BERLIN Mittwoch 24. Zum I9Z1 10 Pf. Nr. 290 B 145 48. Lahrgang Erscheint t i g l i ch außer Sonntag«. Zugleich Abendausgabe de«„Vorwärts". Bezugspreis beide Au«gaben 85 Pf. pro Woche, 3,60M. pro Monat. Redaktion und Expedition: Berlin SW 68, Lindenstr. 3 Fernsprecher: Dönhoff(A 7) 292—297 Anzeigenpreis: Die einspaltige Nonpareillezelle 8o Pf., Reklamezeile SM. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto: Vorwärts-Verlag G. m. b. H.. Berlin Nr. 37 S36.— Der Verlag behält sich da« Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor! Amerika an Krankreich Keine Vorbehalte- keine Einschränkungen Washington, 24. Juni. sReuter.) Die Regierung der Vereinigten Staaten hat Frank» reich mitgeteilt, dasz die von ihm gestellten Bedingungen fiir die Annahme des Hooverschen Moratoriumsvorschlages in Washington wahrscheinlich nicht günstig aufgenommen würden. Oer französische plan. Paris, 24. Juni. Ministerpräsident Laval, Außenminister Briand, Finanzminister Flandin und Unterstaatssekretär Fran» ?oiS Poncet habe« gestern abend in einer Konferenz den . Entwurf der französischen Antwort an Präsident Hoover fertiggestellt. Noch am gleichen Abend teilte Ministerpräsident < Laval dem Botschafter der Bereinigten Staaten die Grundzüge der Antwortnote mit. Wie HavaS meldet, stimmt der Inhalt mit der bereits gestern früh veröffent» lichten Auslastung des diplomatischen Mitarbeitern der Agentur HavaS überein. Frankreich werde also auf der Zahlung der ungeschützten Annuität 1S31/32 bestehen, die Summe jedoch über die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich den interessierten Mächten als Dar» lehen zur Verfügung stellen. Di« endgültige Formulierung der Antwort erfolgt morgen im �Ministerrat und wird Freitag in der Kammer besprochen. Brünings Rundfunkrede. Gute Wirkung im Ausland. Paris, 24. Juni.(Eigenbericht.) Die nächtliche Rundfunkrede des deutschen Reichskanzlers wird zwar von den wenigsten Morgenblättern kommentiert, aber wo es geschieht, in sehr freundlichem Sinne. Selbst Organe der Rechten, soweit es nicht ausgesprochene Hetzblätter sind, heben-das ernste Eintreten Brünings für deutsch-sranzösische Zusammenarbeit zustimmend und unterstreichend hervor. London. 24. Juni. Die Blätter bringen die Rundfunkrede des Reichskanzlers im Auszug, vor allem den Teil, der die Anregung einer Zusammen- kunft mit den französischen Ministern ähnlich wie in Chequers enthält. Der Berliner Korrespondent des„News Chronicle" leitet seinen Bericht ein:„Der deutsche Kanzler hielt in seiner gestrigen Rundfunkrede Frankreich den Palmzweig hin." Der Korrespondent schließt:„Des Kanzlers Ausforderung ist natürlich von be- sonder er Bedeutung angesichts der schicksalsvollen Entscheidung, die die französische Regierung zu fassen im Begriff steht." Hoefch befragt Briand— Botschafter Edge beruhigt Laval. Paris, 24. Juni.(Eigenbericht.) Dienstagabend empfing Briand den kurz vorher aus Berlin zurückgekehrten deutschen Botschafter von H o e s ch, der nach dem „Matin" von der Reichsregierung beauftragt war, Auskunft über die Haltung Frankreichs zum Hoover-Vorfchlag zu erbitten. Briand soll dem Botschafter mitgeteilt haben, daß die französische Regierung am Mittwoch der amerikanischen Regierung Gegenvorschläge übermitteln werde, die der„sehr interessanten" Initiative des amerikanischen Präsidenten in weitem Maße Rechnung tragen, aber die Rechte Frankreichs in bezug auf den bedingungslosen Teil der Pouvg-Plan-Zahlungen wahren. Die französische Antwort soll ausführen, da der Poung-Plan in Frankreich Gesetz sei. könne er nur durch ein neues Gesetz abgeändert werden: die französische Regierung habe die Pflicht, an dieser gesetzlichen Basis festzuhalten und schließ- lich sei das P a r l a m e n t berufen, über den Vorschlag zu entscheiden. Spät nachts besuchte der nordameritanische Botschaster Edge den Ministerpräsidenten Laval, um die Vorwürsc zu entkräften, ol« wäre Frankreich über die Vorbesprechungen des amerikanischen Vorschlages nicht genügend unterrichtet worden. Der Botschaster erklärte, daß keinerlei Vorvcrbandlungen mit irgendeinem Lande geführt worden sind. Der Präsident der Bereinigten Staaten habe Wie sie es sehen PASSO DI PARATA ECONOMICA fTra ecorumfa e polilic*. In eerle sUuazionl. La OisUntione non i poinMfc... foulen« doganale po trebbe precludera la via a pow.diiita per aii Ccqui- Ubrie delt Europa etntro�r tentale sarebbe graut- mente pregiudkoto...).■— GRANDI. Die deutsche Rechtspresse versucht ihren Lesern einzureden, Italien hätte nichts gegen die Zollunion. Die obenstehende Karikatur aus der„Tribuna" zeigt, wie man in Rom für die Zollunion„Propaganda macht". sich genötigt gesehen, schnell zu handeln, als die deutsche Finanz- krise am Ende der letzten Woche einen nahen Zusammen- b r u ch ankündigte. Frankreich sei an e r st e r Stelle von dem ameri- tonischen Borschlag unterrichtet worden. Die französische öffentliche Meinung würde sich, so führte Edge aus, allzu stark täuschen, wenn sie glaube, daß Frankreich absichtlich von einem längst vorbereiteten Plan abseits gehalten worden fei. Ministerpräsident Laval dankte dem Botschaster für diese Mitteilung und unterrichtete ihn über die Grundlinien der französischen Antwort. Zu diesen Erklärungen des Botschafters teilt Pertinax im„Echo de Paris" mit, die amerikanischen Bankiers, die um ihre an Deutschland vergebenen kurzfristigen Kredite bange waren, hätten Hoover zu einem überstürzten Handeln getrieben. Ursprünglich hätte Hoover die Absicht gehabt, seinem Plan die Form einer fran- zösisch-amerikanischen Erklärung zu geben, Frankreich und die Bereinigten Staaten seien es, die bei der gegenwärtigen Lage die größten Opfer bringen könnten. Der„Matin" tritt in einem ohne Zweifel von Ouai d'Orsay inspirierten Artikel für die Annahme des Hoover-Borschlages ein; er erklärt, das Vorgehen des amerikanischen Präsidenten eröffne neue Horizonte. Es habe eine Wirkung gehabt, die seine wirkliche Trag- weite noch übertreffe. Wörtlich genau mit den vorstehenden Erklärungen des Botschaf- ters Edge stimmt eine Veröffentlichung des Staatsdepartements (Außenminifteriums) in Washington überein. Englands Annahme überreicht. London, 24. Juni. Der britische Botschafter in Washington, Sir Ronald L i n d s a y, hat die Regierung der Bereinigten Staaten von der grundsätzlichen Annahme des Hoover-Plans durch England, entsprechend der Aeuhe- rung des englischen Premierministers im Unterhaus, verständigt. . Die britische Regierung soll in Washington Erkundigungen ein- gezogen haben, ob auch die Schulden der Dominien an England unter die Zohlungspause fallen sollen. Botschasterbesprechungen in Washington. Washington, 24. Juni. Staatssekretär Stimson hat Dienstag die diplomatischen Bertreter Deutschlands, Englands, Italiens, Bulgariens, Ingo- slawiens, Rumän'cns und der Tschechoslowakei zu Besprechungen über Präsident Hoopers Vorschlag. eines allgemeinen einjährigen Zahlungsaufschubs empfangen. Oer erfle Erfolg. Die jugendlichen Erwerbslosen bleiben in der Versicherung. Die sozialdemokratische Reichstagssraktion ist bei ihrem Kampf um Berbesserung der Notverordnung von der Aus- fassung ausgegangen, daß zuerst diejenigen Maßnahmen beseitigt oder zum mindesten gemildert werden müßten, deren Auswirkung schon in der nächsten Zeit fühlbar werden würden. Das betras vor allem die Frage der Unterstützung der jugendlichen Er- w e r b s l o s e n bis zu 21 Jahren, für die die Gefahr bestand, daß sie von Anfang Juli ab keinerlei Anspruch an die Arbeitslosen- Versicherung mehr hätten. Die von den Vertretern der sozial- demokratischen Fraktion mit der Regierung geführten Verhandlungen haben nunmehr folgendes Ergebnis gebracht: Die jugendlichen Arbeiter bis zu 24 Jahren bleiben in der Arbeitslosenversicherung. Bei Erwerbslosigkeit erhalten sie Unterstützungen in der Höhe der Sätze der Arbeitslosenversicherung. ES wird lediglich die Bedürftigkeitsprüfung ein- geführt, die nach den Bestimmungen der Krisenfürsorge erfolgt und ohne Schärfe gehandhabt werden soll. Die Sozialdemokratie hat mit dieser Regelung einen ersten Erfolg erzielt. Sie kommt einer verhältnismäßig großen Schicht von Arbeitslosen zugute, und ihre Durchführung e r« leichtert auch die soziale Fürsorge in den Gemeinden. Bei den in Aussicht genommenen Beratungen über die Ab- änderung der Notoerordnung wird die sozialdemokratische Fraktion sich mit der größten Entschiedenheit für weitere Eni- lastungen der arbeitendem Bevölkerung einsetzen. In welcher Richtung sich diese Arbeit bewegen wird, das ist in dem Schreiben des Fraktionsvorstandes an den Reichskanzler deutlich hervorgehoben worden:„Die werktätigen Schichten haben bisher die schwersten Opfer für die Finanzsanierung gebracht: deshalb haben sie einen berechtigten Anspruch darauf, daß ihnen künftig alle Erleichterungen zugute kommen." Vier Transozeanflieger. Außer den Amerikanern auch zwei Dänen gestartet. Für die Ueberfliegung des Atlantik hat wieder die günstige Jahreszeit eingesetzt. Außer den Amerikanern Post und G a t t h. die. wie bereits gemeldet, gestern in Harbour Grace mit dem Ziel Berlin gestartet sind. befinden sich auch zwei dänische Piloten, Hillig und H o l v i S auf dem Flug nach.K o p e n h a g en. m, �«ä* V\ mt�md Willy Post(rechts) und Harold Gatty(links). Die beiden Flieger Willy Post und Harold Gatty hoffen, wenn das Wetter gut bleibt, Berlin in zwanzig Stunden zu erreichen, Der von den Fliegern genommene Kurs führt im weiten Kreise vor Neusundland nach der Nordspige Irlands, dann über Schottland uni die Nordsee nach Deutschland. Bei ungünstigem Wetter wollen di« Der Ziennbahnskandal Aeue Verhaftung eines Gchupobeamten in Karlshorst Flieger von Irland Kurs nach der französischen Küste nehmen. Sie führen 2726 Liter Benzin mit sich. Nach Ansicht der amerikanischen Wetterstationen dürften die Flieger auf dem größten Teil ihres Fluges über dem Ozean nebliges Wetter antreffen. Doktor Kimball von der New-Vorker Wetterwarte erklärte heute nachmittag, daß klares Wetter nur auf dem ersten Teil der Flugstrecke herrsche. Später würden die Flieger mit Bewölkung und gelegentlichen Regen- schauern, doch günstigerWindrichtungzu rechnen haben. Es wird betont, daß beide Flieger erfahrene Piloten seien. In Anbetracht ihres ausgezeichneten Jnstrumentenmaterials bestehe wenig Zweifel, daß sie das Flugzeug selbst durch den stärksten Nebel navigieren könnten. -i- In Berliner Luftfohrtkreisen steht man diesem neuerlichen Versuch der Ozeanüberquerung im Flugzeug von West nach Ost ebenso wie allen bisherigen Flugexperimcnten ähnlicher Art recht steptisch gegenüber. Man wünscht den Fliegern glückliche Fahrt, ob sie aber ihr Ziel Berlin erreichen werden, ist, wie immer in solchen Fällen, fraglich. Man würde es schon mit Genug- tuung begrüßen, zu erfahren, daß die Ozeanslieger wenigstens Irland glücklich erreichen. Zwar ist der neu« Versuch der Ozean- überquerung außerordentlich gut vorbereitet, und es handelt sich um zwei erfahrene Piloten, die das Wagnis unternommen lMben, aber man braucht nur die Liste ihrer zahlreichen verschollenen Vorgänger durchzugehen, die unter gleichen Bedingungen ihr Grab im Ozean gesunden haben, um die Gefährlichkeit des Fluges zu erkennen. Das Flugzeug ist mit Lang- und Kurzwellensendern ousgerüstet und stand bis gestern abend um 23 Uhr, nach einer privaten Meldung, wie die Deutsche Lufthansa mitteilt, in V e r- bindung mit dem-Festland. Der Funkspruch besagt, daß der Motor ausgezeichnet arbeitet und das Flugzeug sich mit einer Geschwindigkeit von 256 Stundenkilometer bei günstigem Rücken- wind vorwärtsbewcge. Die Deutsch« Lufthansa hat der Flugplatz- lcitung auf dem Zentralslughafen in Tempelhof schon jetzt Anweisung gegeben, auf alle Funksprüche genau zu achten. Sollte den wagemutigen Fliegern die Fahrt über den Ozean ge- lingen, ist wohl kaum mit ihrer Ankunft in Berlin vor der heutigen Nacht zu rechnen. Irgendwelche Maßnahmen über einen Empfang, die zweifellos auch verfrüht erscheinen, sind bisher nicht getroffen worden. Dreckschleuderer unter sich. Deutschnationales Llrteil über wilhelminisches Regiment. Bei Hugenberge ist man vor di« unangenehme Aufgabe gestellt, die durch das Scherlunternehmen zu absoluter Kaiserfrömmigkeit er- zogene Leserschaft irgendwie an Anblick und Geruch des stinkenden Morastes zu gewöhnen, ails den die Kaiserzeit sich durch die Me- moiren ihrer hervorragendsten Exponenten ent- puppt. Mit der Erledigung der Bülow-Erinnerungen ist vom„Tag" A. Stein(Rumpelstilzchen) betraut worden, sicherlich ein Mann, dem man volles Einfühlungsvermögen in die Bülowsche Klatscherei und Übeln Nachredereien nachrühmen kann. Indem Herr Stein überschrifEich die Bülowschen Memoiren als.Dreckschleuder" bezeichnet, beweist er uns, daß er sich auf einem ihm durchaus ver- trauten Gebiet bewegt. Ueber die Verlogenheit und Unwahrhafligkeit der Bülowschen Erinnerungen braucht kein Wort verloren zu werden. Aber es ist interessant, wie ein Vertreter der Presse, die dem Fürsten Bülow zu seinen Kanzlerzeiten Weihrauch über Weihrauch gespendet hat, nun plötzlich entdeckt, daß Bülow ein wahres Scheusal gewesen ist. Hier eine kleine Wütenlsse dessen, was das saubere Rumpelstilzchen dem unsauberen Bülow vorzuwerfen hat: Gewissenlosigkeit in der Wahl seiner Mittel gegen fleckenlose Menschen, Fälschung von Privat- briefen, Sucht zur Verleumdung. Rumpelst>lzchen ist entrüstet, daß Bülow.vor keinem Vertrauensbruch, keiner Gehässigkeit, teiner Ent- stellung keiner Verleumdung zurückscheue". Das Endurteil lautet: „Bülow ist moralisch in seinem eigenen Unrat er st ick t." Hm, hm, möglich. Aber immerhin— dieser Schmutzfink war einer der ganz intimen Freunde Wilhelms bis zu der „Daily Telegraph"-Asfäre. Die Beschimpfung Bülows im„Tag" erfolgt allerdings, um gegen den verworfenen Kanzler die fleckenlose Gestalt seines Kaisers zu kontrastieren. Aber da liegt der Haken! WUhelm hat auf die Länge eigentlich nur zwei intim« Freunde ge» hobt oder richtiger gesagt: Er hat zwei aalglatte Schmeichler als leine Freunde geliebt: Bülow war der eine, der andere Phili Eulenburg. Sage mir, mit wem du umgehst... Die Hetze gegen das Reichsbanner. Eine ErNärnng des Bundesvorstandes. Der Bundesvorstand des Reichsbanners teilt mit: „Im Anschluß an radikal-pazifistische Enthüllungen vom Sommer 19Z6 über den Bezug fremdländischer(französischer) Gelder durch das Reichsbanner macht eine Mitteilung des Deutschnationalen Handlungsgehilfenverbandes zum gleichen Thema gegenwärtig die Runde durch die deutsche Rechtspress«. Hiernach soll Professor Dr. Friedrich Wilhelm F ö r st e r eidlich angegeben haben, daß 1S2ä nach seiner Kenntnis 36 666 Franken für die Wahlpropaganda des Reichsbanners gegen die Wahl des heutigen Herrn Reichspräsidenten gegeben worden seien. Der erste Bundesvocsitzende de» Reichsbanners Schwarz-Rot- Gold, Oberpräsident H ö r s l n g, hat schon einmal den Sachverhalt dahin klargelegt, daß ihm 1624 von einem Herrn Lehmann-Rußbüldt Mittel für die Organisation des Reichsbanners angeboten worden sind, von denen ausdrücklich gesagt wurde, sie stammten aus deutschen republikanischen Kreisen. Herr Lehmann-Rußbüldt war bis dahin dem ersten Bundesvorsitzenden persönlich völlig un- bekannt, aber di« üher ihn eingeholten Auskünfte lauteten so ein- wandfrei, daß kein Anlaß bestand, die angebotenen Mittel im Be- trage von 5666 M. nicht entgegenzunehmen. Irgendwelche politische Bindungen wurden dabei dem Reichsbanner weder damals, noch später gestellt, noch weniger sind damals dem Oberpräsidenten Hörsing »uch nur die leisesten Andeutungen gemacht worden, daß diese '-666 M. aus fremdländischen Quellen herrührten." Kasernen für Braunhemden. Unhaltbare Zustände in Äraunfchweig. Lraunschweig, 24. Juni.