BERLIN Montag I3.3uli 1931 10 P7. Nr. 322 B 161 48. Lahrgang Erscheintttglich außerEonntag«. Zugleich Abendausgabe des„Vorwärts". Bezugspreis beide Ausgaben 8S Pf. pro Woche, Z.eoM. pro Monat. Redaktion und Expedition: Berlin SW68,Ltndenstr.3 Fernsprecher: Dönhoff(A 7) 292—297 Anzeigenpreis: Die einspaltige Nonpareillezelle 80 Pf., Reklamezeile S M. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto: Vorwarts-Verlag G. m. b. H.. Berlin Nr. 27 536.— Der Verlag behält sich das Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor! Die Oanatbank schließt Einstellung der Auszahlungen/ 900 Millionen Einlagen abgezogen Garantieübernahme des Meiches/ Kreditverhandlungen in Basel Nachdem die Reichsregierung bis heute morgen um 3 Uhr über die Kreditlagc beraten hatte, wurde amtlich erklärt: Die Darmstädter und Nationalbank hat mitgc- teilt, daß sie genötigt sei, ihre Schalter am Montag geschlossen zw halten. Die Reichsregierung hat die Darmstädter und Nationalbank zu folgender Er- klärung ermächtigt: „Die Reichsrcgierung wird auf Grund einer im Laufe des heutigen Tages ergehenden Notverordnung des Reichspräsidenten durch volle Garantieleistung für alle Einlage« für eine ruhige Abwicklung der Geschäfte der Danat-Bank Sorge tragen." Der preußische Handelsminister hat angeordnet, daß während des Montags und Dienstags in ganz Preußen die Börsen geschlossen bleiben. Die Effektenbörsen im übrigen Deutschland sind eben- falls geschlossen. An der Berliner Börse findet der amtliche Verkehr an der Produktenbörse wie üblich statt. Devisen- und Privatdiskontnotierungen finden nicht statt. Reichsbankpräsident Dr. Luther hat sich heute vormittag im FlugzcugnachBasel begeben. H- Die jetzt für die Staatsaufsicht reife Darmstädter und National- dank ist nach der Deutschen Bant und Disconto-Gesellschaft die größte deutsche Privatbank und steht etwa in ihrer Bedeutung der Dresdner Bank nahe. 1922 entstand sie durch den Zusammenschluß der Nationalbank sür Deutschland und der Bank für chandel und Industrie, die selbst schon 41 und 69 Jahre lang existierten. Mit über 199 Niederlassungen und zahlreicheren Depositenkassen hat sie über zwei Milliarden Mark fremde Gelder verwaltet und darunter etwa der dritte Teil ausländische Kredite. 900 Millionen sollen davon in den letzten% Jahren abgehoben worden sein. 80 Proz. der inländischen Einleger etwa dürften Forde- rungen bis zu 5000 Mark haben, aus sozialen Gründen ist es des- halb sinnvoll, daß das Reich für die Abwicklung der Danatbank eine Garantie übernommen hat. Im Aktivvermögen befinden sich 138 Grundstücke im Buchwert von 25 Millionen, dauernde Be- teiligungen an guten Banken betragen 24 Millionen, andere Beteili- gungen und Wertpapiere rund 70 Millionen. Das Aktienkapital be- trägt 60 Millionen, die Reserven sind in gleicher Höhe ausgewiesen, eigene Mittel betragen also zusammen 120 Millionen. Der verantwortliche Leiter der Darmstädter Bank war Jakob Goldschmidt, eine der umstrittensten Persönlichkeiten bei den deutschen Bankfürsten. Mit seinen Reden hat er immer glänzenden Eindruck gemacht, auf den Tagungen der deutschen Bankiers war er die Primadonna, bei deren Erscheinen sich nicht nur der Saal mit Bankiers, sondern auch die Galerien mit Damen füllten. Goldschmidt war jedenfalls einer der a k t i v st e n deutschen Bankunternehmer, er hat immer viel riskiert und hat sehr lange Glück damit gehabt. Er war auch außerordentlich streitbar, viel Sympathien hatte er unter seinen Kol- legen nicht. Die Untersuchung der Schuldfrage wird man eventuell den Behörden oder dem Strafrichter überlassen müssen. Jakob Goldschmidts entscheidende Verantwortlichkeit für die Führung der Darmstädter und Nationalbank steht fest. Von Schwierigkeiten bei der Darmstädter und Nationalbank hat man im letzten halben Jahre immer wieder gemunkelt. Feststellen ließ sich höchstens, daß auf dem Geldmarkt die Danat weniger stark war als andere Großbanken. Eigentliche und ernste Schwierigkeiten dürften auch erst im Laus der letzten vier Wochen eingetreten sein. Den eukscheidenden Stoß, und zwar materiell und im Ansehen. erhielt die vanal durch den Zusammenbruch des Zlordwolle- konzern». Man Peiß heute, daß der Nordwollekonzern mit durch den Mangel au Kontrolle seitens der Großbanken, insbesondere der Danat, sich M STckrtten äberjrzßcn, fürchterlich gewirtjchajtet hat u»d dann zu- Nicht Panik, sondern Kampf! Gegen die Volksverderber Deutschlands! Der P a r t e i v o r st a n d ist am heutigen Vormittag in eine Beratung der wirtschaftlichen und politischen Gesamt- situation eingetreten, die zur Stunde noch fortdauert. Der Parteiausschuß tritt morgen vormittag zusammen. * Die Nachricht, daß eine der größten deutschen Banken, die Darmstädterund Nationalbank ihre Schalter auch nur vorübergehend schließen mußte, sowie die angeordnete zweitägige Einstellung des Börsenverkehrs hat in der gewilterschwankenden Atmospäre wie ein Blitz eingeschlagen. Die Reichsregierung hat durch die Mitteilung, daß sie die Einlagen bei dieser Bank in voller höhe garantiere und dafür durch unverzügliche Notverordnung die materiellen Voraussetzungen schassen würde, das Mindestmaß dessen getan, was zur Verhinderung einer Panik unerläßlich war. Eine Panik wäre jedenfalls das verkehrte sie, was sich das deutsche Volk in der gegenwärtigen Situation leisten könnte. Zeder Arbeiter und Angestellte in Industrie und Handel ist gegenwärtig davon abhängig, ob sein Unternehmen Kredite erhält. Schließen die Banken, wie es die Danatbank heute tun mußte, ihre Schalter, dann fliegt der Proletarier aus die Straße. Schon der Zusammenbruch des Nordwolle-Konzerns hat sich sür Zehnlausende von Textilarbeitern verheerend ausgewirkt. Die zahl- reichen Unternehmungen, die mit der notleidenden Danatbank ge- schäfllich verknüpft sind, stehen jetzt ebenfalls vor einem Ungewissen Schicksal. Es liegt daher im klaren Interesse des Proletariats, daß diese Krise sich nicht weiter ausbreitet, sondern im Gegenteil möglichst schnell überwunden wird. Jede Panik reißt hunderttausende, ja Millionen von lverktötigen in einen Strudel des Elends und der Verzweiflung hinein. Aber auch die Aermsten der Armen, die Erwerbslosen, Invaliden und Rentner. stehen vor dem vollendeten Nichts, wenn durch Panik über die Banken hinaus gar noch dP Städtischen Sparkassen übermäßig in An- spruch genommen werden und die Gemeinden ihre Zahlungen ein- stellen müssen. Solch eine Entwicklung können nur politische Bankrotteure wünschen. Deren gibt es allerdings in den beiden extremen Lagern mehr als genug in Deutschland. Gegen sie gilt es, Front zu machen. Sie haben schon genug seit Kriegsende und besonders in den letzten Monaten am deutschen Volke gesündig». Der Sturm, den wir jetzt ernten, haben die Sieger vom 14. September 1930 gesät. S i e sind es gewesen, die das Vertrauen des Auslandes in Deutsch- land innerhalb weniger Monate untergraben haben. Gerade die Entwicklung der letzten zwei Wochen beweist sonnenklar, daß das Schicksal der deutschen Wirtschaft in erster Linie eine Frage des moralischen Kredites Deutschlands in der Welt ist: Erst die Milliarden an Gold und De- vifen, die durch die Kündigung und NichtVerlängerung von auslän- dischen kurzfristigen Anleihen Deutschland verlassen haben, haben die katastrophale Entwicklung der letzten Stunden verursacht. Die Reichsregierung muß endlich den Mut haben, aus dieser Erkenntnis alle innen- und außenpolitischen Konse- q u e n z e n rücksichtslos zu ziehen. Es gilt, um es mit einem Wort auszudrücken, den Kamps bis aufs Messer mit ollen Mitteln der staatlichen Gewalt gegen die Verderber Deutschlands auszunehmen, gegen die sogenannte nationale Rechte, die dieses neue nationale Unglück aus dem Gewissen hat. Es gilt, endlich mit den innen- und außenpolitischen Konzessionen an diese Volksverderber Schluß zu machen. Es gilt, den be- rechtigten Forderungen der organisierten Arbeiterschaft endlich Rechnung zu tragen und gestützt aus sie— und nur aus sie— das Deutsche Reich abermals vor dem drohenden Ehaos zu bewahren. Danatbank vom Neich kontrolliert Aowerordnung und Aufruf der Reichsregierung Die Reichsregierung hat durch eine Rotverordnung die öffentliche Kontrolle der zusammengebrochenen Danaibank übernommen. * Die Reichsregierung erläßt einen Aufruf, in dem es heißt: Es handelt sich nicht darum, das Vermögen der Vank zu retten, sondern es handelt sich darum, den Hunderttausende» von Kunden der Bank ihren Besitz zu erhalten und damit ihre Unternehmungen vor der Betriebscinstellung oder gar vor dem Unter- gang zu retten. Rur aus diesen Gesichtspunkten wird das Reich für etwaige Ausfälle, die eintreten können, aufkommen. Es ist eine Selbstverständlichkeit, daß die Geschäfte der Bank von Treuhändern der Reichsregierung überwacht werden. Irgendwelche Unregelmäßigkeiten, die mit den Gesetzen in Widerspruch stehen, sind nicht festgestellt. Es kommt darauf an, daß das deutsche V o lk in dieser schweren Lage die Nerven behält und nicht durch mangelndes Selbstvertrauen die Schwierigkeiten vermehrt. Europa soll sich selbst helfen. New Jork, 13. Zuti. Der Stellvertretende Staatssekretär Castle ha» eine Erklärung dahin abgegeben daß die amerikanischen Bankiers bereit seien, an cina hilssäktion für Deutschland teilzunehmen, daß sie aber die Führung in dieser Angelegenheit den europäischen Zen- tralbaatea überließen, deren Vertreter heute in Lasel zu diesem Zweck zusammenkämen. Es liege auf der Hand, daß jeder Plan für eine banktechnische Lösung von diesen Banken ausgehen müsse, und er sehe voraus, daß die amerikanischen Bankiers bereit seien, die Unterstützung dieses wirksamen Planes, der in Basel aus- gearbeitet werde, zu erwägen. Inzwischen wird in Regierungskreisen erklärt, die amerikanische Regierung selbst erwäge keine Akkion. „Ergreifende Ltnterredung" in Paris. Paris, 13. Juli. Die Morgcnprcsse spricht übereinstimmend von einer„e r- greifenden Unterredung" zwischen Hösch und Laval. Fast tragisch sei diese Besprechung zwischen dem französischen Regie- rungschef und dem Vertreter der Berliner Regierung gewesen, so schreibt der„Matin". Hösch sei vom Reichskanzler Brüning be- ruftragt gewesen, dem Ministerpräsidenten Laval die in Deutschland herrschende Auflösung und die Unsicherheit der deutschen Rc- gierung gegenüber den zu ergreifenden Maßnahmen zu schildern. Werde man das Reich, so habe von Hösch gefragt, in eine Kata- strophe versinken lassen, die direkte oder indirekte Folgen für die ganze Welt nach sich ziehen werde? Der Ministerpräsident habe von Hösch darauf auf die schwierige Lage Frankreichs hingewiesen und das Interesse betont, mit dem Frankreich von Berlin kluge, energische und schnelle Rettungsmaßnahmen erwarte. *» In der deutschen presse ist vielfach die Frage ausgetauchl, ob Frankreich offiziell an Luther oder an die deutsche Regierung poii- tische Forderungen gerichtet hat. Hierzu wird amtlich erklärt: Die Franzosen haben niemals offiziell derartige Forde- rangen gestellt. Auch Luther ist kein Wunschzettel überreicht worden. Die Hallung der deutschen Presse habe die französischen Angriffe abgeschlagen. saimnengebrochen ist, und daß er im Ergebnis die Danat mit in seine» Strudel gerissen hat. Die Darmstädter und Na- tionalbank war aber auch schon vorher in besonderem Maße an dem Faoag-Zusammenbruch und an sehr großen und gefähr- lichcn Finanzierungen beteiligt, wo schließlich die gewährten Kredite eingefroren sind, so daß die Bewegungsunfähigkeit der Darmstädter und Nationalbank durch den Nordwolle-Zusammenbruch und die bald folgende Sperre aller Kreditquellen nur noch besiegelt wurde. Die Danat war sicher unter Jakob Goldschmidt zu kühn und zugleich zu u n o or sichtig. Darum trifft sie die jetzige ungeheure schwer Lage Deutschland zuerst und am schärfsten. Man darf ober nicht übcrsehne, daß das ganze Kreditsystem Deutschlands aufs schwerste erschüttert ist, daß es die ausländische Mißtrauenslawine gegenüber dem deutschen Wirtschafts- und europäischen politischen Verhältnissen ist, die als Jjauptursache auch die Schwierigkeiten und die gegenwärtige Zahlungsunfähigkeit der Darmstädter und Na- tionalbank herbeigeführt hat. Es sind in der deutschen Bank- und Privatwirtschaft seit Jahren ungeheure Sünden begangen worden, auf die wir immer wieder hingewiesen haben. Man hat Milliardenkredile ohne auch nur entfernt ausreichende Kontrolle gewährt und verwendet. so daß beim Eintritt einer Wirtschaftskrise sich die Kehrseiten zeigen mußten. Solche Ungeheuerlichkeiten wie der Faoag-Zusammenbruch Qefchlofien! rftMPIMflSfflMW-"••■•■■••''•/-•■v-r- VKWWW r ;••<■ lt. V ■ iiiü'.x:;.. Das Dtauplporlal der Danat-Dank und der Nordwolle-Skandal— in beiden Fällen hatte das Ausland erhebliche Kredite gewährt— mußten das Vertrauen in die Solidi- tätd er deutschen Wirtschaftsführung im Ausland unterhöhlen, noch- dem durch den, von der Schwerindustrie gefährdeten Rechtsradita- lismus das politische Vertrauen aus Deutschland erschüttert worden wor. Hypothekenbanken greifen Hauszinssteuer an. Die Gemeinschaftsgruppe deutscher Hypothekenbanken über- mittelt dem WTB.-Handelsdienst folgende Erklärung: Die Hypo- thekenbanken werden von den durch die Schalterschließung der Darm- städter und Nationalbank offenbar gewordenen Schwierigkeiten nicht berührt. Das deutsche Hypothekenbankgewerbe ist g e- s u n d. Es hat sich der Natur seiner Geschäfte enst'prechend nicht kuerzfristig verschuldet. Der deutsche Grundbesitz, heißt es weiter in der Verlautbarung, ist nun einmal das Fundament, auf dem die deutsche Wirt- schaft aufbaut und den sie schützt. Um das Vertrauen dieses Fun- daments zu stärken, wird es nur nötig sein, die den Hausbesitz so schwer schädigende Hauszins st euer sobald als möglich i m Wege der Notverordnung zu beseitigen. Dadurch wird der Wert der Immobilien g e st e i g e r t, und die Bolks- Wirtschaft wird die Kraft zum endgültigen Ausbau finden. Zurzeit das Wichtigste. Kavallenetag in Dresden. Unsere Nationalisten haben wieder einmal bewiesen, daß sie sich auf die Notwendigkeiten der Zeit vorzüglich oerstehen. In Dresden gab es am Sonnlag Parade aus tausend geöffneten Mottenkisten. In„historischen" Uniformen spazierte und stolzierte das ganze ka- valleristische Pensionärtum herum, das ja nichts besseres zu tun hat, als feine ungekürzten Pen sionen auf„Kavallerie- tagen" zu oerzehren. Natürlich ließ man sich in ollen Heldenposen, mit wehenden Standarten und fliegenden Federbüschen photogra- phieren. Und diese Photographien wandern dann ins Ausland zum Beweis des friedfertigen und abgerüsteten Deutschlands, das die Welthilfe für seinen wirtschaftlichen Wiederaufbau in Anspruch nimmt. Denn wer sieht schließlich schon im Ausland so genau hin, um zu erkennen, daß diese Parade zu drei Vierteln aus alten Knackern und längst pensionierten Schlagetoten besteht, wer denkt daran, daß noch so martinlistische Schlepp- f ä b e l in heutiger Zeit eine sehr harmlose Waffe darstellen. Im Ausland sieht man zunächst nur das eine, daß hier irgendein M i- l i t a r i s in u s am Demonstrieren ist. Ob Ue Reichsrcgierung sich darüber klar ist, daß derartige Per- anstaltungen eine sehr negative Hilfe für ihre Kredit- g e s u ch e und Stützungsaktionen beim Ausland bedeuten? Man sollte es annehmen! Dann allerdings fragt man sich, warum sämt- liche Notverordnungen anscheinend gegen Kavalleristentage genau so machtlos sind wie gegen Gencralpensioncn. Liegt das auch am Juristischen?! Der Verantwortliche erklärt Goldschmidt über seine Pleite In einer Pressekonferenz gab der Generaldirektor der Darm- städter und Nationalbank, Jakob Goldschmidt, nähere Erklärungen über die Entwicklung der letzten Monate ab, die die Danatbank jetzt zur Zahlungseinstellung gezwungen hat. Einleitend gab Goldschmidt der Hoffnung Ausdruck, daß die Garantieerklärung der Reichsregic- rung eine ruhige und sachliche Abwicklung gewährleiste, um Ausstrahlungen auf die gesamte deutsche Kreditorganisation und damit ein allgemeines wirtschaftliches Unglück zu verhüten. Sodann setzte sich der Leiter der Danatbank eingehend mit der Entwicklung auseinander, die zu dem jetzigen Zusammenbruch geführt hat. Danach sind seit dem 30. Juni 1930, wo die Danat einen Höchststand an sremden Geldern befaß, bis heute rund 950 bis 1000 Millionen Mark von den Einlegern zurückgezogen worden. Das bedeutet, daß die Danatbank rund vierzig Prozent ihres Gesamlbestandes an fremden Geldern verloren hat. In welchem Tempo diese gigantischen Abzüge sich vollzogen, be- weist die Tatsache, daß im Mai 1931.... 