BERLIN Mittwoch «Juli 1931 10 Pf. flr. 314 B 152 48. Jahrgang Erscheint tiglich außerEvnntag«. Zugleich Abendau«gabe des.Vorwärts". Bezugspreis beide Ausgaben 85 Pf. proWoche, s.soM. pro Monat. Redaktion und Expedition: BcrlinSW63,Lindtnstr.3 Fernsprecher: Dönhoff(A 7) 292—297 „l/bwasfa Auzetseopret«: Die einspaltigeNonpar.ullcieile «oPs.,SleNamq«ile 5M. Crmäßigunaen nach Tarif. Vostseh eekkont«: Vorwärts-Derlag G.m.b.H.. Berlin Nr. 37 538.— Der Verlag behält sich da« Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor! Opfer oder Selbstrettung? Neue Aeiierlegende von den Scharfmachern vorbereitet Gestern in später Nnchtstunde wurde die Aktion der führenden Privatunternehmungen bekannt, die der deutschen Golddiskontbank eine Ausfallbürgschaft in Höhe von 5 Mil- lioncn Mark zur Verfügung stellten. Der Zweck der Aktion ist, das Vertrauen des Auslandes zu heben, damit die Devisen- abzüge und Kreditkündigungen endlich ein Ende nehmen. Man wird die Auswirkungen der Aktion abwarten müssen, und die Nebenwirkungen dazu. Es besteht durchaus die Möglichkeit, daß die Aktion zwar ihren Zweck erfüllt, daß sie aber gleichzeitig Nebenwirkungen zeitigt, die für die Lösung der Krise in Deutschland nicht günstig sind. Eine dieser Nebenwirkungen könnte sein, daß sich künstig der Kredit auf die großen Firmen konzentriert, und daß das kleine und mittlere Unternehmertum keine Auswege mehr findet aus der fürchterlichen Enge des Kredits. Eine Nebenwirkung aber wird heute schon von gewissen Treibern angestrebt— nämlich eine politische Neben- Wirkung. Das Organ des Scharfmachertums, die „Deutsche Allgemeine Zeitung" feiert die tausend Firmen, die eine solidarische Bürgschaft für 500 Millionen Mark übernehmen,' als die gtoß'en und uneigennützigen Retter Deutschlands. Man muß diese Hymne auf das deutsche Unter- nehmertum lesen: „Nicht das Reich oder öffentliche Körperschaften, sondern da? selb st verantwortliche Unternehmertum hat sich in der kldren Erkenntnis der für uns alle drohenden Gefahren, in nationaler Selbstlosigkeit und staats- erhaltender Gesinnung, zu diesem mutigen� und dankenswerten Schritt entschlossen.(Nur nebenbei sei die Ironie erwähnt, die darin liegt, daß dieser rettende Akt von den gleichen Kreisen ausgeht, die sonst im Wirbel des parteipolitischen Tageskampfes in schärfster und ungerechtester Form angegriffen zu werden pflegen.) Vielleicht hat man die Dinge in einem gewissen Optimismus, der unserem Osfiziösentum seit jeher zu seinem Schaden anhaftet, zu lange einfach treiben lassen. Es ist hoch erfreulich, daß die Wirtschaft jetzt in die Bresche springt und hoffentlich mit ihrer Initiative dazu beiträgt, die Krise des Vertrauens zurück- zudämmen und die Bahn für neue schöpferische Ge- staltung der gesamten Innen- und Finanzpolitik freizumachen. Freilich können wir es uns nicht versagen, schließlich noch den einen Gesichtspunkt anzudeuten, daß der Staat angesichts der großen opferbereiten Gemeinfchaftsaktion der Wirtschaft auch seiner- seit? die moralische Verpflichtung hat, alles zu tun, damit das Gefundungswerk gelingt." Hier wird im Vertrauen auf die Disziplin der deutschen Presse eine dreiste Legende aufgebaut, die neue politische und soziale Vorstöße des Scharfmachertums unterstützen soll! Man weiß, was diese Leute unter„neuer schöpferischer Gestaltung der gesamten Innen- und Finanzpolitik" verstehen! Dieser Versuch zur Bildung einer Legende über die„Retter Deutsch- lands" nötigt uns zu einigen sehr deutlichen Feststellungen. Es handelt sich zunächst um eine Rettungsaktion der Privatunternehmungen nicht für das Reich, sondern f ü r s i ch s e l b st. Die Rettung des Reiches ist mit Hilfe des Auslands und vor allem durch die ungeheuren Opfer des deutschen Volkes erfolgt. Wir stellen einander gegenüber: die söge- nannte Wirtschaft übernimmt e i n e B ü r g s ch a f t, also keine effektive Leistung, von 500 Millionen Mark— die Arbeitslosen aber, die Arbeiter, die Angestellten, die Beamten, die Kriegsopfer haben eine tatsächliche Last von Milliardenleistungen auf sich nehmen müssen. N o t v e r- o r d n u n g! Es ist schamlos, diese gewaltige Leistung beiseite zu schieben und dafür diese Privatunternehmungen als die Netter Deutschlands auszuschreien! Es ist noch sckamloser, auf Grund dieser„Rettung"-nun politische Geschäfte machen zu wollen gegen die, die Deutschland wirklich gerettet haben! Die Herren retten zunächst sich selbst, und was sie getan haben, das ist das mindeste von dem, wozu sie verpflichtet sind! Denn daß trotz Hoooer-Plan und Notverordnung das Vertrauen des Auslands immer noch schwankend ist. das hat s'ine Ursache nicht mehr im Polnischen, sondern vielmehr im Z u st a n d der privaten Wirtschaften! Es hat Das Königsschloß der Nordwolle Wo sind die verlorenen Millionen geblieben? Für den ungeheuren Zusammenbruch des Nordwollekonzerns der Norddeutschen Wollkämmerei und Kammgarnspinnerei ist di« Familie Schufen in Bremen oeraiitwortlich. Der Zusammen- bruch der Nordwolle hat mit einem Verlust von 200 Millionen Mark geendet. Dieser Zusammenbruch ist eine der schwersten Erschüste- rungen, die die deutsch« Wirtschaft aus dem Tiefpunkt der Ktise erfahren hat. Er enthüllt zugleich, ivas von der Begabung und von dem Verantwortungzsinn gewisser sogenannter Wirtschafts- sührer zu halten ist. Der eigentliche Leiter des Konzerns La Husen ist sclbstver- ständlich politisch reaktionär bis auf die. Knochen und orthodox fromm. Er hat jahrelang ein« kleine d c u t j ch na t i o- n a l e Zeitung in Bremen finanziert, die er den Arbeitern feiner Betriebe gratis auslieferte. Als das Verlagsgeschäft zu vxr- sustreich wurde, bot er � die Zeitung dem Hugenber�-Aon-crn an, der aber dankend ablehnte. Seitdem ist die Zeitung eingegangen. Späterhin hat Lahusen sich für die Hitlerbewcgung i nt e r e s s i e r t.. In seinem Kontor waren maßgebende Agitatoren der Rational- sozialistischen Partei angestellt. Seine Begeisterung für die' Nationalsozialisten hat vor der letzten Reichstagswahl seine Gläubiger so beunruhigt, daß sie Er- klärungen von ihm forderten. Herr Lahusen hat trotz seiner Sympathie, damals, um einen Kreditzusammenbruch zu verhindern, erklärt, daß er der Nationalsozialistischen Partei fernstehe. So sieht das Bild eines Wirtschaftsführers aus, der eine 2V0-MiUionen-Pleite verschuldet hat. Das Bild wäre nicht voll- ständig, wenn wir nicht hinzufügen würden, daß ein erheblicher Teil der Verluste von Herrn Lahusen für seine persönlichen Zwecke gebraucht worden ist. In den Jahren 1928/20 ließ die Familie Lahusen durch den Bremer Architekten Otto Blendermann ein palastähnliches Herrenhaus auf preußischem Gebiet in der Nähe von Bremen bauen. Diez Schloß enthielt für eine einzige Familie 107 Bäume, darunter 12 herrliche Badezimmer. Dazu ein park mil Wasser- decken, die beinahe mit denen des Versailler Sonnenkönigs kon- kvrrieren könnten. Außerdem eine Innendekoration und eine INöbelausstattung, die allein mehr kostet, als die Ausstattung ganzer Wohnviertel in den besten Straßen der Großstädte. Der Besitz ist durch Graben und schmiedeeiserne Gitter, deren Tore nur durch elektrische Kraft geöffnet und geschlossen werden können, gesichert. Lahusen' selbst hat sehr wohl gewußt, welche ungeheuerliche Provokation dieser Palost gegenüber den notleidenden Textilarbeitern bedeutete, deren Löhne auf das brutalste vom Nord- wollekonzern gedrückt wurden. Er hat deshalb sein Herrenhaus Hohehorst gegen Ausruhrschäden versichern lassen, und zwar zum werte von Z 600 000 Mark. Das ist das Bild eines Scharfmachers, der vor der Pleite auf das schärfste für die Politik der Lohnsenkung und des Abbaus der Sozialpolitik eingetreten ist! Nie neue Noiverordnung. Ermächtigungen zur Schaffung der Wirtschastsgarantie. Auf Grund des Artikels 48 Absatz 2 der Reichsverfajsung wird, entsprechend der Anregung namhafter Träger des deutschen Wirt� schaftslebens, folgend«? verordnet: tj 1. Die Reichsregierung wird ermächtigt, durch Rechts- Verordnung in Anlehnung an die Vorschriften des A u s b r i n- gungsgefetzcs vom 30. August 1924 die danach aufbringungs- pflichtigen Unternehmer, deren Betriebsvermögen S Millionen Mark übersteigt, anteilig zu verpflichten, die Haftung bis zum Gesamtbe- trage von 500 Millionen Mark für etwaige Ausfälle aus Kredit- gefchäften zu übernehmen, welche die Deutsche Golddiskont- dank im Interesse der Aufrechterhaltung des deutschen Auslands- kredits tätigt. Die Reichsregicrung erläßt die näheren Vorschriften: sie kann mit der Durchführung treuhänderischer Aufgaben die Bank f ü r deutsche Industrieobligationen in Ergänzung der ihr in Sj 7 des Industriebankgesetzes vom 31. März 1931 zugewiesenen Aufgaben betrauen. § 2. Diese Verordnung tritt mit dem Tage der Verkündung in Kraft. Die Golddiskontbank. Ihre kreditpolitischen Aufgaben. Die Deutsche G o l d d i s k o n t b a n k, die jetzt die 500 Mil- lionen Ausfallbürgschaft von der Privatwirtschaft erhalten hat. wurde in den ersten Monaten nach der Markstabilisierung durch Gesetz vom 19. März 1924 auf englischer Währungsbasis errichtet. Ihr ausschließlicher Zweck bestand in der B e s ch a s s u n g von Exportkrediten für die Wirtschast. Die Mehrheit des 200-M>llionen-Mark-Kapitals liegt bei der R e i ch s b a n k. Durch die Notverordnung des Reichspräsidenten vom 1. De- zember ist die Golddiskontbank, an deren Liquidation zeitweise gedacht wurde, auf»ine erheblich verbreiterte Basis ge- st e l l t worden. Als besondere Ausgabe fällt ihr jetzt die F i n a n- zierung mittel- und langfristiger Export- geschäfte zu. Infolge dieser Entscheidung der Regierung erhielt da» vorher stark zusammengeschrumpfte Kreditgeschäft der Gold- diskontbank eine» kräftigen Auftrieb Die Umstellung der Golddiskontbank auf eine breitere Zlrbcits- basis hatte den Privatbanken gar nicht gepatzt. Sie feine Ursache darin, daß mit faulen Mitteln bisher d i e n o t- wendige Reinigung verzögert worden ist! Wenn die Herren jetzt den Mund vollnehmen, um ihre „nationale Selbstlosigkeit" und ihre„staatserhaltende Ge- sinnung" laut zu rühmen, so erinnern wir sie daran� daß ihre Selbstlosigkeit bisher immer darin bestanden hat, daß sie die Opfer den Arbeitern überließen, und ihre staats- erhaltende Gesinnung darin, daß ein großer und ausschlag- gebender Teil von ihnen den Faschismus gegen den Staat bezahlt, begünstigt und unterstützt hat. Die Herrschaften wollten wohl, daß im politischen Chaos der Zusammenbruch ihrer wirtschaftlichen Führerqualitäten und ihre Schuld an der Krise untergehen sollten! Sie haben gar keinen Anlaß, die Retter zu spielen! Wenn die deutschen Banken und Graßunternehmun- g c ii solider gewirtschaftet hätten, wenn sie nicht eine politische Vabanquepolitik gespielt hätten, so wären Deutschland die schwarzen Tage, dieser Niederbruch erspart geblieben! Wir nennen nur zwei Namen: F a o a g und N o r d w o l l e! Eine Wirtschaftsführung, die Derartiges zu verantworten hat, hat allen Anlaß, bescheidener aufzutreten. Wir danken bestens dafür, uns am Ende auch noch die Herren Lahusen als Retter Deutschlands vorführen zu lassen. Es sind Verbrechen an der deutschen Wirtschaft begangen worden! Wir fordern, daß endlich gereinigt wird! Wir for- dern aber auch, daß die Wirtschaftsführer, die jetzt nur das dringendste Notwendige zur Rettung des deutschen Kredits tun, bescheiden auftreten, und daß sie nicht in Selbstiiber- Hebung die gigantischen Opfer des eigenen Volkes mit Füßen treten. Wenn sie aber gar diesen einen notwendigen Akt ausnutzen wollen zu politischen scharfmacheri- scheu Erpressungen, so mögen sie sich hüten, daß solche Provokation nicht einen Sturm des opfernden, le- denden, hungernden Volkes entfesselt! « 3)ie ffieifetenug des erfchoffenen ZPolisteitvacht meifiers ZPolisBeSvisepräfidenl ä)r. IVeifi häU am Grabe die Gedenkrede Die Golddiskonibank. (Fortsetzung von der 1. Seite.) witterten in der durch die Notverordnung umgestellten Golddiskont- dank einen neuen Konkurrenten und forderten mit Unter- stützung des Reichswirtschaftsrates, daß der Bank einzig und allein Geschäfte gestattet werden dürsten, die mit der Finan- zierung der Aussuhr zusammenhingen. Die Regierung gab aber den Forderungen des Bankkapitals nicht nach. Die Erinnerung an diese Konturrenzmanöver des Bankkapitals ist heute um so notwendiger, als das Privatkapital bereits jetzt versucht, seine Selbsterhaltungsoktion politisch auszumünzen. .—• Der Gcharfmacherkonzern. Im Kampfe gegen die Textilarbeiterschast. Der großen Konzcrnbildung unter Führung der„Norddeutschen Wollkämmerei", die mit einem Aktienkapital von 32,2 Milliowm Mark im Jahre 1927 arbeitete und von iVt, Millionen Kammgarnspindeln etwa 550 000 kammgornspindeln beherrschte, folgte im Oahre 1927 der Bersuch, die deutsche Textilarbeiterschast auf die Knie zu zwingen. Die Norddeutsche legte einen großen Streikabwehrsonds an und ging mit Einstweiligen Verfügungen und Schadenersatzklagen gegen den Deutschen Textilarbeiter- verband vor. Bon den 23 000 Arbeitern der Norddeutschen standen im Mai 1927 35 Proz, im Streit. Nach Beendigung des großen Textilarbeiterkampses erhöhte der Konzern am 23. Juni seine Dividende von t> aus 10 Proz., trotzdem ihm der Streik crhebtiche Ausjölle gebracht halte. Die„Norddeutsche" verklagte den Verttabd wegen unsittlicher 5)andlung, weil der Textilnrbeilerverband trotz der später ausgehcbenen einstweiligen Verfügung die streikenden Tcxtildrbcitcr mit Brot- und Essenmarken unter st ützt habe. Die von dem Norddeutschen Wollkonzern mit so großem Aplon'b eingeleitete Scharsmocherei zur Bernichtung der Textilarbeiter- organisation scheiterte an der Geschlossenheit der Textilarbeiter. Der „Norddeutsche" ist in Grund und Boden gemirtschaftet, der Deutsche Textilarbeitcrverband ist unerschüttert aus dem ihm aufgezwungenen Kampfe auf der ganzen Linie lrervorgegangen. Nordwslie 2% Prozent. Börse sehr schwach— stärkere Kurseinbrüche. Eine Auswirkung der Selbslretlimgsaklion der Wirtschaft aus die heutige Börse war nicht zu verspüren. Tm Gegenteil waren heute aus den verschiedensten Aktienmärkten schwere Kurs- einbräche zu verzeichnen. Den Anlaß zn den Kursverlusten gaben Gerüchte über umfangreiche ausländische Effekten- verkaufe und Schwierigkeiten einer deutschen Großbank. Die Aktien des Norddentfchen Wollkonzerns, die Ende Mai noch über 40 proz. notierten, find auf Grund des katastrophalen Zusammenbruch» und der Veröfsenttichungen über die verheerende Geschästsleitung der Senzernmagnatcn bis auf 2V» proz. gesunken. Von den großen Werten verloren Z. G. Farben acht Punkte und stellten sich aus 1Z? gegen 1Z5 proz., Kaliwerke-Wester- e g e l n gingen von 126 bis aus 119 und Salzdethsurt. die bis auf 1S2 proz. sanken, verloren gegenüber dcm gestrigen Schlußkurs sogar 1 4 p n u k t e. Julius Berger Tiesbau war mit 164 gegen ISO proz. gleichsalls Außerordentlich schwach. Auch aus dem Wentenmarkt herrschte Angebot vor. Die Sähe snr Tagesgeld blieben mit S bis 10 proz. und die Sähe für Monats- getd mit 751 bis 9:>i proz. unverändert hoch. Die Devisenforderungen, die nach den Abslüsjen am Montag mit etwa 80 Millionen Mark gestern auf etwa die halste zurückgegangen waren, haben sich auch heule weiter verringert. Nähere Angaben waren bis zum Redaktionsschluß noch nicht zu erhalten. Bürgschast Berlins für den BVG.-Kredit? Der Stadtverordnetenversammlung wird noch heute eine Drlnglichteitsvorlage de» Magtsiraks zugehen, in der die Versammlung ersucht wird, salls bei den proiongotionsverhand- lungen über den BVG.