Morgenausgabe Nr. 309 A 156 4S.Iahrgang Wöchentlich SS Pf� monatlich Z.KV M im voraus zahlbar. Postbezug 4.32 M. einschließlich 60 Pf. Postzeitungs- und 72 Pf.Posrbesrellgedühren. Auslands- obonnement 6,— M. pro Monat; für Länder mit ermäßigtem Drucksachen- vorto b,— M. Der„lBoroärts* erscheint wochentSg- lich zweimal. Sonntags und Montags einmal, die Abendausgabe für Berlin und im Handel mit dem Titel„Der Abend" Illustrierte Beiloge„Volt und Zeit". Ferner„Frauenstimme". „Technik"„Blick in die Bücherwelt". „Iugend-DorwärtS"u.„Stadtbellag«" Aertiner volksvtatt Sonntag 5. Zuli 1931 Groß-Äerlin 15 Pf. Auswäris 20 ps. Die ctnlpalt- Nonparelllezeile 90 Pf. Retlamezeile b.— RM.„Kleine An- zeigen" das fettgedruckte Wort 25 Pf. (zulässig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 12 Pf. Rabatt lt. Taiis. Stellengesuche das erste Wort lS Pf, jede» weitere Wort 10 Pf. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmartt Zeile(50 Pf. Familienanzeigen Zeile 40 Pf. Anzeigenannahme im Hauptgeschäft Lindenstraße 3. wachen- täglich von SV, bis 17 Uhr. Der Verlag behält sich das Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vorl Jentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstr. 3 Fernspr.: Dönhoff(A T) 292— 297. Telegramm-Adr.: Sozialdemokrat Berlin. Vorwärts-Verlag G. m. b. H. Postscheckkonto: Berlins? S3K.—Bankkonto: Bankdcr Arbeiter, Angestellten und Beamten, Lindenstr. 3, Dt.B.».Disc.-Ges., Depositcnk., Jerusalem«! Str. 63/66. Papst brandmarkt Mussolini. Eine neue, schärfere Enzyklika gegen den Kaschismus. Am 29. Juni hat der Papst ein neues Rundschreiben tEnzistlika) an die Bischöfe Italiens gerichtet, das erst gestern der Oeffentlichkeit zugänglich gemacht worden ist. Dieses Dokument de- weist, daß der jüngst zwischen dem Vatikan und der italienischen Regierung ausgebrochene Konflikt nicht nur keineswegs beigelegt ist, sondern in schärferer Form denn je weiter geht. Der Papst dankt zunächst den Katholiken aller Länder für die Solidarität, die sie in dem Konflikt um die katholische Aktion be- wiesen haben. Rücksichtslos brandmarkt er abermals das Vor- gefallene: „Es handelt sich um eine Jugend und um eine Kindheit, die sicher zu dem Besten Unseres Guten gehört. Welche Härte und Gewalttätigkeiten bis zu Schlägen und bis aufs Blut. welche Unehrerbietigkeitcn der Presse, des gesprochenen Wortes und der Taten gegen Dinge und Personen, die unsere nicht ausgeschlossen, gingen der Ausführung der unvorhergesehenen Polizeimaßnahmen voran, beglestetm sie und folgten ihnen! Und alle diese traurigen Begleitumstände und Verletzungen der Ehr- furcht und Gewalttätigkeiten spielten sich ab unter Beteiligung von unisormierten Mitgliedern der ssaschi- stischen) Partei, so daß Einem notwendig der Gedanke aufsteigt an Anordnungen, die von oben herab gekommen sind. Man hat, wenn nicht alles, fv doch sicher die hauptsächlichsten Er- finduugen, Lügen und Perle umdungen der gegnerischen Partei presse, die allein Freiheit geniest l und der oft befohlen oder sast befohleu wird, alles zu sagen und zu wagen, zu einer allerdings vorsichtigerwcise nicht offiziell sogenannten„Botschaft- gesammelt. Sellen ist Uns selbst ein Dokument begegnet, das so tendenziös gehalten ist und so im Gegensah steht zur Wahrheit und zur Gerechtigkeit gegenüber dem heiligen Stuhl, gegenüber der Kotholischen Aktion Italiens und ganz Besonders gegenüber den so hart betraf- fcnen Verbänden." Roch nie fest der Unterdrückung oller Freiheiten durch den Faschismus rst in so unmistoerständlichen Worten das faschistische System öffentlich gegeißelt worden. Allein die Feststellung, daß lediglich die faschistisch« Presse die Freiheit genießt und diese Freiheit mißbraucht, um auf Befehl der Regierung Mussolinis zu lügen, ist innerhalb der Grenzen Italiens geradezu eine Sensation. Aber das ganze, sehr lange Rundschreiben ist voll solcher u n- verblümter Anklagen. Der Papst polemisiert gegen die einzelnen Behauptungen Jener nicht offiziell gezeichneten„Botschaft- Mussolinis, in der das Vorgehen der Regierung gegen die katholische Aktion namentlich mit der Behauptung begründet wurde, daß diese eine politische Tätigkeit entfalte. Die Enzyklika weist ins- besondere darauf hin, daß in insgesamt 4000 Gruppen katholischer Männer und 3000 Vereinen der katholischen Jugend nur ganze vier Persönlichkeiten eine Führcrstcllung als Ortsleiter innehaben, die einst der Populari-Partei angehörten, also jener Katholischen Volkspartei, die wegen ihrer antifaschistischen Einstellung unter Führung Don Stürzas von Mussolini verfolgt und ausgelöst wurde. Die Enzyklika macht dann folgende für Mussolini recht p e i n- liche Feststellung: „In keinem Staate der Welt ist die Katholische Aktion jemals als eine Gefahr für den Staat angesehen worden. In keinem Staat der Welt ist die Katholische Aktion so p e i n- I i ch o e r f o l g t worden wie in unserem Italien und hier in unserem römischen Bischofssitz selber. Und das ist wirklich eine wider- spruchsvolle Lage, nicht von uns, sondern gegen uns geschaffen.- In seinem letzten Teil zieht das Rundschreiben die Folge- r u n g c ii aus dem Konflikt und st e i g e r t dabei seine Angriffe mis den Faschismus mit unerhörter Schärfe: „Wir stehen vor einem ganzen Gefüge unbestreitbarer Erklärnn- gen und vor nicht minder unbestreitbaren Tatsachen, die keinen Zweifel an dem Borsatz lassen, die Jugend von der srühcsten Kindheit bis zum reifen Alter völlig, ganz und ausschließlich für eine Partei, für eine Regie- rung in Anspruch zu nehmen, und das auf Grund einer Ideenwelt, die sich in eine wahre und cigenllichc Vergötterung des Staates in heidnischem Sinne auslöst. die nicht minder mit dem natürlichen Recht der Familie und mit dem übernatürlichen Recht der Kirche in vollem Widerstreit steht." Es folgt eine für den Hochmut Mussolinis überaus peinliche Stelle: „Es ist folglich e>n ungerechtfertigter und mit dem Namen und Bekenntnis eines Katholiken unvereinbarer Vtüerj�ruH. wenn einfache Gläubige kommen und die Kirche und ihr Oberhaupt darüber belehren wollen, was genüg« und was genügen must für eine christliche Erziehung und Ausbildung der Seelen und um in der Gesellschaft und in der Jugend die Prinzipien des Glaubens mit ihrer vollen Auswirkung im Leben zu erholten und zu fördern. Damit verbindet sich die ganz klare Offenbarung einer g ä n z- lichcn Unzuständigkeit und völligen Unkenntnis der in Frage kommenden Dinge." Mit sorgjältig ausgesuchten Worten erinnert somit der Papst den sich schon für einen Halbgott haltenden Mussolini daran, daß er gegenüber dem Oberhaupt der katholischen Kirche nur c i n„c i n- facher Gläubiger" ist wie jeder andere, und er v e r- bittet sich energisch jede Belehrung von ihm über das, was die Kirche in ihrem religiösen Jiitcrcsse für notwendig hält. Man spürt förmlich in diesen Worten die kaltblütige Absicht, Mussolini vor den Augen der katholischen Italiener zu demütigen und in sein« Schranken zurückzuweisen. Der faschistische Staat verlangt von jedem Bürger und sogar van der Jugend den Eid aus die Einrichtungen der Usurpatoren. Die Bischöfe hatten sich an den Papst mit der Frage gewandt, was sie den Gläubigen empfehlen sollten angesichts der Zwangslage, in der sich aus materiellen und sonstigen Gründen viele italienische Katholiken befinden. Papst Pius antwortet mit einem Rat, dem er eine für dos System der Diktatur vernichtende Bemerkung voranschickt: „Da wir wohl wissen, daß Mitgliedskarle und Eid für sehr viele die Vorbedingung für die Lausbahn sind.. Wenn ein gewöhnlicher Bürger, oder besser gesagt Untertan des faschistischen Staates eine' solche Bemerkung ösfentlich riskierte, würde er schnurstracks nach den MiUelmeerinseln deportiert werden. Der Papst schlägt nun vor, daß den Gläubigen, denen der Eid aufgezwungen wird, innerlich nämlich „vor Gott und dem eigenen Gewissen den Vor- behalt machen,„unbeschadet der Gesetze Gottes und seiner Kirche", oder auch„unter Wahrung der Pflichten eines guten Christen", und damit den festen Vorsatz verbinden, einen solchen Vorbehalt auch nach außen zu bekennen, wenn sich dafür die Notwendigkeit ergeben sollte. Es bleibt abzuwarten, wie die faschistische Regierung auf diese Kundgebung reagieren wird, die wohl die st ä r k st e Kampf- ansage darstellt, die jemals bisher der Diktatur Mussolinis ent- gegengeschleudert worden ist. Reichsbank-Generalrat tagt. Einberufung für heute nachmittag. Wie der WTB.-Handelsdicnst erfährt, ist der General- rat der Reirhsbant für«onntag. den 5. A u l i, einberufen worden. Gs soll die allgemeine Lage besprochen werden; dabei wird auch das Grgcbnis der Pariser Bcr- Handlungen, über deren Einzelheiten man bis dahin Klarheit zu haben hofft, Berücksichtigung finden. Verlängerung des Devisenkredits? Die R e i ch s b a n k steht zur Zeit wegen der Verlange- rung des ihr Ende Juni unter der Fülhrung der Bovk von Eng- land gewährten Rediskontkredits in Höhe von rund 400 Millionen Mark in Verhandlungen. Als Vcrlängerungstcrmin find vorläufig 4 Wochen in Aussicht genommen. Das �eichskabineti berät. Thema: die wirtschaftliche Lage Oeuffchlands. Das Rcichskabinett befaßte sich am Sonnabend unter Zuziehung des Rcichsbankpräsidenten mit der gegenwärtigen wirt- schaftlichcn Lage Deutschlands. Beschlüsse wurden noch nicht gesaßt. Voraussichtlich werden die Besprechungen am Sonntag fortgesetzt. Von amerikanischer Seite ist die Reichsregierung am Sonn- abendvarmittag dahin verständigt worden, daß die PariserVer- Handlungen vor dem Abschluß stehen und nur noch einige Streitpunkte von geringerer Bedeutung zu klären seien. Der angekündigte englische Geschwaderbcsuch in Kiel Hot gestern begönnen. Der englische kommandierende Admiral hat den Be- Hörde» Besuche abgestattet, die erwidert wurden. fserzog von Aasto. der einflußreiche Vetter des Königs von Jtatieo. ist gestern gestorben. Keine Täuschungen! i.4 Tage nach dem Hoover-Wunder. Seit dem Vorschlag Hoovers, der Welt ein Reparations- seierjahr zu geben, sind 14 Tage verflossen. Die Botschaft Hoovers hat in Deutschland eine Stimmung der Erlösung hervorgerufen. Es war tatsächlich Hilfe im letzten Augen- blick. Die Schwere der drohenden Katastrophe war noch nicht voll ins Bewußtsein der Oeffentlichkeit gedrungen. Als zu- gleich mit der Bekanntgabe des Hooverschen Vorschlages die Wahrheit der schwarzen Befürchtungen für Deutschlands Wirt- schaft bekannt wurde, bemächtigte sich der Oeffentlichkeit das Gefühl des Reiters, der über den Bodensee geritten ist. Der Entschluß der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion, nicht auf der Einberufung des Haushaltsausschusscs zu bestehen, um eine Rechtsdiktatur und das wirtschaftliche Chaos zu vermeiden, ist durch den Gang der Ereignisse gerechtfertigt worden. Man versuche, den Gedanken bis zum Ende zu ver- folgen, was eingetreten wäre, wenn in den schwarzen Tagen vor der Hoover-Botschaft die Sozialdemokratie einen Auftrag zur Regierungsbildung an Hugenberg herbeigeführt hätte, wenn die Katastrophe plötzlich noch viele Hunderttausende arbeitslos auf die Straße geworfen hätte, während gleich- zeitig alle Machtmittel des Staates in die Hände des Rechts- radikalismus geglitten wären! Wir reden gar nicht davon, daß alle Aussichten auf eine Aenderung der Notverordnung dann restlos zerstört worden wären; denn gegen das, was dann gekommen wäre, ist die Notverordnung trotz der sozialen Brutalitäten, die sie enthält, wahrhastig noch ein Kinderspiel. Was hätte die Hoover-Aktion dann noch retten können? Die deutsche Oeffentlichkeit hat die Rettung durch die Hoover-Aktion wie ein Wunder aufgenommen. Aber sie hat — wie bei allem Wunderbaren— die Reichweite des Wunders überschätzt. Die vierzehn Tage, die seit dem Eintritt des Wunders vergangen sind, haben der praktischen Wirklichkeit und den internationalen politischen Realitäten wieder zu ihrem Recht verholfen. Es hat vierzehn Tage gedauert, und der Termin des 1. Juli ist erheblich überschritten worden, ehe eine provisorische Einigung zwischen Frankreich und Amerika sichtbar geworden ist. In Frankreich hat das Wunder versagt. Nur nach hartem Widerstand ist es auf den Vorschlag einge- gangen, der im wesentlichen Deutschland für ein Jahr von den Reparationslastcn befreit. Diese 14 Tage zwischen dem Hooverschen Appell und heute kommen aus das Konto Frankreichs. Sie sind Deutsch- land teuer zu stehen gekommen. Die Devisenabzüg« sind weitergegangen. Nicht nur die Reichsbank, auch die deutschen Großbanken haben abermals eine erhebliche Verringerung ihres Devisenbestandes erfahren. Die Reichsbank hat diese Zeitspanne nur mit Hilfe des Rediskontkredits überstanden, ohne zu den im Bankgesetz vorgesehenen schärfsten Maß- nahmen mit ihren katastrophalen Folgen für die Wirtschaft und damit für den Arbeitsmarkt greifen zu müssen. Kein Zweifel, daß die Länge der Pariser Verhandlungen auch die von Hoover beabsichtigte psychologische Wirkung seiner Aktion beeinträchtigt hat. Hoover ist Deutschland zu Hilfe gekommen, um der amerikanischen„prosporitv* willen. Aus der Weltwirtschaftskrise sollte das politische Mo» ment ausgeschaltet werden. In Frankreich hat man das politische Moment höher eingeschätzt als die Sorge um die prosperity. Man hat den Noung-Plan über die Wirtschaft- liche Vernunft gestellt. Diese Verzögerung enthält eine wichtige Lehre: So sicher in Deutschland jeder überzeugt ist, daß nach dem Reparationsfeierjahr der Boung-Plan in seiner bisherigen Form nicht wieder in Kraft gesetzt werden kann, so sicher ist es auch, daß sich Frankreich einer Revision des Voung-Plans energisch widersetzen wird. Es wäre eine optische Täuschung, wenn man darüber hinweggehen wollte! Der hartnäckige Widerstand, den in Frankreich Regierung und Parlament dem Hoover-Plan entgegengesetzt haben, läßt erkennen, m i t welchem hartnäckigen Wider st and ein dcut- schcs Revisionsverlangen rechnen muß. * Wenn man gar in den rechtsradikalen Kreisen glaubt, daß infolge des Hooverschen Vorschlages und des französischen Widerstandes sich eine politische Konstellation angebahnt habe, in der Deutschland eine Revisionspolitik betreiben kömte, wie sie sie auffassen, so unterliegt man einer noch schlimmeren optischen Täuschung. Die Front der wirtschaftlichen Verminst bat nichts zu tun mit einer Front der Macht- und Kriegs- bündnisse und der Aufrüstung, wie sie der deutsche Faschismus erträumt. Jeder Versuch» die Koustellation der wirtjchajtkchen Im Streit erschossen Furchtbarer Ausgang eines Familienzwistes � Schuß auf die Tante 3m Verlause eines Slreikes erschoh gestern nachmittag der ZtZjährige Kaufmann Willi h e i m in der Wohnung seiner Schwieger- ellern in der ZNorihslraste 2Z seine ö0 Zahre alte Tante Martha Büttner, heim slüchtelc nach der Tal und konnte bisher noch nicht ermittelt werden. Heim hatte vor 14 Tagen geheiratet. Für die ersten Anschasfun- gen hatte er sich von seiner Tante, die Besitzerin einer gröhercn Pension ist, 2000 Mark geliehen. Das Geld sollte sie am 1. Juli zurückerhalten. Als die 2000 Mark zu diesem Termin noch nicht in ihren Händen waren, sandte sie an Heim, der sich mit seiner jungen Frau einige Tage an der Ostsee aufhielt, ein dringendes Telegramm, in dem sie die Rückgabe des Geldes forderte. Am Freitagabend kehrte das Ehepaar nach Berlin zurück und logierte sich bei den Eltern der Frau in der Moritzstraße ein. Am Sonnabendnachmittag erschien dort plötzlich Frau Büttner, die von der Heimkehr ihres Neffen erfahren hatte. Abermals verlangte sie ihr Geld zurück. Heim erklärte, daß er noch außerstande sei und sich die Tante daher noch wenige Tage gedulden möge. Die junge Frau und deren Mutter waren bei der ganzen Auseinandersetzung zugegen. Mit heftigen Worten beschimpfte jetzt die Tante in Gegenwart der beiden Frauen ihren Neffen und warf dem jungen Ehemann seinen Lebenswandel während seiner Junggesellenzeit vor. Heim verlor schließlich völlig die Beherrschung, riß eine Pistole aus der Tasche und schoß die am Tisch sitzende Tante nieder. Die Kugel drang hinter dem rechten Ohr ein und hatte den sofortigen Tod zur Folge. tauchen, die ihnen die amüsierten Bergnügungsreisenden ins Meer werfen! Eine Kellerangel? Das ist eine lange, dünne Stange mit einem gebogenen Teelöffel am Ende, die sich bequem durch die Eisenstäbe über den Kellern schieben läßt. Die Anglerkolonue nun, die im Nordosten Berlins eine bekannte Erscheinung ist, geht nicht auf zufällige„Naturforschungen" aus, wie etwa ihre Altersgenossen. Nein, in der Gegend der überfüllten Wettbüros, der gerammelt- vollen Kneipen liegen die Jungen bäuchlings auf dem Bürgersteig und angeln. Da gi� es natürlich manchen Groschen als Ersatz für das„verlorengeganDne Geld", das sich— nicht im Keller befindet!!! �Lockruf des Lebens.* Wie viel Not und Elend, Jammer und Verzweiflung die wilden Sp i e l p a r t i e n, die in den großen Partanlagen im Norden epidemisch grassieren, auf dem Gewissen haben, das ist in einem großen Teil der Presse wieder und wieder geschrieben worden. Die Polizei tut ihr Möglichstes, um die arbeitende Bevölkerung vor diesen Blutsaugern und Fledderern zu schützen. Leider mit nega- tivcm Erfolg, denn wird eine Spielergesellschast sistiert, wird eine Bank, die mit gezinkten Karten oder Bleiwürseln arbeitet, beschlag- nahmt, sofort erstehen zwei neue dafür, die mit womöglich noch plumperen Mitteln arbeiten, als die„vafchüttgegangene"! Die Selbstmorde aber, die diese Hyänen der Nacht auf dein Gewissen haben, werden wohl nie auf ihr Schuldkonto geschrieben werden können! Allnächtlich verlassen junge oder alte Männer den Hum- boldt- und Friedrichshain, den S ch i l l'e r p a r k, die Hinterzimmer von kleinen Stampen, aus gefleddert, ge- neppt, mit leeren Taschen, haben den Wochcnlohn verspielt. Und allnächtlich tritt hier an verschiedenen dieser Stellen ein kleiner, rundlicher Mann mit einer Schiffermütze und einem Seemannsbart in Erscheinung. Dieser kleine Mann greift sich einen der„Verspieler", der sich mit den trübsten Gedanken trägt, geht neben ihm her, lädt ihn zu einer Molle ein und bietet ihm seine Hilfe an. Dieser kleine Mann, der den zermürbten Menschen ins Leben zurückruft, leiht jenem Geld zu ganz mähigen Zinsen, zurückzahlbar am nächsten Lohn- oder Stempeltag! Ich kenne den Retter nicht, aber er ist bereits eine legendäre Gestalt in den Proletarierquartieren geworden. Was mag er für eine Vergangenheit haben, da er sich diesen Beruf ausgesucht hat? Aber es ist ja nur einer unter den vielen Berufen, nur ein« Hoff- nung unter den vielen Hofsnungen, die dauernd auf dem Asphalt erstehen und begraben werden... Gtraßenbahnzusammensioß! Siebzehn Fahrgäste zum Teil schwer verletzt. Wien, 4. Zuli. Zwei Vorortzüge der wiener Straßenbahn stießen bei der Aus- weiche in der Nähe der Haltestelle Rodaun in voller Fahrt zusammen. Beide Wagen wurden zertrümmert. 17 Personen wurden verletzt, sechs davon schwer. Der Zusammenstoß wurde dadurch verursacht, daß der Fahrer des einen Zuges auf der eingleisigen Strecke weiter- fuhr, ohne den Gegenzug abzuwarten, der eine Verspätung von einigen ZNinuten hatte. 