Morgenausgabe 3lr. 311 A 157 4S. Jahrgang Wöchentlich 85 Pf� monatlich 3,60 M. Im voraus zahlbar. Postbezug 4,32 M. einschließlich 60 Pf. Postzeitungs- und 72 Pf. Postbestellgebühren. Auslands» obonnement 6,— M. pro Monat; für Länder mit ermäßigtem Drucksachen» porto 5,— M. Der„Vorwärts� erscheint wochentäg« lich zweimal. Sonntags und Montags einmal, die Abendausgabe für Berlin und im Handel mit dem Titel„Der Abend". Illustrierte Beilage„Volt und Zeit". Ferner„Frauenstimme"» �Technik",„Blick in die Bücherwelt". „Jugend-Lorwärts"u.„Stadtbeilage� Berliner Voltsblatt Dienstag 7. Zuli 1951 Groß-Äerlin 10 pf. Auswärts-15 pf. Sl« ein) palt. SlonpareiHejell« 80 Pl- Reflomcäeile 5,— KS!.„Kleine Anzeigen" das lettgedruckte Werl Zä Ps. (zulässig zwei settgedruckle Worte), jede» weitere Wort 12 Ps. Kabati U. Tons. Stellengesuche da»-erste Wort IS Ps, jede» weitere Wort 10 Ps. Worte Ober IS Buchstaben zählen für zwei Worte, Arbeitsmartt Zeile 00 Ps. Familien- anzeigen Zeile 40 Ps. Anzeiaenannahme Int HaupIgeschäslLindenslraßeS. wachen» täglich von V/z bis 1? Uhr. Der Verlag behält sich da» Recht»er Ablehnung nicht genehmer Anzeigen norl Senirawvsan der GozialdemoSvaiischen Kartei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstr. 3 Fernspr.: Dönhoff(A 7) 293— 297. Telegramm-Adr.: Sozialdemokrat Berlin. Vorwärts-Verlag G.m.b.H. Postfchcckkonso: Berlin 37 336.— Bankkonto: Bank dcrArbcitcr, Angestellten und Beamten, Lindenstr. 3, Dt.B.u.Disc.-Ges., Dcpositcnk., Jerufalemer Str. 65/86. Endlich Einigung! Aus Washington und Paris gemeldei. New Kork, s. Juli. ..Asiocirrteb Prost"«reldet aus Wafhinntou. da st onb- gültig erue fruuzöftschxrmerikanische Verständigung .zustande getoutmeu sei» Nähere Meldungen stehen noch ans« Paris, K. Juli. Die französischen und die amerikanischen Unter- Händler haben sich über die Anwendung des Hooverschen Planes geeinigt. Der Inhalt des Abkommens. Pari«, 6. Juli.(Eigenbericht.) Die fron.zösqch-amerikanischen Verhandlungen über den Hoover- fchen Vorschlag sind heute abend, kurz nach 22H Uhr, auf der Grundlage des von der französischen Regiening vorgeschlagenen und von der ainerikanischen Regierung angenommenen Entwurfes ab- geschloffen worden. Ministerpräsident L a v a l verlas nach der Be- ratung folgendes Kommunique: „Die amerikanischen Unterhändler haben bei Wiederaufnohm« der Besprechung die Zustimmung ihrer Regierung zu dem sron- zäsischen Abkommenscntwurf übcrbracht. Sie haben mitgeteilt, daß Präsident choovcr erklärt habe, das heute abgeschlossen« Ab- kommen kvmmc dem Geiste des ameritanlfchen Vorschlage» entgegen: es bleibe natürlich der Billigung der übrigen interessierten Par- teien unterworfen, in deren Namen er keine Verpflichtung über- nehmen könne. Mellon und Edge haben darauf im Namen des Präsidenten .heaver und in ihrem eigenen Namen ihrer aufrichtigen Dank- b a r k c i t gegenüber der französischen Regierung für die von ihr vollbrachte edelmütige Anstrengung zugunsten der wirtschaftlichen Wiederherstellung der Welt Ausdruck gegeben. Ministerpräsident Laval hat den mnerikanischen Unterhändlern für ihre aktive Mit- arbeit und ihren Unternehmungsgeist gedankt, er hat den Wunsch ausgedrückt, daß die Initiative des Präsidenten Hoover die Ziele erreiche, die sie sich gefetzt hat." Der Text des Abkommensentnmrfes lautet folgendermaßen: Roch den vorgenommenen Meinungsaustauschen stellt die fron- zösische Regierung fest, daß sie mit der Regierung der Bereinigten Staaten über den wesentlichen Grundsatz des choovcrfchen Vorschlages und über die folgenden Bestimmungen ü b e r e i n- stimmt: l. Die Zahlung der Regierungsschulden wird vom t. Iuli lSZl bis 36. Zum 1932 aufgeschoben. 2. Die Reichsrcgierung zahlt jedoch den Betrag der u n- geschützten Annuitäten, aber die sranzösische Regierung erklärt sich, was sie betrisst, damit einverstanden, daß die vom Reich ge. leisteten Zahlungen von der BIZ. in Garanticbonds der Reichseisenbahngeseltschasten angelegt werden. 3. Alle ausgeschobenen Zahlungen werden unter den von der amerikanischen Regierung angeregten Bedingungen verzinst und in zehn Zahresroleu vom 1. Zuli 1933 ab amortisiert. 4. Dieselben Bedingungen werden auf die von der Reichseifenbahngesellfchost ausgegebenen Bonds angewandt. Ueber drei Punkte gibt die französische Regierung folgende Erklärungen ab: s) Eine gemeinsame Aktion der wichtigsten zentralen Notenbanken soll durch Vermittlung der BIZ. zugunsten jener europäischen Länder organisiert werden, die durch die vorgeschlagene Aushebung der Zahlungen besonders in Mitleidenschaft gezogen werden. d) Ein« vorherige Veveinbarung soll zwischen Frankreich und der BIZ. darüber getroffen werden, daß Frankreich den im Falle eines Moratoriums des Voune-Planes vorgesehenen Garantie- s o n d s nur durch monatliche Zahlungen aüssüllt, die den Bedürfnissen der BIZ. auf Grund der tatsächlich von Deutschland transferierten Zahlungen entsprechen. c) Die Sachlieferungsfrage und die verschiedenen tech- nifchen Maßnahmen, die durch die Anwendung des amerikanischen Vorschlages und des vorliegenden Abkommens notwendig werden, sollen von einem Ausschuß von Sachverständigen geprüft werden, die von den interessierten Regierungen bestimmt werden und die die tatsächlichen Notwendigkeiten mit dem Geiste des Hooverschen Vorschlages in Eintlane, bringen müssen. Frankreich behält sich das Recht vor, von der deutschen Regie- rang die unerläßlichen Zusicherungen bezüglich der Verwendung des ihr zur Verfügung gestellten Kredits zu ausschließlich wirtschaftlichen Zwecken zu verlangen. Ruhe in München. Hitler will Nagen.— Universität arbeitet wieder. München. K.Juli.(Eigenbericht.) Seit Montag sind vor dem Hitler- Palais die Verhältmsi« wieder normal. Der Verkehr ist zwar noch etwas lebhafter als sonst, doch scheint Hitler die Demonstrationen seiner jugendlichen Rowdys, die seit süns Tagen die Barmmeile der Stadt in Unruhe geholten haben, abgestoppt zu haben. Die uniformierten Posten sind verschwunden,. dafür patrouilliert auf den Gehsteigen da und dort ein polizeilicher Doppelposten. In einem Aufruf Hitlers, den er in seinem Organ veröfsent- licht, wird mitgeteilt, daß zur Feststellung der Rechts» Widrigkeit der polizeilichen Maßnahmen, insbesondere des Postenstehcns auf parteieigenem Grund,«ine gerichtliche Eni- jcheidung grundsätzlicher Art herbeigeführt werden soll. Zu diesem Zweck hat sich Hitler von dem nationalistischen Gottinger Rechtsanwalt Lütgcbrune. der 1924 im Hitler-Putjchprozeß Luden- dorjj verteidigte, ein Gutachten anfertigen lassen. Lütgebrune ist so rasch im Braunen Hause in München eingetroffen, daß er zum Teil noch Zeuge der polizeilichen Aktion gewesen ist. Einen heiteren Beigeschmack hat die Anzeige von CA.- Führern, die bei der Säuberungsaktion am Sonnabend vet- haftet und für einige Stunden im Polizeipräsidium festgehalten worden sind. Diese haben gegen den Polizeipräsidenten Strafan- zeige wegen Freiheitsberaubung gestellt. Präsident Koch scheint sich ober nicht einschüchtern zu lasscu, denn er hat neuerdings zwei Versammlungen Hitlers o e r b o t e n, die am Mittwoch im Zirkus Krone und in einem Bierkeller stattfinden sollten. Einigen Eindruck scheint es auf die Hakenkreuzhetzer auch gemacht zu hoben. daß einer von den am Sonnabend verhafteten Rowdys von dem Schnellrichter' bereits mitkMonotenGefängnisbcstraft worden ist. Auch an der Universität, die am Montag vormittag wieder geöffnet wurde, scheint zunächst Beruhigung eingetreten zu sein. Der Zutritt zur Unwersität ist nur durch den Haupteingang in der Ludwigstraße gestattet und nur solchen Studenten und Hörern, aät JStattea«wswetjeu tonne», Juneicha lb des Äabänd»» P. ein Ordnungsdienst tätig, dem 30 Studenten und einige Univcrsitäts- beamte angehören. Das Rektorat hat allerdings mit diesem O r d- nungsdienst den Bock zum Gärtner gemacht, denn er besteht im wesentlichen aus N a z i st u d e n t c n undgcrade aus jenen, die bei dem Skandal am Dienstag sich als die ärgsten Schreier hcroorgetan hoben. Selbst der berüchtigte Führer des Razistudenten- bundes, Reese, tritt nun als Ordnungsmann mit einer gelben Arm- binde auf. Die Vorlesungen des Professors R o w i a s k y verliefen am Montag ungestört. Gegen ihn richtet sich neuerdings eine Jntcr- pellation der Hakenkreuzfraktion des Landtages, die auch von den Deutschnationalen mit unterschrieben ist. GG-Reichsfuhrerschule verboien. Abgefaßt bei verbotsioidriger llebung. München, S. Zuli. Nach einer Meldung der„M ünchcner Post" wurde aus dem Gelände der ehemaligen Orbis-Film A.-G. in Rcu-Grünwald die Reichsführerschule der nationalsozialistischen SS. bei einer ver- botswidrigen Ucbung in Uniform von der Gendarmeric feslgestelll und aufgelöst. Gpauieus Verfassungsentwurf. Völlige Gleichstellung Per Frau/ Freier Volksschulunterricht. Madrid, 6. Juli.(Eigenbericht.) Die neue spanische Verfassung, deren Eiftwurs jetzt fertiggestellt ist, sieht vor: Einheitsstaat mit der Möglichkeit provinzieller Autonomie, Aweikammer-System, Präsidenten- wähl durch das Parlament, Dauer des Präsidentenniondots K Jahre, Verantwortlichkeit des Präsidenten der Republik vor dem Kongreß, vollkommene Religions- und K u l t u s f r e i h e it. Ab- schaffung der Adelstitel, Gleich st ellungderFrau, die wälzlen und gewählt werden und öffentliche Aemter bekleiden kann, obligo- torijcher und unentgeltlicher Bolksschul Unterricht. Möglichkeit der Enteignung von Grund und Boden im Staats- mteee�e, Stalin lernt um. Zum Gaudium der kapitalistischen presse. Auf einer vor kurzem abgehaltenen Konferenz der sowjet» russischen Wirtschastssührer hat Stalin eine programmatische Rede über die neuen Aufgaben des Wirtschaftsaufbaues in der Sowjetunion gehalten, er hat dabei in einer Anzahl von Punkten neue Methoden der Führung angeordnet. Zum Teil sind diese neuen Methoden schon vorher eingeleitet worden, ihre Zusammenfassung aber wirkt wie eine programmatische Revision des Stalin-Kurses, und zwar deshalb, weil vieles von dem, was bisher die Sowjetpropaganda beherrscht hat. und damit auch die kommunistische Propadanda in Deutsch» land, zum alten Eisen geworfen wird. Im wesentlichen er- streckt sich die Revision auf folgende Punkte: Einstellung der Hetze gegen die Spezialisten. Abschwächung des Jnteroentionsgeschreis. Umwandlung der Wirtschaftsführer zu tatsächlichen Betriebsleitern. Abschaffung der Fünftagewoche. Anerkennung des Prinzips des differenzierten Ar- beitslohns. Senkung der Selbsttosten der Industrie. Diese Revision enthält das Eingeständnis, daß mit den bisherigen Methoden der Fünfjahresplan gefährdet ist. Sie ist ein neues Experiment, um das noch größere Experiment des Fünfjahresplans aufrechterhalten zu können. An der grundlegenden Tendenz des Fünfjahresplans, dem Aufbau einer Produktionsmittelindustrie durch die Selbstfinanzierung auf Kosten der Arbeiter und Bauern ändert sich nichts, wohl aber wesentliches an dem, was bisher die Mittel dieses Kurses waren. Di« Abbremsung der Hetze gegen die Spezia- listen ist aus der Rot geboren. Nach den Worten Stalins braucht man gegenwärtig doppelt bis fünfmal soviel In- genieure, technisches Personal und leitende Kräfte. Man braucht dazu die Intelligenz der alten Bourgeoisie. Da aber der bisherige Kurs Stalins sie als„Schädlinge", als„Ver- fchwörer", als„Interventionisten" gebrandmarkt hat, und dazu den kapitalistischen Interventionskrieg als akute Gefahr hingestellt hat, muß die Kriegspsychose und die Schädlings- furcht beseitigt werden. Also erklärt Stalin, die Intelligenz der alten Bourgeoisie habe sich inzwischen bekehrt, sie habe einen Gcsinnungsumschwung gezeigt, und man müsse also das politische Verhalten ihr gegenüber ändern. Er führte aus: „Was die Interoentionshosfnungen der Intelligenz der Bourgeoisie anbetreffe, müsse man eingestehen, daß sie sich einstweilen als ein auf Sand erbautes Haus erwiesen hätten." Es wird also einstweilen noch nicht der unmittelbar bevorstehende Interventionskrieg an die Wand gemalt. Es werden einstweilen keine Professoren und Ingenieure mehr mit Krylenkoschen Erfindungen prozessiert und erschossen. Einstweilen— das sagt, daß Stalin keinen Frieden mit der alten Intelligenz schließt, es sagt nur, daß er sie braucht. Die diktatorische Betr«.s»»>«itung entspricht den Methoden, die ber-t?? seit einiger Zeit eingeleitet sind. Die Abschaffung der Fünftagewoche gesteht das Fiasko eines tollen Experiments ein, bei dem ausprobiert wurde, wie- weit unter dem Druck eines terroristischen Regimes der Mensch zum reinen Werkzeug erniedrigt werden kann. Die Rückkehr zur Sechstagewoche und zum gemeinsamen Sonntag zeigt, daß eine derartige Vergewaltigung nicht einmal am russischen Arbeiter unter der Knute Stalins möglich ist. Das kommu- nistische Propagandageschrei über diesen Punkt wird wohl nun verstummen. Der wichtigste Punkt aber ist die Abkehr von der Lohn- gleichheit und die Rückkehr zum differenzierten Arbeitslohn. „Der Gleich st cllunq der Arbeitslosen, der qe- lernten nnd ungelernten Arbeiter miissc ent- schieden ein Ende bereitet werden. Marx und Lenin hätten gesagt, daß ein Unterschied zwischen gelernter und ungelernter Arbeit sogar beim Sozialismus selbst nach Beseitigung der Klassen bestehen werde und daß nur beim Kommunismus dieser Unterschied oerschwinden müsse, und daß angesichts dieser Tatsache der Ar- beitslohn beim Sozialismus nach der Leistung und nicht nach den Bedürfnissen ausgezahlt werden müsse. In jedem Industriezweig und in jedem Betriebe seien führende qualifizierte A r b e i t c r g r» p p en vorhanden, die an die Produktion nur dadurch gebunden würden, daß sie mit Hilfe von Arbeitsorganisationen, die den Arbeitern die notwendig« Qualisi- kallon jcha�«J, Dieser Umstand gebe, abgesehen von anderen Möglichkeiten, den ungelernten Arbeitern den Ansporn zum Hinaus- streben in die Reihen derjenigen, die bessere Ernährung und Wchnungsbedingungen hätten." Das ist eine grundlegende Erklärung, die die kapitalistische Presse zu dem Ausruf begeistert hat, daß sich Stalin zu kapitalistischen Methoden bekehrt habe. Diese Sätze aus dem Munde Stalins haben so stark gewirkt, daß sie die kapitalistische Presse geradezu als eine Rechtfertigung und einen Triumph des Kapitalismus hinnimmt, als einen Beweis gegen den Sozialismus. Das kommt schließlich bei den rohen Experimenten und den Auffassungen eines primitiven Kommu- nismus heraus, mit dem man in Rußland„Sozialismus" diktieren will. In Wahrheit ist dieser Zusammenbruch eines Stücks der kommunistischen Ideologie nur ein Beweis für die Zurückgebliebenheit kommunistischer Auffassungen hinter den Erkenntnissen des modernen Sozialismus seit Marx!. Die Lohngleichiheit ist ebensowenig ein Wesenselement des Sozialismus wie der differenzierte Arbeitslohn ein Wesens- element des Kapitalismus ist. Die deutsche Arbeiterschaft hat die L o h n g l e i ch he it im Kapitalismus erlebt, am Ende der Revolution und in der ersten Zeit der Stabilisierung. Diese Lohngleichheit war eine Nivellierung nach unten. In mühevollem Kampfe haben die Gewerkschaften diese Nivellie- rung nach unten gebrochen, haben sie die Löhne für qualifi- zierte Arbeit gehoben, haben sie das gesamte Lohnniveau auf eine Höhe gebracht, diie selbst heute noch nicht wieder auf den Stand von 1924 von d»en Unternehmern herabgedrückt werden konnte. Das war wahrhaftig nicht ein„kapitalistischer Akt"! Indessen tritt hier ein Unterschied in den Motiven zutage. Die Errichtung des neuen Lohngebäudes in Deutschland durch die Gewerkschaften mit Hilfe der staatlichen Sozialpolitik ent- sprang dem Motiv, der Arbeit ihr Recht zu geben; sie erfolgte unter dem Gesichtspunkt der Wahrung der Arbeiterinteressen. Stalins Wendung zum differenzierten Lohn ist ein Mittel der Rationalisierung. Nicht die Gerechtigkeit, sondern der Anreiz zur Produktion ist ihm der oberste Gesichtspunkt. Es liegt darin unausgesprochen das Zugeständnis, daß die Methoden der„sozialistischen Wettbewerbe", der„S t o ß- arbeit", nicht zum Ziele geführt haben. Wo aber sind in Sowjetrußland die von der diktatorischen Regie- rung unabhängigen Gewerkschaften, wo ist die staalliche Sozialpolitik, die die Interessen der Arbeiter bei der Schassung eines differenzierten Lohngebäudes wahrnimmt? Man fühlt in den kapitalistischen Kreisen wohl, daß Stalin den differenzierten Lohn als Peitsche zur Erzwin- gung seiner„Rationalisierring" benutzen will— daher die Begeisterung. Stalin hat gleichzeitig von der Notwendigkeit der systematischen Berechnung der Selbstkosten und ihrer Leistung gesprochen. Es entspricht deutscher Unternehmermentalität, daß sie bei Selbstkostensenkung sofort an Lohn- s e n k u n g denken! Wo sind die Garantien, angesichts des Fallens der Gewerkschaften und der Diktatur Stalins, daß die Differenzierung des Arbeitslohns in Rußland nicht nach unten erfolgt, und daß sie nicht zur kapitalistischen Methode wird? Die