Morgenausgabe Sonnabend ss«.«,..«####•««« SsrÄÄTuf«■■ M««�UW> M« Auswärts Pf. einschließlich 6OPf. Poftzeitun gs- und BtM j WM»Mx>> MW WM f/ HB 72 Ps.Pnstbeftellgebühren. Auslands» �BmS' ITJ�H H| DW f---// Dl- elnspolL Nonpnrelllezelle 80' Pß cbonnement 6,— M. pro Monat; fite WM��»>�W WW �P) // Reklamezeile 5,— RM.„Kleine Anzünder mit ermäßigtem Drucksachen» ePÖH WW � �W l zeigen" das fettgedruckte Wart 25 Ps. vorta S,— M. V-W» �W I. �W �W lzulässig zwei settgedruckte Wort«), jede, » M» W JOlLS ZMl MM W' weitere Wort 12 PI. Rabatt lt. Tai is. Der„Lormärts� erscheint wochen.äg» MI M M- M �M �«'�'.erl Watt w Ps. �r.7°?e? I.ch zweimal. Eamtags und Montaa« W�>('/~/ �WY Z' H 15 Buchstaben zählen für zwei Warle. einmal, die Abendausgabe sstr Berlin vrbeitsmartt Zeile«> Pf. Familien. und im Hnttdel mit dem Titel �Der anzeigen Zeile 40 Pf. Anzeigenannahme %ss)ässsxssss>«HCCTIIW?»»rr-yrr�r" Äentvalovgan der Sozialdemokratischen Kartei Deutschlands R e d a k ti o n u n d V e r l a g: Berlin SW 68. Lindenstr. 3»»H t< � Postschcckroiito:Bcrlin37SZe.—BcmNonlo:BankderArbelt. Mugkkorps und Spirlmannszug Treptow Sonnt««. ö. Juli. Uhr, Antreten in Bimheekicitmilq Lokql«yffhäuicr. Nieder'lchimpvcid«, zur gemcinsamen Uebmar mit der Luckentvalder Schalmmen- kapellc.— Ssriedrichshoin(Oetsperein): Sonnabcnb, 4. 5i)It, Volt-festaim«r: Sonnabend, via Müh'anttt'cn c Wanderfahrt bei Spfcflel, Ackcrstr. U tzeltgopiick, Arbeiker-Samariter-Bund e. V.. Kolonne Berlin. E-ichäit-sielie: R. 24. Er. Hamb»«««- St,. 20. Tel., v t R»,»«p SMS. Mont«a,«. In>>. Tompelhok: Lindisch, Marienbarf, Siinigstr. 44.— BohnÄors: Heimann, Ballersdorfer Str. 100.— Dienstag, 7. Juli. Wisnurcdorf: Sroiß, Holsteinisch« Str.«0.— Treptow- Graest. Eck« Wilden- driMtraÄe.— Sana«r»tag,«. Juli. Tiergarten: Walloiief, Lübecker Str. 3,— Wcdding: Dmr«. Schulstr. WS.— Charlottenburi,: Jugendheim Rostncnstr. 4,— Pankow: Jugendheim Kissingenstraße.— Freitag, 10. Juli. Stegliß: Rhode. Ltthterfrldc, ffoonstr. 39.- Lichrcnl-cra: Seipkt, Sronprinzsnstr, 47.—»»«tag, 13. Juli, lircn�berg: ilrepp. Am Urban 20.— Neukölln: Schreiter, Sirchhof- ftraße.— Söpenick: Hinze,«chönerlinber Str. 5.— Weißense«! Stiirle, ahar> lottenbnraer Str. 3.— Dienstag, 14. Znli. Mitte! Schule(bipsstraße.— Fried- richshaini Busch, Tilstter Str. 27.— Schdnebcrg: tSehrf«, Ehersstr.«ö.— Donnerstag, 15. Juli, Rmnickenborf: Maltee, Eichdornftr. St.— Dieustag, 21. Juli. Prenjlauer Berg: Schule Kastanienallee Sl-öZ. »eutralucrbaud der Arbeiisinvalidc» und«iiwen Deutschiand»,»au»roß. Berlin. iLeschästsstellc: Berlin W. 57, DiNoipstr. 49. Sonnabend, 4. Juli, im 7*�/9 Olm iTr,ohr»rfrfi.Tw»in 1*1_ Ort Siowinfiri/iuei rt<> Bllhnenschau und brnnoristifchen Vorführungen. Angehörig«, Freund, und Be- kannte sind herglich eingeladen.— Soautag, 5. Juli. Prenzlauer Berg II: Altersheim Danziger Str. t>2, 9 Uhr.— streuzherg l: Lpkal MArft scher H«s, Admiralstr. 18,>9 Uhr. Referent Souleiter Splleg« Voigt. Regnbliianische Redueroereiuigung. Montag, ZstZH Uhr, Partrag über aktuell« Problem-, käste willkommen. Anmeldung»um Besuch des Films»Im Westen nichts Neues" an diesem Abeird. Restaurant„Als er Abtonier", AnHall. strnße ll. «röeiter. Radi».«und Deutschlands, e. 8., Ortsgruppe«erlin. Laboratorium und Sozial- Radiohilfe- Reichenderzer Str. 30, Sos Z 5t. rechts. Sprech. stunden: Montana und Freitags ad 18 Uhr.— Ehorlollenburo: Lokal Lehenan». « önigome, 8. Frritag, 10. Juli fällt aus.— Friedrichsfeldci Lokal Tempel. tstubrunstr. 7, Plön tag, 6. Juli, 20 Uhr, Erp-rimentier. und Zragoadend. Leiwng:(Viieffp. Schuneret.-- Frirdrich-zhain: Lokal ZIertasta. Hohenlohe. straßc 3. Danneeslag, 9. Juli, 20 Uhr, Witgliedeenersatnmlung und Beschluß. sossung lider Umbau des stsgflverstijrkers, Tie Vorltthrung der Anlage nom 2. Juli konnte wegen technischer Schwierigkeiten nicht stntlsinden. Pesund- W>>�W>W»M>WWWWWW»>H»Str. R Freitag, 10. Juli, 20 Uhr, Praltischer Gruppenabend.— Prenzlauer B-rgj Lokal «lug, Dan»iger Str. 71. Dienstag, 7. Juli, fällt der Urloubsjeit wegen aus. Käste sind z« allen Beranstallungen der Kruppe» eingeladen, basesdst lind auch Probeexemplare der sozialistischen Zladiozeiffchrift„Arbeitersunl" sowie alle Auskünfte kostenlos zu baben. Rcichsbnnd der»riegsbeschädigten,«riegste lnehmcr und Ariegerhinter. bliedeueu, Bezirl Zentrum. Rlontag, 0. Juli, 30 Uhr, findet im Hackrkchen Heu, „Fcsksälc", Rchenthaler Str. 4»— 4l, die Mmiatoverfammlun» sruti, L>lder- portrag der Sansumgenofsewschaft. parieinachn'chten für Groß-Nerlin Ituleadungen für diele Rubrik find stet»«n da» Bezirkesetretarlai •* 1 1 i■»S*8, Llndenstrahr 8. Sfcnjjy 2. Hos, 2 Treppen rocht», zu richte» Beginn aller Veranstaltunse« 1 9% Uhr. sofern keine besondere Zeitangabe! Heute, Sglinabend. 4. Juli: ll. Srei«. Da» Sartc» für Arbeitersport und Körpeepsteg», Bezirk echiuederg. Friedeuau, oerauftaltct heute ein Sportfest um t8 Uhr auf de« Damiuieu». Spielpluß. Scheue derg, Prieftrrweg Ecke Sachs-udamm. Wir. bitten die »enosfiuuen und Kenoffen, üch recht rege daran»u beteiligen. 13. Rreis, Der Poruerkous der Eintrittikarten zur Aussühruna de» Film« „Im Westen nicht» Reue«- deginnt Helte,»»nuadend, ad 15 Uhe(g Uh«» an de, Kasse de» Tipali-Lichtsuiel« in Tempelhos. Ausgab--rfolgt nur an legitimierte Mitglieder de, ,m..Verwärt»- belanutgegebenen Organila- tieneu. Beginn der Vorstellung Dienstag, 7. In», 1« Uhr.— Am heutigen i-oimodcnd I reifen sich olle Genossinnen und Genossen ad 15 Uhr im Volle. WWWM!»-~ wird iind Fußball. park Moriendors beim Sportkartell. Es gespiell: Handball, Fauftball 8. Abt. ÄMg« Senassen: Fuhrt nach?«rm»i-H«lls-e. Treffen beroit, 5 Uhr Vechsthgs Mowstraße, 21.«dt. 10 Uhr Ätzung der Adteil ingsleitunq und Rcnisor«» bei Troll, Uirechter Str. 21. Morgen. Sonnlag, 5. Zu«; 7. Abt, Der Treffpunkt zur Motorbootfahrt ist nicht, wie angegeben, um 7Vi Uhr, fondern 8 ft, Uhr Uhr Fennbrück,.- Abfahrt pünktlich 9 Uhr. .....«.««»Oft.«VÄ«-«.-ä...--.'.-..-.z..i.vü... «i r.gs-; ArkeitcreBilpnngsschule.•• c.. Arbeitslrcis Abraham: Arbeits fahrt am Sonnabend'Con n hag, 4.A. Juli, Iuzcuhherderge Riibersöorf. Thema:„Besrelung des Marxismus". Treffpunft am Sonnabend mn 18 Uhr Bahnhof Warschauer Straße. Arbeiisgemeinschafl der kinderfrennde Groß-Verlin. Ärei» Reinickendorf: Eonnabend, ll. Juli, besucht di« Gruppe Wittenau den Aoo unentgeltlich. Fahrgeld uritdringcn. Vom 27. Juli bi, 3. August gehen wir gn den Uedersee. An beiden Veranstaltungen könne sich Folken oder Heller anderer Gruppen des Preises beteiligen. Eventuelle Meldungen f» s o r t an Martha Pannwitz, Mtwnau, Arn löiigcl 7. Urei»»enlilln! Zuug. und«»>« Fall«»: Heute Fahrt nach Stgngenhage». Treffen um 13 Uhr Bahnhos Hermannstraße. Unkosten 1 M. Nachzügler um 1« Uhr, Adteiluug»l«lterl Die Anmeldungen zum Zeltlager müssen erlidigt»erden, : die Berichlsbpgcn für das II. Quartal ab, Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Verlio ckülseuduugeu sti' dies, Rudel» NM au da» Zogen d'ekretarlm ZZMli» SN«, 4i»deullraSe, Vorsttzeirdenkonseren, Montag, 6. Juli, IVA Uhr, im Preußischen Landtag, Prinz.Aldrecht.Sttaße(F»jlttonsfa«[ der SPD,), yhue Ausweis und Mii. «Uedsbnch kein Zutritt. gebt� heule. Sonnabend, Treffpunkte zur Fahrt nach Pekershagen zum Zugeudlag. Werbebozirl Mit«: 18 Uhr und 20 Uhr Echlestscher Bahnhof, Eingang Brcs. lauer Straße. � Berbcbezirk Ost««: lös.) Uhr und 19lch Uhr Schirfischer Bah». Hof, Frucht. Ecke Madaistraßc. Wcrhehezirk vberspre«! Autotraueportfahrt 18 Uhr Treptow, Gdpetzstr. 90: 18l,tz Uhr Bhf- Bauneschulenwcq: 19 Uhr- Vhf, Schöneweide.— Fahnen und Wimpel nicht vergessen. Die Burschen müssen Becher und Decken mitbringen. * Neukölln IV, 8k. F.: Fahrt nach Rüdersdorf, 20 Uhr Bhß Neukölln. IM— Neulöllu■...... lilln VU. l___________.._..■______.......... Fahrt. l&A Üh« Bhf. Horckftraße.— Hallesche, To»: Fahrt. W>/, Uhr Pols. dainc» Ringbahnhof. We»b»d«iirl Zt»»sa»teni Betoiligung0. Platz: p, 18, 17; 10. Ferne, liefen: Piildred(i\ Dmt Tonperle. Braut. Boro Budur, Rinlw langch i, Kavalkade, Fngwelde. öiich» T»na. Preist d»» Firunewald. 1. T.rleie sHahnet): j, Irilftarb; 3. Eilfperk. jofo; 34; 10. Platz: 14, Ist. 14: 10, Ferner siefen; j'ipiust(4.) Niederländer Briamoz. fft.rm/ibrf jänbrr, Priamoz, Lstcrmädel. Paulstb»««, Ja,dr,»n,u. 1. Feinx lstuis-rown 8. Lt. Qjtorg; 3. Bai- barfi. Tote: 50; jo, Pl-Ztzi jst, jo, zo: 10, Ferner liiffn; Elvira(4.), amtmakt«, Leonatu#(oef.j, Hpchwsld lqef), Modklunz(austgebr.). Vsssy, Rtstlmsdürg. Große, PPVoagstpr�st. 1. Surda lDolff): 8. M-d-nna VKrtw; 3. Fleiß. Toto: 80: 10. Pla?: 15 14, 11; 10. Ferner liefen: Buldrand (4.), Tprnahp, Felffn(angeh.). Kili. Wetterschelde-Fagdrcnncn. 1. Lohland sh. Hvltcy): 2. Rotbuche: 3.?lrb«r. Toto: 21: 10. Platz: 13, 14: 10. Ferner liefen: Ainara(4,), Adser van Bahren, Preis von Moorlake. 1. Gassenjunge sPrinten): 2. Morgenwind: 3. Grenzmark. Toto: 190: 10. Platz: 44, 23. 18: 10, Ferner liefen: Tundtttlum«(4), Irrwisch. Spinell», gelek Lpti«. Jschlar, Lsiris, Jsala, Tlr 302• 48. Iahrgang 2. Beilage des Vorwärts Gonnabend- 4 Juli 1931 Kontinentales Kunstseidenkartell. Konkurrenz in Oeuischland beseiiigi.— Welikartell für Kupferseide. Schneller als man erwarten durfte, haben die Verhandlungen über ein Kunstfeidentartell zum Abschluß geführt. Die w i ch t i g st e n Produzenten Deutschlands, Hollands, Italiens und der Schweiz haben für den deutschen Markt auf zehn Jahre ein Syndikat, die Kunstseideverkaufsbüro- G.-m.-b.-H.- Berlin, gegründet. An diesem Syndikat sind die Produzenten von Viscose-Kunstseide mit festen Quoten beteiligt, die sich nach dem Anteil ihres Absatzes auf dem deutschen Markt im letzten Jahre richten. Ziffernmäßig sind die Quoten nicht bekannt: das Syndikat nimmt seine Tätigkeit am 1. August auf. Dieses Syndikat wird etwa 90 Proz. des deutschen Verbrauchs an Viscose-Kunstseide beherrschen. Nicht bei- getreten sind die Produzenten Frankreichs, Belgiens und Englands, die an der Kunstseideeinfuhr zu 2S Proz. beteiligt sind: es werden aber mit ihnen schon Verhandlungen über einen späteren Beitritt geführt. Das Syndikat regelt lediglich den Verkauf von Kunstseide an die Verbraucher, auf die Produktion wird direkt kein Ein- fluß genommen. Die Produzenten versprechen sich davon die Aus- ichaltung„ruinöser" Preiskämpfe und die Beseitigung von Ver- lusten. Mit anderen Worten: die deutschen Verbraucher werden in Zukunft mit erheblich steigenden Kun st seidepreisen zu rechnen haben. Dadurch wird die bestehende Uebersetzung der Anlagen, die in den letzten Jahren zu so sensationellen Preisstürzen und Verlusten geführt hatte, nicht beseitigt. Im letzten Geschäftsbericht der Ver- einigten Glanz st ofswerke war ausdrücklich festgestellt worden, daß der Verbrauch vorläufig noch lange nicht an die Pro- duktionsfähigkeit der bestehenden Anlagen heranreicht. Wieder einmal versuchen die Unternehmer, die K a p i t a l k o st e n für übersetzte, d. h. für teilweise überflüssige Anlagen durch über- höhte Preise von den Verbrauchern hereinzuholen. Da die getroffene Vereinbarung nur für den deutschen Markt gilt, wird der Konkurrenzkampf auf den ausländischen Märkten in verschärftem Maße fortgesetzt werden. Die Gefahr ist sehr groß, daß dann eine Erscheinung wie in der Eisenwirtschaft austritt, näm- lich, daß der Ko n k u r r e n z k a m p f auf den ausländischen Märkten mit den Uebergewinnen am deutschen Markte finanziert wird. Die deutschen Verbraucher würden also zu den vielen Kartellasten(Eisen, Zucker, Zement) sich noch eine„Kunst- s e i d e» st e u e r" durch die Unternehmer gefallen lassen müssen. Nachzutragen wäre noch, daß vor kurzem die italienische Industrie für den italienischen Markt ein Syndikat gegründet hat, das nicht allein den Verkauf, sondern direkt die Produk- tion durch Festsetzung von Produktionsquoten regelt. Die Wirkung' des Viscose-Syndikats bleibt also auf den beut- s ch e n Markt beschränkt: das gleichzeitig gegründete Syndikat für Kupferkunstseide, die Kunstseide-Verkaufsbllro- G-m.