BERLIN Sienstag 7. Zu« 1931 10 Pf. Nr. 312 B 156 48. Jahrgang ErfchtinttSglich außerSonntag«. Zugleich Abendau«gabe des.Vorwärts". Bezugspreis beide Ausgaben 8S Pf. proWoche, 3,6<)M. pro Monat. Redaktion und Expedition: BerlinSW68,Lindenstr.3 Fernsprecher: Dönhoff(A 7> 292— 297 Anzeigenpreis: Die einspaltige Nonpareillezeilt 8o Pf., Reklamezeile 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. Poßscheckkonto: VorwdrtS-'Verlag G.m.b.H.. Berlin Nr. 37 536.— Der Verlag behält sich das Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor! Naziminister Kränzen kneist Er will seine sichere Verurteilung wegen Begünstigung verschleppen Nachdem der erste Termin gegen den braunschweigi- sehen Staatsminister Tr. F ranzen wegen Be- günstigung in der bekannten Angelegenheit des Land- Wirtes Guth, der auf den 27. Juni anberaumt gewesen war, vertagt werden muhte, weil der Verteidiger des Ministers erkrankt war, wird nun aller Wahrscheinlich- Wiederbelebung Stalin:„Schädlinge wieder mitmachen!- Wer sich tot stellt, wird erschossen!" keit nach der Franzen-Prozeh auch ain kommenden Tonn- abend, auf den er erneut angesetzt wurde, nicht statt- finden. Wie verlautet, hat Staatsminister Tr. Franzen diesmal seinerseits um die Vertagung ge- beten. Tas Gericht hat zwar noch keine Stellung dazu genommen, aber Herr Jranzen läßt einfach mitteilen, daß er auf keinen Fall erscheinen würde. Wir verzeichnen den Skandal, daß ein Minister eines deutschen Landes, der eines Vergehens»uegen angeklagt ist, auf das Recht pfeift und sich vor der sicheren Be- strafung drückt. Hakenkreuzsührer verhafiet. Geschästsstelle polizeilich beseht. Siel, 7. Zuli. Der Orlsgruppenleiler der NSDAP, in Siel. S u n k e l. wurde heule früh in seiner Wohnung verhastet. Anschliehend wurde die Geschästsstelle der Ortsgruppe Siel der NSDAP, beseht und die Räume wurden versiegelt, lleber die Gründe dieser polizeilichen Maßnahme ist bisher nichts bekannt. Wie zu der gemeldeten Haussuchung in den Räumen der Kieler Geschästsstelle der NSDAP, noch gemeldet wird, dauert die Sichtung des vorgefundenen Materials durch die Polizei noch an. Bei der Schließung der Geschäftsstelle handelt es sich vorläufig nur um eine vorbeugende Maßnahme, die der Erleichterung der Haussuchung dient. Außer dem Ortsgnippcnleiter der NSDAP. sind noch etwa sechs weitere Verhaftungen vorge- lwmmen worden. Die Verhafteten werden im Augenblick ver- zwmmen. Ueber die Gründe der Mahnahme kann im Interesse der Ruter suchung noch keine Auskunft gegeben werden. Erzgebirge im Llnwetter Lohanngeorgenstadt und Schwarzenberg schwer heimgesucht Chemnitz, 7. Juli.(Eigenbericht.) Das westliche Erzgebirge wurde am Montag- abend von einem schweren Wolkenbruch heim- gesucht. Vor allem wurden die Ortschaften zwischen Johanngeorgen st adt und Schwarzenberg sowie diese Städte selber betroffen. Besonders stark sind die Ortschaften Breitenbach, Erla und Antonstal in Mit- leidenschaft gezogen worden. Zahlreiche Brücken wurden weggeschwemmt. Ein Teil der Straßen ist unterspült. Tas gleiche gilt von einem Teil der Eisenbahndämme. Der Schaden ist bisher noch nicht zu übersehen. Johanngeorgenstadl(Sachs. Erzgebirge), 7. Juli. Am ZNonlagnachmillag entlud sich über der hiesigen Gegend ei« außerordentlich schweres Unwetter, das von einem wolkenbrucharligen Regen begleitet wurde. Die Räche vermochten die riesigen wassermengen, die Drücken und Häuser wegrissen, nicht zu fassen und die sonst so ruhige Schwarzwasser wurde ein reihender Fluß. Das w i t t a g s t a l und das Lehmgrundtal bildeten einen einzigen See. 3m Lehmer Grund wurde dos Haus des Arbeiters hänel weggerissen, wobei der Resiher unter den Trümmern seines einstürzenden Hauses begraben wurde. Seine Kinder werden vermißt. Ob sie ebenfalls ein Opfer der Fluten geworden sind, steht noch nicht fest. Der ganze Eisenbahnverkehr ist infolge Dammrutsches lahmgelegt. Die Stadt ist ohne Licht. Telephon- und Telegraphenleitungen sind stark beschädigt. Schwarzenberg(Sachsen) 7. 3uli. Die Stadt Schwarzenberg wurde am Rlontag von einem Hochwasser heimgesucht, wie es wohl im gesamten Erzgebirge noch nicht zu verzeichnen war, und das die gewaltigen Naturkatastrophen von 1907 und 1395 in den Schatten stellt. Die Eisenbahnlinie Schwarzenberg— Johanngeorgenstadt wurde vom Wasser unterspült. Die Züge blieben aus der Strecke stehen. Die Wasser- Massen wälzterz, sich in einer Rreite von etwa 60 Metern durch das Tal, wobei die hohen llfermauern keinerlei Hindernis bildeten. Die Stoßkraft des Wassers war so stark, daß ein mächtiges Holzlager weggeschwemmt und das wertvolle Maschinenmaterial vernichtet wurde. Dos Wasser stand in den Arbeitsräumen des Sauerstoff-Wasserstofs-Werkes meterhoch. 3m unteren Stadtteil wurde das Strahenpflaster aufgerissen und das Wasser drang meterhoch ein. Die Feuerwehr mußte Personen aus ihrer schlimmen Lage befreien. Der angerichtete Schaden ist noch nicht abzuschätzen. Das Wasser stieg immer weiter und mit unheimlicher Gewalt suchte sich das über die Ufer getretene Element seinen weg. Jetzt kommt die Konferenz Zur Ausarbeitung der Cinzelheiien/ Kranzösische Garantieforderungen Paris, 7. 3u(l(Eigenbericht.) Die französische Regierung wird bereits heule oder morgen eine Konferenz zur Verständigung über die Durchführungsmodaliläten einberufen. An der Konserenz werden Deutschland und seine Haupt- gläubiger teilnehmen. Laoal übergab der Presse gestern um Mitternacht eine Er- klärung über die Bedeutung des Abkommens, in der es u. a. heißt: „Wir haben eine wichtige Entscheidung getroffen, die«in hartes Opfer für unser Land bedeutet. Amerika wind verstehen, daß die Regierung die französisch-amerikanische Solidarität hat auf- rechterhalten wollen: denn sie ist eine Vorbedingung für die inter- national« Zusammenarbeit, welche niehr als je für den Frieden not- wendig ist. Die Regierung hat das geheiligte Recht Frank- r e i ch s auf die Reparationen nicht verjähren lassen. Wenn das Abkommen das Vertrauen in der Welt wieder belebt, wird unsere Geste nicht nutzlos gewesen sein. Und wenn man in D«utsch. land die Tragweite und denn Sinn unserer edelmütigen Haltung oersteht, wird eine- n«ue Acra für die beiden Völker beginnen." Das Abkommen wird von der französischen Presse im allge- meinen günstig aufgenommen. Nur einige nationalistische Blätter kritisieren es mehr oder minder scharf. Selbst das rechtsstehende .Lournal" erklärt:„So schwer auch die von Frankreich bewilligten Opser sind, werden wir sie nicht zu bereuen haben, wenn die Geste des Präsidenten Hoooer das vorgesetzte Ziel erreicht: die allgemeine Wiederaufrichtung der Welt und die Sanierung Deutschlands." Das „Echo de Paris" wagt dagegen kaum von einem Kompromiß zu sprechen, denn Frankreich habe 89 Proz. der Forderungen Hoooers bewilligt und trotzdem hätten die französischen Minister noch bis gestern abend einen Abbruch der Verhandlungen befürchtet. Der„Figaro" spricht von einseitigen Opfern Frankreichs, von einer Verstümmelung des Bildes in dem für unantastbar er- klärten Rahmen des Poung-Plans usw. Die gesamte Presse erklärt aber, daß mit diesem Abkommen erst der Anfang gemacht sei. Die Bedingungen für die Rettung Deutschlands seien nicht nur finanztechnischer, sondern noch mehr politischer Art. Deutsch- land müsse die notwendigen Maßnahmen ergreifen, um das Ver- trauen in der Welt zu stärken. Reichskanzler Brüning müsse die gegenüber der amerikanischen Regierung abgegebenen Versicherungen gegenüber der französischen Regierung wiederholen und sie durch direkte und präzise politische und militärische Ga- rantien ergänzen. „Oeuvre" und„Echo de Paris" kündigen an, daß außer der Konferenz der Sachverständigen über das Sachlieserungsprogramm eine Konferenz der Delegierten der Signatarmitchte des Poung- Planes stattfinden werde, auf der sich Gelegenheit zu einem fach- lichen Meinungsaustausch mit Deutschland bieten werde. Das Wichtigste sei, daß Deutschland ohne Umschweife die Ver- sicherungen gegenüber Frankreich wiederhole, die es soeben erst gegenüber der amerikanischen Regierung abgegeben habe. Deutschland müsse vor allem verstehe», daß, wenn Frank- reich um die Unterlassung von abenteuerlichen Maßnahmen, wie die- jenige des deutsch-österreichischen Anschlusses oder militärischen Kundgebungen bitte, dies keineswegs eine Schikaniererei bedeute, noch eine Beschränkung der freien Meinung«- äußerung. Es bedeute lediglich, daß zwei Arten von Politik nicht möglich seien. Ein großes geschlagenes Volt könne zweierlei wünschen, entweder sich zu rächen oder sich im Einvernehmen mit seinem Gegner wieder zu erholen. Niemals aber beides auf einmal. Es sei absolut unzulässig, Revanchegefühle zu unterhalten und zu gleicher Zeit ausländisches Kapital um ein Moratorium an- zurufen. Die Reichsregierung wird heute voraussichtlich ehre amtliche Verlautbarung herausgeben, in der sie dem amerikanischen Staats- Präsidenten für sein Eingreifen in das europäische Wirtschaftschoos dankt und in Anbetracht der schwierigen finanziellen Situation, in der wir uns zur Zeit wieder einmal befinden, der Hoffnung Aus- druck gibt, daß Deutschland nunmehr langfristige Kredite zur Verfügung gestellt werden. Moskau und die pariser Einigung. Moekau, 7. Juli. Die offiziösen„Jswestija" schreiben, der Vorschlag Hoovers habe „ungezügelte Hoffnungen" bei der deutschen Bourgeoisie hervorgerufen, die bereits das Ende der Reparationen für gekommen sah. Zweifellos könne der Hoover-Plan den ersten Schritt zu einer Acnderung der amerikanischen Politik aus dem Gebiete der Kriegs- schulden darstellen. Der amerikanische Imperialismus sei in eine Sackgasse geraten. Es sei möglich, daß Amerika zu der Ueberzeugung gelange, daß es vorteilhafter sei, die Schulden zu st reichen. als seine.Absatzmärke zu ruiuieren. Bisher seien Em Aufruf der Reichsregierung Das Keierjahr zum Wiederausbau der Weliwirischast Zum Abschluß der pariser Verhandlungen erklärl die Reichsregierung: Die weilschauende und slaalsmännische Iniliakive des präst- denlen hoover wurde von Erfolg gekrönt. Die seelische Entlastung und die Hoffnung auf Wirtschaftsbesserung, die dieses Ergebnis mit sich bringt, löst allseits freundschaftliche und freudige Gefühle aus. Der Entschluß zu raschem und durchgreifendem handeln eröffnet weitgehende Möglichkeiten zu einer Wieder- gesundung der Welt. Das deutsche Volk ist sich darüber klar, daß die endgültige Durchführung des hoover-plans ihm als dem Schwerftbelafteten die verhältnismäßig stärkste Erleichterung bringen wird. Die Einigung über das Zeierjohr konnte nur durch Verständnis- volle Mitwirkung aller veleiliglen erreicht werden, von denen einige Staaten eine Vergrößerung eigener Schwierigkeiten und erhebliche Unbequemlichkeiten im Interesse der Gesamtlösung avf sich nehmen muhten. Der hochherzige Verzicht de« amerikanischen Volkes hat jedoch ein begrüßenswertes Echo ausgelöst, wir erkennen dank- bor an, daß in der Stunde schwerster wirtschaftlicher Gefahr Deutschland dieses Verständnis für feine Lage gefunden hat. Deutschland ist auch nach Eintritt des Feierjahre» keineswegs seiner wirtschaftlichen und finanziellen Rote überhoben. Es kann die ihm verbleibenden Mittel nicht benuhen. um die Opfer, die die Regierung der Bevölkerung hol zumulen müssen, bei aller Milderung gewisser Härten herabzusehen. Es darf nicht in seinen Anstrengungen zu sparen nachlassen. Die gesamten Erleichterungen, die der Hoover-Plan Deutschland bringen wird, werden zur Konsolidierung der össent- lichen Finanzen restlos benötigt und verwendet werden: die hierdurch eintretende Erleichterung des Geld- und Kreditmarktes muß der deutschen Wirtschast zugute kommen. Eine Erhöhung irgendwelcher Ausgaben des Reiches, aus welchem Gebiete auch immer, ist während de» Feierjahres n i ch t m ö g l i ch. Darüber hat der Herr Reichskanzler der amerikanischen Regierung eine ein- deulige Erklärung abgegeben. Das hoooer-Zahr soll der Wiederherstellung der deutschen Wirtschaft und darüber hinaus der wirtschaftlichen Er- holung der Well dienen. Soll sich die Hoffnung verwirklichen, daß in der gesehlen Zeit dieses Ziel erreicht wird, so ist eine engere Zusammenarbeit der Völker erforderlich. Die nächsten Monate werden Gelegenheit zu solcher Zusammenarbeit bieten. Die Heilung der Wunden dieser Krise und die Vorsorge gegen den Wieder- eintritt ähnlicher Weltkalaslrophen müssen das gemeinsame Ziel sein, von dem sich die Staatsmänner und die Völker bei der Lösung der noch größeren Aufgaben des kommenden Zahres leiten lassen. Die letzte Fahrt Lteberfühning des ermordeten