BERLIN Sonnabend 20. Juni 1931 Der Abend Erscheint täglich außer Sonntags. " 1 Sugleich Abendausgabe des Vorwärts". Bezugspreis beide Ausgaben 85 Pf. pro Woche, 3,60 M. pro Monat. Redaktion und Expedition: Berlin SW68, Lindenstr. 3 Fernsprecher: Dönhoff( A 7) 292-297 Spätausgabe des„ Vorwärts " 10 Pf. Nr. 284 B 142 48. Jahrgang Anzeigenpreis: Die einspaltige Nonpareillezeile 80 Pf., Reklamezeile 5 M. Ermäßigunaen nach Tarif. Postscheckkonto: Vorwärts- Verlag G. m. b. H.. Berlin Nr. 37 536. Der Verlag behält sich das Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor! Das Eingreifen Hoovers Mehrjährige Unterbrechung der Kriegsschuldenzahlung erwogen Washington, 20. Juni. Im Zusammenhang mit der Erklärung Hoovers über die wirtschaftliche Wiedergesundung der Welt wird ergänzend gemeldet, daß der Präsident mit den Senatoren Reed, Smoot, King und Glaß und mehreren Abgeord: neten Besprechungen führte und längere Konferenzen mit Staatssekretär Stimson und seinem Stellvertreter Mills hatte. Herbert Hoover, der Präsident der Vereinigten Staaten. Amerikanische Blätter bezeichnen die Erklärung Hoovers als ein historisches Dokument und als Beweis für die Erkenntnis, daß sich Amerika dem Ernst der Lage nicht länger entziehen könne. Ueber die Pläne Hoovers gehen die Vermutungen dahin, daß man Deutschland nicht durch eine Herabsetzung der alliierten Kriegsschulden, sondern durch Gewährung langfristiger Kredite helfen wolle. für sehr ernst ansehe und daher trotz ihres eigenen gewaltigen| und Montagu Norman unterbrochen, aber nicht beendet. Mellon Defizits beschlossen habe, ihren alliierten Schuldnern eine Ausseßung der Zahlungen an die Vereinigten Staaten für einige Zeit vor zuschlagen, unter der Bedingung, daß sie für den gleichen Zeitraum feinerlei Reparationen von Deutschland verlangten, a b gesehen von dem Zinsendienst der Dawes- und der Young- Anleihe. Das Blatt erklärt weiter, dieser historische Schrift, der mit der traditionellen Politik Ameritas breche und endlich die Verbindung zwischen den Schulden und den Reparationen anerkenne, sei um so mutiger, als Amerita selbst schwer unter der Depression leide und gehofft habe, die Zahlungen der Alliierten zum teilweisen Ausgleich des Budgets verwenden zu können. Offenbar hätten Mellons Informationen über die Konferenz in Chequers, die er von Macdonald und Henderson erhalten hat, den Präsidenten Hoover überzeugt, daß schnelle Hilfe für Deutschland not tue, und daß man daher die eigenen Interessen zurückstellen müsse. Mellon hat Hoover berichtet. Condon, 20. Juni. Der parlamentarische Korrespondent der ,, Times" schreibt, das Wochenende habe Mellons Konferenzen mit Macdonald, Henderson Tagung des ADGB. Stellungnahme zur politischen Lage. Jm Reichswirtschaftsrat trat heute vormittag um 9 Uhr der Bundesvorstand des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes zusammen. Die Tagung be. schäftigt sich mit der politischen Lage. Vom Vorstand der Sozialdemokratischen Partei nimmt Otto Wels an den Verhandlungen teil. Buresch statt Seipel. Seipels Mission gescheitert. Wien, 20. Juni. Dr. Seipel hat bereits beim Bundespräsidenten vorgesprochen, der die Niederlegung seiner Mission zur Kenntnis genommen hat. Gleichfalls intervenierte auch der Landbund beim ,, Baltimore Sun" behauptet, sie habe aus guter Bundespräsidenten, um ihn zu ersuchen, doch noch einmal den BerQuelle erfahren, Hoover wolle den Alliierten vorschlagen, für zwei oder drei Jahre die Zahlungen an die Vereinigten Staaten einzustellen unter der Bedingung, daß sie während dieser Zeit keine Reparationen von Deutschland verlangen. Dieser Plan würde die Verträge mit den Alliierten über ihre Schuldenzahlungen unangetastet lassen und gleichzeitig den Alliierten ersparen, Amerika um Zahlungsaufschub zu bitten. Dadurch würde das Prestige Europas gewahrt bleiben und Amerikas Prestige gehoben werden. London, 20. Juni. Der New Yorker Korrespondent der„ News Chronicle" bemerkt zu der Erklärung Hoovers, New Yorker Finanzkreise würden mit Rücksicht auf das in Deutschland investierte amerikanische Rapital eine weitere Verschlechterung der deutschen Wirtschaftslage sehr bedauern und seien der Ansicht, daß ein Transfer- Aufschub eine solche Gefahr abwenden würde. Die Aktion Hoovers zeige, daß die amerikanische Regierung bereit sei, einen Teil der Führerrolle in den Angelegenheiten der Welt wieder zu übernehmen. Diplomaten zu Stimson berufen. Washington, 20. Juni. Kurz nach der Erklärung Hoovers berief Staatssekretär Stimson die Miffionschefs der Großmächte, darunter auch Gesandtschaftsrat Leitner von der deutschen Botschaft, einzeln in seine Privatvilla, um die neugeschaffene Lage mit ihnen zu besprechen. Im Anschluß daran erklärte er, er hoffe, daß er seine Abreise nach Europa nur noch furze Zeit hinauszuschieben brauche. Evening Star" erfährt, daß die Regierung die deutsche Lage fuch einer parlamentarischen Unterhandlung zu machen. Der Bundespräsident ist ebenfalls dieser Ansicht gewesen und hat den klubobmann der Chriftlichsozialen Partei, Dr. Buresch, den Landeshauptmann von Niederösterreich, mit der Bildung des Kabinetts betraut. Die Verhandlungen beginnen um 16 Uhr. Nach der schon gemeldeten Erklärung der Sozialdemokraten verhandelte Dr. Seipel bis in die zweite Morgenstunde mit den bürgerlichen Parteien- jedoch ergebnislos. Die Großdeutschen hielten an ihrem Widerspruch gegen die Beamten gehaltstürzung fest und lehnten auch den als Finanzminister vorgeschlagenen Dr. Viktor Kienböck ab. habe die ernsten Darlegungen sehr freundlich angehört. Er habe mit gleicher Freimütigkeit die Schwierigkeiten bei gewissen Fragen der Finanzpolitik und die Ansichten der amerikanischen Indessen scheint seine Entgegnung Regierung auseinandergesetzt. nicht derartig gewesen zu sein, daß ein weiterer Gedankenaustausch fruchtlos verlaufen müßte. Die wichtigsten Punkte der Unterredungen seien Hoover nach Washington berichtet worden. 4 Das Ende der Paffivität. Paris, 20. Juni. Der New- Yorker Korrespondent des Petit Parifien" sagt: Die Erklärung Präsident Hoovers ist von großer Bedeutung; denn zum erstenmal gibt die amerikanische Regierung zu verstehen, daß sie die starre Haltung des unerbittlichen Gläubigers und die passivität, die ihr von Europa feit langem zum Vorwurf gemacht wurden, aufgeben könne. Präsident Hoover bewies angesichts der gegenwärtigen wirtschaftlichen Lage Amerikas Mut, indem er die Initiative ergriff, sich mit seinen näheren Mitarbeitern zu beraten. Solange man aber nicht genau den Plan tennt, den die Regierung im Auge hat, werden wir uns nur grundsäglich freuen fönnen. Dr. Harald Heuer, bisher Stadtrat in Magdeburg, wurde vor einigen Tagen zum Stadtrat von Berlin gewählt. Dr. Heuer gehört der deutschen Sozialdemokratie seit seiner Studienzeit an. Er ist in Kiel geboren und studierte in Kiel, München, Hamburg und Berlin Rechtswissenschaft und Volkswirtschaft. Der jetzt Fünfunddreißigjährige hat sich in Magdeburg, wo er mehrere Jahre das Grundstücksdezernat und das Wohnungsbaudezernat verwaltete, den Ruf eines mit besten fachlichen und juristischen Kenntnissen ausgestatteten leitenden fachlichen und juristischen Kenntnissen ausgestatteten leitenden Kommunalbeamten erworben. Er wird auch in Berlin das Grundstücksdezernat verwalten. Autokatastrophe. Fiatwagen in Grünau gegen Baum gerast. Zwei Zote Zwischen Adlershof und Grünau ereignete sich heute früh ein entsetzliches Autounglück, das zwei Menschenleben forderte. Kurz nach 5 Uhr wurde von mehreren Radfahrern, die sich auf dem Wege an ihre Arbeitsstelle befanden, etwa 500 Meter nordwestKienböck war der Rechtsanwalt, und intime Freund der Bodenkreditanstalt, deren Zusammenbruch vor einigen Jahren zwar nicht ganz die Katastrophe wurde wie jetzt der Banferott der Desterreichischen Kreditanstalt für Handel und Gewerbe, aber doch auch sehr schwere Folgen gehabt und vor allem eine Geschäftsführung aufgedeckt hat, wie sie feineswegs sein soll. Jetzt steht die Regierung vor der Notwendigkeit, auf die die Sozialdemo= fraten sofort gedrängt haben, nämlich die Leitung der vom Staat sanierten Kreditanstalt selbst zu übernehmen; und diese Funktion gerade Herrn Kienböd übertragen zu wollen, ist ebenso verwunderlich des Bahnhofs Grünau ein umgestürzter und völlig zertrümlich wie daß dieser strebsame Herr sich nach der Affäre Bodenkreditanstalt selbst geeignet denkt, die so schwer getroffenen Staatsfinanzen zu leiten. Es ist sehr verständlich, daß die Großdeutschen, und zwar Schober, der den Widerspruch erhob, mit dem Dr. Kien böck nicht zufammen regieren wollen. Mittags wird dann auch gemeldet, daß Seipel den Pressevertretern erklärt hat, wegen der Weigerung der Großdeutschen seinen Auftrag zurückzugeben. Nach einer weiteren Aeußerung Seipels dürfte jetzt der Bundespräsident ohne weitere Be= fragung der Parteien eine Regierung ernennen. merter fleiner Fiatwagen entdeckt. Der Wagen war, wie die Spuren unverkennbar verrieten, gegen einen Baum gerast und hatte sich dann, vermutlich infolge der hohen Geschwindigkeit, mehrmals überschlagen. Der Führer des Autos und ein Insasse wurden tot unter den Trümmern hervorgezogen. Es handelt sich um den Besitzer des Wagens, den 33 Jahre alten Rudolf Klefftg, Adlergestell 33 wohnhaft, und den 31jährigen Kaufmann Alfred Stapusch aus der Gilerstr. 28 in Adlershof. Der Unfall fann nur furze Zeit vor dem Auffinden des Wagens paffiert sein. Die beiden Berunglückten find beim Ueberschlagen des Wagen» so unglücklich unter dem Autowrack begraben worden, daß sie auf der Stelle getötet wurden. Die beiden wiesen schwere Schädelverletzungen auf. Die Opfer de» gräßlichen Unfalls sind von der Kriminalpolizei beschlagnahmt und nach der Grünauer challe gebracht worden._ Blamierte Weltbühnen-Proletaner. Eine verdiente Abstrafung. Irgendein nobler Zeitgenosse hat di« Geschichte erfunden, B r e i t s ch e i d habe auf dem Leipziger Parteitag von„dreckigen Lumpenproletariern" gesprochen. Die„Weltbühne", eine Zeitschrift, die in jeder Nummer die turmhohe geistig« und morali- sche Ueberlegenheit ihres Mitarbeitertreises über die verfaulte SPD. beweist, hat sich auf dies« goldwerte Geschichte gestürzt und sogar zu ihrer Besingung ihren Hausdichter, Herrn Peter Scher,, angeleitet. Herr Peter Scher griff in die Saiten und fang: Wie weit ist ein Sozialist vom Ziel, au» dessen Mund das Wort vom„dreckigen Pumpenproletarier* fiel? Es war einmal ein Sozialist, ein gewisier Herr Christ, der gern zu allein Lumpenpack und zu den Verworfensten gegangen ist. Der hatte allerdings keinen so gutgeschnittenen Frack. Dem ward auch bei Priestern kein Behagen— den haben die Bonzen ans Kreuz geschlagen. Gott schütze die Armen allezeit vor Führern und Lovdsj' �. denn wer die Armut oerlumperelt, der liebäugelt höheren Ort»! Der Redaktion der„Weltbühne" ging darauf folgende» Schreiben zu: Sehr geehrte Redaktion! Sie veröffentlichten in der Nr. 24 Ihrer Zeitschrist ein Gedicht von Peter Scher, in dem behauptet wird, daß aus dem Leipziger Parteitag der Sozialdemokratie aus meinem Mund das Wort vom „dreckigen Lumpenproletarier" gefallen fei. Ich stelle fest und wäre Ihnen dankbar, wenn Sie diese Fest- stellung auch Ihren Lesern zur Kenntnis geben wollten, daß ich da» Wort„dreckiger" Lumpenproletarier weder in meinem Referat noch in meinem Schlußwort gebraucht habe. Ich habe allerdings in meinem Referat da- von gesprochen, daß sich in der Gefolgschaft de» Faschismus Lumpenproletarier befinden. Ich braucht« dabei keinen Augenblick darüber im Zweifel zu sein, daß mein« Zuhörerschaft den Sinn dieser Bezeichnung richtig auffasse. Da» Wort stammt nämlich von Karl Marx, der e» vor allem im Zusammen- hang mit der Schilderung des Bonapartismue verwendet. Er oer- steht darunter diejenige Schicht de« Proletariats, die aus diesem oder jenem Grunde noch nicht zum Bewußtsein ihrer Klassenzugehörigkeit gelangt ist und infolgedessen die Beute aller politischen Abenteuer wird. Wenn sich also Herr Peter Scher oder di«„Weltbühne" an dem Worte„Lumpenproletarier" stoßen, so müssen sie die Schärfe ihrer prosaischen oder poetischen Polemik nicht gegen mich, sondern gegen Karl Marx richten. Hochachtungsvoll gez.: Rud. Breitscheid. Der Dichter selbst aber erhielt folgenden Brief: Sehr gechrtcr Herb/.