3n einer Kurve stießen dann die beiden Wagen in ungehemmter Fahrt auseinander. Immer wieder die gefährlichen Benzindämpfe. Im Hause A n z e n g r u j>-f r st r« P« 21 rief am Sonnabend- nachmittag eine heftige Benzinexplosion große Aufregung hervor. In der Küche ihrer Wohnung war dw- 40jährige Frau Margarete Scholz mit dem Reinigen von Kleidungsstücken beschäftigt, wozu sie Benzin benutzte. In kurzer Zeit sammelten sich in dem Raum Bcnzindämpse an, die durch die Flamme des Gaskochers unter starker Detonation zur Explosion gebracht wurden. Durch eine Stichflamme erlitt Frau Scholz lebensgefährliche Ver- brennung an am ganzen Körper. Die Verunglückte fand im Urban-Krankenhaus Aufnahme. Billiger Sonntag im Zoo. AtU heutigen Sonntag, 5. Juli, kostet der Eintritt in den Zoologischen Garten für Erwachsene nur 50 Pf., jllr Kinder unter 10 Jahren nur 25 Pf.; dieselbe Ermäßigring gilt siir das Aquarium. Von Nachmittag 4 Uhr ab großes Militär- konzert. Flucht aus der Großstadtglut Wenn Berlins Asphalt dampft, ziehen die Berliner, wenn irgend Zeit und Dalles es gestatten, hinaus an die vielen schönen Seen der Havel oder der Spree. Der Eismann kühlt von innen, der See von außen— so läßt sich der heißeste Tag schon erlragen. Letzter Monat Bauausstellung. Landlust am Funkturm. Nur noch vier Wochen, bis zum 2. August, wird das große Ausstellungsereignis des Sommers, die Deutsche B a u a u s st« l- l u ng. geöffnet sein. Die Ausstellung präsentiert sich eigentlich erst jetzt, wo sie in den letzten Monat ihres Bestehens eingetreten ist, in voller Schönheit, denn inzwischen sind auch die zahlreichen gärtnerischen An- lagen auf dem Freigelände zur vollen Entwicklung gekommen und das den„Ländlichen Siedlungsbau" belebende Groß- und Klein- vieh hat sich in den Stallungen und Gehösten der 22 Einzelbauten �emgewöhnt. Gs"ist-ftttTe tlllitfWn Ißffitf man von dem Dorf am Funkturm spricht. Hier ist ein lebendiges, modernes Musterdors entstanden, in dem man L a n d l u f t atmet und sich wie aus dem Lande fühlt. Eine bequem gelegene Erholungsstätte für den müden Großstadtmenschen, der sich in diesen Ferientagen eine Sommerreise nicht gestatten kann. Als interessante Ergänzung des Unterhaltung?- Programms der bekannten Gaststätten im„Deutschen Dorf" ist für Mittwoch eine größere Veranstaltung vorgesehen. Vortrag über die..Emanzipation des Kindes". Frau Dr. Käthe Stern von der Deutschen Montesjori-Gesellschast spricht am Mon- tag, dem 5. Juli, 17 Uhr, im Haus„Ring der Frauen" auf der Bauausstellung über„Emanzipation des Kindes". Karten sind noch zu haben bei Wertheim, Leipziger Straße, und am Tage der Veranstaltung an der Sondcrkasse der Bauausstellung„Ring der Frauen", Eingang Mafurenallee. Wie in Scheuen geschlagen wurde. Lind wie man das Jugendamt unterrichtete. Lüneburg, 4. Juli. In der heutigen Vormittagsverhandlung des Schcuener Für- sorgeprozesses war die Aussage der Angestellten Knoblauch von besonderer Bedeutung. Die Zeugin muhte heute zugeben, den mahrheitswidrigen Bericht über den Besuch der Mutter des später gestorbenen Zöglings L e d e b o u r geschrieben zu haben,"»> dem Straube zu Helsen. Auch der Brief der Zöglinge an Frau Weist mit dem Satz:„Gebt uns unseren Onkel Paul wieder", ist van ihr angeregt worden, trotzdem sie schon damals von den Wißhandiungcn gewußt Hot. Die Behandlung des Ledebour erscheint in immer schlimmerem Licht. Als der kleine, schmächtige Jung- schwer verletzt und fiebernd in einer Stube lag, mußte er zu einem Verhör bei Straube an einem kalten Februartage den Weg zur Baracke in Strümpfen zurücklegen. Er brach unterwegs zusammen und war, wie die Zeugen sagen, schon„nicht mehr ganz richtig". So redete er die anderen Zöglinge mit„Sie" an und bat nur immer das eine, ihn nicht zu schlagen._ Kommt Abkühlung? Gestern 33 Grad im Schatten!- Regenschauer in Sicht. Die drückende Schwüle, die den ganzen gestrigen Tag über anhielt, dürste einem schwachen Temperaturrückgang am heutigen Sonntag weichen. Mit annähernd 33 Grad als Höchsttemperatur im Schatten hatten wir gestern in Verlin einen der bisher heißesten Tage in diesem Jahre. Das heutige Wetter soll nach der Voraus- sage des Amtlichen Wetterdienstes zu nicht allzu großen Hoffnungen berechtigen. Bei wechselnder Bewölkung wird es vermutlich einige Regenschauer, vielleicht auch Gewitter geben. Billige Wochenendfahrt nach Kopenhagen! Wer es irgend er- möglichen kann, oersäume nicht, an dei, außergewöhnlich billigen Wochenendsohrten, die der Reichsausschuß für sozialistische Bildunosarbeit veranstaltet, teilzunehmen. Die Reisen führen am 18./19. Juli und 1./2. August nach Kopenhagen, am 15./st0. August nach. Rügen. Preis für die Fahrt Berlin— Kopenhagen nnd zurück' 20 Mark, Berlin— Rügen und zurück 14 Mark. Gutscheinkartcn für die Teilnehmer sind bei' den bekannten Stellen(siel)«„Vor- Värts"-'Ausgabe vom 25. Juni» und auch direkt beim Reicheaus- schuß für sozialfftische Bildungsarbeit, Bexlin SW68, Lindcnstr. 3, zu haben. Fachschule für das Filmgcwerbe. Am 18. August um 18 Uhr beginnt ein neuer Abendlehrgang für Berusskinovorsührer(Tonfilm). Meldungen an die Fachschule für da Jilmgewerbe, Berlin NW. 87, Levetzowsiraße 1/2. Der krebs Osten des Reichsbanners Schwarz-Rol-Gold veranstaltet am Sonntag, dem 12. Juli, im Lunapark ein großes republikanisches Sommerfest, zu dein alle Republikaner Berlins herzlichst eingeladen sind. Es wird großes Doppelkonzert, artistische Vorführungen und großes Feuerwerk geboten. Der große Kombinator befand sich in der Situation eines Roulettespielers, der ausschließlich auf einzelne Nummern setzt. Er war einer jener Menschen, die mit einem Schlag sechsunddreißigmal so viel gewinnen wollen, als sie gesetzt haben. Die Situation war eigentlich noch schlimmer. Die Konzessionäre spielten eine Roulette, wo Zero auf elf von zwölf Nummern fiel. Und die zwölfte Nummer, die vielleicht die wunderbare Prämie enthielt, entschwand den Blicken, be- fand sich wer weiß wo. Diese traurige Gedankenkette wurde durch das Kommen des Generaldirektors unterbrochen. Schon sein bloßer Anblick weckte in Ostap unangenehme Gefühle.„Oho!" sagte der tech- nische Leiter.„Ich sehe, Sie machen Fortschritte. Ich bitte Sie nur, scherzen Sie nicht mit mir. Warum haben Sie den Stuhl hinter der Türe gelassen? Spaßeshalber?" „Genosse Bender!" murmelte der Vorsitzende. „Ach was, spannen Sie nicht unnütz meine Nerven an! Bringen Sie ihn rasch her, her mit ihm! Sie sehen, daß der neue Stuhl, auf dem ich sitze, den Wert Ihrer Zustandebrin- gung um Vielfaches vergrößert hat." Ostap neigte den Kopf und blinzelte mit den Augen. „Quälen Sie die Kinder nicht", sagte er endlich mit Baß- stimme.„Wo ist der Stuhl? Warum haben Sie ihn nicht mitgebracht?" Die undeutliche Meldung Worobjems wurde von Ostaps ironischen! Händeklatschen und listiger Fragestellung unter- brachen. Worobjew schloß seinen Bericht unter dem Homert- schen Gelächter seines Zuhörers. „Und meine Instruktionen?" fragte Ostap mit Donner- stimme.„Wie oft habe ich Ihnen gesagt, daß es eine Sünde ist, zu stehlen. Es gibt auch anständige Methoden. Schon als Sie in Stargorod meine Frau, Madame Grizewa bestehlen wollten— damals habe ich schon Ihren kleinlich kriminellen Charakter durchschaut. Einen Menschen wie Sie wird man nie zum Tode verurterlen. Sie können sicher sein; Ihre An- lagen können Sie höchstens ins Gefängnis bringen, sechs Monate mit strenger Einzelhaft. Keine sonderlich glorreichen Ambitionen für einen Riesen des Gedankens und Vater der russischen Demokratie. Und hier haben wir die Resultate. Der Stuhl, den Sie in den Händen gehabt haben, ist Ihnen entschlüpft. Zudem haben Sie eine glatte Sache im Zuschnitt verdorben. Versuchen Sie nur, dort einen zweiten Besuch zu machen. Dieser Awessalom Wladimirowitsch wird Ihnen den Kopf abreißen. Sie haben es dem puren Zufall zu danken, daß Sie nicht ins Kittchen gewandert sind. Jedenfalls hätten Sie dort vergeblich auf meine Hilfe gewartet. Es wird mir in so einem Fall sehr fern liegen, auch nur den Finger zu rühre». Sie sind weder meine Mutter, noch meine Schwester, noch meine Geliebte. Was ist mir Hekuba?" Worobjew sah seine komplette Nichtigkeit ein und stand mit gesenktem Kopf da. „Also mein Teurer, ich sehe jetzt die ganze Zwecklosigkeit unserer Zusammenarbeit. Jedenfalls ist es absurd, mit einem so wenig intelligenten Kompagnon mit nur vierzig Prozent Beteiligung zu arbeiten. Ich muß uolens volens neue Bedingungen statuieren." Worobjew begann langsam wieder zu atmen. Bis jetzt hatte er jeden Atemzug krampfhast unterdrückt. ,»Ia, mein alter Freund, Sie leiden an Mangel an Or- ganisation und allgemeiner Vlutarmut. Demzufolge muß Ihr Anteil auch verkleinert werden. Ehrlich— sind Sie mit zwanzig Prozent einverstanden?" Worobjew schüttelte entschieden den Kopf. „Was soll das heißen? Ist es Ihnen vielleicht zu wenig?" „W— wenig." „Das find doch dreißigtaufend Rubel? Wieviel wollen Sie denn?" „Ich märe not vierzig Prozent einverstanden." „Ein Raub am hellen Tage! sagte Ostap, indem er den Tonfall des Borsitzcndcn während des historischen Gesprächs in der Hausmcisterwohnung nachahmte.„Dreißigtausend sind Ihnen zu wenig? Wollen Sie vielleicht auch noch den Schlüssel von der Wohnung, wo das Geld liegt?" „Sic sind es, der den Schlüssel will", murmelte Worobjew. „Nehmen Sic zwanzig Prozent, bevor es zu spät ist, sonst könnte ich es mir überlegen. Nützen Sie meine gute Stimmung aus." Worobjew hatte längst schon das selbstzufriedene Aus- sehen eingebüßt, mit dem er die Suche nach den Brillanten in Angriff genommen hatte. Das Eis, das damals in der Hausmeisterwohnung zu bersten begonnen hatte, das Eis, das damals noch donnerte und gegen den Granit des Kaiufers schlug/ besaß längst nichts mehr von seiner Gewalt und hatte zu tauen begonnen. Ja, es war beinahe kein Eis mehr da. Nur noch eine breite trübe Wasserfläche, die Worobjew nachlässig mit sich schleppte und ihn hin und her schleuderte. Bald schlug er gegen einen Holz- balken, bald stieß er gegen die Stühle oder wurde ins Un- gewisse weggetragen. Das Ende des Weges war nicht abzu- sehen. Die Wellen trugen ihn nicht zum Ufer und Worobjew hatte weder die Kraft noch den Willen, gegen den Strom an- zukämpfen. Und er trug ihn in das offene Meer des Abenteuers. Zwei Besuche. Wie ein aufgewickeltes Kind, das nicht einen Moment still liegt, die Fäustchen auf und zu macht, die Füßchen bewegt. das Köpfchen hin und her dreht und aus dem Mündchen Blasen bläht, befand sich Awessalom Wladimirowitsch ständig in einem Zustand ewiger Unruhe. Er strampelte mit den dicken Beinchen, drehte das rasierte Kinn hin und her, ächzte und machte mit den haarigen Armen Gesten, als vollsühre er gymnastische Uebungen. Er lebte das sorgenvollste Leben, tauchte bald da, bald dort auf, bot etwas an, lief wie ein erschrockenes Huhn auf der Straße herum und sprach laut vor sich hin. Das Wesentliche an seiner Person war, daß er sich nicht länger als eine Minute organisch mit einer Sache oder einer Idee beschäftigen konnte. Wenn einem Redakteur sein Witz nicht gefiel und nicht das augenblickliche Lächeln hervorrief, suchte Iznurenkow den Redakteur nicht, wie die andern es toten, zu überzeugen, daß der Witz gut sei und daß zu seiner vollen Schätzung'nur ein bißchen Nachdenken gehöre. Er bot sogleich einen neuen Witz an. — Was schlecht ist— sagte er— ist schlecht. Schluß.— Awessalom Wladimirowitsch verursachte ein seltsames Aufsehen in den Geschäften. Er erschien, kaufte blitzschnell, was er brauchte, und oerschwand rasch wieder vor den Augen der erstaunten Kommis. Oder er erstand mit so großartigem Getue eine Schachtel Schokolade, daß die Kassiererin der Mei- nung war, sie habe mindestens dreißig Rubel zu bekommen. Jznurenko aber näherte sich tänzelnd der Kassa, riß an seiner Krawatte, als würgte man ihn. schmiß auf das kleine Glas- pult einen schmutzigen Dreirubelschein hin. meckerte verbindlich und lief davon,(Fortsetzung-folgt.) If. 309» 4S. Jahrgang 2» Sonntag, 5. Juli 1931 BeHins Etat im Notjahr 1931 Zähe Arbeit der Sozialdemokraten Vereinfacht die Verwaltung*** Von Erich Flatau 3m Berliner S ladtparlamenl steht in diesen Tage« der Etat der Reichshauptstadt für das Rotjahr tSZl ,iir Beratung. Rachstehend schildert der Vorsitzende der Lcr- liner sozialdemokratischen Sladlverordnctensraktion, Genosse Erich A l a t a u. die austerordcntliche Schwierigkeit einer ver- antworlungsbewuhten Etatgcstaltung in dieser Zeil gröhter Rot. Der Berliner 5?aushaltsplan für ISZl schließt, wie sckzon nach Einbringung des Etats in der Berliner Stodtverordnetenversomm- lung hier mitgeteilt worden ist, in der Ordentlichen Verwaltung mit 1098 Millionen Mark ob, in der Außerordentlichen Verwaltung mit rund 290 Millionen Mark. Gegenüber den Vorjahren ergeben sich folgende Vergleichszahlen: Ordentliche Verwaltung: 1929 976 Millionen Mark, 1930 1103 Millionen Mark.— Außerordentliche Verwaltung: 1929 rund 162 Millionen Mark, 1930 rund 45 Millionen Mark. 70 Millionen Defizit. Zur Deckung fehlen nach den bei Abschluß der zweiten Be- ratung im Städtischen Ijaushaltsausschuß vorliegenden Zahlen rund 7 0 Millionen Mark. Die gegenwartigen außerordentlichen wirtschaftlichen Notzeiten haben es dahin gebracht, daß nicht nur in Berlin, sondern in vielen anderen großen deutschen Städten der Etat für 1931 nicht eigentlich„balanciert", sondern einen ungedeckten Fehlbetrag aufweist, der erst bei den folgende» Etatgestallungen mit ausgeglichen werden kann. Den Kritikern muß entgegen- gehalten werden, daß dieser Fehlbetrag nicht ein Merkmal der söge- nannten„Berliner M i ß w i r t s ch a s t" ist, sondern Vorzugs- weise seine Ursache in den außerordentlich gestiegenen Wohl- fahrtslasten hat. Diese sind auch für den jetzt vorliegenden Etat dos hauptsächlichst in die Augen fallende. Die Gesamkanforderuvgen für wohlsahrlszwccke betragen rund rund 385 ZNillionen RTarf. dos ist mehr als ein viertel der Gefamtetaksumme. Di« Entwicklung dieses Gebietes wird besonders deutlich, wenn man sich vor Augen hüll, daß im Jahre 1924 der Zuschuß bedarf der gesamten Wohlfcchrtsverwaltung der Stadt Berlin rund 34,3 Mii- lionen Mark betrug. Für den gleichen Zweck sind im Jahre 1929 rund 213 Millionen Mark ausgegeben worden. Die diesjährige Zufchutzfunune für Wohlfahrtszwecke mit rund 350 Millionen Mark umfaßt fast drei Viertel der gesamten Steuereinnahmen Berlins. Im Jähre 1919 hat das damalige kleinere Berlin Wohlfahrts- kästen in.thöhe von ungefähr 20 Millionen Mark gehabt. Rechnet man die auf gleichem Gebiete geleisteten Ausgaben der Vororte � hinzu, die später mit dem alten Berlin zu einer Einheitsgemeinde! zusammengeschlossen wurden, so wird man zu einem Betrog kommen,\ der ungefähr dem Betrag entspricht, den Berlin für Wohlfahrts- zwecke im Jahre 1924 in den Etat einsetzen mußte, also rund 53 Mit- lionen Mark. Diese letztere Vergleichszahl zeigt die Richtigkeit der Ansicht, daß allein die katastrophale Wirtschaftsgestaltung und die hierdurch zwangsweise hervorgerufene Rotwendigkeit. die Summen für Wohlfahrtszwecke jährlich zu erhöhen, zu den jetzigen bedauer- lichen Ergebnissen führen mußte. Weiter geht aber aus diesen Zahlen hervor, daß, wenn(im Vergleich zu 1924) die Wohlfahrts- ausgaben nicht in der gegenwärtig festzustellenden katastrophalen Weise gestiegen wären, die Stadt Berlin mit den dann zur Der- fügung stehenden Beträgen in ganz anderer Weise, als es jetzt geschieht, ihren Etat gestalten könnte. Die schwierige Arbeit im Ausschuß. Die diesjährigen Beratungen des Etats im Städtischen Haus- Haltsausschuß waren infolge der durckz die zeitliche Zusammendrängung bedingten Intensität, mit der gearbeitet werden mußte, und in Berücksichtigung der allgemeinen Grundlagen des Etats ganz außerordentlich schwierig. Die Herabminderung der Zahlen gegenüber dem vorjährigen Etat, der auch keineswegs den Nomen eines Jdealetats verdiente, konnte nur zu einem Tell ausgeglichen werden, weil für weitergehend« Ausgaben Mittel seitens der städti- schen Finanzverwallung nicht zur Verfügung gestellt werden konnten. Bei solcher Sachlage haben sich die sozialdemokratischen Vertreter im Haushaltsausschuß darauf konzentrieren müssen, das AUernotwendigste im Rahmen des nun einmal Gegebenen heraus- zuholen. Vorzugsweise mußte es auch darauf ankommen, Anträge zu stellen und zur Annahme bringen zu lasten, die Voraussetzungen schaffen konnten für eine Reorganisation der Verwaltung auf den hauptsächlichst in Betracht kommenden Gebieten. Allein eine solche Reorganisation wird e, ermöglichen, Ersparnisse durch Vereinfachungen in einer Form zu erreichen, die vertreten werden kann und die dos bedrückende s ch e m a t i s ch e Verfahren der pro- zentniäßigen Streichungen überflüssig macht. In solcher Betrachtung der Dinge wurde von den Sozialdemokraten folgender Antrag gestellt, der auch von einer Mehrheit angenommen worden ist: Der ZNagistral wird ersucht, mit mögllchsler Beschleunigung die gesamte Orgaoisalioa der Verwaltung einer eingehenden Rachprüsung zu unterziehen mit dem Ziel, eine Vereinfachung und größere Planmäßigkeit der Grundlagen und des Aufbaue» der einzelnen Gliederungen zu erreichen. Der Gesamtplan ist im Entwurf der Deputation für Organi- salionsentwürse zur Beratung und vor?nl>cheidung vorzulegen. Insbesondere ist auch eine mögliche Rcucinteilnng von Deputationen ins Auge zu fasten, wie auch die Festlegung von Bestimmungen gemäß§ 21 des neuen Gesetzes vom?5. Rlärz 1931. Die hier erwähnten Bestimmungen des fj 21 des neuen Gesetzes weifen auf die Notwendigkeit der Regelung der Zuständigkeit der örtlichen Verwaltung in den 20 Verwaltungsbezirken im Ler- hält, nis zur Stadtgemeindeoerwaltung hin»nd bestimmen, daß hierüber durch Ortssatzung Bestimmungen zu treffen sind, die durch eine vom Staatsministerium zu erlastende Satzung ersetzt werden, falls die Ortssatzung innerhalb eines Jahres nach Inkrafttreten des Gesetzes, also bis ungefähr zum 1. April 1932, nicht zustandekommt. Es muß wohl als wünschenswert erkannt werden, daß die städti- fchen Körperfchaften zum mindesten den ernsthaften Versuch nn chen, von sich aus diese Regelung zu treffen, ohne daß es erst des Eingriffs des Stoatsminifteriums bedarf. Auf gleicher Grundlage wie der vorstehend aufgeführte Antrag müssen die beiden nach- folgenden— gleichfalls angenommenen— Anträge betrachtet werden: 1. Die Wirtschaftlichkeit des Betriebes des Stadtfuhrparks ist vom Magistrat in geeigneter Weife genau nachzuprüfen mit dem Ziel, eine Vereinfachung der Organisation durch Ausnutzung der Möglichkeiten von Zusammenlegunze» der Fuhrparke der Bezirke zu erreichen, wie auch eine höchst- mögliche Wirtschaftlichkeit des Gesamtbetriebes. 2. Angesichts der hohen finanziellen Aufwendungen auf dem Gebiete der Stadtentwässerung ist es dringend er- forderlich, daß von einer unabhängigen Kontrollstelle ein« in all« Einzelheiten eindringende Revision vorgenommen wird, die sich insbesondere auch aus die gesamte Organisation und die Höhe der Investierungen erstreckt und das Ziel hat, durch Neugestaltung der Organisationsgrundlagen Arbeitsverctn- fachungen und wesentliche Ersparnist« zu erzielen. Wenn in diesem letzteren Antrag im besonderen Sie Forderung aufgestellt wurde, daß«in« unabhängige Kontrollstelle diese not- wendigen Nachprüfungen vornehmen soll, so geschah diös in Erkenntnis der Tatsach«, daß die gegenwärtige städtisch« Kontrollstelle, die sogenannte H a u p t p r ü f u n g s st e l l e, die sich ja auch«äh- renk» der Sklarek-Affär« nicht gerade mit Ruhm bedecken konnte. den Anforderungen einer modernen Reoistonsstelle nicht«nt- spricht.