(Eigenbericht.) Eine von über 2666 Personen besuchte Reichsbannerversamm- lung protestierte gegen die in letzter Zeit überhand nehmen- den Gewalttaten der Hqkentreuzler im Land« Braun- schweig. Als«ine ihrer Ursachen bezeichnet« der Redner Genosse Barthel die Tatsach«, daß in der Stadt Brounschweig eine regel- rechte Kaserne für aus Preußen und anderen Ländern ge- ffüchtete Hitler-Leut« eingerichtet ist, in der diesen vielfach von Behörden gesuchten Elementen Unterkunft, Verpflegung und Be-' lleidupg gewährt wird. Außerdem gab der Redner bekannt, daß in die Schutzpolizei immer mehr Hakentreuzler Die llnlersuchungen de» Sonderdezernal», das zur Bekämpfung de» wilden Buchmacherwesens auf den Rennbahnen eingerichtet worden ist, sind, soweit sie die Rennbahn Karlshorst belressen. als vorläusig erledigt anzusehen,(für die Durchstechereien in Karl»- Horst kommen über 2 0 Buchmacher, Spanner und Schupobeamte in Frage. Sechs Polizeibeamte und neun Buchmacher sind wegen aktiver und passiver Bestechung in der letzten Zeit- dem Richter vorgeführt worden. Gegen alle 15 Personen ist Haftbefehl ausgesprochen. Sechs Polizeibeamte, die ihre Vergehen gleich eingestanden haben, sind von dem Sonderdezernat vorläufig entlassen worden. Die Untersuchung erstreckt sich jetzt auch auf die anderen Renn- bahnen. Unter dem Verdacht der Bestechung wurde am Dienstag ein Hundeführer der Schutzpolizei vom 123. Revier festgenommen. Nach längeren Verhören hat er ein Teilgeständnis abgelegt. Dieser Beamte, der aus der Rennbahn Grunewald seit 1621 seinen Dienst versieht, soll im Gegensatz zu seinen Kollegen in Karlshorst erhebliche Summen erhalten haben. Wäh- rend des Rennens hat er seinen Hund auf der Wache zurückgelassen und dann mit den Buchmachern unlautere Geschäfte gemacht. Erst später, wenn das Rennen vorbei war, hat er seinen Hund wieder geholt und die vorgeschriebenen Streifen ausgeführt. Schon ver- schiedentlich waren im Lause der zehn Jahre, die er dort Dienst tut, Beschuldigungen dieser Art gegen ihn erhoben worden. Jedes- mal war es ihm aber gelungen, sich wieder herauszureden. Der Hundeführer ist am Dienstagabend dem Untersuchungsrichter vor- geführt worden. Es ist damit zu rechnen, daß im Laufe des heutigen Tages ebenfalls Haftbefehl gegen ihn erlassen wird. Eine weitere Verhaftung erfolgte heute früh in der Bereitschaft Char- lottenburg. Bei den Verhören ist ebenfalls ein Oberwachtmeister, der auf der Rennbahn Grunewald Dienst tat, beschuldigt worden. aufgenommen werden. Die Versammlung unterstrich durch stürmi- sehen Beifall die Forderung, daß der R« i ch s i n ne» m i n i st e r sich endlich einmal um die Zustände im Reiche Franzens kümmern müsse. Russengeschäft perfekt. Einigung über llSv-Millionen-Mark-Äufträge. Die Vergebung größerer Sowjetaufträge gemäß dem Abkommen vom 14. April d. I. hatte sich verzögert, da man sich über die Kreditfristen nicht einigen konnte. Die Verhandlungen haben nun zu einer Vereinbarung geführt, wonach für Lokomobllen, In- dustrielokomotiven, Dieselmotoren sowie für Kräne, soweit diese keine Gesamtanlage darstellen, über eine Kreditfrist von 21 Monaten nicht hinausgegangen werden soll. Für ein größeres Geschäft in Waggonuntergestellen(sogenannten Drehgestellen) wurde eine Kredit- frist von 28,8 Monaten vereinbart, da es sich hier um«ine Sammelbestellung handelte, die als Gesamtanlage für den russischen Waggonbautrust anzusehen war. Bei Lostautos, die zunächst für 2 Millionen Mark nach Rußland geliefert werden sollen, hat man sich auf eine Kreditfrist von 24 Monaten geeinigt. Diese Verein- barungen bedürfen noch der Zustimmung des Interministeriellen Ausschusses. Nach dem letzten Stände der russischen Auftragsvergebung sind für rund 156 Millionen Mark Sowjetbestellungen perfekt geworden. Die llrheberrech-�verhandlungen gescheitert. Die nunmehr gescheiterten deutsch-russischen Urheberrechtsver- Handlungen in Moskau gestalteten sich von Anfang an sehr schwierig, da die Russen eine sehr strenge Unterscheidung zwischen wissen- s ch a f t l i ch« r und belletristischer Literatur verlangten. Di« Sowjetregierung war bereit, für Werke her Unterhaltung»- literatur den Urheberrechtsschutz zuzugestehen, verlangte aber für wissenschaftliche Literatur, daß weitere drei Jahr« di« Uebersetzung wissenschaftlicher Werke honorarfrei sein sollt«. Bei der geringen Rolle, die russische Uebersetzungen deutscher Romane und Novellen in dem gesamten Fragenkomplex spielen, war es der deutschen Delegation nicht möglich, auf den russischen Vorschlag einzugehen. Ruß- land übersetzt nahezu ausschließlich und in immer größerer Anzahl deutsche wissenschaftliche Werte, vor allem Bücher und Lehrbücher aus allen Gebieten der Technik. Gtahlhelm-Gememdevorsteher. Disziplinarverfahren gegen die Gemeindevorsteher in Airkow und Gagerih. Der Gemeindevorsteher in Birkow im Kreise Stalp hat die sogenannten Pflichtoersammlungen der ,.Stahlh«lm"-Ort«gruppe amtlich unter Zusetzung seines Dienststempels und seiner Dienst- bezeichnung bekanntgemacht. Ebenso hat der Gemeindevorsteher in Sageritz in demselben Landkreise eine von dem dortigen Stahl- helm-Ortsgruppenführer, der gleichzeitig Amtsvorsteherstelloertreter ist, erlassene Stahlhelm-Betanntmachung mit seinem Dienstsiegel ver» sehen und verfügt, daß diese amtlich abgestempelte Bekanntmachung sofort von jedem weitergetragen werden muß. Wegen dieser Vorkommnisse wurde die Republikanische Be- schwerdestelle Berlin bei dem Landrat in Stolp vorstellig und be» kam nunmehr den amtlichen Bescheid, daß das Disziplinar- verfahren mit dem Ziel auf Entfernung aus dem Amt gegen die beiden Gemeindevorsteher bereits schwebt. Mecklenburg-Gchwerin in Röten. Völlige Finanzverelendung wird einem Anschluß vorgezogen Schwerin, 24. Juni.(Eigenbericht.) Der Finanzminister oonMecklenburg-Schwerin machte vor Vertretern der mecklenburgischen Wirtschaft in einer ver- traulichen Besprechung über seinen Kamps gegen di« Einverleibung seines Landes in Preußen erbauliche Ausführungen: Der Finanzminister erklärte, daß er Mecklenburg-Schwerin in seiner jetzigen s r e i st a a t l i ch« n Form bis zu dem Zeitpunkt erhalten wolle, an dem die Reichsreform in Deutschland durchgeführt werde. Er wolle verhindern, daß Mecklenburg-Schwerin sich infolge gewisser Zwangsläufigkeiten zu einem Anschluß an Er ist dem Sonderdezernat vorgeführt und wird zur Zeit ver- nommen. Wenn er das Belastungsmaterial, das gegen ihn vorliegt. nicht entkräften katin, wird er ebenfalls festgenommen werden. Die Gummiknüppel von Scheuen. Direktor Straubes Vernehmung wird fortgesetzt. Die am Sonnabend abgebrochene Vernehmung des Haupt- angeklagten im Scheuener Fürforgeprozeh, Direktor Straube. wurde heute wieder ausgenommen. Sie brachic weitere schwere ve- lastungen de» früheren Anstaltsleiters. Straube mußte heute zugeben, den Zögling Puls bei der Der- nehmung nach seiner Einlieferung durch die Topskratzergarde ver- prügelt zu haben. Er gab hierzu die fast unglaubliche Begrün» dung, daß er durch diese Mißhandlung die Haupträdelsführer der Revolte herausbekommen wollte. Aus dem gleichen Grunde hat er, wie er zugibt, auch vier andere Zöglinge verprügelt. Er kann weiterhin nicht bestreiten, daß in feiner Gegenwart die Jungen der„Straube-Gruppe" die Flüchtlinge mißhandelt haben. Einen von ihnen will er zurückgehalten haben. Der Revolte von 1929 hat er keine Bedeutung beigemessen, doch nahm er sie und Unruhen in anderen Anstalten, die ihm zu Ohren kamen, zum Anlaß, die Gummiknüppel zu beschassen, die später an die Tops- kraher verteill wurden. Auf die Frage des Vorsitzenden, ob eine Genehmigung der vorgesetzten Behörde vorgelegen hätte, erwidert Straube, daß er solche Ankäufe selbständig machen durfte. Der Vorsitzende wies ihn daraus hin, daß ihm doch jede körperliche Züchtigung untersagt war. Straube redete sich damit aus, daß er für einen Fall der Notwehr hätte Vorsorgen wollen. Weiter gibt er an, daß er verschiedenen Zöglingen deshalb die Haare wie Znchlhäuslern abschneiden ließ, weil„Burschen mit geschorenen haaren nicht wegliefen". Auch das Wegnehmen der Oberklelder sei geschehen, um Fluchtversuchen vorzubeugen. Daß die Hunde aus Eßtellern gefressen haben, sei dadurch zu erklären, daß die Jungen ihnen ihre Teller hingestellt hätten. Preußen bequemen müsse. Dies« seine Absichten könne er aber nur durchführen, wenn die mecklenburgische Wirtschaft schwere Opfer auch in steuerlicher Hinsicht für die Erhaltung der Selb- ständigteit Mecklenburg-Schwernis auf sich zu nehmen gewillt sei. Sollten der Regierung aber Schwierigkeiten im Lande gemacht werden oder sollte Mecklenburg-Strelitz mit dem Land Rastenburg sich zu einer Einoerleibung in Preußen entschließen, dann würde es ihm, dem Finanzminister, sehr schwer gemacht werden, die Selbständigkeit Mecklenburg-Schwerins bis zur Durch- führung der Reichsreform zu erhalten. Man müsie sich dann mit dem Gedanken vertraut machen, daß unter dem Druck der Finanzloge des Landes ein An- schluh an Preußen für Mecklenburg-Schwerin unter Um- ständen unvermeidlich würde. Allerdings sei er der Auf- fassung, daß Mecklenburg-Schwerin von einem Anschluß an Preußen keine großer. Vorteile haben würde. Kommt also die Reichsreform nicht bald und käme Mecklenburg-Schwerin und seine Wirtschast nicht in nächster Zeit aus den Schwierigkeiten heraus, dann inüsl? man bezweifeln, daß es möglich fei, Mecklenburg-Schwerin» Eigen» staatlichteit zu erhalten._ Verschleppung im Aoggenausschuß. Zu wenig Publikum für deutschnationale Phrasen. Am Dienstagnachmittag trat der Roggenauss ch u ß des Reichstags wieder zusammen. Nachdem die Berichterstatterin, Frau Abgeordnete Sender(Soz,) in nichtöffentlicher Sitzung einen Be- richt über die bisher abgehaltenen Sitzungen des Aucschusies erstattet hatte, sollten in öffentlicher Sitzung die Plädoyers der Vertreter der einzelnen Parteien erfolgen. Als erster wäre der Deutschnationale Stubbendors an der Reihe gewesen, Da aber nicht genügend Publikum anwesend war, lohnte es sich für ihn anscheinend nicht, seine Phrasen von sich zu geben, so daß er Vertagung beantragte. Da die Nazis und selbswcrständ- tich auch die Kommunisten zustimmten, wurde der Ausschuß auf Donnerstagvorinittag vertagt. Das ist wieder ein Beweis dafür, daß es diesen Herrschaften gar nicht auf eine sachliche Klärung ankommt, sondern lediglich auf Radaumachen. Hilflosigkeit in Oldenburg. Die Braunhäusler bekennen ihr llnvermögen. Oldenburg, 24. Juni.(Eigenbericht.) Im Oldenburgischen Landtag sollte am Dienstag nach der Tages- ordrnrng zur Neuwahl der Regierung geschritten' werden. Die Nationalsozialisten, die das bisherige Beamtenministerium ge- stürzt hatten, tonnten dem Landtag jedoch weder ein politisches Ministerium noch ein Beamtenministerium vorschlagen. Ihre ganze Weisheit bestand wie immer, wenn sie in den Parlamenten nicht weiterkommen, in einem Antrag auf Auflösung des Landtags, der erst vor wenigen Wochen gewählt worden ist. Die Sitzung verlief deshalb nach einer uferlosen Geschäftsordnungsdebatte ergebnislos. Heute wird sich der Aelteftenrat des Oldenburgischen Landtags mit der Situation befassen. Es sind Bemühungen im Gange, die alte Regierung wiederzuwählen. Oer widerspenstige Herzog. Das Land Braunschweig muß klagen. Braunschweig. 24. Juni.(Eigenbericht.) Die braunschweigische Regierung hat sich jetzt, so schwer ihr das auch gefallen sein mag, gegen den früheren Herzog von Brounschweig wenden müssen Der Herzog hatte sich geweigert, den auf ihn entfallenden Der» w a l t u n g s k o st e n b e i t r a g sür das Landesmuseum in Braun» schweig und die Landesbibliothek in Wolffenbüttel zu zahlen. Auf eine kleine Anfrage eines sozialdemokratischen Abgeordneten hat die Regierung jetzt geantwortet, daß der Vorstand der Museums- und Bibliotheksstiftung bei der obersten Verwaltung des Gesamt- Hause« Braunschweig-Lüneburg Vorstellungen wegen der Kürzung des Verwaltungsbeitrages erhoben hat. Falls dieser Schritt vergeblich bleibe, wolle das Staatsministerium das Nötige zur Durchführung der aus dem Vertrag vom Juni 1925 sich ergebenden Verpflichtungen veranlassen. Museum und Landesbibliothek sollen in beschränktem Umfange geöffnet blechen. Das braunschweigische Staatsministerium wird also den früheren Herzog von Braunschweig oerklagen müssen. Itvei Briese. Gtahlhelm-Aettel und eine milde Gabe. Der Stahlhelm behauptet, er habe sein Sinti- Preußen-Volksbegehren bereits„gewonnen". Vor- läufig aber versendet er wahllos Bettelbriefe, um zu- nächst einmal die Kosten für den überflüssigen Rummel auf- zubringen. Wir geben im nachstehenden den Wortlaut eines solchen Bettelbriefes und die Antwort wieder, die einer der Empfänger als„kleinen Baustein" zur Erziehung über- spannter Nationalisten beisteuerte: I. Geheimer Regierungsral. Berlin-Zehlendorf. Mai/Juni 1931. Sven-Hedin-Straße 39. Fernsprecher: G 4(H 4) Zehlendorf 3267. Sehr geehrter cherr Staatssekretär! Das vom Stahlhelm durchgeführte Volksbegehren zur Auf- lösung des Preußischen Landtages ist gewonnen. Der Kampf hat . durch die notwendige Werbetätigkeit viele Kosten verursacht. Der Unterzeichnete— als der vom Stahlhelm-Landesamt Berlin für den Verwaltungsbezirk Zehlendorf bestellte Beauftragte — wendet sich daher ergebenst auch an Sie mit der herzlichen Bitte, die weitere Ausbringung des erforderlichen Geldes auch von Ihrer Seite durch Darbringung einer Spende gütigst unterstützen zu wollen. Der Stahlhelm vertraut hier- bei auf Ihr vaterländisches Fühlen für den hohen Gedanken eines ausrichtigen und gesunden Wiederaufbaues unseres gemeinsamen Vaterlandes und hofft, daß auch Sie auf dem Weg hierzu zu einem Opfer bereit fein werden. Der Not der Zeit entsprechend wird jeder auch noch so kleine Beitrag als helfender Baustein dankend«ntgegenge- nommen. Zur gefl. Bedienung ist eine Zahlkarte in der Anlage beigefügt. Mit treudeutschem Gruße und Frontheil gez. W e l l« n st e i n Geheimer Regierungsrat. II. Staatssekretär Krüger. Berlin W. 9, den 29. Juni 1931. Leipziger Platz 7. Sehr geehrter Herr Gehcimrat! Ueber