Morgenausgabe Nr. 317 _Al60 4S.I Millionen Mark bei dem Schiffahrtskonzen' Royal-Mail, Frankreich den O u st r i c- Skandal, Italien— heute unter dem Faschismus geradezu ein Schulbeispiel großkapitalistischer Korruption größten Stils— feinen Fall G u a l i n o und noch eine Reihe anderer großer offener oder verschleierter Bankrotts, Belgien Loe wen stein s Glück und Ende, Dänemark und Oesterreich große ominöse Bank- Zusammenbrüche und so fort. Wo aber im Ausland in derartigen Fällen Betrügereien und offensichtliche Leichtfertigkeit in der Oeffentlichkeit aufgedeckt wurden, hat man uimachsichtig ohne Ansehen der Person zugegriffen. Hatry, bcr Konzerngewaltige, ist wenige Monate nach dem Zusammenbruch srincs Konzerns und der Aufdeckung feiner Verfehlungen zu 13 Jahren schwerem Kerker verurteilt worden. Im Falle der Royal-Mail hat man unverzüglich gegen Lord K y t s a n t ein Verfahren eingeleitet, desgleichen gegen den mit zur Verantwortung herangezogenen Revisor Marl and, den hochangesehenen Mitinhaber des großen Revisorenhauses Price, Watcrhous« u. Co. Beide haben sich wegen Bllanzsälschung bzw. Mittäterschaft vor den cnglffchcn Strafgerichten zu verantworten. Mussolini hat seinen ehemaligen Busenfreund Gualino, als der Sturm der Entrüstung in Italien gegen dessen Verfehlungen losbrach, auf Lebenszeit auf die Libarischen Inseln verkamt und pathetisch verkündet, daß für die..Eogliestros der Wirtschaft mit ihren verschachtelten Gescllschosten. aus Strohmännern gebildeten Der- waltengsräten, schlechten Finanzen und erfundenen Dividenden die schwersten Strafen zu gering find". Die Staatsanwaltschast zögert. Roch kein Strafverfahren gegen die Gebrüder Lahusen. Bremen, it. Juli. Zu der Meldung eines Berliner Blattes, daß die Bremer Staatsanwaltschaft das gesamte Buch- material der Norddeutschen Wollspinnerei und Kamm- garnsPinnerei-Bremen beschlagnahmen tverdc und daß der Erlaß eines Haftbefehls gegen die drei Brüder Lahusen bevorstehe, teilt die Oberstaatsanwalt- schaft mtt, daß diese Meldung nicht den Tatsachen entspreche. Was die Einleitung eines strafrecht- liehen Ermittlungsverfahrens anlange, so werde ein solches ohnedies anhängig gemacht werden, sobald von irgendwelcher Seite ein Strafantrag er- stattet werde. Gegen bi« Verantwortlichen für den Zusammenbruch der Bank O u st r i c sowie die mit in diese Affäre verwickelten Politiker schwebt bereits das Strafverfahren. Hat mau bei uus, was eigentlich in einem Rechts- staat selbstverständlich sein dürfte, die für Verluste Verantwortlichen wenigstens mit chrem Vermögen herangezogen, sind offensichtliche Verfehlungen ge- sühnt worden? Es gehart zunächst zum Ehrenkodex, daß für geschäftliche Fehl- öispostiionen die verantwortlichen Wirtschoftsführcr auch dort, wo ein klarer, rechtlicher Haftungsanspruch besteht, nicht weiter belästigt werben. Die Aktionäre bleiben gewöhnlich bei Siel- lung berechtigter Regreßanträge in einer hoffnungslosen Minorität gegenüber der solidarischen Vcrwaltungsgruppc. So konnte die Ufa durch lcichffimige politisch gcsärbie Geschäftsführung infolge der unfähigen Aufstchtsinftanzen 4 0 M i l- lioncn Mark verlieren. Herr von S t a u ß, der hierfür verantwortliche Direktor der Deutschen Bank, echielt hieraufhin noch weitere Aufsichtsratsmandate und d!« Legitimation für V e r- Handlungen mit Hitler. Der Zusammenbruch der O st h a n d e l s- G e s e l l s ch a f t Aktiengesellschaft brachte sehr große Kapitalverluste. Allein die Deutsche Bank mußt 3 6 Millionen Mark Verluste ab- buchen. Der verantwortliche Direktor Dr. Bonn wurde zur Be- lohnung mit einer großangelegten Studienreise nach Ost- a s i e n beauftragt. Der Großindustrielle Otto Wolf konnte unangefochten die M a n s f c l n A.- G. durch Aktienschiebung schädigen. Für die leichffinnig«n Geschäfte der deutschnaiionalen Direk- torcn der Deutschen R a i f f e i s« n b a n k, die 75 M i l- l i o n e n Mark in„Ostwolle" verspekulierten, d«sgleiä)e» für die Mißwirlschnft der Ost dank für Handel und Gewerbe Hugcnbcrgs mußte der preußische Staat aufkommen. Der Karstadt-Vorstand brauchte für die großen Fehldispositioncn und Verluste gleichfalls nicht aufkommen,-da dies nur von einer nicht ausreichenden Minorität in der Generalversammlung oerlangt wurde. Hat man schon durch diese materielle Schonung der Ver- aniwortlichcn eine Gesundung der Wirtschaftsmoral verhindert, so noch mehr durch die Tatsache, daß man selbst bei strafbaren Ver- fehlungen bestcnsfalls die kleinen Sünder zur Rechenschaft zog, die großen aber unbehelligt laufen ließ. Der Versicherungsdirektor Dr. R i tz o u hatte gleich nach der Stabil'- Hitler kündigt Taten an. LtnverhüllteOrohungen derRechisradikalen/ Spiel mit derWirtschastskatastrophe Vertreter der rechtsgerichteten Opposition sind gestern in Berlin zu einer Sonderbefprcchung zusammen- getroffen, an der Dr. Hugenberg und Aolf Hitler teilnahmen. Tie Deutschnationale Pressestelle verbreitet über diese Zusammenkunft ein kurzes Kom- muuique, das den Charakter einer neuen Kampfansage an die Regierung trägt, ohne im übrigen Näheres über die Beschlüsse der Tagung aus- zusage». Es lautet: Heute fand in Berlin unter Anwesenheit von Dr. Hugenberg und Adolf Hitler eine Tagung der Vertreter der nationalen Opposition statt. Der Versuch der der- zeitigen Machthaber, trotz des sichtbaren Zusammen- bruchs von Volk und Wirtschaft die Erfüllungs- Politik unter verschleierten neuen Formen auch weiterhin aufrechtzuerhalten, führte zu einheitlichem ernsten Entschluß. Tie nationale Opposition wird den Entscheidungskampf zur Nicderrin- rung des heutigen Systems einleiten und durch- führen. Die Erklärung der sogenannten„nationalen Opposition" kann zweierlei sein: Entweder sie ist nichts als ein Maul voll Phrasen, hinter denen keine irgendwie ernste Absicht steht, und dann ist sie eine ungeheure Frivolität. Oder ober die Erklärung der sogenannten„nationalen Opposition" ist mehr als bloßes Geschwätz, und dann ist sie die Ankündigung eines hochverräterischen Unter- nehmens. Auf olle Fälle ist sie ein niederträchtiges Verbrechen am ganzen deutschen Volk, das aus einer schweren Wirtschasts- krise Rettung sucht und dem durch solche Ankündigungen der Weg zur Rettung verschüttet werden soll. Hugenberg und Hitler kenneu den ungeheuren Ernst der Wirtschaftslage. Sie wissen, warum Luther nach London geflogen ist. Sie wissen, daß das Ver- sagen der ausländischen Kredite, des ausländischen Ver- traucns zu Deutschland eine Wirts chaftskata st rophe von ungeheurem Ausmaß herbeizuführen geeignet ist. Der Erfolg der Hoover-Aktion hat die Aussichten der so- genannten„nationalen Opposition" beträchtlich herabgemin- dert. Sie müßten weiter sinken, wenn Luther von seiner Aus- landsreise mit dem gewünschten Erfolg zurückkehrte. Darum muß dieser Erfolg verhindert, muß die Wirtschaftskata- strophe, soweit das in den Kräften Hitlers und Hugenbergs liegt, herbeigeführt werden. Und das ist der Zweck der Er- klärung der sogenannten„nationalen Opposition". Mag diese Erklärung ernst gemeint sein oder nicht, sie ist geeignet, Beunruhigung zu schaffen in Deutschland und im Ausland- Und diese Beunruhigung wirkt unter den gegebenen Umständen als ein Faktor der Zer- störung. Es ist die Pflicht der Regierung, dem Inland und dem Ausland die Beruhigung zu geben, daß jedermann, der die deutsche Republik anzutasten wagt, auf Granit beißen wird. Wir erwarten von der Regierung, daß sie gegenüber den frechen Drohungen bewußter Schädiger deutscher Volks- interessen die ganze Autorität des Staates zur Geltung bringt. Die Regierung muß zeigen, daß sie st a r k sein kann, nicht nur den notleidenden Volksgenossen gegenüber, denen sie ein Opfer nach dem andern zumutet, sondern auch denen gegen- über, die an der Schärfe der Wirtschaftskrise ein gerüttelt Maß von Schuld tragen und die auf wachsende Volksnot spc- kuliercn, um ihre reaktionären Parteiinteressen zu fördern. Hitler und Hugenberg haben der Reichsrcgicnmg den Handschuh hingeworfen. Sic muß ihn aufnehmen, wenn sie in dem Urteil des Volkes und der Geschichte bestehen will. Neuer Kredit für die Neichsbank. Luther in London und Paris. London. S. Juli.(Eigenbericht.) Der plötzliche Besuch de» Reichsbankpräfidcnten Luther hat hier große Ueberraschung hervorgerufen. Luther traf um l.15 Uhr in der deutschen Botschaft ein, wo er sich bi» Z Uhr aushielt. Dann traf er auf dem Viktoria-Bahnhos mU dem Gouverneur der Bank von England zusammen, mit dem er bis Dover reifte. Während der Reise informierte Luther den Gou- verneur der Bank von England über die Ainanzlage der Reichs- dank. Bon Dover reiste Reichsbankpräsidcnt Dr. Luther nach pari». * Die Reise Luthers nach London hote den Zweck, den Gouverneur der Bant von England um die Beteiligung an einer neuen Kreditaktion zugunsten Deutsch- l a n d s zu ersuchen. Wie der„S 0 z. P rc s s e d i c n ft" erfährt, ist diese Aktion auf fruchtbaren Boden gefallen. Eng- land ist grundsätzlich bereit, sich an einer derartigen Aktion zu beteiligen. Voraussetzung ist, daß auch die anderen grö- ßern Noteninstitute der Welt eine entsprechende Zusage er- teilen. Aus diesem Grunde hat sich der Reichsbankpräsident Luther am Donnerstag nach seinem kurzen Aufenthalt in London sofort nach Paris begeben. Die Verhandlungen drehen sich um einen R e- d i s k 0 n t k r e d i t in Höhe von 1,5 Milliarden Mark. Es ist zu erwarten, daß dieser Kredit noch in dieser Woche gewährt wird und sich außer dem englischen und dem französischen Noteninstitut maßgebende amerikanische Banken an der Kreditaktion beteiligen. Luther und Montag» Norman in Paris eingetroffen. Paris, g. 3uli. Reichsbankpräsiden« Dr. Luther und der Gouverneur der Bank von England, Montagu Norman, sind heule nacht gemeinsam in Poris angekommen. Botfchaster Neurath bei Henderson. London. 9. 3uli.(Eigenbericht.) Außenminister henderson empfing heule mittag den deut- scheu Botschafter von Neurath. Dabei wurden nicht nur die Einzelheiten des bevorstehenden Berliner Besuches von Rlacdonald und henderson vereinbart, sondern auch die gegenwärtige wirtschaftliche und politische Lage besprochen. Gerüchtweise verlaute«, daß hierbei die Ausfassung Englands über die Möglichkeit für Deutschland. durch freiwillige Gesten eine politische Entspannung herbeizuführen, eine wesentliche Rolle gespielt hat. Gtimson bei Mussolini. Rom, g. Juli.(Eigenbericht.) Im Verlauf des am Donnerstagabend erfolgten Besuchs des amerikanischen Staatssekretärs S t i m s 0 n b e i M u s s 0 l i n i wurde der Hooocr-Plan und das A b r ü st u n g s p r 0 b l c m be- sprachen. Amtlich wurde dazu nach der Besprechung zwischen Stim- son und Mussolini mitgeteilt, daß die Abrüstungskonferenz an dem vorgesehenen Datum stattfinden und auf jeden Fall gelingen müsse, sonst würden die Völker die Regierungen zur Verantwortung ziehen. Gelinge sie. dann bedeute das die Lösung der Weltwirtschaftskrise. Moratorium bereits in Krast. Noch dentfcher Auffassung nicht der geringste Zweifel. In amerikanischen Meldungen wird die Frage oufge- warfen, ob das Moratorium bereits in Kraft sei oder ob sein Inkrafttreten noch vor den bevorstehenden Verhandlungen der Sachverständigenkonferenz abhängig sei. Nach deut- sch erAuffassung kann über das bereits erfolgte Jnkraft- treten des Moratoriums nichtdergeringste Zweisel bestehen, nachdem das Telegramm des Reichspräsidenten v. HinÄenburg an den Präsidenten Hoover unwidersprochen geblieben ist. Die deutschen Vertreter auf der bevorstehenden Sachverständigenkonfcrenz sind noch nicht ernannt. Eine erste Erleichterung. Das Nsich zahlt den Schahanweisungslredit zurück. Das Reichssinanzministerium hatte kürzlich durch die Reichs- dank mit einer inländischen Bankengruppe einen Schaganweisungs- kredit abgeschlossen, der bis zu 250 Millionen betragen sollte, aber nur mit 184 Millionen in Anspruch genommen worden ist. Die Fälligkeit dieses Betrages war für den lk. Juli vorgesehen mit einem Prolongationsrecht zugunsten des Reichs. Auf Grund der durch den hoover-Plan eintretenden Ersparnisse und entsprechend der von der Reichsregierung ab- gegebenen Erklärung, diese Ersparnisse zur Verminderung der schwe- benden Schulden zu benutzen, hat das Reichssinanzministerium sich entschlossen, von dem Prolongationsrccht keinen Gebrauch zu machen. Demnach wird der Betrag von 184 Millionen M. am 16. Julidem Geldmärkte wieder zugeleitet. Landtagsauflösung abgelehnt. Oer Vertrag zwischen Staat und Volksbühne vom Landtag genehmigt. steruvg den Zusammenbruch eines Vcrsicherurlgskmtzerns auf dem Gewissen. Er konnte als Dr. Rau kurze Zeit darauf fröhliche Auf- crstöhung feiern und zum zweitenmal einen Bcrsicherungskpnzern, den sogenannten Rothenburg«, ruinieren, bis der Staatsanwalt eingriff. Der G c ii c r a l di r e t t or Greffenius der Miag, M ü h l e n b a u- und Industrie A.- G. mußte Mitte 1930 sein Amt niederlegen, wobei sich später herausstellte, daß die Gesellschaft 2 Millionen Mark Verluste für„gesellschastsfremde" Geschäfte erlitten hatte, die der Generaldirektor auf dem Rücken der Gesellschaft in seinen, persönlichen Interesse vorgenommen hatte. In einzelnen Fällen durchgeführter Strafverfahren ließ man un- verständliche Nachsicht walten, so bei den anrüchigen Anleihe- geschäften von Stinnes junior, der noch heute mit der „weißen Weste" herumspozieren kann, die ihm sein tüchtiger Vcr- leidiger, Alsberg, bescheinigte. Gegen die Direktoren der F a 0 0 g ist erst jetzt— zwei Jahre nach dem Zusammenbruch des Konzerns— die Anklageschrift fertiggestellt, und erst im Herbst werden die Verhandlungen be- ginnen. Hier hat«in betrügerisches Direktorenkonsortium durch Privatgeschäst« mit Mitteln der Gesellschaft, ohne daß der Aussichts- rat oder die Revisoren etwas davon merkten oder dagegen ein- schritten, 80 Millionen Mark Verluste der Gesellschaft zugefügt. lieber ihre Handlungsweise äußerte sich der Revisionsbericht wie folgt: „Wie diese Männer aber persönlichen Eigennutz be- kündet und die Aktionäre wie Gläubiger in jähre- langer Folge schwer geschädigt haben, färbt das Bild tiefschwarz." Man hätte wahrlich nicht bei aller Anerkennung der Gründlich- keit der Strasbehörden angesichts dieses betrügerischen Tatbestandes zweieinhalb Jahre bis zur ersten Strofoerhandlung zu ver- gehen lassen brauchen, sondern diese verantwortungslose Gesellschaft müßte längst hinter Schloß und Riegel sitzen! Gegen die Verantwortlichender Lvv-Millionen-Ver- luste bei der Norddeutschen Wolle, zunächst gegen die Famile Bahnsen, hat endlich die Bremer Staats- anwaltschaft sich entschlossen, ein Strafverfahren einzuleiten, wie wir es angesichts der unglaublichen Verfehlung und der da- durch bewirkten Schädigung der Gesamtwirtschast schon seit Tagen mit allem Nachdruck gefordert haben. Auch hier zögert man srei- lich unverständlicherweise, gleich zuzugreisen. Wir haben aus der großen Fülle der Fälle nur einige wenige bekanntgewordene hcrausgegrifsen. Viele andere werden vertuscht und kommen gar nicht an das Tageslicht. Wir müssen leider die Befürchtung aussprechen, daß selbst Schloß Hohehorst mit seinen 107 Räumen und 12 Badezimmern nicht genügend Raum für die Beherbergung aller derer besitzen würde, die ungesühnt an leitender Stelle der Wirtschaft große strasbore Verfehlungen auf sich ge- laden haben. Ungleich größer ist bie Zerhl der Fälle, in denen nn» begreiflicherweise die für Millionenverlnste Verant- wörtlichen nicht einmal mit ihrem Vermögen zu haften brauchten. Hätte man die verantwortlichen Wirtschaftssührer die von ihnen offensichtlich»erschuldeten Schäden ersetzen losten, wie es di« gesetz. lichen Haftungzbestimmungen vorschreiben, so könnten wir wohl heute für den„freiwilligen Arbeitsdienst" eine ansehnliche Kolonne, „eine weltanschaulich gebundene Gruppe", wie sie Herr Treviranus für den Arbeitsdienst zusammenzustellen wünscht, als Vortrupp sofort formieren und abkommandieren. Wir bilden uns nicht ein, daß man durch Rechtsvorschriften und öffentliche Kontrollen alle Mißwirtschaft, alle Mißstände und Demoralisierungen des kapitalistischen Wirtschaftssystems ausrotten kann. Man kann aber nur durch unnachsichtige An- wendung der Gesetze die Auswüchse verantwortungsloser Leichtsertigkeit und kapitalistischen Abenteurertums eindämmen, nur durch daüernde weitreichende Kontrollen und tiefgehende Durch- leuchtung der großen Wirtschaftskörper die Schädigungen der Gesamtwirtschast abzuwehren versuchen. Wer den untergrabenen Kredit der deutschen Wirtschast wieder ausrichten will, wer die deutsche wirtschaftliche Atmosphäre be- reinigen will und für die Zukunft d«artigen großkapitalistischen Ausschreitungen vorbeugen will, der muß in der angezeigten Richtung unverzüglich und energisch durchgreifen! „Eine Lücke im Sirafgesehbuch." Zentrumsstimme zum Kall Nordwolle. Der Pressedienst der Zentrumspartei schreibt zu dem Nord- wolle-Skandal: „Das hat uns gerade noch in dieser Stunde gefehlt. In einem Augenblick, in welchem alles an einem Faden hing, in welchem es darauf ankam, eine Vertrauenskrise von geradezu nieder» schmetterndem Ausmaß zu überwinden, in diesem selben Augenblick verludert ein einziges Unternehmen fast zwei- hundertfünfzig Millionen Goldmark: nahezu den ftchsten Teil der Lasten, von denen nach unendlichen Mühen und sorgen die gesamtdeutsche Wirtschaft in einem ganzen Jahr befreit werden soll. Hier klafft auch eine Lücke im Strafgesetzbuch. Wa« haben die Schädlinge, die so furchtbar viel Unglück über Taufende und aber Tausende von Existenzen gebracht habe», die den Ruin vieler solcher Existenzen auf ihrem Gewissen tragen müssen, denn schon viel zu riskieren und was kann ihnew denn schon passieren? Hier muß gründlich zugepackt werden. Solange sich ober solche Dinge unter den Augen der Wirtschaft und ihrer ver- antwortlichen Führer vollziehen können, solange ist etwas nicht in Ordnung, und man kann sich wirtlich nicht wundern, wenn die ausländischen Geldgeber, aber auch die inländischen, es mit der Angst und mit dem Grauen zu tun bekommen, die den Ruf des reellen und soliden deutschen Kaufmann«« vor aller Welt geschändet haben." Der neue Regierungspräsiden« In Llegnitz. Das preußische Staatimlmsterium hat am Dienstag beschlossen, den koirm, issarischen Regierungspräsidenten in Stettin. Dr. Simons, zum Regie- runjjspräsidenten in Ü i e g n i tz zu ernennen. Simons ist dzr«ahn des früheren Reichsgerichtspräsidenten. Er ist Mitglied der Soziell demokratischen Partei. ver Preußische Landtag lehnte om Donverslag den Antrag aus seine Auflösung mtt 229 gegen 190 Stimmen ab. Gegen die Auslösung stimmten u. a. 1ZS Sozialdemokraten, 70 Zenlrumsabgeordneke. ZI Staat»parteil«. Z volk»recht»- p a r t e i l e r. dafür u. a. 70 veutschnatioaale. 