BERLIN Montag 29. ZUM 1931 10 Pf. Tit. 29a B 149 48. Jahrgang TrscbeinttSslich außerGonntag«. Zugleich Abendausgabe des.Vorwärts". Bezugspreis beide Ausgaben 8S Pf. pro Woche, Z.KOM. pro Monat. Redaktion und Expedition: Berlin SW68,Lindenstr.3 Fernsprecher: Dönhoff(A 7) 292—297 SfuUaubgaße Jßh AnieigenprttS:Dit einfpaltigeNonpareiUezeile 8o Pf., Reklamezeile 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto: VorwärtS-Verlag G. m. b. H.. Berlin Nr. 37 SZ6.— Der Verlag behält sich das Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor.' Die braune Landplage Hakenkreuzskandale in der Llniversität- Wegelagererium überall Holtands Tempel in Flammen Mesenbrand aus der Kolonialausstellung Die Gkattittlszotte«, irre sich vor einig«« Monaten, provoziert von nationalsozialistischen Ttndentengruppen, mit fast täglicher Regelmäßigkeit abspielten, scheinen wieber auszuleben. Hente vormittag versammelten sich bie Hakenkreuzler stnbente« zn einem Gtehkonvent, nach besie« Beendigung Mitglieder der sozialistischen GtndentengruPPen im Vorhof angepöbelt und tätlich angegriffen wurden. Die Tumulte steigerten sich derart, daß Polizei gerufen und die Universität geschlossen werden mußte. Der Sozialdemokrat Dr. Bergmann wurde dabei von den Nationalisten miß- handelt und verletzt. Aehnlich erging es einige« sozia» listischen und kommunistischen Studierendem, die von einer große» U ebermacht umringt und mit Stöcken sowie andere» Hiebinstrumente» geschlagen wurde«. Polizei- beamte machten die Straße von den demonstrierende» Rationalisten frei. Wie die Universität erklärt, hofft man. die Vorlesungen im Laufe des Rachmittags wieder aufnehmen zu können. Der Führer des Nationalsozialistischen Studenten- bundes hatte sich bereits seit einige« Tagen mit der Ein- führnng Wiener Zustände lAngriffe auf jüdische Studierende) durch die SA. gerühmt. Hakenkreuzlerschlacht mit Kindern. Lübeck, 29. Juni.(EigenberichL) Zn ikn tin waren am Sonnabend und Sonntag schwere Zluzeinandersehungen zu verzeichnen. Zn Rensefeld bei Schwartau hatte die dortige Schule ein Kinderfest ver- onstaltel. Die Kinder zeigten schwarzrotgoldene Zähnchen, die auch von Rationalsozialisten gesehen wurden, die auf Lastautos vorbei- kamen. Die Rationalsozialisteu überfielen die Kinder und entrisien ihnen die Zahnen, lieber diesen Dorfall gerieten die Bürger des Städtchen« in große Erregung, und e, kam noch wäh- rend der Rächt zu Auseinanderfehungen, an denen sich auch die Kommunisten beteiligten. Die Polizei versagte, von denen, die sich den Rationalsozialisten enlgegenstelllen, wurde ein Reichsbannermann schwer und zehn andere, nicht dem Reichsbanner angehörige Bürger der Stadt, leicht verletzt. Die Rationalsozialisien sollen etwa 13 mehr oder weniger Schwerverletzte gehabt haben. Auch in Ahrensbök griffen die Rationalsozialisten dort tagende Mitglieder de» Londarbeiter-Verbandes tätlich an. Ein Landarbeiter wurde schwer verletzt, von den Rationalsozialisten wurden bei der Gegenwehr drei Mann verletzt. Weitere ileberfätle in Bertin. Geburtstagsgäste mißhandelt/ Eine Frau niedergestochen. Mit welcher Brutalität die Goebbelsbanden auch über hormlos ihres Meges gehende Passanten hersallen, beweist wieder einmal ein Vorgang, der sich in der Rächt vom Sonnabend zum Sonntag am Treptower Park abspielte. Gegen 3,39 Ilhr nachts gingen am Treptower Park zehn Per- fönen, darunter vier Frauen, entlang, die von einer Geburtstags- seier aus dem Eierhäuschcn in Tcptow kamen und sich auf dem cheimwege befanden. Etwa ,30 Hakenkreuzler mit.Hieb- und Schlaginstrumenten sowie Scheintodpistolen ausgerüstet sielen über die Gnippen her und schlugen erbarmungslos auf sie ein. Nicht einmal die Frauen wurden verschont. Die 26jährige Frau Erna D ö l I m a n n aus der Gracjzstraßc wurde von einem Nazi n i c o c r g e st o ch c n. Di« anderen Uebersallenen erlitten sämtlich mehr oder weniger schwere Hiebverletzungen. Als das alarmierte Uebersallkommando erschien, ergriffen die Strolche natürlich die Flucht. 16 Hakenkreuzler konnten fe st genommen werden, der Mehrzahl der Burschen gelang es leider zu ent- kommen. Die verletzt« Frau erhielt auf der nächsten Rettungsstelle die erste Hilfe. Die sesigenommcnen Hakenkreuzler wurden der Abteilung IA des Polizeipräsidiums übergeben. Im Verlaufe des Verhörs stellte sich dann heraus, daß der Ueberfall zwar planmäßig vor- bereitet war, ober einer Gruppe Reichsbannerleute gelten sollte. Tin der Dunkelheit wurden die Nachtschwärmer für die erwarteten Reich-banncrongehörigen gehalten und es wurde einfach drauflos geschlagen. Die Schurkerei der Nazis ist um fo schlimmer, als sie von ihren Opfern auch nicht abließen, als ihnen klar gemocht wurde, daß die 10 Geburtstagsgöst« mit dem Reichs- vanner überhaupt nichts zu tun hotten. Paris, 29. Juni. �Eigenbericht.) Die Pariser Kolonialausstelluug ist von einem schweren Verlust heimgesucht worden. Der nieder- ländisch-indische Pavillon, der eine Repro- duktion des Tempels von Bali darstellt, ist gestern bis auf die Grundmauern niedergebrannt. Sämtliche m .!.j,. mm» V-i tt'i Sei* niederländische Pavillon in dem Pavillon enthaltenen Kunstsammlungen wurde« vernichtet. Ter Schaden wird auf rund 15 Millionen Mark beziffert. Das Feuer ist durch Kurzschluß entstanden. Als es kurz vor 5 Uhr morgens entdeckt wurde, stand das Gebäude bereits in hellen Flammen, so daß die Feuerwehr sich in der Hauptsache darauf beschränken mußte, die anliegenden Gebäude zu schützen. Der in dem Pavillon wohnende holländische Architekt und eine Gruppe eingeborener Tänzerinnen konnten nur'mit knapper Rot gerettet werden. Der Wächter des Pavillons hörte gegen 5 Uhr morgens mehrere Explosionen, die aus der Garderobe zu kommen schienen. Als er die Tür öffnete, schlugen ihm die Flammen ent- gegen. Durch den entstehenden Durchzug gelangte das Feuer ins Innere des Gebäudes, und bald war der gesamte Komplex der holländischen Ausstellung nur ein einziges Zlammenmeer. Auf den Alarm„Grohfeuer, Menschenleben in Gefahr!"' eilten sämtliche Pariser Feuerwehren an die Brandstätte und gaben aus 20 Rohren Wasser. Trotz größter Bemühungen gelang es nich' das Prochtgebäude mit seinen vielen kleinen Türmen zu retten. Der holländische Architekt, der die Bauarbeiten geleitet hatte, lies weinend um den brennenden Flammenherd und versicherte, daß mehr als 23 Jahre ernster Arbeit notwendig gewesen seien, um alle die seltenen Gegenstände in den holländischen Kolonien zusammen- zusuchen, die im Innern des Gebäudes ausgestellt waren. Gegen 10 Uhr war die größte Gefahr, nämlich ein Uebergreifen des Brandes auf andere Ausstellungsgebäude, be- seit igt. von der holländischen Abteilung ist jedoch nichts als ein einziger Schutthausen übriggeblieben. Bestürzung in Holland. Amsterdam, 28. Juni. Die Nachricht von der Vernichtung des holländischen Pavillons auf der Kolonialausstellung in Vincennes hat in der holländischen Oesfentlichkeit ungeheure Bestürzung hervorgerufen. Die Meldung wurde im Lause des Sonntag mittag durch Extrablätter und An- schlüge der Zeitungen, am frühen Nachmittag dann auch durch den Rundfunkt verbreitet. Der Brand ist in erster Linie für den hollän- dischen Delegierten bei der Ausstellung, Herrn Moosen, der so viel für das Zustandekommen der holländischen Ausstellung getan hat, ein gewaltiger Schlag. Nicht nur, daß seine ganzen Werke ver- wüstet sind— auch viel persönliches Eigentum, das er während seines Aufenthaltes in Niederländisch-Jndien gesammelt hatte, Kunst schätze, Dokumente und zahlreicher sonstiger Besitz sind verlorengegangen. Der Schaden ist zwar durch Versicherung gedeckt, doch wiegt sie nicht den Verlust an kunstwerten der seltenen Schätze auf, unter den sich zahlreiche Anika, Zahrhunderte alte, unersetzliche Schätze befinden. Außer Herrn Moojen ist auch �das ethnographische Museum in Legden, das verschiedene Duplikate zur Ausstellung gesandt hatte, stark in Mitleidenschast gezogen worden. Der durch den Brand entstanden« Schaden wird auf zehn Millionen Gulden geschätzt, hatte doch das Hauptgebäude allein einen Wert von 1200000 Gulden. In einer Erklärung gegenüber Pressevertretern bezeichnete der holländische Kolonial- minister de Graoff die Bernichtung des holländischen Pavillons als eine nationale Katastrophe, eine Katastrophe für die Ausstellung und eine Katastrophe für Holland selbst. Das Wert vieler Monate sei in kurzer Zeit verlorengegangen, und es werde nicht mehr möglich sein, alles wieder auszubauen. Der Generolkommissar der hollän- dischen Abteilung auf der Koloniolousstellung, Fock, ist Sonntag früh sofort vom Haag nach Paris abgereist. An der Havel in der Nähe der Sakrower Fähre ver- übten die Hakenkreuzler eine ähnliche Schandtat. Sie gingen dort in größeren Gruppen am Ufer entlang und versuchten mit den Badenden Streit anzufangen. Als sie auf mehrere Ausflügler stießen, in denen sie politische Gegner vermuteten, fielen die Nazis über die Ausflügler her und schlugen sie nieder. Ein 28jähriger Kaufmann Springborn aus Potsddam erlitt durch Hiebe mit einem stumpfen Instrument schwere Kopfverletzungen. Sechs der Wegelagerer konnten von der Polizei verhaftet werden. Ein weiterer Ueberfall wurde am Sonntagabend im Osten Berlins auf einen Reichsbannermann verübt. Bor dem Haufe Frankfurter Allee 2.39 wurde der RB.-Monn von einer Horde N a t i o n a l s n z i a l i st e n umringt und niedergeschlagen. AI- die Poiipci erschien, hatten die feigen Burschen bereits das Weile gesucht. Bei der Verfolgung wurden noch sechs Täter festgenommen. Da die Hakenkreuzler mehrere Schüsse abecseucrt hatten, wurde das Nazi-Bcrkchrslotal in der Franksurtr Allee 202 von der Polizei durchsucht. Dabei wurde ein« scharsgeladene Mehriadcpistole und ein Scheintodrevolvcr gefunden und beschlagnahmt. Braunschweig. 29. Juni.(Eigenbericht.) In Blankenburg am Harz veranstalteten am Sonnlag die Hitlerjugend und der in Preußen verbotene national- fostalistffchc Schülerbund eine Werbetagimg. Während des Umzugs schlugen die zu der Tagung gekommenen SA.-Leute blind auf die Pasianten ein, nachdem ein Kommunist einen Zwisll>enruf gemacht haben sollte. Die SA.-Leute schlugen mit Hämmern, Koppeln und Schulterriemen, an denen Schlüssel befestigt waren. Etwa 20 Personen wurden verletzt. Die Schupo, dir durch ein großes Ucbcrsallkommondo aus Brounschwciq verstärkt ivar, konnte sich nicht durchsetzen. Die Beamten fühlten sich wohl auch unsicher, da sie dauernd von den Nazis angebrüllt wurden:„Sie werden Kränzen g e m« l d et! S i e werden rausgeschmissen!" Ein Wohitgcbände, das die„Kaserne" genannt wird, wurde von den Nazis gestürnit. Ein Aug der Sozialistischen Arbeiterjugend, der abends von einem Ausflug heimkehrte, wurde durch die Straßen ge- jagt. Auch von den Jugendlichen wurden mehrere blutig geschlagen. Oeuische Frauen, deutsche Treue... Oer Gipfel des Naziheldentums. Am Treptower Park legen sich einige Dutzend S A.- L e u t e in den Hinterhalt, um heimkehrende Reichs- bannerleute, die man ihnen signalisiert hat, zu überfallen. Das wundert heutzutage niemand mehr. Di« Reichsbannerleute bleiben aus. Aber man hat sich nun einmal in den Kopf gesetzt, daß Blut fliehen muh. Wer kommt denn da? Ein« harmlose Gesellschaft, die Geburtstag gefeiert hat. Also über diese her, es werden schon republikanische Arbeiter dar- unter sein! Auch das wundert heutzutage niemand mehr. Aber dann meldet der Polizeibericht: Die 26 Jahre alte Frau E. D. wurde durch Messer st iche schwer verletzt. Eine Frau al» Opfer der Raufbolde. Das ist die„Ritterlich- teit� vom Hakenkreuz. Das ist die wahre Gesinnung der Leute, die bei jeder Gelegenheit ihr„Deutsche Frauen, deutsche Treue" gröhlen. Wundert das auch schon niemand mehr? Vielleicht auch das nicht. Es scheint, daß es dem Osaf R ö h m in geradezu vollendeter Weise geglückt ist, seine SA. in Abneigung gegen alles Weibliche zu erziehen. � Immerhin: Reichsbanner überfallen wollen— und schließlich eine wehrlose Frau mit Messerstichen zersetzen—. de? Abstand zwischen mutigem Entschluß und feiger Handlung scheint reichlich groß. Joe. Monarchistenkatastrophe in Spanien. Die Wahlen ruhig verlaufen. Madrid. 2g. Zuni.(Eigenbend)!.) Die spanischen Tortes- Mahlen, die am Sonnlag in der Zeil zwischen S Uhr vormittags und 4 Uhr nachmittags vor sich gingen, vin liefen im allgemeinen ohne größere Zwischenfälle. Die Wahlbeteiligung war außerordentlich stark. 3?ach den vorläufigen Ergebnissen aus Madrid und aus zahlreichen größeren pro- vinzstädlen hat die sozialistisch- bürgerlich. republikanische Gemeinschaslslisle außerordentliche Erfolge er- i zielt. Sie zeigen, daß für die Monarchie in Spanien kein Boden mehr vorhanden ist. 3n einem Arbeitervorort von Madrid wurde am Sonntag um die Mittagszeit in der Ortskirche ein Büro ausgehoben, da» zum S l i m m e n k a u f für die klerikale„Nationale Aktion" bestimmt war. Die Geistlichen versuchten verkleidet mit der Straßenbahn nach Madrid zu entkommen. Einer wurde erkannt, von der Straßenbahn heruntergerissen, verprügelt und dann wegen Stimmenkaufs verhaftet. 3n Vergara im Baskenland beschossen Republikaner einen Trupp Nationalisten, die versuchten, die republikanische Wahlpropaganda zu hindern. Ein Monarchist wurde gelötet, einer schwer verwundet. Als die baskischen Nationalisten daraus versuchten, das- republikanische Slublokal zu stürmen, wurden sie wiederum beschossen. Zwei Monarchisten wurden getötet. Voller Srfolg der Föderalisten. Madrid, 2g. Zuni.(Eigenbericht.) Die Wahlergebnisse lausen äußerst spärlich ein. An dem sozialistisch-republikanischen Wahlersolg ist nicht mehr zu zweifeln. Die sozialistisch-republikanische Einheitsliste hat u. a. gesiegt in den Städten Madrid. Granada. Valencia, Sevilla. Saragossa. Valladolid und Bilbao. 3n Barcelona und ganz Katalonien triumphiert Maria mit seinen radikalen Katalanen. 3hm dürsten 42 von den insgesamt 50 katatonischen Mandaten zufallen. Auch Franca ist in Barcelona aus dieser Liste gewählt worden. 3n dem Wahlkreis Bilbao-Provinz haben die baskischen Nationalisten gesiegt: in den Provinzen Navarra. St. Sebastian und wahrsdieinlich auch in Victoria die klerikalen Lasken. Todesopfer der Autoraferei. Vier schwere Molorradunfälle am Sonntag. Die sinnlose Raserei auf den Aussallchausseen hat gestern abend ! unweit des Dorfes Bredow ein furchtbares Motorradunglück zur � Folge gehabt. Zwei Frauen wurden aus der Stelle ge- tötet: zwei weitere verletzte mußten mit Schädelbrüchen in das Krankenhaus eingeliefert werden. Zwei befreundete Berliner Motorradfahrer befanden sich nach einem Sonntagsausflug mit ihren Frauen, die auf dem � Sozius saßen, auf der Rückfahrt nach Berlin. Einer der Fahrer ; begann kurz vor der Unglücksstelle das Tempo außerordentlich zu beschleunigen. Sein Freund wollte sich nicht abhängen lassen und agb ebenfalls Vollgas, so daß sich zwischen den beiden Fahrern leineJagdt entwickelte. In dieser Situation fuhr sich Plötz- s lich das Vorderrad der ersten Maschine fest. Die Braut' des Motor- radführers wurde in weitein Bogen vom Soziussitz geschleudert und blieb zerschmettert liegen. In der nächsten Sekunde raste das zweite Motorrad, dessen Führer bei dem scharfen TeTmpo nicht mehr ausweichen konnte, in das gestürzte Rad hin- e i n. Bei diesem Zusammenprall wurde die Frau des zweiten Fahrers ebenfalls so schwer verletzt, daß sie kurze Zeit später starb. Die schwerverletzten Männer wurden durch Automobilisten ins Krankenhaus gebracht. Am Sonntagabend raste der 18jährige Maler Georg Barisch aus der Erkstraße in Neukölln mit seinem Motorrad in der Dahl- witzer Straße in das Schaufenster eines Kolonialwaren- geschästes hinein. Die gesamte Auslage wurde zerstört. Mit lebens- gefährlichen Verletzungen wurde B., der das Unglück selbst durch eine unglaubliche Geschwindigkeit verursacht hat, in das Köpenicker Kreiskrankenhaus gebracht. Auf der Oranienburger Chaussee bei Frohnau prallte ein Motorradfahrer mit einem Privatauto sehr heftig zusammen. Während der Führer mit deichten Verletzungen davonkam, erlitt seine Begleiterin, eine 17jährige Elli Schulz aus der Koloniestraße, einen S:ch!