Morgenausgabe Donnerstag «SWS»«»» K z W mWuTTm ulml■» VWM» �.«»«»«» r-p«. einschließlich 60 Pf. Postzeitun gs- und J/SM r�SSKi Hl BH WW L�\ M» Q| BHi BW W> j/ flH- Mg 72 Ps� Postbewllg-duhr-n. Auslands. jSßSalE ICJH B B BH � B B B B B B L; B VM--- // Sit efnlpalt nonpatelOejeflt 80 n obonnement 6, p?. pro OTonat; für WWI fFSB| B B B B B B B B Wj B B /'?itN»mtztilt S.- RM.„Meint An- Cftnbtr mit trma|i8ttm Stu§Q B B B B B BB B B B— B IW[ A*. zeigen" da« stltgtdrucktt»ort ZS Pl. norte b,— TL-TMH I W» B WM|H Hfl setigedrucktt Worte», ltdr« z? Hro II BH WB Hfl rJlmli i•flSft JBH IM/ weitere Wort 12 IC). Stabatl iL Sari), Srr.«orwirts- erichein, wochent-s. W l Bi B T/tSl St.ll.ng.such. da. erste Wort IS P). lich zweimot. Sonntag, und Montoo, WKII IHLV JBV B>'?» w-i'-re Wort 10 Pi Wotte udet VPWAmM» ZLeSW�« Jenteawvgan der Gozialdemotratifche« Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstr. 3 Fernspr.: Tönhojf(A 7) 292—207. Tetcgramm-Adr.: Sozialdcinokrat Berlin. Washington. 24. Zuni. Im Staatsdepartement ist die Stimmung mit Oinbiick auf die endgültige Ztnnahme des tiooncr-Vorfchlages durch alle Möchte noch wie vor zuversichtlich. Es wird auf Slimsons heutige Feststellung hingewiesen, dah bedeutende Fortschritte bereits erzielt seien. Auch erblickt mau in seiner Erklärung, von den tdrund- linien des Hoover-Vorschlages nicht abweichen zu wollen, ein Zeichen der Zuversicht, daß die öffentliche Meinung der Welt sich hinter ihn stellen werde. Es wird erklärt, man sei sich klar darüber, dah einige Zeit vergehen werde, ehe die französische Regierung ihren gegenwärtigen Standpunkt ändern würde. Man hasse aber bestimmt, dah man innerhalb von acht bis zehn Tagen zu einer Einigung gelangen werde, und zwar zu einer Einigung aus der Grundlage des Hoover-Vorschlages, von dessen Richtlinien die Regierung der Vereinigten Staaten, wie sie heute ausdrücklich erklärt habe, nicht abgehen wolle. Aus Grund der jetzigen Lage nimmt man au. dah Stimsons Reise nach Europa um einige Zeil verschoben werden würde. Allgemeine Zustimmung. Washington, 24. Juni.(Reuter.) Im Weißen Hause wurde mitgeteilt, daß die Antworten aus den Borschlag Hoovers zahlreich eingingen. Der Widerspruch gegen den Vorschlag sei s e h r g e r i n g.« Oer Weg der Verhandlungen beschritten. Washington, 24. Zum. Staatssekretär Stimson hat am Mittwoch in einer Konferenz vor Pressevertretern folgende Erklärung abgegeben:.Der Vorschlag des Präsidenten hoovcr war klar und einfach gezeichnet. Auch der Zweck dieses Vorschlages war klar, nämlich ein einjähriger Zahlungsaufschub, von dieser allgemeinen Linie wird nicht abge- wichen werden, wir machen wirkliche Fortschritte, aber bei einer derartigen Angelegenheit, wo so viele Schuldenarten und Rationen in Betracht kommen, müssen sehr viele Einzelheiten mit den be- teiligten Mächten sorgfältig bedacht und besprochen werden. Diese Unterhaltungen müssen notwendigerweise aus dem ordnungsmähigcn diplomatischen Wege und nicht durch die Presse geführt werden." Zcde weitere Erläuterung lehnte Staatssekretär Stimson ab. Krankreich verlangt deutsche Zahlungen. Die Antwort an Amerika. Paris, 24. Juni.(Eigenbericht.) Die französische Antwortnote auf den Vor- schlag Hoovers, deren Wortlaut im Ministerrat am Mittwoch festgelegt worden war, ist am Mittwoch nachmittag von Minister- Präsident L a v a l dem amerikanischen Botschafter übergeben und zugleich an den französischen Botschafter in Washington tele- graphisch übermittelt worden. lieber den Ministerrat und den Inhalt der Note macht der .�Zntransigeant" folgende Zlngaben:„Die Note hat einen Umfang von etwa vier Schreibmaschinenseitcn. Alz Unterlage für den end- gültigen Wortlaut hat ein Entwurf gedient, der vom Finanz- Ministerium ausgearbeitet und der bereits in der Ministerbesprechunq am Dienstag abgeändert worden war. Die Note ist in einer sehr höflichen Form gehalten und lobt die hohen Gefühle, die die Initiative des amerikanischen Präsidenten bestimmt habe. Sie weist dann auf die j u r i st i s ch e Seite des Vorschlages hin und legt mit aller Deutlichkeit die beiden Grundgedanken der französischen Haltung dar. Diese lassen sich folgendermaßen zusammenfassen: l. der Poung-Plan ist vom französischen Parlament ratifiziert worden und kann nicht ohne einen bestimmten Austrag des Par- lamcnts abgeändert werden. Vor allem darf die wesentliche Unterscheidung zwischen den bedingten und den bedingungslosen Zahlungen von der Regierung nicht ohne weiteres beseitigt werden. 2. Frankreich wünscht, mit ollen Mitteln den wirtschaftlichen Wieder- aufbau Europas und der Welt zu erleichtern. Es würde also damit einverstanden sein, daß Deutschland ihm während eines Jahres keine Zahlungen leistet unter der Bedingung, daß der ungeschiitzte Teil der Annuität an die BIZ. überwiesen, aber nicht in Devisen umgewandelt wird. Die Bank kann diese Summe dazu benutzen, Deutschland und anderen mitteleuropäischen Mächten Kredite zu gewähren.� Die Radikalen gespalten. Der Auswärtige Ausschuß der Kammer hat sich am Mittwoch eimzcheud mit dem Hoovcrjchen Vorschlag besaßt. Es wur- den zunächst zahlreiche Beschwerden über die Art und Weise laut, in der Hoover seinen Vorschlag übermsttell hat. Dann kam er zu einer Debatte über die Loge in Deutschland, cm der u. a. Loucheur, Vorwärts-Verlag G. m. b. H. Bergery, Paul Boncour und Grumbach teUnahmen. Alle Redner waren der Airsicht, daß man Deutschland soweit als möglich e n t- ge genk o mm en müsse. Es herrschte aber auch Einstimmigkeit darüber, daß die ungeschützten Zahlungen im Prinzip auf- rechterhaltcn werden müßten. Die Debatte wird am Mittwoch fortgesetzt. Louchcur ist damit beauftragt worden, einen Bericht über die zu ergreifenden praktischen Maßnahmen auszuarbeiten. Grum- bach hat den Auftrog erhalten, den Ausschuß über die Lage in Deutsctstand zu unterrichten. Die Radikalen haben sich am Mittwoch nochnrals mit der Botschaft des Präsidenten Hoover befaßt, ohne jedoch einen Beschluß zu fassen. Die Mehrheit der Fraktion scheint aber gegen ein zu weitgehendes Entgegenkommen in bezug auf die amerikanischen Wünsche zu sein und ihm eine direkte deutsch- französische Aussprache vorzuziehen. Zu dieser Auffassung dürste die Rund- sunkrede des Reichskanzlers Brüning beigetragen haben. Wie der Korrespondent des„S oz. Pressedienst" in Paris erfährt, scheint man auch im Außenministcrium einer solchen Idee nicht ab- geneigt zu sein. Mussolini nimmt an. Rom. 24. Juni. Ministerpräsident Mussolini hat auf Grund des Vorschlags des Präsidenten Hoover am Dienstag den italienischen Botschafter in Washington dos folgend« Telegramm übermittelt:„Ich bitte Euer Exzellenz, der Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika mit- zuteilen, daß ich den Vorschlag des Präsidenten Hoover über die vollständige Einstellung der Schuldenzahlungen der Regierungen während eines Jahres geprüft habe. Dieser Vorschlag legt Jtalitn erhebliche Opfer aus, ober ich habe mich nach reiflicher Ueber- lcgung entschloflen, ihm grundsätzlich meine herzliche Zustimmung zu ertellen. Ich beholte mir vor, der dortigen Regierung binnen kurzem einige Bemerkungen zugehen zu lassen, die dahin zielen, eine zugleich gerechte und praktisch« An wen- d u n g der glücklichen Initiative der amerikanischen Regierung sicher- zustellen, wie dies gewiß im Sinne der Vorschläge des Präsidenten liegt. Ich beglückwünsche mich dazu, daß die Initiative des Prä- sidenten, deren hohe moralische Bedeutung vom italienischen Volke voll gewürdigt wird, eine Periode wirksamerer Zusammenarbeit zwischen den Völkern eröffnen kann,«ine Zusammenarbeit, die über- aus notwendig ist im gegenwärtigen Augenblick allgemeiner Schwierigkeiten und am Vorabend der Abrüstungskonferenz." Gnowden für schnellste Ourchführung. London, 24. Juni.(Eigenbericht.) In der M i t t w o ch s i tz u n g des Unterhauses fragt« der Führer der Konservativen den englischen Schatzkanzler Snowden, ob er in der Lage sei, nähere Auskunst über die Durchführung der Botschaft Hoovers zu geben. Snowden nahm zunächst Bezug auf die Erklärung Macdonalds in der Montagsitzung des Unterhauses und fuhr dann fort: „Ich nehme die Gelegenheit gerne wahr, um die Schritte zu er- läutern, die wir in dieser Richtung zu tun uns entschlossen haben. Je genauer wir die Aktion des Präsidenten Hoover betrachtet haben, um so deutlicher wurde es uns, daß wir uns in ihr eigentliches Wesen zu vertiefen hätten, welches darin bestcht, daß diese Deklaration des amerikanischen Präsidenten eine mißerordentlich groß- zügige G e st e der Vereinigten Staaten darstellt, auf die eine Antwort im gleichen Geist- schuldig zu bleiben, jammerschade für Europa wäre. Di« Wohltaten, die sie bringen kann, müßten verloren- gehen, wenn die durch sie betroffenen Staaten nicht Maßnahmen er- greif«» würden, um ihr zur sofortigen Wirksamkeit zu verhelfen. Das ist besonders der Fall, soweit es sich um Deutschland handelt, it nd hierin liegt alles in allem die Hauptschwierigkeit. Wir hab«n der von der amerikanischen Regierung geäußerten Zlnsicht zu- gestimmt, dah keine Zeit mehr mit der Einberufung einer Konferenz zu verlieren ist. Es muß eine raschere Methode gesunden werden, um den Vorschlag der mneri- konischen Regierung, die sofortige Suspendicrung der deutschen Zahlungen an die Gläubiger-Regierungen, ins Werk zu setzen. Ein Verfahren, das wir bevorzugen würden, wäre, daß die Gläubiger- Regierungen umgehend der Bank für Internationale Zahlungen mitteilen, daß sie mit dem Vorschlag einer Suspendier ung aller deutschen Zahlungen für ein Jahr einverstanden sind. Die Entscheidung können wir natürlich nicht allein sällen, und wir erwarten die Er- klärungen der anderen Gläubiger-Regierungen. Wir hoffen aber. daß es möglich sein wird, ein Uebereinkommen auf dieser Grundlage so bald wie möglich zu trefsen." Snowden erwähnte schließlich noch, daß die Zlrbeitcrregicrung sich entschlossen Hobe, den Dominien die zum Teil recht erheb- lich-n Zinsen sür die Kriegsschulden zu stunden. Es handelt ssch inn«inen Betrag von insgesamt 11 Millionen Pfund Sterling. Postscheckkonto: Berlin37öZK.— Bankkonto: Bank dcrArbeilcr, Angestellten und Beamten, Lindenstr. 3, Dt.B. u.DiZc.-Ges., Depositen?., Fcrusalcnter Str. Gä/Kö. Frankreichs große Stunde. 6s geht um mehr als um Geld und Prestige? Von Rllüolk ProitscKoick. Worte, wie sie der deutsche Reichskanzler am Dienstag- abend an Frankreich gerichtet hat, sind der vollen Z u- stimmung aller Freunde des Friedens und der europäischen Verständigung sicher. Sie atmen denselben Geist, aus dem heraus insbesondere die deutsche Sozialdemokratie in der ganzen Zeit nach dem Kriege das Verhältnis zu Frank- reich beurteilt hat und der sie immer wieder veranlaßte, die Ueberwindung der deutsch-französischen Spannung in den Vordergrund ihrer auswärtigen Politik zu stellen. Daß der leitende Staatsmann den Entschluß gefaßt hat, seiner Ueber- zeugung vor aller Welt offen und rückhaltlos Ausdruck zu geben, oerdient um so größere Anerkennung, als er sich damit genau so wie die Sozialdemokratie bei jenen Patrioten, die in Frankreich den hassenswerten Erbfeind sehen, dem Vor- wurf des Verrats vaterländischer Interessen aussetzen wird. Die Rundfunkrede ist ja auch im gewissen Sinne ein Ab- rücken von denen, die auch in diesem Augenblick die Verlegen- Helten, in die Frankreich durch den Hooverschen Vorschlag ge- raten ist, für ihre Zwecke auszubeuten suchen und die Dinge so darstellen, als ob die Kritik, die man drüben an der Idee des Moratoriums übt, ausschließlich in politischer Böswillig- keit und dem Wunsche nach der Vernichtung Deutschlands ihren Grund habe. Dieselben Leute, die stillschweigend über den italienischen Versuch hinweggehen, jetzt von Deutschland den Verzicht auf die Zollunion zu erpressen, zitieren mit Eifer jede Stimme des Mißbehagens, die in der Pariser Presse laut wird, und tragen dadurch in voller Absicht zu der Vertiefung der Kluft zwischen uns und unferm westlichen Nachbarn bei. Brünings Verdienst ist es, gezeigt zu haben, daß' es bei uns auch andere Auffassungen gibt, und daß er selbst auf der Seite derer steht, die guten Willens find. Das deutsch-franzöfifche Verhältnis war in der letzten Zeit alles andere eher denn erfreulich. Wir dürfen wohl ohne Uebertreibung sagen, daß seit dem Ruhrkampf das beiderseitige Mißbehagen nicht so stark ge- wesen ist wie in unseren Tagen. Es fehlt das Verständnis und es fehlt das Vertrauen. Dah auf deutscher Seite schwere Fehler begangen worden sind, wird sich nicht in Abrede stellen lassen. Niemand konnte annehmen/ daß die Art, wie der Zollunionsplan vorbereitet und eingeleitet wurde, die öffentliche Meinung in Frankreich