100 Millionen, im Juni 1931.... 300 Millionen, vom 1. bis 11. Juli 1931 2S0 Millionen, insgesamt also in den letzten zehn Wochen rund 650 Mit- lionen an fremden Geldern abberufen wurden. Berücksichtigt man, daß die Gesomtabflüsse in Deutschland seit dem 1. Mai 1931 rund 2 Milliarden Mark betrugen, so entfällt aus die Darmstädter und Nationalbank allein fast ein Drittel dieser riesigen Summe. Solche elementaren Einflüsse muhten für die Li- quidität der Bank von ruinösen Folgen begleitet sein. Der General- angriff der Gläubiger aus die Danatbank wurde durch den Nord- wolle-Skandal ungemein verschärft, wobei hinzukam, daß die Gerüchte, die nunmehr über die Bank in aller Welt in Umlauf waren, zu einem gewaltigen Run trieben, dem die Bank nicht mehr gewachsen war. Es ist bezeichnend für die Größe des Wirtschafts- Verbrechens der Nordwollc-Konzernleitung, daß selbst Herr Gold» schmidt in der Diplomatensprache der Bankiers sich dazu verstehen mußte, den Zusammenbruch bei Nordwolle als„einen einzig- artigen Vorfall, der in außerordentlich unerfreulicher Weise abrollt e", zu bezeichnen. Auch die Feststellung Goldschmidts, daß erst allmählich die Untersuchung das wahre Bild des Zusammen- bruchs zum Vorschein brachte, kennzeichnet das dunkle Spiel, das bei der Nordwolle seit Jahren getrieben wurde, in seiner ganzen Größe. Zu der jetzt erfolgten Zahlungseinstellung bemerkte der Leiter der Danatbank noch, daß man diese im Einverständnis mit den amt- lichen Stellen so lange wie möglich hinausschieben wollte, weil man noch in den letzten Wochen Hoffnung hatte, auf breiter Basis eine Kredit- und damit eine Stützungsaktion durchzuführen. Nach dem Scheitern der ersten Krcditoerhandlungen konnte aber die Zahlungseinstellung nicht mehr vermieden werden, weil durch die in der ganzen Welt umlaufenden Gerüchte der Run auf die Bank ein- setzte. Zu der Frage der Abwicklung der Geschäfte erklärte Direktor Goldschmidt noch, daß der Vorstand der Danatbank diese Abwicklung zusammen mit dem Reichskommis- s a r, der von der Regierung eingesetzt werden soll, durchführen wird. Danach ist also die Meldung von einem sofortigen Gesamt- rücktritt des Danatdirektoriums unrichtig. Uebcr die Persönlichkeit des Rcichskommissars ist noch nichts bekannt. Gerüchtweise ver- lautet, daß der ehemalige Reichsbankpräsident Dr. Schacht als Reichskommissar eingesetzt werden soll. Eine Bestätigung dieses Ge- rüchtes war bisher noch nicht zu erlangen. Nähere Angaben über die Durchführung der Abwicklungs- geschäfte wurden von der Danatoerwaltung noch nicht gegeben. Jedenfalls wird die Bank versuchen, durch einen starken Abbau ihrer i eigenen Kredite den Stand ihrer flüssigen Mittel zu verbessern. Geheimnis um einen Toten Generalkonsul Barckhausen erschossen ausgesunden Z« den späten Abendstunden des Sonntag ist der 46 Jahre alte jugoslawische Generalkonsul a. T. E r n st Barefhausen in seiner Wohnung, JndenZeltcnlS, erschossen aufgefunden worden. Allem Anschein nach ist Barckhausen einem Verbrechen zum Opfer gefallen. Seit 3 Uhr morgens weilt die Mordkommission ununter- krochen am Tatort und ist bemüht, den Tod des General- konsuls zu klären. Barckhausen weilte am gestrigen Sonntag allein in der Wohnung. Seine Haushälterin hatte einen freien Tag und kehrte kurz vor Mitternacht zurück. Als die Frau dos Kinderzimmer be- trat, die Familie ist zur Zeit verreist, machte sie eine furchtbäre Ent- deckung. Barckhausen lag in einer Blullache auf dem Fußboden. Die Jacke des Schlafanzuges zeigte in Brusthöhe einen Einschuß. Die Haushälterin rief sofort telephonrsch die Polizei herbei. Die Revierbeamten der Kriminalpolizei mochten an dem Körper des Toten jedoch so seltsame Entdeckungen, daß die Mordkommission alarmiert wurde. Die erste Annahme, daß Barckhausen Selbstmord verübt habe, scheint durch den Befund widerlegt. Der General- konsul hatte in seiner rechten Hand einen Totschläger. Die Schlaufe war um das Gelenk fest zusammengezogen. Das oberste Knopfloch des Pyjamas war ausgerissen. Der Gerichtsarzt stellte den Tod infolge Durchschusses, wobei das Brustbein zer- trümmert wurde, fest. Die Waffe wurde l'A Meter vost der Leiche entfernt gesunden. Aus ihr ist zweifellos der tödliche Schuß abgefeuert worden. Bach dem bisherigen Untersuchungsergebnis scheint Barckhausen den Tod von fremder hond gefunden zu haben. Man glaubt, daß der Generalkonsul, der sich bereits zur Ruhe begeben hatte, in den Hinteren Räumen ein verdächtiges Geräusch wahrgenommen hat und noch einmal aufgestanden ist, um nach dem Rechten zu sehen. Dabei muß es dann zum Kampf mit unbekannten Eindringlingen gekommen sein. Obgleich alles daraus hindeutet, daß ein Mord vorliegt, sind der Polizei einige Dinge ausgefallen, die den Verdacht nicht ganz unbe- gründet erscheinen lassen, daß Barckhausen doch Selbstmord verübt und einen Einbruch fingiert hat. Die Unordnung in mehreren Schreibtischen sieht recht gemacht aus und im übrigen hat sich nicht die geringste Spur von den mutmaßlichen Tätern sinden lassen. Wie mißlich die finanzielle Lage'des Konsuls war, geht auch daraus hervor, daß er am Freitag die Hausangestellte um 20 Mark ersucht«. Er erklärte dos damit, daß er noch keine Zeit gehabt habe, nach der Bank zu gehen. Oer fremde Mann in der Tür. Am Sonntagvormittag war die Hausangestellte gegen SMi Uhr ausgegangen, um häusliche Besorgungen zu machen. Bei der Rück- kehr sah sie auf einem kleinen Balkon, der zum Kinderzimmer ge- hört und auf den Tiergarten blickt, den Konsul im Schlafanzug stehen. Er trat dann in das Zimmer zurück und muh sich wieder zu Bett begeben haben. Als das Mädchen ihm gegen 11 Uhr vor- mittags das Frühstück austrug, fragte er sie, ob sie auch den „fremden Mann habe in der Tür" stehen sehen. Das Mädchen wunderte sich über die Frage, verneinte sie, und der Konsul gab auch keine weitere Ausklärung. Er kam nur darauf zu sprechen. daß er im Klub essen würde und daß das Mädchen den Tag frei haben könne. Ob Barkhausen tatsächlich im Klub gewesen ist, wird noch nachgeprüft. Eine Bekundung, die von großer Wichtigkeit sein kann, erhielten die Kriminalbeamten von dem Pförtner des Hauses. Das Haus wird verschlossen gehalten. Der Pförtner erklärt nun, daß am Sonn- tagnachmittag gegen 3M> Uhr ein junger Mann geklingelt und nach Dr. Barckhausen gefragt habe. Der Pförtner sah noch, daß der junge Mann die Treppe hinauf ging, sah ihn aber nicht das Haus verlassen. Merkwürdigerweise wurden auf dem Fenstersims am Kinderzimmer zwei Abschürfungen der Farbe gefunden, wie wenn jemand von dort herausgesprungen wäre. Auch in dem kleinen Vorgarten sind deutlich nebeneinander zwei Fußabdrücke zu erkennen. An dem Toten, der von dem Gcrichtsarzt sofort untersucht wurde, fand man außer der Schußverletzung noch andere Wunden, deren Herkunft nicht geklärt ist. Barckhausen hat an der rechten Hüfte eine größere blutunterlaufene Stelle und Hautabschürfungen am Knie und dem Schienbein. Außerdem ist die rechte große Zehe gebrochen. % Wie ergänzend mitgeteilt wird, ist der erschossen aufgefunden« Or. jur. Barckhausen bereits seit zwei Jahren nicht mehr! jugoslawischer Honorarkonsul. Die Geschäfte sind in, zwischen einem Herrn Valentin übertragen worden. Vor verschlossenen Türen. Ansammlungen vor den Kassen der Danatbank. Während eingeweihten Kreisen der ZNillionenverlust der Darmstädler und Nationalbank kaum überraschend ge. kommen ist, ist die Menge der kleinen Konteninhaber, in der Hauptsache Geschäftsleute und Handwerker sowie eine Reihe von Privatleuten durch die plötzliche Schließung der Zentrale der„Danat". sowie ihrer sämtlichen Depositenkassen aufs äußerste bestürzt. Vor den einzelnen Filialen, wo sich zeitweise größere Ansamm- lungen von Kunden und zum Teil auch Neugierigen bildeten, kam es oftmals zu sehr eregten Szenen. Diese Erregung vermochten auch nicht die Bekanntmachungen der Bankenleitung, die überall ausgehängt sind, zu besänftigen. Den ganzen Bormittag über fanden sich unaufhörlich zahlreiche Bankkunden vor Den D e- positenkassen ein, die überall verschlossen« Türen fanden und unoerrichteter Dinge wieder abziehen mußten. Auch vor der Zen- trale der Danat in der Behrenstraß« kam es wiederholt zu erregten Austritten. Was befürchtet wurde, ist Tatsache geworden, nämlich ein Run auf die Kossen der übrigen Berliner Groß- banken. Die Nachricht von der Zahlungseinstellung der„Danat" hat die Angst der Konteninhaber stark gesteigert und so setzte schon in den ersten Bormittagsstunden ein starker Ansturni auf die Kassenschalter ein. Wie wir erfahren, mußten sich die verschiedenen Bankenleitungen schon sehr bald dazu entschließen, bei den angeforderten Summen starke Abstriche zu machen. Sogar die An- gestellten einer Berliner Großbank, die über eigene Konten ver- fügen, erhielten nur bis zu 100 Mark ausgezahlt. > Uf U".*» Krawalle im Arbeitsamt. Heute mittag kam es vor dem Arbeitsamt in der Loth- ringer Straße wieder zu Tumulten. Acht Kommuni st«n drangen in das Zimmer des Vorstehers ein und versuchten, den Mann niederzuschlagen. Dem Bedrängten eilten andere Angestellte zur Hilfe und es gelang, die Burschen hinauszudrängen. Einer der Angreifer wurde im Handgemenge verletzt und später von der Polizei festgenommen. Als sich vor dem Arbeitsamt schließlich eine größere Menge ansammelte, mußte ein starkes Ueberfallkommando ein- schreiten. Es erfolgten mehrere Jestnalzmen. Die Berliner Städtische Sparkasse, Zentrale wie Filialen, hatte heute einen ungewöhnlich starken Andrang zu verzeichnen. Tägliche Gelder konnten zunächst noch ausgezahlt werden. Erst als sich gegen-Till Uhr Schwierigkeiten bei der Heran- schaffung neuer Zahlungsmittel ergaben, mußt« als eine nur für den heutigen Tag gedachte vorübergehende Maß- nähme der zur Auszahlung gelangenden Summen auf durchweg 100 Mark festgesetzt werden. Die Berliner Städtische Sparkasse ist selbstverständlich vollkommen in Ordnung und es liegt nicht der geringst« Grund zu irgendeiner Unruhe vor. Vom Mauerblock erschlagen. Schweres Llnglück in Schöneberg. Dom Dach des Hauses Kolonnen st raße? in Schöneberg löste sich heute mittag ein Wauerblock und sauste in die Tiefe. Ein Passant wurde getötet, vier weitere verletzt», mußten zur Rettungsstelle gebracht werden. Prof. Friedrich Gundolf gestorben. Sonntagvvrmittag starb in Heidelberg an den Folgen eines Magenkrebses der Literaturhistoriker Friedrich Gundots im Alter von St Jahren. Als Friedrich Gundolf vor mehr als zwanzig Iahren feine erste größere literarhistorische Untersuchung„Shakespeare und der deutsdie Geist" veröffentlichte, waren die germanistischen Lehrer der deutschen Hochschulen oollkomylen von dem sehr liebenswürdigen Erich Schmidt inspiriert. Unter dem Banne dieses geistreichen Hoch- schullehrers, der genießerisch die Persönlichkeit des dichtenden Genies untersuchte und sich auch außerordentlich an der biographischen Einzelheit freute, stehend, schrieben die besten Germanisten Literatur- geschichte wie einen spannenden Roman. Die anderen trotteten im alten Philologentrab weiter und suchten nach falschen oder echten Ouellcnmotiven für die Werke der poetischen Genies. Gundolf über- wand die Schule der liebenswürdigen Realisten und der trockenen Pedanten. Seine literarhistorische Methode wollte ganz von dem Biographischen absehen und nur das schöpferische Urwesen in dem Dichter zeigen. Erfahrungen der materialistischen Geschichtsauffassung SProfeffor Gundolf existierten für Gundolf nicht, ja sie wurden von den Getreuen des Kreise« um Stefan George sogar strikte abgelehnt. Es war eine sublime Borniertheit, in der Gundolf sich gefiel, ol« er sein großes Goethe-Werk verfaßte. Das Werk um den Dichter war eigentlich auch nur eine Dichtung: eine mythisterende Aesthetik um das Goethesche Genie. Der Klassiker sollte zeitlos werden, heraus- gehoben werden sollte er aus der Vergänglichkeit der Jahrhunderte und Jahrtausende. Nach solchen Grundsätzen gestaltete Gundolf auch seine Romantikerporträts. Und schließlich wagte er es auch, mit den gleichen Prinzipien der historischen Persönlichkeit in das gehcimnis- volle Innere hineinzuleudsten. Er schrieb ein Buch über Julius Cäsar. Es war ein wundervoll zu lesendes Buch. Man glaubte zu sehen, wie ein großer Mann der Geschichte sich dazu drängte, eine ganz harmonische und ausgeglichene politische Welt aufzubauen. Hatte man sich dann den schönen Worten Gundolfs, der Plastik seiner Sätze auch der klingenden Großartigkeit seiner Metaphern entzogen, dann begriff man, daß Gundolf eigentlich das Wichtigste der Menschen- und Geschichtserkenntnis außer acht gelassen hatte: näm- lich die trockene und unbarmherzige Lehre, die aus den Urkunden der Geschichte zu entnehmen ist. Unabhängig von der Erfüllung dieser Außenseiterpflicht, der Gundolf sich nach dem Befehl seines Meisters Stefan George ge- widmet hatte, verwaltete Gundolf in Heidelberg sein Prvfessorenamt. Er erzog einige Generationen von Germanisten, die sich mit tiefem Respekt vor dem gedichteten Wort inspirierten. Unsere Deutschlehrer an den höheren Schulen schreiben nicht mehr so plump wie ihre Bor- gänger, wenn sie bei Gundolf in die Schule gingen. Gundolf, der akademische Lehrer, ist aber auch schuldig, wenn diese Jugendsührer den Boden der Wirklichkeit allzu häufig verließen und sich einer Weltbetrachtung widmeten, die gemischt ist aus Mystizismus und anderen noblen, doch gemeingefährlichen Untugenden. Nicht zu vergessen ist die schöne Shakespeare-Ausgabe, die Gundolf schuf. Er dichtete das englische Wort nach, und er war ein Meister des Verses und des Rhythmus', wie er ein Meister der majestätischen Prosa war. kck. H. �eichswehrosfizier überfallen. Ein Angreifer erschossen. Magdeburg, 13. Juli. Am Sonntag kam es in der durch kommunistische Unruhen mehrfach bekannten Iakobstraße zu einem Zwischenfall. Ein Ossizier der Reichswehr, der in Zivil an einer privaten Veranstaltung teil- genommen hatte, wurde auf dem Heimwege von Rowdys überfallen. Diese drangen auf ihn ein, schlugen ihn zu Boden und brachten ihm mehrere Verletzungen bei. In höchster Not madste der Offizier von der Schußwasse Gebrauch und verletzte einen der Angreifer tödlich durch den ersten Schuß: die übrigen flüchteten. Der Offizier meldete den Vorfall sofort auf dem nächsten Polizei- revier und verblieb dort bis zur Klarstellung des Falles. Schwere Krawalle in Celle. Zwölf Verletzte. Celle, 13. Juli. Am Sonntag nachmittag überfiel eine Gruppe von 200 Kommunisten den F e st z u g des Stahlhelms anläßlich seines Gautages. Die Kommunisten hatten am Rande der Straßen, durch die der Zug kommen mußte, Steinhausen angesammelt und bewarfen auch eine Gruppe von Nationalsozialisten, die dem Zuge voranging. Dabei wurden Nationalsozialisten und Komniunisten miteinander handgemein. Der Landesverbandsführcr des Stahlhelms, General a. D. von Henning, geriet zusammen mit seinem Stabe mitten zwischen die Kommunisten. General von Henning wurde durch Steinwürfe am Kopfe verletzt Auch andere Stahl- hclmer und Nationalsozialisten trugen Verletzungen davon Eine nachrückende Stahlhelmgruppe schlug einen Kommunisten, der zu schießen versuchte, mit dem Schanzzeug zu Boden. Er wurde schwerverletzt von seinen lj�irteifreunden in Sicherheit ge- bracht, ehe Polizei zur Stelle war. Nach Eingreifen der Polizei wurde die Ruhe wiederhergestellt. Insgesamt wurden vier Per- jonen schwer und acht leicht verletzt. Heim, der Kommunistenliebling Ein Eharakierbild des proleiarischen Vorkämpfers Bekanntlich haben sich die Kommunisten, besonders der Land- tagsabgeordncte K e r f f, des zu Zuchthaus oerurteilten völkischen Bombenwerfcrs Klaus Heim angenommen. Sie haben ihn als ein Opfer der kapitalistischen Wirtschasts- ordnung hingestellt, als einen bedauernswerten Mann, mit dem sich das kämpfende Proletariat solidarisch erklären müsse. Sie haben deshalb auch für ihn ein G n a d e n g e s u ch beim preußischen Justiz- minister eingereicht, das ganz berechtigt abschlägig beschieden wurde. Sie haben darauf ein furchtbares Geschrei über Klassenjustiz er- hoben, die— nach dem russischen Beispiel!