Schupo Kuhfeld nach Pankow Vom Leichenschauhous in der Hannoverschen Straße sind heute früh die sterbli6)en Ueberreste unseres von Kommunisten heimtückisch ermordeten Genossen, des Schupooberwachtmeisters Emil K u h f e l d, nach der Halle des Pankower Gemeindefried- Hofes übergeführt worden. Gegen 8 Uhr früh oersammeln sich die dienstfreien Kameraden des Erschostenen, mehrere Gruppenkommandos mit ihren Offizieren treten an, ein langer Zug formiert sich. Brennend heiß durchglüht die Sonne den Asphalt. Langsam setzt sich der Trauerkondukt, von schwarzoerhangten Pferden gezogen, in Bewegung. Eine Gruppe berittene Schupo setzt sich an die Spitze, Trauermusik ertönt, der tote Kamerad wird, von über tausend Kameraden begleitet, zum stillen Gräberhain in Pankow hinausgebracht. Ueberaus stark ist auch die Teilnahme des Publikums. Zu beiden Seiten der Straßen stehen dichte Menschenspaliere. Ernst und Trauer liegen auf den Mienen derer, die dem Toten, der i m Dienste der Republik fiel, das letzte Geleit geben. Der Riesenzug ist aber auch gleichzeitig eine eindrucksvolle Demonstration gegen den unheilvollen Straßenterror von links und rechts. Fast zwei Stunden braucht der Trauerzug bis nach Pankow. Vor dem Haufe Maximilian st raße 12», in dem die Mutter des Erschossenen wohnt, wird ein kurzer Halt gemacht. Die schmerz- gebeugte alle Frau, umgeben von ihren Aiegehörigen, steht auf der Straße vor dem Hause, als der Wagen mit dem toten Sohn vorüberfährt. So verharrt die Schwergeprüfte, bis der letzte Schupo vorüber ist. Die furchtbare Stunde des Abschieds für immer steht der armen Mutter noch bevor. jedoch auf diesem Gebiet nur„Anzeichen einer Tendenz" festzustellen. Aber selbst wenn Amerika die Schulden streichen sollte, würde dies keineswegs bedeuten, daß Frankreich seinerseits auf die Reparationen verzichten würde. Die Pariser Einigung bedeute die Kapitulation Amerikas vor Frankreich. Dieser Sieg Frankreichs überschatte bereits jetzt die bevorstehenden deutsch-französischen Besprechungen. Diese Besprechungen werden im Zeichen des Kampfes um jede fran- zösische Position stehen und es sei wenig wahrscheinlich, daß sie zu einer wesentlichen deutsch-französischen Einigung führen würden. Die Verhandlungen über den Hoover-Plan hätten noch einmal die Un- fähigkeit der kapitalistischen Welt gezeigt, großzügige gegen- revolutionäre Pläne zu verwirklichen. Die gesamte Weltbourgeoisie sei für eine Einheitsfront gegen den Kommunismus, wenn aber die Rede auf die Opfer komme, die für diese Einheitsfront gebracht werden müssen, dann wolle jeder Teil der Weltbourgeoisie, daß diese Opfer von anderen gebracht würden. Die produktiven Kräfte seien dem Kapitalismus über den Kopf gewochsen und fordern seinen Tod. Die Logik der Weltgeschichte gestatte keinen anderen Ausweg. Kongreß wird zustimmen. Washington, 7. Iuli.(Eigenbericht.) Der amerikanische Staatspräsident erklärte nach dem Abschluß der Pariser Verhandlungen, daß der Tell de» Poung-Vlane». der Amerika direkt angehe, dem Kongreß zur Ratifizierung vor- gelegt werde. An seiner Annahme bestehe jedoch kein Zweifel. Börse stark beruhigt. Devisenanforderungen erheblich geringer. Der positive Abschluß der Pariser Verhandlungen und das In- krasttreten des Hoover-Plans haben nach den Aufregungen der letzten Tage an der Heuligen Börse eine erhebliche Beruhigung eintreten lassen. Diese wurde börsentechnisch im wesentlichen dadurch gefördert, daß die B a i s s i e r s. die gestern in größerem Umfang Leerverkäufe getätigt hatten, in den Vormittagsstunden bereits st ä r- kere Deckungen vornehmen mußten. So waren die Kurse im Freiverkehr durchweg b e f e st i g t, unter anderem wurden I. G. Farben mit 132 gegen 130 und Siemens mit 152 Proz. genannt. Da diesen Deckungskäufen ober der Rückholt des Publikumsbedarfs fehlte, zeitweise sogar größere Abgaben einer Großbank beobachtet wurden, waren die Aktien-Kurse verschiedentlich wieder rückgängig. So gingen I. G. Farben nach 134% wieder auf 132K Proz. zurück, Siemens von 155 auf 152% und Kaliwerke Salzdethfurt, die mit 192 gegen 183 sehr stark befestigt waren, verloren später einen Punkt. Immerhin wurden die gestrigen Kurse in verschiedenen Fällen wesentlich überschritten. Der Geldmarkt war nach wie vor versteift. Tagesgeld kostete wie gestern 8% bis 11 Proz. Die Devisenanforde- r u n g e n haben gegen Montag ganz erheblich nachgelassen und dürften kaum die Hälfte des gestrigen Bedarfs von 80 Millionen erreicht haben. Andere Schätzungen lauten sogar noch bei weitem niedriger, jedoch waren feste Zahlen noch nicht festzustellen. Befriedigung in der Wallstreet. In Wallstreet hat die Nachricht von der Pariser Einigung ficht- liche Befriedigung ausgelöst, wenn man auch nicht oerhehlt, daß durch die Verschleppung der Verhandlungen ein nicht zu unter- schätzender Schaden angerichtet worden ist. Die Absicht der Berliner Golddiskontbank, ihren sei� 1924 nicht mehr benutzten 50-Millionen-Dollar-Kredit für die Reichsbank bei der hiesigen International Acceptance-Bank, vielleicht sogar in voller Höhe in Anspruch zu nehmen, gilt der Wallstreet als klarer Beweis dafür, wie schwierig die Lage der Reichsbank in den letzten Tagen wieder geworden ist. In Bankkreisen ist man auch völlig davon überzeugt, daß der am 16. Juli fällig werdende 100-Millionen>Dollar-Kredit e r n e u e r t werden muß. Rachiwächier als Llnglücksschühe. Oer Nauener Todesfall aufgeklärt. In Nauen wurde, wie erinnerlich, vor einigen Tagen in den Morgenstunden der 17% Jahre alte Sohn Herbert des Acker- bürgers JE empelhagen erschossen aufgefunden. Der junge Mann hatte früh das elterliche Gehöft verlassen, um einen Heuwagen zur Abfahrt bereit zu machen. Man vermutete zunächst, daß er von Holz- oder Geslügeldieben, die er überraschte, getötet worden sei. Kriminalkommissar L i s s i g k e i t, der von Berlin entsandt wurde, ist es gelungen, in der Person des ö0jährig«n Nachtwächters G r e y, der den auf den jungen Tempelhagen abgegebenen Schuß gehört und den Vater benachrichtigt hatte, den eigentlichen Täter zu er- Mitteln. Grey legte unter der Last der Beweise in der Nacht das Geständnis ab, daß er geschossen und den jungen Tempelhagen ge- tötet hat. Die Tat ist als eine Verkettung unglücklicher Umstände anzusehen. Tempclhagcn junior war zweifellos auf der Suche nach Dieben, und der Nachtwächter hat wieder Tempel- Hagen in der Dunkelheit für einen heranschleichenden Spitzbuben gehalten. Er will den Mann auch angerufen haben. Als aber keine Antwort kam, gab er Feuer. Die Aufklärung des Todesfalles, hat in Nauen das allergrößte Aufsehen erregt. Ein Adopiionsdrama vor Gericht. Ein 68 jähriger erstach seinen Adoptivsohn. Am 25. März d. I. stellte sich der 68jährige Rentenempfänger W. im Polizeirevier und erstattete gegen sich selbst Anzeige: Er hat seinen 24jährigen Adoptivsohn mit einem Schlächtermesser erstochen. Heute verantwortet er sich wegen Totschlages vor dem Land- gericht I. Der Angeklagte hat den Typ eines Menschen, der allzu gern das Wirtshaus besucht: er glaubt in Notwehr gehandelt zu haben. Am 25. März hatte W. auf dem Felde gearbeitet, war hinter- her in einem Wirtshaus eingekehrt, gegen Mittag kam er nach Haufe und forderte von der Frau das Sparkassenbuch, um 50 Mark zu erheben, die er zur Ausbesserung seiner Laube benötigte. Er wußte nicht, daß das Geld mit Wissen der Frau vom Sohn bereits vor einem Jahr abgehoben worden war. Die Frau machte Aus- flüchte, der Mann wurde grob und bedrohte sie. Die Frau verließ die Wohnung, der Mann verschloß hinter ihr die Tür und legte sich zu Bett. Bald darauf klopfte es, dann fiel der Schlüssel aus dem Loch, der Angeklagte ergriff das Schlächtermesser, und als der Sohn in der Tür erschien, kam es zur blutigen Katastrophe. Heute will der Angeklagte nicht mehr wissen, wie es überhaupt zum Stich gekommen sei. Major Pabsi wird nach Deutschland zurückkehren, da die öfter- reichische Heimwehr sich gänzlich von ihm zurückgezogen hat. Ein empörendes Ltrteil. Absperrende Reichsbannerleute wegen Landfriedensbruch verurteilt. Alm, 7. Juli.(Eigenbericht.) � Nor dem Schöffengericht Ulm hatten sich mehrere Reichs- bannerleute wegen„schweren Londfriedensbruchs" zu verteidigen. Fünf Reichsbannerleute erhielten je 3 Monate, zwei jugendliche Reichsbannerleute je 3 Wochen Gefängnis mit 3 Jahren Bewährungsfrist. Der Führer der betreffenden Kameradschaft, der die verurteilten Reichsbannerleute angehören, wurde wegen schweren Londfriedensbruchs sogar zu 6 Monaten Gefängnis verurteilt. Das Urteil hat innerhalb der republikanischen Bevölkerung starte Entrüstung ausgelöst. In Ulm veranstaltete eine Kameradschaft des Reichsbanners am 18. März«inen Werbeuirvzug durch die Oststadt. Die Reichsbanner- leute wurden von den Nazis als„Iudenknechte, Barmats, Sklareks" usw. beschimpft. Als zwischen den Nazis und einigen Zivilisten, die über die Schimpfereien empört waren, Schlägereien entstanden, bildeten die Reichsbannerleute eine Sperrkette, um weitere Mißhandlungen Unbeteiligter zu verhüten. Während die provo- zierenden Nazis von den Behörden unbehelligt blieben, erhob die Staatsanwaltschaft gegen ll Reichsbannerlcute Anklage wegen Landfriedensbruchs. Trotz des Hinweises der Ver- teidigung darauf, daß aus der Bildung einer Sperrkette unmöglich ollein die Absicht, Gewalttätigkeiten zu verüben, gefolgert werden könne, kam das Große Schöffengericht in Ulm zu einer Verurteilung von acht Angeklagten. Drei wurden freigesprochen. Ein national- sozialistischer Zeuge, der auf«ine Frage des Verteidigers die Antwort verweigerte, weil er„einem Juden keine Antwort gebe", wurde zu einer Ordnungsstrafe von 20 M. verurteilt. Das Urteil hat mit Recht starke Entrüstung hervor- gerufen. Die Reichsbannerleute hatten sich weder gewalttätig be- nommen noch durch ihr Verhalten zur Verschärfung der Situation beigetragen. Trotzdem wurden sie verurteilt, während man die eigentlichen Rowdys laufen ließ. Aachttermin mii dem„Rachigespenst". Richter»nd Schöffen als Versuchsobjekte. Mil dem Buchdrucker Johann Z a n o s ch k a. der als a ch i• g e s p e n st" die Bewohner Eharlottcnburgs und Wilmersdorfs in Aufregung setzte und dem nicht nur schwere Einbrüche, sondern auch drei Fülle der versuchten Rotzucht zur Last gelegt werden, fand in der Wohnung einer Ucberfalleneo in der Rächt zum Dienstag ein Lokaltermin statt. In erster Instanz war Janoschka mangels Beweises freigesprochen worden, obwohl eine der vergewaltigten Frauen, eine 26jährige Postassistentin, Janoschka bestimmt als den Mann wiederzuerkennen glaubt, der in ihr Zimmer«ingedrungen war. Trotz der objektiven Glaubwürdigkeit der als Zeugin gehörten Postassistentin und trotz schwerster Verdachtsmomente hatte das Ge- richt Bedenken, eine Verurteilung wegen Notzucht auszusprechen, da, wie sich das Schöffengericht ausdrückt,„erfahrungsgemäß in der Nacht gemachte Wahrnehmungen der Ausgangspunkt vieler Fehler- quellen seien." Das war auch der Grund, weswegen die Straf- kammer beim Landgericht III, bei der seit Sonnabend die Berufungsverhandlung stattfindet, beschloh, einen Lokal- termin zur Mitternachtsstunde(n der Wohnung der Ueberfallcnen abzuhalten. Es sollte nur untersucht werden, ob Janoschka bzw. der Täter in dem Moment, als er der Postassistentin durch eine Taschen- lampe mit einer normalen Batterie ins Gesicht leuchtete, von dieser zu erkennen war. Die Tat wurde solgendermaßen rekonstruiert: Zuerst legte sich der Vorsitzende der Strafkammer in das Bett und ließ sich durch einen Referendar mit einer Taschenlaterne blenden, um so persönlich festzustellen, ob ein Erkennen in einem derartigen Moment möglich sei oder nicht. Darauf wurde derselbe Vor- gang nochmals mit den Richtern, den Schöffen, dem Staatsanwalt, dem Verteidiger und den S a ch v e r- ständigen wiederholt. Die Beleuchtung der Wohnung dabei aus- geschaltet. Es wurde dann auch noch festgestellt, ob man das Profil des Täters in dem Moment sehen konnte, als er sich an dem Schloß der Tür zu schaffen machte. Janoschka. von dem Vorsitzenden befragt. was er dazu sage, daß die Zeugin nach wie vor ganz fest behaupte. ihn wiederzuerkennen, erklärte:„Herr Direktor, wenn ich es so gemacht hätte, wie es hier dargestellt wird, dann wäre ich kein Praktiker im Einbrechen gewesen, sondern«in Anfänger." Nachdem sich das Gericht noch die weiteren Oertlichkeiten der Wohnung an- gesehen hatte, wurde der Lokaltermin geschlossen. Das Urteil der Strafkammer gegen Janoschka wird am Dienstag- nachmittag erwartet werden können. Wahnsinnsiai einer Greisin. Wohnung angezündet/ Todesfpruyg ans dem dritten Stock Eine Schreckensszene spielte sich heute früh im Hause Kant st raße 114 in Eharloltenburg ab. Im 3. Stockwerk wohnt dort die 78jährige Witwe Henriette G r o ch o w. Die Greisin bezieht eine kleine Rente, außerdem hatte sie mehrere Zimmer möbliert vermietet.