für uns günstig stimmen werde. Niemand darf erwarten, daß Stahlhelmparaden von dem französischen Volk als Beweis unseres Friedenswillens aufgefaßt werden. Gar nicht zu reden von dem national- sozialistischen Wahlerfolg im vergangenen September. Aber es wäre falsch, die Schuld nur bei Deutschland zu suchen. Frankreich ist für die tiefe Verstimmung in hohem Maße mitverantwortlich. Es hat die Ausschreitungen des deutschen Nationalismus-gebucht, aber es hat die un- geheuren und opferreichen Anstrengungen zu seiner Abwehr nicht genügend gewürdigt. Es hat bei dem Widerstand gegen die Zollunion Argumente ins Treffen geführt, die den Ein- druck aufkommen lassen mußten, als ob es Deutschland und Oesterreich die Rechte abspreche, die freien und selbständigen Staaten zustehen. Es hat zwar immer wieder von der Not- wendigkeit einer Sanierung Europas geredet, aber es blieb dann doch mit verschränkten Armen vor Deutschland stehen, dessen wirtschaftliche Not die größte Gefahr für Europa be- deutete. Es hat endlich bei dem Zusammenbruch der Wiener Kreditbank eine Politik getrieben, die sich offen gegen das österreichische Selbstbestimmungsrecht richtete und die zum mindesten mittelbar ihre vergiftete Spitze auch gegen Deutsch- land kehrte. Mit alledem hat sich Frankreich allerdings selber g e- schadet. Sein Verhalten rief nicht nur in Deutschland, sondern auch anderswo Unwillen hervor, und eben weil man in Paris kein gutes Gewissen haben konnte, witterte man nun Intrigen und schrieb Deutschland die Absicht zu, an internationalen Verschwörungen zur Isolierung Frankreichs führend beteiligt zu sein. Auch bei der Kritik an der Hoover- schen Botschaft klingt dieser unbegründete und törichte Ver- dacht wieder mit, und es sind nicht nur die finanziellen Be- denken und die Sorge um die Aufrechterhaltung des Foung- Plans, die die ablehnende französische Haltung bedingen, son- dern im gleichen Maße auch das unbehagliche Gefühl, man sei übergangen worden und habe zugunsten Dcuts6)lands einen Prestigcverlust erlitten. Brüning bemüht sich, diesen Eindruck zp zerstören und gleichzeitig die außerordentlich große Bedevtmrg ins Licht zu Amerika verhandelt mit Frankreich. Es erwartet zuversichtlich Annahme des Vorschlages. Enthüllungen aus dem Sraunen Saus. Hiiletv Röhm, Goebbels, Schulz& Co. in Selbstzeugnissen. rücken, die eine Durchführung des Moratornnns für die Wirt- schaft der Welt und für die deutsch-französischen Beziehungen besitzt Ob ihm Erfolg beschieden sein wird? Wir möchten es hoffen. Aber einstweilen sieht es noch so aus, als ob Furcht vor pekuniären Berlusten im Bunde mit verletzter Eitelkeit den klaren Blick der Fran- zosen trübe und sie daran hindere, einen historischen Augen- blick zu erkennen und zu erfassen. Wir verstehen die Eigenart der Situation, in die Frank- reich durch das amerikanische Vorgehen geraten ist. Wir können nicht verlangen, daß es dem Moratorium ebenso be- geistert zustimmt wie Deutschland oder auch England. Wir begreifen, daß es nach Möglichkeiten sucht, ohne grundsätz- liche Ablehnung des Hooverschen Vorschlags bestimmte Nachteile von stch fernzuhalten. Aber gerade wir SoziaQemo- kraten, die wir mit Ernst und ungeachtet aller Angriffe an der Versöhnung gearbeitet haben, dürfen an Frankreich die Mahnung richten, über den Augenblick nicht die Zukunft zu vergessen. Gewiß, es wird benachteiligt. Aber die Schäden, die es erleiden würde, wären noch unendlich viel größer, wenn Deutschland zusammenbräche und überhaupt keine Zahlungen mehr leisten könnte. Man beruft sich auf die Verträge. Aber was helfen Verträge, wenn die Kraft zu ihrer Erfüllung fehlt? Was kommen würde, wenn das Moratorium nicht in Wirksamkeit träte, braucht nicht weiter ausgemalt zu werden. wenn es aber am Widerstand Frankreichs scheiterte, so wäre die Isolierung dieses Landes, von der man bis jetzt fälschlich gesprochen hat, Wirklichkeit geworden, und die deutsch-ftanzö- fische Entspannung, die doch auch von dem französischen Bauer und französischen Arbeiter als Voraussetzung für die Be- friedung Europas angesehen werden muß, wäre zur Freud« und zum Vorteil der Nationalisten in beiden Ländern ver- hindert. Wie aus Paris gemeldet wuB, ist bereits am Mittwoch- nachmittag hie französische Antwortnote an die amerikanische Regierung überreicht worden. Es ist sicher, daß dieser Be- scheid den Ideen der Vereinigten Staaten und dem Wunsche Deutschlands nicht gerecht wird. Aber er kann nicht Frank- reichs letztes Wort sein. Wir sagen es vffed: wir er- heischen von den Franzosen ein Opfer. Doch der Erfolg, der mit diesem Opfer erkaust werden soll, wird mehr wert sein als 400 Millionen Goldmark und als der Triumph, ein formales Recht gewahrt zu haben. Frankreichs große Stunde ist gekommen, die Stustde, in der es eine für die Zukunft Europas und der Welt unendlich folgenschwere Entscheidung zu treffen hat. Es darf sie nicht ungenützt vor- übergehen lasien, wenn ihm am Nrtetl der Geschichte ge- legen fft. * pari». 24. 3m»k.(CigrabcrMst.) Die Anregung Brünings in seiner Knodfunkrede. eine ähnliche Zusammenkunft wie die van Ehequer» zwischen deutschen upd französischen Stoalsmännern In die Wege zu leite«, hat in diesigen polllischeu Kreisen lebhaftes Znlereffe erregt. Die Regierung hat dazu noch nicht offiziell Stellung genommen. Dem Korrespondenten de»„So;. Pressedienst" in Paris wurde fedoch erklärt. daß eine solche Zusammenkunft durchaus I» Bereich des Möglichen liege. Auf jeden Zoll würde w politische» t reisen ein präzise formulierter deutscher Borschlag für eine deutsch-sranzösische Malstcrbefprechnug keine ungünstige Ans- nähme finden. ver deutsche Botschafter von hoefch hatte am Mittwochabend eine Unterredung mit Briand. Oevisenlage weiter günstig. Stürmische Hausse für deutsche Ausländsanleihen. Die Devisenlage der R e i ch s b a n k ist auch gestern günstig geblieben. Es wurden zwar noch vereinzelte Auslandskredit« gekündigt, doch überwogen die Verlängerungen und die Zuflüsse so stark, daß die Reichsbank nicht in Aktion zu treten brauchte. Man rechnet jetzt damit, daß auch zum Monatsende bei der Reichsbank die 40prozentige Notendecknng nicht unterschritten werden wird. Brünings Rede hat die Zuversicht des internationaten Kapitals auf einen erfolgreichen Ausgang der Hoover-Aktion noch erhöht. Auf den internationalen Börsen wurden die Boisseparteien nach stärker zurückgedrängt als bisher. Besonders auf der Po- r i s e r Börse hat sich die anfänglich etwas zögernd« Hansse- bewegung jetzt erheblich verstärkt. «Tehr bemerkenswert und charakteristisch für die Festigung des Vertrauens in die Widerstandskraft der deutschen Wirt- schast sind die Kurssprünge nach oben, die überall bei den deut- schen Auslandsanleihen zu oerzeichnen sind. Am 22. Juni wckr die Dawes-Anleihe gegenüber dem 12. Juni von auf 1lX> Prozent in New Park, von 92 auf 98,8 Prozent in Amfter- dam gestiegen. Die Poung-Anleihe stieg im gleichen Zeit- räum in New Bork von 63 auf 78 Prozent, in London von 62,8 auf 73,8 Prozent. Die 6�prozentige Preußenanleihe ver- besserte ihren Kurs in zehn Tagen von 72 auf 77, die 6�prozentige Dollaranlcihe der Stadt Berlin von 70 auf 74 Prozent, die 6�prozentige Anleihe der Vereinigten Stahlwerte verbesserte ihren Kurs sogar von 89 auf 71,8. Prozent. Man wird diese Bewegungen gewiß nicht überschätzen dürfen. Die Notwendigkeit liegt aber heut« schon vor. die Möglichkeiten für neu« deutsch« Auslandsanleihen, die der Arbeitsbeschaffung dienen können, ernschaft zu prüfen._ Matieoiti-Oenkmal in Wien. Enthüllung vor der Internationale. Die Bewohner des Wiener Gemeindewohnbaus Matteotti-chof haben ein Denkmal des Märtyrers errichtet, dessen Namen ihr schönes Heim trägt. Im Anschluß an den Internationale» Sozialistenkongreß, vor seinen Mitgliedern und vor der Wiener Arbeiterschaft, wird das Denkmal am I. August— dem Gedenktag des Ausbruchs jenes Völkermordens, dem 16 Millionen Menschen zum Opfer gefallen sind— enthüllt. Die Genossen Dr. Wilhelm Ellenbogen- Wie« und Filippo'Turaki werden bei dieser Feier sprechen. München. 24. Juni.(Eigenbericht.) Die„Münchner Post" veröffentlicht seit Tagen Schriftstücke aus dem engsten Kreis um Rohm und H i t l e r, die sich vor allem mit den homosexuellen Neigungen des Kreises um Röhm beschäftigen. Unter diesen Schriftstücken befindet sich ein Brief des Oberleutnants Schulz— des Femeschulz, der nach der Stennes-Revoltc vorüber- gehend SA.-Leiter von Berlin war— an Hitler. Der Brief ist «in Notschrei gegen das Umsichgreifen der homosexuellen Neigungen unter den Führern vom„Braunen Hause". Er enthält daneben politisch sehr interessant« Partien, die wir im folgenden wieder- geben: „NSDAP. Berlin SW 48, den 2. Juni 1931. Der Gruppenführer Ost. Hedemannstr. 16/4 r. Hochverehrter Führer, lieber Herr Hitler! Sie haben den Wunsch geäußert, daß ich meinen Bortrag bei Ihnen am 29. Mai in Form eines freimütigen und rück- haltlosen Berichtes bringe. Ich komme diesem Wunsche um so lieber nach, als ich Ihres vollsten Verständnisses für mein« Beweggründe sicher bin. Insbesondere werde ich die Gefahren auf- zeigen, die meines Erachtens die Verwendung sittlich nicht einwand- freier Persönlichkeiten an maßgebender Stelle nach sich ziehen muß. Ich lasse die Vorgänge, die zur Rebellion von Stennes geführt haben, außer acht. Nur soviel will ich hier sogen, daß das scharfe Durchgreifen des Stabschefs Hauptmann Röhm der Berliner Organisation mehr geschadet als genützt hat. Denn die w a h r wr Schuldigen sind heute noch im Amt und Würden. Damit mein« ich Dr. Goebbels und dessen Adlatus Dr. M e i n s h a u f e n. Beide haben, wie ich Ihnen bereits aktenmäßig belegen tonnte, den Hauptmann Stennes vorgeschickt, sich selbst aber ge- schickterweise im Hintergrund gehalten. Wäre der Aktion von Stennes ein Erfolg beschieden gewesen, so besteht für mich kein Zweifel, daß beide mit fliegenden Fahnen sich auf die Seite von Stennes geschlagen hätten. Frau Dr. Meinshausen, mit der ich kurz nach meiner Ankunft in Berlin längere Zeit in Abwesenheit ihres Mannes sprechen konnte, machte mir gegenüber keinen Hehl daraus, daß ihr Mann und Dr. W e i s s a u e r, der frühere BerlagÄeiter beim„Angriff", die Verbind uiasmänner zwischen Dr. Goebbels und Aeubesehung im Reichsgericht. 'Dr. Bänger zum Senateiprasidenten ernannt. Dresdeu, 24. Juni.(Eigenbericht.) Der Reichspräsident hat den früheren Reichsanwalt und sächsi- schen Ministerpräsidenten a. D. Dr. B ü n g e r auf Vorschlag der sächsischen Regierung zum Senatspräsidenten beim Reichsgericht ernannt. Vünger ist 61 Jahre alt und war bisher Vorsitzender der volksparteilichen Fraktion des Sächsischen Landtags. Bei der Uebersiedlung nach Leipzig wird er sein Mandat niederlegen. Sein Nachfolger ist der extrem rechtsgerichtete Indu- striellc Syndikus Dr. Fruch-Chenmitz. V Gegen de« Waffenmißbrauch! Ga Ruaderlaß Geveriags. Das Minffterialltfatt für die Preußische inner« Verwaltung ver- öfsentlicht«inen Runderlaß des preußischen Innen- minister», in dem die Polizei unter Hinweis auf die politischen Ausschreitungen der letzten Zeit, die gezeigt hätten, daß sich in den Händen der Mitglieder radikaler politischer Organisationen noch innner Schußwaffe» befänden, ersucht wird, dem Miß- mli Schnßwa-fßeu. msbesondere dem ungesetzlichen Stennes gewesen seien. Frau Dr. Meinshausen versicherte mir bei dieser Unterredung wiederholt, sie habe ihren Mann schon immer oo r dem„Jesuiten" Dr. Goebbels gewarnt. In diesem Zusammenhang sei auch der Ansprache von Dr. Goebbels an die bei Pfühl versammelten Gauleiter von Groß- Berlin gedacht. Bei dieser Gelegenheit erklärte nämlich Dr. Goebbels, daß er nicht daran dächte, dem„schwulen bolivianischen Oberst- l e u t» a n t" Röhm die Berliner SA. auszuliefern... Ich komme nun auf den Teil meines Vortrages zu sprechen. der neulich Ihr besonderes Interesse auslöste, nämlich aus Gregor Straß er. Ich habe schon in Berlin zu wiederholten Malen die Beobachtung machen müssen, daß der Kreis um Dr. S t r a ß« r auffallend gut orientiert war. Damals habe ich aller- dings nie daran gedacht, daß diese Quelle direkt zu Gregor �stratzer führen würde. Am 26. Mai wurde mir in Berlin«in Original- schreiben von Gregor Straßer an Dr. Straßer zum Kauf angeboten. Ich habe den verhältnismäßig hohen Preis von 1866 Mark gezahlt in der Annahm«, durch den Erwerb des Briefes den Durchstechereien auf die Spur zu kommen. Wenn auch dieser Brief, den ich Ihnen am 29. Mai einhändigt«, keinerlei Anhaltspunkte für meinen Verdacht gegen Gregor Straßer lieferte, so war doch entscheidend, daß die Angaben von Gregor Straßer, er habe seit dem 12. September 1936 mit seinem Bruder völlig