ä:d:eil:b:riuich. Ein weiterer Zu- sammenstoß ereignete stch an der Ecke Bessel- und Friedrichstraße. Dort stieß der 2ajährige Motorrodfahrer Alfred Friedrich aus der Ritterstraße 76 mit einem Lastauto zusammen. Das Rad wurM: völlig zertrümmert. Friedrich wurde mit lebensgefährlichen Ver. letzungen ins Urbankrankenhaus übergeführt. Wels bei den Arbeiterfporilern Ansprache des parieivorsihenden auf dem RAST Bucharm in London. Im Flugzeug aus Moskau über Berlin und Amsterdam ist Bucharin zur Teilnahme am Kongreß für die Geschichte der Wissensch«t eingetroffen. Bucharin' erhielt die britische Einreiseerlaubnis nur unter der Voraussetzung, daß er sich nicht mit politischer Propaganda befasse. Der von den bundeslreuen Arbeitersportlern gestern im Grüne- wald-Sladion veranstaltete Reichs-Arbeiter-Sporl-Tag, über den wir im Sportteil ausführlich berichteten, nahm einen glänzenden Verlaus. Der Höhepunkt des Ausmarsches war die An- spräche des Vorsitzenden der Sozialdemokratischen Partei Otto Wels. Der Redner führte aus: „Es ist mir eine besondere Freude, die Arbeilersportler zu ihrem Reichsarbeitersporttag begrüßen zu können, der in allen Städten und Gauen Deutschlands abgehalten wird, um gemeinsam mit der arbeitenden Bevölkerung einen Kampf- und Festtag zu bc- gehen. Millionen Arbeitersportler ringen gemeinsam mit Partei- und Gewerkschaften für den sozialen und kulturellen Aufstieg gegen die Reaktion. Der gefahrvolle Zustand der gegenwärtigen Zeit wird von den wenigsten erkannt, aber wir müssen hindurch. weil es das Wohl der arbeitenden Klassen verlangt. Deshalb be- grüßen wir den Arbeitersport, denn er bildet gesunde und kräftige Menschen heran. Heute ist der Arbeitersport eine Großmacht, die niemand mehr ignorieren kann. Sport soll das Selbstbewußtsein des Arbesters heben, den Stolz in uns, denn er ist unentbehrlich: Arbeitersport soll den Sklaven in uns töten im Kämpfe um die Freiheit, gegen Niedertracht und Kleinmut, er soll uns stark machen bis zum Sieg der klassenlosen Gesellschaft. Es gibt kein schöneres Ziel, nichts kann die Jugend so begeistern wie unser« Ideale es ver- mögen, darum der Haß, darum die Verleumdung gegen uns. Aber überall wo der Wille zum Gestalten lebendig, ist, entwickeln sich am stärksten die sozialistischen Kräfte und in euch Arbeitersportler lebt oieser Wille, auch in uns ist er das bewegende Element. In: Juli wird in Wien die Arbeiter-Olympiade. der Austakt für den großen Internationalen Soziali st enkongreß sein. Das zeigt unsere Verbundenheit, unseren gemeinsamen Willen und den gemeinsamen Kamps gegen kapitalistische Ausbeutung, gegen Haß und Hetze gegen jede Bedrückung der Arbeiterklasse, s ü r Frieden und Freiheit! Sozialdemokratie, Gewerkschaften. Arbeitersport sind vereint eine Großmacht. Sorgt, daß es niemand wagt, sich ihr entgegenzustellen. Ist der Weg auch hart und steinig, trotz alleoem und alledem, wir gehen ihn und siegen! Werbt, agitiert, organisiert, oie Trommel gerührt. die Banner hoch, der deutschen Arbeitesportbewegung, dem deutschen Arbeitersport ein dreifache- Heil! Die pariser Verhandlungen Mellon-Laval vor der Einigung Paris, 29. Juni.(Eigenbericht.) Der französische Handelsminister gab am Sonntag zu Ehren des amerikanischen Verhandlungsführers Echotzsekretär Mellon ein Frühstück. An der Veranstaltung nahmen serner teil: der amerl konische Botschafter in Paris, zahlreiche höhere Beamte des französischen Finanzministeriums, der französischen Staatsbank und mehrere Vertreter von Privatbanken. Die Zusammensetzung der Gesellschaft läßt darauf schließen, daß während des Essens der Hoooer-Plan und seine Auswirkungen auf Frankreich besprochen wurden. Der„Matin" kündigt heute an, daß eine Einigung zwischen Paris und Washington bevorstehe und zwischen der Forderung Hoovers, die aufgeschobenen Zahlungen in vollem Umfange Deutschland zukommen zu lassen, und dem Wunsch der französischen Regierung, von dem der BIZ. zu überweisenden ungeschützten Teil ttlellon in Paris Der amerikanische Schatzsekretär Mellon(rechts) und der Bot- schaster der Vereinigten Staaten in Paris), Edge(links), auf dem Wege ins französische Innenministerium, wo die entscheiden- den Verhandlungen über das Schuldenfreijahr stattfinden. auch anderen mitteleuropäischen Ländern Kredite zu gewähren, wahrscheinlich ein Kompromiß in der Weise zustande kommen würde, daß die BIZ. andere Mittel flüssig macht, um den Ländern, die durch die Zahlungseinstellung Deutschlands in finanzielle «chwierigkeiten geraten könnten, Unterstützungen zu gewähren. In bezug auf die Zinsen und die Zahlung der gestundeten Summen seien noch einige Einzelheiten zu regeln. Die Idee, die Zahlung auf ein entfernteres Datum zu verschieben, sei aufgegeben worden. Berlin ist unterrichtet. Die von dem Reichskanzler für Sonntag abend in Aussicht ge- nommene Kabinettssitzung hat n i ch t st a t t g e f u n d e n. Die aus Washington angekündigten Nachrichten über den Stand der Pariser Besprechungen de? amerikanischen Finanzministers waren ausge- blieben. Da auch die Sonnabendunterredung zwischen Mitgliedern der französischen Regierung und dem deutschen Bo tschafter in Paris keinen Beschluß der Reichsregierung erforderlich machte, wurde die provisorisch für Sonntag anberaumte Sitzung des Reichs- kabinetts aufgegeben. Die Reichsregierung hält hinsichtlich der Pa- rifer Besprechungen an der bis jetzt verfolgten Linie fest. Sie lehnt es grundsätzlich ab, sich in dem Streit zwischen Washington und Paris auf die eine oder andere Seite zu schlagen. Wie die Differenzen schließlich beigelegt werden, ist zurzeit noch nicht sicher. Gewiß scheint nur. daß die Beilegung noch heute erfolgt und die Verhandlungen gegen Abend prinzipiell zum Abschluß gebracht werden. Die wirtschaftliche Loge Deutschlands drängt zst schnellen Entscheidungen. Das hat die Reichsrcgierung angesichts der weiteren Abwanderung von Devisen — am Sonnabend waren es wieder 57 Millionen— in den letzten Tagen gegenüber den maßgebenden Stellen in Washington und Paris immer wieder betonen lassen. In den am Sonnabend geführten dreistündigen Pariser Be- sprechungen hat Frankreich bereits nicht mehr starr an seinem Gegenvorschlag festgehalten. Sein Entgegenkommen ging jedoch wiederum nicht so weit, daß es den amerikanischen Bermittlungs- Vorschlag ohne weiteres angenommen hätte. Vielmehr wurde von ihm versucht, die Verhandlungen auch auf das politische Geleise zu schieben und von. Deutschland durch Amerika be- stimmte Garantien für die Zukunft zu erhalten. So. daß es auf den Anschluß von Deutsch-Ocsterreich verzichtet, daß es den Plan der Z o l l u n i o n ein für allemal zum alten Eisen wirft und vor allem, daß es die von dem Freijahr erwartete Besserung seiner wirtschaftlichen Lage nicht zum Bau von Panzerkreuzern oder ähnlichen Dingen ausnutzt. Schatzsekretär Mellon hat es dagegen grundsätzlich abgelehnt, die Verwirklichung des Hoover-Planes von politischen Zusagen abhängig machen zu lasten, die einer der de- teiligten Partner fordert und ein anderer geben soll. Amerika bleibt dabei, daß an dem Vorschlag Hoovers grundsätzlich nichts geändert werden darf und er mit politischen Fragen, die zumal nur einen Teil der Partner betreffen, nicht in Verbindung ge- bracht werden kann, wobei es bereit ist, über die speziellen w i r t- schaftlichen Wünsche Frankreichs mit sich reden zu lassen und im Einverständnis mit Deutschland eine Kompromißlösung zu suchen. Angesichts dieser Haltung hat die ftanazösische Regierung am Sonn- abend zum erstenmal versucht, die deutsche Regierung zu einer amt- lichen Aeußerung über Frankreichs bisherige Stellungnahme zum Hoooer-Plan zu bewegen. Deutschland wird sich zu den Pariser Be- fprechungen offiziell erst äußern, wenn ein Ergebnis vorliegt. Die englische Arbeiterregierung, die von Paris aus ebenfalls über ihren Standpunkt zu den französischen Gegenforderungen be- fragt wurde, hat überall, so in Washington, in Paris und auch in Berlin, wissen lassen, daß sie von dem Hoover-Plon von sich aus unter keinen Umständen abzugehen bereit fei. Das Ergebnis der Pariser Beratungen dürfte voraussichtlich schließlich sein, daß man sich auf den amerikanischen Vermittlungsvorschlag nach einigen un- wesentlichen, aber auf die französische Oeffentlichkeit zugeschnittene Veränderungen einigt, daß also von Deutschland die ungeschützten Annuitäten in Höhe von rund 666 Millionen Mark ln deutscher Währung m, die 3nternationale Bank in Basel gezahlt werden, aber der Betrag sofort in Form von Krediten an Deutschland zinslo» zurückfließt. Praktisch bedeutet das, daß der Hoover-Plan, wenn auch über einen kleinen Umweg, zu 166 Prozent in die Wirklichkeit umgesetzt wird. Oie Börse verstimmt. Wegen der langen Oauer der pariser Verhandlungen. Die heutige Börse war in ihrem bisherigen Verlauf aus- gesprochen schwach. Standardpapiere wie Siemens gingen um 6 Punkte auf 1S8 Proz.zurück, AEG, um 3 auf 9S)4 Proz-, I. G. Forben um 4 auf 135 Mi, Salzdetfurth um 8 auf 264>4 Proz. zurück. Auch auf dem Rentenmarkt überwiegt das Angebot. Die Devisenanforderung en scheinen gegenüber der Sonn- abend-Börse, wo sie beträchtlich waren, aufdie Hälfte zurück- gegangen zu sein. Man schätzt, daß die Reichsbank mit etwa 26 bis 36 Millionen Mark in Anspruch genommen werden wird, und nimmt an, daß die Ultimovorbereitungen der Banken bereits am Sonnabend abgeschlossenwaren. Am meisten verstimmt die Tatsache, daß sich die f r a n z ö- sisch-amerikanischen Verhandlungen hinaus» ziehen, und die Befürchtung, daß die Verständigung auf Kosten des Lzooverschen Vorschlages, letztlich also durch Einschränkung der für Deutschland erwarteten Erleichterungen erfolgen wird. Für die Fortdauer der Restriktionspolitik der Reichsbank werden darus Konsequenzen gezogen, die für die Wirtschaft nicht günstig sein können. Landlagsabgeordneler winlerich gestorben. Der kommunistische Landtagsabgeordnete Jean Winterich, Mitglied des Politbüros des Zentralkomitees der KPD., ist nach längerer Krankheit im städtischen Krankenhause Berlin-Britz gestorben. Winterich vertrat im Land- tage den Wahlkreis 26: Köln-Aachen. Mit Gtaatsgeldern gewütet... Staatsanwalt über die Luderwirtschast der Raiffeisenbank Im Dresdener„klcinen" Uralzess-Prozeß begann der Staats- anmalt am Montag seine Anklagerede. Er übte nicht nur vcr- nichtende Kritik an dem Hochstapler Uralzeff, sondern gestaltete sein Plädoyer darüber hinaus zu einer ungeheuren Anklage gegen die Luderwirtschaft der Raiffeifenbnnk und ihrer deutschnationalen Direktoren. Der Staatsanwalt sührte unter anderem aus: Das große Interesse an diesem Prozeß galt in erster Linie dem Mann, der dem Prozeß den Namen gegeben hat, aber nicht minder der Bank, die den Namen des Organisators Raiffeifen trägt, des Begründers der landwirtschaftlichen Kreditorganisation in Deutsch- land. In dieser Bank hat eine Lotterwirtschaft zu einer der fürchterlichsten Katastrophen geführt, wie sie in der Geschichte der Banken einzigartig dasteht. Ebenso hat es die Ocffcntlichkeit erregt, daß hier zwei An- w ä l t e auf der Anklagebank sitzen, die um des Geldes willen das Recht, die Ehre und ihre Standessitte mit Füßen traten. Unter den Angeklagten sind allein fünf Akademiker. Mehrere waren Offiziere. Es find uns Abenteurer mit wildbcwegter Ver- gongcnheit begegnet und Menschen von abgrundtiefer Der- l o g c n h e i t entgegengetreten. Besondere Besorgnis erregt das Verhalten der Anwälte. Es ist nur allzu begreiflich, wenn das unbedingte Vertrauen des Publikums zu Anwälten und Notaren bei solchen Vorfällen im Schwinden begriffen ist. Es wird notwendig sein, daß die Ztnwallschast mit eisernem Besen in ihren eigenen Reihen auskehrt.— Dieser Prozeß, fuhr der Staatsanwalt fort, ist ein Muster beifpiel der skrupellosen Geldgier. Die Angeklagten stud zum Teil betrogene Betrüger, es gehen Betrüger und Betrogene in buntem Wechsel durcheinander, einer übertrifft den anderen an Gerissenheit und Verschlagenheit. Trotz des öffentlichen Interesses aber ist dieser Prozeß kein politischer, sondern eine ganz gemeine kriminelle Be- trugsangelcgenheit. Die Raisfeisen-Angelegenheit blieb so- Grippe schützt Futterkrippe Der Zranzenprozeß wurde wegen Srippeansat l des Verteidigers Sack um zwei Wochen vertag F r a n z e n:„Lieber Sack, können Sie nach der Grippe nicht noch Lungenentzündung kriegen? Vierzehn Tage find verflucht knapp und Ihre Grippe schützt atlein noch meine Braunschweiger Krippe." lange eine Privatsache, wie zur Deckung der Verluste eigene Mittel dienten. Da aber die Raiffeisenbank den größten Teil ihrer Gelder über die Preußenkasse vom Staate erhielt, so hat sie in schlimmster Weise mit. den Steuergroschen der Staatsbürger gewütet. Der Hauptakteur ist Uralzeff, zweifellos ein Abenteurer von höchster Intelligenz und Suggestiv- traft. Sein Aufschwung wäre aber nicht möglich gewesen, wenn er nicht die Bank gesunde» hülle, die er zu seinen Schwindeleien brauchte. die völlig verwahrloste Raiffeisenbank. Die Lodderwlrtschaft unter der Direktion Dietrich, Seelmann, Schwarz(den deutschnationalen Direktoren, Red.) war so. wie Uralzeff sie sich nur wünschen konnte. Die Bank warf die Millionen, die der deutschen Landwirts chast hüllen zugute kommen sollen. Schwindlern, Glücks. rillern und Abenteurern in den Rachen. Das Grab im Brunnen. s a l z w e d e l, 28. Juni. Ein schweres Einslurzunglück ereignete sich am Sonnabendnachmittag bei dem Bau eines Feuerlöschbrunnens in dem altmärkischen Ort A l l m e r s l e b e a im kreis Salzwedel. Dort wurde ein zehn Meter tieser Löschbrunnen für die Feuerwehr gebaut. Ais er beinahe fertig war und die Arbeiter Feierabend machen wollten, stürzte der ganze obere Teil des Brunnens ein und die Sand- Massen begruben zwei Brunnenbauer unter sich. Der 50 Zahre alle Brunnenbauer Friedrichs aus Einwinkel. der Baler von sieben Sindern ist, war s o s o r l tot. Ein zweiler Brunnenbauer. Jahrstedt au» Spüningen. wurde ebensalls ver- schüllel. konnte aber gerade noch den Kops frei machen. Bon den Ortsbewohnern, die ihn zu retten versuchten, sind durch nach. rutschende Sandmassen ebensalls drei Leute verschüttet worden. Sie konnten nach stundenlanger Arbeit wieder befreit werden. Reichsbanner-Auto verunglückt. LS Insassen zum Teil schwer verletzt. Leimig(Freistaat Sachsen). 29. Juni. Bei der Rückfahrt von einem Gautrcsfen des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold in Dötreln fuhr am Sonntagabend aus der Staatsstraße zwischen Döbeln und Leisnig ein mit U bis 18 Reichsbannerleuten besetzter Kraftwagen, vermutlich infolge Bersaoens der Steuerung gegen einen Baum. Sämtliche Insassen des Wagens bis auf einen wurden verletzt, davon sieben schwer. Der Wogen wurde vollständig zertrümmert. Deutscher Volksbühnentag Protest gegen den Kulturabbau In Wllrzburg traten Sonnabend und Sonntag die Abgeord- ncten der deutschen Volksbühnenbewegung zum 11. deutschen Volks- bühnentag zusammen. 171 Delegierte und öb Gäste aus insgesamt 109 Orten beteiligten sich an den Beratungen. Die örtliche Volks- bühne und die.Stadt Würzburg verschafften diesem Volksbühnentag einen sehr angenehmen äußeren Rahmen. Den geschäftlichen Verhandlungen war der Sonnabend gewid- met. Der Verhandlungsvorsitzende, C u r t B a a k e, wies in seiner Begrüßungsansprache auf die besondere Bedeutung hin, die in diesem Augenblick härtester wirtschaftlicher Not dem Theater und damit der Volksbühnenbewegung zukommt. Die Tagung, so führte er aus, will die Oeffentlichkeit und besonders die Behörden, den Staat und die Gemeinden darauf hinweisen, daß das Theater einen wesentlichen Bestandteil für den Aufbau und erst recht für den Wiederausbau eines Volkes und seiner Kultur darstellt. Die Mittel, die für öffcnt- liche Kunstpflege ausgegeben werden, find nicht verschwendet. Es folgten dann weitere Begrüßungsansprachen. Besonders eindrucksvoll waren die Ausführungen Ottos, des Vertreters der deutschen Schauspielerschaft. Die Theaterkrise hat ihren Höhepunkt noch immer nicht erreicht. In der nächsten Spielzeit wird es über SOOO engagementslose Schauspieler geben: dazu treten die Einschrän- kungen der Betriebe, eine radikale Herabsetzung der Gagen und Ge- hälter. Im Kampf um die Erhaltung des Theaters hat die Gewerk- schaft der Schauspieler im Volksbühnen-Verband einen mächtigen Bundesgenossen gefunden. Nach den Begrüßungsansprachen erstattete der Generalsekretär des Verbandes, 21. Brodbeck, den Gefchöftsberich« für ISZO/Zl. Die Volksbühnenbewegung hat im Berichtsjahr, von einem allerdings namhaften Verlust der Berliner Volksbühne abgesehen, eine Einbuße an Mitgliedern nicht zu verzeichnen: im Gegenteil, die Zahl der angeschlossenen Volksbllhnenvereine nahm beträchtlich zu. Einem Abgang von insgesamt 11 Volksbllhnenvereinen stehen 27 Neugründungen gegenüber. Der Verband zählt damit Ende Juni 1931 insgesamt 313 Mitgliedsvereine, die höchste Zahl, die je seit Gründung des Verbandes erreicht wurde. An der Spitze dieser 313 Vereine steht die Berliner Volks- bühne mit 66000 Mitgliedern. Ihr folgen die Volksbühnen in Breslau(26 770), Dresden(19 700), Chemnitz(17 600), Hannover(14426). Köln(14 200), Stuttgart(11 400), Hamburg(10 000). Rund zwei Drittel der im Verband zu- sammengefchloffenen Volksbühnenvercine erhalten ihre Vorstellungen von Wanderbühnen, und zwar wiederum überwiegend von den ver- bandseigenen Wandertheatern. Die Bewegung hat im Berichtsjahr durch alle ihre Organe eine vielseitige Tätigkeit entfaltet. Die Vereine selbst mögen in der Be- richtszeit weit über 8 Millionen Theaterplätze in zumeist geschlos- senen Vorstellungen abgenommen haben. Daneben entwickelte sich im Rahmen sogenannter Sonderveranstaltungen eine stark ausgebaute Tätigkeit auf den Gebieten des Films, der Jugend- arbeit, in der Veranstaltung von Konzerten. Rczitationsabenden, Tanzdarbietungen, Puppen- und Märchenspielen, Sprechchorveran- staltungen, Führungen, Reisen, Studienfahrten, Ausstellungen, Festen. Rund 700 solcher teilweise groß aufgemachter Sonderveranstaltungen sind der Verbandszentrale namhaft gemacht worden. Neben den zentralen Presseerzeugnistcn und einer neugegründeten Jugendzeit- schrift(„I ugend-Volksbühne") erscheinen mehr als 90 Zeit- schriften örtlicher Vereine. Die Film- und Jugendarbeit konnte im Berichtsjahr besonders stark ausgebaut werden. Etwa 60 Volksbühnenvercine beschäftigen sich mit dem Film in der Absicht, Wege zu einer neuen Filmkultur zu öffnen. Die Verbandszentrale orientiert die Bewe- gung durch periodisch erscheinende Angaben über sämtliche Urauf- führungen in Berlin. Die Gründung von sogenannten Jugend- b ü h n e n hat erfreuliche Fortschritte gemacht. Einzelne Volks- bühnenvereine besitzen Iugendvolksbühnen, die mehr als 1000 und bis zu 2000 Mitglieder zählen. Der Verband führte während der abgelaufenen Spielzeit ebenso wie in den Vorjahren durch eigene, bi? ins letzte ausgebaute und durchorganisierte Wanderbühnen, die zusammen insgesamt 1035 Vorstellungen mit 46 Inszenierungen herausgebracht haben. Diese Vorstellungen der verbandseigenen Wanderbühnen wurden von 4 30 0 00 Personen besucht. Die staatlichen Subventionen an diesen Bühnen haben naturgemäß nicht ausgereicht: auch diesmal mußte der Verband aus eigenen Mitteln Zehntausende aufwenden. Sämtliche Wanderbühnen waren während einer Spielzeit von 8 bis 10 Monaten vollbeschäftigt. Das Ostdeutsche Landestheater des Verbandes brachte seine Inszenierungen durchschnittlich 40mal, ein- zelne sogar über 60mal zur Wiederholung.