BERLIN Sonnabend 4 Juli 1931 10 Pf. Nr. 306 B 154 48. Jahrgang ErscheillttSglich außerSonntaz«. Zugleich Abendausgabe des.Vorwärts". Bezugspreis beide Ausgaben 8S Pf. pro Woche, s,K0M. pro Monat. Redaktion und Erpedition: Berlin SW68,Lindtnstr.3 Fernsprecher: Dönhoff(A 7) 292—297 Anzeigenpreis: Die einspaltigeNonparAllezelle 8« Pf., Reklamezeil« S M. Crmäßigunaen nach Tarif. Postscheckkonto: Vvrwärts-Verlag G. m. b. H.. Berlin Nr. 37 536.— Der Verlag behält sich das Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor! Polizei im Braunen Haus Alle Llniformierte zur Polizeidirektion gebracht München, 4. Znfl. Die polizeidircklion München erläßi mil sofortiger Wirksamkeit eine ortspolizeiliche Vorschrift, wonach es verboten ist. auf öffeut- lichen wegen. Strahen und Plätzen einheitliche Kleidung (Uniform, Bundestracht) sowie Armbinden zu tragen, durch die die Zugehörigkeit zu einer politischen Vereinigung oder zu einer Schuh- einrichtung einer solchen zum Ausdruck gebracht wird. Die Vor- schrift tritt am 15. Zuli 1931 auher Kraft. Heule nachmittag gegen%2 Uhr fuhren drei Lastautos der grünen Landespolizei vor dem Braunen haus vor. Ein Teil der Mannschaft begab sich ins haus. Diese Aktion der Landes- Polizei gründet sich lediglich aus die Verordnung der Slaatsregierung, die das llniformverbot erweiterte, und hatte lediglich znm Ziel, diese Verordnung durchzuführen. Das mit der Durchführung beauftragte Kommando der Landespolizei besehte das Braune haus und stellte Posten im Umkreis auf. Sämtliche in Uniform betroffenen Angehörigen der SA. wurden mil dem Kraftwagen zur Polizeidirektion zwecks Zeststel- lung ihrer Personalien gebracht. Sie wurden dann wieder entlasten. 2700 Eltern ins Gefängnis. Amnestie für Vraunschweiger Schulstreik abgelehnt. Braunschweig, 4. Juli.(Eigenbericht.) Tie sozialdemokratische Fraktion des Braunschweigischen Landtags hat einen Amnestiegesetz- entwurf vorgelegt, nach dem alle die Eltern, deren Kinder am zweitägigen«chulstrcik der weltlichen Schulen in Braunschweig teilgenommen haben straffrei bleiben sollten. Die 2700 Strafbefehle, die bei mehreren Kindern bis auf 15 Tage Hast lauten, sind von dem jüngsten Assessor des Polizeipräsidiums, der erst wenige Wochen im Amt ist, verfügt worden. Franzen erklärte jetzt im Haupt- auSschuß, daß er dem Amncstiegesetzentwurf ablehnend gegenüberstehe. Die Regierung will also, daß die Eltern ihre Strafen antreten sollen. Bis jetzt sind etwa 2000 Einsprüche eingelegt worden. Der BolkSParteiler, der den Ausschlag gab, erklärte ebenfalls seine Abneigung gegen eine generelle Maßnahme. Dabei ist zu beachten, daß dieser Abgeordnete Marquart vor wenigen Wochen durch Franzen zum Ministerialrat befördert wurde. Der Gesetzentwuf wurde dann gegen die Stimmen der Sozial- demokraten abgelehnt. Es sollen also 2700 Eltern inS Gefängnis! 1450 Todesopfer der Hihe. Aber auch 40 Millionen Mark Verluste an Sachwerten. London, 4. Zuli. Meldungen der Exchange Telegraphen Company zufolge hat die enorme Hitze in den vereinigten Staaten, die im Miltelweften bereits abzuflauen beginnt, in vielen Teilen des Landes auch noch am Areitag nacht angehalten und bisher l450 Todesopfer gefordert. Der Verlust an Ernte und Vieh wird auf etwa 40 Millionen Mark geschäht. Von allen Großstädten soll Ehikago mit 368 Toten am meisten gelitten haben, während in den Staaten 3owa 173, Wisconsin 164 und Mistouri 114 Tote verzeichnet wurden. Oberschlefische Justiz. Wie Nichter den Sinn verdrehen, um Nazi freizvfprechen. Oppeln. 4. Juli.(Eigenbericht.) Der„Vorwärts" hat vor kurzem von dem skandalösen Urteil des Schöffengerichts in Ratibor berichtet, durch das der Kriminal- a f f i st e n t Albin F a b e r in Ratibor vom Vergehen nach§ 5 des Republitfchutzgefetzes freigesprochen worden ist. obwohl diesem famosen Kriminalassistenten nachgewiesen werden konnte, daß er in einer Naziverfammlung als Diskussionsredner geäußert habe, daß„in Oberschlesien von dem marxistisch verseuchten Staat das Deutschtum bekämpft werde". Hoover-Plan wird durchgeführt Grundsätzliche Einigung Paris— Washington heute nacht erzielt Paris, 4. Juli.(Eigenbericht.) Frankreich und Amerika sind im Laufe der Nacht zum Sonnabend zu einer grundsätzlicheu Einigung über den Vorschlag HooverS gelangt, die aber noch der Be» ftätigung durch die französische und amerikanische Regie- rung bedarf. * Die Beratung zwischen den Amerikanern und Franzosen, die um 21 Uhr 30 begonnen hatte, war gegen Mitternacht zu Ende. Gegen%1 Uhr wurde der Presse folgendes Kommunique übergeben: „Die Delegierten der beiden Regierungen haben die Prüfung des Vorschlages des Präsidenten hoover und der französischen Note fortgesetzt. Schatzsekretar Mellon hat bestätigt, daß die amerikanische Regierung beschlossen habe, die Aufrechterhaltung der Zahlung der im Poung-Plon vorgesehenen ungeschützten Annuität durch Deutschland anzunehmen. Andere Meinungsver- schiedenheitcn, die von geringerer Bedeutung sind, sollen einem Ministerrat unterbreitet werden, der heute nachmittag statt- findet. Die Einigung über den technischen und finanziellen Teil der Verhandlungen dürfte unter Vorbehalt der Zustimmung der anderen interessierten Mächte sehr bald zustande kommen." Aus dem Schlußsatz dieses Kommuniques geht hervor, daß die Signataurmächte des Poung-Planes wahrscheinlich in kurzem zu einer Konferenz zusammentreten werden, um verschiedene Fragen, vor allem die des Garantiefonds, zu regeln. Nach dem „Petit Parisien" sollen sich Frankreich und Amerika dahin geeinigt hoben, daß der Garantiefonds im Falle eines Moratoriums für die geschützten Zahlungen nicht von Frankreich, sondern durch eine internationale Anleihe aufgebracht wird. Dazu bedarf es der Zustimmung aller Unterzeichner des Pounr-Planes. In bezug auf die Rückzahlung der Deutschland gestundeten Summe hat Amerika nach derselben Zeitung den Vorschlag Frankreichs angenommen, wo- nach im Prinzip die Rückzahlung nach fünf Iahren erfolgen soll. Diese Frist kann aber jeweils um fünf Jahre verlängert werden, so daß Rückzahlung tatsächlich erst in etwa 15 Iahren oder gar 20 oder 25 Iahren erfolgt. Parlamentssession beendet. Paris, 4. Juli.(Eigenbericht.) Die Tagung des französischen Parlaments ist heute früh um 2.30 geschlossen worden, nachdem Kammer und Senat die wich- tigsten ihnen vorliegenden Gesetzentwürfe, die aber keine inter- nationale Bedeutung haben, angenommen hatten. Die Börse macht schlapp. pariser Verhandlungsabschluß bleibt ohne Eindruck. Die Börse, die trotz der Verzögerung der pariser Verhandlungen die ganze letzte Woche einen bemerkenswerten Oplimis- mus aufrechterhalten hatte, machte heule zum Wochenende völlig schlapp. Die Stimmung wurde besonders durch das Gerücht beeinflußl. daß die Reichsbank sich in der nächsten wache zu weiteren verschärften Maßnahmen bei der Sredildrosselung entschließen könnte. Die Stimmung verschlechterte sich noch mehr, als aus Wien Meldungen über eine völlige Pleite des Bankenkönigs Rothschild einliefen. Vach einer zunächst noch zuversichtlichen Stimmung im Freiverkehr des vormittags fanden mehrere schwere Kurseinbrüche stall, so bei Siemensaktien. die um 9 Punkte von 169 auf 151 proz. sanken, Z. G. Zarben ginge« von 138 bis auf 131 zurück und Kaliwerke Salz- delhfurt. die in letzter Zeit verhältnismäßig fest geblieben waren, sanken von 206 bis auf 191 proz.— Die Devisen- abznge, die auch heute noch anhielten, sollen sich gegen gestern verringert haben. Für jeden logisch denkenden Menschen liegt in dieser Aeußerung eine beabsichtigte Herabsetzung des heutigen Staates, und man mußte daher auf die schriftliche Urteilsausfertignng be- sonders neugierig sein. Wie würden die oberschlesischen Berufsrichter diesen Freispruch begründen? Nun liegt uns die Urteilsausfertigung vor und wir müssen ge- stehen, daß sie alle Erwartungen übertrifft. Jenes Urteil, durch das seinerzeit ein Naziflegel, der die Reichsfarben mit Schwarz-Rot- Mostrich bezeichnet hotte, freigesprochen worden war, weil ihm nicht nachzuweisen gewesen sei, daß er die Reichsfarben und nicht die Farben des Reichsbanners gemeint habe, ist durch das Ratiborer Urteil weit in den Schatten gestellt. Wozu sich überhaupt in solche juristische Ueberlegungen wie bei dem Schwarz-Rot-Mostrich-Urtetl einzulassen, wenn man es— wir zitieren das Urteil— folgendermaßen machen kann: „Die Hauptoerhandlung hat jedoch eine Schuld des Angeklagten nicht ergeben. Zwar ist durch die Bekundungen der eidlich gehörten Zeugen Rostalski und Zniszol gegenüber dem Bestreiten des Ange- klagten, der den Ausdruck„Staat" überhaupt damals nicht gebraucht, sondern nur von dem Eindringen marxistischer Elemente in die oberschlesrsche Kriminalpolizei gesprochen haben will, erwiesen, daß der Angeklagt« am 12. Januar 1931 in einer Versammlung der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei als Diskussionsredner geäußert hat, er habe fe st gestellt, daß hier oben— in Oberschlesien— v ö n dem marxistisch verseuchten Staat das Deutschtum bekämpft werde. Doch konnte in dieser Aeußerung ein Vergehen gegen das Republikschutzgesetz n i cht erblickt werden. Denn es ließ sich nicht feststellen, in welchem Zusammenhang der Angeklagte, der damals im wesentlichen sich öffentlich wegen der gegen ihn im Oktober 1930 erfolgten Amts- enthebung wegen— von ihm bestrittener— nationalsozialistischer Betättgung hat rechtfertigen wollen, die in Frage stehende Rede- Wendung gebraucht und was oder wen er mit dem Ausdruck„Staat" gemeint hak. Er kann damit den preußischen Staat, die Staatsregierung, aber auch die Führer einer politischen Partei oder irgendwelche staatlichen Organe gemeint haben. Infolgedessen war er mangels einer ausreichenden Feststellung im Sinne des Erössnungsbeschlusses mit der Kosten- folge aus 88 464, 467 StPO. freizusprechen." Die deutschen Gerichte werden nach diesem Beispiel, falls die eingelegte Berufung keinen Erfolg haben sollte, künftig untersuchen müssen, ob ein Angeklagter, der blau gesagt, wirklich blau und nicht rot gemeint habe. Jedenfalls kann eine Rechtspflege, die in solcher Werse Recht spricht, jedes Kunststück vollbringen. Am Anfang d«s Urteils aber steht:„Im Namen des Volkes!" Herr Zustizministeri Was gedenken Sie gegen die Sabotage des Gesetzes zu unternehmen? Schmeling bleibt Weltmeister. Eleveland. 4. Juli. In dem Kampf um die Box-Weltmeisterschaft im Schwergewicht zwischen dem deutschen Titelverteidiger Max Schmeling und dem amerikanischen Herausforderer Poung Stribling, der gestern abend im hiesigen Stadion vor etwa 40000 Zuschauern stattfand, siegte Schmeling durch technischen k. o. 46 Beduinenräuber erschossen. pari». 