Morgenausgabe OTWtto« TÄr"*"" tzM H Wöchentlich SSPf, monatNch �Sv � iW> Mi■ HR Bl MW HT� w �"Af Im noenus znhlbne, Postbezug 4,32 M. WW I RW WW ff �W WW �iUstvONS 15 Vi. einschlieblich KOPs. Postzeiwng-. und ZW IL�H W H W � W W Wi MW M // M obonnemen�6���3� o�'Motm��küe L�B H W■ �■ W W■■■ L\ B M � DI°.,n,p-IU N°np°»,ll«..l.»0 P,. ZW fM■■■■■■■■■ �■ WZ xsf&fsgsJaüti " r" W; B■■ WL MMM MM■■ MM Der �Bonnörts- ericheint mochenfän* Hf W M T/ M Stellengesuche Ix» erste Wort IS Ps. lich zweimal. Enmitng- und Mnntnz» // A m In T A. A ?n�n3ei�?a5«ne?�aüenfttaS?-! JR AA�X A A A AA Jfc. XX teilQuptgeidjäftCmbenft��'moÄ ÄUÄ-SU'ÄÄ ttd! M��GMNVB�AA«MeäÜfcWttM Zentvatsvga« der GozialdemoSrattschen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin TW 68. Lindenstr. 3 Fernspr.i Dönhoff(h. 7) 292—297. Tclegramm-Adr.: Sozialdemokrat Berlin. !tm den noch forldauernden ausländischen Kredilabziehuogcn entgegenzuwirken, soll durch die Zusammenorbeil von etwa 1000 deutschen Groszsirmen und Banken dieGolddiskonlbauk ge- wissermaßcn zur Zentralbank für Zluslandskre- dite gemachl werden. Die beteiligten Firmen wollen anteils- mähig eine A u s f al l s b ü rg sch a f« sür von der Golddiskont. dank zu gewährende Kredite übernehmen im Betrage von 500 Millionen Mark. Ueber die Absichten orientiert ein Brief, den wir im Wortlaut folgen lassen: Berlin, den 7.??«i 1931. Sehr geehrter Herr Rcichsbankpräsident! Die Botschaft des Präsidenten Hoover hat der Welt den groheu O'rnst der deutschen Lage offengelcgt. In der Zeit, die zwischen der Berkündung dieser Botschaft und ihrer Annahme verstrichen ist, h a t sich die Lage noch verschärft. Wir hoffen, daß die nun- mehr erfolgte Zustimmung aller beteiligten Staaten zu dem Pakte die Grundlage für den wenn auch sicher schwierigen Wiederaufbau bietet. Das Ziel muß jetzt sein, das Vertrauen auf Deutschland und in Deutschland wiederherzustellen, weitere Kreditkündigun- gen zu vermeiden und dem Dcoisenabfluß Ein- h a I t z u t u n. Wir haben uns entschlossen, unsere Mitwirkung durch Z u- s a m m �n f a s s u n g der deutschen wirtschaftlichen Kräfte in folgender Weise zur Verfügung zu stellen: Zlnter Führung der Deutschen Golddiskonlbank wird von deutscheu Unternehmungen aus Industrie, Banken. Schisfahrt und Handel ein Gorantiesyndikat gebildet, dos eine Aussallbürgschoft in höhe von 500 Millionen Mark übernimmt, um durch diese Garantiemasse die Aktionskrast der Deutschen Golddiskontbant zu verstärken. Diese Haftsumme wird nach einem bestimmten Verfahren auf die tausend größten deutschen Unternehmung» umzulegen sein, wobei an einen bereits vorhandenen Ver- teilungsschlüssel gedacht ist. Wir sind uns bewußt, welches Obligo eine solche Summe für uns bedeutet, sind aber zu dieser Leistung bereit, um die Deutsche Golddiskontbank, die sich bereits früher in schwieriger Lage als eine Hilfe für die deutsche Wirtschaft bewährt hat, so zu stärken, da sie über ihren bisherigen Ramen hinaus, namentlich in der jetzigen schwierigen Uebergangszeit, als Kreditinstrument wertvolle Dienste leisten kann. Diese unsere Garantieleistung kann jedoch nur wirksam werden, wenn es dein Reichsbank-Direltorium gelingt, in der Zu- fammenarbeit mit den ausländischen Notenbanken die für die deutsche Wirtschaft und Kreditlage notwendigen E r l e i ch- i c r u n g c n unter Mitwirkung der ausländischen Bankwelt uns zu verschaffen. Wir bitten Sie, sehr geehrter Herr Reichsbankpräsident, die zur Verwirklichung dieses Vorschlages notwendigen Maßnahmen alsbald in die Wege zu leiten. Vorwäris-Verlag G. m. b. H. Der Brief ist unterzeichnet von den führenden Banken und Jndustriefirmen. wie vom Reichsbankpräsideuten dazu erklärt wird, handelt es sich um eine Idee und eine Aktion der deutschen Industrie und der deutschen Banken. Diese Aktion soll dem im Auslande noch immer vorhandenen Mißtrauen in großen Teilen der deutschen Wirtschaft begegnen. Die Solidarbürgschaft im Betrage von einer halben Milliarde Mark soll ein kraftbeweis sein gegenüber die- sem ausländischen Mißtrauen und dem Ausland vor ollen Dingen die Möglichkeit geben, gewährte Kredite der Golddiskontbank zur Verfügung zu stellen, wenn sie dem ausländischen Kreditgeber bei dem eigentlichen Kredilempsänger nicht sicher genug erscheinen, weitere Kreditkündigungen sollen auf diese weise ver- hindert werden. So wünschenswert es wäre, daß diese Demonstration deutscher wirtschaslsgruppen im Auslände den erhofften Erfolg erzielt, so wird man doch abwarten müssen, ob die Durchführung des Gedankens ebenso fruchtbar sein wird, als die Fixigkeit es wünschen läßt, mit der der Gedanke die erste Form gesunden Hai. Das Wirffchastsverbrechen Nordwolle. 2v0Mis tionenMarkÄsrlusi ✓ ttrimineUeBuchungsmethoden Die Verwaltung der Norddeutschcn Wollkäm- merei und Kammgarnspinnerei, Bremen, teilt sol- gcndes mit: Auf Grund der Prüfungen der letzten Wochen, die sich mit Rücksicht aus die zahlreichen Tochtergesellschaften, insbesondere auch die N. V. Handel Mij. Ultra Marc, Amsterdam, sehr schwierig ge- stalten, müsscn die Gesamtvcrluste des ganzen Konzerns auf rund 200 Mill. Mark geschäht werden nach voller Abschreibung aller Beteiligungen. Die Verluste sind in den letzten Jahren entstanden. Die in Der- bindung mit der Vevschachtelung der einzelnen Gesellschaften inner- halb des Konzerns angewandten Buchungsmethoden haben verhindert, sie früher zu erkennen. Eine Sanierung des Unternehmens wird nur dann möglich sein, wenn die Gläubiger auf ihre Forderungen von ins- gesamt 240 Mill. Mark einen größeren Verzicht aussprechen. Unter dieser Voraussctz.ung ist zu erwarten, daß zur Zeit schwebende Verhandlungen mit einer Jntcressentcngruppe, die darauf hinzielen, dem Unternehmen außer den früher bereits für die Schaffung von Vorzugsaktien zur Derfügung gestellten 30 Mill. M. weitere Mittel in Höhe von 50 Mill. M. gegen Gewährung des gleichen Betrages in Aktien zu sichern, in kurzer Frist zu einem positiven Ergebnis führen werden, wodurch die Einleitung des Vergleichsverfahrens sich ver. meiden lasten wird. PostschcckkoMo: Berlin 37 536.— Bankkonto: Bankder Arbeiter, Angestellten und B eamten, Lindenstr. 3, Dt.B.u.Disc..Ges., DePositenr.,Jerusaleni«r Str. 65/66. Oer Hoover-Plan. Seine Verwirklichung eine wesentliche Hilfe unö eine große Aufgabe. Es waren zweierlei Eindrücke, die Hoover entscheidend beeinflußt haben, als er sich zu seiner Aktion entschloß. Erstens die Meldungen aus Europa, daß Deutschland un- mittelbar vor dem fürchterlichen wirtschaftlichen Zusammen- bruch stehe, und zweitens persönliche Eindrücke, die der amcri- kanische Präsident selbst auf seiner Reise durch agrarische Ge- biete seines Landes wahrgenommen hatte. Es wäre müßig, zu untersuchen, was auf Hoover am stärksten gewirkt und im letzten Augenblick den Ausschlag gegeben hat. Es wäre auch falsch, die Wirkung der europäischen Meldungen und der amerikanischen Eindrücke auf Hoover und seine Mitarbeiter voneinander zu trennen. Alles das waren einzelne Züge, aus denen sich ein eindrucksvolles und geradezu erschreckendes Bild der Lage gestaltete. Hoover war freilich über die Wirtschaftslage in Amerika selbst und in der Welt sehr gut informiert. Er kannte nicht nur alle Statistiken, die der Oeffentlichkeit bekannt werden, sondern auch manches darüber hinaus, was er aus den ver- traulichen inländischen und ausländischen Berichten erfuhr. Seine Reise durch die mittleren Staaten seines Landes hat ihm aber einen lebendigen Einblick in die Tiefe der Wirtschaft- lichen Not in den Teilen seines Landes, die am wenigsten von der Außenwelt abhängig zu sein schienen, mit der Gesamtlage der Weltwirtschaft anschaulich gemacht. Was nützen Amerika feine Geldflüfsigkeit und Kapitalfüllc. seine phantastisch großen Goldoorräte, wenn sie nicht zur Förderung der Produktion verwendet werden können. Was nützt es, daß die amerika- nische Regierung alle ihre finanziellen Schwierigkeiten dadurch beheben kann, daß sie von ihren Bürgern so viel Geld, wie sie braucht, und billiger als zu einem Prozent bekommen kann. Was nützt das alles, wenn irgendwelcher, aber sicher- lich entscheidender Antrieb zu der Ankurbelung der Wirtschaft- lichen Tätigkeit, zu der Fruchtbarmachung des gesparten Geldes fehlt. Man ist sich in Amerika darüber klar geworden, daß Amerika schon zu stark mit der gesamten Weltwirtschaft verbunden ist, als daß dieser entscheidende Antrieb vom in- ländischen Markt allein kommen könnte. Das Gefühl der Unsicherheit lastet auf der amerikanischen Wirtschaft und verhindert produktive Verwendung des Ka- pitals. Diese Unsicherheit ist aber aus eigener Kraft allein nicht zu beheben. Viel zu stark hängt sie mit der Unsicherheit in der sonstigen Welt zusammen. Von allen Unsicher- heitsfaktoren.die geeignet sind, die wirtschaftliche Lage in der Welt stark zu beeinflussen, erscheint die besondere Lage Deutschlands als der wichtigste. Was Deutsch- land für alle Formen des internationalen wirtschaftlichen Ver- kehrs jetzt bedeutet, das haben namentlich die amerikanischen Banken in den letzten Monaten besonders stark gespürt. Ge- miß bestimmt nicht die Wirtschaftslage Deutschlands allein den Verlauf der wirtschaftlichen Depression in der Welt und ins- besondere in Amerika. Deutschland scheint aber jetzt das schwache Glied in der Kette zu sein, dessen Zusammenbruch die ganze Kette der wirtschaftlichen Verflechtungen zu zer- reißen droht. Aus solchen Ueberlegungcn ergab sich die Schlußfolgerung: man muß Deutschland Helsen, um die Ueberwindung der amerikanischen Krise zu fördern.> Vielleicht hat Hoover zunächst die politischen Schwierig- leiten, mit denen man in Europa zu ringen hat, etwas unter- schätzt. Er hat aber letzten Endes mit seinem Optimismus recht behalten. Wir haben zwar in den letzten vierzehn Tagen. als wir den mühseligen Gang der Verhandlungen in Paris verfolgten, fast jeden Tag«ine neue„Krise" erlebt. Schließ- lich ist aber doch die Einigung zustandegekommen, die im wesentlichen dem Inhalt Res Hooverschen Vorschlages und seinem leitenden Gedanken entspricht. Denn darüber kann kein Zweifel bestehen, daß Hoover seinen Plan in seiner un- mittelbaren Wirkung als eine Rettungsaktion für Deutschland gedacht hat. Sein Leitgedanke ist, daß die Rettung Deutschlands vom wirtschaftlichen Chaos der Aus- gangspunkt für die Ueberwindung der Weltwirtschaftskrise sein muß. Dieser Gedanke wird jetzt insofern in seinem vollen Umfange verwirklicht, als Deutschland alle seine Reparations- Zahlungen in verschiedenen Formen zur eigenen Verfügung bekommt. Die Frage der Sachlicfcrungen bleibt zwar vorläufig noch nicht geregelt: es ist aber zu erwarten, daß auch von dieser Seite keine wesentliche Beschneidung der deutschen Entlastung kommen wird. Für uns bedeutet die Verwirklichung de? Konferenz in London nächste Woche Von Macdonald vorgeschlagen, von Briand angenommen, von Hoover begrüßt London, 7. Jnli(Eigenbericht.) Ministerpräsident Macdonald erklärte am Dienstag im Unterhans ans Anfrage, daß die englische Regicrnng ihre Einladung zn einer Konferenz der Unter- zeichnung des Houng-Planes in London inzwischen erneuert habe. Eine Wiederholung der Einladung sei erforderlich gewesen, weil die ursprüngliche Ein- ladung nur für den Fall gelten sollte, daß eine Einigung in Paris nicht zustandegekommen wäre. Vor allem sei der Gesundheitszustand«nowdens der Grund für den englischen Wunsch, möglichst London als Kon. ferenzort zn sehen. Varis nimmt Konferenzvorscklag an. Paris, 7. Juli. Die französische Regierung hat. wie Habas berichtet. die durch den englischen Botschafter in Paris, Lord Thrrell. überbrachte Anregung der englische« Regiernug angenommen, in der nächsten Woche eine Zusammenkunft des Komitees der Schaßamtsfach- verständigen in London anzuberaumen. Dieses soll im einzelnen die Durchführung des Deutschland be- bewilligten Moratoriums regeln. Amerika zur Teilnahme bereit. Washington, 7. Juli. Im Außenamt wurde heute auf eine Anfrage erklärt, die Re- gierung der Dereinigten Staaten werde sich gern an internatio- nalen Konferenzen beteiligen, die mit dem Hoover-Plan zu- sammenhängen, und zwar sowohl an einer Konferenz der Außen- minister der in Frage kommenden Staaten, wie an lincr Konferenz der Finanzexperten. Sollte es an) der ersteren Konserenz ge- lingcn, Frankreich zu einer Verlängerung der gestern verein- borten Frist zu veranlassen, in der Deutschland die auf ein Jahr gestundeten Beträge nachzuzahlen hat. so würde die amerikanische Regierung da» wärmsten? begrüßen. Präsident Hoover hatte zuerst 35, dann 25 Jahre vorgeschlagen und betrachte eine Frist von 10 Jahren als zu kurz. Zentralbank für Auslandskredite? Eine Golidaraktion der deuischen Wirischast.— 500 Millionen Ausfallbürgschast für Golddiskonibank. Koover für Serabsetzung aller Schulden? Einstweilen wariei er Genfer Ergebnisse ab. Washington, 7. Juli. In den Washingtoner Blättern wird aus Castles Darstellung der Entstehung des Hoover-Planes als wesentlid)ster und bemerkenswertester Passus in Fettdruck jener hervorgehoben, der davon be- richtet, daß Hoover sich ernstlich mit dem Gedanken getragen habe. eine internationale Konferenz einzuberufen, deren Zweck es fein sollte, die Zahlungsfähigkeit der Schuldner- staaten erneut zu prüfen. Castle sagt wörtlich,„Eine der Ideen, die Präsident Hoooer im Sinne hatte, und die aus dem Gefühl ent- sprang, daß Hilfe gebracht werden müsse, war die, die Zohlungs- Unfähigkeit des Auslandes erneut zu prüfen, um zu erkennen, ob jene Schulden, wie die Reparationen und alle anderen, nicht gemäß der Weltdepression ermäßigt werden sollten. Es wurde aber entschieden, daß es nicht klug wäre, damit u n- v e r z ü g l i ch vorzugehen, weil doch zur Untersuchung dieses selben Problems, Europa Hilfe zu bringen, eine Konferenz in Genf eingesetzt war, die vielleicht ein wertvolles Projekt ausgegearbeitet hätte. Amerika rechnet mit zwei Konferenzen. Washington. 7. Juli. Unterstaatssekretär Castle erklärte heute, selbst wenn die britische Regierung eine internationale fto n» ferenz der Außenminister einberufen sollte, so sei nichtsdestoweniger auch noch eine Konferenz der Finanzexperten der beteiligten Länder erforder- lich. Die Konferenz der Staatsmänner könnte seiner An- sieht nach die Frage diskutieren, ob nicht die R ü ck z a h- l u n g s f r i st, die man Teutschland gestern gewährt habe, z u k u r z sei. Dagegen würde eine Revision der Schuldenverträge im gegenwärtigen Augen- blick sicher nich diskutiert werden. Zur formellen Inkraftsetzung des Hoover-Planes bedürfe es jetzt nur noch der formellen Zustimmungserklärung seitens der anderen Staaten mit AuSnahm« von Frankreich, das bereits zugestimmt habe. Dies alles sei aber nur ein« Formsache; tatsächlich habe das Ferienjahr bereits begonnen. England wünscht allgemeine Neuregelung. London, 7. Juli.