Morgsnausgave Nr. 289 A 146 4S.Iahrgang Wöchentlich SSPf� monatlich 3.60 im voraus zahlbar. Postbezug 4.32 M. einschließlich 60 Pf. Postzeitungs- und 72 Pf. Postbestellgebühren. Auslands« obonnement 6,— M. pro Monat; für Länder mit ermäßigtem Druckfachen« oorto S.— M. Der„Vorwärts� erscheint wochentäg» lich zweimal. Sonntags und Montags einmal, die Adendausgabe für Berlin und im Rondel mit dem Titel„Der Abend" Illustrierte Beilage„Volt und Zeit". Ferner„Frauenstimme� �Technik*.„Blick in die Dücherwelt". „Iugend-Dorwärts-u.„Etadtbeilage� Berliner voltsbiatt Mittwoch 24. Zuni 1951 Groß-Äerlin 10 Pf. Auswärts 15 pf. Die einspalt. Nonporeilltteile 80 Pf. Retlamezeile S.— RM.„Kleine Än« zeigen" das fettgedruckte Wort 2b Pf. tzuläfsig zwei fettgedruckte Worte), fedes weitere Wort 12 Pf. Rabatt lt. Tailf. Stellengesuche dos erste Wort 15 Pf� jede» weitere Wort 10 Pf. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Wone, Arbeitsmartt Zeile 60 Pf. Familien» anzeigen Zeile 40 Pf. 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Der amerikanische vorsckzlog eines ialernationalen Moratoriums für die Rcgierungsschulden eröffnet die Aussicht aus eine beträchtliche Erleichterung der Finanz- und Wirlschasislage Deutschlands. Ob- gleich der Vorschlag noch der Zustimmung der beteiligten Mächte bc- darf. Hollen wir es für dringend erforderlich, die zugesagten De- sprechungen über die Abänderung der Rolverordnung sofort einzuleiten. Die in der Notverordnung enthaltenen Härten werden, wenn das Moratorium zustande kommt, von den betroffenen Schichten als besonders unerträglich empfunden werden. Mir sind uns bemüht, dah nach wie vor alle Anstrengungen Dcutschionds aus die Sanierung der öffentlichen Haus- Halle gerichtet bleiben müssen. Mir weisen deshalb nochmals daraus hin, dah die von uns geforderten Abänderungen dieses finan- zielte Ziel durchaus nicht in Frage stellen. Die von Ihnen vorge- schlagene Verschiebung der Aenderung der Notverordnung beruhte gus. der Annahme einer späteren Ansrollung der Reparations- frage. Nunmehr besteht kein Hindernis mehr, unmittelbar nachdem das Moratorium gesichert ist, die Abänderung der Nolver- »rdnung vorzunehmen. Dos gilt um so mehr, als die Entlastung durch den allgemeinen Schnldcnaustchub viel weitergeht, als es bei der Inanspruchnahme des Transfermorotoriums der Fall gewesen wäre. wir verkennen nicht, dah der Plan des Präsidenten hoover keinen Anlah zu übertriebenen hossnungen geben darf. Der Grund- sah der Finoozsanierung muh aufrechterhalteu werden. Irohdem müssen aber auch die einschneidenden Abbauvorschriften der Notver- ordnung gemildert und die schweren Steuerlasten gesenkt werden. Diese Mahnahmen dürfen nur dem Zwecke dienen, die durch Lohn- und Sozialabbau viel zu weit eingeschränkte Lebenshaltung der breiten Massen der Bevölkerung zu verbessern. Die werk- tätigen Schichten haben bisher die schwersten Opfer sür die Jinanzsanierung gebracht: deshalb haben sie einen berechtigten Anspruch daraus, dah ihnen künftig alle Erleichterungen zu- gute kommen. Nur wenn das geschieht, wird die sinanziellc Eni- lastung Deutschlands die Voraussehung für wirtschaftlichen Ausstieg und politische Beruhigung werden. Unter diesen Umständen wiederholen wir das dringende Er- suchen an die Reichsregierung, alsbald mit den Vertretern der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion in Verhandlungen über die Abänderung der Notoerordnung einzutreten. Mit vorzüglicher Hochachtung Ihr ergebener R u d. Breit- scheid sI. A. der sozialdemokratischen Reichztagssraktionj." -» Der Brief der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion an den Reichskanzler hält sich in den üblichen Formen der Höf» lichkeit. In seinem Inhalt ist er vollkommen eindeutig und klar. Die Fraktion verlangt nichts Unmögliches. Sie nimmt auch den Hoover-Plan nicht zum Anlaß, neue Forderungen zu stellen. Sie erinnert nur an die Forderungen, die sie schon gestellt hatte, als von bevorstehenden Erleichterungen der Finanzlage noch nichts zu sehen war. Aber es ist selbstver- ständlich, daß diese Erinnerung jetzt ganz dringlich wird. So wenig wie vor der amerikanischen Aktion will die sozialdemokratische Fraktion danach den Zweck der Notver- ordnung gefährden. Sie hat gezeigt, daß die Möglichkeit be- steht, die Verordnung sozial gerechter zu gestalten, ohne daß der finanzielle Ertrag geschädigt wird. Von dieser Mög- lichkeit Gebrauch zu machen, ist jetzt Zeit, höchste Zeit! Die Sozialdemokratie— das ist der Reichsregierung wohlbekanirt— setzt wie noch immer auch diesmal ihre ganze Kraft dafür ein. die äußeren Lasten des deutschen Volkes soweit wie nur möglich zu erleichter«. Ohne ihre Verständnis- volle Mitwirkung wäre die ganze Aktion, die zur Verhütung einer unmittelbar drohenden Kaiastrovoe unternommen wor- fcm P, uicht möglich gewesen. Aber all« Anstrengungen werden oe r g c b l i ch bleiben, wenn nicht der seit Erlaß der Rotoerordnung auf den Arbcitermossen lastende Druck fühl- bar gemildert wird. Die Notverordnung, wie sie ist, will in Deutschland kein Mensch. Aeußerste Rechte und äußerste Linke fordern lär- mend ihre gänzliche Aufhebung: sie wollen den Teufel Finanz- not durch den Beelzehub Staatsbankrott austreiben. Eine einschneidende Veränderung fordern mit der Sozialdemokratie auch die christlichen Arbeiter. Der Druck, der auf diese Weise entsteht, ist ungeheuer stark. Zu glauben, man könne ihn durch starren Widerstand überwinden, wäre leicht- fertig. Der zu erwarteirde Einwand, die Ersparnisse aus dem Moratorium dürfen nicht angegriffen werden, geht an der sozialdemokratischen Aktion glatt vorbei. Denn wir wollen ja die Ersparnisse aus dem Moratorium gar nicht angreifen, wir wissen, daß sie zur Herstellung einer notdürftigen Ord- nung des öffentlichen Haushalts kaum ausreichen werden. Wir würden den schärfsten Widerspruch erheben, wenn ver- sucht werden sollte, diese Ersparnisse zu Subventionen oder irgendwelchen zweifelhaften Ankurbelungsunternehmungen zu verwenden. Für uns handelt es sich um etwas ganz anderes, nämlich um die Gutmachung eines von der Regierung an den Ar- beitern verübten Unrechts, und zwar soll diese Gut- machung erfolgen nicht aus Mitteln des Hoooer-Plans, son- dern aus Mitteln, die durch eine entsprechende Umgestaltung der Notverordnung selbst zu gewinnen sind. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion hat weder für die Aufhebung der Notverordnung, noch für den Sturz der Regierung Brüning gestimmt, weil sonst nicht der Rcttungs- plan aus Amerika, dafür aber ein Chaos mit massenhaftem Blutvergießen und Hungersterben gekommen wäre. Ihr nicht jedem ohne weiteres verständliches Verhalten wurde so zur rettenden Tat. Die Sozialdemokratie hat zugleich erklärt, daß es keines- wegs der Sinn ihrer Haltung sei, den Kampf gegen die sozialen Härten der Notverordnung aufzugeben, daß sie viel- mehr entschlossen sei, diesen Kampf mit allen zweckdienlichen Mitteln fortzusetzen. An dieser Erklärung hält sie fest. Es ist notwendig, daß durch rasche Aufnahme der Verhandlungen der Staatsräson sowohl wie auch der Gerechtigkeit Genüge geschieht. Der. Reichskanzler hat gestern in seiner Rundfunkrede bemerkt, daß die Beruhigung Europas eine Voraussetzung der wirtschaftlichen Gesundung sei. Die Beruhigung Europas muß mit der Beruhigung Deutschlands beginnen, das durch die Notverordnung vom S. Juni aufs tiefste bc- unruhigt ist. Die Notverordnung� hat der Reichskanzler gestern wieder erklärt, soll abgeändert werden, soweit sie Härten und drückende Maßnahmen enthält.- Wir nehmen ihnbeimWort! Brünings Appell an Frankreich. Oer Reichskanzler rust im Rundfunk nach einem französischen Chequers. Unser Verhältnis zum Reichskanzler Dr. Brüning ist das der Tolerierung aus zwingenden taktischen Gründen trotz stark oppositioneller Gefühle— und besonders seit der letzten Notverordnung hat' der Name Brüning in Arbeiterkreisen keinen guten Klang. Trotzdem muß gesagt werden, daß die Rede, die der Kanzler gestern um 11 Uhr abends überraschenderweise hielt, in ihrem außenpolitischen Teil eine gute und mutige Tat war. In dem Augenblick, in dem die französischen Bedenken gegen Hoovers Vorschlag der gesamten Rechtspresse Anlaß zu einer wütenden Haßkampagnc gegen Frankreich geben, hat der Reichskanzler Worte der Besonnenheit, ja der i n n e- re n Wärme gegenüber unserem westlichen Nachbarn ge- funden, die desto stärker wirken müssen, je weniger sie gerade in diesem Augenblick erwartet wurden. Brünings Bekenntnis zur deutsch-französischcn Zu- sammenarbeit gerade in diesem Augenblick verdient unein- geschränktes Lob und ist geeignet, das Urteil über den Staatsmann Brüning wesentlich zu verbessern. Brüning hat offen den Wunsch geäußert, daß es zu einem französischen Ehequers kommen möge, das heißt zu Besuchen und Gegenbesuchen zwischen Paris und Berlin zum Zwecke einer besseren Verständigung. Es ist an Herrn L a v al, dem französischen Ministerpräsidenten, diese Anregung z�i beant- warten, und wir brauchen nicht erst zu sagen, wie diese Ant- wort lauten muß, wenn es nach den Wünschen der deutschen Sozialdemokratie und der französischen Sozialisten gehen soll. Beide werden den Versuch des Reichskanzlers, gerade durch Ueberwindung der augenblicklichen Verstimmungen zu einem dauerhasten Vertrauensverhältnis zu gelangen, nicht nur will- kommen heißen, sondern auch lebhaft unterstützen. Die Rede des Reichskanzlers.. Gestern abend kurz nach 23 llhr hielt Reichskanzler Dr. Brüning eine Ansprache im Rundfunk, die über alle deutschen Sender und auch nach Amerika verbreitet wurde. Der Reichskanzler begann mit Worten herzlicher Dankbarkeit für den Vorschlag des amerikanischen Präsidenten Hoover, der neue Hoff- nung für Europa und Deutschland geschossen habe und Deutschland in einem entscheidenden Augenblick seiner Geschichte Hilfe bringe. Der Reichskonzier führ fort: Warnen muß die Reichsregierung vor dem Glauben, als ob mit der Annahme dieses Vorschlages alle uns bedrückende Rat hinweggeräumt war«. Die Reichsregierung war sich bei den drückenden Maßnahmen, die sie zum Ausgleich der Reichsfinanzen treffen mußte, stets bewußt, dah erst das Iahr 1932 den Höhepunkt der finanziellen Schwierigkeiken bringen würde. Dia Steucrüberweisungcn oi> di« Länder und Gemeinden werden infolge der schweren Wirtschaftskrise um Hunderte von Millionen zurückgehen, dazu kommen aus dem gleichen Grunde die großen Ausfälle der Länder- und Gemeindesteuern. Erst 1332 werde» alle diese Haushalte di« volle Belastung erfahren, Die deutsche Wirtschaft ist in ihrer Scheinblüte zu erheblichem Teil mit in- und ausländischen Mitteln ausgebaut worden, die nur auf kurze Zeit gegeben oder auf lange in den Unternehmungen so scstgelegt waren, daß sie nicht rasch herausgezogen werden können. Zum dritten Mole ist jetzt der Versuch gemacht worden, diese Kredite abzuberufen und dadurch ist der Stunn herbeigeführt worden, der heute als beschworen gelten kann. Dieser Sturm hat aber allen Beteiligten die starke Verbundenheit der ganzen Welt mit drastischer Schärfe vor Augen geführt und allen gezeigt, daß die Lebenshaltung eines jeden Volkes bedingt ist durch die Lebenshaltung auch anderer Völker. Die Reichsregierung muß unbeirrt daran festhalten, daß auch ohne Reparationszahlungen das nächste Jahr außerordentliche An- forderungcn stellen wird. Die Reichsregierung war und ist bereit, härten der Nowerord- nung und besonders dringende Notlage zu mildern, aber sie kann nicht an dem finanziellen Ergebnis der Nolverordnnng rükkeln losten. Nur unter Sicherung dieses finanziellen Ertrages wird es bei inier- nationaler Annahme des Hooverschen Vorschlages möglich sein, die weiteren Einnahmeaussälle des Jahres 1932 auszugleichen. Das deutsche Volk würde sich um jedes Verständnis der Welt und um jedes Vertrauen bringen, wenn es nicht unbeirrbar daran festhält, die Sanierung unserer Finanzen unter den schwersten Opfern durch- zuführen. Der Vertrauensbeweis, der uns in dem weltgeschichtlichen Schritt des Präsidenten Hoover gegeben ist, kann nur Früchte tragen, wenn dos deutsche Volk entschlossen ist/ durch größte Sparsamkeit das Sanierungswerk zu fördern. Das Feierjahr soll auch die politischen Beziehungen der Länder von störenden Spannungen befreien, das Znsammenarbeilen der Staaken, auf dem ihre friedliche Mciterentwicklung beruht. festigen und fördern. Das aber ist nicht möglich, ohne beruhigte und gesunde Finanzlage, wie eine solche Finanzlage nicht ohne friedliches Zusammenarbeiten Sturmstimmung in der Kammer. Aur Sozialisten einhellig für Hoovers Vorschlag.— Mnanzminister mit Briand. Vari«, 23. Juni.