Morgenausgabe Dienstag �U.-�h,gang �.##> W 23. 3uni 1931 A � M(Srop'Serlin 10 Pf. WöchentNch 8S Pf.. monaMch 3.60 M. KW I DW Waf�/ iM Hj W» � 3sn�M�ri� � � 1>i im voraus zahlbar. Postbezug 4�2 M. WW l!WW WW �W �W /V|H WW HR j�H �Rj"UUStVdilv XD Jv�f. 72 Pf. Postbestellgebühren. Auslands»[�Jh| BH'�H �5)|mI RB bR Hf Die etnspalt. Nonparewezetle 8V Pf. vbonnement 6.— M. pro Monat; für �RRW! ss���R WW �R WR DD �R �R w)■■ i/ Reklomezeile 5,— RM.„Kleine An- Länder mit ermäßigtem Drucksachen« Ii>> WW> �R �R �R �R BR �R R9— R> BBS zeigen" das fettgedruckte Wort 25 Pf. oorto s.— M. rfaigä i II �Hl R| HB BH �R �R tzulassig�oet fettgedruckte Worte), jede, .... S»! H �B!�Bi> � B Et-u-ng-luch.-w-"»-« is P� D».DorwSns erlchem, woch-ntag. W> I I MU. f-d°» weil-r- W°N>0 Pf. Wori« üd« lid) joeim«! Sonntags und Montags H�J I*/' �MV AM 15 Buchftab.n zähl-n für zw-! Motte. einmal, M< Bbendimsgab. furSetlm T/>V— Mtbeitsmartl Z-il- 60 Pf. Familt-n. und Im fionbel mit dem Ittel ,»« � AMBsStA anzeigen Z-iI-»0Pf. Anz-fa-nannahm. «SödBMaBB» ASCdtlKv S�PlfPPlaH ffi*rr-ffr>iiirlp.!r Aentrawvsan der Gozialdemokratistben Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstr. 3 Fernspr.: Dönhoil(L. 7) Ä!2— 297. Tclcgramm-Adr.: Sozialdemokrat Berlin. Was ist mit Frankreich? Nimmt es Hoovers Vorschlag an oder nicht? In der ganzen Welt hak der Borschlag Hoovcrs ein sehr günstiges, ja zum Teil sogar ein begeistertes Echo gefunden. Nur in der französischen Oesfentlichkeit werden Stimmen des Zweifels und zum Teil sogar des lebhasten Protestes laut, und wir müssen uns darauf einrichten, daß es noch einiger Slnftrengungcn bedürfen wird, um Frankreich, ohne dessen Zu- stimmung der Plan nicht in Kraft treten kann, zu gewinnen. Am Dienstag, so heißt es, werde die französische Regie- rung offiziell Stellung nehmen, aber es wird gleichzeitig an- gedeutet, daß sie genauere Feststellungen über die Art seiner Durchführung verlange, die nur durch Verhandlungen zwischen allen beteiligten Mächten zu erreichen seien. In einer halbamtlichen Mitteilung betont außerdem die Agence chanas die Notwendigkeit, den Moratoriumsplan mit dem Poung-Plan in Einklang zu bringen. Man wird abzuwarten haben, welchen Zweck das Bemühen um die Schaffung einer Uebereinstiminung zwischen Moratorium und Aoung-Plan verfolgt. Wenn etwa daran gedacht ist, daß nach dem Ablauf des Feierjahres das alte Zahlungsschema wieder unverändert in Kraft treten müsse, so wird man Frankreich nicht im Zweifel darüber lassen können, daß Deutschland sclbstverstävdliö) in der ihm jetzt vergönnten Frist alles tun wird, um auf dem Wege internationaler Ver- Handlungen zu einer Verminderung seiner Zah- l u n g s v c r p s l i ch t u n g e n zu gelangen. Ebensowenig aber könnte das Verlangen einen Sinn haben, den Poung- Plan insofern innezuhalten, als Deutschland auch jetzt noch an die Bestimmungen des Transfermoratoriums gebunden und verpflichtet sei, die ungeschützten Annuitäten weiterzuzahlen. Doch wenn wir von vornherein diese Einwendungen er- heben, so wollen wir nicht die Eigenart der Lage verkennen, in die Frankreich durch den amerikanischen Schritt versetzt worden ist. Es hätte für dos Jyhr 1931/32 einschließlich der Sachlicscrungen an Deutschland einen Anspruch von fvB,4 Millionen Mark. Es hätte an England und Amerika nur 423,3 Millionen abzuführen gehabt, so daß ihm also— für Wiederaufbauzwecke— rund 415 Millionen verblieben wären. Auf diese 415 Millionen soll es jetzt, und zwar ziemlich plötz- lich und unvorbereitet, verzichten, und wenn es zu dieser For- derung ein schiefes Gesicht schneidet, so müssen wir objektiv genug sein, seine Mißstimmung zu begreifen. Kein Staat in der Welt, auch der reichste nicht, würde eine solche Anregung, wenn sie von dritter Seite an ihn herangebracht wird, mit be- fondcrer Freude aufnehmen. Nun gehört Frankreich Zweifel- los zu den Ländern, die von der gegenwärtigen. Krifis am wenigsten berührt sind, und wenn es auch darauf hinzuweisen vermag, daß seine Landwirtschaft durch den allgemeinen Preis- stürz in Mitleidenschaft gezogen ist, daß die Lebenshaltungs- kosten steigen, daß seine Jndustricausfphr zurückgeht, so wird es doch den großen Nnterschied, der zwischen seiner Situation und der der meisten anderen kapitalistischen Länder besteht, nicht zu bestreiten vermögen. Es kann also wohl von ihm ein Opfer erwartet werden, um so mehr, als dieses Opfer ja dazu beitragen soll, eine Katastrophe zu verhin- d e r n, deren Folgen auch Frankreich spüren würde. Trotzdem sollen wir, wie gesagt, siir das Unbehagen unseres westlichen Nachbarn Verständnis zeigen und es nicht so darstellen, als ob der Widerspruch, den er zunächst erhebt, nur bösem Willen entstamme. Wir würden es auch für falsch halten, wenn Deutschland, gewissen amtlichen Anregungen entsprechend, sich nun darauf beschränken wollte, alles weitere Amerika ollein zu überlassen. Nach unserer Ansicht Hot die deutsche Negierung ein sehr starkes Interesse, an der Herbei- führung einer Verständigung mit Frankreich aktiv mitzu- wirken. Es könnte sonst der Fall eintreten, daß die Verwirk- lichung des Hoooerschen Vorschlags vielleicht verschleppt würde. Was aber würde eine solche Verschleppung bedeuten? Wirtschaftlich einen Zusammenbruch der Hoffnungen, die heute vielleicht schon in etwas übcrschwänglicher Weise an den Hoover-Plan geknüpft werden, politisch aber eine Stim- mung, die den deutschen Rechtsradikalen das Wasser auf ihre Mühle leiten würde. Alle, die— nicht nur in Deutschland, sondern in der ganzen Welt— heute noch hoffen, morgen aber aufs schlimmste enttäuscht wären, sie würden Frankreich die Schuld geben. Frankreichs Haltung darf nicht negativ bleiben! Sie muß positiv werden und verhindern, daß die großzügige awerüa- nische Initiative im Gewirr kleinlicher europäischer Kabinetts- Intrigen stecken blecht! Vorwärts-Verlaa G. m. b. H. Stimson drängt. Washington, 22. Juni. In der heutigen Pressekonferenz teilte Staatssekretär S t i m s o n mit, daß die formelle llnterbreitung des amerikanischen Planes bei den beteiligten Mächten bereits aus diplomatischem Wege erfolgt sei. Die Vermutung, daß eine internationale Kon- s e re n z zur Diskussion über hoooers Vorschlag einberufen werden solle, lehnte Stimson rundweg ab. Er betonte, die Angelegenheit drängt so sehr, daß man zu Konferenzen und langen Debatten keine Zeit mehr habe, was man brauche, sei eine sofortige herzliche Zustimmung aller Mächte. Nur das werde die benötigte psychologische Wirkung auslösen, und die spätere Ratifikation durch den Kongreß der vereinigten Staaten so gut wie sicherstellen, wenn aber die Aktion nicht ein st immig erfolgt, so könnte überhaupt uichtserrcicht werden. Eile tue not. eine lange Debatte würde alle, zunichte wachen. Stimson ging hierauf aus den fjindenburg. Brief ein. zu dem er bemerkte, daß er er st am Sonntag, also nach der Er- klärung hoovers. hier eingetroffen fei. Er erklärte, daß es nicht der stindenburg- Brief gewesen sei, der hoover zu einer sofortigen Aktion veranlaßt habe, fondern daß der hindenburg-Brief lediglich die Richtigkeit des hoooerschen Schrittes bestätigt hatte. Eine Frage nach der Abrüstung beantwortete Stimson dahin. daß gutes Einvernehmen in einer gerechten Sache, nämlich in der Erleichterung der Lage Deutschlands, sicher zu gutem Einver- nehmen in einer anderen Angelegenheit, nämlich in der Einigung über Rüstungsbeschränkungen beitragen würde. Macdonald begrüßt HooverS Schritt. London. 22. Juni.(Eigenbericht.) Der englische Premierminister Macdonald erklärte am Montag im Unterhaus die grundsätzliche Bereitschaft der englischen Regierung zur Annahme der Botschaft hoovers. Die Er- klärung war am Bornrittag von einem Kabinettsrat be- schlössen worden. Der Führer der Liberalen, Lloyd George, sowie der Führer der Opposition, B a l d w i n, schlössen sich der Er- klärung Maedonalds an. England steht also einheitlich zu dem amerikanischen Vorschlag. Der Premierminister führte aus, daß die englische Regierung den Vorschlag Hoovers herzlich begrüße un-d ihn für ihren Teil grundsätzlich unterschreibe. Sie sei bereit, mitzuwirken an der Ausarbeitung der Einzelheiten, um dem Vorschlag unverzüglich praktische Wirkung zu geben. Die Lage Englands auf Grund des Vorschlages von Hoover ist die, daß ein Verzicht Englands auf seine Einnahmen aus den Zahlungen Deutschlands, Frankreichs und Italiens kein Opfer bedeutet, da England bis auf einen kleinen Betrag von jährlich l,4 Millionen Pfund Sterling von diesen Ländern nicht mehr er- hält, als es an Amerika zu zahlen hat. Diesen Betrag von 1,4 Mil- lionen erhält England seit dem?1»ung-Plan als Entschädigung für frühere Zahlungen an Zlmerika, welche durch Reparationseinnahmen nicht gedeckt waren. Diese Summe wird also dem Schatzkanzler während des Feierjahres in seinem Budget fehlen. In bezug auf die Beurteilung der Wirkungen des amerika- irischen Vorschlages sind die Engländer sehr zurückhaltend. Man hofft jedoch allgemein, daß nach dem Feierjahr die ganze Frage der Kriegsverschuldung mit mehr Weitblick als bis- her behandelt wird. Das Feierjahr werde beweisen, daß die ganze Welt von einer Revision des Schuldenproblems Vorteile erlangen könne und schon deshalb eine Rückkehrzudem alten Stand der Dinge nach dem Feierjahr unmöglich sei. Italien stimmt zu— mit Vorbehalt gegen Zollunion und Anschluß. Rom, 22. Zuni.(Eigenbericht.) Italiens Stellungnahme zu dem Vorschlag hoovers wird offiziös wie folgt erläutert: Ztalieus Regierung begrüßt das großherzige vorgehen des präsideuien Hoover mil größter Sympathie und nimmt es günstig auf. Daß dies nicht eine leere Redensort ist, geht aus der Tatsache hervor, daß Italien trotz seiner schicchsen Zinanzlog» auch zu Opfern bereit ist. nämlich zum Verzicht aus jene 42 Millionen Mark, die ihm als Jieberschuß nach den Schuldenzahlungen aus den deulschen Reparationsleistungen verbleiben. Die italienische Regierung betrachtet Hoover» Vorschlag als ersten Schrill zu einer moralischen Postscheckkonto: BerlinZ? S3g.— Bankkonto: BankderArbciler, Angestellten und Beamten, Lindenstr. 3, Dt. B. u. Dise.-Ges., Depositenk., Jerusalemer Str. SS/KS. und soktischcu Abrüstung, als erstes Zeichen für den günstigen Ver- laus der Abrüstungskonferenz. Immerhin muß Italien eine Reserve machen, nämlich die, daß Deutschland die V e r p f l i ch- t u n g eingeht, die materielle Qilse nicht zu der Wiederausnahme der Zollunionsplänc mit Oesterreich zu benutzen. Ieder Gedanke an eine Zollunion und einen Anschluß müsse endgültig aus- gegeben werden. Die Forderungen Italiens gegen die Zollunion und den An- schluh werden am Montag in der gesamten römischen presse unterstrichen. Im übrigen begrüßt die presse den Vorschlag hoovers als eine überaus wichtige Erleichterung. * Wir wollen diese Meldung zunächst nur als einen Versuchs- b a l l o n aussassen, obwohl kein Zweifel daran ist, daß in a m t- l i ch e n Kreisen der faschistischen Regierung Stimmung gemacht wird für eine Verquickung des Schuldenmoratoriums mit der Zollunion oder gar mit dem Anschluß. Eine solche Verquickung ist absolut unmöglich und unzu- lässig. Wo käme man hin, wenn jede der Signatarmächtc de- Haager Abkommens nunmehr mit ihren Spezialwünschen politischer Art hervortreten und aus ihrer Berücksichtigung eine Vorbedingung für ihre Zustimmung zu dem Vorschlag.hoovers machen würde! Was Frankreich erst dieser Tage bei der neuen Sanierung Oesterreichs mißglückt ist, das darf und wird auch nicht Italien gegenüber Deutschland gelingen. Die Angelegenheit der Zollunion befindet sich jetzt im Stadium eines vor dem Haager Gericht schwebenden Verfahrens. Es geht nicht an, sie aus. Anlaß eines Weltschuldcnmoratariums, mit dem sie nichts zu schofsen hat, Aufzurollen. Noch unmöglicher ist es, von Deutschland bei dieser Gelegenheit einen endgültigen Verzicht auf den Anschluß zu er- pressen. Deutschland und Oesterreich haben wiederholt erklärt, daß sie den Anschluß niemals widerrechtlich vollziehen würden. Aber die Verträge von Versailles und St. Germains lassen die Möglichkeit des Zlnschlusses mit Zustimmung des Völkerbundsrats offen. Auf diese Zukunftsmöglichkeit, mag sie noch so fern erscheinen, solange insbesondere der italienische Faschismus am Ruder sein wird, wird Deutschland nicht verzichten. Ministerbesprechungen in Paris. Paris, 22. Juni.(Eigenbericht.) Die Auswirkungen der Botschaft Hoovers für Frankreich wurden am Montag im französischen Finanzmini- st e r i u m eingehend geprüft. Im Anschluß daran hatte der Finanzminister F l a n d i n eine eingehende Aussprache mit dem Ministerpräsidenten L av a l und dem Außenminister B riand. Die französische Presse setzt unterdessen ihre Kritik an Hoovers Vorschlag fort. Die nationalistische„L i b e r t e" schreibt:„Jeder beliebige Mensch aus irgendeinem Lande, möge er über die Grundlagen des Problems noch so schlecht unterrichtet sein, wird sofort sagen, daß das Angebot Hoovers das Ende der Repa- rationen bedeutet. Denn die amerikanische Regierung täuscht sich, wenn sie ernsthaft glaubt, daß nach einjähriger Unterbrechung die regelmäßige Rückzahlung der Kriegsschulden wieder aufgenommen wird. Es besteht also kein Zweifel, daß es sich um eine Revision des Poung-Planes handelt, der vollständig und endgültig sein sollte, und daß man wieder von vorn anfangen muß.� Der„T e m p s" versucht dagegen einzulenken und erklärt, der Paung-Plan müsse als solcher bestehen bleiben. Man könne Deutsch- land die von Hoover vorgeschlagene Erleichterung außerhaib des Planes gewähren, aber es müßten Maßnahmen dafür getroffen werden, daß nach dem Ablauf des Jahres die Ausführung des Poung-Planes in normaler Weise fortgesetzt wird. Der radikale Abgeordnete M a r g a i n e hat in der Kammer eine Interpellation über den amerikanischen Vor- schlag eingebracht. Das Datum für die Besprechung dieser Jnter- pellation soll am Dienstag festgesetzt werden. Die radikale„Volonte" und dos Gewerkschaftsorgan „L e P e u p l e" treten f ü r den Vorschlag Hoovers ein, ohne sich jedoch über die finanziellen Folgen für Frankreich zu äußern. Die Regierung hat noch nicht offiziell Stellung genommen. Das wird erst in dem Ministerrat am Dienstag'geschehen. Ein„besonders qualifiziertes Regierungsmitglied" hat einem Mitarbeiter des„Echo des Paris" erklärt:„Amerika kann nicht oerlangen, daß der Sanierungsversuch der deutschen Finanzen mit einer Operation unternommen wird, aus � der allein Deutschland zum Schaden Frankreichs und der mitteleuropäischen Länder, die ihr Vertrauen in Frankreich gesetzt haben, Rntzcn ziehen würde." Im„P o p u l a i r e" äußert der sozialistische Slbg. Leon Blum, die tiefliegenden Gründe, die'Hoover zu feinem Entschluß Amerika fordert Eile! Aber Italien treibt quer, Belgien läßt fich Zeit— und Frankreich? Optimismus in aller Welt. Keine Devisenverluste mehr.— Gpekulaiionsiaumel.— Rachfrage nach deutschen Anleihen. bestimmt hätten, seien, daß der amerikanische Präsident zwischen Amerika und den europäischen Staaten das gemeinsame Gesetz der Solidarität proklamiere. Alliierte oder Feinde von gestern, Gläubiger oder Schuldner von heute, alle wurden an dem gleichen Uebel zugrunde gehen, wenn sie sich nicht zur gleichen Auf- gäbe vereinigten. Das Blatt sagt, das Angebot choovcrs bedeute, daß Frankreich nicht untätig bleiben dürfe, wenn es nicht in der Welt isoliert und verurteilt sein wolle. Frank» reich müsse zwischen einer verständnisvollen Außenpolitik und den aggressiven Torheiten der Parlamentsmehrheit der Maringruvpc wählen. Abwartende Haltung der belgische« �Regierung. Brüssel, 22. Juni.