls' zum 19. Verwaltungsbezirk und hat' sich kin' allgemeinen noch seinen ländlichen Charakter bewährt. Die Straßenbahnlinie 24 endet dicht bei der Kirche. Wohnungszwangswirtschast weiter gelockert. Große Altwohnungen können frei vermietet werden. Das Zentralwohnungsamt teilt mit: Am 1. Juli 1931 tritt in Berlin eine weitere Lockerung der Wohnungszwangswirtschaft ein. Von diesem Zeitpunkt ab können — ohne Rücksicht auf die Zahl der vorhandenen Wohnräume— Altwohnungen mit einer Jahresfriedensmiete von 1 waren während der dortigen Manöver in einer Scheune 49 militärisch ausgebildete Schüler der höheren Klassen unter dem Kommando eines Oberleutnants mit theore- tischen Uebungcn beschäftigt, als ein schweres Ge» Witter heraufzog,(sin Blitz schlug so unglücklich in die Scheune ein, daß fünf Schüler auf der Stelle getötet wurden und zwölf schwere Berletzun- gen erlitten, lleber 29 Schüler trugen leichtere Ber- letzungen davon. Tie Scheune geriet in Flammen und wurde in kurzer Zeit vollständig eingeäschert. Unter den Toten befindet sich außer den fünf Schülern auch noch der Abteilungsführer Oberleutnant Ploso, der als Schwerverletzter unterwegs zum Krankenhaus seinen Wunden erlag. Acht Opfer de» Llnwetters in Ostpreußen. Königsberg, 19. Juni. lieber Königsberg und der Provinz Ostpreußen gingen mehrere schwere Gewitter nieder. In der Stadt sielen von 8 Uhr abends bis heute früh fast 26 Millimeter Regen. In einzelnen Kreisen der Provinz hat das Unwetter stark gewütet. Schwer mitgenommen find nach den bisherigen Meldunze» die Kreise Heiligenbcil, Osterode, Ortelsburg und Jnsterburg. 3n Heiligenbeil erschlug der BUH in dem Wohnhaus eines Besitzers dessen ISjährigen Sohn und die ZZjäHrige Tochter. In Ortelsburg wurde die Familie eines Besitzers bei einer Begräbnisfeier von einem Gewitter überrascht. Der Blitz schlug in das Haus und tötete die Frau des vesiheos und den Sohn eines anderen Landwirts. Auch die übrigen Trauergäste erlitten Brandwunden. Auch im Kreise Jnsterburg traf der Blitz das 5iaus eines Landwirts. Der Besitzer wurde vom Blitz erschlagen, während die übrigen Bewohner mit dem Schrecke» davonkamen. Im Kreise ' Preußifch-Halland wurde eine 57 Jahre alte waldarbeiterin aus den, Heimweg von ihrer Arbeitsstätte vom Blitz getötet. Mit den bereits aus den Osteroder Kreis gemeldeten zwei ge- töteten Personen hat das gestrige Unwetter also acht Todesopfer gefordert. propellerwagen auf der Fahrt nach Hamburg. Der Krukenbergsche Propellerwagcn ist gestern voni 5?aupt? bahnhos in Hannover in Richtung L e h r t e— H a m b u r g' ab- gefahren. Die Fahrt vollzieht sich im Rahmen des allgemeinen Zug- Verkehrs und kann nur mit Rücksicht auf diesen durchgeführt werden, so daß sich, aus der Strecke verschiedentlich Aufenthalte ergeben. In Uelzen erfolgte die Ankunft, wie es vorgesehen war, pünktlich uni 16,36 Uhr. Nach einem Aufenthalt von zwei Minuten wurde dann die Fahrt nach Lüneburg und Hamburg sortgesetzt, wo der Wagen um 12 Uhr mittags eintreffen soll. Auf dem Bahnhos Uelzen hatte sich, wie von dort gemeldet wird, ein zahlreiches Publikum eingefunden, das den Propellerwagen bei seiner Durch- fahrt mit lebhaftem Interesse in Augenschein nahm. Von I. ILF UND F. PETROW Jetzt sitze ich auf dem Bahnhos in Charkow und schreibe Dir in folgender Angelegenheit. Erstens habe ich Dich sehr lieb und denke sehr oft an Dich und zweitens ist Bruns nicht mehr da. Sei aber nicht traurig. Bruns ist, wie man mir sagte, jetzt in einer Zementfabrik in Rostow angestellt. Meine Mittel reichen gerade noch für diese Fahrt. Ich fahre in einer Stunde mit dem Personenzug hin und Du, meine Gute, geh bitte zu unserem Schwiegersohn und borge fünfzig Rubel von ihm— er ist mir diesen Betrag schuldig und hat versprochen, mir ihn so bald als möglich zu- rückzuerstatten. Das Geld schicke nach Rostow, an Fedor Iwanowitsch Wostrikow, hauptpostlagernd. Aus ökonomischen Gründen schicke das Geld mit der Post. Es wird dreißig Kopeken kosten. Was gibt es Neues in unserer Stadt? Was hört man? Ist Kondratjewa bei dir gewesen? Dem Vater Kirill sage, daß ich bald zurückkomme, daß ich zu meiner sterbenden Tante nach Woronesch gefahren bin. Bitte, sei sparsam. Ißt Ewsignecw noch bei uns zu Mittag? Grüße ihn von mir. Sag ihm, daß ich zu meiner Tante gefahren bin. Wie ist das Wetter bei Euch? Hier in Charkow ist marmer Sommer. Charkow ist eine geräuschvolle Stadt, das Zentruin der ukrainischen Republik. Wenn man aus der Provinz kommt, scheint es einem immer so, als wäre man im Ausland. Zu tun: 1. Gib meine Sommersoutane zum Putzen— es ist besser, drei Rubel für Putzen auszugeben, als eine neue zu kaufen. 2. Gib acht auf Deine Gesundheit. 3. Wenn Du der Gulcnka schreibst, so sage ihr unter an- derem. daß ich zur Tante nach Woronesch gefahren bin. Grüße alle von mir. Sag, daß ich jetzt schon bald zurück- komme. Ich umarme Dich zärtlich, küsse und segne Dich. Dein Mann Fedja. N. B. Wo irrt Worobjew wohl jetzt umher? Die Liebe quält den Menschen. Der Stier brüllt vor Leidenschaft. Der Hahn wird unruhig. Der gewesene Vor- sitzende des Gubernial-Adels verliert den Appetit. Worobjew verließ Ostap im Wirtshaus, schlich ins rosa Häuschen und stellte sich zum Panzerschrank. Sein Herz schlug wie ein Uhrpendel. Es fauste ihm in den Ohren... Die Unruhe teilte sich dem Räume mit. Nichts aber konnte den Panzerschrank erwärmen, er blieb düster. Die Grammophone schnarrten in den Federbehältern. Um es mit einem Wort zu sagen. Worobjew war ver- liebt, war stark verliebt in Lisa Kalatschewa. Zuweilen gingen Menschen durch den Gang, an Worob- jew vorbei. Alle rochen irgendwie nach Tabak, Wodka, Apotheke oder Suppe. Im Dunkel des Korridors konnte man die Menschen nur nach dem Geruch oder nach dem Geräusch ihrer Schritte unterscheiden. Lisa kam nicht. Worobjew war davon überzeugt, daß sie weder rauchte, noch Wodka trank, auch trug sie sicherlich keine eifenbeschlage- neu Schuhe. Sie roch auch nicht nach Jod oder Fisch. Nur ein zarter Puderduft mochte sie umschweben. Plötzlich hörte Worobjew leichte, unsichere Schritte. Jemand ging durch den Gang und atmete sanft. „Sind Sie es, Elisaweta Petrowna?" fragte Worobjew mit Zephirstimme. Als Antwort erscholl ein tiefer Baß:„Bitte können Sie mir sagen, wo hier die Familie Psefferkorn wohnt. In der Finsternis kennt sich der Teufel aus." Worobjew schwieg erschrocken. Der Besucher der Pfeffer- korns wartete eine Weile auf Antwort, da er sie nicht bekam, trottete er weiter. Lisa kam erst gegen neun Uhr. Sie gingen auf die Straße und schritten unter dem grünlichen Abendhimmel dahin. „Wohin wollen wir spazieren gehen?" fragte Lisa. Worobjew sah ihr in das weiße strahlende Gesicht und begann weitläufig und lalngwcilig davon zu sprechen, daß er schon lange nicht in Moskau gewesen, daß Paris zweifel- los schöner sei als diese Stadt, die doch immer nur ein ohne System gebautes großes Dorf bleibe. „Ich erinnere mich noch an ein anderes Moskau, Elisa- weta Petrowna. Jetzt spürt man überall das Knausern. Zu meiner Zeit ha: man nicht so mit dem Geld gerechnet. Und es gibt ein Liedchen:„Man lebt nur einmal in der Welt..." Sie gingen über den ganzen Pretschistensky-Boulevard und kamen auf den Quai zur Christuskirche. Lisa fa�te Worobjew an der Hand und erzählte ihm ihren ganzen Kummer. Bon dem Streit mit ihrem Mann, von dem schweren Leben, umgeben von neugierigen Nachbarn— den Chemiker— und von der Monotonie der vegetarischen Küche. Worobjew hörte zu und war sehr nachdenklich. Dämonen erwachten in ihm. Er träumte von einem ganz besonderen, feinen Nachtmahl. Solch ein Mädchen mußte man mit etwas Nettem überraschen. Die Halste der Summe, die die Konzessionäre bei der Stargoroder Verschwörung eingenommen hatten, lag in Worobjews Tasche. Es war für Worobjew, der nicht mehr an Luxus gewöhnt war, ein großer Betrog. Jetzt wollte er Lisa mit feinen Weltmannsallüren uiw seiner Großzügigkeit in Erstaunen setzen und er war durch die Möglichkeit eines reizvollen Abenteuers geblendet. Zu all dem glaubte er sich gut vorbereitet und in Form. Er erinnerte sich stolz daran, mit welcher Leichtigkeit er einst das Herz der schönen Elena Baur gewonnen hatte. Damals war er gewohnt gewesen, das Geld leicht und mit vollen Händen auszugeben. In Stargorod hatte man auch seinerzeit sein gutes Benehmen gerühmt und die Gabe, mit jeder beliebigen Dame Konversation machen zu können. Wenn er sich daran erinnerte, kam es ihm ein wenig lächerlich vor, seinen ganzen Glanz für einen Sieg über ein kleines Sowjctmädchen zu verwenden, das noch nichts gesehen hatte und nichts kannte. Nach kurzer Ueberredung fuhr er mit Lisa in das elegante Restaurant„Prag"— gegenwärtig das beste Etablissement Moskaus, wie ihm Bender gesagt hatte. „Prag" überraschte Lisa durch die Menge von Spiegeln, Licht und Blumentöpfen. Es war verzeihlich— Lisa hatte noch nie noble Lokale besucht. Unerwarteterweise machte auch auf Worobjew der große Spiegelsaal einen überraschenden Eindruck. Er war nicht mehr ganz auf dem Laufenden, was Luxus betraf, und hatte das Restaurantleben ganz vergessen. Jetzt begann er sich seiner Stiefel mit den quadratischen Spitzen, seiner Weste mit den silbernen Sternen zu schämen. (Fortsetzung folgt.) Heuers Amtsantritt. Sozialdemokrat als Verwalter des Grundstücksdezernats. Der in der letzten Sludloerordnelensihung gewählte neue Stadl- rat von Verlin. Genosse Dr. Heuer, ist das jüngste Mitglied des nunmehr endlich ordnungsgemäß befehlen Berliner Magistrat». heuer, der in der Mitle der Dreihig steht, war zuletzt Stadtrat in Magdeburg, wo er unter allgemeiner Anerkennung das Grundstücksdezernat neben dem Wohnungsbaudezernat verwaltete, wie wir erfahren, wird Oberbürgermeister Dr. S a h m dem neuen Stadt- rat, dessen praktische Ersahrungen im Grundstückswesen und guten juristischen Senninisse von allen Fachkennern gerühmt werden, das für die Riesenstadt Berlin besonders wichtige Grundstücks- dezernat übertragen. Wie keine andere Verwaltungsstelle hat dieses Amt in den letzten Jahren in Verlin Staub aufgewirbelt. Jener unselig« Stadtrat Busch, Anhänger der W i r t s cha f t s p a r t e i, vor dessen mit persönlichen Ggldgeschästen verbundenen Amtsführung die Sozial- demokratie im Berliner Rathaus zuerst ihre warnende Stimme erhob— weswegen man später immer wieder versuchte, ihr diesen Mann in die Schuhe zu schieben—, hat das Amt aus das schmutzigste mißbraucht. Das Dezernat wurde dann lang« Zeit von dem Staatsparteiler K a tz bearbeitet. In der jüngsten Zeit war es von dem sozialdemokratischen Stadtrat für das Wohnungswesen Ge- nossc Czeminski mitverwaltet worden. Dr. Heuer wird seine neue Arbeit schon in allernächster Zeit aufnehmen. Di« B e st S t i- g u n g der Wahl durch den Oberpräsidenten wird in Kürz« erfolgen. Die ewige Lüge von der roten Mehrheit. Cs gehört zu den Vornehmheiten des.Berliner Lokal-Anzei- gers", seinen Lesern immer wieder eine Lüge vorzusetzen, die vom t„Vorwärts" mehr Äs einmal angeprangert worden ist. Im Zu- sammenhang mit der Wahl des Genossen Heuer ist im„Lokal-An- zeiger" wieder zu lesen, daß die Sozialdemokratie die absolute Mehrheit im Berliner Magistrat besitze.' Das ist nach wie vor unwahr. Wie wir hier bereits nachgewiesen haben, stehen den acht sozialdemokratischen Vertretern(Lange, Asch, Nydahl, Wutzky, Heuer, Ortmann, Czeminski und Ahrens) zehn Vertreter anderer Fraktionen gegenüber. Lehte Patrone— z�tiflersttirz. Zwei Opfer einer Siferfuchistot. Das Hau» Friedrichsberger Straße lZ Im Rordosten Berlin» war gestern nachmittag der Schauplatz einer furchtbaren Eifersucht». tragädie. Der