(Eigenbericht.) In London ist man allgemein der Auffassung, daß während des Feierjahres eine bessere Lösung der Frage der internationalen Schulden gefunden werden muß, wenn man sich nach 12 Monaten nicht wieder in einer ähnlichen prekären Lage befinden will wie gegenwärtig. Die von Macdonald vorgeschlagene Konferenz soll sich deshalb mit den während der Pariser Verhandlungen nicht geklärten Fragen beschäftigen, ober zugleich die Aläglichkeit zu Verhandlungen über das gesamte Problem der internationalen Schulden bieten. Der„Daily Herald" kritisiert in einem Leitartikel die Art, wie Frankreich den Hoover-Plan zum Anlaß eine« Kuh» Handels genommen habe, erkennt aber zugleich den Mut der französischen Jegierung an, schließlich doch ihre ursprüngliche Hol- tung aufzugeben. Heber die Aufgaben, die während des Feierjahres zu lösen sind, sogt das Blatt: Daß der Plan in Kraft tritt, ist nicht genug. Dieses llahr muß benutzt werden, nicht nur. um das ganze Problem der Schulden zu behandeln, sondern auch für wettgrcifende Maßnahmen finanzieller Reformen, vor allem muß es benutzt werden, um eiae Reduzierung der Rüstungen durchzuführen. KlandinS Nechifertigung. Paris. 7. Juli.(Eigenbericht.) Der französische Finanz mini st er Flandin erklärte am Dienstag vor Vertretern der Presse über den Vorschlag Hoovers und das am Montag abgeschlossene Pariser Abkommen unter an- derem folgendes: Als der Vorschlag Hoovers bei uns bekannt wurde, hat er die meisten Franzosen überrascht, die über die ernste finan, zitllc Lage Deutschlands im allgemeinen nicht unterrichtet waren. Wenn sich die französische Regierung der Iuitiatioe Hoovers ange- schlössen hat, so ist dos geschehen um einen neuen Währungszusammenbruch in Deutschland zu wer- hindern, dessen vernichtende Folgen besonders der französischen Repa- rationsschuldsorderung schädlich gewesen wären. Di« Verhandlungen waren sehr mühsam. Die französische Regierung mujßte die Aufrechterhaltung des Noung-Plancs mit der amerikanischen Anregung einer einjährigen Zahlungseinstellung in Einklang bringen. Wir haben uns dabei in den vor dem Parlament dargelegren und von ihm gebilligten Grenzen geholten. Die neuen Verhand- l n g c n, die in kurzem beginnen werden, müssen in demselben Geiste geführt werden, der für das am Montag abgeschlo-sjene Abkommen bestimmend war. Das internationale Vertrauen muß wiederhergestellt werden, das für die Belebung der Geschäftstätigkeit ebenso große Bedeutung hat wie im Jahre 1926 für die Konsoli- dierung des Franken. Der Vorschlag Hoavers hat gezeigt, daß Amerika, auch wenn es wollte, weder sich selbst noch Frankreich»so- lieren kann. Alle Anstrengungen müssen jetzt vereinigt werAen, um die Krise zu beseitigen. Wir haben unseren Anteil an dem Opfer übernommen, jetzt ist es Sache der anderen Länder, den ihrigen auf sich zu nehmen." In Anschluß daran hat sich der Finanzmanister über die in dem Abkommen angekündigten Verhandlungen ausgesprochen. Danach scheint die französssche Regierung, obgleich noch nichts Endgültiges beschlossen ist, gegen eine internationale Konferenz zu sein, weil sie unter dem Vorwand, die noch schwebenden Fragen zu regeln, eine Revision des gesamten Reparationsproblems zu in Nachteil des Noung-Planes in die Wege leiten könne. Die französische Regie- rung denkt daher eher an eine Reihe von Einzel- be sprechungen. Die erste dieser Unterredung soll mit Reichs- kanzler Brüning und Außenminister C u r t i u s geführt werden. Nach einer noch nicht bestätigten Meldung des„Paris S o i r" wird sie wahrscheinlich am 25. Juli stattfinden. Die deutschen Minister sollen bei dieser Gelegenheit vor allem die gegenüber der amerika- nischen Regierung abgegebene Versicherung wiederholen, daß die Reichsregierung die ihr zur Verfügung gestellten Kredite nur zu wirtschaftlichen Zwecken verwenden werde. Vor den deutschen Regierungsvertretern wird der englische Außenminister H e n d e r- s o n auf dem Wege nach Verlin die französische Hauptstadt passieren. Mit ihm soll über die politischen Rückschläge gesprochen werden, die der Hooversche Borschlag auftdie Beziehungen zwischen Frankreich und England ausüben könne. Dann sollen Sach- verständige des englischen und französischen Schatzamtes die Durchführungsmodalitäten des amerikanischen Planes prüfen urch sich über die Frage des Garantiefonds verständigen. Schließ- lich soll sich der S a ch l i e f e r u n g s a u s s ch u ß des Young- Planes, der einmal jährlich in Paris zusammentritt, mit der endgültigen Regelung der Sachlieferungsfrage befassen. Am Schlich seiner Darlegungen vor der Presse erklärte der französische Finanzministcr, daß sich jetzt die anderen Mächte mit Amerika ins Einvernehmen setzen müßten, was sicherlich nicht mit großen Schwierigkeiten vor sich gehen werde. Die amerika» nische Regierung habe vielleicht»nährend der bisherigen Perhandlungen ihre Geste schon etwas bedauert(?). Frankreich hätte aber nicht die Verantwortung für«in Scheitern übernehmen können, das vielleicht von den Amerikanern selbst ge» wünscht rvorden wäre(??). Die letzten Erklärungen des französischen Finanzministers, nach denen Amerika feine Geste»vährend der Verhandhmgen mit Frankreich„schon etwas bedauert" habe, stehen in schroffem Wider- sp r u ch zu all den Erklärungen, die Staatspräsident Hoover in den beiden letzten Wochen in Berlin hat abgeben lasten. Danach rvar Amerika unseres Wissens auch entschlossen, dem Hoover-Plan ohne Frankreich Geltung zu verschaffen. Hoover- Plans zwar eine wesentliche Hilfe, aber zugleich eine große Aufgabe. Nur derjenige kann gerettet werden, der sich selbst zu retten versteht. Das gilt wenigstens für die wirtschaftlichen und für die staats- politischen kritischen Situationen. Die Gesamtsumme der Ent- lastung kann noch nicht ganz genau berechnet werden. Nach dem genauen Sinn des Hooverschen Vorschlags hätte Deutsch- land insgesamt etwa 1636 Millionen Mark als Entlastung seines Haushalts buchen dürfen. Von dieser Gesamtsuinme würden 1227 Millionen Mark in das laufende und 409 Millionen Mark in das nächste Etatjahr entfallen. Jetzt muß man damit rechnen, daß nicht die ganze Summe dem Reich zukommt, sondern daß ein Teil davon für die Finanzierung der laufenden Sachlieferungsocrträge verwendet wird. Wir würden es für richtiger halten, daß auch die in Kraft bleibenden Sachlieferungsverträge während des Schonjahres nicht aus Reichsmitteln, sondern auf dem Kreditivege finanziert werden. Die Frage bleibt aber vor- läufig offen. Es erscheint uns dagegen als selbstverständlich. daß das Reich über die Summen oerfügt, die formell von der BIZ. an die Reichsbahn als Anleihe gegeben werden sollen. Diese Regelung ist nichts anderes als ein Umweg mit dem Zweck, den Hoover-Plan formell in Einklang mit dem Doung- Plan zu bringen. Aus dem Wortlaut des Hooverschen Vor- schlages geht aber mit aller Deutlichkeit hervor, daß die Ent- lastung in ihrem vollen Umfang den Regierungen, also in unserem Falle dem Deutschen Reich, zugute kommen soll. Wie sich diese Entlastung auswirken wird, das hängt in erster Linie davon ab, ob es gelingt, die Voraussetzun- gen für die Ueberwindung der gegenwärti- gen akuten Vertrauenskrise der deutschen Wirtschaft und dem deutschen Staat gegen- über zu schaffen. Vergegenwärtigen wir uns, daß die Devisenabflüsse von der Reichsbank seit Ende Mai etwa die gleiche Summe oder sogar mehr ausmachen als die Gesamtsumme der Entlastung nach dem Hooverschen Vor- schlag. Es kommt also vor allem darauf an, daß man eine entscheidende Aenderung auf diesem Gebiet bewirkt. Es ist die höchste Zeit, zu beweisen, daß in Deutschland mit der Bereinigung der wirtschaftlichen— wohlgemerkt: privat wirtschaftlichen— M i ß st ä n d e, die sich in Fällen, wie Nordwolle und Karstadt, offenbaren, ernst gemacht wird. Die jetzt erhaltene Entlastung kann nur dann voll wirk- sam werden, wenn sie durch langfristige Auslands- a n l e i h e n ergänzt wird. Die Vertrauenskrise muß aber überwunden werden, damit diese Anleihen möglich werden. Dafür brauchen wir neben einer gründlichen innerwirtschast- lichen Bereinigung eine weitgehende außenpolitische Entspannung, und damit erweist sich die Politik der internationalen Verständigung namentlich Frankreich gegen- über als wichtigste Form der Konjunkturpolitik. Die außen- politische Entspannung ist aber nicht möglich, solange der Ein- druck entsteht, als ob die ganze deutsche Politik unter dem stärksten Druck der nationalistischen Reaktion steht. Eine außenpolitische Entspannung reicht aber auch nicht aus, solange die innenpolitischen Spannungen bedrohlich zu- nehmen. Dadurch gewinnt die Frage nach den sozialen Auswirkungen der getroffenen und zu treffenden Notmaßnahmen auch von diesem Stand- punkt eine überragende Bedeutung. Insbesondere muß schon jetzt mit ollem Nachdruck darauf hingewiesen werden, daß es eine gefährliche Selbsttäuschung wäre, wenn man die Aufgabe der finanziellen Sanierung nur im Gleichgewicht der Reichs- finanzen sehen würde. Bleibt die kritische Lage der Kommunen unbehoben, bleibt die Gefahr bestehen, daß die Kommunen ihre sozialen Leistungen nicht erfüllen können, so bleibt damit auch das ganze Sanierungswerk illusorisch. Dies scheinen uns die wesentlichsten Gesichtspunkte zu sein, unter denen das Problem der Ausnutzung der erhaltenen Entlastung zu betrachten ist. Wir dürfen keine Illusionen, keinen übertriebenen Optimismus haben. Wir müssen uns über alle Schwierigkeiten der Lage und über das gefähr» liche Treiben der Katastrophenpolitiker völlig klar sein. Nur durch zähen Kampf mit voller Anstren- gung aller Kräfte kann es uns gelingen, durchzusetzen, daß die Hilfe vom Ausland zum Ausgangspunkt für die Ueber- windung unserer Not wird. Polizei und Ltniversität. Kein Sonderrecht auf akademischem Boden. Der Amtliche Preußische Pressedienst schreibt: Jinmcr wieder läßt sich feststellen, daß noch in einzelnen Kreisen die Auffassung herrscht, als ständen dem Eingreifen der Polizei gegenüber den Ruhestörern auf dem Boden der Üniocrsitäten irgend- welche rechtlichen Bedenken gegenüber. Viefach kann man sogar noch hören, daß die Universitäten irgendwie exterritorial seien. Diese Auffassung i st absolut irrig. Es sei deshalb, um den Sachverhalt noch einmal ganz klarzustellen, ein Erlaß des Prcußi- schen Ministers des Innern vom 28. November 1939 in Erinnerung gerufen, der die gesamte Lage vollkommen auf Grund des geltenden Rechts klarstellt. In dem Erlaß heißt es: „Gegenüber den... nicht nur von feiten der Studentenschaft in der Oesfentlichkeit geäußerten Zweifeln über die Rechtmäßigkeit des �Vorgehens der Polizei auf den»„Boden der akademischen Frei- heck" stelle ich— bei voller Anerkenirung der akademischen Obrig- keit in allen rein akademischen Fällen und Geschäften— mit Nachdruck fest, daß, wie überall, die Polizei zur Sicherung und Wieder- Herstellung der öffentlichen Ruhe und Ordnung auch in den{Be- bänden und Anlagen der Universitäten oder Hochschulen berechtigt und verpflichtet ist. Die Befugnisse der allge- meinen Polizei gegenüber den Universitäten, ihren Organen und ihre»» Besuchern sind weder in sachlicher i» o ch örtlicher Beziehung irgendwie b e schränkt. Die Polizei hat daher nicht nur auf Anfordern der Univerfitätsbehördcn mit möglichster Beschleunigung mit den der gegebenen Lage entsprechenden Kräften einzugreifen, sie»st vielmehr darüber hinaus im Rohmen ihrer allgemeinen Pflichten gehalten, vorbeugend olle Vorkehrungen zu treffen, um ge- gebenenfav» auch ohne Anforderung die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ruhe und Ordnung»n den Universitäten zu gewähr- leisten." Mit die-jcr Feststellung dürften wohl die letzten, immer wieder auftauchenden Unklarheiten beseitigt sein. > Die„Noie Kahne" verboten. Vom 8. bis 2i. Juli. Der PolizeipräsiSent teilt mit: Die„Rote Fahne" ist heute auf Grund des Z 1 Ziff. 1 und 13 des Gesetzes zum Schutze der Republik vom 8. bis 21. Juli 1931 verboten worden,»veil sie wiederholt die Polizeibehörde Berlins in gröblich st er Weise beschimpft hat. Die„Rote Fahne" hat in ihrer Sonntagsausgabe die Bchaup- tung aufgestellt, daß die Polizeibehörde Berlins verkleidete Polizei- beamte planmäßig als Provokateure auf die Straßen entsendet. Obwohl dieser Artikel bereits äußerst schwere Beschimpfungen der Polizeibehörde Berlins enthielt, wurde von einer Maßnahme gegen da- Blatt zunächst abgesehen, um ihm die Möglichkeit zu belassen, sich von der Unrichtigkeit seiner Behaup- tungen zu überzeugen. Das Blatt hat die ihm gebotene Gelegenheit nicht bcnützt, vielmehr in seiner Au-gabc vom 7. Juli 1931 die gleichen Behauptungen in grob beschimpfender Form c r- n e u e r t. Es ist daher für die obengenannte Zeitspanne verboten worden. Das Llnisormverboi in Hamburg. Llnvefstcindliche Enffcheidung eines Oberlandesgerichts. Hemiburg, 7. Juli(Eigenbericht.) Das Hamburger Obcrlandesgericht hat am Montag die Revision der Staatsanwaltschaft gegen ein Urteil des Ham- burgcr Amtsgericht abgewiesen, durch das fünf National- soziolisten, die wegen oerbotwidrigen Uniformtragens angeklagt wäre»», mangels einer strafbaren Handlung freigesprochen wurden. Das Amtsgericht hotte sich auf den Standpunkt gestellt, daß das auf Grund des Hamburger Verhältnisgesetzcs erlassene polizeiliche Verbot der Naziuniform eine Ermächtigungs- Überschreitung der Polizei sei. Das Hamburger Oberlandesgericht bestätigte am Montag diese Auffassung des Amtsgerichts, indem es die Polizeiverordnung des Sei»ats vom 31. Oktober für ungültig erklärt«. Dieses Urteil des Oberlandesgerichts, das in allen republikanischen Kreisen größtes Aufsehen erregt hat, muß um so mehr befremden, als die Notwendigkeit des polizeilichen Vorgehens gegen die fort- gesetzten Naziausschreiwngen gar nicht zu bestreiten ist. Der Präses der Polizeioehörde, Senator Sch ö nf e l d e r, hat daher, eine von den Gerichten zu beachtende Rechtsgrundlage für polizeilich« und strafrichterliche Einschränkung zu schaffen, heute, unmittelbar nach Bekanntiverden der Obcrlandesgerichtsentscheidung eine neue Verordnung auf Grund der Notverordnung des Reichsgerichts- Präsidenten vom 28. März d. I. erlassen. Diese neue Verord- nung verbietet ausdrücklich das öffentliche Tragen einheitlicher, insbesondere militärähnlicher Parteiuniformen oder Vundeskleidun- gen der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei und ihrer Unter-, Hilfs- und Nebcnorganisationcn, insbesondere der sogenann- ten Sturmabteilung(SA), Schutzstafsel(SS) und der Hitler-Jugend. Zu solchen Uniformen oder Bundeskleidungen gehören Gegenstände, die dazu bestimmt oder geeignet sind, abweichend von der üblichen bürgerlichen Kleidung die Zugehörigkeit zu den ge- nannten Organisationen äußerlich zu kennzeichnen. Während Zuwiderhandlungen gegen das Uniformverbot bisher nach der für ungültig erklärten Senatsoerordnung mit Geld- strafe bis zu 159 M. bzw. mit Hafsstrafe bis zu 6 Wachen bestraft werden konnte, unterliegt nunmehr ein Vergehen gegen das Uniform- oerbot ohne weiteres der Strafdrohung-der Notverord- nung. Danach beträgt die Mindeststrafe einen Monat Gefängnis. Infame Beleidigung Girefemanns. Oos Stuttgarter Hakenkreuzblatt verboten. Stuttgart, 7. Juli(Eigenbericht.) Das lviirttembergifche Innenministerium hat das Swttgartcr Naziblatt»vegen Beleidigung des verstorbenen Reichs- a uß e n m i n i st e r s S t r e s e ma n n bis 16. Juli verboten. Die Beleidigung rvird in folgender Gemeinheit erblickt, die sich dos Naziblatt anläßlich der Enthüllung des Ehrenmals für Stresemann in Mainz leistete: „Auch Herr Tirard, der Oberkommandiereudc und Bluthund der Rheinland-Besatzungskoinmission, ließ in Anbetracht des herz- lichen Einvernehmens zwischen ihm und dem„Befreier der Rhein- lande" einen Kranz niederlegen, ebenso Briond, neben Stresemann der größte„Paneuropäcr und Zerstörer Deutschlands". Das dankbare deutsche Volk— wie es in der Gedächnistafel heißt— hat keinen Grund, den Vertreter eines Systems zu s-iern, das keine Gelegenheit vorübergehen läßt, feine ganze Unfähigkeit, die sich besonders auf außenpolitischem Gebiet geradezu ungeheuerlich auswirkt unter Beiveis zu stellen." Nr. 313» 4S. Jahrgang Mittwoch, S. Iali il 931 km Grabe des Gemordeten. Die Beisetzung des Genossen Kuhfeld.