(Eigenbericht.) In belgischen Regierungskreisey ist man mit der B e u r t e i- lu n g des amerikanisch en Vorschlages sehr zurück- haltend. Der M i n i st e r r a t ist am Montag noch zu keinem Beschluß über die Annahme des Vorschlages gekommen; er be- schloß lediglich, bei dem amerikanischen Gesandten in Brüssel nähere Erkundigungen über den Vorschlag einzuholen. Da der amerikanische Gesandte G i b s o n sich zur Zeit aus der Fahrt von New Port nach Brüssel befindet und hier erst Ende dieser Woche eintreffen wird, so bedeutet die zurückhaltende Stellungnahme des belgischen Kabi- nstts eine Vertagung ihrer Beschlußfassung um etwa eine Woche. . Die Presse ist weniger zurückhaltend. Sie beurteilt den ameri- konischen Schritt fast ausschließlich von dem Gesichtspunkt aus, was Belgien dabei zu opfern hätte. Demgemäß wird das ameri- konische Angebot in verschiedener Weise gedeutet. Da Belgien nach Abtragung seiner Jahrcszahlungen an Amerika noch ein Ueberschuß von SOO Millionen Franken im Jahre verbleibt, so würde die voll» ständige Einstellung der deutschen Reparationszahlungen für das belgische Budget einen Ausfall in gleicher chöhe bedeuten. Dagegen setzte sich fast die ganze belgische.Presse schon jetzt zur Wehr und verlangt eine Borzugsbehandlung für Belgien. Die nationali st ischen Blätter folgen der Weisung ihrer Pariser Gesinnungsgenossen und wollen Deutschland nur soviel von seinen Reparationszahlungen erlassen, als Amerika den Belgiern stundet. Rur der s o z i a l i st i s ch e„P e u p l e" schlägt eine andere Rot« an. Er führt aus, daß die Erklärung eines deutschen Moratoriums vor der Tür stand und daß Belgien dann nicht nur die halbe Milliarde seines Ueberfchusses eingebüßt, sondern darüber hinaus unter Um- ständen auch noch seine Schuldentilgung an Amerika im Betrage von rund 300 Millionen Franken im Jahre hätte weiterzahlen müssen, da der Gesamtanteil Belgiens an den Reparationen u n g e- schützt ist. In diesem Punkte besteht, so führt das sozialistische Blatt aus, in der Tat ein Interessengegensatz zwischen Belgien und Frankreich, da Frankreich als chauptnutznieher des geschützten Teiles ein Interesse daran hat, jede Stundung auf den ungeschützten Teil zu beschränken. Das Echo der Hoover-Akiion. Frankreichs Verantwortung. Die„G c r m a n i a" schreibt:„Die Blicke aller richten sich auf Frankreich. Denn Frankreich hat das Wort und von Frankreich muß das Bekenntnis kommen, aus dem klar und ein» deutig hervorgeht, daß man auch dort die wirtschaftlichen Erkenrit- . nisse choovers, die zu seinem Vorschlag geführt haben, versteht, ihre Notwendigkeit einsieht und daß man sie deshalb realisieren will. Wir stehen an einem wichtigen Entscheidung»- pu nkt. Wieder einmal, weil der Appell, wie schon manchmal, sich auf Frankreich konzentriert. und weil in dessen Antwort«ine europäische Entscheidung, liegt. Nicht nur'mit schönen Worten, sondern in einer Tat. Wir haben— und es scheint uns bei dieser Gelegenheit geboten, es einmal in aller Ruhe auszu- sprechen— bei dem Besuch der deutschen Staatsmänner in Che- quers niemals die Meinung vertreten, es könne sich bei den dortigen Besprechungen darum handeln, ein Unternehmen in die Wege zu leiten, das sich gegen Frankreich richtete. Das hätten die englischen Staatsmänner nicht getan und das hätten die deutschen Staats- männer nicht beabsichtigen können— und weil wir dieser Meinung sind, so gehören wir zu denen, die überzeugt davon sind, es würde für das Verhältnis Deutschland-Frankreich nur nützlich und günstig sein, wenn deutsche und französische Staatsmänner auch ihrerseits den Weg zu einer gemeinsamen persönlichen Fühlung- nähme und Auseinandersetzung finden würden. Denn darüber geben wir uns keiner Täuschung hin, daß die Frage Deutschland- Frankreich nach wie vor das wichtigste und ent- scheidend st c Problem Europas i st." Oer amerikanische Silberstreifen. Die„K r e u z- Z e i t u n g" nennt in allem Ernst den Schritt Hoovers einen„amerikanischen Silberstreifen" und fügt hinzu:„Es würde wirtschaftlich zweifellos eine Atempause für uns bedeuten."' Hilgenberg möchte sich einschalten. Der„L o k a l- A n z e i g e r" sucht den Schritt Hoovers nach Kräften zu verkleinern, muß aber dennoch anerkennen:„Die Wirkung nun des einjährigen Moratoriums wäre für Deutschland eine vorübergehende Erleichterung, nicht mehr." Im � übrigen sucht der„L o k a l- A n z e i g e r" Reklame für chugenberg zu machen, der sich plötzlich um Katastrophenhoffnungen betrogen sieht:„Kommt das Moratorium, dann ist weiter nichts als kurze Zeit gewonnen— und zwar eine Zeit, die für Deutsch- land genutzt werden muß. Durchwen?" Natürlich durch Hugen- berg. meint der„Lokal-Anzeiger". Dies« Beflissenheit in diesem Augenblick ist grotesk. Lärm der nationalistischen Ziadauprefse. Der nationalsozialistische„Angriff" wütet:„Deutschland als Opfer eines neuen Amerika-Bluffs" und die„Deutsche Zei» t u n g" bemüht Sachverständige, um-die Behauptung des„An- griffs" zu beweisen. Die Liste der Sachverständigen beginnt: Dr. B a n g, Dr. Goebbels, Fememörder Heines. Der letzt« ist natürlich der Sachverständigste. Blutige Schlägerei in Hannover. Sieben Erwerbslose verleht. Hannover, 22. Juni.(Eigenbericht.) Die Nationalsozialisten veranstalteten am Montag in Hannover eine Erwcrbslosenkundgebung, die nach kurzer Dauer mit einer großen Schlägerei endete. Zwei Demonstranten wurden schwer, fünf leicht verletzt. In der Kundgebung sollte ein zu den Nazi» übergetretener Kommunist sprechen. Als er erschien, wurde er von Kommunisten mit lauten Zwischenrufen empfangen. Die Nationalsozialisten ver» suchten die Kommunisten aus dem Saal zu treiben. Dieser Versuch führte zu einer großen Keilerei. Da von den Nationalsozia- listen die Saaltüren verschlossen worden waren, konnte die Polizei erst in den Saal eindringen und Ordnung schaffen, al» die Schlägerei ihren Höhepunkt bereits erreicht hatte. Die Reichsbank hat gestern keine Devisen mehr verloren. Die Nachfrage bestand in einem geringen Alaße fort, wurde aber durch Zugänge ausgeglichen. Es ist wahrscheinlich, daß die Zugänge in den nächsten Tagen, falls politische Momente nicht von neuem störend einwirken, die Nachfrage übertreffen werden. Der Privatdiskontsatz wurde an der Börse wieder nottert, die Banken können also sich wieder kurzstistig Geld be- schaffen, und zwar nicht nur von der Reichsbank. Die am Sonn- abend begonnene Kreditrestriktion besteht formell fort, wird aber erheblich gemildert. Die Lorsicht der Reichsbank, die Kreditreftriktion nicht vollständig aufzuheben, ist angesichts der Tat- fache wohl geboten, daß man bei den Banken bisher zur Vor- bereitung des Iuniultimos noch nicht gekommen ist. Die volle Auswirkung der Hoooer-Aktion hängt auch sehr von der Haltung Frankreichs ab— darüber wird im Wirtschaftsteil ausführlich ge- sprachen— so daß auch aus diesem Grunde bei aller Zuversicht eine abwartende Haltung der Reichsbank gerechtfertigt ist. Man braucht nicht mehr anzunehmen, daß für das Reich und die Länder zum Monatsende, besonders bei der Auszahlung der Gehälter, Schwierigkeiten entstehen. Die Abwicklung des Bankenkredits von 2SV Millionen Mark hat in den letzten Tagen zwar Störungen erlitten, es finden auch neue Verhandlungen statt, aber man wird annehmen können, daß die am 25. Juni zu zahlenden t8() Millionen Mark und die etwas später erwarteten restlichen 20 Millionen Mark fristgemäß ge- leistet werden. Die Lage der Reichsbank und des Reiches dürfte im günstigsten Sinne noch sehr entscheidend beeinflußt werden durch den Abschluß von Verhandlungen, die gegenwärtig in London gesührt werden und über die Einzelheiten noch nicht vorliegen. Im übrigen rechnet man in der ganzen Welt mit dem Gelingen dtt Hoooerschen Aktion. Charakteristisch dafür ist der gewaltige Optimismus und der S p e k u l a t i o n s t a u m e l, der auf allen internationalen Börsen herrscht. Ueberall sind die Kurse in beispielloser Weis« gestiegen. Einer ungeheuren Nachfrage stand gestern kaum irgendwo ein Angebot gegenüber; diese Nachfrage wurde durch die in große Schwierigkeiten gekommenen Baisse- Parteien noch verstärkt, die zu relativ niedrigen Kursen liefern müssen und sich nun beeilen mußten, nicht zu teuer zu kaufen. Auf der Berliner Börse sprangen die Aktienkurse um bis zu 23 Punkten in die Höhe; die geringsten Kurssteigerungen waren 3 bis 7 Punkte. Siemens erhöhte sich um 27. I. G. Farben um 20, AEG. um 16, Bergmann um 10, Deutsche Erdöl um 17, Schubert und Salzer um 19, Berger Tiefbau um 8 Punkte, und auch die Bankaktien gingen auf der ganzen Linie in die Höhe. Auf dem Renten markt trat ebenfalls eine sehr stark« Befestigung der Kurse ein. An der Rachbörse gab es noch kein Abbröckeln, sie schloß zu den höchsten Kursen des Tages. In Zürich, Paris, London. New Dork war es nicht anders. Am wildesten ging es offenbar in New Jork zu, wo in der ersten Stund« bereits ein Stückumfatz erreicht wurde, der sonst fast einem Togcsumsotz entsprach. Die Kurssprünge nach oben waren entsprechend, vor allem aber wurden deutsche Dollaranleihen sehr stark verlangt, die Poung- Anleihe stieg sofort um 4 Punkte. In London war die Nach- frage nach deutschen Anleihen am stärksten. Die D o u n g- Anleihe schloß mit 74 Proz.— freilich immer noch wenig gegen- über dem Ausgabekurs von 90— was aber gegcnüber'dem vorigen Freitag«ine Steigerung um 8 Punkte ausmacht. Die Dawes- Anleihe stieg von 95 auf 98K Proz. In Paris ergaben sich Steigerungen um 10 bis 20 Punkte, vor allem auch für französische Bankaktien. Man muß sich freilich hüten, die Borgänge auf den intcr- nationalen Börsen zum Maßstab der Besserung zu machen, die politisch und wirtschaftlich in der Welt eingetreten ist. Man soll aber nicht vergessen, daß an den entscheidenden Tat- fachen der Weltkrise, auch der Wirtschaftslage in Deutsch- land, n o ch n i ch t s g e b e s s e r t ist! Englische Hilfe für die ZUichsbanf. Das große Interesse, das die angelsächsische Welt insbesondere in den letzten Tagen an einer Behebung der finanziellen Schwierig- leiten Deutschlands zeigt, wird sich— wie der„S o z. Presse- dienst" meldet— schon in den allernächsten Tagen durch eine Erleichterung der bedrängten Lage der Reichs- dank auswirken. Die inzwischen eingeleiteten Verhandlungen hoben bereits zu einer grundsätzlichen Verständigung geführt, von der außer der Reichsbank auch das Reich betroffen wird. Di« Bank von England hat an den Berhandlungen maßgebenden Anteil. Seipel und die Geipellotten. Die zusammengebrochene Intrige des Königsmachers gegen Sozialdemokraten. Die neue österreichische Birndezregierung unterscheidet sich von ihrer Vorgängerin dadurch, daß der christlichsoziale Ender als Bundeskanzler von dem christlichsozialen Buresch abgelöst wird; jener war vorher Landeshauptmann in Vorarlberg, diescr ist Landeshauptmann in Niederösterreich. Politisch werden sie sich von«inander nicht wesentlich unterscheiden. Der Unterschied liegt im Charakter. Der Dorarlberger ist ein wirklicher Demotrat, ein Mann von festem Wort, wogegen der Nieder- österreicher ein sehr anpassungsfähiger Herr ist, der immer auch anders kann und der sich insbesondere während der Heimwehr- konjunktur an Anbiederungen an die damals Erfolg versprechende Bewegung nicht genug tun tonnte. Als Minister für soziale Verwaltung gehört dem neuen Kabinett Dr. Resch an, ein rechtschaffener Mann, der aber trotzdem die schärfste Gegnerschaft der Sozialdemokratie findet, weil er der Träger de»„Abbaus" der Arbeilstosennnterstühnng fein muß. Das einzig wirtlich neue an der Regierung Buresch, die sonst olle Minister des Kabinetts Ender übernimmt, fft der neue Finanz- minister Professor Josef Redlich, der in England und in den Vereinigten Staaten wohl bekannter sein wird als in Deutschland, und von dem in der Erinnerung nur hasten geblieben ist, daß er, und zwar mit Dr. Seipel, Mitglied der letzten t. k. Regierung ge- wesen ist. der Regierung L a m m a s ch, die an dem allzu späten Versuch, die slawischen Völker bei Habsburg zu erhalten, in wenigen Tagen geschettert ist. Er gehört zu den engsten Vertrauten Schobers, die ihn jedesmal, wenn er zur Regierung kam, in sein Kabinett berufen wollte, und der es wohl auch ist, der jetzt die Blicke auf ihn gerichtet hat. Redlich ist ohne Zweifel ein großer. Gelehrter, und seine Werke über den englischen Parlamentarismus und über die englische Lokalocrwaltung waren zu ihrer Zeit cpoche- machend; ob er sich. Abkömmling reicher mährischer Zuckerfabri- kanten, der überdies seit Iahren in Amerika, wo er an der Havard- Universität als Professor wirkt, weill und den österreichischen Dingen daher ziemlich fremd gegenübersteht, das moralische Ansehen erwerben kann, dessen gerade ein Sparminister am meisten bedarf, ist fraglich. Aber alles das wären innerösterrcichische Sorgen, und hätte es nicht herbeizuführen vermocht, daß sich Europa für dies« österreichische Ministerkrise interessiert— was aber offensichtlich und in beträchtlichem Maße der Fall war. Was die groß« Welt aufgeregt hat, war das plötzliche Austauchen des Herrn Seipel, und es hat in Oester- reich auch nicht geringere Beunruhigung erzeugt. Sich dieses Auf- treten, das so unvermutet geschah, etwa so vorzustellen, daß die Lösungsversuche de» Bundespräsidenten gescheitert waren, er also sozusagen sachlich gezwungen gewesen wäre, auf Seipel zurück» zugreifen, wäre völlig falsch. Alles, was vorangegangen ist, die Verhandlungen mit Ender. Gürtler und Resch, war nur T ä u- s ch u n g. Seipel lauerte schon von Ansang an, begann wahr- scheinlich schon zu lauern, als Ender noch unerschüttert schien. Denn es ist Seipel» nicht auszurollende Einbildung, daß die Harmonie der österreichischen weit gestört ist. wenn er nicht Bunde»- kanzler ist: daß olle anderen Regierungen nur Zwischenspiele zu sein hoben, die man von Zeit zu Zeit zwischen da« beharrliche und be- ständige Regieren Seipel» einschieben darf, die ober ihren Zweck verfehlen, wenn sie zu lang« dauern und damit Seipel von der Macht, dke nach seiner Meinung nur dann in richtigen HändeN ist, wenn sie in seiner Hand ist, abholten. Deswegen wurde alles zuerst unlösbar gemacht; es sollte scheinen, al» wüßt« man nicht mehr au» noch ein: und dann tritt Er aus den Wolken und alle jubeln: der Retter ist da! Denn Herrn Dr. Seipel schien diesmal auch die außenpolitische Lage zu begünstigen. Ob mit Recht oder Unrecht begleitet den bisherigen Außenminisier Schober die Vorstellung. daß er es mit Deutschland hält, daß er wenigsten» nicht imstande ist, die Zollunion auf Geheiß Frankreichs zu verleug- nen und damit das Reich vor aller Welt zu kompromittieren— was ihm ohne Zweifel die Abneigung der französischen Machthaber ein- trägt. Diese müssen picht gerade erklärt haben, daß die Schobers Sturz und Seipels Erhöhung wünschen; auch ohne das weiß man, daß der Monsignore Seipel in Paris immer«ohlakreditieri war und daß die französischen Regierungskreise, wenn er in Oesterreich Bundeskanzler und Minister des Aeußern geworden wäre, das Ge» fühl gehabt hätten, über die Reichsregierung einen diplomatischen Sieg erfochten zu haben— den ihnen mit Geld(Aufnahme der Schatzschcine) zu erlangen nicht gelungen war. Also schien dafür alles zu sprechen, daß das Spiel gelingen, Seipel auf den Thron steigen und die W e n d u n g n a ch P a r i s hin sich vollziehen werde. Aber es kommt oft anders als man denkt und diesmal ist es gründlich anders gekommen. Schon die erst« der Seipelschen Königsidee scheiterte, der Versuch nämlich, eine Konzentrations- regierung zu begründen. An die Sozialdemokraten war schon früher eine Verführung herangetreten: nämlich dem Bundeskanzler Ender „außerordentliche" Vollmachten zu gewähren, mit denen die finan- ziellen Fragen der Haushaltsdefizite und die Folgen des Zusammen- bruchs der Kreditanstalt erledigt hätten werden sollen. Nun ist es ein Unglück, wenn man in einer Verfassung den Artikel 48 hat, ober daß die Sozialdemokraten ein solches Ausnahmegesetz hätten jetzt bewilligen sollen, zu dem Zwecke bewilligen sollten, damit auch in Oesterreich solche Dinge gemacht werden können, wie sie in Deutschland mit der letzten Notverordnung gemacht worden sind, ist einfach eine unvorstellbare Zumukung: die Sozialdemokraten haben sie auch glatt abgelehnt. Schon deshalb, weil die katastrophale Lage des Reiches mit seinem in sich unmöglichen Reichstag ein Elend ist, das keinen Vergleich zuläßt; der österreichische Nationalrat ist dagegen durchaus ar- b e i t s f ä h i g, arbeitet auch ganz normal, wenngleich harte Maß- regel natürlich auch bei ihm auf den Widerstand stoßen, den sie in jedem Parlament finden. Das muß eben organisch überwunden werden, nicht durch mechanisch« Gewaltmittel. Aber Seipel kam mit einem ungleich härteren Trumpf: er; der es in unzähligen Reden als sein« politische Großtat hingestellt hatte, die Sozialdemokraten von der Macht ausgeschlossen zu haben, er, der eigentliche Erfinder des österreichischen Antimarxismus, kam mit dem An- erbieten, die Sozialdemokraten sollen mit dem bisherigen Bürger- block in ein« Koalition eingehen, mit Christtichsozialen, Großdeutschen und Landbündkern, aber vor allem mit den Christlich- sozialen eine Konzentrationsregierung bilden! Der Einfall ist raffiniert ersonnen: die Sozialdemokraten sollen sich an den finanziellen Zrogen verbluten. Di« Slyiakdewokraten sollten sich ferner mit dem Faschistenminifter V a u g o i n, der Heeresminister hätte bleiben fallen, mid mit Herrn Das geht lieblich ein: .Mögen die Marxisten für materielle Güter kämpfen. Wir Nazi« studenten kämpfen nicht für irdische Gütern(„Angriff"reda«eur vr. von£:««-.) AfA-Bund und polnische Lage. Entschließung gegen die Notverordnung. Dr. Kienböck, dem Bonkenadookoten und bösartigsten Hasser der Wiener roten Gemeindeverwaltung, der wieder Finonzminister l?