Morgenausgabe Ar. 303 A 153 -tS.�Zahrgang WochenMch 85 Ps� monatlich 3,50 ÜA fm voraus zahlbor, Postbezug 4,32 M. einschließlich 60 Pf. Postzeitungs- und 72 Pf.Poftbestellgebühren. Ausland«»- obonnement 6.— M. pro Monat; für Länder mit ermäßigtem Drucksachen- porto 5t— M. Der„JJonvfirts* erscheint wochentäg» lich zweimal. Sonntags und Montag» einmal, die Abendausgabe für Berlin und im 5)ondel mit dem Titel„De? Abend" Illustrierte Beiloge„Volk und Zeit". Ferner„Frauenstimme'. ..Technik",„Blick in die Bücherwelt". .2ugend-Vorwärts"u.»Stadtbeilag«� tr-W AerUner Volksblatt Oonnereiag 2.Zuli 1931 Gwß-Äerliu'iQ Auswärts 15 Pf. Dir ei nspalt. Nonpareillczeile 50 Pf. Reklamezeile b.— RM.„Kleine Anzeigen" das fettgedruckte Wort 25 Pf. izuläfsig zwei fettgedruckte Worte), jede» weitere Wort 12 Pf. Rabati IL Tarif. Stellengesuche das erste Wort IS Pf, sede« weitere Wort 10 Pf. Worte über \b Buchstoben zählen für zwei Worte« Arbeitsmarkt Zeile 60 Pf. Familien- anzeigen Zeile 40 Pf. 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Die TerroraNe nationalsozialistischer Studenten an der Serlinee Universität und anderen deutschen Hochschulen beweisen eine plonmähige Vorbereitung gemeiner Uebersötte gegen die andersdenkenden Studierenden. Das Verhallen der kom- munistischen Studenten diente nur als Vorwand zu diesen systematischen Ausschreitungen. Die von dem Rekkor der Berliner Universität gctrossenen Utah- nahmen waren in keiner Weise geeignet, dem Romöytum der vationolsozialisten wirksam entgegenzutreten, vielmehr förderte die llnentschlossenheit und Vachgiebigkeil des Rektors gegenüber dem Terror der Nationalsozialisten die Entstehung und die Ausdehnung dieser Krawalle. Die sozialistischen Studenten werden sich wie bisher gegen das faschistische Rowdytum zu wehren wissen. Wik der Mehrheit der Studierenden wallen sie die Universität als Stätte geistiger Arbeit erhalten und werden jeden versuch bekämpfen, diese zu einem Tummelplatz randalierender Elemente zu machen. Die sozialistische Studcntenschost protestiert daher gegen das Verhalten des Rektors. Wir fordern die Anwendung schärfster disziplinarischer Mahnahmen gegen die lieranlnjortlichen der lehten Krawalle und verlangen die?tus- lösung der nationalistischen Gruppen an der Universität. Wir fordern ferner die Einsehung aller disziplinarischen und staat- lichen Mittel durch die U n i n e r s i t ö t s b e h ö r d e n zur Ausrecht- erhaltung eines geordneten Lehr- Und ternbetriebes und zur vcr- hiitung weiterer Ausschreitungen." Ein« ähnliche Entschließung aller freiheitlichen Studentcngruppen wurde gestern den? Rektor überreicht. Sic ist unterzeichnet von: Akademische Fliegergruppe im„Sturmvogel": Deut- sckzer Studcntenbund, Kreis Berlin: Demokratische Studcntcngruppc: Deutscher Republikanischer Studentenbund: Freiheitliche Studenten- schaft an der Universität: Hochschulgruppe der Volksnatumalcn Aktion; Jungdcutsche Studentengcineinfchast: Pancuropäischc Studen- tengruppc: Siudicngemeinschaft der Z e n t r u m s st u d e n t c n: Sozialistische Studentenschaft: Sozialistischer Hochschulausschuß: Studcntengruppe der Freien Turncrschaft, Bolkskonscrvative Studentengruppc: Hochschul- gruppe der Deutschen B o l k s p a r t c:" Oer Kampf der sozialistischen Studenten. In einer überfüllten Kundgebung im großen Saal Oes Lehrcroereinshouses, die von den sozialdemokratifchcn Studenten am Mittwoch einberufen war, protestierten ein öfter- reichijcher und ein deutscher Redner unter dein stürmische» Beifall der Versammelten gegen die Krawallszenen der letzten Tage, Sie sich an der BKener und Berliner Universität abgespielt haben. Genosse H i tz i n g c r- Wien, der Leiter der österreichischen Sektion der sozialistische» Studenteistchast, ging besonders auf die nun fast zehnjährige Geschichte der Wiener Hochschulkrawalle ein. Die Nazis eernonstneren seit dem Bestehen der österreichischen Republik besonders gern an der Wiener Hochschule oegeu die sozio- listische Landesregierung von Wien, gegen ihre Maß- nahmen der Süidienresorm, die Tausenden von Arbeitern die Hoch- schule eröffneten, gegen Venudung und anderes mehr. In diesem Jahre war die Ablehnung des neuen Studcntcirrechts durch den Verfassunzsgerichtshos nur ein V o r w a n d. Bor allem sollte dein im Juli i» Graz stattsindenden Bundestag der sogenannten dcut- scheu SKidentenschost ein wurdioer Auftakt bereitet werden. Oester- reicher nxiren es ja auch gewesen, die überhaupt die Rossentrage und ühnliche wichtige Probleme in die Diskussion der Studententage hineingeworfen hatten. Mit dieser Rassenfrage sollen die Köpsc der bürgerlichen Intellektuellen, die keine gesicherte Existenz mehr haben, vernebelt werden. Es soll verhindert werden, daß diese Schichten, die jchl auch weiter nichts als Lohnempfänger sind, sich der Klassenbewcgung der Arbeiterschaft anschließen. Um dies« Schichten müssen wir immer von neuem einen erbitterten Kampf mit der Reaktion führen. Genosse B e r l o w i tz, der Vorsitzende der deutschen sozialisti- scheu Stlidentenschast. Nagte insbesondere die Unschlüssiekeit und Zaghaftigkeit des Rektors der Berliner Universität an. Ü« nationalsozialistischen Krawalle ermöglicht unb begünstigt zu haben. Der Rektor ist aber nur ein Vertreter des gesainten deutschen Bürgertums, das im Zeitaller der Notverordnung mit unerhörter Gleichgültigkelt der Not der Volksmasien und dem Verzweislungs- Produkt der notleidenden Kleinbürger, dem Faschismus, gegenübersteht. Angebliche Sozialisten verhetzen die studierende Jugend. Gegen sie richtet sich unser Kamps um eine wahrhast sozialistische Gssimiung und um den Gedanken der sozialen Gerechtigkeit, der auch azrf den Hochschulen durchgesetzt werde« nmß. Die Polizei aus Llniversitäisboöen. Es hat in den letzten Krawalltagen besonderes Befremden erweckt, daß die Polizei in Wien den brutalen Ueberfällen auf linksstehende Studenten und Studentinnen tatenlos zu- gesehen und an rcichsdeutschen Universitäten isft erst viel zu spät eingegriffen hat. In Oesterreich wie im Reiche spielt dabei die Vorstellung eine Rolle, als ob die Universität das Recht habe, die Polizei aus ihren Mauern fern- und sie von ihrer Aufgabe abzuhalten, für Ordnung zu sorgeit. Von der Autonomie der Hochschule wird in einem ganz falschen Sinne gesprochen: man denkt dabei an eine Selb- ständigkeit der Universität gegenüber der Polizei und den anderen Organen des Staates. Das ist falsch. Seit Jahrhunderten ist diese Autonomie verschwunden. Die Universitäten sind wie die übrigen Einrichtungen des Staates nichts als staatliche Orgaire mit allen daraus folgen- den Pflichten. Die akademische Selbstverwaltung bezieht sich nur aus innere Dinge, auf Studicnpläne, Vorlesungen, Doktorprüfungen, Zulassung der Prinatdozenten, aber auch das nur, soweit der Staat durch seine Gesetze der Universität diese Rechte verleiht. Der Staat kann sogar das höchste Hoch- schulrecht, dos Promotionsrecht, jederzeit einer Fakul- tät oder einer Hochschule e n t z i c h e iz, wenn er glaubt, daß dafür ein Grund vorläge. Der Rektor der Hochschule hat als Leiter dieser inneren. Selbstverwaltung wie jeder andere Hausherr das Recht, die Hausordnung auszuüben; er kann also von sich aus oder mit Zustimmung der akademischen Organe Vorschriften. über die Wahrung der Hausordnung erlassen und kann Studenten, die gegen die Hausordnung verstoßen, durch die Disziplinargerichte der Universität bestrafen lassen. Aber seine Machtmittel enden natürlich, wenn es sich nicht um leichte Bergehen gegen die Diszipliimrordwmg handelt,- sondern um schwere V e r st ä ß c gegen- die all- gemeinen staatsbürgerlichen Pflichten. Um es ganz deutlich auszudrücken: Der Polizeipräsident von Berlin kann selbst- verständlich jeden Augenblick die U i? i v e r.s i t ä t s- gebäude besetzen lassen und für Ordnung sargen, wenn die Machtmittel des Rektors versagen. Der Polizei- Präsident hat sogar die Pflicht, das zu tun, wenn er es für notwendig hält. Bei früheren Unruhen hieß es, daß das Kultusministerium dem Innenministerium gegenüber auf die „Autonomie der Universität Berlin" aufmerksam gemacht und das Innenministerium gebeten hätte, die Polizei nur dann einzusetzen, wenn der Rektor ausdrücklich den Einsatz der Polizei wünschte. Eine solche Auffassung würde dem geltenden Recht widersprechen, die notwendige staatliche Ord- nung gefährden und die Universität mit einer Verantwortung belasten, die ihr zu schwer ist. Es ist die höchste Zeit, daß die Staatsregierung in aller Oeffentlichkcit feststellt, daß die Krawalle an den Universitäten nicht nur das deutsche Ansehen in der Welt empfindlich schädigen, sondern auch die öffentliche Ruhe und Ordnung stören und deshalb von der Polizei ver- hindert werden müssen. Die Regierung darf randalierende junge Leute, die auf Kosten des Staates studieren, nicht anders behandeln als andere Unruhestifter. Die Polizei darf sich nicht einreden lassen, daß im modernen Slaat Rechtsanffafsungen herrschen, die im Mittelalter ihre Berechtigung gehabt haben mögen. Während die deutsche Arbeitcrschast schwerste Opfer für den Bestand des Staates bringen muß, darf sich eine übermütige Jugend nicht erlauben, sich gegen die Autorität des Bolksstaatcs in der schwersten Weise zu vergehen. Völlige kommunistische DReorgmiisotioit. Eine Versammlung kommunistischer Stubenten im Nordi- s ch e n Hos am Stettincr Bahnhof wurde gestern abend von der Polizei ohne Schwierigkeiten ausgelöst. Charakteristisch für die kommunistische Studentenschast ist es, daß die Berliner Leitung der„Roten Gruppe" von der Reichslei- tung abgesetzt wurde, weil sie angeblich zu reformistisch vorging. Wie wir erfahren, hatte ein mit dem weiteren aillisajchistisäien Kampf beauftragter Kommumst, der bezeichnenderweise kein Student ist, die Absicht, die Unruhen in der Universitär mit den allgemeinen Unruhen außerhalb der Universität zu»er- binden. Diese politische Kinderei wurde von allen Studenten von Linksgruppen einschließlich der Raten Studentengruppe strikte ab- gelehnt. Im Verlauf einer Funktionärbesprechung zwischen den roten Studenten und KPD.-Lenten entstand dann eine Schläge- r e i. die nrll einem wilden Durcheinander in der Roten Studenten- gruppe endete. Durch wüste Beschimpfungen der bisherigen Funk- tionäre und durch unsinnige Kainpfforderungen haben die KPD.» Leute also erreicht, daß die ohnehin schon uneinheitlichen fünf k o m nur n i st i f che n Stüde ntengr Uppen an der Uuioersi- tat völliger Auflosung überliefert sind. Das sind die Einheitsfront- paraleu topfer«? kovwnrmstischer Revolutionäre! Mehr Geld? Hochkonjunkiur für Wunderdoktoren. Von Georg Decker. Je unerträglicher der Druck der Wirtschaftskrise, um so stärker wird in den breitesten Schichten die Sehnsucht noch der Erlösung und der Glaube daran, daß es ein Mittel geben muß, mit dem man eine schnelle Abhilfe, ja, einen voll- kommenen Umschwung bewirken kann. Ein Wunderglaube� Gewiß, aber ein Wunderglaube, der psychologisch geradezu zwangsläufig entsteht und den einfachsten Ueberlegungen ent- springt. Es find doch keine Naturkräfte, sondern menschliche Handlungen, die die Wirtschaft in Unordnung gebracht haben, es muß also in der menschlichen Kraft liegen, die Folgen der falschen Handlungen gutzumachen und durch richtige Handlungen die Wirtschaft wieder in Ord- nung zu bringen und den allgemeinen Wohlstand herbeizu- führen. Man braucht nur die Wurzel des Uebels richtig zu erkennen und sie dann zu beseitigen. Diese Ueberlcgung ist an sich gar nicht falsch, sie enthält vielmehr einen ganz richtigen und sehr gesunden Gedanken. Die Wirtschaftskrisen werden durch menschliche Hand- l u n g e n verursacht, und sie können nur durch die grund- legende Aenderung der Handlungsweise der Menschen, näm- Uch ihrer wirtschaftlichen Handlungsweise überwunden werden. Die große Fraoe ist«ber die. wie man diese grundlegende Aenderung der wirtschaftlichen Hand- lungsmeise verwirklichen rt u«, nämlich wie man die Menschen dazu bringt, daß sie sich in ihren wirtschaftlichen Handlungen nach einem der gefamien Gesellschaft gemeinsamen Ziel richten. Denn nur in diesem Falle würde es möglich sein, vom Gesichtspunkt des gemeinsamen Ziels überhaupt zwischen falschen und richtigen Handlungen zu unterscheiden. Sonst kann man nicht einmal einen Dieb überzeugen, daß er „falsch" handelt, indem er seinen Beruf ausübt. Wirtschaft- lichc Handlungen, die zu einer Krise führen, müssen nicht in dem Sinne falsch sein, daß sie nicht zweckentsprechend sind, sie können vielmehr den Zwecken, die in der gegen- märtigcn, d. h. in der kapitalistischen Wirtschaft von den ein- zelnen gestellt werden, vollkommen entsprechen und trotzdem in ihrer Wirkung auf das Schicksal der breiten Massen ver- hcerend sein. Mit der Frage nach der Möglichkeit, die Wirtschaftskrisen zu überwinden, wird das ganze Problem der Verwirklichung einer neuen Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung aufgerollt. Damit gewinnt man aber kein Patcntmittel für die unverzüg- liche Aenderung der unerträglich gewordenen Lage. Indesjen wollen viele diese Umgestaltung der Wirtschaftsordnung gar nicht, weil sie an dem kapitalistischen System in ihrem, richtig oder falsch verstandenen Interesse festhalten, die anderen wollen zwar diese Umgestaltung, verzweifeln aber, da sie ent- weder keinen Weg sehen oder vor den Schwierigkeiten des Weges erschrecken. Sehr viele sehen das ganze Problem über- Haupt nicht, sondern lassen sich durch den Glauben leiten, daß es ein prompt und sicher wirkendes Mittel gegen das gegen- wärtige Elend geben muß. Sie sind es vor allem, die den Wunderdoktoren nachlaufen, die jetzt geradezu massenweise mit ihren Patcntmitteln auftreten. In dieser furchtbaren Krise hat sich eine Hochkonjunktur für die Wunderdoktoren entwickelt. Der Wunderglaube unserer Zeit, aus einer tiefen Tragik des menschlichen Schicksals entstanden, darf kein Gegenstand der Verhöhnung sein. Von den Wunderdoktoren sind jedoch diejenigen als schliimnste Feinde zu bekämpfen, die diesen Wunderglauben zu dunklen politischen Zwecken mißbrauchen. Das ist aber nur ein Teil der vielköpfigen und sehr bunt zusammengesetzten Schar. Mancher andere wird durch den Ehrgeiz getrieben, als Retter aus der Rot zu erscheinen. Man wird auf einmal populär, wenn man einen verblüffenden Rettungsplan veröffentlicht. Das Risiko, nach- träglich blamiert zu werden, existiert für diese Wunderdoktoren aus Eitelkeit nicht, weil auch die Gefahr, daß ihre Pläne ver- wirklicht werden, nicht existiert. Es gibt aber nach eine dritte Gruppe, nämlich diejenigen, die selbst an ihre„Entdeckungen" oder Erfindungen glauben, die, von ihrem eigenen Wunder- glauben getragen, zum Sprachrohr der Massen der Gläubigen werden, die den vagen Borstellungcn eine äußerlich klare Form und eine angebliche wissenschaftliche Begründung geben. Wir beobachten dabei die Wiederholung einer schon Jahrhunderte alten Geschichte. Die Rettung wird fast aus- nahmslos auf einem Gebiete gesucht: sie muß von der Gcldseste kommen, durch irgendwelche Geld- bzw. Kredit- resonn. Dies entspricht wiederum ganz primitiven und nahe- liegenden Ueberlegungen. Die Not bedeutet doch für jeden einzelnen nichts anderes, als daß er zu wenig Geld hat. Während der Krise haben die meisten zu wenig Geld. Die Arbeiter oder überhaupt„kleine Leute", um das Notwendige zu kaufen, die Unternehmer, um ihre Betriebe weiterzuführen. Wo kommt aber das Geld her? Vom Staat— das weiß wiederum jeder. Also muß der Staat dafür sorgen, daß mehr Geld da ist, und da wird es besser gehen. Nun weiß man auch, daß nicht alles gleich in bar bezahlt, sondern vieles auf Kredit gekauft und verkauft wird. Also bedeutet mehr Kredit dasselbe wie mehr Geld. Den Kredit bekommt man von den Banken, also müssen die Banken mehr Kredit geben, um die Wirtschaftsnot zu beheben. Man hört nun aber etwas davon, daß die Geldschöpfung auf irgendeine Weise geregelt wird, daß der Staat bei der Ausgabe des Geldes keine freie Hand hat, daß vielmehr die Zentralnotcnbanken(in Deutsch- land die Reichsbank) die Wirtschaft mit den Geldmitteln ocr- sorgen, und daß sie an der Golddeckung gebunden sind. Hier liegt ein besonders sasziniercnöer Punkt, hier gewinnt das Wunder seinen Glanz und Klang. Die geheimnisvolle Verbindung des G c l d e s mit dem Gold übt eine besonders starke Wirkung aus. Entweder richtet sich der Haß gegen das Gold als gegen eine verhängnisvolle Macht, und es wird ge- fordert, daß das Geld und damit die Menschheit von dieser Macht befreit wird. Oder aber es wird im Gold, in seiner geldschöpfcuden Kraft die Rettung gesehen. Wenn jemand noch dazu etwas von der Wirkung der Entdeckung neuer Goldgruben gehört hat, so entsteht schon fast von selbst ein richtiger Mythos von der befruchtenden Kraft des Goldes. Merkwürdig kreuzen sich in der Geschichte verschiedene Strömungen. In den letzten Jahrzehnten des vorigen Jahr- Hunderts tobte in Amerika der Kampf um die Währung. Eiue große Volksbewegung entstand, um zu verhindern, daß dem Silber seine Rechte zugunsten des Goldes geraubt werden. Es wird für uns sehr lehrreich sein, bei der Gelegenheit einiges aus der Geschichte jener Zeit näher zu betrachten. Der Kampf für den„B i m e t a l l i s m u s", d. h. für die Deckung des Goldes durch die beiden Metalle, durch das Gold und das Silber, war zugleich ein Kampf für die sich entwertende Währung und für die höheren Preise. Dieser Kampf hat auf die Kreditlage der Vereinigten Staaten verheerend gewirkt: es entstand eine Vertrauenskrise Amerika gegenüber, welches damals der große Kreditnehmer Europas war. Die Krise von 1893 wurde in Amerika durch die Kreditpanik außerordentlich verschärft. Unter dem Einfluß der so kritisch zugespitzten Entwicklung wurde der Streit zugunsten des Goldes entschieden. Die Zeit, in der Llmerika endgültig zur reinen Goldwährung übergegangen ist, war zugleich die Zeit des mächtigen wirtschaftlichen Aufschwungs, der durch die Beseitigung der Vertrauenskrise er- möglicht, dann aber durch andere Antriebe bedingt wurde. Als Folge entstand und verwurzelte sieh sehr tief die Vor- stellung von der starken und unmittelbaren Abhängigkeit der Prosperität von der Fülle des Goldes. Es ist nicht leicht, ollen falschen Vorstellungen, allen Ab- arten des Wunderglaubens auf diesem Gebiete mit Erfolg entgegenzutreten. Die Wunderdoktoren haben auf ihrer Seite zwei große Trümpfe: die Primitivität des Denkens und die verlockende Wirkung ihrer Versprechungen. Es ist außer- ordentlich schwierig, die Leute, die keine Kenntnisse von komplizierten wirtschaftlichen Zusammenhängen haben, über die Geld- und Kreditfragen aufzuklären. Das muß aber ge- schehen. Es muß der Propaganda entgegengetreten werden, die jetzt zu einer ernsthaften Gefahr geworden ist. Denn dar- über muß man sich klar sein: in einer Zeit, in der das Ver- trauen zur Kreditwürdigkeit der deutschen Wirtschaft und namentlich der deutschen Kreditinstitute in der Welt ohnedies schwer erschüttert ist, ist es zweifelsohne eineweitereund beträchtliche Schädigung des deutschen Kredits, wenn man die Vorstellung aufkam- mcn läßt, daß in Deutschland noch irgend- welche Experimente mit dem Gold und dem Kredit möglich sind. Unter solchen Umständen kann die Unwissenheit zu einer großen vernichtenden Macht werden, namentlich wenn sie mit einer bewußten oder unbe- wußten Scharlatanerie gepaart ist. Ueber die Geld- und Kreditfrage wird auch in der Wissenschaft sehr eifrig diskutiert. Die Fragen der Geld- und Kredit Politik und namentlich das Problem der i n t c r- nationalen Politik auf diesem Gebiete stehen schon seit Jahren im Vordergrunde. Aus dieser Diskussion sind auch manche