Z2jShrige Schneider Adolf kyek gab auf seine Freundin, die 2t Iahre alte Puhmacherin Lucie Hossschild im verlauf eine» Streite» hinterrücks einen Schutz ab. durch den da» junge Mädchen aus der Stelle getötet wurde. Unmittelbar nach der Tat stürzte sich Kyek aus den Hof hinab, wo er mit zerschmetterten Gliedern t o t liegen blieb. Im 4. Stockwerk des Vorderhauses wohnt der Fahrlehrer Hossschild mit seiner Frau und seinen beiden 26 und 21 Jahre alten Töchtern. Die jüngere Tochter Lucie, ein hübsches Mädchen, niachts vor Monaten die Bekanntschaft des Schneiders Kyek, der bei den Nachbarsleuten als Untermieter wohnte. Zwischen den jungen Leuten kam es zu einem Liebesverhältnis, das aber schon nach kurzer Zeit.getrübt wurde. Kyek wurde a r b e iis.tas, so haß. er sein« Heiratspläne durchkreuzt jäh. Hinzu kam yoch, daß. Kyek glaubte,■, seine Freundin nehme es.wtt der Treue nicht so genau. Obgleich Kyek nicht die geringst« Veranlassung zur Eifersucht hatte, machte er dem jungen Mädchen häufig erregte Austritte. Das Verhältnis wurde zuletzt so gespannt, daß der Vater sich einmischte und Kyek verwarnte. Als Lucie Hoffschild gestern nachmittag allein in der Wohnung weilte, suchte Kyek seine Freundin wieder aus. Er machte ihr wieder heftige Vorwürfe, so daß. Hausbewohner auf den Streit aufmerksam wurden. Plötzlich ertönt� ein Schuß, dem gleich darauf ein lauter Aufschrei folgte. Als Mieter gewaltsam in die Wohnuirg eindrangen, fanden sie Lucie Hoffschild in der Küche tot 'auf dem Fußboden. Auf dem Küchentisch lag eine Pistole, aus der Kyek den tödlichen Schuß abgefeuert hatte. Da der Tät«r nur noch die ein« Patrone befaß, der seine Braut zum Opfer siel, stürzte er sich aus dem Küchensenfter auf den Hof hinab. Auch er war sofort tot. Wie die späteren Ermittlungen ergeben haben, hat Kyek sein« Freundin, die gerade am Herd hantierte, hinterrücks er- schössen. Der Schuh ist aus nächster Nähe abgegeben worden. Sachverständige im Muttermordprozeß. Vermeintliche Notwehr, strafloser Notwehrexzeß oder Totschlag? Die Beweisaufnahme im INullermörderprozetz ist g e- schlössen. Die Sachverständigen haben ihr entscheidendes Wort gesprochen— nicht ganz so günstig für Ealislros Thielecke wie erwartet— doch günstig genug, um dem Gericht die handhabe zu geben, auf vermeintliche Rotwehr oder auf einen straflosen Notwehr- Cxzeß zu erkennen, d. h. aus eine Aeberschreituag der Rotwehr, die in Furcht, Bestürzung oder Schrecken begangen wurde. Wie da» Gericht erkennen wird, ob es den Angeklagten nicht doch noch des Totschlages an der Mutter schuldig finden wird, wird heute das Arleil zeigen. Die junge Frau Thielecke war die beste Fürsprecherin für ihren Mann. Sie machte ihre Aussage mit großer Ruhe, und doch merkte man es ihr an, wie auch heute noch in ihr die grauenhaften Verhältnisse im Hause ihrer Schwiegermutter nachzittern. Das Leben dort war eine Hölle. Die Schwiegermutter konnte im ruhigsten Tone die gemeinsten Schimpfworte aussprechen. Die Drohungen steigerten sich von Tag zu Tag. Den Sohn traf sogar die Schuld, daß er ge- boren ist. Schließlich fürchtete auch die junge Frau um ihr Leben. Konnte man noch an der Richtigkeit der von dem Angeklagten und seiner Frau behaupteten Drohuygen zweifeln, so mußte man end- gültig jeden Zweifel fallen lassen angesichts der Aussage der Zeugin Wollenberg, die mehr als zwei Jahrzehnte hindurch die verstorbene Frau Thielccke gekannt hat Die Todeswünsche gegen den Sohn halte Fron Thielecke bereits nach dem Tode ihres ersten Mannes Reuhans ausgesprochen: wenn doch lieber der Junge gestorben wäre: er ist schuld an meinem verpfuschten Leben. Und noch kurz vor dem Ereignis des 6. August hatte sie zu der Zeugin gesagt:„Ich werde meinem Sohn seine Heirat nie verzeihen, ich werde ihn töten!" Califtro klagte sein Leid in der ihm üblichen ruhigen und bescheidenen Weise„Meine Mutter versteht mich nicht." Aufschlußreich war die Aussage des Chirurgen Prof. Hirsch- mann: er wurde auch als Sachverständiger vereidigt. Er hatte sich öfters mit dem Angeklagten unterhalten, als dieser seine Familie besuchte: er hält ihn für einen geistig hochstehenden Menschen. Auf Calistros wiederholte Klagen, daß er mit der Mutter nicht zusammen- leben könne, habe er ihm immer wieder den Rat erteilt, doch von der Mutter fortzuziehen, das sei der einzige Ausweg für ihn. Nicht zuletzt aus diesem Grunde habe er ihm zu einem Stipendium in der Columbia-Universität verhelfen wollen: die Aussichten dafiir seien sehr gute gewesen. Gutachten der Sachverständigen. Nach der Pause kamen die psychiatrischen Sachverständigen Sanitätsrat Dr. Leppmann und Medizinolrat Dr. D y r e n- furth zu Worte. Als erster erstattete Dr. Leppmann sein Gut- achten. Er hat den Angeklagten im Oktober 193l> bis April 1331 beobachtet. Der schwierige Fall machte eine so lange Beobachtungs- zeit notwendig. Die Familie der Mutter, sagt der Sachverständige, ist durchsetzt von seelischen Störungen. Unter den Verhältnissen, unter denen der Angeklagte aufgewachsen ist, hätte selbst ein normal Veranlagter eine Fehlentwicklung genommen: Califtro Thielecke war ober kein normal veranlagter Mensch. So entstand aus ihm ein äobenssern»,.-oußerordenllich phantastischer,«inseitig begabter Mensch, überempfindlich und äußerst leicht v e r- l e tz b a r. Von einem Wohnsystem kann bei ihm keine Rede sein, ebenso wenig von Sinnestäuschungen. Nicht festzustellen war eine krankhafte Art der Denkweise. Zu denken gab aber seine Stellung- nähme zur Tat, man tonnte da eine beginnende Geisteskrankheit ver- muten, die Anfänge eines Iugendirreseins. Es ließ sich ober einä Zersetzung der Persönlichkeit im Augenblick wissenschaftlich nicht fest- stellen. Seine Tat hat der Angeklagte nicht nachweisbar im Dämmerzustände begonnen. Sie war auch nicht die einfache Fort- setzung des Gedankens, ich bin bedroht. Der Angeklagte hat aller- dings immer wieder von Notwehr gesprochen. Es ist zu sagen, daß ein Mensch, der so beschaffen ist wie er, der, obgleich in einem Dauer- affekt stets so beherrscht war, durch eine unglückliche Aeußerung der Mutter in Verbindung mit einer Bewegung, die ihm als Angriff erscheinen mußte, glauben konnte, nun den Angriff abwehren zu müssen. Infolge des hochgradigen Affektes konnte er sich dann, ob- gleich noch zurechnungsfähig, in der Angemessenheit der Mittel irren. Er konnte sich also, wenn nicht in einer wirklichen, so doch in einer vermeintlichen Notwehr befinden. Dagegen wird von einem gewissen Zeitpunkt an für den zweiten Teil der Tat ein Affekt- dämmerzustand geltend gemacht werden können. Daher auch das sinnlose Zustechen. Medizinalrat Dr. Dyrenfurth schloß sich im großen und ganzen dem Gutachten des Sanitätsrats Dr. Leppmann an. Auch er sprach von einer schwer psychopathischen Persönlichkeit und von hochgradigem Affekt, wollte jedoch auch für den ersten Teil der Tot noch das freie Spiel der Motive gelten lasten und war jür die An- erkennung der psychologischen Voraussetzungen einer möglichen Putativnotwehr nicht in dem Maße zu haben wie Sanitäts- rat Dr. Leppmann. Dieser blieb jedoch bei seiner Ansicht. Für den zweiten Teil der Tat wollte auch Dr. Dyrenfurth Zweifel an der Zurechnungsfähigkeit gelten lasten. Heute 9 Uhr beginnen die Plädoyers. Entflohener Mörder wieder verhastei. Oer Lleberfall auf die Sparkasse Hohen-Neuendorf. Wie aus Hamburg berichlel wird, ist es der Polizei dort gelungen, den 42 Zahre alten Wörder Rudols Lösch im Gängemerlel festzunehmen. Lösch wird in kürze nach Berlin gebracht werden. Wie seinerzeit berichtet, war Lösch zusammen mit dem 39 Jahre alten Friedrich Diekmann am S. Dezember vergangenen Jahres aus der Strafanstalt Fuhlsbüttel entwichen. Beide hatten in der Schlosserei gearbeitet und fertigten sich hier unbemerkt Nachschlüssel an. Aus dem Aufentholtsraum der Wärter ent- wendete Lösch einen Mantel und eine Mütze. So verkleidet brachte er Dickmann aus der Anstalt heraus. Jeder glaubte, daß ein Wärter einen Gefangenen forttransportierte. Diekmann hatte noch 17 Jahre Zuchthaus zu verbüßen. Gemeinsam mit seinem Voter hatte er im Januar 1926 die Frau des Bankbeamten Timm ermordet. Lösch hatte, als er bei einem Ein- bruch überrascht wurde, einen Polizeibeamten nieder- geschossen. Er muhte noch bis zum Jahre 1936 in der Anstalt bleiben. Am 21. Februar wurde in den frühen Morgenstunden«in RaubüberfoN auf die Zweigstelle der Sparkasse des Kreises Nieder-Barnim in Hohcn-Neucndorf ausgeführt. Ein Räuber de- drohte die Beamten mit zwei Pistolen, der zweite raubte 3999 M. bar� Geld. Beide flilchttten in ein bereitstehendes Auto. Bereits- am 24. Februar gelang cs den Beamten der Mordinspektion, Diek- mann in der Prinzenallee festzunehmen. Nach längerem Verhör gab er zu, daß er gemeinsam mit Lösch den Ueberfall ausgeführt habe. Lösch hatte von der Festnahme seines Freundes Wind bekommen und war schleunigst aus Berlin geflüchtet. Die prügelkolonne und ihre Opfer. Hastenttafsongen im Scheuen-prozeß. Lüneburg, 19. Juni. In der gestrigen Verhandlung stellte Dr. Löwenlhal Hast. c n l l a s s v n g s a n l r a g für die von ihm verlretenen AngeNaglen. Fluchtverdacht läge nicht vor, da die Zungen auf den prozetz ge- wartet hätten und froh seien, die Mißstände rückhaltslos aufzudecken. Sie übrige Verteidigung schloß sich diesem Anlrag für ihre An- geklagten an. Es wird dann in der Vernehnmng des Schulz, des ersten der Etraube-Gruppe, fortgefahren. Der Angeklagt« macht seine Aus- führungen mit starkem Zynismus. Er hat an der Spitze der Knüppelgarde gestanden und Ledebour mit einer Harke über dcn Kopf geschlagen. Später hat er auch an den Mißhandlungen der übrigen teilgenommen. Als ein Teil der Revoltierenden von Celle zurückkam, habe Straube die Anweisung gegeben: „Bringt sie mal auf den Schwung I", und Schulz hat das so verstanden, daß die Zurückgebrachten„ein bißchen Trapp lauten" sollten. Sie seien dann auch ziemlich stark geprügelt und einzeln über den Tisch gezogen worden. Der Angeklagte schilderte, wie der Zögling Müller im Hemd vor Straube gestanden und gezittert habe, während Straube ihn mit der Reitpeitsche schlug. Den Revoltierenden wurden am nächsten Tage die Köpfe kahl geschoren und, obwohl es Februar war, wurden sie in leichte iveiße Anzüge gesteckt. Schulz bekennt sich selber als einen der Hauptbeteiligtcn. Das System der Selbstjustiz habe schon bestand«», als er noch Scheuen gekommen sei. lieber Straube sagte Schulz ferner aus, daß er bei der von Straube erteitten Prügel d i t Nerven verloren habe. Andererseits habe Straub« den Jungen gesagt:„Wenn ihr was habt oder türmen wollt, kommt zu mir und sprecht euch aus." Der Erzieher Dittmer soll sich einmal geäußert haben:„Wenn ein Junge verprügelt ist, braucht er kein Gericht mehr." Die Aussage der weiteren Angeklagten Aßmann, Zeuke und Genossen weichen hinsichtlich der Mißhandlungen wenig voneinander qb. Im Verlauf der weiteren Verhandlung im Scheuen-Prozeß ver- kündete das Gericht die Haftentlastung sämtlicher Angeklagten. Die Fortsetzung der Verhandlung wird auf Sonnabend sestgesetzt. Wohnhaus in Gasgefahr. Die Feuerwehr wurde in den gestrigen späten Abendstunden nach der Dessauer Straße 49 alarmiert. Im ganzen Wohnhaus machte sich starker Gasgeruch bemerkbar, so daß von den Wietern eine Explosion befürchtet wurde. Gleichzeitig mit der Feuerwehr wurden die Städtischen Gaswerke benachrichtigt, die eine Inspektionskolonne nach der Destauer Straße entsandten. Offenbar ist ein Gasrohr im Keller gebrochen, so daß größere Gasmengen ungehindert ausströmen konnten. Da die Bruchstelle gestern abend nicht mehr gesunden werden konule, mußte da» hauplgasrohr abgestellt iverden. Bei einigen Bewohnern machten sich leichte v e r g i f- langserscheinungen bemerkbar, so daß sie von den Feuerwehrsamaritern behandelt iverden mußten. Wetleraussichlen für Berlin: Unbeständig mit allmählicher Ab- kühlung.