BERLIN Montag 6. Zill, ISZI 10 Pf. Nr. 310 B155 48. Lahrgang ErscheiottSglich außer Sonntag«. Zugleich Abendausgabe de«.Vorwärt«". Bejug«preis beide Ausgaben 85 Pf. pro Woche, 3,«IM. pro Monat. Redaktion und Expedition: Berlin SW68,Lindtnstr.3 Fernsprecher: Dönhoff(A 7) 292—297 y,Vyfu>as4& Anieigenpreis: Die einspaltigeNonpar�iUejeile 8o Pf., Reklamcieile 5M. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto: Vorwarts-Verlag G. m. b. H.. Berlin Nr. 87 536.— Der Verlag behält sich das Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor! Entspannung am Sonntag Der Kampf um die Sachlieferungen/ Neue Hilfe für die Michsbank Gegenüuer dem Tonnabend ist eine gewisse Gnt- spannung der Lage eingetreten. Der Generalrat der Neichsbank, der am Sonntagabend �9 Uhr zusammentrat, sah deshalb von einschneidenden Beschlüssen ab. lieber seine Sitzung wurde der folgende Bericht aus» gegeben:. „Dem Generalral der Reichsbank wurde vom Reichsbank-' Präsidenten über die gegenwärtige Lage sowie über die getroffenen und in Aussicht genommenen Rlahnahmen berichtet. Der General- rat hat den Bericht zustimmend entgegengenommen. Anträge aus Herabsetzung der Deckungsgrenze lagen nicht vor. Die Herabsetzung der Deckungsgrenze ist nicht nur durch die politische Entwicklung vermieden worden. Es kommt hinzu, daß der Ende Juni von der Reichsbank aufgenommene Rediskontkredit schon in den nächsten Tage» um mehrere Wochen verlängert werde» wird, und daß die Reichsbank inzwischen neue aussichtsreiche Ver- Handlungen auf Gewährung langfristiger Kre- d i t e eingeleitet hat. Die Hauptnoteninstitute der Welt sind in den letzten Tagen von deutscher Seite eingehend über die Lage in Deutschland, insbesondere über die Ans» Wirkungen der schleppenden Pariser Verhandlungen infor- miert worden. Wie es vorläufig scheint, nicht vergeblich. Trotzdem in Paris bis in die erste Morgenstunde des Sonntags verhandelt wurde, ist die Einigung noch nicht ge.ungen. Um die Sachlieferungen Deutschlands an Frankreich geht der Kampf zwischen Paris und Washington. Die in den übrigen Punkten, erzielte Einigung wurde in der amerikanischen Note zusammengefaßt, die am Sonntag in Paris übergeben wurde, nachdem bis in die erste Morgenstunde in Paris Verhandlungen stattgefunden hatten. In der amerikanischen Note heißt es: Die Regierung der Vereinigten Staaten nimmt zur Kenntnis, daß Frankreich für ein Jahr auf die Einbehaltung irgendwelcher Zahlungen von Deutschland verzichten wird und daß das Prinzip der Kontinuität der ungeschützten Zahlungen anerkannt wird, während Deutschland gleichzeitig gänzlich entlastet wird. Wir verstehen, daß dieser Punkt jetzt durch die Bestimmung erledigt ist. daß die von der Deutschen Reichsbahngesellschaft an die BIZ. ge- leisteten Zahlungen der Deutschen Reichsbahngesellschoft wieder als Anleihe zur Verfügung gestellt werden. Sie werden für jede von der Deutschen Reichsbahngesellschaft ge- plante Verwendung verfügbar sein, auch zu direkten oder indirekten Anleihen an die deutsche Regierung. Zwecks Aufrecht- erhaltung der Kontinuität der Zahlungen für die ungeschützten Annui- täten soll in dem Moratoriumsjahr die Zahlung seitens der Deutschen Rcichsbahngesellschast an die BIZ. erfolgen und auf Deutschlands Verpflichtung, die ungeschützten Zahlungen zu leisten, gutge- schrieben werden. Die Regierung der Vereinigten Staaten nimmt zur Kenntnis, daß 25 Millionen Dollar von der ungeschützten Annuität, die an die BIZ. eingezahlt worden sind, für Anleihezwecke an die mitteleuropäischen Staaten zur Verfügung ge- stellt werden sollen, vor allem an diejenigen, deren chaushalt durch die Einstellung der Reparationszahlungen betroffen wird. Die amerikanische Regierung hielt eine Annahme dieses Vorschlages durch die Vereinigten Staaten nicht für gerechtfertigt, nimmt aber zur Kenntnis, daß die französische Regierung einen Kredit seitens der Zentralbanken als angemessenen Ersatz für die ursprüngliche sranzo- fische Anregung ansieht. Die Regierung der Vereinigten Staaten nimmt zur Kennntms, daß die beiden Regierungen hinsichtlich des Zeitraumes, über den sich die Tilgung der ausgesetzten Zahlungen, sowohl der geschützten als auch der ungeschützten, erstrecken soll, verschiedener Ansicht waren. Die amerikanische Regierung nimmt zur Kenntnis, daß die sranzo- stich« Regierung jetzt bereit ist, sämtliche Rückzahlungen von dem Ende des Moratoriumsjahres an gerechnet auf zwei I a h x e aufzuschieben. Danach sollen sie in einer Zeit von zehn Jahren in gleichen jährlichen oder halb- jährlichen Beträgen erfolgen. Unter der Voraussetzung, daß gewiss- andere Fragen in befriedigen- der Weise erledigt werden, ist die amerikanische Regierung mit dieser (Fortsetzung auf der 2. Seite.) Wie«, 9. Juli.(Eigenbericht.) Der Chefrebakteur der Wiener„Arbeiterzeitung", Friedrich Austerlitz, ist in der Nacht vom Sonn- abend zum Donntag an Herzmuskelentartung im Alter von 99 Jahren g e st o r b e n. Austerlitz war nur kurze Zeit krank. Sein Tod kam überraschend. » Der am Zß. April 1862 in einem böhmischen Dorf geborene Friedrich Austerlitz entstammte einer ormen Familie, die ihn nur die Äolksschule besuchen lassen konnte. In Mährisch-Dunzlau ging er in die kaufmännische Lehre und war dann später in Innsbruck und Wien Handlungsgehilfe. Dank seiner Tüchtigkeit stieg er hier bald zum Prokuristen eines Exporthauses auf. An- fang der 9t>er Jahre wurde er weiteren Kreisen dadurch bekannt, daß er im Liberalen Kaufmännischen Verein zusammen mit dem späteren christlichsozialen Abgeordneten Axmann die Opposition gegen die Führung des Vereins durch die Unternehmer leitete. Beide wurden ausgeschlossen. Austerlitz wurde daraufhin Mitarbeiter bei der sozialistischen Angestelltengewerkschaft und fiel dem Parteiführer Victor Adler durch seine Beiträge zu deren Ver- bandsorgan„Der Handlungsgehilfe" aus. 1893 übernahm Austerlitz die publizistische Leitung des W a h l r e ch t s k a m p s e s in der damals erst dreimal wöchentlich erscheinenden„Arbeiter-Zeitung". Als sie 189S zu einem täglich erscheinenden Organ ausgestaltet wurde, wurde Austerlitz erster politischer Redakteur und 1996, als Adler nach der Durchsetzung des gleichen Wahlrechts ein Mandat erhielt, Chefredakteur. Austerlitz war es, der den Kompromiß- Friedrich JtuflerliiSB bei seiner letzten Rede aus der Parteitogsdemonstratton in Leipzig. Vorschlag ausdachte, den österreichischen Ländern ihre Mandatszahl nach ihrer Steuerkraft zu bemessen, was sowohl die Deutschen als auch die Tschechen akzeptieren konnten. Damit war die Grundlage für das endgültige Kompromiß in der Wahlrechtsfrage geschossen. Im alten Oesterreich hatte Austerlitz kein Mandat angenommen. um sich vollständig der Leitung der„Arbeiter-Zeitung" widmen zu können. E r st 1919 wurde er als Abgeordneter in die Konstituierende Nationalversammlung gewählt. Dem Rationalrnt gehörte er bis Oktober 1939 an. Bei den letzten Wahlen hat er auf die Wiederwahl verzichtet, um jungen Leuten Platz zu machen. Im Nationalrat hat er sich an der Schaffung des Journalisten- g e s e tz e s und dann des Pressegesetzes beteiligt, er hat auch sonst gegen die Unterdrückung der Presse sich vor dem alten Oesterreich hervorgetan und hat gegen die Konfiskationswillkür der Staatsgewalt gekämpft: in den letzten Monaten seines Lebens hat er namentlich auch gegen die Unterdrückung der Presse durch die Regierung Vaugoin-. Starhemberg einen leidenschaftlichen Kampf geführt. Austerlitz gehörte auch als Nichtjurist dem Ver- fassungsgerichtshof an. Er war ein gründlicher Kenner des Straf- und Verfassungsrechtes und hat im Frieden namentlich gegen zahlreiche Justizmorde gekämpft. Im Kriege hat er einen zähen Kampf gegen die Uebergrisse der M i l i t ä r j u st i z geführt. Bis in die letzten Wochen war er vollkommen arbeitsfähig. Vor einigen Wochen nahm er an dem Parteitag in Leipzig teil und hielt dort eine große Rede bei der Massenkundgebung. Seitdem fühlte er sich müde und geschwächt, legte sich aber keine Schonung auf und schrieb bis in die letzten Tage Artikel für die„Arbeiter- Zeitung" und die deutsche Parteipresse. Vor einigen Tagen suchte er einen Arzt auf, der schwere Verkalkungserscheinungen feststellte.' Auf den dringenden Rat seiner Freunde begab er sich am Mittwoch- nachmittag in das Krankenhaus der Stadt Wien. Trotzdem ver- schlechterte, sich sein Zustand sehr schnell und in der Nacht von Sonnabend auf Sonntag ist er um XI Uhr plötzlich erwacht, ver- langte ein Glas Wasser, legte sich zurück und starb. Bildhauer Hanak hat seine Totenmaske abgenommen. Die Trauerfeier findet am Mittwochnachmittag 2 Uhr im Hofe der„Wiener Arbeiter-Zeitung" statt. Von dort wird der Sarg in das Krematorium der Stadt Wien zur Einäscherung gebracht. » Mit der österreichischen Bruderpartei trauert um Friedrich Austerlitz die gesamte Internationale, vor allem aber die deutsche Sozialdemokratie. Denn wenn je ein außerhalb der Reichsgrenze lebender und wirkender Genosse sich mit dem Schicksal der deutschen Arbeiterbewegung auf das innigste verbunden fühlte, so war das der Chefredakteur der Wiener „Arbeiterzeitung". Dieses Gefühl der Zusammengehörigkeit teilte er mit den meisten, ja mit allen österreichischen'Sozialdemo- kraten, aber bei keinem vielleicht trat es mit solcher Vehemenz und Konsequenz zutage wie bei Friedrich Austerlitz, Er empfand die d r ü ck e n d e E n g e der österreichischen Verhält- nisse, die wirtschaftlich und politisch die wertvollen Kräfte lahmlegt, die in diesem Teil der deutschen Nation vorhanden sind und zur Entfaltung drängen. Sein Gerechtigkeitsgefühl, das ihm zum journalistischen Vorkämpfer gegen'jede Justiz- verirrung werden ließ, empörte sich gegen das große inter- nationale Unrecht des Anschlußverbotes. Nahm ihn auch der politische Kamps innerhalb der von den Friedensdiktaten auf- gezwungenen engeren Heimat vor allem in Anspruch, so galt sein umfassenderes Denken und Streben der Nation. Betrat man sein Arbeitszimmer im stolzen Parteihaus an der Rechten Wienzeile, so stieß das Auge sofort aus eine Unmenge von reichsdeutschen Zeitungen und Revuen, sozial- demokratischen und bürgerlichen, die er täglich mit nie er- lahmendem Interesse las. So war er ein erstaunlich griind- licher Kenner der reichsdeutschen Politik, und wußte auch über solche Einzelheiten Bescheid, auf die man hier manchmal nicht recht achtet. Seine Sorge um das Wohl und das Schicksal der deut- scheu Arbeiterbewegung ließ ihn besmiders die Vorgänge der legten Monate mit jener kritischen Einstellung verfolgen, die seiner tiefeingewurzelten Liebe für das deutsche Volk ent- sprang. Wie wir alle, rang auch er innerlich um die beste Taktik, um die weniger schädlichen Entscheidungen, die die Sozialdemokratische Partei Deutschlands zu treffen hatte. Mit ihm, dem temperamentvollen, lebenssprühenden, obwohl fast siebzigjährigen Kämpfer darüber zu diskutieren, war schon deshalb eine Freude und ein Gewinn, weil man wußte, daß er sich fern von jedem Fanatismus hielt, daß er sich gern überzeugen ließ und daß er vor allem das Gesetz der hundertprozentigen Einigkeit nach außen, diese Grundregel der österreichischen Partei, dieses Geheimnis ihrer Stärke, auch für die reichsdeutsche Sozialdemokratie als Voraussetzung betrachtete. Wer solche Gespräche vor knapp fünf Wochen während des Leipziger Parteitages mit ihm geführt hat, der wußte, daß sein Herz für die gesamte deutsche Arbeiterklasse schlug. Er selbst pflegte dabei, mit jener rauhen, selbstoerspottenden Wiener Art, die ihm immer neue Freunde sicherte, zu sagen:„Wer sind wir Oesterreicher? Wir sind„ein Niemand". Um uns geht es nicht. Aber i h r, ihr seid die Partei, von deren Schicksal wir und die ganze Internationale abhängen." Seine Mitarbeit an der deutschen Parteipresse war ihm gewissermaßen ein schwacher Ersatz für die den österreichischen Genossen versagte Erfüllung ihres Lebenszieles, für das Wirken im Rahmen der gesamtdeutschen Arbeiterbewegung. Der„V o r w ä r t s", der in den letzten Jahren wieder häufig die Freude und den Vorteil hatte, Aufsätze dieses glänzenden Publizisten zu veröffentlichen, rust Friedrich Austerlitz, dem glühenden deutschösterreichischen Sozialdemokraten, ein letztes Mal mit Dankbarkeit und Wehmut den schönen Gruß zu, der von Wien aus seinen Siegeszug dank den Kinderfreunden und der Arbeiterjugend über die Reichs- grenzen genommen hat:„Freundschaft!" Der Gachlieferungskamps. (Fortsetzung von der I.Seite.) Tilgungsfrist einverstanden. Was den Garantiefonds onbc- trifft, nehmen wir zur Kenntnis, daß die französische Regierung jetzt andeutet, daß sie diese Frage, soweit die amerikanische Regie- rung in Betracht kommt aus der Debatte lassen kann. Was die Sachlieferungen anbelangt, hat die amerikanische Regierung ständig den Standpunkt vertreten, daß die Lösung des Problems, was aus den bestehenden in der Zeit zwischen dem t. Juli 1931 und dem 39. Juni 1932 fällig werdenden Lieferungs- vertragen werden soll, späterer Erörterung und Lösung durch Sachverständige der verschiedenen interessierten Mächte überlassen bleiben soll, wobei Frankreich sich bereits damit einverstanden erklärt hat. daß es während der Jahre der Zahlungseinstellung a u s n i ch t s Anspruch erheben will. Natürlich soll die endgültige Lösung dem Sinne des Hoover-Vorschlags entsprechen. Frankreich soll Sachlieferungen bezahlen. Paris, K. Juli.(Eigenbericht.) Ter französische Finanzminister hatte am T o n n t a g mit dem amerikanischen Schahsekretär Mellon eine längere Besprechung über das Problem der Sachliefe- rungcn. Frankreich wünscht, das« die deutschen Nachlieferungen aufrechterhalten werden, während Amerika die Zachlieferung in das Zahlungsnroratorium einbegriffen sehen will. In Washington schlägt man des- halb vor, der Reichsrcgierung die für die Sachlieferungen verausgabte Zumme zunächst während des Feierjahres als Kredite zurückzuerstatten. Erst in den frühen Morgenstunden des Montag traf in Paris die Nachricht aus Washington ein, daß Hoover die französischen Borschläge hinsichtlich der Sachlieferungen rundweg abgelehnt hat. Schatzsekretär Mellon: der noch am Sonntagnachmittag eine tclephonische Unterredung mit Hoover hatte, soll sich größte Mühe gegeben haben, den Präsidenten davon zu überzeugen, daß der französische Standpunkt annehmbar sei. Nichtsdestoweniger ist man ober anscheinend der Uebcrzeugung, daß die französische Meinung in der Frage der Sachlieferungen nicht in Einklang mit dem Hoooer- scheu Plan zu bringen sei. Für ihre Haltung gibt die ainerikanisch« Regierung besonders zwei Punkte an. Sie steht einmal auf den« Standpunkt, daß die Ausnahme, die Frankreich bei den Sachliese- rungen gemacht zu haben wünscht, auch auf die übrigen Gläubiger- staatcn ausgedehnt werden müßte, so daß die Hilfe, die man Deutsch- land bringen wolle, in diesem Fall vollkommen ungenügend sei. Ferner stellen die Sachlieferungen mittelbar Zahlungen der Reichsregierung dar. Die Washingtoner Regierung hat Vichts gegen den französischen Standpunkt einzuwenden, s die Sachlieferungen im Interesse der französischen privalwirl- | schast aufrcchlzuerhallen. verlritt aber die Aussassung, daß die ! Beträge für diese Sachlieferungen in höhe von etwa 25 Mil- j lionen Dollar Deutschland ebenfalls in Form eines Kredit, zur Verfügung gestellt werden müßten. Mellon hat noch in den späten Abendstunden des Sonntag neue Instruktionen erhalten, die am heutigen Montag Gegenstand eines französischen Ministerrats fein werden. Börse bleibt pessimistisch. Kurse schwach.