ätte werden sollen, verbunden, sogar eine Allianz mit dem Heimatblock, diesem schäbigen Rest, den die Heimwehrbewegung im Nationalrat zurückgelassen hat, hatte Seipel im Sinne! Natür- lich hat die sozialdemokratische Fraktion, zwar in höflichen Worten, aber so bestimmt als notwendig, das Angebot des Herrn Dr. Seipel, sich vor seinen Karren zu spannen, abgelehnt. Und schließlich haben auch die bisherigen Koalitionsgenossen, die Großdcutschen und Land- bündler, ziemlich deutlich zu erkennen gegeben, daß sie mit Seipel und seinem Kienböck nichts zu tun haben möchten. Der siegcsgewisse Seipel mußte den ihm erteilten Auftrag zurückgeben. Man wird wohl resümieren dürfen: Seipel wird niemanden mehr verführen! Das Zwischenspiel ist also zu Ende, aber die Sorgen bleiben. Die schwere Sorge, wie das kleine und entkröstetc Land der furchtbaren wirtschaftlichen Heimsuchungen Herr zu werden ver- mag: noch immer erhellt kein Lichtstrahl das tiefe Dunkel. Aber daß der feine Plan, Seipcl und die Seipcllotten wieder ans Ruder zu bringen, abgeschlagen werden konnte und gescheitert ist, das schafft in dem Elend, das uns in Oesterreich umgibt, doch einen Augenbilck der Genugtuung. k'riechricd �usterlitr. Goebbels und die Reichsflagge. Er weiß nicht, was er unterschrieb. Zu der Erklärung Dr. Goeibbels, er habe keinerlei Perpflich- tung übernommen, die Reichsfarben Schwarzrotgold bei seinem Sportseft zu zeigen, wird jetzt amtlich festgestellt, daß „in dem zwischen dem Reichsausschuß für Leibesübungen und der NSDAP, schriftlich abgeschlossenen Vertrage ausdrücklich vereinbart worden ist, daß die Nationalsozialisten stch verpflichten, d i e Reichsfarben(Schwarzrotgold) an hervorragen- der Stelle zu zeigen. Die Verpflichtung zur Beflaggung in den Reichsfarbcn Schwarzrotgold ist also im Vertragstext nicht weggelassen, sondern ausdrücklich im genauen Wortlaut festgelegt." Wen will Goebbels jetzt noch anschwindeln? Es schien zu- nächst nach seiner Erklärung, als wenn der Reichsausschuß für Leibesübungen ihm aufgesessen wäre. Ist die amtliche Dar- stellung richtig,— und wir zweifeln nicht daran—. so bleibt nur übrig, daß Goebbels nach der moralischen Blamage es für nötig hält, sich gegenüber seinen Anhängern herauszulügen. Wildwest im Kranzenland. Hitterhorden ohne Aufsicht. Vrounschweig, 22. Juni.(Eigenbericht.) In Gandersheim drangen Nationalsozialiften am Sonntag- abend m das Standquartier des Reichsbanners ein. Als der Wirt die Hsrnusgobe von Zigaretten verweigerte, zogen die Rowdys aus ihre» Paschen Schlagwerkzeuge und schlugen auf die in dem Lokal anwesenden Gäste, in der Hauptsache Reichsbannerleute, wie besessen ein. Es gelang den Insasien des Lokals schließlich die Eindringlinge auf die Straße zu drängen, wo die Schlägereien ihren Fortgang nahm. Die Opfer find sechs Schwerverletzt« und zahlreiche Leichtverletzte. Unter ihnen befinden sich der Ehauffeur eines Arztes, ein Reichsbanuerkamerad, der durch zahlreiche Messerstiche fürchterlich zugerichtet wurde und in hoffnunaslosem Zustand daniederliegt. f Vor diesem �ischenfall reistet«» sich M NaWnäls°Mr>sten oüch in Opperhausen im Kreis« Gandersheim gemein« Exzesse gegen das Reichsbanner. In Opperhausen, wo am vorletzten Sonntag mehrere jugendlich« Arbeiter von National- sozialiste» niedergeschlagen und mißhandelt wurden. waren zum Protest etwa 600 Personen, Mitglieder des Reichs- banner». der Sozialdemokratischen Partei und der Gewerkschaften aufmarschiert. Als der Demonstrationszug das Haus eines Land- wirtes namens Weiß passiert«, sahen Reichsbannerleute den Sohn dieses Landwirtes mit einem Gewehr im Anschlag. Im nächsten Augenblick fielen bereit« die ersten Schüsse, ohne daß jedoch Opfer zu beklagen wären. Insgesamt wurden 12 Schüsse abgegeben. Außer von dem Sohn des Landwirts wurde auch noch von anderer Seit« geschossen. Nur dem Dazwischentreten der Reichsbannerführer ist es zu verdanken, daß die feigen Schießhelden von der erregten Menge nicht gelyncht wurden. Polizei war, wie in der letzten Zeit immer wieder, auch während des Vorfalls in Opper- hausen, nicht zu sehen. Scharfes Durchgreifen in Bremen. Umfassendes Versammlongsverbot. Bremen, 22. Juni. Nachdem das bremische Amt in Bremerhaoen in- folge der politischen Ausschreitungen in den letzten Tagen sämtlich« Versammlungen unter freiem Himmel einschließlich aller Aufzüge und Propagandafahrten verboten hat, ist nunmehr auch f ü r Bremen Stadt und Landgebiet sowie für Vegesack ein gleiches Verbot von der Polizeidirektion ausgesprochen worden. Llmschwung in Bulgarien. ssssegierungsblock in der Minderheit. Sofia. 22. Juni.(Eigenbericht.) Di« Regierungskoalition erlitt nach den bisher vorliegenden Er- gebnissen bei der Sobranjewahl eine vernichtende Nieder- lag«. Trotz großem Terror, Hot die Regierungskoalition bisher nur knapp ein Drittel ihrer Mandate gerettet, während der oppositionell« Wahlblock des Demokratenführers Malinow feine Mandatszahl ver- doppeln und die absolute Mehrheit erringen konnte. Auch die Kom- munisten buchen beachtliche Erfolge. Die Sozialisten dürften fünf Sitze erhalten, statt bisher zwölf. Aus ollen Bezirken werden größere, zum Teil blutige Zwischenfälle gemeldet: bisher sind z w« i T o t e und zehn lebensgefährlich Verletzte gemeldet. Die polnischen Alilitärslüge über Ostdeutschland hören trotz aller Ver- fprechungen nicht auf. Am Sonntagabend wurde Schneidemühl von einem polnischen Militärslugzeug überflogen, das an den weiß- roten Abzeichen deutlich erkennbar war. Der Doppeldecker kam aus der Richtung Bifchke(Polen), überfiog die Grenze bei Küddowthal und wandt« sich dann nach Schneidemühl, wo es die Kasernen, das Regieningsgebäud«.sowie die Lahnlagen in niedriger Höhe überflog. Zlationolsozialistifche Spaltung in hesien. In Darnntadt haben sich die Nationalsozialisten gespalten. Ein Führer der Sturmabteilung hat mit 4S Gefinnungsgenosien»in« Ortsgruppe der Stennes-Richtung gebildet. Der B u n d e s a u s s ch u ß des Allgemeinen freien A n- gestelltenbundes(AfA-Bund) trat am Montag im Jndustriebeamtenhaus zu Berlin zusammen. Im Mittelpunkt seiner Beratungen stand die Erörterung der Notoerord- n u n g und der p o l i t i s ch.e n Lage. Nach einleitenden Referaten des Bundesvorsitzendcn, Reichstagsabgeordneten Aufhäuser, und des Leiters der Wirtschaftspolitischen Abteilung des AfA-Bundes, Dr. S u h r, entspann sich eine mehrstündige lebhafte Debatte, in der von den Vertretern aller Berufe der Angestellten eine außerordent-. lich scharfe Kr ilt t an dem unsozialen Inhalt der RqioeroxdvMig gevbl und deren beschleunigt� wesentliche Abänderung verlangt wurde: Die Angestellten der öffentlichen und privaten Betriebe und Verwaltungen werden von den einzelnen Bestimmungen der Notverordnung beson- ders hart getroffen, und es wurde auf Grund von positiven Mittellungen die Befürchtung ausgesprochen, daß links- und rechtsradikale Parteien in der unveränderten Notverordnung einen erwünschten Anlaß sehen, ihre hemmungslose Agitation gerade in den Kreisen der Angestellten mit allen Mitteln und erfolgreich treiben zu können. Der AfA-BunÄesausschuß hat nach mehrstündigen Beratun- gen die beifolgende Erklärung an die Retchsregie- r u n g und die gesamte Oeffentlichkeit einmütig beschlossen: „Sofort nach Erscheinen der Notverordnung hat der AfA-Bund in seinem Aufruf an feine Funktionäre seinen entschiedenen wider st and gegen die beispiellose Häufung sozialer Ungerechtigkeiten in der Notverordnung zum Ausdruck gebracht. Mit solcher, allen Grundfähen von Gerechtigkeit spottenden Verteilung der Lasten sind die Grenzen des Ertragbaren auch für eine opferwillige Arbeitnehmerfchaft überschritten. ver unerhörte Angriff auf die Lebenshaltung des arbeitenden Volkes bringt nicht nur keine Sanierung der Finanzen, fondern führt zu einer weitgehenden Schwächung der Kaufkraft der Masten und verschärft damit die Wirtschaflskrifis und die Erwerbslosigkeit. Die freien Gewerkschaften haben daher am 15. 3uni 1931 bei ihrem Empfang dem Reichskanzler erklärt, daß zum mindesten die on- erträglichsten Bestimmungen über die Arbeitslosenversicherung, die aufreizende Ungleichheit einer Dreiklafsen-Krifensteuer und der Ein- bruch in das Tarifrecht sofort, d. h. noch vor Inkrafttreten der Not- Verordnung, geändert werden muffen. Der AfA-Bundesausfchuß billigt die bisherige hat- tung des AfA-Bundesvor stände» und steht zu dessen Erklärungen. Die freien Angestelltengewerkschaften werden den Kampf gegen diese Notverordnung mit allen Ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln weiterführen. Die Ankündigung einer Revision„zu gegebener Zeit" ist unzureichend, die in Aussicht gestellten Milderungen zu unbedeutend. als daß sich der AfA-Bund damit abfinden könnte. Wenn nicht dumpfe Verzweiflung die Massen er- greifen soll, dann müssen alsbald und befchleu- nigt wesentliche Aenderungcn an der Notvcr- ordnung vorgenommen werden. Bei aller Würdigung der schwierigen politischen Situation erwartet der AfA-Bundesausfchuß daher von der Regierung und den gesetzgebenden Körperschaften, daß sie einen weg finden, der die beschleunigte Abänderung der Notverordnung ermöglicht. Vordringlich ist die Wiederherstellung eines avsrelchendeu Schuhes der Erwerbslosen und des Tarif recht». Darüber hinaus halten wir einen enffcheidendcn Kurswechsel der Regierung in ihrer Mrstchastspolitik im Sinne der wiederholt von den freien Gewerkschaften aufgestellten Forderungen für unbedingt erforderlich. Die freien Augestelllevverbäade sind sich nach wie vor bemußt. daß ein Ausgleich der öffentlichen Haushalte notwendig ist, um die Sozialpolitik aufrechterhalten zu können. Die Augestellten sind auch deshalb bereit. Opfer auf sich zu nehmen, wenn die neuen Lasten nach den Grundfähe« der sozialen Gerechtigkeit verteilt werden und die aufgebrachten Mittel auch wirklich den sozial Schuhbedürftigen zugute kommen, hm so schärfer wenden sie sich gegen das skrupellose Treiben der Kreise, die durch Kapitalflucht und Dcvifenhamstern neue Schmie- rigkeite« schaffen. Die Ucberwindung der gegenwärtigen wirstchaslsnöte und Finanzkrife wird aber nur möglich fein, wenn es gelingt, eine Sicherung ausländischer Hilfe durch eine entsprechende Gestaltung der Außenpolitik zu erreichen, vi« einsichtige Haltung der engttschen Arbeiterregierung und das solidarische wirken der freigewerkschaftlich gerichteten Arbeiter und Angestellten oller Länder hoben für eine solche Hilfeleistung zweifellos günstige vor- ansfehnugea geschaffen. wenn nach der Botschaft des amerikanischen Präfidente» Hoover mit einer alsbaldigen Erleichterung der Reparationen zu rechnen ist. dann muß bei aller Rücksicht auf das Gleichgewicht der öffentlichen haushalte die Befreiung von dem Druck der Reparation»- Zahlungen auch für den einzelnen Staatsbürger und besonders für den, der am meisten Not leidet, unmittelbar fühlbar werden. Die freien Angestellienoerbände werden dadurch in ihrer Forde- rung auf eine schnelle und durchgreifende Beseitigung der unsozialen Härten der Notverordnung gestärkt. In dem Widerstand gegen diese Notverordnung sieht der AfA- Buadesausschuß einen Schicksalskamps der arbeilenden Klasse, der von den freien Angestelltenverbänden ein Höchstmaß an Kraftentsaltung beanspruchen wird, was auch kommen möge. Angestellte, sammelt euch innerhalb der freien Gewerk- schaffen als dem unüberwindlichen Bollwerk gegenüber der soziale« Reaktion." Welt-Abrüstungskampagne. Aktionsprogramm der Internationale. Gens, 22. Juni.(Eigenbericht.) Die gemeinsame Abrüstungskommission des Internationalen Gewerkfchastsbundes und der Sozialistischen Arbeiter-Internotionale hat hier getagt und«in umfassendes Aktionsprogramm beschlossen. Es enthält als Hauptpunkte die Veranstaltung großer Ar» bciterdemonstrationcn in allen Ländern vor und während der Abrüstungskonferenz des Bölkerbundc», ein« N a s s«,n. Petition aus allen Ländern an die einzelnen Regierungen und die Abrüstungskonferenz um ernste Maßnahmen, weiter Grenzland- treffen, parlamentarische Aktionen, Pressekampagnen, die Verteilung von Flugschriften und schließlich eine gemeinsame Kon- ferenz der beiden Internationalen. Die Konferenz beschloß ferner, bestimmte Forderungen on die Abrüstungskonferenz: darin wird oerlangt: wesentliche Herabsetzung der Rüstungen, fortschreitende Abrüstung bis zur vollständigen Ve- feitigung aller Rüstungen, internationale Kontrolle der Abrüstung usw. Zo Frankreich betrug die Zahl der vom Staat unter- stützten Arbeitslosen nach derem>ebe>t in dcr 3GI.?- Seddsng: Inaend. heim Willdenawslr. 5,-2 Treppen. Zimmer 11. Di« Gewerkschaften in grank"r:G. - Rcu.Lichttnbcrg: Jugendheim Guirterftr. 48. ssriedet Hall heitert m-t Sächgschcm auf.— Frankfurter Allee: Stadt. Jugendheim Litauer Str. 18. Heilerer Gesangiabend.— Lichteubera: Jugendheim Dvssestr. 22. Der Jugend» lich« und feine Stellung in der Gesellschafi..— Oktende: Jugendheim fla-laijarsl. Sirestawallec 44(Naut�SchuIe). Schern ab 19 Uhr. Die Filmscnflur.— Treplaw! Schule Wildenbruchflr. 08—54 tHortzinrmer), Zugang Eroctzstrohe. Mein« Rechte und Pflichten in der FGI., ä Iugendgruppe des Zeniralverbandes der Angefieitten Heute, Dienstag, finden folgende Peranstattungen staft: Lichtenberg: Jugendheim Gunterftr. 44. Heimabend.-- Rordweft: Jugendheim Lehrter Straße 18—19. Bunter Abend-— Der Sprech, und Beweguugschor übt ob 2« Uhr in dcr Turnhallc Baruther Str. 29.—- Spiel« im Freien ab 18 Ubr Sportplatz Tirrgarten, im Schillcrpark und auf der Wiese 7 im Treptower Par!. Verantwortlich Ar Politik: Licto« Schiff; Wirtfchafl: G. AtingelhSfer: Ecwcrkfchaftsbcwcgung: I. Sf«i*«r; Fcuillcton: Dr. Jod» Schikowsti: Lokolrs und Sonstigrs: Fritz Karflödt: An.ieigcn: Th. Stocke: sämtlich in Verlin. Verlag: Vorwärts.Pcrlaa G. m. b. S.. Berlin. Druck: Vorwärts.Buchdruckeret und Verlagsanstalt Paul Sinaer u. Sa. Berlin SW. 68, Lindenftrah« S Sicrj» 2 Beilage». MiAGGIs SiCCUhitit! An _ 1 Würfel nur noch lUpfg. Z!r. 2»7» 4». Jahrgang Oiendfog. 23.3>im 1931 Die Wilderer der Echorsheide. ver llederlsll Ml äen krlellrSSer. Staatsanwalt Lür Tu«5»tt»ans.— VerkanLUnn� vertagt. Der llebcrfall auf den Briefträger S ch w a h n scheint Schule zu machen. Die jungen Burschen, durch Beschästigungslosigkeit ver- loddcrt. kommen in ihrer Bot aus die dümmsten Gedanken, auf Dinge, die im höchsten Grade gemeingefährlich sind, und auch für sie schlimm ausgehen. Sie-stellen es sich so einfach vor: auslauern, überfallen, türmen.— Der llebersall aus den Briefträger am Präger ptah hat aber den Räuber mehrere Jahre Kerker gekostet. Reins harrt in Italien seiner Auslieferung und seitdem sind die Geldbriesträger besonders vorsichtig geworden. Der letzte Ucberfall auf den Briefträger Assatz am Freitag voriger Woche im Hause Kopernikusstr. lb wurde gestern vor dem Schnellschöffengericht verhandelt. So hatten sich die beiden jungen Leute, der 20jährige Fritz M. und der 21jährige Ernst H., die Sache aber noch nicht gedacht. Und es mag ihnen die ganze Verwerflichkeit ihres Tuns erst richtig zum Bewutztsein gekommen sein, als der Überfallene Briefträger ihnen im Gerichtssaal voll Empörung zurief:„Man muß sich wundern, daß junge Burschen wegen der paar Mark einen Menschen überfallen". Die Angeklagten erzählten kurz die übliche traurige Lebensgeschichte zweier Groß stadtjungen: beide waren arbeitslos. M. mit seinem Vater, einem Trinker, zerfallen. Bor etwa vier Wochen lernten sie sich kennen. Am Mittwoch sprachen sie darüber, wie man zu Geld kommen könnte und schnell war der Entschluß gefaßt, einen Geldbriefträger zu überfallen. Am Donnerstag beobachtete man den Geldbriefträger Assatz vom Post- amt Petersburger Straße während der Geldbestellungen, am Frei- Der Ucberfall mißlang ober, wie oft* tagmorgen verfolgte man ihn. bekannt. Assatz zog einen Revolvö? und rief um Hilfe. M. flüchtete und wurde gefaßt. Bold darauf holte die Polizei auch den H. Der Staatsanwalt beantragte für M. vier Jahre Zuchthaus und für H. drei Jahre Zuchthaus und Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte. Landgerichtsdirektor Steinhaus ver- kündete jedoch einen Gerichtsbeschluß, laut dem die V e r h a n d- lung vertagt und dem Staatsanwalt aufgegeben wird, über die Persönlichkeiten der beiden Angeklagten Nachforschungen anzu- stellen. Die Tat, sagte Landgerichtsdirektor Steinhaus, ist ganz ungeheuerlich: sie erfordert eine empfindliche Strafe. Die moderne Strafrechtspflege straft aber in erster Linie den Täter, nicht die Tat. Bei der Festsetzung des Strafmaßes ist von der höchsten Wich- tigkeit, die Persönlichkeit der Angeklagten vor sich zu sehen, ins- besondere, wenn es sich um junge Leute handelt, wie hier. Da in diesem Falle eventuell viele Jahre Zuchthaus herauskommen können, so muh das Gericht auch die Möglichkeit haben, zu erwägen, ob nicht auch andere Erziehungsmittel im Sinne der modernen Straf- rcchtspflege angebracht fein könnten. Schließlich haben die An- geklagten auch Anspruch auf Verteidigung. Mit diesem Beschluß hat das Gericht nur das zum Ausdruck ge- bracht, was der„Vorwärts" immer wieder gefordert Hot. Das Schnellgericht oder das„Bereitschaftsgericht", wie Land- gerichtsdirektor Steinhaus es gestern nannte, verliert nichts an seiner Wirkung, wenn die Verhandlung acht Tag« später stattfindet, dafür aber die Richter wissen, wen sie vor sich haben und die Angeklagten in der Lage sind, sich sachgemäß zu verteidigen. Falschmünzer aus Not. Je ein Jahr Gefängnis und Hastentlassung. Die Jtof ist groß, die Menschen wissen sich kaum noch zu helfen. Aber trotzdem: Wohin sollte es führen, wenn etwa ein jeder sich seine eigene hartgeldwerk st alt einrichten würde! Bon diesem an sich richtigen Gesichtspunkte ließ sich wohl der Staatsanwalt beim Schnellschöffengericht leiten, als er gegen die zwei Jammergestalten von Menschen, die sich gestern verantworteten, je zwei Jahre Zuchthaus wegen Münzver- brechen? beantragte. Das Gericht verurteilte die Angeklagten zu je einem Jahre Gefängnis und gab ihnen ihre Freiheit wieder. Sie hoben aus Not gehandelt, sagte der Vorsitzende in der Urteilsbegründung. Das hatten sie tatsächlich, diese beiden schwer tuberkulösen und noch nicht vorbestraften Männer. Der eine, ein tzyjähriger Kutscher N., hatte gearbeitet, solang« seine Gesund- heit es ihm erlaubte, und war nun Jnvalidenrentner. Bon dem Wenigen, was er bekam, konnte er mit seiner Frau nicht leben. Was zu versetzen war, befand sich bereits in der Pfandleihe, und da erinnerte er sich eines Tage», daß er einst rn jungen-Jahren Former gelernt hatte:«r'iegte sich auf die Herstellung von 50-Pfennigstllcken und hatte es eines Tages geschafft. Er traf seinen guten Bekannten M., einen ebenso schwindsüchtigen Menschen wie er selbst: auch dieser litt Not, konnte weder sich noch Frau und Kind ernähren: auch er hatte die Kleider seiner Frau, die Trauringe, Wäsche und was ver- sctzbar war. bereits längst in die Pfandleihe gebracht.