Ihre Zuschrift wegen einer Geldspende für das Stahl- helm-Bolksbegehren bin ich außerordentlich erstaunt. Sie werden doch nicht im Ernst« annehmen, daß ich als Staatssekretär eines preußischen Ministeriums für das Volksbegehren einen„wenn auch noch so kleinen Baustein" beisteuere, das gegendiepreu- ßische Staatsregierung gerichtet ist. Ich weiß es zwar zu würdigen, daß der Stahlhelm„auf mein vaterländisches Fühlen für den hohen Gedanken eines aufrichtigen und gesunden Wiederaufbaues unseres gemein- samen Vaterlandes vertraut". Ich möchte Ihnen jedoch keinen Zweifel darüber lassen, daß ich mir diesen Aufbau nicht vorstellen kann ohne Gemeinschaft mit den vorwärtsstrebenden Millionen der Sozialdemokratischen Partei, der ich selbst seit langem angehöre. Da- her muß ich selbstverständlich die Bestrebungen de» Stahl- Helm auf das schärfste verurteilen, der diesen Teil des Volkes von dem ihm gebührenden Anteil an der politischen Leitung ausschließen will. Und da Sie Ihren Brief mit „Frontheil" unterzeichnen, möchte ich noch hinzufügen, daß ich zu meiner grundsätzlichen Einstellung gerade durch meine Er- sahrungen als Reserveossizier an der Front gekommen bin. die mich gelehrt haben, daß solch trennende Schranken, wie sie der Stahl- Helm gegenüber einem großen Teil des Voltes aufrichten will, der im Kriege und nach dem Kriege für Volk und Vaterland sein Bestes getan hat, ein für allemal der Vergangenheit angehören wüsten. Das übersandte Postscheckformular füge ich wieder bei, da ich, wie Sie einsehen werden, dafür keine Verwendung habe. Mit vorzüglicher Hochachtung gez. Krüger Staatssekretär im Preußischen Ministerium für Landwirtschaft, Domänen und Forsten. (Nr. 2164 Ihrer Sammelliste.) Im iiefen Keller... Llralzesfs Ookumentenhondel mit den Oeutschnationalen. Im Uralzeff- Prozeß gelangte nunmehr der Anklagepunkt zur Verhandlung, der das gefälschte„Kaufhold-Dokument" betrifft. Diese von Uralzeff und seinen Kumpanen angefertigte, scheinbar notarielle Urkunde, enthielt eine Erklärung des deutsch- nationalen Abgeordneten Dr. Kaufhold, wonach dieser sich zur Zah- lung von 239 999 M. verpflichtete, falls Uralzeff ihm sein Material gegen die deutschnationalen Direktoren der Roiffeisen- dank, Reichstagsabgeordneten Dietrich und Landtagsabgeordneten S e e l m a n n, aushändigen würde. Bei der Fälschung der Urkunde haben die Angeklagten Schwad« und R i sc z e s Uralzeff durch Beschaffung eines Notariatsstempels unterstützt. Gestützt auf dies« Urkunde verstand«» Uralzess, seine Geldgeber um weitere Summen zu erleichtern. Uralzeff gab in der Verhandlung die Fälschung der Urkunde zu, behauptete aber im übrigen, daß er mit Kaufhold tatsäch- lich in Verhandlungen gestanden habe. Kaufhold habe als Mitglied des Untersuchungsausschusses gewußt, wie sehr die Direktoren Dietrich und Seelmann kompromittiert seien. Er Hab« durch Ankauf des Belastungsmaterials seine Parteifreund« d e ck e n w o l l e n. Bei der ersten Aussprache habe Kaufhold ihn in einen Keller geführt und gesagt, hier sei man ungestört. hier könne Uralzeff alles erzählen. Uralzeff will dem Abg. Kaufhold auf seine Versprechungen hin einen Teil seines Materials ausgehändigt haben, darunter drei besonders wichtige Briefe, die jetzt verschwunden seien. Später habe sich Kaufhold nicht mehr von ihm sprechen lassen. Als es Uralzeff geglückt sei, Kaufhold einmal im Landtag zu erwischen, habe dieser ihm erklärt. das Material sei überhaupt nichts wert Dadurch sei er, Uralzeff. in große Verzweiflung geraten und habe nun versucht, durch die Fälschung„zu seinem Recht" zu kommen. Man darf gespannt sein, was der Abg. Dr. Kaufhold zu diesen Behauptungen Uralzesfs zu sagen haben wird. Deutsche Kinder in Krankreich Herzliche Ausnahme Rundsunkhörstunde»Wirtschast und Jugend�. Die Gespräche jugendlicher Arbeiter über Wirtschaft und Jugend vor dem Mikrophon der„Deutschen Welle" werden am Freitag, 26. Juni, 19 Uhr, in einer Rundfunkhörstund« im Vor- tragssaal, Lindenstraße 3, übertragen und unter Leitung des Direktors der Staatlichen Wirtschaftsschule, Dr. N ö l t i n g. kritisch besprochen. Teilnehmerkarten erhältlich in der Buchhandlung Dietz, Lindenstr. 2 und beim Arbeiter-Radio-Bund, Gitschiner Str. 61(Dönhoff 18L6). Bayardville, Mitte Juni 1931. Hätten die nationalistische!, Hetzblätter recht, so wären di« von dem Komitee„Friedensaktion" nach der Insel Oleron an der. fran- zösischen Westküste eingeladenen 244 Kinder deutscher Arbeitsloser überall mit giftigen Blicken, mit feindlichen Worten oder mit Stein- würfe» empfangen worden. Aber die Aufnahme der 199 Hamburger, 44 Berliner, 59 Leipziger und 59 Nürnberger Buben und Mädchen im Alter von 12 bis 14 Jahren ist überaus herzlich, nicht nur auf der Insel, sondern im ganzen französischen Land, dessen ver- schiedenste Linksorganisationen die 159 999 Franken, die zur Deckung der Kosten Nötig sind, durch Spenden aufbnngen müssen. Auf jedes Kind kommt«in Satz von etwa 12 Franken(2 Mark) pro Tag für die Nahrung. Das„dlaison heureuse", das„Glllcklick)« Haus", im Ort Boyardoille auf der Insel Oleron, in dem die Kinder unter- gebracht sind, gehört den französischen Konsumgenossenschaften, ein neues Haus mit schönen, hellen Räumen, an deren Wänden man Bilder sieht, die die Fabeln von La Fontaine darstellen. Jeden Morgen und jeden Nachmittag gehen die Kinder unter Führung ihrer zehn deutschen Lehrer zum Baden an den Strand des Atlanti- schen Ozeans oder sie machen Ausflüge in die nähere und weitere Umgebung. Ihr Aufenchalt ist auf vier Wochen begrenzt, und am 19. Juni müssen sie wieder heim. Alle verwünschen dieses Datum. Lapierre, der Vorsitzende der fast 199 999 Anhänger zählenden linksstehenden„Gewerkschaft französischer Volksschullehrer", hatte dafür gesorgt, daß den Kindern gleich auf der Herreise in Paris ein glänzender Empfang zuteil wurde. Die Nacht durch fuhr man von Paris nach Oleron. Früh um drei Uhr, als der Zug im Bahnhof von Samur hielt, fragt« sich eine Frau in deutscher Sprache mit französischem Akzent zurecht:„Sind hier die deutschen Kinder?", und als sie von innen„Ja" hörte, überreichte sie ihnen ein großes Paket mit Süßigkeiten. Man erfuhr später, daß es eine französisch« Lehrerin war, die mitten in der Nacht mit Sohn und Gatten zum Zug gekommen war. Kaum war die Ankunft der Kinder auf der Insel bekannt geworden, da marschierte der Lehrer des sieben Kilo- meter von Boyardoille entfernten Ortes Dolus an der Spitze seiner Schulkinder mit Erdbeeren und Blumensträußen den deutschen Kindern zur Begrüßung entgegen. Der Arzt des Ortes St. Pierre, des größten der Insel, der gleichzeitig dort Bürgermeister ist, ver- langte, als er neulich einmal für ein Kind konsultiert wurde, keiner- lei Honorar:„Ich tue das gern für di« Kinder deutscher Arbeits- loser", sagte er, und als einmal ein anderes Kind auf der Land- strahe müde wurde, nahm ein Radfahrer es auf das Rad. uin es nach Haufe zu bringen, aber sofort jagte«in Autobesitzer dem Radfahrer das Kind ab, um es lieber im Auto in das Heim zurück- zubringen. So fröh sind hier die Franzosen, etwas für die Kinder tun zu können. Diesen geht es glänzend. Sie werden von der Sonne ganz braun und schwarz gebrannt und sehen alle gesunder als vorher aus. Herr Bablon, der französische Leiter des„dlaison beureuse", nimmt sich der kleinen Gesellschaft auch in vorbildlicher und liebenswündigster Weise an. Während des Krieges waren in dem Heim deutsche Knegsgefangene untergebracht, und der Zufall will es sogar, daß ein Berliner Kind dabei ist, dessen Vater wäh-. rend des Weltkrieges hier war „Sie kommen gerade im besten Moment", sagt« mir der Lehrer Wilhelm Weiß aus Hamburg, der Hauptleiter der Kinderschar, als ich ankam,„denn gerade morgen nachmittag haben wir unser großes Fest." Zu diesem Fest kamen die Bürgermeister und viele Leute aus der ganzen Umgegend. Da sangen die Deutschen:„Wann wir schreiten Seit' an Seit'",„Wir sind das Bauvolk der kommenden Welt",„Hebt unsere Fahnen in den Wind", da zeigten sie zwischen immergrünen Eichen. Mimosen, Palmen und Feigenbäumen die alten deutschen Volkstänze und führten sportliche Uebungen vor. und die kleine Resi Gehra aus Nürnberg deklamierte in bayerischem Dialekt„Der arme Bub". Als dann die deutschen Kinder auch in -franzosischer Sprache einige Lieder sangen, da erhob sich spontan ein französischer Lehrer, rief die zahlreich anwesende französische Jugend zusammen und ließ diese den zur Musik der neunten Sinfonie von Beethoven gedichteten„Hymnus auf die Zukunft" singen, und alle anwesenden Lehrerinnen und Lehrer stellten sich dabei bs- geistert neben ihre Schüler zum gemeinsamen Gesang in Reih und Glied. Einige Tage später besuchten die Hamburger Kinder dos Heim Aerium in St. Troyan. wo sie mit den 85 dortigen jungen Fran- zosen gemeinsam in fröhlicher Laune spielten. Die Kinder werden an diesen schönen Ausenthalt in Frankreich ihr ganzes Leben denken. Schon hat der Bürgermeister von Thouars darum gebeten, die Kinder bei der Rückfahrt nach Paris (wo sie am 21. Juni an der Fünszigjahrfeier der weltlichen Schule teilnehmen werden und wo man sie zwei Tage durch die Hauptstadt führen wird) während des Zugaufenthalts von zehn Minuten am Bahnhof von Thouars festlich begrüßen zu dürfen. Nirgends ein Mißklang. Nur der Schutzmann in Paris ärgerte sich neulich etwas, als die Kinder die„Internationale" sangen, aber Iouhaux, der Vorsitzende des französischen Gewerkschaftsbundes beruhigte ihn schnell:„Regen Sie sich doch nicht auf, bald werden auch Sie die „Internationale" mit uns singen", und der nationalistische Pariser Stadtverordnete Provost de Launey hielt es für nötig, an den französischen Unterrichtsminister zu schreiben, rvie er es gestatten könne, daß vom Staat bezahlte französische Lehrer deutsch« Kinder zur Erholung einladen, wo es doch soviele notleidende französische Kinder gebe. Der Mann war früher einmal Abgeordneter und will es bei den Neuwahlen des nächsten Jahres wieder werden, nachdem er 1928 durchgefallen war. Eine andere Bedeutung hat diese An- frage nicht. Aber gerade sie zeigt, wie hock) wir die große pazi- fistische Geste der französischen Friedensfreunde anzuschlagen haben, und wir können ja Herrn Provost de Launey ganz fest versprechen, daß auch die deutschen Nationalisten auf die Not stn eigenen Lande hinweisen werden, wenn einmal deutsche Friedensfreiinde Spenden zusammenbringen sollten, um junge französische Erbfeinde nach Deutschland einzuladen. Kurt Lenz. „Panik in Chicago". Llfa-Palast am Zoo. Die Filmindustrie setzt von vornherein bei ihrem Publikum ein übersteigertes Interesse für Mörder und Einbrecherbandenführer voraus. Nach der Devise:„Das Publikum will Leichen sehen", wird mit bemerkenswerter Hartnäckigkeit und einem ungeheuren Munitionsverbrauch geschossen und gemordet. Auch sonst geht es noch ziemlich absonderlich zu. Vor zwei Jahren entsprungene Zucht- Häusler sind klotzig reiche und in der allcrvornehmsten Gesellschaft anerkannte Banldirektoren. Sie haben Tänzerinnen zu Geliebten, die sie von oben bis unten mit Diamanten behängen. Die Dämchen leben in Saus und Braus und wissen nicht, wer ihre Männer sind. Es marschieren die verschiedensten Gesellschaftsschichten auf, die nur das eine gemeinsam haben, daß sie sich mit entsichertem Revolver in der Hand unterhalten. Der Zuschauer wundert sich über nichts mehr. höchstens darüber, daß er selbst nicht angeschossen wird. Dieses Durcheinander tonnte Robert W i c n e als Regisseur nicht meistern. Im Gegenteil, er blamiert sich derart, daß er einem leid tut: denn Wien« hat einmal als Regisseur stummer Filme sehr viel gekonnt. Olga T s ch e ch o w a, diesmal blond, versagt gänzlich als Bandstengeliebte. Ferner wirken weder Hans R e h m a n n noch Ferdinand Hart wie Bandsten großen Formats. Bei allen hochdramatischen Stellen krümmte sich das Publikum vor Lachen, das war so stark, daß es selbst die Pfiffe und den ironischen Beifall übertönte. e. b. Eine zugkräftige Heiratsanzeige. Die Geschichte der Heiratsanzeige ist reich an lustigen Einzel- heiten, und besonders in den Anfängen dieses heute nicht mehr ungewöhnlichen Weges zum Eheglück fehlt es nicht an merkwürdigen Verlautbarungen. Wie zugkräftig eine solckze„Flucht in die Oefsent- lichkeit" schon vor 199 Iahren war, zeigt das erste Heiratsgesuch, das überhaupt im„Wochenblatt für den Kreis Recklinghousen" ver- öffentlicht wurde. Dies« Anzeige wurde am 21. Juli 1832 von einem Schuhmachermeister aus Ahsen eingesetzt, und ihr solgte am 18. August eine weitere Erklärung, die im„Zeitungs-Verlag" mit- geteilt wird. Sie lautete:„Auf meine Anzeige in Nr. 29 suche ich eine Lebensgefährtin von 18 bis 39 Iahren, mit wenigstens 599 Talern Geld. Da ich jedoch zu sehr überlaufen werde, so ver- lange ich nicht nur mehr Schönheit, sondern auch mehr Geld und bestimme ersteres auf 18 bis 24 Jahre und letzteres auf 1999 Taler Preuß. Courant bar und setze den letzten Termin, bis zu welchem sich Lusthobende melden müssen, auf den 29. Dezember fest, wo alsdann der Heiratszuschlag, der mir am vorteilhaftesten scheinenden sofort cum impetu erteilt werden soll." Versteigerung moderner deutscher Kunst. Am 27. Juni ver- anstaltet die Kunsthandlung Paul Graupe, Berlin, eine Ver- steigerung von Werken lebender deutscher Künstler der jüngeren Generation. Die Versteigerung soll die Verbindung zwischen Künstlern und kunstliebendem Publikum herstellen. Die Werke werden vom 24. bi» 26. Juni zur Besichtigung ausgestellt. Die vayreuther Festspiel« aus dem Reichsrundsunk. Die seit Iahren geführten Verhandlungen zwischen dem Reichsrundsunk und der Leitung der Bayreuther Festspiele sind in diesem Jahre zum Ab- schluß gelangt. Es ist vereinbart worden, daß die erste Tristan-Auf- führung, die von Furtwängler geleitet wird, von dem gesamten deut- schen Rundfunk übernomnien wird. Tai Erstlingswerk von Paul FejoS„Der letzte Augenblick" zeigt die Deutsche Gescllschast für Ton und Bild in der Kamera DenncrStag, Freitag und Sonnabend, abend» 11 Uhr. Oer Schuldige des Bilderbrandes. Strafverfohren wegen des Münchener Glaspalostbrandes.. München, 24. Juni. Die Staatsanwaltschaft München I hat auf Grund der Feststellungen der Polizeidirektion und des Gutachtens des Bor- stände? des Gerichtltch-Chemischen Instituts über die Entstehung?