— Außerdem war der Verband an drei weiteren gemeinnützigen Wanderbühnen als Ge- sellschafter beteiligt und er war ferner Mitträger von zehn stehenden Bühnen. Ein Sonderbericht über die Volksbühnen-Verlags- und Vertriebs-®, m. 6. H. gibt an, daß der Bühnenvertrieb des Volksbühnen-Verlages augenblicklich über 60 Bühnenwerke und über ein Dutzend neuer Hörspiele verfügt. Im Jahre 1930 haben 66 Bühnen insgesamt 442 Aufführungen mit Werken aus dem Volksbühnen-Verlag herausgebracht. Der Verlag konnte in den beiden letzten Jahren nahezu 60000 Bände der äußerst preiswerten Volksbühnen-Klasfiker umsetzen. Unter Führung des Verbandes ist im Herbst 1930 die Volks- bühnen-Internationale gegründet worden. Der Kassierer des Verbandes, Hubert G e i l g e n s, gab in einem ausführlichen Kassenbericht zu erkennen, daß die Finanzlage des Verbandes gesund ist, daß ober die erhebliche Kürzung der öffentlichen Mittel, die dem Verband seither zur Durch» führung seiner Arbeit zugeflossen sind, zu erhöhter Sparsamkeit, unter Uinftänden sogar zur Einschränkung einiger Tätigkeitsgebiete nötigen könne. In der Aussprache über die beiden Berichte beschäftigte sich zunächst Dr. Löwenberg(Berlin) mit der Iugendfrage. Wir müssen den Jugendlichen einen Begriff von du: tieferen Bedeutung des künstlerischen Erlebens vermitteln. Rechtsanwalt Stemmle (Berlin) führte dies« Gedankengänge fort. Prafesior Kestenberg wies auf das Verhältnis zwischen Staat und Kunst hin. Es ist unter Umständen daran zu denken, daß die staatlichen Instanzen eines Tages neben anderen Einrichtungen und Aufgaben auch die Volksbühne im Stiche lasten. Wir müssen uns darauf einstellen, daß wir uns aus eigener Kraft behaupten müssen. Auf Antrag der Revisoren wurde dem Vorstand einstimmig Entlastung erteilt. Ebenso erfolgte durch Zurus einstimmig die Wiedermahl des Vorstandes auf zwei Jahre. Am Sonntag vormittag fand im großen Saal des Hutenschcn Gartens als Höhepunkt dieses Volksbühncntages eine öjsentliche Kundgebung unter der Devise „Deutscher Kulturausbau" statt. Als erster Redner sprach der bekannte Schöpfer des belgischen Arbeiterbildungswesens, Professor Hendrik de Man(Frank- furt a. M.). In ungemein konzentrierten Untersuchungen löste der Redner die Aufgabe, das grundsätzliche Kernproblem der Volks- bühnenbewegung einzuspannen in den Rahmen der heutigen Kultur- Problematik überhaupt. Den letzten Gipfelpunkt der Spannungen in der Volksbühnenbewegung erblickt er in der Gestalt eines Gegen- satzes von zwei Thesen, die man die These von der Souverän!- tät der Kunst und die These von der Klassenbedingtheit der K u n st nennen könnte. Diese beiden Gegensätze sind in Wirk- lichkeit nicht so scharf, wie man gemeinhin annimmt. Die Spannung zwischen Kultureinheit und Klassenbedingtheit der Kultur lebt in der bürgerliä)en Kultur selbst. Die These von der Einheit der Kullur hat den schöpferischen Prozeß Im Auge, der Revolution sich gegen- seitig bedingen, in dem jeder Gegenfüßler zugleich Erbe ist. Die These von der Klassengebundenheit der Kultur dagegen hat die be- sondere Form im Auge, in der eine Klasse auf Grund eines ihr eigenen Lebensstils Kulturwcrte konsumiert. Demnach heißt der Gegensatz nicht Kultur und Zivilisation, sondern besser Kultur- s ch ö pf u n g und Kultur verbrauch. Von dieser Warte aus gesehen, sind auch Vergangenheit und Zukunft, Ueberlieferung und Umwälzung keine Gegensätze mehr. Damm heißt es, zugleich Erbe und Ueberwinder sein. Uebrwinden, weil wir Erben sind; erben, weil Ueberwinder sind. Generalintendant Carl Ebert(Berlin), der zweite Redner, beantwortete die oft gehörte Frage: Braucht der deutsche Mensch die Kunst, und warum braucht er sie? Es ist Urtrieb des Deutschen, sich auf der Bühne auszudrücken. Im Gegensatz zu anderen Kulturnationen hatte er erst sehr spät Gelegenheit, lebendig« Kräfte in der Politik zu verwerten. Der deustche Geist, zur Aus- einanderfetzung geneigt, schuf sich ein Ventil in der Drama- t i k. Die geistige Obdachlosigkeit des heutigen Menschen läßt die Forderung nach einem Theater, das insbesondere die Bewegung der Zeit spiegelt, verständlich erscheinen. Das breite Volk, unver- braucht und infkinktsicher, wird allein das Kulturtheater von heute tragen können. Größte Aufgabe der Volksbühne muß sein, die geistige Krise der Gegenwart zu überwinden. Dazu gehört die Forderung eines lebndigen Theaters. Im freien Volksstaat brauchen wir eine freie Volksbühne! Eine in vielen Einzelheiten überraschend klare Rede hielt der Lehrer Erich S i e l a f f(Stettin) über das Problem, wie in einer Volksbühne heute gearbeitet werden muß. In der Aussprache über die drei Reden begründet« der Berliner Delegierte Robert Breuer die folgende Entschließung: „Mit tiefer Sorge stellen die in Würzburg zusammen- gekommenen Vertreter der deutschen Volksbühnen fest, daß bei der Verwaltung und Verteilung der öffentlichen Gelder durch Reich, Länder und Gemeinden die lebensnotwendigen Forderungen des geistigen Lebens der Wissenschaft wie der Künste, immer mehr zurückgestellt, ja vernachlässigt werden und daß sie künftig geradezu bedroht sind. Es wird darum gefordert, daß bei Aufstellung der neuen Haus- halte die Regierungen und Magistrate sowohl wie die Parlamente ihre volle Verantwortung darauf verwenden, alle unentbehr» lichen, geistigen Aufgaben zu sichern und hierbei im besonderen die gewaltige erzieherisch« und lebensbejahende De- deutung des Theaters zu würdigen." Karl Heinz Martin, der künstlerische Direktor der Berliner Volksbühne, beschäftigt sich unter wiederholtem Beifall der Delegierten mit der notwendigen begrifflichen Scheidung der Theateroergnügungsindustrie und des Begriffs vom deutschen Theater, das in erster Linie g e i st i g e s Theater ist. Große Kunst kann nur aus dem Glauben an große Kunst im Zuschauer entstehen. Die Wiedecherftellung des Begriffs deutsches Theater ist der einzige Weg zur Rettung gerade auch des Berliner Theaters. Wir Theater- leiter der Volksbühne stehen unverrllckt zur vergangenen, zur gegen- wärtigen und zur kommenden Idee der Volksbühne. Betrachten Sie diese meine Erklärung als endgültig« Erledigung des sogenannten Berliner volksbühnenkonflikls. Diese Ausführungen Karl Heinz Martins wurden vom ge- samten Volksbühnentag mit stürmischem Beifall ausgenommen, ebenso die Erklärung, die der Verbandsvorsitzende Curt Vaake in seiner Eigenschaft als Vorsitzender der Berliner Volksbühne ab- gab, daß nunmehr der gemeinsame Boden zur fruchtbaren Weiter- arbeit wie immer geschaffen sei. Die Beratungen wurden mit der e i n st i m m i g e n An- nähme der Entschließung von Robert Breuer und mit einem wirkungsvollen Schlußwort des Verbandsvorsitzenden geschlossen. „Seele macht sich wichtig." Theater in der Klosterstraße. Das Stück ist eine Burleske. Ein Gastwirt, Liebhaber des AI- kohots und der Frauen, fühlt sich von feiner Seele belästigt. Ge- wissensbisse hindern ihn am vollen Genuß des Lebens, deshalb läßt er sich die Seele durch einen Lumpensammler aus dem Leibe hyp- notisieren. Nun hat er die Seele im Haus und fühlt sich solange todunglücklich, bis der alte Zustand wieder erreicht ist. Ein Witz in drei Akten. Oskar Lange-Lüderitz gelingen naturalistische Szenen am besten. Er zeichnest Menschen und Situ- ationen etwas derb und stimmarisch, aber immer wirklichkeitsnah. Mit ein paar Sätzen umreißt er eine Figur, und auch der Szenen- aufbau und die Dialogführung bezeugen sein Können und seinen Sinn für komische Wirkungen. Doch der Einfall reicht für eine Burleske nicht aus. Es fehlen die burlesken Szenen. Lange-Lüderitz beschränkt sich auf ein Handlungsmoinent: der Gastwirt wird von seiner Liebe zur Magd geheilt und kehrt zur Frau zurück. Der Darstellungsbereich wird verengt. Der Verfasier besitzt nicht das Talent, die Dinge auf den Kopf zu stellen. In der Nachtvorstellung unter Sondingers Regie sieht man gute, schauspielerffche Leistungen. Walter Stein ist der Gastwirt, beschränkt, versoffen, brutal und angstvoll. Franz Stein spielt mit tänzerischer phantastischer Geschmeidigkeit,, und die Frauen Ingebarg Klein und Maria Isla- St ein geben echte Typen.'_____ F- Seh. vorlrSae Dienstag, nachmittags 4 Mr. hält Dr. Max«inckel im VereinShauS Deutscher Ingenieure, Friedrich-Sbert»Straf>« 37, im Rahmen der.Schule der Ernährung» einen Vortrag über da» Thema:.Hunger u n d P o I i t i k*. Karl Hermann ZNUncy» mustlalische» Zeitspiel„Von Freitag bi» Donnerstag" gelangt ani 3. Oktober 1931 in Berlin(Arolloper) zur Er,!- auphrung. Die musikalische Leitung liegt in Händen von Generalmusik- direktor S ch e r ch e n. Di- Auphrung erfolgt im Rahme» einer vom soziaiistijchen Kulturbund veranstalteten Zestvocgellung. Tariffeindliche Gastwirte. Krastprobe gegen den Arbeitnehmerverband. Durch Verhandlungen des Zentralverbandes der Hotel-, Restaurant- und Cafe-Angestelltcn mit dein Verein Norddeutscher Hotelbesitzer in Stettin, Bädergruppe Usedom-Wollin, den Gastwirte- vereinen in Misdroy und Zinnowitz, sowie dem Hotel- und Pensions- besitzerverein Heringsdorf, kam es zu einer Vereinbarung. Der Gast Wirteverein Swinemünde gebrauchte vier Wochen Bedenkzeit, um der Vereinbarung nicht beizutreten. Auch die Arbeitsgemeinschaft der Arbeitgeber, der er angehört, schloß sich ebenfalls aus. Die Herren in Swinemünde wollen keine tarifliche Regelung der Arbeitsverhältnisse, sie wollen„Herr im H a u s e� sein. Sie beteiligten sich an den Tarifoerhandlungen nur zu dem Zweck, um eine Ausnahmebewilligung von dem Arbeitszellgesetz, das heißt, eine Verlängerung der Arbeitszeit zu erreichen. Da der Regierungspräsident in Stettin der Arbeitsgemeinschaft der Arbeitgeber im vorigen Jahre eine längere Arbeitszeit bewilligte, spekulieren die Swinemünder Gastwirte darauf, auf diesem Wege ebenfalls eine längere Arbeitszeit für ihre Angestellten zu bekommen, ohne sich mit diesen darüber verständigen zu müssen. Der Regierungspräsident dürste unter keinen Umständen das unsoziale, tarisseinbliche Verhalten der Herren bestärken, indem er ihnen von sich aus ohne weiteres eine Verlängerung der Arbeits- zeit zugesteht. Die Swinemündcr Gastwirte haben die Möglichkeit, durch tarifliche Regelung der Lohn- und Arbeitsbedingungen eine dem Saisonbetrieb entsprechende Verlängerung der Arbeitszeit auf dem im Arbeitszeitgesetz vorgesehenen Wege zu erreichen. Allein st« wollen es— wie Herr Alvcnsleben ankündigte— in diesem Jahr« auf eine Kraftprobe ankommen lassen. Die G e w e r t- sch a f t e n werden dieser Krastprobe nicht ausweichen. Die Herren müssen sich bequemen, ihrem Personal anständige Arbeits- bedingungen einzuräumen. Im Kampf enirolli. Bannerweihe des Gesamtverbandes. Bald nach dem Zusammenschluß der Berkehrsbündler, der Gemeindearbeiter, der Gärtner und der Berufsfeuerwehrmänner anfangs 1930 zum Gesamtverband wurde in der Berliner Mitglied- schaft der Wunsch laut, diese Kräftekonzeirtration durch die An- schassung eines Banners auch symbolisch zum Ausdruck zu bringen. Diesem Verlangen ist die Orts- und Bezirksverwaltung Berlin des Gesamtverbandes nunmehr nachgekommen. Am Sonabend wurde im„Saalbau Friedrichshain im Kreise der Funktionäre dieser Großorganisation und ihrer Angehörigen das neue Banner geweiht. Mitten im schwersten Kampf um die Abwehr der un- erträglichen Belastungen, die die Notverordnung gerade einem großen Teil der Mitglieder dieser Organisation, den Arbellnehmern der öffentlichen Betriebe, ausbürden will, ging die Bannerweihe vor sich. Dieser Tatsache gedachten die Redner der Veranstaltung, die beiden Bevollmächtigten, Genossen Schaum und Ortmann, in besonders mahnenden Worten. Es war ein erhebender Anblick, als sich die Träger der alten Banner der einzelnen Sektionen und Branchen der vor zwei Jahren nach nebeneinander marschierenden Organisationen um das neue Einheitsbanner scharten, und die Funktionäre mit dem Gesang der Internationale den Treueschwur für das neue Symbol gewerk- schaftlichcr Geschlossenheit ablegten. Ein Stück kämpf- erfüllter Gewerkschaftsgeschichte ging damit gleichsam in einen neuen Abschnitt Gewerkschastsgeschichte auf. Aus rotein Grunde leuchten die Berufssymbole der Mitglieder der zwölf Sektionen des Gesamt- Verbandes hervor, zugleich die Umrahmung des Titels dieser Groß- organisatioi, bildend. Zu dem Gelingen der würdigen Feier trugen das Konzert- archester des Deutschen Musikerverbandes unter Leitung des Kapellmeisters Arthur I a n d« r, der von H. Schreiber dirigierte Neuköllner Sängerchor und die Rczitatorin Martha John ihr Bestes bei. Oer Streik geht weiter. Die französischen Textilarbeiter stehen fest. Paris, 29, Juni. Der Textilarbeiterstreik im nordfranzösischen Textilgebiet hat auch nach. der Wiedereröffnung der Fabriken keinerlei Aen- derung erfahren. Die Arbeiter sind nur in ganz verschwindend kleiner Anzahl wieder an ihre Arbeitsstellen zurückgekehrt. Der Arbeitsminister wird am heutigen Montag noch einmal ver- schieden« Unterredungen mit Vertretern der Arbeiter haben, um zu versuchen, sie zu einem Kompromiß mit den Unternehmern zu ver- anlassen. Der Bischof von Lille hat einen Ausruf erlassen, in dem er alle katholischen Arbeiter und Unternehmer auffordert, eine Ver- ständigung zu suchen._ Sanierung der Neichsknappschast. Versichertenvertreter gegen Vorstandspläne. Die vom Vorstand der Reichsknappschaft ausgearbeiteten Samerungsvorschläge fanden nicht die Zustimmung der Vertreter der Hauptoersammlung. Die Bersichertenvertreter stimmten ge- schloffen dagegen. Obwohl sie anerkannten, daß das Reich den Willen gezeigt habe, der Knappschaft zu helfen, waren sie der Auffassung, daß diese Hilfe nicht ausreichend fei. Wie das Reichsarbeitsministerium sich zu diesem Ergebnis ein-- stellen wird, ist noch ungeklärt. In der Haupwersammlung hat sein Vertreter darauf hingewiesen, daß die Knappschaft die Zuwendung des Reichs nur dann erhalte, wenn sie den verbleibenden Fehlbetrag durch Leistungsminderung abdecke, wie es die Rotver- ordnung vorschreibe. Llm die Arbeitszeit im englischen Bergbau. Günstigere Einigungsaussichten. London, 29. Juni. Die Aussichten für eine Einigung im Arbeitszeit- konflikt im englischen Bergbau werden auf Grund der Besprechungen zwischen Regierungsvertretern und den Grubenbesitzern von Freitag als g ü n st i g e r betrachtet. Es wird erwartet, daß die Berg- w e r k s b e s i tz e r in der für Dienstag nächster Woche einberufenen neuen Konferenz mit dem Kohlenausschuß des Kabinetts weitere Konzessionen machen werden. Die Bergarbeitergewerkschaft hat ihre für Freitag angesetzte Konferenz auf Donnerstag nächster Woche verschoben. Die einzelnen Bezirksverbände sollen um die Er- mächtigung ersucht werden, der Gewerkschaftszeitung zu erlauben, für jeden annehmbaren Dorschlag der Unternehmer ohne vorherige Befragung zu stimmen. Rückschau. „Ist die preußische Schulreform gelungen?" hieß das