BERLIN Zrertag Z.M 1931 10 Pf. Nr. 306 B 153 4». Jahrgang Erscheint täglich außer Sonntag«. Zugleich Abendausgabe de«.Vorwärts'. Beiuzsxreis beide Ausgaben SS Pf. pro Woche, 3,60«St. pro Monat. Redaktion und Expedition: BerlinSWK8,kindenstr.3 Fernsprecher: Dönhoff(A 7) 292—297 Anteigenpret«: Die einspaltigeVoiipar�UeieUe ko Pf., Reklamezeile ü M. Crmäßigunaen nach Tarif. Postscheckkonto: VorwartS-Verlag G.m.b.H.. Berlin Vr. 37 536.— Der Verlag behält sich das Recht der Ablehnung nicht genehmer Anieigen vor! Lübecker Iustizskandal Nachspiel zum Kindersierben— Die Kritiker werden angeklagt Mn wieder Optimismus Man erwartet Abschluß der pariser Verhandlungen bis Sonntag Lübeck, 3. Juli. Wiederholt ist in der Oeffentlichteit daran Kritik geübt worden, daß die Durchführung des Strafverfahrens wegen fahr- lässiger Tötung von mehr als Iva Kindern durch falsche Zubereitung des Calmette-Präparatcs gegen die Aerzte Deycke, Altstadt und Klotz so lange auf sich warten ließ. Die schrecklichen Geschehnisie liegen über ein Jahr zurück, und es ist klar, daß unter den Eltern, die ihr Liebstes verloren, tiefste Er- bitterung über die langen Vorbereitungen zum Prozeß herrscht. Der Lübecker Oberstaatsanwalt Dr. L i e n a u scheint freilich durch an- dere Dinge überlostet zu sein. Co hat er jetzt Anklage gegen den Redakteur am„Lübecker Volksboten', Genossen Dr. S o l m i tz er- haben, weil dieser Teile der Anklageschrift vor der öffentlichen Ver- Handlung veröffentlicht hat. Er stützt sich dabei auf den Z 17 des Preßgesetzes, den ein Sachkenner wie der preußische Justizminister als völlig veraltet bezeichnete. In Preußen werden deshalb An- klogeschriften sogar durch Iustiz-Pressestellen in der Oeffentlichteit bekanntgegeben. Alleredings hatte Dr. Solmitz in einer Kritik ge- schrieben, daß es unverständlich sei, wie der Oberstaatsanwalt in die Anklageschrift Hobe schreiben können:„Dem Angeklagten läßt sich der Vorwurf der fahrlässigen Töwng nicht ersparen.' Das sehe so aus, als ob dem Vertreter der Anklage sein Vorgehen leid tue. Deshalb hat Dr. Lienau ober nicht geklagt. Weiter aber klagt er gegen einen Berliner Stadtmedizinalrat und den Vertreter der ihrer Kin- der beraubten Eltern. Dieser hat in einer Versammlung geäußert: Gottes Mühlen mahlen langsam, die Mühlen der Lübecker Justiz aber mahlen gar nicht. Tumulie in München. Vor dem Braunen Haus. München, 2. Juli. Im Laufe des heutigen Nochmittags rückte dos Ueberfallkom- mando der München«? Palizeidirektion wiederholt aus, um die Posten vor dem Braunen Hans zu entfernen. Durch dos Kommando wurden vier Posten festgenommen. Nach Ermitt- lung ihrer Personalien wurden sie wieder entlassen. Gegen abend entstand in der Stadt dos Gerücht, das Kam- m u n i st e n dos Braune Haus stürmen wollten. Dies lockte gegen 9 Uhr zahlreiche Nationalsozialisten nach der Brienner Straße. Als die Menschenmenge immer größer wurde, griff abermals dos Uebersallkommando ein und räumte die Straße zwischen dem Karolinenplatz und der Arcisstraße und sperrte sie für jeden Fuß- gängerverkehr. Erst gegen 11 Uhr abends wurde die Straße wieder freigegeben._ Kränzen verbietet. Aber ein Hakenkreuzaufmarsch folgt dem anderen. Braunschweig, 3. Juli.(Eigenbericht.) Um dos Reichsbanner-Gautreffen am 18. und 19. Juli in Braunschweig zu unterdrücken, hat der Nazimimster F r a n z e n schon heute„bis auf weiteres' olle Versammlungen und Aufzüge unter freiem Himmel verboten. Das Verbot soll, wie wir erfahren, bis in den September hinein gellen. Für den Reichsbanneraufmarsch in der Stadt Braunschweig waren große Vorbereitungen sowohl des Gaues, wie der benach- barten Gaue Hannover, Magdeburg, Hamburg, getroffen. Diese Vorbereitungen verfolgten die Nazis mit scheelen Augen. Durch bewußt« provokatorische Zusammenstöße, Pressehetze usw. haben die Hakenkreuzler einen Vorwand zum abermaligen Ver- b o t geschassen. Das erstemal war auch eine ähnliche Reichsbanner- Veranstaltung im Februar d. I. verboten. Inzwischen haben un- zählige Hakenkreuzleraufmärsche stattgesunden, die regelmäßig mit brutalen Zwischenfällen mit der Anmaßung der Polizeigewalt durch die SA. endete. Gegen das rigorose Verbot wird sofort Beschwerde beim Reichsinnenmini st er eingeleitet werden._ Hitzewelle auch in Kanada. Toronto, 3. Juli. Auch in dem kanadischen Staate Ontario herrscht seit einigen Tagen eine so groß« Hitze, daß ihr bis jetzt 39 Menschenleben zum Opfer gefallen sind. Allein gestern sind 14 Personen beim Baden ertrunken. Paris, 3. Juli.(Eigenbericht.) Die Pariser Morgenpresse spricht sich über den Ausgang der sranzöstsch-ameritanischen Verhandlungen sehr optimistisch aus. Der„Matin' erklärt, in gut unterrichteten Kreisen hoffe man, daß die Verhandlungen in 2 bis 3 Tagen abgeschlossen werden können, daß also der englisch« Vorschlag, in London oder Chequers eine erweiterte Konferenz, an der Deutschland und Italien teil- nehmen sollten, nicht in Betracht gezogen zu werden brauche. Im übrigen könnten die französischen Minister vor Schluß der Parla- mentstagung Paris nicht verlassen. Vielleicht werde aber eine solche Konferenz, auf der Fragen der allgemeinen Polllik besprochen werden, nach dem glücklichen Abschluß der Verhandlungen statt- finden. Der„Matin" kündigt auch an, daß für den haupffächlichsten Streitpunkt, die Frage des Garantiefonds, eine befriedigende Lösung in Aussicht stehe. Nur das nationalistische„Echo de Paris" spricht von einer neuen Komplikation, die durch eine Stelle des amerika- nischen Memorandums hervorgerufen worden sei. Um Frankreich die Vorteile des Hooverschen Vorschlages vor Augen zu führen, war in dem Memorandum gesagt worden, daß, wenn Deutschland ein Moratorium für die geschützten Zahlungen beanspruche, Frankreich gezwungen sein würde, seine Schuldenzahlungen an Amerika fort- zusetzen. Nach Havas ist der Zeitpunkt des Zusammentritts der französisch-amerikanischen Besprechungen für heute noch nicht b e st i m m t. Man vermutet jedoch, daß eine Abendsitzung statt- finden wird. Die Kammer wird in die Ferien geschickt. Paris, 3. Juli.(Eigenbericht.) Trotz des Widerstandes, der sich, wie gemeldet, in parlamcn- tarischen Kreisen gegen eine Schließung der Parlaments- t a g u n g vor dem Abschluß der französisch-amerikanischen Verhand- Llniversitäis-Auionomie (Für das Dritte Netch entworfen) „Empfehlung von Herrn Hauptmann. Herr Hauptmann läßt sich erkundigen, ov sich die Herren auch nicht weh« getan haben?� lungen bemerkbar macht, ist die Regierung entschlossen, von ihren Rechten, das Schluhdekret zu verlesen, bald Gebrauch zu machen. Die Abgeordneten Paul Boncour und Malvy hatten gestern in ihrer Eigenschaft als Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses und der Finanzkommission eine Unterredung mit dem Ministerpräsidenten, in der sie den Wunsch der beiden Ausschüsse zum Ausdruck brachten, die Tagung erst nach dem Abschluß der Verhandlungen über den Vorschlag Hoovers zu schließen, damit das Parlament dazu Stellung nehmen könne. Laoal erwiderte, die Regierung habe nicht die Absicht, auf ihr Vorrecht zu verzichten, und sie werde das Schluß- dekret verlesen, sobald sie das für richtig halte. Er fügte aber hinzu, daß die Regierung andererseits das Kontrollrecht des Parlaments nicht bestreiten wolle und daß sie evtl. das Parlament zu einer außerordentlichen Tagung einberufen würde, um es über die Verhandlungen zu unterrichten. Man nimmt daher an. daß die Tagung des Parlaments heute oder morgen geschlossen wird. Wochenende mit Gewitier. Llnsichere Witterungsverhältniffe. Die Wettcraussichten zum Wochenende lauten diesmal alles andere denn rosig. Aus Südfrontreich, wo mit seinem Kern ein Tiefdruckgebiet lagert, dringt ein« Schlechtwetterzonc ziemlich rasch nordostwärts vor. Es ist anzunehmen, daß unser Gebiet schon morgen unter ihren Einfluß geroten wird. Aller Wahrscheinlichkeit nach ist mit Gewittern zu rechnen. Außerdem droht aus dem hohen Nordwesten eine weitere Gefahr für die Wetterbildung. Bei Schollland liegt zur Zeit eine sehr kräftige Depression, die gleichfalls ihre Ausläufer nach dem Kontinent schickt. Auf der Süd- seit« stoßen organische Luftmassen vor, die Norddeutschland ver- mutlich bereits morgen erhebliche Niederschlagsmengen bringen dürften. Wie sich das Wetter weiter entwickeln wird, ist bei der herrschenden Druckverteilung noch recht ungewiß. Neuer Raubüberfall. Räuber erbeutet 2000 Mark und entkommt. Die Zahl der räuberischen lleberfälle auf Hausverwalte. rinnen hat sich am Donnerstagabend noch um eine neue vermehrt. Diesmal bediente sich der Täter einer Aulodrofchke und es gelang ihm zu entkommen. Im Auftrage einer Grundstücksgesellschaft hatte eine Frau R.. die am Wickingerufer wohnt, in mehreren Häusern in der A n n e n st r a ß e die Mieten eingezogen. Sie hatte etwa 150 0 bis 2090 Mark in einer Aktentasche bei sich. Gegen 9 Uhr abends ging sie durch die Hullenstraße ihrer Wohnung zu. In der Nähe der früheren Loeweschen Fabrik kam hinter der Gehenden langsam eine Autodroschke gefahren. Plötzlich sprang aus dem Wagen ein Mann, riß der Frau R. die Aktentasche weg und rempelle sie zugleich so stark an, daß sie taumelte. Dadurch gewann er Zeit, in die Taxe zurückzuspringen und loszufahren. Di« lieber- fallen? schrie laut um Hilfe. Als Passanten sich anschickten, den flüchtigen Räuber zu verfolgen, gab er aus der Droschke heraus mehrere Schüsse ab und es gelang ihm dann in der allgemeinen Aufregung, mit dem Wagen und dem Geld zu ent» kommen, ohne daß sich irgend jemand die Droschkenmimmer gemerkt hätte. Wieber zwei Vachstuhlbränbe. Der Dachstuhl des Vorderhauses Berliner Straße 32 in Wilmersdorf brannte in der vergangenen Nacht völlig nieder. Vier Löschzüge der Feuerwehr griffen mit fünf Schlauchleitungen stärksten Kalibers in die Bekämpfung des Feuers ein. Das nächt- liche Feuer rief unter den Bewohnern große Aufregung hervor.— Der zweit« Alarm kam aus der F o l k e n b e r g st r a ß e 6 in Grünau, wo aus noch unbekannter Ursache gleichfalls der Dach- stuhl eines großen Landhause» in Brand geraten war. Sich selbst verraten. Kommunisten wollen die Zahndung nach dem Mörder erschweren. Die kommumstischen Zeitungen in Berlin ziehen sich von ihrer ersten Notlüge zurück, daß Schupooberwachtmeister K u h f e l d von einer Polizeikugel getrofsen worden sei. Diese Notlüge ist nach dem Ergebnis der Obduktion gänzlich unhaltbar. Wenn Kuhfeld von einer Polizeikugel getrofsen worden wäre, so würden die Beamten Schüsse in wagerechter Richtung abgegeben haben. Dann aber wären unvermeidlich in der den Beamten dicht gedrängt unmittelbar gegen- überstehenden Menge der Demonstranten Opfer gefallen! Deshalb muß nun der Nationalsozialist G r a b s ch herhalten, der sich erschossen hat, Nun sind gestern in Berlin an vielen Stellen die Plakate des Polizeipräsidiums abgerissen worden, in denen um Mitteilungen zur Ermittlung des Mörders ersucht wird. Die Täter, die zum großen Teil verhaftet worden sind, sind aus- nahmslos Kommunisten! Man sollte meinen, daß die Kommunisten ein brennende» Interesse daran hätten, den Mörder zu fassen, wenn sie ihn in den Reihen der Hakenkreuzler vermuteten. Warum also der organisierte Feldzug gegen die Fahndungsplakate? Weil die Kommunisten den Täter in ihren eigenen Reihen wissen! Die kommunistischen Plakatabreiher haben auch die zweite Not- küge ihrer Presse entlarvt, sie haben sich selbst verraten! Er will kein Kommunist sein! Das ist bei Münzenberg eine Schande. Herr Bruno Frei, der Chefredakteur von Münzenbergs f„Berlin am Morgen", fühlt sich in seiner Ehr« angegriffen, weil t amtliche Stellen das Münzenberg-Blatt als kommunistisches Blatt ' und seinen Chefredakteur als Kommunisten bezeichnet hatten. Er verlangt Berichtigungen, um seine verletzte Ehre wiederherzustellen. Der Kommunist Bruno Frei scheint es für eine Schande Zu halten, Kommunist zu sein wie sein Chef, Herr Münzenberg. � Für wie dumm muß er die Berliner halten, denen er einreden will, daß sein Blättchen kein kommunistisches Blatt fei! Oos Ende der Wunder. Sogar die Dummen werden alle. Zwei Stätten des Wunder- umd Aberglaubens liegen verödet. In G a l l s p a ch, der Wirkungsstätte des„Heilküüstlers" Zeileis, trauern menschenleere Hotels und Sanatorien dem entschwundenen Gästestrom nach. Nachdem der große Mann trotz seiner blitze- schleudernden elektrischen Apporte im vergangenen Jahre eine Typhusepidemie in Kallspach nicht hatte verhindern können, hat der Glaube an die Heilkraft dieses Ortes rapid abgenomnien. Mit Zeileis beweinen einige Dutzend Geschäftsleute ihr Kapital, die sich an den Humbug des Wunderdoktors mit spekulativen Unter- nchmungen angehängt hatten. Das in Hotels, Konditoreien, Mode- gcschäfte und Zeitungsunternehmungen gesteckte Kapital ist futsch, die Neubauten stehen verödet, die Konkurse häufen sich. Gallspach ist wieder ein simples Dorf, das für Luxusunternehmungen keinerlei Verwendung hat. Und noch eine zweite Stätte sinkt wieder in Vergessenheit: das bayerische Dorf Konnersreuth. Auch dort hatte sich auf die Wunder und Visionen der berühmten R e s l eine ganze Fremden- industrie angesiedelt. Auch hier waren Gaststätten und eine veritable „Konnersreuther Zeitung" gegründet worden. Inzwischen ist es um Rest still geworden. Das Ansinnen, ihre angeblichen Wunder- erscheinungen vor einen» objektiven wissenschastlichen Foruin unter- suchen zu lassen, hat die Rest strikt abgelehnt. Und dann hat der Herr Bischof die Massenbesuche untersagt. Die Rest ist nämlich ruhebedürftig geworden. Schwere Zusammenstöße in Leipzig. Ein Nattonalsozialist erschossen. Leipzig. 3. Juli. An, Donnerstagabend gegen 9 Uhr kain es zwischen Komm»- nisten und Nationalsozialisten an der Ecke der Keil- und Löhrstraße zu einem schweren Zusammenstoß, bei dem von den Kommunisten mehrere Revolvers chllsse abgegeben»vurden. Ein Nationalsozialist wurde durch einen Bauchschuß so schwer verletzt, daß er bald darauf st a r b. Das Ueberfallkommando konnte iveitere Ausschreitungen verhindern. Ein der Tat Ver- dächtiger wurde sestgenommen. Schreckenstat eines Farmers. Tötet seine Familie und begeht Selbstmord mit Dynamit. London, 3. Juli. Eine entsetzliche Tragödie ereignete sich am vannerstag auf einer Farm in der Nähe von Brisbane. Der Besitzer der Form wurde am Morgen von einem Angr- stellten init zerschmettertem Schädel ausgesunden. Er hatte an- cheinend dadurch Selbstmord begangen, daß er einige D y n a>n i»- Patronen an seinem Kops befestigte und sie entzündet hatte. Bei weiterein Nachsuäien fand man in der Asche des niedergebrannten Farmhauses noch die Aeberreste der Frau und der vier kleinen Kinder de» Farmers, die er anscheinend zuerst der Reihe nach ermordet und später in die Flammen des Farmhauses geworfen hatte. Man ninnnl an. daß der Farmer die Tat Im Wahnsinn begangen hat. Amerika ertrinkt im Gold. Fast 20 Milliarden Mark. New gort, 3. Juli. Die Goldreserve der Vereinigten Staaten beträgt zur Zeit nicht weniger als 4SS9 Millionen Dollar. Das sind drei Fünftel des Goldbestandes der Welt und m e h r als die Goldbestände von Groß- britannien, Frankreich und Deutschland zusammengenommen. „Werktätige des Balkans!" ist das Flugblatt überschrieben, das zu einer öffentlichen Volksversamnilung der KPD. heute abend ein- ladet und den Mitgliedern der 3. und 4. Gruppe d e r 2 4. Ab- teilung zugestellt wurde. Da unsere Genossen kaum das Be- dürfnis haben, sich von einem kommunistischen Redner über unseren Parteitag und die Notoerordnung etwas erzählen zu lassen, werden fie der Einladung nicht folgen, zuinal die KPD. für eine anständige Behondtung ihrer Gegner keinerlei Garantie bietet. I „Mder die Todesstrafe!" Aber: Hoch die Massenerfchießungen! Wie von uns vorausgesehen, nimmt di« kommunistische Presse über die Hinrichtung Kürtens sittliche Entrüstung. Bei jedem Satz aber stolpert sie über die eigenen Beine, nämlich über ihre Programm- inäßige Verpflichtung, im gleichen Atemzuge di« Guillotinierung Kürtens zu verdammen, dagegen die Massenerschießungen in Ruhland zu verherrlichen. Wir wollen unseren Lesern nicht vorenthalten, wie das Resultat dieser Geistesakrobatik in der„Roten Fahne" ausschaut und geben deshalb einen Absatz ihres Artikels in gleicher typographischer Aufmachung wieder: Samm: Hinweg mit der Zodessirase! In dieser außerordentlichen Uebcrgangsregelung der Sowjetrepublik wird nichts idealisiert. Erschießen, d. h. d e n Feind vern.ichtenl Nichts von Strafe, Sühne oder Vergeltung und wie immer die heuchlerischen Forderungen an die Todesstrafe heißen. Sühne? Die Verbrechen Kürtens sind geschehen und durch keine Hand- lung des Mörders zu sühnen, auch nicht durch den Tod. Also: wenn man statt des Wortes„Todesstrafe" das Wort „Vernichtung", statt„Hinrichten" das Wort„Erschießen" setzt, ist alle» in Ordnung. Die Anhänger der Todesstrafe brauchen nur zu erklären, daß sie Kürten weder bestrafen, noch seine Untaten sühnen wollten, daß es ihnen lediglich darauf ankam,„einen Schädling physisch zu vernichten". Dann hätte die„Rote Fahne" ihnen nicht nur diese eine Hinrichtung im Laufe von vier Jahren, sondern nach russischem Muster 4») Hinrichtungen in einem Jahr gestattet. Aber die Freunde der Massenerschießungen haben noch ein zweites Argument, das ihnen besonders schön zu Gesicht steht: in dein Artikel der„Roten Fahne" finden wir folgenden Satz: Vergesse inan auch niemals, daß die begeisterten Freunde der Todesstrafe dieselben nationalsozialistischen Feme- mörder sind, die--- Die---, wie wird das wohl weiter gehen?