- Ursache der Glaspalast-Brandkatastrophe ein Strafverfahren gegen den Malermeister eingeleitet, der mit seinen Gehilfen die Malerarbeiten kurz vor dem Brandausbruch in dem Gebäude ausgeführt hat. Ein Ultrakurzwellen. Sender für Verlin. Die Berliner Funk- stunde hdt im Einoernehmen mit d«r Reichsrundfunkgesellschaft beim Reichspostminifterium jetzt die Bereitstellung eines Ultrakurzwellen- Senders für Berlin beantragt. Ueber diesen Antrag soll in den nächsten Tagen bereits eine Entscheidung herbeigeführt werden. Neuerdings ist der Ultrakurzwellen-Sendcr des Reichspoft-Zentral- amtes so umgeändert worden, daß auf der ausgestrahlten Welle gleichzeitig zwei Programme gesendet werden können. Die Arbeiten sind inzwischen so weit fortgeschritten, daß in Kürze mit den Versuchen einer Doppelmodulation begonnen werden kann. Ein Buch über die Ailmzensur. Der Filmregisseur Mar Mack bringt demnächst ein Wert unter dem Titel„Von der Zensur ver- boten" heraus. Als Mitarbeiter sind führende Fachleute nicht nur aus der Filmindustrie, sondern auch von Behörden und Fachwissen- schaftler gewonnen worden. Die Redaktion leitet Dr. Georg V. Mendel. Besonders interessant dürsten in diesem Buch die Ab- bildungen sein, die von der Zensur verbotene Photos und Plakate reproduzieren. Eine Mkiugerzeit-Ausstellvng. Am 5. Juli wird die Halt- habu-Wikingerzeit-Ausstellung in Schleswig er- öffnet. Sie soll unter der wissenschaftlichen Leitung des Kieler Mu- feumsdirektors Dr. S ch w a n t e s die gewaltige Bedeutung des alten Wikinger Hafenplatzes Haithavu und den großen Kultur- und Wirtschaftstreis jener Zeit zeigen. Mit Unterstützung der arohen vorgeschichtlichen Museen in Deutschland und Skandinavien ist eine Ausstellung aufgebaut, welche die Ergebnisse der Ausgrabungen außerordentlich ergänzt und erklärt. Lebendig ersteht vor dem Be- sucher das Bild einer Weltstadt, die vom 9. bis 11. Jahrhundert für den Handel Europas ausschlaggebend war. Gewaltige Runensteine reden von dem Leben und den Taten der Bewohner. Die kostbaren Schmuckgegenstände jener Zeit bilden noch heute Kleinodien des Kunsthandwerks: sie sind Zeugen der hohen Kultur der Wikinger- zeit, die in den gleichzeitig ausgestellten Nachbildungen des nor- wegischen Osebergsundes und des Ofsbergfchiffes ebenfalls zum Aus- druck kommt. Die Ausgrabungen des alten Haithabu beginnen wieder am 1. Juli und find jederzeit allgemein zugänglich. Eine besondere Führung durch das Grabungsgelände findet täglich statt. Ver Jahresbericht der Deutschen Schiller-Slislung. Die Deutsch» Schiller-Stiswnq in Weimar veröffentlicht soeben ihren 71. Jahres- bericht Auch im Berichtsjahr 1939 ist es der Stiftung durch die Unterstützung amtlicher Stellen und einiger Freunde im In. unä Auslande möglich gewesen, ihren Aufgaben einigermaßen gerecht zu werden. Die Gesamtsumme an Bewilligung«», die aus der Zenlral- kass« erfolgen konnten, betrug 53 539 M. Aus der Ernst-Keil-Stif- tnng wurden nach den'Beschlüssen der Schiller-Stiftung durch den Rat der Stadt Leipzig 7799 M. verteilt. Di« Deutsch-Spanlsch« Gesellschast veranstaltet zu Ehren de; neuen Botschafters Amerigo Castro Freitagabend S Uhr im Jbero-Amerikanifchen In- stitut, Breite Strahe 37, einen Empfang, auf dem Francisco Pompeh über die heutige fpanifchc Malerei(mit Lichtbildern) fprechen wird. Leethoveu« Streichinstrumente. Bei der Ioachim-AuSstellung, die anläßlich feine» 199. Geburtstage» Sonnabend in der Hochschule für Musik veranstaltet wirb, werden auch die Streichinstrumente aus dem Besitz von Beethoven zur Ausstellung gelangen. Eine unruhige Nacht Keuerübersall in der Gieinmehstraße Nach dem blutigen Zwischenfall am Magdeburger Plah, bei dem gestern abend zwei Reichsbannerkameraden von hakenkreuzlern so schwer verletzt wurden, das; sie ins Elisabeth-Kranken- Haus gebracht werden muhten, kam es knapp eine Stunde später, etwa gegen 24 Uhr, in der S t e i n m e h st r a h e abermals zu einem Uebersall nationalsozialistischer Rowdiez auf politisch Anders- denkende. Wie wir zu dem neuen Uebersall der Goebbels-Banden erfahren, wurde eine Gruppe von sechs Personen von etwa 20 bis 25 hakenkreuzlcrn angegriffen. Nur mit Mühe gelang es den Bedrohten, sich durch schleunigsten Rückzug vor den national- sozialistischen Wegelagerern in Sicherheit zu bringen. Die Haken- kreuzler feuerten mehrere Schüsse ab, ohne glücklicherweise jemand zu treffen. Das telephonisch alarmierte Uebcrfallkommando� konnte noch 15 Hakenkreuzler festnehmen und der Abteilung I A des Polizeipräsidiums einliefern. Außerdem wurden drei Personen festgestellt, die bei ihrer Vernehmung angaben, parteilos zu sein. Die Vernehmungen der Politischen Polizei zur Klärung des blutigen Zwischenfalles am Magdeburger Platz sind nach nicht völlig abgeschlossen. Nach dem bisherigen Untersuchungs- ergebnis find mehrere Reichsbannerleute, die sich nach einer Sport- Übung auf dem Heimweg befanden, von Nationalsozialisten provo- ziert und beschimpft worden. Die Burschen ergriffen darauf die Flucht und mobilisierten den Sturm, der in dem Afrika-Kasino in der Lützowstraße sein Hauptquartier hat. Die Uebermacht siel über die wenigen Reichsbannerleute, die sich heftig zur Wehr setzten, her. Im Verlause des Handgemenges wurden, die Reichs- bannerleule Hans Kocher und Robert Lleil niedergestochen. Kocher wurde außerdem, als er bereits am Boden lag, derart durch Fuß- tritte traktiert, daß er innere Verletzungen erlitt. Er- freulicherweise befinden sich die beiden Verletzten außer Lebens- gefahr. Zwei Nazis, die leichtere Verletzungen davongetragen hatten, konnten aus dem Krankenhaus inzwischen wieder entlassen werden. Blutschande. Sin Ehemann verkuppelt die Mutter seiner fünf Kinder. Wittenberge, 24. Zuni. Unglaublich traurige Familienverhältnisse enthüllten zwei Prozesse, die vor dem Grohen Witlenberger Schösfengericht ihren Abschluß fanden. Im ersten Falle hatte.sich der frühere Vizewachtmeister Ferdinand W e s s a l o w s k i aus Wittenberge wegen Blutschande in drei Fällen zu verantworten. Er hatte sich an seiner jetzt 15 Jahre alten Tochter seit ihrem achten Lebensjahr vergangen und auch seine beiden jüngeren Töchter, von denen eine ein uneheliches Kind ist, seinen Wünschen durch Drohungen gefügig gemacht. Be- sonders schwer lag der Fall bei der jüngsten Tochter, die nicht im vollen Besitz ihrer Geisteskräfte ist. Das Gericht versagte dem An- geklagten mildernde Umstände und verurteilte ihn zu sechs Jahren Zuchthaus und zehn Jahren Ehrverlust. Das Verfahren gegen die Töchter wurde eingestellt.-- Im zweiten Fall hatte sich der Zigarrenmacher R. B i t t m a n n aus Wittenberge wegen schwerer Kuppelei zu verantworten, der seine Ehefrau, die Mutter von fünf Kinder» ist, an ihren Neffen und ihren Vetter, die bei ihm zu Besuch weilten, verkuppelte. Im Hinblick aus seine geistige Minderwertigkeit verurteilte das Gericht ihn zu einem Jahr Gefängnis und zwei Jahren Ehrverlust. Hansmann zur Oisposiiion gestellt. Quertreibereien im Schwelmer Kreistage. Die preußische Staatsregierung hat am Dienstag beschlossen, Landrat Hansmann in Schwelm zur Disposition zu st e l l e n. Hansmann ist Mitglied der sozialdemokratischen Fraktion des Preußischen Landtags. Der Beschluß des Staatsministeriums ist nicht, wie. wir aus- drücklich hervorheben, auf Grund der Nierenhofer Rede von Hans- inann erfolgt. In dieser Rede sollte Hansmann nach den Behauptun- gen des„Stahlhelm" die Frontsoldaten allgemein als besoffene Schweine bezeichnet haben. Die amtliche Untersuchung ergab, daß diese Behauptung des„Stahlhelm" die Tatsachen völlig entstellt wiedergab, so daß Hansmann aus dem damals gegen ihn ein- geleiteten Verfahren in jeder Hinsicht gerechtfertigt hervorging. Wenn der Staatsminister es jetzt trotzdem für angebracht ge- halten hat, den verdienstvollen und hochqualifizier- ten Landrat zur Disposition zu stellen, so ist das auf Vorgänge rein lokaler Art zurückzuführen. Die starke politische Persön- lichkeit des Sozialdemokraten Hansmann hat es mit sich ge- bracht, daß dieser charakterfeste und unantastbare Mann zu einem großen Teil des Schwelmer Kreistages in immer st ä r k e r e Widersprüche geriet, die naturgemäß auf die Selbstver- waltung zurückwirkten und eine ersprießliche Arbeit zwischen der Mehrheit des Kreistages und Hansmann mehr und mehr in Frag« stellten. Aus dieser Situation hat die preußische Staatsregierung die Konsequenzen gezogen, indem sie Hansmann zur Disposition stellte. Wie wir hoffen, nur für kurze Zeit. Preußen greift ein. Grundlegender Erlaß über die Fürsorgeerziehung. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, hat der preußische Minister für Volkswohlfahrt in Ergänzung der geltenden Bestimmungen über die Fürsorgeerziehung eine Reihe von grund- legenden Anordnungen getroffen, die die Aussicht Übr die Fürsorge- erziehungsheime, die Behandlung der in Anstalten untergebrachten Minderjährigen und die regelmäßige Nachprüfung der Entlassungs- reife regeln. Eine eingehende Darstellung des Inhalts der neuen Vorschriften wird von zuständiger Seite durch den Amtlichen Preußischen Pressedienst in den nächsten Tagen gegeben werden. 3)ie fdirrimmende Jnfel Auf dem Tegeler See löste der starke Wind ein Stück Userland von erheblichem Umfange und trieb es ins offene Wasser. Solche schwimmenden Inseln trifft man oft auf den flachlandigen Gewässern Berlins: sie bilden«ine große Gefahr für die Berufs- und die Sportschiffahrt und müssen schleunigst beseitigt werden. Llm Lllbrichs lebenden Marmor. Sein minderwertiges Photomaterial vor Gericht. lllbrichs„Lebender Rlarmor" Hai schon im Mordprozeh Stolpe, Benziger und Luise Reumann eine gewisse Rolle gespielt, heute ist er Gegenstand einer Verhandlung vor dem Schöffengericht Berlin-Milte. Der von Lieschen Neumanns Freund Stolpe ermordete Uhr- wacher Ulbrich war ein leidenschastlicher Photograph: besondere Vor- liebe hatte er für A k t a u f n a h m e n. Ein Teil des in seiner Wohnung gefundenen Photomaterials war von de» Kriminalpolizei frei- und seiner geschiedenen Frau zurückgegeben worden. Ein Redakteur Vestermann erwarb von der Frau 190 Platten und verkaufte sie, nach vergeblichen Versuchen, sie an einer Berliner Ver- leger zu bringen, weiter an das Wiener Institut für Sexualforschung. Der Leiter dieses Instituts, Dr. S ch i d r o- w i tz, ist auch Besitzer des Verlages für Kulturpolitik. Unter großen Zeitungsankündigungen ist im Verlage Kulturpolitik ein Buch erschienen, dessen Rücken nur den Namen„Ulbrich" trug und das folgenden Ausdruck zeigte:„Der Mann, der 1500 Frauen photographierte", seine sexuellen Triebabweichun- gen, seine Umwelt und seine Modelle— Mordprozeß Lieschen Neu- mann— eine sexualpsychologische Schilderung mit 200 der interessan- testen Aktphatos aus dem Nachlaß des Ermordeten— mit lllbrichs Lebendigem Marmor. Im Text zu dem Photomaterial hatten der Ministerialrat beim sächsischen Justizministerium Dr. E r i ch W u l f- f e n und- der Assistent aus dem Sexualwissenschaftlichen Institut Berlin, Dr. Abraham, gegeben. Die Darlegungen der beiden Herren trugen einen streng wissenschaftlichen Charak- t e r, es ist wohl anzunehmen, daß sie nicht gewußt haben, welcher Art das Photomaterial war, nämlich ausgesprochen minderwertiges Zeug, auf einen minderwertigen lüsternen Leser berechnet. Wegen Herausgabe dieses Buches wird nun vor dem Schöffen- gericht Berlin-Mitte in zwei Verfahren verhandelt: das eine richtet sich gegen den Redakteur Vestermann(Verbreitung unzüchtiger Schriften), da- andere ist ein objektives Verfahre« und bezieht sich auf dia Vernichtung des Buches. Als Zeugen sind unter anderem Frau Ulbrich, Dr. Felix Abraham und Dr. Schidrowitz geladen. Als Sach- oerständige sind anwesend der Schriftsteller Robert Breuer und Dr. Ludwig Fulda. Der Angeklagte Vestermann verteidigt sich mit der Behauptung, daß das Erscheinen des Buches auch ihn vollkommen überrascht habe. Es fei ihm beim Ankauf der Bilder durch das Wiener Institut für Sexualforschung gesagt worden, daß das Photo- Material nur zur Jllustrierung wissenschaftlicher Vorträge vor Aerzten dien.e. verbot einer kommunistischen Zeitung. Die Polizeikommission des Senats hat die kommunistische„A r b e i t e r- Z e i t u n g" aus Grund der Verordnung des Reichspräsidenten vom 28. März 1931 und des Republikschutzgesetzes auf die Dauer von vier Wochen vom 24. Juni bis 21. Juli einschließlich verboten. Ruckschau. Die Funkstunde übernahm in ihr Progwmm eine Sendung „M i t t s o m m e r n a ch t", die Breslau seinen Hörern als Urauf- führung bot.„Eine Dichtung für Musik" nannte sich das Werk. Den Text schrieb Anton Schnack, die Musik dazu schuf Edmund Nick. Es war eine Art Chanfon-Zyklus mit oerbindenden Texten: das Wort war über die Musik gestellt, wenn sich auch beide meist freundschaftliche Gleichberechtigung einräumten. Für den Hörer war jedoch wesentlich, daß er immer den Zusammenhang mit der Text- grundlage behielt. Der Breslauer Intendant bewies mit der Auf- führung dieses Werkes ein erfreuliches Verständnis für die Wirkungs- Möglichkeiten des Rundfunks, das die Berliner„Funkiantaten" meist völlig vermissen lassen, die den Text für den Hörer durchaus unver- ständlich machen, ohne dafür etwa durch eine geniale Komposition zu entschädigen— was natürlich diesen Mangel entschuldigen, wenn ihn auch nicht ausheben würde. Denn einer Komposition, die A einem Text für den Rundfunk geschrieben wurde, muß diesen Text auch dem Hörer im Werke erhalten, wenn sie auf Funkeignung Anspruch erhebt. Deshalb war diese Breslauer Sendung sinnvolle— und außerdem sehr sympathische— Rundfunkkost. Friedrich Meiser hielt vor dem Mikrophon des Berliner Senders einen Vortrag über„Lehrer und Elternschaft". Seine Ausführungen wollten die zahlreichen Ellern, die dem Geist der modernen Schulerziehung noch fernstehen, zu tatkräftiges Mit- Helfern an dieser Erziehung werben, die keine Erziehung für die Schule oder für das Elternhaus, sondern eine Erziehung zur Gemein- schast sein soll. Das Kind muß sich zum Glied der Gesellschaft ent- wickeln: es muß daher zum Gemeinschaftsgefühl, zum gegenseitigen Vertrauen, zum Verständnis der anderen erzogen werden. Das Der- hältnis zwischen Eltern und Schule soll ihm hierzu das Vorbild geben. Die Lehrer müssen die häuslichen Lebensbedingungen des Kindes kennen, die Eltern regen Anteil an der Arbeit der Schule nehmen. und vor allem diese nicht durch falsche Erziehungsmaßnahmen durch- kreuzen. Die Lehrer erleben es leider heut« noch oft, daß Kinder, die in der Schule nie körperlich gezüchtigt werden, infolge häuslicher Prügelstrafen verschlossen, gemeinschaftsfeindlich und schwer erziehbar sind. Des. Mittwoch, 24. Juni. Berlin. 16.05 Aktuelle Abteilun». 16.30 Edvard Qrieg; Sonate a-rnoll, op. 36(Alfred Schattschneider, Cello, und Bruno Scldler-Winklcr: Plüccl). 17.00 Nachmittaaskonzert. 18.00 Ein Zeitalter geht unter(Dr. Wolf Zncker). 18.20 Stadtbaurat Dr.-Ing. Adler: Das Verkehrsproblem der Großstadt. 18.40 Lieder von Max Kowalski und Alfred Rahlwes(Albert Fischer, Bariton! Flügel Dr. Georg Knepler). 10.00 Heilfron: Rechtsfragen des Tages. 19.25 Bflcherstunde: Reisen in Deutschland(Am Mikrophon: C. LOffler). 19.40 Königsberg; Orctaesterkonzert 20.30„Medea" von Euripides. Für den Rundfunk bearbeitet von Heinz Lip- niann. Regie: Gerd Fricke. 22.00 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Königswnsterhansen. 16.00 Min.-Rat Prof. Leo Kestenberg: Musikpädagogik im Rahmen der zweiten Tagung für Rundfunkmusik in München. 16.30 Hamburg: Konzert. 