4. Juli. Im südlichen Teil von Marokko kam es in der Nacht zum Freitag zwischen den Einwohnern eines unter französischer„Schutz- Herrschaft" stehenden Dorfes und etwa 60 Beduinen eines noch nicht unterworfenen Stammes zu einem blutigen Kampf, als die Beduinen in das Dorf eindrangen und es zu plündern oersuchten Im Verlaufe des Feuergesechtes wurden 46 der Räuber er- schössen, während es den übrigen 14 gelang, die Flucht zu er- greisen. Auf feiten der Angegriffenen sind fünf Tote, darunter das Oberhaupt des Dorfes, zu beklagen. Oer getarnte Kommunist. Sie Gesinnung in der Hosentasche. Herr Bruno Frei, der nicht Kotnmunist sein will, schickt uns eine sogenannte Berichtigung. Sie lautet: „Sie schreiben:„Herr Bruno Frei, der Chefredakteur von Münzenbergs„Berlin am Morgen", fühlt sich in seiner Ehre an- gegriffen, weil amtliche Stellen das Münzenbergblatt als kommu- nistischcs Blatt und seinen Chefredakteur als Kommunisten be- zeichnet haben." Das ist unwahr. Wahr ist vielmehr, daß Herr Bruno Frei, Chefredakteur von Münzenbergs„Berlin am Morgen", sich in seiner Ehre nicht angegriffen fühlt, weil amtliche Stellen das Münzenbergblatt als kommunistisches Blatt und seinen Chef- redakteur als Kommunisten bezeichnet haben. Wahr ist ferner, daß nicht amtliche Stellen, sondern das Hugenbergsthe Korrespondenzbüro, die Telegraphen-Union, das Münzenbergblatt als kommunistisches Blatt bezeichnet hatte. Sie schreiben serner:„Er verlangt Berichtigungen, um seine oerletzte Ehre wiederherzustellen." Das ist unwahr. Wahr ist vielmehr, daß er keine Berichti- gungen verlangt, um seine verletzte Ehre wiederherzustellen, und wahr ist ferner, daß seine Ehre nicht verletzt wurde. Sie schreiben serner:„Der Kommunist Bruno Frei scheint es für eine Schande zu halten, Kommunist zu sein, wie sein Chef, Herr Münzenberg/ Das ist unwahr. Wahr ist vielmehr, daß ich es nicht für eine Schande halte, Kommunist zu sein. Tatbestand: Alle amtlichen Stellen der preußischen Regierung haben bisher„Berlin am Morgen" als das bezeichnet, was es ist, als ein kommunistisches Blatt. Als die Telegraphen-Union meldungs- mäßig diese Auffassung wiedergab, erhielt sie eine Berichtigung von Herrn Frei. Auf eine Rückfrage bei einer amtlichen Stelle wurde ihr bestätigt, daß„Berlin am Morgen' ein kommunistisches Blatt sei. Herr Frei ober hat der Telegraphen-Union einen Brief ge- schrieben, in dem es heißt: „Wir sind neugierig, zu erfahren, nach welchen Kriterium Sie die Parteizugehörigkeit unserer Zeitung feststellen. Da wir nicht das Organ einer Partei sind, scheint die parteipolitische Ab- stempelung unangebracht." Herr Frei wollte seinen Kommunismus verleugnen, er wollte sich der Telegraphen-Union des Herrn Hugenberg als honorigen Mann vorstellen, der mit den Kommunisten nichts zu tun hat. Er hat sozusagen seine Gesinnung in die Hosentasche gesteckt. Da helfen keine Ausreden mehr! Mordhehe. Die Kommunisten werden auf den Mann dressiert. Der Aufruf des Berliner Bezirksvorstandes der Sozialdemo- kratifchen Partei gegen die kommunistische Mordhetze wird von der „Roten Fahne" mit einem Musterbeispiel von Mordhetze beant- wartet, das sich gegen den Genossen Franz Künstler richtet. Rur einige Proben: „Blutkünstler meldet sich wieder.— Der Provokateur der Berliner Maitage— dieser Mensch, dem die Provokation schon so in Fleisch und Blut übergegangen ist— provokatorische Blut- Hetze— lügnerische Borwände— Künstlers Provokationshetze." Künstler ist nicht in Berlin, er Hot an den letzten Sitzungen des Bezirksvorstandes nicht teilgenommen, trotzdem wird diese Hetze ouf.-ihn gezielt. Warum? Weil die traurigen Burschen in der' Redaktion der„Roten Fahne" ihre Leute auf den Mann dressieren wollen, weil sie eine Zielscheibe für ihre systematische Mordhctz« brauchen. Der Beweis der Mordhetze ist mit diesem Angriff gegen Künstler von der„Roten Fahne" in der eindeutigsten Form erbracht worden. Der Tarif bleibt billig. Schamlose Gemeinheiten kosten 400 M. Liegnitz, 3. Juli.(Eigenbericht.) Das Erweiterte Liegnitzer Schöffengericht oerurteilte den Nazi- Hetzapostel Friedrich Wilhelm Lött aus Lüneburg wegen B e- leidigung zu 400 Mark Geldstrafe. Lött hatte in der Zeit vom 22. Oktober bis 19. Dezember 1929 in Noziversammlungen seinen Hörern die üblichen schamlosen Schmähungen führender Männer der Republik vorgesetzt. Es wurden ihm Beleidigungen in 12 Fällen zur Last gelegt. Heber den früheren preußischen Innenminister G r z e s i n s k i hatte er das längst widerlegte Märchen von seiner jüdischen Abstammung verbreitet und im jüdischen Jargon von seinem Heidschnuckenfell, seinen Plattfüßen, krummen Beinen, Hängebauch, und wunderlichem Geruch gesprochen, so daß er bei der Landung mit dem Zeppelin in Amerika gleich einen Kinnhaken bekommen habe, weil man nicht geglaubt habe, daß so ein Preuße aussehe. Den Oberpräsidenten der Provinz Riederschlesieu Lüdemann bezeichnete Lött wider besseres Wissen als Vollblutjuden. Lüdemann habe, wie die anderen Juden, nur in seine Tasche gewirtschaftet und müsse beseitigt werden. Den Reichswehrminister Groener und den Chef der Heeresleitung Heye soll Lött als Reichsjammerführer bezeichnet haben. Von dem Berliner Polizeivizepräsidenten Weiß hatte Lött erklärt, er sei ein plattsüßiger Jude und er würde ihn gerne aufbaumeln, wenn er nicht die beste Propaganda wäre. Der Staatsanwalt bezeichnete die Verleumdungen des Lött als schamlose Gemeinheiten und beantragte, da eine Geld- strafe nie ihren Zweck erreichen könne, 6 Monaten Gefängnis. Das Gericht verurteilte den Angeklagten wegen Beleidigungen Grzesinskis zu 300 M. Geldstrafe und wegen Beleidigung von Dr. Weiß zu 100 M. Geldstrafe oder 40 Tagen Gefängnis. Im Fall Groener und Heye wurde der Hetzer freigesprochen. Im Falle Lüde- mann wurde die Entscheidung vertagt. Laboursieg für Bodenreform. Lloyd George gegen Simons„Oreigroschen> Gewissen". London, 4. Juli.(Eigenbericht.) Das Unterhaus nahm am Freitag mit 52 Stimmen Mehrheit das B o d e n st e u e r g e s s tz an. Vor der Abstimmung rechnete Lloyd George in scharfer Weise mit dem aus der liberalen Fraktion ausgetretenen Abgeordneten Simon und seinem Anhang ab. Lloyd George machte seinem ehemaligen Parteifreunde insbesondere den Borwurf, daß er eine geringe Differenz iiber das Bodensteuer- gesetz zur Sache eines Prinzips und des Gewissens gemacht habe. Das fei eine Art vo'n„Dreigroschen'-Gewijsen. 1904 habe Simon da» Bodensteuergesetz selbst als wichtige Forderung auf die Parteifahne geschrieben und al» ihm jetzt der Versuch, diese Forde- rang zu streichen, nicht gelungen sei, habe er das Parteischifs ver- laffen. Schlange stehen! Die Erholung des russischen proleien im Arbeiierparadies „Bist du der letzte?— Ich steh« hinter dir!" Diese beiden Sätze hört man zur Zeit im sowjctrussischen Arbeiterporadies auf Schritt und Tritt: denn überall muß die Bevölkerung Schlange stehen, wenn sie irgendeinen für das tägliche Leben notwendigen Gegenstand kaufen will. Man stellt sich, so schreibt ein Moskauer Mitarbeiter des„A d v a n c e", des Organs der amerika- nifchen Herrenkonfektionsarbeiter, ohne viel Umstände irgendwo an, wo man das Ende der Schlange vermutet. Dann fragt man den Nachbar, ob er der letzte sei. Erst nach dieser Frage fragt man ihn, um was er denn eigentlich ansteht, was hier verkauft wird. Wahrscheinlich weiß er es selbst nicht. Aber das macht nichts. Er antwortet:„Wenn hier eine Schlange steht, gibt es etwas zu verkaufen. Und wenn es etwas zu verkaufen gibt, soll man zu- greifen, selbst wenn man es nicht sofort braucht: man wird es morgen brauchen, und dann wird es nicht mehr zu haben sein!" „Eines Tages ging ich", so schreibt der Gewährsmann des „Advance",„durch die Straßen mit einem Kleidungsstück über dem Arm und einem anderen über der Schulter. Eine Frau kam daher: „Verkaufst du den Rock?"„Nein."„Hast du ihn eben gekaust?" „Nein." Wenn ich ja gesagt hätte, wäre die nächste Frage gewesen: „Wo hast du ihn gekauft? Kann man da noch einen bekommen?" Heute lautet die Frage in Moskau nicht:„W i e teuer?", sondern: „W o kann man kaufen?" Wenn man heute— so schließt das Stimmungsbild des „Advance"— jemand findet, der bereit ist, für einen Schlange zu stehen, kann man sich glücklich schätzen: denn wie soll man sonst zu etwas kommen? Man muß auf die Arbeit, dann vraucht man das bißchen freie Zeit zum Anstehen, um von irgendeinem Ver» kehrs mittel mitgenommen zu werden. Auch da geht die Be- förderung der Reihe nach. Will man mitkommen, muß man sich hinten anstellen und sofort den Bordermann fragen:„Bist du der letzte?" Und hat man einen freien Tag, dann braucht man nichts anderes zu tun, als sich anzustellen. Ein sauberes Paradies, in dem man genau wie bei uns während der Kriegszeit zwischen Hunger und Arbeit rennen muß, um sich irgendwo, wo es irgend etwas gibt, anzu- stellen. Schlange stehen— das ist die Erholung des russischen Proleten. Ohne Morphium keine Freude. Eine 21 jährige Süchtige vor Gericht. In ein städtisches Krankenhaus wird eines Tages eine Zwanzig- jährige eingeliefert— im Aetherraufch: man hat sie auf der Straße aufgelesen. Die Ermittlungen ergeben trübe häusliche Verhältnisse. Ihr eigentliches Schicksalsdrama beginnt aber mit den mehr als freundschaftlichen Beziehungen zu einer— Aerztin, die die damals erst Achtzehnjährige mit Morphium versieht. Hinterher gibt es noch andere Freundinnen und noch mehr Morphium. Als das Mädchen aus dem Krankenhause entlassen werden soll, rät ihr der Oberarzt Dr. Haase, sich freiwillig einer Entziehungskur zu unter- werfen: sie meinte aber, sie hätte ohne Morphium keine Freude am Leben und geht davon. Wenige Stunden später wird sie zum zweitenmal im Aetherraufch ins Krankenhaus zurückgebracht. Jetzt ist sie willig, eine Entziehungskur durchzumachen. Nach drei Wochen wird sie entlassen. Am 13. Juni wird sie im Kaufhaus des Westens verhaftet, sie hatte auf den Namen eines Arztes einen Rezeptblock bestellt, um sich selbst Morphium verschreiben zu können. Vor dem Schnellschöffengericht stand nun wegen Vergehens gegen das Opiumgesetz ein blasies, elend aussehendes Geschöpf, das krankhafte Produkt gewisser Dielen und Kaffees des Berliner Westens, die Zeichen der unglückseligen Sucht im Antlitz. Der Oberarzt des Moabiter Krankenhauses, Dr. Haafe, nannte die Einundzwanzigjährige eine schwere Psychopathin: der Verdacht des beginnenden Jugendirreseins sei nicht von der Hand zu weisen, die Anwendung des Paragraphen 51 käme wohl in Betracht: das einzige Mittel, sie zu retten, sehe er darin, sie zu entmündigen und sie zu einer Entziehungskur zu zwingen. Der Arzt des Krankenhauses am Untersuchungsgefängnis wollte sie dagegen einer sechswöchigen Beobachtung in einer Irren- anstalt überwiesen sehkn..Da ein. Gerichtsbeschluß jedoch nur nach Anhörung eines Verteidigers möglich ist, beantragte der Staats- anwalt die Vertagung der Verhandlung unter Aufrechterhaltung des Haftbefehls. Das Gericht gab sich jede erdenkliche Mühe, das junge Mädchen nicht einfach auf die Straße entlasten zu müssen, sah sich ober gezwungen, den Haftbefehl auszuheben, ohne die Möglichkeit zu haben, die Einundzwaryigjährige in irgendeinem Heim unter- zubringen. Wer weiß, ob sie nicht zum neuen Gerichtstermin in 14 Tagen in einem Aetherraufch erscheint. Der Zuhörer sagte sich aber: Auch in diesem Fall« wäre der Beistand einer Gerichtshilfe vonnöten gewesen: zu- mal sie vom Staatsanwalt benachrichtigt worden war. Hätte eine Fürsorgerin während der 16 Tage, da die Einundzwanzigjährige in Untersuchungshaft war, mit ihr Fühlung genommen, hätte sie auch der Verhandlung beigewohnt, vielleicht hätte dann das Gericht die Angeklagte mit ruhigerem Gewissen der Freiheit wiedergegeben im Bewußtsein, daß sie in einem Heim Unterkunft findet, nicht aber in dem ungesunden Dielenmilieu des Berliner Westens zurückkehrt. Kommunisten unierstühen Mörder. Litfaßsäule von Kommunisten angezündet. Seit Togen