� Gegen 8 Uhr früh hatte Frau G. mit einem ihrer Untermieter Streit. Als die alte Frau einige Zeit später allein in der Wohnung weilte, erlitt sie infolge der Aufregung offenbar einen Wahnsinnsanfall: sie ergriff eine Petroleumkanne, übergoß Betten sowie Möbel mit Petroleum und zündete alles an. Dann eilte die Unglückliche an das offenstehende Fenster und sprang auf die Straße hinab. Passanten bemühten sich sofort um die Schwerverlegte und alarmierten die Feuerwehr, da aus dem Fenster bereits die hellen Flammen herausschlugen. Das Feuer konnte durch das tatkräftige Eingreisen der Wehr verhältnismäßig schnell gelöscht werden. Frau Grochow wurde durch den Rettungsdienst der Feuerwehr ins 5iild«gard-Krantenhaus gebracht, wo sie bald nach der Einlieferung gestorben ist. Wieder drei Personen ertrunken. Nachdem erst am vergangenen Sonntag der starke Badebetrieb in der Umgebung Berlins vier Menschenleben gefordert hatte, sind von gestern abend bis heute vormittag abermals drei Aus- flügler beim Baden ertrunken. Im Langen See, unweit Schmettcrlingshorst, ging der Igjährige Fleischer Willi Ebert aus der Waldenserftraße 12 in Mvabit plötzlich unter. Alle Rettungsversuche blieben vergebens. Am Boll- werk in Heiligensee ertrank heute vormittag ein noch un- bekannter jüngerer Mann. Schließlich wurde das Feuerlöschboot mittags nach T e g e l o r t alarmiert, wo gleichjalls ein Ausflügler beim Schwimmen untergegangen war. England baut belgische Kriegsflugzeuge Kampfflugzeuge mit 350 km. London. 7. Juli. Fünf Fairy Fireflies-Kampfflugzeuge, die als erste Gruppe eines Auftrages von 45 Apparaten für die belgische Luftflotte in England gebaut werden, sind den Bestellern übergeben worden Die Einsitzcr-Kampsflugzcugc, die die schnellsten ihrer Art sein sollen und mit öOO-PZ-Motoren ausgerüstet sind, erreichten bei den Probe- flügen eine Geschwindigkeit von 352 Kilometern und eine Höbe von 7000 Metern.'' 9 00 Neue Schallplatte»» Rundschau/ Von Klaus pringsheim Kammermusik und Lnstrumentalisten. Beginnen wir mit den Spitzenleistungen: Bachs O-Dur-Sonate für Violine und Klavier, gespielt von Adolf Busch und Rudolf Serkin: Beethovens /�-Dur-Sonate für Cello und Klavier, gespielt von Pablo Casal'S und Otto Schulhof(dazu das schope Menuett in O-Dur— nicht C-Dur, wie auf dem Etikett zu lesen ist): und Schuberts herrliches /�-Dur-Duo für Klavier und Violine, gespielt von Sergei Rachmaninoff und Fritz Kreisler. All diese bei C.*), auch in klangtechnisch ausgezeichneter Wiedergabe. Im Adagio aus Schuberts L-Dur-Trio ist die Trio- Vereinigung des Kon- zert-Gebouw- Orchesters zu hören(O.), im berühmten Varia- tionensatz aus dem v-Moll-Streichquartett„Der Tod und das Mäd- chen* das vom Konzertsaal her bestbekannte B r u i n i e r- Quartett (U.). Als wertvolle Spezialität besonders hervorzuheben ist die außerordentlich gelungene Aufnahme von zwei Sätzen(warum nur zwei Sätzen?) aus einer Händel-Sonate für alte Instrumente, Viola da(Samba und Cembalo, die in Rudolf Hindemith und Alice Ehlers meisterliche Vertreter finden(Ho.). Als Solist überragt der Geiger Bronislav Huberman durch großen edlen Ton in Bachs„Air" auf der(Z-Seite(P.) und zeigt, ohne viel Aufhebens zu machen, die verblüffende Künste seines Virtuosen- tums in Sarafates Andalusischer Romanze(O.), Fritz K r e i s l e r spielt in seiner bezaubernden Art und in seiner Bearbeitung kleine Stücke von Dvorak(E.). Stefan Frenke! setzt sein geigerisches Können für Heinz T i e ß e n s charaktervolle Totentanzmelodie und für ein Capriccio von Karol Rathaus ein(Hp.). In Sarafates Zigeunerweisen bewährt sich Henry H o l st, Konzertmeister des Phil- harmonischen Orchesters, als Geiger von hohem Rang(U.). In der Zweiten Ungarischen Rhapsodie von Lrszt, der unzähligemal reprodu- zierten, vermag Alexander Brailowsky bei aller pianistischen Ueberleeenheit nur technisch zu interessieren, fmdet ober in Mendels- sohns ll-Moll-Scherzo ganz den Ton zugleich des eleganten Virtuo. sen und poesie-ersüllten Romantikers(DG.). Dem feinfühligen Pia- nisten Jgnaz Friedmann sind wir dankbar, daß er uns an Mendelssohns einst in aller Welt beliebte, dann jahrzehntelang allzu gering geschätzte„Lieder ohne Worte"— wie da« in seiner Weise klassische„Venezianische Gondellied"— erinnert. Hier war einmal der gute Ursprung schlechter Salonmusik(C.). Oper. Mit„Bajazzo"(Rosette Pampanni in der Rolle der Nedda),„R i g o l e t t o" und„Troubadour" setzt C„ mit„Ca- valleria Rusticana"(Mailänder S c a la- Ensemble) E. die Reihe der Aufnahmen ganzer italienischer Opern in italienisch-vorbildlicher Ausführung fort. In den Höhen italienischer Gesangs- kunft sind wir bei dem immer rvieder unvergleichlichen Aurelians Pertile, ob er das Ständchen aus„Bajazzo" oder eine Arie aus Puccinis„Manon" singt(E.). Wir sind es auch bei Lauri V o l p i und seinem Baritonpartner Giuseppe de Luca in der Schlußszene des dritten Akts„Aida", aber nicht minder bei seiner Partnerin Elisabeth R e t h b« r g, die wie kaum eine andere Künstlerin d-ut- schen Ursprungs«m Milieu und Gesangsstil der italienischen Bel- canto-Oper zu Hause ist(E.). 5zmlich singt sie die beiden Arien der Amelia aus„Maskenball"(E.). Als italienischer Operntenor ist Tino Pattiera im TrmNied aus„Cavalleria" in bester Form (P.). Alfred P i c c a v e r ist nun auch, mit blendendem Stimm- klang, in den bekannten Arien des Calaf aus„Turandot" zu hören (DG.). Michael Bohnen gestaltet Lied und Arie des Iägerburfchen Caspar(„Freischütz") mit mehr Dämonie als musikalischer Genauig- keit(U.). Paul St ö Her bringt Siegmunds Liebeslieo und Schlußgesang aus dem ersten Akt„Walküre" mit heldisch glänzender Stimme zu eindrucksvoller Wirkung(U.). Rudolf Bockelmann, der Bayreucher Hans Sachs, singt bei E. das Schusterlied und die Schlußansprache aus den„Meistersingern"(die leider durch eine ungeschickte Kürzung entstellt wird). Nicht sehr glücklich stellt O. ein kurzes Bruchstück aus der„Walküre"—„Du bist der Lenz"— mit Isoldes Liebestod auf einer Plattenseite zusammen: aber man er- sreut sich an der vollendeten gesanglichen Leistung Lotte L e h- manns und am schönen Klang des von Dr. W e i ß m a n n ge- leiteten Orchesters. Im Monolog der Marschallin(„Rosenkavalier") bestätigt sich Elisabeth Ohms als Künstlerin von Rang und For» mat(DG.). Gitta A! p a r läßt in der Szene und Legende aus der halb vergessenen Oper„Lakme" von Delibes Kopftöne und Kalo- raturen von beträchtlichem Reiz hören(P.). Und Richard Tau» der beglückt sein Publikum als Operettenprinz aus der„Nacht in Venedig"(O.) Lieder und Konzerigefang. Verhältnismäßig selten erscheint das deutsche Lied auf der Schallplatte: unverhältnismäßig selten in Betracht des unerfchöpf- lichen Reichtums der Literatur. Wir hören nun zrvei Meister des Liedvortrags: Heinrich Rehkemper in Hugo Wolfs„Feuer- reiter" und„Storchenbotschajt" mit dem ausgezeichneten Michael Raucheisen am Flügel(DG.): und Paul Bender als Loewe- Interpreten in„Odins Meeresritt" und„Kleiner Haushalt"(U.). Aber just„Die Uhr" und„Tom der Reimer"— für den begabten Liedersänger Paul Wiesendanger hätte sich bei Loewe wohl Wertvolleres, weniger Abgesungenes finden lassen(Ho.). Lotte Lehmann entzückt uns in Schumann-Liedern(O.), Moria O l s z e w s k a enttäuscht ein wenig mit Brahms(E.). In üppiger Fülle entfaltet sich der dunkle Mezzosopran Eva Lieben bergs in Arien von Händel, dessen Largo dem ameri. konischen Tenorbariton Louis Graveure Gelegenheit zu einer technisch phänomenalen Sängerleistung gibt(U.). Prachtvoll, mit dem reich strömenden Klang seines kultivierten Bariton-, singt Heinrich Schlusnus Händels Arioso„Dank sei dir Herr" und Beethovens„Adelaide"(DG.). Für die Hymne von den Himmeln, die des Ewigen Ehre rühmen, sehlt es ihm, ebenso wie dem immer schön singenden Richard Tauber(O.), ein wenig an elementarer Größe. Endlich italiensche Volkslieder— darunter die alte„Santa Lucia"— erscheinen bei A., von Ernesto T o r i n o mit Orchester gesungen. Chöre. Neue Aufnahmen vom Donkosaken- Chor— Dirigent Serge I a r o f f— bringt C.: Volkslieder und Kosakenlieder. Immer wieder ist man gefessell durch diesen Reichtum an Klang- färben und Klangnüoncen, freilich auch an Klangesfekten: und durch die Weite und den jähen Wechsel der dynamischen Kontrast« nicht weniger als durch den bei einem Männerchor unwahrscheinlichsten Stimmumfang, der aus Kontrabaßtiefe bis in Sopranhöhe reicht. Rufsifch-volkstümliche Lieder singt mit dem vortrefflichen Chor der Pariser Russischen Oper der Schaljapin ähnliche M. Gitowsky(Ho.). Und wieder erfreut uns der tschechische Batule-Chor in alten Liedern und Balladen durch den frischen, reinen, gepflegten Klang seiner Kinderstimm«(U.). Auch die Niederdeutsche Sing- und Spiellchar mit ihren Liederspielen, altertümelnd« Bauern« musjt, ländlich, fröhlich, einfältig, wird gewiß Freunde finden(Ho.). Zum Schluß sei noch auf ein paar wertvolle Ausnahmen aus den Bezirken der geistlichen Chormusik hingewiesen: Choräle und Schlußchor aus Bachs Matthäuspasfion(Bruno-Kittel-Chor, DG.): alte Kirchenlieder(Staats- und Domchor, U.) und Stücke aus Händels Messias(E.). *) Abkürzungen: 21.— Adler: C.= Columbia: DG.— Deutsche Grammophon: E.-- Electrola; Ho.— Homocord: O.= Odeon; P.— Parlophon: U.— Ultraphon. Kommunisten kämpfen. Für die Vombenleger- gegen die Volksbühne. Der preußische Iustizminister Dr. Schmidt hat dem k o m- M u n i st i s ch e n Landtagsabgeordneten K e r f f auf dessen Gnaden- gesuch für den faschistischen Bombenleger Claus Heim mitgeteilt, daß er sich zu einer Begnadigung des Heim nicht in der Lage sehe. Darob folgender Wuterguß der„Roten Fahne": Das ist die R a ch e d e r B o u r g e o s i e an denen, die zuch Kolk stehen in seinen Röten,(!!) denen die Befreiung des werktätigen Volkes(!!> höher steht als die„Ruhe und Ordnung" des Systems der Ausbeuter. Aber wir schweigen nicht. In Stadt und Land sind es heute bereits Millionen, die in der Front der Roten Hilfe für die Befreiung aller politischen Gefangenen des Proletariat-, auch sür die Befreiung vonClausHeim stehen. Der Brief des preußischen Justizministers wird von ihnen allen als ein F a u st s ch l a g ins Gesicht empfunden werden. Ihre gerechte Empörung wird sich neuen Massen mitteilen. Die Front wird breiter und tiefer werden. Nun erst recht alles für die Freiheit der eingekerkerten Söhne des Volkes. Das schreibt die gleiche„Rote Fahne", die nach den Bomben- attentaten Genossen Grzesinski und die Sozialdemokratie der g e- Heimen Begünstigung der Bombenleger bezichtigte und z. B. am 6. August 1929 sich in folgenden Verleumdungen erging: Von all den Bombenattentaten hat die Polizei des Sozial- dcmokraten Grzesinski bisher keinen einzigen verhastet, weil in den Behörden immer noch die von der SPD. geschützten und beförderten Vertrauensmänner der weißen Reaktion sitzen. Die sozialdemokratischen Chefs wollen auch gar nicht ernsthaft gegen den Faschismus vorgehen... Die Faschisten sollen nach dem Willen der reformistischen Stützen schon bald wieder eine wichtige Rolle als Bluthunde gegen die Arbeiter- bewegung spielen. Jetzt nennt die„Rote Fahne" Claus Heim und Genossen die Leute,„die zum Volke stehn in seinen Nöten"(s. o.). Reformisten und Faschisten gehören zusammen und darum gebührt beiden gemeinsam der vernichtende Schlag, den die revolutionäre Arbeiterschaft ihnen versetzen muß. Der vernichtende Schlag? Soll etwa das Gnadengesuch des Kommunisten Kerfs der vernichtende Schlag gegen Claus Heim und Genossen sein?