17.30 Karl Oracf und Mitwirkende: Das Melodram. 18.00 M. Schaffer: Deutsche Schicksale in Amerika. 18.30 Prof. Dr. Most: Das politische Erbe des Frh. vom Stein. 18.55 Wetter für die Landwirtschaft. 19.30 Ernst Schräder: Der Polizeibeamte. 19.55 Wetter. 20.00 Unterhaltungsmusik. 20.30 Prof. Dr. Otto Auhagen: Die Agrarrevolution in SowietruBland. 21.00 Leipzig; Orchesterkonzert. 22.30 Leipzig: 3. Akt aus„Die Meistersinger von Nürnberg" von Richard Wagner._ Welter für Berlin: Kühl und meist stark bewölkt mit Regen- fällen.— Für Deutschland: Allgemein kühl, im Osten Regenfälle, im Westen meist trocken. Veiantmortl. für bie Sebaftion: Serbeet Lep.'re, Beilin: An, eigen: Tb.»locke. Berlin. Verlag: Verrnärie Verlag S. m. b. 6-, Berlin. Druck: Vorwärts Btidi. druckerei und Derlagsanftalt Paul Singer& Co.. Berlin EW 68, Linbenltrake S. Sirrin 1 Beilage. Berliner VIlk-TrlO N•■ k 0 1 1 a. vLniuutc. 7i/1U VolKsbUhne Thealer an Bülowplali. 8 Uhr Lumpazivagabundus Staatl. Scbiller-Th. 8 Uhr Die Journalisten. Staatsoper Am Pl.d. Republik 8 Uhr Ans einem Tolenhans Täglich 8V> Uhr Planst am Kunden «od Cmt Bois und Mai Bauten Regie: HansOeppe Dentsdies Theater 8 Uhr Der Hauptmann von Köpenim v. Carl Zuckmayer Regie: Kein Hilpert metropoi-lheaier Täglich 8V» Uhr Die Toni aus Wien Mady Christians, Michael Bahnen Komiscne oper Frledrichstr. 104 S'/i Uhr Frauen baben das gern... Musikal. Schwank von Arnold Musik v. Walt. Kollo Sommerpr. 0.50-7.00 KR» gat vno Mills 7 Nur aross- Berlin Alexanderplatz ipng* Rerfauirmt Berlims BETRIEB 3;% KEMPIHSKIf* fTÜOl. '8 und •1/21 Ffltr* Snpgeabin Mae Wynn >. Buddy, 10 HNaiMk Tägl. 5 u. 814 Sonnt. 2, 5 u tlS Du KUtusr/cIgtt wegen hit Ende Juni verlängert'. OoerettneuttpM Täglich 8'/. Uhr Zorn goldenen Anker Valetti, Horney, Elsholtz, Zehner, St&ssel, Faber, Walter. Ruriarstennamm- Thealer Bismarck 449 |�8V»JJIirJ Die schöne Helena rao locqaos OtlgiiDiuti Hn niatai« ffieilage Mittwoch, 24. Juni 1931 SrrAMid SltoJaul4a4t Hütt J)oßetctt CLßenteuer in dcgyptcn Nachdem ich die paar Datteln gegessen hatte, trank ich das Nilwasser wie«s war. Ich war zu müde, um Tee zu kochen. Man ist so zerschlagen nach zehnstündiger Arbeit in dieser Jjitze. Während ich mir die schweren Stiefel herunterziehe, lasse ich den Blick durch die Gitter des engen Fensters hinauswandern. Mir war jede dieser Nächte wieder neu, eigenartig und fremd. chinter den dunklen Eiscnstäben lagen die schweren Quadern der Moschee im weißen Mondlicht. Ein paar Schatten, ein paar Sterne starrten trostlos herein in das Zimmer auf meinen schiefen, kleinen Tisch. Ich seufzte, während ich mich auf meinem mit Koffern ver- längerten Diwan ausstreckte. Als letztes spürte ich wie alle Tage diesen verfluchten Koffergriff an meinem Hinterkopf. Ich war wach! Wach, von etwas Unangenehmem, Häßlichem. Es mußte eine Gefahr im Zimmer sein. Mein Kopf war eigen- tümlich klar. Durch kein Zucken meines Körpers ließ ich jedoch er- kennen, daß mein Abwehrkampf gegen das Unbekannte begonnen hatte. Hatte sich jemand über mich gebeugt? Jeder Muskel war in Sprungspannung, als ich die Augen aufschlug. Aber ich sah nur die Lichtstreifen auf der Decke, die der Mond durch das Gitter warf. Das war es also nicht--- Da! Plötzlich spürte ich ihn, den dumpfen Druck auf meiner Brust. Etwas lag da. Etwas Spiralgerolltes, lebendig Gespanntes. Ein Gedanke packte mich, hielt mich fest, ließ mich nicht mehr los. Eine Schlange war das! Eine Schlang«--- Steif lag ich da. Eine Welle prickelnden Blutes rollte durch meinen Körper. Dann wurde ich kalt und klar und wach. Heute Mittag hatten wir, Ibrahim der Araber, Abdul der Nigger und ich, eine Sandviper gesteinigt. Eine dieser Sandvipern mit dem schnelltötenden Biß. Harry der kleine Jude, hatte mir von seinen Abenteuern mit langen schwarzen Nattern, draußen im Sumpfgllrtel bei Biktoriastation, erzählt. Das hier aber— das mußte Täuschung der erregten Sinne sein. Meine Hände lagen an den Schenkeln. Ich grub meine Nägel in die Haut. Da war der Schinerz. Ich schug die Augen auf. Da war wieder das gleich- flutende Mondlicht. Nein, ich träumte nicht mehr. Die Brust mit Luft füllend, wog ich das dunkle Knäuel. So schwer war keine glatte Natter und keine Würfelnatter. Nur eine gab es mit diesem Gewicht: das war die afrikanische Kopra, die Kleopatraschlange. . �jLenn ich nur einen einzigen raschen Blick aus das Reptil hätte werfen können! Aber mein Kops lag tief. Die Hände waren mir durch die Decke an den Körper gefesselt. Mit Anstrengung und un- endlich langsam hob ich den Kopf. Ich konnte ihn aber doch nicht hoch genug bringen. Nur kurz sah ich über die aufgebauschte Decke das rund«, schwarze Bündel. Nein, nein, das war keine glatte Natter mehr-- Nun lag ich wieder still. Mein Gehirn suchte unablässig nach einem Ausweg. Das Auge, das Gehör dieser Schlange ist schwach. Sie konnte in der Dunkelheit nicht sogleich Richtung finden. Bor meinem Kopf lag die Wolldecke wie ein Schutzwall. Vielleicht konnte ich einen Schrei wagen? Doch wenn sie zustieß, dann hatte sie mich im Gesicht. Ich fühlte, lange konnte ich so nicht mehr liegen bleiben. Meine Nerven waren zum Zerreißen gespannt.„Antonio!" schrie ich kurz und scharf. Der Angriff blieb aus.—„Antonio!" brüllte ich noch einmal. Auch diesmal verschonte sie mich noch. Sie lag noch da, aber es war Bewegung in ihr, das spürte ich. Wieder lag ich ruhig. Minuten— Stunden vergingen, was wußte ich nach von Zeit. Jetzt mußte ich handeln. Sonst würde ich wahnsinnig. Millimeter um Millimeter zog ich die Hände am Körper hoch. Nun lagen sie rechts und links des schweren Knäuels. Meine Muskeln spannten sich an. Ein Ruck, eine schleudernde Bewegung! Das schwere Bündel flog mitsamt den Decken an die Wand! Schnell war ich am Lichtschalter. Ein Knacks, dann warf ich mich zurück, preßte mich an die Wand. Meine Augen liefen durch das Zimmer. Da! Mir gegenüber— an der Tür— eine große schwarze-- Katze! Ihr« Augen starrten mich angsterfüllt an. M i a u sagte sie. flaifian fiatduAi Ein Uftepaar xcht um die Weit Höhepunkt der Krise, 4 Millionen Arbeitslose— das sind die Wahrzeichen des Sommers 1931... Sommerreise? Viele kennen das Wort nicht mehr. Breite Schichten der arbeitenden Bevölkerung konnten ja niemals ans Reisen denken, aber auch viele jener, die das ganze Jahr sparten, um im Sommer etwas aus dem düsteren Alltag heraus in die Sonne fahren zu können, bleiben dieses Jahr zu Hause. Die ersparten paar Mark legt man als Notgroschen hin: wer weiß, wann man arbeitslos wird. Immerhin— manch einer verzichtet aus den Notpfennig, um der von der Großstadt erschütterten Gesundheit durch einen Landurlaub neue Kraft zuzuführen. Diese.Ißeutc waren immer gute Kunden der Reisebüros. Wie steht es nun mit der Inanspruchnahme dieses Instituts in diesem Krisensommer? Der Leiter eines großen Berliner Reisebüros erzählt: „Die besser verdienenden Angestellten reisen dieses Jahr nur in die n a h e st e n Bäder. Jeder will am Reiseweg sparen. Deshalb werden die Ostseebäder sehr gut besucht sein. Am be- liebtesten sind die billigen Pauschalreiscn, weil jeder Pfennig schon vorher berechnet werden muß. Die Krise macht«ich sehr stark bemerkbar. Kunden, die früher bis zu 309 Mark aus- geben konnten, unternehmen heute nur Reisen unter 199 Mark." Die Auslandsbäder in Italien, der Tschechoslowakei und Oe st erreich versuchen mit Fahrpeisermäßigungen bis zu Z9 Proz. Ferienreisende aus Deutschland zu Auslandsreisen zu be- wegen. Aber nach den Worten des Reisebüroleiters reisen Leute, die voriges Jahr Weltbäder besuchten, dieses Jahr nach den billigsten deutschen Kurorten, und zwar nicht mehr zweiter, sondern nur noch dritter Klasse. Dies ist der wohlhabendere Mittelstand. Die An- gestellten fahren meistens in die Ferienheime ihrer Verbände. In einem anderen Reisebüro sagt man mir: „Sie wissen gar nicht, wie schwer es heute ist, in einem Reise- büro zu arbeiten. Die Leute kommen und sprechen über Reisen, holen die ausführlichsten Auskünfte ein. Die ganze Reisesehnsucht spiegelt sich in ihren Fragen, nur die wenigsten aber können sich zu einer Reise entschließen. Meistens haben die Angestellten zu wenig Geld für ihren Urlaub... Wie schwer ist es dann, solchen von Arbeit müden Menschen durch Auskunst die Hoffnung auf eine Reise zu zerstören." Die Arbeiterschaft zählt nicht zu den Kunden der Reise- büros. Der Leiter eines großen Reisebüros erklärte, daß, wenn die Arbeiterschaft überhaupt zu Reisen komme, dies dem B i l o u n g s- ausschuß der Sozialdemokratischen Partei zu ver- danken sei. Aber auch hier ist die Reisebeteiligung insolge der Arbeitslosigkeit zurückgegangen. Alle Reisebüros Berlins klagen in derselben Art über die Krise- Der Mittelstand ist als Rcisekunde verloren. Einzeln fahren die Leute nur noch in den seltensten Fällen.„Bijlig« Gesell- s ch a f t s r e i s e n" haben noch eine gewisse Anziehungskraft. Sonst sucht alles nach billigen upd stillen Erholungsorten in der Mark. Je weniger Fahrgeld, desto besser. Und wie steht es in dieser Zeit der Not mit den Lu�as- reisenden? „0", sagte der Ches eines Reisebüros im Westen von Berlin, „es gibt noch immer eine stattliche Anzahl von Leuten, die sich eine Reise für 2999 bis 3999 Mark leisten können! Es kommt vor, daß ein Luxusüberseedampfer, und zwar gerade die erste Klasse, ganz ausverkauft ist. Und gerade die t e u e r st e n Hotels in den Modebädern sehen dem Sommer mit Ruhe entgegen." Nein nein, die Herren in den Direktionszimmern und THes- kcntoren, die am lautesten über die furchtbare Zeit jammern, lind auch in diesem Jahr nicht gezwungen, an ihrem Sommerurloub zu sparen! Bevor ich mich oerabschiede, erzählt der Leiter des westlichen Reisebüros einen Vorfall, der sich vor acht Tagen ereignete. Ein Ehepaar betritt das Büro und bittet um einen Borschlag sür eine recht schöne Weltreise. Der Angestellte bietet den beiden eine Seereise für 39999 Mark an. 39 999 Mark? Die Dame rümpft die Nase und„er" winkt ob. Etwas mehr wolle man gern anlegen, aber der Reiseweg müsse erheblich verlängert werden. Ob Sie es glauben oder nicht, das Ehepaar erwarb eine Rund- reise um die ganze Welt 1. Klasse für19S999Mark!(Kein Druckfehler: Ein hundertsün stausend Mark!) So geschehen in Berlin im Jahre der Not 1931! Ohne den Namen dieses Weltreisenden, der zu seinem Vergnügen ein Vermögen ausgeben kann, zu kennen, sage ich, daß er bestimmt ein lebhafter Anhänger der L o h n k ü r z u n g ist! ßtcan Heiißuii Sommexnaefii unter(Räumen Im Sommer möchte ich die Wände meines Zimmers zerbrechen, wie weiland Simson die Säulen des Philisterpalasts. Eine Sommer- nacht, lau und weich, am Meer.:: oder nn-Kornfeld oder auf einem Dachgarten... oder im Tiergarten aus einer Bank... Was ist unser Leben, wenn es nichts als die Befriedigung von Bedürfnissen ist! Essen und Trinken an sich wird auf die Dauer eine Langeweile, wenn es nur den körperlichen Funktionen dient und nicht auch ein wenig der Lust des Gaumens. Der Mensch will genießen— nicht selten ist es ein physisches Bedürfnis, das nach der Verfeinerung verlangt. Ich möchte auf einem Dachgarten schlafen... oder im Tier- garten auf einer Bank... Ich möchte wie ein Affe auf Bäumen leben... das Atmen, das zum Ein- und Ausschnarchen quälender Stubenluft entwürdigt worden ist— das Atmen genießen. Sommer. Ich saß in? Tiergarten auf einer Bant. Ein Liebes- paar neben mir dachte freilich auch an's Genießen, aber der Atem- genuß war dabei nur ein Nebenprodukt. Endlich, als sie sich, etwas taumelnd, erhoben und um die Biegung des Weges verloren hatten, zog ich die Beine herauf und schlief ein. Ein Sicherheitspolizist rüttelte mich am Arm, als ich erwachte.„Wo wohnen Sie?" rief er. Ich sah mich nach allen Richtungen um und gab zur Antwort: „Hier." Hetßeti(ßtoinfioids Fast zu Ende des mechanischen Produktionsprozesses der Kunst feidenerzeugung ist die W e i f e r e i.(Die Kunstseidenerzeugung hat zwei Produktionsphasen zu durchlaufen, eine chemische— Herstellung der Seidensubstanz— und eine mechanische— die eigentliche Seiden- sabrikation.) In riesigen, maschinengesüllten Hallen wird die künst- liche Seide maschinell— Menschenarbeit ist nur Hilfsarbeit— ge- spönnen, gewaschen, getrocknet, gezwirnt zu gewünschter Stärke und zur Haltbarmachung befeuchtet, ehe sie, bereits Seidengarn, auf Holz- stossspulen nach der Weiserei gelangt, zu Bunden nach bestimmtem Gewicht enthaspelt zu werden. Dann macht sie letzte Trocken-, Bleich- oder Färbeprozesse durch bis zur marktfertigen Ware. Die Weiferei— ein wichtiges und großes Glied der Seiden- Produktion— ist in einer hellen Halle untergebracht, in der Maschin« dicht bei Maschine steht. Es riecht nach Garn und Oel. Die Luft ist schwer und feucht. Ruhe herrscht. Transmissionen surren. Die Maschinen stampfen geräuschlos. Karren mit vollen und leeren Spulen, Garnbunde werden an- und abgefahren. Die Arbeitenden, Frauen und Mädchen in Arbeitskitteln, gehen leicht und lautlos. Nur dann und wann singen sie im Takt des Arbeits- tempos. Seidenfäden hängen in der Luft, schweben auf und sollen nieder. Acht Meter lang und keine zwei breit ist eine Weifmaschine. Ein einfaches Ding, niedrig, das nur durch den äußerst schnellen Arbeitsgang verwickelt erscheint. Acht Haspeln aus jeder Seite. Acht Haspeln, deren Aufgabe es ist, die von Fadensührern zugeführte Seide von den Spulen abzuhaspeln zu greifbaren Bunden, die noch geknüpft und abgehoben" werden müssen. Abwechselnd lausen aus jeder Maschinenseite vier Haspeln, willkürlich in Gang gebracht und automatisch ausrückend. Und während des Laufes schaffen die Weife- rinnen, je zwei Haspeln hat eine zu bedienen, an den ruhenden Haspeln. Das ist die Arbeit der Weiferinnen: Volle Spulen vom Karren. Zehn Spulen auf Laufbrett stecken. Haspel hochnehmen. Zehn Faden durch die Zadenjührer stecken. Zelzn Faden anknüpfen. J)ie IVetfexinHen Haspel herunter. Einrücken. Die zweite Haspel. Fertig. Ein- rücken. Erste Haspel rückt aus. Hochnehmen. Bunde knüpfen mit bereitgelegtem Knüpfgarn. Bunde abnehmen. Bxinde auf Holme gesteckt. Vornbeginn. Tempo! Tempo! Akkordarbeit! Finger- fertigkeit! Spulen her! Haspel hoch. Faden führen. Knüpfen. Einrücken. Ausrücken abwarten. Binden. Abnehmen. Tempo! Dabei: lästige Seidenflocken in Abfallsack stecken. Platz an der Ma- schine sauber halten. Arbeitsbuch registrieren. Gewichts- und Ar- beitskontrolle abwarten. Aerger mit der Kontrolleurin. Blick zur Nachbarin. Schnelle Worte. Und schaffen, schassen! Die Eni- lohnung will oerdient sein! Geld wird gebraucht! Die Arbeit ist nicht schwer und doch anstrengend. Gefundheits- schädlich? Ja und nein. Acht Stunden niit dem Unterleib an das Aufsteckbrett drücken, das Beugen und Bücken, das ist kein Pappen- stiel. Dann die Fingerarbeit! Gewandtheit und Gelenkigkeit. Und die Nerven? Das Arbeitstempo, llberrationalisiert, kostet Nerven. Tempo ist Trumpf. Tempo in der Produktion und Tempo