— Für Deutschland: In der östlichen Hälfte noch vor. wiegend beständig und mäßig warm, im übrigen Reich« veränderlich und ziemlich kühl mit wiederholten gewitterartigen Niederschlügen. 2» Ubr. in t*t A-rl.Marr-Schule, Zeßprcchung der Ikltirn d« Zeltlagettkil» nkhmcr. Sterbetafel der Groß-Berliner Partei- Organisation »l. Abt. l». Btzick: Unfft licbft Scnossc August A nd e r 5. Wistmaun. Itrate g, ist om 12. Juni nach längfrcm tlfiiwn strftotbtn.<5brc ftin.m An« ttcnunl Die Beerdigung bat bereit, stattgefunden.... 11*. Abt. Unsere sangjäbrige Senossin Anna R i n, Lichtenberg, Sieg. friedstr. 122, ist verstorben. Beerdigung Montag. 22. Juni, 13'As üyr. Zentral- fricdhof Friedrichsfeld«. Rege Beteiligung wtrd erwartet. Ctafcabungen fä* dies, RudrU stob », r l i» ES«. Lind«», trage Z. Parieinachrichien/M� fürGroß-Berlin stet»»» dg»»«»trtisekretgrtai '. Hof, 2 Tre»ven recht», ,0 richte» Beginn aller Veranstaltungen lSl- Uhr, sofern keine besondere Zeitangabe! heule, Sonnabend, 20. Juni. 7. und 8. sireis. Letzte iuristisch« Sprechstunde vor den Eerichtsferien findet heute von 17—18 Uhr im Jugendheim Rostnenstr. 1, statt,»etegenheit ,«m stirch«na»,tritt! 8. Abt. Arbeitsgemeinschaft junger Parteigenossen: Wir beteiligen uns an der Sonnenarndfeier in Brieselang. Treffpunkt IS Uhr Hochbahnbvs BUIorostraße. 112. Abt. Der Zahlabend findet nicht gm 20., fondern am 27. Juni statt. Ein, ladungen ergehen noch. Morgen, Sonnlag, 21. Iuni. 7.»reis Eharlottenburg. Aus dem Sportplatz im Bolkspark I»»gfer»h«id« stortellsp-rtscst des Belirts Eharlottenburg. Fußballspiel: Prttzwo» gegen Ehoelottenburg, Handball, Tennis, Radfahrer und Leichtathletik. Vegtn» U Uhr. Eintritt frei. Wir bitten um zohlreichen Besuch de, Partei- g-nosten. 28. Abt. 7 Uhr Abfahrt zum Fomilienousslug noch Echilbom, Rothorine», see. Pon Untergrunbbohnhos Scneselbcrplotz bis Binetoplotz,«so bort mit Omnibus 8 noch Schildow istirche). Fohtpresi 35 Pf. stosfeekochen, stinberbelustiguug. Bodegelegenheit. 188». Abt. Di« Genossinnen. und Genossen merden gebeten, an der nachmittag» stattfindenden Z5-?ahr,Feier des Turnvereins Eich« auf dam Sportplatz des Turnvereins, Wcndenfchloßsttaße, teilzunehmen. Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde Groß-Lertin. Acht»»»! Die letzt« Abltesernng der SepaEstiiele kann Montag von 16 bis 18 Uhr im Schupped, Alte Iakdbstratze, erfolgen. strels Friedrichshoin: Heute 3 Uhr Untersuchung aller Falken, die om Zell. oder Nestfalkenlager teilnehmen, Stadtbad SchiDingbtüae. Gesundheitsblatt mitbringen. Sonntag Fahrt nach Friedrich-felde. Treffen 7>4 Uhr Beberwies«. stosten 20 Pf. streis Ehorlottendurg: Wir treffen uns Sonntag, 14 Uhr, Bahnhof Jung. fernhcid.', um zur B-ro»stailung des Sportkortells in den Bollspark zu gehen. streif Neuiblsn: D-e Sammellisten und Bausteine find am OTon'aa in der Arbeitsstunde abzurechnen.— Heiserirris: Tresfpuntt zur Foltbootsahn heute um 13!i Ahr am Bahnhof Neukölln.— Gruppe Sturmsolk«: Montag, 2. Zuni, 1 Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Serlio Einsendungen str diese Itudrtk nur-» do« Zugendtetretottm. TVrfl»«» 68. ilnbenftrai» J Abteilungsleiter, gebt umgehend, soweit noch nicht geschehen, das Monats- Programm fü» Zuli ob. Offen« Singe stunde Montag, 22. Juni, 19H Uhr, im Lchrcrvcreinshaus, Alexanderplatz. Eintritt frei. heute Sonnenwendfeier auf dem Zugendgelände in Brieselang Treffpunkte der Gruppen und werbcbezirke: Arnimplotz: 20 Uhr Bhs. Schönhauser Aller.— Kelmholtzplotz: 18 Uhr Bhf. Prenzlauer Allee. Anschließend Nachtfahrt.— Kollesches Tor: 17�i Uhr„Rote der» V: 20 Uhr Bhs. Schönedorg.— Steglitz I und II: 20 Uhr„Rote Sturm- ecke.— Strolouer Viertel: lg Uhr Warschauer Straße, Stadtbahn.— Süd» »eften: 17 Uhr vor dem Heim.— stottbuffer Tor: 20 Uhr stottbnster Tor. Alle Genosten vom Werbebezirk streuzberg, die nicht früher fahren können, treffen sich ebenfalls dort.-«öpenicker Viertel: 20 Uhr Schlrstscher Bahnhof.-«ritz: Radfahrer 17 Uhr Chausseestr. 48: für alle anderen Teilnehmer Treffpunkte des Werdebezirks.— Süden: iszi Uhr„Rote Ecke". Zelte und Zelldahnen mitbringen.— Reuköllo l'lll: 17�4 Uhr staiser.Friedrich. Ecke Weichselstraße.— Reukölln IX: 20 Uhr Bhs. Hermannslraße.— Arnowolder Platz Ii 20 Uhr Bhs. Weißensee.— Lichtenberg.Rorbmeft: 18 Uhr Bhs. Slralau-Rummelsburg.— Berbebezirk Tempelhos: 18 und 2014 Uhr Bhi. Tempelhos.— SSG. Neukölln: 17 Uhr Bhf. Neukölln.— Berbebezirk Tiergarten: 18 und 20 Uhr Bhs. Putlitz» straße.— Berbebezirk Wedding: Alle Gruppen fahren mit dem Zuge Ig.zg Uhr ob Pirtlitzstraße.— Werbebezirk Prenzloner Vera: 16 Uhr Bhs. Prenzlauer Allee, 18 und 20 Uhr Bhf. Schönhauser Alle« und Weißensicc.— Berbebezirk Schöneberg: 148: Uhr und 16-% Uhr Bhs. Schönebcrg. IStzl Uhr Bhf. Ebcrsstroßc.— Werbebezirk Neukölln: 18 und A Uhr Bhf. Neukölln. Vorträge, Vereine undVersammlungen. Arbeitrr-Abstlnentcn.Vunb, Bezirksgruppe Prenzlauer Berg. Sonnabend, 20. Juni, Eafö Burgfrieden. Danziger Sir. 24, Unterhallungeadend mit od- mechilungsreichem Programm. Beginn Uhr. Eintritt frei. Gölte herz. iich millkommen. Freireligiöse Gemelobe. Sonntag. 11 Uhr, Pappelalle« 15, Vortrag de» Herrn Dr. H. Hast«:„Dir Tragik des'stulturpioniers". Arbetter.Rodio.Bunh Dentfchlond»,».».. Oetsgcnppe Berlin. Labor?» 22. Juni. 20 Uhr, Frageabend.— Friebrichohain: Lokal Wertella. Hohenlohe- straß» 3. Tonnerstag, 3S. Juni. 30 Uhr,„Die Netzanode". Referent Genosse Rüsch.— Eesuudbrnonen: Lokal Münzberg, Stcrriner Etr. 35. Freilag, 26. Zuni, 20 Uhr. Au»>!pracheadend.— streu, brrg.Zempelho s: Lokal Thiele, x—*........——---------- Voigt.—»enköln-rrepto»: Lokal Eggers. staiser.Friedrich. Str. 8. Freitag, 20. Juni, 20 Uhr, stultureller Abend. Leitung: Genosse Blauner.— Prenzlauer Berg: Lokal stlug. Danziger Str. 71. Dienstag, 28. fluni. 20 Uhr, Fertigstellung der Apparate und Bers:ichsinstru»>:n!e, encimicll Varführung von Rückkopp» Iungsüb:rlageru»ge». Leitung: Genosse Ringel. Keine Politik der Vorzugszölle! Zu den deuisch-rumämfchen Handelsveriragsverhandlungen. Den Verhandlungen zwischen Deutschland und Rumänien über den Abschluß eines Handelsvertrages, die nach dem kürzlichen poli- tischen Intermezzo bald wieder aufgenommen werden, haben eine besondere Bedeutung. Der Handelsvertrag soll nämlich auf andere Grundlagen als die bisher im europäischen handelspolitischen System üblichen gestellt werden. Die südosteuropäischen agrarischen lleber- schußgebicte haben schon seit längerer Zeit die Forderung nach Vorzugsbehandlung ihrer Exportüberschüsse, insbesondere an Getreide, seitens der europäischen Zuschuß- gebiete erhoben. Die Landwirtschast dieser Länder leidet unter den Auswirtungen der internationalen Agrarkrise. Die Bevölkerung be- findet sid) in einer schweren Notlage, da angesichts der internotio- nolen Ueberproduktion Getreideüberschüsse nur zu äußerst gedrückten Preisen, die auch nicht annähernd die Produktionskosten decken, untergebracht werden können. Die deutsche Regierung hat sich nun bereit erklärt, den neuen Handelsvertrag auf der Grundlage von Vorzugszöllen für den rumänischen Getreideexport aufzubauen. Damit kommt dem Bertrag große grundsätzliche Bedeutung zu, da die Einräumung von Vorzugszöllen eine AbkehrvondembisherigenPrinzip der Meistbegünstigung bedeutet, auf dem der gesamte deutsche, wie überhaupt der gesamte europäische Handelsverkehr auf- gebaut ist. Welche Rolle spielt nun der deutsche Export nach Rumänien bzw. Südosteuropa überhaupt im Rahmen des deutschen Gesamt- c x p o r t s und seiner Entwicklungsmöglichkeit? Verzicht oder Be- schränkung der Meistbegünstigung, die sich für Deutschland als äußerst wertvolles Instrument der Handelspolitik bewährt hat, scheinen nur gerechtfertigt, wenn sich für die deutsche Wirtschast aus dem Uebergang zur Präferenz besondere Vorteile er- geben. Der deutsche Export nach Rumänien betrug 164 Millionen Mark im Jahre 1329 und 137 Millionen Mark im Jahre 1930. Das entspricht etwa IV* P ro z. der deutschen Gesamt- ausfuhr. Die deutsche Ausfuhr noch Rumänien, Ungarn und Jugoslawien zusammen betrug 1939 3'A Proz. der deutschen Gesamtauzfuhr. Demgegenüber beträgt, um die Größenordnungen aufzuzeigen, die deutsche Ausfuhr nach Frankreich ollein das Drei- fache. Die deutsche Ausfuhr nach Argentinien, das als Getreide- licferant durch deutsche Vorzugszölle für südosteuropäisches Getreide leiden würde, entsprach im Durchschnitt der letzten Jahre etwa dem Gcsamtcxport nach den drei genannten slldosteuropäischen Ländern. In Anberacht der außerordentlich niedrigen Kaufkraft der rumänischen Bevölkerung, deren Durchschnittseinkommen mit rund 499 M. pro Kopf der Bevölkerung weniger als die Hälfte des europäischen Durchschnitts beträgt, ist für die nächste Zeit mit einer erheblichen Zunahme der Aufnahmefähigkeit des Landes für industrielle Iertizwaren kaum zu rechnen. Dabei muß noch berücksichtigt werden, daß die wirt- schaftliche Erschließung des Landes sowie die Konsolidierung, der bäuerlichen Wirtschaft in erster Reihe eine Kapital- beschaffungs- und Kreditfrage ist. Als Kreditgeber für diese Länder kommt aber für die nächsten Jahre wohl nur Frank- reich in Frage. Daraus ergibt sich, daß handelspolitische und sonstig« Maßnahmen zur Milderung der Agrarnot und Wirtschaft- lichen Erschließung der Balkanländer nur in Zusammen- arbeit mit Frankreich erfolgreich durchgeführt werden können. Dazu kommt weiter, daß die Aufnahmefähigkeit Deutschlands für rumänisches Getreide beschränkt ist. Von der deutschen Einfuhr an Futterger st e stammen heute schon 39 Proz., an Mais 39 Proz. aus Rumänien. Würde Rumänren, wie es wohl beabsichtigt ist, ein S9prozentiger Zollnachlaß für Gerste und Mais gewährt werden, außerdem eine ge- wisse Minde st einfuhr von Deutschland garantiert werden, so würde das die Konturrcnzbedingungen der überseeischen Getreide- länder auf dem deutschen Markt wesentlich verschlechtern. Es ist dann zu befürchten, daß die hiervon betroffenen Staaten Gegenmaßnahmen treffen, die möglicherweise dem deutschen Export größeren Schaden zufügen, als auf den südosteuropäischen Märkten zu gewinnen ist. Endlich ist durch die Aushöhlung der Meistbegünstigung«ine Erschütterung des deutschen und europäischen Handelsvertragssystems überhaupt zu befürchten. Für Deutschland als industrielles Export- land nach allen europäischen Märkten ergäbe sich daraus außer- ordentlich starke wirtschaftliche Nachteile. Aus allen diesen Erwägungen muß ein separates Handels- politisches Vorgehen Deutschlands für den Abschluß von Prä- fcrenzverträgen abgelehnt werden. Es mehren sich erfreulicherweise die warnenden Stimmen auch aus den Reihen der Industrie, die dies« Vorzugspläne, die vom Aus- wärtigen Amt des Reiches unverständlicherweise auch vom Reichs- wirtschaftsminifterium gefördert werden, mit Entschiedenheit ablehnen. Man muß sich vergegenwärtigen, daß ein derartiges Vorzugs- Zollabkommen der Zustimmung aller Meistbe- günstigungsländer bedarf, d. h. also zunächst einmal aller europäischen Vertragsstaaten. Ferner muh das Einverständnis über- sceischer Länder, vor allem Argentiniens, der Vereinigten Staaten, Südafrikas eingeholt werden. Bei Kanada und Australien, mit denen bislang keine Handelsverträge bestehen, müssen sich die Aus- sichten für vernünftig« Verträge verschlechtern. Deutschland wird