BERLIN Mttwoch 1. 3u(t 1931 10 Pf. ?!r. 302 B 151 48. Lahrgang Erscheintttzlich außerEvnntag«. Auglklch Abendausgabe des.Vorwärts". Bezugspreis beide Ausgaben SS Pf. pro Woche, n,6c>M. pro Monat. Redaktion und Expedition: Berlin SW68,Lindenstr.J Fernsprecher: Dönhoff CA 7) 292— 297 iMrfutoidö Anzeigenpreis: Die einspaltigeNvnpar.iUcjnI- 8o Pf., Reklamezeilc SM. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto: Vvrwarts-Verlag G.m. b.H.. Berlin Nr. S7 S3e.— Der Verlag behält sich das Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor! Die Partei rust! Die Sozialdemokratie erwartet, daß jeder seine Pflicht tut! Genossinnen und Genossen! In den letzten Wochen befand sich Deutschland am Rande des Abgrundes. Der Plan des Präsidenten choaver hat die Gefahr des Absturzes vorläufig gebannt, aber nicht über- munden. Die Schrecken erhöhter Arbeitslosigkeit durch die Der- «ngerung des Notenumlaufs, die die Schließung zahlreicher indu- stricllcr Unternehmungen nach sich gezogen hätte, gesteigerte Rot, rergrößertes Elend. Verzweiflung weiter Volksteile harrten unser. C.ahlungsunfähigkeit der Länder und Gemeinden und auch des Reiches standen sichtbar vor unseren Augen. Kommuni st en und jro schiften lauerten darauf, aus der gesteigerten Not des Volkes politischen Gewinn zu erringen. Di« Welt sah auf Deutsch- land, in dem alle Kräfte zur Selb st zerfleischung inobil gemacht zu sein schienen. Nur wenige im Volke konnten sich«in wirkliches Bild von den unerträglichen Zuständen machen, denen das deutsch« Volk und in erster Linie die arbeitende Klasse entgegenging. Die soziasdemokratische Veichstagssraklion sah die Ens- Wicklung klaren Auges vor sich. Das bestimmte ihre Haltung und ihren Entschluß. Der Kampf gegen die Notverordnung trat angesichts des drohenden Zusanm-enbruchs vor dem im Augenblick Notwendigsten zurück. Aber er wurde nicht aufgegeben, sondern un- beirrt fortgeführt. In, Ausland Verständnis zu erwecken, daß die Beseitigung der sozialen Ungerechtigkeiten innerhalb der Notverordnung eine Notwendigkeit ist, wenn Deutschland sich nicht in inneren Unruhen oerzehren soll, ivar die nächste Aufgabe. Die Kräitc im Ausland, die zur Hilfe für Deutschland bereit waren, mußten überzeugt werden, daß die Aenderung der Notoerordnung innerhalb ihres finanziellen Rahmens eine innere Angelegenheit Deutschlands sei und keine Gefahr für die helfenden Kräfte des Auslandes in sich berge. Die deutsche Sozialdemokratie hat sich dank ihrer Politik ols der stärkste außenpolitische Faktor erwiesen. Ihr und ihrer Politik ist es zu danken, daß helfende Kräfte im Ausland sich regten. Wäre der Einfluß der Faschisten»ich Bolschewisten in Deutschland stärker als der der Sozialdemokratie, so hätte das zum Abzug aller Kredite des Auslandes aus Deutschland geführt und die arbeitende Klasse befände sich heute in einer geradezu verzweifelten Lage. Die Härten der Notverordnung müssen gemildert werden. Der Weg aus der Wirtschaftskrise muß gefuichen werden, und er wird gefunden, wenn es gelingt, den Kampf aller gegen alle, der Zu- sammenbruch und Hungersnot bedeutet und gerade die Aermsten mit Vernichtung bedroht, zu verhindern. Das Allerfurchtbarst« ist vorerst im letzten Augenblick abgewendet worden durch die Disziplin, durch die p o l i t is che Schulung der Genossinnen und Genossen, durch das tiefe Vertrauen, das die größte Arbeiterpartei der Welt, die deutsche Sozialdemokratie, in diesen furchtbaren Schicksalsjahren und-tagen zusammenhält. Die Pflege dieser unerschütterlichen Disziplin, die unermüdlich« politische Schulung unserer Mitglieder und unserer Jugend, der wir eine bessere Welt erkämpfen wollen, das tiese Vertrauen von Mann zu Mann, vom jüngsten Mitglied bis zu dem durch das Vertrauen der Masse gewählten Führer sind heilige Auf- gaben, die die Geschichte jetzt an uns gestellt hat und die zu lösen wir verpflichtet sind, wenn wir dem Proletariat den Weg ins Frei« bahnen wollen. Gerade die Erfahrungen der letzten Wochen erweisen, daß die Ausgabe, die wir uns bei Jahresbeginn gestellt haben, von ent- scheidender Bedeutung ist. Die Aufgabe, die der einzelne für sich allein lösen muh und die ihm keiner abnehmen kann: Werben! Werben! Werben! Genossinnen und Genossen! Wo bleibt der zweite Mann? Wir brauchen ihn, wir brauchen den dritten, den vierten, den sünsten. Wer je gezweifelt hat, daß das«ine unserer wichtigsten Aufgaben ist, den müssen die letzten Wochen eines Besseren belehrt haben. Weg mit den Parteien, die das Chaos wollen! Weg mit den Parteien, denen das Leben der Werktätigen nichts gilt! Klärt die Irregeleiteten auf. Sagt ihnen, daß es unser« Oer Mord von gestern Oer erschossene polizeibeamie Gozialdemokrai, Gewerkschaftler, Reichsbanner- mann— Belohnung auf die Ermittlung des Mörders Der Polizeipräsident hat für die E r g r e i- sung der Täter, die den Polizeiobcrwachtmeister Kl u h f e l d gestern abend bei den kommunistisclzen De- monstrationen erschossen haben, eine Belohnung von dreitausend Mark ausgesetzt. Obgleich dl« Politische Polizei mit aller Energie die Ermittlungen nach dem INördcr des Schupowachtmeistcrs Emil k u h f e l d aus- PoUxeioberrcactitmelfler CKuhfeld genommen hat, Ist das Ergebnis bisher negativ verlaufen. Die 1? Demonstranten, die am Tatort aus der Menge heraus festgenommen wurden, geben nur zum Teil zu, der kommunistischen Partei anzugehören. Einige behaupten parteilos zu sein. Die Ermittlungen gestalten sich naturgemäß außerordentlich schwierig, da sich bisher nirgends auch nur die geringste Spur bietet. Der ermordete Oberwachtmeister gehörte seit Iahren der Sozialdemokratischen Partei an. Als Mitglied des Reichsbanners war Genosse Kuhfeld in der Ortsgruppe Friedrichshain in vorbildlicher Weise tätig. Der erst 28fährigc, der mit knapp 20 Iahren in den preußischen Polizeidienst eintrat, gehörte noch bis vor kurzer Zeit dem Verband der Preußi- schen Polizecheamten an. Infolge seiner Tüchtigkeit als Funktionär wurde ihm die Ortsgruppenleitung übertragen. Erst vor 8 Tagen beteiligte sich Genosse Kuhfeld als Delegierter am Gründungs- verbandstag des Reichsbundes deutscher Posizeibeamten. Aufgabe ist, die Fäden, die die deutsche Wirtschaft mit denen der Welt verbinden, fester zu knüpfen. Bekämpft die, die sie zerreißen wollen. Wir bekämpfen die kapitalistische Gesellschaft, ober wir leben in ihr und ändern sie nur in ihr. Darum rufen wir euch zu: Dergeßt diesen Juni ISZl nichl! Lernt ihn in seiner ganzen Furchtbarkeit und den Gefahren, die er in sich barg, erkennen, werbt! werbt täglich! werbt unermüdlich! Nur dadurch könnt ihr verhindern, daß sich so furchtbare Schicksals- tage wiederholen. „Zum dichten Wall schließt eure Reih'n Da kann nicht Sorge, nicht Not hinein." Hebt die Gegner aus dem Sattel. Isoliert die Geld- geber der Reaktion, die Zeitungs- und Filmdespoten, die Käufer der öffentlichen Meinung, die Industriebarone, die Prinzen und hetzenden Generäle, die größenwahnsinnigen Aben- t e u r e r, die das deutsche Volk an den Abgrund führten und ihm die mühsam errungenen Freiheiten rauben wollen. Wir rufen euch zu, eindringlicher denn je: Wo bleibt der zweite Wann? Berlin, den 1. Juli 1SZ1. Der Parleivorstand. Eine Mörderkugel hat nun dieses hoffnungsreiche Leben eines jungen Kämpfers ausgelöscht. Es Ist innerhalb vier Wochen der zweite schwere Verlust, der der Sozialdemokralischen Partei von kommunistischer wörderhond zugefügt worden ist. Am 29. Mai, genau vor einem Monat, wurde der 37jährige Polizeihauptwachtmeister Genosse Paul Zänkert am Seneselder- platz ebenfalls von kommunistischen Mordbuben hinterrücks nieder- geschossen und tödlich verletzt. Die Blutschuld der Konnnunistisch«n Partei wächst ungeheuerlich. Spariakiade-Komiiee aufgelöst! Der Berliner Polizeipräsident hat aus Grund der Notoerordnung des Reichspräsidenten zur Bekämpfung politischer Ausschrei. langen im Zusammenhang mit dem verbot der Spartakiade das internationale Spartakiade. Komitee sowie die entsprechenden llnterorgane ausgelöst. Auch das Tragen des Abzeichens der Spartakiade ist verboten worden. heute vormittag 10 Uhr hat die Abteilung I A. des Polizeipräsidiums eine Durchsuchung der Bäume des internationalen Spartakiade-Komitees vorgenommen und sämtliche» Material be- schlagnahmt. Die erwarteie Ausrede. Angesichts des blutigen Ausganges der kam- munisti schen Demonstration in der Frankfurter Allee ist der„Roten Fahne" zunächst die Sprache verschlagen. Sie begnügt sich mit dem Abdruck des Polizeiberichts und fügt an anderer Stell« nur hinzu, daß die Demonstrationen im Osten m i t der Spartakiade nichts zu tun hätten. Dagegen wird in dem kommunistischen Münzenbcrg- Morgenblatt schon der Dreh gefunden, den wir als kommend sicher voraussagten: Es wird angedeutet, daß„Provokateure am Werk" seien und schließlich behauptet, Kuhfeld sei in das Feuer seiner eigenen Kollegen geraten und dadurch getötet. Die„Provokateure" sind tatsächlich am Werk. Sic sitzen in der Leitung der Kommunistischen Partei und in ihre Unterorgani- sation. Sie haben nun schon seit Wochen eine„Hungerdemon- stration" nach der anderen veranstaltet, die Erwerbslosen immer wieder zu Verzweiflungsakten aufgestachelt und den Haß gegen die Beamten zur Siedehitze entfacht. Wenn dann das Opser gefallen ist, ziehen sich die Anstifter zurück. Falls aber die Polizeirevolver auch einmal losgehen, dann wird die jchmlose Mordpsychose wach- gerufen, die wir in Berlin ja hinreichend kennengelernt haben. Den Pr o v ok a t e u r e n der KPD. ni u ß das Handwerk gelegt werden. Aber das kann endgültig durch keine Polizeiaktion und keine Gesetzgebung erfolgen, das kann nur geschehen durch die klare Einsicht und das feste Wollen der deutschen Arbeiter, die sich von der Seuche der kam- munistischen SpitzelarbeitimDienstederTurkestaner selbst befreienm uß! Scharfer Protest des Reichsbanners. Die Gauleitung des Reichsbanners Schwor,« r o t g o l d erläßt die nachstehende Erklärung: Der gestern aben in der Frankfurter Allee von Kommunisten erschossene Polizeioberwachtmeister K u h f e l d gehörte ebenso wie der am 29.Mai 1931 gleichfalls von Kommunisten ermordete Ober- Wachtmeister Zentert dem Reichsbanner Schwarzrot- g o l d an. Dieser neuerliche feige Mord an einem Diener des Volks- staates ha in den Reihen der Reichsbannerkameraden, denen der Ermordete kameradschaftlich verbunden war, ungeheure Em- pörung und Erbitterung ausgelöst. Sie fordern, oaß dem Treiben der kommunistischen Parteigänger, die durch verant« wortvngslose Führer und eine gewissenlose Presse in immer neue Verbrechen hineingehest werden, ei» Ende gemacht wird. Die Polizeibeamten der Republik sind nicht Freiwild für schießwiitigc Moskowiter und Faschisten. Als sichtbares Zeichen des Protestes gegen das Treiben kommunistischer Mordbuben nehmen sämtliche dien st freien Reichsbannerleute an der Be- erdig nng des Kameraden Kuhfeld teil. Nähere Anweisungen erfolgen durch die Gauleitung Ltniversiiäi wieder eröffnei. Kommunisten sofort unbotmäßig. Am heutigen Tag wurde die Universität wieder eröffnet. Ilm das Eindringen nniversitätsfremder Elemente, die bei den kürzlich stattgefundenen Krawallen teilgenommen hatten, zu verhindern, wurde durch die Polizei eine st rege Ausweis- k o n t r o l l e durchgeführt. Infolgedessen blieb es fast den ganzen Vormittag ruhig Nur die Kommunisten bildeten einen ver- botenen Stehkonvent. Eine Studentin versuchte eine Rede zu halten und als einer der Pedelle ihren Namen feststellen wollte, wurde er durch einen Kommunisten daran gehindert. Der Student und die Redncrin wurden daraufhin von der Polizei verhaftet. Krawalle in Peine. Dreizehn Gchwerverlehte. Peine, 1. Juli. Ein nationalsozialistischer Demonstrationszug. der sich im An- schluß an eine Versammlung der Nationalsozialisten durch die Stadt bewegte, wurde von den Kommunisten, die aus Braunschweig Verstärkung erhalten hatten, angegriffen. Es kam zu Tätlichkeiten, in deren Verlauf auch Schüsse fielen. Auch die Polizei mußte zur Schußwaffe greisen. Dabei wurden 13 Personen schwer verletzt. Später wurde die Polizei erneut angegriffen, so daß sie die Straßen mit dem Karabiner säubern mußte, hierbei wur- öcn zwei Polizeibeamte verletzt. Bisher wurde ein Kommunist ver- haftet. Im Innern der Stadt herrschte um Mitternacht noch große Unruhe. Hakenkreuzierror an Hochschulen. Erklärung des Senats der Universität. München. 1. Juli. Der Senat der Universität München hat folgende Erklärung be- schloffen: Der Senat, nni 30. Juni nachmittags zusammengerufen, be- dauert auf das tiefste die beschämenden Vorgänge des Morgens, die die akademische Würde auf das tiefste verletzt haben. Sie sind, wie so oft schon, zum Teil wenigstens auf Ein- d r i n g l i n g e zurückzuführen, die der Universität nicht angehören. Die'Notwendigkeit, in die sich der Rektor versetzt sah, die Polizei herbeizurufen, um das Schlimmste zu verhüten, wurde vom Senat unter den gegebenen Umständen einstimmig a n e r k-a n n t und dem Rektor ebenso einstimmig das volle Ver- trauen des Senats ausgesprochen. Ein Untersuchungsausschuß wird sich mit de» Vorkoinmnissen und der Ermittlung der Unruhe- stifter befassen. Das Universitätsgebäude bleibt ge- schlössen, bis eine Gewähr gegen Wiederholung solcher Störun- gen des Unterrichtsbctriebes gegeben ist. Das Stiftungsfest der Universität muß angesichts dieser schweren Erschütterungen des akademischen Lebens unterbleiben. Stinkbomben im Studentenheim. kiel, 1. Juli.