ist die Berliner Polizei bemüht, eine Spur von dem kommunistischen Mörder an dem Schupooberwacht- mestter Genosten K u h f e l d zu finden. Leider sind bisher alle Bemühungen ohne Erfolg geblieben. Um das Publikum zur Mit- arbeit an der Aufklärung dieses neuesten kommunistischer, Ver- brechens heranzuziehen, sind bekanntlich an sämtlichen Litfaßsäulen Plakatierungen erfolgt. Die Plakate sind den Kommunisten natür- lich«in Dorn im Auge und allenthalben wird versucht, die Plakate zu vernichten. In der vergangenen Nacht wurde von kommunistischen Burschen in der W i c l e f st r a h e in Moabit gleich eine ganze Litfaßsäule mit Benzin über- gössen und angezündet. In zahlreichen anderen Fällen begnügten sich die Täter mit dem Unkemillichmachen der Plakate. Leider ist es in keinem Falle gelungen, auch nur einen der Burschen sestzunehmen. * Die Bestattung unseres von den Kommunisten ermordeten Ge- nosten, des Schutzpolizeioberwachtmeisters Kuhfeld, findet nicht, wie irrtümlich mitgeteilt wurde, auf dem Friedhof Pankow-Schön- Hausen statt, sondern vom Gemeindefriedhof Pankow- S ch ö n h o l z, an der Bahnhof- und der Danckelmannstraße gelegen, und zwar am Dienstag, dem 7. Juli, nachmittags 3 Uhr, (Straßenbahnlinien 47 und 57.) Z�äiselhaster Erpressungsversuch. Weil die Spartakiade beginnt. Ein E r p r e s s u n g s v e r s u ch, der möglicherweise als die Tat eines Geistesgestörten anzusehen ist, wurde am Sonnabend gegen mittag in der Friedrich-Ebert-Straße verübt. In den Geschästsräumen eines Industriellen er- schien dort gegen WYt Uhr ein etwa 30 Jahre alter Mann, der als seinen Namen„PetersenausHamburg" angab. Er wünschte den leitenden Direktor zu sprechen und wurde in das Chefbüro ge- bracht. Dort erklärte er dem Direktor, er habe von seiner Partei (welche, nannte er nicht) den Auftrag, sofort die Aus- zahlung von 18 500 Mark zu verlangen. Als der Di- rektor ihm klarzumachen suchte, daß er solche Summe nicht gleich zur Hand habe, überreichte der Erpresser einen Zettel, auf dem seine Forderung schriftlich wiederholt war mrt der„Begründung", daß die Spartakiade morgen beginne. Der angebliche Petersen zog auch eine Pistole und bedrohte damit den Industriellen. Aus das laute Sprechen hin waren Angestellte des Betriebes auf- merksam geworden, eilten in das Zimmer, überwältigten den Mann, nahmen ihm die Schußwafte weg und brachten ihm zur Wache des 1. Polizeireviers in der Georgenstraße. Hier verweigert der Fest- genommene jede Angabe._ Els vom Giamm Goldberger. Zigeuner beim Karpfenfang erwischt. Reim verbotenen Zischen wurden in der vergangenen Dacht elf Zigeuner festgenommen, die sich zum Sonntag ein schmack- Haftes Karpfengericht holen wollten. In dem sogenannten F a l k e n s e e, der zum Gutsbezirk Falkensee bei Lichtenberg gehört und in Privatbesitz ist, wird eine große Karpfenzucht betrieben. Schon öfter waren wilde Fischer gekommen und hatten Karpfen gestohlen. Der Besitzer entschloß sich endlich, einen Wächter anzustellen. In der vergangenen Nacht beobachtete dieser, wie ein ganzer Schwärm von Män- nern mit Blendlaternen und Angelgerät herankam und zu fischen ansing. Der Wächter lief nach dem Gutshause hin- über und holte das Personal. Der See und die Fischerkolonne wur- den umstellt, und es gelang, alle elf zu fasten. Aus der Revier- wache ergab sich, daß es alles Zigeuner waren, die zu dem Stamme Goldberger gehören, dessen Wagen in der L a n d s- berger Allee aufgefahren sind. Die Festgenommenen mußten die Fischdiebstähle zugeben, behaupten aber, sie hätten nicht gewußt, daß der Teich Privateigentum sei. Im Lokal niedergeschoffen. Verhängnisvoller Ausgang eines Streites. Zn einem Lokal am Schissbauerdamm kam es in der vergangenen Dacht zu einer blutigen Revolverschießerei. Zn einer Gastwirtschaft waren mehrere Gäste aus noch unbc- kannten Gründen miteinander in Streit geraten, der in eine Schlägerei ausartete. Doch ehe der Wirt die Gegner auseinander- bringen konnte, zog der Arbeiter Gustav Riebe aus der Augusia- vikloria-Allee in Reinickendorf- West plötzlich eine Pistole aus der Tasche und feuerte mehrere Schüsse ab. Der 25jährige Zapser Egon G r u n o w wurde von einer Kugel in d e n Unterleib getroffen. Mit lebensgefährlichen Verletzungen wurde G. in die Ehorite übergeführt. Der Täter ist von der Kriminalpolizei festgenommen worden. SPD. mildert Standgebühren. Einstimmig angenommene sozialdemokratische[Resolution. Die Deputation für das Markthallen- und M a r k t w e s e n stimmte endgültig der Milderung einer na- mentlich festgelegten Reihe von Härten bei den S t a n d g e b ü h- ren in den Markthallen zu. Deshalb beantragt sie erneut. daß der Magistrat 20 Prozent des Markthallenfonds sofort sür unaufschiebbare Umbau- und Erneuerungsbauten freigibt. Zugkatastrophe in Amerika. Bisher 25 Verlehte. Dew gork, 4. Juli. Bei Newhaven im Staate Connecticut streß ein New-Porker Schnellzug mit einem Personenzug zusammen. Der erste Wagen des Personenzuges, der von der Lokomotive ein- gedrückt wurde, fing sofort Feuer. 25 Fahrgäste wurden durch Brandwunden und Quetschungen mehr oder minder schwer verletzt. Wafferstuten in der Mandschurei. Nach Meldungen aus Schanghai sind große Land- st r i ch e im südöstlichen Teil der Mandschurei von großen Ueber- schwemnrungen heimgesucht worden. Ueber 100 Menschen sowie große Viehherden sind in den Fluten ertrunken. Durch an» haltende schwere Regengüsse sind die Flüsse über die Ufer getreten und haben viele Dörfer und Bauerngehöste sortgerissen. Tau- sende von Menschen sind durch die Katastrophe obdachlos geworden und suchen sich und ihre Habe in die höher gelegenen Teile des Landes in Sicherheit zu bringen. Zuristenkonferenzen im Reich. Die Vereinigung sozialdemo- krotischer Juristen hält am Sonntag, dem 5. Juli 1931, im Gewert- schaftshaus. in Breslau eine schlesische Konferenz ab, wo Rechtsanwalt Dr. Franz Neumann, Syndikus des Baugewerks- bundes, über die Bedeutung der Grundrechte in der Verfassung spricht. Am gleichen Tage findet im Gewerkschaftshaus in Essen eine westdeutsche Konferenz statt, wo Rechtsanwalt S ch ü ck i n g über die Errichtung eines arbeitsrechtlichen Instituts in Dortmund spricht. Der Kolonialimperalismus Kolonialpolitik bleibt Kolonialpolitik Der Spielplan der Volksbühne. Der definitive Spielplan der Volksbülzne und der ihr zur Der- fügung stehenden Theater steht zwar noch nicht fest. Immerhin hat jede Buhne doch schon eine Reihe von Werken ausgewählt, die zur Zlufsührung gelangen sollen. So wird der Spielplan des Thealers am Bülowplatz voraussichtlich folgende Werke umfassen: Georg Kaiser:„Nebeneinander"; Shakespeare: „T i m o n von Athen(in emer Neubearbeitung von Ferdinand Bruckner): Shaw:„Androclus und der L ö w e": Anzen- grubcr:„Das vierte Gebot"; Hasek:„Schwei, k"; Nestroy: „Freiheit in Krähwinkel". Als Einstudicrungen für die Sonderabteilungen sind bisher in Aussicht genommen: Kraus:„Die Unüberwindlichen" und Rostand:„Der Mann, den sein Gewissen trieb". Bei der Bestimmung der weiteren Werke wird ebenso wie bei der erfolgten Auswahl der Wunsch maß- gebend sein, den Mitgliedern mehr als bisher neben den ernsten aufrüttelnden Werken auch heitere, unterhaltsame Stücke zu bieten. Das Schiller-Theater kündigt für das Spieljahr 1931/32 zunächst an: Schiller:„Die Räuber"; cholberg:„3eppe vom Berg e"; Rostand:„C y r a n o"; chirschscld:„Agnes Jordan"; Kyser:„Schicksal um Jork"; Raimund:„Alpenkönig und Menschenfeind". Auch hier wird die Liste noch durch weitere Einstudierungen ergänzt werden. Die Oper Unter den Linden hat in ihrem Repertoire fast alle bedeutenden Werke der Opernliteratur. Welche davon in den Borstellungen für die Bolksbühne gezeigt werden sollen, ist noch nicht endgültig festgelegt. Die ersten Aufsührungen werden sein: Weinberger:„Schwanda, der Dudelsackpfeifer"; Verdi:„Der Maskenball": Verdi:„Der Troubadour" und Mozart:„2>ie Ent- sllhrung aus dem Serail". Sehr viel Schönes haben die Mitglieder der Dolksbaihne im Hinblick auf die regielichen und darstellerischen Leistungen zu erwarten. Das Theater am Bülowplatz unter der Leitung K. H. Martins mit Günther S t a r ck und Arthur Maria R a b e n a l t als Regisseuren, wird sich nach wie vor auf ein ausgewählt gutes Ensemble stützen: die großen Erfolge, die im letzten Jahr die Gastspiele von Max Pallenberg und Hans Albers brachten, haben die Direktion aber veranlaßt, auch mit anderen be- deutenden Künfllern Fühlung zu nehmen. Voraussichtlich werden Max Pallenberg und Hans Albers ihr Gastspiel wiederholen. Fritz K o r t n e r wurde gewonnen, um den Timon zu spielen. Rudolf Forst er dürste in Nestroys„Freiheit in Kräh- winkel" mitwirken. Mit besonderer Freude wird man schließlich hören, daß sich auch Käthe Dorsch der Volksbühne zur Verfügung gestellt hat. „Saliarello." Titania-palast. Nur auf dem Lande, bei den Bauern wohnt das Glück. Wer den Acker bestellt oder die Weinrebe pflanzt, ist ein anständiger Mensch. Die Städter präsentieren sich im Gegensatz dazu als moralische Finsterlinge. Schließlich wird der adlige Grundbesitzer bekehrt, er oer- läßt das Sündenbabel Rom und seine mondäne Frau, heiratet die Tochter seines Verwalters, eine blonde, derbe Unschuld, und das Gut, bis dahin über und über verschuldet, wächst, blüht und ge- deiht. Eine sehr einfache Problemstellung. In Nebenszenen geistert ein böser Bauleiter herum, der durchaus die Bauern aus ihren schiefern Häusern vertreiben möchte. Die Bauern verhauen ihn und brennen die Campagnakaten selbst ab. Am Ende werden sie neu aufgebaut.-------... Diese Handlung, die nicht einmql einem sentimentalen Unter- Haltungsroman zur Zierde gereichen würde, ist von dem Regisseur Constantin I. David mit großen, dekorativen Mitteln inszeniert worden. Sehr schön sind die Aufnahmen italienischer Landschaften, die Photographien der römischen Campogna, die im Abend verdämmert. David sucht das Stimmunasmäßige der Natur und auch der Bauten. Er gibt das Lastende, Unheimliche einer romanischen Burg, die als Gutshaus dient, ober er gibt zuviel davon. Diese Bilder, die em Geschehen akzentuieren können, werden zum Selbst- zweck, überwuchern die Handlung. Denselben Mangel an Oekono- mie zeigt David bei den Gesangseinlagen. Die Bauern tun nichts weiter, als Opernstatisten zu spielen und Chöre zu singen. Dagegen vergißt David die Schouspielcr. Sie bleiben ohne Ausdruck. S ch l e t t o w ist farblos, und selbst Maria S o l v e y wächst aus einem blassen Typ diesmal nicht heraus. Winter- stein allein in der Rolle des Verwalters gibt eine umrisiene Per- fönlichkeit. Leb. Beratungsstelle für Kriminalschriststeller. Der Weizen der Verfasser von Kriminalromanen und Detektiv- aeschichten blüht heute mehr denn je, und es wird diesen betrieb- samen Autoren nicht immer leicht, neue Verwicklungen zu finden und unerhörte Tricks zu ersinnen. Es gibt aber, wie Essad-Bey in der „Literarischen Welt" allen Interessenten mittellt, eine Fundgrube für Kriminaldichter, und diese befindet sich an sehr zugänglicher Stelle, nämlich im BerlinerPolizeipräsidium. Verschiedene Ab- teilungen, die sich unter Namen wie„Kriminalistische Beratungsstelle", „Kriminal-Museum",„Kriminal-Archiv" usw. verbergen, stehen den literarischen Kunden zur Verfügung, und diese können hier die srucht- borsten Anregungen