— Man müßte erwarten:„Die mit den Stimmen der Kommunisten o m n e st i e r t und in Freiheit gesetzt worden sind." Aber nein, der Satz geht weiter: ... die sich nur auf den Augenblick freuen, wo sie die Arbeiter an die Wand stellen können, wie es der Berliner„Angriff" in diesen Tagen erst für die Kommu- n i st e n gefordert hat. Womit wir nun endlich darüber belehrt sind, weshalb die Kam- munisten so eifrig geholfen haben, bei der Amnestierung der Feme- Mörder die Sozialdemokratie zu überstimmen! Der sittliche und gerechte Kampf gegen die Todes-' strafe kann nur grauenvoll kompromittiert werden, wenn die Freunde der Massenerschießung sich unter die Gez- ner der Todesstrafe mengen. Diese Heuchelei ist zehnmal schlimmer und widerwärtiger als die nackte Brutalität der offenen Anhänger der Todesstrafe.__ Schweres Motorradunglück. Nächtlicher Zusammenstoß auf der Ehaussee. In der Blankenburger Straße in Heiner». d o r s ereignete sich in der vergangenen Nacht ein folgen- schnnwes Motorrodunglück. Unweit der Siedlung Schönau raste gegen 2 Uhr nachts ein mit zwei Personen besetztes Motorrad gegen einen Gemüscivagcn, der sich auf der Fahrt nach Berlin befand. Die Folgen des Zu- sammenstoßes waren entsetzlich. Das Kraftrad wurde völlig zertrümmert. Der Führer, ein 23jäyriger Arthur K u s s c r o w aus Weißens«, stürzte so unglücklich, daß der Tod auf der Stelle eintrat. Sein Begleiter, ein Arbeiter B a l t r u s ch, mußte mit schweren Verletzungen in das Pcrnkower Krankenhaus gebracht werden. Die Begleiterin des Kutschers, eine Frau Alwins Graeff aus Karow, kam glücklicherweise mit leichten Verletzungen davon. Ludendorff warnt vor dem Kriege Die Gefahren der Außenpolitik der deutschen Reaktion Der Fall Ludcndorff ist merkwürdig. Er ist kein politischer Fall, schon längst nicht mehr, aber psychologisch bleibt des Merk- würdigen genug. Militärisch genommen bleibt allerdings der Mann, was er war: ein Fachniann, dessen geschichtliche Rolle und dessen praktisches Handeln verhängnisvoll war, dessen theoretisches Wissen aber nicht bestritten werden kann. Man kennt in» übrigen Luden- dorffs mystische Vorstellungswelt von der politischen Wirklichkeit, seine Fiebervorstellur»gen vom Wirken der Freimaurer, Juden, Päpste und Jesuiten, seine phantastische Zahlcnsymbolik und alles andere mehr, womit der eheinalig« Führer des deutschen Feldheeres einen unbeschreiblich großen Ruf in wenigen Jahr«» vertan hat. Aber damit ist des Merkwürdigen nicht genug. Mit einem Mal« kommt Lirdendorff mit einer Broschüre heraus, in der er olle früheren Freunde, aber auch seine Gegner zum plattesten Erstaunen zwingt. Man kann es nicht glauben, aber es ist wirklich so: Ludend o'kfs schreidt eine Broschüre, in der er das deutsche Volk vor der K r i e g s p o l i t i k der saschistischen Gegenrevolution warnt. Die Broschüre heißt:„W elttrieg droht' und ist in Luden- dorffs Eigenverlag, den,„Volkswarteixrlag" in München, erschienen. Auf 93 Seiten unternimmt es der ehemalige Feldherr, die Kriegs- Politik der vereinigten deutsche»? Reaktion einer vernichtenden Kritik zu unterziehen. Weiß der Teufel, was der General für Gründe hat, seinen ehemaligen Freunden so in die Parade zu fahren. Auf jeden Fall»ersucht er nicht, seinen bisherigen Gegnern sich zu nähern. An tapferen Schmähungen der Sozialdeinokratie läßt er es auch in diesem Buche nicht fehlen. Wichtiger ist, daß Ludendorsf die Kriegspolitik, die die gesrnnte deutsche Reaktion, ob sie nun offen oder verkappt faschistisch ist, seit Jahr und Tag betreibt, mit Militär- politischen Gründen zu Boden knüppelt. Ludendorsf hat bei allen Schrullen und Verschrobenheiten, die auch diese Broschüre auf das reichlichste zieren, erkannt, daß die außenpolitische Linie der deutschen Reaktion einheitlich verläuft und aus ein« koolitionspolitik gegen Frankreich hinausläuft. Er definiert die Außenpolitik der deutschen Reaktion al» Bündnis- Politik, deren Eckpfeiler Moskau, Rom und London sind. An der Möglichkeit oder Wahrscheiirlichkeit einer solchen anti- französischen Koolitionspolitik übt Ludcndorff keinerlei Kritik. Er hält sie, was zweifellos falsch und unhaltbar ist, offenkundig für durchführbar, sieht aber, daß diese Koalitionspolitik init der Front gegen Paris und das französische Bündnissysiein zwangsläufig zu kriegerischen Katastrophen führen muß. Diese grundlegende Erkenntnis kommt in Ludendorsjs Broschüre klar zum Aufdruck, obwohl sie in einein heillosen Wirrwarr von mystischen Phantastereien aller Art eingebettet ist. Entscheidend aber ist, daß Ludendorsf den militärischen Konflikt, den die Bündnispolitik der deut- scheu Reaktion lxerbeiführen muß, auf seine militärischen Aus- sichten und Wahrscheinlichkeiten hin»ntersticht. Diese Untersuchung ist von ui'geheurem Interesse. Unter den militärischen Hilfskrästen, die Deutschland in der von Ludendorsf skizzierten Lage zur Verfügung stehen würden, be- rücksichtigt der Verfasser in erster Linie die italienische und die russische Armee. Die Rolle der englischen Streitkräfte wird von Ludendorsf nicht in dem Maße geivertet, wie es die Pro- pagandisten gewisser Kriegeabenteuer gern haben möchten. Im übrigen dürste Ludendorsf die Ausgaben und Möglichkelten der eng- lischen Land- und Seestreitkräfte richtig einschätzen. Er läßt die englische Flotte einen dichten Blockadekordon um Frankreich ziehen, wobei vor allem die Verbindung zwischen dem französischen Mutter- lande und dem sranzöstschen Kolonialreich in Rordasrika unter- brachen und die wahrhaftig nicht ungewichtige Mittelmeerposition Frankreichs zerbrochen wird. Ueberdies»verde»» nach Ansicht des Verfassers schwächere Einheiten der britischen Seemacht in die Ostsee abgegeben, wo sie die gemeinsamen Operationen eines deutsch- russisch-englischen Flottenverbandes gegen Polen zu unterstützen haben. Die Ueberlegenheit auf der Ostsee ist nach Ludendorsf diesein Dreioerband sicher, was jedoch für die allgemeine Entwicklung der strategischen Lage wenig zu besagen hat. Wichtiger ist vielleicht, daß die englischen Landstreitkräfte im Norden Deutschlands gelandet werden und sich mit Teilen der deutschen Reichewehr aus der Linie Bremei»— Celle längs des Allerslusses sammein. Diese wohlgemeinte Waffenhilfe ist jedoch, wie Ludendorsf drastisch zeigt, nicht in der Lage, den gewaltigen Einbruch der französisch-belgischen Nordarin«, die zwischen Mainz und Düsseldorf über den Rhein geht, zu hemmen und muß sich nach dem Verlust des Elbebrückenkopfes bei Homburg- Harburg-Wilhemsburg nach Echleswig-Hokstein zurückziehen. Diese Annahme Ludendorffs ist allerdings erst verständlich, wenn man dem Grundgedanken seiner strategischen Koi?zeption nach- geht. Dieser Grundgedanke besagt, daß inan eine wirksame Wosfen- hilse Deutschlands nur von der italienischen und der russischen Militärmacht erwarten darf. Entscheidend für diese Annahme jedoch ist, daß diese doppelte Wasfenhilse nicht gleichzeitig zur Verfügung steht, da die russische Armee infolge der Langwierigkeit der Mobili- sierung, dem Mangel an nach Westen führenden Straßen u!id Bahnen frühestens ain 24. Mobilinachungstage in der Lage ist, Fühlung mit den tschechisch-polnisch-rumänischen Verbänden des Gegners zu bekommen. Die Ludendorsf feindliche Militärkritit wird an diesem Punkte einzuhaken versuchen, denn die gesamte Luden- dorsssche Prognose steht und fällt mit der Voraussetzung, daß die Armeen der Sowjetunion erst dann in die Kricgsgeschicke eingreifen können, wenn die entscheidenden Schlachten in Deutschland bereits geschlagen sind. Der optimistischste Kriegsabenteurer in Deutschland wird jedoch die Richtigkeit dieser Voraussetzung kaum erschüttern können. Die Rote Armee, zweifellos ein starkes, mächtiges Kriegs- instrument, hat, wie alle russischen Armeen, besondere Mobilisic- rungsschwierigkeiten zu überwinden, die in der Ricsenhastigkcit der zu überwindenden Räume und in dem Mangel an Straßen, Bahnen und Verkehrsmitteln zu suchen sind. So ist also nicht daran zu zweifeln, daß die Gegner des deutsch-russisch-italienisch-englischen Vierbundes alles daran setzen werden, um die ersten durchgreifenden Entscheidungen mit größter Beschleunigung herbeizuführen. In be- sonders hohem Maße ist die französische Ann« in der Lage, diese Aufgabe zu erfüllen, da ihre Motorisierung auf allen Gebieten rn erstaunlich hohem Grade durchgeführt ist lind sie aus diese Weise Geschwindigkeiten im Morsch und im Gefecht erzieien kann, wie sie die Kriegsgeschichte noch nie gekannt hat. Gegen diese Zlnnahme Ludendorsf» ist«in Einwand nicht mög- lich. Die französische Armee, die überdies auf di« Hilfe ihrer glän- zend ausgebildeten, technisch ausgezeichnet ausgerüsteten Verbün- delen rechnen kann, wird zweifellos in der Lage sein, jeden deutschen Widerstand zu vernichten, ehe die russische Hilfe wirksam einsetzen kann. Zwar stehen nach Ludcndorfss Annahme Deutschland in dieser kritischen Phase der Entwicklung beträchtliche Teile der italienischen Armee zur Versügung, die, die Alpen überschreitend, sich in Deutschland im Räume südlich der Donau mit deutschen Streitkräften in Verbindung setzen. Auf diese italienische Waffen- Hilfe rechnet Ludendorsf nicht gerade deshalb, weil er die Italiener für besonders solide Bundesgenossen hält: im Gegenteil, er verspottet mit bissigen Bemerkungen den Stahlhelm, der sich saschistische Dele- gationen zu seinen verschiedenen Ausmärschen bestellt hat. Die italienische Armee rückt nach Luöendorffs Annahme allein deshalb über den Brenner, weil ihr auf anderen Schauplätzen überhaupt keine Möglichkeit zur Entwicklung gegeben ist. Die italienisch- französische Alpengrenze kommt aus naheliegenden Gründen für die Durchführung größerer militärischer Operationen nicht in Frage, und der jeder theoretischen Kriegsmaßnahme besonders naheliegende Einbruch Italiens in das benachbarte Jugoslawien macht die Eni- wicklung einer breiten, nach Norden hin ausgerichteten Front zur gebieterischen Notwendigkeit. Die Zahl der oereinigten deutsch- italieniscl/- österreichisch-ungarischen Streitkräste nimmt der Verfasser als keineswegs gering an. Er beziffert sie mit rund 5 Millionen Menschen, aber er unterstreicht, daß Frankreich im Bündnis mit Polen, Tschechen, Rumänen und Jugoslawien nicht weniger als 7 Millionen Menschen für den Kriegsausbruch auf die Beine bringen kann. Interessant ist, daß Ludendorsf die zahlenmäßige Stärke der deutschen, österreichischen und ungarischen Armee nur nach den Ziffern der Friedensverträge in Rechnung stellt und sich gegen alle Arten von Rekrutierungen durch K r ü m p e r s y st e m und ahn- liche Methoden mit gereister Schärf« ausspricht. Er deutet an, daß das Krüunpersystem 1813 vielleicht noch gestatten konnte, Armeen sozusagen aus dem Boden zu stampfen, er hält aber dies« Methode im Zeitalter des technischen Krieges bei der komplizierten Schulung des modernen Soldaten für völlig unmöglich. Mit Hohn und Spott bedenkt er Leute, die illegale Massen im Wald ver- stecken wollen, und die sogenannten Wehrverbände bedenkt er mit einem Haufen boshafter Bemerkungen. Er hält unter diesen Um- ständen auch das Schicksal der vereinigten deutsch-italienischen Heeresgruppe südlich der Donau für besiegelt. Die Italiener haben den Nachteil, daß sie ihren Ausmarsch und ihren Nachschub durch die wenigen Mpenstraßen und Alpenbahnen hindurchzwängen müssen, was die Bildung einer gut sunktionierenden Etappe unmöglich macht. Sie sind überdies genötigt, zahllose Flüchtlinge aus Südeutschland abzutransportieren und stoßen so auf wachsend«, kaum zu überwindend« Transportschwierigkeiten. Die Verpflegung des im Rdume südlich der Donau stehenden Heeres wird in den allerersten Tagen schon schwierig, späterhin beinahe unmöglich, während den Franzosen und ihren Verbündeten eine vorzüglich organisierte Etappenbasis zur Verfügung steht. . Auf die Einzelheiten der Ludendorffschen Annahme sei hier nicht mehr eingegangen. Aus jeden Fall wirkt sich die ungeheure technische Ueberlcgenheit des französischen Heeres und seiner Ver- Die„Retter" „Verhindern können wir es nicht. Da müssen wir so tun, als hätten w i r es hochgestemmt!" biindeten aus. Die Schlacht in Süddeutschland endet mit einer völligen Vernichtung der deutsch-italienischen Heeresgruppe. Luden- dorff aber sieht noch mehr. Cr fleht die Unmöglichkeit, große Teile der deutschen Bevölkerung während des Emfalle» der feindlichen Armee überhaupt noch zu verpflegen, er sieht die grauenhaste Wirkung der ungeheuren Lustangrifse, die wenige Stunden nach Kriegsausbruch ganze Großstädte und Landstriche völlig vernichten, die cntseh- lichcn Wirkungen des Gaekampses auf die Zivilbevölkerung, das schreckliche Schicksal der Einwohner aller der Gebiete, die im Kampfabschnitt liegen und im Komps von den Gegnern überrannt werden. Kur; und gut: Es ist sonderbar, aber es ist so— Ludendorfs warnt vor dem Kriege. Hören wir sein Urteil über die Handlungen gewisser deutscher Kreise, die deutsche Wehrmacht durch Freiwilligcnverbände aufzufüllen: „Wohl verstehe ich, daß alles geschieht, um die deutsche Wehr- macht von ihrem inneren Werte zu überzeugen, und ich bezweifle nicht, daß er«in hoher ist. Ihren Kampsiverl mindert ihre Ausrüstung. Was aber tatsächlich geschieht, ist Volksbetrug und führt zum lintergang des Volkes. So sehr ich Hingabc und Begeisterung schätze, mit diesen allein wird der Feind nicht geschlagen, noch weniger mit sogenannten patriotischen Redensarten auf Volksversammlungen, die der Redner gebraucht, um beklatscht zu werden. Vor dem ungeheuren Ernst im Kriegsfalle brechen all« Hirngespinste und Phrasen zusammen, und es bleibt