(Eigenbericht.) Während eines Vortrages des Professors S ch ü ck i n g vor den demokratischen Studenten in dem 5lieler Studentenheim wurde plötz- lich die Tür aufgerissen und eine große Tränengasbombe aus einer Anzahl zusammengebundener Einzclbomben unter lautem Knall zur Explosion gebracht. Mehrere Personen wurden verletzt. Der Bombenwerfer flüchtete, konnte aber von den Studenten eingeholt werden. Er entpuppte sich vor der Polizei als ein Mitglied des nationalsozialistischen Studentenbundes. Schuhpolizei und Foiverordnuug. Am 1. Juli wird entsprechend der Notverordnung auch den Schutzpolizisten und Reichswehrsoldatcn das Gehalt gekürzt werden. Wie wir von zuverlässiger Seite erfahren, wird bei der Schutz- Polizei der Abzug durch anderweite Zulagen wieder aus- geglichen. Auch bei der Reichswehr erfolgt die Gehaltskürzung, doch eihalten alle Soldaten bis zum Hauptmann aufwärts neue Zulagen. Zustizverirag Preußen und Hamburg. Zusammenarbeit der Strafvollzugsämter. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, ist in Er- Weiterung bestehender Abmachungen zwischen den Justizver- waltungen von Preußen und Ha in bürg ein Vertrag über den Austausch von Strafgefangenen geschlossen worden. Danach übernimmt Hamburg in seiner für die Strafvollzugs- gnneinschast Braunschweig, Bremen, Hamburg(mit Lübeck), Oldcn- bürg neu geschaffenen Frauenstrafanstalt in Lübeck-Lauerhof auch die Vollstreckung der Gefängnisstrafen an Frauen aus Schleswig- .Holstein und dem nördlichen Teil von Hannover sowie der Zucht- hausstrasen gegen Frauen aus den an die Nord- oder Ostsee an- stoßenden preußischen Provinzen. Preußen übernimmt dafür den Strafvollzug an einer entsprechenden Anzahl von Männern aus dem Bereich des Strafvollzugsamtes in.Hamburg. SOS Todesopfer der Hitze. Amerikanische Bauern müssen nachts arbeiten. New Park, 30. Zum. Die über das ganze Land verbreitete Hitze hat bisher insgesamt bttl Opfer gefordert, davon allein am letzten Tage 230 durch hih- schlag oder Ertrinken. Besonders heimgesucht ist der Mittel- westen, wo die Bauern gezwungen sind, nachts zu arbeiten. Die Ernte ist schwer gefährdet. In den Vakota- flaaten und in Nebraska herrscht überdies noch die Heuschreckenplage. Motorradunglück in Weißensee. Aus der Kreuzung Berliner Allee und Wegenerstraße in Weißens«« lief ein angetrunkener Passant in ein mit zwei Personen besetztes Motorrad hinein. Die Maschine kippte um «nd wurde völlig zertrümmert. Der Führer des Rades, sein Be- gletter. sowie der Mann, der das Unglück verschuldet hat, erlitten sämtlich schwere Schädelbrüche. Die Schwerverletzten fanden jm Weißenseer Krankenhaus Aufnahme. Amerikas Pläne Aus jeden Kall Zahlungs Washington, 1. Juli.(Eigenbericht.) Der Stand der französisch-amerikanischen kverlmnd- langen in Paris wird hier ztvar nicht als hoffnungslos, aber als austerordentlich verfahren betrachtet. Staatspräsident Hoover hatte am Dienstag«vicder- holt Besprechungen mit seinen Mitarbeitern über die Lage. Angeblich wurde hauptsächlich die Frage be- sprachen, wie man Deutschland nötigenfalls ohne Frank- reich helfen könne. Es bestätigt sich bisher, dast Amerika entschlossen ist, den Hoover-Plan auch ohne Frankreich durchzuführen. Es hat dabei die volle Unterstützung der englischen Arbeiterregierung. Für diesen Fall wird der Plan erwogen, der Reichsregie- rung den Betrag der monatlich an Frankreich gezahlten und dann von Frankreich an Amerika gezahlten Summen jeweils zur Verfügung zu stellen und ihm ferner einen weiteren monatlichen Kredit in Höhe der Differenz zwischen den deutschen Monatszahlungcn an Frankreich und den französischen Zahlungen an Amerika zur Verfügung zu stellen. Es würde sich hier insgesamt um einen Betrag von 40t) Millionen Mark handeln. Praktisch würde dieser Plan dazu führen, dast Hoovers Borschlag auch ohne Frankreich zu 400 Prozent durch- geführt würde. Die Meldungen, nach denen man hier neuerdings«ine direkte Verständigung zwischen Paris und Berlin wünscht, werden in unterrichteten Kreisen als falsch bezeichnet. Aeußerster Pessimismus in Berlin. Die französisch-amerikanischen Verhandlungen sind noch den in Berlin an amtlicher Stelle vorliegenden Informationen In ein äußerst kritisches Stadium gelangt. Darauf ist schließlich mich die abermalige Berlagung der Verhandlung von heule vvrmillag aus nach- mitlags 314 Uhr zurückzuführen. Man sieht zurzeit weder in Mashinglon noch in Paris oder gar in Berlin die Möglichkeil eines Kompromisses und rechnet zurzeit damit, daß die pariser Verhandlungen im gegenwärtigen Stadium nicht mehr zu einem positiven Abschluß geführt werden können. Washington wendet sich gegen Paris. Mafhington, 1. Juli. Bon hoher Regierungsseite wurde heute die Entwicklung der Verhandlungen über den Hoover-Plan folgendermaßen geschildert: Seit dem Aufruf der Reichsregierung erfolgte die Flucht der Reichs- mark aus Deutschland und die Zurückziehung gewisser kurzfristiger Kredite. Die Bank von England, die die Oesterrcichifche Kredit- anstalt 2i Stunden vor dem Bankerott unterstützt hatte, konnte nicht allein weitere Sanierungen auf sich nehmen. Es bestand die Gefahr, daß Deutschland finanziell am 22. Juni zusammenbrechen würde. Deswegen entschloß sich Hoover am 20. Juni dazu, seine Prokla- mation auszugeben. Sein Plan war und ist, die Wirtschaftslage der Welt zu bessern und dazu muß Deutschland vor allen anderen prompt eHilfe erhalten. Da wir durch Den Hoover-Plan das größte Opfer von allen Gläubigern bringen, so stehen wir auf dem Standpunkt, daß die anderen Mächte dem Plan zustimmen sollten. Unserer Ansicht nach bedeutet der Aufschub aller Zahlungen auf ein Jahr keinen Angriff auf die internationalen Verträge. Jeden- falls werden sie dadurch nicht ungültig. Hoovers Proklamation hatte im Gegenteil alsbald segensreiche Folgen in der ganzen Welt, und alle wichtigeren Nationen außer Frankreich sahen das ein und stimmten vollinhaltlich oder prinzipiell zu. B e l g i e n hat heute feine herz- lichfte Zustimmung erklärt, und Italien beginnt sogar bereits mit der Ausführung des Hoover-Planes weit über unsere Erwartungen hinaus. Frankreich hat nicht einmal prinzipiell zugestimmt. Zuerst verlangten die Franzosen die doppelten deutschen Zahlungen im nächsten Jahr. Das war unannehmbar, und wir schlugen, um Frankreichs Wunsch nach Iliwerletzlichkeit der internatioalen Ber- träge entgegenzukommen, vor, daß Deutschland zwar den unauf- fchiebbaren Teil zahle, das Geld aber sofort als Kredit zurück- Das Schicksal Kürtens. Todesurteil soll vollstreckt werden. Düsseldorf, 4. Juli. Ruch einer Meldung des„Düsseldorfer Tageblattes" soll sich das preußische Staatsministerium für die Boll- strerkung der Todes st rase an Kürten rnt- schieden haben. Die Hinrichtung solle nahe bevorstehen. Weltfremd und naiv. Sie Kunstdiebstähle des Malers Heckendorf. Die Verhaftung des Malers Franz heckcndorf und feines Bruder sWaller hat das gröhle Aufsehen erregt. Die Straftaten beider gehören in den Gerichlsbereich Pols- dam. Die Brüder werden daher voraussichtlich dem dortigen Amtsgericht zugeführt werden. Eine Entscheidung wird vermutlich im Laufe des Heuligen Tages getroffen werden. In Berlin find inzwischen die Nachforschungen fort- gesetzt worden, ob der Maler noch weitere Verkäufe getätigt hat. Das scheint, soweit man bisher weiß, nicht der Fall gewesen zu sein, denn neue Mitteilungen sind noch nicht eingegangen. Es fehlen noch wertvolle Kunst gegen stände, die Walter Heckendorf Im Februar d. I. aus der Billa des Industriellen Göritz in Geltow beim Einbruch entwendet hat. Es hat den Anschein, daß Walter diese Sachen ohne Vermittlung seines Bruders zu Geld gemacht hat. Nach dem Erwerber wird noch geforscht. Bei der Ver- nehmung des Franz Heckendorf auf dem Polizeipräsidium offen- barte er eine seltsame Weltsremdheit und Naivität. Die schweren Beschuldigungen, die gegen ihn erhoben werden und die zu leugnen er keinen Versuch machte, schienen ihn nicht sonderlich zu berühren. In den Paufen bei den Vernehmungen zeichnete er auf einem Skizzcnblock Landschaften aus dein Gedächtnis, signierte sie und verschenkte sie an die Beamten. Es macht den Eindruck, daß er seinen Verfehlungen kein allzu großes Gewicht beilegt. Nach dem Stand der Ermittlungen ist anzunehmen, daß der Bruder ohne Krankreich bekomme. Frankreich verlangte nun die Nückzahlung in zwei, dann in f ü n f Jahren, was wir nicht als wahre Erleichterung der deutschen Lage ansehen können. Insbesondere würde es weder dem Geiste des Hoover-Planes entsprechen, noch im Kongreß Billigung finden. Wir schlugen deswegen die Rückzahlung innerhalb S Jahren vor. Frankreich entgegnete, es bestehe die Möglichkeit, daß sich die französische Regierung nach fünf Jahren zur Berlänge- rung auf weitere fünf, eventuell auf insgesamt 13 Jahre bereit er- klären könne, falls während dieser Zeit der Aoung-Plan nicht ge- ändert werde. Diese Bedingungen müssen wir ablehnen, da wir weder den Poung-Plan garantieren, noch überhaupt der Ansicht sind, daß derartige Pläne nicht von Zeit zu Zeit eine Revision durchmachen müssen. Ferner verlangte Frankreich, daß der obige Kredit auch andere» Staaten zugutekomme, und daß der Kredit an Deutschland nicht der Reichsregierung, sondern gewissen deutschen In- d u st r i c n geliehen werde. Wir betrachten einen derartigen Vorschlag als rein polilifch und nicht dem Hoover-Plan entsprechend; denn die Reichsregieruug braucht den vollen Betrag zur Stützung ihics Budgets. Wir find durchaus bereit, auch anderen Nationen zu helfen. Bor allem aber muß Deutschland zunächst wieder auf die Füße kommen. Dann kam die Frage des Garantiefonds. Frankreich ver- langte, daß im Falle eines deutschen Moratoriums nicht es, sondern Deutschland diesen Fonds einzahlen solle. Erstens wäre das eine doppelte Belastung Deutschlands, und zweitens haben wir mit dem Poung-Plan nichts zu tun. Diese Frage muß Frankreich mit England und den anderen Poung-Plan-Gläubigern erledigen. Wir werden uns diesen Diskussionen fernhalten. Sollten die anderen damit einverstanden sein, daß Frankreich den Garantiejonds nicht zu zahlen braucht, so werden wir keine Einwendungen er- heben, da der Poung-Plan uns nichts angeht. Wir werden es jedoch als entgegen dem Hoover-Plan betrachten, wenn die gegenwärtige Hilfsaktion dazu benutzt würde, um Deutschland die doppelte Last aufzubürden. Die Verhandlungen mit Frankreich sind nicht abge- brachen. Wir sind nicht entmutigt, sondern hassen auf eine Einigung, denn ein Versager dieser Aktion wäre von so unge- heuren Folgen, daß man sie nicht auszusprechen wagt. Wege» der S a cht i e s e r u n g e n dürsten sich Deutschland und Frankreich da- hin einigen, daß nur die laufenden Verträge ausgesührt wer- den. Unsere Bedingungen sind nicht schwer. Wir haben in der Frage des Kredits nachgegeben und verlangen� nur, daß er im ganzen Umfange der Rnchsregierung und für möglichst lange Zeit gegeben werde. Wir schlugen zunächst«inen Aufschub für die Periode des Poung-Plans vor, gingen dann auf?3 Jahr« herunter und werden vielleicht noch weiter nachgeben, aber fünf Jahre sind zu wenig. Auf die Frage, ob Gefahr bestehe, daß Frankreich zur Er- zwingung des Noung-Plans in Deutschland einrücken würde, wurde geantwortet,„dies Schauspiel wird vi« Welt nicht wieder erleben." Labour gegen die franzosische Vorherrschaft. London, l. Juli. „Daily Herald" rechnet mit einem F e h l s ch l a g der französisch- amerikanischen Verhandlungen, glaubt aber, daß der Hoover-Plan trotz der Opposition in Frankreich nicht preisgegeben werden wird. Die Haltung der amerikanischen Regierung sei durch die Art und Weise, in der die französische Regierung die Verhandlungen be- trieben habe, zweifellos versteift worden. In einem Leitartikel sagt das Arbeiterblatt, die Annahme der französischen Vorbehalte würde lediglich das Gefühl der französischen Vorherrschaft, der Alleinherrschaft, was eine der Hauptursachen der Unruhe des heuligeu Europa sei, nur noch v e r st ä r k e n. Es liege die furchtbarst: Ironie in der Tatsache, daß ein so kurzsichtiger und engherziger Vorschlag von einer Regierung ausgehe, deren Außenminister für das Ideal internationaler Zusammenarbeit in Europa so eifrig ein- getreten sei. Die britische öffentliche Meinung sei sich über den Plan Hoovers und die Unannchm barkeit des sranzöstschen Vorschlags einig. Es könne Frankreich nicht gestattet werde», de? ganzen Welt Bedingungen aufzuerlegen und Borschläge, die dem allgemeinen Wohl dienen sollen, zu seinem eigenen finanziellen und politischen Borteil zurechtzubiegen. Walter der Bcrführer gewesen ist. Franz hat nicht viel nach dem Woher der ihm übergebenen Sachen gefragt, sondern sie ahne lieber- legung verkauft. Seine Bedcnkenlosigkeit ging soweit, daß er an dem finanziellen Erlös teilhatte. Von einer Seite ist die Vermutung ausgesprochen worden, daß Franz Heckendorf auch bei einem lieber- fall die j)and im Spiele hatte. Es handelt sich um den Ueberfail auf die Inhaberin einer Autorcparaturwerlstott. die mit ihrem Wagen auf der Heimfahrt bei Rehbrücke übersallen wurde. Diese Vermutung ist nach Lage der Sache vollkommen aus der Luft ge- griffen. Die Begleitumstände des Ueberfalle» und vor allen Dingen das Auffinden der Frau sind im Gegenteil für den Künstler ent- lastend. Er war der erste, der die Beraubte auffand, sie nach Potz- dam brachte und ihr bei Erstattung der Anzeige behilflich war. Hiltrud Breil in Paris festgenommen. Die 16jährige Hiltrud B r e i l, Tochter des Kunstmalers B r e i l aus der Innsbrucker Straße 41 in Schöneberg, deren seltsames Ver- schwinden zu den verschiedensten Gerüchten Anlaß gab, ist gestern in Paris ermittelt und in S ch u tz h a f t genommen worden. Auch ihr Begleiter, der 20jährige Baron von Hodenberg, ist von der Pariser Polizei festgenommen worden. Das junge Paar hielt sich in Paris unter falschem Namen auf. Eine Zeitlang