Morgenausgabe Ar. 323 A 163 4S.Iahrgang Wöchentlich LS Pf, monatlich 3,60 M im voraus zahlbar, Postbezug 4,32 M. einschließlich 60 Pf. Postzeitungs» und 72 Pf. Postbestellgebühren. Auslands« abonnement 6,— M. pro Monat; für Länder mit ermäßigtem Drucksachen« porto 6.— M. Der.Vorwärts� erscheint wocherUSg. lich zweimal, Sonntags und Montags einmal, die Abendausgabe für Verlin und im Handel mit dem Titel„Der Abend". Illustrierte Beiloge„Voll und Zeit-. Ferner„Frauenstimme-. �Technik",„Blick in die Bücherwelt", �2ugend-Lorwärts-u.»StadtbeUage- r$ Berliner VoWSblatt Nienstag �4. Juli 1931 Groß-Äerlin 10 Pf- Auswärts 15 pf. Die eins palt Nonporeillezeile 80 Pf. ReNamezeile 6,— RM.„Kleine Anzeigen" das fettgedruckte Wort 25 Pf. (zulässig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 12 Pf. Rabatt lt Tairj. Stellengesuche das erste Wort!S Pf, jede« weitere Wort 10 Pf. Motte übe» 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmartt Zeile 60 Pf. Familien- anzeigen Zeile 40 Pf. Anzeigenannahme im Hauptgeschäft Lindenstraße 3. wochen- täglich von 8»/, bis 17 Uhr. D« Verlag beHütt sich da. Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor) ir 8V, bü läli sich genehme, Aentvalsvgan der Sozialdemokratischen Oavtei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstr. 3 Fernspr.: Dönhoff 7) 292—297. Tclcgramm-Adr.: Sozialdemokrat Berlin. Vorwärfs-Verlag G. m. b. H. Postscheckkonto: Berlin 37 S26.—Bankkonto: Bankder Arbeiter, Angestellten und Beamten, Lindenstr. 3, Dt.B. u.®i§c.-®c{., Depositen!., Jerusalemer Str. K5/KZ. Basel verspricht Hilfe. Erklärung des Verwaltungsrats der Reparationsbank. Lasel. 13. Juli. Nach Schluß der heutigen Spätabendsitzung um 11 Uhr wurde folgendes Kommunique ausgegeben: ..Der Verwaltungsrat hat von der Darstellung Kenntnis genom- wen. die der Präsident der Rcichvbank. Dr. Luther, von der Situation in Deutschland»nd von der deutschen Wirt- schaft und Finanzlage gegeben hat, die trotz der durch die Abzüge von in Deutschland angelegten kurzfristigen Kapitalien hervor- gerufenen Krise befriedigend ist. In Anbetracht des Umstandcs, daß sich die deutsche Regierung an die verschiedenen Regierungen wegen finanzieller Unter- st ü tz u n g an ihren entsprechenden Märkten gewandt hat, erklärt sich der VcrwaltungSrat— überzeugt von der Notwendigkeit einer solchen Unterstützung— unter den gegenwärtigen Um- ständen bereit, an dieser Hilfe mitzuwirken und sie mit allen den Zentralbanken zur Ver- fügung stehenden Mitteln zu verstärken. In der Zwischenzeit hat der Vcrwaltungsrat'dcn Präsidenten er- m ä ch t i g t, in Ucbcreinstimmung mit den anderen beteiligten In- slituten den Anteil der BIZ. an dem der Reichsbank kürzlich gewährten Redisk ontkrcdit zu erneuern." Reichsbantpräsidcnt Dr. Luther gab in tiefer Be- w e g u n g am Schluß der ihn umringenden Presse zu verstehen, welchen schweren Kampf Deutschland gegenwärtig führt, der nicht durch eigenes Verschulden hervorgerufen ist, sondern durch fremde Eingriffe von außen, indem seit Mai Deutschland in unerhörtem Maße die ausländischen Gelder ab- gezogen werden. Dadurch ist Deutschland natürlich immer weniger in der Lage, aus dem Ausland Rohstoffe zu beziehen und Waren einzukaufen. Ohne eine gesunde ruhigen Entwicklung in Mittel- europa ist an eine gesunde Weiterentwicklung auch der übrigen Welt nicht zu denken. New �jork wartet auf Bafel. New Dork. 13. Juli. Von maßgebender der Aederal Reserve Lank nahestehender Seite wird erklärt, daß die Frage der Kreditgewährung für Deutschland von der Entwicklung der Baseler Lerhandlung abhänge. Die New Zorker Federal Reserve Lank beabsichtige nicht, selbst die Initiative zu ergreifen: sie warte vielmehr ab. bis ein gemeinsames„Programm" der Leiter der europäischen Zenlralnotenbanken vorliege. Selbstverständlich werde sich die Fedcral Reserve Bank an der Durchführung eines solchen Programms beteiligen. Hoover kann persönlich nichts mehr tun. Washington, 13. Juli. Präsident jz o o v c r konsericrt seit den Morgenstunden des Montag ununterbrochen mit dem Ilnterstaatssckretär E a st! e. Die Attaches im Weißen chause erklären, daß der Präsident der Lage in Deuischlond„u«geteilte Aufmerksamkeit" widme. Es stehe jedoch nicht in seiner Macht, über das Moratoriumsangebot hinaus irgendeine Aktion zu unternehmen. Anderseits werde jede Maßnahme, die zur Lösung der Krise beitragen könnte, die v o l l st e moralische U n t e r st ü tz u.n g des Präsidenten finden. Die Newyorker Börse war heute infolge der schlechten Nach- richten aus Deutschland schwach. Immerhin hielten sich'die Kurse besser als an anderen ausländischen Märkten. Heuie Banken geschlossen. Neue Notverordnung: Dienstag und Mittwoch Bankfeisrtage. shür die Vonken sind für Dienstag unb M i t t- woctz Bankfciertagc eingelegt. Die Kassen der Vanken werden also an diesen Tagen geschlossen bleiben. Die Maßnahme stützt sich auf folgende Ver- ordnung des Reichspräsidenten über Bantfeiertage vom 13. Juli Ilm: Auf Grund des Artikels 1« Abs. 2 der Reichsver- fasiung wird verordnet: 8 1. Tie Rcichsrcgicrung ist ermächtigt, Bantfeier- tage zu erklären. Sie bestimmt, für welche öffentlichen nnd privaten Kreditinstitute und Einrichtungen die Bankfeiertage gelten und welche Rcchtswirkungen mit ihnen verbunden sind. 8 2. Die Verordnung tritt mit Wirkung vom 13. Juli 1331 in Kraft. Nachfolgende AuSführungsbestimmungen legen Bank- fcicrtagc für Dienstag und Mittwoch fest und zwar für sämtliche Zahlstellen. Die Börsen werden voraussichtlich bis zum Sonnabend geschlossen bleiben. -ü Die Reichsregierung und die berufenen Vertreter der Banken und Sparkassen werden im Verlaufe dieser zwei Tage die nötigen Maßnahmen und Vorbereitungen treffen, damit am Donnerstag die zur Weiterführung der Wirtschaft und zur Bewirknng der Gehalts- nnd Lohn» zahlung-n erforderlichen Mittel bereitgestellt werden. Devisenrestriktion der Neichsbank. während die Reichsbonk bei ihren Devisenabgaben bisher die Abrechnung erst zwei Tage nach Vertauf vornahm, ist das Institut ab Montag zu einer schärferen Restriktion in der Form ge- schritten, daß eine Abgabe nur bei sofortiger Vorbezahlung in Reichsmark erfolgt. Diese Maßnahme, die im Schaltergefchäst üblich ist. dürfte also nach wiedererössnung des Vorfenverkehrs auch auf da» Veviseogeschäft au der Börse ausgedehnt werden. Auch saust wurden die kreditrestriktionrn am heutigen Montag wesentlich schärfer gehandhabt, doch werden hierbei individuelle ver- Hältnisse nicht ganz außer acht gelassen. Im übrigen war am Montag wegen des Aussalls der Börse dos Devisengeschäft an der Reichsbonk außerordentlich gering. Verschiedentlich soll die Reichs- bank In der Lage gewesen sein, Devisen hereinzunehmen. Die Gtimmung an der Londoner Börse. London, 13. Juli. Die Stimmung an der Londoner Börse war unter dem Ein-- druck der Hiobsnachrichten aus Deutschland gedrückt. Späterhin erholte sich die Mark, als bekannt wurde, daß New Park die Lage zuversichtlicher beurteile. An dem Verhalten der Reichsbank würbe teilweise scharfe Kritik geübt, die sich auch in der Presse widerspiegelt. Es wurde bemerkt, daß Dr. Luther die vorbeugenden Maßnohmen 14 Tage früher hätte treffen sollen. Die Aufmerksamkeit der Londoner Börse wendet sich auch außerdem der Frankcnbewegung und dem neuen Angriff der Bank von Frankreich auf die englischen Geldvorräte zu. Die Bank von England verkaufte am Montag für 509 213 Pfund Goldbarren. Erholung der Markkurse in New isork. New Jork, 13. Juli. Eine Nachricht, daß die Baseler Konserenz die Erneuerung des lOO-Millionen-Dollar-Kredites beschlossen habe, führte zu einer leichten Erholung der Markkurse. Dagegen bröckelten deutsche Anleihen ab. Die Boung-Anleihe hatte mit 62)� einen Verlust von 10 Punkten gegenüber dem Endkurs am Sonnabend zu verzeichnen. Wie das Staatsdepartement zugibt, erklärt der amerikanische Botschafter in Berlin, Sackett, in seinem nach Washington über- mittelten Drohtbericht vom Sonntag, daß Deutschland allerschnellstens finanzieller Hilfe bedürfe. Radikale Maßnahmen in der Schweiz. An den Schweizer Börsen wurden auf Gnmd einer Verein- barung zwischen den Börsenvorständen deutsche Effekten sowie der Markturs gestern überhaupt nicht offiziell notiert. Soll man den Kopf verlieren? Eine Betrachtung zur Lage. Seit gestern befindet sich das deutsche Volk— mit ihm die Regierenden und die Kapitalisten— in einem Zustand der Panik. Eine Großbank hat mit allen ihr verbundenen Banken die Schalter geschlossen. Die Reichsregierung hat zwar für das Reich eine Bürgschaft für die Einlagen bei dieser Großbank übernommen und eine öffentliche Kontrolle eingesetzt, aber wer irgendwo Geld in Verwahrung gegeben hat, sei es bei Banken oder bei S p a r k a f f e n, ist doch um das Geld be- sorgt. Und wenn er auch hofft, daß die gegenwärtige Krise mit all ihren Gefahren vorübergeht, so will er sich doch sein Geld, oder wenigstens den größeren Teil seines Geldes holen, um s i ch e r zu sein bis zu einem Zeitpunkt, wo die Gefahren eben vorüber sein werden. Was dann eintritt, wenn jeder so handelt, das nennt man einen Run, einen Sturm auf die Banken und Sparkassen. DiejerRun hat in derTat gestern inDeutsch- l a n d eingesetzt. Die Banken waren schon nach wenigen Stunden nicht mehr in der Lage, alle diese Auszahlungen zum vollen Betrage vorzunehmen, man hat repartiert, d. h. nur einen Teil des Abgehobenen ausgezahlt. Bei den Sparkassen war es ebenso: sie brauchten dabei nur von den in allen Sparbüchern abgedruckten Kündigungsbedingungen Gebrauch machen. Aber mit solchen Maßnahmen ist ein Run nicht aufzuhalten. Wenn er bei allen Banken und Sparkassen ausbricht, dann verjagt die Geldquelle, die übrig bleibt: die Reichsbank, die keine Zahlungsmittel mehr hat, wenn sie keine ohne genügende Deckung ausgeben will, d. h. eine den Kredit weiter erschütternde Inflation machen will. Aber eine In- flation wird niemand wünschen, sondern jeder nur mit Schrecken an die von 1S23 zurückdenken. Nun ist die Reichsbonk schon seit einiger Zeit bcwcgungs- unfähig. Sie ist es, weil sie mit Recht keine Inflation z u l ä ß t, die durch strenge deutsche und internationale Gesetze unterbunden ist. Die ReichsbaM ist selbst schon ausgepumpt, und zwar durch einen ausländischen Run, durch den Ansturm der ausländischen Gläubiger auf die deutsche Kredit- Wirtschaft, der in den wochenlang vor sich gegangenen Kündi- gungen ausländischer Kredite bestand. Die Reichsbank könnte zwar noch ein paar hundert Millionen ausgeben, wenn sie eine Notensteuer bezahlt und den Zinssatz noch weiter heraufsetzt. Aber wenn man bedenkt, daß in den deutschen Sparkassen über 10 Milliarden eingezahlt sind, und bei den Banken auch jetzt noch ebensoviel inländische Glau- biger Geld stehen haben, so ist es ganz klar, daß die paar hundert Millionen, die die Reichsbank noch ausgeben könnte, ein kleiner Tropfen auf einen heißen Stein fein würden. Das Unglück, in dem wir uns gegenwärtig befinden, ist also weniger die Tatsache, daß Banken und Sparkassen nicht das auszahlen können, was die Einleger eventuell verlangen, berechtigterwcise für ihren Eigenverbrauch oder für die Lohn- zahlungen ihrer Betriebe, sondern der Run, d. h. der aus der Panik geborene Sturm auf die Danken und Spartassen. Wenn die bei Banken und Sparkassen eingelegten Gelder sicherer werden sollen, dann muß der Sturm auf die Banken und Sparkossen aufhören: das ist der Schluß, der in der gegen- märtigen Lage gezogen werden muß. Um zu diesem Schluß zu kommen, sind einige einfache Ueber- legungcn möglich und nötig. So schlecht, daß jeder Sparer in Deutschland Angst um sein Gespartes haben müßte, ist die Lage der deutschen Wirtschaft noch lange nicht. Wäre das Deutschland geliehene Auslandsgeld in Deutschland geblieben, so hätte es, besonders nachdem durch den Hoover-Plan vor- läufig keine Reparationen mehr zu zahlen waren, keine allzu große Verlegenheit in Deutschland gegeben. Die Verlegenheiten und Schwierigkeiten, die jetzt eingetreten sind, sind tatsächlich in erster Linie auf die Zurückziehung der ausländischen Gelder zurückzuführen. In demselben Augenblick, wo wieder iy2 bis 2 Milliarden ausländische Gelder zur Verfügung gestellt wer- den, würde das deutsche Wirtschaftssystem genau so sicher funktionieren wie vorher und keiner brauchte sich Sorgen zu machen. Wie hat die Kündigung der Auslandsgclder gewirkt? Deutschland hat vielleicht 25 Milliarden Betriebskapital, das ständig in der Wirtschaft umgelaufen ist. Diese 25 Milliarden waren aber nur zu einem Teil eigenes Be- triebskapital Deutschlands, etwa9 Milliarden waren vom Ausland geborgt. Von diesen 9 Milliarden sind im Laufe eines Jahres mindestens 3 Milliarden Mark vom Ausland abgezogen worden: seit den Hittermahleu traute Der Mörder aus»er Hufelandstraße Oer Mann, der den Genoffen Schneider erschoß, in Wien festgenommen. man dem Frieden Europas nicht mehr und seit dem Favag- und dem Nordmollekrach nicht mehr der deutschen Wirtschaft. Diese verlorengegangenen 3 Milliarden oder 12 Proz. fehlen nun im deutschen Betriebskapital. Es fehlen aber auch noch die Summen— wahrscheinlich ist es eine weitere Milliarde—, die die reichen Staatsbürger und schlechten Patrioten durch Kapitalflucht aus Deutschland gebracht haben. Es ent- stand also im deutschen BctricbsmittcluMlauf plötzlich ein Loch von 16 Proz.