-b.-H., aber kann man als W e l t k a r t e l l bezeichnen. Dieses Kartell wurde abgeschlossen von den Firmen I. P. Bemberg, A.-G., JG. Farben-Industrie und F. R. Küttner, A.-G., in Pirna. Da die I. P. Bemberg A.-G. durch ihre Lizenzverträge mit den ausländischen Produzenten aus die AuslandsproduNion an Kupfer- seide einen maßgebenden Einfluß ausübt, wirkt sich die Abmachung über dieses Syndikat automatisch für den Weltmarkt aus. Die Erfolge der Geschäftspolitik dieser neuen Kartellgründungen wird man abzuwarten haben. Noch stehen bedeutende Produzenten abseits, die sehr wohl durch verstärkte Einfuhr nach Deutsch- land die Absichten des Viscofe-Kartells wirksam durchkreuzen könnten. Und wenn es gelänge, die Preise in ausschlaggebender Weise in die Höhe zu treiben, so würde die Einschränkung des Verbrauchs an Kunstseide, die Abwanderung zu anderen Rohstoffen(Baumwolle, Seide) die Folge sein. Das Aus- einanderklaffen von Produktion und Verbrauch würde sich noch ver- schärfen, die neu eintretende Krise würde zur Auflösung des Kartells führen. Die deutsche Verbraucherschaft und die Reichsbehörden werden die Maßnahmen der Unternehmer zu verfolgen haben. Konzentraiion für Elektrolokomotiven. Siemens und AEG. verstärken ihre Vormachtstellung. Bor wenigen Tagen erst konnten wir berichten, daß die Elektro- großkonzerne Siemens und AEG- sich das dritte bedeutende Elektrounternehmen Berlins, die Bergmonnwerke, tatsächlich angegliedert haben. Jetzt haben die beiden Unternehmen ihr« Vor- Machtstellung in der Berliner Metall- und Elektrowirtschaft durch den Ankauf der Masfai-Schwartzkopff-Werk« G. m.b. H. weiter verstärkt. Das Kapital der Maffai-Schwartzkopff-Werke in Höhe von 3,2 Millionen Mark befand sich bisher zur Hälft« im Besitz der Berliner Maschinenbau A.-G. vormals L. Schwartzkopff. zur Hälfte im Besitz der Maffaischen Erbengemeinschaft in München. Die Hauptproduktion dieses Unternehmens in Wildau liegt auf dem Gebiet des Baues von elektrischen Lokomotiven. Zweifellos ist die Elektrifizierung der Eisenbahnen, also auch der Bau von elektrischen Lokomotiven, eine Angelegenheit, die in den kommenden Iahren stark gefördert wird, also ein großes Geschäft zu werden verspricht. Es scheint so, als ob die beiden Großkonzerne, AEG. und Siemens, sich dieses Geschäft zu hun- dert Prozent reservieren möchten. Höhere Mai-Einnahme der Reichsbahn. Der Güterverkehr der Reichsbahn war im Mai um 1 ,5 Proz. besser als im April. Im Personenverkehr stiegen die geleisteten Zugkilometer von Sl,l2 auf 54,28 Millionen. Gegenüber dem Mai des Vorjahres bleibt der Abstand natürlich noch sehr groß. Im Personenverkehr war es besonders die beginnende Reisezett und der Pfingstbetrieb. der die Einnahmen erhöhte. Di« Betriebseinnahmen stiegen gegen April von 326,4 auf 343,1 Mill. wobei im Personen- und Gepäckverkehr eine Erhöhung von 98,9 auf 115,3 Mill. Mark festzustellen ist. Die G« s a m t a u s- gaben betrugen 344,6 Milt. Mark: sie wurden durch die Einnahmen fast voll gedeckt. Auch die Einnahmen waren natürlich schlechter als im Mai vorigen Jahres. Die Gesamteinnahmeausfälle von Januar bis Ende Mai 1931 betragen gegenüber der gleichen Zeit des Vorjahres 274 Mill. Mark. Im Mai wurden 632 410 Personen beschäftigt gegen 631 320 im April. Rentables Glühlampengeschäfi. Die Glühlampenindustrie von der Konjunktur ziemlich unabhängig. Dos drtttg r ößt« Mitglied des Internationalen Glüh- lampen-Kartslls, die Dereinigte Glühlampen- und Elek- trizitäts AG., Budapest an der die amerikanische General Electric Company ebenso maßgebend beteiligt ist wie in Deutschland an der Osram und in Frankreich an der Conipagnie des Lampes—, hat im Jahre 1930 einen Reingewinn von 3,99 Millionen Pengö erzielt(1 Pengö— 73 Pf.) gegenüber 3,89 Millionen im Jahre 1929. Infolgedessen bleibt auch die 16prozentige Dividende aus- rechterhalten. Soweit reine Glühlampenunternehmen für das Jahr 1930 ihre Bilanzen veröffentlicht hoben, ist das Geschäft überall ganz außer- ordentlich g ü n st i g gewesen, ein Zeichen davon, daß der Absatz von Glühlampen von der Konjunttür kaum beeinflußt wird: denn in Krisenzeiten müssen genau wie sonst durchgebrannte Lampen durch neri« ersetzt werden, und die bei den Kartellmitgliedern vertrag- lich begrenzte Lebensdauer der Lampen sorgt dafür, daß sich der Markt nicht erschöpft. Für die Berengung der Beziehungen der Glühlampengesell- schaften untereinander ist es bezeichnend, daß Jacob Gold- schmidt von der Daornstädter» und Rattonalbank, der bekanntlich auch im Derwaltungsrat der Osram sitzt und dort gleichzeitig die Interessen der amerikanischen General Electric Co. wahrzunehmen hat, jetzt auch in den Berwaltungsrat der Budapest er Glüh- lompen-Gsfellschaft gewählt worden ist. Akiienrückkaus bei Rütgers. Ermächtigung für Ankauf von 7 Millionen erteilt. Auf der Generalversammlung der Rütgers-Werte A.-G. wurde mitgeteill, daß der Umsatz in den ersten fünf Monaten des Jahres 1931 mengenmäßig um 16,5 Proz., wertmäßig um 2 7,5 Proz. gegenüber der gleichen Zeit des Vorjahres zurück- geblieben sei. Bei einzelnen Produkten sei eine Besserung ein- getreten, aber alle mit dem Baumarkt zusammenhängenden Ge- schästszweige lägen danieder. Zu den Klagen über den schlechten Teerabsatz führt« ein Debotteredner aus, daß die großen Unternehmen und die Syndikate selbst an dem schlechten Absatz die Hauptschuld trügen. In der Zeit nach dem englischen Bergarbeiterstreik 1926 habe man nämlich die zeitwellig auftretende Knappheit an Teer dazu benutzt, die Preise in unverantwortlicher Weise in die Höhe zu treiben. Dadurch habe man die Abnehmer(vor allem Straßenbauverwaltung) zum Bezüge von Bitumen gezwungen. Dei Verwaltung mußte zu- geben, daß die Teerpreise zeitweilig„überspannt" waren. Allerdings sollen die Hauptsünden von den Außenseitern des Kartells begangen sein. Auch dieser Fall ist ein Beispiel dafür, daß sich die Kartelle niemals die Gelegenheit zu Preistreibereien entgehen lassen!* Die Verwaltung gab weiter bekannt, daß sie ihre Beteili- gung an der Deutschen Petroleum A.-G.(13 Millionen Mark Aktten) an die Deutsche Erdöl A.-G. verkauft habe, wodurch ein ansehnlicher Buchgewinn entstanden sei. Man erfuhr auch. daß bisher von einer Tochtergesellschaft der Rütgers-Werte 4,75 Mil- lionen Mark Rütgers-Aktien zu einem Durchschnittskurse von 43 Proz. angekauft seien. Die Generalversammlung ermächtigte die Verwaltung, weitere sieben Millionen Rütgers-Werke-Aktien (bei einem Kapital von 74 Mill. Mark) zu einem Kurse, der nicht höher als 50 Proz. liegen darf, anzukaufen Man hofft, dadurch leicht eine Kapitalherabsetzung durchführen zu können: die ent- stehenden Buchgewinne werden zu Abschreibungen verwandt und damit die G e w i n n a u s s i ch t e n für das restliche Kapital oerstärkt. Segen bei Silverberg. Ob Konjunktur oder Krife— Rheinische Braunkohlen A.G. bleibt eine Goldgrube. Die von Dr. Paul Silverberg beherrschte und geführte Rheinische A.- G. für Braunkohlenbergbau und Brikettfabrikation in Köln, die bei ihrem im ver- gangenen Jahr um 14 auf 81 Millionen erhöhten Aktienkapitals 22 Millionen offene Reserven hat und darüber hinaus voller stiller Reserven steckt, bleibt auch für das Jahr 1930/31 bei ihrer traditionell gewordenen Dividende von 10 Proz. Das ist möglich, obwohl der Brikettabsatz nach dem Geschäftsbericht um 13,2 Proz. zurückgegangen ist, obwohl an 41 Kalenderarbeitstagen gefeiert wurde und obwohl auch in der Stromerzeugung, die sehr nichtig für den Konzern ist, ein Rückgang um 3,4 Proz. eintrat. Auch die gegen Schluß des Vorjahres herabgesetzten Brikettver- kaufspreise konnten an dem günstigen Geschäftsergebnis nichts ändern. Dabei wurden die Anlagen wieder, ohne neues Kapital in Anspruch zu nehmen— also über Betrieb—, weiter ausgebaut. Die Gesamteinnahmen sind gegenüber dem Vorjahr nur von 29,43 auf 27,33 Millionen gesunken. Der Rückgang beim Betriebsüberfchuß von 28,26 auf 23,98 Millionen wurde durch den erzielten Zinsüberschuh, der von 0,72 auf 2,67 Millionen stieg, zum Teil ausgeglichen. Auf der Ausgabenseite gingen die Steuern von 7,53 aus 5,56 Millionen zurück. Obwohl die Abschreibungen noch von 7,02 aus 7,12 Millionen erhöht wurden, ergibt sich im Endeffekt doch nur ein kleiner Rückgang des Rein- gewinns, nämlich von 9,69 aus 9,44 Millionen Mark. Dabei wurden die an sich sehr geringen lausenden Schulden noch weiter von 5,31 auf 3,68 Millionen abgezahlt. Offene B a n k g u t- haben und sonsttge Forderungen blieben enorm hoch. Bank- guthaben allein betragen 25,85 Millionen Mark(fast ein Drittel des Aktienkapitals), die gesamten Betriebsaußenstände betragen 27,9 gegen 30,2 Millionen im Vorjahr. Trotz Krise ist den Aktionären nichts abgezogen worden, die Belegschaft hat dafür an 41 Tagen seiern müssen. Die Aufsichtsrats Mitglieder können es sich auch wieder gut gehen lassen. Auf jedes der 26 Mitglieder kommen 16 000 Mark. Kleinigkeit, wir wiederholen es in Buchstaben: Sechzehntausend Mark. Daß das eine gottgewollte Einnahme ist, für die man nichts oder wenig tut, versteht sich für Kapitalisten ja von selbst,— auch wenn Notoerordnungen wie die letzte erlassen werden müssen. Die Kredite der privaten Wirtschast. Das Institut für Konjunkturforschung veröffent- licht im neuesten Wochenbericht Zahlen über die Kreditnahme der Privatwirtschaft, die die Konjunkturverschlechterung treffend kennzeichnen. In dem Jahr« vom 1. April 1928 bis zum 31. März 1929 wurden 7,67 Milliarden Mark Kredite neu aufgenom- men: im Jahre 1929/30 waren es 4,68 Miliarden Mark, ober im Jahre 1930/31 nur 2,60 Milliarden Mark. Bezeich- nend ist, daß die Aufnahme langfristiger Kredite im letzten Jahre etwa 3,5 Milliarden Mark erreichte, während die kurzfristige Verschuldung sich%tn 0,9 Milliarden Mark verminderte. Dieser U m s ch u l d u n g s p r o z e ß ist«in in der Depression üblicher Vor- gang, der inzwischen allerdings durch die Verschärfung an den> Kreditmärkten gehemmt wurde. Devisenverluste dauern noch fort. Auch gestern hat die Reichsbant aus eigenen Beständen die vor- handene Nachfrage nach Devisen noch ausgleichen müssen. Der Aus- gleichsbedarf war sogar höher als in den letzten Tagen. Man spricht von rund 50 Mill. Mark. Am Donnerstag waren es 30, am Mittwoch 35 Mill. In Bankkreisen erwartet man, daß der lOO-Millionen- Dollarkredit, der am 16. Juli fällig ist, verlängert wird. Man spricht sogar von einem neuen Kredit der ausländischen Notenbanken. Die Reichsbant bemüht sich, die hohe Inanspruchnahme zum Iuni-Ende wieder abzubauen. Die Restriktionen werden scheinbar in etwas verschärfter Form, wenn auch weiterhin individuell, fortgesetzt. Steigende üonkurszissern. Die Zahl der neu eröffneten Konkurse hat sich von 956 am Monat Mai auf 1034 im Juni er- höht. Die Zahl der eröffneten Vergleichsverfahren ist etwas zurück- gegangen, von 655 auf 647. Zu beachten ist, daß in den Konkurs- ziffsrn die Zahl der Fäll«, in denen die Anträge auf Konkurs- eröffnung abgelehnt wurden, nicht enthalten find. Hauszlnssteuerbeihilfen beim Umbau von Großwohnungen. Die beteiligten preußischen Minister