— Ach nein, der„vernichtende Schlag" ist nach ganz anderer Richtung gezielt. Wonnetrunken meldet die rechtsradikale„Deutsche Zeitung": Die Annohme des kommu- nistifchen Antrages durch die Stadtverordnetenversammlung, wonach der Freien Volksbühne mit sofortiger Wirkung das städtische Darlehn von 600 000 Mark gekündigt werden soll. Triumphierend schreibt das Hakenkreuzlerorgan zu diesem Sieg der kommunistischen Bundesbrüder mit nationalsozialistischer Hilfe: „Dieser Beschluß bedeutet einen schweren Schlag für die Volksbühne". So— nun hat die Sache ihre Richtigkeit: Gnadengesuche für Fememörder und Bombenleger, schwere Schläge gegen die selbst- geschaffenen Institute der ArbeiterNasse, das ist das rvahre Gesicht des „antisaschistffchen" Kampfes, wie die Kommunisten ihn führen. Törichte Anträge. Unter starkem Stimmauswand beschimpft heute morgen die„Rote Fahne" die bürgerlichen und vor allem die sozialdemokratischen Stadtverordneten. während die sozialdemokratischen Stadtverordneten„blöde grinsten", „kämpfte drinnen im Saal die kommunistische Fraktion für die Forderungen der werktätigen Blassen". Wie haben die Kommunisten gekämpft? Wahllos stellten sie beim Kapitel Wohlfahrt Anträge, ohne auch nur den leisesten Der- such zu machen, die Notwendigkeit gerade ihrer Ausgabensestsetzung zu beweisen. In einer Zeit, wo mit jedem Pfennig gerechnet werden muß, forderten sie für die Einrichtung von Werkställen in den städtischen Erziehungsanstalten«inen Betrag, nach dem Werkzeuge im Werte von tausend Mark pro Kops zu beschaffen wären. Für die Fürsorgezöglinge wollten sie die Weihnachtsfeier abgeschafft wissen, für die Insassen des Obdachs ober sollen nach ihrem Wunsche die Ausgaben für die Weihnachtsfeiern noch er h ö h t werden. Törichte Anträge stellen um jeden Preis, immer fordern, fordern, fordern, auch wenn man genau weiß, daß man entweder Wider- sinniges verlangt oder bei der wirtschaftlichen Lage der Stadt eine Erfüllung der Forderungen unmöglich ist, das nennt man bei den Kommunisten„kämpfen". Die„Rote Fahne" sagt es ja auch ganz deutlich:„Ein kommu- nistischer Stadtverordneter nach dem anderen nahm dos Wort. Eine scharfe Anklage folgte der anderen." Als dann nachher der Der- togungsanllag zur Abstimmung kam, waren von den Kommunisten freilich nur acht zur Stelle. Die anderen kämpfen— woanders, und die Reaktionäre von links bedurften der Hilfe der Reaktionäre von rechts, um mit ihrem schädlichen Der- schleppungsantrag durchzukommen. Wann man„kämpfen" steilich mit reden gleichstellt, dann ist in der Tat kämpfen lejcht, dann „kämpfen" die Kommunisten leidenschaftlich. Man braucht eben nur aus den Fenstern herauszutrompeten, in der Hoffnung, daß die Leute, die nicht alle werden, zuhören. Für die Sozialdemo- traten freilich häßt Kämpfen im Rahmen der leider allzu eng gezogenen Möglichkeiten, so rasch wie es geht, da» herauszuholen, was im Interesse der Arbeiterklasie irgend herauszuholen ist. In diesem Kampfe lassen wir uns auch durch Geschrei der „Roten Fahne' nicht beirren. Gefängnisstrafe für Ltralzeff. �uch sämtliche Mitangeklagte verurteilt. Dresden. 7. Juli. Heute mittag wurde im Uralzeff-Prozeß das Urteil verkündet. Es wurden verurteilt: Uralzeff wegen gemeinschaftlichen Be- truges, vollendeten und versuchten Betruges und schwerer Urkunden- sälschung zu einer Gesamtstrafe von drei Jahren Gefängnis unter Anrechnung von vier Monaten drei Wochen Untersuchungshaft, Dr. Steinmetz wegen gemeinschaftlichen Betruges zu sechs Monaten Gefängnis unter Anrechnung von zwei Monaten drei Wochen Untersuchungshaft, S ch r a d e wegen Beihilfe zur schweren Urkundenfälschung, sowie vollendeten und versuchten Betruges zu einem Jahr drei Monaten Gefängnis unter Anrechnung von acht Monaten Untersuchungshaft. Bedenk wegen Rückfallbetruges, Untreue und Beihilfe zur schweren Urkundenfälschung zu einem Jahr drei Monaten Gefängnis unter Anrechnung von einem Monat Unter- suchungshaft, Rifczes wegen einfacher und schwerer Urkunden- sälschung zu sieben Monaten Gefängnis, die durch die Untersuchungs- Haft verbüßt sind. Dr. Türk wegen Bellugsversuches, Untreue und Unterschlagung zu zehn Monaten Gefängnis, wovon ein Monat drei Wochen durch die Untersuchungshaft oerbüßt sind. 100 lote in Korea. Die Zahl der bei den Kämpfen zwischen Chinesen und Koreanern getöteten Personen soll nahezu 100 betragen. Unter den Toten befinden sich etwa S0 Chinesen. Die übrigen Tode»- opser sind Koreaner. Verletzt wurden insgesamt SSV Personen. Minkowski und das Insulin. Wenn heute viele Tausende von Zuckerkranken ihr Leben und ihre Arbeitskraft dem helfenden Insulin verdanken, dann ist es in erster Linie das Verdienst des verstorbenen Oskar Minkowski, der als verhältnismäßig junger Arzt im Jahre 1889 entdeckte, daß die Zuckerkrankheit nach Entfernung der Bauchspeicheldrüse auftritt. Er hatte damals einem Hund diese wichtige Drüse wegoperiert und gefunden, daß das Tier bereits innerhalb von 24 Stunden an Diabetes erkrankte. Dadurch kam Minkowski auf den Gedanken, daß auch die menschliche Zuckerkrankheit von der Tätigkeit der Bauchspeicheldrüse abhängig sei, und seine langjährigen Beobachtun- gen gaben ihm Recht. Bereits damals hat Prof. Minkowski darauf hingewiesen, daß die unter dem Namen Diabetes mellitus(Zuckerkrankheit) auftretende Stoffwechsel- und Ernährungsstörung auch dann zunimmt, wenn nur in kleinen Mengen kohlenhydrathaltige Speisen, also in erster Linie Zucker, gegesien werden. Nicht weniger als 34 Jahre hat es gedauert, bis die durch Minkowski eingeleiteten Untersuchungen der Bauchspeicheldrüse und ihrer Funktionen zu Ende geführt werden konnten, und zwar waren es die beiden amerikanischen Aerzte Banking und B e st, welche im Jahre 1923 in den Bauchspeicheldrüsen der Rinder jene Substanz entdeckten, die sie Insulin nannten und die als Heilmittel gegen die Zuckerkrankheit unendlich wertvolle Dienste geleistet hat und immer weiter leistet. Zweifellos wäre auch Prof. Minkowfkki in der Lage gewesen, das Insulin zu finden, wenn man ihm die nötigen Mittel für ein Laboratorium und seine Untersuchungen zur Ver- fügung gestellt hätte. Das Insulin ist kein Heilmittel gegen die Zuckerkrankheit, sondern nur ein Hilfsmittel, denn nur solange Insulin gespritzt wird, bleibt der Körper von den Folgen der Diabetes befreit. Die Heilung dagegen geschieht auch weiterhin durch eine genau festgelegte Diät- behandlung. Prof. Minkowski hat auch mit einem alten Irrglauben als erster aufgeräumt: er war es, der darauf hinwies, daß ein großer Teil der Zuckerkranken diese Krankheit oder wenigstens die Anlage hierzu geerbt hat, daß die Diabetes eine Konstitutionskrank- heit und nicht auf äußere Einwirkung(Esten und Trinken) zurück- zuführen ist._ Ewmmerfest im I�ose- Theater. Man spielt aus der Gartenbühn« nicht bloß ein herztrauriges Stück mit Gesang„Unter der blühenden Linde", der ganze Garten spielt mit. Es säuseln die Bäume im Windchen uno es lauschten die Blumen(und wären es auch nur Papierrosen) aus dem Grün, es knattert das Feuerwerk. Feuerfontänen und goldiges Geriesel strahlen phantastisch aus dem Dunkel. Es ist ein richtiges Volksfest, das schon nachmittags mit Variete(Lotte Werk- meffter ist auch dabei) und Musik beginnt und mit dem Theater bis in die Nacht sich hinzieht. Dazwischen wird gegessen und getrunken und vor allem getanzt. Ja, warum nicht? Die befeuernden Hold- seligkeiten, die au- Handlung und Musik dieser Operette mit vielen Volksliedereinlagen über Wein, Weib und Rhein ins Publikum sich ergießen, werden aktiv umgesetzt in Bewegung und Nachahmung. Mitwirkung de« Publikums und Gemeinschaftsstimmung ergeben sich hier naturgemäß. Die lustigen, ulkigen, die wein- und liebe- erfüllten Personen auf der Bühne finden hier verständnisvolles Echo: die Edgar Kanisch, Karl Gült ich, Han- Rose, die Edith Byron und Loni Pyrmont können sich über mangelnden Beifall nicht beklagen. Die Kapelle unter Max Schmidt ist wacker am Werke, die Tänze wirbeln Tanzlust unter die Zuschauer. Kurzum Volksfest mit Theater und Tanz. r. Oer 5000. Band der Tauchnitz-Cdition. Die handlichen Bände der Sammlung Tauchnitz, die die englische Literatur seit 90 Jahren über den ganzen europäischen Kontinent verbreiten, sind überall zu finden, und der Europäer außerhalb des Jnselreichs verdankt ihnen seine Kenntnis des britischen Schrift- tums bis in die Gegenwart. Die Sammlung, die 1841 von Christian Bernhard Tauchnitz begründet pnd bald von den englischen auch auf die amerikanischen Autoren ausgedehnt rvurde, begeht Mitte Juli ein Jubiläum, indem sie den S000. Bond herausbringt. Der erste Band, der am 1. September 1841 erschien, brachte den Roman „Pelham" von Bulwcr und bald folgten die Werke aller großen Schriftsteller der oictorianischen Zeit, von Dickens und Thackeray, Disraeli, Macaulay, Carlyle u. a., zu denen der Verleger die herzlichsten Beziehungen unterhielt. 1860 war die Tauchnitz-Edition beim S00., 1869 beim 1000., 1881 beim 2000., 1894 beim 3000., 1909 beim 4000. Band angelangt. Der 5000. Band, von Prof. Levin Schücking herausgegeben, bietet einen fein ausgewählten Ueberblick über die englische LyriOer Gegenwart. Altona eröffnet ein Zugendtheater. Die Altonaer Stadttheater- gemeinde hatte vor kurzem zu einer Gründungsversammlung einer Iugendbühne aufgerufen, die nunmehr eine für alle deutschen Städte wahrhaft vorbildliche Zustimmung erfahren hat. Die neue Bühne steht unter Selbstverwaltung ihrer jungen Mitglieder und beginnt in Kürze mit der Arbeit. Herabsetzung der Stargagen. Im österreichischen Ministerrat wurde beschlossen, im Nationalrat eine Regierungsvorlage einzu- bringen, die den Zweck hat, die Stargagen bei den Staatstheatern herabzusetzen. Es wird dies in der Form geschehen, daß sämtliche Verträge zum 30 September gekündigt werden. Der Erfinder des Carborundum(Siliciumcarbid), das als diamantenhartes Schleifmittel Bedeutung gewann, Edward A ch e f o n, ist gestern abend im Alter von 77 Jahren in New Park gestorben. Er war seinerzeit Mitarbeiter Edisons. Der Ufa-Palast am Zoo wird von heute an wegen Renovierung geschloffen. Wiedereröffnung erfolgt in der ersten Hälfte des August. Han« Alber« wird in der nächsten Spielzeit der Volksbühne den „Peer G Y n t" in einer Neueinstudierung von Karl Heinz Martin spielen. 3m Spiegel der Krise. Zunahme der Arbeitsgerichtsklagen. In der Ziffer von 68 694 II r t e i l s v e r f a h r e n die beim Berliner Arbeitsgericht im vorigen Jahre anhängig gemacht wurden, spiegeln sich die kleinen Alltagsstreitigkeiten aus dem Arbeitsvertrag wieder, die in ihrer Unsumme ein deutliches Bild von der Unsicherheit des Arbeitsverhältnisses ergeben. Schon die Anhängigmachung der Klage bedeutet in fast allen Fällen die vorgängige Lösung des Arbeitsverhältnisses, im übrigen die folgende Lösung und nur in wenigen Fällen seine Wiederaufnahme. Während die organisierten Arbeiter fast durchweg über ihre Rechte und Pflichten aus dem Arbeitsvertrag unterrichtet sind oder doch sich bei ihrer Organisation gehörig informieren können, darf wohl gesagt werden, daß die Mehrzahl der Unorganisierten meist noch darüber im unklaren ist. Dem Arbeiter nützt diese Kenntnis wohl, um seine Rechtsansprüche wahrzunehmen, schützt ihn aber keineswegs vor Differenzen mit dem Arbeitgeber, wenn dieser sich über seine Pflichten und die Rechte des Arbeiters hinwegsetzt. Aus den uns vorliegenden Ziffern, die das Mitteilungsblatt für Den Bezirk des Landesarbeitsgerichts Berlin, Herausgeber Ernst Rüben, bringt, geht hervor, daß die Zahl der Urteilsverfahren im Jahre 1929 66 8S4 betrug, mithin 1936 um 2 Proz. gestiegen ist. Bon den Urteilsverfahren wurden 35 Proz. durch Vergleich erledigt. Davon entfallen 21 Proz. auf das Güteverfahren und 14 Proz. auf das Streitverfahren; 18 Proz. der Klagen wurden im Urteils' verfahren zurückgenommen und 14 Proz. aller Klagen wurden durch Bersäumnisurteile erledigt. Die Zahl der Fälle, deren Streitwert unter 366 M.(der Be- rufungsgrcnze) liegt, ist in den letzten Jahren zurückgegangen, und zwnr von 81 Proz. im Jahre 1928 auf 72 Proz. im Jahre 1936. lieber die. Revisionsgrenze von 6666 Mk. hinaus gingen 1936 nur noch 6,7 Proz. der Fälle, von 6,9 Proz. in den Jahren 1928/29. Der Anteil der A r b e i t e r st r e i t i g k e i t e n ist von 58 auf 52 Proz. zurückgegangen, während der der Angestellten- streitigkeiten zugenommen hat. Ein Viertel aller Prozeßsachen be- schäftigten die Kammern für kaufmännische Angestellt«. Dagegen haben die H a u s g e h i l f e n das Arbeitsgericht nur zu 8 Proz. gegen 9 Proz. im Jahr« zuvor beschäftigt. Die Dauer des Verfahrens betrug in 57,8 Proz. der Verfahren weniger als ein Monat, in 35,4 Proz. der Fälle ein bis drei Monate und in 6,8 Proz. der Fälle mehr als drei Monate. Der Anteil der Arbeiierstreitigkeiten, die im Beschluß- verfahren zum Austrag kamen, ist von 78,5 Proz. auf 66,6 Proz. gesunken, der der Angestelltenstreitigkeiten ist von 26,2 Proz.