- Oevisenabzügc halten an. Obwohl d?r Gener �1 rat der Neichsbank gestern noch von verschärften Maßnahmen in der Diskont, und ftreditpolilik der Notenbank abgesehen hat, blieb die Montagsbörse durchaus pessimistisch. �ie Kurse bröckelten weiter erheblich ab. Unter anderem verloren Siemens 4� Punkte mit 143 gegen 14714 Proz., Kaliwerke Salz» dethfurt sanken sogar um 7 Punkte auf IM Proz., Gesfürel notierten 391 gegen 19414 Proz. und I. G. Farben 12914 gegen 139 Proz. Die Deoisenabzüge setzten sich heute in verstärktem Umfang jort Das Kabinett berät. � Erörterung dcr Gesamtlage. r Dos Reichskobinett ist am Montagvormillag zu einer Sitzung zusammengetreten, um aus Grund der letzten Nachrichten aus Washington und Paris die Gesamtlage zu erörtern. Vom Propeller geköpft Flugzeug rast ins Publikum/ Fünf Tote, zehn Schwerverletzte Paris,<». Juni. Ein furchtbares Flugzeugunglück, bei dem fünf Personen den Tod fanden, ereignete sich Sonntag- nachmittag auf dem Flugtage in Hirfon. Tie Menge folgte aufmerksam den Kunstflllgen, die von nam- haften Flugzeugführern ausgeführt wurden, als ihre Aufmerksamkeit auf eine Maschine gelenkt wurde, in der mehrere Personen Platz gcnominen hatten und die an- scheinend so überlastet war, daß sie sich nicht erheben konnte. Ter Führer des Flugzeuges gab plötzlich Boll- gas. Der Apparat drehte sich um die eigene Achse und sauste mit rasender Geschwindigkeit in die Zuschauermenge. Fünf Personen wurden durch den Propeller auf der Stelle getötet, während zehn andere zum Teil lebensgefährliche Verletzungen ! davontrugen. Ter Flugtag wurde sofort abgebrochen. Eisenbahnunsall in Wannsee. Sieben Reisende eines Sonderzuges verletzt. von einem seltsamen Unfall wurde Sonntagsrüh ein Sonder- Zug der Reichsbahn betroffen, der sich mit mehreren hundert Reisen- den aus der Fahrt von Weimar nach Verlin befand. Zwischen den Stationen Drewitz und W a n n s« e muhte der Lokomotivführer aus noch unbekannten Gründen sehr scharf brem- sen. Es gab einen scharfen Ruck, der sich besonders in einem Wagen auswirkte, in dem sämtliche Fahrgäste aus Erfurt saßen. Die Reisen- den wurden von Ihren Sitzen geschleudert, sie erlitten zum größten Teil Kopfverletzungen und erhebliche Per- stauchungen. Sieben Verunglückte erhielten durch den Bahn- arzt in Wannsee die erst« Hilfe. Mit einiger Verspätung konnte der Zug dann seine Fahrt fortsetzen. Der Fall bedarf um so mehr der Aufklärung-, als die Reichsbahn ofsenbar die Gepflogenheit hat, für Sonder- und Sonntags- zöge altes und allerälteftes Wagen material zu oer- wenden. In einem Sonntagszug nach Rheinsberg konnten wir einen Wagen seststellen, der zwar als 3. Klasse plakatiert, aber ein regulärer und alter Wagen vierter Klasse war. In einem Sonntagssernzug nach Neuruppin ließ man eine Wagen- r u i n e 3. Klasse mitstolpern, die nicht einmal einen Abort hatte, so daß die Passagiere gezwungen waren, auf den Stationen in andere Wagen überzusteigen. Das sind wirklich Ziistänöc bei der Reichsbahn aus dem vorigen Jahrhundert. Boot treibt ohne Insassen. Am Freitag mietete ein junger Mann, in dessen Begleitung eine etwas ältere Dame war, bei einem Bootsverleiher am Wannsee ein Ruderboot. Das Fahrzeug wurde am nächsten Tage ohne die Insassen treibend bei Cladow gesichtet und an Land gebracht. In dem Boot fand man ein Herrenjackett, dessen Tasche Papiere auf den Namen eines am 18. Februar 1994 geborenen Walter Flügge enthielt, der zuletzt in Dierings- Hausen im Rheinland gewohnt hat. Bon der Dame fand man einen kleinen Stadtkoffer, doch ist aus dem Inhalt die Persön- lichkeit nicht festzustellen. Allem Zlnschein nach haben die beiden ihrem Leben durch Ertränken im Wannsee ein Ende gemacht. Die Leichen sind noch nicht geborgen. Das Kösferchen enthielt einen grünweihcn Damenbadeanzug und einen schwarz- seidenen Straßenmantel. In der Frage des Zahlungsausschubs nimml man in Berliner politischen Kreisen nach wie vor eine abwartende Haltung ein. Man warnt vor Optimismus. Ist aber auch nicht geneigk, das Endergebnis pessimistisch zu beurteilen. Keine Aufrüstung! Zusage Brünings an Amerika. Washington, 6. Zuli. Da» Staatsdepartement hat eine Note erhalten, worin Brüning Amerika und den übrigen Mächten die Versicherung abgibt, daß Deutschland die durch da, Reparationsmoratorium eingesparten Summen nicht für Rüstungszwecke ausgeben«verde. Di« stnanziellen Einsparungen, so erklärt Brüning, würden dazu verwandt«verden. die Finanzlage Deutschland» zu festigen und die Steueranssälle auszugleichen. -» Der Reichskanzler, der in den letzten Tagen wiederholt Be- sprechungen mit dem amerikanischen Botschafter in Berlin hatte, empfing Herrn.Sackett auch am Sonntag zu einer längeren Unter- redung über die wirtschaftliche Lage Deutschlands. Im Verlauf« einer der jüngsten Unterredungen hat der Reichskanzler den ameri- konischen Botschafter wissen lassen, daß Deutschland an eine Verwendung der durch das Freijahr jreiwerden- den Gelder zu Rüstungszwecken selbstverständlich nicht denke. Die Mittel wurden ausschließlich zur Deckung von Steuerausfällen und zur Hebung der deutschen Wirtschaft Verwen- dung finden. Sackett hat diese Erklärungen seiner Regierung nach Washington mitgeteilt, die wiederum den Kabinetten in London und Paris davon Kenntnis gegeben lzat. Die Ursache der Erklärung Brünings ist auf die in Frankreich allgemein gehegten Befürchtungen zurückzuführen, daß Deutschland während des Freijahres sein Landheer und seine Marine stärker ausrüstet. In Anbetracht dieser Befürchtungen, die auch in England gehegt werden, hat die amerikanische Regierung den Reichskanzler um eine entsprechende Erklärung direkt ersucht. Dem Andenken Strefemanns. Enthüllung des Mainzer Ehrenmals. Mainz, 6. Iuli.(Eigenbericht.) Am Sonnabend und Sonntag wurde hier das Stresemann- Ehrenmal enthüllt. Die Veranstaltungen wurden am Sonnabendabend durch einen Festakt im großen Saal der Sladthalle ein- geleitet. Der hessische Staatspräsident überbrachte bei dieser Gelegenheit den besonderen Dank des hessischen Volkes für Gustav Stresemann. Dann gedachte Reichstagspräsident L ö b e des toten Staatsmannes: Es bleibe der Gipfel des Undanks, der ihn getroffen habe, wenn diejenigen Rheinlandräumung und ander« Erleichte- rungm gering schätzten, die wenige Jahre vorher kleingläubig und mutlos den Satz produziert hatten:„Der Franzose geht aus dem Ruhr- und Rheinland überhaupt nicht mehr heraus." Stresemann habe damals gewußt, was auch heute gelte, daß die Befreiung nicht gegen die übrige Welt, sondern nur mit Ihr vollendet werden könne. Am Sonntagvormittag wurde dann am Rheinufer die eigent- licht Weihe de» Ehrenmals vorgenommen. Es sprachen der Führer der Deutschen Voltspartei D i n g e l d e y und Rcichsaußcn- minister Dr. E u r t i u s, der als Vertreter des Reichspräsidenten, der Reichsrcgierung und dc»� Völterbundsrates erschienen war. Eurtiu» erklärte in seiner Gedenkrede aus Stresemann u. a., daß an der Sicherung des Feierjohre» und der Erleichterung für das deutsche Volk nichtmehrzuzwelfeln sei. In dem Jnncnraum des Ehrenmals legte Dr. Curtius im Nomen des Reichspräsidenten und der Reichsregiming zu Ehren des Dcrstorbenen einen Kranz mit schwarzrotgoldener Schleis« nieder. Ein Zwischenfall. Als der volksparteilichc Führer D i n g c l d e n seine Gedenkrede auf Stresemann beendet hatte, trat ein« Person, die unter den Ehrengästen stand, an dos Mikrophon und rief hinein:„Deutsch- l a n d e r w a ch e." Die Polizei nahm den Nazistörenfried und setzte ihn fest. Im Departement Bauches du Rhön« saich für einen verstorbe- nen radikalen Senator die Ersatzwahl statt, bei der im zweiten Wahlgairg der Kandidat der Sozialisten mit 237 gegen den radikalen Kandidaten(293 Stimmen) gewählt wurde. Stalin schwört Lohngleichheit ab. Gegen die Fünftagewoche.- Anreiz zum Aufstieg. R i g a, e. Zuli.(Eigenbericht.) Das Oberhaupt der Sowjelregierung, Stalin, hielt in Rloskau eine sensationelle Rede, in der ein großer Teil der von den Bolschewislen bisher angebeteten Heiligtümer zum alten tAsen ge- legt wird. Die Rede bedeutet eine vollständige Abkehr von den bis- herigen radikalen kommunistischen ZNethvden. Als wichtigste Richtlinie für die Wirtschaft betrachtet Stalin für die Zukunft die volle Durchführung differenzierter Löhne für qualifizierte und nichtqualisizierte, für leichte und schwere Arbeit. Diese wahnahme wird damit begründet, daß man den Arbeitern einen Anreiz zur Weiterbildung und Möglichkeiten des Ausrückens in besser bezahlte Stellungen geben müsse. Die Begeisterung für eine Sache allein genüge nicht. Am die Leistungen zu erhöhen, müsse man von dem menschlichen Streben nach höheren Einnahmen Kenntnis nehmen. Es je« auch an der Zeit, künftig Spezialisten. Ingenieure, Techniker und Gelehrte der allen Schule heranzuziehen. Man könne nickit mehr jeden Spezialisten alter Schule als Verbrecher und Saboteur ansehen. Stalin wandte sich schließlich noch gegen die ununter- brochene Arbeitswoche von fünf Tagen, die vielfach dazu geführt Hobe, daß jedes Verantwortungsgefühl für die übertragenen Arbeiten und für die Znstandhaltung der Fabrikanlagen, Maschinen und Werkzeuge geschwunden sei. Es sei zu erwägen, ob man nicht zur sechstägigen Arbeitswoche mit einem gemeinsamen freien Ruhetag für die gesamte Belegschaft übergehen solle. Notwendig sei vor allem auch die Bildung kleiner leicht übersehbarer wirtschasls- gruppen. Nur einer könne in Zukunft der Leiter des Betriebes sein, nur ein Direktor, mit einigen Stellvertretern. Hitler-Krawalle in München. Oemonstkationen gegen Llniformverbot/ Angriff aufPolizei. München, 9. Juli.(Eigenbericht.) Am Sonntag ließ 5)itler durch einen Landtagsabgeordneten mit dem Polizeipräsidenten verhandeln und Beschwerde gegen das Verbot des uniformierten Postenstehens vor dem Braunen Hause einlegen. Der Polizeipräsident verweigerte aber ugend- welche Zugeständnisse. Bei einem Standkonzcrt im Hofgarten versuchten 299 Nazis das Ilnifonnoerbot dadurch zu umgehen, daß sie an Stelle der braunen SA.-Kleidung einheitlich Gürtelhosen und weiße Hemdblusen trugen, außerdem hatten sie die letzte Nummer des Völkischen Beobachters auf den Hut gesteckt und ihre Hosen vorn und hinten damit dekoriert. Sie bildeten zwei Züge und brüllten bei Begegnung jeweils ihre Heilrufe. Trotzdem eine Demonstration von vornherein zu erwarten war, hatten sich nur drei Schutzleute eingefunden. Als ein Kriminalkommissar die Auslösung der Züge befahl, rottete sich der ganze Haufen zusanimen und verhinderte durch Absingen von Kampfliedern und durch Sprechchöre die Fortsetzung des Konzerts. Die Polizeibeamten wurden tätlich angegriffen, einer von ihnen niedergeschlagen. Schließlich erschienen weitere zehn Schutzleute, die die Bande mit Gummiknüppeln auseinander- kl leben. Sie oersuchte dann in geschlossenem Haufen in die Brienner Straße zum 5)itler-Palais vorzudringen, was aber durch ein in- zwischen eingetroffenes Ueberfallkommando verhindert wurde. Fünf Demonstranten wurden verhaftet und dem Schnellrichter übergeben. Den ganzen Sonntag über sammelten sich Tausende von Neu- gierigen vor dem Braunen Hause an, so daß die Polizei fortgesetzt mit Straßensäuberungcn beschäftigt war. An verschiedenen Stellen kam es zu Schlägereien zwischen Nazis und Gegnern. Mehrere Nazis drangen mit Gewalt in das 5)otel Continental ein. Auch hier mußte die Polizei durch Verhaftungen die Ruhe wieder her- stellen. Von den am Sonnabend verhafteten neunzehn National- sozialistcn wurden sechs dem Schnellrichter zugeführt. Einige Hitlerianer machten ihrer Wut dadurch Luft, daß sie durch das Telephon den Innenminister und Polizeipräsidenten mit Er- stechen und Erschießen bedrohten. Genosse Leuchner von Nationalsozialist insullieet. v a r m sl a d t. 6. Zuli.(Eigenbericht.) Zn Ramstadt bei Darmstadl wurde am Sonnlag der h e s s i-s ch e Innenminister, Genosse L e u ch n e r, während einer Kundgebung des Reichsbannert von einem Nationalsozialisten ongxsollen, beschimpft und an der Kehle gepackt. Der Rowdy wurde verhaftet. Angehörige des Reichsbanners aus Darmstadt wurden abends auf dem Heiinwege aus einem Lokal heraus von Nationalsozialisten zunächst mit Stühlen beworfen und dann beschossen. Privatkapitalistische Verschwendung Anklagerede Giegerwalds/ Gefährliche Vorbehalie in der Lohnfrage Hamm i. lv, 6. Juli. Auf der gestern hier abgehaltenen Tagung der Vertrauensleute der katholischen Arbeitervereine Westfalens ergriff auch Reichsarbeits-minister Dr. Stegerwald das Wort. Er führte u. a. aus, mit der letzten Notverordnung fei der Sanierungsprozetz von Staat und Wirtschaft noch nicht be- endet. Be! der Veröffentlichung der Ziotverordnung sei bereits mitgeteilt worden, daß im Herbst in Verbindung mit der Sa nie- rung der Invalidenversicherung eine organische Ver- einfachungs- und Verbilligungsreform der Sozialversicherung be- absichtigt sei. Daneben seien größere Reformen in der Wirtschaftspolitik und in der Staatsorganisation unver- in e i d b a r. Der Reichskanzler hat, so erklärte der Redner, schon mehrfach ausgesprochen, daß der Staat willens sei, aus den Fehlern der Ver- oanaenheit offen die Folgerungen zu ziehen, daß aber damit noch wenig genützt werde, wenn nicht in der Privatwirtschaft ein gleiches geschel)e. Die deutsche Privatwirtschaft hat mit vielen Milliarden kurz- sristigen Auslandsschulden Investierungen in ihren Betrieben vorgenommen und zahlt weiterhin damit teilweise von Woche zu Woche ihre Löhne. Das ist ein unmöglicher Zustand. Damit wird jede zielbewußte und planmäßige Außenpolitik un- möglich gemacht. Ein großer Teil der kurzfristigen muß in lang- fristige Schulden umgewandelt werden. Auch das Aktien- und Bankwesen bedarf einer gründlichen Reform. Die deutsche Privatwirtschaft ist vielfach in ihren leitenden Stellen noch mehr aufgebläht und noch stärker bürokratisiert als die öffentliche Wirtschaft. Auf dem Gebiete der Ueberkapitalisie- rung und Ueberrationalisierung gibt es noch viel zu ordnen. Pro- fcssor Bonn hat in den letzten Tagen ausgeführt daß der deutsche Steuerzahler gegenwärtig gleichzeitig fünf Aufgaben erfüllen solle: die Verschwendungsschulden der Vergangenheit abdecken, Reparation s- und Liquidationsschäden bezahlen, Schwere Gewitter über Berlin. Zwei Berliner vom Blitz erschlagen.— Zahlreiche lleber- schwemmungen. Das kurze, aber außerordentlich heftige und teilweise verheerende Gewitter, das am Sonntag über einen Teil Berlins zur Entladung kam. hat leider auch zwei Todesopfer gefordert. Am schlimmsten wurde der Norden und Osten Berlins sowie der Südwesten von dem plötzlich hereinbrechenden Unwetter betroffen. Obgleich schon in den frühen Nachmittagsstunden wiederholt starke Gewitterneigung bestand, stbien es später, daß der Sonntag ohne Regen zu Ende gehen würdk. Kurz vor l8 Uhr türmten sich jedoch im Norden der Stadt plötzlich dichte unheilkündende Wolken- Massen auf und starke Blitze kündeten das heraufziehende Unwetter an. Tausende von Spaziergänger wurden dann aber von dem cinfetzenden wolkenbruchartigen Regen überrascht und suchten irgend- wo Unterschlupf. Im Schillerpark schlug der Blitz in einen Baum ein, unter den mehrere Passanten Schutz vor dem Regen suchten. Der SOjährige Strasanstaltsinspektor Franz Trapp aus der Graf-Haeseler-Straße in Reinickendorf-Ost wurde auf der Stelle getötet. Eine Frau Toni Kriegermann aus Reinickendorf wurde schwer, und eine andere Spaziergängerin leicht oerletzt. Der Vorfall rief größtes Entsetzen hervor. Obgleich sich sofort mehrere Leute um die vom Blitz Getroffenen bemühten, waren die Wiederbelebungs- versuche bei Trapp erfolglos. Frau Kriegermann wurde durch die Feuerwehr ins Virchow-Krankenhous gebracht. In der See- Promenade in Reinickendorf schlug der Blitz in eine Birke ein und tötete den 8jährigcn Schüler Werner Sander aus See- Promenade 55. In T e m p e l h o f wurde der Dachstuhl des Hauses Adolf- Echeidt-Platz durch Blitzschlag in Brand gesetzt. Die Feuerwehr hatte längere Zeit mit den Löscharbeiten zu tun. Außerdem wurden in der Belle-Alliance-Straße und in der Zieten- straße S�raßenbahnkabel durch Blitzeinschläge zerstört. Der wolkenbruchartige Regen rief in mehreren tiefergelegenen Straßenzllgen große Ueberschwemmungen hervor. Unter der Bahnbrücke in der T r e s k o w a l l e e in Friedrichsfelde hatte sich ein so tiefer Stausee gebildet, so daß der Straßenbahn- betrieb zwei volle Stunden lang gestört Wr. Eine ähnliche Situation entstand in der B o r t st r a ß e. wo die Straße in etwa 250 Meter Länge unter den Brücken völlig überflutet war. Die Feuerwehr mußte insgesamt in SO Fällen ausrücken, um Gewitterschäden zu beheben. Wie wir erfahren, handelt es sich bei dem gestrigen Unwetter um ein sogenanntes Wär megewitter, das rein lokalen Eh a r a k t e r trug. Berlin war übrigens am Sonntag die einzige deutsche Stadt, die überhaupt ein Gewitter zu verzeichnen hatte. Diese Wärmegewitter find besonders unangenehm, weil sie im Gegensatz zu den F r o n t e n g e w i t t e r n sich sehr langsam fort- bewegen. Die Abkühlung, die das Wetter gestern gebracht hat, war leider nur vorübergehend. Heute vormittag um 1 l Uhr zeigte das Thermometer bereits 29 G r a d— das war die gestrige Höchsttemperatur— an. Berliner Schüler im D-Zug getötet. Weimar, 6. Juli. Am Sonnabend wurden, wie erst jetzt bekannt wird, im Vor- zugc des D. 42 zwischen Wandersleben und Scebergen zwei an den Fenstern des Seitenganges stehend« Reisende durch ei>»e offene Abteiltür des vorbeifahrenden Personenzuges 801 verletzt. Es handelt sich um den. 17 Jahre alten Schüler Gottfried Pamphausen aus Berlin-Lichtenrade, Waldweg 10, der«ine so schwere Kopfverletzung erlitt, daß er in das Gothaer Landkrankenhaus eingeliefert werden mußte, wo er starb. Der andere Verunglückte ist der 62jährigc Klempnermcister Johann Pr«uh au» P« t« r s h a g e n bei Berlin, der an der rechten Hand Verletzungen davontrug. Anklage gegen einen Erzieher. Der Staatsanwalt in P o t s d a m hat gegen den Erzieher Stein vom Lande serzichungsheim Jüterbog Anklage wegen Sittlichkeitsverbrechen erhoben. Der Prozeß findet vor dem Schö-ffeugericht in Potsdam statt. die Zuschüsse aufbringen für die strukturellen und konjunkturellen Veränderungen in der Wirtschast(die Erhaltung der Arbeitslosen), diejenigen subventionieren, die ihr Kapital falsch angelegt haben und die für das verlorene Kapital eine Rente beziehen wollen, und endlich die Bedürfnisse von Reich, Ländern, Provinzen, Kreisen und Gemeinden befriedigen. Diese Dinge sind nicht zu ordnen durch bloßen, einseitigen Sturm aus die Löhne, dos Schlichtungswesen und die Sozial- Versicherung. Ich lehne es ab. Lohnsrage und Sozialversiche- rung immer wieder isoliert traktieren zu lassen. Durch Agrarzölle, Subventionen, unwirtschaftlich« Preisbindungen mit Hilfe von Kartellen und Preiskonventionen, durch den aufge- blähten Verwaltungsapparat in der össentlichen und Privalwirt- schast ist das deutsche Volk heute mehr belastet als durch die gesetzliche Sozialversicherung, wovon die Hälfte