haben den Beschluß gesaßt, daß dei der Teilung von G r o ß w o h n u n g e n, sosern die Schaf- fung von zwei oder mehreren kleinen Wohnungen vorgesehen ist. jetzt auch die der H a u s z i n s st e u e r entstammenden öffentlichen Wohnbaumittel zur Gewährung von Beihilfen in Anspruch ge- nommen werden dürfen. Die Höhe der Beihilfe, die als verlorener Zuschuß anzusehen ist, soll 50 Proz. der r e i n e n U m b a u k o st e n nicht übersteigen, in keinem Falle über 1200 Mark bei Teilung in zwei und über 1800 Mark bei Tellung in drei kleine Wohnungen hinausgehen. vereinigte Elektrizitätswerke Westfalen ohne Dividende. Der Aufsichtsrot der Vereinigten Elektrizitätswerke Westfalen, die bekanntlich unter privatkapitalistische Kontrolle gekommen sind, will für 1930 keine Dividende oerteilen(im Vorfahr 8 Proz.). Der Ueberschuß beträgt 10,8 Millionen Mark. Die Abschreibungen werden aber gegen das Vorjahr von 7,5 auf 10,41 Millionen Mark erhöht, der Reingewinn von 0,4 Millionen wird vorgetragen, so daß für ein« Dividende nichts übrig bleibt. Im ersten Halbjahr 1931 ist der S t r o m a b s a tz gegenüber der gleichen Zeit des Vorjahres um 8 Proz. niedriger gewesen. Sparkasseneinlagen Ende Mai. Die Einlagen bei den d e u t- scheu Sparkassen bcliefen sich Ende Mai auf 11,22 Mil-. liarden Mark gegen 11,17 Milliarden Mark Ende April. Die Zu- nähme im Mai gegenüber dem Vormonat machte also nur 59,7 Millionen aus gegenüber einer Zunahme von 121,7 Millionen im April. VJZZ 2i Q5 0( SehordenangesteMe und Notverordnung. Merkwürdige Gleichstellung der Angestellten mit den Beamten. Der Z d A. schreibt uns: Bei den Behörden gibt es neben den Beamten eine große Zahl von Angestellten, die rechtlich den Angestellten in der Privatwirtschaft gleichstehen, die die gesetzlichen Pflichtbeiträge zur Angestellten-, Kranken- und Arbeitslosenoerstche- rung bezahlen und keinen Anspruch auf Dauerbeschäf- t i g u n g oder Unkündbarkeit und Pensionsberechtigung haben, wie das bei den Beamten der Fall ist. Trotz dieser wesentlichen Unterschiede hat die Reichsregierung auch bei der jetzigen Rot- Verordnung die Vehördcnangeslelllen wieder wie die Beamten behandelt. d. h. daß ihre Bezüge in gleichem Umfange(4 bzw. S bis 7 oder 8 Proz.) gekürzt werden und sie auch beim Kinderzuschlag für das erste Kind 10 M. monatlich einbüßen sollen. Für die Angestellten der Länder und Gemeinden soll außer- dem spätestens zum 1. Oktober d. I. eine Herabminderung ihrer Bezüge auf die Höhe des Einkommens der„ent- sprechenden� Angestellten der R e i ch s v e r w a l t u n g eintreten- Das bedeutet also eine noch weitergehende Gehaltskürzung, bei der die Sonderverhältnisse und örtlichen Eigenarten des Beschäftigungs- Verhältnisses der betreffenden Staats- oder Kommunalangestellten außer acht bleiben. Man inuß schon sagen: Die Reichsregierung versteht es vorzüglich, die Vehördenangestellten den Beamten gleichzustellen..., wenn« s sich um Nachteile handelt, sonst will man von dieser Gleichstellung nichts wissen! Unerhört sind auch die ein- seitigen Eingriffe in das kollektive Arbeits- recht der Angestellten in der öffenllichen Verwaltung, zu denen sich die Reichsregierung in den Ktj 5, 6, 7 und 8 des Aweiten Teils Kapitel l sowie im Dritten Teil Kapitel II(Arbeitszeit) Artikel I Abs. 4 aus eigener Machtvollkommenheit selbst„ermächtigt" hat. Sie hat sich dadurch das Recht gesichert, gellende Tarifbestimmuogen über Gehälter und Löhne und über die vereinbarte Arbeitszeit nicht nur weitest gehend zu beeinflussen, sondern völlig außer Srasl Zu sehen. Sie kann die Arbeitszeit auch der Angestellten in den öffentlichen Verwaltungen bis auf 40 Stunden wöchent- lich herabsetzen und die Einwirkung der Arbeitszeitverkürzung auf die Bestimmungen über Arbeitszeit und Arbeitslohn in Tarifverträgen regeln." Für die Bersorgungobezüge der renlenberechkiglen Kriegsbeschädigten leistet sich die Notoerordnung noch etwas Besonderes: Es wird be- stimmt, daß§ 62 des Reichsoersorgungsgesetzes vom 12. Mai 1920 dahin geändert wird, daß, wenn der Versorgungsberechtigte neben den Versorgungsgebührnissen ein Einkommen aus öffent- lichen Mitteln hat, die Versorgungsgebührnisse in Höhe der Hälfte des Betrages ruhen, und wenn dieses Einkommen aus öffentlichen Mitteln 210 M. monatlich ü b e r st e i g t, zu kürzen sind. Di« Notverordnung geht aber auch sonst über Rechte der Arbeitnehmer in der öffentlichen Verwaltung und der Selbswerwal- tungskörperschaften hinweg. Welche Möglichkeiten für weitere Schikanen, g» h a l t l i ch« Zurücksetzungen oder gar Massen- entlassungen der Arbeitnehmer bei Gemeinden und Gemeinde- verbänden bietet z. B. auch der s 2 im vierten Teil Kapitel 1 der Notverordnung, wo den städtischen und ländlichen Bezirkssürsorge- oerbänden in Verbindung mit den Wohlfahrtslasten der Gemeinden und Gemeindeverbände unter Ziffer Sb vorgeschrieben wird, daß die Ausgabewirtschaft, insbesondere der Personalauf- wand, den Grundsätzen der Sparsamkeit und der Wirtschaftlichkeit entsprechen, Zahl und Einstufungen der Beamten, A n g e st e l l- ten und Arbeiter in angemessenem Verhältnis zu dem tatsächlichen Bedarf stehen müssen und die B e z ü g e der Beamten, A n g e- stellten und Arbeiter nicht günstiger sein dürfen, als die Ge- hälter der„gleich zu bewertenden" Beamten, Angestellten und Ar- beiter des Re i ch s. Unfolgsame Gemeinden bekommen sonst näm- lich überhaupt nichts aus den Zuwendungen des Reichs zur Er- leichterung ihrer Wohlfahrtslastenl Dieses Ausnahmerechl der Behördenangestelllen bedeutet eine Strafe dafür, daß der Arbeitgeber dieser Bc- rufsgruppe eine Behörde ist. Gewiß, andere Berufsgruppen werden durch die Notverordnung auch erheblich belastet! Für die unteren Beamten ist die neue Gehaltskürzung eine wesentliche Ein- schränkung ihrer Lebenshaltung. Die K r i s e n l o h n st e u e r be- lastet die lohn steuerpflichtigen Arbeitnehmer in der Privat- Wirtschaft mit ihren verhältnismäßig geringen Bezügen schwer, so daß auch in diesen Kreisen die eingetretene Unzufriedenheit, das Gefühl der Zurücksetzung und ungerechten BehaiMung durchaus ihre GruiMage haben. Weit über das Maß dieser allgemeinen Belastungen hinaus ist aber der Behördenangestellle neuer Schädigung ausgesehk. Wer die Not in den Familien der Angestellten in der öffentlichen Verwaltung kennt, wer gesehen hat, daß von den Bezügen der all- gemein üblichen Vergütungsgruppen lll und IV(bei V kann man schon fast von Sonderfällen sprechen) mit einer Durchschnitts- höhe von kaum 150 bis 200 M. monatlich mehrköpfige Familien sich erhalten müssen, der muß der Auffassung sein, daß schon durch die Notverordnung vom 1. Dezember 1930 das Maß des Erkrägstchen nicht nur erreicht, sondern längst überschritten war. Die neue Notoerordnung hat bei den Vehördenangestellten und ihren Familien Verzweiflung ausgelöst. Sie kann und darf mit ihren rücksichtslosen Bestimmungen für die Vehördenangestellten unter keinen Umständen bestehen bleiben! Die Aussprache der Angestelltengewerkschaften mit dem Reichs- finanzminister Dr. D i e t r i ch am 9. Juni 1931, in der der Ver- treter des Zentralverbandes der Angestellten die Rechtslage und die tatsächlichen Verhältnisse geschlldert hat, muß ihre Auswirkung zeigen! Unser« Forderungen sirtd gerecht und begründet. Sie dürfen nicht unerfüllt bleiben! llnfallgesahren im deutschen Bergbau. Eine notwendige Mchtigstellung. Vom Verband der Bergbauindustriearbester Deutschlands wird uns geschrieben: Nach einer Mitteilung der„Deutschen Bergwerks- Zeitung" vom 2. Juli dieses Jahres hielt der neue Rektor der Technischen Hochschule Berlin, Bergrat Prof. Dr. Tübben, bei der Uebernahme des Amtes eine Rede über„Bedeutung und Probleme der Unfallverhütung und des Rettungswesens im Berg- bau". Nach der„Deutschen Bergwerks-Aeitung" wies Prof. Tübben auf die Ausstellung„Grubensicherheit" in Köln hin und sagte: „Viele Besucher(der Ausstellung.— D. Verf.) werden bei dieser Gelegenheit vielleicht zum ersten Male darüber belehrt, daß nicht der Bergbau an entschädigungspflichtigen und tödlichen Un- fällen die verhältnismäßig größte Zahl zu verzeichnen Hot, sondern vielmehr die Dinnenschisfahrts- und Fuhrwerksberufsgenossenschaft." Diese Auslassung des neue» Rektors der Technischen Hochschule in Berlin stimmt mit der Wirklichkeit nicht über ein. Der Nachweis für diese Behauptung ist nicht vorhanden und wird auch auf der Ausstellung nicht gezeigt. Der Verband der Bergbauindustrie- arbester Deutschlands hat allein eine Gegenüberstellung ausgestellt, die aber den Verhältnissen entsprechend das Gegenteil beweist. Danach passierten Verunglück ungen aus 1000 Bc- s ch ä f t i g t e(Versichertc): BergSdu Fuhrwcrlsgerube Binnenschiffahrt Angemeldete.... 190.15 138,51 84,71 Entschädigungspslichtige 14,74 10,11 9,02 Tödliche...... 1,92 1,25 1,95 So ist die Wirklichkeit. Das Vertrauen zur Wissenschaft wird nicht gestärkt, wenn der Leiter einer unserer höchsten Lehranstalten von einer Arbeiterorganisation korrigiert werden muß. Der Zechenoerband in Essen bezweifelte bisher immer die Zuverlässigkeit der Zahlen über angemeldete Unfälle. Auffälliger- weis« bringt er zu der Aufstellung eine Gegenüberstellung, die nur die angemeldeten Unfälle enthält, und zwar eben- falls für den Zestlauf der von uns benutzten Jahr«. Das geschieht sicherlich wegen Mangel anderer für den Zechenverband günstig erscheinender Statistiken. Um die Gefährlichkeit des Bergbaues gegenüber anderen Bc- rufen zu zeigen, setzte der Zechenverband die Tausendniannzisfer der angemeldeten Unfälle im Jahre 1925 gleich 100, um dann die Steigerung der nachfolgenden Jahre bis zu 1929 zu zeigen. Daraus hat man denn eine größere Steigerung bei anderen Berufen er- rechnet. Unser Verband wird diese Ausstellung nachprüfen, weil si« sehr zweifelhaft erscheint. Auch ist dieses eine bedenkliche Manipulation, ebenso wie es verkehrt ist, die Unfälle mst der Förderung zu vergleichen. Infolge der Mechanisierung ist heute zwischen der Fördermenge und der Belegschaft gegenüber den früheren Jahrzehnten ein' großer Unterschied �sttstandbn. Arbeitsbeschaffung der Reichsbahn. Es sollen 50000 Mann beschäftigt werden. Die Arbestsbeschaffung der Reichsbahn, durch die 50 000 Mann für fünf Monate Verdienst erhallen sollen, wird am kommenden Montag in Angriff genommen. Die Arbeitskräste können nicht, wie in der Presse angedeutet wurde, nur aus der Krisenfür- sorge entnommen werden: denn bei der Vermittlung ist nach den gesetzlichen Bestimmungen in erster Linie auf die Eignung der Arbeitskraft, dann vor ollem auf die Dauer der Arbeitslosigkeit und auf die besondere» Familienoer- h ä l t n i s s e Rücksicht zu nehmen. Eine bestimmte Unterstützungs- gruppe kann also unmöglich bevorzugt werden. Merkwürdig berührt, daß die Reichsbahnhauptverwaltung nur 60 Proz. der Arbeitsbeschaffung in eigener Regie durchführen und 40 Proz. durck, Privatunternehmer fertigstellen lassen will. Das bedeutet praktisch keine Förderung der Arbeitsbeschaffung: denn der Privatunternehmer stellt weniger Leute ein, weil er mehr Profit herausschlagen will. Warum überträgt die Reichsbahn einen so großen Teil ihrer Arbeiten dem Prioatunternehmertum? Die Tiefbau unter- nehmer haben vor längerer Zell in einer an den Reichstag ge- richteten Denkschrift sich beschwert, sie bekämen nicht genügend Arbeiten von der Reichsbahn übertragen. Schuld daran sei der marxistische Einheitsverband der Eisenbahner. Die Hauptverwaltung hat Angst bekommen. Oder sind etwa ihre eigenen Bausachverständigen weniger geschickt als die Privatunternehmer? Vom lehien �.Massenstreik". Bei der E. Lorenz A.G., Tempelhof. Schon bei der Vorarbeit zu der großen Aktton, die in der gemeinsamen Betriebsverfaininlung vom 24. Juni im Birkenwäldchen von den Reichsgewsrbeordnungsleuten geplant war, klappte es nicht so wie der Betriebsratsvorsitzende Brugger es sich ausgedacht hatte. Auf das Referat des RGO.