Lohnsenkung ist in Rußland in vollem Gang, der Reallohn sinkt— daher begrüßen die Kapitalisten Stalin! Die kommunistische Propaganda aber wird in schwere Verlegenheit geraten. Wenn Stalin energisch die Gleich- setzung von Arbeitslosen, ungelernten Arbeitern und gelernten Arbeitern beseitigt— was wird dann aus der Hetze gegen die„Arbeiteraristokratie"? Man sollte annehmen, daß die Kommunisten nun auf Befehl Stalins wieder lernen müßten, daß nicht die Lohnhöhe, sondern das gesellschaftliche Ber- hältnis die Klassenlage bestimmt, daß die Arbeiterschaft als Klasse ein geschlossenes Ganze ist, das nur kommunistischer Spaltungswahnsinn zu zerreißen sucht. Indessen: wer weiß, wie lange die neueste Wendung Stalins vorhält? Ein neues Experiment wird unternommen. Bald hüh, bald hott, bald links, bald rechts— das ist der Kurs Stalins, der in seiner neuesten Phase das Gaudium der kapitalistischen Presse ist. Das ein Borbild für die sozialistische Arbeiterbewe- gung? Niemals! Studenten von Marburg. Sie dürfen bei Krawallen nicht fehlen. Marburg lLahn), 6. Juli. Die Studentengruppe der Nationalsozialistischen deutschen Arbeiterpartei an der Universität Marburg hatte für Dienstag eine Protestkundgebung gegen den Versailler Friedensvertrag unter freiem Himmel geplant, die aber in Verfolg eines Regierungserlasies von der Stadtverwaltung nicht genehmigt wurde. Die Studentengruppe beraumte daraufhin gegen dieses Verbot eine Protestkundgebung in den„Stadtfälen" an, zu der etwa 300 bis 400 Personen erschienen. Der als Redner vorgesehene Reichsfiihrer des Nationalsozialistischen Studentenbundes, Baduar o. S ch i r a ch, war aber nicht erschienen, da er bekanntlich i n Köln verhaftet worden ist. Ais sich dann ein Ersatzredner mit der Verhaftung Schirachs sowie dem Marburger Äundgebungsverbot beschäftigte, ertönten aus der Versammlung heraus Schmährufe gegen die Reichsregierung sowie den Oberbürgermeister der Stadt. Daraufhin wurde die Versammlung polizeilich aufge- l�o b e n. Auf der Straße rotteten sich die nationalsozialistischen Studenten zusammen und zogen unter dem Gesang von Kamps- liedern zu der Wohnung des Oberbürgermeisters. Ein starkes Polizcikommando suchte die Zusammenrottungen zu z e r> st r e u c n, was ihm jedoch erst nach Anwendung des Gummi- knüppcls gelang. Als sich die Demonstrationen vor der Universität wiederholten, griff auch hier die Polizei ein; die Namen zahlreicher Ruhestörer wurden festgestellt. Wechsel in der„Welt am Montag". Helmut von Gerlach scheidet aus. Helmut von Ger lach ist mtt dem 1. Juli aus der„Welt om Montag" ausgeschieden, an seine Stelle ist der frühere Münzen- bergredoktcur E m i l R a b o l d getreten. Weder die Redaktion noch der Verlag der Zeitung hatten es für nötig gehalten, ihren Leser- kreis über diesen Wechsel, seine Motive, und die damit verbundene Wendung zum Salvnbolschewismus aufmerksam zu machen. Empörung über die Quertreiber! Scharfes Abrücken von dem Manifest des„Klassenkampf"/ Absage amSeydewih. Parteiausschuß einberufen. Die Opposition innerhalb der Sozialdemokratie, gegen deren„M ahnruf an die Partei" wir uns dieser Tage mit aller Schärfe wandten, wie wir uns immer und bei welcher Gelegenheit es auch sei, gegen jede Sonder- aktion irgendeiner Gruppe wenden werden, ver- tritt ihre Anschauungen seit einiger Zeit in einer eigens dazu geschaffenen Halbmonatsschrift, dem„Klassenkampf". Der Leiter der sozialpolitischen Abteilung des Werkmeister- Verbandes, Genosse Dr. Fritz C r o n e r, der langjähriger Mitarbeiter dieser Halbmonatsschrift war, hat dieser Tage an den Herausgeber des„Klassenkampf", den Genossen S e y d e w i tz, folgendes Schreiben gerichtet: .Lieber Genosse Seydewitz! Ich muß Sie bitten, die Bearbeitung der Sozialpolitischen Um- schau in Zukunft einem anderen Genossen zu übertragen. Ich habe in den Monaten nach dem 14. September 1330 die Haltung des„Klassenkampfes" zu den Fragen der Parteitaktik mit steigender Verwunderung, ja Bestürzung mit angesehen. Ich spreche dabei gar nicht von der Haltung des „Klassenkampfes" zur Gewerkschaftstaktik, wie sie in einigen Auf- fätzen zum Ausdruck kam. Wir haben uns darüber bereits einmal unterhalten, ohne offenbar zu einer Verständigung gelangt zu sein. Ich habe es aber für unerträglich gehalten, daß der„Klassen- kämpf" seine Aufgabe als Blatt der Opposition darin gesehen hat, die außerordentliche Gefahr einer offenen faschistischen Macht. ergreifnng in den Augen der Arbeiterschaft systematisch zu verkleinern. Der„Klassenkampf" ist vor lauter„Opposition" gegen die heutige Parteiführung nicht dazu gekommen, die große historische Leistung der Partei, nämlich die durch unser« Taktik er- zwungene Legalisierung und Entlarvung der Stazibewegung, zu erkennen, geschweige denn anzuerkennen. Ich bin nicht der Auf- fassung, daß es die Aufgabe einer Opposition in der Sozialdemo- kratie ist, gegen die taktische Linie der Partei zu sein, nur weil es die taktische Linie der Partei m e h r h e i t ist. Ich meine, daß die Opposition mehr als genug sachliches Material für die Formu- lierung ihres Standpunktes hat und es nicht nötig hat. Richtiges falsch und Falsches richtig zu finden, nur weil sie sonst an einem Punkt einmal keine Differenzen mit der Partei» Mehrheit finden kann.» Die Entscheidung der Fraktion zur zweiten Notverordnung halte ich ebenso wie Sie für falsch. Ich halte es aber für u n z u» lässig, die Dinge so darzustellen, als ob für die so schnell ver- änderte Haltung der Fraktion leine andere Erklärung zu finden sei als eben der Wunsch, wieder einmal umzufallen. Mit solcher Dar- stellung entwertet der.Klassenkamps" den eigenen Standpunkt in den Augen aller, die wissen, was sich tatsächlich ereignet hat. Es wäre die Aufgabe jeder wirklichen Opposition, die Argumente der Mehrheit, insbesondere die scharfe Zuspitzung der sinanziellen Loge, mit dem ganzen Schwergewicht, das sie verdienen, darzustellen, und den eigenen abweichenden Standpunkt unter Würdigung der Argumente der Mehrheit darzulegen. So zu tun, als od die anderen nur Schwachköpfe und Schwächlinge feien, die auf jeden Kohl hereinfallen, ist im besten Falle töricht. Für indiskutabel aber und für unrxrautwortlich in der gegenwärtigen Situation halte ich den Schritt, den der „Klassenkampf" mit dem„Mahnruf an die Partei" unternommen hat. Ich verstehe zunächst nicht, wie ein Mitglied der Sozialdemo- kratie, solange es eben noch Mitglied der Partei ist, die„Verant- wortung für einen Beschluß und seine Folgen" ablehnen kann, den die Partei gefaßt hat— und mag das Parteimitglied den Beschluß für noch so falsch und gefährlich halten. Ich oerstehe vor allem nicht, wie man iu der heukigeu Situation. die wie keine zuvor das ganze Unglück der proletarischen Parteifpaltwigen enthüllt, auch nur einen Augenblick mit dem Gedanken einer nochmaligen Spaltung der Sozialdemokratie spielen kann, ver„Klassenkampf" spielt aber nicht nur mit den Gedanken, er schafft ja bereits die organisalorifchen Grundlagen für die Zerreißung der Partei, wenn er die Pariei- mitaiieder, die er nur sehr unvollständig unterrichtet Hai, um Zustimmungserklärungen für seinen„notwendigen" Mahnruf ersucht. Ich werde mich gegen dieses unberechtigte Vorgehen der Heraus- geber des.Klassenkampfes", das ja nicht nur die Einheit der Partei, sondern auch die Einheit der Gewerkschaften aufs Spiel setzt, mit allerLeidenschast zur Wehr setzen. Ich bin mit aller Entschiedenheit für eine Aendcrung des Partei- kurfes. Niemand aber darf wagen, die Partei zu zerreißen, weil er mit den Beschlüssen der Parteimehrheit nicht einverstanden ist. . Am Ende Ihres Aufsotzes, der hinter dem Mahnruf abgedruckt ist, steht der Satz:„Alle Quertreibereien und alle Sonderaktionen schaffen nur Verwirrung, die der Sache der Arbeiterklasse schaden und die jetzt mehr denn je zurückgewiesen werden müssen." Es ent- zieht sich meinem Verständnis, wie Sie diesen Satz schreiben und gleichzeitig den Mahnruf" unterschreiben konnten. Ich hoffe aber, Sie werden mich verstehen, wenn ich aus den Gründen, die Sie in dem Schlußsatz Ihres Aufsatzes niedergelegt haben, die weitere Mitarbeit am„Klassenkampf" ab- lehnen muß." Dienstag Parteiausschuß. Die anfänglich für Mitte dieser Woche in Aussicht ge- nommene Sitzung des Parteiausschusses der SPD. findet erst am Dienstag, dem 14. Juli, statt. Die Verschiebung erfolgte auf Wunsch von Mitgliedern des Parteiausschusses, die während dieser Woche durch Tagungen des Sächsischen Landtages in Anspruch genommen sind. Wirischast und Reichsbankpolitik. Oevisenlage noch weiter erschwert.— Reue Kredite noch nicht abgeschlossen. In der deutschen Bant- und Kreditwirtschast ist die nach dem 1. Juli erwartete Erleichterung bisher noch nicht«ingetreten. Die ausländischen Kreditkündigungen dauern fort, und das Ergebnis der Hoover-Verhondlungen hat bisher noch nicht ausgereicht, die wünschenswerten Verlängerungen ausländischer Kredite und die Zu- führung neuer Kredite herbeizuführen. Die Situation der Reichs- dank ist feit dem kritischen 30. Juni infolgedessen auch noch nicht er- leichtert. Am Geldmarkt wurden gestern noch die höchsten Zinssätze verlangt, die zum Junrschluß gezahlt werden mußten. Man muß daraus den Schluß ziehen, daß die finanzielle Bewegungsfreiheit der Banken gegenwärtig außerordentlich gering ist. und daß nach wie vor die Reichsbank den einzigen Rückhalt der deutschen Kreditwirt- fchaft bildet. Die Bewegungsfähigkeit der Reichsbank selbst ist nicht größer, sondern eher kleiner geworden, weil von ihr auch manche innerwirtschaftlichen Schwierigkeiten bis zur vollständigen Klärung der außenpolitischen Lage aufgefangen werden müssen, um möglich größeres Unheil zu verhüten. Die Reichsbank hat in der Sonntagsitzung des Generalrots die Ermächtigung zur Unterschreitung der 40prozentigen Notendeckung noch nicht erbeten. Einer Unterschreitung der 40prozentigen Noten- deckung steht grundsätzlich nichts im Wege. Sie wäre durchaus sinn- voll, nachdem 2 Milliarden Mark ausländischer Gelder(einschließlich der von den Banken zurückgezahlten Devisenbeträge) der deutschen Umsotzfinanzierung und damit dem Geldumlauf entzogen worden sind und irgendwie ersetzt werden müssen. Sie wäre auch in diesem Rahmen ungefährlich, denn es kommt ja nur darauf an, daß die von der Reichsbank gewährten Kredite reinen Umsatzzwecken und dem Warenumschlag dienen. Es denkt ja auch in Deutschland niemand daran, zusätzliche Reichsbankkrevite etwa für Staatszwecke in An- fpruch zu nehmen, statt Steuern zu erheben. Die Reichsbank hat auf die Unterfchrciwng der Deckungsgrenze und die entsprechende Mehrgewährung von Krediten verzichten können, weil sie für den dringendsten weiteren Bedarf jetzt den 50-Millionen. Dollarkredit in Anspruch nimmt, der schon seit langer Zeit bei mehreren ausländischen Privatbanken zu ihrer Verfügung stand, und weil sie die Methode der i n d i o i- � duellen Krediteinschränkung weiterhin bei den Banken noch anwendet. Dieser Kredit wird angesichts des von der Reichsbank immer noch zu befriedigenden Devisenbedarfs aber auch sehr bald verbraucht fein. Gestern haben sich die Devisenanfprüche der Reichsbank wieder auf 80 Millionen Mark erhöht, und es scheint, daß diese Devisennachfrage nur zum kleineren TeU auf ausländische Kündigungen, zum größeren Teil aber auf eine inländisch« Um- Wandlung von Mark in Devisen zurückzuführen ist. Bei dieser Loge darf die Reichsbank nicht darauf verzichten, ihren Kreditnehmern scharf auf die Finger zu sehen und auch die Zwecke der Devisenverwendung und der Kreditgewährung zu prüfen. Es kommt jetzt darauf an, daß die Reichsbank möglichst wenig für Devisenbeschassungen und neue Kreditgewährungen in Anspruch ge- nommen wird. Gestern abend lag noch eine scheinbar reichsbank- offiziöse Meldung darüber vor, daß ein« Verlängerung oder Er- höhung de» 100-Millionen-Dollarkredlts noch nicht gesichert fei. Die Reichsbank kann noch immer sehr viel tun, um die M o b i- lisierung von Geldquellen im Jnlandezu erzwingen. Bei vielen Stellen des Inlandes liegt«in Kredit- und Devisenbedarf vor, der nur deshalb bei der Reichsbank befriedigt werden muß. weil diese Stellen sich fürchten, eigene Opfer auf sich zu nehmen. An sehr vielen Stellen in der Industrie und bei den Banken kann eine energische Reichsbankpolitik, die deshalb nicht unelastisch zu sein braucht, durch den Verkauf von Warenlagern, durch die Mobili- sierung ausländischer Guthaben und vor allem durch die erzwungene Rückführung geflüchteter Kapitalien eine starte Entlastung des deut- fchen Geldmarkt— auch zugunsten der Reichsbank selbst— herbei- geführt werden. Die Politik des elastischen Ausweichens, die die Reichsbank gegenwärtig betreibt, hat gute Gründe. Die Reichsbank darf auch mit einigem Recht erwarten, daß die gegenwärtigen, sehr großen Schwierigkeiten vorübergehender Natur sind, und daß die notwendige und wünschenswert« Hilfe vom Ausland« nicht ausbleiben wird. Im Interesse der Gesamtwirifchaft aber und zur Stärkung des aus- ländischen Vertrauens darf die Reichsbank bei ihrer Politik des elastischen Ausweichens jene Härte sicher nicht außer acht lassen, die innerwirtschaftlich und auch für die Sicherung des in- und aus- ländischen Vertrauens in die Führung der Reichsbank not- wendig ist._ Zum Tode von Friedr. Austerlitz Der Parteivorstand der deutschen Sozialdemokratie hat an die österreichische Parteileitung das folgende Telegramm gerichtet: In Friedrich Austcrlitz verliert die deutsche Sozialdemokratie den glänzenden Publizisten und mutigen Kämpfer, sie trauert ge- meinfam mit der österreichischen Sozialdemokratie. Der Partei- vorstand. ->> An die Redaktion der„Arbeiterzeitung" Wien sind die folgen- den Beileidstelegramme gerichtet worden: Mit euch betrauern wir in Friedrich Aufterlitz den hervor- ragenden sozialdemokratischen Journalisten, dessen Lebenswert vor- bildlich für die gesamte deutschsprachige Partei bleiben wird. Re- dattion des„Vorwärts". * Wir betrauern mit euch den unermüdlichen journalistischen Kämpfer Friedrich Aufterlitz, den Vorkämpfer dez Sozialismus. So- zialdemokratischer Pressedienst. Voltszählung in England. Nach dem vor�ufigen Ergebnis der Volkszählung vom 26. April belauft sich die Gesamtbevölk'erung von England und Wales auf 39 937 931, davon 19 Millionen männlichen Geschlechts. Das bedculct eine Zunahme um 2 06l 232 oder 5,44 Proz. gegenüber der Volkszählung von 1321. Die zahlenmäßiae Zunahme ist geringer als in irgendeinem Jahrzehnt seit itztzi ausgenommen das Jahrzehnt, in das der Weltkrieg fiel. Nr. 311* 48. Jahrgang ± Beilage des Vorwärts Dienstag, 7. Juli 1931 Die uoiHsfeindlichen Kommunisten. Kämpfer gegen Arbelterhultur und Wohllahri.