ge- brochen, auf Unwahrheit beruhten. Es ist zu bedenken, daß diese Kardinallüge, zu deren wiederholter Erklärung für Gregor Straßer absolut kein Anlaß bestand, nachdem ja die Ausrecht- erhaltung familiärer Beziehungen trotz aller politischen Gegner- schast ohne weiteres verständlich gewesen wäre, die Möglichkeit weiterer Lügen in sich schließt. Hochverehrter Führer, lieber Herr Hitler! Auf Ihren Wunsch hin habe ich mich, um mich Ihres Ausdruckes zu bedienen, frank und frei ausgelassen. Ich darf, hochverehrter Führer, mit der Bitte schließen, diesen Bericht oertraulich zu behandeln und erinnere Sie an Ihr Ber- sprechen, davon auch Ihrem Privatsekretär Heß keine Kenntnis zu geben. Hell Hitler! gez. Paul Schulz, Oberleutnant a. D." Führen von Schußwaffen sowie auch jeglichem ungesetzlichen Handel mit Schußwaffen oder Mumtion auf das nachdrücklichste entgegenzutreten. Gegen Händler, die sich Verstöße gegen die einschlägigen waffen- rechtlichen Bestimmungen zuschulden kommen lassen, soll neben der Einleitung von Strasmaßnahmen die Rücknahme der Genehmigung zur Herstellung von Schußwaffen und Munition so- wie zum Handel mit diesen Gegenständen unverzüglich in die Wege geleitet werden. Zur Bekämpfung einer ungesetzlichen Ein- fuhr von Schußwaffen und Munition werden die Polizeibehörden der Grenzbezirke, insbesondere der Westgrenze, ersucht, der Ber- Hinderung des Waffenschmuggels ihre besondere Auf» merksamkeit zu widmen. walthcr Ratheuaus Todestag. Anläßlich des Todestages Walch«? Rachenaus am 24. Juni haben die Walcher-Rathenau-Stiftung und die Walcher-Rachenau-Gefellschaft am Grabe Walcher Rachenaus auf dem Friedhof in Oberschöneweide und an der Walcher-Rachenau-Gedenktafel in der Königsallee in Berlin-Grune- wach Kränze niedergelegt. Brilechsschreiben Dietrichs zum Tode Wilhelm Bocks. Der Reichsfmanzminister Dr. Dietrich hat an den Dorsitzeichen der Roichstagsftaktion, Genossen Breitscheid, ein Schreiben gerichtet, in dem er seine Anteilnahme zum Tode des Alterspräsidenten Wichelm Bock ausspricht. Die Hetze gegen Dr. Baabe. Saubere Ginheiisfroui im Roggenunierstützungsausschuß. Der Roggenuntersnchungsausschuß des Reichstag» hat am Mittwoch seine Arbeiten abgeschlossen. Der Ausgang hat bewiesen, daß es einem großen Teil seiner Mitglieder— nicht nur den Kommunisten und den Nationalsozialisten, sondern auch einer Rech« von Bertretern der bürgerlichen Parteien— weniger um die Feststellung des Tatbestandes als um die Befriedigung chrer Hetzbedurfnifse gegen den �oKialdemotrata» Dr. Baad« zu tun gewesen ist. E» wurde sin Antrag angenommen, der feststellt, daß im Zu- sommeichang mit der Roggenstützung Korruptionsfälk« bei Regierungsstellen nicht vorgekommen find. Dann fand aber auch ein kommunistischer Antrag«m« Mehrheit, der Dr. Baad«»achsagt, er habe den Ausschuß durch unwahre Angaben irregeführt, habe Bezüge für sich feststtzen lassen, ohne die Re- gierung darüber zu informieren, und mehrer« Monate hindurch die erhöhten Bezüge entgegengenommen. In dem«inen Antrag also die Erklärung, daß Korruption nicht vorgekommen sei und in dem anderen der Lorwurf der Korruption. Gegen den kommunistischen Antrag stimmten Sozial- demokraten, Staatsparteiler und Bayerisch« Dolkspartei, für ihn die Kommunisten, die chnen verbündeten Nationalsozialisten und Deutschnationalen, außerdem die beiden volksparteilichen Abgeordneten sowie die Vertreter der Landoolkpartei und des christlich-soziolen Lolksdienstes. Der Vorwurf, Dr. Baad« Hab« den Ausschuß in der Frage seiner Bezüge irregeführt, ist durch ein« Untersuchung des Reichsernäh- rungsnnnisters vollkommen widerlegt worden. Minister Schiele hat als Ergebnis dieser Untersuchung seinerzeit vor dem Ausschuß erklärt: „Ich habe bei Durchprüfung der Protokolle und in Würdigung des ganzen Sachverhalts keinen anderen Eindruck gewinnen können, als daß Dr. Baad« sich pflichtgemäß bemüht Hot, die Arbeiten des Ausschuffes durch sachliche und wahrheitsgemäße Auskünste zu unter- stützen. Ich möchte noch bemerken, daß, wenn ich im verlaus der Dinge einen anderen Eindruck erhalten hätte, ich darauf pflicht- gemäß als Minister die Schlußfolgerung gezogen hätte." Daß trotz dieser völligen Klärung des Sachverhalts National- sozialisten und Kommunisten ihre Agitatümslügen aufrechterhalten und der Deuffchnationale Stubbendorf mit ihnen gemeinsame Sache inacht, wird niemanden wunder nehmen. Wenn ober Mitglieder bürgerlicher Parteien unter der geistigen Führung des ehemaligen Staatssekretärs S ch m i d den Kommunisten Gefolgschaft leisten, so zeigt das, wie die Sorge um die Sicherung privatkapitalistischer Profit« nicht vor Widersprüchen zurückschreckt und den selbstoerständ- lichen Respekt vor der Ehre und dem guten Nawen eines, ihnen wegen feiner sachlichen Stellungnahme persönlich verhaßten Mannes in den Wind schlagen läßt. Rachfolge für Kärtchen Miehuick. Wie sich Herr Gtvbbrnd«ffs den Sozialismus vorstellt. All« Welt, zum mindesten aber neun Zehntel der Welt, ist sich darüber klar, daß die gegenwärtige schwere Wirtschaftskrise eine Folge des kapitalistischen Erzeugungs- und Verteilungssystems ist. Die politische und soziale Reaktion hat ihren letzten Heerbann, die nationalsozialistische Partei, aufgeboten, damit sie mit scheinsozialistischen und antikapitalistischen Phrasen die Abwanderung dieser neun Zehntel ins Lager de» Sozialismus verhindere. Walter S t u b- b e n d o r f f, Rittergutsbesitzer und deutschnationaler Reichstags- abgeordneter, hat aber etwas ganz anderes entdeckt. Im Roggen- stützungsausschuß des Reichstags tonnte er am Mittwoch feststellen, daß wir schon mitten im sozialistischen Staat st ehe n. Herr Stubbendorff erklärt:„Wir haben in Deutschland einen sozialistischen Staat, der aufgebaut ist mit Hilfe bürger- licher Parteien." Di« Tendenz zur Sozialisierung der Getreide- und Futtermittelwirtschast in Deutschland, so hören wir weiter, liege klar zutage.„Dagegen hilft kein Abstreiten, dagegen hilft kein Leugnen." Allerdings habe„der sozialistische Staat in Deutschland mit Hilfe bürgerlicher Parteien" nur deshalb aufgerichtet werden können, weil die sozialdemokratische Partei ihre Ziele nicht klar bezeichnet und ihre Gedanken verschleiert habe. Schließlich habe auch noch die „sozialistische preußische Regierung" durch die Preuhenkasse im Rahmen de» polstischen Zieles ihrer Partei gehandelt. Wir streiten nicht ob, wir leugnen auch nicht. Walterchen hat uns überführt, und wir brauchen nur anzumerken, daß Karlchen Mießnicks Geschlecht in Herrn Stubbendorff einen würdigen Roch- fahr gefunden hat. Hakenkreuz und Schwarzrotgold Verzweiflungslügen der Ertappten. In der Angelegenheit des Stadion-Ueberlafsungs- Vertrages hält die Gauleitung der NSDAP, trotz amtlicher Feststellung an der Behauptung fest, daß die Worte Schworz-Rot« Gold in dem zwischen dem Reichsausschuh für Leibesübungen und der NSDAP, abgeschlossenen Vertrag weggelassen seien. Demgegenüber wird amtlich nochmals ausdrücklich festge- stellt, daß die Worte Schwarz-Rot-Gpld in dem schrist- lich abgeschlossenen Vertrag enthalten sind, und zwar unter Ziffer 8, Deflaggung, in folgender Formulierung: „Der Veranstalter verpflichtet sich, die Reichsfarben (Schwarz-Rot-Gold) an hervorragender Stelle zu zeigen und ihnen bei weiterem Flaggenschmuck einen angemessenen und würdigen Anteil einzuräumend Die gedruckten Worte Schwarz-Rot-Gold sind im Vertrag weder unter st richen noch durchgestrichen. Dieser Vertrag ist nicht am 18. Juni, wie die Gauleitung behauptet, son- dern am 17. Juni 1931 endgültig abgeschlossen und von dem B e- austragten der Gauleitung Max Weiß unterzeichnet worden. Soweit die amtliche Mitteilung. Wir halten die krampf- haften Bemühungen der chakenkreuzler, ihre unterschristlich festge- legten Verpflichtungen nachträglich abzustreiten, für Verzweis- lungslügen von Ertappten, die sich fürchten, vor ihren eigenen Anhängern gerade zu stehen. Wir haben am Dienstag im Abendblatt den Vertrag in photographischer Wieder» gäbe veröffentlicht. Unsere Leser konnten selbst feststellen, daß das Wort„Schwarz-Rot-Gold" weder durchstrichen noch sonst irgendwie verändert worden ist. Jetzt sucht aber Dr. Goebbels in seiner neuesten Erklärung den Eindruck zu erwecken, als wenn an dem Vertrag eine Fälschung vorgenommen sei. Daß die amtlichen Stellen diesen dreisten und verlogenen Vorwurf durch die obige Erklärung sachlich zurückweisen, ist richtig. Ob diese Sachlichkeit genügt, ist bei der dreisten Ver- drehungskunst im Goebbels-Lager ein« andere Frage. Das Spätabendblatt„Tempo" hat die Flaggenverpflichhing gleichfalls photographisch wiedergegeben, dabei aber das Wort „Schwarz-Rot-Gold" durch Unter st reichung hervorgehoben. Aus der Tatsache, daß diese Unterstreichung im„Vorwärts" fehlte, sucht Goebbels abzuleiten, daß beide Wiedergaben falsch seien. Da- bei hat da»„Tempo" inzwischen selbst mitgeteilt, daß die Unter- streichung auf der photographischen Platte von seiner Redaktion herrührt und im Originalvertrag nicht vorhanden war. Wie die amtliche Mitteilung, so können auch wir bestätigen, daß in dem von Max Weiß unterzeichneten und mit Stempelmarke versehenen Originalvertrag, den wir vor uns hatten, an den Worten„Reichs- färben(Schwarz-Rot-Gold)" keinerlei Aenderung vorgenommen war. Das Ableugnen durch Goebbels unterstreicht nur die feststehen- den Totsachen! Wochenende ohne Politik. Versammlongsverbot für rheinische Erholvagsorte. Der Regierungspräsident in Köln hat die zuständigen Bürger- meiste? angewiesen, in den Städten Königswinter, chonnef urck» Münstereifel, den Aemtern Godesberg, Königs- chsnter. Ittenbach. Aegidienberg und Oberlasscl und den Ortschaften Rodenkirchen und Altenbcrg bis auf wettere? während der Sonnnernwnats an den Sonn- und Feier- tagen qnd am Vortage ab 1A Uhr politische Bersammlun» gen und Aufzüge unter freiem chtmwel nicht zuzulassen. Der Regierungspräsident bsgründet diese Einschränkung poli. tischer Kundgebungen in Erhobings- und AusstuHSgebieten zum Wochenende und an Feiertagen mit folgenden Ausführungen:„Wie die Erfahrung lehrt, bilden politische Aufzüge und Bersammilungen unter freiem Himmel in den Erholungs- und Ausflugs- gebieten vielfach«ine besonder« Gefahr für die öffentliche Sicherhett und Ordnung. Dort strömen zum Wochenende Ange- hörige aller polttischen Parteien zusammen, so daß Streitigkeit« a zwischen den Kundgebern und chren polttischen Gegnern angesichts der politischen Hochspannung kaum zu oermeiden sind. Bei dem großen Zudrang von Fußgängern, Radfahrern und Kraft- wagen in den Straßen des Ausilugsverkehrs ist es zudem sehr schwierig, die allgemein« Verkehrssicherheit und den Schutz der Um- züg« gleichzeitig zu gewährleisten. Don diesen polttischen Gesichts- punkten abgesehen, haben unsere Bürger einen Anspruch daraus. nach der harten Arbeit und Sorge der Woche sich ungestört durch politische Ausschreitungen in der freien Natur zu erholen. Auch dürfen die schweren Schäden nicht übersehen wer- den, die unsere ohnedies schwer ringenden deutschen Kurort« durch Ausschreitungen irgendweicher Art erleiden." Ourchfühmng der Krisensteuer. Verschärfte Erfassung einmaliger Einnahmen. Das Reichsfinanzministerium hat jetzt die Durchführung»- bestimmungenzurKrisensteuer erlassen. Die wichtigsten dieser Bestimmungen, sowett sie sich nicht schon aus dem Wortlaut der Notverordnung ergeben, sind folgende: Der Krisensteusr sind außer dem Arbeitslohn auch Wsindungen unterworfen, die bei Auf- gäbe einer Tätigkeit vom Arbeitgeber gezahlt werden, ferner Gratifikationen, Tantiemen und ähnliche Zuwendungen. Für solche ein» maligen Einnahmen werden oerschärfte Sätze vorgeschriebe»(für ein- malige Einnahmen bis 1000 Mark 1% Proz.). Dagegen unterliegen Aufwandsentschädigungen nicht der Krisenlohnsteuer, soweit sie als solche vom Finanzamt anerkannt sind, ebenso bare Auslagen, Reisekosten und Tagegelder, die vom Arbeitgeber besonders ersetzt werden. Ist ein Arbeitnehmer bei ver- schiedenen Arbeitgebern lohnsteuerpflichtig beschäftigt, so wird die Krisenlohnsteuer für jedes Dienstverhältnis gesondert berechnet, woraus sich unter Umständen Milderungen in den Sätzen er- geben können. Neue Ausfchreiiungen in Magdeburg. 16 Personen verhaftet. Magdeburg. 24. Juni. Auch gestern abend und in der Nacht kam es in der Jakob» straße zu Zusammenrottungen von Kommunisten, die durch zahl- reiche Neugierige verstärkt wurden. Die Polizei, die den Verkehr aufrechterhictt, wurde wiederholt mit Niederrufen begrüßt und einige Male angegriffen. Abgedrängt« Polizisten mußten sich mit dem Gummiknüppel verteidigen. Im ganzen sind 16 Personen verhaftet worden. Die Polizei teilt mit. daß die Meldungen einiger Zettungen, die Polizei habe wieber scharf geschossen, nicht Die Geeigneten. Reichskanzler Brüning: Gotteswillen, was tun Sie denn hier?