■ ich überreich» Ihnen in der Anlage die Abschrist eine» Briefes, den ich an die Redaktion der„Weltbühne" gerichtet Hab«. Sie wollen daraus entnehmen, daß Ihre gereimte Attacke gegen mich in jeder Beziehung gegenstandslos ist. Daß Ihnen als Dichter die Marxsche Terminologie unbekannt ist, kann ich begreifen. Die Redaktion der„W e l t b ü h n e" aber ist deshalb weniger zu entschuldigen, weil sie bei jeder Gelegenheit der Sozialdemokratie ihre angeblichen Abweichungen vom Marxismus vorhält und daher doch wohl vermutet werden kann, daß ihr zum mindesten di« leichter verständlichen Schriften von Karl Marx nicht ganz unbekannt sind. Hochachtungsvoll gez.: Rud. Breitscheid. Vogels Vundfunkvorirag. Er hat den Hakentreuzlern nicht gefallen. Im vorigen Jahre ist ein sogenannter„Reichsverband Deutscher Rundfunkteilnehmer" gegründet worden, den Hugenberg finanziert, der von Hakenkreuzlern betrieben wird und dessen Hauptaufgabe darin zu bestehen scheint, dem Reichsinnenminister Briefe zu schreiben. Einen dieser Briefe hält die TU. für so wichtig, daß sie ihn wörtlich wiedergibt. Er betrifft den Rundfunkvortrag des Ge- nassen Hans Bogel und enthält die Behauptung, durch Zulassung dieses Vortrags sei die Ueberparteilichkeit de» Rundfunk» verletzt worden. Zur Strafe dafür wird nicht weniger al« die sofortige Abberufung des Ueberwachungsausschusses gefordert. Die Entscheidung der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion vom letzten Dienstag war zweifellos ein zeitgeschichtliches Ereignis, das im Mittelpunkt des öffentlichen Interesies stand. Daß der Rund- funk an ihm nicht einfach vorübergehen konnte, war ebenso selbst- verständlich wie daß seine Kommentierung einem Berufenen über- lassen wurde. Wenn erst einmal Hugenberg regiert, dann wer- den im Rundfunk die Hakenkreuzler den Hörern sagen, was sie von den Beschlüssen der sozialdemokratischen Reichstogsfraktion zu halten haben— und dann wird erst die„Ueberparteilichkeit", wie sie die Herren Beschwerdeführer meinen, hergestellt sein. Bis dahin, nehmen wir an, werden sich die Herren Beschwerde- führer gedulden müssen. Bäder muffen auch fparen. Kürzere Badezeit bei den städtischen Hallenbädern. wie der»vorwärk»" erfährt, wird der Magistrat in den nächsten lagen eine Verfügung erlassen, die eine Einschrän- k u n g de» Betriebe» in den städtischen Hallenbädern vorsieht. Vi» zum 15. September sollen diese Lader nur noch entweder von 7 bi» lg Uhr oder von S bis 20 Uhr geöffnet bleiben. Seit langem sind di« städtischen Hallenbäder, deren Pflege und Ausbau dem Bertin der Nachkriegszeit vorbehalten geblieben war, Zuschußbetriebe. Die Zuschüsse betrugen jährlich bis 1!� Millionen Mark. Mit dem geplanten Beschluß will der Magi- strat ein« starke Reduzierung dieser bisher im Interesse der Volks- Hygiene ausgebrachten Zuschußsumm« erreichen. Die Badeanstalten sollen zukünftig mit nur IVh statt wie bisher zwei Arbeitsschichten auskommen. Das neue Bad in der Gartenftraße, das Stadtbad Mitte, bekanntlich das größte Hallenbad Europa«, hat sich bereite seit dem 13. Mai auf Sommerbetried«ingestellt. Man hat hier aller» 12 Jahre Zuchthaus für Thielecke Antrag des Staatsanwalts im Muttermord-prozeß Kurz nach 9 Uhr ergreift Staatianwaltschaslsrat Dr. herh im Mullermörderprozeß Coli st co Thlelecke da» Wort zu seinem plaidoyer. Der Staatsanwalt fährte etwa aus: Heber dl« Beziehungen zwischen Sohn und Mütter ist in einem Ausmaße gesprochen worden, der durchaus nicht erforderlich war. Ich will nicht noch besonders die Schattenseiten eine« Menschen hervorheben, den eine schwere Strafe treffen wird. Das Bild von der Mutter steht fest. Eine schwer pathologische, stets gehetzte, istit dem Leben nie zurechtkommende und mit ihrem Sohn st eis unzufrieden« Frau. Aber wir alle, die wir hier sitzen, bedürfen Nachsicht, und ich halte e» für mein« Pflicht, auch da» wenige Gute anzuführen, das man von der Toten sagen kam:. Auch' sie hatte wie jede Mutler schwer an den Sorgen zu tragen, die mit der Aufziehung eine» Kindes verbunden sind, be- sonders unter den Verhältnissen, unter denen sie gelebt hat. Die Abwägung der Schuld de» Angeklagten bedarf keine» weiteren Ein- gehens auf diese Dinge. Es Ist hier viel über die Motive der Tat gesprochen worden. Die sechs Monate lange Beobachtung durch den Sachverständigen hat das Finden eines eigentlichen Motives nicht möglich gemacht. Aber auch dieser Umstand für die Fest- stellung der Schuld ist für di« Anklage nur von geringer Bedeutung. Der Staatsanwalt schtldert darauf ausführlich die Begebenheiten de» Tages und der Tatumstände. Er hebt besonders di« Tatsachen hervor, die geeignet sein könnten, die Glaubwürdigkeit de» An- geklagten zu erschüttern, wie zum Beispiel sttne Auslassungen Über die Pistole oder über die Stellung, in der er sich befand beim angeblichen Hervorziehen des Dolche, durch die Mutter, und kommt zum Schluß, daß dem Angeklagten im großen und ganzen Glauben zu schenken sei, wie jeder Mensch, ist auch er geneigt, bloß ein Minimum der Schuld zuzugeben. Dieses Minimum der Schuld genügt aber zur Verurteilung. Die Anklage lautet auf Totschlag. Zwar liegen viel« Berdochtsmomem« auf Mord vor. So zum Beispiel die Wahl des Zeitpunktes der Tat oder der Umstand, daß der Angeklagte allen Grund hatte, seine Mutter be- seMgen zu wollen: di« Verdachtsmomente reichen aber nicht zur Mordanklage au». Nachdem der Angeklagte den Dolch in die Hanch bekommen hatte, tonnt« von Notwehr überhaupt nicht die Rede sein. Nach Lage der Dinge kommt Notwehr überhaupt nicht ln Frage. Nichts hinderte den Angeklagten, das Zimmer, ja selbst die Wohnung zu oerlassen, zumindest nachdem er den Dolch � in die Hand be- kommen hatte. Auch von Notwehrexzeh kann hier nicht gesprochen werden, selbst nicht von Bestürzung, Furcht oder Schrecken, hervor- gerufen durch einen rechtswidrigen gegenwärtigen Angriff auf seine Person. Wie sollt« aber eine nackte Frau den Angeklagten an- gegriffen haben, wo er die einzige Waffe In der Hand hatte. Schwerer zu entscheiden ist die Frage der vermeintlichen Notwehr. Es ist dabei der Irrtum über Vorhandensein de» Angriffs zu prüfen, auch ob der Irrtum verschuldet war oder nicht. Wie tonnt« aber beim Angeklagten überhaupt ein Irrtum darüber entstehen, daß die Mutter ihn angreifen wollt«. Ebensowenig konnte bei ihm «in Irrtum über die Mittel der Verteidigung vorliegen. Dke�Hrage dxr Zurechnungss Shlgkeit ist von dem Sachverständigen in bejahendem Sinne entschieden worden. Wodurch hat'stch der Angeklagte bei der Zufügung der ersten Stich« im Zustande eines hochgradigen Affekte« befunden. Es bedarf aber der Vorstellung eines möglichen Erfolges seiner Handlung. Somit ist der Tat- bestand des Totschlages gegeben. Die Mutter Ist eine Verwandte in aufsteigender Linie, demgemäß ist auch das Urteil zu fällen. Die Sächlichkeit und Ruh«, mit der der Angeklagte über die Tötung seiner Mutter gesprochen hat, die lächelnde Miene, mit der er das Mordmesicr in der Hand gezeigt hat, diejenige zerfleischte, die ihm da» Leben geschenkt, das alles spricht von einer unglaublichen Roheit des Angeklagten und seinem schweren ethischen Defekt. Ich beantrage gegen ihn 12 Jahre Zuchthaus, wegen der Urkundenfälschung zwei vlonate Gefängnis, beide Strafen sind zusammen- zuziehen zu einer Gesamtstrafe von 1Z Dohren einem Monat Zucht- hau», die Untersuchungshaft ist voll anzurechnen. Das Wort erhielt darauf der Verteidiger Rechtsanwalt Dr. M e n de l. Er macht für seinen Mandanten auf Grund des Gutachtens der Sachverständigen den KZI geltend, er habe sein« Tat im Zustande der Unzurechnungsfähigkeit begangen. Sollt« das Gericht sich dieser Ansicht nicht anschließen, so wäre zu prüfen, ob nicht Notwehr, vermeintliche Notwehr oder entschuldbarer Not- wehrexzeß vorliege. Unter keinen Umständen könne jedoch von einem Vorsatz zur Tötung die Rede sein. Der Angeklagte habe sich in einem viel zu hochgradigen Affekt befunden, um sich im Augenblick der Tat über die Absicht und die Folgen seines Tuns Rechenschaft zu geben. Bestenfalls liege Körperverletzung mit Todeserfolg vor. Es folgt das Schlußwort des Angeklagten. Nach den ersten Sätzen wird seine Frau aus dem Saale geführt. Der Angeklagte führt, äußerst redegewandt, folgendes aus: Es ist mir hier vom Staateanwalt als ethischer Defekt angerechnet worden, daß ich hier von meiner Mutter einen gewissen Ausdruck gebraucht habe. Meine Herren! Das direkte Gegenteil ist der Fall. Ich bin gefragt worden, weshalb ich nieine Mutter aus der Badewanne gezogen habe. Und da habe ich, um zu bekräftigen, weshalb ich gerade au» ethischem Gefühl heraus sie nicht in der Badewanne habe liegen lassen können, dieses Wort gebraucht. Dann möchte ich noch hinzusügen: Man sagt, ich hätte fliehen können. Bedenken Sie aber doch meine Lage. Meine linke Hand stützt sich an die Wand, vi« rechte hatte ich unter der Badewanne. Bedenken Sie auch, daß es in später Abendstunde war. Ich war sehr müde und erschöpft. Ich hatte für meine Familie zu sorgen, für meine Mutter, für mein Kind, befand mich auf der Suche nach einem Erwerb, ich wollt« studieren. Dos alles traf zusammen. Ich habe erzählt, was ich wußte, wie es mir in Erinnerung geblieben war bis im Augenblick des Kurzschlusses und nachher. Der Statasanwalt stellt die Dinge so dar, al» hätte sich alles in Etappen vollzogen. Es war aber doch ein Komplex. Man hat mir hier meine Sachlichkeit, meine Ruhe vorgeworfen. Nach meiner ganzen Erziehung bin ich gewohnt, mich in der Oeffenttichkeit zu beherrschen. Ich habe die Nacht nach dem ersten Verhandlungstag schlaflos verbracht und geweint. Sollte ich auch hier vor Ihnen weinen? Schließlich habe ich doch auch repräsentative Pflichten. Bin ich ein Waschlappen? Weshalb ich von der Mutter nicht fortgezogen bin? Ich fühlte mich oerpflichtet, für sie zu sorgen. Wie wäre ich innerlich dagestanden, wenn die Mutter sich nach meinem Fortzug, wie sie des österen gedroht hatte, sich das Leben genommen hätte? Ich bitte nur um ein gerecht» Urteil. Ich bin 26 Jahre alt. Wenn ich jetzt in die Verbannung geschickt werden soll, was soll aus mejyer Faystfje werden, ,«$» soll gu» meinem Kinde werden? Bessern wird mich die Strafe nicht. Glauben Sie auch nicht, daß Sie mich strafen können. Ich bin in meinem Herzen genug gestraft. Sie könneit müh höchstens durch einen scheußlichen Zwang zü-rinem unnatürlichen Leben führen.