- Polizei und Bevölkerung trauern. Im Dienst der Republik gefallen.- Anklage gegen den Terror. der Zug von der Kapelle durch ein Schupospalier nach dem Grabe in Bewegung, wo Polizeivizepräsident Dr. Weiß als Vertreter des Berliner Polizeipräsidenten, das Wort ergriff. In der kurzen Frist weniger Wochen steht die Berliner Schutzpolizei zum zweitenmal an der Bahre eines jungen Polizeibeamtcn, der das Opfer politischer Verhetzung geworden ist. Mit Emil Kuhfeld trägt die Berliner Schutzpolizei einen der befähigsten charaktervollsten Beamten zu Grabe, einen lebensprühenden Menschen, der Sonnenschein um sich zu verbreiten wußte, den Vorgesetzte und Kameraden mit gleicher Liebe und Freundschaft umfingen. Immer wird in den Reihen der Berliner Schutzpolizei der Name Emil Kuhfeld unvergessen sein. Dankbar sind wir Polizeibeamten dem Abgeordneten Meier, daß er starke Worte der Abwehr gegen die feigen geistigen Urheber des politischen Mordes und ihre verrohten Handlanger gesprochen hat. Und wir rufen an diesem Grabe erneut all« Volksgenossen— ob sie links oder rechts stehen— auf, eine FrontderVernunft, der A n st ä n d i g k e i t, der Menschlichkeit zu bilden, die auch im Schutzpolizeibeamten den Menschen sieht. Emil Kuhfeld war Sozialdemokrat und der vor wenigen Wochen ebenfalls er- fchoffene Hauptwachtmeister Zänkert war auch Sozialdemokrat... Nach Dr. Weiß sprach noch W i ch m a n n vom Gauvorstand des Reichsbanners und ein Vorstandsmitglied des freigcwerkfchaftlichen Reichsbundes deutscher Polizeibeamtcr. Unter den Klängen des Liedes vom guten Kameraden wurde dann unter dem Schluchzen der Mutter des Toten und tiefer Ergriffenheit der trauernden Menge der Sarg der Erde übergeben. Zu der Trauerfeierlichkeit waren»eben mehreren tausend Schutz- polizeibeanüen fast sämtliche Gruppenkommandeure und höheren Offiziere der Berliner Schutzmannschaft, an ihrer Spitze der Kommandeur H e i m a n n s b c r g, ferner Vertreter der Land- jägcrei und des Polizeiwafferfchutzes erschienen sowie zahlreiche Fahnen- und Kranzabordnungen der einzelnen Inspektionen und des Reichsbanners. Das Wasser schwoll... Wie die Hochflut im Erzgebirge wütete. Unter sehr starker Anteilnahme der Berliner Schutz- Polizei und unter Massenbeteiligung der Berliner Be- völkcrung ist gestern nachmittag Qberwachtmeister Gc- nosse Emil K u h f e l d auf dem Pankower Gemeindefried- Hof beigesetzt worden. Bier Polizeibeamtc stellten am Sarge die Ehrenwache. Zu beiden Seiten hatten das Reichsbanner und Vertreter der Tozialdemo- k r a t i e mit ihren Bannern Aufstellung genommen. Ueber dem Kopfende des Sarges schwebte das Bundesbanner des Gaues Bcrlin-Brandcnburg des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold. Tic kleine Halle war bald überfüllt, draußen hatten die Kameraden des Erschossenen sowie das Reichsbanner Aufstellung genommen. Taufende von Leidtragenden, die dem ermordeten Kameraden und Ge- nossen den letzten Gruß entboten, verharrten in Ehr- crbietung und Schmerz lange Zeit an dem Grabe. Nach einem Lieh der Arbeitersängcr vom Sohn des Volkes über- brachte Landtagsabgeordneter Genosse Otto M e i er dem Toten im Austrage der Sozialdemokratischen Partei die letzten Abschieds- grüß«. Tieferschüttert steht die Partei neben den trauernden Ange- hörigen an der Bahre eines jungen hoffnungsvollen Lebens, das durch die Kugel eines Meuchelmörders jäh ausgelöscht wurde. Die besondere Tragik liegt darin, daß hier ein von frischem Kampfgeist durchglllhter und hohem Idealismus erfüllter Genosse von uns geht, dessen Herz in der Blüte der Jahre aufgehört hat zu schlagen.' Zu jeder Zeit, in der wirtschaftliche Gegensätze miteinander ringen, formen sich diese zu politischen Gegensätzen um. Das gilt um so mehr für Zeitläufte wie die unsrig«n, in der die Not an unser aller Türen pocht, in der die Wogen politischer Leidenschaften besonders hoch gehen. Politische Leidenschaft mag ein Gradmesser für Ueber- zeugungstreue sein, aber nie kann sie eine Rechtfertigung für politi- schen Haß sein. Hier entstehen die Gegensätze! Statt Achtung— Aechtung des Gegners, persönliche Verunglimpfungen des Anders- gesinnten, dos find die Kennzeichen der öffentlichen Demoralisierung. Das ist die Kampfatmosphäre, in der auch der p o l i t i f che Mord zum System erhoben wurde.. Unerhört groß ist die Zahl der Opfer, die in den letzten zwölf Jahren im Dienste der Republik, für die Demokratie gefallen sind. Die Sozialdemokratie hat ein Recht, angesichts dieses Toten öffentlich Anklage zu erheben gegen die Terroristen der extremen Parteien. Nichts wäre natürlich leichter, als in dieser Stunde politischen Haß zu entzünden, den feierlichen Ernst dieser Stunde soll aber kein Rachegeschrei entweihen. Aber so wahr dieser jurige Kampfer� politischem Opfer fiel, so gewiß wird der Tag kommen,'-rftf nn dem die Arbeiterschaft Rechenschaft fordern wird von den intellektuellen Urhebern der feigen Mordtaten, jenen Burschen, die in den national- sozialistischen und kommunistischen RedaktionS- stubcn sitzen und niedrigste Instinkte systematisch aufhetzen. Der Tod des jungen Genossen soll gleichzeitig eine erneute M a h- n u n g sein, gegen politischen Haß, gegen politischen Mord, der das deutsche Volk und die deutsche Arbeiterschaft schändet, auf- klärend weiterzukämpfen. Unter den Klängen des Ehopinfchen Trauermarsches setzte sich Johanngeorgen st ad t, 7. Juli. Der am Montagnachmittag über den Ortschaften Jugel, WittigSthal und Breitenbach nieder- gegangene Wolkenbruch hat erheblich größeren Schaden angerichtet, als ursprünglich angenommen wurde. Man schätzt ihn insgesamt auf 15 Millionen Mark. Tic drei genannten Ortschaften bilden nur noch einen wüsten Trümmerhaufen. Viele Häuser sind eingestürzt, wobei der Arbeiter Hänel von den Trümmern erschlagen wurde. Zwei Kinder werden noch vermißt. Sie sind vermutlich ums Leben gekommen. Die große Eisenbetonbrücke in Wittigsthal wurde von den Wassermassen zertrümmert und abgetrieben. Auf der Strecke von Breitenbach bis Antonstal ist die Talstrahe teilweise aufgerissen. Der Eisen- bahndamm ist stcllenweiie mit den Gleisen in das. Flußbett abge- rutscht. Die ganze Eisenbahnstrccke von Schwarzenberg bis Johann- georgcnstadt' muß als völlig vernichtet angesehen werden. In den Ortschaslen drang das Wasser metertief in die Keller ein, und die Bewohner muhten sich an einzelnen Stellen in die oberen Stockwerke retten. Auch mehrere kleinere Brücken sind den Fluten zum Opfer gefallen. Außer den Telegraphcnleitungen sind auch Masten der elektrischen Ueberlandkraftlcitung umgerissen worden. Zahlreiches Mobiliar wurde beschädigt und vom Wasser fortgeschwemmt. Auch die politischen Pa r t e i e n haben Hilsskolonnen gebildet und sind eifrig am Werke, der hartbedrängten Bevölkerung tatkräftige Hilfe zu leisten. Wie wir noch hören, sind auch die Gas- und Wasserleitungen durch die Gewalt der Wassermassen zerstört worden. Großfeuer in Waidmannslufi. Vier Feuerwehrleute zu Schaden gekommen. Im Dachstuhl des Hauses Oraniendamm 12 in Waid- mannsluft brach gestern nachmittag plötzlich Feuer aus, das in kurzer Zeit solchen Umfang annahm, daß auch das Nachbargebäude schwer in Mitleidenschast gezogen wurde. Fünf Löschzllge griffen unter Einsatz von acht Schlauch- leitungen in die Bekämpfung des Großfeuers ein. Die Flammen fanden an dem ausgetrockneten Dachgebälk und dem Inhalt der Verschlüge reiche Nahrung. An dem Ausgangshcrd des Feuers wüteten die Flammen mit so großer Gewalt, daß die Decken zu den darunterliegenden Wohnungen durchbrannten. Erst nach zweistündiger Löscharbeit gelang es, den Brand einzukreisen. Drei Feucrwehrbcamte erlitten starke Rauchvergiftungen und mußten in Rettungswagen in das H e r m s d o r f e r D o m i n i k u s st i f t ge- bracht werden. Ein vierter Beamter trüg erhebliche Handver- letzungen davon. Der Brandschaden ist sehr hoch. Die Entstchungsursache wird von der Polizei noch geklärt. Gefährliche Schwefeldämpfe. Die Wohnung des Postaushelfers Walter Zippan in der Bernaucr Straße 119 sollte gestern mit Schwefel ausge- räuchert werden. Diese Arbeit wurde aber nicht sorgfältig ausge- führt, so daß in kurzer Zeit das ganze Treppenhaus von Schwefel- gasen angefüllt und es daher den Hausbewohnern nicht möglich war, ihre Wohnungen zu verlassen. Da es auch nicht gelang, die bald abzusehen. Wappne Dich mit Geduld, bete zu Gott und verkaufe meinen diagonal gestreiften Studentenrock. Es wird noch größere Spesen geben. Sei zu allem bereit. Mit meiner Wäsche steht es schlecht. Ich wasche sie am Abend, und wenn sie früh trocken ist, so ziehe ich sie feucht an. Bei der Hitze ist es sogar ganz angenehm. Ich küsse und umarme Dich, Dein ewiger Gemahl Fedja. Das Hühnchen und das Hähnchen auf dem weiten Ozean. Der Reporter Persizki bereitete sich eifrig für das zwei- hundertjährige Jubiläum des großen Mathematikers Jsak Newton vor. „Newton nehme ich ganz aus mich. Räumen Sie mir nur genügend Platz ein", sagte er. „Persizki", ermahnte ihn der Sekretär,„ich möchte Sie sehr bitten, Newton menschlich zu behandeln." „Seien Sie ganz ruhig. Alles wird in Ordnung sein." „Daß es dann nicht wie mit Lomonossow aussällt. In der Abendzeitung war ein Bild der Urenkelin Lomonossows — und bei uns...?" „Nicht meine Schuld. Sie hätten eine so verantwortungs- volle Sache nicht dem rothaarigen Iwanow übergeben sollen! Das haben Sie sich selbst zuzuschreiben." „Wie werden Sie die Sache also machen, was werden Sie bringen?" „Was ich schreiben werde? Der wissenschaftliche Verlag hat Bücher genug über Newton herausgegeben, da werde ich Stoff für meinen Artikel finden. Die Biographie finde ich im Brockhaus. Das Bild Newtons werden sie dort alle vergeblich suchen. Ich habe aber zu Hause einen alten Kupfer- stich, einen sehr interessanten Kopf. Ohne weiters als Newton zu verwenden. Ich bauche nur einen Vorschuß! Nun, ich gehe in Sache Newton!" „Werden wir Newton nicht plzotographicren?" fragte der Photograph, der bei den letzten Worten eingetreten war. Persizki gab den andern ein Zeichen, das bedeuten sollte: — Still, paßt auf, was ich jetzt machen werde.— Das ganze Sekretariat wurde aufmerksam. „Wie? Sie haben Newton noch nicht photographiert?" stürzte sich Persizki auf den Photographcn. Letzterer begann auf alle Fälle zu lügen.„Der Mann ist ja nicht zu erreichen", sagte er. � .<Äortjetzur>s-jolgt.)ff"z Von I. ILF UND F. PETROW In der Rubrik„Tagesereignisse" stand wirklich mit fetten Buchstaben gedruckt: Unter ein Pferd geraten. Der Bürger O. Bender geriet heute unter das Pferd der Droschke Nr. 8974. Der Bürger Bender wurde nicht verletzt und ist mit dem bloßen Schrecken davongekommen. „Den Schrecken hat der Kutscher gehabt", bemerkte O. Bender unzufrieden.„Diese Idioten! Sie schmieren und schmieren und wissen selbst nicht, was dabei herauskommt. So, so! Das ist also„Die Werkstatt"? Das ist sehr, sehr interessant. Wissen Sie, Worobjew, es ist nicht ausgeschlossen, daß diese Notiz jemand geschrieben hat, der dabei auf unserem Stuhl gesessen ist. Ein interessanter Zufall." Der große Kombinator wurde nachdenklich. Der Vorwand für einen Besuch in der Redaktion war da. Ostap cyfuhr von einem Angestellten, daß alle Zimmer, die in den Korridor führten, Redaktionszimmer waren. Er gab sich den Anschein eines einfältigen harmlosen Menschen und begann einen Rundgang durch die Räume. Sa wollte er in Erfahrung bringen, wo sich der Stuhl befand. Er begab sich zuerst ins 5)auptbüro, wo eben die Sitzung irgendeines Sportverbandes stattfand. Mit einem flüchtigen Blick überzeugte er sich, daß der Stuhl nicht da war, und ging gleich ins nächste Zimmer. Im Kassaraum sagte er, daß er auf eine Entscheidung warte, in der Korrespondenzabteilung fragte er. ob hier, wie er im Annoncenteil der Zeitung ge- lesen habe, Makulatur zu verkaufen sei. Im Sekretariat fragte er nach den Abonnementsbedingungen, im Zimmer des Feuilletonredakteurs fragte er, ob man hier eine Annonce, Dokumentcnverlustc betreffend, abfnehmcn möchte. Auf diese Weise gelaugte er endlich in das Zimmer eines Redakteurs, der auf dem Stuhl der Konzessionäre saß und eben ein Tele- MWC&Kach führte. Ostap brauchte einige Zeit, um den Raum aufmerksam zu studieren. „Man hat in Ihrem Blatt eine offensichtliche Verleum- dung meiner Person veröffentlicht, Genosse Redakteur", sagte Bender. „Was für eine Verleumdung?" fragte der Redakteur. Ostap entfaltete langsam die Zeitschrift„Die Werkstatt". Dabei wandte er sich- nach der Tür um und konstatierte, daß sich dort ein amerikanisches Schloß befand. Wenn man ein Stück Glasscheibe herausschneiden würde, so war es leicht, die Hand von außen hereinzustecken und das Schloß aufzu- machen. Der Redakteur las die von Ostap vorgewiesene Notiz. „Her lesen Sie nur:„Der Bürger Bender ist mit dem bloßen Schrecken davongekommen." Was soll denn das heißen!" „Ich verstehe nicht." Ostap sah den Redakteur und den Stuhl zärtlich an.„Ich werde doch vor einem Droschkenkutscher nicht erschrecken. Sie haben mich vor der ganzen Welt blamiert. Ich verlange eine Berichtigung." „Hören Sie, Bürger", sagte der Redakteur,„niemand hat Sie entehrt und wir geben wegen solcher Lappalien keine Berichtigungen." „Nun gut, ich werde diese Sache nicht auf sich beruhen lassen", sagte Ostap und schritt aus der Tür. Er hatte alles gesehen, was er brauchte. Der Brief Vater Fedors, den er in Rostow an seine Frau in die Bezirks st adt N. schrieb: Meine liebe Katja! Das Geld habe ich rechtzeitig bc- kommen, und ich danke Dir herzlich dafür. In Rostow an- gekommen, lief ich gleich in die Zementfabrit— ein ziemlich großes Etablissement, aber niemand kannte dort einen In- genieur Bruns. Ich war schon ganz verzweifelt, da riet mir jemand, ins Hauptbüro zu gehen und mich dort zu infor- Mieren.