40 Kommunisten, ZZ Volksparteilcr, 16 Wirtschaftsparteiler, 1b Landvolkabgeordnete. 6 Nationalsozialisten, 4 Ehristlich-Soziale. 1 linker Kommunist (Seipold), 2 Opposilionskommunisten. Die fünf Abgeordneten der Deulsch-Hannoverschen Partei beteiligten sich nicht an der Abstimmung. * Die Entscheidungen sind im Preußischen Landtag am Donners- tag erwartungsgemäß gefallen. Nach einer längeren Debatte über den Vertrag zwischen Staat und Volksbühne, in der Rechtsparteien und Kommunisten ihren Acrgcr über die Teil- nähme der Arbeitermassen am Kulturleben auf dem Gebiet des Theaters durch Schimpfereien und juristische Tüfteleien zum Aus- druck brachten, gelang es endlich nach mehreren Monaten, die Ob- ftruktion der vereinigten Stahlhelmparteien und Kommunisten zu brechen. Die Mehrheit hatte von ihren 232 Abgeordneten heute 229 zur Stelle, d. h. drei mehr, als zur Beschlußfähigkeit des Land- tages notwendig waren. So wurde der Vertrag mit 227 gegen 2 Stimmen angenommen. Es folgte die Entscheidung über das Stahlhelm-Volksbegehren. Genauer gesagt, die Kommunisten hatten sich geweigert, direkt für das Stahlhelm-Bolksbegehren einzutreten: so hatten sich Pastor Koch Aus dem Reichsrai. Dritte Durchführungsverordnung zur Osthilfe. Der Reichs rat genehmigte in seiner öffentlichen Sitzung om Donnerstag unter dem Vorsitz des Staatssekretärs Dr. Zweigert eine dritte Durchführungsverordnung zur Ost Hilfe. Die Verordnung ist die zwangsläufige Folge der im Osthilsegesetz vorgesehenen Haftungsverbände. Sie regelt kurz das Aufgaben- gebiet dieser Verbände im Entschuldungsweson. Der Reichsrat genehmigte weiter die internationalen Abkommen über die Behandlung der Kriegsgefangenen und zur Verbesserung des Loses der Verwundeten und Kranken der Heer« im Felde sowie eine Aenderung der Ausführungsverordnung über die Statistik des Warenverkehrs mit dem Ausland. Oas Tranengasatieniat von Kiel. Von der Hakenkreuzortsgrvppe systematisch vorbereitet und eingeübt. Siel. 9. Juli.(Eigenbericht.) Die Verhaftung des hiesigen nationalsozialistischen Ortsgruppen- leiters und fast des gesamten Vorstandes hat zu sensationellen Enthüllungen geführt. Anlaß zu der Verhaftung gaben Tränengasattentatc während der Vorführung des Filmes„Im Wösten nichts Reue»". Ähre Vor- und Schulz-Neukölln, der unwahrhaftigste Gottesstreiter und der schimpflustige Gottlosenpropagandist, dahin geeinigt, über e-n-n kommunistischen Antrag auf Auflösung des Landtages abzustimmen, für den geschlossen die ganze Stahlhelmfront neben den Kommunisten onttot. Aber auch dieser Auflösungsantrag wurde mit den 229 Stimmen der Regierungsparteien gegen 190 Stimmen derer vom Hakenkreuz und Sowjetstern abgelehnt. Dann folgte ein besonders komischer Antrag. Die Deutsch- nationalen hatten gefordert, den Polizeipräsidenten von Berlin, Genossen Grzesinski, seines Amtes zu entsetzen, weil er das Nazitportfest verboten und die Spartakiade zugelassen hätte. Inzwischen ist bekanntlich auch die Spartakiade längst verboten. Außerdem hat ollmählich jedes politische Kind er- fahren, daß Genosse Grzesinski seit mehreren Wochen in Urlaub war und weder an der Entscheidung über Spartakiade, noch an der über Nazisportfest teilgenommen hat.„Tut nichts, der Jude wird ver- brannt." Für die Amtscntsctzung Grzesinskis, begründet mit dem Märchen, er habe die Spartakiade erlaubt, stimmten Nazi, Deutschnationale und— Kommunisten. Die KPD. hat damit eine neue Methode des politischen Masochismus entdeckt: jeder preußische Beamte, der sie nicht brutal genug behandelt, mutz rausgcsch missen werden. Der Landtag erledigte dann noch ein unendliches Programm kleinerer praktischer Vorlagen: Wirtschaftshilfe für den Obcrhorz, Unterstützung der provinzialen Anstalten der Provinz Westpreußen, Arbeitsbeschaffungsprogramm, Ueberfchwcmmungs- schädcnhllfe usw. Die Sitzung zog sich bis in den späten Abend hin: aber er konnte das Pensum nicht vollständig schaffen: am Freitag muß eine Schlußsitzung stattfinden. I bereitung erfolgte, wie polizeilich festgestellt wurde, noch einer Besichtigung der SA. und der SS. durch Haupt- mann Röhm aus München. Nach der Besichtigung trat die SS. nochmals zusammen. Der Adjutant des Sturmbonntührers forderte zur Meldung von Freiwilligen auf, die„eine besondere Aufgabe" erledigen sollten. Fünf Mann meldeten sich. Sie wurden beauftragt, mit Tränengas die Filmvorführung zu verhindern. Die Freiwilligen mußton sich zunächst in der Ge- schäftsstelle der NSDAP, einfinden. Dort befanden sich der Orts- gruppenleiter und der Geschäftsführer, in deren Anwesenheit eine Probe mit dem Tränengas vorgenommen wurde. Der Sturmbannführer hat der Polizei gegenüber gestanden, von dem Vorhaben der SS.-Leute gewußt zu haben. Aber er will die ganze Geschichte nicht ernst genommen haben. Die Hälfte der Ver» hafteten hat bereits ein Geständnis abgelegt. Mussolinis Entweder— Oder. Rom. 9. Zoll.(Eigenbericht.) v« Generalsekretär der Faschistischen Partei. G i u r a t i. er- klärte heute„auf Anordnung de» Regierungschefs". als» auf Befehl Mussolinis selb«, daß Mitglieder faschistischer verbände nicht gleichzeitig den verbänden der Katholi- schcn Aktton angehören könnten. Das ist die erste offizielle Antwort auf das jüngste Rundschreiben des Papstes. Nr. 317» 4S. Jahrgang Kreitag, 40. Juli 1t 931 Vsftsnlsssk suzgskoden. ein i.s5�sgsn voil Waffen versteckt,- Politische Hintergründe? In den gestrigen Nachmittagsstunde» ist es der Ber- liner Polizei gelungen, im Norden Berlins, in der Auguststraste 73 in den Räumen des Büchsenmachers L a st k e ein riesiges Lager verbotener Waffen auszuheben. L. wurde festgenommen und zu seiner Ber- nehmung ins Polizeiprästdium gebracht. Die erste Ber- mutung, dast es sich um ein geheimes Wasfenlager links- oder rechtsradikaler Organisationen handelt, hat durch die bisherige Untersuchung noch keine Bestätigung ge- funden. Wie wir aus dem Polizeipräsidium erfahren, sind folgende Waffenmengen beschlagnahmt worden: 1 000 Seitengewehre. 5 Parabellumpistolen, 0 Millimeter, 500 Parabellumläufe. 1 Fliegermaschinengewehr. 3 Karabiner. 1Ä Kara- bincr laufe, 1 Ttehr-Gewehr, 30 Gewehr» laufe, Modell 98. 2 Trommelrevolver, 2 Hand- granatcn und viele Hundert Schust Gewehr-, Karabiner» und Parabellummunition. Das gesamte Waffenlager befand sich in ausgezeichnetem Zu- stände. Die Waffen waren zum Teil an so versteckter Stelle ver- borgen, daß die Kriminalbeamten allen Spürsinn aufbieten mußten, damit ihnen nichts entging. Der beschlagnahmte Waffeichestand füllte einen großen Lastwagen. Don der Schußpolizei war der ganze Straßenabschnitt wahrend der kriminalpolizeilichen Aktion ab- gesperrt worden. Zu irgendwelchen Zwischenfällen ist e» jedoch nicht gekommen. Der festgenommene Büchsenmacher gab aus dem Polizeipräsidium die Erklärung ab, daß er dle Waffen von wilden Besitzern zum Teil geschenkt bekommen, zum anderen Teil käuflich sehr billig er- worden habe. Das ganz« Waffenarsenal sollte zu geeigneter Zeit angeblich heimlich nach Bulgarien oerkauft werden. Latzke be- streitet jedenfalls, daß die Waffen einer politischen Organisation ge- hören. Inwieweit seine Angaben den Tatsachen entsprechen, wird die«eitere Untersuchung ergeben, die mit peinlicher Sorgsalt ge- führt wird. Wieder Petroleumbrand in Rumänien. Bukarest. 9. Juli. In dem Petroleumgebiet von P l o e st i geriet ein Bohrturm in Brand, von dem das Feuer auf zwei weitere Bohrtürme übergriff. Der Brand ging unter mächtigen Explosionen vor sich. Bon sltegendcn Trümmern wurden«in Arbeiterwohnhaus »nd drei Petroleunibehälter in Brand gesetzt, die unter gewaltigem Getose in die Luft flogen. Brennende Petroleümströme nahmen ihren Weg talabwärts. In der benachbarten Ortschaft S c o r t- n i wurden zur Warnung der Einwohner die Kirchen- glocken geläutet. Mit gorher Mühe gelang es, die Ortschaft vor einer Katastrophe zu bewahren. Der Umfang des Schodens wird auf lk» Millionen Lei beziffert. halten der Hugenberg-Bertreter auf der Pressetribüne. Die Herren, die sich sonst über die geringste Bemerkung eines erwerbslosen Tri- bünenbesuchers aufregen, waren diesmal mit Eifer bei der Sache, studierten und registrierten die Vorgänge ganz genau und liehen es sich sogar lachend gefallen, daß kommunistische Stadtverordnete vom Saal herauf mlt Wasser gössen und dabei nicht die Skandalmachor, sondern die Hugenberg-Leute trafen. Herr Lang-, der sich diesmal als Spritzenmann produzierte, entschuldigte sich später bei den Be- wässerten. Dann trat wieder Ruh« ein und die Versammlung wandte sich um 21 Uhr den Sndabstimmungen zum Etat zu. Dabei wurde zum Kapitel Steuern ein s o z I a l d e m o- kra tisch er Antrag angenommen, der verlangt, daß Eigenheime von Kriegsblinden vom Gemeindezuschlag zur Grundver- mögenssteuer befreit sind. Angenommen wurde in namentlicher Ab- stimmung auch ein kommunistischer Antrag, Gewerbetreibende bis 5009 Mark Einkommen von der Gewerbesteuer zu befreien. Dann gab es noch ein ganze, Bukett kommunistischer Steueranträge, die zum Teil gar nicht zur Abstimmung gebracht werden konnten, da sie mit den Steuerfestsetzungen durch den Obcrpräsidenten kolli- vierten. Schließlich wurde von Sozialdemokraten, Staatspartei, Volks- parte!, Zentrum. Wirtschaftspartei und Christlichen Volksdienst zur Kenntnis genommen, daß der Etat durch die Notoerordnung Mindereinnahmen in Höhe von 388 Millionen und Minderausgabeu von 8 Millionen Mark hat: dieselbe Mehrheit stimmte der Bürger- steuer mit 200 Prozent Erhebungssatz zu. In namentlicher Ab- stimmung wurde dann der Etat mit 104 gegen 99 Stimmen angenommen. Die Stadtverordneten genehmigten, daß der'Etat kn Einnahm« und Ausgab« mit 1 437 510 Millionen Mark balanciert, und daß der Fehlbetrag in Höhe von 67 Millionen Mark aus schwebender Schuld zu decken ist. Di« Mehrheit setzte sich aus Sozialdemokraten, Staats» parteilern. Volksparteilern, den Zentrumeleuten und den drei Stadtverordneten des Christlichen Volksdienstes zusammen, während bei der Minderheit die Kommunisten sich in trauter Gemeinschaft der Deutschnationalen, der Nazis und der Wirtschastsparteiler, also der ganzen reaktionären Sippe, befanden und so selbst ihre eigen« reaktionäre Gesinnung bewiesen. Llm die Vürgschast der Stadt. Ein« längere Debatte gab e» um die Vorlage des Magistrats, die vorsieht, daß bei der beabsichtigten Verlängerung de» von einem Bankenkonsortium der Berliner Verkehrsgesellschaft gewährten Kr«-- dites von 40 Mill. Dollar die Stadt die Bürgschaft über- nimmt. Die Sache ist sehr dringend, am Id. Juli läuft die Frist ab. Di« Kommunisten und da» Zentrum waren gegen die Vorlage. Bürgermeister Elsa» sagte, daß in Verhandlungen erreicht worden ist, daß die Banken mit der Kückzohlung von 20 Pro», der Gesamtsumme einoer- standen stich»nd daß. hie Peftfumme bl» zum Zull 1932 gr� -standet»trd- s- unter der Bedingung, daß die Stadt die Bürgschaft übernimmt. Oberbürgermeister Dr. S a h m setzte sich schließlich in sehr eindring» lichen Ausführungen für die Vorlag« ein. Auf Antrag der Sozialdemokraten wurde dann ein Lägliedriger Ausschuß eingesetzt, der in Gemeinschaft mit dem Magistrat die Borlage beraten und zum Abschluß bringen soll. Die Kommunisten stimmten als einzige gegen diesen Antrag. Sie be- wiesen damit wieder einmal� daß ihnen an der Erhaltung der Per- kehrsbetriebe In städtischer Hand nicht das mindeste gelegen ist.— Schluß der Sitzung 23, IS Uhr. Die Stadtverordneten werden erst im September zu Beratungen wieder zusammentreten. Berlins Etat verabschiedet. Mit 104 gegen 99 Stimmen angenommen.- Würdelose» Nazitheater* 3n' der gestrigen Sitzung des Sladlparlaments wurde die Debatte über den städtischen tiaushaltplan zu Ende geführt. Der Etat wurde in namentlicher Abstimmung mit 104 gegen gg Stimmen angenommen. Das Stadtparla- mcn t ging dann nach Erledigung einiger anderer wichliger Punkte— die geforderte Bürgjchost für den VvG.-Kredit loste noch eine längere, ausführliche Debatte, an der sich auch der Oberbürgermeister und Bürgermeister Elsa» beleUiglen. au» in später Nachtstunde in die Sommer- fetten. Zu Beginn der Sitzung, der sechsten, die sich mit der Beratung »es Etats beschäftigte, erklärte m der Reih« der Fraktwnsradner Stadtv. Künzer(D. Pp.) hie Zustimmung seiner politischen Freuvdc zum Etat, Stadtv. Schubart(Staatsp.) m«nte, durch gewiss«? plan- loses Bauen fei die Geschäftswelt der City geschädigt worden. Die Krankenanstatten müßten daraufhin untersucht werden, ob das in- vestierte Geld auch wirklich rationell arbeitet. Vereinfachung sei auch in der verwalsting der Wohlsohrt nötig. Bei den Betrieben forderte Schubert Prüfung, ob sie nicht eine überflüssige Konkurren; für die Privatwirtschaft seien. Die neuen Männer im Magistrat will der Redner in ihrer Aufgabe. Mißstände zu beseitigen, voll unterstützen. Der Berliner Verwaltung imisse das Berussbeamten- tum erholten bleiben. Bon den neuen Rechten des Oberbürger- meisters solle Dr. Sahm nur im Sinne der S e l b st o e r w a l- tung Gebrauch machen. Die Heranziehung der Bürger zur Ver- waltung sei vornehmste Pflicht de» Oberbürgermeisters, allerdings de» verantwortungsbewußten Bürgers. In diesem Sinn« wollen die Staatsparteiler mitarbeiten und auch die Verantwortung für den Etat übernehmen. Unnötig zu sagen, daß der Nazi Lippert den Etat ablehnte. Als Sachverständiger für Goebbels Lurusautamobkle nahm er stck — wie schon die nationalsozialistischen Vorredner— den Autopark de» Magistrats besonders vor. Um 99 Proz. fall der Park«in, geschränkt werden, verlangte Lippert: offenbar soll der Magistrat im riesengroßen Berlin sein« Dienstwege lausend zurücklegen. Den Etat lelMte auch Stadtv. Vrrtmow(Wp.) ab, dagegen erklärte der Vertreter des Zentrum», Lange, die Zustimmung seiner Fraktion. Ein Nazikroch!- Würdelose«Szenen. Während der Red« de» Htndbi W e ini t s ch t e(Ehristl. Volksd) kam tf aus der Zuhörertribün« zu einem großen Krach. Ein Zu» Hörer, per im Kreise von Leuten saß. die den ganzen Abend über sich schon durch Zwischanrufe unliebsam bemerkbar gemocht hotten. begann cine�nationalsozialistischc Agitationsrede zu holten,' die von gemeinsten Schimpfworten strotzte. Der Schimpsbold soll ein Nazi- redakteur sein: er wurde assistiert von einem Mann, der sich sogar mit einer Pressekarte auswelsch» konnte. Von anderen Tri- bllnenbesuchern wurde oersucht, eine Hakcnkrevzflagge zu entfalten. Aus der Tribüne sang man Naztlieder, die Kommunisten im Saal antworteten mit der Internationale. Vorsteher Genosse Haß schloß die Sitzung und �eß di« Ruhestörer polizeilich feststellen. Gegen den Inhaber der Pressekarte wird die zuständige städtische Dienststelle mit geeigneten Mitteln vorgehen. Bemerkenswert war das Ver- So saß Madame Grizewa auf dem Treppenabsatz. zwischen zwei oersperrten Türen, mitten im menschenleeren Redaktionsgebäude. Sie dachte an ihr tristes Witwenschicksal, schlummerte zuweilen ein und erwartete den Morgen. Durch .»-die Glastür drang der gelbe Widerschein der Plafonds, die langsam hell wurden. Ein aschgrauer Tag warf seine Reflexe durch die Fenster des Treppenkäfigs. Es war jene stille Morgenstunde, da alles noch jung und rein ist.— Plötzlich vernahm die Grizewa Schritte im Gange. Die Witwe erhob sich rasch und näherte sich der Glastür. 2lm Ende des Korridors wurde die blaue Weste sichtbar. Die himbeerfarbenen Schuhe waren staubbedeckt. Der leichtfertige Sohn des türkischen Untertanen' putzte ein Stäubchen von seinem Rock weg, während er sich der Glastür näherte. „Zuckermäuschen!" rief die Witwe.„Z— u— ckermäus- chen." Dabei hauchte sie die Glasscheibe mit unbeschreiblicher Zärtlichkeit an. Dstop hott« das Gurren der Witwe nicht gehört. Er rieb sich den Rücken und drehte sorgsam den Kopf nach beiden Seiten. Einen Augenblick später und er war hinter der Gang» biegung verschwunden. Die arme Ehegattin drosch an dos Glasfenster und stöhnte dabei:„Genosse Bender." Der große Kombinator sah sich um.„Sieh da", sagte er, als er entdeckt hatte, daß er von der Witwe durch eine Tür getrennt war.„Sie sind auch da?" „Bin da, bin da", wiederholte die Witwe fröhlich. „Umarme mich doch, mein Glück, wir haben einander doch so lange nicht gesehen", lud sie der technische Direktor ein. Die Witwe wurde unruhig. Sie sprang hinter der Tür hin und her wie der Zeisig im Käfig. Die Unterröcke, die sich bei Nacht beruhigt hatten, machten wieder Lärm. Ostap breitete die Arme aus.„Warum kommst du nicht, mein Hühnchen? Dein Hähnchen ist so müde nach der Sitzung de» Leinen Sownarkoms." Die Witwe besaß keine Phantasie.„Zuckermäuschen", sagte sie zum fünftenmal.„Oeffnen Sie mir die Tür, Genosse Bender." „Ruhe. Mädchen! Bescheidenheit ist die Zierde des Weibes. Wozu diese Sprünge?" „Warum quälen Sie sich?" fragte Ostap.„Was stört Sie in Ihrem Befinden?" „Sie sind weggefahren und jetzt fragen Sie noch!" Und die Witwe fing zu weinen an. „Trocknen Sie Ihre Aeugelein, Bürgerin. Jede Ihrer Tränen ist ein Molekül im Kosmos." „Und ich habe immer auf Sie gewartet. Mein Geschäft habe ich ausgegeben. Ich bin Ihnen gefolgt, Genosse Bender." „Run, und wie geht es Ihnen jetzt hier auf der Treppe? Zieht es hier nicht zu sehr?" In der Witwe begann«s langsam zu kochen wie in einem großen Klostersamowar.„Verräter!" sagte sie bebend. Ostap hatte noch etwas Zeit. Er schnippte mit den Fin» gern, bewegte seinen Körper rythmisch hin und her und sang: „Ein Teufel ist in unserer Brust oerborgen die Macht d�r Weiber macht uns Pein und Sorgen." „Platzen sollst du auf der Stelle!" wünschte ihm die Witwe nach Beendigung des Kuplets.„Du hast das Geschenk meines seligen Mannes, das Armband, gestohlen. Und warum hast du auch noch den Stuhl weggetragen?" „Mir scheint. Sie treten meiner Persönlichkeit zu nahe". bemerkte Ostap frostig. „Gestohlen hast du, gestohlen, gestohlen!" schrie die Witwe. „Mädchen, schreiben Sie es sich hinter die Ohren, daß Ostap Bender niemals gestohlen hat." „Und das Teesiebchen, wer hat es genommen?" „Ach, das Siebchen! Einer Ihrer Sachwerte? Und Sie betrachten das als einen Diebstahl? In solchem Fall sind unsere Lebensansichten diametral entgegengesetzt." „Sie haben es weggetragen", pfiff die Witwe: es war wie ein Kuckucksruf. „Wenn also ein gesunder junger Mann sich von einer provinziellen Großmutter einen Küchengegenstand ausleiht- den sie nicht braucht, so ist er ein Dieb? Muß ich das so ver- stehen?" „Ein Dieb,«in Dieb!" „In dem Fall« müssen wir auseinandergehen. Ich bin mit einer Scheidung einverstanden." Die Witwe stürzt« gegen di« Tür. Di« Gchtib«n klirrten. Ostap sah ein, daß es Zest war, sich zu entfernen. „Ich habe keine Zeit mehr zu einer Umarmung", sagte er.