der Kosten die Versicherten selbst aufbringen. Dabei habe ich bereits den Nachweis erbracht, daß dort, wo in der Sozialversiche- rung der Familiengedanke und die Arbeitsmoral beeinträchtigt wird oder bestimmte Beobachtungen die Sozialgesetzgebung zu diskredi- tieren geeignet sind, überall eingegriffen wird. Ich bin weiterhin jederzeit zu Aussprachen über deutsche und"fremdländische Löhne und Preise bereit. In Deutschland verausgaben die breiten Massen etwa 70 proz. ihrer Einnahmen für Lebensmittel, Wohnung und Verkehrsmittel von und zur Arbeit. Wenn die deutschen Lebensmittelpreise sowie die Preise für Wohnungen und Verkehrsmittel denen des euro- päischen Durchschnitts angepaßt werden, dann läßt sich sehr wohl über eine weitere Verringerung der Löhne reden. Den deutschen Arbeitern kommt es nicht auf die Höhe der Nominal- löhne an, das haben wir bei der Inflation ausreichend ausgeprobt! das Entscheidende ist, was man sich mit den Löhnen kaufen kann. In der deutschen öffentlichen und privaten Wirtschafts- und Finanzgebarung stecken noch sehr viele Znflattonsbazillen, denen in der nächsten Zeit mit allem Nachdruck zu Leibe gegangen werden muß. In Deutschland machen wir uns vielfach noch keine Vorstellung davon, wie andere bedeutende Länder die Dinge sehen. Dort ist man der Meinung, daß der W e l t w e i z e n p r e i s die Basis für alle übrigen Preise abzugeben habe und daß nur so die Weltwirtschaftstrisis beseitigt werden könne. Der Weltweizenpreis steht heute etwa auf 50 Proz. des Friedenspreises. Die Verwirklichung dieser These bedentetr eine Kürzung der Löhne um rund zwei Drittel des gegenwärtigen Standes. Davon kann natürlich keine Rede sein. Aber darüber kann es eine Meinungsverschiedenheit kaum mehr geben, daß eine Reihe sehr bedeutender Rohstosfe, die heute weit unter den Friedenspreisen liegen, diese nicht wieder erreichen werden. Die deutsche Landwirtschast dürste in absehbarer Zeit sehr wohl imstande sein, das deutsche Volk auf eigener Scholle zu ernähren; was sie aber nicht kann, ist mehr als 60 Blillionen Menschen auf deutschem Boden zu beschästigen. Schon heute ist Deutschland neben Amerika das größte Aus« f u h r l a n d der Welt. Mehr als 75 Proz. des deutschen Volkes müssen von Industrie, Gewerbe, Handel und Verkehr leben. In solcher Lage zu glauben, daß Deutschland durch Zölle der Land- Wirtschaft dauernd wesentlich höhere als die Weltmarktpreise sichern könne, ist eine Illusion. Vorübergehend kann man die ein« oder die andere landwirtschaftliche Erzeugungsart durch Zölle be- günstigen, um einen U m st e l l u n g s p r o z e ß zu ermöglichen. Auf manchen Gebieten, wie bei den Schweinen, bleiben hohe Zölle zudem ohne jede Wirkung. Ohne fundamentale Umstellung der deutschen Landwirlschafl aus vielen Gebieten gibt es für sie keine Rettung auf länger« Sicht. Es wird sich sehr bald herausstellen, daß hohe Zölle nur kurz- f r i st i g e Hilfsmittel für die Landwirtschaft sind. Auch auf dem Gebiete der Geld- und Kartellwirtschoft sowie im Aktiengcsellschaftswesen sind durchgreifende Reformen ein« unauf- schiebbare Notwendigkeit. Das kommende Jahr stellt an Politik und Wirtschast, aber auch an die Nerven des deutschen Volkes An- sorderungen in einem gigantischen Ausmaß. Aus der Frosch» Perspektive der einzelnen Jnteressentengruppen sind diese Dinge be- stimmt nicht zu meistern; auch mit Putschen, Spektakel und agitato- rischem Lärm ist ihnen nicht beizukommen. Nur klare Erkenntnis, guter Wille auf breiter Front, entschlossenes Wollen sowie müh- same und zähe Arbeit führen zum Ziele. -i- Die kritischen Ausführungen, die der Reichsarbeitsminister Stegerwald über die Kapitalfehlleitungen in der Privatwirt- schast und ihre verhängnisvollen Folgen machte, können wir nur u n t e r s�r e i ch e n. Auch der Nachdruck, mit dem die gesetzlich« Sozialversicherung verteidigt wird, ist erfreulich. Ein gefährlicher Standpunkt, dem schon jetzt nicht scharf genug entgegengetreten werden kann, ist aber Stegerwalds Feststellung, daß bei einem Abbau der Lebenshaltungskosten weitere Lohnsenkungen ins Auge gesaßt werden könnten. Stegerwald vergißt offenbar, daß seit länger als einem Jahr ein schwerer Einbruch in die Real- kaufkraft der Massen— und zwar nicht nur durch Arbeits- losigkeit, sondern zugleich durch Abbau der Löhne— stattgefunden hat, der durch«inen Abbau der Lebenshaltungskosten ohne Lohnsenkung erst wieder ausgeglichen werden muß. Internationaler Genossenschaststag Festabend in der Philharmonie liu i Eine eindrucksvolle Jahresfeier des Internat i o n a l« n Genossenschaffsbundcs fand am Sonnabend im festlich geschmückten Saal der Philharmonie statt. Zur künstlerischen Mitwirkung waren das Berliner Sinfonieorchester und der Lcndvai-Chor, Mitglied des DAS., ausgeboten, beide unter der Leitung von Georg Oskar Schumann, dem ausgezeichneten Chorleiter, der sich auch als Orchesterführer und Konzertdirigent großen Stils immer freier entfaltet: dazu der Sprcchchor für proletarische Feierstunden, in den Händen Albert F l o r a t h s oft bewährt als suggestives Ausdrucksmittel der heutigen Massen und ihres Fllhlens; mit Wolf Trutz und Hilde Arndt als Einzel- sprechern. Eine Festansprache stand im Mittelpunkt des reich- haltigen Programms; als Redner gab Paul Lange ein an- schauliches Bild von der modernen genossenschastlichcn Bewegung, ihrer Geschichte und ihren Zielen. 189ö ist der Internationale Genossenschaftsbund gegründet worden. Heute gehören ihm die Genossenschaften von 42 Ländern an, darunter der Zentraloerband Deutscher Konsum- vereine. Ohne parteipolitische Bindung verfolgt der Bund sein Ziel, die Privatwirtschaft mit ihren Auswüchsen des Konkurrenz- tampfes durch eine genossenschaftliche, die Interessen der Allgemein- heit wahrende, auf Gegenseitigkeit und Selbsthilf« beruhende weit- wirtschastliche Organisation zu ersetzen. Die Etappen des Kampfes, der hier mit unbeirrbarer Festigkeit und mit wachsendem Erfolg geführt wird, sind durch die Kongresse von Basel 1921, Stockholm 1927, Wien 1930 gekennzeichnet. Die immer engere Verbindung zwischen den Konsumvereinen und den landwirtschaftlichen Genossen- schasten, die Schaffung eines internationalen Systems von lang- fristigen Handelsverträgen, gegenseitigen Verkehrs- und Zoll- erleichterungen gehört wesentlich in den Kreis der Aufgaben, an deren Lösung der Bund mit all seinen Kräften mitarbeitet. Sein Gcgenwartsprogramm ist in einer an die Genossenschafter der ganzen Welt gerichteten, eindringlichen Kundgebung niedergelegt, In der es unter anderem heißt: „Die Genossenschaftsbewegung bildet heute die größte Hoffnung für eine gerechte und gesunde Lösung der brennenden Wirtschafts- fraejen, mit denen die Menschheit zu kämpfen hat. Die Entwicklung der Genossenschaftsbewegung wird gehemmt durch den als Frucht des kapitalistischen Wirtschaftssystems zu betrachtenden w i r t- schaftlichen Nationalismu's. Trotzdem hat sich di« Ge- nossenschaftsbewegung weite Gebiete in allen Teilen der Welt er- obert. Ihr Grundsatz verbindet alle Menschen im gemeinsamen Streben nach der Abschaffung der Profitwirtschaft, nach der Erschließung und Nutzbarmachung aller wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Kraftquellen. Die internationale Genossenschaftsbewegung hat mehr für den Weltfrieden getan als irgendeine Organisation. Ihr Fort- schritt bedeutet die Beseitigung aller ungerecht- fertigten und unmoralischen wirtschaftlichen K a m p s m e t h o d e n." Es hätte sich ohne Zweifel gelohnt, die gehaltvollen Aus- sührungen Paul Langes durch Rundfunk zu verbreiten. Allein in Berlin und Umgegend sind der Konsumgenosienjchast 200 000 Mit- gliederfamilien angeschlossen, die dafür gewiß ein lebhast inter- essiertes Publikum gebildet hätten. Leider Hot der Programm- ausschuß der Deutschen R u n d f u n k g« s e ll s ch a s t e n ein an ihn gerichtetes Ersuchen abgelehnt— obendrein mit einer Be- gründnng, die nicht eben überzeugend klingt. Den ersten Teil des künstlerischen Programms bildeten Re- zitationcn und Orchestcrvorträge: die Ouvertüren zu„Rosamunde" und„Euryanthe" und Liszts Tondichtung„Les Preludes". Den zweiten Teil füllte der Versuch aus, eine Reihe von Einzelwerken und-darbietungen zu einein Ganzen zusammcnzusassen/' jzü einer Sinfonie„Durch Nacht zum L i ch t". Die Idee solcher Feier- gestaltung ist in den Kreisen der proletarischen Kunst erprobt, und jeder neue Versuch ihrer lebendigen Verwirklichung ist begrüßens- wert. Immerhin war die musikalische Zusammenstellung, die von Beethoven über Tschaikowsky zu Lothar von K n o r r führte, wohl nicht ganz glücklich, dessen Vertonung von Alfred Thiemes„Unser die Sonne", als Gipfel einer Reihe, an deren Anfang die„Egmont"- Ouvertüre stand, mußte enttäuschen. Höhepunkt der Wirkung war Oskar Frieds prachtvoll gesungenes, nie versagendes„Erntelied". K. P. Shaw und Shakespeare. Fröhlicher Abend in der Volksbühne. Man beginnt mit Bernard Shaws Frühwerk, dem Einakter „D c r M a n n des Schicksals"(„Der Schlachtenlenker"). Shaw reinigt Napoleon vom Pathos der Geschichte, sieht ihn ohne die historische Distanz, die den Helden aus den Kothurn stellt und das Menschliche vergessen läßt. Der Sieger in der Schlacht an der Addabrücke bei Lodi unterliegt schlichlich einer klugen Frau, die ihm einen Pariser Skandalbrief entwenden will. Herkules spinnt für Omphale, und er spinnt mit dem größten Vergnügen. Zwischen vier Personen entwickelt sich ein Dialog, der witzige Pointierungen findet und wie ein Feuerwerk sprüht. Aber dies« geschliffenen Formulierungen sind noch nicht der individuelle, sprachliche Ausdruck der einzelnen Persönlichkeit wie etwa in„Cäsar und Cleopatra" oder in der„Heiligen Johayna". Sie sind eher den Figuren äußerlich angehestet. Alle Menschen sprechen geistreich, weil der Verfasser geistreich ist. Sie befinden sich ständig auf der Suche nach einem schlagenden Bonmot und unterscheiden sich in ihrer Sprache wenig voneinander. Shaw wandelt hier aus den Spuren seines Landsmannes Oscar Wilde. Der Regisseur Günther Stark betont nicht die funkelnde Dialektik. Er läßt nicht den Dialog sich blitzschnell ineinander ver- zahnen und vorwärts stoßen, er legt den Akzent vielmehr auf das breite Ausspinnen einer Situation. Die Komödie wird unter seinen Händen eher ein Bühnenlustspiel als eine dialektische, mit innerer Spannung geladene, geistvolle Dichtung. Manchmal knallen die Pointen zu stark. Hermann Spcel manns spielt den Napoleon. Ein vor- bildlicher Sprecher und ausgezeichnet in Maske und Geste. Aber dieser vom Pathos entschminkte, aus menschliche Probleniatik gestellte Korse ist schließlich der geniale Napoleon. Shaw zerstört nicht den Begriff des genialen Menschen, er will nur den verlogenen Nimbus entfernen. Spcelmanns gibt leider nicht die Größe, die auch durch das Alltagskostüm schillern muß. Gina F a l k e n b e r g ist seine Partnerin, liebenswert und behutsam. Man traut ihr das kühne Abenteuer nicht zu und noch weniger die Freude am geistvollen Spiel mit Worten, am Stechen mit Silben. Es bleiben Berg- Hofs schlaksige Jugendlichkeit und S t e ck c l s Wirt, der breit und fest in der Wirklichkeit verwurzelt ist. Den Schluß bildet Shakespeares„Komödie der Irrungen". Die Ausführung unter der Regie von Heinz Stroux wurde hier bereits eingehend gewürdigt. Es ist gut, daß die Volksbühne diese prachtvolle Inszenierung in ihren Abend- spielplan übernommen hat. Ganz auf die visuelle Wirkung gestellt, auf das Vergnügen am Theatcrspiclen, entstaubt von allem philolo- gifchen Krani bereitet dieses Jugendlüstspiel Shakespeares dem Zuschauer eine Stunde heitersten Vergnügens. Lzier ist wirklich die Modernisierung geglückt, dazu an einem Stoff, dem dieses Experiment zum Dorteil gereicht. F. SA. Sozialist und Erfinder. Es waren zwei Europäer, die die Entwicklung der Elektro- technik in den Vereinigten Staaten von Amerika maßgebend beein- flußt haben. Ein seltsamer Zufall war es, daß sie beide politische Flüchtlinge waren: Pupin der eine und der deutsche Ingenieur Steinmetz der andere. Um Steinmetz, der in Amerika ein großer Sonderling war, spielte stets ein gewisses Geheimnis, das die amerikanischen Journalisten jahrelang vergeblich zu lüften vcr- suchten. Heute ist Steinmetz bereits acht Jahre tot. Er starb im Oktober 1923, und erst jetzt erscheint in Amerika von dem Schrift- steller Norton Leonard seine Biographie, die inzwischen auch ins Deutsche übersetzt wurde. Steinmetz war Breslauer und entstammte einer aus Polen eingewanderten Lithogrgphenfamilie. Er war wie sein Vater schon bei seiner Geburt im Jahre 1865 eine unglückliche verkrüppelte Gestalt Aber die ausgleichende Natur hatte ihm dafür überragende geistige Kräfte gegeben, die er von Jugend an besonders aus mathematischem Gebiete betätigte. Er studierte an der Bres- lauer Universität Mathematik und stand kurz vor seiner.Promo- vierung, als die politische Polizei ihn zu verfolgen begann. Er war damals Redakteur der sozialdemokratischen„Bolksstimme". Unter dem Sozialistengesetz mußte er fliehen. Er ging zunächst in die Schweiz und dann nach Amerika, das war der Boden, aus dem er seine Fähigkeiten voll entwickeln konnte. Dort brauchte man damals jene Leute, die mit klarem Geiste die Entwicklungsmöglichkeiten der Technik erkannten, die in zähester Arbeitsleistung entschlossen waren, selbst die unmöglichsten technischen Aufgaben zu lösen. Hier begann schnell sein Aufstieg. In der Fabrik von Eickemeyer in New Park, die ursprünglich Hutfobrikations- Maschinen herstellte, und sich nur ganz nebenher mit der Herstellung van elektrischen Apparaten befaßte, wandte er mit klarem Blick sein Interesse der elektrotechnischen Fabrikation zu. In wenigen Iahren erzielte er so außerordentliche Erfolge, daß er im amerikanischen Institut für Elektroingenieure bald eine führende Rolle spielte. Schon 1893— also in seinem 28. Lebensjahre— erwarb die General Electric-Companq die Fabrik von Eickemeyer nur unter der Bedingung, daß Steinmetz dabei in ihren Dienst träte. Hier bot sich nun für Steinmetz der Boden, auf dem er seine Fähigkeiten voll entwickeln konnte. Unterstützt von seinem Assistenten Berg, dem jetzigen Professor der Elektrotechnik am Union College in Schcnectady, entwickelte er die unter dem Namen der„s y m- bolischen Methode" bekanntgewordene Berechnungsart für Äechselstromvorgänge, mit der allein schon er sich ein bleibendes Verdienst um die Entwicklung der Elektrotechnik erwarb. 1897 er- schien sein erstes großes Werk über dieses Thema, dem dann in kurzen Abständen eine lange Reihe weiterer wichtiger Wissenschaft- licher Publikationen folgte. Alle seine Werke zeichnen sich unter den oft recht schwierigen und umständlichen wissenschaftlichen Pubii- kationen durch größte Einfachheit und Klarheit aus. Er besaß eben neben seiner großen mathematischen Begabung auch die Fähigkeit einer anschaulichen Darstellungsweise. In seinem Privatleben war Steinmetz ein Sonderling. Am Mohawk-Flusse bei Schenectady hatte er sich eine einfache Hütte als Sommerwohnung gebaut, und es war feine größte Freude, hier in der Einsamkeit zu leben, im Fluß zu baden und im Kanu herumzupaddeln. Diese Sucht nach Einsamkeit, die wahrscheinlich auf seine unglückliche körperliche Konstitution zurückzuführen war, hatte ihm den Ruf eines Sonderlings eingetragen und dazu geführt. daß er in mancher Beziehung falsch beurteilt wurde.- Einer seiner Freunde, Dr. L. Fleischmann, korrigiert in dieser Beziehung im Magazin der Allgemeinen Elektrizitäts-Gesellschaft„Die Spannung" auch die Ansicht der amerikanischen Biographen Leonard und stellt fest, daß seine Güte und Kindlichkeit ihn stets zu einem wirklichen Freund und Spielkameraden aller Kinder machten, die ihm trjrtz seines gnomenhaften Aussehens immer rasch ihr Zutrauen entgegen- brachten. Ost jedoch wurde diese seine Charaktereigenschaft falsch verstanden und von skrupellosen Menschen ausgenutzt. So hat wahrscheinlich auch Norton Leonard unter dem Eindruck solcher Vorkommnisse gestanden, als er von ihm das Charakterbild eines ehrgeizigen Wissenschaftlers zeigte, der sich bisweilen auch in allerlei abenteuerlichen Situationen geschäftlicher und politischer Art drängen ließ. Im Kriege bewies Steinmetz, daß er der deutschen Heimat seine Liebe bewahrt hatte, indem er in seinem Buche„Amerika und die neue Zeit" Freunde für Deutschland zu werben suchte. Hardert Seitr. Ausstellung der Novembergruppe. Im Verein Berliner Künstler. � Der Verein Berliner Künstler, der kürzlich sein neues Heim, Tiergartenstr. 