— erst nach Errichtung des deutschen Sowjet st aates verschwinden wird. Es ist inzwischen nachgewiesen worden, daß die Kommunisten, solange Klaus Heim und seine Hintermänner als die eigentlichen Bombenattentäter noch nicht entdeckt waren, die sozial dem o- kratischen Chefs der preußischen Polizei für die Verbrechen verantwortlich machten. Sie gingen bekanntlich dabei so weit, zu erklären, daß die Attentate von Spitzeln der Polizei veranlaßt worden sind. Heute umgeben sie die Bombenschmeißer völkischen Kalibers mit der Gloriole revo- lutionärer proletarischer Klassenkämpfer und Märtyrer. Nachdem also die Kommunisten das Bombenschmeißen begreif- lich finden und genügend Entschuldigungen dafür anzubringen wissen, gehen sie noch einen Schritt weiter und geben der„Propaganda der Tat", für die Klaus Heim jetzt im Zuchthaus sitzt, noch einen Zug rührender Menschlichkeit. Sie behaupten nämlich, daß Heim sehr vorsichtig zu Werke gegangen sei, um Menschenleben nicht zu gefährden. Demgegenüber wollen wir feststellen, daß es jetzt noch Menschen gibt, die unter der Wirkung der gefährlichen Bomben- explosionen an ihrer Gesundheit schwer geschädigt sind. Das trifft besonders für die alte Frau des Amtsvorstehers in Beidenfleth zu. Zur Charakteristik des edlen„proletarischen Vorkämpfers" Heim fügen wir noch folgendes an: Dieser arme, jetzt durch die Justiz zugrunde gerichtet« Mann. hat eine der schönsten und besten Besitzungen im Kreise Eidelstedt in Größe von 120 Morgen geerbt. Dieser Pro- letarier zeichnete bei der Gründung der Landvolkzeitung in Itzehoe 30 Anteile a 1000 Mark, wovon er allerdings nur je 750 Mark pro Anteil eingezahlt hat. Er hoffte also ein gutes Geschäft zu machen. Er sah sich in seinen Hoffnungen getäuscht, denn die ein- gezahlte Summe von 22 500 Mark hat er infolge des Rückganges der Zeitung restlos verloren. Dieser Verlust und die Tat- fache, daß Klaus Heim sich infolge seiner völkischen Agitation u m seinen Besitz überhaupt nicht kümmerte, sind die ersten und letzten Ursachen seiner Verschuldung und seines geschäftlichen Zusammenbruchs. Aber auch sonst weist die Vergangenheit dieses Mannes Eharakterzllge auf, die ihn zum Vorkämpfer der kommunistsschen Bewegung stempeln. Er ist als der ä r g st e Feind der organisierten Arbeiter bekannt. In seiner früheren Stellung als Volontär in einer dänischen Landwirtschaft hat er sich in der Erntezeit als der brutal st e Antreiber der Land- a r b e i t e r rühmend hervorgetan. Die dänischen Lqndarbeiter quittierten diese Leuteschinderei mit dem Streik und— der Gutsbesitzer war vernünftig genug, dieses Ehrenmitglied der KPD. in spe Knall und Fall zu entlassen. Der Bombenschmeißer Klaus Heim ist also der Kommunisten würdig. Dieser„Arbeiterführer" hat es verdient, daß er von ihnen zum Ehrenritter des Leninordens geschlagen wird. „Der Königssozialifi". Heiteres aus ernster Zeit. „Unsere Fahne ist die Kronensahne(rote Fahne mit schwarzer Krone auf weißem Grund), unser deutscher Kampfgruß ist das Zeichen des Treueides(erhobener Arm mit ver Hand zum Schwur), sowie der Ruf„Königsheil!". So steht es in einer Zeitung, die sich der„K ö n i g s s o z i a- l i st",„Kampfblatt der deutschen Freiheitsbewegung", nennt und die Trommel für das Königs-, Verzeihung,„Volksbegehren" des Stahlhelms rührt. Was ist de? Königssoziali-mus? Eine Freiheitsbewegung, dem— wir zitieren wörtlich—„die Herzen von Millionen Stammesbrüdern als Erfüllung ihrer Sehnsucht entgegen- fliegen werden". Der Königssozialismus wird dabei„getragen von der Idee des wirtschaftlichen Friedens der Arbeitgeber, und Arbeitnehmerschast in sozialen Arbeitsgemeinschaften und Anteilnahmen am Besitz einer- seits, anderseits durch oie vom königlichen Führer der Arbeitgeber- schaft zu gebenden Garantien". Ein König der Arbeitgeber- s ch a f t— nette Aussichten! Was aber ist die Republik?„Die noch gestern bestandene Ordnung wurde auf den Kopf gestellt. In der Schule regierte das Kind." Wie war es früher?„Ein gesunder Kapitalismus, eine ehrliche mit dem Arbeiter fühlende und sür den Arbeiter mitwirkende(!) Arbeitgeberschaft bestand im alten monarchischen Deutschland." Wir nennen nur einen Nr-n-ei: KönigStumm.den Freund des Kaisers. Etwas Poesie: Warum ich, Deutschland, an dich glaube? Weil du in zweitausend Iahren' Schon unendlich Leid erfahren, Schon so oft dich wandst im Staube. Etwas holperig, aber sehr schön! Ein Zitat aus dem Parteiprogramm:„Artikel 3: Die Weimarer Verfassung wird grundsätzlich anerkannt. Die soziale Königs- Partei erstrebt eine Verbesserung des deutschen Parlamentarismus aus legalem Wege mit dem Ziele einer ständigen königlichen Führerschaft, als Reichspräsident oder als Staatsoberhaupt des deutschen Volkes". Etwas viel auf einmal für den armen Wähler und Leser. Uebrigens: Königs s o z i a l i st e n, Nationalsozialisten. Deutsch soziale! Wenn man Dumme fangen will, muß man bei den Sozial demokraten stehlen gehen, und wenn es sich auch nur um den Parteinamen handelt. Ohne ein« antikapitalistische Tarnung ist heute offenbar doch nichts mehr zu machen. Lahujens Riesenwälder. Schloß Hohehorst Nr. 2 und 3. Neben ihrem Besitz Hohehorst besitzen die Lahusens in Mick- l e n b u r g zwei große Güter. In dem Gebiet, das oberhalb von Fürstenberg-Bredeeich«, unterhalb von Dannenwalde und Marien- thal begrenzt und auf der einen Seite durch die Berliner Bahn, auf der anderen durch den Lauf der oberen Havel und die Donnen- walder Seenplatte abgesdilossen ist, liegen die beiden Güter Barsdorf und Blumenau, die seit einiger Zeit zum Besitz der Familie Lahusen gehören. Es sind beide Gebiete mit ungeheuren Waldungen, durch die man Stunden um Stunden wandern kann, ohne an das Ende der Besitzung zu kommen. Der Gutshof Barsdorf liegt am Ende des Gutsdorfes, von einem Park umgeben. Eine der schönsten Lindenalleen Deutsdzlands führt vom Gutshof herunter zum Barsdorfer See, der ebenfalls wie die ganze Gegend Lahufenschen Eigentum ist. Gut B l u ni e n o w ist erst in neuerer Zeit angekauft, der Preis soll 800 000 Mark betrogen haben. Dorfbewohner versichern glaub- würdig, daß dagegen allein die luxuriöse Inneneinrichtung des Guts- Hauses Blumenow rund 1 Million Mark verschlungen habe. Ein Todesopfer der KPD. Kommunistischer Student erschießt sich. Der Vorsitzende der kommunistischen Studentenfraktion von der Universität, Leo Dobriner, der am Sonnabend von der Uni- vcrsität verwiesen wurde, hat s i ch e r s ch o s s« n. Er ist ein Opfer der Befehle der kommunistischen Parteizentrale geworden. Diese hatte ihn gegen seinen Willen gezwungen, den törichten Knüppel- angriff der kommunistischen Studenten auf die Universität zu unter- nehmen, der zur Verweisung von vier kommunistischen Studenten geführt hat. Dobriner hat diese Aktion auf das schärfste miß- billigt, aber er hat den Mut gehabt, diese Aktion vor den Universi- tätsbehördcn zu decken und die Verantwortung auf sich zu nehmen. Als er jetzt das Törichte der Aktion büßen muhte, hat er seinem jungen Leben ein Ende gemacht, und damit gegen die Verbrecher in der KPD.-Zentrale demonstriert.' Republikaner in Neidenburg Freiwild. Polizei und Justiz dulden die Nazibluttaten. Neidenburg(Ostpr.), 13. Juli.(Eigenbericht.) Unmittelbar nad) der Reichsbonnerweihe am 14. Juni wurde die mit drei Reichsflaggen geschmückten Rednertribünen van dem Hakenkreuzler Pikni in Brand gesteckt. Die Stadt- polizei erwies sich als unfähig, de» Brandstifter zu ermitteln. Sein« Feststellung gelang erst dem Reichsbannermann N a g r u- s ch e w s k i, und diesen oerletzte der Hitlerheld mittels Schlag- ring schwer am Auge. Ein anderer Naziheld verwundete noch- mal sden Getroffenen durch Messerstiche am Oberarm. Am 10. Juni erstattete die Reichsbannerleitung deni zuftän- digen Amtsgericht mündliche und schriftliche Anzeige. Trotz Not- Verordnung hat aber der Schiiellridstcr bisher noch nicht ein- gegriffen und in der letzten Sonnabcndnadst überfiele» die Nazis den ihnen verhaßten Reichsbannerleiter Lehrer Bosk aus Safsronkcn. Hoffentlich greift nun endlich dos preußische Justizministerium ein, damit die Republikaner in Neidenburg künftig nicht mehr Freiwild für die rauflustigen Hakenkreuzler sind. Schuld an diesen skandalösen Zuständen ist die unfähige Stadtpolizei, welche den Nationalsozialisten ihr freches Treiben allabendlich am Marktplatz gestattet. Frankreichs Sozialisten im Vormarsch. Neuer Sitz auf Kosten der Radikalen erorberi. Paris, 13. Juli.(Eigenbericht.) Die sozialistische Partei hat gestern in Macon einen neuen Wahlsieg errungen. Bei einer Ersatzwahl sür einen verstarb«- nen radikalen Abgeordneten wurde der sozialistische Kandidat B o u l a y mit 0042 Stimmen gewählt. Der radikale Kandidat er- hielt 5094 Stimmen, während ein agrarischer Kandidat, der keine Parteiorganisation hinter sich hatte, es auf 0474 Stimmen brachte. Ein großer Test der Radikalen hat für den sozialistischen Kandida- ten gestimmt, da der radikale Kandidat die nationalistischen Wähler aufgefordert hatte, für ihn zu stimmen. Spaniens Nationalversammlung. Zusammentritt Mittwoch. Madrid, 13. Juli.(Eigenbericht.) Die Regierung hat die Nationalversammlung zum 15. Juli, nachmittags 0 Uhr, nach Madrid oinberufen. In der Eröffnungssitzung wird der Präsident der provisorischen Regierung einen Rechenschaftsbericht über die Tätigkeit des Kabinett- abgeben. Die endgültig« Zusammensetzung des Parlaments steht bisher immer nod) nicht fest. Von etwa 70 Abgeordneten fehlen zur Zeit noch die Zlngaben über ihre Parteizugehörigkeit. „Völkischer Beobachter" verboten. Wegen Beschimpfung und Verunglimpfung der Regierung. München, 13. Juli. Der„Völkische Beobachter" ist von der bayerischen Regierung wegen Beschimpfung und Verächtlichmachung des bayerischen und preußischen Innenministers sowie von Mitgliedern der Reichsregierung auf drei Wochen verboten worden. Das Verbot das von der bayerischen Regierung angeordnet wurde, stützt sich auf die Verovdnuug des Reichspräsidenten zur Bekämpfung politischer Ausschreitungen. Ehe die bayerisd)« Regierung zu de»' Verbot schritt, hatte der Reicheminister des Innern an Bayern das Ersuchen gerichtet, die Bayernausgabe und die Reichsousgabe des völkischen Hetzblattes wegen zahlreicher Verstöße gegen die Gesetze zu verbieten. Oldenburg, 13. Juli. Das nationalsozialistische Organ für den Gau Weser-Ems, „Der N o r w e st de u t s ch c Freiheitskämpfer", wurde von der oldcnburgischen Staateregicrung auf zwei Wochen bis zum 25. Juli auf Grund des Gesetzes zum Schutze der Republik wegen Verächtlichmachung des Reichskanzlers und des Reicheaußemninifters verboten. Oer Mörder seiner Stieftochter Madchenmord im Grunewald aufgekläri— Täter stellt sich selbst Der grauenhafte Mord, dem am Donnerstag abend die 17 Zahre alte Kontoristin Gerda Kalisch aus der Mall- st rohe 14 in Charlottenburg zum Opfer fiel, kann als aufgeklärt angesehen werden. Der Täter, der Stiefvater der Er- drosselten, Hans Papke. hat sich, wie wir in der Sonnlognummer kurz mitteilten, in der Nacht zu Sonntag selbst aus dem 1ZZ. Polizei revier am Kaiserdamm 1 gestellt. Der seht Vierzigjährige gibt von der Tat und seiner Flucht eine Darstellung, die in vielen Punkten noch unglaubwürdig erscheint. Der große und kräftige Mann erklärt, er habe die kleine zier- liche Stieftochter in der„Notwehr" erdrosselt. Seit drei Jahren habe er eine Art Liebesverhältnis mit dem Mädchen unterhalten� mit dem Gerda anfänglich auch einverstanden gewesen sei. Solange er Arbeit und Verdienst hatte, machte er dem Mädchen Zuwendungen und bevorzugt« sie sogar vor seinen eigenen Kindern. Er will Gerda noch beschenkt haben, als er seine Be- schäftigung bereits verloren hatte und nur noch Unterstützung erhielt. Seine eifersüchtige Veranlagung brachte es mit sich, daß er keinerlei männliche Bekanntschaften des Mädchens duldete, sie vielmehr in ihrer Frecheit ganz für sich in Anspruch nahm. Er kaufte deshalb zwei Fahrräder und unternahm mit der Stieftochter größere Radtouren. Ein solcher Ausslug hat auch am Donnerstag stattgefunden. Papk« wollte das Mädchen veranlassen, mit ihm einen abgelegenen Seitenweg im Grunewald zu geizen, sie sträubte sich aber und gab ihm, als er energisch darauf drang, eine freche Antwort, hierüber will er so in Wut gerater» sein, daß er ihr zunächst eine derbe Ohrftige verabreichte. Sie blieb jedoch wider- setzlich, und nun zog er, als er mit Gerda auf der Bank saß, die Schnur aus der Tasche und warf sie ihr um den hals. Zum Schreien kam das Opfer nicht mehr, denn die eine Schlinge ging bekanntlich in den Mund und hinderte sie. An den verknoteten Enden schleifte Papke, wie er selbst angibt, das Mädchen von der Bank bis nach der Stelle unter dem Gebüsch, wo die Leiche später gefunden wurde. Er tat das, weil der Fund nicht so übersichtlich war wie die Bank. Die herabgefallene Mütze des Mädchens und die Schuhe brachte er an die Leiche. Das Rad der Ermordeten ließ er stehen, schwang sich auf seine eigene Maschine und fuhr bis zur Heerstraße. Mit einem befreundeten Chauffeur fuhr er nach Kyritz und von dort mit dem Rad nach Havelberg. Da ihm das Geld ausging, verkaufte er sein Rad, ging zu Fuß nach Berlin zurück und stellte sich, als er sein Bild in den Zeitungen sah, der Polizei. Seine Aussagen werden zur Zeit nachgeprüft. Thomas-Münzer-Kestspiele in Kranken- haüsen. Das kleine idyllisch am Kyffhäuser gelegene Vadeortchen Frankenhausen hat seine Sensation. Aus dem blutgetränkten Boden, auf dem einst£>00l> Bauern unter den Spießen fürstlicher Landsknechte niedersanken, steigen Bilder alter Vergangenheit, lebendig gemacht durch Carl Leysts Drama„Thomas Münzer" empor. Im Mittelpunkte die markante Person des Zwickauer Pfarrers, als Folie der Bauernkrieg in seiner letzten Phase, Münzers vergeblicher Ver- such, die aufgeregten Bauern zu beschwichtigen, seine Gefangennahme und Hinrichtung. Allein als geschichtliche Studie gesehen ist C. Leysts Drama eine wissenschaftliche Tat, durch die aufgeräumt wird mit einer Fülle von Verzerrungen, schiefen und zum Teil völlig un- wahren Urteilen über jene Zeit und ihre Menschen. Dabei können wir deutlich erkennen, daß der Autor nach einer realistischen Aus- deutung aller geschichtlichen Ereignisse hinstrebt und daß für ihn die wirtschaftlichen Vorgänge der Lebensboden sind, von dem aus er die Geschehnisse zu verstehen sucht. Als Dichtung ist das Stück voll packender Einzelauftritte, die in sich durchaus spannend in derber, oft grauenvoller Natürlichkeit die Furchtbarkeit jener Zeit sicher wiedergeben, die aber nicht aus dra- matischer Notwendigkeit eines Ganzen herauswachsen und, ohne Steigerung und Entwicklung zu zeigen, lose nebeneinander stehen. Die Hauptfigur des Thomas Mllnzer sicher und einwandfrei, aber eigentlich doch nur im letzten Stadium ihrer Entwicklung gesehen, tritt, von oft zu wichtig genommenen Nebenpersonen verdunkelt, nicht prägnant genug hervor. Eingeschobene Episoden, wie die des Juden Mandat, bringen gewiß viel Farbe in das Gesamtbild,-erscheinen aber doch zu breit und zum Schaden des Ganzen zu aufdringlich be- tont. Luthers Bild, im wesentlichen richtig getroffen, ist in den Mittelakten teils zu müde, teils zu sensationell wiedergegeben. Die A u f f ü h r un g stand auf erstaunlicher höhe und ragte weit über ähnliche Veranstaltungen hinaus. Adolf Teichs als Leiter des Ganzen hatte sich eine ausgezeichnet Künstlerschar ge- wonnen und sich in unermüdlicher, zäher Kleinarbeit aus Arbeits- losen und kunstbegeisterten Freiwilligen des Ortes eine Komparserie geschaffen, die durch ihre natürliche Urwüchsigkeit dos geschulte Per- sonal manches großen Theaters in den Schatten stellt. So war die vorzüglich gelungene Marktszene des ersten Auftrits nicht nur eine tüchtige Regieleistung, auch das bewegliche, ungezwungene Spiel dieser Laien war von ganz eigenem Reiz. Auch die andern Szenen waren ausnahmslos frisch und lebendig, der weite, schön gelegene Raum am Fuße des alten Schlachtberges gestattete gute Gruppen- gliederung und-Verteilung, wie überhaupt das