Thema eines Vortrages, den Dr. Holtdorf, Bremerhaven, hielt. Leider blieben feine Ausführungen zu sehr im Stil eines sachwissenschastlichen Referates, das in den meisten wesentlichen Aus- kiiunften die Hörer auf das von dem Redner zu dem Thema ver- faßte Buch hinwies. Den meisten Hörern dürfte daher nur der erste Teil seines Vortrages, der eine Art Einführung zu dem Thema dar- stellte, etwas bedeutet haben. Hier gab Dr. Holtdorf einen Ueber- blick über die Ziele, die sich die N a ch k r i e g s s ch u l e gestellt hat, und durch die sie sich mit ihrem ganzen Arbeitsgebiet von der Vor- kriegsschule unterscheidet(oder mindestens unterscheiden soll). Es geht nicht mehr darum, eine Fülle von unverdautem Wissensstoff in die Köpfe der Schüler zu pressen, sondern sie dahin zu führen, daß sie d«»inn«?enAnschluß an dl« Kuvunverte find«. Mcht meh? ein streng vorgeschriebener Entwicklungsgang soll allen Schülern einer bestimmten Schulform angedrillt werden; jeder soll seine be- sonderen Gaben so weit wie möglich entwickeln. Dr. Holtdorf hat umfangreiche Erhebungen darüber gemacht- wie weit— noch Auffassung der Jugend— diese Schulreform in Wirklichkeit gelungen ist. Um möglichst zuverlässige Antworten zu bekommen, verzichtete er auf ein Befragen der Jugendlichen, die noch die Schule besuchen. Seine Auskünste stammen sämtlich von Studenten, da er hierdurch auch die Möglichkeit einer aus- gedehnten statistischen Feststellung hatte. Er kommt zu dem Ergeb- nis, daß die geringste Ueberbürdungszahl die Gymnasien und Realgymnasien, die höchste die Aus- bau schulen aufweisen; infolgedessen lehnt er die Aufbouschule als die Zukunftsschule ab. Bei seinen Erhebungen hat Dr. Holtdorf alle jene Antworten ausgeschlossen, die von Menschen herrührten, die sich selber.als kränklich, schwach- oder teilbegabt bezeichneten. Sollte hierin nicht die Ursache zu dem etwas seltsam anmutenden Endergebnis liegen? Die Schüler der Ausbauschulen stammen häusig aus wenig bemittelten Kreisen. Sie haben vielleicht oft nicht aus- reichende kräftige Nahrung und müssen durch Nebenbeschäftigung bereits Geld oerdienen. Die Folge solcher Lebensführung muß Ueberbürdung sein, die allerdings in der von Dr. Holtdorf genannten Prozentzahl von 36.1 erschreckend zum Ausdruck kommt. Ernst Weiß sprach die„Erzählung der Woche". Sein Bericht versuchte, die Psyche eines Menschen zu durchleuchten, der seine Mutter ermordet hat. Er gab eine Schilderung, die durch ihr Wissen um seelische Dinge erschütterte. Aber trotzdem wehrte sich im Hörer etwas gegen die literarische Gestaltung einer Tat— wenn auch nur in einem Parallelfoll—, deren Furchtbarkeit noch so unmittelbar vor uns steht. Montag, 29. Juni, Berlin. 16.05 Kinder spielen und musirieren eigene Erfindungen. Schfller der Städtischen Jugend-Musikschule Prenzlauer Berg. Ltg.: Julius Goldstein. Mitw. r Erich Mönkcmeier, Flöte. 16.30 Beethoven: Sonate C-Moll, op. 30, Nr. 2(Gera von Kresz, Violine, und Nora von Kresz-Drewett, Flügel). 16.55 Konzert. 17.30 Dr. Heinrich Strobcl: Gibt es noch neue Musik? 17.50 Bücherstunde. Reisen in Deutschland.(Am Mikrophon: Walter Trojan.) 18.15 Dr. Joseph Schepp: Arbeitsbeschaffung für Angestellte. 18.40 Prof. Dr. Hermann Gucken: Freiherr vom und zum Stein. 19.10 1. Berlioz: Ouvertüre zu„Benvcnuto Lellini".(Maria Ranzow, Alt.) 3. Brandts-Buys: Poetischer Spaziergang, op. 50. 4. Beethoven: Sinfonie Nr. 8. F-Dur, op. 93(Berliner Funkorchester). 20.30..Der Flieger." Dramatische Studie von Hermann Roßmann. Rtlgie: Alfred Braun. 22.00 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Tanzmusik. Königswusterhanscn. 16.00 Rektor Johannes Kayser: Neue Wege im Deutschunterricht. 17.30 Das Melodram(Karl Graef und Prof. Jul. Dahlke). 18.00 Dr. Traub: Querschnitt durch deutsche Zeitschriften. 18.30 Karl Foerster: Roscnfreudcn. 18.55 Wetter für die Landwirtschaft, 19.00 Englisch für Anfänger. 15.25 Reg.-Rat Dr. Nelson: Ausführungsbcstirnmungen zum Milchgesctz. 19.45 Wetter für die Landwirtschaft 20.00 Unterhaltungsmusik. 20.45 Auhagen: Die Agrarrevolution in Sowictrußltnd. 21.20 Leipzig: Sinfoniekonzert. Groß-Berliner parieinachrichten. t. ftttt, VctBjIaatc Sng. Die beutig« Kreismtggeöcrverkavmttuvz findet in der Schulaula Pasteurstr, 44 statt. Weier für Berlin: Teils heiter. teNs wolkig bei etwa« niedrige- ren Temperaturen, mäßige westliche bis nordwestliche Winde. Zfür Deutschland: Im Norden und Osten Abkühlung, aber meist trocken, im Süden noch keine Aenderung. V-rantwortl. fllr die Redaklion: Kerbert L«»tee, Berlin: Bn, eigen:»d. 9Uie, Berlin. B erlag: Borwiirt» Verlag., Berlin. Druck: Vorwärts Buch. druckerei und Verlagsanstalt Paul Einger& Co., Berlin EW<8. Lindenstrasie 3. chiena 1 Beilage. TUea.lec. Lichlspiele usw. Montag, 29. 6- Staats-Oper Unter d. Linden 301. A.-V. >»>/- Uhr Siegfried (liogikürzteAaffübrung) tndeg.23Uhr "siaäis-Oper An Pia): dar Ripgbllk V.-B. 20 Uhr FalslaH Oiffinll. Rartcnrerlufll Montag, 29. 6. staut. Oper Bismarckstr. Geschlossen Staat). Sctepti. (in Endarmannirktl. 50. R.-S. 20 Uhr Cecil R&oties Kein Xirtcnnrkigf Enden.22i/2 Uhr i Ml. Millet-MU[barittig 29 Uhr Haus Herzenstod Ende gegen 22'- Uhr VolKtbiUine Timler am Blllowpiatz. 8 Uhr Lumpazi- vagaiiundus üaatLSdiiller-Ib. 8 Uhr Haus Herzenstod Staatsoper Am PI. d. Republik 8 Uhr Falsfalf fleafidtes Tttsaier 8 Uhr Der Hauptmann von KOpenHK v. Carl Zuckmayer Regie; Heinz Hilpert fltetropot-ltieBter Täglich 81'. Uhr Die Toni aus Wien Mad; Cbrlstltns, Michael Bohnen Die Komödie Täglich 8i/j Uhr Dienst am Kunden von Dirt Bois nni Max Hansen Regie: HansOeppe Knrlürsfendaimn- Theater Bismarck 449 I 8',. Uhr| Die schöns Helena vonlscquea oncnbadi Regit: MmRtbihinll Wodicntags 5.40 Uhr Sonntag« S Uhr (iroQes Konzert und 8 Internationale Varietenummern und Operette: „Der Kuimacher sr. Durchlaucht" Vom 6. bis S. Juli: Das traditionelle Roseniest mit Lotts Werkmeister ROSE THEATER Wochentags 8.15 Uhr Sonntags 5.45 Uhr. 9 Uhr Carl de Vogt in „DemerrniitiieiR Fweicneir Lostsplgi von HOUtr nod Loreiu mit Hermine Sterler. Maria West, Armin Schweizer u. a Regie: Paul Row Preise: 0,50 M. bis 3J10 M Br. Franhlnttsr Sir. 132. U-Bahn Strausberger Platz. 0 tagiger Vorverkauf U— 1 u- 4— 9 Uhr. Tel. Bestell. E 7 Weichsel.1422 Komische Oper Friedrichstr. 104 SVi Uhr Frauen haben das gern... Musikal. Schwank von Arnold Musik t. Walt. Kollo Sommcrpr. O.SO- 7.00 — Elite-Singer � Kottbusser Str. 6 Tägi.O'A U. Dil gnli*K- itittmigs- Rerat hat La6t sdtönt Frauen um mich sein! von HarryWaiden Resfauant Berlins BETRIEB i*"* kempihski� Reichshallen-Theater Stettiner Sänger Zum SchluS „Alles verrückt!" Anfang| Uhr Preise 60 Pfennig bis 2 Mark Dienstag, den 30. Juni nachm. 4 Uhr Jeder Art liofert preiswert Paul Golletz rarmal, Rotort Uo.tr Martannenstr. 3 FS. Oberbaum 1303 Für Kinder nahrhaft, bekömmlich, erfrischend Sinalco KJebeu-aall wmm ta G e n er a 1 ▼ e r t r e i e r S 1 a r i ck£ Krüger Landsberger Allee 6—-7. Tel.: Alexander 4703, Königstadt 1646 Unwiderruflich Sch I u ß 30. Juni! SARRASANI � � T�!. G 3. 3681 8? . Montag U d«enMag>n�Qfc- mnMfi. mittaa zurr»' let/lrn iJe halbe ■■. M Jg. Vi»'«"»- 3 lind/ 30 Tiei'rs�haxi-.täglich von 10 IS-Uhr. Vorverkauf ZfrkjjsKassc Ünd Wertheim-Theaterkasse HEINI SUUFZIHMER direkt ab Fabrik EngrosPrfije BERLIN O 34 auch bis zu 18 Honats-Raten TftaMcrh. Bertin W66. leipziger Straß« 122/123 BUhren. Flltti BrutlKUt. Prrtllat« gratis '"nki Ii. Pumpentabrik BERUH H 65. RniniikniHoriir Str. 95 original-Befema Patentmatratzan/ Ruhebetten mit Bete ma- Feuerung PaleBl-Drchbett(D.R.P.) ein Grift- ein Bett, sowie das neue Holzbett mit Befema-Federnn« sind vollkommen gertasdüosl— Kein Einllegen. Für sdiwente Beluhing. Ueberau erhält). 20 Jahre Garantie. Barl. FMcrmMratz.-Fabrik, koppanstr.lt L-Juergens Alcxonderplatz Neue Königstr. m gut und billig T Nur aroes-Berün Alaxandorplatz 'JiSiioo Qnlftnngs-.RaliMI- a.RekUmemsrken gegen Nachahmung geaetzl. geseh. lenlgt seit«4 l«hr als SpesUUiat Conrad Mncr Leipzig■ Schkeuditz uerkauie ]« Fahrrausr «e brauchte Kabrräber. 15,—. 20,— 25.-. Beilage Montag, 29. Juni 1931 StfAtonA jfak kcrttOastk Berlin � Paris— Genf"Berlin Autoreiseeindrücke von Victor Schiff Hochbetrieb herrscht auf den weiten Feldern der Rheinebene, als wir am Morgen Karlsruhe verlassen. Noch den starken Regengüssen der Nacht spendet die glutheiße Sonne am wölken- losen Himmel ihren Segen Tausenden von badischen Spargel- Züchtern. In den Dörfern liest man an jedem Gasthaus ein Schild:„Spargelessen zu jeder Tageszeit." Ms Zentrum des Spargelhandels gilt Schwetzingen. Doch ist dieses süddeutsche Beelitz vor allem durch seinen herrlichen Schloßpark aus dem 17. Jahrhundert berühmt.„Was kann man in fünf bis zehn Minuten sehen?" frage ich notgedrungen den Parkwächter am Ein- 'gang, und schäme mich innerlich etwas über diese amerikanische Art, weltbekannte Sehenswürdigkeiten in solchem Tempo zu besichtigen: „Bis zu de Hirsche und z'rück!" lautet die freundlich-erstaunte Änt- wort im badischen Dialekt. Eine solche Pracht habe ich in einem Schloßpark, abgesehen von Versailles und Schönbrunn, noch nicht gesehen, vor allem nicht solchen Fliederreichtum. Springbrunnen speien ihr Wasser fast so hoch wie die gestutzten Baumriesen, die lange schattige Alleen bilden. Besagte Hirsche sind aus weißem Marmor, erliegen den Bissen von Jagdhunden, und ihre Mäuler spritzen dabei Wasserstrahlen in ein Bassin. Mannheim lassen wir links liegen und steuern direkt auf Heidelberg zu, dessen Hügel in nordwestlicher Richtung bald erkennbar werden. Ein rosafarbenes Fleckchen am Hang wird zinehends größer: das Heidelberger Schloß. Was ich schon kenne, brauche ich nicht noch zu besichtigen, so sehr es sich auch lohnte. Also durch die Straßen von Heidelberg durch, in Richtung Frankfurt. „Frühling an der Bergstraße", diese Sehnsucht so vieler Norddeutscher, das bedeutet: Sonne, blühende Obstbäume, sanft« Hügel mit Villen und Blumengärten. Schon tauchen die ersten Berliner Wagen auf, deren Insassen dieses Frühlingswunder erleben wollen. Auf die Gefahr hin, lächerlich zu scheinen, will ich hier, ganz leise und vertraulich, etwas verraten: es ist gewiß sehr schön, aber Werder. Kaputh und Ferch, die all das gleiche bieten und obendrein noch ihre Seen, find mindestens ebenso schön und sind für den Berliner mit einer bis zwei Mark Fohrgeld erreichbar. So jagt«in Ort der Bergstraße nach dem anderen an uns vorüber, oder wir an ihnen: Schriesheim, Weinheim, Heppenheim, Bensheim und andere„Heime". Dann hört das wellige Land auf. Eine schnurgerade asphaltierte Rennstraße bringt uns nach Darmstadt und eine l>albe Stunde später wieder nach Frankfurt a. M., das ich vierzehn Tage zuvor in Richtung Paris oerlassen hatte. Mein« Abneigung, gegen Benutzung der gleichen Route auf der Rückfahrt wird durch die Tatsache bestärkt, daß ich die Strecke über .Kassel und den Harz überhaupt»och nicht kenne. Sie ist zwar um gut SV Kilometer länger als der auf der Hinreis« benutzte Weg über Thüringen, aber unzweifelhaft schöner und, entgegen allen gegenteiligen Versicherungen, auch was den Zustand der Straßen anbelangt, sogar besser. Um drei Uhr nachmittags verlasie ich Frankfurt, um gleich danach wieder hessisches Gebiet zu betreten. Bad Nauheim ersucht die Autofahrer in höflicher Weise um Rücksicht auf seine herzkranken Gäste. Alle SV Schritt liest man an einer Warnungstafel:„Kurviertel, bitte nicht hupen!" Bald danach kommt man durch ein reizendes Städtchen: Butzbach, dessen Marktplatz mit Fachwerkhäusern und Brunnen ein kleines Juwel ist. Herrlich ist die weitere Strecke durch das Tal der Lahn zwischen den zwei Universitätsstädten Gießen und Marburg. Aber auch danach ist die Fahrt ein reiner Genuß, nicht nur land- schaftlich, sondern auch wegen des hervorragenden Zustandes der Straße, deren zahlreiche Kurven im hügeligen Land offenbar von tüchtigen Ingenieuren auf Grund der modernsten touristischen Erfahrungen angelegt sind. Besonders die Umgebung von Kassel ist wirtlich sehenswert. Schon von weitem lockt die Riefenstotu« des Herkules auf dem dichtbewaldeten Höhenkamm zum Besuch von W i l h e l m s h ö h e. Den Schloßpark hatte ich einmal im Winter, bei Gelegenheit eines Referates, kennengelernt. Damals lag er unter Schnee und war, trotz Nebel und Kälte, schaurig-schön in der Dämmerung eines Januartagcs. Diesmal iwichte ich den Abstecher dorthin in der untergehenden Sonne des heißen Frühlingstages: welch eine Milde, weich ein Duft, und zugleich welch eine erhabene Ruhe auf diesen steilen Abhängen des.Habichtwaldes, die durch einen breiten, schnurgeraden Durchblick bis zum gigantischen Herkules- brunnen auf der Höhe durchbrochen sind! Schnell wieder zurück durch Kassel. Untenan der Altstadt, an der Fuldobrücke, die engen, steilen Gassen mit jene» schiefen, zulommengequetschten Häusern, die Philipp Scheidemann am Anfang seiner Lebenserinncrungen liebevoll und sarkastisch zugleich als das„Miljöh" geschildert hat, in dem er geboren wurde und auf- gewachsen ist. lieber Hannoversch- Münden nach dem stillen G ö t t i n g e n, und sodann dem Horzgebirge zu. In H e r z b e r g wird es Nacht und man sucht ein Gasthaus auf. Doch beim Abend- brot stellt sich heraus, daß es das Tagungslokal der dortigen Stahl- helmgruppc ist. Wozu diesem Gastwirt Geld zuschanzen? Aller Müdigkeit und Dunkelheit zum Trotz wird infolgedessen weiterge- fahren. Die Straße steigt, an ihrer Glätte erkennt man, daß es hier stark geregnet Hot. Bald wird die Fahrt durch dichte Nebel- schwaden erschwert. Es ist gerode Schichtwechsel bei den Arbeiten der Odcntalsperre. Immer wieder tauchen Menschen, einzeln und in Kruppen, zu Fuß oder auf Rädern, plötzlich aus der grauen Wand hervor, durch die dos Licht der Schweinwerfer nur schwer dringt. Nur vorsichtig und langsam kommt man vorwärts. Wieder einmal schlägt die Mitternachtsstunde, als ich als Etappenziel Braunlage«rreich«. Aufs Geradewohl ins erste Gasthaus. Ich bitte den Wirt um Zeitungen. Er reicht mir drei verschiedene Blätter. Ick, nehme ohne Zögern dos„Harzer Echo". Der Wirt stutzt und mustert mich, denn die beiden anderen Zeitungen sind bekannte bürgerliche Blätter aus Braunschweig. während das von mir bevorzugt« da» lokale Parteiorgan ist. Endlich entschließt sich der Wirt zu der Frag«„Sind Sie auch Parteigenosse?" Ich bin zu- fällig im richtigen Hotel abgestiegen, was mich um so mehr freut, als ich beinahe im anderen Ort einem Anhänger der Franzen- Regierung etwas zu verdienen gegeben hätte. Am Morgen erlebe ich die gleiche freudige Ueberrafchung wie zehn Tage zuvor im Jura-Städtchen Morez: rings um das Städt- chen, in das ich durch stockfinstere Nacht eingedrungen bin und das ich nun im Sonnenglanz bewundern kann, schönstes Mittelgebirge. Solche Tannenwälder wie auf der Strecke von Braunlage nach Elbingerode findet man selten in Europa. Selbst der unverbesser- liche und verwöhnte Hochgebirgsfreund muß die ruhige Schönheit dieser bescheidenen Harzhügel anerkennen und seine eingefleischten Borurteile gegen alles, was unter 1300 Meter Seehöhe liegt, vor- übergehend preisgeben. Nur zu schnell kommt man aus dem Harz bei Blankenburg heraus. In Halbe r st a d t sängt wieder die eintönige norddeutsche Ebene an. Es ist der Sonnabend vor Pfingsten. Gegen III Uhr vormittags begegnet man den ersten Autofahrern aus Berlin. Freudiges gegenseitiges Zuwinken mit den Mitgliedern des repu- blikanischen RDAC., deren schwarzrotgoldenes Emailleschild immer weichin sichtbar ist. Bor Magdeburg ist die Straße durch ein großes Polizeiaufgebot abgeriegelt. Alle Papiere werden geprüft: Wehe den Schwarzfahrern und Steuerdrückebergern. An diesen Pfingstfeiertagen dürfte sich eine solche fliegende Strahenkontrolle für die Staatskasse lohnen. Kurzer Besuch beim früheren Redak- tionskollegen und neuen Oberbürgermeister Ernst Reuter in dem knallrot angestrichenen Rachaus. Das letzte Stück der langen Reise über Burg, Genthin, Brandenburg, Potsdam ist eine erhebliche Strapaze. Eine wahre automobilistische Völkerwanderung von Berlinern nach dem Harz und dem Rhein. Die wenigen Autofahrer, die ich über- hole, sind fast alle Provinzler, die sich über die Feiertage die Reichs- Hauptstadt ansehen wollen. Dagegen sehen mich die entgegen- fahrenden Berliner, wenn sie mein I-A.