� Die Nationalen:»O, wir versuchen nur, Frankreich zur Nachgiebigkeit zu bewegen.� Das Urteil des Sklarek-Ausschusses Im wesentlichen einstimmige Feststellungen. Der Untersuchungsausschuß des Landtags über die Mißwirt- schost in der Berliner Stadtverwaltung beendete gestern n o ch 5 7 Sitzungen seine Arbeiten. Er ist dabei zu folgenden Ergebnisien gekommen: Die Untersuchungen des Ausschusses hoben sich aus praktischen Gründen nicht auf alle die Gebiete der städtischen Verwaltung er» strecken können, bei denen Anhaltspunkte für Mißwirtschaft vorlagen. Soweit der Ausschuß seine Untersuchungen vorgenommen Hot, hat er durch die Beweisaufnahme folgend« Feststellungen getroffen: l. Bezüglich der Städtischen Kleider-Bertriebs- gesell ichalt. imch B er Li ver A n s ch a f jung?- G c s e l l- schaft per der UMrsuchtmzsöusschüß festgestellt, daß in diesen Wirtschaftsbetriebsn dieallergröbstenMißstände bestanden, die zum Teil auch durch Nochwirkungen der Kriegswirtschaft und der Inflation beeinflußt wurden. Di« untaufmannische Art ihrer Arbeit war vielfach wett von dem Grundsatz entfernt, daß die in Gesell- schoftssorm geführten Betriebe der Stadt auch bei gemeinnütziger Grundlage sich selbst erhalten müssen. 2. Die von der Firma Sklarek verübten betrügerischen Handlungen und Fälschungen gegenüber der Stadtbank, deren Schä- digung um rund 10, S Millionen und die Borzugsbehandlung der Firma Sklarek von feiten der Stadt und der städtischen Gesellschaften KVG. und BAG. wurden begünstigt durch Bestechung einer Anzahl auch lettender städtischer Beamten und Angestellten, und durch die Geschäftspraxis der Firma Sklarek, sich durch Gewährung von Zuwenimngen und Erweisung von Gefällig- ketten möglichst viele Beamte und Angestellten der Stadt, mtt denen sie infolge ihrer Geschäftsverbindung zu tun hatte, zu verpflichten. 3. Bei den Krediten an die Firma Gebrüder Sklarek hat die S t a d t b a n k sowohl in bezug aus die notwendige Vorsicht als auch im Hinblick auf die Sorgfatt in der Kreditkontrolle im Sinne eines geordneten Bankbetriebes völlig versagt. Die Haupt- schuld au dieser Mißwirtschast trifft die früheren Stadtbankdirektoren Schmidt und H o s f m a n n, die zweifellos aufs schwerste gegen ihre Pflichten verstoßen haben. 4. JmGrundstücksdezernatdcr Stadt Berlin trieb der verantwortliche Leiter, Stadtrat Busch, ausgesprochen Korruption. Der Eiser, mit dem der verantwortliche Grund- stücksdezernent die Grundstückskäufe betrieb, fand zum Teil seine Erklärung in den persönlichen Vorteilen, die er aus ihrer Abwicklung zu ziehen wußte. S. Die ohne Zustimmung der zuständigen städtischen Stellen durchgeführten umfangreichen Grundstücksankäuse der städtischen llntsrnehnmng«,, un besonderen, der BVG., standen zum Teil- mit den satzungsmäßige» Aufgaben her Gesellschaften nur in losem Au» sammenhong, vermischten Gesellschaftsausgaben und allgemeine städtische Zwecke, z. B. Straßendurchbrüche, und nahmen auf die überaus angespannte Finanzlage der Stadt Berlin keine Rücksicht. 6. Die festgestellten Mßstonde wurden erheblich begünstigt durch die Unübersichtlichkeit, durch die unklar« Zuständigkeit und durch die Organisationsmängel der Berliner Stadtverwaltung. Für die Mängel in der Organisation der städtischen Verwaltung war der damalige Oberbürgermeister, der nicht in ollen Teilen seinen schwic- rigen Aufgaben gerecht wurde, verantwortlich. Darüber hinaus be- wahrte er nicht diejenige persönlich« Zurückhaltung, die seine besonders exponierte amtliche Stellung als Oberhaupt der Reichs- Hauptstadt erfordert hätte. 7. Eine Unterlassung in der Ausübung der Aufsichtspflicht settens der zuständigen Kommunalaufstchtsbehörden ist nicht fest- gestellt worden. Die Ziffern 1 bis 6 wurden einstimmig angenommen. Für die Ziffer 7 stimmten die Regierungsparteien, da- gegen die anderen Fraktionen, nachdem die Formulierung des deutschnationalen Berichterstatters Abg. K o e n n e ck e, die ein Ver- sagen der Aufsichtsbehörden feststellen wollte, abgelehnt wurden. Belgischer Festungsbau beschlossen. Aber die Kammermehrheit gegen Nöcksicht ans Hosver. Brüssel, 24. Juni.(Eigenbericht.) Die belgische Sammer nahm am Mittwoch gegen die Sozialisten und die flämischen Froatparteiler die von der Regierung geforderten Lesestigungskredite au. Vor der Abstimmung machte der sozialistische Führer Ban- dervelde den Vorschlag, angesichts der durch die Botschaft in der ganzen Welt gewaltige Hoffnungen aus Besserungen geweckt. Die öffentliche Meinung der Welt dürfe es nicht zulassen, daß diese Tat des guten Willens durch gewiss« Taten de» schlechten Willens durchkreuzt werde. Aber die Annahme des Hoooer-Planes ohne jede Aenderung habe für Belgien schwerwiegende finanzielle Folgen. Belgien verdiene deshalb infolge seiner besonderen Loge, die sowohl von Deutschland als auch von Amerika stets anerkannt worden sei, ein« besondere Behandlung. Man dürfe nicht außer acht lassen, daß neben dem ollgemeinen Abkommen des Poung- Planes ein besonderes deutsch-belgisches Abkommen über die Ver- gütung der in Belgien verbliebenen Papiermark besteh«. Ins- besondere in diesem Punkte beHalle sich Belgien einen berechtigten Anspruch vor. Außenminister H y m a» s antwortete sofort. Er begrüßt« den amerikanischen Schrill als hoffnungsvoll« Geste der Solidarllöt, fügte jedoch hinzu, daß die belgische Regierung ihre Antwort noch nicht habe fertigstellen können, well sie sich erst genau über die Vauderveldes, die Militärtredite mtt dem Zahlungsaufschub zu ver» binden. Was den Vorschlag Hoovers anbetrifft, so gewinnt man den Eindruck, daß die belgische Regierung ihre Aufmerksamkeit zunächst auf der Rettung der Annuität aus dem Sonderabkommen über die Mark richten wird. Es handell sich dabei um Millionen Mark. Selbst wenn es diesen Betrag erhall, würde die Verwirklichung des Borschlags Hoovers für das belgische Budget i Ausfall otm etwa 600 MMow» büsfäta Frauken noch einen (70 Millionen Mark) nach sich ziehen. Man wird versuchen zu retten, was zu retten ist, zumal die Finanzlage Belgiens sehr traurig ist. Es scheint jedoch nicht, daß die belgische Regierung von vornherein jedes Opfer verweigern oder sich einfach in das Schlepptau Frankreichs nehmen lassen will. Englands Erwerbsloflgkeil. Weiteres Ansteigen im Juni. Loudou, 24. Zuui. Die Zahl der Arbeilsloseu in England betrug am 15. Juni rund 2 621 000 Personen, was einer Zunahme van IS 032 Erwerbslosen gegenüber der vorhergehenden Woche eulspricht. Seit Witte Mai hat die hstbeilslosigkeit in Großbritannien um 125000 Per» sonen zugenommen. Bei der wettaus geringeren Bevölkerungszahl entspricht die Arbeitst ostgkett Englands fast genau der Zahl von vier Mil- lionen in Deutschland. Verschärfend kommt für England hinzu. daß die Saisonbelebung seit dem Beginn des Frühjahrs auch nicht die geringste Entlastung für den Arbeitsmarkt mit sich ge- bracht hat. Dies ist im wesentlichen darauf zurückzuführen, daß Großbritannien so gut wie gar keine Landwirtschaft be» sitzt und daß auch die übrigen Außenberufe, besonder» der Bau» markt, eine wesentlich geringere Bedeutung für die Gesamtwirt» schost haben, als in Deutschland. Zugendverbände bleiben aufgelöst. Mussolini bleibt bei der antikatholischen Aktion. Rom, 24. Zun!.(Eigenbericht.) Die italienische Regierung hat dem Vatikan am Mittwoch eine Rote übermitteln lassen, nach der die kalholischea Zugendverbände aufgelöst bleiben und der totho» lischen Aktion jede antifaschistische Tätigkeit unter» sagt wird. 3n der Rote wird schließlich noch der Vorschlag de, -- v;�-----«e------■*-»--.-4.�........ vutitüxii, m«c Dia mnimncne» jtcnycix iti oteene VvrynVolungen 3» steten. Gesamtverband zur Notverordnung Eingriff in das Tarifrechi.— Ltnerirägliche Härten. Am 24. Juni tagte im Gewcrkschaft�hous eine Konferenz bei Dorftanbes unb ber Bezirksleiter bes Gesa mtverban bes. mn zu bem Inhalt ber Notverordnung Stellung zu nehmen. Noch einer ausführlichen Einleitung burch ben Berbanbsvorfitzenben Genossen Schumann unb ben eingehenben Darlegungen des Genossen Orlopp wurde in der Diskussion burch die Bezirksleiter befonbers bie Stimmung ber Mitgliedschaft in den einzelnen Be- zirken wiedergegeben. Allgemein wurde anerkannt, daß die von dem Berbandsvorstanb eingeleiteten Schritte unb Abwehrmaß- nahmen die volle Billigung, der Konferenz finden. Die Konferenz nahm abschließend in den zwei Entschließungen Stellung. In der ersten Entschließung heißt es: „In noch nie dagewesenem Ausmaß werden soziale Ungerechtig» keilen gehäuft, die durch das angestrebte Ziel einer Sicherung von Wirtschaft und ösfentlichen Finanzen in keiner Weise bebingt sind. Zu der Häufung dieser sozialen Ungerechtigkeiten und Härten aus dem Gebiete der Sozialversicherung kommt eine untragbare Sonder- kelastung der bei Reich, Ländern und Gemeinden beschäftigten Arbeitnehmer. Die 8 6.? and S IT. Tell. Kapitel I bedeute« einen unerhörlen Eingriff in das Tarifrechl der Arbeiter in den öffentlichen Betrieben und Verwaltungen. Es wird zunächst eine Senkung der Löhne für die Ar- heiter im Reichsbienst, einschließlich der Reichspost, zwingend vorgeschrieben. Außerdem wird den Reichsarbeitern, denen bereit? bei dem letzten Lohnabbau der Frauenzuschlag genommen wurde, nunmehr auch das Kindergeld für los erste Kind ge- strichen. Nach§ 6 beträgt die Lohnkürzung einschließlich bis 7 Pfennig prv Stunde. Diese für die Reichsarbeiter gel- tcnben Bestimmungen müssen auch von Ländern, Gemeinden und Gemeindeverbänden durchgeführt werden. Nach§ 7, Ziffer 4, Kapitel l des ll. Teils sind die Länder und Gemeinben verpflichtet, spätestens mit Wirkung vom 1. Oktober 1931 ab, die Bezüge ihrer Angestellten und die Stimdenlöhne ihrer Arbeiter herabzusetzen, soweit sie die Bezüge gleichzuwertender Ar. beltnehmer im Reichsbienst übersteigen. Kommt die Notverordnung, in ihrer jetzigen Fassung voll zur Anwendung, so verringert sich z. V. in Verlin der Lohn des Gemeinbearbeiter» (Handwerkers) bis zu 30 Prozent. Zu diesem unmittelbaren Abbau kommt die Ermächtigung der Rcichsregierung mit Zustimmung des Reichsrat? die Arbeitszeit bis auf 40 Stunden zu senken. Dem direkten Lohnraub soll also eine weitere Einkommcnsverminderung durch Arbeitszeit- Verkürzung ohne Gewährung eines Lohnausgleichs folgen. Den Pensionären, Ruhegehaltscmpfängern und ihren Hinter- blicbenen soll die Rente gekürzt werden, trotzdem eine Senkung der Rente durch Kürzung der Löhne bereits erfolgt ist. Die Not- nerordnung bedeutet daher in ihrer jetzigen Fassung einen Eingriff auf den gesamten Lebensstandard und die tariflichen Recht« aller Arbeitnehmer. Was heute mit den Arbeitnehmern öffentlicher Be> trieb« geschieht, wird sich auch aus die in der Privatwirtschaft be- schäftigten auswirken. Die versammelten Funktionäre des Gesamt- Verbandes verlangen deshalb: Aufhebung aller Bestimmungen der Noiver.ordnung. die das Tarifrecht einschränken. Einführung der 40-Slunden-Woche mit Gewährung von Lohnausgleich und Einstellungszwang von Er» werbslofen. Die Konferenz unterstützt ferner die Forderungen des ADGB.: Baldige Durchführung der Reichsrc form: Freigabe langfristiger Kredite für die öffentliche Wirtschaft: Abbau der Zölle, Abkehr von der Subventionspolitit: Ausbau der Erb- fchaftssteuer. Schaffung von Reichshandelsmonopol, Kontrolle der Kartelle und Monopole, Förderung des Genosfenschasts» und Siedlungswesens. Weiter verlangt di« Konferenz: Die herabsehung der hohen Pensionen von früheren Beamten und Ossi» zieren, serner die Ausschaltung von Pensionären mit ausreichendem Einkommen aus dem Erwerbsleben. Der Gesomtverband wird alle gewerkschaftlichen Mittet an- wenden, um die drohende Verschlechterung der Lebenslage seiner Mitglieder abzuwehren." In der 2. Entschließung heißt es: Entgegen unserer Forderung, die Beamten und Angestellten nur im Rahmen der allgemeinen Lastenverteilung und entsprechend ihrer Leistungssähigkeit heranzuziehen, wird in rücksichtslosester Weise unter Zlußcrachllassung dieses Grundsatzes eine gestaffelte Gehaltskürzung vorgenommen, durch die die unteren und mittleren Gruppen in unerträglicher Weife belastet werden. Der Fortfall einer Freigrenze bei der jetzigen Ge- hatskürzung läßt ebenfalls jede soziale Rücksichtnahme vermissen. Die Bermindcrung der Bezüge der Warte st andsbeamten. Pensionären, Witwen und Waisen der unteren und mittleren Beomtengruppen ist als untragbar zu bezeichnen. Hinzu kommt, daß durch die Verringerung des Kinderzuschlags um 10 Mark für dos erste Kind die unteren und mittleren Beamten, gemessen an der Höhe ihres