B 144 48. Jahrgang BERLIN Sieiistag 23. Juni 1931 Erfch«inttSgllchallß«rSvnntags. Zugleich Abendausgabe des„Vorwärts". Bezugspreis beide Ausgaben 85 Pf. pro Woche, 3,K0M. pro Monat. Redaktion und Expedition: BerlinSW68,Lindenstr.3 Fernsprecher: Dönhoff(A 7) 292—297 SpxUauhtfajBe Jßh Anzeigenpreis: Die einspaltigeNonpareillezeile 80 Pf., Reklamezeile 5M. Crmäßigunaen nach Tarif. Postscheckkonto: Vorwarts-Verlag G. m. b.H.. Berlin Nr. 37 536.— Der Verlag behält sich das Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor! Hakenkreuz und Reichsflagge Nationalsozialistische Gelübde, die abgelogen werden UüberlassunAsvel-tl-zg; des Stadions. -- 4 zählt"---------- in 1 l�"v— VffZIuUHer� dü> BV�TiSäL- Uo<*»-.— WkVlMfe �■" ttSRBiM' ,/ •üzmrz b)«rUIt der BetchuuachuO res des CniU�-Ctanzhnni der Ein Irin , Vimttk/Atß der ReichzMusebitt«« �drd aber mit miudeslerj, -r�y�KJl am) UrtetonA fTT'K*. T*1'*— .'rar rt«-«'eialrcMdk jMmdeeerKKTaazprücbe Tttr BmbJdir>n(«m Pmonra»od Oejce� «töedta mit der Veratulaiter ein. f Ilm ihr Hakenkreuz-Sportfest im Stadion abhalten zu dürfen, haben die Nationalsozialisten die feierliche Er- k l ä r u n g abgegeben, daß sie an bevorzugter Stelle die Reichsflagge schwarzrotgold hissen würden, die sie sonst mit nicht wiederzugebenden Schimpsworten bedenken. Außerdem verpflichteten sie sich ebenso feierlich, für das Sportfest keinerlei politische Propaganda zu treiben. Nachdem sie durch ihr Berliner Organ bereits das lehlere tt»a»reclit.V� TU« tllmi HaepOeg» 1*1 den Vilt'iedem" de» Deotsrhea Reich» Dm ntera Leg«»übt dem Vimstalter i«r Verfflgnag. � /DI« mm DeoUcben Beichsanssehua»u»fe{r«b�oeo DMeHrwten(e Li'te) behalte» lbro NaiUssbrnt nun freien Eintritt ehn« Anrecht auf Sitfplitze.* Die Lo«reiiplttre d»* Rlodrt B Nr. 17— aa- 43 PUu« aind lir Reichs- und Landuga-Alureordncl«(Anwl,ui> für LeibertboBaroV,' dt« LegeeplMae de» Blocks A Nr. 25—32 und Blork B Nr. 33— 62 Plaue,»oiri« die Ätipllti« 1—31 Reib« 1 de» Block» A Für PremeTrrtreter. die im Breite ren Jabreskarten sind, vorgreeheni Dar Beirtuaussrhofl hat all« Rechte de» Hauglierrn. insofiderheil kann er rieh bei Kl»-' pdngre von UXs'em durch Voncte»d»mitjstiedrr vertreten Innen. � Die Voretaodsmitglleder»od Bremten dee Baicbzanscbuses heben zu al!« KÄumlichkeitea im Sudion ari�Wuosch Zotnu. hei-I ■ 1» mt\' � S.*"■***** " r.•ylBamy?!« Rrieh»f«rbe«(Schware-Ret-Gold)»n 8. Beflafgunfj? -*A>r Ter»--"TTtZ- Sfell« ro zcig'o 1 ciozursaavea � wttrdigen Anteil �0. Einteilung'and Prefse'der Plaut "Die Preise der Plitz«»erden wie folgt fwigresetet; ir"—: versprechen gebrochen und dadurch das verbot des Sportfestes erzielt hakten, brachten sie die Stirn auf, durch öffentliche Erklärung ihrer Gauleilung jede derartige Zusage nachträglich abzuleugnen. Wir sind heute in der tage, den verlrag in phokographi- scher Treue wiederzugeben, in dem sich die Veranstalter ver- pflichten, die sonst verfemten Reichsfarben schwarz- r 0 t g 0 l d an hervorragender Stelle zu zeigen, und daneben das besondere verpslichtungsschreiben(mit DEUTSCH ER�RESt H S AUsTCHÜSS�FORdLElBESCBUNGE rtmaep. KtfarCasTtmtMe eo»T»cn»f*«ovro: u»u*<*»«< rai*o>u los.»r SLtee a ® BERLiNtvas, oea 17.6.W31 a«»rCa*RS»TRAMf<1 «n'dea'ÜubBrlaasungaTertra« E*l»chen'~dea V�A.�i�vnd V. der V.S.fi.A.?. � Berllo ST. 48.. Hedooazmstr.lO. tob für die Sport tot anataltuDfi am JO.Jonl 1931 1» Dt» Stadion., �lergTerajaotalter�Terpfllcbtot alciT�iegllcbo parte 1� jolltlscha Kundgebung und Propaganda�»ei�e8Tdurcb Wort, �Schrift oder P laltat ffiu.'qate r laaeen.� dem Hakenkreuz-Slempel), das jede politische Propaganda ausschaltet. Damit vergleiche man die freche Ableugnung in der Er- klärung der Gauleitung, gezeichnet von Dr. Goebbels, wonach im Verlrag„bewußt die Bezeichnung schwarz- rokgold weggelassen und nur von den Reichsfarben die Rede" gewesen sei. Dreister und erfolgloser ist kaum je gelogen worden, nicht einmal von den wesensverwandlen Kommunisten! Frankreich antwortet morgen Zustimmung und Vorbehalie gegen Hoover Zum Tode Wilhelm Bocks. Beileidskundgcbungen der Partei. Der Parteivorstand sandte an die Angehörigen von Wilhelm Bock folgendes Beileidstelegramm: Mit Wilhelm Bock verliert die deutsche Arbeiterklasse einen ihrer treuesten und in Sturm und Not bewährtesten Vorkämpfer. In aufrichtiger Treue Der Parteioorstand. Wels. Die Reichstagsfraktion sandte folgendes Beileidlele- gramm: Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion nimmt an Ihrer Trauer um den Tod von Wilhelm Bock herzlichsten Anteil. Das Andenken des Verstorbenen, der bis zu seinem letzten Atemzug der Arbeiterbewegung seine ganze Kraft widmete und der Jahrzehnte hindurch ihre Sache mit hingebendem Eifer im Parlament vertreten hat, wird bei uns in hohen Ehren gehalten werden. Sozialdemokratische Reichstagsfraktion. B r e i t I ch e i d. Wahlfieber in Spanien. Monarchisten sagen Versammlungen ab. Rladrid, 23. Juni.(Eigenbericht.) Spanien lebt zurzeit wieder in Fieberstimmung. Der Wahl- kämpf zu den am 2S. Juni stattfindenden Wahlen zur National- Versammlung ist mit aller Schärfe entbrannt. Ueberall platzen die Gegensätze innerhalb der verschiedenen republikanischen Parteien kraß aufeinander. Dabei spielen insbesondere die f ö d e r a l i st i s ch e n Bestrebungen der einzelnen Gruppen eine besondere Rolle. So wurde es dem General- staatsanwalt und dem Generaldirektor der Lokalverwaltung im Innenministerium in dem galizischen Luga unmöglich gemocht, ihre Wahlrede zu halten. Die äußerste Rechte beklagt sich darüber, daß ihre Veranstaltungen nicht den genügenden Schutz finden. Tat- sächlich reichen die Polizeikräfte zur Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung nicht überall aus. Aber die Beschwerde der Rechtsparteien hat schließlich nur den Sinn eines Rückzugsmanövers. In vielen Bezirken haben sie unter dem Hinweis auf die schwachen Polizeikräfte und die dadurch gefährdete Ruhe ihre Kandidaten zurückgezogen. In Wirklichkeit aber erfolgte deren Zurück- Ziehung angesichts der ihnen drohenden katastrophalen Niederlage. Die Versammlungen der Sozialisten sind außer- ordentlich stark besucht. Es ist kein Zweifel, daß sie am 2ö. Juni einen außerordentlichen Erfolg erringen werden. Paris, 23. Juni.(Eigenbericht.) In dem heutigen Ministerrat, der von 10 bis 12� Uhr dauerte, ist noch kein endgültiger Beschluß über den amerikanischen Moratoriumsvorschlag gemacht worden. Nachdem Briand den Ministerrat über die Umstände, unter denen die Anregung hoovers der französischen Regierung unterbreitet worden ist. unterrichtet hatte, und nachdem der Finanz, und der Budgelministcr die Folgen eines Zahlungsaufschubs für die französischen Finanzen ausein- andergeseht hatte, beschloß das Kabinelt, die Diskussion in einem für morgen vormittag einberufenen Ministerrat fortzusehen, in dem auch der Wortlaut der an den Präsidenten der Vereinigten Staaten zu richtenden Antwort festgelegt werden soll. Der Ministerpräsident lehnte nach der Verlesung des Kommuniques jede Erklärung gegenüber der presse ab. In der Kammer ist am Montagabend schon die zweite Interpellation über die amerikanische Anregung eingebracht worden. Sie geht von dem nationalistischen Abgeordneten Marin aus und bezieht sich auf„die Beteiligung Frnkrcichs an den Ver- Handlungen, die zu der Erklärllltg des Präsidenten Hoover geführt haben, auf den genauen Sinn des Vorschlages, auf die Ver- Handlungen, die darauf folgen werden und auf den Weg, den die französische Regierung einzuschlagen gedenkt, damit sich die Kammer in voller Kenntnis der Dinge vor jeder Abmachung, gemäß dem kürzlich vom Ministerpräsidenten gegebenen Versprechen, über die Angelegenheit aussprechen kann." Die Regierung wird der Kammer vorschlagen, die Inter- pellationen am Freitag zu besprechen. Innere Anleihe in Krankreich? Zum Ausgleich des Ausfalles der deuffchen Zahlungen- Paris, 23. Zuni. Der diplomatische Mitarbeiter der Agentur h a v a s glaubt zu wissen, daß der französische Botschafter in Washington sich Staats- sekretär Stimson gegenüber zu dem Vorschlag des Präsidenten Hoover in dem Sinne geäußert habe, daß Frankreich die edel-> mutigen Gefühle begrüße, die hoovers Znitiakve herbei- 1 geführt haben, und daß Frankreich bereit wäre, dem Vorschlag des' Präsidenten zuzustimmen: es habe aber den Wunsch, das Problem einer aufmerksamen Prüfung zu unterziehen, ehe es seine amtliche Antwort zur Kenntnis bringe. Mit internationalen finanziellen oder diplomatischen Verhandlungen vertraute persönlichkeilen seien der Ansicht, daß eine Zustimmung Frankreichs von Ga- rantien begleitet sein müsse, daß das Moratorium hoovers, das nur für ein 3ahr Geltung habe, den poung-plan nicht verletzen dürfe, und daß man die U n a n t a st b a r t e i t der ungeschützten Annuitäten Deutschlands beachten müsse. Bestimmte Finnzkreise Frankreichs faßten deshalb ins Ztuge, daß Deutschland für 1931/32 500 Millionen Mark oder die ungeschützte Tranche in deutscher Währung zahlt, die Frankreich über die B3Z. für Darlehen an interessierte Nationen zur Verfügung stellt. Das im französischen Budget auf- tretende Defizit könnte durch die Ausgabe kurzfristiger Schatz- scheine zum Ausgleich gebracht werden. Zu keinem Falle würde man zur Auferlegung neuer Steuern schreiten. Um diese ver- schiedenen Maßnahmen, die aus Frankreich viel schwerer als auf England und Italien lasten werden, zu rechtfertigen, müsse man be- tonen, daß Frankreich sowohl in politischer wie in sozialer Beziehung an der Wohlfahrt Europas besonders interessiert sei. Aus dieser Meldung geht ebenso sehr das Bemühen Frankreichs hervor, die Unantastbarkeit des Aoung-Planes aufrecht zu erhalten, solange Amerika die Schuldenverträge aufrechterhält, wie der Ver- such, der Isolierung zu entgehen, in die es durch eine Ablehnung der Vorschläge Hoovers auf Aussetzung aller Kriegsschuldenzahlungen für ein Jahr geraten würde. Die halbamtliche Pariser Meldung besagt deshalb in der Hauptsache, daß Frankreich Amerikas Bor- schlag grundsätzlich annimmt und der Ausfall des Ueber- schusses der deutschen Reparationszahlungen an Frankreich über die Zahlungen Frankreichs an Amerika— etwa 400 Millionen Mark— nicht durch Steuern, sondern durch eine kurzfristige innere Anleihe aufgebracht werden soll. Die französische Stellungnahme unterscheidet sich von dein ' Hooverschen Vorschlag der einjährigen Einstellung aller Zahlungen j von Staat zu Staat jedoch noch wesentlich dadurch, daß Frankreich den bei der BIZ. vorgesehenen Sonderjonds in Höhe von 300 Mit- Konen zugunsten der„interefficrtcn Staaten* durch deutsche Reparationszahlungen aufgefüllt sehen möchte. Frankreich tut das einmal mit Rücksicht auf seine Verbündeten, Belgien und Jugo- (latoicn, die je etwa 70 Millionen auf eigene Kosten an Amerika zu bezahlen hätten, wenn die deutschen Zahlungen ausblieben. Es läge jedoch im Sinne des Hoooer-Planes, wenn Frankreich diesen beiden Staaten den Ausfall durch eine Kreditgewährung zur Der- fügung stellen würde, zu der es dank seiner Finanzkraft ebenso wie im eigenen Falle durchaus in der Lage wäre. Die französische Formel läßt es über die Zahlungsverpflichtungen Belgiens und Jugoslawiens hinaus im Zweifel, ob die Deutschland jetzt zugemutete Zahlung von 500 Millionen, wie im Falle der Erklärung eines Transfermoratoriums gemäß dem Doung-Plan, Deutschland sogleich wieder zur Verfügung gestellt werden soll, so daß praktisch keine oder nur eine geringe deutsche Reparationszahlung für die nächsten 12 Monate in Betracht käme. Im Sinne der Hooverschen Vorschläge läge aber auch