erwägenswerte Anregungen entstanden. Leider leben wir in der Hochkonjunktur der Wunderdoktoren. Mancher Vorschlag, der viel für sich hat, der aber entweder überhaupt eine untergeordnete Bedeutung hat oder nur unter gewissen Voraussetzungen als eine währungstechnische Reform von feinen Urhebern selbst empfohlen wird(wie z. B. die internationale Vereinbarung über die allmähliche Herabsetzung der Golddeckung), kann in dieser Zeit eine ganz besondere Resonanz finden. Was von dem einen als eine mit größter Vorsicht durchzuführende internationale Reform angeregt wird, wird von dem anderen als Patentmittcl für die deutsche Not mit sofortiger Wirkung empfohlen. Während die Reichs- bank in einem schweren Kampf um die Erhaltung der vor- chandenen Golddeckung steht, um das Vertrauen zu der beut- scheu Kreditwürdigkeit wiederherzustellen, laufen schon die Wunderdoktoren herum und erzählen, was alles gemacht wer- den kann, wenn man das Gold der Reichsbank„frei" macht und die Rcichsbank den Banken die Unterlagen für eine kolossale Erweiterung ihrer Kreditgewährung schafft. Rein gefühlsmäßig neigen sehr viele jetzt dazu, von vorn» herein für diejenigen Partei zu nehmen, die die unbequeme Last des Wissens beiseiteschieben und vor allem an die Sehn- sucht nach der Rettung appellieren. Eben diese seelische Ein- stellung schafft einen so günstigen Boden für die Wunder- dottoren. Aufklärung tut not, mit Aufklärung allein werden aber die Kranken, die sich jetzt an die Wunderdoktoren wenden wollen, nicht kuriert. Es muß geholfen werden! Das heißt aber, daß endlich die Politik gemacht wird, die zwar keine Wunder wirkt, da Wunder unmöglüh find, die aber olles das tut, was wirtlich für die Milderung der Not und die Wieder- belebung der Wirtschaft getan werden kann. Abermals vertagt! Kein Kortschriit zwischen Paris und Washingiou. Paris, 1. Juli. tEigenbericht.) Die französisch-amcrikanischen Verstand- l u n g c n über die Hoover-Aktion sind am Mittwochnach- mittag um 3.3V Uhr im Innenministerium fortgesetzt worden. Auch diese Beratung, die IVl Stunden dauerte, führte zu keinem positiven Ergebnis. Minister- Präsident Laval übergab der Presie nach der Sitznng folgendes Kommunique über die Beratung: „Im Laufe der Sitzung haben Schatzsekrctär Mellon und Botschafter Edge den Text eines Schriftstückes be- kanntgegeben, das dazu bestimmt ist. Aufklärung über die Stellung der amerikanischen Regierung bei den im Gang befindlichen Verhandlungen zu gebe». Dieses Mcmoran- dum läßt außer dem Willen der amerikanischen Regie- rung, die Verhandlungen fortzusetzen, noch merkliche Meinungsverschiedenheiten zwischen den beiden Regierungen zu erkenne«. DaS Dokument wird von der Washingtoner Regierung veröffentlicht, von den inter- essierten französischen Ministerien durchgearbeitet und im Laufe eiues Ministerrats geprüft werden, der für morgen vormittag einberufen wurde. Die nächste Sitzung der französischen und amerikanischen Unterhänd- ler findet Donnerstagabend um 9% Uhr statt." Das Kommunique zeigt, daß bisher eincAnnähe- rung zwischen dem französischen und amerikanischen Standpunkt nicht erfolgt ist. Der späte Termin für die nächste Beratung ist darauf zurückzuführen, daß Ministerpräsident Laval und Finanzminister Flandin am Donnerstagnachmittag in der 5lammer festgehalten sind. Kein neuer Hoover-Vorschlag. Der amerikanische Botschafter in Berlin teilt mit: Kein Bor- schlag im Sinne eines ergänzenden Angebots des Präsidenten Hoover an die verschiedenen Staaten/ wie er in deutschen Zeitungen veröffentlicht wurde, ist von der amerikanischen Regierung an England, Italien oder Deutschland gemacht worden. Das amerikanische Staatsdepartement dementiert jede derartige Nachricht. Sollte eine Abänderung der vom Präsidenten Hoover vorgeschlagenen Suspen- dierung der Zahlungen in Erwägung gezogen werden, so würde sie selbstverständlich vorerst Frankreich mitgeteilt werden. Von den politischen Korderungen abgerückt. Der Reichskanzler hatte auch am Mittwoch eine Unter- rcdung mit dem amerikanischen Botschafter in Berlin. Die französische Regierung hat inzwischen die bisher im Zu- sammenhang mit dem Hoover-Plan von Deutschland geforderten politischen Garantien fallen gelassen. Nom-Besuch erst nach der pariser JReise. Rom. 1. Juli(Eigenbericht). Die italienische Regierung läßt halboffiziös erklären, daß der römische Besuch der deutschen Minister er st nach der Parisers Begegnung stallsrnden soll. In Paris soill« seder Verdacht ver. mieden werden, als könne es sich bei den Besprechungen in, Rom um eine deutsch-rtalienische Sonderaktion handeln. Gegenstand der Bc- sprcchungen werde die weltpolitische Lage sein. Moskaus Enttäuschung. Seit dem Eingreifen des amerikanischen Präsidenten in die Reparationszahlungen beschäftigt sich der o f f ftz i e l l e Sowjetrundfunk mit dem Hoover-Plan. Zunächst war man in Moskau mit allen Mitteln bemüht, die Unmöglichkeit des Hoover- Plans der Sowjetöffentlichkeit zu beweisen. Jetzt hat man eine neue Linie eingeschlagen. Es wurde zugegeben, daß der Plan eine leichte Entspannung für Deutschland bringen würde, die aber sehr trügerisch sei. Die revolutionäre Atmosphäre werde schließlich doch wieder anwachsen. In ganz langen Berechnungen versucht man zu beweisen, daß der Hoover-Plan Deutschland gar n i ch t h e l f e n könne. Im übrigen nahm sich der Moskauer Rund- funk des amerikanischen Steuerzahlers an(I) und stellte die Frage, mit welchem Recht hoover mit dem Geld des amerikanischen Volkes disponiere. ohne vorher den Kongreß zu befragen. Vielleicht werde ihm die Opposition einen Strich durch die Rechnung machen. Auch Frankreich nahm man sich in Moskau an. Es ist einfach iabel- Haft, wie schnell die Herren vom Kreml ihre außenpolitischen Linien wechseln können. Aus den interventionshungrigen„Lumpen Frank- rcichs" ist das„arme Frankreich" geworden, das der einzige Leidtragende dieser ganzen Hoover-Affäre sei. England spiele den Großmütigen auf fremde Kosten und auch Hoover tue die ganze Sache nur, um dem siegreichen Vormarsch der kommunistischen Revolution entgegenzutreten. Er gehe Hand in Hand mit den deutschen Kapitalisten. Es sei Aufgabe der KPD., den Anschlag Amerikas gegen die deutsche Arbeiterschaft zu parieren. * Erst kürzlich klagte Goebbels im„Angriff" fein Leid darüber, daß das Hoovcr-Moratorium gerade in dem Augenblick verkündet worden sei, wo sich Deutschland auf dem besten Wege zum allge- meinen Zusammenbruch befand, von dem die Nazis die Verwirk- lichung ihrer Gewaltpläne erhoffen. Aehnlich klingt es aus dem Munde der Bolschewisten: Der Hoover-Plan wird als eine fatale Störung ihrer Weltreoolutions- pläne empfunden. Moskau vergießt Tränen der Rührung ob der Jnteressenschädigung der amerikanischen und französischen Kapita- listen Man liest förinlich zwischen den Zeilen die Aufforderung der Sowjets an Frankreich, hart zu bleiben, um das Inkrafttreten des Moratoriums zu verhindern. Es zeigt sich deutlich, wie das ganze Gesammer der Hiller und Thälmann über die„Joung-Sklaverei" übelste Schmierenkomödie war. Jede Erleichterung der Reparationslasten ist diesen Radikalen von rechts und links als eine Erschwerung ihrer demagogischen Agitation und als eine Durchkreuzung ihrer Pläne tödlich ver- haßt. In Krisennot. Die Enischeidung der Gozialdemokraiie Von Ruckolk Rtlkorcking. Im neuesten Heft der„Gesellschaft" legt Rudolf H i l f e r d i n g dar, aus welchen Erwägungen heraus die sozialdemokratische Reichstagsfraktion in eine Verschiebung der Einberufung des Haushaltsausschusses des Reichstags gewilligt hat. Er zeichnet ein Bild von der katastrophalen Lage, in der sich Deutschland am IS. Juni befand. In dem Zeitpunkt, in dem die sozialdemokratische Fraktton ihre Entscheidung zu fällen hatte, am 16. Juni, hatte die Reichsbank an- nähernd 1000 Millionen Mark an Gold und Devisen verloren. Sie war an der Nähe der Golddeckungsgrenze angelangt. Eine Unter- schreitung der Deckungsgrenze, die übrigens im Bank- ftatut vorgesehen ist, bedeutet augenblicklich eine Erhöhung des Bankdiskonts zunächst auf 9 Proz. Sie macht aber zudem Restriktionsmaßnahmen erforderlich, die eine Steigerung der Beunruhigung, weitere Verschärfung der Wirtschafts- krife und vermehrte Arbeitslosigkeit zur Folge hätte. Der Ueber- brückungskredit von 250 Millionen Mark für das Reich war ge- fährdet, es war nicht sicher, ob die U e b e r w e i s u n g e n an die Länder am 19. Juli rechtzeillg erfolgen, die Auszahlung der Be- amtengehälter und der Unterstützungen in den Gemeinden gesichert wäre. Und zu alledem wären die nicht übersehbaren Wirkungen einer Steigerung der in der Entwicklung begriffenen Panik gekommen. Die Regierung verhielt sich vollkommen starr. Sie lehnte nicht nur Aenderungen der Notoerordnung, nicht nur die Einberufung des Reichstags ab, sie weigerte sich auch, durch Verhandlungen im Haus- Haltsausschuß eine Grundlage zu schaffen, auf der Vereinbarungen zur Beseitigung der schlimmsten Härten sich alsbald hätten ermög- iichen lassen. Sie erklärte ihre Demission zu geben, wenn der Aus- schuß einberufen würde. Und dennoch! Verzichtete die Sozialdemokratie auf die Ein- bcrusung des Reichstags, auf die Aufhebung der Notverordnung, übernahm sie dann nicht— wenigstens scheinbar— eine Verantwortung, die zu übernehmen unmöglich war? Die Verordnung hatte draußen im Lande und den Organisationen beispiellose Entrüstung geweckt, sollte die schuldige Regierung länger geduldet werden? Die Notverordnung bringt die Sanierung nur für die Reichsfinanzen, sie überläßt den Gemeinden die Sorge für ein Defizit von einem Drittel bis zu einer halben Milliarde Mark. Auch die Nichteinbe- rufung des Reichstags setzt der akuten Finanzkrise noch nicht mit Sicherheit ein Ende. Ist unter solchen Umständen nicht die Grenze überschritten, die taktischen Erwägungen gesetzt ist? Besteht nicht die Gefahr, daß diese Politik von den Massen nicht verstanden wird? Ist dies aber der Fall, dann setzen wir die Stärke der Partei und der Gewerkschaften auf das Spiel und wenn der Entscheidungskamps zwischen Faschismus und Diktatur, zwischen Aufrechterhaltung und Vernichtung der Sozialpolttik droht, dann gehen wir mit verminderter Kraft in den vielleicht doch unausweichlichen, schwersten Kampf. Das Schicksal der Sozialdemokratie ist in der deutschen Situation zugleich Schicksal der Demokratie, damit Schicksal des Staates. Denn uur ciu Karr mag sich vorstellen, daß sich in Deutschland eine Diktatur gründen ließe ohne schwerste Erschütterung im üunern, ohne stärkste Gegenstöße von außen, Erschnklerungen, von denen sich nicht sagen lähk, ob sie von der geschwächten kirasi des deutschen Voltes noch überwunden werden können. Wenn je, so durste in diesem Augenblick die Sozialdemokratie sich sagen: meine Zukunft ist die Zukunft der deutschen Republik, des deutschen Volkes. Nicht Verantwortung für die Partei stand gegen Verantwortung für das Ganze, beides fiel gerade in dieser historischen Phase zusammen. Schwächung der Sozialdemokratie und der Gewerkschaften schwächt das festeste Bollwerk gegen Faschismus und Bolschewismus, das bisher Deutschland vor dem Zusammenprall im Bürgerkrieg, vor einer Katastrophe bewahrt hat. Sturz der Regierung Brüning und nach ihren Erklärungen stand nichts anderes mehr zur Entschci- dung— hätte es auch den Einsichtslosen oder Böswilligen unmöglich gemacht, die Sozialdemokratie mit irgendeiner Verantwortung für die Notverordnung zu belasten. Sie hätte der Stimmung der Massen im Augenblick entsprochen, die eine offene Kampfhandlung mit Genugtuung begrüßt hätten. Hätte aber diese Stimmung angehalten? Der Sturz der Regierung hätte die Panik vermehrt, hätte die wirtschaftliche Lage akut verschlechtert. Die Aussichten auf eine Verbesserung der Notverordnung hätten sich verringert. Die neue Regierung wäre eine Regierung des offenen Ver- fassungsbruches und der Ausschaltung des Reichstages ge- worden. Denn die starken Kräfte, die zu dieser Lösung drängen, wären übermächtig geworden, wenn der Sturz der Regierung Brüning von links her erfolgt wäre. Der Sturz der Regierung hätte die Aussichten ans eine Er- leichlernng von außen, aus einen Erfolg der Schrille zur Der- ringernng der Rcparalionslaslen zunächst verschüllel. Und die Zukunft der Partei? Der Sturz der Reichsregierung hätte die Räumung der Position in Preußen und den anderen Ländern zur unausweichlichen Folge gehabt. Braun und Sevcring hätten sich nicht zu Bütteln einer Rcchtsregierung machen können, deren erster Schritt die Verhängung des Ausnahmezustandes gc- wesen wäre. Wir hätten den Kampf gegen die neue Regierung gar nicht mit Aussicht auf Erfolg aufnehmen können, wenn sozial- demokratische Minister und Polizeipräsidenten für die Einsetzung der staattichen Machtmittel gegen die kämpfenden Massen die Verant- wortung hätten tragen müssen. Das Ziel der hugenberg nnd Hitler, die völlige Vernichtung sozialdemokratischer Rlachlposilionen, es wäre restlos erreicht worden. Und wären wir dann nichi von den Massen für diese Folgen verantwortlich gemacht worden, die wir doch hätten voraussehen müssen? Und doch blieb die bange Frage, was dann, wenn trotz der Vermeidung der Krise im Augenblick die Gefahren fortdauern, der Kampf doch unausweichlich wird? Die Gefahren, die der Sturz der Regierung Brüning in diesem Augenblick heransgeführt hätte, standen sichtbar vor aller Augen. waren sicher und konnten von niemandem bestritten werden. Sie mußte» deshalb oermieden werden. Die Gefahren, die uns jetzt Nr. 303• 48. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Donnerstag, 2. Juli 4931 Die Tuilerien auf Schwanenwerder Das schöne Eiland in der Ihwel war früher Halbinsel. Vor einer Reihe von Jahren ist es durch einen Damm mit dem Fest lande verbunden worden. Große Villen, kleinen Sddössern gleich, stehen umgeben von weiten gepflegten Gärten. Und inmitten dieser modernen 11 uhnungen reicher Leute steht der Rest einer Ruine. Line sddanke Säule in dem feinen graziösen Stil einer vergangenen Zeit, die mit einem Mauerrest in gleidier Höhe zusammenhängt. Das verwitterte und altersmorsdie Gestein ist von Efeu umsponnen. Man glaubt zuerst, die Ruine eines Bauwerkes aus der Zeit Friedrichs II. vor sich zu haben. Dodi die Inschrift„F r a gm e nt e cl e r T uilerien 1564— 1871" belehrte mich eines anderen. Nadi einigem Suchen findet man auf der Rückseite des Granitsteines noch einen kleinen, kaum mehr leserlichen Vers: Dieser Stein vom Seinestrande, II ergepflanzt in deutsdie Lande, Ruft dir, IV anderer, mahnend zu: Glück, wie wandelbar bist Du! Auf\ ach f ragen erfährt man, das alte Steinbild sei ein Fragment der Tuilerien. Und zwar hätte Herr mann Wessel die Ruine um 18S0 herum aus Frankreich eingeführt und auf der Insel aufstellen lassen. Wessel erschloß Schwanenwerder, bebaute es und vermietete die Villen. Beim Bau des Aussichtsturms, der, weniger schön als Iwch, auf der Insel steht, sind übrigens auch Ausgrabungen gemacht worden. Steinbeile, Steinmesser und Töpfe. Der Ort, an dem die Altertümer gefunden wurden, ist durch einen Felsstein mit einer Inschrift gekenn zeichnet. Ä l-v * A � (*>- s „äV#, V:?, 5»""t *3• jiu y fv T7- y? . 1 M» kw WMmßr'K Ein Stück der Tuilerien an der Havel. Schuß auf Michswehrsoldai. Oie Täter noch unbekannt. Ain Mittwoch wurde im Grunewald der 28 Jahre alte K r a s t f a h r c r- U n t e r o f f i z i e r der Reichswehr Fritz Koch. der dem Wafsenomt in Chorlottendurg zugeteilt ist, von einem un- dekannt gebliebenen Manne angeschossen. Koch, der bei dem Landpostcn am Torsgrabcn Anzeige erstattete, mutzte nach dem childegarÄ-Krankenhause gebracht werden. Dort stellte sich heraus, datz der Schutz aus nächster Nähe auf den Untcrofsizier abgegeben worden ist. Die Kugel ist unterhalb der Rippen«ingedrungei, und im Gesas; stecken geblieben. Der Blutoerlust hatte den Verletzten so geschwächt, datz ansang- tich von einer Bernehmung abgesehen werden inutzle. Später konnte Koch die Einzelheiten des Vorsallcs berichten. Er war am Mittwoch- vorinittag in ZivilNeidung mit einem chorchwagen niit der Nummer IA. 28 924 nach dem Grunewald hinausgefahren und hatte sich un- weit des Wagens ins Gras gelegt. In einer Entfernung von etwa 29 bis 39 Schritten sah er fluchtig zwei Leute ebenfalls im Gras sitzen und liegen, die sich, wie ihm schien, mit Zeitunglesen bcschüs- tigten. Gleich darauf wurde der Unteroffizier gewahr, datz einer der Männer herbeigekommen war und sich an dem Auto zu schaffen machte. Koch stand auf und jetzt erhielt er von dem Fremden einen Schlag mit einem Gummi schlauch. Auch der zweite kam herbei, und er war es, der auf den Unteroffizier einen Schuß abgab. Wahrscheinlich war es eine Waffe vom Kaliber b�ZMilli- meter. Koch brach zusammen, und die beiden Angreifer flüchteten in südlicher Richtung nach Schildhorn zu. Das Ucbersallkommando, das den Grunewald in diesem Teil absuchte, griff zwar zwei Leute auf, doch zeigte sich bei der Gegeniibcrstellnng mit dem Unter- offizicr, datz sie für den Anschlag nicht in Frag« kommen. Die Täter waren wahrscheinlich entweder Zlutodielie oder ic>gciiannte „Spanner", die im Grunewald ihr Unwesen treiben. Die Unter- suchung zur Aufklärung wird jetzt vom Raubdezernat A 3 geführt, das Mitteilungen von Spaziergängern, die etwas gesehen haben, erbittet. Seltsame Kindesunterschiebung. "Eincb Kmdesunterschiehung mit seltenen Begleitumständen ist die Hölizci dieser Tage auf die Spur gekommen. Im Februar dieses Jahres machte eine junge ch a u s a n g c st e l l t c in der Frauenklinik Ziegel st ratze kurz vor ihrer Niederkunst die Bekanntschaft einer Frau, die sich als Gattin eines Hauptmanns a. D. H. aus Hamburg vorstellte. Das junge Mädchen willigte darin ein, das erwartete Kind von Frau H. adoptieren zu lassen. Am 29. März wurde dos Kind, ein gerade vier Tage alter Junge, von der Ham- bürgen» in Empfang genommen. Als die Adoptivniutter überhaupt nichts von sich hören ließ, setzte sich die Hausangestellte mit der Polizei in Verbindung. Dabei stellte sich überraschend heraus, datz Frau H. den Jungen am 28. März als ihr eigenes Kind beim Stand es a in t angemeldet hatte. Sie erzählte, datz sie bei einer Droschkensahrt in Berlin plötzlich niedergekommen sei. Ihr Mann glaubte auch an den Schwindel, bis die Polizei die Borgänge klärte. Der Frau Hauptmann war es hauptsächlich darum zu tun, die verschiedenen Vergünstigungen sür Wöchnerinnen zu erlangen und Geldunterstützungcn zu beantragen. Die Schwind- lerin wurde festgenommen und das Kind der Hamburger Fürsorge übergeben. Ferienreiseverkehr beginnt. Die ersten Bor- und Nachzüge. Obwohl schon am letzten Tage des Juni der Ferienreise- verkehr sich durch lebhaften Betrieb auf den Berliner Fernbahn- Höfen bemerkbar machte, konnte er doch mit den üblichen fahrplan- mäßigen Zügen bedient werden. Am l. Juli muhten dagegen eine ganze Anzahl von Vor- und Nachzügen, insgesamt 39, eingelegt werden, um dem Ansturm der Reiselustigen begegnen zu können. Vom Anhalter Bahnhos wurden 19 Vor- und Nachzüge abgelassen, davon 5 nach Frankfurt a. M., 4 nach München und 1 nach Dresden/Bad Schandau. Vom Steitincr Bahnhof fuhren 8 Vor- oder Nachzllge nach Swincmünde, van der Stadtbahn nach dem Osten 1l, davon 6 nach Schlesien, vom Lehrter Bahnhof 3 nach Hainburg, vom Görlitzer Bahnhos 4 in Richtung Görlitz, von der Stadtbahn 2 in Richtung Westen und vom Potsdamer Bahnhof 1 nach dem Harz. Außerdem verließen am 1. Juli 12 vollbesetzte Feriensondcr.zügc die Reichshauptstadt. Davon fuhren 4 nach München, je 2 nach Königsberg und nach der Nordsee und je 1 nach Basel, Köln, Warnemünde und nach dem Ricscngebirge. Der stärkste Ber- kehr wird für heute erwartet. Billige Wochenendfahrten nach Kopenhagen 18. bis 19. Juli und l. bis 2. August, nach der Insel Rügen 15. bis 16. August. Preis der Fahrt: nach Kopen- Hägen 29 Mark, nach Rügen 14 Mark ab Berlin und zurück. Gu t s ch e i n k a r t e n für Teilnehmer sind bei den bekannte» Stellen(s.