Einkommens und der Zahl der vor- handenen Kinder, am härtesten betrofsen werden. Die Vergrößc- rung der Tlbzüge in den Ortsklassen B und D verstärkt noch die Ungerechtigkeit. Die in der Notverordnung vorgesehene zwangsweise Ungleichung der Gemeinde- und Länder- besoldungsordnungen an die Rcichsrcgelung muß zu weiteren Härten und Unbilligkeiten führen. Unsere Forderung, im Rahmen der allgemeinen Bekämpfung der Arbeitslosigkeit eine Kürzung der übermäßig langen Dienstzeileu der Beamten vorzunehmen, ist unbeachtet geblieben, trotzdem für die übrigen ösfentlichen Arbeitnehmer seit längerer Zeit Arbeitszeitverkürzungen vorgenommen sind und die Notverordnung weitere Verkürzungen vorsieht. Die Konferenz stellt fest, daß bei den Beamten und öffentlichen Angestellten an ollen Teilen des Reiches eine Erregung Platz ge- griffen hat, die von feiten der Reichsregierung die größte Beachtung verdient. Sie beaustragt dos Beamtensekretariat des Gesamt- Verbandes, gemeinsam mit dem ADB. bei den kommenden Ver- Handlungen über die Abänderung der Notverordnung entsprechend den bisher gefaßten Beschlüssen und der Eingaben des ADB. an den Reichstag für eine Beseitigung dieser unerträglichen Härten alle Kraft einzusetzen. Die Konferenz richtet an die Beamtenschast den dringenden Appell, die Organisation zu stärken, damit die eingeleiteten Abweh rmah na h m en mit Ersolg durchgeführt werden können." Wie die Meiallarbeiter stimmten. Ergebnis der Berliner Betriebsrätewohlen. Von den Betriebsrätewahlen in der Berliner Metallindustrie liegt jetzt ein abschließendes Ergebnis vor. Betriebsvertretungen wurden in diesem Jahre nur in 329 Betrieben mit 122804 Beschäftigten gewählt, während im vorigen Jahre in 401 Betrieben mit 161 623 Beschäftigten gewählt wurde. Aus diesen beiden Zahlen geht schon hervor, wie sehr die Bclcgschafts- stärke in den Betrieben der Berliner Metallindustrie im letzten Jahre abgenommen hat. Die Verringerung der Zahl der Be- triebe, in denen in diesem Jahre Betriebsvertretungen gewählt wurden, um insgesamt 72 bedeutet nicht etwa, daß diese 72 Betriebe resttos von der Bildsläche verschwunden sind. Die Zahl der darin Beschäftigten ist lediglich u p t e r 20 Personen gesunken, so daß entsprechend dem Betricbsrätegesetz keine Betriebsräte gewählt werden konnten. Die freien Gewerkschaften erhielten in diesen 329 Be- trieben 61 466 Stimmen und 1312 Betriebsrats man- bat«, die RGO. bekam 30193 Stimmen und 331 Mandate. Die Nazis erhielten 2505 Stimmen und 5 Mandate, die Stahlhelmer 722 Stimmen und 2 Mandate, die Gelben 2225 Stimmen und 17 Mandate. Der Unterschied in der Mandatszuteiluna bei etwa gseicher Stimmenzohl, wie z. B. bei den Nazis und Gelben, erklärt sich daraus, daß bei dieser Aufstellung die Stimmen für die«in- zelnen Richtungen aus allen Betrieben zusammengezählt worden sind, die Mandate sich jedoch je nach den abgegebeiieii Stimmen in den einzelnen Betrieben verteilen. Unter den 329 Betrieben, in denen in diesem Jahre Betrieb?- vatswahlen vorgenommen wurden, waren 104 Betriebe(im vorigen Jahre 68), in denen die RGO. mit eigenen Listen auftrat. In diesen 104 Betrieben erhielten die freien Gewerkschaften 38 404 Stimmen und 391 Sitze im Betriebsrot, die RGO. 30 193 Stimmen nnd 331 Betricbratssitze. Im vorigen Jahre bekamen in den 68 Betrieben, in denen damals die RGO mit eigenen Listen auftrat, die freien Geiverkschasten 38 744 Stimmen und 284 Man- date und die RGO. 34 528 Stimmen nnd 270 Mandate. Die RGO. hat also in diesem Jahre 36 Betriebe mehr mit eigenen Listen. Trotz des Rückganges der Belegschaften hätte sie also Stimmen zunehmen müssen. Totsächlich ging aber ihre Stimmenzahl um 4355 zurück, während die freien Gewerk- schasten nur 340 Stimmen einbüßten. Die Zahl der Mandate in den Betrieben ist bei den freien Gewerkschaften um 107 gestiegen, obrnahl die Zahl der Betriebe und Mandate Z»- rückging, bei der RGO. jedoch nur um 61, obwohl hie Zahl der Be- triebe, wo sie eigene Kandidaten aufstellte, um 53 Prozent ge- stiegen ist. In Wirklichkeit sehen also die angeblichen großen Er- solge der RGO. wesentlich anders aus, als man sie in der kom- munistischen Presse darzustellen beliebt. Vertagte Fünftagewoche. Der Reichsarbeitsminister Hot nach Abschluß der Besprechungen Mit den Spitzenorganisotioncn des Baugewerbes sowie der Papier- «rzeugungs- und Papierverarbeitungsindustri« über di« Frage der Arbeitszeitverkürzung zunächst den Erlaß einer Verordnung zurückgestellt. Die Parteien sollen erst ver- suchen, im Wege eines freiwilligen Zusammenwirkens durch Kürzung der Arbeitszeit ein« möglichst große Zahl von Arbeitslosen der Arbeit wieder zuzuführen, und über das Ergebnis ihrer VerHand- lungen in einigen Wochen Bericht erstatten. Die Arbeitszeitverkürzung ist also zunächst wieder einmal ver- tagt. Ende April wollte Herr Stegerwald handeln. Run ist es Ende Juni. Verbandstag der Eisenbahner. Hamburg, 24. Juni.(Eigenbericht.) Auf dem Verbandstag des Einheitsverbandes der Eisenbahner wurde am Mittwoch die Aussprache über den Geschäftsbericht abgeschlossen. Der Vorsitzende Scheffel betonte in seinem Schlußwort, er freue sich, daß die Aussprache den klaren Beweis der lleberzeugungstreue und Opfcrwilligkeit der Eisenbahner erbrocht habe. Die 5?auptaufgobe des Vorstandes sei der Kampf gegen die Rot der Kollegen. Dabei müsse natürlich die Zahlungsfähigkeit der Reichsbahn berücksichtigt werden. Ob die In- nolideiwcrsicherung Im Verband zur Einführung kommen soll, hätten die Kollegen zu entsckieiden, mit der Festlegung der großen Bei- träge, die dann gezahlt werden müßten. Das Schlichtungswesen sei kein Jdealzustand, aber es sei heute besser, für seine Erhaltung einzutreten, als es zusammen mit de» Unternehmern zu zerstören. Für die 40-Stunden-Woche in einer sozial erträglichen Form müsse auch der Eisenbahner eintreten. Erfreulich sei der Geist, der die Organisation belebe. Es werde die Zeit kommen. wo der Vorstand zur Offensive aufrufe. Di« Organisation stehe fest und werde nach der Krise glänzend aufsteigen. Der Wille zur Einigkeit und die Bereitschaft zur Solidarität führe die freie Eisen- bahnerbewegung. Naphtali sprach über den„W e g von der kapita- l i st i s ch c n zur G e m e i n w i r t s ch a s t". Der Redner gab eine anschauliche Darstellung von den gegenwärtigen Machtverhältnissen: Defizit in der Reichsbank bedeutet Abhängigkeit vom Kapital, be- deutet Kampf gegen die Gemeinwirtschast. Das Wirtschastspro- gramm der Nazis besagt weiter nichts als Druck von Kassenscheinen und damit Inflation. In den heutigen schlechten Zeiten ist es sehr verführerisch, den Massen zu sagen, bessere Zukunft sei bedingt durch ein« bessere Technik des Geldes. Eine ökonomische Revolution kann sich nicht durch Dekret vollziehen, ein neues Wirtschaftssystem kann man nicht ausrufen, sondern es muß praktisch und planmäßig vorwärtsgetricben werden. Voraussetzung ist. daß man die Grund- lagen der Gemeinwirtschast beherrscht. Durch die Genossenschast ist die Güterproduktion zu erobern. Die Reichsbahn und andere äffent- liche Einrichtungen müssen in den Besitz des Staates übergeführt werden. 15 Mark Lohnabbau— oder Entlassung. Konditorei Gumpert an ihr Personal. Die Konditorei Gumpert hat an ihr Personal einen Erlaß gerichtet. Es ist nicht ganz leickit, aus dem weitschweifigen, mit der deutschen Sprache aus dem Kriegsfuß stehe>, den Erlaß den bitteren Kern der Lohnkürzung herauszuschälen. Aber was dem Arbeiter blüht, wenn er nicht unterschreibt, ist klar und deutlich ausgedrückt. Obwohl in dem sogenannten Einzellarff der Innung als Schlußsatz steht:„Ein wirffchaftlicher Druck ist vor Unter- schristleistung auf uns nicht ausgeübt worden", wird dem Arbeiter, der nicht unterschreibt, mit Entlassung gedroht. Der Arbeiter soll also noch bescheinigen, daß seine Abschlachtung nicht wehe getan hat. Der„Einerzaltarif" bringt für einen älteren verheirateten Ge- Hilfen einen Lohnabzug von 18 M. pro Woche. Dazil kommt noch, daß bei der Firma Gumpert ein Teil des Personals schon seit zirka anderthalb Jahren verkürzt arbeitet. Es würde also nach dieser Unterschrist nunmchr für die Sätze der Arbeitslose»unter st ützung arbeite>e müssen. Daß bei dieser Kurzarbeit in der Hauptsache» u r Ber- b a»d s m i t g l i c d c r in Frage kommen, ist wohl Zufall, ebenso wie es nur Zufall ist, daß bei der Firma Gumpert kein B e- t r i e b s r a t gewählt wird. Wenn von der Gewerbeaufsicht Kontrollbeamte kommen, werden ihnen schnell einige willfährige Per- sonen als„Betriebsoertretung" vorgestellt. Hier zeigt es sich wieder einmal deutlich, daß für Wirtschaft- liche Fehlkalkulationen der Unternehmer die Arbeiter die Kosten tragen sollen Wenn die Firma Gumpert mehr Aus- sichtsperjonal als produktives Personal beschäftigt. wenn sie neben den Herren C h e s s noch eine besondere Ge- schäftsleitung und eine sogenannte erweiterte Ge- schäftsleitung für notwendig hält, so ist das nicht nur ihre Sache. Aus den Knochen der Arbeiter wird diese Ueberorganisation herausgeschunden. Hier sollte der Hebel angesetzt werden, um zu gesunden Kalkulationen zu kommen. An Löhnen hat die Firma Gumpert bei dem produktiven Personal immer gespart. Nicht mir, daß sie die notwendige Zlnzahl Lehrlinge beschäftigt, neben diesen war immer nach eine Reihe von„B o l o n t ä r e n" tätig. Herr Gumpert nannte sie„Lehrgehilsen", die für ein Taschengeld arbeiten mußten. Dieser Skandal hat sogar einmal die Inmingsversammlung beschäftigt. Also, an den Löhnen liegt es nicht. Aber dem Per- sanol muß gesagt werden: Rettung bringt mir restloser An- schluß an die Organisation: Nahrungsmittel- und G?- lränkearbcilervcrband. Reue Schönhauser Straße 4/5. 3m Waoteltarisstreit der kommnnolangcstellten Rheinland-West- salens wurde nor kurzem unter dem Dorsitz des Dortmunder Schlichters eine Vereinbarung getroffen, wonach der Tarif mit allen seinen Anlagen unverändert bis Ende September in Gel» t u n g bleibt. Die heizungsmonteure Bayerns befinden sich seit Dienstag in Streik. Die Zlrbeitsniederlcgung erfolgte wegen der maßlosen Lohn- und Zulagenabbousorderung der Unternehmer, die bei den einzelnen Arbeiter einen Berdienstaussall von etwa 20 Mark pro Woche ergeben hätte! Die Fahl der Arbeitslosen in England betrug am 15. Juni 2620 930, was eine Zunahme um 18032 gegenüber der Vor- wache bedeutet, .�m'e Gswerkfchafis-Iugenö Berlin Heule, iS'z Uhr, ia-l-n i>ir Hrnppein Jlbecn'Ä: Jugendheim chriniaucr Straße 2>Z!ahr Dahi.hof EpiuSlersfel»). Wir in* der S-I?.-»el-'d- bruaaea: Zugeudheim Siole Eotrnbu-ger£ir. 2. Au! Welle I!,->: „3m Nomen des ij. Reiehes".— Schünhauscr Sur; Jugendheim Tieetstr. 18 «Feucnwehrhaus). Hcimbesprechung.— Tempelh»!: Erupuenheiin, Lyzeum waniastr. 4—6, Zugang zum Jugendheim rrso,g! durch den Eingang aus d-r hinicren Seite der Schule, C'öhsteahe. Warum diu ich in der?S3.r l-u»' esteii- Neichen dergcr Str. 66( Zeuerwehrdail,). gitnfiahresvlan. Jloniiit: Jugendheim Lehrter Str. 18-1!,. Die W�Mäver NerKssUng.— Et-eien: gendheim der ,7. Balldschvte, Tart-nstadt.-«irchpigst«Cndhalicsteti-- Auw' du»!U> Sevu-rischaftrn im Auslund.— Neu Lichtenderg: Jugendheim ISunter. straize 44. Zum..Bunten Ädend" spielt die OsNreie Napette.— Lar.tmteigcr 51 gl-: ibruppcnheim Di-ftelmegerstr. Sntstehuug und Bcrhiitung neu Geschlecht?eeon>- heiten.— Lichtenberg: Jugendheim Hauffstraße, an der Le'Niigsirahe. Lieder. abend. .Zugendgruppc des Zentralvcrbandcs Vr Angestellten Heut?. Tonnersif«�. folgend Perauswrwnqim: hause?»: Iugeodheim Görschftr. 14(grokes immer). Vortrag.- tische c Jahrgang OoniKMidg. 