-Kredit die Bürgschast der Stadt Berlin gefordert werden sollte, diese zu gewähren. Gelbstmord im Verkehrsministenum. Amtmann im Büro erschossen aufgefunden. ?Si« erst jetzt betonnt wird, hat gestern abend der 41jährige Mimst-rialomtmann Karl 5t o g e l aus der Breitestraße 5« in Potsdam in leinein Bürozimmer im Reichsverkehrsministcrium Selbstmord durch Erschießen verübt. Di« Tot wurde gegen 19 Uhr entdeckt. K. hatte sich einen Kopfschuß beigebracht, der de» sofortige» Tod herbeigeführt haben muß. Wie es heißt, ist Kogel, der offenbor über seine Berhält-.isse gelebt hat, wegen wirtschaftlicher Schwierig- leiten au: te.n Leben geschieden. Kind ermordet! Einem TEjährigen Mädchen die Kehle durchschnitten. w o l d e ck(Meckl.), 6. Juli.(Eigenbericht.) Am Dienslagnachmtttog wurde in dem zwischen Friedland und Waldkck gelegenen Siedlerdorf pasenow die zehnjährige Tochter Hildegard des Siedlers Schmidt in der Wohnung ihrer Eltern er- mordet. Das Verbrechen erfolgte, während die Ellern auf dem Felde waren. Als der Verbrecher von dem zehnjährigen Mädchen. das mit seiner jüngeren Schwester allein in der Wohnung war, eine Hose oerlangte und dieser Forderung nicht entsprochen wurde, nahm er das Kind und schnitt ihm mit dem Küchenmesser die Kehle durch. Der Täler, der bald nach der Tat verhostet werden konnte, ist ein Landstreicher, der verschiedene Namen angibt, so daß seine Personalien bisher noch nicht endgültig festgestellt werden konnten. Kränzen stellt sich. Unter öffentlichem Druck. Der braunschweigische Naziminister F r a n z e n. der wiederum im Vegrisfe stand, sich der gegen ihn gerichteten Anklage wegen Ve- günstigung durch eine nochmalige Vertagung seines Prozesse» bis ans weitere» z n entziehen, hat sich am Dienstag gegen abend unter dem Druck der öffratlichen Kritik an seinem Ver- balten gegenüber den Berliner Gerichtsbehörden bereit erklärt, a m Sonnabend vor Gericht zu erscheinen. Postflugzeug in der Mongolei noigelandet. Nach einer in Berlin eingegangenen Meldung der Deutsch-chine- fischen Luftverkehrsgesellschaft Eurasia hat am 2. Juki ein Post- f.i u g e u g dieser Gesellschaft auf der Strecke Nanking,— Mandschu- ria m der äußeren Mongolei aus Witterungsqründen eine Zwischen- landung vornehmen müssen. Die entsprechenden Schritte zur Frei- gäbe des Flugzeugs sind nach Mitteilung der Eurasia eingeleitet worden. Nach einer anderen Meldung aus Schanghai soll das Post- flugzeug von einem mongolischen Stamm in Besitz genommen wor- Dcn sein. Das Schicksal der beiden deutschen Piloten ist unbekannt. Ein. hilssflugzeug entdeckte das Postslugzeug, von mongolischen Soldaten umgeben, die aus die zur hilf« eilende Maschine Schüsse abgaben. Schönwetter in Sicht. Temperaturen um TS Grad gesunken.— Morgen aber wieder Sonne! Das gestrige heftige Abendgcwitter hat einen erheblichen Temperaturrückgang zur Folge gehabt, jzeute mittag wurden nur 15 Grad Wärme gegen 30 Grad um dieselbe Zeit am Vortage ge- messen. Ein weiterer Temperaturrückgang ist jedoch nicht mehr wahc- scheinlich, vielmehr steht mit der zu erwartenden Wetterbesserung ein langsamer Temperaturanstieg in Aussicht. Die starken Regenfälle werden vermutlich schon in den nächsten Stunden gänzlich aufhören. Morgen wird der Himmel zwar noch meist bewölkt sein, mit Nieder- schlägen ist aber kaum zu rechnen. Da» Tiesdruckgebiet, das gestern über Mitteldeutschland lagerte, ist nordwärts abgezogen und liegt mit seinem Kern heute über der Pommerschcn Bucht. An der Südseite dieses Tiefs strömten gestern kalte Luftmassen entlang, die auch die Ursache des gestrigen Un- weiter» waren. In vielen Teilen Deutschlands, außer dem Westen, Süden und dem äußersten Norden, sind gestern erhebliche Regen- mengen niedergegangen, die zum Teil zu Ueberschwemmungen ge» führt haben._ Die Haussuchungen in Kiel. Nazigeschästsstelle wieder freigegeben. Siel, 8. Juli.(Eigenbericht.) Die Haussuchung in der Geschäftsstelle der Kieler National- sozialisten ist am Dienstagnachmittag d e e n d e t worden, so daß die Polizei die anfänglich versiegelte Geschäftsstelle wieder frei gab. Außer dem Ortsgruppenleiter der Kieler Nazis ist auch der Kieler Geschäftsführer der NSDAP, verhaftet worden. Stalins Schwenkung Karl Marx:.Wie wäre es, Towaritsch Stalin, wenn Sie mich von jcht ob richtig herum lesen wollten?� Gegen Stahlhelm und KpO. politische Auseinandersetzung im Landtag Auf der Tagesordnung der heutigen Landtagssitzung steht das Volksbegehren des Stahlchclms auf Landtagsauf- l ö s u n g. Damit verbunden sind die kommunistischen Anträge zum Verbot der Spartakiade und die deutschnationale Anfrage wegen des Verbots der Uebertragung der Stahlhelmfeier in Breslau auf den Rundfunk. Riinislerialrol Strunden vom preußischen Staatsministerium erklärt, daß das Verbot der Uebertragung der Stahlhelmtundgebung auf den Rundfunk ausWeisungderpreuhischenStaats- regierung erfolgt sei.(Großer Lärm rechts.) Der Stahlhelm habe sich in den parteipolitischen Kampf gestürzt, und der Rundsunk diene nach seinen Richtlinien keiner Partei. Die preußische Staats- regierung halte den Stahlhelm für um so weniger geeignet, nationale Einigkeit zu fördern, als er sich demonstrativ von der Einweihung de» Ehrenmals für die Kriegsgcfallencn ferngehalten hätte,(hört, hört! links, großer Lärm rechts.) Abg. Meier-Berlin(Goz.): Zunächst ein paar Worte zu den verbundenen Gegenständen. Wir billigen das Verbot der Spartatiade.(Lärm- und Wutausbrüche bei den Kommunisten.) Schuld an diesem Verbot sind lediglich die Kommunisten selb st.(Erneuter Lärm.) Dig systemaiische Gewallhehe der kommunistischen presse hat in Berlin zu schweren Bluttoten geführt und müßte, wenn sie ge- duldet würde, Explosionen mit unabsehbaren Folgen herbeiführen. (Sehr wahr bei den Sozialdemokraten.) Die Staatsregierung tut nur ihre Pflicht, wenn sie dieser Verrohung und Demoralisierung d«s politischen Kampfes energisch entgegentritt. Die beiden in Berlin er« mordeten Schuhpolizeibeomten waren organisierte Sozialdemokraten, waren unsere Parteigenossen. Wir würden uns selbst aufgeben, wenn wir nicht mit aller Bestimmtheit crtlärten: Die Toleranz der Demokratie hat da ihre Grenze, wo die Freiheit zu blutigen Gcwalitaten mißbraucht wird.(Lebhaster Beifall bei den Soz.j Ebenso billigen wir das Verbot der Rundfunkübertragung der Stahlhelniffeier. Die hetzbatschoften des Stahlhelms und fpine Denwnstrationen mit dcm Exkronprinzen an der Spitze haben schon zuviel außenpolitisches Porzellan zerschlagen. Das antinotionole Wirten des Stahlhelms noch durch ossiziöse Einrichtungen wie den Rundfunk zu fördern, kann einex vernünftigen Regierung gar nicht in den Sinn kommen!(Sehr richtig! bei den Soz.) Der Redner spricht weiter. Volkspartei will Ministeraussagen erzwingen. Der Rechtsau-schuß des Preußischen Land- t a g e s beschäftigte sich mit der Großen Ansrage der Volkspartci. die davon ausging, daß das preußische Staatsininisterium den Ministerpräsidenten Dr. Braun, den Iustizminister Dr. Schmidt und den ehemaligen Innenminister Grzesinski die Genehmigung zur Zeugenaussage vor dcm Untersuchungsausschuß des Preußischen Landtages untersagte, der feststellen sollte, inwieweit Beamte ihr« Anstellung zur Becin- slussung des Ergebnisses des„Voirsbegehrcns"-Freiheit2gesetzez mißbraucht hätten. Es wurde Auskunft verlangt, welche Nachteil« nach Ansicht des Staatsministeriums bei Beantwortung der einzelnen, den drei Mmistern vorgelegten Fragen sür das Wohl des Reiches oder eines deutschen Landes z» erwarten gewesen seien. Ein Regicrungsvertreter erklärte, er könne nur die Ausführungen des Ministerpräsidenten im Plenum wiederholen, daß die Regierung die Anfrage nicht be- antworten könne, weil sonst Staatsinteressen verletzt würden. Abg. Dr. Kriege(D. Pp.) hielt die Austegung der in Frage kommenden gesetzlichen Bestimmungen für zu weitsührend und beantragte einen Beschluß, wonach die Regierung Aus- kunst erteilen solle. Dieser Antrag wurde abgelehnt und die Große Anfrage mit den Stimmen der Regierungsparteien durch die von der Re- jjierung gegebenen Erklärungen für erledigt erklärt. Spiele und Brot für das Volk Vorspruch(£uri Vaakes in Würzburg Auf der Würzburger Tagung der Volksbühnen verlieh der Vorsitzende des Verbandes, Curt Vaake, seiner Eröffnungsrede besonders weittragende und aktucNe Bedeutung. Wir bringen das wesentliche daraus nach dem Wortlaut, den die Kitschrist des Verbandes,„Die Volksbühn c", jetzt verössentlicht, Unsere Tagung will die Oessentlichkcit und besonders die Bc- Hörden, den Staat und die Gemeinden darauf hinweisen, d a h das Theater für das Gedeihen eines Volkes unent- b e h r l i ch i st, daß es einen wesentlichen Bestandteil für den Ausbau und erst recht für den Wiederaufbau eines Volkes und seiner Kultur darstellt. Gerade in den Zeiten der bittersten Not bedarf der Geist des besonderen Aufschwungs, damit er emporsteige aus den Niederungen der Sorgen und sich vorwürtsschwinge. getragen von starken Gefühlen, die ihm niemand besser vermitteln und erwecken kann als die Kunst, und im Umkreis der Kunst wiederum das Theater. Schon oft genug im Ablauf der deutschen Geschichte sind vom Theater Ströme lebendiger Kraft ausgegangen, ist von der Bühne aus das zündende Wort gefallen, das die Flammen der Begeisterung entbrennen ließ und die Nacht der Verzweiflung und des Miß- trauens verscheuchte. Wie denn überhaupt gerade das deutsche Volk vieles davon zu erzählen weiß, wie materielle Nöte, wirtschaftlich« und politische Krisen überbrückt worden sind durch geistige Bewc- gungen, durch die Träger des Gedankens und des Empfindens, der Form und des Rhythmus. Nichts wäre jedenfalls verkehrter, wenn man jetzt unter dem Druck des fallenden Einkommens, der absinken» den Gehälter und Löhne, unter dem Druck der Krise und der Not- Verordnungen das Theater als einen Luxus erklären würde, oder wenn man es gar für moralisch bedenklich halten würde, dem Theater sein Recht zu geben, wobei, wir sclbstverständ- lich nicht an jene Gattung des Amüsements denken, die sich grundlos und irreführend den Ehrennamen des Theaters anmaßt, während sie in Wirklichkeit nichts anderes ist als ein verantwortungsloses Mittel, die Verzweiflung mit Surrogaten zu füttern. Das Theater, wie wir es meinen, wie es von den deutschen Volksbühnen nun schon seit Jahrzehnten gepflegt wird, weckt die schlummernden geistigen Kräfte und strafft durch das Beispiel der Bühne die Willensenergien, den Mut und die Entschlußkraft. Solch zauberhafte Wirkung übt das Theater, wie wir es meinen und pflegen, auch dann, wenn es in der heiteren Maske daherkommt und wenn es scheinbar nur darauf eingestellt ist, die Menschen fröhlich zu stimmen. Es gibt eben eine höhere Art der Heiterkeit und des Lachens, eine Art, die wie ein gesundender Trank wirkt, und gerade solch Lachen wollen wir Dolksbühnenleut« unseren Kameraden im harten Lebenskampf vermitteln. Nicht selten dürste es erlebt worden sein, daß eine Heiterkeit, die von der Bühne in den Zuschauerraum strömte, dazu verhalf. Stürzende auszurichten und Kraftlose zu stärken. Weil dem aber so ist, weil das Theater eine Quelle der Kraft ist, haben wir das Recht und die Pflicht, an alle Verantwortlichen der Oeffentlichkeit und im besonderen an die Vertreter der Reichs- und Staatsbehörden, nicht zuletzt auch an die Magistrate und an die Verordneten der Städte, überhaupt an alle Parlaments und die darin sitzenden Repräsentanten des Volkes die dringende Aufforde- rung zu richten, nicht zu dulden, daß das deutsche Theater versandet, daß die öffentlichen Bühnen zusammen- brechen und vor allem, daß die Volksbühnen ihren gewaltigen Aufgaben nicht mehr genügen können. Es gibt, das muß in aller Ruhe ausgesprochen werden, unter den verantwortlichen Personen, aüch unter den Volksvertretern. so manchen Philister, der alles getan zu haben glaubt, wenn er sich um das Brot bekümmert. Diesen braven Leuten will unser Volks- bühnentag in die Erinnerung rufen, daß jenes viel zitierte Wort der Cäsaren„Brot und Spiele" lautete. Brot und Spiele für das Volt, damit es sich ruhig verhalte und die Herren nicht störe. Brot für den knurrenden Magen und Spiele für die blöde Schaulust: wilde Tiere. Gladiatoren und Feuer- schlucker. Dies Wort hoffärtiger Volksvcrachtung nehmen wir auf, nehmen es in unsere Hut und geben ihm unsere Deutung. Ja, wir ver- langen für das Volk Brot und Spiele. Brot nicht nur zur Stillung des tierischen Hungers, sondern Brot als Anteil an allen Gütern der Welt: Brot als Symbol für alles, was die Natur, was Technik und Kultur wachsen und erstehen lassen. Und Spiele, ganz gewiß nicht als Befriedigung nicderer Instinkte, wohl aber Spiele, die ein Freiwerden, eine Aktivierung der besten menschlichen Geisteskräfte, des tiefsten Erschauerns und der lebendigsten Heiterkeit bedeuten. In solchem Sinne will der Volksbühnentag die verantw.irtlichen Führer des deutschen Voltes, vom Minister angefangen bis herab oder herauf zum Dorfschulmeifter im fernsten kleinsten Ort. mahnen, daß jeder an seiner Statt das äußerste tue, um das deutsche Theater und im besonderen die deutschen Volksbühnen mit samt ihren Wanderbühnen am Leben zu erhalten. Entstehung des Hoover-plans. Sine amtliche Darstellung. Washington, 8. Juli. Unterstaatssekretär Castle gab den Pressevertretern eine amtliche Darstellung über die Geschichte des Hoover-Planes. Castle führte aus: Am l Mai sah Präsident Hoover ein, daß die Lage Deutsch- lands immer schlechter werde und daß im Interesse der Behebung der Weltkrise etwas getan werden müsse. Dieses Gefühl verstärkte sich. als Botschafter S a ck e t t am 6. Mai nach Washington zurückkam und dem Präsidenten die Lage Deutschlands eindringlichst schilderte. Am 7. Mai forderte Hoover vom Staatsdepartement und vom Handelsanit einen ausführlichen Bericht über die europäische Lage ein. Am l 1. Mai erörterte er mit S t i m s o n, was getan werden könne. Insbesondere überlegte er, ob nicht die internationalen Schuldenzahlungen infolge der durch die Weltkrise ver- minderten Zahlungsfähigkeit der Schuldner einer Revision unterzogen werden müßten. Er sah aber in Anbetracht der Genfer Konferenz von sofortigen Schritten ab. Während der Genfer Konferenz hatte er weitere Besprechungen mit Mellon und Stimson. Am 21. Mai endete die Genfer Konserenz ohne Resultat: jetzt war es klarer denn je, daß Amerika eingreifen müsse. Am 2. Juni verhandelte Hoover erneut mit Sackett und Dawes. Am ö. Juni arbeitete er den Plan aus, der dann am 20. Juni proklamiert wurde. Dem Kabinett war er bereits am 8. Juni unterbreitet worden. Hoover entschloß sich jedoch vor der Publikation zu weiterer sorgfältiger Prüfung. Er trug M e llo n bei dessen Abreise auf, ihm über die europäische Lage auch seinerseits zu berichten. Gleichzeitig wies er Stimson an, die Frage mit den Kennern des Poung-Planes zu besprechen. Stim- son berief daraufhin Owen D. Poung, Mills, den Chef der Federai Reserve Bank in New Park, Harrison und Parker Gilbert in seine Privatoilla. Am nächsten Tage hatte er eine Besprechung mit dem Präsidenten de» Federal Reserve Boards, Eugen Meyer. Die ganze Angelegenheit beschäftigte Präsident Hoover unaufhörlich: er besprach sie während seiner Redetour im Mittclwesten mit den republikanischen Parteiführern Watson und Feß und nach seiner Rückkehr ins Weiße Haus auch mit allen Senatoren, die gerade in Washington waren. Die