-Schild erkennen, erstaunt an, als wollten sie sagen:„Was ist das bloß für ein Verrückter, der mit einem Berliner Wagen einen Tag vor Pfingsten nach Berlin fährt?" Vogelfreistätten in Norddeutschland Ein Kapitel Naturschutz--- Von Heino Landrock Eine Vogelfrei st ätte ist ein Ort, an dem die Vogelwelt Schutz vor Eiersammlern, Schiehern, naturschänderischem Gesindel jeder Art genießt, so daß die Vögel ungestört brüten können und ihre Jungen großziehen. Wie bitter not es war, solche Freistätten besonders für unsere Seevögel zu schaffen, ehe eine Reihe der schön- sten Arten vernichtet waren, beleuchten einige Zahlen. Der große Bogelforscher Naumann besuchte im Jahre 1819 die jetzt dem Schutz des Vereins Jordsand zur Begründung von Vogelfreistätten an den deutschen Küsten unterstehende Insel Norderoog und berichtete begeistert von den in wolkenartigen Schwärmen austretenden Seeschwalben. Er schätzte damals die Zahl dieser Vögel auf eine halbe?is eine Million. Naumann war ein zuverlässiger Beobachter, auf dessen Angaben man sich verlassen kann, wenn auch derartige gewaltige Vogel- schwärme zahlenmäßig schwer erfaßbar sind. Als 1886 ein anderer Forscher die Insel besuchte, berichtete er nur noch von 20 000 bi? 50 000 Stück Seeschwalben. Und als 1909 der Verein Jordsand die Insel als Vogelfreistätte übernahm, um die Rest« der dort brü- tenden Seevogelwelt zu retten, konnten noch 500 bis 000 Paar« gezählt werden. Also: ein knappes Jahrhundert hatte genügt, die Zahl der Seefchwalben auf Norderoog von einer Million auf tausend Stück zu verringern. Das war das Ergebnis der fort- schreitenden Zivilisation, insbesondere des zunehmenden Verkehrs. Vor allem aber das Ergebnis menschlicher Zerstörungslust, denn nicht allein, daß man die Eier körbeweise eingesammelt, obwohl ein großer Teil bereits bebrütet und für die menschliche Ernährung nicht mehr zu verwenden war, seidbst die Elterntiere schoß man zu Tausenden aus der Luft und lieh die hilflose Brut umkommen. Der Verein„Jordsand" wird gegründet. Dieses Beispiel von Norderoog ist ein typisches Beispiel: in ähnlicher Form hatten sich die Verhältnisse auch aus den übrigen Inseln an der deutschen Küste gestaltet. Dänemark, Eng- land und vor allem die Vereinigten Staaten von Nordamerika, in denen noch toller als bei uns an den Schätzen der Natur gesündigt worden war, hotten durch Gründung von Frei- stätten bereits das Beispiel gegeben, wie der letzte Bestand an See- vögeln zu erhalten war. So entschlossen sich auch die deutschen Vogelfreunde, derartige Freistätten zu schassen. Nachdem der M e m m e r t bei I u i st durch den weltbekannten Vogelschützler Freiherr v. Berlepsch als Zufluchtstätte erworben war, wurde auf Betreiben von Professor Dietrich aus Hamburg der Verein Jordsand zur Begründung von Vogelsreistätten an den deutschen Küsten ins Leben gerufen. „Jordsand" nannte sich der Berein nach seiner ersten Vogel- freistätte Jordsand auf Sylt. Im Jahre 1909 wurde Norder- oog von dem gleichen Verein für den Vogelschutz gewonnen: es folgten noch der Ellenbogen auf Sylt und Langenwarder bei Poel an der mecklenburgischen Küste. Die Vogelinseln waren von diesem Augenblick an unter dauernder Beaufsichtigung, so daß es nicht mehr möglich war, sowohl Eier zu sammeln wie Altvögel abzuschießen. Die einzelnen Nester wurden gezählt, so daß man bald einen Ueberblick über die Bestände gewann. Durch alljährliches Vergleichen konnte man eine dauernde Zunahme der gc- schützten Bogel feststellen. Es wurde allerdings bald erkannt, daß der angerichtete Schaden niemals wieder gutzumachen war. Pro- fessor Dietrich schreibt aus seinen Erfahrungen in der Begründung von Vogelfreistätten, daß es schwer sei, den Bestand einer bestimm- ten Art Brutvögel wieder in die Höhe zu bringen, wenn er unter eine bestimmte Summe gesunken sei: genau wie es schwer sei, einen Vogel als Brutvogel wieder anzusiedeln, wenn er einmal aus- gerottet sei. Nichtsdestoweniger ist es dem energischen Eingreifen der deutschen Vogelsreunde zu verdanken, daß eine Reihe inter- essanter, die stille Landschaft der Küste außerordentlich belebender Vogelarten uns in ansehnlicher Zahl erholten geblieben ist. Die Vögel der Insel Trischen. Dieser Aufsatz würde nicht überzeugen können, wenn nicht durch ein Einzelbeispiel die große Bedeutung der Vogelfreistätten für die Erhaltung der Seevogelwelt belegt würde. Mit den nachstehenden Zeilen will ich mich darum mit der Entwicklung einer vielleicht weniger bekannten, ober sehr charakteristischen Vogelsreistätte, der Insel Trischen befassen. Trischen hatte sich seit der Mitte des vorigen Jahrhunderts auf dem der Elbmündung vorgelagerten Buschfond, 11 Kilometer von Fricdrichskoog in der Dithmarschen Küste, langsam gebildet. Mit dem zunehmenden Grün- land wuchs auch die Zahl der Brutvögel. Hier in der Einsamkeit des Wattenmeeres war für die Möven, fiir Seefchwalben, Regenpfeiffer und Austernfischer, selbst für die Vögel, die auf den Marschwiesen der benachbarten Küste vorkamen, die beste Gelegenheit zum Nesterbau. Besonders die Dünen, die sich Mitte der achtziger Jahre zu bilden begannen, wurden von großen Vogelscharen ausgesucht. Leider erblickten aber nur wenige Jung- vögel das Licht der Welt, denn mit der wachsenden Zahl der Brut- vögel kamen auch immer mehr Eiersammler auf die Insel, die unter den Beständen gewaltig aufräumten. Da pachtete im Jahre 1906 Landrat I o h a n s s e n die Insel als Vogelsreistätte, im Jahre 1911 übernahm sie der Natur- und Vogelschutzverein für Schleswig-Holstein, und bis nach dem Kriege konnte sich die Vogel- welt auf Trischen ungestört entwickeln. In diesen Jahren brüteten auf Trischen 3000 Paare der Fluß- und Küstenschwalbe, 600 Paare der Zwergseeschwalbe und 120 Paare des Seeregenpfeiffers. Den Rückschlag in dieser Entwicklung brachten das Jahr 1919 und die vier folgenden Jahre. Regierungsbaumcister Wende- h o r st aus Rendsburg, der Vorsitzende des Bundes für Vogelschutz in Schleswig-Holstein, berichtet hierüber, daß zügellose Horden das Brutgebiet heimsuchten, an Eiern raubten, was sie nur forttragen tonnten und aus reiner Zerstörungswut die Eier, die sie zurück- lassen mußten, zertrampelten. Um einigermaßen geordnete Vcr- Hältnisse auf Trischen herzustellen, wurde das Eiersammeln 1920 und 1921 verpachtet. 1920 sind nicht weniger als 37 000 Eier auf der Insel gesammelt worden. Als die Insel in andere Pacht überging und der neue Pächter das Grünland mit einem sturmflutfreien Deich umgeben ließ, sorgten die Deicharbeiter so gründlich für ihren Koch- topf, daß 1922 und 1923 kaum ein Jungoogel groß wurde, so daß die Vernichtung der Kolonie bevorstand. Jetzt wurde der Schutz der Brutkolonie durch den Bund für Vogelschutz wieder auf- genommen. Im Jahre 1927 wurde die erste Bestandaufnahme über die Brutvögel wieder gemacht. Die Insel war in diesem Jahre in die Pacht der Stadt Altona übergegangen und die möglichste Rücksichtnahme auf die Brutvögel bei den landwirtschastliichen Arbeiden garantiert. So sieht es heule aus. In den letzten beiden Jahre sind die folgenden Arten auf Trischen als Brutvögel festgestellt. Die Silber möve brütete 1927 in der stattlichen Zahl von 25 Paaren. Da die Silbermövcn auf Trischen auf dem äußersten Südende des Buschsandes brüten, mehr als zwei Kilometer von den übrigen Brutkolonien entfernt, ist die Gefahr, die diese räuberischen Vögel für die anderen Bru>- vögel sonst darstellen, nur gering. Die H e r i n g s m ö v e hat auf Trischen einen Brutversuch gemacht. Die Eier der bei uns seltenen Möve wurden leider verspült. Die Hauptkolonic an Brutvögeln stellen die Seeschwalben, und unter ihnen wieder in der Hauptsache die Flußseeschwalben gegenüber den in geringerer An- zahl brütenden Küstenseeschwalben. Nachdem in> Jahre 1924 einigermaßen geordnete Verhältnisse auf Trischen wiederhergestellt warcii, konnten 1200 Brutpaare an Seeschwalben gezählt werden, die 1927 auf 3000 und 1928 auf 4000 Paare anwuchsen. Die Zwergse«. schwalbenkolonie, die 1914 noch 600 Paare umfaßte, kann sich nicht wieder erholen: ihre Zahl schwankte in den letzten Jahren zwischen 50 und 100 Paaren. Der Sceregenpfeiffcr wurde 1928 in 50 Brutpoarcn gezählt, der schmucke A u st e r n f i s ch c r in 30 Paaren. Der am Festlande häufige R a t s ch e n k e l brütete in einigen Paaren, der Kampfläufer kannte nur einmal al» Brutvogel beobachtet werden. Bemerkenswert ist es, daß sich auch die Vögel der nahen Marschen zahlreich eingefunden hoben. Feld- l e r ch e n lassen ihre Strophen über dem Grünland ertönen, Wiesenpieper singen und, nachdem man Kästen ausgehängt hat, hat sich auch der Star als Brutvogel eingefunden. Zudem haben sich verschiedene Stockentenpaare auf Trischen häuslich niedergelassen, und auch ein Paar der herrlich gefiederten Brand- gänse hat 1928 wieder seine Brut in einem Kaninchenloch hoch- gebrocht. Die von dem Pächter ausgesetzten Fasanen vermehren sich langsam, so daß aus der Insel nicht nur ein zahl-, sondern auch artenreiches PogeNeben herrscht. Die Entwicklung dieser der Fürsorge des Bundes für Vogel- schütz unterstehenden Bogelsreistättc Trischen mag gezeigt hoben, welche Bedeutung solche Freistätten für die Erhaltung unserer See- vogelwelt beizumessen ist. Abgesehen davon, daß die Ehrfurcht vor den übrigen Geschöpfe» der Erde den Menschen zu einem onge- messcnen Schutz der Seevogelwelt vor der Vernichtung verpflichtet. hat auch der an der deutschen Küste Erholung suchende Gast ein großes Interesse, daß das bunte, ungemein fesselnde Bild des See- vogelleben« in seiner Mannigfaltigkeit erhalten bleibt. Aber nur durch die Erhaltung der Vogelfreistätten und ihre weitere Förderung kann un, auch für die Zukunft dieses lebendige Bild erfreuen. 'Berlin s Jugend hilft der Jugend Eine Vcranstaltungsreihe der Deutschen Welle heißt: „Jugend hilft der Jugend". Der Titel klingt schön und trostreich. Ob die Veranstaltung ihn erfüllen wird, läßt sich nach den bisher gehörten zwei Stunden nicht voraussagen. Allerdings scheint die Leiterin Carola Hersel ein Mensch zu sein, dem es gelingt, Fühlung zu Jugendlichen zu finden. In diesen ersten Dar- bietungen verstand sie jedenfalls, manches wertvoll« zu geben. Man kann diese Stunden nur richtig beurteilen, wenn man berücksichtigt, daß sie nicht nur in Berlin, sondern wahrscheinlich in weit größerem Maße in kleineren Städten und Flecken ab- gehört werden. Hier lebt der junge Mensch ost noch in großer per- sönlicher Einsamkeit, besonders, wenn er mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu kämpfen hat oder wenn er leidend ist. Carola Hersel steht in der bürgerlichen Welt. Ihre Ratschläge gehe» immer nur an Jugendliche dieses Lebenskreises. Aber zu dieser Jugend spricht hier ein Mensch, der sie wirklich zum Leben, ins Leben herein erziehen will. Man ist so sehr gewohnt, hochklingeirde Phrasen oder gegenwartssreindes Gerede zu hären, wenn in Wort oder Schrist der junge Mensch der bürgerlichen Well von Erwachse- ncn seines Kreises zum Lebensmut, zur Lebensbejahung crmahnt werden soll, daß man sich über die sachlichen, vernünftigen Rat- schlüge von Carola Hersel ehrlich freut. Manches, was sie sagt, mag primitiv klingen: aber es dient dazu, eine Grundlage für das Gemeinschaftsgefühl zu schaffen, und es ist daher not- wendig für jene Jugend, an die es sich richtet und die überhaupt erst einmal von der Einsamkeit ihres Denkens, in die Erziehung oder eigener Unverstand sie fichrte, weitergeführt werden muß zum Ge- meinschaftsgedanken. Carola Hersel erzieht ihre Hörer zu den Menschen hin: wenn sie anregt, anderen zu helfen, so bemüht sie sich dabei, dem Jugendlichen in dem anderen das eigene Ich zu zeigen. Nicht die hochmütige Geste des Wohltuns soll den Jugend- lichen einige Augenblicke über die eigenen Nöte hinwegtäuschen, sondern sinnvoll« Handlungen sollen ihm das Gefühl der Daseinsberechtigung geben, sollen ihm Freude am Dasein wecken. Carola Hersel regt zur Hilfsbereitschaft an. Geben und Nehmen zeigt sie als gleichwertig, sosern beides richtig, der Notwendigkeit entsprechend, ausgetauscht wird. Sie bemüht sich, unter ihren jugendlichen Hörerinnen das Gefühl einer großen Gemeinsamkeit zu schaffen. Man darf annel/men, daß es ihr gelingen wird, da sie selbst als guter Kamerad sich zwischen diese Jugend stellt und fragt und berät. Niemals klingen ihre Ratschläge und Erniahnungen herablassend wie von einem Menschen, der all diesen Dingen längst entwachsen ist. So hat sie sich rasch Vertrauen erworben, was sich in einem umfangreichen Briefwechsel bewies, in dem die jugend- lichen Hörerinnen ihre Lebens- und Berufsfragen ent- rollten. Manchmal wird es nicht leicht fein, für die Beantwortung oder die Diskussion den richtigen Ton zu ffnden: ein ganzer Teil der Fragerinnen scheint an den„Briefkästen" der Familienblätter geschult. Doch Carola Hersel verstand es bisher, in ihren Antworten diesen Stil durchaus zu vermeiden. In der letzten Stunde vermißt« man allerdings«inn«l chre Kritik in einem wesentlichen Punkte. Bei den MU- teilungen über fremdsprachliche Korrespondenz war von einem Fragebogen die Rede, in dem u. a. auch der Beruf des Voters an- gegeben werden muß. Daß Angaben über Schulbildung, Alter, Interessengebiete als Grundlage für einen Briefwechsel in fremden Sprachen zwischen Menschen, die sich sonst unbekannt sind, not- wendig ist, leuchtet ein: die Frage nach dem Stand der EUern mutet jedoch sehr unzeitgemäß an. Carola Hersel trägt kein« Schuld an ihr. Die Fragebogen sind ihr-von Stellen, die solche Korrespondenz vermitteln, zugeschickt worden. Sic hätte jedoch ein Wort der Kritik finden sollen zu dieser Frage, die so ausgesprochen im Gegensatz zu dem stand, was ihre Stunden bringen wollen. Diese Veranstaltung:„Jugend hilft der Jugend!" ist hier aus- führlicher erörtert worden, weil man in dieser Darbietung einen Anfang sehen kann auf einem neuen Wege, der die Jugend zum Geist des Rundfunks, des Symbols der Gemeinschaft, hinführt. Carola Hersel hat Wertvolles nur Mädchen, und zwar nur Mädchen des Bürgertums zu sagen. Der Titel„Jugend hilft der Jugend" reicht weiter als der Inhalt, den ihre Stunden ihm geben. Die Deutsche Welle sollte sich bemühen, hier für Ergänzung zu sorgen. Ueber diese Veranstaltung in der„I u n g m ä d ch e n- stund e" sollte sich eine andere für reifere jugendliche Hörer auf- bauen, für solche, die bereits Gemeinschaftsgefühl besitzen und nicht erst mühsam da�u herangepäppelt werden müssen. Aus dem Ge- fühl der Verbundenheit mit der Gegenwart und ihren Menschen erwächst für den Jugendlichen eine Fülle von Fragen, aus die sich sicher mancher sehr gern von einer Stelle, die ihm möglichst objektiv erscheint, Antwort oder Auskunft holen möchte. Auch hier könnte oft Jugend der Jugend helfen: denn die Frage des einen würde vielfach die Antwort des anderen brin- gen, manchmal vielleicht die beste und erschöpfendste Antwort, die dem jugendlichen Frager überhaupt zuteil werden kann. Man könnte auch in diesem Zyklus Jugendliche gelegentlich selber sprechen oder diskutieren lassen, etwa dann, wenn ein Problem auftaucht, das ganz besonders die Anteilnahme der Hörer fand. Wenn dann eine Anzahl dieser Hörer vor dem Mikrophon ihre Meinungen aus- tauscht, kann unter Umständen eine weitgehendere Klärung ge- lingcn als auf jedem anderen Wege, und selbst wenn nur die ganze Weite eines Problem so angedeutet wird, kann das schon für junge Menschen Rat und Hilfe sein. Ob für männliche Jugendliche eine Parallel- v e r a n st a l t u n g zu den von Carola Hersel geleiteten Stunden wünschenswert ist, kann man schwer sagen. Es wäre wohl denk- bar, daß in manchen Gegenden im Reiche Schüler von höheren oder Berufsschulen für eine ähnliche Darbietung dankbar wären. die ihren besonderen Lebenskreis, der sich mit dem wirklich großen Leben nur stellenweise berührt, berücksichtigt und allmählich er- weitert. Daß das Bedürfnis nach solcher Veranstaltung besonders groß ist, kann man jedoch kaum annehmen. Die Berufs- und Le bensfrogen der jungen Mädchen, zu denen Carola Hersel spricht, entspringen ja zum größten Teil der Tatsache, daß viele eine un- genügende Berufsvorbereitung haben, andere wieder überhaupt nicht berufstätig oder wenigstens nicht voll berufstätig sind oder doch bis vor kurzem waren, daß also diese Mädchen von der Schulbank statt ins Leben hinein aus ihm herausgewachsen sind. Sehr wichtig war dagegen eine Aussprachestunde, die beson- ders die proletarische Welt berücksichtigt und die zu einem Meinungsaustausch junger Menschen aus allen Arbeitsgebieten über Lebensfragen führt. Fragen und Antworten könnten von dieser Stunde aus zwischen bürgerlicher und proletarischer Jugend gewechselt werden, Verständnis könnte angebahnt werden zwischen jungen Menschen, die einander fernstehen, obgleich sie im Grunhe den gleichen Lebenskampf kämpfen. Diese Stunde könnte auch sür jene ganz abseits stehende Jugend Bedeutung ge- Winnen, der man heute durch den Rundfunk auf etwas pri- mitioe Weise helfen will. Wer von diesen Jugendlichen einmal in den Lebensraum des Proletariers blickt, wird manche seiner eigenen Nöte weniger bedeutend finden. T-a. ftechlstvaejen dies Tages Von der Gvundslüchsspehululion Hat ein Grundstückseigentümer gegen einen Makler, der sich von beiden Seiten Provision versprechen läßt, auch noch An- spruch auf