(Eigenbericht.) Der französische Mini st errat hat am Dienstag seine Beschlußfassung über den amerikanischen Dorschlag auf Mittwoch vertagt, aber zugleich angekündigt, daß er Amerika am Mittwoch bestimmt antworten werde. Das hat den heftigsten Zorn der Rechten und vor allem der Herren Franklin-Bouillon und Marin hervorgerufen. Sie stützen sich dabei auf die jüngste Er- klärung des Ministerpräsidenten Laoal, nach der in der aus- wärtigen Politik nichts mehr ohne vorherige Information der Kammer beschlossen werden soll. Immerhin haben sich die zahl- reichen Interpellanten über den Lorschlog Hövers, mit Ausnahme des Herrn Marin, der bis zum letzten Augenblick Schwierigkeiten machte, damit einverstanden erklärt, daß die Debatte über ihre Interpellationen am nächsten Freitag stattfindet, das heißt also eigentlich noch vollzogener Tatsache. Die Vertagung der Debatte erfolgte aber wohl in der Annahme, daß durch die fran- zösische Antwort gewisie Verhandlungen unerläßlich werden und somit auch der Kammer noch die Möglichkeit bleibt, ihr Wort zu Hoovers Plan zu sagen. Die Tatsache, daß das Außenmini st erium von dem amerikanischen Vorschlag überrascht worden ist und die ersten Berichte des französischen Botschafters in Washington, des Dichters Claudel, so unvollkommen waren, daß die französische Regierung sich über die volle Tragweite des Vorschlages Hoovers in den ersten Stunden keine Rechenschaft abzulegen vermochte, hat natürlich den Feinden Briands wieder einige Waffen geliefert. Trotzdem scheint innerhalb der Regierung über das Vorgehen am Mittwoch größere Uebereinsttmmung zu herrschen als es die Rechte bisher erwartet hat. Finanzminister Flandin und Budgctminister Pietri haben sich trat Driand im Prinzip einverstanden erklärt, den Hoo verVorschlag anzunehmen, allerdings unter der Hinzufügung, daß der. Mechanismus des Doung-Planes als solcher aufrechterhalten bleibt, so daß die Rechte Frankreichs auf die Wiederaufnahme der bedingungs- los zu leistenden Zahlungen des Poung-Planes nach Ablauf des Feierjahres gesichert bleiben.. Außerdem sind Flandin und Piätri mit Briand darüber einig, daß eine großzügige Kreditpolitik zugunsten Deutschlands ins Auge ge- saßt werden muß. Briand scheint die Hosfnung zu haben, daß Amerika endgültig aus seiner bisherigen zurückhaiteuden Stellung gegenüber Europa herausgehen werde und damit auf allen Ge- bieten für die zukünftige Entwicklung neue Wege geöffnet werden. Wie die Kammer die von der Regierung noch' endgültig zu formulierenden Beschlüsse aufnehmen wird, läßt sich einstweilen nicht sagen. Gegenwärtig herrfdjt Sturm st immung, die auf die außenpolitischen Faktoren und auf die Möglichkeit zurückzu- führen ist, daß durch die jüngsten Ereignisse eine Regierung-- k r i s e heraufbeschworen werden könnte. Di« meisten Fraktionen sind hinsichtlich der Meinung über Hoovers Plan gespalten. Das trifft auch auf die radikale Fraktion zu, in der am Diens- tagmittag ziemlich lebhafte Debatten stattfanden. Dabei zeigt« sich, daß ein großer Teil dem Hoover-Vorjchlag mit stärkstem Miß- trauen gegenübersteht und Hcrriot mit das größte Mißtrauen hegt, wahrend Abgeordnet« wie Malvy unb- Debbos J»«r Ansicht sind, daß weltest«» Cntigegenkonnnen gezeigt werden müsse. Inner- halb der radikalen Linken drängt« Loucheur vor ollem darauf, die Stundung durch ein« Kreditpolitik zu ergänzen, die da« Wirt- schastsleben im allgeminen wieder in Schwung bringen würde. Seinerlei Meinungsverschieden hciiev haben sich innerhalb de» sozialistischen Fraklionsvorsiandes gezeigt. der am Dienstag zu der Botschaft Hoovers eine Erklärung be- schlössen hat. die der Gesamtfraktion am Donnerstag zur Bestätigung vorgelegt werden wird. Di« Erklärung beginnt mit ein«m Rückblick auf die Vorgänge seit dem Ende des Krieges, erinnert an die Beschlüsse der Sozialistischen Internationale in Bezug auf die in- zwischen begangenen schweren Fehler und auf die besondere Verantwortlichkeit, die die nationalistischen Parteien Frankreichs durch ihr« Blindheit auf sich geladen haben. Sie begrüßt den Hooverfchen Borschlag, der in einem Augenblick erfolgt fei, in dem sich im Herzen Europas ein wirtschaftlicher Zusammen- bruch vorbereitet habe, der überall tiefste Rückwirkungen gehobt habe, als einen Schritt, der di« Zusammenarbeit der Völker wieder in das normale Gleis bringen kann. Die Erklärung wirft aller- dings dem Manifest Hoovers vor, daß es noch immer die inter- alliierten Schulden und die Reparationszahlungen auf ein« Stuf« stelle. Der Vorstand der sozialistischen Fraktion gibt in seiner Erklärung schließlich der Hoffnung Ausdruck, daß Re- gierung und Parlament den Hoooerschen Anregungen zu- st i m m« n werden. Er betont dabei, daß die bedingungslosen Zahlungen, die zu einem schwachen Teil schon mobilisiert seien und in ihrer Gesamtheit mobilisiert werden mühten, von jeher nach der Auffasiung der Sachverständigen ausschließlich für den Wieder- a u f b a u der zerstörten Gebiete bestimmt waren, und zwar auf Grund eines Rechtsprinzips, das über allen sogenannten Vertrags- rechten stehe. Es dürfe keine Verwechselung der interalliierten Schul- den und der Reparationszahlungen, und keine Verjährung der Re- parationen geben. Notwendig sei, daß, wenn für dieses Jahr, dem Hoooerschen Vorschlag entsprechend, sämtliche Zahlungen Deutschlands, die bediengten wie die unbedingten, eingestellt würden, zu gleicher Zeit Deutschland die langfristige und billige Kredite gewährt würden. und zwar unier der Kontrolle des Völkerbundes unbd er BIZ. Der bedingungslos zu ldistende Teil der Young-Zohlungen könnte von Deutschland eventuell in Mark an die Kasse der BIZ. gezahlt werden, um der Bank die für die Sanierung notwendigen Kredit- operationen zu ermöglichen. In der Erklärung der Sozialisten wird zum Schluß noch die Hoffnung ausgesprochen, daß durch die verschiedenen Maßnahmen, die getroffen werden müssen, eine Entspannung eintrete, die auch das notwendige Werk der Ab- rüftung im günstigen Sinne beeinflusse. 1 2-M»ttiarden-Wettan!eihe? Paris. 23. Januar.(Eigenbericht.) 3n der Sammer sind zu der Votschaft hoovers bisher neun Interpellationen eingegangen. Der„Jntransigeaut" will am Dienstag aus guter Quelle er- fahren haben, daß der von fioover vorgeschlagene Zahlungsausschub nicht nur für ein Jahr, sondern für zwei Jahre gelten soll. Um die durch den Einahmeauesall in den Budgets der früheren inler- alliierten Länder entstehenden Defizite auszugleichen, solle beab- stchtigt sein, eine von den Amerikanern und den alliierten Ländern garantierte Anleihe von drei Milliarden Dollar auszunehmen. Die Verhandlungen darüber würden in der nächsten Zeit stattfinden. wie d!«„Liberlö" milleill. soll die belgische Regierung sich hinsichtlich der Votschasl hoovers bereit erklärt haben, dem Vor» gehen Frankreichs zu folgen. Laval vertröstet auf Freitag. Pari«, 23. Juni.(Eigenbericht.) Die Erklärimg des Ministerpräsidenten Laoal am Dienstag st» der Kammer hatte folgenden Wortlaut:„Die französische Regierung erkennt die großmütige Geste des Präsidenten Hoover an. Ohne di« Zustimmung des Parlaments wird kein« Beein» trächtigung der Bestimmungen des Poung-Planes erfolgen. Dia Regierung berät über die Antwort, die sie dem Präsidenten Hoover erteilen wird. Die Kammer wird am Freitag von dem Inhalt der Not« Kenntnis erhalten. Man muß verstehen, daß«s aus Gründen der Höflichkeit nicht möglich ist, die Antwort vorher bekannt. zugeben." Nach langer Debatte stimmte die Kammer der Vertagung der Debatte auf Freitag durch Handausheben zu. der Staaten möglich ist. Das Gedeihen Europa» und der Well hängt davon ab, daß diejenigen, die ein tragisches Geschick im Well- kriege zu Feinden werden ließ, nunmehr entschlossen und bereit- willig sich auf beiden Seiten zu den Entschlüssen ausraffeif, di« die gemeinsame Not der Stunde von allen Regierungen und Völkern fordert. Für dieses große Ziel wird der amerikanische Vorschlag Raum schassen, wenn er von den in Frage kommenden Ländern in demselben hochgemuten Geiste angenommen wird, in dem er von seinen Urhebern gemacht worden ist. Die deutsche Regierung ist bereit, mit allen Kräften an der Erreichung dieses Zieles mitzuarbeiten; sie hat den aufrichtigen Willen, zusammen mit allen Regierungen an die Lösung der Fragen heranzugehen, die für die Beruhigung Europas bedeutungsvoll sind. Je mehr die wirtschaftliche und so- ziale Not sich mildert, unter der das deutsche Volk lebt, desto stärker und einmütiger wird seine Bereitschaft hervortreten, ein Bollwerk der Ruhe und Ordnung in Europa zu sein. Die Größe der Stunde und die sich daraus ergebende Verant- wortlichkeit läßt mich die Hoffnung und Erwartung aussprechen, daß alle, die für die öffentliche Meinung und ihre Formung in Deutschland maßgebend sind, sich bewußt bleiben, von welcher Be- deutung in diesem Augenblick Maßhalten und Selbstdisziplin bei den Aeußerungen und Sfimdgebungen aller unserer Volksgenossen sür Deutschland und sür Europa sind. Die deutsche Regierung ist sich bewußt, daß bei alledem der' zukünftigen Gestaltung der Leziehongen zwischen Deutschland und Frankreich eine besonders wichtige Rolle zufällt. Wenn in der Entwicklung dieser Beziehungen manche Schwierig- keiten und Hemmungen hervorgetreten sind, wenn es in der Oeffent- lichkeit auf beiden Seiten der Grenze vielfach zu bewegten Ausein- ondersetzungen gekommen ist, so halte ich trotzdem an der Ueber» zeugung fest, daß all das nicht unüberwindbar ist. daß sich vielmehr bei beiderseitig»n guten Willen Mittel und Wege finden lassen werden, um das Uebereinstimmende und Gemeinsame in den Interessen der beiden Länder in den Vordergrund zu bringen und im Bewußtsein der beiden Völker so zu verankern, daß es di« Gewähr der Dauer in sich trägt. Weil ich davon überzeugt bin, daß eine wirklich ausgeglichene und sruchtbare Zusammenarbeit unter den Völkern Europas und die sür den lebendigen Wirtschastsauvtausch mit der Reuen weit not- wendige Stabilisierung des europäischen Frieden» erst an dem Tage gesichert erscheint, wo zwischen den beiden großen Rachbarvölkera das Vergangene seelisch überwunden ist und der Vlick sich gemeinsam der Zukunft und ihrer geistigen, wirtschaftlichen und politischen Gestaltung zuwendet, gerade deshalb ist es da» Vestreben der von mit geführten Regierung, über Verstimmungen de» Augenblicks hinaus vorwärts zu denken und alles sachlich veraniwortbare zu tun. um die großmütige Akiion des Präsidenien hoover ihrem verdienten und im Interesse Europas und der well notwendigen Erfolge zu- zuführen. Die deutsche Regierung wird es ihrerseits an gutem Willen nicht fehlen lassen. Ist die Einigung über das Feierjahr zustnnde- gekommen, so wird es um so leichter sein, in offener Aussprach« den Weg frei zu machen für eine großzügige praktische Zusammenarbeit der beiden Länder. Ich würde es begrüßen, wenn sich für eine solche einleitende Aussprache eine Gelegenheil fände, wie sie neulich die Zusammenkunft in Ehequers für eine Erörterung zwischen Deutschland und England geschaffen hat. Di» Aufgaben, vor denen Frankreich und Deutschland stehen, sind Är cheid« Länder zu groß und zu dringend, als daß es nicht möglich sein sollte, in vertrauensvollem und rückhaltlosem Meinungsaustausch einen gemeinsamen Boden zu finden, von dem au» die Lösung dieser Ausgabe aussichtsooll in Angriff genommen werde. Der Dollar sin«. Devisenrückfluß bei der Reichsbank. Der durch Hoovers Botschaft ausgelöste Optimismus hat gestern m der ganzen Well angehalten. In Deutschland wurden die ersten Verlängerungen kurzfristiger Auslandskredite vorgenommen, die vorhandene natürliche Nachfrage nach Devisen wurde im freien Markt voll befriedigt und bei der Reichsbank zeigten sich zum ersten Male sogar nicht unbeträchtliche Zugänge von Devisen. Man erwartet, daß nach der Klärung der Reparation»- siwation durch Frankreich— die französischen Finanziers stehen noch Gewehr bei Fuß— auch wieder ein größerer Zufluß ausländi- scher oder geflüchteter Kapitalien nach Deutschland erfolgen wird. Im Ausland hat sich der Martkurs weiter gebessert; der Dollarkurs ging in Berlin weiter zurück. In London und in New Port blieb die Börse im ganzen weiter fest. Es liegen noch immer Deckungskäufe der Baisseparteien vor, wodurch das Kursnioeau hochgehalten wird. Der Optimismus der Spekulation ist nicht gebrochen. Immerhin neigen aber viele schon dazu, die eingetretenen Kursgewinne durch Verkäufe mitzu- nehmen. DieKurssteigerungenfürdeutfcheAnleihen haben im ganzen noch angehalten. Nur in London zeigte sich bei der Dawesanleihe zum Schluß«in Kursrückgang um Vi Prozent, der aber gegenüber dem Kursgewinn der beiden letzten Tage nicht ins Gewicht fällt. Auf den internattonalen Warenmärkten ist die erst« er- freuliche konjunkturelle Wirkung der Hoover-Aktion ficht- bar geworden. Es zeigte sich eine größere Nachfrage nach Kupfer, Zink, Zinn und auch Baumwolle, die überall die Preise anziehen ließ. „Vorwärts" und Krankreich. „Rationalen" Redaktionen zur freondlichen Kenntnisnahme. Für die Ausführung des Hoooer-Plans sind in Frankreich— hoffentlich nur vorübergehende— Schwierigkeiten entstanden, über deren Ursachen der„Vorwärts" seine Leser unterrichtet hat. Einige besonders„national«" Blätter, die in der Außenpolitik dem Erklären das Schimpfen vorziehen, beschuldigen uns deswegen des Einver- . Nehmens mit„dem Feinde". Auf solche Albernheiten muß sich in Deutschland feit jeher jeder gesaßt machen, der sich die sachliche Der- tretung deutscher Interessen zur Ausgabe macht. Daß sich ein seiner Verantwortung bewußter Politiker von ihnen beeinflussen ließe, ist selbstverständlich ganz ausgeschlossen. Die Rundfunkred« des Porleivorsißenden hau» Vogel hat di« oeutschnationale Landtagssraktion zu einer Kleinen Anfrage im Landtag begeistert. Sie findet, daß diese Rede»glatter Mißbrauch de» Rundfunks" sei. Nach ihrer Meinung müßte der Rundfunk nur der Hugeuberg-Propaganda dienen. Wie sie lügen! AoSartige Verleumdungen eines Raziblattes. Der Amtliche Preußische Pressedienst schreibt: Die Wochenschrift der Nationalsozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands in Wesermünde,„S t u r m w e l le", hat in großer Aufmachung und angeblich als Mitteilung von bestinformierter beteiligter Seit« die Nachricht verbreitet, der Reichskanzler Dr. Brüning und Reichsaußenminister Dr. Curtius hätten auf der Rückfahrt von England nach der deutschen Küste durch Prasserei eine außerordentlich groß« Rechnung zu Lasten des Norddeutschen Lloyd verursacht. Die Meldung war insofern besonders infam aufgemacht, als sie durch de taillierte Angabe der einzelnen kost- spieligen Delikatessen und der Summen, di« sür jeden einzelnen Teil des Menüs verbraucht worden waren, den An- schein einer wirklichen Information aus der Küchen- Verwaltung des Dampfers zu erwecken suchte. Es wurden daran besonders aufreizende Kommentare geknüpft, in denen dies« „Prasserei" in Gegensatz zur Notoerordnung und zur Not de» deutschen Volke» gestellt wurde, und in denen aus di« zahlreichen offiziellen Veranstaltungen in England hingewiesen wurde, die an- scheinend den beiden Ministern für ihre leiblichen Bedürfnisse noch nicht genügt hätten. Di« Angaben der„Sturmwelle" sind von Anfang bis zu End« glatt erlogen. In Anbettacht der in diesem Falle besonders bösartigen po- lttifchen Verhetzung durch das Mittel unsauberer Waffen hat der Oberpräfident der Provinz Hannooer auf Grund der Rotverordnung die erforderlichen Schritte zum Verbot des Blattes unter- nommen. Gefängnisstrafe für Raziabgeordneten tohfe. Itzehoe, 23. Juni. Der nationalsozialistische Landtagsabgeordnete Löhs«, Gau- letter der NSDAP. Schleswig-Holstein, ist vom Amtsgericht zu Minden zu drei Monaten Gefängnis und autzerdem zur Tragung sämtlicher Kosten einschließlich derjenigen für die Ber» öffenllichung des Urteils in westfälischen Zeitungen verurteill worden. Sohle hat während des Reichstagswahltampfes in Dkocho an der Weser in einer öffentlichen Versammlung gesprochen, wobei er auch auf die bekannte Kaliangelegenheit zu sprechen kam und be- hauptet hoben soll, der R« i ch s in i n i st« r Schiele Hab« fünf Millionen Mark vom Kallsyndikat sür persönliche Zwecke erhallen. Ein Artikel in der„Schleswig-Holsieinischen Tageszeitung" hatte sich mit derselben Sache befaßt und behauptet, daß die frag- lichen fünf Millionen Mark der„Grünen Front" zugeflossen seien. Auch wegen dieses Artikels ist Löhs« verklagt worden. Gegen das Urteil hat Lohse Berufung eingelegt. Loepelmann dienstentlassen. Gebührende Maßregelung eines hcherischenJugenderzieherS Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteill, hat das Prooinziollchulkollegium Berlin den nationalsoziallstischen Reichs- tagsabgeordnetcn Studienrat Dr. Loepelmann von der„Fichte- Realschule" in Berlin-Friedenau durch Disziplinarurteil vom 23. Juni mit Dienstentlassung bestraft wegen fortgesetzter Be- schimpfungen und Beleidigungen gegenwärtiger und ehemaliger Mitglieder der Reichs- und preußischen Staatsrogierung. Hakenkreuzüberfall auf Reichsbanner. Schwere blutige Zusammenstöße am Lützowplah. Am Dienstagabend zwischen 10 und 11 Uhr kam es am Magdeburger Platz und den umliegenden Straßen zu Zusammenstößen zwischen Nationalsozialisten und Reichsbanner- kameraden. Die Reichsbannerkameraden kamen von einer Sportübung zurück und gingen in losen Gruppen nach Hause. In der Näh« des Afrika-Kasinos, Lützowstraße, wurden die letzten Gruppen von Nationalsozialisten überfallen und einigt Reichebannerkameraden schwer v e r l e tz t, die in da» Elisabeth-Krankenhaus eingeliefert wurden. Auch verschieden« Nattonalsozialisten wurden bei der Gegenwehr durch das Reichs« banner oerletzt. Die Täter verhaftet. Dir Polizei verhastete vier der nationaisozialistischea Angreifer, darunter die mutmaßlichen Täler. Genosse Rpedzlalkowski, der gewesen« Führer der polnisch- soziolsstischen Sejmfraktion und Chesredotteur des„Robotnik". ist bei der noch Kassierung wegen Schwindels wiederholten Wohl in Plozk um sein Mandat gekommen.