Lage in Deutschland sah aber so bedenklich aus, daß Hoover am 19. Juni Stimson beauftragte, den Plan den hiesigen Missionschefs, und zwar zuerst dem französischen Bot- schafter vorzulegen. Hoover selbst wollte den Plan erst veröffent- l'chen, nachdem die anderen Regierungen Zeit genug hatten, ihn zu studieren. Die deutsche Finanzlage wurde aber so kritisch, daß jeder Aufschub gefährlich schien und Hoover deshalb bereits am 29. Juni seinen Aufruf erließ. Amerika gegen Schuwensireichung. New Zork. 8. Juli. Die amtlichen Washingtoner Kreise messen der Castle-Erklärung vom Dienstag keine allzu große Bedeutung bei. Hoover sei heute nach wie vor gegen jede Revision der bestehenden alliierten Schulden- abkommen. Vizepräsident Curtis erklärte, 89 Proz. des gesamten amerikanischen Volkes sei gegen die Schuldcnstreichung. Diesen Standpunkt scheint auch die überwiegende Mehrheit der letzten Endes ausschlaggebenden Kongreßobgeordneten und Senatoren einzu- nehmen. Oer �oung-plan muß geändert werden. New Jork, 8. Juli. Die„New Park, Times" erklärt, daß das Moratoriumsjahr eine Periode schärfster Aktivität werden müsse. Kein internationale» Orakel oder ein Finanzprophet seien nötig, um vorauszusagen, daß der Poung-Plan geändert werden müsse. Der Plan könne in der alten Farm nicht mehr fortgeführt werden. Die Weltkrise habe seinen Zusammenbruch verursacht. Vater und Sohn als Erpresser. Ein Schwindel mit„wertvollen"»riefmartensendungen. Wegen Betruges und gemeinschaftlich versuchter Erpressung hallen sich die aus Ungarn flammenden Briesmarkenhändler Max Goldberger und Ladislaw Goldberger. valer und Sohn. vor dem Schöffengericht Berlin-Wille zu verantworten. Die Angeklagten betreiben seit mehreren Jahren in Berlin einen Handel m i t B r i e f m a r k e n. In zahlreichen Fällen hatten sie Briefmarkcnhändlern und-sammlern„garantiert echte" Briefmarken seltener Ausgaben angeboten, die sich aber als wertlose Neudrucke mit gefälschten Stempeln erwiesen. Da es sich um Fachkreise handelte, wurden die Sendungen zurückgeschickt. Die Angeklagten behaupteten, daß sie selbst zu wenig Fachleute gewesen seien, um die Fälschungen zu erkennen, und daß sie sich daraus ver- lassen hätten, daß die Fachleute selbst, wie es auch geschehen sei, eine gründliche Prüfung vornehmen würden. Von diesem Teil der Anklage wurden die Ankläger auch freigesprochen. Anders log es aber mit zwei anderen Anklagepunkten. Der jüngere Goldberger hatte eine Reihe kleiner Leute dadurch hineingelegt, daß er ihnen«ine glänzende Existenz versprach, die sie sich durch Briet- markenhandel oerschaffen könnten. Er erbot sich, klassische Raritäten mit einem hohen Katalogpreis für nur 299 Mark zu liefern. Eine Reihe kleiner Geschäftsleute, die sich bei der jetzigen schweren Wirtschaftslage die günstige Gelegenheit nicht entgehen lassen wollten, hatten die Nachnahmen eingelöst und mußten dann die Erfahrung machen, daß e« sich um minderwertige Brief- marken, handelte, die bei weitem nicht 299 Mark wert waren. Ein größerer Briefmarkenhändler hatte bei dem Angeklagten eine umfangreiche Bestellung gemacht. Ehe sie aber den Auftrag aus- führten, erfuhren sie, daß der Besteller bereits den Offen- barungseid geleistet habe. Sie schrieben ihm nun, daß sie noch Uebereinkunft mit dem Vorstand der Briefhändlervereinigung ihn auf die schwarze Liste setzen und in der ganzen Philatelistenwelt als Kreditschwindler entlarven würden, daß sie ober von dem Schritt Abstand nehmen würden, wenn er 299 Mark zahlte, wofür er allerdings eine„wertvolle" Briefmarkcnsendung erhalten werde. Das Schössengericht verurteilte Max Goldberger wegen ver- suchter Erpressung zu drei Monaten Gefängnis und Ladislaw Goldberger. der selbst schon den Ofsenbarungseid geleistet hat, wegen versuchter Erpressung und Betruges zu sechs Mo- n a t e n Gefängnis.__ Spartakiade in Bernau. Durch Regierungspräsident verboten. Di« Kommunistische Partei hatte die Absicht, sozusagen als Ersatz für die verbotene Berliner Spartakiade am Sonnabend und Sonntag in Bernau bei Berlin ein„internationales Sportfest" zu veranstalten. Der Bürgermeister von Bernau hatte diese, Sportfest als Polizeiverwaiter gestattet. Jetzt hat der zuständig- Regie- ruagspräsident auch diese kommunistisch« Veranstaltung perboteu.______.11 Blinde können jedes Buch lesen. Oer druckende Visagraph. Der Tag scheint nicht mehr fern, an dem blinde Personen in der Loge sein werden, alle Bücher zu lesen statt ausschließlich aus die notp>endigerweise beschränkte Zahl der Bücher angewiesen zu sein, die in der üblichen Blindenschrist gedruckt sind. Ermöglicht wird dieser Fortschritt durch die neue Erfindung des„Visagraph", einer Vorrichtung, die das gedruckte Buch in erhabener Schrift reprodu- ziert. Der Erfinder des neuen Instruments ist Robert E. Raum- bürg aus Conchridge im Staat Massachusetts. In einer New-Porker Blinde nzeitfchrift schreibt der Erfinder über seinen Apparat:„Der druckende Visagraph ist bestimmt— und das ist das Neuartige an ihm—, von den Blinden selbst betätigt zu werden. Man stellt zu diesem Zwecke das in gewähnlicher Druck- oder Maschinenschrift hergestellte Buch auf ein Lesepult, nimmt die erforderlichen Einstellungen vor und liest dann ohne Hilfe einer anderen Person durch das Tastgefühl der Finger wie bei der üb- lichen Braillejchen Blindenschrift. Der Visagraph bringt ein ver- größertes Reliefbild der Druckseite des Buches hervor, indem er eine Zeile nach der anderen erscheinen läßt. Die Prägung, die dabei auf einem dünnen Aluminiumstreisen eingedrückt wird, kann aufbewahrt oder ausradiert werden. Die Alumiuiumfolie gleicht dem Stanniol, wie es als Hülle von Zigarren und anderen Gegenständen verwandt wird. Die Höhe der aus Punkten und Strichen bestehenden Schrift- zeichen des Visagraph wie der Schnitt der Lettern zeigt in den Aus- maßen die der Brailleschrift. Der Bisagroph ist übrigens ein Kosma- polit. Er lieft Worte der spanischen, sranzösischen oder deutschen Sprache ebenso schnell wie die der englischen. In Größe und Ge- stalt gleicht dieser druckende Visagraph dem flachen Schreibpult eines Büros. Wie Telephon!«, Telegraph!« und das Radio aus zwei Teilen. Sende- und Empfangsopparat, bestehen, gliedert sich auch der Visagraph in zwei Hauptteile. Die linke Hälfte des aus dem Aufsatz des Pultes stehenden Kastens enthält auf der Spitze dos gedruckte Buch der Borlage, das an einer beliebigen Seite geöffnet und durch das Lesepult gegen»ine ebene Glasplatte gedrückt wird. Oberhalb des Buches befindet sich der„Leuchtturm". Er enchält eine Lampe sowie eine lichtempfindliche Selcn- oder photoelcktrische Zelle. Dieser Leuchtturm ist die Sendestation. In der rechten Hälfte des Kastens ist der„Drucker" angebracht, der das, was das elektrische Auge des„Leuchtturmes" sieht, in erhabenen Schriftzeichen auf den Aleminiumftreifen einpreßt. Dieser„Drucker" ist die Empfangs- ftotion. Der druckende Visagraph ist der erste Apparat in der Welt, der van einem mit gewöhnlicher Druckerschwärze gedruckten Buch ein Reliefbild aufnimmt, das bestimmt ist, den des Gesichtssinnes beraubten Menschen Genuß und Freude zu bereiten." Neues von Gestern. Die Städtische K u n st h a l l e in Mannheim er- öffnete kürzlich in fast sämtlichen Räumen des Erdgeschosses ihre in etwa halbjähriger Vorbereitung zusammgestellte große Aus- stellung„Neues von Gestern". Die Schau bringt Tausende zu etwa 599 Gruppen zusammenmontiert« Bildausschnitte aus deutschen Journalen der Jahre 1839 bis 1914: eine Uebersicht über das. was das bürgerliche Publikum des 19. Jahrhunderts und der Borkriegs- zeit, nach Ausweis der illustrierten Blätter, als„schön" empfand, worüber es lachte und wovon es sprach. Die Ausstellung gibt so nicht nur«inen Rückblick auf fast sämtliche in Deutschland damals vielbesprochene Aktualitäten pSlitischer, wirtschaftlicher, sozialer, technischer Art in Bildberichten und in satirischen Spottbildern: sie bietet auch eine anschauliche Geschmacksgeschichte(Kunst. Gewerbe, Mode, Theater, Tanz usw.) und eine Art von„Geschichte de» Humors" seit dem vormärzlichen Biedermeier. Gleichzeitig wird die Schau natürlich von Interesse sein für die rein formale und technische Entwicklung der zeitungsmähigen Bildreportage und Karikawr. LnsechsSiunden vomSchaf zumAnzug In der englischen Stadt Leeds rüsten sich jetzt zwes Fabriken von Wollstoffen und eine bekannte Schnciderfirma, um einen Rekord zu brechen, der seit 33 Jahren von den Vereinigten Staaten gehalten wird. Es handelt sich dabei darum, einen Anzug möglichst schnell herzustellen. An einem Morgen des Jahres 1898 begannen pünktlich um �>7 Ilhr die Schever mit ihrer Arbeit bei einem halben Dutzend Schafe. Nachdem di« Wolle Herunter wejr, � wurde sie sofort gesponnen, dann gewebt und aus dem Tuch �n" Anzug hergestellt, lim öl 12 Ilhr an demselben Morgen konnte oer� Mann, der diesen Rekord in di: Wege geleitet hatte, den Anzug be- reits tragen. Der ganze Vorgang vom Rücken des Schafes bis auf den Rücken des Menschen hatte sich in 6 Stunden vollzogen. Dieser Rekord ist bisher nicht übertroffen worden, obwohl bereits verschie- dene Versuche dazu gemacht wurden. Vor 19 Jahren führt« ein Mitglied des australischen Abgeordnetenhauses, das an der Woll- industrie stark interessiert war, ein ähnliches Experiment durch. Das Scheren der Schafe«rfolgte am Morgen und am Mittag erschien der Abgeordnet« im Parlament mit einem prächtigen An.zug, der aus der am Morgen gewonnenen Wolle hergestellt war. Der Vor- fall erregte großes Aufsehen, aber der amerikanische Rekord war nicht gebrochen. Neue anthropologische Erhebungen. Der Hilfe der Notgemeinschoft der Deutschen Wissenschaft ist es zu danken, daß in Deutschland jetzt eine groß angelegte anthro- pologische Erhebung in Gang gekommen ist. Wöhrend die im Aus- land vorgenommenen Rekrutenuntersuchungen nur ein nach Alter, Geschlechts- und Gesundheitszustand einseitiges Material liclern, wollen die deutschen Erhebungen jeweils, wenn auch nur stichproben- weise, ganz« Beoölkerungsgruppen erfassen. Davei soll nicht nur eine Feststellung der wichtigsten Rassemerkmale stattfinden, sondern die betreffende menschliche Gruppe soll auch in ihrem sozialen Ausbau, ihrer geographischen Bedingtheit, ihrem historischen Werdegang (einschließlich ihrer Volkskunde) und endlich in ihrer genealogischen Zusammensetzung(Kirchenbucharbeit) verfolgt werden. Beabsichtigt (und zum Teil ausgeführt) find vor allein Untersuchungen an boden- ständiger Bevölkerung einzelner Dörfer, so in Nicdersachsen, in Ober- bayern, in Hessen, Baden usw., dann aber auch Untersuchung be- stimmter sozial abgegrenzter Bevölkerungzgruppeu, Arbeiter- bevölkerung im Industriegebiet, Adel eines bestimmten Landestciles, Bürgergeschlechter gewisser alter Städte und einzelne zübische Ge- meinden. Der Aufschwung des deutschen Puppenspiel». Auf der jetzt zu Ende gegangenen Tagung des Bundes für Puppenspiele in Eisenach konnte ein« lebhafte Entwicklung der Puppenspielbewegung festge- stellt werden. Die Städte Köln und Aschersieben unterhalten ein eigenes Puppentheater. Auch in Böhmen und Oesterreich hat sich. das Puppenspiel als Volkskunst seit Jahrhunderten erhalten. In Prag nahmen im Jahre 1928 2 399 999 Personen an den in ständigen Theatern Zur Aufführung gelangenden Puppenspielvorführungen Teil. In einem besonderen Archiv sind die Ergebnisse der«In- schlägigen Literatur und Geschichtsforschung über die Puppenspiel- bewegung niedergelegt. Die Gesellschaft der Freunde der Sroll-Oper. Als Antwort auf die Schließung der Berliner Kroll-Oper ist unter der Führung van Max Reinhardt, Walter von Molo und Hans Poelzig ein„Verein der Freunde der Kroll-Oper" gegründet worden, der sich die Weiter- führung der Kroll-Oper in ihrem bisherigen künstlerischen Geist aus neuer organisatorischer Grur.dlage zum Ziel gesetzt hat. Zum ersten Vorsitzenden des Vereins wurde Professor Artur Schnabel gewählt, stellvertretender Vorsitzender ist Klaus Pringsheim, Schatzmeister Alfred Flechtheim und Schriftführer Dr. C. von Naso. Eine Filmsommlung für» Deutsche Museum. Oskar M e ß t e r s Filmsammlung, die einen Ileberblick über die Entwicklungsgeschichte des Films ermöglicht, ist von dem Besitzer dem Deütschen Museum in München geschenkt worden. Der Mitbegründer der Kinemato- graphie hat an Apparaten, Dokumenten. Bildern, vieles Interessant« und Seltene zusammengebracht, da» heute schon historisch geworden ist. Notverordnung und Städte. Cin Aoischrei.— 520 Millionen Defizit der Gemeinden. Dr. Oskar Mulert, der Präsident des Deutschen Städte- tages, schreibt in den Mitteilungen des Städtetages: Die Notverordnung scjzt trog mancher Ansäge im einzelnen dennoch die bisherige Linie der Reichsfinanzpolitik, die auf eine vorzugsweise Sicherung des Reichshaushalts ge- richtet ist, ohne gleichzeitig für genügende Sicherung der Länder- und insbesondere der Gcmeindchaushcilte zu sorgen, in Verhängnis- voller Weife fort. Noch immer will man offenbar nicht in vollem Umfange er- kennen, dast Gemeindenot zugleich Reichsnot ist, und daß die verhaltene Unruhe der Massen, die jetzt gegen die Rathäuser drängen, in Wahrheit nicht die Kommunal- Politik, sondeni die Gesamtpolitik angreift. Man begreift es kaum. wenn in einer solchen Zeit eine Reihe von Bestimmungen— wie beispielsweise die Verpflichtung der Gemeinden, auf das Gemeinde- fünftel der Krisenunterstützung Vorschüsse zu leisten— unberührt von allen politischen Erschütterungen offen eine enge reichs- fiskalische Einstellung zum Ausdruck bringt. Die Be- gründung zur Notverordnung erklärt jetzt offen, daß die Fehlbeträge der Länder und Gemeinden durch die Rcformmaßnahmen nur zu einem Teil gedeckt werden können. Die Deckung des darüber hinausgehenden Fehlbetrages hat die Notverordnung der eigenen Kraft und Initiative der Länder und Gemeinden überlassen, ohne selber eine Möglichkeit zu sehen, wie diese Beträge aufzubringen find. Die Schätzungen, die seinerzeit von manchen Stellen als zu pessimistisch angesehen wurden, erweisen sich jetzt als z u günstig. Nachdem den Gemeinden und Gemcindcncrbänden im Rechnungsjahr 1930 ein Fehlbetrog in Höhe von 450 Millionen Mark erwachsen ist, bcläuft sich ihr Fehlbetrag nach neueren Be- rechnungen 1931 auf mindestens 770 Millionen Mark. Die Mehr- einnahmen aus der Notverordnung werden diesen Fehlbetrag um rund 250 Millionen Mark vermindern, so daß gegenwärtig mit einem Fehlbetrag der Gemeinden und Gemeindeverbönde im Rechnungsjahr 1931/32 in höhe von 520 Millionen Mark zu rechnen ist. Die Mehreinnahmen setzen sich zusammen aus dem Wegfall der Lohnsteuererstattungen in Höhe von 00 Millionen Mark, aus der Gehaltskürzung der Länder in Höhe von 90 Millionen Mark, ferner aus den Beträgen, die durch die Gehaltskürzung der Gs- meinden frei werden, in Höhe von 85 Millionen Mark und aus dem Mehr aus der Umsatzsteuer in Höhe von 10 Millionen Mark. Wenn man sich vergegenwärtigt, daß die Mehrbelastung der Gemeinden und Gemeindeverbönde für die Wohlsohrtserwerbslosen 1931 gegen- über 1929 045 Millionen Mark beträgt, so sieht man, daß das Defizit für 1931 einzig und allein in dieser Krisenlast begründet ist, die die Gemeinden unverschuldet in Not gebracht hat. Diese den Gemeinden aufgezwungene Fehlbetrogswirtschast muß ein Ende nehmen. Weitere Ausgabenabstriche, wie sie beispielsweise im Schul- und Bildungswcscn denkbor sind, werden nur dann ein wesentliches Ausmaß erreichen, wenn Reich und Land durch