— Jawohl— sagte man mir dort— dieser Mann war hier angestellt und hat hier eine ziemlich verantwortungs- volle Arbeit geleistet. Er ist vor einem Jahr aus unferm Dienst getreten. Er wurde von hier aus nach Baku von der dortigen Naphthagesellschast akzeptiert. Nun mein Täubchcn, meine Reise wird also doch länger dauern, als wir gedacht haben. Du schreibst, daß Du kein Geld mehr hast. Da ist nichts zu machen, Katerina Alexan- � Guttun ua. iEs AM wehr, stmge hcmesl,. das Etthe,. ijt Fenster des Treppenflures zu öffnen, wurde die Feuerwehr alar- miert, die dann in kurzer Zeit für Abzug der Gase sorgte, bevor es zu irgendwelchen Unglücksfalle» tarn. Zuchthaus für das Nachtgefpenst Zwei Llrteile- zwei Auffassungen. Des Nachtgefpenftes und' Boxers I a n o f ch t a s Kampf um feine Ehre— er Hot bis zuletzt mit aller Entschiedenheit bestritten, sich des Sittlichkeitsverbrechens auch nur an einem seiner weiblichen Dieb- stahlsopfer schuldig gemacht zu haben— endete vor der Berufungs- inftanz mit emer Niederlage. Die Strafkammer unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors Friedmamn verurteilte ihn wegen fortgesetzten Diebstahls im Rückfall und wegen versuchter Notzucht zu Ü Iahren Zuchthaus und 6 Jahren Ehrverlust und erklärte auch Polizeiaufsicht für zulässig. Mit diesem Urteil hat sich die Berufungsinstanz gewissermaßen in Widerspruch gesetzt zu dem Schöffengericht, das unter Porsitz des Landgerichtsdirettors Rambte das Nachtgespcnst bloß zu 3 Jahren 6 Monate Gefängnis verurteilt hatte. Zwei Urteile— zwei Auffassungen. Keiner von beiden wird eine gewiss« Berechtigung ab- zusprechen sein. Das Schöffengericht brachte durch sein Urteil zum Ausdruck, daß es nicht jede Hoffnung aufgegeben habe, Janofchka würde sich doch noch einmal in die Gesellschaft einordnen: die Urteils- begründung legte damals die Hauptbetonung auf feine schwere Jugend und auf die Hindernisse, die ihm bei seinen Versuchen, sich auf ehrliche Weise durchzuschlagen, von der Gesellschaft bereitet worden sind. Das Urteil der Strafkammer legt die Betonung auf das gemeingefährliche Treiben des Nachtgespenstes, auf den ge- sundhcitlichen Schaden, die seine Opfer in vielen Fällen davontrugen, es zweifelt, daß Janofchka noch irgendeinmal den Weg ins bürger- liche Leben zurückfinden würde. Die Strafkammer hielt ihn auch des Sittlichkeitsverbrechens fähig und schenkte der einzigen Zeugin Glauben. Janoschka schien von dem Urteil im höchsten Grade bestürzt. Die Strafe wegen der fortgesetzten Diebstähle, einerlei ob hoch oder niedrig, wäre er schon bereit, ohne weiteres auf sich zu nehmen. Aber die Strafe wegen des Sittlichkeitsverbrechens empfindet er als entehrend. Gahm bei Luther. Llm die Verlängerung des Oanatbanttredits. Oberbürgermeister Dr. S a h m, Bürgermeister Dr. Elsa» und Sladtkämmerer A s ch hallen gestern eine Besprechung mit der Leitung der Reichsbank. Räch einer Milteilung des Rachrichlen- amlcs der Stadt Verlin handelt es sich darum, im Zusammenhang mit den schwebenden Verhandlungen über den VVG.-lrredit mit der Reichsbank die finanzielle Situation zu besprechen. Die Besprechung galt also in erster Linie der Verlängerung de» noch in diesem Monat fällig werdenden Danalbankkredits in höhe von l40 Millionen Mark. Wasserschäden durch Gewitter. Feuerwehr unter Ausnahmezustand. Der gestrige heftige Gewitterregen in den Abendstunden Hot be> sonders im Osten und Süden der Stadt in de» tiefergelegenen Straßenzügen wieder erhebliche U e b e r s ch w e m m u n g e n vcr- ursacht. Bei der Zentrale der Berliner Feuerwehr liefen die Hilfe- rufe in so dichter Folge ei», daß einige Brandbezirkc unter Aus- uahmezuftand versetzt werden mußten. Das Gewitter brachte leider nur eine geringe Abkühlung. Wie bekannt wird, find mehrere Blitzcinschläge zu verzeichnen, die jedoch keinen nennenswerten Schaden angerichtet haben. Ein neues Todesurteil. Wesermünde. 7. Juli. Nach dreistündiger Beratung verkündete abends 9 Uhr das Schwurgericht Verden dos folgende Urteil gegen den des Lust- mordes angeklagten 47 jährigen Maurer Hermann K ü n n e: Der 'Angeklagte wird wegen Mordes zum Tode verurteilt. Die bürger- lichcn Ehrenrechte werden ihm auf Lebenszeit aberkannt. Die Kosten des Verfahrens fallen dem Angeklagten zur Last. Künne hatte die siebenjährige Schülerin Jngeborg Bopp mißbraucht und dann ermordet. Oer GchelSedeich gebrochen. Antwerpen, 7. Juli. Der Scheldedeich oberhalb der Schleuse von Oyer» ist an drei verschiedenen Stellen an der Straße von Leckeren nach Austruwel gebrochen. Das Unglück wurde durch drei mit Sand gefüllte Versenktästen herbeigeführt, die durch die Strömung los- gerissen und gegen den Damm getrieben wurden. Die durch den Dammbruch hcrvorgerusene Ueberschwemmung erreichte an verschie- dencn Orten eine höhe von ein halb bi» ein Meter. Reuregelung der Steuerabzüge vom Arbeitslohn ab l. Zuli lgZl. Die überaus zahlreichen Anfragen an die Finanzämter lassen erkennen, daß über die neuen Bestimmungen für den Steuerabzug vom Arbeitslohn in weiten Kreisen tlrklarheit herrscht. Da jeder Arbeitgeber haftbar ist, wenn der Abzug gar nicht, unricktig oder nicht rechtzeitig vorgenommen wird, wird jedem Arbeitgeber drin- gend empfohlen, sich das soeben erschienene Merkblatt über die Steuerabzüge vom Arbeitslohn, gültig ab t.Iult 193l, sofort zu beschaffen. Die Abgabe des Merkblattes erfolgt k o st e n- los, nach auswärts erfolgt der Versand durch die Post gebühren- frei! Bestellungen auf das Merkblatt sind zu richten an die Haupt- abgabestelle der Reichs-Stcuermerkblätter, Berlin SO. 36, Dresdener Straße 2. Der Bezirksausschuß der Arbeltcrwohlfahrl. Bezirk Branden- bürg, veranstaltet in der Woche vom 3. bis 3. August eine Ferien- sohrt mit dem M o t o r k a b i n e n s ch i s f„B a l d u r" nach Magdeburg, Tangermllnde. jzaoelbera, Rathenow. Der Preis der Baldurfahrt beträgt für Kinder 14 Mark, für Erwachsene t? Mark, einschließlich Logis und Teilvcrpflcgung(morgens Kaffee ohne Zu- brot, Mittagessen, abends Kaffee oder Kakao ohne Zubrot. An- meidungen sind zu richten an: Otto Lück, Arbeiterwohlfahrt, Bezirk Brandenburg, Berlin SW. 68. Lindenstr. 3, l.Hof II. Frcidenkcr-Wcll-Kongreß in Berlin. Vom ö. bis 7. September dieses Jahres findet in Berlin ein Freidenker-Wclt- Kongreß statt. Diesem wird als Austakt am Vorabend, also am Freilae. dem 4. Seplencber d. I., um Ill'/l.- Uhr, in der„Neuen Welt", Hasenheide, eine Freidenkcr-Kundgebung vorausgehen. Der Deutsche Freidenter-Vcrband E. V. bittet alle befreundeten Orga- nisationen und alle Körperschaften, schon jetzt bei Festsetzung ihrer Tagunzen den 4. September d. I. freizulassen. Die Arbeit an Berlins Etat. Fortsetzung der Debatte im Rathaus.— Gesundheitswesen. Die Berliner Sladlverordnelenversammlung setzte gestern abend die Beratung de» haushaltplanes beim Kapitel Gesundheitspflege fort. Noch dem Nationalsozialisten Dr. Dorsch sprach Stadtverord- neter Strieder(Soz.): Die Sparmaßnahmen auf dem Gebiet des Gesundheitswesens müssen sich sehr zum Schaden der Berliner Be- völkcrung auswirken. Wir erkennen gern an, daß der Verhältnis- mäßig günstige Gesundheitsstand der Bevölkerung nicht zuletzt auf die Wirksamkeit des Hauptgejundheltsaint es zurückzuführen ist. Genosie Strieder polemisierte gegen den Kommunisten Dröll, der kein gutes Haar an dem Gesundhcitsaint und an der Gesundheit?- pflege gelassen hatte. Aus allen Ländern kommen die Aerzte, sagte Strieder, s e l b st aus Rußland, die sich die Berliner Gesundheits- cinrichtungen ansehen, und gerade die letzteren haben objektiverweise mit ihrem Lob nicht zurückgehalten— allerdings waren das Fach- leute! Der Redner setzte sich dann für eine verbesserte Kur- f ü r s o r g e ein, die in die Bezirke zu oerlegen sei, weil die Bevölke- rung dort den ausführenden Amtsstellcn besser bekannt ist als in der zentralen Verwaltung. Die Kürzung der Etatmittel für die h p g i e- nische Volksaufklärung sei sehr zu bedauern: die Sozial- deniokraten verlangen in einem Antrag, die Einsetzung von 566(1 Mark für den Ausbau des Gesundheilshauses im Bezirk Kreuzberg. das bei der Aufklärung sehr segensreich gewirkt hat. Gegen die Schließung von Krankenhäusern, die von der Ver- waltung wegen der erfreulicherweise augenblicklich sehr geringen Be- legung geplant ist, seien die Sozialdemokraten nicht grundsätzlich. Wenn es sich um veraltete, einem modernen Krankenhausbetrieb nicht mehr entsprechende Anstalt handelt, könne man durchaus darüber reden, es frage sich nur, ob mit der Schließung wirklich ins Ge- wicht fallende Ersparnisse gemacht werden können, da ja das Per- sonal behalten werden muß und für die Instandhaltung der Ge- bäude erhebliche Mittel erforderlich sind. Daher ist enffprechende Vorsicht bei der Schließung der Krankenanstalten geboten. Der Redner bat um Annahme eines Antrages, der sich gegen die Schließung der Dermathologifchen Abteilung des Krankenhauses Britz ausspricht. Diese Abteilung müsse im Interesse der zahlreichen Bevölkerung des Südens Berlins erhalten bleiben. Interessant war, was Genosse Strieder über die kranken kassenfeindlichkcit der Deulschnationalen mitteilen konnte. Diese haben im Ausschuß verlangt, daß diejstadt die Kurkosten in den Krankenanstalten auf 96 Praz. des Selbstkostenpreises erhöhen soll, d. h. die Zahlung dieses erhöhten Satzes soll nur für die Krankenkassen in Frage kommen. Herr Dr. Steiniger hat dabei aus seinem Herzen keine Mördergrube gemacht, indem er betonte,„daß die Krankenkassen ordentlich bluten müßten." Die Krankcnkassenseindlich- keit der Deutschnationalcn zeige sich allerdings bei jeder Gelegen- heit: in diesem Falle ist doch aber wohl anzunehmen, daß man insbesondere den privaten und konfessionellen Kranken- Häusern einen Dieifft erweisen wollte. Der Redner wies dann an Hand reichen Zahlenmaterials nach, das die immer wieder erhobenen Vorwürfe über Luxusausgaben der Krankenkassen jeder Bcrechti- gung entbehren. Stadtmedizinalrat Prof. Dr. o. Drigalski betonte seine eigene Unzufriedenheit mit dem Gcfundheitsctat. Nach einigen kammu- nistischcn. deuffchnationalen, volksparteilichrn und staatsportcilichen Reden wurden wieder die Abstimmungen vorgenommen. 44 Abstimmungen waren beim Etatstitel Gesundheitswesen nötig. Die E r- höhung der Krankenpslegekosten für die Krankenkassen auf 96 Prozent des Selbstkostcnfatzes, verlangt in einem Antrag der Deutschnationale», wurde in namentlicher Abstimmung a b g e- lehnt. Dafür stimmten alle bürgerlichen Fraktionen, auch die Na- tionalsozialistische„A r b e i t e r" p a r t e i. Einige Betriebsunfälle passierten den Kommunisten. Sie stimmten erst für einen national- sozialistischen Antrag, der die Erhöhung des Etatsansatzes für die Jugendherbergen von 25 666 auf 56 666 Mark fordert: dann stimm- ten sie aber auch für ihren eigenen Antrag, die 25 666 Mark des Etatsansatzes einer Abteilung des Sportvereins„Fichte" zu über- weisen! Kein Betriebsunfall war es, daß sie zwar ollen bürger- lichen Sportvereinen die städtischen Zuwendungen beließen, daß sie aber beantragten, die Zuschüsse für die bundeslrcuen Arbeikersport- ler zu streichen. Das war. wie gesagt, kein Betriebsunfall, sondern Ausfluß des grenzenlosen Hasses gegen alle Einrichtungen der Ar- beiterschaft. Selbstverständlich befanden sie sich in Gesellschaft der Deutschnationalen und der Nazis, kamen aber nicht durch. Eine ganze Anzahl sozialdemokratischer Anträge waren schon im Ausschuß angenommen und wurden gestern mit der Ausschußfassung gutgeheißen. So unter anderem die sofortige Er- ösfnung der bereits fertiggestellten Entbindungsanstalt in Lichtenberg gefordert.— Dos Stadtamt für Leibesübungen soll in der jetzigen Form aufgehoben und der Schuloerwaltung angc- gliedert werden.— Es wird um Erwägung ersucht, ob es nicht mög- lich ist, durch Arbeiterorganisationen den Rettungsdienst auf dem Seddin- und Crossinsee zu organisieren. Anschließend wurden die Kapitel über die st ä d t i s ch e n Werke beraten.— S ch l u ß der Sitzung gegen 22 Uhr. 99 Neue Gesinnung?" Eine Kritik und eine Antwort. Genossin Hedwig Wachenheim schreibt uns: „Neue Gesinnung?" Mit dem meiner Gesinnung geltenden Fragezeichen geht das„Berliner Tageblatt" auf meinen Aufsatz„De r Scheuen«� F si es» r g« Prozeß" ein. Der Verfasser hätte, sich Jüe Frage�chenteiz ckönneN.f, iSintt«r sich schon vor Scheuen um die Fürsorgeerziehung gekümmert hätte. Weder die Sozialdemokratie, noch der„Vorwärts", noch ich find je für eine Methode der Fürsorgeerziehung eingetreten, wie sie in Scheuen geübt worden ist, und die Berliner Parteiinstanzen haben in ihrem Rahmen aus den Vorkommnissen l ä n g st die ersorder- lichen Konsequenzen gezogen. Der der Sozialdemokratie nahe- stehende Hauptausschuß für Arbeiterwohlfahrt, dessen Vorstand ich angehöre, hat in der Lüneburger Heide ein Fürsorgeerziehungs- heim, den„I m m e n h o f", das, kurz gejagt, nach entgegengesetzten Grundsätzen arbeitet, wie sie in Scheuen beliebt wurden. Die Zeitschrist„A r b e i t e r w o h l f a h r t", deren Schriftleiterin ich bin, hat häufig genug in den letzten Jahren die falsche» Methoden der Fürsorgerziehung kritisiert und bereits vor zwei Iahren Richtlinien zur Umgestaltung der Fürsorgeerziehung im Auftrage des Hauptausschusses für Arbeiterwohljahrt heraus- gegeben, die, um nur die Scheuenprobleme zu erwähnen, das Ver- bot des Kahlscherens, der Bestrafung sexueller Anormalitäten, der ileberarbeit und des Schlagens, ebenso wie die Heranziehung guter Erzieher fordern. Ja, die darüber hinaus die Aufhebung der Für« sorgerziehung als Sondermaßnahmen, die außerhalb der gesamten Iugendwohlfahrtspflege heute steht, oerlangen. Das letztere ist von uns auch im Preußischen Landtag beantragt, aber von allen bürger- lichen Parteien abgelehnt worden. Wen» jetzt der preußische Polkswohlfahrtsminister Ueberarbeit, Kahlscheren, Schweigegebote, Dunkelarrest, Aenderung der Haartracht oerboten hat, wenn er bessere Kontrolle der Heime, Spezial- und Uebergairgs- Heime fordert, wenn er die Neugestaltung der Erziehungsausbildung und die Neuregelung der Zusammenarbeit zwischen Jugendämtern und Fürsorgeerziehungsbehörden ankündigt, so folgt er einer An- regung der Regierungsparteien, an der die f o zi a l d e m» k ro- tische Landtagsfraktion hervorragend beteiligt �qtznr.:.■". Wenn der Veriaiser der„B.-T".-Not!z schreibt. Ich hätte Straube „entschuldigt", als ich schrieb, er Hab« geprügelt, wenn er enttäuscht war und habe enttäuscht werden müssen, weil er in Niedrigkeiten mit den Jungen einig war", so zeigt sich, daß er nicht nur von Fürsorgeerziehungs-, sondern von Erziehungssragen nichts versteht, sonst würde er wissen, daß es eine deutlichere Ablehnung von Erziehern nicht gibt. Das„Berliner Tageblatt" ist sehr entrüstet, daß ich davon spreche, daß die Jungen in der Bc r- liner Unterwelt gelebt haben. Sein Berichterstatter scheint nicht zugehört zu haben, als die Jungen selbst davon erzählten. Ich kann dem„B. T." verraten, daß ich auch dagegen bin, daß solche Jungen geschlagen und schlechten Erziehern anvertraut werden. Der Ausschuß zur Bekämpfung der Fürsorgeerziehung, dem nur kommunistische Organisationen angehören, und der dadurch hin- reichend gekennzeichnet ist, daß der kommunistische Landtagsabgcord- nete Schulz-Neukölln sein Vorsitzender ist, hat sieben der angc- klagten Jungen den Verteidiger Dr. Löwenthal gestellt, den das„B. T." rühmend hervorhebt. Die-Kommunisten wollen keine Reform der Fürsorgeerziehung, sondern nur ein Durcheinander. Sie benutzen dazu die Jungen. Das kann auch jeder sehen, der mit offenen Augen die Lüneburger Freizeit der Jungen beobachtet hat. Das ist nicht mir ein Verbrechen an diesen Jungen, sondern an allen Versuchen zur Reform der Fürsorgeerziehung. Wenn das„B. T." dem Ausschuß zur Bekämpfung der Für- sorgeerziehung und seinem Anwalt sekundiert, dann sehen wir darin keine„neue Gesinnung". Wir haben solche Bewußtseins- spaltung auf seinen Seiten schon öfter beobachtet. „Macht ihnen einmal Dampf." Der Scheuener Prügelprozeß. Lüneburg, 7. 3u>i.(Eigenbericht.) 