für ihre etwas schwach gewordene Phantasie er- holten. Die aufregendsten Kriminalgeschichten der Welt werden hier in den Archivmappcn ausbewahrt und denen zur Einsicht überlassen, die sich über geheimnisvolle und spannende Fälle unterrichten wollen. Die neuesten und raffiniertesten Methoden der Einbruchstechnik werden den Besuchern vorgeführt, und liebenswürdige Beamte geben Aus- kunft über all die vielen Mittel, die Polizei hinters Licht zu führen, und die nicht minder große Zahl von Methoden, mit denen man die Betrüger entlarvt. Das Leben, das noch erfinderischer ist als das kühnste Dichterhirn, bietet einen unerschöpflichen Stöfs für neue literarische Schöpfungen. Die Polizei gibt gern die gewünschten Aus- künfte, denn ihr liegt daran, daß möglichst richtige Vorstellungen über Polizei und Verbrecherwelt im Publikum verbreitet werden. Immer noch„fahrendes Volk"? Der Verband der französischen Künstler ist zurzeit mit einem Falle beschäftigt, der lebhast an die „gute, alte Zeit" erinnert. Vor kurzem war die Ehe eines Schau- spielers von den Gerichten in Toulon geschieden worden, und das Gericht hatte im Urteil bestimmt, daß das aus der Ehe hervor- gegangene Kind, ein zehnjähriger Knabe, dem Vater nicht überlasten bleiben dürfe Die Urteilsbegründung führte aus, daß das Kind der väterlichen Gewalt entzogen werden müste. um es vor der Be- rührung mit der„zügellosen Umgebung der Theaterleute zu be- wahren", einem Milieu, in dem das Kind Gefahr laufe, schlechte Beispiele vor Augen zu sehen. Der Verband der Künstler hat na- türlich schärfstens gegen ein Urteil protestiert, das aus den Tagen zu stammen scheint, als Schauspieler und Schauspielerinnen gesell- jchaftlich geächtet waren, und als es noch hieß:„Hängt die Wäsche weg, die Komödianten kommen!" Man ist in Theaterkreisen ge> spannt, wie sich der Justizminister, der bereits eine Deputation von Schauspielern zur Begründung ihrer Beschwerde empfangen hat, zu hem befremdlichen Urteil stellen wird. In jenem Saal der Kolonialausstellung in Vincennes, der die Etappen der„Pazifierung" Marokkos vorführt, prangt ein Wort des Marschalls Lyautey, des Schöpfers dieser Schau, als Wand- spruch:„Der Kolonialkrieg ist dazu da, Ausbau zu hinterlassen und ntchi Trümmer." Wenn schon dem gegen Eingeborene gerichteten Schnellseuergeschütz und Maschinengewehr so segensreiche Wirkung zu- geschrieben wird, verkündet die Exposition Coloniale aus Schritt und Tritt das Lob der Kolonialpolitik im ganzen: sie erscheint als der wahre Wettbewerb der europäischen Staaten in den Werken des Fortschritts und Friedens. Nun ist der Wilde, der im Urständ der Natur als in einem Paradiese lebt, eine Erfindung des von der Zivilisation angewiderten Rousseau. Di« Ausbeutung des Menschen durch den Menschen vollzieht sich auf niedriger Entwicklungsstufe unter»och grausameren Formen als in unseren zivilisatorischen Breitengraden, und wo der weiße Mann, getrieben durch Gewinngier und Abenteuerlust, unter frem- den Sternen auftauchte, ging er doch im eigenen Interesse bald zur Ausrottung der Sklaverei und zur Bekämpfung der Seuchen über; wie die moderne Kolonialpolitik der Pest, der Lepra, der Schlafkrankheit, dem Sumpffieber, dem Typhus, der Sypyilis Fußbreit um Fußbreit Boden abgerungen hat, wird in der Ausstellung von Bincennes durch Ziffern und Tobellen deutlich gemacht, und auch dem Aberglauben und der U n w i s s e n- h e i t rückt sie auf den Leib: mit besonderem Stolz wird beton', daß sich das Gesamtbudgel für Zndochina in den letzten zwanzig Iahren verdreifacht, die Ausgaben für llnterrichtszwecke aber verzehnfacht hätten; immerhin 450 000 Kinder lernen schon lesen und schreiben. In der Tot braucht sich Frankreich nicht vor den anderen koloni- sierenden Staaten zu oerstecken. Jener auf die Hautfarbe gegründete Rastendünkel, der den Angelsochsen auf Farbige als auf ewig minderwertige Wesen herabsehen läßt, ist dem Franzosen fremd. In der Kammer sitzen Schwarze als Abgeordnete der sogenannten alten Kolonien, und niemand wundert sich, daß ein Vollblutneger vom Senegal, Monsieur D i a g n e, mit einer blonden Französin aus der Gegend von Orleans verheiratet ist und das hohe Amt eines Unterstaatssekretärs für die Kolonien bekleidet. Während unserem akademischen Nachwuchs das Gehirn mit dem blödesten Rastenwahn verkleistert wird, gedeiht bei unseren westlichen Nach- barn die Erkenntnis, daß das Franzosentum nicht einen Rasse-, sondern einen Kulturbegriff von gewaltiger Anziehungskraft darstellt. Franzose ist, wer es sein will, wer sich mit der Sprache und dem Geist Frankreichs durchdringt. Darum lräuml der französische Imperialismus davon, die Kolonien mil dem Mutterland zu der Einheit des„gröhe- r e n Frankreich" zu verschmelzen, zu einem Amalgam der Kulturen, bei dem das Französische die Grundfarbe, das Arabische, das Madagassische, das Anamittsche die Ergänzungsfarbe abgibt, und nicht nur berufsmäßige Lobredner der Regierung, sondern auch die Partei Leon Blums erkennt an, daß die französische Kolonialpolitik sich in vielem vorteilhast von der anderer. Staaten ünterschetdet; auch ein deutscher Sozialdemokrat, Otto Graf, bestätigt, in seinem ebenso gescheiten und eindring- lichen wie farbigen und funkelnden Buch„Die marokkanische M a u e r"(Büchergilde Gutenberg, Berlin 1939), daß Frankreich in Marokko„nach ollgemeinen europäischen Begriffen eine außer- ordentliche Kulturarbeit geleistet" habe, und daß seine Politik„klüger, sachlicher und gerechter" sei als etwa die Spaniens Aber kolonialpolitik bleibt kolonialpolitik. Was heißt kolonisierung? vor vier Iahren aus dem Brüsseler Kongreß der farbigen Ankläger des Imperialismus gab der Sprecher der Negerrasse die bündige Antwort: „Die Vergewaltigung des Rechts eines Volkes, über sich selbst zu oerfügen, wie es das versteht und wünscht." Von dieser Schatten- seite der Kolonialpolitik zeigt die Ausstellung nicht». Es fehlt die breite Spur von Blut u n d S ch m u tz, die sich durch die Geschichte auch der französischen Kolonialpolitik zieht. Es fehlt unter der reich- lich ausgelegten Propagandaliteratur der von einem Neger über Neger geschriebene, vor einem Jahrzehnt mit dem Goncourt-Preis gekrönte Roman„Batuala" von Rene M a r a n, dessen Geleitwort die Zivilisation anredet: Du bist die Gewalt, die vor Recht geht! Es fehlt in der Fülle der Statistiken eine graphische Darstellung der Verheerungen, die der Hunger unter scanzösischer Flagge in Aequalorial- a s r i k a anrichtet. Es fehlt jeder Hinweis auf die Unzufriedenheit in Tunesien, die Gärung in Madagaskar, die Revolution in A n a m. Es fehlt vor dem Tempelwunder von Angkor die Guillotine, die im ver- gangenen Jahr in Indochina zweiunddreißig eingeborenen„Auf- rührern" die Köpfe abschnitt. Ach, es fehlt so vieles, was allerdings nicht danach angetan wäre, beim biederen Bürger Kolonialfreudigkeit zu wecken Die offizielle Pariser Politik ist, wenn die Unruhen in Uebersee aufs Tapet kommen, sehr schnell mit der Erklärung: Moskau! bei der Hand. Aber so sicher die bolschewistische Propaganda auch die Erbitterungderfarbigen Völker gegendieweißen Herren als Hebelpunkt der Weltrevolution betrachtet, so sicher hat diese Erbitterung höchst greifbare Ursachen. Wo verrät uns die Aus- stellung etwas von der fluchwürdigen Vertragssklaverei in den Kolonien? Wo nur ein Sterbenswörtchen davon, daß keine Sozialgeseh- gebung die Eingeborenen vor der schamlosen Ausquelschung durch weihe Profitjäger schützt? Wo auch nur eine Silbe darüber, daß in Indochina die Maschinen- arbeit sehr langsam und zögernd eindringt, weil vorderhand Frauen- und Kinderarbeit so viel billiger ist? Wo findet sich neben anderen freilich erbaulicheren Wandsprüchen das Wort des sozialistischen Ab- geordneten F r o s s a r d, der unlängst die Befürchtung aussprach, daß„unsere französische Herrschaft in Indochina ge- f ä h r d e t ist". Jawohl, ob auch abends die Exposition Coloniale von Gedudel, Getrommel, Gesang und Geslöte widerhallt, so vermag all das doch nicht das Knacken zu übertönen, das auch im Gebälk des franzö- fischen Kolonialimperialismus hörbar wird. Der Glanz, der un- leugbar über der Ausstellung von Vincennes liegt, ist vielleicht nichts anderes als die Abenddämmerung der europäischen Kolonialpolitik überhaupt. Die große Auseinandersetzung der Farbigen mit den Weißen' steht'vor der Tür. Wohl dem Lande, das da nicht mW" Kolonien belastet ist! Hermann Wendel. Zum letztenmal Republikoper „Ngaros Hochzeii" Das also war der letzte Abend der Staatsoper am Platz der Republik. Ein Mozart-Abend— ein Ende in Heiterkeit, Sdiönheit und Kunstreinheit. Diese Figaro-Aufführung, die Klemperer und Gründgens hier geschaffen haben, zeigt noch einmal, nun unter Fritz Zweigs Leitung, die Republik-Oper auf ihrer einzigartigen, nirgends sonst im heutigen Opern-Berlin erreichten Höhe; zeigt noch einmal, wie sich hier in weniger als vier Jahren ein geistig und gesellschaftlich neuer und wahrhaft zeitgemäßer Typ des Theaters vollendet hat; zeigt noch einmal die deprimierende Sinn- losigkeit der Zerstörung, der hier ein lebendiger, bis zum letzten Tage lebensfähiger, innerlich gesunder, zukunftsstarker Kunstorganis- mus zum Opfer fällt. Was die Republikoper uns als künstlerischer, kultureller, sozialer Wert bedeutete, als bestes, modernstes, fortschrittlichstes Opern- theater Deutschlands, was dieses Theater an Gipfelleistungen voll- bracht hat: das alles ist hier oft genug ausgesprochen worden. Mit der sozialdemokratischen Fraktion im Landtag haben wir für die Erhaltung der Republikoper gekämpft bis zum letzten Augenblick — gekämpft gegen Verstocktheit und Reaktion, die sich hinter wirt- schastlichen Argumenten und finanziellen Kalkulationen bargen. Das alles gehört nun schon unwiderruflich der Vergangenheit an. Wo gestern noch tätige Gemeinschaft, Arbeit, Erfolg, ein höchstes Maß menschlichen Gelingens zu spüren war, da soll nun ein Stück so- ziales Massenelend zurückbleiben, Hunderte von Familien, gestoßen in die Hölle der Arbeitslosigkeit... Ein Zusammenbruch mehr in diesen Zeiten des Abbaues, der katastrophalen Nöte— es gibt vielleicht Menschen, die geneigt sind, das nicht gar so schwer zu nehmen und in der Reihe der Verluste, die fast täglich über uns hereinbrechen, auch diesen mit fatalistischem Gleichmut hinzunehmen. Aber unnötiger ist noch kein Zusammenbruch gewesen, und mit keinem wird so Unwiederbringliches, Unersetzbares niedergerissen. Noch sollen, wie man hört, Kräfte am Werk sein, um den Zusammen- bruch doch aufzuhalten: man will versuchen, den Betrieb, der noch unversehrt ist, auf veränderten Grundlagen neuaufzurichten. Noch also bleibt eine Hoffnung: aber die Staatsoper am Platz der Re- publik, die vom Staat geschaffene Volksoper, Arbeiteroper, hat auf- gehört zu bestehen. Zum Schluß standen sie alle aus der Bühne, olle Mitwirkenden, die Solisten mit den Bühnenarbeitern, Chor und Orchester mit dem Dirigenten; alle, die zusammen die künstlerische Arbeitsgemein- schaft dieses Theaters bildeten, und ihnen jubelten die Zweitausend zu, die den Zuschauerraum füllten, das Publikum, das hier, mit- schaffend, ein lebendiger Teil des Ganzen, ein Glied der kunst- erfüllten, kunstbegeisterten Einheit geworden war. Die Empörung, die Erbitterung schwieg, die alle fühlen