- Der Stadtkämmerer hat erkennen lasten, daß er auch seiner- seits den Umbau dieser Dienststelle zu einer nach modernen Gesichts- Kinciotsekuks Kraun und haselnuss Stiefel... 2 Lock-Spange mit ZI• r- stepperel, Grösse 31-35, statt nur 5,90 4,90, Klnder-Leinenschuhe und Sandaletten in vielen Farben und Aus- föhrungen zu Jublläunupf eisen Kroko-Nieder- treter, gewendet, mit Leaersohie, Grösse 36-42 Hausschuhe aus Leder, m. Absatz- fleek, Gr. 36-42 Rote Gummi- Bade• Spangen• schuhe, mit Blatt- auflaaa n. Ah�gtr punkten arbeitenden Institution für dringend erforderlich hält. Da- mit auch— ctivaigcn Wiocrstiinden gegenüber— die Finanzverwallung in dieser Beziehung völlig frei arbeiten kann, ist weiter sol- gcnder sozialdemokratische Antrag gestellt worden, der wie die an- deren zum Beschluß erhoben wurde: Bom Magistrat wird erwartet, daß er im Sinne der bei der vorjährigen Haushaltsberatung an- genommenen Anträge mit möglichster Beschleunigung die in diesen Anträgen geforderte Kontrollstelle errichtet unter Beseitigung der Houptprüstmgsstelle in ihrer jetzigen unmodernen Organisations- form und biirokratischn Arbeitsweise. Lerbesserungen in den oben gekennzeichneten Grenzen konnten durchgesetzt werde» auf dem Gebiete der Jugendsür- sorge, der Wohlfahrt, der Volksbildung und des W o h- n u>> g s w c s c n s. Für das letztere Gebiet ist noch folgender so- zialdenwkratischc angenommene Antrag beachtlich: Die Stadt hat unter Anwendung der Bestimmungen für die Zwangsbewirtschas- tung von Wohnungen in den vergangenen Jahren eine erhebliche Anzahl großer Wohnungen auf ihre Kosten geteilt und in Klein- wöhnungen umgewandelt. Da in der Regel Kleinwohnungen einen geringeren Mietertrag pro Quadratmeter Nutzfläche haben als Geaßivohniingen, hat die Stadt neben den llmbaukostsn laufend M iet Zuschüsse an die.Hauseigentümer zu zahlen. Der Magi- st rat wolle prüfen, ob nicht die Zahlimg solcher Mietzuschüsse, die aus vorstehend genannter Ursache ersolgte, nunmehr eingestellt werden kann.. Es ist im Rahmen dieser Bctrachtuiigcn unniöglieff. alle so ziatdemokrattschen Anträge aufzuführen, die in großer Zahl bei den einzelnen Kapiteln angenommen worden sind. Empfohlen werden muß, die jetzt erscheinende Doppelnummcr 7 oder 8 der vom Berliner Bezirksverband der SPD. herausgegebenen„Kommuna- > e n Blätter" zu lesen. In dieser Doppelnuniincr wird von den Fachbearbeitern der sozialdeniokratische» Fraktion das Hauptsächlichste in übersichtlicher Anordnung der einzelnen Kapitel berichtet. Die Größe der Verantwortung. Wenn in den früheren Iahren sich das Hauptaugenmerk bc! der Etatbetrachtung richtete auf die verschiedenen Steuerkarten und Steuercingänge, die zur Entlastung der Ausgabenseite notwendig waren, so haben sich auch in dieser Beziehung in diesem Jahre die Dinge wesentlich verändert. Die vorjahrige Etat ablehn ung hat zum Eingriff d"r Aufsichtsbehörde geführt, die ihrerseits die van ihr als notwendig erkannten Steuersummen festsetzte. In derselben Weste ist nach der erstmalig getroffenen Maßnahme die Aufsichtsbe- Hörde dann vorgegangen, als weitere Stenervorschlöge des Magistrats eine Mehrheit in der Stadtverordnetenversammlung nicht son- den. Für einV große Anzahl von Steuern liegen auf solche Weis« Festlegungen der Aussichlsbehörde vor. An diesen Festlegungen kann nicht gerüttelt werden. Alle Wünsche, hier Veränderungen zu erreichen, sind, wie die Dinge nun einmal liegen, einfach unerfüllbar. In besonderer Weise kann mir noch die ,.B ii r g e r st e n c r" betrachtet werden, weil sie gegenwärtig fast die zinzige Steuer ist, über deren Festsetzung die Stadtverordneten- Versammlung noch frei entschließen kann. Der Vorschlag des Ma- gistrats sieht hier einen weiteren 2lM)prozeiitigen Zuschlag vor. Die Viireersteuer ist, sobald die Idee, sie einzuführen, auftauchte, aufs deftigste kritisiert worden, vor allem, weil ursprünglich die starre Form einer völlig gleichmäßigen, nicht gestaffelten Erhebung dieser Steuer durch die interessierten Stellen propagiert wurde. Wenn auch inzwischen gesetzlich eine teilweise Staffelung dieser Steuer vorgenommen worden ist, so ist sie hierdurch natürlich gerade in ihren Wirkungen für den Proletarier nicht angenehmer geworden. Man kann aber diese Steuerort im Rahmen des Berliner Gesamtetals nicht besonders betrachten, son- der» wird genau überlegen müssen, welche Wirkungen ihre Adle h- n u n g hätte. Der Magistrat sieht einen Haushaltsansatz für 1331 von 30 Millionen Mark bei dieser Steuer vor. Fällt die Steuer ganz oder zum erheblichen Teil weg, so erhöht sich im entsprechenden Verhältnis dos im Anfang dieser Betrachtung erwähnte gegenwärtig noch vorhandene Etatdesizit. Diese Wirkung ruft aber gleichzeitig eine andere hervor. Für die 5tadt Berlin wurde dann nämlich auch der Zuschuß wegsallen, den sie aus dem öll-Willionen-Fonds erhält, der in der Notverordnung vom 5. Zum 1931 vorgesehen ist im 4. Teil als„Wittel zur Erleichterung der wohlsahrtslasten der Gemeinden und Gcmeindeoerbände". Auf Seite 332 des Reichs- gesetzblattes Nr. 22 vom 6. Juni 1931 heißt es im Z 2 des Kapitels II des erwähnten 4. Teils der Notverordnung, daß Juschußbeträge nur erhalten diejenigen städtiichen und ländlichen Bezirksfürsorgeverbände, in denen die gesetzlich zugelassenen oder vorgeschriebenen Steuern in der„erforderlichen" lzötze ausgenutzt sind. Bleibt also ein höherer Ansatz für die Bürgersteller vollständig unberücksichtigt, dann sollt dieser Zuschußbctrag weg und mit ihm auch ein weiterer Anteilbetrag aus dem von der preußischen Staatsregierung auf Grund eines besonderen Gesetzes den preußischen Gemeinden zur Verfügung gestellten Fonds in der gleichen Höhe von 63 Millionen. Die Gesaintzuwendungen, die Verlin von Reich und Staat auf solche Weise erhält, betragen rund 22 Millionen. Das gesamte Elolsdesizit würde also bei Ablehnung der Bürger- steuer von gegenwärtig rund 73 Millionen aus ungefähr 1l0 bis i20 Millionen steigen. Diese würden sür die nächsten Etatsjahre«ine noch schwerere Bc- lastung darstellen als es bei der jetzt schon vorhandenen Defizit- summe der Fall ist. Für die jüngst getroffene Entscheidung der sozialdeniokrotisäxn Fraktion über die„B c w a g- T r a n s n k t i o n" war bestimmend die Tatsache, daß die Erfüllung der laufenden Verpflichtungen der Stadt Berlin ermöglicht werden mußte, und daß es nicht dahin kommen durfte, den Bediirstigcn die nvtlvendigcn Sozinllcistun- «zen nirtzt zu gewatzren, Gehälter und Löhne nicht mehr zu zahlen. Dieselben Beweggründe kamen für die sozialdemokratischen Bcr- treter und für die gesamte Fraktion in Betracht bei der intensiven Mitarbeit an der positiven Gestaltung des Berliner Etats für 1331. Dieser Etat enthalt, wie vorstehend dargelegt worden ist, Millionen- betröge, die denen zuoute kommen, die mit Arbcitscinnahmen nicht mehr zu rechnen haben. Er enthält serner auch alle Summen für die Zahlungen an die Arbeiter, Angestellten und Beamten der Stadt. Wenn auch nicht gesagt werden könnte, daß das, was durch eigenen Wenn auch gesogt werden könnte, daß das, was durch eigenen in bestimmtem Umfange festgesetzt werden würde durch die Aus- sichtsbchörde, so braucht wohl der für die Selbstverwaltung geradezu vernichtende Begriff„Aufsichtsbehörde" nur erwähnt zu werden, um deutlich werden zu lassen, daß ein immer wieder in Er- scheinunx. tretendes Eingreifen dieser Aufsichtsbehörde einfach un° erträglich ist. Die Gegner der Berliner Verwaltung und der Spzialdcmokratie, die auch jetzt wieder während der Etatberalungen die unmöglichsten und unglaublichsten Anträge aus reinen Agiio- lionsabjichten stellen liehen, nehmen den Mund immer sehr voll, wenn es gilt, gegen die Aufsichtsbehörde aufzutreten, deren Tätig- werden ihr intransigentes Verhalten ja erst hervorgerufen hat. Ein Kampf gegen die Aussichlsbehörde kann erfolgreich nur geführt werde», wenn olle Wöglichkeiten wirklicher Selbstverwaltung im weitesten Umfange ausgeschöpft worden sind. Hierbei müssen in Zeiten schwerster Not, wie wir sie gegenwärtig erleben, auch Opfer gebracht und Maßnahmen ertragen werden, die man bei normaler Gestaltung der wirtschaftlichen Ding« ablehnt. Es ist schon hervorgehoben worden, daß die gegenwärtige Bcr- liner Etatgestaltung nicht eine Eigentümlichkeit Berlins ist, sondern daß Berlin mit allen großen Slödten Deutschlands das Schicksal teilt, in der Entfaltung der Kräfte völlig eingeengl zu sein. Dies beweist, daß diejenigen lügen, die behaupten, der Etat für 1931 spiegele eine Berliner Wihwirlschast wider. Gegenwärtig muh ernsthast versucht werden, trotz aller Widerstände das zu erhallen, was unter großen Wühen und Opfern gejäMssen wurde, um in Zeiten. die ein energisches vorwärtsschreiten wieder ermöglichen, zu erneutem Ausbau und Ausbau kommen zu können. 3n diesen Tagen, in denen aus Anlaß des 133. Todestages des Freiherrn vom Stein das Werk dieses Freiheitsmonnes gescicrl wird, darf das Bekenntnis zur kommunalen Selbstverwaltung weniger noch als je eine leere Redensart sein. Es muß vielmehr entspringen dem liefen Gefühl sür die Beranlwortung, die man der Allgeineinheii. den Notleidenden gegenüber als Kiommunalverkrelcr trägt. Ans dieser lleberzeugung heraus und aus all den vorstehend avgeführien Gründen hat sich die sozialdemokratische Berliner Sladtverordnclen- srakiion sür eine positive Wit arbeit an der endgültigen Gestaliung des Berliner Etats für 1931 einmütig entschieden. Die Frakiion wird alle Bemühungen, den Eiat zu verabschieden, praktisch unterstützen. Mann mit Lebensauffassung Wegen versuchten Mordes an seinen Kindern vor Gericht Der 25jnhngc Angeklagte K., der sich gestern vor dem Landgericht III'wegen versuchlcn Mordes an seiner fünfjährigen Ursel und seinem dreijährigen Horst zu verantworten hatte, ist ein Mann mit„Lebensauffassung"— so sagte von ihm einer seiner Freunde. Feste Grundsätze, in der Regel im Leben uon großem Nutzen, können aber für ihren Träger gesährlich werden, wenn dieser ein kiröischsr Mensch ist. Als Achtzehnjähriger lernte er im Jahre 1324 die 16jährige Charlotte kennen. Ein Mann mit„Lebeusaussassung", prüfte er sich ernstlich, bevor er zu seiner„Liebe" in intime Beziehungen trat, und als das Mädchen in andere Umstände kam, da war es für ihn eine Selbstverständlichkeit, daß er es heiratete— gegen den Willen seiner Eltern. Das junge Ehepaar wohnte bei der Mutter der Frau. K. arbeitete bald hier, bald dort, war eigent- lich niemals beschäftigungslos. Drei Monate lang war die Ehe glücklich, dann lernte Charlotte Herrn N. kennen. Als der Mann von der neuen Freundschaft seiner Frau erfuhr, war es bereits zu spät. Er stellte seine Frau zur Rede, bat sie, ihm doch treu zu sein, drohte, ging aus dem Hause, es fehlte nicht an tät- lichen Auseinandersetzungen, die Frau versprach, sich zu„bessern", es wurde daraus nichts. Die Schwiegermutter goß Oel ins Feuer. K. lebte zeitweilig bei seinen Eltern, ging auch seiner Frau einmal mit einer Hausangestellten irach Hamburg durch, kehrte aber immer wieder zurück— die Liebe zu seinen beiden Kindern trieb ihn heim. Im Jahre 1928 kam der kleine Horst zur Welt. Daß der Junge nicht von ihm sei, erfuhr K. erst viel später. 1929 wurde er arbeitslos, handelte am Tage mit Würstchen, des Nachts mit Süßigkeiten. Das Verhältnis zur Frau verschlimmerte sich von Tag zu Tag, ihre Beziehungen mit N. dauerten an. Alle Vorhal- tnngen nützten nichts. K. befand sich monatelang in gedrückter Stimmung, hatte auch versucht, sich vor einen Zug zu werfen. Am Sonntag, dem 22. März, kam es zwischen Frau und Mann wieder einmal zu heftigen Auseinandersetzungen, drei Tage später, am Mittwoch, hatte K. den Kops vollends verloren. Die Frau war am frühen Morgen zu ihrem Geliebten ge- gangen. K. ging nach Hause und schrieb einen Zettel:„Verzeih mir den Schritt, ich gehe aus dem Leben, kann meine Kinder nicht allein lassen, die Frau soll von der Last erlöst werden." Dann bc- gab er sich zum Jugendamt, um dort die Kinder abzugeben. Als er aber eine weinende Frau sah, die ihre Kinder zurückhaben wollte, besann er sich eines anderen, fuhr mit den beiden Kindern noch Tegel, anscheinend mit dem Gedanken spielend, mit ihnen ins Wasser zu gehen. Er kehrte aber nach Hause zurück, fand die Woh- nung leer, brachte die Kinder zu Bett und ösjnete den Gashahn. Die Frau war nach Vorfindung des alarmierenden Zettels bei der Polizei und bei ihrer Mutter gewesen und erschien zehn Minuten nach Rückkehr ihres Mannes in der Wohnung. Das Zimmer war voll Gas, das«ine Kind mußte ins Krankenhaus gebracht werden, das andere zur Rettungsstelle. Dt« Frau selbst Holle zwei Beamte und ließ den Mann verhaften„Jetzt habe ich ihn", soll sie dabei gesagt haben.„Wer hat so was gesehen, daß eine Frau sich freut, wenn der Mann oerhaftet wird", meinte jetzt der Angeklagte. Der Sachverständige schildert K. ats komisch-kindischen Menschen, der gerade wegen seiner festen Grundsätze der verschro- bensten Gedanken sähig war. Der Staatsanwall ließ die Anklage wegen versuchten Mordes fallen und beantragte wegen versuchten Totschlages ein Jahr Gefängnis. Das Gericht verurteilte R. wegen versuchten Totschlages zu sechs Monaten Gefängnis. Unverständlich schien es, weshalb der Angeklagte nicht mit der Uutersuchungs- Haft verschont worden ist. Rettungsmedaille für Schupowachtmeister. Polizeioizepräfident Dr. Weiß hat dem Wachtmeister Riesche von der 4. Bereitschaft West im Auftroge des preußi- scheu Staatsministeriums die Rettungsmedaille am Bande überreicht. Riesche hatte in einer Märznacht eine Verunglückte an- der Spree gezogen. In un�wötmlicben Zeilen muß man Unbewöhnlidies bieten! Beachten Sic unsere heutigen Angebote mit ihren unverglalchlich niedrigen Preisen, wobei zu bemerken ist, daß es sich um nur vortreffliche Qualitäten handelt. Im Ferien-Monat finden alle erhohmgsuchcnden Kinder und Damen jeder Figur passende und moderne Kleidung, insbesondere für das Wochenende. Mäntel für Reise u. Sport in engl. 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Juli, nachm. 3 Uhr in folgenden Theatern eine Vorstellung statt: Alhambra, Berlin, Müllerstraße 136 Stella-Palast, Berlin, Köpenicker Straße 12-14 Turma-Palast, Schöneberg, Hauptstraße 144 Schloßpark, V/eißensee, Berliner Allee 205-10 Elysium, Prenzlauer Allee, Ecke Danziger Straße Alhambra, Charlottenburg, Kurfürstendamm 68 Rivoli-Theater, Berlin, Bergmannstraße 5-7 Mozart-Saal, Berlin W, Nollendorfstraße 11-12 Mercedes-Palast, Neukölln, Hermannstraße 212 Kristall-Palast, Berlin N20, Prinzenallee 1-6 Alhambra, Berlin N20, Badstraße 59 Welt-Kino, Moabit, Alt-Moabit 99 Der Verkauf dieser Karten findet am Montag, dem 6. und Dienstag, dem 7. Juli, von 3— 6 Uhr an den Kassen der obenbenannten Kinotheater statt. Abgabe der Karten erfolgt nur gegen Vorzeigung eines Mitgliedsausweises und der Stempelkarte. Verheiratete erhalten 2 und Unverheiratete 1 Karte. Der Eintrittspreis beträgt 20 Pfennige Im Westen nichts Neues vcISnger't b\s elnschHeßlich Freiisg. den 10. Joll 1951. Täglich 7, 9 10 Uhr. Sonntags 5. 7, 9.10 Uhr. Vorverkauf ab 3 Uhr. Wcli-Kino, Alf-Moabit 99. feim man votn�einigen spricht, deicht man an Fragen Sic irgendeine Hausfrau, richtig kennt, die sich das Vergnügen gemacht hat, dieses Wundermittel auf den verschiedensten Gebieten häuslicher Reinigung zu erproben— sie wird Ihnen in begeisterten Worten bestätigen, daß ganz unvergleichliche Dienste leistet. Das besondere Merkmal von ist seine überragend stark fett-, öl- und schmutz- lösende Wirkung! Deshalb ist es vor allem da am Platze, wo es darauf ankommt, hartnäckige Verunreinigungen schnell und sicher zu entfernen. Das gilt zunächst von Geschirraufwasdien und Spülen, es gilt aber ebenso für die übrigen vielfachen Reinigungszwecke in Haus und Betrieb. 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Ein Schulbeispiel für die systematische Verunglimpfung der Lander und Gemeinden, in denen Sozialdemokraten maß» gebenden Einfluß haben, liefert die schwerindustrielle„Deutsche Allgemein« Zeitung" in ihrer Ausgabe vom 3. Juli. In Tönen höchster sittlicher Entrüstung und gespickt mit hämischen Bemerkungen berichtet das Blatt als„Musterbeispiel über- spannten Verwaltungswahnsinns sozialdemokratischer oder stark sozialdemokratisch beeinflußter Amtsgebarung" von einem neuen Schulpalast im Dorfe Wohldorf, den der hohe Senat von Hamburg zu errichten befohlen habe. Wahre Wunderdinge weiß das schwcrindustrielle Organ von diesem Schulpalast zu erzählen. Da erfährt die staunende Leserschaft zunächst, daß die Schulräume Raum für 500 Kinder bieten, während überhaupt erst 50 schulpflich- tige Kinder vorhanden seien. Die Schule habe Wasch- und Dusch- räume für Knaben und Mädchen, Kinoräume, Tanzsaal, Heißlufttrockcnräume für Wäsche, für jedes Kind einen besonderen Kleiderschrank und überdachte Veranden, damit die„zarten Dorf- linder im Schulhause vor Regen geschützt wären." Alles in gediegen- stem Material gebaut, überall Parkettfußböden, Waschräume gekachelt, wie in den besten Hotels, jeder Abortsitz von echtem Mahagoniholz usw. Sogar kostenlose Abgabe von Höhensonne sei vorgesehen. Um zu zeigen, wie dieser Senat,„in dem rote Ein- flüsse eine entscheidende Rolle spielten", wirtschaftet, fügt das Schars- inacherblatt noch hinzu, daß der Senat ähnliche Schulpaläste noch an anderen Stellen bauen ließe. Mit pharisäerhaftem Augenaufschlag verweist das Blatt auf die Kürzung der Kriegsrenten durch die Notverordnung und krönt seine Schilderungen mit der Bemerkung, daß in demselben Hamburg„Handel und Verkehr in entsetzlicher Weise stocken". Diese Hetznotiz, die bezeichnenderweise zwischen den politischen Betrachtungen aufgetischt wird, verfolgt offensichtlich den Zweck, den Kredit des Staates Hamburg zu schädigen und eine großangelegte Stimmungsmache für die im Sep- tember stattfindenden Bürgerwahlen einzuleiten. Der tatsächliche Sachverhalt, den der Senat in einem Schreiben an die Redaktion der„Deutschen Allgemeinen Zeitung" auch darlegt, ist folgender: Die Schule bietet nicht Räum« für 500 Kinder, sondern für höchstens 360 Kinder. Es sind nicht heute erst 50 Kinder vorhanden, sondern bereits über 200 in 7 Klassen. Es ist unrichtig, daß die Schule Aula, Kino und Tanzraum hat. Vielmehr wird die Turnhalle der Schule gleichzeitig als Aula benutzt. Sie wird lediglich durch Aufstellung eines Projek- tionsapparates auf für Kinovorstellungen nutzbar ge- macht. Den Tanzsaal hat sich die„Deutsche Allgemeine Zeitung" aus den Fingern gesogen. Bei dem Parkettfußboden handelt es sich um einen Belag aus einer billigen Holz- art, der allerdings in der Art des Parketts gelegt worden ist, weil er dadurch an Haltbarkeit gewinnt und sich wirtschaftlicher stellt. Die Waschräume freilich sind mit Kacheln ausgelegt— nicht um mit besten Hotels zu konkurrieren, sondern aus einfachen h y g i e n i- fchen Erwägungen. Die Klosetts aus Mahagoniholz entstammen demselben Material wie der Tanzsaal. Im übrigen ver- weist der Senat darauf, daß Wohlsdorf keine rein ländliche Siedlung ist, sondern sich in den letzten Jähren immer mehr zu einem Villen- vorört Hamburgs entwickelt habe. Die„Dorfkinder" gehören also mehr den Schichten an, die der„Deutschen Allgemeinen Z e i t u ng" nahestehen Möglich, daß die„Deutsche Allgemeine Zeitung", wenn ihr dieser Umstand bekannt gewesen wäre, kein Wort über den„Schulpalast" verloren hätte. Und schließlich, und damit wird