— Oberst Djernaz.ki, der Schinderchef von Brest-Litowsk soll ein« hohe Zivilstelle erhalten: offenbar ist er der Armee lästig. � �, Hugenberg heran! Oer„Lokal-Anzeiger" erklärt, daß der einzig richtiK? Mann für die Ausnutzung des Moratoriums— H uge»dar g feil Da sprach der alte Auerhahn: Jetzt, Kinder, laßt mich auch mal' ran! Mderallala...(Aus der„Vogelhoch zeit") Roch 4 Millionen Erwerbslose. Stark verlangsamte Entlastung im Juni. Wilhelm Bocks letzte Heimfahrt Traverfeier in Oberkirch. Oberkirch, 23 Juni.(Eigenbericht) Am Dienstagoormittag um lO Uhr hat ein Lastkraftwagen aus Gotha die sterbliche Hülle Wilhelm Bocks von Oberkirch im Schwarzwald in feine Heimat getragen. In der Nacht zum Dienstag war der Tote im Krankenhaus des Bezirksamts Oberkirch aufgebahrt worden. Der Bürgermeister des Amtsstädtchens Oberkirch hielt bereits am Montagabend in der Gemeindeverordnetenversammlung eine Gedächtnisrede für den Verstorbenen� Er feierte ihn als Menschen, dessen Streben dahin gegangen seif den Interessen der Allgemein- heit dienstbar zu sein. Dte schlichte behördliche Trauerfeier endete mit dem Beschluß, daß die Stadtkapelle Wilhelm Bock bei der tlebersührung ins städtische Spital an der Stadtgrenze einholen sollte. Um 9 Uhr abends setzte sich der schlichte Trauerzug der Kur- gaste des gewerkschaftlichen Ferienheims bei Bad Sulzbach in Be» wegung. Arbeiter, Bauern und Bürger der angrenzenden Ge- meinde schloffen sich dem Auge an. Als die Stadtgrenze von Ober- kirch erreicht war, leuchtete Fackelschein in den dunklen Abend. Adolf Geck, sein alter Mitstreiter aus frühester Jugend, stand ain Wegesrand auf der Landstraße und rief ihm Worte des Gedächtnisses nach. Er sagte: �Dieser schlichte Wagen trägt ein Kleinod, dessen Wert Jahr- zehnte hindurch gegasten hat. Der Name dieses Mannes wird in die Geschichte des schaffenden Volkes eingeschrieben sein. Sein Kampf galt den Armen und Entrechteten und die Borsehung hat ihm als Gnade für ein kampfreiches Leben einen fast wunderbaren Tod gegeben. Seine Verdienste um die Arbeiterklaffe und die Menschheit wird die große Trauerseier in seiner Heimat zu würdigen haben. Wir, die Bewohner des Renzh-Tales, geben dir einen letzten Gruß in deine Heimat, verbunden mit dem Dank für alles, worum du gestritten host/ Der sozialdemokratische Abgeordnete des Badischen Landtages R e i n b o l d- Mannheim wünschte dem toten Führer auf der letzten Reise in seine Heimat unter Würdigung seiner Verdienste für die Sozialdemokratie ein letztes Lebewohl, verbunden mit der Mahnung an das lebend« Geschlecht, im Kampf für die Sozial- demokratie nicht zu erlahmem Im Mondscheinlicht der Nacht be- wegte sich der stumme Trauerzug durch die Straßen von Oberkirch. die umsäumt waren von der mittrauernden Arbeiter- und Bürger- schaft. Auf dem rot drapierten Sarge lagen Blumengebinde aus roten Rosen von der Kurverwaltung des gewerkschaftlichen Ferien- Heimes, den Kurgästen und der badischen Bezirksparteiorganisation. Beileidstelegramm des fteichskmtzlers. Der Reichskanzler Dr. Brüning sandte der sozialdemokrati- schen Reichsiagsfraktion zum Tode Wilhelm Bocks folgendes Beileidstelegramm: Die Nachricht von dem Hinscheiden des früheren Reichstags- abgeordneten Herrn Bock hat mich tief ergriffen. Au dem schweren Terlust, den die Sozialdemolrätische Partei durch das Ableben dieses langjährigen Mitgliedes der Partei erlitten hat, spreche ich zugleich im Namen der Reichsregierung aufrichtiges Beileid aus. ;...■■ '- I-«- Buresch Programm. Die neue Ziegiervng vor dem Parlament. Wien, 23. Juni.(Eigenbericht.) Die Reglerung Buresch hat sich dem Nationolrat vor- gestellt. Der Bundeskanzler erklärte, daß fein Kabinett die von der früheren Regierung vorgeschlagenen Maßnahmen grundsätzlich weiter verfolgen, aber gewiffe Aenderungen vorschlagen werde. In der Außenpolitik würden die freundschaftlichen Be- Ziehungen zwischen den Nachbarstaaten und die guten Beziehungen zu den großen Mächten aufrechterhalten werden. Der wert- o ollste Bestandteil der Außenpolitik sei aber die aste Freundschaft mit dem Deutschen Reich. Bezüglich der Zollunion halle es die Regierung nicht für angebracht, sich vor der Entscheidung des Haager Gerichtshofes zu äußern. Im Namen der Sozialdemokraten erklärte Abg. Danneberg. die Lehre der letzten Kabinettskrise sei, daß aus die Dauer ein Regime gegen die Arbeiter nicht möglich fei. Die Sozialdemokraten würden sich nicht als Aushängeschild für eine konkursreife, bürgerliche Politik hergeben.- Die Arbeitslossnoersicherunz müsse aufrechterhalten bleiben, und auch die Krisenfürsorge dürfe nicht unterhöhlt werden. Die französischen Zumutungen. In. einer sozialdemokratischen Funttionärversammlung Mrte Zlbg. Dr. Otto Bauer aus: Frankreich hat verlangt, erstens, Oesterreich solle aas die Zollunion mit Deutschland v e r- Richten; zweitens den Völkerbund ersuchen, eine Erhebung über die wirtschaftliche und finanzielle Lage Oesterreichs zu veranstalten und sich verpflichten, jeden Rat des Völkerbundes, wie immer er aussehe, anzunehmen: drittens in Zukunst jeden Vertrag, durch den der politische oder wirtschaftliche Zustand Europas verändert würde, vor seiner Schließung dem f r a n z ö s i» schen Ministerium des Aeußeren zur Prüfung vorzulegen. Nur wenn Oesterreich diese Bedingungen annehme, sei Frankreich bereit, Oesterreich die verlangt« Anleihe von 150 Millionen Schilling zu gewähren. Die Annähme dieses Ullimatums, erklärt« Dr. Bauer, wäre dos Ende unserer Selbständigkeit gawesen. Wir wären e i n e K o l o n i e Frankreichs geworden. Nichts liegt uns Sozialdemokraten serner als' Feindseligkeiten gegen Frankreich, ober angesichts dieses ungeheuerlichen Ullimatums muß gesagt werden, die französi» sch« Regierung hat die-Not Oesterreichs auszu» beuten versucht, um uns in eine Lage zu bringen, ähnlich der afrikanischen Negerstämme, über die die französksche Kolonialmacht herrscht. In diesen kritischsten Stunden hat die Bank von England ISO Millionen Schilling in der Oesterreichischen Ratio» nolbank eingezahst und den österreichischen Schilling gesichert. Hochschulbube« gegen höchstes Gericht. Wien, 23. Juni.(Eigenbericht.) Der akademische Senat der Universität, stet» in dar Furcht dar Hakentreuzl«. hatte eine Studentenordnvng eriaffen, wonach die ..Studentennationen" geschaffen und die Alleinherrschaft der größten, nämlich der deutschen, stabilisiert wurde: dabei blieb es aber im Be- lieben der Nazis, w e n sie in„ihre" Nation aufnehmen! Anläßlich«ine« Beleidigungsprozesses hatte nun das Straf- gericht beschlossen, diese Studentenordnung dem Bersäfsung». gerichtshos zor Prüfung vorzulegen. Dieses hächste Gericht hat 3n den ersten beiden Juniwochen hat sich nach dem Bericht der Reichsnnstalk die Entlastung de» Arbeitsmarkles zwar noch fortgefeht, doch hat sich die Bewegung ganz erheblich v erlang s a m i. Gegenüber dem Stichtag vom Zl. Mai sank die Ziffer der bei den Arbeitsämtern gemeldeten Arbeitslosen von 4 053 000 ans rund 4 Millionen Personen. Die Entlastung vom 1. bis 15. Juni stellt sich also auf rund 53 000 Personen. Wenn sich lu der gleichen Zeit die Zahl der hauptuoterstühungsempsäager m der Arbeitslosenversicherung um mehr als 100 000 verringert hat. so beweist die« nur. in welchem Umfang die Aussteuerungen infolge der verschärften Bestimmungen gegenüber der talsächlichen Entlastung des Arbeitsmarktcs überwiegen. Znsgesamt waren Mitte Juni noch 1 476 000 houpwnterstühungsempfänger vorhanden. während Ac ZM dtt Srisenunterflützten 9ZZ OOO betrug. Insgesamt hak sich seit Milte März, ol» der Höhepunkt der winterlichen Arbeitslosigkeit überschritten wurde, die Zahl der Er- werbslosen in Deutschland um fast«ine Million Arbeit«. lose vermindert. Mit einem Stand von 4 Millionen Erwerb». losen zum Beginn de« Sommers bleibt aber die tage auf de« Arbeltsmarkl nach wie vor lrofilo«. wie die folgende Tabelle zeigt, läßt sich aber immerhin erkennen, daß die Entlastung von April bis Milte Juni in diesem Jahr einen ganz anderen Umfang angenommen hat, als in der gleichen Zeit de» Vorjahres! Der Ab- gang auf dem Arbeitsmarkt in Deuffchland betrug: 1931 1930 am 31. Mär,...— 226 000>- 325 C00 „ 30. April....— 360 000— 254 000 . 3l. Mai....— 291 000— 152 000 „ 15. Zunl....— 53000+ 12000 Besonders fällt ins Gewicht, daß nach der Frühjahrsbefferung bereits in der ersten Jünihälfte 1930 wieder ein Steigen der Arbeitslosenflut eintrat. Es war dies die Zeit, wo die Krise in Deutschland mit voller Wucht einsetzte, um dann zum Jahresende ihren Höhepunkt zu erreichen. Es ist kein Zweifel, daß die durch die Notverordnung erzeugte politische Unruhe in Deutsch- land und die durch den Devifenverlust notwendig gewordenen drakonischen Maßnahmen der Reichsbank gefährliche Hemmungen für eine weitere Besserung des Arbeitsmarktes bis zum Spätherbst darstellen. nun die Studentenordnung aufgehoben, zwar geht der Der- fasfungsgerichtshof recht vorsichtig um die Kernfrage herum, daß nämlich die Bevorzugung einer Parteirichtung verfassungswidrig ist. er hebt vielmehr die Verordnung deshalb auf, weil sie — Bereine betreffe, dies aber Sache des Vereinsgesetzes fei und dies wiederum Vundesangelegenheit. Aber die Verordnung wird als gesetzwidrig aufgehoben. Daraufhin stürmten..heute die Nazis in die Hörsäle und prügelten unter wildem Geschrei gegen das höchste Gericht all« hin- au», die ihnen schon deshalb nicht gefallen, weil sie studieren und nicht saufen und raufen. Wie üblich fanden die Krawalle ihre Fort- setzung auf der Straße, wo die blutig geschlagenen Opfer laut protestierten und daffir niedergeknüppelt wurden. Der Rektor hat die Universität schließen müssen und das Gleiche ist auch an ollen anderen Wiener Hochschulen der Fall. Ein Musternazi. Wien. 23. Juni. Bor einigen Wochen war der Nazistudent Weinmann von der Universität durch die Straßen gestreift, um wahllos alle Passanten, die er traf und die er für Juden hielt, zu beißen! Ein „Arier", den er ebenfalls biß, schlug ihn nieder und veranlaßt« seine Festnahme. Während der Verhandlung, die mit seiner Verurteilung zu einer geringfügigen Freiheitsstraf««ndet«, las Weinmann unentwegt den„Völkischen Beobachter". BerfasiungSgericht gegen!Kemarquefilm. Wien, 23. Juni. Die Beschwerde der Universal-Gesellschast gegen das Bundes- tanzlermnt wegen Verbotes des Filmes„Im Westen nichts Neues" ist vom Berfaffungsgerichtshof abgewiesen worden. Allerdings ist nach diesen letzten Wochen der politischen und finanziellen Wirren durch das Programm des Präsidenten Hovver ein Umschwung eingetreten, dessen günstige Folgen auch noch für den Arbeitsmarkt in diesem Jahre wirksam werden können. Sollte Hoooers Plan mit einer völligen Einstellung der Repara- tionszahlungen bis zum 1. Juli 1932 angenommen werden, so wür- den zwar die im Etat hierdurch eingesparten Summen kaum für den Arbeitsmarkt in Betracht kommen, sondern in Reserve gestellt werden. Andererseits aber würde die Reichsbahn, der größte öffentliche Auftroggeber in Deutschland, durch das Moratorium 600 Millionen Mark sparen und hieraus könnten zum min- besten 300 Millionen für Zwecke der Arbeiisbe- sch a ff un g nutzbar gemacht werden. Da außerdem jetzt die Russenaufträge in Höhe von 200 Millionen Mark abge- schloffen sind, ferner in der Notverordnung em zusätzliches Be- schofsungsprogramm der Reichsbahn im Werte von 140 Millionen vorgesehen ist, so liegen hier noch Möglichkeiten vor, um eine baldige Stockung der Enttastunge» auf dem Arbeitsmartt zu verhindern. Oeuisch-rumämscher Handelsvertrag. Baldige Unterzeichnung in Genf. Der deutsch-rumänifche Handelsvertrag, der In Berlin paraphiert worden ist. wird varaussichttich in den nächsten Tagen tu Genf von Ministerialdirektor Posse für Deutschtand und Staatssekretär popescu für Rumänien unterzeichnet werden. wie von zuständiger Stelle mitgeteilt wird, haben sich die Unterhändler streng an die Richtlinien gehalten, die gelegentlich der iulernatianaleu Verhandlungen über die Bevorzugung der südosteuropäischen Slaalen vereinbart worden waren. Es sind A b- schlüge zugestanden worden auf die jeweils geltenden anto- nomen Zölle und zwar für Zuttergerste ein Abschlag von 50 Pro- zent und für Mais unter Aufrechterhaltung des Maismonopots ein Itbschlag von 60 Prozent. Liefeningsverpstichtungen sind nicht über- nommen worden. Man ist sich sowohl in Berlin als auch in Bu- karest bewußt, daß die Zustimmung der Staaten, mit denen Meist- begünstigungsverträge bestehen, nötig ist. Diese Zu- stimmung soll von den seht bereits in Genf vertretenen Staaten. die an den Verhandlungen des Agrarausschuffes teilnehme«, einge- hott werden. Man hofft, daß der Vertrag im herbst in Kraft tritt. Volksbühne wird entschädigt. Oer Beschloß des Llntersvchnngsausschusses. Der Kroll-Unlersuchungsausschuh des preußischen Landtage, hat am Dienstag feine Schlußsitzung abgehalten und da« Ergebnis der Untersuchungen festgestellt. Es wurde ein vom Zentrum und der Staatspartei eingebrachter Antrag angenommen, folgende Fest- fiellungen zur Kenntnis des Landtages zu bringen: 1. Rechtlicher Ursprung und Umfang der staatticheu Verpflichtungen gegenüber der Sroll-Oper ergeben sich aus den vorgelegten Verträgen sowie den dazu getroffenen Abmachungen und dem Schiedsspruch. 