- Saboteure des Stadihaushalls. Die Stadtverordneten setzten gestern die Beratung des Haushaltplanes beim Kapitel Wohlfahrtspflege fort. Es sprachen noch einige Redner der kommunistischen Fraktion. Um 19 Uhr wurden wieder die Abstimmungen für die erledigten Kapitel vorgenommen. Beim Kapitel Kunst und Wissenschaft kam wieder einmal mehr die geradezu gemeingefährliche Arbeiterfeindlichkeit der Kommuni st en zum Ausdruck. Sie hatten in einem An- trag die Kündigung der Darlehen an die Volksbühne verlangt und diesen Antrag mit Hilfe der Nationalsozialisten und einiger anderer Rechtser auch durchgesetzt. Es kann gar keine Frage sein, daß der Magistrat diesem Antrag nicht beitritt: die Volks- bühne ist als Kunstinstitut aus dem Berliner gemeinnützigen Kunst- leben nicht mehr fortzudenken. Abgelehnt wurde ein Antrag der Nazis, nach dem der„Kaiser-Wilhelm-Gcsellschast zur Förderung der Wissenschaften" wie bisher weiter 16 000 Mark gezahlt werden sollen. Dann wurden noch weitere kulturfeindliche Anträge der Kommunisten abgelehnt, so die Streichung des Zuschusses für das Philharmonische Orchester. Das ist natürlich nur eine bescheidene Blütenlese aus dem Riesenstrauß kommunistischer Anträge. Beim Kapitel Wohlfahrt sparten sie ebenfalls nicht mit Anträgen. Es ist nicht festzustellen, um wie viele Millionen der Wohlfahrtsetat, der jetzt schon ein volles Viertel des Gesamtetats ausmacht, steigen würde, hätten die An- träge alle Annahme gesunden. Die Kommunisten forderten wahllos, ohne auch nur den leisesten Versuch zu machen, die Notwendig- keit gerade ihrer Ausgabenfestsetzung zu beweisen. Ein Beispiel von vielen dafür: Für die Einrichtung von Werk- srätten in den städtischen Erziehungsanstalten forderten sie den Betrag von zwei Millionen Mark. Berlin hat fünf solcher Anstalten mit etwa zweitausend männlichen Insassen. Für 100 000 Mark— soviel entfiele auf jede Anstalt— kann man eine große Fabrik mit den modernsten Werkzeugmaschinen einrichten, und Werkzeug im Betrage von eintausend Mark pro Kops ist soviel, wie nwncher Gewerbetreibender nicht in seinem Betriebe investiert hat. Was hindert das aber die Kommunisten, zwei Millionen zu fordern!!! Große Heiterkeit erregte es, als die Kommunisten für die Für- sorgezöglinge die Weihnachtsfeiern abgeschafft wissen Krater am Potsdamer Platz Noch immer prangt der auffällige Bauzaun mit den riesigen Reklameauf sdiriften am Pols-_■ d am er Platz; aber gleich dahinter hat sich ein gewaltig /tiefer Krater auf getan: die Baugrube für das neue Columbus- //aus, das sich hier nach dem gescheiterten Projekt der„Galerics Lafaycfte" an der Stelle des ehemaligen Hotels Belleoue erheben wird. Das lebhafte Verkehrstempo des Potsdamer Platzes fdieint sich auch auf den Betrieb in der Baugrube überfragen zu haben, in der 230 Arbeiter beschäftigt sind. Passanten nom Potsdamer Platz treten an die Barriere und betrachten mit Interesse das Treiben in der Baugrube, die mit den'- zahlreichen konzentrisch angeordneten' Stützbalken einem Amphitheater gleicht. Line weitoerzmeigte Pumpanlage besorgte die Grundwasserabsenkung von 5 Meier, gerechnet vom vrsprünglidien Wasserspiegel. Viele Tausende von Hektolitern Wasser flössen auf diese Weise durdi den Regen masser- kanal in den Landwehrkanal. Ein mächtiger Kaupenlöffcl- bagger besorgte die Aussdxaditung(20 000 Kubikmeter). Auf kleinen Geleisen laufende Loren bradilen die Erdmassen zu dem Aufzug, von dem sie automalisdi in die bereitstehenden l uhrmcrke gekippt wurden. Nun sind gerade die Beionierungs- arbeiten im Gange: Betonmischmaschinen kreischen und langsam wächst die Fundierung: Eine 1 ,50 m starke Beton- Die riesige Baugrube des ,,CoIutnbus- Hauses" platte, die für das 37 m hohe Bürohaus mit seiner Grundfläche von 2000 Quadratmetern das Fundament bilden toird. Durch die Tiefe dieses Fundamentes mußten auch die Kellersohlen der benachbarten Häuser auf 8,50 m unterfahren werden. Daher auch die umständlichen Sicherheitsmaßnahmen durch Absteifung. Der Bau, der einen entscheidenden Anstoß zur Modernisierung des Potsdamer Platzes geben wird, stammt im Entwurf oon Architekt Erich Mendel söhn. Im Mai 1932 soll das „Columbus-Haus" fix und fertig dastehen. wollten, für die Insassen des Obdachs sollten aber nach ihrem An- trag die Ausgaben für die gleichen Feiern noch erhöht werden. Es war eben zur Zeit der Etatberatung im Ausschuß auch schon sehr heiß!— Im letzten Jahre war die Genossin Todenhagen als Amtmann in das Landesjugendamt eingetreten, nachdem sie vorher lange Jahre der Arbeiterwohlfahrt vorgestanden hatte. Dagegen richtete sich schon lange der Haß der Reaktionäre von rechts und links: gestern bot sich Gelegenheit, in einer Abstimmung dagegen zu votieren und so geschah es, daß die Stelle der Genossin Toden- Hägen gestrichen wurde.— Vor Jahr und Tag hatten die Kom- munisten schon einmal beantragt, für die Unterstützungsbedürftigen aller Arten Sätze festzusetzen, die über dem Einkommen der in Arbeit Stehenden liegen. So auch wieder beim Wohlfahrtsetat: Für ein Ehepaar mit zwei Kindern verlangten sie monatlich 230 Mark(ohne Abzüge). Der Antrag wurde in namentlicher Abstim- mung abgelehnt, auch die sozialdemokratische Fraktion stimmte da- gegen. Ueber 100 Abstimmungen zum Wohlsahrtsetal waren nötig, darunter befanden sich fünf namentliche. Die Etatkapitel wurden schließlich in der Fassung des Haushaltsausschusscs angenommen. Die Versammlung wandte sich dann der Beratung des Gefundheitsetaks zu. Dazu sprachen die Stadtverordneten Dr. Bamberg(Dem.), Dröll(Komm.) und Frau Frohn(Z.). Um 21.30 Uhr beantragte Herr Wisnewski die Beratungen zu vertagen, weil seine Freunde kein Interesse mehr an der Sitzung hätten. Bei beschlußunfähigem Hause kam der Kommunist mit diesem Antrag durch: der Erfolg wird sein, daß die Verabschiedung des Stadthaushaltes noch um einen Tag hinausgezögert wird. > Notzeiten überall! Der ungeheure Wachstum der an die zuständigen Wohl- fahrt? stellen gerichteten Gesuche um Gewährung von Unter- stützungen liefert den sichtbarsten Beweis für die Notlage weiter Kreise der Berliner Bevölkerung. Unter den mannigfaltigen Sach- leistungen, die von der offenen Fürsorge zur Linderung der Rot gewährt werden, rangieren die Summen, die allmonatlich in Gestalt von M i e t b e i h i l f e n für bedürftige Familien bewilligt werden mit an erster Stelle. Daß immer größere Kreise infolge der langen Dauer der Arbeitslosigkeit und der damit verbundenen Verschlechte- rung der wirtschaftlichen Lage ihren Verpflichtungen in der Auf- bringung der Wohnungsmiete nicht nachkommen können, geht mit aller Deutlichkeit aus der enormen Belastung der Fürforgestellen hervor, die im Bereich der 20 Verwaltungsbezirke iin Laufe der epstcn drei Monate dieses Jahres nicht weniger als 1.113 000 Mark als Mietsunterstützung. d i r e kt a n:d te�V e r m i e t ex zahlten. Während im Januar 130 000 Mark für diese Zwecke aus- reichten, mußten im Februar bereits 161 000 Mark und im März sogar 321 000 Mark zur Verfügung gestellt werden. Unter den einzelnen Verwaltungsbezirken verzeichnet der dichtbevölkerte Ar- beiterwohnbczirk Prenzlauer Berg mit einem Aufwand von 377 000 Mark im Laufe des ersten Vierteljahres die Höchstfummc. Krcuzberg verausgabte in derselben Zeit rund 195000 Mark: nicht minder groß ist die Notlage im Berliner Westen, wo C h a r- l o t t e n b u r g von Januar bis Ende März 228 000 Mark Unter- stützungen zahlte. Lichtenberg und Neukölln, beide stark ausgeprägte Arbeiterwohnbezirte, fühlen die Auswirkungen der Wirtschaftskrise ebenfalls besonders deutlich in den wachsenden so- zialen Lasten. Die Summen, die von den offenen Fürforgestellen der beiden Bezirke allein für Mietbeihilsen, ohne die übrigen Sach- leistungen wie Kleidung, Hausrat und Lebenmittelzuwcisungen ge- Von I. ILF und F. PETROW Hätte dieser Mensch zwei Stunden lang stillsitzen können, so wären vielleicht ganz unerwartete Dinge geschehen. Viel- leicht hätte er dann eine schöne Geschichte schreiben oder ein Gesuch an die Kassa der„Gegenseitigen Hilfe" verfassen können, ihm ein Darlehen auf unbegrenzte Frist zu gewähren. Oder er hätte vielleicht ein neues Wohnungsgesetz entworfen oder ähnliches. Stillsitzen aber war gegen seine Natur. Seine mahn- sinnig geschäftigen Beine trugen ihn davon, der Bleistift schoß wie der Blitz, geführt von wahnsinnig geschäftigen Händen. Die Gedanken flogen sprunghaft hin und her. Iznurenko lief im Zimmer umher und die amtlichen Siegel auf den Möbelstücken zitterten wie die Ohrringe einer tanzenden Zigeunerin. Das lustige Periplzeriemädchen faß auf dem Stuhl.„ „Ach, ach!" rief Awessalom Wladimirowitsch.„Göttlich! Die Anwesenheit der Königin verschönert das Mahl mit ihrer Stimme, ihrem Blick! Hohe Klaffe! Sic sind die Königin Margot." Die Peripherickönigin verstand nichts und lachte respektvoll. Essen Sie doch, nehmen Sic doch ein Stück Schokolade, ich bitte Sie! Ach. ach! Wunderbar!" Er küßte jeden Moment die Hände der Königin, setzte ihr den Kater aus den Schoß und fragte flehend:„Nicht wahr, er ficht wie ein Papagei aus/ Ein Löwe! Ein Löwe! Ein echter Löwe! Sehen Sie nur, wie flaumig er ist!... Und der Schwanz! Der Schwanz! Ein prachtvoller Schweif! Ach!" Dann flog die Katze in die Ecke und Awcffalom Wladimi- rowitsch preßte seine Arme gegen die dicke Brust und begann jemanden im Fenster vis-n-vis zu begrüßen. Nun muhte sich ober in seinem Kopf irgendein Bentil geöffnet haben, denn «r begann anzügliche Witze zu machen, Anspielungen auf feetijche-.Elgenichajien.. jemee Lejuchecm, „Sagen Sie, Fräulein, diese Brosche ist doch eigentlich nur aus Glas? Und was für ein Glanz! Ach, Sie haben mich geblendet, mein Ehrenwort!... Sagen Sie, ist Paris wirklich eine so großartige Stadt? Und gibt es dort wirklich einen Eiffelturm?... Ach, ach! Welche Hände! Welche Nase! Ach!..." Er trat dem Mädchen dabei körperlich nicht im gering- sten nahe. Er begnügte sich damit, ihr Komplimente zu sagen. Und er sagte sie endlos. Dieser Redestrom wurde durch Ostaps Kommen unterbrochen. Der große Kombinator trat ein. drehte einen Bogen Papier in den Händen und sagte streng:„Wohnt hier Iznu- renkow? Sind Sie es?" Awessalom Wladimirowitsch blickte betreten in das steinerne Gesicht des Besuchers. Er suchte in seinen Augen zu lesen, was für ein Ansinnen der Besucher an ihn zu stellen hatte. Vielleicht eine Geldstrafe wegen einer zerbrochenen Scheibe während eines Gesprächs in der Elektrischen? Eine Vorladung vor das Volksgericht wegen der Wohnungsmiete oder die Werbung zum Abonnement für die Zeitschrift der Blinden? „Was soll denn das heißen, Genosse", sagte Bender,„wie können Sie sich unterstehen, einen Staatskurier davonzujagen?" „Was für einen Kurier?" fragte Jznurenkow erschrocken. „Sie werden es schon selbst wissen. Ich werde jetzt sofort die Möbel hinaustragen. Vor allem diesen Stuhl hier. Bitte sehr, Bürgerin, machen Sie den Stuhl frei." Die Bürgerin, deren Haupt eben noch der Hauch einer zarten Poesie umschwebt hatte, stand auf. „Nein! Bleiben Sie sitzen!" rief Jznurenkow und deckte den Stuhl mit seinem Körper.„Sie hoben kein Recht dazu!" „Was Recht oder Unrecht aillairgt, so haben Sie zu schweigen, Bürger. Ehre dem Gesetz!" Mit diesen Worten hob Ostop den Stuhl und schwenkte ihn in der Luft. „Diesen Stuhl werde ich jetzt mitnehmen", sagte Bender entschlossen. „Nein. Sie werden es nicht tun." „Wieso denn nicht", lächelte Ostap und begab sich mit dem Stuhl auf den Gang. Awessalom küßte der Königin die Hand, neigte den Kopf und lief dem unerbittlichen Exekutor nach. Ostap stieg bereits die Treppe hinab. Nach dem Gesetz können die gepfändeten Möbel vierzehn Tage lang beim Besitzer bleiben und die Sache datiert erst seit drei Tagen. Vielleicht werde ich bis dahin bezahlen." Jznurenkow schwirrte wie eine Biene um Ostap herum. So kamen sie auf die Straße. Awessalom Wladimirowitsch lief dem Stuhle bis zur nächsten Straßenecke nach. Dort sah er einige Spatzen, die auf einem Misthaufen herunihüpftcn. Er sah ihnen mit heiteren Augen zu, flüsterte etwas vor sich hin, klatschte mit den Händen und rief lächelnd:„Hohe Klasse! Ach!... Ach!... Welcher Einfall!" Er war durch den Reiz einer plötzlichen Eingebung hin- gerissen. Er drehte sich lustig um und hüpfte'zurück nach Hause. Erst als er das Peripheriemädchen mitten im Zimmer stehen sah, erinnerte er sich wieder an den Stuhl. Ostap brachte den Stuhl indes in einer Droschke nach Hause. „Hier können Sic sich ein Beispiel nehmen", sprach er zu Worobjew.„Diesen Stuhl habe ich mit meinen bloßen Händen genommen. Ohne einen Heller zu bezahlen. Ver- stehen Sie?". So wurde Iwanopulos Möbeln ein neuer Stuhl hin- zugefügt. Nach der Durchsuchung des Stuhles wurde Wo- robjew sehr traurig. „Die Chancen werden immer größer", sagte Ostap,„und wir haben keinen Groschen Geld. Sagen Sic, hatte Ihre selige Schwiegermutter nicht eine besondere Vorliebe für Scherze?" „Wie kommen Sie darauf?" „Vielleicht existieren die Brillanten überhaupt nicht." Worobjew hob die Arme so hoch, daß sein Rock ganz 'kurz wurde. „Nun, dann ist alles in Ordnung. Hoffen wir, daß Jwanopulo jetzt nur noch um einen Stuhl bereichert wird." „Genosse Bender, man hat heute über Sic in der Zeitung geschrieben", sagte Worobjew zuvorkommend. Ostap runzelte die Augenbrauen. Er liebte es nicht, wenn die Presse seinen Namen ans Licht zerrte. „Was faseln Sie da? Welche Zeitung?" Worobjew entfaltete triumphierend„Die Werkstatt". Hier, in der Rubrik„Ereignisse vom Tage". Ostap atmete auf. Er hatte eventuelle Nachrichten in den Spalten„Unsere Verdächtigen" oder„Verbrecher vors � a�rchet...' �.ÄortfetzVzg�o�t.);; währt wurden, stehen auf ungefähr gleicher Höhe, Sie beziffern sich auf 129 309 Mark für Lichtenberg und 128 299 Mark für Neukölln. In den übrigen Verwaltungsbezirken bewegen sich die aufgewendeten Mietunterstützungsgelder unterhalb der Grenze von 199 999 Mark; sie erreichen ihren niedrigsten Betrag in Zehlendorf mit 6199 Mark vom 1. Januar bis 31. März d. I. Das„schwarze Gericht". Aeues über die Erziehungsmethoden in Scheuen. Lüneburg, 6. Juli. Der heutige Verhandlungstag zeigte die groben VI i h. stände in Scheuen unter ganz besonders greller ve. lenchtung. Zuerst wurden die schweren Mißhandlungen dos Zöglings Puls erörtert. Die Topfkratzer sagen, daß Straube bereits morgens angekündigt habe:„Puls wird heute zurückgebracht; dem wollcn wir eine ordentliche Abreibung geben!" Der„Erzieher" Manegold holte Puls vom Bahnhof ab. Als Puls dem Straub« gcgenübertrat. teilte er ihm mit, daß er in Celle wegen eines Arm- bruchs beim Arzt gewesen sei. Straube habe erwidert:„Das geht mich gar nichts an, das hättest du dir vorher überlegen sollen." Straube habe dem Puls dann den ersten Schlag mit einem Gummi- knüppel versetzt und den Knüppel mit den Worten:„Bearbeitet ihn weiter!" den Jungen seiner Gruppe gegeben. Darauf hätten alle auf Puls losgeschlagen, bis dieser blutüberströmt zusammenbrach. Auch der gebrochene Arm wurde nicht geschont. Sodann wurde die Einrichtung der„S a a l p l a t t e n" be- handelt.(Es sind dies Verprügelungen einzelner Jungen durch andere.) Die Saalplatten wurden ursprünglich nur bei Diebereien verabfolgt. Später wurden sie auch gegenüber zurückgebrachten Flüchtlingen angewandt. Straube habe offiziell nichts davon ge- wüßt, sondern immer erklärt:„Darüber will ich' mich nicht ärgern, macht das unter euch ab." Weiter habe in Scheuen ein so- genanntes„schwarzes Gericht" bestanden, daß auf Straubes Veranlassung gebildet war. Nach den Aussagen habe Straube sich selbst zum„Staatsanwalt" ernannt, während die Zöglinge Vor- sitzenden, Gerichtsdiener und Henker stellten. Dies Gericht urteilte über die„Verbrechen" der einzelnen Zöglinge ab. In einem über die Strafen geführten Protokollbuch war die Zahl der verhängten Saalplatten angeführt. Das„Schwarze Gericht" hat auch einmal den Erzieher Disselhof„zum Tode verurteilt". Die Jungen hatten für die Vollstreckung dieses Urteils mich eine Grube geschaufelt und für den Leichenzug,«ine Musikantengruppc zusammen- gestellt. Weiter wird bekundet, daß im Sommer 1929 vom„langen Karl", einem Chauffeur in Scheuen, Quittungen über erhalten: Saalplatten ausgestellt wurden. Darauf stand:„3ch habe Prügel erhalten und die auch verdient." Solche Quittungen haben neun Zöglinge bekommen. Bezeichnend sllr Straube ist seine Angabe, er habe auf Puls eine so große Wut gehabt, weil„man"(das stnd die Topf- kratz er) ihm berichtet habe, daß Puls ihn in der Nacht ermorden wolle. Nach der Revolte habe er den Jungen die Gummiknüppel gelösten, weil sich nach„Rcvolteure" in den Wäldern herumtrieben. Straube wurde wiederholt vom Vorsitzenden zur Wahr. hastigkeit ermahnt. Die Verhandlung wurde gegen Abend auf Dienstagvormittag vertagt. DummerjunAchttfifM eiiiw* Lehrlings. Mischt dem polier Salzsäure in den Kaffee. Einen schlimmen Streich, der einem Gistmordversuch nahe kommt, hat ein l? Jahre alter Lehrling Herberl J. an seinem Lehrhcrrn verübt. Der Meister ist der Steinsehpolier W. aus dem Norden Berlins, in dessen Arbeilskoionne auch der Lehrling Herbert S- tälig ist. Am Freitagvormittag während der Frühstückspause nahm der Meister seine Kaffeeflasche hervor und tat«inen kräftigen Schluck. Sosort siel ihm aus, daß der von seiner Frau bereitete Trank einen widerlichen Geschmack hatte und er spie das Getränk wieder aus. Als er seiner Frau Mitteilung zukommen ließ, veranlaßte sie eine Untersuchung des Getränkes, und es stellte sich heraus, daß es einen Zusatz von Salzsäure enthielt. Nun stellte der Polier in seiner Belegschaft Nachforschung an und dabei wurde beobachtet, wie der Lehrling Herbert F. den Versuch machte, ein Fläschchen in seiner Hosentasche verschwinden zu lassen. Man durchsuchte ihn und fand eine 199-Gra mm- Flasche, die Salzsäure enthielt. Ein paar derbe, wohlverdiente Ohr- feigen ließen es dem Jungen geraten erscheinen, die Wahrheit zu sagen. Zlm letzten Donnerstag hatte der Meister die Arbeit des Jungen mit Recht getadelt. Das hatte der„junge Herr" sehr übel vermerkt und beschlossen, sich an dem Meister zu rächen. heimlich kaufte er Salzsäure und goß sie dem Kaffee zu. Als der 'Anschlag dank der Vorsicht des Meisters am Freitag mißlang, be- schaffte sich der Lehrling eine zweite Flasche und wollte am Sonn- abend sein Glück noch einmal probieren. Dazu ist er nicht mehr gekommen. Der vielversprechende Jüngling wurde der Polizei ein- geliefert. Er gibt an, er habe den Meister nicht töten wollen. Es sollte nur ein„Denkzettel" sein, der dem Meister Leibschneiden und einige Tage Krankheit einbringen sollte. Herbert F. wird wegen Kiftmordversuchs dem Jugendrichter vorgeführt werden. Die Nummer des Amtsblattes der Stadt Verlin vom 39. Jum enthält als Sonderausgabe den umfangreichen Nachtrag z u r�B ergnügungssteuerordnung, der nicht weniger als 12 weiten umfaßt und den Nachtrag zur Wertzuwachssteuerordnung vom 28. März 1928 in der Fassung des Nochtrages vom 19. Juni 1931. Die Sondernummer ist einzeln zu beziehen von der Berck G. m. b. h.. Berlin SW. 19. Grünslr. 17/18. 