(Bewegung der Ungeduld bei den Richtern.) Ich möchte endlich meine Ruhe haben, von dem ewigen Druck und von dem Zwange befreit sein. Ich will nicht mehr gepreßt und gedrückt zu Boden liegen. Vielleicht habe ich in meiner Rede oerschieden« Schnitzer gemacht. Ich bin durch die einjähnae Hast des Redens entwöhnt. Zusammenfassend will ich noch sagen: Ich bitte nicht um mich, ich bitte um mein« Familie. ding» nicht die Ladezeit für die groß« Schwimmhall« reduziert, son- dekn hat Ersparnisse bei den Wannenbädern und der medizinischen Abteilung erreicht. Es hat sich nämlich erwiesen, daß die große Schwimmhalle wirtschaftlicher ist als mehrere kleine Hallenbäder. Beim Stadtbad Mitte wird dos Vereinsbaden auch nach In- krasttreten des Magistratsplanes keine Einschränkung erfahren brauchen, weil man dieses Bad aus der allgemeinen Regelung her- ausgenommen hat. Es ist zu hoffen, daß man ebenso wie beim Stadtbod Miste bei allen übrigen Bädern Wege findet, trotz der Einschränkung der Badezeit Entlassungen von Personal zu oermeiden. Der Dereinsbetrieb, der sich bisher in den meisten Fällen von IS— 21 Uhr in den Hallenbädern abwickelt«, leidet keinen allzu großen Schaden, weil fast alle Berliner Schwimmvereine im Sonnner über Freibäder verfügen. Schönes Sonniagswetter? Zeitweise aufziehende Bewölkungen. Auch für den morgigen lag lauten die Wetkeraussichten ver- hallnismäßig günstig. Lei nord- bi» nordwestlichen Winden Ist mit schönem Wetter bei voraussichltich zeilweis« auftretender Le- wölkung zu rechnen. Di« Voraussage dürste nach der zur Zeit herrschenden Druck- Verteilung ziemlich zutreffen, denn über dem Atlantik hat sich ein sehr kräftiges Hochdruckgebiet gebildet, das mit seinem Ost- ausläufer bi« weit nach Mitteleuropa hineinreicht. Niederschläge sind kaum zu erwarten. Nur im nordwestlichen Teil des Reiches und im Gebiet des westlichen Teil» der Ostsee ist heute etwas Regen gefallen: die Niederschlagsmengen waren aber sehr gering. "12 Keuerwehrleute dem Gasiod nahe. Gasmasken haben vollkommen versagt. Leipzig, 2». Juni. Ein Zug der Hauptfeuerwache wurde gestern abend nach einem Haus» Am Brühl gerufen, wo dichte Rauchschwaden aus den Keller- räumen drangen. Al» Feuerwehrleute unter Führung eines Ober- Ingenieur« gegen den vermeintlichen Brandherd vorrücken wollten, wurden sie, trotzdem sie Gasmasken angelegt hatten, sämtlich durch Kohlenoxydgasc betäubt. Beim Ein- treffen des sofort alarmierten Unfallzuges, der di« Lüftung der Ktllerräume durch Motore vornahm, waren alle Verunglückten bereits von den übrigen Mannschaften geborgen. Insgesamt hatten 12 Feuerwehrleute Vergiftungen erlitten. Drei Mann mußten dem Krankenhaus zugeführt werden. Die Kohlenoxydgas« waren einer Feuerungsanlage entströmt, die von den Wehren aus- geräumt wurd». Zusammenstoß zweierVombenflugzeuge (Sechs Personen ins Meer gestürzt, fünf ertrunken. Rom, 20. Juni. Ueber dem Seeflughafen Brindisi stießen zwei Bombenwasserslugzeuge in einer Höhe von 20 Metern zusammen. Während es dem einen Flugzeug gelang, glatt zu landen, stürzte dos zweite, das einer Fliegerschule gehörte, mit sechs Per- s o n« n in« Meer, wobei fünf trotz sofortiger Rettungsversuche ertranken._ Llebersallen und beraubi. Abenteuer eines Deutschamerikaners in Köpenick. Ein unangenehme« Erlebnis, das dem Ruf der Sicherheil in Verlin nicht besonders dienlich sein dürfte, halte d«r Luchhalter Emil Gerhard aus Rem gort. Cr war nach Deutschland gekommen. um seine Eltern In Leipzig zu besuchen. Auf der Rückreise nach Hamburg wollte er einige Tage in verlin bleiben. In einem Caf6 In der G o n t a r d st r a ß e lernte er einen jungen Mann kennen. Im Laufe des Gesprächs erklärte dieser, daß er Zeit habe und gern bereit sei, Gerhard die Umgebung Berlin» zu zeigen. Gerhard war damit einverstanden. Man nahm eint Droschke und fuhr nach dem Osten Berlin« hinaus. Unterwegs erzählt« der Cafehausbekannte, daß er einem Klub angehöre, der bei Köpenick in einem Lokal seine Berelnszimmer hätte. Dort walle Man den Abend gemütlich verbringen. Der Amerikaner war mit allem einverstanden, und der neue Bekannte dirigierte das Auto zu einem Lokal. Hier trafen sie noch einen Freund des Begleiters, und zu dritt suchte man ein Gastzimmer auf. All« drei unterhielten sich gemütlich, tranken einige Flaschen Wein und machten sich gegen 11 Uhr auf den Heimweg. Die Droschke war inzwischen abgelohnt und fortgeschickt worden. Um schneller zum Bahnhof zu gelangen, schlugen dle Begleiter, die anscheinend sehr ortskundig waren, vor, «inen Waldweg zu benutzen. Plötzlich, anscheinend auf ein verab- redete» Zeichen, fielen die Männer über Gerhard her und raubten ihm schließlich seine Brieftasche. Dann flüchteten sie in den dunklen Wald hinein und entkamen. Der Ueber- fallene, der blutende Wunden am Kops davongetragen hatte, raffte sich auf und fand schließlich einen Bahnhof. In Berlin erstattete er nun Anzeig«. Er kann nicht genau angeben, wo sich der Ueberfall abgespielt hat. Er glaubt, daß es im Wald« zwischen Adlershof und Köpenick gewesen sein muß. Auch auf den Namen des Lokals, in dem er gesessen hat, kann er sich nicht genau besinnen. In der geraubten Brieftasche befanden sich 21 amerikanische Dollar, etwa 30 Mark deutsche« Geld,«in Travellerscheck über 300 Dollar, der Gepäckschein und die Fahrkarte für dle Rückreise. Di« Scheck» sowie der Gepäckschein und di« gahrtarte sind gesperrt worden. Kann Amundsen noch am Leben sein? Eisbrecher auf der Suche Der Eisbrecher„M a l y g i n" unter Leitung von Professor Wiese sucht auf Veranlassung des Nord- pokforschers Anton Mal auf der Nudolfinsel noch Amundsen, da angeblich die Möglichkeit besteht, dah er am Leben ist. Aus Moskau kommt eine eigenartige Meldung, die den ver- schollen«» Polarsahrer Amundsen betrifft. Der amerikanische Nord» polforscher Anton Mal teilte nämlich dem russischen Professor Wiese, dem Führer des Eisbrechers„Malygin" mit, da� nach seiner Heber- zeugung Amundsen noch auf den Rudolsinseln lebt, wo, wie Amundsen wuhte, sein Freund Mal kurz vor dem Rettungsslug Amundsens ein grohes Proviantdepot angelegt hatte. Der Eis- brecher„Malygin" ist daraufhin unter Leitung von Wiese am 1Z. Juni von Archangelsk aus in See gestochen, um aus den Rudolfs- inseln nach Amundsen zu forschen. Professor Wiese hofft sogar, dort auch die sogenannte„Ballongruppe" Nobiles zu finden. Es fragt sich nun, ob die Möglichkeit besteht, daß Amundsen noch am Leben ist. Die Tatsache, daß Reste seines Flugzeuges„Latham" vor einiger Zeit aufgefunden wurden, spricht nicht dagegen, denn Amundsen kann aus dem Effe niedergegangen sein, das Flugzeug im Stich gelassen und zu Fuß nach den Rudolssinseln marschiert sein, wo ihm Rettung durch das Vorhandensein großer Mengen von Nahrungsmitteln und Kleidung winkte. Amundsen ist jedenfalls nicht der Mann gewesen, der sich im Falle eines Versagens des Flugzeuges sofort als verloren ansah. Als er den Rettungsflug sür Nobile unternahm, hatte er schon zahl- reiche gefahrvolle Polarexpeditionen hinter sich. Er wußte, wie man sein Lehen einrichten mußte, wenn man in der unwegsamen Elb- wüste der jBolarländer gefangen war. Er war schon einmal dk�l Jahre im Cronlandeis gefesselt. Es war auf der denkwürdigen Expedition, die Amundsen im Jahre 1903 unternahm, um die Nord- westpassage zu erforschen. Wo« Franklin und vielen anderen nicht geglückt war. gelang ihm. Aber als er glaubte, sein großes Ziel erreicht zu haben, da fror er mit seiner kleinen Polarjacht„GjSa" ein, nachdem er schon vorher viele Monate lang mit den größten Schwierigkeiten hatte Ktmpfen müssen. Jetzt mußte er 19 Monate im Eis festliegen, und insgesamt vergingen drei Jahr«, bevor Amundsen wieder nach Hause zurückkehren konnte, wo er längst als verschollen angesehen worden war. Als erfahrener Polarsahrer hat er damals nicht» überstürzt, sondern er hat trotz aller Cnt- behrungcn ausgeharrt, bis der Tag der Rettung erschien. Auch jetzt sind es wieder drei Jahre her. seitdem Amundsen»er- schollen ist. Während er aber damals über«in Schiff verfügte, das ihm die Möglichkeit einer Rückkehr in die bewohnt« Welt gewähr» leistete, fft er jetzt, falls er wirklich noch am Leben ist, ohne jede Möglichkeit, den Rückweg in die Heimat anzutreten. Während er also van der ganzen Kulturwelt als tot beklagt wird, ist die Tot- fache durchaus nicht von der Hand zu weisen, daß er noch am Leben ist und darauf hofft, durch Hilfsexpeditionen befreit zu werden, zu- mal nach der obigen Mitteilung von Vial Lebensmittel genügend für ihn vorhanden sind. Amundsen weiß, daß sehr oft schon Polar- expeditionen jahrelang verschollen waren und trotzdem mit Hilfe von glücklichen Umständen wieder heimkehrten. Am berühmtesten ist in dieser Beziehung die Polarexpedition von John Roß, von der der magnetische Nordpol gefunden wurde. John Roß brach im Mai 1829 mit der„Lictory" auf, um im Polar- land geographische Studien zu machen. Nach zweimaliger Ueber- Winterung mußte er aber sein Schiss ausgeben und unter furcht- baren Entbehrungen und Gefahren zum Teil zu Fuß, zum Teil in Booten den Rückweg antreten. Es verging noch ein Winter, ehe die Expedition auf«in Hilfsschiff traf, das von der englischen Regie- rung ausgesandt war, um Spuren von der verschollenen„Victory" zu finden. Niemand hatte geglaubt, daß noch ein Mann am Leben sei. Nach vierjähriger Verschollenheit kamen die Totgeglaubten im Oktober 1833 in London an, wo sie begeistert begrüßt wurden. Auch die Expedition, die der berühmte Polarforscher Nordenskjöld am 4. Juli 1878 von Gotenburg au« in das Polareis unternahm, um das Problem der nordöstlichen Durchfahrt zu lösen, war lange Zeit verschollen. Eine Rettungsexpedition wurde ausgesandt, nachdem ein Jahr seit Ausbruch der Expedition vergangen war, ohne daß man von ihr etwas gehört hatte. Die Rcttungeexpedition wurde vom schweren Unglück betroffen, aber ungefähr zwei Jahre nach dem Beginn der Expedition lies die„Bega", das Schiff NordenfkjAds mit den Forschern in Stockholm ein. Die Expedition Greelq war sogar fast fünf Jahre verschollen, ehe wenigsten« einig« Ueberlcbende von Ihr durch die Hilfsexpedition des Kapitäns Schley gerettet werden konnten. Damals waren die Hilfsexpeditionen nicht so gut au»- gerüstet wie heute. Vor allen Dingen fehlten die Flugzeug«, die heute sehr schnell große Flächen des ewigen Eise« auskundschaften können und auch zur Auffindung eines Teil» der Nobile-Expedition führten. Es ist darum heute zu hoffen, daß die Hilfeexpedition des Eisbrechers„Malygin" schnelleren Erfolg haben wird als die früheren Hilfsexpeditionen, vorausgesetzt, daß Amundsen am Leben ist und seiner Errettung entgegenharrt. Egoisten. Bemerkungen zum Fall Eujamani-Thielecke. Trotz allem: dies ist der Fall des bürgerlichen Egois- m u s. Alles Unbürgerliche, die Zigaretten- und Jndianernomen abgezogen, was bleibt übrig? Eine Anzahl Menschen, von denen jeder nur an sich denkt in dem Sinne: das Leben genießen, mein Ich pflegen. Die anderen gelten gerade so viel, als man zu diesem Zwecke aus ihnen herausschlagen kann. Liebe— und das ist das Charakteristische— ist immer nur der eigene Genuß, nie die Freude am anderen. Die Mutter, trotz unbllrgerlicher Lebensführung, trotz lockerer Bindung an wechselnde Portner, bleibt ein durchaus biirger- l i ch e r M e n f ch, mit den bürgerlichen Idealen der Reputierlichkeit, vor allem mit dem unauslöschlichen Hang, zu den„besseren Leuten" zu gehören. Die nach bürgerlichen Begriffen scheinbare „Unmoral" ihrer Lebensführung erklärt sich aus rein objektiven Gründen: die Männer halten es nicht lange bei ihr aus. Sie bleiben nur, solange ihr eigenes Sexualinteresse rege ist. Nachher wird ihnen klar, daß diese Frau sie ja im Grunde nur ausbeuten, von ihnen Mittel zur besieren Lebensführung gewinnen will. Diese Männer aber sind selbst egoistische Bürger, die sich bei der reizvollen Frau einmal amüsieren, dies nach bürgerlichen Begriffen auch bezahlen, aber nicht überbezahlen wollen. Sobald der Genuß den Auf- wand nicht mehr lohnt, oerschwinden sie. Der Frau macht das Verschwinden keinen Kummer, es lammen andere Mönncr dafür. Solch ein Leben geht gewöhnlich ohne viel Komplikationen, bis das zunehmende Alter eine Grenze fetzt. Da tritt dann die verhaßte Notwendigkeit heran: arbeiten! Es wäre ein Irrtum, zu glauben, daß derartige Egoisten nicht arbeiten können. Für sich arbeiten sie sehr gut, natürlich nur, wenn es durchaus sein muß. Frau Thiclecke ist«ine fesch« Damenschneiderin. Charakteristisch genug, daß sie einen Beruf wählt, der ihr ein« ge- wisse Fühlung mit den begehrten„besseren Kreisen" nach wie vcr gestattet. Die reichen Frauen haben dies« Schneiderin durchaus gern, die so sachkundig über ihr eigenes Milieu zu plaudern versteht. Dos andere Hindernis auf dieser Laufbahn, dos sich früher«in- zustellen pflegt, sofern man nicht sehr vorsichtig war, ist das Kind. Für manche Frauen dieses Schlages ist es nur«ine lästige Beigabe. Frau Thielecke war noch nicht einmal die schlechteste. Sie liebt« ihr Kind, d. h. wie Egoisten lieben: wenn sie selber Bedürs» nis nach Zärtlichkeit hatte. Geliebt zu werden wünscht sich der kälteste Egoist. Aber das Kind ist seinerseits auch Egoist. Es verlangt für sich Zärtlichkeit und Aufmerksamkeit, auch wenn die mit Männern beschäftigte Frau Mutter gerade nicht in Laune ist. Dann wird es geschlagen und eingesperrt. Das ergibt eine trübe Jugend zwischen Pralinen und Rohrstock. Das Kind ober durchschaut sehr früh, daß die zeitweilige Affenliebe der Mama auch nur verkappter Egoismus ist. Es empfindet die Lieblosigkeit darin, es wird selber kalter Egoist. Für Frau Thielecke aber ist charakteristisch, daß sie bei der T i e r l i e b e endet. Da enden alle Menschen, die zu schwach, d. h. zu l i« b« s l e e r, zu e g o i st i s ch sind, um sich die Liebe ihrer Mitmenschen zu erringen. Das Tier hat keinen Willen, man kann es so lieben, wie es dem Egoisten bequem ist: o h» e d a ß d e r P a r t- » e r