„Ick glaube, det sie ganz schön aussehen, det nimmt eener schon", meinte er zu den SO-Pfennigstücken des Jnvalidenrentners. Und so setzten sie ollmählich dreißig Sv-Pfennig stücke ob. Als aber eines Tages ein Kaufmann die Fälschung erkannte und dem M. mit der Polizei drohte, da zogen es die beiden vor, einander drei Monate lang aus dem Wege zu gehen. Als sie sich wieder trafen, hatte der Jnvalidenrentner Dreimarkstücke. Sie waren nicht minder gut als die Sv-Pfennigstücke. Aber auch diesmal währte der Wohl- stand nicht lange, und er endete mit der A u s h e b u n g der Falschmünzerwerk st att. Also standen die beiden Unglück- liehen vor dem Schnellschöffcngericht und weinten. In ihrem Schlußwort tonnten sie nur sagen:„Wir haben ja doch nur ein paar Jahre zu leben: wir bitten um ein mildes Urteil." Das Gericht wußte was es tat, als es dem Zuchthausantrag de« Staatsanwalts nicht stattgab.„Diese Angeklagten", sagte der Vorsitzende,„würden aus dem Zuchthaus nicht mehr lebendig her- auskommen...." Motorrad rast auf Bürgersteig. Tod eines Bahnarbeiters durch Arbeitsunfall. Durch die Rücksichtslosigkeit eines Motorrad- f a h r e r s, der durch die Leipziger Straße raste, wurde gestern nachmittag ein schwerer Unfall verursacht. Vor dem Ijause Leipziger Straße 43 verlor der in Richtung Potsdamer Platz fahrende Motorradler die Gewalt über feine Maschine und geriet auf den Bürgersteig. Zwei Frauen, die 3Sjährige Käte Ratte- r o th aus. der..Teltome�KUM� LL.Md.�s«-.4ll.H.�hre alte Elfriedc L u d'i ck e aus der Feürkgstraße 19 In Schöneberg, wurden von dem Rad ersaßt, zu Boden geschleudert und erheblich verletzt. Als der Unheilstifter sah, was er angerichtet hatte, fuhr er, ohne sich um die Verletzten zu kümmern, davon und entkam in der allgemeinen Aufregung unerkannt. Die beiden verunglückten Frauen erhielten auf der nächsten Rettungsstelle die erste Hilfe. Auf den Gleisen der Stadt bahn ereignete sich gestern in der Nähe des Bahnhofes Jungfernheide ein töd- licherArbeitsunfall. Der 21 Jahre alte Bohnarbeiter Bruno F ü r st e n b e r g, der in einer Streckenkolonne beschäftigt war, wurde aus bisher noch nicht geklärter Ursache von der Lokomotive eines Güterzuges erfaßt und unter den nachfolgenden Waggon ge- schleudert. Der Unglückliche wurde auf der Stelle getötet. 21 Angeklagte haben sich zu verantworten. prenzlau. 22. Juni. Vor dem Großen Schöffengericht zu Prenzlau begann der Monstreprozeß gegen di« Wilderer aus der Schorfheidc. 21 Angeklagte stehen vor Gericht, die teils des Wilderns, teils der Hehlerei beschuldigt werden. Der Hauptangcklagte ist ein Ein- wohner aus Groß-Dölln, der beschuldigt wird, in der Schorfheidc zirka 199 Stück Wild, darunter über zwanzig kapitale Rot- Hirsche, geschossen zu haben. Die Wildereien sind fast unter den Augen der Förster passiert, und zwar schon seit dem Jahre 1921. Der größte Schaden wurde in den Jahren 1927 bis 1939 angerichtet. Rechtsanwalt Walter Bahn-Berlin warf daher mit Recht die Frage auf, warum die Staatsförster nicht vorher gegen die offenkundigen Wildereien eingeschritten seien. Der Angeklagte Scheske erwiderte darauf, daß er ganz genau gewußt habe, welche Beamten aus- paßten und welche nicht. Er Hobe in den ganzen Jahren bis zulegt ni« einen Förster im Walde gesehen. Das geschossene Wild wurde teils nach Berlin, teils nach Prenzlau an verschiedene Wildhändler verkaust, und zwar wurde es per Eisenbahn oder per Lastwagen an seinen Bestimmungsort gebracht. Durch einen Zufall wurden die Wilderer entdeckt, als sie am hellerlichteir Tag drei Hirsche ganz in der Nähe von Waldarbeitern schössen. Darauf wurde ein Aufgebot von Förstern herbeigerufen und es gelang, den einen der Wilderer, den F i s ch e r m e i st e r Maas aus Groß- D ö l l n festzunehmen. Die Verhandlung wird vermutlich eine Woche dauern, gegen vierzig Zeugen und Sachverständige sind geladen. Wahlen zur Bezirksschuldeputation-I— 6 Berliner Lehrerinnen wählen reaktionär. Am Montag wählten die Lehrer und Lehrerinnen der Alt-Berliner Volksschulen ihre Vertreter zur B e- zirksschuldeputation 1 bis 9. Es standen sich fünf Listen gegenüber, davon entfielen auf die Liste des Berliner Lehrervercins 1397 Stimmen 3 Sitze, Lifte des Lehrerinnenvereins 882 Stim- men— 2 Sitze, Liste Diesener-Röhl 838 Stimmen:= 2 Sitze, Liste der katholischen Lehrer und Lehrerinnen 331 Stimmen— 9 Sitze, Allgemeine freie Lehrergewerkschast 177 Stimmen— 9 Sitze. Zum erstenmal haben dichmal die Junglehrer und Jung- lehrerinnen sich an der Wahl beteiligen dürfen; di« Wahlbeteiligung betrug trotzdem nur 75 Prozent. Wesentliche Veränderungen sind nicht«ingetreten. Der Berliner Lehrerverein hat seine drei Sitze behalten. Ihm stehen vier Vertreter der Rechts- Parteien gegenüber, denn der Lehrerinnenverein hat auch diesmal seine Liste mit der deutschnational- orthodoxen Liste Diesener verbunden und diese Lehrer- Vertreter stehen in Fraktionsgemeinschaft mit der Rechten. Es ist bezeichnend, daß der deutschnational« Lehrerbund allen Schulen ein Flugblatt für die Liste Diesener zugehen ließ mit der Parole: christlich-nationale Welt oder marxistisch-demo- k r a t i s ch e Welt. Es klingt wie ein Witz, wenn er die Wahl .der Wie lyiesener als Protest gegen Kultur- und Schulreaktion be- zeichnet______ Dg? Wahlergebnis zeigt, wie stark Nationalis- m u s und Feindseligkeit gegenüber der Arbeiterklasse wieder in der Volksschullehrerschast Fuß gefaßt haben. Aus der geringen Stimmenzahl der Freien Lehrergewerkschast lassen sich keine Rück- schlösse auf die Stärke der sozialistischen Lehrerbcwegung ziehen, da die Mehrheit der sozialistischen Lehrer und Lehrerinnen noch dem Deutschen Beamtenbund angehört und daher für die Liste des Berliner Lehrervereins gestimmt haben dürfte. Da» geplante Gastspiel de» Zirkus Krone wurde mit Rücksicht auf die Anwesenheit des Zirkus Sarrasani aus einen späteren Termin verlegt. Voraussichtlich wird Direktor Krone erst in einigen Wochen seine Zelte in Berlin aufschlagen-, das genaue Datum des Gastspiels wird noch bekanntgegeben. Lisa befreite sich mit großer Anstrengung, �und ohne zu zielen, schlug sie dem Weibcreroberer mit dem Fäustchen auf die Nase. Der Zwicker mit den Goldreifen fiel zu Boden und wurde von den quadratischen Sticfelspitzcn Worobjews ilirrend zertreten.. Lisa schluchzte und lief durch die Silbergasse nach Hause. Worobjew, der ohne Zwicker halbblind war, lief mit kleinen Schritten in die entgegengesetzte Richtung und schrie: „Haltet den Dieb!" Dann meinte er lange, kaufte einem alten Weib unter Tränen alle ihre Brezeln ab samt dem Korb. So kam er auf den Smolensky-Markt, der leer und dunkel war, wankte hier lange umher und streute dabei wie ein Sämann die Brezeln nach beiden Seiten. Dabei kreischte er unmusikalisch: „Andere haben andere Hirne Tra— la— la— la— la." Schließlich schloß er mit einem Kutscher Freundschaft, eröffnete ihm seine ganze Seele und erzählte verworren, ohne Zusammenhang, von den Brillanten. „Ein lustiger Herr!" rief der Kutscher. Worobjew war wirklich sehr lustig. Allem Anschein nach war seine Lustigkeit unangenehm ausgefallen, denn er er- wachte gegen elf Uhr morgen? in einem Kommissariat der Miliz. Von den zweihundert Rubeln, die er besessen hatte, als er die Nacht des Genusses und der Freude mit solchem Eklat einleitete, waren nur zwölf übriggeblieben. Ihm war. als müsse er sterben. Sein Rückgrat schmerzte, die Leber tat ihm weh, und ihm war, als hätte man ihm einen bleiernen Kessel auf den Kopf gestellt. Das Schlimmste aber war, daß er sich nicht einmal erinnern konnte, wo und wann er so viel Geld hätte ausgeben können. Auf dem Heimweg mußte er zu einem Optiker gehen und einen neuen Zwicker kaufen. � i_ Gestalt, sagte aber nichts. Er war kühl und zum Aeußersten entschlossen. Die Exekution. Die Auktion begann um 5 Uhr. Von vier Uhr an war die Besichtigung der Sachen gestattet. Die Freunde kamen um drei Uhr und besichtigten eine Stunde lang die Maschinenausstellung, die sich neben der Auktion befand. „Ich glaube", sagte Ostap,„daß wir schon morgen, wenn wir Lust verspüren sollten, diese Lokomotive werden kaufen können. Schade, daß der Preis nicht zu ersehen ist. Es muß doch sehr nett sein, eine eigene Lokomotive zu besitzen." Worobjew'war unruhig. Nur der Gedanke an die Stühle konnte ihn noch trösten. Er ging erst von ihnen weg, als der Ausrufer in karierter Hose, mit einem Bart, der auf das Tolstoihemd fiel, auf das Podium stieg. Die Konzessionäre setzten sich in die vierte Reihe rechts. Worobjew war sehr erregt. Er glaubte nämlich, man werde die Stühle gleich zu Beginn verkaufen. Sie waren aber erst als dreiundvierzigste Nummer im Katalog verzeichnet. Vor- her kam erst der übliche Auktionsschmarren: einzelne Ge- schirrstücke mit Wappen, eine Soßenschüssel, ein silberner Becher, ein Bild des Malers Petunin, eine perlengcftickte Handtasche, eine Napoleonbüste, leinene Büstenhalter, ein Gobelin:„Jäger auf der Jagd nach Wildenten" und ähn- liches. Dies alles mußte man ertragen und schweigen. Das Warten wurde einem sehr schwer. Alle Stühle waren da. Das Ziel war nahe. Man konnte es sogar mit Händen greifen. — Hier gäbe es aber eine gehörige Unruhe— dachte Ostap, während er das Auktionspublikum betrachtete— wenn die wüßten, was für ein Schatz hier eigentlich unter dem Anschein ganz gewöhnlicher Stühle verkauft wird.— „Eine Statue, die Justiz vorstellend!" rief der Funktionär.„Aus Bronze. Vollkommen intakt.— Fünf Rubel. Wer gibt mehr? Sechseinhalb rechts, ganz hinten sieben. Acht Rubel in der ersten Reihe, direkt vor mir. Zum zweiten- mal acht Rubel, direkt vor mir. Zum drittenmal. Erste Reihe, direkt vor mir." Ein Fräulein lief gleich mit der Quittung zu dem Bürger in der ersten Reihe, um das Geld in Empfang zu nehmen. Der Hammer des Ausrufers schlug auf den Tisch. Man verkaufte Aschenbecher aus dem Zarcnpalast, Gläser, eine Puderdose aus Porzellan. Qualvoll langsam verging die Zeit. .. mßm Pxtichtf;Büste des Zgreu Alxxst�er � IiL Msa kann sie als Briefbeschwerer verwenden. Ich glaube, daß sie zu nichts anderem mehr nütze ist. Eine Statue, wie die Justiz. Ein Pendant zu jener, die eben verkauft wurde. Wasili, zeigen Sie die Justiz dem Publikum. Fünf Rubel. Wer gibt' mehr?" Von der ersten Reihe her, direkt vor dem Ausrufer, wurde ein Schnaufen vernehmlich. Der Bürger dort wollte wohl die Justizbüsten komplett haben. „Fünf Rubel, die Bronze-Iuftiz." „Sechs!" rief der Bürger. „Sechs Rubel, direkt vor mir. Sieben. Neun Rubel, rechts hinten." „Neun fünfzig", sagte der Iustiz-Interessent leise und hob den Arm. „Neun fünfzig, direkt vor mir. Neun fünfzig, zum zweitenmal. Neun fünfzig zum drittenmal, direkt vor mir." Der Hammer fiel auf den Tisch. Das Fräulein stürzte zu dem Bürger in der ersten Reihe. Er zahlte und ging in das andere Zimmer, seine Bronze zu holen. „Zehn Stühle aus dem Zarenpalast!" rief plötzlich der Verkäufer. „Warum aus dem Zarenpalast?" ächzte Worobjew leise. Ostap ward böse.„Scheren Sie sich zum Teufel! Hören Sie zu und rühren Sie sich nicht!" „Zehn Stühle aus dem Palast. Nußholz. Epoche des Zaren Alexander II. Vollständig in Ordnung. Arbeit der Möbelwerkftätte Gambs. Wasili, stellen Sie einen der Stühle unter den Reflektor." Wasili faßte den Stuhl so derb an, daß Worobjew von seinem Platz aufsprang. „Setzen Sie sich, Sic verfluchter Idiot. Warum muß ich so etwas auf dem Hals haben!" zischte Ostap.„Setzen Sie sich, sage ich Ihnen." Ostaps Unterkiefer zitterte, die Stirnadern waren ge- spannt, die Augen ganz hell. „Zehn Nußholzstühle. Achtzig Rubel." Das Publikum wurde etwas lebhafter. Hier wurde eine Sache ausgeboten, die man in der Wirtschaft brauchen konnte. Ein Arm nach dem andern hob sich. Ostap war ruhig. „Warum handeln Sie nicht?" sagte Worobjew vor- wurfsvoll und heftig. „Geh' hinaus",' antwortete Ostap und biß die Zähne zu- sammen. kundenfälschung mangels Beweises frei. Auf Antrag des Staatsanwalts wurden dagegen die beiden Freunde unter dem Verdacht der gleichen Delikte in Unter» fuchungshaft genommen, da sie dem Gericht s l u ch t v e r- d ä ch t i g erschienen und da nun gegen sie das Strafverfahren ein- geleitet werden fol' Eine moderne Studienfahrt. Eine Klasse von zwanzig munteren Jungen und Mädeln einer Berliner Aufbauschule stand vor der Aufgabe, die künstlerisch» Kultur der Großstadt zu erforschen. Mit wenig Geld ober viel Lust und Liebe zur Sache ging man daran. Arbeitsgruppen zu bilden. Die jungen„Künstler" teilten sich«in in Presseleute, Musiker, Zeichner, Architekten. Die„Presseleute'' wandten sich an mehrere große Zeitungsrcdaktioncn und boten um achttägige Aufnahme als Volontäre. Die bürgerlichen Zeltungen lehnten den Wunsch ab. Nur einige Arbeiterblätter er- klärten sich zur Aufnahme bereit. So ließen sich einige junge Leute in der Redaktion des„Vorwärts" unterrichten. Die„Musiker" arbeiteten in der Hochschule für Musik, die„Architekten" in der Bau- ausstellung und die„Zeichner" wanderten durch Berlin, um dort Motive zu erhaschen. Zum Abschluß dieser Schularbeit außerhalb der Schulbank fährt die Klasse sür ein paar Tage nach Rheinsberg. Dies ist moderne Schularbeit, durchweht vom Geiste der Schule von morgen. Wieder ist einer der alten Vorkämpfer der Berliner Sozial- demokratie von uns gegangen: Wikhelm Gieshpit ist gestorben. Am 28. Februär 1855 geboren, kam der juNge/ lebensmutige Wcftfale 1882 als Handwerksbursche-'Nach Berlin, wo er als Metallarbeiter Stellung fand. Der klassenbewußte Proletarier fand bald Verbindung zur Sozialdemokratie und schloß sich mit Begeisterung der jungen Bewegung an. Bald wird sein kritischer Rat im alten 6. Berliner Wahlkreis ausschlaggebend, und auf den meisten Berliner Parteikonferenzen, die in den Jahren des Sozialistengesetzes selbstverständlich geheim tagten, sah man Wilhelm Gieshoit. Von Beruf Dreher, fand er dann auch bald den Wg zur Gewerkschaft und ward Mitglied des Vereins Berliner Metallarbeiter. 1890 berief ihn der nach der Aufhebung des Schandgesetzes neu gegründete Wahloerein des 6. Kreises zum Vorsitzenden. Bald sandten ihn die Berliner Genossen züm Parteitag in Halle, dem ersten deutschen Parteitag nach der Aushebung des Sozialistengesetzes. 1393 wählte ihn der frühere 36. Stadtbezirk zum Stadtverordneten. Bei der 1894 erfolgten Gründung der Parteispeditionen mied Gieshoit olles Experimentieren, so daß für die Partei- neben dem ideellen bald auch ein geschäftlicher Erfolg eintrat. Als 1902 sich die Berliner Genossen zur Herstellung de»„Vorwärts" eine eigene Druckerei gründeten, wurde Wilhelm Gieshoit in den Aufsichtsrat(die so- genannte Neunerkommission) gewählt. Im Jahre 1912 wurde er an Stelle des verstorbenen Genossen Paul Singer Firmenträger diese» Parteiunternehmens, und er bekleidete seinen Posten mit Hingabe. Wo irgend Bedrängnis war, wußte Wilhelm Gieshoit Ausweg und Hilfe. So mancher von den Genossen, die in früheren Jahren durch Unternehmerwillkür auf die Straß« gesetzt waren, fand durch ihn eine neu« Existenz. Als die Arbeit für Partei und Gewerkschaft ihn daran hinderte, seinem alten Berufe weiter nachzugehen, wurde Wilhelm Gieshoit Gastwirt. Auch in seinem neuen Beruf galt seine ganze Arbeit der Partei, der er bis zu seinem Tode mit Tatkraft undLiebe diente. Jetzt ist er im 73. Lebensjahre von uns gegangen. Die Berliner Parteigenossen werden den alten treuen Kämpfer nicht vergessen.