20 Kommunisten angeklagt. Ein Beitrog zur«revolutionären" Taktik. vor dem Landgericht III begann gestern ein aus mehrere Tage berechneter Prozeß, der äußerst interessante Schlaglichter auf diesinnloserevolutionärelaktikderKommunisten wirst. Die 20 Angeklagten im Alter von IS bi» 32 Zahren— der größte Teil zählt über 20 Jahre— verantworten sich wegen Landfriedensbruch, zwei von den Angeklagten, k I e m k e und w i n k l e r. außerdem wegen versuchten Totschlages und unbefugten Waffenbesitzes. Am 23. März d. I. hatten die Nationalsozialisten in einem Lokal in der Berliner Straße in Hohenschönhausen einen Sprechabend. Gegen 23 Uhr rüsteten sie zum Nachhauseweg. Da sich während des ganzen Abends in der Nähe des Lokals Trupps von jungen Leuten aufhielten, gingen die Nationalsozialisten, um Nebenstraßen z» vermeiden, geschlossen durch die Hauptstraßen. In der Nähe der Mauer des Friedhofes der Aufcrstehungsgemeinde sahen sie sich plätzlich einer Gruppe von 59 Personen gegenüber. Einige Leute von der Gruppe gingen an die Nationalsozialisten heran, fragten wer sie seien, und erhielten zur Antwort: Der fünfte Bezirk. Gleich darauf wurde geschossen. Als eine Polizeistreife herbeieilte, sahen die beiden Beamten«inen Mann— es war Klemke— mit der Pistole auf die Mauer zielend; gleich darauf richtete er die Waffe gegen die Beamten. Er wurde von einem Nationalsozialisten zu Baden geschlagen, der Beamte entwand ihm die Pistole, jemand rief: Die Grünen kommen!, und schon war das Ueberfallkommando zur Stelle. Die Kommunisten waren aber bereits geflüchtet; das Ueberfallkommando eilte ihnen nach und nahm eine Gruppe von 29 Leuten fest. Auf der Erde fand man einen Revolver mit drei abgeschossenen Patronen. Ein Teil der Festgenommenen war geständig,, zu denen zu gehören, die an der Mauer den Nationalsozialisten gegenübergestanden haben. Die genauen Feststellungen v e r P o l i z e i ergaben in der Haupt- jache auf Grund der Aussage der Angeschuldigten selbst solgenden Tatbestand; Am 24. März fand in einem Lokal Beckmann eine Funktionärsitzung des Kampsbundes gegen den Faschismus statt. Es wurde beschlossen, daß man sich gegen Abend wieder einzufinden habe. Das geschah auch. Zu einem Trupp von zehn Mann stieß später auch die G r u p p e h c i n e r s- darf und die Gruppe Hohenschönhausen. Man hielt sich in der hauptfache im Lokal Bogel auf und es wurden Posten und Radfahrer aufgestellt. Gegen 11 Uhr hieß es plötzlich: Alle' raus! und bald darauf kam es an der Mauer zum Zusammenstoß zwischen den Kommunisten und den Nationalsozialisten. Fast sämtliche Angeklagten gehören entweder der„Roten hilf e" oder dem Kampfbund gegen den Faschismus an; teils sind es Funktionäre der Organisation. Die wenige» Angeklagten, die gestern zur Sache vernommen werden konnten, blieben im großen und ganzen bei ihren in der Voruntersuchung gemachten Aussagen. Sie behaupteten allerdings, daß die Kommunisten einen Ueberfall der Nationalsozialisten er- wartet und daß diese bei dem Zusammentreffen' an der Mauer gleichfalls geschossen hätten. Besonders interessant war die Bekun- dung eines der Angeklagten. Er wurde im Lokal Beckmann, in dem die Funktionärsitzung stattfand, beauftragt, zu zwei Genossen Zettel zu bringen, in denen sie mit den Worten„der Genosse So- wieso hat um 5 Uhr zu erscheinen", aufgefordert wurden, ins Lokal zu kommen. Derselbe Angeklagte erzählte, daß bei dem Zusammen- treffen der gegnerischen Parteien die Kommunisten zu den National- sozialisten hmüberriesen: Rennt die Parole oder wir geben Feuer! Gleich darauf erfolgten die Schüsse. Aach elf Jahren vor Gericht. ito Jahre Zuchthaus wegen Z�aub mit Todeserfolg. Eine kriminalistisch wie psychologisch außerordentlich interessante Verhandlung fand gestern vor dem Landgericht II statt. wegen einer Tat. die vor II Jahren begongen wurde, hatte sich ein 40jähriger Mann namens Schwarz zu verantworten. Am ZS. Februar 1929 wurde in den Vüroräumen des verein» Berliner Spediteure. Berlin. Schönebcrger Straße 18. der 7 0jährige Wächter und der Wachhund erschossen und etwa Z Z 0 0 0 Mark geraubt. Der h a u p t t ä t e r kam während der Flucht um» Leben und zwei Mittäter haben bereits je 11 Jahre Zuchthau» wegen Raubes mit Todcserfolg verbüßt. Gestern erschienen sie als Zeugen: sie wollten den Angeklagten nicht wiedererkennen, obgleich er sich selbst der Mittäterschaft bezichtigte. Einer von den beiden Zeugen behauptete,«in fünfter sei mit dabei und der eigentlich« Schütze gewesen. Bisher war immer nur von vier Tätern die Rede. Der eigentliche 5)auptzeuge, der tzöjährige Kassierer des Spediteur» verein», ist gestorben. So blieb nur die Aussage de« Angeklagten übrig, der mit aller Entschiedenheit bestritt, gewußt zu haben, daß Gewalt angewendet werde» jvllte._ JZa» Gericht kam jedoch zum gleichen Ergebnis wie die Geschworenen vor zehn Iahpen und.ver» -'iirteilte Ech. wetze n ä'il b es Kit'Tod'eserfölg z'ur�R'i'nhe st- strafe von'19 Jahren Zuchthau». In der Urteilsbegrün- dung führte der Vorsitzende aus, daß das Gericht die Mindeststrase gewählt habe, da feit der Tat bereits elf Jahre verslosten seien. 'Aus demselben Grunde hätte das Gericht beschlossen, sich für eine Milderung der Strafe zu verwenden. Der Angeklagte verzichtete auf Rechtsmittel und richtete an�den Vorsitzende» die Frage, ob er hoffen könne, bei guter Führung vor Ablauf der Strafe entlassen zu werden. Sch. hat sich gewissermaßen selbst den Gerichten ausgeliefert, um seinem unsteten Leben ein Ende zu machen. Er hatte wohl nicht gedacht, daß er z» einer zehnjährigen Zuchthausstrafe verurteilt werden würde. Und tatsächlich empfanden die Richter diese von dem Gesetz vorgesehene Mindeststrafe als viel zu Hort. hier zeigte es sich wieder— das drittemal in wenigen Tagen—, wie notwendig es wäre, durch eine Gesetzesnovelle bei sämtlichen Straftaten mildernde Umstände für zulässig zu erklären. Es geht doch nicht an, daß wie in diesem Falle so auch in anderen, wie zum Beispiel im Falle des Muttermördcrs T h i e l e ck e oder in dem zweiten Röntgegcntaler Mordprozeß die Richter gezwungen sind, an- zuerkennen, daß die von dem Gesetzgeber vorgesehene und von ihnen verhängt« Strafe viel zu hoch sei. Genossen besuchen die Bauausstellung. Der Bildungsausschuß des 12. Kreises hatte in die Wege geleitet, mit den Steglitzer Sozialdemokraten, denen sich auch Genossen aus den benachbarten Bezirken angeschlossen hatten, am Sonntag die Bauausstellung am Kaiserdamm zu besichtigen. Unter der sachverständigen Führung des Genossen Hermes wurde dieser Besuch, der ja bei der Fülle der Schauobjekte und bei der Größe des Geländes für den einzelnen Besucher leicht ermüdend wirkt, zu einem genußreichen Erlebnis. War doch ein grundlegendes Problem unserer Zeit der soziale Wohnungsbau, der besonders vor Augen geführt wurde. Gleich in Halle 1 konnte man das vielgerühmte Werk der Wiener bewundern, die Vorbildliches auf dem Gebiete der Arbeitersiedlung geleistet haben.'Auch die anderen Staaten, vornehmlich Frankreich, sind auf dem besten Wege, den Städtebau im Sinne einer sozialen Wohnkultur zu fördern. Die deutsch« Aus- ftellung für Wohnungswesen brachte manchen interessanten Einblick in die wirtschastlichcn Voraussetzungen des gemeinnützigen Woh- nungsbaues. Besonder« ist es die Bautätigkeit der S t a d t Berlin, die den vielen Baukörperschaften und Genossenschaften vorbildlich vorangeht. Genosse Hermes als Leiter der Gemeinnützigen Bau- gesellschast Berlin-Ost konnte an Ort und Stell« seine neuesten Schöpfungen von Kleinstwohnungstiipen. mit dem billigen Miels- preis von 26 M. und 36 M. im Modell und in den Grundrissen erklären. Merkwürdiges Klugunglück. Piloten fühlen die kommende Explosion und springen ab. Warschau. 6. Juli. Ein eigenartiges Flugzeugunglück ereignete sich heute in Warschau. Ein Militärflugzeug war gegen 1�10 Uhr vormittags aufgestiegen. Als es sich in etwa 899 Meter höhe über dem Hauptbahnhof befand, bemerkten die Piloten, ein Leutnant und ein Zugführer, daß der Motor ungleichmäßig arbeitete und offenbar unmittelbar vor einer Explosion stand. Kurz entschlossen sprangen beide mit Fallschirmen über die Bord, kante ab. Der Apparat flog kurze Zeit weiter, und dann explo- dierte der Motor tatsächlich und riß das Flugzeug in der Luft in Stück«. Flügel, Motor, Maschinengewehr und Aufnahmeapparat landeten auf verschiedenen Grundstücken. Die Flieger, die de? Wind abgetrieben hatte, zogen sich bei der Landung Verletzungen 9%. Krankretch rmd Opamentm Ltnweiker. Wein« vnd Getreideernten vernichtet. Pari«. 8. Just. Bon einem furchtbaren Unwetter wurde am Sonnabend de? jüd, liche Teil der Provinz Dordogn« im Südwesten Frank, reichs heimgesucht. Ein Zyklon von selten beobachteter Stärk« Hai die ganze Gegend zwischen Bugu« und Eyzie» an den Usern de? Bezere zerstört. Zahllose Bäume wurden»ntwurzelt. Die Weinernte ist vollkommen vernichtet und die Ge- treidefelder sind wie abgemäht. Die Straßen sind an verschiedenen Stellen aufgerissen. Telegraphenpsosten und Bäum« liegen in wüstem Durcheinander auf der Landstraße und machen jeden Berkehr unmöglich. Die Stadt B u g u e selbst hat ebenfalls schwer gelitten. Di« Straßen sind besät mit Dachrinnen, Ziegeln und herabgestürzten Schornsteinen. Mehr als 1999 Familien sind obdachlos. Madrid, 5. Juli. Ein furchtbares Unwetter ging über die Gegend von T 0 l 0 s a, Santander und Bilbao nieder. Die Wälder wurden ver- wüstet und durch Hochwasser zahlreiche Güter schwer geschädigt. Die L a n d st r a ß e n sind unbefahrbar geworden. Die E r n t e ist in diesen Landstrecken völlig vernichtet worden. Zahlreiches Dieh ist ertrunken. Viele Häuser, insbesondere solche an Ab- hängen, sind von niedergehenden Gesteinsmassen oder Sturzbächcn zerstört worden. Der Sachschaden beträgt viele Millionen., Tchmeling am 12. Juli in Bremerhaven. Bremen. 6. Juli Der am Dienstag an Bord des Schnelldampfer»„Europa" des Norddeutschen Lloyd nach Deutschland zurückkehrend« Boxweltmeister Schmeling trifft am Sonntag, dem 12. Juli vormittags, in Bremerhaven ein. EAO EMI Kitirrhe. Asthma. 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Trotz dieser skrupellosen Kampagne, trotz der riesigen Schwierigkeiten der öffentlichen Finanzen im Gefolge der Wirtschaftskrise besitzt das Ausland nach wie vor Vertrauen gegen- über der öffentlichen Finanzwirtschaft und gegenüber den großen ö sfentlichen Wirtschaftsunternehmungen. Die starke Erschütterung des deutschen Kredits, die Verschärfung der Wirtschaftskrise durch eine hinzugetretene ausgesprochene deutsche Kredilkrise ist nicht von der öffentlichen Wirtschaft verschuldet. Sie ist zwar zunächst durch die Wahlen vom Ii. September und später durch ernste Wirtschaft?- und außenpolitische Fehler der Rs- gierung Brüning hervorgerufen worden, hat ober ihre eigentliche Verschärfung durch eine Reihe großer Zusammenbrüche und ungewöhnlicher Verluste großer, bisher angesehener privat- wirtschaftlicher Konzerne erfahren. Die„schwarze Liste" dieser Vorfälle schwer st er Mißwirtschaft und teilweise skandalöser Verschlungen in der Wirtschaftsführung großer Konzerne sind in kurzer Zeit sehr ansehnlich geworden: Favag, Industriebau, Glanz st offkonzern, Linoleumtrust, Vaterlän- dische Kredit, Karstadt und die neueste Affäre des Norddeutschen Wollkonzers. Alles schwerste Verluste und Zusammenbrüche als Folge verantwortungsloser, unfähiger und un- kontrollierter Leitung großer Konzerne. Die riesenhaften Verluste bei der Norddeutschen Wolle, die Ausdeckung der Vorgeschichte der Verluste, die großen Kreditrisiken nicht bloß inländischer Banken, sondern auch großer ausländischer Bankhäuser, denen man noch unlängst versichert hat, daß alles in bester Ordnung sei, hoben in einer bereits durch die Goldabziehung und Kreditkündigungen gefährlichen Situs- tion dem deutschen Kredit und dem Ansehen der deutschen Wirtschaft einen neuen Stoß versetzt. Dos verantwortungslose Zogen einer llnternehmerfamilie nach persönlicher Bereicherung und verschwenderischem Luxus. die Mißwirtschaft in der Leitung, dos völlige Versagen der Kontroll- instanzen hat nicht nur einen industriell im Kern gesunden Groß- konzern zum Zusammenbruch geführt, sondern durch eine außer- ordentliche Verschärfung der Vertrauenskrise das gesamte deutsche Wirtschaftsleben in Mitleidenschaft gezogen. wie konnten Verluste in derartig gigantischer höhe— �ach neuesten Meldungen außer SO Mill. Kapital und Reserven noch llXI Millionen verloren— verborgen bleiben, wie konute man ohne genügenden Einblick ein Unternehmen mit 70 Millionen Aktienkapital 240 Millionen Kredite geben? Der Konzernausbau der Norddeutschen Wolle ist ein typisches Beispiel für die hochkapitalistische K o n z e r n v er s cha ch t e tu n g, die der Leitung Allmacht verleiht, zugleich aber auch jedem Miß- brauch bei ungenügender Kontrolle Tür und Tor öffnet. Die Familie L a h u s e n, aus einem alten Bremer Potrizierhaus stammend, regierte souverän durch drei Mitglieder den Konzern. Als persönliches Instrument hatte man sich eine argentinische Gesellschaft Sociedad Anonima de Jmportione e Exportacione Lohusen u. C!e., Buenos Aires, geschaffen, an der der Konzern nur mit einer kleinen Minderheit beteiligt war. Viel wichtiger aber als diese lang- armige argentinische Aktiengesellschaft war eine holländische Tochtergesellschaft nut dem phantasievollen Namen Ultra- m a r c, an der die argentinische Aktiengesellschaft der Familie La- Husen zwei Drittel des Kapitals, dagegen der Nordwolle-Konzern, wie man jetzt erst erfährt, ursprünglich nur ein Drittel Beteiligung besaß. lieber Ultramare besorgte die Familie Lahusen den gesamten R o h st o f f e i n k a u f— die Möglichkeit, hohe Gewinne vier �hängen" zu lassen und diese der Familie statt dem Nord- wolle- Kon zern zuzuführen, zugleich den Fiskus durch Steuerflucht zu schädigen—, diese Möglichkeiten wurden in de n guten Jahren oftenbar reichlich ausgenutzt. Später, bei dem großen Preissturz der Wolle, wurden die V e r l u st e aus den geschäftlichen Fehldispositionen buchmäßig auf Ultramare abge- wälzt, die inzwischen, wie man auch erst jetzt erfährt, ganz in den Besitz der NWK. übergegangen waren. Durch diese Machinationen wurden die Verluste verschleiert. Die Spekulationsverluste wurden in eine fiktive Forderung an die längst bankerotte Ultramare s„Jenseits des Meeres") umgewandelt. Damit nicht genug, die Bilanz wurde noch weiter ver- s ch l e i e r t, indem man die Tochtergesellschaft Ultramare in der Bilanz nicht unter dem Bilanzposten„Beteiligungen uns Konzern- gesellschasten" ausführte und demgemäß die Rieseufarderungen an Ultramare nicht unter dem Bilanzposten„Forderungen au Tochter- gesellschaften" erscheinen ließ, sondern unter„Debitoren", unter „Forderungen an Außenstehende"(!) verbuchte. Diese doppelte Bilanzverschleierung hätte keinem gewissenhasten Aufsichtsrat unbekannt bleiben dürfen. Wie sie überhaupt bei ord- nungsgemäßer Buchführung vorkommen konnte, ist unverständ- lich. Man erfährt allerdings durch die„Frankfurter Zeitung", daß jetzt die im Gang befindliche Prüfung auf..buchtechnische Schwierig- leiten" stößt, wodurch ein Licht aus die kaufmännische H a n d- h a o u n g in dem Konzern geworsen wird. In den zahlreichen Fällen schwerster Mißwirtschaft, die in den letzten beiden Jahren zum Zusammenbruch großer Unternehmungen oder zu großen Kapitalverlusten wurde mcht einmal dckö Vermögen der schuldigen Wirtschuftsführcr und der verantworllicheu Aufsichisräls � ir Deckung herangezogen. Nach Bekanntwerden der ungeheuerlichen Verfehlungen soll das Privatvermögen der Familie Lahusen sichergestellt worden sein. Kann mit der bisherigen Passivität und Toleranz gegenüber den schuldigen Personen und gegenüber einem wirtschaftsschädlichen System die Wiederholung derartiger, die Gesamtheit schwer«rschüt- ternder Vorgänge noch verhindert werden? Bei derartig eklatanten Versehlungen, wie sie hier vorliegen, Bilanzverschleierungen, Hau- deln des Vorstandes zum offensichtlichen Nachteil der Gesellschaft und„unklare Buchführung", Verstöße gegen die elementarsten, zwin- genden Gesetzesoorschriften des Handelsgesetzbuches müssen auch die verantwortlichen Personen der Wirtschaftsleitung unter dem Gesichtspunkt ihrer persönlichen Haftbarkeit unnach- sichtig zur Rechenschast gezogen werden. Dar- über hinaus aber müssen unverzüglich Reformen und Kon» trollmaßnahmen geschaffen werden, die derartigen Vor- kommnissen vorbeugen. Die wlrtschaslssührung der Akliengesellschafle« und der große» Konzerne darf sich nicht wie bisher im Dunkel der Büros der Ge- neraldirektoren abspielen, sondern muß durch zwingende Publizität und Kontrollbestimmungen ins Licht der Oesfentlichkeit gerückt werden. Die Leitung von Konzernen ist keine Privat- angelegenheit einzelner Großkapitalisten: sie entscheidet heute über das Wohl und Wehe von Zehntausenden von Arbeitnehmern: sie kann bei Unfähigkeit Mißwirtschaft