3e weiter die Beweisausnahme im Scheuener Fürsorge- prozeß fortschreilek, um so deutlicher treten die Versehlungen Straubes und die unfaßbaren Zustände in Scheuen zutage. Als sich die Zöglinge Otto und 5) a h n h o l d beim Gemeinde- vorstcher in Sülze genieldet hatten, schickte Straube den„Erzieher" D i t t n c r zusanunen mit dein Topfkratzer A ß m a» n aus, die beiden zu holen. Di« Jungen begrüßten Dittner mit„Onkel Leo", der üblich«» Benennung. Dittner geriet in Wut und schlug die beiden Zöglinge über den Kopf. Auch Aßmann gab ihnen als Begrüßung ein paar„Schwinger". Bei der Baracke wurden die Jungen aus- geladen, von zwölf Topfkratzern umringt und unter Prügel» bis zur berüchtigten Baracke 7 getrieben. Otto wurde hier über einen Tisch gezogen und so geschlagen, daß er sortgetragen werden muhte. hahnhold mußte diese Folterszenc mit ansehen! Er legte sich dann freiwillig auf den Tisch in der 5)offnung, wenn er sich nicht wehre, weniger Prügel zu bekommen. Aber auch er war nach dem Prügeln„f e r t i g". Das Gericht behandelte dann den Fall der acht Mann der„Reooltegruppc", die nach Celle geflüchtet und mit dem Auto zurückgebracht sind. Straube hatte angewiesen, daß sie etwa 2 Kilometer vom Lager entfernt ausgeladen wurden, hier empfing sie Straubes Garde und trieb sie unter ständigen Schlägen mit Gummiknüppeln. Schläuchen Und Stöcken vorwärts. Man hatte ihnen vorher Hosenträger und Leibriemen abgenommen, selbst die Schuh« wurden einzeln«: auagezgggt, so�daß fie den Weg im Schnee barfuß zurücklegten. Straube hatte gesagt:„M a ch t i h n e n ein- mal Dampf und bringt sie auf den Schwung." In der Baracke war dann das Gedränge jo stark, daß nicht einmal alle, die schlagen wollten, zum Schlagen kamen, die Hauptschläger mußten sich durchdrängeln. Wenn der eine vom Prügeln müde war, kam der andere an die Reihe. Die Bürogehilsin G ü n z i g hat gesehen, wie Otto und Hahnhold ausgeladen und oerprügelt wurden. Sie hielt es aber nicht für nötig, ihre Beobachtung wslterzuleiten. Auch will sie vorher nie gesehen haben, daß geschlagen wurde. Es fällt aus, daß diese Zeugin ebenso wie die andern Angestellten Knochenmus, Katzwedel und Knoblauch mit ihren Aussagen zurückhält, um Straube nicht zu be- lasten. Der Staatsanwalt gibt bekannt, ihm seien während des Prozesses zahlreiche Schriften zugegangen, wonach Straube auch die ihm früher unterstellten Erholungskinder geschlagen habe. Die Per- teidigung stellt unter Beweis, daß Straube schon vor 26 Iahren Prügclpädagogc war, cknd daß seine früheren Schüler ihn nur mit dem Stock in der.Hand in Erinnerung hoben. Die Verhandlung wurde auf Mittwoch früh vertagt. Gymnastikabend im(kunkturmgarten. Das Programm der Sonderoeranftottungen der Deutschen Pauausstellung sieht für Mitt- woch, den 8. Juli, abends, im Funkturmgarten Darbietungen der Medau-Schule vor, die um 8.56 Uhr beginnen und ihren Höhe- punkt in einem von 45 Damen der Schule erstmalig gezeigten großen Fackelfchwingcn finden. Alt-Verlii,. Tie nächste Führung durch die vergessenen Winkel des ältesten Berlin veranstaltet dos Bezirksamt Schtmedcrg unter der bemährten Leitung des Schriftsteller-? Georg Bawvergcr am Sonntag, dem 12. Juli 1931. Treffpunkt: 19,39 Uhr auf dem Spittelmart'.?lus- gang Untergrundbahn. Teilnahme 59 Pf. 5lr. 313• 48. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Mittwoch, 8. Zuli 1931 Innere Wirtschastsreinigung. Soll es wieder bergab gehen, weil wir über den Berg sind? Gestern hat Deutschland aufgeatmet, weil Frankreich und Amerika für die Inkraftsetzung des choover-Feierjahrcs einig ge- worden sind. In der Weltwirtschaft erwartet man, daß es auf- wärts gehen wird. Man erwartet es, weil man an den kritischsten Punkt der Weltwirtschaftskrise, als der Deutschland erkannt worden ist, Gefahren abgebaut hat. Deutschland erhält eine Atempause, und das ist gut so, denn diese Atempause war nötig. Der e r st e Schritt für Deutschland und auch für die Weltwirtschaft ist ge- macht. Die Frage ist aber zu stellen, welches der zweite Schritt sein wird, der gemacht wird, soweit Deutschland in Betracht kommt. Dazu muß ein bißchen deutlicher gesprochen werden, als es bisher erlaubt schien. Es darf der chinweis wiederholt werden, daß die starten De- risenabziehungen der letzten Wochen in dem politischen Mißtrauen gegenüber Deutschland nicht ihre einzige Ursache hatten. Der Hin- weis ist heute erlaubt, daß ausländische Kreditgeber in der inner- deutschen Wirtschaftssuppe manches Haar gefunden und manche rüchige Stelle gesehen haben, die nicht mehr mit Krisenzufällig- eiten, sondern nur noch durch ein weitgehendes Versagen er privaten Wirtschaftsführung zu erklären waren. Oos Ausland hat infolgedessen ein Recht, wenn es Deutschland noch oeitere Kredite gewährt, zu erwarten, daß man in Deutschland eine nnere Wirtschaftsreinigung vornehmen wird. Sämtliche verantwortlichen Stellen in Deutschland, insbesondere die Reichsregierung und die Reichsbant, haben die Pflicht, das Vertrauen, das mit der Hoover-Aktion in Deutschland csetzt wird, durch eine innere Wirtschaftsreinigung an allen Stellen, wo sie nach kaufmännischen Grundsätzen notwendig ist, -uch zu rechtfertigen. Wir haben allen Anlaß zu der Vermutung, daß die in erster Linie verantwortlichen inländischen Staatsbehör- den und Stellen das in dieser Richtung Notwendige noch nicht oder ZUM min dessen nicht mit der erforderlichen Entschlossenheit ins Auge gefaßt haben. Es ist die Rede davon, daß die Reichsbank einen er- heblichen neuen Devisenkredit erhalten wird. Wir halten die Reichsbank für würdig des Vertrauens, das in einem solchen Kredit liegt. Wir halten einen derartigen Kredit auch für notwendig, und je höher er ist, desto besser; denn das furcht- bare Loch, das in der deutschen Umsatzfinanzierung durch die aus- ländischen Kreditkündigungen gerissen ist, wird durch einen noch so Iiohen Devisenkredit für die Reichsbank nicht geschloffen werden können. Aber es gilt zu bedenken, daß ein Kredit für die Reichsbank ein Kredit bleibt, auch wenn er ein Kredit der Notenbanken ist, und daß für das Fällrgwerden dieses Kredites Vo r s o r g e g>«- troffen werden muß. Die Politik der Reichsbank bekommt des- halb die Aufgabe— und diese Aufgabe muß von der Reichsbank in erster Linie gelöst werden— für eine Entwicklung in der Kredit- Wirtschaft zu sorgen, die eine Rückzahlung des Devisenkredites auch möglich macht. Wenn man aber weiß, daß seit dem 30. Juni die deutschen Banken völlig unbeweglich gewesen sind, nicht zuletzt deshalb, weil sich in ihrer Liquidität auch Fehler der Vergangen- h e i t gerächt haben, dann kann diese Vorsorge der Reichsbant nur getroffen werden durch eine Wirtschastsreinigung, die bei den Ausleihungen der Banken beginnt und bei der Offen- lcgung und Abschreibung der bei der Bankenkundschaft ein- getretenen Verluste endet. Wir haben volles Verständnis dafür, daß die Reichsbank in den vergangenen Wochen mit oller Kraft zu überbrücken versucht hat, was zu überbrücken möglich war. Ebenso selbstverständlich scheint es uns aber, daß die Reichsbank jetzt das Steuer herumwirft, und die morschen Stellen in der Wirtschaft auch dann heilen muß. wenn eine Gewaltkur nötig ist. Wir hören serner, daß Verhandlungen für große Aus- landsanleihen im Gange sind. Es ist wahrscheinlich, daß diese Auslandsanleihe dem Zweck dienen soll, die Sanierung in der deutschen Privatwirtschaft zu fördern. Das Ziel, dos hier erstrebt wird, und auckstdas Mittel, das angewendet wird, können richtig und zu rechtfertigen sein Ueber Einzelheiten zu sprechen, ist heute noch nicht die Zelt. Aber wenn die Verwendung dieser Auslaiz�sanleihe das volkswirtschaftlich z u recht- fertigende Ziel erreichen soll, dann wird das nicht mög- lich fein, wenn die Verwendung dieser Auslandsgelder nicht einher- geht mit einer Rcichsbankpolitik, die die Bereinigung in der Wirt- schaft will und kontrollierend ddie Verwendung der Anleihe- gelder in der Wirtschaft begleitet. Wir wisien nicht, ob es wahr ist, wovon man in Bankenkreisen gestern abend sprach, daß diese Anleihe eventuell durch eine G a- r a n t i e von Wirtschaft und Banken besonders gesichert werden soll. Wir müssen uns aber fragen, ob eine solche Sicherung volks- wirtschaftlich sinnvoll wäre, wenn sich unter den Garanten zahlreiche Unternehmer befinden, die s e l b st saniert werden müssen. Also auch in diesem Punkte besteht Anlaß zu der Frage, welche Garan- tien vorhanden sind, daß der Weg der Wirtschaftsbereinigung in Deutschland wirklich beschritten wird. Wir hören auch— und wir hören es durchaus gern—, daß die durch die Hoover-Aktion ermöglichte finanzielle Erleichterung zum Abbau kurzfristiger Kredite bei Reich, Ländern und Gemeinden verwendet werden soll. Angesichts der Tatsache aber, daß für das laufende Wirtschaftsjahr trotz der N o t o e r o r d n u n g bei den Gemeinden ein ungedecktes Defizit von mindestens 30 0 Millionen verbleiben wird, müssen wir uns sragc», wie dieser Abbau kurzfristiger Kredite ohne die Eröffnung neuer Einnahmen an die Gemeinden erfolgen soll. Es muß merkwürdig berühren, daß man Reichsregierung und Reichsbank bemüht fi�ht, die Löcher in der Privatwirt- schaft emsig zu flicken, ohne daß anscheinend für die erforderlichen Garantien schon vorgesorgt ist, während man in der öffentlichen Wirtschaft die Bereinigung befiehlt, ohne aber auch nur entfernt — wie für die Privatwirtschast— an die Beschaffung der Gelder zu denken, die dazu erforderlich sind. In der Privatwirtschast ist weitaus in den meisten Fällen eigenes Verschulden die Ursache aller Schwierigkeiten. Die Kommunen sind ganz ossenbar die Opfer der Wirtschaftskrise, denn die sehlenden 500 Millionen erklären sich ausschließlich aus den Lasten der Wohlfahrts- fürsorge. Oesfeirtliche Garantie, ösfentlichc Gelder, ausländische Anleihen werden der privaten Wirtschaft zur Verfügung gestellt, die Ge- mcindcn werden mit der Knute behandelt. Wir wissen nicht, ob es wahr ist, ober wir haben gehört, daß eine der entscheidenden zentralen Kreditstellen, bei der Dr. Schacht wieder ein oft ge- sehener Besucher ist, eine große Anzahl von Städten und Ge- meinden jegliche Hilfe versagt, wenn nicht die Bedingung er- füllt wird, daß der Aktienbesitz an einem Großkraft- unternehmen verkauft wird, der für diese Städte zur Er- möglichung der erforderlichen Kontrolle schlechthin lebenswichtig ist. Hier scheint eine Form der inneren Bereinigung vor sich gehen zu sollen, die die bei der Privatwirtschaft notwendige Härte zil Unrecht bei der öffentlichen Hand anwendet und damit volkswirtschaftliche Gefahren heraufbeschwört, deren Vermeidung die Aufgabe der Stunde wäre. Es hat in diesen Wochen in der deutschen Privatwirtschaft außerordentlich vernehmlich gekracht. Die verantwortlichen Stellen in der Reichssührung und in der deutschen Kreditwirtschaft sind darüber ganz genau im Bilde. Der Reichskanzler Brüning hat auf dem Kleinen Bankiertag nicht umsonst sehr deutlich gewarnt. Der Reichsarbeitsministcr Stegerwald hat kürzlich nicht um- sonst mit einer Rücksichtslosigkeit, die man bisher von der Reichs- rcgierung noch nicht kennengelernt hat, auf die Eiterbeulen in der privaten Wirtschaftsführung hingewiesen. Es hat sich in diesen Wochen gezeigt, daß ein großer Teil der sogenannten Wirtschaftssührcr in Deutschland wiederum restlos versagt hat,. und zwar in einem Umfang, der alle Erinnerungen aus dem Stinnesjnhr 1923 übertrifft. Es nmß aus diesen Erkenntnissen die Konsequenz gezogen werden. Wir sürchtcn, daß man nicht mit ge- nügendem Ernst an diese Konsequenz in Deutschland herangeht. Die Befürchtung ist so gerechtfertigt, daß es, nachdenr wir jetzt den ersten Schritt über den Berg gemacht haben, inöglichcrweise wieder bergab gehen könnte. Das kann sich Deutschland nicht mehr leisten. Es wird kein neues Hoooer-Wunder geben, und am Ende von ungenügender Selbstkontrolle und Selb st- disziplinierung können Dinge stehen, die niemandem in Deutschland gefallen und nicniandem nützlich sein würden. Wir haben schon gestern gesagt, als wir über den u n e r h ö r- ten Nordwolleskandal sprachen, der nur eine der letzten Eiterbeulen darstellt, daß in Deutschland durchgegriffen werden muß. Wir beneiden niemand, der dieses Durchgreifen unterläßt, um die Verantwortung. Dieses Durchgreifen muß auch in Fällen erfolgen, bei denen es sich um Beträge von 50 oder 100 Millionen aufwärts handelt. Das heißt, daß zu dem zweiten Schritt, der jetzt in Deutschland nötig ist, auch ein wirk-� sameres Funktionieren der Strafjustiz gehört, nachdem die Wirtschaftspolitik der Privatwirtschaft so offenkundig Pleite ge- macht hat. Rentables Hesegeschäst. Höherer Reingewinn der Norddeuffchen Hefeindustrie. Die zum Schultheiß-Ostwerke-Konzern gehörige Nord- deutsche Hefeindustrie A.-.G., Berlin, legt für das Krisenjahr 1930 einen überraschend günstigen Abschluß vor. Das Unternehmen produziert in zahlreichen Betrieben, die über ganz Norddeutschland verteilt sind, Hefe, Malz, Spiritus, Nährmittel und anderes mehr. Der Umsatz ist zurückgegangen, da der Ausfall auf dem In- landsmartt durch den vermehrten Export nicht ausgeglichen werden konnte. Man klagt(!) auch über den Rückgang der Melasse- preise, die Herabsetzung des Brennrechtes(Spiritus) und die Herab- setzung der Spritpreise. Der Bruttogewinn ist auch gering- fügig, von 5,33 auf 5,28 Millionen Mark, zurückgegangen: aber nach etwas erhöhten Abschreibungen(1 Million Mark) verbleibt ein R e i n g e wi nn, der sich von 1,36 Millionen Mark im Vorjahre auf 1,37 Millionen Mark im Berichtsjahre erhöhte. Die Bilanz zeigt eine starke Verbesserung: Die Forderungen und Bankguthaben erhöhten sich von 6,8 auf 9,2 Mil- lionen Mark, während die Schulden nur von 10,6 auf 12,7 Millionen Mark stiegen. Welche A b- sichten man mit dieser„Verstärkung der finanziellen Position" verfolgt, wird nicht verraten: offenbar hat man sich auf die An- gliederung weiterer Werke eingerichtet. Auf das Kapital von 16,6 Millionen Mark wird wieder eine Dividende von 6 Proz. verteilt. Zweifellos sind starke stille Reserven vorhanden, so daß man schon jetzt zuversichtlich äußern kann, daß die Gewinne des laufenden Jahres 1931 nicht- g c- r i n g c r als im Berichtsjahr 1930 fein werden! Oeffenilich-rechiliche Ranken-1930. Ausdehnung des langfristigen Darlehnsgeschästs. Der Verband deutscher öffentlich-rechtlicher Kreditanstalten E. V. veröffentlicht den Jahresbericht für die Zeit vom 1. Juli 1930 bis zum 30. Juni 1931. In diesem Ver- bände sind alle Banken, die durch einen Gesetzgebungsakt öffentlicher Körperschaften gegründet� wurden, vereinigt(Landes- bankcn, Provinziolbonken, Girozentralen, Landschaften und Stadt- schäften, kommunale Kreditinstitute). Die Bedeutung des öffcnt- lichen Bankwesens für das deutsche Bank- und Kreditgeschäft geht daraus hervor, daß noch Feststellungen des Statistischen Reichsamts für Ende 1929 von dem Gcsomtumfang des deutschen Bankgeschäfts in Höhe van etwa 54 Milliarden Mark fast die Hälfte, näm- lich 25,5 Milliarden Mark auf das öffentliche Sparkassen- und Bankwesen entfiel. Während Ende April 1931 die Privatbanken einen Einlagenbestand von insgesamt 13,2 Milliarden Mark aufzuweisen hatten, betrug der Einlagenbestand der öffentlich-recht- lichen Kreditanstalten 5,4 Milliarden Mark. Die gesamten Aktiven der öffentlich-rechtlichen Kreditan- stalten erhöhten sich von 11,7 Milliarden Mark Ende April 1930 auf 12,1 Milliarden Mark Ende April 1931. Die Zunahme