Naturtheater recht geschickt gelegt worden ist. Die Einzelleistung waren bis in die kleinste Rolle hinein gut, zum Teil ganz hervorragend. Friedrich Hofbauer, eine procht- volle wuchtige Erscheinung, spielte den Titelhelden mit Herzblut aus innerstem Erleben hinaus. In souveräner Beherrschung seiner Rolle gab Franz Scharwenka den Braunschweiger Herzog hart, grau- sam, lüstern und doch trotz aller Gemeinheit mit deutlich fühlbarer Feinheit und Vornehmheit. Mit kräftigen Farben und mit starker Wirkung trug Raimund I a n i t s ch e k seinen häcklein Rohrbast vor, hela G r u e l bot mit der Darstellung der Münzerin in ihrem immer\ stärker werdenden Irrsinn ein« feine und ergreifende Leistung, Magdalena S t a h n war als Iudika rassig, verführerisch mit sprü- hendem Temperamente. Die Zuschauer waren ergriffen. Die üblichen Hervorrufe waren mehr als bloße Höflichkeitsakte. Kaensebe. * Die Buchausgabe des vieraktigen Dramas„Thomas Mün- z e r" erschien im Paul List-Verlag in Leipzig. Der Schulreformer Ludwig Gurlitt ist in F r e u d e n st a d t im Schwarzwald im Alter von 76 Jahren gestorben. Er stammte aus der Gurlitt-Familie, die mehrfach kulturelle Köpfe hervor- gebracht hat. Sein Bruder war Oer Kunsthistoriker Cornelius Gurlitt. Gurlitt, der bis 1967 an Berliner Gymnasien tätig war, hat durch Wort und Tat sich um den pädagogischen Fortschritt be- müht. Er wollt« die starren Schranken zwischen Lehrer und Schüler zerbrechen, aus dem Schema zum Menschen vordringen. Manche seiner Schriften sind auch heute noch lesenswert:„Erziehung zur Mannhaftigkeit",„Der Verkehr mit meinen Kindern",„Schüler- selbstmorde". Viele Weg« hat er eingeschlagen, um die höheren Schulen zu modernisieren! Verständnis für die Gegenwartskunst, Pflege des heimatssinnes wollte er in ihr Interessengebiet aufge- genommen wissen. Der für den Obrigkeitsstaat unbequeme Mann trat 1967 aus dem Staatsdienst aus. Robert-Koch-Ehrung 1932. Am 24. März 1932 jährt sich zum 56. Mal« der Tag, an dem Robert Koch seine bedutungsvolle Entdeckung des„Tuberkel-Bazillus" in der Berliner Physiologischen Gesellschaft bekanntgegeben hat. Der Rsühsinnenminister und der preußische Volkswohlsahrtsminister haben im Einvernehmen mit den beteiligten Behörden des Reiches undd Preußens die Vorarbeiten eröffnet, um der Kulturweit die Taten und das Lebenswerk des Sroßen Arztes und Forschers in dauernde Erinnerung zu bringe». ,u diesem Zweck hat sich ein vorbereitender Ausschuß gebildet, der die„Robert-Koch-Ehrung 1932" in folgender Weise gestalten will: Abhaltung einer Rob ert-Koch-Tcmu ng vom 17. bis 26. Mai 1932 und Wiederauflebenlassen der„Robert-Koch-Stistung". Ferner ist geplant, die Bedeutung Kochs in eeeigneter Weise der Allgemeinheit näherzubringen. Die Zukunft des Schiller-Theaters. Im Zusammenhang mit der Liquidierung der Krolloper war verschiedentlich auch der Plan aufgetaucht, den Pachtvertrag für das Schiller-Theater nicht mehr zu verlängern. Nach neuesten Verlautbarungen jedoch scheint die Leitung der Staatlichen Schauspiele für die weitere Beibehaltung des Schiller-Theaters zu stimmen. Auch die Genossenschaft Deut- scher Bühnenangehörigen setzt sich lebhaft für die Weiterführung, des Schiller-Theaters ein. Die Stadtverwaltung der Stadt Berlin Hot dem Staat für eine Neuverpochtung der Bühne äußerstes Ent- gegen kommen zugesichert. Demnach scheint sicher, daß das Schiller- Theater als korrespondierende Bühne dem Staatlichen Schauspiel- Haus am Gendormenmarkt auch über den 31. August 1932 hinaus angegliedert bleibt. Sebastian Bach ml« sowjetrustischen Texten. Sebastian Bachs „Magnificat" ist mit einem neuen Text des russischen Dichters S. Gorodetzki versehen worden. In der russischen Press« wird Bach neuerdings als Grundstock der künftigen proletarischen Musik bezeichnet. Es sei notwendig, ein„Gottestum" in proletarisches Klassenbewußtsein umzuwandeln. So sei Bachs„Magnificat" in der neuen russischen Textbearbeitung zur Hymne des schöpferischen Kollektivs und des Fünfjahresplanes geworden. Der Derllner Lendval-Chor gibt Dienstag, 8 Uhr im Park Friedrichs- I Hain ein öffentliches Konzert. Cln Miller-ReNes für das Zngenienrhans. Der Deutsche Verband Technisch-Wissenschaftlicher Verein« hat dem Verein Deutscher In» genieure für das Berliner Ingenieurhaus ein Reliesbildnis von Oskar Miller oestiftet. Der Kopf des Altmeisters der deutschen Technik ist im Profil dargestellt. Miller hat 1914 das Jngenieurhaus geweiht. »I. Abteilung. Der Frauenabenb in diesem Monat fällt aus. Di« Genoffen beteiligen ffch da fite Dienstag, den IS. Juli, am ltonsuin- Kaffeekochen im Eierhauschen in Treptow. Treffpunkt zum gemein» samen Abmarsch lz Uhr, U-Bahnhof Rathaus, Neukölln. Kuchenkartc» str.Ä vorher in den Berkaussstellen zu entnehmen. „So geht e s bei wilden Völkern zu" hieß eins Abendunterhaltung der Funkstunde, Manuskript: Karl Schnog: Leitung: Walter Gronostay. Die Parallele zwischen dem Treiben der 5kulturmenschen und der Wilden ist schon so oft zur Erheiterung eines Publikums gezogen worden, daß eigentlich nur besonders geistreiche Einfälle oder eine besonders witzige Formu- lierung zu ihrer Wiederholung berechtigen. Die Texte dieser Bcr- anstaltung reichten für einen Sommerabend. Als Kleinkunst serviert, scheinbar anspruchslos, mit vorsichtig herausgehobenen Pointen, hätten sie wahrscheinlich ganz amüsant gewirkt. Walter Gronostay sorgte aber leider dafür, daß fast alles in wüstem, stimmung- raubenden Geräusch unterging: er hätte sich in guten Kabarett- aufführungen davon unterrichten sollen, daß man sich Beifall nicht mit solchem primitiven Klamauk holt. Ueber„Badebetrieb und Polizei" sprach der Berliner Polizeipräsident Albert Grzesinski. Zahlreich sind die Klagen der badelustigen Berliner Bevölkerung gegen die polizeilichen Ber- böte, die das Baden im Freien einengen. Der Polizeipräsident wies darauf hin, daß in fast allen solchen Fällen es sich darum handelt, wichtige Anlagen zu schützen und vor ollem die Badenden selber vor Gefahren zu sichern. So ist an Userböschungen von Kanälen das Baden verboten, da diese bei der regelmäßigen Benutzung durch Badende abbröckeln und den Kanal allmählich versanden, also ihn für die Schiffahrt unbrauchbar machen würden. Auch hygienische Gründe können die Ursache von Badeverboten sein. An manchen Stellen der Berliner Gewässer treten Unrat und Abfallstoffe durch Rohrleitungen in das Wasser, das infolgedessen zum Baden un-. geeignet ist. Wasserläufe, die auch für geübte Schwimmer ernstliche Gefahren bergen, müssen für den Badebetrieb ebenfalls gesperrt werden: das gilt besonders für Wasser, das stark verkrautet ist oder morastigen Untergrund hat oder in dem sich reißende Strömungen befinden, ebenso für Stellen mit starkem Schiffsverkehr. Zum Schluß wies der Polizeipräsident darauf hin, daß wahrscheinlich in nächster Zeit die Strecke zwischen dem Freibad Müggelsee und dem Wasserwerk in Friedrichshagen für das Baden gesperrt werden muh, um das dem Müggelsee entnommene Leitungswasser für Berlin möglichst rein zu erhalten. Tes. Montag, 13. Juli. Berlin. 1,6.00 Solistenkonzert. I. Bohnslav Martina: Fünf kurze Stücke(Anton Krafft, Violine). 2. Lieder(Ria von Hcsscrt, Alt). 3. Johan SvcndsenY Romanze(Anton Krafft). 4. Lieder(Ria von Hcssert). 5. H. Winiawski: Polonaise briHante, A-Dur(Anton Krallt).(Flügel: Julius Bürger.) 17.00 Sportschwimmen und"Wasserspringen(Adolf Kühne)...... 17.20 H. J. Jaretzki: Von der bildenden Kunst. 17.30 Otto Roeld: Der Dutzendmensch. 18.00 Unterhaltungsmusik. 18.30 Mitteilungen des Arbeitsamts. 18.35 Gesänge(Hcnny Hildebrand-Linkenbach, Sopran; Flügel: C. Hildebrand), 19.00 Kultur und Theater in Moskau(Alfred Mühr und Herbert Ihering). 19.35 Professor Robert Wilbrandt, Dresden: Deutschlands volkswirtschaftlich« Lage 1931. 20.00 Tanz- und Untcrhaltnngsabend. 22.00 Frankfurt: Zcitbcrichtc. 22.40 Abcndunterhaltung. KSnlgswnsterhansen. 17.00 William Waucr: Materialien und Techniken des Arbeitsuntcrrichts. 17.30 Musik im Märchen(Dr. Michaelis nnd Mitw.). 18.00 Prof. Dr. H. Lictzmann: Das Alte Testament. 18.30 Prof. Dr. H. Großmann: Die chemische Produktion Deutschlands 18.55 Wetter für die Landwirtschaft 19.00 Dr. M. H. Bochm: Volksgcdankc nnd Weltanschauung. 19.25 Domänenpächter Adlung: Schweinehaltung im Sommer. k 20.45 Ing. Freytag: Arbeitsverhältnisse des russischen Arbeiters. 21.15 Hamburg:..Der Geigenbauer von Absam". 22.15 Hamburg: Nachrichten, Aktueller Dienst. Anschließend Hannover: Konzert. Wetter für Verlin: Meist wolkig und ziemlich warm mit Nei- gung zu lokalen Gewittern. Mäßige südwestliche Wind«.— Für Deutschland: Ueberall wolkiges und ziemlich warmes Wetter mit einzelnen Gewittern. Bcronffvortl. für die Redaktion: Serbett sepere, Berlin: Anzeigen: Td. Glocke, Berlin. Verlag: Borwärt» Verlag G. m. b. S.. Berlin. Druck: Vorwärts Buch- druckerei und Derlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW 68, Lindenstraffe 3. Hierzu 1 Beilage. Staatstheater Geschlossen. Abonnements- Einladung für die Spielzeit 1931/32 Großer Preisabbau, wesentliche Verbesserung einzelner Platzgruppen durch Vorverlegung, sehr bequeme Zahlungsbedingungen. Anmeldungen nehmen in der Zeit von 10 bis 2 Uhr entgegen: für die StnaKoper und das Slaullldie Sdiangplelhans: Abonnem-Büro Oberwanstr.22, Fernsprecher; Merkur 9024, für das UaalL«blUertbeoler: Abonnem.-Büro: Charlottenbg., Grolmanstraße 70, Fernsprecher: Steinplatz 6715| 8.15 Ulli Flors 3434 Raudien erlaubt Ballett Edaardowa, 10 Brox« 4 Richys, Mary- Erik- Paal usw. Heute sonniatj 2 Vorstellungen l 4 und 8" Uhr. 4 Uhr kleine Pr.. VolKsbttbne Theater am Bölowplatl. 8V> Uhr Der Mann des Schicksals Die KomSdie der Irrungen Dentidies Theater 8 Uhr Der Hauptmann von ROpenidt / Carl Zuckmayer Regie: Heinz Werl Die Komödie Täglich 8-1- Uhr Dienst am Kunden «on Cuit Bois und ti�n�SCiU tdUiS I metropoi-meater Täglich 8V. Uhr Die Toni aus Wien Mady Christians, Michael Bohnen Komisens oper Fricdrichstr. 104 8V1 Uhr Frauen haben das gern... Musikal. Schwank von Arnold Musik v. Walt. Kollo Sommerpr. 0/10-7.00 Knriörstendamm- Theater Bismarck 448/49 |jiV.J]hrJ Die schttne Helena von lacqnos OtlenuaOi Honig; na» Bolnlianli KIEI"1' .meIGEN In der Gesamtauflage de#.Vorwirt*" sind besonders wirksaor und trotrdci» tipngf Berlins BETRIEB /•'% KEMPINSKlO Reichshallen-Theater Anfang| M| Uhr Stettiner Sänger vom 9. bis 15. Juli Zum Schluß „Alles verrückt!" Berliner|glk TrlO N•■ k B 1 1■, w Lehnata. 74/7U BarkaraiM 925S Tlgl. B u. Bi/j U. H. u. H. Wllllun, Lee Gail- Ensemble Ori|. 3Whlrlwlndl Bob Rlpa 0,11» Brandl«» PLAZA Die große IREVUE Dom Brasiltaniac Kaleidoskop Tftgl. 5 0. BIS 1 Stg. 2, 5 U.B1S I Pumpentabrik BESLIH 65. Relnidirailorfer Str. 95 Bei �anstrengender Arbeit Zur Erfrischung nur Sinalco S}cB9«rcB3a mwm Bwatoctn T GcneralTertreter Starlck D Krüger Landsberger Allee 6— 7. Tel: Alexander 4703, Königstadt 16t* in Dienstag, den 14. Joli nachmittags 6 Uhr I uerKauie| IDODBl Patentmatragen „Btitniffima", Me. toHbettcn. Auilege. mairaffen. Ckaise» lonouee Walter Statgarderftraffe achtzehn. NeinLaden Wo? nden Sie eine lu.wahl von zirta 800 zimmern. Nur bei Moritz Hirsdio- Witz. Sralitzer Sir 28, tochdahn Rottbuffer or. Größte» Mö> delhau» de» Siid- offen«, Andreas- straffe 30. gegenüber Keiler.- musüi- instrumsiits ktfiCpianM, Mietoia no» über. au, preiswert. Piano fadrik Ltich »ieienlaacr. Bedifteinpiana, Blülbnerpiano. llbachpiano. Sdiwcchtenpiano». Biesepiana Dun- lenpiano. 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Wenige nur verfolgen in stiller Ehrfurcht das Blühen des Getreides. � Dos ist das rechte Wetter für den Roggen. Diese sonnenklare Luft und den Wind braucht das Korn, wenn es in Blüte steht, denkt der Bauer, der schmunzelnd am Feldrain steht. Er weiß solches zu fchäßen, da er ständig inmitten der Natur lebt und ihr das große Geheimnis der Getreideblütc abgelauscht hat. Mit Recht darf man das Blühen des Korns ein lange bewahrtes Geheimnis nennen, denn noch heute ist vielen dieser interessante Vorgang wenig bekannt. Die Getreidearten sind sogenannte Zwitter: ein jeder Halm, eine jede Bbüt« besitzt männliche und weibliche Geschlechtsorgane. Die männlichen bestehen aus den Staubgefäßen, die weiblichen aus dem Fruchtknoten mit der Narbe. Es müssen also die in den Staubgefäßen sich befindenden Geschlechtszellen, die Pollenkörner, auf das weibliche Organ, die Narbe, gelangen, um eine Be- fruchtung herbeizuführen. Da nun jede Getreidepflanze gleichzeitig männliche und weibliche Geschlechtszellen in sich verkörpert, könnte eine Selbstbefruchtung ohne weiteres angenommen werden. Dem entgegen steht die Fremdbefruchtung: Pollenkörner werden durch den Wind oder«ine andere Möglichkeit von einer Pflanze auf die andere übertragen. Wenn die Blüten infolge Regens oder anderer IlmstÄibe sich nicht entfalten können, tritt bei fast allen Getreidesorten die Selbstbefruchtung innerhalb der ein- zelnen Blüte ein. Nur der Roggen macht hier eine Ausnahm«. Er ist auf Fremdbefruchtung eingestellt, die auch bei anderem Getreide vorherrscht, doch ist sie dort nicht bedingt. Würde es während der Roggenblüte regnen, so dürste man kaum mit einer guten Befruchtung— einer vollen Ernte— rechnen. Anders sieht es natürlich bei klarem Wetter aus. Dann treibt der Wind die Pollenkörner in ungeheurer Anzahl, kleinen Wolken gleichend, über dos Feld. Die mänlichen Geschlechtszellen gelangen nun auf die weiblichen Organe, die Narben, wo jedes einzelne Pollenkorn zu einem schlauchartigcn Gebilde ausmachst. Dieses wächst durch das Gewebe der Narbe und dringt in die weibliche Samenknospe ei», wo die Befruchtung des Eies durch eine Ver- schmelzung des Kerns vor sich geht. An dieser Samenonlage ent- steht das junge Getreidekorn, das die Eigenschaften des Saatkorns in sich trägt. Denn erst vermittels der Bereinigung beider Geschlechtszellen wurde eine Bildung der. neuen Frucht möglich, die bestimmte Merkmale der Ellern enthält. In den letzten Iahren wurde dem Blühen des Getreides mehr Achtung geschenkt und es bis ins kleinste durchforscht. Deswegen kann man heut« durch besondere Züchtung und Vererbung große Erfolge und Artverbesserungen erzielen. Fast achtlos gehen endlos viel« an den bähenden Feldern vor- über und halten es für selbstverständlich, daß eine Gerstenpflonze ein Gerstenkorn, eine Roggenpstanz« ein Roggenkorn hervorbringt. Wie sollte es auch anders sein, werden sie antworten, es war doch immer sa. Keine Beachtung schenken sie dem Wunder und dem Geheimnis der allsorgenden Natur. Heittxieft Heining t §teif ,MvaCdf dcus§e&iefit einer Stadt Die Landschaft, in die Greifswald sich friedfam lagert, scheint ihren Menschen die Beharrlichkeit ihres Lebensgefühles und ihrer Denkungsort gegeben zu haben. Das pommerfchc Land, hart an der Ostfeeküste, sehnt sich müde nach dem Meer und ergibt sich ihm ohne die Hinderungen felsiger Gewaltsamkeit oder steilen Trotzes. Auf fruchtbarer Fläche breiten sich, farbfroh bewegt, Wälder, Wiesen und Aecker: winzige Dörfer sammeln sich fromm und schlicht um schmucklose Kirchlein, die, als sie der anziehenden Macht der gleich- förmigen Ebene einen Gefallen tun wollten, nur schüchtern und ge- duckt in den Himmel zu stechen sich erkühnen. Der große Sohn dieses Landes, Kaspar David Fried- r i ch, gibt in einem vsfenbarend gestalteten Bilde den Eindruck von der lebendigen Wirkkrast wieder, mit der sich Greifswald aus dieser Landschast erhebt. Er zeigt silhouettcnhast das sich aus Türmen, Toren und Giebeln entwickelnde Profil des Stadtgesichtes. Das Werk des Meisters besitzt, unabhängig natürlich von der fort- dauernden(und wachsenden) Frische des künstlerischen Erlebnisses. für die äußere Form der Stadt aktuelle Bedeutung. Die Bewohner Greifswalds sind, vielleicht zu Recht, froh darob und wehren sich mutig gegen die angreifenden Modernisierungs- bemühungen städtischer Perkehrs-Entfacher. Freilich gibt es neue Bauten. Aber sie stehen beziehungslos da zu dem traditions- gebundenen baulichen Dokument, das sich Greifswald nennt und dessen Schönheit, für die weite Zukunft, sich nur durch den Entschluß zu stilfreudigen architektonischen Kompromissen garantieren läßt. Die liebevolle Zähigkeit, in der äußeren Form