Morgenausgabe Freiiag M--.«M �***44 tt*ä ¥ B ü BlW Wf�I■■ H Ii»MW? Auswärts Pf. einschließlich KOPf. Postzeitun ys. uns EKM|H BH»M fH UM|H«W H| W> // Hl I 72 Ps.Postbestellgedühren. Auslands WW MW I�W �M �M �M Sie elnspalt sRonpiceUIntstt 80 T(< ahonnemmt 6,— ÜR. pro ÜRonat; fiii �HHM V~MK| WW �M MD �M Hfl �M IM»") MB A Rrklamezeile b,— RM.„Kleine An- Linder mil ennößiglem Dniiksochen. WHMM l WI W» �M �M �M M> �M HM— zeigen" da» feltgebrutfte Wort 25 Ps. corto— SIL �M Mi izulSssig zwei settgedruitle Worte), sede, HB �M■ H �gM��MV VM H weitere Wort 12 Pi. Robati lt. Tniis. ... �B I BH � H �y/ Stellengesuche das erste Wort IS PI, Ser..Vorwärts erschein, Wochentag.» // IM sede. weitere Won lllPs. Worte Oder lkch zweimal. Sonntags und Montags flM�' Y**/'MF/«AV>7 H 15 Buchstaben zahlen für zwei Warle. emmal. die Adendousgabe für Berlin �W/ �B\ Slrbeitsmarkt Zeile«0 Bs. Familien. und IM Handel mit dem Titel �/er anzeigen Zeile 40 Pf. Anzeigenannahm« ä-sä-üiäp«chP>vvlltKI! 2�Plf9Plit einem Minimum von Verzug erreicht werden kann." Dieser Vorschlag ist sicherlich herzlich gut gemeint, wie die englische Arbcüerregicrung van ollem Ansang an für die wirtschaftliche Lage Deutschlands außerordentlich großes Verständnis gezeigt Hot und der choover-Plan ohne ihre Initiative woh'rschein- lich nicht so schnell das Licht der Welt erblickt hätte. Aber wie lange will man noch verhandeln? Die Situation Deutsch- lands wird van Tag zu Tag schwieriger. Am Donnerstag sind wiederum 37 Millionen von der Reichsbonk abgewandert, so daß von dem uns unler Führung der Bank von England kürzlich zur Verfügung gestellten Rediskonlkredit in höhe von rund 400 Mil- lionen Mark nur noch ein kleiner Rest zur Verfügung steht. inzwischen rückt der 16. Juli heran, an dem der Kredit zurück- gezahlt werden soll. Angesichts dieser finanziellen Situation der Rcichsbank ist die Besorgnis der Rcichsregierung, daß die uns zu- gedachte Hilfe schließlich zu spät kommt, angebracht und ihr neuester dringender Appell an das Ausland durchaus berechtigt. Es ist wenige Minuten vor zwölf. Was es bedeutet, wenn es erst zwölf geschlagen hat, hat der amerikanisch« Staatspräsident wiederhalt selbst öffentlich dargelegt. Also handele man, bevor zum Ver- handeln keine Zeit mehr ist. Die englische Regierung hat die jetzt vorgeschlagene Konferenz in Paris bereits am Mittwoch anregen lassen, aber am Donners- tag von der französischen Regierung die Antwort erhalten, daß die französischen Minister Paris vorläusig nicht verlassen k ö n nt e n. Es ist bisher nicht ersichtlich, ob diese Antwort so zu deuten ist, daß Frankreich den englischen Plan überhaupt ab- lehnt oder ob ihm der Konserenzort, d. h. London, nicht angenehm ist. Anderseits aber würde der englische Vorschlag den französischen Wunsch, mit Deutschland direkt zu verhandeln, erfüllen, obwohl dabei nicht zu verkennen ist, daß Frankreich aus einer derartigen Konferenz allein gegen den Hoovcr-Plan stehen würde. Die Kammer soll zusammenbleiben. Paris, 2. Juli.(Eigenbericht.) Die Abgeordneten Franklin-Bouillon und Marin haben am Donnerstag im Senat II n t e r s ch r i s t c n für einen on den Ministerpräsidenten zu richtenden Brief gesammelt, in dem die Regierung aufgefordert werden soll, die gegenwärtig« Vorwärts-Verlag G. m. b. H. Parlamentssession e r st zu schließen, nachdem eine Debatte über die gegenwärtig schwebenden außenpolitischen Fragen, d. h. über den Vorschlag Hoovers stattgesunden hat. Das gleiche Ziel verfolgen einige Abgeordnete der Linksparteien. Die Antwort auf das A und B. Paris, 2. Juli(Eigenbericht). Der Senat stimmte dem Marinebauprogramm der Regierung am Donnerstag mit 209 gegen 3S Stimmen z u. Im Verlauf der Debatte erklärte der Marinemirnstcr, dah nur der Panzerkreuzer„Deutschland" die französische Regierung zwinge, ein Linienschiff von 23 000 Tonnen zu bauen. Der deutsche Panzer- kreuzer bringe es auf eine Höchstgeschwindigkeit von 28 Knoten und habe bei 20 Knoten Durchschnittsgeschwindigkeit einen Aktionsradius von 10 000 Kilometern. Cr könne also im Atlantischen Ozean die französische Zusahrtswege für Petroleum sowie die Verbindung zwischen Frankreich und den westasrikanischen Kolonien abschneiden. Dieser Drohung müsse vorgebeugt werden. Später müsse noch ein zweites Linienschiff auf Stapel gelegt werden, um dem deutschen Panzerkreuzer v die Stirne zu bieten. Das Verfahren um die Zollunion. Haag, 2. Juli. Die Eröffnung des mündlichen Versahrens in der Angelegenheit der dcutsch-österreichischcn Zollunion ist vom Ständigen Jnternatio- nalen Gerichtshof auf den 20. Juli festgesetzt worden. Brüning gegen Versailtes-Kundgebung. Die Kundgebung der Kölner Studentenschaft gegen den Ver- s a i l l e r Vertrag Hot nicht stattgefunden. Das ist, wie die Deutsch- nationale Pressestelle wutentbrannt mitteilt— auf das Eingreifen des Reichskanzlers zurückzuführen. Der Staatssekretär der Reichs- kanzlei Hobe am 2S. Juni an den Rektor der Universität Köln folgendes Telegramm gesandt:„Reichskanzler dankt vielmals für die Bemühungen, dortige Studentenschaft zu einer einheitlichen Kundgebung zu veranlassen. Reichskanzler verkennt nicht die tiefe vaterländische Gesinnung, die Kölner Studentenschaft beseelt. Hält es aber aus politischen Gründen im gegenwärtigen Augenblick für richtiger, Kundgebungen der vorgeschlagenen Art überhaupt zu ver- meiden. Ich verweise auf Rundfunkrede Reichskanzlers, deren Widerholl im Auslande durch solche Kundgebungen selbst in ge- mäßigter Form stark beeinträchtigt werden könnte." Gegen die Mordhehe! Die Partei des Reitergencrals Thälmann verbreitet in ülöln Flugzettel, durch die die Arbeitslosen auf- gefordert werden, auf den Polizeipräsidenten in ftiiln aus dem Hinterhalt zu schießen. Diese Mordhcüe wird auch an anderer Stelle gegen die Schuhpolizei betrieben. In Berlin sind zwei freigcwerkschaftliche Polizeibeamte, die Sozialdemokraten Z ankert und Kuhfeld, dieser Mordhehc zum Qpfcr gefallen. Tie sozialdemokratische Arbeiterschaft wendet sich mit Empörung gegen die frivole Haltung der Kommunisti- schen Partei, die anläßlich der Ermordung deS Schupo- Lberwachtmeisters lluhfeld kein Wort deS Bedauerns findet. Daran ändert auch nichts die Tatsache, daß das Zentralkomitee der.KPD. in einem Aufruf von den An- Weisungen, die in der Zeitschrift„Oktober" veröffentlicht wurden, wonach gegen die Polizei bei Ztraßendemon- strationen ein bewaffneter Slampf geführt werden soll, abrückt. Die Berliner Sozialdemokratie bekundet vor aller Oeffentlichkeit den Schuhpolizcibeamten ihr tiefstes Mitgefühl. Parteigenossinnen und Parteigenossen? Wendet euch mit aller Entschiedenheit gegen national- sozialistische und kommunistische Berhehung notleidender Massen. Klärt die arbeitende Bevölkerung auf, daß Massennot und Massenelend nicht durch die Ermordung freigewerkschaftlich organisierter Schuhpolizeibeamteu beseitigt werden. Die Beseitigung des Massenelends und der Aufstieg der arbeitenden Klasse wird nur durch den geschlossenen Kampf der Sozialdemokratie in Gemeinschaft mit den freien Gewerkschaften erzwungen. Der Bezirksvorstand. Postscheckkonto: BcrlinL? 636.— BankkontoiBanrdcrArbclter.Angestellten und Beamten, Lindenstr. 3, Dt.B.u.Disc.-Ges., Depositen!., Jernsalenier Str. 65/66. Die wiedererweckte Todesstrafe Zur Hinrichtung peter Kürtenö. Wir schrieben 1928. Der junge, eifrige Justizministcr Dr. Schmidt hatte damals sein Amt angetreten. Begierig, alle Bezirke seines neuen Wirkungsbereichs persönlich kennen- zulernen, unternahm er unangemeldete Besuche in Straf- anstalten und versäumte nicht, persönlich einer Hinrichtung beizuwohnen. Keine Neugierde trieb ihn, sondern ernster Drang, die Wirklichkeit dieser vielumstrittenen Strafart zu erfassen. Der Minister erfaßte sie. Unter dem Eindruck fürchterlichen Abscheus erklärte er, daß unter seiner Minister- schaft ein derartig barbarischer Akt nicht noch einmal vollzogen werden sollte. Drei Jahre lang ist der Justizminister seines Eindrucks und seines Wortes eingedenk geblieben. Jetzt aber ist er von der Bahn gewichen und hat die Hinrichtung Kürtens voll- ziehen lassen. Wir hoffen vorerst, als einen ganz besonderen Einzelfall. Aber niemand weiß im voraus, wann beim Ver- lassen eines Grundsatzes der Haltepunkt eintritt. Nach dem Fall Kürten wird der Fall des Versicherungsmörders Saffran, werden neue Fälle von Schweroerbrechern den Justizminister in Versuchung bringen. Und immer wird man ihm dann ins Ohr raunen:„Du hast es ja bei Kürten auch geschehen lassen." Wir wollen dem Justizminister Schmidt, dessen persönlich menschliche Einstellung uns bekannt ist, dabei zugestehen, daß er sich in außerordentlich schwieriger Lage befunden hat. Nicht nur die Hetze der Rechtspresse, die Vlutgeruch witternd ihre Begierden kaum noch meistern konnte, auch seine eigene Partei drückte auf ihn. Das Zentrum in dem katholischen Düsseldorf, der von Kürten heimgesuchten Stadt, besonders stark, glaubte der dortigen„Volksstimmung" Rechnung tragen zu müssen. Ob wirklich die Zahl der Düsseldorfer, die gestern nach der Lektüre der Hinrichtungsschilderung hochbefriedigt zu Bett gingen, um in einen besonders festen Schlummer der Ge- rechten zu verfallen, gar so groß ist?! Wirklich vollzogen sieht ein Guillotincakt ganz anders aus als die vorherige Phantasie! Erschwert wurde die Lage des Justizministers weiter da- durch, daß Kürten ein Mensch war, der weder Sympathie ver- diente noch erwecken konnte. Das harte Wort, das einmal bei Dostojewski fällt,„wozu lebt ein solcher Mensch?"— dieses Wort könnte direkt auf Kürten gemünzt sein. Auch unter den Gegnern der Todesstrafe gab es keinen, der sich nicht darüber klar war, daß Kürten für alle Zeiten unschädlich gemacht, aus der Gesellschaft ausgeschieden werden mußte.(Was bei jedem Geisteskranken durch Einsperrung erreicht wird.) Um Kürten ging es also nicht. Aber da ist außer Kürten noch der Scharfrichter. Er tut im Auftrage des Staates und gegen gute Bezahlung das, weswegen Kürten hingerichtet wurde: er bringt Menschen um. Hätte nicht zufällig an der Stelle des Scharfrichters, von dem wir nicht wissen, warum er neben seinem bürgerlichen Beruf durchaus noch die eines Menschen- umbringcrs betreiben muß,— Peter Kürten stehen können? In früheren Jahrhunderten, wo die Todesstrafe noch ganz alltäglich war und dabei auch noch für den Henkergehilfen eine schöne Nebenpraxis im Auspeitschen, Foltern usw. abfiel, hätte ein Kürten sehr bequem seine tierischen Gelüste„streng legal" befriedigen können. Sicher ist auch unter den Scharf- richtern und Folterknechten früherer Zeiten mehr als ein Peter Kürten gewesen. Das ist der springende Punkt: muß der Staat, weil eine Verirrung derNatur allezehnJahre einmal einenPeterKürten hervorbringt, deswegen noch einen zweiten Mann hinstellen, der im Namen der Obrigkeit geschäftsmäßig und dabei gut honoriert genau die gleiche vorsätzliche Tötung vollbringt, die der Staat als abscheulichstes aller Verbrechen mit der höchsten Strafe belegt? Aber wir wissen, daß die gegenwärtige Zeit für die Lösung rein ethischer Probleme wenig geeignet ist. Das ist vielleicht der tiefste Grund, warum es zur Wiedererweckung der schon fast abgeschafften Todesstrafe kommen tonnte. Wir haben durchaus Verständnis dafür, wenn die harten Sorgen des Alltags, wenn die Arbeitslosigkeit, die Notverordnungs- steuern, die Gehaltsabzüge die Menschen weit mehr erregen als die Hinrichtung eines Schwerverbrechers. Aber das ist es nicht allein. Wir befinden uns in einer Epoche derVerpohung, in der zweifellos das sittliche Gefühl gegenüber Gewalttat und Blutvergießen abgestumpft ist. Die kommunistische Presse wird aus politischen Gründen zweifellos versuchen, diese Hinrichtung agitatorisch auszu- schlachten. Aber ist das nicht dieselbe Presse, die über die ganze Titelseite gebrüllt hat:„Erschießen!— E r- schießen!— Erschießen!", als die Moskauer Ab- lcnkungsprozessc gegen die sogenannten„Schädlinge" geführt wurden? Die„Rote Fahne" veröffentlichte damals seiicnweife die Verhandlungen noch nicht beendet. Kein Abbruch Paris— New �ork, sondern Einigunasversuche. Höchste Belastung der Zieichsbank. Oer iniernaiionale Noienbankkredii zum größien Teil in Anspruch genommen. Zuschriften rasender Frauen, die mit eigenen Händen die An- geklagten erwürgen wollten, und roter Iungsturmgruppen, die sich als Erschießungskommandos anboten(übrigens: alles wegen derselben Ane�tlagten, �die jetzt wieder in ihren allen leitenden Stellungen arbeiten!). Wer wie die kommunistische und nationalsozialistische Presse jede Bluttat verherrlicht, die von der eigenen Seite ausgeht, der zerstört systematisch jedes natürliche Moralgefühl des Volkes, das allein Grundlage und Gewähr für eine dauernde Beseitigung der Todes- strafe bietet. Dabei ist auch des Mißstandes zu gedenken, daß die Todesstrafe bei uns immer noch geltendes Recht und Gesetz, wenn auch Gesetz von 1871, ist. Im letzten Grunde hat sich gezeigt, daß die Beseitigung der Todesstrafe nicht auf dem Verwaltungswege erfolgen kann, sondern durch Gesetz erfolgen muß. Im vorigen Reichstag winkte durch die Vernunft und Einsicht des greisen Professors Kahl die Mög- lichkeit, dem deutschen Volk ein neues Strafgesetzbuch zu schaffen, das die Todesstrafe nicht mehr enthielt. Im Reichstag der 107 Braunhäusler ist jede Aussicht geschwunden, eine Strafrechtsreform zu schaffen, die diesen Namen verdient. Ver- gessen wir nicht, daß diese 1V7 programmäßig für die Wieder- einführung— der Prügelstrafe eintreten! Die Horden, die ihr„Deutschland erwache!" sprechchor- mäßig brüllen und an alle Mauern schmieren, wissen gar nicht, wie recht sie haben. Ein Erwachen, ein Sichbesinnen des Voltes auf die in ihm schlummernden sittlichen Kräfte tut bitter not. Ein raffinierter und systematischer Appell an die schlechtesten Instinkte hat große Massen in einen neurasthenischen Rauschzustand versetzt, der die Hemmungen der Kultur und Zivilisation hinweggespült zu haben scheint. Aber dem wird ein Erwachen folgen. In späterer ruhigerer Stunde wird das deutsche Volk einmal fassungslos auf den Rohheitstaumel blicken, in den gewissenlose Hetzer es getrieben haben, und mancher wird sich dann fragen:„Wie konnten wir nur?" Diese Stunde wird kommen, so wahr das deutsche Volk ein Kulturvolk mit einem hochentwickelten Proletariat ist. Diese Stunde wird zugleich die letzte Stunde der Todesstrafe fein. 4- Amtlich wird mitgeteilt: „Zn der Strafsache gegen den durch rechtskräftiges Urleil des Schwurgerichts Düsseldorf vom 22. April 1931 wegen Mordes in neun Zöllen zum Tode verurteilten Arbeiter Peter kürten hat das preußische Staatsministerium in der Sitzung vom 30. Juni 1931 beschlossen, von dem Rechte der Begnadigung keinen Gebrauch zu machen, sondern der Gerechtigkeit freien Lauf zu lassen. Die Entschließung des Slaatsminifteriums entspricht der Stellungnahme aller mit der Prüfung der Gnaden- frage befaßten Stellen. Das Urteil ist Donnerstagmorgen um 6 Uhr in Köln vollstreckt worden." Die mit der Prüfung der Gnadenfrage betrauten Steven haben sich sämtlich für die Vollstreckung des Todesurteils ausgesprochen. Oas Verbot der Spartakiade. Maßnahmen des Leipziger Polizeipräsidenten. ' Leipzig. 2. Juli. Der Leipziger Polizeipräsident hat alle Versomm- lungen und Veranstaltungen, die als Werbung für die in Berlin verbotene Spartakiade angesehen werden können, untersagt. Ein bestehendes Verbot kommunistischer Kundgebungen unter freiem Himmel, das auf acht Tage ergangen war, ist auf unbestimmte Zell verlängert worden. Grund für diese Maßnahmen sind die kommunistischen Uobersälle und Schießereien, die in der letzten Zeit in Leipzig an der Tagesordnung waren. Oie Obduktion Kuhselds. Kein Geschoß gefunden. Die Leiche des erschossenen Polizeioberwachtmeisters K u h f e l d ist gestern seziert worden. Das Geschoß wurde nicht gefunden, da es sich um einen Durchschuß handelt, der am Unterleib eindrang und am Rücken wieder herausging. Auch das Kaliber der Waffe, mit der der tödliche Schuß abgegeben wurde, konnte bei den Zer- reißungen im Schußkanal nicht festgestellt werden. Auf diesem Wege sind also die Nachforschungen nach dem Schützen nicht vorwärts ge- kommen. Jedenfalls aber werden die kommunistischen Behaup- tungen, daß Kuhfeld von seinen eigenen Kameraden erschossen wor- den sei, durch die Schußrichtung völlig widerlegt. Kommumstenkrawalle in Oresden. 20 Tschechen verhastei. Dresden, 2. Juli. Zu einer Ansammlung erregter Massen kam es am Donnerstag- mittag auf dem Altmarkt. Durch ein Ueberfalltommando wurde die Ansammlung in wenigen Minuten auseinandergetrieben. Sobald die Menge der Polizei ansichtig wurde, stob sie auseinander und floh in die Nebenstraßen. Während die meisten Geschäftsleute ihre Läden schlössen, zog ein Trupp, geführt von Ausländern, durch die Straße, fprechchorartig„Hunger, Hunger" rufend. Die Demonstranten fielen über einzelne Polizeibeamte her. Die diesen zu Hilfe kommenden Polizisten fanden bei dem Bemühen, die Leute auseinanderzutreiben, so heftigen Widerstand, daß sie zur Waffe und zum Gummiknüppel greifen mußten. Verletzte werden jedoch nicht gemeldet. Sechs deutsche und 20 tschechische Kommunisten wurden fest- genommen. Letztere waren ohne gültigen Paß über die Reichsgrenze gekommen und gaben an, zur Spartakiade nach Berlin zu wollen. Sie wurden ins Untersuchungsgefängnis ein- geliefert. Ein Todesopfer in Peine. Peine. Z Juli. Am Donnerstag ist der Nationalsozialist Sievers-Braunschweig im Krankenhaus dein schweren Bauchschuß erlegen, den er bei den Zusammenstößen am Dienstagabend erlitten hatte. Am Donnerstagvormmittag wurde ein Nationalsozialist unweit der Horftstrahe von mehreren Komimunisten überfallen und mit Kanthölzern so zugerichtet, daß er dem Krankenhause zugeführt werden mußte. kl 25 Verhasttrngen in Berlin. Am Donnerstag wurden in Berlin bis zum späten Nachmittag 125 Verhaftungen von Kommunisten vorgenommen. Die Verhaftungen erfolgten durchweg wegen unbefugten Tragens des Sparteckiadeabzeichens, das zum Teil rot übermalt war. Die Belastungsprobe der Reichsbant zum 30. Juni, dem Halb- jahrsende, war die s ch w e r st e, die die Reichsbank wohl jemals auszuhaltcn hatte. Wahrscheinlich war der Iuniultimo auch bank- mäßig der schwerste und verantwortungsvollste der ganzen Nach- kriegszeit. Die durch den Widerstand Frankreichs ent- flandene Verzögerung in der Herbeiführung des Feierjahres für die Reparationen, zusammen mit den nicht verlängerten Fälligkeiten ausländischer Kredite zum Julitermin und der nach den starken ausländischen Kreditabziehungen begreiflicherweise sehr stark gestiegene inländische Geldbedarf hatten auf ollen Konten der Reichsbank eine Rekordinanspruchnahme zur Folge. Nach dem Reichsbankausweis vom 30. Juni sind die Wechselbe stände um rund 229 auf rund 2579 Millionen Mark gestiegen. Die Wechseleinreichungen der Banken waren aber er- heblich größer. 