A n s p r ü ch e st e l l t. Die Schwester der getöteten Frau hat die Liebe zu den Tieren die Liebe der Enttäuschten genannt. Ge- wiß! Aber gerade in der Liebe gilt da« Goethesche„Wenn du nehmen willst, so gib!" Die Enttäuschung der meisten rührt daher, weil sie nicht die altruistische Kraft des Gebens besaßen. Diese Frau, die schon im gewöhnlichen Gespräch keinen Widerspruch ver- t.ug, gewiß nicht. Charakteristisch ist ihr T o b« n, als sie von der Heirat des Sohnes erfährt. Der typisch herrschsüchtige Egoist. dem sein Kind nur O b j« k t war, und der sprachlos ist, zu erfahren, daß der andere ein Eigenleben führt und zu führen gewillt ist. Der uneheliche Sohn der Egoistin und des leichtlebigen Ziga- rettcnfabrikanten, der Enkel des Bürger» aus dem sächsischen Mittel- stadtchen Pegau, der durchaus von polnischen Wojewoden abstammen wollte,— dieser Sohn und Enkel wird im Milieu von egozenirischen Männern und Frauen, Vätern und Stiefvätern, die alle nur ihren Genuß suchen, auch ein Egoist durch und durch, stets mit sich de- schästigt. Nur— im Gegensatz zu dem zielbewußten und agressiven Egoismus seiner Mutter bleibt er«in egoistischer, in sich zurück- gezogener Schwächling. Unter anderen Umständen wäre Ca- listros vielleicht ein liebenswürdiger Kaffeehausbesucher und Bumm- irr geworden. Gerade seine Schwächlingsnatur aber führt zur Kata- strophe. Wäre er kräftig und brutal gewesen, wie seine Mutter oder deren Liebhaber, so würde er wahrscheinlich vom achtzehnten Jahr ab selber zum Tyrannen der Mutter geworden sein. Cr ist zu schwach. Sie bleibt seine Tyrannin. Und gerade der Schwächling, der auf allen normalen Wegen zur Befreiung scheitert, sucht— ein Kriminalist hat es einmal so ausgedrllckt—„den Weg tcs geringsten Widerstandes". Denn die» ist der Totschlag, trotz aller Grauslgkett. Im zähen Willenskampf des täglichen Lebens wäre Calisiros seiner Mutter immer wieder unterlegen. Sie war die Stärkere, schon weil der Sohn selbst zu dem zu schwach war. was seine Mutter oben hielt: zur geregelten Arbeit. Psychisch konnte er sie nicht überwinden, so schlug er sie physisch tat. Und blieb in allem doch ein Schwächling,«in Opfer des von Generationen auf ihn vererbten bürgerlichen Cgois- mus. der sich nicht befreien kann, weil ihm niemals der Gedanke kommt, über das eigene Leid hinweg aufdasöeidderanderen zu sehen. Denn dies nur ist der Ansang jeder wirklichen Rettung. piloi in den Flammen umgekommen. polnisches Militärflugzeug abgestürzt. Warschau, 29. Juni. Ein Flugzeug des polnischen Fltegerregiment» in Tornow in Westgalizien geriet während eine» Fluges über der Ortschaft Rzendzin plötzlich in Brand. Kurz« Zeit darauf stürzte es ab. Unter den Trümmern des zerschmetterten und in Flammen stehenden Flugzeuges wurde die Leiche des Piloten, Ter- geanten Klimsza, geborgen. Der Beobachter, Fliegerkarporal Ruta, sprang während des Sturze» ab. Er trug innere und äußer« Ver- letzungen davon. Die Volkszählung in Südstawlen. Nach dem nunmehr vor- liegenden endgültigen Ergebnis der Volkszählung vom 31. März 1931 ist die Bevölkerung Südslawiens seit der letzten Voltszählung im Jahre 1921 um 1,94 Millionen auf 13,93 Millionen Einwohner gestiegen. Die Volksbühne macht bekannt: In der Staatsoper und im Schiller- Theater sind die diesjährigen Vereinst) orstellungen am 30. Juni beende«: in der Volksbühne am 13. Juli. Die Mitalieder werden dringend ersucht, rückständige Vorstellungen bis dahin nachzuholen. Eint Ueberschreidung ver- säumter Vorstellungen aus das nächste Spieliahr kann in keincm Falle stattsindcn. Aufführung de» Remarque.Film»„Im Westen nicht» Reu«»". Tie „Deutsche Liga sür Menschenrechte" teilt mit, daß sie den Remarque-Film „Im Westen nichts Neues" demnächst sür ihr« Mitglieder und deren An- gehörigen zur Aufführung bringen wird. Oer vollständige Bibliothekskatalog. In diesen Tagen ist die Staatsbibliothek in Berlin an die inter- essitrten Kreise mit der Einladung zur Subskription auf den Ge- samtkatolog der preußischen Bibliotheken heran- getreten, der in dreißigjähriger Zusammenarbeit der beteiligten Bibliotheksverwaltungen vorbereitet worden ist. Dessen erster Band steht unmittelbar vor dem Erscheinen. E» wird damit das voll- ständigste gedruckt« Verzeichnis der deutschen Literatur geschaffen. da» zugleich aber auch von dem außerordentlichen Reichtum der deutschen Bibliotheken an ausländischen Werken aller Zeiten ein Bild gibt. Der Katalog umfaßt die mehr als TVi Millionen Bände zählenden Bestände der Berliner Staatsbibliothek, der Unioersttätsbibliothcken in Berlin, Bonn, Breslau, Göttingen, Greiswald, Halle, Kiel, Königsberg, Marburg und Münster, der Akademiebibliothek in Braunsberg, schließlich der Bibliotheken der Technischen Hochschulen in Aachen, Berlin, Breslau und Hannover. Auch die Bayerische Staatsbibliothek in München Und die National- bibliothet in Wien sind an dem Werk insofern beteiligt, al» sie darin bereits ihren mit den preußischen Bibliotheken gemeinsamen Besitz nachweisen. So ist der Deutsche Ergänzungstatalog vorbereite� der den Mchrbesitz dieser beiden und anderer deutscher Bibliotheken verzeichnen soll, und die er st« Etappe aus dem Weg zum Deutschen Gesamtkatalog erreicht, der die in jahrhunderte- langer selbständiger Entwicklung von den deutschen Bibliotheken ge- sammelten und an vielen Stellen In Deutschland verstreuten gewal- tigen Bücherschätze erschließen wird. Der Preußische Gesomtkatalog. dessen Druck von der Preußischen Druckerei- und Verlags-Aktiengesellschaft in Berlin ausgeführt wird, soll etwa 1S9 Bände von je rund S99 Seiten umfasien. Der Preis für den Band beträgt 85 Mark. Ist das letzte Element gefunden? Nach einem Bericht, den die New-Porksr Times aus Auburn in Alabama erhalten hat, soll es dem Physikprofejsor am Polytech- nijchen Institut von Alabama. Dr. Fred Allison, nach einjährigen Versuchen gelungen sein, das letzte Element zu entdecken, da» noch auf der langen Liste fehlt, die um 1879 von dem russischen Chemiker Mendelejew aufgestellt worden ist. Es wäre dies das„Element 8 5", da? letzte der noch unentdeckten chemischen Elemente, da« sich im Meerwasser im Fuorid, Apatit, Monazit-Sand, Lromtalium und einigen anderen Stoffen finden soll. Die Entdeckung wird von All- genfer Bahnhof abgebrannt Der den meisten Gensreisenden be» kannte französische Grenzbahnhof von Annomasse ist einem riesigen Brand zum Opfer gefallen. Völlig ausgebrannt ist der Güterbahnhof, wo auch eine ganze Anzahl vollbeladener Gütenvagen von den Flammen ergriffen wurden. Als ein Teil de» Bahnhof» zusammen- stürzte, wurden sreiwillige Helfer de- graben. son selbst noch nicht für endgültig erklärt: sie ist mit Hilfe der„mag- netisch-optischen" Methode vorgenommen, demselben Verfahren, durch das man zur Entdeckung des„Elementes 87" vor 15 Monaten ge- langt«. Wenn sich die Auffindung dieses Elements bewahrheiten sollte, dann würden alle chemischen Element« de» Universum» der Wissenschaft bekannt sein. Die Entdeckung ist durch sortgesetztt Ar- beit im Laufe von mehr als einem Jahrhundert gelungen: ver- schiedene Element« wurden in dem letzten Jahrzehnt gefunden, sechs in den letzten sieben Jahren. Nr. 72, nach der Stadt Kopenhagen Hafnium genannt, wurde 1923 von Professor Coster und Dr. Georg Hcvesy entdeckt. Nr. 43 und 75 wurden 1925 und 1928 an der Ber- liner Universität isoliert und erhielten die Namen Masurium und Rhenium. Das Jlinium wurde 1926 von Professor Hopkins von der Universität Illinois entdeckt. Dann folgte da» Element 87, und nun wird die Feststellung des letzten noch fehlenden Elements ebenfalls von einem Amerikaner behauptet. Die magnetisch-optische Methode, die dabei zur Anwendung kam. ist imstande, ein Teilchen eines Stoffe« unter 199 Milltardenteilchen festzustellen. Da« Element 85 scheint nur In so winzigen Spuren in den betreffenden Stoffen vor- handen zu sein, und so ist e» erklärlich, daß es bisher bei allen an- deren Untersuchungsmethoden nicht gesunden worden ist. Konflikt im Schuhverbande Deutscher Schriftsteller. Im Vor- stände der Berliner Ortsgruppe de» Schutzverbandes ist ein schon lange schwärender Konflikt jetzt zum offenen Ausbruch gekommen. Dr. Theodor Bohner, M. d. L., Dr. Max Osborn, Adele Schreiber-Ärieger, M. d. R., Paul Gutmann und Robert Breuer haben ihre Aemter im Vorstand niedergelegt. Di« Gesamtorgani- sation des Schutzverbandes, deren Hauptoorstand die Zurückgetre- tenen nach wie vor angehören, bleibt von den Vorgängen der Ber- liner Ortsgruppe unberührt. Die systematisch« Wühlarbeit, die die dem Schutzverband an- gehörenden Kommunisten unter Dulduno einiger bürgerlicher Ele- mente seit Jahren betreiben, hat zu diesem Schritte geführt. Die kemmunistiichen Spaltpilz« sollten von der Mehrheit endlich in die Loge versetzt werden, ihr eigenes Kabarett aufzumachen. Die.Sezession" wird ibr Ausstellungshaus in der Tiergarten. straße aufgeben und bereit» ihr« Herbstausstellung in neuen Räumen in der Nähe der Gedächtniskirche eröffnen. Schluß der ftemevAuktion. Die Remes-Auktivi, in München ging zu Ende. Der GesanrlerlSs der 657 Rummern umfassenden Sammlung ist drei Millionen und einige tausend Mark. Damit liegt das Er- gebni« weit hinter den Schätzungen zurück, die man im vorigen Ok- tober hegte. Der Skandal von Scheuen Blick auf die Gerichtsverhandlung in der Turnhalle zu Lüneburg mit den Fürsorgezöglingen. Oben links: Der Hauptangeklagte Direktor Straube. Lüneburg, 20. Juni.. Die Sensation der heutigen Verhandlung im Prozeß gegen den früheren Direktor des städtischen Erziehungsheims Scheuen, Straube, und die mitangeklagten Zöglinge ist die Bernehmung des früheren Leiters der Anstalt, Straube. Man wirft ihm vor, sich der schweren Körperverlegung schuldig gemacht und die groben, zum Tode eines Zöglings führenden Mißhandlungen der Jugendlichen durch andere Zöglinge geduldet und begünstigt zu haben. Ueber seine Person sagt Straube aus, daß er seminaristisch vorgebildeter Lehrer sei. Er wurde vor 33 Jahren in den Staatsdienst übernommen und war zunächst in der Umgebung von Elbing als Lehrer beschäftigt. Später wurde er nach Berlin berufen. Schon frühzeitig interessierte er sich für das Fürsorgeerziehungswesen, 1908 war er von der damaligen Sport- und Badedeputation mit dem Ausbau der Spiel- und Sportpläge Berlins beauftragt. Nach seiner Rückkehr aus dem Felde bekleidete er mehrere Jahre lang den gleichen Posten, um dann zur Leitung DON Schul erholungsheimen berufen zu werden. Hier hatte er durch schnittlich 1000 Kinder zu betreuen, es find in jener Zeit keinerlei Klagen über ihn laut geworden. Das Heim Nest bei Küstrin, das auf dem Prinzip der Selbstverwaltung aufgebaut war, unterdas auf dem Prinzip der Selbstverwaltung aufgebaut war, unterstand ihm, und auch in dieser Stellung gab es feinen Anlaß zu Beschwerden über Straube. Erst in Scheuen erwies es sich, daß Straube einer ihm gestellten Aufgabe nicht gewachsen war. Wie weit ihn die Schuld an den empörenden Zuständen, die in Scheuen herrschten, trifft, wird sich in der Verhandlung herausstellen müssen. Vor allem wird geklärt werden müssen, ob Straube sich nur unfähig zeigte, oder ob er, wie man zu vermuten versucht ist, böswillig gehandelt hat. Die Haftentlassung aller Angeklagten, die gestern vom Gericht beschlossen und von uns im Morgenblatt mitgeteilt wurde, ist inzwischen durchgeführt worden. Man erinnert sich an das peinliche Aufsehen, das der Umstand hervorrief, daß alle Angeklagten, die Zöglinge, die mißhandelt wurden, ebenso wie die Zöglinge, die mißhandelt haben, in Haft waren, während nur der Hauptverantwortliche Direktor Straube sich der Freiheit erfreutc. Die Aerzte warnen Notverordnung und Volksgesundheit In Köln war dieser Tage die Hauptversammlung des Verbandes der Aerzte Deutschland s. Der Aerztetag wurde eingeleitet mit einem Appell an die Weltöffent Lidh feit, worin mit Ernst und Nachdrud hingewiefen wird auf. die Berwüstungen der Bolts gesundheit durch die mit der. Reparations last und der Wirtschaftskrise verbundene Maffennot. Durch die Auswirkungen der neuen Notverordnung, so betonte der Beauftragte der ärztlichen ärztlichen Spizenverbände Dr. Ha eden tamp= Berlin in seinem Ueberblick über die Fragen der