weilte es mit der Muttor des Hodenberg in Lissabon und Funchal auf Madeira. Woher die Mittel zu diesen Reisen stammen, ist noch unbekannt. Die Festnahme der seit Monaten Gesuchten erfolgte in einem Hotel am Gare d'Orsay. Im Austrage der Familie Breil ist von einem bekannten Berliner Strafoerteidiger gegen Hodenberg «traf anzeige wegen Entführung einer Minder- jährigen erstattet worden. Noch heute wird der Anwalt einen Antrag bei der Saatsanwaltschaft aus Auslieferung des jungen Hodenberg stellen. Präsidenl besuch! alle Gesandlschaslen. Der Präsident der sran- zösischen Republik, D o u m e r, stattete dein deutschen Botschafter von H o e s ch einen Besuch ab, der eine Bi-rtelslunde dauerte. Der Besuch hatte den Charakter eines reinen 5)öflichkeltsbestiche». Der neue Präsident wird in der nächsten Zeit allen in Parts beglaubigten Botschaftern und Gesandten einen Höflichkeitsbesuch abstatten. Der deutschnationale Richter. Er kann das„eine Prozent" nicht finden... Bier in der Retorte Ein Besuch im Institut für Gärungsgewerbe. Im Berliner Norden, in der Seestrahe, liegt ein gewaltiger Gebäudekomplex, in dem man seit mehr als 5l> Jahren sich wissen- schaftlich und experimentell mit dem Bier und dem Sprit, mit den Rohstosfen dieser beiden und mit ihren Herstellungsmethoden be- schästigt. Rund vier Millionen Mark habe» die Bau- und Ein- richlungskosten dieses Instituts sur Gärungsgewerbe und Starke- sabrikation betragen, lieber 120 wissenschaftliche und technische Ar- bciter, über 30 Angestellte und rnehr als 80 Arbeiter— zusammen 240 Personen— wurden zur Blütezeit dieses Institutes hier be- schästigt. Die Gründung der Versuchsanstalt fiel in eine Zeit stärkster technischer Entwicklung des Brennereigewerbes. Während man zuvor die Kartoffeln in primitiver Weis« dadurch zur V«r- gärung vorbereitete, daß man sie vor dem Verzuckern mit Malz in einem offenen einfachen Faß mit Dampf gor kochte und zwischen Quetschwalzen zerkleinerte, ging man nach Erfindung des Holle- sreundschen Druckdämpfers dazu über, die Kartoffeln in einem ge- schlossenen eisernen Zylinder unter Druck zu dämpfen und sie gleich- zeitig durch ein in dem Zylinder befindliches Rührwerk zu zer- kleiner». 1873 entdeckte dann der Rittergutsbesitzer Henze das Ver- fahren, ohne Anwendung eines Rührwerkes lediglich durch den sich entspannenden Dompfdruck die Kartofsekn zu zerkleinern. Dieses Verfahren verpflanzte man mit Erfolg auch auf die Mais- und Gc- treidebrenncrei und nun begann die systematische Durcharbeitung. des gesamten Betriebsverfahreng der Brennerei. Eine Fülle kom- plizierter Problem« war hier zu lösen. Die Festlegung der richtigen Maischtemperaturen, die Aufklärung der Grundlagen der Hefe- ernährung, die Vereitung des besten Brennmalzes und der Kunst» Hefe, das Destillieroerfahren, die Einführung der Reinzucht-Milch- säurebakterien in die Kunsthefebcreitung— das alles mußt« in ianx- iährigen wissenschaftlichen Versuchen erprobt, geklärt und weiterent- wickelt merden. Daneben mußte man den Rohstoff: Di« Kartossel und dem zur Brennerei verwendeten Korn seine Ausinerksamkei. schenken. Das zweite große Gebiet des Instituts mar die Brauerei. Auch hier eine Fülle schwierigster Probleme: Die Auswahl und Be- Wertung der Gerste, ihre Reinigung und Sortierung, das Darren, das Reinigen und Schroten des Malzes, das Abläutern der Würze, die Teilung der Gärung in Hauptgärung und Nachgärung, das Aus- reifen des Bieres, die Bierfiltration und das Abfüllen des Bieres und dos alles in verschiedener Weise gehandhabt für Ober- und Untergärung. Ungezählt« Betnebshefcn sind im Laufe der Jahr- zehnte in der biologischen Abteilung untersucht und als bestimmte charakterisierte und dressierte Reinhefe wieder in die Praxis hin- ausgegangen. Wie die Filtration und dos Abfüllen des fertigen Bieres zu handhaben ist, wie Flaschen und Fässer nach biologischen Gesichtspunkten zu reinigen sind, wie das Bier vom Gastwirt zu pflegen ist, das alles find Fragen, die im Institut sür Gärungs- gewerbe beantwortet merden müssen. In neuester Zeit hat man ein physikalisch-chemisches Laboratorium eingerichtet, das es ge- stattet, die Vorgänge, die sich bei der Ausschließung und den, Abbau der Rohstoff«, bei der Gärung und Lagerung vollziehen, in neuer Richtung zu tlären. Dabei sind viele wertvolle Ergebnisse erzielt wordene über die Bedeiüung der Phosphorsäure im Werdegang des Bieres über die Schaumhaltiokeit. über den Charakter des Bieres in seiner Abhängigkeit von der Zusammensetzung des Brau- wassers. R. Gerold. Weswegen unter einem deutschnationalen Gerichtsvorsitzenden ein Hakenkreuzraufbold nicht verurteilt wird, darüber gab ein Prozeß interessante Aufschlüsse, der vergangene Woche in Halle stattfand. Wegen Beleidigung des Landgerichtsdirektors Bühne- in a n n war der Redakteur unseres Halleschcn Parteiblattes. Ge- nasse K a s p a r e k, angeklagt. Bühnemann'st der Richter, der u. a. das famose Düsterberg-Urteil fällte, dessen tenden- ziöse Urteilsbegründung die öffentliche Entrüstung wach- gerufen hat. Ein weiterer Fall betraf den Freispruch eines notorischen Nazirausboldes namens Iähnert. Dieser war wegen Ueberfalls auf den Reichsbannergausekretär Geb- Hardt in erster Instanz zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt worden. Die Berufungsstraskammer, unter Borsitz von Bühne mann sprach Iähnert frei, obwohl der Ueber- sallene in Iähnert den Täter erkannt hatte und ihn unter Eid al» diesen be- zeichnete. Wegen dieser Urteile hatte das Hallesche„Dolksblatt" von dem „Parteirichter" Bühnemann und einer„Glanzleistung der Halleschen Hakenkreuzjustiz" geschrieben. Die Verhandlung begann zunächst mit einer charakteristischen Ablehnung von Bewcisanträgen. Der Angeklagte hatte den frei- gesprochenen Iähnert als Zeugen über seine Täterschaft Merkmal stimmt ein Sozi?" „Gelbstmurmelnd. Er kam doch aus einer Vorlesung." laden lassen. Hätte Iähnert unter Eid aussagen müssen, so wäre höchstwahrscheinlich der Fehispruch Bühnemanns klar ans Tageslicht gekommen. Dies ließ dos Gericht nicht zu. Ebenso lehnte es die Ladung von drei Zeugen ab, die einen Zlusspruch Btihnemanns über die „ekelhaften Kerle vom Republikanischen Richterbund" bekunden sollten. Es wurden lediglich die Urteile im Falle Düster- berg und Iähnert verlesen. In der Begründung namentlich des Dü st erberg- Urteil» kam die politische ftrltung des Herrn Bühnemann zum sinnfälligen Ausdruck. Der als Nebenkläger zugelassene Landgerichisdirektor B ü h n e° mann erklärte denn auch unumwunden, wie man nach seiner Ar- gumentation im Düsterberg-Prozeß auch kaum bezweifeln konnte, daß er eingeschriebenes Mitglied der Deutschnatlonalen Volkspartei ist. Sehr bezeichnend war. wie er das Düsterberg-Urteil mit der „Berechtigung des nationalen Standpunktes" verteidigt«. Noch cha- rakteristischer war seine Verteidigung des Jähnert-Urtcils. Herr Bühnemann gab nämlich hierzu folgend« Begründung: Er glaube selber, daß Zähaert der Täter sei. Seine Schuld sei aber nicht zu vollen hundert Prozent erwiesen gewesen. Es habe eben noch ein Prozent an hundert gefehlt, um Iähnert der Tat zu überführen. Deutlicher, als ihm wohl selber klar war, hat Herr Bühnemann mit diesen Sägen in die unbewußten Entstehung»- gründe seiner Urteilssindung hineingeleuchtet. Das fehlende Körnlein wird manchmal zum Fels an dem die bestfundierte Anklage scheitert. Der Richter aber meint, daß er doch lediglich seiner rechtlichen Ueberzeugung gefolgt sei. Wer will ihm das Gegenteil beweisen? Ist der Richter sich doch der irrationalen Einslüsse bei der Urteilsbildung in den seltensten Fäll«n bewußt. Weil selbstverständlich der Beweis nicht zu führen war, daß Herr Bühnemann eiwa mit klarem Willen und Bewußt- sein seine deutschnationale Gesinnung m die Urteile brächte, mußte Genosse Kasparek zu 300 Mark Geldstrafe verurteilt werden. Aus dem Wege nach Moskau. Kommunistischer Stadtverordneter flüchtig. Slel. 1. Juli(Eigenbericht.) Der Vorsitzende der Kieler kommunistischen Stadtverordneten» frakiion, Schulz, einer der übelsren Schreier gegen die Sozialdemo» kratic. Ist nach unr fangreiche n Unterschlagungen städtischer Gelder flüchtig geworden Schulz war An- gestellter der städtischen Licht- und Wasserwerke Die Kommunisten hatten von der Flucht ihres Führers so wenig Ahnung, daß sie noch in der gestrigen Stadtverordnetenoersaistmlung eine Reihe u n- möglicher Anträge des Schulz zur Debatte stellten. Erlebnis und Aeurose. Professor Ernst Kretschmer spricht. Der Einladung der„Gesellschaft für empirische Philosophie", die den Berlinern die Bekanntschaft mit dem Marburger Psychiater vermittelte, war ein äußerst zahlreiches Publikum gefolgt. Der große Saal im neuen Aulagebäude gegen- über der Universität, wohin wegen der Nazitumulte in der Uni- versität der Bortrag verlegt werden mußte, war überfüllt. Prof. Ernst Kretschmer ist weit über die Fachkreis« der Psychiatrie hinaus bekannt, ja populär geworden durch seine Bücher„Körperbau und Charakter" und„Geniale Menschen". 'Ausgehend von seinen Beobachtungen an Geisteskranken hat er zwei wesentliche Körperkonstttutionen festgestellt: die Astheniker (die langen, schmalen) und di« Pykniker(die breiten, runden), und bei beiden die fundamentalen geistigen Unterschiede untersucht. Jeder Typus neigt zu einer besonderen Art geistiger Erkrankung (Schizophrenie und manisch-depressives Irresein) und jeder hat seine eigenen Formen des Genies. In seinem Berliner Gastvortrag behandelte Prof. Kretschmer eine Spezialfrage seiner Wissenschast„Erlebniswirkung und N e u r o s e e n t st e h u n g". die trotzdem von allgemeinem Interesse ist und seine Gesomtauffassung der geistigen Erkrankung (als körperlich bedingte) widerspiegelt. Entsteht die Neurose durch Erlebnis(Katastrophen plötzliche Milieuänderungen) oder muß eine in der Persönlichkeit liegende Ursache, eine Disposition hinzu- kommen? Ist die einmalige seelische Verwundung(Trauma) ent- scheidend oder ein besonderes seelisches Berhalten, das in Entwick- lungshemmungen und Unebenheiten besteht? Kretschmer bejaht im Gegensatz zu der Freudschen Aufsassung die zweite These. Neurosen entstehen an entscheidenden Wendepunkten, an denen keine Ueber- einstimmung uon Lebensraum und Persönlichkeit mehr besteht (Pubertät). Die Erlebnisse haben nur symptomatische Bedeutung, die die Spannungen zwischen Milieu und Persönlichkeit zum Aus- druck bringen. Das Erlebnis behält ober seine ursprüngliche Be- deutung in der Therapie der Neurose, an seiner Hand müssen die Lebensweisheiten vom Patienten mit erarbeitet werden, die eine Korrektur der Lebenslinie herbeiführen. Aber auch so bleibt der Ausgleich und nicht das Erlebnis selbst das Wichtigste. Prof. Friedrich Kraus reklamierte als Leiter des Abends in seinem Schlußwort für die empirische Philosophie das Recht, aus der Erfahrung der Einzelwissenschaften da» Gesamtbild der Welt auszurichten. I). Oer Zilm als Warner. Zur selben Zeit wie der Film„Im Westen nichts Neues" in geschlossenen Vorstellungen läuft und täglich bei all den zahlreichen Besuchern den tiefsten Eindruck hinterläßt, wird im Marmor- haus„Westfront 1918" neuaufgeführt. Dieser Film ist be- kanntlich unbeanstandet in vielen Lichtspieltheatern gelausen, obwohl er, wie es jeder wahre Kricgssilni sein muß. der energische Weg- bereiter einer echten Friedensgesinnung ist. Wer diesen Film ge- sehen hat, kann gar nicht anders, wie aus tiefstem Innern schreien „Nie wieder Krieg". Er wirkt genau so erdrückend wie„Im Westen nichts Neues", wenn auch der deutsche Regisseur P a b st mitunter auf die Spiclhandiung hohen Wert legt und darum zuweilen die Liebe in den Vordergrund schiebt. Aber bei ihm zerfließen genau wie bei dem Amerikaner die Einzelschicksale in das Massenschicksal. Und die Menschen, die als suhlende Wesen den Krieg erlebten, haben ein Anrecht auf diese Filme. Ihr übergroßes Leid darf sie nicht körperlich und seelisch vernichtet haben, ohne daß die kommende Generation heilbringenden Nutzen aus ihm ziehe. Es wird bei manchem die Nervenkrast übersteigen, diese Filme zu sehen, doch wollen wir dankbar sein, daß wir sie haben. Sie sind unbarm- herzige Erinnerungsträger, und der Film als Mahner und Warner Hot unbedingt in unserer Zeit seine Aufgabe zu erfüllen. a. d. Tagung des Welttheaierbundes. Der fünfte international« Theatertangreß, der am 88. Juni in Paris beendet wurde, war durch fast alle europäischen Kulturnationen, einschließlich Rußland, sowie durch Vertreter der Bereinigten Staaten und 2legypten» beschickt. Deutschland hatte Karl W a l l a u e r, den Präsidenten der Bühnen- genossenschaft, Dr. Georg A l t m a n n, als Sprecher des Bühnen- Vereins, Dr. G o v ä r t s und Paul E l m a n, als Vertreter der deutschen Wcltthcatergruppe, und elnige weitere Vertreter entsandt. Eine glänzende Dersommlung lzatte sich in den herrlichen Räumen der Fondation Solomon de Rothschild vereinigt, um über„die! Llrise des Theaters, ihre Gründe und Heilmittel" I — so lautete das Houptthema der Tagung— ihre Ansichten auszutauschen. Die Verhandlungen trugen in der Hauptsache«inen informativen Charakter. Als wichtigstes Ergebnis dürfte der Beschluß der Gründung eines internationalen Theaterausschusfcs bezeichnet werden, dessen ständige Mitglieder bis zum 1. September ernannt werden sollen. Er soll dann am 13. Oktober erstmalig in Paris zu feinen Slrbeitssitzungen zusammentreten. Wenn dieser Ausschuß seine Aufgaben im Rahmen des Möglichen und Notwendigen zu suchen weiß, so verspricht seine Einsetzung un- zweifelhaft Nutzen, doch wird er sich seine Einflußsphäre erst zu schassen haben, denn die Geltung der Welttheatergruppen ist in den einzelnen Ländern so verschieden, daß mit einheitlicher Wirksamkeit vorläufig nicht gerechnet werden kann. Zluf seiner nächstjährigen Tagung, die im Mai zu Rom stattfinden soll, wird sich der Welt- theaterbund daher vielleicht darüber klar werden können, ob er sich in den sechs Jahren seines Bestehens eine Existenzberechtigung er- warben hat. Die bisherigen Tagungen sind für di« Teilnehmer selbst bestimmt nicht ohne mancherlei Anregung und Wissensbereiche- rung geblieben, doch blieb von ihren Auswirkungen für die Mge- ineinheit bisher wenig zu spüren. Sehr deutlich kam übrigens bei den Pariser Sitzungen die grundsätzliche Verschiedenheit in der Auffassung ihrer Aufgaben und Möglichkeiten durch die verschiedenen Delegierten zum Ausdruck.