das nicht, da sie ganz bewußt über die für die heutige Situation völlig unzureichenden Moratoriumsvorschristen des Noung-Planes hinausgehen und daher die von Frankreich noch ge- wünschte Auffüllung des Sonderfonds als durchaus überflüssig er- scheinen lassen. Reichskabinett und Hoover-plan. Um elf Uhr fand in der Reichskanzlei eine Ministerbesprechung statt, die sich mit den durch den Hoover-Plan aufgeworfenen Fragen beschäftigt. Es ist anzunehmen, daß im Rahmen der Aussprache auch die inneren Auswirkungen eines Tributfeierjahres erörtert werden. Die Meinung bei allen Kabinettsmitgliedern geht über- einstinpnend dahin, daß den teilweise bereits an die Reichsregierung herangetretenen Wünschen auf Entlastung, die mit den Tribut- ersparnissen begründet werden, unter keinen Umständen Rechnung getrogen werden kann. Das Reichskabinett vertritt viel- mehr die Auffassung, daß, falls der Hoover-Plan verwirklicht wird, alle eintretenden Ersparnisse zur Stärkung und Sicherung der öffentlichen Frnanzwirtschaft unter Fortsetzung schärfster Sparsamkeitspolitik verwendet werden müssen. ■J 3)r. Marl SJure/cfi bisher Landeshauptmann von Niederösterreich, hat die öfter- reichische Regierung neu gebildet, nachdem die Bemühungen Dr. Seipels gescheitert waren. Staat und Volksbühne. Debatte im Llntersuchungöausfchuß. Im Krvll-Untersuchungsausschuß des Landtages, der nachprüfen soll, ob noch vertragliche Verpflichtungen des Staates gegenüber der Volksbühne nach Schließung der Kroll-Oper be- stehen, erstattete am Montag der Berichterstatter Wg. Dr. Rose j(D. Vp.) den Schlußbericht. Er kam nach einer ausgedehnten Be- «Handlung des gesamten Fragenkomplexes in seinen Feststellungen zu folgenden Ergebnissen: Eine einheitliche Auffassung darüber, welche rechtlichen Verpflichtungen nach Auflösung der Kroll-Oper für den Staat gegen- über der Volksbühne weiter bestehen, konnte nicht herbeige- führt werden, da die Bekundungen der Zeugen und die Rechts- auffasiungen im Ausschuh auseinandergehen. Das gilt ins- besondere für die Frage, ob bei Einstellung des Betriebes der Kroll- Oper ein Anspruch der Volksbühne auf Schadloshaltung nach den verttaglichen Bestimmungen ausgeschlossen ist, und ob die Tatsache, daß auf Grund der heutigen Finanzlage dem Staat die Fortsetzung des Kroll-Betriebes nicht zugemutet werden kann, ein Umstand rst, der den Staat von einer Schadloshaltung der Volks- bühne entbindet. In den Feststellungen des Berichterstatters heißt es weiter: „Die finanziellen Interessen des Staates sind nicht mit ge- nügender Voraussicht und Sorgfalt gewahrt und etatrechtliche Be- stimmungen nicht genügend befolgt. Der Ausschuß sieht aber von der Feststellung der Verantwortlichkeit einzelner Be- amter ab." Die Vertreter der Volkspartei haben einen Antrag eingebracht. der die Regierung ersucht, daß der ganze Sachverhalt nochmals durchgeprüft wird. Diesen Auffassungen trat Abg. Dr. R o s e n s e l d(Soz.) sehr entschieden entgegen. Gerade die Zeugenaussagen hätten ergebe», daß bei Schließung der Kroll-Oper der S t a a t zur Schadloshaltung der Volksbühne verpflichtet sei. Die Verträge seien weder fahrlässig abgeschlossen, noch schaffe eine veränderte wirtschaftliche Situation einen anderen Rechtsboden. Die Abgg. S t e n d e l(D. Vp.) und Schulz(Komm.) lehnen den Vergleichsvorschlag ab. Dagegen begründen die Wgg. G r e b e (Z.) und Dr. B o h n e r(Staatsp.) einen gemeinsamen Antrag, der die Annahme des Vergleichsvertrages empfiehlt. An- dernfalls müßten die rechtlichen Verpflichtungen durch ein einzu- setzendes Schiedsgericht festgestellt werden, wobei jedoch nicht die Aussicht auf eine günstigere Entscheidung bestehe. In der heutigen Schlußsitzung wurde die Abstimmung über die Anträge vorgenommen, um das Untersuchungsergebnis festzustellen. Von dem Antrag des Berichterstatters wurde der erste Teil in folgender Fassung angenommen: „Der rechtliche Ursprung und der Umfang der staatlichen Der- pflichtungen gegenüber der Volksbühne e. V. ergibt sich aus den Verträgen und dem Schiedsspruch, die als Anlagen zu den Niederschriften abgedruckt sind, sowie aus den zu ihrer Aus- siihrung getroffenen, bei den Ausschußberatungen herangezogenen Abmachungen." Abgelehnt wurde der übrige Teil des Antrages, wonach eine einheitliche Auffassung über die rechtlichen Verpflichtungen für den Staat nach Auslösung der Kroll-Oper nicht herbeigeführt werden konnte, ferner die finanziellen Interessen des Staates nicht mit genügender Voraussicht und Sorgfalt bei den Abmachungen mit der Gchilda in Berlin Reichshaupistadi ohne Pressestelle/ Oer verhaßte Sozialdemokrat Der Haushaltsausschuß der Verlluer Sladloerordneten. Versammlung hat gestern den grotesken Beschluß gesaßt, die Pressestelle der Reichshauptstadt aufzulösen und sich die Räch- richten aus der Berwaltuug in Zukunft van den Zeitungen bezahlen zu lassen. Der erste Antrag stammt von den Kommunisten, der zweite von den Deutschnationalen, mitgewirkt haben außerdem die Nazis und Wirtschaftsparteiler. Der famose Beschluß entspringt selbstver- ftändlich nicht etwa sachlichen Erwägungen, sondern rein Partei- politischer Demagogie. Fast die gesamte Presse Berlins von ganz rechts bis ganz links ist sich darüber einig, daß der neue Chef des Nachrichtenamts, Ge- nasse Dr. Richard L o h m a n n, in den zwei Jahren seiner Tätig- keit aus dem einstigen bürokratischen Apparat eine vorzüglich arbeitende moderne Presse st elle geschossen hat, die in u n- unterbrochener Dienstbereitschaft von früh bis spät in die Nacht hinein für Informationen aus der Verwaltung zur Ver- fügung steht. Teder weih, daß eine Verwaltung ohne das Vermittlungsorgan einer pressesteile heute überhaupt nicht mehr denkbar ist. Sowohl die deutschnationale wie die kommunistische Presse würde nach einer Pressestelle schreien, wenn sie n i ch t da wäre. Sowohl die deutschnationale wie die kommunistische Presse müßte die Ein- führung der Bezahlung von Verwaltungsnachrichten als stock- reaktionär und pressefeindlich bekämpfen. Hilft nichts— ihre eigenen Parteien beantragen, beschließen den Unsinn, bloß weil ein Sozialdemokrat an der Spitze des Nachrichtenamtes steht, dessen Bekämpfung ihnen trotz seiner Objektivität und Tüchtigkeit als Ehrenpflicht erscheint. Fast ist man versucht, es als ein Glück zu be- trachten, daß noch eine zweite Körperschaft da ist, die derartigen sinnlosen Tendenzbeschlüssen die Ausführung versagen kann. Wenn wir noch hinzufügen, daß in derselben Sitzung auch der Zuschuß zu dem Fremdenverkehrsamt mit derselben Mehrhett ge- strichen worden ist, so dürfte das Bild abgerundet sein. Es handelt sich bei den beiden Beschlüssen um einen Typ reaktionärer Spar- samkeit, deren Durchführung der Reichshauptstadt einen erheblichen Bähen Geld kosten würde. Das ist die ernste Seite der Sache, die sonst wie ein schlechter Witz klingt. Und darum muß der Kampf gegen derartige Schild- bürgerstreiche mit allen Mitteln durchgeführt werden. Kreitag zweite Lesung des Etats. Der Haushaltsausschuß der Stadtverordnetenversammlung hat die e r st e L e s u n g des Etats beendet. Freitag früh wird man in die zweite Beratung eintreten. Bis dahin soll die Verwaltung die vom Ausschuß geforderten Abänderungen verarbeitet haben. Man hofft, die Arbeiten im Ausschuß bis zum Dienstag nächster Woche beenden zu können, damit di� Stadtverordnetenversammlung in die Etatberatung bereits am Donnerstag eintreten kann In dieser Woche findet keine Sitzung des Stadtparlamentes statt. Auch der Gemeindeausschuß wird in nächster Zeit nicht zusammen- treten. Volksbühne gewahrt und die etatsrechtlichen Bestimmungen nicht genügend befolgt worden feien, sowie von der Feststellung der Ver- antwortlichkeit einzelner Beamter vom Ausschuh abgesehen wurde. Mit den Stimmen der Regierungsparteien wurde so, dann der Antrag Grebe-Dr. Bohner in folgender Fassung ange- nommen: „Die Annahme des Vertrages vom 11. Dezember 1080 wird empfohlen. Die rechtlichen Verpflichtungen wären andernfalls von dem nach dem Vertrag vom 30. April 1923 einzusetzenden Schiedsgericht sestzustellen. Eine sichere Aus- sicht auf eine günstigere Entscheidung des Schiedsgerichts besteht nicht. DerAusschuß kann keine Schädigungen feststellen, für die ein einzelner Beamter verantwortlich zu machen wäre." Nächtliche Krawalle der KPD. Angriffe auf die Polizei.— Ein Demonstrant erschossen. Magdeburg, 23. Juni. Am Montagabend gegen 10 Uhr kam es in der Magdeburger Alt- stadt verschiedentlich zu Zusammenstößen zwischen Kommu- nisten und der Polizei. Die Kommunisten hatten versucht, in der Iakobstroß'e einen Demonstrationszug zu bilden. Als eine Polizeistreife den Zug auslösen wollte, setzten sich die Kommunisten zur Wehr, so daß die Streise durch Alarmierung des Uebersoll- kommandos Verstärkung heranholen mußte. Nachdem die Polizei zwei Personen festgenommen hatte, versuchten die Kommu- nisten, die Gefangenen zu befreien. Die Schutzpolizei sah sich gezwungen, von der Schußwaffe Gebrauch zu machen. Dabei wurde ein Mädchen durch einen Knieschuß und einer der Demonstranten durch einen Bauchschuß verletzt. Der verletzte Kommunist ist in der Nacht gestorben. Im ganzen wurden fünf Personen festgenommen. Die Zusammenrottun- gen setzten sich bis nach Mitternacht fort, so daß die Polizei noch mehrmals die Straßen säubern mußt«. Lleberall die Schußwaffen. Düsseldorf, 23. Juni. Ein Angehöriger der NSDAP, wurde in der Nähe des Ständehauses durch einen Brustschuß verletzt. Der Täter kam auf einem Fahrrad heran, gab im Vorbeifahren aus geringer Ent- fernung den Schuß ab und fuhr davon. Der Verletzte wurde ins Evangelische Krankenhaus eingeliefert. Lebensgesahr besteht zur Zeit nicht._ Ein glänzender Sieg der KpO. Die Sozialdemokratie verliert die Mehrheit- an die Bürgerlichen. Die Kommunistische Partei befindet sich, den Berichten der„Roten Fahne* zufolge, seit 1918 auf einem ununterbrochenen Siegesmarsch. Seit einiger Zeit siegt sie auch wieder besonders heftig, so daß die „Fahne* unter anderen Siegesnachrichten auch eine Extrabotschaft der Freude aus Gassen bringen kann. Aus diesem kleinen Städtchen in der Niederlausitz meldet sie unter der triumphierenden Uebevschrist „Wahlerfolg der KPD. in Gassen. Schwere Verluste der SPD.* folgendes: Die am letzten Sonntag in Gassen sNiederlausttz) stattgesunde- nen Stadtverordnetenwahlen zeitigten einen weiteren Vormarsch der KPD., während die SPD., die bisher die absolute Mehrheit inne hatte, schwere Verluste erlitt. Es erhielten: J KPD 283 Stimmen(1929: SPD. 791 Stimmen(1929; Bürgerliche 1115 Stimmen. KPD. 2 Sitze(bisher keinen), SPD. 5 Sitze(bisher 8), Bürgerliche 8 Sitze(bisher 7). Was ist also in Gassen geschehen? Bisher hatte die Sozialdemo- kratie mit 8 Sitzen gegen 7 bürgerliche die Mehrhett. Und jetzt haben die Bürgerlichen die Mehrhett mit 8 Stadtverordneten gegen 5 Sozialdemokraten und 2 Kommunisten. Die Kommunisten haben„g e- s i e g t* f ü r d i« Bürgerlichen-- wie immer! 