Sozialpolitik, werde der allergrößte Teil des Volkes mit Sicherheit der wirtschaftlichen und sozialen Berelendung entgegengeführt. Gegen die unmittelbare Bedrohung der Arbeitsund Leistungskraft des deutschen Volles erhebe die deutsche Aerzteschaft ihre warnende Stimme. Am Krantenbett ihres Volkes appellierten die deutschen Aerzte an die Tatkraft der deutschen Regierung und an die Einsicht der Reparationsgläubiger. Die auf den Bestimmungen des Versailler Vertrages begründete internationale Sozialpolitik, die sich den Schutz der Arbeitskraft und die allgemeine Berbreitung der sozialen Versicherungseinrichtungen zur Aufgabe gemacht habe, müsse jeden Sinn und jede Wirkung verlieren, wenn die Reparationslaften zum fortschreitenden Wirtschaftszerfall der Völker und zu einer unabsehbaren Steigerung der Arbeitslosenziffern führten. Der Warnung der deutschen Aerzteschaft vor den unheimlichen Folgen der Massennot für die Volksgesundheit müssen vor allem die in ihrer Lebenskraft am meisten gefährdeten werktätigen Massen beipflichten. Den von oben her unter Druck gesezten Krankentassen bleibt nichts anderes übrig, als schließlich um jeden Preis auch die Kosten für die Heilbehandlung einzuschränken. Unter dem 3wang der Berhältnisse haben sie schon vor längerer Zeit die Regierung darauf aufmerksam gemacht, daß die Kosten für ärztliche Behandlung im Verhältnis zur allgemeinen Einschränkung der Kassenausgaben zu hoch sind. Diese Mahnung blieb jedoch bei der Ausarbeitung der Notverordnung unberücksichtigt. Das dem Kassenvorstand eingeräumte Recht, für den Schluß eines Kalendervierteljahres unter Umständen, wenn die Ausgaben für ärztliche Behandlung oder für die Arznei- und Heilmittel das erträgliche Maß überschreiten bisher mußte beides der Fall sein durch Kündigung der Verträge einen Druck auf die Kassenärzte zweds Senkung der Ausgaben auszuüben, ist mit soviel Sicherungen zugunsten der Aerzte umfleidet, daß praktisch dabei so gut wie nichts herauskommt. Die Leidtragenden werden also die Versicherten sein, und die Versicherten haben auch die Folgen der Einschrän tung des Selbstverwaltungsrechts der Krankenkassen durch die Notverordnung zu tragen. Die Aufsicht über die Finanzgebarung der Krankenkassen ist durch die Notverordnung nur zu dem Zweck verschärft worden, um einem weiteren Leistungsabbau den Weg zu ebnen. Dem Reichsarbeitsminister wird das Recht gegeben, allgemein vorzuschreiben, daß jede Beitragserhöhung bei Krankenkassen der Zustimmung des Oberversicherungsamtes bedarf. Dazu kommt, daß der Reichsarbeitsminister die Befugnis erhält, die Oberversicherungsämter zur Anordnung einer Aende rung des Beitragssages einer Krankenkasse zu bevol= mächtigen. Das alles bedeutet praktisch, daß den Kassen das Recht der freien und selbständigen Beitragsfestsetzung auch innerhalb des durch die RVD. gezogenen Rahmens genommen wird. Den Rassen bleibt, wie die Deutsche Krankenkasse", die Zeitschrift des Hauptverbandes deutscher Krankenkassen, betont, nur noch das Recht übrig, sich so unpopulär zu machen wie nur möglich. Das Organ des Hauptverbandes appelliert an den Reichsarbeitsminister. daß nur dort von ihm und den Oberversicherungsämtern zugegriffen werde, wo offensichtlich Rassenorgane fich ihrer Aufgabe nicht gewachsen zeigen. Jedenfalls dürften die berechtigten Der Butab in der Krise. Proteft gegen die Notverordnung. " 7 torb Vor den Funktionären der technischen Angestellten und Beamten ( Butab) sprach am Freitag in den Germaniajälen der Bundesvorsigende Genosse Schweizer über das Thema: ,, Der Butab im Sturm der Krise". Die Techniker werden von der Rationalisierung, zu deren Durchführung sich die Unternehmer in erster Linie der Arbeitskraft der Techniker bedienten, am stärksten betroffen. Vom 1. Juli 1929 bis Ende Mai dieses Jahres ist die Zahl der stellungslosen Mitglieder von 2607 auf 11 147 gestiegen. Diese fatastrophale Zunahme der Arbeitslosigkeit fonnte auf die Finanzen des Butab natürlich nicht ohne Einfluß bleiben. Wurden zum Beispiel in dem gleichfalls schweren Krisenjahr 1926 insgesamt 614 000 Mart an Stellungslosenunterstützung ausgezahlt und im Konjunkturjahr 1927 nur 146 000 Mart, so waren es allein in den ersten fünf Monaten dieses Jahres rund 528 000 Mart. Dieser Entwicklung mußte der Bundesvorstand begegnen, da sich sonst bis zum Jahresschluß eine Unterbilanz von etwa 558 000 Mark ergeben hätte bei einem Vermögensbestand des Bundes von etwas mehr als 1½ Millionen Mart. Der Bundesvorstand mußte daher die Erhebung eines Sonderbeitrags der noch in Sonnabd., 20. 6. Staats- Oper Unter d. Linden 292. A.-V. 20 Uhr Der Troubadour Ende, 222 Uhr Sonnabd., 20.6. Städt. Oper Bismarckstr. Turnus III 20 Uhr Cavalleria rusticana Josephslegende Ende g 222 Uhr Staats- Oper Staatl. Schausph. Am Platz der Republik 1912 Uhr Die ( am Gendarmenmarkt). 251. A.-V. 20 Uhr Zauberflöte Geschichte Gottfrie dens von Berlichingen Oeffentl. Kartenverkauf mit der eisernen Hand Ende n.221/ 2 Uhr Ende g. 232 Uhr Staatl. Schiller- Theater, Charltbg. 20 Uhr Haus Herzenstod Ende gegen 22½ Uhr PLAZA Täglich 5 u. 815 Morgen 3 Vorstellungen 2, 5 und 815; VICTORIA und ihr HUSAR Des Riesenerfolges Ende Juni verlängert! wegen bis Benutzen Sie den Vorverkauf! Ansprüche der Bersicherten auf ausreichende und zweckmäßige Bei Berliner lk- Trio stungen nicht verfümmert werden, Neukölln, Lahnstr. 74/ 75.1 Rose- Garten das beliebteste Sommertheater 3 Programme: 1. Großer Konzertteil II. 8 sensation. Varieté Nummern III. Operette. ..Der Hutmacher Sr. Durchlaucht" Gr. Operette von Josef Snaga Wochentags 5.30 U., Sonntags 5 U. Wochent. Kaffeekochen an gedeckten Tischen Preise: 0.60-2.00 M. ROSE THEATER Guido Thielscher in ,, Der wahre Jakob" Sonntag: 545 u. 9 Uhr, Wochentags 815 Uhr. Bereits 20 Vorstellung.u. 20 ausverkaufte Häuser! Nur noch bis 25. Juni Des ungewöhnlichen Erfolges wegen: Sonntag, 21. Juni, 3 Vorstlg.: 230 545 900 Uhr. Preise 0.50 bis 3.- M. Gr. Frankfurter Str. 132, U- Bahn: Srausberger Pl. Sie kaufen am besten im 6 tägigen Vorverkauf: 11-1 und 4-9 Uhr. Tel. Bestellungen ununterbr. unter E7 Weichsel 3422. Arbeit stehenden Bundesmitglieder von 25 Pf. bis 1 Mark monatlich beschließen und gleichzeitig neben anderen Ausgabendrosselungen in geringem Umfange auch eine der Einschränkung Stellungslosenunterstügung. Nach dem Voranschlag für das Jahr 1931 bleibt dann immer noch ein Fehlbetrag von über 4 Million Mark, der aus dem Bundesvermögen gedeckt werden muß. Die Bundesleitung war der Ansicht, daß die Mitglieder, die noch Beschäftigung haben, dieses Opfer im Interesse der Erhaltung des Bundes und aus Solidarität mit ihren stellungslosen Verbandsfollegen ohne Murren auf sich nehmen werden. Genosse Echweiger ging dann noch ausführlich auf die Not verordnung vom 5. Juni ein. Dabei unterließ er es nicht, den Ernst der politischen Lage, der auch in der Stellungnahme der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion zu der Notverordnung zum Ausdruck gekommen ist, frei von jeder Illusion aufzuzeigen. Seine mit zwingender Logik gerade zu diesem hochpolitischen Thema vorgetragenen Ausführungen stimmten auch die Wortrevolutionäre nachdenklich, die sonst mit Paientlösungen immer schnell zur Hand sind. Bon wenigen Ausnahmen abgesehen, billigten in der Diskussion die Funktionäre die Maßnahmen des Bundesvorstandes zur Erhaltung der Schlagkraft ihrer Organisation. Gegen wenige Stimmen nahm die Versammlung eine Entschließung an, in der sie gegen die sozialen Härten der Notverordnung protestiert und die Erwartung ausspricht, daß die freigewerkschaftlichen Spizenorganisationen den Kampf gegen den unsozialen Inhalt der Notverordnung mit allem Nachdruck so lange fortsezen, bis die. Beseitigung des schweren Unrechts, das der deutschen Arbeitnehmerschaft in ihr zugefügt wurde, erreicht ist. Schlichtungsversuche in Nordfrankreich. Paris, 20. Juni. Der Arbeitsminister hat heute mit Vertretern der Arbeitgeber und Arbeitnehmer des nordfranzösischen Tegtilgewerbes verhandelt, um zu versuchen, in dem seit Wochen dauernden Streif eine Einigung herbeizuführen. Seine Bemühungen sind zwar ergebnislos geblieben, er beabsichtigt aber, die Schlichtungsversuche demnächst fortzusetzen. Wetter für Berlin: Wechselnd bewölkt, ohne erhebliche NiederFür schläge. Am Tage mäßig warm, nordwestliche Winde. Deutschland: In der südwestlichen Hälfte ziemlich heiter und troden, in der nordöstlichen Hälfte leicht veränderlich mit Abfühlung. Theater der Woche. Bom 21. bis 29. Juni Volksbühne. Theater am Bülowplay: Lumpazivagabundus. Staatstheater. I Staatsoper Unter den Linden: 21. Die ägyptische Helena. 22. Fürst Igor. 23. Intermezzo. 24. Eine Nacht in Benedig. 25. Das Rheingold. 25. Die Waltüre. 27. Die Macht des Schicksals. 28. Der Zigeunerbaron, 29. Siegfried. Staatsoper am Blag der Republit: 21. und 28. Carmen. 22. und 24. Aus einem Totenhaus. 23. Pericole. 25. Rigoletto. 26. Madame Butterfin. 27. und 29. Falstaff. Stäbtische Oper, Charlottenburg: 21. Madame Butterfly. 22. Zauberflöte. 23. Hoffmanns Erzählungen. 24. Tannhäuser. 25. Carmen. 26. und 28. Das Spigentuch der Rönigin. 27. Die lustigen Weiber von Windsor( legte Vorstellung vor den Ferien). Staatliches Schauspielhaus: 21. und 29. Cecil Rhodes. 22. und 27. Gök von Berlichingen. 23. Portugalesische Schlacht. 24. Nora. 25. Prinz Friedrich von Homburg. 28. Das nürnbergische Ei. Staatliches Schiller- Theater: 21., 22., 27 und 29. Haus Herzenstod. 23. und 26. Liebe auf dem Lande. 33 Minuten in Grüneberg, 24. Die Journalisten. 28. Der Richter von Zalamea. Theater mit festem Spielplan: Kurfürstendamm- Theater: Die schöne Helena. Deutsches Theater: Der Hauptmann von Röpenid. Die Komödie: Dienst am Kunden, Theater in ber Stresemannstraße: Gestern und heute. Komödienhaus: Schwengels. Komische Oper: Frauen haben das gerne Deutsches Künstlertheater: Jntimitäten. Metropol- Theater: Die Toni aus Wien. Rose- Theater: Bis 25. Der wahre Jatob. Ab 26. Der Herr mit dem Fragezeichen. Rose- Theater ( Gartenbühne): Der Hutmacher Gr. Durchlaucht. Theater in der Klosterstraße: Die Hole. Wintergarten, Plaza, Stala: Internationales Barieté. Reichs. hallen- Theater: Stettiner Sänger. Theater am Rottbuffer Tor: Elite- Sänger. Nachmittagsveranstaltungen: Rose Theater: 28. Der Herr mit dem Fragezeichen. Rose- Theater( Garten. bithne): Ronzert und Varieté. Theater in der Klosterstraße: 21. 16 Uhr. Kleine Stlavin. 28. 15% Uhr. Erdgeist. 17 Uhr. Büchse der Pandora. Wintergarten: 21., 27., 28. Internationales Barieté. Plaza, Stala: Inter. nationales Varieté. Erstaufführungen der Woche: Donnerstag. Schiller Theater: Der Richter von Salamea. Freitag. Schauspielhaus: Das nürnbergische Ei.- Rose Theater: Der Herr mit dem Fragezeichen. Verantwortl.. für die Redaktion: Herbert Lepere, Berlin; Anzeigen: Th. Glode, Berlin. Berlag: Vorwärts Verlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts Buch druckerei und Berlagsanstalt Baul Ginger& Co., Berlin SW 68, Lindenstraße 3. Hierzu 1 Beilage. Alfred Wildegans Behördlich zugel. Buchmacher Hauptstelle: Berlin- Neukölln, Hermannstr. 10 Am Südausgang des U- Bahnhofes Hermannstraße Fernsprecher: Neukölln( F 2) 7771 und 7772 Telegrammadresse: Ansaferox- Berlin. Nebenstellen: Meßpalast: Ritterstr. 69. Leiter: Willy Zschiesche.- Belle Alliance: Yorckstraße 69. Leiter: Erwin Vanehr.- Chausseestr.: Chausseestr. 116. Leiter: Otto Radke. Wilhelmplatz: Charlottenburg, Berliner Str 79. Leiter: Max Cornelius.- Kalserdamm: Charlottenburg, Kaiserdamm 21. Leiter: u. Lindemann Wettscheine werden in allen Annahmestellen eingelöst! Volksbühne Deutsches Theater Theater am Bülowplatz. 8 Uhr Lumpazlvagabundus Staatl. Schiller- Th. 8 Uhr Haus Herzenstod Komische Oper Friedrichstr. 104 8½ Uhr 8 Uhr Der Hauptmann von Köpenick v. Carl Zuckmayer Regie: Heinz Hilpert Die Komödie Täglich 8 Uhr Dienst am Kunden von Curt Bois und Max Hansen Regie: Hans Deppe Frauen haben Kurfürstendammdas gern... Musikal. Schwank von Arnold Musik v. Walt. Kollo Sommerpr. 