allein di« furchtbare Lage des Volkes übrig, in die das Vertrauen auf solche Hirngespinste«s stößt." An.zahlreichen anderen Stellen schildert Ludcndorff di« grouen- hasten Wirkungen des Kriegsprozesses, der neben entsetzlicher Not Aufstände, Plünderungen und Ausschreitungen der wildesten tieri- schen Art von allen Seiten und bei alle» Parteien nach sich zieht. Er schildert weiterhin, wie bei allen kriegsl>et«iligtcn Ländern, soweit sie Kolonien haben, gewaltige Kolonialaufstände losbrechen, soziale Explosionen von ungeheurer Gewalt das Gefüge der bisherigen Staaten erschüttern, ja vernichten, und schildert schließlich, wie das blühende Europa mit seinen Völkern in Schutt und Asche unter- geht. Rein kriegsmäßig entwickelt sich die Lage so, daß die fran- zösische Armee mit ihren Verbündeten nach der Niederringung Deutschlands auf die langsam vorrückende russische Armee stößt, und daß bei der Gleichheit der Kräfte die Entwicklung zu einem unge- Heuren Stellungskrieg schreitet, der sich auf unabsehbare Zeit auf der Linie zwischen Danzig und Bukarest feslbeißt. Lutoidorff läßt die Frage, wer diesen Stellungskrieg dann noch militärisch gewinnen kann, offen. Entscheidend ist für ihn, daß Europas Unter- gang besiegelt ist, und daß die Völker Asiens und Arfitas das Erbe der europäischen Zivilisation antreten. Die Militärkritiker werden gegen Ludcndorffs grauenhaste Pro- phezeiung wenig einwenden können. Sie werden weder bestreiten können, daß die russische Wafsenhilfe zu spät kommt, noch werden sie ernsthaft bestreiten können, daß die deutschen Rüstungen im Ernstsall« kaum über das heutige Maß hinausgctrieben werden können. Sie werden weiter nicht bestreiten können, daß die g«- waltige Ueberlegenheit der Franzosen an technischer Ausrüstung ihnen zunächst einen cntjcheidciidcn Vorsprung verschafft, sie werden schließlich nicht bestreiten können, daß am Ende aller dieser Kriegs- maßnahmen der Hunger, das Chaos, das Elend, die Ausschreitungen, die Verzweiflung, kurz, das Ende mit Schrecken steht. Auch das zunächst siegreiche Frankreich bleibt ja nach Ludendorffs zweifellos richtiger Annahme vor den schreckensvollen Folgen der Katastrophe nicht bewahrt. Der Verlust des französischen Kolonialreiches ist sicher. Aufstände der Kolonialvvlker sind für alle kriegsbeteillgten Länder unabwendbar, die endgültige und tödliche Zerrüttung aller Wirtschaft in Europa ist unausbleiblich. Es bleibt also dabei, daß Ludendorsf, ausgerechnet Ludendorff, ein« Kriegsprophezeiung von so drastischer Realistik vorlegt, daß allen denen, die denken können, die ernstesten Verpflichtungen zum Widerstand erwachsen. Ludendorsf wollte zeigen, daß die Außen- Politik der deutschen Reaktion in die Knegskatastroph« und in den Abgrund fuhrt. Wir haben zu zeigen, daß wir uns mit allen Mitteln und allen Kräften einer solchen Zlußenpolitik mit ihren Künsten widersetzen! Ii. Oer Giegeszug der Kunstseide 220000 t jährliche Fabrikation Nach monatclangen Verhandlungen ist zwischen den deutschen, holländischen, schweizerischen und italienischen Kunstseide-Industrien der Abschluß eines internationalen Kartells zustande gekomnien. Etwa ein halbes Jahrhundert ist die Kunstseide alt. Der eng- lisch« Forscher S w e n war es, der zum ersten Male den Ausdruck Kunstseide prägte. Dos erste praktisch brauchbare Verfahren jedoch stammt vom Grasen C h a r d o n n e t. Die ersten Fabriken für die Ehardonnet- oder Colodiumseide wurden Ende des vorigen Jahr- Hunderts gegründet. Diese Kunstseide ist auch heute noch unter dem Namen N i t r a t s e i d e vereinzelt im Handel. Um die gleiche Zeit wurden aber noch andere Kunstseidenoerfahren ausgebildet, so das Kupferoxyd-Ammoniak-Versahren von Fremery- Urban-Pauly. Die mit dieser Methode erzeugte Seide zeichnet sich durch wesentlich geringere Brennbarkeit aus und besitzt keinen so auffälligen Glanz. Ein drittes Verfahren schufen die Engländer Croß, Bcvan und Beadel, das sogenannte Viseose-Verfah- r e n, aus dem später die von Henckell von Donnersmarck technisch vervollkommnete Viscose-Kunstseiden-Industric entstand. Interessant ist an allen drei Verfahren, daß die gewonnenen Produkte zunächst nicht als Textilien Verwendung finden, sondern nach der Vcrkohlung der Glühfäden der damals aufblühenden Glühlampenindustnc verwendet weroen sollten. Auch später tr«: die Kunstseide nicht als Konkurrentin der Naturseide auf, sondern eroberte sich besonders dank ihres außergewöhnlich hohen Glanzes eigene Verwendungsgebiete. Ein viertes Verfahren, das der A c e t a t- Seide, ist erst in jüngster Zeit ausgebildet worden. Die mit diesem Verfahren ge- wonnene Seide zeichnet sich durch ihren dezenten Glanz und durch besondere Haltbarkeit gegenüber der Nässe aus. Die immer reger werdende Nachfrage nach Kunstseide ver- anlaßte zahlreich« industrielle Neugründungen. Zu Beginn dieses Jahrzehntes drang di« Kunstseide infolg« ihrer wesentlich ver- besserten Eigenschaften mehr und mehr in das Gebiet der Textil- industrie ein. Während 1900 noch ca. 600 Tonnen Kunstseide her- gestellt wurden, waren es 1910 bereits 6000, 1920 etwa 18 000 und 1930 mehr als das Zehnfache nämlich 220 000 Tonnen. 12 Prozent von dieser Produktion entfiele» aus Deutschland. Im Laufe der Zeit gelang es, den Einzclfaden der Kunstseide immer feiner und feiner zu gestalten, bis man bei Spezialprobukten sogar unter die Feinheit der Naturseide herunterkam. Dadurch wurde die Kunstseide naturgemäß immer weicher. Heute werden bereits Millionen von seidenen Strümpfen aus Kunstseide her- gestellt und erfreuen sich bei der Damenwelt allgemeiner Beliebtheit. Ebenso hat sich die Kunstseide ein immer größeres Gebiet der Rund- und Kcttenstuhlindustrle erobert und sich damit Eingang in die Wäschefobrikation verschafft. Auch in der Weberei hielt die Kunstseide ihren Einzug. Man hat allmählich gelernt, außer einfachen Waren gegebenenfalls ge- meinsom mit Baumwolle reine Kunstscidenartitcl zu erzeugen, die dank der spezifischen Eigenschaften neue Wirkungen erzielen. Da sind z. B. die Samte und Velours und Pannestoffe, die heute meist zu großen Abcndtailett«» verarbeitet werden. Aber das Ausbreitungsgebiet der Kunststide ist damit noch nicht erschöpft. Noch in viele andere Zweige der Textilindustrie hat die Kunstseide sich Eingang verschafft. Sie wird haute auf Gardinen- stuhlen verarbeitet. Auch Möbelbezüge, Besatz- und Dekorations- stoffe, ja sogar Teppiche werden heute aus Kunstseide hergestellt. E. M. Wilk«. „Mein Veiter Eduard." Theater in der Behrenstraße. Damals, vor ein bis zwei Jahren, als der Schwank im Theater in der Behrenstraße herauskam, hieß der Verfasser Franz Fred Robs. Eingeweihte wußten, daß sich hinter dem Pseudomim Fritz Friedmann Frederich und der Direktor und Hauptdarsteller seines Theaters Ralph Anhur Roberts verbargen. Mit ihrem eigenen Namen traten sie nicht heraus, weil dem Publikum ein bißchen viel unwahrscheinlicher Vcrwechslungsklamauk zugemutet wird. Aus an den Haaren herbeigezogenen Gründen hat Vetter Eduard in drei- facher Gestalt aufzutreten. Und Publikum und Bühnenfiguren sollen nicht merken, daß in den drei Masken ein und dieselbe Per- son steckt. Schon damals hatte sich das Publikum tatsächlich überr- raschen lassen und den gehäuften Unsinn mit Vergnügen hin- genommen. Jetzt dürfen es die Autoren wagen, den Schwank mit ihrem richtigen Namen zu zeichnen. Roberts kann es sich sogar leisten, seinen damaligen Hauptdarsteller, nämlich sich selbst, durch cinen anderen zu ersetzen. Diesmal ist also Eugen Rex der geplagte Vetter Eduard. Der Künstler wird hier zum Verwondlungstünstler. Eugen Rex bringt seine drei Masken mit demselben Geschick wie sein Vorbild, er macht es nur noch treuherziger. Wieder lacht das Publikum, wenn er aus einer Verlegenheit in eine andere, noch schlimmere stolpert, wenn er mit unglaublicher Fixigkeit Gestalt, Wesen und Stimme wechselt und drei Akte lang am Rande der Verzweiflung umher- torkelt. Der Trick des Schwankes und der Inszenierung besteht darin, den Zuschauer gar nicht erst zur Uebcrlegung kommen zu lassen. Es entwickelt sich ein Tohuwabohu von Mißverständnissen und Verwechslungen, eine Häufung von burlesken Situationen, die nur einen Zweck haben, das Zwcrchsell zu reizen. Und das ge- lingt Eugen Rex und den anderen Darstellern, womit die Aufgabe dieses echten Sommerschwanks restlos erfüllt ist. Oxi-. Eine Frau verwaltet Spaniens Gefängnisse. Schon bei den ersten Meldungen über die Ernennungen der neuen republikanischen Regierung in Spanien, wurde hervorge- hoben, daß die Verwaltung der Gefängnisse einer Frau unterstellt worden sei. Nichts anderes dürfte wohl so deutlich für den Um- schwung der Verhältnisse sprechen als diese Tatsache, denn wenn «s überhaupt schon höchst aussällig. ist, daß ein weibliches Wesen auf diesen Posten berufen wurde— was in keinen, anderen Lande der Fall ist— so noch mehr in der Pyrenäen-Halbinftl. in deren ösfcntlichcn, Leben bisher die Frauenwelt eine nur geringe Rolle gespielt hat. Die neue Gcneraldirektorin des spanischen Gefängnis- wescns, Victoria Kent, ist trotz ihr«s englischen Namens eine echt« Spanierin, eine stattliche Erscheinung mit dunklem Haar, leuch- tenden schwarzen Augen, regelmäßigen Zügen und zartem Teint. Sie ist die Enkelin eines englischen Beamten, der eine Baskin in Bilbao heiratet«, und Spanierin in ihrem Herzen ww in ihrem Temperament. Sie war die erste Frau, die nach dem Studium der Rechtswissenschaft als Anwalt bei dem Madrider Gericht zugelassen wurde, und war das erste weibliche Wesen, das die' Verteidigung in Strafsachen in Spanien übernahm. Sie hat sich auf diesem Ge- biet sehr ausgezeichnet und verschieden« Mitglieder der jetzig«« spanischen Regiening verteidigt, als-st« wegen Hochoerrats angeklagt waren. Durch diese Beschäftigung mit dem Strafrecht kam sie mit den Gefangenen in Berührung, und je mehr sie die Verhältnisse in den Gefängnissen kennenlernte, desto klarer erkannte sie die Notwendig- keit von Reformen, desto sehnlicher wünschte sie, den Eingekerkerte» ein menschenwürdiges Los zu bereiten. Dazu hat sie jetzt Gelegen- heit erhalten. Die ersten Maßnahmen, di» sie durchführte, waren hygienischer Natur, denn sie ist der Ansicht, daß Gefangene, auch wenn sie einem Todesurteil entgegensehen, da« Recht besitzen, wenigstens atmen z» dürfen, solange sie leben.„Vom Standpunkt der Frau aus", sagte sie in einer Unterredung,„ist Spanien wohl das zurückgebliebenste Land Europas, wenn nicht der Welt. Nur vier Frauen sind bisher als Anwälte in Madrid zugelassen, und die Zahl der weiblichen Aerzte ist ganz unbedeutend. Es wird die Auf- gab« der Cortcs sein, ein« neue Gesetzgebung zur Refonn der Gc> sängnisse zu erlassen. Aber schon jetzt versuche ich, die Kerker ge- sündcr zu gestalten, in materieller uno in moralischer Hinsicht. So habe ich u. a. angeordnet, daß die Gefangenen auf ihren Wunsch Zeihingen und Bücher erhalten und daß Eingekerkerte, die sich zu keiner Religion bekennen, nicht gezwungen werden dürfen,' an Gottesdiensten teilzunehmen. Man darf Menschen ver Freiheit be- rauben aber nicht der Freiheit ihres Gewissens". Thoma dramatisiert.„Der Wittiber", das wohl dichterisch hervorragendste epische Werk Ludwig Thomas, wurde in der Drama- tisierung von Hanns H. Schopper vom Münchener Staatsthcater zur Uraufführung angenommen. Oer neue Lubiisch-Film. „Monte Carlo" im Gloria-palast. Ein altes Thema. Die Komtesse verliebt sich in ihren Friseur, der kein Friseur, sondern ein Gras ist, ein Graf mit viel Geld. Außerdem ist die junge Dame wenige Minuten vor ihrer Hochzeit mit einem vertrottelten Prinzen geflohen, nach Monte Carlo geflohen in der Hoffnung, am Roulette ihr zusammengebrochenes Vermögen auf die Beine zu helfen. Sie verliert den Rest, ober der Gras tritt als rettender Engel in die Erscheinung. Der Ehering winkt. . Der Film hat die Form der Operette. Die„Liebesporade" gibt das Beispiel, und L u b i t s ch überschreitet auch in künstlerischer Be- Ziehung diese Linie nicht. Es sieht so aus, als ob er sich in der ein- mal gefundenen Art wohl fühlt und neue Möglichkesten nicht mehr suchen will. Innerhalb dieses Rahmens gibt er eine Fülle köstlicher Szenen. Was diese Lubitsch-Opcrctte von deutschen Filmen desselben Genres unterscheidet, ist die individuelle Behandlung von Menschen und Situationen. Bekannte Typen erhalten ein neues Gesicht. Auch die Szenen zeigen cinen originellen Ausbau. Jeanette Mac Do- n a l d spielt die Hauptroll« scharmant, lebensvoll, beweglich und ab- seits des Schemas der bekannten Operettenprinzessin. Jede Pose verschwindet. Ein blutvoller Mensch steht in einem konventionellen Ge- schehen. Ihr Partner Jack Buchenau sieht aus wie Gunnar Tolnaes in jungen Jahren. Auch bei ihm erscheint alles oermensch- licht. Er ist viel mehr als ein Frackständer mit den Allüren eines Mannequin». Seine Eleganz wirkt wie überbetont. Und vor allem: beide können fingen. Die Chansons und Lieder ergeben sich ungezwungen aus der Situation. Sie sind weder gestellt noch aufgeklebt. Der Zug fährt morgens an Feldern vorbei, auf denen Schnitter arbeiten. Die Kam- tesse sitzt am Fenster und singt, und der Refrain ihres Liedes wird von den Schnittern aufgcnomnien. Ein großartiger Rcgieeinfall, ein Höhepunkt, der später nicht mehr erreicht wird. Ernst Lubitsch weiß»m Wirkungen, weiß besonders um künst- terische Wirkungen. Er setzt die Akzente derart, daß jeder Kitsch überschminkt ist, ober auf die Dauer können seine Sujets nicht be- friedigen. F. Seh. Ost-Grönland von Norwegern„annektiert". Di« Osloer Zeitung„Tiden? Tegn" meldet, daß fünf nor- wegische Polarschisscr die norwegische Flagge zu Myggbutta oder Mostitabucht in Ost-Grönlond gehißt und van dem Land zwischen dem Karlsberg-Fjord im Süden und dem Besscl-Fjord im Norden im Namen König liaakons VII. Besitz ergriffen haben. Dies« Mit- teilung erregt in der norwegischen Presse großes Aufsehen. Das auf diese Weise anektierte Gebiet bildet den Teil Ost-Grönlands, In dem die norwegischen Polarfahrer in den letzten Jahren eine große An- zahl von Hütten errichtet haben. Die dänische Expedition, die sich jetzt auf dem Wege nach Grönland befindet, beabsichtigt, durch diese Gegend nach dem Innern vorzudringen, und es scheint, daß die Norweger ihnen zuvor kommen wollten, indem sie das bis dahin allgemein für„Niemandsland" gehalten« Gebiet für norwegisch er- klärten und ihm den Namen Randsland nach dem norwegischen Häuptling gaben, der zu Ende des 10. Jahrhunderts Grönland ent- deckt hat. Die Osloer Blätter heben hervor, daß Dänemark bisher keinen Anspruch auf dieses von der norwegischen Regierung offiziell als„Niemandsland" betrachtete Gebiet gemacht haben und daß die überwiegende Mehrhcil der Norweger den Schritt billige, den hier Privatleute getan. Die Annettion hat!n den Regierungskreifen überraschend gewirlt, aber man glaubt, daß die Entwicklung der vielfach behandelten Ostgrönlandfrage nun soweit gediehen sei, daß die Angelegenheit dem Haager Schiedsgericht zur Entscheidung unter- breitet werden müsse. Ein neues Wandbild von SIevog!. Ein großes, im Entstehen begriffenes Wandbild von Prof. Max Slevogt, das für ein Berliner Landhaus bestimmt ist, ist gegenwärtig in der Halle V der Bau- a u s st e l l u n g zu sehen. Die Arbeit wird in der Technik des Mosaiks ausgesührt, im Aneinanderfügen vieler Tausend farbiger Glaswürfcl. Wer sich sür Slevogts neues Werk interessiert, hat also gleichzeitig Gelegenheit, das Mosaiksetzen kennenzulernen. In jener Halle findet sich auch eine größere Anzahl fertiger Mosaiken, darunter Arbeiten von Max Pechstein, Ecsar Klein, Ludwig Gies, August Babberger. Thorn Prikker, Gino Severin! u. a. volksbllhne. Die Erstausfübrung von Shaws Komödie„Der Mann des Schicksal!" am Sonnabend beginnt um 3 llbr, die folgenden Bor- stellungen sangen um 3'/» vhr an. In der sich anschliehenden Aufführung der„Komödie der Irrungen" bleibt die Premierenbesetzung. Neu sind nur Trude Rosen als Adriana und Maja Hart als Acmilia. Die Frank Lloyd Wrlght-Ausstellung der Akodemle der Künste wird bis Sonntag, den 12. Juli, verlängert. Ein« Kunstausstellung im Strandbad Wannsee veranstaltet der K ü n st l c r b u n d vom 1. Juli bis IS. August. Der Eintritt ist, abgesehen von der allgemeinen Eintrittsgebühr zum Bade, frei. Großfeuer auf russischem Güierbahnhof. Vier Personen verbrannt, 35 schwer verletzt. Moskau(über Sottmo), 3. Juli. Auf dem Güterbahnhof in E r i w a n(Kaukasus) brach ein Brand aus, durch den etwa 20 Güterwagen vernichtet wurden. Da die Gefahr bestand, daß das Feuer auf zwei auf einem Nebengleis stehende Petroleumzüge übergreisen könnte, wurden Truppenteile der Roten Armee zur Unterstützung der Feuer- wehren herangezogen. Nach Beendigung der Löscharbeiten wurde festgestellt, daß vier Personen in den Flammen den Tod gefunden haben. 