183, 1930: 257), 1090, 1930: 926). Der Schweinespender Sjalmar«Schacht spendete der«SA. in Frohnau ein Schwein von seinem Sute bei Lindow Oer neue Personalreferent im Auswärtigen Amt. Der bisherige deutsche Gesandte in Oslo, Köster, der schon seit längerer Zeit die Leitung des Personalreferats im Auswärtigen Amt hat, wurde zum Mintsterialdirektor ernannt und endgültig zum Leiter der Personalabteilung des Auswärtigen Amtes bestellt. Sein Nachfolger in Oslo wird der bisherige Leiter des Völkerbundsreferats, Geheimrat von Weizsäcker. „Einige Schweine und Hühner werde ich noch herausrücken. Kür Rindvieh find die SA. zum Glück Selbstversorger?" Explosion in Pulverfabrik. Zwei Arbeiter getötet. Warschau, 23. Juni. In der staallichen Pulverfabrik in Zagoschdzonie bei Kielce erfolgte am gestrigen Montag während der Arbeitszeit eine Explosion. Zwei Arbeiter wurden auf der Stelle getötet. Eine Person trug schwere Verletzungen davon. Die Ursache der Explosion ist noch nicht bekannt. Die Aermsten beirogen. Neuköllner Pferdeschlächter als Betrüger. Schwere Vorwürfe werden gegen einen Roßschlächter B. in der Prinz-Hondjery-Strahe in Neukölln erhoben, dessen Kunden sich aus den ärmsten Teilen der Bevölkerung zusammensetzten. Beim Einkauf kam öfter das Gespräch auf die schlechten Zeiten. Frau B. machte dann dem Kunden den Vorschlag, sie sollten sich doch an dem Geschäft beteiligen. 50 oder 100 M., je nach Vermögen, sollten die Leute bei ihr einzahlen, dann würden sie dos Fleisch billiger bekommen und außerdem noch Prozente erhalten. Frau B. verstand es, den geschäftsunkundigen Leuten die Vorteile, die sie bei einer Einzahlung hätten, so mundgerecht zu machen, daß viele dar- auf hineinfielen. Manche Kunden liehen sich sogar Geld, so daß sie 500 M. einzahlen konnten. Sett einigen Tagen ist jetzt das Geschäft des B. geschlossen und er und seine Frau sind verschwunden. Die Enttäuschten Kunden haben bei der Kriminalpolizei Anzeige er- stallet. Die Summe, die auf diese Weise zusammengekommen ist, schwankt zwischen 6000 und 8000 M. Plünderer auf Fahrrädern. In Tegel wurde heute vormittag ein Verkaufsauto der „Farm Tegel* von etwa zehn jungen Burschen, die sich sämtlick auf Fahrrädern befanden, an der Ecke Steilpfad und Hermsdorfer Straße ausgeplündert. Der Verkäufer war den Bürsche» gegenüber machttos und mußte mit zusehen, wie die Täter die erbeuteten Lebensmittel in mitgebrachte Rucksäcke verstauten und dann nach verschiedenen Richtungen flüchteten. Die Verfolgung der Flüchtigen durch das alarmierte Uebersallkommaudo verlies ergebnislos. Flugblatt der Friedensgesellschast verboten. Der preußisch« Minister des Innern hat die nachgeordneten Behörden angewiesen, das Flugblatt„Panzerkreuzer statt Brot* zu verbieten. Die Anweisuna erfolgte, weil in dem Flugblatt zahlreiche beleidi- gende Wendungen gegen die'Reichsregierung«nt- halten sind, nicht wegen des in ihm gezogenen Vergleichs. „Erziehung" in Scheuen Die Ergebnisse des Lokaltermins Lüneburg, 23. Juni.(Eigenbericht.) Im Prozeß gegen den Direktor Straube und die mit- angeklagten Zöglinge schält sich der Tatbestand von Tag zu Tag deutlicher aus dem Durcheinander' der Aussagen heraus. Während die Jungen der sogenannten Topftratzergruppe die ge- schehenen Mißhandlungen in keiner Weise beschönigen, ja sogar ihre Taten mit brutaler Offenheit zugeben, ist der Angeklagte Straube krampshaft bemüht, die unleugbaren und ungeheuerlichen Geschehnisse abzu st reiten oder zum mindesten seine Mitwisser- schaft und Mittäterschaft zu leugnen. Straube scheint zu ver- gessen, daß seine Schuld, wenn er alle� diese viehischen Grausamkeiten nicht bemerkt hätte, moralisch beinahe nicht geringer wäre, als wenn er mitgeprügelt oder die Prügeleien ge- duldet hätte. Es lag eine klare Anordnung des Londesjugendamles vor, jedes Prügeln zu unterlassen. Ein Direktor, in dessen Anstalt Beim Lokaltermin: Ein„Topfkratzer" im Verhör demonstriert die Vorgänge in der Fürsorgeanstalt. Zöglinge so mißhaichelt werden, daß der eine stirbt und die anderen mit schweren Verletzungen wochenlang darniedeniegen. ohne daß der Direktor etwas davon merkt, macht sich einer groben Pflicht- Verletzung schuldig, die durch nichts beschönigt werden kann. Vor allem aber durch den gestrigen Lokaltermin in Scheuen ist erwiesen, daß Direktor Straube die Mißlzandlungcn gesehen, geduldet und mitgemacht hat. Das Ergebnis des Lokaltermins stellt eine moralische Verurteilung Straubes dar, an der heute kein Gerichts- urteil mehr etwas ändern kann. In drei großen Autobussen waren Gericht, Angeklagte und Pressevertreter von Lüneburg nach Scheuen gesahren. Die Vesich» tigung des ehemaligen Gutshofes, in dem das Erziehungsheim ein- gerichtet ist, gewährte einen Einblick in den landwirtschaftlichen Betrieb, der die Grundlage des Heimes bildete. Straube erklärte. daß bei seiner Ankunft noch alles H e i d e f l ä ch e gewesen sei. Er habe dann im Laufe der Jahre ein 3lX> Morgen umsassendes Kulturland geschaffen, und vom Landgut Scheuen seien ins- gesamt 400 Morgen Land in Kultur genommen worden. Man besichtigte die Zentralküche und das Zimmer, in dem die mißHandel- ten vier„Brounschwciger"— die flüchtigen Zöglinge, die von Braunfchweig zurückgebracht wurden— versteckt waren. Straube hatte diese Zöglinge absichtlich abgesondert, damit sie von der zur Nachprüfung der Vorkommnisse nach Scheuen gekommenen Stadt- rätin Weyl nicht bemerkt würden. In den Büroräumen erklärte der Zögling Puls nochmals, wie er von Straube, der am Schreib- tisch saß, über die„Revolte" vernommen und mit der Hundepeitsche geschlagen wurde, während hinter ihm die bissigen Hunde des Direktors lagen und einer aus der Topfkratzergruppe an der Tür mit dem Gummiknüppel Wache hielt. Auch über die Vernehmungen und Mißhandlungen der anderen zurückgebrachten Flüchtlinge wurde im Büro ein Sachbesund aufgenommen. Während Direktor Straube im Ansang gegen die Darstellung der Mißhandelten lebhaft pro- | testierte, machte er später nur noch schwache Einwendungen. i Besondere Aufmerksamkeit wurde dann dem Fall Ledebour zu- i gewandt. Es steht nunmehr eimvandsrei fest, daß Ledebour vor j der anrückenden Straube-Gruppe fliehen wollte, vom Zögling Schulz 1 aber mit einer hacke niedergeschlagen wurde. Zum Schluß sah man den Weg, auf dem die in Zelle wieder aufgegriffenen Ausreißer von den Topskratzern unter Prügeln„nach Hause" transportiert wnrdsn. Straube, der in ganz geringem Abstaick» hiickerherging, will von den Mißhandlungen mit Stöcken und Gummiknüppeln nichts bemerkt haben. Die Verhandlung wurde daraufhin auf Mittwoch früh vertagt. Die Aörsenhausie. Angstkäufe der Epekulanten.— Falsche Katastrophentips. Wer gestern die Börse in ihrer wilden Erregung sah, glaubte sich in die Zeiten der Jnslations-Börsen stürme zurück- versetzt. Schreiende und rennende Gruppen von Maklern und Bankiers, die mit roten Köpfen und vor Zlufregung fiebernd in die Telcphonzellen stürzten, oder sich vor den Moklertafeln drängten, wo in Massen die ff-Zeichen auftauchten, die einen ganz großen H a u s s e t a g anzeigten. Die Kurssprünge nach oben waren in der Tat sensationell. Als die ersten Nachrichten über die begeisterte Aufnahme des Hooverschen Vorschlages in der Welt eintrafen, streift« die Börse den letzten Pessimismus der vergangenen schweren Wochen ab und ging auf der ganzen Lini« zu mehr oder minder starken Kauf- austrägen über. Auf der anderen Seite aber kam so gut wie gar kein Verkaufsmaterial heraus, der Markt war sozusagen aus- gekämmt, und so waren schon in den ersten Börsenstunden die Kurssteigerungen beträchtlich. Diese überraschende Verschiebung der Börsenlage hätte aber nicht entfernt die Rekord st eigerungen bei den Aktienkursen um 20 big 25 Punkte hervorrufen können, wenn nicht die Baissespekulanten durch die ersten Kursbesftrungen z u überhasteten Ang st Verkäufen gezwungen worden wären. Die Baissespekulation an den Börsen sieht die Dinge immer „m i e s". Ihr Geschäft besteht darin, politische Schwierigkeiten, wirtschaftliche Stockungen, internationale Konflikte usw. in fallenden Aktienkursen auszumünzen, sie spekuliert ä la Baisse, d. h.„auf Abrutsch". In den letzten Wochen hatte die Baissepartei ganz klar Katastrophenspekulotion getrieben und zwar nicht nur an der deutschen, sondern auch an den ausländischen Börsen. Wenn man als Baissier auf fallende Kurse spekuliert, so ver- kauft man Papiere. In den meisten Fällen aber besitzen die Verkäufer noch gar keine Papiere, sondern tätigen sogenannte Blankoabgaben. Um nun zum Liefertermin(meist Monatsende) den Käusern die Papiere liefern zu können, müssen die Baifsters kurz vor dem Stichtag„decken", d. h. sich die bereits verkauften Papiere erst selbst beschaffen. Ihre Spekulation beruht nun daraus, die Kurse infolge der vielen Verkäufe bis zum Stichtag derart tief gedrückt zu haben, daß zwischen dem Preis der von ihnen verkauf- ten Papiere und dem Preis ihrer Deckungen ein erheblicher Kursgewinn für sie verbleibt. Diese Katastrophenspekulation ist nun gestern kurz vor Ultimo Juni durch die umgeschlagene Stimmung in der Wirt- schost hart durchkreuzt worden. Da der Liefertermin für die im Lause der letzten Wochen getätigten Blonkoverkäufe naht, müssen sie sich zu den erhöhten Kursen eindecken. Dieser Zwang zur Deckung war es, der den Dörsensturm am Montag hervorrief. Die gestrige Börsenhausse wird für die Katastrophenspekulanten als ein schwarzer Montag fortleben, als ein Börsentag, an dem die schönen Hoffnungen, aus der Verelendung des Volkes und der Verschärfung der Wirtschaftskrise und politischen Katastrophe Prosit zu schlagen, schmählich geknickt wurden. Manch einen zur Daissepartei gehörigen Börsenmann. der sich am Wochenende noch aus den Höhen diese? Daseins fühlte, wird vielleicht schon gestern abend die Pleite angegrinst haben. Und ist es gestern noch gut gegangen, so können die nächsten Tage sie bringen. So sorgt auch die wirtschaftliche Wellelibewegung bei denen, die aus der Verelendung von Volk und Staat mühelosen Profit ziehen wollen, für einen gerechten Ausgleich. Wirtfchastspartei spaliet sich. Austl ist eines rheinischen Wahlkreises. Koblenz, 23. Juni. Infolge des Ausschlusses des rheinischen Reichstagsabgeordneten von Detten aus der Mrtschaftsparte! hat der Wahlkreis Koblenz- Trier auf seiner Tagung in Kreuznach beschlossen, aus der Wirt- schastspartei auszutreten. Der Wahlkreisverband will, wie er in einer Erklärung jagt, die Mittelstandsbewegung weiter- führen unter der Bezeichnung„Opposition der Reichspartei des deutschen Mittelstandes". Volkslieder unserer Zeil. Offene Singstunde. Eine offene Singstunde, gestern abend unter Gen. Reichen- bachs Leitung im Lehreroereinshaus am Alexanderplatz, gab Gelegenheit, die neuen Lieder zu erproben, die aus dem zweften Preisausschreiben des Sozialistischen Kultur- b u n d e s hervorgegangen sind. Volkslieder, Massenlieder unserer Zeit— nun also waren die Massen gekommen, selbst zu urteilen. Hier wird in der Tat die Stimme des singenden Volkes— Gottes Stimme. Wenn die in Mosie Erschienenen, die meisten mit dem Notenblatt in der Hand, die neuen Weisen mühelos nachsingen, gern mitsingen, und wenn zum Schluß ausbrechender Beifall die Freude am Gelingen der eigenen Leistung bestätigt: dann ist das sichere Gewähr, daß diese Lieder ihren Weg ins Volk finden werden. Auch wenn noch keine neue Marseillaise darunter ist. Aber die in weitem Bogen ausschwingende, bei aller inneren Freiheit einprägsame Melodie von E. L. Knorrs„Bei Sonne, in Nächten", H. Zieglcrs schönes, schlichtes„Lied der Arbeit" und nicht zuletzt das einfache, rhythmisch mitreißende starke Kampflied „Viele sind st a r t" von K. Manschinger vermögen gewiß ihre Bestimmung zu erfüllen: echte Volkslieder unserer Zeit zu werden. Heftigen Meinungskamps gab es um I. Vorsmanns„Wir bauen eine neue Welt". Die Anerkennung, durch die der Prüfungsausschuß des Kulturbundes dieses Lied empfohlen hat, galt dem gewiß lohnenden Versuch, moderne Tanzrhythmen in den Dienst der Volksmusik zu stellen. Aber die Ausführung des Versuches ist nicht recht geglückt. Die Melodie hat den Dutzendtyp eines bürger- lichen Kabarettschlagers! wie patzt das zu einem pazifistisch-kämpte- rischen Gedicht, dessen letzte Verse lauten:„Wir wollen keinen Krieg mehr führen, nie mehr der Völker Zwietracht schüren, wir kämpfen für des Volkes Recht und für ein frei Geschlecht?" Der Stand- punkt der Opposstion, die zahlenmäßig in der Minderheit blieb, ober gewiß nicht aus rückständiger Gesinnung kam, lieh sich verstehen: auch wenn die Formen ihrer Ablehnung abzulehnen sind: Lärm ist kem Argument. K. P. Sarrasani Konzert im Luslgartell. Am Mittwoch, dem 24. d. M., mittag» von 12 bis 1 Uhr. konzertieren die Sarrasani- Kapellen unter Leitung ihres argentinischen Dirigenten. General- Musikdirektors Eesare S e s( o, im Lustgarten. Sie bringen außer einigen Märschen und Opernmelodicn auch argentinisch« National- musik zu Gehör.