___ Zunge Piraten aus der Elbe. Klubhäuser werden heimgesucht, vier Faltboote gestohlen. Der 20 Jahre alte Walter S. und sein gleichaltriger Freund Otto R. fuhren als Bootsleute auf den Last» kähnen, die zwischen Berlin und Hamburg verkehren. Vor einiger Zeit wurden sie arbeitslos. Da beschlossen sie, einmal die Klubhäuser, die sie früher nur von der Wasscrfeit« aus gesehen hatten, van der Laubfeit« aus zu„besuchen". Bald hier bald dort brachen sie ein. Ihr letzter Streich galt einem Klubhaus bei Wittenberge. Dort stahlen sie vier Faltboote, mochten sie reisefertig und bctuden sie mit allem, was ihnen nützlich erschien. In dein ersten Boot paddelten beide, die drei anderen nahmen sie in Schlepp. So brachten sie ihren Lastzug bis zur Ortschaft Pnchlitz. Dort wurde die Beute geteilt. Drei Boote wurden auseinander genommen, da» Diebesgut verpackt und mit der Bahn nach Berlin geschickt. Hier war Waller S. zu Hause. S. half dann, das viert« Boot seeklar zu machen und Otto R. fuhr stromab nach Hamburg zu. Di« Wittenberger Polizei, die schon lange auf die Diebe fahndete, erfuhr von dem ungewöhnlichen Transport und benach. richtigt« die Berliner Polizei. S. wurde in Tegel ausfindig ge» macht und bei einer Durchsuchung seiner Wohnung fanden die Beamten nicht nur die drei Boote, sondern auch allerlei Diebesgut, das aus anderen Einbrüchen stammte. Sein Freund Otts war mit dem vierten Boot glücklich in Hamburg gelandet, hatte V o ot unh Ladung für 90 Mark verkauft und ist seit der Zeit ver- schwunden. Er wird noch gesucht. Eine halbe Million Bauausstellungs-Aesucher. Die Deutsche Bauaus st ellung, deren Besuchskurve ständig weiter ansteigt, wies beim diesmaligen Wochenende einen Rekordbesuch von rund 30 000 Personen auf. Insgesamt brachte die erste Ausstellungshäljte rund eine halbe Million Besucher auf das Gelände der Bauausstellung, die bekanntlich nur bis zum 2. August geöffnet ist. Dieses, insbesondere unter Berücksichtigung der gegenwärtigen Wirtschaftslage, bisherige gute Besuchscrgebnis, das auch dem Voranschlag der Ausstellungsleitung entspricht, läßt erwarten, daß auch die zweite Hälfte der Ausstellung einen be- friedigendcn Verlauf nimmt. Auch für diese Zeit sind zahlreiche Tagungen und Kongresse in der Reichshauptstadt vorgesehen. Seinen 65. Geburtstag feiert heute der Kriminalrat Karl Hermann Krüger. Seit 33 Iahren steht Krüger im aktiven Polizeidienst. Schon als junger Kommissar bearbeitete er große Betrugsfälle. Er war es, der schon in den Vorkriegszeiten die Suche nach großen Defraudanten leitete. Selbst Fachmann im Bankwesen, klärte er manchen raffinierten Bankbetrug auf. Seit über 10 Jahren leitet Krüger die Inspektion V, in der die größeren Bctrugsdczernate zusammengefaßt sind. Um die republikanische Polizeibcamtenbewe- gung hat sich der Jubilar, der Mitglied der Sozialdemo- t r a t i s ch e n P a r t c i i st, besondere Verdienste erworben. Im Ok- tober scheidet Krüger wegen Erreichung der Altersgrenze durch Pensionierung aus.' Allgemeine Wetterlage. 22 Juni 1934,«Ms. 23 8 J&s Ort � �13 5 6 CS, 8$ lln} OwvIkanle&O beiher,® halbbodeclct »wolkig.GbadecktoRegsa&Greopeio �Siiin8f,5Hcb9�ljewiitet(§!Windtfg» Bei ziemlich frischen, an den Küsten stellenweise starken West- bis Südwestwindcn herrschte heute im ganzen Reiche ziemlich warmes Wetter. Im Binnenlandc stiegen die Temperaturen meist auf 24 bis 26 Grad im Schatten, lieber England und Skandinavien strömen jedoch schon wieder kühle Lustmasscn südwärts. Sie haben Nord- Westdeutschland und die westliche Ostsee bereits erreicht und werden im Laufe der Nacht zu Dienstag unser Gebiet überfluten. Das Wetter der nächsten Tage wird von dieser nördlichen Luftströmung bestimmt werden. -i° Weikeraussichlcn sür Berlin: Kühler bei veränderlicher Bewölkung und Neigung zu einzelnen Schauern: frische Westwinde.— Für Deutschland: Im Süden beständig und trocken bei etwas sinkenden Temperaturen, im Norden veränderlich und kühl mit ver- einzelten Schauern, an der Küste windig. halb VohmnWe mit halb Eathremer mischen. mit emötiu wenig Qebe zubereiten. mö probieren... Vis metifäfy 1000 Werk/ Riesenbrand in Kanada. Schiffe und Getreidesilos vernichtet. New Jork, 22. Juni. In den Hafcnanlagen von St. Jones in New Brunswik(Kanada) ist ein R i e s e n f e u c r ausgebrochen. Zahlreiche Getreidesilos und viele im Hafen vor Anker liegende Schiffe wurden ein Raub der Flammen. Der Dampfer„Expreß" der Canodian-Pacific-Linic wurde durch eine infolge des Brandes entstandene Kesselexplosion vernichtet. Man befürchtet, daß hierbei zahlreiche Personen um- gekommen sind. Der Sachschaden beträgt mehrere Millionen Dollar. Die Feuerwehren kämpften vergeblich gegen das rasch um sich greifende Feuer an. Einzelheiten stehen noch aus. Republik, werde hari! Der rührige Deutsche republikanische Studenten- bund hatte für Sonnabend, den 20., und Sanntag, den 21. Juni, eine Norddeutsche Arbeitstagung nach N c u st r e l i tz einberufen, zu der sich Studenten aus Berlin, Kiel, Ham- bürg, Greifswald und Rostock eingefunden hatten. Die Berliner, etwa 89 an der Zahl fuhren in zwei Lastautos mit wehenden schwarzrotgoldenen Fahnen durch die märkischen Dörfer und Städte der freundlichen Hauptstadt von Meck- lenburg-Strelitz zu. Unter Borantritt unserer Parteigenossen, des Staatsministers v. R e i b n i tz, der durch sein tapferes Eintreten für den Anschluß von Mecklenburg-Strelig an Preußen nach dem Borbild Waldecks bekannt geworden ist, und des Landtagspräsidenten Bartosch, bildete.sich ain Sonnabendabend aus den- Studenten, dem Reichsbanner, den Arbeitersportlern, den Frei- g e w e rk s ch a f t l« r„ und den K i n de r s r« u n d e n ein wahr- hast imposanter Zug, der durch die ganze Stadt marschierte. Sah nian hier mißvergnügte Spießer, junge und alte, so sah man dort lvieder frohe und beglückte Menschen, die sich freuten, daß sich endlich einmal die Repräsentanten des Bolksstaates wieder zeigten. Nach dem Umzug versammolten sich die Teilnehmer mit den Fahnen im ehemaligen Thronsaal des früher großherzoglichcn Palais, wo Mi- nister von Reibnitz auch im Namen des Landtagspräsidenten den Studenten den Willkommensgruß der mecklenburgischen Staats- regierung entbot. Wenn diese Zeit, so sagte der Minister einmal historisch geworden sein wird, dann werden Historiker und Sozio- logen sich mit dem wichtigen Problem beschäftigen, warum sich so weite Kreise der deutschen Jugend gegen den neuen Bolksstaat und gegen die Freiheit wandten, die ihnen im Rahmen des neu Gewor- denen doch so vi»l Entwicklungs- und Betätigung-Möglichkeiten bot. In dem dann folgenden Hauptvortrag der Tagung„Vom Umbau des deutschen Staates" griff der Redner Dr. Theodor Hau- dach, der Pressereferent des Berliner Polizeipräsidiums, diesen Ge- danken auf. Man müsse, so sagte er, �endlich der'Frage auf den Grund kommen weshalb es diesem Staat trotz unbestreitbarer großer und weithin sichtbarer Leistung so unsäglich schwer sei, sich durch- Kusetzen und warum sich die Jugend von rechts und links, in der sich zweifellos doch auch wertvolle Elemente befinden, gegen diesen Staat wende. In außerordentlich gut begründeten von streng- ster Sachlichkeit getragenen Ausführungen untersuchte Haubach die Stellung de» Reichspräsidenten und des Reichswehr- Ministers, betont gewiss« Gefahren der direkten Republik, wie Bolk-begehrcn und Volksentscheid, vor denen sich Frankreich gehütet hat, bsleuchtet die Stellung des Oberverwaltung s- gericht» zu der Ministerverantwortlichkeit und die wachsende Be> dcutung des Reichsrates im Gegensatz zu dem als Einkammersystem gedachten Deutschen Reichstag. Die Jugend, fo schloß der Redner, istimmernurda, wo gekämpft wird und die deutsche Re- publik hat nicht oder nicht genug gekämpft, weil sie geglaubt hat, daß sie den Volksstaat auf dem Weg der Versöhnung durchsetzen kann. Nur wenn die deutsche Republik die Dinge nicht laufen läßt, fondern«ine hart« ernste und strenge Republik wird, beZudien alle Genossen und Genossinnen den„Rast"(Reich sarbeitersporttag) IM CRUNEWALD-STJIDIONt Die Rentenkürzungen bei den Kriegsopfern Harte Anrechnung der Rente auf Einkommen aus öffentlichen Mitteln Wie uns der Reichsbund der Kriegsbeschädig ten, Kriegsteilnehmer und Kriegerhintcrbliebenen, Berlin C 2, Roland- ufer 6, mitteilt, wirken sich dce nach der Notverordnung erfolgenden Rentenkürzungcn für die Kriegsbeschädigten und Kriegcrhinter- bliebencn ungeheuer tragisch aus. Die Kriegsbeschädigten zum Beispiel, die eine Rente van M und 40 Proz. beziehen, erfahren«ine Kürzung,' die im Durchschnitt bei 18,2 Proz. liegt, jedoch in vielen Fällen sich sast auf 27 Proz. beläuft. Je niedriger die Ortsklasse eingestuft wird, um so höher wirken sich die Rentenkürzungen aus. So sind bei den Dreißig- und Vicrzigprozentigen in der Sonder- tlosse etwa 15, in den Ortsklassen A 16, B 18, C 20 und D fast 22 Proz. gekürzt worden. Bei allen übrigen Versorgungsbcrechtigtcn (Kriegsbeschädigten, Kriegerwitwen, Kricgerwaisen und Krieger- eltern) beziffert sich die Rentcnminderung aus 4,6 Proz. in der Sonderklasse, 5,6 Proz. in der Ortsklasse A, 8,2 Proz. B, 10,2 Proz. C und 12,3 Proz. in D. Ohne Kürzungen sind lediglich die 100 Proz. Erwerbsbeschränkten geblieben. Trostlos ist die Lage der kriegsbeschädiglen Arbeiter. Angestellten und Beamten. Uebersteigt das Einkommen von versorgungsberechtigten Kriegs- beschädigten, die öffentliches Einkommen beziehen, 210 M. monatlich, so ruhen die Versorgungsgebührnisse in Höhe der Hälfte des Bc- träges, um den 210 M. monatlich überschritten werden. Jedoch müssen mindestens drei Zehntel der Grundrente dem Bersorgungs- berechtigten verbleiben. Bei manchem Beamten und Angestellten ergeben sich daraus Abzüge vom bisherigen Einkommen von 100 bis 160 M. Daraus dürfte sich zur Genüge ergeben, wie un- geheure soziale Erschütterungen die öfscntlichcs Einkommen bc- ziehenden Kriegsopfer durchzumachen haben. Für die Beamten, die sich eine Dienstzeitrente als Kapitu- lanten erworben haben, gilt hingegen nach wie vor, daß bei einer Anstellung oder Beschäftigung in, Zivildienst höchstens die unter 21 Hundertstel bzw. über 60 Hundertstel zuerkannten Rcntcntcile ruhen können. Trotz der hohen Kürzungen, die aus zwei Gehaltsinindcrungcn durch die Notverordnungen vom Z.Dezcmber 1030 und 5. Juni 1031 zurückzuführen sind, trotz der Umwandlung der Ruhensvorschristen dahin, daß an die meisten Beamten nur drei Zehntel der Rente zur Auszahlung gelangen, hat letzt auch noch der Oberpräsident von Brandenburg, soweit die Beamtenschaft der Stadt Berlin in Frage kommt, neue Kürzungsmaßnahmcn für die kriegsbeschädiglen Beamten angeordnet. Bisher war den meisten kriegsbeschädigtcn Beamten ihr Besoldungsdienstalter uin vier Jahre verbessert worden. Diese Verbesserung zu streichen, hat der Oberpräscdcnt angeordnet, ob- gleich er soicht im allgemeinen, wie wir hören, die Besoldungs- ordnung in der alten Form genehmigt haben soll. Diese Vcr- schlechterung würde bei dem Beispiel 8 etwa weitere 100 M. Ver- ringerung des monatlichen Diensteinkommens ausmachen. Der triegsbeschädigke Arbeiter. Angestellte und Beamte ist plötzlich ohne sein Verschulden gezwungen, eine Umstellung seiner gesamten materiellen und kulturellen Bedürfnisse vorzunehmen. Er sinkt in eine sozial tiefere Schicht hinab, der er bisher nicht angehört hatte. Wodurch haben die Kriegsopser, die im und nach dem Kriege genügend Opfer gebracht hoben, eine solche Behandlung verdient? wird sie sich durchsetzen. Der Bortrag wurde oft von starken Beifalls- bezeugungen unterbrochen. Am Sonntag sprach Regierungsrat Otto Karutz vom preu- ßischen Landwirtschaftsministerium zu dem Thema„S i u d e n t u n d Bauern" und umrjß in sehr«indringlichen und ernsten Ausfüh- rungen das große deutsche agrarpolitische Problem unter besonderer Berücksichtigung der Siedlung und Arbeitslosenfragen. Temperamentvoll und sehr gewandt sprach der junge Student Kurt B l e y über„Student und Arbeiter". Alle drei Vorträge wären wert, in unseren Parteivcrsammlungen wiederholt zu werden: die drei Redner sind Sozialdemokraten. In der schönen Mitsommernacht vom Sonnabend zzum Sonntag zogen, geführt von den Studenten, über tausend begeistert gestimmter Menschen durch das nachtstille Land zu einer beherrschenden Höhe, auf der ein riesiger Holzstoß als Sönncnwendfcuer aufflammte. Am Feuer selbst sprach der Begründer des Studentenbundes, Regierungs. assessor Walthsr K o l b'und der junge demokratische Referendar Prinz zu Löwen st ein aufrüttelnde und begeisternde Worte zu der ergriffen lauschenden Menge. A Soziallstische Arbeiterjugend Groß-Serlin ainsoidungnc für diese Swtev nur a» da- Zvaendleeeew-c-t Tolln CJE 68. rindcnftrafi I Rundfunlhörguntx.„Iugendlichc über Wirtschaft und guaend" am 2S. I»ni, 19 Uhr, im Bartragssexil Des PavteworstanDrs, SW., Sinbmfir. 3, 2. Haf. 2 Treppen links. Karten sind kostcnlas im Zllgenösekreiariat für Intcrefsierte erhältlich. » heule, Dienstag, WA Uhr. Scwcrkichaitshaus! K»penicker Str. S2.„las Neueste vom Neuesten."— K»ll»ilch»r Par«! Woisenstr. 18.„Was ist rcligiiiscr Eatiatismu»?'-— vranientmrper Tai: Tteckstr. 18.„Unsere Sieder.«— Zeatrum: Landsberger Str. S0.„Warum wandern wir?"-«runnenplah! Pankstr. 22,„Der Partei. tag in Leipzig."- Sesuadbrnnnen I: Evtenburger Str. 2.„Unsere Kenossen. schaften."— Leapatbpsatz! Seestr. bl.„Kulturpolitik."— Schilerparl: Schöning. strahe 17.„Wir und die(sreidenkerdewegung."— Wedding: Willdenomstr. S. „Wachsen und Werden der Nrbeiterjugendbewegung."— Aenimplasi: Sonnen. bürge r Str. 2V. Slahdrcnner.Adend.— Srnswaldee Plas, I: Rastenburgrr Straße 1«. Matteotti�Ledenkabcnd.- Helmholßplai,! Danzigcr Str. 82. Tagespolitik.— Nordosten I: Danziger Etr. 82.„Die lsrau im 3. Reich."— Weißeusee: Parkstr. Z«.„Bedeutung der Iugendtagc."— Wörther Platz: Kastanienallee 82.„Der Parteitag."— Rcichenberger Viertel! Reichenberger Etrahe 88.— Süden: Porckstr. II.„Geld in der Politik."— Südwesten: Lindenstr. 4.„Wird die Jugend in politischen Organisationen verhetzt?"— Schöneberg III: Hauptstr. IS. Fahrtenvarbereitungen.— Schöncbeeg lV; Laupt. strotze 15.„Die Politik der SPD."- Schöneberg V: Hauptstr. IS.„Modernes Wandern." Sharlottenburg(Heitere): Rosincustr. 4. Arbeitsgemeinsckiast.— Sharlottenbnr,(Jüngere): lv. Minute».Referate.— Chorlottenburg. Nord (Aeltere): Kaiserin-Auguita. Allee gls.„Der Jugendliche in der Organisation." — Sharlottendurg-Süd: Wallstr. 78.„Arbeitersport und bürgerlicher Sport."— Westend: Sportplatz Westend.„Kirche, Religion und Sozialismus."— Wil> Wersdorf: Wilhelmsaue 123.„Elternhaus und 0213."— Steglitz I: Albtech!- stratze 47.„Soziale Geeichtshilse."— Reu-Tempelhos: Winthgcnestratze. Bk- richt über ben Parteitag.— Britz: Ehaussecstr. 48.„Träume»»d Deutung."— Neukölln II: Steiinnetzstr. 04. lo-Minuten-Acserate.— Neukölln III: Ziethen»' strotz-.,8. Tagespolitik.— Neutöün Ii: Kanner Stratze, Raum 2. Arbeits- oenreinschaft.— Reuioln VU Treptower Str. SS.„Unsere Werbearbeit.?— � Neukölln VII: KMS„Im Westen nichts Neues."— Neukölln TIN: Rütli- Schule.„SexueNe?ragcn."— Neukölln X: Schierlestr. 44.„Sexuelle Fragen", 1. Teil,— Renkölln IX: Schirrkestr. 44. Arbeitsgemeinsäiaft, 1. Teil.— Nenkölln Xl: Flughafenstr. 88. Tagespolitik.— Köpenick II: Dohlwitzer Str. IS. „Die Nolonorbmiug."— Reinickenbors-Oft: Lindauer Stratze.„Der Pölker- bund."— Riederschönhausen: Lindenstr. 47.„Geschlechtskrankheiten."— Hallesches Tor: 20 Uhr wichtige Sprechchorprobe im Eisenbahner-Cafuio. ESG. Schöneberg: 17 Uhr Hauptstr. 15.„Die Studenten-Internationale." Werbebezirk Tempelhof: Kreisvertreterversammluug der Partei und der älteren IZunttionäre der S2lI. um ISsl. Uhr i» Kolkes ssestfäle, Mariendorf, Ehausseestr. 43. Dr. Löwenstein:„Die Notverordnung und ihre Aus- Wirkungen." Ohne Mitgliedsbuch kein(Zutritt. Werbebezirk Neukölln: Wichtige Zusammenkunft der Abteilungsleiter um 18 Uhr im Parteibüro, Fuldasträtze. Werbedziri Pankow: Alle erwerbslosen Senosseli unterstützen die Gruppe Buchholz. Beerdigung der Senoilin Lucht. Treffpunkt 14!, Uhr bei Kluge, Blankenburg, Dvrfstr, 2. Ingenieur Dr. Krukenberg, seine Mitarbeiter nebst Damen sind heute, Dienstagabend, Ehrengäste auf der Terrasse des„Winter- garten". Es ist eine Spezialehrung vorgesehen: außerdem wird im Rahmen des Bariets-Programms ein größerer Film von Dr. Krukenbergs Schienen-Zepp gezeigt. m,: \3 Ä MM ;:äv:m£ä-; f M"Ä L* iü �Zraw»' ."W Nsckäem er einmal ligarren von?olcder lwMät aus reinen Uderzeetadsken llir lll flg. erkalten ksl.ervsrlet er.cla�s ckezer Zustand dauernd ist. In unseren Lagern und im Auslände liegen grosse Vorräte wundervoller Uberseetabake, die uns gehören. Ständig vergrösserl sich unsere moderne Fabrik. Unbeirrt. ob wir anders interessierten Kreisen erwünscht sind oder nicht, bringen wir dem deutschen Raucher weiter eine Hualltats Zigarre. wie sie in dieser Preislage einzig dasteht. OallistRni: m hivhii 15« Brisil 3S»ltvi 23*Su«alri SgoitnlhibiiH SnilriOKUMI{ Rein Übersee-Zigarre und doch nur «nfcnkungen für dies« Rubrik find «, r I i n SB»». Llndrnitraße Z. parieinachn'chien���fürGroß-Berlin stet» nn da» Brztrkasekretnriai Z. Hos. S Trennen recht», zu richte» Vcginn aNcr Veranstaltungen I»'!- Ulsr. ivfcrn keine besondere Zeitangabe? Kreis- und Abteilungsleiter? .Oic Abteilungen holen heule, Dienstagabend, bestimmt tsand- jetlel für den Film:„3m Westen nidjts Jlcucs" von den nachstehend angegebenen Stellen ab: 1. Z�reis: Lokal Dobrohlaw, Slvmnnün-dcr Str. 11.— 2, Kreis:„Bor- Märts"-Sped''ltion, Wilhclmsl>avcner Str. 48..— 3. Kreis: Kroll, Utrecht er Straße Ä.— 4. Kreis: Goldschmidt, Ltolpische Str. GG.— 5. Kreie: Kromp. bardt, Paul-Singer-Str. 49.— 9. Kreis: Krepp. Planufer 79.— 7. Kreis: Jugendheim Charlattenburg, Nosinenstr. 4.— 9. Kreis: Adolf Guth. Spandau, Lindenuker Äl—A.- 9. Kreis: Kroiß. Wilmersdorf, Holstclni''che Str. vv.— 19. Kreis: Lokal Schneider, Zehlendorf. Potsdamer Str. 2.).— 11. Kreis: Will, Schöneberg, Martin-Luther-Str. 99.— 12. Kreis: Schellhase. Steglitz, Ahorn str. 15a.— 13. Kreis: Gohlkcs Festsäle, Mariendorf. Cliauffeestr. 4S.— 14. 5treis: Parteibüro Neukölln, Fuldastraße.— 15. Kreis: Spedition in Treptow, Gractzftr. 69.— 16. Kreis: Stadttheatcr, Friedrichstr. 6. Köpenick.— 17. Kreis: Tempel, Lichtenberg. Gstdrunftr. 7.— 18. Kreis: Gallas. Weißen. see,"Lehderstr. 122.— 19. Kreis: Tilrfifchcs Zelt, Pankow, Breite Str. 14.— 20. Kreis: Bolkshaus, Reinickendorf-West, Scharnweberstr. 114. heute, Dienstag, 23. Juni. 1». Arci«. 2» Uhr Mitglicdcrurrsommluug im Lokal Piccabillq, Ebcrsftr. 