35 Personen trugen zum Teil schwere Verletzungen davon. Der Leiter des Güterbahn- Hofs wurde verhaftet. Rückschau. Die Abendveranstaltung der Funk stunde nannte sich„Führung durch die�Schreckcnskammerl Das Manuskript stammte von KarlSchnog, die Musik von Walter G r o n o st a y. Das Wachsfigurenkabinett von Anno dazumal sollte hörbar gemacht werden. Daß der Derfasser sich zu eng an diese Boraussetzung band, bedingte die Unzulänglichkeit der Veranstaltung. Für den, der dos richtige„Panoptikum" noch erlebt hat, mag dieser Abend eine Reihe heiterer Erinnerungen heraufbeschworen haben. Die Darbietung an sich wurde auf die Dauer ziemlich langweilig, trotzdem sie manche amüsant« Momente bot. In dem Zyklus„Menschen und ihre Arbeit"(Funk- stunde) brachte Willi B a s m e r«inen Vortrag über den Beruf des Straßenhändlers. Die Menschen der Großstadt kennen diesen Verkäufer tausend verschiedener Dinge so gut, daß er den meisten fast zum typischen Bestandteil der Großstadtstraßen wurde, und sie wissen doch wenig von ihm. Vor allem ist es vielen un- bekannt, daß es sich hier meist nicht um Gclegenheitshändler handelt, sondern daß der Straßenhandel einen Beruf darstellt, der in einer Berufseemeinschft zum Schutz und zur Förderung des Straßenhandels organisiert ist. All denen, die sonst interessiert oder belustigt den possenhaften Reklamereden der„fliegenden Händler" lauschten, zeigte der Vortragende das wirkliche, ernsthafte Gesicht einer harten Berufsarbeit. Die Jugendstunde der Funkstunde brachte einen„Besuch ins O st s ch w a b e n l a n d, der zu den Deutschen im B a n a t führen wollte. Der sachliche Vortrag war reichlich farblos, die ein- gestreuten Unterhaltungen gar nicht charakteristisch. Viel frischer waren die Ausführungen, die anschließend im Programm der Deutschen Welle, Heinrich Geißler über ein ähnliches Thema machte: sein Vortroe, hieß: Von den Schwaben in S ü d s l a w i e n". Daß diese Sendungen in unmittelbarem Neben- einander möglich waren, bewies den Hörern wieder einmal, wie unzureichend die beiden, im gleichen Haus beheimateten Scndestellen zusarmnenarbeiten.- Tes. Freitag, 3. Juli Berlin. 16.05 Horst Wagner: Student und Sport. 16.30 1. Gluck-Brahms: Gavotte. 2. Hummel: Rondo favori. 3. Chopin: Mazurka Cis-Moll. 4. Chopin: Etüde E-Moll, op. 25. 5. de Falla: Feuertanz(Karol Szreler, Flügel). 16.50 Krieg um eine Wüste(Dr. Hermann Budzislawski). 17.10 Das neue Buch. Ferdinand Fried: Das Ende des Kapitalismus. Am Mikrophon: Dr. Paul Jostock. 17 20 Hellmuth Falkenfeld liest eigene Erzählungen. 17.50 Unterhaltungsmusik. 18.50 Emil Rabold: Am Rande des Sprcewalds. 19.15 Mitteilungen des Arbeitsamts. 19.20 KroII-Oper:„Die Hochzeit des Figaro" von W. A, Mozart. 22 45 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Königswusterhausen. 1(5 00 Leipzig: Konzert. 17.00 Stud.-Dir. W. Watcrstradt: Rundfunk und modemer Sprachunterricht. 17.30 Stud.-Rat Georg Thiel: Die Natur als Vorbild der Technik. 18.00 Georg Peters: Bedeutung der Teichwirtschaft. 18.30 William Wauer:„Moses" von Michelangelo. 18.55 Wetter für die Landwirtschaft. 15.00 Wissenschaftlicher Vortrag für Aerzte. 19.30 Prof. Lederer; Kulturkreis des Arbeiters. 19.55 Wetter für die Landwirtschaft. 20.00 Langenberg: Abendkohzert. Intermezzo: Uraufführung:„Beate", Hörspiel von Peter Dick._ Welter für Berlin: Vorwiegend wolkig mit Gewitterregen, noch ziemlich warm, ausfrischende, vorwiegend südweslliche Winde.— Für Deutschland: Westostwärts fortschreitend« Gewitter und Regen- fälle, wenig Temperaturoeränderungen. Bciantwortl. wr die Redaktion: Serbert Lepere, Berlin: Anzeigen: Tb. Glocke. Berlin. Verlag: Vorwärts Verlag®. m. b. S.. Berlin. Druck: Vorwärts Buä>> bruckerei und Berlagsanstalt Paul Singer 5: Co., Berlin SW K, Lindenlirake Z. Sierzu 1 Beilage. � 6efchäfi$-Jütseiger* (föezirfc Jlovden-Cfien ALLE MALERARBEITEN MOEBEL- UND AUTOLACKIERUNG wursi Hauser Moabiter Halle Stand 259-263 (248 Stand 259-263 I B M ckÄ ICSI rtfl die idealen F u 6 b o d e n b e 1 ä g e Ulli kouH man gut und preiswert bej -—— Lucht& mahnKs STRAGULA Bln.-Cöpenick, GrQnstr.16 i LniTiffii Fernsprecher: F 4 0401 Fleisch__ Wurst Willy Hanka ÖllliC) Brunncnstralje 121—122 gut QroBgarage Ifordbahnhof J. Maximilian Janischewski Fbcrs-walder Str. 14— 15| 1 Minute vom Odcrbcrgcr Strafe 19 Nordbahnhof BERLIN N. 53, Cäaragen:: Tankstellen:: Werkstatt Tag und Nadit geöffnet— Telephon: D. 4, Humboldt 2S87 Augusfstfratfle 24-25 Bühlers Ballhaus Titelide P" Cliircliens Witwenlaall Weddingplatz, Müllerstraße 174 Prenzlauer Allee 204 £iir den Memi kauft man gut und preiswert Hate, Mützen, Oberhemden, Krawatten, sowie alle modernen Herrenarlikel im Spezialgeschäft £?aul tttensiel Köpenick, Scfalo�strake 17. 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Fritz Muth Buttergroßhandlung Filialen in allen Stadtteilen (RanooDatkong) iflr Wüsdie, Kildie und Banslialt (Beilage Freitag, 3. Juli 1931 OtrAtotril Stinlnuifaße de* t£rti>t£s& IMan mu$ lieh mu helfen wiffen (Beispiele sbu einem komplistierlen Vhema/ Heinrich wemmer Gin Zusammenbruch am Kaiserdamm. Trotzdem der junge H. nun endlich endlich eine Stellung ge- funden hatte: in einem, bitte, ganz„erstklassigen" Wiener Nestau- rant, am Kaiserdamm, zeigte er den Mitangestellten kein fröhliches Gesicht, denn... Es erwies sich bald, daß seine Beschäftigung einzig und allein darin bestand, die ständig angestürmt kommende Zahl der Gläubiger zu besänftigen, und diese ließen sich nicht mehr besänftigen, so wie die Dinge lagen, nein, keinesfalls, Hinter dem die Abspcrrzange schwingenden Gasmann stand bereits der ebenfalls ein Akonto er- heischende Elektriker, und H. hatte gerade Zeit, sich mit ein paar Happen zu stärken, eh' der Briefträger eine schwere Ladung von unterschriftsbedürstigen Klagen, Pfändungsprotokollen und der- gleichen absetzte, und wieder kaum Zeit, einen Kaffee zu schlucken, eh der Fleischer, der mit einem Tausender„hing", zu sagen kam: entweder, oder...! Da es zu dem Oder, der Einstellung der Fleischlieferungen kam, mußten sich die Angestellten mit Vegetarierkost begnügen, und der Wirt half sich durch Aussendung fliegender Detachements, die da ein Kotelett, dort ein Achtel Butter gegen Barzahlung erwarben, auf das der Gast schon ungeduldig wartete...„aber Herr Ober, wo bleibt denn mein Butterbrot!" Bald ließ der junge H. abermals den Kopf hängen, denn erstlich ist er nicht zum Vegetarier geschaffen und dann war es nun end- gültig klar, daß es mit der Herrlichkeit zu Ende ging— die schönen roten Stühle waren gepfändet, auf denen ahnungslos die spärlichen Gäste saßen, und konnten jeden Moment abgeholt werden, die Kata- slrophe nahte zweifellos... Was wird morgen werden, fragte er, als sei er der Wirt selber(der, es zeigte sich bald, gar nicht nach dem Morgen fragte). Morgen? Der Geschäftsführer, der mit einem größeren Be- trage„hing", packte, als er sah, daß es keinen Morgen mehr geben würde, die Töpfe von der Küche zusammen, brachte das scheppernde Arsenal seiner Frau nach Hause und sagte: Man muß sich zu Helsen wissen. Der Buchhalter schnupperte noch in letzter Minute in der leeren Vorratskammer herum und siehe: da lag in einer Nische ein hold glänzender Prager Schinken, Er packte den Schinken ein, stürmte hinaus... aber— oh Mißgeschick— die Szene war von einem Wach- und Schließmann beobachtet worden! „Der Mann glaubte nichts anderes, als daß einer der Gäste sich vergriffen hätte," erzählte der Buchhalter zu Hause,„ich mußte den schönen Schinken wieder herausgeben... aber— in meiner Vorsicht habe ich noch etwas anderes miteingesteckt..." Er schwenkte triumphierend einen nagelneuen Schrubber, und wiewohl der Schrubber keinen Stiel hatte, ließ er das Buchhalter- paar für den Moment alle Sorge vergessen. Am nächsten Morgen«ar der Chef verschwunden. Wer sollt« jetzt die Zeugnisse ausstellen? Man muß sich zu helfen wissen. Die Hinterbliebenen Angestellten stellten sich die Zeugnisse einander selber aus. Sie fielen ausgezeichnet aus. Es sind sämtlich absolut „erstklassige" Zeugnisse, die sie erhielten und H. hat daraufhin gleich wieder eine Stellung bei einer besser fundierten Firma gefunden. Also ist ihm doch auch geholfen. Nicht? Der Angler und der Bulle. Herrn Kuhls Aquarium ist schon als solches ein Beispiel kluger Einteilung, denn der Züchter Hot es fertig gebracht, in einem kleinen Glaskasten friedliche und Raubtiere ein gemeinsames, ohne Stö- rungen verlausendes Leben dadurch fristen zu lassen, daß er die Raubfische, einen Zierwels, einen Diamantbarsch und einen Hunds- fisch in solch miniaturer Form gewählt hat, daß sie dem zwischen ihnen umherschwimmcnden fünf bis sechsmal so großen Schlei und Goldfisch beim besten, d. h. schlechtesten Willen nichts anhaben können. Ein fiir die menschliche Gemeinschaft durchaus nach- ohmenswertes Beispiel, das beweist, wie heiter das Leben dahin- fließt, wenn denen, die das Rauben nicht lassen können, durch weise Einteilung jede Möglichkeit genommen wird, die friedfertigen Lebe- wcscn in ihrer Umgebung zu verschlucken. Natürlich ist dieser Kühl auch ein eifriger Angler und er weiß eine merkwürdige Aalgeschichtc zu erzählen, in denen drei Gen- darmen sehr unvermittelt auftreten, drei Fischercischcine fehlen, eine Echnapsslasche vorhanden ist, und sich drei Nacht-Angler auf eine zwar spitzfindige, aber nicht vollständig einwandfreie Weise zu Helsen wissen. Um so vorbildlicher war Kuhls Verhalten einem Bullen gegenüber in einer mehr als kritischen Situation, in der er sich vor wenigen Tagen befand. Es war ein grauer, bitter kalter Morgen, als Kühl an einer von Gräben durchzogenen Spreewcrderschen Koppel angelte und ein paar viertelpfiindige Barsche lagen schon in seiner Tasche, die er nicht, wie manch einen auf diese schnöde Weise heimgebrachten Aquariumsisch im Wasserleitungsnaß wieder aufleben lasten, sondern der Bratpfanne übergeben wollte. Da brachen, den Pelz der Weideticre wärmend, die ersten Sonnenstrahlen durch das Himmelsgrau und auf der Koppel, wo ä» Milchkühe und ein schwerer Deckbulle ihre Tage und auch ihre Nächte verbringen, wurde es lebendig. Die Kühe kamen, eine nach der andern, sich diesen kuriosen Herrn Kühl zu besehen, der alles «der als ein Ochse ist und sich allerhand im Leben herauszuangeln versteht. Mein guter Kühl kloppte die Kühe ab, streichelte sie und sprach mit den Kühen, wie man eben mir einer Kuh spricht. Sic erzählten einander was: �uhl und Kuh, und die Tiere leckten, wie sie's zu tun pflegen, das Salz des Schweißes witternd, seine Hand— da... Da kam der Bulle. Der Bulle war schlecht aufgelegt— eine der 60 Kühe mußte ihn geärgert haben— und kam gleich meckernd an. Herr Kühl wurde es heiß und kühl:' so ein Bullenbiest kann einen niederstoßen und zertrampeln... dagegen ist rein nichts zu machen.„Geh doch zur Liefe," sagte Kühl besänftigend.„Geh doch, geh"... aber der Stier schnaubte, als ob die Europa auf ihm säße und Kühl die ibm streitig machen wolle.„Verdammt," dachte Kühl, der schon im Urwald allerhand Situationen kennengelernt hatte, aber keine so brenzliche. Und wie er dem Bullen ins Auge guckte, sah er. daß des Bullen Augen sich röteten, die Ränder anschwollen: der Moment war gekommen. Was tun? Kann man schießen, schlagen...? Ohne Revolver, ohne Stock nicht, und hätte Kühl die eine oder andere Waffe bei sich gehabt, er märe verloren gewesen(das sagte eine halbe Stunde später der Melker selber, als Kühl ihm. halb ohnmächtig vom über- {tandenta Schrecken aus dem Lahne half). Der Bulle hätte ihn zu Brei zertrampelt beim geringsten Zeichen, daß sich der Mann zur Wehr setzen würde. Und wenn er sprach, blieb er ihm keine Ant- wort schuldig. Nicht einmal ins Auge sehen durfte er ihm. Kühl wandte sich um, er drehte dem wütenden Bullen de» Rücken zu: er begab sich in seine Gewalt. Stoße, wenn du willst, aber warum willst du mich eigentlich niederstoßen, du siehst, ich stehe friedlich hier... Eine halbe Stunde stand dieser Angler mit dem Rücken gegen den Stier, der ihn fast berührte— die Sekunden schienen wie Tage, so lang... aber er erbrachte den Beweis seiner Friedfertigkeit auf eine so überzeugende Weise(hört, ihr Staatsmänner), daß es selbst einem wilden Stier einleuchten mußte. Er grunzte und murrte... lO Jahre lang(schien es)... und dann war es plötzlich still geworden. Lautlos war der Bulle verschwunden. Die Gefahr hatte sich verzogen. Der Friedfertige hatte einen waffenlosen Sieg errungen— der Hilflose hat sich zu helfen gewußt. Die soziale Sommerfrische. Erich rechnete: 3,50 M.(Pension) X 14(Tage)— 49 M.-j- 24 M.(Retourfahrkarte) nach Göhring auf Rügen— 73 M.... Erich besah 75 M. und fuhr los. Gestern kam der junge Mann zurück, frisch, rot, gesund und 2 M. in der Tasche:„Wie hast du das Kunststück fertiggebracht?" fragte ich.„Man muß sich zu helfen wissen," sagte Erich.