-Referenten wurde mit großer Mehrheit verzichtet. Bei der Frage der Einführung von Kurzarbeit zur Der- meidung welkerer Entlassungen hatten die freigcwerkschastlichen Arbeiter und Angestellten Anträge gestellt, die der Herr Lorsitzende unter den Tisch fallen ließ,«est« begründete Furcht hakte, daß sie angenommen würden. Nach Angabe entsprechender Erklärungen ließen unsere Gewerkschastsgenossen die Revolutionäre unter sich. Am 1. Juli sollte nach der RSO.-Parole die Belegschaft um 3.30 Uhr den Betrieb verlassen. Vergeblich beobachteten die„Re- voluttonäre" vom Arbeitervatszimmer aus den„Massenaufmarsch". Denn olle, oll« kamen nicht._____ Terror„revolutionärer" AfmArbeiter. Aktion gegen einen sozialdemokratischen Arbeiter. Ein Angestellter, der Wohlfahrtsunterstützung bezieht, wurde Anfang Juni nach dem Flughasen Tempelhof als Afü-Arbeiter ver- mittelt. Am zweiten Tage seiner Tätigkest wurde er bereits an- gepöbelt. Weil er unoerheiratet und„SPD.-Bonze" sei, habe er auf der Arbeitsstelle nichts zu suchen, hier gehörten nur Verheiratete hin. Die Hetze geht nun seit zwei Wochen, wobei die gemeinsten Ausdrücke gebraucht werden. Man läßt den Mann nicht einmal ruhig frühstücken, begießt ihn, um ihn wegzuekeln. Da er sich über das Treiben der RGO.-Helden beschwerte, wurde während der Pause am 2. Juli ein förmliches Verfahren eingeleitet, das mit einer Abstimmung darüber endete, wer noch mit dem SPD.-Mann zusammen arbeiten will. Es wurde eine Kommission gewählt, die bei der Berwaltung die Entlassung des„Reformisten" durchsetze» soll. Wenn die Entlassung bis Montag nicht erfolgt ist, soll sie durch einen Streik erzwungen werden. Oer Aazi-papagei. „Die Sozialdemokraten sind schuld!* Der„Angriff" vom 2. Juli fühlt sich wieder einmal bemüßigt, über die„sozialdemokratischen BVG.-Bonzen" zu schimpfen. Unter der Ueberschrift„Toller Streich bei der U-Bahn" berichtet er, daß die sogenannten Beleuchterkolonnen bei der U-Bahn aus- g e l ö st seien und daß nunmehr die Berkehrssicherheit in Frage gestellt sei. Das nächste Unglück, so folgert der„An- griff", käme auf das Schuldkonto der unfähigen und gewisienlosen Sozialdemokraten, die immer noch auf ihren Posten sitzen dürfen, obwohl sie schon unzählige Male ihre Unfähigkeit und ihre Dummheit unter Beweis gestellt hätten. Wir wissen nicht, welche„Sozialdemokraten" das Goebbels- Organ meint. Im Vorstand der BVG. sitzen bekanntlich außer einem einzigen Sozialdemokraten noch zwei Deutschnationale, und ein anderes Vorstandsmitglied dürfte vielleicht der Stoatspartei nahestehen. Welche Sozialdemokraten also will das edle Naziblatt. das so vortrefflich zu schimpfen versteht, für die in der BVG getroffenen Maßnahmen verantwortlich machen? Zur Sache selbst können wir mitteilen, daß die Beleuchtertolonnen nicht aufgelöst, sondern etwa um 15 Proz. vermindert wurden, weil Arbeiten, wie�bas Herausschrauben einer Lampe und die Reinigung des Glaskolbens usw. von jeder Hausangestellten ohne weiteres aus geführt werden könnten. Solche Arbeiten, die wirklich keine Be lastung des einzelnen darstellen, werden gelegentlich in den Stunden des schwachen Verkehrs ausgeführt. Dagegen wird die Instand Haltung und die Ueberprüfung der Beleuchtungsanlogen nach wie vor von dazu ausgebildetem Personal durchgeführt. Reue Bergarbeiierentlassuugen. 1600 und 950. Oberhavfeu, Z. JuL.(Eigenbericht> Die Gute-Hoffnungs-Hütte entläßt am 31. Juli 1600 Bergarbeiter. Davon entfallen je 600 auf die Zechen Osterfeld und I a k o b q und je 200 auf die Zechen Sterkradc und Bändern. Außerdem 30 Angestellte. Esse«, 3. Juli. Die zum Krupp-Konzern gehörige Zeche Hannover- H a n n i b a l in Wonne-Eickel soll zum 1. August teilweise stillgelegt und 950 Mann entlassen werden. Etwa 350 Mann sollen noch bis zum 1. Oktober in Arbeit bleiben. Langelsheim, 3. Juli. Der Belegschaft der Hans-Heinrich-Hütten-Jndustrie G m. b. H Langelsheim, die dem Konzern der Metallgesellschaft Frankfurt a. M. angehört, ist kurzfristig gekündigt worden. Di« Hütt« wird zum 15. Juli stillgelegt. Arbeitszeitgeseh im englischen Bergbau. Gesetzlicher 2 Stundeniag ohne Lohnkürzung geplant. London, 3. Juli.(Eigenbericht.) Die Arbeiterregisrung hat dem Unterhaus ein Gefetz vorgelegt, daß eine Regelung der Arbeitszeit und der Löhne im Kohlenbergbau für 12 Monate vorsieht. Das Gesetz muß bis Dienstagabend verabschiedet sein, da das gegenwärttg gültige Gesetz am Mittwoch abläuft. Die seit Wochen hin- und hergehenden Verhandlungen zwischen Bergarbeitern, Grubenbesitzern und der Regierung haben zu keiner Einigung geführt, so daß die Regierung den Parteien e i n Kompromiß unterbreitete, das inzwischen von den Arbei- tern angenommen worden ist. Die Grubenbesitzer kün- digen dagegen an, daß sie alles tun werden, um die Verabschiedung des Gesetzes zu verhindern. Das Kompromiß-Gesetz bestimmt, daß der 7 Z4-Stundentag 12 Monate länger in Kraft bleibt, jedoch ohne die bisher übliche Verteilung auf die 90-Stundendoppelwoch«. Wöh- rend dieser Zeit werden die bestehenden Löhne der Arbeiter garan- tiert. Sollte jedoch die Genfer Konvention noch in diesem Jahr von der englischen Regierung ratifiziert werden, so würde ihr entsprechend der 714-Stundentag eintreten. Zugendgruppe des Zentralverbondes der Angestellten Spiele im Freien fyfiftt ab 19 Uhr auf brm Humboldthain und im Schillerpark. 0/; Vra/ie s/a/wide/ye/Je«osse»un« SCHNEEWEISSE A&IS/ NUR NOCH �5� \ Das Ostseejahr in Lübeck. Vor rund acht Wochen Wurde das O st s e e j a h r 19 31 in Lübeck ppn Abgesandten aller Ostseeländer aus der Taufe gehoben Ncranstgltung folgt auf Veranstaltung, kaum ist die eine beendet, beginnt etwas Neues. Die letzten Wochen standen zunächst im Zeichen zweier O st s e e a u s st e l l u n g e n. Im Behnhaus hat die Nordische Gesellschaft eine Kollektion von Arbeiten nordischer, baltischer und deutscher Künstler dargeboten, die unter dem Zeichen„Die O st s e e im Bilde" steht. In den neuen Ausstellungshallen am Holstentor wurde fast gleichzeitig die Reise- und Verkchrsausstellung„An die Ostsee— U e b e r die Ostsee" gezeigt. Sein besonderes Gesicht aber erhält das Oftseejahr durch den nicht abbrechenden Be- such von Gästen aus den befreundeten Ostseelöndern, und hierdurch steht die Veranstaltung im Zeichen des Völkerfriedens und der Völkerverständigung. Der Männerchor der Helsingforser„M untren Musikanten" machte den Anfang: nach den Finnländern kamen die S ch w e d e n. die das Musikkorps des 7. schwedischen Infanterie- regiments entsandt hatten und zusammen mit der Kapelle des Lübecker Reichswehrbataillons konzertierten. Eine neue Sensation bildete der Besuch des dänischen Polizeiorchesters, dessen Führer aus dem Lübecker Ehrenfriedhof für die gefallenen deutschen Polizeibeamten einen Kranz niederlegte. Es folgten die Engländer mit dem Schiff„Mai sie Graham". Als einzigen deutschen 5)afen lief dieser englische Schoner— er ist das letzte Segelschisf der englischen Kriegsflotte— auf der Reise von Stockholm nach Scarborough. den Vorort des Ostseejahres Lübeck an. In stärkerer Front kamen die Schweden, die mit fünf Unterseebooten unter Führung des Mutterschiffes„Sv c a" in de» Travemünder Hafen einliefen. So erweist sich da» Ostseesahr, dessen Vorort Lübeck gerade in diesen Monaten zu besuchen auch für den deutschen Ferienreisenden besonders lohnend ist, als eine Brücke über die Grenzen hinweg. Düren und die Nordeifel. Die Nordeifel mit ihrem von leuchtenden Bundsandstein- felsen cingesahten Rurtal dürfte in diesem Jahre ein besanders beliebtes Reiseziel werden. Die seltene Schönheit der Landschast und die Billigkeit der Unterkunft werden wieder zahlreiche Erholung- suchende in dieses Bcrgland an der deutschen Westgrenz« locken. Be- könnt sind Burg Nidcggen, die das Rurtal mächtig überragt, S) e i m b a ch am Endpunkte der Eiseistrecke Düren— Nideog«n--Heim° l ach mit seiner Burgruine Hengebach und der alten Trappisten- abtei Mariawald, dann der mächtige Ker meterhoch mal d, welcher den 42 Millionen Kubikmeter fassenden Stausee d«r Urft- talsperr« mit ihrer gewaltigen Sperrmauer einrahmt. In allen Eifesgaststatten erhält man je nach Anspruch volle Unterkunft und Perpflegung�von 4,.Zg M. an. Günstigster Standort und Ausgangs- Punkt für Fahrten und Wanderungen in die Eisel ist die Stadt Dürrn an der Reichsbahnhouptlinie Köln— Düren— Aachen, von diesen beiden Städten in 33 Schnellzugminuten erreichbar. Aus, kunft erteilt das städtische Verkehrsamt Düren, Rathaus. Warnemünde. Zwei Arten von Sommerfrischlern gibt es. Die eine will«äh- rend der Ferien ihr«„Ruhe" hoben, ungestört dosen können. Ii« andere sehnt sich nach„Betrieb", liebt. Zerstreuung und Abwechslung, Es gibt nun Sommenrilchcn. die dein Beiuck>er das«ine oder das andere, es gibt aber auch solche, die ihm beides bieten. Dazu ge, hört Warnemünde. Der Ort ist groh genug, um sich darin zu ver- lieren und ungestört sich selber beben zu können. Auf der Düne und in den benachbarten Wäldern findet man Ruh« und Einsamkeit. Di« große Zahl der Bes-ucher ruft aber andererseits das Leben und Treiben eines Weltbados hervor. An diesem Treiben kann sich der be- teiligen, der Reigung dafür hat und dem die Mittel zur Verfügung stehen. Der schlichte Kurgast kann aber inmitten des Trubels un- gestört für sich leben und, wenn er will, daneben das Bild des weit- städtischen Badelebens genießen. Die großartige Strandppromenade, das Treiben auf dem von taufend Gästen wimmelnden Baoestrand, die Aussicht auf das Meer mit seinem zu allen Tageszeiten regen Schiffsverkehr usw. bieten dauernde„unentgeltliche" Unterhaltung. Essen und Trinken sind relativ wohlseil. Wer seine Mahlzeiten zu Hause halten will, kann sie sich, auch in Form von Rohkost, in den zahlreichen Lebensmittelacschästen leicht verschossen. Di« Reize, die Warnemünde als Zentrale der Seesischräucherei bietet, hat schon Johannes Trojan besungen: Wer nie den Spickaal am Mceresstrand/ Von Warnemünde im weißen Sand/ Nach einem Bade, srisch, froh und frei/ Sich selbst geholt aus der Räucherei/ Dann nach der Düne ihn trug geschwind,/ Wo bläulich Gras weht im kühlen Wind./ Wo ihm zic Füßen die Wage braust,/ Ihn dann verzehrt hat aus freier Fqust,/ Ganz bis zu Ende ihn hat verspeist—/ Wie soll der wissen, was Spickaal heißt!