318,6 Millionen Mark eingereichte Wechsel wurden nämlich von der Reichsbank auf einem anderen Konto verbucht, um als Deckung für den gleichen Bettag zu dienen, den die Reichsbank von dem 420-Millionen-Mark-Kredit der internationalen Notenbanken bis zum 30. Juni bereits in Anspruch genommen hat. Mehr als brei Viertel des lOO-Millionen-Tollar- Kredits sind also verbraucht. Der Wechselbestand hat sich also tatsächlich auf fast 2900 Mit- lionen Mark erhöht. Die Lombarddarlehen zeigen eine Rekord- st e i g e r u n g. Trotz des von der Reichsbank auf die Banken aus- geübten Druckes, möglichst wenig Lombarddarlehen in Anspruch zu nehmen, stiegen diese um rund 218 auf 355 Millionen Mark. Ferner wurden von den Banken zur Geldbeschaffung 73,6 Millionen Mark Reichsschatzwechsel der Reichsbank verkauft. Rund 800 Mil- lionen Mark mußte die Reichsbank demnach der deutschen Wirt- schaft, in erster Linie den Banken, zum Junischluß zur Verfügung stellen. Nicht in gleicher Höhe ist der Notenumlauf ge- stiegen. Der Umlauf an Reichsbanknoten stieg um nur 569 auf 4295, der an Rentenbankscheinen um 48 auf 426 Millionen Mark. Das war einmal möglich dadurch, daß die Reichsbank für rund 136 Mil- lionen Mark Fünfmark st ücke aus ihren Silberbe- ständen in der letzten Juniwoche in Zahlung gab und zum anderen dadurch, daß die Devisenabgabc der Reichsbank zu einem erheblichen Teil wieder mit Mark bezahlt worden ist. Der Roten- umlauf blieb relativ gering, was freilich auch dem Tiefftand der Wirtschaftslage entspricht. Die Reichsbank hätte aus eigener Kraft diesen Geld- bedarf nicht befriedigen können, ohne die Deckungsgrenze von 40 Proz. zu unterschreiten. Sie hätte einen sehr großen Teil der verlangten Kredite durch Restriktionen abdrosseln müssen, wenn ihr nicht derausländischelOO-Millionen-Dollar- Kredit zur Verfügung gestanden hätte. Rein gesetzlich hätte die Reichsbank den Bedarf befriedigen dürfen: sie hätte aber, wenn der Dollarkredtt nicht zur Verfügung gestanden hätte, ein« für die mehr ausgegebenen Reichsmarkbeträge eine Steuer zahlen und den Diskont von neuem erhöhen müssen. Wiederum ist zu sagen, daß damit jede Möglichkeit einer Inflation mit Sicherheit verhindert worden wäre: nur wären die wirtschaftlichen Folgen unabsehbar ge- fährlich gewesen. Ein Teil dieser Belastung der Reichsbank kommt von der Devisenseite her. Der Ausweis der Reichsbank lautet vom 30. Juni: die Devisenabrechnungen sind aber nur bis zum 27. Juni erfolgt. Bis zum 27. Juni hat die Reichsbank wieder 102 Mil- lionen Mark Devisen abgeben müssen. Sie kann nur deshalb eine Erhöhung des Bestandes an Dcckungsdeoisen um 207 auf rund 300 Millionen ausweisen, weil sie die genannten 318,6 Millionen von dem 420-Millionen-Mork-Notenbankkredit mit in ihren Devisenbestand eingerechnet hat. Der neue Devisenverlust be- trägt auch nur deshalb nur 102 und nicht 111,6 Millionen, weil die Reichsbank ihren Goldbestand durch Ankäufe von Russen- g o l d um 9,9 auf 1421 Millionen Mark erhöhen konnte. Am 30. Juni waren die umlaufenden Noten durch Gold und deckungs- fähige Devisen zusammen, d. h. unter Einrechnung der zum großen Teil in Anspruch genommenen ausländischen Notenbankkrcdite mit 40,1 Proz. gedeckt, also gerade in jenem Verhältnis, der eine neue Diskonterhöhung noch ausschließt. Tie gesamten Devisenverluste der Reichsbank im ganzen Juni bis zum 2. Juli dürften sich auf 1450 bis 13VV Millionen Mark belaufen. Bis zum 23. Juni waren es 1250 Millionen, bis zum 27. Juni kamen 102 Millionen Devisenabgaben der Reichsbank hinzu, und seitdem dürfte die Reichsbank noch etwa 110 bis 130 Millionen Devisen ab- gegeben haben. Die Deutsche Reichsbank hat die gewaltige Kraftprobe be- st a n d e n, vor die sie zum Halbjahrsschluß unter dem Druck des ausländischen Mißtrauens in die deutsche Wirtschaftsentwicklung ge- stellt war, der durch den französischen Widerstand gegen die Hoover- Aktion in gefährlichster Weise verstärkt wurde. Sie konnte diese Probe nur mit Hilfe des ausländischen Rotenbankkredits auf sich nehmen. Am 16. Juli soll der ausländische Rotenbankkrcdit zu- rückgezahlt werden. Am 15. Juli wäre der Transfer der Julirate für die Reparationen fällig. Der Druck einer neuen und sicher über- mäßigen Krediteinschränkung, den die Reichsbank dann ausüben müßte, um ihren Verpflichtungen nachzukommen, wäre ungeheuer und in seinen wirtschaftlichen Folgen überhaupt nicht abzusehen. So zeigt der Reichsbankausweis vom 30. Juni, daß es für eine erfolgreiche Beendigung der französisch-ameriko- nifchen Verhandlungen, soweit die deutsche Wirtschaft in Frage kommt, wirklich fünf Minuten vor zwölf ist. Zieichslandbund und Landbunk. Zwei dunkle punkte deutschnationaler Geschästspolitik. V«r Untersuchungsausschuß de, Preußischen Landtags zur Nachprüfung der Vorgänge bei der Kredügswöh- rung der Preußenkasse an die Landbund- und Raisfeisengenosien- schosten ist zu folgenden Feststellungen gekommen: „Die Untersuchung der Vorgänge bei der Kreditgewährung der Preußenkasie an den Landbundkonzern hat ergeben, daß die ge> nosienschaftliche Zenttalkasse der Reichslandbund-Genossenschasten an die Reichslandbund Ein- und Vertaufs-A.-G. Kredite gegeben hat, die sie für genossenschaftliche Ausgaben von der Preußenkasse, mit der sie im ausschließlichen Geldoerkehr stand, bekommen hat. Die Rejchslandbund A.-G. finanziert damit den An- und ver- kauf von Getreide an der Börse mit dem Ziele der Beeinflussung der Gelreidepreise. Durch diese wirtschastspolilischen Geschäfte, die nicht zu den Ausgaben der Genossenschaften gehören, erlitt die Reichslandbund Ein- und Uerkaufs-A.-G. schon im Jahre 1924 so erhebliche Verluste, daß sie in Konkurs gegangen wäre, tzvenn nicht die GEK. durch finanzielle Rlaßnahmen den Konkurs abgewendet hätte. Die Preußenkasie hat von der genossenschaftswidrigen Ver- Wendung der an die GEK. gegebenen Kredite nicht rechtzeitig Kenntnis genommen. Sie konnte damals die Weitergabe an die Ein- und Verkaufs-A.-G. nicht verhindern. Sie hat nach Kenntnisnahme der Verluste des Reichslandbund-Konzerns die Sanierung von der sofortigen Einstellung des Gettcidsgeschäfts ob- hängig gemacht. Die Verluste der GEK. und des Reichslandbund-Konzerns waren nicht genau festzusetzen, beliefen sich aber auf etwa 7 Mil- lionen Mark, an deren Deckung die Preußenkasse zu erheblichen Teilen beteiligt ist. Außerdem stellte die Preußenkasse einen Sanierungsfonds von 350 000 Mark zur Verfügung, um Härten bei der Eintreibung der Gelder durch die Reichslandbund A.-G. abzu- wenden, der aber hierfiir nicht ausreichte. Die Verluste der Landbundgenossenschaften wären wesentlich niedriger gewesen, wenn nicht wirtschaftliche Zwecke mit den genossenschaftlichen Aufgaben verbunden gewesen wären. Außer- dem ist festzustellen, daß auch Kredite von der GEK. an die Reichs- landbung A.-G. in einem Falle zu politischen Zwecken gegeben sind, die mit den genossenschaftlichen Aufgaben nicht zu vereinbaren waren. Inwieweit die Untergenossenschaftea zu politischen und wirtschaftlichen Aufgaben BUtlei verwenoet haben, die aus Krediten der preußenkasie stammen, hat der Untersuchungsausschuß nicht feststellen können. Der Ausschuß stellt aber fest, daß die Landbund- organisationen Gelder der preußenkassc zu genossenschastswidrigen Zwecken verwendet haben, und daß die preußenkasie die aus diesen Geschäften herrührenden Verluste mit Mitteln des preußischen Staates, also mit Staatsmitteln abgewendet hat." Oer Fall Landbank. Damit wor die Untersuchung über die Kreditbeziehungen der Preußenkasie zum Reichslandbund abgeschlossen. Den Vorbericht über die Kreditgewährungen an die Landbairk erstattet« Abg. Kuttner(Soz.). Er ging aus von dem Erwerb der Landbank durch Hugenberg. Die Lanhbank diente dem Siedlungswerk im Osten und hat Be- deutung für die Kredttgewährung an Kleinsiedler. Aus diesen: Grunde erklärt sich auch dos später erfolgte Eingreifen des preußi- fchen Staates. Man wollte einen Wirtschaftsbezirk, der an sich schon fürchterlich leidet, nicht durch Jnslottvnsgewinnertticks weiier schädigen lassen. Hugenberg wurde 1919 in den Aufsichtsrat der Landbant ge- wählt. In der Jrvstation ergaben sich bei der Bank Schwierigkeiten. Sie mußt« schließlich ein holländisches Darlehen aufnehmen. Mit der Zett ging die Bank spottbillig an den Hugenberg-Konzern über. Allerdings hat der Hugenbergkonzern mit dem Erwerb der Aktien- masorität der Landbank die Verpflichtung übernommen, die lhollän- dische Anleihe zu tilgen. Tatsächlich sind auch 58 000 Gulden vom Hugenberg-Konzern abgetragen worden. Im besten Falle hat also der Hugenberg-Konzern sür die Bank rund 100 000 Goldmark ge- zahlt. Unter der Hugenbergschcn Führung wurde die Landbank 1925 konkursreis. Sie verlangte zu ihrer Stützung ein Darlehen vom preußischen Staat in Höhe von 2 Millionen Mark und als der preußische Staat ablehnte, machte Hugenberg die Rechts- presse gegen das„rote Preußen mobil", das angeblich das Siedlungs- wert im Osten brachlegen wollte. Es sollte ein Druck auf die preußische Regierung ausgeübt werden, damit die von Hugenberg geforderten 2 Millionen Mark hergegeben wurden. Im Interesse der Siedlung entschloß sich der preußische Staat später zu einer Sanierungsaktwn. Danach sollten die Provinz Grenzmark und der preußische Staat eine Aktienmehrheit von 35 Millionen Mark erwerben. Der Hugenberg-Konzern schied daraus aus der Bank aus. Er wurde auch von der wetteren Rückzahlung des holländischen Kredits eiilbunden: fällig waren noch etwa 330 000 Mark. Dazu bekam Hugenberg eine Landhaussiedkung am Schar- mützelfee im Werte von etwa 300 000 bis 350000 M. und Auf- wertungshypocheken int Werte von 80 000 M. Damit Hobe die Land- dank nach den Feststellungen eines Revisionsberichtes ihre eigent- lichen Wert« an den Hugenberg-Konzern herausgegeben. Der Land- wirtschaftsnnnister habe in einem Schreiben das Unzulässige dieser Transaktion festgestellt. 1927 mußte eine Goldmarkbllanz ausgestellt weiden, aus der sich die Notwendigkeit ergab, das Aktienkapital auf 1,3 Millionen zusammenzulegen. Eine ganze Reihe von Verlustgeschästen sind fest- gestellt worden, die noch unter die Verantwortung des früheren Vorstandes fallen. Die Goldmarkbilanz von 1927 ließ sich nicht aufrechterhalten. In einer neuen Bilanz wurde festgestellt, daß das Kapital auf 65 000 M. zusammengelegt werden mußte. Dagegen erhoben einige Minderheits-Aktionäre Einspruch und man be> friedigte sie in großzügiger Meise dadurch, daß man ihnen noch einmal 10 M. pro Aktie nachzahlte. Der Berichterstatter schloß seinen Vorbericht mit der Erklärung, daß nach seinen bisherigen Fest- stcllungen, daß die Land bank, die erworben worden sei, mit 43 M. und einer Schuldendeckung von rund hunderttausend Mark für die Hugenberg-Gruppe erbracht habe, einen Aktienkaufpreis von 35 000 Mark, dann ein« Nachzahlung von nahezu hunderttausend Mark, dann das Aktienpaket der Saarow-P'iesiow-A.-G. im Werte von 300 000 bis 350 000 M. und etwa 80 000 M. Aufwertungshypothsken. Der Ausschuß vertagte sich dann auf den 9. Juli. Als einer der ersten Zeugen soll Hugenberg vernommen werden. Friede Holland- Belgien. Di« Brüsseler Meldungen über die bevorstehende Unterzeichunng eines neuen niederländisch. belgischen Abkommens werden von„Het Volk" bestätigt. Ein völliges Einvernehmen über das Scheideproblem und den bei- gijch-niederläiüüschen Vertrag von 1839 sei in den Grundzügen be- reitz erzielt. Belgien suche auf Grund einer Revision seiner Han- delspolilik eine Annäherung an die Niederlande. Die Verhandlun- gen würben in den nächsten Tagen beginnen. Jlr. 305. 48. Jahrgang"1, � Sreitag, 3. Iul, 1931 Der Scheuener Fürsorgeprozeß Ein vorläufiger Rückblick Bon den für die SchwurgerichtsverHandlungen im Scheuener Fürforgeprozeh vorgesehenen Tagen ist ein Teil vorüber. Ueber das voraussichtliche Strafmaß ist noch nichts zu sagen. Das für- sorgerische Problem aber liegt bereits offen. Es gibt dafür drei Faktoren: die„Bursche n", wie sie genannt werden und wie sie sich selbst nennen. Straube und Scheuen, das Berliner Landesjugendamt. Bon den 34 Burschen, die, je nachdem, ob„Aufrührer" oder „Topskratzer", das sind in der Sprache der Jungen solche, die angeben und dafür die Töpfe auskratzen dürfen, rechts und links vom Gericht sitzen, hat keiner ein richtiges Elternhaus gehabt. Fast alle sind psychisch in Unordnung, einig« weniger, die meisten mehr. Sehr viele sind geistig schwach. Manche haben geisteskranke Angehörige. Sie find alle schwererziehbar, einige so schwer, daß die Hoffnung auf Erziehungserfolg gering ist. In ihnen Kommunisten zu schen, ist verfehlt. Alle Eigenschaften der Jugendlichen sind bei ihnen psychopathisch ins Extrem gesteigert, die Kamerad- schaftlichkeit, die Neigung zur Bildung sich heftig befehdender Grup- pen, die Front gegen die Erwachsenen, der Geltungsbetricb, der Gefolgschaftseifer, die llnstetigkeit. Sie neigen in diesen Dingen zu Exzessen. Sie sind labil. Unter denen, die Aufrührer verprügelt haben, sind frühere Kommunisten, unter den Aufruhrern solche, die noch vor kurzem Topfkratzer waren. Kurz nach der Revolte haben Schweroerprügslle Briefe an das Landesjugendamt geschrieben, sie wollten Straube wiederhaben, am vierten Gerichtstag brach unter allen, einschließlich der Topstratzer, eine Art Massenpsychose gegen Straube aus. Bon besonderen Berliner Eigenschaften ist außer einer gewissen Ungeniertheit und den größeren Erfahrungen, die Jungen mitbringen, die sich in Berlin verborgen und in der Berliner Unterwelt gelebt haben, nichts zu merken. Diese Jungen hätten charakterlich sicher«, gut geschulte Erzieher gebraucht, eine Umgebung, die auf sie eingestellt ist, und Ruhe. Was haben sie gefunden? Oie Zustände in Scheuen. Scheuen war ursprünglich ein Kinderheim. 1926 wurde daneben ein Erziehungsheim gegründet. Die Burschen sollten dort auf einem Gut als richtige Landarbeiter beschäftigt und zum Uebergang ins freie Leben vorbereitet werden. Eine Mädchenhaus- Haltungsschule auf demselben Gelände sollte die Gefahren der männlichen Abgeschlossenheit aufheben und den Jungen in der Frei- zeit die Möglichkeit zum Umgang mit Mädchen geben. Als Erzieher wurde der Leiter des Kinderheims. Straube, ein früherer Volks- schullehrer, der keinerlei Erfahrung mit Schulentlassenen hatte und im Lauf der Zeit auch keinerlei Ausbildung erhielt, angestellt. Ein Arzt stand ihm nicht zur Seite. Zunächst war ein Erzieher da, der in der Jugendpflege Erfahrung hatte. Als dieser Scheuen etwa 1928 verließ, weil er das Prügeln mißbilligte und das Landesjugendomt«rf feine Anzeige hw nicht einschritt, wurde ein erfahrener Erzieher nicht mehr eingestellt. Neben" Sträube arbeiteten vier LaiÄtwirte, die wie er für den landwirtschaftlichen Betrieb tüchtig arbeiteten, von Erziehung aber überhaupt nichts mußten. Auch sie«hielten keinerlei Belehrung. Die Zusammensetzung der Jungen oeränderte sich auch mit der Zeit. Scheuen brauchte land- wirtschaftliche Arbeiter. Infolgedessen wuchs die Zahl der Unter- gebrachten allmählich von SO Jungen auf 55. Man schickte vom Londesfugendomt schließlich in den letzten drei Jahren Jungen, die für Scheuen ungeeignet waren, sei es, daß sie nicht in die Landwirtschaft od« überhaupt aufs Land paßten, sei es, daß ihre Arbeitsfähigkeit für die Stetigkeit der Arbeit nicht ausreichte, die Scheuen brauchte, fei es, daß ihre psychisch« Belastung sie für die Freiheiten, di« Scheuen gab, ungeeignet machte, sei es, daß sie für das Können von Straube zu schwer erziehbar waren, sei es, daß alle Gründe auf sie zutrafen. Das Zusammentreffen dieser Jungen mit ungeeigneten Er- ziehern mußte zur Katastrophe führen. Straube war dazu ein kleiner Mann. Er hat immer dann geprügelt, wenn er enttäuscht oder persönlich angegriffen war, so Leppien, wenn er versprach sich zu bessern und dann um 1�2 Uhr in einer Wirtschast Bier trank, so Paehr, wenn er Ersatz für einen von Straubes Hunden zerrissenen Mantel fordert«, so Krüger, wenn er durch Diebstahl den Betrieb erschwerte. So ließ er die Jungen nach Fluchtversuchen kahlscheren. So bewaffnete er einen Teil der Jungen mit Hackbeil und Harke, als er sich bedroht sllhlte, so zog er Ledebur noch mit dem Gummi- knüppel ein paar über, als dieser schon die tödliche Wunde von dem mit der Harke bewaffneten Schulz empfangen hatte, mit den Worten: „Du bist auch dabei! Mit dir habe ich mich ja heute noch aus- gesprochen." So wurden die Jungen gepeinigt, die nach der Revolte ausgekratzt waren und zurückgebracht wurden. Die Zungen muhten Straube aber immer wied« enttäuschen, weil sie spürten, daß er in Niedrigkeilen mit ihnen einig war. Bezeichnend ist für ihn, daß er Jungen, die ihm schmeichelten und dann über ihn lachten, eine Sache, vor der kein Lehrer geschützt ist, Salonlude nannte, und einen homosexuellen Zögling vor allen anderen Sonja rief. Schließ- lich hat er, um als Erzieher(I) in Scheuen zu bleiben, vor Frau Weyl und Knauth die schwerverletzten Jungen, die ihn in für sie bezeichnender Weise auch nicht verrieten, oerborgen. Das Berliner Landesjugendamt. Die Fehler, die das Landcsjugendantt machte, sind offenbar. Zunächst ist fraglich, ob für Berliner Jungen ein landwirtschaftlicher Betrieb überhaupt das richtige Uebergangsheün ist. Dann waren zu wenig Erzieher in Scheuen, und die Erziehereigenschasten dieser Erzieher waren ungenügend für Schulentlassene üb«haupt. und erst recht sür die Burschen, die man nach Scheuen sandte. Zur Belehrung d« Erzieher geschah nichts. Man hat schwere Psycho- pathen nach Scheuen geschickt, weil die Bedürfnisse Scheuens und nicht die Erziehungsbedürfnisse der Jungen maß- gebend waren. Man hat die Jungen, die einen regelmäßigen Erziehungseinfluß brauchen, von Heim zu Heim, von Lehrstelle zu Lehrstelle und zwischen Heimen und Lehrstellen hin- und hergeschickt. Der schwerbelastete Griesbach hat sicher nicht ohne Schuld des Landesjugendamtes seinen Aufenthalt in 9 Jahren 77mal gewechselt. Und schließlich hat man, obwohl man wußte, daß Straube ungeeignet war und prügelte, ihn nicht entfernt.— Das„Berliner Tageblatt" hat den Richtern in Scheuen mangelndes Interesse vorgeworfen. Das trifft nicht zu. Der Borsitzend« ist gut vorbereitet und hat pädagogisches Verständnis. Der Staatsanwalt ich Menschlich nett mit den Jungen. Freilich haben beide nicht den Ehrgeiz nach politischem Erfolg, wie der vom Ta�lott'lso"Mö5te'Rechtsanwalt LS w.eNtha l, der den kmn- mumstischen Redakteur von„Berlin am Morgen" im Prozeß der Stadtrötin Weyl vertreten hat und vor dem Reichsgericht vertreten wird. Die Kommunisten haben sich in dies« Sache wahrhaft nicht zu rühmen. Sie putschen die Jungen aus und machen sie zu ihren Helden, wenn das Unglück passiert ist. Helden für politische Kämpfe aber sind dies« kranken Jungen wirklich nicht. * Das Unrecht, das diesen Jungen geschehen ist. wird auch von uns bekämpft. Hätte das Berliner Jugendamt nach den R i ch t- linien der Arbeiterwohlfahrt zur Fürsorge- erziehung gearbeitet, es hätte genau das Gegenteil von dem getan, was geschehen ist. Das Nähere geht ja aus der Kritik hervor. Der preußische Wohlfahrtsminist« hat in diesen Tagen einen Erlaß herausgegeben, der Dunkelarrest, Kahlscheren, Ueberarbeit verbietet, bessere Schulung des Erzieherpersonals vorsieht und die Aufhebung der Fürsargeerziehung neu regelt. Der Erlaß geht auf die Initiative der sozialdemokratischen preußischen Landtagsfraktion zurück. Es wird über all diese Dinge noch mehr zu sagen sein. Heute nur noch das eine: die konfessio- nellen Organisationen können aus Scheuen auch lernen, wohin es führen kann, wenn nicht ganz streng mit dem alten Geist wirklich aufgeräumt wird. Nicht auf neue Worte, auf echte neue Gesinnung kommt es an. Hedwig Wadienheirn. Zuchthaus für Gchisßheldsn. Kommunisten zu hohen Strafen verurteilt. Das Schwurgericht III verurleille in dcm Prozeß gegen die sechs Kommunisten wegen des Schießübcr- falles auf Nakionalsozialiflen am 1Z. April in der Wilhelmsaue die hauptangeklaglen Achtenberg und hoff» mann wegen gemeinschaftlichen versuchten Totschlages in zwei Fällen, Waffenvergehens und Wasfcnmißbrouchs zu sc vier Zahren Zuchthaus und fünf Zahren Ehrverlust, den Angeklagten Sleinheuer wegen versuchten Tolschlages. Widerstandes, Waffenvergehens und waffenmihbrauchs zu einem Zahr neun Monaten Zuchthaus und fünf Jahren Ehrverlust, den Auge- klagten w e lz c l wegen Vergehens gegen das Schuhwafsengeselz und wegen wasscnmihbrauchs zu neun Monaten Gefängnis. Zwei Angeklagte wurden freigesprochen. Der Staatsanwalt hatte für Achtenbcrg und hoffmann je sünsundeinhalb Jahre Zuchkhaus beantragt. Die hohen Anträge des Angeklagevertreters und die harten Strafen werden verständlich, wenn man sich die besonderen Tatumstände dieses Falles ins Gedächtnis zurückruft. Achnlich wie in Röntgental waren auch hier die Kommunisten vor dcm Ber- sammlungslokal der Nationalsozialisten in Wilhelmsaue anscheinend mit der Absicht erschienen, von ihren Waffen, die sie Verabredung?- gemäß mitgebracht hatte», Gebrauch zu machen. Dort schasse» sie in das Lokal„Edelweiß", hier feuerten sie auf Nationalsozialisten, die ahnungslos des Weges kamen. Selbst der Verteidiger der Ange- klagten mußte in seinem Plädoyer zugeben, die Nationalsozialisten hätten in keiner Weise auch nur irgendeinen Grund zur Schießerei gegeben. Motorboot in Brand! Oer Bootsführer schwerverletzt ins Krankenhaus gebracht. Im Schuppen des Dr. F r a e n k e l am Mrchweg in C l a d o w geriet gestern abend ein M o t o r b o o t in Brand. Der Bootsführer befand sich an Bord, das Feuer schlug aus den Schuppen über. Der herbeigerufenen Feuerwehr gelang es, den Brand zu löschen und den verletzten Vootsführer zu bergen. Dieser wurde mit schweren Brandwunden ins Krankenhaus gebracht. Die Entstchungs- Ursache ist noch nicht bekannt. �' Fast zu gleicher Stunde entstand in Tegelort beim Bootshaus Borussia auf einem zweiten Motorboot ein Brand. Bei den Lösch- arbeiten versank das Boot. Bei diesem Umfall sind Mensdjen erfreulicherweise nicht zu Schaden gekommen. Junglehrer obsiegt gegen Preusten. Wie die Allgemeine freie Lehrergewerkschaft. Berlin, mitteilt, ist gestern vor dem Landgericht I in Berlin die Ent- scheidung inderKlagedesdissidcntischcnJunglehrers gegen das Land Preußen gefallen. Der Einspruch des Staates gegen die Zulässigkeit des Rechtsweges wurde abgewiesen und die Klage selbst zugunsten der dissidentischen Junglehrer ent- schieden. Ein ausführlicher Bericht folgt in den nächsten Tagen. So oerging eine halbe Stunde. Der Ingenieur rieb seinen Körper gegen die weißgetünchte Wand, stöhnte und machte - einige Male den Versuch, die Tür zu erbrechen. Dabei be- schmutzte er sich und sah furchterregend aus. Schtutin beschloß, koste es was es wolle, zum Hausmeister hinunterzusteigen. Es blieb nichts anderes übrig, nichts ande- res, als sich beim Hausmeister zu verstecken. Er kroch schwer atmend am Geländer entlang hinunter, dabei deckte er sich mit einer Hand zu, so wie es Männer inachen, die nackt ins Wasser steigen. Nun befand er sich auf den, Treppenabsatz zwischen dem achten und neunten Stock- werk. Seine Gestalt war von den bunten Rhomben und Quadrat- scheiden des Fensters farbig beleuchtet. Eben wollte er sich weiter hinunterschleichen, als er eine Wohnungstür knarren hörte. Ein junges Mädchen mit einem kleinen Koffer in der Hand war aus der Wohnung getreten. Das Fräulein machte --inen Schritt vorwärts. Ernst Pawlowitsch lief wie rasend die Treppe hinauf und befand sich wieder auf seiner Platt- form. Er wurde vor Herzklopfen fast taub. Es dauerte eine halbe Stunde, bis er sich etwas erholt hotte und zu einem neuen Versuch schreiten konnte. Diesmal beschloß er. ohne auf etwas zu achten, in einem Zug hin- unterzulaufen und sich in der Hausmeisterwohnung zu ver- stecken.