hier noch weiter ins Hintertreffen kommen. Wir würden es für ungleich weniger gefährlich halten, wenn den slldosteuropäischen Ländern im Rahmen einer europäischen Aktion geholfen würde. Wenn für eine beschränkte Zeil durch ein internationales Abkommen alle europäischen Zuschußgebiet« den Ueberschußländern eine gewisse Vorzugsbehandlung ein- räumen, verbunden mit einer internationalen Kredithilfe, so wäre die», vom deutschen Standpunkt aus gesehen, eine wesentlich gefahr- losere Lösung. Frankreichs Kapitalpolitik. Gewinne und Bedeutung von Schneider-Creusois Europa-Konzern. Die Union Europeenne Industriell« et Finan- eiere, der seit 11 Jahren bestehende groß- Europakonzern der französischen Rüstungs- und Maschinen baufirma Schneider-Creusot, hat im Jahre 1939 einen Reingewinn von 29,6 Millionen Franken erzielt gegenüber 29,1 Millionen im Jahre 1929. Die 2 9prozentige Dividende, die im Jahre 1929 verteilt werden konnte, bleibt daher auch für das Jahr 1939 aufrechterhalten. Die Union Europeenne ist eine der interessantesten in- ternotionglen Dachgesellschaften des europäischen Kontinents. Sie wird von Schneider-Creusot und dem französischen Großbankhaus Union Parisienne kontrolliert. Wie viel« französische Unternehmun- gen arbeitet sie mit«mein im Verhältnis zu ihrem Einflußbereich sehr geringen Aktienkapital von 149 Millionen Franken, rund 24 Millionen Mark. Sie kontrolliert ein« Reihe bedeutender In- dustrieunternehmungen in West- und Osteuropa. Hierzu gehöre» an erster Stelle in der Tschechoslowakei oie Skoda- We r k e, die nach Schneider-Creusot den zur Zekt kontinental-europäischen Rüstungskonzern darstellen. Auch die Berg- und Hütten- w e r k s g e s e l l s ch a f t in der Tschechoslowakei wird von der Union Europeenne kontrolliert. In Polen wird von ihr ein Eisen- und Stahlunternehmen beherrscht, die Farges et Acieries de Huta-Ban- kowa. Ferner besitzt die Gesellfchast die Mehrheit der Aktien des A r d e d- K o n z e r n s, des größten luxemburgischen Montonunter- nehmen-, der seinerseits eine Reihe wichtiger Gesellschaften ton- trolliert, insbesondere in Deutschland die Felten u. Guillcaume Carlswerk A.-G. ' Als vor einigen Wochen die Compagnie Franco-Polonaise de Chemins de Fer, die die im Bau befindliche polnische Bahn- st recke von der Hafen st adt Edingen nach O st- Ober- schlesien fertigstellen und betreiben soll, gegründet wurde, war die Union Europeenne neben dem Schnelder-Konzern unter den Gründer-Gesellschasten. Man kann diese Gesellschaft als einen der wichtigsten Schrittmacher der finanziellen Durch- dringung Osteuropas durch Frankreich bezeichnen. Franzöflsche Elektroindustrie. Frankreich« größter Elektrokonzern, die Thomson-Houston-Gcsellschast, verzeichnet für das Krisenjahr 1939 den größten je von ihr erzielten Reingewinn: 21,3 Millionen Franken bei einem Aktienkapital von 439 Millionen Fronten. Die Bilanz spiegelt die bis in die letzte Zeit hinein fortgesetzte Ausdehnung der Gesellschaft wieder: der Wert der Eigen- anlagen vermehrte sich von 244 auf 259, und die Beteiligungen stiegen von 282 auf 317 Millionen Franken. Aehnlich günstige Abschlüsse verzeichnen auch die meisten übrigen elektrotechnischen Unternehmungen Frankreichs. So hat z. B. die Compagnie Generale d'Electricitä, die sowohl auf elektrotechnischem wie Elektrizitäts-Gcbiet tätig ist, bei erhöhtem Reingewinn ihre Dividende von 17 auf 18 Proz. erhöhen können. Bei einer anderen Gesellschaft, der C o n st r u c t i o n s Electriques de France, erhöhte sich der Reingewinn von 13 auf fast 16 Millionen Franken. Dem günstigen Entwicklungsbild der französischen Elektrogesell- schasten entspricht auch die Ausfuhrentwicklung. Der Wert der französischen elektrotechnischen Ausfuhr stieg im Laufe des ver- gangenen Jahres von 399 auf 672 Millionen Franken. Da gleich- zeitig der französische Bedarf an Elektromaschinen und-Material erheblich zunahm, so hob sich auch die Einfuhr und zwar in noch größerem Umfang als die Ausfuhr. Daher hat sich auch der Ein- fuhrüberschuß, der im Jahre 1929 141 Millionen Franken betragen hatte, auf 197 Millionen Franken vergrößert. Diese Entwicklung der Handelsbilanz war für die französische Elektroindustrie Anlaß, Schutzzollforderungen zu er- heben. Es sind insbesondere die großen Elektrokonzerne, die trotz der beträchtlich gesteigerten Umsätze und trotz ihrer hohen Gewinne über die Verschärfung der Konkurrenz ausländischer Unternehmungen Klage führen. Besonders wird auf den Wettbewerb der deutschen Elektroindustrie hingewiesen, sowohl im freien Warenverkehr als auch bei den Reparationssachlieferungen. Der staatliche Schutz, den die Elektroindustrie propagiert, soll nicht nur in Zöllen bestehen, sondern auch in einer direkten st a a t l i ch e n Ibn terstützung von Elektrifizierungsvorhaben in den französischen Kolonien. Selbstverständlich sollen die hieraus entspringenden Aufträge ausschließlich der französischen Elektro- industrie zufallen. Dei� f r a n z ö si sch e Bedarf an elektrotechnischen Erzeug- nissen aller Art war in den vergangenen Jahren infolge der regen elektrizitätswirtschaftlichen Ausbauarbeiten immer stärker gestiegen, so daß die französische Elektroindustrie, die noch verhältnismäßig wenig konzentriert ist, gar nicht in der Lage war, den an sie gestellten Anforderungen nachzukommen. Nicht nur aus Deutschland, sondern auch aus Belgien, Großbritannien, Holland und den Vereinigten Staaten wurden erhebliche Mengen eingeführt. Offenbar ist der in den letzten Monaten zu beobachtende Auftragsrückgang der Vor- wand, unter dem die französischen Elektrokonzerne nach staatlicher Hilfe zur Stärkung ihrer Position im internationalen Wettbewerb verlangen. Hohe Transradio-Gewinne. Die Bedingungen für die Llebernahme durch die Reichspost. Als die Deutsche R e i ch s p o st vor einiger Zeit die Absicht bekannt gab, von ihrer prioatrcchllichen Befugnis zur Ucbcr- nähme der Anlagen der T r a n s r a d i o A.-G. für drahtlosen Uebersceoerkchr Gebrauch zu machen, erregte sich die Privat- Wirtschaft über das Vordringen der öffentlichen Hand. Vor ollem fürchtete die Konkurrenz(Deutsch-Atlonten) den mächtigen Gegner: denn bisher war das Geschäft des Kobelverkehrs nach lieber- sce eine äußerst sichere Rentenquelle. Die Erregung ist ebenso schnell verflogen, nachdem die Rcichspost gewisse Zusagen gemacht hat. Beiläufig möchten wir bemerken, daß unseres Erachtcns der gesamte Nachrichtenverkchr, also auch der nach Uebersce, in die Hönde der Reichspost gehört. Im Geschäftsjahr 1939 hat die Transradio ihre Einnahmen von 6,4 auf 7,3 Millionen Mark steigern können. Bei erhöhten Unkosten und Abschreibungen bleibt wieder ein Reingewinn von 1,4 Millionen Mark, aus dem wieder 8 Proz. Dividende auf dos Kapital von 16,3 Millionen Mctjk verteilt werden. Obwohl einige neue funkentclegraphischc Verbindungen auf- genommen wurden— nach Kuba, Persien und Schanghai—, ist der Telegrammverkehr um 6,8 Proz. geringer als im Vorjahr gewesen. Die Verbindungen nach Südamerika wurden ausgedehnt. Die Stationsanlagen wurden mit Mitteln der Reichspost weiter ausgebaut. Die Anlagen sind in der Bilanz mit 23,8 Millionen Mark be- wertet. Davon sollen bei der Uebernahme 8,8 Millionen durch Aufrechnung gegen die zum Ausbau gewährten Darlehen an die Reichspost. Den Rest von 17 Millionen Mark über- nimmtdicRcichspo st zueine in Preisevon149 Proz. Allerdings fallen dieser die auf dem Tilgungs- und Erneuorungs- fonds angesammelten Beträge(3,1 Millionen Mark) zu. Der Hauptposten der Beteiligungen, die Eilvese G. m. b. H.(2,97 Millionen Mark) ist bereits am 1. Januar dieses Jahres auf die Reichspost übergegangen. Forderungen in Höhe von 6,3 Millionen Mark stehen nur Schulden in Höhe von 2,3 Millionen Mark gegen- über. Sollte die Gesellschaft also im nächsten Jahre liquidiert werden, so dürsten die Aktionäre ganz bedeutend mehr als ihre Nominalbetciligung ausgezahlt bekommen. Großaktionäre sind die AEG., Siemens und die Telesunken G. m. b. H. Lübbers wird vorsichtig. Verkehrswesen-A.-G. erwartet keine Verluste mehr. Gewinn vorgetragen. Die Periode der stürmischen Konzcrnausweitung der von Generaldirektor Lübbers geführten A.-G. für Verkehrs- wescn, Berlin, ist beendet. Die Millionenvcrluste aus der Be- teiligung an der Industriebau A.-G. Held u. F r a n ck e haben der Verwaltung den Gedanken an den'Aufbau eine� großen Baukonzerns so gründlich„vermiest", daß man in diesem Jahre auch die Beteiligung an der rentablen Dyckerhoff u. Widmann A.-G. wieder verkauft hat. Rur die Beteiligung an der Lenz u. C n. G. m. b. H., die seit 1996 zum Verkehrswesen-Konzcrn gehört, ist geblieben. Das Kapital dieser Gesellschaft mußte ober auch mit Hilfe (d. h. unter Verlusten) der Verkehrswesen A.-G. von 11,2 auf 6 Mil- lionen Mark herabgeschriebcn werden. Die Roheinnah m e n gingen von 5,4 Millionen Mark im � Jahre 1929 aus 4R Millionen Mark im Jahre 1939 zurück, Die �Bruttoeinnahmen der Eisenbahnen,, an denen Verkehrswesen be- teiligt ist, sind durchschnittlich im Jahre 1939 um 11 Proz. gegenüber 1929 zurückgegangen, während vergleichsweise der Rück- gang bei der Reichsbahn 14,6 Proz. betrug. Der Reingewinn von 2,2 Millionen Mark wird vorgetragen, um auch auf einen ungünstigen Ausgang des Prozesses um die Industriebau A.-G. gerüstet zu sein. Allem Anschein nach wird dieses zweifelhafte Ge- fchäst mit einem Vergleich(Gegenseite ist der Schultheiß-Ostwerke- Konzern) enden. Die Beteiligungen stehen mit 31,9 Millionen Mark zu Buch: davon sind etwa 85 Proz. Beteiligungen an Bahn- g e s e l l s ch a f t e n. Aus den Angaben über Schulden und Forde- rungcn kann man sich kein rechtes Bild machen, da der Vermal- tung in diesem Jahre eingefallen ist, einen Teil der Schulden und Forderungen dcr�Tochtergescllschoftcn gegeneinander aufzurech- n e n. Bürgschaften haben immer noch eine bedenkliche Höh«: sie betragen 22,8 Millionen Mark, wovon etwa ein Drittel auf un- vollendete Bauten entfällt. Die Verwaltung ist der Ansicht, allen Möglichkeiten Rechnung getragen zu haben, so daß weitere Verluste nicht zu erwarten seien. Stahlindustrie und Walzwerke im Mai. Die Zeitschrift„Stahl und Eisen" berichtet, daß die a r b e i t s- tägliche Rohstahlerzeugung in Deutschland von April bis Mai von 39 889 auf 31 919 Tonnen, also sehr geringfügig ge- stiegen ist. Im Mai vorigen Jahres wurden 39 788 Tonnen arbcitstäglich erzeugt. In den deutschen Walzwerken wurden nach derselben Quelle im Mai a r b e i t s t ä g l i ch 29 619 Tonnen produziert gegen 21 979 Tonnen im April. Im vorjährigen Mai betrug die Produktion noch 28 275 Tonnen. Es liegt also Mai gegen April 1931 ein nicht un- erheblicher weiterer Rückgang vor. Für den Monat Juni wird man durch die neuen Bestellungen der Reichsbahn und auch durch die Aufträge der Sowjetunion, so- weit die vorhandenen Lagerbestände nicht reichen, mit einem A n- st e i g e n der Stahl- und Walzwerkerzeugung rechnen dürfen. Für europäischen Zollabbau. Das Institut für Konjunktur- forschung und das Leipziger Metzamt haben 1772 ausstellende Firmen befragt, ob sie sich aus dem Wegfall aller europäischen Zölle einen Nutzen oder«chaden für ihr Geschäft versprächen. Die Antworten waren überraschend: nicht weniger als 95 Proz. der Be- fragten waren für den Zollabbau. Die Produktionsgüterindustrie sprach sich sogar zu 97 Proz., die Textilwarenindustrie immerhin zu 88 Proz. für den Zollabbau aus. Berontwortlich silr Politik: Pictor Schill: Wirtschaft: K. 5Üi«ftrU>i>lcr; Gemrrklchaftodrweaunq: I. Ste>»«r: sseuiyetoii: St. Joh» Schitow-ki: Solales und con(ti«e»: Httfc»arftädt;•aiueifltn: St. Stockt: sämtlich in Berlin. Berlaa: Rorwort-.Btrloa S. in. b. H.. Berlin. Druck: Borwärts-Buchbruckerei und Bcrlagsonstalt Paul Einqer u. Co.. Berlin EW. 68, Lindenstrabe» Sittja 2 Beil»»«». Schwedin über Deutschland. „Als Deutschltmdfrelindin bin ich»ach Deutschland gekommen, als Deutschlandenthusiastin bin ich wegggefahren." So schrieb im Vorjahre' Frau Ellen Rydelius, eine schwedische Journalistin und Reiseschriftstellerin, nachdem sie eine mehrwöchige Studienreise durch West- und Süddeutschland gemacht hatte. Daß diese Worte nicht nur eine hohle Redensart und eine billige chöflichkeitsphrasc waren, beweist das in diesen Tagen im Verlage Albert Bonnicr, Stockholm, in schwedischer Sprache herausgegebene Buch„A ch t deutsche Städte'' von Ellen Rydelius, von der vor zwei Jahren im gleichen Verlage ein viclgclesencs Reisehandbuch „Berlin in acht Tagen" erschiene�? ist. Frau Rydelius hat säst ganz Europa bereist, und es gibt nur wenige Länder, die sie nicht aus dem Grunde kennen würde. Sie hat sich jahrelang in Italien, Frankreich und Deutschland auf- gehalten, sie hat die Schweiz, Tschechoslowakei, Oesterreich, Ungarn nach allen Richtungen durchstreift, aber durchaus nicht als Pasta- gierin der ersten oder zweiten Klasse, die nur in den feinsten chotels absteigt und nur im Auto durch die Straßen einer Stadt fährt, nein, sie hat die Städte und Länder, die sie besucht und gesehen hat, vom Standpunkt eines jeden Geldbeutels, des vollen, des minder vollen und des ganz bescheidenen, durchaus studiert, und daher ist auch das, was sie schließlich als Frucht ihrer Studien und Erfahrungen ihren Lesern zu sagen hat, von außerordentlichem Interesse. Schon im Vorwort richtet sie an ihre Landsleute die beherzigenswerte Mahnung, ja nicht im Fluge durch Deutschland zu reisen! Diesen Fehler begehen iwmlich sehr viele Schweden, die sich einbilden, Deutschland kennengelernt zu haben, wenn sie etwa in Berlin und München gewesen sind und sich zwischen zwei Schnellzügen von oder nach Paris«in paar Stunden in Köln aufgehalten haben. Ellen Rlidclius zeigt ihren Landsleuten, daß es kein zweites Land in Europa gibt, das so viele verschiedenartige und charakteristische Großstädte hat wie Deutschland, und daß kein Land— von Italien abgesehen— so viele entzückende Kleinstädte aufweist wie Deutschland, von denen eine jede eine Fülle der reichsten Kunst- und Kulturschätze und eine stark ausgeprägte Eigen- ort besitzt. Vor allem aber, so klärt sie ihre Landsleute auf, ist es ein« Lust und Freude, in Deutschland zu reisen, wo der Fremde auch im einfachsten Wirtshaus auf ein reines und schmuckes Bett und ein gut zubereitetes Esten rechnen, kann, wo die Wege aus- gezeichnet find und die Fremdenverkehrsämtcr so vorzüglich funk- tionieren, und wo eine freundliche Bevölkerung den Touristen fühlen läßt, daß er e i n w i l l k o m m c n e r G a st und nicht„ein geduldeter Ausländer" ist. Es gibt für sie Städte, die sofort frap- Pieren und in denen man ohne Schwierigkeit sofort die charakte- ristischen Züge entdeckt. Hierzu gehören für sie Nürnberg, Rothenburg und Heidelberg. Es gibt aber auch Städic, die sich in sieben Schleier zu hüllen scheinen, um schließlich den eifrigen Sucher zu überraschen und ihm ein Antlitz von selstamer Schönheit zu enthüllen. Hierzu gehört vor allem Köln. In Düsseldorf bewundert si« vor allem das Phänomen der modernen Zeit, die Architektur der neuen Bauten, die strenge Schönheit, die aus dem Rhythmus der Linien und Flächen spricht. Um Rothenburgs bezauberndes Wesen zu erleben, beschwört sie die Reisenden, nicht durch die Straßen dies«r lzcrrlichen Stadt zu jagen, sondern sich ein paar Tage dort aufzuhalten, um auf der Suche noch immer neuen Schönheiten die richtige Entdecker- freude zu genießen. Ihre ganze Liebe schenkt. Ellen Rydelius Din- k e l s b ü h l.„Dinkelsbühl— du bist nicht nur die vollkommen schöne Stadt, du bist auch der Ausdruck für die Harmonie der Seele, die uns arme, ermüdete, gehetzte Gegenwortsmenschcn mit Glück erfüllt, wenn wir durch deine winkligen Gassen wandern. Ich habe nur sechs Tage in Dinkclsbühl gewohnt, aber ich denke sehr oft mit Sehnsucht an dich zurück." Bad Landeck i. Schl.'s. Die Landccker Quellen, die einzigen im Osten, die die Wissenschast als„stark radioaktiv" gelten läßt, haben ihren Ruf als hervorragendes Heilmittel bei Rheuma, Gicht, Frauen- und Nervenleiden und Alterserscheinungen erneut bestätigt. Die Senkung der Kurgebühren, eine scharfe Kalkulation unserer Gästcheimbesitzer haben ihren Anteil an dem bisherigen und hoffent- lich auch anhaltenden Ersolg Ein Kurorchester, ein vorzügliches Theater stellen sich in die Reihe der zahlreichen Veranstaltungen, die den Gästen Zerstreuung und Erheiterung bringen sollen. Der Kölner Männergesangverein in Bad Ems. Am letzten Samstag veranstaltete der Kölner Mäimcrgesangocrcin auf Einladung der Kurdircktion ein Konzert unter Leitung von Prof. Richard Trunk, das zugleich als Ehrung für den zur Zeit in Bad .Ems zur Kur weilenden früheren Dirigenten Prof. Schwartz ge- dacht war. Der große staatliche Konzertsaal war ausverkauft, und dos Programm mußte durch mehrere Wiederholungen und Zugaben verlängert werden. Die Kurdirektion überreichte dem Kölner Männergesangvcrein einen Lorbeerkranz als Ausdruck ihrer Bewunderung. Die Kurdirektion verhandelt mit dem Kölner Männer- gesongvcrein, um die Veranstaltung regelmäßig mindestens einmal jährlich in der Hauptkurzeit abzuhalten. Koblenz, die Hauptstadt der Rheinprovinz am Zusammenfluß der schönsten deutschen Flüsse Rhein, Mosel und Lahn inmitten der rheinischen Gebirge Hunsrück, Eise!, Westerwald und Taunus, her- vorgegangen aus dem römischen Kastell„Eonfluentes", ist die Stätte einer alten Kultur, aber auch Fremdcnjtadt modernster Prä- gung. Vorzügliche Witterungsdcdingungen, idyllische Ruheplätze, Gelegenheit zu Licht-, Lust-, Sonnen- und Strandbädern sowie zu Trinkkuren aller Art machen die Stadt zu einem Ort genußreicher Erholung. Dazu verfügt Kablenz wohl über die reizvollste engere Umgebung von allen Städten Deutschlands. Hier ist der Mittelpunkt der vielbesungenen Rheinrom antik, deren Schönheit man dank zahlreicher A u s f l u g s m ö g l i ch k e i t e n tief und nachhaltig erleben kann. Von den besonderen Ler- anstaltungen des Jahres 1931 seien besonders erwähnt: ani 4. Juli, 26. Juli, 5. September Beleuchtungen der Felsen- feste Ehrenbreitstein: vom 16, Juli bis 6. September VIl. Rheinisches Winzerfest im berühmten Koblenzer Weindorf. Orb im Spessart ist als Kur- und Erholungsort in Norddeutsch- land noch nicht allzu bekannt. Es ist kein Lurusbad und will es auch nicht sein. Mit seinen an Kohlensäure überreichen Quellen bietet es reiche Gelegenheit zu Bade-, Trink- und Jnhalationskurcn, hat die glänzendsten Heilerfolge bei Herz-, Rheuma-, Gallen- und Darm leiden und gewährt zugleich seinen Kurgästen und allen seinen Besuchern Gelegenheit zu Ausslügen in einen der herrlichsten deutschen Berglaubwäldcr, in den Spessart, der, wie wir alle aus unserer Kindheit wissen, von Märchenpoejic durchweht ist, Fabriken, giftige Dünste und Abgase, Rauch und Lärm sind nicht vorhanden.— Auskünfte erteilen die Reisebüros und auch die Kurdirektion in Bad Orb im Spessart, Das See- und Solbad Swincmünde in der Pommerschen Bucht der Ostsee steht in der Badesaison 1931 im Zeichen eines Preis- adbaus auf der ganzen Linie. Das Bad bringt Opfer, uin der geschwächten Kaufkraft seiner Gäste entgcgenzukoinmen. Auch Hotels und Pensionen haben sich dem Vorgehen der Badeverwaltung angeschlossen. Die Vorzüge Swinemündes sind: Der ideale, stein- freie und gefahrlose Strand, die herrlichen Waldungen und allerlei der Unterhaltung und Erholung dienenden Einrichtungen einer modernen Mittelstadt, deren Fehlen bei schlechtem Wetter in kleinen entlegenen Bädern immer so unangenehm empfunden wird. Auch der harz hat, wie in diesem Jahr so viele andere Kur- orte, Niittelstandskuren, Pauschalkuren und kleine Pensionspreise eingerichtet, um sich den wirtschaftlichen Verhältnissen so weit wie möglich anzupassen. Obwohl der Harz immer wieder als teuer verschrien wird, sind außerordentlich viel Pensionen mit ihren Preisen bereits auf dem Friedens- preis angclangl. Da der Harz den Berlinern gewissermaßen vor der Türe liegt, so sollte» sie nicht oersäumen, ihre Urlaubs- und Ferientage in diesem herrlichen mitteldeutschen Gebirge zu ver- bringen. emland fMamm IMidiritten durdi den Rhein. Uerkemmand Bad Bodesberg und alle Reisebüros. Ahrweiler im rornant. Ahrtal(Rotweinge- biet): Herrliche- Somnicrfriackc. jAüsgtm# für Hifcl Wanderungen; Andernach Fofdcm Sie Prospekt A durch Verkehrsbüro. BONN die Beethouenstadt am Rhein. Der Standort für Reisen am Mittelrhein. Schnellbahnen nach: Königswinter-Bad Bad Godesberg Die Gartenstadt a. Rh, Auskunft kostenlos. Verkehrsamt am Bahnhof. Bad Honnefs Rhein(mit Rhöndorf), die Perle des Sicbengcbirgcs Städtisches Kurhaus Koblenz die schöne Stadt am Deutschen Eck. Erholungs- u. Standort für Ausflüge in das romantische Mittelrheingebiet. Köln die rheinische Metropole, der starke Magnet des rheinischen Fremdenverkehrs; als Standquartier für Ausflüge bestens geeignet. Monschau/Montjoie Kneipp-Bäd Nideggen/Eifel NPIIW Pfl Ausgangspunkt für die Sommerfrischen des Wcsterwaides. Gute Hotels, raaBige Preise, Wundersch. Rheinfront. Dampfer-u.Schnellzugsstat, 1. Nabe. Perle des Nahetals, Felsenkirche, Edelsteine und Bijouterie. St.Goar a.RhT7Schloß Rheinfels ein Erlebnis! 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August 1991 Schrift„Das schöne Schlesien" mit25 bunten Bildern in Reisebüros u Sjinderzugschaltcrr ERHOLUNG suche im SONNIGEN UNTER MAINTAL MIT SEINEN BEHAGLICHEN ALTHISTOR. STÄDTCHEN SPESSART DEM GRÖSSTEN U ÄLTESTEN FORST DEUTSCHLANDS AuKhunM u. PtoiDAki« dufcti Rotaburo 9pba*s'ibu(«0. Aacha4tanbut0 ob bureb 6rtt A D feeuhassexf tCüUnschwinunbad 193t neu weffhet Klimat Oebirps-Luft- kurorl u. Heilbad; Größte Heilerfolge d. rad.akt Hochmoorbäd. bei Rheuma, hchias. Frauen- leid. usw.lnhalatorium. Pcmidtat- neilknr 3 Woch. 1 36 RM. bezw. t so RM Preisw. Gasthöfe, Pens.. Fremdenzimmer Prosp. durch dieSlädt. Kur- u. Bidcverwallung- Ar. 283* 48. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Sonnabend, 20. Juni 4934 „Arbeitslosenhilfe." Nicht 550, sondern 600 Millionen werden an den Arbeitslosen erspart. Von einem Abteilungsleiter eines größeren Arbeitsamtes wird uns geschrieben: Ueber den Umfang des Abbaus in der Arbeitslosen- Versicherung kann man erst ein vollständiges Bild gewinnen, wenn man die bisher vorliegenden statistischen Erhebungen mit den neuen Bestimmungen der Notoerordnung zusammen- stellt. Offiziell hieß es bei der Verkündung der letzten Notverord- nung, daß in der Arbeitslosenversicherung der Fehlbetrag durch Einsparungen an den Versicherungsleistungen selbst gedeckt werden müßte, und als die einzusparende Summe wurde der Betrag von ?Sl> Millionen genannt. In Wirklichkeit aber werden die Gesamt- lefftungen der Arbeitslosenversicherung mn ein Drittel ab- gebaut. Rund 600 Millionen werden den Arbeitslosen entzogen. K!X> Millionen werden Konsumenten entzogen, die bestimmt mit diesen 600 Millionen zur Belebung des Inlandsabsatzes nicht un- wesentlich beigetragen hätten. Eine merkwürdige Ankurbelung der Wirtschaft. Wie setzen sich nun die KVO ersparten Millionen zusammen? Die neuen Unterstützungssätze der Arbeitslosenversicherung sind jetzt folgende: Die Unterstützungssätze der Arbeitslosenversicherung. zeit gearbeitet, so daß nur der Lohn von 40 Stunden die Woche berechnet wird, dann erhält er in den Verdienstklassen von 42 bis 60 Mark gekürzte Sätze und zwar: >) HUT. HauptiulterfUtKungeempsiinger.') Z. Zuschlagzcwplängcr. Vergleicht man diese Sätze mit den früheren, so stellt man fest, daß der Arbeitslose, der nicht Saisonarbeiter ist, so- wohl in? der Arbeitslosenversicherung als auch in der Krisensürsorge ■C?