2. Die Annahme des Abfindungsvcrtrages mit der Volksbühne vom 11. Dezember 1930 wird empfohlen. Die recht- (ichen Verpflichtungen wären andernfalls von dem nach dem Vertrag vom 30. April 1923 einzusetzenden Schiedsspruch sesizustellen. Eine sichere Aussicht auf eine bessere Entscheidung des Schiedsgerichts besteht nicht. 3. Der Ausschuß kann keine Schädigungen feststellen, für die ein einzelner Beamter verantwortlich zu machen wäre. Dieser Antrag wurde mit 1» Stimmen der Soatitionsparteien gegen 13 Stimmen der übrige» Parteien angenommen. All« anderen AntrSge. die teilweise ein verschulden einzelner Regierung»- stellen feststellen wollten sowie sich gegen eine Entschädigung für die Volksbühne richteten, wurden abgelehnt. Die Pariser Anwattkammer hat ihren neuen Präsidenten ge- wählt. Wie vorauszusehen war. wurde Raymond Poincar« mit großer Mehrheit— 804 von insgesamt 980 abgegebenen Stimmen —, gewählt. Die Tagung der Eisenbahner. Für die einzige Arbeiierpariei, die Gozialdemokraiie. Der Hamburger Derbandstog des Einheitsverbandes der Eisenbahner ist, wie das bisherige Verhandlungsbild er- gidt. getragen von einem starken Gefühl der Zuversicht und Geschlossenheit. Sein Auftakt und die ersten beiden Ver- bandlungstagc verliefen wuchtig und wirkungsvoll. Der Kassenbericht, den der Houplkassiercr H ö l z ck e r er- stattete, bietet im wesentlichen folgende Tatsachen: Im Jahre 1828 betrugen die Einnahmen 6 332 000, die Ausgaben 5 879 716 Mark! das Vermögen belief siel) auf 3 083 297 Mark. Im Jahre 1!>30 betrugen die Einnahmen 8 321 139 Mark, die Aus- gaben 7 1S2 620 Mark. Das Vermögen erhöhte sich auf 5 678 459 Mark. Die Beitragsleistung betrug 1929 pro Kopf 67,30 Mark, 1930= 69,40 Mark. Die Unterst ü tz u n g bei Krankheit steht mit 1 021 339 Mark an erster Stelle. Auch die Eisenbahner hat die Arbeitslosigkeit heimgesucht. So sind im Jahre 1928 rund 191 000, im Jahre 1930 dagegen bereits 613 096 Mark für Arbcilsiosenunler- stütznng ausgegeben worden. Von besonderem Interesse war Hölzckers Schilderung über das Erholungsheim des Verbandes in H a m- mersbach bei Garmisch-Partenkirchen. Im Jahre 1930 haben dort 6420 Personen Erholung gefunden-, davon waren 6818 Mit- glioder. Auch ein« Sch u l e ist dort eingerichtet. Die furchtbare Krise brachte in diesem Jahre einen R ü ck g a n g der Einnahmen. Sie sanken im ersten Quartal im Vergleich zum Vorjahr um 188 000 Mark. Dogegen sind die Zlusgaben um 115 000 Mark im gleichen Zeitraum gestiegen. W i e b e r- Kassel erstattete den Rcvisionsbcricht. � Alle Beschwerden gegen Ausschlüsse wegen Ausstellung auf gegneri- schen Betriebsratswahllistcn sind zurückgewiesen worden.— Wichmann- Berlin gab den Bericht der Schrift- l e i t u n g. Die Gewerkschaftspresse, betonte er, hat nicht nur die Interessen der Organisation, sondern auch die des ADGB. zu ver- treten. Daher wurde eine Verbindung geschossen, die sich gut«in- geführt Hot. Wichmanns Feststellung, daß sich die Verbandszeitung bei de» Rcichslogswahlen für die einzige Arbeiterpartei, die Sozialdemokratie. mit besonderer Energie eingesetzt habe, wurde mit starkem Bei- fall aufgenommen.— Das Andenken des verstorbenen Reichs- tagsabgcordneten Wilhelm Bock wurde vom Vorsitzenden durch ein Wort der Trauer und des Gedenkens gebührend geehrt. Schulz- Berlin beleuchtete die Haltung der Beamten- z e i t u n g des Verbandes. Er bedauerte, daß in anderen Beamten- zeitungen bei der Reichstagswahl keine llarc Stellungnahme für die Interessen der Arbeiter und kleinen Beamten genommen worden sei. Jeder Beamte, der die Zeichen der Zeit verstehe, organisiere sich freigewerkschaftlich. Zur Reparativ nssrage nahm der Vcrbandstag nach einer kurzen Erklärung des Vorsitzenden Scheffel ohne Aussprache einstimmig eine Entschließung an Die Aussprache über den Geschäftsbericht brachte eine Fülle von Anregungen und lehrreichen Stimmungsbildern aus dem Reiche. Feierschichten, Arbeitszeitverkürzung, Werbearbeit, Notoer- ordnung, Zerstörungsarbeit der Kommunisten— das Heer der Sorgen des Verbandes marschierte in der Aussprache auf. Auch Grahmann, der Vorsitzende des ADGB., beteiligte sich an der Debatte. Er gab vor allem einige Aufklärungen zur Not- Verordnung. Dem Kanzler sei ganz unzweideutig erklärt worden, daß die Gewerkschaften diese Notverordnung nicht ertragen können. Allerdings schaffe die schärfst« Verurtellung der Notverordnung das große Defizit im Reichshaushalt nicht aus der Welt. Der Notver- ordnung müßten die Giftzähne ausgebrochen werden und jeder könne und solle nur nach Leistungsfähigkeit beitragen zur Auf- bringung der notwendig'-n Mittel. B r e u n i g vom Verbandsvorstand gab einen kurzen Ueberblick über die letzten Betriebsratswahlen. Das Totalergebnis an den örtlichen Stellen sei günstig: dort, wo die unmittelbare Ver- antwortung zu tragen und Arbeit zu leisten sei, hätten die Maul- Helden von der NGO. versagt. Verbandstag der Maler. Trotz furchtbarer Krise starke Organisation. In Breslau ist der Verband der Maler zu seiner 2 2. Generalversammlung zusammengetreten. Mehr als 100 Delegierte aus ollen Teilen des Reiches haben sich eingefunden. Die Malcr-Internatianalc ist durch ihren Sekretär S t r e i n c und der ADGB. durch dessen Sekretäre Eggert und Sachs vertreten. St rein« teilte in seinem Begriißungswort mit, daß die Internationale erfreuliche Fortschritte habe machen können. Fast alle Länder, in denc» in nennenswertem Ilmfang die Maler sich organisiert hätten, seien jetzt angeschlossen. Gegenwärtig ersolse die Malcr-Internotionolc 241 000 Mitglieder.— Eggert schilderte unter gespannter Aufmerksamkeit des Kongresses den Ernst des augenblicklichen politischen Zustandes. Deutschland sei zu vergleichen mit einem Schiff in höchster Seenot, und zwar in jeder Beziehung: innen, außen, wrrischasts-, finanz- und sozial» politisch. Die deutsche Gewerkschaftsbewegung und ihre politische Vertretung stünden in dieser Situation ohne irgendwelche Hilfe: sie seien auf ihre eigene Kraft angewiesen. Solidarität und Geschlossenheit seien nie nötiger gewesen als jetzt. Der Lcrbandsvorsigende B a tz erstattete den T ä t i g k c i t s» b c r i ch t des Vorstandes. Im Durchschnitt der ersten fünf Monate des lausenden Jahres seien 67,6 Proz. der Mitglieder von Arbeitslosigkeit heimgesucht worden. Leider sei aus baldige Besserung nicht zu hoffen. Die dritte Notverordnung bringe zwar neue Belastungen, aber keine Arbeit. Der Bau- markt bleibe trotz des Mangels au Kleinwohnungen völlig tat. Es gäbe Arbeit in Hülle und Fülle, wenn nur ein Bruchteil dessen an- gestrichen würde, was nach Farbe schreie. Die Versuche, dem Maler- gcwerbe den S a i s o n ch a r a k t e r zu nehmen, würden auch in Zu- tunst mit aller Energie fortgesetzt. Das Lehrlingsübermaß stelle für das Malergewerbe ein böses Uebel dar. Augenblicklich be- trage die Anzahl der Lehrlinge mindestens 63 000. Allmählich dämmere es auch den Unternehmern, daß das Lehrlingsunwesen eine Gefahr bedeutet. Die Werbearbeit unter den Lehrlingen sei sehr schwer. Die Mitgliedschaft Hobe seit Stuttgart wohl um 2000 zu- genommen, die Höchstzahl mit 61 190 vom Jahre 1929 habe infolge der Krise jedoch nicht geholten werden können. Der Verband habe seil 1928 rund 2'A Millionen Mark für soziale llnkerstühungcn ausgezahlt. Trotzdem sei der Vermögensstand durchaus nicht ungünstig. Natür- lich könne mit weiteren Ucberschüsien, an die man seit 1924 gewöhnt sei, angesichts einer Arbeitslosigkeit van.35 Proz. der Mitgliedschait kaum gerechnet werden, zumal auch die Ausgaben für I n v a l i de n- Versicherung wachsen. Die Moskauer Wühlarbeit hob« da und dort«inen Zu- griff notwendig gemacht, so in Saarbrücken, in Essen und Sachsen. Insgesamt seien ungefähr 30 Mitglieder wegen Propaganda für die RGO. aus dem Verband entfernt worden. Der Kossenbestand belief sich, wie aus dem Bericht R i n- g c l s hervorgeht, 1930 aus rund 4222000 Mark, pro Kopf 78,6 0 Mark. An Unterstützungen wurden 1930 pro Mitglied insgesamt 21,20 M. ausgegeben. Die Aussprache über den Geschäftsbericht begann mit einem Aufmorsch der kleinen kommunistischen„Opposition". Sie stieß auf einmütige Ablehnung des Lcrbandstages. Das Echo ihrer Ausführungen war Gelächter, vor allem, als sie die brutale Diktatur der Bolschewistcn als wahre Demokratie bezeichnete! (Gcwcrksrhaftlichcs siehe auch I. Beilage.) — M——»ga— HH—HWMHII.HJMMIIHMMIMBII HiWIIIW»m«Jjmjl.l J Bcranlworiliib für foiitif: Sirtot zchlif: SHrtftfyjft;®. Sninflrtfjöfot; iörwrrllckoftsbrwrmmq: b. Stmer; SeuiDrton: St, Zoha Schikowoki: tofolta im!) co.tftiflcs; jZti)» Aarftödt; Anjcijien: XI». Stockt: sämtlich in Sttli». Strlaa: Votwätts-V-tlao S m d. S.. Berlin. Druck: Porwätts.Vnchdrucktrtt uni» Vtrlagsanftalt Paul Siitoct u. Co.. Berlin SÄ. 08, Lindtnllraät ll Kirr,» Z Btilaatn. 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Erlrat: R.W 9 230 516.97 9 235 5)6,97 Vorstehende Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung haben wir geprüft und mit den Auswelsen derordnungsgemäS geführten Geschäftsbücher in Üeber- einstimmung gefunden. Berlin, den 28. Mai 1931 Deottcfae RevUfoni- and Treahand- AkHengetellscfaaft ger Susat gez ppa. Dr. Richter KLEINE ANZEIGEN mmmmiiiiiiiiiiimimiuiimiiiiiimiiiiiiimmmminiiiiimiiiiiiiiiiimiimiiiimiiiiiiiimmmimiimiiiiiiiimiiimiiim Preise: Uberschpintwert 25 Prennig, Textwert 12 Pfennig Wiodarholungsrobott: 10 mol 5 Proz.. 20 mal od«r 1000 Wort« Abschluß 1 0 Proz., 200O Worte 15 Proz., 4000 Worte 20 Proz. ✓ Stellengesuche: Oberschriftswort 15 Pf., Textwort 10 Pf. ✓ Anzeigen, welche für die nächste Nummer bestimmt sind, müssen bis 41>'3 Uhr nachm. im Verlag, Lindenstr. 3, oder auch in sämtl. Vorwärts-Fitiolen und-Ausgabestellen abgegeben sein Teppichba»« Emil Ecfintc, Berlin, feit 49 Job ren nur Orauien- fttofte 158. 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Juni 4931 Berlin in der Zange Zwangsläufigkeit im Etat Ein lehrreicher Vergleich Erhaltet die Sozialleistangen! Der hanshallsausschuh der Stadlverordneien- versammlurig hat die erste Lesung des Berliner Haushalls- planes beendet. Zlachstehend soll ein Einblick in die schwierige Gestaltung dieses Etats der Tlol gegeben werden. Die nebenstehende Darstellung zeigt die Not des Ber- liner Haushalts 1931, die zugleich die Not aller deutschen Städte ist. Die Bildhastigkeit der Darstellung wird auch dem, der Etatszahlen nicht zu lesen oder zu deuten gewöhnt ist, die inneren Ausammenhänge zwischen Mehrbedarf und not- wendiger Einschränkung vor Augen führen. Verglichen sind das letzte Jahr vor der Wirtschaftskrise <1928/29) und das lausende Haushaltsjahr 1931/32. Um ein- wandfreie Vergleichszahlen zu erhalten, ist der Zuschuß- bedarf(Ausgabe noch Abzug der Einnahme) für die einzelnen Verwaltungszweige im Verhältnis zum gesamten Zuschußbedarf des betr. Jahreshaushalts in Prozenten dar- gestellt. Der Zuschußdedarf betrug 1928 insgesamt S22,8 Millionen, 1931 beträgt er 654,9 Millionen. Dieser Bedarf muhte und muß im wesentlichen durch Steuern, zu einem go- ringen Teile durch Ueberschüsse der gewinnbringenden Betriebe gedeckt werden(für 1931 sind 92 Millionen ungedeckt). Mau erkennt ohne weiteres die enorme Steigerung des Anteils der wohlfahrtslaften(von 37,2 auf S3L Pro;.) am gesamten Bedarf des Haushalls und der Schuldentilgung <3,8 auf 6,4). Diese Steigerung ist durch eine Steigerung der Ausgaben hervorgerufen, wie man aus der kleinen Hilfsdar- stellung ersieht, die die reinen Ausgaben für die beiden Etatsjahre 5l(eacrl< vM5r�/ jur BERUNEÖ HAUSHALT 4928u(allkommando geholt werden. Schließlich bekam er die Hauptrolle in einem Film, reiste in verschiedene Städte Deutschlands, um durch Fassadenklettcreicn das Publikum zu dem Film anzureizen, und lernte so in B r e m e n die Schauspielerin Fräulein K. kennen. Er brachte ihr seine Kunst bei, schrieb auch einen Film für sie und für sich, er erhielt ein Engagement bei S a r r a s a n i, verdiente viel Geld, führte ein sorgenfreies Leben, bereiste Afrika, die Schweiz, Italien, Frankreich. In Paris wurde er von der Firma Pathe für einen t«sonderen Trick engagiert, er sollte auf einem Fahrrad van einer Höh« von 24 Metern in ein Bassin hinuntersausen. In Paris taufte ,r auch Chloroform, das ihm später zum Berhängni? werden sollt«. Er brauchte es, wie er sagte, um für den Fall, daß die waghalsige Nummer mißlingen sollte, an Ort und Stelle von Aerzten eperiert werden zu können. Die Nummer wurde von der Polizei per- boten. Torge schwankt«, ob er nach Amerika gehen, oder nach Berlin zurückkehren solle. Sein« Freundin Fräulein K. war unterdes Miß Berlin geworden und sollte als Miß Germania gewählt werden. Sie wollte, daß er nach Deutschland zurückkehre. Torge traf in Berlin ohne einen Pfennig Geld ein, er hatte alles in Monte Carlo v e r- spielt. Aufträge blieben in der ersten Zeit aus. Er arbeitete an einem Tonfilm im Auftrage von Paramouth. Ein Derttag M>t Sarrasani stand bevor. Die Wirtin drängt« ober auf Mietzahlung. Am 23. April um 6 Uhr nachmittags mußten Torge und Miß Berlin die Wohnung räumen. Zwischen beiden hatte es am Bormittäg heftige Szenen gegeben. Sie wollte von ihm gehen. Beide hatten den ganzen Tag nichts gegessen. Bon den Ausregungen des Bormiüags und den Streitigkeiten der Wirtin erschöpft, saßen sie gegen 8 Uhr im Cafe in Erwartung eines Bekannten, bei dem sie zu übernachten hofften. Ihre Sachen hatten sie auf dem Bahnhof untergebracht. Torge verließ seine Freundin, angeblich um Geld zu holen, klopfte einige Minuten beim Juwelier, Knesebeckstr. 10. um einen reparierten Wecker abzuholen. Als der Urmacher damit beschäftigt war, die Uhr herauszusuchen, trat Torge plötzlich an ihn mit einem chloroformgetränkten Schwamm heran, den er ihm fest ins Gesicht drückte. Der Uhrmacher rief um Hilfe und der Räuber wurde verhaftet. Heute erklärte der kühne Kletterer, daß die Absicht, den Ueberfall zu begehen, ihm erst plötzlich im Juwelierladen gekommen sei. Seine Freundin kann sich sein Vorgehen nicht erklären. Der Staatsanwalt beantragte gegen den Angeklagten neun Monate Gefängnis. Das Gericht verurteilte den Angeklagten der Anklage des Staatsanwalts gemäß zu neun Monaten Gesängiris unter Änrech- nung der Untersuchungshaft. 