80«1 t>ung aus. isrenossc Etolbcrg spricht am Dienstag, dem 30. Juni, Uber:„Repa- raiionsprobleme". 17. Abt. Die Bezirksfiihrer werden gcbcien, die Markenbcstände spätestens bis zum R>. Juni beim Genossen»ohne abzurechnen. 8Z. Abt. Kreisvertreter, unb Funktionärversammlung in Eohllez Fcstsälen, Maviondorf, Chausscestr. 43. Mitgliedsbuch legiiinriert.(Straßenbahn SO, ISO und SS.) St. Abt. Abrechnung bestimmt am Freitag. Mitgliederversammlungen und Zahlabende morgen, ZNitkwoch, 24. Juni, in nachstehenden Lokalen: S. Abt.„Schwedlter Festsäle", Cchwedter Str. 23, Heinz Löwi:..Der Kampf um Preußen." 8. Abt. 20 Uhr im Ratio Nalhof, Bülowstr. 37. Thema: Notverordnung. Referentin: Mathilde Murin. 9. Abt. Zahl- und Diskussionsabend bei Lindner, Lehrter Str. 44. Genossin Eisfelder:„Der Parteitag in Leipzig." 12. Abt. Bei Fischer, Beusselftr. 32, Viktor Malina(nicht, wie irrtümliäi angegeben, Rektor Malina):„Die Notverordnung." 14. 21. 23. 28. 35. 37. 42. 48. 55. 81. 83. 99:. 106. 119. 121. 134. 139. Abt. Abteilungsverlammlung im..Swinemlinder Ge seil schaftsh aus,<5wm«- Münder Str. 42. Gen. Dr. Hanisch:..Die Notverordnung." Abt. Mitgliederversammlung im„Schrader-Haus". Malplaguetftr. 14— 16. Genosse Hartwig:..Zweck und Ziel der Arbeitcrwohlfahrt." Abt. Mitgliederversammlung im„Stcinacker", Scestr. 44, Ecke Müllerftraße. Reichstagsabgrordncter Dr. Baabe:„Agrarpolitik und Bolksernährung. Abt. Zahlabende: Gruppe 1 bei Meper, Ddcrbcrger Str. 39. Gruppe 2 bei Bogen, Schwedter Str. 23, Gruppe 3 bei Rechenberg. Choriner Str. 49, Gruppe 4 bei Iänecke, Ha genau er Str. 5, Gruppe 5 bei Barteldt, Wörther Straße 19. Gruppe 6 bri Maaß, Prenzlauer Allee 232.„, Abt. Ableilungs-Mitgliederoerfammlung im..Frankfurter.Hof'. Frank. fnrtcr Allee 313', großer Saal. Mar Brinitzer:„Notverordnung und Parte,.' Abt. Mitgliederversammlung mit Smnpathisierenden im„Schultheiß-Patzen- Hafer", Landsberger Allee 24—27. Tagesordnung: Aussprache über Parte,- tag und Notverordnung. Abt. Die Abteilungsversammlung fällt in diesem Monat aus. Abt. 19 Uhr im„Dresdener Garten". Dresdener Str. 4ö. Funktionär- konfcrenz. Abt. 8. Gruppe Zahlabend 20 Uhr bei Godenfchweger. Wallstr. 99. Abt. Im oberen Saal des..Schiller-Restanrants". Bismarckstr. 119. sprechen die Genossen Josef Ernst und Dr. Mener-Brodmtz zur politischen Situation. Gäste willkommen.., � � � Abt. 20 Uhr im Gesellschaftszimmer des Ratskellers. Er,ch Kuttner. M. d. L.r ..Zur politischen Lage.". �.. Abt. Mitgliederversammlung 20 Uhr in den„Lichtenelder Westfalen, Zehlendorfer Str. 5. Tagesordnung: 1. Bericht vom Reichsparteitaq(Ref. -- �»,.._-._ j... n___ x- 1 � � I- �. r.-; 4„. I OO,.... S&i«Soi.«£ Sief, ffienofsr Ludwig Dicäcridi. Abi. äRitglicbcnicriommlung im.Sogenho'-s", Friedrichstr. 61.©moffc David Stetterr..Brricht vom Parteitag." Genosse I. Orlopp:.Die neue Notverordnung."....„.. Abt. Griivpcnzghlabcndc: Kubisch. Pfarrstr. 1Z: wchmidi, Landsberger Chaussee U., Abt.-20 Uhr Fahlabcnd bei Köllig. Bericht des Genossen Dllenhaucr vom Parteitag. Abt. riahlabende: Gruppe 1 im Lokal..stur Tanne". Ref. Genosse Michel: Gruppe 2 hei Gövfcrt. Ref. Senossc Mellhing: Gruppe 3 bei Golinet. Ret. Genosse Rohloff. In allen drei Abenden Vortrag über:.Volksfürsorge und -verstcherung."_.,.... Abt Bezirk Teoelort. Miigliedervcriammlllng IM Resiaurant �stmn Echwan. Genosse Ott« Schwarz:„Parieiiag und politische Lage." Donnersiag. 25. Juni. lOS./lCSa. Abt. Eltcrnabenb bcr Kinberfreunb« im.Stadttheater" lNei»er Saal). Tbema:.Entwicklung des Kindes im der Pubertät.— steltlager." All« Eltern müssen erscheinen. Gäste a»a dem Krei» Köpenick fiud hiermit»in- geladen. Arauenveranstaltungen. 20. Abt. Donnerstag, 25. Juni, Treffpunkt 11 Uhr, Bahnhof Prenzlauer Allee. zum Frauenavsflug nach Buch, Lokal.Waldschänke", der in der vergangenen Woche wegen des schlechten Wetters verschoben werden mußte. 70. Abt. Die Aschcnbeisehung unserer Genossin Rielhmüller findet Donnersbag, 25. Juni, 15 Uhr, auf dem Friedhof„Blanke Hälle" statt. 108.(1 08a. Abt. Mittwoch. 24. Juni, gemeiniamc, Koffeekoche» auf dem Sport- plan..Eiche", Wendenschloßsrraße, nachmittags(ab 15 bis 16 Uhr). 122:i. Abt, Heute, Dienstag, 23. Inn!, 20 Uhr, bei Lindner, Kövenickrr Straße 165—167. Wilhelm Mielhke:„Das päpstliche Rundschreiben." Arbeiterbildungsschule. 5. Krei» Friedrichshain. Im Rahmen unserer Sommerarbeit sprechen am Donnerstag, 25, Juni, über das Thema„Probleme der Weltpolilik" die Genossen Redalteur Wolfgong Schwarz und I. P. Mover. Sic Hörer werden gebeten. vollzählig zu erscheinen, Arbcitsgemeinschast so;i«i>demokratis6ier Lehrer und Lehrerinnen Deutschlands, Bezirksgruppe Berlin. Pollversammlung Freitag, 26. Juni, 19' 7 Ilhr, in der Aula der 83. Bolk»- schule, Dicfsenbachstr. 61. Genosse Jeu» Rydahl:„Der Schuletat 1931.— D,e Sparmaßnahmen." �. Fachqemeinschaft der Bcrussschullehrer. Mittwaä). 24. Zun,. 18 ühr, ,m Alten Askanirr". Anhaltftr. 11. Tagesordnung: 1. Aussprache über Personal- berichte. 2. Anwärtcrfragen. 3. Reorganisation der Fachgemeinschaft. Eintritt nur gegen Vorzeigung des Parteibuches. Arbeitsgemeinschaft der kindcrsreundc Groß-Bcrlin. »blieferungsterir-a der namrnilicheu Listen und Gesnndhritsschrine am 25. Juni,«dsirichlistentermin folgt»och. Leßte Gepöckabnahmc 26. Juni von 16 bis 10 Uhr. »reia Reulell». 23. Juni. 10 Uhr. Besprechung der Gruppenführer und aller Helfer, dir nicht ins Zeltlager fahren. Wiese Sonnenallee. Gruppe Falke und Lichikämpfcr: Alle Fassen 17 Uhr Wiese Sonnenallrc. Wichiige Gruppenbesprechung. Krei» Lichtenberg! Mittwoch. 24. Juni. Beteiligung an der Eprechchorprobe in?!eulölln. Treffen der Lichienberger Grnppcn 16!? Uhr Bahnhof Frank- furtcr Allee. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 28. Abt. Noch langem Krankenlager verstarb unser langjähriges Mitglied, der Genosse Eduard Wolf, Odcrberger Sir. 22. Ehre seinem Andenkril. Die Einaicheruiig fand bereits Natt. Zur Beifessiing der Asche treffen sich unsere Genossen am Donnerstag. 25. Juni, 10.45 Uhr. Müller- Ecke Sccstraßc, 52. Abt. Am 20. Juni verstarb unsere Genafiin E e I m a Hilfe. Ehre ihrem Andenken. Einäscherung: Donnerstag. 25 Juni, 16 Uhr, Krematorium Wilmersdorf. Vorträge, Vereine undVersammlungen. , Reichsbanner..Schwarz-Rot-Gold". Gefchäftsstcl!,-. Berlin S. 14. SebaNianNr. 37—38. Hol 2. Sc. Gtegliss(Ortsverein). Kameraden, die sich am 28. Juni an der Lastwagenfahrt nach Reubrandenburg beieiligen wollen, melde» sich gofvr't leim Kameraden Blankenheim, Stubenrauchring ö. Fahrgeld 3 M, De« Berlin«« Iith««.K>nb übt jedeit Dienstag um 20'r Nh« im Elubhaus, Ohmstr. 2. nler. Lichtspiele usw. 1 :------. uif, � �____- Dienstag, 23. 6. Staats-oper Unter ck. Linden 205. A,-V. 20 Uhr Intermezzo Ende n. 22',: Uhr Diensiag. 23. o. Stadt. Oper Bismarcksir. Turnus IV lOVa Uhr HolfRianns Erzaiilnagen Endeg 223i Uhr Staats-Oper An Pitt: ihr Fhpcbllk v.-a 20 Uhr Perichole Oeffentl. Kartenverkauf er'EfÖe: �«.Uhr Staat!. Scbausph. (im Cndinuamiriitl. 253. A.-V. 20 Uhr Die Porlupale- sisebe Stbladil Ende 23 Uhr Ml. üdillN'lliW. MMg 20 Uhe Ii»»« sul dum isimo 23 Mimilon In«pilhedovll und «1/2Ü. Edmund Fritz' I SinginpBabies Mae Wynn u. Buddy, 10 Oeblars nw. viaza Tag], 5 Ii. SU Sotint. 2, 5 Ii. SU Dss Blesenerlol- ges wBoonb.Enre mm vBiiannBrii Reichshallen-Theater Allabendlich| h| u�j. Stettiner Sänger Zum Schluß der Schwank „Alles verrückt!" Dentsdies TDeater 8 Uhr Der Hauptmann von KOpenidt v. Carl Zuckmayer . Rigit: Heinz Hilpirt Die Komödie Täglich 8'b Uhr Dienst am Kunden von Cut Boll und Mix Hanstn Regie ijians Dcppe RürförstenOamm- Theater Bismarck 449 IjSVMJhrJ Die schöne Helena von lacqnBS OUBnccdi Dagle: Max Belnhardl - blile-sänger»» Kottbusser Str. b Tägl.SVi U, Oi« grolle Aui- itatlungs- r'.noi Resse LaBt sdiöiu Frauen nm midi sein! von HarryWaldon matropoi-lheater Täglich S'.'e Uhr Die Toni aus Wien Mady Christians, Michael Bohnen Voilubtuine Tbaater an Bülovplalz, 8 Uhr Lumpazivagabundus Staad. Sdiiller-Th. 8 Uhr Liebe auf*rlfr �f�>Cbeo" 0®2crf.'.. aro*'�cK„n:•*�> 1 üNi ' veue, J e—??--«»« ' SnaBlM"ro'auc4f ioTf'*" OulT'-ftr0**", --uvt f i in e nßeV,*lll**eA!S,UB- 1— Berlin- Gesundbrunnen Anl&�licfa der Wahl der sdidnsicn Lichtborg-Besndierin zom Licht- burg-Stern bleibt während der Vorwahl das besonders auserwählte erfolgreiche Programm bi* einschl. 29. Job! aaf dem Spielplan• BÜHNE; Uffilftiirfl-Orfliester. UKiino: Paul Heosgl Gastspiel: Deutschlands bester Humorist ERNST PETERMANN Trio Gautier Erstes Auftreten in Berlin. Akrobatischer Akt 5 Mclody Genfs Die berühmten 5 Abels in neuer Form Hans Strähm Vortragskünstler FILMTEIL Der größte Sensations-Erlolg der letzten Wochen M E L U K A die Rose Ton M.rakesch ein unerhört spannender, sehenswerter Tonfilm, welcher über vier Wochen bei ausverkauftem Hause im April und Mai im Marmorhaus _ in Urauf Ohrung lief!_ Beginn der VorstcNnngen i Wochentags SVt u. 8U« Uhr, Sonn- lag Z, 5'/», S'/» Uhr. Preise der Plätze; Im Parkett und Rang 0,80 bis 1,50 M., Balkon und Logen 2.—, 2 50. Sonntag 3 Uhr Einheitspreis; Parkett u. Rang 0.80 M.. Balkon und Loge 1,20 M. Berliner||lk TriO M■■ k S 1 1 R. w Lnlmitr. 74/76J VMlilffllklMMMMi! Connerslog. den 28. Zunl. --- z est, öl abends 7 Ith«, in Bocfcrs 9t» _.(ölen, ebetsleofic IT TersamnUnnö der Holleden Sdnnlede ans den InnnndsHetrfeben Tagesordnung: 1 Stellungnahme zur Lohnfrage in de» Iunungsdelrieben. 2. Berfchiedencs Ohne Mitgliedsbuch kein Zitirill. Es ist Pflicht aller Kolleginnen und Kollegen, an dieser Detsammlung benimmt leilzunehmen. Ceanersfag, de» 25. Znnl, abend» T Ahr, Im Gewerkschasl» hon», Engelufer 24 28, Eroszer Saal Brandien-Verssininlnnd der Bohrleder und Heller Tagesordnung: t. Jahresbericht. 2. Verbands- und Branchenangelegen- Helten. 3. Verjchiedrnes Mitgliedsbuch legitimiert! Zahlrrichrr Besuch wird erwartet. vir Orteeerm.Itnng. f idtiai Zur SUberhodhxclt dem Genossen- Ehepaar Selms Qllbl y Otto Guhl tü die herzlichsten Glückwünsch«(z Zahlabend SeUeritrabe ,7 17. AMellnn«. WWW»»»»««€«€€€.fc UNSER ROMAN HF-PETROW,„DIE 12 STÖHLE" erschien soeben IN BUCHFORM erhSItllch BE|— n,DIETZ in Leinengeschenkband IM 6,— brosch.„ 3,50 BERLIN SWB8 LINDENSTR. 2 Im 66. Lebensjahre verstarb am 19. Juni unser veeebrter Mitarbeiter und Kollege, der Masch menmeister- Invalide Rar! Lange gfm Während seiner Tätigkeit in U» ierem Belried« ermie» sich der Per- ftarbenr als pssichtlreurr Milardeiter. gl» vorbildlicher Grwerischafller und Genosse. Sein immer srrundliche« Wesen und feine stete Hilisdereiffchaft sichern ihm rin rhrende» Gedenken. Berlin, den 23. Juni 1931. GeHMIlZlnllnna nid Persoul der Vorvaits BudidrDdierel. Einäscherung am Donnerstag, dem 25 Juni. 15' i Uhr, im Krematorium Wilmersdorf, KLEINE ANZEIGEN iiimiiimniiiiiiiiiiiiitnuiiiHHiNmiNiiiHiiinniiiiiinimtuintiimiiiiiiuiiiiiiMiiiiimumiHMimmiiiitiinuuitmitiiiiui Preis«: üb«rsct»riHiwert 2s Pfennig, Textwort 19 Pfennig Wiedarholungsrabaft: 10 mal 5 Proz., 20 mal oder 1000 Worte Abschluß 10 Fror., 2000 Worte 15Pror., 4000 Worte 20 Proz./ Stellengesuche: Oberschriftswort 15 Pf., Textwort 10 Pf. ✓ Anzeigen, welche für die nächste Nummer bestimmt sind, müssen bis 4Va Uhr nachm. im Verlag, Lindenstr. 3, oder auch in sämtl. Vorwärts-Filialen und-Ausgabestellen abgegeben sein | uepMute| Am 2t. Juni entschlief nach langem schwerem Leiden mein lieber Mann. unser treusorgender Vater,der Arbeits- vermittler Arthur Oyzischki im Aller von 52 Jahren. In tiefer Trauer Hrdmid Oyxischki Erldt Oyziscfahi Hart» OyxUchki Berlin 910, Hufelandstraße 15. Die Einäscherung findet am Dan- nerskag, dem So. Juni, nachmittags 3>a Uhr, im Krematorium Gericht- straße statt. Am 20. Juni, nachmittags 8>,'i Uhr, verschied nach langem, schwerem Leiden meine iiede Frau 8e!ms Ulke, geb. Jung im Aller von 57 Iahren. Die» zeigen tiefbetrübt an Vilbel»,«ll.e und TBdiler Die Einiffchernng erfolgt Donnrr». tag, den 25 Juni, 16 Uhr Inachmittags t Uhr), im Krematorium Wilmersdorf. Teppiche,»«lten. Staunenerreaend. Pradstteppichrlv,—. Riesenlager sämt- licher Gräßrn. Löu- frrstoffe. Brücken, Diwandecken 5,—. Federbetien, Stand 25,—.(Keine Per- sahware.sGardinen- sager. Psaiidleih- Verkansshans Schönhauser Allee 115. Rordrina, Teilzahlvvg: kulant, billig, reell, Mäbel-Misch. Große Frantiurierstr 4V46 Seifen, Scheuertücher, billigsteBrzugsguelle für Handler, Hau- sterer. Genosse Mareus, Reukölln, Spremdergerstr. 6. Röbel im Hofgei Küchen, Schi« mer. Speifezir Einzelmöbel e billig, da gl u. Ev., Komma danienstraßc 4- Ecke Oeanienstraf Sohkowstnstraße2Z Ecke A!!- Moabit. lueianniizzllieiie. lvnene nm. Am 15. Juni starb im Aller von fast 76 Iahren unsere Urgroßmutter, Großmutter, Mutirr und Schwester, die Spediteurswitwe Berta Trapp Di« Einäscherung hat inzwischen stattgefunden.-. Im Name» aller Hiuterhliebeurn _ Rnckoll Trapp. Wenig gelrageu« Kaoaliergarberobr von Millionären, Aerzten. Anwälten. Fädelhaft billige Preis«. Empfehle Taillevmöntel.Pale. tols. Fracks. Smokings, Gehrockaa- ziige. Holen, Sport-, Gehpelze. Gelegen- heitskäufe in neuer Garderobe. Weile, ster Weg lohnend. Loihrlngerstraße 56, 1 Treppe. Rosen Ibaire Ploi' Schlafzimmer 375,—: Ruhebeti 25,—. Riesenau wähl, TrUzahIiii! Kamerling, Käst nienallee 56, Poliert« Zimmrr 5!«.-, sas 75,—. Rü auswahl. Teil lung, Kamerl.. Kaftauienallee 56. Illnein- lluikninsnle Slukpiau»,. Mietviauos ll au» preisir Pianafabrik L. Brunnenstraße 35 IMMI Baten tmatraben .Primiffima". Me. talldctlcn. Auflese- matrahen. Chaise- konaues Walter Stargardrrftraße achtzehn. KeinLaden E«. 366 Rnfrrr- , immer aller Holz- und Stilarten billigst bei Morik Hirschowih, Skalisserstrgße 25. kodibghn Kottbusser Tor: im Osten An- breasftraße 86, ge- aenüber Leiser.' Riesenloger. Bechsteinpigno, Blütbnerpjgno, Ibachpia iio, Schwechtenpiauo Birsepiano, D fcitpiano. Sa! Pianos 175,—. 27! an. Markcnflü 466,— an, aebrat te. Abendrolh.P« damerstraße 74. � Hoffmonn, Piano» 816.—. aebll 256,— an. Gelegenheiten m Flügeln. brikageanlie. zahl»Nä. Alte steumcnt« A nung. Leip straße 57(Sl markt). dsdlo Ressrabio mit Eiehenlchrg: 66,—, Eichentise 2 Stühle, Fenste garniwr, Teppie verkgnft Umzug, halber Minikr Eharlottenbnrg. Suarezstraße 16. ?lr. 2S?- 4S. Jahrgang Dienstag, 2Z. Juni 4934 Was bedeutet Hoovers Angebot? Die Zustimmung Krankreichs ist von ausschlaggebender Bedeuiung. Der Vorschlag Hooocrs stellt zweifellos eine ungewöhnlich großzügige Aktion dar. Trotz des gewaltigen Fehsbetrages im amerikanischen Haushalt erklärt der amerikanische Präsident, daß Amerika bereit ist. allen Regierungen ihre Schuldenzahlungen auf- zuschieben, wenn die betreffenden Regierungen das gleiche ihren Schuldnern gegenüber zu tun bereit sind. Das Angebot von Hoover ist an die Vorbedingung geknüpft, daß wenigstens die wichtigeren europäischen Gläubigerländcr seiner Aufforderung folgen. Die ganze Bedeutung dieser Vorbedingung ersieht man aus folgender Gegenüberstellung: Amerika soll im Jahre 1S31/32 von seinen Schuldnern ins- gesamt 247 Millionen Dollar oder rund ll)37 Millionen Mark bekommen, während Deutschland vom 1. Juli 1931 bis zum 1. Juli 1932 rund 1792 Millionen Mark zahlen muß. Nicht alle Schuldner Amerikas sind zugleich Gläubiger Deutschlands. Wenn wir nur die wichtigeren Gläubiger Deutschlands, das heißt England, Frankreich, Italien, Belgien und Jugoslawien in Betracht ziehen, so haben sie zusammen an Amerika rund 978 Millionen Mark zu zahlen und von Deutschland rund 1393 Millionen Mark zu erhalten, von denen allerdings etwa 69 Millionen, die den Schuldendienst der Poung- Anleihe darstellen, auch nach dem Angebot von Hoover bezahll werden müssen. Es bleibt eine Differenz zwischen 1333 und 978, also 3 3 7 Millionen Mark, die diese Gläubiger Deutschlands zu- sammen mehr von D-eutjchland bekommen, als sie an Amerika zu zahlen haben. Das eigentliche Problem besteht also darin, ob sich die europäischen Gläubiger Deutschlands zum Aufschub dieser Summe bewegen lassen. England, hat seine Zustimmung zu dem Angebot von Hoover bsreits erklärt. Italiens Widerstände wegen der Zollunion werden nicht unüber- windlich sein. Man darf annehmen, daß die von Hoover vor- geschlagene Regelung verwirklicht werden kann, wenn von den sonstigen deutschen Gläubigern wenigstens der weitaus größte, näm- lich Frankreich, seine Z u st i m m u n g gibt. 'Das Opfer Frankreichs. Wir Unterlasten hier vorläufig mühselige Einzelberechnungen. Im großen ganzen handelt es sich darum, daß Frankreich Deutsch- land den Ausschub zubilligt für die Differenz zwischen dem, was es an Amerika und England zu zahlen hat, und dem, was es von Deutschland erhalten soll. Diese Differenz würde für die � Zeit vom 1. Juli 1931 bis zum 1. Juli 1932 etwas unter 4 9 Ö Millionen Mark liegen, von denen etwas über 399 Millionen durch die Sachlieferungen gedeckt werden sollen. Es läßt sich nicht bestreiten, daß eine solche Summe für den französischen Etat keine geringe Bedeutung hat. Man muß aber dabei berücksichtigen, daß Frankreich auch in dem Falle, daß Deutschland einen Transferaufschub erklärt, seinen Anteil aus dem unaufschiebbaren Teil der deutschen Zahlungen bei der BIZ.