_ 7 bis 14 Proz. verliert. Er verliert rein rechnerisch genau den Betrag, den ein Anschlag ausmacht, also in der Lohnklasse I 40 Pf., in der Lohnklasse II 60 Pf., in der Lohnklasse III 80 Pf. usw. Nimmt man nun die Tatsache als Rechnungsunterlage, daß diese Kürzung alle Unterstützungsempfänger(auch nachher noch die Saisonarbeiter) trifft, so ist das Durchschnittsersparnis m i n d e- stens 10, S Proz. der Gesamtunterstlltzung, die gezahlt wird. Die Saisonarbeiler verlieren aber außerdem zwischen 7 und fast 45 Proz. Die Zahl der Saisonarbeiter ist jetzt>m Hochsommer bestimmt noch 18 Proz. der Gesamtunterstützungsberechtigtcn und steigt im Winter erfahrungsgemäß auf mindestens 35 bis 40 Proz. Rechnet man nur einen Durchschnittsverlust von 30 Proz., obwohl gerade die Saisonarbieter die höchsten Lohnstusen besitzen und damit den größten Abbau zu fühlen bekommen, so kommt man auf ein Ersparnis von schlecht gerechnet 5,3 Proz. an der G e s a m t u n t e r- stützungssumme. Die Zahl der Jugendlichen beträgt im Reichsdurchschnitt in der gesamten Arbeitslosenversicherung 15 Proz. oller Unter- stützungsempfänger. Selbst wenn sie auf Grund der Bestimmungen der Krisenfürsorge Unterstützung erhallen, werden höchstens 30 Proz. der Jugendlichen Arbeitslosenunterstützung erhallen können. Also 70 Proz. der Jugendlichen oder 10,5 Proz. der Gesamtunterstützungsempfänger erhalten in Zukunft kein« Unterstützung mehr, wenn nicht erhebliche Derbcsierungen in den kommenden Beratungen erzielt werden. Die Einführung der B e d ü r f t i g k e i t s p r L fu n g bei oer- heirateten Unterstützungsempfängerinncn wirkt sich ähnlich aus. 11 Proz. der Gesamtarbeitslosen sind verheiratete Frauen. 30 Proz. davon oder 3,4 Proz. der Gesamtarbeitslosenziffer werden infolge „mangelnder Bedürftigkeit" trotz Beitragszahlung Unter- stützung nicht mehr erhalten, weil nun schon bei 30 M. Wochenverdienst des Ehemannes bei einem alleinstehenden Ehe- paar die Unterstützung der Frau gekürzt wird. Ungefähr die gleiche Ziffer kann im Reichsdurchschnitt für Hausgewerbetreibende und Heimarbeiter gerechnet werden. Diese Kürzung tritt erst vom 1. November des laufenden Jahres an ein. Zum mindesten muß man aber bei der Gegen- Überstellung der Einnahmen und Ausgaben im laufenden Etatsjahr auch hiervon sich noch eine Ersparnis von 1,7 Proz. der Gesamt- ausgaben errechnen. Die Gesamtersparnis beträgt also an den Versicherungs- leistungen: durch den Abbau der Sätze 10,5 Proz., durch den Abbau der Saisonsätze 5,3 Proz., durch Bedürftigkeitsprüfung der Jugend- lichen 10,5 Proz., durch Bedürftlgkeitsprüfung verheirateter Frauen 3,4 Proz., durch Ausschluß der Heimarbeiter und Hausgewerbe- treibenden 1,7 Proz., 'insKsamt also 31.4 proz. weniger als bisher. Und das ist sehr günstig für die Reichsanstalt gerechnet. Rimmt man nun den jetzigen Arbeitslosenstand von 3 Millionen Arbeitslosen als Jahresdurchschnitt und eine wöchentliche Unterstützungs- summ« für den einzelnen von 12 M. als bestimmt nicht zu hoch gewählte Berechnungszahlen an, so ergwt das bei einer wöchentlichen Ausgabe für die Reichsanstall an Versicherui�slefftungen von 36 Millionen eine Ersparnis von 11,3 Millionen die Woche oder rund 600 Millionen im Jahr. Die Reichsanstalt errechnet einen Etat für Ziersicherun gs- leistungen von 1,9 Milliarden, wovon die Notverordnung 600 Mil- lionen, also fast ein Drittel, wegstreicht, also 250 Millionen mehr als„eingespart" werden sollen. Die Ueberschrist des Kapitels in der Notverordnung lautet wohl deshalb„Arbeitslosen- Hilfe". Ltm die Vierzigstundenwoche. 7lur der gesetzliche Zwang kann helfen. In der Frage der Arbeitszeitverkürzung wird der Reichsarbeitsmini st er zunächst am Montag in der von uns berells angekündigten Besprechung mit den Spitzenverbänden der Gewerkschaften die Rückwirkungen auf das Arbeits- recht erörtern. Es handelt sich bei dieser Besprechung mit den Spitzenorganisationen um eine rein technische Frage, die vor der Durchführung der dem Minister gegebenen Ermächtigung zur Arbeitszeitverkürzung geklärt werden muß. Die grundsätzliche Regelung erfolgt im Anschluß daran in besonderen Be- sprechungen mll den Arbeitgebern und Arbeitnehmern der für die Arbeitszeitoerkürzung in erster Linie in Betracht kommenden Berufsgruppen. Am Dienstag wird zunächst mit dem Bau- g e w e r b e verhandelt. Am Mittwoch folgen Besprechungen mit den Unternehmern und den Gewerkschaften der papiererzeu- gen und-verarbeitenden Indu st rie und alsdann nach den bis jetzt vorliegenden Dispositionen Verhandlungen mit dem Veroielsältigungs-, vor allem mit dem Buchdruckerei- g e w e r b e. In den H a r b u r g e r O e l w e r k e n ist die bisher versuch?- weise eingeführte Arbeitszettverkürzung auf36Stun- den wieder bis auf 40 Stunden rückgängig gemacht worden. Die Direktion sah sich zu diesem Schritt veranlaßt, weil ihr Arbeitszeitverkürzungsbeispiel keine nennenswerte Nachahmung gefunden hat. und weil infolge einer inzwischen eingetretenen Lohnkürzung die Belastung der Belegschaft bei nur 36 Stunden zu groß geworden war. Die Rückgängig- machung der Arbeitszeitverkürzung hatte auch Entlassungen zur Folge. Vielleicht zieht der Reichsarbeitsminister aus der Har- burger Lehre bei seinen Verhandlungen in der Frage der Arbeits- zeitverkürzung die entsprechende Nutzanwendung. Gewerkschaften und Nowerordnung. Das Beamtenfetretariat des Gesamtverbandes hat gestern folgende Entschließung zur Notoerordnung gefaßt: Der Beamtenbeirat des Gesamtverbandes stellt fest, daß die geradezu ungeheuerlichen neuen Belastungen, die die Notverordnung für die gesamte Arbeitnehmerschaft, ganz besonders aber für die öfseatliche» Arbeitnehmer bringt, zustande gekommen sind unter rücksichtsloser Ausnutzung der politischen und finanziellen Lage der letzten Wochen, die durch Be- drohung der Währung, Gefährdung der Zahlungsfähigkeit der öffentlichen Körperschaften, Kündigung kurzfristiger Kredite aus dem Auslande und drohende Vermehrung der Arbeitslosigkeit geschaffen war. Diese Verhältnisse sind auch, nachdem die Notoerordnung er- schienen ist, gegenüber den politischen Parteien hervorgehoben worden, um die Einberufung des Reichstags oder eines Reichstags- ausfchusses zu verhindern. Es muß festgestellt werden, daß die Not- Verordnung, auch unter dem Drucke dieser Ereignisie, unmöglich einen derartigen Inhalt hätte erhalten können, wenn sie nach parlamentarischer Beratung zustandegekommen wäre. Die öffentlichen Arbeitnehmer. Arbeiter, Angestellte und Be- amt« des Reichs, der Länder, der Gemeinden und der sonstigen öffentlichen Körperschaften, sind nicht allein durch diese Gefahren in erhöhtem Maße bedroht, sondern auch für da» Schick- sal der Allgemeinheit besonder» verantwortlich. Sie haben deshalb stets ihre Bereitwilligkeit erklärt, auch neue Belastungen der Allgemeinheit zu ihrem Teil nach Kräften mit zu tragen. Der Beamtenbeirat wiederholt auch heute diese Erklärung. Die Sonderbehandlung der öffentlichen Arbeitnehmer(Arbeiter, Angestellte und Beamte des Reichs usw.) in der Notverordnung ist jedoch untragbar Insbesondere sind die öffentlichen Arbeitnehmer von der Gehalts- und Lohnkürzung wieder zu befreien und nur der allgemeinen Krisensteuer zv unterstellen. Gelb-Not Lügengemeinschast. Betriebsratswahl der Wernerwerte vor dem Arbeitsgericht Die„Rote Fahne" vom Donnerstag brachte in chrer ersten Beilage in großer Ausmachung«inen völlig verlogenen„Bericht" einer Verhandlung vor dem Arbeitsgericht mit der Neberschrift: „Die Wahlschieber vom Wernerwerk entlarvt." Am Mittwoch fand tatsächlich vor dem Arbeitsgericht Berlin die Verhandlung über die W a h l a n f e ch t u n g der„roten Be- triebsräte" gegen den freigewerkschastlichen Betriebsrat der Wernerwerke statt. Die„roten Betriebsräte" C z« ch und W i t t n e b e l gaben sich die erdenklichste Wiche, den Nachweis zu führen, daß bei der Betriebsratswahl„Wahlschiebungen" vorgekommen seien. Sie waren aber nicht m der Lage, einen Beweis für chre völlig aus der Luft gegiifftnen Behau»» tu n g c n zu erbringen. Alle ihre angeführten Argumente konnten durch das vorhandene Tatsachenmaterial einwandfrei wider- legt werden. Die Kläger hatten den größten Teil der Argument«, deren sich der Gelbe Bernau bei seinem Wahleinspruch am 27. Mai 1931 bereits bediente, gestohlen. Der Gelbe hat in dieser VerHand- lung beantragt, das Verfahren auszusetzen, bis der Einspruch der RGO. beim Arbeitsgericht vorliegt, und beide Wahlemsprüche ge- meinsam zu verhandeln. Das Gericht lehnte aber diesen Antrag ab, und der Wahleinspruch des Gelben wurde ebenfalls zurück- gewiesen. In dem„Bericht" wird behauptet, daß durch Zeugenaussagen festgestellt worden sei, daß Wahlschiebungen vorliegen. Diese Be- hauptung ist Schwindel, da im Termin überhaupt keine Zeugen vernommen wurden. Bei der vorhergehenden Verhandlung, die sich mit dem Einspruch des Gelben befaßte, wurde durch Zeugenaussagen fe st gestellt, daß die Wahl durchaus einwandfrei durchgeführt worden ist. Dies ergibt sich auch aus der Urteilsbegründung über den Einspruch des Gelben, denn dort heißt es wie folgt: .„Ein Anhalt dafür, daß wesentlick� Vorschriften über das Wahlverfahren verletzt worden find, hat d�Beweisaufnahine nicht ergeben. Zunächst müssen schon die Angaben des Antragstellers mit Vorsicht aufgenommen werden, da sich auf Grund seiner eigenen Berichtigung herausgestellt hat, daß seine Angabe, es feien zwei Stünden long nur Stimmzettel für die Lffte 1 zum Vorschein ge- kommen, unrichtig war." Der Antrag der„roten Betriebsräte" wurde daher zurück- gewiesen. Es zeigt sich aber hier wieder einmal die enge Zusammenarbeit zwischen den Kommunisten und den Gelben. Beide Parteien führten auf Grund derselben erfundenen Argumente ihre Wahlansechtungen durch. Es nimmt uns nicht wunder, daß die sogenannten„roten Betriebsräte" versuchen, ihre im'Betriebe sehr ungünstige Situation durch einen derartig dick aufgetragenen Schwindel zu festigen. Es bleibt ledenfalls die Tat- sache b e st e h e n, daß bei der Bctriebsratswahl der Werncrwerke die freien Gewerkschaften 7112 und die RGO. nur 2817 Stimmen erhielten. Viel Lärm um nichts. Das Ergebais der Betriebsrätewahlen auf dem Lande. 