entfällt aus- schließlich auf das Konto der langfristigen Darlehns- gewährung, das sich von 5,5 auf 6,3 Milliarden, also um 800 Mil- lionen Mark erhöhte: bei den meisten anderen Aktivposten trat ein geringer Rückgang ein. In der Vermittlung langfristigen Kredits, besonders für den Klein- und Mittelbesitz, liegt die Haupt- aufgäbe der öffentlich-rechtlichen Kreditanstalten. Dabei ist ihnen (und den Hypothekenbanken!) zugute gekommen, daß das deut- sche a n l a g e s u ch e n d e Kapital im letzten Jahr von der Aktie fort zu den fe st verzinslichen Papieren wanderte. Der Gesamtumlauf an festverzinslichen Papieren in Deutschland erhöhte sich von Ende März bis Ende Dezember 1930 von 27 auf 29 Milliarden Mark. Soweit diese Erhöhung nicht vom Reich(Krcuger-Anleihe!) beansprucht wurde, ist sie eine Folge der Ncuausgabc van Papieren der Boden- und Kömnumalkrcdit- institute. Von dem G e s a m t u m l a u f an Papieren dieser Art entfielen Ende Dezember 1930 auf die Hypothekenbanken 56 Prozent und auf die öffentlich-rechtlichen Kreditinstitute 44 Prozent. Der Gesamtbestand der von diesen ausgegebenen H y p o- t h e k e n erhöhte sich von März 1930 bis März 1931 von 2,98 auf 3,25 Milliarden Mark, wobei wieder Klein- und Mittelbesitz bevor- zugt wurde. Die Hypotheken auf landwirtschaftlichen Be- sitz(60 Prozent des Gesamtbestandes an Hypotheken) haben aber kaum eine Vermehrung erfahren, da ein Drittel der früher von der Golddiskontbank gewährten Kredite zurückgezahlt werden mußten: zumeist wurde allerdings eine Umschuldung vorgenommen Dagegen hat sich der Bestand an städtischen Hypotheken ziemlich stark, von 1,0 auf 1,2 Milliarden Mark erhöht: 70 Prozent dieser Hypo- theken entfällt auf Wohnungsneubauten. Der Verband macht den beachtlichen Vorschlag, aus den Rückflüssen der Hauszinssteuern einen Bürglchaftsfiche- rungsfonds zu bilden, der es gestatten würde, mit Hilfe zeitlich begrenzter staatlicher Zinszuschüsse städtische Neubau-Grundstücke hoch zu beleihen. Man glaubt, dadurch dem Baumarkt neue Mittel zuführen zu können, zum Ausgleich der Kürzung der Haus- zinssteuermittel. Die Summe der langfristigen Darlehen an Kommunen hat von Ende April 1930 bis Ende April 1931 eine Erhöhung von 2,0 auf 2,4 Milliarden Mark erfahren. Das Bestreben, die kurz- fristige kommunale Verschuldung durch eine langfristige zu ersetzen (zu„konsolidieren"), wird nach Ansicht des Verbandes erst nach der Entlastung der Kommunen von den übermäßigen Wohlfahrts- ausgaben zu verwirklichen sein. Tagung der Oewog-Rrandenburg. Das neue Gemeinnühigkeitsgeseh.— Wanderungen der Mieter. Der Reoisionsoerband gemeinnütziger Bau- ge nossenschaften e. V.(DEWOG.-Revisionsvcrcinigung) Be- zirksosrband Berlin hatte am 4. Juli seine diesjährige Bezirks- Versammlung. Der Vcrbandsgeschäftsführer Dr. B o d i e n berichtete über den erfreulichen Aufstieg des Verbandes, dessen gesunde Ent- wicklung von der Wirtschaftskrise nicht aufgehalten werden konnte. Seit der letzten Berichterstattung auf dem Magdeburger Ler- bandstag 1930 hat der Verband 23 Genossenschaften neu aufgenommen. Da das neue Gemcinützigkeitsgcsctz die Genossenschaften zwingt einem staatlich anerkannten Revisivns- verband anzugehören, ist auch für 1931 und 1932 mit einem starken Anschwellen des Verbandes zu rechnen. Sehr zu begrüßen ist die Vereinheitlichung des G c m c i n n ü tz i g k e i t s b c g r i f f s, wodurch der früher völlig unterschiedlichen steuerlichen Belastung der Genossenschaften ein Ende bereitet wird. Künftig kann eine als gemeinnützig anerkannte Baugenossenschaft überhaupt nicht mehr zur Besteuerung herangezogen werden. Den p s e u d o- g e m e i n n ü tz i g cn Bauvercinigungcn ist durch das Gesetz eben- falls ein Ende gemacht. Der Verbandsleitung ist es in ihrer st e» c r- lichen Berastungspraxis gelungen, im Geschäftsjahr 1930 rund 100 000 Mark den Genossenschaften wieder zurückzuholen. Für die Verbreitung von genossenschaft- und steuerrechtlichen Kenntnissen hat der Verband Lehrkurse eingerichtet. Der Vorsitzende des Verbandes, Landtagsabgeordncier Drügemüller, ging auf die Sorgen der Genossenschaften ein, ob die Mieten von 20— 40 Mark eingehalten werden können. Drügemüller warnt davor, die Qualität der Bauten herabzusetzen, um die gewünschten Mieten und die gezogenen Grenzen nicht zu überschreiten. Notwendig ist, immer und überall daraus hinzuweisen, daß mit jedem Prozent Zinssenkung sich die Mietbelastung wesentlich verringert. Es gilt durch Maßnahmen der Innenpolitik uns das Vertrauen des Auslandes zu sichern, um zu der notwendigen Zins- senkung zu kommen. Nach einer lebhaften Diskussion, in der eine Reihe schwebender Fragen geklärt wurden, nahm die Bezirkstagung e i n st i m m i g eine Entschließung an, in der darauf hingewiesen wird, daß infolge der Wirtschaftslage die M i e t r ü ck st ä n d e 1931 von Monat zu Monat wachsen, trotz des vorbildlichen Opferwillens der Genossen- schastsmitglieder, daß ferner infolge des Sinkens der Bau- Mbvwmu» v�mmA k o st e n die größten Schwierigkeiten für die Wohnungsbauten aus Iahren hoher Baukosten und Hypothekenzinsen entstehen, deren Mieten erheblich höher sind als die der jetzt erbouten Klein- Wohnungen. An vielen Orten wandern Mieter aus deti älteren in neue Wohnungen ab, Bauten aus früheren Iahren werden durch leerstehende Wohnungen völlig unrentabel. Diesen Schwierigkeiten muß insbesondere durch Gewährung von Ainszuschüsseir und Herabsetzung der Zinsen bzw. Verzicht auf die Verzinsung der für den gemeinnützigen Wohnungsbau hergegebenen öffentlichen Mittel begegnet werden, wofür geeignete Schritte er- folgen müssen. Huigeschast nach wie vor glänzend! 12 Prozent Dividende bei Nerlin-Gubener Hutfabrik. Starke Reserven. DieBcrlin-Gubcner Hutfabrik A.-G., vormals A. Cohn, Guben, gehört seit Iahren zu den r e n t a b e l st e n Unternehmen der deutschen Industrie. Vier Jahre lang wurden 16 Prozent Dividende verteilt, für das letzte Geschäftsjahr 1936 sind es 12 Prozent. Ob diese Dividendenkürzung notwendig war oder aus all- gemeiner Borsicht vorgenommen wurde, läßt sich aus dem Geschäfts- bericht nicht entnehmen, da keine Umsatzziffern angegeben werden. Zwar wird gesagt, daß die Anlagen nicht voll aus- genutzt waren, aber das waren sie in früheren Jahren auch nicht. Die Einnahmen aus dem Geschäftsbetrieb werden mit nur 6,5 (im Vorjahr 6,9) Millionen Mark ausgewiesen; aber wieviel für Rückstellungen und Unterbewertungen vorher ab- gesetzt wurde, wird nicht oerraten. Es wird nur gesagt, daß man „sehr vorsichtig oerfahren" sei. Wie stark die Reserven sind, geht aus folgendem hervor: die Haarhut-Abteilung des Betriebes Lißner And die Berlin-Gubener Haarhut-Fabrik G. m. b. H. sind ft i l l- gelegt worden; weder auf das Bilanzkonto„Beteiligungen" noch auf die Gewinn- und Verlustrechnung hat diese Stillung auch nur den g e r i n g st e n Einfluß gehabt— die V er lu sie waren schon früher zurückge st ellt! Zur Zeit schwimmt das Unternehmen geradezu im Geld«: die Schulden betragen 1,7 Millionen Mark, aber die B a n k g u t- haben sind auf 2,5 Millionen Mark, auf das Anderthalb- fache der Schulden, gestiegen. Dementsprechend machen die Zins- einnahmen jetzt fast die Hälfte des ausgewiesenen-Betriebs- gewinnes aus. Die Rationalisierung wird dauernd fortgesetzt; seit Iahren schon werden die verhältnismäßig bedeutenden Zugänge auf dem Maschinenkonto bis auf eine Mark abgeschrieben. Von Krisenwirkungen ist bei diesem Unternehmen wahrhaftig nichts zu merken. Die Aufträge sichern eine volle Beschäftigung sür einen Monat, was als sehr günstig anzusehen ist. Was leisten Weisende und Handelsvertreter? Eine Llnterfuchung des Konjunkkurinstituts. Das Konjunkturforschungsinstitut hat eine Erhebung über die Kosten des Warenabsatzes durch Reisende und Vertreter durchgeführt. Danach ergibt sich, daß die Spesen der Reisenden und Vertreter von der Größe der erzielten Umsätze nahezu unabhängig sind. Im Lebensmittelhandel machen bei einem U m- fatz je Reisetag opn 899 Mark die Kosten— 8 Mark pro Tag— nur etwa 1 Prozent des Umsatzwertes aus. Hingegen fallen bei dem erheblich niedrigeren Umsatz von 299 Mark pro Tag im Handel mit Büro- und Papiermaterial die Kosten von 11 Mark pro Reisetag mit 4,2 Proz. viel stärker ins Gewicht. Die Erhebung ist im Jahre 1939 durchgeführt, und die rückläufige Konjunktur wird den Anteil der Kosten am Gesamtumsatz erhöht haben. Offen bleibt allerdings, wie weit das Einkommen der Reisenden und Vertreter darunter leidet. Die Tagesumfätze der Platzoertreter sind im allgemeinen erheblich k l e i n e r als die der Reifenden. Die anteilsmäßigs Kosten- belastung ist aber bei den Platzoertretern geringer. Selbstverständlich ist hier eine Vergleichung- angesichts der verschiedenen Voraus- setzungen nur bedingt möglich. Von Interesse sind die AngabenüberdieArbeitszeit. Von 395 Arbeitstagen im Jahre 1939 haben die berichtenden Reisen- dm und Vertreter im Durchschnitt 259 Tage zur eigentlichen Per- kaufsttctigkeit verwendet. Selbstverständlich ergeben sich zwischen den einzelnen Branchen erhebliche Unterschiede. In der Zeit zwischen den Reisen ist der„Handlungsgehilfe" in der Regel im Betriebe seiner Firma tätig. Die selbständigen Vertreter haben aber oft tatsächliche Arbeitspausen, besonders dann, wenn der Wohnort nicht mit dem Sitz der Firma zusammenfällt. Diesen Arbeitspausen steht eine ver- hältnismäßig lange Arbeitszeit von durchschnittlich 11 Stunden an den Reisetagen gegenüber. Von dieser Arbeitszeit entfallen im Durch- schnitt etwa 4,5 Stunden auf die eigentlichen Verkaufsverhandlungen. Der Rest wird durch Reisen, Warten, Berichterstattungen usw. aus- gefüllt. verkauf der INaffei-Schwartzkopff G. m. b. h. vollzogen. Der von uns schon vor einigen Tagen gemeldete Verkauf der Mas sei- S ch w a r tz k o p f s- W« r k e G.m.b.H. an die AEG. und die Siemens-Schuckert-Werke wird jetzt als durchgeführt bekanntgegeben. Es bestätigt sich auch, daß der Betrieb dM übernommenen Unternehmens(Bau von elektrischen Lokomotiven und Maschinen) mit der Abteilung„Elektrische Lokomotiven" der Bergmann-Elektrizi- täts-Werke zusammengelegt wird. Bekanntlich l eherrschen die beiden Elektro-Großkonzerne durch ihren Aktienbesitz praktisch die Bergmann-Werke. Der Betrieb der Berliner Maschinenbau A.-G. vormals L. Schwartzkopff(Bau von Dampflokomotiven und Teilen elektrischer Lokomouven) wird durch den Verkauf der Tochter- gesellschast nicht berührt. Tehrsluhl für Zucke' wirlschasl. An der Landwirtschaftlichen Hochschule hielt der für das neugeschafjen« Lehrfach Zuckerwirtschaft ernannt« Professor Spengler seine An- trittsvorlesung. Der Redner zeigte, daß Java durch die Züchtung eines„Wunderrohrs" jetzt in der'Lage sei. vom Hektar Boden soviel Zentner Zucker zu gewinnen, wie wir Rüben ernten. Er meinte aber, daß es sicher gelingen werde, in der Züchtung besserer Rüben weitere Erfolge zu erzielen; eine Einschränkunq des Rübenbaue- fei für die intensive Betriedsführunc, der deutschen Landwirischaft nichr tragbar. Mit allen Mitteln sei eine Hebung des Zucker- konfums anzustreben. üditspids usw. Staaistheater Geschlossen. Abonnements-Einladung für die Spielzeit 1931/32 OroBer Preisabbau, wesentliche Verbesserung einzelner Platzgruppen durch Vorverlegung, sehr bequeme Zahlungsbedingungen. Anmeldongcn nehmen in der Zeit von 10 bis 2 Uhr entgegen; für die Uoaltoper und das SlaalUdie Sdiaaspieibaot: Abonnem-Büro Oberwallstr.22, Fernsprecher: Merkur 9024, f ü r das Slaall. SOilllertceaier: Abonnem.-Bflro; Charlottcnbg., Grolmanstraße 70, Fernsprecher: Steinplatz 6715 P M Ballcit Eduarde wa, 10 Brox, B 4 Richys, Mary- Erik~ Paul usw. Barbarossa 9256 TAbI- 8 u. Sl/t U. H. u. H. Williams lee Gall- Ensemble | Orlg. SWhiriwInds Bob Ripa 1 Colia Brandt uw. 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Die Komödie Täglich«>/, Uhr Diensl gm Kunden von Cut Bols unj Max Hansen Regie; Hans Deppe Rurfärstendamm- Theater Bismarck 449 Beute zun 25. Male: |»>/« Uhr| Die schöne Helena von lacques Ollaabaa Heala: Ua* Belniiirdi Danksagung Für die vielen Beweise der herz. lichen Teilnahme bei der Trauorseier meines lieben Mannes, besonder, lüz die trastreichen Worte de, üand- tagsabaeordneien Herrn Meier, sagen wir unsern herzlichen Sank. Tin» Heven nebst Kindern GEWOO- MARIENDORF GomeinnOtzlsc Wohnunss-OonoswenschaN«.G.m.b.H. Ahliva_ IMIan» per 31. 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Baukonto......... 49g 034,20 340 339.07 467,35 300 000.— 31 242,32 69.10 3704,91 11 643,10 1 185500,05 Hypotheken........ Restkaufgeld Lichtenrade Rückstellungen...... Qesetzl. Reservefonds... Qeschäftsguthaben.... Sonst Verpflichtungen Hypoih.-Zinsen 10740— Kio Korr.-Konto 5 527,5« Akzepten-Konto 23 000,— Bau-Konto 30 988.15 Gewinn. 1016342.10 17 000.- 64 288,— 972.58 15001,— 70 255,73 1 640.64 1 85500.03 Soll Cawtn- und VerlnsirediDUBg Haben fiausunkosten Geschäftsunkosten 81 9i«A5 634217 Mieten. rückst Mieten. ülkTrlo N C II k 0 1 1■. w Lahnatr. 74/76J Reichshallen-Theater Anfang I» I Uhr Stettiner Sänger Zum SchluS „Alles verrückt!" ÄÄz;rn:::: Ä ästige llinna— . 135 323, üy ' 4»6.53 m 760,21 935.21 Gewinn 1 640 64 137695.43 137 693.43 verliehen Mosen. 4, eine Haftsumme Mitgliederbestand Der Vorstand Schiefner, Rötner, Kuntzc Mitglieder bewegong M.31 100,—(Zuwachs. 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"' land", Tem- � Aidoiu- 2c.' IsuSUlldiOge FlugUathierbreitung von den bekannten Lokalen aus: Gefängnis für einen Greis. Er erstach seinen Adoptivsohn. Das Landgericht verurteilte gestern den 68jährigen Renten- nnpfängcr W., der am 25. März d. I. seinen 24jährigen Zldoptiosahn Walter mit einem Schlächtermesser erstochen hat, zu 1 Jahr 3 Monate Gefängnis. Angesichts seines Alters und seiner bisherigen guten Führung wurden ihm mildernde Ilmstände zugebilligt. Der Hast- bcfehl blieb bestehen. Das Gericht hat dem K8jährigen Rentenempfänger nicht geglaubt. daß er in Notwehr gegenüber seinem brutalen Sohn ge- handelt hat. Mit dem Urteil des Landgerichts hat ein A d o p t i v- d r o m a fein Ende genommen, das zehn Jahre lang Haß beim Voter wie beim Sahn aufspeichern ließ. Als W. damals, in gut bürgerlichen Verhältnissen lebend, an Kindcsstatt den kleinen Walter aufnahm, wußte er natürlich nichts von Vererbung und dergleichen mehr. Er dachte auch nicht daran, daß der Junge eines Tages ihn nicht mehr als vollgültigen Vater ansehen und selbst die Hand gegen ihn erheben würde. Die Adoptivtragödie begann nach der Ein- segnung des Jungen. Er bestahl die Eltern, kam kurze Zeit in Für- sorge, hielt es nirgends in Stellungen aus, lachte über die Vor- Haltungen seines Adoptivvaters und erwiderte Züchtigungen, indem er den Alten ohrfeigte. Die Mutter nahm die Partei des Adaptiv- sohnes, der Vater warf mehr als einmal Frau und Adoptivsohn aus der Wohnung, die Zwistigkeiten arteten besonders schlimm aus, wenn der Alte betrunken war— und er trank oft. Der Haß, der sich in beiden seit Jahren angesammelt hatte, führte schließlich zur Katastrophe. Zwei Schülerselbstmorde in Göttingen. Göltingcn, 7. Juß. Auf einer Bank in der Nähe des Jahn- Spielplatzes wurde gestern früh ein Oberprimaner, Sohn eines Lehrers, er- schössen ausgesunden. Der junge Mann hatte sich mit einem Gewehr einen Schuß in die Schläfe beigebracht, der sofort tödlich wirkte. Der Grund der Tat ist noch nicht festgestellt. Gestern abend erschoß sich in der Wohnung, seines Großvaters ein zwölfjähriger Schüler. Er war von seinem Großvater wegen schlechter Schularbeiten geschlagen worden und begab sich darauf in ein Nebenzimmer, wo eine Waffe verschlossen aus- bewahrt wird. Dort wurde er später von seinem Großvater mit einem Herzschuß t o t aufgefunden. Fest der Arbeit in NriH. Das groß« Gesamtgelände der Britzcr Hufeisen- siedlvsz ist auch in diesem Jahr wieder der„Festplatz" für das nun schon traditionell gewordene„F e st der Arbeit" der Britzer Parteigenossenschaft und der auf sozialistischem Boden stehenden Kultur- und Sportorganisationen. Sie sind alle wieder da: die Sozialistische Arbeiter-Jugend und die Kinderfreunde, die Turner vom„Volkssport" und die Freien Schwimmer, der Sprechchor der FGJ. und die Arbeiter-Laienspielcr mit ihrer politischen Revue, die Arbciter-Schachspieler und der Berliner Volkschor, der einer der besten Arbeiterchöre Berlins"ist! lim 14 Uhr ist Abmarsch des Festzuges: um 16 Uhr beginnt dos Nachmittogsprogramm mit Sprechchor, Arbeitergesang, Musik von vier Kapellen, Spiel, Sport und Unterhaltung. In der Halle im Hufeisen zeigen wir ein« Ausstellung:„Das politische Plakat". Auch Kasperle ist da!