> und man braucht sich nur vorzustellen, wie ein solcher Ausfall sich in einem Arbeiter- oder Beamtenhaushalt auswirkt, um zu begreifen, daß auch in der Volkswirtschaft ein Zustand eintreten mußte, der einer Lähmung gleichkommt. Dieser Lähmung im volkswirtschaftlichen Kreislauf stan- den die Reichsregicrung, stand die Reichsbank, standen die Banken, standen die Sparkassen in den letzten Wochen gegen- über. Alle Anstrengungen waren darauf gerichtet, das Loch auszufüllen. Die Reichsbank verwendete 660 Millionen neue Auslandskrcdite, die Industrie und die Banken versuchten mit ihrer 500 Millionen Ausfallsgarantie neue Anleihen für Deutschland flottzumachen. In diese Lage platzte nun die Zahlungseinstellung der Darmstädter- und Nationalbant wie eine Bombe hinein, und es begann der Sturm auf die Banken und Sparkassen. Dieser Run aus die Banken bedeutet nichts anderes, als daß das Loch, das im Betriebskapital der deutschen Wirtschaft besteht, noch weiter aufgerissen wird und die Schwierig- kciten noch vielfach verstärkt werden. Der einzelne nimmt so- viel von dem Gelde, als er nur bei Banken und Sparkassen bekommen kann, mit nach Hause und hebt es für alle Fälle auf. Damit werden aus dem Loch von 16 Proz., das in der Volkswirtschaft besteht, vielleicht 26 und 25 und mehr Pro- zent, es fehlen in der Volkswirtschaft ein Viertel bis ein Drittel des Betriebskapitals, und die Folge ist nun, daß die Fabriken und Kontore jetzt noch wenigerGeldals vor- her in die Hand bekommen, jetzt auch noch Arbeiter und Angestellte in Massen entlassen müssen. Selbstverständlich bleibt eine derartige Entwicklung auch nicht ohne Wirkung auf den Staat und die Gemeinden, es gehen noch weniger Versicherungsbeiträge und Steuern ein als bisher, auch die Zolleinnahmen gehen zurück, weil das Volk noch weniger kauft als bisher, und schließlich sind Löhne, Gehälter und Unterstützungen überhaupt nicht mehr zu zahlen. Es ist unvermeidlich, daß diese Folgen eintreten, wenn man in der jetzigen schwierigen Lage den Kopf verliert. Und das ist es, was es in diesem Augenblick, wo Anfänge einer Panik sichtbar sind, zu bedenken gilt. Freilich giht es nicht nur Wirtschaftsdinge in der Welt, sondern auch politische. Man kann dem Staatsbürger nicht zumuten, Ruhe zu bewahren und vernünftig zu sein, wenn in der Politik nichts geschasten wird, was diese Forderung nach Ruhe und Vernunft beim Staatsbürger rechtfertigt. Wirtschaft ist jetzt mehr als je Schicksal. Die„Baseler Nationalzeitung" hat in diesen Tagen mit Recht festgestellt, daß kein Bantwesen in der Welt in der Lage ist, in wenigen Wochen Milliardenbeträge zur Ucber- tragung ans Ausland freizumachen. Das Ausland hat panik- artig gehandelt, indem es diese gewaltigen Kreditkündigungen vornahm. Es ist aber auch nicht völlig unrecht und unsinnig, wenn die ausländischen Kreditgeber Deutschlands darauf hinweisen, daß die deutsche Wirtschaft sehr viel aus eigenem zur Besserung der Lage und zur Verbesserung der Voraussetzungen für ausländische Kredite beitragen könne. Eine schweizerische Großbank schreibt in dem gestern vcr- öffentlichten Monatsbericht, daß das Kapital, das Deutsch- land braucht, sich nur dann finden werde, wenn dos Ver- trauen in die Solidität der deutschen Wirtschaft und der deut- schen Rechtsprechung wieder hergestellt würde. Die ausländischen Kapitalisten aber werden nur dann Vertrauen zur deutschen Wirtschaft gewinnen, wenn das Reich mit jjörte die öffentliche Kontrolle und zentral« Ober- a u f s i ch t verhängt, deren Fehlen eine der ijauptursachcn dieses Zusammenbruchs ist. Oie Tat der Antiparlamentarier. Eine Eihung des Aeltesienrats des Reichstags. Die Partei des Herrn Hitler und die Kommunistische Partei haben sich abwechselnd mit lautem Geschrei als In- haber der einzig wahren Patentnicdizin bezeichnet, mit der Deutschlands verzweifelte Lage kuriert werden könne. Sie haben sich laut als Gegner des Parlamentaris- mus bekannt. Einer hat den anderen in Verfluchungen des Parlamentarismus zu übertrumpfen versucht. „Nur die Diktatur kann Deutschland retten"— in diesem Schrei haben sie sich immer gefunden. Jetzt märe es an der Zeit, mit den Patentmedizinen her- vorzukommen. Man konnte mit Spannung erwarten, was beide große antiparlamentarische Parteien in dieser Situation ihren Anhängern verkünden und was sie unternehmen wür- den, besonders nachdem Hitler und Huaenberg öffentlich ver- kündet hatten, daß sie„ernste Beschlüsse" gefaßt hätten und daß sie„eine Entscheidungsschlacht einleiten" würden. Beide Parteien haben in der Tat gehandelt. Wie auf Verabredung haben sie zur gleichen Zeit das gleiche getan. Sie haben beide ganz gleichmäßig— die E i n b e r u f u n g des Parlaments beantragt. Die Tat der beiden großen antiparlamentarischen Par- teien besteht darin, daß sie eine Sitzung des Aeltestenrats des Reichstags veranlaßt haben. Oie Wirischastspartei zerbröckelt. Weitere Wahlkreise treten geschlossen aus. Zrankfurl a. Main. 13. Juli. Die am Sonnlag in Frankfurt abgehaltene Wahlkreis. k o n s e r e n z des Wahlkreises h e sf c n- A a s s a u der Wirtschaft». p?rH h't mit überwältigender Mehrheit beschlossen, au» der wirischastspartei auszuschciddcn und sich mit dem wah.'irois Koblenz-Trier solidarisch zu erklären. Unterdessen haben auch die sächsischen Wahlkreise glkichsalls dieselbe Erklärung abgegeben.—_ ä„■ Wien, 13. Juli.(Eigenbericht.) Hier wurde der steckbrieflich gesuchte deutsche Rationalsozialift Rudolf Becker festgenourmen. Er hat gestanden, den Reichsbannerman« Schneider erschossen zu haben. In der letzten Silvesternacht wurden in der H u f e l a n d- st r a tz c die Parteigenossen Willi Schneider und Herbert Graf von drei Nationalsozialisten ermordet. Die Täter waren in die Wohnung des Genossen Säineider eingedrungen, einer von ihnen— wie sich jetzt herausstellt, Becker— hat den jungen Schneider mitten im Familienkreis erschossen, während Graf, der als völlig Unbeteiligter zufällig vorüberging, von den Nationalsozialisten auf der Straße niedergeknallt wurde. Als Täter wurden alsbald der Kaufmann Rudolf Becker, der Maler Max 5) a u s ch k e und der Maurerlehrling Hans K o l l a tz festgestellt. Die Empörung der Berliner Arbeiterschaft über den gemeinen Mord tat sich in einer Beisetzungsfeier für den ermor- deten Genossen Willi Schneider kund, wie sie Berlin selten erlebt hat. Die nationalsozialistischen Täter flüchteten. Ain 3. Februar wurde K o l l a tz f c st g e n o m m e n, als er die bayerisch-öster- reichische Grenze bei Kusstcin überschreiten wollte. Seine Vcr- nehmung noch seiner Ueberfllhrung nach Berlin und das Material, das bei der Haussuchung in den Geschäftsräumen der national- sozialistischen Sturmabteilung in der jzedemannstroße gefunden wurde, brachte den deutlichen Beweis, daß die Flucht der Mörder wohl vorbereilet war, daß sie mit Unterstützung ihrer Gesinnungsgenossen von Ort zu Ort weitergebracht und von der Nationalsozialistischen Partei mit Geldmitteln zur Flucht versehen wurden. Sie hatten von der SA.» Leitung den Befehl zur Flucht erhalten, und es wurde offenkundig, daß bei der SA. eine Organisation zur Begünstigung An den Kassenschaltern. Oie Stimmung des Publikums. Die Nachrichten von den Vorgängen bei der Danatbank brachten, wie wir bereits gestern berichteten, zunächst in den frühen Montag- Morgenstunden große Unruhe in die Berliner Bevölkerung. Der Andrang vor den Kassenschaltern sämtlicher Banken war bereits bei Oeffnung der Geschäfte sehr groß. Von einer Panikstimmung war aber nicht die Rede. Die Auszahlungen erfolgten im Anfang lOOprozentig. Mit stärker werdendem Andrang konnten die Banken aber die Anforde- rung nicht befriedigen und so traten in vielen Stadtbezirken von Stunde zu Stunde Verkürzungen der Auszahlungen um etwa zehn Prozent ein, bis die Auszahlungsquotc gegen Mittag bei den ein- zelnen Banken zwischen 3 und 20 Proz. schwankte. Vielfach halsen sich die Vanksilialen, indem sie Schecks auf die Bankzentralen aus- stellten. Bei anderen Banken wurden gegen Schluß der Kassenstundcn ohne Rücksicht auf den angeforderten Betrag jeweils 50 und 100 Mark ausgezahlt Ziemlich stark waren die Anforderungen bei den Sparkassen, besonders im Norden und in Neukölln, wo sich bis um die Mittags- stunden lange Schlangen gebildet hatten. Zu Zwischenfällen kam es an keiner Stelle, wenn auch an verschiedenen Stellen radikale Agita- toren sich die erste Aufregung des Publikums zunutze machen wollten. Im großen und ganzen haben sich also die Banken gegenüber den Anforderungen des Publikums durchaus verschieden und individuell verhalten. Es ist aber möglich, daß für Dienstagvormittag eine A b- machung unter den Banken erfolgt, die die Auszahlung nach einheitlichen Gesichtspunkten regelt. * In den gestrigen Nochmittags- und Abendstunden kam es in den Zentren der Berliner Banken und Geschäfts- viertel kaum noch zu größeren Ansammlungen. Die in den Abendblättern bekanntgewordene Notverordnung mit dem begleitenden Regierungsausruf übte eine sichtlich be- von Mördern besteht. Am 6. Mai 1931 hat dann die Straf- kammer des Landgerichts l Berlin trotz des Widerspruchs des Unter- suchungsrichters. Landgerichtsrat Beckmann, die Haftent- l a s s u n g des Hakenkreuzmörders Kollatz verfügt. Republikanische Organisationen und Parteien sowie vor ollem das Reichsbanner er- hoben gegen diese Verfügung schärfste Verwahrung. Un- mittelbar nach der Haftentlassung besuchte Kollatz, mit einer blauen Drille versehen. das notionalsozialistischc Vcrkchrslokal in der Chodowieckistraße. wo ihn seine Parteigenossen stürmisch begrüßten. Die Verhaftung des Mörders Becker in Wien wird ohne Zweifel einen Auslieferungsantrag der deutsSzen Behörde zur Folge haben. Aller Anschein spricht dafür, daß es sich bei dem Mord nicht um ein politisches Verbrechen, sondern um die Tat von Rausbolden handelt, die ohne jede Veranlassung Harm- lose Bürger überfielen und niederknallten. Wien, 13. Zull.(Eigenbericht.) Der Mörder Rudolf Becker wurde am Montagvormittag bei einer Haussuchung in der Zczirksgeschästsstclle des 19. Bezirks der Nationalsozialistischen Arbeiterpartei verhaftet. Becker versuchte zuerst zu leugnen, daß er mit dem gesuchten Mörder identisch sei. Er gab einen falschen Namen an. Schließlich g e st a n d er, der Gesuchte zu sein. Vor der Polizei sagte er ferner aus, daß er sich nach der Mordtat zunächst in Deutschland längere Zeit verborgen gehalten, dann auf Schleichwegen die österreichische Grenze überschritten habe und schließlich nach Inns- brück gekommen sei. Dort habe er keine Arbeit gefunden. Des- halb sei er nach Wien gefahren. Hier habe er sich durch G e- legenheitsarbcit ernährt. Er habe im Freien geschlafen, und nur wenn schlechtes Wetter gewesen sei, hätte er i m n a t i o- nalsozialistischen Parteihaus Unterschlupf gesucht. ruhigende Wirkung aus. Zwar hatten auch schon einig« Sparkassen- filialen wegen zu starker Anforderungen des Publikums am frühen Mittag schließen müssen, aber überwiegend hörte man in den Dis- kussionen auf der Straße die ruhige, vernunftgemäße Meinung durch- dringen, daß nur durch die äußerste Disziplin der ganz- liche Zusammenbruch verhindert werden kann. Wesentlich profitierten an dem gesteigerten öffentlichen Interesse die Zeitungs» h ä n d l e r, die in den westlichen Geschästsvierteln sogar eigene Aus- rujer vor ihre Buden aufgestellt hatten. Arbeiterbank hat voll ausgezahlt. Es war ganz selbstverständlich, daß auch die Einleger der Bank der Arbeiter, Ange st eilten und Beamten A.- G. in der Insclstraße von der allgemeinen Panik miterschrcckt wurden. Es ist auch eine erhebliche Anzahl von Einlegern gekommen, um Geld zu holen. Sie haben aber die Freud« erlebt, daß die Arbcitcrbank bis zum letzten Pfennig all das auszahlen konnte, was von ihr verlangt worden ist, und daß die Arbsitcrbank Einschränkungen bei den Auszahlungen nicht vor- genommen hat. Die Arbeiterschaft darf den Beweis dafür, daß die Lestung der Arbeitcrbank oorgcsorgt hat, mit Genugtuung zur Kenntnis nehmen. Ein Wort an dis Sparer. Präsident Kleiner im Rundfunk. Im Programm der aktuellen Abteilung richtete der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Girooerbandes, Dr. Kleiner, einen Appell an die Sparer. Er ermahnte alle Sparer zur Besonnenheit: wer nicht unbedingt Geld braucht, solle seinen Sparkonten jetzt nichts entziehen. Die Spargclder sind sicher. Was der deutschen Wirtschaft zur Zeit mangelt, sind die s l ü s s i g e n M i t t e l! Es wird jedoch dafür gesorgt werden, daß für alle notwendigen Zwecke, vor allem für Lohnzahlungen, Gelder bereitgehalten werden. Die Danat-Notverordnung. Außerordentliche Rechts des Reichstreuhänders.— Auflösung von Anstellungs- Verträgen.- Verlängerung der Oanatwechfel durch Staatsrecht. Die Verordnung über die Danatbank lautet: Auf Grund des Artikels 48 Absatz 2 der Reichsverfassung wird verordnet: Z 1. Die Reichsregierung ist ermächtigt, in Ansehung der Darmstädter und Nationalbank, Kommanditgesellschaft auf Aktien. die durch die Geldkrise in ihrer Liquidität bedroht ist, Garanlien zu übernehmen. ..§ 2. Di« Reichsregiprnng kann im Falle der Ijebernahm« giner Garantie anordnen, daß Arreste. ZWangsvöllstreiküngen-und einst- «eilige Verfügungen gegen das Vermögen der Bank nicht statt- finden und daß der Konkurs über das Vermögender Bank nicht eröffnet wird. Die gleiche Anordnung kann die Reichsregierung für das Ver- mögen eines persönlich haftenden Gesellschafters der Bank treffen, wenn sie es im Interesse der Gläubiger der Bank für not- wendig erachtet. Eine solche Anordnung bewirkt, daß der persönlich haftende Gesellschafter den gleichen Beschränkungen unterliegt, die in dieser Verordnung und in ihren Durchsuhrungsvorschriften für die Bank getroffen werden. Z 3. Die Reichsregicrung ist ermächtigt, Vorschriften über die Geschäftsführung und Vertretung der Bank, über die Erfüllung von Verbindlichkeiten der Bank, über die Dienstverhält- nissc und vermögensrechtlichen Ansprüche der persönlich hastenden Gesellschafter, Angestellten und Aufsichtsratsmitglieder gegenüber der Bank, sowie die zur Durchführung dieser Verordnung crforder- lichen Rechtsverordnungen und Verwaltungsvorschristen zu erlassen: sie kann für Zuwiderhandlungen gegen die von ihr erlassenen Vor- schristen Gefängnis st rasen bis zu 3 Iahren und Geldstrafen oder eine dieser Strafen anordnen. 8 4. Maßnahmen, die gemäß dieser Verordnung»der der Durchführungsverordnungen getroffen werden, begründen keinen An- spruch auf Entschädigung. Die Rechte der öffentlichen Treuhänder. Zur Durchführung der Danat-Notoerordnung sind besondere Bestimmungen erlassen worden. Die Reichs- und Ausfallbürg- fch a f t gilt für Verbindlichkeiten der Darmstädter- und National- dank aus Spareinlagen, aus laufender Rechnung, für die in den Büchern der Bank verzeichneten Kreditoren und für Verpflichtungen aus� eigenen Akzepten der Bank. Die Ausfallbürg- fchnsi besteht nicht; wenn den Schulden stee Bank eine zur Aufrechnung geeignete Verpflichtung des Gläubigers gegenübersteht: sie gilt ferner nicht für Banknerpflichtungcn gegenüber den persönlich haftenden Gesellschaftern und gegenüber den von der Danat abhängigen Unternehmungen. Die Reichsregierung kann die Bürgschaft für Verbindlichkeiten ausschließen, die nach einem bestimmten Zeitpunkt eintreten. Geschäfte der Bant müssen von mindestens einem der Reichstreuhänder milgezcichnct werden. Die Treuhänder können Dienstverträge. die die Bank geschlossen hat, besonders mit leitenden Angestellten, mit der geschlichen Frist kündigen. Die Ansprüche dieser Personen können auf Anteile am Gewinn oder sonstigen Bezügen, wie sie den Gesellschaftern oder Aufsichts- ratsmitgliedern zustehen, herabgesetzt werden. Wenn Aus- Zahlungen ohne Zustimmung des Treuhänders gemacht werden, werden G e f ä n g n i s st r a f e n bis zu drei Jahren und Geldstrafen oder eine dieser Strafen verhängt. Ansprüche aus den Wechseln der Danat können vorläufig bis zum 31. Juli nicht geltend gemacht werden. Auch Arreste, Zwangsvollstreckungen und einst- weilige Verfügungen gegen das Vermögen der Bank finden bis zum 31. Juli nicht statt. Auch der Konkurs darf bis dahin über das Ber- mögen der Bank nicht eröffnet werden. Der Reichsregierung bleibt vorbehalten, die festgesetzten Fristen zu verlängern. Rr. 323* 48. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Dienstag, 44. Juli 4934 Mord bei Ebcrswalde. Hausangestellte als Opfer eines Heiratsschwindlers.— Wer ist Gerritzen? 21m 13, August vorigen �«hres fanden Pilzsurher in der Bornimer Heide bei« p c rl> t h a u s e n. unweit der Itadt Hebers Walde, das fast völlig entfleischte Skelett einer �rau. Tie Polizei stellte am Fund- ort fest, dast die Unbekannte ermordet worden war. Sic war an einem langen dünnen Strick an einer.stiefer erhängt worden. Neben dein in halbsitzender Stellung befindlichen Skelett lag eine Weinflasche und ein dolch- artiges Messer. Am Arm der Toten wurde eine Armbanduhr entdeckt. Sie trug dazu bei, die Unbekannte zu identifizieren. Sie wurde als die 3g Jahre alte Hausairgestellte Frieda Thomas festgestellt, die bei einer Familie in der Regentenstrohe beschäftigt war. Am 23. Juni 1929 machte das Mädchen einen Ausflug, von dem sie nicht wieder heimkehrte. Offenbar ist die Hausangestellte, die eine Heirot erstrebte, das Opfer eines Schwindlers geworden, der sie nach Ebcrswalde lockte und dort im Walde tötete. Am 12. Mai 1929 las Frieda Thomas in einer Berliner Zeitung, dah„ein Post- beaniter, Sclbstinserent, einfache sparsame Ehefrau bis 49 suche." Sie meldete sich und erhielt auch Antwort von deni vermeintlichen Postbeamten, der um eine Zusammenkunft bat. Er stellte sich dem Mädchen unter dem Namen Anton G e r r i tz c n vor. An«inen, Junitagc machte sie mit dem„Postbeamten" einen Ausflug, der ihr letzter sein sollte. Nachdem so lange Zeit bis zur Auffindung des Opfers vergangen war, lieh sich nicht mehr seststcllcn, was die Wein- flaschc enthalten hat. Es ist aber anzunehmen, dah Gcrrihen seine Begleiterin betäubt und dann erhängt hat. Die 5>andtaschc nahm er mit, dachte aber nicht daran, dah die Armbanduhr auf seine Spur führen könnte. Der flüchtige Gcrritzcn hatte, wie ermittelt werden konnte, noch zu einem a n- deren 5)ausmädchcn in Berlin Beziehungen angeknüpft. Nach- forschungen nach Gcrritzcn hoben ergeben, dah er sich falscher Papiere bedient. Die Kriminalpolizei ist aber im Besitz einer guten, aus- führlichcn Beschreibung. Der Mann war etwa 39 Jahre alt, 1,75 groh und kräftig, ging mit durchgedrückten Knien etwas nach vorn gebeugt und trug sein blondes Haar manchmal so kurz geschnitten, dah es wie rasiert wirkte. Er hatte blaue Augen und darunter dicke Tränensäcke, kantige Nase, dicke Lippen und große, abstehende Ohren. Er trug gute, saubere Kleidung und als besondere Eigentümlichkeit stets weihe Strümpfe. Unter Hinweis auf die Belohnung von 1999 Mark werden olle Personen, die„Gcrritzcn" kennen gelernt haben oder wissen, wo er sich jetzt aufhält, ersucht, sich an Kriminalkommissar Bus- darf, Polizeipräsidium Berlin, Zimmer 27, zu wenden. Werksunglück in Duisburg. Vier Menschen durch Gas vergiftet, ein Toter. T u i s b u r g. 13. Juli. '.9! o n tag gegen lll- Uhr ereignete sich auf den Manncsrnann-Nöhrcnwerken in Huckingen in der Abteilung Bodcnwcrk ein schweres Un- glück. Beim Abstellen eines Ventils brachen plötzlich starke 6Zasmengcn aus. Drei in der Nähe stehende P«r> svncn wurden von ihnen überrascht und betäubt.(Sin sofort herbeieilender Feuerwehrmann wurde eben- falls durch die Gasmengen betäubt. GS gelang nach vieler Mühe, drei der Vergifteten wieder zur Besinnung zu bringen, während man bei einem Arbeiter nur den Tod feststellen konnte. Giichflamme in der Giraßenbahn. Zwei Fahrgäste verletzt. Von einem seltsamen Unfall wurde gestern abend ein Straßen- bahntriebwagen der Linie 75 betroffen. Vor dem.Hause Kaiser- dämm 1 erfolgte aus noch unbekannter Ursache Kurzschluß und im Innern der Bahn entstand eine starke Stichflamme. Die 17jährige Hildegard Krüger aus der Hcbbclstraße 15 erlitt leichte Brandwunden an beiden Beinen. Eine 45 Jahre alte Frau Olga B c r l i n i ck e aus der Schönholzer Straße 4 bekam einen Nerven- schock. Nach Behandlung auf der nächsten Rettungsstelle konnten die Verunglückten in ihre Wohnungen gebracht werden. Der Trieb- wagen wurde sofort aus dem Verkehr gezogen. Lettische Abiturientinnen in Berlin. Auf ihrer Deutschlandreise, die sie nach dem Harz und nach Thüringen führte, trafen ant Montagabend 31 Abiturientinnen des deutschen Lyzeums in Riga in der Rcichslzauptstadt ein. Von Berlin aus werden die lettischen Abiturientinncn, die sich bereits auf der Rückreise befinden, nach Maricnburg weiter- fahren. £iebe Qäjle im„cDonräri8" 9£aus Max Gchmeling in Berlin. In Tempelhof von Tausenden stürmisch begrüßt. Der Zcntralflughasen in Tempclhos war gestern abend das Ziel vieler Tausender, die Max Schmeling, dem Weltmeister aller Kategorien, dem Bezwinger Noung Striblings, bei seiner An- kunft einen jubelnden Empfang bereiten wollten. „Mar" ist wieder populär, sein überzeugender Sieg über den amerikanischen Klasscboxer, hat ihm im Fluge alle Sympathien wieder zurückerobert. Das merkte man gestern an der ungeheuren Menge der Schaulustigen, die gekommen waren, um den Weltmeister aus nächster Nähe zu sehen. Nicht nur die Zuschauerplätze auf dem Flugplatz selbst waren überfüllt, auch auf der Zufahrtstraße zum Flughafen bildeten mehrere tausend Menschen zu beiden Seiten Spalier. Pünktlich auf die Minute erschien der V 2073, von Flugkapitän K u n z l e r gesteuert, um 19 Uhr über dem Zcntralflughasen und ging nach einer großen Schleife in der Mitte des Flugfeldes nieder. Langsam rollte die Maschine an die Tribüne heran, wo Max Schmeling mit seinen Begleitern die Kabine der Maschine verließ und sogleich zu einer erhöhten Ehrentribüne geführt wurde. Starker Jubel setzte ein, als sich der Weltmeister seinen Anhängern zeigte. Als erster begrüßte Stadtmcdizinalrat Prof. v. D r i g a l s k i im Namen der Stadt den Weltmeister und hieß ihn herzlich will- kommen. Die Redncrgarnitur fand dann ihre Fortsetzung in Peter Eyck, dem Vorsitzenden der Boxsportbehörde Deutschlands, Martin K o s l o w s k i, dem ersten Vorsitzenden des Verbandes deutscher Faustkämpfer und einem Delegierten der Amateurboxer. Nachdem Max Schmeling selbst noch einige Worte des Dankes durch den Laut- sprecher an die Menge gerichtet hatte und unter Kreuzfeuer der Photographen genommen war, bestieg er in Begleitung seiner Mutter ein Auto und fuhr unier tosendem Jubel an den Zu- schauermengen vorüber. Die Polizei hatte ein starkes Schupoaufgebot eingesetzt, das für mustergültige Absperrungen sorgte. Zwei Todesurteile in Rudolstadt. Die Ermordung des Uhrmacherpaares. Rudolstadt, 13. Zuli. 3m Prozeh wegen der Ermordung des Ilhrmochcrehepaarcs Grosch in Gräfenthal wurde am Montag nach sechstägiger Verhandlung das Urteil gefällt. Die Angeklagte Klara p a s ch o l d und der Dachdecker Werner, die wegen Ermordung des Straßen- Händlers Kirschberg in Leipzig zum Tode verurteilt waren. wurden jetzt wiederum wegen Ermordung des Ehepaares Grosch in Gräfenthal in zwei Fällen zum Tode und wegen Unterschlagung zu je einem Jahr Gefängnis verurteilt. Eine Lübecker Zille gesunken. Die Besatzung gerettet. Burg aus Fehmarn, 13. Juli. Die Lübecker. pjalt„H a u s p c t e r" die mit einer Ladung Briketts von Lübeck nach Dänemark unterwegs war, ist in den Stürmen der letzten Tage im Fehmarnsund leck geschlagen und gesungen. Die Besatzung wurde gerettet. Dänische Kinderfreunde waren mehrere Tage Gäste der Berliner Arbeiterwohlfahrt. Sie statteten auch dem„Vorwärts"'Haus einen Besuch ab. 40 000 Wochcnend-Bcsnchcr der Bauausstcllung? Das letzte Wochenende brachte der Bauausstellung die R e k o r d- Ziffer von 49 999 Besuchern, unter denen ein verhältnismäßig hoher Prozentsatz auswärtiger Gäste zu verzeichnen war. Be- reits in drei Wochen, am 2. August, wird diese sehenswerte Aus- stellung ihre Pforten schließen, um den kommenden Hcrbstvcran- staltungcn das Feld zu räumen. Die Szene der Brautwerbung interessierte am meisten. In dem Augcnbluk, da Agafia Tischonowna aus dem schräg über den Zuschauerraum gezogenen Seil hinabzusteigen be- gann, verursachte Iwanows schreckliches Orchester«inen solchen Lärm, dah Agasia Tichonowna schon allein davon hätte ins Publikum hinunterfallen können. Agasia aber benahm sich im ganzen ausgezeichnet. Sie hatte ein hautfarbenes Trikot an und trug einen harten Herrenhut. Sie balancierte mit «inem grünen Schirm auf dem Seil. Der Schirm trug die Inschrift:„Wo ist Podkolessin, ich will ihn haben", und so tänzelte sie über dos Seil; alle konnten von unten her ihre schmutzigen Fußsohlen sehen. Sie sprang vom Seil direkt auf den Stuhl. Gleichzeitig schlugen alle Neger ein Saltomortalc, Podkolessin tat dasselbe, sowie Kotschkarew in Ballettkleidern und die Heiratsvermittlerin in der Montur eines Schaffners. Dann muhten sich alle ausruhen. Um es zu verbergen, löschte man wieder das Licht aus. Die Brautwerber waren sehr lächerlich, besonders Herr Eicrspeis. Eigentlich war er nicht einmal in persona, da, statt seiner wurde eine Eierspeise auf die Szene getragen. Der Seemann war mit Mast und Segeln beladen. Der Kaufmann Starikow schrie vergeblich, dah ihn das Patent und das Ncp-Systcm würgen. Er gefiel Agafia Ticho- nowna durchaus nicht. Sic heiratete Stepan. Beide ver- zehrten die Eierspeise, die ihnen Podkolessin servierte, der sich in einen Lakai verwandelt hotte. Kotschkarew und Fckla sangen Songs auf Ehnmberloin, der Reparationen von Deutschland verlange. Man zelebriert« auf den Kannen eine Trauermeste, der Vorhang weht kühl und schloß sich. „Ich bin mit der Vorstellung zufrieden", sagte Ostap,„die Stühle sind da. Wir dürfen aber nicht zögern. Springt Agafia auch weiterhin täglich aus den Stuhl, so wird er nicht mehr lange leben. Nun. Sic. Klssotschka, können schlafen gehen Morgen früh müssen wir uns Fahrkarten verschaffen. Das Theater fährt um sieben Uhr abend nach Nischni-Now- gorod. Sie nehmen also zwei Karten dritter Klasse bis Nischni auf der Kurski-Bahn. Wir werden sitzen. Tut nichts. Nur eine Nacht." Am andern Tag sah das ganze Theater im Büfett der Kurski-Bahn. Regisseur Simbacwitsch Sidncwitsch hatte ver- anlaßt, daß die Kulissen mit demselben Zug mitkamen. Er nahm sein Frühstück an einem Tischchen. Er benetzte seinen Schnurrbart mit Bier und fragte den Monteur beunruhigt: „Wird die hydraulische Presse unterwegs nicht kaput gehen?" „Ein wahres Unglück mit dieser Presse. Wir brauchen sie fünf Minuten lang und müssen sie den ganzen Sommer mit- schleppen." „Dieselbe Geschichte war ja mit dem„Projektionsapparat der Zeit" in dem Stück„Pulver der Ideologie"." „Immerhin nicht so schlimm. Der Projektor war zwar größer, aber nicht so zerbrechlich." Am Nebentisch saß Agafia Tichonowna. ein junges Mädchen mit festen Beinen wie Kegel. Um sie herum das Orchester: Gattin, Palkin, Malkin, Tfchalkin und Salkind. „Gestern habt Ihr nicht im Takt gespielt", beklagte sich Agasia Tichonowna.„Wenn das so weitergeht, falle ich noch einmal hinunter." Das Orchester schrie:„Was soll man tun? Zwei Kannen sind geplatzt!" „Wo nimmt man jetzt eine ausländische Esmarch-Kanne her?" schrie Palkin. „Gehn Sie in ein staatliches Geschäft, Sie bekommen nicht einmal ein Thermometer, geschweige denn eine Esmarch- Kanne", unterstützte ihn Galkin. „Spielen Sie denn auch auf Thermometern? fragte das junge Mädchen verblüfft. „Wir spielen nicht auf Thermometern", bemerkte Salkind, „man wird aber wegen diesen verfluchten Kannen so krank, daß man gezwungen ist, Temperatur zu messen." Der Bearbeiter und Hauptregisseur des aufgeführten Stückes, Nikolaus Sestrin. spazierte mit seiner Frau auf dem Perron herum. Podkolessin und Kotschkarew tranken sechs Gläschen Wodka und machten Georgette Tiraspolsky den Hos. Die Konzessionäre, die zwei Stunden vor Abfahrt des Zuges gekommen waren, machten bereits die fünfte Runde um den kleinen Garten vor dem Bahnhof. Worobjew drehte sich der Kopf. Die Jagd nach den Stühlen näherte sich der Entscheidung. Lange Schatten lagen auf dem heißen Pflaster. Der Staub klebte auf den nassen, geröteten Gesichtern. Droschken und Taxi mit Reisenden kamen an. Es roch nach Benzin. „Wir wollen auch gehen", sagte Ostap. Worobjew wandte sich um und folgte ihm gehorsam. In dem Moment erblickte er knapp vor sich den Sargmeistcr Bezentschuk. „Bezentschuk", sagte er äußerst erstaunt,„wie kommst du hierher?" Bezentschuk nahm den Hut ab: er war starr vor Freude. „Herr Worobjew!" rief er,„meine Hochachtung dem teuren Gast!" „Wie gehen die Geschäfte?" „Schlechte Geschäfte", antwortete der Sargmeister. „Warum denn?" „Ich suche Kundschaft und finde keine." „Macht dir die„Nymphe" Konkurrenz?" „Aber nein! Kann denn die mit mir konkurrieren? Aus- geschlossen! Aber nach dem Tode Ihrer Schwiegermutter sind nur noch Pierre und Konstantin gestorben." „Was du sagst! Sind sie wirklich gestorben? Aj— aj— aj!" murmelte Worobjew.„Hast du sie auch begraben?" „Ich habe sie begroben. Wer denn anders? Gibt denn die„Nymphe", verflucht noch einmal, anständige Sarg- quasten?" „Und warum bist du hierhergekommen?" „Ich habe meine Ware hergebracht." „Was für eine Ware?" „Meine Ware. Ein bekannter Schaffner hat mir gc- halfen, sie im Postwagen umsonst mitzuschmuggeln. Aus Freundschaft." Worobjew bemerkte erst jetzt, daß unweit von Bezentschuk eine Reihe von Särgen lag. Einige waren mit Quasten ver- ziert, die andern kahl. Einen der Särge erkannte Worobjew sofort. Es war dies der große verstaubte Sarg aus Bezent- schuks Schaufenster. „Acht Stück", sagte Bezentschuk selbstzufrieden,„einer beim andern. Wie frische Gurken." „Wer braucht denn hier deine Ware? Wir haben hier eine Menge hiesiger Sargmeister." „Und der Schwamm?" „Was für ein Schwamm?" „Die Epidemie. Prusis hat mir gesogt, daß in Moskau eine Epidemie infolge Genusses eines giftigen Schwammes aus- gebrochen ist und daß man nicht genug Särge hat. Man hat kein Material mehr. So habe ich mich denn entschlossen, meinem Geschäft etwas aufzuhelfen."