0.50-7.00 Metropol- Theater Täglich 84 Uhr Die Toni aus Wien Mady Christians, Michael Bohnen Theater Bismarck 449 8% Uhr Die schöne Helena von Jacques Offenbath Regie: Max Reinhardt Wo spelst man gut und billig? Nur Gross- Berlin Alexanderplatz LUNA PARK Heute Gross- Feuerwerk HAUS VATERLAND Das KURFÜRST 7460 Vergnügungs Restaurant Berlins BETRIEB KEMPINSKI Trabrennen Ruhleben Sonntag, den 21. Juni nachm. 3 Uhr DO Beilage Sonnabend, 20. Juni 1931 16 Der Abend Shalausgabe des Vorwant Paris- Châlons- Varennes Vora Serman Wendel Nach heißem Tag ein fühles Lüftchen, der Himmel bedeckt und Sternenlos, undurchdringliches Dunkel über den Fluren das ist die Nacht vom 20. auf den 21 Juni 1791. Auch die große Stadt Paris, die in der Nähe, vom Fieber der Revolution geschüttelt, in unruhigem Schlummer liegt, hat ihre Lichter gelöscht, genau wie der mächtige Reisewagen, der nicht fern vom Stadtzollhaus der Barriere Saint- Martin, auf der Straße nach Mez, leer und untätig wartet. Auf dem Bock eine Gestalt, auf dem Sattelpferd eine zweite, beide stumm und reglos. Da der Horizont den ersten schwachen Schein vom Vorläufer des Tageslichts zeigt, in der dritten Morgenstunde, rollen Räder, eine Art Fiaker hält neben der Reisekutsche, die seinen Inhalt, einen stattlichen Herrn, eine, noch eine, eine dritte Dame und zwei Kinder, anscheinend Mädchen, rasch aufnimmt. Der Kutscher des Fiakers, leichtfüßig zur Erde springend, neigt sich über die Hand der einen Dame: Auf Wiedersehn, Madame Korff!" Dann blickt er dem sich rasch entfernenden Gefährt nach, bereits hat die Dunkelheit es verschluckt, mur Geräusch der Räder ist noch vernehmbar. Da fahren sie hin, der König von Frankreich, seine Schwester, Madame Elisabeth, der Kronprinz und sein Schwesterchen, beider Erzieherin, Madame de Tourzel und die stolze Königin. Ja, auch Marie Antoinette Graf Arel Fersen in seiner Kutschertracht seufzt auf, aber er läßt den Kopf nicht hängen. Es muß alles flappen! In zwei Tagen spätestens sieht man sich, wie verabredet ist, in einem Schlößchen bei Montmédy wieder. Der schwedische Graf, zugleich Liebhaber der Königin und Vertrauter des Königs, einer der Granden seines Landes und in Frankreich Oberst- Inhaber des Regiments Royal- Suédois, ist der betriebsamste Vorbereiter der Flucht der Bourbonenfamilie gewesen. Und mehr: ihr Anstachler! Er hat wieder und wieder betont, daß nur mit fremder Hilfe Macht und Herrlichkeit des Königtums wiederherzustellen sei. Er hat, als der Entschluß feststand, die falschen Pässe und den Wagen besorgt, einen von dem Typ, der nach der preußischen Hauptstadt Berline genannt wird; er hat die einzupreußischen Hauptstadt Berline genannt wird; er hat die einzu schlagende Route, Poststation für Poststation, aufs sorgfältigste ge= prüft; er hat mit den Befehlshabern der im Osten stehenden Truppen, Bouillé und Choiseul, alles wegen der Aufnahmestellungen für die Flüchtigen vereinbart; er hat das Großze besorgt, die Geheimforrespondenz mit den Höfen von Desterreich, Schweden und Spanien, und sich um das Kleine gefümmert, um die mitzunehmenden Kammerfrauen und das Gepäc, wie um den Mundnarrat faltes Rind und Kalbfleisch nebst einer Flasche nichtmouffierenden Cham pagneweins und fünf Flaschen Trinkwasser. Wenn er sich nach zweimal vierundzwanzig Stunden wieder über die Hand seiner Marie Antoinette beugt, ist das absolute Königtum, so wie es vor dem dreimal verruchten Bastillensturm bestand, über den den Zug weiterzugeleiten, in Sainte- Menéhould und Cler= mont die Dragoner des Oberst von Damas. Von da ab mar man auch nicht mehr auf die Poststationen angewiesen, sondern durfte auf militärische Relais rechnen. Meaug liegt um sechs Uhr in der Frühe hinter der Gesellschaft; in Chaintrig, das um zweieinhalb erreicht wird, einem Weiler von fünfzehn Feuerstellen, erkennt der Schwiegersohn des Postmeisters, Gabriel Ballet, die Insassen der Berline; ehrfürchtige Aufregung; die Familie, royalistisch wie noch der größte Teil Frankreichs, tut eifrig, was sie den unerwarteten Gästen an 回回 I hult! hu www ١١١١٠ Verhaftung der Königl. Familiei. Varennes, Zeitgenos. Bilderbogen ( L'imagerie Orleanaise.) den Augen absehen kann. Kein Postillon, nein, Ballet selber schwingt sich zur Weiterfahrt auf den Bock, Peitschenknall, die Gäule daß sie in furzer Zeit auf der glatten Straße zweimal stürzen. Bald| fliegen, so toll geht es dahin, nach vier Uhr rollen Kutsche und Kabriolett über das Pflaster von Châlons; kurzer Halt zum Aus- und Anspannen; schon vor halb Fünf flappert man durch das Sankt- Jakobs- Tor auf der schönen Landstraße nach Mezz weiter. Aber hat Vallet auch dicht gehalten? Hat der Postmeister von Châlons von sich aus den König unter der Maste Durands erkannt? Auf jeden Fall ist seit dem Aufenthalt in der Marnestadt die Reise der Familie Bourbon fein Geheimnis mehr. Eine halbe Stunde hinter Châlons, als die Berline einen Augenblick hält, nähert sich ein Unbekannter in Bürgertracht dem Kutschenschlag, sagt laut: Ihre Maßregeln sind schlecht getroffen, Sie werden festgehalten werden!" und verschwindet hurtig, ehe die Erschreckten ihn nach dem Wer und Wieso zu fragen vermögen. Auf rätselhaften Schwingen fliegt ihnen die Kunde von ihrem Nahen vorauf. Die Flüchtigen allerdings faffen wieder Mut. Ist das nicht schon Pont- de- Somme- Besle? Und feuchten da nicht die weißverschnürten himmelblauen Dolmans der Lauzun- Husaren im Licht der eben fum erstenmal durch die Wolken brechenden Sonne? Nein, nichts leuchtet, nichts rührt sich! Es ist auch nicht zu erfahren, was sich hier begeben hat: der Herzog von Choiseul harrte in der beiden Wagen flüsterte der Postmeister gemacht? einem der Soldaten zu, auf men hier gewartet werde; darauf so viel Erregung, daß es der Herzog für geraten fand, mit seiner Mannschaft abzurüden. Berg. Dann werden in Mez die alten ständischen Parlamente zu der Tat mit seinen Husaren, aber eine halbe Stunde vor Ankunft sammenberufen, die Konstituante als eine Versammlung von Hochverrätern in Acht und Bann erklärt, mit eigener und fremder Truppenmacht auf Paris marschiert und der Kanaille, der frechen, fest zur Aber gelassen jawohl, Köpfe werden rollen, und die von Gottes und Rechts wegen allein zum Herrschen und Genießen auf der Welt sind, werden wieder obenauf sein wie vor 1789! Leidenschaftlicher verstrickt sich der Schwede, den Weg über Le Bourget zur belgischen Grenze nehmend, in solche Erwägungen als der, den es zunächst angeht, Ludwig XVI. Der dide, gleich gültige, phlegmatische Mann sitzt in den weißsamtenen Fonds der Berline zurückgelehnt; wer weiß, was er denkt und ob er überhaupt etwas denkt! Die Königin, beweglicher und bewegter, schiebt manchmal nervös den grünen Taftvorhang vom Fenster, einen Blick hinauszuwerfen. Es ist schon ganz hell, als die erlauchte und verdächtige Reisegesellschaft beim von wem aufmerksam Die Reifenden verhehlen ihre Bestürzung nicht, aber weiter, nur weiter! Bald kommt Sainte- Menéhould; von dort ab wird Oberst de Damas mit seinen Dragonern sie in sicheres Geleit nehmen. Die Straße führt jetzt durch die„ Lausechampagne", eine weite, fahle, falte, fast düstere Landschaft, farge Wiesen, von seltenem Gehölz unterbrochen, am Horizont hebt sich die dunkle Linie der Argonnen ab, hier und da dreht eine Windmühle schwermütig ihre Flügel. Dreiviertel acht treibt Valory den auf der letzten Station bestiegenen Klepper über das Pflaster von Sainte- Menéhould. Die Bürger räkeln sich nach des Tages Hize vor ihren Häusern, und sieh da! Grüne Waffenröcke mit farmofinroten Aufschlägen, wirklich lungern einige der erhofften Dragoner herum. Und dort, ein Rittmeister, lang, hager, lang, hager, mit vorspringender Geiernafe, Herr d'Andoins, aber was Valory von ihm erfährt, klingt wenig tröstlich: die Kavalleristen saufen seit grauer Frühe mit den Bürgern herum, werden von ihnen aufgehetzt, sind kaum sehr sicher in der Hand des Offiziers. Spur, als die Wagen nach zehneinhalb Uhr anlangen! Dafür stecken. Drouet und Guillaume in der Schenke Zum goldnen Arm", wo noch Licht war und ein paar Bürger bei Wein und Karten saßen. Auf, Patrioten, der König will fliehen, der König ist nah, der König ist da! Ein Verhau quer über die Airebrücke; der Flecken, friedfertig am Tage, da in allen Häusern Frauen und Mädchen. Girlanden zum übermorgigen Fronleichnamsfeste gewunden haben, iegt in den festen und frühen Schlaf solcher Zwergstädte versunken, fährt jach hoch; der Wind scheint Ansteckungsteime der Erregung von Châlons, von Sainte- Menéhould durch die Luft hergetragen zu haben. Als die beiden Wagen herantrotten, fliegen Flinten in Anschlag: Halt! Oder wir geben Feuer! Finstere Männer treten herzu: Die Pässe, bitte! In der dichten Gruppe um die Fuhrwerke stehen teilnahmslos und keineswegs nüchtern etliche Husaren von der hierherbeorderten Abteilung des Leutnants Rohrig, eines Rheinländers aus der Wormser Gegend, selber Deutsche, was tümmert sie der Streit zwischen König und Nation! Der Procureur der Kommune, der Spezereifrämer Sauce, T reicht die Bässe zurück: In Ordnung! Man fann weiter, Gott sei Dant. Aber Drouet lärmt und tobt: Das ist wirklich der König, der ausreißen will! Ein Verbrecher, wer ihn nicht aufhält, so daß der eingeschüchterte Kleinfrämer bedauernd erklärt, heute es ist fortsetzen, morgen werde man weiter sehen. Und während auch hier gleich Mitternacht fönnten die Herrschaften ihre Reise nicht gut die Sturmglocke zu hämmern beginnt, und die Fenster sich hastig erleuchten, und die Alarmtrommel umgeht, und die Nacht von Rufen und Gemurmel anschwillt, erkennen die Flüchtigen, daß es nichts' anderes gibt, als sich fügen. Bitte, in mein bescheidenes Haus einzutreten. Sauce weist den Gästen ein Zimmer hinter dem Kram an; Dauphin und Prinzessin werden aufs Bett gelegt und schlafen übermüdet sofort mit geballten Fäusten ein; die anderen fißen mit einem eklen Geschmack im Munde im flackernden Schein billiger Kerzen um den runden Tisch. Noch weiß in Varennes niemand sicher, ob es sich um die Königsfamilie handelt. Aber im Flecken wohnt ja ein Richter namens De stez, der in Versailles geheiratet hat, und die Majestäten von Angesicht zu Angesicht kennt. Holen wir Destez! Dest ez erscheint, betritt das Zimmer: Ah, Sire! Da erhebt sich der Verwalter Durand schwerfällig: Ja, ich bin euer König! Und wahrhaftig, er läßt sich herbei, Destez, Sauce und wer von den übrigen Kleinbürgern ihm gerade in den Wurf kommt, scheinbar bewegt zu umarmen. Alles ist gerührt, die Frauen schluchzen, jawohl, morgen wird und soll und muß die königliche Familie nach Montmédy weiterreisen, in Paris war sie ihres Lebens nicht sicher, sie flüchtet einfach zu ihren getreuen Untertanen. Und solche getreue Untertanen sind doch auch die Einwohner von Varennes, nicht wahr? Pferdewechsel in Claye vollzählig wird. Hier harrt, vorausgefahren, ein Kabriolett mit den Damen Neuville und Brunier, Kammerfrauen der Königin. Auch das ist also im Lot, schön, und eilends verteilt man unter sich die Rollen, die nach den Bässen zu spielen sind. Als Herrin gilt unter dem russischen Namen Madame Korff nicht, Der tritt selber, die Hand am Helm, zur Meldung an den wie zuerst geplant war, die Königin, sondern die Gräfin de Tour Kutschenschlag der eben einrollenden Berline, aber als er wegen der zel; Marie Antoinette, in grauem Seidenkleid mit schwar- Eskorte, selbst zweifelnd, zum Aufsitzen blasen läßt, murren die zem Hut und Mäntelchen, einen fließenden violetten Schleier vor Leute: Nichts im Magen, wenigstens Brot und Käse wollen sie. dem Gesicht, ist als Madame Rochet die Gouvernante, Louis, Der Rittmeister, während Kalesche und Kabriolett schon fern sind, in braunem Anzug und flaschengrünem Ueberzieher, mit biederem schnauzt herum, aber plötzlich- bimbimbimbim die Sturmglode, schwarzem Rundhut, gibt den Verwalter Durand ab, Madame Trommeln wirbeln dumpf Generalmarsch, Elisabeth die Gesellschaftsdame Rosalie, der Kronprinz, als Mädchen vermummt, und die Prinzeß hören als Kinder Korff die Nationalgarde eilt zu ihrem Sammelplatz, die Stadt regt sich im auf die Vornamen Amalie und Agla e. Außer den beiden Fieber. Mit gutem Instinkt begreift die Bürgerschaft, was hier Kammerfrauen gibt es, in fanariengelber Livree, noch drei Diener, gespielt wird: die Berline mit dem Turm von Gepäckstücken auf in Wahrheit drei Edelleute von der Leibkompagnie der Gardes du marsch, ist das absolute