Schadenersatz? Diese Frage ist kürzlich vom Kammer- g e r i ch t in verneinendem Sinne beantwortet worden. Der Sach- oerhalt war folgenocr: Ein Grundstückseigentümer beauftagt einen Makler sein Grund st ück zu verkaufen: er verlangte einen.Kaufpreis von 60 000 Mark, und versprach dem Matter eine Provision von 3 Proz. Der Makler trat mit einem Käufer in Verbindung und teilte ihm den Kaufpreis mit. Der Käufer war nicht abgeneigt, diesen Preis zu bewilligen, vereinbarte indes mit dem Makler, daß er ihm ebenfalls eine Provision zahlen würde, wenn er das Grundstück billiger erhalten könnte. Der Verkauf kam zustande, wobei es dem Käufer gelang, den geforderten Kaufpreis um 1600 Mark herabzndrücken. Nachträglich erfuhr der Verkäufer den Sachverhalt uno verweigerte daraufhin die Zahlung der Provision. Der Makler erhob Klage, wurde aber auf Gnind des 8 654 des Bürgerlichen Gesetzbuchs mit seinem Provision-an- spruch abgewiesen. Dieser Paragraph bestimmt, daß der An- spruch auf Maklerlohn ausgeschlossen ist, wenn der Makler ohne Wissen des Austraggebers auch für den anderen Teil tätig ge- wefcn ist. Die Provision braucht« also der Grundstückseigentümer nicht zu zahlen? er wollte aber darüber hinaus auch die 1600 Mark vom Makler erstattet haben, um die der Kaufpreis herabgedrückt worden war, und erhob seinerseits Klage. InerstcrInstanz wurde ihm auch diese Forderung zugesprochen, aber das Kammergcricht wies die Klage ab, mit der Begründung: ein Nachteil sei oem Kläger nicht entstanden: die Provision, die er dem Makler hätte zahlen müssen, wenn er den verlangten Kaufpreis erzielt hätte (3 Proz. von 60 000 Mk.) betrug mehr, als die 1600 Mk., um die er den Kaufpreis ermäßigt hatte. Sein Nachteil und sein Vorteil waren gleicherweis« ourch das Verhalten des Maklers enstanden. Der Verlust an dem Kaufpreis sei durch den Wegfall der Provision ausgeglichen. Marxaretlie Falkenfeld. Vergleich über eine ftfueblußforderung Zwei Brüder waren wegen der Hinterlassenschaft ihrer Mutter in Streit geraten, weil sich der eine bei der Verteilung der Nachlaß- gegenständ« sür benachteiligt hielt. Er»erklagte den Bruder, der mit der Mutter bis zu ihrem Tode in häuslicher Gemeinschaft gelebt hatte, und verlangte Auskunft über den Bestand des Nachlasses und Vorlegung eines Nachlaßoerzeichnifses. Der Beklagte legte auch ein Verzeichnis vor, behauptete aber, daß er mit dem Kläger über die Verteilung der Nachlahgegenständ« einig geworden sei. Zur Bekräftigung legte er ein vom Kläger unterschriebenes Schriftstück vor, in welchem dieser sich nach Erhalt verschiedener, einzeln ausgeführter Gegenstände sür alle seine An- sprüche aus dem Nachlaß als abgefunden erklärt. Kläger bestritt dieses Schriftstück nicht, behauptete aber, es sei ihm vom Beklagten erpreßt worden. Der Beklagte hätte seine Unterschrift dadurch erzwungen, daß er ihm die auf ihn entfallenden Sachen nur aushändigen wollte, wenn er auf alle weiteren An* sprüche verzichte. Mit dieser Erklärung des Schriftstückes drang der Kläger nicht durch: der Richter sah in der Annahme der Nachlaßgegenstände und den bedingungslosen Verzicht auf weitere Ansprüche einen Ver- gleich und wies die Klage ab. MarxaretKe Falkerffeld. eMutL Da« Uoitakiiche äDorf Einen Kriegsroman und einen Dorfroman hat Milo U"rban, ein junger tschechischer Dichter, mit seinem in der Universum- Bücherei erschienenen Werk„Die lebende Peitsche" ge- schrieben, indes mehr einen Dorfroman als einen Kriegsroman. Es ist Weltkrieg, aber in das kleine slowakische Dorf Raztoky dringt der Lärm der Schlachten, dringen die Donner der Frontgewitter doch nur sehr gedämpft. Das Dorfvolk weiß nicht, weshalb dieser Wel!- krieg wbt und worum es in ihm geht. Der Notar Okolitzky, der Beherrscher Raztokys und Vertrauensmann der hohen Regicrungs- stellen, sagt dutzendmal am Tage das Wort„Vaterland". Aber auch damit können die Bauern keinen Sinn verbinden. Sie wissen nur, daß im Namen des Vaterlandes ihre Söhne von ihnen gerissen und ihnen die Kühe aus dem Stall geholt werden. Je länger der Krieg dauert, desto offenkundiger wird der Riß zwischen dem Volk aus der einen und den„Herren": den Reichen und Beamteten, auf der anderen Seite, zwei Lager, zwischen denen einige niedere Organe der Staatsexekutive trostlos hin und her pendeln. Der Zusammen- bruch der Front zertrümmert schließlich die Macht der Großen von Raztoky. Die Rache ihrer Opfer fegt über sie hinweg: aber es ist durchaus nur eine Rache, die den verhaßten Menschen und nicht dem eigentlichen System gilt. Um diese Geschichte eines Dorfes hat Urban eine private Ge- schichte gerankt: der Notar Okolitzky ist nicht nur der Berkörperer grausamer Staatsgewalt, sondern auch als Einzelperson ein Schuft. Er hat die Eva Hlaoaj, eine Kriege rfrau, vergewaltigt und trägt die Schuld daran, daß sie den Tod im Wasser sucht. Auf der an- deren Seite ist auch sein Gegenspieler Adam Hlavaj, der ein Jahr vor Kriegsende als Deserteur nach Raztoky heimkehrt, nicht nur die treibende Kraft beim Sturz der alten Ordnungswächter/' sondern außerdem der Rächer seines zertrümmerten Famllienglückes. Diese Manier Urbans, das Politische mit dem Menschlichen zu identi- sizieren und etwa den politisch Bekämpften auch privat als grund- schlechten Kerl abzumalen, wirkt primitiv und konstruiert, wie über- Haupt dem Buch die feinen Zwischentöne fehlen und Urban der ein- fühlenden Beobachtungsgabe ermangelt. Hans Lauer. WAS DER TAQ BRINGT uimiiiiiiiiiiiiiimiiniiiiiiinniiiiiinninmiiiiummiuiiiiraiiiiiiimiiiuimiiiiuimnimninmiiiiiimiiitniimiiinuiuiiiiiiiinnnHiiuiiiiiiiiiMiiiiinnniiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiini ERZÄHLT VON YOR1CK Der Arcbimedes von Stroppen Durch Schlesiens winziges Städtchen Stroppen fuhr dieser Tage ein Automobilist. Er hielt Rast und verlangte im Gasthaus eine Ansichtspostkarte. Er bekam sie; sie stellte den Marktplatz dar, und darunter stand:„Stroppen, Mittelpunkt der Welt." Der Reisende, dem die Tatsach«, daß er sich augenblicklich im Mittelpunkt der Welt befand, noch nicht recht einleuchtete, erkundigte sich nach der sozusagen wissenschaftlichen Grundlage des Phänomens. Und man erzählte ihm die herrliche, gleichnisrciche Geschichte vom Apotheker von Stroppen. Dieser Apotheker lebte in Stroppen um die Mitte des acht- zehnten Jahrhunderts. Er lebte lang« dort, er braute seine Tränklein und mischte sein Sälblein und drehte seine Pillulein: aber als er eines warmen Mittags über den Marktplatz schritt, kam seine große Stunde. Nämlich der Herr Apotheker verlor seinen Zylinder, vieleicht durch ein Windstößchen, vielleicht beim devoten Gruß vor dem Herrn Bürgermeister— jedenfalls rollte der Zylinder ein Stück über den Platz und blieb dann mitten in der schönen Mittag- sonne stehen. Stehen, wirklich stehen, nicht etwa liegen; nur aus dieser Tatsache erklärt es sich, daß der Herr Apotheker, der eben noch eiligen Schrittes dem Entflohenen nachgeeilt war, plötzlich vor ihm wie angewurzelt auch seinerseits stehen blieb und mit»er- dutztem Gesicht auf seine Kopfbedeckung hinunterstarrt«, ohne sie aufzuheben. Der Zylinder nämlich, das war es, was der Herr Apotheker sah— der Zylinder warf keinen Schatten! Der maßlos Ueberraschte rieb sich die Aeuglein, er stelzte mit feierlichen Schritten rings um de» Zylinder herum, aber es blieb dabei: nirgends ein Schatten! Er lief in seine Slpotheke, holte ein Stück Kreide, zog einen Kreis rings um des Zylinders tadellosen Rand, nahm dann den Hut sorgfältig auf und trug ihn fünfzig Meter weiter, aus die andere Seite des Platzes. Und siehe, hier warf der Zylinder wieder seinen Schatten, einen kleinen, kurzen zwar nur, denn es war ja Mittagszeit— aber er warf ihn doch, so gut wie der Herr Apotheker seinen Schatten warf und die Häuser um den Platz und alle Gegenstände, die der Erstaunte in allen ihm bekannten Gegenden Schlesiens je gesehen hatte, ihren Schatten geworfen hatten! Er trug den Gegenstand des erstaunlichen Experiments wieder zurück und stellte ihn in den Kreis von Kreide— und siehe, der Schotten war weg! Da dachte der wackere Apotheker lange nach: er rang mit gefalteter Stirn und gehobenem Zeigefinger um die Lösung des Rätsels. Und dann rief er sein„5)eureka, ich Habs gefunden", rief es als ein zweiter Archimedes, als ein Archimedes von Stroppen, rief es und argumentierte also:„Da mein Zylinder inmitten des Marktplatzes von Stroppen mittags um zwölf Uhr keinen Schatten wirft, so muß die Sonne genau senkrecht über ihm stehen; wenn aber die Sonne genau senkrecht über mir steht, so stehe ich im lange gesuchten Mittelpunkt der Welt, so bildet der Marktplatz von Stroppen den Mittelpunkt der Welt!" Also sprach der Archimedes von Stroppen und versäumte nicht, es seinen Mitbürgern zu erzählen, und die Mitbürger freuten sich und feierten die Entdeckung, die ihrer Stadt eine große Zukunft oerhieß, laut und lange. Also ließ der Automobilist des Jahres neunzehnhunderteinund- dreißig sich berichten, und er lachte überlegen: denn es war ihm natürlich klar, daß der Marktplatz von Stroppen zufällig eine Steigimg von Süd nach Nord besitzt, welche den Steigungswinkel der Sonnenstrahlen ausgleicht. Aber er hätte vielleicht lieber in weiser Selbsterkenntnis lächeln sollen» denn es gibt noch heute viele Stroppener, die über alle Dinge und Geschehnisse der Welt so urteilen, als läge Struppen im Mittelpunkt der Wett; wirkliche unendlich viele Stroppener urteilen so, und sie wohnen durchaus nicht alle in Stroppen... Justiz in USA. In einem Dorf unweit von Oklohama in NSA. wohnt Mister Cromwell; Bauer unter Bauern; Gleicher unter Gleichen; und doch etwas mehr als die anderen: weil er nämlich, als einziger im Dorfe, eine Dreschmaschine besitzt. Diese Dreschmaschine drischt, unter Jim Cromwells technischer Leitung, das Korn des ganzen Dorfes: g«gen entsprechende Entschädigung natürlich. Jim Cromwell also hat eine gewisse Macht im Dorf. Er be. nutzt sie zu gewissen Geschäften. Wenn nämlich die Ernte heran und vorbei ist und das Getreide gedroschen werden muß: dann pflegt Jim Cromwell die Bauern zu erpressen. Wer das meiste zahlt, dem wird zuerst gedrosch«». Ein sür Cromwell recht förder» liches Prinzip. Von Jahr zu Jahr erhöht er die Dreschsummen. Von Jahr zu Jahr aber steigt auch die geheime Wut der Bauern. Und im letzten Jahr haben sie ihn angezeigt. Der Richter von Oklahoma fand, daß Jim Cromwells Vorgehen ganz besonders niederträchtig sei. Und weil Jim wohl aus früheren Jahren einiges auf dem Kerbholz hatte, brachte er es auf zwölf Jahre Gefängnis. Die Bauern freuten sich, und Jim Cromwell saß. Heuer aber ist etwas Merkwürdiges geschehen. Bei dem hohen Gerichtshof von Oklahoma lief ein Revers der beteiligten Bauern ein. Darin wurde gebeten, Jim Cromwell— freizulassen: wenigstens für einige Zeit. Nämlich er sei der einzige weit und breit, der«ine Dreschmaschine besitze. Die Ernte stehe gut: wie aber solle man sie dreschen ohne Mr. Cromwell? Und siehe: der hohe Gerichtshof ist einsichtig. Er beurlaubt Jim Cromwell sü-r sieben Monate; genau so lange, wie er braucht, um das Korn der Nachbarn zu dreschen. Danach hat er sich wieder in seiner Zelle einzufinden. So geschicht es; und so hat jeder das s«ine. Der Gerechtigkeit ist Genüge getan, die Bauern bekommen ihr Getreide billig und ganz ohne Erpressungen gedroschen: und Jim Cromwell hat sowohl seine Straf« weg als auch seinen Urlaub... »» Auch die Weisheit des Richters Goodman verdient hier fest- gehalten zu werden. Der Fall war weit weniger schwer. Drei sonst recht brave Männer hatten des verbotenen Moonshine-Schnapjes zu viel getan. Als sie fröhlich lärmend die nächtlich«» Straßen durchwallten, hielt ein neidischer Policeman sie auf. Die Drei entwickelten für den Pflichteifer des Beamten so wenig Sinn, daß sie Faustschläge für zweckentsprechende Gegenargumente hielten. Delikt: tütlicher Wider- stand gegen die Amtsgewali: Sühne: fünfzehn Tage Gefängnis. Aber der brave Richter Goodman hatte in der Verhandlung auch festgestellt, daß jeder der drei Bösewichte eine Familie hatte; eine Familie und eine Stellung. Daß jeder diese Stellung durch die halbmonatige Unterbrechung verlieren würde Daß also drei Familien der Not ausgesetzt wurden, wenn das Urteil vollstreckt würde. Da oerwandelte Richter Goodman die fünfzehn Tage Gefängnis in dreißig Nächte Haft. Wohlverstanden: dreißig Nächte! Wenn ihr Tagewerk vollbracht war, mußten sich die Drei im Gefängnis melden, und sie verbachten ihre Nächte in der Zelle; und am anderen Morgen begaben sie sich aus der Zelle in ihre Werkstätten und Büros. Sie i�rlorcn ihre Stellungen nicht, ihre Familien gerieten nicht in Not, und beide hatteii auch hier, was ihnen gebührte, der Staat und der Mensch: der Staat seine Gerechtigkeit, und der Mensch seine Barmherzigkeit. Dies war die Weisheit des braven Richters Goodman. Montag 29. Juni 1931 Nr. 298 48. Jahrgang Technische Ausrüstung im Wohnhause Ein Kapitel Bauausstellung. ?n der deutschen Bauausstellung, Halle VI, Platz 609 bis 610, zeigt der Verein Deutscher Ingenieure. Fachstelle Haustechnik, in lebendiger Darstellung die technische Ausrü st ung eines Wohnhauses, wie sie richtig und wie sie falsch ist Wie groß die wirtschaftliche Bedeutung der Installation im Zusammenhang mit den übrigen Baukosten ist, geht aus folgender Tabelle hervor: -Kapital Waschküchei-. - einrichiung" P eiHeSlrfung. —- fes-InsJaÄaHon 2�% ■i$t- EleWr In-Ke-Nm 2�* (�mKaraliiaHon 2,0% Eintet-MM MgWC. _Tefeftn, Klingel- nnlagen._ Von dem Sesatnthaorlai werden fün die Haustechnik auroen'andt; 26,97» Das ist ein Viertel der gesamten Baukostenl Relativ der teuerste Teil vom Bau. Die Berechnung beruht aus der Voraussetzung eines wirtschaftlichen Grundrisses. Bäder und Äüchen müssen im Miets- haus in einer Reihe liegen, dann genügt für je zwei Wohnungen ei» Abfallrohr. Werden Bäder und Äüchen getrennt, an zwei Fronten gelegt, das Treppenhaus dazwischen, dann sind vier Abfallrohre für je zwei Wohnungen erforderlich. Von Wichtigkeit ist noch, daß zwei Bäder, nicht zwei Küchen nebeneinander liegen. Die Objekte der Küche, Abwaschbecken und Ausguß, liegen hoch und tonnen mit gc- i.ügendem Gefälle zum gemeinsamen Abfallrohr geführt werden. Zwei Grundrisse, falsch und richtig, erläutern dies sehr verständlich aus der Ausstellung. Keine geringere Bedeutung hat die richtige Installation der Salt-. Warm-, Gas- und heizungs- röhre und der Stromkabel. Mit Recht sagt der Organisator dieser wisienschaftlichen Gruppe in der Bauausstellung, Dr.-Jng. M. Mengeringhausen, nach wie vor arbeite auf dem Bau der Wasserrohrleger neben dem Zentral- Heizungsmonteur und der Elektriker neben dem Gasfachmann, wenn nicht sogar der eine durch seine Arbeit die Tätigkeit des anderen er- schwere. Das könne alles vermieden werden, wenn der Architekt vor Baubeginn im Einvernehmen mit den städtischen Wasser-, Gas- und Elektrizitätswerken und dem Heizungsingenieur die technische Planung festlegt. Da die bestehenden Richtlinien und Vorschriften für Gas- und Wasserinstallation vielfach noch nicht im wünschen?