Anpassung ihrer An- forderungen an die veränderten Berhaltnisie die Drosselungsocrsuchc der Gemeinden unterstützen. Auf dem Gebiet der gemeindlichen Wohlfahrtspflege Hot die Notverordnung, zum Teil Anträgen des Städtetages folgend. durch derartige materiell« Abänderungen in der Arbeitslosenver- sichcrung, Sozialversicherung und Fürsorge finanzielle Erleichte- rungen gebracht: gleichzeitig hat sie allerdings durch die Kürzung gewisser Leistungen in der Arbeitslosenversicherung und Reichsver- sorgung und durch die Verpflichtung zur Zahlung der Vorschüsse für dos Gemeindefünftel der Kriscnsürsorge den Gemeinden neue B e- l a st u n g e n auserlegt. Es wird darauf ankommen, daß Staat und Selbstverwaltung in systematischer Kleinarbeit die öffentlichen Aus- gaben herabsetzen. Auch wenn die vielfältigen Schwierigkeiten einer solchen Rcformarbeit überwunden werden, wird sie ober doch nie ausreichen, um den offenen Fehlbetrag des laufenden Jahres geschweige denn der Vorjahre zu decken. In kürze wird die Politik der Abstriche überall die Grenze erreicht haben, deren Ueberschreitung das öffentliche wohl gefährdet. Und es dürfte jetzt weitercn Kreisen bewußt werden, daß hier unter öffentlichem Wohl nicht irgendwelche wünschenswerten Wirtschaft- lichen, sozialen, hygienischen und kulturellen Anforderungen ver- standen werden, sondern daß es. um die Aufrecherhal- tung unserer gesellschaftlich en Ordnung geht. Der berechnete Fehlbetrag von 520 Millionen Mark läßt sich nicht durch Ausgabenobstriche decken. Die Krise der kommunalen Finan- zen wird also durch die Notverordnung nicht beseitigt. Die Ge- meinden müssen des öffentlichen Wohls wegen weitere finanzielle Hilfe verlangen. Mattes Ablenkungsmanover. Goebbels versucht noch einmal Pensionendemagogie. Als bei der Beratung des Pensionskürzungsgesetzes ersichtlich ivar, daß die 107 Nazis sich schützend vor die hohen Generals» und Ministsrpensionen stellten, schien ihr demagogischer Hctzspuk gegen die„Bonzenpensionen" für alle Zeit zerblasen. Tatsächlich haben diese Rekordlügner auch monatelang nicht gewagt, mit dieser Nummer noch vor der Oesfentlichkeit auf- zutreten. Jetzt versucht es doch noch einmal ganz schamlos der „Angrifs". Er komnit auf die Rede Stegerwalds zurück, nennt sie einen„Vorstoß gegen die Parteibuchpensionärc" und meint, daß Stegerwalds Drohung mit dem Volksentscheid„für manches s o- zialdcmokratischc Ohr sehr mißtönend geklungen habe". Ach nein, Sie müssen sich schon«inen neuen Schwindel aus- denken, Herr Goebbels. In ver Sonnabendausgabc des„Vorwärts" vom 4. Juli hat Genosse Prager sämtliche Anträge der Sozialdemokratie seit der Markstabilisierung zusammen- gestellt, die auf eine Kürzung der hohen Pensionen hinzielten. Auch ihr Schicksal ist dort geschildert, und es ist festgestellt, daß alle sozial- demokratischen Pensionskürzuneoanträge an dein Wider st and gerade der Parteien gescheitert sind, die vordem die Pensionen zum Lieblingsgegenstand ihrer Hetze gemacht hatten. Das gilt ganz besonders von dem sozialdemokratischen Antrag, der die Vorlage der Regierung von 1930 zur Folge hatte. Als sich nämlich herausstellte, daß von der Pensionskürzung in erster Linie 120 Generäle der alten Armee und 40 hohe Staatsbeamte des alten Systems xetrosfen wurden, hatten die Nazis alle Lust verloren. Ihr Redner, der berühmte Diäten- Sprenger, selber Beanuer von Beruf, entdeckte aus einmal, daß auch der höchste Beamte„grundsätzlich Anspruch auf eine seinem Gehalt entsprechende H ö ch st p c n s i o»" habe. Anstatt dem Entwurf zuzustimmen, verlangten die Nazis zunächst einmal gründliche Beratung in einer Kommission. Da liegt er heute noch. Mit ihrer sauberen Taktik, auf die„Bonzenpensionen" zu schimpfen, praktisch aber jede Kürzung der hohen Pensionen zu sabotieren, werden die Nazis nicht lange Erfolg haben. Man wird bei jeder Gelegenheit, wo sie sich als Feinde der Groß- Pensionäre hinzustellen suchen, aus ihre Taten hinweisen! ... und dann der Kapitän Ehrhardt? Wer die wirklichen Pensionsschmarotzer sind, das führte ein am Dienstag verkündeter Beschluß des Xl. Zivilsenats am Kanirner- gericht deutlich vor Augen. Es handelt sich wieder einmal um den Prozeß des Putlchisten Ehrhardt gegen den Rcichsfiskus. Ehr» Hardt beansprucht seine Osfizierspension, das Reich rechnete wegen Schadenersatzanspruches aus dem Kapp-Putsch auf. Das Kammer- gericht war ursprünglich dem Einwand des Reiches beigetreten. Aber ein hohes Reichsgericht hob, wie bei ihni kaum anderz zu er- warten, diese Entscheidung auf und verwies die Sack)« an dos Kammergericht zurück, da der Aufrechnungsanspruch des Reiches nicht genügend begründet(!) sei. Durch den am Dienstag verkündeten Beschluß hat das Kammergericht nunmehr dem Reichs- fiskus aufgegeben, sein« Ansprüche gegen den Korvettenkapitän Ehrhardt genau zu substanzicren und Beweis für ihr B e- stehen und für ihren Betrag anzutreten. Eine Illustration unserer Zeit! Den Kriegsbeschädigtcn. den kleinen Beamten, den Sozialrentnern kürzt man ihre Bezüge. Der vollkommen arbeitsfähige, in der Blüte der Mannes- traft stehende und obendrein mit der schwerreichen Prin- zefsin Pseuburg verheiratete Kapitän Ehrhardt aber kämpft vor Gericht um ein« Pension von der gleichen Republik, gegen die er bewaffneten Hochverrat begangen hat. Es findet sich aber keine Justiz, die solche Arroganz mit den schallenden moralischen Ohrfeigen zurückweist, die hier am Platze wären. Sondern in vierter Instanz muß der geschichts- und gerichtsnotorische Hochverrat des Herrn Ehrhardt spezialisiert, sub- stanziert und in Re i ch s m a r k b e t r ä g e umgerechnet werden. Wie kann der Reichskanzler Brüning Garantie für äußerste Sparsamkeit geben, solange wir eine Justiz haben, die in Pen- sions- und Fürftenprozesien dys Geld der Steuerzahler zum Fenster hinauswirft?! Heuchelei über Scheuen. Pfarrer Koch meldet sich /Straube niemals Sozialdemokrat! Die empörenden Zustände im Erziehungsheim Scheuen geben dem deutschnationalen Lairdtagsabgeordneten Pfarrer Julius Koch Veranlassung, sich über Mißwirtschaft im Erziehungswesen der � Stadt Berlin auszulassen. Er schreibt folgenden Satz: Warum leisten denn die Erziehungsanstalten der Kirch« und der inneren Mission so hervorragend Vorbildliches? Diese rhetorische Frage des Herrn Pfarrer Koch ist entweder aus Unkenntnis oder aus Schlim- merem entstanden. Dem„Vorwärts" liegt genügend Material über die Zustände in den christlichen Erziehungsheimen vor. Wir wollen Herrn Koch nur den letzten gröbsten Fall ins Gedächtnis zurückführen. Im Jahre 1930 sind die Fürsorgcerzieher Zimdars, Christ offer und L e m b k e des christlichen Heimes R i ck l i n g vom Schöffen- gericht Neumünster wegen fortgesetzter Mißhandlungen von Fllrsorgezöglingen zu Gefängnisstrafen von zwei und vier Monaten verurteilt worden. Der Staatsanwalt hatte eine sehr viel höhere Strafe beantragt. Nur einige Einzelheiten: Ein Zögling, der infolge einer Blasenkrankheit an Bettnässen litt, mußte fast täglich seine Matratze mit ausgestreckten Armen aus dem Fenster oder gegen die Heizung halten. Versagten iym dann die Kräfte, so bekam er noch Faustschläge oder Fußtritte hinzu. Einem anderen Zögling hat Christoffer das Ohr oollstöndig durchgekniffen, der Zögling Hot noch heute die Narbe. Zahlreiche andere Zöglinge be- richteten über ähnliche grobe Mißhandlungen. In der Berufungs- Verhandlung hat dann die innere INission sich aus einen Vergleich ein- gelassen, indem sie die Mißhandlungen zugibt. Herr Koch sagte weiter, daß das, was sich in Scheuen zugetragen hat,„dem Er- zichungswesen früherer Zeiten fremd war." Trotzdem in der K a i s e r z e i t nur allzu vieles vertuscht werden konnte, war doch die Zahl der Fürsorgeprozesse außerordentlich groß. Wir erwähnen nur den Namen M i l i t s ch, um Herrn Koch eine Gedächtnisstütze zu bieten. Mit diesen Feststellungen sollen die ungeheuerlichen Dinge, die in Scheuen geschehen sind, in keiner Weise beschönigt oder entschuldigt werden, im Gegenteil: wir wollen, daß mit den Zuständen, wie sie in Rickling und in Scheuen zutage getreten sind, gründlich aufgeräumt wird. Wie die Sozialdemokratie über Fürsorgecrziehungs- fragen denkt, ist hier als Richtlinien der Arbeiterwohlfährt zur Arbeitererziehung in Nr. 305 des„Vorwärts" dargelegt worden. Auch dürfte Herrn Pfarrer Koch bekannt sein, daß der Erlaß des preußischen Wohlfahrtsministers, der Dunkelarrest, Kahlscheren, Ucbcrarbeit verbietet, bessere Schulung des Erziehungspersonals vor- sieht, und die Aufhebung der Fürsorgeerziehung neu regelt, auf die Initiative der sozialdemokratischen Landtagsfraktion zurückgeht. Wie weit die Unkenntnis des Herrn Pfarrers Koch geht, und wie gering sein Drang ist, Behauptungen, eh« man sie aufstellt, nochzu- prüfen, zeigt ein Satz, in dem er den Angeklagten Straube als Sozialdemokraten bezeichnet. Herr Straube ist niemals Sozialdemokrat gewesen, er hat im Gegenteil der Partei immer fern, wenn nicht ablehnend gegen- übergestanden. Herr Koch freilich steht den Prügelpädagogen gar nicht so fern. Er schreibt: Man kann über den Wert einer wohlgezielten Back- pfeife im rechten Augenblick durchaus der altmodischen Ansicht sein, daß sie zu den Erziehungsmitteln gehört. Dies möge zur Eharatcrifierung des Herrn Koch genügen. Gymnastikabend Im Funkturmgarten auf Donnerstag»erlegri Infoige Oes Witterungsumschlags muß der für heute, Mittwoch, nn Funkturmgarten vorgesehene Gymnastikabend der Schule Medau auf Donnerstogabend verlegt werden. Die um 20.30 Uhr beginnen- den Vorführungen finden morgen auf jeden Fall statt, bei un- günstiger Witterung im Restaurant des Funktunngartcns. Lustpostmarken. Aus Anlaß der bevorstehenden Polarfohrt des Luftschiffes„Graf Zeppelin" werden die Zeppelinluftpostmarken zu 1, 2 und 4 M. mit einem Aufdruck„Polarfahrt 1931" ausgegeben. Die Postämter nehmen schon vorher Bestellungen auf diese Marken entgegen. Die Zahl der englischen Arbeitslosen ist in der letzten Woche um 37 503 auf 2 007 889 gestiegen. 7. kreis Eharlottcnburg. Abteilungsleiter haben die Adresien für die Aufnahme der Dänenkindcr noch nicht der Genossin Warmuth, Am Bahnhof Westend 2, gemeldet. Spätester Termin Donnerstagvormittag. weller für Verlin: Ziemlich kühl, meist bewölkt und noch ver- einzelte leichte Regenfälle. etwas böige westliche Winde.— Für Deutschland: Im Süden und Südwesten des Reiches langsame Wetter- besserung, im übrigen Deutschland und besonders an der Küste ziemlich kühl und regnerisches Wetter mit einzelnen Regenfällen. Rückschau. Der Deutschlandsender brachte aus Leipzig eine Uraufführung „Die Visionen des Tilmon Riemenschneidcr" von E. Kurt Fischer. Der vor 400 Jahren verstorbene Bildschnitzer war ein großer Künstler und ein streitbarer Mann. Er setzte An- sehen und Leben auss Spiel, indem er im Bauernkrieg für die unter- drückten Bauern eintrat. Er muß sehr fest im Leben gestanden boben: auch seine fromme Kunst wurzelt im irdischen, nicht im jen- seitigen Leben. Das Hörspiel zeigte diesen Künstler nicht: es erzählte von einem verträumten, mittelalterlich-verzückten Romantiker. Der epische Bericht wurde stellenweise von Sprechchören vorgetragen, was ihn oft schwer verständlich machte. Der Eindruck von einem Massen- bekenntnis läßt sich viel stärker durch verschieden getönte aneinander gereihte, gegeneinander gesteigerte Einzelstimmen erzielen, die erst zum Schluß in einem kurzen Satz zusaminenklingen. Berlin gab eine Sendung„Ferner angeschlossen Wien", die leider für die Berliner 5)örer wegen Blitzgcfahr auf nahezu eine Stunde unterbrochen wurde. Die von diesem Programm empfangenen Bruchstücke deuteten auf eine gut ausgewählte volts- tümlichc Darbietung hin, in der ein Stück Berliner Luft eingefangen war— wenn auch nicht von der gewitterschwongeren unserer Gegen- wart. Dieser Abend hielt sich in den Grenzen der Unterhaltung, die Kritik als Würze, nicht aber als Hauptgewicht zuläßt. Wenig ge- schickt war die musikalische Einleitung, die eine volkstümliche Ver- anstaltung mit ziemlich unpopulären Klangbilden eröffnete. Des. Nsittwoch, 8. Juli. Berlin. 16-05 Aktuelle Abteilung.• 16.30 N�chraittagSkoozert. 17.20 Tcnnjsnachwucjlis,(Walter. Günther). 17.40 Vom kleinen AMtäc. Text von Anton Witdean«. Musik von Hans Heller' (tiräüffuhrung:).(Thea Gilten. Sopran; FTösrcl: Ingrid Heller.) 18.00 Prof. Dr. Paul Hildebrandt: Praxis der pädagogischen Akademien. 1§.20 Th. Th. Heine: Satirische Zeichnung. 18.40 Meladische Kleinigkeiten.(Dr. Ernst Römer und sein Orchester.) 19.40 Wovon man spricht. 20.05 Großstadt— zwanzig Uhr eins. Querschnitt durch eine Großstadtminute. Hörspiel von Axel Artheus und Robert Schiftan. Musik von Werner Michel. Re�ie; Axel Arheus. 21.20 Tages- und Sportnachrichten. 21.35 London: Sinfoniekonzert. Dir.: Julian Clifford. 1. Beethoven: Sinfonie Nr. I, C-Dur, op. 21. 2. Mozart: Rezitativ und Arie der Donna Anna aus„Don Juan"(Noel Eadic. Sopran). 3. Haydn: Sinfonie für Bhs- instrumente. 4. Lieder mit Klavierbegleitung(Noel Eadic). 5. Stra- winsky: Pulcinella-Suite(BBC-Orchester). 23.00 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Tanzmusik. 0.30 Bcrlin-Witzleben. Nachtkonzert. Königswusterhausen. 16.00 Hamburg: Konzert. 17.00 Min.-Rat Frank: Das Züchtigungsrecht des Lehrers. 17.30 Karl Graef und Prof. Julius Pahlke: Das Melodram. 1&.00 Dr. A. Mohrhenn: Der böhmisch-bayrische Wald. 15.30 Dr. Goetz: Rückblick auf die Theatersaison. lk,.55 Wetter für die Landwirtschaft. 19.00 Min.-Rat Hoche: Die neue Reichsdienststrafordnung. 19.25 Organisation als kultureller Faktor im Arbciterlcbcn. 20.00 Hamburg: 400 Millionen durchbrechen die Mauer. Ein Querschnitt durch das�moderne China. Verantwortl. für die Redaktion: Herbert Lep�re, Berlin: Anzeige»: Tb. Glocke. Berlin. Verlag: Vorwärts Verlag©. m. d. H., Berlin. Druck: Vorwärts Buch. d'ruckerei und Verlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SW 08, Lindenstrafte Z. Hier»» 1 Beilage. ToUfsbtiiuie Theatr im Blllsvplit:. E'/'s Uhr Der Mann des Schicksals Die Komfidie der Irrungen Komiscne oper Eriedrichstr. 