„Vorwärts"-Ausgabe vom 25. Juli) oder direkt beim Reichsausschutz für sozialistische Bildungsarbcit, Berlin SW. 9�, Lindenftratze 3, zu haben. Mörder seiner Kinder. Alle vier mit der Ast erschlagen. N c u m a r k t(Obcrpfalz), 1. Zuli. Der vcrwilwele Zl jährige Maurer Michael Stiegler von ? o l l a n t e n kam in der Nacht zum Montag früh gegen 1 Uhr betrunken nach Hause und verlieh seine Wohnung früh gegen 6 Uhr. Am Monlagmorgen wurde die grauenhaste Entdeckung gemacht, datz Stieglcr in dieser Zeit seine vier schlafenden Sinder im Alter von acht, neun, zehn und 16 Zahren mit einer Azt erschlagen hat. Der Täter ist flüchtig, und zwar nimmt man an. dah jxr.die.Nichlung Acumarkt eingeschlagen hfl«. � Haftbefehl gegen die Brüder Herkendorf. Gegen die Brüder Walter und Franz Heckend ors wurde vom Bcrnchmiingsrichtcr im Polizeipräsidium H a f t b e f« h t erlasse» Dem beschuldigten Walter Heckendors wurde schwerer Diebstahl in zwei Fällen und zwar in strasvcrschärsendem Rück- sali uorgemorscn, dem Kunstmaler Franz Heckendors wurde schwerer Diebstahl in einem Falle und Hehlerei zur Last gelegt. Der Hast- besehl wurde auch deshalb erlassen, weil Berdunkelungsgesohr besteht. „Hohe Klasse!" murmelte Amessalom Wladimirowitsch und muhte nicht wohiit mit seinem überschüssigen Tempera- ment.„Ach!... Ach...!" Er stürzte zum Fenster und be- grüßte heftig immer wieder die beiden jungen Mädchen, die ihn vom Fenster des gegenüberliegenden Hauses ansahen. Er stampfte auf und ließ ein schwännerisches„Ach" ver- nehmen." „Mädchen von der Peripherie! Die besten Früchte!... Hohe Klasse!! Ach!... Und eines Morgens, da lächelte sie wieder..." „Ich werde also gehen, Bürger", sagte der General- dircktor etwas verdattert. „Warten Sie, warten Sie!" regte sich Jznurcnkow Plötz- lich auf.„Einen Augenblick! Acksi... Und der Kater? Nicht wahr, er ist ganz besonders flaumig? Warten Sie! Ich komme gleich!.. Er suchte verschämt irgend etwas in allen Taschen, lief weg, kam wieder zurück, ächzte, sah aus dem Fenster hinaus, lief weg und kam wieder. „Warten Sie. mein Tiiubchcn". sagte er zu Worobjew, der während alle dieser Manipulationen wie ein Soidat-habt- acht stand. Und mit diesen Worten reichte er dem Vorsitzen- den fünfzig Kopeken.„Nein, nein, bitte nehmen Sie es. Jede Mühe muß bezahlt werden." „Danke schön", sagte Worobjew und staunte innerlich über seine Gewandtheit. „Danke schön, mein Teurer, danke schön, mein Täubchen!" Draußen im Gang noch vernahm Worobjew von Iznurenkos Zimmer her ein schallendes Meckern, Kreischen, Singen und ein leidenschaftliches Geschrei. Auf der Straße erst mußte Worobjew wieder an Ostap denken und er zitterte vor Furcht. Ernst Pawlowitsch Schtukin irrte in der leeren Wohnung umher, die ihm sein Freund liebenswürdig für den Sommer abgetreten hotte, und dachte nach, ob er ein Bad nehmen stillte oder nicht. Die Dreizimmerwohnung befand sich unter dem Dach eines neunftöckigen Hauses. Außer einem Schreibtisch und Worobjews Stuhl gab es hier nur noch einen großen Wand- spiegel. Die Sonnenstrahlen spiegelten sich in seiner Fläche und blendeten die Augen. Der Ingenieur legte sich der Länge nach auf den warmen Tisch, sprang aber gleich wieder ans. Alles war heiß von der Sonne. — Ich werde ein Bad nehmen— beschloß er. Er zog sich aus, ließ sich ein wenig von der ihisl kühlen. besah sich im Spiegel und ging ins Badezimmer. Er kroch in die Wanne, schüttete aus einem blauemailtiertcn Krug etwas Wasser über sich und seifte den ganzen Körper gehörig ein. Bald war er total mit Seifenschaum bedeckt und schnec- weiß wie ein Nikoio. „Angenehm!" sagte Ernst Pawlowitsch. Alles war an- genehm. Ihm wurde behaglich zumute. Seine Frau war nicht da. Vor ihm lag ein Leben voll Freiheit. Der Ingenieur schnalzte mit der Zunge und drehte den Wasserhahn an, um die Seife abzuwaschen. Der Hahn röchelte und begann zögernd etwas zu murmeln. Es war kein Wasser da. Ernst Pawlo- witsch steckte den glitschigen Finger in die Oesfnung des Hahns. Nur ein dünner Wasserstrahl sickerte hervor. Er versiegte aber sofort wieder. Ernst Pawlowitsch runzelte die Stirn, stieg aus der Wanne heraus und begab sich in die Küche zur Wasserleitung. Aber auch dort gelang es ihm nicht, etwas aus der Röhre herauszupressen. Ernst Pawlowitsch ging ins Zimmer und blieb vor dem Spiegel stehen. Die Augen taten ihm vom Seifenschaum web, der Rücken juckte, die Flocken spritzten auf dos Parkett. Ernst Pawlowitsch lauschte, ob das Wasser im Bodezimmer nicht schon floß, dann beschloß er, den Hausbesorger zu rufen. Cr soll nur wenigstens Wasser bringen, dachte der Ingenieur, rieb sich die Augen und wurde ärgerlich. Die Sache wird schon ziemlich fatal! Er sah zum Fenster hinaus. Im Hos spielten Kind»r. „Hausmeister!" schrie Ernst Pawlowitsch.„Hausmeister!" Niemand antwortete ihn?. Da erinnerte sich Ernst Pawlowitsch, daß sich die Wohnung des Hausmeisters im Treppenhaus befand. Er trat auf die kalten Steinfliesen hinaus, hielt die Türe mit einer Hand fest und spähte hinunter. In seincni Stockwerk gab es nur noch eine Wohnung und Ernst Pawlowitsch hatte keine be- sondere Befürchtung, daß ihn von da aus jemand in diesem sonderbaren Seitenslockenaufzug sehen könnte. „Hausmeister!" rief er. Der Ruf schallte durchs Treppen- haus.„Hu— hu!" antwortete die Treppe. „Hausmeisterl Hausmeister!" In dem Moment glitt der Ingenieur, der mit den nackten Füßen ungeduldig strampelte, aus und ließ, um das Gleich- gewicht nicht zu verlieren, die Türe los. Sie fiel zu, das amerikanische Schloß schnappte fest ein. Ernst Pawlowitsch be- griff nicht gleich das Unwiderrufliche dessen, was sich eben er- eignet halte, und riß an der Türklinke. Die Tür gab nicht nach. Der Ingenieur rüttelte noch einigemal an der Tür und horchte klopfenden Herzens, ob sich etwas rührte. Ringsun? herrschte däinnirigc kirchliche Stille. Durch die hohen Fenster- scheiden drang trübes Licht. — Eine schöne Sitnotion— dachte Ernst Pawlowitsch. „Eine Gemeinheit!" schrie er gegen die Tür hin. Von unten her hallten die krächzenden menschlichen Stim- men. Dann wieder bellte ein Hündchen ivie ein Lautsprecher. Jetzt schob man einen Kinderivagen die Treppe herauf. Ernst Pawlowitsch irrte erschrocken aus der Treppenplatl- form umher.— Es ist zum Verrücktwerden!— Alles schien ihm allzu ivahnwitzig, zu absurd, als daß es Wirklichkeit bätte sein können. Er näherte sich wieder der Tür und horchte. Da glaubte er irgciidmclchc neue Töne zu ver- nehmen. Es wnr so. als gehe jemand in der Wohnung herum. — Vielleicht ist jemand durch die Küchentüre hinein- gekommen?— dachte er, obwohl er wußte, daß die Küchen- tür fest versperrt war und daß niemand hineingelangen konnte. Das eintönige Geräusch hielt an. Der Ingenieur lauschte atemlos. Mit einemmal wurde ihm klar, daß das fließende Wasser dieses Geräusch verursachte. Wahrscheinlich lies das Wasser aus ollen Wasserhähnen der Wohnung. Ernst Pawlo- witsch war dem Weinen nahe. Die Sitution mar fürchterlich. Da stand in Moskau auf dem Treppenabsatz des neunten Stockwerks eines großen Mietshauses ein erwachsener bärtiger Mensch mit hoher Bildung, absolut nackt und von oben bis unten mit Seifenschaum bedeckt! Und es gab keinen Ausweg aus dieser Situation. Er wäre eher bereit gewesen, ins Gc- fängnis zu gehen, als sich nackt zu zeigen. Es blieb nur ein Ausweg— sich umbringen. Der Seifenschaum reizte die Rückenhaut. Auf Gesicht und Händen war der Schaum ein- getrocknet und zog die �Haut wie in einem Alaunbad teuflisch zusammen. Der Körper machte den Eindruck, als wäre er von oben bis unten mit Ekzemen bedeckt. (Fortsetzung folgt.) Aus grog wird klein. Jetzt werden die leerstehenden Altwohnungen aufgeteilt. Zur Zeit sind in verlin nicht weniger dl» 15000 große Slltwohnungen sa gut wie unvermietbdr. Zusammen mit der Prcußenregierung soll versucht werden, diese leerstehenden Groß- wohnungcn wieder nutzbar zu machen. Die Altwohnungen sollen in zweckmäßige Kleinwohnungen aufgeteilt werden. Auch der„Vorwärts" hatte schon mehrfach auf das Problem der verlassenen Großwohnungen hingewiesen. Während nach wie vor ein erheblicher Bedarf an Wohnraum besteht, stehen im W e st e n und Süden der Reichshaupstadt beinahe ganze Straßen- züge leer. Jetzt hat der Bund Deutscher Architekten zusammen mit den Spitzenorganisationen des Berliner Baugewerbes die Initiative ergriffen und auf einer großen Kundgebung oller Be- teiligten, die an? Dienstagabend im Haus der Technik stattfand, die beabsichtigte Teilung der großen Altwohnungen durchgesprochen. Eine schwer lösbare Aufgabe. So gut die Absicht ist, so schwer lösbar ist allerdings oft im Einzelfall die Aufgabe. So gibt es die Riesenwohnungen am Kurfürstendamin, die seinerzeit für gesellschaftliche Repräsentationen gebaut wurden, die zu teilen aber kaum möglich sind. In diesen Wohnungen sind nämlich unförmige Küchen vorhanden, in denen wohl Essen für 40 Personen zubereitet werden kann, die jedoch bei einer Teilung des Wohnraums nur hinderlich sind. Ebenso verhält es sich mit den Bade- und Klosctteinrichtungen, die alle nach den? Hos zu liegen u??d kauin bei der Teilung l)ernMrtet werden kön??en. Denn bei der Armut der Staatskassen und dem Fehlen ausreichender Kredite kann es sich bei den Teiluirgsabsichten nicht um kostspielige Umbauten handeln, inan inuß vielmehr mit den eventuell versügbaren spärlichen Mitteln Haus halten. Verschiedentlich wird es sich wohl nicht umgehen lassen, neue Treppenhäuser in Seitenflügeln zu errichten und neue Schornsteine, Wasserleitungs-, Zu- und Abfluhröhren zu lege??. Bei dieser For?n des Umbaues taucht nun eine neue Schwierigkeit auf. Es muß die Voraussetzung gegeben sein, daß die ü b e r e i n a n d e r l i e g e n d e n Wohnungen gleichzeitig leer sind,?veil???an dem noch in der Woh??ung besindlichen Mieter schwerlich zumuten kann, daß die von ihm gemieteten Räume noch während seiner Vertragsdaucr zer- schnitten werden. Nun gibt es allerdings erfreulicherweise eine ganze Reihe von Wohnhäusern in Vroß-Berlin. bei denen von vornherein im Grund- riß der Erbauer des Hauses die Möglichkeit der Teilung ins Auge gefaßt hat. Hier sind Teilungen mit geringeren Mitteln leicht ???öglich und werde?? mehrfach auch schon ausgeführt. Entscheidend ist aber bei allen Teilungen, daß es sich nicht um vorübergehende Notlösungen, sondern um Dauerlösungcn handeln soll. Wie aus einem sehr instruktiven Referat des Architekten Roth zu entnehmen ivar, ist die Meinung dieser Bausachmänner folgende: Vorfalle??? Konzentration der Üinbauarbciten aus nröglichst wenige Stelle??, weiter möglichste Vermeidung von Aendcrungen nin massiven Mauer- werk. Dann wird?lnter ollen Umständen angestrebt, die S-haffung ausgesprochener Hinterhauswohnungen zu vermeiden, auch die schlecht gelegenste Woh???lng soll wenigstens ein Vorder- zimi??«r erhalten. Dies ist übrigens die eigentlich- Nuß, die die Architekten zu knacken haben. Denn aus den dunklen Hinter- zimmern, die an endlos langen noch dunkleren Korridoren liegen, richtigen Kegelbahnen, brauchbare, helle und lustige Wohnungen z?? wachen, das ist keine Kleinigkeit. Zumal jede Wohnung ein eigenes Bad und auch allen anderen Kamfort haben soll. Trotzdein ist die Architektenschaft zuversichtlich, das Problem der Umwandlung der verbauten Altwohimngen in zweckmäßige Kleinwohnungen glücklich lösen zu können. Die Kinanzierungsfrage. Das preußische Wohlfahrtsministerium hat sich eingehend mit den unvermietbaren Großwohnungen beschäftigt und ist bereit, sogenannte verlorene Zuschüsse für die Umbauten zu geben, außer- dem sollen die bereits bestehenden erheblichen Hauszinssteuer- senkungen beibehalten bleiben. In der Praxis sieht die Sache dann so aus: Eine 9-Zimmer-Wohnung, die 2100 Mark Friedensmicte brachte, hat eine Jetztmiete von 3600 Mark. Davon find 1300 Mark Hauszins st euer. Wird nun die S-Ziinn?er°Wohm?ng in zwei Wohnungen geteilt, gewährt Preußen einen Steuernachlaß von 650 Mark, so daß die Miete aus 2050 Mark gesenkt ist. Werden drei Wohnungen errichtet, erhöht sich der Steuer- Nachlaß auf 865 Mark und bei vier Wohnungen beträgt er sogar 975 Mark, so daß die ursprüngliche Miete von 3600 Mark auf 2625 Mark herabgedrückt werden kann. Nebenher laufen dann noch die verlorenen Zuschüsse Prel?ßens. Im ganzen ist es begrüßenswert, daß die Teilung der alten Großwohnungen jetzt in Angriff genommen wird, zumal die not- leidende Bauarbeitersckzaft für einige Zeit dadurch gute Beschäftig?ing erhalten wird. Allerdings müssen Sicherungen geschaffen werden, daß die ganze Sache nicht auf eine versteckte Subvcntionierung des Hausbesitzes hinausläuft. Brombeerblüte. Auch die Brombeere hat ihren Niederschlag iin Volkslied ge- fui?den. Das Brombeerlied wird jetzt wieder wach durch die Hoch- blüte dieser dornigen Sträucher, von denen es in Deutschland et?»a 80 Gattungen gibt. Die Unterscheidungsmerkmal« sind nur u>enigen bekannt, und auch der Berliner Chronist vor 250 Jahren kennt nur„zrv«?)erley Brombeer hier zu Lande, nämlich Schumrze Brom bpcr und Vlauschumrze Broinbeeren, von mäßig warmein Temperament und geli>?d zusamm«nziehendc?n Saft". An den märkischen S a n d h ä n g e n hinauf rankt vor alle??? die wohlriechende Brombeere mit ihren großen wohlriechenden rötlichen Blüten. In frische»? Tiefgrüi? breiten sich an langen Gerten die dichten herzförmigen Blätter aus. Dieser beliebte Ver- trcter unter den Rosengewächscn wird häufig als Rankstrauch um unsere Sominerlauben gepflanzt. Noch häufiger ro?nmt die„gemeine Bronrbcere" vor, die jetzt ihre gedrängtblütigen schneeweißen oder leicht violetten Blütenrispen aufsteckt, aus denen sich di« schrvarz- glänzenden Fruchtlrauben entwickeln. Armblütig und niedrig stehen an den Weg- und Ackerrändern die niedrigen Kratzbeersträucher mit ihren drei-, selten fünfzähligcn Blättchen. Die in spärlichen Eben- sträußen stellenden hechtblauen Früchte schmecken säuerlich uird tverden wohl nicht gemeint sein iin Broi??beerlisd, das die Brombeer- lcfe besingt. Die Nächstvernwdten der Brombeeren sind die roten H i>n b e e r e n oder Hindbeeren, der Hinden Beeren, wie sie der Berliner Chronist vor 200 Jahren schon bezeichnete. Sln ihr schätzt man seit alters den lieblichen Geruch ui?d die subftile herzstärkende Kraft. In den märkischen Wäldern steht die jetzt blühende Him- beere strichiveise als dichtes Hcckengestriiipp, aus dem die weißen Blütensterne herausragei? aus den unterseits lveißfilzigcn Blättchen. Weniger häufig ist die Felsenhimbeerc oder Steinbeere mit ihren beiderseits grünen Blättern und den kleinen weißen Blütchen.— Die Häufigkeit der Brombeere gab Anlaß zu der Redensart:„Wenn Gründe so gemein rvären wie Broinbeeren, gäbe es für alles tausend- fältige Ausrede??." Mädchenmißhandlungen in Scheuen. (Straube schlug in Gegenwart von Lungen auf sie ein. Lüneburg, 1. Juli. 3in Mittelpunkt des Scheuener Zürsorgeprozesses standen gcsteri? und heute die Mißhandlungen an weiblichen Zog- l i n g e n, die dem früheren Direktor Straube zur Last gelegt ?verden. Besonders belastend für den Angeklagten Straube waren die Aussagen von drei Mädchen, die zur Zeit der Revolte iin Mädchenheiin untergebracht waren. Die 18jährige Herta L i e- b i n g will von der Revolte überrascht worden sein. Die Zeugin Gertrug H a r t m a n n bekundete, daß sie vor der Revolte einmal von Straube ins Gesicht geschlagen wurde, und noch der Revolte habe Straube sie init einem Mädchen naniens Grete Tauchert zur Vernehmung gerufen. In Gegenwart der Jungen habe sie Schuhe und Strümpfe ausziehen müssen, sei dann in das Neben- zi?r?mer des Büros geworfen und so auf den bloßen Körper ge- schlagen worden, daß sie Striemen gehabt habe. Vier oder fünf Jungen bestätigten den Vorfall. Straube leugnete zuerst den ganzen Fall ab. In die Enge getrieben, gab er nach längerer Zeit die Möglichkeit zu. Die 16jährige Grete Tauchert bestätigte die Miß- Handlung der Getrud Hartmann und schilderte selbst zwei Fälle, in denen sie mißhandelt wurde. Weiter gab sie körperliche Züchti- gungen des Straube an drei anderen Mädchen an: Straube räumte zwei dieser Fälle ein. Weiter sagte di« Zeugin, daß Straube sie in der gemeinsten Weise beschimpft habe. Zu neuen Zwischenfäll em kam es bei der VernehmiKig der weiblichen Angestellten in Scheuen: Knochenmus, Knoblauch und 51atzwedel. Die Vernehmung der Zeugin Knochenmus ergab, daß sie es war. die den Zöglingen nach der Suspendierung Straubes von? Dienst ein Schreiben an das Iugendanü aufsetzte, das sie den Jungen zur Unterschrift gab und das den Satz enthält:„Gebt uns unseren Onkel Paul wieder!" Da die Verteidigung Fräulein Knachcninus der Begünstigung Straubes für verdächtig hielt, nahm das Gericht von einer Vereidigung Abstand. Die Zeugin Knoblauch hatte gleichfalls einen Bericht nach Berlin gesandt, in den? Straube in Schutz ge>?ominen wurde und die Zustände in den Heiinen als vortrefflich dargestellt wurden. Als die Mutter des später ver- storbcnen schwer mißhandelten Zöglings Ledebour ihren Jungen be- suchen wollte, hat die Zeugi??, uin die Mutter aus Scheuei?«zu ent- fernen, mit dieser einen Ausflug nach Celle gemacht. Die Zeugin Katzwedel behauptete, sich um den ganzen Aufruhr nicht gekümmert zu haben. Iin ganzen ergaben die Vernehinungen dieser Zeuginnen, daß noch nach der Revolte von Straube und ihm nahestehenden Personen aus versucht wurde, dem Jugendamt in Berlin die Wahr- heit zu verschweigen. Die Weiterverhandlung findet Freitag vorinittag statt. Kreispruch im„Bier"-prozeK. Oer BeNagte nahm berechtigte Lnteressen wahr. 3n dem„heileren" Aerzlestreik, bei dem es um die Ehre de» Viere» ging, hat da» Amtsgericht verlln-MItte durch einen Freispruch des Veklogten, Sanitätsrat Dr. Hol I- mann, die klage des Hamburger Ernährnngsbiologrn Dr. Friedrich Vinzenz v. Hahn, der sich durch die Kritik an seinem vortrage über den Nährwert des Alkohols, besonders des Vieres, beleidigt fühlte, kostenpflichtig abgewiesen. Dr. v. Hahn hatte, wie wir berichteten, in? vorigen Herbst aus der Jisteri?atioi?ale?? Hygieneausstellung in Dresden"einen Bortrag gehalten, in dein er in etwas eigenartiger Weise für einen k r ä f t i- gen Trunk«intrat und besonders den Frauen(1) ans Herz legte, ausgiebig sich dein Biergcnuß hinzugeben. An dicsein Bor- trag hatte Sonitätsrat Dr. Bollinonn als Herausgeber des Organs des„Deutschen Acrzte-Vereinsbui?d«->" sehr scharfe Kritik geübt. Das Aintsgericht sprach den Beklagten aber auf Grund des§ 193 lWahrnehmung berechtigter Interessen) frei. Eine Beleidigung hätte nur in der Unterstellung erblickt werden können, daß der Kläger gesagt habe, Kinoer müßten in den ersten Lebens- iiwnotei? Bier trinken. Das wäre so unsinnig nach dem Stande der ärztlichen Wissenschast und der lleberzeugung de» Gerichts gewesen, daß in dieser Unterstellung ein« Beleidigung erblickt?l>«rden müßt«. Es steh« aber gar nicht genau fest, n>os der Kläger in feiner Rede ausgeführt Hobe. Der Beklagte sei durch K 193 gedeckt, denn er habe seine Infor- nratümen von einer alz gewissenhaft bekairnten ärztlich«?? Korrespondenz erhalten und sei daher berechtigt geuxsen, scharfe Kritik zu üben. Sprechchor für Prolelarische Feierstunden: Donnerstag, den 2. Juli, 18 Uhr(6 Uhr abends), pünktlich,???? Gcsangsfaal der Sopbienschule. Weinmeisterstraße 16-17, Uebungsstunde. Hauptprobe zur Veranstaltung am 4 Juli. Astrologie und Klastenlotierie. Einer, der auf die Dummen rechnete, die nicht alle werden. Auch die Betrüger habe?? ihre Spezialgebiete. Eiche inackste in Astrologie. Für 50 Pf. konnte man schwarz auf weiß di« ganze Zukunft vor sich ausgebreitet sehen: die Horoskope fanden reihenden Absatz. Kunden die dessen wert schienen— Eiche besah ein Kennerauge, nicht umsonst zählt er elf Vor st rasen wegen Betruges— flüsterte er zu:„Wenn Sie die Nummer eines Gewinnloses nach den Sternen errechnet haben wollen, so komincn Sie nur ruhig zu mir in die Wohnung". Und sie kamen: Männlein und Weiblein, Jung und Alt.