2a, bezogen hat, lud als erste die Nooembergruppe in seine Räume zu einer Gastausstellung ein. Verein Berliner Künstler und Nooembergruppe stehen künstlerisch auf völlig entgegen- ■gesetzten Standpunkten: und danach mag man die Vornehmheit der Gesinnung, den Willen, anständig miteinander zu leben und einander zu helfen, ermessen, den diese zunächst verblüffende Verbindung er- möglicht hat. Hier sind die Extreme zusammengekommen im Dienste der großen Idee: der Kunst und den Künstlern zu ihrem Recht zu verhelfen und die Außenwelt auf die Tatsache aufmerksam zu machen, daß Kunst immer noch ein notwendiger Lebens- b e st a n d t e i l und heute lebendiger und wirkender denn je ist— was leider so vielfach ganz vergessen zu sein scheint. Das war etwa der Sinn der ausgezeichneten Eröffnungsrede von Dr. Gell Horn und der Ausstellung selber, die die Maler Dun- g c r t und Wilhelm S ch m i d ausgesucht und zusammengebracht haben. Der Erfolg dieser, leider selten angewandten Methode gibt ihnen recht: man hat selten eine so ausgezeichnet gewählte Aus- stellung gesehen, deren geringer Ilmfang(in die drei zur Verfügung stehenden Zimmer mit Geist eingeordnet) so viel vom Besten unserer Gegenwartskunst vermittelt: von Ringelnatz und Dungert bis H o f e r, von Schlemmer und M o h o l y bis zu D i x und M a t a r e! Soll man etwas besonders Erfreuliches hervorheben, so wären es die wahrhaft gereiften Bilder der phantasievollen Hanna H ö ch und des sozialkritisch eingestellten trefflichen Malers Werner T ch o l Z.. p. l. sch. Die Alefsung des kleinsten elektrischen Stroms. Mit Hilfe einer neuen Vakuumröhre, die>n den Laboratorien der amerikanischen General-Elektric-Gesellschaft hergestellt wurde, hat man den kleinsten elektrischen Strom gemessen, der bisher festgestellt wurde. Bei diesem Strom fließen nur 30 Elektronen in der Sekunde durch den Draht, während bei dem Strom, der eine 100-Watt-Lampe in einer Sekunde durchströmt, die Zahl der Elektronen eine zwanzigstellige Ziffer betrögt. Pläne für ein deutsches Rundfnnkmuseum. Dos seit langem ge- plante Deutsche Rundsuntmuseum soll bis zum Beginn der großen Berliner Funkausstellung möglichst jertiggestellt werden. Die Reichs- rundfunkgcjelljchast beabsichtigt, darin die Einrichtung einer besonderen Abteilung für Fernsehen, in der die Reichspost den jetzigen Stand der Fernsehtechnik zeigen wird. Weiter sollen Geräte zur Selbstauf- nähme von Schallplatten herausgebracht werden, die es ermöglichen, sogar die Darbietungen ferner Sender festzuhalten. Neben einem Ehrensaal, in dem Büsten und Bilder der Erfinder und Förderer der drahtlosen Technik gezeigt werden, und einer Abteilung sür Sende- und Empfangstechnik soll ähnlich wie im Deutschen Museum in München auch ein Experimentiersaal eingerichtet werden, in dem die neuesten Empfänger der Radioindustrie ausgestellt sein werden.. Elisabeth Bcrgncr wird bei ihrem Gastspiel im Theater in der S t r e s e m a n n st r a st e<8. bis II. Juli) nickit die„Alkmcnc" in„Amphi- trpon 38", sondern die„E l i s a b e t h" in der drciaktigen Komödie von Maugham„Der Kreis" spielen. Zukunstsiheorien. Internationale Bekämpfung der Arbeitslosigkeit. Die zweitägigen Beratungen des Sonderkomitees für Arbeitslosigkeit des Europaausschusses sind zu Ende. Die Entschließungen, die das Komitee zur Einberufung einer Konferenz für Stellenvermittlung, zur Vergebung von N o t st a n d s- arbeiten auf internationaler Grundlage und zu der Herstellung eines Gleichgewichts in der Verteilung der mensch- lichen Bevölkerung gefaßt hat, umfassen derart weitgesteckte Ziele, daß mit einer Verwirklichung in absehbarer Zeit nicht zu rechnen ist. Zunächst müssen diese Entschließungen der Vollversammlung des Europaausschusses im September vorgelegt werden und der Europa- ausschuß muß erst an den Völkerbund herantreten. Auf der internationalen Arbeitskonferenz sind die Fragen, die in den Entschließungen behandelt werden, eingehend erörtert worden, und es hat sich gezeigt, daß der praktische Wert dieser Maßnahmen für die Bekämpfung der jetzigen Arbeitslosigkeit noch durchaus um- stritten ist. Sachverständige sind der Ansicht, daß'diese Maßnahmen von einer gewissen Bedeutung für künftige Krisen sein können und daß sie von diesem Gesichtspunkt aus auch weiter ver- folgt werden müssen. Abflauen des französischen Textilstreiks. In 94 Fabriken wird gearbeitet. Roubaix, 6. Juli. Von den 360 Textilfabriken im Streikgebiet haben weitere 34 sich mit der Annahme des Lavalschen Borschlages einverstanden erklärt, so� daß am Montag in 94 Fabriken die Arbeit wieder auf- genommen wurde. Tarif für die Angestellten der Arbeitsamter. Wie uns vom Zcntralverband der Angestellten mitgeteilt wird, sind die Verhandlungen zwischen den Vertretern der Organisationen und der Verwaltung der Reichsanstalt am 3. Juli zu Ende ge- führt worden. Die noch offenen Streitpunkte sind fast restlos beseitigt, nachdem der Vorstand der Reichsanstalt seine letzten Be- schlüsse gefaßt hat. Die Verhandlungen waren deshalb besonders schwierig, weil sie mit Unterhändlern auf Arbeitgeberseite geführt wurden, die nur engbegrenzte Vollmachten hatten und zu nahezu jeder auch nur textlichen Aenderung die Zustimmung verschiedener Instanzen einholen mußten. Diese bürokratischen Hemmungen haben den Organisationen die Arbeit wesentlich erschwert. Die Unterzeichnung des Vertrages ist für Ende Juli zu er- warten, nachdem die Organisationen in der letzten Sitzung erklären ließen, daß- sie ihren Mitgliedern die Annahme des Ver- Handlungsergebnisses empfehlen könnten.' Der neue Tarifvertrag bringt gegenüber dem alten wesentlich« Aenderungen. Unter dem Einfluß der Arbeitgeber in den Selbst- Verwaltungsorganen verlangte die Reichsanstalt wesentliche Ver- schlechteningen, die zum erheblichen Teil abgewehrt werden konnten, zum Teil aber auch von den Organisationen hingenommen werden mußten, allerdings im Austausch auch mit Verbesserungen gegen- über dem bisherigen Zustand. Die Frage eines besonderen Schiedsabkommens ist noch offen und bleibt abschließenden Verhandlungen vorbehalten. 43. Abt. Wegen der Montag stattfindenden Krcisvorstanhs- sitzung findet unsere Funktionärversammlung Dienstag, 7. Juli, 20 Uhr, bei Krepp. Planufer 75/76, statt. Das vierzigjährige Dienstjubiläum begeht am 6. d. M. der Ober- postsekretär Max F r e n z e l. Der Jubilar hat in der Auskunftsstelle des Postamts 68(Linden- Ecke Ritterstraße) jahrzehntelang die Presse und die Geschäftswelt im Berliner SW.-Bezirk über postalische Fragen aller Art zweck- und sachdienlich unterrichtet. Wetter sür Berlin: Wolkig bis heiter und schwül, Gewitter- Neigung.— jjür Deutschland: Im Nordosten trocken, heiter und sehr warm; in Mitteldeutschland und Schlesien wolkig und schwül mit 'einzelnen Gewittern: im Westen und Süden wolkig bis heiter und mäßig warm, ohne nennenswerte Niederschläge. Soll der Student radikal sein? lieber dieses aktuelle Thema wird am Donnerstag, 9. Juli, 19 Uhr, vor dem Mikrophon der Berliner Funkstunde Prof Dovifat mit je einem Studenten der beiden extremen und der mittleren Richtung im Rahmen der Vortragsreihe„wtudenten diskutieren" sprechen. Unter Leitung des Genossen Prof. Dr. Hermann Heller wird im Vortragssaal, Lindenstraße 3, 2. Hof, links, eine Rund- funkhör stunde stattfinden, an der sich stamhafte Vertreter der sozialistischen wtu denken und anderer Jugend- organisationen beteiligen werden. Kostenlose Teilnehiner- karten sind erhältlich in der Buchhandlung Dieg, Lindenstraß: 2. und beim Arbeiter-Radio-Bund, Gitschiner Straße 93(Dönhoff 1896). Rückschau. Den„Rückblick auf Schallplatten für den Monat Juni" gab Dr. Christian Pfeil. Die Hörer bekamen mit diesem Bericht eine Rückschau, die ein klares Profil zeigte. Dr. Pfeil erinnerte an Geschehnisse, die sür den ver- flossenen Monat wirklich charakteristisch waren; er gliederte seinen Bericht übersichtlich in sinnvoll zusammen- hängende Gruppen. Technik, Sport, Wirtschasts- Politik und Politik des vergangenen Monats niarschierlen noch einmal in wesentlichen Momenten auf: die musikalische Rückschau wurde nicht als unterhaltende Verbrämung des Vor- trags benutzt und infolgedessen ungebührlich gedehnt, sondern Dr. Pfeil begnügte sich mit einer sehr knappen Auswahl aus den Darbietungen, zu deren Hervorheben in dieser Rückschau ihm zwingende Veranlassung vorzuliegen schien. Ob diese Rückschau im einzelnen jedes wesentliche Ereignis berücksichtigte und jedes un- wesentliche ausschied, ist nicht so wichtig. Solch« Auswahl wird schließlich immer die persönliche Ansicht dessen spiegeln, der sie trisft. Wenn dieser Redner nur überhaupt die großen Linien der Er- eignisse erlebt und sie den Hörern in seinem Bericht andeutet, so darf man zufrieden sein. Alfred Kerr ließ in seinen„T a g e s g l o s s« n" andere Geschehnisse noch einmal lebendig werden, Ereignisse, in deren Mittelpunkt der Mensch als Individuum stand. Meist waren es kriminelle Taten: der Fall des Kunstmalers, der zum Hehler und Verkäufer von Diebesgut wurde, die Tat des Mutter- Mörders, die Zustände in der Fürsorgeanstalt Scheuen, der Betrugs- prozeß Melczek; olles Vergehen, die aus dem Durchschnitt der Kriminalistik herausspringen. Kerr kritisiert, indem er zeigte— nicht die Taten selber, sondern das Verhältnis von Menschen und Zuständen, aus denen sie sich entwickeltem Auch an diesem Vortrag war das wertvollste, daß dem Hörer Z u- sammenhänge sichtbar gemacht wurden, die ihm eine«igen« Urteilsbildung ermöglichten. Tes. Montag, 6. Jnli Neri«». 16.00 Kammerorchesterkonzert. Dir.: CdvaM feadier. 1. SteiBite; Siaiocia Es-Dur. 2. Kari von Dittersdorf: Divertimento. 3. tfoneczert Pastorale d'6t6. 4. Mozart: Sinfonie B-Dnr. K.-V. 319(Kamraer-Slnfonio. Orchester). 17.00„Opern Lortrlms"(Dr. Julies Kapp). 17.20 Alwin Steinite: Ich komme aus Cnaland. 17.45 Walter Viktor liest aus eiienen Werke«. 18.00 Chöre.(Kammerchor. 1.1».: Michael TatAe# 18.20 Dr. Alfred Beyer; Ist Wissen Macht? 18.45' Dr. Bruno frei und E. A. Mowrer: Hefdsatsprasa oder»8 presse? 19.10 Mitteilunren des Arbeitsamts. 19.15 Unterhaltunrsmusik. 20.30„Der letzte Akt." m. TeO;_D»o Toten marseUecea», /i Etoe llbte spieldichtnn* von Hans Kyser. Perle: Bans Kysst. 22.00 Wetter-, Tares- und Sportnachrichten. c Tanzmusik.,' i, K ö« Irssrnedorbooooo. 17.00'Prof. Qrebe, M. d. L.: SchnlbUdim« and Wlilolnflrtite« 17.30 Dr. Sierfrled Nadel; Nerer sinreu. 18.00 Prof. Dr. Hans Lletzmann: Können wir das Alte Testament euAxJueuf! 18.30 Prof. Dr. H. Großmann; Die chemische Produktion Dentscfafanda. 18.55 Wetter ffir die Landwirtschalt. 19.00 Dr. M. H. Boehm: Volksredanke und Weltanachanuar..' 19.25 Frh. von Richthofen: Praktische Erntevorberettmir. 20.00 Unterhaltunrsmnsik. 20.45 Per.-Rat 0. Cleino: Deutsche Anrestetlte w Sosrlet-Rnßbmd. 21.10 Tares- und Sportnachrichten. 21.20 Leipzlr: Frohsinn und Heiterkeit. Bnontmortf. für hie Rehaktion: Setbert Lephre, Berlin;»n» eigen:«i.»lecke, Berlin. Verlag: Vormärts Verlag». vi. b. L.. Berlin. Druck: Vorwärts Buch, hruckerei unh Verlagsanstalt Paul Singer 6c Co.. Berlin SW 58, Linhenstrabe 8, Kien» 1 Beilage. HEINI StHUFZIHMER direkt ab Fabrik EngrosPrBfse BERLIN O 34 «WM Pergnugung* Rgstaurnnt Berlins! Reichshallen-Theater Anfang| et| Uhr Stetfiiner Sänger Zum Schluß �„Alles verrückt!" Rose-Garten Wochentag« 5.30 Uhr Sonntags 5 Uhr Vom 6,— 9, Juli: Rosenfest mit LotteWerkmelster 1 Jazz-Band-Kapelle, Tanz Im Freien und vielen Lieberrasch.| 8.15 Neu) ..Unter der blühendenlinde* Singspiel Preise 0.60 M. bis 2.00 M. ROSE THEATER Wochentags 8.15 Uhr Sonntags 5.45 Uhr, 9 Uhr| Carl de Vogt in „DerHerrmiideni Fragezeichen" Lustspiel von MSIIer und Lorenz 1 mit Hermine Sterler, Maria West, Armin Schweizer, Fred Goehelu.a. Regie: Paul Rose Preise; 0.50 M. bis 3.00 M 6r.Fraiimnrlersir.l32. U-Bahn Srrausberger Platz 6 lägiger 1 Vorverkauf II— 1 u.3—'.Uhr fei Bestell E 7 Weichsel 3422 Linkpianos, Mietviana» llbrr- aus preiswert. Bianafahrik Link, Brunnenstrake 32.* Da? köstlich erfrischende Sinalco ltel»«rall zu R»«»>»«»»? Generalvertreter Starick& KrQger Landsberger Allee 6— 7. Tel: Alexander 4703, Königstadt 1666 KS VolKsbüline Ttalcr am BOlowplati. S'/i Uhr Der Mann des Sch'cktaU Die Komödie der Irrungen HOhren. Flitei Ersatiteilv. Preislille orallt Komankt Cd. Pumpenfabril« BERLIN N 65. Relnidienilorfcr Sir. S5 In der Gesamtauflage de««Vorwärts' sind besonders«rlrksan» und trotzdeo) | wepHUule I 1110081 Paten tmatzagen .Primikstma", M-- tallhetten. Auflege- matraken. Chaise. longue». Walter, EtaigarherNrahe achtzehn.«einLahen rnusiK- Instrumente Falirraaer gebrauchte Rohttahcr. 15,-. 20,- 25,-i 30,—. Madmorn, Weinmeisterftr. 14� Ballonrenner, Ballonwuren.. Bai- lonhamcn. Maschi- nen 58,—. 65,—, 75,—. Original- Dreunahor. Ballon- tähtr 85,—. Mach, not», Weinmeistcv- strahe 14. [haiilgesuciie stahnaebiffe. Vlatinahfälle. Quetffilhct Sinn Metalle, Eilhtn schmelze(Bothfdimei zerei.(EhrifKonot sehr billig i|s«�cnv ahiibr stSptnickerstrahk ----* SwÄbAiS StinJaulfaße deÄs (Beilage Und Max— geht stehlen Bericht über einen Arbeitslosen Ticscr Bericht hat keinen literarischen Ehrgeiz. Er zeigt e i n stück Leben in dieser Zeit der Arbeitslosigkeit und äußersten Not. Behörden. Angestellte oder Beamte sollen nicht angcgrisscn werden. Schreiber dieses versteht vollkommen ihre Zwangslage. Und doch, und doch ldas ist der einzige Zweck dieser Zeilen): erlebt man das Elend der Erwerbslosigkeit mit dem Herzen, dann möchte man allen die es angeht, zurusen: begreift als Mensch den Menschen, der als Arbeitsloser vor euch tritt, und handelt danach! Maxens Kindheit unterschied sich in nichts von der anderer Slrbeilerkiitder, deren Väter und Mutter in den Fabriken arbeiten. Beide Eltern mußten oerdienen, weil der Lohn des Vaters allein nicht zum Lebensunterhalt reichte. Morgens um 6 Uhr gingen Vater und Mutter fort, erst spät am Abend kehrten sie heim. Es war vor dem Kriege: einen Achtstundentag gab es noch nicht. Den Haushalt führt« die Großmutter, die morgens kam, und ging, nachdem sie� die Hauptmahlzeit mit der Familie eingenommen hatte. Die Großmutter war— Maxens Heimat ist Bayern— Katholikin. Wenn sie den Haushalt besorgt hotte, las sie ihrem Enkel Legenden vor und erzählte ihm aus dem Leben Jesu. Sie schenkte ihm bunte Heiligenbilder, wenn er recht artig zuhörte. Großmutters Ausführungen waren nicht sonderlich klar. Sie sagte: Du darfst nicht lügen und stehlen! Wozu das auch? Die Welt ist schön. Die Eltern arbeiten, sie bringen jeden Sonnabend Geld zum Mietezahlen und Essenkaufen. Warum sollte man da stehlen brauchen?— Max wurde älter und kam zur Schule. Der Lehrer erzählte auch von Jesus und verteilte Heiligenbilder. Max besaß als guter Schüler zwei Zigarrenkisten voll. Eines Tages wurde Max, wie auch früher schon, von der Groß- mutier zum Einholen mitgenommen. Sie kaufte beim Fleischer Wüßter ein Viertel Jagdwurst und ging dann zum Fleischer Samter, um bei ihm ein Halbes Schmalz zu erstehen, weil der damit billiger war. Samter fragte, ob Großmutter nicht schon bei seinem Kon- kurrenten gewesen sei. Großmutter sagt:„Nein!" Nein?! Max stieg die Schamröte ins Gesicht.„Großmutter, du hast gelogen!" sagte Max kaum zum Laden heraus:„Nein", erwiderte die alte Frau, „das war eine Notlüge, die ist erlaubt!" Das verstand Max nicht. In der Schule waren Kinder, deren Väter Schachtmeistcr, Poliere und Vorarbeiter waren. Diese Kinder bekamen hin und wieder einen Sechser oder ein sonntägliches Taschengeld. Dafür kauften sie sich Leckereien und prahlten damit. Max-bekam nie Geld. Bis er sich welches verschaffte, indem er, wenn er zum Einholen geschickt wurde, sagte.chjes und jenes fei teürcr gewesen. Das nannte er„Notlügen". Seine Verfehlungen wurden entdeckt. Er bekam Prügel und galt fortan als ein„saubrer Bursch'", dem man aus die Finger gucken müsse. Am 1. August 1914 war Max II Jahre alt. Sein Dater wurde eingezogen. Maxens Mutter drehte Granaten. Hatte bislang die väterliche Strenge den Jungen gebändigt— in der Folgezeit ver» mochten die Ermahnungen der Mutter das nicht. Die war abends totmüde, zerschlagen, wie gerädert vom Stehen an der Drehbank. Die Mutter schimpfte viel, die Frauen waren damals fast alle leicht reizbar. Das Schimpfen mochte Max störrisch. Er wurde ein Rowdy, der in allen Gassen der Nachbarschaft gefürchtet war. Im Winter 191k gab es außer den Kohlrüben des Herrn Torti- lowiß von Vatocki-Friebe nur noch: Dörrgemüse, Kunsthonig und Marmelade. Die Grammportionen auf Lebensmittelkarten zählten nicht. Maxens Mutter bekam Schwerorbeiterzusatzkartcn— auch das langte nicht zum Sattessen. Es wurde gehungert. Max schlich nachts in die Speisekammer und aß. Tags, in der Schule, st a h l er den Kameraden dieStullen. So lernte er das Stehlen.