„Adieu, Geliebte. Wir sind wie Schiffe auf dem großen Ozean, die jedes in einer andern Richtung ins Weite steuern." „Hilfe!!!" schrie die Witwe. Ostap aber befand sich bereits am Ende des Korridors. Er stieg auf ein Fensterbrett, sprang mit einem Satz ans den nächtlich regennassen Boden und verschwand in der Wirrnis lachender Gärten. Der Wächter war wach geworden und kam auf die Schreie der Witwe herbei. Nachdem er ihr mit einer Geldstrafe ge- droht hatte, ließ er die Gefangene hinaus. Das Kolumbus-Theoter. Worobjews Stimmung wurde allmählich immer ge- drückt«?. Wenn«r Ostap ansah, bekamen seine Augen eine Art gendarmenblauer Färbung. In Iwanopulos Zimmer war es so heiß, daß Worobjews Stühle ganz trocken wurden und wie brennendes Holz zu knacken begamien. Der große Kombinator ruhte aus. die blaue Weste unter dem Kopf. „Hören Sie", fiel ihm plötzlich ein.„Wie hat man Sie eigentlich in Ihrer Kindheit genannt?" „Warum interessiert Sie das?" „Nur so. Ich weiß nicht, wie ich Sie nennen soll. Worobjew will ich Sie nicht mehr nennen, und Ipolit Mat- weewitsch ist zu langweilig. Wie hat man Sie also genannt? Vielleicht Iva?" „Kissa, erwiderte Worobjew lächelnd. „Aeußerst treffend! Also Kissa, schauen Sie nach, was ich da auf dem Rücken habe. Es tut mir zwischen den Schulterblättern weh." Und Ostap zog sein Cowboyhcmd über den Kopf. Der imposante Rücken des provinziellen Antinous breitete sich vor Kissa Worobjews Blick, einen Rücken von ent- zückender Form, ober ein bißchen schmutzig. „Oho", sagte Worobjew,„etwas rötlich." Große rote Flecke glänzten wie Naphtha zwischen den Schulterblättern des großen Kombinators. „Schöne Sachen! Dieses verfluchte Regal! Also Sie müssen wissen, daß mir dieses verdammte Regal mitsamt den Papieren auf den Rücken gefallen ist, mittendrin, während ich meine Hände in dos Innere des Redaktionsstuhles ver- senkte. Nein, was ich alles in dieser Sache leide!" „Und ich... Auch ich habe gelitten!" fügte Kissa rasch hinzu. (Fortsetzung folgt) Der hochgehängte Brotkorb. So wirkt die Notverordnung!— Von der Loretiohöhe zum Urban. In diesen Tagen wurden an die Erwerbslosen Berlins ■/um erstenmal die durch die Notoerordnung gekürzten Unterstützungen ausgezahlt. Es gab, wie vorauszusehen, ein großes Wehklagen, Denn so reibungslos bisher die Zahlungen oonst allen gingen, so lange dauerte es diesmal. Zwei, drei, auch vier Stünden mußten die Arbeitslosen auf ihr Geld warten, denn erst mußte die Unterstützung jedes einzelnen auf die neuen Sätze umgerechnet werden. Um ein paar typische Beispiele anzuführen: einem ledigen Er- ircrbslosen, der bisher 19, SS Mark wöchentliche Arbeitslosen- Unterstützung(die 1. Stufe) bezog, wurden nur noch 17,10 Mark ausbezahlt. Das sind Mark Abzug. Einem verheirateten Er- werbslosen mit einem Kind, der schon in der Krisenfürsorge.ist (2. Stufe), wurden statt 18, SS Mark pro Woche nur noch 16,60 Mark ausbezahlt. Ein Abzug von 1,9S Mark. Darauf sagten die arbeits- losen Familienväter:„Nun hatten wir uns darauf eingerichtet, tag- lich mit 2,50 Mark auszukommen, jetzt nimmt man uns einen gan- zen Tag Essen und Trinken weg. Wo wir sowieso schon kaum noch warm essen, sondern uns mit Brot und Schmalz begnügen." Die gepfefferten Abzüge. Nicht mindert verwundert waren am letzten Zahltag die Ar- beiter über die gepfefferten Abzüge. Auch hier einige typische Bei- spiele: ein verheirateter Werkzeugmacher, der einen ver- hältnismäßig guten Akkord hatte, verdiente brutto 72 Mark. Davon gingen ab an Steuern, Krankengeld(sehr hoch, weil Siemens-Kasse), Invaliden- und Erwerbslosenversicherung, Krisensteuer insgesamt 11,86 Mark, so daß der Mann mit 60 Mark und ein paar Pfennigen nach Hause kam. Ein unverheirateter Kollege von ihm, ein Mc- chaniker, der als Lediger höhere Steuern zahlen muß, aber bei der Mechaniker-Kasse mit einem billigeren Beitrag wegkommt, verdiente brutto 6V,4S Mark. Abgezogen wurden ihm 9,17 Mark, demnach hatte er einen Nettoverdienst von S1,28 Mark, wenig genug für eine 46'/(!stllndige Schuftorei am Kratzbock. So geht es weiter die Stufen- leiter hinauf. Bei einem unoerheirateten A n g e st e l l t e n, der in guter Position seine 300 Mark monatlich verdient, gehen S0,7S Mark ob. Es wäre ein verhängnisvoller Irrtum, wenn alle Arbeiter und Angestellten ihre Lebenshaltung auf ihr Bruttoeinkommen einstellen wollten, denn das bekommen sie ja bar niemals in die Hände. Briefträgers Klage. Auch die Beamtenschaft hat die zweite Notverordnung empfind- lich getroffen, nachdem schon die erste ihre Bezüge um 6 Proz. ge- kürzt hatte. Da ist zum Beispiel ein verheirateter Postschaffner, Mitte dreißiger Jahre. Er ist als Brief- träger im Zustelldienst tätig und besonders schwer betroffen. Er erzählt:„Bei uns Schaffnern machen die Gehaltsabzüge aus den beiden Notverordnungen rund 3S Mark aus. Aber diese Zahl allein gibt ein schiefes Bild. Denn die Kollegen meines Alters mit ihren rund 175 Mark Brutlogehalt sind schon vor den Notverordnungen mit ihrem geringen Gehalt nicht ausgekommen: sie haben sich eben Geld borgen müssen. Diese Darlehn müssen die Kollegen monatlich mit 20 Mark tilgen, sie werden bei der Gehaltszahlung gleich ab- gezogen und so kommt es, daß der Kollege hier neben mir mit 112 Mark nach Hause gegangen ist. „Können Sie im einzelnen schildern, wie sich die Notverord- nungen auf ihre Lebenshaltung ausgewirkt haben?"„Gern. Eine tägliche Fleischportion ist für einen Postschaffner etwas Unbekanntes. Wenn irgend angängig, sparen wir an Gcnuhmitteln ein, um weiter Naturbutter essen zu können, Bohnenkaffee zu trinken, er- laubt unser Einkommen nicht mehr: wir müssen uns alle mit Malzkaffee begnügen. Dagegen können wir an den Butterbroten, die wir zum Dienst mitnehmen, nichts mehr einsparen. Bei dem anstrengenden Zustelldienst müssen die Brote schon belegt sein: Marmeladenstullen geben nun mal keine Kraft. Es ist aber auch hier schon soweit, daß sich die Kollegen mit Tomatenscheibcn auf den Broten begnügen müssen. Dann weiter: von Theaterbesuchen kann natürlich überhaupt keine Rede sein. Nur vereinzelt leisten sich die 5tol1cgen ein Ahonnement bei der„Aolksbühne". Die anderen gehen vielleicht monatlich einmal ins Kino. Wir alle hatten uns seinerzeit auf eine bestimmte Lebenshaltung eingerichtet, unter der Voraus- setzung, daß man uns wahrhaftig nichts mehr von unserem Gehalt abziehen kann. Rund ein Drittel der Kollegen ist in Neubauwohnun- gen gezogen und jetzt kommen die riesigen Abzüge. 'Oie Meinung der Eisenbahner. Eine Gruppe von Eisenbahnern äußerte sich folgendermaßen: „Die sechs Prozent Gehaltskürzung hätten wir ja noch hin- genommen. Wir hatten ein Einsehen und nahmen in dieser schweren Zeit dos 6-Prozcnt-Opser auf uns. Jctzr aber kommt d i e zweite, unerträgliche Notverordnung. Nun vordient ein L o k o in o- t i v h e i z e r an sich schon nur 240 bis 250 Mark im Monat. Davon verliert der Mann nach den Notoerordnungen 30 bis 35 Mark. Oder hier der Kollege ist Lokomotivführer: er ist heute Ende der vierziger Jahre, hatte Glück, damals früh angestellt zu werden, hat seine zwanzig Dienstjahre hinter sich und mit dem Wohnungsgold zusammen ein Bruttogehalt von 373 Mark. Durch�ie Notverord- »ungen verliert er auf einen Schlag ungefähr 50 Mark. Das ist denn doch zu viel. Und wie schwer ist unser Dienst bei der heutigen Sparwirtschaft. Es gibt Gruppen von Kollegen bei uns, die konnten früher damit rechnen, an 300 von 365 Tagen im Jahr immer auf der gleichen Dienststelle ihren Dienst zu tun. Aber heute,— wie werden da die Kollegen von einer Dienststelle zur anderen gezerrt. Heute hat der Kollege in Erkner Dienst, morgen in Wustermark. Bor der Rationalisierung konnte man bei einigermaßen feststehender Dienststelle sich danach seine Lebensverhältnisse einrichten, heute ist alles über den Hausen geworfen und jetzt kommt die finanzielle Einbuße durch die Notverordnung noch hinzu. Unsere Frauen wissen weder aus noch ein. besonders diejenigen der Kollegen, die hohe Neubaumieten zu zahlen haben. Oder folgender Fall, wie wir ihn oft genug haben: Ein Kollege von der Bahnunterhaltung wohnt!n Charlottenburg. Seine Stammeisterei ist Weihensee. Jetzt wird er zu einem Bautrupp nach Stralau-Rummelsburg versetzt und kommt zu einer Kolonne, die zwischen Hoppegarten und Ncuenhagen arbeitet. Rechnen Sic sich bitte aus, wann der Kollege von Hause wegfahren muß und wann er zurückkommt." Zustiz, von Ser Wachtstube gesehen. Dann gingen wir auf ein großes Amtsgericht und besuchten einen Justizwachtmeister. Der Beamte, verheiratet, mit 2 Rindern, hatte ein Gehalt von 264 Mark. Die beiden Rotverordnungen zu- jammen mit der Kürzung semer Rente bringen ihm einen Ein- kommensverlust von 33 Mark. Er berichtet folgendes:„So traurig es ist, aber ich habe meine Wohnung kündigen müssen. Ich muß mir eine kleinere nehmen, denn ich kann die Miete für die jetzige nicht mehr erschwingen. Besonders erbittert sind die Kollegen bei uns auf dem Gericht über die seltsame Art der Rentenkürzungen. Bekanntlich hat die Justizverwaltung einen erheblichen Prozentsatz von Kriegsbeschädigten, wovon die meisten aus die Justizwachtmeister entfallen. Da hat man nun einem Kollegen mit 16,05 Mark Rente 2,30 Mark abgezogen, einem mit 54 Mt�rk Rente 2,45 Mark und einem Dritten, der 70 Mark Rente bekam, 3 Mark. Kein Mensch weiß Bescheid, nach welchem Maßstab man diese Renten gekürzt hat. Dann ein Fall, wie er leider häufig genug vorkommt: ein Richter setzt drei Verhandlungen an. eine für 9 Uhr, die zweite für 12 Uhr und die dritte für 1 Uhr. Soweit wäre alles gut. Aber die erste Sitzung hat bis halb Vier gedauert, dann setzte der Richter eine Pause an bis viertel Fünf, hieran schloß sich die zweite Verhand- lung, die dauerte bis halb Acht. Die dritte Verhandlung mußte vertagt werden. Bon einem geregelten Dienst ist kaum noch die Rede, wo eben ein Richter für die Erledigung von 6 Terminen 6 Stunden braucht, ein zweiter 12 Stunden und ein dritter 18 Stunden. Neulich hat ein Kollege bis nachts um halb Zwei Uhr im Verhandlungssaal gesessen. Und nun bringen Sie hierzu die Abzüge in Beziehung. wir haben kein Geld, in der Pause Aiittag essen zu gehen und was uns unsere Frauen an Brot mitgeben können, wenn wir ihnen jeden Monat weniger Geld nach Hause bringen, das können Sie sich wohl ausrechnen." Oer arme Kriegsbeschädigte. Aber das ist alles wenig gegenüber dem bedauernswerten Kriegsbeschädigten, der dieser Tage unsere Redaktion auf- suchte. Der Mann hat an der L o r e t t o- H ö h e einen bösen Kopf- schuh erhalten, im Hinterrhauptbein ist heute noch ein Granatsplitter. Außerdem hat er einen Finger verloren, so daß er seinen Beruf als Tischler nicht mehr nachgehen kann. Er wurde sür 30 Proz.' kriegs- beschädigt erklärt und bezog bisher mit Frau und Kind 29,05 Mark Monatsrente. Durch die Julinotverordnung verlor er 7,45 Mark, so daß er nur noch 21,60 Mark ausbezahlt erhielt. Da er auch von den bisherigen 29,05 Mark nicht existieren konnte, versetzte er seine Sachen. Nachher ging er mit fünf Pfandscheinen, meist über Wäsche, zum Wohlfahrtsamt und bat um Einlösung der Pfandscheine. Das Wohlfahrtsamt lehnte ab, weil es sich nicht um lebensnotwendige Dinge handele. Einen Antrag auf Erhöhung der Rente hat kürzlich das Reichsversorgungsgericht abgelehnt. Aus Sparmaßnahme. Jetzt hat man ihm einen Schein ausgestellt, in dem es heißt:„W. wird hiermit der allgemeinen Wohlfahrtspflege zur Betreuung überwiesen." Ein trauriger Weg für diesen Kriegsbeschädigten, von der L o r e t t o- H ö h e bis an den U r b a n- H a f e n. Entsetzlicher Lustmord. Auf der Spur eines Kapitalverbrechens/ Verstümmelte Frauenleiche gefunden Ein Leichensund, der ollem Anschein nach mit einem Kapitalverbrechen zusammenhängt, ist der Inspektion A. des Berliner Polizeipräsidiums von der dänischen Staats- polizei gemeldet worden. Noch den hierher gelangten Mit- teilungen ist es nicht ausgeschlossen, daß man es mit einem auf hoher See verüblen L u st m o r d zu tun hat. wir erfahren dazu folgende Einzelheiten: Am 10. Juni wurde in den Abendstunden am Strande bei S e s e Big, an der Südküste der Insel B o r n h o l m, eine vollkommen nackte Frauenleiche aufgefunden. Es wurde festgestellt, daß sie höchstens am Tage vorher bei südöstlichem Winde und Seegang an- gespült sein konnte. Die Leiche nmßte mehrere Monate in der Ost- see getrieben sein und war schon sta r k v e r w e st. Trotzdem konnte durch ein ärztliches Gutachten noch erkannt werden, daß die Un- bekannte etwa 30— 35 Jahre alt gewesen sein mochte. Die Kops- haare waren zum größten Teil ausgefallen: der Rest ließ erkennen, daß die Haarfarbe dunkelbraun oder schwarz gewesen ist. Ob die Tote einen Bubikopf oder langes Haar hatte, steht nicht fest. Jeder Hinweis, der zur Feststellung der Person der Toten dienen könnte, schlt. Man hofft nur, an Hand der Zähne die Ermordete identi- fizieren zu können. Das Gebiß weist charakteristische Merkmale zahnärztlicher Behandlung'auf. Diese ärztliche Betreuung muß bis in die letzte Zeit vor dem Tode angedauert haben. Nach dem Sektionsbefund muß sich die Ermordete in gutem Ernährungszustand befunden haben: schwere, körperliche Arbeit scheint sie nicht geleistet zu haben. Die Nachforschungen in Dänemark nach vermißten weib- lichen Personen sind erfolglos verlaufen. Man vermutet des- halb, daß die Tote Ausländerin, vielleicht Deutsche, ist. Nicht anzu- zweifeln sind die Beweise für ein Kapitalverbrechen, dem die Frau oder das Mädchen zum Opfer gefallen ist. Der Hals ist mit einem Schnitt, der mit einem scharfen Instrument geführt worden sein muß, fast bis zur Wirbelsäule durchtrennt. Di�e Berletzung, die unbedingt tödlich war, ist nach dem Gutachten des dänischen Polizeiarztes der Ermordeten bei Lebzeiten zugefügt worden. Die Vermutung, daß ein L u st m o r d vorliegt, stützt sich auf die Tat- fache, daß der Körper vom Brustbein über den Nabel hinweg bis zum Steißbein aufgeschnitten ist. Diese grauenhaste Trennung ist nicht mit einem einzigen, sondern mit in e h r e r e n Schnitten durch- geführt worden. Das vollständige Fehlen der Kleidungsstücke hat bei den dänischen Behörden die Vermutung auskommen lassen, daß das Verbrechen vielleicht auf hoher See aus einem vorüber- fahrenden Schisse ausgeführt und der nackte Leichnam dann i n s Meer geworfen wurde. Bon der Inspektion A. sind Nachforschungen eingeleitet worden, ob die- Beschreibung der angespülten Toten auf weibliche Personen zutrifft/ die aus Berlin vermißt werden. Wer zur Aufklärung des Leichenfundes etwas beitragen kann, wird ersucht, sich an Kriminal- rat G e n n a t bei der Inspektion A. im Polizeipräsidium zu wenden, Ein unerwünschter Fahrgast. Internationaler Taschendieb mit Zuchthaus bestrast. Wenn jemand eine Reise tut. gemütlich im Eisenbahn- abteil sitzt und plötzlich eine fremde Hand in' seiner Rocktasche spürt, so ist er davon nicht angenehm berührt. So fuhr vor einer Woche ein biederer Staatsbürger von Berlin nach Königsberg. Vielleicht war er ein wenig eingedrusfelt, vielleicht hatte er sich in die Reize der Landschast vertieft, aber er war gleich- wohl wachsam genug, zu bemerken, daß ein anderer feine Hand in eine Tasche steckte, in der diese nichts zu suchen hatte, und zwar in die seinige. Er packte zu, der Gefaßte riß sich los und sprang aus dem Zuge. Er wurde aber sofort gefaßt und von den Beamten des Ueberwachungsdienstes festgenommen. Sein Versuch, sich aus dem jenseitigen Bohnsteig unter die Fahrgäste eines gegenüberstehenden Zuges zu mischen, mißlang kläglich. Herr Gregor M i k a d z e, der gestern vor dem Schnellschöffcn- gcricht stand, stammt aus dem fernen Georgien, besitzt aber als Taschendieb einen internationalen Ruf. Man kennt ihn in Belgien, in der Schweiz und in der Tschechoslowakei, denn überall ist er schon einmal abgeurteilt. Aber auch die deutschen Straf- behördcn führen ihn schon lange in ihren Registern. Als einzigen Ausweis fand man bei ihm einen Brief seiner Freundin Sonja, der in einem Londoner Gefängnis geschrieben ist. Die Dame erzählt, daß sie in England in„Verlegenheit" geraten sei, ihm aber für seine Geschästsunternehmungen in Deutschland alles Glück wünsche und bald wieder zu ihm zu stoßen hoffe. Gregor hat kein Glück gehabt. Mit beredtem Mund beteuerte er seine Unschuld. Zwar konnte er nicht bestreiten, daß er auf dem Bahnhof Charlottenburg, in der Slbsicht zu stehlen, in den Königsberger D-Zug gestiegen sei, aber es fei doch gar nicht zur 2l u s s ü h r u n g gekommen. Das Gericht teilte Gregors Meinung nicht. Es betrachtete vielmehr sein Ver- halten für einen groben Mißbrauch der Gastfreundschaft, vor dem man die deutschen Staatsbürger ebenso wie die ehrlichen Fremden beschützen müsse, und verurteilte Mikadze wegen versuchten Taschen- diebstahls zu 1 Jahr 6 Monaten Zuchthaus und außerdem wegen Paßvergehens zu 4 Wochen Haft. Ilebrigens wird sich Gregor mit seiner Sonja nach Verbüßung der Strafe außerhalb Deutschlands wieder treffen müssen. Fünf Frauen verunglücki. Die Folgen zweier Zusammenstöße. Am Donnerstag ereigneten sich zwei folgenschwere Per- kchrsunsälle, bei denen fünf Frauen verletzt wurden. An der Ecke W i n d s ch c i d t- und Kantstraße in Char- lottcndurg prallte ein Privatauto so Hestig mit einem Kohlen« laftzug zusammen, daß es umstürzte und zertrümmert wurde. Die Führerin des Wagens, ein« 22jährige Studentin Helga Hengsten- b erg aus Ruhleben, Machruiöelweg 3, wurde schwer verletzt und nmßte in das Krankenhaus Westend gebracht werden. Ihre Be- gleiterinnen, die Studentiinuen Toni Schmidt aus Halenfee und Ifta G a r l i n aus Wilmersdorf, erlitten leichte Verletzungen. Sie konnten nach Behandlung auf der Rettungsstelle wieder entlassen werden. Vor dem Haufe Unter den Eichen 89 kam es zu einem Zusammenstoß zwischen einem Privatauto und einem Gemüsefuhr- werk. Die 26jghrige Frau Liesbeth G i l b r a l t aus der Düppel- ftraßc 7 in Zehlendorf, die das Gespann leitete, und ihre Begleiterin, eine 37jährige Frau Marie B r n tz aus Zeh'endorf, wurden bei dem Zusammenprall aufs Straßcnpflaster geschleudert. Frau Gilbralt stürzte so unglücklich, daß sie lebens gefährliche Verletzungen erlitt. Sie fand im Stubcnrauch-Krankenhaus Ausnahme. Geld sür 6000 Wohnungen. Erfolg sozialdemokratischer Kleinarbeit. Rci der Erledigung der Tagesordnung wurde in der gestrigen Sladtverordnekenjihung auch eine Vorlage des Wagistrats mit großer Mehrheit angenommen, die die Annahme einer Reichs- bürgschost sür den Wohnungsbau zum Gegenstand hat. Da- nach kann die Stadl Mrgschaflen des Reiches im Gesamtbeträge von 15 Millionen zum Wohnungsbau in Anspruch nehmen. Die erforderlichen Mittel will die Stadt aas den Rückflüssen der Haus- Zinssteuerhypotheken nehmen: es sollen damit etwa 6000 w oh nungen zusätzlich gebaut werden. Um das Zustande- tl.