(Bank für Internationale Zahlungen in Basel) deponieren muß, so daß auch in diesem Fall die deutschen Zahlungen für den französischen Haushalt nicht in Frage kommen Vor einer neuen Bankenfusion? Enge Zusammenarbeit von Bleichröder und Gebr. Arnhold. Die zwischen den beiden Firmen S. Bleichrödcr, Berlin, und Gebr. Arnhold, Dresden-Berlin, zum gemeinsamen Ausbau des Auslandsgeschäftes gepflogenen Verhandlungen haben die Zweckmäßigkeit einer engen Zusarmnenarbeit auch im In- lande ergeben. Ein Abkommen ist gestern mit Wirkung vom 1. Juli 1931 ab unterzeichnet worden. Unter voller Aufrechterhaltung der Selbständigkeit beider Firmen treten Herr Dr. Paul von S ch w a b a ch sen. in die Firma Gebr. Arnhold und die Herren Konsul Adolf Arnhold-Dresden und Hans Arnhold-Berlin in die Firma S. Bleichröder als persönlich haftende Gesellschafter ein. Die seit vielen Iahren bestehende Jnteressennahme des Hauses S. M. Rothschild-Wien an der Firma S. Bleichröder bleibt auch für die Folge bestehen Damit hat wieder eines der ä l t e st e n Berliner Privatbankhäuser die so lange erbittert verteidigte Selbständigkeit aufgeben müssen, obwohl die Meldung das Gegenteil versichern will. Ob nicht dick Krise noch weitere Konzentrationen im Bank- gewerbe erzwingen wird? Neue deutsch-französische Gründungen. Die Zusammenarbeit wird fortgesetzt. Die deutsche Funkgerätefirma Ideal-Werke A.-G. f ü r drahtlose Telegraphie gründete in P a r i s mit einem Aktienkapital von 3 Millionen Franken und 1999 Gründeranteilen eine Gesellschaft, die sich nicht nur mit dem Vertrieb, sondern auch mit der Fabrikation von Funkgeräten beschäftigen soll. Die 1909 Gründeranteile sowie knapp die Hälfte des Aktienkapitals sind von der Ideal-Werke A.-G. übernommen worden, der Rest offenbar von französischen Gruppen. Die Ideal-Werke A.-G., ausgestattet mit einem Aktien- kapital von nur IL Millionen Mark, besitzt bereits in Eng- land eine Untergesellschast(British Blue Spot Co. Ltd.), die im Herbst 1929 mit einem Aktienkapital von 89 999 Pfund Sterling (1,6 Millionen Mark) gegründet wurde Diese englische Blau- Punkt-Gesellschaft soll sich gut eingearbeitet haben. Auch die jetzt gegründete französische Firma trägt ihren Namen nach der Marke, unter der die Erzeugnisse der Ideal-Werke A.-G. auf den Markt kommen: Point Bleu, d. h. Blau-Punkt. Die rege Auslands- tätiakeit der Gesellschaft ergibt sich auch daraus, daß 1929 nicht weniger als 63 Proz. des Umsatzes auf den Export entfielen. Bon deutschen und französischen Gruppen wurde unter der würden. Der Unterschied besteht allerdings darin, daß im Falle des deutschen Transseraufschubs Frankreich für die von ihm deponierten 599 Millionen Mark die Verzinsung zusteht. Der Aufschub und der neue Plan. Frankreich wird aber vielleicht noch größeren Wert darauf legen, daß die neu zu treffende Regelung, also das Moratorium für die beiden Teile der deutschen Zahlungen, den geschützten und ungeschützten, nicht im Widerspruch zum Poung- Plan steht. Ein solches Moratorium ist im 7>oung-Plan nicht vorgesehen, ja, es ividerspricht formell der Bestimmung des Doiing-Planes, nach welcher der ungeschützte Teil der deutschen Zahlungen unter keinen Umständen ausgeschoben werden kann. Das soll niemand außer acht lassen, dem es darauf ankommt, von der Stellung Frankreichs ein objektives Bild zu gewinnen. Indes sind, wie wir gezeigt l>aben, die Differenzen nicht so groß. daß die Schaffung einer lösenden Formel unmöglich wäre. Für Deutschland bietet die von Hoover vorgeschlagene Regelung große Vor- züg« in, Vergleich mit dem Aufschub nach dem Doung-Plan. Das Joung-Plan-Moratorium würde Deutsch- land im ersten Jahre seiner Wirksamkeit nur die Ueber- t r a g u n g an das Ausland um rund 429 Millionen Mark ermäßigen, während die Regelung nach dem 5)ooverschen Vorschlag nicht nur die Uebertragung, sondern auch die Aufbringung von bedeutend größeren Summen, nämlich von insgesamt 1649 Millionen Mark, falls die Verständigung mit allen Gläubigern erreicht wird— aufschieben würde. Wir wissen aber, daß die Hauptschwierigkeit der deutschen Lage jetzt nicht in der Uebertragung, sondern in unvergleichbar größerem Maße in der Aufbringung der Reparationszahlungen bdsteht. Die Aufbringung und wiederum nur von viel geringeren Summen hätte nach dem Young-Plan nur dann aufgeschoben werden können, wenn das Tronsfermoratorium schon ein- volles Jahr in Kraft ist. Es wäre also für Deutschland in diesem Falle eine finanzielle Entlastung nicht früher als in den letzten Monaten des Jahres 1932 möglich gewesen. Es kann kein Zweifel daran bestehen, daß Deutschland das allergrößte Interesse am Erfolg der von Hoover ein- geleiteten Aktion hat. Dementsprechend ist es jetzt die dringendste Aufgabe der deutschen Außenpolitik, alle Voraussetzungen für diesen Erfolg zu schaffen. Die erst« und die wichtigste Aufgabe besteht, wie wir gesehen haben, darin, daß die Zustimmung Frankreichs ge- Wonnen wird. Durch, die Zustimmung von England, Italien und Frankreich wäre schon der Ausschub für mehr als 1439 Mil- lionen Mark gesichert(die deutschen direkten Zahlungen von 66 Millionen Mark an Amerika eingeschlossen). Die andere Auf- gäbe besteht in der Heranziehung der sonstigen Gläubiger, von denen Japan, an das Deutschland 13 Mil- lionen Mark zu zahlen hat, schon seine Zustimmung gegeben hat, und von denen die größten Belgien und Jugoslawien sind. Es ist aber sicher, daß, wenn Frankreich zu der aktiven Mitarbeit an der Verwirklichung des Moratoriumjahrs gewonnen wird, die einzelnen Fragen keine besonderen Schwierigkeiten mehr bieten werden. ! Firma Monocoup mit l Million Franken Aktienkapital eine > Gesellschaft gegründet, die nach deutschen Verfahren Schmier» iapparate für Automobil- und Benzinpumpen herstellen soll. Oie Arbeitslosigkeit in Polen. Nach amtlichen Erhebungen waren in Polen am 13. Juni 394 329 Arbeitslose registriert gegen- über 225 153 mn 14. Juni v. I. und 115 335 am 15. Juni 1929 Seit dem 6. Juni ging die Zahl der Arbeitslosen um 9939 und in den letzten 4 Wochen(seit Mitte Mai) um 35 119 zurück, während in den entsprechenden Zeitabschnitten des Vorjahres der Rückgang 2391 bzw. 27 523 betragen hatte. Von den am 13. Juni d. I. registrierten Arbeitslosen erhielten 127 694 Unterstützung. Schlechtes Kernsprechergeschast. (5. Lorenz ohne Dividende.— Vertrag mit Philips gelöst. Wir konnten schon vor einigen Tagen melden, daß die C. Lorenz A.-G., Berlin, für das Geschäftsjahr 1939 keine Dividende verteilt. Das Kapital(9,5 Millionen Mark) befindet sich zu 85 Prozent im Besitz der loternationsl Telephcno and Telegraphie Corporation(ITT,). Das schlechte Ergebnis ist zunächst eine Folge des Umsatz- rückganges gegenüber dem Borjahr, da vor allem die Reichs- post und alle Behörden mit Aufträgen zurückhielten. Im Privat- geschäft drückte die starte Konkurrenz dauernd die Preise. Er- s ch w e r e n d für die Lorenz A.-G. kam hinzu, daß sie— nach dem Patentstreit zwischen Telefunken und Philips— ihre Verträge mit Philips Radio lösen mußte, was auch zur Anlehnung an ITT. führte. Dagegen ist die Lorenz A.-G. auf dem Gebiete der d r a h t- losen Telegraphie vorgedrungen: sie lieferte einen der beiden ersten 75-Kilowatt-Großsender Deutschlands und hat die B e- stellung auf den ersten deutschen 159-Kilowatt-Sender erhalten. Die Fabrikation von Fernschreibern berechtigt laut Geschäfts- bericht zu guten Erwartungen. Der R o h g e w i n n ist von 1,13 Millionen auf 9,48 Millionen Mark zurückgegangen und hat nicht einmal die Höhe der Ab- schreibungen von 9,49 Mark�erreicht. Unter Ausrechnung des Ge- winnvortrages aus dem Vorfahr ergibt sich ein kleiner Reingewinn. der vorgetragen wird. Der bisherige Verlauf des neuen Ge- schäftsjahres läßt eine weitere Verringerung der Belegschaft be- fürchten.. Abschluß bei Oberkoks. Sinnloser Neubau von Kokereien./ Starke Chemiegewinne. Die Kokswerte und Chemische Fabriken A.-G., Berlin, ist zi» einer Holdinggesellschaft geworden, bei der nach Wert und Ertrag die Beteiligungen an chemischen Unter- nehmungen bedeutender als die an Bergwerksunternehmungen sind: die Kohlensörderung und Koksproduktion auf eigenen Anlagen (in Oberschlesien) tritt für die Gesamtrechnung zurück. Im Geschäftsjahr 1939 war die Absatzlage für o b e r s ch l e s i- scheu Koks sehr schlecht, da von den 15 oberschlesischen Hochöfen nur einer schwach in Betrieb war. Da zu gleicher Zeit auch Hausbrandkoks nur schwer absetzbar war, erhöhten sich die Hat- denbestände an Koks bis Ende 1939 auf 9,5 Mill. Tonnen, während der Absatz im ganzen Jahr nur 1,9 Mill. Tonnen er- reicht hatte. In dieses schlechte Jahr siel die Fertigstellung der neuen Kokerei S k a l l e y, die am 1. Juli 1939 in Betrieb genommen wurde. Die Folge war, daß die Koksanstalt Poremba stillgelegt, daß auf der Kokerei der Glciwitzcr Grube 69 Oefen kaltgelegt wurden, daß man den erst im April aufgenommenen Betrieb auf der Koksanstalt Glückaus wieder einstellen muhte. Das ist wieder ein M u st e r b e i s p i e l für die schlechte Kapitalwirtschaft des Kapitalismus: in Zeiten guter Konjunktur, vorübergehend guter Absatzlage wird der Bau von Anlagen begonnen, deren Vollendung häufig(wie hier!) in die längst wieder ver- s ch l e ch t c r t e Marktlage fällt, so daß Stillegungen, Abschreibun- gen— Kapitalvernichtung— unvermeidlich sind. Im eigenen Geschäft dürfte Oberkoks also wohl nichts ver- dient haben, zumal auch der Markt für die Nebenprodukte(Teer, Benzol, Ammoniak) schlecht war. Von den Beteiligungen blieb die Niederschlesische Bergbau A.-G. dividendenlos: während die Concordia Bergbau A.-G., Oberhausen(Rheinland), 6 Pro;. Dividende verteilte. Der wertvollste Besitz von Oberkoks, die Schering-Kahlbaum A.-G.(siehe unten!), brachte 12 Proz. Divi- dende. Die Beteiligung an der Pfeilring-Werke A.-G.(früher Ver- einigte Chemische Werke A.-G., Charlottenburg) wurde verstärkt (3 Proz. Dividende). Der Reingewinn wird(einschließlich Dortrag) auf 6,6 Mil- lionen Mark(Vorjahr 9,1 Mill.) ausgewiesen, der an sich wieder die Verteilung von 8 Proz. Dividende zugelassen hätte. Aus Vor- ficht wurde die Dividende auf 5 Proz. herabgesetzt. Die Ab- schreibungen wurden von 1,6 auf 2,9 Mill. M. erhöht: Sonder- abschreibungen(im Vorjahr 1,4 Mill.) unterblieben in diesem Jahr. Einem Aktienkapital von 81,9 Mill. M.(im Verwal- tungsbesitz noch 8,1 Mill. Vorratsaktien) stehen Beteiligungen in Höhe von 76,8 Mill. M. gegenüber. Die eigenen Anlagen sind infolge der Neubauten von 29,5 auf 25,7 Mill. M. erhöht. Die Bestände sind von 2,3 auf 6,9 Mill. gestiegen. Wegen des Ab- satzrückganges und wegen der Neubauten gingen die Forderun- gen von 29,9 auf 19,9 Mill. M. zurück, während sich die Schulden von 13,3 auf 29,3 Mill. M. echöhten. Gleichwohl dürften in den sehr summarisch ausgewiesenen Bilanzziffern starke stille Re- serven stecken. Die Schering-Kahlbaum A.-G. weist für das Geschäftsjahr 1939 einen Reingewinn(mit Bor- trag) von 6,9 Millionen Mark(Vorjahr 6,9 Millionen Mark) aus. Obwohl man daraus hätte 29 Proz. Dividende verteilen können, zog man es vor, die Dividende von 15 auf 12 Prozent herabzusetzen und 2,5 Millionen Mark vorzutragen. Der Gesamtumsatz hat sich auf Borjahrshöhe gehalten. Während der Absatz von technischen Chemikalien zurückging, konnte der von Arzneimitteln auch wertmäßig gegenüber dem Vorjahr g e st e i g e r t werden— trotz gesunkener Kaufkraft, Krankenschein- und Rezeptgebühr, Preissenkung. Von den B e- teil! gun gen hat die Photofirma Voigtländer u. Sohn A.-G. Braunschweig, mit Gewinn gearbeitet, während die Spindler A.-G.. Spindlersfeld, unter der Krise zu leiden hatte. Die Alpine Chemische A.-G., Kusstein-Schaftenau, hat zum ersten Male mit Gewinn ge- arbeitet. Die Auslandsorganisation von Schering wurde ausgebaut. Das umlausende Kapital von 27,75 Millionen Mark bc- findet sich so gut wie ganz bei Oberkoks. Die Anlagen stehen mit 17,2 Millionen Mark zu Buch: Beteiligungen erhöhten sich von 8,9 Millionen auf 9,5 Millionen Mark. Die Vorräte gingen von 14,9 Millionen auf 11,5 Millionen Mark bedeutend zurück, in- folge tatsächlicher Verminderung und der Preissenkung. Sicher enchält dieser Posten starke Reserven. Die Schulden und Forde- rungen gleichen sich mit rund 29 Millionen Mark etwa aus. Alles in allem— eine außerordentliche Gewinnbilanz, die durch die zu erwartenden Einnahmen aus dem amerikanischen Freigabebcsitz sich noch wesentlich günstiger gestalten wird. Kleiner Gewinn bei Lokomolivsabrik krauß-INafsei. Das Ge» schäftsjahr 1939 der Lokomotiofabrik Krauß u. Com p.— I. A. M a f f e i A.-G-, München, ergab einen Rohüberschuß von 2,1 Millionen Mark gegen 2,5 Millionen Mark im Vorjahr. Bei ermäßigten Handlungsunkosten und Abschreibungen bleibt ein Reingewinn von 99 999 Mark, der vorgetragen wird. Die Beschäfti» gung sei so hoch wie im Vorjahre gewesen. Die Fusion, durch die die Krauß u. Co. A.-G. die Lokomotivfabrikation von I. A. Maffei(jetzi Jndustriewerke Hirschau A.-G.) übernahm, wirkt sich erst in der Bilanz des laufenden Jahres aus. Das fusionierte Unternehmen ist dem Vertrage zwischen der Reichsbahn und der Lokomotioindustrie beigetreten. Gut rentierende Maschinenfabrik. Zu den Maschinenfabriken, die trotz der Krise gut beschäftigt sind und anständig oerdienen(obwohl stets über schlechte Preise geklagt wird!), gehört auch die Lübecker Maschine nbau-Gesellschaft, Lübeck. Der Umsatz des Jahres 1939 ist zwar hinter dem des Jahres 1929 zurück- geblieben: aber der Rohgcwinn ging nur von 9,85 auf 9,82 Mil- lionen Mark zurück, und der Reingewinn von 9,43 Millionen war infolge ermäßigter Abschreibungen noch ei» wenig höher als im Vorjahr. Die Beschäftigung war üngleichniäßig. Zu Beginn des Jahres 1939 wurden 1482 Arbeiter und Angestellte beschäftigt: im Laufe des Jahres schwankte die Belegschaft zwischen 1899 und 1199 Köpfen. Aus das Kapital von 3,9 Millionen Mark, das fast vollständig in Händen von O r e n st e i n u. K o p p e l ist, werden wiedek 19 Proz. Dividende oerteilt. Der Ernst Rowohlt Verlag Berlin ist infolge Insolvenz eines Lieferanten selbst in Schwierigkeiten geraten. Der Verlag, der über viele erfolgreiche Autoren verfügt, steht vor dem Abschluß mit einem Stlltzungskonsortium. Qerdland: ffiraufelimonade wie einU ••• Frau Pampas blieb vor einem illuminierten Schaufenster stehen. In der Auslage befanden sich duftige Hcmdchen, korallenfarbige Tea-gowns, hauchzarte Hemdhosen. Büstenformer ganz aus Spitze, schwarze Strumpfhaltergürtel und biskuitfarbene Seidenstrümpse... Frau Pampas stand vor diesen Herrlichkeiten ganz versunken, sie streckte die Hand aus, um Herrn Pampas mit sanfter Gewalt heran- zuziehen. Sie sagte:„Sieh mal, Max..." und hatte einen erregen- den Nebengedanken. Aber Max war außer Sichtweite. Die weißen Bogenlampen über dem Eingang des großen Varietes erloschen, der Menschenstrom, den die Portale nach der beendigten Abendvorstellung ausgespicn hatten, war untergetaucht im Gewühl der scheinwerferüberzuckten Vergnügungsstrahe. Frau Marhilde Pampas war empört. Sie hatte das übliche Wegzcrren durch Maxens Hand von den betörenden Reizhöschen erwartet, sie hotte auf den obligaten Ausspruch„Das kommt uns nicht zu! Ich bin nur ein armer Fabrikant!" gelauert, um nun ihrerseits ein„Wozu habe ich geheiratet?!" loslassen zu können. Aber Max stand jetzt gewiß vor den schon oerdunkelten Schaukästen des Varietes, das sie eben verlassen hatten, und versuchte sich ange- sichts der ausgestellten Ausnahmen die Reize der turnenden Mädchen, des Stars vom Londoner Coliseum und der süßen Schlangenfräuleins ins Gedächtnis zurückzurufen! Frau Marhilde kam sich verlassen vor. Sie ging die paar Schritte zurück, um Max zur Ordnung zu rufen. Aber er stand nicht vor den Schaukästen des Varietes, sondern vor einer Tafel an einem Nebeneingang des Vergnügungshauses. War auf der einen Seite des Varietes das„mondoine Nacht- leben Berlins" in einem luxuriösen Tanzpalast beheimatet, lag gegenüber die„Stätte verbotener Lust", in der geschminkte Sakko- jünglinge mit gummibebrüsteten Damcndarstellern, um die Gunst behäbiger Prooinzonkels buhlend, wetteiferten— hier, hinter den Glastüren, zu denen dieser Nebeneingang führte, ging nächtlich ein Gruselsput in Szene, den sindige Hirne als neueste Attraktion des Westens herausstellten: ein Tingeltangel von Anno dazumal! Frau Pampas, die leise hinter ihren Mann getreten war, brach plötzlich in ein schallendes Gelächter aus.„Das ist wohl deine stille Liebe?" fragte sie immer noch unter Lachen und wies auf das Bild einer schwammigen, gedunsenen Frau mit tiefen Runen im Gesicht, die in der Stellung der Lola Lola aus dem„Blauen Engel" breit- beinig auf einem Stuhl saß und die Spitzen der Lackschuhe wippen ließ.„Neueste Aufnahme der beliebten Erna Schitzkow" stand dar- unter. Neben der Aufnahme der alten grotesken Frau in der her- ousfordernden Stellung war noch ein anderes Photo befestigt. Es zeigte eine junge Frau mit entblößten Oberschenkeln, an einem Sekt- glas nippend, darunter stand:„Aufnahme Erna Schitzkows aus dem Jahre 1902"! Marhilde war im Bilde. Seit sie eine mondäne Frau geworden war, seit sie ihre Vornamen Maria Hildegard zusammen trug, seit sie Stammkundin des Chefherrentänzers aus dem Eden war, trai- nierte sie sich in ehelicher Toleranz. So sagte sie ein wenig spöttisch, aber doch mit zuckender Lippe:„Geh doch, Mäxchen! Sieh dir das doch an!"