„Seeluft, Sonne, Wasser hatte ich durch Entgegenkommen der Kurdirektion umsonst. Dito Kurmusik. Die Dünen waren meine Badekabine und ein Strauch mein Kleiderrechen. Gegessen habe ich soviel in mich hineinging—(und man redete mir sogar zu, noch drüber hinaus zu essen)— Unterhaltung, Anschluß?... Wer Humor und ausgelassene Ferienstimmung mitbringt, ist jedermanns Freund. Rückt man nur bloß von den Protzen und Parvenüs ab. so lebt sichs billig und vergnüglich. Was taten wir: wir hielten zusammen: wir teilten. Wer über etwas mehr Taschengeld verfügte, gab denen ab, die gar keines hatten. Stenotypistinnen mit 120-Mark-Gehältern waren da... jeden Pfennig hatten sie zusammengekratzt das Jahr über: es reichte gerade für die Pension... aber wir legten zu- sammen. Hier für eine Segelpartie, dort für einen Ausflug nach Sellin: im Gänsemarsch den Strand entlang, X'A Stunden. Wie die Spießer starrten, die in Strandpyjamas in luxuriösen Strand- körben hockten, als wir in Badeanzügen angerannt kamen! Aber wir waren kreuzfidel: in einer kleinen Strandkonditorei gab's Kaffee und Kuchen... alle Mann mit ran... sie auch, Fräulein... kein Geld? Unsinn! Hinsetzen. Der Professor kaufte einen großen bunten Ball für uns alle. Obwohl er ein Hochschulprofessor ist. konnte er drei Stunden lang wie ein Kind damit spielen. Ringelreihen 1, 2, 3, wer hat den Ball. Das kostet nichts und stärkt die Gesundheit. Es ist der wirk- liche Korpsgeist. Jawohl. Die Wenigbemittelten teilnehmen lassen... Fremde? Wir blieben keiner einander fremd, obwohl wir keiner den anderen gekannt hatten. Es ist eben eine soziale Sommerfrische. Hinter uns lag ein herrlicher Laubwald: schöne alte Baumbestände darin, wir sangen, jubelten. Hatten wir nicht gut gegessen, hatten wir nicht Sonne, Luft und Meer... was brauchten wir weiter, die Fröhlichkeit hatten wir in uns.." „Aber sage nur: ganz ohne Taschengeld..." „Je nun, man ließ mich bei Spielen gewinnen und dann... Ich hatte einen Apparat, wir machten Amateuraufnahmen, ich bekam für die Copie 20 Pf., man drängte sie mir aus: es gab junge Leute, die sich aus diese Weise 30, 40 Mark verdienten, weils nicht reichte, das ist jetzt so, in Zeiten der Not: Man muß sich zu helfen wissen." Es ist eine ganz simple Geschichte, die dieser Erich mir da er- zählte, ohne Pointe und ohne große Worte, aber ich glaube, daß sie nicht nur mich rührt und manchem dienlich sein kann, der sich nicht zu Helsen weiß. Silenbahnfahrlen mit Sieringsterkäufern, Tolksrednem und Zlensburger(Damen/ Jwan Meilbni Die Räder zogen. Nebel lag vor der Halle. Niemand winkte uns nach. Wir befanden uns in der dritten Klaffe, aber es war ein Coupe von der Art, die im Volksmund immer> noch mit 4. Klasse bezeichnet wird. Es ist hübsch geräumig, zum Abstellen von Säcken, Kisten, Kiepen und Körben so recht geschaffen. Bei großem Andrang kann weit mehr als ein Viertelhundert Menschen hier herein. Man kann auch auf dem Boden schlafen. Mit solcher Geräumigkeit ist diese Klasse der 2. eigentlich überlegen. Nur die Sitze sind härter— aber sie sind nicht viel härter als das Leben im allgemeinen. Und so spüren die Leute, die hier sitzen, die Härte kaum. Ein grauer Schnurrbart saß in der Ecke und knurrte: das fei eine rechte Verrücktheit, in der Nacht, kalt und nah, ein Fenster zu offnen.— Dabei war es eine Nacht ä la Lenau(„Lieblich war die Maiennacht, Silberwölkchen flogen...")— aber: Ehre das Alter... und ich zog das Fenster herauf. Da fing der Schnurrbart wieder an zu knurren, Entschuldigungen— denn nun war er gerührt. Auf einer Vorortstation stieg eine Mutter ein. Sie trug das schlafende Kind im wollenen karierten Tuch. Sie setzte sich in die Ecke und schlief. Der Zug fuhr von Altona nach Berlin. Auf dem Bahnhof in Hamburg kamen so viele mit Koffern und Kisten, daß einige stehen muhten. Sie holten sich die Erlaubnis und setzten sich dann auf das Meublemcnt, d. h. auf die Säcke, deren Besitzer Platz auf den Bänken gefunden hatten. Gemächlich zünden sie sich ihre Pfeifen an. Bis einer beginnt, politisch zu reden. Aber nach zehn Minuten halten ihn alle für einen Idioten. Die sich auf ein Gefecht mit ihm eingelassen haben, fühlen sich nun geniert, drücken den Kopf an die Wand und schließen die Augen. Mit einem Male steigen zwei weiße Kittel herein. Der Aeltere trägt einen großen Korb. Es riecht nach geräucherten Waren. Die Schlummernden sind nun munter geworden. Und der weiße Kittel stellt sich und seinen Kollegen vor— Heringsverkäufer sind sie, Händler mit Räucherwaren. Ober einer der Reisenden wohl einen geräucherten 5)cring möchte?— Schüchterne Gegenfrage: Gratis?— Jawohl.— Das mögen sie alle. Ein goldener Hering wird aus dem Korbe geholl, der Herings- Händler breitet mit seinen Händen ein Stück dichtes Papier seinem Gast auf den Schoß, und der Gast zerlegt nun den Fisch mit Daumen und Zeigefinger. Er schmatzt, blickt— und findet den Hering„von Wohlgeschmack triefend". Und er bestellt einen zweiten. Eine Minute später sitzen sämtliche Reisenden mit fettdichtem Papier auf dem Schoß, essen geräucherte Fische und füttern die Kinder. Nur die Mutter, die in der Ecke sitzt, hält mit geschlossenen Augen ihr Kleines. Einen Hering kann sie wahrscheinlich nicht kaufen— nun tut sie so, als ob sie schläft. Der Junge im weißen Kittel verteilt, der Alte sammelt das Geld. Die Menschen sind Brüder geworden, die Delikatesse verbindet sie— jeder weiß etwas zur Sache zu jagen, der eine versteht etwas vom Heringssang, der andere war selber Fischverkäufer, der dritte kann mit geschlossenen Augen einen deutschen Hering von einem englischen unterscheiden. Plötzlich stellt ihm jemand die verblüffende Frage: ob er denn mit verbundenen Augen auch heißes Wasser von Tee unterscheiden könne? Wenn ich den Finger hineinstecke, nc— lautet die Antwort. Einige lachen. Aber nun, da ein frisches Gespräch im Gange ist. erklärt der Politiker, der ein Idiot ist, er wolle schlafen. Ach, da ist fürs erste gar keine Aussicht. Denn der Heringsverkäufer ist jetzt dabei, seine Methode zu erklären und den Nährwert geräucherter Fische zu beweisen. Es werden Meinungen dagegen laut. Da fängt der Politiker zu schimpfen an Die Reisenden reden schon längst in Gruppen. Und eine Gruppe bildet sich nun, um den erfolglosen Nolksredner einzukreisen. Sie halten ihm vor, daß auch er vorhin eine Rede gehalten hätte, und was einem dämlichen Demagogen recht sei, wäre einem Heringsverkäufer billig. Der Volksredner hört sich feine Gegner an wie ein geduldiger Parlamentarier. Wie sie ihm aber zu beweisen beginnen, daß feine Rede langweilig und dumm gewesen wäre, läßt er alle Hoffnung fahren und geht in den Abort. — Später will einer hinein, und sie rütteln. Aber der Volksrednec kommt nicht heraus. Das ist seine Roche? In Spandau erst taucht er wieder auf. Hohnlochen in den Ge- sichtern empfängt ihn. Und nun ist es auch schon Morgen geworden. Von Berlin über Hamburg an die Ostsee. Zweiter Klasse. Mir gegenüber saßen zwei Damen aus Flensburg. Die Damen aus Flensburg haben alle vollgraues Haar, einfach und ungefcheitelt zurückgeplustert— sie werden vielleicht so geboren. Sie halten die Augen sehr oft halbgeschlossen, zu Boden gesenkt. Dann träumen sie von vergangenen Tagen, von Prinz Heinrich und See- kadetten. Sie fahren Personenzug, weil der D-Zug so schnell fährt. Neben mir saß ein K i n d e r s r ä u l e i n. In Pinneberg hotte sie mit einem Roman begonnen, und in Heide war sie so tief darin, � daß sie von den ihr anvertrauten Kindern nichts mehr hörte noch sah. Und von Station zu Station versank die Kleine mit ihren blauen Augen und dem blonden Haar immer tiefer in ihren Roman hinein. Wie ein Schlinggewächs hielt er ihr unschuldiges Mädchengemüt um- fangen. Die Kinder aber, ein Junge und ein Mädel, drehen sich aus den Bauch und lassen sich über die Kante der Polsterbank auf den Boden hinab. Das Fräulein sieht nichts, das Fräulein liest. Der Junge stößt seine Schwester am Halse, sie rollt über den Boden und juchzt, er schreit horriho, sie krabbelt hoch, er schubst und sie kollert— und bei dieser Gelegenheit bekommt eine der beiden Flensburger Damen einen Tritt— das heißt, eigentlich ist es ein Trittchen nur. „Fräulein, schlafen Sie?" pfeift die Dome. Was denn los fei? Was los sei? Ob sie keine Augen im Kopfe habe—? Die Kinder am Boden...! Ach so.—„Werner und Wiebke", ruft sie, fast zärtlich. Aber Werner schubst und Wiebke kollert. Die Flcnsburger Damen erkundigen sich, wo die Kinder denn so erzogen worden wären? Zu Hause. Die Damen sehen sich bedeutungsvoll an: Die neue Zeit. Die Nachkriegsverhältnisse, ja, hm, ach: die bösen Zeiten, in denen Eltern den Kindern erlauben, auf der Erde zu spielen, anstatt ihnen einen Helm, einen Säbel und ein Schießgewehr zum Geburtstag zu schenken.— Aus was für einem Haus denn die Kinder waren? fragen sie, soziologisch interessiert. Aus einem Haus an der Elbchoussec— Aus einer Villa? Ja, ganz in der Nähe van Blankenese, und nicht weit von der Villa entfernt, die Liebermann mit Pastell gezeichnet hat. Liebermann? Wer Licbermann wäre? Ein Reichs- tagsmitglied? Das wüßte sie nicht, sagt das Fräulein, vielleicht... ober vor allen Dingen ein Maler. So, sogen die Damen... Und in diesem Augenblick bekommt die ein« den zweiten Fußtritt, wieder voy Werner. „Werner imd Wiebke", sagt das Fräulein zärtlich. Aber die Damen sind Herrennaturen. Sie drohen: Zum Zug- führer wollten sie gehen. Dann kämen Werner und Wiebke ins Zuchchaus, dort säßen noch mehrere solche, die feinen Damen Tritte gäben. Was so kleine Kinder überhaupt zu reisen hätten, komische Eltern, sagen die Flensburgcr Damen. Da bekommen sie beide zugleich einen Tritt. Darauf springen sie in die 5)öhe. Wenn Werner und Wiebke sich nicht sofort, sagen die Damen, neben das Fräulein setzten und schliefen, kämen sie beide vorn in den Tender und würden als Kohle mit verbrannt. Dann gingen sie beide zum Schornstein hinaus. Die Kinder staunen. Dann klettern sie an Fräulein in die Höhe, Werner sagt ihr etwas ins Ohr. Das Fräulein muh lachen, unrett- bar lachen. Da wollen die Domen wissen, weshalb sie lache. Dies festzustellen, wäre Ehrensache für sie, sagen die Damen. Aber das Fräulein weigert sich, Auskunft zu geben. Es muß also etwas Saftiges gewesen sein, was Werner ihr ins Ohr gesagt hat. Und das Fräulein locht nun immer heller heraus. Das ist zuviel. Die Damen nehmen Koffer und Plaid, Frühstück und Thermosflasche, rufen: „Unter Prinz Heinrich wäre das nicht passiert"— und dann sind sie weg, in ein anderes Abteil. Qevhavl Hermann'M.cslar: Hie Qescbicbte der Weche: f%€is C�pepzznezif devJfnga(Sveiiclseii ■oii ciuct schwedischen Hafenstadt starb vor kurzem ein einsames, reraesseneS altes Fränleini Inga Svendsein Ihre Name hatte vor mehreren Jahrzehnten die Oefsentlichkeit beschasligtt Inga, Tochter eines Millionärs, verarmte plötzlich und lebte seither in bescheiden- sten Verhältnissen! ihre Verlobung mit einem Adligen ging zurück. Als man jetzt nach ihrem Tode die ärmliche Wohnung durchsuchte, fand man in einem Schrank zwei Millionen Kronen in Banknoten, Als Inga Socndsei, noch Kind war, fand man nichts Außer- gewöhnliches an ihr, Sie war kein ausgesprochen hübsches Kind, und sie war kein ausgesprochen häßliches Kind: der Reichtum, der sie umgab, machte sie weder hochmütig, noch fröhlich, noch war er ihr lästig: nur ihre Augen fielen manchem auf: sie waren von einem unkindlich harten Blau und verstanden nicht zu träumen. Einmal, sie war etwa zwölf Jahre alt, wünschte sie sich eine Spiegel- Vorrichtung, mit deren Hilfe sie sich von allen Seiten zugleich sehen konnte: sie wolle sich nicht bloß von einer Seite, sie wolle sich richtig sehen, sagte sie ernsthaft— man lachte und erfüllte ihr den Wunsch. Als sie 18 Jahre alt wurde, starben im gleichen Monat ihre beiden Eltern. Sie war nun selbständig, reich und viel umworben. Schon mit 20 hatte sie gewählt: einen jungen Offizier aus alter, vornehmer Familie, Herrn von Odendahl. In dieser Zeit legte sich ein feuchter, sanfter Glanz über das strenge Blau ihrer Augen: das machte sie weicher, Hübscher, machte sie zu Zeiten fast schön: sie liebte den Mann wirnich, mit tiefem Vertrauen und launenloser Treue, Die Hochzeit stand bevor: der Bräutigam hatte sich aus seiner bisherigen Garnison in Ingas Stadt oersetzen lassen: in 14 Tagen sollte er übersiedeln. In diesen Tagen besuchte Inga in Begleitung von Bekannten ein Theater. Man gab einen alten Schwank. Er handelte von einen, reichen Mädchen, in das sich ein anner Musiker verliebt. Das Mädchen, das nicht nur um seines Reichtums willen geheiratet fein will, verdingt sich in dem Eos?, darin der Musiker spielt, als Kellnerin, um den Geliebten aus die Probe zu stellen: tws ergibt eine Fülle von komischen Situationen. Ingas Bekannte lachten herzlich und waren gerührt, als alles sich zum Guten entwickelte: der Musiker schützt die vermeintliche arme Kellnerin vor den Attacken des Chefs und gibt seine Stellung auf, als sie gekündigt wird: er hat die Probe bestanden und wird belohnt. Es ist Ingas Bekannten kaum aufgefallen, daß sie nicht mit- gelacht hat. Daß, je weiter das Stück vorwärts ging, immer stärker die alte Härte in ihre Augen kam. Daß sie wortkarg war, als man aufbrach, und sich bald verabschiedete. Erst wenige Tage später gedachte man des sanderbaren Ver- Haltens und glaubt« die Erklärung zu haben: es wurde von großen Vermögensverlusten, von verfehlten Spekulationen Inga Svendsens gemunkelt. Im Handelsteil der Zeitungen tauchten Meldungen über Konkurse Svendsenscher Unternehmungen auf: dann sickerte durch, daß Ingas Villa verkauft, Ingas Personal entlassen war: schließlich wurde ihr Mobiliar oersteigert: und es hieß, sie habe sich in der Vorstadt ein bescheidenes Zimmer gemietet, In diesem Zimmer erreichte Inga ein ausführlicher Brief ihres Verlobten, In der Zeit des Alleinsems, so schrieb Herr von Odendahl, sei er noch einmal mit sich zu Rote gegangen und habe gefunden, daß er Inga doch wohl nicht das fein könne, was er ihr sein müßte, wenn die Ehe glücklich sein solle. Ihre Charaktere seien doch wohl allzu verschieden: er wolle sie nicht mit der Ab- hängigkcit von einem Manne belasten, der ihr innerlich fremd bleiben müsse: und er bäte, nun, t>a er in ihre Stadt versetzt sei, ein Zusammentreffen tunlichst zu vermeiden und ihr ihren Ring zurückgeben zu dürfen. Inga Svendsen zerriß den Brief nicht. Sie hob ihn sorgsam auf und las ihn oft, las ihn Abend für Abend. Dann schluchzte sie, wimmerte sie, quälend, endlos, maßlos— ohne Tränen. Ihren seltsamen Kinderspiegel hatte sie mitgenommen in das neue Heim. Sie selbst sah niemals mehr hinein: aber ost stellten ihre Gedanken das schöne, adlige Gesicht Odendahls zwischen die unbestechlich hellen Glasflächen, und dann lachte sie gellend. In ihr war eine kalte, stählerne Vorfreude auf ihre Rache, Oft war sie drauf und dran, diese ihre Rache zu verwirklichen. Sic nahm die dicken Bündel ihrer Bonknoten aus dem Schrank, tat sie in eine Tasche und begab sich auf den Weg zu ihrer Bank. Aber vor der schweren, glitzernden Tür zum Schalterraum blieb sie stehen, unschlüssig, zaghast: sie sah Bekannte vorübergehen, wenn die sie von weitem sahen, machten sie einen Bogen und drückten sich in eine Seitengasse, oder sie begrüßten sie flüchtig, taten, als wüßten sie nichts von ihrer Armut, und entschuldigten sich: sie hätten leider gerade so sehr wenig Zeit... Inga stellte auch diese in Gedanken vor ihren Spiegel, wandte sich brüsk ab und erwiderte den Abschiedsgruß nicht. Die Bekonnten gingen, in ihrem raschen, scheuen Schritt war Beschämung und doch Erleichterung: Gottlob, dieser Verpflichtung sind wir lcdig, sie will es selbst so... Inga Svendsen aber ging nicht in die Bank, ging zurück in ihr Vorstodtzimmer und legte die Banknoten wieder in den Schrank. Dort, im Dunkel des Fachs— dort vielleicht vermochten sie nichts mehr zu zerstören. Ihr Bekanntenkreis bildete sich neu. Er bestand nun aus den armen und ärmsten Familien, die in ihrem jetzigen Hause, in ihrer Gasse wohnten. In fast allen diesen Familien wohnt« neben dem Leid der Streit. Die Frauen keiften, die Männer schlugen, die Kinder warfen aus der Straße mit Steinen. Hier, dachte Inga, hier kann es Segen stiften, das Geld, das mich zertrümmert hat. Hier ist noch eine Ausgabe für mich, Sie begann zu geben. Sie tat das auf eine ganz vorsichtige, gründliche, auf ein« ganz ingasche Art. Nie trat sie selbst hervor: sie ließ mit Hilfe eines befreundeten Rechtsanwalts unbekannte Verwandte solcher Familien in Amerika sterben und ein größerer? oder kleineres Vermögen hinterlassen, das nun ausgezahlt wurde, oder sie verschaffte den Männern Stellungen, die sehr hoch bezahlt wurden— den Zuschuß, der über das liebliche hinausging, bezahlte heimlich sie. Dann suchte sie Bekanntschaft mit den also Beglückten und sah dem Werden der Dinge zu. bereit, ihren geheimen, ihren ganz inneren Lohn zu ernten: den Lohn, der nur darin bestand, mit ihrem Besitz und ihrem zerstörten Leben fruchtbar, ausbauend, spendend, schaffend zu