mußten. Es war eine letzte herzliche Huldigung, letzte Kundgebung des Dankes nicht nur für außerordentliche Kunstleistungen, sondern für die hingebende Pflicht- erfüllung, mit der hier alle bis zur letzten Stunde an ihrem Platz gestanden und mit vollem Einsatz aller Kräfte gewirkt haben. Dieser Dank klang aus einer Ansprache, die ein Besucher— er nannte sich selbst einen unbekannten Soldaten der Republikoper— vom Rang herab in das Haus hielt, das seine Rede immer wieder durch stürmischen Beifall unterbrach. Und der Dank klang von der Bühne zurück aus den schlichten, warmen, ergriffenen Worten Dr. Hans C u r j e l s, der feit Legal? Ausscheiden die Republikoper geleitet hat; seiner stillen, unermüdlichen Arbeit, der Suggestion seines unerschütterlichen Willens und Glaubens ist es vor allem zu danken, daß sich das Institut, das zuletzt seiner Führung anvertraut war, bis zum Schluß auf solcher Höhe halten konnte, auf der Höhe dieses Abends, an dem wir von einem großen Werk der deutschen Kunst und Kultur Abschied nehmen muhten. Dieser 4. Juli 1931— es bleiben unvergeßliche Stunden für alle, die dabei waren; es bleibt für die preußische Hauptstadt ein schwarzer Tag.. lüiuis Pringsheirn. Gelehrte zu Arbeitern befördert. Die Sowjetregierung hat sich jetzt dazu entschlossen, die wissenschaftlichen Arbeiter zu befördern und zwar zu dem Rang der Fabrikarbeiter, die bekanntlich einer bevorzugten Klasse angehören, bessere und reichlichere Nahrungs- rationen und andere Vorzüge erhalten. In diese privilegierte Klasse sind jetzt die Mitglieder der Kommunistischen Akademie, der Akademie der Wissenschaflen und der wissenschaftlichen Forschungsinstitute, sowie Unioersitätsprofessoren und die Inhaber höherer Stellen im Lehrfach befördert worden. Die Liste umfaßt aber nicht die Lehrer der höheren und anderen Schulen, so daß also diese noch weiter in der unprivilegierten dritten, vierten und fünften Klasse bleiben und infolgedessen kleinere und schlechtere Nahrungsmengen erhalten. Baboeufs Leben wird dramatisiert. Der bekannte französische Revolutionär Baboeus, der 1796 eine Verschwörung anzettette, um das Direktorium zu stürzen und ein Jahr später hingerichtet wurde, wird der Titelheld eines Dramas von.stans Jose Rehsisch sein. Sein Leben und seinen Theorien sind auch unlängst in einem Roman von Jlja Ehrenburg behandelt worden. Ein Teil der Mauern von Ierusalem aufgefunden. Ein wich- tiger Fund ist jetzt in Ierusalem bei den Ausbesserungsorbetten an der römischen Kloakenanloge in der alten Stadt gemacht worden. Bei den Grabungen stießen die Arbeiter auf eine Reihe von großen Steinblöcken, die etwa 29 Meter weit in ganz gerode Richtung lagen, sie wurden etwa 9 Meter unter der Erdoberfläche gesunden. Auch Kanäle, die in den Felsen gegraben waren, um den alten Klookenanlogen Abzug zu gewähren, wurden aufgedeckt. Es handelt sich hier wohl um einen Teil der ollen Mauern von Ierusalem, die aus der Zeit um spätestens 299 v. Ehr. stammen. Die Deutsche Gesellschaft für Gewerbehygiene hält ihre Jahres- Hauptversammlung vom 28. bis 39. September in N ü r n- berg ab. Die Hauptthemota sind:„Die wirtschaftliche Bedeutung der Gewerbehygiene" und„Arbeit und Kleidung". Roseufest Im Ziose-Vart»». Bom K. hit 8. Juli wird Lotte Werkmeister im Variete. Programm täglich 5,30 Ubr, Sonntags 5 Uhr, austreten. Beleuchtungseffekte. ein großes Feuerwerk und Tausende von Rosen. Abends 8,15 Uhr findet die Premiere der Operette„Unter der blühende« Linde" stai, Mrgerkriegs-Spielerei. Militärische Naziübung von Kommunisten überfallen. Bautzen, i. Suji.(Eigenbericht.) In einem Landfriedcnsbruchprozeß gegen IS Kommunisten mürben acht zu einem Jahr zwei Monaten und drei zu je sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Der Hauptangeklagte erhielt ein Jahr sechs Monate Gefängnis, fünf Angeklagte wurden freigesprochen. Der Staatsanwalt hatte zum Teil Zuchthausstrafen beantragt. Der Prozeß hatte folgende Vorgeschichte: Am Z. Mai d- I. hielten die Nazis des Gaues Oftfachfen eine sogenannte Führer- besprechung bei dem neuen„Djaf", dem Ritter gutsbesttzer von Tfchammer und Osten in Kleindehsa bei Lobau ob. Tscham- wer hatte für diese Besprechung, der der Form halber unter einem harmlosen Vorwand bei der Amtshauptmannschaft angemeldet wor- den war, auch dos um sein Gut liegende Gelände zur Verfügung gestellt. Nach den üblichen Exerzitien bot sich im Walde Gelegen- heit zu einer ganz formgerechten, bis in alle Einzelheiten durchdachten und militärisch ausgezogenen Bürger- kriegsspielerei. So wurde Sturmangriff geübt, die Ab- teilungen mußten im Walde ausschwärmen, während andere den „Feind" markierten. Während des schönsten Angriffes auf den„roten Feind" er- scholl plötzlich aus dem Waldesdunkel aus vielen Kehlen ein rauhes „Rot Front!" Im Nu waren bei den Nazis die Schulter- riemen herunter und nach einigen Augenblicken war zwischen Nazis und Rot Front eine furchtbar« Schlägerei im Gange. Die Nazis schlugen mit den Schulterriemen wie wild um sich, die Kommunisten gebrauchten vorwiegend Steine. Stöcke und ihre härteren Fäuste. Auch fielen einige Schüsse, wahrscheinlich von den Nazis, aber nur Schreckschüsse. Als die Schlacht vorüber war, wurden nicht weniger als 3 3 verletzte Nationalsozialisten gezählt. Einige muß. ten dem Krankenhaus zugeführt werden. Auch Tschammer hatte etwas abbekommen. Pie Kommunisten hatten ihre Verletzten in Sicherheit gebracht. Die Angeklagten bestritten, die Angreifer ge- wesen zu sein. Sie wollen auf einem Uebungsmarsch von Bautzen aus nach Kleindehsa gekommen sein und haben dort die militärische Uebung der Nazis wahrgenommen, worauf es sofort von beiden Seiten zu Schlägereien gekommen sei. Das Archiv für Wohlfahrtspflege. Das Archiv für Wohlfahrtspflege, das ein Forschungsinstitut für all« Gebiete der Wohlfahrtspflege darstellt und sich jetzt in der Neuen Friedrichstraße 36 befindet, wird von Berlinern, Auswärtigen und Fremden in immer steigendem Maße in Anspruch genommen. Seine große Fachbücherci, seine Zeit- schristenmaterialien und seine Organisationsarten geben die Möglich- keit eingehenden Studiums für alle Probleme der Wahlfahrts- pflege. Ein Fachkatalog mit etwa 400 000 Karten ermöglicht eine schnelle und exakte Uebersicht. Das Archiv hat im letzten Berichts- jähr etwa 30 000 sachliche und gutachtliche Auskünfte gegeben. Aus Grund der Satzungen des Archivs liegt der Vorsitz in den Händen eines Magistratsmitgliedes. Nach dem Ausscheiden des Bürgermeisters Scholtz ist vom Magistrat Stadtrot Genosse W u tz k y, der Dezernent für die Wohlfahrtspflege im Magistrat Berlin, zum Vorsitzenden bestinnnt worden. ICn Psychologie und Erziehung. Beim Bund Entschiedener Schulreformer fand eine Diskussion über.hie sogenannte Jndividualpsychologie" statt. Gerhard R o e h l machte der Jndividualpsychologie den Vorwurf, daß sie vom praktischen Leben zu weit entfernt sei, daß ste gewisser- maßen ein« übertriebene Ausbildung der Persönlichkeit begünstige, > zum Te Allgemeinheit, zum Teil des Staates zu entwickeln. Nur eine solche während es heute darauf ankommt, den einzelnen' zum Teil der Jndividualpsychologie habe Anspruch auf Daseinsberechtigung, die den einzelnen zum Teil der Gesellschaft entwickele. Dr. Alexander Heuer stellte die Schiefheiten der Roehlschen Darstellung mit einem kurzen Abriß der Adlerschen Theorie richtig. Die Adlersche Psychologie müsse als Jndividualpsychologie die Gesamtheit des Menschen erfassend verstanden werden. Weder Begabung noch Milieu werden von Adler überschätzt, dem aktionsfähigen Ich wird die Verantwortung für die Gestaltung überlassen. Im übrigen aber seien die Forderungen Roehls. den Menschen zum Teil des Staates und der Gesellschast zu entwickeln, durchaus nicht der Jndividual- Psychologie entgegengesetzt._ Haussammluug für Krüppel. Trotz der schweren wirtschaftlichen Not haben sich die Berliner Einwohner bei der Haussammlung, die dem Reichsbund Deutscher Krüppel vom Polizeipräsidium bewilligt wurde. in ihrer bekannten verständnisvollen Hilfsbereitschaft gezeigt. Auf Antrag des Reichsbundes ist die wammlung nun um vier Wochen, bis zum 15. Juli d. I., verlängert worden. Es ist also noch Zeit, die von Jugend an Verkrüppelten, di» keinen gesetzlichen Anspruch auf Rente oder eine sonstige Versorgung haben, in ihrem auf gegenseitige Stützung beruhenden Hilfswerk zu unter- stützen. Der Abgeordnete der Unabhängigen Arbeiterpartei McGonern wurde für die ganze Dauer der Porlamentssession von den Parla- mentsverhandlungen ausgeschlossen. Er hatte, trotzdem ihm der Sprecher des Unterhauses dos Wort entzogen hatte, versucht, weiterzureden. Auf Antrag Macdonalds wurde er daraufhin wegen Verstoßes gegen die Ordnung des Hauses mit Stimmenmehrheit auf die Dauer von 10 Tagen ausgeschlossen. Da er sich weigerte den Saal zu verlassen, wurde er von Parla- mentsdienern mit Gewalt hinausgebracht. Dabei kam es zu einem Handgemenge zwischen dem renitenten Abgeordneten und einigen seiner Freunde gegen die Parlamentsdiener, fo daß der Sprecher die Sitzung aufheben mußte. Zur Strafe wurde der Ab- geordnete für die ganze Dauer der Parlamentssession ausgeschlossen. Tierkunst-Tombola im Berliner Zoo. Sonntag, den 5. Juli, findet zum ersten Male im Berliner Zoo eine Tierkunst-Tombola statt. Kunstwerke aus der interessanten Ausstellung„ijund und Katze in der Kunst" gelangen zur Verlosung. Viele Tier- und Kunstfreunde haben nun die Möglichkeit, in den Besitz eines schönen Kunstwerkes zu gelangen. JUSO.-Letsie als Lohndrücker. llm 20 Prozent unter Tarif Arbeit angenommen. Unter den Steinarbeitern der Oberlausitz gelang es den Ge- werkschaftsspaltern infolge der großen Arbeitslosigkeit und der Not, einig« Arbeiter zu gewinnen, die im Steinarbeiteroerband die Bei- träge schuldig blieben. Dom Betrieb Oberkaina wurden nun Kleinpflaster- steinschläger beim Arbeftsamt Bautzen angefordert. Die Firma stellte aber die Bedingung, daß 20 Pro;, unter Tarif gearbeltek werden muß. Die Mttglieder des Steinarbeiter- Verbandes lehnten es ab, unter diesen Bedingungen Arbeit anzunehmen. Die RGO.-Leute aber nahmen zu den Be- dingungen der Firma die Arbeit auf, obwohl sie durch den Verband unterrichtet waren, daß die Firma unter Tarif bezahlt. Das Verhallen der RGO.-Leute bedeutet f ch l i m m st« n Arbeiterverrat. Wären sie nicht in den Betrieb gegangen, wäre es dem Steinarbeiteroerband«in leichtes gewesen, die Be- triebsleitung zu zwingen, tarifliche Löhne zu zahlen. Einige besonders revolutionäre Helden kommen jetzt mit der Ausrede, daß ihnen die Wohlfahrtsunterstützung entzogen oder gekürzt worden wäre, wenn sie die Arbeit nicht aufgenommen hätten. Oer Schuh für Schwerkriegsbeschädigte Es gilt nur für inländische Arbeitsplätze Mehrere deutsch« Firmen haben sich im Jahre 1929 zur Aus- führung der ihnen vom Deutschen Reich übertragenen R e p a r o- tionsarbeiten für Frankreich zu einer Arbeitsgemein. schaft zusammengeschlossen. Diese Arbeitsgemeinschaft stellte auch mehrere Schwerkriegsbeschädigte ein. Im Oktober 1929 wurde einigen Schwerkriegsbeschädigten ohne die Zustimmung der Haupt- fürsorgestelle gekündigt. Die Schwerkriegsbeschädigten erkannten di« Kündigung nicht an, weil sie ohne Zustimmung der Hauptfürsorgestelle erfolgt sei. Es war nunmehr streftig, ob die Bestimmung des§ 13 des Schwer- beschädigtengesetzes auch auf einen ausländischen Arbeits- platz Anwendung findet. Die Landesarbeftsgerichte Berlin und Dortmund haben gegen die Schwerkriegsbeschädigten entschieden. Gegen diese Entscheidungen richtet« sich die Revision der einzelnen Kriegsbeschädigtenorganisationen. Das Reichsarbeitsgericht wies di« Revision zurück und entschied, daß da» Schwerbeschädigtengesetz nur auf inländisch« Arbeitsplätze beschränkt sei, und daß die Kläger den besonderen Schutz dieses Gesetzes auf Arbeitsplätzen im Auslande nicht genießen. Gefehlicher Llrlaub in Krankreich? Weittragender Beschluß der Kammer. Pari». 