7690 freigewerkschostliche Betriebsratsmitglieder gegenüber 12(zwölf) Kommunisten, das ist das Ergebnis der Betriebsrats- wähl 1931 in der Land- und Forstwirtschaft. Der Deutsche Laudarbeiterverband hat nach Abschluß der Be- triebsrätcwahl 1931 eine Umfrage über ihr Ergebnis veranstaltet, die sich über rund 2000 landwirtschaftliche Betriebe erstreckte. In diesen Betrieben wurden insgesamt 6768 Betriebsratsmitglieder ge- wählt, davon 190 weibliche. Von diesen gehören 6170 dem Deutschen Laudarbeiterverband an. Zur christlichen Gewerkschaft, dem Reichsverband ländlicher'Arbeitnehmer, gehören 134, die Nationalsozialisten müssen sich mit 19 und die Kommunisten mit genau einem Dutzend Betriebsratsmitglieder begnügen. Der Rest sind Lanvbündler, Unorganisiert« und einige Hirsch-Dunckerjche. In derForst Wirtschaft wurden 454 Betriehe mit'1758 Bei riebs ratsinitgliedern erfaßt. Davon waren christliche Cc- werkfchafter 94, Unorgänisierte 145, Kommunisten waren gar keine, es sei denn, daß sich bei den Unorganisierten einige un- genannte Kommunisten verkrümelt haben. Das Ergebnis dieser Umfrage zeigt einmal die Bedeu- tungslosigkeit der Nazis und Kommunisten als sogenannte Vertreter der Interessen der Arbeiter in direkter Fühlung mit den Unternehmern, also im reinen proletarischen Klassenkampf. Hier kann man wirklich sogen: Viel Lärm um nichts. Vereinbarung mii der„Gefai". Sie Kündigungen zurückgezogen. Zu dem am 7. Juni in Nr. 261 des„Vorwärts" veröffentlichten Artikel: Was geht bei der„Gefat" vor? wird uns vom Zentral- verband der Angestellten sowie vom Bund der tech- nischen Angestellten und Beamten geschrieben: Es trifft zu, daß allen Angestellten, auch den Mitgliedern der Betriebsvertretung(!), zum nächst zulässigen Termin gekündigt worden ist. Dies« Kündigungen sollen, wie in den Verhandlungen mit der Geschästsleitung zum Ausdruck kam, nur den Zweck haben, die Bestimmungen des für allgemeinverbindlich erklärten Tarif- Vertrages für die Angestellten der Groß-Bcrliner Metallindustrie der Regelung der Gehalts- und Arbettsbedingungen der Gefat-An- gestellten zugrunde zu legen— Unter dem 9. Juni wurde dann zwischen den genannten AfA-Organisationen und der Gesellschaft für automatische Telephonie A.-G. folgende Vereinbarung ab- geschlossen: 1. Für die Regelung der GeHalls- und Arbeitsbedingungen der Angestellten der„Gesot" gelten die Bestimmungen des Tarif- Vertrages für die Angestellten der Groß-Berliner Metall- industrie. 2. Die am 28. Mai 1931 ausgesprochenen Kündigungen(mit Ausnahme von Unterburger und Krämer) werden hiermit zurückgezogen. 3. Die Eingruppierung der Angestellten erfolgt umgehend ge- meinsam zwischen der Geschästsleitung und der Angestellten- Vertretung gemäß Z 78 Ziffer 1 des Betriebsrätegesetzes. 4. Bei eventuellen Streitigkeiten bezüglich der Eingruppierung entscheidet die im Tarifvertrag vorgesehene Eingruppierungs- kammer. 5. Diese Vereinbarung unterliegt den gleichen Kündigungsfristen wie die Vereinbarungen in der Groß-Berliner Metallindustrie. Damit sehen die erwähnten AfA-Organisationen diesen Streit- fall als erledigt an., $ Freie Gewerkschafts-Lugenb Berlin Heut«, Sonnabent. SonnenMndfeitt auf dem Iugendqelünde Briese- iong. Sonnenwendrede: Genosse Paul Höbe. Beginn 22% Uhr. Zugendgruppe des Zentralverbandes der Angestellten teilte, Eonnadend, Eonuenweudseier auf dem Iugcndoclände in rieselanz veranstaltet von der..Freien?lngest«llten.Iug«nd",„Freien Gew«rIsck)ofls.Zugrnd- und„So»ialistrsck>en Ardciterjugend". Anniarsch der Gruppen 21% bis 22 Uhr. Beginn der Feier 22% Uhr.— FdA.'Ordner! Di- Ordner milssen pilntllich um 21% Uhr in der Jugendherberge Brieselang sein. Untöstenbeitrag 20 Pf. Fahnen und Wimpcl sind mitzubringen. llüduvraues» iornhaut, verdickte Hornfchwlelen an jändcn und Füßen, überhaupt alle hatten Hautwucherungen werden gründlich auf sauberste und bequemste Zltt beseitigt durch„Leolin". Packung sür mehrmaligen Gebrauch mit genauer Sebrauchsaiuoeilung 60 Pf. 3a allen Shlorodont- Birlaussstelleq zu habe«. Alfred tPrugel: grauen warfen am •Sei* dem Morgengrauen war dos Meer ein mutendes, rasen- des Tier geworden. Ein schwarzes, lärmende», unübersehbares Tier, das unaufhörlich mit seinen Pranken gegen di« Küste schlug. Graue Wolkensetzen krochen langsam vom Osten her auf das Vano zu. Di« weißen, kalkigen Hütten der Fischer ballten sich zu einem dürftigen-Hausen, zu einem hellen Fleck, der sich düster gegen «inen dunklen Waldstrich abhob. In der Morgenfrühe, noch halb in der Nacht, horchten die Frauen auf das Meer hinaus, auf den anschwellenden Sturm. Als si« vor die Hütten traten, log noch kein einziges Boot am Stranoe. Niemand war zurückgekommen. Sie hatten wohl all« gehofft, daß die kleinen, schwarzen Boote plötzlich am Strande sein würden. Aber als es nun mit dieser Hoffnung zu Ende war, sahen wieder di« kleinen Fältchen über den Augen der Jungen, und die Alten kniffen den gefalteten Mund fest zusammen, als dürften sie nun erst recht kein Wort aus ihm herauslassen. Am Abend des vorgehenden Tages waren die Männer in See gegangen. Stunden darauf schon liefen längs der Küste Signale entlang, wurden die Körb« an den Masten emporgezogen. Die Frauen kamen bald einzeln oder in Gruppen an den Strand und sahen auf einen winzigni�Jci Aber aus dem PuMi schwarzen Punkt, ganz weit da draußen sollt« wohl nichts werÄen. Er zerfloß endlich in der Dämmerung, und die Boot« der Fischer kamen auch in der Nacht nicht zurück. Wie verlorene Sterne blinzqsten um Mitternacht die wenig«» Lichter des Dorfes. Da saß«» die Alten noch im Halbkreis der Lampe und fuhren zusammen, wenn der Sturm an den Türen und Fenstern rüttelte. Als der Morgen bleich und düster über das schäumende Wasser herantroch. trat aus der kleinen Hütte, die als letzt« des Dorfe» neben den Wagenspuren eines ausgefahrenen Wege» stand, ein» jung« Frau. Sie lief einige Schritt« um das Hau», bis sie das Meer sehen konnte. Da blieb sie stehen, legte die Hand vor die Augen, als wär«n hinter dem Horizont schon die Segel der heimkehrenden Fischer zu sehen. Aber es war nur di« Gischt der übereinander» getürmten Wogen, die sich hob und senkt». Da begannen auch au» den anderen Hütten di« Frauen lang- sam herauszutreten. Bald war es ein ganzer Hauf«n, der sich zu» fammenschlug zu einem dunklen, feuchten Klumpen und endlich gegen das Meer hin in Bewegung geriet. Wie ein« schwarze Traube roll- ten die Frauen langsam de» Weg hinunter nach dem Strand. Nur die Junge ging für sich ollein und al» sie heruntergekom- men war, mied sie den Haufen der anderen, stellte sich abseits und blickte mit roten, starrenden Augen auf die Endlosigkeit des Wassers. Das dunkle Tuch flatterte um ihre Schultern und schlug in kurze.z hastigen Stößen um ihren Kopf. Der Haufen der anderen hatte sich auseinondergezogen zu einer dünnen Schnur. Aber keine sprach mit der anderen ein Wort. Sie sahen nur, bis die Augen brannten, von dem Grauen und den vielen Stunden, die sie schon hier am Strande gewartet hotten. Immer neue Wolkenmasfen schob der Wind au» dem Westen heran. Er begann sie zu schmutzigen Bündeln zusammenzuraffen und warf sie in wilden Stößen vor sich hin. Unter diesen Stößen ober begann das Meer wieder heftiger auf di« Küste einzuschlagen. als wollt« es ganze Stücke, von ihr losbrechen. Immer wieder nahm es Anlauf, wälzte sich auf die schwarze Reihe der Frauen zu, um st« zu zerreißen. Aber an der Küste brach sie die Kraft der Wogen und sie tonnten.zuletzt nur noch klein«, ohmnächtige Rinnsgl« auf die Frauen zutreiben, die dicht vor ihren Füßen zergingen und zer« spritzten. Hin und wieder begann ein« der Frauen«in paar Schritt« vor sich hinzutreten, mit kleinen, wütenden Schritten. Dann schrak st« zusammen, blieb stehen und wendet« den Kops hinaus auf da» M«er. .Sie werden nach den Jnfaln getrieben worden fein. Wie da» mals...* redete endlich eine von den Alten.»Wer weiß es,' erwiderte ein« andere.» Die anderen Frauen schüttelten di« Köpfe, stießen sich an:„Ach," seufzten sie nur— und:»So wird es schon sein." Dann blickten sie weiter hin auf das Meer, das innrer wieder auf di« schwarze Linie am Strand zusprang. Nur die Junge blieb hartnäckig für sich allein, preßt« dl« Hände gegen den Leib, ließ die Augen sinken. Da hinten lag eine grau, Nebelwand und dahinter konnte vielleicht Helmer stecken mit seinem Boot. Irgendwo konnte vielleicht ein Heiner, schwarzer Strich sein, an dem»och nichts zu erkennen war. Ach, wäre er nur gestern nicht mit den anderen hinausgefahren. Hätte er nicht auf st« ge- hört. Aber da lag das Meer wleder da, wi« alle Tage. Da tonnte es auch für einen Fischer nicht anders fein, als daß er fein Boot in die Wellen schob und hinausfuhr. Sie begann zu frösteln. Ihr« Augen waren vom vielen Sehen schon rot geworden. Sie hätte vielleicht auch einmal auf etwas an- deres blicken wollen, als immer nur auf da, Meer. Jeden Tag und jede Stund« das Meer. Gab es denn nicht» Bester«» auf der ganzen Welt als das Meer? Sie tat ein paar Schritt« auf da» Groß«, Drängende zu. Dann blieb st« erschreckt stehen, sah nach den anderen Frauen, deren Blicke mit ihr mitgegangen waren, drehte sich halb zur Seite, schaute auf das gleichmäßig« Heben und Senken der Dünen— und war, vom Haufen aus gesehen, nur da» schwarze Pünktchen, wie die ganzen Stunden vorher. Sie stand weiter allein. Die anderen Frauen trugen ihr nach. daß Helmer sie au» der Stadt in» Dorf gebracht hatte. Daß er um ihretwillen nicht Hinrichsens Stin« genommen hatte, wie es die Alten untereinander abgemacht hatten. Das ging nun schon seit dem Tage, an dem Stine verschwunden war, ohne Wort und Gruß. Di« Junge begann die Monate an den Fingern abzuzählen. E» waren fünf, die sie im Dorfe lebt«. Einmal würden sich ja alle damit abgefunden haben. Einmal würde alles zum Rechten kam- men. Bis dahin aber war es noch ein harter Weg, den sie allein mit Helmer gehen mußte. Wenn er gar zu schwer wurde, konnte sie sich an seine Schulter lehnen und die Augen schließen. Er wird wiederkommen, dachte sie, und ich werde auch aus ihv Marten, wenn es noch den ganzen Tag dauert uno di« ganze Nacht. Er wird wiederkommen.... Plötzlich ging eine Bewegung durch die Reihen der Frauen. Sie begannen die Köpfe zu heben. Sie liefen wieder zu einem schwar- zen Fleck zusammen und sahen noch den beiden Männern, oie atemlos durch den Sand gestampft kamen. Sie hatten den Kopf eingezogen, di« Fäuste geballt, stemmten di« Schultern gegen den Wind und liefen voller Haft auf den schwarzen Haufen zu. Da heulte das Meer auf und di« Jung«, die bisher allein g«- standen hatte, rannte nun den Männern entgegen. Di« im Haufen aber schüttelten nur die Köpf« und sahen sie bei den Männern stehen und auf sie einreden. Da sagte die Alte, die vorhin gesprochen hatte,«in Wort: »H«lm«r..." Di« anderen Frauen erschraken, sahen sie von der Seite an, schwieg«» und blickte» nun nach der Stell«, wo$bta die Junge umgesunken war. Steif und gerade wie ein schwarzer Pfahl. Mit einem kleinen Schrei, den der Wind bis an die Ohren herantrug. Sie fuhren zusammen und«s begann wohl in chnen etwas vor sich zu gehen. So, als hotten sie«inen Kampf auszukämpfen. Sie sahen sich wieder an, fragend und abwartend. Die Alte redete etwa? vor sich hin. al, spräche sie zu sich selber— und niemand konnte ein Wart verstehen. Unterdessen war der eine der Männer zi» den Frauen heran- gekommen. Er hatte ein hillflofes Gesicht. Damit blieb er stehen und versucht«, etwas Schweres von sich abzuschütteln uich sagt« laut in di« aushorchend« Gruppe hinein:„Sie haben sich olle gerettet. Sie kommen mit den Booten zurück, wenn der Sturm zu End« ist." „Und Helmer?" fragte ein« Stimme, eine müde, in der schon alles erloschen und trübe war. „Und Pieter und Hey? Was ist mit ihnen?" schrien zwei andere Stimmen. Der Mann ließ den Kopf sinken, schlug die Arm« an die Seit«, al, müste ex etwas beteuern, was ihm sonst nicht geglaubt werden könne. Dann schrie er. weil der Sturm wieder mächtig zu heulen begann:„Sie sind sa oll« in Sicherheit. Alle— deiner und dem«» und alle aus dem Dorfe...", „Und H ebner?" fragte wieder die Stimme der Men. Der Mann senkt« den Kopf wie vorhin:„Hebner? Den hat. es gleich am Anfang erwischt. Wir komiten nicht an ihn heran- kommen. Es war zu schwer. Ihr könnt es glauben, wir habe« ja alles getqn, wir haben..." Er brach mitten im Wort ab und zeigte auf das Meer. Er wandte auch den Kopf ob. als könne er die Mcke der Frauen nicht mehr ertragen. So verging«ine Werte. Di« Frauen sahen sich stumm mit großen Augen an. Und es schien ihnen, als fei ein Unrecht be» gangen worden, das nicht mehr gittzumachen war. Um keinen Preis mehr. Ihre Blick«, die nach dem Strand hinunter gingen, kehrten kummervoll wieder zurück. i Der Mann wandte sich unterdesten ob und ging wieder zu dem anderen hinunter. Die Frauen sahen ihm ein Stück nach, wi« er durch den Sand stampfte. Dann machte eine den Anfang, dann noch eine, und endlich fetzte sich der ganze Haufen in Bewegung und lief dorthin, wo der Mann neben der ohnmächtigen Frau kniete, die wie»in schwarzer Sack im hellen Sand« log. Zuein- ander sagten sie leise:„Wir müssen min anders zu ihr fein..." Das Meer brüllte wieder aus. Wälzte donnernde Wogenkäinme an den Strand. Bis dicht an den schwarzen Klumpen der Frauen, die immer nur auf den Boden sahen und auf das totenblaste, ver- ängstigte Gesicht der Jungen. Sie standen olle im Kreise und hatten die Köpfe gesenkt. Nur die Alt« hob nach einer Weil« den Blick und schaut« auf das Meer— soweit ihr« Augen nur sehen konnten. 