im Nervenverschleiß! Die Weiferinnen kommen aus den Städten— Kunstseidenindu- strie ist in kleinstädtischen Industriezentren— und ooni Lande. Von weither oft, um 25 bis 39 Mark in einer Woche zu verdienen. Zu- meist sind es junge Mädchen, aber auch Frauen und Mütter. Die zartesten sind es nicht, die in der Weiferei schaffen. Dazu gehören kräftige, gesunde Menschen. Während die älteren Weiserinnen durchweg klare, zumindest aber bewußte Einstellung zum Kamps der Arbeiterklasse um Freiheit der Arbeit haben, sind die jüngeren— zwangsläufig durch ihren gesell- schaftlichen und biologischen Lebensweg— nur für solche Belang« zu haben, die ihnen einen Teil der Träum« vom Leben der „Anderen" verwirklichen. Sie sind zu Erörterungen über Putz-, Kleider- und Vergnügungsfragen eher zu haben, als für wichtige, auch sie angehende Besprechungen in L-iriebsangelegenheiten. Hier schafft die Zuspitzung der gesellschaftlichen und politischen Aus- einanderjetzung langsam Wandel. Und das ist notwendig! „Wo wahrten Sie?" ignorierte er meine Antwort. „Hier", ignorierte ich seine Frage. „Kommen Sie!" sagte er und faßte mich unter den Arm wie eine Braut. Wir gingen zusammen durch den Morgen. Es mochte gegen fünf Uhr am Tage fein, die Vögel gröhlten vor Lust zu leben. Wir gingen durch den Park. Ich sah hinter mich. Dort, ganz in der Ferne, die Bank, mein lustiges Bett mitten im Grünen... Warum hatte der Mann mich nicht schlafen lassen? „Warum haben Sie mich nicht schlafen lassen, werter 5ierr?" „Wo wohnen Sie, werter Herr?" Ich wurde wach. „Tief atmen!" ermahnte ich meinen Begleiter. „Haben Sie keine Unterkunft?" „Hier." Und ich setzte mich auf der Stelle unter einen Baum, kreuzte die Beine und schloß die Augen. Er hob mich unter den Achseln hoch. Aber anstatt grade zu stehen, mußte ich torkeln. „Sind Sie betrunken?" Ich knipste den Finger durch einen Busch, der Morgentau sprühte. Wieder gingen wir Arm iy Arm. „Warum haben Sie im Freien übernachtet?" fragte er. „Warum brennen die Laternen noch?" fragte ich. Und wir gingen durch den Park wie zwei Verliebte. Wir kamen über eine Brücke, der Weiler drunten plätscherte so lieblich vor Lebensseligkeit, daß ich stehen blieb und flötete. Aber mein Freund knuffte mich beinahe vor Liebe und ich schrie vor Begeiste- rung, und wir gingen weiter. Endlich taumelten wir in's Bureau, den Beamten entgegen. Sie verhörten mich, und als sie mich danach fragten, zeigt« ich meine Papiere. Sie öffneten mir ehrerbietig die Tür. Ich ging den stillen Weg zurück, zum Park, suchte mir ebendieselbe Bank. legte den Kops auf j�en Arm und schlief ein, von Morgenwind und Vogelgesängen gewiegt. atätm und Clxßeit&Ceiitung In der Frankfurter wissenschaftlich-technischen Wochenschrift„Die Umschau" teilt Oberingenieur E.bert interessante Tatsachen darüber mit, wie die Arbeitsleistung durch Geräusche vermindert wirb. Hängen die Geräusche in einem Rhythmus mit der Arbeit selbst zu- sammen, so bleiben die Arbeiter bis zum Fabrikschluß frisch, aber nicht taktmäßige Geräusche stören die Arbeit ganz außerordentlich. Sa stellte man in einer feinmechanischen Werkstatt, in deren Neben- räum Blecharbeiten ausgeführt wurden, an den von sechs Arbeitern hergestellten Apparaten im Durchschnitt etwa 159 Fehler kleinerer und größerer Art fest: als aber die Arbeit nach einem stillen Raum verlegt wurde, sank diese Zahl auf 5. Ein anderes Beispiel: In einem großen Hotel wurden die Aufträge in die Küche hineingerufen, was natürlich großen Lärm verursachte und das Küchenpersonal der- artig beeinflußte, daß der Verschleiß an Geschirr schier untragbar wurde. Als nun statt des Hineinrufens optische Signale eingeführt wurden, sank der Geschirrbruch um 75 Proz., ging also bis auf ein Viertel des bisherigen herunter. Ein anderes Beispiel bilden die Maschinenschreiberinnen. Bei ihnen erhöhte sich bei Vermeidung von Lärrch,in der Umgebung die Arbeitsleistung bis zu 89 Proz. Auf diese und andere auf Versuche gestützte Besspiele zieht Ebert den wohl berechtigten Schluß, daß die durch Lärm verursachten und daher im Grunde vermeidbaren Kasten ganz ungeheure sind und der Kampf gegen unnötige Geräusche für die Verlustbekämpfung und die Leistungserhöhung außerordentlich wichtig ist. Bt, f&ctcfze Serlin im ütitrubv... i)er Rundfunk Hot heute überall einen ausgedehnten Nach- .chtendienst. Gibt es auch«ine Senfotionsmache im Aether ähnlich wie die der Boujevardprcssc? Jawohl, es gibt auch einen„Boule- va r oru n df u n k"! Gewiß, der Nachrichtendienst der deutschen Sender ist korrekt und wird verantwortungsvoll eeführt, aber nicht in allen Ländern Europas ist es so! Dafür«in Beispiel. Radauluftige Elemente zerschlugen kürzlich die Fensterscheiben einer Berliner Bank. Es war wahrhaftig kein großes Ereignis. Selbst die Berliner Boulevardpress« begnügte sich mit einigen Druck- Zeilen. Wie immer hörte ich an diesem Abend den Nachrichtendienst der europäischen Sender ab und macht« dabei zum zweiten Mal die Bekanntschaft mit dem Boulevardrundfunk. Aus den zerschlagenen Fenstern wurden am Mikrophon eines ausländischen Senders Barrikadenkämpfe! »hallo Kallowilz, schwere Kämpfe Zwischen Polizei und Arbeitern in Berlin!" Ein französischer Privatsenter zählte die Verwundeten auf den Straßen Berlins. Ein Randstaatensender funkte: »Berlin in Ausruhr. Keine Scheibe aus den ljauptstrasjen ganz!" Die ferneren Sender schilderten die Lage in Berlin noch ge- fährlicher. Selbst Radio Rom brüllte die Sensation in den Aether und aus einem leichtverwundeten Schutzmann machte man im Aether drei tote Polizeioffizierc! Der Moskauer Rundfunk ließ Blutströme auf den Straßen Berlins fließen und sandte Kampf- grüße an die Berliner Genossen! Vorm Lautsprecher sitzend wurde nian nun doch etwas un- ruhig. Sollte wirklich Blut geflossen sein? Aber da kam der Berliner Nachrichtendienst und meldete: „Zwei zerschlagene Scheiben, einige Ver- haftete keinerlei Zusammenstöße..." während •ne polnische Welle dazwischenbrüllte: Maschinengewehre auf den Straßen Berlins!" Nstdan Gurdus. Empfang im IM ai- Juni während der Hitzeperiode im Monat Mai war der Fernempfang ruf den Rundfunkwcllen keinesfalls störungslos. An den schwülen Tagen mit Gewitterneigung übertönen die atmosphärischen Stö- rungen jeden Fernempfang. Nur Mühlacker.Heilsberg, Straßburg, Wien und Budapest konnten sich durchsetzen. Die Störungen wurden auf dem Langwellenbereich zwischen Kowno und Oslo zeitweise un- erträglich. Interessant war die Beobachtung, daß das heiße Wetter, wenn es überall gleichmäßig herrscht, den Fernempfang nicht stört. Dagegen bringt jeder atmosphärische Druckunterichied Stö- rungen. Wenn z. B. auf der Strecke zwischen Berlin und Warschau gleichmäßiges Schönwetter herrscht, dann war der Empfang auch bei heißem Wetter wunderbar, trat aber irgendwo im benachbarten Gebiet eine Depression ein oder hatten Berlin und Warschau im Empfangsaugenblick verschiedene Wetterlagen, dann wurde der Empfang zur Qual. Man kann am Lautsprecher bei dem Einstellen aus einen fernen Sender im Sommer sofort erkennen, ob es lohnend iftsdiesen Sender zu empfangen oder ob die atmosphärischen Verhältnisse gerade an dieser Welle besonders ungünstig sind. In keinem Sommer aber waren die Cmpfängsverhältnisse so wechslungsreich wie in diesem. Während an einem Abeno wilde Störungen ertönen, kann schon am nächsten Tag bei Umschwung der Witterung der idealste Fernempfang herrschen. Eine Beobach- wng des Hörers geht dahin, daß die Störungen am lautesten in der Kleine'Defaeacbtungen 2>ie Flucht zu£>edevslrumi»i E a l i st r o s Thielecke, der Muttermörder, ist ein Einzel- gänger gewesen. Für Bestrebungen politischer oder weltanschau- licher Gemeinschaften hat er keinen Sinn gehabt. Cr lebte nicht in der Gruppe, in irgendeiner Gruppe, teilt« nicht gleiche Wünsche, gleiche Hoffnungen, gleiche Interessen mit irgendeinem Kollektiv: er lebte hundertprozentig privat, ein Kauz,«in Sonderling. Aber dennoch: auch dieser durch Vererbung, Erziehung und aus Milieu- gründen asoziale Mensch hat etwas gebraucht, an dem er sich erbaute. das ihm als Ideal vorschwebte, ein Ziel, einen Ruhepunkt, eine Insel Bimini— und dieser halt in seinem Leben sind die Indianer gewesen. Er trug einen indianischen Dolch bei sich, gab sich einen indianischen Zunamen, trieb indianische Sprachstudien und hat sogar eine allerdings verunglückte Reife nach Mexiko unternommen, in das Land also, in dem spärliche Reste der aussterbenden Rothäute noch vorkommen. Was mag ihn an den Indianern gereizt haben? Ach, wir haben ja schließlich alle einmal für die Indianer geschwärmt; damals, als wir David Coopers»Leder st rümpf" lasen. Die Indioner waren unser großes Iugendideal: eine Sippe, die auf Wäldern und Wiesen lebte, die sich malerisch mit Federn und Stutzen schmückte, die Skalpe am Lendenschurz trug und chre Feinde an den Martcrpfahl band. Man tut Thielecke sicher unrecht, wenn man ihm unterstellt, er sei auf dieser Stufe primitiver Knabenwünsche einfach stehen ge- blieben. Er ist immerhin zu klug, um nicht zu wissen, daß die Zeit der Skalpiererei und der Marterpfähle endgültig vorbei ist und ge- wiß auch zu friedlich, um zu wünschen, daß sie es nicht fei. Die Indianer sind heute ein Bauernoölkchen, das seinen Acker bebaut. vielleicht sogar mit Fordschen Traktoren, sein Vieh züchtet und auf die Jagd geht. Die Romantik fällt immer mehr ab von der Welt, ihre Uniformierung macht rasende Fortschritte. Aber die Lebens- gewohnheiten der Rothäute sind doch auch nicht identisch mit denen der westlichen Zivilisation, und unausrottbar bleibt die Vorstellung, daß, wenn überhaupt noch irgendwo auf der Weit eine Distanz zu unserem mechanisierten Asphaltleben und zu unserem Sitten- und Ehrenkodex besteht, sie bei den Nachkommen Lederstrumpfs zu finden ist. Es mag hinzukommen, daß dem geistig ja nicht desinteressierten Thielecke an den Indianern imponiert hat. daß sie auf so etwas die Tradition und alte Kultur verweisen können. So hat er sich, wenn er Unbehagen in unserer Kultur und in seiner Umgebung empfand, zu der Gemeinschaft der Indianer hingezogen gefühlt, weniger aus echter Neigung für die Einrichtungen ihres Lebens, als aus Oppo- sition gegen das seine. Der Mensch ist klein und schwach. Er braucht seine Zuflucht, seinen ruhenden Pol. Der Religiöse flüchtet zu Gott, Thielecke, der Unstetige und Phantast flüchtet« zu den Indianern. Aber es gibt diesseits der Wolken und diesseits der Landstriche und Meere, die uns von den Rothäuten trennen, noch eine andere Zuflucht: die in die Kampfgemeinschaft des zu neuen und schönen Idealen vor- stoßenden Arbeiteroolks die zu begreifen es freilich eines klareren Kopfes bedarf, als Thielecke ihn hat. Bauer. oller Welt Dämmerung lind. Fernempfang ist im Sommer erst bei völlige? Dunkelheit möglich. Allerdings konnten einige große Sender auf dem Langwellen- bereich Warschau, Kallundborg-Dänemark, Motata-Schweden bei voller Sonnenbestrahlung immer gut empfangen werden. Des- halb ist es doppelt schade, daß der Empfang auf langen Wellen noch immer durch Telegraphiesender stark gestört wird.— us.— „"Briefkasten des Senders** An vielen ausländischen Rundfunksendern besteht ein„Brief- lasten des Senders", an den sich alle Hörer in Fragen des Rundfunks wenden können. Die Hörerbriefe werden von der Sender- leitung am Mikrophon beantwortet und so entsteht der von allen Sendern gesuchte Kontakt mit der hörcrmassc, wobei sich übrigens all- gemein herausgestellt hat, daß fast ausschließlich der werktätige Hörer aktiv an den Darbietungen des Rundfunks teilnimmt. Auf diesem Wege erfährt die Programmleitung die Wünsche der Hörer und kann sich mit besonders Unzufriedenen sechst auseinandersetzen. Manchma. kommen auch sehr wertvolle Programmideen aus der Hörerschaft. Oft verläßt der Senderbriefkasten jedoch das Gebiet des Rund- funks und dann werden Briefe von Hörern verlesen, die an di: anderen Hörer gerichtet sind und um Hilfe bitten.... Wie oft hört man jetzt von einem skandinavischen Sender im Rahmen des Briefkastens folgenden Ruf im Aether: „Verzeihen Sie, daß ich für meine private Bitte den Brief- kästen in Anspruch nehme..Aber da so viele zuhören, könnte mir vielleicht jemand helfen____ drei Jahre arbeitslos---- würde jede Arbeit annehmen____" So fetzt die Not der Millionen ihren Stempel auf den Brief. kosten des Senders. Di« Sendeleitungen in den meisten Ländern Europas geben solche Rufe in den Aether sofort durch. So hörte man aus K a t t o w i tz im Rohmen des Briefkastens in Deutsch, Englisch, Französisch und Polnisch folgenden Ruf: „Ein schwerkranker Arbeitsloser, der seit Monaten ans Bett gefesselt ist, bittet durch unsere Anleiinen Menschenfreund« in ganz Europa um«inen Radioapparat, damit er wenigstens nicht ganz vereinsamt aus dem Krankenbett liegt.....". Stwei SSände Srstählungen In der„Deutschen Buch-Gemeinschaft" ist ein Band mit au»- gewählten Erzählungen von Wilhelm von Scholz erschienen. Scholz' Erzählertalent ist konservativ: Form und Sprache sind tra- ditionsgebunden. Hanns Martin El st er nennt Scholz im Nachwort den Dichter„der seelischen Menschen in Deutschland über- Haupt". Es ist die Frage, ob der heutige Mensch mit solcher Art Dichter noch mitleben kann. Er ist zu akademisch, zu gegemvarts- fern und in den Elementen seiner Weltanschauung zu ästhetisch, um der Geistesrichtung unserer Tage einen Stempel aufzudrücken. Er sucht den wahren Sinn der Dinge hinter chren Erscheinungsformen. Er sieht die Vielheit der Welt durch«ine Lmse, die alles auf«in« mystische Einheit konzentriert. Uebernatürliche Kräfte bestimmen die Schicksale seiner Menschen, die meistens im Rahmen einer Ver- gangenheit dargestellt werden.„Baut dem Gerücht«inen Tempel", sagt er, denn bei ihm verdichtet sich das Gerücht zum Ereignis. Seine Menschen leben in den Anschauungen einer ständischen Ge- sellschaftsordnung, sie sind so sehr mit Seele, Uebernatur und Schick- sal belastet, daß sie fremd in dem, was ist und wird, stehen. Ein Buch ohne Seele ist der„P r a g e r P i t a v a l"(Erich Reiß, Verlag) von Egon Erwin Kifch. Aber was sollen wir mit einer solchen Reportage von Abenteuereien und seltsamen Kri- minalfällen,„die nicht aus der Phantasie geschöpft sind, sondern auf Wahrheit beruhen", anfangen, wenn" sie so wenig soziologisch RätsehEcke Kreuzworträtsel Waagerecht: 1 Gemüsepflanze: 4 Kleidunesstück: 7 Neben. fluß des Rheins in der Eifel: 6 Naturerscheinung: 11 Prophet: 14«Nagetier: 16 Nebenfluh d«s Rheins in Baden: 18 Farbe: 19 Fluß im Gouvernement Orel: 21 biblische Person: 28 Eßgericht: 24 ostdeutsche Großstadt: 25 schwedische Länhauptstadt: 27 Fluß in der Mark, 29 englischer Titel: 30 Schlangenart: 32 Fluß in Lappland: 33 teine? Gewebe: 35 griechische Insel: 37 Stadt in Lettland: 40 Sakrament; 41 rheinische Großstadt: 42 deutscher Komponist— Senkrecht: 1 Nebenfluß oer Weichsel: 2 Aus- Zeichnung: 3 priesterliches Gewand: 4 holzprodukt; 5 schweiz. Kanton; 6 griechische Göttin; 9 Frauen, lome; 10 Fürwort; 12 französischer Artikel. 