4. Juli.(Eigenbericht.) Die Kammer hat im Lause einer Tlachssitzung einen Gesetz- entnmrs angenommen, der allen Arbeitern und Angestellten einen bezahlten llrlaub von 1— 2 Wochen im Zahre zugesteht. Arbeiter und Angestellte, denen die wedaille für treue Dienste verliehen ist und die eine bestimmte Zahl von Zahreu in derselben Firma tätig sind, sollen ein Anrecht aus einige weitere Urlaubslage haben. Teileinigung im Textilkonfliki. Verständigung mit den unorganisierten Unternehmern. Paris, 4. Juli. Freftag abend ist, wie aus Roubaix berichtet wird, zwischen einem Teile der Textilunternehmer und den christlichen und sozio- listischen Gewerkschaften eine Einigung erzielt worden, die, soweit sie die Löhne angeht, auf dem Lavalschen Vorschlag beruht. Am Montagmorgen wird in 60 Fabriken die Arbeit von insgesamt 50 000 Arbeitern wieder aufgenommen werden. Der Vorschlag des Ministerpräsidenten Laval sieht bekanntlich vor, daß den Textftarbeftern di« vierprozentige Anwesenheitsprämie, die als Ausgleich für die Beittäge zur neueingeführten Allersver- sicherung gewährt wurde, nicht mehr gezahlt werden soll. Dafür sollen die Texttlarbefter aber ein« Lohnerhöhung von 3 Proz. erhalten, die ob 15. September auf 1 Proz. reduziert werden soll. Wenn Arbeitslose verreisen. Abmelden beim Arbeitsamt. Unsere Arbeitslosen hätten zu einer Reis« die meist« Zeit und hätten auch ein wohtbegründetes Anrecht auf eine zeitweilige Luft- Veränderung aus der Stempelstellen-Atmosphäre. Allein es fehlt ihnen nur eines— dos nötige Geld. Immerhin mag es unter ihnen einige Glückliche geben, die Gelegenheit haben, zu Ver- wandten aufs Land zu kommen, wo sie sich in dieser oder jener Wesse nützlich machen können. Auch in diesem Falle muß der Arbeitslose die geltenden Vor- schriften kennen, um sich vor Schaden zu bewahren. Gesetzlich ist die Auszahlung der Arbeitslosenunterstützung davon abhängig, daß der Arbeitslose dem Arbeitsmarkt zur Verfügung steht. Ohne Rücksicht darauf, daß noch viele Monate vergehen können, bevor auf dem Arbeitsmarkt eine Nachfrage nach einer Arbeitskraft erfolgt. Ist der Arbeitslose verreist, steht er eben nicht zur Verfügung und bekommt deshalb auch keine Unterstützung. Immerhin, er kann Urlaub bekommen. Der Spruch- senat für Arbeitslosenversicherung hat entschieden: „Bringt«in an sich unterstützungsberechtigter Arbeitsloser gegenüber dem Arbeitsamt hinreichend deutlich zum Ausdruck, daß er eine Zeftlang die Arbeftslosenunterstlltzung nicht beziehen wolle, und ist das Arbeitsamt ausdrücklich oder stillschweigend damft einverstanden, so rechnet diese Zeit nicht in die Dauer des Unterstützungsbezuges ein. Der Arbeitslose kann auch unter Fortdauer des Unter- stützungsbezuges für eine gewisse Zeft durch das Arbeitsamt von der Erfüllung der Meldepflicht beurlaubt werden. Wenn sich der Arbeftslose mtt dem Wille» des Fortbezuge» der Unterstützung der Meldepflicht entzieht, sind diejenigen Tage, an denen der unterstützungsberechtigte Arbeitslose seiner Melde- Pflicht nicht genügt, in die Dauer des Unterstützungsbezuges ein- zurechnen." Eine Beurlaubung von der Meldepflicht unter Fortdauer des Unterstützungsbezuges kann nur ausnahmsweise unter ganz beson- deren Umständen erfolgen, die sich aus den Familienverhältnissen ergeben. Voraussetzung ist natürlich auch hierbei, die unverzügliche Anzeige beim Arbeitsamt. Will ein Arbeitsloser auf einig« Zeit verreisen, dann muß er dies dem Arbeitsamt ausdrücklich melden. Nach dieser Abmeldung bekommt er zwar bis zu seiner Rückkehr keine Unterstützung, doch seine Ansprüche an die Arbeitslosenunterstützung, die er am Tage seiner Abmeldung hatte, leben mit dem Tage seiner Wiederanmel- dung wieder auf. Versäumt er jedoch die Abmeldung vom Unter- stützungsbezuge, die Meldung, daß er verreisen will, dann verliert er die Urfterstützung für die Zeit seiner Abwesenheit. Diese Mel- dung darf also nicht versäumt werden. Anders steht die Sache bei den gelernten Arbettslosen im Alter von 20 bis 30 Jahren, denen aus ihren Antrag hin ein Wanderschein zur Arbeitssuche ausgestellt wurde. Sie können während der Dauer der ihnen eingeräumten Wanderzeit auch auf der Wanderschaft die ihnen zustehende Arbeftslosenunterstützung beziehen. KohlenSill in erster Lesung angenommen. London. 4. Juli. Das Kohlengesetz, das infolge des Scheitern» der direkten Ver» Handlungen zwischen den Grubenbesitzern und den Gewerkschaften von der Regierung für notwendig erachtet wird, wurde am Frei- tag im Unterhaus eingebracht und in erster Lesung ange- n o m m e n. Das Gesetz sieht bekanntlich eine Forssetzung des gegen- wältigen 7 Vi-Stunden-Tages zu den augenblicklichen Lohnsätzen für ein Jahr vor. Die Vertreter-Tagung der Gewerkschaften hatte sich bereits am Freitagvormittag mit 346 000 gegen 186 000 der ver- tretenen Stimmen für die beabsichtigte Vorlage ausgesprochen. Theater der Woche. Vom 4. Zu« bis 42. Füll Volksbühne. Theater am WUemplatz: Der Man» des Schicksals— Ste Äanj»U der Irrungen. Theater mit festem Spielplan: Deutsche» Theater: Der Hauptmann van SSpennck.— KurfS rstrada mm- Theater: Di« schön« Helena.- Di« Jtsmdbi«; Dienst aar Kunden.— Theater in dir Stresemannstraß«: Bis 11. Bmphitryon 38, ab 12. geschlossen.— Äomisch« Oper: Frauen haben das gern...— Deutsche» Süastlerthater: Ab. gemacht— Zlujj.— Metropol-Theater: Di« Toni aus Wien.— Zinse. Theater: Der Herr mit dem ffragejeichen.— Gartenbühn«: Unter der bliihenben Linde. — Theater in der jllosterstraße: 5. BItchse der Panda ra. 8. bis g. Di« Hose. Ab 10. Das Mädchen aus der Fllrtorg«.— Wintergarten, Pla»a, Seala: Inter. nationales Variete.— Reichahalen-Theatee: Stettiner Sänger.— Theater a» Aottbuffce Zar: Elite-Sängcr. Nachmitkagsveranstallullgen: Ras«-Theater: 12. Der Herr mit dem Fragezeichen.— ssarteiiMhne: 8. Grosse» Nosenfest. 9. bis 13. ssanzert und Variete.— Theater i» der ttwfter. strasse: S. Die Hos«.— Wintergarten: 5., 11., 13. Internationale, Variete.— Plaza, Seala: Internotwnalez Variete. Erstaufführungen der wach«: Rose. Theater: Unter der duldenden Lind«. Sonnabc nb. Theater in der Klosterstrasse: Das Mädchen ans der Fürsorge. Wetter für Berlin: Wechselnd bewölkt und etwas Regen, leichter Temperaturrückgang, aber noch schwül, mäßige südwestliche Winde. Für Deutschland: Im Osten schwül mit Gewitterneigung, in Mittel- und Westdeusschland veränderlich, nur noch mäßig warm, tm Süden wolkig, meist trocken, nur im Alpenvorland Regen. Zreikonzert im Neuköllner Sportpark. Am Sonnabend, dem 4. Juli, 18.30 Uhr, gibt der Männerchor Fichte-Georgina 1879 im Neuköllner Sportpark, Oderstraße, Platz bei der Wasserträgerin, ein Freikonzert. verantwortl. für die Redaktion: Leedert Leper«,«erN»:«»»-igen: J*.«locke. Berlin. Verlag: Vorwärts Verlag s. m. b. H.. Berlin. Druck: Vorwärts Buch. druckerei und Dcrlogsanstalt Paul Singer Sc Co., Berlin ED 88. Lindenttrasse S. Hierin 1 Beilage. VoiKsbttnne ldiZw zw 8 IDir Der Mann de» ScfaickiaU Die Komfidie der Irrungen L 's und •1/2». H. 0. H. WILLIAMS LEE GAIL- ENSEMBLE ZMlIrwialt«». pi» Aza Die große REVUE Da* Br Kaleidoskop Tlgl-» u.«U I Stil. 2, 5 U,81Ä 1 WM Theater 8 Uhr Der BanDtmann too KOpeniA v. Carl Zuckmayer Ressli: Beim Hilpert Die Komödie Täglich 8'(« Uhr Dienst am Kunden top Curt Bon ond Hai Bansen Regle; Hans Oeppe Homiscne Oper Frledrlchstr. 104 8»ä Uhr Franen haben das gern... Muslkal. Zcheeaak von Arnold Musik t. Walt Kollo Sommerpr. 0.50- 7.00 RurfOrstendamin- Theater Bismarck 449 IjPAJJhrj Die schöne Helena von lacooss onenoatti Bsgi«: Max RelnDorfli metropol-Theater Täglich 8'/. Uhr Die Toni aus Wien Mady Christians, Michael Bohnen jeder Art Uefart preiswert Paul Golletz Teneslt Rodert Meyei Marlannenetr. 3 F% Oberbnuei 1303 Resfaufiuit Berlins BETRIEB ck KEMPIHSKIV* Reichshallen-Theater Anfang I Uhr Stettiner Sänger Zum Schluß „Alles verrückt!" Landre-Breithaupt EDELWEISSE UIMO MALZ-BIER föeilage Sonnabend, 4. Juli 1931 SivAbpnd A tarWarA Ich erzSHVe schon von jenem Seemann, der vor fünfzig Jahren im brasilianischen Urwald«inregnete und sich dann mit einem Freunde bei T. an der Forgueta niederließ. Nach zwanzig Iahren trenne» sich die Freunde. Der Mühldauer bleibt und der andere geht in die Kampgegenden und baut dort Mühlen. Die Gegend hat sich mehr und mehr bevölkert. Der Matrose heiratet ein z w a n z i g- jähriges Mädel deutscher Herkunst, eine Analphabetin, und ver- schweigt sein Wer. Er ist siebenundvierzig. Zehn Kinder haben sie. »Das ist gs viel, viel zu viel", sagt er. Er will«in größeres Hans bauen mit einem Dachgarten. Da oben will er abends sitzen und lese»; dann können ihn keine Nachbarn stören. Also vor siobenundzwanzig Jahren wollte er ein Haus bauen aus Zement und Kieselsteinen in Holzkästen gepreßt. Das war etwas Neues. Als die achtzig Sock Zement kamen, hat alles den Kopf ge- schüttelt.»Warum nimmt der verrückt« Alemao nicht wie wir Backstein« und Lehm?"' Heute baut man Häuser auf dies« Weise, wen» ich auch noch keine Dachgärten in brasilianischen Kolonien sah. Di« achtzig Sack Zement haben in dem großen Schuppen bei der Mühl« gelegen viele Jahr«. Die Frau ist tüchtig, übernimmt de» Mühlbetrieb, und er steht in dem Sägewerk. Endlich findet er Zeit, die vielen Ideen zu oerwirklichen, die ihn seit Iahren be- schüstigen. Em« Backst einpresse zunächst. Die Eisenteile muß der Schmied anfertigen. Di« Schaufeln, die den fetten Lehm mit dem mageren und dem Sand in der Trommel mischen, geraten zu klein. Der Schmied sagt es ihm, aber er läßt sich nichts erzählen. Oh, diese Unruh«! Schließlich ist alles fertig, aber es funktioniert nicht. Da nimmt er die Schaufeln raus--- endlich hat er die Schrauben für ein Wasserfahrzeug mit Handantrieb. Zwei Blechrohre mit Sitzbrettern verbunden: das hat er gelesen, so machen sie es für die seichten Flüsse in Astika. Er will nach Porto Allegre fahren, auf der Forqueto und dem Tar- guary(etwa 2öl> Kilometer), aber schon in der ersten Stromschnelle geht die Schraube kaputt. Das Fahrzeug liegt heute bei seinem Schwiegersohn. Ich habe es gesehen, ungefähr fünf Kilometer unterhalb seiner Mühle. Jetzt will er einen Propeller drauf bauen und mit seinem Automotor treiben. Er hält das für eine große sportliche Sensation, die ihm nebenbei viel Geld einbringen soll. Bisher hat er Pech gehabt. Damals in Deutschland auf dem Rhein baute er ein B oo t, über- zogen mit geöltem Papier; aber es ist aufgeweicht. Ich habe ihm von meinem Faltboot erzählt. Das alles war noch in den ersten Iahren seiner Ehe. Plötzlich hält er es nicht mehr aus. Er will Paraguay sehen. Zehn Wochen ist er geritten und hat sich nach der Sonne gerichtet. Die Frau hat ihn