Königtum, das der Nation den Krieg sprengt eine halbe Stunde voran, damit überall die neue Bespannung und Hochperrat der Bourbonen. Postmeister Drouet, alter Corps, de Valory, de Malden und de Moustier. Balory erklärt, ist, zwölf Kilometer in der Stunde zurücklegend, der LandesMoustier, start turzsichtig, fizt neben dem an jeder Poſtſtation Orte am Wege aufgestört, die Straßen gesperrt schon stiebt er, bereit ſtehe; M al den reitet am Schlage der sechsspännigen Berline, Condé- Dragoner, rasch in den Sattel, den Flüchtigen nachgesetzt, die wechselnden Postillon auf dem Bock; das Kabriolett der Kammerfrauen, mit drei Pferden bespannt, fährt dem großen Reisewagen mit einem Distriktsbeamten Guillaume, Spiznamen„ die Wildfau", davon! Schon müssen auch die Dragoner des Herrn Die Landstraße ist wenig belebt. Einmal erregt ein Reiter die d'Andoins vor Nationalgarde und Bürgerschaft die Waffen streden! Nation! Aber als, es ist fünf Uhr morgens und längst taghell, unmittelbar vorauf. Unruhe der Flüchtigen, der ihnen hartnäckig zu folgen scheint, aber nachdem man eine Straßenkreuzung passiert hat, ist er verschwunden. Daß es der königlichen Familie gelang, die Tuilerien unbehindert zu verlassen, wo die Höfe von Nationalgarden wimmeln, und jeder Korridor mit Schildwachen besetzt, jede Tür von Posten gehütet ist, erscheint als glückliches Vorzeichen. Hat man einmal Chalons hinter sich, einzige große Stadt am Wege, gelangt man nach sechzehn Kilometern, alfo, da die Berline im Durchschnitt zwölf Rilometer die Stunde zurüdlegt, binnen fünfundsiebzig Minuten in den Bereich der Truppen Bouillés, beren. Generale, Offiziere und Soldaten dem Königshaus fanatisch ergeben sind und auf die Nationalversammlung und ganz Paris pfeifen. Wie war es doch abgemacht? In Pont- de- Somme Besta harry. der Herzog von Chaijent, mit Susaren, um dem Dach das ist die Gegenrevolution auf dem Es ist Nacht geworden. Als die großen Reflektorlaternen der Berline wieder Pflaster und Häuser in ihren Lichtkegel bekommen, heißt der Ort Clermont. Pferdewechsel! Rasch, rasch! Aber da ist Leider, weil die Bürgerschaft aufsässig ja Oberst Graf Damas! zu werden drohte, mußte er von seinen hundertsechzig Dragonern einen Teil nach dem benachbarten Auzéville abrücken lassen, die übrigen haben sich verkrümelt, zechen herum. Er wird zwar zum Aufsitzen blasen lassen, aber vielfagend zudt er die Achseln. Antwort auf das Trompetensignal ist einzig Sturmglockengeläut und Zusammenströmen bewaffneter Bürger. Doch noch hält die hochmütige Königin ihr Herz fest. Bald muß aus der dunklen Nacht der Flecken Barennes auftauchen; wenn alles daneben ging, dort findet man zweifellos ergebenes Militär und das erste der von Choiseul bereitgestellten Relais. Aber weber von dem einen noch von dem anderen eine Aber das flache Land ringsum ist in Bewegung. Der aufstürmende Klang der Sturmglode fliegt von Kirchturm zu Kirchturm, überall flappern Holzschuhe über die Straßen, alles strömt nach Barennes, von sicherem politischem Urtrieb gejagt, die Gassen des Fleckens wimmeln wie nie von Männern in Blusen, von Frauen in Lothringer Häubchen, von Nationalgardisten mit alten Flinten oder Sensen und Dreschflegein. Was soll jetzt noch die Abteilung auzun- Husaren von Pont- de- Somme- Vesle, die endlich abgemattet einreitet, den Herzog von Choiseul an der Spize! Zwar versucht er, durch eine schmetternde Ansprache seine Leute zum Vorgehen, Bürger, gewigter, holen eine Frau, die deutsch parliert ,, bearbeiten zum Einhauen zu ermuntern, aber sie sind auch Deutſche, verstehen außer den Kommandoworten feinen Brocken Französisch. Die Bürger, gewigter, holen eine Frau, die deutsch parliert ,, bearbeiten durch sie die Soldaten, die, als ihnen Krüge, poll Wein aufs Pferd fraternisieren: Es lebe die Ludwig XVI. fich hoheitsvoll am Fenster des Hauses Sauce zeigt, praffeln auch einige: Hoch der König! dazwischen. Noch geben die Festgehaltenen nicht alles verloren. Bouillé mit seiner Truppenmacht ist ganz nahe, die Reiter seiner Borhut streifen in den Weinbergen vor den Toren des Städtchens, jeden Augenblick kann ein rettender Borstoß kommen. Statt dessen langen um sechseinhalb Uhr staubbedeckt in staubbedecktem Kabriolett zwei Nationalgardenoffiziere aus Paris an, Lafayettes Adjutant Romeuf und der Kommandeur des fiebenten Bataillons Baŋon. Als die Entdeckung der Flucht am Morgen des 21. Juni die Hauptstadt in Taumel und Tumult warf, find beide nacheinander zur Verfolgung losgeprescht und haben sich, unterwegs getroffen, Ste bringen ein Detret Dee Rationale Dersammlung, am Tage zuvor einstimmig beschlossen, daß ,, die Individuen der Königsfamilie" anzuhalten seien. Romeuf ist strammer Royalist, dazu heimlicher Berehrer der Königin, die er im Dienst oft gesehen und zuweilen gesprochen hat. Das Wasser steht ihm in den Augen, als er sich auf diese Verordnung berufen muß, aber es gibt nur eines: Gehorsam! So wird um siebeneinhalb Uhr an diesem Junimittwoch angespannt, und unter tausendstimmigem Geschrei: Nach Paris! Nach Paris!, setzt sich die Berline in der Richtung, aus der sie sieben Stunden zuvor gekommen ist, in Bewegung. Sechstausend Männer, davon zweihundert auf Gäulen, tausend Frauen und Kinder, geben der königlichen Familie ein Geleit, wie sie es nicht einmal am 5. Oftober 1789 gekannt hat. Noch werden fast vierzehn Monate vergehen, bis das Volk die Tuilerien stürmt und die Bourbonen aus seiner Geschichte streicht, und anderthalb Jahre, bis Ludwig zur Guillotine gefahren wird, aber dieser Zug, die langsam fahrende gravitätische Reisefutsche in ungeheurer Staubwolke, die aufgewirbelt wird von zahllosen Holzschuhen und nackten Füßen, ist der wahre Leichenkondukt der französischen Monarchie. Sie starb in Varennes. RUNDFUNK Rückschau. AM ABEND Fahnen am Matterhorn", ein Hörspiel von Gas barra, wurde von der Funkstunde uraufgeführt. Der Kampf des Menschen und die bezwingende Natur hat den Verfasser zu der Gestaltung seines Spiels gelodt. Er wollte den heroischen Gegensatz zeigen zwischen dem kleinen Menschen, der mit zähem Eifer immer wieder an scheinbar Unmögliches sich magt, und der starren Gewalt der Natur. Stellenweise versuchte sich der Verfasser dabei in dichterischem Schwung- und dann wurde er flach und unklar. Sobald er sich aber darauf beschränkte, einen einfachen Hörbericht von der ersten Bezwingung des Matterhorns zu fonstruieren, bot er eine eindringliche Schilderung von dem Erlebnis der Hochgebirgswelt, die den Menschen, den sie einmal gepact bat, nicht wieder losläßt, und die den Unterliegenden vernichtet und dem Sieger mit ihren Wundern begnadet. Mag Bing hatte zwar das Wert mit einem überflüffig geräuschvollen Auftatt belastet und auch einige sehr überflüssige Jodlerschnörkel angebracht, sonst aber die Aufführung in finngemäßer Schlichtheit aufgebaut. " Im Programm der Deutschen Welle sprach in dem 3ntlus ,, Die Welt des Arbeiters" Dr. Harjet über Persönliche Nöte der Arbeiterjugend". Er betonte die Lebensnot, in der sich gerade die heutige Jugend befindet, und die bei vielen jungen Menschen zu einer dumpfen Resignation führt gegenüber jeder produttiven Teilnahme am Leben. Mühevolle Lehr- und Aus bildungsjahre müssen für den Jugendlichen finnlos werden, der feine Möglichkeit vor sich sieht, das Gelernte später in praktische Arbeit zu verwerten. Besonders schwer macht es die gegenwärtige Krise auch den jugendlichen Proletariern. Es ist daher kein Wunder, daß viele jugendliche Arbeitslose gesellschaftsfeindlich werden. Der Staat hat die Pflicht, gerade dem jungen Menschen seine besondere Fürsorge angedeihen zu lassen. Er müßte es heute in viel größerem Maße als bisher tun, wenn er sich nicht selber aufgeben will; denn die Jugend von heute ist der Staat von morgen. Sonnabend, 20. Juni. Berlin. Tes. 16.05 Dr. Anneliese Landay: Emilie Zumsteeg, die Vorkämpferin der musikalischen Hochromantik. Gesangsvorträge: Ursula Richter, Mezzosopran. Flügel: Alexander Ecklebe. 16.30 Unterhaltungsmusik. 18.20 Die Erzählung der Woche.( Anna Seghers.) Sport am Sonntag Sonnenwendfeiern/ Arbeitersport und anderes Turner- und Sportlerhumor! Unter diesem Motto ladet ,, Volks sport Neukölln- Briz" zum morgigen Sonntag ein. Alle Abteilungen machen mit: das verspricht Unterhaltung, Frohsinn, Geselligkeit. Das Musikkorps, Dirigent Walter, spielt bei voller Besetzung ab 15 Uhr. Wo die Sache steigt? Selbstverständlich auf dem schönen Sonnenplatz in der Sonnenallee( 5 Minuten vom Bahnhof KaiserSonnenplatz in der Sonnenallee( 5 Minuten vom Bahnhof KaiſerFriedrich- Straße). Der Platz hat neue Buddelanlagen für die Kleinsten, ist ausgebaut in allen Einrichtungen. Alles in allem: es wird wieder ein schöner Sonntag im Grünen. Unkostenbeitrag: Erwachsene 50 Pfennig, Jugend, Erwerbslose 30 Pfennig, Kinder 10 Pfennig. Die Zeit der Sonnenwende benußen eine ganze Anzahl Ar- gewährleisten ein Sommerfest mit guten sportlichen Darbietungen. beitersportorganisationen zur Abhaltung von Sonnenwendfeiern. Das Gartenfonzert beginnt um 16 Uhr. Der geringe Eintrittspreis Am ledersee veranstalten die Naturfreunde" heute und morgen von 25 Pfennig gibt allen die Möglichkeit der Teilnahme. Ab auf dem pereinseigenen Gelände bei der großen Herberge ein fol- 18 Uhr Lanz. ches Fest, bei dem sich Tausende von Naturfreunden zusammenfinden werden. Nach einem Konzert erwerbsloser Musiker findet ein Faltbootfadelreigen statt und um 23 Uhr steigt unter Mitwirkung der Musiker und des Jungen Chores das Sonnenwendspiel der Naturfreunde. Eintrittskarten 30 und 50 Pfennig. 3üge ab 14.25 Uhr, 16.14 Uhr, 17.35 und 18.50 Uhr ab Stettiner Bahnhof nach Finow- Furth( Eberswalde umsteigen); Rückfahrkarten 3,20 Mart. Der Berein„ Bolfsgefundheit" verbindet die Sonnenwende mit einem Sommerfest, das am morgigen Sonntag die Mitglieder des Vereins und die sympathifierende Bevölkerung auf dem Vereinsgelände in der Fontanestraße, Neukölln, zusammenbringen wird. Während der Tag der Unterhaltung und der Freude gewidmet ist, findet bei einbrechender Dunkelheit auf dem festlich illuminierten Gelände die Sonnenwendfeier statt mit einem Sonnenwendfeuer, mit Gesang und der Festansprache des sozialdemokratischen Stadtrats Schneider. Am Hinteren Beeßsee versammeln sich am heutigen Sonnabend um 23 Uhr die Mitglieder des Freikörperkulturbezirks der Freien Turnerschaft Groß- Berlin zu ihrer Sonnenwendfeier. Rezitationen, Mufitaufführungen und der Festspruch werden beim Brennen des Feuers zur festlichen Stimmung beitragen. Fahrt auf Sonntagsrüdfahrtarten bis Groß- Besten, dann Fußweg an der Bahn entlang bis Rilometer 38. Kartellfportfest in Charlottenburg. Ein interessantes Sportfest veranstaltet am morgigen Sonntag das Charlottenburger Arbeiter Sportfartell um 14 Uhr im Volkspart Jungfernheide. Das Leichtathletit, Handball, Fußball, Tennis, Radsport und vieles andere bringende Programm verspricht einen schönen Sportnachmittag. Im Fußballspiel treffen unter anderem die FTGB.- Charlottenburg und eine spielstarte Mannschaft aus Prißwalt zusammen, während sich im Handballspiel die erste Mannschaft der Kleingärtner und FichteFriedenau messen werden. und Siemensstadt find herzlich eingeladen; der Eintritt ist frei. Die Werftätigen von Charlottenburg Sommerfest im alten Stralau. Der Bezirk Stralau der Freien Turnerschaft Groß- Berlin feiert am Sonntag in der Alten Taverne" in Stralau sein zweijähriges Bestehen. Die Vorbereitungen Allerlei Radsport Zweiter Tag bei Rütt Auch der zweite Renntag, den Walter Rütt in seiner neuen Wirkungsstätte, dem Polizeistadion, durchführte, hatte einen recht guten Publikums- Zuspruch zu verzeichnen. Ueber 3000 3uschauer wohnten den Rennen bet. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand ein Stunden- Mannschaftsfahren, das diesmal ohne Ueber rajchungen abging und mit dem Siege von Mandelkow B. Bolte endete, die 37,6 Kilometer zurücklegten und 33 Punkte erzielten. Die nächsten Bläge belegten Petri- Dorn( 28 B.), Lehmann- Wiffel( 16 p.), Engelmann- W. Nickel( 15 P.), Ehmer- Ties ( 14 P.), Evert- Funde und Longardt- Kroll( je 13 P.), SchwemmlerKantorowicz( 12 P.), D. Nickel- Maczynski( 11 P.) und Feder- Neumann( 0 Punkte). Im Punktefahren besetzte Longardt mit 8 Punkten den ersten Plaz vor Ehmer( 6), Wissel und Proll( je 5 Punkte), und im Borgabefahren belegte der mit 90 Meter Borgabe bedachte Rantorowicz den ersten Platz vor Betri scheidungsrennen für Amateure fiel an den Charlottenburger Germanen Beder. 