- werten Maße Berücksichtigung finden, so sind diese Richtlinien und Vorschriften in einer größeren Wandtafel zusammengefaßt worden. Das Thema der richtigen Ausführung von Rohrleitungen ist in einem großen Modell des Rohrsystems einer Zentralheizung behandelt wor- den, das die zweckmäßige Anwendung von Tempergußfittings ver- anschaulicht. Die neuen Bestrebungen zur Kontrolle der Wirtschaft- lichkeit sind oertreten in einer Gruppe,„vetriebskontrolle-, durch Wassermesser mit Beispielen für den Einbau des Warmwasser- Messers und Darstellungen über Anwendung und Vorteile der Einzel- Warmwassermesser in Wohnhäusern. Auch die zur Zeit sehr'.ktuelle Frage der Korrosionsoerhütung(Zersetzung des Metalls) bei Warm- wasserverjorgungsanlagen findet hier anregende Erörterung. Neben Darstellungen über die Entstehung der Korrosion werden Hinweise gegeben, wie durch Anwendung geeigneter Baustoffe(Armco-Eisen und Kupfer) und durch Aenderung der Betriebsbedingungen(Groeck- Verfahren) Korrosion und Wassersteinbildung auf ein Mindestmaß beschränkt bzw. ganz vermieden werden können. In einer Darstellung ist auch angedeutet worden, wie wichtig die Wirkung ist, die die In- stallation auf den einzelnen Menschen hat: Bei Anordnung des Spültisches in 80 Zentimeter Höhe müssen die meisten Frauen in gebückter Haltung arbeiten, während die Anordnung m 92 bis 100 Zentimeter Höhe ein Arbeiten in gerader Haltung ermöglicht. Weiter wird durch die Vorführung handelsüblicher stark rauschender Hähne und geräuschlos arbeitender Ventile(Hähne) aus die Notwendigkeit der Geräuschbekämpfung aufmerksam gemacht. Die Fach stelle 5)austechnik des Vereins Deutscher Ingenieure. Berlin, Friedrich-Ebert-Straße, im Jngenieurhaus, will daher zu- jammen mit den städtischen Gas-, Wasser- und Elektrizitätswerken dafür wirken, daß die Installationen in dem erforderlichen Maße und rechtzeitig berücksichtigt, sorgfältig und unabhängig vom Wettbewerb um den Ausführungsauftrag, d. h. vor der Ausschreibung, geplant und zweckmäßig in den Baukörper eingefügt werden, die Entwicklung der Arbeitsverfahren fördern und zur Klärung ungelöster installa- tionstechnischer Einzelprobleme beitragen. Diese Arbeit soll gemein- sam geleistet werden mit den Baufachleuten und allen Kreisen, die Installationen ausführen, betreiben und benutzen. Die große volks- wirtschaftliche und privatwirtschaftliche Bedeutung der Installations- technik läßt es notwendig erscheinen, sie durch planmäßige Ingenieur- arbeit zu vervollkommnen. Sehr interessant ist auch die Ausstellung der Berliner Städtischen Wasserwerke (Halle VI). Ein riesiges Relief, illustriert durch Leuchtröhren, zeigt die Verteilung des Trinkwassers aus den einzelnen Werken bis an die äußersten Stellen der Vororte, ohne Rücksicht auf lange Strecken durch unbebautes Gelände. Es zeigt sich hier wieder deutlich, daß die im Gemeinbesitz befindlichen Wasserwerke bei Verteilung des Leitungsnetzes zur Förderung der Außensiedlung sich nicht von privat- wirtschaftlichen Rücksichten leiten lassen. Wenn der Berliner Burger bei dem dargestellten Querschnitt durch ein Wasserwerk die sorgfältige Reinigung des Wassers sieht, wird er jetzt bei der heißen Jahreszeit bei der Wahl zwischen Wasser und Bier dem Wasser sicher den Vorzug geben. Die Tabelle über dos Entsteben der Wasscrkoslen muß man den privaten Charlottenburger Wasserwerken zum Studium empfehlen. Bekanntlich versorgt diese Gesellschaft noch einige west- liche und südliche Bezirke der Stadt Berlin mit teurem Wasser: sie nimmt für den Kleinverbraucher einschließlich der Verwaltung-- gebühren 40 bis 43 Pfennig pro Kubikmeter, während die städtischen Wasserwerke den Kubikmeter für 2S Pfennig netto liefern. Viel Sehenswertes zeigen auch die Städtischen Gaswerke (Halle VI). Sehr wichtig ist die Darstellung, der Rohrverlegung im Neubau als„falsch" und„richtig" und die Art der Entlüftung der Easapparate im Haushalt. Viele Unglücksfälle durch Gasvergiftung hätten sich bc> sachgeinäßer Anordnung der Abführung von Abgasen vermeiden lassen. An Hand von Beispielen wird auch die zweck- mähige Verwendung des Koks verständlich gemacht. Das ist von großem Interesse für Einzelhäuser mit Zentralheizung als auch für den Bediener der Zentralheizung in Mietshäusern. Durch falsche Bedienung der Heizung geht viel Nationalvermögen verloren. Auf dem Platz der Berliner Elektrizitätswerke in Halle VI sehen wir ein Modell einer Wohnung mit richtiger Führung der Leitung sowie eine sachgemäße Verteilung der Steck- dosen auf die verschiedenen Zimmer. Auch hier wird dem Fachmann und dem Laien der Unterschied zwischen schlechter und guter In- stallation vor Augen geführt. Kommen beim Einbau der Röhren für Wasser, Gas und Heizung im wesentlichen nur Steigeleitungen vor, die in den hochgemauerten Schlitzen verlegt werden, so ist die In- stallation des elektrischen Lichtes viel komplizierter Das Stemmen j für die Elektromontage kostet pro Kleinwohnung 200 bis 300 M. Leitungen an Decken und Wänden gehen kreuz und quer und hoch. Die Auslässe für Deckenlampen, Schalter und Steckdosen sind in der Ausstellung planmäßig vom Architekten bestimmt. Das Ziehen der Leitungen zu den Auslässen ist jedoch der Willkür des Monteurs über- lassen. Da liegen dann die Verteilungsdosen in ein und demselben Raum in verschiedenen Höhen, zum Teil in der Tapetenfläche, zum Teil in der zur Decke gehörenden Oberwand, und die Schalter werden meist weitab von der Türoerkleidung befestigt und machen dadurch das Stellen von Schränken oft unmöglich. Auch hier muß plan- mäßig disponiert werden. Man kann den letzten Stein unterhalb der Decke rings herum drei Zentimeter aussparen, dadurch zwingt man den Elektromonteur, die Verteilungsdosen in gleicher Höhe zu befestigen und das Stemmen der Rillen für die Gummirohre wird gespart. Den Ort der Schalter kann man durch eine Brettschablone, angelegt aus der Laibung des Türloches, in vertikaler und horizon- taler Richtung festlegen. Das ist für den Bauunternehmer eine ein- malige Ausgabe, denn die Schablonen können immer wieder ver- wendet werden. In der Halle VI locken auch geschmackvolle Kachelösen zum Stehenbleiben. Das Ofensetzcrgewerbe wehrt sich gegen die Konkurrenz der Zentralheizung. Man sieht Kachelofenkonstruktionen für das Beheizen von zwei und drei Zimmern in einer Etage, auch solche, die im kleinen Einfamilienhaus das Beheizen der Obergeschoß- räume durch steigende Luftkanäle besorgen, oder auch durch Radia- toren, die von der im unteren Zentraiosen eingebauten Heizschlange gespeist werden. Das letztere System ist dem mit Luftkanälen vor- zuziehen, da Luftkanäle das Haus hellhörig machen. Die sonst noch ausgestellten Einzelkachelöfen fallen durch ihre gediegenen Forme» auf, ebenso die Kochherde mit ihrem starken Kontrast gegen die üblichen in alten Mietshäusern. Wie ein Stück aus dem Mittelalter steht auch einer der berühmten Renaissance-Oefen,.wie wir sie noch hundertfach in Berliner Altwohnungen sehen, zur Schau mit der Aufschrift„bisher", daneben ein moderner, zum Teil aus dem glatten Kachelmaterial des alten hergestellt, mit der Aufschrift„so wurde er". Jede Hausfrau sollte sich hier auch die farbigen Leuchtbilder, die das wirtschaftliche Beheizen der Kachelöfen sehr deutlich darstellen, ansehen. Die Konstruktion der ausgestellten Kachelöfen ist das Er- gebnis langjähriger wissenschaftlicher und heiztechnischer Forschung. Paul Schlcgclj Architekt. Der Drehstrom als Jubilar Zur Tagung des Verbandes Deutscher Elektrotechniker In Frankfurt a. M. findet in diesen Tagen die gemeinsame Tagung des Verbandes Deutscher Elektrotechniker und der Vereinigung der Elektrizitätswerke statt, die in Erinnerung an die Internationale Elektrotechnssche Aus- stellung. 1891 Frankfurt als Tagungsort gewählt haben, weil da- mals, vor nunmehr 40 Jahren, ein Ergebnis sich vollzog, das die Entwicklung der Elektrizitätswirtschaft bestimmend beeinflußt hat. Damals trat zum ersten Male das Stromsystem in Erscheinung, auf dem sich die ganze neuzeitliche Elektrizitätsversorgung aufgebaut hat, der D r e h st r o m. Bis dahin gab es den Gleichstrom und den Wechselstrom. Der Gleichstrom ließ aber nur in sehr beschränktem Matze eine Energie- Übertragung auf größere Entfernungen zu. Der Wechselstrom war dazu.besser geeignet, er verfügte aber nicht über einen bestiedigenden Motor. Der Drehstrom, der bisher nicht über die Schwelle der Laboratorien hervorgetreten war, erschien gerade in dem Augenblick, als die beiden bestehenden Stromarten in erbittertem Kampfe um den Vorzug lagen. Gegen den neuen Gegner verband man sogar Gleichstrom und Wechselstrom zu kombinierten Systemen, die ge- schickt die Vorteile beider Partner ausnutzten. Der Höhepunkt des Kampfes im Systemstreit war der Weit- bewerb aller Systeme auf der Frankfurter Ausstellung. Hier handelte es sich darum, die Eignung der Systeme für eine Zentralstation mit ausgedehntem Versorgungsgebiet, wie es die Stadt Frankfurt plante, zu beweisen. Der Gleichstrom führte den Akkumulator mit ins Feld, der Wechselstrom stützte sich auf den Transformator. Auf Oskar von Millers, des jetzigen Direktors des Deutschen Museums in München. Anregung hin waren auch größere Kraftübertragungen angelegt worden. Eine führte vom Ausstellungsgelände am Haupt- bahnhof zum Palmengarten, eine zweite nach Offenbach: die dritte überragte die beiden nicht nur in der Uebertragungsstrecke— es waren 175 Kilometer—, sondern zog die Beachtung der ganzen Welt auf sich, weil hier zum ersten Male Dreh ström ver- wendet wurde. Man war sich klar darüber, daß das Gelingen dieses großartigen Versuches einen neuen Abschnitt in der Energie- Wirtschaft der Welt bedeuten würde. Der Versuch wurde ein schlagender Erfolg. Die Ausführung der Anlage hatten die AEG. und die Maschinenfabrik Oerlikon über- nommen. Das Leitungskupfer wurde von der Firma Hesse-Söhne, Heddernheim, zur Verfüguno gestellt, während die Postbehörden für die Leitungsverlegung sorgten Die eitung wurde 15 000 Volt bc- trieben und arbeitete zu aller Ueberraschung mit einem Wirkung?- grad von 75 Proz. Selbst in Fachkreisen hatte man ernstlich be- stritten, daß mehr als die Hälfte des Stroms an der Abnahmestelle vorhanden sein würde. Es war für die Besucher der Ausstellung eine Sensation, die in Lauffen dem Neckar entnommene Wasserkraft auf dem Ausstellungsgelände in Form eines zehn Meter hohen Wasserfalls wieder erstehen zu sehen. Die Ingenieure, denen der Drehstrom seinen Sieg zu verdanken hat. sind Michael von Dolivo-Dobrowolsky von der ACG. und E. E. L. Brown von der Maschinenfabkik Oerlikon. Dobrowolskys Verdienst ist neben grundlegenden Arbeiten bei der Entwicklung des Systems— von ihm stammt auch das Wort Dreh- ström—. die Schaffung des D r e h st r o m ni o t o r s, in der Form, in der er noch heute gebräuchlich ist.' Ein 100-PZ-Drehstrommotor Dobrowolskys betrieb in Frankfurt die Pumpe für den Wasserfall. Brown war der Schöpfer des Drehstromerzeugers von Lauffen: auch leistete er wertvolle Arbeit bei den Vorversuchen für die Kraftüber- tragung. Obwohl der Erfolg der Lauffeuer Kraftübertragung sofort über- oll Anerkennung fand, erfuhr die Ausbreitung des Drehstroms zunächst eine Verzögerung. Brown wurde dem Drehstrom untreu und wendet« sich dem Wechselstrom zu. Man glaubte einen dem Dreh- strommotor ebenbürtigen Wechselstrommotor gesunden zu haben. So kam es, daß 1893 in Jranlfurt bei der Systcmwahl der Drehstrom überhaupt nicht in Betracht gezogen wurde. Erst als die Wechsel- stromhoffnungen sich als trügerisch erwiesen hatten und die wirt- schaftlichen Vorteils der Drehstromübertragung voll erkannt wurden, ward der Drehstrom auch für die Praxis Sieger. Ueberlandzentralen und Großkraftwerke, Kupplung und Energie- austaufch, die Träger der neuzeitlichen Elektrizitätswirtschast, stützen sich auf den Drehstrom, der nun 40 Jahre alt ist. Elektrowirtschaft und Rundfunk Auf der Hauptversammlung der Vereinigung der Elektrizitätswerke, die im Rahmen der elektrotechnischen Tagung in Frankfurt a. M. stattfand, erstattete Direktor P a s s a- v a n t den Geschäftsbericht, in dem er u. a. ausführte: „Die Tätigkeit der Vereinigung der Elektrizitätswerke, des Spitzenverbandes der Stromlieferungs- und Stromverteilungswirt- schaft, dem alle maßgebenden deutschen und führenden ausländischen Werke angehören, erstreckt sich vornehmlich auf das Gebiet der Stark- stromtechnik und Starkstromwirtschaft. Viel umstritten sind in letzter Zeit die Forderungen der Reichsrundfunkgesellschaft, die rigoros und einseitig gegen alle Störungen der Rundfunkhörer vor- geht, soweit sie durch die Stromerzeugung. Verteilung oder durch den Gebrauch elektrischer Geräte hervorgerufen werden, ohne zu be- rücksichtigen, daß eine Lösung dieser, in vielen wichtigen Punkten noch ungeklärten Frage nur in gemeinsamer Arbeit auf tech- nisch-wissenschaftlicher Grundlage möglich ist. Die Bestrebungen, Polizei- und Gesetzgehung gegen die Starkstromwirtschaft aufzu- rufen, werden von der Vereinigung der Elektrizitätswerke zurück- gewiesen, um so mehr, als sie sich in erster Linie gegen Gewerbe- treibende, Heimarbeiter, Aerzte und dergleichen wenden, aber auch öffentliche Anlagen von größter elektrizitätswirtschaftlicher Bedeutung und von hohem volkswirtschaftlichem Wert angreifen. Di« Vereini- gung beschränkt sich nicht aus bloße Gegnerschaft, sondern sie arbeitet selbst lebhaft an der Klärung der zahlreichen strittigen Fragen mit, die sich aus diesem Wettstreit der Meinungen ergeben haben, auch konnte sie bereits Wesentliches zur Frage der Entstörung auf der Empfangsseite beitragen. Diese Arbeiten dienen also sowohl den Interessen der Elektrizitätswirtschast wie insbesondere auch der Rundfunkhörer." Direktor Passavant hat damit ein wichtiges Kapitel angeschnitten, mit dem der Rundfunk überhaupt steht und fällt. Ohne Zweifel hat der Netzempfang die Störungserscheinungen vermehrt. Die Mittel, die die Technik bis jetzt zur Bekämpfung der Störung gibt, sind zu teuer. Andererseits weiß man nicht, ob die Rückkehr zur alten Batterie die Störungen erfolgreich eindämmen kann. Die Haupt- Versammlung der Vereinigung der Elektrizitätswerke in Frankfurt hat eine Resolution angenommen, in der sie sich mit den Aus- führungen Passavants einverstanden erklärt. Fingerzeige, wie man eigentlich weiterkommen will, gibt die Resolution leider nicht kein ISO-kW-Sender für Berlin! Neuerdings geht durch die Presse die Mitteilung, daß Berlin einen löv-kW-Großrundfunk- sender erhalten soll. Diese Nachricht trifft nicht z». Der für Berlin in Aussicht genommene neue Sender wird wie die übrigen bisher fertiggestellten deutschen Großsender eine Leistung von 75 kW erhalten, die im Bedarfsfalle ohne technische Umbauarbeiten auf 150 kW erhöht werden kann. Alle Angaben über den Aufstellungs- ort des Berliner Großsenders sind verfrüht. Zurzeit hat die Deutsche Reichspost noch keine Entscheidung getroffen. Lautsprecherchöre in einer Wagneroper. Bei der Aufführung der Oper„Der Fliegende Holländer" in der Hochschule für Musik wurde zum ersten Male der Versuch gemacht, die Geisterchöre von einem anderen Raum in der Rundfunkversuchsstelle durch Laut- sprecher zu übertragen. Obwohl nur ein kläiner Chor aufgestellt war, wurde eine überraschend gute Wirkung erzielt. Der Reichs-Arbeiter- Sport-Tag Berlins Arbeiiersportler und Arbeilerschafl im Grunewald- Stadion/ Großer Auftaki für die Olympiade in Wien/ Olio Wels begrüfd die Zehntausende Der gestrige Reichsarbeitersporttag war wieder eine gelungene Veranstaltung der bundestreuen Arbeitersportler im schönen Stadion im Grunewald. Zehntausende Zuschauer hatten sich schon lange vor Beginn der Veranstaltung eingesunden, so daß die Längsseitenplätze des Stadions und die der Schwimmtribiine bereits dicht besetzt waren, als die zu Tausenden zählenden Sportler sich zum Aufniarsch rüsteten. Das Stadion mit seinem grünen Rasen, den auf- marschierten Sportlern, umrahmt von wehenden roten und schwarzrot- goldenen Fahnen machte auf den Beschauer einen überwältigenden Eindruck. Lebendiges, srohbewegtes Leben und Treiben frischer, jugend- starker Sportlergestalten sah man überall, das war das Kennzeichen « der Veranstaltung des Berliner Arbeitersports! Unter den G ä st e n sah man Vertreter von Behörden, von der Sozialdemokratie war der Vorsitzende Otto Wels und der Reichs- togspräsident Paul L ö b e, serner vom Bezirksvorstand K ü n st l e r und Litke erschienen. Auch die Stadtverordneten- f r a t t i o n und die Gewerkschaften waren durch bekannte Mitglieder vertreten, ebenfalls die Z e n t r a l k o m m i s s i o n für Arbeitersport und Körperpflege. Pünktlich um drei Uhr begann die Veranstaltung mit dem Aufmarsch der aktiven Teilnehmer. Voran das Trommler- und Musikkorps, dann marschieren aus den beiden Eingängen am Schwimmbecken weit über sünftausend Sportlerinnen und Kinder ins Stadion, dessen Rundteil fast zu klein erscheint, die große Zahl der schmucken, glänzend durchtrainierten und gestählten Menschen zu fassen. Es war ein- prächtiges Bild, die tausende jungen Menschen in ihrer bunten Sportkleidung in Reih und Glied auf grünem Rasen zu sehen. Alle Sparten und Sport- arten des Arbeitersportes waren ausmarschiert, bei den Wasser- sportlern sah man Vertreter der Ruderriege des Reichsbanners und der chavelaktionsgruppe. die erst vor kurzem ihren Austritt aus dem Deutschen Wassersportverband vollzogen haben. Der Kärtellvorsitzende Bartelmann begrüßte die Erschienenen und gab dann das Wort dem Vorsitzenden der Deutschen Sozial- demokratischen Partei Ltto Wels. Seine Ausführungen finden unsere Leser an anderer Stelle des Blattes. Nach der Ansprache und dem Abmarsch der Sportler begannen die sportlichen Vorführungen. Ein Programm wurde abgewickelt, das in allen Teilen nur das Beste zeigen konnte. Jede Sportart, die im Stadion gezeigt werden konnte, war aufgeboten. Gäste kämpften in den Läufen, bei den R a d f a'h r e r n, den Schwimmern, Schwerathleten und beim Tennis- spiel, beim Hockey, bei den Handballern, Leicht- a t h l e t e n. Besonderen Eindruck machten die Olympiade- Vorführungen, von denen die Sportlerinnen-Freiübungen in ihrer anmutsvollen Ausführung am besten gefallen tonnten. Es war bald des Guten zuviel, was geboten wurde. Doch geduldig hielten die Zuschauer aus, so ihr Interesse und ihre Verbundenheit mit den bundestrcuen Arbeitersportlcrn bekundend. Die Vorkämpfe Eine sehr starte Besetzung hatten die leichtathletischen Wettbewerbe. Sehr früh setzte daher auch schon der Zustrom der hier beteiligten Sportler ein� denn bereits um!411 Uhr begannen die V o r k ä m p f e. Besonders viel Arbeit und Zeit erfordern stets die Wettkämpfe in den technischen Geräten. In 3 bzw. 4 Riegen mußten in den einzelnen Klassen im Hochsprung, Weitsprung, Kugel- stoßen, Diskus- und Speerwerfen die Anwärter für die Endkämpfe ausgeschieden werden. Wegen der überaus starken Beteiligung wurden der 1Sl>(>-Meter-Lauf, die 4xl<)l>-Meter-Stafette und die l0x2-Meter-Stafette geteilt und die L-Läuse gleich während der Vorkämpse ausgetragen. So fiel schon um l2,1l> Uhr die erste Entscheidung im 1S-Meter-Lauf, den Brunner-Ostring mit einigem Vorsprung gewann. Die 10 x 200-Meter-Stafette holte sich Tegel, während in der 4xllX>-Meter-Stafette der unteren Mannschaften ASC. und Moabit erfolgreich waren. Den Abschluß der Vorkämpfe bildete der 3<)l)<)-Meter-Lauf. Sennert-ASC. gewann in 9.37,7 vor Freudental-Lankwitz und Böhm-Rordring. Da» Haupfprogramm Nach der Rede Wels' zogen die Motorradfahrer um die Bahn. Alsdann rollte«in abwechslungsreiches Programm ab. Im Stadion zeigten zunächst die Männer und die Kinder ihre Olym- pia-Uebungen. Noch dieser Vorführung sorgten die Renn- s a h r e r mit einem I3-Runden-Punktefahren für reges Leben. Sieger war Herzog-Charlottenburg mit 15 Punkten. Inzwischen be- gannen im Jnnenraum die Wurf- und Sprungentschei- düngen. Die Kinder trugen in einem Massenfeld in zwei Läufen eine Illxöll-Meter-Pendelstafette aus. Gleich darauf schufen die Sportlerinnen von Volkssport-Wedding in der 10xl00-Meter-Sta- fette eine neue Bu n d e s h ö ch st l e i st u n g mit 2,18,4 Minuten. Es wurden überhaupt in vielen Konkurrenzen die bisher in diesem Jahre besten Leistungen der Berliner Sportler erzielt. Erwähnens- wert sind bei den Sportlern Heldt-ASC., 290 Meter in 23,1 Sek.: Kugelstoßen und Diskuswerfen, Lemgau-ASC. 11,39 und 33,17 Meter: Stabhochsprung, Rutz-Ostring 3,15 Meter. Bei den Sport- lerinnen: Dumke-Osten 109 Meter in 13,1 Sek., Hochsprung Piepen- bürg- ASV.