(Forts, folgt.) Der Tod des Generalkonsuls. Wahrscheinlich hat Barckhauscn Selbstmord begangen. Der Tod des Generalkonsuls Dr. Varckhausen gibt der Polizei zunächst noch einige Rälsel auf. Es ist aber anzunehmen. daß die restlose Zlusklärung des geheimnisvollen Dorfalles noch im Laufe des heullgen Tages gelingt. Schon jetzt gewinnt die Annahme, daß Dr. Varckhausen Selbstmord verübt hat, immer mehr an Wahrscheinlichkeit. Die genaue Durchsuchung der Wohnung hat ergeben, daß nichts ge stöhlen worden ist. Die Ermittlungen der Mord- kommission gehen dahin, festzustellen, ob die gefundene Waffe Eigen» tum des Toten ist. Von Frau B., die aus der Sommerfrische stund- lich zurückerwartet wird, hofft die Polizei darüber Näheres zu er- fahren. Dr. Varckhausen. der aus sehr großem Fuße lebte, muß es in letzter Zeit wirtschaftlich sehr schlecht gegangen sein. Für die Wohnung war die Julimiete noch nicht bezahlt, und ebenso standen für die Büroräume Unter den Linden noch Mietrückstände aus. Die Angestellten hatten auf die zum letztest Ultimo fälligen Gehälter nur eine Abschlagszahlung er, halten Bei der Durchsicht der Papiere des früheren Generalkonsuls ist weiter festgestellt worden, daß Barckhausen eine Lebensver, f i ch e r u n g ü b. r 100 0l)0 M. und eine zweite Versicherung für Unfall mit Todeserfolg über den gleichen Betrag bei einem großen Versicherungskonzern vor etwa zwei Jahren eingegangen ist. Noch ein anderes seltsames Geschehnis wird bekannt. Dr. Barckhauscn besaß eine Limousine: der Wagen wurde vor drei Wochen als gestohlen gemeldet und war nicht wieder zu finden. Am letzten Freitag sahen nun Buhnenarbeiter bei ch a v e l b e r g im Wasser der Elbe ein Auto, fischten es heraus und meldeten den Fund der Ortspolizei. Es ergab sich, daß es das Barckhausensche Auto war. Der Wagen muß schon längere Zeit im Wasser gelegen haben, denn er ist bereits stark verrostet l�nd verschlammt. Wie das Auto dorthin gekommen ist, weiß man nicht. Von der Wicderaufsindung des verlorenen Wagens hatte die Kriminalpolizei noch am Sonntag den Eigentümer benachrichtigt. Straube:„brutal und hilflos" Ein vernichtendes Gutachten im Scheuen-Prozeß. In der heutigen Verhandlung im Sch euener Fürsorgeprozeß wurde die BeweiSauf» nähme geschlossen, nachmittags kam der erste Sachverständige zum Wort. Sicherlich gegen seinen Willen belastet der frühere Erzieher Manegold als Zeuge den Angeklagten Straube außerordentlich. Die vier aus Braunschweig zurückgebrachten Flüchtlinge mußten auf Anordnung von Straube mit Schließketten gefesselt werden, in Scheuen seien die Ketten gelöst worden. Einige Zöglinge, bei denen, so sagt dieser Zeuge aus,„die Lösung Schwierigkeiten bereitete, mußten weiter gefesselt bleiben". Als dann die Schlägerei in der Baracke 7 im Gange war, bei der die Straube-Gruppe auf die anderen Zöglinge einprllgelte, hat weder Straube noch Manegold Einhalt geboten. Manegold gibt zu, selbst mitgeschlagen zu haben. Die Schließketten für die Zöglinge stammten aus dem Braun schweizer Gefängnis. Es war damals das erste- mal, daß Fürsorgezöglinge gefesselt wurden. Der Zeuge Manegold bleibt wegen Verdacht der Teilnahme unvereidigt. Der Zeug« Lehrer Canies muß zugeben, daß ihm die Mißhandlungen einzelner Zöglinge bekannt gewesen seien. Der 21jährige Arb'citer Kerkhosf sagt aus, daß er, nachdem er aus Scheuen geflohen war, dorthin zurückgebracht wurde und mit sandgefüllten Schläuchen geschlagen wurde. Der Erzieher Hoffmann habe sie drei Tage und Nächte nicht schlafen lassen und eine Wachmannschaft aufgestellt, die sie immer wieder wecken mußte. In diesen Nächten hätten sie das Gedicht„Hab' Sonne im Herzen" auswendig lernen müssen. Nach Schluß der Beweisaufnahme nimmt Sachverständiger Dr. B o n d y. Leiter des Iugendgerichtsgefängnifses in E i f e n a ch, das Wort zu seinem Gutachten. Der Gedanke des Zugendamtes war durchaus positiv, man habe sehr viel aus Scheuen machen können. Als Organisator habe Straube sich anscheinend bewährt. Für seine spezielle Aufgabe als Leiter eines Fürsorgeheimes sei er in keiner Weise vorgebildet. Er sei ein ängstlicher, mut- loser Mensch, bei dem es an Selbstdisziplin und Klar- h e i t fehle. Sein Handeln geschah nicht um der Sache, sondern um der eigenen Person willen. Er ermangelte der wichtigsten Eigenschaften des Erziehers: Mut und Humor. Er zeigte sich als brutaler, hilfloser Mensch, der seine vorgesetzten täuschte. Das Urteil Bondys über die anderen männlichen und weiblichen Erzieher in Scheuen ist vernichtend. Erziehung ohne Strafe sei nicht möglich, aber es seien Strafmöglichkeiten dagewesen, wie der Entzug von Urlaub, Taschengeld oder Tabak. Strube prügelte, weil er sich beleidigt und enttäuscht gefühlt habe. Wie er dies Prügeln mit Notwehr in Verbindung bringe, sei nicht erklärlich. Gewaltanwendungen lassen sich in der Fürsorgerziehung nicht immer vermeiden, stets aber Mißhandlungen. Die Mißhandlungen seien aus keine weife zu entschvldigea. Der Prozeß habe gezeigt, wie notwendig der stampf gegen die Prügelstrafe sei. Für die guten Erziehungsanstalten bedeutet der Prozeß einen großen Schaden. Ohne Anstaltserziehung gehe es für die Ver- wahrlosten nicht. Es sei aber eine ganze Reihe guter An- stalten vorhanden. Für die Erzieher seien Scheuen und der ganz« Prozeß nur erträglich aus dem Gesichtspunkt, daß sie boffentlich einen Ansang neuer u-nd ein Ende alter Fürsorgeerziehung darstellen.»... Morgen wird nach Vernehmung des Sachverständigen Dr. Bräuner der Sta a t s a n wa l t plädieren. Oer Spezialist vom Wochenmarki. Llnverbefferlicher Taschendieb festgenommen und verurteilt. Erst am 1. Zuli war der aus Oesterreich stammende Väcker Franz Lutz nach Derbüßung einer vierjährigen Strafe in Hamburg aus dem Zuchthaus entlassen worden, bereits am 9. Zuli war er aus frischer Tat wieder ertappt worden und wurde gestern dem Schnellschöfsengericht wegen Taschendieb stahl, vorgeführt. Lutz ist ein internationaler, vielfach vorbestrafter Taschen- t» i« b, der immer auf Wochenmärkten arbeitet. Er behauptete vor Gericht, daß er am Tage vorher in Berlin angekommen sei und daß er sich die Stadt, die er noch nicht kannte, habe ansehen wollen. Ausgerechner war er auf dem W o ch e n n, a r k t am May- bachufer im Südosten Berlins angetroffen worden. Beamte der Tafchendiebesstreif« hatten ihn dort beobachtet, als er sich in auf- fälliger Weise an einkaufende Frauen herandrängte. Mehrfach ließ er seine Hand in Marktkörbe gleiten, um den Inhalt zu durchsuchen, er tastete auch Handtaschen ab. Plötzlich rief ei» altes Mütterchen: „M ein Portemonnaie i st weg", und Lutz, der in der Nähe stand, verließ den Marktplatz fluchtartig. Erst am Kottbusier Tor konnte er eingeholt werden. Die Geldbörse war nicht mehr bei ihm. Das Schnellschöfsengericht konnte Lutz einen vollendeten Diebstahl nicht nachweisen und verurteilte ihn nur wegen versuchten Taschendiebstahls zu acht Monaten Gefängnis. Außerdem erhielt er wegen Paßoergehens vier Wochen Haft. Todesurteil im Saffran-Prozeß bestätigt. Im Versicherungs-Mordprozeß Saffran, der am Montag den zweiten Strafsenat des Reichsgerichts als Revisions- instanz beschäftigte, ist das Urteil des Schwurgerichts Bartenste, n vom 25. März 1331 b e st ä t i g t worden. Der Senat hat die Re- vision der wegen Mordes und Mordversuchs zum Tod« und zu Zuchthaus verurteilten Angeklagten Saffran und Kipnik ver- warfen. Die Todesurteile sind damit rechtskräftig geworden. Die anderen im Prozeß Angeklagten und Verurteilten hatten keine Revision eingelegt. Saffran hatte, um die Versicherungssumme zu bekommen, zu- sammcn mit Kipnik einen Menschen ermordet. Die Leiche stattete er so aus, daß jedermann sie für Saffran hielt. Nachdem er dann sein Haus angezündet hatte, verschwand er und hielt sich unerkannt in Berlin auf. Unterschlagungen an der Münchencr Universität. Seit einigen Tagen waren in München Gerüchte von Unterschlagungen an der Universität verbreitet. Hier- zu teilt nun das Rektorat folgendes mit: Der Verdacht eines Fehl- betrages bestand seit Ende vorigen Jahres. Es handelt sich um die Fakultäts- und Prüfungsgebührenkassen. Der Fokultäts» und Prüfungskafsierer unterstand den Dekanen und dem Prüfungsausschuß. Der Fehlbetrag beläüst sich auf etwas über 100 000 M., die sich zu annähernd gleichen Teilen der beiden Gattungen von Kassen verteilen. Seit einigen Wochen ist, nachdem die Prüfung der Bücher durchgeführt worden ist, gegen den Beamten eine gerichtliche Borantersuch-ung im Gange. praktische soziale Arbeit. Unter den vielen Aktionen, zu denen die Kommunisten in ihrem„Kampf" gegen die Notverordnung ausrufen, befindet sich auch die Aufforderung, ab 1. Juli die Mietzahlung zu verweigern. Um vielleicht Material zu erhalten, wieviel Mieter aus Wirtschaft- lichen Gründen nicht in der Lage waren, Miete zu bezahlen und deshalb zwangsweise die Wohnung räumen mußten, hatten sie an das Bezirksamt Friedrichshain eine dementfprechendc Anfrage gestellt. In der letzten Bezirksversaminlung beantwortete Stadtrat Genosse R o s i n die Anfrage, deren Inhalt wertvolle Aufschlüsse über die hilfreiche Arbeit gibt, die ein sozialistisches Bezirksamt für die Minderbemittelten leistet. In den Monaten Januar bis ein- schließlich Mai dieses Jahres wurden dem Wohnungsamt Friedrichs- Hain durch Gerichtevollzieher 714 Exmissionen angezeigt. In 477 Fällen erfolgte die Exmission nicht, weil hier vielfach das Wohl- fahrtsamt Fricdrichshain noch rechtzeitig durch Zahlung von Miet- beihilfcn oder gar der gesamten Miete helfend eingreifen konnte. Zur Durchführung gelangten in den fünf Monaten nur 237 Zwangs- räumungen, von denen 225 Familien durch das Wohnungsamt in andere Wohnungen eingewiesen werden konnten. Nur 12 Mieter mußten aus Gründen, die meist in ihrem eigenen asozialen Verhalten lagen, dem städtischen Asyl für Obdachlose überwiesen werden. Darunter befand sich beispielsweise«in Angestellter einer Reichsbehörde, der trotz jahrelanger Beschäftigung und trotz dreimaliger Wohnungszuweisung in allen drei Fällen jede Miete- Zahlung verweigerte. Die soziale Hilfsstellung, die Wohlfahrtsamt und Wohnungsamt für 702 von 714 exmittierten Mietern des Bezirks Friedrichshain eingenommen haben, ist ein anerkenne»?« wertes Zeichen sozialistischer Hilfsbereitschaft für all die vielen Familien, die in Gefahr standen, das Dach über dem Kopf zu ver- lieren, sie ist ein sichtbarer Beweis für das Mitempfinden für die in Not geratenen Klassengenossen. Diese in aller Stille geleistete Arbeit dürste sich, anders als es die Kommunisten beabsichtigen, politisch auswtrken, wenn 7 unsere Genossen den Erfolg sozialistischer Verwaltungsarbeit, der aus den Zahlen spricht, den von den Kommunisten irregeführten Erwerbslosen und Wohlfahrts- empfängern einmal deutlich vor die Augen führen. Leihbibliothek im Karren. Unter den Hunderten von Bibliotheken, Leseinstitutionen und Leihbüchereien, die Berlin hat, gibt es eine einzig«, die an Schlicht- heit und Primitivität von keiner anderen mehr unterboten werden kann. Auch in der Art ihrer Aufmachung ist sie höchst originell. Die ganze Bibliothek nämlich besteht nur aus einem einfachen, aus rohen Brettern zusammengezimmerten vierrädrigen Karren, der morgens von seinen Besitzern, einem jungen Ehe- paar, auf die Straße gefahren wird und dort, es ist ein« kleine Nebenstraße auf dem Gesundbrunnen, tagsüber steht. Innen, in der Enge einer Hundebude, sitzen nun die beiden unternehmungslustigen Bücherfreunde auf einem Liliputbänkchen Seite an Seite, bedrohlich umbaut von den in die Wände ge- nagelten Bücherborden, die den wertvolleren Bestand dieser ambu- siinten Karrenbücherei enthalten,— die gebundenen Bände, die Karl Mays, die Kriegsbücher und bessere Romane. Der minder wertvolle Bestand dieses kuriosen Ladens, die Schmöker-, ungebundene Detektiv- und Indianer- ge schichten mit blutrünstigen Titelbildern, schmoszigen Liebes- roman« in Hundertfortsetzungen— liegen draußen zur eesälligen Ansicht aus auf einem quer über die ganze Fassade der Bude ce- nagelten Brett. Diese Schmöker sogar sind hier der Haupthandels- artikcl.„Große Auswahl in Schmökern", so steht es neben vielen anderen werbenden Aufschriften auf der Rückseite des Wagens in dicken Pinselstrichen. Di« von Tausenden von Händen abgegriffenen Schmöker freilich werden nicht verliehen, sondern verkauft, 5 und 10 Pfennig das Stück, serienweise sind sie billiger. Nach becnoetcr Lektüre kann man sie, wenn man Lust hat, wiederbringen, man kauft sie dem Leser wieder ab. Verliehen werden nur die im Inn«». räum vor Wind und Weiter geschützten Bände,— ohne Pfand selbstverständlich, denn wer hat hier das Geld schon dazu. Die einzige Sicherheit ist der— Meldezettel von der Polizei, den man vorzeigt. Die Leihgebühren„kann jeder bezahlen". Und Kundschaft drängt sich auch immer um den Wagen. Schnell- lescr lehnen sich bei einigermaßen erträglichem Wetter an die Bretter des fahrenden Ladens und lesen die 31 Seiten der kleinen Detektiv- schmöker auf einen Sitz hier an Ort und Stelle herunter, verhökern das Buch wieder und wühlen dann begehrlich nach neuen Sen- sationen unter den hochgehäuften Stapeln, die sie danach zu Hause genießen werden. Praktische Gcfährdetenfnrsorge. In der Schmidstraße 8 z. hat der Bund für Frauen- und Jugendschutz linternationale abolitionistische Föderation), Ortsgruppe Berlin, unter dem Vorsitz seiner unermüdlichen Helferin Anna Pa p p r i tz, ein Wohnungsheim für Frauen und Mädchen geschaffen. Mit Hilfe von privaten und öffentlichen Mitteln— so unic■'jzt das preußische Volkswohlfahrtsministerium den Bund— wird iiißcr der bisherigen offenen Fürsorge auch Schutz und Betreu:', in produktiver Form geleistet. Eine leerstehende Wohnung wuroe zu einem freundlichen, sauberen Unterkunftshcim eingerichtet, in dem sich die Insassen wirklich wohl fühlen können. In großen, luftigen Zimmern stehen schneeweiße Betten, Schränkchen, Kommoden und Kleiderschränke. Im blumengeschmückten Gemeinschasteraum werden die Mahlzeiten eingenommen, die die Leiterin des Heimes, Genossin Groß, mit hausfraulichem und menschlichem Verständnis bereitet. Morgens wird gemeinsam diö Hausarbeit verrichtet, auch ist Bade-, Wäsche- und Pl'ättgelegenheit vorhanden und für die freie Zeit eine kleine Bibliothek, sowie Gesellschaftsspiele. Die Mädchen zahlen 1,50 Mark pro Tag, dafür haben sie alles, vor allem ein geordnetes Heim, dos ihnen ja allen fehlt und sie so oft auf die schiese Bahn bringt. Die Insassen sind ausschließlich junge, durch irgendwelche häuslichen Miseren gefährdete Menschen, die durch die Jugend- und Wohlfahrtsämter überwiesen werden. Es ist«ine nette, kleine G." meinschaft junger Menschenkinder, die hier in einem richtigen Zuhause den richtigen Weg finden sollen. Sic sind fröhlich und.zufrieden und man merkt es keiner von ihnen an, welch trauriges, oft erschütterndes Kapitel Schicksalsgeschichte ihnen anhaftet. Wohnungen für Kinderreiche. Am Hohenzollcrnring Ecke Falkenhagener Chaussee in Spandau ist vor wenigen Tagen mit dem Bau von 160 Wohnungen begonnen worden, die von der Gemeinnützigen Wohnstättenbaugesellschast in. b. H., Berlin SW. 11, Bernburger Straße 24/25, ausgeführt werden. Diese Gesellschaft steht in enger Verbindung mit dem Landesverband Groß-Berlin und Brandenburg des Reichsbundes der Kinderreichen zum Schutze der Familie E. V. Es sollen deshalb auch diese Wohnungen zun, großen Teil nur Familien mit Kindern zur Verfügung gestellt werden. Während sonst nicht selten kinderreiche Familien beim Wohnungsuchen auf die größten Schwierigkeiten stoßen, werden sie hier sogar als willkommene Mieter behandelt. Kriminaldrama im Lyzeum. Primanerin von der Anklage des Diebstahls freigesprochen. Eine Primanerin aus„gut bürgerlichem Hause" auf der Anklagebank in Moabit ist eine so ungewöhnlich« Erscheinung, daß der Fall erzählt sein will. Was doch nicht alles im Leben vor- kommt! Marie und K a t h a r i n e, beide Prinwnerinnen eines Ber- liner Lyzeums, sind dicke Frcubinnen. Marie hat zu Hause Schwierig. ketten, die Mutter ist vom Voter geschieden, sie ward dem Voter zugesprochen. So verbringt sie ihre Nachmittage in der Regel bei Katharine, die Primanerinne» machen zusammen die Schularbesten. Der dritte im Bunde ist der Vetter Karl, von Beruf Elzaufseur. Eines schönen Tage? erwartet der Vetter Kavl die Marie aus der Straße und eröffnet ihr, es fehlten der Katharine 60 M. van ihrem Wirtschaftsgeld. Außer sich, eilt sie zur Freundin:„Glaubst du denn wirklich, ich habe das Geld genommen'?" Es folgt eine dra- matifche Szene, der Vetter redet unablässig auf Mar!