die politische Seite dieses Vorstoßes charakterisiert, mutz fest- gestellt werden, daß nicht der hohe Senat und überspannte sozial- demokratische Verwoltungsmoßnahmen für diesen ..Schulpalast" verantwortlich zeichnen, fondern daß der Schul- bau von der Bürgerfchaft des hamburgischen Lan- desparlaments beschlossen worden ist und zwar aus ganz besonderes und intensives Betreiben des deutschnationalen Gemeindevorstehers von Wohlsdorf, dem es gelungen ist, seine Wünsche sogar gegen die Widerstände der unter sozialdemo- kratischer Leitung stehenden Landherrenschasten und der Obcrschul- behörde durchzusetzen. Landtag fordert Arbeitszeiwertürzung. Beschlüsse des Haaptausschosses. Der Hauptausschuß des Preußischen Land- tages beriet am Sonnabend einen Antrag Müller-Jsernhagen (Deutsche Fraktion) auf Erhöhung der Ergänzungs- Zuschüsse für leistungsschwache Schuloerbände. Mit der Bc- ratung verbunden wurde ein Antrag Dr. Heß(Z.) auf Herabsetzung der Stcllcnbeiträge zur Landesschulkasse. Annahin« fand ein An- tlag Szillat(Soz.), der das Staatsministerium ersucht, mit Wirkung vom 1. Juli das Beschulungsgeld aus 3,35 Mark monatlich für jedes Schulkind und den Schul st ellenbeitrag auf 314 Mark festzusetzen. Mit Annahme dieses Antrages er- ledigten sich die anderen Anträge. Die Neuregelung bedeutet eine Entlastung der Gemeinden, auch der Großstädte, um 7 Mark monatlich für die einzelne Lehrerstelle. Der Ausschuß trat sodann in eine Besprechung von Maßnahmen zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit ein. Ferner wuVde ein Antrag angenommen, bei der Rcichsregierung auf die Vorlage eines besonderen Gesetzentwurses hinzuwirken. Danach soll zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit eine vorübergehende Verkürzung der Arbeitszeit ein- treten. Entlassungen sollen in allen dazu geeigneten Betrieben, die mehr als zehn Arbeitnehmer beschäftigen, erst erfolgen dürfen, wenn die Arbeitszeit wesentlich reduziert ist. Eine schematische Verkürzung der Arbeitszeit ist abzulehnen, jedoch ist zu prüfen, in welchen Berufen und Industrien durch eine geeignete Verkürzung der Arbeitszeit Entlassungen vermieden werden und Neueinstellungen in größerem Umfang erfolgen können. Ein ausreichender Schutz der Arbeitnehmer unter 18 Jahren soll durch Sonderregelung der Arbeitszeit, der Sonntagsruhe und des Urlaubs sichergestellt werden. Die Arbeitszeit im Bergbau unter Tage und in besonders gesund- heitsschädlichen Betrieben soll eine Sonderregelung erfahren. Die Bewilligung von Ueberstundenarbeit soll auf das unerläßliche Mindestmaß beschränkt werden. Die Zulassung ausländischer Wanderarbeiter in der Landwirtschost und in anderen Wirtschafts- betrieben soll verhindert werden. Die Freigabe von Werks- wohnungen ist zu fördern. Ausreichende Mittel zur Ar- beitsbeschaffung sollen zur Verfügung gestellt werden. Sie sollen dienen der Instandsetzung von Altwohnungen und dem Umbau von Großwohnungen in Kleinwohnungen, der zusätzftchen Beschaffung von Kleinwohnungen und der besonderen Förderung von Eigenheimen, einer verstärkten Chronik von Gallspach. Es war einmal ein Dorf. In das kam ein Wvnderdottor. Und dann kamen, die nicht alle werden... '?«»»??»»»» d' '**■»'••»11« »»»»»»»»»»,ß n?»»«»»»«»»ß nnnntBnve««! B'TBIIO'ail 9•••• 9 r»TriTn«»• o§ o O�ANO MÖTEt _gi.TOilfi»iW Und dann kam das Kapital und siedelte sich an... Llnd dann kam die Pleite... Zusammenbruch einer Verleumdung Oie„indirekten" Beweise des königlichen Anwalts. Bor dem Landgericht Berlin I fand am Sonnabend die Schluß- Verhandlung in dem Zivilprozeß des Genossen Kuttner gegen den Verfasser und Verleger der„Gefesselten Justiz" auf Unterlassung der beleidigenden Behauptungen, statt. Es ging nicht so trocken zu wie sonst im Zivilprozeß. Der von Wilhelm dem Ehemaligen erst kürz- lich dekorierte Rechtsanwalt Bloch bemühte sich krampfhaft mit allen Mitteln adookatorischer Rabulistik, einer verlorenen Sache auf die Beine zu helfen. Herr Bloch gab zwar zu, daß der Beklagte Moritz für seine in dem Pamphlet aufgestellten Behaup- tungen gegen Knttncr de» direkte« Beweis schuldig geblieben sei, dafür aber bemüht« er sich, einen„indirekten Beweis' zu kon- struieren. Dieser indirekte Beweis sah etwa folgendermaßen aus: Der Staatssekretär Weißmann habe einmal zu dem Staotson- wall Guftahr eine Bemerkung gemacht, di« dieser ql» Beeinflussung empfunden habe— ergo sei Oem Kläger K u t t n« r auch zuzutrauen, daß er gerichtliche Verfahren zu beeinflussen suche. Es fei zwar nachgewiesen, daß der Kläger Kuttner nicht, wie Moritz behauptet hat, vom Justizmimster den Sturz der Barniot-Staatsanwälte ge- fordert habe, aber er könne doch«tmnat bei einer Begegnung mit einem Beamten des Justizministeriums„vielsagend mit den Augen gezwinkert" haben usw. usw. In dieser Art der Beweisfühninz erging sich Herr Bloch 1% Stunden. Am Schüft? versuchte Herr Bloch ein besonders faires Mittel: Er las aus Schnften des Klä- gers Kuttner einzeln« Stellen vor, in denen dieser Urteile der Klassenjustiz kriNsiert hat Ein Mann, der so die Justiz ongreife, meinte Herr Bloch mit deutlichem Wink an die Richter, habe doch keinen An» spruch darauf, von der Justiz in seiner Ehre ge- schützt zu werden. Hier allerdings wurde Herr Rechtsanwalt Bloch von dem Borsitzenden Herrn Landgerichtsdirektor Hertzog sehr energisch unterbrochen und darüber belehrt, daß der- artige Gesichtspunkte für das Gericht nicht in Frage kämen. Als Herr Bloch dann schließlich mit persönlichen Angriffen auf den Kläger zu schließen suchte, wurde er vom Vorsitzenden ein zweites Mal zurechtgewiesen. Dann kam der BeNagte Moritz zu Wort. Er hielt unter ver- haltenem Lächeln des Gerichts ein Plaidoyer im Stil des kleinen Moritz. Es war ein konfuses Gestammel, das zur Genüge das geistige Miniakurformal dieses„Zustizreinlgers" dokumentierte. Genosse Kuttner fertigte die persönlichen Angriffe des „kaiserlichen Rechtsanwalls" Bloch mit ein paar kurzen Sätzen ab. Herr Bloch habe ja in seiner Anwaltsproxis zu feinem Leidwesen erfahren müssen, daß die Verdächtigungen und Verleumdungen gegen die politische Ehre des Klägers vor Gericht regelmäßig zu- sammengebrochen find. Seine Iustizkritik habe er, der Kläger, aus Liebe zur Gerechtigkeit eeübt Aus diesem Grunde stehe er auch heute hier, denn sonst müsse er sich wirklich fragen, ob die Wider. legung der Verleumdungen des Herrn Moritz das Opfer der fünf- zehn für praktische Arbeit verlorenen Vormittage, die die Beweis« auftwhme erfordert hat, wert gewesen seien. Für die Beweis- Würdigung entscheidend sei wohl die Tatfache, daß selbst poli» tische Gegner als Zeugen seine, des Klägers, Angaben bestätigt hätten. Justizrat Werthaucr als Rechtsbeistand des Klägers, be- wunderte den Mut, mit dem Herr Rechtsanwalt Bloch gewagt habe, dos Gericht aufzufordern, dem Kläger den Rechtsschutz zu ver- weigern. Dies sei eine glatte Ausforderung zur Rechtsbeugung. Der Wahrheitsbeweis ist dem Beklagten in keinem einzigen Punkte gelungen. Zum Schluß suchte Rechtsanwall Bloch noch mll einem letzten Trick auf das Gericht Eiiidruck zu machen, indem er einen zwei. ten Brief des Reichsgerichtspräsidenten a. D. Dr. Simons an Moritz vorlegte, worin Herr Simons es nochmals für nötig, hält, sich mit dem Pamphletisten zu identifizieren. Justiz- rat Dr. Werthauer wies demgegenüber darauf hin, daß Dr. Simons ihm persönlich auch geschrieben Hab«, daß er nicht in der Lage ge- wesen sei, die einzelnen Behauptungen des Buches auf ihre Richtig- kell nachzuprüfen. Das Gericht fetzte den Derkündungstermin auf den ll. Juli 12 Uhr vormittags an. Malinow über die Lage Bulgariens. Schlimmes Erbe angetreten. Sofia. 4. Juli(Eigenbericht). Der bulgarische Ministerpräsident M a l i n o w erklärte dem Korrespondenten des„Soz. Pressedienst" in Sofia, daß das aus dem siegreichen Volksblock ernannte neue Kabinett vor außerordentlich schweren Aufgaben stehe. Die finanzielle Lag« des Landes fei sehr kritisch und verlange schnelle und tief- gehende Reformen, die jedoch ohne besondere Mittel kaum zu reali- sieren seien. Dem Volke, das wirtschaftlich und sozial verelendet sei. könnten neue Steuern unmöglich aufgebürdet werden. Eine Zuflucht zu weiteren Auslandsanleihen werde eben- falls nicht erwogen. Man empfehle feiner Regierung härteste Sparmaßnahmen, aber auch davon fei herzlich wenig zu erwarten. Die Materialausgaben feien bereits auf ein Minimum gedrosselt, und von einer weiteren Herabsetzung der miserablen Bc- züge der staatlichen Beamten und Angestellten könne gar keine Rede sein. Es werde schließlich auch von einer Jntensierung der Agrar- Produktion gesprochen, doch auch sie erfordere Zeit und Mittel und sei bei der Weltagrortrisc in vielerlei Hinsicht recht problematisch. Bulgarien könne heute nur eins helfen: Eine gründliche Erleichte- rung seiner Kriegslasten. Außenpolitisch werde die neue Regierung eine erhöhte Aktivität entwickeln. Die Beziehungen mll den Nachbarländern seien zwar normal und gut, doch gebe es keinen Zweifel darüber, daß st« beträchtlich verbessert werden könnten. Mit der bisherigen Politik des Zögern? werde er aufräumen: es sei an der Zeit, endlich eine Liquidierung der zahlreichen offenen Fragen mll den Nochbarn zu finden. Die Losung sei»» KoNnett» fit: Stabilisierung des Friedens im Lande. Unerbittlich werde gegen jeden Ruhestörer vorgegangen werden, ganz gleich aus welchem Lager er auch komme. Die Regierung erfreue sich des Vertrauens des Volkes und des Staatshauptes. Trotz oller Schwierigkeiten würde sie zu großen wirtschaftlichen und sozialen Reformen schreiten. Er(Malinow) sei hinsichtlich der Ergebnisse Opttmist, und zwar schon deshalb,«eil feine Kollegen und er den Wunsch und Mut Hütten, Reformatoren zu sein und die dem Volke gegebenen Ver- sprechungen zu halten. Llnregelmäßigkeiien bei der Osthilfe? Disziplinarverfahren in Köslin. Die Osfftelle bei der Reichskanzlei teill mit: Durch«ine Reche von Zellungen wird die Mitteilung verbreitet, die preußische Staats- vegicrung habe infolge wirtschaftlicher Gegensätze zwi- schen dem Kommissar für di« Osthils«(Landstelle Köslin), Major a. D. van Dewitz, und Vertretern der Preußischen Zentraleenossen- schastskasse die Abberufung des Kommissars verlangt. Richtig ist, daß di« Osfftelle bei der Reichskanzlei durch Be- amte des Reichsernährungsministeriums und des Reichsjustizmini» steriurns eine Nachprüfung der Geschäftsfüh rung des Kommissars veranlaßt hat, um festzifftellen, ob und inwieweit der Kommissar in einzelnen Fällen seine Befugnisse über- schritten und Einfluß aus UmjchuIÄungsanträge ihm verwandtschaftlich nahestehender Landwirt« genom- inen hat Bis zum Abschluß dieser Untersuchung ist der Kommissar beurlaubt. Der Fall dürfte geeignet sein, schon heut« zu zeigen, wie ee- fährlich es fft Landwirte mit der Wahrnehmung staatlicher Ausgaben in der ftmstuiiriiifrüP W lamfliuflai, Wochenprogramm des Berliner Rundfunks. Mgemeine Wetterlage. Kühlere, auf her Südseite einer südlich von Island befindlichen Depression ostwärts vordringende Luftmasscn sind etwa bis zur Elbe gelangt; ihr Einbruch in Westdeutschland fand teilweise unter Gc- Witterbegleitung statt. Sie werden auch unseren Bezirk— vielleicht ebenfalls unter Gewittcrcrscheinungcn— überfluten. Eine Beruhigung des Wetters dürfte darauf nur vorübergehend eintreten, denn in dem Weststrom im Süden der Depression sind Störungen einge- bettet. Ein flaches Tief über dem südöstlichen Mitteleuropa, das am Sonnabend abend in der Tschechoslowakei zu verbreiteten und teilweise schweren Gewittern führte, scheint nach Osten oder Nord- asten abzuwandern. Wetteraussichtea für Verlin. Wechselnd bewölkt und strichweise Regen oder Gewiffw. leichter Tcmperaturrückgang, aber noch schwül, mäßige südwesiltSz« Winde.— Zur Deutschland. Im Osten schwül mit Gewitterneigung, in Mittel- und Westdeutschland veränderlich und nur nach mäßig warm, im Süden wolkig, meist trocken, nur im Alpenvorland stärkere Rcgensälle. Skmntax, o. Juli: 6.30: Puokeymnastik. Aascbließcnd Frübkonrert. 8: Für den Landwirt. 8.55: Morgenfeier. Anschließend Glockengeläut des Berliner Doms. 10.05: Wettervorhersage. 10.30: Aus Leipzig: Bach-Konzert. 11.15: Aus Mainz: Feierliche Cnthüllung des Stresemann-Ehrenmals. 13: Aus Königsberg: Mittagskonzert. 14.30: Elternstundc. 15: Vom Nürburgring: Großer Preis von Deutschland für Motorräder. 15.30: Franz Liszt: Konzert. 16.10: Jugendstunde. 16.35: Blasorchestcrkonzcrt. 18.15: FußbalJ-Städtespiel Berlin-Leipzig des Arbeiter-Turn- und-Sportbundes. 18.40: Die musikalische Insel. 19-10: Lula Mysz-Gmeincr. Lieder. 19.45: Sportnachrichten. 20: Jean Gilbert dirigiert aus eigenen Werken. 23; Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Danach Tanzmusik. Montag, 6. Juli: 6.30: Funkgymnastik. Anschließend Frühkonzert. 13.30: Wettermeldungen für den Landwirt. 14: Schallplattenkonzert. 15.20; Gedanken einer Fran zum Zcitproblcm. 15.40; Ans der Praxis eines Berliner Verkehrsgerichts. 16: Kammerörchesterkonzert. 17: Jugendstunde. 17.20:..Ich komme aus England" von Alwin Steinitz. 17.45: Walter Victor liest aus eigenen Werken. 18: Chöre. 18.20: Ist Wissen Macht? 18.45: Meldungspresse oder Meinungspresse? 19.10: Mitteilungen des Arbeitsamts. 19.15: Unterhaltungsmusik. 20.30: Der letzte Akt. III. Teil:„Die Toten marschieren...*4 Hörspieldichtung von Hans Kyscr. 22: Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Danach Tanzmusik. Dienstaj?, 7. Juli: 6.30: Funkgymnastik. Anschließend Frühkonzert. 12.30; Die Viertelstunde für den Landwirt. 14: Schallplattenkonzert. 15.20; Die Fran als Schwester. 15.40: Aus dem Tätigkeitsgebiet der preußischen Hafen- und Schiffahrtsschutzpollzei. 16.05: Konzert. 16.30: Jugendstunde. 17: Tilman Picmcnschncider zum 400, Todestage. 17.30: Unterhaltungsmusik. 18.30: Mitteilungen des Arbeitsamts. 18.35: Bücberstundc. 19.05: Das unbekannte Deutschland. 19.35: Interview der Woche. 20:„Ferner angeschlossen Wien." 22: Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Mittwoch, 8. Juli: 6.30; Funkgymnastik. Anschließend Frühkonzert. 12.30: Wettermeldungen für den Landwirt. 14: Schallplattenkonzert. 15.20: Das Leben ist ein Abenteuer. 15.40: Die Karte als Führer. 16.05: Programm der Aktuellen Abteilung. 16.30: Nachmittagskonzert. 17.20; Jugendstunde. 17.40;„Vom kleinen Alltag" von Anton Wildgans. 18: Aus der Praxis der pädagogischen Akademien. 18.20: Uebcr satirische Zeichnung. 18.40: Melodische Kleinigkeiten. 19.40: Wovon man spricht. 20.05:„Großstadt— zwanzig Uhr eins. Querschnitt durch eine Großstadtminute von Arhous und Schiftan. 21.20: Tages- und Sportnachrichten. 21.35: Aus London: Sinfoniekonzert. Danach Tanzmusik. 0.30: Nacbtkonzcrt. Donnerslag, 9. Juli: 6.30: Funkgymnastik. Anschließend Frühkonzert. 12.30; Die Viertelstunde für den Landwirt. 14: Schallplattenkonzert. 15.20: Stiefeltern und Stiefkinder. 15.40: Von der Bühne des Alltags. 16: Konzert. 17: Jugendstunde. 17.20: Unterhaltungsmusik. 18.50: Josef Winckler(zum 50. Geburtstage am 6. Juli). 19; Chorgesänge. 19.20; Soll der Student radikal sein? 20: Kammermusik. 21: Tages- und Sportnachrichten. 21.10: Moderne Musik und doch unterhaltend. 22.25: Aus Frankfurt a. M.: Zcitberichte. Danach Tanzmusik. Freitag, 10. Juli: 6.30; Funkgymnastik. Anschließend Frühkonzert. 12.30: Wettermeldungen für den Landwirt. 14: Schallplattenkonzert. 15.20: Menschenkenntnis. 15.40: Kampf gegen Gartenschädlinge. 16.05: Wir debattieren über den Sport. 16.30: Angelsächsische Musik. 17: Wasser- und Luft-Hygiene der Großstadt. 17.25: Jugendstunde. 17.50: Das neue Buch. 18: Das Wochenende. 18-25: Erich Gottgetreu liest eigene Erzählungen. 18.40: Programm der Aktuellen Abteilung. 19: Tanzabend. 20.50: Tages- und Sportnachrichten. 21: Fünf Minuten: Wegweiser ins Wochenende. 21.05: Mark Twain. Ein Querschnitt von Rudolf Arnheim. 22.15; Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Danach Abcndunter- haltung. Sonnabend, 11. Juli; 6.30: Funkgymnastik. Anschließend Frühkonzert. 12.30: Wettermeldungen für den Landwirt. 14; Schallplattenkonzert. 15-20: Jugendstunde. 15.45: Medizinisch-hygienische Plauderei. 16.30: Unterhaltungsmusik. 18: Die Erzählung der Woche. 18.30: Robert Schumann. Konzert. 19.15; Badebetrieb und Polizei. 19.40:. Wander- und Rheinlieder. 20.35: Tages- und Sportnach- riebteo. 20.45:„So geht es bei wilden Völkern zu." Ein heiterer Abend. Danach Tanzmusik. Königswusterhausen Sonntag, 5. Juli: Ab 6-30; Uebcrtragung aus Berlin. 11: Elternstundc. 15.40: Dichtcrstundc. 18.40: Aus fernen Zonen. 19.05; Minnelieder und Canzoncttcn. 19.30: Menschen im Beruf. Anschließend Uebcrtragung aus Berlin. Montag, 6. Juli: 16; Aus Berlin: Nachmittagskonzert. 17: Schulbildung und Wirtschaftskrise. 17.30; Neger singen in Afrika. Neger singen in Amerika. 18: Können wir das alte Testament entbehren? 18.30: Die chemische Produktion Deutschlands. 18.55: Wetterbericht für die Landwirtschaft. 19: Volksgedanke und Weltanschauung. 19.25: Stunde des Landwirts. Anschließend Viertelstunde Funktechnik. 20.45: Die Lage der deutschen Angestellten in Sowjetrußland. 20: Deutschlaodscnder: Unterhaltungsmusik. 31.10: Tages- und Sportnachrichten. 21.20: Aus Leipzig: Frohsinn und Heiterkeit. Lieder- und Musikvorträge. 22.25: Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Anschließend Uebcrtragung aus Berlin. Dienstae, 7. Juli; 16; Aus Leipzig: Nachmittagskonzert. 17; Deutsche Schicksale in Amerika. 17.30: Einführung in die neue Musik. 18: Die moderne Haus- installation. 18.30; Tilmann Riemenschneider zum 400. Todestage. 18 55: Wetterbericht für die Landwirtschaft. 19; Zum Verständnis der Ereignisse in Spanien, 19.30: Wie ist die Weltwirtschaftskrise entstanden? 20; Deutsch- landscodcr: Aus Breslau: Konzert. 21: Tages- und Sportnachrichten. 21.10: Aus Leipzig: Ursendung:„Die Visionen des Tilman Riemenschneider." Eine Funkdichtung von E. Kurt Fischer. 22.15: Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Anschließend aus Königsberg: Spätkonzert. Mittwoch, 8. Juli: 16; Aus Hamburg: Nachmittagskonzert. 17: Das Zücbtigungsrecht des Lehrers. 17.30: Das Melodram. 18; Der böhmisch-bayrische Wald. 18.30: Rückblick auf die verflossene Theatersaison in Berlin und in der Provinz. 18.55: Wetterbericht für die Landwirtschaft. 19: Die neue Rcichsdienststraf- ordnung. 19.25: Der Kulturkreis des Arbeiters. 20; Deutschlandsender: Aus Hamburg: Ein Querschnitt durch das moderne China von Seelig and Bodenstedt. Anschließend Uebcrtragung ans Berlin. Donnerstag, 9. Juli: 16; Aus Berlin; Nachmittagskonzert. 17: In der argeutfnischeu Pampa. 17.30: Hausmusik. 18: Das Schöpferische. 18-30: Praktische Ratschläge für Araateurpbotograpben. 18.55: Wetterbericht für die Landwirtschaft 19; Spaßmacher, Narren und Humoristen auf Shakespeares Bühne. 19.30: Stunde des Landwirts. 21: Das Scbuldcnfeieriahr des Präsidenten Hoovcr. 20; Deutsch- landsendcr: Uebcrtragung aus Berlin. 21.30: Der Kuban-Kosaken-Chor aus Hamburg. Anschließend Uebcrtragung aus Berlin. Freilag, 10. Juli: 16: Aus Leipzig: Nachmittagskonzert. 17: Die Fortbildung fn der deutschen Einheitskurzschrift im Rahmen des Schulunterrichts. 17.30: Die Natur als Vorbild der Technik. 18: Staatspolitische Auswirkungen der deutschen Sozialpolitik. 18.30: Das Erlebnis am Kunstwerk. 18.55: Wetterbericht für die Landwirtschaft. 19: Wissenschaftlicher Vortrag für Zahnärzte. 19.30: Uebcrtragung aus Berlin. 