am Alter zu hängen, überträgt sich, leider, mit gleicher Konsequenz auf die Archi- tektur der pommerschen Seele. Man ist hier, ollgemein, der Zeit böse. Hundert Verbände und Vereine versuchten, mühevoll zwar, ober ausdauernd, mit der Tot, dem geschriebenen und gesprochenen Wort dem Rade des Weltlaufes in die Speichen zu fallen und Dinge, die überlebt und überwunden sind, mit freundlicher Unter- stützung der in dieser Gegend übermäßig vertretenen adeligen Zeit- genossen möglichst steril zu konservieren. Die konservative Kraft beherrscht den geistigen Untergrund der Gesellschaft und schließt mutige Schrittmacher, die sich der Well 1931 nicht hahvoll ver- schließen, automatisch aus. Diese bedauerliche Diskrepanz der see- tischen Tatbestände treibt Blüten, deren Knospen sich teils in wenig kriegerischen Pressefehden entfalten, teils freilich giftiger sind und auf dem akademischen Nährboden in großer Fülle den Atem der Zeit zu schwängern trachten. Greifswald ohne Universität wäre ein(allerdings sehr schönes) Fischerdorf. Die ökonomische Gesetzmäßigkeit dieser Stadt ist seit einigen Jahrhunderten durch das Vorhandensein größerer Iünglingsmassen geregelt und bestimmt. Der bürgerliche Bürger lebt vom akademischen Bürger. Die Ferienzeit spiegelt sich auf den Gesichtern der Greifswalder Menschen in Trübsinn und Traurigkeit. Die Universität gewinnt durch das angegliederte Nordische I n st i t u t gehobene Bedeutung. Es stellt eine geistige Brücke zu den skandinavischen Ländern dar und ist, dank seiner beherzten und gelehrten Betreuung, eine Pslegestätte der Literaturen und Kul- turen der nordischen Völker und ihrer Wechselbeziehungen zur deui- schen Geistesgeschichte. Die lebendige Verbindung mit dem schwedi- schen, norwegischen und dänischen Volke ist ein wunderschöner Bs- weis für die umfasiende Internationale der Wissenschaft. Wer, was empfehlenswert erscheint, einmal die holprigen Straßen Greifswalds durchwandern will, wird, man muß einer Be- trachtung über diese Stadt diesen Schlußpunkt geben, vor einem Denkmol menschlichen Formwillens erschüttert den Schritt an- halten: vor der Marienkirche. Ein riesiges, chorloses Back- steinmofsiv wuchtet breit und schwer auf dem Küstenboden des kleinen zum Meer weisenden Flusses und reckt, unwahrscheinlich ge- füllt und beispiellos gefühlt, seine kantigen, dicken Formglieder in die Höhe. Man wird, wenn man in dieser Stadt gelebt hat, gern und schnell die Versuche vieler, vieler Menschen vergessen, den politischen, wirtschaftlichen und geistigen Forderungen der Zeit ein törichtes Halt zu gebieten. Aber, weil die geladene Intensität seiner Form die Grenzen der Zeit und der Parteien sprengt, den Turm von St. Marie vergißt man nicht. S.(peppcrt Bin Hut scfueimmt im HanaC Ich stehe aus der Brücke am Kanal. Ich lehne mich gegen die Steinbrüstung und schaue ins Wasser. Hinter mir gehen die Menschen vorbei, die Straßenbahnen fahren hin und her, ich werde nicht beachtet, von niemanden, und da ist nur der Wind, der durch mein Haar geht und über mein Gesicht streicht. Ich bin ihm dank- bar dafür. Ich sehe, wie sich das Wasser unter ihm kräusell, es ist nur ein kleiner Wind, und er wird von den Menschen genau so wenig beachtet wie ich. So stehe ich und sehe das Wasser vorbei- fliehen. Es ist eine natürliche Sache und ich denke mir nichts dabei. Es kostet kein Geld und an manchen Tagen ist es eine Sache, an der man Freude haben kann. Dann schaue ich nach der Wolke, die über die Stadt zieht. Die Zeit vergeht. Aber ich habe keine Verabredung, mich erwartet niemand, ich bleibe auf der Brücke stehen. Und wie ich wieder ins Wasser schaue, sche ich den Hut ange- HctC-cti focinhoidt Tllemcften Hunderte und Tausend« Merrschen, Frauen und Männer aller! Altersstufen, sitzen oder stehen einen Großteil ihres Arbeitslebens hinter Schaltern: hinter vergitterten, einengenden Schaltern, hinter Glassenstern mit Durchfprechgozen, hinter offenen Schiebefenstern und— seit kurzer Zeit— auch hinter Barrieren und schmalen Tischen. Hinter Schaltern in Hallen, in hellen luftigen Räumen, in dumpfen, lichtlosen Büros und Läden, an Toren und Einlaß- Pforten. Die Beamten nnd Angestellten der Post, der Bahn, der Verkehrs« nstolten, der Reisebüros, der öffentlichen Aenrter, der Krankenkassen und Vcrsicherungsanstallen, der Banken und Geld- inftitute, der Ausstellungen und Museen, der Auskunfteien, der Fabrikbüros, der Ladentassen: kurz, alle Arbeitenden der Stellen, die den Verkehr zwischen Publikum und Dienststellen, zwischen Käufer und Verkäufer, zwischen Einzelperson und Gesamtheit, zwischen Werkstatt und Büro vermitteln, schassen hinter Schaltern. In Stadt , und Land, fast allerorts. Der Mensch hinter dem Schalter verkörpert stets ein Stück ge- sellschaftlicher Gesamtheit, er ist Vertreter einer Geschlossen- heit gegenüber dem einzelnen, und das ist es, was ihm eine gewisse autoritative Ucber?egenheit verleiht: eine Ueberlegenheit, die stillschweigend anerkannt wird. Darum auch ist er fast immer selbst- bewußt, herrschcnmüssend— als logische Folge seiner bestimmenden Dienstoorschrist— und für Außenstehende pedantisch und büro- kratisch. Er muß repräsentabel wirken, sich gewandt geben können, Nicht immer ist es so, aber es müßte so sein... Die Arbeit hinter den Schaltern ist teils Registrier- und Rechen- arbeit, teils Vermittlungs- und Auskunftstätigkeit, teils Geld- Hantierung und sonstiges kaufmännisches Schaffen: immer jegoch ist sie voller Verantwortung und eine V e r t r a u e n s angelegenheit. Der Fnhrkartenverkäufer und Auskunftsbeamte der Bohnen und Verkehrsgesellschasten, der Schalterbeamte der Post und der Kassen» beamte der Behörden, olle sind sie verantwortlich dem Publikum und ihren vorgesetzten Dienststellen, auch der Oeffcntlichkeit gegenüber für reibungslose und ordnungsgemäße Abwicklung des Verkehrs, für die Richtigkeit und Genauigkeit ihrer Auskünfte, für absolute Ehrlichkeit in Geldangelegenheiten. Die Schalterongesiellten der öffentlichen Institute haben es leichter— die Autorität der Behörde steht hinter ihnen— als die der privaten Unternehmen. Ein Schalter- beamter der Fabrckbüros z. B. muß Worte einstecken, die eigentlich den Spitzen des Unternehmens gelten, er muß ausführen, was ihm besohlen wird, ober er wird fallengelassen, wenn es notwendig fein sollte. Eine? haben alle Menschen hinter den Schaltern gemein: die Regelmäßigkeit der Arbeitszeit, sauberes Schaffen, gering« körper» liche Anstrengung— abgesehen vom immerwährenden Krummsitzen und Stehen auf einem Fleck— und, was die Hauptsache ist, ein« feste Anstellung mit einem Gehalt, das zwar nicht hoch ist, das aber haushälterisches Rechnen auf lange Sicht zuläßt. Ihre Arbeit ist eine Angelegenheit des Hirns: sie strengt die Nerven an, oft zittern die Hände nervös nud die Augen zwinkern kurzsichtig. Ihre Klei- dung ist von einer korrekten Sauberkeit, die selbst den abgetragensten Anzügen einen Schimmer von Eleganz oerleiht. Ihr Gebaren ist eckig und formell, die Sprache bürogemäß, im Wesen sind sie steund- lich muffig oder offen zuvorkommend, je nach der Art der Arbeits- stelle. Die Menschen hinter den Schaltern auf dem platten Lande sind heute noch— in der Zeit des Fortschrittes— ungeachtet ihrer sozialen Stellung— nach der sie zum Proletariat gehören— die Träger kleinbürgerlicher Romantik: sie geben das Bild des Spießbürgers ab, unfreiwillig manchesmal zwar. Gern um- geben sie sich mit dem Nimbus beamteter Autorität auch im Privat- leben, sie verlangen Geltung auch über ihre Dienstobliegenheiten hinaus. Sic sonnen sich im schwachen Lichte der gesetzmäßigen Ordnung ihres Daseins und sie gauben ein Recht dazu zu haben, weil sie Pcrantwortungsämter bekleiden. Im Denken und Fühlen sind sie oft reaktionär, zumindest aber konservativ. Der aufgeklärte Teil unter ihnen— das sind die Angestellten der sozialen Institu- tionen zumeist— hat einen schweren Stand. Ganz anders sind die Schalterleute der Städte und der In- dustriezentren. Sic schaffen inmitten des überspannten Tempos unserer Zeit, die sie mitreißt, ob sie wollen oder nicht. Die Schläfen hämmern, die Augen sind gerötet und schmerzen und sie atmen aus, wenn die Dienstzeit vorüber ist. Sie sind der Prellbock für den Unmut dieser wirtschaftlichen Depression: sie bekommen zu hören, was Hunderttausende bedrückt. Froh sind sie deshalb, wenn sie den amtlichen Menschen abstreifen können. Heimwärtsstrebend ver- mischen sie sich mit der Masse Mensch, unbeachtet, als kleiner, kaum bemerkbarer Teil. Gewiß, auch unter ihnen sind nach viele, die glauben, über der Masse der Arbeitenden zu stehen, aber nicht wenige sind es, die sich bewußt einreihen in die Marschsäulen der � Zimmerer einer besseren Zukunft. Das beweist die starke Mitglied- schaft der Schalterbeamten in den Organisationen der AsA-Verbände. Die noch abseits Stehenden, die in sogenannten unpolitischen Organi- sationen Organisierten, treibt das Rad der Zeit ganz von selbst durch eine reaktionäre Welle hindurch— die ihnen Scheingeltung verspricht— zu den Wegen, die über die organisierte Arbeiterschaft zum Sozialismus führen. Immerhin wird das eine rege Aufklärungs- täiigkeit erfordern. schwömmen kommen. Es ist ein runder schwarzer Hut, eine Halb- kugel, wie man sie zu feierlichen Gelegenheiten aufsetzt oder auch dann, wenn man fein sein will. Ich denke, da kommt nun ein Hut, er schwimmt ganz langsam in der Strömung, er ist doch fast neu, ein guter Hut, und das ist doch etwas seltsam. Er schaukest ein wenig auf den kleinen Wellen, er nickt zu mir heraus und tut, als ob er in den Kanal gehörte und nicht auf den Kopf eines Mannes, der vielleicht eine Glatze hat. Da schwimmt er nun seelenruhig im Kanal und sein Besitzer sticht ihn vielleicht: er ist vielleicht eingeladen. vielleicht will er sich gerade an dem Tag« verloben und hat schon den besten Anzug an und nun fehlt plötzlich der Hut. Oder er gehört einem Manne, der verheiratet ist und der sich nun mit seiner Frau wegen des Hutes zankt. Das kann alles sein und ich denke das so nebenbei. Dann merk« ich, daß neben mir Leute stehen, die auch nach dem Hute schauen. Sie haben Pakete unter dem Arm und Mappen, sie haben alle irgendein Ziel und nun stehen sie hier neben mir und wundern sich über den Hut. Es kommen immer mehr Menschen hinzu. Es ist schon fast ein Gedränge, und ich beneide den Hut, der da unten so allein auf dem kühlen Wasser schwimmt. Man macht Witze über den herrenlosen Hut. Ein Mann will wissen, ob er mir etwa gehört, ob ich ihn hineingeworfen hätte, um etwa originell zu sein. Ich verneine das entschieden. „Aber wie kommt denn der Hut dann in das Wasser?" „Vielleicht steckt ein Geheimnis dahinter," läge ich.„Ich hatte mal einen Freund und das ist schon ein paar Jahre her. Der war eines Tages verschwunden. Keiner wußte wohin. Später fand man seinen Hut im Fluß. Er war in den Zweigen einer Weide hängen gebsieben. Da dachten wir, mein Freund wäre ins Wasser gegangen. Wir bedauerten ihn und liefen mit traurigen Gesichtern herum. Es stellte sich dann aber heraus, daß er mit einer großen Geldsumme flüchtig war. Mit dem Hut hatte er uns täuschen wollen." Ich war nicht der einzige, der solch« Geschichten erzählte. Jedem fiel beim Anblick des Hutes im Kanal etwas ein. Er war für die messten ein willkommener Anlaß, Geschichten und Anekdoten aus- zupacken. Aber ich bin überzeugt, daß manche auch schwindelten. Sie wollten nur auch etwas erzählen. „Man sollte den Hut herausholen." „Du kannst ja reinspringen, vielleicht kriegst du Finberlohn." Die Stimmung wurde erregt. Eine Leiche im Kanal, dos hätten alle verstanden, dos kam alle Tage vor und war Nichts Be- fonderes. Aber ein neuer Hut! Er war vielleicht noch nicht einmal getragen worden. Jedenfalls war das etwas ganz Außergewöhn- liches und man geriet aus dem bloßen Erzählen in Auseinander- sctzungen. Der Hut war schon fast unter der Brücke verschwunden. Man dachte nicht mehr an ihn. Viele waren neu hinzugekommen und wußten überhaupt nichts von dem Hute. Sie wurden einfach in die Atmosphäre der Erregung hineingezogen, sie blieben nicht still, man diskutierte drauf los, jeder redete und jeder hatte etwas, worüber er reden konnte. Man stritt sich über die beste Partei, über Löhn« und Preise. Alle waren ausgeregt, man schimpfte auseinander. Eine Straßenstreise brachte die Aufgeregten auseinander. Sie wurden wieder friedliche Passanten und gingen ihrer Wege. Es wird ruhig auf der Brücke. Das Wasser fließt still. Der kleine Wind ist kaum noch zu spüren. Ich warte noch eine ganze Zeit aus den Hut. Er kommt nicht wieder zum Vorschein. Er ist sicher unter der Brücke versunken. Das Wasser hat ihn schwer ge- mächt. Ich bin vielleicht der einzige, der noch an ihn denkt. Und wenn es Stichlinge hier gibt, bauen sie vielleicht in ihm ihr Nest. Es war ein neuer Hut und er schwamm im Kanal, als ob er dohia geHärte. Ich gehe weiter und noch lange sind meine Gedanken bei dem versunkenen Hut. jBepIzzz jCaudscbaflen, Slädle,"Reisen. Der Sommer ist die Reisezeit— für jene, die es dazu haben. Sehr viele haben heute nicht mehr. Ihnen ist nur noch das Wünschen geblieben, die Sehnsucht nach der großen, bunten, wunder- baren Welt, die den Geist in dem crholungshungrigen, arbeitsver- brauchten Körper wund und müde macht. Mancher von diesen Menschen mag den Radioapparat anstellen, wenn die Vorschläge von Sommerfrischen ihm entgegenklingen, und sich erzählen lassen von romantischen Gebirgen und von lieblichen Landschaften und vom Meer, das selten in diesen Vortrögen ein Gesicht hat, aber das mit klarem salzigen Wasser und Sonne und Sandstrand lockt. Er hört von allem nur Andeutungen, denn das wichtigste an diesen Stunden sind die praktischen Ratschläge, wie man billig reist, wo man billig wohnt, wie sich eine Kur mit den geringsten Kosten durchfuhren läßt. Es ist vielleicht unvernünftig von den Daheim- bleibenden, ihre Sehnsucht nur noch heißer zu schüren an die Ver- anstaltungen, die für Glücklichere bestimmt sind; aber es ist so sehr verständlich. Ein Hauch von Ferne wenigstens weht aus diesen Stunden, ein Erinnern, daß die Welt etwas anders ist als ein ewig gleicher Arbeitsweg durch traurige Straßen und ein Leben in häß- lichen, engen, armseligen Räumen. Die Funkstunde sollte sich dieser Hörer erinnern und versuchen, auch ihnen die Welt auszutun. Sie bringt Vorträge von obenteuer- lichen Reisen, sendet Querschnitte von Landschaften. Aber das alles ist nicht von der Art, wie es Menschen brauchen, die das Leben ganz fern ab von diesen Wirklichkeiten gestellt hat. Aus diesen Veranstaltungen wächst nur für den ein Stück Welt, der es sich daraus Satz für Satz zusammenbauen kann, der den Umriß ahnt, der erfüllt werden soll. Jenen, die nichts davon wissen, werden solche Darbietungen im besten Fall. Belehrung oder Unterhaltung, aber nie Leben. Das Erlebnis eines reisegewohnten Vortragenden wird nie ihr eigenes; das Landschastsbild eines Menschen, der von Kunst und jahrhunderteferner Geschichte weiß und sie zu seinem Gesichtseindruck in Beziehung bringt, wird für sie nie Gestalt ge- Winnen.» Synthese, nicht Analyse! Fast jede Landschaft, die der Rundfunk vor seinen Hörern hin- stellt, ist eine wissenschaftliche Analyse, Zergliederung in Einzelteile, Untersuchung ihrer Zusammensetzung. Die Funkstunde sollte sich bewußt werden, daß für die meisten Hörer nur die Synthese, die Zusammenschmelzung des Gesamteindrucks aus Einzelheiten, überhaupt eine Vorstellung von Ländern, Menschen und Dingen wecken kann. Synthese ist produktives Schaffen. Der Durchschnitt der Menschen aber ist im Geistigen nur reproduktiv. Daß dieser Durchschnitt auch bei allen Veranstaltungen vor dem Mikrophon überwiegt, ist bei dem Mangel an genialen Geistern eine Erscheinung, mit der man sich aber abfinden muß. Wir werden immer Vorträge hören, in denen der Redner aus seiner Jch-Perspektive ein Land beschreibt, und wir werden sein Erlebnis auch gern hören, wenn es nur erlebt wurde. Und wir werden auch wohl in absehbarer Zeit nicht mit Städtequerschnitten verschont bleiben, die das Unterbewußt- fein des Hörers mit einer dunklen Angst füllen, weil sie die Vor- stellung auslösen, daß hinterher ein strenger Lehrer Jahreszahlen und