sein. Es kamen Wochen, in die Stunden melancholischer Beglückung eingebettet waren, in denen ein gutes, stilles Licht aus den ge- wandelten Armeleutewohnungen ringsum in ihre Stube drang. Die Menschen, die plötzlich in ein auskömmliches Leben oder gar in einen bescheidenen Wohlstand versetzt waren, reagierten wie Kinder. Sie ließen Scheine und Goldstücke durch die spielenden Hände gleiten wie bunte Bilder und bunte Steine, sie veranstalteten Feste, zu denen sie Inga Svendsen einluden, aus Mitgefühl mit ihr, der es im Gegensatz zu ihnen noch immer nicht besser ging— sie trösteten sie, sie boten ihr sogar von dem Gelde an. Inga Svendsen lächette glücklich: also gab es doch andere Menschen: also war Mensch doch nicht gleich Mensch: Geld ist doch nicht gleich Geld... Die Wege zu diesen anderen, besieren Menschen wurden für Inga Svendsen langsam weiter und beschwerlicher: innerlich wie äußerlich. Sie zogen in Wohnungen, in Stadtteile, die ihrem jetzigen Einkommen angemessener waren: neue Arme zogen in die verlassenen Behausungen: Inga begann auch da zu helfen: die, denen schon geHolsen war, hatten sie ja nicht mehr nötig. Abends saß sie oft und summierte die Glücke, die sie geschaffen hatte; sie verliebte sich in diese sonderbare Mehrzahl: Glücke; und sagte manchmal wie ein wortspielendes Kind:„Heute wieder zwei Glücke." An die Stelle des Odendahlschen Briefes, den sie früher gelesen hatte wieder und wieder, trat nun die Liste ihrer Glücke, wieder und wieder. Wenn sie neue Scheine aus dem Schrank nahm, Scheine, die wirken sollten, sah sie den Brief liegen, und lachte ihn aus mit einem stillen Lächeln. Da, nach Iahren, geriet ihr zufällig«ine Zeitungsnotiz in die Hände. Ein Bankangestellter hotte große Unterschlagungen be- gangen und war geflüchtet. Sie erschrak, als sie den Namen des Defraudanten las: es war einer von denen, die sie rangiert hatte. Sie ermittelte seine Wohnung und ging hin. Sie traf«ine ver- lasscnc, wiederum unglückliche Familie, und half abermals, vor- sichtig, gründlich. Ein Einzelfall, gut. Aber es war doch ein tiefes Erschrecken in ihr geblieben. Es war das Ahnen davon geblieben, daß ihre Hilfe keine endgültige war. Dieser eine, durch sie herausgerissen aus seiner entsetzlichen Armut, hatte es nicht verstanden, sich mit dem neuen Wohlstand zu begnügen. Er hatte sich wohl zu schnell an die bessere Situation gewöhnt und trachtete noch der noch besseren. Das war sein Unglück. Nur das seine..? Inga Svendsen war viel zu gründlich, um sich zufrieden zu geben: noch immer hatten ihre Augen die alte, kluge Härte. Sie ging zu all den arrivierten Familien. Das Ergebnis, das Erlebnis war furchtbar. Früher hatten die Frauen gekeift, die Männer geschlagen, früher waren die Kinder boshaft gewesen. Weil es zu wenig zum Leben gegeben hatte. Jetzt— jetzt, nach der kurzen Spanne des Ueberraschtseins vom Glück, war alles wie früher: keiften die Weiber wieder, vielleicht in etwas ungekonnt vor- nehmerem Ton, trotzten, jammerten, wüteten die Männer, quängelten verzogene Kinder, weil es zwar genug— weil es aber nicht mehr zum Leben gab. Nicht genug oder nicht mehr, es machte keinen Unterschied, es machte keinen glücklicher, sie wollten gor nicht„mehr", es gab kein„genug", sie wollten alle„alles"— sie verglichen sich alle nicht mit denen, die unter ihnen waren, sie verglichen sich nur mit den Reicheren, sie hatten wohl kein Talent zum Glück, oder kein Herz für das Glück: man mußte wohl alle Menschen gleich reich oder arm machen, daß es keine Vergleiche mehr gab, oder man mußte jeden so maßlos reich machen, daß er auf den Reichtum pfiff— oder man mußte ganz, ganz wo anders eingreifen, wirklich ein-, wirklich hineingreifen ins tiefste Innere, und das hatte nicht mal Christus geschafft... Mensch war doch gleich Mensch, man mußte den Menschen ändern oder das Geld, alles andere war unnützes Flickwerk. Inga Svendsen versank in eine stumpfe Lethargie, monatelang Als sie erwachte und wieder zu handeln begann, war sie ein boshaftes alles Fräulein geworden: ein Fafnir, der eifersüchtig den Schatz im Schranke hütete und vermehrte, obwohl er wußte, daß der vermeintliche Schatz unheilvoller Zunder war. lieber die Familien, denen sie geholfen hatte, brachen fürchterliche Katastrophen herein, die von ihr ausgingen. Die Männer verloren ihre Stellungen, ihre Vermögen, wurden zu Selbstmördern, zu De- fraudanten, zu Bettlern-- und in ihrer Stube saß das alte, häßliche Fräulein Svendsen mit den grausamen Augen, sie starrten auf die Zeitungsnotizen, die vom Ruin der einzelnen in großer Auf- machung berichteten: diese Notizen sammelte sie sorgsam, jede Notiz brachte einen dicken Strich durch eines der Glücke auf ihrer Liste, bis keines mehr undurchstrichen war. Abend für Abend los sie wieder den Brief Odendahls und dann die Notizen und dann die List«, in strenger Reihenfolge, und sie lachte idiotisch, niederträchtig und endlos, endlos bitter und traurig. Sie wurde sehr alt: wurde endlich bettlägerig: nahm keinen Arzt. Als sie zu fühlen glaubte: es geht zu Ende, heute noch— stand sie mühsam aus dem Bett auf, wollte durch die Stube zum Schrank, um alles zu zerreißen, zu vernichten, den Brief, die Zeitungsausschnitte, das Geld— mitten in der Stube verließen sie ihre Kräfte, sie brach zusammen und starb dort. Die 2 Mil» (tonen Kronen wurden gefunden, es wurden Erben gesucht und ge- sunden: die Erben spiellen mit den Scheinen wie mll bunten Bildern, sie wurden Kinder für ein paar Wochen und glaubten, das Glück sei da... und sie vernichteten kopsschüttelnd und gleichgültig die unverständliche Liste mll den vielen durchsttichenen Namen. FÜR DEN KLEINGÄRTNER ■uniuuwimiiittuuuiiinuiunuiimuuiiiiuiuiiiiiiiiuiumuiiiiiiiiiniiiiiiiiuiimiiiimniiuiiiiiiiimiuiimiiiiiMiiuiniiii!iiiuiMiiiiuiuiJiiiiiiiumiutuiiuiimmiiiuiiiiiiiiiiiuunuiinuniniiiimiiiiiia Gartenarbeitskalender für Juli Die Sonn« ist ihren längsten Weg am 21. Juni gegangen, das Sonnenwendsest ist vorüber und die Tage werden wieder kürzer. Der gewöhnliche Erdenbürger merkt davon herzlich wenig, der Klein- gärtner aber hat in dem Reifemonat Juki alle Hände voll zu tun, um die Früchte seiner Arbeit einzuernten und Vorräte für den Winter zu sammeln. Daneben muß er schon jetzt an das nächst« Frühjahr denken und seine besondere Aufmerksamkeit der Lamcnzucht im Gemüsegarten schenken. Neigen Samen zur Reife, so muh es der Gartenbesitzer verstehen, den richtigen Zeitpunkt des Einerntens zu erkennen. Zu früh abgenommen, erntet man nur unvollkommen ausgebildete Körner, die nur schwächliche Pflanzen liefern und oben- drein ihre Keimkraft auch bald wieder verlieren. Bei zu später Ab- nähme geht ein großer Teil des Samens durch Abfallen verloren. Die beste Zeit ist diejenige, in der die Samcnstengel anfangen ab- zusterben. Die Samenhüllen nehmen eine hellere oder gelbere Für- bung an, die Körner erhalten nach und nach die ihnen eigentümliche Farbe und werden auch härter. Man kann auch viele Samen, bei denen kein Verlust durch Aufreihen zu befürchten ist, wie z. B. bei Rettichen und Bohnen usw. auf dem Stock dürr werden lassen und nimmt sie erst dann ab. Bei den Doldengewächsen hingegen. Karotten. Pastinaken, Petersilie, Sellerie, auch Salat usw. müssen die Samen zu den verschiedenen Zeiten, je nach dem Reifestadium, eingesammelt werden, da die Gefahr besteht, daß die ersten und kräftigsten Samendolden ausfallen, bevor die kleineren Dolden an den Nebenzweigen gereift sind. Die Samen von allen Pflanzen reifen zuerst am Hauptstengel, an welchem auch die ersten Blüten erschienen sind: wer nur wenigen Samen einzuernten hat, möge daher seine Samenträger fleißig durchsehen und jedesmal diejenigen Hüllen abnehmen, die gerade voll ausgereift sind; dadurch können auch die Samenansätze an den Nebenstengeln voll ausreifen und vollkommen ausgewachsene und keimkräftige Körner bilden. Die abgeernteten Körner werden in kleinen Säckchen oder Papiertüten aufbewahrt, mit Namen verschen und auf trockenen, luftigen Böden aufgehängt. Sommerzwiebeln, Knoblauch und Perlzwiebeln müssen, nachdem das Kraut abgewelkt ist, bei trockener Witterung aus der Erde genommen werden; man breitet sie in einem trockenen Raum zur Nachreife dünn auseinander und reinigt sie später von ihren äußeren Schalen. Die schönsten Früchte von Gurken und Melonen werden zur Samengewinnung ausgezeichnet; sie bleiben solange an den Pflanzen, bis sie überreis geworden sind. Frühe und mittelfrühe Kartoffeln werden ausgegraben, die Beete umgestochen und mit Speiserüben, wie Herbst- und Teltower Rübchen, mit Karotten, Kopfsalat, Herbst- und Winterrettichen usw. angesät. E n d i v i e n bindet man nach und nach mit Bastfäden zusammen: dadurch bleiben die inneren Blätter zart und schmackhaft. Auch bei Blumenkohlpflanzen, die ihre Blüten angesetzt haben, knickt man die Blätter zusammen und bindet sie mit Bast locker zusammen, wodurch die Köpfe schön weiß und zart bleiben. Bleich- s e l l e r i e, der meist vertieft gepflanzt wird, beginnt man jetzt nach und nach zu bleichen, indem man die Blattstiele zusammenbindet, die Gruben zuschüttet und die Pflanzen derart anhäufelt, daß nur noch die Blattschöpfe aus den Hügeln hervorschauen. Sobald sich die Blütenköpfe der Artischocken zeigen, schneidet man die kleineren an den Seitentrieben weg, um bei der Hauptblüte die kräftige Aus- bildung zu fördern. Man nimmt die Köpfe zum Gebrauch ab, sobald sich die Schuppen dehnen und die Mitte des oberen Randes eine gelbliche Färbung annimmt. Es geschieht dies noch zu einer Zeit, bevor die Blumen aus den Schuppen hervortreten. Zur Vermehrung von Erdbeeren nimmt man jetzt die Aus- läuser von älteren, kräftigen und gesunden Pflanzen, sofern sie gut bewurzelt sind, heraus und verpflanzt sie in allseitigem Abstand von 20 Zentimetern auf ein gut gelockertes, nahrhaftes Gartenbeet und schneidet alle Ausläufer, die sich an den jungen Pflanzen selbst wieder bilden, sorgfällig weg. Das nochmalige Verpflanzen dieser jungen Erdbeeren auf die Kullurbeete, bei großfruchtigen Sorten bis 60 Zentimeter Abstand, erfolgt im September. Im Monat Juli schneidet man auch Stecklinge von Stachelbeeren und steckt diese sofort: sie wachsen kräftiger und rascher als die im Herbst oder Frühjahr geschnittenen Stecklinge. Der Kompo st Haufen ist frei von Unkraut zu halten und mindestens einmal umzuarbeiten, wenn man es nicht vorgezogen hat, sich ein Dungsilo, wie es hier kürzlich beschrieben wurde und übrigens auch aus der Bauausstellung, Halle l, zu sehen ist, zu erbauen. In der Vertilgung des Unkrauts und der Beobachtung und Vernichtung etwa aufgetretener Schädlinge darf nicht erlahmt werden, desgleichen muß bei der anhaltend trockenen Witterung regelmäßig und gründlich gewässert werden. Im Ziergarten muß nun auch schon an das nächste Jahr gedacht werden. Die reisen Samen von Primeln, Aurikeln und anderen staudenartigen Pflanzen werden eingesammelt, getrocknet und mit Namen bezeichnet. Von den übrigen Blumgewächsen werden die schönst blühenden Pflanzen als Samenträger ausgezeichnet. Von den abgeblühten Blumenpflanzen, die nicht zur Samengewinnung verwendet werden, sind die Blütenstengel abzuschneiden, die Pflanzen zu be- hacken und regelmäßig zu gießen. Anfang des Monats werden noch Aussaaten für den Bedarf des Winters oder des nächsten Frülings von?rimula cbinousis und Primula obconica, Calceolaria, Cinneratia u. a. in Töpfen ge- macht, die bis zum Aufgehen des Samens schattig stehen müssen. Viola tricolor,>lz:osotis alpestris, Malven, Fingerhut und andere zweijährige Gewächse sät man in den freien Grund oder in ein abgeräumtes Mistbeet. Man schneidet jetzt auch Stecklinge von Pelargonien für den nachjährigen Flor, ferner von Myrten, Rosen, Efeu und Teppichbeetpflanzen. II. Pr. Pohlenz. eßueh „dlrieg im Garlen" ist der Titel des Buches über erfolgreiche Schädlingsbekämpfung von A. Meier, Frankh'sche Verlagsbuchhandlung, Stuttgart. Krieg im Garten— das ist die Losung, Krieg allen Blattfressern, Wurzel- nagern, Saftverzehrern, Schmarotzern.»Unkräutern. Uebersichtlich und klar ist die Disposition: der Kriegsschauplatz, feindliche Mächte, die Gegenwehr. Auf alle« ist hier in gewandter lebendiger Sprache eingegangen, was zur Erkennung und Abwehr gegen die Schädlinge als Vorbeugung und Vertilgung getan werden kann und wie man wertvolle Helfer findet. Helle Freude hat man an den etwa 40 Zeich- nungen, die außerordentlich instruktiv sind und oft den Text neben- sächlich machen: Die Entwicklung der Schädlinge, ihre Verwandlungs- künste und schließlich die befallenen und zerstörten Pflanzenteile sind derart demonstrativ dargestellt, daß auch der harmloseste Laie eine ganze Geschichte daraus lesen kann. Geschickt und rasch informierend sind die zahlreichen Tabellen zusammengestellt, die in verschiedenen Spalten jeweils den Schädling, Zeitpunkt seines Auftretens. Art seiner unerwünschten(verwünschten!) Tätigkeit und endlich die Möglichkeiten seiner Vernichtung in kurzen Notizen beschreiben. Wer also die vielen Plagegeister in seinem Gartenreich loswerden will, der führe den„Krieg im Garten" mit Hilfe dieses nett ausgestatteten Büchleins, für das der Preis von 2 Mark angemessen erscheint. Pohlsaz. hm der GesdiHMe des Freien Rudersporis Rudern und Paddeln als Volkssport Fast 40 Jahrc sind es her, daß der erste Ruderoerein gegründet wurde, der klar Farbe bekannte: Mitglied kann jeder werden, der einer freien Gewerkschaft angehört. Dieser erste Arbeiterruderverein, der in der Zeit der Entwicklung der deutschen Arbeiterbewegung geboren wurde und mit ihr groß geworden ist, ist seinem Prinzip treu geblieben und steht heute noch an der Spitze der internationalen Arbciterruder- und Kanubewegung als größter Verein mit etwa 600 fast nur aktiven Mitgliedern: es ist der Ruderverein„Vor� w ü r t s" in Berlin. Nur langsam entwickelte sich die Rudere! in der Arbeiterschaft, war doch die Anschaffung eines Ruderbootes mit erheblichen Um kosten verknüpft. Und wer sich so etwas früher leisten konnte, der wurde von seinen Klassengenossen schief angesehen. Auf der an- deren Seite war es das ganze monarchistische Staatssystem, das diesen Eindringlingen auf ein Gebiet, das„nur dem Bürgertum gehörte", nämlich die Flüsse und Seen, alle möglichen Schwierig- leiten und Schikanen in den Weg legte, wenn es um die Beschaf- fung eines Bootsplatzcs oder den Bau eines Bootshauses ging. Aber trotz alledem entwickelte sich die„rote Wasserpest", wie die Arbeiterruderer von den Bürgerlichen genannt wurden, und bei Kriegsausbruch hatten sich bereits vier Berliner Ruderoerein« auf den Boden der sozialistischen Bewegung gestellt: Vorwärts, Kollegia, Fr«ih«it und die Freie R u d e r e r v e r e i n i- gung 1313(Freiheit segelt jetzt im kommunistischen Lager). Und empört sahen die„seudalen" Ruderer auf die Bootsnamen, die da kündeten:„Lassalle",„Engels",„Karl Marx".„Grillenberger", „August Bebel",„Freidenker",„Einigkeit",„Gerechtigkeit",„Gleich- heit". Diese Rudcrvereine, die im Freien Ruoerbund Berlin oer- einigt waren, bildeten den Grundstein zu der heutigen Ruder- und kanusparte im Arbeiter-Turn- und Sportbond. die annähevnd 200 Bereine im Gebiet der Deutschen Republik um- saßt. Wer hatte früher etwas vom Paddeln gewußt? Diese Sportart ist ein Kind der Nachkriegszeit. Man kann sagen: ein gesundes Kind, dos noch einen jüngeren Bruder bekommen hat, den Faltbootsport. Was lag den Arbeiterwassersporllern nun näher, als diese drei Bootsgattungcn in einer großen, geschlossenen Organisation zusammenzufassen? Und das war gut so. Durch die nicht sehr hohen Anschaffungskosten eines Paddelbootes(Kajak) oder Faltbootes entwickelte sich der Kanusport mit Riesenschritten. Die Zahl der unter dem Wimpel des Wassersports des Arbeiter-Turn- und Sportbundcs fahrenden Paddelboot« beträgt etwa das acht- fache der Ruderboote. In runden Zahlen genannt, stehen etwa 550 Ruderbooten 5000 Paddelboote gegenüber. Dazu kommen noch rund 200 Motor-, Segel- und Mischboote. Die 5000 Paddelboote unterteilen sich in«twa 2800 Holz- und 2200 Faltboote.