— Der Vater blieb im Kriege. Max kam von der Schule in die Fabrik. Und dann—! Dann kam die Ouctschmühle der Arbeitslosigkeit, die ihn zermalmte, auslaugte und auf die schiefe Bahn brachte. Ein wenig Bürokratismus und Engstirnigkeit der in Be- tracht kommenden behördlichen Stellen dazu, viel Hunger, nagender, aushöhlender Hunger und dumpfe Wut. Zu Hause wollte er nicht bleiben. Cr ging nach Berlin. Vielleicht würde er dort Arbeit finden, wenn nicht, dann—. * Wenn im Winter Hochbetrieb im Obdachlosenasyl ist, geht olles in Haß und das Vorzeigen der Papiere, die Eßmorkenausgabe, dos Ausziehen, Baden, Essensassen. In: Umkleideraum bekommt jeder zwei Leinenföcke und einen Drahtbügel, um die Kleider ein- zuHüllen und aufzuhängen. Als ich Ende 1929 in der„Palme" nächtigte, konnte ich nicht zurechtkommen und wurde angeschnauzt. Mein Nebenmann sagte dem Ausseher die Meinung und half mir beim Verstauen der Kleider. Als der Trupp Obdachloser angetan mit bis zu den Knöcheln reichenden Hemden wie eine Prozession in Holzpantoffeln, andächtig den Essennapf haltend in die Schlafsäle klapperte, hotten mein Helfer _ es war Max— und ich nebeneinanderliegende Pritschen inne. Wir kamen ins Gespräch und Max berichtete mir seinen Lebenslauf. Er war in Berlin, nachdem er keine Arbeit erhalten hatte, mit einem Kumpan auf die„Scheibetour" gegangen, das Zertrümmern von Schaufensterscheiben und Plündern der Auslagen. Das war eine Zeit gut gegangen. Dann wurden sie gefaßt. Für Max gab es„Bewährung". Aber keine Arbeit. Dafür bekain er Anschluß an die„Münze". Größere Sachen wurden„gestoßen", Konfektionsläden ausgeraubt. Bei einem„Bruch" wurde Max geschnappt—: Gefängnis! Im„Echem" erfolgte erst die richtige Ausbildung zum Ganoven. Und dann war er einer, der auf allen„Touren reiste". Das berichtete er mir mit einer Sachlichkeit, die keine Hoftnung auf Rückkehr in geordnete Verhältnisse zuließ. Er machte mir das Angebot mit ihm zu„arbeiten". Ich tastete durch vorsichtige Fragen und fand, daß das Verbrecherische keineswegs von ihm Besiß ergriffen hatte Und weil er Hemmungen hatte, kein ganz und gar kalter Egoist war(als der er sich zum Beginn unserer Unterhaltung darzustellen oerzweifelt bemüht hatte), weil er ein guter Kamerad gewesen war und alles für andere gegeben hatte, deshalb saß er in der„Palme". Seine Delikte resultierten allein aus dem Gedanke»- gang: ich habe das Recht zu leben: dies Recht wird mir streitig gemacht, man läßt mich hungern, deshalb bin ich ein Feind der pgnjcky-n. Jäj f jn ant tzw, DaH K tem Mnd der Menschen sei, sondern einer, der auf verkehrter Ebene kämpfe. Das sah er ein. Sein Schlußwort war:„Ja, wenn ich doch Arbeit bekommen könnte...!" Es gelang mir, ihm Wohnung und Unterstützung zu verschaffen — an Arbeit war nicht zu denken. * Nachdem ich längere Zeit nicht in Berlin gewesen war, traf ich Max vor kurzem in der„Münze" wieder. Es war das alte Lied. Er war wieder ohne Wohnung. Und es wäre hier ein Vers zu singen auf den Unterschied zwischen einem verstehenden Menschen und einem„Wohlfahrts" b e a m t e n: wie dieser auch innerhalb der Bestimmungen in seinem Dezernat großzügig arbeitet, während der andere— hols der Teufel!— nicht das tut, was er tun kann. Max war in einen anderen Bezirk verzogen. Mietzuschuß?— Abgelehnt! Niedrigster Richtsaß genügt...„Sage mir nur, wie ich von den 39 Wohlfahrtspipen monatlich leben soll!" Ich wußte keine Antwort.„Heute Nacht— Sieg oder Platz:' ich geh' stehlen!" Er ging nicht stehlen. Ich gab ihm 3 M. Dafür konnte er sich sattessen und ein Zimmer anmieten. Ich ging zu einem mir be- kannten Wohlfahrtsdezernenten, der anständig arbeitet, und schilderte ihm Maxens Lage. Der Dezernent griff ein. Max bekam 15 M. vorläufige Unterstützung ausbezahlt. Davon hatte er zu zahlen: 3 M. an mich(denn ich habe mir geringes Einkommen und habe oft selbst nichts), ß M. für Mieterest, 3 M. für Mieteschulden und Wäschegeld bei der vorigen Wirtin. So blieben ihm 3 M. zum Leben. Endlich ein frisches, reines Bett! Den ersten Tag oerschläft Max. Er schläft bis weit in den zweiten Tag hinein. Am zweiten Tage werden Lebensmittel gekauft. Die Tage vergehen. Eine Woche ist um. Die Eßvorräte sind aufgegessen. Die Miete fällig. Max geht zum Vor- steher. Die Akten sind noch nicht da. Aber sie müssen in diesen Tagen vom anderen Bezirksamt kommen. In diesen Tagen... Das ist zu spät. Der Vorsteher geht mit Max zum Amt. Ja, die Akten sind bereits angefordert. Max b e> kommt 10 M. Vorschuß. Er ist glücklich, daß er die Miete zahlen kann. Für 1 M. ißt Max warm. Für 2 M. kaust er Rücken- fett zum Ausbraten und Brot. Ausgehungert wie er ist, reicht es nur vier Tage. Die Akten sind immer noch nicht da. Der Hunger packt die Eingeweide mit glühenden Zangen und dreht sie uni. Alles lechzt nach Essen: der Magen, der Gaumen. 1916 war's doch besser: da stellte niemand Würste und Speckseiten in den Fenstern zur Schau..'. Der Magen bellt. Die Schläfen schnierzen. Die Gelenke sind wie ausgetrocknet. Die Phantasie arbeitet unentwegt und malt Freßorgien aus. Es ist grauenhast. Max kommt zu mir. Ich habe auch nichts zu beißen und keine Möglichkeit, etwas auszutreiben. Trost ist billig. Er hilft auch nichts. Max trottet nach Hause und wühlt sich ins Bett. Er trinkt viel Wasser. Mit vielem Wasser kann man den Magen betrügen. Aber nur für kurze Zeit. Max kann vor Hunger nicht schlafen. Morgen ist die Miete auch wieder fällig.. Die Uhr schlägt zwölfmal. Die Wirtin schläft schon. Max steht auf und schleicht in die Küche. Er nimmt: eine Kruke Butter, zwei Tüten alter Semmeln, sechs Eier. Er ißt alles auf. Die Eier mit der Schale. Dann sinkt er erschöpft ins Bett. Alles Blut fließt zum Magen. Max ist einer Ohnmacht nahe. Ihm kommt jetzt, da der Hunger gestillt ist, alles so sinnlos vor. Seine Gier auf Essen, die er vorher hatte. Er schämt sich seiner Tat, die Wirtin hat selbst nichts zu brocken. Sie ist arbeitslos... Morgens schleicht Max zum Amt. Die Akten sind noch nicht eingetroffen. Es geht zum Vorsteher und beichtet alles. Der gibt ihm einen Brief zum Dezernenten mit. In dem Brief steht, daß die Wirtin beim Dorsteher Anzeige erstattet hat.' Der Dezernent ist ein wirklich feiner Mensch. Sein Spitzname ist: Papa: so nennen ihn die Erwerbslosen, weil er für sie sorgt mie ein Vater. Aber—, Maxens Hunger kann er nicht nachempfinden. Max ist für ihn erledigt. Ich interveniere und suche zu erklären. Vergeblich. Und Max— geht stehlen... Eincft Preuße. Ein Querschnitt durch Sachsen Ein Bilderbogen von Max Barthel Der Weg von Berlin nach Dresden über den Spreewald, durch das Senftenberger Jndustrierevier und über Kamenz ist ein Um- weg, aber ein schöner Umweg. Er führt aus versteinerten Straßen- schluchten durch das sommerliche Idyll des Spreewaldes, durch das dunkle Revier der Braunkohlen und das liebliche Hügelland der Lausitz nach der türmereichen, schönen Stadt an der Elbe. Nach den Berichten gewisser Schriftsteller ist der Sachse der lächerlichste Mensch und sein Horizont der eines böswilligen Klein- bürgers. Der politisch Interessierte weiß, daß jenes Land vor dem Krieg„das rote Königreich" genannt wurde(auch heute ist die Arbeiterbewegung trotz der tragischen Spaltungen der feste Grund, der die Republik trägt), der Mensch, der sich in Kulturgeschichte aus- kennt, kann ein ganzes Alphabet berühmter Philosophen, Musiker. Maler und Dichter aufzählen, die ihren Wurzelboden in jener viel- gestaltigen Landschaft haben. Es gibt auch keinen sächsischen Dialekt, wie er als typisch für das ganze Volk von gewissen Komikern verbreitet und von manchen Schriftstellern propagiert wird: in Sachsen werden vier'Diolekte gesprochen, der erz- gebirgische, der vogtländische, der Lausitzer und der weiche Singsang um Dresden, Chemnitz und Leipzig. In Sachsen dominieren die Berge imd die Täler. In den schmalen und breiten Tälern, in den weiten Senkungen oder Hoch- flächen raucht und werkt die Industrie. Maschinenbau und Bergbau, Zellulose und optische Industrie, Zigaretten- und Schoko- ladefabrikation, große Brauereien, Chemie, Steine und Erden: bieses kleine Land mit den fünf Millionen Einwohnern ist«in Musterbeispiel von der Industrialisierung Deutschlands, ist auch ein Musterbeispiel der K l a f s e n s p a l t u n g. In den atmen Gebirgs- tälern verkümmert und hungert die Heimarbeit, wuchert dos dunkelste Sektenwesen, in Dresden zum Beispiel oder in Leipzig gibt die freiheitlich« Arbeiterbewegung den Städten«in neues Gesicht. Dresden, die Hauptstadt, ist trotz der grauen Versammlungen un- zohliger Fabriken, die diese Stadt von allen Seiten berennen, eine ländliche Stadt. Man wandelt(spaziert ist nicht treffend genug gesagt), man wandelt noch im Stadtgebiet durch blühende Wiesen, wogende Felder, liebliche Täler, tiefe, dunkle Wälder über sanfte Hügel nach dem jungen Elbstrom, der in seiner Tiefe noch die kühlen Gewässer der nahen Berge trägt. Von der östlichen und westlichen Bergseite münden viele Täler und Gründe in das Elb- stromtal, und sie bringen nicht nur Wasser nach dem Strom, sie bringen auch immer wieder die Verjüngung der Stadt durch den Zustrom ländlicher Ansiedler. Von Dresden soll nichts berichtet werden, sein Ruhm ist in aller Munde. Fast alle Menschen sind dieser Stadt verfallen, die einmal dort gewesen sind. Der Kampf ums Dasein ist in Berlin wilder und brutaler. Der Berliner, diese phantastische Mischung von Brandenburgern, Pommern, Lausitzern, Schlesiern und Magdeburgern, der Berliner, dieser laute, tüchtige und immer keine Zeit habende Menschenschlag hat sich hier oben in der dürren Sondwüste zwischen den Wäldern und Gewässern angesiedelt und mit großartiger, heroischer Gewalt die Millionenstadt mit der Rußhaube der Industrie aufgebaut. Vier Millionen wollen arbeiten und haben zu wenig Arbeit, vier Millionen wollen essen und haben viel zu wenig Brot. Der Mangel macht den Menschen nicht besser. Die Maschinerie einer 4-Millionen-Stadt kreischt und brüllt, und da müssen eben die Menschen auch kreischen und brüllen, wenn sie gehört werden wollen. „Wenn die Kinder sind im Dunkel, singen sie«in lautes Lied," sagt lÄM Semri��ewe._ Auch in Sachsen, in Dresden, gibt es viele Menschen ohne Brat und Arbeit. Auch in den kleinen Städten und Dörsern, in den Tälern und im Gebirge ging die ungeheuerlichste Rationalisierung, die den Menschen auf die Straße warf. Auch die seelische Ratio- nalisierung, Zusammenbruch des Idealismus, geht durch die Städte und Dörfer. Auch da unten knallen politische Schüsse, heult die Unduldsamkeit und die Schlagringe ersetzen die Schlägkraft der Ideen. Aber trotz aller Spaltungen findet der Besucher in der Bewegung überraschend viele Frcundschaftsgruppen, glückliche Inseln in dieser unglücklichen Zeit.\ In einer /�-Millionen-Stadt ist die Auslese und der'Zusammen- halt wesensverwandter Menschen viel leichter und inniger als in einer 4-Millionen-Stadt, und aus dieser Tatsache heraus ist es auch zu verstehen, daß sich das kulturelle Leben trotz alledem auf einer hohen Ebene bewegt. Noch jetzt müssen von der Partei, von den Gewerkschaften sehr oft Mitglieder zurückgewiesen werden, die sich für bestimmte Kurse als Teilnehmer melden. Der komische Sachse? Auch den gibt es. An einem Grundstück in der Nähe von Dresden steht zum Beispiel geschrieben: „Bitte, nicht eintreten, da bissige Hunde vorhanden!" Welcher Deutsche ist so höflich, so komisch höflich und warnt durch ein liebens- würdiges„Bitte" vor bissigen Hunden? In Berliner Vorortgärten kann man oft Schilder mit gekreuzten Knochen unter grinsendem Totenschädel sehen, und auf den furchtbaren Tafeln steht der katc- gorische Imperativ:„Achtung, Lebensgefahr! Selbstschüsse! Fuß- angeln!" Jä einer sächsischen Gartenwirtschaft bestellte ein Berliner Kaffee ohne Sahne. Dex Kellner saust ab und kommt nach zwei Minuten verlegen wieder.„Kaffee ohne Sahne gibt es leider nicht, darf es vielleicht ohne Milch fein?" fragt er. Ist das nur lächerlich? Ist das nicht vielmehr rührend in seiner er- schütternd deutschen Gründlichkeit? Die Elbe ist zwischen der böhmischen Grenze und der Bastei an vielen Stellen schöner als der durch Burgen und romantischen Nepp verkitschte Rhein. Im Elbsandstcingebirge gibt es viele Wände, Zinnen und Berge, die mit zu den edelsten Erhebungen deutscher Berglandschast zählen. Am Zirkelstein kam der Bericht- erstotter mit einer Singegruppe der Volkshochschule, zusammen, mit jungen Menschen, die, acht Tage der Arbeitsfron entspannt, da oben im„Naturfreundehaus" zu einem rhythmischen, singenden Kollektiv zusammenwuchsen.« In den Städten und auch schon in den Dörfern wurde demon- striert und geschossen, gehungert und am Leben verzweifelt. Die jungen Proletarier da oben auf der Höhe waren nicht vor der Wirklichkeit geflohen. Sie erlebten aber eine festliche Woche, und die war ein bis in den Gnind der Seele tiefes Atemholen, eine schöpferische Pause vor den neuen Kämpfen ums Dasein, war Sammlung einer singenden Kolonne, die dann in den Städten und in den Tälern mit ihren Genossen nach vorwärts marschieren will. Ueberall wird an der Ileberwindung der furchtbaren Gegenwart gearbeitet. Der eine verzweifelt am Heute, der andere denkt an das bessere Morgen. Er verbindet sich mit seinen Freunden und nimmt den Kampf auf. Ja, die Maschinen in den Fabriken, auch wenn sie still stehen, sind wie die Geschütze eines Well- krieges und schießen nntten in das Volk. Slber die Industrie und ihre schöneren Geschwister, die Technik und die Wissenschaft, müssen durchaus nicht mörderisch sein. Aus Not und Notwendigkeit wird einmal Menschlichkeit und Freiheit blühen. Lobgesang auf das Land Sachsen? Nein, Lobgesang auf den entschlossenen Willen, auf die kühle Sturmfreude und auf die Schicksalverbunden- Heft der jozialistijchen ArbefterUassel flez>lzz2 sendet: SBu wenig Konzerte arbeitsloser Musiker In 25 c r über 30 0 0 in gibt es etwa 3500 Berufsmusiker; weit von ihnen sind heute arbeitslos. In Berlin gibt os heute nur eine Stelle, die in gröherem Maße Mu- fikern neue Wirkunesgebiete öffnen kann: das ist die F u n k st u n d«. Die trog der schweren Zeit noch immer nicht herabgesetzte Rundfunkteilnehmergebühr von 2 M. im Monat hat der Funkstunde die stattliche Zahresausgabe von rund S2l0 000 M. ermöglicht. Ihre Einnahmen sind trotz einiger Schwankungen wahrscheinlich«her im Steigen als im Sinken begriffen. Den größten Teil des Rundfunkprogramms füllen musik o- fische Darbietungen aus, und zwar in der Hauptsache solche, die zur Unterhaltung eines möglichst ausgedehnten Hörerkreises be- stimmt sind. Hier scheint also Platz für einen großen Teil der arbeitslosen Musiker zu sein, da die Funkstunde bisher durchaus nicht in ausreichendem Maße über die Möglichkeit zur Verbreitung sendeeigener Musik verfügt, sondern zum großen Teil auf Schallplattendarbietungen und Uebertragungen aus Hotels, Kaffeehäusern usw. angewiesen ist. Daß es sich bei den arbeitslosen Musikern nur zum sehr kleinen Teil»m geringwertig« Kräfte handelt, liegt auf der Hand, wenn man bedenkt, welche hohen Ansprüche das Berliner Publikum im allgemeinen an musikalische Darbietungen zu stellen pflegte. Die Musiker, die heut« ohne Beschäftigung sind, entstam- men in der Mehrzahl angesehenen Orchestern, die in Konzertsälen und vor allem in großen Kinotheatern spielten. Mancher hochbe- gabt«, namhafte Künstler ist heute brotlos. Bisher allerdings Hai die Funkstunde sich sehr wenig um die arbeitslosen Musiker gekümmert. Man hat gelegentlich ein öffentliches Konzert arbeitsloser Musiker übertragen, hat auch bisweilen eine nächtliche Unterhaltungsmusik von ihnen ausführen lassen. Eine offizielle Fühlungnahme mit den arbeilslosen Musikern hat die Funkslunde dabei immer vermieden. Sie traf die Vereinbarungen über die Konzerte nicht mit einer Vsr- tretung dieser Musiker, sondern nur mit dem Kapellmeister, den sie für solche Konzerte häufig selber empfahl. Einer dieser von der Funkstunde empfohlenen Herron unterschlug den arbeitslosen Musikern 5000 M. Honorar: die Funkstunde kam natürlich für diesen Verlust nicht auf. Auch bei Vereinbarungen mit Kaffeehauskapellen, die für ihre Vorträge für die Funkstundz von arbeitslosen Musikern verstärkt wurden, kam es zu S ch ä d i g u n- gen diese» Musiker. So erhielt«in Kapellmeister eines großen Hotelunternehmens für jeden Verstärkungsmusiker ein Ho. norar von 15 M., zahlte jedoch nur 10 M. aus und ließ den Rest in der eigenen Tasche verschwinden. Der Deutsche Musiker- verband hat infolge dieser Mißßstände versucht, mit der Berliner Funkstunde eine Vereinbarung über die Bezahlung musikali- scher Aushilfskräfte für Rundfunksendungen zu treffen. D i e Funkstunde hat das abgelehnt. Darauf wurde cher Ber- liner Schlichter angerufen, der befremdlicherweis« das Ersuchen der Musiker abwies. Die Funkstunde kann also weiter bei ihrer be- quemen, zu nichts verpflichtenden Haltung gegenüber den arbeits- losen Musikern yerharren. Wenn sie in ihrer Lcbensfremdheit nicht selber erkennt, daß sie gegenüber diesen erwerbslosen Volksgenossen die M ö g l i ch Pe i t und also auch die Pflicht zur Hilfe hat, so wird man sie immer wieder darauf hinweisen müssen. Der Funkstunde er- wachsen durch die Verhandlungen mit Orchestern arbeitsloser Mu- siker wahrscheinlich geschäftliche Schwierigkeiten, denen sie gern ent- geht. Wäre da- nicht der Fall, so müßte es völlig unverständlich gleiben, daß die Funkstunde die Arbeitsmöglichkeil für diese arbeitslosen Musiker vor ihrem Mikrophon sogar noch abgebaut hat. Das tägliche Frühkonzert nach der Morgengymnastik wurde im vergangenen Jahr noch bisweilen von arbeitslosen Musikern aus- geführt. Jik diesem Jahre hat die Funkstunde es durchschall. Plattendarbietungen ersetzt! Nachmittags und abends bringt das Programm immer wieder Uebertragungen au» össentlichen Vergnügungsstätten, wofür an den b e- tressenden Unternehmer eine Entschädigung von durch. schnittlich 100 M. gezahlt wird. Das Konzert von Militär. k a p e l l e n scheint der Iunkstunde bei allen möglichen Gelegen- heilen unentbehrlich, obgleich in dieser Krisenzeit die Stimmung. der Oessentlichkeit ganz allgemein gegen solchen Doppelverdienst gerichtet ist. Man hätte denken sollen, daß mindestens die U r l a u b s z« i t des Funkorchesters den erwerbslosen Musikern ein größeres 'Rechlstvagen des Taffes Vorsicht bei 1*rosipekl~'Ferienr eisen 1 Ein Berliner Kaufmann ließ sich einen Prospekt von einem kleinen Badeort auf Rügen kommen. Es war darin unter anderem angegeben, daß dort ein steinsreier Strand sei, und