totgeglaubt. Fast wäre er auch verdurstet in der Trockenheit. Sein« Kleider sind nie mehr sauber geworden, so war der rote Staub eingedrungen bei Schweiß und Sonnenbrand. Moger und still kommt er zurück, aber er hat Paraguay gesehen und-- hat eine neue Idee: Eine kleine Säge, ein Fuchsschwanz, wird so eingespannt und von der Mühle betrieben, daß sie arbeitet wie von der Hand geführt. Hat die Säge das Holz durchschnitten, wird sie von einer Feder hochgezogen, schnappt ein und macht dasselbe noch mal, viele Mole, solange das Wasserrad läuft. Was kann man wohl damit machen, so ganz nebenbei? Wo braucht man wohl fußlange Stücke Holz? Auch das findet er: Holzpantoffelfabrikation. Jedes Kind, die Frau, alle müssen daran denken und wenn sie an der Säge vorbeigehen, die Weiclcholzlatte nachschieben. So liegt nun das Material für tausend Holzpantostel in langen Reihen auf- gestapelt. Sorgsam bewacht, bis er eine neue Idee hat, und dann trogen die Kinder das Material in die Küche, und die Mutter kocht die ewigen schwarzen Bohnen darauf. Die Säge läuft heute noch. Die nächst« Idee ist eine O e l p r e s s e mit dicken Eisenbändern und Hartholzbalken. Alles betreibt das Mühlwerk: die Gewichte, die auf die Keile, fallen und die Eifenbänder seitlich zusammen- drücken, und den schweren Klotz, der von oben herunterfällt in langsamen, gleichmäßigen Stößen. Auf beiden Seiten des Mühl» baches wird Rizinus angepflanzt, die Beeren werden ge< mahlen und gepreßt: aber er sagt es selbst, er hat noch kein Oel gewonnen. So geht es nicht. Die Frau macht Schweine fett. Der Schmolzprei» steigt. Er kümmert sich nicht darum. Sie spekulieren, oerdienen viel Geld, und er kaust sich ein F o r d- L a st a u t o, baut Bänke darauf und«in Verdeck. Sein sechzehnjähriger Sohn fährt gut, und nun machen sie„Gesellschaftsreisen", ähnlich wie wir damals am Uruguay in die neuen Kolonien oder wohin man wünscht für den üblichen Preis. Das befriedigt ihn teilweise. Was kann man wohl sonst noch machen mit einem Motor? Wenn es Sommer ist und trocken und der Mühlbach wenig Wasser hat, dann will er die Mühle mit dem Motor treiben. Er baut ein« Transmission. Das Auto wird hwten in die Höhe geschafft, die Mühle läuft, aber die Gasolina ist teuer und der Automotor läßt sich nicht allein mit Wasser kichlen. So wartet die Transmission auf eine andere Verwendung. Der Matrose ist jetzt s« ch s u n d» siebzig Jahre alt. Als vor acht Iahren die älteste Tochter heiratet, kommt es heraus, daß der Vater schon achtundsechzig Jahre alt ist. Drei Ziele hat er für die nächste Zeit: Vollgummiräder für das Auto, einen Traktor, den er aus Deutschland beziehen will, eine Fahrt auf seinem Blechboot nach Porto Allegre. So erzählt der Mühlbauer. Es wird Abend, wir wollen baden gehen. Ich füttere mein Pferd. Wir gehen zur Mühle runter. Grobes Bauwerk, Holz mit Zinkdach, notdürftig verschalt, drei Stockwerke. Oben das Sägewerk, das nun schon lange still liegt. Man kann die Baumstämme vom Abhang direkt vor die Säge rollen. Darunter ist die Mahlmühle und im untersten Stock die Holzpantoffelsäg«, die Oelpresse, die Zigarrenmacherei(er macht sich seine Zigarren selbst aus eigenem Tabak). Hier bleiben wir einige Zeit. Welch amüsante Umgebung, welch Kunterbunt von Hobelbänken. Werkzeugen, Satteltaschen, Zaumzeugen, Säme- reien, Tabakstößen, Zlutoreifen, Gasolinblechen— verwahrlost, ungepflegt! Angefangene Ideen, die liegen blieben seit Jahr und Tag. Man stolpert, klettert. Das Museum eines Menschen, der nie zur Ruhe kommt, der alte Glanzstücke hervorzerrt, drei Tage fieber- hast daran arbeitet und sie dann wieder auf den Haufen zum übrigen wirft. Ich habe mich in keiner Werkstatt, in keinem Atelier je so angeregt gefühlt. Ich muß das Auto noch sehen. Es steht hier gleich unter einem Dach. Ich bewundere alles, und der Alle wird unruhig, vielleicht gelangweilt? Vielleicht mißtrauisch? Wir gehen an die Forqueta, zwanzig Minuten. Er flucht auf die Wegearbeiter, die ihm die Zaunpsähle abgegraben haben und andere verschüttet. Nichts ist ihm recht.„Die Kerle sind so dumm, nur Kartenspielen und Tee trinken können sie." Zwischen Büschen und Hängen kommen wir auf einen Weideplatz. Wir springen in den Fluß. Das Wasser ist kühl, wohltuend. Der erst« alte Mann, den ich in Brasilien baden sehe. Ich rasier« mich, und der Alte kniet und rupft Unkräuter mit einem viel zu kleinen Taschenmesser, hastig. Sie verderben ihm die i m p o r- tierten argentinischen Gräser für die vierzig Stück wilden Viehs, das er auf künstlich angelegten Weideplätzen zieht. Ich muß noch einen Orangenbaum sehen; den Kern brachte er aus Paraguay mit. Inzwischen ist die Familie aus den Nachbarschaften zurück- gekehrt. Wir sitzen wieder auf der Veranda. Der Alt« sieht erbost aus. Der Weg hat ihn angestrengt. Er reibt sich den linken Ober- schenke! und schimpft:„Da muß mir das passieren, mir, der ich schon so viel in der große» Welt herumgekommen bin, hier auf diesem kleinen Hof!" Ich frage, wie es denn gekommen sei, und er erzählt, er habe eine Stute am Halfter über den Hof führen wollen; da habe das Fohlen im Stall gewiehert. Die Stute hat zurück wollen, aber er hat festgehalten. Sie hat sich gebäumt, immer wieder, urt) die Familie hat gerufen:„Laß sie los!" Aber er hat festgehalten und ist jedesinal mit in die Höhe geflogen. Das war vor einem Jahr. Auf einmal hat sich die Stute überschlage� ist aufgesprungen, aber er tonnt« nicht hoch, er lag auf dem kleinen Hof vor dem Haus und hat sich den Oberschenkel ge- b r o ch e n. Kein Arzt dars kommen. Er legt sich selbst«inen Streckverband an. Am Fußend« kommt«ine Petroleumkiste ins Bett und an dos krank« Bein um die Fesiel ein Strick über eine Rolle. An dem Strick hängt ein Backstein. Wahnsinnige Schmerzen. Er kann nicht mehr lesen, auch nicht mehr rauchen. Am dritten Tage ruft er mittags die Frau, die muß die Wiege des Kleinsten, ein dreijähriges Mädchen, an sein Bett stellen. In seiner Verzweiflung wiegt er zum ersten Male in seinem Leben ein eigenes Kind. Nachts schneidet er den Strick ab. Als er nach acht Wochen aufsteht, ist das linke Bein ein ganzes Stück kürzer.„Der- fluchte Scheiße, da hinkt man jetzt herum." Leim Abendbrot ist es blödsinnig heiß in der Küche. Es gibt Dörr fisch(Karfreitag) I Aber der Alte ißt Wurst.„Wurst ist kein Fleisch." Als er das Beten vergißt, fragt er, ob es auch nachträglich noch hülfe. Ich bejahte und er verlangt, daß wir die Hände falten, und er plappert irgendeine gotteslästerliche Schnodderigkeit. Ich stehe bald auf, laste mein Pferd auf die Weide, leg« meinen Sattel, Mantel und die Rellpelze in die Mühle gleich im Gang neben der Säge mit dem Ausblick auf die Berge. Di« herrliche Luft! Der Mond scheint, jenseits des Baches auf der Straß« ist ein Wirtshaus. Italienische und deutsche Kolonisten spielen Boggia. Die Holzkugeln knallen und das Geschrei der Spieler schollt. Ich ahne, was kommt. Man hat mir ein Bett schneeweiß überzogen.„Nein, das geht doch nicht, Sie müssen im Haus schlafen." Ich steh« unschlüssig immer noch auf der Veranda. Die Mädchen sitzen kichernd auf ihren Betten. Ich gehe durch ihr« Kammer ins E l t e r n s ch l a s- zimmer. Man sagt mir, daß von hier eine Tür direkt ins Freie geh«. Kreuz und quer stehen die Betten, in der Mitte meine. Ganz in der Ecke schläft der Alte und daneben in der anderen Ecke hinter einem Bochang die Frau. Diese Pestluft! Kein Laden ist geöftnet. Ich entkleide mich wie in der Badeanstalt. Aus allen Betten gucken die Kinder; die wollen sehen, wie der Deutschländer ins Bett geht. Sie alle liegen so wie sie gehen und stehen in lull-ckress. Ich ziehe meinen Pyjama an. Eine Petroleumfunzel brennt. Der Alle raucht selbstgemachte Zigarren. Schließlich kommt die Frau, löscht das Licht und geht hinter ihren Borhang. Ich liege wie im Fieber. Ach, ist das schrecklich! Ich bin doch gesund!? Noch lange erzählt die Alte von dem Kind, das verloren ging und nach drei Tagen halb erstarrt im Wald gefunden wurde und dann einig« Jahre später in die Treibriemen fiel. Wie sie die gequetschte Nase mit einer gehöhlten Kartoffel gerode richten wollten, wie das nicht glückte und darum die neunzehn- jährige Rosa die dicke Nase hätte. Sie erzählt, daß ich noch heiraten müste und daß man doch mit fetten Schweinen ein gutes Geschäft machen könnte, so wie damals, als das Schmolz so teuer war und sie sich das Auto gekauft hätten. Schließlich wird auch sie still. Der Alt« räuspert sich. Seit dem Abendbrot spricht er gar nicht mehr. Er zieht an seiner Zigarre. Sie leuchtet und wirft einen roten Schein an die Decke. Di« Kinder stöhnen im Schlaf. Durch alle Riste dringt das Wondlicht. Ich sehe die Tür. Ein« Stunde warte ich Wie ist es nur möglich? Gedämpft knallen die Boggiakugeln. Man spiell bei Karbidlicht. Vorsichtig richte ich mich auf. Ich sitze auf dem Bett- rand. Der Alte bewegt sich und ich lege mich wieder. Minuten vergehen. Kurz entschlossen nehme ich meine Sachen vom Stuhl und tappe zur Tür; ich muß noch in die Veranda und meine Satteltasch« holen. Wenn nur die Hunde nicht anschlagen! Leise öffne ich— da spricht so ein verdammter Bengel im Schlaf! Oh, dies« Luft! Noch immer spricht der Junge. Ich stehe und horche. Was kümmerts mich? Alles geht gut. Ich liege auf meinen Pelzen, dos Mühlrod dreht sich langsam knarrend, das Wasser rauscht, der Nebel zieht um den Berg. Wieder denk« ich, ich sei auf einem Dampfer. Bei frühestem Morgengrauen ziehe ich mich an, ordne meine Sachen und gehe zum Baden an die Forqueta. Beim Frühstück ist alles still. Der Alte geht in die Mühle. Er kümmert sich nicht mehr um mich. Man hat geglaubt, ich sei fort— vielleicht mit Diebesbeute? Ich habe nichts gesagt. Ob sie wohl wissen, daß ich in der Mühle schlief? Ich sattle mein Pferd. Dann setzte ich mich mit einem Buch in die Veranda. Die Frau schält Kartoffeln neben mir und erzählt wieder. Kunden kommen, um Mehl zu holen für Ostern. Man wäscht mir noch ein Handtuch. Endlich kommt der fromme Mann und wir reiten weiter. Schmeling Weltmeister Siribling in der letzten Runde ko I Clevekaad, 4. Zoll. Der mit großer Spannung erwartete Kamps um die B o j- weltmeisterschast zwischen dem deutschen Titetinhober S ch m e l i n g und dem Amerikaner S t r i b b l I n g im Stadion von Cleoeland endete, wie wir auch an anderer Stelle des Bialtes mit- »eilen, in der 15. Runde mit einem technischen Knock out- S i e g S ch m e l i n g s. Ueber den Verlaus des Kampfes berichtet die TU. folgende Einzelheiten: Der Weltmeisterschoftskampf hatte Tausende von Sport- begeisterten angelockt. Trotzdem entsprach die Besucherzahl, gemessen an früheren gleichartigen Sportereignissen, nicht den Erwartungen der Veranstalter. Die Anwesenheit zahlreicher Boxgröhen— unter ihnen der frühere Weltmeister Tunney—, außerdem prominenter New Dorker Finanz- und Filmleute, gaben dem Weltmeisterschaft-- treffen ein besonderes Gepräge. Um 4.08 Uhr M. E. Z. begann der Kamps, der zunächst den Amerikaner leicht in Vorteil sah. In der 4. und 5. Runde konnte Schmeling mehrere Gesichtstresfer anbringen, die Stribling langsam zermürbten. Im weiteren Kampfverlauf kommt der Deutsche mehr und mehr auf und kann den Amerikaner, desien wilde Schläge sehr oft ihr Ziel verfehlten, mehrfach wirksam treffen. Von der 8. Runde ab ist