� � � C5 aud) j)a6 Mitglied des Verbandes der Techniker und Ingenieure sprang still heulend vier Stufen weit. Auf dem Treppenabsatz des sechsten Stockwertes blieb er stehen und hier lauerten neue Qualen. Jemand kam dl« Treppe herauf.• „Unerträglicher Junge!" hörte man eine Frauenstimme, die infolge des Echos im Treppenhaus noch verstärkt war. „Wie oft habe ich ihm gesagt..." Ernst Pawlowitsch folgte nicht mehr seinem Verstand, nur noch dem Instinkt und floh wie der Kater, den die Hund« jagen, zurück ins neunte Stockwert hinauf. Als e� sich wieder auf seiner schmutzigen Plattform mit den nassen Fußspuren befand, begann er still zu weinen, riß sich an den Haaren und schwenkte den Oberkörper konvulswisch hin und her. Die heißen Tränen drangen in die Seifenkruste ein und ließen wellenförmige Spuren zurück. „Mein Gott!" sagte der Ingenieur.„Mein Gott! Mein Gott!" Für ihn war alles tot und zu Ende. Und doch hörte er deutlich den Lärm der auf der Straße vorbeifahrenden Last- auws. Also irgendwo gab es doch noch eine Art Leben! Er stachelte sich noch einige Male auf, hätte hinunterlaufen mögen: er vermochte es aber nicht mehr. Seine Nerven waren total erschlafst. Er war gefangen. „Sie lassen einen Dreck hinter sich, wie die Schweine!" vernahm er die Stimme einer alten Frau von unten her. Der Ingenieur lief zur Wand und stieß einige Male mit dem Kopf dagegen. Das Vernünftigste wäre selbstverständlich gewesen, so lange zu schreien, bis jemand kam und ihn aus diesem elenden Zustand befreite, auf die Gefahr hin ins Ge- fängnis zu kommen. Ernst Pawlowitsch aber hatte alle Ueber- legung vollständig verloren und irrte schwer atmend auf der Plattform umher. Er war verloren. Ein Gespräch mit dem nackten Ingenieur. Der große Kombinator hatte Ernst Pawlowitsch tagsüber nicht angetroffen— die Wohnung hatte er versperrt vorge- funden und der Hausherr war wahrscheinlich ihm Büro— und so beschloß er, gegen Abend zu ihm zu gehen. Indessen irrte er in den Straßen umher. Er lechzte nach Betätigung. Er schritt durch die Gassen, blieb auf den Plätzen stehen, machte den Polizisten süße Augen, hals den Damen ins Auto steigen und trug ein Gehaben zur Schau, als wäre ganz Moskau mitsamt seinen Denkmälern. Elektrischen, Kirchen und Bahnhöfen bei ihm zum Rout geladen. Er schritt zwischen den Gästen umher und hatte für jeden ein warmes Wort. Schon etwas ermüdet vom Empfang einer solchen Menschen- masse, begab sich der große Kombinator gegen sechs Uhr abend zum Ingenieur Schtukin. Das Schicksal aber wollte es, daß Ostop zwei Stunden lang zurückgehalten wurde, bevor er Ernst Pawlowitsch zu Gesicht bekam, noch ein kleines Protokoll unterschreiben mußte. Der große Kombinator geriet nämlich auf dem Theater- platz unter eine Droschke. Ganz unerwartet stürzte sich plötz- lich ein schüchternes weißes Pferd auf ihn und stieß ihn mit der knochigen Brust zu Boden. Qstap fiel schweißbedeckt hin. Es war sehr heiß. Das weiße Pferd wieherte laut, es bat förmlich um Entschuldigung. Qstap hatte sich rasch erhoben. Sein mächtiger Leib war unverletzt. Um so mehr Grund, einen Skandal zu provozieren. Moskaus liebenswürdiger großartiger Gastgeber war nicht wiederzuerkennen. Er näherte sich vor allem dem alten Droschkenkutscher und versetzte ihm einen Faustschlag in den wattierten Rücken. Der Alte nahm die Strafe gelassen hin, Ein Polizist kam gelaufen. „Ich verlange ein Protokoll!" rief Qstap mit Pathos. Metalltöne klangen in seiner Stimme, der Stimme eines Menschen, der in seinen heiligsten Gefühlen verletzt ist. Qstap stand an der Rampe des kleinen Theaters, dort, wo später einmal dem großen Dramatiker Ostrowsky ein Denkmal er- richtet werden sollte. Er unterschrieb ein Protokoll und gab auch dem herbeigelausenen Reporter Persizki ein Interview. Persizki scheute keine Müde. Er schrieb Ostaps Vor- und Zu- namen sorgfältig in sein Notizbuch ein und lief weiter. Qstap ging stolz seines Weges. Er stand noch immer unter dem Eindruck des Unfalls und bedauerte nur, den Kutscher nicht gehörig geohrfeigt zu haben. Cr überquerte eine Straße und stieg sodann langsam die Treppe empor, wo Schtukin wohnte. So kam er bis ins siebente Stockwerk, als plötzlich «in schwerer Tropfen auf seinen Kopf fiel. Er sah hinauf. In dem Moment spritzte ihm ein Patzen schmutzigen Wassers in die Augen. „Für solche Scherze muß geohrfeigt werden!" beschloß Ostap. Er stürzte hinauf. An der Tür der Schtukinwohmmg saß, ihm den Rücken zukehrend, ein nackter Mensch auf dem Boden, der mit weißen Ekzemflechten bedeckt war. Er saß auf den Steinfliesen, hielt den Kopf fest umklammert und be- wegte den Oberkörper hin und her. Um den nackten Menschen wogte eine Wasserflut, die aus dem Türspalt hervorquoll. „O— o— o", stöhnt« der nackte Mensch.„O— o— o." „Sagen Sie mir, was machen Sie hier für Wasser- spiele?" fragte Ostap gereizt.„Was haben Sie sich da für eine sonderbare Stelle zum Baden ausgesucht? Sind Sie ver- rückt geworden?" Der nackte Mensch sah Ostap mit verschleierten Augen an und schluchzte. „Hören Sie mich an, Bürger, statt zu weinen, sollten Sie sich reinigen gehen. Schaun Sie nur, wie sie aussehen! Wie ein Pitador!" „Der Schlüssel!" meckerte der Ingenieur und klapperte mit den Zähnen.(Fortsetzung folgt.) Berliner Etat vor dem Stadtparlament Der erste Tag der Debatte über den Haushaltplan 1931. Vor Eintritt in die Hausholtberatun�en crlcbifitc die Stadt- vcrord»etei>versc.mmlung zunächst eine Reihe Vorlogen, die meist ohne Aussprache angenommen wurden. So u, o. die Bilanzen der F o r st v e r w a l t u n g, des S t a d t f u h r p a r k s, des Bich� und Schlachthofes und der S t a d t e n t w ä s s c- r u n g. Beschlossen wurde auch der Bau eines Fnßgängersteges von Ruhleben nach Sicmensstadt. Kommunisten gegen Arbeiisbeschaffung. Dann bestätigten die kominunisten unsere vor einigen Wochen getroffene Feststellung, daß sie die ärgsten Feinde jeder A r b c i t s b c s ch a s f u n g sind, weil dadurch ihre Agitationsmög- lichtciten herabgesetzt werden könnten. Es handelte sich gestern noch einmal um den Bau für dos Arbeitsamt Süd-Ost. das bisher in völlig unzureichenden, hygienisch sehr zu beanstanden- den Räume» in Neukölln untergebracht war. Die Kommunisten hatten den Neubau abgelehnt, gemeinsam mit den Deutschnationalen und Nationalsozialisten. Der Magistrat forderte jetzt in einer Bor- läge die Zustimmung zur Aufnahme eines Darlehens von Ml) VW Mark als Zuschuß für den Bau, wozu Berlin gesetzlich verpflichtet ist. Der Kommunist Bensch, auch ein Arbeits- amtsangestellter, lehnte namens seiner Gesinnungsgenossen auck) gestern wieder die Vorlage und damit den Bau ab und sein Frak- tionsvorsitzcndcr Wisncwski bestätigte nach Bensch mit allem Nach- b-ud die Feindschaft der Kommunisten gegen Arbeitsbeschaffung. So fanden sich auch dann wieder die Kommunisten mit ihren Freunden, den Nazis und Deutschnationalen, in der Ablehnung zusammen. Eine Mehrheit genehmigte aber die Vorlage und stellte damit unter Führung der Sozialdemokratie den Bau und damit Arbeit für Hunderte von Bauarbeitern sicher. Die Kommunisten aber werden weiter„Arbeitsbeschaffungs- Programme" ausbrüten! Der Magistrat äußerte sich zunächst nicht zur Sache, so daß Genosse Flalau—„unfreiwillig", wie er sagte, als„Magistratskommissar" das Wort nahm. Er mache das sehr ungern und hoffe, es nie wieder nötig zu haben! Flatau betonte gegenüber den kommunistischen Rednern die gesetzliche V e r- v flichtung der Stadt zur Bereitstellung von Grund- slllcken und Räumen für die Arbeitsämter. Bei den Verhandlungen, das könne er als Mitglied des Verwaltungsrates feststellen, seien die Belange der Stadt voll gewahrt worden. Die Stellung der Kommunisten würde besonders von den Arbeitslosen nicht ver- standen werden. Die Haushaltberatung. Die Haushaltberatung begann mit dem Kapitel H a u p t v e r- w a l t u n g. Dabei spielte insbesondere der Etat des städkischen Nachrichkenamkes eine erhebliche Rolle. Bekanntlich war im Ausschuß auf Antrag der Dcutschnationalcn die Auflösung des Nachrichten- amtes überhaupt beschlossen worden. Um diesen Antrag ging es nun, wobei die merkwürdige Auffassung gewisser Leute von den Aufgaben, der Wirkungsweise und den Obliegenheiten einer i5kj!e zur Nachrichtenvermittlung an die großstädtische Presse zum �iilsdruck kam Stadtv. von Zecklin lDnat.) bemängelte beispiels- (."tifcfc i)oß der Vertreter des Nachrichtenamies allmittäglich zur Pressekonferenz der Reichsregierung im Auto fahre! Für Herrn von Jecklin scheinen Autofahrten allerdings nur Vergnügungs- fahrten zu sein!. Selbstverständlich stießen Kommunisten und Nazis in das gleiche Horn. Sladkv. Flakau(Soz.) gab seiner Befriedigung darüber Ausdruck, daß die anwesende Presse erfahren könne, i» i e sachverständig im Ausschuß über das Rachrichtenamt und Presseangelegenheiten geredet wurde. Flatau gab zunächst einen Rüdblid auf die Entstehung des Nachrichten- amtes: es fei doch die Absicht gewesen, den privaten Per- sonen die Uebermittlung der Nachrichten aus der Stadtverwaltung an die Presse zu nehmen. Strengste Objektivität zu erreichen, sei die Absicht gewesen, die er- reicht wurde. Die Gründe, die sich die Gegner bei der Ablehnung der Person des Leiters des Nachrichtenamtes zu eigen machen, fielen für die Sozialdemokraten selbstverständlich völlig fort: sie werden allerdings verständlich, wenn man weiß, daß der Leiter der So- zialdemokrat Dr. Loh mann ist.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Die Hauptsache sei, daß das Nochrichlenaml im Urteil der ernsten Prejfe bestehen können und das ist der Fall. Im Ausschuß ist doch selbst verlangt worden, die Zeitungen sollten die Mitteilungen, die sie vom Amt bekommen, bezahlen. Damit wäre dann also glüdlich das alte Hökergcfchäft um die Nadirichten wieder hergestellt! Das lehnen die Sozialdemokraten auf das cnt« schiedcnstc ab, Sie sind vielmehr mit der vom Oberbürgermeister Dr. Sabin zugesagten objektiven II e b e r p r ü f u n g der Organi- tation des Nachrichtenamtes einverstanden und erwarten, daß sich diese Ueberprüfung nicht auf Personen, sondern auf das rein fach- liche Getiist.der Vereinfachung und Verbilligung erstvede. Wer einem dahingehenden Antrag der Sozialdemokraten nicht zustimme, der zeige, daß nur einseitige politische Gründe für ihn maßgebend seien.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Gegen lg Uhr wurden die Abstimmungen zu den ver- handelten Etattiteln vorgenommen. Dabei wurden eine ganze An- zahl kommunistisd)er und nationalsozialistischer Anträge abgelehnt. Angenommen wurde nüt 96 stimmen der Sozialdemokraten und der Mittelparteien gegen 85 Stimmen der Kommunisten und der Rechtser der vorerwähnte Antrag der Sozialdemo- traten zum N a dz r i ch t e n a m t, Die Stadtverordneten wandten sich dann der Beratung der Kapitel Polizeiverwaltung, Straßenbau, Siedlungs- und Wohnungs- wesen, Sdzule und anderer Kapitel zu. Dabei lehnte Stadtv. kleine (Komm.) die Zusdzüsse zur staatlidzen Polizei generell ab, ebenso Stadtv. Engel(Nfo;.). Dem S ch u l e t a t versagte der Kommunist lT'chubring die Zustimmung. Stadko. Kreuzigcr(Soz.) bedauerte, daß es in diesem Jahre nicht möglich ist, den Schuletat auf der Höhe der Vorjahre zu halten. Es sei der Untersdzied zwischen den Deutschnationalen und den Sozialdemokraten, daß die crsteren Abstriche bei den sozialen Erfordernissen der Schule verlangen. während die Sozialdemokraten für deren Erhaltung und ihren Aus- bau eintreten. Die Stadtv. Frau W e tz c l(Dnat.) habe sich hier im Plenum gegen eine Heraussetzung der Klassenfrequenz ausge- sprachen, während ihr Parteifreund Steiniger im Ausschuß eine Anfrage stellte, die im Unterton erkennen ließ, daß man getrost her- qussetzen solle.(Hört, hört! bei den Soz.) Gegenüber dem kommu- i'istifdzcn Redner erklärte Kreuziaer, daß für die Lehrmittelerteilunq stmner noch iOO Pro; mehr im Etat standen, als beispiels 1924 und sticht„ein paar Pfennige. wie Herr Schubring zu sagen beliebte. Alle vcr>esserungsankräge sind von den Sozialdemokraten gc- '' kommen. Obwohl die Gegenseite vor bewußten Uebertreibungeu nicht zurück- sdzredte, seien dennoch genügend Unzuträglichkeitcn festzustellen. Ins- besondere sei durch die E r h ö h u n g der P s l i ch t st u n d c n z a h l eine Uebcralterung der Lehrkörper zu befürchten, da junge Kräfte nicht eingestellt werden können.— Es fragt sich, ob die ergriffenen Maßnahmen zu umgehen waren. Bei den Finanzverhand- l u n g c n ist von den Staatsvertretern stets hervorgehoben worden, daß Berlin Maßnahmen, wie sie andere Städte längst durchführen müßten, immer noch nicht nötig hatte. Kreutziger bat die Schul- Verwaltung um Auskunft wegen derKündiguiigenderJung- l e h r e r. In einem Antrag forderten die Sozialdemokraten, daß die Kündigungen nicht zu ständigen Entlassungen führen und daß bei etwaigen Entlassungen Härten vermieden und individuell ver- sahrcn wird. Am Schluß gab es noch einige erheiternde Momente, als der Nazi-Schulz, ein Stadtinspektor aus einem Fachschulbüro, eine „Rede" stotternd aus einem Manuskript abzulesen versuchte. In einem zu gegebener Zeit zu veröffentlichen Schulprogramm werde sich zeigen, so kündete Herr Schulz an, daß die Nationalsozialisten sür Zucht und Ordnung in der Schule seien. Ganze zwei Nazis hörten dem nationalsozialistisdien„Redner" zu, die anderen waren geflüchtet! Schluß der Sitzung gegen 22 Uhr. JJ Sic können im Stall enden!" Sagt der städtische Herr Gutsadmlnistrator. vor dem Schöffengerichk Berlin- Pankow kam am Donnerstag ein Fall zur Verhandlung, der einen betrübenden Einblick in da» traurige Schicksal einer Schuhmacherfamilie gewährte. Vor den Sd)ranken des Gerichts stand die Frau Sch. und weinte bittere Tränen. Es ging um ihre Wohnung, die sie in- zwischen verloren hat. Heute wohnt sie mit ihrem kranken Mann und ihren zwei arbeitslosen Söhnen in einer dürstig hergerichteten Laube. Bis zum letzten Iunitag dieses Jahres wohnte sie in einem 5)ause �es Vorwerks Rosenthal, das zum Perliner städtischen Gut Blankenfelde gehört. Der Mietzins, den sie 12 Jahr« lang bezahlte, betrug für die Zwei- zimmerwohnung 36 M. im Monat. Die Wohnung hat ihre kleine Geschichte. Während des Krieges lag ein Brigadestab der kaiserlichen Armee aus dem Gut Blanken- felde, ein Teil der Mannschaften lag in Falkenberg hinter Weißensee. In Falkenberg lag auch der Kompagnieschuster Sch., und als die alte Armee aufgelöst wurde, sagte man ihm, er solle doch aufs Gut Blankenfelde kommen, da wäre für die Arbeiter genug Schuh- zeug zu reparieren. So zog Sch. mit seiner Familie in die Guts- wohnung, ohne allerdings ein vertragliches Arbeitsverhältnis mit der Gutsverwaltung einzugehen. Anfänglich war alles schön, bis der Schuster an einem Darmgeschwür erkrankte. Da er sich nicht mehr bücken konnte, war es aus mit dem Schuhbesohlen. Schmalhans wurde Küchenmeister. Jetzt ist der Mann so elend, daß Ihm eine Operation wohl Heilung bringen könnte, das Reinicken- dorfer Krankenhaus aber den Mann wegen seiner Schwäche nicht zu operieren vermochte. Es war ein großes Glück für die Familie, daß der Mann bei Bergmann in Rosenthal als Einholer für die Teeküche der Belegschaft unterkommen konnte, wo er gegenwärtig 23 M. in der Woche verdient. Zu Hause sollen aber von diesen 23 M. insgesamt vier hungrige Mäuler gestopft werden, denn da sitzen noch zwei Söhne, beide wie gejagt arbeitslos. Was war von alledem die Folge? Die Familie blieb die 36 M. monatlich« Miete schuldig. Und jetzt kommt die Wendung in dem Fall, um dessent- willen er eine Veröffentlichung erheischt. Die Frau Sch. geht aufs Gut Blankenfelde, zum Büro des Herrn Administrators Dr. D. und sagt:„Verzeihung. Herr Doktor, kann ich Sie wegen der Abzahlung der rückständigen Miete sprechen?" Darauf Dr. D.:„Ach. ich kenne Sie schon, wie komme ich dazu, Ihnen die Miete zu stunden." Und weiter sagt dieser in guter fester Stellung sich befindende Herr Adniinistrator zu der ver- härmten, in größter Not sich befindenden Frau: „Sie sind gekleidet wie eine Baronesse, schützen Ihren kranken Mann vor und wollen nur die Wohlfahrt ausnutzen. Gehen Sie raus und verdienen Sie sich die Miete!" Die Frau weint wieder und sagt, sie wird die Wöhraing aufgeben, denn die 36 M. Miete kann sie nicht erschwingen. Da beendet der Herr Administrator Dr. D. die Unterhaltung mit den Worten:„Meinetwegen können Sie im Schweine- stall enden!" Das, wohlgemerkt, sagte Dr. D. zu einer Frau, die nicht zu den Gutsarbeitern gehörte. Am Donnerstag folgte das Nachspiel vor dem Amtsgericht Pankow. Rechtlich lag der Fall für die Famili« Sch. aussichtslos. Man einigte sich auf eine ratenweise Abzahlung der rückständigen Miete. Wobei der Frau noch 13 M. Kosten entstanden sind. Jetzt ist sie in die Laube gezogen, die monatlich 7,50 M. Pacht kostet. Daneben hat sie noch einen Kartofielacker, für den dieser Tage 11,25 M. Pacht fällig sind. Nur hat die Frau Sch. kein« 11,25 M. „Ich weih nicht mehr, wovon wir leben sollen", sagte sie zum Schluß und der kranke Mann hat gedroht, er will allem ein Ende machen. Wie wir hören, hat sich das Wohlfahrtsamt Pankow dieses traurigen Falles einer verarmten Familie angenommen. Die Deputation für Güter und Forsten sollte sich dieses Falles an- und den Herrn städtischen Administrator einmal vornehmen. Selbstmord eines HS jährigen. Warf sich vor die Ziäder eines Vorortzuges. Ein entsetzlicher Vorfall spielte sich gestern abend aus der vorortstrecke zwischen den Stationen Pidielsberge und Spandau ab. In der Nähe der sogenannten Tellower Schanzen warf sich der fünfzehnjährige Richard D ledler aus der Württemberg. ftraße 20 vor die Räder eines elektrischen Zuges. Dem jugeudlidzen Selbstmörder wurde der Kopf vom Rumpfe getrennt. Ueber die Gründe zur Tat konnte bisher noch nichts er- mittell werden. Der verhängnisvolle Schlag. Wegen Körperverlehung mit Todeserfolg vor Gericht. Ein tragischer Vorfall spielte sich am 2. März unter Budz- d rudern ob. Es war Sonntag, kurz noch 5 Uhr morgens. Die Budzdrucker aus verschiedenen Zeitungsoerlagen hatten soeben ihre Nachtschicht beendet und fanden sich in einem Lokal in der Zimmer- straße zusammen. Die einen spielten Skat, die anderen plauderten bei dem letzten kleinen Becher, es herrschte die friedlichste Stimmung der Welt. Ter Buchdrucker N. kam mit seinem früheren Arbeits- kollegen, dem Buchdrucker M. ins Gespräch und erinnerte ihn an seine Schuld von 3 Mark, die er ihm vor längerer Zeit während der Arbeitslosigkeit geliehen hatte. M. konnte sich daran nicht mehr erinnern, er madste verschiedene Ausflüchte. Als M. einige Minuten später an dem Tifd) vorbeikam, an dem N. saß, nahm einer seiner Kollegen M. den Hut vom Kopf« und gab ihn N.„Da hast Du ein Pfand". M. ging zur Türe, N. folgte ihm, stülpte ihm den Hut auf den Hinterkopf und versetzte ihm einen Sdzlag ins Genick. M. der schon auf der Straße war, drehte sich um, erhielt aber fast in dem- selben Augenblick von N.