___ O du frischer grüner Harz! Dieser Ausruf ist heuer von vielen Harzbesuchern beständig zu hören. Selten hat sich die Vegetation im Harzgebirge in solch wundervoller Uepvigteit entfaltet wie in diesem'Jahre. Wälder. Wiesen, Täler und Berge prangen im Grün aller Schattierungen und sind zu einem fein abgestimmten Bild pereint, um Auge und Herz des Harzbesuchers zu erfreuen und ihn zu erfrischen. Der Er- holungsausenthalt im Harz gewinnt gerade durch die herrlich ent- faltete Natur in diesem Jahre starke Förderung. Bei der Höhen- läge oer meisten Orte oder der Woldumgebung der Harzrandorte empfindet man selbst die größte Hochsommerhitze kaum irgendwo als drückend. Von wohliger Frische sind immer die Abende, wo aus Wäldern und Tälern und von duftenden Bergwiescn kühlender Hauch wohltuend über die Kurorte hinweg streicht. Die Rast- und Gaststätten überall im Harz bieten in diesem Jahr den Zeitverhältnissen entsprechende, auch im verkehrsstarken Hochsommerbetrieb durchaus angenehm« und unbedingt p r« i s- werte Unterkunft. So oerspricht der Harz, der bei einer Sommer- rast aufgesucht wird, die beste Erholung und Erfrischung, vad Dürrenbcrg an der Saale war kürzlich das Ziel einer Studienreise von schwedischen, französischen und holländischen Mit- gliedern des Internationalen Verband«; für Wohnungswesen. In den letzten Tagen traf außerdem mit Minister Hirtsies«r der Reichst'agsausschuß für Wohnungswesen in Bad Dürrenbcrg ei». Die Besuche galten dem Studium der im neuzeitlichen Stil ousac- führten Großsiedlung, in der mehrere hundert Wohnungen geschaffen sind. Aber auch an den Einrichtungen des Bades nahmen die Reise- teilnehmer ein großes Intereste. Rührig sorgt die Badcverwaltung für eine Fortentwicklung des Kurbetriebes, und der kommend« Mo- not sdll eine Reihe von Großveranstaltungen bringen. Die Kür- mittel, die besonders aus heilkräftigen Solquellen und den fast 2909 Meter langen Gradierwerken bestehen, wurden um die lxson- dcrs«irksamen Jodsolebäder bereichert. Der Spesiarl ruft. Der beliebte Ratgeber für Erholungs- suckln de und Fericnreisende im Arbeitsgebiet der Arbeitsgemeiu- fchaft zur Hebung und Förderung des Fremdenverkohrs im Spessart, ilntermaintol, Odenwald ist in neuer Auslag« erschienen(Spessart- bund, Aschasfenburg, Weißenburger Straße). Alle Kurort«, Bader und Somerfrischen in den verschiedenen Höhenlagen, mit ihren Schenswürdigkeiten. landichaftlichcn und örtlichen Eigenschaitcn, sind hierin erschöpfend behandelt. Ausführliches Werbemateriol so- wie alle Anfragen über Ausenthalt und Wanderung erledigt gern die obengenannte Geschäftsstelle. Ivochenendverbindung nach Wriezen-Zäckerick/All-Rüdoiß. Wie die Reichsbahn mitteilt, wird der wochentags nur zwischen Berlin, Wriezener Bahnhof, und Werneuchen verkehrende Personenzug 719, ab Wriezener Bahnhof 16.Z7, Sonnabends über Werneuchen hin- aus bis nach Zäckerick-Ält-Rüdnitz gefahren. Der Zug trifft in Tiefenfee um 17.49, in Leuenberg UM 17.3(5, in Wriezen um 18.27 und in Zäckerick-Alt-Rüdnitz um 18.SS Uhr ein und stellt eine gute Wochenendverbindung für Ausflüge nach dem Kamengrund, Blumenthal und an die Oder dar" Sonntagsrückfahrkarten find noch Werneuchen, Tiesense«. L«uenb«rg und Wriezen erhältlich. Bad Schandau im Herzen.der herrlichen Sächsischen Schweiz. Durch seine einzig schöne Lag« und glänzenden Bcrkehrsverbinlmn- gen ist Bad Schandau als idealer Luftkur- und Badeort tausend- sältig gerühmt. Der Gast findet hier alles in eine,»: Riche und Erholung im stillen Badetal, Gesundheit und Lebensfreude in den kühlen Fluten des Stromes und gm sonnigen Eibestrand, Wander- Kick im prachtvollen Reigen der es nahe umgebenden romanti- en Felsenberge, Täler mid Wälder der Sächsischen Schweiz Hochbelrieb im Keedienst Ostpreußen. Der Seedienst Ost- preußen, die Schnellschissslinie Swinemünde— Zoppot— Pillau— Memel, hat i«tzt neben der.chansestadt Danzig" das Mo- torschnellschifs„Preußen" in Dienst aeftellt, so daß nunmehr beide Schisse im 5)ochbetrieb fünfmal wöchentlich in beiden Richtungen fahren. Die Fahrten erfolgen ostwärts ab Swincinünde täglich außer Montag und Freitag, westwärts ab Pillau und Zoppot tag- lich außer Sonntag und Donnerstag. Das Mittwochs ab Swine- münde verkehrende Schiff wird künftig bi, Memet durchfahren: die Rückfahrt ab Memel«rfolgt Sonabends. In der Hochsaison sinden außerdem Sonnftagsfahrten zwischen Pillau und Zoppot statt. Allgemeine Wetterlage. ajuli �93�abd3. � �"27 � 26 � ��20 29* W 28 Owolkenlo&O heiter.() Mbdedackt » wolkig,•bedeckt*(?egenAGraup»lr. ,2Neb«l,llGewiRec(§)Win4tfine- fllii sch Bei geringen Luftdruckunterschietien waren am Freitag die Winde in Deutschland schwach. Die Temperaturen lagen allgemein hoch. In Südwestdeutschland wurden 31 Grad im Schatten erreicht. Ein flaches Tief lag bereits am Freitagmittag über Mittelfrankreich. Es hat sich bereits nach Nordosten bewegt und dürfte auch diese Richtung beibehalten. Da gleichzeitig vom Ozean her Störunge- gebiete nach Osten vordringen, ist mit einem allmählichen Temperaturrückgang zu rechnen. * Welieravssichlen für Berlin; Bielfach wolkig mit Gewitter- neigung, zunächst«och warm. Für Deutschland: Im Nordosten noch beständig und noch warm, im übrigen Reiche wolkiger mit ziemlich verbreiteten Gewittern, namentlich im Nordwesten kühler. Wie es zum Kaffee Hag kam. In diesen Tagen bestand die Kafsee-Handeks-AktiengeseMzast (daher Kassee-Hag) zu Bremen 23 Jahre. Der Erfinder des eoflein- freien Kaffee Haag ist Generalkonsul Dr. h. c. Ludwig R o s e l i u s. Er stammt au» einer allen Bremer Familie, di« seit 1632 ansässig ist. Besonders beschäftigte ihn in dem väterlichen Geschäft die Frage: Wie ist es mäglich, dem Kaffee das Coffein zu entziehen, ohne den Geschmack und das Aroma des Kaffees zu beeinträchtigen? Er sagte sich, daß Geschmack und Aroma erst während der Röstung entstehen, und- so setzten seine Bemühungen bei der rohen Kasfeebohn«. ein. Nach vielen systematischen und mit sorgsamer Beobachtung durch- geführten Versuchen fand Ludwig Rosclius im Jahre 1996 sein Ver- fahren der Coffeinentziehung. Daß Geschmack und Aroma bei diesem Verfahren unangetastet bleiben, davon kann sich jeder selbst über- zeugen, wenn er den eofsetnfreien Kaffee Hag trinkt. Mit der Er- findung des Cofseinentziehungs-Berfahrens war die Voraussetzung für jene gewaltige organisatorische Leistung geschasfen, die sehr bald die Welt aufhorchen ließ. Am 21. Juni 1906 gründete Ludwig Roselius die Kaffee-Handelo-Aktiengesellschast in Bremen und groß war der Erfolg und der freudige Beifall, mit dem der coffeinsreie Kaffee Hag von der Aerzteschast und den vielen Menschen ausgenom- men wurde, denen Bohnenkaffee bis dahin wegen seines Coffein- gehaltes verboten war. Heute wird Kaffee Hag in 39 Ländern der Erde van Millionen Menschen getrunken. Rosekiu» hat auch durch seine eigenartigen und vielumstrittenen Bauschäpfungen von sich reden gemacht. MWWMWW Alexisbad das Stahlbad des Harzes Keine Kurtaxe! Bade- und Trinkkuren. Laub- und Nadelwald Oute Hotels u. Pensions- häuser. Pension von» bis 7.50 Mk Prosp. d. Kurverwaltung Alexisbad. Blankenburg(Harz) (X54 Meter mittlere Höhe) entzückend gelegener Luftkurort, mildes Gebirgsklima, viel Sonne, herrliche WStder, großes Freibad. Der Ort der Erholung! prachtvoller Lege 1 300 m VnmIHtlbaran W/iM mei- teitweifen t�hsnu fichlen- We/duflgin. 'osaun&i....... Harzgerode heniuftkuro�d: Harzes. BilJ. 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Es ist interessant, daß diese Träume, diese verhätschelten, in der Tiefe der Herzen sorgfältig gehüteten Schwärmereien alle damit beginnen, daß in Amerika, sagen wir in Massachusetts oder in Ohio, ein geliebter Onkel stirbt, von dem wir bisher nicht einmal wußten, daß er auf Der Welt fei; und ein« tiefe Trauer, in welche uns der unerwartete Tod unseres unbekannten Onkels gestürzt hat, wird nur dadurch ein wenig gemildert, daß er in seinem Testmnent zum ausschließlichen Erben seines Vermögens uns bestimmt hat. Dieses Vermögen schwankt— je nachdem, ob unsere Phantasie bescheidener oder anspruchsvoller ist— zwischen«in und zehn Millionen Dollar — unter einer Million zu träumen ist aber niemand geneigt. Bis hierher hütet— wie gesagt— ein jeder die gleichen Schwärmereien in seinem Herzen. Nur dort laufen diese Expreß- züge geträumter Bahnhöfe der Dollanmllionen auf verschiedene Schienen, wenn jene Frage ihr Haupt erhebt; was würden wir mit diesem ungeheuer vielen Geldc wohl beginnen?... Ich will also erzählen, auf welche Schienen m e i n Traumexpreß dahinsaust. Für mich würde sich dieser Traumexpreß in jenem Augenblick, ba sich mir hierzu die Möglichkeit bieten würde, zu einem wirk- lichen Expreßzug aus Stahl und Eisen vor- wandeln. Zu Deutsch: ich würde in diesem selben Augenblick auf Reisen gehen; ich würde reisen, reisen, reisen, niemals, nirgends stehen bleibend, nur solange, als es mir eben behagen würde, an einem Ort zu bleiben. (Denn wisset ihr, was es heißt: reisen. Reisen: ist Freiheit. Reisen: ist das Loben Reisen: ist die Welt. Genesung und Seligkeil ist dos Reifen, oder haben wir nicht schon vieltausendmal gehört, daß man die Rekonvaleszenten des Körpers und der Seele zur Genesung, zum Vergessen, zum Suchen des Glückes auf Reisen schickt?) Aber«in langer Weg liegt noch vor uns. Dieser Weg ist übrigens der schönste Weg auf Erden, jener Weg nänilich, bis aus jenem, der reisen will, ein Mensch wird, der— tatsächlich reist. O, ihr süße», seligen Aufregungen: zu unserem Schneider laufen und bei ihni einen modernen, eleganten Reiseanzug und all die neuen Anzüge bestellen, die in unseren prächtigen Koffern bequem Ploß haben; in das Reisebüro zu gehen und dort lange und eingehend« Beratungen mit den dienstbeflissenen, geschickten, klugen Beamten zu pflegen, deren Kopf eigentlich ein großer Globus ist, ihr Nerven- system das Eisenbahnnetz der ganzen Welt und deren Blick über tausende und tausende Kilometer reicht.„Ich weiß nicht, ob ich in Berlin Anschluß nach Hainburg hoben werde, um noch den Dampfer nach Rio de Janeiro zu erreichen?" sagen wir mit lässiger Vor- nehmheit uns eine Zigarette anzündend.„O, bitte," entgegnet der Beamte, ohne auch nur einen einzigen Augenblick nachzudenken, während sich sein Gehirn, dieser riesige Fahrplan, mit schwindel- erregender Geschwindigkeit von selbst blättert," o, bitte, Sie haben in Berlin folgende Züge nach Homburg....(und hier folgen zehn Zeitpunkte).... Sie kommen an in Hamburg....(wieder zehn Zeitpunkte).... Das Schiff geht ab....(genaue Zeit)...." usw. usw. Und man kaust das grüne, rosafarbige, kaffeebraune Heft, be- . seist einen Platz im Schlafwagen, laßt sich das Visum besorgen, (Habet ihr schon einmal in' einem solchen Heft' geblättert? Aus 'seistän grünen Abschnitten spricht die Unendlichkeit weiter Meere zu uns. aus den rosafarbigen Koupons rufen uns die nn Abendrot erglühenden Alpen, und die weiten Weltstädte aus den braunen Abschnitten...) Und nun kommt der schönste Teil; der Tag der Abreise. Ein reicher Mensch reist nicht früh am Morgen, der Reiche steht nicht zeitig auf. Kurz und gut, wir fahren am Abend mit dem Auto zum Bahnhof hinaus, unser Diener(denn Kraft der Güte unseres Onkels besitzen wir auch bereits einen Diener) bringt unser Gepäck im Abteil erster Klasse des Schlofwaggons unter. Ein Pfiff, ein Ruck, ein Winken mit den Taschentüchern, der Zur, setzt sich in Bewegung. Wir verzehren im Speisewagen unser Abendbrot, rauchen unsere Zigarre oder Zigarette, dann ziehen wir uns in unser Schlafabteil zurück. Inzwischen haben geheimnisvolle Geisterhände für uns das reine weiße Bett zurecht gemacht, welche Geisterhände erst am nächsten Morgen zu wirklichen menschlichen Händen werden, wenn sie sich vor uns als Belohnung für ihre Sorgfalt mit der Hand- fläche nach oben öffnen. Jetzt halten wir aber noch nicht dort. Es ist Nacht, der Zug stürmt dahin, die Schienen krachen und knarren und an den finsteren Fenstern zieht der Kometenschweif roter Fimken vorüber. (Wisset ihr, was das ist: im Schlafwagen zu schlafen? Der Schlaf, der ein Bruder des Todes ist, ist im Schlafwagen eher mit dem Leben verwandt. Wir schlafen, aber das Bett ist kein Katafalk mehr, und auch kein Grab. Wir schlafen, aber nicht todähnlich und unbeweglich, denn am Abend haben wir noch unweit von Budapest unsere Augen geschlossen und am Morgen, siehe da, erwachen wir in Trieft, oder in Prag, in Salzburg oder was weiß ich, wo? Im Schlafwagen zu schlafen ist so, als würden wir auf den Flügeln einer geheimnisvollen Zeitniafchine unbemerkt, von einer Minute zur anderen, dorthin gelangen, wohin wir uns sehnen..... lind wir langen an. Einerlei wo. In einem neuen Leben. unter neuen Menschen, wir laufen neuen Schönheiten, neuen Aben- teuern, neuen Erlebnissen in die Arme. (Kennt ihr das Gefühl: in eine fremde Großstadt zu kommen? Wie jauchzt da das Herz.