104 SVj Uhr Frauen haben Oeglsdtes THeater Morgen mm 125. Malt 8 Uhr Der Haoplmann von Köpenldi v. Carl Zuckmayer Rtgi«: Hain Hiioert das gern Musikal. Schwank von Arnold Musik v. Walt. Kollo Sommerpr 0.50-7.00 iMtropoMheBter Täglich 8". Uhr Die Toni aus Wien Mady Christians, Michael Bohnen 8.15 libr Die Komödie Täglich SVs Uhr Dienst am Kunden von toit Bois und Mn Bansen Regie: Hans Deppe RurlQrslendamm- Tlieafer Bismarck 449 Baute zun 25. Male; I 8-/4 Uhr| Die schöne Helena vonlBcquesOnenhaiii Benlo: Uaz Bolohardi 1 8.11 I Ballett Edoardowa, 10 Brox# B 4Richys, Mary-Erik- Paul usw. M Ernst SdiQler Berlin SW, Lindenstr.ll 12 ElßRtriscIiß Anlaoen jener AN auch In IO Monatsraten. Relchshallen-Theater Anfang| H) Uhr Stettiner Sänger Zum SchluS „Alles verrückt!" föellagc Mittwoch, 8. Juli 1931 DttjUmtö Shnlnul&tße Jä*\/otvyds4l Steife durch Sugoflawien Der Staat als Produkt der Diplomaten/ Die Stefidens des Jtönigs Das„Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen" ist einer der Nachsolgestaaten, die auf den Trümmern der österrcichisch-unga- rischen Doppelmonarchic aufgebaut wurden(rund 12 Millionen Einwohner). Seine Begründung nach dem Weltkriege war ein Be- kenntnis zum Nationalitätenprinzip, eine llebcrwindung der fremd-dynastischen Fesseln zugunsten der südslawischen Bevölke- rung. Der hundertjährige Kampf, der Südslawen um einen eigenen Staatsvcrband Hot 1920 im Rapallo-Bertrag seine Erfüllung ge- funden. Allerdings umschließt Jugoslawien nur die Serben, Kroaten und Slowenen. Der vierte südslawische Stamm, das Volk der B u l- garen, steht auch weiterhin außerhalb dieses Staatsverbandes, und ebenso leben starke südslawische Splitter in anderen Staaten der Nachbarschaft(in Oesterreich, Ungarn, Griechisch-Mazedonien, Italien), wie auch andere Volkszugchörige in Jugoslawien leben (Deutsche, Magyaren). Der Aufbau der Staaten nach dem Natio- nalitätenprinzip hat eben überall nationale Minderheiten hervorgerufen, weil die Völker sich nicht scharf linienmäßig gegen- einander abheben. Der neue Staat Jugoslawien hat aber noä) andere Probleme und Schwierigkeiten, die ihm bei seiner Geburt als Deufelsgeschenk gegeben wurden. So schiebt er sich mit seinem nördlichen Teil zwischen die Adria und Ungarn und sperrt letzterem dadurch den Weg ans Meer. Ungarn, dos früher bis ans Meer reichte und eine gute Eisenbahnlinie van Budapest über Agram nach Fiume hatte, ist zugunsten Jugoslawiens ein Binnenstaat geworden und dadurch vom Ueberseehandcl abgeschlossen. Das ist die eine Seite des Zu- sammcnspiels Italien— Ungarn und somit eine dauernde Bedrohung Jugoslawiens. Ein gleich starker Unruheherd liegt an der Südgrenze. Die Feindschaft gegen Griechenland ist nicht kleiner geworden, streben doch beide Staaten nach dem alleinigen Besitz M a z c- d o n i e n s. Vor allem ist aber Albanien die große Gefahr für die Südgrenze Jugoslawiens. Das Reich des Königs Zogu, der von Mussolinis Gnaden selbstherrlich in den Bergen regiert, ist der günstigst« Stützpunkt des italienischen Imperialismus. Durch dieses Uebergreifen Italiens auf die gegenüberliegende Küste, gerade an der schmalen Ausfahrt des Adriatischen Meeres, ist die Adria im unbestreitbaren Mochtbereich Italiens. Die lange Küste Jugo- slawiens, die schon durch die Gebirge für einen regen Handel über See stark entwertet ist, verliert durch diese Machtstellung Italiens völlig ihre Bedeutung für Jugoslawien. Und tatsächlich konnten d.ie Südslawen auch nicht verhindern, daß Italien ihren wichtigsten Hasen, Fiume, raubte(1922). So liegt um Jugoslawien wie überhaupt auf dcni Balkan trotz der Neuregelung nach dem Welt- krieg so viel Zündstoff, daß diese Gebiet« nach wie vor gefährliche Katastrophenherde für Europa sind. Hinzu kommen für Jugoslawien die innerpolitischcn Spannun- gen. Das Volk der Südslawen, das seit Jahrhunderten unter Fremd- Herrschaft der verschiedensten Mächte gelebt hatte, ist nicht mehr so einheitlicher Natur, als daß es ohne große Schwierigkeiten die vor- handcnen Gegensätze überwinden und einen geschlossenen Staat bilden könnte. Bekannt sind die fortgesetzten Kämpfe der K r o a t- n und Slowenen gegen die Serben, vor allem gegen deren von Belgrad ausgehende �Vormachtstellung. Das Hot u. a. dazu geführt, daß Agram(Zagreb) als Hauptort der Slowenen zur zweiten Residenz des Königs erhoben wurde, also mit dem serbischen Belgrad gewissermaßen gleichgestellt ist. So hat dieser neugeschaffene Staat der Nachkriegszeit wie mancher seiner Artgenossen an äußeren und inneren Konstruktions- fehlern zu leiden. Sie sind oft so erheblich und hervorstechend, daß selbst eine kurze Reise dem aufmerksamen Beobachter in manchen Erscheinungen die Zusammenhänge erraten läßt. Zunächst aber fesselt den von Norden, etwa von Wien Kaminen- den der ganz andere Charakter der vom Menschen geprägten Kulturlandschaft. Schon bald hinter Marburg treten die Berge zurück und öffnen weiten, ebenen Flächen den Raum. Nur viele wie unvermittelt austretende Einzelberge und kleine Berg- reihen beleben die Landschaft, und aus der Ferne grüßen die Aus- läufer der großen Gebirge der Alpen und des K a r st e s. Die fruchtbaren ebenen Flächen sind nur mit Mais bebaut. Stunden auf Stunden fährt die Bahn durch Maisfelder. Die Staudem 1'A bis 2 Meter hoch, geben mit ihrer sommerlichen, tiefgrünen Farbe und den grauleuchtenden Samenbüscheln trotz der Einförmigkeit kein ermüdendes Bild. Und wie alles von der mildwarmen Morgen- sonne, die die Nebel der Nacht zerpflückt, stärker und stärker über- flutet wird, entrollt sich ein wunderbar-eigcnartiges Landschafts- bild. Nur selten taucht in dieser Ruhe ein jhaus oder ein kleiner Ort auf, Menschen scheinen auf diesen Feldern kaum nötig zu sein. Dann taucht unvermittelt an der schmutzig-gelben Saoe das Zentrum dieser Landschaft, Zagreb, aus. Eine langgestreckte Bahnhofshalle, eifriges Rangieren bäum- und holzbeladener Güter- züge, vor dem Bahnhof ein riesig großer Platz, aus dem verloren- einsam ein Verkehrsschutzmann seinen farbigen Stab schwenkt. Da- hinter die Stadt mit der schwarzrotgoldenen Fahne des deutschen Konsulats, den großartigen Banken und Repräsentationsbauten und darüber aufsteigend die Buntheit der Dächer. Die Stadt macht einen eigenartig krampfhaften Eindruck. Sie ist von einer stillen, wenig bedeutenden Provinzstadt, die nur als Eisenbahn- und Umschlagort auf der großen Bahnstrecke ans Meer gewürdigt wurde, plötzlich zur Residenz eines neuen Reiches geworden. Sie soll sich jetzt als zweite Hauptstadt prä- sentieren. Der frisch-aspholtierte Riesenplatz vor dem Bahnhof wartet auf hochflutenden Geschäfts- und Fremdenverkehr. Große moderne Bankhäuser sind emporgeschossen, ganze Stadtteile mit Villen und Hochhäusern in einfacher, zurückhaltender Fassade mit geraden, modern gepflasterten Straßen wurden neu geschaffen. Am Rande der Stadt liegen die Kasernen, breit ausladend, riesig groß im Verhältnis zu der kleinen Stadt. Aber diese Straßen. Plätze und Häuser sind noch nicht vom Leben durchflutet. Wo soll auch der große Betrieb herkommen� Wenn auch die Behörden und Geschäfte, die früher in Wien und Budapest sür dieses Verwaltungsgcbict saßen, notwendigerweise ver- legt worden sind— es macht doch nicht so viel aus. Dazu hat Serbien seine eigene Zentrale: Belgrad, das auch nicht ohne Schaden des Wichtigsten beraubt werden konnte und die Hauptstadt des Landes geblieben ist. Wenn man dies alles bedenkt, erhält man den Eindruck eines wahnwitzigen Prestiges eines neugeschaffenen Staates und stellt sich zugleich die Frage: Woher kommt all das Geld? Das alte Zagreb kümmert sich nun allerdings nicht viel um die neue Aufgabe. Es kauert sich um einen kleinen Hügel und aus dessen Rücken. Kleine, enge Straßen, Buckelscheiben, Blumen, Katzen und nepgierige Frauen mit schmutzigen Kindern vor den Türen kleiner Häuser: ein Bild ländlicher Ruhe. Auch der Markt zeigt ein typisch ländliches Leben. Er ist beschickt mit Gemüsen und Früchten, Obst aller Art, mit Fleisch- und Wurstwaren, Sämereien, Meierei- und Mühlenprodukten, mit Korbflecht- waren, Holzlöffeln, Geschirren, Töpfen und Schuhen. Die Verkäufer sind Landleute in bunter Nationaltracht: die Männer in weißem Anzug mit buntem Besatz und schwarzen Langstiefcln, die Frauen ebenfalls in Weih mit rotem Besatz und lcdcrgeflochtencn Schuhen, die bis an die Waden reichen. Roter Besatz, rote Kopftücher und rote Ueberjacken bei blendend weißen Anzügen zwischen dem Grün der Waren— ein wahrhaft farbenfrohes Bild! Das wogt nun in reger Beschäftigung durcheinander, die Landlcute, Waren auf dem Kopf tragend, die Käufer in moderner städtischer Kleidung, da- zwischen farbenprächtige Polizisten als ordnende Vertreter des Staates. Es wurde vieH gekaust, trotzdem es kein Wochenmarkt, sondern täglicher Markt war, der aber hnmer so beschickt sein soll. Dies zeigt noch am stärksten den ländlichen oder richtiger den bol- konischen Charakter der„königlichen Residenz": es werden wie in ollen großen Dörfern oder kleinen Städten Südosteuropas die Waren auf dem Markte feilgeboten, Ladengeschäfte kennt man kaum. Wilhelm Ticicren. fßefiiche bei&hoiogruphen QuerfchniU durch einen wankenden ffieruf Vor kurzem braucht« ich eine Anzahl Paßbilder. Weil ich in ein weit entferntes, dem Ausländer viel« Schwierigkeiten machendes Lans verreisen wollt«, mußten es gleich ein paar Dutzend sein. Auf dem Konsulatsvordruck war schon vorsichtshalk«r vermerkt:.Photo- matonbilder können nicht verwendet lverden." So mußte ich zu einem Berufsphotogrophen gehen, um ein möglichst tatsachen- gerechtes Konterfei von mir aufnehmen zu lassen. In einer belebten Geschäftsstraße mochten mich in einem Schau- kästen die Bilder reizend aufgenomniener junger Mädels und romantisch.; Jünglinosköpfc in allen möglichen Berkleidunzen auf- merksam. Da in der Auslage ein nicht allzu hoher Preis angegeben wurce, stieg ich die drei Treppen an vielen anderen seriösen Ge- schäftsbüroz vorbei, hinauf zum Atelier im Dachgeschoß. Freundlicher Empfang in einem ehemals wohl als elegant geltenden Wartcraum. Schäbige Lederpolster, illustrierte Zeitschriften, an den Wänden rzesige Vcrgröhciumgen belahntcr.Persönlichkeiten. Schließlich fommt der Photograph selbst und ich äußere meine bescheidenen Wünsche. .Selbstverständlich, wir liefern sofort und sehr preiswert." Ehe ich mich versehe, sitze ich unter Jupiterlampen und das gläserne Auge des mit dunkle» Tüchern umhängten Apparates lauert heim- tückisch auf den geeigneten Augenblick, wo es mich in günstiger Position erwischen kann. Qefpräctt mit einem Porträtphotographen Nach der Fertigstellung komme ich mit dem Photographen in ein Gespräch über gut« Abzugspapiere, ivas mich als Photoamateur stark interessiert, und da sonst keine Kundschaft wartet, wendet sich unser Gespräch den allgemeinen Aussichten im Photo- graphengcwerbe zu. Man könnte bei slüchtiger Uckerlegung annehmen, daß es den Leuten in einer Zeit der wachsenden Bedeutung des Lichtbildes sehr gut geht. Aber das ist durchaus nicht allgemein der Fall. Im Gegenteil, viele Berufsphotographen stehen in einer ein schnei- d enden Krisis. Die meisten haben kaum noch genügend Ar- beit, um sich gerade über Wasser halten zu können. Während unseres langen Gespräches in der Hauptzeit des Nachmittags herrscht eine beklemmende Ruhe im Atelier, in der die traurigen Worte des Mannes nur noch verdüsternd wirken. „Di« Konkurrenz der Amatcurphotographen ist zu groß", meint er.„Bei der Billigkeit gewisser Apparate kann sich heute fast jedermann einen eigene» Knipskasten zulegen, und selbst, wenn nicht viel dabei herauskommt, so hat er doch dabei die Freude des eigenen Schaffens. Wie viele andere künstlerische Be- rufe, etwa di« Musiker, hat unsere mechanische Zeit bereits v«r- nichtet. Jetzt kommen schließlich auch wir Photographen an die Reihe. Photomatonautomaten und Schnellaufnahmen der St ra he n p h o t o g r a p h e n, di« für ihre Massenware natürlich viel billiger sein können, haben uns die letzten Einnahme- quellen weggenommen." „Ja, können Sie denn nicht die Aufnahmen der Amateurs fertigstellen oder sich zum Prcssephotogrophen umstellen?" wage ich bescheiden einzuwerfen. „Eine Amateurabteilung habe ich schon eingerichtet. Aber das Hauptgeschäft machen dabei die Ladengeschäfte. Die sorg- fältige Zlusarbeitung, wie wir sie gern machen möchten, können Vit Leute nicht bezahlen. Und mit P r e s s e a u f n a h m e n haben es schon viele von uns oersucht. Aber dabei kommt es doch auch wieder nur aus Fixig- kcit und Rekordorbeit an, so daß sich nur wenig« behaupten können." „Sie sind noch recht gut eingerichtet und die Miete ist in dieser Lage sicher auch sehr hoch", bemerke ich. „Ja, das ist es gerade. Weihnachten, Ostern und beim Schulbeginn'haben wir wohl noch eine kleine Saison. Aber was wir in diesen Zeiten erübrigen können, mülien wir später wieder zulegen. Biele sind dabei ganz zugrunde gegangen. Ihnen hleibt dann kein anderer Ausweg, als sich im Glücksfalle in einer großen photographischcn Anstalt alz Massenarbeiter einstellen zu lassen. Die meisten jedoch oermehren pa» Heer der arbeitslosen, freien Berufe, von deren Not man sich keine Vorstellung machen kann." „Und wie steht es mit den Aussichten bei dem Nachwuchs?" „Viele Fachphotogrophen stellen nur Lehrlinge ein, um billige Arbeitskräfte zu habe». Haben die Lehrlinge ausgelernt,-so müssen sie sich umstellen, einen anderen Beruf ergreifen oder stempeln gehen. Die Niederlassung als selbständiger Photograph kostet viel Geld, die Einrichtung ist sehr teuer. Und außerdem kann sich ein neues Atelier nicht hallen, wenn den ölten, eingeführten schon das Wasser bis an die Kehle steht." Nach diesem Gespräch könnte man wohl auch die Porträt- Photographie alz untergehenden Beruf bezeichnen. Unterhaltung mit einer Spesialiitin Aber ich gab mich mit dieser Auskunft des kleinen, älteren Fachphotographen nicht ganz zufrieden, dessen Hauptgeschäft ans den atthergebrochtcn Familiengruppen und Brautbildern besteht, die das Schreckgespenst sämtlicher„guten Stuben" sind. Bei der wachsenden Bedeutung der Photographie im Re k l a m e w c s e n, auf Inseraten und Plakaten, wo die Zeichnung weitgehend .zurückgedrängt ist, bei der steigenden Zahl von Zeitschristen und Büchern, die Photos verwenden, wobei diese Erscheinung sich noch durchaus weiter entwickelt, wie das Beispiel Amerikas zeigt, solöcht" sich da nicht doch noch neue Möglichkeiten, ergeben? Zur Ergründnng dieser Frage besucht« ich das Atelier einer Spezialistin für neuartige Aufnahmen von technischen Gegenständen, Gebäuden und Architekturen. Frau v. D., früher Malerin, halt« auch lange Zeit fast nur Porträt- aufgenommen, bis sie sich schließ- lich der Nachfrage und einem glücklichen Gefühl nachgebend, auf künstlerisch-sachliche Darstellungen von Ge- brauchsdingen beschränkte. „Freilich, es wird im Photographcngewerbe für die Menschen sehr schwer sein, die sich nicht mehr umstellen können", meint auch sie auf meine Frage.„Bon dem alten Porträtgeschäst kann heute kaum noch jemand leben. Auf der andcren Seite gibt es aber noch ein weites Wirkungsfeld für talentierte, junge Kräfte. Es fehlt noch immer an wirklich guten Bildern für die Industrie und für die Architekten. Jeder Neubau wird ja heute von allen Seiten, innen und außen photographiert. In der Zeck der wirtschaftlichen Krise sind natürlich auch hier die Mög» lichkeiten beschränkt und die Aufträge haben erheblich nachgelassen. Aber das ist ja kein« Sondererschcinung in unserem Benis, sondern das geht wohl allen so." „Freilich", antworte ich noch nicht ganz überzeugt,„die be- deutenden Kräfte, die viel Ellenbogenfreiheit haben und' wirklich Neues bringen, setzen sich auch noch in anderen Gebieten durch: selbst bei den Musikern, in der Schriftstcllerei, überall." „Sicher, es gehört in unserer Zeit schon eine gehörige Portion Frechheit und Beziehung dazu, um sich Hocharbeiten zu können. Aber bei der Photographie besteht doch ein wesentlicher Unterschied von de» rein künstlerischen Begahungen. Ein gutes Lichtbild zu machen, kann man weitgehend handwerksmäßig erlernen. Mit einem einigermaßen geschulten Blick sür gute Komposition bringt man dann schon ansprechende Sachen fertig. Wissen Sie, mir ist bis jetzt die ganze phatographische Produktion noch nicht gut genug. Mit der immer weiter fortschreitenden A u f n a h m e t e ch n i k wird es zudem viel leichter werden. Ich selbst arbeite noch mit einem alten Apparat, den ich schon vor 1ö Jahren hatte." Wir betrachten uns die letzten Arbeiten, die auf dem Boden des Ateliers zerstreut liegen: Reklameaufnahmen für eine Par- sümeriefqbrik, Photomontagen sür Buchumschläac und wunderschöne Alumenbilder, die für eine Ausstellung bestimmt sind.