Kunstepochen und die Einwohnerzahlen und die Industrie- und Handelszweige unerbittlich abfragen wird, während man, statt dar- auf aufzumerken wie einst in den Schulstunden, an soviel Jnter- essanteres gedacht hat. Damals haben wir viele Jahre lang Geographieunterricht gehabt; was die meisten von uns davon ins Leben mitgenommen haben, war ein etwas ungenaues Wissen von der Verteilung bestimmter schwarzer Punkte und Striche und blauer und grüner und brauner Flecken auf der Landkarte, die wir als Städte und Flüsse und Meere und Ebenen und Gebirge zu be- zeichnen hatten. Und dieser Geographieunterricht war schlecht und falsch und unsinnig, denn er zeigte uns weder die heiter bunte Ober- fläche der Welt, noch das oft recht unheitere Leben, das die Menschen darauf führen. Und deshalb würde die Funkstunde mit Führungen in diese Wirklichkeit nicht nur jenen etwas Welterleben schenken, denen die Möglichkeit fehlt, es selber zu sammeln; denn viele, die heute noch kürzere oder weitere Reisen machen können, haben nie gelernt, voraussetzungslos zu sehen und zu beobachten, und die Welt wächst ihnen nie über den eigenen engen Gesichtskreis heraus. Dabei hat wohl jeder die Sehnsucht, Unbekanntes, ihm Unbe- kanntes zu entdecken, und der Mensch, der in eine ihm fremde Sommerfrische fährt, ist ein Stück Robinson, der für eine Zeit un- gewohnte, abenteuerliche Lebensformen für sich vorausahnt. Der Vildungsphilister. der nur von einem Stern im Bädeker zum an- deren reist, ist gar nicht so häusig, und er wäre selbst dann wohl kaum zahlreicher vertreten, wenn solche bildungsbelasteten Reisen leine besonderen Forderungen an den Geldbeutel stellten. Der Rund- funk braucht mit seinen Veranstaltungen auf diesen Menschentyp wirklich keine Rücksicht zu nehmen; wer nur klug mitreden will, soll sich anderswo belernen als durch Rundfuntdarbietungen, die Leben in Zahlen und Schlagworten verwandeln. Anschauung, nicht Wissen! Veranstaltungen, die den Hörern eine Landschaft heraufbe- schwören sollen, dürfen nur von Menschen geleitet werden, die von dieser Landschaft so gepackt sind, daß sie in jedem ihrer Züge ihr ganze» Gesicht sehen. Dann wird jede Einzelheit, die sie zeigen, im Rahmen der Veranstaltung die richtigen Ausmaße haben. Das mundartliche Gedicht, das Chanson, der Musikvortrag werden nicht als unterhaltendes Beiwerk erscheinen, sondern nur, wenn sie not- wendiger Bestandteil des Ganzen sind. Die Menschen und ihr Leben werden nicht gute oder schlechte Literatur, sondern gegenwärtige Wirklichkeit sein. Man könnte sich denken, daß so in anspruchs- losen, gehaltvollen Veranstaltungen allmählich ganz Deutschland sich vor den Funkhörern aufbaut, daß die Entwicklung weiter geht— das braucht nicht aufeinanderfolgend zu sein, sondern kann durch- aus�übereinandergreifen— und aus Staaten und Erdteilen all- mählich ein plastisches Bild der Welt erwächst, teils bis in alle wesentlichen Einzelheiten scharf sichtbar, teils nur in den Umrissen deutlich. Nicht Wissen, sondern Anschauung zu geben, wäre die Aufgabe solcher Stunden, die den Hörer nicht zum Verständnis- vollen Nachdenken, sondern zum sinnlichen Miterleben führen müßten. Dann könnten sie wirklich, wenn auch nicht für den Körper, so doch für den Geist, ein Reiseersatz werden, und sie könnten dieselben fruchtbaren Auswirkungen haben wie eine mit offenen Augen durch- lebte Reise; die enge Nähe würde sich vor dem Hörer auftun und ihn Heimat und Welt in seinen Gesichtskreis rücken mit ihrer Land- schaft und mit ihren Menschen. Erst wer so gesehen hat, kann in Einzelheiten eindringen: er wird vom Ganzen aus auf Einzelprobleme zurückgreifen, um seinen Gesamteindruck zu vertiefen. Diese Einzelheiten kann der Rundfunk jedoch nur in sehr begrenztem Maße sichtbar machen. Manche wirtschaftlichen, kulturgeschichtlichen und künstlerischen Eni- Wicklungen können in der Form eines populären 25-Minuten-Vor- träges gewiß durchaus so erörtert werden, daß der daran inter- essierte Hörer die Anregung für eigene Weiterarbeit daraus gewinnt; sezicZef? aber man sollte sich davor hüten, die großen Gegenwartsprobleme von Wirkschaft und Politik mit ein paar pathetisch klingenden, in- haltslosen Sätzen nebenher in solchen Veranstaltungen und Vor- ' trägen anzuschneiden. Der Rundfunk kann in seinen Städte- und Landschaftsbildern mit Erfolg nur Zustände sichtbar zu machen ver- suchen; die Betrachtungen darüber, weshalb diese oder jene Zu- ' stände bestehen, lassen sich nur in umfangreichen Abhandlungen an- stellen; am allerwenigsten aber kann der heutige deutsche Rundfunk � mit seiner beinahe allgemeinen Furcht vor klaren Stellungnahmen sie � geben. Tes. Hechts f vagen des Tages Cobnpfiindung. Ein Kaufmann hatte viele Jahre hindurch eine Vertrauens- stellung in einem größere,, Betrieb inne, die er verlor, als der Betrieb nicht mehr aufrechterhalten werden konnte. Er wurde arbeitslos und mußte, um seine Familie vor Not zu schützen, ein kleines Kapital, das ihm seine Frau in die Ehe eingebracht hatte, angreifen. Als auch dieses verbraucht war, mußte er notgedrungen Schulden machen. Der Gläubiger klagte seine Forderung ein, und erwirkte gegen den Kaufmann einen rechtskräftigen S ch u l d t i t e l. Endlich, nach langem Bemühen, gelang es dem Schuldner, eine Anstellung zu erhalten, die ihm ein Monatsgehalt pon 400 M. gewährte. Beim Vertragsabschluß vereinbarte er mit der Firma, daß nur 495 M. seines Gehaltes an ihn, der Rest jeden Monat an seine Ehefrau gezahlt werden sollte. Er begründete diese Vereinbarung mit seiner Verpflichtung, seiner Ehefrau ihr Eingebrachtes, über das er ja als Ehemann ein Verfügung»- recht gehabt habe, wieder zu erstatten. Diese Vereinbarung mußte der Schuldner treffen, da sonst ein Teil seines Gehaltes, sdweit es 105 M. monatlich überstieg, gemäß Z 850 der Zivilprozeßordnung unterworfen gewesen wäre. Sobald der Gläubiger erfuhr, daß sein Sckuldner wieder in fester Stellung war, ließ er aus Grund des Schuldtitels bei der Firma (als Drittschuldnerin) das Gehalt, soweit es die nicht pfändbare Grenze von 195 M. und den dem Schuldner als Familienvater zu belassenden Teil des Mehrbetroges überstieg, pfänden. Die Dritt- schuldnerin hätte nun den gepfändeten Teil an den Gläubiger aus- zahlen müssen; sie tat es indes auf Grund der getroffenen Verein- barung nicht, und wurde von dem Gläubiger verklagt, da nur ein Scheinvcrtrag vorliege, und dieser Vertrag gegen die guten Sitten verstoße. Dem konnte sich das Gericht nicht anschließen, es wies die Klage mit folgender Begründung ab: Ein Angestellter könne bei Antritt seiner Stellung Vereinbarungen über die Zahlung seines Gehalts treffen, um feine Familie vor Not zu schützen. Es verstoße auch nicht gegen die guten Sitten, wenn ein Ehemann zunächst das eingebrachte Gut, aus dem«r in Zeiten der Not gelebt hatte, seiner Ehefrau zurückerstatte, ehe er seine Gläubiger befriedige. Aus diesem Standpunkt stehe auch das Reichsgericht. M. Falkenfeld. fflauiierer') Franz Jung, der revolutionäre Dichter und Autor dieses Buches, versucht„in Inhalt und Form im Rahmen einer Erzählung bestimmte wirtschaftliche und soziale Grundlagen der Gesellschaft aufzuzeichnen". Mehr als das: Er übt a» ihnen auch Kritik. Er nimmt die Dinge scharf unter die Lupe, prüft sie, wägt sie ab. Und dies mit einer durchdringenden Sachlichkeit, mit einer geradezu ins Herz schneidenden Kälte. Jung beherrscht die kaufmännische Materie mit einer Souveränität, die verblüfft und zugleich fesselt. Immer wieder überrascht die sachtechnisch durchaus einwandfreie Behand- lung und Darstellung eines Merkantilismus, der eben der Merkanti« lismus unserer Zeit ist, und den Jung eigentlich als erster und einziger in wahrhaft unverblümter Weise aufzeigt. „Hausierer", das ist jener Handelstyp, den man sowohl be- lächelt als auch verachtet. Hausierer sind lästig. Sie handeln mehr als Geld Fußtritte, grobe Schimpfe und ablehnende, verächtliche Blicke ein. Wohin sie kommen, beg%iet ihnen Mißtrauen, verfolgt sie schmählicher Verdacht, der ihnen Diebstahl, Raub und ärgeres- noch unterschiebt. Sie sind unter den Handelsleuten die Deklassierten, die an den Rand Geschriebenen im Saldokonto des Weltmarktes. Und trotzdem! Welcher Unterschied besteht zwischen dem im Kriege zum Krüppel geschossenen Manne, der mit Schnürsenkeln, Streichhölzern, Halbseiden, Krawatten usw. an Straßenecken und in Lokalen handelt und dem geldgewaltigen Bankier? Darauf gibt Jung in seinem Roman die Antwort. Nämlich die: Der Unterschied in der Abwicklung des Geschäftes ist gering. Nur das Ziel, der Gewinn und vor allem der äußere Habitus unter- scheiden den Handel mit und um die Ware. Und diese Ware kann sowohl eine Zeitschrift,„Bildungs- Material" für das Volk, als auch Gesinnung, Gedanken und Er- lebnisse sein, die in der gleichen Weise wie Schnürsenkel und Streich- Hölzer abgesetzt werden. Hausieren, das ist der Handelsgeist unserer Zeit. Und mit allem, ob es Manschettenknöpfe oder Ideen sind,■— hausieren—, egal. Der Umsatz macht's. Das ist die Hauptsache. „Und siehe, es enthüllt sich der Alltag, die Beschränktheit, der Schwindel, der Wetllauf nach dem kleinsten Vorteil, das Unzuver- lässige im Menschlichen und das Fehlen jedweder Kameradschaft; was bleibt, ist das Erschütternde einer lcbensunsähigen Schwäche." So schreibt der Autor im vorletzten Kapitel seines Romans und zieht damit die Bilanz. Das Schicksal des Heldenbrüderpaares Jensen hat sich erfüllt. Das Ende einer glänzenden, wenn auch etwas dunklen Karriere bildet finanzieller, körperlicher und mora- lischer Bankerott. Dora. die Frau des einen, flieht aus der Stick- luft, in der ihr Mann umgekommen ist— und der, zu dem sie flieht, ist wahrscheinlich wieder ein Schwindler— ein Hausierer. Jung hat einen vorzüglichen Roman geschrieben. Er ist ebenso spannend wie aufklärend und erhebt sich insbesondere in den Schluß- kapiteln zu dichterischer und gedanklicher Größe. ______ Friedrich Lichtneker. *) Verlag Der Bücherkreis GmbH., Berlin SW. 61, 1931. WAS DER TAG BRINGT .................................................................................................................................. ERZÄHLT VON YORICK Die Mosn Personenzug Regensburg— Plattling. Abteil dritter Klasse, so eins, womit uns die Reichsbahn seinerzeit bei Einführung des Zweiklassonsystsms beschummelt hat, indem'- nämlich eins vierter Klasse ist. Infolgedessen ist es auch viel geräumiger, lustiger, ge- mühlicher, trotz voller Besetzung mit Ausflüglern, Arbeitern, Marktsrauen. Mitten dazwischen auch ein Handwerksburschc, dem das Fechten ausnahmsweise so viel Geld eingebracht hat, um ein Stückchen fahren zu können. Auf dem Schoß hält er liebevoll«in verschnürtes Paket. In einer alten Marktfrau erwacht die Neugier, die ja in Bayern und in Sachsen nie sonderlich fest schläft. „Etzt warum tean S' Eahner Paketl net nauf aufs Gepäck- brettl, ha?" Hütn werd i mi!" sagt der Bursche entrüstet.»Nachher werds drückt." „Was is denn so ausgfallenez drin, in dem Paketl, daß's nöt drückt wern derf, ha?" „Gell, dees mechten S' wissn, ha?" „Frelli mecht is wissn!" Der Bursche grinst stolz.„No, sagn S' scho!" fordert ein Arbeiter. Der Paketbesitzer streichelt über das Packpapier, strahlend: ..A Hofn." „Was Sö nöt sagn! A Hosn! Woher ham S' denn die Hosn?" „Derfochtn!" „Da schaugst, derfochtn! I- denn no guet, die Hosn?" „I hab's no nöt auffigmacht. Wissen S', i wann dös Paketl emfmach, nacha tät i die Hosn a glei anziagn. Da wart i ftho liader." „Etzt warum müessen S' da warten, ha? Da gengan S' sei da hier auf? Abortl und ziagn's an, Eahnere neue Hosn!" „Da ham S' nöt unrecht; da hams fei würklich gar nöt un- recht!" meint der Burjch, glücklich, bald in den Besitz, in den eigent- lichen Besitz des neuen Prachtstückes zu kommen.„Un mei alte Hosn, den Fetzn, den damischen, den wirf i glei zum Abortfensterl naus, haha! Den können S' pfeigrad vorbeifliagn sehgn, den damischen Fetzn, den damischen, haha...." Und kindlich lachend verschwindet er im Abortl. Nach drei Minuten fliegt tatsächlich, unter dem Gejohle und Geschmunzle der Mitfahrer, die alte Hose am Abteilfenster vorbei und beschließt ihr wanderungenreiches Leben am beschaulichen Hange des Bahndammes. Die Spannung im Abteil wächst. Bald muh die Nachfolgerin der so schnöde Verworfenen erscheinen, bald muh der Bursch mit dem Umziehen fertig sein, bald.... Es dauert reichlich lange. Auffallend, abnorm lange. Der Zug hat inzwischen schon an zwei Stationen gehalten, und an der nächsten Station müssen mehrere aussteigen, die sich nicht um den Genuß des Anblicks und um ihr« Anteilnahme am bescheidenen Glück des Burschen bringen lassen wollen. Einer von ihnen pocht leise an die Pforte mit der Aufschrift„Besetzt". Keine Antwort. Jetzt wird man langsam ungemütlich. Ein gutes Dutzend bayerischer Fäuste trommelt im Rhythmus des Watschentanzes on die Tür. Und dann schreit einer:„Austean dahier, oder..." Jetzt öffnet sich zaghast«in Spalt; in ihm erscheint der feuer- rot« Kopf des Burschen.„Der wo mi dees gegeben Hot, der mueß si geirrt ham. grausli Hot sich der geirrt, der dalkete Uhu der Hunds- haiterne....." „Wieso denn geirrt! Kommen S' do naus!" „I kann jo nöt nauskommen!" „Etzt kommen S' naus und zeigen Eahnere Hosn. oder... „Dees is ja gar kei Hosn— dees is do a Iaän!" An der nächsten Station mußte, wohl oder übel, der Station?» Vorsteher mit einer alten Diensthose aushelfen. Also geschehen im Personenzug Regensburg— Plattling. Das Karnickel Diese Geschichte sei erzählt, auf daß jeder au; ihr die tröstliche Gewißheit entnehme, wie auch in Frankreich die Justiz ihre Sorgen hat. Bei Le Mans gibt es einen biederen Wegewärter, der hat einen Stall voll Kaninchen. Eines Mittags bricht aus diesem Stall ein Stallhase aus und sucht das Weit«. In einem nahen Feld laßt er sich's wohl fein. Der Wegewärter alarmiert fein« Frau und beide setzen dem Entflohenen nach. Indes das rüstige Karnickel denkt gar nicht daran, sich fangen zu lasten. Endlich wird dem Wegewärter die Sache zu bunt und der Alten zu knapp. Er geht in sein Haus, holt sein- Flinte und schießt seinen Stallhasen ab. Er schmeckt am nächsten Tage ganz gut. Kurze Zeit darauf wurden der Wärter und seine Frau vor den Kadi zitiert. Sie sollten sich verantworten: er wegen Jagd- frevels, weil er seinen Hasen während der Schonzeit geschossen hatte, sie wegen Hehlerei, weil sie die Beute gebraten und mitgegessen hatte. Das Gericht von Le Mans beriet drei Stunden. Es suchte die Frage zu lösen, ob der Wärter seinen eigenen Stallhasen statt durch «inen Schuh, nicht durch einen Schlag hinter die Lössel hätte töten müssen, und ob der Schlag hinter die Lössel nach Lag« der Um- stände anbringbar gewesen wäre. Wenn aber nicht, ob dann ein Schrotschub al-s Jagdfrevel aufzufassen sei, ob sich die Schonzei? auch auf Stallkaninchen erstrecke und ob man zwischen seinen«ige- nen Tieren wildern könne. Drei Stunden.... Dann siegte die Vernunft oder die Ratlosigkeit, was in diesem einmaligen Falle auf eins herauskommt: Die Angeklagten wurden freigesprochen. Wie gesagt: Nicht nur bs, uns hat die Justiz ihre Sorgen.. Schwieriges Studium Ucber Filmstars grassieren so viele falsche Meldungen: die müssen von Fall zu Fall mal berichtigt werden. Besonders bei den Liebesszenen, die ja noch immer die Hauptsache sind; besonders da denkt jeder Jüngling und jeder Backfisch: das kann ich auch. Man liest ja, wie das zugeht: Achtung, Aufnahme, aufblenden, Um- armung, Kluß, Schluß. Aber dem ist mitnichten so. Welch ausgiebige und gewissen- hafte Vorarbeit, ja, welch geradezu wissenschaftliche Vorarbeit solch ein Kuß kostet, das hat uns zum ersten Male Miß Ieannette Mac Donald, erste Hollywoodcr Klasse, verraten. Ieannette nämlich hat sich, um den an sie gestellten Anforderungen gerecht zu werden, eine Bibliothek von 3000 Bänden zusammenkaufen müssen; und diese 3000 Bände handeln alle von der Liebe und von der Liebeskunst. „Habe ich zum Beispiel", so erklärt Ieannette,„die Liebesgeschichie einer Holländerin darzustellen, so vertief« ich mich in die Bücher ihrer Heimat, um zu wissen, was solch ein Mädchen empfindet." Bedauernswertes Geschöpf! Die Rolle etwa der schönen Helena muß bei Ieannette platterdings eine