— aus der Tiefe, weiß Gott woher, aus welchem rätselhaften Winkel unserer Seele, steigt etwas Kribbelnde-, Kitzelndes, einem Lachin Aehnlichcs in uns auf, und während das Auto mit uns zum Hotel rast, möchten wir am liebsten laut auf- lachen, wenn wir nicht fürchten würoen, der Ehaufseur, der diesen Scelcnzustand des Ankommens kaum verstehen mag, könnte uns statt ins Hotel ganz anderswohin bringen. Ganz anderswohin.) Und nun befinden mir uns im Hotel. O. diese Großstadthotelsl Der Liftführer bringt uns in unser Gemach, denn infolge der Güte unseres seligen teuren Onkels haben wir ein Gemach statt eines Zimmers,— wir sind, wie gesagt, in unserem Gemach. Unser« erste Arbeit ist natürlich, zum Fenster zu gehen und auf die Straße hinunterzuschauen: wer i-ininer mich in«ine fremde Stadt kommen mag. sein erstes im Hotel ist: das Fenster. Di« Straße. Sagen wir, es ist Abend, wir sind müde. Es gibt kein betäubenderes Einschlafen. als am ersten Abend in einem feinen Hotel, in einer fremden Groß- stadt. Und e-s gibt kein betäubenderes Erwachen, als dieses. (Habet ihr schon einmal empfunden? Bei Morgengrauen ist man schon wach, aber der Schlaf setzt sich noch fort. Unten auf der Straße klingelt die Straßenbahn— sie hat einen ganz anderen Ton, als die Elektrische daheim. Und ganz anders ist auch der Straßenlärm. Eine jede Stadt hat einen anderen Straßcnlärm. Wir sind wach, es ist aber, als würden wir noch träumen; leise öffnet sich das Fenster und herein kommt das Leben der neuen, der fremden Stadt, alles ist so schon, so frisch und taubenetzt, so aujregeÄ. jo dich Mc mHmchcg Zug) ruchccr LHx, greifen: ach, vielleicht hoben wir sogar schon den ganzen Vormittag oerschlafen.... halb sieben..... Wir legen die Uhr zurück und versuchen wieder einzuschlafen, es geht nicht. Die Stadt ist dort in unserem Zimmer, sie ruft und lockt, sie''«ißt die Decke von uns hinunter, läßt uns nicht schlafen. Wir springen vom Bett hinunter, hinein in die Badewanne, dann kleiden wir uns frisch und froh- gelaunt an. Zu Hause drehen wir uns um diese Zeit auf die andere Seite um...) Soll ich fortsetzen? Was jetzt kommt, ist nicht mehr zu er- zählen. Ein Irren durch die fremden Straßen. Museen, Bekannt- schaftcn, flüchtig« und nette Abenteuer. Prächtige Geschästsauslagen. Jede Minute bringt etwas Neues, jede Minute ist bloß ein Ver- sprechen der unbekannten Schönheiten der folgenden Minuten. Und Minute für Minute kommen wir immer näher und näher zu jenem unseren eigentlichen Ich, von welchen: uns die Alltagsgewohnheir, der Frondienst, die Sorgen, die Eintönigkeit so weit entfernt haben, — Minute für Minute koimnen wir nähe? zu vnferem wnfkichal Sein, zu jenem freien und überlegenen Menschen, der sich seine«! von Gott erhaltenen, einzigen Lebens freuen kann. Ja, ja, alles kommt vom Reisen, gepriesen sei der Name, der es erfunden hat; gepriesen sei von der Eisenbahn bis zum Flugzeug jedes Verkehrsmittel, das die Möglichkeit oerleiht, aus uns selbst hinaustretend, zu— uns selbst gelangen zu können; gepriesen seien Baedccker, Cook, alles, was mit dem Reisen im Zusammenhang steht; ganz besonders gepriesen und gesegnet sei da? Andenken unseres geliebten Onkels, der uns dieses Vergnügen ermöglicht hat. Sehet; das ist mein ewiger und großer Traum. Reisen, reisen, reisen... Ihr könnt euch mit dem Vermögen des Verstorbenen soligen Angedenkens— Häuser bauen, könnt euch Güter kaufen, euch einen Rennstall, ein Auto halten ein Geschäft errichten, speku- lieren, ihr könnt tun, was ihr wollt. Ich für meinen Teil warte nur auf die Depesche aus Ohio und— den düsteren Schmerz der Trauer in niir niannhast bekämpfenb— reise ich gleich übermorgen ab. Lebet wohl, all' meine Lieben! Ich werde euch von irgendwo: aus Berlin. Paris, Amsterdam, Neapel oder Buenos Aires eins schöne Ansichtskarte schicken. (Eirezig autorisicrtc llcberse�img aus dem Uuzarischkn vo» Maurus Mczei.) Srich Preufte: d�llcltdlllV*tl(ld* Ja—! ich habe gestohlen. Ich habe gegen die Gesetze ver- stoßen. Dafür bin ich nun eingesperrt. Gestern abend haben sie mich eingebracht. Es war entsetzlich. Die anderen Gefangenen im Transportwagen trieben rohe Späße. Als mich das anekelte, da lachte einer:„Tu doch nicht so—, bist ja auch nur'n Äitchcnbruder!"— Also, das bin ich:«in Kitchen- bruder... Das Wort brennt wie ein Schandmal. Kitchenbruder... Kitchenbrudcr dröhnt's in meinen Ohren, hämmert's in meinem Blut. Kitchenbruder!— Wenn das Maria müßte. Maria ist meine Braut. Biclmchr: sie ist es gewesen. Run, da ich im Unglück bin und Trost und Zuspruch brauche, bin ich allein... Ich renne in meiner Zelle auf und ab. Wie ein toller Hund. Fünf Schritte hin, fünf Schritte zurück. Und in der Breite sind's drei Schritte. Ich mache die Augen zu und denke, wenn ich sie wieder öffne, ist alles nur ein böser Traum gewesen. Nichts von dem. Ich bin noch immer in der Zelle. In der Ecke steht die Pritsche mit Strohsack, blaugcwürseltem Bettbezug und fadenscheini- gen Wolldecken. Gegenüber hängt das Brett, auf dem Waschschüssel, Eßnapf, Trinkbecher und Löffel liegen. 5iand- und Geschirrtuch hängen neben dem Bort. In der anderen Ecke der Zelle ist das Abortbecken. Nichts hat sich daran geändert, wenn ich die Augen wieder öffne. Die Nacht habe ich nicht schlafen können. So lange noch Licht war, habe ich, um nur irgendeine Ablenkung zu haben, gelesen. Ich habe das Klosettpapier— zerstückelte Zeitungen— zusammengesetzt. Dann habe ich die Hausordnungsvorschristen, die an der Zellentür hängen, drei-, viermal genau durchgelesen. Ich weiß jetzt, daß ich Anspruch auf Morgenkaffee, warmes Mittagessen und Abendkaffee habe.— Die Kritzeleien an den Wänden waren nicht zu entziffern—, zuletzt habe ich mich auf die Pritsche gestellt und aus dem Fenster geguckt. Rote Mauern, vergitterte Fenster und ein Gewirr von Telephondrähten war zu sehen. Weiter nichts. Der Mond stand groß und gelb wie eine aufgeschnittene Mandarine am Himmel. Der Wind bullerte lau und blau ans Zellenfenster und wehte die Glockentöne von der nahen Parochialkirche herüber. Ab und zu eine Autohupe. Ich riittell« an den Gittern und brüllte aus vor Sehnsucht nach Frecheik. Härte Schritte erklangen auf dem 'Mr. Der Wächter raffelte mit den Schlüsseln. Ich fiel auf die Pritsche und schluchzte. Der Wächter ging und löschte das Licht. Die Stunden schlichen dahin. Draußen fing es an zu regnen. Erst klatschten große Tropfen gegen die Scheiben. Dann ein feiner, rascher, anhaltender Regen. Er schlug leise und hartnäckig gegen das Zellenfenfter. Alles war still geworden und nur der Regen murmelte etwas, zudringlich und schnell, als verschlucke er sich daran,— undeutliche, traurige, und niederschmetternde Sachen. Dann begann es in den Heizungsrohren zu klopfen. Ein widerliches, unangenehmes Geräusch: Klack... tack... tack, tack... Nack... Das spukte in den Rohren. Ein unbekannter Trommler hämmerte darin. Die schweren Tritte der Wächter kamen zum Rundgang. Der Sehschlitz klappte auf— so oerging die Nacht! Kitchenbruder!— Nun ist's so weit gekommen mit mir... „Der Junge?"— hat mein Vater früher gesagt—„der Junge wird noch im Zuchthaus enden!" Weshalb Vater? Du hast mich doch genug geschlagen. Für jede Kleinigkeit hast du mich hart und unerbittlich abgestraft. Meine ganze Jugend war eine Strafzeit.— Morgens ging ich zur Schul«. Und da war's schön. Man saß und hörte dem Lehrer zu, und wer nur aufpaßte und keine Dummheiten machte, brauchte ohne Furcht zur Schule zu gehen. Ja, die Schul- stunden waren Erholung!— Mittags, wenn ich nach Hause kam. stand Vater schon mit der Uhr in der 5)aiid bereit. Wehe, kam ich später und hatte die Zeit überschritten, die zum Heimweg nötig war! Dann kam die Untersuchung: sind Flecke im Anzug oder ist er gor zerrissen... Umziehen, Mittag esien, Hefte vorzeigen. Schul- arbeiten machen.— Vaters maßloser Ehrgeiz— er selbst war nur subalterner Beamter— wollte, daß ich später die Stellung ein- nehmen sollte, die ihm versagt geblieben war. Ich mußte lernen, lernen. Wenn die Schularbeiten erledigt waren— und zwar ohne Fehler, ohne jeden Klex und ohne sich verschrieben zu haben muhten sie sein— dann gab's Sonderaufagben: Seiten aus dem Geschichts- buch abschreiben oder eine Anzahl von Rechenaufgaben lösen. Das ging bis zum Abendbrot. Nach dem Abendbrot ging's zu Bett. Zum Spiel mit Altersgenossen kam ich nicht. Ganz schlimm war's, wenn der Vater dem Lehrer vorgreifen wollte und Aufgaben mit mir durchnahm, die in der Schule erst später drankommen sollten. Ich begriff Vaters Erklärungen nicht. Dann schlug er in jähem Zorn zu. Einmal ist mir das Blut aus den Ohren gesprungen. Mutter weinte und konnte nichts ausrichten. Ich krümmte mich in ohnmächtiger Wut. Meine Schulkameraden verachteten mich, weil ich mich in den Pausen nicht an ihren Spielen beteiligte. Aus Furcht tat ich das nicht, aus Furcht, meinen Anzug zu beschmutzen oder zu zerreißen. Eines Tages fertigten die Kameraden aus Schreibheftblättern Segel- slugzeuge an. Bald hatten alle Jungen ein Flugzeug, warfen es in die Luft und freuten sich, wenn es in großem Bogen langsam nieder- schwebte. Ich hätte auch gern eins gehabt. Aber keiner wollte mir sagen, wie es angefertigt wurde, niemand wollte mir«in Mo- bell zum Bauen geben.— Da, als ich aus unserem Wohnung-- fenster guckte, sah ich eins unten im Vorgarten liegen. Ich nahm den Abortschlüssel und tat, als wollte ich den Abort aufsuchen, der auf halber Treppe war. Ich ging nach unten, kletterte über den Gartenzaun und steckte das Flugzeug in meine Bluse. Beim Zurückkehren riß ich die Hose entzwei. Aus Ungeschicklichkeit, und auch aus Angst, gesehen zu werden, war ich zu schnell geklettert. Und ich hatte doch keine Uebung im Klettern. Ich war wie betäubt. Ich blieb in der Haustür stehen, vor Angst zitternd. Ich traute mich nicht nach oben zu gehen. Langsam schlich ich die Treppen hinaus und überlegte, ob ich nicht besser flüchten sollte... Mutter erwartete mich bereits. Sie war über mein langes Aus- bleiben verwundert. Ich tonnte kein Wort hervorbringen und bebte an allen Gliedern. Was ist los? Ich deutete auf meine Hose. Der Vater kam herbei, um zu sehen, was es gebe...„Ach", sagte die Mutter,„die alte Hose—, bist du die Treppe heruntergefallen und ist sie dabei geplatzt?— Ich sah den Vater— es durchzuckte mich: da ist die Rettung vor den drohenden Schlägen!— Ganz mechanisch sagte ich: ja!— Nie vorher hatte ich gelogen! Abends, noch im Bett dachte ich über das Vorgefallene nach. Bater, ich habe es mir gut gemerkt, daß man sich durch Lügen vor Strafe schützen konnte! Von da an habe-ich gelogen, wo immer es ging. Ich log so sicher und ruhig, daß es nicht möglich war, mir nichts zu glauben.(Und wie hätte es auch anders sein können—, ist doch die Lüge sehr oft der Wahrheit ähnlicher als die Wahrheit...) Vater, du wolltest einen Musterknaben aus mir machen. Und nun ist es so gekommen...! Heute wird der Schnellrichter mein Urteil sprechen. Ob er mir Bewährungsfrist zubilligen wird—? Und wäre mir damit ge- Holsen...? 