und Privatspekulation ein- zelner Wirtschastsführer das ganze Wirtschaftsleben in den Abgrund reißen. Die Willkür weniger Konzernleiter und die Sorglosigkeit der Banken müssen aufhören, die die Gesamtheit in Gefahr bringen. Durch stärkste Publizität, weitreichende öffent- liche Kontrolle und Mitbeteiligung der Arbeitnehmerschaft muß die Wirtschaftsführung zur Gemeinschaftssache gemacht werden. Der Reichskanzler hat vor wenigen Tagen wissen lassen, er wolle sich mit den Führern der Wirtschast über die Fehler der Vergangenheit unterhalten. Diese Fehler haben jetzt den deutschen Kredit und das Ansehen der deutschen Wirtschaft aufs schwerste geschädigt. Es ist an der Zeit, hier durchzu- greifen. Hoover-plan und Reichsbahn. Oie der Reichsbahn gewährten„Kredite" gehören dem Reich! Nach der neuen amerikanisckzen Vereinbarung mit Frank- reich ist nunmehr geplant, die Frage der strittigen u n a u f s ch i e b- baren Annuität in der Form einer Sonderregelung mit der Reichsbahn zu bereinigen. Die Reichsbahn soll die Reparationssteuer unverändert an die BIZ. einzahlen, sie soll aber nach Abzug des Zinsendienstes für die Dawes-Anleihe und für die Doung-Anleihe, den Hauptbetrag der Zahlung— etwa 550 Millionen Mark— wieder als Anleihe zurückerhalten. Die Bank für Internationale Zahlungen ist nach ihrem Statut, das in den Poung- Gesetzen verankert ist, nicht berechtigt, Darlehen an die Regierungen zu geben, und man hat deshalb für die Befreiung Deutschlands auch von dem unaufschiebbaren Reparationsanteil wohl die Form der Anleihegewährung an die Reichsbahn gewählt. Der Verwaltungsrat dcrReichsbahn hat in einem Kommunique über seine letzte Sitzung zum Ausdruck gebracht, daß die Reichsbahn auf eü«: Streichung bzw. starke Ermäßigung der Re- parotionsstcucr, die eine direkte Reichssteucr ist, reflektiert. Wir sind jedoch der A u s s a s s u n g, daß dem Sinn des Ferien jahres entsprechend alle Entlastungen, sowohl die er- lassenen Zahlungen wie die in Anleiheform zurückgewährten, zunächst dem Reich zufließen müssen, das dann diese Mittel an den vordringlichsten Stellen einzusetzen hat. Wir halten es daher für erforderlich, daß die Reichsregieruug sich unverzüglich bei der Reichsbahn-Gesellschaft die volle weiterleilung der als Anleih« zurückgewährten Reichsbahnzahlung sichert, die ja nichts anderes als eine direkte Reichssteuer darstellt, die nur außerdem international festgelegt ist und für die als Zahlstelle die BIZ. vereinbart ist. Dos Reich Hot im Vorjahr den vollen Ertrag der Poung-Anleihe der Reichsbahn und der Reichspost zugeleitet. Der Zielsetzung des Hoover- Planes, der vollen Entlastung des Reiches, entspricht es, daß diesmal die als Anleihe aus bankgesetzlichen Gründen der Reichsbahn gewährten Entlastungen in vollem Umfange dem beabsichtigten Empfänger der Entlastung zuge- leitet werden, d. h. dem Reich. Daß die Reichsbahnfinanzen gleichfalls von der Krise, dem verringerten Güterumschlag und Verkehrsumfang betroffen wer- den, ist bekannt. Es müssen aber übertriebene Angaben über das angebliche und zu erwartende Defizit der Reichsdahn zurück- gewiesen werden, Es ist zwar zutreffend, daß die Reichsbahn in den ersten fünf Monaten des Jahres einen Einnahmeausfan von insgesamt 276 Millionen Mark erlitten hat; dem stehen abe�M i n d c r a u s- gaben in genau der gleichen Höhe gegenüber. Das laufend« D e» f i z i t der ersten fünf Monate ist durch stärksten Personalabbau— im Mai 1931 wurden 80 000 Mann weniger beschäftigt'als im Mai 1930— durch Einsparungen bei den Moteriolpreisen, ober auch durch einschneidende Drosselung der Erneuerungen nicht größer als im gleichen Zeitraum des Vorjahrs. Es beträgt für die ver- kehrsfchwachen ersten fünf Monate des Jahres 150 Millionen Mark. Wenn dieses Defizit für da» ganze Jahr in gleicher Höhe be- stehen oder sich noch etwas erhöhen sollte, so bestände für die Reichs- bahn auf Grund ihrer großen offenen und inneren Re- serven, ihrer umfangreichen flüssigen Mittel(rund 800 Millionen nach der letzten Bilanz) noch immer die Möglichkeit, durch Inanspruchnahme dieser Reserven sich über das Krisenjahr hinweg- .zuhclfen. Wie angesichts dieser Lage vom Verwaltungsrat der Reichsbahn erklärt werden kann, daß auch bei völliger Befreiung von der Reparationssteuer die Sorge um ein Defizit fortbesteh«, ver- mögen wir nicht zu begreifen Wir halten auch angesichts der viel ärgeren Finanznot der öffentlickzen Körperschaften eine der- artige übertriebene Schwarzmalerei für wenig a» gebracht. Eene andere Frage ist es, die s p ä t e r z u p r ü f e n sein wird, ob das Reich der Reichsbahn eventuell bei der Finanzierung von Neuinvestitionen, zugleich mit dem Ziele der Arbeits- bcschaffung behilflich sein kann. 5)ierbci wird aber daraus zu achten sein, daß eine wirklich fühlbare Entlastung auf den A r» beits markt bewirkt wird und daß die Reichsbahngesellschaft selbst unter Heranziehung der Vorzugsaktien, über die sie noch ver- fügt, hierzu beisteuert und nicht nur vom Reich dauernd ein- s e i t i g e Zuschußleistungen beansprucht. Das Amt der Wirtschaftsprüfer. Gründung der Hauptstelle.— Auf das Wer und das Wie wird es ankommen! - Kürzlich ist die Haupt st elle für die öffentlich be« st eilten Wirtschaftsprüfer gegründet worden, die an- gesichts der in der Privatwirtschaft und teilweise auch in der öfsent- lichen Wirtschaft weitgehend durch Gesetz eingeführten Pflicht- r e v i s i o n eine große Bedeutung haben wird. Noch einer Erklärung des Vertreters der Reichs- und Staatsregierung in der Gründungssitzung treten die Grundsätze für die öffentliche Bestellung der Wirtschaftsprüfer bald in Kraft. Die Bestellung von Wirtschaftsprüfern ist so gedacht, daß bei einigen Industrie- und Handelskammern Zu- lassungs- und Prüfungsstellen errichtet werden, die die Auswahl und Prüfung der Bewerber vorzunehmen haben. Die Richtlinien für die Zulassung und Prüfung werden von der Hauptstelle fest- gelegt,, der neben den Beauftragten der Reichsregierung und der Landesregierungen Vertreter der wirtschastlichen Spitzenverbände (nicht der Gewerkschaften!!), der Wirtschaftsprüfer selbst und der Zulassungs- und Prüfungsstellen angehören. Die Wirtschaftsprüfer werden von den obersten Landesbehörden oder von diesen bestimmten Stellen ernannt und in ihrer Tätigkeit von den Industrie- und Handelskammern überwacht. Eine fruchtbare Wirksamkeit der neuen Einrichtung scheint uns bei der Einseitigkeit der neben den Staatsstellen tätigen Institutionen, die nur aus der Privatwirtschaft genommen sind, nicht gewährleistet. Ueber die Auswahl der Personen und über die Art der Durchführung der Wirtschaftsprüfung kann und darf neben den Behörden die Privatwirtschaft nicht allein be- stimmen. Das widerspricht dem Geist der Verfassung, durch den ausdrücklich die Organisationen der Arbeitnehmer denen der Privatwirtschaft gleichgestellt sind: das widerspricht auch der Notwendigkeit, der Tätigkeit der Wirtschaftsprüfer restlose Unab- hängigkeit zu sichern. Darüber wird bald noch einiges zu sagen sein. Mittlere Getreideernte. Die Ernteschähungen für Preußen. Auf Grund der Schätzung der Saatenstandsberichterstatter des Preußischen Statistischen Landesamts ergibt sich für Preußen eine mittlere Getreideernte unter der Voraussetzung, daß Witterung?- und Wachstumsfaktoren bis zur Ernte normal bleiben. Es werden in Preußen für 1930/31 2,42 Millionen Tonnen Winterweizen gegen 2,08 Millionen Tonnen im Vorjahr, also 16,4 Prozent mehr erwartet, wobei der Hektarertrag auf 21,9 Doppelzentner gegen 22,6 Doppelzentner im Vorjahr geschätzt wird(Flächenvermehrung bei geringerem Hektarertrag). Winter- r o g g e n werden in Preußen 5,47 gegen 5,66 Millionen Tonnen im Vorjahr erwartet oder 3,3 Prozent weniger bei einem van 16,1 aus 16,8 Doppelzentner erhöhten Ertrag pro Hektar. Die Schätzungen bei S o m m e r g e r st e lauten auf 1,38 Millionen Tonnen oder 10,9 Prozent mehr bei einem von 19,8 aus 20,1 Doppelzentner gestiegenen Hektarertrage. Die Hafer- ernte liegt nach den Schätzungen in Preußen mit 4,54 Millionen Tonnen um 18,3 Prozent höher als im Vorjahr bei einem sehr stark, nämlich von 16,6 auf 20,2 Doppelzentner c r» höhten Hektarertrag. Russenaustrag für Krupp. Nach einigen anderen deutschen Unternehmen hat jetzt auch die Krastwagensabrik der Friedrich Krupp A.-G. in Essen einen Austrag der russischen Regierung auf Lieferung von 200 Lastkraftwagen erhalten. 2 Ratschläge für die Schönheitspflege auf der Mets® ■mnrr--..-r-y>•..-■vcr- L,■ t■-,■-rrrTTTrr-Erzjj.. tag nachmittag um 13 Uhr wird der Polizeioberwachtmeister Genosse K u h f e l d, das Opfer verhetzter kommunistischer Mord- gesellen, auf dem Gemeindefriedhof in der Bahnhofstraße in Pankow-Schönholz zur letzten Ruhe geleitet. Die lieber- sührung des Toten erfolgt am gleichen Tage vom Leichenschauhaus 8 Uhr früh. Der Trauerzug wird z die Schutzpolizei mit Musik und Vorgesetzten nach dem Friedhof bewegen. Landtagsabgeordneter Genosse Otto Meier wird in der Kapelle, Polizeivizepräsident Dr. Weiß wird an der Gruft sprechen. Der Trauerzug nimmt seinen Weg durch die Elsasser Straße, Weinbergsweg, Kastanienallee, Schönhauser Allee, Berliner Straße, Mühlenstraße. Maximilianstraße, Brehmestraße, Schulzestraße und endet in der Bahnhosstrahe. Eine Million Aale in der Saale. In der Saale, der Unstrut und deren Ncbengewässern wurden eine Million Aale aus- gefetzt. Man hofft, mit dieser Maßnahme den Fischbestand, der durch die Abwässer der Fabriken stark vermindert ist, wieder zu vergrößern. Allgemeine Wetterlage. 6.üül« 4934, abds. W M A- 22 24 �22 «Öh,""" "_0 �-®22C ©wolkenlos,<3 heiter. O halb bedeekr «wolkig,©bedeoltl;»RegeaAGfaupeln Schne&�Nabel.UGewittetl�lWndatillg Mitteleuropa liegt immer noch im Bereich eines Gebietes gleich- mäßig verteilten, aber ziemlich niedrigen Luftdruckes, mährend über Nordeuropo ein Hochdruckgebiet lagert. Ein Ticfdruckzentrum be- findet sich über der Nordsee. Aus seiner Rückseite dringen jetzt lang- sam kühlere ozeanische Lustmasjen unter Gewitterregen nach Osten vor. Dabei fielen in Nordwcstdeutschland recht erhebliche Regen- mengen. Das Gcwittergcbiet zieht weitcr mit der Abkühlung nach Osten, so daß die Temperaturen nicht mehr dic Werte der letzten Tage, dic vielfach 30 Grad betrugen, erreichen dürften. wetteraussichlen für Verlin. Nach Gewittern etivas kühler und walkig mit Neigung zu einzelnen Schauern, Winddrehung nach west- iichen Richtungen.— Jüt Deutschland. Im Osten noch beständig und warm, im mittleren Teil des Reiches Uebergang zu kühlerem Wetter mit verbreiteten Gewitterregen, im Westen veränderlich mit einzelnen Schauern, am Tage mäßig ivarm. Vorträge, Vereine nndVersammlungen. Reichsbanner..SchworzRot-Gold". Sefchiittsllelle-»crl!» S. 14. E-baNianftr. S7-3S. Sei 3.»r. S«u»»«st»»>>. Alle bei ttt BB9,30 Uhr alle gemeibeten Radfahrer mit Riibern auf dem SebieHvIaH, Uppftallweg, Uebung. Pankow lOrtsverein). Alle Kamerabickaitsverfammlungen ialle» heute liir den Monat Juli aus.— Antreten fiimtlicher arbeitsfreien Kameraden 14 Uhr Marktplatz Panlow. Uniform, fchwarger Schlips. Lichtenberg lDrtsverei»). Mittwoch, 8. Juli, 1 g.30 Uhr, außerordentliche MUgNederverfammlung des Iungbanners in der Bibliothek, Weichselstrahe Ai. Tiergarten,?. Kameradschast. Sonntag, 13. Juli, Dampferfahrt»ach Hahenneuendorf. Abfahrt S Uhr. Oiotzkowsin- brülle. Zohepreis 1 M.. Erwerbslose 50 Pf. Rejnickenborf. Kameradschaft Hermsdorf. Mittwoch. 8. Juli, 10 Uhr, Urvendeifetzuna des Komeraden 0, i es h o i t auf dem ftriebhof Hermsdorf. 15,30 Uhr Antreten fiimificher freien Kameroben. Zentrsloerbanb der«rbeitsinoaliden»nb Witwen Deutfchlanb», Eau Groß- Perlt», Sefchiiftsstrlle: Perlin W. 57, Bülowstraße 49. r. Stfl. t. Dienstag, 7. Juli, Eharloltenburg. �'okal Gräfe, Kantstratze 51, nachm. tz Uhr, Ref.: Kollegin Haas. Tiergarten I, Annenius-gtestfäte, Premer Siratze 72, nachm. 3 Uhr. Pohnsdorf, Lokal Vetter, Tovfvlatz 10. vorm. lt>>,2 Uhr, Ref.: Kollegin Haas. Weitzenfee, Schuiaula, Wilhetmstraste 42, nachm. 4 Uhr, Ref.: Kollege Itzauleiier Voigt. Oberfchbneweibe, Lokal Beeeinstlaufe, ssrlschen» Elle Luisen- strotze, nachm.« Uhr, Ref.: Kollege Rudolf Karsten. Kriedrichahagen. Stadt. Ecke Piolgburgerstratze, nachm. 5 Uhr. Lankwitz, Lokal Lehmanns Fcstfäle, Koiser-Ailhelm. Strotze, Ref.: Kollege tzisehbach. Tee Hauohalt von heute stellt an die Hausfrau besonders hohe Anforde. rungen, denn da» Sparprogramm macht auch vor der Küche nicht halt, imd es heitzt mehr denn ie„auskommen mit den vorhandenen Mitteln". Als wahre Freunde erweisen sich auch jetzt die bewährten Maggi-Erzeugnisse l Würze, Suppen und Fleischbrühwürfel. Die Hansfrau, die sie verwendet, spart Geld, Zeit und Arbeit. Wenn man s, wie Schmelina siegt, so ist das nillst Kraft und Gefchicklich- keit ollein. Ein jeder Sportsmann weitz, datz alles die» nichts nützt, wenn nicht geistige Ueberfegenheit vorhanden ist. Erfassen der Situation ist Vor- betingung jeden Rekords, fei es auf sportlichem, sei es auf kaufmännifehem Gebiete. Wenn von den viele» Artikeln, die man Tag für Tag verbraucht, einer besonders begeisterten Widerhall bei der Käuferschaft hat, sio ist hier schön der Beweis des Herausragens aus der Menge. Zweifellos haben ,. V. die Kreuter- gigarr«». Werk« mit ihren berühmt«» Jndianee-Zigarren nicht nur, genau wie im Sport, durch Kraft und vefchilllichkeit, sonder» vor allem durch das Er- fassen der Situation ihren erufsehenerregrndcn Erfolg erzielt. Sine so hervor, ragend« rein Uebersee.tzigam wie die Streutet tzniianet für 10 Pf. zu bringen, ist»in richtiges Begreifen wirtschaftlicher Tatsachen. KÖNIGIN von echte GA R B ÄTY,,~... Btnfenbungcn fäi diese Rubrik sind >« r l i o TW(8, Lindenstraße 3. pariemachn'chien ffSgk für Groß-Verlin stet» an da» Bejirkasekretaria» Z.Hof, 2 Treppen rechts, zu richten, Beginn aller Veranstaltungen 1 JHi Uhr. sofern keine besondere Zeitangabe? Heute. Dienstag. 7. Juli: 7.»reis. Tic Abteilungsleiter werde» aufgefordert, bis deute Abend die genauen Ouartieradreffen der Genossin Frieda Warmuth, Westend, Am Badnhos Westend 2, anzugeben. 13. Kreis. Heute, Dienstag, IS Uhr, l. Aufführung des Films„Im Westen nichts Neues" in den Tivoli-Lichtspiclcn Tcmpclhof, Der Vorverkauf de. ginnt tög>lul> 13 Uhr. Der Film wird eine Woche lang aufgeführt taglich um IS und 21 Uhr, Sonnabends 17, Ig, 21 Uhr und Sonntags 15, 17, 10 und 21 Uhr.— Erwerbslofenkursus! Die Fuhrung durch die Bauausstcllung findet nicht Dienstag, sonder» Mittwoch, 8. 7,, statt. Treffen: vorm. S Uhr am Hauptcingang Mafurenallee. Erwerbslose, die eine Bescheinigung des Wohlfahrtsamtes beibringen, zahlen 50 Pf., die anderen Teilnehmer 75 Pf. 8. Abt. Junge Genossen: Besuch des Films„Im Westen nichts Neues" in den Turma.Lichtfpielen, Hanptftr. 111. Treffen: 20 Uhr Bahnhof Biilow- straßc. Berbandsbuch mitbrigcn! 13. Abt. Funktionärsitzung fällt aus. 43. Abt. 20 Uhr bei Krepp, Planufer 75—76, Funktionärsitzung. 16. Abt. 20 Uhr bei Eichholz, Cuvrostr. 23, Funktiouärsitzung. 17. Abt, Funktionärsitzung bei Gefche, Wrangclftr. 21. 136. Abt. 20,15 Uhr Funktionärsitzung.— Achtung! 18'/- Uhr Borftandssitzung ebenfalls bei Kiehnc, Residrnzstr. 0. Mitgliederversammlungen und Zahlabende am ZNitkwoch, 8. Iuli. in nachsiehenden Lokalen: 2. Abt. Lohann, Brilderstr. 16, Luise Köhler, M. d. L. 2. Abt. Saal 1 des Gewerkschaftshauscs, Enklelufer 24—25, Dr. Alfred Klee: „Zur politisckxn Löge". Abt."—-.- Im„Belvedere", Alexanderstr. 21, Dr. Käte Frankenthal, M. d. L.: „Zur politischen Lage". 8. Abt.„Rosenthaler Hof", Rosenthaler Str. 11—12, August Riemann:„Die Geschichte der Sozialdemokratie vor dem Kriege". 6. Abt. 30 Uhr Bezirk 504: Extrazahlahcnd bei Beer, Echwedter Str. 237. Die anderen Zahlabendc fallen aus.— Dafür treffen sich die Funktionäre zum Abholen der Flugblätter 19� Uhr bei Dobrohlaw, Swinemünder Str.11. 7. Abt. Zahlabende m den bekannten Lokalen. IV. Abt. Distussionsabend bei Eandow, Flensburger Str. 3. 13. Abt. Die Mitgliederversammlung fällt aus. 14. Abt. Gottschalk, Putbuscr Str. 24.— Stark, Putbuser Str. 14.— Rower, Swinemünder Straße Ecke Ramlerstraße.— Schulz, Graunstr. 41. 15. Abt. Zahlabende in den bekannten Lokalen. 1K. Abt. Zahlabende in den bekannten Lokalen. 17. Abt. Zahlabcnde in den bekannten Lokalen.— Achtung, Zahlabend Schwiderowski vorübergehend bei Suchland, Sprengel. Ecke Samoastraße. 13. Abt. Zahlabende in den bekannten Lokalen. 2V. Abt. 20 Uhr Zahlabende: Bontke, Schul- Ecke Christioniostraße, Stenzel, Schwedenstr.. 13, Wende, Koloniestr. 147, Pose, Koloniestr. 15, und Tillner, Kolonie» Ecke Zechliner Straße.--- 21. Abt. Zahlabendc in den bekannten Lokalen. 22. Abt. Zahlabende in den bekannten Lokalen mit Porträgen. 23. Abt. Zahlabende in den bekannten Lokalen. 26. Abt.„Schwcdtcr Festsäle", Echwedter Str. 23, Gustav Hädicke:„Wir und die Notverordnung". 27. Abt. Zahlabendc in den bekannten Lokalen. 29. Abt.