«inen Schlag gegen das. Kinn oder gegen den Hals. Der Fahrdamm war glitschig, M. fiel um und blieb b e° sinnungslo/; liegen. Während N. mit einem seiner Kollegen damit beschäftigt war, M. vom Fahrdamm auf das Trottoir zu schaffen, entstand ein Auslauf, ein Polizeibeamter erschien, und nahm die Personalien der Beteiligten und der Zeugen auf. M. hatte sich unterdessen erholt, und erklärte, ohne fremde Hilfe nad) Hause gehen zu können. Er wollte eine Taxe nehmen. Man fand ihn einige Zeit darauf auf der Treppe seines Hauses im befinnungs- losen Zustand. Der Arzt konstatiert« einen Sdiädelbruch. Kurze Zeit darauf starb der Verunglückte. Als N. am Dienstag, dem 4. März, seinen Nachmittagsdienst antreten wollte, wurde er ver- haftet. Er hatte nicht geahnt, daß der Schlag derartige Folgen haben könnte. Der Staatsanwalt beantragte gegen den Angeklagten wegen Körperverletzung mit Todeserfolg eine Gefängnisstraf« von neun Monaten. Das Gericht verurteilte N. wegen Körperverletzung mit Todeserfolg zu n e u n M o n a t e n G e f ä n g n i s. In der Urteils- begründung heißt es: Davon, daß er den Tod des N. gewollt hätte, ja, daß er ihn vorausgesehen hätte oder ihn yorayszufchen imstande gewesen wäre, könne gar keine Rede sein,: Der Tod steht ober in ursächlichem Zusammenhang mit dem Schlag: N. hat somit die Folgen dieses Schlages zu tragen. Heber die Frage der Bewährungs- frist soll erst nach anzustellenden Ermittlungen entschieden werden. N. stand nach der Verurteilung wie vom Donner gerührt regungs- los da. Er hatte immer noch gehofft, daß er für den Tod, den er nicht gewollt und für den er nichts kann, nicht verantwortlich gemacht werden würde. Wenn er ähnliches hätte ahnen können, er wäre an jenem verhängnisvollen Morgen an seinen Kollegen bestimmt nicht herangetreten, um ihn an die alte Schuld von 3 Mark zu mahnen.... OerRaubüberfall aus die Hausbesitzerin Oer Schwiegersohn vollkommen unschuldig. Am Donnerstag früh wurde, wie wir berichteten, die 65 Uahre alte Hausbesitzerin Therese Felske in ihrer Wohnung in der hermannstraße 44 zu Neukölln von drei maskierten Männern überfallen, mißhandelt und beranbt. Frau Felske hatte einen so schweren Nervenzusammenbruch er- litten, daß sie bis in den Nachmittag hinein mit einer Vernehmung verschont werden muhte. Am Tatort hatten in der Zwischenzeit die Kriminalbeamten des Raubdezernots festgestellt, daß einer der Ein- brecher vom Trcppcnflur aus zu einem offenstehenden Kammer- fenster hinübergeklettcrt und dort eingestiegen war. Es ist ferner festgestellt, daß die Töter nicht 300, sondern 600 Mark mitgenommen haben. Außerdem haben sie böswillig manches vernichtet. Einer der Täter hat sogar den Zuleitungsdraht der elektrischen Lampe abgerissen, um mit ihm die Greisin zu fesseln. Sie war jedoch bereits bewußtlos, und so nahm er von der Fesselung Abstand. Be- kanntlich hotte Frau Felske zunächst ihren Schwiegersohn als einen der Täter bezeichnet. Diese Beschuldigung ist vermutlich auf die starke Aufregung und das Mißverhältnis zwischen den Ver» wandten zurückzuführen. Es ist bei Prüfung des Alibis des Schwiegersohnes seine Unschuld vollkommen einwand- frei festgestellt worden. Wie bereits gemeldet, sind für die Er- mittlung der Täter von der Kriminalpolizei 500 Mark Belohnung ausgesetzt worden. Unter Hinweis auf diese Belohnung werden alle Personen, die über die Täter etwas mitteilen können, gebeten, sich bei der Dienststelle B. 5 im Polizeipräsidium zu melden. Lim ein �embrandi-Bild. Schadenersahtlage von 160000 Mark abgewiesen. Eine Schadenersahklage in höhe von 160 000 Mark, die der Kunsthändler Laras gegen den Sunstsammler Dr. Kern sowie die Kunsthändler Busch und G r a u- bort angestrengt hatte, wurde von der 13. Zivilkammer beim Landgericht II auf Kosten des Klägers abgewiesen. Es handelte sich dabei um ein Gemälde„Die Heilige Fa- m i l i e a u s b.e r Flucht", das dem Kunsthändler Laras angeblich als ein echter R e mch r a n d t verkauft worden sei, während es sich später herausgestellt habe, daß das Werk lediglid) ein Gemälde des Rembrandt-Schülers F a b r i c i u s sei. Die Klage stützte sich darauf, daß der Kuustsammler Dr. Kern sowie die Kunsthändler Busch und Graubart eine Rech« von Umständen, von denen der Sauf abhängig gemacht worden sei, bewußt verschwiege». Ja de« Prozeß, der schon lang« Monat« die Zivilkammer beschätz- (igte, sind auch eine ganze Reihe von namhaften Sachverständigen gutachtlich gehört worden. So hat der- verstorbene Geheimrat Bode die„Heilige Familie auf der Flucht" im Jahre 1928 als einen Rembrandt bezeichnet, während er einige Jahre vorher der Auffaffung war. daß es sich um das Werk eines Rembrandt- Schülers handele. Andere Experten haben sich zurückhaltend ge- äußert. In der Begründung des Urteils sagte der Vorsitzende, das Gericht habe lediglich prüfen müssen, ob die beklagten Kunsthändler bei den Verkaufsverhandlungen den Kunsthändler Laras arglistig a e t ä u s ch t und eine Reihe von Umständen bewußt verschwiegen hätten. Trotz großer Verdachtsmomente nach dieser Richtung hin habe die Beweisaufnahme dafür aber nicht den vollen Be- weis erbracht, so daß die Klage kostenpflichtig abgewiesen werden inußte. Z�eichswehrsoldaten tödlich verunglückt. Mit dem Motorrad in einer Kurve gestürzt. Auf der Chaussee zwischen den Ortschaften Marzahn und Eiche, dicht vor den Toren Berlins, ereignete sich in der vergan- genen Nacht ein furchtbares Motorradunglück, bei dem ein Re l ch s- wehrsoldat getötet und sein Begleiter lebensgefährlich vcr- letzt wurde. Die Verunglückten, der 28jShrige Unterfeldwebel Adolf Kurz vom Wachtregiment Berlin in der Rathenower Straße und der 26 Jahre alte Unterwachtmeister Helmut Philipp vom gleichen Truppenteil, hatten gestern abend eine Motorradfahrt unternommen. Auf der Rückfahrt passierte das Unglück, das in seinen Einzelheiten bisher nicht geklärt werden konnte, da der überlebende Schwerver- letzte noch nicht vernehmungsfähig war Automobilisten fanden auf der Chaussee, die an der stelle eine stark« Kurve beschreibt, die beiden Soldaten leblos neben dem unigestürzten und schwer beschä- digten Motorrad. Der Unterfeldwebel Kurz war bereits tot; offen- bar hat er' sich bei dem Sturz das Genick gebrochen. Sein Begleiter, der Unterwachtmeister Philipp, wurde in das Lichtenberger Hu- bertus-Krankenhaus gebracht, wo er bedenklich daniederliegt. Eine Untersuchung ist eingeleitet worden. Oer Reiseverkehr am ersten Ferientage. Am Donnerstag, der den Berliner Fernbahnhöfen den stärk st enReiseverkehramFerienanfang brachte, stand der S t e t t i n e r B a h n h o f ganz im Zeichen der Kinder. Die O st s e e, die von den Berlinern als schönste und zweck- mäßigste Sommerfrische für Kinder angesehen wird, hat auch in diesem Jahre von ihrer Anziehungskraft nichts eingebüßt. Schon von den frühen Morgenstunden an war der Stettiner Bahnhof von Reiselustigen belebt, unter denen die Kinder, mit ihrer lebhaften Ferienfreude die weiten Hallen füllend, vorherrschten. Bis gegen 11 Uhr vormittags wurden hier nicht weniger als 6 Ferien- sonderzüge nach der Ostsee, an die m e ck l e n b u r g i s'ch e und an die pommersche Küste sowie Rügen abgelassen. Amerikanischer Oelhafen in Flammen. London. 2. Juli. Britischen Meldungen zufolge, gerieten am Donnerstag in dem Oelhafen Port Arthur(Texas) die beiden amerikanischen Tankdampfer„C u r r i e r"(4711 Tonnen) und„Golf o f x- i co". 4J8OT- Tonnen) in Das Feuer uahm.rastt>.ungeheure Formen an und dehnte sich auf einen Teil der Hafenanlagen aus, die zur Zeit noch in Flammen stehen. Durch das Ausfließen des brennenden Oeles auf das Wasser fingen fünf große MotorbooteFeuer, die völlig ausbrannten. Der angerichtete Schaden ist vorläufig noch nicht zu übersehen. DaS verbotene Spartakiadeabzeichen. Der Polizeipräsident teilt mit: Verschiedentlich ist versucht worden, das nunmehr verbotene Fest- obzeichen der Spartakiade durch rote Uebermalung unkennt- lich zu machen und in dieser Form weiter zu tragen. Da in diesem Vorgehen eine bewußte Umgehung des am Mittwoch er- lasfenen Abzeichenverbotes erblickt werden muß, wird auch gegen die Träger derartiger Abzeichen vorgegangen werden. Wegen Tragens des verbotenen Spartakiadeabzeichens wurden gestern im Laufe des Tages 159 Festnahmen vorgenommen. „Graf Zeppelin" über Berlin. Von Hamburg kommend überflog„Graf Zeppelin" auf seiner Rückfahrt von der Nordlandrcise nach Friedrichshofen um 21 Uhr die Reichshauptstadt. Aufbau am Wedding Zähe Arbeit in schwerer Notzeit In diesen Wochen und Monaten, wo auf allen Gebieten des kommunalen Lebens ein zäher Kampf um die Erhaltung der wichtigsten Errungenschaften der Nachkriegszeit geführt werden muh, ist es von besonderem Wert, einen konzentrierten Ueberblick zu er- halten über die Aufbauarbeit eines Berliner Bezirks, der seit seiner Schaffung vor zehn Jahren ununterbrochen unter s o z i a l d e m o- k r a t i s ch e r Verwaltung gestanden hat. Man ist ja im W e d d i n g wie auch in den meisten anderen Berliner Bezirken im April ohne größere Umstände darüber weggegangen, daß ein zehn- jähriges Jubiläum fällig war. Die Zeiten sind nicht geeignet für Feiern. Aber dankbar muß man es begrüßen, daß unter Mitarbeit des Bezirksamtes Wedding ein gedruckter Ueberblick über die Arbeit dieser zehn Jahre vorliegt, und es ist nicht zuviel gesagt, wenn man diesen zähen Kampf gegen die soziale Not der Zeit als Aufbauarbeit im besten Sinne des Wortes bezeichnet. Die Bewohner des weddings wissen es. daß ihr Bezirk in den letzte,, zehn Zähren eine mächtige Entwicklung durchgemacht hat. Berlin ist gewachsen und der Norden hat an diesem Wachstum einen großen Anteil gehabt. Aber vielleicht an keiner anderen Stelle der mächtig aufstrebenden Millionenstadt spürt man hinter diesem Wachstum und bei allen Aenderungen der äußeren Er- scheinung in so starkem Maße den bestimmenden Willen sozialer Gesinnung wie im Wedding. Dien st an der Allgemeinheit ist hier Arbeft für die ärmsten Schichten der Bevölkerung. Einige Zahlen zeigen die Bedeutung der wichtigsten Leistungen dieser zehn Jahre. Der Wedding ist ein dichtbesiedeltes, von Fabrikbetrieben durchsetzes Wohngebiet mit vorwiegend fünfgeschossigen Vorder- und Hinterhäusern. 361 974 Einwohner in 199 693 Wohnungen ver- teilen sich auf eine Fläche von 499,19 Hektar. Diese Zahlen zeigen die ungeheure Bevölkerungsdichte. 30 009 Schulkinder werden in 80 Schulen unterrichtet. Die Badeanstalt in der Gericht- straße und das Freibad Plötzensee hatten allein im Jahre 1930 eine Besucherzahl von je 1 Million zu verzeichnen. Bei dieser Bevölkerungsdichte ist es eine Lebensfrage für die Bc- oölkerung, daß genügend Grün- und Erholungsflächen zur Ver- fllgung stehen. Im Laufe weniger Jahre hat das Bezirksamt unter Führung des Bürgermeisters Karl Leid es verstanden, durch groß- zügigste Schaffung neuer Parkanlagen die Grünflächen zu ver- doppeln. Im alten Preußen beruhte der Stolz einer Stadt oder eines Bezirks auf der möglichst großen Zahl von Exerzierplätzen. 3m Gegensah dazu sind unsere Genossen im Bezirksamt Wedding stolz auf jeden neuen Quadratmeter Grünfläche, den sie der Arbeiterschaft zur Verfügung stellen können. Welche gewaltige Arbeit die Verwaltung einer Großstadt, wie sie doch jeder einzelne der Berliner Bezirke darstellt, mit sich bringt, sieht der Außenstehende nur selten. Er weiß auch nicht, besonders deshalb nicht, weil er immer wieder in der Sensationspresse„Eni- hüllungen" über die„Mißwirtschaft der Bürokratie" liest, welche große Rolle die Organe der Selbstverwaltung� das Laienelement, bei der Bewälligung der vielseitigen kommunal- politischen Aufgaben spielen. Allein im Bezirk Wedding sind— hauptsächlich auf dem Gebiete der Wohlfahrt und der verschiedenen Zweige der. Fürsorge— 1699 Bürger ehrenamtlich tätig und es sind nicht immer'schone un5 ehrenvösie elusgahen, kne sie durchzuführen haben. Welche gewaltige Arbeit im Dienst« der Allgemeinheit jvird hier Monat für Monat, Jahr für Jahr geleistet— die Sozialdemokratie kann stolz darauf sein, daß es nicht wenige gerade ihrer Mitglieder sind, die auch hier, wo es keine Lorbeeren oder laute An- erkennungen zu holen gibt, ihre Zeit und Kraft zur Verfügung stellen. Die äußerliche Veränderung des Stadtbildes im Wedding kann jeder Besucher selbst feststellen. Leider kommen die Fremden, die Berlin besuchen, selten über das Zentrum oder den Westen hinaus und dabei zeigen doch gerade die anderen Bezirke und unter ihnen der Wedding in weit stärkerem Maße, die Veränderungen der Nach- kriegszeit, das Tempo des Wachstums, das neue, moderne, städte- baulich und sozialpolitisch interessante Berlin. Der Bericht des Bezirksamts— erschienen unter dem Titel„Der Wedding in Wort und Bild", Laubsche Vorlagsbuchhandlung— ist jedoch in anderer Richtung noch besonders interessant. Er zeigt den Ausbau und be- legt ihn mit Zahlen auf Gebieten, die nicht so ohne weiteres in die Augen springen. Er zeigt den mühseligen Kampf einer von Sozial- demokraten geführten Verwallung, denen nur wenig Spielraum für die eigene Initiative gelassm war, gegen die Not der Zeft. Bei den wenigen zur Verfügung stehenden Mitteln ist selbst die Schaffung einer neuen Krabbelstube für die Kinder berufstätiger Prolctarierinncn eine Tat, und was hat man nicht alles geschaffen in den zehn Jahren, die der Bericht uinfaßt. Da ist die unent- gclllichc Beratungs- und Behandlungsstelle für Geschlechts- kranke, die Tuberkulose-, Krüppel-, Psycho- pathenfürsorge, die Eheberatungsstelle. das Schulsonderturnen und vieles andere. Wer die ungeheure Arbeil, die in den letzten Zahreu in de Kommune Verlin geleistet worden ist, genauer kennenlerne, will, muß in die Bezirke gehen. Man muß dem Bezirksamt Wedding dankbar dafür fein, daß es gerade jetzt, durch die einfache Schllderung des Geschaffenen, ohne große Ruhmrederei, unter dauerndem Aufzeigen dessen, was noch fehlt und einer tapferen, ehrlichen Nennung der Ursachen dafür, daß nicht mehr getan werden konnte, einen tieferen Blick in das innere Getriebe Berliner Kommunalpolitik tun läßt. Hier ist pro- duktive Arbeit geleistet worden zum Wohle des Dolksganzen und die Berliner Sozialdemokratie kann stolz darauf sein. Allgemeine Wetterlage. 2.üuU �334, abds. zf!"Gk Gwolkrnlo&O heiter, d halbbedeckt ® wolkig,• bedeckt,*RegenAGraupeln .sNebeU5 Gewtftec@Wmdstille Das flache Tief, das am Mittwoch morgen über Süd lag, hat sich sehr schnell nach Nordosten verlagert und befindet sid heute bereits über dem mittleren Deutschland. Der Grund dafür war die gestrige starke Erwärmung des südlichen Mitteleuropas, wo die Temperaturen fast auf 39 Grad stiegen. Das Tief brachte gestern nachmittag und in der Nacht Süd- und Südostdeutschland zum Teil ergiebige Gewitterregen, die sich bis in den südlichen Teil der Mark Brandenburg hinein erstteckten. Nach dem Vorübcrgang der Gewitterfront lag über den betreffenden Gebieten eine wärmere Luftmasse, die auch bis in größere Höhen feucht war. Die westlichen Strömungen sind nur wenig nach Osten vorgerückt und sind auch nur schwach ausgeprägt. Bis morgen dürften wir aber doch, da jetzt über England und dem ganzen Ozean Westwinde wehen, unter ihrem Einfluß und in den Bereich von maritimen Luitmasien kommen. -i- Wetteraussichten für Berlin: Wechselnd bewölkt und kühler, Strichregen, mäßiee westliche Winde.— Zur Deutschland: Im Süden noch meist heiter und wann, in West- und Mitteldeutschland kühler und stellenweise Regen, im Osten im Laufe des Tages Bc- wölkungszunahme, Gewitterregen und Abkühlung. suireii ic«sc Kolonialwaren wurst-waren weine, Spirituosen OBST UND GEMUSE Molkereibutter.......... Pfd. 1.18 Allerf. deutsche Marksnb..Pfd. 1,48 Dänische Butter......... Pfd. 1.54 Margarine,>'/, Pfd.-Packung 0.50 Vollfetter Schweizer an Pfd. 1.28 Holländer-Bauernkäse Pfd. 1.20 Edamer, Holländer 40"/0Ptd. 0.78 Tilsiter 20°io............... Pfd. 0.50 Edamer 20»/»............. Pfd. 0.58 Harzer Faustkäse...... Pfd. 0.35 Sahnenschichtkäse....Stck. 0.38 Weißkäse............... Pfd. 0.30 Vanil.u.Mandelpuddg.Pfd. 0,40 Rote Grütze............. Pfd. 0.60 Hartweizengrieß....an Pfd. 0.26 Salatöl................. an Ltr. 0.62 Eier-Bandnudeln....... Pfd. 0.48 Bruch-Reis.............. Pfd. 0.14 Tafelreis.............. an Pfd. 0.18 Vanille, 3 Schoten........Glas 0,25 Korinthen............. an Pfd. 0.48 Backpflaumen....... an Pfd. 0.28 Mischobst............. an Pfd. 0.40 Kaffee................. an Pfd. 1.90 KONFITÜREN KUCHEN, GEBÄCK Fruchtwaffeln............ P'd. 0.85 Waffelmischung........ Pfd. 1.00 Anis-Zwieback.......... Pfd. 1.00 Gelee- Würfel........... Pfd. 0.70 Obst-Konfekt-Schnitten Pfd. 1.10 Frucht-Fondant.......... Pfd. 0.80 Eisbonbon............... Pfd- 0.60 Frucht-Toffetten........-Pfd- 0.80 Div. Obstkuchen....... Stüde 0.1 0 Plunderkränze......... Stüde 0.20 Div. Plundergebäck...Stüde 0.10 Königskuchen mitu.ohne Guß 0.50 Königskuchen ohne Guß Stck. 0.90 Hbg. Kloben............ Steh. 0.50 Kölner Blätze....Stüde 0.60, 0.25 Mecklbg. Feinbrot ca. 3 Pfd. 0.50 LEICHTVEROERBUCHE WARE Ist vom Versand ausga- schlossen. Zusendung nur boi Bestallung v. M. S.00 an SPEZIAL-FLEISCH- VERSAND-WAGEN f1""""""1""""""'1'.............................. Zitronen an Dtz..... ff. W W Pfirsiche an Pfd. Pf* 24 Sülze..................... Pfd. 0.48 Rot- und Leberwurst...Pfd. 0.50 Speckwurst............... Pfd. 0.65 Sülzwurst................ Pfd. OifiS Fleischwurst............. Pfd. 0.78 Braunschweiger........ Pfd. 0.95 Jagdwurst............... Pfd. 0.96 ff. Leberwurst........... Pfd. 1,08 Kümmelwurst............Pfd. 1.08 Schinkenpolnische...... Pfd. 1.08 Cervelat und Salami... Pfd. 1.35 Teewurst, grob IJB, fein Pfd. 1.38 Schlackwurst im Fettdarm Pfd. 1.45 Schinkenspeck....... an Pfd. 1.42 Speck, mager 0A2, fett an Pfd. 0,68 Frkf. Apfelw. Ltr. oao, 10 Ltr. 5.50 Bowlenwein...ltr. 0.75, 10 Ltr. 7.00 Moselwein....ltr. 1.20, 10 Ltr. 11.50 Johannisbeerw...ltr. 0.75, 10 Ltr. 7.00 Erdbeerwein ltr. i.so, 10 Ltr. 12.50 Tarragona..... Ltr. 1.00, 10 Ltr. 9.50 Sornas........ Ltr. 1.10, 10 Ltr. 10.50 Wermutwein Ltr. 1.10, 10 Ltr. 10.50 Nitteler........ Fl. l.to, 10 R. 10.00 30er LiebfraumildiR. 1.15, 10 Fl. 10.50 Tarragona.... R. 1.10, 10 Fl. 10.00 Weinbr.-Verschnitt.... Vi Fl. 3.15 Weinbrand Lob v. Bing, v, Fl. 4.50 Bowlenschaumw. Fl. rn. Steuer 1.75 1,00 Orangeade......... Fl. 1.00, 0.50 Wolga-Hühner...... an Pfd. 0.90 Fr. Suppenhühner...an Pfd. 0.85 Junge Gänse........ an Pfd. 0.95 Spießerblatt............ Pfd. 0.85 Wildragout........... an Pfd. 0.26 Rehblätter an Pfd.... Pf. 95 Htmbeer-od. Kirsdi- H 50 «oft, 1 Ltr. ca. 1350 gr I• lENOINABoTBI�fOnTtALTER Dampfwurst Pfd........ Pf. 82 Wiener Würstchen Ss Pfd.......... pf.ys Karotten, gesdinitten...»/! D«. 0.32 Junge Erbsen.......... Vi Ds. 0.53 Junge Erbsen, mittelf.'Ii D». 0.75 Junge Erbsen m. Kar. Vi D>. 0.60 Spinat.................. Vi Ds. 0.38 Aprikosen.............. Vi Ds. 0.95 Apfelmus extra....... Vi Ds. 0.80 Stachelbeeren......... Vi Ds. 0.60 Aprik.-Marm. ca. 2 Pfd.-Elm. 1.00 Johonnisb.-Marm. ca. 2 Pfd.-Eim. 1,00 Pflaumen-Marm. ca. 2 Pfd.-Eim. 1.00 Pflaumenmus ca. 2 Pfd.-Eim. 1.10 WOCHENENDKONSERVEN DELIKATESSEN I Erdbeeren.......... an 2 Pfd. 0.35 Kirschen............. an 2 Pfd. 0.35 Aprikosen....--.-.-.... Pfd. 0.32 Blaubeeren.............. Pfd. 0.22 Johannisbeeren........ Pfd. 0.20 Blumenkohl......... an Kopf 0.30 Schoten............. an 3 Pfd. 0.28 Möhren................ 3 Bund 0.20 1 omaten............. an Pfd. 0.22 Weiß- u.Wirsingkohl a.Pfd. 0.10 Schmorgurken......... 3 Pfd. 0.35 Kartoffeln.............. S Pfd. 0.45 GEFLÜGEL UND WILD FRISCHE FISCHE Kabeljau a. K., j. Gz... an Pfd. 0.14 Kabeljaufilet....... an Pfd. 0.22 Lebende Schleie....an Pfd. 0.95 Lebende Aale........ an Pfd. 0.95 Neue Matjesherinae an 3 st. 0.25 Lungenhaschee... 2 Pfd.-Ds. 0.55 la Goulasch......... Pfd.-Ds. 0.75 Hausmannskost..580 gr-Ds. 0.75 Schweinskopf o. Kn....... Ds. 0.75 Würstchen 3 Paar........ Ds. 0.50 Würstchen 5 Paar........ Ds. 0.85 Herings- od. Ital. Salat Pfd. 0.70 Mayonnaise............. Pfd. 0.70 Gelsardinen........an 2 Ds. 0.58 Fettheringe i. Tomat«n....Ds. 0.42 Import-Sardellen...... Pfd. 0.68 Seelachs i. Schb.. Ds. i.«,«us, 0.44 Salzgurken............ Vi Ds. 0,70 Senfgurken I a...... 5 Ur.-Ds. 1.90 Fettbücklinge............ Pfd. 0.42 Seelachs................. Pfd. 0.36 Rinder- oder Goulasch Dose mit 400 gr Inhalt nur Pf. Schweine- UNSERE LEBEN SMITTEL'ABtOLUNGEN stehen unter ständiger Kontrolle eines Nahrungsmittel» Chemikers und eines Tlererstes Voriräge, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner..Schwarz-Rol-Gold". ch Uhr, im Iteal-Kastno, Neukölln. Weich>lstr. 8. Bläser und Streicher willkommen. „Sturmvogel", Ortsgruppe» Tiergarten, Eharlottenburg. Sonnabend, 4. Juli, 20 Uhr, Taufe unsere« Segelflugzeuges in„Ahlerts Feftfälen", Eharlottenburg, Berliner Str. 88. Anschließend grosser Ball. Tombola, Ueberraschungen. Ein- tritt 30 Pf. Gäste willkommen. Arbeitgeber und Arbeitnehmer bei Leiser. Der Inhaber der bekannten Berliner Schuhfabrik Leiser, Herr Julius Klausner, hat aus Anlaß des 4l)jährigen Bestehens seiner Firma dem gleichfalls seit vielen Iahren bestehenden Unter- stützungsfonds für Arbeiter und Angestellt« der Firma soeben«wen weiteren Betrag in Höhe von 20 900 M. zu» gewendet. Der Betriebsrat hat darauf namens der 3000 Per- sonen umfassenden Belegschaft«in Schreiben an Herrn Klau-ner gerichtet, in dem es u. a. heißt: In einer Zeit, in welcher infolge der schweren wirtschaftlichen Weltkrise die Gegensätze zwischen den Inhabern der Produktionsmittel und den Produzierenden sich kata- strophal oerschärsen, wo soziale Errungenschaften, um welche die Arbeiter und Angestellten jahrzehntelang unerhörte Opfer gebracht haben, sozusagen mit einem Federstrich zunichte gemacht werden sollen, in emem so ernsten und entschekdenden Zeitpunkt wollen wir die von Ihnen Ihrem Personal gegenüber ständig gezeigte soziale Einstellung ausdrücklich anerkennen....Sie haben bereits vor Iahren als einer der ersten in Deutschland in großzügiger Weise in Ihrem Betrieb eigene Einrichtungen geschaffen, die der Bildung und Förderung Ihrer Mitarbeiter dienen. Ein besonders offenstcht- licher Beweis sozialen Denkens und Handelns ist die von Ihnen aus Anlaß des Geschäftsjubiläums für unsere Unterstützungskasse gegebene Spende in Höhe von 20 000 M., wosür wir im Namen der Belegschaft herzlich danken. Die Tatsache, daß wir bei Ihnen stets«in offenes Ohr und warmherziges Verständnis für die Sor- gen und Wünsch« der Belegschaft gefunden haben, hat das Gefühl der Verbundenheit im Betriebe gestärkt und die erfolgreiche Zu- sammenarbeit an dem gemeinsamen Werk begründet. Diplome und goldene Medaillen. Die Gummiwerke Frontens Act in Berlin- Friedrichshagen bedecken eine Bodenfläche von etwa 25 000 Quadratmeter. Allein da» Terrain der Seitenlänge eines dieser Werke beträgt etwa 230 Meter. Alle brauchbaren Fortschritte der Technik, der Wissenschaft und der Hygiene wurden in den Dienst des Unernehmcns gestellt, um mit den vorhandenen volliommcn neuen Maschinen und. mustergültigen Einrichtungen bzw. Bctriebsanlagen immer in der ersten Reih« zu stehen. Mehr als 30 Millionen nahtloser Gummi. waren werden alljährlich den in- und ausländischen Verbrauchern durch den Fachhandel zugeführt. Die Gummiwerke Frvmms Act haben als Anerkennung für hervorragende Leistungen auf ihrem Spezialgebiet bzw. als Auszeichnung für die vorzüglich« Qualität ihrer Fabrikate bereits verschiedene Dip'ome und golden« Medaillen verliehen bekommen. Frisches Fleisch Schweinebauch o.e., Pfd. 0,66 Schweineblatt........ pw. 0,76 Schweinekämme. Schift, o.B. 0,94 Schweinekotelett Pia. von 1,04 Eisbein mit Spitzbein, gep„ Pfd. 0,40 RUckenfett dr»tkertie..pka. 0,52 Kassler mild...... Pfd. tov 0,88 Kalbskamm o.Beiiage.Fid.T. 0,68 KalbsrUcken o.-brustvon 0,78 Kalbskotelett..... Pfd. von 1,24 Kalbsroulade geroUt,Pfd.v. 1,28 Kalbsschnitzel..... Pfd-r. 1,80 Roastbeef o. Km. Pfd. von 1 ,36 Hammel-Vorderflel»cli, Pld. v. 0,88 Suppenfleisch..... Pfd.v. 0,64 Sc h m arf I e i s c h leoio. o. ün.. Ptd. 1 ,1 8 Rouladen.............. Pfd. 1,34 Gulasch gemischt...... Pfd. 0,88 Gehacktes............. Pfd. 0,68 Schweineköpfe m. Beeke, ph. 0,30 Schweineleber....... Pfd. 0,94 Schweinenieren...... Pfd. 0,74 Rinderbacken........ Pfd. 0,38 Rinderlungen.........Pfd. 0,30 Rinderherzen......... Pfd. 0,46 Euter.................... Pfd. 0,20 Gefrierfleisch Suppenfleisch-.-.Pfd. von 0,58 Schmorfleisch o.kb...Pfd.». 1�4 Hammel•KorderfleUch, Pfd. v. 0,58 HammelrUcken....... Pfd. 0,70 Hammelkeule.......;F{chO,78 .Rinderleber...........Ptd. 0,98 Obst und Pfirsiche............... Pfd. 0,24 Johannisbeeren...... Pfd. 0,20 Blaubeeren........... Pfd. 0,22 Zitronen.......... Dtsd.von 0,36 Bananen............ 3 Pfd. 0,95 Tafeläpfel............. Pfd. 0,35 Tomaten............. Ptt. 0,22 Kirschen............. 2 Pfd. 0,35 Wurstwaren Schinken gekocht...'s« Pfd. 0,40 Sülzwurst.............. Pfd. 0,68 Dampfwurst........... Pfd. 0,85 Fleischwurst.......... Pfd. 0,68 WienerWürstchen..Pfd. 0,93 Feine Leberwurst...Pfd. 1,05 Jagdwurst............. Pfd. 0,96 Schinkenpolnische.. Pfd. 1,08 Fetter Speck.......... Pfd. 0,68 Magerer Speck....... Pfd. 0,92 Schinkenspeck-.-.-v-Pfch 1,42 Nußschinken....... Pfd. 1,58.. Zervelalod. Salami.Pfd, 1 ,35 Gemüse Schoten.............3 Pfd. 0,28 Möhren............. 3 Band 0,20 Kohlrabi........ Band 0,28 Salat................... Kopf 0,04 Neuer Wirsingkohl..Pfd. 0,10 Neuer Weisskohl....Pfd 0,10 Sohmorgurken..... s pfd. 0,35 Neue Kartoffeln...» Pfd. 0,45 Käse und Fette Harzer................. Pfd. 0,23 Limburger 20»/,........ Pfd. 0,42 Camembert...'/« Schichui 0,45 Quad.-LimburgertovPfd. 0,68 Steinbuscher vollfett, Pfd. 0,72 Dän. Schweizer ao«/0.. Pfd. 0,72 Holländer 40'/o-------- Pfd. 0,76 Edamer 40°/,.......-..Pfd. 0,76 Tilsiter voiifett......... Pfd. 0,76 Margarine............ 2 Pfd. 0,75 Allerfslnste daulsche Molkerei butter....r.. Pfd. 1,44 AllöickBinste deutech»■■ Markenbutter... 7..�.. Pfd. 1,48 Fische und Räucherwaren •Zander frisch.......... Pfd. 0,35 •Rotbars............... Pfd. 0,14 •Kabeljau gr„ o. K., Pfd. von 0,1 4 •Seelachs gr„ o. Kopf, Pfd. 0,1 4 •Island-Scheilfisch init.PH.O.1 8 •Kabeljaufilet....... Pfd. 0,22 •Leb. Krebse 10 stück von 0,48 Matjesheringe astoek von 0,25 Seelachs gerdaohert.. Pfd. 0,36 ScheilfiSChger&achert, Pfd. 0,32 Kolonialwaren Bruchreis............. Pfd. 0,1 4 Moulmain-Reis....... Prt. 0,24 Blue-rose-Reis...... Pfd. 0,32 Hartweizengriess...Pfd. 0,26 Weizengriess........ Pfd. 0,30 Sago.................... Pfd. 0,35 Bandnudeln........... Pfd. 0,46 Eierhörnchen..... Pfd. 0,54 Eiermakkaroni........ Pfd. 0,56 Kalif. Birnen......... Pfd. 0,58 Kalif. Pfirsiche....... Pfd. 0,62 Kalif. Aprikosen..... Pfd. 0,70 Gebr. Gerste..........Pfd. 0,24 Kakäopulver.......... Pfd. 0,48 Käffee frisch gedr., Pfd. von 1 ,90 StUckenflundern gm.. Pfd. 0,42 Rotbars geiiuchert..... Pfd. 0,38 Rochenfleisch gsr., Pfd. 0,44 Makrelen in Tomaten. Dose 0,58 Oelsardinen...... s Dosen 0,95 Senfgurken •/,-Dose= ca. 7 Pfd Inhalt 1,90 Ital. Salat, Heringssalat, Mayonnaise....Pfd. 0,70 •In allen Hkassrn ausser Andreasstr. Konserven«/.doss Gemüseerbsen.......... 0,60 Junge Erbsen mittelfein.. 0,75 Junge Erbsen sehr fein... 1,15 Gem. Gemüse mittelfein.. 0,95 Gem. Gemüse eebr Ma... 1 ,35 Berliner Allerlei......... 0,75 Junge Karotten......... 0,58 Stangenbrechbohnen.. 0,65 Sellerie.................... 0,65 SUsskirschen obns stein 1, 05 Preisseibeeren......... 0,90 Pflaumen ohne stoin....... 0,90 Kalif. Pfi rsi che>/- Frucht.. 1 ,1V Ananas....;.... 0,90 Wild und Geflügel Reh-Kochfleisch....Pfd.0,26 Rehrückeno.-KeulePH.». 1,60 Wildschweinblatt Pfd. von 0,95 WildschweinrUcken oder Wlld«chwelBksul«...Pfd.von 1,25 MilchmastkUken 300/400 g, ohne Darm, Stück v. 1,20 Suppenhühner frisch................... Pfd. 0,35 Bratenten........ Pfd. von 0,95 Hühner gefroren.... Pfd. von 0,90 Junge Gänse...pm. 0,95 Weine und Fruchtsäfte Preis» ohne Flasche'/, FI. 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Dieser Schritt steht im Widerspruch zu dem Geist und der dringlichen Mahnung des Leipziger Parteitags, nicht mit der Einheit der Partei zu spielen, und zu der entschiedenen Verurteilung, die der Disziplinbruch der Neun durch eine überwältigende Mehrheit der Partei gefunden hat. Wir hoffen, daß die zuständigen Organisationen Mittel und Wege finden werden, um der- artige Versuche bereits in den Anfängen zu unterbinden. Die bürgerliche Presse Hot sich der Erklärung der Drei bereits bemächtigt. Sie sollte aus dem Leipziger Parteitag gelernt haben, daß alle Hoffnungen auf eine Spaltung der Sozialdemokratie Hirngespinste sind. Kultusminister greift ein. Ein Erlaß an die Llniversitätsrektoren. Die jüngsten Vorfälle an der Berliner Univcrsi- tat, die keine vereinzelte Sonderaktion darstellen, sondern deutlich erkennbar auf ein planmäßiges Vorgehen der radikalen Flügel der Studentenschaft schließen lassen, haben den preußischen Minister für Wissenschast, Kunst und Volksbildung Grimme ver- anlaßt, die akademischen Behörden nochmals zu energischem und raschen disziplinarischen Einschreiten gegen die ruhe störenden Elemente an den Hochschulen aufzu- fordern. In dem Erlaß macht der Kultusminister— wie der„S o z. P r e s s e d i« n st"' mitteilt— den akademischen Disziplinarbehörden zur Pflicht, in allen denjenigen Fällen, in denen sich Studenten der Störung der ösentlichen Ordnung und Sicherheit innerhalb der Räume der akademischen Anstalten oder in ihrer näheren Umgebung schuldig machen, das Disziplinarverfahren so schleunig vorzunehmen, daß es innerhalb einer Woche seit Feststellung des Täters zum Abschluß gebracht werden kann. Für diese Zeit hält der Minister es für selbstverständlich, daß die Unruhestifter zur Vermeidung weiterer Störungen von der Universität ferngehalten werden. Studenten, die von Polizei- organen bei einer gesetzwidrigen Handlung betroffen und fest- genommen werden, sollen sofort dem Schnellrichtcr vorgeführt werdcn. Ferner wird in dem Erlaß darauf hingewiesen, daß die Einführung einer verschärften Kontrolle an den Universitäten unumgänglich nötig sei, damit das gerade in den letzten Tagen wieder beobachtete Eindringen umvcrsitätsfremdcr ruhestörender Elemente unterbunden werdcn kann. Der Erlaß ist am Donnerstagabend an die Univcrsitäisbehörden abgegegangen. Weitergehende Anordnungen des Kultus- Ministers waren nicht möglich, well nach dem gellenden Diszi- plinargesetz für die Universitäten vom 29. Mai 1879 die Disziplinargewalt ausschließlich in den Händen der akademischen Behörden liegt. Es ist an der Zeit, daß dieses Gesetz bald die not- wendigen Aenderungen erfährt. Ohne dem ist dem Rowdytum an den Universitäten, angesichts der Einstellung zahlreicher Professoren und HochschuSeiter, kaum da» Handwerk so z» legen, wie es sich in den letzten Tagen als dringend notwendig erwiesen hat. Das Bombenaiieniai in Kiel. Mittäter vorhanden. Der Amtliche Preußische Pressedienst macht zu dem Tränengas- bombenwurf in der von Prof. Schücking abgehaltenen Studenten- Versammlung in Kiel nähere Angaben, aus denen hervorgeht, wie gewissenlos die nationalsozialistischen Terroristen die Gesundheit und das Leben ihrer politischen Gegner aufs Spiel setzen. Die Untersuchung durch den chemischen Sachverständigen hat einwandfrei ergeben, daß ein sogenannter Kanonenschlag verwendet worden ist, an dem sich mindestens eine Reizgospatrone befunden hat. Zu dieser Reizgaspatrone ist weiter in der Untersuchung er- msttelt worden, daß es sich um einen Stoff handelt, der nicht nur durch das Einatmen schwere gesundheitliche Schädigungen zur Folge hat, sondern der auch, falls unvorsichtig Tröpfchenübertragungen auf das Aug« stattfinden, Wirkungen bis zu dauernder Er- b l i n d u n g mit sich bringen kann. Die Gefahr dieses Stoffes liegt vor allem darin, daß ein« schwer gesundheitsschädigende Wirkung auf die Atmungsorgane schon dann einzutreten pslegt, wenn die Einwirkung des Reizstoffes auf den davon Betroffenen länger als«ine Minute konzentriert andauert. Diese Ge- fahr ist aber in überfüllten Versammlungen regelmäßig vorhanden, weil zunächst die Reizwirkung aus« Auge eintritt, die den Anwesen- den das Sehen erschwert und damit auch die richtige Orientierung zu den natürlich von allen Seiten bedrängten Ausgängen. Alles in allem handell es sich um einen außerordentlich gefährlichen Reizstoff, dessen Anwendung in einer Versammlung natur- gemäß ein brutales Verbrechen bedeutet. Die palizeilichen Ermittlungen über den Täter, der sich in Haft befindet und Donnerstag mittag dem Richter vorgeführt wird, haben ergeben, daß er Mitglied sowohl der Kieler national- sozialistischen studentischen Organisation wie auch der S A.- Formation ist. Er ist Mediziner, mußte sich also über die gesundheitlichen Folgen seines Vorgehens wenigstens einigermaßen trotz seiner Lugend im klaren sein. Di« Haussuchung in seiner Woh- nung, die eine weitere Reiz Patrone mit demselben gefähr- lichen Stoff zutage förderte, hat Anhaltspunkte dafür ergeben, daß er Mittäter hat._ Greifswald darf nichi fehlen. �stechisrodikale Studenten greifen Polizei an. Greifswald, 2. Lull. Die rechtsradikale Studentenschaift der Universität de man- stritte am Donnerstag gegen die Lerurttllung des Studenten Lugg«, der wegen BeleidiMng des„Republikanischen Studenten- Kartells� auf die Klage der demokratischen Professoren Ziegler und Klinkmüller und des ehemaligen Landrats Kogge hin zu einem Monat Gefängnis vsrurtellt worden war. Der rund 1000 Mann starke Demonstrationszug ging gegen die Polizei derart aggressiv vor, daß die Beamten gar Säuberung der Straßen vom Gummiknüppel Gebrauch macheu mtchten. Mehr«, Studenten wambm»grßajtet. Der freigcwerkschaftliche Beamtensührer und sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete Dr. V ö l t e r hat den Reichsarbeitsminister darauf aufmerksam gemacht, daß sehr wohl eine Möglichkeit der Anrechnung privaten Einkommens auf hohe Pen- s i o n e n bestehe. Dr. Völler verweist auf zwei Urteile des Reichs- finanzhofes vom IS. Januar und vom 2S. März dieses Lahres. Durch diese beiden Urteile wird die Gehaltskürzung der Beamten gerechtfertigt, so daß es für den von der Kür- zung betroffenen Beamten, nachdem diese Urteile ergongen sind, kein Rechtsmittel mehr gibt, um etwa die Kürzung seiner Bezüge abzuwehren. Wenn sich die Reichsregierung, wie angenoimnen werden muß, die Gedankengänge duses Urteils zu eigen macht, dann wäre damit ein Weg gegeben, um die nötige beschleunigte Erfassung der neben hohen Privateinkomnu>n bezogenen hohen und höchsten Pensionen durchzuführen. In den erwähnten Urteilen wird ausgeführt, es fei zweifelhaft, ob ein« allgemeine gleichmäßige Herabsetzung der Beamtengehölter in die wohlerworbenen Rechte der Beamten eingreife, solange sich diese Herabsetzung in den Grenzen halt«, die durch Gewährung eines standesgemäßen Lebensunterhaltes gezogen sind. Selbst wenn man— das ist besonders beachtlich— ein wohlerworbenes Recht der Beamten auf die ihnen einmal durch Gesetz zugesprochenen Gehälter anerkennen wolle, dann dürfe doch nicht übersehen werden, daß dieses Recht in der Pflicht des Beamten feine Schranken finde, dein Reich« und Staat nach Maßgabe seiner Kräfte zu dienen. Diese Pflicht bring« es mit sich, Märchen um den Giahlhelmiag. Die angebliche Intervention des Reichspräsidenten. Der„Dortmunder Generalanzeiger" hotte gemeldet, der preußifchc Ministerpräsident Dr. Braun habe ursprünglich die Stahihelmkundgebung in Breslau verbieten wollen, hob« ober im letzten Augenblick infolge einer InterventiondcsRcichs- Präsidenten seinen Standpunkt geändert. Hierzu teilt der Amtliche Preußische Pressedienst mit: Die Behauptungen des„Dortmunder Generalanzeiger" beruhen durchweg auf irrigen Informationen. Die preuhffche Staatsrcgierung hat von vornherein nicht die Absicht gehabt, die Stahlhelmkundgebung zu verbieten. Maßgebend war hierbei für sie die Auffassung, daß in der Zeit vor dem Volksentscheid alles vermieden werden müsse, was die Auffassung erwecken könne, als solle die Propaganda des Stahlhelm für seinen Volksentscheid von der Staatsregierung gestört oder beeinflußt werden. Handell es sich doch bei einem Volksentscheid um ein in der Reichs- und Preußischen Verfassung begründetes und gewährleistete« Mittel der Volksbefragung. Lediglich dieser Gesichtspunkt ließ die vorhandenen Bedenken der preußischen Staatsregierung gegenüber den oft genug politisch unglücklichen und unerfreulichen, die innerk�utsche Atmosphäre in bedauerlichem Maß« verschärfenden Kund- gedungen des Stahlhelm zurücktreten, so daß eine Ver- botsabsicht in keinem Augenblick erwogen wurde. E, versteht sich daher von selbst, daß es so keiner Intervention des Reichspräsidenten — die in Wirklichkeit auch nicht ersolgt ist— bedurft hatte, mn ein Verbot des Stohlhelmtages zu verhindern. Volksbegehren„tandtagsaufläsuag". Das Preußisch« Staats» Ministerium hat am 30. Juni d. I. durch einen Beschluß festgestellt, daß dos Volksbegehren des Stahlhelm auf Auflösung des Preußi- schen Landtags rechtswirksam zustandegekommen ist. Wie der Amiliche Preußische Pressedienst mitteilt, tritt da» Staats- Ministerium dem Begehren nicht bei. da die erforder- liche Mindestzahl nur unwesentlich überschritten und nicht damit zu rechnen ist. daß in einem Dolksentscheidoersahren die er» forderliche Mehrheit erreicht werden wird. vlargies wird Sowjetbürger. Margies, der vom Reichsgericht zu mehreren Jahren Zuchtbaus verurteilt worden war. richtete an die Sowjetbehörden ei« Gesuch mn Ertwlung der Sowjetstaat sauge- Hörigkeit. daß der Beamte in Zeiten einer allgemeinen, im öffentlichen Haus- halt in stärkster Weise in Erscheinung tretenden Notlage auch wirt- schaftliche Opfer auf sich nehmen müsse. Das Recht der Beamten auf Fortgewährung der Bezüge in der einmal festgesetzten Höhe höre dann aus, ein wohlerworbenes Recht zu sein, wenn die Staatsnotwendlgkeit. auf die Rücksicht zu nehmen wesent- liche Pflicht der Beamtenschaft sei, ein Zurücktreten dieses Rechtes erfordere. Die Grenze für dieses Zurücktreten liege in dem An- spruch auf Gewährung eines st andesge mäßen Unter- Haltes. Diese Auffassungen geben, insoweit sie sich mit der Auffassung der Reichsregierung über die Zulässigkeit der Gehaltskürzung decken, nach der Zluffaffung Dr. Völters durchaus die Möglichkeit, mit derselben Begründung die vom Bolksempfinden geforderte Anrechnung hohen Privateinkom- mens auf die hohen Pensionen vorzunehmen. Dem Volk« könne doch wohl nicht klargemacht werden, daß da» Kriterium der Derfassungsmäßigkeit in der Höhe des zur Anwen- dung kommenden Prozentsatzes der Kürzung liege.„Wenn 13 und mehr Prozent Gehalts- oder Pensionskürzung unter sich mit her Verfassung nach Auffassung der Regierung widerspruchslos ver. einbaren läßt, dann kann eine Vorschrift wohl kaum verfassungswidrig sein, der zufolge beim Vorhairdensein eines über einer bestimmten Grenze liegenden Prioateinkommens beispielsweise 20, 30 oder mehr Prozent einer hohen Pension so lange ruhen, al» der Empfänger dieser Pension das betreffende Privateinkommen bezieht." Wir sind gespannt, was der Reichsarbeitsminister auf diese Darlegungen erwidern wird. Geldstrafe für Ludendorff. Wegen Beleidigung der Freimaurer. Gotha, 2. Juli. In dem Beleidigungsprozeß des ehemaligen Großmeisters der Großen Landcslogc, Grafen zu Dohna, gegen Ludendorff wurde heute vom Amtsgericht Koburg das Urteil gefällt. Ludendorfs hatte anläßlich einer Versammlung dem Kläger bewußten Landesverrat vorgeworfen, weil er als Großmeister der Freimaurerloge von der geplanten Ernwrdung des österreichischen Thronfolgers und dem drohenden Ausbruch des Welt- kricges Kenntnis gehabt habe. Das Urteil lautete: Der Privotbeklagte wird zu einer Geld- strafe von S00 Mark und in deren Richteinbringungsfall für je SO Mark zu einem Tage Gefängnis verurteilt. Dem Privatkläyer wird die Befugnis zugesprochen, das Urteil in Ludendorffs„Volks- warte", in der„Kreuz-Zettung" und im„Fridericus* je einmal zu veröffentlichen. Die Kosten für das Verfahren werden dem B«- klagten auferlegt. Bomben explodieren aufRom-Bahnhof Im Güterwagen aus Frankreich.