3)unkles Qlüch Friedrich v. Stesiücsfek: Ein alter Mann, müde und stumpf, schleppt sich den Berg hinan. Halb erloschen starren die Augen. Um den eingefallenen Mund irrt ein blödes Lächeln. Mit dem knotigen Stock sucht er Halt zwischen dem Geröll der schlechten Straße. Die ausgetrocknete, dunkelgebeizte Haut bringt keinen Schv�ißtropfen mehr hervor. Endlich ist die Höhe erreicht. Ein mächtiges, weißgetünchtes, kastenartiges Gebäude liegt breit und aufdringlich vor dem Wanderer. Die große Terrasie ist verödet. Auf die eisernen Tisch« und Stühle brennt die Sonne mit verdoppelter Glut. Kein Leben ringsum. Kein menschliches Wesen, kein Tier. Ein durchdringender Speisegeruch strömt vom Hause her. Das fettige Wasser der schmalen Gosse, mit Gemüse- und Spülresten, fließt träge, faul riechend in den Straßengraben. Der alt« Orgelmann hebt den Kops und atmet gierig den Küchen- duft ein. Dann stellt er sich vor das leblos daliegend« Gebäude, das eine mächtige Hitze zurückwirft. Mechanisch dreht die runzlig« Hand die Kurbel. Widerstrebend und kreischend entringen sich die ersten Töne den abgebrauchten Walzen. Unermüdlich dreht er weiter und weiter. Aber niemand hört ihn, keiner kommt. Sie essen! Von der Rück- seite des Gasthofes klingt leise und gedämpft Stimmengewirr und Klappern von Tellern. Sonst kein anderer Laut als das Kreischen und Quieken der Orgel. Immer bleierner spannt sich der wolkenlos« Himmel au». Weiß erscheint alles ringsumher. Hinter dem Waschhaus, unter einem Pflaumenbaum, hat die Stallmagd ihr Kind in einen kleinen Karren gelegt. Gestern hat sie es von den Leuten fortnehmen müssen, die den kleinen Krüppel nicht länger behalten wollten. Fast hätte sie ihn vergessen, wäre das schmerzliche Kostgeld nicht gewesen. Fast vergessen hat sie auch den Tag, an dem sie das Kind auf dem Feld im Frühnebel geboren hat. In die Schürze gewickelt, hatte sie es nach� Hause getragen. Am morgen hat der Karren im kühlen Schatten des Waschhauses gestanden. Jetzt aber bricht die Sonne heiß durch die spärlichen Zweige des Bäumchens auf das unbedeckte Haupt des Kindes. Seine entzündete« Lider zucken nicht, während es unverwandt m das Licht- mfett jpiwnjWiift. M j&mnyntor» Slltüer trimmm ßch. Plötzlich Töne! Säße, herrliche! Eine Melodie nach der anderen bringt der schwüle, leise Wind herüber zu dem kleinen Krüppel. Er versucht den Kopf zu heben, kraftlos sinkt er wieder zurück. An- gestrengt lauscht das Kind. Nie hat es je so Schönes gehört. In die kranken, leblosen Augen ist Glanz und Ausdruck gekommen. Der röchelnde Atem geht ruhiger. Die Glieder zucken nicht mehr. Ganz still, zum ersten Male beglückt, liegt das Kind da.— Eine harte, grüne Pflaume fällt aus das gelbe Gesichtchen, es rührt sich nicht. Stockender, unregelmäßiger, immer schwächer tönt die Orgel. Endlich verstummt sie ganz. Die Augen des Kindes schließen sich, ein tiefer Seufzer, dann sinkt der Kopf auf die Seite. Bon der Straße tönen aufs neue die langsamen, schleppenden Schritte. Staub wirbelt auf. Der alte Orgelmann, den Kasten auf dem Rücken, wandert stumpfsinnig wieder zu Tal. Keiner hat ihn gehört. Aber ein sterbendes, krüppclhaftes Geschöpf des Elends ist glückselig darüber entschlafen. Der dickste Baum der Welt. Faumriesen finden sich in jedem Land, welches aber kann sich rühmen, den dicksten Baum zu besitzen? Bercchtiqtcn Anspruch daraus erhebt das mexikanische Dorf Santa Maria Tule. Aus dem Kirchhof dieses Dorfes steht der Methusalem der mexikanischen Pflanzenwelt, ein gewaltiger Zcdernbaum, 45 Meter in die Höhe ragend. Diese Höhe ist aber nicht das Bc- merkenswerteste an diesem Baumriesen, sondern der Umstand, daß er 3 Meter über dem Erdboden eine Dicke von 54 Metern aufweist. Der Gipfel des Baumes kann geradezu als ein Miniaturwald bezeichnet werden. Interessantes von den Regenwnrmern. Schon Darwin hat aus die außerordentliche Bedeutung der Regenwürmcr für die Land- Wirtschaft hingewiesen. In der Tat leisten die Tiere in dieser Hinsicht ganz Erstaunliches. Die außerordentliche Fruchtbarkeit des Tales des Weißen Nil verdankt man ihnen. Man hat festgestestt, daß das Erd- reich bis zu einer Tiefe von 60 Zentimetern schon in 25 Jahren durch , die Regenwürmer an die Oberfläche kommt, was, auf einen Quadrat- kilometer berechnet, einer Erdbewegung von 25 000 Tonnen entspricht Veranlworlliil, filr Politik: Birtor Silitf: Wirts-!»!»: aiiuqelliäftt! SctDctkfdWft-bcmcaimn: ffvicbr. tSdlorn: Sfuittflcn: Dr. Iodn Echikowstt- Lokal« und conltiaci: SiiÄ Aaifto&t; anicioen: Tt».«loift; lämtltd) in Scrlln. «eclaa: Sorwärts-Leriaa S. m. b. H., Perlin. Drink: Borwärts-Bu-ddro�rrt »I» Leilaasanitolt Baal öinaec II. Ca.. Berlin£38. SS, Liudenttras«» Das deutsche Steuerparadies. BRÖnInG „Von allen Bäumen des Gartens dürft Ihr essen. Nur vom Baum der hohen Pensionen dürft Ihr nicht essen!" Mmarque-Hehe in Rußland. „proletarierseindlicher Pazifismus." Das Pech des Hauptmanns Rohm. Erst Durchführung des Llnterfuchungsverfahrens, dann Ver- Handlung gegen„Münchener Post". München, 3. Juli.(Eigenbericht.) Mit seiner Beleidigungsklage gegen die„Münchs- n e r Post" hat Schwulitüten-Röhm zunächst kein Glück. Nach einer Verfügung des Präsidenten des Münchener Amtsgerichts wird mit dem Verfahren und der Entscheidung über die Beleidigung solange gewartet, bis die gegen Röhm von der Staatsanwaltschaft eingeleitete Untersuchung wegen Vergehens nach Z 175 beendet ist. Hitler hat inzwischen bei der Polizei die weitere Duldung des Postenstehens vor dem Braunen Hause wenigstens bis auf weiteres durchgesetzt. Angeblich hat er eine Feststellungsklage angestrengt, durch die eine Entscheidung darüber getroffen werden soll, ob ein Verbot gegen Aufstellung von Ordnungsleuten in Uniform auf parteieigenem Grund und Boden rechtswirksam ist. Bis diese Klage durchgeführt ist. dürfen die Braunhemden mit Genehmigung der Polizei hinter den Gartengittern des Palais Posten stellen. Der äußere Erfolg der Aktion ist zunächst der, daß das Haus jetzt den ganzen Tag über von jugendlichen Hakenkreuzlern umlagert ist, so daß die Polizei Mühe hat, die Straße für den Verkehr freizuhalten. Für Sonnabend und Sonntag sind wiederum in einer Reihe bayerischer Bezirksämter(Bayreuth, Würzburg, Pirmasens, Berg- zabern und Germersheim) die öffentlichen Nazikundgebungen ver- boten worden. Oer Eishändler als Professor. Ein Musterexemplar unter den Raziagitatoren. Frankfurl a. TN., 3. Juli.(Eigenbericht.) Das Schöffengericht Limburg verurteilte den Speiseeis- Händler Werner, der sich in Naziverfammlungen als„R e f e- rent Professor Werner" ankündigen ließ, wegen Vergehens gegen das Republikschutzgesetz zu vier Monaten Gefäng- n i s. Werner hatte die„demokratische Republik einen Misthaufen" genannt. Das Gericht lehnte Strafaussetzung ab, weil der Ange- klagte nicht aus idealen, sondern aus gewinnsüchtigen Motiven als nationalsozialistischer Agitator Deutschland bereise. Werner ist unterdessen als Ausländer— er stammt aus Hitlers Heimat— aus Preußen und Hessen ausgewiesen worden und hat sich nach Thüringen zurückgezogen. „Rote Fahne" auf der Anklagebank. Schnell im Verleumden, langsam im Verantworten. Vor dem Schöffengericht Berlin-Mitte sollte sich gestern der kommunistische Reichstagsabgeordnete und verantwortliche Redakteur der„Roten Fahne", Schneller, wegen Beleidigung des verstor- denen Reichskanzler a. D. Hermann Müller und des Gewerk- schoftsführers Graßmann verantworten. In der Nr. S71 der„Roten Fahne" vom 19. Oktober vorigen Jahres erschien ein Artikel mit der Ueberschrift„Faschistenführcr erbitten bei Hindenburg Belagerungszustand gegen wilde Streiks". In diesem Artikel wurde u. a. behauptet, Hermann Müller und Graßmann seien während des Metallarbeiterstreiks bei Hindenbure. gewesen und hätten ihn um die Verhängung des Velagerungszustan- des gebeten für den Fall, daß wilde Streiks eingeleitet werden soll- ten. Di« von Hermann Müller und Graßmann eingesandte Berich- tigung wurde zwar von der„Roten Fahne" abgedruckt, jedoch mit Glossen oersehen, die nichts anderes als eine Wiederholung der ver- leumderischen Behauptungen darstellten. Hermann Müller und Graßmann strengten darauf eine Beleidigungsklage aus§ 186 (üble Nachrede) an. Herr Schneller, der so schnell im Verleumden ist, scheint es nicht so eilig mit der Verantwortung zu haben. Er war zur gestrigen Verhandlung einfach nicht erschienen, unter dem Vorwand, beim Untersuchungsrichter des Reichsgerichts einen Termin wahr- nehmen zu müssen. Der Untersuchungsrichter hat aber sein Zimmer in Moabit, also im selben Gebäude, in dem auch die Gerichts»«- yandlung stattfand. Es wäre ihm ein leichtes gewesen, die kurze Verhandlung mitzumachen und dann den Untersuchungsrichter auf- zufuchen. Der Staatsanwalt wollte die Entschuldigung des Herrn Schnel- ler nicht gelten lassen: er beantragte die Vertagung der Verhand- lung und hielt sich weitere Maßnahmen gegen Herrn Schneller vor. Die Partei im Angriff. Glänzender Verlauf einer Kieler Maffenveranstaltung. Siel, 3. Juli.(Eigenbericht.) Unter der Parole„Die Partei im Angriff" veranstaltete Donnerstag die Sozialdemokratie Groß-Kiel eine von Tausenden besuchte Massenveranstaltung, in der sich der Genosse Heil- mann mit der Notverordnung der Regierung Brüning und den amerikanischen Reparationsvorschlägen beschäftigte. Unter der stürmischen Zustimmung der Versominlung brand- markte Heilmann das Vorgehen der Kommunisten und National- sozialisten, die Deutschland wohl in die Katastrophe und in das Chaos, nicht aber in«inen neuen Ausstieg führen könnten. Die Sozialdemokratie wird nach wie vor versuchen, dem Zusammenbruch entgegenzuarbeiten und der Rotverordnung die ärgsten Giftzähne auszubrechen. Ein kommunistischer Diskussionsredner wollte die ver- brecherische Taktik seiner Partei verteidigen, stieß aber in der Ver- sammlung, die nebenbei bemerkt zur guten Hälfte von Er- werbslosen besucht war, auf großen Widerspruch, so daß die Massenveranstaltung das Bild zeigte, das die Partei von ihr er- wartete:„Die Sozialdemokratie im Angriff". Selbsthilfe in Köln. Studentischer Ordnungsdienst schuht die Universität. Am Freitag kam es vor der Kölner Universität wieder zu einer Ansammlung von Unruhestiftern, die aber von der Polizei zerstreut werden konnten. Wie das Rektorat der Universität mitteilt, hat die Studenten- schast zur Unterstützung der Universitätsbeamten einen eigenen Ordnungsdienst gebildet. Es ist dafür gesorgt, daß nicht- studentische Elemente die Universität nicht mehr betreten können. Einige nichrstudentische Schreier und Hetzer wurden fest- g e n o m men. Die Universität ist ruhig. Die Vorlesungen nehmen ungestört ihren Gang. Haftbefehl gegen Kieler Bombenwerfer. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, ist gegen den Bombenwerfer in Kiel Haftbefehl wegen Sprengung einer nicht verbotenen Versammlung erlassen worden. Der Oberstaatsanwalt midi Anfinge wegen Vergehen gegen das Spreugstosjgejetz erheben. Moskau. 3. Juli.(Ost-Expreß.) Erich Maria R e m a r q u« ist in letzter Zeit das Ziel h e f- tiger Angriffe in der Sowjetpresse. Der bekannt« Sowjettritiker Winogradow erklärt, der Sowjetftaataverlag habe einen„un erhörten Fehler" begangen, indem er eine Massenausgabe von„Im Westen nichts Neues" herausgegeben Hab«. Remarque sei Pazifist, somit ein Schriftsteller, der sich mit ab- solut unfruchtbaren Gedankengängen beschäftig« und auf der sozial„denkbar dümmsten Grundlage" stehe.