— und ein Kindersackelzug! Abends spricht bei der Sch lußfcier im Hufeisen das Mitglied des engeren Parteivorstandes, Hans Vogel. Es soll wieder ein großes Voltsfest der organisierten Ar- b« i t e r s ch a f t werden. Festkarte 50 Pf., Arbeitslose 2-5 Pf., Kinder frei. Kommt alle, Sonntag, den 12. Juli, zum Fe st der Arbeit nach Britz! Sport. Rennen in hoppegarken am Dienstag, 7. Iuli. tileier-Rcnxen. 1. S. LewinS Heroine(Svchla): 2. Astoria: 3. llcnclon. Toto: Play: 17, 26, 26. Ferner liefen: Conknrent, Loe. Sergeant, Tomatilcr, Rhapsodie, Idylle. Hcrold-Rcnnc«. 1. Gest. Weils Fanden: lSajdikü 2. Esto Vir; 3. Rohr- Pfeifer. Toto: 205. Play: 62, 20, 22. Ferner liesen: Willkomm, Vier- zciker, Kltai, Edelknabe, Kamerad, Hanstein, Margjerita dAre�o, Oriolns. Habenichts-Rennen. 1. P. MiilHens' Stammcssahne(Plaike); 2. Derwisch; 3. Citadclle. Toto: 63. Platz: 20, 16, 60. Ferner tiefen: Instanz, Easperlc, Palastpage, Mio d'Arezzo, Verdi, Pclas, Ilona, Feronia, Altona. Lchndorss-Rcnnen. 1. s- Frhr. S! A. v. Oppenheims Wolkenslug lZehmischl; 1. t Graf Vor' Granville lPrinten,; 3. Majordomus. Toto: 8 l Wolkenflug) 17(Granville). Platz: 10, 10. Ferner liefen: Adebar, Alten- stein. Arnsried-Rennen. 1. Friedbcims Sühkirsche lVöhlke): 2. Loga; 3. Nittersturz. Toto: 39. Platz 19, 20, 55. Ferner liefen: Fürst Emmo, Masso d'Arezzo, Aurelian, Agricola, Judica, Garde. Laudon-Rennen. 1. Gest. Blumbcrgs Machbuba(Tarras); 2. Mauve; 3. Chiffre. Toto: 17. Platz: 11, 13, 24. Ferner liesen: Fidelia. Tanzoras, Schneesall, Paulchen, Tanta, Madame Lasfile. I' h pense, Kameradschaft. Gibraltar-Reunen. 1. Fr. Pähls Elpi lKreuz); 2. Gassenjunge; 3. Spinell«. Toto: 36. Platz: 14, 16, 21. Ferner liesen: Eroica, Donner- kiel, Hellseherin, Ostfranke, Honeska, Henvill, Harold, Roxana, Osiris. Trinkt Zachingcr. Uebcrall da, wo das Blut die verbrauchten Bestandteile nur mangelbaft ausscheidet und es demzutolg« Ablagerungen von Selbst. nisten and Stcinbildungcn kommt. Überall da ist nach vorausgegangener Ber» ständigung mit dem Hausarzt eine Haustrinkkur mit dem altbewährten Ge- sundheitswasier„Etaotl. Fachinge»" empfehlenswert. Allgemeine Wetterlage. 74luU mi.sdds. woll« r l i»«W«S. Kinbenfiroh« 3, G stet« an da,®cjirt«[c(retorUl Hos, rSrcaptn rechts, ja richten. 13. fteeU: Berichtigung! Der Eintrittspreis zur Bauausstcllung Nr Nicht, erwerbslose wurde irrtümlich mit 76 Pf. angegeben. Tatsächlich beträgt der Eintrittspreis Nr die Bauausstellung 1,60 M. Beginn aller Veranstaltungen l SU- Uhr, sofern keine besondere Zeitangabe! Mitgliederversammlungen und Zahlabends heule. INittwoch, S. Juli, in nachstehenden Lokalen: 12. Abt.„Unser Weg" heute ab 18 Uhr hei Schmidt, Wirlefstratze 17, abholen. 19. Abt. Zahiabcnd in den bekannten Lokalen. Die Flugblätter werden dort an die Genossen zur Vcrbrritung ausgegeben. Die Abterlungsmitglirdcr. Versammlung fällt im Monat Juli aus. strvßc 1. 38. Abt. Dir Funktionäre holen die Flugblätter heute von den bekannten Stellen ad. Verbreitung am Donnerstag, 9. Aull. 41. Abt. 18 Uhr Sitzung der Funktionär- bei Lipfert, Mariendorfer Str. 6. 44. Abt. 18 Uhr Verteilung der Flugblätter an die BezirksfUhr-r bei Schlbold, Admiralstrahe 5.„.,...... 43. Abt. 19 Uhr Abteilungsvorstand, Gruppenleiter und BezrrksNdrcr de, Ioiickeit, Reichenberger Stratzr 73s. 2g Uhr Iohlobende in den bekannten Lokalen. Gruppe Hohlstein in Friedenshiittr, Wiener Strotze 48. Abt. Mitglicdcrversammlnnge» und fiahladende fallen im Juli an«.— Donnerstag. 9. Fuki. Flugblattvcrbrcitung ad 18 Uhr bei Keller, Fürsten- 77. Abt. Aahlabendc in den bekannten Lokalen. 3. Bezirk Bortrag:„End. keife oder.stoniunkturfä-wantung", Ref.: Gen. Fritz Levi. 79. Abt. stahlabende in den bekannten Lokalen. 82. Abt. 7. Bezirk Zahlabend bei Bictitzcr, Ctcphanstraßc 1. Portrag, Ge. nofsilt«etzler. � 85. Abt. Zahlabende und MitsNedervcrsammlungcn fallen im Zul> au«. 89. Abt. 19 Uhr Fuuktioiiärsttzung ttojlbuffer«lause. Touren zur Flugblatt. verorßituna vorbereiten. 9«. Abt. In den Bezirkrn 23/34/36. 28/32, 99/28» und 49:61 fällt Zahlabend aus. Die Bezirke 16/26/27, 24, 30/31, 33/60 und 48 tagen in den bekannten Lokalen 95. Abt. Die Einlatzkarten zum Mercedes.Pa!ast für das„«eimende Leben" sind beim«asfierer Lähm oder am Donnerstag spätestens bei«eil, Prinz. Handjerystratze 38, von 10— 29 Uhr, abzurechnen. 97.«bt. Die VejirksNHrcr holen Mittwoch bis 18 Uhr Flugblätter von Rohr ob. Die Abteilungsvcrsaimnlung fällt in diesem Monat aus. 190. Abt. Zahlabcnd bei Rupprrt, Neuköllner Straße. 192. Abt.«aumfchnlcnweg. Mitgli-d-rv-rsammlung für den geiamten„AfA- Hos" im Restaurant Neutivoli, Neu-«rugallee. Infolge Ausfallens der Versammlung Nr Alt-Baumschulenweg belciligen sich die Genossen an der AfA-Hof-Veranstaltung. Thema: Polizei und Volk-staat. Ref.: Gen. Polizeihauptmann Dobbehan. Abt. Zasslabend im L'kal von Paul Heiniann, Waltersdorfer Straße 100. Abt.«Krimpe 1-4:„Sänge vheim", Florastraßc. Gruppe 6-8:„Türk. Zeit", Breitestraße. Gruppe 0—10:„Mandel", Galenusstraßc. Abt. Der Zahlabend fällt aus. Abt. Zahlabcnd in den bekannten Lokalen. «bt. 20 Uhr gemeinsamer Zahlabcnd Nr alle Bezlrkc im Bolkshaus. «schar uweberftraße 114. Dr. Hans Eohn: Zur politifäien Lage. in. 129. 133. 136. 137. Morgen. Dounersiag, 9. Juli. «. Brei«. Dampferfahrt nach Alt« Berliner Elhweiz, I»h. Slcluhäuscr. Ab- fährt 9 Uhr von Cchillingsbrücke.«arten nur noch bei«rüger, Grimm» straße 1. Am Dampfer lein«artenverkauf. 14. Brei«. Das Thema für den Erwerbslosenkursus am tonrmiiiicn Donners- tag. 9. Juli, nachm. 2—4 Uhr, Böhmische Straße 1—3, ist die Hvovcr. Aktion mit ihren vermutlichen Auswirkungen auf die gegenwärtige Arbeits, und Wirtschaftslage. Erwerbslose«ursusteilnehmcr find will- kommen. Lehrer: Gen. Guriand. Die für Donnerstag oorgrschcnc Sitzung findet wegen der Flugblottverdrcitung nicht statt. 4. Abt. Ab 17.30 Uhr Flugblottvrrbrcitnnq von Brandis, Etralauer Str. 10. 9. Abt. Alle Mitglieder ircfscn sich zur Fiugdlattverdrciiung um 18 Uhr bei Hübner, Wilsnacker Straße 34. 12. Abt. Ab 17 Uhr Flngblativerbreitung von«Schmidt, Wiclefstvaße 17, aus. Die A d t eilungsvc: fa mm t ung am Mittwoch fällt aus. 2t. Abt. Ab 18 Uhr Flugblattoerbreitung von folgenden Lokalen aus: Erste Gruppc: Rösner, Immonuelkirilsstratz« 26. 1».«Kruppe: Ahtschläger, Win«. Ecke Christburgcr Straße. 2. Gruppe: Bieberstein, Danziger Straße 46. 3. und 4. Gruppe:«orhter, Grcifswaldcr Straße 80b«Schwcizerhüuschcn). 54. Abt. Bon 18 Uhr Flugblattvcrbrcitung von den bekannten Stellen. Be. zirksführcr laden ein. 84. Abt. Zahlabende im Juli fallen ans. Donnerstag Flugblaltvcrbrciwng von den bekannten Lokalen aus. Vom Lokal Sell keine Verbreitung. 96. Abt. Flugblätter abholen von den bekannten Lokalen. BczirksNhrep laden ein. 104. Abt. 161» Uhr Flugdlattvrrbreitung von Tomalla, Berliner Str. 38, au». 108a. Abt. Bopcniik. Eisner,«aiscr-Wilhelnr-Stroße 5.«lose, Mvhtsdorfce Straße 1. 128. Abt. Flugblattoerbreitung von nachstehenden Lokalen: 1. Bezirk: Lokal Roaik,«aiscr.Friedrich�Straße 63. 2. Bezirk: Lokal Griffel,«aiser. Friedriäi-Etraße 16. 3. Bezirk: Lokal«ober, Berliner Straße«6. 4. Bezirk: Lokal Fulde, Berliner«Straße 07. 6. Bezirk: Lokal Bareik, Berliner Straße 08/99. 6. Bezirk: Lokal Hriiue.«Wngcnstraße 46. 7. Bezirk: Lokal Bader,«issingenstratzc 4. 8. Bezirk: Lokal Graue,«isstngcnstraße 11. 9. und 10. Bezirk: Lokal Lehmann. Mühlen- Ecke Maximilianstraßc. 18?. Abt. Schulzcndorf, Heiligensce. Zlcu-Hciliqensce und Siedlung am Bahnhos Heiligensce. 20 Uhr Miiglirbcrvcrsammlung bei Beck. Dr. Hans Eohn: Zur politischen Lagr. 90». Abt. Sonntag. 12. Iuli, Fest der Arbeit. Abmarsch de» Fcstzuge» 14 Uhr von der Ideal, S>«4>ln»g. Rachmiitagsseicr im Wäldihen, Berlince Bolks- chor, Sprcchchoe der SAI., politische Revue, 4 Orchester, Spielmannschaft, Sport, Spiele, Bonzcrt u. a. Schochwettstreit. Ausstcllunq: Da« politifihe Blatai. Schlnßfrier mit Knfcifcnbeleuchtnng. Parteioorfitzender Gen. K-ns Bogel hält dir Festrede. Zestkarte 50 Pf., Erwerbslose 25 Pf.. «'»der frei. Zrauenveranstaliungen. 3. Breis. Dienstag, 14. Juli, Ausflug nach Tegelort. Straße«, bahnfiinc 38 bis Iörsstraße. Restaurant Erlrnn>äld j Uhr Weberwiefe. Reftfotken 15 Pf., osse anderen 26 Pf. Ende 20 Uhr.— Sonntag: Freiwillige Teilnahme am Waldfest in Wuhlheide fRiahlsdarf). Treffen des«reifes: 1H8 Uhr Weberwiefe. Slestfatken 16 Pf., alle anderen 25 Pf. Ende 20 Uhr.— Die Gruppen Freiheitsdrang uitd«Stralau haben währcich der Ferien Gruppenabend«. Die übrigen Gruppen tagen nicht. �— 1 Die Eportplatzadcnde finden weiter statt. (Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation � 47. Abt. Unser lieber Genosse TSalter Sal: „Tagespolitik".— Adlershos: Bismarckstroße 1:„Tagespolitik".- Fallcnbcrg: Gutshof:„Der Weg zum Sozialismus".— Fricdrichshagen: Friedrichstraße 89: Lichtbilder:„Von Ftaiikfurt bis«Bin".— Friedriehsfelde: Gunterstraßc 44: Mitaliedcrvcrsammlung.— Karlshorst: Besuch des Zahlabcnds der Partei.— Lichkenberg Mitte: Srnwebcrstraße 29:„Prostitution".— Lichtenberg-Nord: Besuch des Zahtabends der Partei.— Lichtenberg.Aordwcst: 20 Udr„Rvie Ecke". Wir gehen nach Treptow.— Mahlsdorf: Melanchthonstraßc 63: Mitglieder. vertzammlung.— Buchholz: Besuch des Zahladcuds der Partei.— Pankow R..F.:«iffingkiistraßc 48:„Was lu>t die R..F..Grupve bisher geschafft?"— Neukölln IX: Besuch des Zahlabends der Partei. lOsh Uhr Bhf. Hermonnstraßc. Werbebezirl Neukölln. Sprclhchorprobc um 19s: Ahr,«annrrstraße. Voriräge,VereineundVersammlungen. # Reichsbanner..Schwarz-Rol-Gold''. GeschSktsssellet Berlin C. 14. Scbafiianfir. 87—38. Lok 2. Tr. Sieglitz(Ortsverein): Donnerstag, 0. Juli, 20 Uhr, Turnhalle Ringstraße, Pflichtübung für Iungda, Echufo und Etafo. Tedmjsche Funktionäre müssen pünktlich erscheinen.— Köpenick(Kameradsihaft): Donners- lag, 9. Juli, 20 Uhr, Mitgliederversammlung im kleinen Saal des Stördt- thcaters«öpcnick, Reuwahl des Vorsitzenden.— Weißens«: Freitag, 10. Iuli, Abteilung II Turnhalle Wörthstraßc, Weißen fee. Bereinigung der Freunde uon Religion und Völkcrfrieden. Gen. Pfarrer Bleier spriäü am kommenden Sonntag, 12. Iuli, abends 6 Ahr, im Rahmen einer religiösen Feierstunde in der Trinitatiskirche Charlottenbnrg Über das Thema: Die Gottlosigkeit der Pharisäer.— Am Sonntag. 10. Iuli, morgens 0 Ahr, spricht«den. Pfarrer Bleier Über den Berliner Sender im Rundfunk Über das Thema:„Gott in der Natur" im Rahmen einer Morgenfeier/— Nähere Auskunft Über Zweck und Ziele ber obenbenannken Bereinigung erteilt Willn Schönherr, 1. Borsitzcndcr, Berlin-Steglitz,«Schönhauser Straße. 14 (Telefon O 2 8173). SeieI Euch.klar.lhr RauchEr.dass der VErbraucher hsutE dis macht indsr Hand hat. Wird nur WarE gEkauft.diE hoch in dsr Olualität und niedrig im Preis ist. dann muss die Preissenkung auf der ganzen Linie folgen. Huf dem Zigarrenmarkt haben wir das Erstaunliche vollbracht; vi« du KhfbI: ]?* Hlvm«! 1b*8r«w» 30% Java 23*Suk.#»'I Suaitn Unblitt Sub*'* Orawi KR ERTER MMRNER IQ JE Rein übErsee-ZioarrB und doch nur Tropen Sckickfale 3)eutfche in Südamerika/ 3)er tReifende, der föuchhaUer und der 9>laniagenbeiHsBer In Venezuela erzählte ein junger Deutscher über eine Geschäfts- reise nach Kolumbien durch das Hochgebirge Venezuelas. Altes klang wunderbar abenteuerlich. Es kamen Jaguare vor, die das Auto be- drohten, Indianer und Urwälder. Ich erkundigte mich dann auch bei dem jungen Mann nach dem Zweck seiner Reise. Nun, er war Gcschästsreiscnder und er enthüllte mit einigem Stolz den Inhalt seines Musterkoffers. Es kamen Waren zum Vorschein, die das Herz eines Direktors des Greuelmuseums in Stuttgart höher hätte schlagen lassen können. Likörflaschen und Gläser, die eine Ente mit Küken darzustellen versuchten, Papierlampenschirme mit Himmel- schreienden japanischen Landschaften, mit Vergißmeinnicht verzierte Zahnstocherbehälter, eine ganze reichhaltige Kollektion aus Bunz- lau, Gablonz und Umgegend. „Das verkaufen Sie den Indianern? Deshalb die gefährliche Fahrt und Jaguare?" „Gerade mit den Indianern kann man gute Geschäfte machen, die von der Welt ganz abgeschlossen sind. Das war in Deutschland auch so. In den Dörfern, wohin nicht mal eine Lokalbahn fährt, kann man am besten verkaufen. Solche Fahrten waren auch in Deutschland mühevoll. Und bissige Köter, die es auf einen Motor- radfahrer abgesehen haben, sind im Grunde nicht weniger unan- genehm wie Jaguare, die Angst vor den Menschen haben. Uebcr- Haupt, abenteuerlich käme mir das Leben hier in den Tropen nur vor, wenn ich in Deutschland darüber lesen würde. Hier habe ich andere Sorgen. Ich muß daran denken, wie ich meine Aufträge hereinbekomme und eine billige Unterkunft finden kann, genau so als wäre ich in Deutschland." -i° Holländisch-Guayana ist ein reiches, kaum bevölkertes Land, das einem unternehmungslustigen Geist anscheinend jede Entwick- lungsnwglichkeit bietet. Wie sieht es in Wirklichkeit aus? Es gibt hier verhältnismäßig viele Deutsche, aber kaum einen, der selb- ständig wäre. „Pioniere, Kerle, die den Urwald urbar machen, die eine neue Welt aufbauen in einer neuen Welt, das klingt alles sehr großartig, aber wenn man näher hinsieht, was stellt sich heraus? Auch am Rande des Urwaldes, auch im Urwald selbst bleibt dir nichts an- deres übrig, als für einen Wochcnlohn von soundso viel und bei einem Arbeitstag von 10 bis 12 Stunden dieselbe Arbeit zu vcr- richten wie drüben im alten Europa. Für wen? Für irgendeine Aktiengesellschaft mit unsichtbaren Häuptern, die in London, in Amsterdam, in Paris sitzen. Und nicht nur uns Deutschen ergeht es so. Betrachten Sie hier in unserer Hauptstadt die sogenannte bessere Gesellschaft. Alle die Konsuln, also die erfolgreichsten Ge- schäftsleute, auch sie sind nur Angestellte. Unsere Kolonial- oder Kurzwarenlädcn, die manchmal so pn- mitiv aussehen, sind trotzdem meist sehr rationell ausgebaut, mit einer Einkausszentrale in London oder Amsterdam und mit Filialen auf den Inseln und in den