Gemlltodeprejston her- vorrufen; denn nun muß sie zweifellos die ganze Ilias lesen, noch dazu möglichst in der Ursprache.... Dem böswillig krittelnden Europäer allerdings, der sich von Zeit zu Zeit solch« Hollywooder Liebessilme ansieht, dem will es scheinen, als sei für Fräulein Mac Donald das Studmm von zwanzig Bänden Courths-Mahler mehr als ausreichend. Nr. 322 48. Jahrgang Montag 13. Juli 1931 B Papier aus Holz Heinrich Voeltcrs Patent vom 3. Juli 1861 Dos Bestreben der Menschen, ihre Gedanken durch schriftliche und bildliche Aufzeichnungen späteren Generationen zu überliesern, führte schon in frühester Zeit zu primitiven Methoden wie Ein- meiheln in Stein und Metall und Einbrennen in Holz. Seit etwa ZS00 v. Chr. kannten die Acgypter die Bereitung eines elastischen, bcschreibboren Stoffes in Form von Rollen und Blättern aus der Sumpfpflanze Papyrus, mit dem die bedeutende Handelsstadt Alexandria dos Abend- und Morgenland jahrhundertelang oer- sorgte. Ein anderes Materiol der alten Zeit war das aus Tier- fellen gewonnene Pergament. Es hatte seinen Ursprung an- geblich im 2. Jahrhundert o. Chr. in Pergamon, und sein Gebrauch in Europa reichte bis in das Mittelalter hinein. Die erste Kunde vom Papier stammt aus China, wo es ver- mutlich im 2. Jahrhundert v. Chr. erfunden wurde. Aöden der Baumwolle, des Hanfes und Bast und Binde des Maulbeerbaumes dienten als Rohstoff. Die Erfindung kam über Korea nach Japan, wo schon frühzeitig ein Papiergewerbe entstand, als Erzeuger leichter, jedoch sehr fester „Japan-Papiere" bekannt. Um 700 n. Chr. erfuhren die Araber von der neuen Kunst und brachten sie nach Vorderasten und ins Abendland, wo sie sich im 12. Jahrhundert von Spanien aus weiter über Europa verbreitete, so daß Bcnedig schon um 1300 als Haupt- sig des europäischen Papierhondels gelten konnte. Inzwischen hatte man gelernt, auch Baumwoll- und Leinen lumpen als Rohstoff zu oerwerten und die Papierherstellung zu verbessern, indem man das Zerfasern des Stoffes durch Stampswerke(fallende Hämmer) besorgte, zu deren Antrieb mittels Schaufelrädern fließendes Wasser Gelegenheit bot. So entstanden die ersten Papiermühlen, in der Regel an Wasserläufen erbaut. Die erste Papiermühle in Deutschland wurde 1330 in Gleismühl bei Bürnberg errichtet. Die Lumpen, jetzt zum wichtigsten Rohstoff geworden, mußten zu- nächst von Schmutz, Knöpfen, Schnallen und dergleichen befreit, darauf sortiert und gewaschen werden, bevor man sie in das Stampf- werk gab. Hier wurden sie unter Wasserzusatz zu seinem, dünnem Faserbrei zerkleinert, den man in eine etwa 1,5X2 Meter große Schöpfbütte füllte und durch fortdauerndes Rühren ein Absetzen der Fasern unten am Boden verhinderte. Aus der Bütte wurde mit der Form in Gestalt eines hölzernen Rahmens mit darüber gespanntem, feinem Drahtsieb der Brei geschöpft und die Form so lange geschüttelt, bis das Wasser durch das Sieb abgelaufen und die obenliegende Faserschicht gut verfilzt war. Dann drückte man die Schicht aus Filz(„Gautschen") und legte abwechselnd Schichten und Filze zu einem 1— 1,5 Meter hohen Stoß„Pauscht") aufeinander, aus dem nian unter einer Presse das Wasser herausquetschte. Eine zweite Pressung der Bogen ohne Filze und das Trocknen durch Aushängen folgte. Um das Papier beschreibbar zu machen, wurden die Bogen in eine Leimlösung getaucht, danach getrocknet und mittels Walzen geglättet. Auf diese Weise geschah im Mittelalter und sogar zu- weilen bis in die neuere Zeit hinein die Herstellung des„Hand- oder Büttenpapiers". Statt des Stampfwerks kam um die Mitte des 18. Jahrhunderts die in Deutschland erfundene, in Holland verbesserte und allgemein als„Holländer" bezeichnete Zerfaserungsmaschine in Gebrauch, die durch ein Mesierwerk ein feineres Zermahlen der Lumpen bewirkte. Wesentlich war die von Robert 1799 in Arantreich gemachte Erfindung einer Papiermaschine, auf der nicht einzelne Blätter, sondern ein endloses Papierband gewonnen werden konnte. In Deutschland kam die erste Maschine 1819 in Betrieb. Bald noch wichtiger war die Erfindung eines neuen Rohstoffes, da die Lumpen unterdessen ziemlich knapp geworden waren. Der Regensburger Pastor Schäffcr veröffentlichte schon 1765 ein Buch über die von ihm angestellten Versuche, Holz- und Strohfasern zur Papierbercitung zu benutzen. Erst viel später wurde dieser Gedanke wieder ausgegrissen, und am 3. 3ut( 1861 erhielt Heinrich Boelter in heidenheim ein preußisches Patent auf die„maschinelle Bereitung von Holzstoff zur Papierfabrlkallon". die ihm zusammen mit F. G. Keller in Mittweida gelungen war. Der so hergestellte„Holzschliff" konnte indessen an Güte mit den Lumpenfasern nicht wetteisern, da er noch die harzigen Bestandteile des Holzes enthielt, die ein schnelles Vergilben des Papiers im Sonnenlichte verursachten. Eine Verbesserung bot daher da? von M i t s ch e r l i ch begründete Verfahren zur chemischen Behandlung des Holzes, die den„Holzzellstoff", eine fast reine Zellulose lieferte. Aehnlich verhält es sich mit dem mechanisch und chemisch zu- bereiteten Stroh. Die neuzeitliche Papierfabrikation geht von den drei Rohstoffen: Gewebeabfälle(Lumpen, auch Hadern genannt), chemisch aufgeschlossener Z e l l st o f f(aus Holz, Stroh oder Gräsern) und mechanisch bereitete Holzfasern(Holzschliff. auch Holzstoff genannt) aus. Die Hadern werden zunächst im Haderndrescher gründlich gc- reinigt und in Baumwolle, Leinen, Hanf und Jute nach Reinheit und Farbe sortiert. Zum Zerkleinern dient ein Mcsserwerk, der 5)adernschneider, aus dem die geschnittenen Hadern in den Hadern- stäuber und zur Befreiung von Fett und Farbe in den Hadernkocher kommen, in dem sie unter erhöhtem Druck mit Zugabe von Soda oder Aetzkalk gekocht werden. Nach anschließendem Waschen im Wcschhollonder besorgt ein Mahlholländer die Zerfaserung zu feinen, Brei, der sodann entwässert dem Bleichholländer zugeführt wird. Hier bleicht eine Chlorkalklösung die noch graue bis grauweiße Masse zu blütenwcißem Faserstoff, der, wiederum gewaschen und entwässert, jetzt das sogenannte Halbzeug bildet. Das entrindete und zerkleinerte Fichten-, Kiefe�ii- oder Tannenholz wird für die Zellstoffbereitung in Druckkochcrn entweder nach dem Sulfitverfahren mit schwefliger Säure oder noch dem alkalischen Verfahren mit Actz- natron behandelt. Hierdurch gehen die harzigen Bestandteile des 5iolzez in Lösung, während der Zellstoff nur wenig angegriffen wird. Noch dem Auswaschen der Kochlösung erfolgt die Zerfaserung des nur noch lose zusammenhängenden Holzes und ebenso ein Bleichen zu feinstem, weißem Halbzeug. Auf entsprechende Weise gewinnt man Zellstoff aus Stroh und Gräsern. Holzschliff entsteht durch Zerfaserung entrindeter und von Aesten besreiter Holzklötze beim Auspresse» gegen eine sich drehende Schleifscheibe. Großkrast- schleifer von etwa 1000 LZ mit vier zur Erzielung gleichmäßigen Anpressen, angebrachten hydraulischen Pressen und selbsttätiger Holz- Zuführung liefern in 24 Stunden bis 2000 Kilogramm Holzstoff. Die vom Spritzwasser fortgeschwemmten Fasern laufen, nachdem sie den Splitterfänger passiert haben, über Siebe zunehmender Feinheit, werden sortiert und stellen nach dem Entwässern fertiges Halb- zeug dar. Die Verarbeitung zum Ganzzeug gefchiehl im Ganzzeugholländer, in den die verschiedenen Halbzeuge je nach der gewünschten Papier- forte zu bestimmten Anteilen gegeben werden. In den Ganzzeug- arbeiten gehört die Appretur, die je nach dem gewünschten Erfolg vor, während oder am Ende des Mahlprozesies vorgenommen wird. Als Zusätze kommen Bindemittel wie Tier- oder Pflanzenleim und gelöstes Harz, daneben stärkehaltige Präparate, geschlämmte Por- zellanerde u. a., sowie auch Farbstoffe in Betracht. Nach Beendigung des Feinmahlens und Durchmischens ist das Ganzzeug fertig für die Papiermaschine. Auf der Langsiebmaschine läuft der Faserbrei aus einer Bütte über Sand- und Knotensang auf das 2 bis 3 Meter breite Langsieb, das durch dauernde Rüttelbewegungen eine voll- ständige Verfilzung der Faserschicht und ein Ablaufen des Walsers bewirkt. Nach weiterem Entwässern und Pressen kommt das fertige endlose papierband zwischen dampfgeheizte Trockenwalzen und wird zum Schluß ausgerollt. Die Rundsiebmaschine besitzt einen zylindrischen Siebmantel, der bei der Drehung den Brei aus der Bütte schöpft und weiter befördert. Das Rohpapier wird sodann zur Leimung über Walzen durch eine Tierleimlösung geführt, von überschüssigem Leim befreit und gc- trocknet. Ein Glättwalzwerk(Kalander) mit bis 16 Walzen, ab- wechselnd polierte Hartguß- und etwas elastische Stoffwälzen, er- möglicht die Herstellung glänzenden(satinierten) Papiers. Danach folgt das Schneiden der Formate, Liniiercn, Falzen Zählen und Verpacken. Zeitungspapier für Rotationsdruck muß ein zweites Mal fest aufgerollt, d. h.„uzngerollt" werden Der Lumpenanteil am Rohstoff beträgt etwa 5 Proz., der Holz- anteil 95 Proz. Zeitungspapiere haben gewöhnlich zwei Drittel Holzschlisf und ein Drittel Holzzcllftoff. Der Wert des Papiers steigt mit der Abnahme an Holzschliff-»nd Zunahme an Lumpen- geholt. Die bekannten Wasserzeichen entstehen beim Pressen des Papiers, und zwar werden die Stellen, an denen sich die erhaben angebrachten Formen(Buchstaben, Wappen u. dgl.) befinden, dünner: und infolgedessen durchscheinender. R. H. Sürths neuer Slugmotor HeUmuth Hirth, einer der an Dienstjahren ältesten Flieger, hat einen neuen Flugmotor konstruiert, der gro/te Benzin- und Oelersparnis bringt. Der Motor hat vier hängende, hintereinander liegende Zylinder, leistet hei 2100T ouren 65 PS und braucht dabei pro Stunde nur 18 Liter Brennstoff und ein Zwanzigstel Liter Del. Alle Lager laufen in Nadellagern. ßß Bitte, recht freundlich!" Photos vor 100 Jahren— und jetzt—! Wenn wir heute mit unsern Photoapparaten, womöglich mit einer Kleinkamera in der Westentasche, losziehen, lustig eine Auf- nähme nach der anderen machen und vielleicht zum Schluß die Arbeit des Entwickelns und Kopierens noch dem Drogisten über» lassen, so lohnt es sich schon einmal, in jene Zeit zurückzublicken, als Louis Iaques Mande Daguerre, ein französischer Maler, seine ersten„Daguerreotypien", die Vorläufer unserer jetzigen photo- grafischen Bilder herstellte. Es sind jetzt 80 Jahre, daß er das Zeitliche segnete. Die Schwärzung von Silbernitrat durch auftresfendes Licht er- kannte der Arzt I. H. Schulze aus Halle schon 1727 und be- nutzte sie zum Kopieren ausgeschnittener Schriftzüge. Die ersten mit einer Kamera erzeugten Bilder stammen von N i e p c e aus dem Jahre 1822, der für seine Zwecke mit lichtempfindlicher Aspholt- lösung versehene polierte Zinnplatten, die nach der Belichtung mit Oelen fixiert wurden, verwendete. 1839 veröffentlichte Daguerre eine genaue Beschreibung seines Verfahrens, das als erstes mit einer besonderen Entwicklung zur Sichtbarmachung des auf der belichteten Platte befindlichen Bil- des arbeitete. Die zur Herstellung einer Daguerreotypie erforderlichen Vor- bereitunqcn, wie auch das Entwickeln und Fixieren der Platte selbst, waren recht umständlich und zeitraubend. Zunächst mußte die zur Aufnahme bestimmte Silberseite der mit Silber plattierten Kupfer- platte recht blank poliert werden, was mit fein geriebenem Bimsstein und Olivenöl geschah. An das folgende Entfetten der Platte mittels Bimsstein und trockenen Baumwollpfropfe» schloß sich ein Benetzen des Silbers mit dünner Salpetersäure. Nach nochmaligem Einstäuben und Trockenreiben wrde die Platte über einer Weingeist- lampe stark erhitzt, bis sich nach einigen Minuten auf der silbernen Oberfläche eine leichte, weißliche Schicht bildete. Sodann entfernte man durch weiteres Reiben mit Bimsstein den weißen Belag und wiederholte das mehrmalige Polieren und Benetzen mit verdünnter Salpetersäure. Erst, wenn das Silber den erforderlichen Glanz zeigte, setzte man es der Einwirkung von Ioddämpfen aus. und zwar so lange, bis eine goldgelbe Schicht entstanden war, wozu, je nach der Raumtemperatur, 5 bis 30 Minuten gebraucht wurden. Die nun folgende Aufnahme in u ß t e innerhalb einer Stunde vor sich gehe», da sonst die Licht.'mpiindlich- keit der Iod-Silbervcrbindung nachlieh. Das Objekt(möglichst von der hellen Sonne beschienen) wurde auf einer Mattscheibe scharf eingestellt, an deren Stelle alsdann die in einer lichtdichten Lade (Kassette) steckende Silberplatte in die„camora obscura" eingeführt wurde. Nach der mehrere Minuten dauernden Belichtung war die Entwicklung des Bildes wiederum spätestens nach einer Stunde vor- zunehmen. Hierzu diente ein kastenförmiger Apparat, in den die Platte mit der Schicht nach unten, schräg im Winkel von 45 Grad, eingelegt wurde, so daß der am Boden des Kastens durch Erhitzen von Quecksilber erzeugte Quecksilberdampf die Schicht bestreichen konnte, während eine seitlich im Kasten angebrachte Glasplatte den Fortgang der Entwicklun zu beobachten gestattete. Wax das Bild nach einigen Minuten sichtbar geworden, so entfernte man die Platte aus dem Apparat, die in diesem Zustand ein Betrachten bei schwachem Tageslicht und eine Aufbewahrung bis zu inehrcren Mo- naten schon vertrug. Fixiert wurde mit warmer, filtrierter, ge- sättigter Kochsalzlösung, wonach ein Nachspülen in reinein und Uebergießen der Platte mit heißem, destilliertem Walser'olgte. Die auf diese Weise gewonnenen Bilder, die man zweckmäßig unter Glas aufbewahrte, waren direkte Positive mit matt- weißem Beschlag an den belichteten Stellen(auf Jodsilber kondcn- siertcr Ouecksilberdampf) und dunklen unbelichteten Stellen. Jetzt geht die Sache allerdings etwas weniger umständlich vor sich! Hermann(xanswndt 75 Jahre Das Leben eines Erfinders Viele werden sich Hermann Ganswindt's erinnern, der in den sechziger Iahren durch seine aufsehenerregenden Erfindungen rasch bekannt wurde und in diesen Tagen seinen 75. Geburtstag in voller geistiger und körperlicher Frische begehen tonnte. Sein„Tretmotor", wie man den Seilzugscheibenantrieb mit Trethebeln nannte, wurde erstmalig 1894 in Berlin an Droschken und sogar an Mannschaftswagen der Berliner Feuerwehr mit Er- folg vorgeführt, was die Behörden zu amtlicher Anerkennung ver- anlaßte. Aber auch für den Betrieb von Werkstattmaschinell, Flaschenspülmaschinen, Lokomobilen, Pflügen, Feldschmieden, Näh- Maschinen und eines Schraubenbootes, das dazu noch mit beson- deren, das Kentern oerhütenden Trommeln(Anti-Kenter-Trommeln) ausgerüstet war, diente der Tretmotor. Ganswindt erkannte bald die Bedeutung der Luftfahrt für die Zukunft. Er erhielt 1883«in deutsches Patent auf die Erfindung eines lenkbaren Luft- s ch i f f e s, die als richtig vom Kriegsminifterium anerkannt wurde. Der von ihm 1888 erbaute Schraubenflieger-A eroplan fand ebenfalls anerkennende Begutachtung durch Graf Schlieffen, und schon damals beschäftigte Ganswindt sich mit der Konstruktion eines Weltenfahrzeuges, dem Vorläufer des modernen Welt- raumraketenschiffes. Weitere Erfindungen von ihm, die z. T. in Deutschland und auch vielfach im Ausland patentiert wur- den, sind der bekannte„Frei lauf", der vielscharige Motor- pflüg und das Drahtachfenlagcr. das wegen seiner ge- ringen Reibung und guten Haltbarkeit bei Fahrrädern und Trans- Missionen Ailwciidung fand. Gegenwärtig beschäftigt sich der in Schöneberg, Tempelhofer Straße 7 wohnende Erfinder, der zurzeit in recht kümmerlichen Ver- Hältnissen lebt, mit Plänen für ein neuartiges Schiff. E. 5). Ehrung Oskar v. Millers durch die Stadl Frankfurt. Der Ma- gistrat von Frankfurt am Main hat beschlossen, den Altmeister der deutschen Elektrotechnik, Oskar v. Miller, den jetzigen Leiter des Deutschen Museums in München, in Erinnerung an die vor 40 Iah- ren ftattgefundene Internationale Elektrotechnische Ausstellung in Frankfurt/Main die Ehrenplaketle der Stadt Frankfurt/Main zu verleihen und eine Straße nach ihm zu benennen. Arbeiter � Sericnspide -ARBEiTEH WSSBtiLL Pankow Sieger im Hansa-Blitzturnier �anfe 31 hatte mit seinem Blitzturnier einen vollen Ersalg zu verzeichncn� Leider trat Nowawes trotz vorheriger Zusage nicht an. Mehr als SM Zuschauer versolgten die Spiele niit großem Interesse. Di« sehr knappen Resultate zeigen, daß die Mannschaften mit dem Willen zum Sieg in die Kämpfe gingen. Im ersten Treffen standen sich Pankow und Eiche- Köpenick gegenüber. Die Pantowec waren von Ansang an die bessere Mannschaft. Wenn es trotzdem nur zu einem 1: v-Ergebn-s kam, so trägt hieran die vorzügliche Ab- wehrarbeit der Köpenicker 5)intcrmannschaft das Hauptoerdienst. Wer geglaubt hatte, daß Pankow gegen Hansa glatt gewinnen würde, sah sich getäuscht. Bei der Pause lautete das Resultat noch 0: 0. Dann waren es die Pankower, die den ersten Treffer erzielten. Wenige Minuten später glichen die Hanseaten durch einen Elfmeter aus. Erst in der letzten Minute gelang es Pankow, einen Hochball in das Netz Hansas zu setzen. Mit 2: 1 blieben die Pankower glückliche Sieger. Das letzte Spiel Hansa gegen Eiche endete eben- salls nur 2: 1, aber diesmal für Eiche. Damit haben die Köpenicker, •die im allgemeinen als Turniersieger galten, den zweiten Platz be- legt. Der Stand des Turniers lautete: Sieger Pankow mit 4:0 Punkten und 3:1 Toren. Es folgt Eiche mit 2: 2 Punkten und 2: 2 Toren. Den Schluß macht Hansa mit 0:4 Punkten und 2: 4 Toren. Nach Schluß des Turniers spielten H�ansa und Pankow noch einmal. Wieder konnten die Pankower mit 2:1 den Sieg er- ringen.