106. Abteilung. Unserem treuen Kampfgenossen Wilhelm Krüger zum 65. Geburtstag herzliche Glückwünsche. Cin Anzug zu verschenken! Alte Männer werden schändlich betrogen. Einem mit recht schäbigen und hinterhältigen Tricks arbeitender Gauner, der sich nur an hochbetagte, körperlich schwache Männer heranmacht, ist die Polizei auf die Spur gekommen. Seit 1929 treibt er bereits fein Unwesen, ohne daß es gelang, seiner habhast zu werden. Etwa 80 bis 90 Diebstähle fallen ihm zur Last. Sein Trick ist folgender: Auf der Straße oder in einem Park spricht er alle Männer an und erzählt ihnen, daß er Geselle bei einem Schneidermeister sei, der einen Anzug oder einen Mantel zu verschenken habe. Der Greis sei gerade der passende Empfänger für diese Kleidungsstücke. Die allen Leute sind nun erfreut über die Güte und folgen dem jungen Manne, der sie in irgendein Haus verschleppt. Seine Mutter oder der Schneider, so sagt er nun. wohne im 4. Stock. Die Geber seien aber so komische Leute, sie würden sich sicherlich die Uhr oder das Portemonnaie zeigen lassen, weil sie die Sachen nur an wirtlich Bedürftige abgeben wollen. Wenn er irgendwelche Wertsachen bei sich hätte, würde er die Kleidungsstücke bestimmt nicht bekommen. Die alten Leute sind natürlich darüber sehr er- schrocken. Der junA».Mann-.chi«tet sich- dann»n, d ie U hr und das Geld solange s'e l b st zu o er w achr«n. Er würde ihm die Sachen nachher heimlich wieder zustecken. Im Hausflur geben die alten Leute meistens ihre geringen Wertsachen dem Gauner in die Hände. Diesem fällt dann«in, daß er schnell noch etwas besorgen müsse und verschwindet. Während der Greis nun im 4. Stock nach dem Geber sucht, ist der Bursche über alle Berge. Am Dienstag hatte der Dieb einen alten Mann in ein Haus nach der Ritterstraße verschleppt. Dem alten Mann müssen aber Bedenken aufgestiegen sein, denn er wollte seine silbern« Uhr und seine Geldbörse mit 10 Mark Inhalt von dem jungen Manne wieder zurück haben. Daraus boxte der Gauner den alten Mann zu Boden und lieh ihn hilflos liegen. Aus Nase und Mund blutend wurde er aufgefunden. Der Strolch war ober bereit» wieder ent« kommen. Personen, die irgendwelche Mitteilungen machen können, werden gebeten, sich bei Kommissar Stiller im Zimmer 4 im Polizei- Präsidium zu melden. Äerlinep Schuhmacher feiern. Vor 700 Jahren ist in Berlin die Schuhmacher-Innung gegründet worden. Die Innungseschichte der Berliner Schuhmacher hat viele bewegte Zeiten zu schildern: die jüngste Gegenwart kann dafür Zeugnis geben. Wie Obermeister Hübner bei einer Feier im„Saalbau Frtedrichshain" ausführte, haben auch die 3000 Mit- glieder der Innung in dieser Zeit schwer zu kämpfen. Geschäfts- schädigend wirkt besonders das Schleudern der Fabriken mit billigen Schuhwaren. Diese billigen Schuhe lohnen eine Reparatur nicht, man wirst sie einfach weg und kaust neue. Trotz der schlechten Zellen Halle es sich die Innung nicht nehmen lassen, wieder wie in den vorausgegangenen Iahren ihren ältesten Mitgliedern ein Ehren- essen zu verabfolgen. Man sah in dieser Reihe ehrwürdige Meister von 90 Iahren, von denen einige ihr Gewerbe noch ausüben. Das schöne Sommerfest wurde verschönt durch die vorzüglichen Vorträge des Gesangvereins der Berliner Schuhmacher und durch eine reich- haltig« Bühnenschau. Zu erwähnen ist noch, daß der hoffentlich nicht unbeträchtliche Uebcrschuß au, der Veranstaltung dem Unter- stützungsfonds der Innung zufließt. i Kasperle auf der Aauausstellung. Im Haus„Ring der Frauen" auf der B a u a u s st e l- lung war kürzlich reges Leben: Spiellog für Klein und Groß. Lehrkräfte und Schülerinnen des Berliner Fröbel-Vereins, des Pestalozzi-Fröbelhauses und des Vereins Jugendheim beschäftigten sich mit den Kindern, die Großen schauten zu: Gewisiermaßen eine öffentliche Unterrichtsstunde in der Spielschule. Die Kinder klebten und bastelten, fertigten Papiermützen unter sachverständiger Leitung an: die kleinen und die großen Mädchen machten Kreisspiele und vor dem Kosperletheater fanden sich alle, klein und groß, zu gemein- samer Freude zusammen. Die lustigen Streiche Kasperles bildeten auch für viele kinderlose Erwachsene«inen Anziehungspunkt, so daß oft mehr Erwachsene als Kinder da waren. Und die Kinder selbst nutzten den Spieltag richtig aus, manche waren von Beginn an bis zum Schluß da: sie werden ihr Eintrittsgeld wohl„abgespielt" haben._ Genosse Julius vicweg. Neukölln, Zietensir. 71, begeht heute seinen 75. Geburtstag. Seit 1893 ist Genosse Vieweg treues Mitglied unserer Partei und Leser der Parteipresse. Unter dem Sozialistengesetz wurde er ausgewiesen und mußte sich in Magdeburg eine neue Existenz gründen."Bis in die letzte Zeit hinein hat der Geiwsie Vieweg noch Funktionen in der Partei bekleidet. Wir wünschen dem Jubilar einen beschaulichen Lebensabende Die Vorfälle in Gütergotz. Die Vorfälle von Scheuen haben dem Magistrat Veranlassung gegeben, die Zustände in Sen städtischen Erziehungsanstalten einer genauen Nachprüfung zu unterziehen und allen lautgewordenen Vor- würfen nachzugehen. Gewisse Vorgänge in der Berliner Erziehungsanstalt Güter- gotz bei Stahnsdorf haben weiter dazu geführt,«aß der Magistrat den sozisldcmokrotischen Direktor B r i tz k a w mit einer durchgreifen- den Untersuchung»er Borfälle beauftragt hat. Vor etwa dreioicrtel Jahren waren gegen die Erzieher Stein und Mein schwer« Vor- würfe erhoben, daß die Zöglinge mißhandelt und sich an Jugend- lichen vergangen hätten. Schon damals hotte d«r Magistrat durch- gegriffen und die beiden Erzieher von der Anstalt»mfernt. In- zwischen hat die Staatsanwalljchaft in Potsdam gegen den Erzieher Stein, der besonders belastet ist, ein Verfahren wegen Mißbrauch der Amtsgewalt, Mißhandlung und Verbrechen bzw. Vergehen aus §§ 174 und 175 des Strafgesetzbuchs eingeleitet. Der Leiter der An- stall, Direktor B u k o w s k l. hat sich wegen eines Nervenzusammen- bruchs beurlauben lassen. Auch gegen seine Ausführungen sind Be- schuldigungen laut geworden. Auch das ist Gegenstand der mtt aller Energie in die Wege geleiteten Untersuchung. Allgemeine Wetterlage. 23.tJvm 4931 abds. 0 w»lk«nlos,0 heiter, 3 halb bedsekr 3v«lkig,#bedeoki;»Res#rvAGraup»lit ,£Heb«l,H6»wtty(§)Winchtilte Im Rücken der kühlen Luft, die In der Nacht zu Dienstag das nördliche und östliche Deutschland überflutet hat, ist das Barometer gestiegen. Es hat sich infolgedessen im Bereich der Ostseetüste ein flaches Hoch ausgebildet. Lustdruckfall über Frankreich und dem südlichen Mitteleuropa hat dort ein Tiesdruckgebict erzeugt. Diese Lustdruckoerteilung bedingt in Deutschland eine nordöstliche Luftströmung. Da sich da» kräftige Ties, dessen Kern über Finnland liegt, jetzt ausfüllt und dabei von uns entfernt, dürfte die Luft- zufuhr aus Osten zunächst anhalten. Das südliche flache Tief wird sich allmöhlich nordwärts ausbreiten. * Aietlerousfichten für Berlin: Heiter und am Tage wieder wärmer, schwache nordöstliche bis östliche Wind«.— Für Deutsch- laud: Im Norden und Osten heller, tagsüber wärmer, im Westen wolkig, im Süden Gewiuerneigung und etwas kühler. s>» wich sie»lrh«ft lx-rbkit-i! 3n h« ,w. Toilrag: ,. Bürgerlicher Sport und Rrdeiterlport". Bescrent: M. Richter,— Reinickendorf! Jugendheim Lindaucr Clraßc 3 iBaracke). Vortrag: Zugend und Gewertschast". Re feieret: Weißstock.— Stralau; Zugendheim der Schule Goßlerstr. 61. Bor trag:„Wtnsch und Maschine". Refcrent: Aieyer.— vberspree: Schule in Ricderschöneweid«, Berliner Str. 31. Eingang Hasselwerderstroße. Ansspracheadend.— ftipcnitf; Zugendhelm Dahl» wißer Str. 13 foiaoanslalt am Bok»ln>f ttitpenick,. Leseadend.— ReutSllu: Zu- gendheim Böhmische Str. l— 4. Ecke Kanner Straße. Vortrag:„D>« Jugend zu meiner Zeit". Referent: Dr. Sckstitte.— Südost! Zugendheim Wrangelstr. 138. Bunter Abend.— Schöacberg! Zugendheim Houptstr. 16 fHofgebäud«, Eachsc»» zimmer,. Vortrag:..Dittaturen drr Gegenwart". Referent: Rachow.— ckhor- lottenbvrg: Jugend heim Spielhaaenstr. 4. Bunter Adend.— Spaudau: Zugend. heim Lindenufer l. Heiterer Adend. Leiterin: Hall.-- Potodam-Rowawe«: Zngrndhcrberge Zlomames, Priesterstraße. Spiele und Sport.— Sportahtetlurq: Hebung oabend A Uhr in der stclddische» Turnhalle Prinjenstraße.— Spstig im?r»Ien ah 1» Uhr auf dem Sportploh Friedrichohain. Aus der Partei. Unsere Toten. Der Parteiveriag in Bielefeld ist von zwei herben Ver- lusten betroffen worden. Am Sonnabend, dem 20. Juni 1931, nachmittags S Uhr, verschied der Genosse Albin Schädlich, der 23 Jahre als Redakteur am Bielefelder Parteiblatt tätig war. Ihm folgte am Sonntag, dem 21. Juni 1931, morgens 2 Uhr, der Genosse Albert Siggelkow, der 37 Jahr« in der Viele- scldcr Vvlkswacht, davon 20 Jahre als Geschäftsführer, wirkte. Auf der Insel Reichenau bei Konstanz ist ein Veteran der Partei gestorben: der Tischlermeister 5)«nnann G r i e s e r, der ein Alter von 79 Jahren erreichte. Er hatte sich besonders während des Sozialistengesetzes um die junge Bewegung verdient gemacht, indem er der„roten'Feldpost" aufs Gewissenhafteste dabei half, die ver- boten«» Schriften, vor allem die Wochenschrift„Der Sozialdemo- trat", sicher aus der Schweiz nach Deutschland und dann weiter ins Land zu befördern. Zahlreiche Hau-sfuchungen mußte er über sich ergehen lassen, mehvsach wurde er auch in Untersuchungshaft ge- nommen, ober man konnte ihm dach nichts nachweisen. Im vorige» Jahre nohni Grieser an der Seite von lbduart» Bernstein noch Teil an der großen Demonstration in Konstaizz, als die Mitglieder der Internationale von der Fünfzigjahrfeier auf Schloß Wqden zurück- kehrten. Die Deutsche Lusthansa A.-G. Zum Geschästsberichi für �930.- Wohlbekommener Gubveniionsschmit. Die Deutsche Lufchansa A.-G. war jahrelang ein Sorgenkind der Luftfahrtpolitit und des Reichshaushalts. Seit 1929 hat man der Lufthansa die Subventionen be- schnitten und merkwürdig, es geht ihr seitdem b e s e r, und die Oeffentlichkeit ist mit ihr mehr zusrieden. Die Lockspeis« der hohen Subventionen, die einstmals das Privatkapital unter der Führung des wirtschaftspartcilichen Reichstogsabgeardneten und Junkers- Direktors Sachsenberg zu einer scharfen Privatisicrungskampagne gegen die Lufthansa geführt hat, ist seit der Kürzung auch nicht mehr ganz so reizvoll, und auch von dieser Seite hatte die Lust- Hansa A.-G. erfreulicherweise etwas mehr Ruhe. Der Ge s ch ö s t s- bericht für 1930 zeigt an vielen Stellen des ziemlich ausführ- lichen Zahlenwcrkes, die von der Lufthansa-Direktion gegebenen weitreichenden Ausklärungen beweisen es an anderen Stellen, wie sehr die Kürzung der Subventionen bei einer entschlossenen und vor- sichtigen Geschäftsleitung die Wirtschaftlichkeit zu heben und sogar den Nutzeffekt im Luftverkehr zu steigern vermag— unvermeidliche Krisenwirkungen sind natürlich zu berücksichtigen. Gegen 1929 sind die Gesamlbeihilfen zurückgegangen von 22.45 auf 17.84 Millionen Mark. Vom Reich wurden nur 13,3 Millionen oder um 19,8 Proz. weniger, von den Ländern und Städten nur 4,5 Millionen oder 24,9 Proz. weniger Bechilsen geleistet. Obwohl die Wirt- schaftskrise auch bei der Lufthansa den Verkehr hemmen mußte, sind denn doch die Eigeneinnahmen von 9,46 auf 10,86 Millionen Mark g e st i e g e n, wobei die unmittelbar von der Wirtschafts- läge abhängenden Flugerträgnisse noch von 6,67 auf 6,61 Millionen zurückgegangen sind. Der Gesamtaufwand ist von 31,90 auf 28,69 Millionen Mark gesunken. Im einzelnen betrugen: Eigeneinnahmen Aufwand(Million. Mark) 1929 1930 1929 1930 lugerträge.... 6,67 6.61 Betriebskosten 23,33 21,83 onllige Erlöse.. 1,60 2,02 chandlungsunk. 2,02 1,62 Mat Berk u.Chart.Vertr. 1,19 2,22 Abschreibungen 6,53 5,22 Der Anteil der Beihilfen an den Gesamteinnahmen (Eigeneinnahmen plus Subventionen) ist von 70,35 auf 62,16 Proz. gesenkt worden, pro geflogener KUometer von 2,40 auf 1,87 Mark. Die Betriebskosten pro Kilometer sind von 2,49 auf 2,29 Mark, die Handlungsuntosten von 22 auf 17 Pf. ver- ringert worden, obwohl die Abschreibungen je Kilometer nur von 70 auf 55 Pf. sanken. Der Anteil der Eigeneinnahmen je KUometer konnte von 1,01 auf 1,14 M. oder um rund 14 Proz. erhöht werden. Gleichzeitig stiegen die Fluglcistung und die Leistungsbereitschaft nicht unerheblich. Die Erwerbsflüge lagen 1930 um 1,9 Proz. höher als 1929. Die angebotenen Beförderungsmöglichkeiten in Nutzlast- kilometern lagen aber um etwa 20 Proz. höher, da nian die Großflugzeuge um 12,5 und die mittleren Flugzeuge um 4,9 Proz. vermehrte, die kleinen Maschinen aber um 9,4 Proz. verringerte. Dabei wurde, das war allerdings die bedauerlichst« Folge der Sub- ventionstürzung, das Personal von insgesamt 2157 auf 1871 Personen verringert(gewerbliches von 1177 aus 988, fliegendes von 252 auf 248, Angestellte von 718 auf 629, oberste Leitung von 10 auf 6). Es wurden 15 Flugzeuge und 30 Motoren neu in Dienst "gestellt und 31 Flugzeuge und 126 Motoren ausgeschieden und zum '�bo�en- Teil verschrottet. Die Verkehrsleistungen— Europa und Atlantik. Im Europa-Dienft wurde der Rückgang des ge- mischten Personen- und Frachtverkehrs von 8,23 auf 7,82 Millionen Kilometer durch die Steigerung des Post- und Fracht- sonderverkehrs von 0,75 auf 1,24 Millionen Kilometer e r t r a g s- Das amerikanische Interesse. Amerika hat 6 Milliarden Mark in Deutschland angelegt und rund SV Milliarden in Europa. Die unmittelbare Folge des Hooverschcn Vorschlags, die Schuldenzahlungen an Amerika und die deutschen Reparations- leistungcn um ein Jahr zu unterbrechen, war eine beispiellose Auf- wärtsbcwegung an sämtlichen Weltbörsen. Deutsche Werte stiegen überall sehr stark: ein Zeichen, daß die ausländischen Kapitalisten wieder an die Gesundungssähigkeit der deutschen Wirtschaft glaubt. Wäre nach den amerikanischen Befürchtungen die deutsche Währung erschüttert worden, so wäre Amerika von allen ausländischen Gläubigern der Hauptleidtragende gewesen. Die Amerikaner haben in den sieben Jahren von 1924 bis 1930 in Deutschland nicht weniger als 6 Milliarden Mark an- gelegt und zwar für 5,11 Milliarden langfristige An- leihen und für 907 Millionen Mark Beteili- gungen und Bctriebsgründungen. Von den Anleihen mag inzwischen ein kleiner Teil wieder zurückgezahlt worden sein: dafür sind jedoch in den nachfolgend angeführten Zahlen die Milliarden kurzfristiger Ausleihungen der Amerikaner an die deutsche Wirtschast nicht miteinbegriffen. Deutsche Ausländsanleihen Außer den langfristigen Darlehen haben die Amerikaner außer- halb der Grenzen ihres Landes etwa 7,5 Milliarden Dollar in Forin von Tochtergesellschaften, industriellen Unternehmungen, Vertriebs- organifationen usw. angelegt. Von dieser Summe entfallen nach edier amerikanischen Schätzung etwa 217 Millionen Dollar, also über 900 Millionen Mark, auf Deutschland. Die Amerikaner würden somit, wenn sie die Dinge sich weiter hätten entwickeln lassen, gegebenenfalls inehr als 6 Milliarden Mark im Feiler gehabt haben. Sie hätten wahrscheinlich noch mehr riskiert, denn ein Zusammenbruch der Wirtschaft und der Währung in Deutschland mußte eine allgemeine europäische Wirtschaftskatastrophe nach sich ziehen. Die Gesamtsumme, die Amerika an Europa borgte, besteht aus 4.5 Milliarden Dollar in Form langfristiger Anleihen, in 6 Milliarden