— m. Eine ganze Giadt fahrt in die Ferien. Die englische Stadt S w i n d o n hat im Juli jedes Jahres ein eigenartiges Aussehen, so daß man glauben kann, in einer verlassenen lÄoldgräberstadt zu sein, wo die Häuser menschenleer, die Geschäfte geschlossen sind und kein Mensch auf den Straßen zu sehen ist. Der Juli bringt nämlich die große Ferienwoche von Swindon, in der alle Bewohner die Stadt verlassen. Der Juli ist in der ganzen Welt der hauptsächlichste Reisemonat. Aber auch in den Iahren der größten Reiseunternehmungen bleiben in allen Städten nicht nur ein paar Menschen zurück, sondern sogar recht viele, denn nur die wenigsten können sich eine Reise leisten, und auch die, die in die Sommerfrische fahren, tun es nicht zu elner Zeit. Anders ist es in Swindon. Die Stadt, die ungefähr 60 000 Ein- wohner hat, schließt gewissermaßen in der Ferienwoche ihren Be- trieb völlig. Die Geschäfte werden geschlossen, gleicherweise wie die Büros, Amtsstuben und Gerichte sehen keine Tätigkeit der Beamten mehr. Eine Stadt fährt in die Ferien. Das ist schon lange so Brauch, und da die Bürger von Swindon sich in guten Verhältnissen be- finden, so haben sie bisher keine Veranlassung gehabt, von diesem Brauch abzugehen. Da die Bürger für eine Woche die Stadt ver- lassen haben, so brauchen auch die Behörden nicht mehr anwesend zu sein. Noch einer Woche kehren dann die meisten wieder zurück, frisch gekräftigt und arbeitsbereit, um dann mit neuem Mut ein Jahr lang tätig zu sein. Slber wenn die Ferienwoche beginnt, dann sind die Straßen, die von Swindon in die Sommerfrische führen, von zahllosen Autos bevölkert, denn die meisten Bürger verfügen über eigene Wagen. Diejenigen aber, die sich nicht dieses Vorzuges erfreuen, benutzen die Eisenbahnen, die für die ersten Tage der Ferienwoche gerüstet sind, um den ungeheuren Ansturm auszuhalten. Ltnwürdig des amerikanischen Bürgerrechts. Der höchste Gerichtshof der Vereinigten Staaten hat durch«ine Entscheidung von grundsätzlicher Bedeutung die Gründe bestätigt, mit denen die amerikanische Regierung das Naturalisierungsgesuch von zwei Kanadiern abgelehnt hatte. Die beiden, die nicht sür würdig befunden wurden, Bürger der Vereinigten Staaten zu wer- den, sind Professor Douglas C. Macintosh von der Pale-Universi- tat, der im Kriege als Feldgeistlicher der kanadischen Armee zuge- teilt war, und Miß Marie A. Bland, eine Kanadierin, die in der amerikanischen Armee als Krankenschwester Dienst tat. Beide waren um die Ausnahme in den Verband der Staatsbürger der Ver- einigten Staaten eingekommen. Dr. Macintosh wollte sich indessen nicht dazu verstehen, im voraus die Verpflichtung einzugehen, die Waffen zur Verteidigung der Vereinigten Staaten zu ergreifen, so- lange er nicht die Ueberzeugung gewonnen habe, daß der Krieg moralisch gerechtfertigt sei. Miß Bland erklärte sich ihrerseits zwar bereit, wieder als Krankenschwester Kriegsdienst zu tun, weigerte sich aber, den Treueid zur Verteidigung der Verfasiung und der Gesetze des Landes abzulegen, wenn der Eidesformel nicht die Worte hinzugefügt würden:„Sofern es mein Gewissen als Christin erlaubt." Darauf wurde das Gesuch der beiden um Einbürgerung abgelehnt, und der höchste Gerichtshof hat mit Stimmenmehrheit diesen ablehnenden Bescheid bestätigt. Ter„Berliner Uthmani�Chor" vcranstallet unter Leitung seines Diri- genicn Josef S ch in i t> Sonntag nachmittag S Ubr, im Tanzring, Volks- park Rchbcrge, ein Werbekonzert bei freiem Eintritt. Zwei Großfeuer In Gchöneberg und Moabit ?n den frühen vormillagsstunden war die Berliner Feuerwehr in Schöneberg und in Moabit fast zu gleicher Zeit mit der Bekamp- fung zweier Großfeuer befckzäftigt. Kurz nach'Ad Uhr brach in der G u tz k o w ft r a ß e 7 in Schöne- berg, einer Querstraße der Gustav-Freytag-Straße, im Vorderhaus- dachstuhl Feuer aus. Unter Leitung des Baurates Braun er- schienen vier Löschzüge an der Brandstelle. Das Feuer muß offen- bar die ganze Nacht unbemerkt geschwelt haben, denn als die ersten Löschtrupps nach oben vordringen wollten, hatten die Flammen bc- rcits auf die beiden angrenzenden Da ch stuhle der Seitenflügel übergegriffen. Die starke Verqualmung des ganzen Gebäudes brachte die Mieter der oberen Stockwerke in Ge- fahr. Unter großen Schwierigkeiten konnten die Bedrohten jedoch unversehrt ins Freie geleitet werden. Die Bekämpfung des Brandes erfolgte über zwei mechanische Leitern und von den Nach- bardächern aus, die eine Zeitlang durch starken Funkenflug sehr be- droht waren. Da bei dem Riesenumfang des Brandes Zwischen- fälle nicht ausgeschlossen schienen, wurde der Rettungswagen nach- alarmiert. Die Lösch- und Aufräumungsarbeiten waren erst gegen 2 Uhr beendet. Die Entstehungsursache des Großfeuers konnte noch nicht geklärt werden. Karosseriewerk in Klammen. Von dem zweiten Großfeuer wurde die Karosseriefabrik der Firma Gebrüder Schwarze in der Waldenser Straße 3 in Moabit heimgesucht. Die Fabrik besteht aus einem zweistöckigen Gebäude, in dessen Obergeschoß sich die Büro- und Lagerräume befinden. Um �410 Uhr loderten aus dem Sattlerei- lager plötzlich die hellen Flammen empor. Das Feuer fand an den Ledervorräten, Verpackungsmaterialien, Regalen reiche Nahrung und dehnte sich mit rasender Schnelligkeit auf die anschließenden Büro- räume aus. Fast fluchtartig muhten die Angestellten ihre Arbeits- räume verlasien. Die Feuerwehr hatte große Mühe, den Brand unter Einsatz von 8 Schlauchleitungen auf seinen Herd zu beschränken. Der Schaden ist sehr hoch, da wertvolle Ledersachen vernichtet war- den sind. Auch in diesem Falle konnte die Ursache des Schaden- feuers noch nicht ermittelt werden. Wählbild aus Spanien Siußenminifler Xerroux gibt bei den fpanlfchen 'Wahlen aur Werfaffutig gebenden ftallonalver fammtung in einem Wahllokal in Wladrid feine Stimme ab Regierung ohne Sozialisten. Ministerdiskufsion in Spanien. Madrid, 1. Juli(Eigenbericht). Der Finanzuünister erklärte, daß die Sozialisten sich keines- falls an einer Regierung Lerroux beteiligen würden. Eine solche Regierung müsie infolgedessen Anlehnung, nach rechts suchen. Lerroux antwortete in einer Presseerklärung, daß er bei der Kabinettsbildung dort Unterstützung suchen werde, wo er es für richtig halle. Er bedauere außerordentlich die Erklärung des Finanzministers, da er ein« Teilnahme der Sozialisten an der Re- gierung für unerläßlich holte. Oer Verfassungsentwurf. Madrid, 1. Juki. Die mit der Ausarbeitung der spanischen Verfassung berraute Kammission hat ihre Arbeiten so gut wie vollendet. Der Ver- fassungsentwurf sieht den unitarischen Charakter der spa- nischen Republik vor. Jegliche Adelstitel werden abgeschafft. Die Freiheit der Religionsausübung, der Presse, der Gewerkschaften und die Verpflichtung, dem Vaterland zu dienen, werden hervorge- tzoben. Das Recht des Eigentums wird anerkannt. Der Volks- schulimterricht ist obligatorisch. Der Senat soll aus 2S0 Mitgliedern bestehen und alle vier Jahre erneuert werden. Die Kammer soll 466 Abgeordnet« umfassen, den Frauen wird das Wahlrecht zuerkannt. Die Wahlfähigkeit für Spanier bei- derlei Geschlechts tritt mit dem vollendeten 23. Lebensjahr in Kraft. Der Verfassungsentwurf schlägt vor, daß das Mandat des Präsi- denten der Republik, der van Kammer und Senat gemeinsam gewählt wird, auf sechs Jahre erteilt wird. Zum Prä- sidenten der Republik können nicht gewählt werden Mitglieder des Klenis und Mitglieder des ehemealigen Königshauses. Die Anhalter Bestechungsaffäre. Eine ErNärung der preußag. Zu den Behauptungen in der Presse über Stimmenkauf bzw. Bestechung von Abgeordneten teilt die Preußag(Preußische Berg- werts- und Hütten-A.-G.) mit, daß sie allen diesen Vorgängen voll- kommen fernstehe. Bereits im Herbst vorigen Jahres habe die Preußag. als in einem westdeutschen Blatt ähnliche Behaup- tungen auftauchten, energisch dagegen Stellung ge- n o m m e n. Diese Behauptungen seien völlig unwahr. Die Preußag babe mit einer Geldhergabe an Abgeordnete nichts zu tun; sie habe Abgeordneten weder Zuwendungen noch Versprechungen gemacht. Der Vorstand, und zwar jedes einzelne Mitglied, sei bereit, diese Erklärung eidlich zu erhärten. Das preußische Staatsmini st erium hat bekanntlich vor einigen Tagen gleichfalls erklärt, daß die Behauptung von der Bestechung von Abgeorkmeten durch die Preußag jeder Grundlage entbehre. Wie unsere Leser wisien, ist die Barzahlung an die beiden Hausbesitzerabgeordneten von Anhalt von der Berliner Bant für Handel und Grundbesitz erfolgt, deren Aufsichtsratsoor- fitzender der in schärfster Opposition zur Preußischen Regierung stehende wirtschaftsparteiliche preußische Landtagsabgeord- nete Ladendorfs ist. Angesichts dieser Tatsache mutet es seltsam an, wenn die Wirtschastspartei jetzt es auch noch für nötig hält, die beiden verurteikten Anhaltiner, nicht etwa Herrn Ladendorff, von sich abschüttelt.__ Die Todesstrafe für Schwangere. Das Oberhaus nahm in dritter Lesung die bereits vom Unterhaus gebilligte Borlage an, wonach eine schwangere grau, die für schuldig erkannt wird,„ein mit dem Tode zu bestrafendes Verbrechen begangen zu haben", statt mit dem Tode durch lebenslängliche Awangsarbest bestraft werden soll. Ltm den Oldenburger Landtag. Auflösungsantrag der Hakenkreuzler abgelehnt. Oldenburg. 4. Juli(Eigenbericht). Der Oldenburger Landtag lehnte am Dienstag den An- trag der Nationalsozialisten auf Auflösung des Parlaments ab. Für den Antrag stimmten die Deutschnationalen, die Nationalsozia- listen, das Landvolk und die Kommunisten. Der Landtag vertagte sich nach der Abstimmung auf unbestimmte Zeit, so daß die bisherige Beamtenregierung als gefchäftsführendes Ministerium weiter amtieren wird._ Bulgariens neuer Kurs. Eine Erklärung MalinoffS. Alexander Malinoff, ehemaliger und neuernannter Ministerpräsident Bulgariens und Führer des Volksblocks, auf den sich die neue bulgarische Regierung stützen wird, hat der bulgarischen Telegraphenagentur folgende Erklärungen gegeben: Der Sieg des Volksblocks bedeutet einen Triumph der Der- föhnungspolllik, der nationalen Einigung und der radikalen Reformen. Die aus diesem Block gebildete Regierung wird keinesfalls ein« Störung des Friedens dulden. Die geplanten Reformen sollen die schwere finanzielle und wirtschaftliche Lage des Landes erleichtern. Die Regierung des Volksblocks wird ein auf- richtiger Freund des inneren und des internationalen Friedens und ein erbitterter Feind aller derer fein, die ihn stören würden. Der Sieg des Blocks bedeutet auch einen Sieg des Konstitutionalismus. So wird die künftige Regierung streng auf das Grundgesetz des Landes achten und feine Bestimmungen durchführen, sie wird sich als strenger Wächter der bestehenden politischen und sozialen Ordnung betätigen und sie befestigen, indem sie olle für die ruhige Entwicklung des Landes gefährlichen Experimente ablehnt. Der Volksblock hat den Sieg bei den Wahlen errungen, weil das Volk durch feine Vermittlung alles Mögliche und Vernünftige versuchen will, um im internationalen Plan zu guten Beziehungen zu allen Nachbarländern zu kommen und die Freundschaft, das Vertrauen und die Unterstützung der fremden Mächte zu gewinnen. Daher wird auch die Außenpolitik der Blockregierung bestrebt sein, die Ziele zu erreichen, welche das Volk selbst bestimmt hat. Nluttat eines Gutsbesitzers. Furchtbarer Arbeitermord auf Schloß Lannowitz. Liegnitz. 1. Zuli.(Eigenbericht.) Gestern abend verursachte eine schwere Bluttat auf Schloß Jannowitz große Aufregung. Der Gutsbesitzer Robert Günther war mit dem Oberschweizer in einen Wortwechsel geraten. Plötzlich lief er aus dem Kuh- stall, holte sich ein Jagdgewehr und lief wieder in den Kuhstall zurück. Als der Oberschweizer bemerkte, daß jemand leise in den Kuhstall getreten war, wandte er sich um und sah den Laus des Gewehrs auf sich gerichtet. Er warf sich schnell zu Boden, so daß der gleich darauf krachende Schuß in die Wand ging. Der U n t e r s ch w e i z e r, der sich ebenfalls im Kuhstall befand, eilte, als er dies alles sah, nach vorn, um aus dem Schußbereich zu kommen. Die zweite Kugel, die der Gutsbesitzer abgab, traf jedoch den fliehenden, an der ganzen Sache vollständig unbeteiligten Unterschweizer. Der Schuß ging in die Lunge und führte sofort den Tod herbei. Der Oberschweizer tonnte sich in Sicherheit bringen. Als die ruchlose Tat des Gutsbesitzers im Orte bekannt wurde, zog eine Menge in maßloser Empörung vor das Schloß und ver- langte die Verhaftung des Mörders. Als� Güncher sah, was er an- gerichtet hatte, versuchte er, sich Verwundungen beizubringen, so daß man glauben sollt«, er Hobe in Notwehr gehandelt. Er zer« schlug sich selbst die Brillengläser und brachte sich Wunden im Ge« ficht bei. Trotzdem wurde einwandfrei festgestellt, daß er nicht in Notwehr gehandelt hat. Günther wurde noch am gleichen Abend vom Landjäger verhaftet und nach Liegnitz gebracht. 