21: Deutscblandsendcr: Aus Köln: Rudolf Rieth: „Ums goldene Kalb", Anschließend Ucbertragung aus Berlin. Sonnabend, 11. Juli: 16: Aus Hamburg: Nachmittagskonzert. 17: Die 82 heiligen Stätten von Shikoku. 17.30: Viertelstunde für die Gesundheit. 18: Scctnärchcn. Meeresspuk und Aberglauben auf See. 18.30: Das Rätsel des Hexenwahns. 18.55; Wetterbericht für die Landwirtschaft- 19: Deutsche Städtcbilder. 19.30: Arnold Krieger liest eigene Dichtungen. 20: Deutschlandsender: Aus Köln: Lustiger Abend. Anschließend Uebcrtragung ans Berlin. Die Gartenstadt Dallqow bat sich iibcrraschmb gut cntawrfcTt un� ff. Herrscht rogcs Leben und Treiben oirf dem Siedlungsgelänbe. Dutzende von schmucken kleinen Häuschen sind in kurzer Zeit hingestellt und mit schonen Gärten umhegt. In dieser Siedluirq sind aber auch olle Boroussetzuugen für eine schnelle Entfaltung gegeben, denn in fünf Straßen bis unmittelbar an das Sicd-lungs- gelände heran liegen bereits die Versorgungsleitungen für Wasser, elektrisches Licht und Gas und auf dem Gelände selbst sind viele Brunnen zur kostenlosen Entnahme des Wassers aufgestellt worden. Die Siedlung liegt südlid) der Bahn auf einer Anhöbe van etwa 42 Metern und gewährt einen herrlichen �erivblick über die Niederung bis lWfeiisee. ftinfcnfruq und über den Flugplatz Staaken. Der Baugrund ist gesund und trocken und da bis im Borjahre das ganze Gelände unter dem Pflug war, wird nur erstklassiger Kulturboden verkauft. Gewerkschaftliches siehe 3. Beilage. Derantwortlich für UMitik: Schig: Wirischaft: ffi. Äli»flrlliii(c.: ScroetlWwftsbcmcfluiifl: Äticbr. SRfo-n; fteuineton: Dr. 3oh» Sdiitomsli; üafalcs niti Sonstiges: Wtijt RnrftdM; Än�eiArn: Td.(Slolfc;(dmllid) in S'rrlin. Verlaa: Borwarts.Drrlan ffi. m. b. S-, Berlin. Trn-k: iborwärts-Blnüdeu�erei und Beriagsanstolt Paul Sinzer u. Co.. Berlin SÄ«8. Linden strastr 3 Hier»» i Bailagc» und.Blick ja dir Bücherwelt-, An Zucker sparen, grundverkehrt! Der Körper braucht ihn— Zucker nährt! pott*Ps leU®-';; m«*«5,eWs! £r0gen. kow«", hoib- l 5W, P°°' 1 höbe"1 n u F l O n 6 odOr �>2« Ihonerl- n« So�S�nur for\0'na� Strü�P Doch** .Koieh«4® ÄSf'SÄ k&w T OuoWW. dfik C l4e�a,o44�W3 i e*'«or• i S5 �0� � jndHert®B', froWie'4'0 ... n»»r Vtloi�P® ioeb'g 3� O 75 Mar o©n den« ROcV.. efö\\un9( m.nur öS®' hObscbet» 6' -n.rnefe'b®"1 ie, be"°r )OuoW°,er yCuns»4®"3 ragenb« 1 neue»'® ICO«.®- lÄ»-> . i neues'® jOeoib� ??r. 309» 48. Jahrgang 3� Sonniag, S. IuK 493� Wie treiben wir aktive Konjunkturpolitik? Eine notwendige Auseinanderschung./ Von Qeors veciccr. Wir schlosscn unseren Artikel„Mehr Geld?�(Nr. Zgz vom 2� Juli) mit den Worten:„Aufklärung tut not: mit Aufklärung allein werden ober die Kranken, die sich jetzt an die Wunderdoktoren wenden wollen, nicht kuriert Es muß geholfen werden! Das heißt aber, daß endlich die Politik gemacht wird, die... alles das tut, was wirklich für die Milderung der Not und die Wiederbelebung der Wirtschaft getan werden kann" Dieses Bekenntnis zur aktiven Krifcnpolitik war für unsere Leser nicht neu: es war der Leitfaden aU-w an diesir Stelle erschienenen Betrachtungen über die gegenwärtige Krise. Dieses Bekenntnis steht auch in keinem Widerspruch zu unserer Ueberzeugung, daß eine krisenlose kapitalistische Wirtschaft unmöglich ist und daß die Krisen überhaupt nur durch die Umwandlung der kapitalistischen Wirt- schaftsordnung in eine sozialistische organisierte Wirtschaft über- wunden werden können. Wir fordern von der Regierung nicht die Ueberwindung der Krisen überhaupt: das kann sie nicht einmal in Zlngriff nehmen. Wir fordern bestimmte Maßnahmen, die von uns wiederholt aufgezeigt wurden, zum Zweck der Milderung der Not und zur Erleichterung der Ueberwindung der gegen- w ä r t i g c n Krise. Diese unsere Einstellung ist kürzlich einer scharfen Kritik unterzogen worden. nämlich von Genossen W o h t i n s k y in einem Artikel in der „Arbeit"(„Aktive Wirtschaftspolitik",„Die Arbeit", fi. che st). Zwar werden weder der„Vorwärts", noch der Verfasser dieses Aufsatzes, noch die anderen genannt, die den gleichen Standpunkt vertreten, es kann ober kein Zweifel darüber bestehen, wen Woytinsky meint, wenn er z. B. schreibt:„Die Arbeiterbewegung muß sich von der Auffassung frei machen, daß die Krisen unter dem Kapitalismus unvermeidlich sind und nur mit dem kapitalistischen System verschwinden werden. Die Einlullung der Arbeiter- s ch a f t mit der sozialistischen Zukunftsmusik muß durch eine Wirt- schastspolitik abgelöst werden, die sich die Regulierung der Wirt- schoft, Bekämpfung der Dcprcssionskräftc, Vorbeugung der Krise zum Ziel setzt und auf diese Weise den Ucbergang der Wirtschaft zu einer höheren Form fördert." Wir sind auch gegen die Einlullung der Arbeiterschaft mit irgendwelcher Musik: wir sind aber auch gegen die Einlullung mit der kapitalistischen Walze von der krisenlosen Wirtschaft ohne Ueberwindung des Kapitalismus. Wir haben unsere Auffassung in mehreren Artikeln begründet(in dem gleichen chest der„Arbeit" steht auch mein Artikel über das neue Buch von Otto Bauer mit genau demselben Tenor), und wer von uns die Aufgabe dieser Auffassung fordert, muß vor allem unsere Darstellung der Triebkräfte der kapitalistischen Wirtschaft und ihrer zwangsläufig zu den Krisen führenden Auswirkungen wider- n. Da wir uns nicht mit Worten allein zu einer aktiven Wirt- sthaftspolitik bekennen, begnügen wir uns nicht nüt der Fest- sieklung der Unvermcidlichkeit von Krisen in Kapitalismus, sondern bemühen uns, die Mittel und die Wege zur lim- rvandlung der Wirtschaftsordnung und zur zielbewußten Lenkung der wirtschaftlichen Vorgänge im Sinne unserer sozialistischen Bestrebungen auch innerhalb der kapitalistischen Wirtschaft zu finden. Wenn aber alle theoretischen Ileberlegungeu und praktischen Erfahrungen, die von uns ständig sehr sorgfältig verfolgt und geprüft werden, uns zu der Ueberzeugung führen, daß eine krisenlose Wirtschaft nicht ohne Ueberwindung des Kapitalis- mus erreicht werden kann, so ist es auch unsere Pflicht, vor der Arbeiterbewegung dies klar und deutlich auszusprechen. Eben deshalb, weil wir nicht wollen, daß die Arbeiterschaft mit irgendwelchen Illusionen eingelullt wird. chier muß auch unsere Gcgenkritik einsetzen, da wir in den Vorschlägen von Woytinsky selbst erstens keine aktive Wirt- schastspolitik und zweitens große Illusionen sehen. Woyttnsty sagt nämlich:„Die aktive Konjunkturpolitik ist auf dem heutigen Stand der wirtschaftlichen Entwicklung möglich, sie kann ober nur eine Welt Wirtschaftspolitik sein, und ihren Aus- gangspunkt muß eine Währungspolitik bilden, die zugleich Preis- und Arbeitsbeschaffungspolitik ist." Nun sind wir zwar auch der Meinung, daß die Welt Wirtschaftspolitik jetzt bitter Not tut, halten ober zugleich die Auffassung von Wontinsky, daß kanjunkkurpolilik nur als Wellwirtschaftspolilik möglich ist, für falch und politisch direkt gefährlich. Diese Auffassung verurteilt uns zur völligen innenpolitischen Passivität allen wirtschaftlichen Dingen gegenüber. Wir haben ja unsere wirtschaftspolitischen Forderungen nicht in erster Linie den wichtigsten Zentralnotenbanken der Welt gegenüber zu vertreten, sondern müssen um sie einen ständigen, nie aufhörenden Kampf im eigenen Lande führen. Woytinsky muß aber zu dieser seiner Auffassung kommen, da er den Ausgangspunkt einer aktiven Konjunkturpolitik in einer Währungspolitik sieht und da er völlig richtig die internationale Gebundenheit der Währungs- Politik in den Vordergrund stellt. Wenn auch sein„Aktions- Programm" turmhoch über all den unzähligen„Rettungsplänen" steht die gegenwärtig in der verschiedensten Form überall kursieren. so ist trotzdem sein Programm eine Illusion, die uns politisch nicht ungefährlich erscheint. Der Kernstück dieses Programms ist die Forderung der plan- mäßigen internationalen Geldschöpfung, die die Stabilisierung der Preise(und als Gegenwartsaufgobe ihre starke Steigerung) bewirken und zusätzliche Kaufkraft schaffen soll. Wir sehen also, wohin der Hase läuft: Mehr Geld« Aber nicht mehr Geld und damit mehr Kaufkraft als Folge eines höheren wirtschaftlichen Bedarfs, also gestiegener Produktion und deshalb die Forderung nach einer größeren Menge der Zah- lungsmittcl, sondern im Gegenteil eine Steigerung der Kaufkraft und dann der Produktion durch künstlich geschaffene Geldmittel. Einen wesentlichen Bestandteil dieser Reform soll die S t a b i l i- sierung der Preise bilden. Alles das sind Dinge, über die in den letzten Jahren so viel diskutiert wurde, wie schwerlich über irgendeine andere wirt- schaftliche Frage. Aber Woytinsky Hot nicht berücksichtigt wie scharf ablehnend diesen Gedanken gegenüber gerade die wichtigsten Notenbanken(und überhaupt die wichtigsten Banken, wie z. B. National Chase in New Park oder englische Großbanken) sind. Gc- wiß fft das an sich kein Grund, diese Gedanken von vornherein fallen zu lassen. Man muß ober dieser Einstellung der Banken, die eigent- lich das ganze Programm zu verwirklichen haben, Rechnung tragen und sich mindestens mit ihren Argumenten auseinandersetzen. Das tut Woytinsky nicht. Wir können heute nur den Ausgangspunkt der ganzen Dis- kussion behandeln und es darf niemanden ärgern, wenn wir auch theoretische Dinge streifen müssen. Die Politik, zu der sich Woytinsky bekennt, ist eine Konsequenz aus der monetären Theorie. Nach dieser Theorie kommen die Störungen der wirtschaftlichen Entwicklung und damit die kon- junkturcllen Schwankungen der Beschäftigung von der Geld- feite. ZuvicloderzuwcnigGeld— das sind die eigent- lichen Ursachen der Störung, die vor ollem durch Preisschwankungen sich auswirken. Wäre dem so, so würde die Stabilisierung der Preise durch eine zweckentsprechende 5)andhabung des Eeldfystems auch die Stabilisierung der Beschäftigung, also eine krisenlose Wirffchaft bc- wirken. Wenn sich Woytinsky in einer Fußnote wenigstens halbwegs („zum erheblichen Teil") zur inonetären Theorie bekennt, so ist er auch wenigstens halbwegs folgerichtig. Völlig unverständlich ist es aber, wenn er sich im Abschnitt„Die Aufgaben der Konjunktur- Politik" auf den Standpunkt der Disproportionalitäts- t h e o r i c stellt, da diese Theorie in unversöhnlichem Gegensatz zu der inonetären steht. Die Schwankungen des Geldwertes beeinflussen das allgemeine Preisniveau, und das hat nach der Monetären Theorie einheitlich entscheidend« Bedentüng. Aus irgendwelchen Gründen besitzen aber verschiedene Preise ein verschiedenes Maß der Widerstandsfähigkeit gegen diesen Dmck. Nach der Dispro- portionalitätstheorie ist das Auseinandergehen verschiedener Preise dagegen der Ausdruck für Mißverhältnisse(Disproportionali- täten) in der Entwicklung einzelner Bestandteile der Wirt- schaft. Das ollgemeine Preisniveau sinkt, da verschiedene einzelne Warenpreise sinken. Die Senkung der Preise und namentlich die ungleiche Senkung der Preise bewirkt den Reinigungsprozeß, durch den die entstandenen Mißverhältnisse selbst beseitigt werden. Daher die schärfste Ablehnung der Politik der Stabilisierung nur der Preise, da diese Politik die entstandenen Mißverhältnisse erhalten und ver- Oer Kaliabsatz im Luni. Die Abladungen der zum Deutschen Kalisyndikat gehörenden Kaliwerke i m I u n i betrugen 533 136 Doppelzentner Reinkali gegen H59 176 Doppelzentner Reinkali im gleichen Monat des Vorjahres. In den ersten sechs Monaten des lausenden Kalenderjahres wurden von den Kaliwerken insgesamt 6 242 666 Doppelzentner Rein- kali gegen 8 292 393 Doppelzentner Reinkali in der gleichen Zeit des Borjahres versandt. Einzelhandel gegen Aowerordnung. Mitglieder der chauptgemeinschaft des Deutschen Einzelhandels haben im Reichswirtschaftsministerium vorgesprochen, um auf die nachteiligen Wirtungen der Notverordnung hinzuweisen. Man führte an, daß der Einzelhandel, der mit dem letzten Verbraucher in Geschäftsverbindung stehe, von der Notverordnung nur unmittelbare Schäden zu erwarten habe. Bereits die Vorwirkungen(!) hätten zu einem starken Rückgang der Umsätze im Handel mit allen Waren, die nicht zum dringend st en Lebensbedarf gehörten, geführt. Die Bemühungen, die Preise dem Abbau der Kaufkraft anzupassen, seien erfolglos verlaufen,(Das haben leider diejenigen, bei denen der Abbau vorgenommen wurde, ganz tiefen würde. Der Volkswirt der amerikanischen National Chase Bank, Anderson, vergleicht die Stobilisierungspolitik mit Recht mit der„Bekämpfung" des Fiebers durch die Stabilisierung des Thermometers. Da Woytinsky dieser grundlegende Gegensatz entgangen ist, und er sich zu den beiden Theorien zugleich bekennt, so gerät er in einen völlig unhaltbaren Widerspruch mit sich lelbst. Auf S. 435 sagt er:„Das Preisniveau wird zu jeder Zeit durch zweierlei Faktoren— durch die lange Welle der Preis- entwicklung und die konjunkturellen Schwankungen— bestimmt. Die konjunkturellen Schwankungen lassen sich durch die Währungspolitik nicht ausschalten. Den Gegenstand dieser letzteren bilden die langen Wellen ollein" Also kann eine Währungspolitik keine Konjunkturpolitik sein. Er fordert aber eine aktive Konjunktur Politik und versucht zu beweisen, daß„ihren Aus- gangspunkt eine Währungspolitk bilden muh"(S. 449). Die Frage, wie eine Währungspolitik zwar nur für die„langen Wellen" gilt und trotzdem der Ausgangspunkt einer aktiven Kon- junkturpolitik sein muß, bleibt offen. In diesem Punkte herrscht bei Woytinsky merkwürdige Unklar- beit. Und trotzdem verlangt er. daß sich die Arbeiterschaft von der Auffassung frei macht, daß die Krisen im Kapitalismus unvermeidlich find und an die krisenlose kapitalistische Wirtschaft glauben soll! Das größte Mißverständnis aber bei Woytinsky ist, daß er die Empfehlungen des Goldaus- f ch u s f c s des Völkerbundes als Rechtfertigung für feine Politik betrachtet. Mit diesen Empfehlungen wird man sich bei der Klärung der Frage der Golddeckung befassen müssen. Hier nur eins: Woytinsky schreibt dem Goldousschuß Auffassungen über die Beein- flussung der Konjunktur zu, die der Goldausschuß gor nicht geäußert h o t und nicht äußern konnte. Es genügt, darauf hinzuweisen, daß zu den Wirtschaftlern, die für den Bericht des Goldausschusses mit verantwortlich sind, der Berater der Bank of England, Prof. Sprague, gehört, der zugleich der allerschräfstc und aktivste Gegner der von Woytinsky vertretenen Politik ist. Die Aufgabe des Gold- ausschusses war auch eine ganz andere: er beschäftigte sich mit der Frage, ob die Gefahr besteht, daß im Falle der künftigen Steigerung des wirtschaftlichen Bedarfs an Geld die ausreichende Versorgung der Wirtschaft mit Geldmitteln wegen der Goldknapphcit gestört werden kann. Von einer zusätzlichen Kaufkraft kann rn diesem Zusammenhang überhaupt keine Rede sein, was noch in anderem Zusammenhang zu klären ist. Wir haben hier nur wenig von dem vielen anführen können: was uns die Auffassung von Woytinsky abzulehnen veranlaßt. Entscheidend ist für uns die Ueberzeugung. daß konjunkturelle Schwankungen und Krisen im Kapitalismus auch unabhängig von der Art der Ecldoersorgung cinfoä) aus unvermeidlichen Mißverhältnissen in der Produktion entstehen müssen. Wir haben auf der anderen Seite die Möglichkeit einer lenkenden und mildernden Wirtschaftspolitik immer anerkannt und mit allem Nochdruck vertreten. Ihre Gcsamtrichtung muß durch unser sozialistisches Ziel bestimmt werden, und unsere wichtigste Aufgabe, an der wir ständig zu arbeiten haben, ist auf diesem Ge- biete die deutlichere Erkenntnis der Aufgaben einer s o z i a l I- stischen Wirtschaftspolitik im einzelnen. Wenn man ober mit Woytinsky die internationale Währungs Politik zum Ausgangspunkt der Konjunkturpolitik machen will, so ist das unseres Erachtens erstens sachlich falsch und zweitens verurteilt man die Arbeiterklasse dadurch für längere Jahre zur vollkommenen wirtschaftspolitischen Passivität unmittelbar und viel schmerzlicher noch als der Einzelhandel fest- stellen müssen! D. Red.) Der Einzelhandel forderte die Einwirkung des Reichswirtschafts- Ministeriums auf die Kosten, so z. B. zur Senkung der Inseraten- preise und der Ladenmieten. Man unterließ merkwürdigerweise, gegen jede weitere Schwächung der Kaufkraft zu protestieren: dabei müßte doch der Einzelhandel inzwischen eingesehen haben, daß eine Besserung seiner Lage nur durch eine Hebung der Kaufkraft zu erwarten fft Höhere Warenhausumsätze im Mai. pfingstfest— Wetter— Käuferstreik. Nach Mitteilungen der„Zeiffchrift für Waren- und Kaufhäuser" waren die Umsätze der deutschen Warenhäuser im Mai wert- mäßig um 3,4 Proz. höher als im Mai vorigen Jahres; mengen- mäßig muß die Steigerung wegen der inzwischen eingetretenen Preisrückgänge erheblich höher gewesen sein. Zum ersten Male seit langer Zeit sind damit die Umsätze eines Monats höher als die des Vergleichsmonats aus dem Vorjahre gewesen. Für diese Erscheinung kann man mehrere Gründe anführen. Am wichtigsten ist die Taffache, daß das Pfingstgeschäft in diesem Jahre in den Mai fiel, während es im vorigen Jahre im Juni lag. Daß kalendermäßige Verschiebung der Festtage . allein»icht ausschlaggebend ist, geht daraus hervor, daß in Großbritannien die Worenhausumsätze im Mai dieses Jahres um 5,4 Proz. unter denen des Vorjahres lagen. Das warme Wetter dürste den Absatz von Sommerkleidung gesteigert haben. Die Verminderung der Arbeitslosenziffer wird dazu ge- führt haben, daß lange zurückgestellter Bedarf endlich gedeckt wurde. Die Warenhäuser sind auch der Meinung, daß der allge- meine Käuferstreik bis zu einem gewissen Grade durchbrochen ist. Infolge ihrer billigen Angebote von Massenartikeln scheinen die Warenhäuser besonders günstig abgeschnitten zu haben, so daß sich der Anteil der Warenhäuser am Gesamtabsatz erhöht haben dürfte. Ueberraschend groß waren die Steigerungen in einzelnen Abteilungen: so erhöhten sich wertmäßig die Umsätze in Herren- und Knabenkonfektion um 30 Proz., in Herrenwäsche und Herrenhüte um 41 Proz., in Schuhwaren um 42 Proz. Die Steigerung bei Damen- und Mädchenkleidung machte nur etwa 1» Proz. aus. In den Monaten Januar bis Mai blieben die Gesamt- Umsätze gegenüber der gleichen Zeit des Vorjahres wertmäßig um Ö'A Proz. zurück. Da die Preise in der Zwischenzeit gefallen sind, werden die Umsätze mengenmäßig in diesem Jahre sogar höher als im Vorjahre gewesen sein. Lteberraschende Angaben. Llmsähe vnd Kapital bei Schubert& Salzer. Wir hatten vor wenigen Togen mitgeteilt, daß das Landgericht Chemnitz das erste Urteil in der aktienrechtlich außerordentlich wichtigen Frage des Erwerbs eigener Aktien gegen die Schubert n. Salzer Maschinenfabrik A.-G., Chemnitz, gefallt hat. Schubert u. Salzer galt bis jetzt als eines der wichtigsten und glänzendsten Unternehmen der deutschen Maschinenindustrie! es fabriziert vor allem Textilmaschinen. Auf das 19-Millionen>Mark- Kopital wurden 1928 und 1929 je 16, 1930 noch 12 Proz. Dividende verteilt. Jetzt werden Angaben über den Umsatz bekaniü, die Aufsehen erregen müssen. Die Angaben wurden gemacht von dem Rechtsvertreter der Schubert u. Salzer A.