Dollar in Form von Staats- und Kriegsanleihen und mäßig mehr als ausgeglichen. Die Zahl der Flug- gäste ging von 87019 auf 76894, die der Fluggastkilometcr nur von 21,49 auf 20,38 Millionen zurück. Zeitungstransport(0,38 statt 0,29 Millionen Kilometer) und Betriebsilüge(0,54 statt 0,43 Mil- lioncn Kilometer) eingerechnet ergibt sich eine G e s a m t s l u g- l e i st u n g im Europadienst von 9,99 gegen 9,71 Millionen Kilo- mcter im Vorjahr. Die Zahl der N a ch t f l ü g c stieg um 72 Proz. von 1172 auf 2014, von insgesamt 61 799 Flügen. Der Fluganteil der Groß- und Mittclflugzeuge erhöhte sich von 60,3 auf 64,3 Proz., die Zahl der angeflogenen Inlandhäfen ging von 64 auf 51 zurück, die Zahl der angeflogenen Aus- landshäfen stieg von 19 auf 27. Die S t r e ck e n a n z a h l im Europadienst wurde von 72 auf 65 verringert, gleichzeitig wurde die Netzlänge von 32 313 auf 34 741 Kilometer ver- g r ö ß e r t. Die unrentableren Streckenlängen unter 300 Kilometer wurden von 47,1 aus 40,0 Proz., die rentableren über 300 Kilometer von 52,9 auf 60,0 Proz. vermehrt. Im europäischen Ausland konnten 526 Kilometer neu mit Nachtbefeuerung beflogen werden, im Inland vermehrte sich das Nachtbefeuerungsnetz von 981 auf 1396 Kilometer. Im außereuropäischen Dienst— Süd- und Nordatlantik— stieg die Kilometerleistung von 654 709 auf 951 525, die Zahl der angeflogenen Häfen von 27 auf 34. Die neuen Kata- pultstarts wurden 8 auf 24, die 48 Stunden Zeitgewinn bringenden Postzubringerslüge von 6 aus 32 erhöht. Neu waren 1930 insbesondere die noch nach Rom zu ver- längernde Alpenstrecke München— Mailand und der Post- dienst nach Konstantinopel. Utas zu sagen bleibt. Fast auf sämtlichen Gebieten scheint nach der vorgenommenen Beihilsentürzung durch die folgenden Umstellungen eine Steigerung der Leistung und der Wirtschaftlichkeit zugleich angestrebt und viel- fach auch erreicht worden zu sein. Am deutlichsten kommt das in der schon genannten Tatsache zum Ausdruck, daß gegen das Vor- jähr nicht mehr rund 70, sondern nur noch rund 62 Proz. sämt- licher Kosten durch Beihllsen gedeckt werden mußten. Diese Ziffer ist immer noch enorm; ober die Lusthansa hat 1930 den Beweis erbracht, daß tatsächlich bei wesentlich verbesserter Leistung wesentlich billiger gewirtschastet wer- den kann. Es hat sich auch gezeigt, daß höchstens dazu mehr kaufmännische und technische Bewegungsfreiheit, nicht aber eine Privatisierung notwendig ist, wie es von den Privatisicrungsfreunden immer behauptet wurde. Das wird sich die politische Oeffentlichkeit Deutschlands für die zukünftige Luft- fahrtpolitik merken müssen. Wir sind auch der Ueberzeugung, daß die Wirtschaftlichkeit noch weiter gesteigert werden kann. Die F r e i f l ü g e. die einen erschreckend hohen Anteil an der Gesamtleistung haben, und die früher als Werbefliige vielleicht sinnvoll gewesen sind, können gewaltig eingeschränkt werden. Ihr Anteil an den Gesamtkosten sollte zukünftig gesondert ausgewiesen werden. Ebenso kann wahrscheinlich auch gegenüber der Flugzeug- industri.e ohne Leistungseinschränkung noch gespart werden: die Austräge ssir dle iZkugzeugindustrke wären 1930- mit 8,60 Millionen Mark fast verdreifacht. Für die arbeitenden Massen Deutschlands ist einmal fliegen können ein immer noch unerfüllter und nicht erfüll- barer Traum, weil das Fliegen zu teuer ist. Dieser Traum kann und muß der Erfüllung näher gebracht werden. Auch zu diesem Zweck muß die innere Wirtschaftlichkeit der Deutschen Lusthansa A.-G. weiter erhöht werden. in 1,33 Milliarden Dollar in Form von unmittelbaren Kapital- beteiligungcn. Das sind zusammen etwa 50 Milliarden Mark. Exporthandel in Aöien. Zum Zusammenbruch des größten Hamburger Exporthauses. Die Lage des deutschen Exporthandels hat sich seit einiger Zeit stark verschlechtert. Hauptgrund dafür ist natürlich die Welt- Wirtschaftskrise, die den Exporthandel direkt mit oller Schärf« trifft. Der Zusammenbruch der R o h st o f f p r e i s e Hot die Kauf- traft aller Ucbersceländer vermindert; für das große Gebiet Ost- a s i e n s kam im besonderen der Sturz des S i l b e r p r e i s« s, des � Währungsmetalls dieser Länder, erschwerend dazu. Aber das ist es nicht allein, was den Handel nach Ueberfee in Schwierigkeiten bringt: die deutsche I n d u st r i e geht mehr und mehr, gerade unter dem Druck der Krise, dazu über, im Export den Handel a u s z u- schalten und das Ausland durch eigene Filialen zu beliefern. So ist man in der M a s ch i n e n i n d u st r i c damit beschäftigt, durch „Gemeinschaftsarbeit", durch gemeinsamen Verkauf von Er- Zeugnissen konkurrierender Gesellschaften das Ausfuhrgeschäft zu be- leben. Bei dem Zusammenbruch der größten Hamburger Exportfirma, S ch l u b a ch, T h i e m« r u. Co., ist noch ein drittes von maß- geblicher Bedeutung gewesen: das war der Ehrgeiz, den Macht- bereich des Unternehme«?» über die Handelsregion hinaus auszu- dehnen und auf die P r o d u k t i o n, wenigstens in Ueberfee, Einfluß zu gewinnen. So waren zwei deutsche und fünf ausländische Unter- nehinen direkt, eine ganze Reihe weiterer indirekt von Schlubach, Thiemer u. Co. abhängig. Die Interessen dieser Firma lagen fast ausschließlich in Mittel- und Südamerika. Als nun die Rohstoffpreis« zusammenbrachen, wurde Schlubach, Thiemer u. Eo. davon doppelt betroffen: ihre Schuldner wurden vielfach zahlungsunfähig, und die P r o d u t t e der Tochtergesellschaften waren nur mit großen Verlusten abzusetzen. Zur Einleitung des Vergleichsverfahrens ist jetzt von der Deutschen Waren-Treuhand-A.-G., Hainburg, ein S t a t u s aufgestellt worden, der bestätigt, daß der Zusammenbruch dieser Firma durch den übergroßen Konzernausbau verursacht«vurde. Auf die Forderungen aus Beteiligungen mußten Ab- fchreibungen in Höhe von 95 Proz. vorgenommen werden; von 1,07 Millionen Mark hofft man vielleicht 50000 Mark hereinzubekonunen. Auf Guthaben bei Tochterfirmen wurden 75 bis 95 Proz. abgeschrieben, aus Exportwaren, die in Südamerika lagern, 75 Proz. So ermäßigen sich also die Aktiven, die mit 11,6 Millionen Mark zu Buch standen, auf 4,5 Millionen Mark. Denen stehen Schulden in Höhe von 11,1 Millionen Mark gegen- über(nach Abrechnung von gedeckten 2 Millionen Mark). Di« Lzauptforderung gegen Schlubach. Thiemer u. Co. steht dem« Londoner Bankhaus I. Henry Schröder zu; auch sonst find aus- l ä n d i s ch e Banken stark beteiligt. Verwandte der Geschäftsinhaber haben 1,2 Millionen Mark zu fordern. Bei ruhiger Abwicklung dürfen die Gläubiger also damit rechnen. mit60 Proz. Verlust davonzukommen. Kreuger und I.P.Morgan. Oer erste Kontalt der beiden Weltfinonzgrvppen. Die Interessengemeinschaft Ericsson- International Tele- phone and Telegraph Corporation, über die wir berichteten, ist, wie sich jetzt herausstellt, tatsächlich außerordentlich eng. I v a r Kreuger, der Beherrscher des Zündholztnrstes, des Kreuger- und Toll-Konzerns und ebenso der Ericsson-Gesellschaft, wird in den Bcrwalwngsrot der ITT. eintreten, obeisso Fredcric W. Allen, der Chef des amerikanischen Bankhauses Lee. Rigginson u. Co., das stets init den Kreuger-Gesellschaften eng zusammeirzearbeitet hat. Andererseits wird die ITT. zwei ihrer führenden Männer, u. a. ihren Präsidenten S. B e h n, in den Aufsichtsrat der Ericsson- Gesellschaft entsenden. Dieser Aufsichtsratstausch ist nicht nur für die enge Zusammen- arbeit der beiden Schwachstrom- und Nachrichten-Konzern« von Be- deutung: man kann hierin den ersten unmittelbaren Kontakt zwischen den beiden W e l tf i n a n z g r u p p e n Kreuger und I. P. Morgan sehen. Hinter dem ITT.- Konzern stehen nämlich als Hauptsinanzkräfte von ihrer Gründung an die National City Baick und I. P. Morgan. Kreuger und Morgan haben beide fast ausschließlich solche Anleihen ausgegeben, bei denen Regierungen Schuldner sind. Sollt« die Her- stellung einer engen Verbindung zwischen der Kreuger-Ericsson- Gruppe und dein ITT.-Konzcrn zu einer engeren und dauernden Verbindung des Hauses I. P. Morgan mit Jvar Kreuger führen, so wäre das finanzpolitisch ein Ereignis von ganz außerordentlicher Tragweite. Im übrigen nimmt die Isolierung des Siemens- Konzerns, die durch das Erndringen der ITT.-Grupp« in di« deutsch« schroachstromtechnische Fabrikation eingeleitet wurde, durch die Ericsson-lransaktion ihren Fortgang. Zweifellos scheint die Entwicklung zur Bildung einer umfassenden internatio- nalen Gruppe zu führen, deren Ziel es ist, eine unangefochten« Monopol stellung sowohl aus dem Gebiet des gesamten elek- irischen Nachrichtenwesens als auch der Fabrikation, di« zur Ausrüstung der Nachrichtenorganijationen notwendig ist, zu erlangen. In dieser Situation fällt dem Siemen s-Konz«rn, der in Deutschland in der Belieferung der R e i ch s p o st«ine monopolähnliche Position einnimmt, auf den übrigen Märkten die Roll« des machtvollsten Außenseiters und Monopolbekämpfers zu. Es bleibt abzuioarten, ob und wie lange der Siemens-Konzern in der Lage und willens ist, gegen di« von den einflußreichsten Finanz- krösten der Welt unterstützten Nachrichten- und Schwachstrom- Gruppe Widerstand zu leisten. Glänzendes Attumulatorengeschäfi. Höhere Gewinne- höhere Dividende. Die Accumulatoren-Fabrik A.-G., Berlin, deren Kapital von 20 Millionen Mark sich zu 75 Prozent in Hände«« des Fabrikanten Günther Quandt befindet, konnte ihre Gewi>«ne im Krisenjahr 1930 gegen sniher noch steigern. Obwohl der Umsatz zurückgegangen ist, so daß Arbeiter entlassen werden mußten und Kurzarbeit eingeführt«vurde, konnte der B.r u t t o- U e b e r- schuh von 3,2 Millionen auf 3,6 Millionen Mark gesteigert wenden. Die Abschreibungen wurden etwas, von 1.3 Millionen auf 1,2 Millionen Mark ermäßigt. Der Reingewinn wird mit 2,3 Millionen Mark ausgewiesen: im Borjahr betrug er 3,9 Millionen Mark, bei Abrechnung einer ausgelosten Reserve von 1,5 Millionen Mark 2,4 Millionen Mark. Dieses überraschend günstige Ergebnis wird von der Ber- waltung zum Teil aus di« vorsichtige Bilanzierung der früheren Jahre zurückgeführt. Wie groß müssen wohl die früher geschossenen Reserven sein, wenn man sie aus- gerechnet im schlimm st en Krisenjahr als Gewinn ausschüttet! Jedenfalls erhalten die glücklichen Aktionär« in diesem Jahre 12 Prozent Dividend«, d. h. gerade 50 Prozent mehr als im Vorjahr(8 Prozent: dazu wurden im Vorjahr einmalig 10 Prozent„Boims" sür Auflösung einer offenen Reserve gegeben). In vielen europäischen Ländern werden die Erzeugnisse des Unternehmens(elektrische Batterien aller Art) von Tochtergesellschaften hergestellt, deren Kapital meistens zu 1 00 Prozent im Besitz der Accumulatoren-Fabrik ist— so spart man Steuern und Zölle! Belebung In der Uhrenindustrie. Nach den Feststellungen des Instituts für K o n j u n k t u r f o r s ch u» g ist die Beschäftigung der deutschen Uhrenindustri« seit Januar dauernd gestiegen. Setzt man den Be'chästigungsdurchschnill des Jahres 1928 gleich 100, io war die Beschäftigung im�Ianuar 1931 aus 39 zurückgegangen: bis April wurde aber eine Steigerung auf 56 festgestellt. Allerdings war die Beschäftigung im April 1930 mit 72 bedeutend höher. Die Ausfuhr ist für die deutsche Uhrenindustri« von besonderer Wich- tigteit, macht sie doch 50 bis 60 Proz. der Gesamtproduktion aus. In den Monaten Januar bis April wurden Uhren im Gesamtwert von 13,9 Mill. M. ausgeführt, gegenüber einer Aussuhr von 17 Mill. Mark in der gleichen Zeit des Vorjahres. Unter Berücksichtigung des Preisrückganges hat sich also die Uhrenausfuhr Verhältnis- mäßig gut gehalten. kosten und Preif« für knastfeide. Die Preise für Kunstseide sind in zwei Jahren um etwa 50 Proz. gefallen. Das war die Folge der tollen Expansionspolitik der Kunstseideunter- nehmer, die ihre Anlagen in aller Welt weit über jede Abfatzmöglich- keit hinaus vergrößerten. Die Derluftperiod.' scheint aber jetzt vor- über zu sein. Wie Generaldirektor Dr. B l ü t b g e n auf der Generalversammlung der Vereinigten Glanz lt off- sabriken, Elberfeld, mitteilte, sind im laufenden Jahre die Preis« weiter gesunken; ober es fei gelungen, stärker noch die Kosten zu senken. Da bereits in der vorhergehenden Zeit eine überaus starke Senkung der Kosten erreicht wurde, dürsten Presse und Kosten sich jetzt mindesten» ausgleichen. Man vei handelt aber über ein internationales Syndikat, um auf Markt und Preise„regulierend einwirken" zu können. Deutsch-polnische» Auswertangsabkominen. Nach dem am 17. März 1931 in Krait getretenen deutsck-polnlfchen Auswertungs- abkommen vom 5. Juli 1928 haben deutsche Versicherung»-> n e h m e r, di« bei polnischen Versicherungsunternehmungen Lebens- Versicherungsverträge abgeschlossen haben, das Recht, Auszahlung der Auswertungsbeträge in bar vor dem 31. Dezember 1932 zu verlangen. Voraussetzung ist, daß diese Lebensversicherungsaniprüche unter die polnischen Aufwertungsvorschristen fallen. Als deutsche Stelle, welch» die eingehenden Anträge an die polnischen Dersicherungsumer- nehmungen weiterleitet, hat der Reichswirtfchaftsminister das R e i ch s a u s s i ch t s a m t für Privatversicherung, Berlin W. 15, Ludwigskirchplag 3/4, bestimmt. Anträge sind demnach an dieses Amt zu richten. Das Reichsaussicbtsamt ist auch ermächtigt, die Staatsangehörigkeit der Antragsteller für dieses Ver- t fahr«» dmdend festzustellen. Nr. 2S9- 4S. Jahrgang 2» Mittwoch. 24. Zum ISZI C. 3*. Wiesgen: JIU Heidelberg, du feine... Wie der Wind im Vorjahre den Samen aiw Millionen Bluten- färben in das Feld gestreut, so blühen in Parallelen und Diagonalen Kornblumen, Margriten und Mohn. Eine einzige, blau-weih-rot« Trikolore lagen die Wiesen links und rechts vom la Bassee-Kanal und von Drahtverhau zu Draht- verhau flatterten die blaugrünkarierten Röcke gefallener Schott- länder. Im niedergebrannten Gutshof an der„Cluinque-Rue' zerstachen Sonnenstrahlen wie spitze Nadeln krepierten Schweinen und Kühen die brandig aufgeblähten Leiber. Zwischen Stallung und Wohnhaus lagen gelbblaff« Jnder-Brüder eines Rabindranath Tagore— mit eingeschlagenen Schädeln. Aus ihren toten Leibern sickerte eine blasige, seifiggrüne Flüssigkeit zum Brunnen hin. Di« pergamen- »cnen Gesichter aus den Waldbergen des Himolaya und von den Ufern des Ganges rächten noch in der Verwesung ihren Tod init Beulenpest und Typhus. Sie trafen mit ihren höllischen Giften den Bergmann von Wales so tödlich wie den Beremann von Pferdreh. Unmittelbar vor dem üofe ging ein alles Grabenstück, das wir mft Hilfe einiger Pfähle x.i einer Schützengrabentollette eingerichtet hatten. Der Engländer mußte die dauernde Lauferei an dieser Stelle bemerkt haben und eines Tages schössen Scharsschützen aus Festubert dreizehn typhuskranke Kameroden auf dem Wege zur Toilette weg. Vier Wochen später hott« das Bataillon an dieser Stelle zehmnal dreizehn Tot«. Der unverwundete Rest der Kompagnie zählle nach zehnstündigem Handgemenge noch drei Leute, die verdurstend am Brunnen logen, darin die schleimig-dicke Typhussuppe kochte. Kornblumen, Margriten und Mohn blühen von Drahtverhau zu Drahtverhau. Der Juni wehte honigsüßen Holunder und bitteren Leichen- gestank in unsere Gräben. Ameisen bauten ihre Heeresstraßen über zersetzte Sandsack- mauern und eine Kreuzspinne teilte mit ihr die eingebaute Schieß- icharte. Zwei Meter weit zogen sich ihre Hungerfäden von der Hand- granatenkiste zur Schießscharte, von der Schießscharte zurück zur Handgranatenkiste. Aus Furcht vorm eigenen Tode mochte ich dem Tier nichts tun und ich erkannte bald, was für ein wertvoller Kamerad die ab- scheulich« Spinne war. Sie führte unerbittlich Krieg gegen die blutgierigen Mücken, die uns Tag und Nacht Beulen in Gesicht und Hände bissen. Ebenso unentwegt kämpfte sie gegen die Schwärme von Aasbrummern, die über Tote und Lebend« herfielen und mit ihren Rüsseln, daran sich Pinzette und Saugnapf bewegten, alle Krankhellskeime verschleppten. Ich sah dos sechsunddreißigeckige Netz der großen Spinne: ein kolossales Festungswerk!