600 Hihetoie in Amerika. New Bork. l. Zull. Die furchtbare Hitzewelle in den vereinigten Staaten dauert mit unverminderter Heftigkeit fort. Die Gesamtzahl der Personen, die bisher direkt oder indirekt der Hitzewelle zum Opfer fielen. hat sich bereits auf über b00 erhöht, während der letzten 24 Stunden wurden 300 Todesopfer gezählt. Die höchste Zahl hat die Stadt Chikag o mit 126. 3m Staate 3 o w a sind zahlreiche Viehherden Opfer der Hitze geworden, während in vielen Bezirken der Union die Getreideernte vollkommen vernichtet worden ist. Die Höchsttemperatur im Schatten betrug gestern zwischen 35 und 50 Grad Celsius. Rückschau- Die„F u n k st u n d e" setzt ihre Städtebilder unentwegt in der gleichen Form fort, deren Unzulänglichkeit längst unumstritten'est- steht. Der Querschnitt durch„Stettin" war einschläfernd lang- weilig. Statt daß eine Stadt lebendig gemacht wurde, brachte man eine Folge von Lesebuchartikeln für die Oberstufe, in denen eine ge- drängte Uebcrsicht aller offiziell erwähnenswert erscheinenden Tot- fachen aus Stettin gegeben wurde, und die höchstens em sehr ehr- geiziger Schüler freiwillig lesen würde. Natürlich kann man das soziale und wirtschaftspolitische Bild einer Stadt auch in sachlichen Vorgängen umreißen, aber niemals in einer Häufung von Stich- warten, sondern nur in der sinnvollen Auswahl charakteristischer Züge. Auf keinen Fall jedoch ist es nötig, für solche Vorträge das Mikrophon von Berlin fortzubewegen; selbst wenn die einzelnen Aus- führungen infolgedessen nicht von ihren Verfassern selber abgelesen werden können, ist das weiter kein Unglück. Die anschauliche Re- portage aber braucht lebendige Einzelheiten: Alfred Braun begrifi diese Notwendigkeit früher so gut und stellte seine Berichte darauf ein. Es ist nicht recht zu oerstehen, weshalb er jetzt immer wieder oersagt. Oder werden die„offiziösen" Ausführungen seinen Re- portagen aufge zwungen? Te?. Mittwoch, 1. JnlL Berlin. 16.05 Aktuelle Abteilung. 16.30„Jungsegler heraus!4*(Studienrat Fr Augcncr.) 16.50 Bücherstundc. Reisen in Deutschland.(Am Mikrophon: Prof. C. Fader.) 17.05 Unterhaltungsmusik. 18.30 Rechtsanwalt Dr. Frite Weinberg: Wie sichert sich der Hypotheken- gläubiger bei der Bcleihung. 13.55 Volkslieder.(Valerie Lindner; Flügel: Ben Qeysel.) 19.25 Wovon man spricht. 19.50 Ballcttrausik. Dir.: Dr. Ernst Römer.(Kammerorchestcr. Am Cembalo? Gertrud Wertheim.)» 20.50 Tages- und Sportnachrichteo. 21.00 Frankfurt a. M.: Hörmodell ü. 22.30 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Tanzmusik. Königswnsterbausen. 16.00 Hamburg: Konzert. 17.00 Hermann Hasenauer: Lebendige Elternahcade. 17.30 Dr. Rudolf Fclbcr: Musik im Märchen. 18.00 Dr. Richard Gerlach: Beobachtungen an Eidechsen. 18.30 Dr. Konrad Dürre und Dr. Johannes Günther; Freillcht-Thcater. 18.55 Wetter für die Landwirtschaft. 19.00 Ob.-Rcg.-Rat Dr. Hamburger: Das neue Preußische Pollzelverwaltungs- gesetz. 19.20 Alfred Möhr: Tragikomödien des Alltags. 19.40 Min.-Rat Hans Goslar: Die Gleichberechtigung der Geschlechter in der Rcichsverfassung und in der staatsbürgerlichen Praxis. 20.00 Leipzig: Aus der Oper„Der Goldschmied von Toledo** von Jacqucn Offenbach._ welker für Berlin: Fortdauer des Heiteren und warmen Wetters. Jür Deutschland: Ueberall wann und im größeren Teile des Reiches beständig, nur im Süden und Westen aufkommende Gewitterneigung. Vnanwortl. Mr die Redaktion: Serbiet etpett, Sterin; An, eigen: Tb.»locke. Sellin. Verlag: Vorwärts Verlag®. m. b. K.. Berlin. Druck: Vorwärts Sur!). druckerei und Verlagsanstalt Paul Singer& ffo.. Berlin EW 68, Lindenstrast« S. Sirrin 1 Beilage. ZUea.iec. Lidtlsptele ms«, j Mittwoch, 1. 7. Staats-Oper Unterit und schwarzes Haar. Sie war schmutzig. Ich wollte weitergehen. Die Sache mit dem Schicksal ivar zu billig und Zigaretten hatte ich selbst keine. Sie ließ sich aber nicht abweisen und lies neben mir her. Ich blieb stehen. Der Tag Initte so merkwürdig angefangen. Mit Lärin und dünnem Kaffee. Und trotzdem war er nicht wie andere Tage. Bon Ansang an nicht. „Schenk mir etwas," bettelte sie. Sie nahm meine Hand.„Da steht viel Ueberraschliiig drin." Ich war noch vernünftig genug, um zu denken, du bist ein großer Idiot, aber ich hatte schon meinen letzten Fünfziger rausgekriegt. „Kannst du wechseln?" Ich wußte, daß die Frage überflüssig war. auch wenn sie sie bejahte. Ich wußte, daß der letzte Fünfziger futsch war. Sie ließ ihn mit Selbstverständlichkeit und geschickt in irgendeiner unsichtbaren Tasche verschwinden. Dann nahm sie meine Hand. Sie spuckte hinein, und ich war viel zu erschrocken, um sie daran zu verhindern. „Du wirst reich werden. Glück haben in der Liebe und viel Erfolg." Ich schaute ihr nach. Ihr Gang war elastisch und sie hatte einen seinen Körper. Sie drehte sich nicht mehr um und lief unbekümmert auf die Wogen zu. Für einen Augenblick war mir, als müßte ich wütend werden. Drüben bellte ein Hund. Für das Geld hätte ich zu Mittag essen können. Ich wurde aber nicht wütend. ZParum? Das weiß ich nicht. Es war ein seltsamer Tag. Ein Freitag mit Lautsprechern, Staubsaugern und Teppichen und einer albernen Weissagung, die mich meinen letzten Fünfziger gekostet hatte. Und trotzdem. Es blieb ein blauer Tag. Auf der anderen Seite des Kanals lief ich zurück. Auf einer Bank aß ich mein„zweites Frühstück". Und davon kriegten ein paar Spatzen auch noch etwas ab. Als ich nach Haus kam, lagen ein paar dicke Briefe auf dem Tisch. Manuskripte. Mit Bedauern und Hochachtung zurück. Ein Leiertasten klang zum Fenster hinein. Ich versuchte zu tanzen und mußte über mich selbst lachen. Ein seltsamer Tag. Er ist in meiner Erinnerung wie ein Märchen. X. FVpper. liche und tierische Körper und Organe zur Präparation in diesem Institut an. Nachdem sie in einem Vorbereitungsraum für die Konservierung kunst- und sachgerecht gesäubert und hergerichtet worden sind, werden sie in Bäder gelegt, die aus besonderen Chemikalien und Essenzen gemischt sind. Diese Bäder schon, die in gläsernen Becken der ver- fchiedensten Formen und Größen angesetzt werde», sind ein gewich- tiger Teil des ganzen Geheimverfahrens. Bon solchen Bädern, die in riesigen, schuppenähnlichen Gebäuden auf langen Tischen dicht- gestaffelt nebeneinander stehen, gibt«s zahlreiche Mischungen,- der«»!-- jede ihre speziellen Zwecke erfüllen muß, soll das Präparat wirklich" gut und dauerhaft werden. Einige Tage, oft aber auch Wochen hin-- durch werden diese Präparativnsstücke wechselweise in den verfchi-'- densten Essenzen— sie strömen merkwürdigerweise einen lauiir wahrnehmbare» Geruch aus— gebadet.„Alle Formen der orga- nischen Biologie" schwimme» in diesen Glasbehältern: Katzen, Ziegen. Asfentöpje, Schlangen, Hunde und Fische, Eidechsen und Frösche,— alle nach ihrer Art und Gattung gesondert..., ein unheimliches totenstarres Tohuwabohu von ineinanderverjchlungenen, verkrampi- ten Gliedmaßen und Körpern. In besondere» Becken schwanken schwimmend menschlich e Organe: Gehirne, geteilt und ganz, Nieren, Lungen, Därme und Lebern— auch ganze Embryonen jüngster und älterer Ent- Wicklungsstadien schwappen in den rosa, gelb und grünlich gefärbten Essenzen..., kein Anblick für Nervenschwache. Nach diesen Bädern beginnt dann die eigentliche Konservierung. Sie geht in heißen Poraffinbädern vor sich, die in schrankähnlichen. verschiedenartig temperierten Oefen stehen. Hier werden die Organe und Körper bis in die letzte Faser und Zelle mit Parasfin durch- tränkt,— dieser Stoff tritt nun an die Stelle des den Geweben ent- zogen«» Wassers und gibt den Präparaten die unbegrenzte Dauer- haftigkcit. In Wärmebehältern erfolgt dann das Trocknen der dampfend heißen Präparate. Verlassen sie diese Behältnisse, sind sie gegen die Zerstörerin Zeit gefeit: Knochentrocken und eiscrnstabil halten sie fortan jedes Wetter und jede Temperatur, die größte Tropenhitze, Kälte und Feuchtigkeit,— halten sie jeden Schlag und Fall— wenn er nicht geradezu mit Gewalt erfolgt— aus. Gegen Mottenfraß und Insektenlarven, Verstaubung und Schrumpfung i» jeder Art geschützt, in Form und Farbe natürlich und im Geäder bis ins kleinste Detail wie noch im lebenden Zustande klargezeichn-'t und, wenn es sich um Ganzkörpcr handelt, in lebenswahrer Stellung inontiert, überdauern sie Jahrzehnte und Jahrzehnte. So konserviert wirken die Tiere unheimlich lebendig: Katzen und Hunde, kleine Aesschen, Kälber und Ferkel,— sie stehen auf ihren Montagebrettern da, als wären sie in einem inomentanen Schreck erstarrt und warteten nun auf den Augenblick, in dem sie nach Ueberwindung der Angst wieder loslauscn und sich bewegen könnten. Ein Auftraggeber lehnte ein so präpariertes Pelztier mit der Begründung ab, daß es sich„doch zu unheimlich lebendig" mache. Damit ober sind der Wunder noch mcht genug getan: Nach Jahrzehnten noch kann man diese Prävarate mikroskopieren und röntgen, was für die Wissenschaft, die Museen, wissenschaftlichen Sammlungen, Schulen, Aerzte und Pädagogen, die im wesentlichen die Abnehmer solcher Präparate sind und sie zum Anschauungsunter- richt und zu Demonstrationszwecken brauchen, ja von ungeheurem Wert ist. Und zuletzt gar, so phantastisch dies auch klingt, lassen sich alle konservierten Stücke wieder in den organischen Zustand zurückver- setzen, in dem sie sich unmittelbar vor dem Beginn der Präparation befanden,— das kommt einer Wiedergeburt und Erweckung gleich — wenn auch nur einer Erweckung im toten Fleische. Jedes dieser präparierten Stücke hat seinen Preis: Ein Fett- herz gibt es schon für 80 M. Ein vollständiges Gehirn mit allen Gehirnneroen kostet seine 1l>S M. Eine Zunge ist für SV M. uno ein Magen für SV M. zu haben. Kaum teurer sind die Körper der Neugeborenen und Embryonen. Auf diese absonderliche Art bringt man wenigstens einmal in Erfahrung, wieviel an Geldeswert der Mensch und seine Organ« ausmacht. Nicht viel gerade..., wenn man bedenkt, daß es dazu noch so umständlicher Präporationen bedurfte. I�urt Ii. Kaukkwanu. Hzisepe Szenezif cnpzn im Juli Es gilt jetzt, die gefallene» und aufgestellten Schwärme gut winter st ä n d ig zu machen Wir müssen insbesondere die Nach- schwärme überwachen, bis sie in regelrechte Cierlage eingetreten sind. Sie haben— wie auch die abgeschwärmten Mutterstöcke— eine junge, unbefruchtet« Königin. Der Hochzeitsslug voll- zieht sich nichi immer so einwandfrei wie allgemein angenoimnen /tod i IMsuc>v.u»i'5�as>cI>en Abb Z Stahlstempclbarste wird. Ich hatte während meiner Ferientage Gelegenheit, an 20 Tagen die Königin zur Begattung ausfliegen zu sehen, ergebnis- los! Erst am 21 Tage kam sie mit dem Begattungszeichen der Drohne in ihren Stock zurück. Ich sage dies, um vor Voreiligkeiten zu warnen. Im übrigen könnte ich nur empfehlen, allen Nach- schwärmen noch etwa 8 Tagen eine Wabe mit offener Brut— mit Eiern und Maden— aus einem anderen brutlustigen aber absolut gesunden Volke einzuhängen. Geht die Königin wirtlich zugrunde, so ist das Volt durch das Anblasen von Welselzellen in den Stand gesetzt, seinen weisellosen Zustand zu melden. Dann kann der Imker durch Zugabe einer jungen Nachschwarmkönigin sofort helfend eingreifen Ferner müssen die Schwärme darauf untersucht werden, dah sie die ihnen überwiesene Wohnung voll und ganz ausbauen. Sollte die Baulust durch andauernd schlechtes Wetter oder mangelnde Tracht erlahmen, muß sie durch kräftige Fütterung wieder angefacht werden Kleine, späte, unscheinbare Schwärme, die noch in diesem Monat sollen, sollten nicht angenommen werden. Wir suchen die Königin aus und lassen die Bienen wieder auf ihren Mutterstock zurückfliegen. Solche armseligen Kameraden bringen nur Aerger, Geldauslagen, Zeitverlust, und zum Schluß klagt stets eine leere Beute über allzu rasch entflohenes frohbewegtes Leben. Nur eine einzige Ausnahm« wollen wir gelten lassen, wenn es sich darum handelt, eine erstklassige junge Nach- schwarmkönigin zu erhallen und sie zum Auetausch einer minderwertigen Mutter zu gebrauchen. Das Schwärmchen wird in ein Befruchtung skästchen(Abbildung 1) gebracht und dort so lange belassen, bis die Königin befruchtet und in die Eier- läge«ingetreten ist. Das Kästchen ist ein kleine» cholzkistchen mit drei Rahmen: einer Brut-, einer Honig- und Pollen« und einer inehr oder minder leeren Wabe. Es wird voin Stande entfernt auf vier Rundpfählen festgemacht. Neben der Pflege der jungen Nachkommenschaft darf die Honig- ernte nicht vergessen werden. Imkerfreunde, haltet euch an folgende bewährte Richtpunkte: Kleine Helvachtuncgen Das kleine UMLädcben aus Cklaboma Ein Name ist über die Welt geeilt! im buchstäblichen und gegen- ständlichen Sinne des Wortes„geeilt" und„über" sie hinweg: der Name, den das Flugzeug der beiden amerikanischen Weltflieger P o st und G a t t y trägt, der Name„Winnie Mae", vervoll- ständigt durch die Angab«„of Oklahoma". Winnie Mae of Oklahoma ist keine Phantasicbezeichnung, sondern eine reell« Post- adresse Man kann einen Brief solchermaßen beschriften und wenn man ihn richtig frankiert, kommt er in die Hände eines Menschen: in die eines kleinen Mädchens, das sich rühmen kann, sofern es in seiner vielleicht noch vorhandenen kindlichen Naivität dies rühmenswert findet, ein«» sehr reichen Vater zu haben, einen großen Mann aus dem Gebiete der O e l p r o d u k t i o n. Jawohl, dem alten Herrn Mae geht es gut. Er beschäftigt Hunderte, vielleicht Tausende von Arbeitern, deren Fleiß ihm Reichtum zugeschanzt hat und alle Tage neu zuschanzt. Mae ist ein Unternehmer und als solcher gewiß ein guter Rechner und ein von sentimentalen Erwägungen nicht angekränkelter Charakter. Das Oelgefchäft im besonderen ist ein rauhes Handwert. Wir werden uns Herrn Mae als robusten Industriekönig vorstellen müssen, als nüchternen Abwäger finanzieller Möglichkeiten. Aber Herr Mae hat auch ein Privatleben, das sich jenseits allen Kommerzes abspielt und in diesem Privatleben ist er ein uneigen- nütztger Förderer wagehalsiger Sportsleute und ein liebender Familienvater. In seiner ersten Eigenschaft hat er den Fliegern Post und Gatty die Mittel für ihren W e l t f l u g zur Ver- fügung gestellt und in seiner zweiten Eigenschaft hat er sich aus- bedungen, daß ihr Flugzeug auf den Namen seines Töchterchens getauft werde. Es ist fast ein bißchen rührend: Der Name eine» Kindes fliegt über die Welt; über den Atlantik, das europäische, das asiatische Festland, den Stillen Ozean, der Name eines Kindes, dessen Ge- danken an Spiel und Harmlosigkeit hängen. Romantischi Aber romantisch nur in der Fassade. Damit es zu dieser Romantik kommen konnte, mußten zwei Leute gefunden werden, die ihr Leben zum Einsatz gaben. Und dieser Wille wiederum, die Knochen aufs Spiel zu setzen, konnte nur durch hinreichende Finanzierung erzengt werden. Der alte Mae hat einen gewaltigen Apparat aufgezogen, um sich eine spielerische Freude zu bereiten. Das Endglied der Kette bildet sein Baterstolz über den Triumph, den er dem Namen seines Kindes bereitet hat: aber am Anfang steht hartes und freudloses Schuften verschwitzter Arbeiterleiber. Kleine Winnie Mae aus Oklahoma: Dein Vater hat es gut gemeint- Er hat ein Besonderes getan, um dir eine Freude zu bereiten und es ist nicht seine Schuld, fondern die Mechanik der Dinge, daß deine Freude ihre Wurzeln in der Blutatmosphäre usurpierter Oelfeldcr und Bohrtürme hat. Was aber dich selbst anbelangt: hat dein Vater da nicht ein« allzu große Zumutung an die Widerstandsfähigkeit deiner Seele gestellt gegen die Gefahr, ein eitler Fratz zu werden? Haus Lauer. 