25.3uni 1931 Amerikaflieger in Berlin gelandet In 24 Stunden von Neufundland nach Berlin Tlad) den ersten Meldungen sollten wiley Post und Harold Tally bereit» am frühen Itachmittag in Verlin eintreffen. Aber um vier Ahr lag der Tempelhoscr Flughafen noch völlig verwaist da. Niemand muffte, wo die Flieger steckten. Endlich kam Leben auf den Plaff. Tonsilmaulos rollten heran, Photographen und Pressevertreter marschierten auf. Man sah vor allen Dingen viele Vertreter der amerikanischen Kolonie in verlin. Kurz nach sechs Uhr wurde bekannt gegeben, daß die Amerikaner in Hannover gelandet seien. Um halb neun Uhr taucht ein Eindecker über der westlichen Seite de» Flughafens auf, kam schnell näher und landete weit drüben auf der Tempelhofer Seite. Es war die„TB i n n i e Mac o f Oklahoma", ein zierlicher weißer Hochdecker, der an der Seite die Namen der Piloten und die Inschrift„�rouncl Tbe World Flight" trug. Der Apparat wurde von einem Auto an den Flugsteig gezogen, das Publikum brach in Hochrufe aus, strömte aufs Feld, aber die beiden Piloten waren nicht zu sehen. Sie waren an der Landungsstelle ausgestiegen, wurden von einigen Vegeifierten auf die Schultern ge- hoben und übers Feld getragen. Man sah einen Kellner, der eine Sektflasche schwang, hörte Bruchstücke einer Ansprache, die immer wieder durch Hochrufe übertönt wurde. Die beiden Piloten, zwei untersehte kräftige Geslalien, machten einen stark erschöpften Eindruck und konnten sich kaum aus den Beinen halten. Sie haben die Strecke harbor Grace— Verlin in 24 Stunden durchflogen. Zum Empfang der Ozeanflieger hotten sich vom Reichsverkehrsministcrium Ministerialdirigent Brandenburg und Gcheimrat Fisch eingefunden. Deutsche und amerikanische Damen überreichten Post und Gatty Blumen- sträuße, die amerikanische Nationalhymne ertönte und dann ergoß sich das grell« Licht des Scheinwerfers über den blauweißen Ein- decker, der in seiner Zierlichkeit so gar nicht den Vorstellungen ent- sprach, die man sich von eurem Ozeonflugzcug macht. Die Polizei hatte sich diesmal im Hintergrund geholten und an die, Disziplin der Presse- und Kameraleute appelliert. Aber mit dieser Disziplin war's nichts. Es ging alles drunter und drüber, so daß sich der Empfang nicht so abwickeln konnte, wie es vorgesehen war. Der Hochdecker ist eine viersitzige Kabinen- Maschine vom Typ Lookhead Bega und wird durch einen 48l)-I'Z- Pratt-Whitney-„Warp"-Motor angetrieben, mit dem die Maschine eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 260 Kilometer erzielt. Die Flieger, die im Flughafcn-hotel übernachten, beabsichtigen so schnell wie möglich nach Moskau weiterzufliegen. lleber dem englischen Festland trafen die Flieger gestern mittag gegen Uhr ein. Sie landeten auf dem Sealand-Flugplatz in der Nähe von C h e st e r um 12?» Uhr. Um 14 Uhr stiegen sie wieder auf, um den Flug nach Berlin fortzusetzen. Die Ankunft der beiden Flieger Post und Gatty auf dem Sealand-Flugplatz bei Ehester erfolgte vollständig überraschend. Sie waren zuerst über Bangor in der Grafschaft Caernaroonshire um 12,20 Uhr gesichtet worden, wo sie zwei Schleifen über der Stadt machten, um sich zu orientieren. Sie flogen von da aus ostwärts weiter. Ihre Landung in Ehester erfolgte ohne jeden Zwischenfall. Die Flieger fragten zunächst einmal nach ein paar Zigaretten. Sie hielten sich dort weniger als eine Swnde auf und litten kaum irgendwelche Zeit, zu irgend jemandem zu sprechen, da sie sich mft der weiteren Fahrt nach Berlin ganz außerordentlich beeilen wollten. „Wir werden unseren Tee in Berlin trinken", so riefen sie aus, als sie mit dem Flugzeug wieder abflogen. Oer 5. geglückte West-Ostflug. Di«„W innie Mac of Oklahom a", mit den beiden amerikanischen Piloten Wiley P o st und Harold Gatty, ist das fünfte Flugzeug, das in West-Ost-Richtung. glücklich den Ozean überquert hat. Der erste, dem die Ueberqucrung geglückt ist, war Lindberg h. Cr konnte die Strecke New Dork— Paris in 33 Stunden zurücklegen. Kurz noch ihm flogen Ehamberlin und L e v i n e nach Deutsch- land. Sie brauchten für ihren Flug 42 Stunden. Ebenfalls im Juni jenes Jahres startete der Nordpolflicger Byrd, verirrte sich im Nebel und mußte an der Küste der Bretagne(Frankreich) nieder- gehen. Auch einer Frau gelang ein Flug über dos„große Wasser". Es war M i ff Earhart, die glücklich den europäischen Kontinent erreichte. Giempelmacher verhaftet. Betrügereien auf Kosten der wirklich Bedürftigen. Durch die Aufmerksamkeit eines Pfarrers in einem westlichen Vorort gelang es, einen lange gesuchten Fälscher und. Schwindler festzunehmen. Bald hier,-bald. dorr tauchten Leute auf,.die..mit g e- f'ä ls cht em'.'P a p1 er err� versuchten, llnterstützungskaffen zu täuschen. So erschien auch gestern bei dem Pfarrer ein jüngerer Mann und klagte bitterlich seine Not. Er erzählte, daß er eine Frau und zwei Kinder zu Haufe habe, die hungerten und legte auch Be- scheinigungen vor, die seine Erzählungen zu bestätigen schienen. Der Pfarrer war aber nicht so leichtgläubig, bestellte vielmehr den jungen Mann zum nächsten Tag wieder und behielt seine Papiere ein. Der junge Mann erschien auch tatsächlich. Er machte aber ein sehr er- stauntes Gesicht, als ihn ein Kriminalbeamter empfing. Die Prüfung der Papiers hatte nämlich ergeben, daß sie alle gefälscht waren. Auf der Polizei wurde der Mann als ein 27 Jahre alter Rudolf S. festgestellt. Die Erzählungen von der Frau und den beiden Kindern waren Märchen, denn S. ist unverheiratet. Als früherer Lichograph hatte er sich verschiedene Firmen st empel selb st her» gestellt. So unter anderem auch den einer Kartonfabrik in Ober- schöneweide. Aus den Arbeitsnachweifen suchte er nun junge Leute, die er mit diesen falschen Papieren ausrüstete und die damit Unter- stützungen erhielten, auf die sie rechtmäßig keinen Anspruch hatten. Die Schwindeleien des Stempelmachers wurden in großem Umfange betrieben, und mancher wirklich Bedürftig« äst durch sein Treiben uw die- Unterstützung gekommen.-In seinen Kreist n war S. als der Stempelmacher bekannt. Die jungen Burschen wandten sich sind au folgenden Stellen zu haben: Bezirksbiloungsousschuß, Berlin SW 68, Lindcnstr. 3; Buchhandlung Dietz, Berlin SW 68, Lindcnstr. 2: Zigamngeschäst Harsch, Berlin SO, Engclufer 24/25; Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten, S14, Jnselstr, 6; Zentralver- band der Angestellten, SW, Hedemannstr. 12: Deutscher Metall- arbeitervcrband, NS4. Linienstr. 83— 83; Verband der Nahrungsmittel- und Getränkearbeiter, N 54, Neue Schönhauser Straße 4/5; „Vorwärts"-Speditioneii: N65, Müllerstr. 34: N58, Greifenhagener Straß« 22: NW, Wilhelmshaven«? Str. 48; Charlottenburg, Sefen- heimer Str. 1; Friedenau, Rönnebergstr. 3; Neukölln, Neckarstr. 2; Stralau-Rumnielsburg, Bvf Hagener Str. 62; Volksbühnenbuchhand- lung, Berlin SO, Köpenicker Str. 68; Boltsbuchhandlung Spandau, Potsdamer Str. 48: Verband der Nahrungsmittel- und Getränke- arbeiter, Zweigbüro Schlachthof, NO 17, Landsberger Alles, Schweines chlachthof, Aufbau A, Zimmer 7. Singkressen im Volkspark Zungfernheide. In dem herrlich gelegenen Naturtheater im Voltspark Jungfernheid vereinigen am Sonntag, dem 28. Juni, 16. Uhr, VKksmusikschM und Jugendamt Charloitenburg die singfreudige Jugend Berlins- einem Fest, das einzig in seiner Art ist. Die Charlottenburg" Volksmusikschule trägt die Kantate„Die Tageszeiten" vo G. PH. Telemann vor, dessen 2S9. Geburtstag in diesem Iah gefeiert wird. Seinen 65. Geburlslag begeht heut« Gen. Andreas Lange, (88. Abt. Lichtenrade). Gen. Lange gehört etwa 35 Jahre der Partei an und ist Mitglied des Baugewertsbundes. Aus der Partei. Genosse Kalmar, lange Jahre Führer der deutschen Sozialdemo- traten in Alt-Ungarn, seit dem bluttriefenden Sieg der Reaktion 1919 im tschechoslowakisch gewordenen Preßburg(Bratislava) Redakteur unseres deutschen Parteiblattes und Stadtrat, hat sich in einem An- fall von Trübsinn dos Leben genommen. Er ist 61 Jahre alt geworden. jsivtt» ihre liervorragetuh-j Y. besuchen alle Genossen und Genossinnen den„Rast"(Reichsarbeitersporttag) IM GRUNEWALD-STADIONI AUgemeine Wetterlage. 24:viunM931gibcls. U 0wnll((nlo&9 h|ilw, 9 halbbedeckt » wolkig,•bed eckt,»RegaruGrsupeli Schi(et£H«bal,*Gewitt8e@Wn(iailli Vom südlichen Frankreich ist ein flaches Tief nach dem mittleren Cnrapa gezogen. Auf feiner Rückseite strömt kühle Luft nach«üben. Sie hat Nordwestdeutschland bereits überflutet und breitet sich lang! sam nach Südosten aus. Brandenburg wird im Laufe der Nacht zu Donnerstag in ihren Bereich gelangen Ueber die kühle nordwestliche LuftstrSmung gleitet die fönst in Deutschland vorhandene etwa 8 Krad «ärmere Lust und erzeugt ein langgestrecktes Regenband innerhalb der kühlen Luft. Deis Regengebiet wird durch Brandenburg in der ?!acht zu Donnerstag und in der ersten 5)älste des Donnerstags, durch die Grenzmark in der Hauptsache am Donnerstag ziehen. Später wird dann eine nördliche bis nordöstliche Lustströmung unser Wetter beherrschen. bei Im Nordwest'____,..... nach Regenfällen oder Gewittern Abkühlung, im Osten meist trübe und regnerisch. Cinfendungen tu» dies« Rubrik find B c 1 1 i R TW<8. Nindimlraße 3, parieinachrichten furGroß-Berlin stet,»n da» eSejirftfetntaciai i. Hos, 3 Sreaptn recht», zu richten Beginn aller Veranstaltungen 19U> Uhr, sofern keine besondere Zeitangabe? td. Abt.•Sie Vrzirkssübrer vskSen ersucht, beute noch einige- Herbemstcrial «u? der„Vorwärts".Sped!tion«bMhoten, 34, Abt. Irreitag Lilartrsc erscheinen zur Abrechnniig niii dein �... � sind Abieilungslassierer beim che nosse» ffrid Luandi, Molll�slr, Si, ticke Hi Ilde lidnigda Nim. jn der Zeit pon 17 bis AI Uhr. Kartothcklarixn si! Milzubringjil, Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 2S. Abt. Unser Kenosse Kurt Kunze ist am 22. Inn! noch ianaem sthwerrm Leiden verstorben. Ehre seine, iz Andenken, Becrdignnq am Pvnnerstaa, dem 2b. Juni. 10 Uhr, von der aöpelle des Heiland-Friedhoses, Ptah am Sohn«. gestkü. Wir bilten um rege Beteiligung, 48. Abt. Am 22- giini nerstord nnscr Fnnktienar Genosse grih Adam Sroiiienflr, ,70, chhrc seineni Aiidenken, Eliiiischerung ssreilag, 20, guni. IVA Uhr, streniotorium Baumschnlenmeg, Wir bitten um rege Beteiligling, ll». Abt. Unsere chenossin Emilie v. Poieht! ist verstordc», Ehre ihrem An» denken, Die einckscheruiig findet grciiag. 20. Juni, 13 Uhe, im Krematorium Baumschulenweg ftalt. Um rege Beteiligung wird gebeten, 138. Abt. Stach sast sojiihriger Mitgliedschaft«erstarb unser alter Nor- kämpscr, der Genosse Milhelm Gieehoit. Ehre scinem Andenken, Einöscherung stroilag, 2S, Juni, Ii Uhr, lueiimtoniuu cherichtstrahe..zahlreiche Beleiligung erwartet der Bersland. Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Berlin ainsenduno,» sie diese Ztubril om a» da« Zuoeudsttretoetai »er«««JB 68. lchdeugrab» s Karten»NM RAST ,I> INI Ps. sind im Sesreiqrioi erhältlich. Abteilungeieiter! Sninvolhic-Adzeichen für Arankklirt k-inrun nur nach ggs. gegeben»erden, wen» Abrechnung der schon urrkoufien crsolgt. Beschleunigt auch die Abrechnung de« Sennenmendfeier-Karte», «eziri»ausschuksi»u»g heule, pünltUch IS Uhr, im Vorlragssaal des Bartei- Vorstandes, SW,. Liudenstr, 3, II. Kos, 2 Treppen links. heute, Donnerstag. l9Z4 Uhr: Aeniwpiadi Tonnc»b»rg«r Etr. 20. Arbeitsgemeiiischaft. Arnewaider Plab st! Rast-nburger Stx, 10. Togesvolitit,— Folkplaii 1: Sonncnburger Sttahf 20. Tagespolitischer Abend.— Prenzlaner Berstadt: Sl-tmftr.»1-SÜ, ..Aroikorpeeiultier."- Hasenheide: 10 Uhr«aiserpappel.— ftepenickn Viertel: Wrangelstr, 128,„Unier Augendtag."- Aotibusfee T»e: Pxltzer Etr. 27—3». lS>a Uhr iziintiionävsitzung. Anschließend M-tgliederoeriammlung. Schone- M-"»esteod: Sportplatz W � Üpilionürsstzuiig. Setbebcjitl Mitte: Köpenicker Sit." 02. Bildungsausschntzsstzung Serbsheziet Uedding! Erwerbslose. Iq bis 17 Uhr Ledigenheim Schön-- stedtstr. 1.„Der Parteitag," Werbebeziek Teltowt-nal: 20 Uhr Stegfitz, Albrechtstr. 47.„Entstehung und Entwicklung der I»gendinternatio»ole." Niel" Serbebezirk ReitköHn: Bergstr. 29. Ordnerversammlung. Vorträge, Vereine undVersammwngen. Reichsbanner„Schwarz.Rot.Gold-. Geschäfts stelle: Berlin S- 14. Sebastianstr 37—33, Hol 2.?e Tennerstag, 25. Ehaelottenburg. 20 Uhr Schüfe und Siafe �- Uebiingsabeiid im„Eden". Kaiser. isriedrich. Etr. 24.— Tennabend, 20. Juni. Kreis Noedeg.«qchifahrt der Badsahrer, Weddiug, Paiilew und Zteiiiicknidart Start 19' i Uhr bei Pondtte. Schnlstr. 74. Prenzlauer Berg und Arißenfee lOl- Uhr bei Bdax Ksug. Dqnziger Str. 70. Berpfiegung, Decke und Zeiibahnen niitbriiigen.-- Sonntag. 28. Z»ni. Bedding. Sckiuio nach Fried- richsfcidc. 3,«ameradicksast 8 Uhr, s. und 2, Komeradichatt 9ip Uhr ab U-Bahn- Hof Gesundbrunnen.- Wilmeesdars s?amdourkorps>, Doiinerssag.'23, Aiint, 2» Uhr, bei Sirass, Detnioldcr Etr, 52. Wedding iOrtsverejns, szreilag. sli. Juni, Die ttaniciaden beteiligen fjch am Werbksest der SPD- in der Hoch- sch»Ibra»erei, Amrumer Str. 31, Ehrung des Spielmaiinszuges Weddinq durch Ueberreichima eines Tanibourslabes. Kamerad Stelling spricht. Eröfsniing 17 Uhr, B.'giNfl 18 Uhr. Eintritt 30 Pf, Arbeiler-Samariler-Vund e. V., Kolonne Berlin. Eeichaftsitclle: R, 24. Gr, Kombtirger Htr. 2». Tri.! v t Rorhe» 3340. Biitglirdsbnch Martha Stowroneck, Legitimafions.Nummrr 14 2883 ist verloren gegangen. Finder wird grdeten. es»ach obige Abreise abjisgedcn.__ ArbritcrAbsttneiitenPiiud, Dezirlsgruppe Feiedrichshaiv. Donnersiog, 25, Juni, 20 Uhr. Jugendheim D!est-lniei,erftr. 5 sweltliche Schule), cheuoiie llhariet:„Das chasetz»lir Bekämpfung der cheschiechlsseantheiteil". Gäste her»- sich witstommen.— Bezieksgriippe Prenzlauer Berg, Freitag, 20. Juni. 20 Uhr. Cas.) Burgfrieden. Dan zig er Sis, 24, Iugendfijrsorger Benlelo« spricht ützee: „Freiwillige Heller beim Juaogdamt".. Zsrbeiter-Laienipielrr Berband(i. B. Geschäftsiielle fiir Berlin und Brandenburg. Lichtenberg, Tilrrschniidtilr. 