„Glauben Sig, daß ein Mann, der durch seine Lebensarbeit gewöhnt ist, hinter einer aufgezogenen Landschaft immer dieselbe Ausnahme zu machen, auch noch derartige Zlufnahmen fertigbringen wird?" „Oh, ich glaube kaum. Es gehört schon sehr viel Berti c- fung und Kleinarbeit dazu, mehr als man bei der Be- trächtung des fertigen Werkes annehmen kann. Und ich sagte Ihnen schon, für die Leute vom alten Stil sehe ich sehr trübe." Die Xage in'ßerlin Die Wirklichkeit entspricht diesen Einzeldeobachtungen. In Berlin sind allein ungefähr 899 arbeitslose Photo- graphen gemeldet. Wie viele aber fristen kümmerlich in der Still« ihr Dasein, ohne sich überhaupt noch registrieren zu lassen, weil es doch zwecklos ist und sie zum großen Teil keine Unter- stützung erhalten, wenn sie vorher selbständig, waren. Die einzige Möglichkeit, zumal für di« jüngeren Kräfte, wäre, von amtlicher Seite aus Fortbildungskurse einzurichten und hierdurch vielleicht eine Grundlage für ein neue?, verändertes Schassen im schwer daniederliegenden Photographengcwerbe zu bilden. Karl Möller. Madio aus aller Well iMißbrattcblc Wunder „Achtung, Achtung!" tönte es im Lautsprecher,„hier ist Bertin, Leutschlandsender, Breslauer— Königsberger— Mitteldeutsche— Münchener— Norddeutsche— Süddeutsche— Südwestdeutsche und Westdeutsche Gruppe. Ferner angeschlossen Wien!"... Der �)örer horcht auf.' Der ganze deutsche Rundfunk ist oer- einigt und außerdem tönen im Lautsprecher noch viele fremde Sprachen und alle sogen dasselbe:„Wir schalten auf Berlin..." Welch großem Geist ist es gelungen an diesem Abend die Wellen lkuropa? zu vereinigen? Da spricht wieder die Stimme von Berlin:„Wir übertragen nunmehr für alle Sender Amerika." Und Amerika tönt im Lautsprecher. Der Hörer sitzt ehrfürchtig vor dem Lautsprecher. Wunder der Wellen! da spricht ein Mensch Taufende Kilometer entfernt, über den Ozean klingt seine Stimme und ganz Europa hört ihn. Diese Stimme beherrscht Millionen Lautsprecher und tönt aus Millionen Kopshörern. Ganze Völker lauschen... Was spricht aber die Stimme aus Amerika? Spricht sie zu der Menschheit von der Menschlichkeit? Ergreift sie das Wort für den Frieden? Für die Völkerverföhnung? Soll«ine große Idee über Europas Aether klingen? O nein! Die Wellen der Welt haben sich in dieser Nacht ver- einigt, um aus Amerika folgendes zu hören: „Achte Runde. S ch m e l i n g greift an... Stribling spuckt Blut... Ein wuchtiger Leberhaken... Ein Blutstrom aus der Nase... Stribling taumelt wie ein blutiges Beefsteak im Ring herum!" Und um diese Worte aus Amerika zu vernehmen, hat der Rund- funk ganz Europas die ganze Nacht hindurch den Boxkampf aus Cleveland übertragen... Keine Mittel wurden gespart. In ganz Deutschland saßen Techniker an den größten und besten Empfängern. Selbst die große Empfangsstation des Handelsrundfunks wurde in den Dienst der Sache gestellt. Im Rundfunk hat die Menschheit eins der wertvollsten Kultur- instrumente. Der Rundfunk ist vielleicht das größte Wunder der Technik. Ist es nicht ein mißbrauchtes Wunder, wenn man es in der ganzen Welt in den Dienst zweier sich prügelnder Männer stellt? Gewiß der Boxsport hat viel« Anhänger. Der Rundfunk dient also nur dem Publikum, wenn er solche Uebertragungen vornimmt. Aber worum wird dieses ganze Rieseninstrument nicht für einen besseren Zweck in Bewegung gesetzt?! Warum vereinigen sich nicht alle Wellen, um eine Friedens- rede über ganz Europa zu übertragen?! Warum heißt es bei wertvollen Beranstaltungcn nur immer. „Hier Berlin, Stettin und Magdeburg"? Wenn ein Boxkampf(Nierenhaken und Nasenbluten) im Aether erklingt, dann sind alle Wellen zur Stelle. Wenn aber am e r st e n A u g u st ein Sender im Andenken des Bölkermordens eine Friedens- rede sendet, dann ist kein Sender zur Uebertragung bereit und nur ein« einsame Welle spricht vom Völkerfrieden, während die anderen ..jj�azztönen schwelgen! Nathan Gtirdus. Kleine Helrachlungen Der Gang zu den Müttern Wir sind so bescheiden geworden. Um den vollends lächerlichen Vergleich Dichter— Boxer oder Denker— Boxer jetzt einmal ganz bei« feite zu lassen: wir haben uns auch damit abgefunden, daß der große Boxer den Politiker, eine Menschenkategorie, die, im großen Hause des Geiste», immerhin im Rufe steht, über das erheblichste Quantum an allgemeiner Lebenstüchtigkeit zu verfügen, durchaus in den Schatten stellt. Um nun hier wieder ganz von den materiellen Dingen zu schweigen: wir sind auch abgehärtet genug, uns an Stelle des schäumenden Protestes mit leiser Resignation zu begnügen, wenn da» säuerliche Pathos wildgewordsner Zeitbetrachter den routinierten Foustschlag in eine gegnerische Visage als patriotische Mission in Kredit zu bringen sucht. Unsere Zeit huldigt vielfach dem allein- seligmachenden Primitivismus: Gewoltlösung statt mühseliger Ge- dankenarbeit ist die Parole. Und Schmelings Rezept, uns in der Welt vorwärts zu bringen, ist sogar noch primitiver als das Rezept Hitlers. 4 Aber wie triumphal die Erfolge des krästigen Zuschlagenkönnens auch sein mögen: nützlicherweise wird angedeutet, baß gerade der Mann eines so brutalen Berufes der zarten Regungen keineswegs ermangelt. Das Muttermotiv tritt in Tätigkeit. Es ist uns hin- reichend intensiv nahegebracht worden, durch Wort und Bild, und gewiß nicht ohne Billigung der Beteiligten, daß Frau Schmeling in der Kampfnacht am Radio saß und um das Schicksal ihres Sohnes, vor allem aber um das Schicksal seines Weltmeisterbesitzes, bangte. Und was die alte Dame Stribling anbelangt, so sah sie in der ersten Reihe des Stadions von Cleveland und ließ es sich nicht nehmen, ihren Sohn mit Zurufen zu traktieren, von denen dieser übrigens nach der verlorenen Partie selbst sagte, daß sie ihn nur nervös ge- macht hätten. Es ist soviel davon die Rede, daß die jungen Leute heutzutage die Liebe anders handhaben als ihre Vorgänger vor dreißig Iahren: sachlicher, unsentimentaler, biologischer. Vielleicht läßt sich auch sagen, daß die Mutterliebe Wandlungen unterworfen ist. Selstoerstandlich ändern sich fundamentale Weitprinzipien wie die Erotik oder die Mütterlichkeit niemals grundlegend. Auf die Nuancen kommt es an. Die Mütter im allgemeinen und die Boxer- mütter im besonderen lieben heute wie je ihre Kinder mit opfer- bereiter, entsagender Liebe: aber fällt nicht mehr und mehr die Scheu, dies zur öffentlichen Kenntnis zu bringen und den Sohn von der Kenntnisgabe seiner herzlichen Verbundenheit mit der Mutter profitieren zu lassen? Ist nicht überhaupt die reine Bemuttelungs- Mutter, die rührende Frau der großen moralischen Generallinie und mit den ausgezeichnet gemeinten allgemeinen Ratschlägen etwas unaktuell geworden? Die Mütter haben ihr Denken modernisiert, und e» ist darunter zu verstehen, daß sie auch die großen, starken Gejüh>« sich zuweilen daraufhin ansehen, ob sie nicht eventuell für die Karriere dessen, dem sie gelten, nutzbringend zur Schau gestellt werden können. Fr»u Schmeling im besonderen kann von sich sagen, daß keine Mutter irgendeine. Großen der Dichtkunst, der Politik und nicht einmal der Wirtschast auch nur entfernt so populär ist wie sie. Roch ein Beweis dafür, daß, wie jrüher die Philosophie als die Königin der Wissenschast angesprochen wurde, die Boxkunst heute das repräsentativste Ornament, des öffentlichen Lebens abgibt. Hans Bauer. Sender in aller Welt Gerade in der letzten Zeit geht man überall daran neue Rund- funkfender zu bauen Interesiant ist es, daß die Weltmacht Rund- funk jetzt nicht nur die europäischen und amerikanischen Länder er- griffen hat, sondern, daß immer mehr auch die asiatischen, afrikanischen Länder daran gehen, Rundfunksender zu er- richten. Ueberall sehen die Regierungen ein, daß der Rundfunk nicht in private Hände gehört und so kommt es, daß selbst in den asiati- schcn Staaten die Radiosender in den Händen der Regierungen sind. Japan verfügt über acht große Rundfunksender, die genau so wie in Deutschland vom Staat kontrolliert werden. Die Zahl der Rundfunkhörer in Japan soll sehr bedeutend sein. Auch in China gibt es mehrere Rundfunksender, die zum Teil englischen Blättern gehören und Englisch senden: ander« sind der chinesischen Regierung unterstellt und senden nur in chinesischer Sprache. Auch hier steigt die Zahl der Rundfunkhörer ständig. In I n d i e n gibt es mehrere Sender, die zwar in privaten eng- tischen Händen sind, aber doch von der Regierung kontrolliert werden. Slam beginnt jetzt auch einen Rundfunksender auszubauen. So wachsen auch in Asien überall Antennen empor und auf der kleinsten Insel ertönen Rufe im Aether. In A f r i k a gibt es auch schon überall bedeutend« Sender. Zu- nächst der französische Kolonialrundfunk mit seinen Sendern Al- gier und Marokko, die selbst in Deutschland empfangen werden. Selbst in der Wüste Sahara soll jetzt ein Rundfunksender in einer Oase erbaut werden. Die ägyptische Regierung baut auch Sender in der Wüste. Ein Wetterdienst für die Karawanen soll gesendet werden. In Südafrika gibt es einen sehr guten englischen Rundfunk mit großen Sendern. Aber selbst im Urwald bemüht sich jede kleine Siedlung um eigenen Funk. Es besteht auch«in Plan zu Erbauung eines Radiosenders in P a l ä st i n a. Der Sender soll in hebräischer und arabischer Sprache senden und ein Instrument des Friedens und der Verständigung zwischen den Juden und Arabern werden. Interessant ist es, daß es allein in U. S. A. mehr Rundfunk- sender gibt als in der ganzen übrigen Welt zusammen! Es gibt in U. S. A. 22 972 Radiosender! Davon 18 994 Amateursender. 612 Rundfunksender fü). 2173 Schiffssender. 215 Flugsender und 119 geophysikalische Sender. 391 Bildfunksender. 468 Handelssender. Man sieht also, wie der Aether immer mehr besetzt wird und wie es immer schwerer sein wird, ein Plätzchen zu finden! N. G. Wir borten... In der Sowjetunion ist man bemüht, den Analphabeten das Lesen durch den Rundfunk beizubringen. Zu diesem Zweck ver- sendet die Scndegesellschast auch Bücher an die Hörer. Alle Sender senden diesen„Schulfunk". Es scheint also trotz offizieller Statistiken noch eine stattliche Anzahl Analphabeten zu geben. Der polnische Rundfunk führt einen wütenden Kampf mit den Schwarzhörern, die in Polen immer zahlreicher werden. Ein Di- rcktor des„polskie Radio" sagte, daß die Sendegesellschaft die meisten und k r i t i s ch st e n Briefe von Schwarzhörern bekomme, die immer unterschreiben:„Ein Hörer, dem es noch immer zu schade ist, für Ihr Programm 3 Zloty monatlich zu bezahlen!" Der spanische Rundfunk wird bald in seinem Programm eine „Arbeiterradio-Universität" einrichten, deren Aufgabe es sein wird, abends wissenschaftlich-populäre Vorträge für die Ar- beiterschaft zu senden. Die amerikanischen Rundfunksender haben die Anweisung be- kommen, sofort ihr Programm zu unterbrechen, wenn LOL-Rufe im Aether ertönen, um die Hilferufe nicht zu überschreien. Wir hörten eine wunderbare Radioseier der sozialistischen Jugend in Kopenhagen, bei der auch deutsche Arbeiterlieder gesungen wurden. Eine literarische Veranstaltung des Sozialistenfunks in Holland „Das proletarische Schicksal" stand auf dem höchsten Niveau. Auch in der Tschechoslowakei versuchen Militaristen den Rund- funk in ihre Dienste zu stellen und Reportagen von Manövern zu machen, um den„Kampsgeist" im Volke zu heben. Es gelang uns einen isländischen Sender zu empfangen. Es war amüsant in der Berliner Hitze schwitzend am Lautsprecher die Worte in' Dänisch zu hören:„Das Thermometer zeigte heute 2 Grad unter Null..." aus dem Norden. Sehnsuchtsvoll lauschte man der„kühlen Welle". eBuch 'Das fflefengebirge In einer Monographien- Reihe„Schlesien" des Verlages W. G. Korn in Breslau ist als erster Band von Günther Grundmann„Das Riesengebit ge in der Malerei der Romantik" erschienen. Die Auswahl der Bilder orientiert recht gut, der Text ist sehr gründlich, ja, man muß sogen: zu gründlich. Die Leser, für die solche geographisch begrenzten Darstellungen in Betracht kommen, sind wohl kaum auf die eingehenden kunsthistorischen Dar- legungen Grundmonns für feine ausführlichen Lebens- und Kunst- erörterungen der betreffenden Maler Zwischen 1759 und 1859 vor- bereitet, und für den Kunstkenner ist die Orientierung nach der Stoffwiedergabe des Riesengebirges— eine fast unannehmbare Voraussetzung. Es ergibt sich eine wunderliche Kombination, ein Ausschnitt aus der deutschen Kunstgeschichte des 18. und 19. Jahr- Hunderts, der zugleich ein« Topographie der schlesischen Berge ist: ein« Gelegenheitsarbeit von zu schwerem Kaliber. P. F. Schmidt. Staedekers neuer llonvegenfilhrer') Die wachsende Zahl der Nordlandbesucher macht eine genauere Bearbeitung der nordischen Länder auch in den Reiseführern not- wendig. Baedeker hat deshalb feinen früher umfassenden Nordland- führer geteilt. Ueber Schweden und Finnland ist im Jahre 1929 ein neuer Band herausgekommen und nun erscheint von Norwegen, Dänemark, Island und Spitzbergen ein« ausgedehnte Darstellung. Diese Teilung ist insofern günstig, als selten sämtliche skandinavischen Länder aus einer Reise besucht werden, sondern man wird sich für die Fjorde in Westnorwegen oder für Schweden, ginn- land entscheiden. Außerdem ist es möglich, den einzelnen Führer wieder zu teilen, weil durch die Art des Umschlages leicht einzeln« Stücke herauszunehmen sind, so daß man nicht gezwungen ist, den immerhin reichlich umfangreichen Wälzer auf der ganzen Fahrt herumzuschleppen. In der Einleitung wird ein« Menge allgemein Wissenswerte» über Land und Leute gesogt. Umfassende Abhandlungen über die Geschichte, Verfassung und Volkswirtschaft der Länder erübrigen da» Studium besonderer Literatur. Die einzelnen Reiserouten vom lieb- lichen Dänemark bis zum kohlen Nordkap vorbei an den zerrissenen, mit Gletschern bedeckten Fjorden, oder quer durch dos norwegische 5)ochgebirge über die einsamen Fjeld» zur Küste und bi» in da« sagenumwobene Island und das eisige Spitzbergen hinein werden mit Sachkunde und präziser Genauigkeit angeführt. Selbstoerständ- lich sind für den reisenden Arbeiter alle bis jetzt bestehenden Reise- führer nur rohe Anhaltspunkte. Die angegebenen Beförderung»- und Unterkunstsmöglichkeiten sind für den Proletarier meist uner- schwinglich. Um so wichtiger ist e» für ihn, ein Werk über sein Reiseziel in die Hand zu bekommen, da» nicht lange Hotelankündi. gungen und Inserate enthält, sondern möglichst viel objektive« Tat- sochenmaterial gibt. Deshalb ist trotz des hohen Preises der Baedeker zu empfehlen. Narl Moeller. ♦) 608 Seiten, viele Karten und Pläne, 14 M. Rätsel�Ecke des„Abend 66 flttuuuiiiiiiiimniiiiiiinuiuiiitniiyuiininmiimmimiiininnin/iiiiiiiiuiiiuiiiiiiiiuuNiitfiuKiuuii Silbenrätsel Aus den Silben: am ar ca da de de des di du e e e e e fant fek fet hi hu in in ka la la le l« le ma mie mit mo mu naz ne ne neu nie on on oph pen re ri ro ro saa sau se sen fer si te te thal ti ti ti tie u zo sind 21 Wörter zu bilden, deren Anfangs- und dritte Buchstaben, von oben nach unten gelesen, ein Sprichwort ergeben.— Die zu erratenden Wörter haben'folgende Bedeutung: 1. Deutscher Fluß: 2. Metall: 3. Kohlensäurequelle: 4. Holzgefäß 1 5. Vogel: 6. Fehllos: 7. Mohrenhirse: 8. Land in Asien: 0. Straußart: 19. An- steckung: 11. Widmung: 12. Einsiedler: 13. buddhist. Priester: 14. Augenkrankheit: 15. Dickhäuter: 16. Schlangenlinie: 17. Ort in der Schweiz: 18. Tempelsklave: 19. Oelstofs: 21. deutsche Stadt. zsf: 29. Nervenkrankheit: H. S. Kreuzworträtsel Waagerecht: 1. Stadt in England: 5. Stadt in Aegypten: 9. Gleichnis; 11. Geigenbauer: 13. weibl. Vorname: 15. Zeichen: 16. Nebenfluh der Drau: 18. Waldgott: 21. Staat in Südamerika: 24. griech. Göttin: 26. Nebenfluß der Donau: 28. Eingang: 29. Che- mikal: 31. Tonart: 33. Stadt in Sachsen: 34. Fisch: 35. Hochland in Asien.