-G., der auch im Auf- f i ch t s r a t dieses Unternehmens sitzt, und zwar in einem Schrift- f a tz, der kurz vor Verkündung des oben genamüen Urteils ein- gereicht wurde. Dieser soll natürlich die Richtigkeit des Aufkaufs eigener Aktien nachweisen, die mit der Notwendigkeit der Kopitalherabsetzung begründet wird. Denn der Um- satz, der von 53 Millionen Mark im Jähre 1928 auf 53 Mil- lionen Mark im Jahre 1929 gestiegen war, sei im Jahre 1930 auf 20 Millionen zurückgegangen. Nach dem Verlauf der ersten fünf Monate könne man für 1931 mit einem Umsatz von rund 9Millionen Mark rechnen. Es fällt schwer, an die Richtigkeit und Vergleichbarkeit dieser Ziffern zu glauben. Wenn sie richtig sind, dann ergibt sich allerdings die Notwendigkeit ganz gewaltiger Abschreibungen und einer K a p i t a l h e r a b s c tz u n g. von der die Oeffentlichkeit sich bisher nichts träumen ließ. Dann kann auch der Gewinn- a u s w e i s für 1930 schwerlich richtig gewesen sein. Der Umsatz ging auf fast ein Drittel zurück, die Dividende wurde nur um 25 Proz. gekürzt: das Kapital wäre nur grade einmal umgeschlagen worden, der ausgeschüttete Reingewinn hätte 10 Proz. des Umsatzes ausgemacht. Und weiter, wenn die Zahlen richtig sind, so hätte man hier schon das schlagendste Beispiel für die Unmöglichkeit des Ankaufs eigener Aktien. Wenn nämlich dieser geringe Umfang des Um- satzes keine vorübergehende Erscheinung ist, so daß das Kapital entsprechend zusammengestrichen werden müßte, so würde der Aktienkurs unter 100 Proz. herabsinken(er ist in den letzten Tagen von 145 auf 119 zurückgegangen!)...— Die eigenen Aktien hat aber die Verwaltung über pari, das heißt, zu einem Kurs über 100 Proz. erworben. Der von dem Gericht für nichtig er- klärte Generalversammlungsbeschluß sah aber vor, weitere 2,5 Mill. Mark eigene Aktien zu einem Kurse von 140 bis 150 Proz. zu kaufen(vermutlich von einem Großaktionär!), zu einem Kurse also, der weit über dem jetzigen Börsenkurs liegt. Wäre dieser Beschluß ausgeführt worden, dann hätten also die Aktiv- nore, die verkauften(das sind der Verwaltung nahestehende Großaktionäre), auf Kosten derer, die n i ch t verkauften, einen erheb- lichenUe her preis erhalten. In einer neuen Erklärung bestätigt die Verwaltung die An- gaben über den Umsatz, legt aber Wert auf die Feststellung, daß seit dem I. Juni eine Besserung eingetreten sei! Rückläufiger pfandbriefabsah. Das Ausland verkaust am deuffchen Markt. Nach der Statistik von 103 Boden- und Kommunal-Kredit- instituten ist der Absatz von Pfandbriefen und Kommunalobliga- tionen im Mai sehr viel geringer als im April gewesen. Die Verschlechterung am Geld- und Kapitalmarkt kommt darin stark zum Ausdruck. Das Ausland nimmt zur Zeit so gut wie gar keine deutschen festverzinslichen Papiere auf, während der Rücklauf aus dem Ausland stark bleibt. Nach den Feststellungen des Instituts für Konjunkturforschung ist im Mai und Juni dieses Jahres der g r ö ß t e Teil der in früheren Jahren im Ausland abgesetzten Papiere auf den deutschen Markt zurückgeströmt, was einmal zu Kursstürzen am Rentenmarkt führte, zum anderen die ausgebenden Institute zu umfangreichen Stützungskäusen zwang. Der Nettoabsatz im Inland an Pfandbriefen ging von 111,3 Millionen Mark im April auf 36,5 Millionen Mark im Mai zurück, der an Kommunalobligationen von 3l,l auf 15,9 Millionen Mark. Vom Absatz entfiel der größte Teil auf 7prozentige Papiere, während bei Tilgung und Rückkauf die 8prozentigen über- wogen. Der gesamte Umlauf an Pfandbriefen betrug Ende Mai 9,9 Milliarden Mark, der an Kommunalobligationen 2,7 Milliarden. Der Bestand an Hypotheken und Kommunaldar- lehcn hat sich auf 14.8 Milliarden Mark erhöht, wovon 2,6 Milli- orden Mark aufgewertete Beträge sind Der Großhandelsindex. Die vom Statistischen Reichsamt für den 1. Juli berechnete Indexziffer der Großhandelspreise lag mit 112,5 um 0,3 Proz. niedriger als in der Vorwoche. wieder sinkende Produktion in Amerika. Wie aus New Dork gemeldet wird, hat die Produktion der wichtigeren Industrien der Vereinigten Staaten nach.einer in den ersten Monaten dieses Jahres beobachteten saisomnäßigen Ausweitung im Mai«rst- mal ig wieder einen Rückgang erfahren. Im Durchschnitt ist die industrielle Produktton Amerikas im Mai im Vergleich zum Vormonat um 4 Proz. eingeschränkt worden. Gegenüber dem gleichen Monat des Vorjahres ergibt sich«in Produktionsrück- gang um 14 Proz. und gegenüber Mai 1929 sogar um annähernd 30 Was an der Aotverordnung zu ändern ist Auch vom Standpunkt der christlichen Gewerkschasten aus. „Der Deutsche" von heute schreibt: „Es ist hier und da angenommen worden, der Widerstand der christlichen Gewerkschaften gegen gewisse Teil« der Notverordnung sei mit Rücksicht auf die der Gewerkschaftsbewegung nahestehenden Minister nicht sehr ernschaft. Das ist eine Täuschung. Die christ- lichcn Gewerkschaften haben mir außergewöhnlicher Energie nicht nur um eine gute Gestaltung der Notverordnung gekämpft, sie wenden sich auch mit derselben Entschlossenheit gegen Bestim- mungen in der Notverordnung, die für die Arbeitnehmer untragbar sind." Die christlichen Gewerkschaften haben erneut eine Eingabe an die Reichsregierung gerichtet, worin sie erklären,„daß die Zlotvecordaung in ihren Anforderungen an die Aermsten und Bedürftigsten zu weit geht". Bestimmungen, die materiell unwesentlich seien, erschütterten den Glauben an Recht und Gerechttgkeit. Es werden dann die Punkte aufgeführt, die am dringlichsten seien und deren Aenderung schleunigst vorgenommen werden müsse. Zu- erst wird die Kürzung der Leistungen iu der Sozialversicheruog beanstandet. Eine starte Minderung der Unterstützungssätze in der Arbeits- lofenverstcherung sei infolge der bereits eingetretenen erheblichen Lohnkürzungen ohnehin erfolgt. Ein Unterstützungssatz für einen Ernährer mit drei unterhaltspflichtigen Angehörigen von etwa 14 bis 16 M. wöchentlich gewährleiste nicht einmal die genügende Er- nährung. Andere Aufwendungen für Kleidung. Wohnung und Heizung könnten nicht gemacht werden. Dieser Unterstützungssatz kommt für das Gros der Arbeitnehmer in Frage. Bei den Saisonarbeitern stellen sich nach der Rolverordnung Unterslützungskürzungen von über 40 Proz. heraus. Für diese Gruppen, würden Unterstützungssätze gezahlt, die die Sicherung des Lebens nicht mehr gewährleisten. Die grundsätzliche Herausnahme der Heimarbeiter wird als unbillige Härte gekennzeichnet. Die Verlängerung der Wartezeit müsse zu bittersten Notständen führen. Von den heutigen Löhnen könnten in den wenigsten Fällen Ersparnisse für die Uebergangszcit gemacht werden. „Auch die Regelung für Kurzarbeiter und die Einschränkung des Unterstützungsanspruches für Jugendliche unter 21 Jahren findet eine herbe Zurückweisung. Die Rückzahlung der Krisen- Unterstützung richte sich vor allem gegen diejenigen Arbeiter, die unter größten Opfern und Entbehrungen etwas gespart haben." Sie wirke sich in den meisten Fällen als eine Strafe für Sparsamkeit aus. Die vorgesehene Bestimmung, wonach die Vorsitzenden der Arbeitsämter den Arbeitslosen die Miete zugunsten der Hausbesitzer abziehen können, wird gleichfalls als unnötig verbitternd abgelehnt. Dadurch werde das Gefühl der ungerechten Behandlung nur erhöht. In einer Reihe von Fällen betrage die Arbeitslosenunterstützung kaum mehr als für Miete zu zahlen ist. Die Arbeitsämter dürften nicht zum vollslreckungsorgan der Hausbesitzer werden. Für die Knappschaftsversicherung tritt die Eingabe gleichfalls ein. Scharf abgelehnt wird der Eingriff iu das Tarifrcchl. sowie der Lohnabbau für die Arbeiter in Ländern und Gemeinden. Die unterschiedliche steuerliche Behandlung zwischen Lohn- steuerpflichtigen und Freivcranlagten sei nicht zu rechtfertigen. Die Wirtschaft könnte durch Senkung der Realsteuern entlastet werden. Die Schonung der freien Berufe könne vom Gesichtspunkt der Schonung des Wirtschaftskapitals nicht verteidigt werden. Für die Befreiung der Landwirtschaft von der Krisenstcuer bis zu 6000 M. fehle jeder durchschlagende Grund. Der WegfallderLohn st euerrücker stattung wird eben- so scharf gerügt wie die nicht zu rechtfertigende unterschiedliche Be- Handlung der Arbeiter und Unternehmer der Tabakindustrie bezüglich Sonderunterstützung aus Anlaß der Tabak- steucr. Die Eingabe weist auch auf die Gefahren hin, die durch einen freiwilligen Arbeitsdienst für die soziale Lage der Arbeitnehmer her- beigeführt werden können. Wenn auf dem normalen Wege keine Aenderung der Verhält- nisse in der Frage der Doppelverdiener und der Groß- Pensionäre zu erreichen sei, würden die christtichen Gcwerk- schaften sich dafür einsetzen, daß durch Polksentscheid entschieden werde, ob das deutsche Volk die große Ungerechtigkeit in der Frage der Großpensionäre noch länger dulden wolle. Zum Schluß knüpft die Eingabe an das Eingeständnis einiger Der- treter der Reichsregierung an, die selber die Rolvcrord- nting für ungerecht hielten, sie verbindet damit die Forderung an die ungesäumte Beseitigung der ungerechten und kaum verständlichen Bestimmungen. * Die Stockprügcl, die die Notverordnung den Arbeitslosen und den Arbeitenden auf den Magen prasseln laßt, verspüren die christ- lich organisierten Arbeiter und Angestellten natürlich ebenso sehr wie die freigewerkschaftlich organisierten. Daraus erklärt sich ahne weiteres, daß die christlichen Gewerkschaften genau wie die freien Gewerkschaften die schleunige Abänderung dieser Notoerordnung fordern, bevor diese noch unnützerweise weiterhin böses Blut macht und die Aermsten der Armen zur Verzweiflung bringt. Wir begrüßen rückhaltlos die Bundesgenossenschast der christ- lichen Gewerkschaften in dem Kampfe um die Abänderung der Not- Verordnung und wünschen nur, daß die hinter den christ- lichen Gewerkschasten stehenden politischen Par- teien die gemeinsamen Forderungen der Gewerkschaften in dieser Beziehung mit der gleichen Entschiedenheit unterstützten wie es von der Sozialdemokratischen Partei geschieht. Gegen die Notverordnung. Protest der Behördenwertmeister. Die Reichsfachgruppe Behörden und öffenttiche Betriebe im Deutschen Werkmersterverband beschäftigte sich auf ihrem 5. Reichs» fachgruppsntag in Wilhelmshaven tu erster Linie mit der Rot- Verordnung. Weiter wurden die Themen„Beamtenrecht",„Die Betriebe der öffentlichen Hand" und„Dos Torifrecht der Ange- stellten" ausführlich behandelt. Die Delegierten gaben ihrer Stellungnahme zu dieser Not- Verordnung in einer Entschließung Ausdruck, in der gegen chren sozialreaktionären Inhalt protestiert und der Verbandsvorstand aufgefordert wird, zusammen mit den freigewertfichastlichen Spitzen- orgonisationen, insbesondere mit dem ADV. und dem AfA-Bund, alle Mittel anzuwenden, um eine Erleichterung für die Beamten und Behördcnangestellten zu erwirken. In der Entschließung heißt es zu>n Schluß:„Der Reichsfach- gruppentag fordert alle'Behördenwerkmeister auf, sich hinter ihre Verbandsleitung in diesem schweren Abwehrkampf zu stellen. Den außenstehenden Kollegen muß es zur Pflicht gemacht werden, sich ihrer Berufsorganisation, dem DWV., anzuschließen und so die Kampfkraft des Bevbandes zu erhohen. Rur eine vereinte Macht ist in der Lage, die soziale Reaktion abzuwehren." Reichszuschuh ist völlig ungenügend, außerdem sind an seine Ge- Währung sehr scharfe Bedingungen hinsichtlich eines Rentcnobbaus geknüpft, wobei noch zu bemerken ist, daß schon erhebliche Leistungs- kürzungen erfolgt find. Die Erfüllung dieser Bedingungen ist von der Hauptversammlung als sozial untragbar abgelehnt worden. Jetzt sind nun gewisse Kreise bemüht, die Verantwortung für die Unzulänglichkeiten der Notverordnung derSelb st Verwaltung aufzuladen. Aus dem Bersagen der Reichsregierung wird versucht, eine Krise der Selbstverwaltung zu machen. Di« Lage der Pensionsversicherunz ist recht spannend. Wenn die Reichshilse nicht bald einsetzt, werden Zahlungsschwierigketten I eintreten. Einen Ausweg aus dieser Situation zu finden, dürfte Aufgabe derjenigen sein, die die Notverordnung zu ver- antworten haben. Der Reichsarbeitsminister wird wohl oder übel von seinen Bedingungen über Rentenobbau Abstand nehmen müssen, wenn er die Sache im Einvernehmen mft der Sefbswer- waltung der Reichsknappschoft regeln will. Kampfansage der Siraßenreiniger. Am Freitag beschäftigte sich eine Versammlung der Delegierten der Branche Straßenreinigung und Stadtsuhrpark im Gesamtver- band mit der Notoerordnung und ihren Auswirkungen auf die Arbeitnehmer der Stadt Berlin. Der Referent, Genosse Olters- darf, legte besonders eingehend die Bestimmungen der Notver- ordnung dar, die für die Arbeitnehmer der öffentlichen Betriebe einfach unerträglich find. Er wies insbesondere auf den Be- schluß des Lerbandsoorstandes hin, diesen Härten der Notverord- nung nötigenfalls selbst mit den allerschärfsten gewerkschaftlichen Kampfmitteln zu begegnen. In erfreulicher Eimnittigkeit traten die Delegierten den Aus- führungen des Referenten bei. Sie begrüßten ganz besonders die Jnittatwe der Verbandskörperschaften gegen die Notverordnung. Einsttmmig nahm die Berfammtung eine Entschließung an. in der die Notverordnung als arbeitsrechtliches Ausnahmegesetz gegen die Arbeitnehmer der öffentlichen Betriebe und Verwaltungen bezeichnet wird. Den Verbandskörperschasten wird in der Entschließung ausgegeben, alle verantwortlichen Stellen warnend auf den Ernst der Situation aufmerksam zu machen sowie auf die Folgen, die die Durchführung der Notverord- nung gegenüber den Arbeitnehmern der öffentlichen Betriebe zwangsläufig haben müßte. Die Entschließung klingt aus in einen Appell an die gesamte Arbeitnehmerschaft der öffentlichen Betriebe, die gewerkschaftliche Abwehrfront zu stärken. Schwierige Situation in der Knappschaft. Seit einigen Tagen werden die verschiedensten Nachrichten über die Lage in der Knappschaft verbreitet. So heißt es z. B, daß der Vorstand der Reichsknappfchaft eine provisorische Kürzung der Leistungeu der Arbeiterpensionskasse um 10 Pro,, ab 1. Juli an- geordnet habe, well die Hauptversammlung am 24. Juni den ver- langten Rentenabbau abgelehnt habe. Demgegenüber ist zu bemerken, daß diese vorläufige Rentenkürzung bereits einige Tage vor der Hauptversammlung aus Perlangcn des Reichsarbeit». Ministers angeordnet worden ist. Die gegenteiligen Darstellungen verfolgen ofsensichllich den Zweck, eine Art Paniksttmmung hervor- zurufen, und vor ollem sind sie darauf gerichtet, der Selbstver- waltung bzw. den Versichertenvertretern die Schuld für die ver- fahrene Situation in der Knappschaft zuzuschieben. Die Lösung, die die Notverordnung zur Behebung der Knapp». �aftsjchwierjgletten enthält, ist unzulänglich. Der vorgsjehene „Im Weften nichts Neues." Der Ortsausschuß Berlin des ADGB. teilt mit: Der Film wird auch in den nächsten Tagen sur unser« Mitglieder und deren An- gehörige in einer Reihe von Theatern gezeigt. Nähere Bekannt- machungen in den Zeitungen, an den Litfaßsäuten und an den ein- zelnen Kinotheatern. Für die erwerbslosen Mitglieder findet am Mittwoch, uaännittags 3 Uhr, in folgenden Theatern eine Vorstellung statt: Alhambra, Berlin, Müllerstr. 136: St e ll a- P o l'a st, Berlin, Köpenicker� Str. 12— 14; T u r in a- P o l a st, Schöneberg, Haupfftr. 144: Schloßpark. Weißensee, Berliner Allee 205— 210; E l y s i u m, Prenzlauer Allee, Ecke Dan- ziger Straße; Alhambra, Charlottenburg. Kurfürstendamm 68; Riooli-Theater, Berlin, Bergmamrstr. 5— 7; Mozart- Saal, Berlin W, Nollendorfstr. 11/12: Mercedes-Palast, Neukölln, Hermannstr. 212; Kristall-Palast, 9120, Prinzenallee 1—6; Alhambra, N 20, Badstr. 59; Welt-Kino, Moabit, Alt-Moabit 99. Der Verkauf dieser Karten ist am Montag und Dienstag von 3 bis 6 Uhr an den Kassen der betrefftnden Theater. Abgabe der Karten nur gegen Vorzeigung eines Mitglieds- ausweise? und der Stempelkarte. Verheiratete erholten zwei und Unverheiratete eine Karte. Eintrittspreis 20 Pfennig. Heute 13 Uhr Ruder- und Kanu-Regatta im »is vor den Regalfatribanen m Grünau Am Start: Hamburg, Dortmund, Laipsig, Stettin, Wurzan,Magdaburg, Pranzlau, Bran- danburg, Luckanwalda, Rathenow, und 16 Berliner Vereine. 22 Ruder- und Kanurennen sowie Sonderveranstaltungen: Massenauffahrt der Frauen, Massen-Schwimmreigen der Frauen, Eskimokentcm, Lanzenstechen, Tauriehen im Faltboot Eintrittspreis SO Pf. bis 1.50 Mk.(Alle Plätze sind am Ziel) Nach der Regatta: Geselliger Abend mit Tanz im Lehrer- vereinshaus, Alezanderpiatz., Eintritt 50 Pfennig. Nr. 309» 45. Jahrgang 4. Beilage des Vorwärts Sonntag, 5. Luli 4931 Richard JCuelfenbeck: Sine indianifcheZKön Port au P r i n c e. Als Kolumbus mit seinen fanolisicrten Abenteurern �ioiti betrat, wurde er von Leuten empfangen, die nackt, unschuldig und überaus höflich waren. Sie kannten keine Arbeit sondern beschäs- tigten sich damit, die Muscheln zu essen, die die See auf den Strand gespült hatte. Kolumbus nannte diese Menschen Indianer, weil er glaubte in Indien zu sein. Der Begriff des Eigentums war den Indianern unbekannt: was die Begriffe Eroberung, Besitzergreifung und Gier nach Gold und Silber bedeuteten wußten sie nicht: sie lebten wie die Blumen aus dem Felde und ahnten nicht, daß es Menschen gab. die diese Erde unter einem anderen Gesichtspunkt ansahen als sie selbst. Des- halb brachten sie den Spaniern auch keinerlei Mißtrauen entgegen sondern förderten ihre Absichten, soweit sie sie verstanden, sie schlepp- ten ihnen Lebensmittel heran, bauten ihre Hütten auf und bs- teiligten sich sogar an der Errichtung der Festting, die Kolumbus seinen Soldaten als Sicherung zurückzulassen gedachte. Die Frauen machten noch weniger Umstände als die Männer. Keinerlei kom- plizierte Ethik hatte die Geschlechter in Haiti getrennt, die Liebe stand unter dem Gesetz der Natur, sie war stark und fröhlich. Gc- burt und Tod wechselten wie Ebbe und Flut, und die beste Bcr- nunft, die jemand ausbringen konnte, bestand in der Hinnahme des Unvermeidlichen. Eines Tages begannen die Spanier, denen die Schönheit und der Friede der Natur ziemlich gleichgültig waren, die Erde nach Schätzen zu durchwühlen. Sie stellten die Indianer an, gruben Schächte und zwangen die Frauen die gefundenen Edelmetalle in Säcke zu packen und auf die Schiffe zu schleppen, die, an die Stämme der Mangobäume gebunden, in den flachen Buchten schau- kelten. Die Indianer lernten auf diese Weise die Arbeit kennen, und da sie sie haßten, stritten sie sich mit den Spaniern. Da diese hin- wiederum nicht gewöhnt waren, lange Umstände zu machen, gab es bald Tote und Verwundete. Je mehr nun die Indianer sich wei- gertcn, desto mehr wurden sie in die Silbergruben zur Arbeit ge- preßt, und je häusiger die Frauen unter ihren Säcken zusammen- brachen, desto höher wurde das Gewicht ihrer Last. Da die In- diancr zwar faul und gemütlich aber keineswegs feige waren, wehr- ten sie sich gegen die Unterdrücker in einer großen Schlacht, die damit endete, daß die Hälfte der indianischen Bevölkerung von den frommen Spaniern auf grausame Weise umgebracht wurde. Es blieb den Indianern jetzt nur noch ein Mittel übrig, sich der ver- haßten Arbeit zu entziehen: in den Gruben mit der Hacke in der Hand zu sterben. Das taten sie. es fiel ihnen nicht schwer: lieber tot. dachten sie, als ein Leben ewiger Qual und Anstrengung. Sie fielen um und starben, wie man sagt, wie die Fliegen: manche töteten sich selbst, andere wurden durch die ungewohnte Anstrengung auf sozusagen regelrechte Weise vom Leben zum Tode gebracht. Es soll hier nicht die Rede davon sein, auf welch schlaue Weise die Spanier sich halfen, als die Indianer ausgestorben waren und sie keine Arbeiter mehr für ihre Gruben hatten.