— Die Kapellen marschieren geschlossen mit Musik vom Zirkusplatz über die Charlottenburger Chaussee, die Linden ent- lang zum Lustgarten und nach beendigtem Konzert den gleichen Weg wieoer zurück. „Seele macht sich wichtig'. Burlesk- von Oskar Lange-Lüderid, gelangt Sonnabend, 27. Juni, abends 10.30 Uhr, im Theater in der Klosterstrajje zur Uraufführung. Tabakpflanzen ohne Nikotin Auffehenerregende Auchtergebniffe im Institut bei Karlsruhe Der Raucher, der heute, bevor er die Zigarette anzündet, in die Westentasche greift, ein geheimnisvolles Instrument hervorzieht und der Zigarette eine kleine Injektion verabreicht, ist nichts beson- der? Neues und Ueberraschendes mehr. Aber hinter dieser reinen Modeerscheimmg steht doch die ernsthaftere Tatsache, daß die nio- derne Medizin heute'bis zu einem gewissen Grade sich gegen die Schädlichkeit des Nikotins wendet, so daß die Tabakindustrie sich genötigt' sieht, sich nach nikotinarmcn Tabakfabrikaten umzusehen. In F o r s ch h e i m bei Karlsruhe gibt es ein Tabakforschungs» institut, das schon seit Jahren diesem Problem seine Aufmerksamkeit widmet. Man züchtet dort alljährlich etwa 150000 Tabakpslanzen der verschiedensten Sorten, so daß etwa 500 Stämme und Kreuzungen zur Bearbeitung und Beobachtung vorliegen. Die Unter- suchungen über den Nikotingehalt der einzelnen Pflanzen haben ergeben, daß in den Tabaksamen und in den jungen Pflänzchen bis zu vier Blättern überhaupt kein Nikotin enthalten ist. Die Nikotinbildung beginnt erst mit dem Entstehen eines fünften Blattes. Schon das ist«ine sehr interessante und seltsame Erscheinung. Nun aber geht die Entwicklung keineswegs gleichmäßig vor sich. Bei den verschiedenen Gattungen und Arten, Familien und Stämmen treten ganz verschiedenartige Nikotinbildungen auf. Ja, nicht einmal innerhalb der Nachkommenschaft derselben Stammpflanze findet sich der gleiche Nikotingehalt. Die Verschiedenheit geht soweit, daß selbst die einzelnen Blätter der Pflanze völlig verschiedenen Nilotmgehalt aufweisen, und auch die einzelnen Blätter haben nicht immer den- selben Nikotingehalt während chrer Lebenszeit. Die obersten Blätter der Tabakpflanze weisen im allgemeinen den höchsten Nikotingehalt und zwar zur Zeit der Reife aus. Da man für d'e Zigaretten- Verwertung die höchsten Blätter der Tabakpsla-ize als die besten ansieht, so sind also auch die besten Zigarettentabake unter normalen Verhältnissen am nikotinreichsten. Die Frage ist nun. auf welche Weise man zu natürlichen nikotin- armen oder gar nitotinsreien Tabaken gelangen kann, nobel die Tabaksorten ihr natürliches Aroma, ihren Geschmack und Geruch behalten müssen. Es hat sich nun bei den Versuchen des Tabakinstitutes gezeigt. daß man den Nikotingehalt der Tabakpi'lanzen durch verschiedene Methoden verringern kann. Durch Cngpslanze», durch Hacken. Be- wässern und Beregnen konnte man den Nikotingehalt erheblich ver- ringern. Ganz besonders wichtig aber ist die Feststellung, die der Direktor des Tabakforschungsinstituts, Dr. Paul König, kürzlich in der Oeffentlichkeit machte,„daß reine Stämme, auch wenn sie unter verschiedenem Klima, Boden- und Dllngungsverhältnisien auf- gewachsen waren und infolgedessen in grünem Zustand verschiedenen Nikotingehalt aufwiesen, im Abbau genau gleiche Nikotsngehalte zeigten". Das Forschungsinstitut hat auch eine Anzahl von deutschen und ausländischen Stämmen gefunden, die entweder so gut wie natürlich n i k o t i n s r e i oder als nikotin arm zu bezeichnen sind. Es wird auf die Dauer gelingen, reine Tabakstämme zu er- zeugen, die einen außerordentlich niedrigen Nikotingehalt aufweisen. Sehr wichtig ist dabei allerdings die Art der Tabaktrocknung, denn natürlich, d. h. langsam getrocknete Tabake werden stets einen niedrigeren Nikotingehalt aufweisen als künstlich getrocknete, Ulridi Seiffert „Das Lied ist aus." Atrium. Dieser Film, der im Winter seine Uraufführung erlebte, besitzt künstle, rische Qualitäten, die«ine Wiederaufnahme in den Spielplan rechtfertigen könnten. Die Regie Geza von B o l o a r y s erschöpft sich nicht nur im Dekorativen, sie verleiht den Schauspielern Profil und verfügt wirklich über Spieleinsällc. Liane Haid, Forst. V e r e b e s und in kleinen Partien Margarethe Schlegel, Hedwig B l« i b t r e u und O d e m a r bemühen sich, über die bekannten Typen herauszuwachsen, sogar die Musik versandet nicht in Belang- lesigkeit. und trotzdem bleibt nichts haften. Das Manuskript ist Kitsch. Wie alle Tonfilmoperetten dieser Art gibt auch der Film„Das Lied ist aus" eine Welt, die nicht existiert, eine Welt, aus den Wunschträumen kleiner Mädchen gewoben, mit den Sehnsüchten nach Talmieleganz und sentimentalen Gemütserschütterungen im Stil der Courths-Mahler. Die berühmte Operettensänoerin verliebt sich in ihren Privatsekretär, einen gewesenen Offizier, einen Mann, der alles kann, einen Tausendsassa, und trotz der Warnungen weiser Freunde rückt am Echiuß das Ehebett in den Vordergrund. Das Ganze ist nichts weiter als eine Spekulation aus die verkitschten -Instinkte des unsterblichen Kleinbürgers, gleichgültig, welchen politi» lchen Orden er trägt. Es liegt am Genre. Regie und Darstellung sind nicht mehr von entscheidender Bedeutung, da das Manuskript immer wieder die gleichen Situationen und Typen verlangt, die nur ganz schwache Ab- Wandlungen erfahren. Wie ein Lustspiel gestaltet werden kann, hat Rene Clair in der„Million" gezeigt. Den Deutschen fehlt aber, jedenfalls im Tonfilm, die spielerische Leichtigkeit. Unter allen Um- ständen muß Rührung hinein. Die Träne quillt, und die Musik schluchzt herzerweichend. Die Katastrophe, die der Tonsilm angerichtet hat, wird in der Tonsilmoperette deutlich, die durch ihr Schema jede Entfaltungs« Möglichkeit erstickt. Gerade Filme wie„Das Lied ist aus", die inner- halb des eng gezogenen Kreises künstlerische Werte aufweisen, de- monstrieren deutlich, welchen Tiefstand der deutsche Spielfilm er- reicht hat. Leb. celtländisches Ballett in verlin. In Reinhardts Reuinszenie- rang der„Schönen Helena" wirkt ein Teil oes Balletts der lettländifchen Nationaloper in Riga mit. Grund genug für einen Teil der Berliner Presse, gegen die Heranziehung ausländischer Gäste zu protestieren. PaiÄ©cht«mann macht in der„Rigmschen Rundschau" mit Recht auf die Abwegigkeit und die Gesahren dieser Stellungnahme aufmerksam. Exportiert nicht Deutschlanv viel mehr Kunst und Künstler nach Lettland als umgekehrt? Und dürfe über- Haupt in Kunstfragen vom rein wirtschaftlichen Standpunkt aus ge- urteilt werden? Wenn ja, dann hätte Deutschland nur zu verlieren. Zusammenschlußbewegung im Verlagsbuchhandel. Der Au- sommenschluß der beiden Münchener Verlage Georg Müller und Albert Langen, der Aufsehen erregt, weil er sie in Abhängigkeit chringt vom Deutschnationalen Handlungsgehilfenvcrband, stellt nur den Auftakt zu einer größeren Zusammenschlußbewegung im beut- schcn Verlag-zbuchhandcl dar. Der außerordentlich starte Rückgang. im Absatz der sogenannten literarischen Bücher, der durch die Aus- nähme verbilligter Serienproduktion aus die Dauer doch nicht aus- geholten werden konnte, hat die Krise der literarischen Verlag« be- deutend verschärft. Im„Buchhändler-Börsenblatt" häusen sich die Offerten von Verlagen, die Anschluß suchen. Auch zwei angesehenste Berliner moderne Verlage stehen in Verhandlungen, die eine ratio- neller« Ausnutzung ihrer Produttion zum Gegenstand haben durch Anschluß an einen dritten Berliner Verlag. Der Rumvsvorstand des Schußverbandes Deutscher Schriststeller (Ortsgruppe Berlin) berichtigt: Die immer stärker angewachsene Opposition gegen den Ortsvorstand beschränkt sich keineswegs auf die linksradikale Gruppe, sondern umfaßt Mitglieder fast aller politi- schen Gruppierungen. Die außerordentliche Ortsgruppenoersamm- lung zur Wahl des neuen Vorstandes durch das einzige nicht zurück- getretene Vorstandsmitglied ist zum 29. Juni einberufen worden. Die Neuwahlen werden ja erweisen, ob die übergroße Majorität sich weiter von einer kleinen Gruppe majoristeren lassen will. Will sie es— aus Indolenz—, so verdient sie ts nicht besser. Ein Zreiherr-vom'Sieia-verfossungsialer. Um darauf hinzu» weisen, daß die diesjährigen Versassungsfeiern im Zeichen des Frei- Herrn vom Stein stehen sollen, dessen 100. Todestag jetzt begangen wird, läßt die Reichsreglerung einen neuen Berfassungstaler mit dem Bildnis Stein« prägen. Die von dem Direktor der Kunst- gewerbeschiUe in Braunschweig. Rudolf Bosselt, entworfene Münze trägt auf der Vorderseite den Kopf des Staatsmannes mit der ein- fachen Unterschrift„Stein" und als Umschrift seinen Ausspruch: „Ich habe nur ein Daterland, und das heißt Deutschland" Ltm den Ruhrbergbau- Schiedsspruch. Bergarbeiter fordern VerbindlichkeitserNärung. Bochum, 23. Zuni.(Sigcnbetichf.) Die Vergarbeilerverbände hab?n die Vcrbindlichkeitserklärung des am 20. Zuni gefällten Schiedsspruches im Lohnfkreit für den Ruhrbergbau, den der Zechenverband abgelehnt hat. beantragt. Die Rachverhandlungen find am Donnerstag um 10 Uhr im Reichsarbeitsministerium. Arbeiiszeiiverkürzung in Nordwest? Nächste Woche Verhandlungen im Neichsarbeitsministerium Bochum, 23. Juni.(Eigenbericht.) Ansang nächster Woche finden in Berlin im Reichsarbeits- Ministerium Besprechungen mit den Tarifpartcien der Gruppe Nord- west über die Arbeirszeitfrage statt. Die Gewerkschaften hatten den Wunsch geäußert, bei den Lohnverhandlungen am IS. Juli gleich- zeitig auch die Arbeitszeitsrage zu regeln und hatten in einer Ein- gäbe dem Reichsarbeitsminister ihre Forderung auf Einführung der 48-Stunden-Woche und Abschaffung der Sonntagscrbeit unter- breitet. Vergebliche Toröffnung. Der französische Textilarbeiterstreit geht weiter. Paris, 23. Juni. Das Unternehmertum der nordfranzösischen Textilindustrie glaubte einen Teil der Streikenden so weit zermürbt, daß es auf Streikbruch spekulierte und am Montag die Betriebe öffnete. Diese Spekulation ist vollkommen fehlgeschlagen. Die Streikenden in Rou- baix beschlossen, den Lohnkampf bis zur restlosen Erfüllung der Albeitnehmerforderungen fortzusetzen. Der Stadtrat von Roubaix hat weitere 500000 Franken für die Familien der streikenden Arbeiter bewilligt, nachdem er schon früher eine Million Franken zur Verfügung gestellt hatte. Die Unternehmer hatten nicht einmal die Vermittlungsaktion des Arbeitsministers abgewartet, in der chosfnung, nur die Tore öffnen zu müssen, um die Arbeiterschaft in ihre Betriebe zurück- strömen zu sehen. Die 5?erren haben sich schwer getäuscht und werden jetzt endlich nachgeben müssen. Die �VrbeiI:sl.cisi,|Ii.e!b. in den TTaclix*ei>l>ä.nden des ADGB Stand jeweils Knde Max 19251*15.» 1926| 3.« ■ 5 nimiiHimiiiiiiiiiiimiiiniuiiiimiii;. 