—.Lch hätte dich, weiß Gott, nicht um Erlaubnis ge- fragt!" erklärte Herr Pampas, winkte einer Taxe und verfrachtete seine Frau... Dann ging er hinein in das absonderliche Kabarett, um Erna wiederzusehen, Erna, die er... die ihn... ach, nicht doch... Als Herr Pampas den überfüllten rauchgefchwängcrtcn Raum betrot, fiel fein erster Blick auf die Bühne. Da saßen, aufgedonnert, herausgeputzt, auf„neckisch" frisiert, sieben„Damcns". Es war wie damals vor dreißig Jahren, als Herr Pampas noch jung und schön gewelen war... Ja, das war die besondere Attraktion, der Nervenkitzel für die junge» Herren mit ihren Weekendbräuten, für die überfütterten, sensationshungrigen Snobs, die smarten Pankees und die feisten Banausen, das war das sadistische Amüsement, daß es die alten Semester waren, die von damals, aus den Tingeltangels im(Zuartier Iztin, der nördlichen Friedrichstrahe, die hier oben saßen, mit lockend gelackten Kußmäulchen, in der verschollenen Draperie einer ver- klungenen Epoche. Und da war auch die Erna, die Erna Schitzkow, die damals ein Begriff gewesen für alle Portokassengents, Lebejünglinge, Lustmolche und Ehemänner auf Abwegen... Sie saß da oben, nippte an einem Scktglase und glich einer verstaubten, abbröckelnden Panoptikums- monströsität. Herr Pampas erinnerte sich. Von einer herben Süßigkeit war dies Erinnern, von einer schmerzenden Bitternis. Seine Jugend wurde lebendig. Es war doch zu lächerlich! Dies Wiedersehen! Brauselimonade! Das war der Anfang gewesen! Ein Glas Brauselimonade auf die Bühne zu schicken war pikfein... Pikfein war es auch, eine Chansonette im Bett zu haben und am nächsten Abend über sie hinwegzusehen wie über ein Häufchen Unglück. Herr Pampas hatte schon damals an Gemüt gelitten, er war schon damals ein zu wenig sachlicher, zu romantischer Liebhaber gewesen... Brauselimonade, der Anfang... Eine weise Frau, ein lang- gezogener, qualzerbrechender Schrei das Ende. Herr Pampas war damals schon Inhaber der vorzüglichen Eigenschaft gewesen, sich rechtzeitig zu drücken! An den Nebentischen wurde man schon auf ihn aufmerksam. Er stimmte nicht in das höhnische Gemecker, in die zweideutigen Zurufe, in den ironischen Applaus ein, der nach jedem Vortrag einer Chansonette einsetzte. Konfekt und Blumen wurden auf die Bühne gebracht, nur damit man sich an dem geschämigen Lächeln weiden konnte. Ein« Brauselimonade wurde vor Erna Schitzkow hingestellt. Und Pampas wartete auf ein Aufflackern der stumpfen, müden Augen, auf ein Zeichen der Erinnerung bei der ehemaligen Geliebten da oben. Nichts dergleichen. Sie erhob sich. Und sang das Bänkellied, das vor dreißig Iahren die Männer begeistert hatte und das nun so lächerlich, so antiquiert wirkte, wie die Frau mit dem Aufputz eines Zirkuspfcrdes..» Ihre krähende Stimme, das kokette Lüften des Rocks, das Verdrehen der Aeuglein, das geschämige Niederschlagen der getuschten Augendeckel, die Rüschen und die Schleifchen, das alles erregte spontane Heiterkeitsausbrüche bei den Leuten, die ob dieses Gruselspuks, ob dieser gespenstischen Reminiszenz hier saßen. Herr Pampas ging schnell fort. Er hatte Angst. Die Angst würgte ihn an der Kehle. Er war nur zu feige, sich diese Angst einzugestehen und brummte„Wie lächerlich" vor sich hin. Werner dichter: S)er Smkruek bei der Sängerin Seit Iahren zum erstenmal hatte sie wieder die schöne Helena gesungen. Alle hatten ihr bestätigt, daß es glänzend gewesen war: mühelos gab die Stimme ihre reiche Kraft her und gehorchte ver- läßlich wie nur je. Nun endlich saß die Sängerin allein und auf- atmend in ihrem champagnerfarbigen Wohnzimmerchen, worin eine Schale voller Veilchen ruhig freundlichen Duft verströmte. Wie schön—, nun also zu wissen, daß es noch lange nicht Zeit war. an Abstieg zu denken, an Abgang von der Bühne, den sie manchmal schon in Tagen des Mißvergnügens so nahe gewähnt hatte. Glücklich spielte sie mit dem eigenen schönen Bilde im Spiegel, lächelte ihm zu, neigte den Kopf, bis die Ohrgehänge die Schultern streiften und blies dann wieder Zigarettenrauch über alles, alles hin... Plötzlich kam aus dem runden Speisezimmer nebenan ein schar- fer Luftzug, wurde auch der Trommelton des Regens schärfer: also chatte wohl der Wind die Tür zum Wintergarten aufgedrückt. Aber indem die Sängerin nun, in der Schiebetür zum Speisezimmer, nach dem Lichtschalter tastete, entstand drinnen im Dunkel tumultuöses Krachen des Parketts und Stoßen der Möbel: ein fremdes Wesen mußte hineingeraten sein. Die Sängerin jedoch, voll fröhlichen Muts, den das Glück gibt, drehte trotzdem das Licht an, es ergoß sich, aus Deckenleisten milde verteilt,— und richtig: am Fenster unter den zitronengelben Stores zeigten sich zwei erbarmenswert auseinandergetretene, schmutzbespritzte Schnürschuhe: kurz also: ein Einbrecher war da Aber die gute Laune der Sängerin war heute unerschütterlich. Sie sagte einfach:„Kommen Sie hervor, oder ich schieße", und da sich nichts regte, fast besorgt:„Also wollen Sie es knallen hören?" Da wickelte er sich aus dem Zitronengelb. Großer Gott— wie sah er aus! Ein Männlein, ein Sechziger mindestens, das graue Gesicht gedunsen, das kaffeebraune Mäntelchen zerknüllt, rotrandige Augen kümmerlich ins Licht zwinkernd. Heiser offenbar vor Angst murmelte er unaufhörlich vor sich hin, man solle telephonieren, ohne Umstände, ans Ueberfallkommando... Die Sängerin ließ die Hand, die sie bisher auf dem Rücken hielt, nach vorn sinken: natürlich hatte sie keinen Revolver darin, nur die Zigarette. Aber dies war ja nun auch ein Einbrecher, den man keinesfalls ernst nehmen, den man amüsant finden konnte, und wirklich lachte ihm nun auch die schöne Frau einige ihrer be- rühmten glockenreinen Kehltöne entgegen. Aber auf einmal brach sie ab— als nämlich die kugelig hervortretenden, sonderbar perl- Muttern schimmernden Augen des Einbrechers sich voll auf sie richteten: denn diese Augen erkannte sie ja— mehr noch, sie selbst sühlle sich plötzlich wieder als das überlange, dürre Kind, das, zum Schnapsholen weggeschickt, sich schämt, die Flasche unter der Schürze versteckt, vom Vater angebrüllt, sie schreckhaft fallen läßt und nun erst recht wütend angeblitzt wird— und immer aus den gleichen Augen, die sich eben hier so greisenhaft schwerfällig auf sie zu dreh- ten! Und diese Hönde auch, die jetzt qroßadrig herabhinqen, hatte sie sie nicht stark, braun, fleißig und nur allzu rasch bereit gekannt, den Leibriemen zu lösen, und ihn ihr um Beine und Rücken sausen zu lassen? In jedem Fall aber, mußte Sicherheit geschafft werden.„Sie sind doch", fragte sie entschlossen,„Herr Kunze, der vor etwa zwanzig Iahren in der Kleinen Winzerstraße wohnte?" Der Alte zuckte sichtbar zusammen, sagte dann jedoch gleich- mütig:„Mehr Pech kann man nicht gut haben: nun kennen Sie mich also auch.. Jetzt freilich wollte ihr einen Augenblick lang das ganze Zim- mer in rötlich-grauer Dämmerung untergehen, wollte die weiße Decke, aus der unsichtbare Glühbirnen ruhiges Licht sandten, über ihr zusammenrutschen. Gleich indessen hatte sie sich wieder gefaßt: ja, sie wunderte sich, wie kühl diese Entdeckung sie lieh und keinerlei Rührung oder Mitleid aufkam,— ja, eher noch etwas wie Glück,— daß dies alles nun so fern lag, sie gar nichts mehr anging,— ein hartes aber helles Glück. So konnte sie ganz sachlich sagen:„Aber Sie waren damals doch ein sehr reeller, anständiger Mann, hatten Frau und Kinder..." Cr nickte nörgelig:„Gewiß doch, ich war ein anständiger Mensch,— aber viel zu lange. Fräuleinchen, viel zu lange war ich anständig. Denn, wissen Sie, wenn man so alt ist wie ich und dann erst so was anfängt, so was..." eine �wge Handbewegung ging um das Zimmer, in das er widerrechtlich eingedrungen war,— „dann wird nichts Rechtes mehr daraus. Nur noch junge Leute bringen es heute zu was: das ist in jedem Beruf so. Im Asyl, wissen Sie, da haben sie mir gesagt, hier bei Ihnen, das wäre eine ganz leichte Sache: erst durch ein Loch in der Gartenhecke, wo die Kaninchen gewühlt haben, dann hier durch die Glasveranda. Aber wenn man alt ist, wird man selbst bei so was Kinderleichtem erwischt. Nun telephonieren Sie aber schon: Nr. 3339— Ueberfallkommando." Aber sie schüttelte nur nachdenklich den Kopf. Gar nichts also ahnte er, heruntergekommen und verstört, davon, daß sie es war, die knapp siebzehn Jahre alt, bald nach dem Tode der Mutter ihm entlaufen war, ein langbeiniges, eigensinniges Wesen mit hartem Gesicht, aber der unheimlich schönen, großen Stimme,— der lieben Stimme, die ihr Glück geworden war. Damals freilich, in' der ersten Zeit der kleinen Rollen und der Ausbildung konnte sie was die Geldbeschaffung anging, nicht allzu wählerisch sein: Gönner verschiedenster Art und Güte mußten herhalten, Gegenleistungen ge- währt werden, wie sie nun einmal üblich sind,— weshalb der Vater, gekränkt im tiefsten Stolz des kleinen Angestellten— er war Botenmeister in einer Versicherungsbank— ihr mitteilen ließ, daß er sie„hiermit verstoße und enterbe". „Und nun also", fragte sie weiter,„geht es Ihnen so schlecht. daß sie einbrechen müssen?" Diese Frage, unterstützt vom straffen Blick ihres wirkungssicher untermalten Auges ging dem Alten offen- bar zu tief. Er brummte böse vor sich hin und brachte endlich schie- lend heraus: morgen sei Sonntag; auch unsereins wolle schließlich einmal ausgehen, vielleicht, jawohl, mit einer Dame, und wenn es auch nur zu ein paar Gläsern Bier lange: aber ein Sonntag ganz ohne Geld... Das nun allerdings fand sie einfach empörend; dies schien ihr Kränkung sogar noch der loten Mutter. Nein, mit solcherart Leuten hatte sie nichts mehr zu tun; Einbruch aus Not, wävc zu ver- stehen;— aber nur eines fragwürdigen Sonutagsoergnügens wegen,— das war zu viel.„Gehen Sie", sagte sie in plötzlicher Heftigkeit,„seien Sie froh, daß ich Sie nicht verhaften lasse. Ver- dient hätten Sie es. Aber gehen Sie rasch, damit ich es mir nicht noch anders überlege." Und eine deutliche Bewegung ihrer Hand zum Tischtelephon ließ den Alten sehr beeilt über den Iiegelboden des Wintergartens davontappen. In diesem Augenblick jedoch begriff die Sängerin erst, was sie tot. War es denn möglich, ihren Vater, der ja in alle Ewigkeit ihr Vater blieb, so verschwinden zu lassen, auf Nimvrerwieder- sehen? Natürlich war doch auch die empörende Geschichte von dem Sonntagsausslug, zu dem er Geld brauchte, nur eine dumme Er- findung seines Zbleinbeamtenstolzes gewesen,— ein« Finte, um sein ganzes Elend nicht zugestehen zu müssen, eine Wichtigmacherei, vielleicht auch nur ein Wutansall gegen die Eleganz dieser fremden Dame und ihrer Villa. In Wirklichkeit sicherlich hungerte er und hatte kein Obdach. Und er war doch der Vater,— man konnte doch, uin Gottes'willen, den Bater nicht so davongehen lassen! Und doch: er war sogar schon gegangen! Also mußte sie ihm nach, ihn zurückbringen, ihn, was auch immer daraus folgte, aufnehmen, durfte ihn doch nicht hungern, ihn wieder einbrechen, stehlen lassen. Hastig das Kleid rassend rannte sie durch die raschelnden Palmenwedel des Winterdartcns. Die Tür ins Freie schwankte klappernd im Wind, offenbar vom Vater aufgebrochen. Und er selbst, schon sah sie ihn, stapfte nun in der unscharscn Feuchte der Spätwinternacht davon, steuerte, mühsam gegen� den Wind, der Hecke zu, wo er sein von Kaninchen gewühltes Schlupfloch wußte. Sie segle ihm nach, ungestüm quer über verschrumpstes Gras. lieber schwere Aug«nsäcke hinweg sah er sie fragend an: vielleicht wollte sie ihn also doch verhaften lassen? Schon hob sie die Arme, sie ihm um den Hals zu legen,— aber im gleichen Moment schlug von ihm herüber zu ihr eine so starke Wolke modrigen Geruchs aus Alkohol und Armut, daß ihre Knie selbsttätig zurückwichen. Nein,— man mußte ehrlich sein. Und dies war die Wahrheit: sie stand vor dem Vater völlig beziehungslos. Die Zeiten, in denen irgend etwas sie mit ihm verbunden hatte, waren vorbei,— mit der vollkommenen Ewigkeit des einmal Gewesenen vorbei. Gewiß, vom gemeinsamen Erbgut bäuerlicher Lebenskraft, das die Familie einst in die Stadt mitgebracht hatte, mochte die Sängerin den größten Teil errafft haben. Aber nichts davon durfte sie heraus- geben, auch dem Vater nicht: denn er— dies schien ihr der plötzlich offenbarte Sinn des Daseins— hatte sinken müssen, damit sie steigen konnte: sein Versinken aufhalten, hieße ihren Aufstieg hemmen. „Ich will nichts weiter" brachte sie also, blaß werdend, hervor. „ich wollte Ihnen nur sagen, daß ich mich freuen würde, wenn Sie gelegentlich wiederkämen." Und das war in diesem Augenblick auch ihr Ernst: wirtlich hätte sie den Vater gern zuweilen in der Küche sitzend gefunden, einen Topf Suppe auf den Knien, wie andere Bettler auch. Er sah sie an, mit einem von ihrer Stirn.zu den Füßen sinkenden Blick.„Es ist sehr edel von Ihnen, meine Dame" antwortete er,„daß Sie mich lausen lassen. Aber veralbern sollten Sie mich alten Mann deshalb doch nicht." Damit wandte er sich ab und stapfte mühsam über schollernden Kies, davon; und sogar seinem gebeugten Rücken war anzusehen, daß er nie wiederkehren würde. Aber indem auch die Sängerin min langsam.zurückging, spürte sie schon, wie in ihrem Herzen alles sich verhärtete: in aller Eil" hämmert« sich hier ein Beschluß zurecht,— der Beschuß, daß das Begebnis des heutigen Abends nicht mahr gewesen war: dieser Einbrecher hatte ein ganz fremder gewöhnlicher Vagabund zu sein: ja warum sollte denn nicht auch irgendein anderer Mensch namens Kunze einmal vor zwanzig Iahren in der Kleinen Winzer straß« gewohnt haben? Und daß er dem Vater ein wenig ähnlich sah.— nun, konnte sie überhaupt wissen, wie der Vater heute aussah? Und morgen, fühlte sie, würde sie an all dies noch viel fester glauben und mit jedem Tag mehr, bis später einmal ein Morgen kommen würde, sonnig, freundlich, im.Frühling, Vögel würden ins offen» Schlafzimmersenster zwitschern,— dann würde es nur noch eine einzige Wahrheit geben: daß sie heute abend ein groteskes und eigentlich lustiges Ereignis erlebt habe, irregeführt durch ein« lächer- lich« Aehnlichkeit. Denn was gibt es nicht alles für Aehnlichkeiten in dieser an Ueberraschungen so überreichen Welt! Und was für komische Sachen hörte sie doch nicht manchmal schon erzählen, über- wältigend komisch«, geradezu hinreißend«, nicht wahr? £ma SBÜflng: SSuttiC N�Sd/S Der Krebs, wer hätte das wohl vor kurzem gedacht, ist plötzlich die Mode von 1931 geworden. Vor üblen Abwässern auf der Flucht, tauchen die Krebse in ungeahnten Massen vielerorts auf und nament- lich in Berlin erfüllen sie den Landwehrkanal mit einem wahren Gewimmel. Darum werden zahlreiche Berliner zum Fischer wider eigene Erwartung, und auf unvorhergesehene Weise wird die Spesie- karte manche: Arbeitslosen etwas bereichert. Da dieses Krebsoor- lammen absonderlich Ist, darf man hier auch wohl einmal von ab- sonderlicherr Krebsen reden und zwar von den bunten. Von bunten Krebsen? Man sagt doch zu einem erhitzten Menschen:„Du bist rot wie ein Krebs." Ja, das stimmt, das sagr man und denkt dabei an den gesottenen Krebs. In seiner natürlichen Färbung hingegen ist der Krebs gerade nicht auffällig leuchtend: dennoch gibt es— und das ist wenig bekannt— auch bunte Krebse. Die Farbabweichungen bei den Edelkrebsen sind sogar derartig häusig, daß das Berliner Aquarium in einem Becken stets mehrere dieser farbenfrohen Gesellen beherbergen kann. Natürlich steht das Der- liner Aquarium mit großen Krebshandlungen in Verbindung, bei denen immer Hunderttausende von Krebsen als verkäufliche Ware durchgehen. Wird unter ihnen ein andersfarbiger entdeckt, wird er sofort nach Berlin geschickt. Darum sah man in des Deutschen Reiches Hauptstadt schon blaue, gelbe, grüne, weiße und halbseitige Krebse. die in allen Farben schillerten. Ihre Lebensdauer ist nicht geringer als die ihrer Kollegen. Die Farbabweichung ist also keine eigentliche Krankheitserscheinung. Kommen die bunten Krebse in kochendes Wasser, werden sie genau so rot wie ihre naturfarbenen Artgenossen. Das gleiche ist der Fall, wenn man sie in Alkohol tut, dessen haltbare Wirkung besonders von der Wissenschaft häufig ausgenutzt wird. Die bunten Krebse findet man nicht nur in einem Gewässer, sie kommen überall vor. Der Krebsbestand ist schon wiederholt von der Krebspest bedroht worden. Nach verheerenden Verlusten wurde deshalb der nordameri- konische Flußkrebs, der von der Seuche nicht befallen � wird, bei Berneuchen eingebürgert. Er hat sich sehr zufriedenstellend vermehrt, er ist abgewandert und es geht ihm vielerorts gut. Doch hat der Mensch, der alles vom Eß-Standpunkt aus betrachtet, keinen rechten Grund mit dem Nordamerikaner zufrieden zu sein, denn er hat ein sehr hartes Haus, das man erst mit dem Hammer aufschlagen muß, um an den köstlichen Inhalt zu gelangen. Dabei sei hier noch erwähnt, daß die Krebse, die im Volksmund Galizier heißen, nicht etwa aus Galizien stammen, sondern chren Namen tragen, weil ein Galizier der erste war, der mit ihnen handelte. Die Stadt Jtem Jork wurde von den Holländern im Jahre 1612 unter dem Namen„Neu Amsterdam" gegründet: im Jahre 1623 tauften sie die ganze Manhattan-Insel, auf der die Stadt liegt. den Indianern für 24 Dollar ab. Im Jahre 1800 hatte die Stadt erst 69 000 Einwohner.