13 Gesangslück; 15 russischer Dichter; 16 Stadt in Westfalen: 17 Nebenfluß der Oder; 19 antikes Möbelstück: 20 Frauenname; 22 Stadt bei Turin; 23 Weinstube: 26 Stern im Waltisch; 28 Indianerstamm: 30 Hausgerät: 31 Raul vogel; 33 Himmelsrichtung; 34 Tierprodukt: 35 Gewässer; 36 Obstprodukt: 38 Teil des Schiffes: 39 Zeitmesser. R. BL In Nord und Süd In Spanien auf dem Korso geht e» würdevoll einher, in Ruhland aber brausend strömt es i» das ew'ge Meer.«U Der Appell an die guten herzen Europas wurde befoigt! Acht Tage später teilte Kattowitz mit, daß aus Deutschland, Polen und Frankreich viele Radioapparate unterwegs seien. Der„Briefkasten des Senders" wurde zu einem Instrument der Menschlichkeit. dl. G. Wtr hörten... In London sprachen im Rahmen des Schulfunks Schwer- krieg. sbefchädigte über die Schrecken des Krieges. Sie rich- teten mahnende Worte sür den Weltfrieden an d,« Jugend. Warschau dagegen läßt Offiziere über den Gaskrieg am Mikrophon sprechen und zwar keinesfalls zur Abschreckung, sondern als eine Lehrsendung... Einigen deutschen Sendern müsien wir empfehlen in dieser schweren Zeit der Millionen Arbeitslosen, mehr soziales Gefühl auf- zubringen und nicht jede Sportreportage von einer Rennbahn zu einer Modeluxus-Reportage zu machen. Ein Sowjetsprecher in Leningrad hatte das Pech trotz der jähr«. langen Umbenennung Petrograds in einer Sendung anstatt Lenin- grad Petrograd zu sagen. Seine Stimme wird wohl nicht mehr im Aether erklingen. Wir hörten eine sehr schöne Sendung des Südfunks„Dichtungen um den Rundfunk". Erstaunlich, wieviel dieses neu« große Wunder der Technik schon von Dichtern besungen wird. MaxBrodist öfters in den deutschen Sendungen des Proger Rundfunks zu hören. Der Kopenhagener Rundfunk überträgt die Versammlung des Arbciter-Radioverbandes, trotzdem auf diesen Tagungen manchmal scharfe Kritik an der Sendeleitung geübt wird. Der Warschauer Rundfunk sandte kürzlich ein jüdisches Schall- plattenkonzert. Ein berühmter Kantor aus 118-5. sang. In einem kleinen jüdischen Städtchen erkannte ein alter armer Mann die Stimme des Sängers auf der Schallplatte... Es. war sein vor Jahr- zehnten nach Amerika ausgewanderter und verlorengeglaubter Sohn! Vor 15 Jahren mußte der alt« Mann eines Progroms wegen vom alten Wohnort flüchten und seitdem suchte vergebens der Sohn nach dem Vater und der Dater nach dem Sohn.... Jetzt trafen sie sich durch das Wunder des Rundfunks. fundiert sind und eben nur merkwürdig bleiben? Was nützen uns die Tatsachen von Verbrechen aus der Kultur- und Kriminalze- schichte, die zwar fleißig aus Archiven zufammengetragen, aber ungenügend verarbeitet sind? Kisch hat bessere Bücher geschrieben. Im..Prager Pitaoal" begibt er sich aus ein Gebiet, das mit den Mitteln der Reportage nicht zu erschöpfen ist. Die Mehrzahl dieser Reportagen läßt einen kalt. Die Atmosphäre von Geheimnis und Unheimlichkeit, die den Dingen, von denen Kisch erzählt, anhaftet. ist gar nicht gestaltet. Der.Prager Pitaoal" ist interessant höchstens wegen der mitgeteilten Tatsachen. L. Bepper. 3)ie ddee des Briedens Aus dem Nachlaß Max Schelers veröffentlicht der Neue- Geist-Verlag, Berlin, einen Vortrag, den Scheler 1926 im Reichs- wehrministerium und in der Deutschen Hochschule für Politik ge- halten hat. Die Rede— sie ist„Die Idee des Friedens und der Pazifismus" betitelt— zeigt noch einmal die ganze Beweglichkeit und seltene Umfassungsgabe dieses univerfakyerichteten Denkers. Auf wenigen Seiten skizziert Scheler Werden und Wesen der Friedens- idee und prüft sie auf ihre Verwirklichungsmöglichkeit in unserer geschichtlich-gesellschastlichen Gegenwart. So unvollkommen und un- genügend alle pazifistischen Richtungen auch heute sind, di« Entwick- lung der Welt muß sich der Friedensidee nähern, wenn nicht alle echten Kulturtraditionen versinken sollen. Auch die Idee des„Mili- tarismus" wird von Scheler auf ihren sachgemäßen Inhalt unter- sucht und eingeschränkt. Krieg und Frieden werden in ihrer ge- schichtlichen und wesenmähigen Bedeutung philosophisch durch- drungen. Jeder, der den Inhalt des Bändchens sorgfältig durch- dacht hat, wird es befruchtet weitergeben. J. P. Mayer. „Abend" Rösselsprung. Auflösungen in der nächsten Rätselecke. Auflösungen der letzten Rätselecke Kreuzworträtsel. Waagerecht: 1. Luna: 5. Atem: 9. Ode; 10. Zug: 12. Ala: 13. tot: 14. Oma; 15 Lid: 16. Zentrum; 19. Riese: 21. Neige: 24. As; 25. om: 26. Macht: 28. Psalm; 30. Erie; 32. Edda; 33. Crepine: 36. Boe; 38. Mal: 39. Bai: 42. Ahr; 43. Ulm: 44. Aar: 45. Roon; 46. Erl«.— Senkrecht; 1. Lot; 2. Udo; 3. Netze: 4. Kumt; 6. Talmi: 7. Elli: 8. Mad; 10. Zone: 11. Garn; 17. Escher; 13. 0- Eisen; 19 Name:'20. Isar: 22. Gold: 23. Emma; 27. Cicero: 29. Adebar: 31. Spalt: 34. Emu: 35. Ilm: 36. Bar; 37. oho; 40. Aal: 41. Ire. Besuchskartenrätsel: Euskirchen. Kapselrätsel: Sich äußern soll der Geist, nicht aber sich veräußern. Füllrätsel: 1. Sommer: 2. Ostern: 3. Kasuar; 4. Kruste: 5. Ragusa: 6. Radius. Sieben und acht Zeichen: ruchbor— rauchbar. Tragödie: Mond— Mord. ReiMrbelter- Sport-Tag Sonntag, 2$. Jnni, 14.30 Uhr, im Grunewald-Stadion Alles beteiligt sidi• Anspradie: Otto Wels Ein Gemeinschaftsfest Arbeiter- Angler,-Segler und-Sdiwimmcr werben Kürzlich zeigten sich zum ersten Male in Berlin die A r b e i t e r- Angler in Gemeinschaft mit den anderen Arbeiter-Wasserspoct- lern, um für ihre Zwecke zu werben. Am Sonnabend begrüßte der Kartellgeschäftsführer Oelfchläger die Erschienenen. Poscharski von den Freien Seglern wies auf die ewigen Konflikte mit den Berufs- fifchern hin und meinte, daß hier schon die Zusammengehörigkeit beider Wassersportartcn beginne, während Pfaffenschläger der Hoff- nung Ausdruck gab, daß der Tegeler See einwirklichesSport- gebiet für die Arbeiterangler werde. Er wies dann auf das zehnjährige Bestehen des Arbeiter-Angler-Bundes hin, der in Preußen die führende Angler-Organifation fei. Der Sonntag wurde nach alter Uebung mit einem Früh-Angcln begonnen. Gegen 11 Uhr wurde der neue Gauwimpel eingeweiht. Dann begannen die sportlichen Vorführungen unter der Leitung des bewährten Sportwarts Paul Wendt-Berlin. Nach einigen Erläuterungen führte Mendt das Experiment mit dem Rettungsschwimmer an der Spinnrute vor. Hierzu hatten die Freien Schwimmer Charlottenburg einen ihrer besten Schwimmer, Herbert Schmeling, zur Verfügung gestellt. Ein Gurt, an dem die Angelschnur befestigt war, wurde Schmeling um den Leib geschnallt, Schmeling schwamm damit SO Meter der Mitte zu. Dann begann der interessante Drill. Mendt begann die Schnur langsam einzu- rollen, man merkte sofort, wie das Tempo des Schwimmers be- hindert wurde. Der Schwimmer tauchte unter, machte allerhand Winkelzüge, um die Schnur zum Platzen zu bringen, doch ver- gebens. Rute und Schnur blieben widerstandsfähig genug, um die Anstrengungen des Schwimmers zu ertragen. Mendt ließ einige Male Schnur, der Schwimmer begann mit neuem Mut sich gegen die Gewalt des Anglers zu wehren. Umsonst, nach 23 Minuten Kampf mußte Schmeling aufgeben, Mendt zog den Schwimmer bis zum Landungssteg. Dann wurde der Versuch gemacht, den in einer Entfernung von SO Meter ruhig treibenden Schwimmer, der diesmal keinen Widerstand leistete, zu landen. Es gelang in 2 Mi- nuten 16 Sekunden. Das Gewicht des Schwimmers betrug 128 Pfund. Gegen 1 Uhr mittags begann die R e i g e n f a h r t, an der sich die freien Segleroereine sowie das Rettungsboot der Arbeiter- samariter beteiligten.„Mögen die Angler dieses Tages eingedenk fein, wenn einmal die anderen Sportler die Angler rufen", so schloß Pfafsenschläger die Veranstaltung. Sdiwerathleiik Berliner Arbeiter-Athleten im Kampf Auf der Arbeiter-Olympiade werden in Wien die deutschen Kraftsportler die härteste Prüfung zu bestehen haben. Am Sonntag legten die Berliner bundestreuen Arbeiter-Achleten-Vereine im Bäh- mischen Brauhaus das letztemal den Maßstab an das Können der Teilnehmer und diese Prüfung fiel befriedigend aus. Das Gezeigte wird unsere Achteten auch in Wien achtbare Erfolge erreichen lassen. Die Mannschaft des Kreismeisters im Ringen„Lichtenberg- Friedrichsfelde" trat gegen eine gut kombinierte Mannschaft der Ber- «ine Alt-Wedding und Sparta leider mit Ersatzleuten an und unterlag den Gegnern im Klassement knapp nach Punkten. Röll-LF. 04 siegte über Präfke-AW. schon in der ersten �Rinute durch Hüstzug. Die technisch hervorragenden Bantamgewichte Borchert-LF. 04 und Lorenz-AW. trennten sich nach offenem Ringen mit einem Unent- schieden. Nur kurze Zeit vermochte Hanser-LF. 04 dem Olympiade- ringer Hüffner-Sparta standzuhalten: bereits in der 4. Minute mußte Hanser die Waffen strecken. Der starke Hassig-LF. bezwang Gast-AW. durch Eindrücken der Brücke. Die Mittelgewichte, der Olympiade- kämpfer Eckert-AW. und Binder-LF. lieferten sich einen wechselvollen Zehnminutenkampf. Das Treffen brachte kein« Entscheidung, und auch das Ringen der Halbschweren Krecklow-LF. gegen Bröck«r-AW. endete mit gleichem Resultat. Bei den Hebern gab es wieder recht gute Einzelleistungen: die Olympiadevertreter Kehr, Wallosch, Schulz und Poeckern bewiesen im einarmig Reißen, zweiarmig Reihen und Stoßen erneut ihre Berechtigung, die Sparte im Heben in Wien zu vertreten. Ich Boxring standen sich Gegner aus den Vereinen Tegel, Alt Wedding. Nordost und Lichtenberg gegenüber; die Ein- ladungskämpfe gefielen sehr durch sauberen und technisch guten Sport und in den Pausen unterhielt da» Berliner Konzert-Orchester die Gäste._ Wildimg im Rundfunk Am Freitag, 26. Juni, 16.05 Uhr, findet der bereits für Freitag. 19. Juni, vorgesehen« Vortrag von F. W i l d u n g, dem Geschäfts- führer der Zentralkommission für Arbeitersport und Körperpflege, über„Der Sport als Mittet der Erwerbslosen- Hilfe" statt. Wildung will zeigen, wie durch die Wirtschaftskrise für die Jugendlichen ganz besonders ernst zu nehmende Gefahren für das Moral, und Seelenleben entstehen. Der Vortragend« will daher vorschlagen, wie den jungen Menschen geholfen werden kann, damit sie die unfreiwillig gewonnene freie Zeit richtig ausnutzen können. Er faß, als heroorrogenves und fast für alle Beteiligten anwendbares Mittel zu diesem Zweck Sport, Spiel und Wandern auf, wobei es sich im besonderen um weniger zweckbetonte, als freudvolle, lustbetont« Formen der Leibesübungen handeln muß; denn es gilt nicht nur die körperlichen, sondern auch die seelischen Gelenke vor dem Einrosten zu bewahren. �rbeiter�WasserdaH-�erie Hellas I-Union 1 1: Z/ Berlin XII- Lichtenberg 4: 3 In beiden Spielen fehlt« der angesetzte Schiedsrichter und man einigte sich auf Gesellschaftsspiele, die einen interessanten Verlauf nahmen. Hellas I fand in Union nicht den erwarteten Widerstand. Die glatte Ueberlegenheit in schwimmerischer Beziehung wirkte sich für das Spiel entscheidend aus. Union vermochte sich nie recht zu entwickeln und kam nur gegen Ende der zweiten Halbzeit zu zwei schwer erkämpften Erfolgen. In Lichterfelde-Süd standen sich Berlin XII und Lichtenberg gegenüber und lieferten sich«in wechselvolles Spiel. Berlin XII war bis kurz vor Schluß bei besserem Zusammen- spiel klar überlegen, als sich Lichtenberg mächtig aufraffte und in guter Manier 3 Tore aufholte. Am Freitag trifft Möwe in aussichtsreichem Kampf auf die Gruppe Neukölln der Freien Schwimmer Groß Berlin. Der Aus- tragungsort ist das vereinseigene Bad am Stichkanal(Grenzallee). Was alles geschrieben wird! Mißglückte Hilfestellung des„MM."' Der„Montag Morgen" fühlt sich bemüßigt, dem Polizeipräsi- denten auseinanderzusetzen, daß er eine harmlose, im Geiste des spartanische» Griechenlandes geplant« Sportveranstaltung, nämlich die kommunistische„Spartakiade" verboten habe. Nicht von Spartakus, sondern von Sparta werde der Name abgeleitet, und es handle sich keineswegs um eine kommunistische Veranstaltung, son- dern fast alle Arbeitersportoerein«, deren Mitgliedschaft„politisch" gemischt sei, würden daran teilgenommen haben. In dem Montagsblatt scheint man beim Niederschreiben dieser Notiz noch vom Sonntag etwas benommen gewesen zu sein. Erstens weiß schon jeder kommunistische Schulknobe darüber Bescheid, wo- her der Name kommt, daß er mit dem Lande Lykurgs wirklich nichts zu tun hat, sondern den aufrührerischen Sklaven Spartakus zum Paten hat. Doch das tut nichts zur Sache. Aber die Be- hauptung, daß es sich nicht um eine kommunistische Ver- a n st a l t u n g handle, sondern fast alle Arbeitersportvereine daran betelligt seien, zeugt doch von einer sehr blamablen Unkenntnis von Dingen, über die zu schreiben man sich berufen fühlt. Vielleicht interessiert es aber doch die Leser des Blattes, zu erfahren, daß die Spartatiode als eine kommunistisch« Gegendemonstra- t i o n gegen die vom 19. bis 26. Juli in Wien stattfindende Ar- beiterolympiode gedacht war. Das haben kommunistische Zeitungen so oft geschrieben, daß es eigentlich jedem aufgefallen sein müht«. Jedenfalls haben die mehr als 12 000 Vereine und 1>b Mll- lionen Mitglieder der deutschen Arbeiter spörtverbänd« mit der verbotenen Spartakiade nichts zu tun. Die Veranstalter sind die aus den Zentraloerbänden auegeschlossenen und ausgetretenen kom- muniftifchen Vereine, die in Deutschland alles um sich geschart haben, was gegen die Zentraloerbände aufgehetzt werden tonnte. Es sind die Spaltpilze der deutschen Arbeitersportbewe- g u n g, die nur von der grausamen Wirtschaftsnot ihr Dasein fristen. Die meisten dieser Vereine gehen nach ihrer Loslösung von den Zentralverbänden sportlich zugrunde. International haben diese Verbände gar keine Bedeutung: sie stützen sich auf Sowjetrußsand, das die Aufrechterhaltung des Scheins einer„Roten Sportinternationale" viel Geld kostet. Erst vor wem» gen Wochen ist der norwegische Verband, der bisher ihr« festest« international« Säule war, ausgetreten. Er nimmt nun an der Arbeiterolympiade in Wien teil. Mehr als 20 000 deutsche Arbcitersportler fahren trotz der schweren Wirtschaftskrise noch Wien,. dort ollein findet das wirkliche Welt fest des Arbeitersports statt. Die in Berlin geplant« Veranstaltung war weiter nichts als eine politische Gegendemonstration. Vielleicht nimmt der„Montag Mor- gen" von dieser Darstellung Kenntnis. Wieder Boxkämpfe im Lunapark Der Lunapark veranstaltet auch in dieser Sommensaison Box- Kampftage, deren erster Sonntag, 28. JuNi, 20 Uhr, stattfindet. Die Boxkämpfe, für die diesmal Fritz Rolauf verantwortlich zeichnet, finden auf dem Dempsey-Ring am Fuße der Haupttreppe des Lunaparkes statt. Unter den Paarungen des Programms wird das Treffen der Halbschwergewichtler S a b o t t k e und Eggert Interesse finden, zumal beide in Berlin gut bekannt sind. Namentlich Eggert, einer der ständigen Spar-Ringspartner des Europameisters Pistulla, befindet sich in bester Form. Bootstauie «MM ü im FSV. Trotz wirtschaftlich schwerer Zeit