„Altersheim", Danziger Str. 62, Dr. Hanisch:„Die Probleme der deutschen Finanzen. 3V. Abt. Zahlabendc in den bekannten Lokalen. 31. Abt. Goldschmidt, Stolpische Str. 36, Meißner, Schivelbeiner Str. 37, Hemmerich, Malmöer Str. 16. Ecke Bornholmer Straße.— Die Gruppe Schwarz ist aufgelöst und geht zur Grupp» Kemmerich. 32. Abt. Achtung! Am Donnerstag Flugblatt-Berbreitung. Die Flugblätter sind am Mittwoch Abend aus den bekannten Lokalen abzuholen. Zahl- abend Gruppe Schöbe!. Andreas- Ecke Holzmarktstraße, Ref. Gen. Locvy. Die Zahlabende der andern Gruppen fallen aus. 83. Abt. Müller, Simplonstr. 31.— Becker, Simon-Dach-Str. 9, Rudolf Puealka:„Zur politischen Lage".— Hoffmann, Stralauer Allee 17, Gen. Lcngersdorf:„Notverordnung, Hooveraktion und wir".— Zahlabend Wertalla fällt aus. 34. Abt. Zahlabende bei Neumann, Gubener Str. 47, Ref. Bruno Lösche.— Seidliß, Romintencr Str. �7,— IZeisch, Cadincr Str. 10. 35. Abt. Zahlabendc in den bekannten Lokalen.— Lokal Schulz, Samariterstraße 38, Professor Reinhard Strecker:„Eine Balkanreise.— Vortrag und Aussprache in allen Zahlabenden.. 36. Abt. Zahlabende in den bekannten Lokalen. 37. Abt. Zahlabende in den bekannten Lokalen. Vorträge und Diskussion. 39. Abt. 20 Uhr Großbecreustr. 96, Hans Plettncr:„Der Amerikaplan.— 1814 Uhr ebenda. Funktiouärversammlung. 41. Abt. 20 Uhr Zahlabende in den bekannten Lokalen. 42. Abt. Zahlabende in den bekannten Lokalen. 4A. Abt. Zahlabendc in dew � bekannten Lokalen.— Der Zahlabend des ' 123./ 124. Bezirks fällt aus.':- 46. Abt. Eichholz, Euorystr. 23.--Adam, Lübbtner Str< 30. � ,r. . 47� Abt. Die Zahlabendc finden wie üblich statt. Stadtbezirk' 99,'Refereüt Gen.- Karl Heßschold, 97.- Bezirk, Refetrnt Gelt. Lalfn.—* 51. Abt. 20 Uhr Zahlabende mit Vortrag in den bekannten Lokalen.. Zahl- abend der 4. Gruppe fällt aus.— Im Juli findet keine Abteilungsver- sammlung statt. 83.«bt. Zahlabende in den bekannten Lokale«. 57. Abt. 20 Uhr Gruppenabend. II. Gruppe: Thunack, Wielandstr. 4. Bortrag: „Kapitalismus, Sozialismus und Freidenkcrtum". Referent: Ein Genosse des Freidenkcrverbandes.— I. Gruppe: Lokal Kantstr. 51, Genosse Radlow: „Die Notverordnung und ihre Auswirkungen". 58. Abt. Zahlabend„Rankehaus", Rankestr. 4 IV. Stadtrat Walter Fried- länder:„Die Sozialvcrwaltung in der Gemeinde unter- Berücksichtigung des Neuen Gesetzes für Berlin". 62. Abt. Restaurant des Konsumvereins Haselhorst. Gartenfelder Str. 77. 2014 Uhr. Georg Klaußncr. M. d.L.:„Die deutsche Wirtschaft und die Weltwirtschaftskrise. Was tun wir?" 68. Abt. Sandmann, Westfälische Str. 42, Jockel Meier:„Das Rcparations- fcierjahr." 71. Abt. 20 Ubr bei Lau. Hildegardstr. 14, Emil Barth:..Zur politischen Lage." 72. Abt. 20 Uhr bei Rosenau, Barziner Ecke Laubacher Straße. Mar Hepde- mann:.Die kapitalistische Wirtschaftskrise." 73. Abt. 20 Ubr im..Deutschen Haus", Breite Str. 34, Zahlabend. 74. Abt. Funktionärsitzung bei Schneider, Potsdamer Str. 25. 78. Abt. 20 Uhr Zablabendc in den bekannten Lokalen. 2. Bezirk lLokal Küll- mer) fällt aus. 3. Bezirk tagt von Juli ab im Lokal Ratho, Feurig- Ecke Vrinz-Georg-Straße. Thema in allen Zahlabenden:„Die politische. Lage." 79.-,. Abt. Im Ledigenheim. Siedlung Lindenhof, Eythstraße, Hans Bauer: ..Broletariat und Strafrecht." 80. Abt. Im Helmholtz-Gymnasium, Rubensstraße, Dr. Otto Fri-edländcr: ..Was ietzt not tut." 81. Abt. 20 Ubr. 1. bis 3. Bezirk: Klabe. Handjernstr. 60/61. Dr. Friedrich Hertneck:„Das Proletariat im Kamvf gegen die Spzialreaktion."— 4. und 5. Bezirk: Baginski. Stubenrauchstraße Ecke Taunusstraße. Genossin Schulze: .Das Proletariat im Kampf aegen die Krise."— 6. Bezirk: Katz, Born- straße Gcke Büsinastraßc, Dr. W. Pabl:..Außenpolitik." 83. Abt. W e st: Rohde. Roonstraße Ecke Hindenburadomm. Genosse Körner: ..Kur politischen Lage."— Oft: Bubcrick. Lorenzstr. 37. Ref. Gen. Wenske. 84. Abt. Mitgliederversammlung fällt ans. Dafür Zablobend bei Lehmann. Kaiser-Wilb''lm-Str. 29— 31. An gleicher Stelle zur gleichen Zeit wichtige Fnnktionärsitzung. Markenausaabe. 86. Abt. 20 Uhr. 1., 2. und 7. Bezirk: Revmener, Kaiserstroße: 3. bis 6. Bezirk: Görlitz. Ebausseestr. 19: 8. bis 10. Be»irk: Dhonau, Friedenstr. 6. 87. Abt. 20 Uhr Mitgliederverlammluna bei Schnster. Kirchstr. 68. 88. Abt. Rohrmann, Hilbertstr. 19, Will)elm Lewinfki:„Moderner Straf- Vollzug." 89. Abt....Kgtjbusser Klause". Kotthusser Damm Ecke Burknerstraße, Mathilde Wilrm. M. d. R.:...Zur politischen Situation." 91. Abt. Abteilunasversammlnng im Juli fällt aus: dafür Funktionärsitzung bei Köster, Karlsgartenstraßc.— Donnerstag Flugblattverbreitung von den bekannten Lokalen aus. 92. Abt. Bezirke 54, 55: Beitragskassierung und Gruppensührersitzung an be- kannter Stelle. 93. Abt. 83. und 105. Bezirk bei Schumann. Treptower Str. 90: 104.. III. und III. Bezirk bei Stolz. Böhmische Str. 43/44. Gen. Bruno Neumann:..Not- Verordnung und Moratorium": 108. und 109. Bezirk sSiedluna):..Dr. Schle- sinqer:„Sowietrußland": 115. Bezirk bei Könia, Kanner- Ecke Elsterstroße. B-'i allen anderen Bezirken fällt der Zahlabend aus. 95. Abt. Friedersdorf. Iäaerstr. 3. Heinrich Ströbel:„Zur politischen Lage." Obne Mitgliedsbuch kein Eintritt. 96. Abt. Zablabendc im Juli lallen aus. 98. Abt. Teich, Knesebeckstr. 135, Hermann Harnisch, M. d. L.:„Zu? politischen Lage." 99. Abt. Bezirke 156. 157. 158, 159: Tristram, Bürgerstr. 48/49, Eduard Zachert, M. d. L.:..Politische Lage und Notverordnung": 147. und 148. Bezirk: Thomas. Chausseestr. 10: 152. und 153. Bezirk: Sitzunasranm Hannemann- llroße 40: 154. und 155. Bezirk: Schilling, Chausseestr. 39; 169. Bezirk: Bischer. Buckow. Ebausseestr. 12. 99-,. Abt. Zablabendc: 149. Bezirk Barackenschnle, Barckimer Allee, Bezirk 150. 161 und 162 bei Mols. Rudower Str. 35: Bezirk 151 im„Buschkrug". Tagesordnung: 1. Referat: 2. Fest der Arbeit. 193. Abt. Zablabendc: 1., 2., 3. und 4. Bezirk: Knavve, Westendsir. 18. Ref. Gen. Passier: 5.. 6., 7. und 8 Bezirk: Eipel, Wilhelminenhofstr. 25, Res. Gen. Mermuth: 9. und 10. Bezirk: Tromnter. Luisenftr. 1. Ref. Gen. Domdev: 11. und 12. Bezirk: Emmerich, Wilhelminenhofstr. 64. 108. Abt. Fluablattouogabe von 18 bis 19V. Uhr im Borteibeim. Schloßstr. 27. 11V. Abt. 2v Uhr außerordentliche Mitaliederverfammlung bei Werner. Kipe- nicker Str. 125. Gottlieb Reese:„Moratorium."— Abteilungsangeleqen- beite« und Neuwahl des Abteilungsleiter».— Derfchicdenes. 114. Abt..Logenkasino", Knorrpromenade 2. Adolf Wuschick, M. d. L.:.„Zur politischen Lage." 115. Abt. Zahlabende: 1. Gruppe bei Etöber. Iungstraße:?. Gruvve im „Tivoli". Weichselstraße: 3. Gruvpe bei Radtke. Müggel- Ecke Schorn- weberstraße: 4. Gruvve bei Seipke, Kronprinzenstr. 47. 117. Abt. Zahlabende fallen aus. 118. Abt. Zahlabende fallen im Juli aus. 119. Abt. Funktionärsitzung bei Bartz, Möllendorffstr. 43.— Juli zah labend bei Weqner fällt aus. 122. Abt. 20 Uhr bei Porath, Marzahner Str. 31, Dr. Cläre Meyer-Lugau:„Der preußische Kirckieuvertrag." 122a. Abt. 20 Uhr bei Lindner, Köpenicker Str. 165—107, Viktor Malina:„Die Notverordnung als Instrument des bürgerlichen Klassenkampfes." 124. Abt. Zoblabende finden statt für Mablsdorf-Ost im Lokal Anders. Bahnhof- siraße: Mahlsdorf-Höbe im Lokal Jakob, Lemkestraße: Siedlung Teil I im Lokal„Nordstern": Siedlung Teil ll im Lokal Schmidt. Marienburger Straße. In allen Zahlabenden wichtige Tagesordnung!— Voranzeige! Am Sonntag. 12. Juli. Werbefest auf der großen Waldwiese bei Sanssouci. Festredner Gen. Carl Litte. Mitglied des Parteivorstandes. Großes Arbeiter- kulturproaramm! Dem Werbefest geht ein Demonstrotionsmnzug voraus. Treffpunkt zur Demonstration 13V Uhr Bahnhof JDfahlsdyrf(Zeppelinplatz). Plaketten linb bei �llo»i.Fnnkti0l�rcp zu haben. 127. Abt..Berliner Hof, Berliner �vtr. 93, Ref. Willv Kreßmann. 131. Abt. 20 Uhr im„Sanssouci". Nordend, Kaiser-�Silhelm-Straße. Biktor Krüger:./Die politische'Lage und'b'et Kampf um die Notverordnung." 132. Abt. Klug, Dorfstr. 2, Ernst Reumann:„Politische Lage u. Rotverordnung." 137. Abt. 20 Ubr gemeinsamer Zahlabend für alle Bezirke im„Volkshaus", Scharnweberstr. 114. 138. Abt. Mitgliederversammlung nn Juli fällt aus._. 139. Abt. 20 Uhr„Alter Krug". Hauptstr. 14, Otto Meier. M. d. L.i..Die Rot- Verordnung und ihre Auswirkung auf Partei und sozialpolitischem Gebiet." 14V. Abt. Mitgliederversammlung im Juli fällt aus. 140a. Abt. Mitgliederversammlung im Juli fällt aus. Nächste Abtcilungs- Versammlung am 19. August. 143. Abt..Zahlabende im Juli und August fallen aus. Im September rst von allen Genossinnen und Genossen die zweite Frau bzw. der zweite Mann mitzubringen. Eichwaldc. 20 Uhr in Wittes„Waldschlößchen" Vortrag über:„Parteitag und Notverordnung". Ref. Landtagsabgeordncter W. Krüger. � 84. Abt. Poranzeige! Sonntag, 12. Znli, Sammelflugtag des„Sturmvogel" in Mittenwaldc. Abfahrt Bhf. Hermannstraßc(Neukölln) um 6.38 Uhr und 9.39 Uhr früh. Fahrgeld hin und zurück 80 Pf. 102. Abt. Voranzeige! Sonnabend, 11. Juli, Sommerfest der Abteilung im „Alten Eierhäuschen", Treptow(Inhaber Bieler). Gartenkonzert, Kinder- freunde, Gesangverein. Im Saale Tanz. Eintritt 50 Pf. Arbeitslose frei. Karten sind noch bei den Bczirkssührern und beim Kassierer Bersel zn haben. Arauenveranstallungen. 12Z� Abt. Die Genossinnen treffen sich»um Konsumlasseekochen Mittwoch. ä. Juli, in Sirschgarten um 14'« Uhr Jäger- Ecke Moltlestratzc bei der Genossin Richter. 127. Abt. Dao Kasfcekochen findet nicht, wie vorgesehen, am 7. Juli, sondern erst am Dienstag, 28. Juli, im„Saolbau Friedrichshain" statt. Bezirksausschuß für Arbeiterwohlfahrk. 4. Kreis. Die Besichtigung des Altersheims Schönholz muß aus technischen Gründen verschoben werden. Zlrbeiksgemeinschaft der Kinderfreunde Grasi-Berlin. Die Sammlung für bao ZelUag« bcr jtiadersrclladc ist beendet. Dir danken allen Genossen und Freunden für die Spenden. SamnuIIiste» Rr. 12& "'............'—"---- 1 Die Sammler bitten wir an- 17—10 Uhr, spielan alle. und 140 sind verlorengegangen und gesperrt. zuhalten. Gruppe Tcmpclhof. Dienstag. 7. Juli, nachm. Gruppe» auf de», Sportplatz in dcr Boscstrotzr. Jtrci» Renkölln. Heute kommen die Falken aller Gruppen auf dcr Wiese Sonucnallce ah 17 Uhr zusammen. Die Sclfer cbcndort. Röpeniit. Mittwoch, 8. Juli, 3Uhr, Bahnhof Köpenick, zum Kousumkaffce- kochen im W-ltrestaurant in Hirschgartc».— Donnerstag, 9. Juli, Treffpunkt !>-ll Uhr Bahnhof Köpenick, Nachzügler und Eltern: Wir spielen im Waide zwischen dcr Siedlung uud dem Bahnhof Sirschgarten, Ende gegen'iS Uhr.— Sonntag. 12. Juli. Wir beteiligen uns am Waldfeft der Abteilung Mahlsdorf in Sanssouci. Treffen ViZ Uhr Bahnhof Köpenick. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 11. Abt. Unser Genosse Mar R e u f ch c r. Zwinglistr. l8. ist am 2. Juli verstorben. Ehre feinem Andcnkcn. Die Beerdigung hat bereits stattgefunden. W Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Berlin Sinsendlmgev für diese Rvbrst nvr am das Zogendsekretartae. Verl!» SW 68, Ovdensiraüe 3 heute, Dienstag, 7. Iuli, lS� Uhr: Arkonaplatz: Elifabethkirchstratzc 19: lO-Minuten-Referatc.— Gcmcrksckalt,. hau»: Kövenicker Strotze 92:„Kurt Eisner— Karl Gorcis". Köllnifchcr Park: Waifcnstratze 18:„Parteitag in Leipzig".— Oroaicoburger Tor: Tieck- strotze 18:„Sefänchte des IS. und 20. Jahrhunderts".— Araimplatz: Sonnen- burgcr Strotze 20:„Die proletarische Frau in dcr Bewegung".— Ar»»walder Platz I: Rastenburger Strotze 16;„Freikörperkultur".— Balkan: Mandelstr. 2: „Das Werden des wissewfllxtstlichcn Sozialismus"(Karl Marx— Fr. Engolsl. — Wcitzenfee: Paristratzc 36;„Schundliteratur".— Wörthcr Platz: Kastanien- olle« 82:„Ecx. Fragen".— Friedenau: Offenbacher Strafte 5a:„Arbeiterdichtung".— Dchönebcrg I: Hauptstraße 15:„Ziele der SAI-".— Schöne- berg Hl: Hauptstratze 15:„Freikörperkultur�'.— Schöncbcrg 4':„Was haben wir erreicht?"— Eharlattenburg: Nossncnstratze: Arbeitsgemeinsämst.— West- cnd: Sportplatz:„Der 5-Iahres-PIan in Rntzland".— Eharlattendurg-S.: Wallstratzc 76:„Spiel und Sport in der SAI.".— Britz: Ehaussceftratze 48: „Sozialistische Wirtschastsresornr.— Realöll» Iis- Ziethen strafte ö«:„Alt- Berliner Humor".— Neukölln 7l: Trepwwer Strafte SS:„Was ist uns die Verfassung wrrt?"— Neukölln IX: Kanner Strafte: Arbeitsgemein schalt.— NcnISlln Xt Bergstrotzc 29:„Mädclabend".— Neukölln Xtt Flnghalenstrotze«8: „Gewerkdchaffen und NGO.".— Karlshorst: Dos Heim bleibt geschlossen.— Siemen»sta dt: Schul«:„Unsere Haltung in der Partei". Abteilungsmitgliederverfammlungen: Nosenthaler Borstadt: Tieckstratze 18.— Humboldthain: Pnttbusscr Str. ll. — L«o»»Idplatz: Seestratze 84.— Schillerpark: Schönt ngltraftc 17.— Wedding: — Leopold» latz: Seestrofte 81.— Schillrrzark: Schöningstrotze 17.— Wedding: Wildcuowstrotze 5.— Wedbi»» N Nildenowftratze 5.— Webding-Norb: Viertel: Ncichrnbcrgcr Strafte 68.— Süden: Portsrratz« 11, Zimmer 4.— Südwesten: tkinden strafte 4". s- schlltzebebg iH- Hairptftratzr 15.— Gdarlatten- burg N., A.: Kaiserin. August«. Allee 97--— Steglitz 1: Albrechtstratze 47.— Neukölln I: Lcnau. Ecke Hobrechfflratze.— Rcnkölln ll:' Steinmetzstratzc»4.— Neukölln I: Leuau- Ecke Hobrechlstratze(Kulisch).— Neukölln U: Steinmetz- strafte 94.— N-ntöll» IV. A.: Kanner Strafte.— Neukölln VII: K M. S.— Ncinickendors-Ost: Lindauer Strafte 2.— Pank»« I: Görschstrofte 14. Stsststkesler Geschlossen. Abonnements-Einladung für die Spielzeit 1931/32 Großer Preisabbau, wesentliche Verbesserung einzelner Platzgruppen durch Vorverlegung, sehr bequeme Zahlungsbedingungen. Anmeldungen nehmen in der Zeit von 10 bis 2 Uhr entgegen: für die StSatMper und das SlaaUldie SAausplelhans: Abonnem.-BOro Oberwallstr.22, Fernsprecher: Merkur 9024, für das StaotL SdiUleiiheater: Abonnem.-Büro: Charlottenbg., Grolmanstraße 70, Fernsprecher: Steinplatz 6715. B»rktr»tM 9258 Hol. B U. 81/2 U. H. u. H. Williame Lee Gail- Ensemble Ori|. 3Whlrlwlndt Bob Ripa Cell« Bringt uw. PLAZA Die große REVUE Da* Brasilümisc Kaleidoskop Nur bis 19. Juli» I LUNA PARK Heule 9 30 Feuerwerk Reichshallen-Theater Anfang[j� Uhr Stettiner Sänger Zum Schluß „Alles verrückt!" Winter » Gcirreiv 8.15 Uhr Flora 3434 Raodien trlmbt I" 1 Ballett Edaardowa, 10 Brox, Mary-Erik-Paul kw. BETRIEB � KEMPINSKlIO Berliner Vilk-TriO N• U k B 1 1 B. w Lahnau-. 74)76.1 HOPPEGARTEN Heute 7a Jüll 3'/, Uhr Lehndorff- Rennen Adresse aufDewahreni siempekscmiiier Braylerangeo In bester Ausführung beim Genossen Eduard Peterson Bepim-schöneaerg AKaziensträße 10. 1 VolKsbtthne Tbeatir an nimialitz. Uh Uhr Der Mann de* Schick»all Die Komödie der Irrungen OBBtjfiej Tbeatir Moifttn idd 125. Ulli 8 Uhr Der Haaplmann von ROpenldt v. Carl Zuckmayei Regst: bin Hilptrt Die Komödie Täglich S'rt Uhr Oiens! am Kunden na Cott Bois and Mai Bansen Regie: HansDeppe Konflrsiendamm- Theater Bismarck 449 |�iJJhrJ Die schöne Helena von lacquas onnnnaai Rtgle: Max Bslnbardi KomischB oper Fricdrichstr. 104 SVa Uhr Frauen haben das gern... Musikal. Schwank von Arnold Musik r. Walt. Kollo Sommerpr. 0.30- 7.00 metropol-iheater Täglich 8>k. Uhr Die Toni aus Wien Madv Christians. Mithavi tohnsn Rose-6arten Wochentag* 5.Z0 Uhr Sonntags 5 Uhr Vom 6.-9. Juli: Rosenfest mit LotteWcrkmeister 1 Jazz-Band-Kapelle, Tanz Im Freien und vielen Ueberrasch.| 8.15 Neu! „Unter der blühenden Linde" Sind*picl Preise 0.60 M. bis 2.00 M. ROSE THEATER Wochentags 8.15 Uhr Sonntags 5.45 Uhr, 9 Uhr| Carl de Vogt in „DerNerriDitdeni Fragezeichen" Laslspitl von MSlltr md Lorenz I mit Hermine Sterler, Maria West, Armin Schweizer. Fred Gocbelu.a. Regie: Paul Rote Preise: 0.50 M. bis 3.00 M Er. rnukiDiierStr.lsz. u-Bahn Strausberger Platz. S lägiger Vorverkauf 11— 1 u. 3— 9 Uhr. Tel. Bestell. E 7 Weichsel 3422 WM MitallaMr-feM VerwaltantfMtelle Berlin Todesanzeige Dm Mitgliedern zur Nachricht, dag unser Kollege, der Monteur Paul Schubert am S. Juli gestorben ist. Die Einäscherung findet am 9. Juli, 17'/, Uhr. im Krematorium Gericht- strafte statt. Rege Beteiligung wird erwartet. »ea«iipue Am 28. Juni starb unser Kollege, der Dreher Paul Kämmerer Die Einäscherung hat bereits statt- gefunden. Ehre ihrem Andenken! Die Ortsverw.ltnntz. KLEINE ANZEIGEN niiiiiiHiiiiiiiiiiiiiiuuiuiiiiiiiiiiiiiininiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiinitiitiiitiiiiiiiuiiimiiimiiiii Proiso: üborschriftswort 25 Pf., Toxtwort 12 Pf. Wiedarholungsrabatt: 10 mal 5 Proz., 20 mal oder 1000 Worte Abschluß 10 Proz., 2000 Worte 15 Proz., 4000 Worte 20 Proz.' Steilengesuche i uberschrifts- wort 15 Pf., Textwort 10 Pf. ✓ Anzeigen, welche für die nächste Nummer bestimmt sind, müssen bis 4,/| Uhr nachm. im Verlag, Lindenstr. 3, oder auch in samtlichen Vorwärts-Filialen und-Ausgabestellen abgegeben sein Parteigenossen und RepubNHaner finden in Kön i gstc i n(Sächsische Schweiz) private, billige und freundliche Sommerwohnung mit Küchenbenutzung und eventl. Mittagstisch beim Gen. Frcudenberger, König- »lela-EIbc. Am Heideberg. Ruhige Lage am Walde, reizende Aussicht zum Königstein u. Lilienstein D" stufe Kapfian- UaiifeaHal/'ttioöeo ir eiste« Zi- IKlUlaUan gurengesch. erhiltl. V. Röckcr, Berlin Liaieabtnillr StriBe ii. 