««in: die Sache käme noch an die Oeffentlichkeit, sie würde dauernd in Ver- dacht stehen, gestohlen zu haben, sie riskierte, aus der Schule zu stiegen, außerdem wäre es eine Gemeinheit der Freundin gegenüber,, die würde wegen des fehlenden Geldes von der Mutter geschlagen werden. Marie ist kopflos, sie fühlt sich unschuldig, ist aber von tausend Aengsten erfüllt und erklärt sich schließlich auf Drängen des Vetters Karl bereit, einen Zettel zu schreiben, daß sie der Katharine 60 M. schulde. Der Vetter Karl gibt sich aber da- mit nicht zufrieden. Er zereißt der, Zettel, Mari« weint, schluchzt, es hilft alles nichts, sie gibt es schriftlich, daß sie ahne Wissen der Katharine von ihr 60 M. genommen habe. Die Geschichte von den 60 M. und dem Zettel erzählt sie der Mutter. Diese eilt zu Katha- rine und dem Vetter Karl, nennt sie Erpresser, verlangt den Zettel zurück, droht mit der Polizei. Vetter Karl lacht nur höhnisch. Im Polizeirevier betritt er als erster das Zimmer und erstattet gegen die Marie Anzeige wegen Diebstahls. Di« Mutter will auch mit ihr«r Anzeige herausrücken, der Beamte meint aber, zwei Anzeigen würden die Sache nur verwirren und begnügt sich mit einem Ver- merk. In d«r ersten Instanz wird Marie wegen Diebstahls zu 60 M. G e I d st r a f e oerurteilt. Sie ist tief unglücklich, sieht sich bereits aus der Schule entfernt und legt Berufung«in. Unmittelbar vor der zweiten Verhandlung erhält das Gericht von Katharincs Mutter eine Benachrichtigung, daß die Tockster e r- krankt sei. Der beamtet« Arzt findet sie quietschfesund, die Mutter ist gerade dabei, die Kosser ihrer Tochter zu packen. Das spricht Bände, meint der Richter und nimmt sich Katherine energisch vor. Sic verwickelt sich allmählich in Widersprüche, macht keinen gute» Eindruck, Vetter Karl einen noch weniger guten, der Staats- anmalt läßt die Anklage fallen, plädiert selbst auf Frei- spruch. erklärt, daß die Anklage nie erhoben worden wäre, wenn nicht der Zettel von Maries Hand geschrieben worden wäre. Dos Gericht zweiter Instanz spricht die Marie frei. Was ivar es aber mit den 60 Mark? Hotte Katharine sie ver- loren und fürchtet« sich vor der Mutter? Hatte sie das Geld etwa mit dem Bettsr Karl vsrjubolt? Das wird man nie erfahren. Beide blieben aber unvereidigt. Ein unbedeutendes Kriminaldrama, das tief blick«» läßt. Xr. 323* 45. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Dienstag, 14. Juli 1931 Guter Abschluß der Volksfürsorge. Trotz aller Rückwirkungen der Wirischastskrise. Die Volksfürsorge, gewerkschaftlich-genossenschaftliche Versiche- rungs A.-G., Hamburg, kann mit einem Gesamtüberschuß von 13,09 Millionen Mark einen befriedigenden Abschluß für das Jahr 1930 vorlegen. Nach Zuwendung an die einzelnen Fonds können an die mit Gewinnanteil Versicherten der Voltsversicherung 10,65 Mit- lionen Mark 30 Proz. der gewinnberechtigten Jahresprämie von rund 36 Millionen Mark verteilt werden. Auf die Versicherten der Lebensversicherung entfallen rund 938 000 M. Außerdem werden den Versicherten der Volksoersicherung, die im Jahre 1923 ihre Versicherungen auf die neue Währung umstellten und somit wesentlich zur neuen Fundierung der Gesellschaft beitrugen, dagegen aus dem Ueberschuß aus dem Jahre 1924 nur einen Gewinnanteil von 10 Proz. der Johresprämie erhalten konnten, aus Gründen der Billigkeit weitere 10 Proz. ihrer Jahresprämie gleich 268 638 Ä. zugewiesen. Bei der Lebensversicherung beträgt diese Zuweisung 11124 M. Vorgetragen wird die Summe von rund 156 000 M. Die Prämieneinnahmen betrugen insgesamt 50,53 Millionen Mark, und zwar entfallen auf die Volksversicherung 47,22 Mil- lionen Mark und auf die Lebensversicherung 3,21 Millionen Mark. An Zinsen und Mieten ergaben sich Einnahmen in Höhe von 8,91 Millionen Mark. Die Versicherungsleistungen bei Sterbe- fällen beliefen sich auf 3,51 Millionen Mark(Dolksversicherung 3,15 Millionen und Lebensversicherung 357 000 M.). Zur Regulie- rung der Sterbefälle standen rechnungsmäßig bei der Bolksversiche- rung 6,69 Millionen Mark und bei der Lebensversicherung 596 000 Mark zur Verfügung. Auf Grund der eingetretenen Todesfälle waren bei der Volksversicherung 3,16 Millionen und bei der Lebens- Versicherung 357 000 M. zu zahlen, womit ein Sterblichkeitsgewinn für die Bolksversicherung von 3,54 Millionen und für die Lebens- Versicherung von 239 000 M. verbleibt. Die Bolksversiche- rung ergibt einen Ueberschuß von 12,038 Millionen Mark und die Lebensversicherung von 1,051 Millionen Mark. Angesichts der wirtschaftlichen Schwierigkeiten im Jahre 1930 muß der Verlauf des Geschäfts bei der Volksfürsorge als günstig bezeichnet werden. In der Bolksversicherung gingen die abgeschlossenen Versicherungen von etwa 574 000 aus 517 000 zurück. Die Zahl der Rückgängigmachungen usw.(Storno) steigerte sich von 127 000 auf 149 000. Bei der Lebensversicherung ist ein Rückgang der abgeschlossenen Versicherungen von 6829 auf 6500 festzustellen. Die Rückgängigmachung usw.(Storno) steigerte sich hier von 1346 auf 2066. Sie machen bei der Lebensversicherung 12,07 Proz. des Ncuzuganges aus, während sie in der Bolksversiche- rung 13,66 Proz. betragen. Das Storno, das im Vergleich zum Neugeschäft hoch erscheint, aber durchaus erträglich ist, wenn man den Gesamtbestand an Versicherungen berücksichtigt, hat den Ge- danken nahe gelegt, durch eine planmäßig angelegte Ak- t i o n zu versuchen, die Wiederinkraftsetzung erloschener Versicherung zu erreichen. Bei zäher Arbeit verspricht man sich von dieser Aktion befriedigende Ergebnisse. Die Leitung der Gesellschaft hat beschlossen, zum ersten Male für dos Jahr 1931 die Schreibgebühr von 20 Pf. für jede Prämienkarte fallen zu lassen. Bei dem jetzigen Versichcrungs- bestand von über 2,15 Millionen Versicherten bedeutet das für die Gesellschaft einen Einnahmeausfall von jährlich mehr als 400 000 M. In der Bolksversicherung wurden im abgelaufenen Jahre 417 389 Versicherungen mit über 182,944 Millionen Mark abgeschlossen, in der Lebensversicherung 6500 Versicherun- gen mit. 14,65 Millionen Mark. Der Versicherungsstand betrug Ende 1930 in der Volksversicherung 2 150 723 Versicherungen mit 815,429 Millionen Mark Versicherungssumme und in der Lebensversicherung 35 964 Bersichenmgen mit einer Versicherungssumme von 75,364 Mil- lionen Mark. Leistungssteigerung bei Braunkohle Die Braunkohle Hai die Steinkohle in der Siromerzeugung geschlagen. Im �''fchäftsbericht des Deutschen Braun- kahler �adustrie-Vereins Halle wird das Geschäfts- jähr IWitf/Sl als eins der schwersten Krisenjahre des Jahrzehnts bezeichnet. Der Braunkohlenbergbau hatte besonders unter Produttions- und Absahschwierigkeilen zu leiden. Die Rohkohlenförderung betrug in diesem Geschäfts- jähr 92,6 Millionen Tonnen gegenüber 112,4 Millionen Tonnen im Borjahre. Es ist mithin ein Rückgang um 17,6 Proz. eingetreten�. An dem Förderrückgang war der Tagebau mit 18 Proz., der Tiefbau mit 15,3 Proz. beteiligt. Die Briketther st ellung war in noch stärkerem Maße rückläufig als die Rohkohlenförderung. Sie betrug im Geschäftsjahr 22,22 Millionen Tonnen gegenüber 28,24 Millionen Tonnen. Am größten war der Ausfall in der Nieder- lausitz mit 23,1 Proz. Eine Zunahm« ist nur in der K o k s e r z e u- gung festzustellen, die sich von 602 000 Tonnen im Vorjahr auf 642000 Tonnen oder um 5,5 Proz. in diesem Jahre erhöhte. Die Absatzverhältnisse waren stark rückläufig. Trotz des gewaltigen Produktionsausfalls betrug die Stapelmenge an Briketts fast während des ganzen Geschäftsjahres über 1% Millionen. Sie verringerte sich erst am Ende des Geschäftsjahres auf rund 0,9 Millionen Tonnen. Für die Arbeilerschafl machte sich die wirtschaftliche Entwicklung in einer erheblichen V e r- Minderung der Belegschaft bemerkbar. Während im April 1930 im Bereich des Deutschen Brauntohlenindustrievereins noch rund 66 000 Arbeiter beschäftigt wurden, waren es im Marz 1931 nur noch 5480 0. Der Rückgang bemißt sich auf 16,9 Proz. Hier wurde am stärksten das Revier Bitterfeld mit 22,1 Proz. be- troffen. Bemerkenswert ist, daß die jugendlichen Arbeiter am meisten von diesem Abbau betroffen wurden. Aus Grund einer Verordnung des Reichsarbeitsministers vom März 1930— betr. Beschäftigung jugendlicher Arbeiter im Bergbau nicht über 8 Stunden einschl. Pausen täglich— rburde seitens der Bergbehörde beim Braunkohlen-Jndustrie-Verein angeregt, daß diese Verordnung auch für den Braunkohlenbergbau durchgeführt werden solle. Wie nicht anders zu erwarten, hat sich der Braunkohlen-Jndustrie- Verein ganz entschieden gege.n eine solch« Verkürzung der Schichtzeit der Jugendlichen von 14—16 Jahren gewandt. Trotz des Belegfchaftsabbaus sowie der gedrosselten Produk- tion ist eine weitere Leistungssteigerung je Mann und Schicht festzustellen. Der Förderanteil je Mann und Schicht st i e g von 5,05 Tonnen im Vorjahr auf 5,13 Tonnen in diesem Jahre. Außer den beträchtlichen Entlastungen, von denen die Arbeiter be- troffen wurden, hatten sie während des Geschäftsjahres eine g c- waltige Zahl von Feierschichten zu verfahren. Wegen Absatzmangel wurden im Berichtsjahr 1 237 769 Feierschichten ein- gelegt. Ueber die Lohnentwicklung sagt der Bericht, daß im Braunkohlenbergbau im Dezember 1929 eine Erhöhung des Durchschnittslohnes um 0,25 Mk. und im Dezember 1930 um 0,15 Mk. eingetreten sei. Im gleichen Atemzuge wird aber berichtet, daß der tatsächlich verdiente Lohn während der letzten zwei Jahre ungefähr gleich geblieben ist. Damit bestätigt der Braunkohlen-Jndustrie-Verein, daß auch im Braunkohlenbergbau trotz bestehender Tarifverträge ein ganz enormer Lohn- abbau eingetreten ist. Dieser Lohnabbau beträgt in der Berichtszeit, wenn man die erfolgten Lohnerhöhungen einbezieht, im Durchschnitt 0,54 Mk. pro Schicht. Der Bericht gibt an, daß der Uebertariflohn von 26 Proz. auf 17,8 Proz. zurück- gegangen sei. Aenderungen der Arbeitszeit wurden während des Ge- schäftsjahres nicht vorgenommen. Am Ende des Berichtsjahres wurde durch eine Vereinbarung der Tarifparteien die Arbeitszeit in den Tagesbetrieben auf 8 Stunden und in den Tiesbaubetrieben auf 7% bzw. 8)4 Stunden herabgesetzt. Technische Verbesserungen sind trotz der wirtschaftlichen Schwierigkeiten auch im vergangenen Geschäftsbericht fortgeführt worden. Insbesondere wurden in der Abraumgewinnung durch Einführung neuer Großraum- wagen, Absetzapparate, Bagger und Abraumförderbrücken neue Kapitalinvestitionen vorgenommen. Insgesamt wurden im Vereins- gebiet 10 Abraumbagger, 5 Absetzapparate und 2 Förderbrücken neu im Betrieb eingeführt. Drei weitere Förderbrücken befinden sich im Bau. Allein in den letzten 1% Jahren sind 7 Abraum- förderbrücken gebaut, von denen jede mehrer« Millionen kostet. In der Kohlengewinnung sind außer einer Vermehrung der Großraumkohlenwagen technische Verbesserungen nur durch die Bandanlogen zum Transport der Kohle aus dem Tagebau zu verzeichnen. Auf dem Gebiet der Feuerungstechnik ist eine Steige- rung der Kesselleistung erzielt worden. Die Einführung der Braun- kohlenstaubfeuer.ung auf Lokomotiven hat Fortschritte gemacht; von diesen Lokomotiven sind allein in Halle mit Erfolg 10 in Betrieb. Eine günstige Entwicklung zeigt auch die auf Braunkohle auf- gebaute E l e k tr o w i r t s ch a f t. An der Gesamtstromerzeugung ist die Braunkohle mit 39 Proz., die Steinkohle mit 36,7 Proz. beteiligt. Die Braunkohle hat damit zum er st en mal die Steinkohle in der Gesamt st romerzeugung überholt. Fusionen in Amerika. In?iockefeller6 und Sinciairs Oeltrusts und der Stahl- industrie. Nachdem die Standard Oil Co. os New Port sich endgültig mit der Vacuum Oil Co. zusammengeschlossen hat, folgen weitere Mel- düngen über Fusionen großer Unternehmungen. Daß innerhalb der Standard-Oil-Gesellschaften weitere Fusionspläne er- wogen werden, haben wir bereits berichtet. In diesem Zusammen- hang sei auch darauf verwiesen, daß John D. Rockeseller in den letzten Jahren seinen Besitz an Aktien der großen Standard-Oil-Ge- sellschaften(Standard Oil of New Port, Standard Oil of New Jersey, Standard Oil os Indiana usw.) stark vermehrt und seinen Einfluß auf diese Gesellschaften befestigt hat, während er Aktienpakete kleinerer Standard-Oil-Gesellschasten verkauft haben soll. Man kann hieraus schließen, daß nicht die Absicht besteht, sämt- liche 33 Standard-Oil-Gesellschaften, die im Jahre 1911 auf Grund der Antitrustgesetze aus dem damaligen Standard-Oil-Konzern ent- standen, wieder zusammenzuschließen, sondern daß die Absicht be- steht, sich auf die Wiedervereinigung der größten dieser Gesellschaf» ten zu beschränken. Eine andere wichtige Fusion wird gleichfalls auf dem Gebiet der Petroleumindustrie vorbereitet. Der Sinclair-Konzern. der schon vor längerer Zeit mit zwei anderen Oelkonzernen, näm- lich der Prairie-Oil und der Prairi-Pipe Line fusionieren wollte, diese Fusion aber dann nicht durchgeführt hat, kündet jetzt von neuem den Zusammenschluß mit diesen beiden Gesellschaften an. Die Bethlehem Steel Company, Amerikas zweit- größter Eisen- und Stahlkonzern, schließt sich mit der P o u n g s» t o w n Sheet and R«public Steel zusammen, dem viert- größten Stahlkonzern. Die Bethlehem Steel Corporation(Aktien- kapital ungefähr 240 Millionen Dollar, das heißt rund 1 Milliarde Mark) besitzt 33 Hochöfen, 1500 Koksöfen und zahlreiche Stahlhütten, außerdem umfangreiche Bergwerksanlagen, Eisenbahnen, eigene Ozeandampfer und beschäftigte in den letzten Iahren 60 000— 65000 Arbeiter und Angestellte. Die Poungstown-Gesellschaft(Aktienkapi- tal knapp 90 Millionen Dollar, das heißt rund 400 Millionen Mark) beschäftigt zur Zeit etwa 20 000 Mann. Bautätigkeit im Mai. Zunahme gegen April, starker Rückgang gegen Vorjahr. Das Statistische Reichsamt veröffentticht in Heft 13 von„Wirt- schaft und Statistik" die Ziffern über die Bautätigkeit im Mai. Gegenüber April ist die Zahl der Bauvollendungen zurück- gegangen, während die der Bauerlaubnisse und Baubeginne zu- genommen hat. Diese Entwicklung zeigt, wie stark die Bau- tätigkeit von der Saison beeinflußt wird. Die konjunkwrelle Ver- schlechterung ünd die Kürzung der Hauszinssteuermittel kommt im Rückgang aller Zahlen im Vergleich zum Vorjahr zum Ausdruck. In sämtlichen deuffchen Gemeinden mit mehr als 10 000 Ein- wohnern wurden in den ersten 5 Monaten dieses Jahres (Januar bis Mai) 50 000 Wohnungen(gegen 77 000 in der gleichen Zeit des Vorjahres) fertiggestellt— Rückgang 35 Proz. Di« Zahl der Bauerlaubnisse ging von 52 000 auf 37 000 Wohnungen — um 29 Prozent—, die der B a u b e g i n n e von 50 000 auf 31 000 Wohnungen— um 40 Prozent— zurück. Aber nicht auf Wohngebäude allein beschränkt sich der Rückgang der Bautätigkeit. Für Groß- und Mittel st ädte(mehr als 25 000 Einwohner) gibt die Stattstik folgende Zahlen: In den ersten fünf Monaten dieses Jahres wurden 2192 Nichtwohngebäude mit 5 Mill. Kubikmeter umbauten Raumes fertiggestellt, das sind nach Zahl und Umfang etwa 40 Prozent weniger als in der gleichen Zeit des Vorjahres. Infolge der F i n a n z n o t der öffentlichen Körperschaften beträgt der Rückgang bei öffentlichen Gebäuden 52 Prozent; bei gewerblichen Bauten waren es 35 Prozent. Nach der Größe des umbauten Raumes blieben in der Zeit von Januar bis Mai 1931 die B a u e r la u b n i s s e für Nichtwohngebäude um 50 Prozent, die B a u b e g i n n e um 53 Prozent hinter der gleichen Zeit des Vorjahres zurück. Westfalens Krastwirischast. Absatzsteigerung bei VEW. Die Vereinigte Elektrizitätswerke Westfalen A.