- Und Elche errechnete die Numiner, die gewinnen würde. Man brauchte nur die gewünschte Summe zu nennen. Der eine hatte es auf die Hamburger Staatslotterie abgesehen und war bereit, sich mit der Kleinigkeit von 135 000 Mark zu begnügen: ein anderer auf die Preußische Lotterie???achte es nicht unter 200 000 Mark: der dritte begnügte sich mit 6000 Mark usw. usw. Die sichere Errechnung der Nummer hatte aber zur Voraussetzung die Angabe der richtigen Geburtsminute. Da war es nicht weiter verwunderlich, wenn die errechneten Numinern mitunter nicht stnnmtcn. Bald existierte ein« solche überhaupt nicht, bald war sie bereits oergeben usw. Für seine Beinühungen nahm Eiche 200 Mark, 100 Mark, bald mehr, bald weniger. Das Geschäft blühte, die Durchschnlttseinnahme betrug 500 Mark wöchentlich. Und kein einziges Mol stimmte die Numi??er. Nun stand Eiche vor dem Schöffengericht Berlin- Mitte. Die Richter befanden sich in einer wenig beneidenswerten Situation. Ui?bewandert In der astrologischen Wissenschast wußten sie mit den komplizierten Berechnungen?>ichts anzufangen. Im letzten Augenblick?vurde ein Astrologe hinzugezogen. Cr hatte säini- liche Horoskope geprüft?lnd manches in den Berechnungen unklar gefunden. Sie stiminten nicht ganz mit den Forderungen der aftro- iogischen Wissenschaft überein. Der Vorfitzei?de?neinte, es sei jedoch eigentümlich, daß der An- geklagte, der die Gewinnlose nach den Sternen so gut berechnen könne, noch nicht Millionär sei.„Ja", meii?te der Angeklagte,„dos ist es ja eben. In dem Standcsamtsregister bin ich als u?n 7.30 Uhr geboren eingetragen: in Wirklichkeit hatte aber meine Mutier ihre schwere Stunde um 7.53 Uhr. In einer Hinsicht stimmt aber meine Errechnung zweifelsohne: ich werde heute verurteilt. We??n ich aber die Sache auf?n o r g e n vertage, dann stimint auch diese Cr- rechnung nicht. Die Sache wurde nicht vertagt. Die Männlein und Weiblein marschierten auf und erzählten, ivie einfältig sie gewesen seien, und man lernte auch ein Horoskop keni?en, auf Grui?d dessen der Angeklagte einer seiner Kundinnen ein hübsches Süminchen für feine Geschäfte herausgelockt hatte. Bis dahin hielt sie näinlich ihr Geld wohlverborgen in der Sparkasse. In ihrem Horoskop hieß es aber: Sollten Sie irgendwo Geld stehen haben, nehmen Sie es sofort weg und verzichten Sie auf alle Vorteile, da der Saturn Ihnen alles nehmen würde. Denn im Horoskop der Dc?stschen Republik Ist zu lese??, daß die deiltsche Währung von finanziellen Mißerfolgen betroffen werden würde. Das Gericht verurteilte den Sterndeuter zu 9 Monaten G c- s ä n g n i s. Run wird er in? Gefängnis seinen Leidensgenossen Horoskope init Errechnung des Tages ihrer Befreiung ausstellen. natürlich unter der Voraussctzu>?g, daß sie genau ihre Geburtsininute kennen. Sollten auch dies« Horoskope nicht stimme??, so wird er sich ebenso wie vor Gericht auf Einstein berufen: alles ist relativ. Drei tödliche Berfehrsunfölle. Der Straßenverkehr hat gestern ryieder drei Todesopfer gefordert. Am Sachsendamm in Schöneberg lief die dreijährige Waltraut H ä h n e l aus der Kolonie..Bergfrieden" in ein M o t o r- rad hinein. Das Kind wurde so unglücklich zu Boden geschleudert. daß der Tod auf der Stelle eintrat.— Auf der Oranienburger Chaussee bei Frohnau raste der Zäsährige Kellner Otto Hampcl aus der Berliner Allee 11 mit seinem Motorrad gegen einen Bäum. Mit schweren Schädelverletzungen wurde H. von vorüberfahrenden Automobilisten neben seiner zertrümmerten Maschine bewußtlos aufgefunden. Der Verunglückte wurde in das Oranienburger Krankenhaus eingeliefert, wo er wenige Stunden nach feiner Aufnahine starb.— Der dritte tödliche Unfall ereignete sich gestern abend in der Leipziger Ecke Mauer st raßc. Dort wurde der 21jährige Ai?gcstcllte Fritz Korth mit seinem Fahrrad von eine??? Autobus erfaßt und überfahren. K. starb auf dem Transport zur Rettungsstelle in der Kronenstrahe. 27000 tödlich- iltifäll«. Eine bedenkliche Siotistik. Leider hat allen Bestrebungen und Bcinühungcn einer iliiiiangreichei?. aktiven Unsallverhuiungspropaganda in wart und Bild zum Trotz die Zahl der tödlichen Unfälle in Deutschland weiter zugenommen. Nach einer jetzt vorliegenden Zusammenstellui?g des Statistischen Reichsamtes büßten im Jahre 1929 in ehr als 27 000 Per- sonen durch Unglücksfälle aller Art ihr Leben ein (21 285 Männer und 6394 Fragen). Gegenüber dem Jahre 1925, als 23 601 Opfer tödlicher Berunglückungen gezählt wurden, erfuhr die Zahl der Todesfälle durch Unsallgeschehen somit in progressiv steigender Fori?? eine Zunahine um 4078 oder rund 17 Proz. Das konstante Wachstun? der tödlichen Unfallzahlei? steht:>? ursächlichen? Zusami??e??hang mit der von Jahr zu Jahr zunehmenden Verbreitung der Kraftverkehrs in ittel. Obgleich seitens der zuständigen Behörden, Bcrkehrsocrbände und sonstigen Organisa- tionen alle möglichen Mahi?ahnien zur reibungslosen Abwicklung des Straßenverkehrs getroffen werden, konnte nicht?>erhind«rt werden, daß im Rahinen der steigenden Kraflsahrzeugbestäi?de ii? sämtlichen Teilen des Deutschen Reiche? die Zahl der mit oder durch Kraft- fahrzeuge tödlich verunglückten Personen immer größere Dimen- sionen annahm. Noch 1926 ivarci? in Deutschland„nur" 2308 Tode?- opfcr des Krastfahrzeugioesens zu beklagen— 1029 stieg diese Zahl bereits auf 5277 an. Die sich ergebende Verdoppelung der Todes- Ziffer ist in erster Linie der Raserei von Kraftradfahrern zuzuschreiben, die zur Folge hatte, daß die gesamte Berlustlistc der durch oder im Gefolge von Kraftradunfällen Getöteten i??? Jahre 1929 3'.4 mal größer war als iin Jahre 1926(1926: 432, 1020: 1851 Todesopfer). Demgegenüber stieg die Zahl der mit oder durch Kraftwagen tödlich verunglückten Personen nur um hxei Viertel der im Jahre 1026 gemeldeten Todesfülle. Bezeichnenoerweis« standen die meisten verunglückten Kraftradfahrer, die durch maßlos über- steigertes Teinpo nicht nur sich, sondern auch ihre Mitmenschen ge- sährdeten, im Alter von 15 bis 30 Jahre», während in der„gesetz- teren" Altersklasse von 30 bis 60 Jahren die Todesopfer auf 687 herabsanken. Unter den übrigen Tributei?, die der in mannigfaltiger Gestalt auftretende Unfallteufel forderte, sind besonders zahlreich die Todesfälle durch Ertrinken. Die gefahrvolle Unsitte des Badens an verbotenen Stellen oder in unbekannten Gewässern kostete 1020 nicht weniger als 3848 Mensch«» das Leben.— Auch die vielfach in Fabriten oder Betrieben mit inaschinellei? Einrick>- tungen ausgehängten Warnungsplatate. die zur Borsicht beim Hantieren ai? Maschinen ermahn«», finden noch immer nicht ge- nügcnd Beachtung, wobei auch auf die Innehaltung der gesetz- l i ch e n Arbeitsschutzbestimmungen durch die Unter- iiehmerschast das schärfste'Augenmerk gerichtet werden muß. wiederum erlitten 440 Arbeiter und Arbeiterml?en tödliche Dla- schinenoerlehungcn im Lause eines einzigen Jahres. Aus der Fülle der Unfalln?eldungen mit tödlichem'Ausgang sei nur twch aus die Zunahme der Vergiftungserscheinungen hingeiviesen. Durch Pilz- oder andere Rahrungsmitteloergiftungen sowie durch sonstig« akute Vergiftungen erfuhr die Zahl der Todesfälle dieser Art gegenüber den letzten Resultaten eine 16,5proz«ntige Steigerung. Was ist eine.Schaumbrille"? Hierzu teilt uns die Firma Schwarzkopf mit:»Die neue Schwarzkopf- Schaumbrille um- hüllt jetzt jede Packung von.Schwarzkopf-Ertra', dem Haar- glanz-Schaumpon. Die Schaumbrille hält bei der Haarwäsche Schaum und Wasser den Augen fern— eine neue Annehmlichkeit und Erleichterung, die jede Frau schätzen wird. Für Kinder wird die Haarwäsche mit der Schaumbrille zum Dergnügeal' Nr. 303• 48. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Donnerstag, 2. Juli 4934 Bilanz der jRoggenstützung. Aach dem Abschluß der parlamentarischen Ltntersuchung. Der pdrtetwntcrrische Ausschuß zur Untersuchung der Roggen- stützung hat dem von allen Seiten— außer den Kommunisten— als objektiv anerkannten Bericht der Berichterstattcrin, Genossin Sender, zugestimmt. Der Ausschuß hat außer einem von den Kam- munisten gestellten Antrag, der in demagogischer Weise den Reichskommissar Genossen Baade bloßzustellen versucht, und der bereits von uns aus charakterisiert wurde, eine Resolution angenommen, die eine Zusammenfassung der sachlichen Ergebnisse der mehrmonat- lichen Tagung oersucht. Zunächst wird in der Resolution festgestellt, daß die durchgesiihr- tcn Maßnahmen zur Stützung des Roggenmarktes einen scharfen Eingriff der öffentlichen Hand in die freie Wirtschaft bedeuteten— eine Binsenwahrheit— und zu Schwierigkeiten gefuhrt haben. Weiter wird festgestellt, daß die freie Wirtschaft bei abnormen Preisentwicklungen nichtinderLage ist, diese auszugleichen, und daß unter solchen Umständen ein Eingriff der öffentlichen Wirtschuft in den Getreidemarkt unvermeidlich ist, wobei es nach den Erfahrungen bei der Durchführung der Stützungsaktion zweckmäßig ist, daß der überragende Einfluß in die Hand des Staates gelegt wird. Klarer konnte das Versagen des freien Handels unter schwierigen Verhältnissen wohl nicht ausgesprochen und die Rot- wendigkeit seiner Ersetzung durch die öffentliche Wirtschaft erwiesen werden. Ferner stellt der Ausschuß fest, daß irgendwelche strafbaren Handlungen der beteiligten Personen nicht festgestellt sind und daß gegenwärtige Beamte des Ministeriums sich in keiner Form wirtschaftliche Borteile verschafft hätten. In Zukunft müßte aber oerhindert werden, daß ehemalige Beamte in Aufsichtsräten öffentlicher Gesellschaften tätig sind und dabei prioatwirtschaftliche Borteile wahrnehmen können. Um Mißdeutungen zu vermeiden, soll auch die Fest- setzung von Bezügen für Mitglieder staatlicher oder internationaler Kommissionen in Zukunft nur durch behördliche Stellen erfolgen. Schließlich empfichll der Ausschuß der Reichsregierung, alsbald einen S achv erfländ i ze naus sch u ß zu berufen, um geeignete Maß- nahmen der Absatzregelung unter besonderer Berücksichtigung der bäuerlichen Wirtschaften in die Wege zu leiten. Abschließend können wir bemerken, daß angesichts der Weltagrarkrise auch die Jndustriearbeiterschaft ein Hnteressc daran hat, einer Lerelendung der Landwirtschaft entgegen- zuwirken, weil eine platzliche Verringerung der landwirtschaftlichen Kaufkraft für die Gesamtwirtschast gefährlich ist. Deswegen sind unter Billigung der sozialdemokratischen Parteien nicht nur in Deutschland, sondern auch in vielen anderen euro- päischen Ländern Preisschutzinahnahmcn sür die Landwirt- schaft durchgeführt. Der R o g g e n st ü tz u n g selbst hat die Sozialdemokratie von Anfang an skeptisch gegenübergestanden, und sie würde es begrüßen, wenn im nächsten Erntejahr keine Stützung durchgeführt würde. Die Sozialdemokratie hat auch im Septembcv 193» kein Interesse an einer Preis st eigerung gehabt, so daß es abwegig ist, ihr die Verantwortung dajiir in die Schuhe schieben zu wallen. Der allein Verantwortliche für diese Stützung ist die Reichsregierung. Der Kampf gegen die öffentliche G e t r e i d e w i r t s cha s t, der von den Nazis, Deutschnationalcn, Wirtschaftsparteilern und anderen Gruppen geführt wurde, ist demagogischer oder interessen mäßiger Natur. Es ist zuzugeben, daß Schwierig- leiten vorgekommen sind und Mißstände zu beseitigen waren, wie sie bei jedem erstmaligen Versuch fast zwangsläufig auftreten, zumal wenn es sich um ein Experiment auf dem an sich komplizierten Gebiet der Getreidewirtschaft Handell. Korruption im Bereich der Tätigkeit der öffentlichen Hand ist nicht vorgekommen. Ein Loblied auf den freien Getrcidehandel und damit auf die freie Wirtschaft gerade in der Jetztzeit anzustimmen, ist völlig unangebracht. Die Deutschnationalen waren bis vor nicht lange? Zeit noch selbst Aichänger eines Getreidemonopols. Gerade die freie, vom Staate zu wenig kontrollierte und zu wenig unter Zwang genommene Wirtschast ist die tiefere Ursache der besonderen Schärfe der jetzigen Wirtschaftskrise, unter der die Arbeiterschaft am schwersten leidet. Den Angriffen der Kommuni st en gegen die Sozialdemokratie, daß sie die Agrar- Politik der Regierung Brüning-Schiele unterstütze, sei erwidert, daß die Sozialdemokratie es als ihre Pflicht betrachtet, sich im Interesse der Verbraucher in die Agrarpolitik einzuschalten, um gesamtwirtschaftliche Uebertreibungen der Schutzmaßnahmen für die Landwirtschaft zu verhindern. Darüber hinaus gibt«s b ü r g e r- liche Kritiker, denen das Augenmaß dafür fehll, daß der Umfang des durchsetzbaren Verbraucherschutzes auch eine Frage der polllischsn Macht ist. Soweit bei ihrer Kritik schlechter Wille mit- spricht oder unterstellt wird, stehen solche Kritiker Demagogen gleich. verteille sie 24 proz.(auf einen kleinen Teil des Kapitals 22Proz.) Dividende. Damit nicht genug, erhöhte sie das Kapital von 3 auf 6 Millionen Mark, indem sie auf fünf Aktien eine neue gegen Zahlung von lüg Proz. abgab. Bei einem Börsenkurs von weit über Zgg Proz. war das ein angenehmes Geschenk sür die beziehenden Aktionäre, das noch dadurch angenehmer wurde, daß den neuen Aktien zwei Genußscheine(.-Z und B) gratis bei- gegeben wurden. Der Genußschein B hat vorläufig keinen Wert: der Genußschein A ober lautet über den gleichen Nominalwert wie die neue Aktie und hat den gleichen Dividenden- a n s p r u ch. Jetzt wird die Hälfte der.�-Genußscheine eingezogen: für dieses Jahr wird darauf noch die Dividende gezahlt, dann erfolgt die Auszahlung in b a r zu lüg Proz. Ein Zlktionär also, der Ende vorigen Jahres 300g Mark Aktien befaß, konnte für 1000 Mark eine neue kaufen(die an der Börse mit mehr als 390 g Mark gehandelt wurde) und bekam einen Genußschsin A über 1000 Mark umsonst dazu. In diesem Jahre erhält er dann sür die 0000 Mark Aktien und den Genußschein Dividende(man rechnet mit 20 Proz.), also 7mal 200 gleich 1400 Mark: und weim der Genußschein ausgelost wird, 1000 Mark dazu.— Die Hälfte der Kapitalerhöhung vom vorigen Jahr wird also an die Aktionäre herausgezahlt. Nach„Not des Braugewerbes" sieht das nicht aus— wenn auch nicht verschwiegen werden soll, daß so nn- glaubliche Gewinne selbst im Braugewerbe selten sind. Schärfere Kreditrestriktion. Sie ausländische Devisenreserve der Reichsbank zum großen Teil aufgebraucht. Durch die Fortdauer der Schwierigkeiten zwischen Frank- reich und Amerika war die Reichsbank bis Ende Juni ge- zwungen, die fortbestehende Nachfrage nach Devisen zu einem erheb- lichen Teil bereits aus dem 100-Millionen-Dollar-Kredit zu befriedigen, der ihr von ausländischen Notenbanken als Reserve zur Der- sügung gestellt worden ist. Der deutsche Geldbedarf zum M o n a t s> ch l u ß, der sicher 600 Millionen Mark betragen hat, hat zugleich den Notenumlauf der Reichsbank erhöht. So ist es wahrscheinlich, daß zum Juniende auch unter Einrechnung der aus- ländischen Devisenreserve die 40prozentige Notendeckung zwar sicher nicht unterschritten wurde, aber doch kaumsehr stark überhöht blieb. Formell muß der 100-Millioncn-Dollar-Kredit am 16. Juli abgedeckt werden. Nicht ausgeschlossen ist die Verlängerung des Kredits oder eine Tilgung in deutschen Wechseln. Jedenfalls aber führen die Schwierigkeiten zwischen Frankreich und Amerika dazu, daß die Reichsbank allen Ernstes an eine weitere Einschränkung der von ihr gewährten Kredite wird denken müssen. Auf dem Geldmarkt würde das eine sehr starke weitere Verknappung bedeuten, im Wirtschaftsleben wären Kredit- kiindigungen durch deutsche Banken und damit eine weitere E r- s ch w c r u n g der Gesamtlage unvermeidlich. Die Reichsbank soll entschlossen sein, weitere Devisenabgaben nurmehr gegen die Ein- rcichung von baremGeld(Noten) vorzunehmen, eine Maßnahme, die für die Reichsbank mindestens hinsichtlich der Verwertung des ausländischen Devisenkredits von vornherein notwendig gewesen wäre. Oaimler-Benz. 2% Millionen Verlust.— Russenauftrag für Gaggenau. Di« Generaloersammlung der D a i m l e r- B e n z- A.-G. genehmigte den Abschluß vom 31. Dezember 1930, der bei einem Kapllal von 30 Millionen Mark einen Verlust von 7,48 Mi l- lionen Mark(im Vorjahr Reingewinn von 1,07 Millionen) ausweist. Ueber den Ankauf von 6,2 Millionen Mark eigene Aktien wurde mitgeteilt, daß man sie zur A n g l i e d e r u n g an- derer Autounternehmen habe verwenden wollen, eine Zlbsicht, die sich aber nicht verwirklichen ließ. Der Absatz ist von 130 Mil- lionen Mark im Jahre 1929 auf 99 Millionen Mark im Jahre 1930 zurückgegangen: der Rückgang sei aber nicht so stark wie sonst in der Slutomobilindustrie gewesen. Die Zahl der beschäftigten Ar- beitcr und Angestellten ist bei Daimler-Benz von durchschnittlich 12 900 im Jahre 1929 aus durchschnittlich 9000 im Jahre 1930 zurückgegangen. Im neuen Jahr hat das Unternehmen einen großen R u h l a n d a u f t r a g auf Lieferung von Lastwagen erhallen: dadurch erfährt die Beschäftigung des Werkes Taggcnau nach Mitteilung der Verwallung ei e wesenlliche Steigerung. Der Bruttogewinn ist sehr stark, von 27,8 auf 14,7 Millionen Mark zurückgegangen, also fast halbiert gegenüber einem Umsatzrllckgang von noch nicht 30 Prozent. Die Vorräte sind erheblich niedriger, mit 39,7(33,6) Millionen Mark in die Bilanz eingesetzt worden: es muß bezweifelt werden, daß die tatsäch- liche Verminderung des Warenlagers dem entspricht. Die Forde- rungcn sind von 21,1 aus 13,3 Millionen Mark zurückgegangen, dem ein stärkerer Rückgang der Schulden von 34,2 auf 23,9 Millionen Mark gegenübersteht. Die Zugänge auf Anlagekonten waren gering, da die Rationalisierung im wesentlichen durchgeführt ist. Eine Ausnutzung der leistungsfähigen Anlagen ist aber bei der schwachen Kauskrast, insbesondere auch bei der verfahrenen Situation der deutschen Autoindustrie(Ueberkapazität) nicht möglich. Oeffauer Gas und Ruhrkohle. Selbstverbrauchsrecht zugestanden.— Llm Magdeburgs Elektroversorgung. Die Deutsche Contincntal-Gas-Gcsellschaft, Dessau, hat gegenüber dem Rheinisch- We st fälischen Kohlens yndikat seine Forderungen zu fast 100 Proz. durch- gesetzt. Ein Jahr lang wurde von Dessauer Gas darum gekämpft, daß ihre Tochtergesellschaft, Zeche Westfalen, eine andere Tochter- gcscllschast, die Großgaserei Mitteldeutschland A.-G., Magdeburg, im Wege des Selb st Verbrauchs beliefern darf: dann braucht nämlich die Zeche Westfalen nicht die S y n d i k a t s u m l a g e für die gelieferte Kohle zu zahlen. Daß Ruhrsyndikat hat dieser Forde- rung erst jetzt bei der Erneuerung des Syndikatsocrtrages nach- gegeben, da die Zeche Westfalen sonst nicht wieder dem Syndikat beigetreten wäre. Aus die geforderte Erhöhung der Verkaufs- beteiligung hat die Zeche Westfalen verzichtet. Aus der G« n e r a l o e r s a m m l u n g der Dessauer Gas wurde mitgeteilt, daß die mitteldeuffchen Gas pläne im großen und ganzen erfüllt seien. Gasabfatz wie Koksabjatz der Großgaserei seien gesichert. Die Ferngasversorgung wurde vorläufig nicht weiter ausgedehnt, da die erwartete Ausdehnung des Gaskonsums ausgeblieben fei. Bierprofite! Berliner Kindl macht den Aktionären Extrageschenke. Die deutschen Brauereien haben in den Jahren seit der Stabilisierung bis ins vorige Jahr hinein enorm ver- dient. Bier tritt aber in Zeiten der Not als Genußmittel zurück— die Krise mit ihrer großen Massenarbeitslosigkeit hat den bis zum vorigen Jahr ständig gestiegenen Absatz nicht un- erheblich herabgcdrückt. Die Not von Reich und Gemeinden hat gleichzeitig zur Erhöhung der B i c r st c u e r n gezwungen, die auf den Konsum abgewälzt wurden, was nicht gerade zu seiner Er höh in*, beitrug. Jetzt bearbeitet das mächtige Braukapital mit allen Mitteln die Oeffentlichkeit, daß das Braugewerbe von den Steuern erdrückt werde. An den in diesem Jahr beschlossenen hohen Dividende nsätzen hat man jedenfalls noch nichts von der Not des Braugewerbes gemerkt. Aber die Berliner Kindl-Brauerci scheint so im G-Ide zu schwimmen, daß sie ausgerechnet im schlimmsten Krisen- jähr Extrageschenke an ihre Zlktionäre verteilt. Im Vorjahr Der Kall Südfilm A.