— Senkrecht: 2. Edelstein; 3. Titel; 4. russische Halbinsel; 5. Wild: 6. Artikel; 7. Getränk; 8. buddhistischer Priester; 10. männl. Vorname; 12. shakespear. Dramengestalt: 14. Edelstein; 17. Vereinigung: 19. Artikel: 20. Artikel; 22. Gewässer: 23. Baum; 25. Maß: 26. Teil de» Auges; 27. Angehöriger einer politischen Partei: 28. röm. Kleidungsstück: 39. Fett: 22. Fürwort. Rösselsprung Auflösungen in der nächsten Rätselecke. Auflösungen der letzten Rätselecke Kreuzworträtsel. Waagerecht: 2. Ilse: 6. Cid; 6. Bob; 7. Auto; 19. la: 12. Menu: 13. Inn; l5. Ei: 17. Ob; 19. Tau; 21. Ural; 24. Dieb; 26. Ehe; 27. Ohr; 28. Neun.— Senkrecht: 1. Berlin: 2. Ida; 3. Ebonit: 4. Abt: 8. um; 9. Tee; 11. an; 14. Norden; 16. Tundra: 18. Bai; 29. Ar; 22. le: 23. Heu: 25. Bon. Kapselrätsel: Wärst du vollkommen, wäre die Welt voll« kommen. Kapselrätsel: Das Leben gilt nichts, wo die Freiheit sällt. Vcrwon.dlungsaufgabe: Rasse, Elster, Zller, Celle, Hose, Seide, Peine, Riese, Ähre, Sonde, Iris, Dolch, Engel, Rönne. Torte.— Reichspräsident Geographie: Hebron— Ebro. Der Sonntag des Samariters Auf der Saatwinkler Rettungsstation der Arbeiter-Samariter (ßpgen 12 Uhr inrttag, ertrank in der Niih« der Führe in Tegelort der 24 Jahre alte Fritz Hermann ans der Hein strotze in Pankoro. gnr selben Feit war der 2» Jahre alte Schlächter Mar Reitz, Hauptstraße in Tegel wohnhast, ertrunken. Beim Baden wurde der» Jahre alte Hermann G e r n i tz aus der Brststeler Straße zg von einem in Fahrt befindlichen Motorboot angefahren. sLolalnotij der Montagsblütter.) Oben, auf dem Ausguckturm derSaatwinklerRettungs- station des Arbeiter-Samariter-Bundes, steht im Sonnenbrand ein Mann und hält unverdrossen Ausschau. Nichts vermag seinem Feldstecher zu entgehen. Wenn auf dem Dampfer, weit, weit hinten eine Mutter ihrem Kinde die Flasche gibt, er sieht es; wenn ein Segler seine Braut küßt, er sieht es: wenn irgendwo ein Schwimmer weit ins Wasser hinausgeschwommen ist, den sieht er erst recht: der Mann am Ausguck sieht alles auf dem großen, schönen Tegeler See. Und was ihm von Inseln und Ufern seinen Blick verdeckt, das wieder sehen seine sieben Kameraden von den sieben Beobachtungsstationen: Zeltstadt Tegel- ort. Scharfenberg Enge, Leuchtturm, Baumwerder, Freibad Iörs- felde, Siedlung Wannfeaten und Bürgerablage. Wir hätten das nie geglaubt, daß uns zwischen Tegel und Heiligensee unablässig acht Männer beobachten! Unten, am Landungssteg, liegt das Rettungsboot Nr. 8, klar für seinen Beruf. Die Boote 1 und 2 sind unterwegs auf Patrouillenfahrt.„Na", meint der Bootsführer der fünfköpfigen Besatzung, die aus 2 Bootsführern, 2 Rettungsschwimmern und einem Sanitäter besteht,„wollen mal sehen, wie es heute wird. Am letzten Iunisonntag war ja Hochbetrieb für die Sanitäter. 106 Un- fälle hatten da die Genossen zu behandeln, der Arzt sagte nur: .Kinder, das mühte meine Praxis lein' und wischte sich den Schweiß von der Stirn. Gebt mir doch mal einer Feu—!" Uuuuht, uuuht, uuuuht, heult die Sirene los. Eine Zigarette fällt taumelnd ins Wasser, fünf Männer springen wie von der Tarantel gestochen ins Boot, Taue fliegen, der Motor springt an, Alarm! eine Heckwell« schäumt auf, dann rast die wilde Jagd über den See, mit 25 Kilometer Geschwindigkeit nach Jörsfelde, nach Iörsfelde, von wo der Alarm kam, immer schneller, schneller noch,„fliegen müßten wir können", sagen die beiden Schwimmer und möchten am liebsten gleich ins Wasser springen,„wenn wir nur erst da wären". denkt jeder, die Zeit wird zur Ewigkeit, obwohl wir noch keine drei Minuten fahren, endlich, endlich: aus dreitausend Kehlen schallt vom Ufer her ein«instimiger Schrei uns entgegen:„Hier her, hier her!": so groß sind nämlich in Sekunden zusammengettommelte Volks- Versammlungen, wenn sich die Gelegenheit bietet, eines Menschen rotes Herzblut in den Sand sickern zu sehen. O weh, der Fall ist schwer genug und dem Laien würgt es be- denklich im Halse, ein Motorbootfahrer hat einen Schwimmer überrannt und ihm den ganzen Hintern bis auf den Knochen aufgerissen, eine Rippe ist auch noch gebrochen. Die Iörsfelder Kameraden haben ihm einen dicken Notverband gemocht und jetzt liegt der arme Kerl auf der Bahre und verzieht fein Gesicht zu Grimassen des Schmerzes. Langsam färbt sich der Not- verband rot. Wir rasen zurück nach Saatwinkel, in der Kajüte sitzt seine Braut: sie ist ein tapferes Mädchen und weint nicht,: dann laden wir die blutende Fracht ab, kräftige Fäuste heben den Schwer- verletzten auf den Operationstisch:„Sosort ins Kranken- haus!" ordnet der Arzt an. Kurz danach läuft Boot Nr. 2 ein. Man bringt einen Er» trunkenen. Drüben, von Scharfenberg Enge. Einen blaß- grünen Mann mit violettgefärbten Lippen. Um seine Füße haben sich meergrüne Schlingpflanzen gewunden. Als den Totengruß des Wassers! Aber noch weiß man das nicht, denn kaum, daß man den leblosen Körper im Sanitätsraum auf die Bahre gebettet hat, be» ginnen vier Männer und zwei Frauen einen nervenzerreißenden Kampf mit dem Tode um die Rettung dieses Menschenbruders. Zwei Mann bürsten mit harten Borsten unablässig die unwirklich blaßgesärbten Fußsohlen, zwei Mann pressen, sich abwechselnd und selber vor Anstrengung keuchend, die Luft aus dem Brustkorb, die der„Pulmotor in die Lungen preßt, dazu schlagen die Frauen mit einem Handtuch dem Patienten auf das Herz, klatsch, klatsch, und ...... ß'. h' M- v i. � �'"U■',4-j • i-1 ÄM idE�fcs l Ji&vl vi V. Der BoolMchappen tack, tack macht dazu der Pulmotor. Daneben versucht der Arzt das Aeußereste und jagt ein paar Lobelinspritzen in den leblosen Körper. Wie nur die«ine Hand da halbgeöffnet von der Bahre hängt! Man geht hinaus, aber die qualvolle Situation wird nur noch schreck- licher: In dem grünen Garten sitzt ein zuckendes Nervenbündel, das hat ein blaues Kleid an und die Haare hängen ihm wirr ins Ge- ficht. Die Braut des Ertrunkenen! Wenn doch erst alles vorbei wäre! Drei lange Stunden sind die äußerste Distanz für einen der- arttgen Wiederbelebungskampf der Saatwinkler Arbeiter-Samariter mit dem Tode, siebenmal wurde er am vorigen Pfingstfest ausge- fochten, und am Abend des zweiten Pfingsttages stand die Partie 6:2 für die Samariter. Heute kommt schon nach einer dreiviertel Stunde ein Genosse heraus und raunt einem ins Ohr:„Es ist aus!", auch der Braut muß es gesagt werden, halb ohnmächtig wird sie an die Bahre geleitet, dann schreien die vor Aufregung zerbissenen Lippen auf:„Ja. es ist mein Fritz, mein armer Fritz!" Während der Tod schon längst wieder aus dem See scht. kommt die Polizeistreife und nimmt die Personalien auf, dann fährt der schwarze Wagen des Schauhauses vor und bringt den Toten in die Hannoversche Straße. Vielleicht war das der junge Mann, der uns am Morgen in der Eisenbahn gegenüber saß, froh- gelaunt und einen schönen Sonnentag erwartend. Ein paar Stun- den später fährt man ihn zu Grabe. Das Boot Nr. 1 fährt langsam ein, traurig zuckt die Besatzung die Achseln. Der Bootsführer nimmt das Bordbuch und trägt«in: „9.46 Uhr Alarm. Bootswerft Schulz. Ertrunkenen zu suchen. Ge- sucht durch Tauchen und mit Leine. Erfolglos!" Ja, es war erfolg- los, eine ganze Stunde hat man gesucht, bis die Leine riß, denn der Seegrund war wieder einmal bepflastert mit Matratzen, Stahl- trossen, Flaschen und Konservenbüchsen. Statt dessen m ü s s e n d i e beiden Rettungsschwimmer in den Sanitätsraum gehen und sich verbinden lassen, wie es überhaupt so- fort auffällt, wie zerschunden die Schwimmer sind von dem ewigen Umhergekrauche auf dem Seegrunde. Aber wer weiß, wo der Tegeler Schlächter liegt, der seine beiden Pserd« zur Schwemme ritt, wobei das Reitpferd im Wasser nicht mit dem Schlächter schwimmen wollte und ihn abwarf in die küble Flut. Dann hat der Schlächter noch etwas umhergepaddelt, und während er unterging, wendeten die Pferde, schüttelten sich die Tropfen ab und trabten gemächlich nach Hause. Nur ihr Herr war tot! „Stationssanitäter! Bahre desinfizieren!" schallt ein Kommando: die Schwimmer von Boot Nr. 1 spleißen die zerrissene Suchleine: die Besatzung von Boot Nr. 2 soll Mittagessen kommen, Kaßlcr gibt's und Stachelbeeren, ein unruhiges Essen ist das, wo jeden Moment die Sirene losheulen kann. Dann bliebe ihnen der Bissen im Halse stecken. Es gehört schon ein aufopfernder Idealismus dazu, sich ein solches„Sonntagsvergnügen" auszusuchen, das die Mitglieder des Arbeiter-Samariter-Bundes auch noch bezahlen müssen, denn 2090 Mark tostet monatlich dem A. S. B. seine Rettungsstation in Saatwintel! Und wie alles klappt, ohne Uniform unk» ohne Bürokratie. Neulich waren Sachver- ständige von der Feuerwehr draußen, die sahen sich einen Alarm mit an und sagten nur:„So schnell würde keine freiwillige Feuer- wehr in die Boote kommen." K. 4RBÜTEK TU3SSALL Minerva 28 gegen Hansa 4: 4 Es ist nicht gut, wenn man seinen Gegner in der Spielstärke unterschätzt. Das sollte auch Minerva erfahren. Kaum, daß die Neuköllner zur Besinnung kamen, stand das Resultat schon 1: 9 für Hansa, dem der schnelle Halblinke In der 19. Minute den zweiten Treffer anhängen tonnte. Erst dann wurde Minerva die Sache ernst. Durch gute Kombination oersuchten die Neuköllner dem Gegner beizukommen, der äußerst tüchtige Torwart Hansas verhin- derte aber jeden Erfolg. Erst in der 39. Minute glückte es, eine Unaufmerksamkeit des Torhüters zum ersten Erfolg auszunutzen, doch stellte Hansa kurz vor der Pause durch Nachsetzen des Mittel- stürmers den alten Stand wieder her. Mit 3:1 für Hansa ging es in die Halbzeit. Mit dem Wiederanstoß verlegte Hansa das Spiel sofort in die Hälfte Minervas. Die Neuköllner verteidigten aber mit allen zur Verfügung stehenden Kräften. Eine Unsairnis inner- halb des Strafraumes erbrachte für Hansa einen Elfmeter, der glatt zum vierten Treffer verwandelt wurde. Schon glaubte sich Hansa als sicheren Sieger, da setzten die Neuköllner zum Endspurt an. Mehr und mehr bekamen sie die Oberhand. In gleichmäßigen Abständen konnten sie bis zum 4: 3 herankommen. Schon glaubte olles an einen knappen Sieg der Hanseaten, als ein schneller Durch- bruch Minervas das unentschiedene 4: 4 herstellte. Lichtenberg I sollte gegen ASL.-NeuköUn spielen. Die Neuköllner mußten aber in letzter Minute absagen; da sprang als Retter in der Not Normannia ein. Die Normannen traten mit stärkster Mannschaft an, während Lichtenberg zahlreichen Ersatz einstellen mußt«. Trotzdem soll der glatte 4:9- Sieg, den Nor- mannia errang, nicht geschmälert werden. Auch mit voller Mann- schast wäre Lichtenberg gegen die in ausgezeichneter Verfassung spielenden Normannen nicht aufgekommen.—■ Wilmersdorf hatte gegen Südost mehr zu kämpfen, als e« das 4: 1- Resultat erkennen läßt.— Eintracht- Reinickendorf konnte gegen Saxonia erst in der zweiten Halbzeit den hohen Sieg von 9: 2 herstellen. Bis zur Pause lautete das Resultat erst 8:9 für Ein- rächt.— Pankow mußte sich sehr anstrengen, um gegen Hoppe- garten einen 4:1- Erfolg buchen zu können. Die Hoppegartener wurden lediglich ein Opfer des schnellen Tempos.— Butab 2 konnte gegen Normannia 2 mit 7:9 siegreich bleiben, während Wilmers- darf 2 und Osten 2 sich beim Stande von 2:1 trennten. Arbeiter-�V asscr ballseri e Union-Berlin 11 9:4/M6wc-CharIottenburg4:4 Ncplun-Hellas 17:2 Ueberraschungen auf der ganzen Linie. Bei dem bereits am Montag durchgeführten Spiel zwischen Union und Berlin 12 in Plötzensee lieferten sich die Gegner ein verhältnismäßig langsam durchgeführtes Treffen, das Union bei besseren Kombinationen uner- wartet überlegen sah. Der Schiedsrichter hatte das teilweise hart durchgeführte Spiel nicht immer in der Hand. In dem darauffolgen- den Spiel zwischen Möwe und Charlottenburg gelang es den diesmal überaus ehrgeizig kämpfenden Möwe-Leuten dem Bundesmeister den ersten Punkt in dieser Serie abzunehmen. Von Anfang an legte Möwe ein sehr scharfes Tempo vor, dem sich Charlottenburg eigen- artigerweise nur schwer anpaßte. Auch in Anbetracht dessen, daß Eharlollenburg mit Ersatz antrat, bleibt die Möweleistung aner- kennenswert. Bei besserer Ausnutzung der Torchancen hätte es so- gar zum Möwesieg langen müssen. Neptun-Weißensee wurde am Dienstag von Hellas I besucht und landete einen in der genannten Höhe ebenfalls völlig überraschenden Erfolg. Nach zunächst aus- geglichenem Spiel und hervorragenden Leistungen aus beiden Seiten kam Neptun mit ausgezeichneten Leistungen seiner Stürmer auf und lag zur Halbzeit mit 6: 2 in Front. Hellas war bei seinen Aktionen von Schußpech verfolgt und spieste auch in der Abwehr nicht immer sehr glücklich. In der zweiten Halbzeit fand der interessante Kamps wegen Gewitterregens ein vorzeitiges Ende. Heute abend sollte Lichtenberg über seinen Gegner Hellas II in Lichtenberg knapp siegreich bleiben. Morgen begegnen sich wiederum in Lichtenberg Union und Lichtenberg im offenen Spiel und außerdem in Plötzensee Hellas I und Neukölln, wobei Hellas l klarer Sieger sein müßte. Jubel um Schmeling Sogar die Steuerbehörde jubelt Obwohl sich die New-Aorker Boxkommission Schmeling gex�n- über nach wie vor ablehnend verhält und ihn als Weltmeister nicht anerkennt, hatte es sich die Bevölkerung der Millionenstavt nicht nehmen lassen, den Deutschen bei seiner Ankunft aus Cleoeland be- geistert zu empfangen. Wo sich Max Schmeling auch immer in New Dork sehen ließ, wurde er bejubelt und auch bei seiner Abreise mit dem Lloyddampfer„Europa", der in der Nacht zum Dienstag die Anker lichtete, hatte sich eine unübersehbare Menschenmenge am Pier«ingefunden. Wie Schmeling vor seiner Abreise erklärte, fühlt er sich nach den Aufregungen der letzten Wochen etwas abgespannt; er sucht nun in der Heimat Erholung. Irgendwelche neue Verträge sind nicht abgeschlossen worden, die Verhandlungen werden vielmehr erst in der nächsten Woche von seinem in Amerika verbleibenden Manager Joe Jacobs aufgenommen. Von ihrem Ergebnis wird es abhängen, wann er nach Amerika zurückkehrt. Als nächsten Gegner Schme- lings betrachtet man allgemein den italienischen Riesen Carnera. Um diese Begegnung bemüht sich besonders der in Paris lebende Amerikaner Jeff Dickson, der seinen Landsleuten jenseits des Ozeans gern den Rang ablaufen und den Kampf Schmeling— Carnera in Paris oder London starben möchte. Vor seiner Abreise mußte Schmeling noch tief in die Tasche greifen, denn die amerikanische Steuerbehörde nahm ihm 17 646 Dollar(rund 73 799 M.) ab. Rechnet man dazu noch die Manager- Prozente Jacobs' und die sonstigen Spesen und Abgaben für Trai- ning, Sparringpartner, Lebensunterhalt usw., so dürsten dem Weit- meister von seinen verdienten 196138 Dollar kaum mehr als 49 999 Dollar übrig bleiben. Di« geplant« Flugzeuglandung des Welt- meisters am Sonntag während der Rennen in Hoppegarten wird sich kaum ermöglichen lassen, da die„Europa" erst am Sonntagvor- mittag vor Cherbourg Anker wirft. Fn2B.