- G.(VE W.), Dortmund, legt den Bericht für ihr erstes Geschäftsjahr 1930 vor. Diese Aktiengesellschaft wurde im vorigen Jahre gegründet, als die V E W.- G. m. b. H. in Schwierigkeiten geriet, die dann ihre Firma in Wesffälische Elektrizitätswirtschaft G. m. b. H.(W E W- G. m. b. H.) änderte. Die Antelle der WEW.-G. m. b. H. befinden sich in Händen der Kommunen Westfalens; die WEW.-G.m.b.H. besitzt die 60 Millionen Mark Stammaktien der VEW. Di« Vorzugsaktien der VEW.(ebenfalls 60 Millionen Mark) sollten zu 25 Prozent eingezahlt sein; wie aus der Bilanz hervorgeht, haben die Kommunen bei ihrer finanziellen Notlage diese Einzahlung KÖNIGIN von SABA 'echte GARBÄTY. noch nicht geleistet, so daß die VEW. A.-G. diesen einzuzahlenden Betrag als Forderung aktiviert hat. Diese Vorzugsaktien sind hinterlegt worden, da die Gläubiger der IS-Millionen-Dollar-Anleihe (63 Millionen Mark) darauf ein B e z u g s r e ch t bis zum Jahre 1935 haben(bis dahin müßte also die volle Einzahlung der Vor- zugxaktien erfolgt sein). Bei dieser bisher ungenügenden Kapital- Versorgung der Gesellschaft ist es also nicht verwunderlich, wenn die Gesamtsumme der Schulden 219 Millionen Mark beträgt. Vorläufig ist die VEW. A.-G. noch ein kommunales Unter- nehmen: aber die Privatisierung— man erinnert sich, daß das Rheinisch-Westfälische Elektrizitätswerk ein Aktien-Umtauschangebot gemacht Hot— wird wohl nur eine Frage der Zeit sein. Die Stromabgabe der VEW. A.-G. hat sich in ihrem eigentlichen(westfälischen) Versorgungsgebiet von 498 auf 590 Millionen Kilowattstunden erhöht: die Gesamtabgabe(516 Mil- lionen) blieb allerdings Hintes dem Vorjahr zurück, da die benach- borten Elektrizitätswerke weniger Strom bezogen. Stark gestiegen ist die Abgabe von Gas, nämlich um 21 Prozent gegen- über dem Vorjahr, da eine ganze Reihe von Gemeinden neue Liefe- rungsoerträge mit der VEW. A.-G. abschlössen. Auch die Wasser- abgab« erhöhte sich bedeutend(um 18 Proz.). Der Ausbau der Anlagen und Leitungen wurde fortgesetzt. Die gesamten Anlagen stehen mit 279 Millionen Mark zu Buch, denen Abschreibungsrücklagen in Höhe von 71 Millionen Mark gegenüberstehen. Die Kommunen erhalten als Abgaben für 1939 von der VEW. A.-G. insgesamt 3,2 Millionen Mark, die etwa 5 Proz. des Stammaktienkapitals entsprechen. Internationales Zinttartell erneuert. Das Ende 1929 aufgeflogene internationale Zinkkartell ist in den letzten Tagen durch Produzentenoerhandlungen in Ostende neu gebildet worden, und zwar zunächst bis Ende 1932. Der Kartellvertrag ist jährlich mit dreimonatiger Frist kündbar. Beige- treten find die Pruduzenten Europas: zugleich ist eine Ver- einbarung mit den Erzeugern von Mexiko, Australien und Kanada abgeschlossen worden, wonach diese ihre Produktion eben- falls einschränken. Fraglich ist noch der Beitritt der Vereinigten Staaten. Die einzige wesentliche Kartellabmachung scheint in der Einschränkung der Produktion zu bestehen: diese soll u m 45 Proz. gegenüber der Normalproduktion gedrosselt werden. Die Verkäufe nehmen die Kartellmitglieder selbständig vor. Man hofft, daß durch die Produktionseinschränkung eine Verminderung der Vorräte eintreten und daß dann die Preise steigen werden. Krastsahrzeugproduktion im Mai. Weiteres Vordringen der Kleinwagen. Im Mai hat die Produktion von Lastkraftwagen gegen- über April um 22 Proz., die Produktion von Krafträdern um 11 Proz. zugenommen, während die Produktion von Personenwagen bereits jetzt den saisonmäßigen Rückgang(um 6 Proz.) auf- wies. Der Absatz von Personenwagen ging sogar unv 14 Proz. zurück: dagegen zeigte der von Krafträdern eine Zunahme um 33 Proz. Setzt man den Absatz vom M a i 1939 gleich 199, so be- trug der Absatz vom Mai dieses Jahres in Personenwagen 89, in Lastkraftwagen 96, in Krafträdern(trotz der Zunahme gegenüber April!) nur 58. Am Produktionsrückgang der Personenwagen gegenüber April waren fast ausschließlich die ausländischen Montagebetriebe beteiligt: andererseits entfiel auf diese auch die Steigerung der Last- wagenproduktion, so daß zweifellos eine Produktionsum- st e l l u n g eines Montagebetriebes stattgefunden hat. Der Anteil der Montagebetriebe am G e s a m t a b s a tz ist zurückgegangen: bei Lastkraftwagen von 35 Proz. im April auf 31 Proz., bei Personen- wagen von 18 auf 13 Proz. In der Produktion ist der Anteil der Kleinwagen weiter gestiegen. Während im Durchschnitt des Jahres 1939 67 Proz. aller produzierten Wagen Kleinwagen waren, waren es im April dieses Jahres 79, im Mai sogar 84 Proz. Auch im Absatz von Krafträdern zeigt sich diese Entwicklung zum Kleinfahrzeug hin: die Zunahme des Absatzes entfiel zum größten Teil auf die Klein- krafträder. Diskonterhöhung in Danzig. Die Bank von Danzig hat mit Wirkung ab heute den Diskontsatz von 5 aus 6 Proz. und den Lombardzinssatz von 6 auf 7 Proz. erhöht. Die Bank von Danzig hat ihren Diskont erhöht, um die Spannung zwischen dem Berliner und dem Danziger Geldmarkt in der notwendigen Weise auszu- gleichen. Die Bank von Danzig ist gerüstet, um allen Anforderungen zu genügen. Der Danziger Gülden ist vollkommen gesichert und die Danziger Währung genügend gedeckt. Staatstheater Geschlossen. Abonnements-Einladung für die Spielzeit 1931.32 Oroßer Preisabbau, wesentliche Verbesserung einzelner Platzgruppen durch Vorverlegung, sehr bequeme Zahlungsbedingungen. Anmeldongen nehmen in der Zeit von 10 bis 2 Uhr entgegen: für die SlOSltOper und das StaatUdie Idianspleiiiant: Abonnem-Büro Oberwallstr.22, Fernsprecher: Merkur 9024, für das SlaatL SdiUlerlbeater: Abonnem.-Büro: Charlotlenbg., Grolnlanstraße 70, Fernsprecher: Steinplatz 6715. SCAt4 Bartamia 92M Tlol. S u. 81/jU. H. u. H. William« La* Gail- Enaamble 0ri|.3Whlrlwlnd« Bob l�fpa Calla Brandt PLAZA LUNAi Heute Feuerwerk Morgen: Gr. Orchester-Konzert lOO Musiker Deutsqh- Tonkünstler Orchester Zucn Schluss; Grosser Zapfenstrbich «KU« lugung* feu Berlins BETRIEB A* KEMPIHSKIf J? Berliner lllk-TriO »I B B B 6 1 1 B. w Lahn« tx. 74/70:1 Winfer- -Qcirren* 18.15 Uhr Flora 3434 Raudiej erlaebt 1 Ballett Hdoardow«, 10 Brox, I 4Ricfay«, Mary-Erik-Paul Anfang| w| Uhr Stettiner Sänger vom 9. bis IS. Juli Zum Schluß „Alles verrückt!" Cl ooelfd Wurst» B LaCdVIC Fabrik Petersburger Platz 8 empfiehlt täglich: Pfund schlnHenhlnterbelne 25 PI. schwelneschwsnze.ss.. schwelnehnoch. 3 ptd. 25.. Adresse auf De wahrem Stempel»scniiiier firaulerungep m bester Ausführung beim Genossen Eduard Peterson Beriin-Schünaherg Akazienstraßs 10. Am II. Juli abends starb im 89, Lebensjahr unsere liebe Mutter FrauEdwhiaverw.Flafau geb. Jaglin Berlin W 39 Namens aller Hinterbliebenen Barbarossastr. 23 Eridl Flfltau Die Beisetzung findet in Dresden statt BANK UND SPARKASSE ALLER ARBEITNEHMER m \B/ IST DIE BANK DER ARBEITER, ANGESTELLTEN UND BEAMTEN, ä BERLIN Zentrale: S 14, Wallstraße 65 O«positttnkasse: SW 68, LindenstraBe 3 Kapital und Reserven:. 15,3 Mill. RH. 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Dem gemeinnützigen Wirken der öffentlichen Feuer- verficherungsan st alten, die heute besonders ihr Augenmerk darauf gerichtet haben, dazu beizutragen, die Vernichtung ungeheurer Werte, die der Volkswirtschaft alljährlich durch Brand unwieder- dringlich verloren gehen, zu verhüten und somit große Vermögens- werte zu erhalten, ist der 135 Quadratmeter große Stand der Feuer- sozietöt der Provinz Brandenburg auf der„Deutschen Bau- ausstellung Berlin 1931"(Halle 1 Stand Nr. 19 8) gewidmet. An über 109 durchleuchteten Diapositiven in Originaloufnahmen werden die vielseitigen Brandgefahrenquellen der Feuerung?- und Schornsteinanlagcn gezeigt. Als Ergänzung hierzu dienen zahlreiche anschauliche Modelle und Experimcntierapparate, die vorwiegend von dem Zentralinnungsverband der Schornsteinfeger- meister des Deutschen Reichs zur Verfügung gestellt worden sind. An den Experimentierapparaten werden alle Mängel an Schorn- stein- und Feuerungsanlagen mit Rauchentwicklung praktisch vor- geführt. Eine besondere Abteilung ist den Brandursachen und ihrer Verhütung im Haushalt gewidmet. In anschaulicher Weise treten dem Ausstellung-besucher alle möglichen Fälle entgegen, die Brände leider fast täglich verursachen, deren Entstehungsursache aber er- fahrungsgcmäß von der Bevölkerung wenig Beachtung geschenkt wird. Ein Kachelofen mit zahlreichen Brandgefahren- quellen ist einem Kachelofen„wie er sein soll" gegenübergestellt. Die fahrlässige und leichtsinnige Benutzung elektrischer Gebrauchs- gegenstände, wie Bügeleisen, Heizsonne und ferner auch die g c- fährliche Benutzung von Benzin beim Reinigen von Kleidungsstücken wird an lehrreichen Darstellungen veranschaulicht. Fnmitten de» künstlerisch aufgebauten Standes erhebt sich eine riesige„Gigantcnhand", die die aus einem Brandtrümmerhaufen — die Trümmer stammen von dem großen Scheunenbrande in Dahlewig-Hoppegarten— emporzüngelnde Flamme mit einem ge- waltigen Stein erstickt. Dos sehenswerte Kunstwerk veranschaulicht wirkungsvoll der Gedanken der Brandverhütung. Die Aus- stellungsbesucher werden durch diese Darstellung zwangsläufig auf das von den öffentlichen Feuerversicherungsanstalten gemeinsam bc- sonder» gepflegte Gebiet der Brandverhütung überzeugend hin- gewiesen. Wie wir erfahren haben, erfreut[ich dieser lehrreiche Stand eines außerordentlich regen Besuches. Es steht somit zu erwarten, daß auch diese volkswirtschaftlich außerordentlich wichtige Ausklä- rungstätigkeit der öffentlichen Feuerversicherungsanstalten zur Ver- Minderung der Brandschäden beitrogen wird, denn„jeder Brand- schaden trifft nicht nur den Brandgeschädigten, sondern auch die ge- samte deutsche Volksgemeinschaft und macht somit den einzelnen Deutschen und die deutsche Volksgemeinschaft ärmer, weil jeder Brandschaden aus den Taschen der Gesamtheit der Ver- sicherten schließlich ersetzt werden muß!" Die Ausstellung, ein« Schwesterschau der ständigen Ausstellung in der Potsdamer Straße, ist noch bis zum 2. August geöffnet. Ein Werbefest in Mahlsdorf. Eine eindrucksvolle Demonstration für die Sozialdemokratie war am Sonntag die Werbefeier der Mahlsdorfer A b- t e i l u n g e n. Auch die Nachbarbezirke waren mit ihren Bannern zahlreich vertreten. Unter Vorantritt der Kinder freunde und der A r b e i t e r j ug e n d"Marschierte dti werktätige Bevölkerung von Mahlsdorf zum� Festplatz. Es ist schon so, wie unsere Gegner behaupten: Mahlsdorf ist und bleibt die„marxistische Hochburg". Der etwa eine Stunde währende Marsch auf schlecht gepflastertem Weg und die brennende Sonne vermochten die gute Stimmung unserer Genossen nicht zu ermüden. Immer wieder lockten unsere Kampflieder die angrenzenden Bewohner aus die Straße. Mitten im Wald, auf einer großen Wiese, stand ein mächtiges Podium, um- rahmt von den Bannern der Parteiabteilungen. Bald hatte jung und alt ein Plätzchen gesunden. Genosse Hosemann leitete die Werbcfeier mit einem wuchtigen Prolog von Z e r s a ß ein. Der Junge Chor und der Voltstanzkreis Neukölln brachten ihr Bestes. Der Arbeiter-Laiensplel-Verband, Bczirks-Derband Berlin, folgte dann mit seiner Erst- aufführung„Wo bleibt der zweite Mann?" Genosse Schrippe wandert mit Kulicke durch das politische Leben Berlins. Die Figuren wechseln. Ein typischer Zeitungshändler mit dem„Völkischen Beob- achter". Eine junge teutsche Mutter fährt ein Baby, genannt„das dritte Reich" im Kinderwagen mit einem Hakenkreuz geschmückt herum. Es folgte eine Naziversammlung mit„M ö b b e l s" als Redner und darauf ein Rundfunkbericht aus Moskau. Eingeleitet mit dem Kennwort„Proletarier aller Länder, bekämpft die„Sozial- faschisten" und im übrigen vereinigt Euch." Zum Schluß tritt dann vor die sozialdemokratischen Massen auf der Festwiese unser Genosse Karl Litte. Wuchtig und markant zeichnet er das Bild unserer Gegner und die Schwierigkeiten der gegenwärtigen Situation. Mögen wir auch vorübergehend in der Defensive gedrängt werden: die Kkaft der sozialistischen Ideenwelt ist u n ü b e r w i n d b a r. Kraftvolle Jugend, die ihr euch um das Banner der Sozialdemo- kroti« schart, treibt unsere Weltanschauung vorwärts, opferbereit im Sinn unserer anwesenden Veteranen, die bereits ein Menschenalter der Bewegung gedient haben. Als Gelöbnis, uner- müdlich für die Partei zu wirken und zu werben, klang bis tief in den Wald hinein der Gesang der Internationale. Theater unter Bäumen. Der Kurpark in Fricdrichshagen ist, wie bekannt, aus Mitteln der Erwerbslosenfürsorge einer durchgreifenden Umgestaltung unter- zogen worden. Bei dieser Gelegenheit ist, ohne daß dafür besondere Ausgaben gemocht wurden, ein Neines Naturtheater geschaffen worden, dos in einer wahrhaft stimmungsvollen Umrahmung liegt. Es befindet sich— schwarzrotgoldene Fahnen zeigen den Weg zu ihm— ganz nahe am Bahnhof und doch wird die Stimmung nicht durch lästige Geräusche irgendwelcher Art zerrissen. Der„Vorwärts" hat wiederholt darüber berichtet. Schlicht und schön wird jetzt Kart Schönhcrrs„Glaube und Heimat" gespielt. Dieses wuchtige Wert, das die Tragödie eines Volkes schildert, geht seit 21 Jahren über die Bühnen und wirkt noch heute wie am ersten Tage, weil es große Werte in sich trägt und zu der innner zeit» gemäßeren Abkehr von der Unduldsamkeit auffordert. Im Naturtheater, wo gar kein Beiwerk existiert, wo die Ausführung nur durch