>mmen der Bürgschaften hat sich in erster Linie die Sozial- dcmokralie verdient gemacht, die so wiederum bewiesen hat, daß sie alles tut, um mitzuhelsen cn der Beseitigung der Wohnungs- not und den Erwerbslosen Arbeit und Brot zu geben. Drei Gchildhorn-Indianer. Die Drei von der Laubhütte... Im Zusammenhang mit dem Pistolenüberfall auf den Reichs- wehrunteroffizier, über den wir bereits mehrfach berichteten, wurde gestern von Polizeibeamten der Grunewald nach verdächtigen Per- sonen während der Nacht abgesucht. Dabei entdeckten die Beamten in einer Schonung bei Schildhorn Lichtschein. Zu ihrer Ueber- raschung fanden sie eine kunstgerecht zusammengesetzte Laub- Hütte, die mit Segeltuch überspannt war. Zwei Männer wurden in dem luftigen Quartier angetroffen, die sich ein Feuerchen ange- zündet hatten. Wie bald festgestellt werden konnte, haben die Män- ner mit dem Ueberfall aus den Soldaten jedoch nichts zu tun. Es sind Leute, die in Berlin eine feste Wohnung haben, denen aber da» „Jndianerleben" in der heißen Jahreszeit Spaß machte. Als Dritte im Bunde teilte eine Frau die„Sommerwohnung", die den Män» nern das Essen zubereitete. Die Schildhorn-Jndianer werden weinen, daß man sie so plötz- lich in ihrem Versteck aufgestöbert hat. Für den Mann auf die Straße. Die Tragödie eines lungenkranken Ehepaars vor Gericht. Eine Verhandlung vor dem Zlmlsrichler enihüllie fol- gende Tragödie einer jungen Arau. Der Handwerker lernte eines Tages in der Chausseestraße eine Frau kennen, die mit ihm gegen Bezahlung ein Hotelzimmer teilte. Die Not hatte die Frau— nennen wir sie Grete K.— auf die Straße getrieben. Sie wußte, daß sie eines Tages wieder„ehr- bar" werden würde. Bor nicht zu langer Zeit war sie noch An- gestellte bei Tietz. Sie wurde lungenkrank und st e l l u n g s- l o s. Ihr Mann hegte und pflegte sie. Dann packte auch ihn die Krankheit. Auch er verlor seine Stellung. Sollte sie ihn zugrunde gehen lassen? Woher das Geld nehmen, um ihn wieder herzustellen? Und sie ging auf die Straße. Aber der Mann durfte nichts davon wissen... Der Handwerker G. hatte an der Grete K. Gefallen gefunden. Zwei- bis dreimal in der Woche fanden sie sich im Hotel zusammen. Sie erhielt von ihm bald 10, bald 20 Mark, je nachdem. Grete hatte keinen Grund, chn in ihre persönlichen Verhältnisse einzu- weihen, ihm zu erzählen, daß sie verheiratet sei und daß das Un- glück si? auf die Straße getrieben hatte. Eines Tages erfuhr er aber, daß sie verheiratet sei. Er machte ihr Vorwürfe, änderte Plötz- lich sein Verhalten zu ihr, forderte, daß sie die Summen, die er ihr während der Monate gegeben, als D a r l e h n anerkenne. Sie aollte nichts davon hören, er drohte, er würde ihren Mann wegen Zuhälterei anzeigen, würde ihrer Mutter schreiben. In ihrer Bedrängnis und Verzweiflung stellte sie einen Schuldschein auf 1600 Mark aus, obgleich sie während der Monate nur 1100 Mark erhalten hatte. G. gab die Beziehungen, die bereits über ein Jahr andauerten, nicht aus; er drängte immer wieder auf Rückzahlung des Geldes, brachte immer die gleichen Drohungen vor. Die K. osr- tröstete ihn auf eine Erbschaft, die sie zu erwarten habe, hielt ihn mit Mühe von der Ausführung seiner Absichten zurück. Im Jahre 1930 erlag K. seiner Krankheit. Jetzt war die Grete frei. Sie brauchte nicht mehr aus die Straße zu gehen G. erstattet« bei der Polizei Anzeige wegen Betruges. Der Strafbefehl lautete auf einen Monat Gefängnis. Sie legte Einspruch ein und so sahen sie sich. Vor dem Einzelrichter erzählte die junge Frau die Tragödie ihres Lebens. Das Gericht sprach Grete K. frei. Sie wird nicht mehr aus die Straße gehen. Biel Gutes hat sie aber vom Leben nicht mehr zu erhoffen Ihr Gesicht trägt die Zeichen derselben Krankheit, an der ihr Mann gestorben, ihr Husten verheißt Schlimmes... Oer echte Republikbeleidiger. Er verkriecht sich hinter einem Zigarrenstummel. Die Potsdamer Strafkammer verurteilte den Schneidermeister Fritz Brinkmann aus Lenzen an der Elbe wegen Beschimpfung der Republik zu drei Wochen Gefängnis. Am Verfasjungstage des vorigen Jahres fand auf dem Markt- platz in Lenzen eine Feier statt, bei der«in Redner ein Hoch auf die Farben Schwarzrotgold ausbrachte. Plötzlich hörte man das Wort„Pfui I" rufen. Es war der Angeklagte Brinkmann. Vor Gericht verteidigte sich der Schneidermeister damit, daß ihm ctü Zigarrenstummel in den Hals gerutscht sei. Er habe dabei ausgespuckt und das Wort„Pfui" gebraucht. Dieses Märchen fand aber bei den Potsdamer Richtern keinen Glauben. Vorher war der Angeklagte vom Schöffengericht' Wittenberge fü drei Wochen Gefängnis verurteilt, von der Straf- lammer Reuruppin aber seltsamerweise freigesprochen worden. Der Staatsanwalt meldete Revision an, und das Reichsgericht oerwies die Sache an die Strafkammer in Potsdam. Zimmervermieterinnen, Achtung! Ein falscher Beamter als Mietschwindler. I» der Maske eines Polizei- oderMagistrats- beamten tritt ein Schwindler auf, der eine ganze Neihe von Zimmervermieterinnen erheblich gc- schädigt hat. An den Aushangen sieht er, wo ein möbliertes Zimmer frei ist und erzählt den Wirtinnen, daß er aus Brandenburg nach Berlin versetzt worden sei. Bisher habe er in einer Pension, die er auch nennt, gewohnt, doch sei das auf die Dauer zu kostspielig. Er de- sichtigt das Zimmer und erklärt sich mit dem Preise einverstanden. Kommunisten am 1. Mai. Wegen versuchten Totschlages vor Gericht. Vor dem Landgericht l fand gestern eine Verhandlung statt, s die eine Art Ergänzung zu dem Prozeß gegen die zwanzig Kommu- nisten vor dem Landgericht III darstellt. Drei junge Leute im Alter von 18 bis 25 Jahren hatten sich wegen Tragens von Waffen, der eine von den dreien, der 18jährige W., außerdem wegen versuchten- Totschlags zu verantworten. Die Angeklagten bestritten, Kommu- nisten zu sein, gaben aber zu, mit den Kommunisten zu sympathi- sieren. Die übliche Ausrede. Am 1. Mai dieses Jahres fuhr am späten Wend ein Polizei- streifewagen die Friedrich-Karl-Strahe in Lichtenberg entlang. An der Ecke der Scharnweberstraße standen«twa 12 bis 14 junge Leute, eine jklebekolonne. Beim Herannahen des Polizei- wagens flüchteten sie. Der Wagen folgt« drei jungen Leuten, und die Polizeibeamten beobachteten, wie die drei in das Haus Friedrich- Karl-Straße 26 hineingingen. Als der Wagen hielt, fiel vom Hause her ein Schuß. Die Beamten drangen in das Haus ein und fanden auf dem Boden drei junge Leute und im Hof eine Pistole. Zwei weitere Pistolen wurden von Hausbewohnern aufgefunden. In dem verhafteten W. erkannten die Beamten den, der den Schuß ab- gegeben hatte. Das hauptsächliche Erkennungsmerkmal bildeten seine hellen Hosen und seine Bärenstiefel. Im Lauf der Parabellum- pistole steckte noch eine Patrone, im Magazin befanden sich weitere sechs; eine Patrone war abgeschossen. In der Verhandlung bestritt W., geschossen und eine Waffe fortgeworfen zu haben. Er habe sich vor dem Hausflur mit den beiden anderen Angeklagten Sch. und S. unterhalten. Da er un- angemeldet wohne, sei er beim Herannahen der Polizei mit seinen Freunden in den Hausflur gegangen und, nachdem der Schuß ge- fallen war, die Trepp« hinaufgelaufen. Bei seiner polizeilichen Vernehmung hatte W. ausgesagt, er sei in den Hausflur geflüchtet aus Furcht, von der Polizei geschlagen zu werden. Auch die beiden anderen Angeklagten bestritten, Waffen fortgeworfen zu haben. Die Polizeibeamten schilderten aber den Sachverhalt wie eben dargestellt, sie erkannten mit aller Entschiedenheit nach Kleidung und Wuchs W. als den Schützen wieder. Diese bestimmten Bekundungen, zweifelsohne mit bestem Ge- wissen gemacht, wurden ober gewissermaßen durch zwei Umstände, die ganz unerwartet hinzutraten, erschüttert. Einmal erklärte der Verteidiger des Angeklagten W., daß er durch seinen Mandanten den eigentlichen Schützen kennengelernt habe. Dieser Mann sei über die Dächer geflüchtet und habe die Waffe in einen Schornstein geworfen. Diese Erklärung des Verteidigers wäre an und für sich weniger überzeugend gewesen— der Mann hätte ihm ja wer weiß was vorerzählen können—, sie wurde aber durch das Gutachten des Sachverständigen Prof. Brüning in hohem Maße unterstützt. Prof. Brüning stellte fest, daß aus keinem der drei im Hause Nr. 26 der Karl-Friedrich-Straße aufgefundenen Pistolen am 1. Mai ge- schassen sein konnte. Folglich mußte eine vierte Waffe vorhanden gewesen sein. Stimmte das, so war daraus auch auf eine vierte Person zu schließen. Die Beamten mögen in der Eile diesen vierten Mann nicht bemerkt haben. Der Staatsanwalt beantragte trotzdem gegen den Angeklagten W. wegen versuchten Totschlages und unbefugten Waffenbesitzes 2'/h Jahr Gefängnis, gegen den bereits vorbestraften Sch. 10 Mo- nate und gegen S 5 Monate Gefängnis. Das Gericht sprach v. von der Anklage des versuchten Totschlages frei und verurteilte ihn und S. wegen unbefugten Waffenbesitzes zu 6 Monaten Gefängnis> Sch. wegen des gleichen Deliktes zu 1 Jahr Gefängnis. Zum Schluß eine notwendige F e st st e l l u n g: Bon den zwölf jungen Leuten, die am Abend des 1. Mai Ecke Scharnweberstraße standen, befanden sich vier im Besitz von Schußwaffen. Wie- viele von den übrigen acht gleichfalls Schußwaffen bei sich führten bleibt natürlich deren Geheimnis. So erzieht die KPD. ihre jugend lichen Mitglieder— und bringt sie ins Gefängnis und ins Zu,*' h aus I Kriminalbeamter und Buchmacher. Ein Bestechungsprozeß vor dem Schöffengericht. vor kurzer Zeit erregten die Verhaftungen von Polizei beamten auf den Rennbahnen Aufsehen. Als Vorspiel zu den kommenden Prozessen fand vor h«m Schöffengericht Berlin-Mitte ein Bestechungsprozrh gegen den Kriminalassistenten Otto R o e s i n g und die wilden Buchmacher August Wenzel und Theodor G r a b o w s k i statt. 'Roesing wird außer der Bestechung noch beschuldigt, daß er bei wilden Buchmachern gewettet und als Beamter gegen wilde Buchmacher nicht eingeschritten sei. Seit Jahren besuchte Roesing, der dienstlich dort nichts zu tun hatte, die Rennbahnen, und es war schon lange aufgefallen, daß er mit den wilden Buchmachern sehr vertraut war. In diesen Kreisen war er unter dem Namen der„dicke Otto" allgemein bekannt. Die Rennbahnen besuchte er mit Dienstkarten der Kriminalpolizei oder der Ueberwuchungs- stelle des Finanzamtes Börse. Dem Leiter dieser llederwachungz- stelle leistete er auch wertvolle Dienste, indem er ihm wiederholt Personen bezeichnete, die des Buchmachens verdächtig erschienen. Es war aber auf Grund von anonymen Anzeigen bei der Kriminal- polizei schon seit geraumer Zeit der Verdacht aufgetaucht, daß er nur einen Teil der Buchmacher verfolge, mit anderen aber unter einer Decke stecke. Die Sache kam ins Rollen, als eines Tages der Angeklagte Grabowsti beim Ausschreiben von Wettzctteln auf frischer Tat ertappt wurde. Grabowski geriet in Wut und erklärte, daß es sich um einen Racheakt des Kriminalbeamten Roesing handele. dem er schon seit längerer Zeit nicht mehr wie früher B e- stechungsgeld gegeben habe. Roesing wurde festgenommen und legte nach anfänglichem Leugnen in einem Hastprllfungstermin ein G e st ä n d n i s ab, daß er von 10 bis IS Buchmachern mehrfach kleine Geldbeträge erhalten habe, wie er annahm aus Angst. Von den Buchmachern wollte er nur Wenzel und Grabowski mit Name» kennen. Das Schöff«ngericl)t Berlin-Mitte verurteilte den Kriminal assistenten Roesing wegen Bestechung und Vergehens gegen das Rennwettengesetz zu neun Monaten Gefängnis und 100 M. Geldstrafe unter Anrechnung der Untersuchungshaft; den Buchmacher Grabowski wegen aktiver Bestechung zu drei Monaten Gefä-ngnis; der Angeklagte Wetzet wurde frei- gesprochen. Er gibt der Wirtin alz Anzahlung auf die Miete einen Scheck aus die Deutsche Beamtenbank und ersucht sie, sein Gepäck aus der Pension abholen zu lassen. Im letzten Augenblick beim Verabschieden fällt ihm„plötzlich" ein, daß er ja kein Kleingeld mehr bei sich trage. Die Wirtinnen, erfreut, einen Dauermieter erhalten zu haben, leihen ihm 2Z bis 30 Mark und sehen natürlich weder ihr Geld noch den„Beamten" wieder. Die Adresse der Pension erweist sich als fingiert. Der Scheck ist ebenfalls wertlos und ohne Deckung. Es scheint, daß der gleiche Schwindler jetzt wieder arbeitet, der schon Anfang April sein Umvesen getrieben hat. Der Unbekannte ist etwa 30 Jahre all, 1,70 Meter groß, hat blondes Haar, frisches Gesicht und trug saubere gute Zivilkleidung. Mitteilungen erbittet die Dienststelle D 2 im Polizeipräsidimu. Dänische Kinderfreunde in Berlin. 110 dänische Kinder der Kinderfreunde Dänemarks kommen heute Abend um 20,30 Uhr in Berlin an. Sie bleiben drei Tage hier und sind Gäste der Berliner Äinderfreunde. Freunde und Genossen aus Schöneberg und Charlottenburg haben sich bereit erklärt, die Kinder während ihrer Anwesenheit in Berlin zu beherbergen. Ein gutes Programm ist vorbereitet. U. a. ist eine Führung durch die„Vorwärts�-Druckerei, eine Filmveranstallung beim Reichsaus- schuß für soziale Bildungsarbeit geplant. Am Sonntag ist �kne Dampferfahrt zusammen mit den Ouartiereltern nach dem Freibad Wannsee vorgesehen. Nach dem Berliner Aufenthalt fahren die Dänen nach dem Zeltlager Villmar am Taunus. •k Achtung, Ouartiereltern! Die Schöneberger Genossen nehmen die Kinder am U-Bahnhof Hauptstraße, die Charlottenburger am Stadtbahnhof Charlottenburg(Haupteingang Stuttgarter Pl'atz) um 21,30 Uhr in Empfang. Schmelings Empfang in Berlin. Nach einem Funkspruch von Bord der„Europa" hat Weltmeister Schmeling die Einladung des Berliner Flughafens zum Fluge von Bremerhaven nach Berlin-Tempelhof angenommen. Schmeling wird mit einem Sonderflugzeug der Deutschen Lust-Hansa am Montag- nachmittag, voraussichtlich zwischen 5 und 6 Uhr. in Tcmpelhof eintreffen. IfOLONIAlwÄREN K O H .... n jn i______ KV E N WEINE, SPIRITUOSEN Mandelpudding........ PM- 0-40 junger v,. 0.38 VanilleDudding......•••Pfd. 0.40 Spinot••••••**. j, � 0 42 , Pole Grütze............. P". 0.60 Junge Schmttbohnen D«. 0.42 : Vanille-Soßenpulver... Pfd. 0.65 Junge Erbsen, m' ,,'�0.48 ! ggsfirsif-isa«ssÄ�s-ig Eer Bandnudeln....... Pfd. 0.46 Preißelbeeren.........'�.O.OO r-.___ PM n RR w.l.ST-WAREN»»�TUND GEMUSE BUTTER UND KSSE| n iq Ucroihutter.......... Pfd. I.ZU fc. Frkt. Apfelw.'itr. mo, io Ur. 6.50 Bowlenwein,••i.f. 0,',5:'°"r'1I"2S Rheinwein...If. 10 � MoSelwein....Ur.W � würsttSen 5 Paar........... 0.85 . Senfgurken'.......... � HS H«rinas- od Ital. Salat Pfd. 0.70 Seelachs o. K. i.Irk»sekreterlal 2. Hof, t Trennen recht», ju richten. Beginn aller Veranstaltungen t9Va Uhr. sofern keine besondere Zeitangabe! Heule, Jreilag. 10. Juli: tt». Welssweln. sehr euierj /» y iiaUiit.I0f.tr. 7,60, tlr, Vg f V Qut«> Molkereibutler 1,30 IfWlffaHUTil Dosenwürslchen „Tletz Rekord" Im"s�0e85 I Juns« Gänse V.SZ Pfff. veo' i Gefr. Waldtauben 0.95 2?tftek vyy 1 Rehblätter 0,95 m von Nordwolle. Patriotismus. �Unterzeichnen Sie, meine Herren. Es gilt eine deutsche Tta— und außerdem sichern wir uns die Verfügung über einkommende Kredite!" Wels über die Hoover-Aktion. „Die Verbundenheit der Welttvirischast". Was es ist und was es bedeutet. Der Zusammenbruch der Norddeutschen Wollkämmerei und Kammgarnspinnerei in Bremen, des mächtigsten Textil* konzcrns in Deutschland, hat sich zu einem Riesenskandal aus- gemachsen. Kaum daß die ersten Gerüchte über Schwierig- leiten bei diesem Großunternehmen in die Oeffentlichkeit ge- drungen waren, folgte unmittelbar darauf eine Hiobsbot- schast nach der andern, bis der letzte Schleier zerriß und hinter der glänzenden Fassade eine Pleite von geradezu ungeheuren Ausmaßen auftauchte, ein Finanz- fkandal, der zu den größten der Weltgeschichte zählt. Wie waren derartige Ricsenverluste von 200 Millionen Mark möglich, ohne daß der Auf- s i ch t s r a t des Unternehmens auch nur das geringste merkte? Wie war es möglich, daß die Banken nicht stutzig wurden, als eine Kreditforderung des Konzerns der andern folgte, ohne daß daran gedacht wurde, die alten Schulden abzudecken? Haben die H a u p t o c r a n t w o r t l i ch e n, die vier Brüder Lahusen, so raffiniert gearbeitet, daß ihre Konzerngeschäfte und ihre vielseitigen Privatgeschäfte von einem undurchdring- lichen Schleier verdeckt blieben? Oder hat, so lautet die andere Frage, die gesetzliche Auffichtsbehörde einer Aktiengesellschaft, der Aufsichtsrat, in geradezu sträflicher Weise bei der Wahr- nehmung seiner Kontrollpflichten versagt? Es ist sicherlich kein Zufall, daß die Reihe schwerer Zu- sammenbrüche in der deutschen Privatwirtschaft sich bei Kon- zernen vollzog, die durch ihre vielseitige Berästelung und V e r s ch a ch t e l u n g sich nicht nur der Kontrolle der Oeffentlichkeit restlos entziehen konnten, son- dern in sich bereits den Boden für private Aktionen selbst- herrlicher und machtgieriger Generaldirek- t o r e n schufen. Auch bei dem Norddeutschen Wollkonzern fin- den wir dieses Labyrinth von Beteiligungen, Tochtergesell- schaften, Finanzierungs- und Einkaufsunternehmungen im Auslande, die jede Art von Bilanzfälschungen und geheimen finanziellen Transaktionen ungemein erleichterte. Der Norddeutsche Wollkonzern hat sich seit den siebziger Iahren aus kleinsten Ansängen zu einem W e l t u n t e r- nehmen entwickelt, das den stärksten Machtfaktor in der Wollindustrie des europäischen Kontinents darstellte. Den ersten Schritt vom reinen Wollimportgeschäst zum Fabrik- unternehmen stellte die Gründung der Delmenhorster Fabrik da, die seitdem den Namen Norddeutsche Woll- kämmerei und Kammgarnspinnerei führt. Diesem ersten Schritt folgten noch vor dem Kriege eine ganze Anzahl weiterer Fabrikgründungen und Aufkäufe in Deutsch- land und im Auslande, so daß der Konzern schon 1914 über 18 eigene Werke verfügte. Nach dem Ende der Inflation setzte der Konzern seine Aufsaugepolitik wahllos fort, und zwar versuchte er mehr und mehr in der ver- arbeitenden Textilindustrie, also in seiner eige- nen Kundschaft Fuß zu fassen. Es ist bezeichnend, daß der Norddeutsche Wollkonzern seine sämtlichen Tochtergesell- schaften. unter denen sich Großunternehmen, wie die Sächsische Wollgarnfobrik Tittel u. Krüger in Leipzig, die Kammgarn- spinncrei Langensalza und andere bedeutende Betriebe befin- den, sämtlich in der Form einer G. m. b. H. aufzog, die zur Vorlegung öffentlicher Bilanzen nicht verpflichtet sind. Außerdem war der Konzern maßgeblich an mehreren holländischen Handelsgesellschaften und einer der rentabelsten tschechischen Wollfabriken in Neu- deck beteiligt. Noch 192« hatte sich das Unternehmen für Fusionen in der S t r i ck e r e i i n d u st r i e eingesetzt und er- heblichc neue Beteiligungen in Chemnitz, in der Pfalz � und im Rheinland aufgenommen. Einen dunklen Punkt unter den Beteiligungen stellte die unscheinbare Gesellschaft Ultra Mare in Amsterdam dar, die von den Gebrüdern Lahusen zur Steuerflucht benutzt wurde. Es kennzeichnet die rigorose Art des Vor- gehens dieser Familie Lahusen, daß sie als Besitzer der Ultra Mare so lange in Erscheinung traten, als die Gesellschaft in den vorangegangenen fetten Iahren ihnen als Sammel- becken für ihre Steuerfluchtgelder diente. Mit dem Augenblick aber, wo sich das Blättchen wendete und schwere Verluste eintraten, die gleichfalls das Licht der Oeffent- lichkeit zu scheuen hatten, nahmen die Brüder Lahusen die Vcrlustbuchungen des Nordwolle-Konzerns über Ultra Mare vor und stießen diese Gesellschaft jetzt, wo sie über und über verschuldet war, aus ihrem Privatbesitz an den Nordwolle- Konzern ab. Das heißt, sie wälzten jetzt, nachdem sie jähre- lang von der Ultra Mare als Steuerfluchtoase profitiert hatten, das ganze Risiko der Ultra-Mare-Schulden aus die Nordwolle-Aktionäre ab. Eine der- artige Handlungsweise läßt sich, wenn auch im kapitalistischen Wirtschaftssystem nach Moral nicht viel gefragt wird, nicht anders als wirtschaftliches Freibeutertum be- zeichnen. Aber weder die Verfchachtelung des Konzerns noch das Raffinement, mit dem die Brüder L a h u s e n die Verluste zu verdecken wußten, entschuldigen den A u f s i ch t s r a t, daß er die Dinge soweit hat kommen lassen. Die Frage liegt nahe, ob bei dem neunköpfigen Auffichtsrat von Nordwolle ähnliche Zustände herrschten, wie bei dem noch größeren Aufsichtsrats- Gremium des zusammengebrochenen Frankfurter Versiche- rungskonzerns. wo bei der Untersuchung herauskam, daß sich die Herren Auffichtsrätc einmal im Jahr, nämlich zur Bilanz- sitzung, zusammenfanden, womit ihre Tätigkeit erschöpft war. Es ist schon möglich, daß die Arbeitskraft der Aussichtsräte bei der Nordwolle nicht stärker beansprucht wurde, denn es ge- hörten ja diesem Gremium auch anderwärts sehr vielbeschäftigte Herren an. Da ist vor allem als Wächter für die Inter- essen der Darmstädter und Nationalbank der Generaldirektor Dr. S t r u b e, der allein in 12 anderen Auf- sichtsräten den Lorsitz führt, in 10 weiteren Aufsichtsräten den stellvertretenden Vorsitzenden abgibt und außerdem noch in 18 weiter« Gesellschaft« als LuMtsvatsmitglied fungiert, New Jork, 9. Juli.