1. Schleudert rechtzeitig: nicht zu früh, nichi zu spät! Nach jedesmaliger Entleerung der Zellen erwachen Arbeitslust und Schaffensfreude immer von neuem. Damit aber will ich nicht sagen. daß jeden Tag die Schleuder schnurren soll. Ihr würdet damit un- reifes Produkt ernten, das zum Gären neigt. 2. Treibt beim Schleudern keinen Raubbau! Der Brutraum den Bienen: der Honigraum dem Imker! Nicht immer das letzte Tröpflein guten Sommerhvnigs zu Geld gemacht; niemals den Geiz walten lassen! Nicht denken, durch fade Zuckerbrllhe die gute Honignahrung ersetz«» zu können! 3. Stellt beim letzten Schlendern für jede» Kastenvolk sür die Zeiten der Rot zwei gedeckelte Reservehonigwaben zurück! Ihr legt damit ein kleines Kapital auf hundertfache Zinsen an. 4. Schleudert in der Stockwärme! Di« Waben aus dem Kasten, entdeckelt und in den Schleuderkorb! So fließt der Zelleninhalt wunderbar aus. Lasset die Waben glatt am Gitter anliegen, daß sie nicht durchbrech«», dreht anfangs langsam, wendet öfters, geht dann in rascheres Tempo über! 5. wenn du Waben stücke aus zerbrochenen Waben oder aus Strohkörben schleudern willst, dann fertige dir nach Abbildung 2 den sogenannten Stachelrahmen- Nimm ein gewöhn- liches Rähmchen, benagle es von oben nach unten mit S bis 6 Leisten und treib« durch diese etliche spitze Nägel, die du nach innen zu vorstehen läßt! Darauf die Wabenstöcke gespießt, können sie wunder- bar geschleudert werden. Der Vorteil treibt das Handwerk! Zäher Heidehonig kann erst geschleudert werden, wenn der Zekleninhall gelockert wird. Wir bringen dies mittels der S t a h l st e ni p e l» bürste mit beweglichen Nadeln fertig, die wir in die Zellen führen und damit den Honig aufrichren.(Abbildung 3.) Oft werde ich gefragt, welche Schleuder der imterliche Anfänger sich zuleg«n soll. Es kommen hier Hauptsächlich zwei Systeme in Frage: die F r e i f ch w u n g j ch l c u d e r(Abbildung 4) und die T r o in in e l s ch l e u d e r(Abbildung ö). Beide sind gleich gut zll empfehlen, nur ist die erstere etwas schwer und sollte nur von solchen Imkern angeschafft werden, die einen festen, dauernden Wohnsitz haben. Um erstklassiges Produkt auf den Markt zu bringen, das jeder Auslandsware gewachsen ist, muh der Honig noch geklärt werden, sei es an der Sonne oder im Wasserbade. Dann bleibt das Produkt lange Zeit dünnflüssig: die in ihm etwa noch ent- haltenen, spezifisch leichteren Fremdkörper steigen an die Oberfläche. Alle beim Schleudern sich ergebenden Wachsobsälle usw. werden sofort eingeschmolzen, daß sie nicht ein Raub der gierigen Wachsmaden werden. Wir benützen dazu den Wachs- fchmelzapparat(Abbildung 6), ein Blechhafen mit Doppelwänden- in der unteren Hälfte ein eingebautes feinmaschiges Sieb! In den oberen Teil verbringen wir die Wachsbrocken: die Hohlräume werden mit kochendem Wasser ausgefüllt. Das Wachs schmilzt, sickert durch das Gitter in den Unterraum und kann dort durch den geöffneten Hahn abfließen. Wer jetzt noch minderwertige Königinnen auf dem Stande hat, der tausche sie mit den besten, erstklassigen Nachschwarm- königinnen. Auch auf dem Bienenstande kann das Best« gerade gut genug sein. W. Abb. 4 Frelfchwungschleuder Abb. 5 Trommelschleuder Abb. 6 Wachsschmelzapparat e Buch 3{arl Schröder: Samilie ITlarkerl Eine Gesellschaftostudi« nennt Karl Schröder sein im Ver. lag Der Bücherkreis(etwas unprakiischerweise in zwei Bänden! herausgebrachtes Werk„Familie M a r k c r t", und das Ziel, das er sich gesetzt hat, ist: eine Klasse, die Klass« d«r Kleinbürger, zu durchleuchten, den Nährboden ihres Handeins aufzuzeigen, den Horizont ihrer Wünsche, ihrer Forderungen an das Leben, abzu- suchen, die Motive ihres Zerfalls zu erkennen. Um den alten Trunkenbold Martert,«inen pensionierten Beamten, und seine Frau Berta, ein liebevoll sorgendes Mütterchen, herum, gruppieren sich die Kinder, die Söhne und Töchter, die alle der gleichen Atmosphäre bedrückter Verhältnisse entsprungen sind und doch jeder ein anderes, eigenes Leben führen. Der erste Band gibt im wesentlich«» Zustandsschilderung. E? bleibt gegen ihn einzuwenden, daß Schröder allzu sehr mit der Zeit- lupe arbeitet. Die Gespräche, die die Geschwister untereinander ode- mit ihren Eltern oder mit Personen ihrer Umgebung führen, sind zu alltäglich und in der Regel nicht aufschlußreich genug, als dah ihre Ausführlichkeit gerechtfertigt wäre. Auch im Phonetischen stimmen sie nicht recht. Der zweite Band ist dann spannungsgcladener. Die Politik wirft die Familie Markert durcheinander. Als Hauptakteure steh.m sich Fritz, der«in« der Brüder, und Hilde, die«ine der Schwestern, sowie ihr Freund und späterer Mann Martin gegenüber. Fritz, der ursprünglich gefühlsmäßig links gestanden hatte, wandert aus Verärgerung über seine Arbeitslosigkeit und aus dumpfen Haß- instinkten heraus, zu den Nazis ab. Martin und Hikde, zwei gerad- linige Charaktere, die die politischen Problem« viel zu ernst durch- arbeitet haben, um der Hitlerei aufsitzen zu können, bleiben der Fahne des Sozialismus treu. In einer im Tumult aufflicgenden Naztverfammlung stößt Fritz dem Martin, seinem Schwager, ein Messer in den Hals. Die Wunde ist nicht tödlich: aber einer stirbt doch an ihr: Fritz, oer sich aus Angst und Reue das Leben nimmt. Gut gesehen ist die Flucht Fritzens zu seinem anderen Schwager, einem feinen Pinkel, auch Nazi. Aber der hat nur hetzen können, jetzt, da ein Armer schuldig geworden ist, da üierläßt«r ihn der Pein. Literarische Ausflüge zum Kleinbürgertum sind oft gemacht worden. Karl Schräders Vorzug: er geht nicht als Idylliker und auch nicht als hämischer Satiriker an sein Material heran, sondern als Politiker. Er ist Aktivist. Er wünscht die Welt, die er zeichnet, di«ie dumpfe, kleine, ausgedörrte, innerlich zerrissene, haltlos gc- wordene, an Pappkulissen als Ideale glaubende Welt geändert. Oder vielmehr: er wünscht die ökonomische Grundlage, auf der sie steht, geändert, geändert zum Sozialismus hin. Er wünscht den Schein und die Lüge aus der Wclt gewischt. Jeder Sozialist wünscht das mit ihm; aber freilich nicht jeder wird den schönen Glaubensherois- mu« Schröders aufbringen, daß ein« sozialistische Aenderung der Fundament« auch hundertprozentig ändernd wirkt auf jegliche pri- oaten Beziehungen überhaupt: es ist kein schlechterer Marxist als Schröder, wer da skeptischer denkt. Diesem Vorzug stehen Mängel gegenüber, die im Artistischen liegen. Schröder läßt zuviel erwägen und zu wenig evleben. Er spielt zu oft Gedanken und zu selten Tatsachen gegeneinander aus. Seinen Personen fehlt da« recht« Eigenleben, sie sind fleisch- gewordene und manchmal gar schablonisierte Thesen. Meinung und Ueberzeugung überwuchern Handlung und Geschehen. Ein Sozio- log« hat die„Familie Markert" geschrieben. Und weniger ein Dichter. Hans Lauer. 66 RätsehEcke des„Abend fawimiiimiiiiimmiiiiiimmiirmPimmimimimiiMiiuimiiMiimiimiiitiummiiiiiMMuuuiiwoMMimmiummiiiimiiiimiiuiiiimiiiimmiimMumiiiiiiinuuimyminuiii Kremworträtsel » Waagerecht: 2 Weiblicher Vorname: 5 Schwur: 6. Sport; 7. Fahrzeug: lll Französischer Artikel: 12 Speisenfolge: l3. Ne- benfluh der Donau: 15 Tierpro- dukt; 17 Fluß in Sibirien: 19. Naturerscheinung: 21. Gebirge: 24 Gesetzesüberireter: 2S Lebens- bund: 27. Teil des Kopfes: 28 Zahl Senkrecht: l Deutsche Stadt: 2. Weiblicher Vorname: 3 Hart- gummi: 4 Klostervorsteher: 8. Um- Nandswort: 9 Getränk: ll Ver- häliniswort: 14 Himnielerichtlinq: 16. Sumpfsteppe: 18 Meeresbucht: 29. Flächenmaß: 22 Französischer Artikel:23 Diehsutter: 25 Gutschein Ü S. Kapselrätsel Aus den Wörtern Schwärmer, Dienstdauer, Zuvorkommen, Rollkommando, Pommern, Regenwurm, Schären, Verdienst, Ver- welken, Mietvolk, Vollklang, Kommando, Ostende sind je drei, dem letzten Wort zwei aufeinandersolgende Buchstaben zu entnehmen, die aneinandergereiht einen Wahrspruch ergeben.—«>«■.— Kapielrät el Den Wörtern Gardasee, Klebstoff, Bengalen, Eiltempo, Ver- nichtung, Rechtsanwalt, Wodan, Tiefstand, Schreiberhau Rhein, Lcit- fäden, Valltracht sind je drei auseinanderfolgende Buchstaben zu entnehmen, die aneinandergereiht ein Zitat von Körner ergeben. — ekr.— VerwandlungSaufqabe In den Wörtern Taste, Alster, Aller, Pelle, Rose, Weide, Leine, Wiese, Ehre, Rande, Erls, Molch, Angel, WXine, Worte sind die Anfangsbuchstaben durch neue zu ersetzen. Die neugefundenen Buch- staben nennen aneinandergereiht den Titel eines hohen Reichs- beamten.—ekr.— Geographie Mit„H" als Bibelstadt bekannt, Nimmst du mir Kopf und Fuß, Bin ich im Spanierland Ein großer Fluß. Auflöjungen in der nächsten Rätselecke. —«kr.— Auslösungen der letzten M'selecke. Kreuzworträtsel. Waagerecht: 1 Salat, 4 Bluse: 7 Ahr: 8 Nebel: 11 Elias: 14 Ratte: 10 Alb: 18 Rot; 19 Tim: 21 Hiob: 23 Brei: 24 Breslau: 25 Umea: 27 Rhin: 29 Sir: 39 Boa; 32 Ena: 33 Seide. 35 Samos; 37 Libau; 49 Ehe: 41 Esten: 42 Reger.— Senkrecht: 1 San, 2 Lob. 3 Tawr: 4 Bett: 5 Uri: 6 Eos: 9 Elli; 19 er: 12 Le: 13 Arie; 15 Tolstoi: 16 Ahaus; 17 Loder; 19 Truhe: 29 Minna: 22 Bra, 23 Bar; 26 M ra: 28 Inka: 39 Besen; 81 Adiler; 33 SO.: 34 Ei: 35 See; 36 Mus; 38 Bug; 39 Uhr. In Nord und Süd: Don. Rösselsprung: Was kann die Freude machen,/ Die Einsamkeit verhehlt?/ Das gibt ein doppelt Lachen,/ Was Freunden wird erzählt./ Der tan» des Leids sich wehren,/ Der es von Herzen sagt;/ Der muß sich selbst verzehren,/ Der ms- geheim sich nagt. L. Dach. Was bringt die Arbeiter«Regatta am Sonntag in Grünau? Wer in diesen Tagen des Abends an den Ufern der Spree und der Havel spaziert, wird oft durch kurze abgerissene Äommandorufe aus seiner beschaulichen Ruhe geweckt:„Eins-- weg, zwei-- weg, drei-- weg!" Arbeiterrudcrer und Kanufahrer sind es, die die letzten Abende ausnutzen, um für ihre Regatta, die am kommenden Sonntag(S. Juli) vor den Grünauer R e- gattatribünen stattfindet, noch den letzten Schliff erhalten. Es gilt diesmals etwas, denn l 1 Städte werden in den einzelnen Rennen um den Sieg ringen. Und wahrlich, es sind d i e b e st e n Mannschaften, die au- allen Teilen Deutschlands heranrücken: einige find schon von der vorjährigen Regatta bekannt. Hamburg, Stettin, prenzlau, Leipzig, würzen, Magdeburg. Dortmund, Brandenburg. Luckenwaide. Rathenow und Berlin, letzteres mit seinen vielen Vereinen, von denen Vorwärts, Collegia, Dutab, lSIZ, FTGV., Reichsbanner, 1S24, Kanu-Union, Aufwärts, Schweifstern, Cöponick, Rowawes, Freie Turnerschaft Britz, Freie galtbootfahrer, Freie Echw. Charlottenburg am Start erscheinen, werden den friedlichen Wettkampf austragen, im ganzen 131 Mann- fchaften mit 800 Teilnehmern. Die Regatta beginnt um 13 Uhr mit einer M a s f e n a u f- fahrt der Wassersportlerinnen in Achter, Ruder- und Kanuviercr. Das erste Rennen, der R i c m e n v i e r e r für Iu n t o r« n, ist so stark besetzt, daß es in zwei Abteilungen mit je 6 Booten über die i 2000 Meter lange Strecke läuft. In der ersten Abteilung treffen sich Fr. Wasfersp.-V. Groß-Dortmund, Wassersp.-V. 1923 Stettin, RA. Saxonia-Wurzen, Rcichsbanner-Wassersp.