7.o TTmlS.i ■® lä.j, 19301 19311 In. 0/o äer tericTxber.lcn Hit�lieder Z M Vollartei bslose I K-urzai'ljeiter 19. t 0 30. v [li;i|ll"iniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiilll» »Mi.., Am 18. Juni zeigten wir den Stand der Arbeitslosigkeit in Deutschland in der günstigsten Jahreszeit, E n d e M a i, in den Jahren 1926 bis 1931. Die Arbeitslosigkeit der Mitglieder der freien Gewerkschaften zeigt ab 1926 jeweils Ende Mai das gleiche Bild. Aus der Graphik der Arbeitslosenunterstützung des ADGB. geht un!er anderem auch hervor, daß in dem für den deutschen Arbeits« markt charakteristischen Monat Mai die Zahl der Vollarbcits« losen in den letzten Iahren in viel größerem Umfange gewachsen ist als die der Kurzarbeiter. Im Jahre 192S machten die Kurz« arbeiter noch 138,9 Proz. der Vollarbeitslosen aus. Seit 1928 sinkt aber diese Prozentzahl beständig bis zu S6,3 Proz. in diesem Jahre. Der Monat Mai 1931 zeigte un Vergleich zu der entsprechenden Zeit der Vorjahre zwar den Tiessland für die Dollarbeitslosen, der Tiefstand für die Kurzarbeiter war im Jahre 1926. Bergarbeiierinnen unier Tage. Aus dem fowjetrussischen Arbeiterporadies. Iin„Trud" vom 14. Juni 1931 werden zwei Jungkommu« nistinnen des Schachts Nr. 10 des Rykow-Bergwerks, Kafparjan und Komiffarowa, im Bilde gezeigt, in voller Arbeitsausrüstung für die A r b e i t i m B c r g w c r k u n t er T a ge. Es ist bezeichnend, daß das fowejtrussische rcgierungsamtliche Gewcrkschaftsblatt„Trud" mit dieser Kulturschande noch prahlte. Zunge Mädchen als Arbeiterinnen in der Kohlengrube! Wenn dies das Ideal der Gleichberechtigung und der Vorbild- lichen Behandlung jugendlicher Arbeiterinnen sein soll, dann hat es mindestens für die Jungkommunistinnen in Deutschland wenig Ver- lockendes. Wetter für Berlin: Vorwiegend heiter und am Tage wieder wärmer.— Für Deutschland: Im größten Teil des Reiches beftän- diges Wetter mit neuer Erwärmung. Im Südwesten sehr warm und etwas Gewitterneigung. Vcrontwortl. tilr die Redaktion: Kerbcrt Lepere, Berlin: Anzeigen: Tb. Sloike. Berlin. Berlaa: Vorwärts Verlan G. m. b. S.. Berlin. Druck: Vorwärts Bucki- druckerci und Berlagsanstalt Baul Einaer& Co.. Berlin CW 58. LindenItraKc ä. Hierzu 1 Beilaac. Dienstag. 2J. 6. Staats-Oper Unter d. Linden 295. A.-V. 20 Uhr Intermezzo Ende n. 22''2 Uhr Dienstag. 23. 6. Stadt. Oper Bismarckstr. Turnus IV IOVj Uhr Hollmanns Erzaniungen Ende g. 22';. Uhr Staats-Oper An Platt der Republik V.-B. 20 Uhr Perichole Oilfintl. Rartennrknf Ende 23 Uhr Staatl. Schauspti. (an Geadamenmarkll. 253. A.-V. 20 Uhr Die Portogale- sische Sdiladit Ende 23 Uhr Staati. KbHater.[tiarllbg. 20 Uhr uebe aul dem lande 33 Minuten In ernneberg Reichshallen-Theater Allabendlich| w| Uhr Sftefttiner Sänger Zum Schluß der Schwank „Alles verrückt!" VoiksDtttine Tbealer am BDIowplalz. 8 Uhr Lumpazivagabundus Staat!. Sdiilier-Tti. 8 Uhr Liehe aal dem Lande 33 Minuten in GrSneberg Staatsoper Am PI. d. Republik 8 Uhr Perichole Die Komödie Täglich 8'/j Uhr Olensl am Kunden Tin Cuit Bois Dnd Max Haiiun Regie: Hans Deppe KurlQrstendamm- Tbeater Bismarck 449 | 8-,« Uhr| Die schöne Helena eon lacques Ollendadi Segle; Uax Belnhardi TägI.«'/.-U; Dil jralc Au- stittupgr- Rnui Pnss LaBt sdiöne frauen um midi sein! von HarryWalden Mittwoch, den 24. Juni nachm. 4 Uhr Nach einem Leben voll rastloser und erfolgreichster Tätigkeit, wurde uns heute Vormittag unser innigstgeliebter, unvergeßlicher Vater, Großvater, Schwiegervater und Wilhelm Bock im 86. Lebensjahr durch einen plötzlichen Tod in Bad Sulzbach, wo er Erholung suchte, entrissen. In tiefstem Schmerz Richard Bock Berta Seidel geb. Bock Otto Bock Cornelia Bock Artur Seidel Helene Bock geb. Wagner Ida Scheler geb. Bock und 3 Enkel Gotha, New York, Ohrdruf, den 22. Juni 1931. Sonnebomer Str. 18. Die Bestattung findet Donnerstag, l'/j Uhr, in Gotha statt. DeDlsüie: Tbealer 8 Uhr Der Hauptmann von ROpenidl v. Carl Zuckmaye» Regie: Kein: Hilpert metropoMheater Täglich 8". Uhr Die Toni aus Wien Mady Christians, Michael Bohnen // auch bis jeu-- 18 Monats-Ralen WaÄfafa Berlin W 66, Leipziger Straße 122/123 PROGRAMM tür die Zeil vom 23. bis 25. Jon! K I N O-T A F E L PROGRAMM für die Zeit vom 23. bis 25. Juni Potsdamer Strafe 35 W. 5. 7, 9, S. 3, 5. 7. 9 Uhr Die Fasdiingsfce mit Anny Ablers, Ernst Vcrcbes, Szöke Szakall Rheinstrafjc 14 Ka'il-Eichej W. ab 5.15, S. ab 3.15 Uhr GrAfin Donelli mit Kenny Porten — Kaczmareck mit Friiz Scholz, Ernst Vercbcs Odeon, Fotsdam er Str. 7 5 W. 5,7,9, S. 3.5, 7, 9 Uhr D-Zog IS bat VcrspAhxng mit Charl Susa— Der Stamme von Porticl mit Siegfried Arno, Szökc Szakall Turmstrage 12 s�.t.'u D-Zog 13 bat VerspAlong m. Cbarl. Susa— Der Stumme von Porticl Alexanderstr. 39-40 (Patsage) Den ganzen Tag geöffnet, Stgs. ab 3 Uhr Walzcrparadlea mit Charlotte Susa, Josi Wcdorn, Ernti Vcrebca j we.ten> Primus-Palast Potsdamer Str. 19 Ecke Margaretenstr. Wochentags 5.15, 7.15, 9.15 Uhr Sonntags 3.15, 5.15, 7.15, 9.15 Uhi Der Sdirecken der Garnison mit Felix Brewart Jugendliche haben Zutrittl Franziskaner.o1!! uhrn?o?m GeorgenslraBe(Ecke Friedrichstraße) Doppel-Tonfilm-Programml Der Ucbesarat mit Harry Liedike Pension Schöller— Wochen, and KaUnndMS Moabit A i-4iicVi/s( Fllm 0* w- a- 6-30 uhr rtTIUSnOI Bühne S.ab5Uhr Perleberger Str. 29 Blkbnensdiaa 100 proz. Tonfilm; Der Mann, der seinen Mörder tnchl mit Lfen Deyers Tonwodie Wochent 6.45, 9.05 W Cll-nmo Sonntags ah 4 45 \lt-Moabit 99 100 proz Tonfilm: Schallen der Unter- well m t Harry Plel— Foxwoche Tonbclprogramm f"charlottenOurg W Kant-Lichtspiele Kamslr. 54(an derWiimersdorfer Str.) W. 5, 7, 9 Uhr Stg. ab 3 Uhr 3 Tage Mittele rr est mit Felix Bres- sart, Schulz, Adalbert > Wllmarzoorg W Atrium Bcba-Palast Kaiserallee, Ecke Berliner Straße Täglich 7. 9.15 Uhr, Stg«. 5, 7. 9,15 Uhr Neu-Aufführong: Das Lied Ul an». Regie: Geza von Bolfary Musik; Robert Stolx. Hauptd arsteller: Liane Haid, Willy Forst G_. SchBtiaOarg Titania Sdiönebg. Zglil Hauptstraße 49 1 00 proz. Tonfilm! Ich heirate meinen Mann m. Szöbe Szakall, Trade Berliner-Tonwodtc Friedenau Kr onen-Lich tspiele Rheinstr. 65 Wochentags 6.30, 9 Uhr Sonntags 4 30, 6-30, 9 Uhr Tonfilm; D-Zng 13 hat Verspätung mit Charl. Susa, Heinz Könnecke Tonscbwanki.D. Ubbubc v. Portici Steglitz Titania-Palast sktjM; Steglitz, Schioßstr.S, Ecke Gutsmuthsstr Der gewaltige Kriminaltonlilm ,M' Regie; Fritz Lang mit der großen Besetzung Dazu da* Tönende Beiprogramm g"TeWendorf�Mitte""� gr_|i Wochentags 7. 9 Uhi *'*'11 Sonntags 5, 7, 9 Uht Potsdamer Str. SO Stg. 3 Uhr: Jugendv. Tingel-Tangel mit Altred Braun, Kampeis, Vcrcbes, Pin aJeff A Marlendorf ¥; Marlendorfer Wochenlg. I la— Lei Lichtspiele ab 7 Uhr Chausseestr. 305 100 proz. Tonfilm: Das Geheimnis der rolcn Katze mit Siegfried Arno Tonbeiprogramm Tivoli Berliner Str. 97 Beg, 7, 9 U. Stgs. 3 Uhr: Jug.- Vorst 100 proz. Tonfilm: Der talscbe Ebemann mit Maria Pandler, Jobannes Riemann Tonbeiprogramm W WeuK6lln j Mercedes- Palast Hermannstraße 212, Ecke Jägerstraße Wochent 6>/-, 9 Uhr, Sonnt 5 Uhr: Doppelprogramm Die Maske 1U1I mit WHb. Dielerle Wasser bat Balken mit Basler Keaton Beiprogramm B________ Südweztan g Lichtspiele Südwest Blücherstr. 12 W. 5. So. ab 3 Uhi 100 proz. Tonfilm: Alraune mit Brigitte Helm Alle Kleider mit BrcMart« 1. Arno "Selprograoat FUm-Paiasi Kammcrsale|Flora-Lidhtsp. LandsbcrRcr Teltower Str. I W. 6J0, 9, Stg. ab 5 U 100 proz. Tonfilm: Wegen Riesenerfolg verlängert: Sdiaftcn der Unterwelt mit Harry Piel— Der jüngste Leutnant mit R. Novarro ■■ Primus-Palast Am Hermannplatz, Urbanstr. 72/76 Wo. 6J0, 9 U, Sonnt ab 5 U. Nach mehrmaligem Zensuiverboi jetzt freigegeben: Kinder vor Gericht (Sensationsprozeß Frenke! i Gates Beiprogramm— Bühne Internationale Bühnensdiaa Th. am Moritzplatz Beg.: Wöchig ab 6J0, 9. Stg. ab 4J0 U. Weib im Dsdmngel mit Charlotte Ander Riff und Raff als Revolyerhelden Südosten Luisen-Theater Reichenberger Str. 34 Anf. W. ab b'iz U. Stg. ab 5 U. Tonoperette Die lustigen Weiber von Wien mit W. Forst, Lee Parry— Achtung, Zug in uefabr! Stella-Palast Köpenicker Straße 11—14 Wochtgs. ab 7 v., Sonntags ab 5 Uhr Der Mann, der seinen Mörder sucht mit Lien Deyers. Heinz Rübmann Ferner: Mairosenstreiche Bfibnenschau Sternwarte— Treptow Mittwoch, 8 Uhr; Zwischen Donau und Tbeifc— Donnerstag, 8 Uhr: ffoans, der Sohn der Südsee, Film „Elysium" Prenzlauer Allee 56 Wochent ab 7, Sonnt, ab 5 Uhr: Der Ucbesexpret mit Dina Gratia, G. Alexander— Gate Büfutcnsdiao Tonwoffecntdun Allee 40/41 Wochentags ab 6.30, Sonntags ab 4 U. Tonfilm: Sonntag des Lebens mit Camilla Horn— Gutes Tonfilm- bclprogramm Germania-Palast Frankfurter Allee 314 Wochemgs. 6.30(L Sonntags ab 5 Uhr 100 p'OZ Tonfilm: Zwei Menschen mit Charlotte Susa, Gustav Fröhlich Dazu das tönende Beiprogramm Auf der Bühne: Grelel v. Waiden, die bekannte Parodislin. Jugendliche haben Zutritt Luna-Palast K s'g.�u1 Gr. Frankfurter Str. 121 Tonfilm: Das gelbe Haus des King Fn mit Charlotte Susa Gute Bühnenschau Schwarzer Adler ai™« Woch. 5. 7. ca. 9, Stg. 3. 5, 7. 9 U Tonlustspiel: Liebe anf Defehl mit Olga Tichccbowa, Job. Rtemann Tönendes Beiprogramm V. T. Lichtspiele Frankfurter Allee 48 W. 5, Stg. 3 Uhr Tonlustspiel; Kaseraenzauher mit Lade Englisdi, Lndw. M. Lommcl Beiprogramm W Zentrum""fc Babylon, am Bülowplatz Wochentags 6.30 Uhr Sonnabends u. Sonntags ab 5 Uhr 100 proz. Tonfilm: Erstaufführung! Sonfog de» Leben, mit Camilla Horn Bühne: Stunde VarieM W Neu-Lichter.l>crg"fc Kosmos-Lichtspiele Lückstr.70 Wochent. 7, 9 Uhr Sonntags 5, 7, 9 U. Tonlustspiel: Eine Stunde Glück m. Wilhelm Dleferle, Evelyn Holt Tonbclprogramm Weioenxce Schloßpark Film. Bühne Berliner Ailee 206— 210 Tonfilm: Das Geheimnis der roten Katze mit S. Arno, Vcrcbes Bühnenscbau U Fried rtchsfeUie W Kino Busch Alt-Friedrichsfelde 3 100 proz. Tonfilm; Lumpenball mit Kampers, Georgia Lind Beiprogramm— Wocfaenscfaau ■■ A1lt/imht*A Müllerstraße 136, mnamora Ecke Seestraße Wochent 5, 7. 9 U., Sonnt, 3. 5. 7. 9 U. Das Geheimnis der roten Katze m. Siegfried Arno Gutes Beiprogramm Pharus-Lichtspiele Müllers tr. 142 W,5.7,9U, Stg. 3.5.7. 9 U Tonschwank: Ich heirate meinen Mann— Die Piraten vom gelben Fluh mit Richard Dix Panko EI3 Palast-Theater Breite Straße 21 a W. 7 u. 9, Stg. 5, 7, 9 U 100 proz. Tonfilm: Rosenmonfag mit Lien Deyers, Mathias Wiemann Tonbeiprogramm Filmpalast T cgcl fÄ Stgs. 2 U. Jgd.-Vorst W. 6, Stg. 4>/. U. Tonfilm; Er und seine Schwester mit Anny Ondra, Roda Roda Beiprogramm > Manwlgstferf W Filmpalast Stg. ftgZ.vfu. Berliner Straße 59 Stg. 2 U. /ug.- Vorst Tonfilm: Boykott mit LH Dagover, Theodor Loos Gutes Bei Programm (Beilage Dienstag, 23. Juni 1931 ZkvAbimS jJn toYVfä/A Der Unmoratitätsaht Das Problem der Rassenmischung in Südafrika Das geheimnisvolle Gesetz. „Gefängnis? Für eine Nacht mit einer Frau, die zufällig schwarz war. Für eine Frau, die einer Rasse von Millionen zivilisierter Neger angehörte, die Südafrika bewohnen."*) Das ist eine Maßnahme, die Kasimir Edschmid, der im ver- gangenen Jahr eine Expreßreise durch Afrika gemacht und dann ein dickes Buch darüber geschrieben hat, nicht verstehen kann. Und obgleich er sich redlich Mühe gibt, alle harmlosen Wesen, die das Unglück haben, ihm über den Weg zu laufen, auf diesen Punkt hin hydraulisch auszupressen, kommt er doch nur zu einem mageren Ergebnis Es ist,„als ob er über dieses Gesetz nichts Rechtes er- fahren sollte."„Jedermann drückte sich varum."*) Er findet aber— wenigstens in der Kapprovinz(um Transvaal, Freistaat und Natal kümmert er sich in dieser Beziehung wenig)— eine erschreckende Menge von Mischlingen.