— Alarmvorrichtungen an allen Fäden und Drahtverhau über Drahtverhau!— Dazu in der Schießscharte an meiner Seit««inen tugelsicheren Unterschlupf! Ich sah das Grabennetz vor la Bassee, vor mir die Toten, denen die Erde Herzen und Hoden auslaugt«, genau wie es die Spinn« mit ihren Opfern tat. Don Norden her zittert« der Lehm der Brustwehr von der Ppernschlacht und im Süden stand feit Wochen das Gewitter fest bei der Lorettofrau. Und gegenüber blieb es so unheimlich still, daß wir mit höchster Aufmerksamkeit die feindliche Ruhe bei Tag und Nacht beobachteten. Di« Kreuzspinne lag hinter lehmbestäubten Vorhängen auf Lauer und regte kein« ihrer fühlenden Fußzangen, trotzdem«ine stahlblaue Bremse mit pfeifendem Flügelsirren das Spannwerk des Netzes zu zerreißen droht«. Die Spinn« stürzte vor, verstärkte schleunigst dos gefährdete Netz und ließ den Brummer ruhig zappeln, bis seine Füße und sein Flügelpaar so fest in den klebrigen Fäden verwickelt saßen, daß die Spinne den tollkühnen Draufgänger ge- mächlich mit den Zangen fassen und ihm ohne Gcsahr das süße Blut aus seinem dicken Leibe saugen konnte. In wenigen Tagen war das Spinnennetz ein trostloses Leichen- feld. Da hingen rote Marienkäfer wie rothosige Franzosen im Drahtverhau, kleine feldgrau« Heuschrecken wie preußisch« Grenadiere und blaugrün« Fliegen wie Schottländer mit blaugrünkarierten Röcken. Die Kreuzspinne ist ein geniales Tier!— Genial im Angriff!— Genial in der Verteidigung!— Ihr Werk ist mindestens so genial wie alle Schützengräben von Calais bis Belsort und von Riga bis an das Kaspische Meer. Der Abend legte goldene Leisten an den Horizont. Die Graben- wand verschluckte den Tagesschatten und im Walde von Neuve- Chapelle hing sich der Mond auf. Ueber die Toten im Vorfelde brefteten Mohn und Abendrot die Feuerseide roter Fahnen und schwarze Staubgefäße senkten sich wie verbrannt« Dochts über die Toten hin. Darüber stieg die Nacht mit blauer Ewigkeit und im Holunder vor dem Drahtverhau fang eine Amsel Melodien, die sich in keine Notenlinien zwingen. Wir lauschten über das Vogellied ins Vorfeld hin nud plötzlich stieg von drüben— sechzig. Schritt entfernt— abendselig ein Gesang: Alt-Heidelberg, du feine, Du Stadt an Ehren reich, Am Neckar und am Rheine Kein andere kommt dir gleich. Auch mir stehst du geschrieben Ins Herz gleich einer Braut, Es klingt wie zartes Lieben Dein Name mir so traut. Es war, als drehte sich vor meinen Augen der Drahtverhau. Es flimmerte das Blut durch meine Augenlider und ich fuhr zusrnnmen, als ich den Leutnant neben mir erblickte. Er hiell noch seine Hände an den Ohrmuscheln und starrte wie geistesabwesend auf den Punkt hinüber, von wo das Lied ge- kommen war. Er flüsterte etwas. Ich verstand ihn nicht. Er hielt seine Hände vor sein Gesicht, als wollte er sich verstecken und sah mich von der Seite an. Wie flammende Rufzeichen sah ich seine schramnügen Schmisse schräg um Stirn und Wang« brennen. „Ob der da drüben mit mir zusammen in Heidelberg...?* fragte der Leutnant mehr sich selbst ats mich,.ich kenne zwei Engländer... jüngere Semester... Mister Dibbley oder.. Beim Nennen des Namens verfärbten sich die brennenden Ruf- zeichen auf seiner Stirn und standen wie weiße ftreideftriche in seinem grauen Gesicht. Die Nacht mit chrer blauen Ewigkeit verging. Nur hin und wieder fiel«in Schuß. Im Norden donnerte die Ppernschlacht des Sommers 191Z und um das Sternendiadem der Jungfrau von Loretto blitzten die Mün» dungsfeuer der Batterien. Nachts, als die jungen Totenvögel um die hohlen Weiden an der „Ouinque-Rue" torkelten, fanden Essenholer unseren jüngsten Offizier. Er hielt seinen Revolver noch in der warmen Hand. In seiner Schläfe war ein schwarzumbranntes Loch. „Eine verirrte Kugel.. schrieb man seiner Mutter heim. Eine verirrte Kugel... „Auch mir stehst du geschrieben ins Herz!" emn atoiericMer: Jung gej eile in Südamerika i)er �Jag eines ledigen 3>euifchen Durch die Jalousien stockzert die Morgensonne mit glühenden «chürhaken. Das möblierte Zimmer ist nichts als Aquarium. Der Junggeselle torkell aus der eisernen Bettstelle in den tropischen Tag. Er hat schon die Nacht über gebadet und ge- schwömmen— im eigenen Schweiß.'» Ueberm Spiegel blühen Papierrosen, der Großvater der Haus- frau schwitzt«ingerahmt an der Wand. Ueber dem Goldrahmen steckt ein Fächer. Aber Großvater und Zimmerherr können seine Kühle nicht erleben, weil der Fächer mit Nägeln an die Wand ge- schlage» ist. Da» Woschwasser mißt 32 Grad Celsius, im Trinkglas ist das Zimmer noch einmal als verkleinertes Aquarium zu sehen, Käfer schwimmen, und die Monatsmiete beträgt einhundortfünfzig Milreis. Di« Hausfrau kann das Woschwasser nicht wechseln, weil sie bis Mittag schläft. Und der deutsche Junggeselle aus Schöneberg. Würzburg oder Essen an der Ruhr zieht sich in den weißen Tropen- anzug, der schon nach Stunden zum nassen Badctrikot wird— und wie angefeuchtete Briefmarken klebt. Hinterm Spiegel hat der Zimmerherr einen„Kratzer". An einem Holzstab ist eine kleine Hand aus Ebenholz befestigt— und damit kratzt er sich auf Vorrat den Rücken nach Moskitostichen ab. Er ist Korrespondent bei einer Exportfirma, verdient im Monat fünfhundert Milreis und hört den Tag über seine Schweißtropfen auf die Geschäftsbriefe regnen. Nach deutscher Gewöhnung zu leben— hat er bald aufgesteckt. Gutes Essen in internationalen Restaurants kostet zehn Milreis. Er verschlingt mittags und abends schwarze Bohnen, bis sie im Magen Wurzel schlagen und als jung- Stauden zum Hals heraus wachsen. Am Sonntag schläft und schwitzt er länger. Das möblierte Zimmer frißt sich wie«in Spricknoort auf Holzbrandtafeln in sein Gehirn. Jetzt erlebt er in Ruh« und Beschaulichkeit, daß sein« Bude eine Insektensammlung ist, in der die Tiere unaufgespießt herum- laufen. Er will ausziehen, hat aber in diesem Jahr schon elf Um- züge hinter sich. Der Sonntagnachmittog gähnt wohlerzogen mit vorgehaltener Hand. Die ersten Monate unternahm«r Ausflüge in die ungebürstete Natur. In der Sonne hört« er sein eigene» Fett brodeln, im Schatten der Wälder gibt es keine Minute ausruhender Besinnung. Geschwader von fliegenden Ameisen rücken an, Spinnen mit und cchu« Wl jalle» im HalbbunZel, aus dem Bode» steigt Moder und Fäulnis— und die orgiastischsten Orchideen werden Humbug und Mumpitz. Die Pracht und Fanfare des Urwaldes geht in Pestilenz und Grauen über, die wuchtigste Natur wird Pein und Plage... Und der deutsche Junggeselle stützt sich mit den nächtlich zer- stochenen Ellenbogen auf- Fensterbrett, sieht gegenüber auch einen Junggesellen ans Fensterbrett gelehnt. Die Straße ist leer und langweilig wie glatt rasierte Gesichter. Das rasselnde Mineral- wassersuhrwerk wird schon Sensation. Eine Trambahn klingelt. «in Wanzenstich juckt... Und der Tropensonntag ist jubelnder Aufschrei brütender Langweile. Der Junggeselle besinnt sich auf eine brasilianische Familie, bei der er einmal eingeführt wurde. Aber dort hat er schon zweimal Besuch gemacht und mit der Tochter vierhändig Klavier gespielt. Ein dritter Besuch ist gefährlich. Der Vater würde ein Glas Sekt ergreifen und auf die glücklich« Verlobung anstoßen.' Di« Tochter ist frenetisch hübsch und ausschweifend dumm. Der junge Mann am Fensterbrett widersteht beiden Ver- sührungen und denkt an das spanische Tippfräulein im Büro. Schon hüpft er in seine Lacksriefel, klatscht vor ihrer Wohnung in die Hände und im Fenster erscheint der Bruder:„Ja, wir kommen mit...!" Der Bruder, die Tante, Mutter, das Kindermädchen sind immer Mittelpunkt, wenn zwei Liebende mit der Zahnradbahn nach Boa Vista ausfliegen wollen. Auch zmn Milchholen über die Straße nimmt das anständig« Mädchen schützend die Freundin mit. Dreimal Bahn, drei Tassen Kaffee, drei Flaschen Soda und drei Gebäck machen elf Milreis. Ohne Bruder wäre es billiger und herrlicher gewesen. Und von allen Unkosten bringt er nichts als einen Sonnenstich und den leichten versteckten Händedruck mit in sein möbliertes Zimmer zurück. Händedrücke spanischer Tips> sräuleins sind schön— aber für elf Milreis zu teuer... Am Abend warten die Klubs. Aber der deutsche Junggeselle ist Angestellter, gehört noch nicht zu den Erfolgreichen, besitzt weder Smoking noch großes Ansehen— und sucht den deutschen Rerein auf, trinkt Bier, singt Heimatlieder schnellt auf einige Stunden nach Europa zurück. Ader wenn der Abend zu Ende geht, ist die Nacht nicht vorüber. Außer in Buenos Aires gibt es in Südamerika nicht sencs Nachtleben, daß In europäischen Kabaretts ai» �Tropennächte" romantisch verklärt wird. Rio de Janeiro ist nach»eun Uhr abends eine tote Stadt. In die Kinos verpockh dampfen die Menschen durch die zehn Akte des Liebesdramas:„Die Braut und der Fußball." Ein Opcrnbillett ist königlicher Luxus, aus den blinzelnden Häusern des Hafens plärrt Grammophon, Mord und Totschlag— und aus den Fenstern sieht die Lucs heraus. Der Junggeselle trinkt an einer Straßenecke eine Flasche Bier, spielt feierlichst mit den Zahnstochern und geht als abnehmender Mond nach Hause. Der Tropcnsonntag ist wie eine Fliege an der Wand tot- geschlagen, lind die kommend« Woche jährt als Güterzug vorausahnend durchs möblierte Zimmer— und will beladen werde». In den Ecken und hinter den Gardinen warten die Moskitcn auf den Schlaf des Junggesellen. Er streut noch Pulver ins Bett, läuft mit der Jnsektenspritze Diagonalen im Zimmer aus und erringt vor dem Morgengrauen noch einige Fetzen Schlaf... Ueber dem Bett öffnet sich eine heimatliche Straße. An den Fenstern stehen Geranien. Irgendwo riecht es nach Psannkuchon mit Preißelbeeren. Kinder holen über die Straße Bier, das Fräulein im dritten Stock spielt.Eine Nachtmusik" von Mozart... Der Pfannkuchen wird durch die Straße getragen, direkt auf den Junggesellen zu, hinterher schäumt das Bier und das Fräulein mft Mozart schiebt ihr Klavier vor sein Bett. Aber der Pfannkuchen mit Preißelbeeren schlägt alles, der Junggeselle führt ein ab- geschnittenes Stück zum Munde— erwacht und beißt in den Gummiball der Jnsektenspritze... Draußen liegt eine frisch gebratene Woche und will durch- schwitzt sein. Aber dann kommt wieder der Zauber eines Sonn- tags— mft dem zarten spanischen Händedruck für elf Milreis und einem Bruder als Stacheldraht... Jules Steuard: �ompejus und Sappho Da Pompejus und Sappho, schmutzbedeckt, die Schnauze voller Federn, sich verstohlen nach Hause schlichen, merkte ich gleich daß sie in den Hühnerhof«ingebrochen sind. Sappho, die Hündin, ist es, die den Hund dazu antrieb aber, Pompejus ist derjenige, der, sobald er erst einmal meiner Aussicht entronnen ist, mit großer Leidenschaft tagt. Er läuft ohne innezuhalten, so daß Sappho kaum imstande ist, ihm nachzusetzen. Aus unserem Grund und Boden lassen sie sich nichts zuschulden kommen, als hätten sie eine engere Heimat, die sie achten und deren Grenzen sie selbst ziehen. Sie richten ihre Ver- heerungen nur auf dem Gebiet der Nachbargemeinden an. Sobajld Pompejus auf einer Wiese eine Schar Hühner zu Gesicht bekommt, legt er sich weiter keinen Zwang auf, stürzt auf sie los und greift sie an. Bon den ausgescheuchten Hühnern fliehen einzelne, andere ver» suchen fortzufliegen, und für diese hat er eine Vorliebe. Mit einem Sprung erwischt er sie im Fluge, schlägt sie mit einer Pfote herunter und schnappt nach ihnen mft einem Biß seiner Kiefern. Die keuchend« Sappho gibt ihnen den Rest. Es macht den Ein- druck, ofs bringe der Hund mit seiner Geschicklichkeft der Hündin seine Huldigung dar. Sie richten ein Gemetzel an und können sich nicht genug tun. bis schreiend ein Diener mit einer Mistgabel herbeistürzt. Und da sind sie nun. Ich errate alles, und morgen in aller Herrgottsfrühe wird der Pächter bei mir sein, und ich werde gut zureden müssen, mich her- umstreften, mich enffchuldigen und zuletzt zahlen. Sappho duckt sich an der Mauer: sie gesteht. Der frechere Pom- pejus wedelt mit dem Schwanz und schiell nach mir, ob ich zufälliger- weffe etwa ahne und vielleicht böse Absichten im Schilde führe. Ich? I wo! Nicht im geringsten! Ich locke sie beide mit einschmeichelnder Stimme und bemühe mich, das erregt« Zittern meiner Hände und Füße zu unterdrücken. Mit schon beruhigtem Gewissen folgen mir Pompejus und Sappho in einiger Entfernung, bis zu dem Stall. Ich schlage die Türe kräftig zu, und nun nehm« ich sie mir vor! Pompejus empfängt die Schläge heulend. Er heull schon im voraus. Sappho ergibt sich in ihr Schicksal, sie ist nichts als«in Knäuel. Sie atmet nicht mehr. Wären nicht die funkelnden Lichter in ihren Augen, würde ich sie für tot hotten. Und ich züchtige si«, jedes Schell- wort vermeidend, nachdrücklich, mit kaltem Blute,«in« Staubwolke und Hafer aufwirbelnd., Als das Hondegelenk mich schmerzt, verlasse ich den Stall mft einem Gefühl der Erleichterung und schließe die Tür wieder ab. Sie werden zwei Tag« lang da drin, in der Dunkelheit, bleiben, sich ihr« schmerzende Haut lecken und zur Einsicht kommen. So bald werden sie nicht weider anfangen! Bevor ich mich entferne, lausch« ich, dos Ohr gegen die Tür gedrückt. Ich hör« sie lachen. kAutorigert« Aeberselninq von Lira Siaall.) .Tlnlons Akademie enldeckl? Die Nachforschungen, die von mehreren griechischen Archäologen in Zusammenarbeit mft dem Direktor des Nationalinufeums in Athen, Kourouniatis, vorgenommen werden, haben jetzt zu einer aufsehenerregenden Entdeckung geführt. Die Untersuchungen, die auf Kosten eines reichen Atheners ausgeführt werden, gelten der Freilegung des Sitzes der Akademie Platos. Der Platz liegt zwei Kilometer nordwestlich von Athen, und zwar in der Nähe des nord- westlichen Tores der Stadt, die im Altertum unter dem Namen Dibipylon bekannt war. Man hat bereits eine Straße freigelegt, die genau den Angaben entspricht, die Pausanias von dem „akademffchen Wege" gibt. Am Ende dieser Straße wurde der Platz eines großen Gebäutes entdeckt. Man glaubt es hier mit dem „Gymnasium" zu tun zu haben, das von Kimon durch Zuführung von Wasser und Anpflanzung zahlreicher Bäume verschönt und zu einem Schmuckplatz umgeschoffen worden war, wo sich Plato gern aufhiett und seinen Schülern Borträge zu halten pflegte. Der Tradition nach soll der Philosoph an dieser Stelle auch begraben sein. Man hat dort berefts mehrere bemerkenswerte Gegenstände gesunden, so zwei schön ausgeführte Reliefs, die es wahrscheinlich machen, daß sich das Grab Platos taffächlich dort befindet. An keinem Ott knüpfen sich wohl wettvollere Erinnerungen als an diesen Platz, an dem die Platonische Hochschule voll« neun Jahr- hunderte der Sitz der berühmtesten Philosophenschule der Welt ge- wesen war. Außer Spaziergängen und Anlagen für gymnasttsche Zwecke enthieft die der Achene gewechte, von Hipparch um das Jahr 387 o. Chr. gegründete Akademie zahlreiche Altäre und Heilig- Omer verschiedener Gottheiten. Noriräge, Vereine und Versammtungen. Reichsbonner..Schwarz-Rot-Gold'. Berlin S 14. Ecbastianllr. S7— 3S. K»k t. Sr Mittwoch. 