-Abt. Berlin, RV. Butab-Berlin und RV. Vorwärts-Berlin: in der zweiten Abteilung Arbeiter-Ruderoerein Hamburg, NE. Vorwärts-Stettin, RV. Vor» wärts-Leipzig, Fr. RV. 1913 Berlin und zwei Mannschaften von Vorwärts-Berlin. Im Vorjahr siegten in der ersten Abteilung die 1S13er, in der zweiten Dortmund. In seiner Besetzung das schönste Rennen verspricht der Riemen- vierer für Senioren zu werden, der die Dortmunder, Freie Wassersahrer Prenzlau, Saxonia Wur- zen. Vorwärts Stettin und die Berliner Vorwärts und Reichs- banner am Start findet. Für wen sollte man hier den Tip geben? Der vorige RegaUabericht bezeichnet dieses Rennen als„Klaffe- Rennen". Es sind auch in diesem Jahre die alten Bekannten dabei, wie Dortmund, Würzen(der Sieger), Stettin. Die jungen Prcnz- lauer, die vor drei Wochen in Stettin vom Anfänger zum Kreis- meifter des 13. Kreises hinaufschnellten, werden bestimmt init von der Konturrenz sein. Im Achter für Junioren gibts auch zwei Abteilungen mit je 4 Booten. In der ersten Abteilung rudern die drei„Vorwärts"-Vereine Leipzig, Stettin, Berlin und das Reichsbanner, in der zweiten Abteilung Würzen, Brandenburg, die Berliner Collegia und eine zweite„Vorwärts"mannschaft. Zn dem großen Rennen des Tages, den Senioren-Achler, finden wir die Berliner Vorwärts, Collegia, Reichsbanner und de» Leipziger Vorwärts am Start. Seit 1924 gehört dieses Rennen dem Berliner Vorwärts. Die Sachsen machten ihm im vorigen Jahre allerdings schwer zu schaflen Ob der Senior der Arbeiter-Ruder- vereine seinen langjährigen Sieg halten wird? Im Rennen der Jüngsten, dem Riemenvierer für Anfänger, stehen 0 Boote. Nicht ganz befriedigen wird der Iunioren-Doppel- vierer, zu dem nur drei Meldungen vorliegen. Von der kleinen Bootsgattuug starten die Junioren im Doppelvierer. Die Jugendlichen und Frauen treffen wir im Stil rudern, letztere auch im S t i l p a d d e l n. Bei den Kanurennen weifen die Junioren im Doppelkajak KL 5 die stallliche Anzahl von IZ Meldungen auf. Es starten Union, FTGB.-Kanubezirk, Reichsbanner und Stettin 1923 je eine Mannschaft, Schweifstern, Nowawes und Brandenburg je zwei und Cöpenick mit drei Mannschaften. Die große Boots- klaffe der Paddler, der Kanuvierer, findet sich in den drei Rennen. Das Anfängerrennen nimmt 7 Meldungen von Aufwärts, FTGB.-Kanubezirk, Reichsbanner, Brandenburg, Charlottenburger Schwimmer und 1923 Stettin auf. Die Junioren starten mit 8 Mannschaften von Union, Aufwärts, Reichsbanner, Charlotten- bürg, FTGB.-Kanu, Brandenburg und 1923 Stettin. Dieses Rennen wurde im Vorjahr stark umkämpft und von FTGB. gewonnen. Die Konkurrenz ist diesmal aber schärfer. Wie der Senioren-Achter bei den Ruderern, so stellt der Kanuvierer für Senioren die Elite der Paddler dar. Tritt die alte FTGB.-Siegermannschaft wieder an? Mit einer Fünftelsekundc wurde im vorigen Jahr diese» Rennen entschieden gegen Kanu-Union. Doch neue Rivalen sind in diesem Jahr mit am Start, außer den genannten noch Reichs- banner und Magdeburg. Im Junioren-Doppelkajak, Anfänger- und Iuntoren-Aiererkajak werden am Sonntag vormittag um 10 Uhr Vorrennen stattfinden. Zu erwähnen ist noch der Doppelkajak für Senioren, in dem 7 Boot« an den Start gehen. Die Zallboolfahur besetzen ein Einer- und ein Zweierrennen, letzteres mit 11 Booten, fo daß auch hier ein Vorrennen gefahren werden muh. Viel Neues zeigen uns die Freien galtbootfahrer in ihren Sondervorführangen im Eskimokentern, Tauziehen und Lanzenstechen im Faltboot, Händepaddeln und anderem. Nicht � unerwähnt soll auch«in Massenschwtmmreigen d«r> Frauen, ausgeführt von der Schwimmerspart« des 1. Kreises, bleiben. So verspricht die diesjährige Ruder- und Kanuregatta recht ob- wechslungsreich zu werden. Die Eintrittspreise find volkstümlich gehalten und betragen 30 Pfennig bis 1,80 Mark. Auch die billig- ften Plätze befinden sich vor dem Ziel. •ARCjmH WSSBALL Auswahlmannschaft Lichtenberg I- Weitjensec Zum zweitenmal stand die Auswahl st ädtemannschaft im Kamps: diesmal war ejzic Kombination von Lichtenberg und W e i ß e n j« e der Gegner. Wer da glaubte, daß die Auswahl- elf im Handgalopp gewinnen würde, sah sich biller enttäuscht. In allen Manschaststellen waren die Gegner vollkommen ebenbürtig: nur hatien die Kombinierten den besseren Torwart. Ob der Aus- wahltorwart alle die Bälle gehalten hätte, die sein Gegenüber zu meistern verstand, ist eine groß« Frage. Warum hat der Spielaus- ichufz die Posten Nicht gewechselt? Wenn die Städtemannschaft am kommenden Sonntag, gegen Leipzig gewinnen oder auch nur günstig abschneiden will, müssen noch verschiedene Aenderungen vorge- nommen werden. Ein« Unmöglichkit in der Mannschaft sind der iinke Verteidiger, der linke Läufer und der Linksaußen. Daß man hauptsächlich den Lintsaußen, der schon im Spiel A gegen B so vollkonnnen versagt hatte, wieder aufgestellt hat, ist nicht recht ver- ständlich. Zum Spiel selbst. In der erst«» Halbzeit konnte die Auswahl- inannschaft mit einem Tor in Führung gehen, die Kombinierten fanden sich nicht recht. Schuld daran mag der Umstand tragen, daß den drei Weißenseer Stürmern der eigene Bcrcinstorwart gegen- überstand. Nach der Pause drehten die Kombinierten aus. Versuche, das Resultat zu ändern, scheiterten entweder am rechten Verteidiger oder an der eigenen Schußunsicherheit des Sturm», doch gelang es dem Mittelstürmer, den Ball über die Linie zu befördern. Resultat 1: 1. Die Auswahlmaunschast macht« nun alle Anstrengungen, das Ergebnis zu oerbessern. Wieder war et dem unermüdlichen Halblinken vergönnt, den Ball zum zweitenmal einzusenden, doch lange sollte die Freude nicht dauern. Wenige Minuten später war der Ausgleich wiederhergestellt. Bei dem R«sultatoon2:2 blieb«s bis zum Schluß. Vorwärts- Wedding weilte bei Hansa 31, um sich ein« recht hohe Niederlag« zu holen. Bei der Pause lautete das Resultat bereits 3:0 für Hansa. In der zweiten Halbzelt hatte Vorwärts etwas mehr vom Spiel, ohne jedoch den Torwart der Hanseaten überwinden zu können. Erst nachdem das Resultat lereits auf 3; 0 angewachsen war, konnten die Weddinger ihren Ehrentreffer ein- senden.— E i n t r a ch t- Reinickendorf hatte Saxonia zu Gast. Wenn die Rrinickendorssr glaubten, ihren bisherigen Sicgeszug ohne Anstrengungen fortsetzen zu können, so hatten sie sich geirrt. Die Saronen brachten starten Kampfgeist mit, der allerdings in der zweiten Halbzeit von der technisch besseren Eintracht-Mannschaft gebrochen wurde. Mit 10: 3 geschlagen traten sie die Heimfahrt an. Heute Mittwoch stehen sich auf dem Meteor-Sportptag in der Christiania-Straße Hansa 31 und Pankow gegenüber. Di« Pankouxr tressen hier aus«inen sehr ernst zu nehmende» Gegner das Spiel beginnt um 18,30 Uhr. Mit D-Zug-Geschwindigkeit Unter den dreijährigen haben wir ein Pferd, das eine ganz ungewöhnliche Schnelligkeit zu entwickeln vermag. Gemeint ist Wokous, dessen Sieg im Pokal am Freitag vor dem Derby ein? kleine Sensation erregte. Di« Stute galoppiert« die 1000 Meter in der Rekordzeit von 38,9 Sek. herunter. Das entspricht einer Stundengeschwindigkeit von 01,2 Kilometer, also dem Tempo eines l)-Zug«s. Allzu groß sind die Unterschiede in den Zeiten nicht: beispielsweise entwickelte Dionys bei seinem Sieg im Derby eine Stundengeschwindigkeit von 33,0 Kilometer, und Bar- neveldt. der Sieger in dem ebenfall» am Sonntag gelaufenen Grand Prix de Paris, galoppierte mit einein Stundentempo von 34,7 Kilo- m«t«r über die 3000 Meter lange Rennstrecke. Schwimmen und Boxen bei der Polizei Die Berliner Polizei hat schon seit Iahren aus die Schwimm- ausbiidung ihrer Beamten den größten Wert gelegt. Besonder» im Ausbildungsplan der jüngeren Polizeibeamten nimmt die Schwimm- ausbildung einen gewissen Raum ein, so daß es jetzt kaum einen Hüter der öffentlichen Ordnung gibt, der nicht auch im Wasser zum Helfer werden kann. So ist es denn auch erklärlich, daß die sportlichen Prüfungen, die Polizeischwimmseste, stet» starke Beteiligung zu verzeichnen hatten. Hunderte von Polizeibeamten, auch Offiziere, nahmen jedesmal den Kampf miteinander auf und noch immer steigt die Zahl der Teilnehmer von Jahr zu Jahr. So werden auch die diesjährigen Schwimm-Meisterschoften der Berliner Polizei, die Mittwoch, I.Juli, 18 Uhr, in der Havelschwimmanstalt der Preußischen Polizcischule für Leibesübungen in Spandau, Schäfer- straße, zur Durchführung kommen, die der Vorjahre übertreffen. Hundert« von Beamten der Berliner Polizei und der Polizeischule Spandau werden in den verschiedenen Wettbewerben an den Start gehen. Da» Programm setzt sich au» Einzelwettkämpfen und Staffeln zusammen. Den Abschluß der Veranstaltung bildet ein Wafserballspiel, in dem die beiden au» den Vorkämpfen als Sieger hervorgehenden Mannschaften um den Titel eine» Berliner Polizei- meifter» kämpfen. Da die Sieger aus den Einzelwettkämpfen die Teilnahmeberechtigung für die in der Zeit vom 14. bis 10. August 1931 in Darmstadt stattfindenden Deutschen Polizelmelsterschasten er- werben, werden die Spitzenkönner gut vorbereitet an den Start gehen, so daß auch ausgezeichnete sportliche Leistungen zu erwarten sind. Die Berliner Polizei will gleichzeitig für den Schwimmsport werben, deshalb wird kein Eintrittsgeld erhoben. Die vom Berliner Polizei-Sportverein anläßlich seine« zehnjährigen Bestehen» im Polizei-Stadion auf- gezogene internationale Amateur- Boxveranstaltung hatte etwa 2500 Zuschauer angelockt. Die italienischen Gäste, sämtlich Landesmeister, machten durchweg«inen guten Eindruck, schienen von der langen Reise aber doch etwas mitgenommen Die Reisestrapazen sind wohl die Ursache dafür, daß ihnen kein einziger Erfolg beschieden war. Im Leichtgewicht trennten sich Roma und der deutsch« Meister Donner(Berlin) unentschieden, ein Urteil, das man in inter- nationalen Kämpfen sonst nicht anwendet. Der deutsche Mittel- gcwichtsmeister B e r n l S h r(Stuttgart) bewies erneut fein hervor- ragendes Können, er fertigte den Italiener L i a n t knapp, aber doch ziemlich sicher nach Punkten ab Im Schwergewicht siegte der Ber- liner Polizist S u r m a gegen V e c ch t o, einen Zweizentnermann, der etwas zit steif und langsam boxte. Au» dem Rahmenprogramm ist noch der Sieg 0c» früheren Steltin er M i et s ch k«(Trep- tow a. R.) über den Berliner Polizeimann Thörey hervorzuheben. Letzterer wurde in der dritten Runde divqualifiziert. 50-kin-Mannschaitsrcnnen bei RGtt Nach vierzebmägiger Baute ruft Ruit seine Anhänger am Fr« tag, 3 Juli. 18,45 Uhr zu seinem dritten Rennen im Polizei- Stadion, Kesselstrahe. Ein 30-KIlometer-Mnnnschaftsrennen nach 0-Tage-Art ist die Haupt-Attraktion diese» Renntages. Zum ersten Male werden gute auswärtige Mannschaften mit unseren Fahrern zusammentreffen. Verhandlungen schweben mit Kilian-Pützseld- Dortmund, Schenk-Dorimund. Maidorn-Dresden, die gute Spc- jialisten für Aschenbahn-Reniaen sind. Neben einem offenen Rennen für Berufsfahrer kommen die Amateure in zwei weiteren Rennen zum Wort. Giganten der Landstraße" Vor dem Beginn der Tour de France Im Quartier der Tour-de-France-Fahrer, die die große Rad- rundfahrt durch Frankreich bestreiten sollen, im Hotel Bohy-Lafayette, ging es am Montag wie in einem Bienenkorb zu: alles war emsig mit den letzten Vorbereitungen für die am Diens- tag beginnende ö000-Kilometer-Fahrt beschäftigt, für die bisher 733 000 Franken(mehr als 120 000 Mark) an Preisen gestiftet wor- den sind. Di« Fahrer mußten noch einmal unterschreiben, daß sie sich den Bestimmungen unterwerfen: auf dem Hofe wurden in- zwischen die Räder plombiert. Die deutsche Mannschaft fand auf der Winterbahn Ge- legenheit, ihre Räder auszuprobieren und die Fahrer sprachen sich sehr befriedigt über das gelieferte Material aus. Buse wurde in etwas ironischer Absicht gefragt, ob er wie im vorigen Jahr wieder nach der ersten Pyrenäcnetappe in Luchon ohne ersichtlichen Grund aufgeben wolle, woraus der Berliner sofort versicherte, daß er dies- mal ganz bestimmt bis ans Ziel kommen werde. Dem Start am Dienslag früh zur ersten Etappe von Paris nach Caen geht eine große Auffahrt voraus, bei der die einzelnen Nationalmannschaften von verschiedenen Radfahrerklubs geführt werden. Den Beginn machen die Belgier, ihnen schließen sich die Italiener und die australisch-schweizerische Mannschaft an. Als vierte folgt die deutsche Mannschaft, begleitet von Mitgliedern des Riooli Sportif-Club, dann kommen die Franzosen und der allein fahrende Spanier Cepeda und den Beschluß bilden die 40 Tourenfahrer. .Arbeiter-W asserball- Serie. Hellas II hatte in Plötzensee gegen seine eigene erste Man»- schaft keine Chance. Mit dem Anwurs legte sich II allerdings gleich sehr in» Zeug, der Mittelstürmer brach mit einem geschickt vor- gelegten Ball gut durch und wurde im Strafraum unfair gehalten. Den folgenden Freiwurf verwandelt« der 1. Stürmer zum ersten und einzigen Erfolg. Die Ueberlegenheit der verhalten spielenden 1. Mannschaft trat dann klar zutage, schnelle Vorstoße und überlegene balltechnische Leistungen brachten Hellas I 5 mühelos er- kämpfte Gegenerfolge bis zur Pause. In der 2. Spielhälfte wurde von der II. härter gespielt, was jedoch wenig nützte: Hellas I erhöhte bei sehr gutem Zuspiel glatt aus 9: 1 und siegte verdient. Neptun- Weißensee siegte gestern im Seebad Weißensee un- erwartet hoch über Neukölln mit 13:3 Toren. Nur im Anfang der 1. Halbzeit zeigte Neukölln ansprechende Leistungen und konnte durch geschickte Ausnutzung eines Freiwurfes in Führung gehen. Neptun fand sich mit den schnellen Vorstößen seines Gegners zunächst schwer ab. Leider fehlte den schwungvollen Angriffen Neuköllns der systematische Spielaufbau, der nun mal für Erfolge maßgebend ist. Die Weißenseer Verteidigung konnte immer zeitig genug klären und bedachte ihre Dorderleute mit guten Vorlagen, von denen der Mittel- stürmer auch bald darauf mit einer schönen Verlängerung den Aus- gleich erzielte. Eine saubere Zusammenarbeit zwischen Verteidigung und Verbindung brachte den Neuköllnern noch einmal die Führung. dann kam Neptun durch präziseres Abspiel stark auf. Nach einem Fehler des Neuköllner Torhüters, der den Ausgleich 2: 2 ergab, war Neuköllns Schicksal besiegelt. Zur Halbzeit lag Neptun mit 4: 2 klar in Front. In der 2. Halbzeit wurde Neuköllns Spiel zusammen- hanglo» und Neptun kam dank besserer Ballbehandlung gegenüber der etwa» schwach spielenden Verteidigung des Gegners zu weiteren 9 Toren, denen Neukölln mit Glück einen Erfolg entgegensetzte— Heut«Mittwoch stehen sich im Westender Bad Charlottenburg und Lichtenberg gegenüber. Erster« werden Sieger bleiben. Am Donnerstag kämpfen Berlin 12 und Neukölln in Lichterfelde und Hellas I gegen Möwe in Plötzensee. Während das erstgenannte Treffen völlig offen erscheint, müßte der Sieger in Plötzense« Hellas heißen. Werbeteste in» Bezirk Friedrichshain. Das Arbeitersportkartell Friedrichshain bringt«ine Reihe von sportlichen Darbietungen. So findet am heutigen Mittwoch ein Vropagandaummarsch aller Sport- und Kulturorganisationen mit Musik statt, anschließend Kundgebung auf dem Sportplatz Friedrichs- Hain. Vorher Handballspiel FTGB.