(Unter den vieten unorganisierten Wasserfahrern be- finden sich etwa 35 Proz. Paddelbootsahrer.) Durch diese Entwicklung ist der Ruder- und Kanusport zum Volkssport emporgewachsen. Und ihn nun zum wahren Volkssport in unserem Sinne zu machen, das ist Aufgabe der Ruder- und l�anusparte im Arbeiter-Turn- und Sportbund. Die Hauptaufgabe ist die Pflege des Wasferwanderns. Di« Wochenendbewegung, die ja heute die weitesten Volkskreise überzeugt hat, daß man nach einer Woche Arbeit das Bedürfnis hat, einige Stunden Entspannung zu suchen, dient dazu. Und es ist nicht zuviel gesagt, denn kein biirger- licher Verband, mag er auch an Mitgliedern noch stärker sein, pflegt das Wasserwandern so wie die Arbeiterwasserfahrer. Etappen- fahrten, Ferienfahrten neben den Wochenendfahrten, den freien Körper Luft und Sonne ausgesetzt, geben dein Menschen wirklich Entspannung und Kraft, den schweren Kampf um des Lebens Not- dürft, um die Erhaltung der Kulturerrungcnsihaften der Arbeiter- schaft zu bestehen. Das wasserwandern kann jeder betreiben, wenn er nicht gerade schwer herzkrank ist oder sonstig« Gebrechen hat, die ihn in der Ausübung des Sports behindern. Wer diesen AiteHer-Regstts in Grünau Sonntag, S.Juli 1931, Ruder- und Kanuregatta, der Arbeiter-Wassersportler vor den Regatta- tribiinen in Grünau.— Beginn 13 Uhr. Am Start: Dortmund, Hamburg, Stettin, Prenzlau, Leipzig, Würzen, Magdeburg, Brandenburg, Luckenwalde, Rathenow, Berlin. Ruder- u Kanuwettfahrten, Eskimokentern, Lanzenstechen, Händepaddeln, Tauziehen im Kanu, Paddeln im Stehen, Schwimmvorführungen der Frauen Sport betreibt, richte sich nach seinem Körper, einer verträgt ein paar Kilometer mehr, der andere weniger.. Die Ausbildung, in den Vereinen geschieht fachkundig, von sportärztlichen Untersuchungen begleitet, so daß kein Unheil ange- richtet werden kann. Di« Pflege des Wettkampfes steht gegenüber den Bürgerlichen auf einem hohen Niveau. Das unmenschliche „Training um jeden Preis" ist bei den Arbeiterwassersportlern aus- geschaltet. Training und Training ist zweierlei. Enthaltsamkeit in, Alkohol und Tabak ist zu befolgen, wie beides ja überhaupt beim Sport mäßig oder gar nicht genossen werden soll. Niemand darf zu einer Handlung gezwungen werden, alles muß freiwillig geschehen. Die Methode der Bürgerlichen, bei der die Regattamann- schasten wie in einer Zwangserziehungsanstalt beenden werden, lehnen die Arbeitersportler ab. Auch im Wettkamps muß Kultur liegen! Der Wettkampf geschieht in aller Freundschaft, er ist Erziehung an sich selbst, das solidarische Gemeinschaftsgefühl mit den anderen Arbeitersportlern aus anderen Teilen des Landes ist das Erhabenste und Schönste. Und diese Gemeinschaft verbindet uns, auch über die Grenzen hinaus— international, zu höheren Zielen strebend. Von diesem Gedanken müssen wir uns immer leiten lassen. Die Arbeitersportbewegung ist eine Massenbewegung, und deshalb oersuchen wir in die Psyche des wassersportliebenden Volkes einzu- dringen. BolkssportI Machen wir ihn dazu— in unserem Sinne. Alfrock Pavlik. Der Kampf um die Millionen Unser Mitarbeiter K. M., der sich zur Zeit des vorjährigen Weltmeisterschaftsboxkampfes in Amerika befand, bs- schreibt hier die Leidenschast, mit der drüben große Athletikkämpfe verfolgt werden. „Well, und ich wette doch 10: 1 für diesen ckamneck German boy", schrie der kraushaarige Kubaner in den heißen Dunst der Speisen und Abwaschwasser, der sich wie ein dichter Nebel über die niedrige Küche des kleinen Restaurants an: Broadway legte. „Du bist ein Narr," pustete sich der amerikanische Gläserwascher auf, der seine Arbeitsstelle abseits hatte und nicht mit den anderen das vorgeschriebene Tempo der elektrischen Spülmaschine einhalten muhte.„Du wirst deinen halben Wochenlohn verlieren, wenn du auf diesen Klotz setzt, der nicht die geringste Technik hat und nichts weiter als punchen kann." „Oho," brüllten jetzt die anderen, zwei Polen, ein Neger und ein Deutscher,„ist das so? Aber euer amerikanisches Söhnchen wird sich wohl in acht nehmen müssen. Mit seinen technischen Mätzchen wird er die mächtigen Schläge des Deutschen nicht abwehren können. Wir setzen alle auf Schmeling, was meinst du, Fritz?" Damit richtete sich das Interesse auf den Landsmann des ge- feierten zukünftigen Matadors. Dem jungen Eingewanderten war zwar dieser Trubel ziemlich gleichgültig, aber er muhte sich doch seinen Kollegen erkenntlich zeigen. „All right, wenn er gewinnt, gebe ich eine Runde Bier im Speakeasy auf der 42. Straße aus." Allgemeiner Beifall. Jack, der Negerjunge, kramte eine alte Zeitung aus und befestigte einen Ausschnitt daraus mit dem Bilde des Boxers an der Bretterwand, wo schon eine ganze Galerie ver- gangener und zukünftiger Champions neben niedlichen Filmdiven prangte. Der Obergewaltige über die Küche, ein dicker Grieche, kam jetzt die Treppe herunter und machte ein unwilliges Gesicht, als er den Krach der streitenden Gruppen vernahm. Als er aber hörte, daß es um den Boxkampf ging, der morgen ein 120-Millionen-Volk in atemloser Spannung halten sollte, gab er nach und die anderen be- drängten ihn jetzt sogar, er sollte die Kasse für das Wellen über- nehmen, da sonst keiner von ihnen sicher genug war. Das Geld könnte dann gleich vom morgigen Wochenlohn abgezogen werden. 45 Dollar kamen für Schmeling zusammen und nur 12 für Strib- ling— 10 vom Amerikaner, der auch hier wieder ein« Extrarolle spielen wollte, und 2 von dem Neger, der sich vorsichtigcrweise nach beiden Seiten engagierte. „Schön, Iungens," sagte der griechische Fettwanst,„aber Vor- schuß kriegt ihr dafür nicht. Und jetzt ran an die Arbeit, in einer halben Stunde beginnt der Lunch-Rush." * „Ist er nicht smart, dieser Schmeling?" hauchte Doris ihrer Freundin Lou zu, während sie im eleganten Auto geräuschlos über die Fisch Avenue jagten.„Er sieht genau so aus, wie Dempsey. Ich glaube, daß ich meine Wette für ihn machen werde." „Na. Stribling ist doch auch ein netter Kerl und dazu Ameri- kaner. Siehst du, hier im Magazin ist ein reizendes Bild von ihm, wie er mit seinem Söhnchen spielt. Ich werde wohl für ihn ein- treten," meinte Lou schwärmerisch. „Ich habe einen Gedanken," sagte Doris als sie vor dem pracht- vollen Klubgebäude haltmachten,„wir wollen heute beim Tee ein Wettbüro eröffnen. Charles, der Sekretär, muß die Leitung über- nehmen. Köstlich, endlich mal eine vernünftige Unterhaltung zu haben und nicht dauernd das Geplärre über Kinderkrankheiten und zunehmenden Alkoholkonsum zu hören." So geschah es, daß sich auch hier, zwar sehr ruhig, konventionell, beim leisen Geklapper der seinen Porzellantassen, die Interessen spalleten. Im allgemeinen wurde mehr für den Amerikaner Stel- lung genommen, denn man mußte doch nach außen hin die Nation über alles stellen. Die Summen aber, die verwettet wurden, gingen in die Tausende von Dollars. ★ ,�hc World",„New Jork Times",„Mirror"! Neueft« Meldungen über das Match in Cleveland! Enthüllungen der Trainer! Eintrittskarten ausverkauft", so schrien die Zeitungsjungen am Times Square durcheinander. In dichten Mengen drängten sich die Menschen aus den Schächten der Untergrundbahn, um sich in die umliegenden Wolken- kratzer, ins Büro, in die Hotels oder in die kleinen Geheimwirt- schaften der Umgebung zu verteilen. Hier auf dem tollsten, wirbelnd- sten Platz New fgorks ist der Treffpunkt der Gamblers, der berufs- mäßigen Spieler, die auch Wetten vermitteln. Und hier gingen natürlich die Gerüchte und Leidenschaften anläßlich des bevorstehenden gigantischen Coups am höchsten. „Neueste Meldung, direkt von Joe Jacobs, dem Manager Schmelings. Der ganze Kampf ist ein abgekarteter set up, eine Schiebung, genau wie bei Sharkey. Aber diesmal wird Schmeling dran glauben müssen und runtergehen, damit zu einem einträg- lichen Revanchekampf kommt," flüsterte ein eleganter Gentlemen einem anderen zu. „Quatsch," kam die verhaltene Antwort angesichts der herum- stehenden Polizisten,„Stribling wird ihn sowieso niederlegen. Sie kämpfen diesmal im Ernst. Aber brauchst du noch Eintrittskarten? Ich habe noch 300 Stück zu vergeben. Du sollst sie als Freund mit nur einem Dollar Aufschlag bekommen und kannst sie mindestens fürs Doppelte wieder umsetzen." (So war es vor einem Jahr! Für den Kampf, der heute abend steigt, scheint das Interesse wesentlich geringer zu sein. Die Nach- frage nach Eintrittskarten ist lang« nicht so stark wie damals: die Unternehmer haben schon die mittleren und billigeren Eintrittspreise ermäßigt und sind nach Blättermeldungen zufrieden, wenn sie kein Defizit machen! Die Redaktion.) Trotzdem werden noch genug im Clevelandstadion zusammen- kommen. Omnibusse, Privatautos, Sonderzüge aus allen Richtungen, aus Detroit, aus Chikago und New Jork werden die Massen bringen. Wer Glück hat, kann sich den Kampf aus der 20. oder 30. Reihe anschauen. Vorn sitzen die Ehrengäste und Reporter von Hunderten von Zeitungen. Unter Jupiterlampen und dem Gelärme der Photo- graphen und Filmleute beginnt der Kampf. Das Ende ist der Ge- winn oder Verlust riesiger Summen. Und der Sport? Unser l'ip tür Sdimeling- Stribling Entweder wird's criblig für Schmeling oder schmelig für Stribling. -ARBEnBLTUSSSALL Leipzig gegen Berlin Wiederum stehen sich die Vertreter der beiden Städte im Fußballkampf gegenüber: nur gehen die Berliner diesmal mit weit größeren Aussichten auf den Platz, als in Leipzig. War es doch damals den Berlinern durch die Meisterschaftsspiele nicht möglich, die spielstärkste Mannschaft ins Feld zu schicken, während die Leip- zieger das stärkste, was zur Verfügung stand, aufstellte. Bei dem am kommenden Sonntag stattfindenden Rückspiel in Neukölln. Tasmania-Sportplatz, am Bahnhof Kaiser- Friedrich- Straße, werden die Berliner alles daransetzen, um die in Leipzig erlittene Niederlage wettzumachen. Ob es ihnen mit der aufge- stellten Mannschaft gelingen wird, muß der Kampf ergeben. Die Mannschaften spielen: Leipzig: weihe Hose, blaugelbes Hemd: Streuer (Borwärts-SW) Perücke Böhmer lSportklab Ost)(Awentau) Haube n,mei her Striegel Bielig lGroh.Mchechcr)(Südost)(Ponvärts-West) Ruhlandt Böhm Brauner: Sehilling Müller (Thekla)(V. f. L.�Sil-d.Ost)(West)(Amateurs * Röst Weidaaer Bartsch Rüster Arüger (Dutab)(Lichtenberg)(Obersprce)(Pantow)(Luckenwalde ch Klinger Rittwegcr Israel (Lichtenberg)(Luckenwalde III)(Siche-Köpenickl Krakisch Steinhöfcl (Teltow)(Borwörts-Webding) Gruben (Weißrirsce) Berlin: rot« Hose, rotes Hemd mit weißem Brustring. Ein Geheimnis des Spielausschuffes dürfte die Aufstellung des Linksaußen sein und bleiben, der bei allen Auswahlspielen ein glatter Versager war. Auch die Mitwirkung des linken Verteidigers sollte nicht zum Vorteil der Mannschaft gereichen. Ob der Torwart die in ihn gesetzten Erwartungen erfüllen wird, ist sehr zweifelhaft. Warum hat man sich nicht die Mitwirkung des sehr guten Tar-> warts von Lichtenberg I gesichert? Der kleine Lichtenberger hat doch im letzten Auswahlspiel gezeigt, das er dem Weißenfeer in nichts nachsteht, zumal der Weißenfeer durch eine Verletzung an der Hand nicht auf dem Posten ist. Die Läuferreihe ist allerdings das Beste, was Berlin augenblicklich hat. Im Sturm haben wir wenig Vertrauen auf den Linksaußen, obwohl er sich mit seinem Nachbar gut einspielen kann. In der Leipziger Mannschaft finden wir nicht weniger als drei internationale Spieler, die gerade der Hintermannschaft der Berliner viel Arbeit verschaffen werden. Torwart und Verteidiger haben bereits mehrere Male Leipzig in Städtespielen erfolgreich vertreten. Die beiden Außenstürmer und der Mittelstürmer sind aus den Kämpfen der Ländermonnschaft bekannt als Durchreißer. Schon dies« Aufstellung wird für die Berliner ein Anreiz sein, alles daranzusetzen. Vor dem Spiel, das um 17 Uhr beginnt, werden sich zwei Schüler- und zwei Jugendmannschaften gegenüber- stehen. Beginn dieser Spiele 14.30 Uhr bzw. 15.45 Uhr. Die letzten 25 Minuten des Hauptspiels werden durch den Rundfunk übertragen. Spiele am Sonnabend Da am Sonntag durch das Städtespiel für Groß-Berlin Spiel- verbot besteht, haben die Vereine zum Sonnabend Gesellschafts- spiel« abgeschlossen.� Aus dem Sportplatz in der Kynaststraß« stehen sich um 17.30 Uhr Lichtenberg l- und ASV. 1-Neukölln mit zwei Männermannschaften gegenüber. Auf dem Exerzierplatz in der Schönhauser Alle« treffen sich Saxonia und Cintracht-Reinickendorf. — Pankow und Karlshorst spielen um 19 Uhr in Pankow, Kifsingenstrahe. Ein Abendschwimmfest „Ein Abend bei den Freien Schwimmern" betitelt sich die morgen, Sonnabend, stattfindende Veranstaltung der Gruppe Neu- kölln der Freien Schwimmer Groß-Berlin e. V. Infolge der all- gemeinen Wirtschaftsnot hat der Veranstalter seine diesjährige schwimmsportliche Sommerveranstaltung auf den Sonnabend gelegt, um jeden einzelnen es möglich zu machen» die Veranstaltung zu besuchen. Der Sonnabend soll jedem Besucher an der Wildenbruch- Brücke Einblick in die sportliche Leistung des Veranstalters ge- währen. Das reichhaltige Programm fetzt sich aus Stafetten, Springen, Reigen, Wasserscherzen und Wasserballspielen zusammen. Währenddem finden auf den Sportplätzen Faustball-, Medizinball- und andere Spiele statt. Während der Dunkelheit wird ein 36er-Fackel-Reigen geschwommen. Um allen Besuchern den Aufent- halt recht angenehm zu machen, findet anschließend eine Italienische Nacht statt. Alles in allein verspricht dieser Abend bei den Freien Schwimmern recht interessant zu werden. Eintritt für Erwachsene 40 Pf.: Jugendliche 25 Pf. � 3m Rahmen der Wochenendfahrten des Deutschen»eichs-Auta- Clubs findet am Sonnabend, dem 4. Juli, resp. Sonntag, 5. Juli, «ine Fahrt nach dem Hotel und Seeterrassenrestaurant Neue Spitz mühle bei Strausberg statt. Die Fahrtstrecke beträgt «twa 40 Kilometer und zählt zu den angenehmsten der Mark. Uebernachtung, auf Wunsch volle Verpflegung. Offene und gedeckte Seeterrassen, Spielplatz, Angelsport, Kegelbahn, Tanzsaal, Ruder- boote und Badeanstalt ist vorhanden. Alle parteigenöfsischen Auto- freunde finden hier chre Gesinnungskameraden und sind herzlich eingeladen. Die Fahrt geht(nicht in Kolonne): Berlin(Landsberger Allee)— AU-Landsberg— Strausberg, hinter Strausberg links ab nach Neue Spitzmühle. Straße zwischen Berlin und Herzfclde gesperrt._ K-rtellbcziri Schö-cbcrg-Zriedcnau. Zum Abewölportfest können noch Roch» melöunaen abgegeben wenden bei bekannter Adress«. Bercinr werden gebeten, Ewppnhren mitzubringen. Beginn der Wcltkämpfe IS Uhr. Freie Sport, und Mns!l»ercin!gu»g Berlin. Alle Epielleutc. und Bläser. abteilungen treffen sich Sonnabend, 4. Juli, 18,30 Uhr, zur Fahrt nach Bernau auf Vorortbahnstcig Gesundbrunnen. Fahrkarte bis Bernau ist gleich vom Abgangslxchlchof zu lösen. Sonnabend in Strahenkleidung, Sonntag beim Festzug Bundestleidung. Fahrgeld wird erstattet. T. B. Die Natursreunde. Freitag, 3. Juli, 20 Uhr: Abt. Britz: Jugend» heim, Chausfecstratze«. Übt. Lichtenrade: bei ungünstiger Witterung ob 10,30 Uhr bei Dehlam, Bahnhof. Ecke Goltzstratze. sonst Ausbildung»er Nicht- schwimm«! in Mahlow. Abt. Stld.Ost: Britzcr Stratze 27. Abt. Schönhausrr