- Zwei Tote. Rom, 2. öuli. Auf dem llemen Güterbohnhos im Quartiere Porlonaccio, einem östlichen Arbeiterviertel Roms, ist heute gegcu 11,30 Ahr eine Bombe explodiert und hat zwei Tote und einen verwundeten gefordert. Die Bombe befand sich in einem Güterwagen. Die Mrkung der Explosion war außerordentlich stark, so daß die Zenster- scheiden der umliegenden Häuser gesprungen find. Der betresfeade Güterwagen war heule morgen ans dem Hauptbahnhof tu Rom ein- gegangen. Dem Auffichtsperfoaal war dort aufgefallen, daß von dem Güterwagen sämtliche Siegel entfernt waren. Der wagen wurde daher aus deu vorerwähnten kleinen Güterbahnhof abgeschoben, um dort eulladen zu werden. Er enthielt Tabak und Unterkleider und kam van der franzäsisch-itallenifchea Grenze her. van den Tätern ist bisher keine Spur vorhanden. Es ist aber an- zunehmen, daß auch dieser Anschlag in den Rahmen der in der letzten Zeit aus Bologna, Turin und Genua gemeldeten Terror- akte gehört. Der Anschlag hat in der Bevölkerung Roms erhebliche Entrüstung hervorgerufen. Die Opfer de» Anschlages werde« wab- fcheinllch auf Staatskosten beerdigt«erde«. Im Krisensturm behauptet. Oer Schuhmacherverband im Jahre-1930. Seit 1P28 lostet auf der deutschen Schuharbciterschaft ein Krisen- druck, wie ihn so anhaltend noch keine andere Bcnifsgruppe der deutschen Industriearbeiter zu ertragen hatte. Anstatt der lang- ersehnten Besserung hat das Jahr 1330 noch eine Verschärfung der Beschästig ungskrise in der Schuh indu st ric gebracht. Der Zentraloerband der Schuhmacher bezeichnet nicht zu Unrecht in seinem Geschäftsbericht 1330 das vorige Jahr als eins der schlimmsten Lcideusjahre für die deutsche Schuharbeitcrschaft, das nur mit dem katastrophalen Kriscnjahr 1326 verglichen werden könne. Betriebs- einschränkungcn und gänzliche Betriebsstillegungen, verbunden mit der Entlassung von Hunderlen tüchtiger Schuharbeiter, waren im vorigen Jahr an der Tagesordnung. Geradezu verheerend wirkt sich die Krise in der sächsischen S ch u h i n d u st r i e aus. Im Bezirk Sachsen ist die Zahl der in der Schuhindustrie Bcschäf- tigtcn von über 23 336 in der Blütezeit auf etwa 12 333 zurück- gegangen, die Zahl der Mitglieder des Zcntralverbandes der Schuhmacher von etwa 18 333 auf 13 484. Der Prozentsatz der arbeitslosen Schuhfabrikarbeiter lag im Jahresdurchschnitt 1333 um 1.4 Proz. über dem Jahresdurchschnitt der gesamten deutschen Wirtschast, der 22,7 Proz. betrug. Der Prozentsatz der kurzarbeitenden Schuhfabrikarbeitcr überstieg mit eiuem Jahresdurchschnitt von 33,6 Proz. den 13,8 Proz. betragenden Jahresdurchschnitt der Kurzarbeit in der gesamten deutschen Wirt- schaft um das Vielfache. Im Juni 1333 waren von den Mitgliedern des Zentralverbandes der Schuhmacher nur noch knapp 18 Pro- K e n t Vollarbeitcr: 56,8 Proz. der Mitglieder arbeiteten verkürzt und 25,3 Proz. der Mitglieder hatten überhaupt keine Arbeit. Nach einer eingehenden Berechnung des Verbandsvorstandes bstnig infolge dieser ungeheuren Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit allein innerhalb der deutschen Schuharbeiterschaft im Jahre 1333 der Gesamtlohn- und damit Kaufkraftausfall SO.lS Millionen Mark. Ganz im Gegensatz zu dieser Entwicklung stand aber im Berichts- jähr die P r o d u k t i o n s c n t w i ck l u n g in der deutschen Schuh- industrie. Trotz der katastrophalen Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit gegenüber dem Jahre 1323 blieb nach den eigenen Angaben des Reichsverbandes der deutschen Schuhindustrie die Gesamtproduktion in Lederschuhwerk mit 73,66 Millionen Paar nur um 2,2 Millionen Paar gegenüber dem Jahr 1323 zurück. Der Jahresbericht des Zentralverbandes der Schuhmacher stellt dazu mit vollem Recht fest: „Die anhaltende starke Verschlechterung auf dem Arbeitsmarkt für die Schuhfabrikarbeiter bei gleichzeitiger Steigerung der Produktion läßt erkennen, daß infolge der scharfen Rationalisierung in der Schuh- industrie die Leistungen je Kopf der Belegschaft ganz erheb- lich gewachsen sind." Der Schuhverbrauch ist im Berichtsjahr auf 1,34 Paar pro Kopf der Bevölkerung gesunken von 1,14 Paar im Jahre 1323. In England beträgt der Schuhvcrbrauch pro Kopf der Bevölkerung i';i Paar und in Amerika 2)4 Paar. Das Geschrei der Unternehmer über die angebliche Konkurrenzfähigkeit gegenüber dem Ausland wegen der„zu hohen" Löhne wird auch in dieser Industrie durch die Tatsache treffend widerlegt, daß die deutsche Schuhindustrie ihren Export gegenüber 1323 um 43 Prozent steigern konnte. Den deutschen Säiuhindustrielleu ist es also im vorigen Jahre nicht schlechter gegangen als den übrigen Industriellen. Trotzdem haben sie kein Mittel unversucht gekästen, um neben dem„offiziellen" Abbau der Tariflöhne durch die Schlichtuugsiustanzen auch noch einen„kalten" Lohnabbau durchzuführen auf dem Wege über Betriebsstillegungen, Einführung billigerer Artikel usw. Die Tarif- Politik des Zentraloerbandcs der Schuhmacher war demzufolge im vorigen Jahr zwangsläufig in erster Linie auf die Abwehr der Untcrnehmcrangriffe abgestellt. Während 1323 noch 24 Angrifssbewegungen mit 35531 Beteiligten geführt wurden, waren es im Vorjahr nur 8 Bcwegun- gen mit 833 Beteiligten. Die Zahl der Angriffsstrciks ging von 13 mit 334 Beteiligten im Jahre 1323 auf 4 mit 163 Beteiligten zurück; die Zahl der Abwehrstreiks blieb mit 5 in beiden Jahren zwar gleich, doch stieg die Zahl der daran Beteiligten von 313 auf 1675. Die Zahl der Abwehrbcwegungen ohne Arbeitseinstellung ging gegenüber 1329 zwar von 8 auf 5 zurück, wogegen jedoch die Zahl der daran BeteUigten von 1336 aus 4516 stieg. Aussperrungen waren im Jahre 1323 insgesamt 2 mit 4677 davon Betroffenen, im vorigen Jahr 6 mit 3354 Ausgesperrten. Die Zahl der zu Anfang eines jeden Berichtsjahres registrierten Tarife ging von 41 im Jahre 1323 auf 35 anfangs 1333 zurück, während die Zahl der tariflich erfaßten Arbeiter und Arbeiterinnen fast gleich geblieben ist. Infolge der langanhaltenden Arbeitslosigkeit ist auch im vorigen Jahr wieder ein Rückgang in der M i t g l i e d c r b e w e g u n g zu verzeichnen. Der Zentraloerband der Schuhmacher schließt das Jahr 1333 mit einem Bestand von 65 3 32 Mitglieder» ab, einem Minus von rund 6333 Mitgliedern gegen Ende 1323. Für die gute K a s s e n f ü h r u n g des Verbandes spricht die Tatsache, daß das Verbandsvcrmögen sich im Laufe des Berichtsjahres noch um über 14 Million Mark auf rund 414, Millionen Mark erhöhte, obwohl 323238 Mark an Unterstützungen ausgegeben wurden. Bei den Arbeitcrratswahlen im vorigen Jahr hat sich der Zentral- verband der Schuhmacher glänzend behauptet. Von den 1754 in der gesamten Schuhindustrie gewählten Arbeitcrrätcn waren 1596 Verbandsmitglieder und 24 Mitglieder anderer freier Gewerk- schaftcn, 83 Christen, 8 Hirsch-Dunckcrsche, 10 Gelbe, 14 RGO.-Lcute und 22 Unorganisierte. Die Schaffung einer einheitlichen Unduslrieorganisalion für die gesamte Lederindustrie wird voraussichtlich im nächsten Jahr die Vcrbandstagc der Schuhmacher, Sattler und Lederarbeiter bc- schästigcn, deren Vorständen vorher durch eine im Berichtsjahr bereits gebildete Kommission ein Satzungscntwurf vorgelegt werden soll, lieber den Zusammenschluß der drei Verbände zu einer In- dustrieorganisation soll eine Urabstimmung unter den Mitglic- der» entscheiden. Der Zentralocrband der Schuhmacher hat auch in dem schweren Kriscnjahr 1333, wie aus seinem Geschäftsbericht deutlich hervorgeht, für seine Mitglieder und auch für leider noch viele unorganisierte Arbeiter in der deutschen Schuhindustrie soviel geleistet, wie eine Organisation überhaupt nur zu leisten vermag. Neue Kürzung der VBMZ.-Gehälier? Verhandlungen über den TSprozentigen Kurzarbeitsabzug. Das mit dem Verband Berliner Metallindustricller(VBMJ.) abgeschlossene Sonderabkommen über Kurzarbeit sieht vor, daß die Gehaltskürzung infolge Kurzarbeit für die Monate April bis einschließlich Juli nicht mehr als 13 Proz. pro Monat betragen darf. Ab 1. August soll eine Kürzung bis zu 15 ist r o z. zulässig sein. Nachdem die Tarifgchälter der Angestellten in der Berliner Metallindustrie ab 1. April um 6,55 Proz. gesenkt worden sind, wozu noch die Gehaltskürzung bei Kurzarbeit kommt, sind die AfA- Gewerkschaften nach Rücksprache mit den übrigen Verbänden an den VBMJ. herangetreten mit dem Verlangen, die Maximal- grenze der Gehaltskürzung von 13 Proz. bei Kurzarbeit auch über den 31. Juli hinaus b c ste h e n z u lasse n. Sobald Verhandlungen mit den: VBMJ. stattfinden oder ein Resultat vorliegt, wird in einer AfA-Funktionärvcrsannnlung darüber berichtet werden._ Die Gehaltskürzung. Volle Anwendung auch auf die Polizeibeamten. Wie uns vom Verband Preußischer Poltzeibeamten E. V. mit- geteilt wird, sind die bisher durch die Presse gegangenen Nachrichten auf Herausnahme der Polizeibeamten aus der Notverordnung und Nichtdurchfiihrung der Gehaltskürzung unzutreffend. Die durch die Notverordnung angeordnete Gehaltskürzung hat auf die Polizei- beamten wie auf jeden anderen Beamten volle An- Wendung gefunden. Sie beträgt bei einem verheirateten Polizei- oberwachtmeister mit einem Kind, also einem älteren Beamten des Revier-Einzeldicnstes, auf Grund der 1. und 2. Notverordnung in Berlin 3 7 Mark monatlich. Die preußische Regierung ist bestrebt gewesen, den Polizeibcamtcn des Einzeldien st es die besonderen Ausgaben, die ihnen durch die besondere Heranziehung zum Dienst in dieser unruhigen Zeit durch Fahr- und Zehrkosten entstehen, durch Gewährung einer Fahr- und Zehrkostenzulagc abzugelten. Sie beträgt bei den Beamten des Rcvicreinzcldienstes seit dein 1. Februar d. I. 6 Mark monatlich oder 23 Pf. pro Tag. Die preußische Regierung beabsichtigt, diese Zulage für die Einzcldicnstbeamtcn auf monatlich 12 Mark oder 4 3 Pf. täglich zu erhähen und für die Beamten der B e r e iksch a s« p,o l i z e i, die bisher keine Entschädigung für die durch die Mehrdienstleistung entstandenen Sonderausgaben erhalten haben, einen Zuschuß von 6 Mark monatlich oder 23 Pf. täglich in Form einer verbesserten Abendkost zu gewähren. Die Gewährung des Fahr- und Zehrkostenzuschustes stellt keinen Ausgleich für die Gehaltskürzung, sondern nur einen teilweise» Ersatz der Sonderausgaben dar, die auf Grund der Mehrdienstleistungen entstehen, so daß die Gehaltskürzung nach der Notverordnung auf die Polizeibcamtcn in vollcin Umfange wirksam geworden ist._ NGO. gegen Bühnengenoffenschast. „Theoterkrise und Bühnengenosscnschaft" lautete das Thema einer Kundgebung am Mittwochabend im Schubertsaal. Einberufen war die Versammlung von einem„Erwcrbslosenausschuß der revolutionären Gewerkschaften". Das Präsidium der Genossenschaft hatte dazu ausdrücklich erklärt, daß es einen solchen„Erwerbslosen- ausschuß" nicht anerkenne. Es handelt sich also um eine wilde Organisation, die osfcndar den Zweck verfolgt, die Schauspieler- gcwerkschaft zu sprengen nach beliebtem kommunistischen Muster. Man weiß, wie leicht sich gerade die sensiblen Bühnenkünstler zu Uebcrtrcibungen hinreißen lassen. So tauchten auch diesmal die Legenden auf von dem„korrupten Präsidium", das ein Leben in Luxus und Faulheit führe, und schuld sei an dem Eingehen des Schauspielerheims. Mit einem gewaltigen Aufwand von Tempera» ment wurden die„Bonzen" des Verrats an den Genostenschafts- Mitgliedern geziehen. Wer das Bühnenvölkchcn kennt, nimmt ihr Pathos nicht allzu tragisch. Schließlich ist es ja nicht das erstemal, daß das Präsidium der Gcnasjenschast gestürzt werden soll. Es hat noch alle Stürme überdauert. Die ahnungslosen Künstler werden zu einem großen Teil gar nicht bemerkt haben, wer die Drahtzieher der Hetze find. Es sind nicht die vielleicht ganz gutgläubigen Referenten aus der eigenen Mitte: Mitglieder der Volksbühne und der staatlichen Theater. Es sind die unverantwortlichen Wühler gegen die freien Gewerkschaften, die sich auch hier die Not der Erwerbslosen zunutze m a ch e n, um im Trüben zu fischen. Ein kommunistischer Stadtrat legte eine sehr plumpe Liebcswerbung an, indem er seine Partei als besonders thcaterfreundlich hinstellte und den notleidenden Schauspielern mit seinem Entwurf eines wahren„Volkstheaters" goldene Berge versprach. Er beging dabei nur die kleine Unvor- sichtigkeit, daß er auf die„Musterzustände" in Sowjetrußland hin- wies, wo es keine Arbeitslosigkeit und natürlich auch keinen Hunger gebe und die Schauspieler sogar aus anderen Ländern zugezogen würden, um eine ganz neue Bühnenkunst aufbauen zu helfen. Das war nun freilich ein bißchen zu starker Tobak, denn die Tatsache, daß die besten Regisseure und Darsteller von Bühne und Film abwandern, läßt sich nicht wegschwindeln. Granowsky weilt seit mindestens einem Jahre in Deutschland, die Baranowskaja. die Anna Sten, Kowald-Sambowski filmen in Neubabelsberg. Pudowski hat bei uns gearbeitet, Eisenstein hält sich seit Monaten in Hollywood auf. Die besten russischen Sänger: Schaljapin, Baklanoff, die Jur- sewskaja, sind seinerzeit ausgewandert aus dem Sowjetparadies. Und das soll ein Eldorado der Künstler sein? Wenn die Erfolge des Fünfjahresplans denen des künstlerischen „Aufbaues" entsprechen, dann wird man sich keinerlei Illusionen mehr hingeben._ »Freie Gewerkschafis-Iugend Berlin |»utc um l!Ui Uhr lagen bic Srupyen: AI»lcr»tz»I: Gruppenk-im Adler-- h»f, Prsmarlkfrr. I. Wir feiern das ciniahrige Bestehen miserer Gruppe. — Rordrinq: Jugendheim Schule Sonnruhurger Str. 30..Parteien in Frankreich."— Reinickendors-Ost: Jugendheim Lindauer Strafe(Aaractel. Heimdtsprechung. Brettspiele.— Süden: Jugendheim Wassertarstr. 9. Heiin> desprcchung. Breltspicie.— Charlaitendurg! Jugendheim Epreestr. m. Seim. deOprechung.— Zeppelinpiap: Jugendheim z uriner Gcke SeestraHe. Seil». desprechung. Anschiiegend:„Was wurde ich machen, wenn Spandau. Wilhelmstadt: Zugendheim Spaetplah Saeburger Straße. Heimbesprechung.— Brnawalder Plast: Pasteurltr. 44(6(Oberrealschulel. Heimbesprechung. Hermannplast: Jugendheim Sanderstr. II, Ecke Sodrechtstraßt. Hetmbesprech: Brettspiele.— Rechnet die starten der Sounenwcndfcier in Brieselang ab. � Iugendsti-uppe des Zentralverbandes der Angestellten ©5?/ Heute, Freitag, folgende Beranstaltungen: Rorben: Wir besuchen d e � Beriaimnlnng des Werbebezirts.— Südwest: Zngenbherm Borrfftr. U (3. Hof. Quergeb. l Ft., S. 5). Fahrtenabend.— Berliner Druckerei, und Berlage. gcseNschast m. d. H.. Geschäftsstunden oan 20—23 Uhr im Zugend heim Ebert». ftraße 12.— Spiele im Freien ab IS Uhr auf dem Sporiplast„Einsame Pappel" lRorden). ung. Beraniwarilich(De PoNIik: Bietar Schiff: Wirtscktaft: G. stlingelhäser: Gemerkschaftsbeweguna: Friedr. Estkarn: Feuilleton: Dr. Zohn Schikomali: Cofaltä und Sonstiges: Frist statstadt; An, eigen: Th.«locke; sämtlich in Berlin. Perlag: Vorwärls-Beriag S m. b. H.. Berlin. Druck: Borustjri-.Buchdruckerei und BerlagsanstäU Paul Singer u. Co., Berlin EW. SS, Lindcnstroße S Hier,» 2 Beilagen. WERTHEIM Soweit(C offati Käse u. Fett Camembert rnöÄ 0.27 Ramadou haibfeii i stück 0.35 Harzer-od.SpifzküseKistB 0.45 Blockkäse 0.58 Steinbusdier voMfem.pw.O.Zl Holländer"Äflund 0.76 Tilsiter vollfett, Pfund v. an 0.76 Limburger 0.42 0.76 Münster»ciuau.. P d. 0.70 Margarine u-"ÄS 0.75 Braten* u. Orlabomdunalz 0.56 Markenbutter£1**. 1.46 Frisch. Fleisch Schweinebauch Pfund 0.66 Schweineblatt11 0.76 Schweineschinkenp00 Hammel-Vordertl. 0.88 Kalbskamm... Pfund 0.68 Kalbsbrust"-"�'„d 0.78 Kalbsschnitzel. Pfund 1.80 Gemigel, Wild frlichgejchlachtat, Tauben 5,ll-st von an ■ 1 u— frisch u. gafroren, nunner Pwnd von an Brathühner Pfund v. an Bratenten pw von�n Hirschblätter Pfund v. an « Blaffe» nr Kedill.isdi Ken-v.anW-»» Pld. v.an 0.60 0.90 1.15 0.95 0.72 0.26 Obst Johannisbeeren p'u~ 0.20 Kirschen 2 Pfund �. 0.35 Blaubeeren... Pfund 0.22 Tomaten..... Pfund 0.22 Pfirsiche...... Pfund 0.24 Aprikosen.... Pfund 0.32 Kalif. Apfel... Pfund 0.36 Zitronen Oufzand von an 0.36 Wurst waren Hausmach.-Sülze P d 0.48 Speckwurst..... Pfd. 0.65 Dampfwurst 0.85 Mettwurst(Braunsdiw.Art) 0.88 Leberwursfs&Ä. 1 08 Leberwurst L'.'ni.fwurst 1.30 Teewurst<«lna u. greba 1.35 Räucherwaren Schellfisch Pfund von an 0.32 Flundern VfÜÜdt'on«n 0.36 Bücklinge Pfund von an 0.42 £ehensmitte1 Gemüse Radieschen Salat...... 5 Bund 0.1 0 .4 Kopf 0.18 Grüne Gurken v|ntn0.12 Weilskohl..... pw 0.10 Wirsingkohl... Pfund 0.12 Junge Möhren 3 Bund 0.20 Junge Schoten 3 Pfund 0.28 Schmorgurken■ 3 pf-f. 0.35 Konserven Apfelmus........ 0.65 Pflaumen........ 0.72 Aprikosen halba Frucht 0.95 Pfirsiche kalif„halba Frucht 1.18 Kirschensaura0.90 m,"* 1.10 Ananas sscheib.n... 1.35 Aprikosen'.���2.90 Senfgurken oo» 2.25 0.58 Sellerie 0.65 Spinat 0.38 Br.* u. Sehn.-Bohnen 1 0.46 Würstchen Dose J Paar 0.75 Olsardinen0 tc 5 Dosen"»4� dosen* (14. Fische Kabeljau gz. Fiicha j Pfd. von an Seelachs gz. Fiicha Schellfhch..... Rotbars....... Bratschollen 2 Pfd. v. an 0.35 Fischfilet Pfund von an 0.18 Zander.. Pfund von an 0.35 Leb. Krebse an 0.60 Lebende Aale Pfd. v.an 0.92 Kolonialwaren Olympia-Mehl... J-Pfund-Beutel 1.65, 1.55■ Auszugmehl'"«"'j,"ä 0.26 Kartoffelmehl. Pfund 0.19 Sultaninen Pfd. 0�5,«.m 0.40 Mandeln Pfund«.«• 1.60 Bruchreis 0.1 4 olu1« jj 0.1 8 Hartgrlefr.. Pfund«.» 0.26 SehnittaNudeln Pf-f,»,,« 0.46 Puddingpulver... Vanille- u. Mandel-Geschmack Schokolade-Geschmack Neue Mafjes'an 0.25 Neue Karloffeln 5 Pfund von an 0.44 Fisch-Marinaden Bratheringe, Bismarckheringe, Heringe in Gelee, Sardinen t�a 0.42 Doi. 0.68 Wein Preise für V, Flasche, ohne Glas Raddes Urquell Franklurlar Apfelwein 0.60 1930 Oberhaardter..s. 0.73 1928 Mosenicher lz»z Königsberg Mosel|~ ,2/0.83 Frudlisekt m. Stauer u. Fl.'( 1.20 1939 Hainfelder Lelfen... 0.85 1929 Slefersbeim. Martinsberg Wachstum Wirlh 1.05 1929 Nitfeler Leiterchen..1.10 1928 Kestener Herrenberg 1.45 Kirsch- u. Himbeersaft fein 1.10 Orangeade Hausmarke... 1.25 Wein vom F«) zu billigen Preisen Apfelwein....... Liter 0.55 Johannisbeerwein.. Liter 0.70 Maikammerer..... Liter 0.80 Nr. 305- 4S. Jahrgang 2. Freitag, 3. Luli �SZil Deutsches Wirtschafisschicksal. Reichskredii A.-G. zeichnet im Halbjahresbericht für-195-1 ein sehr ernstes Bild Die Rkichskrcdit A.-G. l)at ihren ersten j)albjahrsber>cht fiir 1331 veröffentlicht und in ihren allgemeinen und speziellen lieber- legungen sowie in der Auswertung der statistischen wirtschaftlichen Daten dem ganz besonderen Ernst der gegenwärtl- gen wirtschaftlichen und politischen Lage Deutsch- l a n d s besonders Rechnung getragen. Der schwere Rückschlag in der Konjunktur. In den c r st c n vier Monaten l S 3 1 entwickelten sich die Verhältnisse noch relativ günstig. Obwohl die Produktion um 33 Proz. zurückgeganecn war gegenüber dem chöchstbestand der vor- hergehende» Konjunktur, stieg der Produktionsindex Ja- nuar bis April von 63,4 auf 73,4 Proz.(gegenüber dem Höchststand von 137,3 Proz. im April 1929). Im Lause des zweiten Viertel- johres ist die sehr ernste Gefahr eines neuen konjunkturellen Rück- jchlags cingetrelcn, der mit der starken Erhöhung des Diskonts und den trotz der Hoovcr-Aktion mahrscheinlich notwendigen Äredit- rcstriktioncn in der Tat sehr wahrscheinlich wird. Eine sehr interessante Gleichartigkeit der konjunkturellen Entwicklung wird für Zlmerika und Deutschland sowie anderen kapital bedürftigen Ländern einerseits und typische europäische A a p i t a l ü b e r j ch n g l ä n d e r wie Englaird, Frankreich und Schweden, sesteestellt. Einem Produktionsrückgang gegen- über 1929 bis April 1931 von 27 Proz. in Deutschland und von 26 Proz. in den Vereinigten Staaten sowie von je 28 Proz. in Oester- reich und Polen zeigt England nur einen Rückgang der Produktion van 14,7, Frankreich nur von 3,6' und Schweden nur von 11,1 Proz. Achnliche Verhältnisse, die diese Unterscheidung rechtfertigen, zeigen sich auch beim Elektrizitätsverbrauch, im Baugewerbe und bei der Lei- slnngskurvc der Eisenbahnen. Im April 1931 war der Rückgang im Baugewerbe gegenüber 1929 in Deutschland mit rund 34 Proz. weitaus am stärksten, in den Vereinigten Staaten beträgt der Rück- gang(hauptsächlich Industriebauten) ober auch 34 Proz., während er in England nur 4,6 Pro;, betrug und in Frankreich sogar«ine Zunahme von 4,9 Proz. festzustellen war. Die Loge im deutschen Baugewerbe ist geradezu trostlos. Für die ersten fünf Monate 1931 wird ein Beschafti- gungsausfoll von etwa 40 Proz. gegenüber April bis Mai 1933, von etwa 46 Proz. der entsprechenden Zeit 1929 und etwa 33 Proz. der entsprechenden Zeit 1928 festgestellt. Während 1928 der Ge- samtwcrt der Bauproduktion April bis Mai auf VA Milliarden, 1929 auf 231 und 1933 noch auf VA Milliarden zu schätzen war, werde derjenige der ersten fünf Monate des Jahres 1931 den Betrag von 114 Milliarden Mark kaum übersteigen. Zwar seien die Baukosten recht erheblich zurückgegangen, die Zinsfenkung sei aber nur gering, so daß mit einer Belebung der Bautätigkeit, besonders im Wohnungsbau, kaum gerechnet werden könne, solange nicht die Kapitalbewegung eine entscheidende Besserung erfährt. Zu «wem großen Teil sei die schwere Lage des deutschen Baugewerbes ewe Folge davon, daß der ungewöhnliche Rückgang der Einkommen trotz aller Wohnungsnot die Mieten Im freien Markt zum Sinken gebracht habe. Entgegen der in der letzten Zeit beobachteten konjunkturgünstigen Wiederau ff üllung dcrLägcr kommt die Rcichskredit A.-G. zu einer insgesamt ungünstigen K o n j u n k t u r b e u r t e i- l u n g:„Nicht nur rät die Preisentwicklung und die schwierige Kapitaloersorgung zur Zurückhaltung, der Rückgang des Verbrauchs und die vielfach vorhandene Vermehrung der Vorräte an Fertig- waren bei den Produzentcngruppcn macht Bedarfsstauungcn im ollgemeinen noch nicht wahrscheinlich." Die Feststellung, daß die deutsche Ausfuhr von Januar bis Mai 1931 wertmäßig um 24 Proz. gegenüber der gleichen Zeit des Vorjahres zurückgegangen ist, und daß der Abstand gegenüber anderen Ländern mit größerem Ausfuhrrückgang sich außerordentlich verringert hat, dürfte die Bc- rcchtigung der pessimistifchcn Konjunkturbeurteilung unterstreichen. Zahlungsbilanz 1931— kapilalmarkl— Reparationen. Sehr eingehend und ausführlich werden die Zusammenhänge dann aufgezeigt, die diese pessiirüstische Beurteilung rechtfertigen. Das Zentrum der neuen Schwierigkeiten liegt in der politischen Weltbeunruhigung über die Zuspitzung der Verhältnisse in Deutschland, die zur Hoover-Aktion geführt hat. Durch die ausländischen Kreditkündigungen, ausländischen Verkäufe deutscher Werte und die Geringfügigkeit der ausländischen Kapitalzusuhr, hat sich die d e u t s ch e Z a h l u n g s- bilanz im 1. Halbjahr 1931 nach den Borschätzungen der Reichskredit A.