daß keine Mücfenplage herrsche. Der Berliner fuhr infolgedessen mit seiner Familie nach dem Badeort und mietete sofort eine Woh- nung für die ganze Ferienzeit. Gleich in den ersten Tagen merkte er indes, daß der Strand steinig war, und auch von Mücken wurde er arg belästigt. Er verließ daher mit seiner Familie kurz entschlossen den Ort. und strengte eine Klage auf Schadensersatz gegen die Gemeinde an, der das Bad gehörte, und die den Prospekt heraus» gegeben hatte. Er berief sich aus 8 823 des Bürgerlichen Gesetzbuches, der für Verletzung des Eigejituins durch unerlaubte Handlung Schadenersatz vorsieht. Zur Begründung führte er an, daß er durch den Prospekt veranlaßt worden sei, das Bad aufzusuchen, da er annehnien muhte, daß die darin gemachten Angaben den Tat- fachen entsprächen. Er verlangte Ersatz der Reisekosten für sich und seine Familie und Erstattung der vollen Miete, die er für die ganz« Zeit im voraus hatte zahlen müssen. Das Gericht erhob Beweis darüber, ob der Strand so steinig war, daß ein Boden infolge der spitzen Steine und der Aufenthalt am Strande insolge der Mückenplage unmöglich sei. Die Zeugen, die jahrelang den Badeort besucht hatten, be- kündeten, daß zwar Steine im Bade waren, dies« jedoch am Baden nicht hinderten, und daß sie sich dort immer sehr wohl gefühlt hätten: «ine besondere Mückenplag« war nicht vorhanden: es waren wohl Mücken dort, jedoch nicht mehr als in anderen Seebädern. Mücken. plage war eigentlich nur in den Wäldern. Das Gericht hat die Hloge abgewiesen, da es aus dem Stand- punkt stand, daß die Gemeinde nur dann schadenersatzpflichtig war, wenn das Baden unmöglich gewesen wäre, und wenn die Mücken- plage einen Aufenthalt am Strande unmöglich gemacht hätte. M»rU»retKe Falkenlcld. Betätigungsfeld eingeräumt habe. Das war leider mcht im min- besten der Fall. Berlin hat sich über diesen'Abschnitt durch die Uebernahme von Darbietungen anderer Sender hin- weggeholfen. Die Oessentlichkeit, die den Rundfunk bezahlt, muß fordern. daß ihr Geld, soweit es im Rohmen des Sendeprogramms möglich ist, den erwerbslosen Musikern Beschäftigung erschließt. Künstlerische Bedenken kömien nicht bestehen. Die öffentlichen Konzerte arbeitsloser Musiker haben den Beweis erbracht, daß sich aus erwerbslosen Musikern Kapellen zusammenstellen lassen, die auch ein anspruchsvolles Publikum voll befriedigen können. Gib! der Rundfunk bestimmte Sendungen— etwa das t a g k k ch S Frühkonzert— für arbeitslose Musiker frei oder ersetzt er Unterhalt ungs- und Tanzmusik, die sonst von Heber- trogungen bestritten wurde, in ausgedehnten Maße durch Bor- träge von Orchestern arbeitsloser Musiker, so dürften die Hörer bald überrascht sein, welche ausgezeichneten und abwechslungsreichen Darbietungen ihnen gebracht werden. Denn der arbeitslose Mu- siker sehnt sich ja nicht nur nach Brot: er sehnt sich ebensosehr nach der Möglichkeit zu künstlerischer Betätigung. Jeder Musiker wird bemüht bleiben, sein Bestes zu lefften, solange er die Aussicht auf 25«rdi«nst und künstlerische Betätigung hat: die Kapellen werden dafür sorgen, daß sie als Einheit stets das höchste, ihren Darbietungen angemessene Niveau halten. Wenn e- dabei zu einer gewissen Spezialisierung in den Programmgestaltungen der einzelnen Orchester kommen würde, so wäre das ein weiterer Ge- winn für die Hörer. Tes. e Buch Zwölf gegen das Schicksal. „Zwölf gegen das Schicksal" nennt der Engländer William B o l i t h o*), der 1930 an den späten Folgen einer Kriegsverletzung gestorben ist, sein Buch, das in Essay-Form zwölf Gestalten der Welt- geschichte zu lebendigster Wirklichkeit wiedererweckt. „Das Abenteuer bildet das befruchtende und lebensnotwendige Element in der Geschichte des Individuums und der Gesellschaft," sagt Bolitho am Anfang der Einleitung seines Werkes, das weniger enthüllt und aufspürt als erläutert und vertieft. Und weiter sagt er: »,Für uns Menschen der weißen Rasse bedeutet das große Abenteuer die lockendste aller Möglichkeiten. Gesegnet und verflucht, lebt der Drang nach Abenteuern in unserem Blut..." Und wie Menschen diesem Drange nachgegeben, ihm gelebt und was er in bezug auf di? Allgemeinheit gezeigt hat, das können wir aus Bolithos Buche erfahren. Alexander der Große, Casanova Columbus, Mohammed, Lola Montez, Cagliostro und Seraphina, Karl XII. von Schweden, Napoleon I., Catilina, Napoleon III., Jsadora Duncan und zuletzt Woodrom Wilson sind die Zwölf, die gegen das Schicksal sich selbst zum Schicksal mochten, zum Schicksal ihrer Zeit und darüber hinaus. Dos Individuum wird gleichsam zum Schicksal der Masse und geht zuletzt in ihr auf. Das Abenteuer ist stärker als der Abenteurer, der von ihm überwunden wird. Ein Häuflein Menschen, diese Zwölf, die ihr Schicksal umgingen: aber ihre Lebenskuroe führte sie wieder zur Ebene alles menschlichen Beginnens zurück. Das Ende entweder Sturz, Verderben oder wie bei Cagliostro Flucht in die Spießbürger- lichkeit und darin siechendes Umkommen. Was zwischen Anfang und Ende liegt: Das Abenteuer. Am stärksten, eindrucksvollsten und vor allem zeitbezüglichsten die Kapitel über Alexander den Großen— das Abenteuer der Jugend— Mohammed und nicht zuletzt Catilina. Sellen wurde so anschaulich und überzeugend Werden und Wachsen einer Religion gezeigt wie in dem Kapitel über Mohammed. Hier wird, was später sich zum Mythos verdichtet, in seiner nackten Urform hingestellt. Entblößt jedes falschen Mystizismus wird praktischer Zweck einer Religionsgründung offenbart, die, ehe sie Weltanschauung wird, also kollektivistischer Gedanke, individualistischem Streben entspringt.— Von großer Zeitnahe der Putsch Catilinas und sein Gegenspieler Cicero. Hie der schwärmende Anarchist, herabgekommener Adel, typische Verfallserscheinung einer überwundenen Epoche, die mit Hilfe des Proletariat ihren verlorenen Posten wiedergewinnen will, dort der ruhige, überlegene Geist Ciceros, der die römische Republik und damit den republikanischen Gedanken überhaupt gegen das per- antwortungslose Abenteuer eines Bankrotteurs schützt. Unwillkürlich drängen sich Parallelbetrachtungen zu unseren gegenwärtigen poli- tischen Machtverhältnissen auf. Was den Hauptwert des Buches ausmacht: es ist aufschlußreich und entbehrt trotz allem nicht der Spannung einer hinreißend ge- schriebenen„erfundenen" Erzählung. Die Uebersetzung von Marguerite Thesing-Austin ist sauber und glatt. Fricäricb I-iclitneleer. *) William Bolitho: Zwölf gegen das Schicksal. Die Geschichte des Abenteuers mit 16 Bildtafeln. Müller u. I. Kiepen- Heuer Verlag, Potsdam. WAS DER TAG BRINGT niiiiiiiiiiiininiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiinmiiiimiinniiHniiuiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiniiiiiiiiiiiiiiiniMMiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiinimuiniiiiiiHiiiMiiimiiuiiniiuuiiuu« ERZÄHLT VON YORICK englischen Dorf« Rotten Hills etwa gab's zwei schon betagte Männer. Der ein« trank nur Wasser, der andere nur Whisky: der eine be- hauptete, sein gesundes Alter komme vom Wasser, der andere, das seine komme vom Whisky. Der Streit ergriff die übrigen Dorf- bewohner, und es kam zur Gruppenbildung und zur Wette der' Abstinentengruppe gegen die Trinkergruppe: welcher der beiden Kämpen würde länger leben? Vor kurzer Zeit starb, im Alter von 80 Jahren, der Whisky- trinker. Die Abstinenten jubelten, beim obligaten Leichenschmaus tranken sie literweise Wasser. Schade war nur, daß schon wenige Wochen später der Wassertrinker dem Whiskymann nachfolgte, und daß der letzte zur Zeit seines Todes erst— 79 Jahre zählte. Nun erhob sich ein Streit wegen der abgeschlossenen Wette. Der Alkoholiker war eher gestorben, gewiß, aber er war doch älter ge- worden. Der Friedensrichter mußte entscheiden. Dieser Friedensrichter, dessen Name leider nicht überliefert wird, muß ein sehr weiser Mann sein. Denn er entschied: die Wette ist unentschieden! Hätte nämlich der eine zu seinem Whisky immer etwas Wasser und der andere zu seinem Wasser etwas Whisky ge. nommen— dann würden beide noch heute leben! Das Testament der Miß Winierman Vor ein paar Monaten legte sich die steinreiche Miß Winter- man in Los Angeles nieder, um zu sterben. Sie fand noch Zeit, um Ihr« letzten Angelegenheiten zu regeln. Diese"letzten An- gelegenheiten sahen so mist Miß Winterman besaß zwei irische Terrier, zwei Angora- katzen und einen Windhund. Dieser kleine Zoo sollte, so befahl Miß Winterman dem rasch herbeigerufenen Tierarzt C. A. White, unmittelbar nach ihrem Tode ausgelöst werden, und zwar durch Vergiftung sämtlicher Insassen. Nachdem Mr. White sich bereit erklärt hatte, das Testament zu vollstrecken, starb Miß Winterman. Allein sie hatte das Testament ohne Berücksichtigung der sprich- wörtlichen Gemütstiefe von USA. gemacht. Ein« Zeitung in Los Angeles erftihr von dem geplanten Mord an den fünf Tieren, und sie protestierte energisch. Ucberslüssig zu sagen, daß sich der Bevölkerung sofort stärkste Erregung bemächtigte.' Di« tote Miß Winterman war plötzlich die unbeliebteste Person von Los Angeles. Eine zufällig zu Besuch weilende Dame au» New Port betraute ihren Rechtsanwalt mit der Erwirkung einer vorläufigen Verfügung gegen die Vollstreckung des Urteils. Der Rechtsanwalt bekam die Verfügung. Der Tierarzt, dem um sein Honorar bangte, protestierte. Es kam kürzlich zur entscheidenden Verhandlung vor dem obersten Gerichtshof unter dem Vorsitz des Richters I. Walter Hanby. Als Sachverständige traten auf sieben Delegierte von Tier- schutzvereinen und fünf von spiritistischen Klubs. Die Tierschützler erklärten sich einmütig für die Vollstreckung— denn Haustiere, so argumentierten sie, fühlen sich in einer neuen Umgebung niemals wohl. Die Spiritisten waren weniger einig: über die Frage, ob es besser sei. wenn die Seelen der Tiere mit der Seele ihrer Herrin sofort oder erst später vereinigt würden, stritten sie erregt. Richte Hanby fällte das von ganz USSl. mit Spannung er- wartete Urteil.' Er erklärte, daß tote Hände nicht das Recht haben, andere Lebewesen testamentarisch zu ermorden. Amerika atmete auf. So weit die Geschichte vom Testament der Miß Winterman, al« eklatanter Beweis für die von manchem bezweifelte Gemütstiefe des Pankees. Zur gleichen Zeit warten 16 minderjährige Neger, die man ohne den Schatten eines Beweises zum Tode verurteilt hat, auf die Vollstreckung des Urteils. Keine New-Porkcr Dame beauftragt ihren Rechtsanwalt, diese Vollstreckung chinauszuschicben. Kein Spiritist interessiert sich dafür, mit wem die Niggerseelen im Jenseits vereinigt werden. Kein Tier- schutzverein nimmt Stellung, er ist ja auch nicht zuständig, es sind ja hier keine Angorakatzen Im Spiele, sondern bloß Neger... ?lber da, gehört natürlich nicht mehr hierher. Experimente Die Frage, ob gewisse, in weiten Kreisen nicht ganz unbeliebt« Getränke, als da sind Tee, Kasse«, Schnaps, dje Gesundheit der Genießer schädigen und insbesondere deren Lebensdauer. abkürzen diese Frage hat den Menschen von jeher interessiert. Lange, ehe die Wissenschast in die Wörter„Tee" und„Kaffee" durch bloße» Zlnhängen zweier Buchstaben eine fast unheimliche Bedeutung brachte, lange also, ehe man von„Teein" und„Cosfein" mit mehr oder weniger Sachverstand sprach, gab's zum Beispiel einen schwedischen König, der gor zu gerne wissen wollte, was schädlicher sei: der Kaffee oder der Tee. Er begnadigt« kurzerhand zwei zum Tode verurteilte Raubmörder zu lebenslänglichem Gefängnis unter der Bedingung, daß der eine alltäglich möglichst große Menge» Tee. der andere ebensolche Quantitäten Kaffee zu sich zu nehmen habe. 'Also geschah es: und siehe, nach zehn Jahren starb als erster— der König.. Indessen, auch unsere Zeit kennt solche Experimente. Im Nochmals Archimedes Jener in der Vorwoche hier geschildert« Apotheker, der mit Hilfe seine» Zylinders am Marktplatz seines Heimatstädtchens den Mittelpunkt der A5«lt entdeckte— jener Archimedes von Stroppen hat einen späten Verteidiger gefunden; gesunden im Jahre der Wissenschaftlichkeit 1931, gefunden in der Zentral« der Aufgeklärt- heit Berlin. Hören wir, was uns da auf einer Postkarte zugunsten des vor hundert und einigen Jahren verblichenen Apothekerleins mitgeteilt wird: Sehr verehrte Redaktion! Daß Schlesiens winziges Städtchen Stroppen und Insbe- sondere sein Marktplatz tatsächlich im Mittelpunkt der�Welt liegt, ist selbstverständlich. Denn, wenn die Welt unendlich ist. und das ist doch noch die Ueberzeugung der ungeheuren Mehr- heit aller Wissenschaftler(mit Ausnahme einiger, nicht aller! Re, latioisten). dann muß jeder beliebige Ort im Weltall Mittelpunkt' der Welt sein, weil er nach allen Richtungen gleich weit ent- f e r n t von der unendlichen Ferne ist. Wir sind also alle Mittel- punkte der Welt, Sie, ich, die Stroppener u. a. m. Der Pseil, den Sie absandten:„Sie wohnen durchaus nicht alle in Stroppen, die so urteilen", prallt also auf den Schützen zurück. Mit bestem Gruß�voin Mittelpunktler A. v. K. Ich, der arme Porick, bin der unglückselige Schütze. Der zu- rückgeprallte Pfeil sitzt in der blutenden Wunde. Wer hilft ihn mir herausziehen? Niemand außer Ihnen selbst, verehrter Mittel- punktler von Berlin! Denn das Wissen, daß jeder von uns Mittel- punkt der Welt ist, und das eben darum nach bestem Wissen und Gewissen versucht werden muß, den lieben Nächsten auch von seinem Mittelpunkt aus zu sehen— eben dies TLissen, das der Archimedes von Stroppen nicht hatte, das haben Sie, lieber Archimedes von Berlin! Seinen Marktplatz zum Mittelpunkt er- klären, dos ist Indolenz. Achtung vor'allen Mittelpunkten zu haben. das ist Toleranz! und also unterscheidet sich der Spießer vom Sehenden. Wissenden. Somit reiche ich denn Ihren Pseil an Sie zurück. Ich. der arg. los« Lörick, der ausging, einen Scherz zu machen und eine Lehr« fand,— ich tue das mit einer dankbaren Verbeugung vor Ihnen als vor einem, der ausging, einen Pfeil zu verschießen, und eine umwälzend« historische Entdeckung machte. Denn Sie haben immer- hin herausbekommen, daß am Beginn des Relatioitätsstreits, dessen Endpunkt vorerst Einstein heißt, nicht, wie dieser Einstein fälschlich anzunehmen geneigt ist, Herr Isaak Newton, sondern der Avoibek-r von Stroppen steht! �' Mit bestem Gruß von Mittelpunkt zu Mittelpunkt lorkL Montag 6. Juli 1931 Nr. 310 48. Jahrgang Das Flugzeug ohne Propeller Es erzeugt sich selbst den Flugwind Die Aeronautik, die erst kürzlich ein« Serie beispielloser Triumphe zu verzeichnen hatte— man denk« nur an Piccard, an den Zeppelin ltnd an die Ozeonüberquerung des DO X— steht vor einer neuen, umwälzenden Sensation: das Flugzeug ohne Propeller ist effunden! Die Prinzipien des S«gelflugs für die Motorfliegerei ausnuhen, das war die große Idee, die die Luft- fahrttechniker besonders in Deutschland seit geraumer Zeit beschäs. tigte. Man hörte gelegentlich von neuen Tragflächen und neu- artigen Steu«rkonstruktionen, ohne aber irgend etwas Greifbares gesehen zu haben. Nun aber sind die Hamburger Ingenieure Ludger und Wil- Helm V o l p e r t mit einem Apparat an die Oeffentlichkeit getreten. Es ist im wesentlichen ein Flugapparat, der genau so aussieht w:e hundert und tausend andere: nur d«r Propeller fehlt. Und: wenn man die Seiten und besonders die Unterseite des Rumpfes, der merkwürdig rund und fast in der Form einer Zigarre gebaut- ist, ansieht, dann fallen zunächst seltsame Oeffnungen aus, denen breite Ausbuchtungen vorgelagert sind. Diese Ausbuchtungen befinden sich in der Mehrzahl dicht unter d«n stark nach oben ge- wölbten, ungewöhnlich breiten Tragflächen, die sich durch außer- ordentlich feinsinnige Konstruktion, die irgendwie an die Tragflächen neuerer Segelflugzeuge erinnert, auszeichnen. Man hat also in dem neuen Flugzeug ohne Propeller«inen Apparat vor sich, der auf den ersten Blick an die lustigen technischen Phantasien des Leonardo da Vinci erinnert— an jene Phantasien nämlich, die sich mit Segelwagen befassen. Man erinnert sich viel- leicht: ein Mann, der an Bord eines Segelwagens steht, versucht, mit Hilfe eines riesigen Blasebalges sich selbst den notwendigen Fahrwind in die Segel zu blasen. Diese scheinbare Utopie wird in dem neuen Flugzeug der Brüder Volpert zur simplen Tatsache: Inmitten des Rumpfes ist ein Turbogenerator eingebaut, der eine starke Lustströmung erzeugt. Diese Luft- strömung wird durch Laufkanäle und breite Ausblasöffnungen bis dicht unter die Tragflächen geleitet, die sich durch den Druck zuerst noch vorn, dann aber, nach Einstellung des Höhensteuers, nach oben drücken lasten. Die Traglust also, die das Segelflugzeug bisher nur bei seinem Ablauf von der Höhe und bei starkem Gegenwind vorfand, wird durch den eingebauten Turbogenerotor sozusagen synthetisch erzeugt und drückt dos Luftschiff zwangsläufig in die Höhe. Durch den direkten Einbau des den„Bentilator* antreibenden Benzinmotors in den Rumpf des Schiffes ist der Dordmonteur ohne weitere Schwierigkeiten in der Lage, etwaige Fehler oder Störungen in der Maschine gleich an Ort und Stelle, also während des Fluges, reparieren zu können. Durch den Antrieb des Flug- schiffes mit Auftriebslust hat die Fortbewegungsart des Flugzeuges den Charakter des reinen Segelstuges; setzt nun die Turbomaschine wirklich einmal aus, dann ist es für den Piloten ein