„Im Westen ist sehr viel Neues" geschehen, erklärt Winogradow und sagt, man tue besser, Remarque nicht zu lesen, sondern von der Rote« Armee zu lernen. In der„Leningrader Prawda* schreibt ein Sowjet- kritiker, daß Remarque vi« Stimmungen der durch den Weltkrieg todlich erschrockenen kleineren und mittleren Bourgeois wiedergebe. Er zeige aber nicht den Weg der Befreiung der Menschheit vom Kriegsübel. Infolgedessen fei sein« pazifistische Ideologie klaffen- fremd und proletarierfeindlich Die Propaganda des Pazifismus durch Remarque fei wegen der starken Begabung dieses Schriftstellers besonders gefährlich, er schläfere das Be- wußtsein der werktätigen Massen ein. Der„Remarquismus" sei in der Sowjetunion„enthüllt und widerlegt". Der russische Bühnen- schriftsteller Sagorski hat einen„An ti° Rema r q u e" ge- schrieben, der im Leningrader Großen Dramatischen Theater aufge» führt wurde. Der Verfasser hat die beiden Werk« Remarques„Im Westen nichts Neues" und„Der Weg zurück" oerarbeitet und mit Kommentaren versehen. Die„Leningrader Prawda" muß jedoch zugeben, daß das Bühnenwerk Sagorskis nur in denjenigen Teilen stark wirke, die von Remarque sind. * Bedurfte es noch eines Beweises für die Geistesverwandt- s ch a f t zwischen Faschismus und Boffchewismus, fo liiert ihn die obige Meldung in geradezu klassischer Form. Die Sowjewnion ist Ltngarische Sozialdemokratie behauptet. Wo geheim gewählt wurde, unterlag Bethlen! Budapest, 3. Zuli.(Eigenbericht.) Die ungarische Sozialdemokratie hat von 30 in Budapest und seiner Umgebung zu vergebenden Barlameal». Mandaten 7 erhallen. 3n ganz Ungarn brachte sie es auf 1 4 M a n- d a t e. Sie hat damit ihren Besitzstand trotz Wahlterror und Wahl- schwindet behauptet. 3n den Budapester Bezirken wurden außer den 9 Sozialdemokraten noch 6 Abgeordnete der Regierungspartei gewählt. 7 regie- rungsfreundliche Ehristlichsoziale, 6 Bürgerlich. Liberale und Z Christ- lich-Oppositionelle. 3n allen Bezirke« mit geheimer Abstim- mung. wie iu Budapest und Umgebung, ist die Regierung in der Minderheit. In Budapest wurden 312 668 Stimmen abgegeben. Davon entfallen 93609 auf die Sozialdemokraten. Die bürger- lichen Parteien«rhielten demgegenüber 219159 Stimmen und zwar die regierungsfreundlichen Parteion 134 569 und die bürgerlichen Oppositionellen 84 590. Von den übrigen oppositionellen Stimmen entfallen 24345 auf die rechtsgestnnten Oppositionellen und 60 245 auf die in verschiedenen Gruppen geteilten liberalen und demokra» tischen Parteien. In den Provinzstädten mit geheimer Listenwahl wurden 130 300 Stimmen abgegeben, wovon 61 204 auf die regierungsfreundlichen. 16 656 aus die rechtsgesinnten agrarischen Oppositionellen, 14 364 auf die Demokraten und 37 976 auf die Sozialdemokraten entfielen. Von den sozialdemokratischen Führern wurden Peyer in Szeged gewählt, weiter die früheren Emigranten Weltner und B u ch i n g e r. Auch zwei Frauen wurden gewählt, und zwar Baronin Orosdy(christliche Wirtschastspartei) und Anna Kethly (Sozioldemotrotin). Der Mesfager IZolonais, das offiziös« Werbeorgan des polnischen Außenministers, hat, gleich der„Baltischen Press« in Danzig, sein Erlscheinen mit dem l.Iuü eingestellt. ein militarsstifch- nationalistischer Staat, der innen- und außen- politisch die Gewalt anbetet. Die Bolschewisten wollen ebenso wie die Faschisten verhindern, daß das Boll, insbesondere die Jugend, einen klaren Begriff von der Grauenhastigteit eines modcr- nen Krieges gewinnt. Daher die schrosse Ablehnung des Remarque- schen Pazifismus, der einfach als„bürgerlich" gekennzeichnet wird und damit diskreditiert werden soll. Im Lichte dieser Stellungnahme der russischen Kommunisten erscheint das Gebaren der deutschen Kommunisten nach dam Verbot des Remarque-Filmes im vergangenen Herbst als eine wider- �iche Heuchelei. Die kommunistische Reichstagsfraktion brachte es während des Winters fertig, einen Antrag einzubringen, wonach der Reichstag die Aufhebung des richterlichen Urteils der Ober« filmprüfstelle beschließen sollte. Dieser Antrag war eine juristische Unmöglichkeit. Das wußten die Komrnunisttn, ober es kam ihnen lediglich darauf an, die Sozialdemokraten, die diesen gesetzwidrigen Unfug nicht mitmachen wollten, wieder ein- mal zu„entlarven". Was dann auch in fpaltenlangen Schmäh- artikeln wochenlang geschehen ist. Die Sozialdemokraten sind dagegen den Weg gegangen, der allein Erfolg oersprach und der auch praktisch zum Erfolg geführt hat. Zehntau sende von Proletariern haben seit Tagen Ge- legenheit, als Mitglieder von Gewerkschaften und anderen Organi- sationen, den Remarque-Film zu sehen. Hunderttausende werden in ganz Deutschland folgen, die in diesen geschlossenen Vor- stellungen das wahre Gesicht des Krieges sehen und mehr denn je von Abscheu gegen den Krieg erfüllt sein werden. Viel« von denen, die auf diese Art den Film„Im Westen nichts Neues" gesehen haben oder noch sehen werden, sind kommunistisch« Wähler. Mögen sie dabei eingedenk sein, daß im„proletarischen Vaterland", in der Sowjetunion, das Werk Remarques als„proletarierfeindlich". weil pazifistisch, verfemt wird! Die kommunistische Konsumpleite. Konsumverein Halle in neuen Schwierigkeiten. halle. 3. Juli. Der Allgemeine Konsumverein Halle ist. nachdem durch den vor«inigen Tagen abgeschlossenen Vergleich seine Weiter- führung gesichert schien, erneut in große Schwierigkeit«,, geraten, über die ihn nur die Gerichtsserien hinweghelfen können. Die Schweizerin Frau Moser, die seinerzeit durch Aufkauf der Grundstücke rettend eingegriffen hatte, konnte den Kaufpreis für die Zentralgrundstücke nichterlegen. Ob Frau Moser den Kaufpreis nach den Gerichtsf«ricn erlegen kann, ist noch fraglich. Damit ist die Erhaltung des in Grund und Boden gewirtschafteten Konsum- Vereins erneut in Frage gestellt. „Eingang nur für Herrschasten." Das Hauptportal im Hitler-patais. Das braune Haus, der Münchener Sitz der Hakenkreuzcliqu« um Hitler und Röhm. besitzt«inen Hauptausgang und mehrere Nebeneingänx«. Der Haupteingang dient„nur für Herrschaf. ten". er darf nur von prominenten Nationalsozialssten benutzt werden. Gewöhnliche Hakenkreuzler, die nicht zu den hohen Würdenträgern gehören, müssen die Nebeneingänge benutzen. Die Trepp«, die im braunen Haus in dos erste Stockwerk führt, hat allein die Kleinigkeit von 30 000 M. gekostet. vi« Arbeitsräume für die unteren Angestellte« der Reichsleitung der Nazipartei liegen ganz oben im Dachgeschoß. In diesen Räumen hört der Luxus auf, dafür ist es im Sommer dort oben drückend heiß und im Winter eiskalt. Der Chef im Luxus- räum, der Angestellte in der Dachkammer— das ist das genaue Abbild de» Sozialismus, wie Herr Hitler ihn«Haßt. „Kameradentreue". Erlebnisse eines vom Tode auferstandenen EA.-Mannes. Die Hitler-Blütter sind täglich mit Aufrufen angefüllt, die zu Geldspenden für Gefangene und verwundete SA.-Leute auffordern. „Treue um T r e u e�, so heißt es da,„kein SA.-Mann soll das Gefühl der Verlassenheit bekommen." Danach müßte also jeder Verletzte oder wegen Ausschreitungen ins Gefängnis gesetzte SA.- Mann sicher sein, daß die Partei, die schließlich an seinem Schicksal in erheblichem Maße mitverantwortlich ist, ihn in jeder Hinsicht stützt. Wie es aber mit der Kameradcntreue der»ationilsozia- listischen Bonzen in der Praxis bestellt ist, zeigt der Fall c'nes Potsdamer SA.-Mannes, der eine geradezu unglaubliche Gewissen- losig keit der betelligten nationalsozialistischen Stellen enthüllt. Dieser SA.-Mann wurde vor etwa Iahren in Potsdam von Kommuni st en überfallen, schwer mißhandelt und in den Kanal geworfen. Eine hinzueilende Schupostreife zog den fast Bewußtlosen aus dem Wasser. Monatelang lag der Verletzte, dem fast sämtliche Zähne im Unterkiefer ausgeschlagen waren, im Krcmkenhaus. Als er noch seiner Genesung wegen der SA.-Ver- sicherung bei dem Gau Brandenburg vorstellig wurde, kam man zunächst mit Ausflüchten. Eine Rückfrage des Betreffenden in München ergab aber, daß dos Geld längst nach Berlin über- wiesen sei. Erst auf mehrfaches scharfes Drängen erhielt der Mann in kleinen Raten die Versicherung ausbezahlt. Das ganze Verhalten der Gaustelle ließ darauf schließen, daß mit den überwiesenen Vcr- stcherungsgeldern offenbar Mißbrauch getrieben worden war. Es kommt aber noch schöner. Derselbe SA.-Mann wurde im vergangenen September bei der Wahlpropaganda in No- wawes wiederum von Kommunisten überfallen, mit Hartholz- knüppeln niedergeschlagen und derart zugerichtet, daß er in be- deutlichem Zustande in das Krankenhaus N o w a w e s eingeliefert wurde. Am 12. September— zwei Tage vor den Reichstagswahlen!— wurde von den nationalsozialistischen Partei- stellen die Nachricht verbreitet, der schwerverletzte SA.-Mann M. sei g e st o r b e n. Die Folge war, daß mit dem angeblichen Tode des M. die letzten Tage vor der Wahl noch wüsteste Agitation ge- trieben wurde. Auch an ebenso ausreizenden wie gefühlvollen Nachrufen fehlte es nicht. So schrieb„Der Beobachter": „Seine Tat war unsere Tat und unser Kampf war sein Kampf. Wir werden seiner nie vergessen. Solange die alten Eichen und Fichten der Mark im Winde rauschen, solange ein deutscher Bauer noch seinen Pflug in die Erde setzt, solange wird dauern unser Dank für den Heldentod unseres SA.-Kame- raden." Wäre der Verwundete wirklich„nach Walhall eingegangen", so wäre ihm also nach den gefühlvollen Worten des„Beobachter" ewiger Dank gewiß gewesen. Da M. aber nicht daran dachte, für Hitlers Ruhm und Ehre zu sterben, sondern eines Tages als Wiedergenescner, wenn auch halber Krüppel, im Partei- büro erschien, wendete sich das Blättchen schnell. Hatte man dem Toten ewige Dankbarkeit geschworen, so hatte man für den Leben- den auch nicht das gering st e übrig. Jede Instanz drückte sich von der Unterstützung des Arbeitslosen und zunächst auch kaum Arbeitsfähigen, bis dem M. bei so ausgeprägter Kameradentreue der Geduldsfaden riß und es zu stürmischen Auftritten und Zu- sammenstößen kam. Die Folge war, daß der noch vor wenigen Monaten so gefeierte SA.-Held in großem Bogen aus der SA. und der Partei herausflog. Dieser Fall kennzeichnet die Gewissenlosigkeit und den nicht zu überbietenden Zynismus, mit dem in der Hitlerpartei Menschenleben und Menscheuschicksale aufs Spiel gesetzt werden. Widerlichste Heldenanbetung macht im nächsten Augenblick einem Fußtritt Platz, sobald der„Held" der mächtigen Bonzokratie unbequem wird. Selten ist wohl mit dem Wort„Treue um Treue" schändlicherer Mißbrauch ge- trieben worden, als in der Nationalsozialistischen Partei, wo die prassenden und in Palästen wohnenden Führer die SA.-Leute wohl sllr ihre Interessen sich kaputt schlagen lassen, ihnen aber in dem Augenblick die kalte Schulter zeigen, wo es gilt, nun auch ihrerseits die Kameradschaftstreue praktisch zu beweisen. Bestraster Hetzer. Gefängnis für Naziagitator. Görlitz, Z. Juli. Das frühere Hamburger Bürgerfchaftsmitglled, der Schriftsteller Wilhelm H ü t t m a n n, der sich jetzt in Oppeln befindet, hatte sich wegen Vergehens gegen das Republikfchutz- g e s e tz zu verantworten, weil er als Redner in verschiedenen Ver- sammlungen der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei die republikanische Staatsform verächtlich gemacht, dieReichs- färben beschimpft und die Reichstogsmitglieder beleidigt hatte. Der Angeklagte gab die ihm zur Last gelegten Ausdrücke zu, er- klärte jedoch, sie in einem ganz anderen Zusammenhang gebraucht zu haben. Der Staatsanwalt hielt den Angeklagten des Vergehens gegen das Republitschutzgesetz für schuldig und beantragte eine Gefängnis- strafe von fünf Monaten. Das Urteil lautete avfsiebenWochen Gefängnis. (Gewerkschaftliches siehe 2. 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