(1928) auf 31,8 Proz. gestiegen. Die Berufungen beim Landesarbeitsgericht zählten 3277, eine Steigerung gegen das Vorjahr um 24 Proz. Hinzu kamen noch 736 Berufungen aus dem Jahre 1929. Von den Be- rufungen wurden 17 Proz. im Jahre 1936 nicht mehr erledigt. Von den erledigten Berufungen endeten 8 Proz durch Ver- fäumnisurteil, 14 Proz. hatten Erfolg und 29 Pro.z. wurden durch Zurückweisung erledigt. Beim Landes- arbeitsgericht wurden 11,1 Proz. der Fälle in weniger als einem Monat erledigt, 14,1 Proz. in zwei bis drei Monaten und 14,5 Proz in drei Monaten und länger. Als erfreulich wird bezeichnet, daß keine weiter« Verlangsamung des Verfahrens eingetreten ist. Roch erfreulicher wäre, wenn das Verfahren in der ersten Instanz etwas flotter von vonstatten ginge. Ein Beitrag zur Gewerkschastsgeschichie Die Organisation der Dachdecker. Von der Geschichte des Zentraloerbandes der Dachdecker Deutsch- lands liegt jetzt der 396 Seiten umfassende zweite Band vor. Er behandelt rückschauend das Werden dieser Organisation von ihrer Gründung 1889 an bis zum Ausbruch des Weltkrieges, die inner- organisatorischen Kämpfe um die Ausgestaltung der Organisation, ihre oftmals hartnäckigen Auseinandersetzungen mit den Dachdecker- meistern zur Erringung besserer Lohn- und Arbeitsverhältnisie usw. Der dritte Band wird erst den Schlußstrich ziehen unter die Geschichte der Dachdecker-Organisation, die am 1. Juni ihr 46 Jahre lang oerfochtenes Zentralisierungsprinzip zum Abschluß gebracht hat durch ihren Anschluß an die Jndustrieorganisation des Baugewerbes, den Deutschen Baugewerksbund. Der flüssige Stil des Verfassers, des letzten Verbandsoorsitzendcn, Genossen Theodor Thomas, macht auch dem Nichtdachdeckcr das Buch leicht lesbar. Der Verfasser wollte nicht noch einmal eine Ge- schichte der deutschen Gewerkschaftsbewegung schreiben, von der es bereits gute Darstellungen genug gibt: er schildert lediglich das wellenförmige Auf und Ab der Gewerkschaftsbewegung der Dach- decker. Genosse Thomas hat keine Mühe gescheut, die Entwicklung des Dachdecker-Verbandes in den 25 Jahren von 1889 bis 1914 an Urkunden, Zeitungsnotizen und sonstigem zuverlässigem Material auf- zuzeigcn, also die Tatsachen sprechen zu lassen. Das Buch trägt aber trotzdem eine stark persönliche Note, was sich ganz natürlich daraus erklärt, daß infolge der Kleinheit des Dachdeckergswerbes die Berufs- angehörigen viel näher zueinander stehen, als zum Beispiel die Arbeiter in Großbetrieben, die sich oftmals nicht einmal vom Ansehen kennen. Dieser engen Tuchfühlung der Dachdecker ist es vielleicht auch zuzuschreiben, daß es ihrer Organisation gelang, den Mitglieder- bestand des Zentraloerbandes der Dachdecker von wenigen Hundert auf über 11 666 zu bringen, die Arbeitszeit im Laufe der Jahre von 11 und 12 Stunden auf täglich 8 Stunden z� verkürzen, die früher in jedem Ort ganz unterschiedlichen Arbeitsverhältnisse durch die Schaffung eines Reichstarifvertrages auf eine einheitliche Grundlage zu stellen und viele andere soziale Verbesserungen zu erringen. Man hört manchmal von Mitgliedern größerer Verbände über die kleinen Gewerkschaften geringschätzig reden, sei es auch meist nur im Scherz. Wie unberechtigt diese Geringschätzung ist, darüber schreibt Genosie Thomas in seinen Schlußbetrachtungen: „Die Tragik der kleinen Gewerkschaften liegt und lag immer darin, daß sie wenig beachtet werden. Sie können keineMassen auf die Beine stellen, ihren Kämpfen, wenn sie auch oft im Verhält- nis viel erschütternder sind, bringt niemand Interesse entgegen. Was fragt der Durchschnittsbürger danach, ob 1566 oder 2666 Dachdecker auf der Straße liegen? Er ist gewöhnt, mit Hunderttausenden zu rechnen. Daß aber im Verhältnis diese Ziffern für einen kleinen Beruf so viel bedeuten, als wenn 156 666 Metallarbeiter ausgesperrt sind, danach fragen die wenigsten... Fast täglich fordert unser Beruf schwere Opfer. Jährlich geht es in die Hunderte, die der Tod uns nimmt oder die als A r b e i t s i n v a l i d e n ihr Leben kümmerlich fristen müssen. Wer regt sich darüber auf? Unser Beruf bringt es mit sich, daß es mal hier mal da„nur" einer oder zweie sind, die einen Unfall erleiden. Im Prozentverhältnis bringen wir mehr Opfer als z. B. die Bergleute."' Es ist nur zu wünschen, daß auch dieser zweite Band der Ver- bandsgeschichte der Dachdecker den Leserkreis findet, den er verdient. Das Buch, auf Kunstpapier gedruckt und mit zahlreichen Jllustra- tionen versehen, ist durch den Baugewerksbund für 2,56 M. zu be- ziehen. O. Sch. Weiler für Berlin: Stark bewölkt bis trübe und kühler mit Ge- witter und Regenfällen.— Für Deutschland: Im Nordosten Fort- dauer des sehr warmen, trockenen und heiteren Wetters, im mittleren Deutschland und Schlesien Gewitter und Regenfälle, im Westen und Süden etwas Wettcrbesserung. Rückschau. Im Programm der Deutschen Welle sprach Geheimrat Georg Cleinow über„Die Lage des deutschen Ange- stellten in Sowjetrußland". Er schilderte die Wirtschaft- lichen und gesellschaftlichen Zustände, die der deutsche Angestellte in Sowjetrußland vorfindet und denen er sich anpassen muß, wenn er sich in das russische Arbeitsleben einreihen will. Mit am schwersteck leidet der Ausländer unter der Entpersönlichung des Lebens, der sich niemand, der in Sowjetrußland lebt, entziehen kann. Dazu herrscht in diesem Lande der Planwirtschaft überall Planlosigkeit, zu deren Beseitigung der Ausländer helfen soll. Der ausländische An- gestellte kommt gewöhnlich mit einem befriedigenden Vertrag nach Rußland: dort aber muß er erst alle seine oerbürgten Rechte mit großer Energie geltend machen, ehe er sie durchsetzt. Sehr übel sind diejenigen daran, die auf Gehaltszahlung in ihrer heimischen Valuta verzichtet haben. Abgesehen davon, daß der Rubel heute nur mit erwa einem Achtel seines Nominalwertes bezahlt wird, ist seine Aus- fuhr auch von der russischen Regierung verboten, so daß für den Ausländer eine praktische Ersparnis aus seinem Arbeitsertrag in Rubeln unmöglich ist. Bis vor kurzem erhielten ausländische Arbeiter nur den Teil ihres Lohnes in russischer Währung, den sie zum Bestreiten ihres Lebensunterhaltes brauchten: der Rest wurde ihnen in ihrer Heimat gutgeschrieben. Nachdem Rußland von diesem Brauch abgewichen ist, haben viele ausländischen Arbeiter und Ange- stellten ihre Verträge gekündigt und Rußland verlassen: eine Anzahl Deutscher hat sich jedoch mit dieser Wendung abgesunden. Man legt in Rußland sehr viel Wert darauf, von den Ausländern günstige Urteile über russische Verhältnisse zu hören, die man propagandistisch im Ausland verwerten kann. Kritik an russischen Zuständen, selbst in den im Lande selber zulässigen Grenzen, gilt als Landesverrat, wenn sie ins Ausland getragen wird. Der Vortragende warnte davor, sich von der russischen Propaganda verlocken zu lassen, ohne festen Vertrag nach Rußland als Arbeiter oder Angestellter zu gehen. Bedarf in allerdings sehr hohem Maße ist in Rußland überhaupt nur für hochqualifizierte Kräfte vorhanden. Andere Arbeitsuchende sind nur Lohndrücker für die russische Arbeitermasse: sie finden ein Lebensniveau, das auf so niedriger Stufe steht, wie nirgends in Deutschland. Besonders schwer ist für den verheirateten Angestellten die Lebensführung in Rußland, in deren Primitivität sich nur wenige deutsche Frauen finden können. Dringend riet Geheimrat Cleinow davon ab, mit Kindern nach Rußland zu gehen. Das Kleinkind muß dort in hygienischer Beziehung zuviel entbehren: schulpflichtige Kinder finden nur unzureichende Bildungsmöglichkeiten und werden durch den russischen Schulbetrieb systematisch dem Elternhaus entfremdet. Tcs. * Am Mittwoch, dem 15. Juli, sollte 19,46 bis 19,55 Uhr das Thema lauten: Gleichberechtigung usw. Dafür kommt„Kirche und Religionsgemeinschaft in der Reichsverfasiung." Der Redner ist der gleiche. Dienstox, 7. Juli. Berlin. I. Lieder von Arno Liebau(Marie Flocke-Hagemann, Sopran; FläseU der Komponist). 2. Liebau: Träumender Brunnen im Schloßpark(dc� Komponist. Klavier). 3. Lieder von Liebau(Arno Liebau, Marie Flocke- Hagemann). 'Der junge Mann in USA.(Rclchswart D. Stange). Dr. Theodor Demmlcr: Tilman Ricmenschneidcr. Unterhaltungsmusik. Mitteilungen des Arbeitsamts. Bücherstunde: Humor(Mikrophon: Dr. Rudolf Presber). Dr. Erich Madcus: Das unbekannte Deutschland. 'interview der Woche. ,.Ferner angeschlossen Wien." Mitw.: Artur Guttmanns Sinf.-Orch� Trude Hesterberg, Paul Grätz u. a. Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Königswusterhauseo. Leipzig: Konzert. M.$chaffer; Deutsche Schicksale in Amerika. Mersmann: Neue Musik. Direktor Lempelius: Die moderne Hausinstallatien, Dr. Gustav Steinbomer: Tilmann Riemcnschneider. Wetter für die Landwirtschaft. Dr. Hans Hartmann: Zum Verständnis der Ereignisse In Spanien. Dr. Hamm: Wie ist die Weltwirtschaftskrise entstanden? Breslau: Konzert. Leipzig: Ursendung:„Die Visionen des Tilman Riemenschneider". 16.05 16.30 17.00 17.30 18.30 18.35 19.05 19.35 20.00 22.00 16.00 17.00 17.30 18.00 18.30 18.55 19.00 19.30 20.00 21.10 CcTflnhDortt. für die Redaktion: Serbert Lepöre, Berlin: Anzeigen: Tb. Glocke. Verlin. Verlan: Vorwärts Verlan G. m. b. S.. Berlin. Druck: Vorwärts Buch» druckerei und Berlagsanstalt Paul Sinner 6c Co.. Berlin SW 68. Lindenstrake 5. Sierzu i Beilage. PROGRAMM für die Zeit vom 7. bis 9. Juli Kl N O-T A F E L OlG Potsdamer Stratje 38 W. 5, 7. 9, S. 3, 5. 7, 9 Uhr „M.* Fritz-Lang-Film Rheinstrabe 14 K�Eiche W. ab 5.15, S. ab 3.15 Uhr Der schwarze Saphir, Abenteuer in 5 Akten mit Esther Ralston— Der Schtmmelrciter,? Akte m F.Thomson Odeon. Potsdamer Sh-. 75 W. 5.7,9, S. 3,5,7, 9 Uhr Die hellige Flamme mit Gustav Fröhlich« Dita Parle» Turmstrabc 12 �.Vilu. Viter and Sfihne mit Rad. Rittner VerdantDas Heldentum zweierVölker) Alexanderstr. 39-40 (Passage) Den ganzen Tag geöffnet, Stgs. ab 3 Uhr Werifronf 1918(Vier von der Infanterie) mit Fritz Kampen. Gmtav Dirfjl g west.n j Primus-Palast Potsdamer Str. 19 Ecke Margaretenstr. Wochentags 5.15, 7.15, 9.15 Uhr Sonntags 3.15, 5.15, 7.15, 9.15 Uht Der Schrecken der Garnison mit Felix Breuari lugendliche haben Zutritt g���FrlecIrichstadtJ Franziskaner if8uhkrinv0o?m. Georgenstraße(Ecke Friedrichstraße) Einhredier mit Llllan Harvey, Willy Fritsch— Mann, Weih» Sünde Kaltartilm- Wocfaenschaa Moabit Artushot Röhn! W. a. 6.30 Uhr Bühne S. ab 5 Uhr Perleberger Str. 29 100 proz. Tonfilm: Melaka» die Rose von Marakescfa— Beiprogramm Bühnenscfaaa W elt-Kino smVs.s.va u Alt-Moabit 99 100 proz. Tonfilm: Im Wetien nichts Neues Gesch!. Vorstellungen des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes Charlottcnburg g Kant-Lichtspiele Kantslr. 54(an der Wilmersdorfer Str.) W. 5, 7, 9 Uhr Stg. ab 3 Uhr „M." Ein Frilz-Lang-Tonfilm Atrium Bcba-Palast Kaiserallee, Ecke Berliner Straße Täglich 7, 9.15 Uhr, Stgs. 5. 7. 9.15 Uhr Vorverkauf II— 2 und ab 5 Uhr Sonntags 11—2 und ab 3 Uhr Die Million, Rend Clairs wundervolles Meisterwerk d Titania Scfaönebg. W' Hauptstraße 49 Tonwochenochaa »M." Der große Fritz-Lang-Tonfilm U Friedenau M Kronen-Lichtspiele Rheinstr. 65 Wochentags 7. 9 uhr Sonntags 5. 7. 9 Uhr Ihre Mafettll die Liebe mit Franz Lederer. Küthe von Nady T onbeipr ogramm ■ steant« 1 Titania-Palast Steglitz. Schloßstr. 5. Ecke Guismuihsstr. Uraufführung. lOOproz. Tonfilm Saliarello(Der Roman zweier Menschen) mit Maria Solveg, Hanf Adalbert, v. Schlcltow, Eduard v. Winterstein Dazu da» tünende Beiprogramm W lehlendorF-MItte> 7*>H Wochentags 7, 9 Uht Sonntags 5, 7. 9 Uhr Potsdamer Str. 50 Stg. 3 Uhr: Jugendv. Fra Diavola(Der Teufelsbruder) mit Tino Pattiera— Tonbeiprogramm D Marlendorf""fc Mz» T i Mariendorler Wochentg. 1 la-1.1 Uchlspiele ab 7 Uhr Chausseestr. 305 Jugendl. haben Zutritt 100 proz. Tonfilm; Das gelbe Hans mit CharloHe Susa Dazu das tönende Beiprogramm TiVOli Berliner Str. 97 Beg. 7. 9 U. Stgs. 3 Uhr: Zug. Vorst lOOproz. Tonfilm; Im Westen nicht Neues Geschlossene Vorstellung. Vorver- verkauf täglich ab 3 Uhr Neukölln 3 Mercedes- Palast Hermannstraße 212, Ecke Jägerstraße Vorverkauf ab 3 Uhr: Beg 7 u 9 Uhr So. u. Stg 5, 7, 9 Uhr Im Westen nlcbls Neues. Karten an Mitglieder und Angehörige des ADGB. und angeschlossene Verbände > SOdwcztnn h Lichtspiele Südwest Blücherstr. 12 W. Vz7. So. ab 5 Uhr 100 proz. Tonfilm; Stürmisch die Nacht m. Maria Solveg, Waller Jankohn Per Wciberkrictf mit Liane Haid Film-Palast Kammersäle Teltower Str. I W. 5J0, 9, Stg. ab 5 U. lOOproz. Tonfilm: Der große deutsche Tonfilmerfolg: ,M", Fritz-Lang-Film der Nero d Süden t Th. am Moritzplatz Beg.: Wöchig ab 6.30. 9. Stg ab 4.30 L Bis Mittwoch: D-Zng 13 hat Verspätung— D. Stumme von Porticl Ab Donnerstag: Ihre Hobelt bctiebltl Primus-Palast Am Hermannplatz, Urbanstr. 72/75 Wo. 7, 9 U„ Sbd. u. Stg. 5, 7, 9 U. Im Westen nldiis Neues. Geschlossene Vorstellung, veranstaltet von der Internationalen Arbeiterhilfe und ihren Korporationen Votverkauf ab 2 Uhr. Filmeck Skalitzer Straße, am Görlitzer Bahnhof W. 7 u. 9 Uhr. Stgs. 5. 