-G. Neues Kapitel Hugenbergscher Monopolisierungsbestrebung Bei der S ü d f i l ni- A.- G. sind durch das Eingreifen der Tobis-Syndikat A.-G. und der British International Pictures finan- zielle Schwierigkeiten beseitigt worden. Nach Milteilungen der Tobis hat ein« Prüfung der Verhältnisse bei der Südfilm ergeben, daß ihre Lage„gesund und befriedigend" ist. Darauf haben die beiden ge- nannten Konzerne vereinbart, der Südsilm die zur„Sicherstellung ihrer Stabilität und Fortsetzung ihrer Geschäfte" erforderliche Unter- stützung zu gewähren. Damit ist ein Kapitel beendet, das die Hugenbergsche Tendenz, zu einem Filmmonopol in D e u t s ch l a n d zu kommen, in neuem Lichte zeigt. Die Südsilm A.-G., die mit einer Million Aktienkapital arbeitet, nimmt eine besondere Stellung in der deutschen Filmbranche ein. Sie pflegt die Verbindung mit den unabhängigen Filmprodu- zenten, woraus sich die Bedeutung der Südsilm A.-G. für das Ver lcihgeschäft ergibt. Die Südfilm bringt jährlich etwa 13 bis 20 Groß- filme heraus. Daß das Unternehmen von der gegenwärtigen gerade nicht befriedigenden Lage in der ganzen Filmbranche in Mitleiden- schaft gezogen wurde, ist wohl selbstverständlich. Das ändert aber nichts daran, daß das Unternehmen gesund ist. Der Mangel an genü- gend flüssigen Mitteln wäre aber für das Unternehmen um ein Haar zur Gefahr geworden, als es den bekannten Chaplin-Film„Lichter der Groß st ad t" ankaufte. In der Atmosphäre dieser Lichter der Großstadt scheinen sich ganz merkwürdige Dinge abgespielt zu haben, die heute noch bei weitem nicht restlos geklärt sind. Für den Ankauf der „Lichter der Großstadt" mußte die Südsilm einen Kredit in Anspruch nehmen. Diesen Kredit wollte die Südfilm A.-G. durch Geldein- gänge abtragen, die die Hugenbergsche Ufa, die den Chaplin-Film für ihre Theater angekauft hatte, zu leisten hatte. Die- Ufa aber zahlte nicht, und zwar berief sie sich darauf, daß sie ent- sprechende Forderungen an die Südsilm habe. Soweit ist die ganze Angelegenheit kaufmännisch in Ordnung. Wenn die Ufa Forderungen an die Südfilm hat, ist es ihr gutes Recht, diese Forderungen einzutreiben. Nun hört man aber, daß die Ufa keine direkten Forderungen an die Südsilm hatte. Die Ufa hat vielmehr Forderungen, die andere Interessenten an die Südfilm geltend zu machen hatten, aufgekauft. Auch das läßt sich kauf- männisch nicht rechtfertigen. Die Dinge scheinen nun in diesem Falle so zu liegen, daß die Ufa die Südfilm leute über- raschend vor eine ganz neue Situation stellte. Die Südsilm konnte die nötigen Mittel nicht ausbringen, was ihre Gläubiger unruhig machte. Sehr wahrscheinlich wäre es bei dem Unternehmen zum Krach und die Ufa wäre billig an das Objekt ge- kommen, wenn die Tobis Tonfilm-Syndikat A.-G. und die British International Pictures nicht eingegriffen hätten. Der Fall Südfilm lenkt wieder einmal die öffentliche Zlufmerk- samkeit auf die politische Seite der ganzen Film- b r a n ch e. Man muß sich vorstellen, was es für die Hugenbergsche Agitation bedeutet hätte, wenn sie die bis jetzt unabhängige Film- fabrikation der Südfilm unter ihren Einfluß gebracht hätte. Herr Hugenberg wäre in der Beherrschung der Filmbranche einen weiten Schritt vorwärts gekommen. Glühlampenkonzentration wird forigefetzi. In den letzten Monaten mehren sich die Meldungen über Fusionen von Glühlampenunternehmungen, durchweg Mitglieder des Internationalen Glühlampenkartells. Durch diese Fusionen soll die Struktur der internationalen Glühlampen- industrie, die in den letzten Iahren durch die Interesscnausdchnung der amerikanischen General Electric Company eine wesentliche Ver- schiebung erfahren hat, weiter vereinheitlicht werden. Vor einigen Wochen hat die große ungarische Glühlampen- fabrik(Vereinigte Glühlampen- und Elektrizitäts-A.-G.), das drittgrößte Mitglied des Kartells, ihr Aktienkapital von 16,3 auf 21 Mil- lionen Pengö erhöht, weil ihre Wiener Tochtergesellschaft, die Watt Glühlampen-A.-G., mit der Glühlampenfirma Johann Kremenezky verschmolzen wurde. Dieser Tage geht in der österreichischen Glllhlampenindu» strie eine weitere Verschmelzung vor sich: die Osram-Lanipen G. m. b. H., eine Verkaufsfiliale der deutschen Osram G. m. b. H., wird die Vertex Elektrowerk G. m. b. H. übernehmen, an deren Kapital die Osram schon bisher zu 30 Proz. beteiligt gewesen ist. In Frankreich wurde vor einigen Monaten die Societc de- Lampes Fotos dem Kartell angegliedert. Es ist der Zweck dieser Fusions- und Expansionsmaßnahmen, die Schlagkraft des Kartells gegenüber der nach und nach aufkommenden'Außenseiter- Produktion auf dem Glühlampengebiet zu stärken. Trotz Krise die Schlagkrast erhalten Oer Deutsche Textilarbeiter-Verband im Jahre ilWO. Die deutsche Textilindustrie leidet sehr unter der Weltwirtschafts- krise. Waren auch die Auswirkungen der Krise auf die einzelnen Äerufsgruppen sehr unterschiedlich, sa ist, allgemein betrachtet, gegen 1929 eine weitere Verschlechterung im Beschäftigungsgrad eingetreten. Das demnächst erscheinende Jahrbuch des Deutschen Textilarbeiter- Verbandes bringt eine Uebersicht über die Lage in den einzelnen Branchen wie in der Gesamtindustrie. In der W o l l i n d u st r i e hat sich das Geschäft nicht so belebt, wie man nach dem Preissturz der Wolle erwartete. In der B a u m w o l l i n d u st r i e war gleich- falls, trotzdem die Rohbaumwollpreise weit unter Vorkriegspreis lagen, bis in den September hinein eine Verkürzung der durchschnitt- lichen Wochenarbeitszeit zu verzeichnen. Besonders stark trat hier im letzten Jahre die Automatisierung des Produktionsprozesses in Erscheinung, was weitere Freistellung von Arbeitskrästen zur Folge hatte. Auch in der K u n st s e i d e n i n d u st r i e, die im Zeichen eines rücksichtslosen Preiskampses stand, waren starke Ra- tionalisierungsmaßnahmen zu beobachten. Befriedigend beschäftigt war die Wirk- und Strickwarenbranche. Nach seidenen und kunstseidenen Waren der Strumpfindustrie war große Nachfrage. Aber auch hier wurden durch erneute Rationalisierungs- und Inten- sivicrungsmaßnahmen weitere Arbeitskräfte überflüssig. Unter man- gclnder Kaufkrast des Inlandes und durch hohe Zölle erschwerten Export hatte die Stickerei- und Spitzenindustrie zu leiden. Die Seidenwebereien und auch die Hanfin du- st r i c waren verhältnismäßig gut beschäftigt, während die Leine n- i n d u st r i e weiterhin stark daniederlag. Die Sonzcnlrationsbeslrebungcn in der Textilindustrie machten auch 1939 weiter« Fortschritte. 29 Firmen(im Vorjahr 19) gaben in dieser Zeit ihre Selbständigkeit auf. Die Rentabilität der Betriebe war infolge der Aus- schaltung der unbequemen Konkurrenz und der kartellierten Preis- gcstaltung trotz aller ungünstigen Nebenerscheinungen g u t. In der Wollindustrie wurden 12— 14 Proz. Dividende gezahlt: in der Baum- Wollindustrie wurden sogar Dividendenzahlungen wieder aufgenom- mcn, die 1929 eingestellt worden waren. Der Deutsche Textilarbeiter-Verband hat sich auch durch das „Bankrottgeschrei" der Textilunternehmcr nicht abhalten lassen, seinen Kampf um die Aufrechterhaltung der Existenzbedingungen der Textil- axbciterschaft in altgewohnter Schärfe weiterzuführen, soweit die allgemeine Krise mit dem großen Heer der Arbeitslosen es ermög- lichte. Der Verband zählte im Jahresdurchschnitt rund 1ö Prozent arbeitslose und 34 Prozent kurzarbeitende Mitglieder. Der Vorstoß der Unternehmer auf Aenderung der Lohn- und Tarisbestimmungen setzte im Lauf« des Jahres 1939 verstärkt«in, nachdem der kalte Lohnabbau—» die Kürzung der übertarislichen Löhne— bereits durchgeführt war. Da nach dem ungünstigen Wahlausgang vom 14. Scpteinbcr 1939 zu bcsürchlcn war. daß die Regierungsstellen den Wünschen der Unternehmer nachgeben würden, richtete der DTV. eine Eingabe an den Reichspräsidenten und an die Reichsregierung, in der die Notloge der Textilorbeitevschast in aller Deutlichkeit aufgezeigt und dargelegt wurde, daß eine weitere Verschlechterung der LebenshaUung der Textilarbeiterschast zu deu schlimmsten Folgen führen müsse. Zur eingehenden Klärung der Sachlage wurde ein« erneut« amtliche Lohncrhcbung gefordert, die bis jetzt noch nicht vorgciwmmen worden ist. Eine Aktion des DTV. zur Verkürzung der Arbeitszeit schloß sich dieser Aktion gegen den Lohnabbau an, die jedoch erfolglos verlief. Scheinbar ermutigt durch das Verhalten der Reichsregierung der Arbeiterschaft gegenüber setzte Ende des Jahres 1939 eine Masfenkündigung der Tarifverträge ein, deren Neuabschlüsse oft schwierige Verhandlungen bis weit in das Jahr 1931 hinein erforderten. Im Jahre 1939 wurden insgesamt 196 Lohn-, Arbeits- zeit- und Manteltarifbewegungen geführt, an denen rund 315 999 Arbeiter beteiligt waren. 36 Streiks und Aussperrungen waren mit diesen Bewegungen verbunden, an denen 45 Betriebe mit über 14 999 Arbeitnehmern beteiligt waren: 2 779 999 Arbeitstage gingen dabei verloren. Die Zahl der vom DTV. insgesamt abgeschlossenen Tarifverträge umfaßte Ende 1939 159 Manteltarise... für 9 226 Betriebe mit 674 913 Beschäftigten 264 Lohntarife...... 9 183„„ 648 813 Um den Mitgliedern des Verbandes zu ihrem Recht zu oerhelfen, mußte der Verband im Jahre 1939 1 685 Klagen führen, von denen 686 mit vollem Erfolg und 657 durch Vergleich beendet wurden. 5944 Verbandsmitglieder waren unmittelbar an der Pro- zeßführung beteiligt, für die eine Gesamtsunimc von 123 876,39 M. eingeklagt war. Wiedereinstellung, Weiterbeschäftigung oder sonstige Vorteile konnten durch Urteil erzielt werden. ?luch den von bestimmter Seite geführten Bestrebungen auf Verdrängung der verheirateten Frauen aus den Betrieben trat der DTV. entschieden entgegen, da durch solche Mahnahmen keine Linderung der Erwcrbslosennot erzielt werden kann. Auf dem Gebiete der Sozialpolitik machte die Regelung der Arbeilslofenver- sicherung für die Heimarbeiter besondere Schwierigkeiten. Alle ver- heirateten Arbeiterinnen sollten aus der Versicherung ausgeschlossen werden. Rund 89 999 Textilarbeiteriimen würden dadurch beträchtlichen Schutz und auch die Unterstützung verloren haben. Den Verbandsvcrtretern ist es gelungen, dieser Gefahr durch eine Regelung vorzubeugen. Besonders stark vennehrten sich im Berichtsjahr die Klagen über Unterschlagungen von Beiträgen für die Sozialversicherung durch die Unternehmer, was den Verbandsvorstand veranlaßte, das Material dem ADGB. zuzuleiten, der vom RAM. Maßnahmen gegen diese Uebervorteilung der Versicherten verlangt hat. Vor allen Dingen stellte das Jahr 1939 den Verband i n f i n a n- z i e l l e r Hinsicht auf eine harte Belastungsprobe. Dem Einnahmenrückgang, bedingt durch die hohen Arbeitslosen- Ziffern, standen vermehrte Ausgaben, vornehmlich zur Arbeitslosen- und Krankcnunterstützung gegenüber. Der DTV. hat im Jahre 1939 aus der Hauptkasse und den Loknlkassen an seine Mitglieder gezahlt: Srankenunlerslützung...... 1 093 000 Mark Arbeitslosenunterstützung..... 1 949 000„ Streik- u. Gemaßregoltcmintcrstützung 310 000„ Sterbeuntcrstützung... j... 63000„ Rechtsschutzunterstützung..... 37 999„ Umzugs- u. Notunterstützung rund... 199 999„ Das sind rund 3 55 2 999 Mark stotutarisch festgelegte Unterstützungen, wozu noch eine vom Verbandsvorstand beschlossene Weih- nachtssonderunterstützung für ausgesteuerte Arbeitslose in Höhe von 373999 Mark kam, so daß also an die Mitglieder insgesamt rund Z 925 009 Mark Unterslühuvg gezahlt wurden. Dies« Zahlen samt den sonstigen Leistungen des Verbandes reden eine deutliche Sprache. Sie zeugen von dem hohen Wert einer gut geleiteten, zentralen Organisation, die in der Lage ist, ihren Mitgliedern stets hilfreich zur Seite zu stehen. Der DTV. hat im vergangenen Jahre wiederum bewiesen, daß er der Treue seiner Mitglieder wert ist. Er wird, wenn auch unrbrandet vom Ansturm seiner Gegner, im Kamps um die Lebensinteressen der Textilarbeiter- schaft nicht erlahmen und diesen Kampf mit Erfolg weiterführen. Der Unterstützung des wahrhaft klassenbewußten und denkenden Teiles der Textilarbeiterschaft ist er sich in diesem Kampfe bewußt. >l. Bra. Die Fleischermeister klagen. Konsumvereine und Warenhäuser sind schuld. Der in Stuttgart tagende Derbandstag der Fleischermeister ließ seinen Verbanossyndikus Dr. Weidclsau-Berlln über den Existenzkampf des Fleischergewerbes sprechen. Der den Fleischer- meistern sicherlich nicht misreundliche TU.-Bericht besogt darüber: „Der Existenzkampf habe immer schwerere Formen angenom- nie». Schuld daran sei die griaße Abwanderung der Fleischver- braucher zu den Konsumvereinen und Warenhäusern, dann die katastrophale Lage auf den Fettmärkten und endlich die�Aenueh. nrnfi der Kostenelement«, die dauernde Anziehung der Steuer- schraub c." Dazu sei lediglich bemerkt, daß die arbeitslosen Haupt-, tstrisen- und Wohlfahrtsunlerslühungsempfänger das Fleisch so wenig wie bei den Fleischerinnungsmeistern in den Konsumvereinen und Warenhäusern geschenkt bekommen. Auch ein Jnnungsbund von 53 756 Mitgliedern dürfte sich der Tatsache der Wirtschaftskrise und Ihren zerrüttenden Folgen für die Kaufkraft der großen Masse der Arbeitnehmerschaft nicht ganz verschließen. Znternaiionale Gchlaswagengesellschast Betriebsratswahl. Die letzte Betriebsratswahl wurde angefochten. Infolge eines Fehlers hat das Arbeitsgericht Neuwahl angeordnet. Im Termin stellte sich heraus, daß die Einspruchsschreiben in der Direktion der Firma angefertigt worden sind und daß die antragstellenden Schaffner der Ralionaisozialistischen Partei angehören. Der Schafs- ner Reinhold, Mariendorf, Grohbeerenstr. 12, ist schon vorher die Treppe hinaufgefallen. Er wurde zum Zugführer gemacht und nach dem Termin zum Abteilungsleiter tn München be- fördert. Vor dem Gericht spielte sich eine höchst interessante Szene ob. Als die Kollegen des Roinhold ihn fragten, ob er denn keinerlei Schamgefühl über seinen Arbeitcrverrat empsinde, antwortete er: „Daß Sie im Bilde sind: d i e N a z i l i st c i st s ch o n s e r t« g. Ich stehe an erster Stelle und dann b e st i m m e ich!" Brüllend drohte er dem Gewerkschastssekretär H o f f m« i st e r:„Wenn ich Betriebsrat bin, dann werden Sie nicht mehr bei der Direktion so auftreten, wie bisher." Trotzdem Rcinhold sich zu seiner Unterstützung zwei Mitglieder des Pirmasenser Heimtriegeroereins mitgebracht hatte, war er doch vor aller Welt als das gekennzeichnet, was er in Wirklichkeit ist. In seiner maßlosen Wut wollte er„den marxistischen Bonzen die Zähne ausschlagen". Das Schönste an dem Spektakel ist, daß die französische Firma einen Nazi gebraucht, um der gutorgonisierten Belegschaft entgegenzuwirken. Am nächsten SA.-Abend wird Reinhold das schöne Lied „Siegreich wollen wir Frankreich schlagen" anstimmen. Wir erwarten, daß die Belegschaft der JSG. den sauberen Plan durchkreuzt und vollzählig zur Betriebsratswahl antritt. Gewählt wird vom?. bis 9. Juli von 10 bis 14 Uhr Prinz-Louls-Ferdinand- Straße 8. Die Li sie der freien Gewerkschaften ist Liste 1 Ritter, Weißenborn usw. Zentralverband der Hotelangestellten. Für allgemein verbindlich erklärt wurde der Reichsmanteltorif- vertrag für das deutsche Steinsetz-, Pflasterer- und Straßcnbaugewcrbe vom 21. März 1931. Tarifahschluß im Karisffelgroßhanöel. Aber nur unter Aorbeholt. Im Berliner Kartosselgroßhandel ist es dem Gejamtvcrbaii») gelungen, nach langwierigen Verhandlungen wieder zum Abschluß eines Lohntarifes für die Arbeiter dieser Branche zu kommen. Der Vertrag war von den Kartoffelgroßhändlern zum 31. März gekün, digt worden. Ein neuer Vertrag kam zunächst infolg« der weit- gehenden Abbauforderungen der Unternehmer nicht zustande. Tie Kartoffelgroßhändler boten den Kutschern und Arbeitern, die einen Wochenlohn von 68 Mark hatten, einen Lohn von 49 Mark an. Der Wochenlohn von 68 Mark wurde verdient in einer tarif- lieh zwar vereinbarten 48stünd!gen, praktisch aber unbegrenzten Arbeitszeit. Jetzt hat der Schlichtungsaugschuß einen Schiedsspruch gefällt, wonach die Löhne der Kutscher und'Arbeiter bei 48stündiger Arbeitszeit 54 Mark und bei beständiger Arbeitszeit 6 2 Mark betragen sollen. Uebersiunden über diese Arbeitszeit hinaus sind mit 25 Proz. Zuschlag zu vergüten. Das Abkommen soll vom 1. Juli 1931 bis zum 31. März 1932 gelten. Die Arbeiter haben dem Schiedsspruch zugestimmt, die Unternehmer jedoch nur unter der Bedingung, daß das Lohnabkommen vom Reichsarbeitsminister für allgemeinverbindlich erklärt wird. Der Reichsarbeitsminister hatte die Allgemeinverbindlichteits- erklärung des letzten Lohnabkommens wegen der angeblich„zu hohen Löhne" aufgehoben, um dadurch eine Senkung der Kartoffolpreise herbeizuführen. Eine Berbilligung der Kar- losseln ist natürlich nicht erfolgt und konnte durch eine Lohnsenkung auch gar nicht eintreten, weil die Löhne an den Lertaufspreisen nur Bruchteile von Pfennigen ausmachen. Es ist zu erwarten, daß der Reichsarbeitsminister an den jetzt vom Schlichtungsausjchuß neu sestgesetzten Löhnen nichts mehr aus- zusetzen hat und die A l l g e m e i» v c r b i n d l i ch 1 e i t des Lohn- abkommens erklärt. Bei der schworen Zlrbeit, die von den Älrbeitern des Karioffelgroßhandels verlangt wird, sind die jetzt festgelegten Löhne eher zu niedrig als zu hoch. Schiedsspruch für die Getränkeindustrie Der Manteltarif für die Arbeiter in den Betrieben des Arbeit- geberoerbandes der Berliner Getränkeindustrie war von den Unter- nehmern schon zum 31. März gekündigt worden, um eine Ber- schlechterung der Urlaubsbestimmungen und eine andere Cingruppie- rung verschiedener Arbeiterkategorien zu erreichen, was für die betreffenden Arbeiter eine Lohnkürzung bis zu 29 Proz. bedeutet hätte: außerdem die Kürzung der Fraucnlöhne um 5 Proz. und noch einiges mehr. Es kam zunächst eine Vereinbarung zustande, den Bertrag bis zum 31. Mai unverändert zu verlängern. Nach Ablauf dieser Frist war weder in den Parteiverhandlunacn noch in den Vorverhandlungen vor dem Schlichtungsausschuß eine Einigung zu erzielen. Es kam schließlich zu einem Schiedsspruch, der im Grunde genommen den alten Vertrag wenig oder gar nicht ändert, sondern ihn nur mit einigen redaktionellen Aenderungen wieder in Kraft setzen will. Neu ist in dein Schiedsspruch die Bestimmung, daß der Vertrag auch für die Handwerker gcltei? soll. Ileberstunden müssen nach wie vor mit 25 Proz. Zuschlag bezahlt werden, doch braucht in Zukunft der Zuschlag dann nicht mehr gezahlt werden, wenn innerhalb von zwei Wochen für die geleisteten Ileberstunden ein Ausgleich durch entsprechende Freizeit«rfavgt. Neu ist serner die Bestimmung, daß die Bezahlung der Arbeiter, die infolge von Krankheit, Invalidität usw. nicht mehr voll leistungsfähig sind, nicht mehr der freien Vereinbarung unterliegt, fanden» mit Zustimmung beider Tarifparteien geregelt werden muß. Eine sehr wichtige neue Bestimmung in dem Vertrage ist, daß Verzichte und Aus- gleichsquittungen tarifvertraglich für rechts- unwirksam erklärt werden. Urlaub soll wie bisher bis zu 18 Arbellstagen gewährt worden, desgleichen auch der Zuschuß zum Krankengeld. Der Vertrag soll bis zum 31. Dezember 1931 gellen. Die Arbeiter haben den Schiedsspruch angenommen: die Ent- fcheidung der Unternehmer steht noch aus. Wo ist das Ende? Die Adlerwerke in Frankfurt a. M. haben etwa 799 Zlrbeiter entlassen und weiteren 290 Arbeitern gekündigt: ebenso ist 139 Zlngestelllen vorsorglich gekündigt worden. Der Betrieb arbeitet bereits sfll längerer Zeit Nur 49 Stunden in der Woche. Trotzdem hat die Verwaltung die Entlassungen vor- nehmen müssen, weil der Absatz unter dem Druck der allgemeinen Krise weiter zurückgegangen ist. Freie Gewerkfchafts-LugenK Berlin '-utl>!M im... UTir iogell Mü Gruppen:«Spenitf: �ugcudbclm(Siiln-iLtt trojst 5(JtäV"BaljiiM Spinptftftfoia)..e>em>I>l"'p"ch!ing. sächsisches ■JUlerlri.