(Eigenbericht.) Der Führer der deutschen Sozialdemokratie Otto Wels gewahrte dem Berliner Vertreter des New-Äorker„Vorwärts" dieser Tage ein Interview über die Hoover-Aktion, in dem er u. a. aus- führte: „Wenn Sie mich fragen, wie die Botschaft des Präfi- denken Hoooer auf Deutschland gewirkt hat, so kann ich nur sagen, sie wirkte geradezu befreiend auf jeden, der die wirtschaftlichen Verhältnisse Deutschlands in jenen Tagen kannte. Deutschland stand in der Tat vor dem Zusammenbruch. Die psychologische Wirkung der Hoover-Hilssaktion war ein« außer- ordentlich starke und sie wäre es auch geblieben, wenn gleich England und den übrigen Machten Frankreich mit gleicher Schnelligkeit diesem Plan beigetreten wäre. Durch die langwierigen Verhandlungen ober erneuerten sich die inneren Schwierigkeiten Deutschlands auf dem Kapitalmarkt und wuchsen derartig, daß eine außerordentliche Hilfsaktion durch die Hergäbe von lyü Millionen Dollar, von denen Frankreich 4 9 Prozent zur Verfügung gestellt hat, erforderlich wurde. Es ist kein Zweifel, daß auch die Stund« der Einigung zwischen Amerika und Frankreich Deutschland schon wieder in einer geradezu furchtbaren Situation fand und daß diese Einigung, um ein bekanntes Wort zu gebrauchen, ein« Minute vor 12 Uhr erfolgte. Deutschland benötigt dringend große langfristige Kredite. Meine Auffassung ist, daß die Hilfsaktion nur unternommen wurde, um eine ungeheure Verschärfung der Weltwirtschastzkrise zu ver- Was sollte sich also Herr Dr. Strube, der schließlich auch noch als Geschäftsinhaber der Darmstädter und Nationalbank beschäftigt war, auch besonders intensiv um die Vorgänge bei der Nordwolle zu beschäftigen, wo er die Leitung des Konzerns in so erprobten Händen wie denen der Brüder Lahusen sah? Auch der Vorsitzende des Aufsichtsrats, der Bremer Senator Hermann R o d e w a l d, der außer bei der Nordwolle nur in neun anderen Aufsichtsräten tätig ist, hatte offenbar keinen Anlaß, sich bei der engen persönlichen Freundschaft, die ihn mit der Familie Lahusen verband, seinen Pflichten als Aufsichtsrats- Vorsitzender nachzukommen. Daß der Rechtsanwalt und Notar Diedrich Lahusen, der als vierter der Brüder im Auffichtsrat faß, seinen älteren Brüdern im Direk- torium keine Steine in den Weg legte, versteht sich am Rande. Bon den übrigen Aufsichtsratsmitgliedern interessiert nur noch die Haltung des DirektorsPaulSchmidt- Branden von der Dresdner Bank, der schließlich zu keinem anderen Zweck in den Auffichtsrat der Nordwolle de- legiert wurde, als die Interessen seines Instituts wahrzu- nehmen. Aber auch er hat sich offenbar im Schatten der mäch- tigcn Familie Lahusen völlig sicher gefühlt. Das Wirtschaftsverbrechen Nordwolle muß feine Sühne finden. Diese darf sich auch nicht auf die Hauptverantwort- lichen, die Brüder Lahusen, beschränken, sondern es ist zu fordern, daß auch die Regreßpflicht für schuld- 2« Kisten Dynamit explodiert. Viele Tote und Schwerverletzte. London, g. Zuli. 3n dem chilenischen Hasen Coronet sind am Donnerstag 20 fitsten mit Dynamit In die Lnfk geflogen, wobei neben einem riefigen Sachschaden eine größere Anzahl Hasen- arbeiter gelotet sowie viele weitere Personen, da- runler der britische fionstil, schwer verletzt wurden. Der Zu- stand de» Konsul, soll sehr ernst sein, wie verlautet, soll das An- glück durch unvorsichtige Handhabung der Sprengstoffkiflen ent- standen fein. Das vorsichtige I�eichsarbeitsgericht. Das Reichsarbeitsgericht verhandelte über die Klage eines nationalsozialistifchen Arztes gegen den p r e u ß i- jj ch« u Staat. Dar Kläger war Arzt bat der SchutzpoQzei hindern und sie nur einen ersten Schritt darstellen kann. Der Zusammenbruch der deutschen Wirtschaft würde das politisch« Chaos in Deutschland, aber auch den wirtschaftlichen Zusammenbruch Europas nach sich ziehen. Ich möchte die Hilfsaktion, die Deutsch- land zuteil geworden ist, vergleichen mit der Handlung eines Arztes, der einem Schwerkranken in höchster Lebensgefahr Sauerstoff zuführt. Er handelte als gewissenhafter Arzt sicherlich nicht richtig, wenn er dem Kranken die Bedingung auferlegte: 5 Minuten darfst du Sauerstoff atmen, dann nehm« ich dir das rettende Instrument vom Munde, insbesondere dann, wenn der Arzt erkannt hätte, daß wenige Minuten weiteren Gebrauches die völlige Genesung des Kranken herbeiführen würde, während die Entziehung den Tod be- deuten müßte. In dem Plan des Präsidenten Hoover liegt soviel innere Kon- sequenz und ein so starkes Erkennen der Verbundenheit der Welt- Wirtschaft, daß ich die Hoffnung habe, daß er den Anfang darstellt' für eine wirkliche Beendigung des Krieges." Antwortielegramm Hoovers an den Reichspräsidenten.- Washington. 9. Iyli. Der Präsidont der Dereinigten Staaten Hoover hat in einem Telegramm an den Reichspräsidenten von Hindenburg seiner aus- richtigen Hoffnung und Erwartung Ausdruck gegeben, daß der Ms- ratoriumsplan das Vertrauen oller Lander untsreiander wieder- beleben und die Prosperität fördern möge. Haftes Verhalten des Aufsichtsrates in An- fpruch genommen wird. Aber wenn auch die Schuldigen, wie es die Oeffentlich- keit stürmisch fordert, die ganze Schärfe des Gesetzes trifft, so werden auch Tausende von Unschuldigen mit in den Strudel gezogen. Wer hilft den Arbeitern und Ange stell- t e n in Leipizg, in Kaiserslautern, an der Wasserkante und in der Tschechoslowakei, die infolge des Zusammenbruchs auf die Straße fliegen? Diese Unglücklichen, die keine Bor- stellung davon haben, was sich hinter den Türen der Direk- torenzimmer in Bremen abgespielt hat, treffen die eigent- lichen Nackenschläge. Wenn es nach all den vorausgegan- genen Zusammenbrüchen bei Stinnes, Stumm, Linke-Hofmann, der Frankfurter Allge- meinen Versicherung noch eines Beweises bedurft hätte, daß zum Schutz der Arbeitskraft gegen die Willkür von Konzernmagnaten weitestgehende öffentliche Kontrolle eine Notwendigkeit ist, dann hat sie der Skandal um die Nordwolle erbracht! Nordwolle-Seneralversammlung vertagt. Die für den kommenden Dienstag einberufene ordentliche Ge- neraloerfammlung wird, wie die Verwaltung mitteilt, mit Rücksicht auf schwebende Rekonstruktionsoerhandlungen aufgehoben. So- bald die erwähnten Verhandlungen abgeschlossen sind, soll zur ordentlichen Generalversammlung neu eingeladen werden. Merseburg auf Privatdienstvertrag. Ihm wurde fristgemäß ge- kündigt, weil er sich für die Hitler-Partei betätigt hat. Der Kläger stützte sich äuf Artikel 118 und 1ö9 der Reichsocrfassung. Der Ver- trcter des preußischen Staates hielt der Klage gegenüber, saß nur zu prüfen sei, ob der Beklagte berechtigt war, den Kläger zu entlasien. Dies Recht habe der Beklagte gehabt, er sei sogar dazu verpflichtet gewesen. Das Reichsarbeitsgericht wird eine grundsätzliche Entscheidung fällen. Es setzte die Urteilsverkündung aus bis zum— 21. O k- tobcr 1931. fiahlcnregelung zwischen Frankreich und Belgien. Der belgische Handelsminister hatte während eines mehrtägigen Aufenthaltes in Pari» mit Unterstaatsfekretär Francois-Poncet Besprechungen über d i« Regelung des Kohlenproblems zwischen den interessierten europäischen Ländern. Es wurde vereinbart, demnächst Verhandlungen über ein Abkommen zwischen Frankreich und Belgien einzuleiten, durch das die Kohlen-Ein» und-Ausfuhr der beiden Länder gemäß dem gegenwärtigen Bedarf reguliert werdan foll. Die Ursachen der Krise. Wissell schildert sie auf dem Verbandstag der Kabrikarbeiter. Höhepunkt der Münchencr Taqung des Fabrik- articitcr-Berbaiidcs bildete am Mittwoch ein ausgezeichneter Aortrag Wisse lls über:„Die deutsche Wirtschaft im a h n> c n der Weltwirtschaft". Mit gründlicher Sachkenntnis untersuchte der Redner die Ursachen der wirtschaftlichen Krise. Er kam zu dem Ergebnis, daß das heutige Ehaas aiiss6»ließlich auf das Konto der völligen Planlosigkeit der kapitalistischen wirlschastsordnung kommt. Beschleunigt wurde die Krisenentwicfliing durch den Krieg und seine Folgen, durch die ungeheure Technisierung und die Eni- europäisierung der deutschen Wirtschaft. Die Wirtschastsführer wollten die innige Verflechtung der Weltwirtschast nicht erkennen. Absolute Blindheit für die weltwirtschaftlichen Zusammenhänge hallen auch die Siegerstaalen geleitet, als sie Deutschland die Reparations- leistungen auserlegten, ohne dafür zu sorgen, daß Deutschland vor ollem Absatzmöglichkeiten für seilte Arbeit gegeben wurden. Jetzt scheint das wenigstens H o o o c r als erster klar erkannt zu haben. Reben der Produktionseinschrankung weiß die Wirtschast sich mit Lohnabbau zu helfen. Erst kürzlich äußerte ein Ruhrin- dnstrieller, daß der deutschen Wirtschast nur durch eine Ausgleichung des Lebensniveaus der deutschen Arbeiter an das der uns umgc- benden Völker geholfen werden könne: dßs bedeutet also Balkanisierung des Lebensstandards der deulschen Arbeilerschosl. Auch die übergroße Balionalisierung wirkte sich verhängnisvoll aus. Kapitalistisch gesehen, brachte sie zwar Verringerung der Pro- duktionskosten und Steigerung des Profits. Gesellschostlich gesehen, bedeutete sie aber eine Verteuerung. Die Wirtschast überließ die Folgen der Rationalisierung, die Lasten und Risiken, die Sorge um die Arbeitslosen ruhig der Allgemeinheit und klagte dann über die steigenden Sozial- und Steuerlasten, als die Aufwendungen der Allgemeinheit für die Opfer der Rationalisierung stiegen. Krise und Arbeitslosigkeit können nicht Raturgewolltes sein. Es gibt einen Ausweg. Nirgends steht geschrieben, daß der Mensch acht Stunden arbeiten müsse. Es ist möglich, bei einer wirklich planmäßigen Wirtschaft in kürzerer Arbeitszeit, bei der alle beschäftigt werden, für alle das zum Leben Erforderliche in ausreichendem Maße zu geben. Wer wie die Kommunisten in Rußland die Entwicklung beschleunigen wollte, der würde das deutsche Proletariat in ungeheures Elend stoßen. Nach stürinischcm Beifall nahm die Versammlung einmütig eine Entschließung an, in der das wesentliche aus Wifsclls Aus- führungen zusammengefaßt ist. Die Landarbeiter-Internaiionale. Von ihrem 6. Kongreß in Stockholm. In Stockholm tagt zur Zeit der 6. Kongreß der Internationalen Landarbeiter-Föderation(JLF.). Vertreten sind: Dänemark, Deutschland(Deutscher Landarbeiter-Verband und Allgemeiner Melker-Verband), Niederlande, Polen, Schottland, Schweden, Oester- reich und Lettland mit insgesamt 25 Delegierten. D u n c a n, Schottland, der Präsident der JLF., betonte in seiner Begrüßungsansprache, die internationale Arbeiterbewegung werde im Anschluß an die Hoooer-Aktion mit ihrer ganzen Kraft den Weg zu einer wirtschaftlichen und politischen Verständigung der Welt zu bahnen versuchen. Besonders herzlich begrüßte der Vorsitzende den Vertreter des polnischen Landarbeiter-Vcrbandcs, K w a p i n s k i. Vor einigen Monaten wurde Kwapinski— er ist Mitglied des Exekutiv-Komitees der JLF.— von der Pilfudski-Regierung wegen seines Eintretens für den Sozialismus in das Gefängnis geworfen. Kwapinski ist vom Zarismus verfolgt und gehetzt worden— ihn kann kein Pilsudski mehr schrecken und hindern, die Interessen der polnischen Landarbeiter zu vertreten. Der Kongreß protestierte mit aller Schärfe gegen die Beschränkung der koalilionssreiheil in Polen, Ungarn und Zialien. Der Sekretär der JLF., Georg Schmidt, Berlin, ergänzte den schriftlich vorliegenden Geschäftsbericht. 1927 betrug die Mitgliederzohl der JLF. 326 601, im Jahre 1930 zählte sie 354 951 Blitglieder. Der Verbandstog beschäftigte sich am Donnerstag eingehend mit den, Lohnabbau und den Hemmungen in der Entwicklung des Arbeitsrechts. Ernst Großmann, der die Toris- und Lohn- bewcgung im Verbandsgebiet erläuterte, stellte fest, daß der Abbau der tariflichen Stundenlöhne um SProz., der unter dem Druck der Krise habe hingenonmien werden müssen, wsit hinter den Plänen der Unternehmer zurückbleibe. Dies Er- gebnis könne mit Recht als ein Erfolg der Verbandsarbcit an- gesehen werden. Die Organisation habe sich im Verteidigungs- kämpf erfolgreich behauptet. Une�fchüttert und in geschlossener Front stehe sie bereit, je nach der wirtschaftlichen Lage die Ver- teidigung weiterzuführen oder.zum Eingriff überzugehen. Die Or- gonisation sei trotz scharfmacherischer Hetze von links und rechts intakt geblieben. Die wahnwitzige und geistlose Streikpolitik der RGO. werde vom Verband abgelehnt. In der Aussprache über den Lohnabbau gab ein Delegierter aus Rossitz in Thüringen ein überaus anschauliches Bild vom Arbeilerverral der Nazis und Kozi», die in einen, wichtigen Lohnstreit gemeinsam und offen Streik- bruch verübten Die Erörterung der Arbeitsrechtsfragc wurde eingeleitet durch einen Vortrag des Leiters der Rechtsschutz- abteilung des Verbandes. Karl Schmidt, über �Arbeitsrecht und Reichsarbeitsgerichtsbarkeit im Lichte der Rechtsprechung". Die Gewerkschaften, betonte Schmidt, hätten in neuerer Zeit mit dor praktischen Arbeitsgerichtsbarkcit nicht die besten Erfahrungen ge- macht. Die Rechtsprechung des Reichsar beits- g c r i ch t s wirke sich immer häufiger zum Nachteil des kollek- tiven Arbeitsrechts aus. Sie nehme Formen an, von denen sich die Gesetzgeber feincrzeit nichts haben träumen lassen. Der Verboudstaq nahm einstimmig eine Entschließung an, in der ausgesprochen wird, daß die Befürchtungen bezüglich der Preisgabe der Sondergerichtsbarkeit und der Eingliederung des arbeitsgsrichtlichen Verfahrens in das der ordentlichen Gerichts- barkcit leider eingetreten feien. Eine Zerschlagung des kollektiven Arbeitsrechts sei zu befürchten. Die sozialdemokratische Reichstags- fraktion müsse daher dafür sorgen, daß durch Gesetzesänderuiu, der unsozialen Rechtsprechung des Rcichsarbcitsgcrichts Einhalt ge- boten werde. lieber die Jugendbewegung im Verband sprach Alwin Karl. Nach seinem Bericht hat auch der Fobrikarbeitervcrband in der Jugendbewegung recht beachtliche Erfolge erzielt. Sobald die Verhältnisse es gestatten, soll eine geeignete Iugendschrift her- ausgegeben werden. Seit dem letzten Kongreß haben sich der JLF. die Landarbeiter- Verbände in Jugoslawien und Spanien angeschlossen. Dem Sekretariat liegt ein Schreiben aus Rumänien vor, wonach sich fetzt dort Anfänge einer Landarbeiterorganisation zeigen. Auch die Unternehmer haben sich vor einigen Wochen in Prag international zusammengesunden, um eine stärkere Förderung ihrer Jntcresien beim Internationalen Arbeitsamt in Genf anzubahnen. Die Landarbeiter müßten daraus lernen. Die kommunistische Bewegung habe zwar den Fortschritt der der JLF: angeschlossenen Verbände erschwert und damit dem Unternehmertum wertvolle Liandlongsr- dienste geleistet, aber sie habe nicht vermocht, eigene leistungsfähige Landarbciter-Verbände zu schaffen. Der Geschäftsbericht wurde vom Kongreß einstimmig angenommen. Danach sprach der Vorsitzende des Schwedischen Landarbeiter-Verbondes, E. A. Falk, über„Die Untersuchungen des Internationalen Arbeitsamtes auf dem Gebiete des Arbeits- vertragswesens". Elektriziiats- und Wasserwerksarbeiter. Tagung der ZieichSfochkommission. Der Vorstand des Gesamtverbandes hat für den 9. und 10. Juli die Reichsfochkommission der Reichsfachgruppe Gas-, Elektrizität?- und Wasserwerksarbeiter nach Cuxhaven einberufen. An der Tagung sind neben den Vorstandsvcrtrctern führende Bctriebsfunktionäre der großen Werke aus allen Teilen des Reiches beteiligt. Im Vorder- gründe der Beratungen mit steht die durch die Notverordnung geschaffene Lag« für die Arbeiter der öffentlichen leben-wichtlgetzl Betriebe. Bei der horten Belastung, die durch Kapitel 1 der Not« Verordnung den Kommunalorbeitern auferlegt wird, kommt dieser Tagung und ihren Beschlüssen höchste Bedeutung zu, weil hinter der Organisation 83 Proz. der Arbeiter der Gas-, Elektrizität?