7. 9 Uhr Der große Farbenfilm: Das Bandilen- Ued mit den lustigen Darstellern Dick und Dof Beiprogramm Luisen-Theater Reichenberger Str. 34 Anf. W. ab b'h U. Stg. ab 5 U. Kascrnenzanber mit Ludwig Manfred Lommel, Fritz Sdinlz, Lnclc Englisch Nachtlokal mit Evelzm Holt Stella-Palast Köpenicker Straße 11—14 Wochtgs. 7 u.9 U., Sonntags 5, 7, 9 Uhr Täglich 7, 9 bis auf weiteres: Im Westen nichts Neues. Kartenverkauf von 3 bis 10 Uhr Sternwarte— Treptow Mittwoch, 8 Uhr: Wanderan� durch Nord- and Südfirol. Lichtbildvortrag Donnerstag, 8 Uhr: Mit dem Kurbel- kästen durchs Riesengebirge � Nordosten' � «ElySlUm Prenzlauer Allee 56 Wochent. ab 7, Sonnt, ab 5 Uhr: Tonwochentcban Im Westen nichts Neues. Karten an Mitglieder und Angehörige des ADGB. und angeschlossene Verbände Flora-Lichtsp. W. 7. 9 U„ Stg. 5, 7. 9 U. Zweite Woche verlängert: Tonfilm: Im Westen nichts Neues Nur noch bis Donnerstag Osten Germania-Palast Frankfurter Allee 314 Wochentgs. 6.30 U„ Sonntags ab 5 Uhr Igdenbu, der grobe Jäger Dazu das gute Beiprogramm und die ausgezeichnete Btlhnenschan Luna-Palast ÄsfÄ Gr. Frankfurter Str. 121 Dienstag: Harold hall dich fest mit Harold Lloyd Ab Mittwoch: Im Westen nichts Neues— Geschlossene Vorstellung Beginn: 5, 7 und 9 Uhr Schwarzer Adler Xii™« Woch. 5, 7. ca. 9. Stg. 3, 5, 7. 9 U Tonfilm: Geheimnis der roten Katze Ab Mittwoch: Im Westen nichts Neues V. T. Lichtspiele v�So". Frankfurter Allee 48 W. 5, Stg. 3 Uhr Der große Tonfilm: Schatten der Unierwelt mit Harry Fiel Beiprogramm Ab Mittwoch, dem 8 Juli; Im Westen nichts Neues Täglich 5, 7, 9 Uhr, Sonnt, ab 3 Uhr Vorverkauf tägl. 3 Uhr Kinokasse W g e n t � Babylon, am Bülowplaiz Wochentags 7. 9.15 U Vorverkauf ab 2 Uht 100 proz. Tonfilm: Im Westen nichts Neues Karlen an Mitglieder und Angehörige der I A. H. und angeschl. Verbände Für Organisationen Vorverk. ab 3 U. � Neu-ilchtenttera Kosmos-Lichtspiele Lückstr. 70 Wochcnt 7, 9 Uhr Sonntags 5. 7, 9 U. lOOproz. Tonoperette; Zwei Herzen im dreiviertel Takt mit Willy Forst— Beiprogramm Jugendliche haben Zutriu PROGRAMM für die Zeit vom 7. bis 9. Juli Schloßpark Film- Bühne Berliner Allee 206— 210 6,30, 9 Uhr Im Wes'en nichts Neues Vorverkauf täglich ab 3 Uhr (Geschlossene Vorstellung) Kino Busch uh" Alt-Friedrichsfclde 3 100 proz. Tonfilm: Das alle Lied mit Lil Dago ver, Bressart« Igo Sym Beiprogramm ■ NO"l*H• Alhambra Wochent. 7. 9 U., Sonnt. 5, 7, 9 U Im Westen nichts Neues (Geschlossene Vorstellungen), Vor» verkauf täglich.__ Pharus-Lichtspiele Müllerstr. 142 W.5.7.9U.. Stg. 3.5,7, 9U 100 proz. Tonfilm: Das gelbe Haus des Kmg Fn mit Charl, susa Bunte Lichter Pank« w"g Palast-Theater Breite Straße 21 a W. 7 u. 9, Stg. 5, 7, 9 U Tonlustspiel: Er and seine Schwester mit Anny Ondra, Roda Roda Beiprogramm > Tagal O Filmpalast Tegel Äf Stgs. 2 U. Jgd.-VorsL W. 6. Stg. 4>(c U Dienstag; Seitensprünge mit Gerda Maurus Ab Mittwoch: Im Westen nichts Neues Geschlossene Vorstellung W Hennta»üorF Filmpalast Stg. Berliner Straße 59 Stg. 2 U. lug.-Vorst, Das ausgezeichnete Zwelschlager-Programm (Beilage Dienstag, 7. Juli 1931 SprjUnträ SftnJoitigaJZe Je* lbu}ar& Alfred Grof jahn [Professor d. soz. Hygiene a. d. Universität Berlin: Wohnen im Flaehhan Im„Abend" vom 30. Juni 1931 hat Walter Gropius, einer unserer führenden Baumeister und deshalb sehr ernst zu nehmen, sich für den Bau von zehnstöckigen Wohn Hochhäusern aucgesprochen. Wenn er sich dabei aus die bessere Rentabilität stützt, so mag dem nicht widersprochen werden, obgleich sie nicht hinreichend erwiesen ist. Wenn er jedoch die gesundheitlichen Vorzüge dieser Turmbauten für kleine Wohnungen preist, so fordert das denn doch den Widerspruch des Hygienikers heraus, der dazu nicht schweigen darf. Licht und Luft bietet auch der Flachbau. Die von Gropius in den Vordergrund seines Lobes gestellten Grün- flächen, die der Turmhausbau gewähren soll, nützen gesundheit- lich dem wenig, der aus einer käfigartigen Kleinwohnung im so und so viclten Stockwerk durch Doppelfenster auf sie herniederschaut. Der Mietskasernentypus, den wir leider und im Gegensatz zu England vor dem Kriege der schnellen Wandlung Deutschlands vom reinen Agrarstaat zum überwiegenden Industrie- staate in unseren Groh- und Mittelstädten vorherrschend haben werden lassen, hat den für die Zukunft wertvollsten Teil unserer städtischen Bevölkerung, nämlich die Kinder und die heran- wachsende Jugend von der frischen Luft, der Sonne und den Übrigen für die kräftige Entwicklung des Körpers unersetzlichen Lebensreizen, welche die Natur und nur diese bietet, in steigendem Maße abgedrängt. Die Verbreitung der Rachitis und der Blut- armut, die unsere gesamte städtische Kinderwelt und einen großen Teil auch der Erwachsenen schon äußerlich kennzeichnet, ist auf die Absperrung von der Natur zurückzuführen. Sie wird nicht eher weichen, als bis wir gelernt haben werden, auch die Bewohner der Städte wieder in eine selbstverständliche, ungekünstelte Verbindung mit Natur und frischer Luft zu bringen. Jede Stadterweiterung sollte dazu benutzt werden. Denn die Lebensreize, die der Auf- enthult in frischer, bewegter, abwechsenld feuchter oder trockener Lust gewährt, sind für die Gesundheit des Menschen und nament- lich die vollkrästige Entwicklung des Kindes und Jugendlichen ganz unersetzlich. v!« Viiclilii'lex&rftimtiol» Bereits im letzten Jahrzehnt vor dem Kriege machten sich Bestrebungen bemerkbar, den infolge verfehlter Bauordnungen entstandenen Mietskasernentypus wenigstens bei den Stadterweite- rungen durch den weiträumigen Wohnungsbau abzu- lösen. Nach dem Kriege schien es sogar, als ob die enorme Verteuerung des Baumaterials den Hochbau für Wohnungen überhaupt unmöglich gemacht hätte und das Kleinhaus zwangsläusig zur Selbstverständlichkeit werden würde. Taksächlich sind auch viele seit dem Kriege gebauten städtischen Wohnungen als Siedlungen in Gestalt von Reihenhäusern, Eigenheimen oder kleinen Doppel- Häusern gebaut worden. Aber leider machen sich gerode in den letzten Jahren wieder Bestrebungen bemerkbar, den alten Wohn- kasernenbau, wenn auch in der verbesserten Form der Rand- bebauung eines Blockes mit großem Innenhof, wieder in Ausnahme zu bringen. Es ist deshalb die Pflicht des Hygienikers, aus das nachdrücklichste zu betonen, daß die gesundheitlichen Vor- züge des Flachbaues ganz unersetzlich sind. Die Architekten haben den begreiflichen, aber nicht ungefähr- lichen Wunsch, an großen Objekten ihre Kunst zu zeigen. Die Abwandlung des Kleinhauses bietet höchstens in der Raumvertei- lung, kaum aber in der Fassade noch irgendwelche Aufgaben, die den nach Neuem, Eigenartigem, Nochniedagewesenem lechzenden Baukünstler zu reizen vermöchten. Ganz anders das Hochhaus. Hier kann man sich bereits beim Entwerfen, Zeichnen und Mo- dellieren künstlerisch ausleben und schon auf dem Reihbrett Maßen gegenüberstellen, Fassaden entfalten und Fenster, Türen und Balkone zu einer Sinfonie gestalten. Daran, daß in dem schließ- lich vollendeten Gebäude jahrhundertelang Familien wohnen, Kinder aufwachsen und Greise, Kranke, Ermüdete sich erholen sollen, wird der Baukünstler, wenn überhaupt, doch nur ganz flüchtig denken. Gar zu wenig wird von allen, die am Städtebau verantwortlich mitzuwirken haben, an die große Lebensdauer eines Hauses gedacht. In unseren alten westelbischen Städten wohnen noch heute unzählige Familien in dünnen Fachwerkhäusern, die schon zu Luthers Zeiten standen. Gar unsere neueren, aus Stein, Eisen und Beton gebauten Häuser haben eine so gut wie unbegrenzte Dauer. Wenn es wirklich wahr ist, was bisher noch nicht bewiesen wurde, sondern von zahlreichen Sachverständigen bestritten wird, daß der Bau von Mietskasernen 15 oder 20 Proz- billiger ist als die Erstellung von zweistöckigen Reihenhäusern, Eigenheimen und Doppelhäusern, so würde diese Ersparnis sich doch nur für die u n- mittelbare Gegenwart auswirken, allen kommenden Gnerationen aber zum Unsegen werden. Ist nicht mit der geringen Ersparnis von 10 bis 20 Proz. der Baukosten die Aus- sperrung der Bewohner eines Hochhauses von den Reizen der frischen Luft für 10 bis 20 Generationen gar zu teuer erkauft? Die typische Familie, für die 95 Proz. der sehlenden Wohnungen bestimmt sind, ist doch die minderbemittelte städtische Familie, in der Kinder ohne Hilfe von Dien st boten aufgezogen werden sollten. L'm den Anslanf der Kinder Gern soll von hygienischer Seite zugestanden werden, daß der Wohnungshochbau von den führenden Architekten, die zur Zeit für ihn eintreten, anders geplant und stellenweise auch bereits aus- geführt worden ist, als das in den Jahrzehnten vor dem Kriege geschah. Namentlich die großen gemeinnützigen Baugesellschaften haben dort, wo sie glaubten, nur im Hochbau rationell bauen zu können, den Typus einer Blockbebauung ausgebildet, bei dem unter Fortfall aller Seiten- und Hintergebäude nur der Rand des Grundstückes fünfstöckig bebaut ist, während die Mitte einem großen gemeinsamen Hof überlassen bleibt. Aber auch dort. wo diese Fläche nicht, wie das häufig zu beobachten ist. aus un- seligem Schmuckbedürfnis mit Anlagen und Rasenflächen, die von Kindern nicht betreten werden dürfen, bedeckt ist, sondern wirklich den Kindern als Spielplatz preisgegeben wird, kann ein lolcher großer Innenhos doch niemals den Kindern den freien, aufsichts- losen A u s l a u f ersetzen, den ein wenn auch noch so kleiner Haus- garten gewährt. Man hat sich dadurch zu helfen gesucht, daß man im Unter- geschah des Baublocks Räume mit anschließenden Spielplätzen für einen Kindergarten vorsah, dessen Benutzung den Familien, die den Baublock bewohnen, zur Verfügung steht. Aber auch dieser Ausweg befriedigt den Hygieniker nicht, ganz abgesehen von den mit ihm verbundenen großen Kosten und Umständlichkeiten. Eine Massenansammlung von Kindern in Krippen und Kindergärten ist weder vom gesundheitlichen Standpunkte bedenkenlos wegen der da- mit verbundenen Gefahr der Ansteckung mit Masern, Scharlach, Diphtherie und Keuchhusten, sondern auch vom erzieherischen. Denn erfahrungsgemäß entwickeln sich Kinder, die von frühester Jugend on während des ganzen Tages unter einer Aufsicht stehen, welche immer etwas Schulmeisterliches an sich hat, nicht annähernd so selbständig, fröhlich und nervengesund, wie das für solche selbst- verständlich ist, die sich im selbstgewählten Spiel oder in sorgloser Masse ihrer Freiheit hingeben dürfen. Anreeht der Erwachsenen Auch die Erwachsenen haben ein Recht darauf, nach einer einförmigen und deshalb besonders ermüdenden Tagesarbeit und einem in der Regel langen stumpfsinnigen Weg zur und von der Arbeitsstelle spärliche Mußestunden nicht bloß in den wenigen Quadratmetern zubringen zu müssen, die ihnen die käsigartig abge- schlossene kleine Korridorwohnung einer Mietskaserne bietet. Man sollte nicht außer acht lassen, daß die Wohnung gegenwärtig nicht mehr wie in den Zeiten, als der Großvater die Großmutter nahm, der Arbeit und dem Beruf dient, sondern für die rüstig Arbeitenden beiderlei Geschlechts der Erholungsort ist oder doch sein sollte. Diesen Zweck erfüllt sie in einem ungleich höheren Maße, wenn sie dem Bewohner gestattet, vor die Tür zu treten, sich mit den Nachbarn zu unterhalten, bei gutem Wetter im Freien zu sitzen und Bekannte im eigenen kleinen Garten zu empfangen. Zu den wenigen Freuden, die das G r e i s e n a l t e r noch kennt, gehört gewiß die Möglichkeit, sich an Sommerabenden mit einem Stuhl vor die Haustür setzen zu können oder sich bei gutem Wetter im Garten zu beschäftigen. Das gleiche gilt von den an chronischen Krankheiten leidenden Personen, die man auch nicht dauernd in den engen abgeschlossenen Korridorwohnungen hinter Schloß und Riegel sitzen lassen kann, und gilt nicht weniger von den schwangeren Frauen und den stillenden Müttern wie überhaupt von den Hausfrauen im allgemeinen. Gerade weil wir heut« nicht imstande sind, wirklich geräumige, ihren Bedürfnissen entsprechende Wohnungen den minderbemittelten Wohnungsuchern zur Verfügung zu stellen, sollte wenigstens das einzig wertvolle Ausgleichsmittel der Engräumigkeit, nämlich die Erdnähe der Kleinwohnung, unter allen Umständen gewahrt werden. Mit welch großem Auswand von Scharssinn und Forscherfleiß auch Raumtiefe, Raumhöhe, Belichtung und Raum- Verteilung erforscht und umstritten werden, man sollte darüber nicht vergessen, daß ihre Wichtigkeit oerschwindet gegenüber der Forderung der Erdnähe. Prozessor Hr. Chajes, H. d. 1: Frauenärzte/ Oetourtenregeluug Als vor wenigen Monaten zwei Stuttgarter Aerzte wegen Ab- treibung angeklagt wurden, erhob sich in Deutschland ein Protest- stürm gegen dieses Vorgehen und in zahllosen Versammlungen und Aufsätzen in der Presse der verschiedensten Parteien wurde eine den modernen Anschauungen entsprechende Aenderung des berüch- tigten§ 218 verlangt. Diesem Protest schlössen sich auch Kreise an, denen man beim besten Willen eine„marxistische Weltanschauung" nicht zum Vorwurf machen kann. Gelehrte wie der Jurist Professor Mittermaier- Gießen und Geheimrat Max Fischer- Dahlem fordern in�der„Deutschen medizinischen Wochenschrift" eine gründ- liche A�nde�ung des fj 218, ansehnliche Aerztegruppen— es sei nu�nn Hmnburg und die Berliner Aerztinnen erinnert— propagieren noch viel weitergehende Forderungen. Während der internationalen Frauenwochen im April dieses Jahres haben die Genossinnen in Hunderten von Versammlungen nachstehende Re- solution über die ärztlich gebotene Unterbrechung der Schwanger- schast und die Geburtenregelung angenommen: „Eine Abtreibung liegt nicht vor, wenn ein Arzt eine Schwangerschaft unterbricht, wenn es noch den Regeln der ärzt- lichen Kunst zur Abwendung einer Gefahr für das Leben oder die Gesundheit der Mutter erforderlich ist, und wenn es nach den Regeln der ärztlichen Kunst notwendig ist, um die Geburt eines siechen oder geistig minderwertigen Kindes zu verhindern, wenn es notwendig ist, um einem schweren wirtschaftlichen Not- stand für das zu erwartende Kind vorzubeugen, oder wenn die Schwängerung bei Verllbung von Notzucht, Schändung, Blut- schände oder Unzucht mit Kindern eingetreten ist." Es wird serner im Interesse einer vernünftigen Geburtenregelung ohne Gefahr für Freiheit, Leben und Gesundheit„die weiteste Verbreitung der Kenntnis der Technik des präventiven(emp- fängnisoerhütenden) Geschlechtsverkehrs durch Ausbau der Ehe- und Sexualberatungsstellen" gefordert. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion, welche bereits im alten Reichstage ähnliche Anträge eingebracht bat, wird auch von neuem entsprechende Anträge im Reichstage stellen. Man sollte nun meinen, daß gerade die Kreise, welche sich in besonderem Maße mit den Fragen der Bevölkerungspolitik und Volksgesundheit zu befassen haben, vor allem die Aerzte, an all diesen Fragen nicht achtlos vorübergehen und ihren rückschrittlichen ablehnenden Standpunkt gegen jede Revision des§ 218 aufgeben würden. Weit gefehlt! In einer Ansprache anläßlich des 5 0. Aerztetages in Köln betonte der ständige Beauftragte der ärztlichen Spitzenorganisationen, der frühere deutschnationale Reichstagsabgeordnete Dr. Haedenkamp, vor den Pressever- tretern die bekannte ablehnende Haltung in der Frage der Schwangerschaftsunterbrechung aus wirtschaftlichen oder eugenischen Gründen, wobei er auf die Gefahr der„Vergreisung" des deutschen Volkes hinwies. rrofessor Frankel vor den Gynäkologen Während hier der offizielle Vertreter der deutschen Aerzteschaft im Gegensatz zu einzelnen Aerztegruppen den reaktionären ab- lehnenden Standpunkt gegen eine Milderung des 8 218 zum Aus- druck bringt, zeigte sich in Frankfurt a. M. aus der„2 2. Tagung der deutschen Gynäkologen" vom 27. bis 30. Mai d. I. ein noch schlimmeres Bild. Der Breslauer Frauenarzt und Direktor der Universitätsfrauenklinit Professor L. F r ä n k e l war ausge- fordert worden, ein Referat über das Thema„S t e r i l i,s i e r u n g und Konzeptionsverhütung" zu erstatten. Er ging von der Tatsache aus, daß in Anbetracht der jetzigen Lebensbedingungen weiter Volksschichten ein theoretisch und praktisch gleichmäßig an- zuerkennender Schutz gegen zu starke Fortpflanzung mit allen Mitteln der Wissenschaft eifrig gesucht werden muß, weil sonst die Abtreibung sofort in Kraft tritt.„Das ist die furchtbare Gefahr, in der wir leben, und in der wir lieber das kleinere Uebel. die Vorbeugung, in Kauf nehmen müssen, als den künstlichen Abort und die Zunahme von Geschlechtskrankheiten und Minderwertigkeit oder Sterblichkeit der Kin- d e r." In richtiger Konsequenz tritt Prof. Fränkel für die Ver- wendung von unschädlichen Schutzmitteln ein und wendet sich gegen die vom Gesetz vorläufig noch verbotene Anpreisung derselben als „zum unzüchtigen Gebrauch bestimmt". Er verlangt den Ausbau von Einrichtungen für Schwangerschaftsverhütung und die Erlaub- nis der Aufsichtsbehörden für die Krankenkassen, daß sie die Be- schaffung der Schutzmittel und deren Einsetzung auf einfache Not- wendigkeitsbescheinigung des Arztes auf ihre Kosten übernehmen. Es muß ferner„die Kenntnis der Schutzmaßnahmen Fürsorge- rinnen und Sozialbeamten theoretisch, Studierenden und Aerzten theoretisch und praktisch gelehrt werden". Prof. Fränkel richtete gerade on die Leiter der Frauenkliniken und Entbindungsanstalten die Mahnung, daß sie ihre Schüler mit der aktiven Schutz- t h e r a p i e oertraut machten.„Man kann heute nicht mehr an diesxn Dingen vorbeisehen»xid sie möglichst zu ignorieren versuchen. Es genügt aber auch nicht, der Frau zu sagen, sie solle Zusehen, daß sie sobald nichts wieder schwanger«erde,-sondern man muß überlegen, welches Schutzmittel das geeignikste ist." Wie berechtigt diese Mahnung Fränkels ist, zeigt eine Arbeit von Frau Dr. Goldmann-Vollnhals.der früheren Leiterin der Schwangerenfürsorge des Verbandes Berliner Krankenkassen, die an fünf geradezu erschütternden Beispielen zeigt, wie zwar in Entbindungsanstalten und Kliniken den Frauen der Rat erteilt wurde,„keine Kinder mehr zu bekommen", ihnen aber keinerlei Anweisung zur Schwangerschaftsverhütung ge- geben wurde. Das Echo Selten ist auf einem wissenschaftlichen Kongreß ein Referent so angegriffen worden, wie Prof. Fränkel von seinen engsten Fach- kollegen, den Universitätslehrern. Der Bonner Professor für Frauen- Heilkunde von Franquä erklärte(nach dem Bericht des„Deut- schen Aerzteblattes"), in Zeiten der Wirtschaftsnot müsse sich der ethische Hochstand eines Volkes durch„Beherrschung des Trieb- lebens" offenbaren! Enthaltsamkeit sei die Parole, sie sei das Ideal, das auch durch den Arzt gefördert werden müsie. Durch Geburtenverhütung ohne ärztliche Indikation gebe man dem Volk das Mittel zum langsamen Selbstmord in die Ijand. Die Gesellschaft für Gynäkologie dürfe nicht die Verantwortung übernehmen, die Konzeptionsverhütung aus anderen als rein ärztlichen Jndika- tionen genau wie bei der Schwangerschaftsunterbrechung zu emp- fehlen. Der Würzburger Direktor der Frauenklinik Prof. G a u ß hielt eine Kapuzinerpredigt unter dem Motto„Wohin steuern wir" gegen die herrschende Sittenverderbnis an der Hand einer im Bild vor- geführten Sammlung erotisch-pornographischer Titel von Film- und Theaterstücken. Er scheint recht aufklärend unter den versammelten Frauenärzten gewirkt zu haben, denn der Redakteur des Aerzte- blattes schreibt, daß das Material den meisten Anwesenden wohl bisher unbekannt geblieben war! In flammenden Worten wies Prof. Gauß auf die Auswüchse der sexuellen Revolution, der zügel- losen Genußsucht auf allen Lebcnsgebieten hin. Gegenüber diesen Verfallserscheinungen müsse der Arzt die Unwandelbarkeit der Sitt- lichkeitsanschauungen betonen. Die Geburtenprävention als das kleinere Uebel zu erklären, sei eine abwegige lebens- fremde Deduktion. Als dritter im Bunde gesellte sich der Tübinger Ordinarius Prof. Mayer hinzu. Er wetterte gegen die wachsende Lockerung der Eittlichkeitsbegrisfe: hiergegen müsse angegangen, und nicht den Forderungen der Masse nachgegeben werden. Die Riesenzahl der Abtreibungen, mit der man agitiere, sei nur geschätzt, nicht erwiesen. Ueber der erschütternden Not vieler Menschen dürfe nicht vergessen werden, daß die Wirtschaftswissenschaft einen gegen früher gehobenen Standard festgestellt habe. Die Aerzte müßten, wenn sie nicht zu Totengräbern unserer Zukunft werden sollen, der auf K o n z e p- tionsverhütung gerichteten Zeitströmung entgegen- treten, denn diese sei nur ein Teil des Prozesses, der auf die Auflösung von Familie und Staat hinzielt. Die Aerzte mühten Führer bleiben im Kampf um die Erhaltung der sittlichen Güter. Auch der Berliner Ordinarius Prof. Stöcke!, der sich immerhin vorteilhaft von seinen genannten Kollegen unterscheidet, indem er— wenn auch sehr ungern— die Zulässigkeit der Schwanger- schaftsverhütung wegen sozialer Notlage anerkennt, will dem Druck der Oeffentlichkeit gegenüber Front machen. Im Gegensatz zu diesen ihren Kollegen betonten die Professoren Pankow- Freiburg, F ü t h- Köln und Heynemann- Ham- bürg, daß die Frauenärzte die Berater der Frauen seien, die ihnen ihre Nöte anvertrauten, und daß die soziale Not oft wichtiger alz bevölkerungspolitische Bedenken sei, daß deshalb der Universitäts- lehrer seine Studenten über die Frage der Schwangerschaftsver- hütung und deren Technik genau zu unterrichten hat. Die wirk- samste Abfuhr erhielt der Enthaltsamkcitsapostel Prof. F r a n q u e von einer Aerztin, Frau Dr. Riefe, die ihn darüber belehren mußte, daß der Sexualtrieb ebenso wie alle anderen menschlichen Triebe normal befriedigt werden mühte, und daß dazu nicht das Predigen von Enthaltsamkeit genüge. 8«I»IuKk«lAvranxoi» An sich könnte es der großen Masse der Bevölkerung gleich- gültig sein, wie sich weltfremde Professoren, die den Zusammenhang mit dem praktischen Leben verloren, vielleicht auch niemals besessen haben, über die Nöte, welche die großen Massen heute bedrücken, aussprechen. Ihre Stellungnahme gewinnt aber eine ganz andere Bedeutung, wenn man daran denkt, daß diese Professoren die Lehrer und Examinatoren der Studierenden, also der künftigen Aerztegenerationen sind! Was kann man von den vielen Hunderten von Aerzten, die ihre Ausbildung in den Frauenkliniken von Bonn, Würzburg, Tübingen und noch manchen anderen Universitäten erhalten haben, erwarten, wenn ihre Lehrer sie so ungenügend in die lebenswichtigsten Fragen der ärztlichen Praxis einführen? Der Direktor der Berliner Universitäts-Frauen- klinik, Prof. Stockei, der dabei noch eine mildere Ausfassung vertritt und wenigstens die Notwendigkeit der Belehrung der Stu- dierenden über dies« Fragen anerkennt, schreibt in seinem vor kurzem neu erschienenen„Lehrbuch der Gynäkologie": Die„Rationierung der Nachkommenschaft hat von jeher die deka- denten Zivilisationen gekennzeichnet. Ein Dolt, das nicht aus einer reichen Reserve kräftiger Jugend schöpfen kann, kann nicht zu Macht und Ansehen gelangen." Und wie denkt sich Prof. Stöcke! die Auf- zucht dieser Jugend? Da schreibt er weiter in seinem Lehrbuch (S. 667): „Die Biographien unserer besten Männer zeigen oft, daß sie das 8. oder 16. Kind ihrer Eltern waren, daß sie abends mit kalten Kartoffeln oder einem 5)eringsschwanz satt wurden, daß sie barfuß lausen und bei Wind und Wetter meilenweit zur Schule gehen mußten. Das war Ab- Härtungshygiene in der Zeit, wo zwanzig Kinder gerade in den angesehensten Familien des alten Adels nichts Auffälliges waren, und wo es wahrhaftig auch soziale Not gab." Wenn einer der führenden Lehrer an der größten Universität derartige Anschauungen den Studierenden in seinem Lehrbuch über mittelt, wenn er die Ergebnisse der Sozialhygiene wie der Sozial Politik so wenig anerkennt, was soll man da von seinen Assistenten und Schülern erwarten! Nur bei dem überragenden Einfluß der Universitätslehrer auf die Aerzteschast ist auch deren oben erwähnte offizielle Stellungnahme auf dem Kölner Aerztetag erNärlich. Was helfen da alle Studienreformen, solange nicht auch eine Wandlung in der Art der Berufung der Universitätslehrer eintritt. Wann wird auch den Männern, die wirklich die Mass« des Volkes und ihre Nöte kennen, und die heute trotz wissenschaftlicher und praktischer Befähigung nicht als ordentliche Profesioren berufen werden, der Weg in die Fakultäten geöffnet werden, ein Weg, der heute nur durch das Fegefeuer der Universitätskliniken mit ihrer Siebung nach Korpszugehörigkeit, Verwandtschaft, Abstammung usw.führt. Hier könnt« das Kultusministerium in Preußen schon einige Exempel statuieren! Nachlese vom Wochenendsport Meisterschaften derArheiter-Sdnitzen Von den bundestreuen Berliner Arbeiter-Schützen wurden am Sonntag die Ortsgruppeneinzelmeisterschaften im Kleinkaliberschießen ausgetragen, die eine erfreulich gute Beteiligung auswiesen. Auch der Nachwuchs war stark oertreten. Es entwickelten sich teilweise scharfe Kämpfe, doch wurden die Leistungen durch die drückende Hitze beeinträchtigt, so daß die Er- gtibnisse nicht an die Bundeshöchstleistungen heranreichen. Den Sieg errang schließlich Maschke-Lichterfelde mit 151 Punkten, aber schon den zweiten Platz besetzte ein Jungschütze: Henschel-Lichterfelde mit 144 Punkten. Dritter wurde Meyer-Britz mit 142 Punkten vor Demlosf-Wedding mit 135 Punkten. Den fünften Platz rettete SIewert-Schöneberg ganz knapp vor Kühn-Lichterfclde mit 126 zu 125 Punkten. In der Meisterschaft sür Sportlerinnen siegte erwartungs- gemäß Mia Brozinski-Lichtenberg mit dem sehr guten Resultat von 126 Punkten, ihr Sieg war keinen Augenblick in Frage gestellt. Bei den Jungschützen wurde Klann-Schöneberg zweiter. Die Ehren- scheide holte sich Demlosf-Wedding nach schärfstem Kamps und m«hr- maligem Abstechen. Geschossen wurde nur stehend freihändig. Nach Schluß der Wettkämpfe fand noch ein Sondertraining für die zur Llrbeiter-Olympiade nach Wien fahrenden Schützen statt. Jnter- csscnten wenden sich an Robert Schütze. Berlin N., Ruheplatzstr. 