—(Seiucbbtuiiurn: Jugendheim ä'ou Schule, Gdleuburgcr Straß? z. velmbesprechung. Brettspiele.— Schönhauser Tor: Iugenchcheiln Tieckstr. Iß sgruerivehrhausl.„Proletariat!« Srziehungsmeihoden".— T-mp-lhiit: Sruppenheim Ünzcum chrrmaniasir. l-0. Der Zugang zum ZugciUchcsin erfolgt durch den Eingang auf der hinteren Seite der isdjuu Göhsiraßc. Heim. desprechung. Ärbeiterdichtung.— Südosten: R«sck>en'oergrr Str. flg(Jener» wehvhaus). Heimbesprechung. Liederodend.— Moabit: Jugendheim Lehrter Straße lS— 1!>. Heinrbeiprechung. Liederobend.— Staaten: Jugendheim 17. Bolisschule, Gartenstadt, Nirchplah landhaltrstrllc Autobus ZI). Heim» desprechung. Be«. Lichtenberg: Zugritdheim Guntcrstr. 4t. Heimbesprechung. — Landsberger Plast: Gruppenhcinr Diestclineyerstr. ö.„Die deutsche Arbeiter. bcweg'Mtg bis Zirm Sezialistengrsest."— Lichtenberg: Jugendheim Hauff- an der Lesstngstroße. Alfred tourmt mit seiner Mickymaus.— Iugendgrnppc des Dcut- fchen velleibungearbcitrr.verbande»: Ab IS Uhr Spiclrn im Trepiower Par«, Wiese 8. Iuqendgruppe des Zentralverbandes der Angestellten Heut« folgende Beranstaltunqen: Panlom Rlcdcrichonhauseu: Zugend- Helm Görschstr. ,4(großes Zimmer). Liederabend. Leitung: Weißen. berger.— Osten: Iugendbetrn der Schule Litauer Str. 18. nurgreferate Uber Organifationcn der Arbeitnchmcrschaft.— Treptow: Jugendheim der Scknile Wildenbruchstr. 58«Zugang ran der Grochstraße in?rep!om). Aortrog:„Wär- kislche Sage» und Eputgeschichten". Referent Dr. Echtttt«.— Schöncberg: Wir besuchen ble Bersommluicg des Werbebegirts.— Pot-dam-Rowawco: Wir besuche» die Versammlung des Werbcbezlrks.—„Zsrrie Angestrstten-Banl e. G. m. b. H.", Geschljftsstunbr» von 20 bis V2 Uhr im Berbandshaus.— Spiel« im Freien ad 19 Uhr Sportplaß Iungfernhcide, Sportplast Humbvldllmin und im Schillerpart und ab 18 Uhr Sportslast Ticrgar!«n.— Photogemcinschaft: 3) Uhr im Iugendycim Wasserlorstr.!>. G Ä? fipal/e'sjLcwencle/sv dtäqßßü/id' DAS CROSSE RUNDE SCHNE EWEISSE SEIFENSTÜCIC NUR NOCH Kriegsopfer klagen. Unsoziale Härten der Kriegsopferversorgung. Di« letzte Notoerorönung der Reichzregierung hat nun gerade auf dem Gebiete der Versorgung der Kriegsbeschädigten und Kriegerhinterbliebenen Härten geschaffen, die von den Betroffenen und allgemein als gröbstes Unrecht empfunden werden. Einer vom Reichsoerband Deutscher Kriegsbeschädigter und Kriegerhinterbli«, bencr, Berlin SW. 68, Charlottenstr. 83, dem Reichstage zugeleiteten und 33 Druckseiten umfassenden„Denkschrift zur Krieesopferversor- gimg" kann dazu u. a. entnommen werden, dah die erfo/gten Renten- kürzungen vor allem die Kriegsbeschädigten mit Kindern treffen. Den in der Erwerbsminderung um 30 und 40 Proz. beeinträchtigten Kriegsbeschädigten ist neben den allgemeinen Kürzungen eine besondere Kürzung in Höhe von 20 Proz. auferlegt worden durch den Fortfall der Kinderzulage für ein Kind.!)!och schlimmer ist es bei den Kürzungen auf Grund von Einkommen aus öffentlichen Mitteln. Ein Behördenangestellter, der 50 Proz. infolge Kriegs- dienstbeschädigung erwerbsgemindert ist, als Lediger ein monot- liches Einkommen von 210 M. hat, erhält an Stelle der früheren Rente in Höhe von 44,80 M. nach der erfolgten allgemeinen Kür- zung jetzt eine Rente in Höhe von 42,70 M. Derselbe Beschädigte wird, wenn er verheiratet ist und für vier Kinder zu sorgen hat, von der allgemeinen Kürzung und dem Ruhe der Rente betroffen. Das Einkommen dieses Beschädigten erhöht sich infolge der Kinder- Zulagen für 4 Kinder auf 290 M. Die Rente in Höhe von früher 85,10 M. wird zunächst auf 81,13 M. gekürzt. Von dieser gekürzten Rente ruhen infolge des Einkommens(in Wirklichkeit infolge der Kinderzuloge) 40 M., so dag nur noch eine Rente von 41,15 M. ver- bleibt. Der verheiratete Beschädigte mit Kindern bekommt demzu- fhlge weniger an Rente als der ledige Beschädigt«. Ferienkurse. Die lklrbeiterbildungsschule veranstaltet im Spätsommer drei Ferienkurse, die, wie in den vorigen Jahren, im Ferienheim der Naturfreunde..Reiherhorst" in Klein-Käris stattfinden. Jeder Kursus dauert eine Woche und kostet einschließlich Fahrt ab Berlin und zurück, Verpflegung, Quartier und Hörgeld 33,50 M. Die Kurse sind so gelegt, daß, wer die Möglichkeit dazu hat, an zwei oder drei Kursen teilnehmen kann. Die Unterrichtszeit ist so bemessen, dag auch noch reichlich Zeit zur Erholung bleibt, und dazu ist im Heim selbst, sowie auch in der schönen Umgebung Gelegenheit vorhanden. 1. Kursus vom 16. bis 22. August. Lehrer: Dr. Hermann Brill- Weimar. Thema: Das sozialdemokratische Programm.— 2. Kursus vom 2Z. bis 2g. Augusü Lehrer: Dr. Karl Mierendors-Darmstadt. Thema:„Der deutsche Parlamentarismus, was er ist und wie er arbeitet."— 3. Kursus vom 30. August bis 5. September. Lehrer: Dr. Arkodij Gurland-Berlin. Thema:„Das Proletariat in der Krise." Anmeldungen zu den Kursen an das Büro der Arbeiter- bilbungsschule, Berlin SW. 68, Lindenstraße 3, 2. Hof II, Zimmer 9. Täglich Dampferverkchr Stettin— Rügen. Der Verkehr der Bäüer-Dompser Stettin— Swinemiinde—Heringsdorf— Rügenbäder— Raßnitz(Bräunlich-Linics wird van jetzt �ib täglich durchgeführt. Abfahrt van Stettin 11 Uhr. Sonntags wird die Linie im Sonderfahrplon betrieben. Zhren 90. Geburtstag begeht heute Genossin K i r s ch k-, ezchöncberg, Bohnstraße l?. Genossin Kirschke hat bereits unter dem Sozialistengesetz für die Partei gearbeitet. Wir wünschen der Lubilarin einen frohen Lebensabend. Allgemeine Wetterlage. IM 493iabds.il r 23 Kr '» 21*&—>» OwBlkenloR,<5 Heirer.Ohalbbedeckr S wolkig.•bedeckr,*RejervsCrsupel.i Sciin«e.=Nebel,�Gewitt6c@Wmdsfille lieber Frankreich hat sich in der Nacht zum Mittwoch ein flaches Tief gebildet, dos rasch ostwärts weiter wanderte. Am Mittwoch- abend befand es sich bereits über Süddeutschland. Unter seinem Ein- sluß fanden besonders in der Schweiz und auch in den Bayerischen Alpen verbreitete Gewitter statt, die teilweise von erheblichen Regen- fällen begleitet waren. Da das Tief etwa ostnordostwärts weiter zu wandern scheint, wird auch bei uns die Gewitter- und Regenneigung zunehmen. Das Hoch, das über der östlichen Ostsee liegt und im Zerfall begriffen Ist, dürfte nur noch auf dos Wetter Ostdeutschlands Einfluß höben. >i- DZclleraussichlen für Berlin. Zunehmende Bewölkung und auf- kommende Gewitter- und Regenneigung, ziemlich warm.—?ür Deulschland. Im Osten noch beständig, nn übrigen Reiche wolkiges "'"' irn und Rl Wetter mit einzelnen Gewittern �cgcnfällen. Zur 0e»iodt8-vrSuvimL ober auch zur Bräunung des ganzen Körpers bei Sonnenbädern verwende inan die rcizinildernde und Mhlende Lecdor-Fett-Crcnic. Tube 60 PI. und J Mt. Wir'sam unierstütit durch Leobcr-O-Iieis- SM B0 Ps. Z» haben in alle» LPorodon! Acrleussftellen. AcMung. Parteiveteranen! Alle Genossinnen und Genossen, welche vor und während des Sozialistengesetzes für die Partei tätig waren, werden freundlichst eingeladen, am Sonnabend, dem 4. Juli nachmittags 3 Uhr zu einem gemütlichen Kaffeekochen im A 1 1 e n E i e r- bauschen in Treptow(Inhaber Bielen mit ihren Familienangehörigen zu erscheinen. KaffeeKochenistfrei. I. A.: Wilhelm GrUndcL Sport. Rennen zu hoppegarlen, ZNilkwoch. l. 2uli. Preis von Pctcrshage«. 1. Hvorne(M. Schmidt); 2. Oncga; 3. Han- stein. Toto: 40: 10. Plah: 22, 35, 38: 10. Ferner liefen: Frivole(i.), Simson, Feldwebel, Blauer Bogel, Optant. Helmut, Carina. Margot, Mandelblüte. Benusta. Preis von Alt-Landsberg. 1. Phthia(Grabsch); 2. Anna; 3. Monitoba. Toto: 27: 10. Platz: 14, 16: 10. Ferner liefen: Nugusta(4.), Gicselhcr, Fredschar. Preis von Fredersdorf. 1. Impressionist lM. Schmidt); 2. Melusine; 3. Araber. Toto: 100:10. Platz: 37, 38, 42; 10. Ferner liefen: Kamerad 14.), Altcnbcrg, La Margna, Mißgriff, Fatimc, Marcianns. Tonncrkicl, Freiwilliger, Conslikt, Luslballon. Sierstorpss-Rcnnen. 1. Enal tNarr); 2, Machbuba, 8. Rotkäppchen. Toto: öl: 10. Platz: 15, 12, 10: 10. Ferner liefen: Pelas(4.), Jngcmar, Scxtus, Terra. Preis von Rüdersdorf. 1. Rull Ouvert lRastenberger); 2. Sopran; 8. Marie Louise. Toto: 20: 10. Platz: II. 12, 12: 10. Ferner liefen: Edel- lnabe(4.), Jambus, Varro, Sergeant, Idylle. Preis von Tasdorf. 1. Grenadier(E. Grabsch); 2. Prellstein; 3. Major. domus. Toto: 18: 10. Platz: 13. 22: 10. Ferner liefen: Suus(4.), Marcngo. Preis von R-Hselde. l. Grenzmark f.ttrcuj); 2. Garde; 3. Fascist; 4. Markos. Toto: 24: 10. Platz: 14, 24. 25, 17: 10. Ferner liefen: Roxana(5.), Novalis lgef.), Göttersage, Morgenrot, Ad arcnam, Sanda, Heuchler, Loe, Agricola, Jrrigoycn. parieinachrichten Pinien düngen für dies« Rubrik sind Berlin SW«5, Lindenstrah« 6. sürGroß-Berlin stets«r das Bezirkssekretarlat !. Hof, 2 Treppen rechts, zu richtet». Erweiterter Bezirksvorstand. Sitzung des eriveitcrten Bezirksvorstandes am Freitag, 3. Zuli. pünktlich 19 Uhr. im Sitzungssaal de» Bezirksverbandes. Linden- stcaßc 3, 2. Hof. 2 Tr. * Beginn aller Veranstaltungen 1 9V? Uhr. sofern keine besondere Zeitangabe! heule, Donnerstag. 2. Juli. 114.«bt. 20 Uhr Vorstands, und Funktionärsitzmig bei Schwarzer, Gabriel- Max-Ztr. 17. ZNorgen. Areikag. 3. 3uli. 3. Abt. Wichiige Funktionürsttzung im Saal 8 des Kewerlschaftschausie». :>0.»b». ssimkiioniirünung dci Podst, encheucr �tr. 103. zz. Abt. 20 Ufir Abtelluugsvorstandssiduna mit gahlabendlcitern bei Lur. 77. Abt. Funitionürsitzunl, au bekannter>Ztell?. 78. Abt. 20 Uhr Varflandssitzuna mit den Bezirlsführern im Lakal Noth«. Feurig. Eike Prinz Keorg�rtraße. 7». Abt. 20 Uhr ssuniiio>iörNtzu:ur bei Podczus, Sochsendanem 40. 80. Abt. gunitionitosttzunz'v-i ffiiitlidi, Rubensstraste. 8». Abt. Funktioniirützuug bei Srommeck, Eonderftr. 10. »o. Abt. Funktlonttrsitzung bei Eabciko. 03. Abt. Sei flimmermann, Irevtowrr Ltr. 10. Tuultionäroersammlung. Die Milollcder der fledtungskommission um i9 Uhr. SZ. Abt. Pünktlich 20 Uhr Funktionärncrsommlmig bei Kensch. Iägerstr. 10. Bc�irksstihrer oder Ltellverlrrter emvkangen dort Material. 0«. Abt. gunktioniirsitzunz bei Zioack, Iutiusstr. 2ö. M. Abt. Funktionörsitzung im Sitzungsrauin Hannemannstr. 40. 120. Abt. 20 Uhr bei Schwarz, Capriniallec. ZunktiouLrsitzung. 122.i. Abt. 23» Uhr Funktionärsitzuni, bei Lindncr. Kopemcter Str. 166—107. 127. Abt. 20 Ubr wichria« stzunitionorüdnna bei Schiebe, BerUncr Str. 97. 139. Abt. Die Funktionärs, tzung am Freitag fällt ouo. Daftir ocrsamuiel» sich die Funktionäre t Stunde vor der Mitaliedcrversamuilung im Alten itrug. Bervou. 20V. Uhr Mitaliedcrvcrsammiuna im ttokal Vellevue. Vortraq de, Se- nafien Btlhclm Arüger, M. d. L.:»Die politische Lage". Sonnabend, 4. Juli. 2. fttti*. Wochen«» dkursu» Sonnabend. 4., und Sonntao, 5. Juli, in Pi Itnomer Schleuse. Referent Genosse A. Gurlaird. Treffpunkt Sonnabend, 4. Zu», 1« Uhr. Dohnhof Putlitzstraße. Fahrt bis Borgsdsrf. lZ. sirei». Der ZiltN �Zm Westen nichts Reue»" wird vom Dienstag, 7. Juli, in den Tivoli-Lichtspielen Totnpelhos gezeigt, karten zum Vorvcrkani von Freitag. 3. Zuli, ab täglich von 13 bi» 10 Uhr im ltina nur an legitimierte Mitglieder der im.Lormärt»' bctanntgegcbene» Organisationen. Er- iverbsloscnnorstcllungcn besonders. Arauenveransialtungen. *. greis. Sonnabend. 4. Zu», Motorbootfahrt nach dem Mitggelschläßchen. Trekspuntt IZU. Uhr Saltsstelle Zanuowltzbrucke. Fahrpreis hin und ztiristt l M. Karten sind nur am dem Dampfer zu l>abcu. tZs. Abt. Heute, Danuerstag, 2. Zuli, 20 Uhr, Diskutierabend in der Varackc. -Anschließend um S Uhr michtige Hekferinnensitzuug. Arbeiler-Bildungssäiule. Arbeitsgerncinschast sinrgaß: Freitag, Itz'ch Uhr, an bekannter Stelle, Arbeilsgemeinschask der kindersreunde Grosz-Lerlin. streis Kreuzberg: Treffen aller Lagertcilnehmer Sonnabend, 4. Zu», 6 Uhr, Znvotide», Eike cheidestraßc, tkreis Weißens««, Gruppe Hohenschönhausen: Donuerstag, 2. Zu», letzte 3». sammenkunft aller flettlagerfahrer. Alte Roten Falken müsici, unbedingt er» scheine». Treffen Sonnabend 7 Uhr Berliner Ecke Werneuchener Slraßc. strci« ureuzderg: Donnerstag.!t. Zu», Dampsersahrr nach Fiegcnhals. Tressen 8 Uhr Schittingbrticke. Alle Heiser und Falken sind eingeladen. Sterbeiafcl der Groß- Berliner Partei- Organisation 28. Abt. Unser Genosse August Matthen. Diedenhofener Str. 6. ist verstorben. Ehr« s-tuem AtlHenke»! Einäscherung heute, Donnerstag, 2. Zu». 1ll>. Uhr, im zzrcmatorium Ecrichtstroßc. Wir bitte» um recht rege Beteiligung. Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Verlin «nrendunaen Se biet» Ztudeil nne an da« ZuacadteteelaNa» Zlaettn SW 08. Ctvbeuiirat-) Poeanzeige! Bnrsißenbcnkonserenz Rontag, 8. In», I»'. Uhr, Preußischer Laadtag. Abteilungsmilgliederversammlungen, Donnerstag, IS'e Uhr: Arkonapla»! Elisabethkirchstr. 13.— Norden: Lartzino. ggt Graunstraß«.— Arastvather PloS Ii: Rastenburger Str. 10.— Falkplah 1: Sonnanburarr Straße A.— Roidaste» it: Dan.st?«r Str. 02, Baracke 3.— Prenzkauer Borstabt: Slsimstr. 8.7— 36.— Schönhauser Borstadt: Sonneuburger Str. 20.— flöpenickcr Viertele Wrangelstr.>28. tMitgliedobllcher mitbringen�— Aattbuffer Tor, Britzer Str. 27—80. sWitgliedsbllcher mitbringen.)—«chönebrrg UI: Haupt- straße IS. �Wichtige Tagesordnung.)— Westend! Sportplatz. => Falkplag II: Funktionärsitzung beim Genossen Bruno sinodet.— Andreas- platz, N. F.: Brommnstr. l:„Tagespoltkit".- Eharlottenburg: Rpfinknstr. 4: F»nktla»ärfltz!':ig.— Aculölln III: Spielen fällt aus. Treffpunkt 18 Uhr vor der 0MS. Lichtenberg. Boro: Funtiiouärsitzung. Gutiterftr. 11.— Ncnlöll« II und A: iL:. Flughafen. Ecke Hirvaauustraße. Wir gehen werben.— Sicukälln>: PFichtv: ranilaibu ug, I8i, Uhr Reuterplatz. Werbe bezirk Ritte: Mipenicker Sir� X; Wanberlcitcrsitzung. Werbebczirk Tiergarten: W.-B.-Vorstauddsitzuug beim Genossen Schlegel, Zagowstr. 4I>. Werbcbrzirk Prenzlauer Berg, Tambourkapegc: Ueben der gesamten Kapelle. Erscheinen der alir» Spieler notwendig, da üben für Frankfurt a. 31. Reue Spieler werden nicht mehr angenommen. Wcrhebczirl Westen: Rosinenstr. 4: W..B.-Vorftaiidssitzung. Borl»g der Sanleradschaften Doxiiogen, Traveplotz, Rmnmclsbtirg und Gustav Tempel i» den bekannten Lokalen. Ncinickcndorf, Kameradschaft Hcrntsdors: 20 Uhr Mit» gliedemrsammlung bei itam. Okrcnt. Berliner- Ecke Bahnhofstroßc. Vortrag. — Sonnabend, 4. Juli. Prenzlauer Berg sZungbanncr): 20 Uhr Bhf. Alerander- platz, Nachtausmarsch. Obleute setzen. Treffpunkte 0". Pankow tOrtsvcrei»): l6>st Uhr Antreten Aiardtplatz Pankow zur Fahrt nach Gransee.— Wintersport» abtcilnng: Jeden Tounerötag ab I!> Uhr. und jeden Sonnabend ad iL Uhr Leichtathletik und Gymnasti! unter Leitung von Sportlehrer Kam. Zentner auf der Piatzanlago im Stadto» an der Avus. Alle Kameraden, dcre» Frauen, Töchter und Eckiwestern rönnen sich tostenlos daran beteiligcn. Meldungen an den vorbezeichnelen Tagen auf der Anlage. Arbeiler-Samariier-Bund e. v.. Kolonne Berlin. ll) Geichästsftklle: R. 24, Er. Hamburger Str. 20. Tel.: VI Rorbc« 334». N Zugenbadtellung Sraß-Perilu: Teilnehmer zur Sonnenwcndscier _ nach den Lienewitzsecn treffe» sich am Sonnabend. 4. Zu», pünktlich um 18 Uhr am Bahnhof Fricdrichstraße.— Ausweis Nr. 1 t.13 auf den Namen Lisbcth Bvndzio ist am Sonntag, 28. Juni, im Stadion Gntnewgld verloren- gegangen: er wird hirrmit ftir ungiiltig erklärt und wir biitrn, falls er sich anfinden sollte, ihn unserer Geschäftsstelle zu übermitteln. Bund deutscher hirnvcrlctzte« Krieger,«. V.. Bezirk-gruppe Berlin und der Prov. Brandenburg. Freitag, 3. Zu», 15% Mir, Mouatsversammlung im Lotoll von Brandenburg, Berlin C. 2, Stralauer Str. z— 0. gur Aufklärung in dpr Hirnvcrlctztcnfrage findet eilt Vortrag statt, der auch für die Äamcradcnsrancn sehr von Bedeutung sein dürste. Ebensalls wird über die Notverordnung Auf« kläru na geg e b n. flentralverbaiib der Arbeitsinvaliben und Witwen Deutschland«, Sau Groß. Berlin, Geschäftsstelle! Berti» W. 67, Bitlowstr. 4g, r. Stfl., 1 Tr, Donners. tag, 2. Zuli. Buchholz: Lokal Rossack. Hauptstr, 71. 1« Mir. Referent RoNege Fischdach.....«Kitte II; Lokal Schulz. Clisabethstr. 60. 1? Uhr. Referent Kollege Piuts.— Charlotteuburg: Lolal Wachs, Nehringftr. 26, 18 Uhr. Referent Gap- leiter Kollege Boigt.— Friedr!ck)shaln: Lokal Gaul, Borhagencr Str. III, 10 Uhr.— Tiergarten II: Lokal Notwnalhof. Blllowstr. 67. 10 Uhr. Rcferenlvr Kollegin Haas.— ZUcdcrfchöneweidc: Lokal Tomclla, Berliner Str. 68, 18 Uhr. Referent Kolleg« Steinbeiß. Selbsthilfebunb der Körperbehinderten sReichsbuud Deutscher Krüppel, c. V.1, Lanbeevcrtmnb Berlin-Braudenburg, GefchäsissteUe SO. 10, Schmidstr. 8. Es finden folgende Versammlungen statt: Mitte: 16. Zu» im Klubhaus„Belvedcre", Alcranderstr. 21.— Wcddtng: 1. Zu» im Lokal„Zum goldenen Biencukorbr, Usedom, Ecke Wattstraßc.— Friedrichshain: Jahreshauptversammlung am Sonu- abend, 13. Zu», in Ztiliinaiins Bereinslokal, Gubener Str. 43,— Eharlotteuburg: 18. Zuli bei Rörig. Echloßstr. 46.— Spandau: 26. Juli im Polizeigebäude, gimmcr 14. Erdgeschoß, Eiugang 2tm Wall 2.— Schöneberg: Ii. Zu» im Vereiiislotal Hacubel. Borbcrgstr. Ii.— Neukölln: 4, Zu» im Lokal Bernhard Damm, Hertzbergstr. 22.— Treptow-Köpenick: 11. Juli im Lokal Ltreubel. Baum- fchulenwcg. Bamufchule». Ecke Scheiblcrstraße.— Lichtenberg: 28. Zu» iftt Lolal Zungstr. 10. Beginn überall 20 Uhr:<.■ Arbetter-Laienspicler-Perbaad, e. 93., Ortsgruppe 4,„Junge Pioniere"? Donnerotog, 2. Zu», 10% Uhr, bei Brandis, Stralauer Str. 10, Deutsch« Kakteen. Gesellschaft, r. P,, Ortsgruppe Berlin. Montag, 0. Zu», 19% Uhr, Restaurant„Rotes Haus", Nollendorfplatz 8, Lichtbildervortrag von Herrn 98. Gottheim:„Suffuleittenjagd auf den Kanarischen Inseln". Die Ausstellung des„Phily" Ilniversal-Dcb.Wirk- Stuhles im Erdgeschoß des Warenhauses Rudolph Karstadt A.-G-, Neukölla, brachte einen vollen Erfolg. Das Publikum zeigte für die interessante neue Tedinik ein großes'Interesse und war von den Erzeiigiitssen, die auf diesem Stuhl bcrgestellt werden, sehr begeistert. Audi in dieser Wache wird der Webstuhl Jntcrciscntcn noch weiter gezeigt werden. Näheres durch die Direkt»»! der Firma Rudolph Karstadt 2I,-G„ Neukölln, Hermamiplatz. Drei Juno siir 10 Pfennig. In Auswirtung der Tabakstcuer.Aendcruvg konnte der Preis für die weit»vd breit beliebte Iuno-Atgaretto aus 61» B- gesenkt werden! Trotzdem wird Größe»vd Format beibehalten und unverändert: bleibt auch die Tabati:!■;- J«..'-v-.» WHW k■-le b", ZL-»2" SCeinridi Memmer kPoUharlen von der Steife Die Oberflächlichen erleben hauptsächlich ihre Ankunft:„Bin hier und sende Erüßc." Ein Vergniigungsreisender strich das Gesehene auf dem Prospekt mit Bleistift durch. Rhcinterrasse, Wien, München, Japan waren für ihn„erledigt" im Haus-Vaterland: und in Wirklichkeit wär's ebenso gewesen. Fragen Sie Miß Raffke (U. S. A.) nach ihren europäischen Eindrücken! Napoleons Grab (Paris); Hab' ich gemacht(did it) Paris bei Nacht Hab' ich gc- macht...