-Osten 2 gegen FTGB.-Strn- lau 2, außerdem Konzert, Turnen, Spiel und Sport. Einlaß 18 Uhr Eintritt 10 Pf.— Am Freitag, 3. Juli, Werbespieltag auf dem Sportplatz Ost, Lödikerstraße. Dort finden Spiele statt. Handball� FTGB.-Osten 1 gegen FTGB.-Nordost 1: Fußball: FTGB.-Osten gegen FC.-Oberspree: Hockey: FTGB.-Osten gegen FTGB.-Pan- kow. Beginn der Spiele 18)4 Uhr. Eintritt frei. lennis-Ro« im Berliner Westen. Die Vorarbeiten für eine Arbeiter-Tennieabteilung im Westen sind nunmehr soweit gediehen, daß am heutigen Mittwoch, 20 Uhr, bei Lew, Meraner Str. 0, die Gründungeversammlung stattfinden kann. Alle Intereffenten, auch solch«, die sich bisher für diese Abteilung noch nicht gemeldet haben, werden zu dieser Versammlung eingeladen. Voraussetzung der Aufnahme bei Tennis-Rot ist Partei- oder Gewerkschaftszug:- Hörigkeit. Die Abteilung Tennis-Rot Westen spielt auf den Plätzen an der Karlsruher Straße. Wafle»s»ort»«r«i».Fraternita»' tavsg-schict>en« Gruppe des DDV.»Frei. heit"). Erlner, Seestrabe 7—14. Sitzungen jeden 1. und 3. Gonnerstn« im iffional. RächZt« Sitzung Freitag,». Juli, im..Falle„stein"(Oberbaumbrückel. Neue Mitglieder mit Vaolen werden noch aufgenommen. Am�unft: Fritz gante, Arbeite r�chlltzen�und' Donnerstag, 2. Iull, Techn Ilersttznng aller Abteilungen bei Tristram, Britz, BUrgerstratze 4S/4S, Li» Uhr. .Freier Spartuereln NeiniiNnd-rf.WeN.- Tanncrstag, 2. Juli, Li Uhr, bei Setdlltz, Funbiionärfltzung. Alle Wienfahrer miissen am Donnerstag auf dem Sportplatz beim Training erscheinen. Frei, Faltbootsahrer Berlin. Mittwoch, l. Juli, Gruppe Südwesten Bc. tciligung am WcrbeulNMg de,«artclld Fricdrichohain, Treffpuntt! 19 Uhr Sportplatz Friedrichohain. Sportkleidung mitbringen. Donnereia«, 2. Juli, 2v Uhr, Gesamtoeransialiung„Zur Restource", Gartenstratze li. Erich Knauf spricht an Hand von Setallpiattin, hie von Traven aufgenommen wurden, Uber da» Thema„M-xilanIsche Bollznnislk". Gilste milltommen. Eintritt frei. Druppenadende fallen aus. Wassersportspart« I. Nrei», Neigenschwimmerinne». Zur Regatta Sonntag. S. Juli, treffe» sich all- Relgenslchwimmcrinnen 1Z,S0 Uhr am Eingang der Regattatribllnen i» Grünau. Da die Reigen der Bezirke nochmals eingelonfen werden müsse», ist es unbed.ngt erforderlich, datz alle pünktlich erscheine». Rote» Kopftuch, roter Anzug sind mitzubringen. Eiarltarten werden am Ein- gang von der Genossin Wolter an b.t Dezirtsleiterinnen ausgegeben. Radfahrer und Kraftfahrer.«»lidarltät-. Alle Abteilung«» der Ortsgruppe »rrffen stch Heute abend 18 Uhr, bei Henkel, Oder. Eck« Flnowstrak«. zum Sort'lll.'Mzug der Adtcllung Lichtenberg, flovsolleidung erwünscht. Solidarität Krastsahrer. Touren für Sonntag, Z. Juli: Abt. Kreuzberg: Peetz.Sec bei GrUvheide, Start 7 Uhr, Schlesische» Tor. Abt. Friedrichshai»: Schau«»«« Sc«, Start 5 Uhr. Landsberger Platz. Abt. Norden: grscher-öee �zwischen Ncilhof und Bavinh), Start 7 Uhr, Seestraße 82. Abt. Charlotte». bürg: Beetz-Commerselb, Start 7 Uhr, Wllmersdorfer Straße 21 Abt. Lichten» borg: Seddinsee-Beelitz, Start 7 Uhr, Oder. Eck» Finow strahl Abt. Oberschbne. weid«: Teupitzer See, Start 8 Uhr, wilhelminenhvsstraße 84. Versammlungen: Ad:. Kreuzderg: 8. Zull. 20 Uhr, Reichende rger Straß»»1. Abt. ffriedrichohain: 8. Juli, 20 Uhr, Strausberger Straße 8, Abt. Norden: 8. Juli, 20 Uhr, See- straße 82, Abt. Chariottenbura: 8. Juli, 20 Uhr, Wilmersdorfer Straß« 21. Abt. Lichtenberg: l. Juli, 20 Uhr, Oder. Eck« Finowstraße. Abt. Tempelhof. Mariendorf: 2. Juli, 20 Uhr. Kurfürsten. Ecke Schützen straße. Kartcvbczirt Treptow. Montag, 8. Juli, 20 Uhr Sitzung bei Pamp, Nieder. schüneweide, Hasselwcrdersiraß« IS. Ziestkarten sofort abrechnen. Di- Abteilung Oberschöneweidc»o» Solidarität hält Freitag, 8. Zun, ein« Nerbeversommlung ad. Arbeitslose werden bestraft. Hastpflicht für Versicherungsbetmg der Llntornehmer. „Sind Beiträge zur Arbeitslosenversicherung nach einem nie- d r i g e r e n Grundlohn gezahlt worden, so begründet eine U m- Meldung nach Cintritr des Versicherungsfalles und Nachentrich- tung der höheren Beiträge keinen Anspruch des Arbeitslosen aus Zahlung der höheren Unterstützungsbeträge. Ist die Anmeldung bei Beginn des Beschästigungsverhältnisses ordnungsgemäß erstattet, sind dagegen die Beitröge aus irgendeinem Grunde überhaupt nicht gezahlt worden, so ist der bei der Anmeldung zur Krankenkasse vom Arbeitgeber angegebene Grundlohn für die Festsetzung der Unterstützung maßgebend. Hat der Arbeitgeber eine Anmeldung unterlassen, so daß Beiträge überhaupt nicht gezahlt worden sind, so darf auch Arbeitslosenunterstützung nicht gezahlt werden. Für den Arbeitnehmer besteht in diesem Falle ledig- lich die Möglichkeit eine Schadensklage gegen den Arbeitgeber." Diese Ausführungsbestimmmig kam auf Grund der I u l i- N o t- Verordnung zustande, die die Zahlung der Unterstützung� von der Höhe der tatsächlich geleisteten Beiträge abhängig machte.'Die Auslegung des Gesetzes scheint aber auf die Dauer einfach u n h a l t- bar zu sein, zumal in der jetzigen Kriscnzeit. Wie soll sich ein Zwangsoersicherter davor schützen, wenn sein Arbeitgeber die gesetz- lichen Bestimmungen nicht einhält? Welcher Arbeitnehmer kann denn seine» Arbeitgeber während der Beschästigungszeit auf Abführung der Sozialversicherungsbeiträge kontrollieren, ohne dabei den Berluft der Arbeit befürchten zu müssen? Es gibt in der Praxis einfach keine Möglichkeit. Nichtsdestoweniger wird dann der Arbeits- lose be st rast, dem in vielen Fällen sogar die von ihm zu leistenden Beiträge abgezogen, aber unterschlagen worden sind. Was nutzt dem Arbeitslosen der bestsundierte Schaden- ersatzanspruch, den er bei dem heute üblichen„Mangel an Masse" des Arbeitgebers doch nicht in Geld ummünzen kann? In vielen Fällen nmß er sogar be: Durchsechtung seines Anspruches noch sür die Gerichts- und Psändungskosten als Zweitschuldner gerade stehen. Und das alles wegen eines glatten Betruges oder einer Hinterziehung des Unternehmers. In einer der letzten Entscheidungen hat nun der Spruchsenat der Arbeitslosenversicherung beim Reichsversicherungsamt zu der Frage Stellung nehmen müssen, ob die Auslegung berechtigt ist, daß, wenn gar keine Beiträge gezahlt worden sind, auch keine Unter- stützung gezahlt werden dors. Die Entscheidung ist zwar zugunsten der Arbeitslosen gefällt morden, weil grundsätzlich der Anspruch auf Unterstützung anerkannt worden ist. Der Senat will aber diesen Arbeitslosen nur Unter- stützung nach der niedrig st en Lohn stufe mit wöchentlich ß M., also nach einem Verdienst bis zu 1l) M., gewähren. Erkennt man den Anspruch auf Unterstützung als solchen grund- sätzlich an, obwohl keine Beiträge zur Arbeitslosenversicherung ge- zahlt worden sind, so kann die Höhe der Unterstützung nur von der Höhe des tatsächlichen Verdien st es abhängig sein und nicht ein beliebiger, also der niedrigste Versicherungssatz willkürlich für solche Fülle herausgegriffen werden. In beiden Fällen— bei Nichtzahlung oder bei Zahlung des niedrigsten Unterstützungssatzes— hat der Arbeitslose einen Rechts- a n s p r u ch gegen seinen Arbeitgeber. Warum läßt sich das Reich nicht diesen Rechtsanspruch zedieren und Holl nun von sich aus mit Zinsen und Verzugszinsen eventuell auch noch mit dem Staatsanwalt im Hintergrunde das herein, was ihm gehört? Das Reich hat doch zur Durchsechtung der Klage einmal mehr Zeit und zweitens mehr Möglichkeiten als der mittellose Arbeitslose. Vereinbarung im Töpfergewerbe. Geringe Abänderungen des Schiedsspruches. Die Berliner Töpfer waren bisher vom Lohnabbau noch ver- schont geblieben, weil ihr Lohnabbommen noch bis zum 30. Zum d. Z. lief. Sehnsüchtig hatten die Töpfermeister den Kündigungstermin er- wartet, um, wenn auch etwas verspätet, in die allgemeine Front des Lohnabbaues einrücken zu können. Da in den Parteioerhandluugen über die Forderungen der Töpfenneister, die in einem Abbau der Löhne und Akkorde um rund 18 Prozent gipfelten, eine Berständi- gung nicht erzielt werden konnte, trat der Schlich tun gs- a u s s ch u h in Aktion. Er fällte am 18.?uni einen Schiedsspruch, wonach ab 1. Juli die Löhne der Töpfer um 8.2 Prozent und die Akkorde um 6,5 Prozent abgebaut werden sollten. Mit diesen reduzierten Lohn- und Akkordsätzen sollte das alte Lohnabkonimen bis zum 31. Mai 1032 weiter laufen. Die im Baugewerksbund organisierten Töpfer hatten den Schiedsspruch einstimmig abgelehnt, die Töpfermeister ihn jedoch angenommen und seine B e r b i n d- lichkeitserklärung beantragt. In den Verhandlungen vor dem Schlichter gelang es der Fach» gruppenleitung die Verbindlichkeitserklärung des Schiedsspruches in der vorliegenden Form abzuwenden. Nach 4'.'2 stündigen Bei band- hingen kam schließlich eine bindende Vereinbarung zu- stände, wonach die Löhne nicht um 8,2 Prozent, sondern um 7.6 Pro- zent abgebaut werden, die Akkorde dagegen anstatt um 5,5 Prozent um 7,1 Prozent. Es wurde also nur eine Verschiebung der Differenz zwischen dem Abbau der Löhne und Akkorde um 1-> Prozent erreicht. Die Laufzeit des Lohnabkommens bleibt die gleiche, wie iin Schieds- spruch bereits vorgesehen war. Die Fachgruppenversammlung der Töpfer am Dienstag an- erkannte, daß die Fachgruppenleitung in diesem Lohnkampf ihre Pflichten vollauf erfüllt habe. Der Lohn der Ber- liner Töpfer beträgt nunmehr ab 1. Juli 1,69 M. und der Alkord- Zuschlag auf die bestehenden Akkordpreise 56 Prozent. Arbeitslosigkeit zur See. „Unbefahrene" werden nicht mehr angeheuert. Die große Arbeitslosigkeit unter den Seeleuten — im Wirtschaftsgebiet des 5)amburger Hafens warten allein rund 14 000 erwerbslose sogenannte befahrene Seeleute auf Chance, und die Zahl der arbeitslosen Seeleute in allen Hafenorten beträgt zu- sammen mehr als 20 000— hat den G e s a m t 0 e r b a n d ge- zwungen, durch besondere Maßregeln den in der Krisenzeit besonder, starken Zustrom von sogenannten Unbefahrenen abzustoppen. Die erste Wirkung dieser Maßregeln liegt in einem Beschluß des Vcrwaltungsrates für das Heuerwesen in Hamburg, wonach die Heuerstellen angewiesen werden, die Listen sür„U n- befahrene" bis auf weiteres zu schließen. Ferner dürfen sie befahrene Seeleute, die innerhalb der letzten 18 Monate weniger als 7 Monate auf deutschen Schiffen gefahren haben, nicht mehr in die Vermittlungsliste eintragen. Diese Maßnahmen waren notwendig, um vor allem den starken Zuzug junger Leute aus dem Binnenland abzustoppen, die zur See fahren wollen, um„Abenteuer" zu erleben. In absehbarer Zeit besteht keinerlei Aussicht für„Unbefahrene", auf einem Schiff unter- zukommen, und es wird dringend gewarnt, sich in sogenannten„See- mannsschulen" ausbilden zu lassen. Eine Ausbildung in diesen Schulen bildet keinerlei Gewähr, eine Stellung in der Schilf- fahrt zu erhalten, da auch die von diesen Seemannsschulen kommen- den jungen Leute nur durch die Heuer st ellen ver mit- t e l t und wie die übrigen Unbefahrenen behandelt werden. Großkamvs in Aew 8ork? 40 000 Schneider vor dem Streik. New Zart. 1. Zuli. sEigenberichl.) 3a New Jork droht ein großer Schneide rstreik. Der zwischen der Arbeiterorganisation und den Unternehmern abgeschlossene Kolleklio- vcrtrag laust heute ab. Die Arbeiter fordern die Verlängerung des Vertrages und kündigen an, daß sie bei einer ablehnenden Haltung der Unternehmer sofort in den Streik treten werden. An diesem Ab- Mehrkampf dürsten sich 40 000 New-Z orker Schneider beteiligen. Vergeblicher Einigungsversuch. französischer Textilarbeiterstreik geht weiter. Paris, 1. Juli. Ministerpräsident Laval empfing am Dienstag abend nach der Aussprache im Senat die Vertreter der Arbeiter und Unternehmer des nordsranzösischen Textilgebiets, um zu versuchen, eine Einigung zwischen den beiden Parteien herbeizuführen. Der Versuch scheiterle an dem Widerstand beider Gruppen, die aus ihrem bisherigen Standpunkt beharrten. Gegen Mitternacht wurde amtlich mitgeteilt, daß die Verhandlungen abgebrochen seien. Der Streik, der bereits sieben Wochen dauert, wird infolgedessen fortgesetzt. Streikdrohung der polnischen Postbeamten. Dienstag abend sand in Warschau Versammlung der Post-, Telegraphen- gegen die Gehaltskürzungen stellte Forderungen, die die Regierung eine stünnisch« Protest- und Telephonbeamten statt. Die Versammlung binnen drei Tagen be- sriedigend zu beantworten hat, andernfalls alle Mittel einschließlich des Generalstreiks angewendet werden sollen. föezivh yuden-Weften Wer braucht taiLKodiherde 5 Nur gut« und billige Qualitätsarbeit, auch außerhalb Qroß-Berlins Fiiesenarneii« laiUeramiH Berliner Tttpferhütte GmbH Iiio Berlin SO 36/ Schlesische Straße 42 Fernsprecher: Amt F 8 Oberbaum O319 Haben Sie Bedarf In: HerrenBarderobe(lerflö and nsdi Man), Bcrnlskieldand. Barrenartihel. Beidubanne1-- Aasrtlstand, so empfiehlt sidi � Wriix Hamburg Sdcstf lldz. SdaloOsdraOe 1016 103 Fahrverbindung: Autobus B und 20, Straßenbahn: 40, 43, 74, 174, 77, 177. Blinde. Krlegsbeschüdlgte und Uber 6S Jahre: B Prozent Rabatt extra. £rd~ und Feuer- Bestattungen ls Jeder Preislage Potsdamer Str. 97 ned Filialen Fcrnspredier: Stephan«90 ■ GRIENEISEN fttaacbinenfabrib ur. 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