24. Zrni. Zrirdrjch.hain lZun�banirrr). Ab IS Ubr Voort, Plötz ffriedrich�in. Ericheineii Pflicht.— RciUijll-.Britz(Orts. »erehO. 1!» Uhr Pftichkmtreten.iur Siachcnau.Sedenifricr Etcrnnlatl ain Bahnbot Echöniunolbs. Buntisskiciduiig, ohne Gepäck.— Treptow«Ortoverein). IS Uhr Antreten in Bunbcsckleibung Mi Rathenau-Sebenkfeier Lternplatz am Babiii>os Gchijnetveid«. Musil und Tanrbourkorps zur>ÄeNe.— Donnerotag, 23. Zuni. Wedding iEportgrnppe) 18 Uhr Sportplatz Zlehdergc. Anlchlietzend Sitzung dort, srlbst. chreuzberg lktameradschaft 2>. 2» Uhr Turnabend an bekannter Stelle. fHoil.— Freitag. 2S. Juni. Steglitz(Ort»verein), tg'.z Uhr Zusammenlunkt aller Zteubrandenburg-Fahrcr bei Schul,, Birkbuschstr. W. Wer nicht erscheint, kann nicht mitfahren. Mitgliedsbuch mitdrintzen. Aumelbungen kllr die Fahrt werden noch beim Kameraden BlankenhetM, Steglitz. Stubenrauchplatz 5, an. genommen. Fahrgeld 3 Mark.— Preuzlaner Berg. Iungdanner. Mittwoch. 24. Juni. lSV? Uhr, Turnhalle. Näheres durch Obleute.— Tempelhos tOrts- verein). Mittwoch, 24. Juni, ISVi Uhr, Pstichtvntreten Zur Zdachenau�Se. dächtnizfeier, Bahnhof TempeNzof. l-oaetellorv ItNtzlish ltebnlinx ciud: bllltvoch, 20 Uhr, Zahnärztehaus, Bfllowstraße 104, Guttmannsaal: Mrs. Alice Behrend:„Indian Customs and Superstition." rlusendunaen für diese Rubrik sind >« r l i» S« 08, Lindcnitrotze 3, parieinachnchten für Groß-Verlin stet» an da» Bejtrtasekretariai 2. Hak, 2 Treppen recht», zu richte». Dos Mitgliedsbuch Nr. UN des Genossen Fron,; Schmeißer in Mohlsdors ist unter eigenartigen Umstlinden abhanden gekommen. Sollte dieses Buch irgendwo als Ausweis benutzt werden, dann ist es anzuhalten und an das Büro einzuschicken. I. A. Alex Pagels. * Beginn aller Veranstaltungen 19� Uhr, sofern keine besondere Zeitangabe! Morgen, Mittwoch, 24. Zuni. S. Rrci». Da« Kartell für Arbeitersport und«Srperpflege, Bezirk Friedrich«. harn, vcraustaliet heute ans dem Sportplatz Fricdrichshain eine Sanne». wendfeier. Sinteitt 2« und 10 Pf. l». Arel». Ztreismitgliederversammlung im Lindenpark Fehlendors, Berliner Elke Eartcnstrntze. Tagesordnung: Bericht vom Parteitag. Sen. Schneider. 43. Kreis. Die Bezirtsführer muffen die Karten zum RAST bis spätesten» Freitag, 2«. Juri, abend,, mit de» An««bestellen her«dteilunge» ab- rechnen. Die Anagabestellen muffen bi, spätesten» Sonnabend, t Uhr. mit dem Genossen Lohrengel, Tempelhof, RingboHnftr. 99, abrechne». 19. Krei«.»reinmitglredernersa mnrlu ng im Lnlnl.Fum Kurfürsten", Pankaw, Berliner Straffe. Stellungnahme zum Parteitag. Res.: Josts Mühlmaun. «. Abt. 20 Uhr Nationalhol. Bülowstr. 37, Mitgttedeep-rsammluuz. Willi, Nogze:„Slrtschastsfragen". 43. Abt. Alle Bezirtsstthrer rechnen bestmrmt ab Freitag, 26. Juni, ab 17 Uhr bei Siebert, Grünauer Str. zz. Kartothekkarten nicht vergessen. 74b. Abt. 20 Uhr Kreisnitgsieberversammluna im.Linbenvark". 93. Abt. Von nV) bis 18 Uhr holen Bezirksführer oder Etellvertreler bestimmt wichtiges Material vo» Keil, Prinz.Sandjern.Etr. 38. ab. Einladen zur Bestatiirnq des Genossen Hoffert am Donnerstag, dam 25. Juni, 18'/: Uhr, Baumschulenweg. t2S. Abt. 20 Uhr boi Echmatj, Saprivi-All« IM, Sitzung des Abteilungsvor. stand»»„ad der Revisoren. 427. Abt. Bezirk Weiffe Taube. Lotal Rrchki. Dingelstädter Str. Ski. Genosse Willi Kreffmann:.Die Aufgaben der Arbeiterklasse in der Krise". Morgen. Donnerstag, 25. Zuni. 90. Abt. Arbeitskreis junger Parteigenossen. Fusammenkunft 20 Uhr bei Läffler, Weichsel. Ecke Ossasiraffc. Referent: Genoss« Kimmel:„Wie ner. leidigen wir die Politik unserer Partei in Diskussionen mit dem Segner?" 443. Abt. Abrechnung. Es wird gebeten, unbedingt sämtliche nicht verkauften Marten mitzubringen, da alle nicht mitgebrachten Mvrken als verkauf! gerechnet werden miissen. Restaurant Seifert, Traveplatz. 439. Abt. Versammlung aller jungen Genossen im Jugendheim Echoneberger Straffe 3. Referent: Max Heydemairn. Thema:„Werbung in alter und neuester Zeit". Jteifag, 26. Zuni. 4. Kreis. Abteil»»geu 27. 28, 30 und 34. Kreismitgliederversammlnag in der Schnlanla Sleimstr. 49. Bericht von, Parteitag. Mitgliedsbuch legitimiert. Irauenoeranstaltungen. 4l. Kreis. Für die Dampferfahrt am Dienstag, dem 30. Juni, nach Ziegenhals sind Karten zum Preise von SS Pf. für Hin. und Rückfahrt bei ollen Funktionäre» und in der Epobition zu haben. Kinder sind frei. Abfahrt 8 Uhr früh Schillingbrücke. 9. und 43. Abt. Donnerstag, 23. Juni, ab 46 Uhr Kaffeckochen im Wiesen- grund, Plützensee. Treffpunkt 14% bis 15 Uhr Bahnhof Putlitzstraffe. Bezirksausschuß für Arbeiterwohlfahrt. 7. Krei«. Freitag, 28. Juni, 13M Uhr, Rathaus, g. 3. AVenbesprechung. 13. Kreis. Freitag, 26. Juni, 20 Uhr, Rathaus. Dorfstr. 42, Sitzung». Zimmer 1. Sitzung aller Wohlfahrtspflegerlinnen) med Helferlinnen) der Ar- beiterwohlfahri. Fortsetzung der Arbeitsgemeinschaft. Genosse Dr. Schloff. Arbeitsgemeinschaft der kinderfreunde Groh-Berlin. Krei« Kreuzberg. Die namentliche» Listen für die Lager sind mit den genauen Angaben sofort an die Kreisleitung einzusenden. Montag, 2«. Juni, 23 Uhr, Kreisch elkersstzung, Dorckstr. lll. Grwppe Berzmannstroffe. Letzter Termin für Zcltiagerzchlungen 29. Juni. Treffen zur Sonnenwende Sonnabend, 20 lihr, -Sota- Ecke Belle-Alläance-Straffe. Gruppe Lichterfelbe. Heute, 17 bis 10 Uhr, Oberrealschul«. Ringstr. 5, Faitenvollorrfammlung. Freitag, 26. Juni, 17 bhz 19 Uhr, all« Gruppen. Spielen auf der Südfront. Sonntag, 28. Juni, Fahrt nach dem Satrmoer See. Treffen 8 Uhr Bahnhof Lichterfelde-West. 30 Pf. Anmeldung bis Freitag. Ortsgruppe Köpenick. Donnerstag, 23. Zuni, l9hi Ahr. Elternabend in, Stadttheatee. N. Saal. Thema!.Entwickluna de« Kinde» ia der Pnbertät". Re- fcrentin: Frau Rektor Krähe. Zeltlager. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei» Organisation 23. Abt. Am 24. Juni verstarb im Krankenhaus Friedrichshain unser treuer Genosse Arthur Sozischki. Ehre seinem Andenken. Die Einäscherung findet am Donnerstag, dem 23. Juni, 45!« Uhr, im Krematorium G-richtjNvße statt. Rege Beteiligung erbeten. 93. Abt. 78. Bezirk. Unser Genosse Arthur Hoffrrt, Bergstr. 136, ist plötzlich an Schlaganfall perstorben. Die Einäscherung findet om Donnerstag, dem 23. Juni. Ist'», Uhr, im Krematorium Boumfchulenweg stott. Sir wollen unserem treuen Kämpfer die letzte Ehre erweiflcn, indcm wir uns alle beteilige». Der Vorstand. Si Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Berllu Swfendrmqen für diese Äibri? nur an das?uaeudse?retari«. ?e?Nn SW SS. �indent�raü- Z Kart,» znm RBST z» SO Pf. können von den Gruppen bezogen werden. heute. Mittwoch, Wi Uhr. Gesundbrunnen lR.-F.l: Gotenburgrr Str. 2. Tagespoiitiilchc Fragen.— Webblng-Rorb: Funliionärverfammlung im Heim Seeftr. tzl.— Neukölln IV und IX: Alle Fronkfurt-Fahrer treffen sich l9!v Uhr beim Genossen Kloke, Emser Str. 3l, u.— Adlershof: Vismarckslr. 1.„Geschichte der SAZ."— Bohnsdorf: Wack-telftr. 1..Arbeiterdichter."— Falleuberg: Hut-Hof.„Stern. künde— Sternbilder."— Friedrichshagen: Friedrichstr. 87.„Rundfunk in der Satire."— Friedrichsselbe: Gunterftr. 44.„Was bedeistet uns die deutsche Republik?"— Kaulsdves: Schule Bdolfstr. 23.„Sport und Kiunuastik."— Lichteaberg-Mitt«! Scharnweberstr. 29.„Moderne Musik."— Lichtcnberg-Rord. weft: Dosscstr. 22.„diewerkschaftsfragr»."— Mohlsdorf: Melanchtkonstr.«3. Teil 4. Tagcspolidische Fragen.— Karow:„Ponkgrafen":„Wir und dck» Reichs- banner". SGS. Westen: 18 Uhr Rossnenstr. 4.„Die proletarische Weltanschauung." Werbebezirk Westen: 20 Uhr Rossnenstr. 4.„Dir Lehren des Parteitages und die Jugend." Werbebezirl Reinickendorf: 19% Uhr Wittenau, Sauptstr. 48. Wcrbedezirks, vorftandssstzung. Werbebezirk Renkilln: Sprechstunde von 1744 bis 19"-4 Uhr Ganghoferstrafe. Zusammenkunft der Gewcrkschaftsvbleute 18 Uhr ebendort. Sprechchorprode 1S4H Uhr«anner Straff«. Cfß ( Theater, Lichtspiele usw. PtA�A TÄffl. 5 o. 81B Sonnt. 2, 5 u. 8ifi Dts Ritientr feiges wegen bis Ende Juni verlängert l OperettM-fiastjpiel Rieiropoi-TDeafer täglich 80. Uhr Sie Toni aus Wien Htiy Christian«, Michael höhnen NOndien! Empf. pa. Zimmer, a.Bhf.Betipr.2�0,M. m. Frühst. AnmeW. erw Frau 8t«rl. Sehllleratr. 31, 3 Treppen. 8.15 Utzf Flora 3434 Baadm erlaubt Klrfliweiö am Tegernsee Rebla— Kemme— Bootz Krenan, Tndier& Co.— usw, J Berliner HlkTlfö N e H k 0 1 1 n. �Lahnatr. 74/75.1 Mittwoch, 24. 6- Slaats-Oper Unter d. Linden 296. A.-V. 20 Uhr Eine Nomt in Venedig Ende e.22>äUh[ Mittwoch. 24. 6 Stadt. Oper Bismarcksir. tuniu« IV 49 Uhr lannhauser (Onhdie Fssig;) Ende 23 Uhr Staats-Oper im Plstz in RtpettU V.-R 20 Uhr Aus einem Totenhaus Citfnfl. Rartuiuluof Ende n. 22 Uhr Staat). Sdiaosiih. (ia SoiinMoir.art'i 254. A.-V. 20 Uhr Nora Ende 22h, Uhr Staat). StMIIet-Mer, Qiarlüig 20 Uhr Die Journalisten Ende gegen 23 Uhr voiKsbanne TMir sd HDlowpIsti. 8 Uhr Lumpazivagabundus Staat). Sdiiller-Tli. 8 Uhr Die Journalisten. Staatsoper Am Pl.d.Republik 8 Uhr Ans einem Tolenhans Ab j"T..Wabr»/aC.M«« Im Westen nichts Ueues Wir xsigsn ctsn film:»Im �/astsn nichts N«u«s« unseren Mitgliedern und deren Angehörigen in der Zeit vom 26. Juni bis einschl. Freitag, den 3. Juli 1931 in folgenden Theatern: Mercedes-Palast, Berlin-Neukölln, Hermannstr. 212 Kristall-Palast, Berlin N 20, Prinzenallee 1-6 Welt-Kino, Berlin-Moabit, Alt-Moabit 99 Flora-Lichtspiele, Berlin, Landsberger Allee 40-41 Union-Theater, Berlin-Köpenick, Rudower Str. 1 Havel-Lichtspiele, Spandau, Havelstr. 20 Der Vorverkauf der Karten findet täglich in der Zeit von 3(1 5)-9(21)UhrandenKassenderobenbenannten Theaterstatt. Karten werden nur gegen Vorzeigung eines Mitgliedsausweises der unterzeichnet. Organisationen abgegeben. Für unsere Arbeitslosen findet am Freitag, dem 3. Juli, nachmittags 3(15) Uhr eine Sonderveranstoltung statt. Der Eintrittspreis für diese Vorstellung beträgt 20 Pf. Karten werden nur an erwerbslose Mitglieder gegen Vorzeigung ihres Mitgliedsausweises und der Stempelkarte am Mittwoch, dem 1, und Donners tag, dem 2. Juli 1931, in der Zeit von 3-9 Uhr im Vorverkauf an den Kassen der obenbenannten Theater abgegeben.-Verheiratete erhalten 2 Karten und Unverheiratete 1 Karte. Allgemeiner Deutscher Gewerkschaftsbund Ortsausschuß Berlin Allgemeiner freier Angestelltenbund Ortskartell Berlin Allgemeiner Deutschor Beamtenbund Bezirksausschuß Graß-Berlin Bezirksausschuß fOr Sozialist. Bildungsarbeit Deutscher Freidenker-Verband Volksbühne E. V. Reichsbanner»Schwarz-Rot-Gold« Karteil für Arbeitersport- und Körperpflege Reichsbund der Kriegsbeschädigten, Kriegsteilnehmer und Kriegerhinterbiiebenen WM UM 8 Uhr Dsr Hauptmunn von Rflpenidi v. Carl Zuckmayer Regie: Bein: Werl Die Komödie Täglich SV, Uhr Dienst am Kunden no tot Bob md Mai Bansen Regie: H«n« Deppe Karrarstenaamm- TDeater Bismarck 449 Die schöne Heiana von lacqDnOtltnDalD BaatetMnteUiaarai ee" � Tbk 'roli'**aiigeaa' |f~' Snm. t*'*&er«1 J,BI Tiglich SV« Uhr Zorn goldenen Anker Valetti, Horney, Elsholtz, Zehner, StBssel. Faber, Walter. Komisena Oper Friedrichstr. 104 8Vi Uhr Frauen haben das gern... Mnsikal. Schwank ron Arnold Mnsik t. Walt. Kollo Soraraerpr Od«-7.00 I— Elite-Sänger»» Konbusser Str. t Tägl.5V» U. Dia greji tas- rtrttiop- Raru Pona toll«iiSi» frmen um midi sein! von HarryWalden Relchshalien-Theater AUabendHoh|>*| Uhr Stettiner Sänger Zum Schluß der Schwank „Ahes verrückt!" jeder Art üofort preiswert Paul Golletz vormalt Roh ort Ueyer Mariannenstr. S FOL OberbaH« 1303 SeMlüUMillM-MMl! AdUmuta Erwerbslose! Segen Quartal.fchluff bleibt die Arbeit». losen, und Kronkengdteilung am 4. und 2. Juli gelchlossrn Sämtliche Bücher müssen zwecks Reu- berechnung spätesten» bi» Dienstag, den 30. Juni, an den betreffenden Schottern abgegeden fein. 04« OrisTerwelluag. KW* DßiitsttEi Metallarlieiter-lftsiliM VervaUuoRnle]!« Berlin Todesanzeigen Den Mitgliedern zur Nachricht, daß! unser Kollege, der Schmred Gustav Steiler geb. 9. Juni 1871 am 21. Zuni gestorben ist. Die Einäscherung sindet am Donners- tag. dem 23. Juni, 18 Uhr, IM Krema- torium Baumschulenweg statt. Rege Beteiligung wird erwartet. Nachruf Am 17. Juni starb unser Kollezr. der Zimmermann fiaii Mahn geb. 4. Dezember 1856. Die Beerdigung hat bereit« slatl. gesunden. Ehre ihrem Andenken: Dlt OrlCTcrwaUcrG. i MUMd rniugung� Kesfairant Berlins» BETRIEB.Dtz KEMPIHSKlstvf Am Hontag, dem 22. Juni, verschied mein lieber Mann, unser Onkel Wilhelm Gieshoit nach kurzem Krankenlager. Frau Emma Gieshoit nebsl Angehörigen. Bln.-Frohnau, den 24. Juni 1931. Die Einäscherung findet am Freitag, dem 26. Juni, vormittags 10 Uhr, im Krematorinm Gerichtstraßo statt. Nach einem Leben voll rastloser und erfolgreichster Tätigkeit, wurde uns heute Vormittag unser innigstgcliebter, unvergeßlicher Vater, Großvater, Schwiegervater und Onkel Wilhelm Bock im 86. Lebensjahr suchte, entrissen. durch einen plötzlichen Tod in Bad Sulzbach, wo er Erholung In tiefstem Schmerz Richard Beck Berta Seidel geb. Beck Otto Beck Cornelia Bock Artur Seidel Helene Bock geb. Wagner Ida Scheler geb. Bock und 3 Enkel Gotha, New York, Ohrdruf, den 22. Juni 1931. Sonnebomer Str. 13. Die Bestattung findet Donnerstag, l'/j Uhr, in Gotha statt.