(Sie eräffnctcn den Sklavenhandel und führten die Kongonegeb ein, die heute noch die Grundbevölkerung Haitis bilden.) Genug in einem kurzen Menschen- alter starben die Indianer mit Kind und Kegel aus und heute sind von ihnen nur noch die Muschelhaufen vorhanden, die sie als Früh- stücksreste nahe der See übrig gelassen haben. Ich hatte mich mit dem Direktor des Rationalmuseums in Washington(ich hatte ihn in dem Hotel Excelsior in Port au Prince kennen gelernt) aufgemacht, um die Grotte der Königin Anakoana zu finden. Di« Königin Anakoana war in. Leogan, etwa 2 Autostunden von Port au Prince, Herrscherin eines Stammes gewesen, den die Wisienschaftler heute Arawaken nennen. In ihrer Residenz lebt sie in Jugend und Schönheit, von ihren indianischen Unter- tauen aufs Höchste verehrt. Aus den spanischen Berichten läßt sich erkennen, wie wunderbar fröhlich und harmlos es am.Hofe der Königin Anakoana zugegangen ist. Da die Königin wegen ihrer all- gemeinen Beliebtheit keinerlei Schwierigkeiten im Lande hatte, da jeder zu effen hatte und es ein Arbeitsloscnproblem damals nicht gab, wurden keinerlei wichtige Besprechungen mit juristischen Sach- verständigen, sondern sogenannte Blumentage angesetzt, wo derjenige Untertan, der das beste Gedicht aus die Königin gemacht hatte, das Recht gewann, sich neben sie auf ihren Muschclthron zu setzen. „Das hat leider", sagte mir Mr. Wettmorc, der Direktor des Nationalmuseums in Washington,„nicht lange gedauert. Die Spanier hatten kein Verständnis für Gedichte, sondern ärgerten sich über das Blumenreich der Königin, weil sie begriffen, hier sei ein Symbol unschuldigen Lebens, das der Arbeit in den Silberminen strikt entgegengesetzt war. Obwohl die Königin mit ihrer weib- lichcn Schläue die Machtverhältnisse gut zu beurteilen verstand und sich die Freundschaft der Spanier durch Uebersendung der besten Gedichte und der besten Fische zu gewinnen suchte, muhte dos Un- glück seinen Lauf nehmen..." Dr. Wettmore spielte mit diesen Worten auf den Hinterhalt an, den die Genossen des Kolumbus der Königin gelegt haben. Sic schrieben ihr nämlich eines Tages einen Brief, sie hätten von den fabelhaften Festen in Leogan gehört und würden sich freuen, ein- mal an einem solchen Blumentag teilnehmen zu können. Die Köni- gin Anakoana war darüber sehr erfreut und schrieb zurück, sie würde nun zu Ehren der Spanier das größte Blumen- und Dichter- fest einrichten, das jemals auf der Insel stattgefunden habe. Sie lud die gesamte spanische Besatzung herzlich ein. Die Spanier er- reichten, was sie gewollt hatten. Sic nahmen ihre Schwerter und Schießgewehre gleich mit, zogen durch einen großen Triumphbogen in Leogan ein und vergaßen als wohlerzogene Kavaliere nicht, der Königin, die mit allen ihren Liebhabern und Gedichteschreibern auf einer hohen hölzernen Estrade saß. feierlich die Hände zu küssen. Es wurde ihnen schwer, mit dem Morden zu beginnen, denn das Fest war prachtvoll, das Essen ausgezeichnet und die Indianer, allen voran die Königin, von augezcichnctcr Höflichkeit und kindlicher Liebenswürdigkeit. Die Spanier suchten nach einem Grund für ihr Vorhaben, und schließlich kamen sie auf die Idee, die Königin begehe ein todes- würdiges Verbrechen, weil sie sich mit den Lyrikern, die offenbar alle zu ihr in unerlaubten Beziehungen standen, so ganz öffentlich und ohne Scham zur Schau stellte. Daraufhin zogen sie auf schnell verabredetes Signal ihre Schwerter aus den Scheiden, die Arke- bufiere feuerten ihre Donnerbüchsen ab und es begann ein all- gemeines Schlachten. Jetzt waren die Spanier gewissermaßen in ihrem Element, und sie leisteten ganze Arbeit, bis der Abend herein- gebrochen war und die Leichen aller Besucher des Blumenfestes, Männer, Frauen und Kinder bis zum kleinsten Säugling, den Marktplatz in Leogan bedeckten. „Die Königin", sagte Mr. Wettmorc,„haben die Spanier zuerst geschont, sie haben sie nach ihrer Hauptstadt geschleppt und ihr dort einen richtigen Prozeß gemacht. Sic wurde wegen Hochverrat auf- gehängt.. In der Grotte, die wir suchten, soll sich die Königin Anakoana auf der Flucht eine Zeitlang aufgehalten haben. Die Kongoneger. die von den spanischen Eroberern als Arbeitstiere eingeführt wurden und die man aus rein praktische» Gründen in ihrer Gesamtheit am Leben ließ(während man sie im einzelnen piesackte, peitschte und vierteilte), sprechen heute noch mit Liebe von der Königin Anakoana: nicht nur, weil sie ein Schicksal erlitt ähnlich dem eines großen Tci- les ihrer Landslcute, sondern weil ein letzter Glanz von Anmut, Schönheit und Fröhlichkeit sie erreicht hat. In ihren Köpfen lebt die schöne Königin fort, die Gerüchte wollen nicht schweigen und in der Grotte werden kleine Opfergabcn für die Seele der Un- glücklichen aufgehängt. Während wir durch den Urwald ritten, wurde mir Anakoana so lebendig, als hätte ich sie neben mir gehabt. Sie war fast nackt, nur mit einem Fell bekleidet und mit Blumen geschmückt. Sie sprach mit einer hohen festen Stimme von dem glücklichen Leben ohne Arbeit unter dem Schatten der Mangobäume und am Strand der Karibischen See. Ich träumte mich in den Zustand der Vorzivilisa- tionszeit, als die einzige Sorge die des Diogenes war: von der Sonne beschienen zu werden. Zuerst erschien mir das Vorgehen der Spanier widerlich und schrecklich, aber dann glaubte ich alles zu verstehen, was hier vor- gegangen war. Durch Mord und Totschlag, die Geschichte beweist es, hat die Menschheit sich langsam ihren Weg gesucht. Auch diese Spanier, die Abenteurer, die von religiösem Fanatismus und Geld- gier vorwärts getrieben wurden, hingen am Faden des Schicksals. Auch ihre Zeit ist in diesem sonnigen Lande längst vorbei, ihre Burgen sind dem Boden gleich, ihre Gräber sind zerfallen. „5)ier sind wir", sagte Mr. Wettmore. Ich starrte in ein von Schlingpflanzen und Luftwurzeln verdunkeltes Urwaldloch: Fleder- mäuse erhoben sich gespenstisch und ein Geruch feuchter und lcbens- trächtiger Erde drang in meine Nase. Das war die Grotte der in- dianischen Königin Anakoana. Svend&leuron: ScllliillfJ Cil llOCll&d I Im Verlage von Eugen Dictxrichs erscheint soeben ein irews Duck) des dönischen Dichters Svend Fleuron„T y ß und Tuff, die Schlangen der Trollhcid e". Mir lbenehmigung des Verlages veröffentlichen wir daraus nachfolgenden Abschnitt. Und nun marschierte die Sonne mit Macht zur Höhe! Und Sumpswässcr der Wicken waren ihre Tiegel, darin sie das Silber ihrer weißen Strahlcnbarrcn schmolz: man sah die Blüten dampfen und dunsten. Aa— aah! schnappte die große Unkenfrau— sie war glücklich hierher entschlüpft mit einem einzigen kleinen Männlein, das sie nun zur Belohnung doppelt zärtlich umfing. Und im Mudderwasfer an den Torfstichen entlang warfen sich auch die braunen Frösche der Lust des Lebens in die Arme. Mit einer Innigkeit und Hingebung, die ein Menschenkind in den Schatten stellen würde, spielten sie„Verwechselt das Bäume- lein" und rannten„Eins— zwei— drei das letzte Paar vorbei" über die offenen sonncnglitzcrndcn Schlammflächen. Ein behagliches, tiefes und anhaltendes Knurren, eine süße, melodische Frühlings- musik stieg von den spielenden Schare» auf, während das Bleß- huhn hier und da seinen falschklingendc» Fagotlschrei hören ließ. Es schien, als regne es unablässig an den Wieken und Pfützen entlang: als klatsche Tropfen aus Tropfen nieder und forme Ringe, so sah es aus. Und inmitten eines jeden Ringes, als Mittelpunkt, ragte ein Kopf aus dem Wasser— Hunderte und aber Hunderte solcher Köpfe waren zu. sehen. Frosch lag neben Frosch: aber nur sekundenlang waren sie still, sie tauchten unter, schössen hoch, jagten vorbei— und jede kleine Bewegung bildete ihre Ringe. Eine Krähe, der der Frühlingsrausch schon im Blute saß und die zärtlich jeden gegabelten Wipfel der Sumpsweiden besah, ob er für den Nestbau geeignet schien, flog mit breiten behäbigen Flügel- schlügen tief und langsam über das Moor. Da schwieg der knurrende, quakende Polterchor, und die„Regentropfen" hörten auf zu fallen: mit einem deutlichen Klatsch tauchten alle Knurrköpfe unter! Dann zeigten sie sich wieder: die großen aufgequollenen Augen- knoten, die wie Hörner hervorstachen, pflügten vorsichtig die Wasser- fläche— und nun tauchten spähend alle die schmutzkehligcn Köpfe mit dem Schlammnackcn auf. Rurrr, rurrr! Huben sie an zu mahlen — wie ein siedendes Gebrodel einer fenun Großstadt oder wie ein Zug. der meilcnfern über schwankende Brücken rollte, so hörte es sich an. Leicht und anmutig ruderte die„Grünbeiuige" mit aufgestülptem Schwanz zwischen ihnen da draußen umher: aber sie war ihnen bekannt, sie gehörte zu den Tümpeln und war wie eine der ihren. Im Tagcsgrauen kroch Tyß, als das Gold durch die Spalten in den alten Grenzsoden hereinflimmerte und sie völlig blendete, aus ihrer Sandburg. In ihrer ganzen Länge, das Kinn an der Erde, reckte sie sich erwartungsvoll am Fuße des Stapels aus und begann den Körper langzuzichen. Einsam rüttelte der Maiwind an den fteidezweigen. Wurde es nicht bald Zeit mit den neuen, grünen Nadeln; er war es müde. über diese schwarzen Höhen zu heulen. Wurr, wurr, surrte das Heidekraut. Es kannte diese Windstöße, diese Unduldsamkeit, mit der alles, was geschwind daherkam, behaftet war. Ueber den Torsstapel, auf dessen Spitze Tusf gelauert hat, gleitet ein starrer fahlroter Vipernleib herab: kein Scheuern, kein Rascheln von Kies oder kleinen Steinen— lautlos wie ein schweben- der Nebelschleier schlängelt er sich vorwärts und wirft die Zunge forschend voraus. Den Steilhang hinunter ging es zögernd und in schräger Richtung: er sieht aus wie ein gleitender Sonnenstreifen— wirft sich dann plötzlich eilig hinab, so daß das zickzackstreifige Rückenband flimmert. Sie hat ihn seit langem gehört: nicht mit dem Ohr, das ist ja halb taub durch die Schuppcnmütze, nein, aber das Klopfen und Schieben seiner Bauchrippcn pflanzt sich mit dem hurtigen Ge- dröhn stampfender Fußtritte durch Stein und Erde bis zu ihr hinab fort: sie spürt ihren Schlangengcmahl mit Hilfe des ganzen Re- sonanzbodcns, mit dem ihr Sinn und Körper vertraut sind. Angetan in feine blanke, frische Haut eilt er an ihre Seite. streicht so dicht an ihr vorbei, daß sie förmlich gegen die Sonnen- wärme gepreßt wird, die in verdichtetem Maße von der Torswand zurückstrahlt. Sie läßt die Zunge flitzen und füllt sich mit Luft. Lieblich, die stechende Heide zu riechen! Er ist kalt, aber der Sand ist warm. Er schiebt sich ganz unter sie und stülpt ihren schwarzen Schlangenkörper in verschiedenartig emporgehobenen Windungen auf... ihre marmorfarbenen Gleitmuskcln werfen sein Bild wie ein Spiegel zurück. Liebkosung! Und wieder Liebkosung! Das Streicheln und innige Berühren hält an, während der Wind in den Büscheln der Heide surrt und die Sonne sticht und brütet. Einen Augenblick— dann schlingen sie sich blitzschnell umein- ander! Die runden Schwänze wühlen im Mull und peitschen in Wollust den Sand. Die muskulösen, gleichsam geölten Schlangen- leider krampsen sich, heben sich in Hufeisenform empor und recken sich abermals aus, lautlos übereinander gleitend. Schwarzgeädcrte und violcttgesternte Bauchwindungen, wechselnd in dieser heißen Umarmung, während sie sich immer inniger vermählen. Die glückliche Zusammenkunft wird schnell ruchbar, und andere feurige Liebhaber eilen herbei. Sie schlingen sich um das Paar, die eine große, gesprenkelte Kreuzotter um die andere, Schwarztyh unter sich begrabend. Ein ganzer Trossenturm wird geflochten, der sich bald ausreckt. als würde er hochgczogen. bald sich zusammenschiebt zu einem viel- fach geknüpften Knoten. Und beständig eilen neue herbei! Die Knotentrossc wächst kugelt sich mit eincmmal herum und verwandelt sich in eine wogcnds Blüte von Gewürm, ein großes Kreuzotternei. Und jedem Reu- ankommenden entgegen siedet und brodelt es aus dem„Ei"... eine Schlangenhochzcit ist es ohnegleichen. Nicht zehn Schritt davon entfernt paarte sich abermals ein Schock. Und so lag ein Schlangentnoten neben dem anderen an der Sohle des Totenberges draußen am Rande des großen Reiter- moores. SraukreUfis emsiger'HalurSchuispark Der einzige Nationalpark, den Frankreich besitzt, befindet sich in den französischen Alpen im Departement Isere. Nach einer Schilde- rung, die das„Nachrichtenblatt für Naturdcnkmalpflege" wiedergibt, umfaßt er jetzt ein Gelände von mehr als 13 Ml) Hektar. Das Schutzgebiet ist Hochgebirgsland, und zwar beträgt die durchschnitt- liche Höhe 2SM Meter. Das ist eine Erhebung, in der sich unter dem 5)immcl Indiens, der Anden oder des Kilimandscharo noch reiches Leben entwickelt, aber nicht unter dem Breitengrad von Grcnoble. 5)icr gibt es nur Felsen, Gletscher, Oedland und höchstens einige Strecken, in denen Weiden und Gesträuch sich ausdehnen, sowie etwa 70 Hektar, die mit Kiefern bestanden sind. Der Anteil, der mit Pflanzenwuchs bedeckten Gelände scheint sich seit einem Jahrhundert eher verkleinert als vergrößert zu haben, da Frost und Wasser die Felsen zersprengt und zum Abbröckeln gebracht haben. Aus diesem Grunde könnte der Staat das Gebiet auch für mähigen Preis er- werben. Außer den mit Felsen und Gletschern bedeckten Teilen hat der Park im allgemeinen grobkörnigen und dürren Kiesboden. Einige Kiefern reichen bis in Höhen von 2450 Meter empor. Die Gcsträmj� sind stellenweise Rhododendren, Wacholder und besonders Grünerlen. Auch einige Buchen, Lärchen und Tannen sind zu finden. Sonst ist die Flora sehr arm. und nicht anders verhält es sich mit der Tierwel». Von Gemsen hat man gegen 2M Stück festgestellt, doch wird leider in der Umgegend die Gemsenjagd eifrig betrieben. Das Murmeltier ist ziemlich häufig und vermehrt sich. Auch das Steinhuhn, das hier„rotes Rebhuhn" heißt, kommt vor, ebenso hier und da Birk- und Schneehühner. Während Adler ziemlich selten sind, gibt es eine Menge kleiner Tagraubvögel. Man hat auch einige Edel- und Stein- marder sowie Füchse hier beobachtet. Die Sitte des Rasierens findet sich schon bei den Acgyptern: hier trugen nur die Adligen ein würfelförmiges Kinnbärtchen, während Pharao einen längeren, sorgsam gepflegten Spitzbart trug. Die Römer gingen ungeschoren bis etwa 3<1l1 v. Chr., als der erste Barbier von Sizilien nach Rom kam. Dann gingen alle Römer glattrasiert. ScilOIl Sptrmirkei» •ine gleiebtrtlge Packung. BrfltjS Jede Packung enthält k mrftvtHfto - EDEL-CIGARETTE Packung 50-8 Walter Appell: SSiCinftjji. „Unterhaltung" im Kupee. „So cnne Bahnfahrt is was furchdbar Ciiideenijes. Finden So »ich ooch, Herr Nachbar? Wemmer da nich mit»cdden Leiden zu- sammsitzt unn sich bisset nnderhalden kann, da isses schrecklich. De Kinder, die Hamm ja allnfalls ihrn Schbaß: die schdehn draußen off dr Bladdform unn gucken sich de Gegend an. Awr sagen Se mal gans offen: enn erwachsnen Menschen kann das doch nich reizen. Was sieht mern da: Bcime, unn Heiser, unn Delegrafcn- schdang'n, unn Bahnwärderheiseln, unn Eisenbahnsingnahle. Awr meindwegen, ich genn den Kindern ihr Frgmegen, de Haubdsache is, daß meine Aide ooch mit nausaegang'n is. Die denkt nämlich, sonst inachen de Buhm sich ihre neicn weißen Anziege dreckj. Die is iewrhaubt underwegs immer so offgercgt. Das geht bloß egal: Mann, hasdc de Fahrtarden noch? Mann, Hain micr dcnii iewr- haubt de Zahiibasda cingcbackt? Mann, was issn das fr ä Dorf, durch das micr ahm gefahrn sinn? Mann, die Gegend kommt mir so bekannt for, dir ooch? Mann, wemmer an komm, da crinner inich mal gleich dran, daß ich ne Bosdkarde schreib, ich habb frgessen, de Brodeln abzubeschdelln. Mann, na unnsoweider, Jcwrigcns, keim Sie den Witz san den Freilein unn den Underhosen? Der fällt mir grade ein, weilr ooch von Reisen handelt Da war also ä Frcilcin, unn ä junger Mann, die haddcn sich ärgendwo kenn'gelernt, bein Sommerfest oder so. Da sagt der junge Mann in Geschbräch, er wäre sehr fiel underwegs, unn zwar geschäftlich. Ach nee, sagt das Freilcin, das muß awr indrefsant sinn. Wo Sic da iewrall hin- komm. Nu ja, sagt dr junge Mann, das is schon wahr. Awr so ein- fach isses drwegen nich. Ich reise nämlich in Underhosen. Wärk- lieh, bloß in Underhosen? fragt se da, und werd ä bisset rohd drbei. Gloom Sc's nr, nndwordcdr, s hat doch jeder seine Schbezialidät. Unn das machen Se ooch in Minder? meent je dann. Nu selbst- frschdändlich, Sommer unn Minder. He, was denken S», was die da gesagt hat? Awr cndschuldjen Se mal, hat se gesagt,— is denn das in Winder nich zu kalt? Hahaha, nawr, das is doch fein? Da hat die nämlich gedacht— nee, also sowas zu denken, hahahahaha. Wie das aussehn mißdc! Also wenn ich den Witz erzähl, da komm ich allemal gar nich wieder ausn Lachen raus. Sie, Herr Nachbar, horchen Sic denn ooch droff, was ich Ihn' erzähl? Kenn Sie denn das, Zcidnng lesen unn sich drbei mit mir underhalden? Warden Sc mal, da wceß ich nämlich noch was, also das is zum Dodlachen. Wenn ich Ihn' das erzähl, da ziehn Se filleicht de Nodbremse. Ach, gucken Se mal, dort dricm off dr Wiese, cnne Kuh. So ä Dier hads guhd. Nischt wie fressen fon frieh bis ahmds, unn ausruhn, unn wieder fressen. Da fällt mir iewrigens ooch ä Witz ein. Kenn Sie dn Underschied... Ach so, erinnern Se mich nachher mal dran, daß ich Ihn' das andre noch erzähl» wolldc. Das handelt son enn Schdrohwiddwer. Jetzt bloß crscht fix das fon der Kuh, eh ichs frgeß. Also kenn Sie den Underschied zwischen enn Kuhschwans unn nn Dindcnschdift? Awr ich sags Ihn' gleich fornewcg, der is ä bisse! safdig— also Se wissen? nich? Ä Kuhschwans... ach, das is awr schade. Jetzt kommt meine Frau, da inuß ich osfheern. Unn midr Gcmiedlichkect isses nu ooch frbei hier in Kubbeeh, solange wie die hinne is. Herr Nachbar, ich fags Ihn' in Guhdcn, machen Se sich off allerhand gefaßt. Meine Frau is nämlich sehr geschbrächig." Keine �ose ohne Dornen. „Ich wecß nich, da hccßds immer, de Naduhr, die wär so groß- ardj eingerichdct, unn da kennde dr Mensch nich mit nan mit seiner icwrschätzden Jndcllijens,— awr manches hädde ich drwegen an- dcrsch gemacht, wenn se mich gefragt hädden." „So? Was dn da zum Bcischbiel? Filleicht, daß de Kweiln Bilsncr Bier ausn Erdinncrn rausschbrudcln anschdadd Leidungs- wasser?" „Nee, das nich. Da gäbs doch keenc Bierschdeier, unn da hädde de Rechicrung doch nischt, wasse aller ferzn Dahche schdcigern kennde. Awr in dr badahnschen Abdeilung dr Schcbfung, da gibbds merklich Sachen, die ich mir frnimsdjcr forschdelln kennde. Zum Bcischbiel fonwegen keine Rose ohne Dornen, das seh ich nich ein, daß das sein muß. Da heeßds nu, de Rose is de Keenigin dr Flausen, awr ich gloowe, wenn die Kceniginnen, wo's noch welche gab, ooch alle so schdachlich gewesen wärn, da wärn de Färschdengeschlechder schon fiel eher offn dohden Bunkde angelangt als wie so. Unn iewrhaubt: dadurch, daß de Rosen Dorn' Hamm, dadurch is wahrscheinlich unser ganses menschliches Lähm frdorm worden. Mit keine Rose ohne Dornen hads angefang'n, unn dann isses so wcidcrgegang'n: Kein Licht ohne Schadden, keine Landbardie ohne Regen, kee Kobb ohne Kobbschmerzcn, keene Madratze ohne kabuddc Schbrungfedern, kee Gheglick ohne Schwiegermudder." „Unn da solln iewrall de Rosen dran schuld sinn?" „Ich schdelle mir das so for. Unn warum denn ooch nich? Die Rosen mit ihrn Dornen sinn sr die andern Schcbsungsgcgenschdände s becse Beischbiel gewesen." „Awr die Dorn' sinn doch ä Schutzmiddel. Daß de Scheenhcit nich angedasdet werd, oder womeeglich gar gefressen." „Sie! Da mißdcn de Aänscbliemchen Dorn' Hamm, unn de Sumfdodderbluhm, unn de Margeridden, awr nich de Rosen. An die Wiesenbluhm, da kann jedes Karnickel drzu unn jeder Ochse. Awr enne Rose, die wächst doch in Garden, wo ä Zaun drunirum is." „Da is das ahm noch fon frieher, wo die Eardenzeine noch nich cxisdierden." „Ach nee. Sie sinn awr gescheit. Was Sie alles wissen. S is bloß schade, dasscs nich schdimmd. Da bin ich nämlich besser undcr- richdct. Eardenzeine hads in dr Schebfung fon alln Anfang an gegähm." „Schon in Barradies?" „Jawohl, schon in Barradios." „Tchdeht das in dr Bicwel?" „Nu, obbs direkt drinneschdeht, das wecß ich nich. Awr wenn ums Barradies kee Zaun drumrum gewesen wär, da hädden doch unsre bceden Schdamm-Eldcrn nich draus ferdricm wer» kenn. Da hädden se doch san alln Seiden wieder»ein gekonnt. Awr Sie wissen doch, daß die gansc Abschberrung fon cen cnsjen Engel midn fcirigen Schwcrdc besorgt worden is. Das wär unmceglich gewesen, wenn der sich nich einfach an de Diere zu schdclln gebraucht hädde. Awr das konndr bloß, wenn cnne Diere da is. Unn cnne Diere kann wohl oder icwl bloß sinn, wo ä Zaun is. Lcichdct Ihn' das nu ein?" „Ja. Ich wceß bloß nich mehr, wieso micr ccgcndlich fon den Rosen offs Barradies gekomm warn." „Nu, da missen mr ähm nochmal fon forne ansang." Lindenblüten. „Na nu, seit wenn Hamm Sie den» Karnickeln? 