Schmeling klar im Vorteil. In der lt. Runde erscheint Schmeling frisch, wie zu Beginn des Kampfes, und bombardiert fortwährend Striblings Gesicht mit beiderseitigen Schlägen. In der 10. Runde wird Stribling durch einen Kinn- treffer schwer angeschlagen. In der 11. Runde muß Stribling, der etwas erholt schien, weitere schwere Treffer hinnehmen. In der 12. Runde wird die Menge unruhig, weil Stribling immer wieder Elinch aufsucht. Striblings Gesicht ist blutüberströmt, da er verschiedene Linke Schmelings einstecken mußte. Die 13. Runde bringt gegenseitigen Schlagwechsel. In der 14. Runde beschränkt sich Stribling aus die Defensive. In der 15. Runde schleudert ein furcht- barer rechter chaken Schmelings Stribling in die linke Ringecke. AI der Ringrichter sechs gesagt hatte, richtete sich Stribling langsam auf und wankte im Ring umher, verfolgt von Schmeling, der eine Un- zahl Rechter und Linter an Striblings Kopf landete. Der Ringrichter, der es für sinnlos hielt, den völlig erledigten Stribling weiterkämpfen zu lassen, brach darauf den Kamps nach vierzehn Sekunden vor Gongschlag ab. Der Ringrichter erklärte daraus Schmelingzum Sieger durch tech nisches Knock out. Stribling hatte sich heldenhaft verteidigt. Er unterlag vor ollem der besseren Ausdauer und Widerstandsfähigkeit des mit kühler Berechnung arbeitenden Titelverteidigers, der damit bewiesen hat, daß er den Weltmeistertitel zu Recht besitzt. Schmeling hat sich durch diesen Kampf glänzend rehabilitiert. -i- Weltmeister Max Schmeling kehrt am Dienstag an Bord der „Europa" nach Deutschland zurück. In New Jork sind für Sonntag und Montag mehrere große Empfänge zu Ehren des Weltmeisters vorgesehen. Wie jetzt feststeht, hat sich die Vermutung, daß die Kampfveranstaltung in Eleveland ein finanzielles Fiasko bedeuten würde, als gerechtfertigt erwiesen. Die Zahl der knapp 3 2 0 00 Zuschauer ist die kleinste gewesen, die jemals eine Weltmeister- schaftsveranstaltung der Schwergewichte aufzuweisen gehabt hat. Die Einnahmen haben kaum l�a Millionen Mark gebracht, was einen Verlust von fast einer halben Million darstellt. 8port am Sonntag Die Arbeiter-Ruderer und kanusahrer haben am morgigen Sonntag auf der bekonnten Rennstrecke vor den Regattatribünen in Grünau ihre große diesjährige Ruder- und Kanuregatta. Aus elf Städten des Reiches werden 131 Mannschaften mit 800 Teilnehmern am Start erscheinen. Die Rennen werden unterbrochen durch Eon- dervorführungen wie Eskimokentern, Tauziehen im Kanu und Lhn- liche, mehr ins Humoristische schlagende Wettkämpfe. Beginn 13 Uhr, Eintrittspreis von 50 Pfennig bis 1,50 Mark. „Leipzig gegen Berlin" lautet der Titel des großen Fußball- spiels, das die Arbeitersportler morgen auf dem Tasmaniasportplatz am Bahnhof Kaiser-Friedrich-Straße in Neukölln zum Austrag bringen werden. Beginn des Spieles 17 Uhr; der Rundfunk über- trägt die letzten 25 Minuten. Die Rennfahrer von„Solidarität" fahren auf der Strecke Köpe- nick— Müggelheim— Gosen— Neuzittau— Friedersdorf und zurück ein Straßenrennen für die Klassen A, B und C. Start(auch für Sticht» rennsahrer) früh 5 Uhr, am Bahnhof Treptow. Ringkämpfe aus der Insel Hasselwerder im Tegeler See ver- anstaltet die Schwerathletik-Zlbteilung der Freien Sportoereinigung Tegel 1890 am morgigen Sonntag, um 15 Uhr. Die Insel ist mit der Motorbootfähre von der Badeanstalt Pieper aus zu erreichen, der Besuch ist kostenlos. Bormittags von 10 bis 11 Uhr finden die leichtathletischen Monnschaftskämpfe der Schwerachletitvereine auf dem Tegeler Sportplatz statt. * Rtoriendorf veranstaltet am Montagabend, um 18 Uhr, Trab- rennen, bei denen das Inländer-Stichfahren die Houptnummer des Programms ist. .Arbeitersport voran Wcrbewochc im Friedrichshoin Der Kartellbezirk Friedrichshain hatte im Anschluß an den Rast an drei Tagen zu Werbeoeranstaltungen aufgeruien, die für die Arbeitersportbewegung ein voller Erfolg wurden. Am Dienstag zeigten auf dem Sportplatz in der Laskerstroße die Männer, Frauen und Kinder des Bezirks Stralau der FIGB. ein Handballspiel zweier kombinierter Männer- und Frauenmann- schaften, während die Kinder durch wohlgelungene Reigen und Spiele für sich warben. Auch die von den Männern und Frauen vorgeführten Olympia-Tänze fanden lebhaften Beisoll bei den zahl- reich erschienenen Zuschauern. Der Mittwoch brachte dann olle Vereine des Bezirks auf dem Sportplatz im Friedrichshain zusammen. Wohl an 1500 Sportler und Sportlerinnen durchzogen die Straßen des Berliner Ostens. Auffallend war die überaus große Beteiligung der SAJ. und der Kinderfreundegruppen. Auf dem Sportplatz begrüßte der Vorsitzende des Kartells für Arbeitersport und Körperpflege die Zuschauer. Er forderte alle Erschienenen auf, in den Reihen der Arbeitersportler für den Sozialismus, für eine bessere Zukunft zu kämpfen. Die anschließenden turnerischen und sportlichen Weit- kämpfe fanden lebhaften Beifall. In der Hauptsache war es das Pushballspiel, das bei den Zuschauern zu Lachsalven führte. Den Abschluß der Werbetage machte der Freitag. Wiederum auf dem Platz in der Laskerstroße fanden Fußball-, Handball- und Hockeyspiele statt. Das Fußballspiel zwischen Osten und Oberspree verlief unentschieden 2: 2, nachdem die Oberspreer bei der Pause noch mit 1: 0 in Führung lagen. Die Handballer zeigten einen an Aufregung reichen Kampf. Hier waren die Ostler beim Wechsel noch mit 2: 1 im Vorteil. Dann holte Nordost aber auf. Im Endspurt blieben sie mit 6: 4 Sieger. Ein torreiches Treffen lieferten sich die Hockeyspieler von Osten und Pankow, das die Pankower mit 10: 2 als Sieger sah. Die Arbeifer-Tennis-Serie Da Tennis-Rot gegen Eiche-Leipzig spielt, fallen die Spiele der �-Gruppen am kommenden Sonntag aus. Ueber das Vereins- treffen werden wir berichten.— Die letzten Serienspiele er- gaben: Frauen B: Tennis-Rot Chorlottenburg gegen Tennis-Rot Gesundbrunnen, 9 Uhr, Charlottenburg: FTGB. Wedding II gegen Tennis-Rot Prenzlauer Berg, 9 Uhr, Rehberge.— Männer B: Tennis-Rot Köpenick gegen Tennis-Rot Lichtenberg. 9 Uhr, Köpenick; Tennis-Rot Charlottenburg gegen FTGB., 14 Uhr. Charlottenburg. — Männer C: Tennis-Rot Prenzlauer Berg gegen FT. Spandau, 8 Uhr, Prenzlauer Berg; Tennis-Rot Gesundbrunnen gegen FTGB., 8 Uhr. Humboldthain; Tennis-Rot Friedrichshain gegen Tennis-Rot Neukölln, 14 Uhr. Friedrichshain.— Männer D: Tennis-Rot Lichtenberg gegen Tennis-Rot Weißensee II, 9 Uhr, Lichtenberg; Tennis-Stot Neukölln III gegen Tennis-Stot Charlottenburg III, 9 Uhr, Voltspart Neukölln. Ar-beiter- Wasserball-Serie Berlin ll-Neukölln 12:5/ Helas I-Mowe 12: 1 Weifjensee-Union 14:2 Das für Mittwoch angesetzte Tressen zwischen Charlottenburg und Lichtenberg wurde aus einen späteren Termin verlegt. In den anderen Spielen gab es überraschend hohe Resultate. Besonders der Ausgang des Spieles Berlin 12— Neukölln vom Donnerstag überrascht. Eine derart hohe Niederlage für die Neuköllner, die ihren Gegner in der Wintcrserie schon einmal mit 6: 2 bezwungen hatten, wurde kaum erwartet und ist nur auf eine äußerst Unglück� Akdeite? kegsns in Granau Sonnfag, 5. Juli 1931, Ruder- und Kanuregatta, der Arbeiter-Wassersportler vor den Regattatribünen in Grünau.— Beginn 13 Uhr. Am Start: Dortmund, Hamburg, Stettin, Rrenzlau, Leipzig, Würzen, Magdeburg, Brandenburg, Luckenwalde, Rathenow, Berlin. Ruder- u. Kanuwettfahrten, Eskimokentern, Lanzenstechen, Händepaddeln, Tauziehen im Kanu, Paddeln im Stehen, Schwimmvorführungen der Frauen liche Aufstellung der Mannschaft zurückzuführen, die besonders in der Abwehr sehr schwache Leistungen bot. Berlin 12 spielle gut zusammen und gewann nach Belieben. Hellas I bewies am gleichen Abend seine augenblicklich sehr gute Form. Saubere Ballbehandlung und überlegtes Zuspiel ent- schieden das in Plötzensee gegen Möwe ausgetragene Spiel. Möwe war wohl schwimmerisch gleichwertig, doch zeigten die Stürmer zu wenig Schußsreudigkeit und balltechnisches Können, um der stabilen Hellas-Hintermannschast gefährlich werden zu können. Die Höhe der Niederlage hätte Möwe verhindern können.— Gestern bot Union in Weißensee gegen Neptun eines seiner schwächsten Spiele. Man vermißte das gewohnte gute Zusammenspiel, dos diese Mannschaft sonst stets auszeichnete. Neptun nutzte die Schwächen seines Gegners geschickt aus, spielte sich ausgezeichnet ein und war von Ansang bis Ende gleichbleibend überlegen. Das Resultat entspricht dem Spiel- verlaus. Am Montag stehen sich in Plötzensee Charlottenburg und Möwe und am Dienstag in Lichterfelde Berlin 12 und Union, ferner am gleichen Abend in Weißensee Neptun und Hellas I gegen- über. Bis auf das erstgenannte Treffen, das einmal mehr den Meister Charlottenburg in Front sehen wird, sind die Spiele ziemlich offen. Auljem Tennis welfmeisferin. Zum erstenmal in der Geschichte der inoffiziellen Tennis-Welt- Meisterschaften in Wimbledon wurde heute das Finale im Damen- einzel von zwei deutschen Spielerinnen bestritten. Diese Sensation löste beim Publikum großes Interesse aus, und trotz der Henley- Regatta und des ersten Tages der englischen Leichtathletik-Meister- schaften war das Wimbledon-Stadion wieder ausverkauft. Die deutsche Meisterin Cilly Äußern hatte in ihrer Landsmännin Hilde Krahwinkel, die von dem anstrengenden Spiel des Vortages gegen Helen Jacobs noch stark mitgenommen war, keine allzu starke Geg- nerin und wurde mit 6:2, 7:5 zum ersten Male„Weltmeisterin". MuyuUocUV Die Wochendspiele Am heutigen Sonnabend spielen nur Volkssport Wedding 3. Männermannschaft gegen die Sozialistischen Stichenten 1 um 191� Uhr im Volkspark Rehberge und Teltow 1. Männer gegen Berlin 12. Bezirk I. um 19 Uhr in Teltow. In Serienspielcn stehen sich im 1. Bezirk noch gegen- über: 3. Klasse, Gruppe A: Kalkberge gegen FTGB.-Lichtenberg um 16 Uhr in Kalkberge. Gruppe B: Halle 1. gegen FTGB- Baumschulenweg 2 um 16 Uhr in Halle. Frauen, Gruppe A: Eiche- Köpenick gegen Turn- und Sportvereinigung Kaulsdorf um 15 Uhr in Köpenick, Wendenschloßstraße 1(Vereinsplatz) und Jugend: Eiche- Köpenick gegen Freie Turnerfchaft Wildau um 16 Uhr in Bohns- darf, Schulzendorfer Straße. Anläßlich der 70-Jahr-Feier des Männerturnvereins Bernau stehen sich in Bernau am Wasserturm Bernau I. Männermannschaft und Freie Sportoereinigung Tegel 1. um 1854 Uhr gegenüber. Sonstige Gesellschaftsspiele sind bei den Männern: Eintracht-Mahls- dorf 2. gegen Friedrichsfelde 2 um 15 Uhr in Mahlsdorf, Hönower Straße. FTGB.-Lankwig 2. gegen Charlottenburg-Kleingärtner 1 um 10 Uhr in Lankwitz. Ruhlsdorf gegen Mahlsdorf um 15 Uhr in Ruhlsdorf und Mahlsdorf-Jugend gegen FTGB.-Friedenau um 16.10 Uhr in Mahlsdorf. Das Abendfchnkmmfest ver Jtelen Stfnotmmer ffrtfcf nKht«« der Wildenbruch-Brücke, sondern im eigenen Sommerbad des Ver- anstalters. An der Grenz-Allee-Brücke, statt. Der Männer-lurnvereia Bernau teilt für die Teilnehmer an seiner 70-Iahr-Feier zur Information mit: Für alle Teilnehmer Um- kleide-Lokal Volkshaus Belleoue. Die Sonnabends eintrefjenden Sportler werden gebeten, spätesten? um 20 Uhr im Ort zu sein. Di« Vorkämpfe beeginnen am Sonntag pünktlich um 9 Uhr, die Hauptkämpfe um 15 Uhr.__ R-dsahrcr„eolibarität". eonniag, 5. Juli. t. Abt. äHBUen-S«, Statt 5 Uhr, Pferdebucht, Start 12 Uhr, beide Bülsfstraße 5ö. 2. 9tbt, 4. Fulr, ffitoB-SitburfK«!, Statt 17.% Uhr. ö. Juli, Radtahret