Kolonialländern." Einen Berliner traf ich in einer ncuentstandenen Stadt mitten im Urwald. Muß der da ein phantastisches Leben führen! Was macht er hier? „Ich bin Buchhalter, Arbeitszeit von morgens sieben Uhr bis abends um sechs, eine Stunde Mittagspause, Gehalt 140 Dollar, ober die Lebenshaltungskosten sind hoch, ich verbrauche fast alles, was ich verdiene." Phantastisches Leben? Genau so phantastisch wie das eines Buchhalters in Berlin. * Ein Rheinländer in Maracaibo, der nur nach vielen Schwierig- keiten eine Stellung auf den Oelfeldern fand, erklärt seinen Wirkungskreis. „Ich kontrolliere die Arbeitskarten, wenn sie gestempelt werden." „Kontrolluhren bei den Indianern? Hier, wo es vor kurzem nur Urwald gab?" „Ja natürlich, wir haben genau denselben Großbetrieb wie in Deutschland. Und auch bei 40 Grad Hitze bleibt die Hauptlasung Arbeitsdisziplin." Je Ein Kaffee-Plantagenbcsitzer aus Guatemala, der mit einer schweren Malaria nach Hamburg fuhr, gehörte zu den wenigen „selbständigen" Deutschen, die ich unterwegs traf. „Auf eigenen Füßen zu stehen, das hört sich schön an und das war auch immer mein Wunsch. Aber heute ist das, wenn man nicht zu den Großgrundbesitzern gehört, die auch die Macht haben, nichts weiter als eine Illusion. Es kommt nicht mehr daraus an, wieviel man produzieren, sondern wie man verkausen kann. Die Ernte ist glänzend, aber die Kleinen gehen dabei zugrunde." -i- Ei» Buchdrucker, ein Leipziger, der schon seit Jahrzehnten in San Juan, auf der schönen Insel Porto Rico, lebt, seufzt melan- cholisch, als van der Schönheit der Insel die Rede ist. „Ich merke nicht viel davon. Die Arbeitszeit ist zu lang und trotz all der Jahre kann ich mich an die Hitze nicht gewöhnen. Einer meiner Brüder arbeitet auf den Oelfeldern in Venezuela,«in an- derer in den Raffinerien auf Trinidad. Wir bekommen genug Briefe aus Deutschland, in denen man uns um unser„interessantes" Leben beneidet. Worin besteht das Interessante? Ich bin überzeugt, man denkt dabei nicht gerade an die Arbeit. Was aber ist das Reu- artige, das wir hier erleben? Die Hitze, Tropenkrankheiten? Wir finden es gar nicht so spannend, Chinin zu nehmen und von den Moskitos gequält zu werden. Ja, wir verdienen mehr als drüben. Der Wochcnlohn eines gelernten Arbeiters schwankt zwischen 25 und 60 Dollar, aber die untere Grenze ist die häufigere. Dagegen sind die Lebenshaltungskosten entsprechend höher als in Europa. Kampf ums Dasein ist auch hier der Wahlspruch." Maria Leitner.. Jlurl Studolf neuberl: ClflottUQC „Ohne Notlügen kommt man. eben nicht aus!" seufzte die kleine, etwas rundliche Frau des bekannten Verlägsduchhändlcrs der Stadt, nachdem sie von ihrem Erlebnis erzählt hatte. Mit ihrem Ausspruch entfesselte sie einen lebhaften Mcinungs- austausch in der kleinen Gesellschaft, die sich abends in der Wohnung des Studienrats Mandck eingefunden hatte. „Zu Notlügen kann mitunter sogar eine moralische Verpflichtung vorliegen", warf der Schauspieler Bachenheim, Mitglied des dortigen Stadttheaters, nachdenklich ein. „Gewiß!" sagte jemand,„einem Sterbenden ians man mit einer Notlüge die letzte Wohltat erweisen, einem Kranken sein Los erleichtern, einem Abschiednehmenden die Illusion lassen...." „Für mich gibt es leine Notlügen!" sagte der Hausherr energisch. „Nein!" lachte seine Frau,„immer sagt er mir die Wahrheit. Frage ich ihn: wie gefällt dir mein neuer Hut, so bekommt er es fertig: Scheußlich! zu sagen." Der Studienrat gab dem Gespräch wieder einen Unterton von Ernsthaftigkeit:„Notlügen sind einfach eine Schwäche, behaupte ich. Man macht es sich bequem damit. Man geht damit den kleinen Entscheidungen des Alltags aus dem Wege." „Wollen wir wetten, Herr Studienrat, daß Sie noch im Laufe des Abends eine Notlüge gebrauchen werden?" fragte der Schau- jpielcr. Der Studienrat lächelte voll Nachsicht. ... Die kleine Gesellschaft hatte sich nach dem Abendessen in das Zimmer des Hausherrn begeben, wo es einen großen, zum Garten hinausführenden Balkon gab. Man sprach vom Stadttheater, vom Gymnasium und von der Frau Bürgermeister. „Ehe ich vergesse, Herr Studienrat", fragte der Schauspieler ganz unvermittelt,„können Sie mir wohl hundert Mark leihen?" Diese Frage war so seltsam— in diesem Kreise, daß man zu- nächst wie erstarrt war. Auch der Hausherr schien einigermaßen be- troffen zu sein, aber er gewann sein nachsichtiges Lächeln rasch wieder. „Es tut mir leid, lieber Bachenheim____ „Aber warum nicht, Herr Studienrat, bei unserer langen Be- jkanntschaft?" „Sehen Sie, meine Herrschaften", wandte sich nun der Studien- rot an seine Gäste,„hier erleben Sie einen Fall, der nach Ihrer Mci- nung eine Notlüge erfordert. Ich könnte sagen: herzlich gern, aber im Augenblick selbst große Verpflichtungen____ Wäre meine Antwort so ausgefallen, hätte unser Freund hier Ihnen bewiesen, daß ich die erste Notlüge dieses Abends gebraucht habe." Die Gäste lächelten. „Selbstverständlich war Ihre Bitte nicht ernst gemeint, Herr Bachenhcim, das weiß ich, aber Sie sollen trotzdem eine Antwort bekommen: ich würde Ihnen prinzipiell kein Geld borgen! Sie kennen meine Grundsätze!" Der Studienrat hatte in einem versöhnlichen Ton gesprochen, der eine Verstimmung bei dem Künstler nicht aufkommen ließ. Das Ganze wurde von der Gesellschaft als Scherz betrachtet. .. Man saß noch lange im Dunkel auf dem Balkon, während im Herrenzimmer alle Flammen brannten. Die Standuhr schlug halb zwölf. Um diese Zeit begann manchmal im Garten eine Nachtigall zu singen, man wartete jetzt darauf und unterhielt sich nur im Flüsterton. Der Garten selbst lag wie erwartungsvoll im Dunkel der Nacht. Aber die Nachtigall ließ heute auf sich warten. Die Damen hüllten sich fester in die Tücher, die sie über die Schultern gelegt hatten. Der Mond kam über den Garten herauf und zog sich hin und wieder eine Wolle vor das Gesicht ... Die 5zausfrau war später in die Küche gegangen, um noch einige Brötchen mit kaltem Braten und Fischdelikatessen zurechtzu- machen, deyn Frau Vcrlagsbüchhändler Vogel bekam nach zwölf Uhr gewöhnlich wieder Hunger. Das Hausmädchen war schon um zehn Uhr zur Nachtruhe entlassen worden. Da begann plötzlich, als man es kaum mehr erwartete, die Nachtigall. Auf dem Balkon saß man ganz still, wie bei einer Wagncrouvertüre im Stadttheater. Man hotte gar nicht bemerkt, daß Herr Bachenhcim seinen Platz verlassen hotte. „Wunderbar!" sagte Frau Vogel. „Ein Genuß!" meinte der Studienrat. Die Nachtigall sang. „Aber wo bleibt nur Ihre Frau?" flüsterte jemand auf dem Balkon,„man sollte sie doch schnell herbeiholen. Wer weiß, wann die Nachtigall sich wieder hören läßt...." Und wo bleiben die Brötchen?" dachte auch Frau Nerlagsbuch- Händler Vogel und folgte dem Studienrat, der feine Frau endlich aus der Küche holen wollte. Es war eine instinktive Abwehr- bewegung, die ihn die eben geöffnete Tür zur Küche wieder schließen ließ, eine Bewegung ähnlich jener, mit der man sich gegen einen Box- | hieb in die Magengegend zu schützen sucht. Der Studienrat muhte I den Hieb aber schon empfangen haben, denn er wurde ganz blaß und schien für einen Moment die Sprache verloren zu haben. Indessen hielt er immer noch die Türklinke in der Hand, einerseits, um sich festzuhalten, denn er hatte soeben eine Entdeckung gemacht, die ihn in den Knien zittern ließ, anderseits, um Frau Verlagsbuchhändler Vogel den Eintritt in die Küche zu verwehren.... „Nun?" fragte Frau Vogel hinter ihm. In diesem Augenblick hörte er seinen schlechtesten Tertianer Michael Bolle, den er vormittags beim Bortrag der Belsazar- ballade angedonnert hatte:„Setzen! Mangelhaft!", in diesem Augen- blick hörte er ihn geisterhaft die Worte sprechen:„Mcn-, tekcl iipharsin!" „Nun?" flötete Frau Verlagsbuchhändler Vogel. „Bitte schön", sagte er da in Gedanken zu ihr, die wie Sekunden- blitze durch sein Hirn zuckten,„bitte schön, liebe Frau Vogel, treten Sic näher, Sie sehen meine Frau Eva, geborene Gallenstein, in den Armen unseres Freundes Bachenheim. Den Kuß werden Sie nicht mehr zu sehen bekommen, aber die Verwirrung meiner Frau Eva, geb. Gallenstein, ihr zerzaustes Haar und die verrutschte Krawatte unseres lieben Freundes Bachenheim. Bitte, wollen Sie nicht näher- treten? Ich denke natürlich gor nicht daran, in diesem Falle eine Notlüge zu gebrauchen.... Aber als wäre sein studienrätlichcr Geist wohl willig, doch sein Fleisch schwach, legte er jetzt seinen Arm in den der Frau Vogel und sagte, wie in der Klasse zu einem unbegabten, aber gefährlichen Schüler:„Kommen Sie, meine Liebe, meine Frau ist nicht zu sehen, suchen wir sie im Musikzimmer!" In der Küche waren die zwei zusammengefahren. Frau Mandek suchte verlegen ihr Haar in Ordnung zu bringen.„Verzeihung!" stammelte der Schauspieler,„ich habe mich hinreißen lassen!" ... Sie saßen alle wieder zwanglos auf dem Balkon, nur war die Nachtigall verstummt, als Frau Mandel zurückkehrte. Frau Vogel hatte sich bereits das dritte Brötchen— diesmal mit Kaviar— genommen, und der Schauspieler kämpfte gegen sein Ver- langen, sich auch eins von den delikaten Brötchen anzueignen. Er hielt das zunächst für barbarisch, nach den vorausgegangenen sceli- jchca Evolutionen, da grau Vogel aber Miene macht«, sich«och auf f An tHtrhs Brötchen j« störzen, griff er enffchlofien gn, ! Studienrat war nicht zu bewegen, sich an Brötchen mit Sardelle und Ei zu versuchen. Während das Gespräch rings einzuschlafen drohte, ergriff er die Zügel der Konoersation und lenkte sie auf Themata wie „Indische Witwenverbrennung",„Der Ehebruch bei den Griechen" und„Die Reformbcdürstigkeit unserer heutigen Ehescheidungs- gcjctze".... Als sich die Gäste schließlich gegen ein Uhr verabschiedeten, frcl es der Frau Vcrlagsbüchhändler Vogel plötzlich ein:„Aber Sie haben ja Ihre Wette verloren, Lzcrr Bachenhcim!" Der Schauspieler lächelte ehrlich bekümmert. „Niederträchtiger Kerl!" dachte der Studienrat. Ich möchte ihn nachsitzen oder ein Stück aus der Jlios dreimal abschreiben lassen!" In der nächsten Zeit fiel es den Bekannten auf, daß man den Schauspieler nicht mehr bei Studienrats antraf. „Er hat ihm jene Offenheit doch wohl übelgenommen!" mut- maßte man. Und Frau Vogel seufzte:„Ohne Notlügen, meine Lieben, kommt man eben nicht aus...." Cjerechligkeif für alle! Die Chroniken bestätigen die Wahrheit dieser Geschichte. Am 26. Juli 1501 stand auf den amtlichen schwarzen Brettern des Fürstentums Neapel zu lesen: Viertausend Dukaten dem, der— lebendig oder tot— den Kalabreser Banditen Rocco del Pizza den Händen der Behörde» ausliefern. Dafür bürgt die Regentin Jsa- Kella van Aragon. Drei Tage später erbittet ein Mann, der von weit her gekommen zu sein scheint, eine Audienz bei der Regcntin. Argwöhnisch von den Höflingen bcfraot, weigert er sich, seinen Namen zu nennen. Schwört aber beim Haupte seiner Mutter, es aufrichtig zu meinen. Der Gerechtigkeit zu dienen, sagt er, sei ein edles Werk. Der Fremde wird vorgelassen. „Reden Sie frei", ermuntert ihn Isabclla,„es soll Ihnen nichts geschehen. Was ist Ihr Anliegen?" „Meine Geschichte", erwidert« der Unbekannte,„greift etwas weit zurück, aber ich will mich kurz fassen. Vor Iahren wohnt« ich mit meiner Familie in einem Hairse bei Eosenza. Mit meinen be- tagten Eltern, meinen zwei jüngeren Brüdern und meiner ein- zigcn Schwester Costanza. Rund um unser Haus lagen die Län- dereien eines mächtigen Herrn, dessen Leibeigene wir auch heute noch sind..." Die Reoentin unterbricht ihn:„Wie heißt dieser Herr?" Der Fremde fährt fort:„Darf ich erst meine Geschichte zu Ende erzählen? Den Namen nenne ich später. Meine Schwester Costanza ist schön. Der vornehm« junge H«rr hatte sich hoffnungslos in sie verliebt. Mein Vater widersetzte sich. Um diese Zeit wurde die Leiche eines Mannes im Walde aufgefunden. Mein Vater geriet auf die fälschliche Anzeige des jungen Herrn in Mordverdacht. Er wurde verhaftet, obwohl er schuldlos war. Costanza fleht« den Herrn, dessen Leibeigene wir sind, um Gnade für den Vater an. Sie wurde gewährt. Aber____ aber... man frage mich nich?, welchen Preis diese Gnade kostete... Mein Vater starb vor Kun'.mer, als er nach seiner Freilassung davon erfuhr. Costa» za li«bte den Verführer wirklich. Sie liebt ihn heute noch, t?otzden»«>. Abenhspa��rgong.— Weißenl«: Sruppcnheim Weihensee. Parkstraße IIS. Do» wahre Gesicht des Rationolsiwolismus.— Humboldt: Jugendheim Graun- Elte Horßingstraße. Lichtdildervortrag: Berufs, und Unfallgefahren.— Rordring: Schule Lonnen. durger Straße 20. Spiele und Lieder.— Tegel: Jugendheim Tegel. Schöne» berger Siraße 4( erst um 20 Uhr"). Bunies Allerlei.— Südwesten: Jugendheim Porckstraße U IfZahrilgedäude». Heimbesprechung, onschliesiend Lied-r. Abend.— Klrghafen: Gruppenheim sslughosenstraße 6» it.-Bohnho,' Böddinstraßet. Die . die RGO. und die freien Gewerkschafien.— Nentölln: Jugendheim Neukölln, Bergstraße 2» iHofl. Meine Erlebnisse ans dem Arbeiisnachweis.— Spandau-Neustadl: Zugendchcim Lindenuscr I. Sinn und Unsinn der Mode.— Schrneberg: Hauptstraß« 15 sGartcnhaud). Was ist Sozialismus. - Zugeudberatnngastelle: Allonoer Siraße Z0. vorn l Treppe links. 1844 bis 19' i Uhr geöffnet.— Zugeudgruppe de» Gesamtverbaud««: Baden in der Bolls- dadcanstali Klingenbcrg. Treffpunli 18 Uhr vor der Badcanstall. @)ugendgruppe des Zentralverbandes der Angestellten Heulc sind folgende Veranstaltungen: Gesundbrunnen: Jugendheim Schönstcdistraß? l. Ausspracheabend:..Was wolle» die Auch-Sozia listen?" — Schönhauser Vorstadt: Jugendheim der Schule ttastanienallec 8>. Vortrag: „Die Arbeitnehmerschast als Opfer der lliotveeordnung", Ref.: tzul. Dicderich. — Nordost: Jugendheim Danziger Straße 62. Aussprache:„Gewcrtschaftcn und Krise".— Rciutckendors: Zugendheim Lindaucr Straße 2 iBorarke). Aussprach«: Tagcsposstische Rundschau. Leitung: Dr. Kloß.— Stralau: Jugendheim der Schule Goßlerstraße 6l. Vortrag:„Was nimmt uns die neue Notverordnung?", Ref.: Lamm.— Oberspre«: Schule in Niederschöneweidc, Berliner Slraße ZI, Ginnang Hassrlwerdcr Straße. Liteiarischcr Abend.— Köpenick: Jugendheim Dahlwißer Straße 15 IGg-anstalt, am Bahnhof Köpenick). Breitspielabend.— Neulölla: Jugendheim Böhmische Straße t— 4, Ecke Kanncrstraße. Lichtbilder- nortrag:„Neuzeitlichr, Bauen und Wohnen". Ref.: Dr. Berger.— Südost: Jugendheim Wrongrlstraße 128. Vortrag:„Sagen der Mort Brandenburg", Ref.: Dr. Schütte.— Schöaeberg: Jugendheim Hauptstraße 15 sHofgebäude, Sachsenzimmer). Pgetrog:„Unser Jugendparlament", Ref.: L'rdwig Diederich. — Gharlotteuburg: Jugendheim Spielhagenstraße 4. Aussprache:„Die Aus. mirtungen der Notverordnung auf die Sozialversicherung".— Spandau: Jugendheim Lindenufer 1 Heimabend.— Potsdam-Nowawr«: Jugendherberge in Nowawes. Priesterftraße� Siederabend. Leiter: Weißenberger_ Sport. abieilung: Uebungsabrnd 20 Uhr in der städtischen Durnballe. Brinz-nstraße. — Spiele im Feeie» u-, Ig Uhr auf dem Sportvloß fZeiedrichshain. Verantwortlich kür Politik: Biet»» Schiff: Wirtschaft: G.«lingelböfer: Dewerkschaftsbewegung: isricbr. Eßkoro: Feuilleton: Dr. John Schik-wski: Lokales und Sonsvqcs: Frig Karstadt; Anzeigen: Tb.«lacke: sämtlich in Berlin. Verlag: Vorwarts-Verlag« m. d. H.. Berlin. Druck: L-rmüri-.Bu»druck«re< „nd Berlagsanftalt Paul Einorr u. Co.. Berlin SW. 68, Lindenstraße t Hierzu 2 Beilage u.