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Ebenso wird zur Gewalttat aufgefordert gegen einen mit Namen und Adresse genannten sozialdemokratischen Vor uns liegt eine der Straßenzeitungen der Kommu- nisten mit dem Titel„Rund um den Brunnenplatz, Organ der Werktätige n". Die Titelseite zeigt eine Zeichnung mit. der Ueberschrift„Notverordnung— Folge Unruhen'. Man sieht darauf, wie der Motor eines Polizei- wagens in die Luft gesprengt wird und wie ein Polizist von zwei Leuten zu Boden geschlagen wird. Der Text enthält zunächst eine Hetze gegen den Polizeihauptmann Lindigkeit: „Wir werben bei der nächsten Gelegenheit dieser schwulen und krummbeinigen Gestalt eine proletarische Abreibung zu- Der Anstifter Sm Flugblatt de« BKS. fordert zu �adenplünderungen und gewaltsamen Vorgehen gegen die Schupo auf. r/ 3er mag das nur wieder gewesen sein?" kommen lassen. Aber wir sagen jetzt schon, diese Abreibung wird etwas besser ausfallen wie die, welche der Hauptmann von der Ufer-Wache(Hauptmann von Knobelsdorf) erhalten hat. Wir Proleten sind nicht gewillt, noch länger sich von einer durch unsere Steuergroschen fettgemachten Polizeihyäne noch weiter schikanieren zu lassen." WW�W>en Hausoerwalter: „Sollen sich die Mieter alles gefallen lassen von solchen Burschen, die denken, das Haus zu terrorisieren. Hausbewohner, imldet es nicht. weist diesen Verwalter in seine Schranken und gebt ihm ein« proletarische Abreibung. Einer von der Ferne." Die Unterschrift ist echter als man glaubt! Die Pro- vokateure, die diese Gewalthetze betreiben, halten sich in der Ferne, wenn es die Verantwortung gilt. Weiterhin wird in dieser Straßenzeitung ein Prozeß be- schrieben, der sich mit der Plünderung von Lebensmittel- lüden am 3. Juni beschäftigt. Man liest darin: „Ein paar vollgefressene Schöffen... Der Krimi ein ganz dämliches Schwein." Dann folgt abermals Gewalthetze gegen einen Zeugen. Es wird der Name und die Adresse des Zeugen genannt und seine Arbeitsstelle.(Es ist ein Angestellter in einem der ge- plünderten Läden.) Er wird Lump und Idiot genannt. Lump und Denunziant. Dann heißt es: „Diesen Denunzianten empfehlen wir der besonderen Auf- merksamkeit der werktätigen Bevölkerung des Weddings. Zagk diesen Hund, dah er kein Ende findet." Weiterhin wird der Versuch gemacht, Zusammenstöße und Plünderungen zu provozieren: „Kein Staat, kein Polizist, kein Gericht kann die hungernden Erwerbslosen davon abhalten, sich dort das Lebensnotwendige zu holen, wo es zu Bergen aufgestapelt verfault. Die Arbeitslosen fürchten sich nicht vor den gezogenen Parabellums der Polizei." Zum Schlüsse folgt eine Betrachtung über den Leipziger Parteitag der Sozialdemokratie, der als Parteitag des Ar- beiterverrats bezeichnet wird.' Auf derselben Seite, auf der zu Plünderungen aufge- fordert wird, steht groß plakatmäßig: „Prolet, denk daran, werde Mitglied der R ot e n Hilfe! Protestiert gegen das Spartakiadeverbot, Bestellschein für die„Rote Fahne", A u f n a h m e s ch e i n für die KPD. abzugebe« in der „W elt am Abend, Spedition, Hochstraße, Abonnementchireis Woche 70 Pf. Arbeitslose pro Woche 10 Pf. Beitrag, Vollarbeiter 40 Pf. Beitrag." Derartige Hetzblätter werden snstematisch von kommu« nistischen Funktionären fabriziert und vertrieben. Die Kom- munistische Partei hat sie geschaffen, Richtlinien für ihre Her- stellung, für ihre Technik aufgestellt. Sie hat die Auswahl von Funktionären für ihre Herstellung angeordnet. Jeder Versuch, sie abzuschütteln, ist eine erbärmliche Notlüge. Die Verantwortlichen, die die Notleidenden vor die Pistolen der Polizei treiben wollen, sitzen in der Leitung der Kommunisti- schen Partei. Ungestörte Hetze. Gilt das Ziepublikschutzgefetz in Württemberg? Stuttgart. 6. Juli.(Eigenbericht.) In dem Schwarzwölder Uhrmacherstädtchen Schräm berg erscheint seit kurzem ein nationalsozialistisches Hetzblättchen, das mit der Schreibmaschine geschrieben und dann vervietfältigt wird. Es ist betitelt:„Schrambcrger Naziblatt". Verantwortlich zeichnet ein O t t o H i l s in Schramberg, der nach manchen Leistungen seines Blattes unmittelbar dem Narrenhaus entsprungen sein könnte. So erschien dort dieser Tage folgender Erguß: „Massenfimmel! Proletarier aller Länder vereinigt euch! So posaunte der Jude Marx schon vor fünfzig Jahren in die Welt hin- aus. In Massen strömten sie zusammen: Polen, Russen, galizische Juden und Libanonsjäcer, Bonzen, Schieber, Spekulanten, Bank- und Börsengauner, Müllerknechte, Schlosser, Sattler mit Gesellen, Inflation?- und Kriegsgewinnler, Sozialoemokraten, Volks- und Staatsparteiler, Kommunisten und das„heilige Jen- trum": Barmat, Sklarek, Kutisker, Hilferding, Thälmonn, Heilmann, Moses, Salomon Sohn, Goldschmid, Herz, Mayer, Cohn und Bärendreck, Stresenrann, Curtius, Schiele, Dietrich, Broun, Wirth und Brüning. Sie alle strömten auf den Ruf des Juden herbei und regieren seit 12 Jahren das deutsche Volk. Lauter Pro- letarier." Das Landesorgan der württembergischen Zentrumspartei be- merkt zu diesem Beweisstück für den Grad der Verblödung, den ein Hitlerjünger erreichen kann:„Wir fragen: Was tut die Staatsanwaltschaft gegenüber der Tatjach«, daß f ü h- rende deutsche Politiker mit Börsengaunern und Schi«- b«rn auf die gleiche Stufe gestellt werden? Mit dem Sattler und Gesellen soll wohl der verstorbene Reichspräsident E b e r t, mit dem Schlosser Minister Severing, mit dem Müllerknecht der ver- storbene Reichskanzler Müller in die Gesellschaft der Bonzen, Schieber und Börsengauner eingereiht werden. Gilt das Re- p u b l i k s ch u tz g e se tz in Württemberg nicht?" Hierzu wäre zu sagen, daß die maßgebenden Herren der württembergischen Regierung zur Anwendung des Republik- schutzgesetzes und der Notverordnung des Reichspräsidenten gegen das Rowdytum die Zentrumsminister Bolz und Beyer!« sind. Hakenkreuzmörder geflüchiei. Er hat noch 3 Jahre Gefängnis zo verbüßen. Fürsten walde, 6. Juli.(Eigenbericht.) Der nationalsozialistische Bäcker Alfred Taucr, der wegen Ermordung des Kommuniften Jopp vom Schwurgericht Frankfurt a. d. Oder im Juli vorigen Jahres zu einer vierjährigen Ge- fangnis strafe verurteilt worden war, verbüßte diefe Strafe in der Strafanstalt Tegel. Im Juni di«ses Jahres oerstarb seine Mutter und Tauer erhielt zur Teii nähme an der Beerdigung einen dreitägigen Urlaub, dem noch ein weiterer Nachurlaub von S Tagen folgte. Nach Ablauf dieser Frist hat sich Tauer nicht wieder zum Strafantritt gemeldet, fondern sich durch Flucht der Straf« entzogen. Bei der Beurlaubung des Tauer hat die Strafanstalt Tegel mit einer Leichtfertigkeit gehandelt, die nicht mehr zu überbieten ist. Irgendwelche Sicherungsmaßnahmen, um die Flucht des wegen Ermordung eines polstifchsn Gegners zu vier Iahren Gefäng- nis verurteilten Tauer zu vereiteln, der noch den größten Teil dieser Strafe oerbüßen mußte, hat sie nicht getroffen. Tauer hat sich nach seiner Beurlaubunz nicht sofort nach Fürst ernvald« begeben, sondern in Berlin erst Verbindung mit den Nationalfozia- listen aufgenommen, denn er erschien am Beerdigungstage in Begleitung Berliner Nationalsozialisten und ist nach der Beerdi» gung sofort wieder abgefahren. Anscheinend hat«r an den beiden vorhergehenden Tagen seine Flucht mit seinen Parteigenossen be- sprachen und vorbereitet. Durch die Gewährung weiterer fünf Tage Urlaub ist dem Mordbuben di« Durchführung feiner Flucht außer- ordentlich erleichtert worden. Es dürfte kein Zweifel darüber bestehen, daß Mittelsmänner der Nazipartei bei der Flucht die Hand im Spiele haben— wir erinnern uns nur zu gut der Flucht der Mörder des Reichsbannerkameraden Schneider! Tauer ist 24 Jahre alt, etwa IPh Meter groß, hat auffallend schmales, blasses Gesicht mit hervorstehenden Backenknochen und schwarzes gelocktes Haar. Es wird Ausgabe der Aufsichtsbehörden sein, die Strafanstalt Tegel von dem Verdacht zu reinigen, daß für faschistische Mörder sich federleicht die Gesängnistore öffnen. Giahlhelmfrechheii in Bayern. * Und eine richtige Antwort. München. 6. Juli. Der Führer des bayerischen Stahlhelm, Oberst a. D. Lenz. hat wegen des Uniformverbots in München an das bayerische Staatsministerium des Innern ein Schreiben gerichtet, in welchem dagegen Protest erhoben wurde, daß zwei offenbar von auswärts kommende Angehörige des Stahlhelm, di« ihr« Abzeichen zur bür- gerlichcn Kleidung trugen, von einem Kriminalkommissar fest- genommen und, obwohl sie keinen Widerstand leisteten, a b g e- führt wurden. In dem Schreiben wird weiter gesagt, daß sich der Führer des bayerischen Stahlhelm in den allernächsten Tagen vorbehäll, falls die notwendige, der Ehre des Stahlhelms schuldige Abänderung der Verfügung der Münchener Polizeidirektion nicht getroffen sei, in der großen Stahlhelmzeitung und in anderen Or- ganen der reichsdeutschen Presse seine Kameraden aus dem Reich vor dem Betreten Münchens zu warnen. Der Staatsminister des Innern Dr. Stütze! hat darauf mit- geteilt, daß er diese Zuschrift des Führers des bayerischen Stahl- Helms und die Abschrift feiner eigenen Antwort der Presse über- Mitteln werde, damit die Oeffentlichkeit Kenntnis von dieser Zu- schrift erhalte und sich selbst ein Urteil über dieses Bor- gehen bilden könne. Er, d«r Minister, seinerseits lehne mit Rücksicht auf die in dem Schreibe» enthaltene Drohung jede weitere Antwort ab. In Posen kam es anläßlich der Enthüllung des Wikson-Denk-. mals zu großen Kundgebungen der polnischen Iugendverbände. Auf den Straßen formierten sich Umzüge, die vor das Hotel„Bazar" und dann da» alte kaiserliche Schloß zogen, um Hochruf« auf Päd«- rewski, Frau Wilson und den General 5>aller auszubringen. Auf einer Zusammenkunft der großpolnischen Sokolvereine begrüßten die Menschenmassen besonders lebhaft die nationaldemokrotischen Führer: Korfanty wurde stürmisch gefeiert. Ein Umzug, der�durch die Stadt erfolgte, zeigte Hunderte von Fahnendelcgationen in Sokol- uniform-und in den blauen Uniformen der Hallersoldaten. Als Korfanty im Wagen erschien, erschollen Hochrufe auf ihu�PaderenPi, I Lu«j:' 1 i i i-> 1.i.»«. I• Keine Verschiebung der Preußenwahl. Ein Märchen der Versassungsfeinde. Die„Deutsche Zeitung" behauptet, daß die preußische Regierung sich mit dem Plan trage, die Wahlperiode des Landtags um zwei Jahre zu verlängern, ohne die Verfassung zu beachten. Diese Be- hauptung ist aus den Fingern gesogen. Di« preußisch« Re» gierung respektiert di« Verfassung— sehr im Gegensatz zu den Leuten von der„Deutschen Zeitung" und ihren Hintermännern. Kotau vor dem �eisepublikum. Wenn die Nazis die Stimmen brauchen. Wie war es mit den hohen Pensionen? Jahrelang konnte man in der Nazipresse lesen, daß die Bezieher der hohen Pensionen ausnahmslos„Bonzen" seien. Dann kam der sozialdemokratische Antrag auf Pensionskürzung. Es stellte sich heraus, daß die Haupt- Pensionäre 120 Generäle der alten Armee und 40 Minister bzw. Staatssekretäre des alten Systems waren. Da war's auf einmal still... Wie ist es mit der S o m m e r r c i s e? Sommcrreisen können sich in dieser Zeit der allgemeinen Not und Arbeitslosigkeit— so las man's täglich im„Angriff", nur sozialdemokratische Bonzen und jüdische Schieber leisten.— Bis wir am Montag auf einmal auf folgendes Kästlcin im Blatte des Herrn Goebbels stoßen: Da wahrscheinlich der Volksentscheid bereits in den ersten Augusttagcn stattfinden wird, machen mir all« Leute, die he'u t e noch die spärlichen Mittel aufbringen kannten, um zu verreisen, darauf aufmerksam, daß sie sich bei ihrem zuständigen Bezirkswahlamt einen Stimmschein be- sorgen müssen, mit dem sie dann auch in der Sammerfrische zum Volksentscheid abstimmen können. O, wie mild und bescheiden können doch die Nazi» sein!„Leute, die die spärlichen Mittel aufbringen konnten..." Man darf doch um Himmelswillen nicht die Leute beleidigen, um deren Stimmen man buhlt, und man darf anderseits der Oeffentlichkeit eingestehen, daß gerode dos wohlhabende Reisepublikum, das den Nord- und Ostfeestrand mit schwarzweißroten Wimpeln besät, die Kerntruppe der Hugenberg und Hitler bildet. Darum:„spär- liche Mittel.. Wie sag' ich'? meinem Reisepublikum?! Die Polizei hat keine Provokateure. Ein Ablenkungsmanöver der„Noien Fahne". Der Polizeipräsident teilt mit: In ihrer Sonntagsausgabe hat die„Rote Fahne" die Behaup» »ung aufgestellt, daß die Berliner Polizeibehörde bewaffnete Polizeiproookateure zu Demonstrationen entsende. An dieser Behauptung ist kein wahres Wort. Richtig ist, daß von jeher an kritischen Tagen neben Beamten der politischen Polizei auch i n Zivil befindliche Schutzpolizeibeamt« entsandt wer- den, um die übrigen Polizeikröste in ihrer Tätigkeit zu unterstützen. Eine derartige Praxis wird nicht nur bei politischen, sondern bei allen in Frage kommenden Anlässen befolgt. Im vorliegenden Falle war den leitenden Polizeistellen ein b e- o b s i ch t i g t« r II e b e r s a l l auf Lebensirntteixeschäste und ösfen!- liche Gebäude bekannt geworden. Neben den dazu eingesetzten Be- amten der politischen Polizei wurden wie üblich auch Beamte der ««formierten Polizei tu Zivil«üsirndt. Zu diesem Zweck habem fich die Beamten auftragsgemäß in Zivilkleidung unter die Demonftran» ten gemischt und sind dann, als es zur Begehung von Straftaten kam, sofort eingeschritten. Sie haben mit der Pistole in der Hand versucht, einige Festnahmen durchzuführen, was ihnen infolge der großen Uebermacht der Demonstranten nicht sofort gelang. Da sie hierbei mit großer Unerschrockenheit und lieber- legung unter Einsatz de? Lebens ihre gefahrvolle Pflicht erfüllten, wurden sie unmittelbar nach dem Ereignis von ihrem Vorgesetzten für eine Belobigung vorgeschlagen. An irgendeiner strafbaren Handlung der Demonstranten haben di« Beamten selbstverständlich nicht teilgenommen und haben auch niemals etwas Derartiges vor Gericht ausgesagt. Notstandsprogramm für den Oberharz. Äeschtüsse des Hauptausschusses des preußischen Landtags. Der Hauptousschuß des Preußischen Landtages beschäftigte sich am Montag zunächst mit einem Urantrag Goldau(Dt. Frakt.) auf Schodloshaltung des Provinzialverbandes Ostpreußen für dos an Polen übergegangene Eigentum des Provinzialverbandes West- preußen und die Bereitstellung von Mitteln zur Weiterführung des Baues einer neuen Provinzial-Heil- und Pflegeanstalt. Auf Vor» schlag des Berichterstatters Dr. Stessens(D. Bolksp.) wurde der An» trag durch die nunmehr erfolgte Regelung für erledigt erklärt, wo- nach Reich und Staat 3 Millionen in jährlichen Roten von einer Million für den Weiterbau der Anstalt zur Verfügung stellen. Ferner wird das Staatsministerium ersucht, nachträglich die Ein- richtung eines besonderen Gutshofes für die Pflegeanstalt zu ge- statten und Mittel dafür bereitzustellen.