5)amm Sic denn iewcrhaubd enn Schdall?" „Nee. Wie komm Sie dn da drauf?" „Weil Sie sich so enn Sack soll Grienes geholt Hamm. „Das is doch kee Karnickelfudder. Das sinn doch Linden- blieben." „Lindenblieden? Wo Hamm Sie dn die her?" „Fon dr Lindenschdraße." „Wasse nich sagen. Fon dr Lindenschdraße. Lindenblieden fon dr Lindenschdraße. So ein Zufall. Awr horchen Se mal: da wolln Sie doch Dee drfon machen?" „Forleifj wcrdr erscht mal gedrockent." „Nu ja, awr dann isses doch Dee. Is der Ihn' nich zu dreckj? Wenn Sie die Lindenblieden off dr Lindenschdraße offgclcscn Hamm, da is doch dr ganse Sckidraßcnschdoob noch dran." „Die Habbich doch nich offgelescn. Die Habbich doch geflickt." „Da sinn Se off de Bcime gcschdicgcn drzu? Awr Sie Hamm doch gar kerne Leider mit?" „Die brauch ich ooch nich. Ich habb bloß midn Schbazier- schtock die Aesde bisse! rundergezogen, daß ich bekwcmer drzu konnde." „Wenn Sie nu da jemand drbei erwischt hädde? „Drum bin ich doch frieh bcizeiden gcgang. Unn außerdem is da ooch's Arrohma am besden." „Awr wiefiel Sie Hamm! Da drintcn Sie wohl jeden Dahch Lindenbliedendee?" „Mier? Um Goddcswilln! Micr trinken iewrhaubt keen." „Da wolln Sie'n wohl frkoosen?'' „Das hädden micr grade ncedj!" „Awr ärgcndwas missen Se doch drmit machen. Fr nischt unn wieder nischt wern Sie sich doch nich die Arweit machen, unn die Angst ausschdehn, dasse schließlich doch mal erwischt wern. Das is doch Diebschdahl." „Das mach ich schon seit sieln Jahrn. Mein Brinsicb is nämlich: Was nischt kost, werd midgenomm. „Wieficl solche Säcke Hamm Sic denn da schon drhceme? Wo schdabln Sie denn das Zeich auf? Da missen Se doch bald exdra enne Schtuhwe drzu brauchen." „Wieso denn? Das klabbt doch allemal grade so, wcnns neig Lindenblieden gibt, daß da die fon Jahr forher alle sinn. Jetzt wer ich bald icwrhaupt nischt mehr sagen. Drinken duhn Se den Dee nich, frkoofen duhn Se'n ooch nich— unn drotzdcm wcrdr alle. Wie gehdn das zu?" „Sehr einfach. Der kommt in de Bodenkammer. Unn da hammier Meise. Unn so lange wie die Lindenblieden zu fressen Hamm, da fressen se nischt andres. Wenn se aber doch inal was iebrig lassen da komm dann in Friehjahr de Modden nein. Unn die machen ihre Arweid so grindlich, dasse meist sogar dn Sack mit fressen. SouncislkM odcrllHraviolell-SSefirahhing? Bcrsuchc, die amerikanische Forscher anstellten, um die mensch- liche Arbeitsleistung durch Bestrahlung mit künstlichem ultraviolettem Licht zu steigern, waren so erfolgreich, daß man in der Neuen Welt nun dazu übergeht, diese Erfahrungen in die Wirklichkeit umzusetzen. So hat eine bekannte amerikanische Stahlgcsellschast in Cleoeland (Ohio) eine große fensterlose Fabrik errichtet, in der das natürliche Licht durch eine nn ultravioletten Strahlen reiche, künstliche Bc- leuchtung ersetzt wird. Im Anschluß daran ist sogar der Gedanke laut geworden, man solle in Zukunft Fabriken, Schulen, Krankenhäuser usw. ganz ohne Fenster bauen und statt dessen lieber große künstliche Lichtquellen mit reichem Gehalt an ultravioletten Strahlen an- bringen. Die Aussichten, die sich an solche Pläne knüpfen, sind wahrhaft erschütternd! Man stelle sich Menschen vor, die tagaus, tagein in fensterlosen Räumen arbeiten, fern vom natürlichen Sonnenlicht, aber statt dessen mit künstlichen, ultravioletten Strahlen beleuchtet: arme, naturcntircmdctc Maschinenwesen, aus deren Arbeitskraft mit allerlei künstliche» Hilfsmitteln die größtmögliche Nutzleistung heraus- geholt wird! Man mag der künstlichen Ultraoiolett-Bestrahlung noch so viel Günstiges nachsagen: wir glauben trotzdem, daß die heutige zivilisierte Menschheit schon ohnehin der Natur allzusehr entwöhnt ist, und daß das natürliche Sonnenlicht immer noch von allen Licht- arten die gesündeste und zweckmäßigste für alle belebten Wesen ist. iKeinc ZPflanzeiileilv in deitlilwtd nehmen! Im Sommer sieht man draußen im Freien oft Menschen, die einen Grashalm oder das Stück eines Getrcidehalmes im Munde haben. Damit sind Gefahren verbunden, die dem einzelnen nicht zum Bewußtsein kommen, die aber doch ziemlich groß sind. In Gras- wie Gctrcidehalmen, ebenso in den Grannen des Getreides, in manchen Fruchtkörnern und in den Schalen der Sonnenblumen, hat sich nämlich oft ein winziger Pilz eingenistet, der eine gesürchtete Krankheit hervorbringt: die Stroh lenpilz-Krankheit. Das ist oft eine sehr schwere Erkrankung, die nicht selten nach großen Schmerzen mit dem Tode endet. Zunächst verursacht der Pilz Schwellungen, die ganz hart werden, dann kommt es zu Eiterbildungen. Sehr schwer ist gewöhnlich die Strahlenpilz-Krankheit, wenn sie im Darm hervortritt oder wenn die Pilze in die Blutgefäße eingedrungen sind. Auch chirurgische Eingriffe können dann oft nicht mehr Helsen. In den weitaus meisten Fällen erfolgt die Ansteckung durch Eindringen der Pilze in den Mund, bei Hautverletzungen kann der Strahlenpilz jedoch auch in anderer Weise in den Körper eindringen. Es ist also dringend davon abzuraten, Grashalme, Getrcidchalme oder auch andere Teile von Pflanzen in den Mund zu nehmen. Besonders Kinder sollen immer wieder darauf hingewiesen werden. A. M. Die. Vlutgräsin". Eine besonders grausige Erscheinung in der Geschichte der Menschheit ist die Gräfin Elisabeth Nadassy, die die Entdeckung gemacht z» haben glaubte, daß das Blut junger Mädchen die Haut verschöne. Sie zwang ihre Dienstboten, ihr solche jungen Mädchen zu beschaffen, denen für die Bäder der Gräfin Blut-ib- gezapft wurde Auch in ihrer Witwenschaft setzte diese Iran-hr Verbrechen auf ihrem Schloß Csejte in Siebenbürgen fort. Erst als achtzig Mädchen auf diese Weise umgebracht worden waren, kam man den ungeheuerlichen Geschehnissen auf die Spur. Die Gräfin wurde zu lebenslänglicher Gefangenschaft verurteilt, ihre Helfers- Helfer aber am 7. Januar 1611 lebendig verbrannt. Die Gräfin selbst starb drei Jahre später— man vermutet, daß sie Gift genommen hat oder vergiftet wurde. Sie ist als„Blutgräfin" im Gedächtnis des Volkes lebendig geblieben. Die täglich in Deutschland verbrauchten Streichhölzer würden aneinandergereiht eine� Länge von 23 000 Kilometer ergeben. Der Verbrauch von zwei Tagen ergäbe also einen Ring vom Umsang des Aequators. Eine Bananenpflanze liefert im Jahre durchschnittlich ISO Pfund Früchte. 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Die„Handwerks-Zeitung", dos Amtsblatt der Handwerkskammer zu Berlin, berichtet über die Stellungnahme des Vorstandes des Reichsverbandes des deutschen Handwerks und des Präsidiums des Deutschen Handwerks- und Gewerbekammertages zur Notverordnung. „Das Handwerk" beruft sich auf„von der Reichsregicrung wiederholt gegebenen Zusicherungen, steuerliche Erleichterungen vor- zunehmen und stellt mit großer Enttäuschung fest, daß diese Zu- sicherungen nicht nur nicht gehalten, sondern wiederum der danieder- liegenden Wirtschaft neue Steuern aufgebürdet wurden"". Mit neuen Steuern Arbcitsmöglichkeiten zu schaffen, hält das Handwerk für ausgeschlossen, wie es auch jede Unterstützungspolitik als schädlich betrachtet. „Die Aenderungen zur Arbeitslosenhilfe genügen nicht, um in durchgreifender weise und auf die Dauer eine Gefundung der Ar- bcitslosenversicherung zu gewährleisten. Das Handwerk fordert noch wie vor eine Zusammenlegung der Krisensürsorge und der Wohl- fahrtserwerbslosenfürsorg«, eine stärkere Berücksichtigung der B e- d ü r f t k g k e i t und eine Sonderregelung für Saisonarbeiter. Zur Einführung der-lO-Stunden-Woche verweist das Handwerk auf seine wiederholt vorgetragenen Bedenken." Wie müßte die Notoerordnung für die Arbeitslosen erst aus- sehen, wenn sie den Wünschen„des Handwerks" entsprechen würde! Keine Silbe darüber, daß durch die neue Verschlechterung der Arbeitslosenoersschcrung die schwache Kaufkraft der Ar- b e i t s l o s e n noch mehr geschwächt wird, wodurch neben dem Kleinhandel, das Kleinhandwerk in erster Linie betroffen wird, darüber hinaus aber die gesamte Wirtschaft. Soweit die Einkommensteuer in Frage kommt, würde «ine Feststellung darüber, in welchem Verhältnis die L o h n st e u e r der Handwerksgesellen zu dem Steuerauskommen der Handwerksmeister steht, die Steuerheulmeierei des Hand- werks ins rechte Licht setzen.. Gegen die Arbeilszeilverkürzung, die doch zunächst lediglich den Zweck verfolgt, einen Teil der Arbeitslosen von der Straße weg in Arbeit zu bringen, wird der Einwand erhoben, daß dadurch eine weitere Ausdehnung der Schwarzarbeit um sich greifen würde. Man muß um eine Ausrede schon in peinlicher Verlegenheit sein, um sich nicht zu scheuen, der Logik derart Gewalt anzutun. Die Handwerks- meister glauben doch selber nicht, daß je größer die Zahl der Arbeitslosen umso geringer der Umfang der„Schwarzarbeit" sei und diese zunimmt, wenn erster« abnimmt. Gerade das Handwerk müßte aus der gegenwärtigen Krise zur Erkenntnis seiner wirtschaftlichen Verbundenheit mit der großen Masse der Arbeiter und Angestellten gekommen sein. Sein« traditionelle reaktionäre Einstellung, läßt es dazu nicht kommen. Es tröstet sich mit Dr. Josef Win schuh:„Immerhin stehen die sozialistischen sso heißt es wörtlich in der„Handwerks-Zeitung", soll jedoch offenbar „sozialpolitischen" heißen— d. Red.) Maßnahmen der Not- Verordnung— abgesehen von dem Irrweg der Arbeitszeit- Verkürzung— im Zeichen der Sparsamkeit..." Auch die Kleinpensionäre... bekommen Ä riefe. Ein Loser schreibt uns: Bei der Reichsbahn besteht ein« Arbeiterpensionskasse, der jeder Eisenbahnarbeiler angehören mutz. Bisher bekam ich, nach 4 Oj ähriger Dienstzeit, die stattliche Pensionvonmonatlich 72,65 M. In diesem Monat wurde nun den Empfängern von Zusätzrenten, Witwen- und Waisen- zusatzrenten, ein Rundschreiben in die Hand gedrückt, des Inhalts: „Ihre Zusatzrente ist vom 1. Juli 1930 ab, gemäß Vorstands- befchluß der Reichsbahn-Arbeiterpenstonskasse I um 6 Proz. und außerdem auf Grund der Reichsnvwerordnung vom S. Juni 1931 um 4 Proz., sofern Ihr Wohnort in Orten der Sonderklasse oder in der Ortsklasse A liegt, sonst um 5 Proz. des bisherigen Betrages gekürzt. Soweit Ihnen neben der Zusatzrente Dienstbezüge, Ruhegelder, Versorgungsbezüge oder Uebergangsgebiihrnisse aus öffentlichen Mitteln zustehen, und diese Gosamtbezüge ungekürzt 123 M. monatlich übersteigen, unterliegt die Zusatzrente vom 1. Juki 1931 ab auf Grund der Notverordnung vom 5. Juli 1931 noch einer weiteren Kürzung, die später mitgeteilt, und deren Betrag rückwirkend bei den nächsten Rentenzahlungen einbehalten werden wird." Aus dieser amtlichen Verlautbarung wurde ich zunächst nicht recht klug. Was es bedeutete, wurde mir erst klar, als mir anstatt 72,63 M. n u r noch 65,23 M. ausgezahlt, also 7,40 TR. abgezogen wurden. Ich muß also meine bisherige behäbige Lebenshaltung um mehr als 10 Proz. einschränken und versuchen, im Monat mit 63 Mark 25 Pfennig auszukommen. Derartige Verordnungen, wie die Notverordnung, können nur solange gemacht werden, solange ihre Urheber nicht gezwungen sind, die praktischen Wirkungen ihrer Vorschriften zuvor am eigenen Leibe auszuprobieren.„Was du nicht willst, das man dir tue..." Sonderunterstützung der graphischen Hilfsarbeiter. Die Auszahlung 0er vom Derbandstag in Stuttgart b?° fchlossenen Sonderunterstützung in Höhe von 10 M. an unsere aus- gesteuerten arbeitslosen Mitglieder erfolgt in der Zeit vom 6. bis 11. Just in den übstchen Kassenstunden, vormittags von 9 bis 1 vhr. Berechtigt zum Empfang sind alle arbeüsloseu Mitglieder, welche in der Woche vom 22. bis 27. Juni ausgesteuert waren und sowcü die Mitgliedsbücher ordnungsgemäß geklebt sind. Der Gauvorstand, Verlin. Streikwelle in Bulgarien. Sofia, 4. Juli. In verschiedenen Textilsabriken, Ziegeleien und anderen Unter- nehmen Bulgariens sind die Arbeiter in den Streik getreten. Sie verlangen eine allgemeine Lohnerhöhung um 20 Proz. Die Bc- Hörden sind der Meinung, daß die Kommunisten dahinter stecken. Da auch die Arbeiter des Wasserwerks Rela bei Sofia streiken, ist eine Abteilung der Sofiaer Garnison nach diesem Werk abgerückt. In Sofia selbst ist die Streikagitation ebenfalls im Gange. In Philippopsl und Sliwen kam es zu Zusammenstößen mit der Polizei. Versprechen besserer L-ebensmittewerforgung. Zur Beruhigung der russischen Arbeiter. Der Vorsitzende des Vollzugsausschusses der ukrainischen Sowjet- republik, P e t r o w s k i, hielt in Charkow in einer Betriebs- Versammlung der Traktorenwerke eine große Rede über die innen- und außenpolitische Lage der Sowjetunion. Pctrowski betonte in semer Rede, daß die Regierung seht Maßnahmen treffen wolle, um die Lebensmittelversorgung der Arbeiter besser zn gestalten, damit die starke Unzufriedenheit unter der Arbeiterbevölkerung beseitigt werde. Es sei leider unmöglich, die Lebensmittel- karten aufzuheben, die notwendig seien, um den Verbrauch der Lebensmittel auszugleichen. lleber die Verkürzung der Arbeitszeit wird das Reichsarbciis- Ministerium in der kommenden Woche seine Verhandlungen wieder aufnehmen. Die Beratungen werden mit der Brau-, Chemie-, Keram- und Zementindustrie sowie mit dem Gastwirtsgewerbe fort- gesetzt. Städtischer Schlacht- und Viehhof sowie Fleischbeschau. Morgen, Montag, 16 Uhr, SPD.-FraitionsversQnrmlrmg int Lokal Rigaer Str. 83, fW Ecke Proskaner Straße. Vortrag der Genossin Bohm-Schuch, M. d. R.: i] „Die Notverordnung und d-ie SteHunq der sozialdemokratischen Reichs- H tagsfrattion. Der wichtigen Tagesordnung wegen wird um zahlreiches V] Erscheinen gobeten. 3>ct Fraktiousvorstand.£f| @Zugendqruppe des Zentralverbandes der Angestellten Morgen sind folgende Bcrernstaltnngcn: Mcdding: Wir gehen nach dem Schäfersle«.— BriA: Städtisches Jugendheim lRathaus).„Unsere Segner von rechte und links."— Wechensee! Jugendheim Pistoriusstr. 24. Heimbesprechung.— Urban: Jugendheim Hobrecht- Ecke Sanderstrahc. Vortrag: „Unser sozialpolitisches Programm und unser« Jugewdschutzforderungcn". Ac- fercnr Ludwig Diederich.— Nordwest: Wir besuchen die Versammlung des Werbebe�irts.— Spiele im greicn ab lg Ahr auf dem Dominicus-Spielplah in Echonebcrg. GEHAG OEMEINNUTZIOe HCIHSTXTTEN. SPAR- UND BAU- AKTIENGESELLSCHAFT, BERLIN SO 16, K0PENICKER STRASSE NR. 80-82 _ Bilanz per 31. Dezember 1930_ �: cz jparlzcllczi und. Aktiva Kassenbestand..................... Bankguthaben........................... Postscheckguihaben......................- Ausstehendes Aktienkapital................ Peteiligungen........................... OroB-Siedlung Zehlendort, Grundstück 1 iSviOl.— Hduser.............. t WATT JA Abschreibung...........___�5 035i;4O �60tS4Ud5 Tilgungsrßcklaee ZeMendorf-................ Wohnhaosgruppe GrellstraSe Grundstück.................. 165 564,— Häuser............... 1 617 622.'*) Abschreibung........... ��644U60 1 601 181.30 Tilgungsrücklage Grellstraße.,,.............. Erbbaugrundstück Neukölln Häuser....»«.ZU.»,., 922 975.75 Abschreibung.................. 19637.— Tilgungsrücklage Neukölln» n�,»,»»».,»»»»,»» Eigene Bauten QroB-Siedlung Zehlendort, Bauteil VI Grundstück.......... Bauten Betreuungsbauten......................... Konto-Korrent-Forderungen.................... Darlehen.............................. Wechselfordernngen........................ Kautionen......... Depots....................... Inventar...................... Abschreibung................. BQro-Uinbauten................. Abschreibung................. Bürgschaftsschuldner 2 621,— 2 620.— 44 000,— II 000.— 538 412.- RM 3777,88 1 10,512.9» 7 403,60 300100,— 105 000,— 7791 442,96 91 706.97 1 766 745,30 8600,- 903 338,75 14709�0 820 008,- 2 789 131,38 210 605.70 2201 518,31 20 000,- 5150,— 250,- 111 000,- 1,— 33 000,— Stammkapital» Reservefonds....... Erneuerungsfonds..... Groß-Siedlung Zehlendorf Hypothekenschulden. Tilgung Passiva 7 404 872,36 34 345.85 18 375 002,33 RM 1 000 000,— 132762,50 19 049,48 7370 526,51 Wohnhausgrnppe Grellstraße Hypothekenschulden 1 718886,90 Tilgung Erbbaugrundstück Neukölln Hypothekenschulden Tilgung............... Eigene Bauten Groß-Siedlung Zchlcndort, Bauteil VI Restkaufgeld............ Baugelder.............. Betreuungsbauien............ Konto-Korrent-Schulden........ Darlehen................ Garantieverpflichtungen........ Häuserreparaturen........... Depot-Accepte 11»41.60 1 707 045,30 ............. 922 992,25 ............. 4 944, BUrgschaftsverpflichtungen.............. 538 412,— Gewinn............................. 918 048�5 170 008,— 2671 905.- 633012,49 2788 230,18 191 351„37 352009,80 21 1 076,49 111000— 98 976,96 18375 002�3 Gewinn- und Verlust-Rechnung per 31. Dezember 1930 Geschäftsunkosten.,. Zinsen......... Inventar-Abschreibung. Umbau-Abschreibung. Gewinn Verluste Gewinne Honorare...>..». Zinsen......... Dividenden...... RM ...... 395562�1 ...... 195647,14 ...... 2620,— ...... 11 000,— ...... 98976,96 703 806,91 RM ..... 402 500,— ,,.. 295906,91 ..... 5400,— 703 806,91 „Gehag" Gemeinnützige Helmstetten-spar- und Bau-Aktiengeseilschatt Der Vorstand: Qmschmidt Vorstehende Bilanz per 31. Dezember 1930 nebst Verlust- und Gewinn- reehnung der„Oehag", Gemeinnützige Heimstätten-Spar- und Ban-Aktien- gesellscfiatt, Berlin SO 16. Köpenicker Straße 80—82, habe ich geprüft und in Oebereinstimmung mit den ordnungsgemäß geführten Büchern und Unterlagen der Gesellschaft befunden. Berlin, den 30. April 193U Revisionsverband gemeinnütziger Baugenossenschaften E. V. Dewog-Revisionsvereimgang Nur eine Schlüter-Parzelle Allerbester Kulturboden. Banerlanbnis ohne Zwang. Sofortige Anflassong. An- nnd Abrahlnng nach Vereinbarung. Keine VermeMongskoslen, keine Werlxnwadissteaer ab firflnaa mit Omnibus 36 bis Bohnsdorf-Kirche kleiner Fußweg Schönefeld. Chaussee unweit See, Bau- u. Wohngenehm, schon von 30 qm an Sensat. Einheitspreis Stuck für Stück RM 1700.— Siedlung ..Elgectielm 2" Ruf; F 3 Grünau 6405 ab Adtersbot AUgiienidie nyt Linie 84 und 184 bis Altglienicke Haltestelle Bcrgstr. Fußweg 3 Minuten Fiankcnstraße Sensationeller Einheitspreis: Stück für Stück RM 1600.— Siedlang „Btstenhebn 4" Ruf: F9 AdlershOfTTT? 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