3tan8 Adalbert Zrhr. von lllallzahn: 3)ie deutfehe XUeratur in Frankreich Die fieberhafte Produktivität der einheimischen Autoren hindert die ftanzösischen Verlagsbuchhändler nicht, der ausländischen Literatur zunehmende Beachtung und ständig wachsenden Raum zu- zuwenden. Wie da« Pariser Theater diesen Winter— in einer sich täglich stärker akzentuierenden Krise— ausländischen Dramatikern einen Großteil seiner einträglichsten Erfolge verdankt, so scheint auch der Buchhandel zu der Einsicht gelangt zu sein, daß lieber- setzungen belangvoller fremdsprachiger Werke ein sichereres Geschäft bedeuten al»»ine allzu bereitwillige Begünstigung der volks» genössischen Neigung zur Vielschreiberei. Unter den gegebenen Verhältnissen ist es außerordentlich erfreu- lich, daß di« deutsch« Literatur— vorläufig noch mit der bedauer- lichen Ausnahme der Bühnendichtung— in Frankreich ständig an Boden gewinnt. Mit bewundernswertem Eifer arbeitet der Verlag der„Editions Montaigne" an der systematischen Erschließung der literarischen Meisterwerke Deutschlands durch feine doppelsprachigen und durch hervorragende Fachleute kommentierten Ausgaben, in denen bisher Goethe, Schiller, Kleist, Lenau, Hebbel, Grillparzer, Eichendorff, Hein«, Etorm u. a. erschienen sind. Die Tatsach« der Rentabilität«ine» solchen Unternehmen» gehört zu den sprechenden Beweisen für«ine zunehmende intensive Befassung der gebildeten ftanzösischen Kreise mit der deutschen Sprache. Dem ständig wachsenden französischen Verständnis für Goethe wird ferner durch Schaffung einer Gesamtausgabe feiner Werke (Verlag„Eitz du Livre") Rechnung getragen werden: auch die erste vollständig« Publikation seiner Gespräche mit Eckermann(Verlag Ionquiere») und seiner Unterhaltungen mit dem Konzler von Müller (Verlag Stock) sind in diesem Zusammenhange zu nennen, und«ine wertvolle Ergänzung hipftr Dokumente wird durch einen Band „Goethe et la France" von Hippolyte Loiseau(Verlag Llttinger) ge- Nefert.' Neben Goehte steht vielleicht immer noch Nietzsche im Vorder- gründe des französischen Interesse», lieber ihn hat Eharle» Andler. Philosophieprofestor an der Pariser Sorbonne, soeben vier neu« Bände erscheinen lasten Wenn man vielleicht behaupten kann, daß die Hochkonsunktu? für Bücher zeitgenössischer deutscher Autoren mit den bekannten Kriegswerken Remarques, Gläser», Renns und Iohännsens begonnen habe, so hat sich da» Jnterest« im Laufe der letzten Monate erheblich verbreitert. Mit Spannung wartet man auf«Ine französisch« Auegabe de»„Zauberberg»" von Thomas Mann im Berlage Kra, nachdem vor kurzem„Königliche Hoheit" in einer Ouartausgobe erschienen ist. Ist Stefan Zweig den Franzosen al» Freund Romain Rolland», Biograph Tolstoi» und Dostojewskis und neuerdings als Verfaster des„Fauche"(Verlag Grastet) kein Unbekannter mehr, so ist inzwischen auch der Anregung des Literatur- Historiker» F�lix Berteaux entsprochen worden, das. Werk Jakob Wassermanns für Frankreich zu erschließen.„Die Juden von Zirn- darf"(Verlag Albin Michel).„Golowin"(Verlag Stock) und„Der Fall Maurizlu»"(Verlag Plön) hoben«ine äußerst dankbare Presse gefunden, und di« erst kürzlich verösfenrtichten Bände dürften von weiteren Kreisen gelesen werden. Bon Arthur Schnitzler Ist soeben „Therese"(Derlag Llbin Michel) im Handel erschienen. Dagegen haben Gerhart Hauptmann. Jakob Schaffner. Hermann Hesse, Klabund und einige andere bekannt« deutsche Autoren zu Frankreichs Leserpublikum noch immer keinen Zugang gefunden. Von jüngeren deutschen Romanschriftstellern sind Max Rene Hesse?„Partenau"(Verlag Albin Michel) und die„Nächte eines alten Kindes" von Heinz Liepmonn(Verlag Grastet) sehr günstig auf- genommen worden. Sieburgs„Gott in Frankreich?" hat eine Riesen- scnsation erweckt, und sein schief Übertragenet Titel— das Werk heißt auf französisch:„Oieu est-il fravyais?"(Verlag Grastet)— hat soeben auch wieder einen jungen Autor zu einer Replik inspiriert, die mit»dlon. Dien est allernand!" überschrieben ist. Bon Emil Ludwig(Verlag Payot) und Hermann Keyserling(Verlag Stock) sind sämtliche Werte in französischer Sprache zu haben, und ihr« Verfasser selbst versäumen keine Gelegenheit, sich den Parisern durch Vorträge und Interview» al» Protagonisten de» deutschen Geistes- lebcns zu erkennen zu geben.„Der Untergang de» Abendlandes" von Oswald Spengler gehört zu den nächsten Publikationen de« Verlags Gallimard und sein Erscheinen wird mit Interesse erwartet. Daß die Memoiren de« Fürsten Pulow(Verlag Plön), von denen die wichtigsten Abschnitt« in der Zettschrift„LPillustratton" schon zum Vorabdruck gelangt waren, in Fraiitreich durch alle politisch Jnter- essierten verschlungen worden sind, ist ebenso selbstverständlich wie die Spannung, mit der man Stresemann» Denkwürdigkeiten er- wartet. Auch minder wichtige deutsche Erinnerungsbücher haben in Frankreich Verleger gesunden:„Der falsche Prinz" von Harry Domela(Verlag Gallimard) wi«„Der König" von Karl Rosncr (Verlag Plan) haben ebenfalls ihre— wenn auch beschränkt«— Leserschaft gefunden. Die reine Unterhaltungslektüre nimmt im Rahmen der ftanzö- stZihen Publikationen aus Deutschland«inen weit geringeren Raum ein.als den. den Deutschland dem leichten.französischen Roman noch immer konzediert.„Die Frau, die getötet Hot" von Fritz Reck- Malleczcwen(Verlag„Nouvelle Societe d'Editions") und„Menschen im Hotel" von Vicky Baum(Derlag Stock) sind auf diesem Gebiete unter den letzten Veröffentlichungen zu nennen. Im Bühnenleben beschränkt sich die Zahl der au« dem Deutschen übersetzten Werke— von klassischen und den in der Vorkriegszeit gespielten Dichtungen abgesehen— noch auf«ine Minimum. Gespielt wurden in Pari» bekanntlich seit dem Kriege nur„Kolportage" und „Brand im Opernhaus" von Georg Kaiser. Leonhard Franks.Karl und Anna". Tollers„Hinkemann", Bruckners„Verbrecher", Brecht- Weills„Dreigroschenoper" und Herzog-Rehfisch»„Affäre Dreyfus". Im Herbst sollen nunmehr Leonhard Frank».Hufnagel", Bruckners „Elisabeth von England" und— außer„Grand-Hotel"�— noch Angermeyer»„Kommödie um Rosa" gegeben werden. Gtrüchtweise verlautet, daß ferner Iocque» Dopoigny, der Autor der Bühnen- dichtungen„dtaroisse" und„Coniment Tesprit vTpnt aux ?arcons", ein Werk von Wcdekind—„Karl Hetmann" oder„König Nicola"— für di« Pariser Bühne bearbeiten und daß sich Gui Bernard de la Pierre an die Erschließung Raimunds für dos französche Theater heranwagen werde. Wenn dies« beiden letzten Pläne Wahrheit werden, so wäre auch im dramatischen Austausch zwischen Deutschland und Frankreich ein nennenswerter ziffern- mähiger und— künstlerischer Fortschritt zu verzeichnen. Verliebe und Tierquälerei Unser« Gegner von rechts haben ein Wort, mit dem sie alles benennen, wo» über ihren Horizont geht, und mit dem sie ihrem Gefühlsleben, soweit der klein« Vorrat reicht, nicht fertig werden: da» ist da» Wort„Kulturbotschewismus"! Flache Dächer, Psycho- analyse, Baden in Badehose statt im Badeanzug, moderne Kunst, alle» da» versehen sie mit diesem Stempel, der ihre Führer der fach- lichen Polemik enthebt und den Anhängern das eigene Denken er- spart. Besonder» haben sie e» bekanntlich auf die„Intelligenz» besti«n" abgesehen und aus die Leute, die i-hrem rauhen Kämpferton Irrationale» entgegensetzen. Dahin gehört auch die Liebe zu Tieren und anderen Lebewesen der mchtmenschlichen Welt. Man kann nicht gut annehmen, daß die Horden, di« des Nachts ausziehen, um ftied- liche Pastanten mit Schlagringen, Revolver und Dolch zu bearbeiten, irgendwelche Hemmungen haben, die sie daran hinderten, einen Hund,«in Pferd, ein« Katze zu oerprügeln. Jener Geist, der aus dem Ausruf des Muschkoten Detering in Remarques„Im Westen nicht? Neues":„Es ist di« allergrößt« Gemeinheit, daß Tiere im Krieg stndl" spricht, ist ihnen im tiefsten zuwider. Die entsetzlichen Zahlen der im Feld gebliebenen Pferde— für Deutschland waren es allein 560 000— macht nicht den geringsten Eindruck auf sie. Dies« Einteilung ist«« auch, aus der eine solche Aeranstoitunz geboren werden konnte, wie sie kürzlich aus Hamburg berichtet wurde. Dort gibt es einen Verein für Jagd- und Gebrauchshunde, der sich mit der Aufgabe befaßt, Hund« zu dressieren. Um sie nun möglichst natürlich an die Begebenheiten der Jagd zu gewöhnen, hat man herumirrende Hauskatzen eingejangen. t0 bis 12 dieser Tiere wurden mehrer« Tage ohne jede Nahrung in ihrem eigenen Unrat in einem Sack gelassen, von denen zu jeder Prüfung mehrere auf dem Gelände de» sauberen Verein? bereit lagen. Wenn nun die Hunde zur Stell» waren, wurden di« Säcke geöffnet, die halbver- hungerten Tier« davongejagt und di« Hunde hinter ihnen hergehetzt, die«in»«ach der ooderen totbisien. Drei Jahre haben die edlen Hubcrtusjünger diesen Sport getrieben und es sollen in dieser Zeit mehr als MX) Katzen auf dies« Art zu Tod« gequäll worden sein. Erst dem tapferen Eintreten eine? Mannes aus der Tierfchutzbe- wegung war es zu verdanken, daß dem Treiben ein Ende gesetzt wurde. Was nütze» alle Forschungen, die ergeben, daß da? Tier bis hinunter zum einzelligen Wesen, ja bis zur Pflanze, auch eine Art von Gefühlsleben hat und sehr wohl Schmerz empfindet, wenn in einem kultivierten Land noch solche Ungeheuerlichkeiten vortom- men können? Aber wo Menschenleben nichts gellen, gilt erst recht dos Leben eines Tiere? nichts. Allerding? geht auch, genau wie in der menschlichen Gesellschaft, ein Trennungsstrich zwischen dem Tierproletarier, wenn man so sagen darf, und dem Haustier der besitzenden Klassen. Kostbare Schoßhunde und Siamkatzen genießen dort eine Behandlung, wie man sie jedem Arbeiterkind wünschen möchte. Veranstaltungen, die da heißen:„Die Dame und ihr Hund!" oder„Die Dame und die Katze!" verschlingen Tausende von Mark und sind doch zu nichts anderem da. als den Hintergrund für die Langeweile unbeschäftigter junger Damen zu geben. Hier artet die Tierliebe In einen Kuft des Tieres au?, der genau ja verkehrt ist wie der Sadismus ge- wiffcr Jäger in der eben geschilderten Art. Aber«? ist ein wahre» Wort, das da heißt:„Man erkennt den Menjchen daran, wie er mit Tieren und Kindern umgeht." Was hat Shakespeare verdient? Ein Profestor der Universität Illinois hat sich der Müh« unterzogen, die Einkünfte Shakespeares nachzurechnen. Er will herausgebracht hoben, daß der große Dichter im Durchschnitt ein Jahreseinkommen aus seinen Werken von 250 Pfund hatte, wobei zu berücksichtigen ist, daß er Autor, Schau- spieler und Theaterdirektor war. Ein unbekaunter Marx-Lries. Der am 1ö. Juni zum ersten Male veröffentlichte Brief von Karl Marr an Wilhelm Alexander Freund ist nicht durch H. Paechert veröffentlicht worden, wie es durch einen Druckfehler hieß, sondern durch den Genostea Dr. Heinz Pächter,.,...-