18. Arbeiter-Tennis Tennis-Rol sdilSgt Eiche-Leipzig 38:11 Die Dereinsmannschaft von Tennis-Rot weilte am Sonntag bei Eiche in Leipzig. Auf Grund der Spielstärke von Tennis-Rot war von vornherein mit einem Sieg über Eiche-Leipzig zu rechnen, un> erwartet kam jedoch die sehr starke Ueberlegenheit von Tennis-Rot. Eiche konnte im ganzen nur drei Treffer für sich entscheiden und Zwar zwei Männer-Einzel und ein Frauen-Einzel, die Männer-Einzel auch nur nach Dreisatzkämpfen. Was den Leipzigern fehlt, ist die taktische Ausnutzung der Spielmomente. In diesem Punkt ist Tennis- Rot stark überlegen, Leipzig hat jedoch sehr gute technische Kräfte. Die einzelnen Spielarten ergaben folgende Resultate für Tenni»-Rot: Frauen-Einzel 16: 5, Männer-Einzel 16: 5, Frauen-Doppel 6: 1, Männerdoppel 6: 6, gemischte Doppel 6: 6. Ergebnisse der letzten Serienlreffen: Tennis-Rot-Köpenick gegen Tennis-Rot-Lichtenberg 13: 6. Ebenfalls in der S- G r u p p e für Männer setzte sich Tennis-Rot-Charlottenburg gegen FTGB. mit 11:7 durch. In der E- G r u p p e für Männer trennten sich Tennis- Rot-Neukölln und Friedrichshain unter Teilung der Punkte mit 9: 9. Tennis-Rot-Gesundbrunnen bleibt weiter in Führung durch einen Sieg über FTGB. mit 13: 5 Punkten. In Männer D schickte Tennis-Rot-Weihensee 2 Tennis-Rot-Lichtenberg mit 12: 6 nach Hause. Serienspicle am 1Z. Zuli: Frauen A; Tennis-Rot-Neukölln gegen FTGB, 8 Uhr, Volkspark Neukölln: Tennis-Rot-Friedrichs- Hain gegen Tennis-Rot-Wedding, 14 Uhr, Friedrichshmn. Frauen K: FTGB. gegen Tennis-Rot-Lichtenberg, 9 Uhr, Rehberge. Männer A: Tennis-Rot-Neukölln gegen FTGB., 8 Uhr, Voltspark Neukölln. Männer L: FTGB. gegen Tennis-Rot-Friedrichshain, 14 Uhr, Friedrichshain. Männer C: FTGB. gegen Tennis-Rot-Neukölln, 9 Uhr. Rehberge. Schwerathleten im Freien Am Sonntag fanden in Tegel die M a n n f ch a f t s- M e i st« r- s ch a f t e n in der Leichtathletik des 4. Kreises des Arbeiter- Athletenbundes statt. Die Leichtathletik ist noch ein« junge Sparte im Kreis, zeigte aber«in« gute Beteiligung, und auch gute Leistungen. Mannschaftsmeistcr wurde S a x s o n- Brandenburg, den zweiten Platz belegte Sparta, Dritter wurde Tegel, Vierter -At-Wedding. Im Kugelstoßen kam Fischer-Brandenburg an die »?-Meter-Grcnze. Lübeniann lief 166 Meter in 11,8 und kam im Weitsprung an di« 6-Meter-Grenze. Am Nachmittag fand im Freibad Hasselwerder ein Freiluftkampftag im Ringen statt. Die erste Mannschaft der Freien Sportvereinigung Tegel 1899 kämpfte gegen ein« kombinierte Mannschaft von Alt-Wedding, Lichtenberg und Brandenburg mit einem Resultat 15: 17. Leim„SturmvoSel" Jetzt ist es auch der Ortsgruppe Tiergarten-Charlottenburg des „Sturmvogel" gelungen, nach einjähriger Bauzeit das erste Segelflugzeug fertigzustellen. Wenn man in Betracht zieht, daß die Mittel zum Bau dieser Maschine fast ausschließlich durch Sammlun- gen innerhalb der Mitgliedschaft aufgebracht wurden, und die Fertig- stellung von den Mitgliedern in ihrer freien Zeit vollzogen wurde, so ist die Bauzeit von einem Jahr als nicht zu lang zu betrachten. Hervorgehoben zu werden oerdient die außerordentliche Regsamkeit der weiblichen Mitgliedschaft. Wurde doch das ganze Hinterteil mit Höhen- und Seitensteuer von den Frauen gebaut. Bei der am Sonn- abend stattgefundenen Taufe schilderte der Gauleiter von Branden- bürg, Zscheile, den Werdegang des Apparats sowie die Bedeutung des Segelslugs jür die werktätige Bevölkerung. Wie man über- Haupt fliegt, das werden alle Interessenten bei dem am 19. Juli auf dem Uebungsgelände in Mittenwalde stattfindenden Iungfernflug der„Windsbraut" sehen. Ahendsportfest in Sdiöneberg Das Schöneberger Arbeitersportkartell veranstaltete am Sonn- abend auf dem Dominikusplatz ein W e r b e s p o r t f e st, an dem sich Radfahrer, Sänger, Turner, Leichtathleten, Fußballspieler und die SAI. beteiligten. Auf der großen Kampfbahn waren während des ganzen Abends die Leichtathleten in Tätigkeit. Die Stafetten sahen abwechselnd Volkssport-Neukölln, Schöneberg und Süden in Front, während Friedenau die Iugendkonkurrenzen erfolgreich be- legte. Bei den Sondervorführungen sind die Schöneberger Sport- lerinnen mit Gymnastik nach Musik und die Olympiadeübungen zu erwähnen. Stark war„Solidarität" vertreten. Mit einem 12er Farbenreigen und drei Schulreigen zogen die Radfahrer die Auf- merksamkeit auf sich. Außerdem trugen die Gruppen Schöneberg gegen eine kombinierte Mannschaft Steglitz-Mahlsdorf ein Radball- spiel aus, das Schöneberg mit 4:1 gewann. Die„alten Herren" waren mit Faustballspielen am Programm beteiligt. Sie zeigten, wie man bis ins vorgeschrittene Alter seinen Körper beweglich und jugendfrisch erhalten kann. Auf zwei Spielfeldern trugen die Fuß- baller Kurzspiele aus. Es spielten: Schöneberg 1 gegen Charlotten- burgl 2:1: Eiche-Eintracht 1 gegen Spandau 1 1:6: Schöneberg 2 gegen Spandau 2 3:6; Schöneberg 1 gegen Köpenick 1 4:�2: Charlottenburg 1 gegen Spandau 10:0. Tennis in England Das Mutterland des wwciflen Sportes" Anläßlich des großen englischen Tennisturniers in Wimbledon dürften nachstehende Zeilen von Interesse sein: Während bei uns der Tennissport meist nur von den sogenannten begüterten Kreisen ausgeübt wird(die Arbeitertennis- spieler haben sich jetzt auch leistungsstarke Berein« geschaffen!), gehört er neben dem Fußballspiel in England zum volkstümlichsten Sport. Dem englischen Tennisverband gehören rund 2606 Vereine an, da- zu kommen noch die sogenannten Firmen-, oder wie wir sagen sagen würden, die Werksportoereine mit 356, die zusammen 2 Millionen Mitglieder zählen. Diese zwei Millionen Tennisspieler geben in cin«m Jahre etwa 36 Millionen Mark allein für Tennisschläger und etwa 16 Millionen Mark für Tennisbälle aus. Für Platzgebühren, Neuaufbauten und Instandhalten der Plätze werden 12 Millionen Mark ausgegeben, während für Trainer und Lehrer die Verhältnis- mäßig niedrige Summe von nur etwa einer halben Million aus- gegeben wird. Dagegen finden durch den Tennissport zahlreiche Angestellte und Arbeiter ihr Brot, was aus den Ausgaben für Löhne und Gehälter in der Höhe von etwa 7 Millionen Mark zum Ausdruck kommt. In Wimbledon stehen gegenwärtig 462 Tennis- spieler und-spielerinnen im Wettbewerb, und die Nachfrage nach Dauerkarten zu diesen Spielen ist sehr groß. Bisher sind für an- nähernd 660 666 Mark Dauerkarten verkauft. Der riesige Platz besteht aus 17 Spielplätzen, auf denen, täglich fast 76 Spiele aus- getragen werden. Auf dem größten Platz befinden sich Tribünen für 26 006 Zuschauer, die fast immer ausverkauft sind. Vier riesige Parkplätze bieten Raum für 160 600 Automobile und andere Fuhr- werke, die den Vermietern die stattliche Summe von einer halben Million Mark einbringen. Im ganzen dauert das Turnier 14 Tage und die Zufchauern�nge dürfte mit einer Million Menschen im ganzen nicht zu hoch geschätzt sein, die wiederum eine Gesamt- einnähme von annähernd fünf Millionen Mark Eintrittsgelder gebracht haben. ARBEiTER. mSEALL Olympiafufjballer bei uns Den Arbeitcrfußballanhüngern, denen es die Verhältnisse nicht erlauben, das Olympia in Wien mit zu erleben, wird nach dem F e st in Deutschland Gelegenheit geboten, verschiedene Ländernrann- schasten im Spiel zu sehen, die sich in Wien um den Titel des Olympiameisters bewarben. Der Arbeiter-Turn- und Sportbund hat die Ländermannfchaft von England, Finnland. Ungarn, Polen, Lettland, Dänemark, Estland und N o r w e g en zu Spielen in 32 verschiedenen Orten verpflichtet. Dabei sind nicht nur die Großstädte berücksichtigt worden. � Die Spiele der finnischen Fuhball-Ländcrmannschaft sind mit dem Start der sechs besten finnischen Leichtathleten verbunden. Es spielen: England am 29. Juli in Hindenburg(Oberschlesien), am 1. August in Breslau, am 2. August gegen die deutsche Ländermannschast M Waldenburg in Schlesien. Finnland will mit der Länderfußballmannschast und den Leicht- athleten am 36. Juli in Dortmund, 1. August in Bremen, 2. August in Hamburg und 4. August in Berlin starten. Spiele mit Ungarn sind abgeschlossen worden sür den 28. Juli in München, 36. Juli in Augsburg. 1. August in Dresden. 2. August in Zwickau und am 4. August in Burgstädt in Sachsen. Polen ist verpflichtet sür den 29. Juli nach Aue in Sachsen. 1. August nach Riesa in Sachsen, 2. August nach Annahütte in der Lausitz und 5. August nach Weißwasser in der Lausitz. Spiele mit Lettland sind vorgesehen am 1. August in Stuttgart, am 2. August in Karlsruhe. 5. August in Frankfurt am Main, am 8. August in Hannover und am 9. August in Bremerhaven. Dänemark trägt am 26. Juli in Eschweg« und 31. Juli in Tiefenort Spiele aus. Estland ist Gast am 29. Juli in Plauen i. Dogtl., am 1. August in Halle, am 2. August in Dessau, am 5. August in Aschcrsleben und am 9. August in Braunschweig. Ein neuer Gast in Deutschland wird Norwegen sein. Die norwegische Länderfußballmannschast, die bis vor kurzem noch der sogenannten„Roten Sportinternationale" angehörte, wird auf der Rückreise von Wien am 29. Juli in Mannheim� am 1. August in Köln, und am 2. August in Kassel spielen. Sehr wahrscheinlich kommt mit dieser Mannschaft auch noch am 5. August ein Spiel>n Bielefeld oder Lübeck zustande. Wer beteiligt sieh am Weltkindertag? Der am 19. Juli im gesamten Deutschen Reich und in Oester- reich stattfindende Weltkindertag der Arbeit«rsportler er- wartet die Beteiligung aller der Zentralkommission angeschlossenen Organisationen. Auch die„Kindersreunde" sind an diesem Tag« gern gesehene Gäste und können im Berlin-Brandenburger 1. Kreis- gebiet je nach ihrem Verwaltungsbezirk an den verschiedenen Kindertreffen teilnehmen. Die städtischen Verwaltungsbezirke Friedrichshain, Treptow, Köpenick. Lichtenberg, Mitte gehören zum 1. B«zirt: Fest in Erkner: Anfragen an Fritz Leibrandt, Berlin- Oberschöneweide, Rathenaustr. 7. Die Verwaltungsbezirke Wedding. Prenzlauer Berg. Weißensee, Pankow, Reinickendorf gehören zum 2. Bezirk: Fest in Eberswalde: Hauptadresse Ewald Grail, Berlin N. 31. Bernauer Str. 74. Die Verwaltungsbezirke� Tier- garten, Spandau, Charlottenburg gehören zum 3. Bezirk: Fest in Brandenburg; Hauptadresse Wilhelm Karthäuser, Brandenburg, Wilhelmsdorser Straße 36. Die Verwaltungsbezirke Steglitz Schöneberg, Zehlendorf, Wllmersoorf, Kreuzberg, Neukölln, Tempc!- Hof gehören zum 4. Bezirk; Fest in Zossen; Hauptadresi« Olto Schiftan, Berlin-Britz, Rungiusstr. 32. Olympiameldungen abgeschlossen! Die deutsche Sonderzugs« Hauptleitung in Nürnberg und die Olympiageschäftsstelle de- Ar- beiter-Turn- und Sportbundes in Leipzig bitten uns mitzuteilen, daß Neumeldungen, Ab- und Ummeldungen als Teilnehmer und Benutzer eines Sonderzuges nicht mehr angenommen werden. Das- selbe trifft zu sür Anforderungen von Ausweisen zum zollfreien Grenzübertritt wie Bootsau-weise und Tryptike für Fahrräder, Motorräder und Autos. Anmeldungen für die Olympiade-Wande- rungen und für den am 27. Juli vorgesehenen Sonderzug Wien— Innsbruck sowie sämtliche Anfragen, welche die Olympiade-Wande- rungen betreffen, sind nicht nach Nürnberg zu senden, sondern an den Ausslugsausschuß für die Olympiade: Touristen-Verein„Die Natur- freunde", Wien 14, Dicsfenbachgasse 36. Joutiftcn-Sctcin„Die Salutfrcunbe", Centrale Wien, vienstaz, 7. Juli, 20 Uhr: Abt. Fricdrichshain, Franrfurtcr AUee Z07: Iirdien-Bah»hof Boddin- straßc). Gäste herzlichst willkommen. Teilnehmerbcitrag wird nicht erhoben. Proles. Uebungsstunde während der Ferien: Jeden Mittwoch, 18 Uhr, Blaß 8, Friedrichohaiii, für die Ortsgruppe. Nordgruppe Rehberge: jeden Dienstag und Donnerstag. 19. Juli, Weltkindertag. Schillerpark: Montag und Mittwoch. Sonntag. Die Arbeiter-Kegatta in Grünau i)ie Frauen der.dreien.Kaim Union", die dag Siil- paddeln am bellen fuhren, 3>ie siegreiche triaiwichafi Im Senioren- JUhier ntomSrlg"- Xelpalg