„Misch- linge von Krusklaven mit Hottentotten, von Buren mit Malaien, von Malaien mit Hottentotten, von deren Resultaten mit Indern. Mischlinge von Buschmännern und Hottentotten, Mischlinge, die die zu Besuch kommenden Zulunegcr mit Abkömmlingen anderer Mischungen zurückließen— und Kreuzungen der Buren und Eng- länder schließlich mit der ganzen Creme dieses Rassenpelcmeles."*) Man muß schon zugeben, bei solcher Lektüre gewinnt man stark den Eindruck, als wäre Südafrika der Schauplatz wildester sexueller Orgien; wo jeder— schwarz oder weiß— fremd oder zugereist— sich lustig miteinander paart. Ein Baden-Baden für alle degenerierten Europäer mit Oedipus- und sonstigen Komplexen. Man bekommt den Eindruck, daß das Gesetz lediglich ein Deck- mantel ist, hinter dessen Schutz„sich birgt so mancher Untertan". Dieser Eindruck wird auch nicht dadurch verwischt, daß Herr Kasimir erwähnt, daß„als erste Opfer ein Pfarrer der nieder- ländischen Kirche und ein Mitglied des Transvaal-Provinzland- tages daran hätten glauben müssen".*) Im Gegenteil: Die An- gelegenheit bekommt noch eine pikante Note. Und was ist nun an alledem zutreffend?— Sehr wenig. Ich persönlich habe noch niemals einen Afrikaner gefunden, der nicht über den„Iminoraiitx A.ct" hätte Bescheid geben können. Allerdings— das muß zugegeben werden— es wird wenig darüber gesprochen. Selbst im Parlament wurde dieser Akt ohne jede Opposition, ohne jede Diskussion angenommen. Auch die Zeitungen bringen nur kurze Meldungen im Fall von Ber- fehlungen. Z. B.:„Polizeisergeant S. aus V. wurde heute wegen schweren Vergehens gegen den Unmoralitätsakt verhaftet. Eine Eingeborene wurde in derselben Angelegenheit inhaftiert." Dieses merkwürdige Stillschweigen über ein Gesetz, das ein Südafrikaner selbst(Mr. G.. H. Zi i c o l.l s l Abg. für Sululand) als„th� niost striking mrasüre ever past in South Africa" bezeichnet(die außergewöhnlichste Maßnahme, die jemals in Süd- airika Gesetz wurde), kann einen nicht mit den Verhältnissen des Landes Bertrauten schon in Erstaunen versetzen. Rassenmischungen in Südafrika. Es wird jedem Afrikareisenden auffallen(außer Herrn Edschmid), wie wenig sich im Süden Afrikas(besonders in Transvaal, Freistaat und Natal) die weiße und die schwarze Rasse vermischt haben.(Vgl. z. B. Südamerika.) Obgleich beide Rasten schon seit etwa zwei Jahrhunderten in Berührung miteinander sind, ist die Anzahl der Mischlinge verhältnismäßig gering. Mit dem Aufblühen der G r o ß st ä d t e ändert sich das allerdings. Die von Edschmid erwähnten Mischlinge(Cape-Coloureds) fallen ihrem Ursprung nach in die Anfangsjahre der Kapkolonie und sie sind vorwiegend Mischungen zwischen Malaien und Indern. . Sie haben sich seit dieser Zeit auffallend„rein" unter sich er- halten und sie legen großen Wert darauf, es weiter zu bleiben. Aehnlich steht es in solchen Fällen, wo einzelne Buren oder Eng- länder, die dann von der Gemeinschaft der Uebrigen geächtet wurden, sich mit Schwarzen gemischt haben.(Ich habe in einem früheren Artikel den Fall Konrad Buys' erwähnt.) Diese „Reinhaltung" einmal geschaffener Mischungen, die auch in einer wissenschaftlichen Arbeit über Kreuzungen in Südafrika(ver- öffentlicht in„Genetics") hervorgehoben wird, ist meines Erachtens nach der sicherste Beweis dafür, daß eine wahllose Krcu- zung nicht stattfindet. Ein Gesetz zur Erhaltung der Herren st ellung. Der Grund dafür ist die ausgesprochene Herren st ellung, die der Weiße dem Schwarzen gegenüber in Südafrika einnimmt und die keine Intimität irgendwelcher Art aufkommen läßt. Es ist erstaunlich, wie die Atmosphäre, die so geschaffen ist, die Einstellung aller neuen Einwanderer, ganz gleich mit welchen vorgefaßten Meinungen sie herübergekommen waren, binnen kurzem völlig ver- ändert. Selbst der ausgesprochenste Negrophilist— z. B. mein Freund IL., der vier Jahre in Westindien gelebt hat, wo die Neger den Weißen völlig gleichgestellt sind— entzieht sich diesem Einfluß nicht. Er wird z. B. seinen ijausboy nicht„Mr. Charlie"(Herr Karl) anreden. Er wird sich kaum auf der Straße mit ihm unter- halten; es fei denn im Ton des Baas. Selbst die kleinsten Kinder werden von dieser Atmosphäre ersaßt. Rudolf, mein Aeltester, der knapp über zwei Jahre alt ist, zeigt seinem„mrl" gegenüber eine Ueberlegenheit, die er kaum von uns über- nommen hat. Die Einstellung der Neger. Eine solche Kluft kann sich kaum entwickeln, wenn der Ab- stand nur von der einen Seite betont wird. Tatsächlich trägt aber auch die Einstellung des Negers dem Weißen gegenüber stark zu ihrer Vertiefung bei. Ich wollte Se-Sotho lernen und hatte Schwierigkeiten bei der Aussprache gewisser Worte. So bat ich Betty, unser„xirl", mir gegenüber Platz zu nehmen und mir die Worte vorzusprechen. Sie wollte sich unter keinen Umständen setzen, obgleich ich ihr sagte, daß ich dann ihren Mund besser beobachten könnte. Kein Neger setzt sich in Gegenwart eines Weißen. Im Gericht hörte ich bei der Vernehmung schwarzer Zeugen verschiedentlich auf Fragen des Richters, wie z. 23., ob der Zeuge *) Alle Zitate sind aus K. Edschmids Buch„Afrika, nackt Md angezogen". dem weißen Angeklagten geglaubt hätte, antworten wie:„Ja, Baas. Er ist doch ein weißer Mann. Und ich bin nur ein ein- facher Neger." Fragt man z. B. einen Neger:„Führt dieser Weg nach Klipfontein?" So wird er ohne zu zögern antworten:„Ja, Baas." Und wenn er weiß, daß es nicht so ist. Diese grenzenlose Ehrfurcht des Negers vor dem Weißen, die— wie gesagt— in den Großstädten stark im Schwinden ist, läßt auch von seiner Seite keine Intimitäten auf- kommen. Und wenn auch seine sexuellen Impulse stärker entwickelt sein mögen, so sind auf der anderen Seite aber auch sein Scham- g e f ü h l und seine sozialen Hemmungen stärker. Ich habe z. B. noch nie ein Negerpaar in einer zärtlichen Stellung ange- troffen. Während man doch in Deutschland über Mangel an pikanten Szenen in Parks und abgelegeneren Straßen nicht gerade klagen kann. Die Zweckmäßigkeit des Gesetzes. So scheint im Grunde dieses merkwürdige Gesetz den Wünschen beider Rassen zu entsprechen. Jedenfalls wird man aus dem Gesagten verstehen, warum wenig über das Gesetz gesprochen wird. Es ist zu s e l b st o e r st ä n d l i ch von der Einstellung des schwarzen und weißen Afrikaners aus. Abgesehen davon hoffen die Weißen durch dos Gesetz ihre Herrenstellung zu sichern; und die Schwarzen erwarten von ihm eine Stärkung ihres zum Aufbau einer einheitlichen Bantunation nötigen Rassenbewußtseins. Vom Standpunkt einer möglichst reibungslosen Entwicklung des Landes scheint das Gesetz wenig befriedigend. Es bedingt ein Erstarken beider Extreme und so auch ein Wachsen der Wahrschein- lichkeit, daß die notwendig kommende Auseinandersetzung beider. Rassen katastrophal sein wird. Die weniger ehrlichen Vorkämpfer des Gesetzes, die seine imperialistische Natur nicht anerkennen wollen, geben als Grund für ihre Einstellung die Tatsache an, daß alle bisher bekannten Mischungsresultate nur die Nachteile beider Rassen, nicht aber deren Borteile ererbt haben. Dagegen läßt sich aber sagen, daß die bisher eine Kreuzung eingegangenen Individuen(auf beiden Seiten) größtenteils zu den degencriertesten gehörten.(S.„Genetics".) Die Ausübung des Gesetzes. Im allgemeinen wird das Gesetz sehr strikt durchgeführt. Oft zu strikt. Ich erinnere mich an einen Fall in der Kapprooinz. Ein Weißer, der nachweislich unter Schwarzen aufgewachsen war und dauernd unter Schwarzen lebte, heiratete eine Schwarze. Nach Jahren wird der„Fall entdeckt". Der Weiße und seine Frau werden bestrast. In einem anderen Fall hatte der Europäer(ein Engländer, der nur noch Sulu sprach) das Glück, in Sululand zu wohnen. Da er aber unklug genug war, mit seiner schwarzen Ehehälfte nach Johannesburg zu kommen, ereilte ihn sein Schicksal. Er kam aller- dings mit der bloßen Ausweisung noch Sululand davon. Zweifellos wird das Gesetz— besonders in den Städten— vielfach durchbrochen. Nach dem oben Gesagten sind aber die psychischen Hemmungen in beiden Rassen allein stark genug, um— auch ohne das Gesetz— eine zu frühzeitige allgemeine Rassen- Mischung zu verhindern.?. Skawrau. Berlin-Paris- Genf-Berlin Autoreiseeindrücke von Victor Schiff Heimfahrt. Da alle Alpenpässe über 1300 Meter noch verschneit und gesperrt sind, muß man auf jeden Umweg durch die Gletscher- weit verzichten und sich mit der kürzesten Strecke über Neuchätel— Basel— Frankfurt bescheiden. Sie beträgt sowieso mindestens 12(X> Kilometer. Genf ist mit der übrigen Schweiz nur durch eine Bahnstrecke und eine— allerdings mustergültige— Hauptstraße verbunden, die während. fünszig Kilvmeter meest dicht am See entlang führen. Man fährt am Schloß Prangins vorbei, dem schöngelegenen Asyl des letzten Habsburger Kaisers Karl, das er nie hätte verlassen sollen, wenn er klug gewesen wäre und sich nicht von seiner ehr- geizigen Frau Zita hätte drängen lassen, das zweifache Flugaben- teuer nach Ungarn zu riskieren, das ihn schließlich nach Madeira führte, wo er fünfunddreißigjährig starb. Bald nach Ryan biegt man nach?torden ein, oerläßt man den Genfer See, ohne Lausanne zu berühren, das man greifbar nahe vor sich erblickt. Am See von Neuchätel. � Eine Stunde später, bei P v e r d o n, einer berühmten Wein- gegend, erreicht man den südlichen Zipfel des Neuchsteler(Neuen- burger) Sees, dem zwar der hochalpine Hintergrund der meisten Schweizer Seen fehlt, wenigstens auf der gegenüberliegenden Ost- feite, der aber ähnliche Reize hat wie der Starnberger See in Ober- bayern. Am Westufer dagegen, an dem man fährt, bricht das Jura- gebirgs recht steil ab. oben hohe Tannenwälder, tiefer grüne, saftige Matten, ganz unten endlich bis zu den blauen Fluten Weinberge, die freilich um diese Jahreszeit noch häßlich aussehen: hellbraune Erde und dunkelgraue Rebstöcke, alles noch dürr, kahl und eintönig. Autofahrten durch die Schweiz sind sehr schön, vorausgesetzt, daß man es nicht allzu eilig hat. Das durchschnittliche Tempo wird nämlich sehr stark heruntergedrückt durch die geradezu lächerlichen Höchstgeschwindigkeiten, die in den Dörfern vorgeschrieben sind: 18 Kilometer, 13 Kilometer, 12 Kilometer, manchmal gar 8 Kilo- meter(!), so lauten die Warnungstafeln am Eingang eines jeden Ortes. Und daß diese Mahnungen ernst gemeint sind, wurde mir von allen Seiten im voraus mitgeteilt. Gemeindevorsteher sollen so- gar zuweilen ihre Kollegen vom Nachbarort telephonisch von der Ankunft eines Kraftwagens benachrichtigen, bei dem begründete Hoffnung besteht, daß man dem Chauffeur eine„Buße" in knistern- den oder klappernden„Fränkli" wird abzwicken können. Ich weiß nicht, ob ich überall das vorgeschriebene Tempo gefahren bin, be- müht habe ich mich jedenfalls, und ich hatte das Glück, diesen unzähligen Autofallen zu entgehen, ohne ein einziges Mal das Portemonnaie herausziehen zu müssen. Aber da besonders am See von Neuchätel ein Winzerdorf sich an das andere reiht, ging viel Zeit auf dieser Strecke verloren und es blieb mir keine übrig, um die Stadt Neuchätel selbst mit ihrer mittelalterlichen Burg auch nur flüchtig zu besichtigen. Nebenbei bemerkt war Neuchätel, das zu An- fang des 18 Jahrhunderts infolge irgendwelcher sonderbaren Erb- schaftsgeschichten an die Hohenzollern gefallen war, bis 18�8 könig- lich-preußisches Gebiet und hat sich erst 1836 von dieser wider- natürlichen Zugehörigkeit losgelöst. Wie wäre es aber, wenn der Alldeutsche Verband die Zurückeroberung dieser alten Hohenzollern- domäne auf ihre Fahne schriebe— auf eine verrückte Forderung