-G. katastrophal verschlechtert. Im ersten Halbjahr 1931 kamen nur etwa 233 Millionen ausländische Kredite herein gegen 967 Millionen im ganzen Jahre 1933. Während 1933 mehr als 1233 Millionen Krcditabzüge noch zu zwei Drittel durch die Frei- gäbe deutschen Vermögens gedeckt wurden und die Reichsbank im ganzen nur 123 Millionen Gold und Devisen abgeben muhte, beträgt allein im ersten Halbjahr nach der Schätzung der Reichskredit A.-G. der Abzugsüberschuß ausländischer Gelder durch Kündigungen und durch Verkäufe deutscher Werte 1433 Millionen Mark, der voll durch Gold- und Devisenabgaben der Reichsbank gedeckt werden mußte. Daraus zieht die Reichskredit A.-G. den Schluß, daß entweder die Reparationszahlungen herabgesetzt werden müssen oder zugunsten Deutschlands auf einen entsprechenden Anteil am Weltmarkt ver- zichtet werden muh. Die Verhältnisse auf den deutschen Geld- und Kapital- Märkten haben sich in der letzten Zeit ganz außerordentlich verschlechtert. Hinsichtlich der Zinsgestaltung und der kapital- mäßigen Entlastung, die sonst mit jeder Wirtschaftskrise eintritt, konnte Deutschland bisher sich noch keinerlei Vorteil sichern. In den Kapitalüberschußländcrn hat sich der Rückgang der Zinssätze in zahl- reichen Konversionen, d. h. Herabsetzungen der Zinssätze bei bestehenden Verpflichtungen, ausgewirkt. Deutschland sei wie die meisten europäischen Kapitalbedarfsländer dieser wichtigen Krisen- h i l f e z u n ä ch st b e r a u b t. Die in der Depression an sich sinkende Kapitalbildung sei in Deutschland besonders stark zurückgegangen, eine Tatsache, die die Last der Reparationen für Deutschland viel schwerer mache, als sie in den nackten Ziffern zum Ausdruck kommen. Die Reparationen seien nicht mehr aus einem Ueberschuß, sondern aus der Substanz bezahlt. Diese Lage sei allerdings ver- schärft durch die Fchlleitungen von Kapital in Deutsch- land. Die Kreditoren der deutschen Banken sind bis Mai 1931 gegenüber Ansang des Jahres um etwa 11 Proz. ge- funken. Der Monat Juni dürste infolge der fast panikartigen Zurück» Ziehung ausländischer Gelder ein« weitere sehr beträchtlich« Skr- Minderung gebracht haben. Die Ucberstürzung, mit der die Abzüge erfolgten, zwingen zu der Annohme, daß der Anteil der ousländi- schen Gelder an der Finanzierung des deutschen Umsatzes weiter- h i n eingeschränkt bleibt und vielleicht noch zurückgeht. Die Reichskredit A.-G. scheint davon überzeugt, daß eine starke Kreditrcstriktion unvcrni eidlich ist, die ihre Auswir- kung auf das deutsche Kreditsystem nicht verfehlen werde. „Eine zeitweilige Rückentwicklung, die Ersetzung der auf Bank- kredit gestützten Zahlung durch Wechselbegebung und dementsprechend eines Teiles der Bankouslcihuinzcn in laufender Rechnung durch Wechselankouf wird für die nächste Zeit unvermeidlich sein." (Diese Voraussage kann nach der bisherigen Entwicklung auch trotz des 133-Millionen-Dollar-Kredits, den die Reichsbank erhalten hat, ihre Berechtigung behalten.— D. R.) ABSTAND DER DEUTSCHEN G E LD M AR KTSÄTZ E VON DEN AUSLÄNDISCHEN A. cka»«n« ÖA'd. B. OiirehBihnltt dnr nijUiM'Kihaa Sttra fOr tanfftr+tflo*« R#"1 Die Entwicklung der Zinssätze in Deutschland im Bcr- hältnis zu denen des Auslandes wird in der Graphik deutlich. Die Zinssätze des Geldmarktes standen während des größten Teiles des ersten Halbjahres auf mehr als dem Dreifachen der ausländischen und sind im Lause des Monats Juni auf fast das Fünffache gestiegen. Die Kapital zinssätze haben sich im Juni auf mehr als dos Doppelte der ausländischen erhöht. „Die Größe des Zinsabstandes besagt, wenn man auch nur den SlbstaiAd der Kapitalmarktsätze ins Auge faßt, daß jede Gold- mark, die Deutschland an das Ausland abgegeben hat, für Deutsch- land den doppelten Wert besitzt und mit den doppelten Anstrengungen mifgebrocht wird wie in den Empfangs- ländern." In ihrem Ausblick kommt die Rcichskredit A.-G. zu folgender Ehoraktcrisicrung der gegenwärtigen, durch die 5) o o v e r- A k t i o n so wesentlich be- einfluhten Lage:„Im Verlaufe der ersten Monate des lausenden Jahres hatten sich in Deutschland wie in der übrigen Welt Ansätze zu einer Derlangsomung de« Kuchunkturrückgangs und vielfach auch zu einem Stillstande gezeigt. Sie hatten die Hoffnung auf eine, wenn auch naturgemäß langsame Genesung der Welt- Wirtschaft erweckt. Im Verlaufe des zweiten Vierteljahrs hat jedoch die Angst überall die Dämme überflutet. Insbesondere im Monat Juni drohte die Politik des„R e t t e s i ch, w e r k a n n" über die Erkenntnis zur unumgänglichen Zusammenarbeit zu siegen und die wirtschaftliche Entwicklung erneut um ein bedeutendes Stück zurückzuwerfen. Die Weltwirtschaft war in Gefahr, aus reiner Kopflosigkeit neue beträchtliche Verluste aus sich zu nehmen, zu vergessen, daß sie nur von Zusammenarbeit leben kann, daß diese allein den Erfolg irgendeiner Arbeit und den Wert irgend- welcher Kapitalien auf die Dauer verbürgen kann. Der Vorschlag der Regierung der Vereinigten Staaten, über den in, Augenblick noch verhandelt wird, stellt der Politik des„Rette sich, wer kann" die Politik der Zusammenarbeit entgegen... 21 Prozent mehrWeizenanbau! Das Statistische Reichs« mt mackst Mitteilungen über die Ausdehnung der Weizenanbaufläche, die ja im Rahmen der landwirtschaftlichen Rationalisierung«ine besondere Rolle spielt. Danach sind im Deutschen Reich insgesamt 4,36 Millionen Hektar mit Roggen. 2,16 Millionen Hektar mit Weizen, 112 333 Izektar mit Spelz und Emer, 233 333 Hektar mit Wintergerste, 1,39 Mit- lionen Hektar mit Sommergerste und 3,33 Millionen Hektar mit Hafer bestellt. Gegenüber dem Vorjahr hat sich der Roggenanbau am 351 000 hekkar--- 7.5 Proz. verringert, während der Anbau von Weizen um 378 000 Hektar— 212 Proz. zugenommen hat. Auch bei Gerste ist«ine Vergrößerung der Anbauflächen eingetreten, und zwar bei Wintergerste um rund 33 333 Hektar= 16,7 Proz. und bei Sommergerste um 67 333 Hektar— 5,1 Proz. Dagegen ist der Anbau von Hafer um 85 333 Hektar:= 2,5 Proz. und der von Spelz und Emer um 6303 Hektar:= 5,4 Proz. zurückgegang«». Die Anbaufläch« für Frühkartoffeln betrögt im ganzen 244 33 Hektar. Im Vergleich mit dem Vorjahre hat sich der Anbau um 7333 5iektar— 3,1 Proz. vergrößert. Die Umstellung im Körnerbau und die Ausdehnung des Weizen- onbaus übertreffen die kühnsten Voraussagen aller Sachverständigen. Bei den heutigen Zöllen ist freilich über die Wirtschaftlichkeit der Umstellung damit noch nichts ausgebaut. Jedcnsalls wird der Roggenschutz abbausähig. Kartelle blühen und gedeihen. Oer Zusammenschluß der deuffchen Iuteindustrie. Trotz vieler schöner Rcgicrungsredcn, trotz Kartcllverordnung und Kartellnotverordnung führen die Kartelle ein ungestörtes Dasein. Jetzt ist es der Interessengemeinschaft Deut- scherIuteindustrieller gelungen, sich mit allen Außenseitern zu einigen. Bis zum letzten Verbraucher sind Absatz und Preise für Iuteprodutte(Säcke usw.) geregelt. Die Verbraucher sind in drei Gruppen geteilt: Großbezieher: solche, die ganze Ladungen beziehen; sonstige. Die G r o ß b e z i e h e r(z. B. JG.-Farben. Kali- syndikat) stehen außerhalb jeder Pretsregelung. d. h. für sie wird von Fall zu Fall ein besonderer(billiger!) Preis festgesetzt. Im Großhandel werden getrennt: Bertragihändler (direkt oo» Kartell abhängig): Revershäudl««(schriftliche Ver» pflichtung zur Befolgung der Kartellvorschristcn: Berlragsstrasenl): sonstige. Diese„sonstigen" Großhändler, die sich durch keinen Vertrag und keinen Revers dem Kartell unterworfen haben, er- halten Waren in der Regel nurzuKlcin Verkaufspreisen! Es versteht sich, daß die Klcinverkaufspreise im Vertrag oder Revers festgelegt sind: die„sonstigen" Händler verhindert man durch die eben angegebene Maßnahme sehr wirksam, die festgesetzten Preise keinesfalls zu unterbieten.— Wir empfehlen dem Reichswirt- schaftsntinistcrium, die Praxis des Jutekartells sehr genau zu ver- folgen. Erfindung und Geschäft. Verbesserter Fernsprecher? Der ITT.-Konzern, das heißt die International T e- lcphon and Telegraph Corporation— jener macht» volle internationale Nachrichtentrust, der kürzlich mit dem schwedischen Ericsson-Konzern einen Jnteressengemeinschastsvcrtrag abgeschlossen hat— will, nach einem großen französischen Informationsblatt, die Fernsprechanlagen seiner Tochtergesellschaften grundlegend verbessern. Es soll ein Apparat eingebaut werden, der es ermöglicht, daß der Fernsprechbenutzcr nach Wunsch das geführte Ge- spräch nachträglich nochmals abhören kann. Auf diese Weise würde das F c r n g c s p r ä ch z u c i n e m Z5o k u in e n t. Welche Bcrtriebsgcscllschostcn des JTT.-Konzerns diese Neuerung zunächst �einführen werden, ob in Südamerika, in Konstantnwpet oder in Schanghai, ist noch nicht bekannt. Neuerungen dieser Art sind keineswegs nur etwa eine technische Spielerei: sie sind ein riesiges Gcschäst, wenn sie cinge- führt werden. Di« llntergesellschaften des JTT.-Konzerns haben gegenwärtig weit über 733 333 Fernsprechstcllen. Falls«s möplich wäre, hier überall Sie erwähnte Verbesserung obsigatorisch zu machen, so würde das sür die Schwachstromindustrie, die diese Apparate bauen soll,«inen gewaltigen Mehrumsatz bedeuten. Es wird sich natürlich hierbei um dicjenig«n Telephon- und Telegraphenbau- firmen handeln, die ver ITT.-Konzern in den verschiedensten Län- dern der Welt beherrscht, sei es direkt, sei es durch die International Standard Electric Corporation. Der Neuerung liegt der gleiche Gedanke zugrunde, der in Deutschland maßgebend gewesen ist, als vor einigen Monaten van der Einführung eines Fernschreibegeräts die Rede war, dos im Telephonapparat eingebaut werden soll. Zur Zeit wird die Tclephonbauindustrie der Welt noch durch einen anderen Umgestaltung-Prozeß stark mit Aufträgen versehen, nmnlich durch die Automatisierung, d. h. die Ersetzung der alten Fernsprcchgcräte durch Sclbstanschlußapparate. Die Anschlüsse im Fcrnspvechwescn haben sich verlangsamt; die Bcschästigung der Telephonbausirmen wäre nicht entfernt so umfangreich, wenn nicht in allen Ländern der Fernsprechbetrieb automatisiert würde. Ende 1929 waren in Deutschland fast 47 Proz. oller Hauptanschlüsse be- reits auf automatischen Betrieb umgestellt. Die beiden letzten Jahre brachten einen Zuwachs um je rund 233 333 automatisierte Fern- fprechanlagen. Bei dem gegenwärtigen Tempo der Umstcllungs- arbeiten dürsten keine fünfJahrc mehr vergehen, bis die Auto- matisierung abgeschlossen sein wird. Begreiflich, daß die Schwach- stromindustrie schon jetzt nach neuen Möglichkeiten der Umstellung sucht, um rechtzeitig neue Massenousträge zu erhalten. Es ist natürlich nicht zu bestreiten, daß Neuerungen dieser Art, sei es nun eine Abhörvorrichtung, sei es ein Fernschreiber, besonder- im Geschöstslcben einen erheblichen praktischen Wert haben können. Nach den bisherigen Erfahruneen wird man sich aber nicht auf die Umstellung bei solchen Teilnehmern beschränken, die diese Einrichtung wirklich wünschen, sondern man wird sie obliga- torisch für sämtliche Teilnehmer durchführen wollen. Erst dies ge- währt den Elektrountcrnehmungen denjenigen Riafsenabsatz, auf den sie hinzielen. Bauwirtschast und öffentliche Hand. Oeffentliche Aufträge werden gefordert. Alle Verbände der Berliner Bauwirtschast veron- stalteten eine Kundgebung in der Philharmonie, um die Oesfcntlich- kcit wieder einmal auf die große Bedeutung des Bau- g e w c r b c s für die ganze Bolkswirtschast aufmerksam zu machen. Mehrere Redner, darunter Reichsministcr a. D. Dr. Reinhold. führten aus, daß eine Belebung des Baumai ktes nicht nur den Arbeits markt stark entlasten, sondern wegen der„Schlüssel- stellung" des Baugewerbes auch zu einer Ankurbelung der Gesamtwirtschast führen würde. Im Jahre 1928 seien Bauten in Höhe von 8,9 Milliarden Mark ausgeführt worden: im Jahre 1931 würden es höchstens für 5 Milliarden Mark sein. Diese Einschränkung der Bautätigkeit sei wesentlich eine Folge der Kür- zung der Hauszins st euermittel sür Bauzwecke. Reich, Länder und Gemeinden müßten neue und große Aufträge ver- teilen. Leider wurde nicht verraten, woher die öffentlichen Körper- schaften in ihrer Finanznot die M i t t e l für neue Aufträge nehmen sollen. Die Bauwirtschaft hat auch in den Iahren 1928 und 1929 niemals gesordert, es sollten nicht so große Aufträge verteilt werden— denn wenn man Konjunkturausgleich fordert, muß man in guten Iahren eine Einschränkung vornehmen, damit man für schlechte Jahre Reserven bilden kann. Bei den Ausführungen über Kapitalfehlleitung haben wir nichts über die Fehler der privaten Bauwirtschaft gehört, die doch in letzter Zeit so kraß und so oft zutage getreten sind. Die Senkung der R e a l st e u e r n zu Lasten der Hauszinssteucr ist auch von uns bekämpft worden: es ist aber ein Irrtum, daß die Hauszins- steuer jemals ganz für Bauzwecke bestimmt war. Die u n s a ch- lichen Angriffe auf die wirtschaftliche Betätigung der öffentlichen Hand wären besser unterblieben.— Der Ruf nach öffentlichen Aus- trägen beweist zur Genüge, daß eine reine Privatwirtschaft auf dem Baumarkt unmöglich ist. Verteuerung von Uhren? Zwischen führenden Unternehmen der Uhrenindustrie, die 75 Proz. der Produktion umfassen(darunter Iunghans- und Kienzle-Konzern), und dem Zentralverband der Deutschen Uhrmacher C. B. ist ein Vertrag geschlossen worden, daß die beteiligten Fabriken nur an Fachgeschäfte liefern werden. Auf Vertragsverletzungen sind Strafen und Liefersperren festgesetzt. Die Verkaufspreise werden festgelegt. Die wichtigste Folge dieses Vertrages ist, daß Warenhäuser, Genossenschaften usw. in Zukunft vom Bezüge von Markenuhren ausgeschlossen sind. Eine Hebung des Absatzes wird die Industrie von dieser Maßnahme nicht zu erwarten haben. Die Domenmäntclsabrit Vibo u. öackier. Berlin hat laut.Konfektionär" ihr« Zahlungen eingestellt und strebt einen gerichtlichen Dergleich an. Die Warenschulden sollen sich auf 733333 bis 833333 Wart belaufen. Gerdhmd; föerll viei* Maleidofkop Die«'Weltreise�. On der Kofserobtellung des großen Warcnhonses gibt es eine merkwürdige Einrichtung. Jeder, der sich hier einen Koffer zulegt, kann ihn mit bunten Zetteln bekleben lassen. Diese Zettel, auf denen in prächtigen Farben Bilder von azurblauen Meeren mit gifchtigcr Brandung, weißen Gestaden, Palmen und Marmorsäulen, grünen Wiesen mit bunten Blumen, von schneebedeckten Berges- gipfeln, himmelragenden Wolkenkratzern und einer von Kamel- karawonen umlagerten Sphinx zu sehen sind. Diese Zettel sind beschriftet mit den Namen der feinsten, der teuersten, größten und idyllischsten Hotels der Erde. Der Sinn dieser Einrichtung ist ganz klar ersichtlich: sie existiert für die kleinen Gernegroße, für die kleinen Blusfer, die sich nicht auf ihre persönliche Wirkung verlassen können, für Klaften und plötzlich Reichgewordene, kurz für alle jene, die tote Dinge, bunte Bilder auf machtgebietenden Koffern beispielsweise, für sich wirken lassen. Und solch ein Zettel, über dessen farbenprächtiger Buntheit man„OaridAivLoncIcm",„Ambassador-Antwerpen",„Glace- Palace-Abbazzia" oder„Ritz-Paris" lesen kann, ist doch ein totes Ding... Tatsächlich tragen die wenigsten Leute, die hier ihre Schrank- oder Kabinenkoffer erstehen, ein Verlangen nach diesen Vor- spiegelungcn falscher Tatsachen. Di« meisten von ihnen steigen tat- sächlich auf ihren Reisen in den Grand-Hotels ab. die meisten von ihnen verbitten sich bei den Portiers dieser enormen, luxusüber- ladenen Gasthäuser ausdrücklich die Verunstaltung ihrer Koffer durch Aufkleben dieser„Aliround-tbe-vorld-tickets". Die wirklich reichen Leute nämlich und die Hochstapler, die diesen Reichtum und diese Vornehmheit durchschaut haben, legen gor keinen Wert darauf, ihre Reiseroute den Zimmerkellnern, Portiers und Gepäck- trägern zur Kenntnis zu geben, sie wollen unerkannt bleiben... So existiert denn diese Einrichtung, die das große Warenhaus — im Einvernehmen mit den Fremdenverkehrsbüros und den Direktionen der betreffenden Elitehotels natürlich!— bereit hält, nur für die kleinen Blusfer und Blender, denen das Genie der großen Hasardeure und Vabanquespieler, der großen Hochstapler und Abenteurer so völlig abgeht, daß sie die Profilierung der Persönlichkeit durch derartig lächerliche Utensilien ergänzen oder ersetzen wollen. Aber es ereignen fid) in der Kofferabteilung des großen Waren- Hauses auch die Auftakte anders gelagerter Fälle, deren AusNang meist von Tragik zur Komik hinüberwechselt. Man ahnt hinter den Worten und Wünschen die Schicksale. Und die Verkäuferinnen, die hier„auf Wunsch, gratis" die Hotel- zettel aufkleben, ahnen oft bei diesen Kunden etwas Wesens- verwandtes. Bei manchen jungen Männern, denen der Kauf einer Thermosflasche nur Vorwand ist, in den Besitz dieser Zettel zu kommen, ahnen sie die Sehnsucht nach der Ferne, nach der Sphinx, den Marmorsäulen, bei mandien„Sehleuten", die, arm und hungrig, die überquellenden Stände und Auslagen entlang schlendern, spüren sie wie angesichts der Klebezettel eine Hoffnung sie durchlebt. Die seltsamsten Kunden aber sind die, die sich auf einen Hand- oder Picknickkoffer eine ganze„Weltreise" von Helouan bis Kapstadt, von Paris bis Kiautschou, von Rio bis Neuseeland auskleben. Sie sind die Theoretiker des Reifens, die Hochstapler der Romantik, die angesichts des buntbeklebten Koffers träumen... Krau vor dem Wettbüro. Segen der großen Destillation in der armen nördlichen Gegend befindet sich ein Wettbüro. Den ganzen Tag über ist der klein« Warteraum vor den Schaltern dicht besetzt. Zigarrenquolm lastet in der Luft. Tipzeitungen werden zerlesen. Viele Arbeiter, Angestellte und Arbeitslose tragen ihre letzten Hoffnungen und ihre schwer verdienten oder erstempelten Markstücke hier hinein und wetten. Meist ist es„wieder mal nichts". Sehr selten hat jemand einen Außenseiter getipt, der in einem der französischen Rennen als Sieger durchs Ziel geht. In der großen Destille gegenüber werden des Abends die Gewinnchancen besprochen. Die meisten Gesichter sind zersorgt und mürbe. Enttäuschung steht in den Augen.— — Es ist Nachmittag. Und die Straße kodst. Die tägliche Heimkehr ist im Sange. Aus dem Schacht der Untergrund quellen die Menschen mit dem kleinen Lächeln auf den abgespannten Zügen, das Feierabend heißt. Die große Destille füllt sich. Vor den Gewinnlisten des heutigen Tages und den Starterlisten von morgen, die im Schaufenster des Wettbüros hängen, sdiaren sich kleine Gruppen. Eine junge Frau mit verweinten Augen betritt das bunt- bewimpelte Lokal. Man spürt ihren erregten Herzschlag. Sie geht die Tischreihen entlang. Gibt sich den Anspielungen der jungen Burschen preis, den stumpfen und den frechen Blicken der onge- strid)«nen, fleischernen, grauenvoll einsam herumsitzenden Mädchen. „Nee, nee, Muttchen, hier wirste deinen Ollen nich finden," ruft ein« torkelnde Kehle,„der wär ja duslig, wenn er jerad« hier..." ... Die Worte ertrinken in einem neuen, gurgelnden Schluck. Die junge Frau hat Angst vor diesem alkoholdurchdünsteten, von abgestandenem Tabaksqualm verräucherten, knallbunten Lokal, vor diesem gedunsenen Zapfer, dem kreisdrenden Orchestrion und vor der Tageshelle, die die hohlwangigen Gesichter der Freudesrauen unter der faustdicken Schminke erkennen läßt. Sie geht hinaus. Und über dem Damm. Dann steht sie vor dem Wettbüro. Viele Frauen flattern so in die gespenstisch hellen Bumslokale, über den Damm zum Wettbüro. Meist sind sie jung wie diese hier. Man spürt ihren erregten Herzschlag. Unter dem flüchtig übergeworfenen Mantel flattert die Küchenschürze. Männer gehen in das Wettbüro, Männer mit blauen Kaffee- pullen oder Aktentaschen, mit Schiffermützen oder Stehkragen mit Lötschlips. Einer kommt mit weitausholenden Schritten, ein Junger mit einem offenen Gesicht. Die junge Frau sieht ihn. Da packt es sie und sie stürzt ihm entgegen. Aber nur ein paar Schritte. Dann bleibt sie plötzlich stehen. Die Hände fallen ihr herab. Er geht vorbei, er sieht sie nicht, ganz schnell geht er hinein ins Wettbüro. Aus der Destille grölt Orchestriongefauch und trunkener Sing- sang. Die Gasflammen in den Laternen flackern schon. Ein« Uhr schlägt. Straßenbahnen kreischen. Ein Hund bellt matt. Die Frau steht da, immer noch, als hätte sie einen betäubenden Pcitschenschlag bekommen. Da kommt er heraus. Er zählt im Gehen Geld. Scheine. Hartgeld. Und jetzt erst sieht er seine Frau.