— Britz 88 spielte mit zwei Männermannschaften gegen Freie Scholle. Während die ersten Mannschaften unentschieden 2: 2 spielten, gelang es den Britzer Zweiten mit 3:1 zu gewinnen.— Lichtenberg I und Wacker 30 trennten sich mit einem 4: 2-Resultat für Lichtenberg. Minerva 28 konnte gegen den ASB. Neukölln mit ß: 0 glatter Sieger bleiben. Saxonia weilte mit zwei Mann- schastcn bei Her, selbe. Die ersten Mannschaften spielten 2: 1 und die zweiten 5:2 für Saxonia. Wilmersdorf gegen Pankow. Morgen, Dienstag, treffen sich auf dem Sportplatz am F e h r- bellincr Platz Pankow und Wilmersdorf um 19 Uhr. In der Kissingenstraße stehen sich die zweite Mannschaft der Pankowcr und Blankenburg im Retourspiel gegenüber. Beginn dieses Spiels 18.30 Uhr. �ouridUcoMU Der Bohnsdorfer Bezirk vom Turnverein Eiche- Köpenick führte bei der Fünfjahresfeier der Samariter ein Blitzturnier durch, an dem sich noch Fichte, Kaulsdorf und Wildau beteiligten. Ueberraschcndcrweise wurden die Kauls- dorfer, auf die man so große Hoffnungen setzte, auf den letzten Platz verwiesen. Der freien Sportoereinigung Fichte gelang es, alle drei Spiele zu ihren Gunsten zu gestalten. Das erste Spiel Eiche gegen Wildau endete unentschieden 1: 1. Fichte und Kaulsdorf trennten sich 2:0 für Fichte. Den nächsten Kampf bestritten Eiche und Kauls- dorf. Hier sah es bis zur Pause aus, als sollten die Kaulsdorfer glatt gewinnen. Lautete das Resultat doch bereits 2: 0. Doch manchmal kommt es anders. Beim Schlußpfiff war das Ergebnis unentschieden 4: 4. Dann gelang es wieder Fichte, gegen Wildau einen knappen 2: 1-Sieg zu buchen. Dafür holten sich die Wildauer im folgenden Spiel gegen Kaulsdorf mit 4:2 die Punkte. In dem das Turnier abschließenden Spiel Eiche gegen Fichte behielten die Fichte-Leute mit 3: 1 die Oberhand. Damit wurde Fichte mit 6: 0 Punkten glatter Sieger des Turniers. Es folgen: Wildau mit 3:3 Punkten, Eiche mit 2:4 und Kaulsdorf mit 1:5 Punkten. Arbeiter-Wasserball Ckariottendurg—.„�ei»tun"�eiHen»ee 9: 4 Ueberlegener als erwartet fiel der Sieg der Char- lottenburger im Spiel gegen seinen spielstarken Rivalen Neptun aus. Die Wcißenscer waren allerdings nicht in der Lage, ihre komplette Mannschaft am Sonnabend nach Westend zu cnt- senden, was ohne Frage einen gewissen Einfluß auf das Spiel aus- übte. Immerhin kann gesagt sein, daß Charlottenburgs Leistungen so gute sind, daß mit einiger Zuversicht auch auf gute Resultate auf der Wiener Olympiade gerechnet werden kann. Die Neptunleute inachten dem Meister in der ersten Halbzeit schwer zu schassen, was am 3:2- Halbzeitstand für Charlottenburg am besten zum Aus- druck kommt. Erst in der zweiten Spielhälfte kamen die Char- lottenburger durch hervorragende Schutzleistungen ihrer Angriffs- reihe langsam in Front, wogegen Neptun durch Mangel an ver- ständigem Spielausbau nur wenig zeigte. Das Fcldspiel war trotzdem ausgeglichener als es im Endresultat zum Ausdruck kommt. Die Ballbehandlung war auf beiden Seiten sehr sauber. Der Schiedsrichter war dem Kampf ein gerechter Leiter. Die Spiele in der kommenden Woche sind die letzten vor der Olympiade. Am Montag dürste Hellas I einen sicheren Sieg gegen die etwas beständig spielenden Sieben von Berlin 12 er- zielen. Austragungsort: Plötzensee. Der Mittwoch bringt zwei Begegnungen. Charlottenburg trisft auf Neukölln in Westend und muß mit einem hohen Sieg seine Olympiasorm beweisen. Lichten- berg hat Neptun in Klingenberg zu Gast und wird eine Niederlage hinnehmen müssen. Am Donnerstag beschließen Möwe und Union in Plötzensee die Spiele der Woche. Das Tressen ist völlig offen. Beginn aller Spiele um 19'A Uhr. Das„Fest der Arbeit" in Britz Ein Massenbekenntnis zur Sozialdemokratie 1 ' Wenn die Britzer Genossen etwas anpacken, dann klappt«s, äußerte einmal jemand, der im Vorjahre das„Fest der Arbeit" in der Kraß-Siedlung besuchte und auch schon als Gast bei der ersten Veranstaltung dieser Art. im Jahre 1929, anwesend war. Der Wettermann war den Britzern diesmal freundlicher gesinnt. Teil- nchmer und Zuschauer waren in Massen erschienen, um das schöne Fest und die Demonstration mitzumachen. Viel Vorarbeit mußte eeleistet werden, die dank der rührigen Mitarbeit aller bewältigt werden konnte. Am Sonnabendnachmittag begann der wirklich freiwillige- Arbeitsdienst in den Grünanlagen und am Abend zogen Reichsbanncrkameraden auf Wache, um dos Auf- gebaute gegen jeden Unstig zu schützen. In den Morgenstunden des Musikerverbandes, der Spiel mannszug des Neu- köllncr Reichsbanners und das Musikkorps der Freien Turnerschaft Groß-Berlin bemüht. Ein aufrütteln- der Vorspruch, gesprochen vom Kameraden Leo Schmarsow, folgten prächtige Darbietungen des Berliner Volkschors und mahnende Verse des Sprechchors der SAI. Neukölln. Schließlich noch der Arbeiter-Laienspieler-Verband, dessen politisch- satirische Bilder ebenfalls eine aufmerksame Hörerschaft fanden. Doch damit nicht genug. Die Turner treten an und zeigen uns rhythmisches Turnen nach den Klängen der Musik. Mit viel Ge- schick wird u. a.«ine Hebung gezeigt, die 2 0 000 Turner auf der kommenden Arbeiter- Olympia de in Wien aufführen werden. f»-; Sonntags nahte dann mich tatsächlich eine Horde Nazis, die jedoch, als sie die Reichsbanner-Wachabteilung nur von weitem sah, sehr schnell ausriß!- Am Sonntagvormittoe bot sich in der Siedlung ein buntbcweg- tes Bild: Die Masten am„Huseisen" zeigten die rot« Fahne. während die Bewohner für die Beflaggung der Häuser Sorge trugen. Auf dem Festplatz mahnte ein riesiges Transparent: „Werdet Sozialdemokraten!", während uns das rote Tuch, mit dem das Podium im Akazienwäldchen verkleidet war, in großen Lettern die Parole dos Parteivorsitzenden Otto Wels ent- gegenrief:„W o bleibt der zweite Mann?" Arbeiter- s a m a r i t s r hatten ihr Zelt ausgeschlagen, um in Notfällen gleich zur Hand zu sein. Oer grofye Festzug In den Nochmittagsstundcn nahm an der Ideal-Siedlung der große Festzug Aufstellung, um von hier aus die«inzclnen Straßen zu durchziehen. Da waren die B r i tz« r„V o l k s s p o r t l c r" und die„Freie Turnerschaf tBritz 8 8", die Kinder- freunde und die Arbeiterjugend, die Volksbühnen- j u g e n d, die wirkungsvolle Transparente mitführte, die G c- werksjchaftsjugend und die Parteigenossinnen und-genossen in schöner Stärke aufniarschiert. Reichs- bannerformationen eröffneten und beschlossen den Zug, der nach einein 1 f-stündigen Umzug auf dein Festplatz eintraf. Das Programm, das hier nun in reicher Füll« zur Abwicklung gelangte, im cmzelnen zu würdigen, würde zu weit sichren. Für den musikalischen Teil waren ein Orchester des Deutschen Die„Freien Schwimmer Neukölln" sind bei der Vor- sührung der Trocken-Schwimmübungen dicht umlagert. Das kleine Volk versammelt sich an Kasperles Wirkungsstätte und verlangt Zugaben auf Zugaben, bis Kasperle ermüdet mit einem„Aus Wiedersehen" endgültig oerschwindet. Ernst geht es bei einem S ch a ch w e t t st r e i t an der Huf«ls«nhalle zu. 20 Bretter stehen zur Verfügung und freundlich laden die Arbeiter-Schachfreund« mit großem Erfolg zum Spiele ein. Drinnen in der Hall« gibt eine ausgezeichnete Ausstellung eine Uebersicht über das„Politische Plakat". Nur zu schnell vergeht die Zeit. Bald ist der Zeitpunkt zur Schlußkundgebung im Hufeisen gekommen. Mit brennenden Fackeln marschieren die Festteilnehmer hier ein und nehmen im weiten Rund, das nun im Scheine der Fackeln einen überwältigenden An- blick bietet, Aufstellung. Die G e we r k s ch a f t s j u g e n d schleu- dert das kapitalistische System anklagende Verse in die Nacht hin- aus. Dann spricht der Partei Vorsitzende HansVogel. Er streift in seiner Rede die Notverordnungen der Regierune, die eine direkte Folge der Wahlen des 14. September sind, und weist mit aller Schärfe auf den Strukturwandel des Kapitalismus hin, der den Kampf gegen das Betriebsrätegesetz, gegen das Schlichtungs- wesen und gegen die Arbeitslosenversicherung in sich birgt. Darüber hinaus will das Unternehmertuin den Abbau der Sozial- Versicherung sehen. Dann deckt der Redner die jämmcr- liche Verlogenheit der Razibemeaung aus. Diese „A'ich-Sozäl'üen"»"allen de,, Kämpf gegen den Marxismus führen und dabei wissen 93 Proz. dieser Hohlköpfe nicht einmal, was Marxismus ist. Es ist aber notwendig, die Oeffentlichkeit eindrinz» sich darauf hinzuweisen, daß es gerade Marxisten sind, die Deutschland in seiner liessten wirtschaslsnot eine hilssaklion vermitteln. Die marxistische Arbeilerregierung Englands ist es. die zur Hilfe bereit ist, es sind die Marxisten Macdonald, henderson und Snowden. die uns helfen wollen. Vogel mahnte am Schluß, treu zusammenzustehen undd weiter zu kämpfen für den siegreichen Sozialismus. Brausender Beifall er- scholl im weiten Rund. Rot«s Feuer leuchtet aus, die Kapelle in- toniert die Internationale und aus Tausenden von Kehlen steigt das Lied der Menschheit zum Himmel empor. Mit einem Hoch aus die Sozialdemokratie wird die Kundgebung, die mit aller Deutlich- keit gezeigt hat, daß der Britzer Boden ein fruchtbarer Acker jür die Partei ist, geschlossen._ Fünf-Jahresfeier des ASB.-Bohnsdorf Die Bohnsdorfer Abteilung des Arbeiter- Samariter-Bundcs verstand es, ihre Fünf-Jahres-Feier zu einer vorzüglichen Werbeveranstaltung für die Arbeiterspoit- bewegung zu machen. Ein mehrere hundert Teilnehmer zählender Zug bewegte sich durch die sestlich geschmückten Straßen vom Bahnhof Grünau zum Grundstück der Kolonne. Hier begrüßte der Vor- sitzende die Erschienenen und schilderte in kurzen Worten den Werde- gang der Abteilung. Aus Neinen Anfängen heraus gestaltete sich die Werbung für die Bohnsdofer sehr schwierig, bis es den IIn- ermüdlichen doch gelang, sich durchzusetzen. So kam es auch jetzt zur Uebernahme des vom Grundbesitzerverein zur Verfügung gc- stellten Grundstücks. Di« Kolonne beobsichtigt hier«ine ständige Rettungswache zu errichten. Mit dem Bau oes Gebäudes soll in nächster Zeit begonnen werden. Später sind auch noch die Erbauung eines Jugend- und Kinderheims geplant. Unter den Klängen des Liedes„Brüder, zur Sonne, zur Freiheit", wurde die Kolonnensahne des ASB. gehißt. Genosse Hoffmann erinnerte noch einmal an den Wahlspruch der Arbeiter-Samariter:„An jedem Ort, zu jeder Zeit, sind wir zur ersten Hilf' bereit." Dann mar- schierte der Zug zum«igentlichen Festplatz, auf dem in bunter Reihenfolge sportliche Darbietungen init Vorführungen der Sama- riter wechselten. Ein improvisierter Autozusammenstoß, bei dem es mehrere Leicht- und Schwerverletzte gab, gab den Samaritern Gelegenheit, ihr« Sicherheit in der Behandlung Verunglückter zu zeigen. Viel Anklang fand auch die Freie Sport- und Musik- Vereinigung mit musikalischen Darbietungen. An die Olympia- Wettkämpfer Die Zentralkommission f ü r Arbeitersport und Körperpflege E. V. bittet uns mitzuteilen: Es ist möglich, daß einige der Wettkämpfer, die ihren Fest- beitrag selbst bezahlt haben, ein Quartier zugewiesen bekommen. Wenn das der Fall ist, dann muß das Quartier sofort nach Wien zurückgemeldet werden, und zwar an die Adresse: Büro der Ii. Arbeiter-Olympiadc, Wien I.,'Schwarzenbergplatz 18. Dabei ist Name und Wohnung des Quartiergebers deutlich anzugeben. Jedes Quartier wird dringend gebraucht, kein Quartiergeber darf vergeblich auf Gäste warten. Wildung. » Der Bundesvorstand vom Arbciter-Turn- und Sportbund E. D. versendet das jetzt von Wien einlausende Fe st Material, wobei zv. beachten ist, daß Wien zuerst die tcrininmäßig eingegangenezi Hauptmeldungen überweist. Sofern Nachmeldungen durch die Ver- eine getätigt sind, erfolgt die Zustellung des Materials später bzw. muß in Wien bei der deutschen Geschäftsstelle abgehott werden. Anträge auf Ausstellung von Grenzkarten können nicht mehr angenommen werden, da die Zeit zur Antragsdurchführung zu kurz ist. Etwaige Differenzen zwischen den Meldungen und der Zu- stellung des Materials werden in Wien in der Deutschen Geschäits- stelle, Rotunde Südflügel, geklärt. Die Vereinsvertreter wollen außer dem Vereinsausweis, den Postabschnitt und den Briefumschlag. in welchem das Festmaterial zugestellt worden ist, mitbringen. Der Bundcsvorftand: C. Gellert. Internationale Berliner Rennwoche Drei französische Vollblüter, die in die Ereignisse der am koni- menden Sonntag beginnenden Internationalen Berliner Rennwoche einereifen sollen, sind am Dienstag in Hoppegarten «ingetroffen. Es handelt sich um Dictateur VIII und Guernanville aus dem Stall Olry-Roederer sowie um Alcanale aus dein Stall R. B. Straßburger. Besonders imponiert Guernanville, der unter Jockey M. Frühinsholtz am 19. Juli den Großen Preis von Berlin auf der Grunewoldbahn bestreiten wird. Sem Stallgefährte Dicta- teur VIII kommt erstmalig am Sonntag im Internationalen Fliegerrennnen in Hoppegarten unter Iopey C. Elliot heraus. Dieses Rennen bestreitet auch Alcanale, der von Frühinsholtz ge- ritten wird. Wenn Dictateur VIII das Rennen gut übersteht, läuft der Hengst unter Jockey R. Petit auch im Internationalen Hürden- rennen am 19. Juli. Leider wird nichts aus der Revanche zwischen Guerenanville, dem Sieger im Großen Preis von Mailand, und dem Italiener Sans Crainte im Großen Preis von Berlin, da für Sans Crainte Reugeld erklärt worden ist. Sport-Berei» Moabit. Heute, Moniaz, 13. Juli, 8 Uhr. im ÄT.©efetf- sckaflohaus. Strom slrahe 28: Vcrcinsversammlung.?i« Screinotabirc auf btm Wassrrkportplah Plöh-nscc bleibt am Monlag geschlossen. Laut Bezirk». amtsbestinimung müß am Dienstag, dem 14. Juli, der Training-abenb auf dem Sportplati Tiergarten ausfallen. Nächster Trainingsabend: Tonnerstag. Wittroach Bcrciusabend, Wastersportplast Plotzensce. FTlSB.-Tiiben. Während der Schulferien finden llebiingsstunden in den Turnhallen von 20—22 Uhr wie folgt statt: Fitr die Frauen am Menstag, Bergmannstr.«ü/07: fitr die Männer und Iungmädchen Dienstag, den 14.. 21. und 28. Juli, außerdem Donnerstag, den s. August. Quer durch Friedenau. Der Bezirk Friedenau der FTISB. führt am S. Augiist einen Strahenianf über 3 Kilometer„Quer durch Friedenau" und ein Sportfest durch. Alle Meldungen stnd bis zum 15. tzuli einzufendeu an lScuosscn Albert Schöueich, Berlin-Friedeuau, Kirchstr. 15 IV. Touristcauerein„Die Raturfreuude-, Zentrale Wie». Dienstag. 14. Juli, 2« Uhr: Abt. Fricdrichshain, Frankfurter Allee lim, Siug.Eang. Liederbücher und Instrumcuic mitbringen. Abt. Friedenau, Offendocher Sir. 3a: Geschäft- liche?. Abt. Kumboldthain: Sport im Humbo. Abt. Mitte, Iohannisstr. 13: Heitere Barlefungen. Abt. Norden: Abendspaziergang nach Pankow. Abt. Weddina-Gefundbruniicn, Willdenowstrahe 3: Geschäftliches. Abi. Oberfchone- weide, Laufeuer Sir. 2: llcder Kartenlefen. Abt. Treptow, Spielen Wiese 9, Treptow: 18 Uhr. Abt. Osten, Gbrrtnstr. 12:„Der Globetrotter".— Mittwoch, 13. Juli, 20 Uhr: Iugendgruppe Osten, Frankfurter Allee 30?:«artenlesien und Woudertechnische?.— Donnerstag.>5. Juli 2» Ub': Abi. Lichtenberg. Gunter. straße 14. Dienstag. Stad'on Lichtenberg, 18>„ Uhr. Abt. Rei Uhr. außerordentliche Borstandsflhung.— Tenuerstaa, de» 18. Juli 1981, Mitgliederversammlung.