— Der Ausschuß beschäftigte sich sodann mit dem Antrag Winzer(Soz.) über die Aufstellung eines Notstandsprogramms für den Oberharz. In dem Antrag wird auf einen im, Landtag im Jahre 1930 angenom» menen Entschließungsantrag verwiesen, wonach anläßlich der nicht zu umgehenden Stillegung der Berginspektion E l a u s t h a l mit Beschleunigung ein Notstandsprogramm ausgearbeitet werden sollte, das zum Zweck hat, der einheimischen Arbeiterschaft dauernde Beschäftigung zu sichern und die beteiligten Gemeinden vor dem Zusammenbruch zu bewahren. Der Antrag macht aufmerksam auf die Folgen der Stillegung der Aufbereitung?» anlage der Grube Bergwerkswohlfahrt in Clausthal-Zellerfeld und fordert die nunmehrige umgehende Ausarbeitung eines Notstands- Programms, das die erforderlichen Geldmittel zur Durchführung der Hilfe für den Oberharz bereitstellt. Mit der Beratung verbunden wurde der Antrag B ar t e l d- Hannooer(Staatspartei), wonach spätestens durch den Haushalt für 1932 die Mittel für den Bau eines Bergmännischen Instituts bei der Bergakademie in Elauschal-Zeller- feld bereitgestellt werden sollen. Die Anträge wurden angenommen. Annahme fand auch ein weiterer Ergänzungsantrag Le inert(Soz.) auf Förderung des Ausbaues sanitärer Anlagen, der Kanalisation, serner von Wasser- leitungen und Straßen sowie der Verantwortung landwirtschaftlicher Produkte, ferner auf Förderung des Fremdenverkehrs, des Winter- fports und der einzelnen Gewerbezweige in den Gebieten des Ober- Harzes. Das Staatsmimstenum soll nach dem angenommenen so- zialdemotratischen Antrag ersucht werden, die Mittel zur Abwen- dung der Notlage im vberharz in gleicher Weise zu beschaffen wie für andere Notstandsgebiete und dem Landtage jährlich über die getroffenen Maßnahmen zu berichten. Hinsichtlich der Werke in Loutenthol fand Annahme der Antrag Riedel(Staatsp.), wonach, entgegen der geplanten völligen Stillegung dieser Werke. die im Berghoushalt für Durchforschung Preußens nach Boden- schätzen vorgesehenen Mittel zu Arbeite» zu verwende» sind, di« der Erforschung tiefer-gekgowr Erzvortom»«» far Lautenthal dienen. Treue im Sturm! Aufmarsch der Fabrikarbeiter. München, 8. Juli,(Eigenbericht.) �jum zlHeitemnol während des 4l jährigen Bestehens ihres Ver- tondes find die freigewerkschaftlichen Fabrikarbeiter in München zu ihrem Verbandstag zusammengetreten. Das erstemal— 1908— wies der Verband 137 000 Mitglieder auf, heute sind in ihm �50 000 Arbeiter organisiert. Die International« Bereinigung der Fabrikorbeiterverbönde zählt, wie ihr Sekretär I o n g e- Amsterdam in seinem Begrüßungswort mitteilte, in 15 Ländern 23 Organisationen mit 5 75 000 Mitgliedern. Der greise T e r e n a n- London übermittelte die Grüße der Union der englischen Gemeinde» und Staotsarbeiter. Er betonte rmter begeisterter Zustimmung, daß die choover- Aktion und olles, was damit zusammenhängt, im wesentlichen ein Erfolg der Politik des Kabinetts MacDonald fei. Für den ADGB. begründete der Vorsitzende Peter Graß- mann- Berlin in temperamentvoller Ansprache die Haltung des Bundesvorstandes bei der letzten Notverordnung. Was wir getan hoben, so erklärte er, geschah noch sorgfältigster Prüfung und in der unumstößlichen Ueberzeugung, daß es notwendig war, um Schlimmeres von der deutschen Arbeiterschaft fernzuhalten. Der Berbandsvorsitzende Brey- Hannover verknüpfte seine Berichterstattung mit einem großzügigen Bortrag über die Haltung der freien Gewerkschaften zur augenbliiklicheu Tagespolitik. Seine durch wiederholte Beifallskundgebungen unterstrichenen Aus- führungen waren eine einzige Rechtfertigung der Politik des ADGB. und seiner Unter st ützung der Sozialdemokratie in ihrem Kampf mit der sozialen und faschistischen Reaktion. Brey lehnt« schorfstens die gewcrkschafts- feindliche Hetzardeit der Kommunisten und Nationalsozialisten ob. Di« Arbeiterschaft läßt ihre Interessen nic� von ein paar„Herren- und Rassemenschen" vertreten. Die organisierte Arbeiterschaft wehrt sich gegen die italienischen Methoden genau so, wie sie überzeugt ist, daß sich russische Verhältnisse auf Deutschland nicht übertragen lassen. Hätte die Sozialdemokratie nicht notgedrun- genermoßen die Brüning-Rcgierung toleriert, dann wäre für die Arbeiterklasse nicht nur nichts erreicht gewesen, sondern es wäre eine politische Machtverschiebung gekommen, die den Gewerkschaften olle Möglichkeiten genommen hätte, auch nur das geringste für die Ar- deiterschaft zu tun Wir sehen die Sozialdemokratisch« Partei grundsätzlich an als die politische Vertreterin der arbeiten- den Klasse sBeifoll). die wir tatkräftig zu unterstützen haben, und darum haben wir ihr in ihrem letzten Wahlkampf finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt. Die Sozialdemokratische Partei ist es. die allezeit unsere sozialpolitischen Forderungen nicht nur energisch nertreten, sondern sie auch gemeinsam mit unseren Vertretern und Sachverständigen durchberoten und formuliert hat. Hätten die Kam- m u n i st c n auch nur ähnlich gehandelt, dann wären auch sie unter- stützt worden: sie aber hoben alles bekämpft, was von den Gcwerk- fchaften vertreten wurde. Sie propagierten das Gegenteil dessen, was die Gewerkschaften wollten. Ihr Kampf galt beinahe ausschließlich den Gewerkschaften. Zu den politischen Ereignissen der letzten Wochen bemerkte Brey, daß die Entscheidungen selbstverständlich nicht freudig gefällt wurden, sondern aus der zwangsweisen Vorstellung heraus, daß Schlimmeres zu verhüten war. Die gleiche verantwortungsbewußte Einstellung hob« die Sozialdemokraten auch in den G c m e i n de n genötigt, unangenehme und crtragbore Steuerbeschlüsse zu fassen, ober hier habe es meistens gegolten, den Aermsten dos Stü-k Brotzu sichern. Wenn kürzlich eine deutsche Stadt nahe daran gewesen sei, ihr Rathaus zu verkaufen, und der größte Teil anderer Gemeinden sich in ähnlicher Loge befänden, dann beleuchte dos Schwierigkeiten, denen die freien Gewerkschaftsvertreter Rech- nung zu tragen hätten. Wir alle, so schloß Brey, wünschen den Aufstieg der Arbeiter- klasse. Wir sehen in der Aktion Hoovcrs und der Engländer einen Lichtblick. In gewissen Zeiten ist Hille und Kreditgewährung für die Wirtschast gleichbedeutend mit Arbeits- bcschaffung. Der Aufstieg der Arbeiterklasse ist nicht das Werk von Verzweiflungstoten, sondern einer vernünftigen Entwicklung. Der wahre klassenkäwpfer ist der, der seiner Organisation die Treue wahrt und für deren Geschlossenheit kämpft.(Lebhafter Beifall.) Der Vorsitzende des Keramischen Bundes, G r ü n z e l, erörterte die besonderen Wirtschoftsverhältnisse in den Gruppen Grob- keramik, Glas und Feinkeramik, die unter der Krise ganz außerordentlich zu leiden haben. Am härtesten sind die Z i e g- l e r betroffen, die in Ostpreußen nicht weniger als 90 Proz. Arbeitslose zählen. Grünzel bezeichnet die Zusammenarbeit der Keromi- schen Gruppen mit dem Houptvorstand als ausgezeichnet. Glas- und Porzellonorbeiter fühlen sich wohl im großen Fobrikarbeiterverbond. Die Verschmelzung des Keramischen Bundes mit dem Fabrikarbeiter- verband war angesichts der fortschreitenden Konzentrotion des Kapi- tals wie der Unternehmerschaft dringend notwendig. Ueber die Vermögens Verhältnisse und das Or- ganifationsleben des Verbandes berichtete der Hauptkasficrer Röhl er.(Wir hoben darüber in Nr. 285 des„Vorworts" einen Artikel gebrocht. D. Red.) Ende des Jahres 1930 wies der Verband ein Vermögen von 14 260 929 Mark aus. Die Mit- gliederzahl betrug zu Jahresbeginn 441 427. doch ist sie seit Ein- setzen der Krise um rund 10 Proz. gesunken, eine Ziffer, die noch durchaus als günstig angesehen werden muß. Seit der Stobi- lisierung der Währung wurden 2 9 Millionen Mark an Unter- stlltzungen hauptsächlich für Arbeitslose und kranke Mitglieder, aus- gegeben Heut« ist äußer st e Sparsamkeit notwendig, sagte Genosse Rößler, Der Verband darf sich durch die Krise nicht finan- ziell erschöpfen, denn nach der Krise gilt es, den Mitgliedern wieder da? zurückzuerobern, was man heute opfern muß. Mit stolzer Genugtuung konstatierte Rößler am Schluß seines Berichtes, daß olle Bestrebungen der Kommunisten, Faschisten und Unternehmer, den Verband in der Krise schachmatt zu machen, er- folglos blieben und bleiben. Der„Arbeitsdienst". Einiges zu seiner Geschichte. Am heutig«» D>-»»t«a erfolgt riu« Bcsprrchu»» tx» Prgsttxgt«» txr rZ«i». dar Iungdeutfch« Orde», txr Saritaoverbaxd,»«ichabaanrr,?rb«>t«ri»«tzl- fahrt, llurowrium für«rbritodicast, Boltabuad für Arb«it»t»>e»ft, Strich». orbeit�eumiuschaft für Arbc>t»«»irnst,flicht ufw. In den nächsten Wochen und Monaten gilt es einen der schwersten Angrisse auf die Rechte der organisierten Arbeiterschaft abzuwehren. Die Hilsstruppen de- Großkapitals, die„voterländi- schen Verbände", versuchen im Auftrage ihrer Geldgeber und mit Hilfe der politischen Parteien bis zur Wirtschaftspartei eine Strcik- schutz- und Lohndrückergarde auf Staatskosten aufzuziehen. „Freiwilliger Arbeitsdienst" und„Arbeilsdicnslpflichl" sind die Stichworte, unter deren Flagge besonders den Jugendlichen viel versprochen wird, im übrigen aber dunkle politische Geschäfte und politischer Gimpelfang getrieben werden. Der Kampf um die„P f l i ch t a r b« i t" ist so alt wie der Kwnpf um das Arbeitslosenversicherung-recht. Die Sozialdemokra- ti« wallte schon 1925— 1927 das ganze Arbeislosenversicherungsgejetz scheitern lassen, wenn die Auszahlung der Arbeitslosenunterstützung von einer Pflichtarbcitsleistung abhängig gemacht werden sollte. Durch den Druck der Sozialdemokratie wurde eine Fassung dos fraglichen§ 91 des Arbeitslosenoersicherunrsgesetzes gemählt, wonach Pflichtarbeit nur für Jugendlich« und Krisen- »inter stützte und auch nur mit Zweidrittelmehrheit des Derwaltungsousschusses des zuständigen Arbeitsamtes angeordnet werden konnte. Da die Behördcnvertreter darüber nicht orit abstimmen dursten, mußte also mindestens ein Teil der ort- lichen Arbeitnehmervertrcter mit für die Ausführung der Pflicht- arbeit stimmen. Tatsrckzc ist, daß solange die Sicherungen Ke- ßtanden. kein christlicher oder gelber Arbeitnehmervertreter den Mut aufgebracht hat, in dem Orte, wo er bekannt yt und wo seine Etimmabgabe für Pflichtarbeit bekannt werden mußte, für Ein- Mchtung einer Pflichtarbeit jemals gestimmt hat. Die Regierune Brüning hat dann in der Iuli-Rotverordnung Hm Jahre 1930 alle diese Sicherungen beseitigt ■'■j.V.' ft'-~'* y i'iiÄ-----..------... und die Beskinimung zur Pflichtarbeit auf den jeweiligen Arbeits. amtsdirektor übertragen. Anlaß dazu war ein Antrag der Wirt- fchoftspartei im Reichstag, die die Not der Arbeitslosen zur Ein- führung einer Arbeitsdienftpfiicht benutzen wollt«. Der Antrag sieht schwere Gefängnisstrafen und Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte bei Nerweigerune. oder Aufforderung zur Verweigerung des Arbeitsdienstes vor. Jeder Deutsche bis zu 25 Jahren soll ver- pflichtet sein, bei Kasernierung für 50 Pfennig täglich«in Arbeits- dienftpftichtjahr abzudienen. Aus der Strafandrohung für Aufforderung zur Verweigerung des Arbeitsdienstes mit entehrenden Strafen ergibt sich am deut- lichften die Tendenz: Kampf gegen die Gewerkschaftsführer und Gc- werkschaften mit Hilfe des Strafgesetzbuches und der Staatsgewalt. Mussolinis Weg! Di«„Vaterländischen" und auch Herr Hitler witterten Morgenluft. Dienstpflicht und Kampf gegen die verhaßten Gewerk- fchaften waren Momente, die sie sich für ihre skrupellos« und dema- gogische Agitation nicht entgehen lassen dursten. Hitler ließ ein ganzes Buch.Arbeitsdienstjahr statt Arbeitslosenwirrwar" schreiben, die übrigen nationalen Verbände verlangten in Parlamenten und Presse teils verschleiert die Einführung eines„freiwilligen Arbeits- dienst«-", teils auch ganz offen die.Arbeitsdienstpflicht" als Allheilmittel gegen die Arbeit». losigkett. Im Spätherbst 1930 war im Retchsorbeitsminifterillm ein« Konfe- reirz, bei der die Einführung eines freiwilligen Arbeitsdienstes oder einer Arbeitsdienstpflicht zur Debatte stand. Sämtliche Fachleute, und aw ihrer Spitze der Präsident der Reichsanstalt, Dr. Syrup, lehnten alle Borschläge als unsinnig und finanziell untragbar ob. Um so mehr erstaunt war die Oesfentlrchkeit, als die Not- Verordnung oll« diese obgetaneo„Ollen Kamellen" zu einem Besland- leil de, Arbeitslosen versicherungsgesehcs machte. Arbeitsdienst- Pflicht für oll« Unterstützungsempfänger ist mit das wesentlichste, mos uns durch die Notverordnung beschert wurde. Alle, aber vest- los alle einschränkenden Bestimmungen zum Schutze des freien Ar- beitsmarktes sind gefallen., Offenbar will ja das Unternehmertum nichts anderes, als mit Hjlfe seiner Söldlinge, den„Baterländischen" aller Schattierungen, sich einen Stoßtrupp hcranzüchten auf Kosten des Reiches, der mit Hilfe van Gesetz und Staatsgewalt jeder Lohn- und Streikbewegung der Arbeiterschaft in den Rücken fallt. Das scheint der Sinn und Zweck de»„frefwilligen" und Zwongsarbeitsdienstes und nicht etwa Hitse für die Arbeitslosen. Für oiese Volksbeglücker ist es ziemlich gleichgültig, wenn durch die Einführung des Arbeitsdienstes noch mehr Arbeiter auf die Straße fliegen und der Arbeitsworkt noch mehr belastet wird, die Haupffoche ist, daß sie ihr Ziel erreichen, die Auswertungsmöglichkeit der Rechte der Arbeiterschaft zu ver- hindern. Die freien Gewerkschaften und mit ihnen die Sozialdemokra- tische Partei werden sich mit aller Kraft dagegen wenden, daß ein großer Teil der Arbeiterschaft, der durch die kapitalistische Wirl- fchaslsordnung zur Arbeitslosigkeit verurteilt ist. nun auch noch dafür gestraft werden soll durch Slräslingsarbeit, bei Verlust aller Rechte zum Schuhe seiner Arbeitskrkaft. U.U. Wahlen im Verband der Schuhmacher. Am Mittwoch finden in der Berliner Zahlstelle des Zentraloer- bandes der Schuhmacher die Delegiertenwahlen zum Gewerkschofts- kongreß in Frankfurt a. M. und zum Internationalen Kongreß der Schuh- und Lederarbeiter in Prag statt. Die Stimmzettel enthalten jedesmal zwei Nomen. Wir empfehlen aus beiden Zetteln den Namen Zoller zu streichen und für den Gcwerkschastskon- grcß in Frankfurt o. M. den Genossen Wcisc-Drcsden und für den Internationalen Kongreß der Sehuh- und Lederarbeiter den Genossen K l e i n- B e r l i n zu wählen. Folgende Wahllokale hat die Zahlstelle eingerichtet: Gewerkschaftshaus, Engel- ufer 24, Zimmer 1, von 9 bis 13 und von 15 bis 18 Uhr: NO.. Weberstr. 5 bei Boß, von 16 bis 18 Uhr: N., Schlegelstr. 9 bei Petran, von 161? bis 19 Uhr: Britz. Iohnstr. 38. Kantine Reh u. Prädel, von 16 bis 1714 Uhr. Zur Wahl ist dos Mitgliedsbuch vor- zulegen. Soweit es möglich ist, bitten wir, in den Betrieben auf die Wahl aufmerksam zu machen und die Belegschaften darauf hinzu- weisen, daß Zoller, der sich jetzt zum Leninbund rechnet, als geeig- neter Vertreter der Berliner Schuhmacher nicht in Frage kommen kann. Vor Tarifverhandlungen bei Nordwest. Metallarbeiterverbände gegen jede Lohnveefchlechierung. 3n der Eisenindustrie Nordwest haben die Metallarbeiter. verbände in einer Aorberatung für die kommenden Tarisverhand- lungen sich dahin geeinigt, in der Lohnsragc jede Verschlechterung des Tarifs abzulehnen und in der Arbeitszeiffragc die Forderung auf Einführung der 46- Stnnden-Moche(Beseitigung der Sonntags- arbeit usw.) zu erheben. Unabhängig davon gehl die Bewegung zur Einführung der 40. Stunden- Mache. Am Dienstag werden die ver- Handlungen der Regierung mit den Spitzenverbäuden weitergeführt. Die Arbeiiskammer im Vnhrbergbau. Neuwahl am Donnerstag. Am kommenden Donnerstag wird die Neuwahl der Arbeits- kommer für den Ruhrbergbau vorgenommen. Sie hat für die Ruhr- bergarbeiter große Bedeutung. Die Arbeitskammer wirkt durch Aus» künfte, Gutachten und Anträge an der Beeinflusiung de» Bergbaus durch das Reich mit. Ebenso hat sie über die Sicherheit des Gruben- baus und die Einrichtungen de» Betriebs im Interesse der persön- lichen Sicherheit zu erstatten über Ersaß von Vorschriften auf Grund auch Gutachten zu erstatten über Erlaß von Borschristen auf Grund des Berggesetzes und der Bergpolizeiverordnungen zum Schutz von Leben und Gesundheit der Bergarbeiter. Bei der letzten Arbeitskammerwahl haben drei D i sr t el aller Wähler mit der Vertretung ihrer Interessen die freien Gewerkschaften beauftragt. Diese haben sich, des in sie gs» setzten Vertrauens vollauf würdig erwiese«. Proteste gegen die Notverordnung au» den«tnzeluen Betrieben können wir schon ollein aus Raummangel nicht bringen. Nach den Protesten der«pitzenorganisationen wie noch ollen Erörterungen über die Notoerordnung darf als Tatsache gelten, daß es weder in Berlin noch sonstwo in Deutschland auch wir«inen Betrieb gibt, dessen Arbeiter- und Angestelltenschast mit der Not- Verordnung irgendwie einverstanden wäre und nicht dagegen pro- testierte. Red. d. 53._ Gewerkfchafis-Lugend Verlin t!__ Heut«, ISVi XIV, tonen t>i« ffl-mmn-n:«dlershof- Gruvpnchmm«dlrrs. hok, Bistnarckskrah« X. Dir brluchrn Srupv« SchönewriV.— Schtlnc- roeide: Iusrndih. RieterschSneweidr, BerXintr Str. ZX tMSdchenIchulc im fltCkr).«chlichUtNgswrskn urrti Streifet dp.— Poxkvw: Zugrnichrim SXtffingtn. (trflBc Siirnntr 5. H«imf>tfpt*d)imp.—«S«»>rrllchaltiha»»: Engelufrr 24(25, 6ao[ II. Hrimb-sprechunp. B- r ba n dsduchlo ntrellt. wir singen neue Lirdrr.— Wrtbi»»- Zügen dh» NN WilSenvwstraKr 5, 2 Treppen, zinuner IX. Heim, j Vtprcchunq und Liederabend.— Reu-Lichte-ber«: Zugendbeim Sunterstroht 44. 3u un, kommt Wolter Feige.— Zranffuetee«nee.- Stüitifdtrs Zugenbdeim, EihniftfltflV 18 Heimbesprechung.— Lichtenbergs Zm Zugendbeirn Tasse. strgße 22. peinrdesprechung.- Oftende: Zm Zugentchelm ffotlsfiorst, Trezfow. Allee« fßontfdMiX». schon ob IS Übe Tie«euppe tagt draußen.- Treptow: ödmlt Dildenbrnchstraße öS— 54(Hdttjimnwr), Zugang Graeßsfraße. Heim- besprechung— Singsang. .�uqendgruppe des ZentraltxrbandeS btr Angestellten Heute finden folgende BeeanstaXtungen statt: Lichtenberg: Vir besuchen die Zierfammlung de? Verbebezirk?�— Rordmest: Zuarndbern, Vhrtet Straße ISfXS. varfeag:„Tie neue Satnernttmung", Srf. Trrfom.- y ten: Dir besuchen die Bersommlung dez W-rbebezirk,.— Der Sprech, und' Be. weguagachar itbt ab 20 Xtbr in der Turnballe Barutlber Straße 20... Spiele im Freie» ab XL Übe auf dem Eportplaß Tiergarte», im Schillerpark und auf«er Wies« 7 im Treptower Part. Berantwortlich für PoNtif:«ietor Schilf: Birts-baft:«lingelbiiser: Tewerkschaltsbeweguna: ffriebt, eßlarn; Feuilleton: De. Zod» Schilowsti: Lokales und Sonstiges: Fritz ftarftübt: Än, eigen: Zh.«locke: samtlich in Berlin. Zerlag: Vorwärts-Berlag S M. b. H.. Berlin. Druck: Borwätls-Buchdrucketet und Berlagsonstalt Paul Sinoer u. To.. Berlin SW 68, Lindenstraßr S Hier,» 2 Beilage». Q MA(3(3IS Würze MA GGIS Erzeug n MA(3<3IS Suppen 1 Würfel für 2 Teller-HA Pfn - 28 verschiedene Sorten-I" MMW Fleischbrühe 5 18 wü. aber in Qualität unverändert