-Neickölln 1,49 Meter, Speerwerfen Schulz- ASC. 34 Meter! bei den Jugendlichen: Fischer- Volkssport Wedding 109 Meter 1l,8Sek., Kumm-Kaulsdorf Hochsprung IM Meter, Rollte- Osten Kugelstoßen 13,64 Meter. Schöne Kämpfe gab es serner in den Mittelstrecken der Männer und Jugendlichen. Den 1599-Meter- Lauf gewann Huwe-ASC. nach abwechselnder Illhrung vor den Ostringern Kittler und Kintscher in der guten Zeit von 4,13 Min. Im 1999-Meter-Iugendlauf lief Bolze-ASV-Neukölln hart bedrängt ran Jahn-Moabit die für Jugendliche beachtliche Zeit von 2,52,9 Miii. Die Stafetten brachten wieder die gewohnten Kämpfe. Be- sonders die Moabiter überraschten angenehm. In der 4xl99-Meter- Stafette liefen sie trotz nicht sehr guten Wechsels dicht zu ASC. auf. Die 19 x 299-Meter-Stafette der K-Klasse gewann Moabit überlegen, während ASC. in der 29 x 399-Meter-Stafette nicht zu schlagen war. Ostring hatte durch Krankheit nicht die volle Mannschaft zur Stelle und Nordring hatte den Sürt verpaßt. Aehnlich ging es Volkssport- Wedding bei der Jugend in der 19x199 Meter-Stafette. Hier konnte ASV.-Neukölln erst in der Zielgeraden Eiche-Köpenick auf den zweiten Platz verweisen. Als Abwechslung im Programm fuhren der Arbeiter-Rad- und Kraftfahrer- Bund„Solidarität" einen Massenreigen, der reichen Beifall fand. Dann zogen die Schwerathleten eine halbe Stunde fcie Ausmerksamkeit auf sich. Ringer, Heber, Iiu-Iitsu-Kämpser usw. warben für ihre Sportart mit spannenden Kämpfen. Mit zwei Musterriegen am Barren zeigten Turner und Turnerinnen gutes Können. Die Turnerinnen erwiesen sich ferner als die besten Beherrscher der Olympia-Freiübungen und der Olympiatänze. Sie traten zahlenmäßig am stärksten an. Reicher Beifall belohnte ihre Uebungsarbeit.— Der„Rast" endete mit einem Stunden-Radrennen. Die angenehme Abendtemperatur ließ die Zuschauer bis zum Schluß aushalten. Das Rennen selbst gestaltete sich äußerst interessant. Fünf Paare lagen bis zum Ende beieinander. Durch die eingelegten Wertungen gab es stets wieder Tempo und Kampfstimmung. Sieger wurden Herzog-Wothe mit 26 Punkten vor Hoffmann-Schwarz mit 19 Punkten, Unger-Sacht- leben 16 Punkte, Köllner-Praufe 15 Punkte. Gefahren wurden 42,4 Kilometer. HlandbaM Leipzig— Berlin 12:4 Kaum war der Innenraum von den Sportlerinnen geräumt, da erschienenen von der Schwiminbahnseite her die Leipziger, vom Hauptcingang die B e r l i n er Handballer. Sofort setzte ein ausgeregtes Diskutieren über die Aussichten der Mannschaften ein. Daß Berlin gewinnen würde, stand bei dem größten Teil der Zu- schauer fest. Aber ach, wie groß war dann die Enttäuschung. Von Anfang an zeigte es sich, daß die Berliner trotz der vorhergegangenen Auswahlspiele vollkommen unvorbereitet ins Spiel gingen. So etwas von Planlosigkeit innerhalb des Sturms hat man wohl selten erlebt. Der Ball fand nie den Weg, den er nehmen sollte. Kam es aber doch einmal vor, so war alles erstaunt. Bei den Gästen klappte es wie am Schnürchen. Selten einmal, daß der Ball nicht richtig zugespielt wurde. Daher auch die große Torüber- lcgenheit. Der Torreigen wurde in der zweiten Minute von Leipzig er- öffnet. Unhaltbar konnte der Mitelstllrmer einen schlecht abgewehrten Ball zum Führungstreffer einsenden. Dann war es eins Zeitlang der Berliner Torwart, der olle noch so gut eingeleiteten Angriffe zu- nicht« machte. Aber auch sein Gegenüber zeigte bei den gelegent- lichen Angriffen des Berliner Sturms, daß er ein Meister seines Faches war. Als dann in der 13. Minute der zweite Treffer fiel, setzte der Torsegen ein. Schon fünf Minuten später lautete das Resultat 5:9 für Leipzig. Da endlich schienen sich die Berliner be- sonnen zu haben, daß sie schließlich auch noch da sind.. Die folgenden zehn Minuten waren eigentlich der schönste Teil des Spiels. Nach einigen vergeblichen Versuchen gelang es, das Resultat auf 5:1 zu stellen. Mehr und mehr kamen nun die Berliner auf: vier Minuten vor der Pause war der Stand 5:3, da gelang es den Leipzigern Ys Minute vor dem Abpfiff den sechsten Treffer zu schießen. Die zweite Halbzeit stand eigentlich nur im Zeichen der Leipziger. Die Planlosigkeit wurde bei den Berlinern immer größer, die Ueber- legenheit der Leipziger trat immer mehr zu Tage. Die.Zztschauer hatten Mühe, die Tore zu zählen. In kurzen Anständen überwandten die Leipziger den Berliner Torwart noch sechsmal, dem die Ein- heimischen nur einen �iref�er entgegensetzen konnten. Mit 12:4 für Leipzig fand das Spiel fein Ende. Die Schwimmer Die Schwimmer Hatten wieder ihren guten Tag. Wie immer wurde das Bassin von Liebhabern dieses Sportes stark belagert. Sehr ins Zeug legte sich gleich zu Anfang bei den Stafetten„Möse", die aber von Groß-Berlin und Charlottenburg überholt wurden. Auch„Hellas" stand gut. Sehr stark war das Iugendkraul- sich w i m m e n besetzt, das Kreuz-Union mit 1: 14: 1 gewinnen konnte. Im Turmspringen siegte wider Erwarten Kühn- Groß-Berlin mit 35'» Punkten. Sehr großen Beifall fand der 69er Kun st reizen der Frauen. Im Wasserballspiel, das besonders starkes Interesse fand, spielte überlegen der 2. Bezirk. Im allgemeinen durfte man bei den Schwimmern vorzügliche Leistungen feststellen, wie auch die nachstehenden Ergebnisse zeigen. Aianncrtraulswfctt« 70X20 Meter: 1. Hellas l 2. Cbarlotlenbarq 5.32.— Männliche Iugendbruststafctte 4X100 Meter: 1. Treiheit 6.15,4; 2. Gr»z.Ber!in I 6.26,8.— Wcidlichc Inge ich lagenslafettc 3 X 50 Meter: 1. Sroß-Bertin T 2.15,1; 2. Grog-Bcrtin irr 2.21,6.— Männliches Angen>5?raul» sänoimmen JU, B, 100 Meter:»> 14-16 Jahre: 1. Seelach. Graß-Berlin 1.18,4; 2. Preuß(Hellas) 1.1«. b) 16-18 Jahre: 1.«rcuä> Union) 1.14,1; 2. Iimniä (Hellas) 1.18,2.— Männerlagenstafette 4X100 Meter: 1. Hellas I 5.19.8; 2. Hellas n 5.36.— Iugeniilprinoen: 1. Greusing(Krvg-Berlin) 20 Puickte; 2. Menzel(Hella») 181, Pkt.— ffrouenbruststa fette 6 x 50 Meter: 1. Groß. Berlin 1 4.52; 2. Hellas 5.06.— Männliche Jugcntrlrairlftafette 6 X 50 Meter: 1. Hellas 1 3.20; 2. Groh-Berli» II 3.34,— Turmsprinzen: 1. Kiihn(GroK. Berlin) 35% P.: 2. Nachtigall(Hellas) 34!ii P.— Männliches Iuaendkraul- fchrniinmen Klasse A, 100 Meter: 14—16 Ialire: 1. Tcske(Hellas) 1.16,4; 2. Hinrelmann(Hellas) 1.16,4. 16—18 Jahre: 1. Richter(Freiheit) 1.10,2; 2. Kienemann(fsreiheit) 1.12,4.— Weibliän-S?»ge närueke nfchi MIN en. 100 Meter: 14-1» Zahre: 1. Schlenker(Union) Ich«: 2. sbrinqchausen(Union) 1.58,2. 16-18 Jahre: 1. Weber(fsreiheit) 1.51,4; 2. Brann(Groß-Berlin) 1.51,8.— Wasserballspiere: 1. Bezir! gegen 3. Bezirk: 7: 6(3: 3); 2, Bezirk gegen 4. Bezirk: 9: 3(4: 0). Das Hockey spiel Gemessen an der Jahreszeit wurde ein recht schnelles Spiel erzielt, in dem FTGB.-Nordring von vornherein durch gutes und geschlossenes Zusammcnspicl überragte. Frei-Hockey-Spandou vcr- legte das Spiel zu stark auf die linke Seite, war allerdings in der ersten lialbzeit besser als Nordring. Der Sieg blieb diesen mit 4:9(1:9). Tennisspielc Die Tennissportler zeigten auf den leider etwas abseits ge- legenen Plätzen am Sportforum durchweg gutes Spiel. Sie waren vorzüglich angetreten, Tennis-Rot mit 369, FTGB. und Frei Tennis mit zusammen 89 Spielern. Die Serie»spiele der Frauen- .V-Mannschaften zeigten folgende Resultate: 1. Tennis-Rot- Friedrichshain gegen FT.-Spandau 18:9: Friedrichshain dürfte damit endgültig die Spitze für die Kreismeisterschaften erreicht hoben. 2. Tennis-Rot-Neukölln gegen Tennis-Rot-Köpenick 13: 5: Köpenick hielt sich dabei gegen die starken Neuköllner oußerordent- lich gut. 3. FTGB. gegen Tennis-Rot-Wedding 18: 9: für die letzteren ist damit endgültig die Bahn des Abstiegs beschritten. Bei den.�.-Mannschaften der Männer siegte Tennis-Rot- Friedrichshain dank seiner überlegenen Taktik mit 14: 4. Eine große Ueberraschung bracht« das Spiel Tcnnis-Rot-ReuköUn mit 13: 5 gegen Tennis-Rot-Lichtenberg. da die Neuköllner gegen die gutspiclcnden Lichtenbergcr eine so gute Punktzahl nicht erwartet hatten. Die FTGB. hat ihre Schlappe vom letzten Sonntag gut aufgeholt, denn sie erreichte gegen Tennis-Rot-Gesundbrunnen 18: 9. Die FrcienSeglcr beteiligten sich mit Floggendcputakloncn am Aufmarsch im Stadion. Auf den Klubgrundstückcn waren riesige rote Transparente angebracht, die die Arbeiterseglcr auf die allein zuständige Organisation, den Freien Segleroerband, hinwiesen. * lieber die � Ausstellungen der A r b e i t c r- K u l tu r v c r- bände werden'wir morgen an dieser Stelle berichten. Sportergebnisse beim käst Kngerftosscn, Männer: 1. Leingou(ASG.) 11.39; 2. Höfler(Köpenick) 11.14. 10X100 Meter, Sportlerinnen(Endlauf): 1. Bolksipor! Wet.binq 2.18.4; 2.•llöll. 2.18,6.— 10 X 100 Meter, Jugend: 1.-ASP- Neukölln 2.05.2; 2. eiche Köpenick 2.05,3.— 200 Meter, Sportler(Cr.blcuf); JH. V; 1. granke(Ostring) 23.8; 2. Hörster(Eiche Köpenick) 23.9.»I. 5: 1. Held(BSE.) 23.1; 2. Wienicke (ASE.) 22321.— 1500 Meter, Sportler:' 1. Huwe(ASE.) 4.1.3; 2. Kittler(Ost- ring) 4.15.— 100 Meter, Sportlerinnen: 1. Dumkc«Osten) 13.1; 2. Lenek« (Volkssport Wedding) 13.6.— 100 Meter, Jugend(Iohrg. 15 16): I. Schilldach (Ostring) 12; 2. Hanisch(Slldosi.Trcpion,) Handdr, zur.— 100 Meter, Jugend (Iohrg. 13/14): 1. ssischcr(Bollslpvrl Wedding) 11.8: 2. Lehmann lOfl» ring) 11.9.—?ist«lerverfen, Sportler: 1. Lcmgäu(ASC.) 33.17 Meter; 2. Wegencr(Ostring) 31,98 Meter.— Spcermerfen, Jugend: 1. Lehmann(Ost- ring 45,40 Meter: 2. Dahn(ASE.) 45.38 Meter.— low Mrtcr. Jugend: 1. Bolze(ASB. Neukölln) 2.52,9: 2. John«SV. Moabit) 2.53,1.... 10. 260. Meirr-Stofette, Kl. 15(Endlauf A): 1. Moabit 4.07,6; 2. ASV.«cdding 4 15. — 20 X 500.Eto fette(Spoetlce): 1. ASE. 13.14,6: 2. Ostring 13.26,5.-- Kugel. stoßen(Jugend): 1. Rollke«Gr.. Berlin Olte») 13.61: 2. Lehmann(Ostring) 12.82.— Speerwerfen(Sportlerinnen 1. ochulz(ÄSE.) 34 Meter; 2. Oelel (Volis'lport Wedding) 29,58 Meter.— Stabhochsprung: 1. Rnst(Ostring). Bergen(Schönow) 3,16 Meter; 2. Gramnann(Echöneberg) 3.05 Meter.- Kugelstoßen«Sportlerinnen): 1. Dumkc(Gr.-Berlin Osten) 8.41 Meter; 2. Rauh (Bolkssport Wedding) 8.24 Meter.— 4 x 100.MeterX3tasette(Sportler) Kl. 0: 1. Eiche Köpenick 46.4; 2. Schönow 47.2. Einladung: 1. ASE. 45.6: 2. Moabit 4.5.8.— Hochsprnng(Sportierinnen): 1. Picpenburg(ASV. Neukölln) 1,4) Meter; 2. Werst(ITGB. Nordring) 1.35 Meter.— Hochsprung(Sportler) (Olympia): 1. Görsch(ASE.) 1.71 Meter; 2. Schicrwagcn(Ostring) 1,66 Meter. — Hochsprnng. Jugend(Entscheidung): 1. Knmm(Kau(sdors) 1,66 Meter; 2». Dahn(ASl!.) 1,58 Meter; 2b. Kala»(Volkssport Wedding) 1.58 Meter. Korz-Berichie vom Sonniagssport krewer gewinn! das„Goldene Rad". Aus der Olympiobahn wurde gestern das größte Nennen des Jahres, das„Goldene R a d", mit der Elitebesetzung Sawall, Krewer, Möller, Maronnier, Thollembeek, Constant und Urago ausgefahren. Etwa 19 999 Be- sucher bekamen gute Kämpfe zu sehen. Im Gesamtklassement wurde der vorjährige Sieger Krewer wieder erster vor Urago, Sawall, Thollembeek, Möller, Maronnier und Constant. Zielfahrl nach Ketzin. Die Motorbootabteilung des repudli- konischen Deutschen Reich s-Auto-Clubs unternahm am Sonnabend und Sonntag eine Zielfahrt noch Ketzin an der Havel. Eine schöne Fahrt und eine wohlgelungene Abendveranstaltung vereinigte 130 Teilnehmer in 29 Booten. „Dionys" gewinn! das Derby. Bei Massenbesuch wurde am Sonntag in Hamburg-Horn zum 63. Male das Deutsche Derby gelausen. 17 Pferde erschienen am Start. Sieger wurde der in den letzten Tagen zum Favoriten erhobene Hengst „D i o n y s" des preußischen Staatsgcstütes Grabitz mit dem Iockey Böhlke vor von Oppenheimers„Adricnne" und Dillmonns „Missouri- und„fflranoiUc".»er Xoto guyltc SS Oicg, 14, 87, 21, 21 Platz. Die gestrigen vorkämpfe im Lunapark fanden das Interesse von vielen tausend Zuschauern. Der Halbschwergewichtler Eggert wurde von S a b o t t k a in der sechsten Runde schwer k. o. gc- schlagen. D r e k o p f siegte über den Berliner B o g u h n nach Punkten. Roth bleibt Europameister. Im Brüsseler Sportpalast kam der Boxkampf um die Europameisterschaft zwischen den Titelhalter Gustav Roth und dem italienischen Meister Bittorio Benturi unter Leitung des französischen Ringrichters M. Patris zur Eni- scheidung. Auch gegen diesen Widersacher verteidigte Roth seinen Titel mit Erfolg. Er war während des größten Teiles der fünfzehn Runden der Bessere und erhielt die verdiente Punktentfcheidung. Fußballspiel der„Oase". Die Kllnstler-Sportvereinigung„Oase"- trug gestern nachmittag im Poststadion ihren zweiten Fußboll- kämpf„B ü h n c- F i l m" gegen„P a l e t t e- P r e s s e" aus. Das Spiel, dem Taufende von Zuschauern beiwohnten, endete 3: 5. Während des ganzen Spiels waren die Presseleute überlegen und es kain nur durch die Nervosität ihres Torftehcrs zu einem Uncnt- schieden. Zum 199. Male: 1. FE. Nürnberg— Spielvereinigung Fürth. Die beiden großen süddeutschen Fußballvercine 1. FC. Nürnberg und Spielvcreinigung Fürth tnigen am Sonntag ihr Iubiläumsspiel aus. Zum 199. Male traten sich beide Fußballmannschaften gegen- über und auch diesmal wieder siegte, wie schon so oft, der„Club", jedoch nur knapp mit 2:1(1:1). Der Deutsche Fußballmeister geschlagen. Aus Anlaß seines 39jährigcn Bestehens hatte Rotwciß-Frankfurt a. M. den deutschen Fußballmeister Hertha-BSE. zu einem Freundschaftsspiel nach der Moinstadt verpflichtet, in dem die Gastgeber knapp mit 6:4(3:2) die Oberhand behielten. Scgclslüge in Tempelhaf. Bei dem Flachland-Segel- s l u g t n g, den die Flughasen-Gefellschoft gestern veranstaltete, wurden ganz hervorragende Leistungen geboten. Die Segelsl'eger Bebau und Meyer zeigten alle Arten des Segclflugstarts. Der Pilot Wolf Hirth kreuzte in einem zweistündigen Segelsluge über der Stadt. Ausführliche Sportberichte, die In der vorliegenden Ausgabe nicht mehr erscheinen konnten, finden unsere Leser im Sportteil des„Abend" vom Dienstag. R.egstt« des D�iVV. Auf dem Tegeler See fand am Sonntag die diesjährige Frü- jahrsregotta des republikanischen Deutschen Wasser- sport-Berbandes statt. Obwohl der Verband erst feit drei Jahren besteht, mar die Beteiligung an der Regott«, sehr stqrk und es wurden durchweg gute sportlick)- Leistungen erzielt. Zahlreiche Vertreter der Reichs-, Staats- und Kommunolbehörden nahmen on der Veranstaltung teil, oder hatten durch ein Schreiben ihr« Glück» wünsche übermittelt. Iunamann Doppel-Kajak: Kanu»?re!n Undine; Steemepl— klosiek 5.55.- Iuntoren Doppel.Kasck: Klub Blau-Weib. Tegel: Haebriä)— Bergmann 5 44. — Senioren Doppel'Kgiak: Kanuk'ub Ais.ni Äaibe-Marr 5.50.- Vrt.'ari'. Meisterschaft im Rcnn-Sinc: fiie Kanu: Klub AK-». 9B. Wo t- 5 52. Iuim- mann Renn-Eii-er sil» sianu: Kanuklub Allen R. Woii».504.— Ialr'eet Doppel Nie Herren: Wasserfportklub Bla«!.W:iÄ. Tegel: Ziegler-Toll, 6.12.— .(unatnann.Bmrer: Bcrpog 7.39.— Iuncoren.Pier«,: Brrlinrr-Brerinstoff�pe» (evscherft: 7.7.— Berbanbs Meisterschaft rm Riemen-Bicree: Triton e. B.z Leipzig: 7.32.