Spiel und Wort wirken kann, gruppieren sich nicht ein paar Sch«uspielcr um einen Star, sondern unter Wolfgang M ü l- l e r s Regie gibt es ein wirkliches Enfemblespicl, wie man es heute nur noch höchst selten erleben kann. Und Adolf C a l v o, Egbert v. K l i tz i n g, Felix W r a s k e, Felicitas P e r s i n g, Kunibert G e n s i ch e n, Christel o. Pommer, Gotthardt Boge, Dorc Schultz, Wolsgang Müller, Albert B e r t h o l d, Erich H o a ck, Ernst Lenart, Walter Wollmann usw., sie alle tragen dazu bei, das Publikum zur Kunst zurückzugewinnen. Möge ihnen immer viel Glück und gut Wetter beschieden sein, damit bei den niedrigen Eintrittspreisen vielen Menschen Augenblicke der Erhebung bc- schieden werden können. Tanzabende im Zoo. Unser Berliner Zoo gibt sich wirklich die größte Mühe, stets neue Anziehungspunkte für die Berliner zu schaffen. In dem Bc- streben, das Publikum auch des Abends in den schönen Zoopark zu locken, veranstaltet man neuerdings besondere„Tanzabend e". Kürzlich hatte man das T e r p i s- Ballett verpflichtet. Fehlt bei solchen Abenden auch der notwendige, ernste Hintergrund, wertlos sind sie keineswegs. Ob dem modernen künstlerischen Tanz oller- dings mit dieser Art„Werbung" gedient ist, bleibt dahingestellt. Neben den Terpis-Lcuten zeigte sich dos Tänzerpaar S e v e r a und T a v e r n o mit sehr anmutigen Tango- und Walzer- schöpfungen. Hunderttausend Mart gewonnen. In der ersten Ziehung der Preußisch-Süddeutschen Klassenlotterie wurde am Montagmittag auf Los Nr. 283 831 der Gewinn von 100 000 Mark gezogen. Das Los wird in der ersten Abteilung in Achteln in Berlin gespielt, in der zweiten in Frankenthal i. Bayern. Ein Portemonnaie Im Mozartsaal verloren. Am Donnerstag, dem 9. Juli, verlor Genossin Donau, Charlottenburg, Schiller- straße 5, nach der ersten Vorstellung des Remorque-Filmes im Mozartsaal am Nollendorsplatz an der Garderobe ein Portemonnaie mit etwas über 39 Mark Inhalt. Der ehrliche Finder wird ge- ' beten, sich unter Sleinplatz 6324 zu melden. Finderlohn und Ersatz der Unkosten zugesichert. parieinachn'chien sürGroß-Aerlin Einsendungen sie dies«?! Udrik sind »> e r Ii n 8 3 6!, Lindenslrah« 3, stet»«n dn»«estrkisekretnrint 2. Hos, z Treppen recht», zu richten Beginn aller Veranstaltungen liT/ü Uhr. sofern keine besondere Zeitangabe: heule. Dienstag. 14. Juli. II.»rei». Die Ndt«ilu»g»>«Isterer werden gebeten,»I« Filmkurte» losort i« Pdeteibur««dzurechn«». Di« Seneifiunc» und Kenossen werde» gebeten. sich»» der Kundgebung der S-«Z. deute, Ti«»»tag. im st»dts»«l.«erg. strafte 147, ,u teteiligen. Uraussührung de» Leipziger Parttit,g«silm,. Eintritt srei! 32. Abt. Ig>» Uhr Porstandssistling mit Gruppenlcitcrn bei Vallentin, Ztrgnb strafte ao'i Uhr Zuntlioniirschung ebenda. 52. Abt. �ie Genossen, die ihre Flugdlittter nach nicht abgeholt,»erden er. . sucht, dieselben im Laufe dieser Dache zu oerdreiten. Abzuholen bei Bade, Saiserin.Augusta.Allec ü2. 64. Abt. und Lichteeselde-Ost. 20 Uhr Fraktionnsiftung der Freidenker bei Lehmann, Kaiser-Wilhelm-Str. 39,31. Referentin Genossin Arisch« Uber Religion. Anschlieftend Aibelt»gemeinschaft. All« Genossen und Ge nolsinnen sind zur Teilnohmc eingeladen. #5. Ab«. 20 Uhr bei Keil. Prinz-Handjernsir. 30. wichtige Funktionärsiftung. »6. Abt.?ie Genossrn beteiligen sich heute,?ienstag, an der Kundgebung der SAI. im Eaalbau, Bcrgstrafte. ZNorgen. INillwoch. Ib. Ziili. 22. Abt. 19 Uhr Treffpunkt der jungen qsarieigenossen zur Besichtigung de» Westhafens. Eingang Putliftbriiiie. 24. Abt. Zusammenkunft der jüngeren Parteigenosse» 20 Uhr bei Wenzke, Earmen-Enlnastrafte Eck« Hosemannstraftr. Cazialistischc Kultur, und Er. »iehungesragen. Reserentin: Genossin Laasch. 3«. Abt. Funktionärbersamnilung bei Lomble. Echreincrstr. 30. 43. Abt. 20 Uhr Diskussionsabend jüngerer Parteigrnosscn bei Krüger, Grimmstr. l. 4«. Abt. Diskutierabend bei Schwilkowski, � Taborstr. 7. Referent: Wilhelm Tietgcns. 49. Abt. Schwerhörige. 20 Uhr ZKitglieberucrlammIunq im Jugendheim, Lindrnstr. 4, vorn I Treppe. Vortrag de» Genossen Schulrat Gustav Hädiikr. 36. Abt. 20 Uhr Funktionärbersammlung bei Liersch, Kantstr. 62. Die Ab» tcilungsvcrsammlung fällt diesen Monat au». 37. Abt. 20 Uhr Funktionärsiftung bei Thunaek, Wiclandstr. 4. Arauenveranslolkungen. 2. Krei». Der Frauenabenh süllt in diesem Monat au--. Dolij? Mittwoch, 13. tzuli, Ausflug nach Mgchnewcr Schleuse, Lolal ,.Daldschä»kc". Fallt- oerbindung Linie äb di, Lichterfelde.Osi und dann mit der Linie Ich bi» Mtchnower Schleuse oder mit dem Omnibu» 7 bis Teltow und von dort mit der Linie 06 b-s Machnewer Schleuse. 13. Krei». Anläftlich der Dampferfahrt am 9. Juli ist eine Windjaek« ge. firnde» narde». die ran der Genossin Marie Kother, Mariendorf, Str.»8, Kau» 66, abzuholen ist. 110. Ab». Mittwoch. 13. Juli, ob 13 Uhr, Konsumkasfeckoch-N im Lokal am Sporidenkmal, Inh. Geschw. Wich. Zlrbeilsgemeinschaft der kindersreunde Groh-Verlin. Krei» Reutölln: Alle Falll-n und Helfer sind heute pünktlich um 17 Uhr ans dem Sonnenplaft. Wichtige Besprechung wegen de, Welltindcrtrefsens in Zossen. Gruppe Ttcglift: Dienstag. 14. Fuli, 14 Uhr, treffen sich alle Falken Rat. haus Steglift. Fahrt in den Grunewald. Don»er»t«g. 20.30 Ubr. kommen alle Helfer zur Gltcrnpcvsammlung der Gruppe Lichtcrfclde bei Luandt, Hinten, burgdamnr Ecke Moltkcstrafte. Sterbetafel der Groß« Berliner Partei- Organisation 127. Abt. Unser Genosse Bruno Paeftald, Margarctenstr. 1, ist an seiner Kriegsbcschädigung im Alter von 42 Jahren verstorben. Wir werden ihm -in ehrende» Andenken bewahren. Die Beerdigung hat bereit, statt» gefunden._ voriräge, Vereine undVersammlungen. Reichsbanner„Schwarz-Rot-Gold". Geichöllsstell«: Verlin S. 14. Sebastiansir. 67—66. Hol 2. Tr. Fri«drich»b«in, Kameradschast Mcmel: Dienstag, 14. Juli, 20 Uhr, Mitgliederversammlung hei Reumann. Gubener Str. 43.— Fr>edr>012" übt jede» Donneistag ab 6 Uhr In den Arininiushalle». Berlin RW.. Bremer Str. 72-76. Genossinnen und Genossen mit Rotenkenntnissen, die im Besitze von Zupfinstrumenten sind, als Ritspieler willkommen. Stenographevbeziek St»lze-vch>«u Gro-H. Berlin. Täglich on 40 Uebungs. stgtien in allen Stobtgegenden. Läufe»»- Uebungen in allen Geschwindigkeiten. — Anfänger. Unterricht in Schul- und Rodeschgift. Auskunft F. Ldchncr, sihar- lottenburg 4, Krummcstr. KZ II(Ol Stoinplaft 2997). Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Serliv Einsendungen Mr diese Ztubetk nur an da» Zugevdletretaela«. Deeitai«368, Ondenlleati« 5 heute, Dienstag. 1g>- Uhr. Atkonaplaft: Elisabethkirchstr. 19: Internationale Arbeiterbowegung.— Gewcikschasttbau»! Kopenickcr Strafte: Unsere Inaendtage.— Köllnischet Pari: Waiseuitr. 16: T-qe-politisiche Rundschau.— Oeanienburgee Tor: Tieck. strafte 18: Der junge Sozialist.— Rosenthalcr Vorstadt- Tieckstr. 16: Wie und was lesen wir.— Zentrum: Landsberger Str. 30: Tagespolitik.— Humboldt. Hain: Putbnsscr Str. 3; Sexuelle Fragen lll.— Leopoldplaft: Seestr. 64: Arbeiterbewegung n.— Schilterpark: Schöttingftr. 17: Tagespolitik.— Wedding! Willdcnowstr. 5: Einführung in de» Marxismus.— Wedding R..F.: Willdenowftr. 3: Leipziger Parteitag.— R'dding.Rord: Turiner Ecke Eeestrafte! Tagespolitik.— Arnawaldcr Ptaft l: Franlsurt und Ramedy.— B-lk-n- Mandelstr. 2: Aus de» Gründcrjahrc» der Partei.— Krlmholftplaft: Danziger Str. 62: Zollunion.— Humannplaft: Gleimsir. 33: Frankfurt und Ramedn.— Rordostc» I: Donziger Str. 62: Bub und Mädel I.— Weiftcnsee: Partstr. 86: C-lbsterziehnng der Jugend.- Wöethcr Platz: Kastanien.Allee 82: Dir Konsum. genosscusihast.— Reickenbcrger Viertel! Reichende rger Str. 68: Der Arbeiter in der Kunst.— Süden: Rorckstr. 1l! Nikotin und Alkohol.— Südwest: Linden. strafte. 4: Ruftland Ol).— Friedenau: Ossenbacher Str. 3a: Echollplattenabend. — Schöneberg I: Houptstr. 13: Das proletarische Mädel.— Eharlottenburg. Rord: Kaiscrln.August». Allee 97,: Sozialistische Erziehungssragen.— Westend: Eportplaft: Die Regierung Brüning und di« SPD.— Köpenick I: Grünauer Str. 5; Bursche und Mädel in der SAI.— Serm»d--f: Roonstrafte: Tages- Politik.— Pankow I: Gärschstrafte: Tagespolitik.— Reutölln IX: Treffpunkt zur Kundgebung des Wbz. 1831 Uhr Bhf. Hermannstraftc.— Neukölln I: Treff» punkt zur Kundgebung des Wbz. Wft Uhr Reuterplatz.—»ritz: Treffpunkt zur Kundgebung des Wbz. 19 Uhr Jahn. Ecke Rudolfstrafte. »erbe bezirk Reutölln. Frairkfurt-Kundgebung im Etadtsaal, Bergstr. 147. Uraufführung ins Parteitagsfilms. Eintritt frei. Morgen. Miilwoch. Werbebrzirk Reutölln. Wichtig« Besprechung der Abteilungolelt«, 16 Uhr, Ganghofcrstrafte. »erbebeziri Reinickendorf. 1971 Ilhr Wbz. Bildungsausschuft-Sitzung. Jugendheim Wittenau(Neue Schul«). Allgemeine Wetterlage. 43. Juli ISAIdä».££ wrikanlofcO heider.(J halb bedeckt !»»«ü(lg.Sbedeckl»Regofu,Graup»ln �chriee.eiWie11iGBwfltec@Windstil!e Die ozeanischen Luftmassen, die am Sonntag nach Frankreich geströmt waren, sind in der Nacht zu Montag sehr rasch weiter nach Osten vorgedrungen. Sie beendigten das heitere bis leicht wolkige und warme Wetter, das am Sonntag im größten Teil des Reiches geherrscht hatte. Vielfach kam es bei dem Witterungsumschwung zu Gewittern. In den nächsten Tagen wird das Wetter in Deutschland unter dem Einfluß der feuchten ozeanischen Lust bleiben. wctteraussichten für Berlin: Wolkig und warm bis schwül, Neigung zu Gewittern und Regenfällcn.— Für Deutschland: Allgemein wolkig und warm, vielfach Regenfälle und Gewitter. Di« Flit-Soldoten komme«— nicht als Feinde, sondern als treue Ver. bündele. Flit ist d!« beste Waffe gegen Fliegen. Mücken. Schnaken und olles Ungeziefer, da»»n» Plage. Schaden und Krankheiten bringt. Flit vernichtet Insekten samt Brut schnell und gründlich.— Flit und F!>t. Spritze sind jeder- mann» Freund, denn Flit hilft todsicher.— Wo birg« sich der Feind? In Wassertümpeln, in Adfall.»nd Dünger-Stätten, in Dielen.Ritzen. zwischen Bilb und Wand, in Kleiderschränken, in Ställen und Kellern. Der Flit-Nchel findet und schlägt ihn Überall. Fröhliche Kinde«. Machen Sic Ihrem Kinde die Haarwäsche zum Ver. gnugen mit der neuen„Schaumbrillc". die jede Packung„Schwarzkopf. Extra" nmhitllt. Sie schützt dos Gesicht absolut sicher vor Wasser und Schaum. Ihr Liebling wird jetzt bei der Haarwäsche nicht mehr schreien, sondern lachen. Und„Ha-rglanz", der jeder Packung„Schwarzkopf.Exlra" bciliegt, dient zum Nachspülen und macht das Haar seidenweich, frisch und glänzend. 4 Hauptpreise und 19 Trostpreis« im Werte von zuslammen 100 M. hat das bekannte Warenhaus H. Joseph u. Co., Neukölln, Berliner Str. 31— 35, für die Prämiierung des bestgekleideten Kindes an: Sonnabend, denr 18. Juli 1931, im Orpheum, Hasenheide, zur Verfügung gestellt. Dort findet im Nahmen der Veranstaltung„Die Meifterschneiderin von Berlin" ein Wettbewerb der gut» gekleideten Kinder statt. Zur Prämiierung gelangt Kinderkleidung, von den Müttern selbst gefertigt, aus Stoffen»nd Zutaten, die der H. Joseph u. Eo. gekauft sind. Dazu bietet der grofte Nesteverkauf ab Dienstag, den 14. Juli, eine Heroorragende Kaufgelegenhelt für Kleiderstoff« aller Art, denn gerade den Kleinen tan» man ans dem winzigsten Rcstchen ein niedliches Kleidchen, einen hübschen Anzug machen. Bei de» sensationell billigen Preisen kann auch die Mutter mit dem kleinsten Portemonnaie sich beteiligen und ihr Kind bis zum 14. Juli an den Kassen bei S. Joseph u. Co. anmelde». Di« Reisen entscheiden da. Rennen! Welch ungeheure Bedeutung einer sicheren Berei-ung im Rennen zulommt. haben die beiden letzten groften automobilsiportlichen Veranstaltungen in Frankreich gezeigt. Fast all«, di« � im internationalen Rrnnsport Nang und Namen haben, starteten am 14. Juni auf der Rundstreckc von La Earthe zun, 24.Ctunden.Nc»n«n von Man». Der öieger-Wagen auf Dunlop. Reisen, beachte die gewaltige Strecke von 3017.634 Kilometer in den 24 Shrnden hinter sich, hatte also einen Stundendurchschnitt von 123.736 Kilometer! Diese Leismng ist Weltrekord für ununterdroche»- 24stiindige Fahrt. Hinter dem Sieger, Lord Howe auf Alfa-Romeo mit Dunlop, belegte der Mercedes.Bcn, de, Fahrer» Iwnuovikv den zweiten Platz. Dieser Wagen verdankt seinen Erialg ausschlieftlich der Dunlop.Bcrcifuug. Bei der bedcutepdsten automoMIistifcheii Veranstaltung Frankreiä,», im Groften Preis am 21. Juni, war die international« Renn�lite am Start. Chiron auf Bugatti. einer der Fahrer, der in dem 24�tund«n.Nennen am Sanntag vor» her durch Pnvu-Defekt aussiel, ging diese« Mol auf Dunlop. Neifen aus dieser >0.Stuudcn.Kovkurrenz mit einem Stundendurchschnitt von 123,9 Kilometer als überlegener Sieger durchs Ziel. Gesunde weiße Zähne: Chlorodont Zahnpaste Tube 54 Pf. und 90 Pf. Roland WlamHs: Wir sab«n in dem kleinen russischen EmiHrantcnrestourant im Berliner Westen. Die Balalaika kapelle machte gerade eine Pause. Auch an unsenn Tische war es still. Schließlich sagte einer:„Niki, erzählen Sie doch die Geschichte Ihrer Rettung!" Niki, der Leutnant, drückte sein« Zigarette aus. Das lange Hohlmundstück ragte über den Rand des Aschenbechers. Es sah aus, als blickte man vom Flugzeug auf das Rohr eines Festungsgcschützes. Wir hatten auch schon allerlei getrunken an dem Abend.„Die kennt ihr doch alle", antwortete Niki müde.„Ich kenne sie nicht."—„Ich auch nicht."— „Ich höre sie immer wieder gern, Niki." Der Leutnant sticht« in seiner Tasche nach Zigaretten. Er sah übrigens keineswegs mehr wie ein Leutnant aus. Sein dunkles Haar war angegraut und stark gelichtet. Der Mund, der vielleicht einmal schön und kühn geschwungen gewesen war, zeigte einen schlaffen und fast ver- drossenen Zug. Wir schoben Niki Zigaretten hin. Einer hob die Hand gegen den Kellner, der an der Tür lehnt«, und spreizte die Finger. Als dann die fünf Karaffen mit Wodka gebracht worden waren, begann Niki zu erzählen. „Schon unter Kcrenski hatten wir Soldatenräte bei der Truppe. Immerhin, man hörte noch auf die Offiziere. Später hörte man nicht mehr. Aber man duldete uns. Es war im November 1917. Kerenfki stürzte, die Bolschewiken kamen, doch bei uns an der Front merkte man es kaum. Noch war ja Krieg, und wir lagen ganz vorn. Freilich, wir mußten täglich zurück. Die Deutschen machten gerade den Vorstoß im Norden. Am 3. September war Riga von euch genommen." Niki blickte auf. Er hatte die letzten Worte nur zu den paar deutschen Freunden gesprochen, die mit ihm am Tische saßen.„Da oben sind auch Wälder. Die Wälder waren unser einziger Schutz. Ihr triebt uns zwar weiter, aber es ging nicht mehr so schnell. Wo ihr hinkamt, machtet ihr erst Ordnung. Ihr legtet eure Eisenbahnen bis in die Waldschneisen, ihr hängtet Telephondrähte von Baum zu Baum und warst den Dreck aus unseren Unterständen. Eines Abends ließ mich der Soldatenrat zu sich kommen. .Leutnant", sagte er,„dein Vater ist erkrankt in Petersburg. Man hat an dich telegraphiert. Du sollst heimkommen. Aber du weist, für Offiziere gibt es keinen Urlaub." „Och weiß", antwortete ich.