33. Ortsgruppe 1. Freie Spiel- '.ruppe 1. Donnerstag, 25. Juni, Ig'.r Uhr, bei Gottlchall. Puibusser Str. 24.-- Ortsgruppe 2. Neu erwacht. Freitag, 26. Juni. Uhr, bei KepUn, Pank- straße 42.— Ortsgruppe 3. Drunter und drüber. Frsitsg, 26. Juni, Uhr, an bekannt'r Stelle.— Ortsgruppe ä. S. und SO. Neuanmeldungen an Genossen Vecker. Neukölln. Mareschstp. 16. schriftlich. Aufnahme von Mitglieder findet bei allen Veranstaltungen statt. Typographisches Orchester. Dirigent Crich Gntttit. �leb�ngsftnnden leben Freitag npn Uhr im Ideal. Neukölln, Setchselstr, 8. Blaser untz Streicher willkommen. Die Stcttincr Sänger im RcichshaNen-Thcater verstehen es, mit ihrem augonblirklichcn grogartigen Programm und der urkomischen Schlußnummer „Alles verrückt" siegreich dem Sommer, standzuhalteir und allabendlich ein lach- freudiges großes Publikum anzulocken. Außerdenr sind die Eintrittspreise der Sommerzeit kntfppechend abgebaut worden. Auch ktjr die Sonntage finden reine Preiserhöhungen statt. Ucbrigcns: Paule Brittou ist w'.rher da! Im Kampf gegen Wanzen und Schwaben führen die angewandten ivkittel oft nicht zum restlosen Erfolg. Als wirklich zuverlässig erweisen sich aber Manzen- fluid„Martial" und Schwabcnpulvcr„Martial". Diese'bstden Mittel führen nicht nur eine Betäubung, sondern restlose Vernichtung her Wanden und Schwaben herbei, sind überall anwendbar, binterl-assen keine F'lecke ynd sind ni6?t feuergefährlich. Sollten Sie Wanzcufluid„Martial" ade« Schw-abenpülver ..Mortigl" u?idcx Erwarten in �hrep Drogerie ade« Apotheke, nicht erhaUen. schreiben Sir an den Älleinhcrstcller Otla Reichel, Bernn-Neukptln, Abteilvvg für Echädlingsbokämpfung. Eine Erfindung fiir die Frauenwelt! Wir können heute üher eine Neuheit berichten, durch die jede.tzaariväsche ßum Äergnügen wird. Es ist die„Schamnbrille", die Schaum Und Wasser"bei der Kos'siyäsche den Augen fernhält. Aus diese Weise hat man bei der Haarwäsche stets freie Sicht. Dies« neue „Schaumbrille" finden Sie seht als Hüll« bei jeder Packung von „Schwarzkopf-Extra" dem Haarglanz-Schaumpon. auch bei der neuen Spczial-Sörle Schwarzkopf„Extra-Blond" für Blondinen! Wsiß Leinen Spnn- genschuh mit angegossener Gummisohle für Damen Eleganter Trotteur- schuh in farbiger Kombinotion, ouch in Lack und In braun Mostbox Hell somali echt Chevr. mit Creme- Garnitur, aparter Trotfeurschuh, ouch mit L-XV..Absatt Solider togobrqu- ner Stroßenscbuh, beliebte Farm Orig.Good.Wolt Eleg. Schnürschuhe in braun u.«chworc Boxkalf, sowie Lock. Schwz Boxk. Stiefel Opanken, Flechtschuhe Sandaletten Weiße und kombinierte Leinenschuhe Liwera-Strömpfo und Liwera-Sockeni5jÄ: 140 eigenes Verkayfsstellen, davon 23 in Groß-Berlin und Potsdam Pierre£oreiü: StiWW IlVld Surru diente beim 28. Kolonialrcgimcnt in Algier. Drei Jahre. Dann kam er nach Madagaskar. Er sah zum ersten Male Meer und Schiffe. Dabei dachte er an die Sagen des Medizinmannes van Abu-Kin seinem Heimatort am Kongo. Er staunte diese neue Welt an, und hinter diesem Staunen lag die Sehnsucht nach der väterlichen Lehmhütte. Surru fand keine Freude daran, zu wissen, wie ein Gewehr zu laden und abzuschießen sei. Wie man sich mit einem Weißen ver- ständige, wie man Treppen steige, sich kleide. Er sehnte sich noch der Nacktheit seiner Jugend zurück, der Primitivität der Heimat, den grotesken Kriegstänzen in greller Bemalung. In der Hafenstadt ging Surru an einem Spielwarcnladen vor- bei. Er blieb stehen und starrte lange durch die Scheiben. Puppen hatte er wohl schon öfters gesehen und war immer achtlos an ihnen vorübergegangen. Aber diesmal mußte er doch stehen bleiben, denn dergleichen war ihm noch niemals vor Augen gekommen: eine schwarze Puppe. Eine Negerpuppe. Surru versank in Nachdenken und stellte Vergleiche an. Die Kinder in Abu-Kin sind wohl schöner als diese Puppe. Auch sind sie nackt und nicht in so geschmacklose weiße Fetzen gehüllt. Dafür würden sich die Kinder von Abu-Kin schön bedanken. Aber immerhin— eine Negerpuppe... Surru betrat den Laden. Er zählte die Sous zusammen und suchte in den Taschen so lange, bis er auch den letzten gefunden hatte. Eigent- lich wollte er Tabak kaufen und auch Schnaps. Denn er hatte wie alle Neger Alkohol und Tabak bei den Weißen kennen und lieben gelernt. Aber diese Negerpuppe mußte er haben. Und er legte alle Münzen auf den Tisch. Mit der Puppe im Arme wanderte er in die Kaserne zurück. Durchwanderte mit ihr weitere vier Jahre seines armseligen Lebens. .Hast du Kinder, Surru?" „Ich weiß es nicht, Sahib." „Wieso?" „Ein Neger weiß nie, ob die Kinder der Frau auch seine eigenen sind. Möglich, Sahib. Auch nicht möglich." Surru liebte die Kinder, da Neger immer kinderliebend sind. Daher liebte er auch seine schwarze Puppe und nannte sie Riku. „Hast du ein Weib. Surru?" „Ja und nein." „Was soll das heißen?" „Bevor ich den Kaufpreis erlegen konnte, hatten mich die Weißen geholt, Sahib. Zum Militär." „Also ein Mädchen hattest du?" „Ja, Sahib." „Wie heißt es?" „Riku, Sahib." Und Surru erzählte der Negerpuppe Riku— er halle ihr den- selben Namen gegeben, den sein Mädchen trug— seine Gedanken, Erlebnisse und Sehnsuchtswünschc. Wenn die anderen die Kaserne verließen, Hafenschenken und Dirnen aufsuchten, dann blieb er allein zurück. Er holte Riku aus dem Brotsack, in dem er sie immer neben der Reiskonserve herumtrug— im Gefecht, im Lager, auf der Wache—, und entkleidete sie. Nackt stellte er sein kleines Mädchen vor sich hin und kauerte sich nebenan auf den Boden. Er begrüßte sie, indem er seine derbe Nase an der Miniaturnase der Puppe rieb. Er stimmte leise, leidvolle Lieder der Heimat an. In seinen Augen log ein schimmernder Glanz, als ob Tränen sich hauchdünn im brechenden Abcndlicht eines trostlosen Kasernenzimmers spiegelten. Kamen die Kameraden lachend, polternd, betrunken heim, dann kleidete Surru die Puppe rasch an und ließ sie wieder im Brotsack verschwinden, um dem Gespött auszuweichen. So ging es drei Jahre lang. Im vierten brachte ein Trans- portdampfer das 28. Kolonialregiment zurück nach Afrika, und auch Surru war dabei. Geht es in die Heimat zurück? Werden ihn die Weißen freilassen?„Weiße haben kein Herz, Sahib, für Nigger. Nigger ist kein Mensch für sie. Weniger als ein Tier." Und Surru zweifelte, daß er in die Heimat entlassen würde. Klein Riku war in seiner Begleitung. Sie war schon schäbig geworden, abgenützt, und der Kopf hatte einen Sprung, aus dem Stroh hervorlugte. Ihn halte lange Zeit dieses Stroh nachdenklich gestimmt, um so mehr, als er bei einem Gefecht den Schädel eines Gegners mit dem Gewehrkolben eingedroschen und kein Stroh gefunden hatte, sondern eine breiige Masse und Blut. Seit damals dünkte ihn Riku besonders wertvoll, denn sie war anders als die anderen. Ganz wie sein Mädchen, für das er den Kaufpreis nicht erlegen konnte, weil die Weißen ihn zu früh geholt und weggeschleppt hatten.— Ich hatte Surru längere Zeit nicht gesehen und vermutete, daß er in sein Heimatdorf Abu-Kin entlassen worden oder dorthin durchgebrannt sei. Da kam eines Tages ein Neger zu mir.„Surru ruft dich, Sahib I Er liegt in der Spitalsbaracke 3." Ich ging tags darauf hin und fand Surru. Ich hätte ihn nicht wiedererkannt, hätte ich nicht seinen Namen auf der Kopftafel gelesen. Er war Haut und Knochen. Aus dem Riesen war ein Skelett gc- worden. Seine Stimme war leise, wie Wüstenwind heiß. Er preßte jedes Wort mühsam hervor und hielt Klein Riku eng um- schlungen im Arm.„Ich muß sterben, Sahib. Ich muß: ich weiß es, Sahib." Cr machte eine Pause, um nachzudenken.„Vielleicht kommst du nach dem Kongo. Der Kongo ist groß und schön, Sahib. Und wenn du dorthin kommst, vielleicht kommst du auch nach Abu- Kin. Frage dort nach Riku! Sie wird Surru vergessen haben, und ein anderer hat sie gekauft. Denn Riku ist schön, und vier Sack Salz, zehn Kamele und dreißig Schafe ist nicht teuer: das ist sie wert." Er machte wieder eine Pause, denn Reden und Denken schien ihn gewaltig anzustrengen.„Gib dann Riku diese kleine Riku! Auch einen Gruß von Surru. Daß er bei den Weißen hat sterben müssen, sag' ihr auch! Und daß er Abu-Kin nie vergessen hat, Riku nicht, die vier Sack Salz, zehn Kamele und dreißig Schafe auch nicht.— Tu dos, für einen armen Nigger aus dem Kongo!" Und er reichte mir die Negerpuppe. Sttoh klaffte aus dem Schädel, und die Nase war ganz abgewetzt, als ob sie nie dagewesen wäre.— Ich bin nie noch Abu-Kin gekommen. Ueberhaupt nie nach dem Kongo. Habe nie Riku kennen gelernt und kann auch nicht be- urteilen, ob sie so schön ist, daß sie wirklich vier Sock Salz, zehn Kamele und dreißig Schafe wert ist. Aber Klein Riku habe ich mit- genommen. Sie lehnt in der Ecke des Diwans zur unerklärlichen Wut meiner Hausfrau und erinnert mich an Surru und an die Tropen. An Niggerlieder, Niggersehnsucht, Niggerleid. Und an Seelenschändungen durch die weiße Rasse... Xuri... 36. JCauffmann: Eingebaut in ein Geviert hoher, blatternarbiger Mietskasernen, .manchmal unter den alten Bäumen eines Parks und oft auch auf einem weitech unbebauten Gelände wie eine farbengrelle Oase in einer einödhaften Wüste, orgelt und quäkt� rumort und spektakelt wtt sinnenfrohem Lärm der Rummel— der Rummel von Berlin. Nach überstandener flauer Wintersaison gibt er sich jetzt be- Finders laut und bunt. Die Buden sind auf neu gemalt, die vom Winterwctter zerschlissenen Zeltplan« geflickt, die Pfosten neu gc- strichen, und die Ausrufer und Anreißer haben sich eine schöne, neue Stimme zugelegt, der man die alte Heiserkeit nicht mehr anmerkt. Von so viel neuem Glanz verführt und überrascht zeigt sich die Zcunesse doröe Berlins gar nicht erst standhaft und strömt wünsch- gemäß in die Zeltstraßen der Rummelplätze, überflutet und umwogt von blendenden Lichtkaskaden und werbendem Wortschwall, betäubt und irrittert von dem sinnverwirrenden Vielerlei an Radau und Illumination. Auf dem Treppenpodest der Ringer- und Boxerbude stehen die Heroen der Matte und des Ringes in herausfordernd kriegerischer Pose: je internationaler und fremdländischer ihr Name klingt, desto echter ist ihr« gutberlinrsche Abkunft, desto eher sind sie„getauft von der heiligen Spree geduldigem Wasser". Indische Bajaderen, zerbrechliche Geishas und robuste Negerinnen, deren Heimat meistens Neukölln oder der Wedding ist, trippeln, tänzeln und stampfen vor dem„Zur Kasse! Zur Kasse!" schreienden Zlnreißer hin und her und demonstrieren zart und mit sparsamen Gästen so viel von den Sitten und Gebräuchen der von ihnen vertretenen Länder, als man draußenstehendcn Leuten, die noch nichts gezahlt haben, ohne Geschäftsschädigung zugestehen kann. Ein aufgedunsener Mann von kolossaler Größe in einem orientalischen Kostüm von operettcnhafter Phantastik, der trotz seines echt berlinischen Organs vorgibt, ein indischer Zauberer zu sein und sich auch einen dementsprechenden Namen zugelegt hat, preist mit bewundernswerter Rhetorik die Vorzüge seines Theaters, als dessen Attraktionen er die Durchnagelung einer Dame und die Darstellung der Liebesnacht eines Maharadschas als besonders sehenswert und erschütternd rühmt. Verführt durch die als„noch nie gezeigt" offerierten orientali- schen Geniisse, läßt sich von dem auf indisch frisierten Mann, der sich so ähnlich wie Poghurt Rama nennt, eine ganze Herde schaulüsterner Jugend hineinlocken, in die sich schüchtern und vage überlegen lächelnd auch einige Männer und Frauen gesetzteren Alters mengen. Man selbst steigt auch mit hinein in die Bude, in der schon einig« früher eingefangcnc Zuschauer ungebärdig auf den Anfang der Vor- stellung warten. Die können lange warten. Draußen will der Dicke noch immer mehr Schäfchen in seinen Kraal trommeln. Krächzend dringt seine Stimme durch die Zeltleinwand:„Das Blut erstarrt in Ihren Adern zu Eis, wenn Sie die herrlich geformten Körper meiner Tänzerinnen in dem Tanz der Liebesnacht sich winden sehen, so wie die Schlange im Todeskamps!" Die noch nie gezeigten Darbietungen leitet eine Ouvertüre ein, gespielt von einem brüchigen Grammophon mit brüchiger Stimme. Nach diesem feierlichen Beginn tritt der Zauberer auf die spär- lich beleuchtete Bühne und verblüfft seine Gäste durch einige zwar effekwolle, aber doch schon seit alters her gut eingeführte Tricks, deren Abgenütztheit nur drei kcsse Jünglinge meckernd zu glossieren wagen.