-Kinder auf Ferienfahrt Dieser Tage verließen 299 Kinder der FTGB. die Großstadt, »m auf dem Wochenendschisf„Baldur" eine sechstägige Erholungs- fahrt anzutreten. Frohe Kindergruppen traf man schon lange vor der Zeit an der Abfahrtstelle in Spandau. Eine Besichtigung des „Baldur" zeigt« den Leitern und Eltern, daß es den Kindern an nichts fehlen wird. Während man noch bei der Besichtigung war, entstand draußen großes Hallo: Die Konsumgenossenschaft lieferte die Verpflegung an! Nachdem den einzelnen Abteilungen die Kabinen zugeteilt, lösten sich die Haktetaue und die Fahrt begann. Das Lied der Freien Turner erschallt und die wehenden roten Fahnen und Wimpel zeigen jedem, daß Arbeitersportler auf Ferienfahrt sind. Gleichzeitig verließen andere Kindergruppen der FTGB. die Stadt, um auf dem vereinseigenen Gelände in der Pätzer Sonnen- Heide 14 Tage in Licht und Sonne zu verbringen. Es ist in diesem Jahre das erstemal, daß die FTGB. in solch großem Maße für das Wohl ihrer Kinder sorgt. Trotz der schweren Zeit ist es der Vereins- leitung gelungen, den Kindern einige Sonnentag« zu geben.- Das ist echter, genossenschaftlicher Arbeitersport! Rütts Freitag- Abcnd-Rcnncn Am Freitag, 19. Juli, 18.45 Uhr, wird das vierte Rennen auf der Radrennbahn Polizei-Stadion laufen. Rlltt hat auch für diesen Renntag wieder ein abwechslungsreiches Programm aufgestellt, daß seine Zugkraft auf die Radsportfreunde nicht verfehlen wird. Ueber 69 Kilometer geht das Mannschaftsrennen, zu dem einige sehr gute auswärtige Mannschaften verpflichtet sind. Neben dem am letzten Renntag siegreich gewesenen Dresdener Maidorn sowie dem Dort- munder Schenk ist die gute Kölner Mannschaft Damm— Jean Schorn verpflichtet worden. Der Renntag bringt auch das erste offene Fliegerrennen, ein Hauptfahren mit insgesamt 9 Läusen. Die Starter sind die Teilnehmer des 69-Kilometer-Mannschastsrennens. Die Mitgliederversammlung des Vereins„Museum für Leibes- Übungen" in Berlin konnte feststellen, daß trotz der ungünstigen Verhältnisse die Arbeit zufriedenstellend sortgesetzt werden konnte. Die immer dringender werdende Raumfrage soll demnächst durch Beschaffung eigener Räume gelöst werden. $«t seile Sp»rt»«rri» Lichteober« l beabsichtigt ein« Echiilerabteilan« ins ----_.—-itt, Lichtenberg, ftont- bci Ritter, .... 10. Juli, 30 Uhr, in« eben Dienstag und Freitag, Leben zu rufen. Meldungen Dienstag, 18 Uhr, bei Sievert, Ecke Schillerttrahe. FTHB.-Lichtemberg. Fuicklianarlitzung Margen, Donnerstag. Schillerstraße 2->. ASV.-Reulolln, Fugballabteilung flucht zum 12. Juli spielstarken Gegner aus eigenem Plag,«ngebote Freitag von 20 bis 32 Uhr, r 2 0720. „Freie Siuderervereiuigung 1913." Sitzung Frritag ln Stranbschloß Dd-rschänetveibe. Urbimgsabend I< 17 Uhr, im Bootshaus. Frei« Sassersahrer„«uswärt»". Freitag, 10. Juli,«rbeitsbienst im neuen Bootshaus, Sonnabend, 11. Juli» Umzug: Dienstag. 14. Juli, Zltonatsversaimn- lung bei Reutzner, Seestr. 02. Doste will komme». FTSB-Ruderdeziri. Donnerstag, 9. Juli, 20 Uhr, Sitzung»ei Schimbt, Schdnrweide, Berliner Str. 97—90. Sonntag, 12. Juli, Pflichtfahrt, Crosstner See, Spiel- und Sportsonntag. Uebungsabend seden Dienstag und Donners- tag, 17>4 Uhr, im Bootshaus. Gute Bootsständ« sind ncxi, frei.—«eziek Nordost. Funttwndrsthung Donnerstag, 9. Juli, bei Bieberstein, Danzeger Straß«<0.. Tenots-Rot-Sroß-Berlio, Abt. Neuläll». Donnerstag, 9. Juk, 20i4 Uhr, Mitgliederverfainrnlung, Eats Reinhardt, vasenhride S7.— Heiterer Abend. Freie F-libootsahrrr-Berlio. Zusammcntsinft« Donnerstag, 9. Juli, 20 Uhr. Gruppe Norden, Jugendheim, Brunnenplatz: Eelchafllich«» und Fahrteilan- setzung. Gruppe Nordosten, Restaurant Schädel, Prenzlauer Alle-»2:«ortrag Gen. Ableri„Die Kunst al» Dasfe." Gruppe Ssidosten,„Sporthaus", Dtrtsen- straß« 1: Fahrtenberichte, anschließend Singsang. Instrumente Mitbringen. Gäste sid-rall willlommen. „Solidarität", grastsahreel Donren filr Sonntag. 12. Juli. Abt. Xttvy bergt Colpinsee, Start 7 Uhr, Hermannplatz.— Abt. Norden: Lankcsee bei Diebenbera. Start S und 8 Uhr, Seestr. 82.— Abt. Eharl-tteniurg: 11. und 13. Juli, Italicuisichr Nacht in Groß-Gtienecke, Start am 11. Juli, 20 Uhr, am 12. Juli, 8 Uhr, Wilmersdorfer Str. 21.— Abt. Lichtenberg: Nachttour nach Äroß�Schaunrmosen. Start am II. Juli. 19 Uhr. Oder. Ecke Finowstraße.-< Ab«. Wtlmeesdorf: Neu-Zittou, Start 7 Uhr, Barziner Str. 22.— Abt. Tempcl- Hos-Martendors: Aesch bel Neuendorf, Start 7 Uhr, stursllrsten. Ecke Schützen. straße.— Abt. Vberschöncweid«: Franense«, Start 0 Uhr, Wilhclminenhof- straße 84.— V-rsammlungent Abt. Wilmersdorst Am 10. Juli, 20 Uhr, bei Rosenau, Barziner Str. 22. Aedeitee-Foto. Silbe, Berlin. Donnerstag. 9. Juli, 20 Uhr, Dunlclkainmcr, Waffertorstr. 9, Umentwicklung kontrastreicher Negativ». Frei« Foto-Vereinigung. Donnerstag. 9. Juli. 20 Uhr. Phnsitziuuner de« weltlichen Schule, Pank. Ecke Wiefenstraß«, Mitgliederversanimtuug. FTSB., Brzirl Osten! Freitag 10. Juli, 31«i Uhr, bei Busch Funktionär. sitzun«. Bezirk Süden: All« Wtenfabrer treffen sich Donnerstag, 9. Juli. Urbanplatz. Fahrgeld für die Rllckfohrtcn mitbringe». 1. strei» Altrrsrirge. Sonnabend, lt. Juli, Schwimm, und Badetag, Eiche» Platz in Köpenick, Mcndenfchloßstraße 1. Auch Nafenspiele.«erpfleanna am Ort mägüch. Die Ausgabe der Teilnehmerkarten zur Fahrt nach Fsirstcnwalde «M 0. September«rfslat dort an die Risgcn und Ür''------- Sonde«zug— Mittogelfen. vereine. Preis 8,70 M. für Vom Berliner Lnnungswesen Gine unglaubliche Zerspliiierung. Für 15 Handwerke, deren Angehörige so ziemlich die gleichen Beruf«- und Wirtschastsinteresscn haben, bestehen in Berlin ilö Innungen. Die Bäiter hoben 17, die Fleischer„nur" 16 und die Friseure„nur" 14, die Schneider 12, die Schuhmacher 10 Innungen, während die jibrigen Berufe sich mit weniger als 10 Innungen begnügen, Zwangs- und freie Innungen bunt durch- einander. Dabei ist zu beachten, daß ein Teil der Mitglieder dieser Innungen noch in besonderen Arbeitgeberverbänden vereinigt ist. Wer hat an dieser Zersplitterung ein Interesse? Abgesehen davon, daß keiner der Herren Ober- und stellvertretenden Obermeister auf seine Würde verzichten möchte,»spielen dabei auch Laterncnpfahl-, Berufs- und Konkurrenzinteressen noch eine Rolle. Die„freien" Innungen, die oftmals nur wenige Mitglieder aufzuweisen haben, sind durch die Entwicklung überholt. Länger als ein Jahrzehnt besteht die Einheitsgemeinde Berlin, tortzdcm haben sich die einzelnen kleinen Innungsklllngel erhalten. Bon dem ihnen zustehenden Recht der Zwangsinnung machen sie keinen Gebrauch, sie bekämpfen vielfach die Bildung von Zwangs- innungen. Die gesetzliche Halbheit zwischen freien und Zwangs- innungen sollte bald beendet werden. Es ist nicht so, als ob den Gesellen im Handwerk es ganz einerlei � fein fönte, wie ihre Arbeitgeber organisiert sind. Der Mangel an einheitlicher Organisation— neben den freien Innungen haben noch die„Wilden" Platz— erschwert in all« den Fällen, in denen eine besondere einheitliche Unternehmcrorganisation fehlt, die Verhandlungen zur tarislichen-Regelung der Lohn- und Arbeits- bedingungcn. Was noch schlimmer ist, der Nachwuchs leidet in seiner fachlichen Ausbildung unter dieser Zersplitterung. Ganz abgesehen davon, daß es ein Unding ist, weit über 100 Ge- sellenausschüsse in Bewegung zu setzen, wo 15 vollauf genügten. Ein Teil dieser überflüssigen Jnnugsgebilde unterhielt eigene Krankenkassen, manche sogar, trotz dem öffentlichen Arbeits- Nachweis, ihre eigenen Arbeitsnachweise. Statt großer einheitlicher leistungsfähiger Fachschulen finden wir vielfach unzulängliche Einrichtungen. Wie wenig sachliche Gründe für die Aufrechterhaltung der Zersplitterung aus zünftle- .rischem Konservativismus heraus bestehen, geht wohl am deutlichsten daraus hervor, daß die in freie und Zwangsinnungen getrennten Innungbmeister einheitlichen Jnnungs-Zentralver- bänden angehören, soweit si« nicht außerdem noch Mitglieder ausgesprochener Arbeitgeb«rverbände sind. Der Kritiker dieser Zersplitterung, Magistratsoberinspettor Ploetz in der„Handwerker-Zeitung" sucht natürlich den Beleiligten in schonender Weise ihr törichtes Verhalten vor Augen zu führen und sie zu einheitlicher fachlicher Organisation in den einzelnen Be- rufen zu ermuntern, doch trotzdem er dafür durchschlagende Gründe ins Feld führt, ist es sehr zweifelhaft, ob er damit bei den An- hängern der eigenen Innungen auf Verständnis stößt. Der Magistrat als Aufsichtsbehörde kann an dem bestehenden Zustand, der richtiger als Mißstand bezeichnet werden kann, nichts ändern. Denn nach einer reichsgerichtlichen Entscheidung bleibt eine Veränderung politischer Bezirksgrenzen aus den Zwangs- innungsbezirk ohne Einfluß. Ein Appell an die Einsicht, die zweifellos auch bei einigen Jnnungsführern und einem Teil der Jnnungsmitglieder besteht, erscheint im allgemeinen als ein ver- fehltes Experiment am untauglichen Objekt. Ohne gesetzliche Rege- lung bleibt alles beim Alten. Entweder nur„freie" Innungen oder, da sie nun einmal überlebt sind— nur Zwangsinnungen. Die Msiallarbeiterjugend. Das Treffen in Cberswalde. Unter Beteiligung von zirka 500 Jugendlichen' aus 23 Berwal- tungsstellon des Metallarbeiter-Berbandes im Bezirk Brandenburg ging das diesjährige Jugendtreffen in Ebcrswalde vor sich. Kom- munistische Störungen wie im Vorjahre in Luckenwalde waren diesmal nicht zu verzeichnen, trotzdem Eberswalde jahrelang eine kommunistische Hochburg war. Dagegen haben die Nazis den Bc- vollmächtigtcn von Finstcrwalde schon nach Schluß der Begrüßung?- stier durch feigen Steinwurf aus dem Gebüsch heraus erheblich ver- letzt. Die auswärtigen Teilnehmer wurden von der Kapelle des Reichsbanners in einem von vielen Fahnen belebten Zuge zur „Harmonie" geleitet, wo sie der Eberswalder Bevollmächtigte des DMV., P e e g, begrüßte. Eberswalde hat eine ziemlich junge In- dustrie, so daß die gewerkschaftliche Ausbauarbeit hier ganz beson- ders notwendig ist. Stadtrat Lehmann vom Magistrat wies auf seine Verbundenheit mit der Arbeiterbewegung hin. Weitere An- sprachen richteten der Vertreter des Bezirkssekretariats des ADGB. für Berlin-Brandenburg-Grenzmark, W ö l l n e r, und der Bezirks- leiter Mieles an die Jugendlichen. Die eigentliche Festansprache hielt Brauckmüller als Vertreter des Vorstandes des DMV. Er verwies auf den Ernst der wirtschaftliche» Lage und betonte die Forderungen der Jugend an Staat, Gesellschaft und Gesetzgebung. Die örtliche Musikkapelle wurde durch die Trommler und die Fanfa- rcnbläser der Fürstcnwalder ergänzt. Sonntag, morgens k�> Uhr, erfolgte der Abmarsch nach dem „Wasserfall" mit den anschließendem Wildgehege. Der Zug er- weckte unter den Eberswalder Einwohnern großes Interesse. Kurz vor Finow stieß der Zug auf die in großer Zahl zur Begrüßung der Metallarbeiterjugend erschienenen Finower Genossen. Ein Ge- sangverein bewillkommnete sie durch seine Lieder, ein Vertreter der Arbeiterschaft sowie der Gemeindevorsteher von Finow hießen die Jugend herzlich willkommen. Eine Rednertribüne war an der Straße, umrahmt von einem Pflanzcnhain, errichtet. Der Gemeinde- Vorsteher erinnerte an die Geschichte der Gemeinde und wie« auf die vielen industriellen Werke in derselben hin, deren Arbeiterbevölke- rung 92 Prozent der Einwohner bildet. Nachdem das Gemeinde- bad am Mäckersee besichtigt war, brachten zwei Dampfer die Teil- nehmer durch den Hohenzollernkanal nach dem schön gelegenen W e r b e l l i n s e e zur Adamswiese an der Jugendherberge bei Altenhof. Nach Spielen und Schwimmen ging es zum Bahnhof Werbellinsee, von wo die Rückfahrt in reservierten Wagen der Reichsbahn erfolgte. Auch dies Jugendtreffen wird den Teilnehmern in guter Er- innerung bleiben und dazu beitragen, der gewerkschaftlichen Aufbau- arbeit in Eberswalde und Umgegend neuen Austrieb zu geben. Das„Deutsche Kamilienkaufhaus". Seine Machination gegen die Angestellten. Die Deutsche Familien-Kaufhaus G. m. b. H.(Defaka, früher Deweba) ist auf einen merkwürdigen Einfall gekommen, um ihren Angestellten im Lande bei Arbcitsstreitigkeiten den Rechtsweg zu erschweren, wenn nicht unmöglich zu machen. Den Ange« stellten der Filialen der Firmen in den Großstädten des Reiches werden Verträge vorgelegt, in denen das Berliner Arbeitsgericht als zuständig vereinbart wird. Also nicht etwa für die Angestellten dieser pfiffigen Firma in Berlin, für die eine solche„Vereinbarung" über- flüssig ist, sondern für die Ange st eilten im Reiche etwa in Köln, Düsseldorf, Nürnberg, München, Stuttgart, in Bremen oder in Königsberg in Ostpreußen. Es bedarf keiner weiteren Darlegungen, um das U n g c- hcucrlichc dieser Zumutung näher zu beleuchten. Selbst wenn die Firma so gute Gehälter zahlte, wie es nach dieser Verein- barung mcht der Fall zu sein scheint, kann doch ein Angestellter bei irgendeiner Differenz, zu deren Regelung er die Hilfe des Arbeits- oerichts in Anspruch nehmen muß, nicht von Stuttgart nach Berlin fahren. Oder will etwa die Firma durch Herbeiführung derartiger Vereinbarungen den Beweis erbringen, daß eine Ver- tretung durch Rechtsanwälte vor den Arbeitsgerichten notwendig ist? Welches Interesse hat eine saubere Firma daran, zu verhindern, daß ihre Angestellten das Arbeitsgericht an ihrem Wohn- und Arbeitsort in Anspruch nehmen können? Offenbar übernimmt das„Deutsche Familienkaushaus" nicht die Reisekosten, wenn ein Angestellter sie vor dem Berliner Arbeitsgericht belangen muß. Es Hot jedoch keinen Zweck, mit einer Firma, die ausgerechnet eine derartige Vereinbarung ihren Angestellten aufzu- zwingen sucht, aus Gründen, die in ihrem Profitinteresse liegen, sich über das Eigenartige eines solchen Tricks zu unterhalten Die Frage ist. ob die Arbeitsgerichte sich eine derart willkürliche, private Verfügung über ihr Zuständig- kcitsgebiet gefallen lassen wollen oder müssen. Die Methode der Abzahlungsgeschäfte, sich selber die Prozeßführung zu er- leichtern, dem Gläubiger sie zu erschweren, indem der Sitz des Unter- nehmens als Erfüllungsort für beide Teile festgelegt wird, darf auf die Arbeitsgerichtsbarkcit keine Anwen- d u n g finden. Gibt das Arbeitsgcrichtsgefetz keine Handhabe, um einen der- artigen Unfug zu steuern, dann muß die Gesetzgebung dagegen ein- schreiten. Das neue englische Kohlengeseh. 7'/- stündige Arbeitszeit ohne Lohnkürzung. London. 8. lluli. sEigenberichl.) Das Unterhaus hat am Dienstag in dritter Lesung das neue ftohlengeseh angenommen. Das Gesetz bestimmt, daß für die nächsten 12 Titonote die tägliche Arbeitszeit im Kohlenbergbau 7 Vi Stunden beträgt und die gegenwärtigen Lohnsähe unvermindert beibehalten werden. Falls durch internationale Konventionen das Genfer K.ahlcnabkommcn noch vor Ablauf dieses Zahres zustande komme» sollte, werden die Arbeits, eilbcstimmungen des gegenwärtigen Gesetzes automatisch ausgehoben._ Der französische Texiilstreik flaut ab. 25 000 Arbeiter wieder in den Betrieben. Das Abflauen der Streikbewegung in den Fabriken der dem Konsortium nicht angeschlossenen Industriellen von Roubaix-Tourcoing hat gestern angehalten. 23 000 Arbeiter und Angestellte(15 000 vorgestern) sind an ihren Arbeits- plätzen erschienen. Das Konsortium, dem die Großindustriellen des Bezirks angehören, zeigt sich indessen weiter unversöhn- l i ch und erklärt, auf feiner Haltung unbedingt verharren zu wollen. Der Stadtrat von Roubaix-Tourcoing hat einen vierten Kredit für die Streikenden bewilligt. (Btfchüfts-Jtnsmger fäezivß füden~Weften CrnlPiefsdifi..»;*.« Haus- u. Küchengeräte— Werkzeuge SW68, Lindenstraße 107 Tel.: Dönhoff 3070 Walfisch Kfipenicker Str. Ecke Brückenstraße Oöerlenster-Verschlüsse, Fenstersteller, Türsdilteßer, Tiirpuffer etc. A. Burkhard& Co. Gegründet 1910 N 54, GipsstraOe 15, Tel.: Dl, Nordenl219 BuclMerei Ridiier ühm Sophie-Chaplone- Straße 15 Im Bahnhof Westand J C 4. 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