- und Wasserwerksarbeiter stehen. Die Fachkommission beschäftigt sich außerdem mit der Frage der Arbeitszeit, der Unfälle und Berufskrankheiten, den Entkommunalisicrungsbestrebungcn und der Technischen Nothilse. Zechenverband gegen die Angestellten. Heute Verhandlung über seine Abbaupläne. Der Zechenvcrbond hat die Angestelltengewerkschaften für Freitag zu Verhandlungen über einen Neuabschluß der Gehalts- ft a f f e l n und eine Acnderung des Rahmcntarifs ein- geladen. Trotz allem Drängen der Gewerkschaften Hot er b i s z u r letzten Minute gezögert, feine Forderungen bekannt- zugeben, weil die Wahlen zur Arbeitskammer vor der Türe stehen. Die Forderungen un, fassen im wesentlichen folgende Punkte: 10 proz. Gehallsabbou ob 1. Tuli rückwirkend. Beseitigung des Hausstandgeldes, B e s e i t i g u n g der Zuschläge für Sonntogsarbcit, Beseitigung der tariflichen Bestimmungen über Fortzahlung des Gehalts in Krankheitsfällen, freie Gchollsfestfctzung für weiter- beschäftigte Pensionäre und Rentenempfänger, besondere Arbeitszeit- regelung für die Angestellten unter und über Tage und Ver- schlechter ung der Urlaubsbestimmungen. Der Zechenvcrband geht aufs Ganze! Er hofft mit 5)ilse der Gelben den Tarifvertrag aushöhlen und die Rechtsgrundlage der Bergbauangestellten verschlechtern zu können. Der Begriff K o a l i- t i o n s f r c i h e i t hat im Ruhrbergbau, wenigstens soweit die An- gestellten in Frage jommcn, aufgehört zu existieren. Was sich die Zechenverwaltungen heute in dieser Hinsicht ungestraft erlauben dürfen, ist unerhört. Akkordarbeii. Die jüngste Kulturerrungenschast in Sowjct-?tußland. Die russische Regierung hat an die Wirtschafts- und Gewerkschaftsorganisationen des Donez-Beckens einen Ausruf ge- richtet, in dem es heißt, daß im Laufe von zwei Monaten mit der Nivellierung der Arbeiterlöhne aufgeräumt und spätestens am 1. September das Akkordlohnfnstcm eingeführt werden fall. In dem Aufruf werden die Wirtschafts- und Gewerkschafts- organisationen ferner aufgefordert, in Zukunft bessere„sachliche Bc> Ziehungen zu den gewissenhaft arbeitenden Ingenieuren und Tech- nikcrn in die Wege zu leiten." Graphische Berufe! Die Buchdruckerci Paß u. Garlcb'A.-G., Bülowstraße 66, hat ihr gesamtes Personal zwecks Abbau der Lcistungs- Zulagen gekündigt, so daß das Arbeitsverhältnis heule, am 10. Juli, abläuft. Die unterzeichneten Vorstände verlangen deshalb von ihren Mitglieder», daß sie vor Slellungannahme bei Paß u. Garleb Erkundigungen einziehen bei den Ortsverwaltungcn der unterzeichneten Verbände. Verein der Berliner Buchdrucker und Schriftgicßer, Braun. Verband der graphischen Hilfsarbeiter u»o-arbeiterinnen, Gloth. Verband der Buchbinder und Papierverarbciter, Herzog. f Freie Gewerkschafts-Iugend Berlin Keut«, Iflh IHir, jage»©fiipb"': SNupvrnheim IMrr»- tidf, SHsmanfftr. 1. ftiir und midft die AsUlilozik.— Rordrinfl: Iuycndlieim Schule Sonnendurger Sir. all.«Skwretlchaften und Bru. »ins?— Rcinickendort-Vst: Jugendheim Lindniier Slrnhe lLarnrkeni.-ZNkohol und Ardeiterjugend.— Süden: Jugendheim Safirrtorfir.». fliirjrrfcralf: 10 Minuten aus meinem Berns.— kharlottendu'g: Jugendheim öprecstr.?,0. Lustiger Abend mit Walser gTigc.— Zeppelinntan: Jugendheim Turiner Elte Seestraße. Buh und Müdes.— Spandau. Wilhelmstadi: Iugcitdheim Spoel- psah Sceburgcr Strohe. Bctriehsrütegcsetz.— Arnsiualder Plah: Bafteur. strahe M U>(Oberrealschule). Aufbau dez ADSB.— Kermannplaü: Jugendheim Sandcrstr. 11, Crfc Habrcchtftraße. Ein Tag auf dem Jugendgericht. 0Iugendgfuppe des'Zentralverbandes der Angestellten läeute sind solgend« Beranstaltungrn: Ziordeu: Jugendheim Lorhing» straste 10. Vortrag:„Tie neue ZIatucrordnung", Res.: Terlon.— Südmest: Jugendheim Por-estr. 11. tppielgbcnd.— Berliner Druckerei, und Vcrlag»> Uhr im Jugendheim Ebertpstr. 12.— Spiele im Zrcien ah 1d Uhr auf dem Eportplat,„Einsame Pappel"(Norden) und Sportplatz Pankaw, Kissingenstraße. Verantwortlich für Politik: Birtor Schill; Wirtschast:®. itlingelhiiser: Bewerkschastsbewegung: ssriedr. Etzlor»: Feuilleton: Dr. Zohn Schilowzki: Lolalc» und Sonstiges: Fritz«arstüM: Anzeigen: Th. tSIocke: sämtlich in Berlin. Berlag: Vorwärts.Verlog S m b. S.. Berlin. Druck: Lorwgrts.Auchdruckcrrt „nd Verlagsanstalt Paul Singer». Co Berlin SV. 6S, LindcnltraKe Z. Hierzu 2 Beilagea. WERTHEIM Zusendung von 5 M an. Obst, Gemüse u, leidit verderbliche Artikel werden nicht zugesandt Soweit(Dorratt Frisch. Fleisch Schweinebaudi Pfund 0.66 Schweineblatt"% 0.74 SchweineschinkenPsd. 0.78 Rücfcenfett br',UrtÄJnd 0.51 Liesen 0.50 Gulasch 0.80 Kaller mllck gesalzen, Pfd. 0.88 Gehadtfes.... Pfund 0.62 Querrippe.... p1 8 Roastbeef mit Knodi. pm. 1.00 Kaibskamm... Pfund 0.64 Kalbsbrust''""Nnd 0.74 Kalbskeule gr.7puÄ! 0.86 Kalbsschnitzel. Pfund 1.60 Hammel-Vorderfl. 0.86 Fr. Bratwurst SpeiS0.90 Wurstwaren Hausmadi.-Sülze pw. 0.48 Speckwurst..... Pw 0.65 Dampfwurst w'u�'pmI 0.65 Mettwurst(Braunschw. Art) 0.88 LeberwurstsÄaTptin.l.08 Leberwurst iTnutwuni 1-30 Teewurst f»in» u. grob« 1.35 Holsteiner sVumi'tw 1.35 Zervelatwurst Fatldarm 1.55 Speck f«ff 0.68 magar, Pfd. 0.92 Käse Camembert Ä'Ä 0.27 Harzer-od.SpitzkäseKis«» 0.45 Blockkäse f,rÄAPr;i„d0.60 Emmenthal. Art's*«; 0.64 Stelnbuscher voiif«tt,pfd.0.65 Tilsiter vollfatt, Pfund v. an 0.76 Limburger 0.42 vf°„ 0.74 Kolländer UvoEiH«H.*p(und 0.80 Schweizer Ä 128 Obst u« Gemüse Tomaten..... Pfund 0.16 Stachelbeeren.piundO.18 Johannisbeeren Pfund 0.22 Kirschen..... Pfund 0.22 Blaubeeren... Pfund 0.28 Kalif. Apfel.. Pfund 0.36 Ifal. Pflaumen. Pfund 0.38 Zitronen Outiand von an 0.36 Bananen.... 3 Pfund 0.88 Weißkohl..... Gurken Möhren" 5,ho,en Grüne Gurken Pfund 0.08 0.09 0.10 Pfund Pfund Mücl< o.io an w■■ v Ooie Konserven Apfelmus........ 0.65 Aprikosen....... 0.95 Pfirsichekalif., halbaFrudil 1.15 Ananas.......... 1.35 Sentgurken...'n Dose 0.58 Br.-u, Sehn.-Bohnen 1 0.46 Jg. Erbsen 0.60 �1.15 Leipziger Allerlei-. 0.74 Olsardinen. on2Kiub. 5 Dosen W.VU Erbsen mit Speck.. Bohnen mit Rindfl... Linsen mit Raudif.'... Mohrrüben mit Schweinebeu ch Würstchen Dose J Paar 0.75 dosen 0.7 S V. kg Dose 0.62 Kolonialwaren Bruchreis 0.14 0*2�0?» 0-18 Rote Grütze...Pfund 0.60 Reisgrief|0.20Hpi�.;or.ut0.26 Mand.-Roslnen-Pudding 1,08 Haferflocken.. Pfund 0.26 Krechmandel-Pudding n«« Sago Pfd. 0.34��0.50 r,und 0m90 Makkaronl Bruch, Pfd.».si 0.46!Zucenpulver 0.6S Spaghetti Pfund».« 0.65 Bier-Kaitschaie Pfund 0.62 Fische f Kopf, anz« sehe, Ptund von an n \L. 0.22 ganze Fisch« A 9A Pfund von an Kabeljau Schellfisch Rotbars Kabeljaufiiet Pfd. Zander Makrelen... 3 Pfund 0.38 Leb. Krebse Manvd:i aB 0.60 Lebende Aale Pfd.». an 0.68 Leb. Schleie Pfd. von an 0.95 gerSudiarl Flundern Pfund von an 0.28 Schellfisch"fund'von'an 0.36 Makrelen. Pfund von an 0.38 GeSlügel, Wild Tauben"il,h fit Ä 0.60 Hühner frisch, Pfd. von an 0.88 Enten frisch. Pfund von an 0.95 Brathühner Pfund v. an 1.15 Jg. Bsckhähnchertv/an 1.20 Hirschbiätter Pfund v. an 0.75 Wein Proisa für Rasch«, ohn« Glas 1930 Eergzabsrner Letten 0.78 1930 Obermote'cr..... 0.80 1930 Roter Ingelheimer.. 0.85 1930 Burweiler Sdilofzberg 1.00 1«mptahlanswart« Naturg«wldis« 1929 Freiloubenheimer Platte Medinger...... 1.20 1928 WUrzberg.Frauenberg Saar, Orlg.-Abf. Frhr.v.SchorlBmar UO 192t MOdoC Lepr«, Podensac 1.35 Edelapfelwein........ 0.55 Poefko't Apteliaftalkoholfr«! 0.90 Fruchliekt mit Sl«u«ru.Flasch« 1,20 Himbaenaft mit Kirsd» g«.„.. dunkelt, mit Sskiflasa�a 1-20 Wein vom Fe$ zu billigen Preisen P'älzcr Bowlenwein. Liier 0.70 iohanniibearwein.. Lihsr 0.63 Tarragona u. Wermuth Lit«r 1,00 N Neue eue Matjesv an 0.25 Kartoffeln n aa 3 Pfund von en � Nr. 317» 4S. Jahrgang 2» Freitag, iO. Juli 1931 Herrn Gchieles dunkle Pläne. Hände weg von den Einsuhrscheinen! IVr Rcichscrnöhrungsminisler Sd)ic(e will die sinan- ziellcn Erleichterungen des hoovcr- Aeicrjohres für Subncn- linnen on die Londwirtschast zu Laslen des Steuerzahlers ausnuheir Die Reichsregierung mufz sich diesen Plänen entgegenstellen, wenn sie nicht von allen Göltern verlassen ist. Die kommende Wcizenerntc wird, da der Anbau van Winterweizen um rund 20 Pro,;, und der Anbau von Sommer- wei.zen um rund 75 Pro;, ausgedehnt worden ist, ungesöhr 700— SW 000 Ton neu größer sein als 1930, wenn nicht noch bc- sonders schlechtes Wetter einsetzt. Die Roggen- und chosercrntc wird dagegen geringer oussollen, weil die Anbauslachcn eingeschränkt sind. Diese Umstellung ist sehr begrüßenswert, da hierdurch die Gewähr gegeben ist, daß eine Wiederholung der Roggcnstiitzungsoktion, die die Reichskasse mehr als W Millionen gekostet hat, für das nächste Erntejahr überflüssig wird. Was für eine Folgerung ziehen ober die agrarischen Interessenten aus diese? Umstellung des Getreidebaues? Sie wollen die Regierung verpflichten, olle Hebel wie Zoll, Vcrmahlungszwang und Einfuhrscheine in Pewc- gung;u setzen, um die Wei.zcnpreise auf der gleichen ungeheuren jhöhe;u halten wie iin Vorjahr. Womöglich soll dieses Jahr an Stelle einer Roggenstützung eine W e i; e n st ü tz u n g inszeniert werden. Keine Forderung der Londbundschreier und ihrer Kon- sorten ist unverschämt genug, als daß sie nicht im Reichs- ernährungsmini st eri um«in williges Ohr fänden, denn Herr Schiele ist dringend auf Beifall von der Landwirtschaft angewiesen, um seine politische Stellung zu stärken. Es muß daher gleich von?lirfang an an die llnsinnigkeil dieser Pläne und ihre Gefährlichkeit für die Rcichskassc scstgenogell werden. Der W e i; e n z o l l in Höhe von 25 Mark je Doppelzentner, der lediglich für ein bestimmtes Mühlenkontingent bis zur neuen Ernte auf 20 Mark gesenkt ist, verhindert jegliche Ein» fuhr von Weizen zur Brotherstellung. Nur der eingeführte Weizen zur Herstellung von feinen Kuchenarten kann eine derartige Zoll- bclastuug tragen, denn der eingeführt« Weizen kostet einschließlich Zoll 360 Mark je Tonne, während zurzeit der Preis für deutschen Weizen zwischen 250 und 260 Mark liegt. Dieser außerordentlich hohe Zoll hat die Weizeneinfuhr schon im laufenden Erntejahr sehr stark vermindert und wird sie nach stärker herabdrückcn, wenn im kommenden Erntejahr der Bedarf an Weizen zum größten Teil aus eigener Ernte gedeckt werden kann. Nur zur Grießherstellung wird die Einsuhr von Hartweizen notwendig sein, und außerdem wird nur eine Verhältnis- mäßig geringe Menge von Weizen für die Herstellung von Konditorwaren, also für einen Luxuskonsum, eingeführt werden, so baß jede " Erhöhung des Vermahlungszwanges überflüssig ist Man fabelt bereits ober davon, daß der Vcrmahlungszwang nicht nur auf 80 Pro;., wie zeitweise im vorigen Jahre, sondern sogar auf 90 oder 95 Proz. erhöht werden soll, wodurch natürlich die Z o l l e i n n a h m e n zurückgehen, was an- gcsichts der Finanznot des Reiches nicht zu verantworten ist. Der Reichsfinanzminister wird also diesen von keiner Rücksicht auf die allgemeine Lage des Reiches beschwerten Plänen mit oller Energie entgegengetreten müssen. Noch viel toller sind aber die Pläne, die im Ernährungsministerium von Herrn Schiele ausgebrütet wer- den, das infolge seiner Kostspieligkeit und gänzlichen Unzulänglich- tcit im vorigen Jahre abgebaute Einfuhrscheinsystem wieder aufleben zu lassen. Da man befürchtet, daß die Landwirtschast im Herbst große Mengen von Weizen auf den Markt bringt und somit die Preise gedrückt werden, ist beabsichtigt, im Herbst Einflihrschdnc für Weizen zu erteilen, um den Ueberschus; im Ausland unterzubringen. Dosür soll dann im Laufe des Winters oder Frühjahrs wieder Weizen eingeführt werden. Natürlich findet dieser Plan bei dem G e t r c i d c h a n d c l b c g c i st c r t c Zustimmung, da dieser selbstverständlich nur das Interesse hat, möglichst viel Auslands- geschäjte zu machen und nicht die geringste Rücksicht auf die hier- durch entstehenden Kosten nimmt. Die Einführung von Exportprämien— denn etwas anderes sind die Einfuhrscheinc nicht— würde für die Reichskasse aber eine furchtbare Belastung bedeuten. Deutscher Weizen könnte im Ausland höchstens für 80 Mark je Tonne abgefetzt werden. Zieht man hiervon noch die Fracht ab, so bleibt ein Erlös von 70 Mark für die Tonne Exportweizen. Herr Schiele will ober den Weizenprcis im Inland auf 250 Mark halten. Das bedeutet, daß die Zollämter Exportprämien scheine von 180 Mark je Tonne ausgeben müssen, daß also die Reichsfinanzkassc für jede Tonne ausgeführten Weizen auf 180 Mark Zolleinnahmen ver- z i ch t e n muß. Die Wiederaufnahme des Exportprämiensystems bedeutet außer- dem. daß Rußland und Polen versuchen werden, durch Unterbietungen keine Einbuße an ihrem Weizenexport zu erleiden, und infolgedessen der Weltwcizenpreis noch stärker gedrückt wird und damit die deutschen Exportprämien unzureichend werden und erhöht werden müssen. Schließlich hat Deutschland angesichts der schweren Loge seiner Exportindustrie auch nicht die geringste Veranlassung, die Länder, die es mit seinem Weizendumping beglücken würde, gegen sich zu verstimmen und wirtschaftliche und politische Folgerun- gen dadurch auf sich zu nehmen. Die demagogischen Behauptungen des Getrei- dehandcls und anderer an der Ausfuhr interessierter Kreise, daß durch die Einfuhrscheine gar keine Belastung der Reichsftnanz- kasic erfolgt, werden schon dadurch widerlegt, daß, wenn auch im Herbst Weizen ausgeführt wird, keine Tonne Weizen mehr ein- geführt wird, als der Bedarf an solchen hochwertigen Weizensorten beträgt, für deren Einfuhr der hohe Zoll kein Hindernis ist. Wird also die Erteilung der Einfuhrschcine wieder aufgenommen, so be- deutet das die Zahlung von Exportprämien seitens der Reichs- finanzkasse. Die auszerordentlich angespannte Lage der Reichssinanzen verbietet aber jegliche irgendwie vermeidbare Ausgabe. Besonders ist es völlig ausgeschlossen, daß die Reichskaffc Mittel für ein Werzendumping zur Verfügung stellt. Der Reichs- k a n z l c r Brüning hat in seiner Rundfunkrede erklärt, daß die Regierung trotz Annahme des Hoover-Planes nicht in der Lage ist, irgendwie an dem gesamten finanziellen Ergebnis der Not- Verordnung zu rütteln. Es ist deshalb völlig ausgeschlossen, und es müßte einen Entrü st ungs stürm der Verbraucher und Steuerzahler entfesseln, wenn jetzt das Reichs- finanzministeruim plötzlich auf die Einnahme aus den Weizenzöllen verzichten will, um ein Weizendumping zu finanzieren. Hände weg von den Cinfuhrfcheinen! Der Weizen- zoll genügt, um jegliche unnötige Einfuhr von Weizen unnwglich zu machen. Damit haben die Verbraucher ein genügend großes Opfer im Interesse der Landwirtschaft gebracht. Die Zieichsbank am 7. Juli. Aoiendeckung 43,6 Prozent.- Luthers dringliche Reise.- Die Reinigung. Der Reichsbankausweis vom 7. Juli durste zwar mit Spannung erwartet werden, konnte aber angesichts der täg- lichen Information der Oefsentlichkeit über die Devisenverluste und die fortdauernde Anspannung des Geldmarktes keine Ueberraschungen bringen. Es ist nur mit Bedauern festzustellen, daß die Rätsel immer zahlreicher werden, die der Reichsbankaus- weis enthält und daß es die Reichsbankleitung nicht für nötig hält, die Erläuterung des Ausweises entsprechend den durch die Juan- spruchnahme ausländischer Devisenkredite eingetretenen Verändc- rungen entsprechend zu erweitern und zu ergänzen. Aach den nackten Bilanzziffern ist in der ersten Iuliwoch« eine E n t l a st u n g der Reichsbank eingetreten. Die Bestände an Handelswechseln und Schecks sind um 23,7 mit 2565,0 Millionen Mark niedriger ausgewiesen, der Be- stand an Lombarddarlehen ist um 130,7 auf 224,5 und der Bestand an Reichsschatzwechseln um 70,2 auf 3,4 Millionen zurückgegangen. Der hier erscheinende(nominelle) Rückgang der Wechselbcstäude um 23,7 Millionen wäre an sich schon für die erste Woche nach dem Halbjahrcsultimo ganz außerordentlich geringfügig. Er spräche an sich schon für die fortdauernde Anspannung auf dem Geldmarkt und bei den Banken. Aber die Rcichsbankkundschaft hat auch noch aus dem unverzinslichen Girokonto 55,2 Millionen abgc- zogen(Bestand 342,8 Millionen), so daß sich hieraus die fortbe- stehende allgemeine Kreditansponnung noch deutlicher ablesen läßt. Der Notenumlauf der Reichsbank hat sich um 184,3 auf 41 10,4 Millionen, derjenige an Rentcnbankschcinen um 17,3 auf 409,3 Mil- lionen Mark verringert. Bei den D e ck u n g s b e st ä n d e n ergibt sich eine kleine Er- höhung der Goldbestände(kleiner Kauf van Russcngold) um 0,7 aus 1421,8 Millionen und bei den deckungsfähigcn Devisen eine Zu- nähme um 71,4 auf 370,9 Millionen Mark. Da der Notenumlauf abnahm und di« Deckungsbestände sich erhöhten, zeigt sich gegen- über der Vorwoche auch eine Steigerung im Deckung»- Verhältnis. Die Deckung der Noten durch Gold und Devisen zusammen betrug am 7. Juli 43,0 gegen 40,1 Proz. in her V o r w och e. Dos aus dem Rokcaausweis Reichsbankousweis nicht ohae weiteres hervorgeht: Tatsächlich sind aber die von der Rcichsbank bis zum 7. Juli aufgenommenen Wechsslsummcn größer als di« ausgewiesenen 2555 Millionen. Tatsächlich ist di« erhöhte Noten- deckung von 43,6 Prozent nicht aus eigenen Deckungsmitteln der Reichsbank möglich gewesen, sondern aus geborgten. Die Reichsbank hat von dem früheren 100-Millionen- Dollar-Kredit den Rest, nämlich 104,8 Millionen Mark noch in ihre Deckungsbestände hineingenommcn und außerdem aus dem ausländischen Bereitschaftskredit der Golddiskont- baut(Gesamtbetrog 50 Millionen Dollar oder 210 Millionen Mk.) den größten Teil. So allein ist die Vermehrung der Devisen- bestände um 71,4 Millionen zu verstehen, nachdem ja die erste Juli- wache neue Devisenabzüge von rund 200 Millionen Mark gebracht hotte. Diese zusätzlichen Auslandskreditc, die die Reichsbank in die Notendeckmtg einrechnete, mußten aber auch in irgendeiner Form glattgestellt bzw. bezahlt werden. Nicht viel weniger als 2 0 0 Mil- lionen Mark Inlandswechsel dürften daher sofort an die Golddiskontbank abgegeben worden sein und für den Rest des 100-Millionen-Dollar-Kredits mußte die Reichsbank rund 105 Millionen Mark Jnlandswechsel zur Deckung in Reserve stellen. Die tatsächlich von der Reichsbank aufge- nommene Wechselsumme beträgt also am 7. Juli nicht 2555, son- dern mindestens 300 Millionen Mark mehr. Daraus ergibt sich ober, daß in der ersten Juliwoche auf dem Wechselkonto keine Entspannung um 23,7, sondern wahrscheinlich eine z u s ä tz- liche Belastung von über 280 Millionen Mark eingetreten ist. Auf der anderen Seite ist es auch selbstverständlich, daß die De- visen- und Golddeckung der umlaufenden Noten aus nicht g c- borgten Deckungsmitteln erheblich niedriger liegt als die genannten 43,6 Prozent. Die Devisenverluste der Reichsbank, di« ja bis in die ollerletzten Tag« fortgedauert haben, sind in dem Ausweis vom 7. Juli auch noch nicht voll enthaltcn. Di« beiden letzten Tage vor dem Ausweisdatum fehlen regelmäßige das waren diesmal 140 bis 145 Mill. Mark. Am Mittwoch und am Donnerstag, also am 8. und 9. Juli, mußte die Reiäisbank mit weiteren 100 bis 106 Mill. geradestehen, so daß bisher von der Reichsbank noch. �sticht ausgewiesene Deviseuverlnste»«s 2 49 bis 250 Mill. Mark vorliegen. Das ist die Summ«, in der in den letzten vier Tagen das noch fortdauernde Mißtrauen des Auslandes in die dcutschc Wirtschaftssicherhcit sich ausgedrückt hat. Wiederum muß auch hier gesagt werden, daß es kein dcut- scher Staatsbürger nötig, hat, sich vor einer Inflation zu fürchten. Der gesamte P a p i c r g c l d u m l a u f der Reich-- dank, bei dem es keine Rätsel aufzulösen gibt, war auch am 7. Iu>i mit 4,52 Milliarden niedriger als zur gleichen Zeit des Bor- jahrcs, wo er 4,80 Milliarden betrug. Allerdings ist der Roten- unilauf gegenwärtig höher, als er ahne die ausländischen Kredit- abziehiingen sein würde. Aber die Lage ist ärger, als sie bei einer Inflation zunächst zu sei» brauchte. Denn be« einer In- slation gäbe es ja neues Geld und neue Kredite: jetzt fehlen die Kredite aber so sehr und sind zugleich so teuer, daß es gerade des- halb zu schwersten wirtjchajllichcn Störungen kommen kann, weil kein.' Inflation zu befürchten ist. Eines freilich erklärt sich zwanglos, nämlich die große Dringlichkeit, mit der sich der R e i ch s b a n k p r ö s t d e n t Luther jetzt im Ausland um neue Kredite bemühen muß und nnt der man um jeden Preis ein Ende der ausländischen Kreditkündi- gungen sehen mächte. Wir glauben allerdings, daß in Deutschland immer noch zuviel verabsäumt wird, um die Kredit- abziehungen des Auslandes endgültig zu stoppen. Wenn Herr Luther nicht nur über das Zustandebringen des Garanticsyndikcits erfreut gewesen, sondern zugleich den 1080 deutschen Unternehmern erklärt hätte, daß er rückhaltlos und rücksichtslos die ganze Krast der Reichsbank für die Reinigung der deutschen Wirtschaft von innen her einsetzen und auch die Reichs- rcgierung dazu veranlassen werde, so hätte er dem Ansehen der deutschen Wirtschast im Auslände wahrscheinlich den größten Dienst getan, vergangene Fehler gutgemacht und zugleich neuen Devisen- Verlusten am stärksten entgegengearbeitet. Was wird mit Bergmann? Wir hatten in letzter Zeit mehrfach Gelegenheit genommen, uns mit der Frage nach dem Schicksal der Bergmann- Elektri- zitätswcrkc A-G. zu beschästigen. Bekanntlich wird das Unter- nehmen von den beiden Elcktro-Konzerncn Siemens und AEG- beherrscht, die jetzt daran gegangen sind, den Betrieb dei Bergmann zu„reorganisieren". Was ober bringt diese Reorganisation, was bringt sie vor allem für die Belegschost? Auf der Generoloersammlung war davon die Rede, daß verlustbringende Abteilungen st i l l g c l c g t werden sollten. Die Gefahr ist groß, daß die Stillegungen von den Groß- oktionärcn erzwungen werden, im Interesse ihrer eigenen Anlagen, die sie voll ausnutzen wollen. Die Gerüchle wollen nicht verstummen, und die Bergmann- Belegschaft ist von ihnen auss höchste beunruhigt, daß man dabei ist. nun auch die werke Reinickendorf und Rosenthal stillzulegen. Die Ocsfentlichkeit. die Bevölkerung Berlins, muß bei der katastrophalen Arbeitsmarktlage fordern, daß die Verwaltung von Siemens und AEG. sich umgehend zu diesen Gerüchten äußert. Fröhlicher Kariellkampf. Gegen das Neichswirtschastsministerium. Mit welcher Skrupellofigkeit deutsche Kartellorganisa- turnest gegen Gesetz und Anordnungen von Behörden handeln, das wird wieder einmal durch eine Meldung aus Stuttgart betannt. Seit Iahren führen über hundert süddeutsche Kohlen- Händler einen Kampf gegen die Kartclldiktatur, insbesondere des Süddeutschen Kohlenwirtschastsvcrbandes. Das Reichswirtschaft?