„Nu mach aba mal halbwegc, Karl!" rügt einer der Jüng- linge die antiquiert« Zauberei des Dicken. Gespannter wird die Aufmerksamkeit der Umwelt erst, als ein Spielkunftstllckchen steigt, eine kleine spiritistische Sache. Namen be- rühmter Gestorbener sollen genannt werden, Poghurt Rama, der große Zauberer, wird diese Männer in dem in Zeitungspapier ver- packten Spiegel, den er soeben herumgezeigt und den man doch wohl als unpräpariert erkannt hat, erscheinen lassen. Stresemann, Goethe, Wagner, Rachenau werden zu sehen gewünscht. Doghurt Rama flüstert einige uixzusammenhängende, indisch sein sollende Worte über dem eingewickelten Spiegel, öffnet das Paket und zeigt dann den Spiegel herum, auf dessen Glas das Bild Richard Wagners aufgeklebt ist. Indes der Spiegel hcrumgczeigt wird, entriert der indische Zauberer neutöllnischer Nationalität rasch, rasch eine neue Zauber- nunnner, von deren Vorbereitungen die Zuschauer schon so bean- sprucht und fasziniert sind, daß sie die anderen Toten, deren Geister Pyghurt Rama doch ebenfalls herbeirufen wollte, glücklich darüber vergessen haben— und der mit den Geistern mächtig im Bunde lebende Zauberer erinnert sie auch nicht daran, weil es nämlich nur den einen einzigen Spiegel mit dem einen Bildnis Wagners in feinem Fundus gibt. Und dann wird schließlich auch die Dame durchnagelt. Es sind eigentlich nur die in ein Holzgestell gesteckten Arme des einen Mäd- chcns, in die Doghurt Rama sechszöllige Nägel hineinhämmert, aber Verblüffung herrscht darum doch auf der ganzen Linie, weil nie- mand so recht weiß, wie eigentlich da der Trick gemanaget wird. Nach solch einer beachtlichen Darbiehing erwartet alles mit ge- . sammelter Andacht die nun fällige Liebesnacht des Maharadschas. Als sich der Vorhang hebt, sieht man den Dicken auf einem Divan lümmeln, von seinen zwei Bajaderen, deren dürftig bekleidete Körper er vorhin draußen bei der Parade als„ein hinreißend schönes Schöpstingswunder Allahs" verherrlichte, austeizend umtanzt. Dazu grinst er unverschämt paschahaft. Der Vorhang fällt. Das war die ganze Liebesnacht! Ehe sich die Enttäuschung der Zuschauer entrüstet Luft machen kann, wird das Lokal schon für die nächste Vorstellung geräumt, und Doghurt Rame haut draußen auf die Pauke«in, deren dröhnendes Kalbfell auf die Leute ebenso mächtig wirkt wie ein Magnet auf Eisen. Leicht chokicrt über den Bluff verläßt inan zürnend diesen kleinen Rummel, der sich da unten irgendwo im Westen aufgetan hat, in einem Gelände, in dem sich schwer Geschäfte inachen lassen, weil der Westen lange nicht so sehr für die Rummelkunst tendiert wie der Norden. Dort oben im Nordpart von Onkel Pelle angelangt, den schon Generationen von Berliner Dichtern besungen und literarisch registriert haben, stellt man schon von weitem fest, daß die Sache hier mehr Schwung hat und eben einfach knorke ist. Der Schmalz- dust des Gebackenen hier riecht viel saftiger, die Würstchenportionen sind reichlicher mit Mostrich ausgestattet, die vox populi ist derber, kurz, alles, hier auf diesem Boden, aus dem der Begriff Rummel überhaupt erst wuchs, ist kräftiger und urtümlicher. Kräftiger darum sind auch die Tricks, Bluffs und Illusionen, mit denen hier gearbeitet wird. Kommt man den Leuten im Westen indisch, so kommt man ihnen hier aus Opportunitätsgründen russssch. Die Vertreter dieser Nation heißen Iwan, Olga. Katja, Sonja und Maruschka, Braut geliebtes. Sie geben sich allesamt keine Mühe, ihr klassisch schönes Berlinerstim in Gestus und Sprache zu verbergen: ihre einmarrdfrei russische Gewandung ist nur eine zarte Konzession an die landes- üblichen Rummelsitten. Diese fünf, die Maruschka durch ihre große Schnauze erhalt, indem sie den Anreißer macht und dabei doll und derb angibt, führen als Zugstück das Wolgalicd auf, im ersten Teil in drama- tifcher, im zweiten in lustiger Form Die Parade draußen schon, bei der Maruschka mit unheimlicher Zungenfertigkeit die künst- lerifchen Details dieses„kulturhistorischen" Stticke» auseinandersetzt, ist eine Vorstellung für sich. So angenehm animiert, strömen die Gäste denn auch in hellen Scharen in die leinewandverklcidcte Bude, aus deren Bänken sich schon viel Volk zusammendrängt. Der dramatische erste Teil des Wolgaliedes entpuppt sich als ein ergreifender Spatz, er beginnt mit dem schönen Vers: Die Qual ist schwer, die Sonne heiß. Es rinnt des Wolgafchiffers Schweiß.— Maruschka, die das ganze Poem wahrscheinlich gedichtet hat, spricht ihre tiefempfundenen Verse ebenso tiefempfunden über die gebeugt sich dahinschleppenden Mitglieder der Truppe, über deren Schultern ein dickes Tau sich windet: das Tau, an dem sie das Wolgaschiff ziehen— dieses freilich fehlt aus ersichtlichen Gründen.„Und zischend voller Hohn— Schwingt er die Peitsche wieder schon!"— geht es dann schaurigschön weiter, indes Maruschka diese Wort« handgreiflich demonstriert. Alles hält vor Ergriffenheit den Atem an. Der lustige Teil des Wolgaliedcs zeichnet sich durch eine geniale Konfusion aus, indem man es nämlich mit der ohnedies schon arg mißhandelten Historie nun überhaupt nicht mehr genau nimmt, den nationalen Rahmen der ganzen Geschichte sprengt und durch indisch« Bauchtänze und andere abwegige Darbietungen würzt, bei denen in hervorragendem Maße auch ein aus dem Publikum auf die Bretter gesprungener Jüngling mit einem verschrumpelten Apfel- gesicht sich betätigt, mit einem Witz und einer Schlagfertigkeit, vor der selbst Maruschkas Beredsamkeit bläßlich wirkt. Ausgezeichnet unterhalten und irgendwie auf seine Kosten ge- kommen verläßt man den grellspektakelnden Bezirk dieser Schoko- ladenradstände und Würstchenkioske. Liliputanerzirkusse und Spezialitätencheater. Pfefferkuchen- und Schlangenbuden, um zu einem anderen Rummel hinzuziehen, zum Friedrichshain, dem Lunapark des Ostens, wie er sich selber stolz nennt. Hier wuchern auf einer wirr bepinselten Leinewand die Nr- wälder des Amazonas phantastisch durcheinander— dies also verspricht den schönsten Bluff! „Meine Damen sowie Herren! Ich zeige Ihnen hier keine Männer, die am Vormittag am Bahnhof Friedrichstrahe stehen und Schuhe putzen und am Abend mit Stiefelwichse beschmiert den wilden Mann markieren, schreien und jazzen und springen. Ich zeige Ihnen echte Höhlenbewohner aus den unerforschten Urwäldern des Amazonas!" Diese Höhlenbewohner, die man dann sieht, sind ein Stachel- schwcin, eine Riesenspinne, eine Schlange und eine Eule. Dieser kleine, unschuldige Vogel wird in einem zoologischen Schauerkolleg als eine blutgierige Bestie charakterisiert, die in ihrer Urwaldheinwt herdenweise auf den Bäumen sitzt und auf vorüberwandelnde Forscher, Neger und sonstige Spaziergänger wartet.„Mit ihre!, Fängen krallen sie sich in dos Fleisch der armen, wehrlosen Opfer und saugen ihnen das Blut bis auf den letzten Tropfen aus." Als die kleine, süße Eule über so viel Lüge und Verleumdung schüchtern protestierend aufzufliegen versiicht, kommentiert der Vorführer diesen kleinen Fluchtversuch mit den schaudernd ergriffen getönten Worten:„Ja, ja, wenn der klein« Kerl nur nicht an der Kette wäre und so könnte, wie er wollte, es lebte hier am Fricdrichshain wohl kein Mensch mehr..." Die Bude, gerammelt voll, murrt aber in einem vage cmpfundc- nen Mißtrauen über.die doch recht dürittgen Attraktionen, jaW? sie so avisiert worden waren, äks handelte' es sich um incnIchllchV Höhlenbewohncr. Aber einen lauten Protest ivagt niemand, de? Groschen, den der Spaß hier kostete, ist die Aufregung schließlich auch nicht wert. Das aber gerade ist es, worauf die Rummelleute spekulieren! Niemand, den sie für ein paar Groschen bluffen und hinters Licht führen, wird durch einen Protest zugeben, daß er sich hinters Licht führen ließ und ernstlich die versprochenen Attraktionen erwartete. Es ist besser, so zu tun, als ginge man gerade wegen des Bluffs hinein-- wegen des Bluffs, der nirgendwo so herrlich frech und köstlich originell blüht wie auf dem Rummel von Berlin! Qefahren der Graphologie Die Sucht unserer Zeit, tiefer in die Geheimnisse des Seelen- lebens hineinzuhorchen, um neue Erkenntnisse zu sammeln, die zu der Massenproduktion von„Hellsehern" und„Astrologen" aller Art geführt hat, denen das Publikum zuströmt, zeigt sich auch in einer verstärkten Hinneigung zu den umstrittenen Problemen der Grapho- logie. Die Lehre von der Schriftdeutung behauptet, aus den Eigen- heiten der Handschrist Charakter und Wesen des Schreibers auf Grund wissenschaftlicher Erkenntnis einwandfrei festzustellen, ja, einzelne Forscher, wie der bekannte Schermann, wollen aus den Schriftzügen sogar Krankheiten, Neigung zu Selbstmord und Ver- brechen herauslesen. Solange diese Experimente sich auf rein theo- retischer Basis bewegen, oder solange sie nur dazu dienen, das Sensotionsbcdürsnis des großen Publikums zu befriedigen, kann man sich diese Versuche gefallen lassen. Bedenklicher wird das Umsichgreifen der graphologischen Mode- Wissenschaft, wenn in der Gegenwart der Versuch gemacht wird, die zweifelhaften Ergebnisse in die Praxis einzuführen. Hier droht vor allem dem Arbeitnehmer, ganz besonders dem kaufmännischen An- gestellten, Gefahr. Es gibt schon jetzt eine ganze Reihe von Be- trieben, in denen berufsmäßige Graphologen angestellt sind, denen die Aufgabe zufällt, das neueinzustellende Personal durch grapho- logische Prüfung ihrer Schriftproben auf Charakter, Ehrlichkeit usw. hin zu„durchleuchten". So manch« unerklärlich« Ablehnung eines sonst qualifizierten Bewerbers mag auf solche ungünstig ausgefallene Schriftdeutung zurückzuführen sein. Gegen diese„neuzeitlichen" Methoden, gegen diesen falsch verstandenen Amerikanismus muß vom Standpunkt der Arbeitnehmer wie Arbeitgober, einfach von der Warte des gesunden Menschenverstandes herab ernstlich gewarnt werden. Ehrliche Wissenschaftler, die sich seit Jahren mit dem Pro- blem der Schriftdeutung befassen, wie Saudek und Klages, geben offen zu, daß das Bild der Handschrist von vielerlei Zufällen, von ungewohnten Erregungen usw. abhängig und beeinflußbar ist. daß ferner die Lehre noch keineswegs so durchgebildet ist, daß man von ihren fragwürdigen Schlußfolgerungen die Befähigung eines De- werbers, ja das Lebensglück langjähriger Angestellter, die noch nach- träglich einer„Eignungsprüfung" unterzogen werden können, abhängig machen darf. Dr. Willy Blumcnthal. Eine Pflanze, die hnflei. Man kennt fleischfressende, lachende und weinende Pflanzen. Aber von einer Pflanze, die hustet, haben nur die Wenigsten gehört. Diese Pflanze, in der Frucht einer Bohne ähnlich, wächst in den Tropen. Sie ist in zweierlei Hinsicht sehr sonderbar: sie kann sehr leicht zum Zorn gereizt werden und erschrickt vor jeder Art von Staub. Sobald ein Staubkorn auf ein Blatt fällt, füllen sich die Luftzellen, die Atmungsorgane der Pflanze, mtt Luft und husten den Staub wieder aus. Jtr. 291 ♦ 45. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Donnerstag, 25. Zum i93i Gertanz der Bauunternehmer. Einig nur im Bekenntnis zur sozialen Reaktion. Die Spißo Unterem wett.Abteilungaleittr ' August Sdimahl zum 6«.(Beburtetapc die herz. lichsien Dlllllwunsche. vie Qe»«»»tt»>ev n. Genossen, der 2. Abteilung., DüDßdieiitalWMM Verwaltangsmugiieilerl Freitag, den 26. Zun!, abends 7 Uhr eignng der Mittleren Verwaltung. Dienstag Irüh. 28. Juni, verstard nach kurzem schalerem Leiden mein lieber Mann, unser guter Vater Bsrmsnn Scdudose im 62. Lebensjahre. Um stille Teilnahme bitten Theres« Sdsobose geb. Lundahl Hans, Kort, Ernst und Gertind Sdiuhose Danksagung. Für die stille Teilnahme zu(Ehren meine« lieben Manne« lope ich hierdurch allen Lerwandlen, Sekannien, dem Redner desFreidenier-Verbandes, sowie den Parteigenssten der Konsum» (benoslenschast, dem wesangoerein und der Denosienichajls-Vrauerei meinen herzlichsten Dank. Im Namen der Slnierdliebenen Frsn Ww. Toni Pose nebst Kinder und Eltern. Arelkng. den 26. Innl, mittag* 12 Uhr. imOecbandshaafe, Clniessfleab* 83 83(Sitzungssaal), 2 Treppen Arbeilslosen-Versanuniang samtlldier MasdUaen, Molor, Aulo- a. Reporalar-Sdilosser Tagesordnung: 1. Die wirtlchastllche Lage. Referent: Äollege Frist Zimmermann. 2. DIslusston. 8. Berlchiedene«. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. Da» Erscheinen aller Kallegen ist noi- wendig. Die OrtsvcmaUand. Oankssgnsst. Sage hiermit allen Vei wandten und Freunden silr die rege Teilnahme bei der(Einäscherung meine» Herzens- � guten Manne» und SJatera Anton Hlnderbarger unseren herzlichen Dank. WUwe Karoline Hfndcrbcrstcr und Angehärtge. AllgemelneOrlsKrankenkasse Mr den Stadtbezirk Köpenick Der 24. Nachtrag zur jlaffensahung ist aeuehmiat und Irin rückwielend init dem l». Znnt d.?. in«rast. Die neuen Tabellen zur Berechnung der Beiträge und Dnickfliide der Sastuug4- anberung gehen den Arbeltgedern nach Drucklegung zu. Berlin-Röpentck, den 28. Juni 1231. Dar Vocftanb. Otto Nickel Fr. Mnrcken Vorfihender Schriftführer.