18.50 1. Telemann: Sonate A- Moll. 2. Händel: Sonate C- Dur( Eva Heinitz,( 15 meter), Funda( 25 Meter) und Ehmer( Mal). Ein AusViola da Gamba. und Dr. V. E. Wolff, Cembalo). 19.15 Mitteilungen des Arbeitsamtés. 19.20 Studenten diskutieren. Nationale Wirtschaft. Ltg.: Prof. Dr. Ludwig Bernhard. 20.00 Das Glück bei Donizetti. Ein Vortrag mit Meisterplatten. Am Mikrophon: Felix Stößinger. 21.00 Tages- und Sportnachrichten. und Peter Schaeffers. Musik: Peter Kreuder. Conférence: Peter Schaeffers. 22.15 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Tanzmusik. Henne fährt 230 Stundenkilometer. Der bekannte Münchener Weltrekordfahrer Ernst Henne unternahm am Freitag mit seiner 21.10 Sommergeheimnisse. Heitere Abendunterhaltung von Günther Franzke BMW.- Trainingsmaschine mehrere Versuchsfahrten auf der Avus, um die Beschaffenheit der Fahrbahn für seine in Aussicht genommenen Refordversuche zu prüfen. Er erreichte Geschwindigkeiten bis zu 230 Stundenkilometer. Henne zeigte sich nach den 16.00 Universitätsprof. Dr. W. Vogel: Die geographischen Grundlagen der Verfuchsfahrten sehr befriedigt und beabsichtigt, die Weltrekorde über 5 Kilometer und 5 Meilen anzugreifen. Weltrekord über 1000 meter. Staatsbildung. 16.30 Hamburg: Konzert. Königswusterhausen. Ferien zu Hause bleiben muß? 18.00 Französisch tür Fortgeschrittene. 17.30 Prof. Dr. Brugsch: Wie erhole ich mich am besten, wenn ich in den unternahm der auch bei uns bestens bekannte französische RennAuf der Bahn in Algier fahrer Onésime Boucheron einen Angriff auf den von dem Italiener Linari mit 1: 07,2 gehaltenen Weltrekord über 1000 Meter mit fliegendem Start. Das Borhaben Boucherons war von bestem Erfolge begleitet, denn er konnte mit 1: 06,8 einen neuen Weltreford schaffen. 18.30 Dr. Hans Weinert: Schwimmblase, Lunge und Stimme. 18.55 Wetter für die Landwirtschaft. 19.00 Heinz Engel: Die Visitenkarte der fernen Sender. 19.30 Heiterer Sonntagsführer." 19.55 Wetter für die Landwirtschaft. 20.00 München: Niederbayerisches Volkswettsingen in Landshut. Sonntag, 21. Juni. Berlin. 6.30 Funk- Gymnastik. Anschl. Frühkonzert. 8.00 Für den Landwirt. 8.55 Morgenfeier. 10.05 Wettervorhersage. 10.45 Feierstunde des Deutschen Freidenkerverbandes. 1. Mehuel: Hymne ( Doppelquartett d. Deutschen Freidenkerverbandes). z. E. Kegel: Freiheit ( Heinrich Heilinger. Rezitation). 3. M. Barthel: Brot und Schönheit ( J. Röntgen)( Doppelquartett). 4. Ansprache Max Sievers. 5. Preczang: Arbeiter an der Zeit( Heinrich Heilinger). 6. H. Schulken: Frühlingsstürme( Doppelquartett). 12.30 Mittagskonzert. 14.00 Märchen( Edith Herrnstadt- Oettingen). 14.30 1. a) Bach: Sonate G- dur; b) Scarlatti: Suite G- dur( Lo BüchelerGerfin, Flügel). 2. a) Carissimi: Vittoria, vittoria; b) Caccini: Amarilli Charlotte Belau, Sopran). 3. Schubert- Lieder( Ernst Lottorf, Bariton). 4. Wagenseil: Divertimento Nr. 4( Lo Bücheler- Gerfin). 5. Rossini: Cavatine( Charlotte Belau). 6. Wolf- Lieder( Ernst Lottorf). 7. Mendelssohn: Präludium und Fuge e- moll( Lo Bücheler- Gerfin. Flügel Heinrich Steiner). 15.30 Karl Figdor: Orientalische Märchenfürsten. 16.30 Blasorchesterkonzert, 18.45 Luftschiffhafen Potsdam: Festkonzert des Sängerbundes Bin- Brandenbg. 19.15 Sportnachrichten 19.25 Schallplatten aus Rußland.( Am Mikrophon: Dr. N. Feinberg). 20.00 Ludwig Hardt spricht. 20.30 Fantasien und Potpourris. 22.15 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Anschl. Tanzmusik. Königswusterhausen. 7.00 Hamburg: Hafenkonzert. 11.00 Sommeranfang. Dr. H. Michaelis, O. Besemfelder und Helga Thorn. 11.30 Bach- Kantaten. 12.00 Oberschulrat A. Bornemann: Fachschulen als Ausbildungsstätten- für dem Beruf. 12.30 Breslau: Konzert. 15.30 Carl Fürstenberg: Johannes Schlaf. 16,00 Grünau: Berliner Jubiläums- Ruder- Regatta. 18.00 Wien: Innsbruck. Hörfolge. 18.45 Dr. W. Hoffmann- Harnisch: Verbürgerlichung der Welt. 19.25 Max Metzger: Zwischen Madagaskar und Korsika. 20.55 Wien: Sonnenwendfeier auf den Bergen. 21.25 Wien: Konzert, Todessturz bei der Tourist- Trophy. Die bekannte englische Motorradprüfung um die Tourist- Trophy auf der Insel Man wurde am Freitag mit dem Rennen der 500- ccm- Maschinen zu Ende geführt. Leider ereignete sich ein schwerer Sturz mit tödlichem Ausgang. Der auch in Deutschland bekannte Engländer Sids fam in einer Kurve so unglücklich zu Fall, daß er bald nach der Einlieferung ins Krankenhaus seinen Verlegungen erlag. Das Rennen selbst endete mit dem Siege des Engländers Hunt auf Narton, der schon am Montag in der 350- ccm- Klasse siegreich gewesen war. Er durch fuhr die 425,140 Kilometer lange Strecke mit einem Stundenmittel von 125,341 Kilometer in 3:23:28 als leichter Sieger. Seine Martengenoffen Guthrie( 3:24:57) und Woods( 3:27:36) belegten die nächsten Plätze. Nur 14 Fahrer beendeten die schwere Prüfung, Vom Boxsport Steinbach Europameister Nun haben auch die Desterreicher einen Europameister. Mittelgewichtsmeister Poldi Steinbach hat das Kunststüd fertiggebracht, den famosen Technifer Mario Bosisio- Italien einwandfrei über 15 Runden auszupunkten und einen von 10 000 Menschen bejubelten Sieg davonzutragen. Somit dürfte der Kampf zwischen Bosisio und dem langjährigen französischen Europameister Marcel Thil, der am 5. Auguft stattfinden sollte, entfallen, vielmehr wird mun wahrscheinlich Steinbach seinen Titel gegen Thil verteidigen müssen. Der in Wien mit Spannung erwartete Kampf SteinbachBosisio brachte in den ersten Runden nichts Aufrégendes, beide Borer fämpften sehr vorsichtig. Von der achten Runde ab gab Steinbach aber den Ton an. Der Wiener, der nichts zu verlieren hatte, ging voll aus sich heraus, Bosisio dagegen mußte zumeist defenfio fämpfen. Dramatisch verlief die letzte Runde, in der der 35 Jahre Eiche- Köpenid. Der Arbeiter- Turn- und Sportverein Eiche- Köpenick feiert am morgigen Sonntag auf seinem Vereins play, Wendenschloßstraße, sein 35jähriges Bestehen in Form eines großangelegten Sportfestes. Aus Berlin und der Provinz Branden= burg haben die besten Bereine ihre Meldungen abgegeben, so daß ein reges sportliches Leben auf dem schönen Eiche- Platz zu_er= warten ist. Beginn der Wettkämpfe 14 Uhr. Die Arbeiter- Handball-, Fußball- und Tennisspiele haben wir bereits in den letzten Nummern des„ Abend" bekanntgegeben. Arbeiterschwimmer in Provinz und Reich. Trotz der wirtschaftlichen Notlage bringen es die Arbeiterschwimmer Berlins immer wieder fertig, Kampfmannschaften zur Unterstützung der Bruder vereine in die Provinz zu schicken. So fahren die Freien Schwimmer Charlottenburg nach Braunschweig, der ASV.- Kreuzberg und die Freien Schwimmer Groß- Berlin werden in Stettin ihren Mann stehen, Frankfurt( Oder) empfängt den ASV.- Hellas, Perleberg die Freien Schwimmer Spandau und Senftenberg wird die Freien Schwimmer Berlin XII zu Gast haben. * Die Grünauer Ruderregatta der bürgerlichen Bereine findet am morgigen Sonntag vor den Regattatribünen ihren Abschluß. Zur Kennzeichnung der geistigen und politischen Einstellung der Beran stalter sei mitgeteilt, daß auch im Jahre 1931, 13 Jahre nach der Flucht Wilhelms II. nach Holland, immer noch ein„ Kaiser. Bierer" ausgefahren wird. Italiener dem Kampf noch eine Wendung geben wollte, doch zu spät. Steinbach behauptete sich auch im Endspurt und erhielt einstimmig den Punktsieg zuerkannt. Gestörte Weltmeister- Hoffnungen Der Ueberschwergewichtler Primo Carnera ist in seinen Weltmeisterschaftshoffnungen empfindlich gestört worden. Er hoffte schon, bereits im September den Sieger des Treffens SchmelingStribling fämpfen und selbstverständlich auch befiegen zu können. Nun macht ihm aber die französische Militärbehörde einen Strich durch die Rechnung. Carnera hatte seinerzeit die Unvorsichtigkeit begangen, geschäftlichen Gründen die französische Staatsbürgerschaft anzunehmen. Als Gegenleistung tommt nun ein recht unerwünschter Gestellungsbefehl. Carnera foll beim 158. Infanterieregiment in Straßburg seine Fähigkeit als Wehrpflichtiger unter Beweis stellen, und das möglichst bald. aus Werfährt mit& Fahren ver Naturfreunde Nach Wien und durch die Steiermart führt die nächste Ferienfahrt des Touristenvereins Die Naturfreunde". Beginn 18. und 21. Juli. Das Programm der Fahrt ist furz folgendes: Teilnehmer, die am 18. Juli fahren, unternehmen an den ersten Tagen Wanderungen in den Wiener Wald, Besichtigungen von Wien schließen sich an. Nach der Olympiade geht es durch den Semmering nach Mürzzuschlag. Ueber Bruck an der Mur, Leoben, Bordernberg, Eisenerz, durch die Ramsau, Radmer, Johnsbach und durch das Gesäuse nach Admont. Rückfahrt über Salzburg nach Die andere Berlin. Teilnehmer sind noch herzlich willkommen. Ferienfahrt führt nach der Insel Bornholm und nach Kopenhagen, vom 25. Juli bis 9. August. Der Verlauf dieser Fahrt: Bornholm. Ausfüge von Rönne führen in die schönsten Gebiete der Bahnfahrt Berlin- Saßniz. Dampferfahrt über die Ostsee nach Insel. Der zweite Teil dieser Fahrt führt nach Kopenhagen mit Besichtigung der Stadt. Rückfahrt über Saßniz nach Berlin. Nähere Auskunft erteilt das Reisebüro des Touristenvereins Die Naturfreunde" R 24, Johannisstr. 15. Rennen in Ruhleben. Am Sonntag eröffnet die Rennen in Ruhleben die Berolina", eine über 2800 Meter führende Zuchtprüfung für 3- bis 5jährige Inländer. Die Rennen beginnen um 15 Uhr. " Bundesreue Vereine teilen mit: TB. Die Naturfreunde". Montag, 22. Juni, 19% Uhr. Photogemeinschaft: Johannisstr. 15. Malgemeinschaft: Jugendheim Wrangelftr. 128. Dienstag, 23. Juni, 20 Uhr. Abt. Mitte: Abendwanderung. 18 Uhr Bahnhof Schöneweide. Johannisthal. Schöneberg- Friedenau: Jugendheim Offenbacher Str. 5a. Oberschöneweide: Jugendheim Laufener Str. 2, Norden: Sonnenburger Straße 20. Abendspaziergang. Friedrichshain: Frankfurter Allee 307. Webbing- Gesundbrunnen: Abendwanderung. 19 Uhr Chriftiania. Ede Brinzen allee. Often: Jugendheim Ebertnstr. 12. Humboldthain: Willdenowstr. 5. indergruppe 17% Uhr Bank. Ede Wiesenstraße. Jugendgruppe Often: Jugendheim Frankfurter Allee 307. Donnerstag 25. Juni, 20 Uhr. Rosenthaler Borstadt: Schule Weinmeisterftr. 16-17. Weißensee: Jugendheim Pistorius. firaße 24. Prenzlauer Berg: Danziger Str. 62. Neukölln: Bergstr. 29. Südwest: Jugendheim Nordstr. 11. Lichtenberg: Jugendheim Gunterstr. 44. Tiergarten: Jugedheim Lehrter Str. 18-19. Naturkundliche Abteilung: Johannisftr. 15. Boltssport Neukölln- Brig. Treffpunkt aller Abteilungen heute, Sonnabend, Herzbergplaz, zum Werbeumzug. Abmarsch 18 Uhr( vorher umkleiden Schule Sergbergplag). Conntag, 21. Juni, Voltssport- Sommerfest aller Abteilungen: Turner, Sportler, Humor. Allgemeiner Uebungsabend der Wiener Tänze" für alle: Mittwoch, 24. Juni, Leffinghalle, 20 Uhr. 1 FZEB., Bezirk Charlottenburg. Dienstag, 23. Juni, Eröffnung einer Knabenund Mädchenabteilung. Aufgenommen werden Knaben und Mädchen im Alter pon 8 bis 14 Jahren. Die Turnabende find Dienstag und Donnerstag ab 18 Uhr in der Turnhalle Spreestr. 29. Dort turnen auch Männer und Jugend Montags und Donnerstags, Frauen und Jungmädchen Dienstags und Freitags ab 20 Uhr. Alle Abteilungen Mittwochabend und Sonntagvormittag Sportplaz n der Avus“. Arbeiter Photo Gilde. Connabend Fahrt nach Brieselang und in den Krämer. Abfahrt 16.12 und 18.55 ab Lehrter Bahnhof. Nachzügler Conntag früh Jugendherberge Briefelang. Tennis- Rot Groß- Berlin, Abt. Neukölln. Sonntag, 21. Juni, ab 8 Uhr, Boltspark Neukölln. Kartell- Propagandaspieltag. Freie Sport- und Schüßenvereinigung, Abt. Friedrichshain. Montag, 22. Juni, Mitgliederversammlung bei Schwarz, Frieden. Ede Koppenstraße. Abt. Prenzlauer Berg. Schießabend bei Reche, Meger Str. 26. Bf2., Oftring. Sportfest Elche" Röpenid. Alle Teilnehmer treffen sich um 12% Uhr am Bahnhof Köpenid. Eintrittstarten zum RAGS auf den Trainings abenden Dienstag und Donnerstag im Lichtenberger Stabion erhältlich. Der Arbeiter Sporttegelflub Borwärts" übt jeben Freitag um 20 Uhr in der Alexandrinenstraße 107. Gäste willkommen.