- Ministerium hotte Lieferungssperrcn der Kartelle gegenüber den Kohlenhändlern für ungesetzlich erklärt und aufgehoben. Die Behörden haben die betreffenden Organisationen über die Gesetzes- bestimmungen des öfteren unterrichtet. Was aber taten diese? Man verschickte ein streng vertrauliches Rundschreiben und führte die Sperre unentwegt weiter, jahrelang, und tat so, als existierten Reichswirtschaftsministerium und Kartellverordnung nicht. Diese seinen Praktiken der Kartellorganisationen sind e r st jetzt aufgedeckt worden, als eine Klage vor dem Kartellgericht anhängig gemacht wurde. Die Untersuchungsbehörde ließ durch die Krimi- n o l p o l i z e i Material beschlagnahmen— und darunter befand sich auch das streng vertrauliche Rundschreiben! Man sieht an diesem Beispiel, wie weit der Ucbermut der deutschen Kartelle geht. Sie fühlen sich als„Herren" der Wirtschast und tun, was ihnen beliebt. Wann endlich wird man an den maß- geblichen Stellen zu der Einsicht kommen, daß hier energisch- Wandel geschaffen werden muß, daß es ahne eine ständige, umfassende Kar'tellkontrolle nicht weiter geht! Steigende Roheisenerzeugung im Juni. Die leichte Besserungstendenz in der deutschen Eisenindustrie wird bei der Roheisenerzeugung für den Monat Zuni bestätigt. Die arbeilstägliche Gewinnung ist gegenüber Mai von 17 S92 auf 19 183 oder um rund 7.2 Proz. gestiegen. Zusammenbrüche. Die ä l t e st e Bank O st w c st f a l e n s, das Bankgeschäft Ranschoff& Spancken in Paderborn hat die Zahlungen eingestellt. Die Ursache liegt in der schlechten Wirtschaftslage und in der plötzlichen Kündigung größerer Kredite. Es han- dclt sich um keine große Summe: die Verbindlichkeiten betragen bis- her etwa 200 000 Mark. In Frankfurt a. M. ist die Lederfabrik L. H. Kauf- mann in Zahlungsschwierigkeiten geraten. Diese werden unmittcl- bar auf die Kreditcinschränkung der Gläubiger- b a n k c n zurückgeführt. Die Bankschulden betragen rund 3 Mill. Mark, wovon etwa ein Drittel aus das Ausland entfällt. Auch hier scheint eine zureichende Kontrolle der Banken bei der Kreditgewäh- rung gefehlt zu haben. Außenstände und Vorräte werden auf rund 2 Mill. Mark beziffert. Das rheinisch-westfälische Kohlensyndikat gibt den arbeitstäg- lichen Absatz für Juni mit 194000 Tonnen an gegenüber 198 000 Tonnen im Mai. Davan gingen in das unbestrittene Gebiet 94 000 Tonnen(99 000 Tonnen) und in dos bestrittene Gebiet 100 000 Tonnen(99 000 Tonnen). Die Hakdenbestände hoben sich nicht verändert. Bei den Koksbcständen ist eine kleine Verringerung eöigetvetes. SmileSEolat„C ®t«fc TlnkipUe aus dem Nachlaß des großkn französischen Romanciers erscheint hier zum erstenmal in deutscher Sprache. Lucien Berard et Hortonsc Loriviere sind seit einer Woche ver- heiratet. Die Mutter der jungen Frau ist Witwe und führt seit dreißig Jahren ein Spielwarengeschäft in der Rue de la Chaussee- d'Antin. Sie ist ein trockenes und spitziges Weib von herrschsüchtigem Charakter, hat zwar ihre Tochter dem einzigen Sohn eines Eisen- und Kurzwarenhändlcrs nicht verweigern können, beabsichtigt aber, den jungen Hausstand gründlich zu überwachen. Im Ehekontrakt hytte sie den Laden Hortense übergeben, sich jedoch ein Zimmer in der Behausung vorbehalten. Tatsächlich leitete sie das Ganze weiter unter dem Borwand, die Kinder in den Verkauf einzuarbeiten. Es ist Mitte August, intensive Hitze herrscht: die Geschäfte gehen schiecht. Die alte Frau Lariviere ist nach säuerlicher als sonst. Sie duldet nicht einmal, daß Lucian sich einen Augenblick neben Hortense vergißt. Hat sie die beiden doch eines Morgens dabei überrascht, wie sie einander im Laden küßten! Und das eine Woche nach der Hochzeit! Alles muß feine Ordnung haben, und man muß dem Geschäft gleich einen guten Ruf schaffen. Niemals hat sie Herrn Lariviere erlaubt, sie im Laden auch nur mit den Fingerspitzen anzurühren. Uebrigens war ihm auch nie der Gedanke gekommen. So hatten sie den Grundstein zu ihrem Unternehmen gelegt. Lucien wagt noch nicht, sich aufzulehnen, sendet ober hinter dem Rücken seiner Schwiegermutter seiner Frau 5)andküss«. Eines Tages jedoch erlaubt er sich, daran zu erinnern, daß die beiderseitigen Familien ihm vor der Hochzeit eine Reise während des Honigmonds versprochen. Frau Larwiere preßt die dünnen Lippen aufeinander. „Meinetwegen", brummt sie,„geht einen Nachmittag im Bois de Vincennes spazieren." Verblüfft sehen die Jungvermählten«inander an. Hortense beginnt ihre Mutter tatsächlich lächerlich zu finden. Kaum wird sie nachts von der Guten allein bei ihrem Mann gelassen. Beim geringsten Geräusch kommt Frau Lariviere auf bloßen Füßen, klopft an die Tür und fragt, ob jemand krank sei. Antworten sie, es ginge ihnen gut, so ruft die Fürsorgliche:„Ihr tätet besser daran, zu schlafen... Morgen schlaft ihr mir sonst im Kontor ein." Das ist nicht mehr zu ertragen. Lucien zählt alle Ladenbesitzcr der Gegend auf, die sich kleine Reisen gestatten, während Verwandte oder tüchtige Angestellte die Geschäfte betreuen. Da ist der Handschuh- Händler Ecke der rue La Fayettc, der augenblicklich sich in Dieppe aufhält: der Messerschmied aus der Rue Saint-Nicolas ist soeben nach Luchon gereist: der Juwelier dort gleich am Boulevard ist mit der Frau in die Schweiz gefahren. Jetzt gönnen sich eben alle behaglich lebenden Leute einen Monat auf dem Lande. „Daran geht das Geschäft zugrunde, mein Herr! Verstehen Sie wohl!" ruft Frau Lariviere.„Zu Lebzeiten meines Mannes gingen wir einmal im Jahr, am Ostermontag, nach Vincennes, und hoben uns dabei nicht schlecht gestanden... Soll ich Ihnen mal etwas sagen? Hören Sie gut zu: Sie oerbummeln das Geschäft mit diesen Gelüsten, herumzureisen. Jawohl— das Geschäft wird zugrunde gehen." „Es war ober doch abgemacht, daß Lucien und ich«in« Reise machen sollten" wagt Hortense einzuwenden.„Besinn dich nur, Mutter, du hast das bewilligt." „Vielleicht... aber das war vor der Hochzeit. Man sagt allerlei Dummheiten vor jeder Hochzeit zu... Wie, bitte? Jetzt seid aber vernünftig." Um Streit zu vermeiden, ist Lucien hinausgegangen. Er ver- spürt den wilden Wunsch, seine Schwiegermutter zu erdrosieln. Als er nach etwa zwei Stunden zurückkommt, ,st er ganz verwandelt, spricht mit sanfter Stimme zu Frau Lariviere, ein seichtes Lächeln spielt um sein« Mundwinkel. Abend» fragt er sein« Frau: „Kennst du die Normandie?" „Du weißt ja, daß ich sie nicht kenne", antwortete Hortens». „Ich bin doch immer nur ins Bois de Vincennes gekommen." Am nächsten Morgen läßt ein Donnerschlag den Spielwaren- laden erzittern. Luciens Vater, im ganzen Viertel als Papa Berard bekannt und berühmt als Lebenskünstler, der alle Dinge gütlich ordnet, lädt sich selbst zum Frühstück ein. Beim Kaffee ruft er aus: „Hier bringe ich ein Geschenk für unsere Kinder." Und zieht triumphierend zwei Eisenbahnbilletts aus der Tasche. „Was soll dos heißen?" ftogt mit halberstickter Stimme die Schwiegermutter. „Gott: zwei Plätze erster Klasie für eine Rundreise in der Normandie... Fein, meine Kinderle, einen Monat in freier Natur! Ihr werdet frisch wie Rosen zurückkommen." Frau Lariviere ist zerschmettert. Sie möchte schon protestieren, wagt sich ober im Grunde nicht in einen Streit mit Papa Berard, der stets das letzte Wort behält. Was sie vollends verblüfft, ist die Absicht des Kurzwarenhändlers, die Reisenden sofort zum Bahnhof zu geleiten. Er wird sie nicht eher verlassen, bi» er sie glücklich im Abteil oerstaut hat. In dumpfer Wut erklärt sie:„Gut, geht! Rehmen Sic mir nur 'meine Tochter fort. Mir schon recht: nun werden sie einander doch nicht mehr im Laden küssen, und ich muß auf die Ehre meines Hauses passen!" Endlich sind die Jungvermählten in Begleitung des Schwieger- vaters auf dem Bahnhof Saint-Lazare. Der Glückstifter hat chnen gerade soviel Zeit gelassen, daß sie ein paar Wäsche- und Kleidungs- stücke in einen Koffer stopfen konnten. Jetzt drückt er den Reisenden schallend« Küsie auf die Wangen, empfiehlt ihnen, aus alles zu achten, damit sie später berichten können, was sie gesehen haben. Das soll ihm Spaß machen! Auf dem Abfohrtbahnsteig eilen Hortense und Lucien den Zug entlang, um ein leeres Abteil zu finden. Sie haben Glück und finden eins, in das sie eiligst einsteigen und sich bereits für ein Tete-i-Täte installieren, als zu ihrem Schmerz ein bebrillter Herr hereinklettert, der sie seinerseits streng mustert. Der Zug fetzt sich in Bewegung: Hortense wendet sich verzweifelt ab und gibt vor. die Landschaft zu studieren. Tränen steigen ihr in d'« Augen; sie kann nicht einmal Bäume erkennen. Lucien tüftelt über ein geniales Mittel nach, sich des alten Herrn zu entledigen, findet aber nur unbrauchbare, zu energische Auslunstsmittel. Einen Moment lang hofft er, der Lästige werde in Mantes oder in Vernon aussteigen. Vergebliche Hoffnung. Der Herr fährt bi» nach 5?aorc mit. Außer sich beschließt Lucien jetzt, ruhig die Hand seiner Frau zu streicheln. Schließlich sind sie doch verheiratet und dürfen öffentlich zärtlich sein. Doch die Blicke des alten Herrn worden immer strenger. Offenkundig mißbilligt er diesen Liebesbeweis: errötend zieht die jung« Frau ihre Hand zurück. Der Rest der Reise verläust in un- behaglichem Schweigen. Endlich ist Rouen erreicht. Lucien hat bei der Abfahrt aus Paris«inen Führer gekauft. Sie steigen in einem darin empfohlenen Hotel ab und sind sogleich Beute der Kellner. Bei Tisch wogen sie kaum ein Wart mitein- ander zu wechseln, da alle Welt sie betrachtet. Zeitig gehen sie schlafen: die Zimmerwände sind fv dünn, daß ihnen kein« Bs- wegung ihrer Nachbarn rechts und links entgeht. Nun wagen sie nicht mehr, sich zu rühvgll, nicht einmal sich zu räuspern. ine ülundreife" Beim Aufstehen am anderen Morgen schlägt Lucien Be- sichtigung der Stadt und baldig« Abreise noch Havre vor. Den ganzen Tag lang bleiben sie auf den Beinen: sie bc- sichtigen die Kathedrale, wo man ihnen den„Buttcrtunn" zeigt, der von den Steuern errichtet wurde, die die Geistlichkeit aus den Molkereien der Gegend zog. Weiter pilgern sie ins Schloß der Herzöge der Normandie, in die alten Kirchen, die zu Futtcrfpeichern verwendet werden, auf die Place-Ieannc-d'Arc, ins Museum, sogar auf den monumentalen Friedhof. Sic tun's, als ob sie eine Pflicht erfüllten, erlassen sich auch nicht ein historifches Gebäude. Hortense vor allem langweilt sich zu Tode. Sie ist derart ermüdet, daß sie am folgenden Tag in der Eisenbahn schläft. In Havre erwartet sie eine andere Unannehmlichkeit. Die Betten in ihrem Hotel sind so schmal, daß das Paar in eiixm Zweibettzimmer untergebracht wird. Hortense faßt dies als Bc- leidigung auf und fängt an zu weinen. Lucien muß sie trösten und schwört ihr zu, nur solange in Havre zu bleiben, bis sie alle Sehenswürdigkeiten besichtigt. Die tollen Wanderungen fangen von Neuem an. Bon Havre gehts in der gleichen Art weiter durch mehrere Städte, die im Führer als wichtig angesternt sind. Sic besuchen Honfleur, Pont-l'Eoäque. Caen, Baycux, Cherbourg. In ihren Köpfen rumort es von Straßen- und Dcnkmalsnanren. Sie ver- wechseln die Kirchen; der schnelle Wechsel der Aussichten schüchtert sie ein, da sie sich gor nicht dafür interessieren. Nirgends noch haben sie«in friedliches Winkelchcn für ihr Glück gefunden—»i> sie sich unbelauscht hätten küssen können. Jetzt sind sie soweit, nichts mehr ansehen zu wollen, setzen aber getreulich ihre Reife fort wie«ine Fronlefftung, deren sie sich nicht entledigen können. Da sie nun einmal abgereist sind, müssen sie auch wieder heimkommen. Eines Abends läßt sich Lucien in Cherbourg die Worte:„Ich glaube, ich zieh' sogar deine Mutter noch vor!" entschlüpfen. Am folgenden Morgen fahren sie nach Granvillc weiter. Lucien bleibt aber düster und wirft wilde Blicke auf die Landschaft, deren Felder sich fächerförmig zu beiden Seiten der Bahnlinie entfalten. Plötz- lich hält der Zug an einer kleinen Station, deren Namen ihnen nie zu Ohren gekommen; ein bewundernswertes Fleckchen Grün, unter Bäumen wie verloren. Lucien ruft:„Hier steigen wir aus, schnell, Liebchen!" „Aber diese Station steht ja nicht im Führer" meint Hortense verblüfft. „Ach was, im Führer!" erklärt er,„du wirst gleich sehen, was ich mit dem Führer anfange! Fix doch, Liebling, ausgestiegen!" „Aber unser Gepäck?" Und Hortense steigt aus, der Zug fährt weiter und läßt die Die Souks von Tunis Tunis ist noch ganz Orient. Die Franzosen kamen hierher nicht als Feinde, eroberten das Land nicht mit der Waffe in der Hand, sondern sie halsen zunächst den Tunesiern, die allzu sehr in Schulden steckten, ihre Finanzen in Ordnung zu bringen. Daß sie nach und nach aus Beschützern zu Herrschern wurden, das ist der üblich« Lauf der Geschichte, ober e» heißt noch immer, daß Tunis nur unter der Schutzherrschast, dem„Protektorat", Frankreichs steht, und jedenfalls haben die Franzosen den äußeren Charakter der Städte so gelassen, wie sie ihn vorgefunden hoben: sie bauten nur daneben ihr« europäischen Viertel. So ist denn Tunis orientalisch schön und sonderbor und bietet den Europäern Schauspiel. Be- lehrung, Einsicht in eine fern« Vergangenheit, die hier erhalten blieb, wie erstarrt, ein verzaubertes Land. Besonder» stark ist dieser Eindruck einer im Schlummer verharrenden Welt in den Souks von Tunis. Kenner der arabischen Welt behaupten, daß die Souks in Fez noch großartiger sind, ober die von Tunis sind unbedingt die schöneren durch da» Spiel des Lichtes, das in die engen Gassen und GSßchen durch die Spalten in ihren Wölbungen und Ueberdeckungen hineinsickert, hier sein Spiel treibt, launisch, lustig, melancholisch. Denn die. Souks sind kleine Läden und W e r k st ä t t e n. die sich aneinander reihen in langen gewölbten Gängen oder, wenn sie einmal im Freien liegen, überdeckt werden von dichtem Rohrgeslecht. In den Souk« ist es sehr ruhig trotz des emsigen Lebens, denn jeder Souk ist ein in sich abgeschlossenes Reich, in dem einige Men- fchen still und mechanisch ihrer Arbeit nachgehen. Es scheinen Ge- setz« und Regeln zu bestehen, die dies« Welt beherrschen, denn man kann leicht feststellen, daß sich gewisse Handwerke an einer Stell« versammeln, und wenn man in einen langen Souk hineingerät, so kommt man an unzähligen kleinen Käsigen vorüber, in denen das Gleiche„fabriziert" wird, Mützen oder Schuhe oder Stoffe... In anderen Straßen wieder gibt es Lederwaren, Silberwarea, Teppiche, Parfüm». Dies« Souks sind meistens wie kleine Schmuck- stübchen eingerichtet: sie wirken anziehend fürs Aug« und sind schon an und für sich eine Verlockung, eine Falle, die dem Käufer ge- stellt wird. Als Falle könnte man auch die äußerst« Liebenswürdig- keit der Inhaber deuten, die nicht ruhen, bis man„unverbindlich" in ihren Laden hineingekommen ist, sich die Dinge, die sie liebevoll ausbreiten, angeschaut hat und«ine Tost« maurischen Kasse« mit dem„Freund" getrunken hat. Höflichkeit zeichnet die Sitten des Orient» so sehr aus, daß dies« übergroße Zuvorkommenheit der Verkäufer vielleicht einfach als ein Bedürfnis dieser Menschen aus- gelegt worden kann, zu denen wir als Boten aus einer anderen Welt hinabsteigen, aber fest steht auch, daß man die neuen„Freunde" sehr gern zu Käufern machen möchte, und daß der so behandelte Europäer meist entwaffnet ist und sich nun seiner Kauflust überläßt. Sonderbar wirkt auf diesen Gast, Freund und Käufer, wenn er den Souk verläßt, die Aufschrift, die er gleich daneben sieht: „Museimanischer Gottesoienst. Eintritt für Fremde verboten". Alls ihren Gatt beholten sie für sich allein, diese höflichen und freund- lichcn Menschen? Sie behalten auch wohl noch viel anderes für sich allein, das in der Tiefe ihrer Seelen schlummert, tief verschleiert vor dem Auge des Fremden. Sie sprechen ftanzösisch, viele von ihnen sind auch schon weit gereist und hoben Brocken von Deutsch. Englisch. Italienisch, Spanisch auf diesen Reisen gesammelt. Einmal im Jahre aber kommt der Bey aus seinem Schloß in Marsa nach Tunis und begibt sich in die Souks. Es geschieht an einem Feiertag, aber in den Souks herrscht ein