Vorstadt: Jugendheim, Äastanienallee«l. Abt. Treptow: Elfenstraßc 3. Abt. Charlottenburg: Jugendheim, Spreestratze 30. Abt. Humboldtliain: Jugend- grupp«: Schön stedrstratze 1. Abt. Faltboot. Abt.: Johannisstrahe 15. Abt. Photo-Arbeitsgemeinschaft Neukölln: Bergstraße 20. Abt. Photo-Arbeitsgemein» schaft Osten: Frankfurter Allee 307. Fahrten der Abteilungen: am 1- und 5. Juli: Schönhauser Dorstadt: Krumme Lank«, Trossen 17,30 Uhr Gesundbrunnen. Prenzlauer Berg: Heibesee, Treffe» 17,15 Uhr Schöneweide. Mitte: Heidcse«. Treffen 20 Uhr Äöntgswusterham«n. Mitte: Keibcscc am 5. Juli, Treffen MO Uhr Görlitzer Bhf. Humboldthai», Jugcndgr.: Pätzer Hintersec, Treffen 13 Uhr Gesundbrunnen. Friedrichshain: Mclchow.Schn'iirzesee, Treffen 17,35 Uhr Stcttincr Bahnhof. Friedrichshoin: Melchow-Schwärzefee am 5. Juli, Treffen 5,50 Uhr Stettiner Bahnhof. Osten: Birienheidc.Zojsen, Treffen 18 Uhr Warschauer Brilcke. Fviedenou: Heidesee. Am 5. Juli Jugend Osten: Höhnow-Mittelsee, Troffen 7 Uhr Warschauer Stratz«. Tarislosigkeii in der Klavier-Industrie. Verhandlungen mit den Unternehmern ergebnislos. In der Berliner Musikinstrumentenindustrie ist ab 1. Juli der itariflose Zustand eingetreten. Nachdem in dieser Branche auf Grund der Kündigung durch die Unternehmer schon seit dem 1. März kein Lohntarif mehr bestand, ist von den Unternehmern zum 1. Juli auch die Kündigung des Manteltarises ausgesprochen worden, der die Arbeitsverhältnisse regelt. Die Berliner Ortsverwaltung des Holzarbeiterverbandes hat noch in letzter Stunde mit den Unternehmern verhandelt, um eine Verständigung herbeizuführen. Dieser Versuch ist aber fehlge- schlagen. Die Verhandlungen wurden auf der Grundlage eines Vertragsentwurses geführt, den die Unternehmer ausgear- beitet hatten. Es war schon von vornherein sehr zweifelhaft, ob über diese Vorlage, die weitgehende Aenderungen und Verschlechte- rungen des bisherigen Manteltarises vorsah, eine Einigung erzielt würde. Die Verhandlungen haben die Berechtigung dieser Zweifel bestätigt. Erschwerend kam in den Verhandlungen noch hinzu, dah die Unternehmer vor der Behandlung des Manteltarifstreits die Lohnfrage anschnitten und in dieser Frage überhaupt nicht be- reit waren, annehmbare Vorschläge zu machen. Sie erklärten, daß für sie nur ein Stundenlohn von etwa I.OS Mark tragbar sei, wogegen der bisherige Tariflohn 1,28 Mark betrug. Als sich herausstellte, daß in der Lohnfrage jede Verständigung aussichtslos schien, hielten es die Parteien für zwecklos, noch in Verhandlungen über den Neuabschluß eines Manteltarises einzu- treten. Die Verhandlungen wurden zwar vertagt, doch ist es sehr fraglich, ob überhaupt noch eine Grundlage für neue Verhandlungen gefunden wird. Damit ist der tariflose Zustand für die gesamte Berliner Musikinstrumentenindustrie eingetreten, in der zur Zeit noch etwa 1000 Arbeiter beschäftigt werden, die aber so straff orga- nisiert sind, um auch in einer tariflosen Zeit ihre Rechte wirksam vertreten zu können. Einigung im Texiilkonfliki? Die französischen Textitarbeiter verständigungsbereit. Paris, 3. 3uli.(Eigenbericht.) Die sozialistischen Textilarbeiter-Gewerkschaften von Ronbaix und Tonrcoing haben gestern in zwei Generalversammlungen eine Entschließung angenommen, die sich für den Abbruch des Streiks ausspricht, sobald ein Lösung des Konfliktes auf der vom Ministerpräsidenten vorgeschlagenen Basis erfolgt, jedoch unter der Bedingung, daß den Arbeitern Garantien gegeben werden, die für eine gewisse Zeit den Ausbruch eines neuen Lohnkonfliktes ver- hindern. Der Vorschlag Lavals lief darauf hinaus, die Anwesenheits- prämie abzuschaffen, aber den Arbeitern dafür eine Lohn- erhöhung von 3 Prozent zu gewähren, die vom 13. September ab auf 1 Prozent herabgesetzt werden soll. Da die nicht dem Textil- konsortium angehörenden Firmen bereit zu sein scheinen, auf diesen Vorschlag einzugehen, dürste eine teilweise Wiederaufnahme der Arbeit in der nächsten Woche zu erwarten sein. Das Textilkon- fortium lehnt nach wie vor jedes Zugeständnis ab. Ein bescheidener Anfang. Vierzigstundenwoche im anhaltischen Baugewerbe. Das anhaltische Staatsministerium hat dem Borstand des Deut- schen Baugewerksbundes mitgeteilt, daß es sich auf seinen Antrag hin entschlossen hat, die Bauämter des Staates Anhalt anzuweisen, bei Bauarbeiten in eigener Regie die Bierzigstunden- woche einzuführen und bei Bauaufträgen an private Unternehmer diesen die Durchführung der Vierzig st undenwoche zur Pflicht zu machen. Darüber hinaus hat das anhaltische Staatsministerium den Kreiskommunalverwaltungen sowie den hauptstädtischen Magistraten von diesem Beschluß Kenntnis gegeben und sie gleich- zeitig ersucht, bei der Vergebung von Bauaufträgen in gleicher Weise zu verfahren._ Freiwilliger Arbeitsdienst. Durchführungsverordnung vom RAM. ausgearbeitet. Das Reichsarbeitsministerium hat den Entwurf einer Durch- führungsoerordnung für den freiwilligen Arbeitsdienst ausgearbeitet. Am Donnerstag hat der Vorstand der Reichsanstalt zu dem Entwurf Stellung genommen. Am Freitag in acht Tagen wird sich der Verwaltungsrat mit den Vorschlägen des Ministeriums beschäftigen. Eine ganze Reihe von Fragen sind noch zu klären und es ist daher kaum anzunehmen, daß der Entwurf des Mini- steriums so bleibt, wie er im Augenblick aussieht. Ringen um den Siebenstundentag. Labour-Regierung greist in Bergbaukonflikt ein. Zur Verhütung eines Arbeitskonflikts im englischen Bergbau hat die Regierung beschlossen, im Unterhaus eine neue Berg- bauvorlage einzubringen, die bis zum nächsten Dienstag im Parlament durchberaten werden soll. Der Gesetzentwurf ist erfor- derlich geworden, weil es sich als unmöglich herausgestellt hat, eine Einigung zwischen den Grubenbesitzern und den Vertretern der Ge- werkschaften herbeizuführen. Die neue Kohlenbill sieht die Fortdauer des 7�-Stun- den-Tages nach dem 8. Juli für ein Jahr oder bis zur Rotifi- zierung der Genfer Konvention über die Arbeitszeit im Bergbau, so- wie die Aufrechterhaltung der jetzigen Löhne für junge Arbeite vor. Die Einsetzung eines aus Vertretern der Grubenbesitzer und der Ge- werkschaften bestehenden Ausschusses, der alle drei Monate zur Prüfung der wirtschaftlichen Lage in der Kohlenindustrie zusammen- treten soll, wird in den« Gesetzentwurf gleichfalls vorgeschlagen. Knappschastsrenien um �0 Prozent gekürzt. Bochum, 3. Juli.(Eigenbericht.) Der Vorstand der Reichsknappschast hat die am 1. Juli fälligen Renten und Bezüge aller Versicherten um 10 Prozent gekürzt. Es handelt sich hier um eine einweilige Mahnahme, die notwendig ge- worden ist, weil die Vertreter der Arbeitnehmer die Vorschläge des Vorstandes auf Sanierung der Knappschaft abgelehnt haben. Die Angestelltenvertreter wollen sich erst in der zweiten Hälfte des Juli über ihre Haltung schlüssig werden. Englands Arbeitslosigkeit. Weitere Zunahme in der letzten Woche. Die Zahl der Arbeitslosen betrug am 22. 3uni 2 627 386, was eine Zunahme um 6456 gegenüber der Vorwoche bedeutet. Die Lage auf dem englischen Arbeitsmartt hat sich in den letzten Wochen zusehends verschärft. Seit Anfang Mai hat sich die Zahl der Erwerbslosen von rund 2 320 000 auf 2 627 386 Personen, also um mehr als 107 000, erhöht. Damit hat die Arbeitslosigkeit seist den Höchststand von Ende Februar wieder erreicht. Milderung der polnischen„Notverordnung". Warschau, 3. Juli." Der Ministerrat beschloß Mittwoch, die Bezüge einiger Kategorien der Eisenbahnbeamten um 10 bis 13 Prozent heraufzusetzen. Es handelt sich um die verheirateten Beamten, die mehr als drei Kinder zu ernähren haben und für die sich die mehrmalige Herab- setzurnj der Beamtengehälter besonders kraß auswirkte. Wie ver- lautet, soll auch den P o st b e a m t e n in den niedrigen GeHalls- Nassen ein Teil ihrer soeben gestrichenen Bezüge von neuem gewährt werden. »»««RFTVIM für die Zeit vorn 3. bit 6. Juli I moQ Potsdamer Strafe 35 W. 5. 7, 9, S. 3, 5, 7, 9 Uhr „M" Friiz-Lang-Film Rheinstratje 14 W. ab 5.15, S. ab 3.15 Uhr Vier Federn mit Fay Wray, 8 Akte — Llcbesllkge Odcon, Potsdamer Str. 7 5 W. 5,7,9, S. 3,5, 7, 9 Uhr Harold halt Dich feit mit Harold Lloyd— Pür Jugendliche freigegeben Turmstrafje 12 sa.VvJu. Kinder vor Gericht mit Hermann Spcelmanns Aiexanderstr. 39-40 (Paasage) Den ganzen Tag geöffnet, Stgs. ab 3 Uhr Harold halt Dich fest mit Harold Lloyd- Für Jugendliche feigegeben g W ästen Primus-Palast Potsdamer Str. 10 Ecke Margaretenstr. Wochentags 5.15, 7.15, 9.15 Uhr Sonntags 3.15, 5.15, 7.15. 9.15 Uhr Der Schrecken der GamUon mit Felix Breaaart [ugendliche haben Zutritt g Frt»«trlchataint M Franziskaner OeorgenstraSe(Ecke FriedrichstraBe) Kinder vor Gericht— Diane Jungen, Monde Mädchen, Kulturfilm-Woche VolhsbUhne Thntir in BQiovilatz. 8 Uhr Lumpazivagabundus Deotsmei THeater 8 Uhr Der Hauptmann von ROpenidi v. Carl Zuckmayer Rigie: Ihiu Bilpat Die Komödie Täglich S'A Uhr Dienst am Kunden «oi[ort Bon und Hai Uanun Regle: HansDeppc ffleiropoi-iheater Täglich 8/i Uhr Frauen haben das gern... Muslkal. Schwank roo Arnold Mnsik t. Walt. Kollo Sommcrpr. 0.50- 7.00 Rnrifirstendamm- Theater Bismarck 449 | 8'/« Uhr| Die schöne Helena rai licoaea Otlenhith Regt«: Max Relimardl miWÄm eiflm/png* K§stainfoTit Berlins» Reichshallen-Theater Anfang| S| Uhr Stettiner Sänger Zum SchiuB „Alles verrückt!" PLAZA Die große REVUE Da» Br Kaleidoskop Nur bis Nurplta 15. Juli! Berliner(JlkTliO N e M k 5 1 1■. 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Neehrleht, deß ich mit dem heutigen Tege die beetbekennte Inbtßhelle ZOO- QUELLE Joadiimsthaler Straße 1(am Bahnhof Zoo) von dem langjährigen Inhaber Herrn Edmund Herzberg über' nommen hübe, and bitte am geneigten Zusprach. Chsrlottenbnrg, I. Juli 1951 HEINRICH KNEBEL (früher Restaursnt Hiller) KINO-TAFEL Moabit Artushof Boi W. a. 6.30 Uhr Bühne S. ab 5 Uhr Perleberger Str. 29 Bühnen sehen 100 proz. Tonfilm:|W«Iaerparadies m Gr. Theimer, Jose Vbdorn— Ton- woche WVIt.Kinn w= 7 u. 9 u " cir-ivino sbd. u. s. 357.9, u ält-Moabit 99 100 proz. Tonfilm: Im Westen nichts Nene« Geschl.Vorstellungendes Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes Charlottenburg|) Kanf-Lichfspicle Kantstr. 54(an dcrWilmersdorfer Str.) W. 5, 7, 9 Uhr' Stg. ab 3 Uhr Ein Fritz-Lang-Tonfilm M wilmerselorf> Atrium Bcba-Palost Kaisorallee, Ecke Berliner StraSe Täglich 7, 9.15 Uhr, Stgs. 5. 7. 9,15 Uhr Vorverkauf 11—2 und ab 5 Uhr Sonntags 11—2 und ab 3 Uhr Die Million, Ren 6 Clair'i wundervolles Meisterwerk Tifania Sdiönebg. Hauptstraße 49 Tonwochenschoa ,M- Der große Fritz-Lang-Tonfilm Kroncn-Lichtspielc Rheinstr. 65 Wochentags 7, 9 uhr Sonntags 5, 7. 9 Uhr Tonoperette: Das Lied ist ans mit Liane Haid, Willy Forst— Grones T onhclprogramm Stogllti Tlfanla-Palast s�wo�ü: Steglitz, Schloßstr.S, Ecke Gutsmuthsstr Uraufführung. 100 proz. Tonfjlm Saltarello(Der Roman zweier Men sehen) mit Maria Solveg, Hans Adalbert, v. SthleHow, Eduard v. Winterstein Dazu das tönende Beiprogramm Zell Zühlünaorf-Mltt«> Wochentags 7, 9 Uhr Sonntags 5, 7, 9 Uhr Potsdamer Str. 50 Stg. 3 Uhr: Jugcndv. Ein Tango für dich mit Fee Malten, Willy Forst Tonbeiprogramm g Martendorf fc _I s Mariendorler Wochentq. �*** Lichtspiele ab 7 Uhr Chausseestr. 305 Jugendl haben Zutritt Tonfilm: Harold halt dich fest mit Harold Lloyd— Der Held der Prärie TlVOli Berliner Str. 97 Beg. 7, 9U. Stgs. 3 Uhr: Jug.-Vorst. 100 proz. Tonfilm: Seitensprünge mit Gerda Maurus, Oskar Sima— Der Kassenranb in der Adlermine mit Fred Gilmann W Neukölln j Mercedes- Palast Hermannstraße 212, Ecke Jägerstraße Vorverkauf ab 3 Uhr: Beg 7 u 9 Uhr So u. Stg 5. 7, 9 Uhr Heute und folgende Tage: Im Westen nichts Neues. Karten an Mitglieder und Angehörige des ADGB. und angeschlossene Verbände_ E Lichtspiele Südwest Blücherstr. 12 W.» o?. So. ab 5 Uhr 100 proz. Tonfilm; In Wien h«b' Ich einmal ein Mßdcl geliebt mit Grell Theimer— Die verschwundene Frau mit Mary Kid Beiprogramm Füm-Paitut Kammersäle Teltower Str. 1 W. 6.30, 9, Stg. ab 5 U 100 proz. Tonfilm; Der große deutsche Tonfilmerfolg: »M", Fritz-Lang-Film der Nero Primus-Palast Am Hermannplatz, Urbanstr. 72/76 Wo. 7. 9 U- Sbd. u. Stg. 5, 7. 9 U. Im Westen nichts Neues. Geschloss. Vorstellung, veranstaltet von der deutschen Friedensgesellschaft Karten für Mitglied, u. Angeh. Vorverkauf ab 3 Landsberger '41 Th. am Moritzplatz Bei?.; Wochtg. ab 6.30, 9. Stg. ab 4.30 U. Zwei Tonfilme: D-Zug 13 hat Verspätung mit Charl Snsa— D. Stumme von Porti ei mit Szöke Szakall Dj SOdostew Filmeck Skalitzer Straße, am Görlitzcr Bahnhof W. 7 u. 9 Uhr. Stgs. 5. 7. 9 Uhr Tonfilm: Voruntersuchung m. Basser' mann, Gust. Fröhlich— BQhnenschan Luisen-Theater Reichenberger Str. 34 Anf. W. ab ö'/a U. Stg. ab 5 U. lOOproz. Tonoperette: « Ihre Hohelk behehlt m Käthe v.Nagy Willy Fritsch— Matrosenstreiche Stella-Palast Köpenicker Straße 11—14 Wochtgs. 7 u.9 U., Sonntags 5, 7, 9 Uhr Im Westen nicht Neues Kartenverkauf ab z Uhr Nordosten Sternwarte— Treptow Sbd 8. Stg. 4, 6. 8 U In den Alpen. Ein Film von der gewaltigen Schönheit d, Hochgebirg c .Elysium Prenzlauer Allee 56 Wochent. ab 7. Sonnt, ab 5 Uhr; T on Wochenschau Im Westen nichts Neues. Karlen an Mitglieder und Angehörige des AUQB. und angeschlossene Vcroändc Flora~Lichtsp. Aiiee 40/' W. 7. 9 Stg. 5. 7, 9 U. Wegen groll. Erfolg verlängert: Tonfilm: Im Westen nichts Neues Sonnabend Extra- Vorstellung 5 Uhr Germania-Palast Frankfurter Allee 314 Wochentgs. 6�0 U, Sonntags ab 5 Uhr 100 proz. Torfilm: Kinder vor Gericht (Die Sache Aug Schulze) mit Herrn. Spcelmanns. Carlo Bartbeel Dazu das gnle Beiprogramm und die ansgezcichnele Bühuenschan Luna-Palast Äs'tlÄ Gr. Frankfurter Str. 121 Tonfilm: Harold halt dich fest mit Harold Lloyd Bühne: 10 Accordeon Hannonisl't vom Empiretheater London Schwarzer Adler Frankf. Allee 99 Woch. 5. 7. ca. 9, Stg. 3, 5, 7, 9 U Kriminaltonfilm: Das Geheimnis der roten Katxe m. Rosa Valetti« junkcr- mann�S. Arno—- Tonbcfprogramm V. T. Lichtspiele vÄ. Frankfurter Allee 48 W. 5, Stg. 3 Uhr Der große Tonfilm: Schatten der Unierwell mit Harry Fiel Beiprogramm Babylon, am Bülowpleiz Wochentags 6.30 Uhr Sonnabends u. Sonntags ab 5 Uhr 100 proz. Tonfilm: Arttsien mit Nancy Caroll, Hai Skelly Grobe Varteläschan (�'"�eu-Uehlunberg"fc Kosmos-Lichtspiele Lückstr. 70 Wochent. 7. 9 Uhr Sonntags 5, 7, 9 U. 100 proz Tonfilm: Liebe enf Beleb' m. Olga Tschechowa, loh. Ricmaun Tonbciprogramm PROGRAMM für die Zeit vom 3. bis 6. Juli Weinens aoT Schloßpark FOm. Bahne Berliner Allee 206— 210 6,30, 9 Uhr Im Weilen uichis Neues Vorverkauf täglich ab 3 Uhr (Geschlossene Vorstellung) c PrledrichsfeM« Kino Busch Alt-Friedrichsfelde 3 Woch. 6.15 u. 9 U Stg. 5. 7. 9 Uhr 100 proz. Tonfilm; Crock, aus dem Leben des bekannten Artisten ni Liane Haid Jugendliche haben Zutritt. ■ Nordan M Alhambra MQIIerstraße 136, Ecke Seestraße Wochent 5, 7, 9 U, Sonnt. 3, 5, 7. 9 U. Im Westen nichts Neues (Geschlossene Vorstellungen). Vorverkauf täglich. Pharus-Lichtspielc Müllerstr. 142\V.5t7.9U� Stg. 3.5,7, 9 U Tonlustspiel: Harold, halt dich test mit Harold Lloyd— Dos eiserne Netz mit Leon Chancy Jugend ichc haben Zutritt. fl Pankow'fc Palast-Theater Breite Straße 21 a W. 7 u. 9. Stg. 5. 7. U Westfron! I91B(Vier von d. Infanterie) mit Fritz Kampers, Gustav Die hl Tönendes Beiprogramm j Teaüi B Filmpalast Tegel Äf Stgs. 2 U. Jgd-Vorst. W. 6. Stg. 4>/« U Seitensprünge mit Gerda Maurus» Sima» Ad. Sandrock Das gute Beiprogramm € Hennigsctort Filmpalast Berliner Straße 59 Beg. W. 6. gM Stg. 4'., 6V», 8A« U. Stg. 2U. Jug.-Vorsl. Zwei Mentdten, nach dem Roman von Richard Voß mit Charlotte Juan, FtühUdi