mehr oder weniger kommt es bei den Leutchen wirklich nicht mehr an! Mal deutsch, mal französisch. Man ist hier noch aus welsch-schweizer Gebiet. Ein Verfehlen des richtigen Weges am Ausgang des Neuchäteler Sees führt mich aber in wenigen Minuten anstatt auf das linke, auf das rechte Ufer des daran anschließenden BielerSees. Und siehe da: hier spricht man schon wieder deutsch! Es ist kein großer Umweg, am Ende des Sees gerote ich wieder auf französischen Sprachboden und in Biel selbst in eine gemischtsprachige Stadt, die von den einen Biel, von den anderen B i e n n e genannt wird. Glückliche Schweiz, die sich solch friedliches Zusammenleben zweier angeblich so furcht- bar entgegengesetzten Kulturen leisten kann! In Biel selbst steigt die Straße in steilen Kehren durch Arbeitervororte, in denen nur deutsch gesprochen wird. Dann kommt eine wilde Schlucht, die ins Juragebirge führt— und schon wieder sprechen die Menschen französisch. Eine Stunde später, nachdem man durch neue Schluchten, neue Täler und wieder Schluchten hindurchgesahren ist, betritt man abermals hinter Delemont(Delsberg) deutsches Sprach- gebiet, das Baseler Land. Auch die Landhäuser tragen wieder rein germanischen Charakter. Kurz vor Basel kommt man durch das Städtchen Dornach und erblickt den mächtigen, übermodernen Kuppelbau des„G o e t h e a n u m", dieses Mekkas der '�iheosophensekte Rudolf Steiners. Da ich von Iheosophie fsiichts verstehe, gehe ich Bollgas und bin— htzlh in B a sz: l, jener Stadt, die ich, vielleicht zu Unrecht; für die langweiligste Mittel- curopas halte. Deshalb bin ich zehn Minuten später schon wieder draußen, an dem deutschen Zollhäuschen von Weil-Leopolds- �° � c Durch den Schwarzwald. Wieder in Deutschland!„Freiburg i. Breisgau 60 Kilometer", verkündet der Wegweiser am Zollhaus. Der zu Rate gezogene badische Zollwächter meint, das sei zwar der direkte Weg, der am Rhein entlang führe, aber unvergleichlich schöner sei der Ilmweg durch dcn Schwarzwald. Nun: gut dreißigmal bin ich mit der Bahn durch die Rheinebene gefahren, immer mit sehn- süchtigen Blicken nach den im Osten aufsteigenden dunkelgrünen Höhen. Die Zeit ist zwar schon vorgeschritten und der Umweg bedeutet, daß ich es am nächsten Tag nicht mehr bis Berlin schaffen werde— aber wer weiß, ob ich jemals wieder eine solch günstige Gelegenheit haben werde, wenigstens einen Teil des Schwarzwaldes von innen zu sehen? Kurz entschlossen schlage ich die Richtung Lörrach ein. Durch romantisch-oerträumte allemanische Städtchen und Dörfer gelangt man bald in ein immer enger werdendes Tal, die ersten Pfingstausflügler tauchen als Fußgänger, Radfahrer, Autler oder in den großen gelben Reichspostwagen auf. Das Tal verengt sich, die Straße wird steiler, bald schafft man's nicht mehr im direkten Gang. Die Landschaft bekommt zusehends alpinen Charakter, die letzten Höhen sind sogar durch einen dichten Nebel- Ichleier dem Blick entzogen. Bald erreiche ich selbst die Grenze des Nebels und muß die Scheinwerfer einstellen. Am Gasthaus„Not- schrei", zwischen dem Feldbcrg und dem Schauinsland, ist der Kamm erreicht. Auch ich muh dort meinen Notschrei ausstoßen: ich habe es mit meinem Benzin gerade noch geschafft, zum Glück gibt es aber oben eine Tankstelle, die erste nach 15 Kilometern. In überaus steilen Kehren geht es wieder bergab, immer noch durch dichten Diebel und zwischen letzten Ueberbleibseln des Winterschnecs. Als ich wieder unterhalb der Nebelgrenze rolle, erblicke ich zu Füßen in der abendlichen Frühlingssonne die Ebene des Breisgaus. Durch Nacht und Regen. Eine kurze Rast in F r e i b u r g, wo sich unser Genosie Stefan Meier, der einzige sozialdemokratische Vertreter Südbadens im Reichstag, mit Recht darüber empört, daß ich. zum ersten Male in seiner schönen Vaterstadt, mir nicht einmal die Zeit nehme, sie mir richtig anzusehen. Doch alles freundschaftliche Zureden hilft nichts: Wenn ich zu Pfingsten wieder in Berlin sein soll, dann muß ich eben heute noch weiter und die Abendstunden ausnutzen, solange meine Kräfte ausreichen. Das ursprünglich vorgenommene Tages- pcnsum Genf— Frankfurt kommt jetzt sowieso nicht mehr in Frage, da ich mir den Abstecher in den Schwarzwald geleistet habe. Nun will ich es wenigstens bis Heidelberg schaffen, oder jedenfalls bis Karlsruhe. Das war aber eine schöne Tierquälerei! Endlos kamen mir in dunkler Nacht die ersten 65 Kilometer bis O f f e n b u r g vor. Dann fing es an, in Strömen zu gießen und die schöne Asphaltchaussee wird von Oos(das sich jetzt vornehmer Baden-Baden-West nennt) bis Rastatt zur Rutschbahn. Jeder Versuch, schneller als 20 bis 25 Kilometer zu fahren, wird durch warnendes Schleudern bestraft. Am Ende einer sechzehnstündigen Fahrt bin ich dieser zusätzlichen Anstrengung nicht mehr ganz gewachsen. Ich verspüre eine gefähr- liche Neigung zum Einnicken. Der Scheibenwischer singt dazu sein monotones Schlummerlied. Es ist höchste Zeit, als um Mitternacht die Lichter von Karlsruhe auftauchen. (Ein Schlußaufsatz folgt.) Was bringt der RAST am Sonntag im Gnmewaldstadion? Neben den Massendarbietungcn beim Reichsarbeiter- j p o r t t a g im Grunewald-Stadion am Sonntag, 28. Juni, nehmen die l e i ch t a t h l e t i s ch e n W e t t k ä m p f e im Programm den größten Raum ein. Bereits um 10.30 Uhr beginnen die Vorkämpse. Wir sehen hier an Läufen: 100 Meter der Sportlerinnen und Jugend, 200 Meter der Sportler, Kl. A und B, 4x100-Meter-Staffel der Sportler, 10X 100-Meter-Staffel der Sportlerinnen und Jugend(in allen Fällen Vor- und Zwischenläufe), dann 1500 Meter(Kl. B) und 300-Meter-Endläufe der Sportler, 4X100-Meter- und 10X 200-Meter- Staffel der Sportler(Endläufe). Des weiteren bringen die Sportler Ausscheidungen in Weitsprung, Diskuswerfen und Kugelstoßen, die Sportlerinnen Hochsprung, Kugelstoßen und Speerwerfen, und die Jugend gleichfalls Hochsprung, Kugelstoßen und Speerwerfen. Das Hauptprogramm wird dann noch wesentlich gestraff- ter und interessanter. Wir sehen ab 15 Uhr u. a. an Endläufen: 100 Meter der Sportlerinnen und Jugend, 200 Meter der Sportler (Kl. A und B), 1500 Meter der Sportler, 1000 Meter der Jugend, dann die Stafetten: 10X50 Meter der Kinder, 4x100 Meter Sport- lcr(Kl. A und B), 10x100 Meter der Sportlerinnen und Jugend, 10 X 200 Meter der Klasse B und 20x300 Meter Sportler. Ferner treten dazu, für Sportler: Stabhochsprung, Weitsprung, Kugelstoßen und Diskuswerfen; für Sportlerinnen und Jugend: Hochsprung, Kugelstoßen und Speerwerfen. Für die humoristische Kar- t e l l st a f e t t e haben sich 12 Mannschasten zusammengefunden. Ins- gesamt sind— mehr wie jemals früher— 468 Wettkämpfer gemeldet. Sehr wertvolle Leistungen dürfte auch das Geräteturnen bringe». Um 13 Uhr steigt ein H o ck e y s p i e l zwischen Freier Hockey- Club Spandau und FTGB.-Nordring. Im Hauptprogramm ist nach 18 Uhr das wichtige Handballspiel Leipzig— Berlin zu erwarten. Zluch die Arbeiter-Athleten treten wieder mit Ringen, Heben, Boxen, Jiu-Jitsu und Artistik auf die Matten. Das wäre an sich schon ein sportliches Programm, das sich sehen lassen kann. Schwimmer und Tennisspieler Eines großen Erfolges erfreuten sich immer schon die Schwimmer beim Reichs-Arbeitersporttag. So dürfte es auch am 28. Juni wieder werden. Die Vereine haben gut ge- meldet: es sind dabei: Freie Schwimmer Groß-Berlin- Arbeiter» Schwimmoerein Hellas, Reptun-Weißensee, Freie Schwimmer Char- lottenburg und Berlin XII, Schwimmoerein Möwe, Berliner Schwimm-Union und Berliner Schwimmverein Freiheit. Das Programm bringt im einzelnen: Männer-Kraulstafette 10X50 Meter(0), männliche Jugend-Bruststafette 4x100 Meter(9), Frauen-Kraulschwimmen 50 Meter, Klasse B(12), weibliche Jugend- Lagenstafette 3x50 Meter(8), männliches Jugend-Kraulschwimmen 100 Meter, Klasse B, 14— 16 Jahre(14) und 16— 18 Jahre(15), Männer-Lagenstafette 4X100 Meter(5), Jugendspringen 3-Meter- Brett(männl. 6, weibl. 2), Frauen-Bruststafette 6x50 Meter(7), männliche Jugend-Kraulstafette 6X50 Meter(11), Knaben-Lagen- stafette 4X50 Meter(8), Turmspringen(5 Kürspringe, 5 Teiln.), Mädchen- Brustschwimmen 50 Meter(23), Frauen- Kunstreigen, Männer- Kraulschwimmen 100 Meter, Klasse C(26), männliches Jugend-Kraulschwimmen 100 Meter, Klasse A 14— 16 Jahre(4) und 16— 18 Jahre(3), weibliches Jugend-Rückenschwimmen 100 Meter, 14— 16 Jahre(6) und 16— 18 Jahre(8). Die Ziffern in Klammern geben die Zahl der beteiligten Mannschaften und Einzelteilnehmer an. Dazu kommen zwei interessante Wasserballspiele. Zum ersten Male haben auch die Tennisspieler die Mög- lichkeit, beim RAST auf den Tennisplätzen am Sportforum in Er- scheinung zu treten. Von 10 bis 14 Uhr werden Serienspiele der Berliner A-Mannschaftcn ausgetragen, von 15.30 bis 19.30 Uhr finden Propagandaspiele statt. Beteiligt sind: Tennis-Rot Groß- Berlin, Tennissparte der FTGB., Frei-Tennis Spandau und Norden. Ein Photo-Preisausschreiben Die Arbeitsgemeinschaft Berlin des Arbeiter-Lichtbild- Bundes veranstaltet am 28. Juni aus dem Rast einen Photo- Wettbewerb unter dem Titel„Der spannende Moment". Alles, was unter dieses Motto fällt, wie Turnaufnahmen, Köpfe begeisterter Zuschauer, Massen- und Einzelgymnastik, Leicht- und Schwerathletik, Schwimmen und Lausen, Jiu-Jitsu und Fußball: das alles darf geknipst werden, wenn es sich um einen spannenden Moment han- delt. Gestellte Aufnahmen sind natürlich ausgeschlossen, da sie der Voraussetzung nicht entsprechen. 150 Mark stehen für die Preis- Verteilung zur Verfügung, es werden ausgesetzt insgesamt 15 Preise, ein erster zu 25 M., ein zweiter zu 20 M., zwei dritte zu je 15 M., vier vierte zu je 10 M. und 7 zu je 5 M. Das Mindestformat der eingesandten Abzüge oder Vergrößerungen muß 6x9 Zentimeter sein, die Teilnahme an dem Wettbewerb ist jedem Besucher des „Rast" gestattet. Die Einsendung der Aufnahmen, deren Anzahl nicht beschränkt ist, hat bis zum 5. Juli 1931, 20 Uhr, an den Vor- sitzenden der Berliner Arbeitsgemeinschaft des Arbeiter-Lichtbild- Bundes, Max Fechner, Berlin-Hohenschönhausen, Große Leege- straße 56, zu erfolgen. Die eingesandten Photos dürfen nur mit einem Kennwort und dem Gegenstand der Aufnahme bezeichnet sein: in einem verschlossenen Briefumschlag, der außen das gleiche Kenn- wort trägt, ist der Name und die Adresse des Herstellers auf einem Zettel anzugeben. Einsendungen, die diesen Bedingungen nicht ent- sprechen, können nicht zum Preisausschreiben zugelassen werden. Die Preise werden von einer Kommission des Berliner Arbeiter- Lichtbild-Bundes verteilt, deren Entscheidung endgültig ist und gegen die kein Rechtsanspruch erhoben werden kann. Mit der Prämiierung erhält der ALB. das Recht, die prämiierten Phows in„Volk und Zeit" bzw. in dem Organ des ALB.„Das neue Bild" oder in Arbeitersportzeitschriften zu veröffentlichen. Auftakt zum RAST Wcrbeveranstaltungen der Arbcitcrsportler Ein W e r b e f e st veranstaltet der Bezirk K r e u z b e r g des Kartells für Arbeitersport und Körperpflege am Donnerstag, 25. Juni. Von mehreren Stellen aus finden um 18)4 Uhr Straßen- läufe statt mit dem Ziel zum Sportplatz am Urban und zur Admiral- brücke. Im Landwehrkanal zeigen Schwimmer ihre Künste. Die anderen Sparten führen ab 19 Uhr auf dem Urbanplatz Gym- nastik, Wettläufe, Radreigen und Radballspiele, Geräteturnen, Hand- ballspiele vor. Eintrittsgeld wird nicht erhoben. Alle Parteigenossen und Sympathisierende find freundlichst eingeladen. Zum Reichsarbeitersporttag bringt das Arbeitersportkartell Friedrichshain eine Reihe von sportlichen Darbietungen. So findet am Mittwoch, 24. Juni, eine große Sonnenwend- f e i e r auf dem Sportplatz im Friedrichshain statt. Programm: Handballspiel„Proles" gegen Berliner Schwimm-Union, außerdem turnerische und sportliche Vorführungen, Konzert, Vorführung der Wien-Freiübungen der Männer und Frauen. Am Sonnenwend- feuer Gesangsvorträge des Berliner Volkschores, Sprech6)or der „Naturfreunde" und Feuerrcde. Beginn 19 Uhr. Eintritt 20 Pf. — Am Dienstag, 30. Juni, bringen die Vereine turnerische Vor- sührungen, Gymnastik und Stafettenläufe auf dem Sportplatz Ost, Bödikerstrahe. Beteiligt ist die FTGB., Bezirk Stralau. Der Ein- tritt ist frei.