reges Leben. Sie sind noch schöner geschmückt al« sonst, und der kleinste Handwerker wie der Besitzer der schönsten Teppichsammlung tragen feierlich« Freude auf dem Gesicht geschrieben. In den Moscheen, die der Fuß eines Ungläubigen nicht betreten darf, werden feierlicher als sonst Gebete abgehalten. Der Islam lebt, und indem er lebt, ist er eine geheimnisvoll« Kraft, die sich vielleicht zeitweis« duckt, die sich aber wohl nie völlig ergibt. In dem Labyrinth der Souks lebt nicht nur dos Handwerk, wie durch«ine Zauberkraft erhalten, sondern es lebt noch der Orient, der Islam, jene Welt, die un» durch ihre Farbigkeit, ihr Anderssein entzückt, bis sie eines Tages sich wieder aufbäumt und, de« Halbmonde« gedenkend, Krieg erklärt ollem, «« fremd ist. S. K. Beiden an dem herrlichen grünen Fleck. Sie sind mitten auf dem Lande, als sie aus dem kleinen Bahnhof treten. Keinerlei Lärm. Vögel singen in den Bäumen, ein klarer Bach murmelt durch den Talgrund. Luciens erste Sorge ist, den Führer in eine Lache zu schleudern. Schluß damit! Sie sind frei! Nach dreihundert Schritt stoßen sie auf eine einsame Herberge, deren Wirtin ihnen ein großes, weißgekalktes von frühlingshafter Heiterkeit erfülltes Zimmer einräumt. Die Mauern sind mindestens einen Meter dick. Zudem ist außer ihnen kein Reifender in diesem Gasthaus—? lediglich die Hühner mustern sie neugierig. „Unsere Fahrkarten haben noch eine Woche Gültigkeit" kon» statiert Lucien. „Also, diese acht Tage werden wir hier oerbringen." Welch köstliche Woche! Margens früh wandern sie durch ein- fame Wege, vergraben sich im Wald, auf dem Abhang eines Hügels; dort bringen sie die Tage zu; versteckt im hohen Gras, das ihre Liebe schützt. Manchmal pilgern sie den Lauf des Baches entlang. Hortense läuft wie ein ausgerissenes Schulmädchen; dann zieht sie Schuh und Strümpfe aus, nimmt ein Fußbad, während Lucien sie zu Hilferufen veranlaßt, indem er sie heftig in den Nacken küßt. Der Mangel an frischer Wäsche, der Zustand der Entblößung von allen Kulturgegenständcn erheitert sie. Sie sind über die Abgeschiedenheit beglückt: in einer Einsamkeit zu sein, in der sie niemand vermutet. Hat doch Hortense bereits grobe Wäsche von der Wirtin leihen müssen, Leincnhemden, die ihr die Haut zer- kratzten und sie zum Lachen reizen. Ihr Zimmer ist so heiter. Schon um acht Uhr schließen sie sich darin ein, wenn die dunkel und ruhig daliegende Landschaft sie nicht mehr lockt. Bor allein haben sie aber angeordnet: sie wollen nicht geweckt werden. Manch- mal geht Lucien selbst in Pantoffeln hinunter, Holl das Frühstück herauf— Eier und Koteletts— und erlaubt niemand, ins Zimmer zu kommen. Sind das auserlesene Frühsiücksgenüsie, die am Bettrand eingenommen werden und dank der Küsse, die zahlreicher als die Bissen Brot sind, gar nicht enden! Am siebenten Tag sind sie überascht und trostlos darüber, so schnell gelebt zu haben. Sie reisen ab, ohne den Wunsch, z» erfahren, wo sie geweilt und einander geliebt. Ihnen genügt: sie hatten das richtige Quartier für ihren Honigmond. In Paris erst finden sie ihr Gepäck wieder. Als Papa Berard sie ausfragt, geraten sie in Verwirrung. In Caen haben sie das Meer gesehen; den„Butterturm" verlegen sie nach Havre. „Aber verflucht und zugenäht!" ruft der Kurzwarenhändler, ihr erzählt ja gar nichts von Cherbourg... und vom Arsenal?" „Ach Gott! Ein ganz nettes, kleines Arsenal", antwortet Lucien.„Aber Bäume fehlen." Da zuckt Frau Lariviere verbittert mit den Achseln und murmelt:„Als ob das der Mühe wert war, zu reisen! Sie kennen ja nicht einmal die wichtigsten Gebäude... Jetzt Schluß, Hortense, mit den Dummheiten: setz' dich an den Schreibtisch." (Einzig bereck)tigte Übertragung von Anni« Konen.) Heue Versuche Sieinachs In der Wiener Biologischen Gesellschaft demonstrierte Prof. Eugen Steinach neue Versuche. Seine Arbeiten zur experimentellen Maskulierung, Feminierung und Hermaphrodisierung haben zu der Erkenntnis geführt, daß die Einpflanzung der dem anderen Ge- schlecht entstammenden Keimdrüse in infantil kastrierte Tiere eine Wandlung der körperlichen und geistigen Geschlechtscharaktcre bewirkt. Diese Ergebnisse der Keimdrüsenüberpslanzung ließen sich in letzter Zeit auch durch Einspritzung von chemisch isolierten Sexual- Hormonen reproduzieren. Neue Versuchsreihen liefern nun den Beweis, daß die. Wandlung der körperlichen und geistigen Geschlechtszeichcn auch ohne lieber- Pflanzung vorn anderen Geschlecht oder Zufuhr von dessen Hormon hervorgerufen werden kann, und zwar durch direkte Beeinflussung der Keimdrüse an Ort und Stelle. Abgesehen von der Ausbildung männlicher Geschlechtszeichen war ein Umschlag des geistigen Ge- schlechtscharakters im Sinne männlicher Erotisierung eingetreten. Diese Tiere erkannten und bevorzugten dos brünstige Weibchen und verfolgten es unablässig. Die Gewebeuntersuchung der Eierstöcke ergibt sowohl nach Röntgenbestrahlung als auch nach Behandlung mit Hypophysen- Vorderlappcnhormon das Bild vollständiger Luteinisierung(Latein ist der gelbe Farbstoff des Eidotters und Corpus luteum der weib- liche Keimdrüsenextrakt). Es bestätigte sich, daß das Luteingcwebe ein Inkret produziert, das dem Hodenhormon entspricht. In mehreren Versuchsreihen glaubt Steinach die Identität der Wirkung des maskulinen Hornions, das dos Corpus luteum pro- dyziert, mit dem Hodeninkret bewiesen zu haben. Die nach Infantil- kastration unentwickelten Geschlechtsmerkmole der männlichen Rotte können durch Einspritzung von Corpus-Iutemn-Extrakt zur Entwick- lung und vollen Ausbildung gebracht werden. Der Eierstock bildet also außer den Hormonen, die spezifisch auf weiblich« Geschlechtsmerkmale wirken, ein Hormon, das spezifisch auf männliche wirkt; dieses maskuline Hormon ist im Luteingewebe lokalffiert. Es besteht im Eierstock ein Zustand, den Steinach als hormonale Bisexualität bezeichnet. 3)ichlung und Wahrheii Das Grand-Guignol-Theater in Paris ist eine einzigartige Ein- richtung: es führt ausschließlich Schauerdramen auf, welche den Zu- schauern mit schwachen Nerven schlaflose Nächte verursachen. Der langjährige Hausdichter dieses„jfunstinstituts", ein gewisser Jean Aroguy, lieferte neulich sein neuestes Erzeugnis ob, besten Haupt- szenc eine Gehirnoperation auf offener Bühne bildete. Der Direktor legte nolurgemäß einen gesteigerten Wert daraus, diese„Sensation" nach Möglichkeit lebenswahr zu bringen, und ersuchte daher Profestor Pouch«, einer einschlägigen Operation in dessen Klinik beiwohnen zu dürfen. Die Erlaubnis wurde erteilt, Direktor Jack Iouvin mekte sich genau sämtliche Vorgänge des komplizierten ärztlichen Eingriffs, und eilte dann freudestrahlend zu seinem Freunde, dem Verfasser des Dramas, um auch ihn zu belehren. Er erzählte breit ausholend, wie der Profestor die einzelnen Stellen desinfiziert, durch die sein Messer bis zum Gehirn vordringt, wie er sein« Instrumente ordnet, den Patienten chloroformiert, und im geeigneten Augenblick blitzschnell zu meißeln beginnt. Weiter kam ober Iouvin in seinem Fachreserat nicht, denn Monsieur Araguy siel in aller Farm in— Ohnmacht! Iouvin goß ihm zunächst einige Kognaks ein, und fragte ihn dann maßlos verwundert. was er denn eigentlich hätte? Außer sich vor Erregung antwortete der Hausdichter:„Bist du verrückt geworden, mir dies« fürchter, liche Szene zu beschreiben? Mir, der ich nicht mit ansehen kann, wenn einer eine Fliege totschlägt?!" Da war die Reihe an Iouvin, erstaunt zu sein:„Du s« l b st hast doch dieses prachtvolle Drama mit der Operation geschrieben, das mein Publikum erschauern lassen wird. Ist dir denn bei der Abiossung der Hauptszene nicht übel geworden?"—„Natürlich nicht", lautete die müde Antwort des gepeinigten Verfassers,„ich hätte es mir doch niemals träumen lasten, daß ein« Gehlrnoperatio» jso fürchterlich fem könnt»,, N C5(&Ufai%n' Preise nur Freitag u. Senn- aöenfl! uerKauisow. Vorrat! mengenaegaee wrDehaiten> "rOl Fleisch Schwelnekotelette ,b 0.98 schtueinehainin u. Schult 0.88 Schiueineschinhen m k.u.o.78 Schweineblatt.0,74 Schweinebauch. 0.66 Liesen-RUchenlett brautnig 0.52 saßiachs geräuchert Fische Raheilau i.a..... Raihars i. a.;:;. Rotzungen Kadeilautllet..... Fottbockiinge Ellbein mit Spitre•• ,0.40 Kalbskamm...b0.64 Kaibsbug u.Brust 0.74 Kalbskeule.. 0.86 Hammelfleisch»b 0.88 Schmorfleisch. 1.18 Suppenfleisch. 0.66 Kavier...b 0.88 Bratwurst Serlwer AH 0.88 Gehacktes..... 0.68 Euter......... 0.22 Schweineleber 0.88 Rinder lungen. 0.30 Rinderherz.... 0.44 Flundern. Scheiitlscl) Seeaai.. Sprotten. Rothars..; Ital. Salat.. Heringssalat. urathennge. Vi Dom 0.14 0.14 0.20 0.22 0.40 0.35 0.32 0.36 0.60 0.72 0.36 0.70 0.70 0.66 Obst und GemQse uiaiOKom.... m c.oa uiirslogkobi... pw o.io salatgorkan.,..abO.io Sctunorgarken.. mo.os junge mohren gew. s m 0.25 Junge Schoten Seiet gr. K6pte Brune Bonnen Blumenkohl.. eanenen.. Kirschen... Tomaten.; Tateisotel;. zitronen... . s m0.2s 2 KSpfe 0.1 S . 2 pu.0.25 Kopt ab 0.1S . 8 Ptd. 0.88 . 2 Pid. 0.35 . 8 Ptd. 0.35 i,. Pfd. 0.36 . Dtz.ab0.35 KoloniDl&roren HartgrieB..... ptd. 0.2s UieizengrleB.... 0.30 Bruchreis.. 0.1 4 flrraconrels.... 0.22 Slam-ratna-Rels.;. 0.28 Kakao-Pulver.... 0.48 Hrum.-Schok. Pulver. o.ss Kaltschalen-Pulver., 0.48 EierBrucn-maccaronl 0.4s HartgrieB-Budsin.. 0.40 Kartonei-inehi.... 0.19 Pudfliog-Puiver... 0.40 niaiz-Kafiee lose,.. 0.28 Käse Wurstwaren FrOI)StflCk8Ha88 2o>/b2Stek.0.15 SDIZUlUPSt...... Pid O.58 CBineinbert 20V... so- 0.20 spechuiurst....Hä'. 0.60 BPieechen vomut. 23�0.25 tetterSpecK 0.68 Romadoup jov.. 25�0.25 Hnoblaucbiuurst.. v. 0.98 JagdkRSB..... pw-d 0.45 mpttuiurst er. Art... 0.78 Steinöuscher«outen. pm.o.65 Hausin. Leberwurst... 0.84 BIOCkkiSB TQatter Art, 20»/. 0.60 FiBiscbwurst.... 0.78 TllSltPr voUIett.. Huiiander rom.« Bayr. Schweizer Bahr. Kattee Pfd. ab 1.90 Bretepschnielz Margarine.. Dänische Boiler Markenbutter. ptd 0.76 .. ptd. 0.80 .. ptd. 1.28 .. Ptd. 0.48 .2 Pakete 0.75 . ptd. 1.56 .. ptd.1.48 Jagdwurst,.v. 0.95 lt. Leberwurst. 1.05 ROmmelwurst..irv. 105 cerueiat 0. Seiamt-.V. 7.18 Fettdarmwurst...>. 1.28 schiukenwurst..... 1.24 Pom. cerveiato. Salami. 1.35 Grobe Pom. Teewurst.. 7 28 Schinkenspech..... 7.46 nuBschinken...... 7.58 Ahrbergs geh. Mettw.. 0.95 Bresianer....... 0.85 Deiih.-worstcheiiDoa« 5 pa- 0.65 extra biiiigo Seifentage! 2 Doppel-Riegel ä 400 Gramm ia Kernseile Prima Kernseile 0 sick. lavenneiseileof 0.50 Außerdem: 0.48 'ÄO,. 0.48 ssiilcktandecologneselle im Cellophan-Beutel,... 0.68 ?si.KivnienseileS'"!"0.95 1.75 triii.nrlnieSeiieniieeKeeo.so tickKein!»en-ll.ieerse!ieo.7S sprechung im übrigen wegen Ucher Beleidigung.' Abschrist. Geschüstsnummer: 29. J. 195/30 III tSS,Ä Sita f f a d) e gegen den Junglehrer und R eü ordneten Josef Wagner aus Bochum. Freiligrathitr. 52, geb. am 12. Januar 1899 zu Algringen Bob Ripa Calla«ran«—■ Na' bei Jen Zet fen lachs i du noch soP- * Ja— ich lache noch von gestern, ich war im Wintergarten. i Staatstheater Geschlossen. Abonnements-Einladung für die Spielzeit 1931/32 OroBer Preisabbau, wesentliche Verbesserung einzelner Platzgruppcn durch Vorverlegung, sehr bequeme Zahlungsbedingungen. AiiincK«liaiigeik nehmen in der Zeit von 10 bis 2 Uhr entgegen: für die flaalMper und das Slaaliidie f diaasplelhans t A donnern-Büro Obcrwallstr.22, Fernsprecher: Merkur 9024, für das ftaatl. tdiiuerlliealer: Abonnem.-Büro: Charlotlenbg., OrolmanstraBe 70, Fernsprecher; Stcinplalz 6715 Reichshallen-Theater AnZang| k«| Uhr Stettiner Sänger rom 9. bis 15. Juli Zum Schluß „Alles verrückt!" Berliner IVlk-TriO ei a a k 6 1 1 a. Lahnatr. 74/76J Restauicmt Berlins BETRIEB stk KEMPIHSkll J M schmiedebero Bezirk Halle a. S. StSdtischet Eilenmoorbad Salt Aber 50 Jaltran bei Gicht, Rheuma, FrauenlelGen usw. Herrl Waldgegend Wochenendziel. Wksres dutm Magtstrat.BaileTtrviitona kurz alt: April bis November vouuvmme Thejter in Btlowplatz. 8/*'"'■■j.% � '47/'///. GEGEN.INFEKTION Tßow CtäAoTtiiäAnw, Nor echt in den vor Nachahmungen gesetzlich geschützten Streifen- packungen mit Namenszug. Kaufen Sie immer nur in einschlägigen Geschäften. Dort werden Sie gut und reell bedient. ......-» Die widerwärtigen Fliegen sind für Kinder beaondera gefährlich durch Übertragung ern- «ter Krankheiten, insbesondere Typhus, Diph- teritis und Scharlach, ja sogar Tubcrkn- lose-Bazillen können von der todbringenden Fliege verbreitet werden. Sic nistet auf Unrat und vergiftet dann die Nahrungsmittel. Schützen Sie sich und Ihr Heim gegen die Fliegengefahr.— Zerstäuben Sie Flit. Flit vernichtet Fliegen, Mucken, Schnaken, Flöhe, Ameisen, Motten, Bettwanzen, Schaben und deren Eier. Flit-Zerstäubung ist für Insekten tödlich, für Menschen jedoch unschädlich. Bequem anzuwenden, fleckt nickt. Verwechseln Sic Flit nicht mit anderen Inscktcnvertilgangsmitteln. Zerstäubt FHT Hur echt in der xeJbeu.Radams. uzit adomsem LioasL JftfawfbmfaaßlimU CyaumSeßtöpßf SCREI Damen-Schlüpfer Kunstseide mit BaumwoDe plattiert, Baumw. mit Wolle plattiert, oder reine Wolle, Baumw. od. Kunstseide mit angerauht. Futter Damen-Schlupfer reine Wolle, mit Keastselde platflert«- «der Keosjtrejde pif Ba*o»tr«l4« pidl#l«49 Auch von diesem Sonderangebot wird ganz Berlin sprechen! Nach langem schweren Leiden»er- schied am 7. Zuii 1931, 13Vj Udr. nach vollendetem 47. Lebensjahr mein innigstaeliebter Mann, unser Herfens- guier Vater und Schwiegervater Lmü Nauendorf Dies zeigen iicfbctrübt an Frsa Beleoe Nanenflort. gib. Nnlmg Heim und Edlii>u Kimiir Hildegard Sander ili SdisiigerMtir Die Einäscherung findet am Sonn» abend, dem ll, Juli, IZl/i Uhr, im Arematormin Baumschulenweg statt, Um sttlle« Beileid wird gebeten naresseautoewanreni sieinpeksciliiiief firameruMen In bester Ausführung beim Genossen Eduard Peierson Barlin-schönetterg A k a zle n stra 6e IQ. Beglaubigte Abschrift. St. B. 5/3L bei Fabrttanten S&arün Mutschwann in Plauen, vertreten durch Rechtsanwälte Dr. Arthur Müller und Dr. Graupner in Plauen, PrivatNägers, gegen den Dr. Berhoever in Ebersiadi, Angeklagten, wegen Beleidigung, Hai das Amtsgericht in Michelstadt am IS. Juni 1931 für Recht erkannt: Dr. Anton Joses Wilhelm Berhoever, ged, Iii. November 1901 in Dalhofen. wohnhaft in Ederstadi, Franlenstein- strahe KS. verh., wird wegen vergehen gegen 8 IHK Stt.-Ses»P. zu einer iSeidftrafe von siinfundsicbzig Reichs- mark oder fünfzehn Tagen Gefängnis bei Unernbringlichieit der Gelofirafe und zu den Kosten des Verfahrens cinschiiehlich der dem Privaikiägcr cnt- standenen notwendigen Auslagen ver- urteilt. Dem Prioatlläger wird gem. 8 20V Str,-. Juni 1931. InnaiigskraBkeiikaMe der InDang vereinigter Droschken- beslizer Grog-Berltn* Der Vorstand Eugen Jacke l, Vorsttzender. Genehmigt. Eharlottenburg, den 2S. Juni 1931. Der Borfitzende de» Oberoerfichernngs- avtts Berlin. Im Aul trage: gez. oon Aster. Beglaubigt: Loeff. Siegel: Oberverfichcruugsamt Berlin i» Eharlottenburg. Austerttgung Rr II B. X 462/31 FlSIi.l' FRA�ISI� I1L Scknellzugsmin.von öingsn a.Rn., ist besatzungsrrei. aitcd Pension ab M. 5.— im KURHAUS PALASTHOTEl ab M. 12— � AUtK Klein* pt ,A M Teetwert II Pf./ Wlederhefunasrebett IO mal 5ffe. 70 mol oder lOOO Werte AbtctiluA 10«. IOOO Werte 15«. 4000 Worte 70« üllrwhr.ft. JorT' SVT. Teetwo* IQ durd. de. Verte.. Uodeettr. 3(>.« Ms S Uhr. uod»amtheh. Vorwort. Wlhdem e.•—efcwteHen c uerhauie j Gtreichfertig« velforbe», I», für Föunt, Mädel, Futzböden, Lauben 0,45. Leinöl- firnis 0�0. Daa,- laikc in allen Fac- den 050. Farbe»- kandlungBaumanu, Magazinstratze 13», Nähe Alexanderplatz ttigilUmguiiicus. uiueus UM. Wenig getragen, teils auf Seide ge- arbeitete Iackettan- illge. Fraäaniüa-, Sinokinganiüae. Gedrockanüüge, Bauchanzllge. Früh- iahrs. und Com- mermäniel, erst- klafstg« neue Gar- derohe zu fiau- nend billigen Prei- ken. Delegenheits- käuie in Herren- und Domenvelzen. Leihhaus Lowick!, Prin�nftratze 105. eine Trepp«. Seins Lomdardware. Boa Kaoalieren wenig getragen« und neue Jackett- anzüge, blaue rein- wolleneTwillanzÜge, 33,— an, Smoking- anzüge, Frackan- zügc, Bauchanzüge, Ulster, Paletots. jede Figur paffend. Scrrcnpelzc.Damen. vclze enorm billig. Leihhaus Friedrich. stratzs 2, Sallelches Tor. Kein« Lom- bardwarc. Wenig getragen« Serrengarderobe, teils auf Seid«. verkaufe spottbillig: Iackeltanzügc, Snio- kinganzitge. Pale- tot». Ulster. Bein- Neider sowie erst- klassige neue Gar. derobc. Ersatz für Matz. Spezialität: Bauchanzllge. Per- leib von Gesell- schastsanzslgeu. Pianbleihe Wein- garten. Prinzen, sttatze 33. Patentmatratzen .Primisstma". Me. tallbettcn Auslege- Matratzen. Chaise- wngues Walter Eiargarderstratze achtzeh n. KeinLaben Küchen I Grotzer Prcisstnrz! Wcitz, farbig, na- tnrlackiert von 94,25 an. AnNcide- schränke jeder Srötzc. Schinkcstratze 8—9 ltlottbusser Brücke). Fabrikgebäude. Ge- öffnet bis k Uhr. Polierte Zimmer 590,—, Dic- lengarnituren 30,—. Riefenauswabi. Teilzahlung. Kamerling. Kastanien. allce 56.' MUllU- INZlstUIUSNlS Mössi Gieiscr, preiswerte Möbel. Alexanderplatze Lintpianoe. Mietvianos über. aus preiswert. Vianofabrik Link. Brunnenstrake 35* Schwechtenpiano und wundervoller M«ael 140.-. Bosch. Pan5ow,Görschstr�50 |»Siimlizciiinsn\ Littauer Nähmaschinen für Saushalt und alle Gewerbe. Preis. abbau. Rundschiff. chcn 160.—, Ver. scnkbare 180.— und 210,—, Schrank, bochelegant. 260,—. Bei Teilzablunq günstigste Bedin» gungen. Auch ge. brauchte Maschinen autzerordenttich preiswert. Frieden. stratze 14; Söchste. stratze 39: Lands. bergerstratze 28: Grotze Frankfurter- sttatze 30: War. schauerstratze 21; Motzstratze 16. Wei- tcre Verkaufsstellen in allen Stadtteile». FaturadBr Ballonren»er, Ballonwuren». Bad londamen. Maschi. ncn 58.—. 65.— 75.—. Original- Brennodor- Ballon- rädcr 85.—. Mach- now, Weinmeifter- stratze 14. Gebrauchte Fahrräder. 15,—. 20.— 25.— 30,—. Machnow Weinmeisterstr. 14. Wenn Sie Geld sparen wollen, dann kaufen Sie Ihr Fahrrad bei Werner. Adalbert- »ratze 9. Fabrikneue Fahr. räder. 36,—. 39,—, 45,—. Machnow. Wein. mcister stratze 14. |Haii!BesücH6| Z-Hnaebiffe, Platinabfälle. Quecksilber. Zinn- Metalle, Silber- schmelze. Goldschmel- zerei. Christionat Köpenickersttatze 39 Salteftell« Abalbert. stratze. Zabngebiffe, Edelmetallbruch. Lurckstlber. Zinn. Blei. Silbcrschmelze Christtonat. Köpe- nickerstratze 20» tManteuttelftratzeI »lühstrumpsaschc kaust Blllmel. El» sässerstratze 25a. v.U Ulli'.. EffiNitiiigz- auiMihsii Lautaufentbalt am romantischen Pleisketal, direkt am Walde, herrliche Seen. Penfion l fünf Mahlzeiten) 3,25 bis 4.25 Mark, ohne Pension 1,— bis 1,25 Matck pro Bett. Prospekt kostenlos. Fritz Söhne. Grotz- Gandern, Teleph- 6, Bezirk Frankfurt. Oder. üep- mietungen aesdianiraum»! Organisation abnermietet Ge» schästszimmer evil. mit Büromalchinen. benntzung. Offerten unter A. gz au Bor. wärtsexpeditton Li nden str. i,