Leichtes, sofort in den normalen Segelflug überzugehen. Man darf dem Probeflug, der noch nicht stattgefunden hat, mit einiger Aufmerksamkeit«ntgegensehen. In flugtechnischen Kreisen verspricht man sich von der neuen Erfindung eine vollkommene Ab- lösung des Propellers. Dans Taussis. Edison erfindet den Phonographen Eine historische Erinnerung Das Problem, die menschliche Stimme mit Hilfe eines Appa- rat«s aufzunehmen und wiederzugeben, hat vor Edison Dutzende von Erfindern beschäftigt, aber keinem gelang es, dos große Ziel auch nur im entferntesten zu erreichen. Als der große amerikanische Erfinder Thomas Alpha Edison im Jahre 1877 seine Sprech- maschin« zum Patent anmeldete, da war diese Idee so neu und einzigartig, daß man auf kein anderes Patent hinweisen konnte. In einer sehr kurzen Prüfzeit wurde deshalb bereits am 13. Februar 1878 das nachgesuchte Patent erteilt. Der große Erfinder hatte im Sommer des Jahres 1877 durch das amerikanische Zentraltelegraphenamt den Auftrag erhalten, eine Vorrichtung zu entwerfen, mit deren Hilfe man aus telegraphischem Wege die Nochrichten auswärtiger telegmphischer Stationen auf- nehmen und mechanisch mit größter Beschleunigung weiter geben könne. Bisher konnte ein Telegraphenbeamter in der Minute höchstens 40 Worte senden, was natürlich viel zu wenig war. Die gewünschte Maschine sollte eine Mindestgeschwindigkeit von 100 Worten in der Minute haben. Wenn man nun diesen Telegraphenapparat aus dem Jahre 1877 betrachtet, so muß zur nicht geringen Ueberraschung festgestellt werden, daß er größte Aehnlichkeit mit einem modernen Platten- Phonographen hat. Auf eine umlaufende Metallplatte war ein kreisrundes Stück Papier gelegt, über diesem war ein Elektromagnet angeordnet, der einen Prägestist trug. Wenn der Strom im Elektromagneten geschlossen wurde, bewegte sich der armsörmige Stift aus und nieder und zeichnete auf den' umlaufenden Papier die Punkt« und Striche, die dem Telegraphensystem entsprechen. Durch Umkehr der Operation konnten die Punkte und Striche automatisch über eine andere Telegraphenlinie weitergegeben werden, indem, entsprechend der Einstellung der umlaufenden Scheibe, die Nachricht schneller oder langsamer telegraphiert wurde. Als Edison nun diesen Apparat ausprobierte und dabei die Ge- schwindigkeiten des umlaufenden Tellers steigerte, hörte er zu seiner nicht gering«» Verblüffung einen seinen, musikalischen Ton. Dieser Ton war dadurch entstanden, daß der kleine Zeichenstift gleich einer Stimmgabel in Schwingung versetzt wurde, als er schnell über die verschiedenen eingeschlagenen Vertiefungen in dem Papier hinwegglitt. Durch diesen Vorgang war also Edison in seiner großen erfinderischen Begabung auf die Idiee seiner sprechenden Maschine gekommen. Er sagte sich, daß es ihm ge- lingen müste. mit Hilfe einer ähnlichen Vorrichtung die menschliche Stimme vollkommen einwandfrei wiederzugeben. Er belegte»inen kleinen Metallzylinder mit Papierstreifen, die mit Porasfinwachs bestrichen waren und führte diese präparierten Streifen mit der Hand an einer kleinen Stahlspitze entlang, die in der Mitte einer Membrane angebracht war. Zu seiner großen Genugtuung war diese einfach« Vorrichtung geeignet, kleine mit- geteilte Lautzeichen, wenn auch ganz leise, zurückschallen zu lasse». Zuerst verwendete er Parasfin zu seinen Versuchen, obgleich er bald feststellen mußte, daß dieses Material wegen seiner geringen Widerstandsfähigkeit schlecht geeignet war. Später benutzte er harte. Wachs und anschließend daran Stanniol. Der Meister seiner Versuchswertstatt, der mit der Anfertigung der Maschine betraut wurde, erklärte die Idee, die menschliche Stimme wiederzugeben, als unsinnig. Trotzdem war da» Modell in wenigen Tagen fertig- gestellt und nun konnte der große Moment vor sich'gehen. Edison legte ein Matt Stanniol um die Walze, befestigte es und sprach in dos Mundstück folgenden Der» hinein:'. ..?»Urv had a littl« lanh. It* fleec« was white as snow Anck everywhere ihat Mary went The lanb was sure tc> go." Deutlich sah Edison, wie sich die Eindrücke der Worte dieses kleinen Gedichtchens In dem Stanniol markierten. Er hosttc, daß der Apparat, wenn auch nur Bruchteile von Worten oder ein paar wiederzuerkennende Töne wiedergeben würde, damit er die Richtig- tot sein«? Ibw bestätigt fände. Vorsichtig drehte er den Zylinder zurück, stellte die Membrane ein und ließ die Walze wieder an- laufen, und da schallt« eine dünne, kleine Stimme durch den Raum: „Mary hack a little lanh..." Es wgr kein Wort ausgelassen worden. Wort.für.Wort gab der Phonograph die menschliche Stimme wieder. Die Begeisterung seiner Mitarbeiter' kannte keine Grenzen. Die ganze Nacht wurde der kleine Apparat in Edisons Versuchswerkstatt im Menlopark in Betrieb gesetzt. Jeder wollte seine Stimme aus dem Zauberkasten hören, und wieder und immer wieder legten die Freunde und Mitarbeiter Edisons neue Stanniolstreifcn um den Zylinder des Phonographen. Schon am nächsten Tage führte Edison sein Modell der großen Zeitschrist„Scientific American" in New Port vor. Von hier au» nahm die wunderbare Erfindung ihren Weg durch die Welt, und schon in wenigen Tagen war der Phonograph, der eine der wunder- samsten Erfindungen ist, die je das menschliche Genie und der menschliche Geist hervorgebracht haben, im Munde aller Erden- bürger. Von der Wachswalze zur W a ch s p l a t t e war ein weiterer Schritt. Emil Berliner, ein Deutscher, muß als der Erfinder der Phonogrophenplatte anerkannt werden. Anfangs bc- nutzte Berliner ein« Zinkscheibe, die er mit Wachs bedeckt hatte. Die van der Membrane aufgenommene Musik wurde auf der Wachs- oberfläche aufgenommen, wonach die Zintplatte mit Säure geätzt wurde. Es entstand eine metallische Originalplatte, von der sich zahllose Abzüge machen ließen. Das Verfahren war. wenn auch gut, so doch noch nicht vollendet, so daß es nach einer Reihe von Versuchen'weiter verbessert wurde. In der neueren Zeit ist der Phonograph d�rch das Grammo- phon fast vollständig verdrängt worden, und die Grammophon- platte, die von Edison ihren Ursprung nahm und von Berliner ihre grundsätzliche Ausbildung erfuhr, ist zu einer Vollendung gediehen, die mit Hilfe vervollkommneter Sprechmaschinen dem Original der Sprache oder der Musik nahezu vollkommen gleicht. Alfreck Nanch. Die Güte von Chromüberzügen An galvanisch angebrachten Chromüberzügen aus Metollgegenständen, wie sie jetzt zunehmende Verwendung finde», werden bestimmt« Anforderungen in bezug aus Härte(Verschleiß- leständigkeit), Dehnbarkeit und Schutz gegen Verwitterung gestellt Die Bedeutung der Härteeigenschasten hat zu umfangreichen Der- suchen geführt, die den Einfluß der Temperatur der Niederschlags- löjung, der Stromdichte, der Zubereitung und des Verhältnisse» der chemischen Teile der Lösung zeigten. Die Prüfung solcher lieber- Züge auf Härte, oder besser gesagt, auf Verschleißbeständigkeit mck den gewöhnlichen Schlag- oder Druckapparaten führte zu keinem Ergedni», da die Schicht zerbrach. In Annäherung an die in der Praxis herrschenden Verhältnisse unterwirft man die zu prüfenden Stücke der schabenden Wirkung einer langsam laufenden Schleis- scheide. Aus die 8 Millimeter breite Scheibe mit etwa SV Millimeter Durchmesser und 3 Meter pro Minute Umlaussgeschwindigkeit wird da» Stück horizontal gelegt, während ein Gewicht von 1,5 Kilogramm, im Abstand von 300 Millimeter von der Scheibenachs« befindlich, ol» Belastung wirkt, lim ein Verschmieren der Schleisscheibe zu ver- hüten, wird diese dauernd mittel» einer Stahlscheibe gereinigt. Die etwa 0,025 Millimeter betragend« Schnitticse wird nach Beendigung de» Versuche» durch Errechnen au» der gemessenen Schnittlänge, wie auch durch unmittelbare Zeigcrablesung am Mikrometer bestimmt. Bei Beachtung der nötigen Sorgfalt haben wiederholte Prüfungen Ergebnisse gehabt, deren Genauigkeit in Grenzen von 10 Proz. lag. Wie betont wird, ist der Zweck der Schabeprüfung weniger die Fest- stelluug der Eigenschaften einer bestimmten Verchromung im prak-' tischen Gebrauch, als vielmehr die Möglichkeit zu Vergleichen zwischen verschiedenen Derchromungsarten und damit Richtlinien für die Güte zu gewinnen. Kommt der Fernseher? Das Londoner Blatt der englischen Arbeiterpartei hat zum ersten Male in der Welt ein interessantes Experiment durch- geführt: Von der Redaktion des„Daily Herald" aus wurde mit Mrs. Snowden, der Frau des englischen Finanzministers, ein tele- phänisches Interview geführt und dabei zu gleicher Zeit das Bild der Sprecherin mittels Fernseher übertragen. Trotzdem die beiden Sprechpunkte über eine Meile auseinander lagen, wird versichert, daß man das Bild deutlich sehen konnte. Ein kleiner, viereckiger Kasten mit verschiedenen Oeffnungen und Drähten und einem Empsangsapparat, ähnlich denen beim Radio, stellt die ganze, höchst simple, technische Einrichtung dar, die es dem Hörer am anderen Ende der Leitung ermöglicht, den Partner auch persönlich vor sich zu sehen. In Zukunft wird also vielleicht niemand mehr nervös am Telephon fragen brauchen:„Hallo, sind Sic noch da?", sondern er kann sich persönlich durch einen Blick in den Fern- seher überzeugen, mit wem er spricht. Skeptische Leute behaupten allerdings, daß damit auch allerlei Schwierigkeiten eintreten werden. Wie ist es, wenn ein lange hingehaltener Gläubiger seinen Schuldner anläutet? Soll man also diese Neuheit herbeiwünschen oder bleiben wir bei unserem alten, alle Möglichkeiten des Schwindclns und Derleugnens offenlassenden Telephon? Feuerteste Schutzschichten Bei vielen Einrichtungsgegenständen der Kesselhäuser ist es rat- sam, sie nicht aus Metallen anzufertigen, da ihre höh« Wärmeleit- fähigkeit sie ungeeignet macht. Ein Stoff, der diesen Nachteil nicht aufweist und dabei preiswert ist, ist das Holz. Man wird deshalb in der Nähe von Feuerungen und Oefen immer wieder Gegenstände von Holz finden, trotzdem«s eigentlich wegen seiner leichtin Ent- zündbarkeit nicht dorthin gehört. Wie nun im Organ der Brenn- krafttechnischen Gesellschaft mitgeteilt wird, benutzt man häufig als Ausgleich das Ueberziehen von Holz mit geeigneten Schutzschichten. Die besten Schutzschichten gegen Feuer sowie wasserreich« Dämpfe werden danach in der Weis« hergestellt, daß man als Füllmaterial gemahlenen Sand von verschiedenster Größe nimmt. Als Binde- mittel dient Wasserglas, und zwar am besten ein Gemisch von gleichen Teilen Natron- und Kaliwasserglas. Eine� derartig zu- sammengesetzte Schutzschicht ist nach«twa fünf Tagen gegen feuchte Dämpfe widerstandsfähig und zeigt auch die genügende Haltbarkeit und Feuerfestigkeit. Die Meng< des Wasierglases soll etwa 3 Proz. der Trockenstoffe betragen. Durch gewisse Zusätze kann die Halt- barkeit gesteigert werden. Rund um die Technik An die Technische Hochschxlle in Stockholm ist eine große t e ch- nisch-wissenschaftliche.B ü ch.« Y e L angegliedert worden. Die Sammlung umfaßt gegen 60 000 Bücher und ist somit die größte dieser Art in ganz Skandinavien. In den Haushaltungen der Vereinigten Staaten wurde» End« 1930 insgesamt 2825000 elektrische Kühlschrank» ge- zählt. Im Hinblick auf die guten Erfolge, die man in Schweden mit Krankentransportflügen erzielt hat, hat das norwegische Rote Kreuz beschlossen, nun auch in Norwegen einen Krankentrans- portdienst durch Flugzeuge einzurichten, der namentlich der Bevölke- rung der entlegenen Gebietsteile im Norden des Landes zugute kommen soll. Mit dem Sitz in Oslo ist eine Aktiengesellschaft„Studiengesell- schaft für die Aussuhr norwegischer elektrischer Energie" errichtet worden, die sich mit den Möglichkeiten der Stromausfuhr a n, N o r w e g e n für die Versorgung anderer Länder befassen soll. An den Untersuchungen sind neben den norwegischen, schwe- dischen und dänischen Regierungen auch die deutschen Elektrowerke beteiligt. (Au» der Zeitschrist de» BDI.) Eine Maschine, aus die wir alle warten. Junggesellen pfleg«» meist mit groß«r Emphase die Vorzüge ihres Standes hervorzu- heben, sobald es in Männerkreisen zur Diskussion der mannigfachen Probleme häuslichen Lebens kommt. Nur in einem wollen sie einen Vorteil der„Ehekrüppel" anerkennen, und das ist das Frei- sein von dem Zwang, sich ein Butterbrot selbst zu bestreichen und zu belegen. Auf der Arbeitsstätte, im Büro, betrachten sie mit schlecht verhohlenem Neid die Stullenpakete ihrer verheirateten Kol- Ieg«n. Aber damit wird es nun auch bald zu Ende sein. In Amerika will man eine tadellos funktionierende Butterbrot-Beleg-Maschine erfunden haben— drüben natürlich Sandwich-Maschine genannt—, die für den Haushalt, ganz besonders aber für Restaurafionsbetriebe in Frage kommt. Das Brot wird auf dieser Maschine geschnitten, nach Belieben entkrustet(der klassisch« englische Sandwich hat Dreieck- form und ist stet» ohne Rind«) und mit Butter und dem gewünschten Belag versehen. Neue Elektroapparate im Haushalt. Obwohl die Elektrowärme heute noch als teure Energieform angesehen wird, haben sich doch die Elektroapparate überall Eingang verschafft, selbst im Arbeiter- hausholt. Denn auch er hat schon vielfach elektrischen Anschluß, besonders auf dem Lande, wo der Elektrifizierung durch Fehlen von Gasanlogen weniger Schwierigkeiten gemacht wird als in der Stadt. Unter den neu auf den Markt gekommenen Apparaten dieser Art sind für den Haushalt zwei von Interesse, ein Handtuch- trockner und«ine Speicherwärmeflasche. Der Hand- tuchtrockner besteht aus zwei drehbaren Holzrahmen, die wie Heiz- kisicn oder Fußwärmer van innen geheizt werden können. Darüber gehängte Leibwäsche, Badetücher oder Handtücher werden schnell getrocknet und gewärmt. Auch die elektrische Speicherwärm�slaschc bewährt sich sehr. Man kann sie im ganzen Haushalt verwenden, so zum Wärmen der Füße, der Betten oder de» Kinderwagens. Eine solche Speicherwärmeslasche schaltet man mittels Leitungsschnur 10 Minuten bis eine Viertelstunde lang an einer Steckdose an. Sic speichert dann so viel Wärme in sich, daß man sie etwa 4 bis 5 Stunden lang als Wärmequelle benutzen kann. Der Verbrauch dieser Apparate an elektrischem Strom ist sehr gering, so daß sich auch der kleine Haushalt»hrer mit Vorteil und Nutzen bedienen kann. L. Arbeiter-Regatta in Grünau Großer Versager:„Vorwärts"-Berlin/ Ueberrasdiende Siege in allen Rennen Bon den Regattatribünen in Grünau wehten gestern die Bundes- und Vereinsflaggen der Arbeiter-Ruderer und Kanufahrcr und die schwarzrotgoldene Reichsflagge. Die 2000 Meter lange Regattastrecke war vor dem Ziel flankiert von zahlreichen Segel- booten des„Freien Segler-Verbandes", die mit ihren vielen bunten Wimpeln dem Ganzen ein festliches Gepräge gaben. Die auswärtigen Gäste, die aus Hamburg, Stettin, Prenzlau, Dortmund, Leipzig, Würzen, Magdeburg, Brandenburg. Luckenwalde und Rathenow vertreten waren, standen ihren Mann und konnten eindrucksvolle Siege mit nach Haufe nehmen. Am ärgsten enttäuscht hat wohl der größte der Vereine,„V o r w ä r t s"-Berlin, der trotz seiner zahl- reichen Meldungen nichteineneinzigenSieg für sich buchen konnte. Man wurde den Gedanken nicht los, daß man im Vorwärts nicht mit dem nötigen Ernst beim Wettkampf war. Der jüngste Bundesgenosse, die Reichsbanner- Wassersportabtei- l u n g, hatte Vorwärts abgelöst und die meisten Rennen gemacht. Den Auftakt der Regatta gaben die Vorrenne» der Kanusahrer am Sonntagvormittag, die sich durch Uebermeldungen notwendig machten. Die Hauptregatta wurde eröffnet durch eine ZNassenauffahrl der Frauen. Großen Anklang fanden die Sonderveranstaltungen. Die Schwim- merinnen des 1. Kreises führten einen 42et Schwimmreigen vor, der prächtige Figuren zeigte. Die„Freien Faltbootfahrer Berlin zeigten ihre Künste im Faltbootzweier: Eskimokentern erforderte viel Geschicklichkeit. Tauziehen, Lanzenstechen, in dem eine Mannschaft die andere mit einer„Lanze" aus dem Boot werfen mußte, sowie Händepaddeln lösten Lachsaloen aus. Nicht zu vergessen ist die Tätigkeit der Arbeitersamariter und des Rettungsdienstes, die in zwei Fällen gekenterte Boote mit ihren Mannschaften an Land bringen mußten. Von den Ruderrennen wurde als erstes der Riemenvierer für Junioren in 2 Abteilungen ausgefahren. Die Dortmunder ge- wannen mit 7 Sekunden Vorsprung vor Reichsbanner und Stettin. In der 2. Abteilung sollte der junge Hamburger Verein sein erstes Rennen gewinnen vor 1913 und Stettin. Den Doppelvierer für Junioren, von Butab und zwei Berliner Vorwärtsbooten besetzt, holte sich Butab. Ein schönes Rennen war der Riemenvierer für Senioren. 