konnte der Scgleroerein S t ö h e n s e e(Freier Seglerver- band) sein« Flottille um ein schönes Kajüt-Motorboot vergrößern. Unser Bild zeigt den Taufakt: das Boot ließ Taufred« und den„Gruß aus der Flasche" geduldig über sich er- gehen und rollte erst dann pro- grammäßig ins Walser. Das„Goldene Rad" Um das klassische„Goldene Rad von Berli n", das am 28. Juni mit der ausgezeichneten internationalen Besetzung S a- wall, Möller, Krewer. Constont, Maronnier, U r a g o und Thollembeek über 100 Kilometer auf der Olympia- Radrennbahn, gefahren wird, gruppieren sich äußerst reizvolle Fliegerrennen, die von der deutschen Nationalmannschaft des BDR. bestritten werden. Dieser Start der Nationalmannschaft wird aller Voraussicht noch das erste und einzige Auftreten der deutschen Amateurelite während dieser Saison in Berlin sein. Verbandsregatta des DWV. Am Sonntag, 28. Juni, findet von 14 Uhr ob vor dem Rc- staurant Seepavillon in Tegel die 7. Ruder- und K a n u- r e g a t t a des republikanischen Deutschen Wassersport- Verbandes stall. Zu dieser Verbandsregalla haben nach dem Zusammenschluß des DWV. mit dem Verband Mitteldeutscher Ruder- Vereine und dem Süddeutschen Ruder-Verband auch eine Anzahl auswärtiger Ruderoereine Meldungen abgegeben. Es werden im ganzen 20 Rennen ausgesahren, zu denen 26 Vereine Meldungen abgegeben haben. Bei der Regatta wird unter anderem auch die Verbandsmeisterschafl im Riemenvierer sowie die Verbandsmeister- schast im Renneiner für Kanu ausgefahren. An den Rennen be- teiligen sich insgesamt 87 Boote mit 286 Ruderern und Kanufahrern. Das Meldeergebnis zeigt trotz der schlechten wirtschaftlichen Ver- Hältnisse im Vergleich zum vorigen Jahre eine sehr gute Beteiligung, einzelne Konkurrenzen sind sehr stark und mit außerordentlich guten Mannschaften besetzt, so daß in den Hauptrennen sehr interessante Kämpfe zu erwarten sind. Berliner Segelflugtag Der Deutsche Lustfahrt-Verband bringt am 28. Juni gemeinsam mit der Berliner Flughafengesellschaft und der Segelflugschule Grünau einen Segelflugtag auf dem Flughafen Tem- p e l h o f zur Durchführung. Alle Arten des Starts von Segelflug- zeugen sollen den Berlinern gezeigt werden, also der Start mit Hilfe des Gummikabels, der Autoschleppstart und das Hochschleppen durch Motorflugzeug. Namhafte Flieger werden mitwirken, unter an- deren Wolfgang Hirth, Bedau, Meyer-Aachen. Auch Robert Krön- selb, der bekannte Wiener Rekordsegelslieger, will sich mit seiner „Austria" an den Vorführungen beteiligen. /uverlässigkeitsflug 1931 Das Gegenstück zu dem vom 11. bis 16. August stattfindenden Deutschland-Rundflug bildet der Deutsche Zuverlässig- k e i t s s l u g, der in der Zeit vom 18. bis 20. September vor sich geht und ausschließlich deutschen und österreichischen Amateurfliegern offen ist. Der Wettbewerb besteht aus einem dreitägigen Streckenflug. bei dem sich jeder Teilnehmer die Strecke selbst auswählen darf. An Stelle von Geldpreisen werden wie in den Vorjahren 40 000 M. als Streckenentschädigungen ausgezahlt. Ferner steht ein Zusatzpreis des Preußischen Händelsministeriums in Höhe von 10000 M. zur Verfügung. TeUnahmeberechtigt sind Mehrsitzer mit einem Rüst- gewicht bis 300 bzw. 410 Kilogramm sowie Einsitzer mit einem Rüst- gewicht bis 200 Kilogramm. Die Zahl der Bewerber wurde auf SO beschränkt, gehen bis zum IS. August mehr als SO Meldungen ein, so werden zunächst die Flugzeuge mit ausländischen Motoren aus- geschaltet. Der Luftfahrcr-Kongreß Der in Bukarest stattgefundene Kongreß der Federation Aeronautique Internationale war ein Erfolg für den Deutschen Luft- fahrtverband, denn die verschiedentlich von deutscher Seite gebrachten Anregungen wurden beifällig aufgegriffen und teilweise in den inter- nationalen Bestimmungen verankert. So handelte es sich vor allen Dingen darum, die Bestimmungen für den Segelflug zu er- weitern. Der Antrag des Deutschen Lustrates, auch die mit Schlepp- start ausgeführten Höchstleistungen als Rekorde anzuerkennen, wurde angenommen und damit für den Segelflug ein neues weitgehendes Betätigungsfeld erschlossen. Weiterhin wird auf deutschen Antrag hin ein« Unterkommission für Segelflug in Zukunft tätig sein. Ein dritter deutscher Antrag betras die Aenderung der Grundausschreibung für den Europa-Rundslug unter besonderer Berücksichtigung der einschlägigen Industrie. Um dieser ausreichende Vorbereitungs- Möglichkeiten zu schaffen, soll in Zukunft die Ausschreibung für den alle zwei Jahre stattfindenden Flug immer spätestens am 1, Oktober des vorhergehenden Jahres erfolgen. Rartellwrerdefest auf dem Kreuzberg Am Donnerstag begeben sich die Vereine von solgenden Sammelplätzen ab 18.30 Uhr in Strahenläufen zum Urbanplatz: Hohenstaufenplatz, Marheinickeplatz, Görlitzer Bahnhof, die Schwimmer von der Reichenberger Straße nach Kottbusser Ufer, die Rad- sahrer von der Dieffenbachstraß« und Mariannenplatz nach Urban- platz und Urbanhafen. Beginn der Vorführungen auf dem Sportplatz am Urban und im Landwehrkanal an der Admiralbrücke 19 Uhr. Die Vereine sind gebeten, ihre Fahnen zum Platz mitzubringen. Fußball beim Bezirks fest 2. Bezirk. Aus Anlaß des Bezirks- werbefestes des zweiten Bezirks in den Rehbergen am Donnerstag findet auch ein Fußballwettkampf zwischen Schwarz-Weiß und Pankow statt. Die Schworz-Weißen stehen in ihrer Gruppe an führender Stell«, so daß sich die Pankower, die bekanntlich in der Kreisklasse spielen, sehr anstrengen müssen, wollen sie einen Sieg herausholen, Di« Pankower, die über verschiedn« Neuerwerbunee» verfügen, treten in stärkster Aufstellung an, Gchanmmvc reine bei« ttartellwerbeteft. Donnerstag, 25. Juni, treffen sich die Versinstechniter und je 4 Ordner der Bereine um 17� Uhr bei Kriiger tSrwrmstr. 1. Uni 1» Uhr die ronrdinierle Stafette ebendort. Alle anderen Teilnehmer haben sich pllnttlich um 18Vj Uhr im Garten des Lokals von Artige- ausgekleidet eingufitihen. Umkleiduno Urbanplah. Freie Aaltbootjahrer Berli». Zufamtmenkiinft« Donnerstag, 25, Juni, Gruvv« Borden: Beteiligung am Abeirdfpordfest de» Sartell» in den Relgiergen, Treffpunkt k»>4 Uhr Umklevderaum. SpvrMeidung mitbringen. Bei schl«ti>te- Witterung Heimabend.— Gruppe Siidoften: Eportlmu», Diritsenstr. 1. Vor. trag Leufchner:„lslora auf d-n Wasferstraben".— Gruppe Nordoftrn: Bestauran: Schödel, Prenzlauer Alle« Z2: Kunterbunter Abend'. Gäste wilUommcn. Epiclabend für alle Gruppen jeden Mittwoch ab 18 Uhr Hwnboldthain, Zrei« Kanu. Union.«.«. Abt. vberlpre«: Donnerstag, 35, Juni. Trainings. abend, anschließend Adteilungm-erfammluna. Bootshaus Wuhlheidc. Sonntag 28. Jnni, Fahrt nach dem Kroffinfec.— Abt. Knnel: Donnerstag. 25. Juni. Training im Bootshaus, nachdem, 20 Uhr, Abteilung»»« rfamm lu ng bei HSpi ner, Spandau. Pichelsdorfer Str. 5». Sonnlag. 28. Juni, 6 Uhr, Fahrt»ach Sado-va: nachmittag» Beteiligung am Bast. Russisches„Recht" Zwölfstundentag, Sonntagsarbeit, Zwangsanleihe. Eine entlassene Angestellte der Russischen Handelsvertretung forderte durch Klage beim Arbeitsgericht Zahlung von 558 M., die ihr als Beilrag zu russischen Staatsanleihen abgezogen worden sind. — Der Bevollmächtigte der Handelsvertretung'sagte, jeder in Deutsch- land beschäftigte Sowjetbürger— auch die Klägerin sei eine Sowjet- bürgerin— halte es für seine Pflicht, Anteile der russischen Staats- anlcihen zu erwerben. Das seien freiwillige Leistungen, denen sich kein Sowjetbürger entziehe. Auch die Klägerin, die ein gutes Gehalt gehabt habe, Hab« ja die Zeichnung freiwillig geleistet. -Die Klägerin meinte dagegen, wer bei der Russischen Handelsvertretung angestellt ist, habe gar keine Möglichkeit, sich den„freiwilligen" Beiträgen zu den Sloalsanleihen zu entziehen. Von jedem Angestellten werde einfach verlangt, daß er sich an jeder Staats- anleihe mit einem Monatsgehalt beteilige, das ihm im Laufe von zehn Monaten ratenweise abgezogen werde. Das angeblich gute Gehalt st ehe aufdemPapier. Da würden immer aller- l e i Abzüge gemacht, so daß schließlich kaum so viel übrig bleibt, als man zum notwendigen Lebensunterhalt brauche. Möglich, daß die höheren Angestellten sich den zwangsweisen Abzügen zu entziehen verständen. Von den kleinen Büroangestellten würden sie aber ohne Rücksicht eingetrieben. Für ihr„gutes Gehalt" habe sie täglich 12 Stunden und jeden Sonnlag arbeilen müssen. Wenn sie die Ueberstunden berechnen würde, dann müßte sie dafür wenigstens -lOV M. bekommen. Das Gericht wies die Klägerin ab, weil die' von ihr ge- zeichneten Staatsanleihen Jnhaberpapiere seien, zu deren Rückzahlung nicht die hondelsverlretung, sondern der russische Staat verpflichtet sei, den die Klägerin, falls sie Anspruch auf Rückzahlung zu haben glaube, beim ordentlichen Gericht verklagen müßte. Verdienter Lohn wird nicht bezahlt. Nach der Rechtsprechung des Reichsgerichts gilt für die in der Russischen Handelsvertretung beschäftigten Sowjet- bürger in Hinsicht auf ihr Arbeitsverhältnis nicht deutsches, sondern russisches Recht. Man sollte meinen, die Angestellten der Handelsvertretung würden diese Rechtsauffassung mit Freuden be- grüßen, denn in dem„Arbeiterstaate" Rußland müßte doch wohl das Arbeitsrecht für die Arbeiter und Angestellten günstiger sein, als in dem kapitalistischen Deutschland. Aber das Gegenteil ist der Fall. Deshalb möchten denn auch entlassene Angestellte der Ruf- fischen Handelsvertretung, wenn sie beim Arbeitsgericht.in Berlin klagen— was nicht selten vorkommt—, von der Anwendung des russischen Rechts nichts wissen. Aber damit kommen sie nicht durch, denn das Arbeitsgericht kann über den Standpunkt des Reichsgerichts nicht hinweggehen. Um eine einzelne Bestimmung des russischen„Rechts" handelte es sich bei einer Klage vor dem Arbeitsgericht. Die f r i st l o s e E n t- l a s s u n g des Klägers, eines russischen Staatsangehörigen, hält das Gericht für berechtigt, weil der Kläger sich geweigert halle, nach Rußland zurückzukehren. Auf Bezahlung derÄündigungszeit hat er dem- nach keinen Anspruch. Aber er ist am 21. März entlassen und hat noch sein Gehalt ab 1. März zu fordern. Das steht ihm nach beut- schem Recht ohne Zweifel zu, denn hier gilt der Grundsatz, daß verdienter Lohn bezahlt werden muß, auch wenn die fristlose Entlassung begründet ist.— Der Bevollmächtigte der Russischen Handelsver- tretung behauptet aber, nach russischem Recht habe der fristlos Entlassene auch keinen Anspruch auf den vor seiner Entlassung verdienten Lohn. Das würde also bedeuten, daß jemand, der am Ende des Monats fristlos entlassen wird, weder sein Monatsgehalt, noch in dieser Zeit etwa verdiente Provision oder erworbenen Urlaubsanspruch fordern darf. Zum Beweise seiner, nach deutschem Rechtsbegriffen ungeheuer- lichen Behauptung, legte der Bevollmächtigte der Beklagten eine deutsche Uebersetzung des betreffenden russischen Gesetzes vor, die das Gericht aber nicht als authentisch ansah. Es beschloß deshalb, für den nächsten Termin ein Gutachten eines Sachverstän- d i g e n des russischen Rechts einzufordern. Der Vertreter des Beklagten schlug als Sachverständigen einen Professor in Moskau vor. Das Arbeitsgericht scheint aber kein rechtes Bertrauen zu einem aus Moskau kommenden Rechtsgutachten zu haben, den es will zunächst oersuchen, einen deutschen Sachverstän- digen für russisches Recht heranzuziehen. Kernel der deutsclien Kr atilc env er s i ein e r tin� JaKresdurcK schrubb in 1000 Personen Orts-/£ Lar�d" 1 � Betrie"bs-|r-� iiiiiiimiiiutiiiiiiiumminiiiiii 9 71H I 19 05-1 .4 096 1968 19 0 8 ---—3 959 Inn un§5"]� ��3? KnappscKrl KrsatA"\j�i» 1 96« 11914 Il9£9 16 916 miminmimini««9i8 Neue Entlassungen bei Krupp? Antrag auf Stillegungen. Esten. 24. Juni. Die Friedrich-Krupp-A.-G., Essen, hat für die Betriebe Stahl- sormerei, Federwerkstatt, Reparaturwerkstätten und Eisenbahnwerk- statt Antrag auf Stillegung gestellt, von der 450 Arbeiter betroffen würden. Es handelt sich um eine„vorsorgliche" Maßnahme. Kamps gegen die Notverordnung! Beschluß der Berliner Gemeindetechniker. Die im B u t a b organisierten Berliner Gemeindetech« n i k e r nahmen am Dienstag zu der Beanstandung der Berliner Besoldungsordnung und den Wirkungen der Notverordnung auf ihre Besoldung Stellung. Genosse Q u e n s e l als Leiter der Fachgruppe der Gemeindetechniker stellte in seinem Referat fest, daß die Bc- anstandung der Berliner Besoldungsordnung durch den Oberpräfi- dcnte» im allgemeinen abgewehrt werden konnte, und daß nur eine verhältnismäßig geringe Kürzung bei einzelnen Endgehältern vorgenommen werden soll. Dieser Erfolg der freien Gewerkschaften ist nunmehr aber durch die Notverordnung zunichte gemacht worden, die für die Berliner Gemeindetechniker noch viel erheblichere Kür- z u n g e n ihrer Gehälter vorsieht als die Beanstandung der Berliner BcsoldungKordnung. In einigen Besoldungsgruppen müßte auf Grund der Notverordnung ein Gehaltsabbau um mehr als 150 Mark pro Monat vorgenommen werden. Gegen diese ungeheure Verschlechterung müssen die Berliner Gemeindetechniker den schärfsten P r o t e st erheben. Sehr skeptisch stehen sie auch einer eventuellen Verkürzung der Arbeitszeit auf 40 Stunden gegenüber, weil die Beamten von dieser Arbeitszeitverkürzung ausgenommen werden sollen und man den Beamten die infolge der Arbeitszeitverkürzung bei den An- gestellten ausfallende Arbeit übertragen würde. Der Zweck der Arbeitszeitverkürzung, die Einstellung von Erwerbs- losen, würde dadurch nicht erreicht werden. Bei dem ungeheuren Gehaltsabbau, den die Notverordnung für die Berliner Kommunal- beamten und Angestellten vorsieht, können die Gemeindetechniker einer Arbeitszeitverkürzung auf 40 Stunden ohne einen entsprechen- den Lohnausgleich überhaupt nicht zustimmen. Nach einer regen Aussprache stimmte die Fachgruppenversamm- lung einer Entschließung zu, in der vom Bundesvorstand des Butab erwartet wird, daß er im Kampfe gegen die Notverord- nung nicht nachläßt. In diesem Kampfe könne es zwar eine Pause, aber kein Aufhören geben, weil das Aufgeben dieses Kampses zu einer Vertrauenskrise führen müsse, die von schwer- wiegender Bedeutung für die freigewerkschaftliche Bewegung der Angestellten und Beamten wäre. Arbeltsfriede in der englischen Meiallinöustrie. London, 24. Juni. Die Führer der englischen Metallarbeiterverbänd« nahmen am Dienstag mit überwältigender Mehrheit die abgeänderten, ge- mäßigten Vorschläge der Unternehmer an, bei denen es sich Haupt- sächlich um gewisse Aenderungen der Arbeitsbedingungen und der Bezahlung für Ueberstunden handelt. Die neuen Tarife, von denen über eine Million Metallarbeiter betroffen werden, werden am S. Juli in Kraft treten. Sowohl in Unternehmer- wie in Arbeiter- kreisen begrüßt man sehr, daß die langwierigen Verhandlungen hier- mit eine friedliche Lösung zur gegenseitigen Zufriedenheit gefunden haben. � töefchäfis-Jbtfriger � (&eziwfc bilden-IVeften Maiernotte Berlin G.m.b.H. 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