„Gewonnen!" sagt er, „ich habe gewonnen, Mulleken! Jetzt kaufen wir das schöne Kleid! Na, freuste dich denn gar nich über mein Schwein! Komm, Mulleken, komm..." Er lacht sie an. Sein Lachen blüht neben ihr auf. Um ihren Mund quält sich ein Lädieln. Sie sagt nichts. Die zwei gehen über den Damm. Da, wenige Schritte vor der großen Destillation, ver- langsamt er seine Schritte. Eine fremde Begchrkichteit zuckt w seine» Augen. Sie aber wird gesprächig, lacht, es klingt ziemlich echt. Sie zieht ihn vorbei an der bewimpelten Tür, aus der ausgeschämte Lache dringt. Sie lacht. Aber in ihren Augen steht die Angst... Das Glockchen des Eremiten. Ein blondes Kind mit alten Augen, dem man eine Uniform mit drei Reihen blitzender Knöpfe angezogen hat, mit messinggelben Biesen über den Hosennähten, geht durch das überfüllte Kaffeehaus. Seine derben Jungenhände halten eine hohe Stange, an deren End« eine Tafel angebracht ist. Ueber der Tafel hängt ein Glöckchen, das bei jedem Schritt, den der Page tut, läutet. Immer, wenn der Junge erscheint mit der Tafel auf der Stange, immer wenn das Glöckchen Liebende zur Ordnung ruft. Dösende auffahren und Geschäftsanbahnende aufblicken läßt, steht auf der Tafel mit Kreide geschrieben ein Name. Der Träger dieses Namens wird am Telephon verlangt. Elektrisiert springt ein junger Mann auf, lässig erhebt sich ein Alter mit Tränensäcken und Hängebauch... In einem der weichen Sessel lehnt in dekorativer Grandezza ein seiner, alter Herr. So schlohweiß sind sein Haar und der ge- pflegte Bart, so unbeirrbar, verstehend und verzeihend ist der Blick seiner Augen, daß man für Augenblicke angesichts der vom Tempo besessenen, minütlich ums goldene Kalb tanzenden Menschen erschrickt. Der alte Herr ist einer der Renommiergäste des Caf6s. Man nennt ihn mit einem kleinen Mitleid den„Großfürst", gerad' so, wie an einer anderen Stelle des überfüllten Raumes der große, entiri- tierte Hochstapler, dem heute niemand mehr den Mut zutraut, den er bewiesen hat, als er einen Kardinal erpreßte unter der Vor- spiegclung, dieser fei sein Vater, das Gesprächsthema bildet. An vielen Stellen des Cafes, scheinbar wahllos hingestrcut, sitzen solche panoptikalischen Gestalten, solche Renommicrgäste, von denen ich nicht weiß, ob sie von der rührigen Direktion angestellt sind, eine bestimmte Zeit abzusitzen. Der„Großsürst" xaucht in seinen gclbgerauchten Fingerspitzen eine Papyros an der anderen an. Eine Mauer der Einsamkeit hat sich um ihn gebildet, an die die Wogen der Musik, der Gespräche branden. Aber jedesmal, wenn das silberne Klingeln des Glöckchens über dem Stimmengewirr schwebt, fährt der alle Herr zusammen. Mit einer fahrigen Geste wischt er sich über die Stirn, als wolle er die Gedanken verscheuchen, die sich immer wieder einstellen. Gedanken an das Glöckchcngeklingel eines Troikagespanns, an den dumpfen Klang der Glocken von St. Petersburg. Seltsam, der alte Renommiergast, der„Großfürst", der dasitzt wie eine personifizierte Mahnung an die angebenden, hastigen Menschen, sich besser zu be- nehmen, er ist der einzige, der scheinbar auf ein Telephongespräch wartet, der zusammenfährt, wenn das alte Kind mit dem Glöckchen vorbeikommt, der hypnotisiert auf die Kreideschrift der Tafel starrt, um dann enttäuscht in seine Lethargie zurückzusinken. Sicher wartet er hier auf ein Tclephongespräch, das nie stattfinden wird.... 3)agmar Sperk: IfflllTd jjcIllOtfl fJCllldlV* „Herr, schenke jedem seinen eigenen Tod!" Ein großer Dichter hat das in vielerlei Variationen in einem Roman und in einigen seiner Gedichte gesagt. Sicher war es ein Gedanke, den er besonders intensiv empfand, da«r ihn immer wieder aussprach. Viele haben den Roman und die Gedichte gelesen. Mamhen fiel der Gedanke auf, sie dachten darüber nach und dann sprachen sie wohl auch einmal noch mit irgendwelchen Freunden davon.„Ein schöner, ein sehr schöner Gedanke!" sagten sie. Ja, er hatte ihnen wirklich Eindruck gemacht, und trotzdem bekam er nie Beziehung zu ihrem Leben, bekam nie Gestalt durch sie— Nein.--- Aber vor einiger Zeit hörte ich die Geschichte eines armen Mädchens. Sie war gehetzt und geplagt— ich bin sicher, sie hatte nie Zeit, die Bücher des Dichters zu lesen, kannte wotst nidst einmal seinen Namen. Wußte nichts von solchen Ideen und doch war sie dem Dichter und seinen Gedanken unendlich viel näher, denn sie lebte sie, sie gab ihnen Gestall! Da ihre Geschichte! Kein großer Roman, nur einige kurze Szenen. „Also den Ausschlag auf den Händen hätten wir glücklich weg- gebracht. Na... und der Leibschmerzen wegen, über die Sie da immer klagen, können wir hier ja nichts weiter machen. Wir werden Sie eben ab morgen noch ans die„Klinik für innere Krankheiten" überweisen." Und im Weitergehen schon am nächsten Bett:„Sie können wohl zu Fuß hingehen?" „Sicher, sid)er, Herr Professor,'s wird schon gehen." Der nächste Tag. Christine steht auf und geht nach dem Wasch- räum. Sie muß lange warten, bis sie an der Reihe ist und bekommt Schmerzen.„Nachher leg ich mich noch mal aus ne Viertelstunde nieder, dann wird's schon geh'n dos Packen und der Weg in die Kkinik", beruhigt sie sich selbst. Nach dem Waschen schleicht sie nach dem- Schlafsaal zurück. „Hohen Se schon fehört? Familienzuwachs haben wir jekriecht! Ihr Bett is schon wieder belecht, da können Se sich jetzt nicht mehr hinlegen!" Christine bleibt an der Türe stehen, den Rücken an die Wand gelehnt, den Oberkörper vorgcbogen. Die Hände hat sie an den Leib gepreßt. „Na, wot is denn mit Ihnen los?"„Ach, ja", sagt Christine wie aus einem Traum erwachend,„ich muß ja meine Sachen noch zu- fammenpacken. Natürlich, stinunt ja." Sie sagt es und bleibt doch an die Wand gelehnt stehen.„Augenblick, bloß,'nen Augenblick." Die Türe neben chr wird unzählige Male aus- und zugemacht. Manchmal sagt jemand«in paar Worte zu ihr. Dann zuckt sie erschrocken zusammen, schuldbewußt wie ein Kind, dos über Träumen eine wichtige Pflicht vergessen hat.„Ach, Gott ja", sagt sie und ihr Atem geht kurz, so sehr ist sie erschrocken.„Meine Sachen muß ich doch... ja und in die andere Klinik... na's wird ja auch gehen." Zlber mährend sie schon das letzte Wort spricht, versinkt sie wieder in dieses Träumen, diese Leere ohne Zeitmaß. Manchmal schreckt sie auch ohne äußere Veranlasiung zusammen, infolge irgend- einer aus ihrem Innern aufsteigenden Unruhe. Sie steht und steht, sie weiß nicht, ob es lang ist oder nur wenige Minuten.„Ach.'s nuiß ja gehen,'s muß ja..." „Wollen Sie nich Moment zu uns ins Zweierzimmer kommen, da können Sie sich auf mein Bett legen." „Ja... Nein, nein, ich muß doch weg und...", aber sie läßt sich ins andere Zimmer führen. Sie setzt sich auf das Bett, langsam und unbeholfen. Man kann sich schlecht bewegen, mit solchen Schmerzen. „Legen Sie sich doch lieber hin," sagen die anderen. Man wickelt sie in«ine Decke und mit dem Kopf ins Kiffen sinkend spricht sie vor sich hin:„Gleich wird mir besser sein, dann muß ich die Sachen packen und rüber in die andere Klinik,'s wird schon geh'n, nmß ja!" Sie liegt mit dem Gesicht nach der Türe. Sehr grau ist dos Gesicht und tiefe Schotten liegen drin. Ihre Augen sind sonderbar weit zurückgerichtet, als wollt« sie zu de? Patientin, die in dem Bett dahinter liegt, hinsehen.— Wie das aussieht! Schrecklich! Ihre Augen sehen zurück und ihre Gedanken wenden sich auch Zurückliegendem, lange Vergangenem zu. Ja, das ist das Zimmer der Kindheit, etwas dunkel ist es. Die Mutter:„Is nicht leicht; räumen, Kohle tragen und die Jähren! Wirste och alles scrtig bringen?"„Sicher, sicher, nur kcene Sorge, 's wird schon jehen"— neun Jahre ist sie alt.--- „... doch wohl lieber der Schwest«r sagen, daß sie im Kranken- auto hinübergebracht werden." Keine Antwort. Nein, sie ist ja im Zweierzimmer in der Klinik, was hat sie denn nur? „Meinen Sie nich doch, das wäre besser," kommt es vom anderen Bett zu ihr herüber. „Bester?— besser!... Ach nee, wo denken Sie hin, ich kann schon zu Fuß rüber." Sie stützt ihr« Hände fast auf. hebt den Kopf und dann etwas den Körper, es geht kaum. „Bleiben Si« man noch ruhig'n bißchen liegen." Man drückt sie wieder aufs Bett und sie ist froh, wieder zu liegen. Diese Schmerzen, fff... und schwach ist sie eben, schwach— schwach summt<5 in ihrem Kopf, eigentlich in ihr«« ganze» Körper.—„Na. sehen Sie, sie zittern sogar" sagt jemand im Zimmer.— Schwach— Schwach... „Ich würde Sie ja nehmen, aber Sie sind wirklich noch ein bißchen sehr jung und schwach." „Ach. jnädige Frau, ich wer' mir ja Mühe jcben, ich seh' bloß so aus." Ha— ha— ha— ha. „Nee wirklich, jnädige Frau,'s wird sdion jehen, sicher, ganz sicher."— „Ja, 14,A Jähre!"— Ein Bild reiht sich an das andere. Sie schwebt und sieht ihr ganzes Leben unter sich ausgebreitet in der Vogelperspektive. Wie oft sich das wiedecholt! Wie oft! Immer, immer.„Es wird schon gehen." Das Mädchen Christine ist auf dem fremden Bett zusammen- gezuckt und hat leise gestöhnt. Man beugt sich über sie.„Wollen Sie nicht'n bißchen heiße Milch?" „Ja— was— ne, ne ich muß ja packen, Herr Gott und dann..." Sie trinkt heiße Mild).„Warm— wie gut! Jetzt muß es aber sein..." sagt sie. Die Schatten um Mund und Augen sind unheimlich gewachsen. Die anderen bekommen Angst vor diesem immer fremder werdenden Gesicht, ja ganz schreckliche Angst! Sie ist noch bei ihrem„jetzt muß es aber sein", da haben die anderen, von einer plötzlichen Aktivität ergriffen, schon ihre Sachen zusammengepackt und mit der Schwester wegen des Krankenwagens gesprochen. Das Auto kommt und Christine wird also in die andere Klinik fahren.„Bielen Dank, Sdiwester, vielen Dank, aber's wär doch wirklich gegangen, wirklich. Atiö, otiö..."(Adieu.) Sie liegt wieder in einem Bett. Ihr Atem geht pfeifend und alle im Saal hören es.■ I .Ls Ihnen vielleicht nicht gut, soll'n wir wfcht die Schwester rufen?" Ach ne. ne's wird schon so gehen... is nur von der Fahrt.' Noch eine Zell hat man ihren Atem gehört, dann hat sich ihr Körper um ein Weniges gestreckt. Christine ist gestorben. Sic war ein armes Mädchen. Sie ist ihren eigenen Tod gestorben, den, der zu ihrem geplagten Dasein gehörte. „Es wird schon gehen." Immer:„Es wird schon gehen." Erschütternde Krönung ihres armen Lebens. Wie ein großer Künstler hat sie ihrem Werk letzte Vollendung gegeben und war, als sie noch lebte, kaum geachtet, nur ein armes zu schwächliches Mädchen. 3)ie ItafSeriungiern Wer am Ufer eines stillen Flusses, an einem Teich, See oder Weiher die oft redst hübsch gefärbten Wasserjungfern oder Libellen dahinsegcln sieht oder sie auch auf Gebüschen, Schlls und Sumpf- pflanzen beobadstet, der denkt gewöhnlich bei sich, daß dies hübsche, kleine, harmlose Tierdien seien. Freilich, könnten die vielen kleinen Tierchen im Wasser und die mancherlei Insekten über und neben dem Wasser sprechen, so würden diese uns sagen, daß die Libellen die größten Raubtiere sind, die es nur geben kann. So ist es aud). Wenigstens sind die Libellen für viele Klein- tiere die gefährlichsten Raubtiere: nicht umsonst werden sie die Falken unter den Insekten genannt. Im Verhältnis zu ihrer Größe können die Wasserjungfern zu den Tieren geredinet werden, die die gefährlichsten Waffen besitzen. Auch die scharfen Reißzähn« der größten Raubtiere sind, immer im Verhältnis zur Körpergröße, nicht so gefährlich wie die beiden von der Oberlippe bedeckten Zangen, die die Libellen im Maul haben. Die Wasserjungfern fressen die Fliegen im Fluge aus oder verzehren ihre Beute auf einem Schilf- stengel. Dabei sind die Wasserjungfern sehr freßgierig. Auch ihr« Larven, die zunächst im Wasser leben, gehen eifrig auf Beute aus, fressen allerlei Waffergetier und wagen sich sogar an ganz junge kleine Fische heran. Man untersd)eidet bei den Wasserjungfern Gleichflügler und Ungleichflügler. Die Gleichflügler haben einen schmalen, stob- förmigen Leib und fliegen langsamer, die Ungleichflügler sind ro- buster gebaut und fliegen sehr schnell. Die Wasserjungfern unter- nehmen oft in Massen große Wanderungen. Auf der ganzen Erde kennt man mehr als tausend Arten, in Europa über hundert, in Deutschland gegen adizig Arten. Einige Arten sind in Europa und auch noch in großen Teilen Asiens verbreitet. Die schönsten bunt- farbigen Wasserjungfern sind jedoch nicht bei uns anzutteffen, son« dem in den Tropen. A. M. Eisenzeit in Afrika vor 5500 Zahreu. Der deutsch« Gelehrte Frobenius hat einwandfrei festgestellt, daß in Afrika eine Eisenzeit bereits 3S00 Jahre vor christlicher Zeitrechnung geblüht habe: zu einer Zeit, in der Europa die Verwendung des Eisens noch nicht kannte. Merkwürdigerweise hat überdies eine Bronzezett diese früh- afrikanische Eisenzett abgelöst, während bekanntlich in Europa gerade das Umgekehrte der Fall war. Hiermit treffen auch die vor dem letzten Kongreß der Britisdien Archäologischen Gesellschaft zu Pretoria gegebenen Ausklärungen zusammen, über Funde und Aus- grabungen, die für Südoftafrita ein« hochentwickelt« Kultur tn vor- historischer Zeit mit Sicherheit feststelle». f infenlmngen für diese Rubrik sind >» r l i o ZW«8, Lindeustraße Z. parieinachn'chten�� fürGroß-Verlin stet» au da» Bezirkifekretariat 2. Hof, 2 Treppen recht», ,« richten Erweiterter Bezirksvorstand. Sihung des erweiferlen Vezirksvorslandes heule, Freitag. Z. Zuli, pünktlich lg Uhr. im Sihungsjaal des Bezirtsverbandes. Lindenstr. Z. 2. Hof, 2 Treppen. * Beginn aller Veranstaltungen 1 Uhr. sofern keine besondere Zeitangabe! heute. Freilag. 3. Juli. S. Krri«. Dir«bteilungslassi-rrr»»«rdeu g-beteu, die Zlast-Bilett» s»f«rt beim arci»kassi«rrr adiurechnru. t4. Ilrri» Reukölln. Die Mitteilungsblätter können von drn Abteilungsleitern abgeholt werden. »t. Abt. 20 Uhr Fuitktionärfitzung bei Rosenau, Barziner Ecke Laubacher Straße. 82. Abt. 20 Uhr Besprechung mit den Bczirkzführcrn bei Wolfs. Kaiserei lad. rich-Straße 173. Di« Bczirksführer und Kassierer der Bezirke Sl, 53, 54, 62 und 85 treffen sich um 19 Uhr ebenda. 99a, Abt. Großsiedlung Britz. 20 Uhr Funktionärsitzung in der Halle im Huf. eisen. Morgen, Sonnabeud, 4. Juli. 86. Abt. A Uhr bei Friedersdorf, Jäger str. 3, Familicirunterhaltungsabcnd. 192. Abt. IS Uh>r Funktlonärsitzung mit allen Vertretern im Lokal Haß. Sonnlag, 5. Juli. 12. Kreis. Besichtigung der Bauausftellnnq unter Führung«u Geuofle» Herme». Trcsspuukt 9% Uhr Eingang Halle I. Ermäßigter Eiutritt t M., Eri»«rb,l»se mit Answci« 5« Pf.«»»»tag, 12. Juli, Besuch de, Segel- flugtag«» de,.Sturmvogel" in Mitteuwalde. llugezwungeuc» Beisammen. sein.------—*"~"-------"--------•--------- 84. Äbt. Besichtigung i Treffpunkt 9% Uhr vor dem Eingang zur Halle I. Eintritt 1 M. SS. Abt. g Uhr Besichtigung der Gartenarbeitsschule in der Wussowstroß«, Britz. Treffpunkt 9 Uhr am Rathaus Britz, Chausssestr. 48. Frauenveransialtungen. Sonnabend, 4. Juki, ab IS Uhr, Kaffcekochen bei Dietriche »9. Abt. Buckow. Dorfstr. 1. s. Kreis. Infolge der großen Teilnehmerzahl findet unsere Dampferfahrt am Donnerstag. S. Juli, nicht nach Ziegenhals, sondern noch der„Berliner Schweiz" iInh. ftwiebusch) bei Schmöckwitz statt. Eine Fahrpreiserhöhung kommt nicht in Frage. Rote Karten für Dampfer„Bervlina", lila Karten für Dampfer„Müggelberge". Abfahrt S Uhr Schillingbrllcke. Zlrbeilsgemeinschafk der Kindersreunde Groß-Berlin. Absahrtregelung für die Lagerteilnehmrr i Lübecker Bucht und Blankensee). Abfahrt Sonnabend, 4. Juli, vom Lehrter Bahnhof 9.34 Uhr. Eintreffen der Gruppen um 8 Uhr am Bahnhof, Ankunftsseite(Droschkenhalteplatz), 2. Glos. Halle. Die Eltern betreten den Bahnhof gleichfalls von der Antunstsseitc mit Bahnsteigkarten. Aufstellen an den angebroärtc» Schildern mit den Wagen. uummern noch der bekannten Wagencinteilung. Icltlogerteilnehmer Wagen 1 bis 12, Restfallcn Wogen 15 bis 19. Der Bezirk Brandenburg erhält Wagen 13 (zweite Hälfte) und Wogen 14. Die für die einzelnen Wagen bestimmten«er» aniwortlichen Wagenführer melden sich gleich noch ihrem Eintveffcn bei Gen. Schmidtbauer. Fahnen und Wimpel sind eingerollt mitzuführen. Kreis Neukölln, Jung, und Rote Falken: Morgen, Sonnabend, Fahrt nach Stangenhagen. Treffen um 15 Uhr Bhf. Kermannstraß«. Nachzügler um IS Uhr. Unkosten 1 M. Anmeldung heute Sonncnollec. Bezirk Fr>edrich»hai»: Sonnabend Treffen zur Äreisfahrt nack> Frederstorf 17 Uhr Schlestfcher Bahnhof. Kosten für Nestfallen 39 Pf., alle andern SN Pf. Fahnen, Wimpel und Trinkbecher mitbringen. Wir erhalten Privatquartiere. Krei« Treptow: Alle Ieltlagerfohrer'treffen sich pünktlich Sonnabend 7.20 Uhr auf dem Bhf. Treptow.— Gruppe Treptow: Achtung! Alle zurückbleibenden Falken kommen während der Ferien regelmäßig Dienstag und Donnerstag von 17— IS Uhr auf unserer Wiese zusammen. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 3S. Abt. Unser alter Genosse Wilhelm Reckliny, Gastwirt, Tilsiter Straß« 77. ist Montagabend verstorben. Ehre seinem Andenken! Einäscherung Sonnabend, 4. Juli, 16 Uhr, Krematorium Baumschulenweg. 46. Abt. Unsere liebe tapfer- Genossin Frieda Epliniu» ist ver- Norden. Ehre ihrem Andenken I Einäscherung am Sonnabend, 4. Juli, 17sh Uhr, in Baumschulenweg. Um rege Beteiligung wird gebeten. 85. Abt. Unsere Genossin Erna Eoppi. Borusstastr. 15, ist am 1. Infi an Lungenentzllndung verstorben. Ehr« ihrem Andenken! Beerdigung am Sonnabend, 4. Juli, 15 Uhr, aus dem Friedhof Eermaniastraße. Um reg« B«. tciligung wird gebeten. ab.— Beri Sozialistische Arbeiterjagend Groß-Verlio Ewsendungea für diese ytobrit nur aa das ZuaendsetretariM. Bertin SW 6A. ZlnbenftroSt 3 rechnet sofort die bisher verZauften Sympathioplaketten sofort ob liefern« Zlbteilungsmikgliederversammlungen heule, 19 X Ahr: «rkouaplatz: Elisabethkirchstr. IS.— Kölluischer Park: Waisenstr. 18.— Oranienburger T-r- Tieckstr. 18.— Hausa:«ochumer Str.»d.— Moabit I: Waldenserstr. 20.— Moabit llz Lehrter Str. 18— lg.— Arnimplatz: Sonnen. burger Str. 2«.—«rnswalder Platz I: Rastenburger Sir. 16.— Ballau: Mandelstr. Z-- Falkplatz U: Eonnenchrrgcr Str. 29.— Helmhaltzplatz: Danziger Straße 62.— Hoheuschönhauseu: Freienwalder Str. 6.— Humanuplatz: Gleim. straße 33-35.— Weißeusee: Parlstr. 36.— Andreasplatz: Brommnstr. 1.— Balteuplatz: Tilstter Str. 4—5.— Frankfurter Biertel: Frankwrter Allee 307.— Frledrickwhai»: Diestelmeperstr. 5-6.— P«ter»burger Biertel: Ebertpftr. 12.— Stralauer Biertel: Goßl-rftr. 61.— Warschauer Viertel: Litauer Etr. 18.— Warschauer Biertel, R. F.: Litauer Str. 18.— Schöneberg I: Hauptstr. lö.— Schöucberg V; Hauptstr. 15.— Eharlottcnburg, Aclter«: Rostnenstr. 4.— Laak- witz: Echulstr. 19—21.— Lichterseld«: Albvechtstr. 14a.— Stcqlitz II: Fleniming. straße 14d.— Martendorf I: Dorfstr. 7.— Tempelhof: Sötzstraße.— Baum- fchuleuwrg: Ernststr. 16.— Soh-nni,thol: Rathaus.— Treptow: Elsenstr. 3.— «Speurck I: Grünauer Str. 5.— Köpenick II: Dahlwitzcr Str. 15.— Karl»b,rft: TreÄowollee 44.— Lichtcuberg.Ziord: Gmrterftr. 44.— Buchhol,: Wiefenbaud«, an der Industriebahn. ünil straße der Industri «erbebezirk ß- 13:„Die Reinickendorf: W.-B..Mitgliederversalmnlung, Wittenau, Haupt- Notwendigkeit der freien Gewerkschaften in der heutigen Zeit". Rosenthaler Borstadt: Elisabethkirchstr. 19:„Proleiarislche Disziplin".— Moabit III: Lehrter Str. 18—19:„Der Leipziger Parteitag".— Wörther Platz: Kastamenallee 82:„Die Zollunion".— Friedenau: Offenbacher Str. 5a: Ein. führungsabend.— Schöneberg IV: Besuch der Gruppe Friedenau.—«harlott»»- burg-Rord, R. F.: Ko i s e n::. Aug:; ita l II e c 97b:„Faschismus".— Eharlottenburg» Süd: Wallstr. 76:„Die Sewertschaften im Klassenkampf.— Marieudörf II: Marienfelde, Berliner Str. 1—2:„Aktuelles aus Reich und Länder".— Ren- köll» l: Sander. Eck- Hobrcchtstraße: Arbcitsqemeinschaft.— Reukölln IV, R. F.: Kanner Straße. Ramn 2: Sordcnabend.— Neukölln Vii: Steinmetzstr. 114: Glaßbrenner-Abend.— Neukölln VIll: Spiel und Sport, Sonnenplatz, und Funk- tionäroersanimlung anschließend.— Reukölln IX: Spielen im Stadion ob ITA Uhr; Aeltere 19)4 Uhr im Heim.— Neukölln XI: Sport im Sportpark ab 18 Uhr.— Lichteuberg.Rordwest: Dossestr. 22:„UtfgdKn und Erscheinunq des Ratwnalsoziaiisnius.— Riederfchöuhausen: Gemciirschaftsslchule: Frankfurt. Abend mit Ausstellung. Morgen, Sonnabend. Treffpunkte zur Fahrt nack) petcrshagen zum Jugendlag: Werbebezirk Mitte: 18 Uhr und 29 Uhr Schlesifcher Bahnhof.- Werbebezirk Ost-»: 16(4 Uhr und 19'/i Uhr Schlestscher Bahnhof. Frucht. Ecke Modeislraßc.— Werbebezirk Obersprec: Auiotransportfahrt, 18 Uhr Treptow, Graetzstr. 50: 18(4 Uhr Bhf. Baumschulenweg: l» Uhr Bhf. Schöncwcid«.— Fahnen und Wimpcl nicht vergessen. Die Burschen müssen Becher und Decken mitbringen. 4- Neukölln lV, R. F.: Fahrt»ach Rüdersdorf. 20 Uhr Bhf. Neulölln. 1 M.— Sculölln VIII: Fahrt. 19 Uhr Kaiscr