— Mittwoch, 1. Juli: Propagandaummarsch aller Sport- und Kulturorganisationen mit Musik, anschließend Kund- gebung auf dem Sportplatz Friedrichshain. Vorher: Handballspiel FTGB.-Osten 2 gegen FTGB.-Stralau 2, außerdem Konzert. Turnen, Spiel und Sport. Einlaß 18 Uhr. Eintritt 10 Pfennig.— Am Freitag, 3. Juli: Werbespieltag auf dem Sportplatz Ost, Bödiker- straße. Dort finden Spiele statt. Handball: FTGB.-Osten 1 gegen FTGB.-Nord-Ost 1: Fußball: FTGB.-Osten gegen FC.-Oberspree: Hockey: FTGB.-Osten gegen FTGB.-Pankow. Beginn der Spiele 18)4 Uhr. Eintritt frei. Die Vereine des Kartellbezirks Lichtenberg veranstalten Mittwoch, 1. Juli, einen großen Werbctag für den Arbeiter- sport in der Parkaue. Es ist das einzige Mal, an dem alle Arbeiter- sportvereine des Bezirks gemeinsam aufmarschieren, sich der Be- nölkerung geschlossen zeigen und so für den Arbeitersport demon- strieren. Den Vorführungen in der Parkaue, an denen sich Leicht- achteten, Radfahrer, Schwerathleten und Spieler aller Art beteiligen, geht ein Umzug durch die Straßen des Bezirks voraus. Die Sport- ler treffen sich zu diesem Zweck um ITA Uhr in der Schule Holtei- straßc. An die Partei- und Gewerkschaftsgenossen des Bezirks er- geht der Ruf, die Arbeitersportler durch rege Anteilnahme zu unter- stützen. Der Bezirk Wedding veranstaltet am Donnerstag, 25. Juni, im Stadion Rchberg« ein Ä b c n d s p o r t f e st. Neben den leicht- athletischen Wettkämpfen der Männer, Frauen und Jugendlichen werden Vorführungen der Zlltersturner sowie Kinderdarbirtungen aller Art gezeigt. Interessante Fußballviele umrahmen das reich- haltige Programm, dos mit einem Lauf aller Teilnehmer und ge- meinsamem Antreten vor dem Sporthaus beendet wird. Beginn der Vemnftalturg 18 Uhr. Eintritt frei. Die Tennisscric Allerlei Ueberraschungen Der vergangene Sonntag brachte in der Kreisserie der Arbeiter-Tennisspieler sehr interessante Treffen und einige Ueberraschungen, die nicht vorauszusehen waren. In der A-Gruppe für Männer schlug Tennis-Rot-Lichtenberg die in guter Position liegende FTGB. mit 10: 8 Punkten. Der Sieg von Lichtenberg ist umso höher zu veranschlagen, als einer ihrer guten Spieler verhindert war. Die andere Ueberraschung brachte in der gleichen Gruppe das Treffen zwischen Tennis-Rot-Friedrichs- Hain und Tennis-Rot-Neukölln. Das bisher ungeschlagene Doppel von Neukölln mußte sich beugen, Friedrichshain siegte ebenfalls mit 10: 8 Punkten. In der A-Gruppe für Frauen schickte FTGB. Tennis-Rot-Köpenick mit 17: 1 Punkt nach Hause. Die Nachwuchs- spielerinnen von Köpenick scheinen das Seriensieber noch immer nicht überwunden zu haben. Tennis-Rot-Friedrichshain sicherte sich die bisherige Stellung durch einen Sieg über Tennis-Rot-Neukölln mit 13: 5. Die Spitze in der B- G r u p p e für Frauen hat sich nunmehr endgültig Tennis-Rot-Lichtenberg durch einen Sieg von 17: 1 über Tennis-Rot-Prenzlauer Berg gesichert. Tennis-Rot- Friedrichshain schlug in der gleichen Gruppe FTGB. mit 13: 5. Die gut in Fahrt liegende Mannschaft von Tennis-Rot-Wedding wurde in der B-Gruppe für Männer von FTGB. mit 8: 10 über- wunden. Tennis-Rot-Charlottenburg und Tennis-Rot-Lichetnberg trennten sich unter Teilung der Punkte. In der C- G r u p p e für Männer siegte FTGB. über FT.-Spandau mit 12: 6. Tennis-Rot- Prenzlauer Berg besserte feine Position durch«in Unentschieden gegen Tennis-Rot-Neukölln. Tennis-Rot-Charlottenburg II erhielt in der O- G r u p p e für Männer kampflos die Punkte von Tennis-Rot-Neukölln. Tennis-Rot-Weißensee I siegte überzeugend mit 17: 1 über Tennis-Rot-Lichtenberg. Arbeiter-Handball Zum Wochenende spielte FTGB.-Stralau 2. Männermannschaft gegen Turn- und Sportvereinigung Kaulsdorf 2 und verlor mit 4: 2 (3: 1). FTGB.-Strolau 1 hatte Freie Turnerschaft Wildau 1 als Gegner, hier lautete das Resultat 11:1(3:0) für Stralau. Die Stralauer waren während des ganzen Spiels überlegen, konnten aber erst in der zweiten Halbzeit mit der Sonne im Rücken die Ueberlegenheit zahlenmäßig ausdrücken. FTGB.-Nordost weilte m>t WWW fm Im Segelflug über den Kanal Dem deutschen Segelflieger Robert Kronfeld ist es am Sonn- abend gelungen, in seinem Segelflugzeug„Wien" von Calais nach Dover und zurück nach Calais zu fliegen. Er gewann damit den von einer englischen Zeitung ausgeschriebenen Preis von 20 000 Mark für die Ueberquerung des Kanals in beiden Richtungen. Unser Bild zeigt Robert Kronfeld(links) vor seinem Segelslugzeug. allen Mannschaften bei Einkracht-Mahlsdorf. Die MahlÄorfer kam». ten alle Spiele, außer bei den 2. Männermannschaften, siegreich be- enden. Bei den Frauen gewann Mohlsdorf mit 3:0(2:0). Die Iugendmannschaften trennten sich 7: 3, Halbzeit 3:2 für Nordost. Di« 1. Männermannschaften beliebten leider eine etwas unfaire Spielweise. Hier gewann Mahlsdorf mit 8: 6. ÄSC-Kinderfest Im Neuköllner Sportpark wickelte der A t hl e t i k- S p o r t- klub, Mitglied im Arbeiter-Turn- und Sportbund, ein gut vor- bereitetes K i n d e r s p o r t f e st ab. Vor weit mehr als 2000 Zu- schauern zogen unter Lorantritt des SAI.-Tambourkorps Neukölln 270 Kinder in die Kampfbahn ein. Lehmann wies auf die Not- wendigkeit derartiger Sportfeste hin und zeigte mit den Kindern grzm- nostische Uebungen, die großen Beifall fanden. Resultatc. aHonnldxiftstampf(S«d)stampf)- Snabcn: 1. Sbpfnirf I 861 Punkt-: 2. R-ini-tcndo-f 809 Punkt-: 3. ASC. I ISOzi Punkte: 4. B-ond-n. ,..—____ ti.. c r»____ R Tkl-tTXrtit 745 SRlIllfte? «WVti Punne: iu. III ipum«; n. Vltst oo Mädchen: I. Reinickendorf«94 Punkte: 2. Volkssport R-ukWn 682 Punkte: 3. Volkssport Weddino l 66314 Punkt-: 4.«ipemi 659 JSunttc: 5. AST. I 5681p Punkte: 6. Volkssport Wedding II 481-4 Punkte; 7.«u-e. II 314 Punkte: 8. Volkssport Neukölln II 224 Punkt«: 9. Volkssport Weddinq lll 204 Punkte: Brill 88 l9Vi Punkte.— Stafetten: 4 mal 75 Meter. Knaben: 1. Kbpenuk l 43,2 Sek.: 2. Reinickendorf 43,8 Sek.— 4 mal 75 Meter, Mädchen: 1. Bolls. sport W-dSing und Volkslport Neukölln 48 Sek. ftotes Rennen).— 72 mal 75 Meter. Knaben: 1. Volkssport Neukölln 2:18,8: 2.«öpenick 2:19,6.— 12 mal 75 Meter, Mädchen: 1.«öpenick 2:35,6; 2. Volkssport Neukölln 2:36,4. Ein neuer Flugmotor Helmuth Hirth, vor dem Kriege einer der populärsten deut- schen Flieger, hat einen neuen Flugmotor konstruiert, den«r am Mittwoch einem Kreis von Fachleuten vorführte. Es handelt sich um einen Vierzylinder luftgekühlten Reihenmotor in hängender Anordnung, der 65 BS bei 2100 Touren pro Minute leistet. Er verbraucht nur 18 Liter Brennstoff pro Stunde und kommt bei zehn Flugstunden mit dem außerordentlich geringen Quantum von einem Halden Liter Oel aus, was eine sehr große Ersparnis an Schmier- mittel» bedeutet. Durch ausschließliche Verwendung von Spezial- kugel- und Rollenlagern werden die Reibungsverluste auf ein Mini- mum reduziert. Die Kurbelwelle ist nach Patenten Dr. Albert Hirths, des Vaters von Helmuth, hergestellt. Der Motor wiegt 80 Kilo- gramm und kann bei Serienherstellung zum Preise von 3500 bis 4000 M. auf den Markt gebracht werden. Da Schwerölmotoren für Leichtflugzeuge vorerst nicht in Frage kommen, bietet der H>1 60 durch seine Billigkeit und sein« Verbesserungen groß« Vorteile. Helmuth Hirth und der bekannte Flugzeugführer v. Koep- pcn führten auf einem Klemm-Eindecker mehrere Flüge aus, bei denen eine Stundengeschwindigkeit von 140 bis 150 Kilometern er- zielt wurde._ «rbtikct-flcgltt. Zum Rast treffen sich alle Kegler 14 Uhr an der Renn- bahntribllne II. zilmgilbc Berlin. Mittwoch, 24. Juni, 20 Uhr, im Verlag der Neuen D«. obkeilung: s-urc, Dienstag. 23. Juni, Treieburger Ufer: Donnerstag, 25. Zu,». besonbcr? llebungstage zum„Rast" und„Fest der Arbeit" sMen-Uebungen). 25. Jun i Pieldeschlllsi zur 1. Ferien fahrt der 2. Mädchenabtctlung. Arbeiter. Dchiigenbund. Mittwoch, 24. Juni, 19� Uhr, Mtlgiiederpersamm. lung, llöuttcmplerhans, jjinienstr. 121. Freie Phalo. Bereinigung. Donnerstag. 25. Juni, 20 Uhr, PbnsikUmmer ber weltlichen eechul«, Pank. Ecke Wicsrustraßc:„lechnik der Feriaimuktiahme". Dienstag. 23. fluni. 17 Uhr, Müller- Sckc Seestrasie:..Photptpäzlergang". Arbcltcr-Photo.(Silbe. Donnerstag, 25. Juni. 20 Uhr, Dunkeltamnirr, Woisertorstr. 9: Arbeitsabend. Sonntag. 28. Juni, Beteiligung am Rast.Pholo. Wettbewerb. Ruderer und Kaausshrer, 7. Rtcif. Mittwoch, 24. Zun!, Spartrnausschiig. sitzuna, lKeschastestclle. zreie Tpor». uub Schütei-»e>«inign»g. Abt. Prenzlauer Berg. Dienstag, 23. Zum, 20 Uhr, Turnen, Lychener Str. 130. Rückschau. Im Programm der Deutschen Welle hielt D. T h o m einen Vor- trag, dem er den Titel„Stolzlieb' ichdenSpanier" gegeben halte. Spanien und feine Menschen sind uns heute besonders nahe: durch den Vortrag wurde allerdings die Kenntnis von ihnen kaum wesentlich bereichert. Man gewann den Eindruck, daß der Redner, obwohl er, wie er sagte, fünf Jahre long in Spanien gelebt hat, Land und Leute ZU sehr als Gast gegenüberstand und infolgedessen nur von dein erzählen könnt:, was der Fremde in Spanien sieht. Der Spanier zeigt sich gegen Fremde zurückhaltend und bescheiden und nimmt selbst abfällige Kritik an seinem Land höflich auf, obgleich er sonst den Stolz auf seine Heimat in der ostgebrauchtcn Wendung:„Ich bin Spanier" ausdrückt. Als charakteristische Eindrücke in Spanien erlebte der Vortragende Stierkämpfe und Kirchenseste, die beide alle Schichten des Volkes durch Lärm. Erregung, pomphafte Farbenpracht begeistern: der Dunst der kampfersüllten Stierkampfarena und die juwelenüber- ladenen Heiligenbilder lösen jubelnden Massentaumel aus. Diese Parallele, die der Vortrag unbewußt zog, ist bezeichnend für die mittelalterliche Gefühlswelt, die in Spanien bis in unsere Gegen- wart hinein herrschte. Von jenem Spanien aber, in dem jetzt die Revolution aufflammte, wußte der Vortrag nichts zu sagen. Te». Oienstax, 23..Juni. Berlin. 16.05 Prof. Dr. G. Habcriandt: M. J. Schleiden(Zum 50 Todestage). 16.30 Unterhaltungsmusik. 17.30 Perlenfischer(Kurt Hirschfeld). 17.50 Friedrich Meiscr: Lehrer und Elternschaft. Ib. 15 Klaviermusik von Palmeren und Chopin(K. Bernward, Flügel). 18.35 Wind und Wasser(S. v. Radecki). 19.00 Unterhaltungsmusik. 20.00 Breslau: Ursendung: Mittsommernacht. 21.00 Tages- und Sportnachrichten. 21.10 Orchesterkonzert. Dir.: Scherchen. 1. Llszt: Konzert für Klavier und Orchester, A-Dur(Thcophil Demctricscu, Flügel). 2. Lendvai: Sinfonie D-dur, op. 10(Funk-Orchester). 22.15 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Königswusterhausen. 16.00 Carl Meißner: Stein und Goethe. 16.30 Leipzig: Konzert. 17.30 Mersmann; Neue Musik. 18.00 Prof. Peters: Der Gips im Hausbau. 18.30 Engelhardt: Universalismus in der Geschichte. 18.55 Wetter für die Landwirtschaft. 19.00 Französisch für Anfänger. 19.30 Dr. E. W Schmidt: Die Bedeutung der Effektenbörse. 19.55 Wetter. 20.00 Oslo: Johannisfeier m Maihaugen(Norwegen). 21.35 Hamburg; Nachrichten. 21.55 Hamburg: Aktueller Dienst. 22.05 Oslo; Jobannisfcuer in Maihaugcn. i