-Amah'i(sprich ämllfai) oli, yes, die Ort, wo ich habe meine Schirm stehen lassen!(Soll man Reifen wie Geschäfte ab- wickeln: 8750 Kilometer, 72 Sehenswürdigkeiten? Stein.) Wer sonst nichts erlebt, erlebt auch noch das Klima.„Erhole mich prächtig hier." Wohl denen, die sich erholen können, aber— wo? Ein Gebirgsbayer betrachtete entgeistert seine ihm auf der ratzekahlen Sandinsel an die Brust fliegende Badcwonnengattin.. hier erholt man sich??? Nachdem ihm die Nordsee feste um die Ohren geknallt, sah der Gebirgsbayer leidig akklimatisiert aus: wie eine Sächsin in Lederhosen, uff die Berche.„1?ovcra", sagte ich zu meiner lombardischen Wirtin(die Lungen noch voll Dolomiten- ozon):„Sie Arme verbringen den Sommer in dieser Fliegenstick- luft!"„?overo*, sagte sie:„Sie Armer, auf Ihren Felszacken da hinten möchte ich nicht angemalt sein."(Sie verstellen ihr die Aus- ficht und beklemmen ihren konservativ-lombardischen Busen: Berge.) Ich liebe die Nebel, namentlich die silbernen, alle harten Formen auslösenden der japanischen Jnlandsee geben mir ein unirdisch be- freites Gefühl, so als könnte man doch mit dem Kopf durch die Wand. Aber Miß Goldenhair winkte ab, sie fühlte nur: Schwind- such, Galopp.„Diese balsamische Niltalluft", seufzte ich und dachte an: weiße Flanellhosen in: Winter...„Diese verstaubten Fliegen- wedelpalmen", erwiderte meine Frau: sie dachte an das weiße Schweizer Wintersportmärchen mit ultravioletten Sonnenstrahlen. Nicht einmal Globetrotter wissen zuverlässig, wie sie auf das Klima von Fall zu Fall reagieren werden, namentlich dos unbekannte, und wann sie genug davon haben werden. Man kann es nicht malen und nicht mal filmen, das Klima: man kann es nur emp- fehlen, wie eine Speise, oder davon abraten. Bier Wachen aßen wir Tag für Tag den herrlichen, frischen, billigen Seelachs Van- couvers und sahen auf die regcntricfendcn, traurig-schönen Riesen- Douglas-Föhren hinaus. Dann hatten mir von beiden, genug und machten daß wir sortkamen.„Warum reisen Sic so schnell wieder ab?", hörte ich eine Schweizer thotelierin eine fremde Frau fragen: „wo ist es so schön wie bei uns?"„Bei uns", antwortete die irische Bäuerin. Es gibt auch Menschen, die hauptsächlich ihre Abreise erleben:— Heimwehmcnschen. Wer für nichts schwärmt, schwärmt dach für Naturschmcheit!— Ansichtspostkarten kommen mit vielen Ausrufen des Entzückens. Der europäische Städter stellt sich aus Sehnsucht nach den Tropen Kakteen und Orchideen ins Fenster. Aber ans Sehnsucht nach dem deutschen Walde zieht mancher Tropenpslanzcr einen Tannenzaun um seine Farm. Der donnernde Niagara und der Große Geyser sind Sehenswürdigkeiten und keine Lairdschaftsbilder: zcitbcgrenzt in ihrer Wirkung wie das javanische Sandmccr mit seinen vielen Napfkuchenbergen. Das Gewaltige wird auf die Dauer erschreckend oder langweilig. Aber auf einem ausrangierten Eisenbahnwagen- dach in die unermeßliche Prärie hinausblickend, hatte ich bei jedem Morgengrauen das für einen'Nachtwächter sehr erlebend« Gefühl, auf dem Kilimandscharo zu stehen. Alle Landschaft wiederholt sich. In einem Rausch des Entzückens— fährt man durch Japan, man- dert durch die Rockees: ist nicht ein Tag schöner als der andere! Plötzlich sehnten wir uns aus dem lieblichen, sauberen Japan in das immer unheimliche, schmutzige, unergründliche China, aus den Bergen zür Küste, warum? Es gibt einen Moment, der. Sättigung. und dann kynn man sich nur entweder eine.chütte bauen und zum Bleiben einrichten, oder man muß ziehen. Wohin? Der gelegentlich Reisende nach Hause und der Globetrotter irgendwohin. Der Globe- trotter erlebt beides: die Ankunft und die Abreise. Die Balance zwischen Ankunft und Abreise. Wer zu Hause nichts erlebt, erlebt fremde Menschen und Einrichtungen besonders intensiv aus Reisen:„das ist eine andere Welt hier". Die deutschlandmüden Deutschen schwärmen für das Ameri- kanertum. Die amerikamüden Amerikaner(die nicht in Paris hän- gen geblieben sind) für das Deutsche. Wir bezahlen teures Geld für Dauerwellen und die Negerinnen gäben ihr letztes Hemd dafür her, ihr Haar ein für allemal glatt zu kriegen. Wir führen die englischen Siedler-Einfamilienhäuser ein— und drüben ist's das Fashionabelste, in den neuen Apartementhäuscrn zu wohnen. Wie schmecken uns die Bananen, und was würden wir erst zu geeisten Papayas sagen und den übrigen untransportablen Tropenfrüchten — aber unter der sengenden Sonne: ach, Birnen, ach. Aepfel, ach, Erdbeeren! Bei uns ist der Teufel pechrabenschwarz und in China semmelblond— die Babies schreien auf, wenn so eine von den Blondinen sie anfaßt, die angeblich unsere Männer bevorzugen. Der Europäer, der vor lauter Menschen den Menschen nicht erlebt, erlebt auch die Einsamkeit.„Allein in Gottes ewiger Natur." Es ist ein erhabenes Gefühl, vom einsamen Ferner herabzublicken: aus Menschen und Wirtshäuser. Wie aber wenn sie überhaupt nicht da sind?... Ringsum niemand und nichts, keine Spur von«knem Menschen! Dann ist Einsamkeit keine Sensation, sondern ein Schrecknis. Wer ist stark genug, sie zu ertragen? Ich sah ein Mädchen aus dem menschenleeren Paradies des Reuseeländer Süd- westens ausrücken, trotz allem was man ihr dort auf einer Farm. versprach. Lieber wollte sie für geringes Entgelt im letzten Provinz- ncst arbeiten. Die Landflucht Australiens ist vielfach psychologischer Natur. Es gibt Menschen, deren Gemüt das Unermeßliche, das Grenzenlose und zugleich grenzlos Oede der Binnenlandschaft nicht oerträgt. Wer nicht reisen kann, erlebt auch noch Reiseabenteuer. Eine Samoanerin, die sich allen Informationen zum Trotz nicht von jedem dahergelaufenen Reisenden abknutschen läßt, versetzt ihm eine Back- pfeife— es kann dies auch ein Gänseliesel sein. Oder er glaubt sich von Kap bis Kairo der populärste Mann der Welt, er wird überall gefeiert, eingeladen, zurückgehalten: nur weil er eine junge weiße Frau mit sich führt— eine besondere Rarität in jenen Zonen. Ein Hai frißt ihn auf, weil er nicht weiß, wie er ihm durch einen Rippenstoß Manieren beibringt: ein beleidigte? Affe bombardiert ihn mit Kokosnüssen, weil er nicht versteht, wie man sich mit einem Assen auseinandersetzt. Die Fülle der Reiseerlebnisse ist ungeheuer- lich und beginnt schon im Spreewald:„Nein, was ich hier wieder alles erlebt habe."... Also viel Spaß: und nichts für ungut! Siygiene an heilen*Zagen Pünktlich mit den großen Ferien, die jetzt in verschiedenen Teilen Deutschlands beginnen, stellt sich auch hochsommerliche Wärme ein, freudig begrüßt von all denen, die Urlaub und Ferien lern der Stadt verleben können. Aber die Sonne verschenkt ihre Wohltaten nicht ohne unangenehme Dreingaben— das ist eine Erfahrung, die immer wieder außer acht gelassen wird, und nicht nur von denen, die jetzt in den glühenden Asphaltwüsten ihrer Tagcsarbeit nachgehen müssen! Die Erscheinungen des Hitzschlags und des Sonnenstichs, die hauptsächlich durch unzweckmäßige.Kleidung hervorgerufen werden, sind bekannt genug: erfreulicherweise ist in den letzten Jahren mit dem Vordringen der Sport- und.Körperkulturbcwcgung die Einsicht in diese Zusammenhänge gewachsen, und man sieht im Sommer nicht mehr so viel unzweckmäßig gekleidete Menschen wie früher. Das weibliche Geschlecht ist auf diesem Gebiet schon längst mit gutem Beispiel vorangegangen, aber auch unter den Männern ist eine Ab- kehr van der starren, unveräirdcrlichep Mode zu bemerken. Es ist auch höchste Zeit: denn die Männerklcidung hat geradezu zu einer Verweichlichung des ganzen Organismus geführt, die den Körper unfähig macht, sich der schädlichen Wirkungen zu erwehren, mit denen intensive Sonnenbestrahlung verbunden sein kann. Wer seine Ferien in ländlicher Zurückgezogenheit, am Dieeres- strand oder in der Einsamkeit des Hochgebirges verbringt, Iwt den begreiflichen Wunsch, sich einmal richtig als freier Mensch zu fühlen, losgelöst nicht nur von den Sargen des Alltags, sondern auch von den Fesseln der Konvention, zu der ja auch die Kleidung gehört. Da führt nun der Ucberschwang paradiesischen Lebcnsgefühls leicht zu ernsten Schädigungen. Die ultravioletten Strahlen, wie man die kurzwelligen und unsichtbaren Teile nennt, die im Sonnenspektruni jenseits der violetten Strahlen liegen, führen oft zu schweren Verbrennungen der Haut. Besonders im Gebirge, wo die Luft staub- und wasserfrei ist, kommt es leicht zu Erkrankungen an Hautbrand, der dort Gletscherbrand heißt. Der Sonnenbrand kann auch die Augcnbindehaut befallen und erzeugt dann die Schneeblindheit, die im Gebirge ungleich häufiger ist als im Flachland. In der Ebene enthält die Lu�t oreist hinreichend viel Beständteile, durch welche die Ultravioletten Strahlen, ausgesaugt werden, und der gesunde Organis- mus schützt sich selbst, indem sich seine Haut bräunt und so den Strahlen der Zugang verwehrt wird. Trotzdem muß eine vernünftige Hautpflege betrieben werden, will man unangenehme Begleit- erscheinungen vermeiden, von ernsteren Schädigungen einmal ganz Q. Slicklin: 3>er fßruder des Tolkskommiffars Es ist noch früh am Tage. Denn es ist ja erst gegen 11 Uhr. Die Abtellungsleiter haben ihren Dienst noch nicht angetreten. Auch nicht deren Stellvertreter. Die Tippfräulein widmen sich noch eifrig dem Pudern ihrer Nasen. Um diese Zeit betritt ein solider junger Mensch das Büro de? soliden Behörde. Der junge Mensch hüstelt leicht bescheiden, ordnet seine Krawatte, nähert sich dem Platze, wo unter dem Bilde Lenins sich aus dem Sportanzug im tiefen Klubsessel der kurz rasierte Kopf des Sekretärs erhebt. Noch einmal hüstelt der junge Mensch. Ordnet aufs neue die Krawatte, lächelt angenehm und bittet den Sekretär, ihn dem Norsitzenden der Abteilung zu melden. Langsam versinkt die Hand des Sekretärs in der Tasche des Rockes und holt ein hölzernes Zigarettenetui hervor. Die andere Hand öffnet das Etui, entnimmt ihm«ine Zigarette und stößt drei- mal das Mundstück auf den Tisch. Schon steckt die Zigarette zwischen den Lippen des Sekretärs. Er entzündet ein Streichholz, es knickt ein und fliegt in den Papierkorb unter dem Tisch. Ein neues Streichhol; flammt auf in grünlichem Licht. Der Sekretär runzelt die Stirn, er bringt die flache Hand vor die Nase. Langsam wird das grünliche Flämmchen zur hellen Flamme. Der Sekretär raucht an, bläst ringelnden Rauch in die Lust, gcradeswegs gegen das weiße Plakat mit der Inschrift:„Verantwortlicher Sekretär". Zum dritten Male hüstelt der Besucher. Der Sekretär hört es nicht. Denn der'Sekretär ist ja beschäftigt. Der Sekretär lzat keine Zeit, sich mit jeden, Besucher abzugeben. Der Besucher lächelt herablassend uno beginnt: Er sei kein ge- wohnlicher Bittsteller. Er sei eigens aus Moskau abkommandiert, um in dieser selben Behörde«inen verantwortlichen Posten zu besetzen. Und ganz schlicht fügt er hinzu, er sei auch kein gewöhn- licher Sowjetbcamter, sondern der Bruder des Boltskommifsars— er nennt«inen Namen.— Der Name macht den Sekretär auf- springen. Mehr tot als lebendig. Bor lauter Schreck stellt er gleich zwei Stühle vor den Bruder des Volkskommissars hin. Vergessen ist mit einem Male Rang und Würde der eigenen Person. Im Gefühle der Nichtigkeit seines zwölften Ranges vor dieser wichtigen Persönlichkeit schwitzt er. erregt sich, beginnt von Schwierigkeiten der Arbeit in der Provinz zu reden, legt ein noch unvollendetes strenges Zirkular mit fünfstelliger Nummer vor, das sämtliche Angestellten verpflichtet, pünkllich um 10 Uhr im Amt zu sein. Wenig« Augenblicke später bittet er die wichtige Persönlichkeit ins Kabinett des Vorsitzenden, schließt das Fenster, damit es nicht zieht und legt den Geschäftsgang bar. Panischer Schreck ergreift sämtliche Büroangestellte. Der Bruder eines Kommissars! Man holt den Vorsitzenden. Die Kuriere rasen durch alle Räume. Die Besucher werden abgewiesen: man hat im Augenblick wichtigeres zu tun. Endlich erschnnt der Vorsitzende, stellt sich dem Gast vor. Ausführlich klärt dieser ihn über den Zweck seiner An- kunft auf und berichtet zum Schlüsse, er l>abe unterwegs sein Taschenbuch mit allen Papieren— einschließlich des Geldes— verloren. Der Vorsitzende drückt aus aller Kraft auf die elektrische Klingel. Der Sekretär erscheint, der vom Zentrum beorderte Genosse ist ins Amt einzusetzen, das beste Zimmer im Hotel ist ihm zur Versügung zu stellen und Pferde. Ein Vorschuß auf das Gehalt ist zu gewähren, neue Ausweispapier« vorzubereiten. Ihm zu Ehren ist ein Bankett zu veranstalten. In kürzester Zeit ist alles besorgt. Irgend jemand wird ent- lassen, die frei gewordene Stelle dem Ankömmling aus der Stadt zugewiesen. Aus zwei Behörden kommen die jungen Damen gelaufen, um den Abgesandten der Hauptstadt— den Bruder des Kommissars— in Augenschein zur nehmen. Sie drücken ihm offen ihre Bewun- denmg aus: „Dort bei Ihnen wird vorzüglich gearbeitet. Bei uns ober sieht es traurig aus. Nichts als Ein- und Ausgänge". Der neue Vorgesetzte erwirbt sich bald die Sympathie sämtlicher Mitarbeiter durch äußerste Höflichkeit, zuvorkommendes Wesen, wunderbare Schlichtheit des Entgegenkommens. Das Mißgeschick. dos den Bruder des Kommissars unterwegs betroffen hat, wird oll- gemein bekannt— man überbietet einander an Bereitwilligkeit, sein Geld zu verborgen. Es dauert nicht lang« und der neu« Mitarbeiter ist mit seiner Arbeit verwachsen. Nun macht er d«m Vorsitzenden einen Vorschlag: „Schauen Sie mal...... wir müssen näher an die Massen heran..... wir müss«n wissen, was unten vor sich geht..... ich beabsichtige eine Fahrt durch die Provinz zu unternehmen". Schleunigst trifft der Vorsitzende die Verordnung: eine Fahr- karte ist zu besorgen. Pserde. Ein Vorschuß ist anzusetzen. So geht der Bruder des Volkskommissars auf Amtsreisen. Eine Woche vergeht, eine zweite— der neue Mitarbeiter läßt nichts von sich hören. Schon ist eine dritte Woche um, eine vierte. Da entschließt man sich zu einer telegraphischen Anfrage in Moskau. Die Antwort lautet: Aus dem Zentrum ist niemand an die vom Vorsitzenden genannt« Institution abkommandiert worden und der genannte Volkskommissar hat nie einen Bruder besessen. Eine Phantasie nach Gogol? Oh! Nein! Eine Schilderung nach den Akten der Arbeiter- und Bauerninspektion von Hömel. Uefcrtrage» gas te» Knföchat gnt 6af 4« Sios««thol. abgesehen, zu denen sich der Sonnenbrand ja auch steigern kann. Viele glaube», alles getan zu haben, wenn sie die Haut, bevor sie sie der Sonne aussetzen, mit einer Creme behandeln. Aber eine vernünftige Hautpflege kann darin nicht ihr Genüge finden. Unzweckmäßige Be- Handlung mit Creme und Puder erreicht vielmehr den gegenteiligen Zweck, denn sie verstopft die Poren der Haut— und gerade das Gegenteil ist notwendig. Die Poren müssen geöffnet, die Haut ge- reinigt und durchblutet werden, wenn der Körper instandgesetzt werden soll, die Pigmente zu bilden, die einen so wirksamen Schutz gegen die Sonnenstrahlung bieten. Am zweckmäßigsten ist es, den Körper longsam an die Bestrahlung durch die Sonne zu gewöhnen. Auf diese Weise wird man sich am besten gegen Verbrennung wie auch gegen Nervenstörungen und mehr oder weniger schwere Lüh- mungen schützen, die>nit einer zu starken Bestrahlung verbunden sein können. An der See bietet die Kleidung kein Problem: anders ist es auf Wanderungen. Wie wichtig zweckmäßige Kleidung ist, beweisen die Erfahrungen, die der Sportarzt macht. Trotz der großen Anstren- gungen, die der Sportsmann auch im Sommer auf sich nimmt, gc- hört der Hitzschlag dort zur Seltenheit. Die leichte Sportkleidung macht eine Wärmestauung bei den bekannteren Sportarten, beim Rudern, Laufen, Fußball und Schwimnien fast unmöglich. Dagegen kann der Körper übertriebenen Ansprüchen gegenüber leicht versagen. lind das ist hauptsächlich bei Radscrnsahrtcn oder allzu ausgedehnten Märschen der Fall. Begreiflich, daß ein Mensch, der elf Monate des Jahres im Bureau sitzt, nun in den vier Wochen feines Urlaubs alles nachholen möchte. Auch bei Fußwanderungen heißt es, Geduld üben, sich erst langsam an die veränderten Bedingungen gewöhnen: vor allem richtig angezogen sein und unterwegs bei der Rast das richtig« Maß bei Speise und Trank beobachten! Die sommerliche Ernährung ist überhaupt eine der desährlichsten Klippen. Was man essen fall, und was man nicht essen darf, ist noch immer nicht hinlänglich genug bekannt, und wenn es doch der Fall ist, so ist es nicht immer leicht, nach den Geboten sommerlicher Hygiene zu handeln. Der Vorzug gebührt ohne Frage der gemisch- tcn Kost: sie ist für den Körper am zuträglichsten. Das Eiweiß- bedürfnis wird durch Eier, Milch und Milchspeisen sowie Fleisch — aber unter Beobachtung der nötigen Vorsicht!— befriedigt, wahrend Gemüse, Salate und vor allem das reichlich vorhandene Obst den Bedarf an Mineralsalzen deckt. Frisches Obst soll den Haupt- bestandtcil des Speisezettels an heißen Tagen bilden: es leistet auch die besten Dienste gegen den Durst, der auch durch kalten Kaffee oder kalten Tee am wirksamsten gelöscht wird. Alkohol ist, vor allem auf der Wanderung, unter allen Umständen zu vermeiden, soll dem Körper kein Schaden zugefügt und seine Widerstandsfähigkeit gegen die Hitze nicht herabgemindert werden. Am gefährdetsten sind im Sommer die Kinder,, vor allem die Säuglinge, und mancher Sommeraufenthalt wird den Teilnehmern dadurch verleidet. Die Lzitzc wirkt bei den Kleinsten weniger auf das Hirn als aus den Darm. Der„Sommergipfel" ist die für die Säuglinge gefährlichste Zeit, in der die Säuglingssterblichkeit größer ist als während einer anderen Zeit des Jahres. Hier handelt es sich meist um Wärmestauungen infolge mangelnden Luftzuges und zu warmer Packungen. Die 5)igestauung bewirkt ein übermäßiges Wuchern der Darmbakterien. Diese Darmbakterien treten ganz ver- schiedenartig auf. oft gefährlicher, oft harmloser, manchmal epide- misch. Der Säugling erkrankt am Sommerbrechdurchsall und Krämpfen. Natürlich genährte Kinder sind vor Erkrankungen in heißen Sommerwochen geschützter als die Flaschenkinder. Besorgte Mütter neigen dazu, die Kinder zu warm einzupacken. Federbette», Steppdecken und dergleichen stellen eine unerträgliche Belastung des Kindes dar, dxm ein Hemdchen vollauf genügen würde. Noch besser ist es. das Kind nackt liegen zu lassen, an einen kühlen, luftigen Ort zu bringen und es öfter kühl abzuwaschen. Wenn es Durst hat, gebe man ihm abgekochtes kühles Wasser oder dünnen Tee. Brcch- durchfall bei Säuglingen ist meist auf Uebersättigung oder Ueber- hitzung zurückzuführen. ZNeerwunder auf deutscher Erde. Daß es in einer schönen deut- schen Landschaft Naturdenkmäler gibt, die aus dem Meere stammen, wird von Dr. B. Dohm in der Leipziger„Illustrierten Zeitung" hervorgehoben. In dem Labyrinth von Höhen und Tälern, Sümpfen und Heiden. Baialtkcgeln und Wäldern versteckt, ragen in der Eisel Korallenriffe aus, das schönste bei dem kleinen Luftkurort Gerolstein. Bor Hunderten von Iahrnnllionen bauten Tierchen diese Forma- tionen aus, als sich dort, wo heute Rhein und Mosel sließen, noch die warmen Wogen des Ozeans verbreiteten. Dem Meere entzogen die Tierchen, die Korallen, den Kalk für ihre Stöcke, durchwuchsen den Sand und Schlamm, den die Wellen über sie spülten, und bauten ihre Kolonien so immer höher empor, bis das Meer verebbte und allmählich fruchtbares Land an seiner Stelle sich dehnte. So blieben im Gestein der Felswände baumstammähnliche Strukturen zurück. die als klotzige Gebilde, seltsamen Köpfen gleich, aus dem Kalk der Berge herauswittern. Nur am Rande des ehemaligen Riffes liegen noch heute aus den Aeckern und an den Wiesenrainen diese Korallen- stocke unversehrt neben Muscheln und Schneckenschalen und künden von dem urkernen Meer, das einst hier wogte. Die erste Uhr. die ein richtiges Uhrwerk aufwies, ist um das Jahr 1000 von einem französischen Mönch mit Namen Geroert er- sunden worden: bis dahin kannte man nur Sonnenuhren. Verantwortlich für Politik: Birtor Schill: Wirtlchalt:. Slockc: sämtl ich in Berlin. Verla«: Vorwiirts-Verlaa G in. b. S.. Verlin. Druck: Vorwirrts-Buchdruckeret und Verlazsanftalt Paul Linacr u. Co.. Berlin SS SS, Lindenfttaäe 1, Kieez» 3 Scitaar u und.Zrazeustimmr". Bedenkliche Situation. HOOM* Zugführer Hoover:„Herr Briand, sehen Sie sich vor, daß Sie den Anschluß nicht verpassen�. Die Schuld der Kommunisten. Organisierte Angriffe gegen die Polizei.