1925, Stettin, Dortmund, Prenzlau, Reichsbanner und Vorwärts Berlin lieferten sich einen wechselvollen Kampf, den Reichs- banner gewann: Stettin gab nach 150(1 Metern auf. Im Riemen- vierer für Anfänger fanden sich außer Rathenow die Berliner 1913, Butab, Reichsbanner und zwei Vorwärtsboote am Start. Dieses Rennen ging an die 13er, zweiter wurde Rathenow, dritter Vor- wärts. Der Achter für Junioren in 2 Abteilungen fand in der ersten Abteilung Reichsbanner, Vorwärts Leipzig. Stettin und Berlin im Kampf. Es war ein geschlossenes Rennen, in dem sich die Boote mit Längenunterschied durchs Ziel drängten in der Reihenfolge Reichsbanner, Borwärts Berlin, Stettin, Leipzig. In der zweiten Abteilung lieferten sich Brandenburg, Collegia und Vorwärts Berlin »in scharfes Rennen, das von vorn herein für Collegia entschieden yiar. Brandenburg und Vorwärts kämmten Bord an Bord um den j zweiten Platz, den Brandenburg holte. Der Doppelzweier für Junioren gab für Prenzlau, RuKV. 1924 Berlin, 1913 und Vorwärts Berlin ein auseinandergezogenes Rennen, das sicher von Prenzlau gewonnen wurde, es folgten Vorwärts, 1913 und 1924. Einen harten Kampf kostete der Achter für Senioren. Collegia, Reichsbanner, Vorwärts Berlin und Leipzig, sowie die aus dem Junioren-Achter umgemeldete Mannschaft von Saxonia-Wurzen fanden sich am Start. Ueber die ganze Strecke ging der Kamps zwischen den beiden Vor- wärtsmannschaften. Im Endspurt holte Leipzig aus, Collegia, ge- folgt von Reichsbanner, überspurteten die Berliner Vorwärts- Mannschaft, diese mußte mit einem„ferner liefen" ihren langjährigen Achter an Leipzig abtreten. Im Vorjahr unterlagen die Leipziger gegen Vorwärts Berlin nur mit vier Fünftel Sekunde. Drei Programmnummern waren dem Stilrudern und Paddeln gewidmet. Die Kanuwettkämpfe wiesen eine starke Beteiligung auf. Im Kanuvierer für Anfänger trafen Freie Schwimmer Charlottenburg. Reichsbanner, Aufwärts, FTGB. und 1925-Stettin zusammen. Es gestaltete sich ein wechselvoller Kampf zwischen den beiden FTGB- Mannschaften und Stettin, der schließlich im Endspurt, leider mit sehr schlechter Technik, von den letztgenannten gewonnen wird.— Im Doppelkajak für Junioren starteten 9 Boote, und zwar 2 von Brandenburg, 2 Stolzenhagen-Stettin, FTGB., Schweifsterne, Cöpenick, Union und Reichsbanner. Ein geschlossenes Rennen, denn noch am Ziel lagen fast alle Boote in einem Haufen. Union gewann vor Stolzenhagen 15 mit einer Fünftel-Sekunde. Im Einer-Fall- bool kl. IX starteten 6 Boote von 1925-Stettin, Freie Faltboot- sahrer, FTGB. und Union. FTGB. 3 gewann das Rennen vor Union und Faltbootfahrer 4. Der Doppelkajak für Senioren findet 1923-Stettin und die Berliner 1924, Cöpenick, Schweifstern, Union und FTGB. am Start. Union gewinnt das Rennen, als zweiter geht Stettin durchs Ziel.— 1925-Stettin, Reichsbanner, Charlottenburg, FTGB., Aufwärts starten im Kanuvierer für Junioren. Vom Start weg gehen Reichsbanner und Charlottenburg in Führung, letztere fielen aber ab. FTGB. nimmt noch einen kleinen Vorstoß, es gelingt ihm aber nicht, das Reichsbanner einzuholen, das auch den Sieg einsteckte.— Der Kanuvierer für Senioren, das Eliterennen der Kämpfer, wird mit Spannung erwartet. Union, FTGB. mit zwei Mannschaften, Reichsbanner und Westerhüfen-Magdeburg find am Start. Einen scharfen Kampf lieferten sich Westerhüsen, Reichs- banner und FTGB. 4, letztere aber nahmen das Rennen für sich, Reichsbanner muhte sich mit dem zweiten Platz begnügen, dann folgte Westerhüsen. RikniNwimr für Iuniorcn. 1. Abt.: 1. Gr»st(Dortmundl 5:48.2: 2. Abt.: I. Hamburs 8:34. 7oppclvicr:r fiit Junioren: 1. Butab(Berlin) 8:51. Aiemen. vierer fitr Senioren: I. BeichsNinner Berlin 8:0i,4. tHiemenvietcr für An, fändet: I. 1013 Berlin 8:39,2. Achler für Junioren, 1. Abt.: 1. Reichsbanner (Berlin) 7:43; 2. Abf.: 1. Calleeiia(Berlin) 8:10,2. Doppelzweier für Junioren: 1. Prenzlau 9:45,4. Achter für Senioren: l. Vorwärts(Leipzig) 7:42. Juqenb. stilrudern(Riemenrnerer): 1. Vorwärts(Berlin) 61 Punkte. J'touen.ötilrubern (Boppelvierer): 1. Collegia(Berlin) 67 Punkte. Frauen-Stilpabbeln(flonu. vierer): Union(Berlin) und FTSB.-Kanubezirt 47 Punkte. Kanmiierer für Anfänger: 1. 1925(Stettin). Toppelkajak Kl. 5 für Junioren: 1. Union(Berlin) 5:32,2. Ciner.Kajak. Faltboot: 1- J?C>B..Kanube,irf 5:20. Doppelkaiak KI. 5 für Senioren; 1. Union(Berlin) 5:35,2. Boppelkajat Kl. 4; 1. Reichsbanner (Berlin) 5:47,2. Kanuvierer für Junioren: l. Reichsbanner(Berlin, 4:52,2. Dappeliajak jaltboot Kl. 10: l. Union(Berlin) 5:45. Ciner.Rennkaiak KI. 1: 1. Reichsbanner(Berlin) 5:93. Kanwvierer fUt Senioren: 1. JTSB.-Kanu. bezjrf 5:18. Leipzig— Berlin 10:3 Die Berliner Arbeiter- Fußballer versagen Daß d>« Berliner im gestrigen Kampf gegen Leipzig wenig oder gar keine Aussicht auf Gewinn hatten, stand wohl bei den 3000 Zuschauern und den Spielern von vornherein fest: daß die Niederlage aber so hoch und so vollständig sein würde, kam doch etwas überraschend. Die Leipziger waren den Einheimischen auf allen Posten weit überlegen, di« Berliner dageg«,, konnten sich aus dem von dem Gewitterregen, schlüpfrig gewordenen Boden nicht finden. Der Sturm ließ jeden Zusammenhalt vermissen: lediglich Rechtsaußen und Halblinks zeigten einige Ansätze zur Kombination. Bon d«n Läufern konnte nur der R«chte gefallen, während der Linke vollständig versagte: er stand allerdings als Mittelläufer auf ver- lnrcnem Posten. Die Verteidigung konnte gar nicht befriedigen. Der Torwart hatte wohl einige gute Momente, konnte aber früher bedeutend bessere Leistungen zeigen. Dem für ihn in der zweiten ilalbzeit eingesprungenen Ersatztorwart fehlt für derartige Kämpfe die notwendige Ruhe und Ueberlegung. Von der Leipziger Mann- schaft einen Spieler hervorheben, hieße den anderen zurücksetzen. Wahrend die Berliner in den ersten Spielminuten durch Ueber- kombination die schwächeren Stellen bei Leipzig feststellen wollten, gingen die Sachsen gleich mit vollem Elan nach vorn. Schon hier zeigte es sich, daß die Leipziger den unfrigen vollkommen über- lege» waren. In der II. Minute verpaßte der rechte Berliner Läufer den Boll, so daß Leipzigs Mittelstürmer mühelos einsenden konnte. Wohl waren die Berliner einige Minuten die lebendigere Mannschaft, an der ballficheren Verteidigung prallten aber olle Angriffe ab. Dann waren wieder die Leipziger die Angreiser. In kurze» Zwischenräumen gelang es ihnen, den Berliner Torwart noch weitere viermal zu überwinden, während die Berliner leer ausgingen. In der zweiten Halbzeit hatten die Einheimischen zu- nächst einige glückliche Momente. Eigene Unsicherheit des Sturms und gute Abwehrarbeit der Leipziger Hintermannschaft verhinderten allerdings jeden Erfolg. Erst nachdem die Leipziger in der 10. Minute den sechsten Treffer buchen konnten, kam Berlin zum ersten Tor: allerdings stand Berlins Rechtsaußen in klarer Abseits- ftellung. Das schien das Signal für den Angriff zu fein. In der 21. Minute oermochte Halblinks das Resultat sogar auf tj: 2 zu stell«». Bald hieß es wieder 7: 2, dann 8:2, 9:2 und in der 30. Minute ging es gar auf 10:2. Damit hatten die Leipziger genug, so den Berlinern des öfteren Gelegenheit gebend, das Refill- tat zu verbessern. Aber erst noch fünf Minuten gelang es wiederum dem Halblinken,«ine gute Vorlage von r«chts zum dritten Tor einzusenden. Bei diesem Resultat blieb es dann bis zum Schluß. Dem Ber- lmer Techniker wäre zu raten, feiner Mannschaft vorher mehr Ge- legenheit zu geben, sich einspielen zu können. Otympiamanmchstt- Bundesmeister 3: 0 Nachdem am Sonnabend die Olympiadeauswahlmannschaft A. in Chemnitz vor Tausenden von Zuschauern über die Auswahlmann- schaft B einen 6: 2-Sieg errungen hatte, stand der Bundesmeister Lorbeer am Sonntag in Leipzig vor seiner schwersten Aufgabe. Di« Olympiademannschast begann mit verblüffend genauem und schnellen Zuspiel und mit großartiger Ballbehandlung. Beides behielt sie bis zum Schluß bei. Verteidigung und Läuferreihe sind die stärksten Einheiten der Mannschaft. In der ersten Halbzeit führte ein Mittelstürmer den Angriff, der Jnnenspiel bevorzugte, in der zweiten Halbzeit vertrat ihn ein anderer, der die Flügel mit langen Vorlagen nach vorn warf. Beide Methode» bewährten sich. Ham- bürg hatte einen sehr schweren Stand und setzte gegenüber der tech- nischen und taktischen Ueberlegenheit der Olympiademannschast sein ganzes Können ein. Schnellere Ballabgabe der Hamburger Stürmer hätte bestimmt zum Erfolg geführt. Auch bei Hamburg waren die Verteidiger und Läufer die stärksten Einheiten. Schließlich konnte die für die Olympiade in Wien bestimmte Mannschaft den B u n d e s- meister mit 3:0 geschlagen vom Platz schicken. Schlägt sich die Olympiademannschast in Wien so wie in Leipzig, dann festigt sie den guten Ruf der deutschen Arbeitersußballbewegung vor aller Welt in der allerbesten Form. 70 Jtabre MTV. Bernau Z5 Jahre Mitglied im Arbeiter- Turn- u. Sport-Bund Am Sonnabend und Sonntag beging der M ä n n c r- T u r n- Verein Bernau sein Iubiläumsfest. Die nördlich von Berlin gelegene Stadt selbst macht auf den Besucher noch heute einen recht altertümlichen Eindruck. Umgeben von einer meterdicken Stadt- mauer mit Wächtertürmen und Wahrzeichen aus der Huffitenzeit, trägt die Stadt mit ihrem Kopfsteinpflaster und den kleinen Häuschen so recht olle Eigentümlichkeiten unserer Marktstädte. Eine große Sportlerschar aus Berlin und der Umgebung war zu dem Fest des Bernaner Turnvereins geeilt. Den Auftakt des Festes bildete eine Festverfammlung am Sonn- abend im Volkshaus. Kreisoorsitzender Reichert überbrachte die Glückwünsche des Bundes und des Kreises. Im Verfolg überreichte er 19 Mitgliedern für ihre 25jährige, aufopfernde Tätigkeit im Bunde und im Männer-Turn-Verein Bernau die Iubiläums-Bundes- nadel. Weitere Glückwünsche sprachen die erschienenen Bruder- vereine aus. Im Anschluß an die Festversammlung führte die Freie Sport- und Musikvereinigung einen Fackelzug der Sportler durch die Stadt nach dem Sportplatz, wo mit einem Festspiel„Macht euch frei" und Vorführungen der Olympia-Uebungen der Sonnabend be- schlössen wurde. Am Sonntag früh zunächst großes Wecken durch das Tambourchor. Ab 9 Uhr Vorkämpfe auf dem Sportplatz. Der Nachmittag begann dann mit einem Umzug aller Sportler unter Mitwirkung von 4 Musikkapellen. Zur festgesetzten Zeit traf der lange Zug auf dem Festplatz ein. Bei den nun folgenden leicht- athletischen Wettkämpfen gab es recht achtbare Leistungen. UMMeter Slünner.fttoffe B: Hennig(Moabit) 11.8: JBt«(Soltofp, Reut.) 121. l"0 Acl", Jugend 13/14: Lehmann(Ostring) 12,2: Schilbach(Ostrina, 144 KM Meter, Jugend 15/16; Fach(Volkssport Wedbing) 13: Jizel ,JT. Sri») 15. 100 Meter, Jtouen: Lemke cVolfsfp. Wedding) 14: Jungmann< JSp. Tegel) 14 2. OAA lUeG f /M* sTD X.-r-__ e/.-i'.__\ j—__-—' Klasse B; Schönow: Neukölln. Handball: Bernau gegen Tegel 3:3.'Kugel- stoßen, Männer; Srch(Bernau) Ahdst Wegener(Osttin«) 10,52. Stabhoch, j sprung, Männer: Schwarz(Schönow) 3,03: Strobes(ASB.-ReukZIkn) 5,*. Botfy jprung, Männer: Bärrvald lEderswalde) 1.65; Schierivagen(B fL--O stn na Speerwerfen. Jugend: Lehmann iOstring) 46,75; Mareiniat< Volkssport Neukölln) 44,6!). Weitsprung, Jugend: Geis-elcr(ASC.) 3,75; Fach(Volkssport©cbbinji) 5,47. Kugelstoßen, Frauen: Hain�(Schönow) 8,29; Dumte(Osten) 8,25. Hoch- sprung, Frauen: Picpenburg(ASV.-Neukölln) 1,35; Weidlich(Moabit) 1,35. „Solidarität" in Köpenick Gestern hatten die Berliner Rennfahrer des Arbeiterrad- und Kraftfahrcrbundes„Solidarität" ein Straßenrennen auf der Strecke Köpenick— Gosen— Neuzittau— Friedersdorf und zurück angesetzt. Bei schönstem Wetter stellten sich alle gemeldeten Fahrer dem Starter. Als erst« wurde um 6.51 Uhr die Iugendgruppe auf die 5 Kilometer lange Strecke geschickt. Ihr folgte die L-Klasse nach 2 Minuten und nach 5 Minuten die B- und /i-Klasse. Die Juxend legte gleich«in scharfes Tenipo vor, geführt von Gliefche, d«r die Führung über- nahm und sie auch bis zum Ziel nicht abgab, das er unangefochten passierte, dicht von Schlichting und Holzhüter gefolgt. Eine halbe Minute später liefen Giesche und Dreistein ein. Die L-Klasse fuhr vom Start«in gleichmäßiges Tempo, das hauptsächlich von Göritz- angeschlagen wurde. Das ganze L-Fohrer-Feld hielt bis zum Wendepunkt zusammen. Aus der Rückfahrt mußte Löwe vor Reu- zittau wegen Reifenschaden zurückbleiben, schloß sich aber der foigen- den Gruppe an. Zum Entspurt rüsteten 12 Fahrer: Christoph xing als Sieger hervor, gefolgt von Rindfleisch und Klöhn� In der B- und.�-Klasse wurde ein schärferes Tempo vorgelegt, wachtlebens Ausreißversuche scheiterten an der Wachsamkeit der Fahrer, Am Wendepunkt, der geschlossen durchgefahren wurde, hatten die B- und /i-Fahrer gegenüber der L-Klasse bereits 2Vi Minuten aufgeholt. Durchs Ziel ging Sachtleben als Sieger, dem auf Handbreite Baske, Herzog und Prause folgten. Di« kurvenreiche Strecke, die durch Samariter vorbildlich besetzt war. und die Unterstützung der Motor- radfahrer sicherten von vornherein«inen guten Verlaus de- Rennens. A.RIolTc: 1. Sochtleben 1:21:50, 2. Dolke. B-Klokle: Sombleben 1:21:503. G-RIoffc: 1. Christopl, 1:36:23, 2. Ridfleisch. Jugend: 1. Gliesche 7:10, 2. Lötz- Hüter, B.__ Auf dem Nürburgring Großer Preis der Motorräder Jlürburgting, 6. Juli.(Eigenbericht.) Bei schönem Wetter wurde zum fünften Male der Große Preis von Deutschland der Motorräder aus dem R ü r- b u r g r i n g ausgetragen. Wieder hatte sich die internationale Motorrodsportgemeinde ein Stelldichein gegeben. Viel Zuschauer umsäumten die fast 30 Kilometer lange Rennbahn, aber die Tri- bünen, soweit es sich um bezahlte Plätze handelte, waren so gut wie leer. Ist auch das Interesse am Motorradsport sehr groß, so sind doch die Kosten für eine Reife zum Nürburgring zu groß. Pünktlich um 11 Uhr wurden insgesamt 61 Fahrer in den 4 Wertungskategorien abgelassen. Knapp vier Stunden später hatten die ersten bereits das Ziel passiert. Die st ä r k st e n Maschinen starteten zuerst. Runsch auf NSU. legte gleich ordentlich vor und führte das ganze Feld an. Er war schnell, aber nicht schnell genug, als daß es für einen Gesamtsieg ausreichen konnte. Er mußte sich daher mit einem Sieg in seiner Klaffe zufriedengeben. Nachdem Bauhofer(DKW) wegen Tankdefektes ausgekallen war, hatte er in seiner Klaffe keine sehr ernsthaften Gegner mehr. Aber in der 500er Klaffe fuhren Woods und Hunt, beide auf Norton, ein ganz fanzoses Rennen. Sie erzielten sehr bald bessere Zeiten als Runsch: aber erst in der letzten Runde konnten sie an ihm vorbeiziehen. Um Fingerbreite ging Woods vor Hänt durchs Ziel. Woods, der all- jährlich auf dem Nürburgring erscheint, hat heute hier zum ersten- mal den Gesamtsieg dieses Rennens davongetragen. Auch die Klaffe der 3 5 0- ccm-Maschinen war eine sichere Sache der Engländer, denn hier waren es Tyrell-Smith(Rudge). der Sieger von 1929, und Guthrie(Norton), die sich ganz überlegen behaupten konnten. Dicht beieinander liegend, mußte Tyrell-Smith einmal vorübergehend seinem Landsmann die Führung überlassen. Aber nicht lange und der junge, sympathische Jrländer lag wieder an der Spitze, die er dann auch bis zum Schluß behaupten konnte, während Guthrie schließlich noch aussiel. In der t l e i n st e n Klasse lag anfänglich Geiß(DKW) in Front, mußte aber bald die Führung an den Engländer Rott(Norton) abgeben. Ein Motor- schaden machte dann seiner günstigen Position ein Ende. Dadurch gelang es dem Schweizer Torricclli, der ausgezeichnet fuhr, die Führung seiner Klasse an sich zu reihen und einen schönen Sieg zu landen. In allen Kategorien wurden besser« Zeiten Herausgesohren als im Vorjahre. Die Steigerung in der Halbliterklasse ist nur minimal, brachte es doch Woods nur auf 106,5 Stundenkilometer gegenüber 106,3 Stundenkilometer des Vorjahrsiegers. Sehr bemerkenswert die große Steigerung in der 350er Klaffe: hier blieb Tyrell-Smith mit 105,1 Stundenkilometer nur um weniges hinter dem Gesamt- sieger zurück. Runsch(NSU) brachte es auf einen Gesamtdurch- schnitt von 104,9 Stundenkilometer und Torricelli(Puch) in der 250cr Klasse auf 96,7 Stundenkilometer. Der Ausfall war sehr erheblich, haben doch von 61 Gestarteten nur 26 das ganze Rennen in der vorgeschriebenen Zeit beendet. Die Moschinendefekte waren außerordentlich zahlreich. Fritz Wittekind. Die Büanz von Clevcland Schmeling erhielt 445 000 Mark Beim Weltmeisterschafts-Boxkampf in Eleveland beliefen sich die genauen Gesamteinnahmen auf 3 49 414 Dollar oder 1 667 539 Mark. Von dieser Summe gingen an staatlichen und städtischen Steuern 75 704 Dollar(317 957 Mark) ab, so daß noch 273 710 Dollar(1 149 582 Mark) zur Verteilung übrigblieben. Den Löwenanteil von dieser Summe erhielt natürlich Weltmeister Schmeling. der 106 138 Dollar oder 445780 Mark in Empfang nehmen konnte. Ihm persönlich dürste kaum die Hälfte davon übrigbleiben, denn sein sehr geschäftstüchtiger Manager Joe Jacobs wird ibm. abgesehen von seinem prozentualen Gewinnanteil, noch eine hübsche Spesenrechnung für Trainingskosten und ähnliche Dinge überreichen. Außerdem muß Schmeling seine Gage in Amerika versteuern. Der unterlegene Poung S t r i b l i n g mußte sich mit 33 168 Dollar oder 139 305 Mark begnügen. Den Ver- anstaltern bleibt also ein Restbetrag von 134 404 Dollar(564 497 Mark), von dem alle entstandenen Unkosten für die Riesenreklame und das übrige Kampsprogramm gedeckt werden sollen. Da diese ober mindestens mit 200 000 Dollar zu veranschlagen sind, bleibt ein Defizit von etwa 65 bis 70 000 Dollar. Der Manager des italienischen Boxers Carnera teilt mit, daß Schmeling am 17. September gegen Carnera antreten soll. Diese Mitteilung wurde von dem Manager Schmelings, Joe Jacob-, bestätigt. Der Ort des Treffens steht noch nicht fest. Deutscher Schwimm-Ländersieg gegen Frankreick). Der fünfte Schwimm-Ländcrkampf Deutschland— Frankreich, der am Sonntag im fast ausverkauften Schwimmstadion Tourelles stattfand endete mit einem Siege der Deutschen, die sowohl die 4 x 200-Me«er-Frei- stilstassel als auch das Wasierballspiel mit 4:3 gewannen.