— Die Folgen des Mordes. Die verlogenen Ausreden der kommunistischen Provoka- teure, die den Mord an dem Schupobeamten Kuhfeld auf dem Gewissen haben, vermögen die Schuld der Kommunisti- schen Partei nicht zu verdecken. Die Zentrale der Kommu- nistischen Partei verleugnet jetzt die Demonstration in der Frankfurter Allee, aber diese Verleugnung ist nicht das Papier wert, auf das sie gedruckt ist!' Die Polizei hat den kommunistischen Provokateuren der letzten Tage gegenüber große Langmut bewiesem Die Polizeibeamten, die in der Frankfurter Allee eingesetzt wurden, haben sich gegen das Steinbombardcment und die gegen sie abgefeuerten Revolverschüsse nicht mit der Schußwaffe zur Wehr gesetzt. Sie haben lediglich Schreckschüsse abgefeuert. Keiner der Demonstranten ist verwundet worden. Die dumme Lüge der kommunistischen Presse, daß Kuhfeld von seinen Kameraden erschossen worden sei, richtet sich demnach von selbst. Die kommunistischen Angriffe gegen Polizcibeamte er- folgen planmäßig. Den preußischen Behörden sind in letzter Zeit wiederholt Rundschreiben kommunistischer Parteirrrgantsalionen in die Hände gefallen, die für die Aktmität der Kommunisten auf dem Gebiet« der Bor- bereitung zu Gewalttätigkeiten außerovdentlich aufschluß- reich sind. In diesem Rundschreiben sind genaue Vor- schriften über die Taktik bei der Durchführung von Demonstrationen enthalten. In einem der Rundschreiben heißt es, daß derartige Kundgebungen die Arbeiterschaft an den Kampf mit den staatlichen Machtorganen gewöhnen. Die einzelnen Arten der Demonstrationen werden je nach Lage der Dinge genau voneinander unter- schieden. Angesichts dieser Tatsachen wird aus dem preußischen Innenministerium darauf verwiesen, daß die Schupobeamten in Zukunft nicht nur dqs Recht, sondern auch die Pflicht haben, sich mit der Schußwaffe ihrer Haut zu wehren, wenn sie angegriffen werden. Oer Mord an Kuhseld. Verechttgte Forderungen des Zleichsbundes Deutscher Polizeibeamten. Der Reichsbund Deutscher Polizeibeamten wendet sich mit folgender Erklärung an die Oeffentlichkeit: „Im Lauf« weniger Tage sind zwei Berliner Polizei- b e a m t e des Bereitschaflsdienstes von ruchloser Hand gemordet worden. In Erfüllung ihrer Dienstpflichten für Aufrecht erhaltunz von Ruhe und Ordnung und zur Sicherung des republikanischen Staates setzen die Polfzeibeamten täglich Gesundheit und Leben aufs Spiel. Bei allem Verständnis, das die Polizei- beamtenschaft der Notlage und der Derzweiflungsstimmung weiter Volkskrcife entgegenbringt, muß sie ihren tiefsten Abscheu gegenüber jenen unverantwortlichen politischen Quertreibern zum Ausdruck bringen, die nunmehr seit Wochen eine wüste Hetze gegen die Polizei betreiben und die daher die wirkliche Schuld an den zu beklagenden Todesopfern trifft. Die Mitglieder des Reichsbundes Deutscher Polizeibeamten oer- wahren sich dagegen, daß unter dem Deckmantel einer sogenannten politischen Arbeiterbewegung die in Not befindlichen Teile der Be» Hälterung verhetzt und gegen die an dieser Not unverschuldeten Polizeibeamten mobil gemacht werden. Sie selbst müssen trotz ihrer kümmerlichen Existenzbedingungen neue und schwere Opfer bringen. Die Mitglieder des Rcichsbundes Deutscher Polizeibeamten haben durch ihre Zugehörigkeit zur freigcwerkschastlichen Beamten- bewegung wiederholt ihre Solidarität mit den Massen des Volkes, der Arbeiter und Angestellten, bewiesen. Sie zählen sich zu den treue st en Dienern des republikanischen Volks- staates. Diese ihre Einstellung gibt ihnen das Recht, mit ollem Nachdruck zu verlangen, daß dem überhandnehmenden unverantwort- lichen Treiben politischer Drahtzieher ein Ende gemacht wird. Wir erwarten daher von allen Länderrcgierungen, daß sie sosort die erforderlichen Vorkehrungen treffen." bedrohen, entstehen in einer schon veränderten Situation. Die Reichsregierung ändert« ihre starre Haltung nur wenig in den allerletzten Stunden, indem sie sofortige Berhandlungen und Milderungen in der Ausführung der Notoerordnung zusagte. Eine verantwortungsvolle Regierung hätte die Pflicht gehabt, eine solch überaus fcharse Zuspitzung des Konflikts— die unverantwortliche Haltung der Deutschen Bolkspartei soll dabei allerdings nicht ver- gessen bleiben— zu vermeiden. Der Demissionsbeschluß war ein Hasardspiel und keine verantwortungsbewußte Regicruugshandlung. Aber gerade dies bedeutet für die Zukunft, daß jchl die ganze Deranlworkung für die weitere Eulwicklung der politischen Situation auf der Regierung und nur auf der Regierung laslel. Sie muß wissen und es als sicheren Jaklor in ihre politische Rechnung einstellen, daß sie eine solche Situation nicht noch einmal herbeiführen darf, ohne die Schuld für alle Folgen auf sich und auf sich allein zu laden. Die Sozialdemokratie Hot die Regierung Brüning unter den schwersten Opfern toleriert. Wir haben eine Regierung toleriert, in der das Zentrum die politische Hauptverantwortung trägt, und von der wir erwarten konnten, daß in ihr das Zentrum gegen den Abbau der Sozialpolitik wenigstens einigen Widerstand leisten und den Weg nach rechts hemmen werde. Wir haben aber kein Interesse daran, aus der Regierung Brüning eine Diktatur Dingeldey. seiner Hintermänner und der dann bereitstehenden Nachfolger werden zu lassen. Die Regierung darf nicht mehr Konzesstonen an die Sozialreaktionäre und an die Feinde der Demokratie machen, auch nicht auf die Gefahr, von rechts gestürzt zu werden. Tut sie es doch. so liegt die Verantwortung klar und sie liegt nicht bei der Sozial- demokratie. Dann fällt Brüning, dann fällt das Zentrum auf der reaktionären Front. Die Sozialdemokratie ist jetzt frei in den künftigen Entscheidungen. Die politische Krise ist auch nach dem Beschluß der Reichstags- iraktion nicht behoben, all die Elemente, die sie bedingen, bleiben bestehen. Der Kampf um die Notoerordnung muß fortgeführt werden und wieder wird die Entscheidung bei der Regierung liegen, sie wird wählen müssen, welchen Felnd sie sich sucht. Wir haben jeder schwer um die schwerste Entscheidung gerungen. Wir glauben, wir hassen, die große Mehrheit der Fraktion hat richtig gewählt. Wir dürfen uns, wir dürfen den Massen sagen, daß wir uns in absehbar Schlimmes geschickt, um unabsehbar Schlimmeres zu vermeiden. Und wir dürfen trotz alledem vertrauen, daß wir verstanden werden. Wenn es in der Trostlosigkeit seit dem 11 September einen Lichtblick, eine Gewähr für die Zukunft ge- geben hat, so war e- doch dies: die Massen haben verstanden, was der Kampf um die Demokratie be- deutet. Trotz aller Prüfungen haben sie in bewunderswertem Idealismus das politische Ziel vor alles andere gesetzt. Wir haben unsere Geschlossenheit und Stoßkraft gestärkt, wir haben unsere Organisation gekräftigt, mit neuem Leben erfüllt. Und jetzt erst recht! Der Kampf gegen die Rolverordaung ist zugleich Kampf gegen den Faschismus und für die Demokratie. Er kann nicht im Parlament des Faschismus geführt werden, er kann nur geführt werden in den Massen selbst, in ihrer Aktivierung. in ihrer Gewinnung für die Partei und die Gewerkschaften. Die einen von uns fürchteten die Erschwerung dieses Kampfes durch die Tolerierung der Regierung, die anderen feine Erschwerung durch den Regierungssturz. Aber oll die Befürchtungen, wir werfen sie setzt hinter uns und so dunkel der neue Tag anbricht, er ruft uns alle vereint und geschlossen zum neuen Kamps! präionanerwache verschwiudei. Anifonnposten am Hitler-Polais verboten. München. 1. Juli.(Eigenbericht.) Die Münchener Polizeidirektion hat endlich den schändlichen Unfug der uniformierten Bewachung des Hitler- Palais, der als eine fortgesetzte dreiste Herausforderung der Oeffentlichkeit und der Staatsgewalt empfunden wurde, mit sofor- tigcr Wirkung verboten. Das Verbot wurde auf Grund des Z 8 der Notoerordnung des Reichspräsidenten zur Bekämpfung polt- lifchcr Ausschreitungen erlassen und untersagt grundsätzlich das Tra- gen einheitlicher Kleidung und der Abzeichen von politischen Ver- einigungen für Wach- und Ehrenposten aller Art. Außerdem wurde die Beteiligung politisch Uniformierter an den täglich veranstalte- ten Standmusilen im Ortsbrnich München sowie das Trogen von Abzeichen verboten. Die Münchener Universität ist immer noch g e s ch l o s- s c n. Die gegen die nationalsozialistischen Studenten«meeleitete Untersuchung ist noch nicht abgeschlossen, so daß das Kultusministerium noch keine Entscheidungen zu der Sache getroffen hat. Da die groß« Mehrheit der Studentenschaft die unerhörten Skandalszcnen der Hakenkreuzler ans das entschiedenste verurteilt und den Auaschreitungen fernsteht, fall die Universität in einigen Tagen wieder geöffnet werden. Inzwischen verbot die Polizei- direktion München ein« ösfciülich« Versammlung der Hakenkreuz- studenten, in der die Hetzavbeit der akademischen Hitler-Agitatoren fortgesetzt werden sollte. Um die Regierung zu einer öffentlichen Stellungnahme zu den Nazihetzereien in der Universität zu Zwingen, hat die sozial- demokratisch« Fraktion im Bayerischen Landtag eine Anfrage eingebracht, in der es heißt:„Wie lange gedenkt das Gesamtministe- rium als oberste Aufsichtsbehörde der seit Iahren betriebenen Verhetzung der studentischen Jugend durch die nationalsozialisiischz Propaganda noch untätig zuzusehen? Ist sie endlich bereit, zum Schutze des Lehr- und Lerirdetricbs an� den bayerischen Hochschulen und zur Erhaltung ihres kulturellen Rufes rücksichtslos durch, zugreifen?" Versammlungssprenger vor Gerichi. 6 Monate Gefängnis für(SA.-Friseur. Köln, 1. Juli.(Eigenbericht.) Das Schöjfengericht Köln verurteilte am Mittwoch den Führer einer Nazi-Sturmkolonnc namens Winkelkemper'zu 6 M v- naten Gefängnis. Fünf Nationalsozialisten, die mit Winkel- kemper zugleich vor Gericht standen, wurden freigesprochen. Die Angeklagten hatten im März in einem Borort van Köln eine Zentrumsversammlung gesprengt und bei dieser Gelegenheit ein Muttergottesbild zerstört. Mehrere Personen, dar- unter der Zentrumsredner, wurden erheblich verletzt. Die An- geklagten behaupteten vor Gericht, von den Zentrumsleuten gereizt und zum Teil auch angegriffen worden zu fein. Dagegen sagten die Zeugen mit Ausnahme der geladenen Nationalsozialisten über- einstimmend aus, daß Winkelkcmper der Haupttötcr war. Verfaffungsfeier �93-1. Äcfchluß des preußischen Staatsministeriums. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, hat das preußische Staatsministerium beschlossen, den diesjährigen Per- fasfungstag wie in den vergangenen Iahren zu feiern. Er soll im geistigen Zeichen des Frei Herrn vom Stein stehen, dessen Todestag sich am 29. Juni zum 19t). Male gejährt hat. Die Ber- iassungsfeiern sind deshalb unter Ausrechterhaltung ihres Charakters hei Beobachtung der durch die allgemeine Wirtschaftslage gebotenen Sparsamkeit in dem Sinne auszugestalten, daß sie zugleich dem Werk und den schöpferischen Ideen des großen Staatsmannes und deren Berbundenheit mit der deutschen Gegenwart gelten. Ferner werden durch Beschluß des preußischen Staatsministe- riums folgende Anordnungen getroffen: Die Beslaggung öffentlicher Gebäude erfolgt nach den Bestirn- mungen der Verordnung über das öffentlich Flaggen. An allen Orlen, wo mehrere Spitzcnbehörden vorhanden sind, sollen möglichst gemeinsame Feiern vorbereitet werden. Zu den Feiern sind Vertreter aller Kreise der Bevölkerung heranzuziehen. Sämtliche Staatsbeamte, die staatlichen Angestellten und Lohn- cmpfängcr sowie die Vertretungen der Selbstverwaltungskörper sind durch die Vorstände der Behörden zu den Festakten einzuladen. Von den Staatsbeamten wird envartet, daß sie sich an den Fest- akten beteiligen. Empfohlen wird ferner, außerhalb der amtlichen Verfassungs- feicr durch Anregung geeigneter- Veranstaltungen in der' Bevölke- rung für eine möglichst volkstümliche Feier des Verfassungs- tages Sorge zu tragen. Hierfür kommen insbesondere auch Spiel- und sportliche Veranstaltungen aller Art in Betrocht, soweit sie nicht bereits in Aussicht genommen sind. Preußen und die Landergesaudten. Aufrällmung mit vorsintflutlichen Zuständen. Ministerpräsident Otto Braun hat vor ungefähr einer Woche denjenigen deutschen Ländern, die nach Gesandte bei Preußen unterhalten, mitgeteilt, daß es nach der Beieitigung der preußischen Gesandtschaft in München scheine, als ob dieses System jetzt endgültig überlebt sei. Es ist damit zu rechnen, daß die völlige Beseitigung dieser Einrichtung nicht mehr lange auf sich warten lassen wird. Vor dem Kriege waren alle ausländischen sowie die inner- deutschen Gesandten nicht beim Reich, sondern beim König von Preußen akkreditiert. Nach der Rcnolution änderte sich das. Lediglich die deutschen Länder unterhielten auch weiterhin bei Preußen Gesandte. Bis zur gestern erfolgten Abberufung des bayerischen Gesandten von Prcgcr aus Preußen unterhielten nicht weniger als zwölf Länder bei Preußen Gesandte. Braunschweig und Anhalt sind durch einen gemeinsamen Gesandten vertreten. Neben Bayern hat zur Zeit lediglich Thüringen keinen eigenen Gesandten mehr in Berlin. Preußen selbst hat keinen einzigen Gesandten mehr bei den Ländern. Fatales Eingeständnis. Goebbels und der militärische Zusammenbruch. In Goebbels„Angriff" vom Mittwoäz findet sich eine Abhand- lang über den Nazigeneral L i tz m a n n, einem der wildesten Hetzer im Hitlerlager. Nach eingehender Lebensbeschreibung und Aufzählung der kriege- rischcn Toten des Generals wird ausgesührt, daß Litzmann im August 1918 den Kaiser aus Gesundheitsgründen um Ablösung gc- beten habe. In dem Artikel heißt es dann wörtlich weiter: „So war es ihm erspart, den Zusammenbruch des milikä rifchen Wider siandes an Ort und Stelle zu er- leben." Da schlag doch der Deubcl drcinl Die ganze D o l ch st o ß- legende geht ja hier zu Bruch. Wozu lzat sich eigentlich der alte Litzmann in Dutzenden von Noziversammlungen bei der Darstellung der.Erdolchung des siegreichen Heeres" und„des roten Verrats" heiser geredet, wenn ihm in Goebbels„Angriff" schwarz auf weiß bescheinigt wird, daß er in Frankreich nur mit knapper Mühe und Not dem.militärischen Zusammenbruch an Ort und Stelle" cnt- gongen sei. Vorkaut soweit Vorratl Mengenabgabe vorbehalten 1 MorsenröcKe«nnl(Badetrikots n qM 1 Opanken Stfl�k JU|.°t» QaalitAt�n............... Bttct ll> J J g beliebte 6omme15 der leichte nnd Som tp er schab........ Paar Damen-Kleider gate bedracbte waschbare Qualitit, iv grossen Weiten............. Sttlck Domen-iifintel ans gaten Wollstoffen, ganz ge- fflttert..................... Stück ttrandonziise» i onl Herren-Iiaiascfiunc ,„ schwarz and brann Poxcalf. Original- fesche Pormen................ Stück � i w W g Goodyear- Welt................ Paar Damen-Schliipler Kunstseide, feinm aschige Qualität, modernes Farbsortiment..... 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WILLIAMS LEE GAIL- ENSEMBLE 3Wtilrtwl»iiu«. pi/ Aza Die große REVUE Da* Brasilümisc Kaleidoskop TEgl. Su. Bul tto.2,Su.Su| Rose-Garten Wodicntags S.30 Uhr Sonntags 5 Uhr uroßcs Konzert und 8 inier nationale Varieidnummcrn und Operelte: ..Der Hutmacher sr. Durchlaucht" Vom S. bis 8. Juli: Das iradiiioneiie Rosentest mit Lotte UierKmetster ROSE iiiniin; Wochentags 8.15 Uhr Sonntags 5.45 Uhr 9 Uhr Am 29. Juni, abends 8 Uhr. n«?» starb nach kurzem schwerem Leiben mein lieber guter Mann. Schwager und Onkel, der(hasuyirt Wilhelm Rcddlnä int Alter von 61 Iahren. Die» zeigt tiefbetrübt an Marie Rcckling geh. Hamm and Verwandte. D erlin O 34, Tilfiter Straße 77. Die Kwiischerunz findet am Sonn- abend, dem 4. Juli, 16 Uhr. im Krematorium Baumschulenweg, Kirf» Holzstraße, statt. VoUuvwute Tluatir in BOInriilil!. 8 Uhr Lumpazivagabundus Deotidiei Theater 8 Uhr Der Hauplraann von Köpenlik * Carl Zuckmayer Regit: Hiinz Hilpert Komischa Oper Fricdricbstr. 104 8'h Uhr 'Frauen haben das gern... Muslkal. Schwank von Arnold Musik t. Walt. Kollo Sammerpr. 0�0- 7.00 rerpugungi Resfairaut Berlins Reichshallen-Theater Anfang|*| Uhr Stettiner Sänger Zum Schluß „Alles verrückt!" Carl de Vogt in „DerHerrmltdem Fragezeichen" laslsplol von MOllei and lorom mit Hermine Sierler Maria West. Armi" Schweizer, Fred Goabel u. a Regie: Paul Rom i'reise: OJO M bis iZK) M dl. tranktnrlBI SU. 102. U-Bahn Strausberger Platz, fttägiget Vorverkauf II— 1 u- 4— 9 Uhr Tel. Bestell. E 7 Weichsel 342? Die Komüdie Täglich 8'/; Uhr Dienst am Kunden *oo Du! Bo'is inil Mn Hansell Regie: Hans Dcppe Karlflrslenilamm- Thester Bismarck 449 |8V�lJhiJ Die schöne Helena von lacqoes OtleotiatD Boflln: Msz Oeinlianli nietropoiTheaier Täglich 89. Uhr Die Toni aus Wien Mady Christians. Michael Bohnen DeuMier Metallarbeiter-VeM Verwalhmg.stelle Berlin Todesanzeigen MitalledeTn zur Rächricht. dah unjer Kollege, der Lchlosssr Franz Spring am 27. Juni gestorben ist. Die Einäscherung findet am 2. Juli ISV, Uhr, im Krematorium Baum- schulenweg, Kiesholzstraße, statt. Am 80. Juni starb unser Kollege, der Gürtler Wilh. Käthner geb. 15 April 1886. Die Einäscherung findet am Sonn- abend, dem 4. Juli, 17 Uhr, im Kre- matorium Baumschulenweg, Kiefholz» st ratze, statt. Ehre ihrem Andenken! Rege Beteiligung wird erwartet. Die OrtsTerwalhmg. »MUMdM-W« Terwailundsmlldlieder! Freitag, den 1. Juli, keine Sitzung der Mittleren Verwaltung. via OrtjTcrwaltnn g. Danksagung. Süt Tetlna lieben annes und Baters Marl Grofhe sage ich allen Lerwandten und kannten sowie den Genosten 94. Adteiluna, den Sameraden gemeinen Örtskranlenkaste insbesondere auch dem des DeMIGen Fretdenter»Be herzlichen Dank. Berlin-NenkSlln, Okerstraße 20. Bekanntmachung. Die in der Zeit i. Januar bis 31 1930 nersetzlen Pfände versteigert worden. lieber- schüsse sind bis zum 2. Januar 1932 abzuheben. Staatliches Leihami. VICTORIA zu BERLIN ALLGEMEINE VE RSICHERUNOS-ACT1EN-OESELL SCHAFT Bilanz für da* Gesd>ää*Jahr 1980 Aktiva Forderungen an die Aktionäre für noch nicht eingezahltes Aktienkapital Grundbesitz........... Hypotheken........... Wertpapiere........... Darlehen an Versicherte..... Beteiligungen an anderen Versicherungsunternehmungen.. Outhaben bei Banken u. a..... Außenstände bei Agenten..... Teilprämien, fällig 1931...... Rückständige Zinsen und Mieten. Bare Kasse und Postscheckguthaben Aufwertnngsfonds........ Sonstiges..........■■■ Reichsmark 20.827-396 114.927 919 21.670 806 19.841 839 4 000 835 22 255 042 I 1 033 071 18 489.950 3.613.844 148.316 168 637.175 25 172 297 432.618.510 Paaitya Grundkapital........... Gesetzlicher Reservefonds.... Prämlenrescrven und Ueberträge Schadenreserven......... Gewinnreserven......... VerwaltungskoilenrOcklagc... Sonstige Reserven........ Guthaben von Banken u. a.... Aufwertungsreserve....... Sonstiges.. Ucberschuß. Aus dem Ucberschuß wurden den mit Gewinnanteil Versicherten der Lcbensversichcrungs- AWeilungen RM. 11 047 332 zugewiesen; es'— dk■- j—------------------- Lebensversicherungen für die Versicherung Jv,•/. Lebensversicherung Versicherungen nach dem alten und dem B m Gewinnplan......... nach dem Gewinnplan do/n................ von der bedingungsgemäßen Summe der gezahlten gewinnberechtigten .--------;-|------- ohne Untersuchung(O U) 28 V.% der Jahrcsprämie.