„Und da du es auch weißt, hättest du mich ungeschoren lassen sollen. Der Vater stirbt, und der Sohn darf nicht zu ihm. Das wäre unter dem Zaren nicht möglich gewesen." „Allerdings, für Offiziere nicht, Genosse Leutnant, aber wir wollen nicht darüber sprechen, was unter dem Väterchen möglich war." Dann sieht er mich eine Weile lächelnd an.„Hast du noch niemals davon gehört, daß man auch ohne Urlaub reisen kann? Du bist ein braves Vieh gewesen, soweit das bei einem möglich ist, der die silberne Kokarde trägt. Wir werden dir nicht nachsetzen, wenn du Schluß machst mit dem Krieg." Nun, ich wollte nicht Schluß machen mit dem Krieg. Ich wallte nur zu meinem Vater und dann zurück zur Front. Ich jagte ihm da». Er lächelte.„Ehe du wieder hier bist, ist es aus.— Also, winßt du die Eisenbahn?" Ich zeigte es ihm auf der Karte. Er schüttelte den Kopf.„Längst nicht mehr. Die Schienen laufen jetzt hier." Er markierte eine Waldstelle mit dem Bleistift.„Es ist kein Bahnhof dort, Leutnant, nicht einmal ein Wartesaal erster Klasse, in dem du soupieren kannst. Es ist ein« Lichtung im Walde. Dort stehen ein paar Wagen. Jede Nacht werden sie abgeholt von der Maschine und auf das Hauptgleis gefahren. Steig ein. warte, und nachher frag dich zurccht! Siehst du, hier liegen Fahrscheine. Ich Hab' sie schon unterzeichnet. Wenn du jetzt rausgehst, brauchst du nur einen einzustecken. Hast du Geld? Hast du eine Karte?" Er schob mir ein Bündel Rubel zu. Ich quittierte über empfangene Löhnung und steckte die Karte«in.„Dank, Kamerad!" Er reichte mir die Hand.„Nichts zu danken, Genosse Leutnant. Eh« du nach> t&od Petersburg kommst, nimm die Kokarde runter und die Epauletten! Die Bolschewiken halten das Zeug für Schießscheiben." Eine halbe Stunde später reite ich ab. Wir hatten viele Pferde, obgleich wir zur Infanterie gehörten. Doch an jedem Abend liefen uns die Tiere aus dem Dunkel der Wälder zu. Ein- mal war ein deutscher Offiziersgaul darunter Wir sahen es am Sattelzeug und an dem geputzten Riemen. Als ich im Bügel bin, merke ich, daß es der„Deutsche" ist. Aber das Tier geht gut, ist brav und gleitet ohne Furcht durch die dunklen Stämme. Ein paarmal stoße ich auf unsere Feldwachen. Einige rufen mir freche Witze zu, andere salutieren, stramm wie in Friedcnszcit beim Manöver. Auskunft kann keiner geben. Ich Hab' nur die Karte und weiß ungefähr die Himmelsrichtungen. Nord»nd Süd und Ost und West. Ich halte ostwärts. Brüder, es ist schrecklich, durch einen dunklen Wald zu reiten, wenn es Herbst ist und Krieg, und wenn man dos Ziel werden kann für den Feind und für die aus dem eigenen Lager. Nach drei Stunden halte ich an. Selbst wenn ich im Schritt geritten wäre, hotte ich nun am Ziele sein müssen. Ich sehe nichts; ich weiß nicht mehr, wo ich bin. Mein„Deutscher" zuckt mit den Ohren, schnaubß tänzelt unruhig. Vielleicht wittert er Wölfe. Ich nehme den Revolver heraus, greife zugleich«ine Zigarette aus der Tasche und brenne sie mir an. Im gleichen Augenblick ertönt ein Ruf. Noch ehe ich ihn verstanden habe, krachen Schüsse. Es schlägt hart und splitternd in die Stämme neben mir, und nun bricht der Gaul los. Er jagt quer durch den Wald. Zweige peitschen mein Gesicht; ein Ast reißt die Mütze fort; c« geht in toller Karriere durch die Nacht. Endlich wird das Pferd ruhiger. Als sich die Stämme lichten und eine weite Rodung auftaucht, geht es im Schritt. Und da blinkt es im Gras. Der Huf schlägt auf Eisen. Es sind die Schienen. Ich sehe ein Blockhaus: nein, es ist kein Blockhaus, es ist ein Eisenbahnwaggon. Ich bin am Ziel. Langsam stecke ich den Revolver ein, wische mir den Schweiß von der Stirn, reit« bis zum Waggon und steige todmüde aus dem Sattel. Einmal höre ich Stimmen, aber sie verlöschen schnell. An einem Baume lehnt ein Mann, dos Gewehr unter dem Arm. Ein Posten. Ich will ihn fragen, aber es ist zu weit bis dorthin. Ich klopfe dem „Deutschen" auf den Hals. Er weiß, daß er entlassen ist und rrabt nach einer Grasnarbe nahe den Stämmen. Ich klettere in den Wagen. Es ist stockdunkel und kalt. Aber besser als draußen ist es doch. Ich werfe mich auf das Polster, decke mich mit dem Mantel zu, will eine letzte Zigarette nehmen, greife aber das Bündel Rubelnoten und ziehe es hervor. Ich zähle und glätte die Scheine. Ein wenig Mondlicht fällt durchs Fenster. Plötzlich habe ich einen merkwürdigen fremden Schein zwischen den Fingern. Es war ein deutscher Tausender. Wjß der Teufel, wie er dazwischen geraten ist! Ich schiebe ihn in die Briestasche, da, wo das Telegramm meines Vaters ist. Dann schlafe ich ein. Als ich aufnrache, ist es Tag. Der Wagen rollt. Noch immer fliegen draußen Stämme vorüber. Die Abteiltür öffnet sich. Ich blicke auf den Eintretenden und glaube zu träuinen. Ein deutscher Feldwebel steht vor mir. Er salutiert:„Bitte Fahrschein und Ausweis!" Ich starre ihn an. Was dann kam, weiß ich nicht mehr. Erst später weiß ich: Wir sitzen beide im Abteil; meine Waffen sind mir abgenommen. Ich bin Gefangener. Aber der Feldwebel lacht, nickt mir zu und hat sogar einen Schnaps für mich in seiner Flasche.„Der Teujcl mag wissen, wie und wo ich in diesen Waggon gekommen bin?" Ich hatte es deutlch.gesagt, und der Feldwebel grinst,' antwortet, während er mir eine braune Zigarrcntaschc unter die Nase hält:„Vermutlich auf dem Endpunkt unserer Feldbahn." Den Tausender hob' ich übrigens erst wechseln müssen, als ich ein Jahr später aus dem Gefangenenlager kam. Ohne ihn säße ich nicht hier." „Aber auch nicht ohne deinen„Deutschen"," sagte jemand. �roH der WHHonSre Die schwere Wirtschaftsnot zeitigt gelegentlich auch recht merk- würdige Folgeerscheinungen. So hat sie Conney Island, dem größten Vergnügungspark der Welt, zu einer Hochblüte verholfen, auf die man am allerwenigsten gefaßt fein konnte. Dieses Mekka des Lichtcrglanzes und des Lärms, zu dem früher nur das Volk und das kleine Bürgertum pilgerten, hat sich über Nacht in eine mondäne Untcrhaltungsstätte verwandelt und ist der Treffpunkt der besten New-Dorker Gesellschaft geworden, die sich unter der wirtschaftlichen Depression äußerster Sparsamkeit befleißigen muß. Wohl oder übel müssen die Herrschaften auf ihre kostspieligen Wochenendfahrten und den Besuch der Luxuslokale verzichten, um ihr Unterhaltungs- bedürfnis auf wohlfeilere Art zu befriedigen. Auch Rex Billings, der Besitzer einer großen Zahl von„Attraktionen" Conney Islands, hat einem Berichterstatter gegenüber die Umschichtung, die sich bei dem Publikum des Vergnügungsparkes vollzogen hat, bestätigt. Eonncy Island hilft seit einem Jahre mit. die Millionäre und ihre Familien über ihre schweren Sorgen hinwegzutrösten. Natürlich hat dieser Zuzug des eleganten Publikums dazu beigetragen, Gattung und Ton der„Attraktionen" von Eonney Island auf ein höheres Niveau zu heben. Das gilt besonders für die Ballokale, in denen man heute Tanzpaarcn begegnet, die früher niemals daran gedacht hätten, ihren Fuß in ein solches Lokal zu setzen. Ueberdies hat man die lärmendsten und vulgärsten Unterhaltungsnummcrn unterdrückt, um keinen Anstoß zu erregen. Nur für ein Ucbel hat man kein Heilmittel finden können, für den Mangel an alkoholischen Getränken nämlich, deren Genuß an einem öffentlichen Ort wie Conney Island denn dach zu gefährlich wäre. So müssen sich denn all diejenigen, die daran gewöhnt waren, Liköre und teure Weine in den Nacht- lokalen des Broadway in Mengen zu konsumieren, an Selterwasser und Mineralwässern genug sein lassen, die zwar dem verwöhnten Geschmack nicht sonderlich behagen, aber den Vorteil haben, den Geldbeutel zu schonen.__ ZDer Talisman Ein Bekannter nahm nnch kürzlich mit in seinen Klub, der sich in einer Privatwohnung befand. Ich wußte, daß er«in„Jockei" war, und wunderte mich deshalb auch nicht, als die Herren sich schon nach wenigen Minuten der Begrüßung und des Beisammenseins an kleine Tische verteilten und zu spielen begannen. Dazu schenkte der Klubinhabcr einen Wein aus. Ich nahm am Tische meines Bekannten Platz. Spielte auch mit. Ekorte. Es ging aber anständig zu. Die Einsätze waren auch nicht hoch. Wohl meinetwegen nicht. Um mich von der Harmlosigkeit des Klublebens zu überzeugen. Gegen 12 Uhr bekam ich es aber doch satt. Ich stand auf. An einem Ncbcntisch saßen ein Russe und ein... ja, weiß Gott, welcher Nationalität der andere angehören mochte! Jedenfalls hatte er ein interessantes Gesicht: schmale kantige Form. Aug« Augen, schari gebogene Nase, starke Augenbrauen, hohe Stirn und glattes, nach hinten gekämmtes, eisengraues Haar. Alter vielleicht SO Jahre. Wie ich später hörte, wurde er„Herr Professor" angeredet. Aber das war wohl nur ein Spitzname. Der Herr Professor verlor. Der Russe häufte mit phlegmatischer Ruhe Schein auf Schein, Taler auf Taler. Und auf das oberste Geldstück setzte er einen kleinen goldenen Buddha. Die beiden spielten ziemlich hoch; 17 und 4. Der Professor verlor— verlor; der Thron des Buddha wuchs höher und höher, und sein Lächeln erschien immer satter und zufriedener. Schon. wieder hatte der Professor bezahlen müssen. Zehn, sieben, Dame besaß er;, zehn, Bube, König. Dame, Bube zeigte der Russ�. Lässig' und schweigend strich er den Einsatz ein. Die Lippen dgs Professors wurden schmaler und strenger. Seine grauen Augen sahen den Russen hart an.„Ein merkwürdiges Glück heut' Abend für Sie!" betonte er. „Das macht mein Talisman," ocrsetzlc der glückliche Gewinner. „mein kleiner Buddha! Der steht mir bei!" Und seine Hand strich liebevoll über den hockenden Gott.- Sie spielten weiter. Auch von den Narbortischen hatten sich einige Spieler eingefunden und sahen neugierig zu.„Hören Sic auf, Herr Professor; Sie zwingen es heut' Abend nicht!" riet einer. Der Professor' antwortete nicht; seine Augen aber nahmen einen harten und bösen Glanz an. Sie stachen auf seinen Gegner. Er wölbte die Brauen und schob den Köpf etwas vor.„Es nutzt nichts," sagte er dann.„Ich werde mir auch einen Talisman zulegen müssen!" Er lächelte dünn, griff in die Tasche, zog einen Browning' hervor und legte ihn auf sein letztes Geld.„Schach dem Buddha! drohte er. Die Spieler rundum stutzten und lachten dann wie über einen guten Witz.„Der hat nür schon mehr als einmal gute Dienste getan," versicherte der Professor bedeutungsvoll.„Im übrigen ver- langt mein Talisman aber auch ein neues Spiel. Sie haben das erste gegeben," nickte der dem Russen zu,„so opfere ich das zweite!" Damit entnahm er seiner Brusttasche ein neue» Kartenspiel, cnt- sernte die Umhüllungen der Fabrik und warf es auf den Tisch. Sic spielten weiter. Und wirklich erwies sich der Browning stärker als der Buddha. Der Professor gewann auffallend. Die Macht des Buddha war gebrochen. Der unheimlich auf ihn ge- richtete Browning riß Stufe um Stufe von seinem hohen Thron. Und er übte grausame Rache; um 1 Uhr war der Russe völlig aus- geplündert. Gelassen steckte der Professor Geld und Browning in die Tasche. Der Zufall wollte es, daß ich auf dem Heimweg eine Strecke mit dem Professor allein ging.„Der Moskowiter spielte mit ge- zinkten Karten," wetterte er,„da wurde es höchste Zeit, meinen Talisman einzusetzen!" „Ja, Ihr Browning hat ihn aus dem Gleise geworfen!" wun- derte ich mich. .Der Professor lachte.„Mein Browning! Meine Karten aber auch!" „Wie soll ich das verstehen?" fragte ich naiv. „Sie sind ein Säugling; das brauchen Sie auch nicht zu ver- stehen!" lachte der Professor. Dann hielt er mir einen längeren und klugen Vortrag über die neueste Phase des Kommunismus. Martyrium amerikaniieher Indianer Der amerikanische Schriftsteller Dr. Robert Gessner hat die Ver- Hältnisse der Indianer in den Vereinigten Staaten eingehend stu- diert und sagt, daß die Indianer des heutigen Amerika bedauern?- werter seien als die Neger. Do» schlimmste Unglück, dos dem In- dianer widerfahren konnte, ist wohl, daß er feine Freiheit verloren hat. Der Häuptling der Menominee-Indioner, Oshkosh, sagt: „Wir Menominee-Indioner waren noch 1732, als wir von Fron- zosen und Engländern entdeckt wurden, ein freies Volk. Wir hatten unser �Lager am Kesbena-Fall, und wir blieben dort, auch als an- derc Stämme vom Staat schon in abgegrenzte Gebiete verwiesen wurden, wo achtzig Prozent von ihnen ihr Heim verloren. Unsere Nachbarn, die Winibago-Jndianer und die Pottawatomi-Indianer, wurden nach Kansas und Nebraska gebrocht. Wir hatten keine Lust. nach Westen zu ziehen und weißen Männern und Indianern aus dem Osten Platz zu machen. Man sagt, daß der Indianer faul sei. Aber wer trägt die Verantwortung? Ehe der weiße Mann kam, war der Indianer nicht faul. Er wußte, daß er verhungern mußte. wenn er der Faulheit oersiel. So lange das Indianerbüro in Washington ihn beschützt, wird es ihm schaden." Der Häuptling der Winnibago-Jndianer m Wisconsin, Mike White Eagle, ist ein Häuptling ohne Stamm. Er ernährt sich als Maler. Er sagt:„Mein Volk ist in oll« Windrichtungen zerstreut. Eh« der weiße Mann kam, waren wir reich, jetzt find wir die ärmsten von allen Indianerstämmen. Wir haben kein Schutzgebiet, und die Alten wissen nicht, wovon sie leben sollen. Im Winter müssen olle hungern. Die Staatsunterstützung von drei Dollar monatlich, die jede Person bekommt, reicht nicht weit." Als die Vereinigten Staaten Kalifornien annektierten, gab es dort nach Gessner zwischen einhundert- bis einhundertfünfzigtausend Indianer. Die Weißen wollten das Land haben, und IIS Indianer- flämme unterzeichneten eine Abmachung, durch die festgesetzt wurde, daß sie 7 500 000 Morgen Land behalten sollten. Aber der Staat weigerte sich, die Abmachung für gültig zu erklären, und die In- dianer bekamen kein Land, sondern mußten sich ohne jede Ent- schädigung in die Berge zurückziehen. Die Wohnungsverhältniffe der Indianer find elend. In den Reservationen leben sie wie in einem Gefängnis. Sie sind Ge- fangens und Bettler, die ihre Selbstachtung, ihren Ehrgeiz, ihr« Initiative verloren haben, und sind Fremdling« in ihrem eigenen Lande. In den Wohnungen find oft bis zu zwanzig Personen in einem einzigen Raum zusammengepfercht. Daß«in Volk, dos viel« Jahrhunderte lang in der freien Natur gelebt Hot, durch diese Lebensweise ruiniert wird, ist verständlich. Die Kränklichkeit unter den Indianern ist groß Dazu trägt auch der halbverhungert« Zustand bei, in dem sie sich dauernd be- finden. Die Indianer müssen oft jede Woche fünfzig Meilen weit reit«, lun sich die LMgKMittel fil Hosen, die. ihnen von dem Ratio- nierungsbüro zugestanden werden, und zwar in der 5)auptsachc Speck, der so gelb und übelriechend ist, daß sie ihn kaum essen können. Außerdem essen sie getrocknetes Pferdefleisch, das sehr häufig van verendeten Tieren stammt. Die Kinder sind in der Mehr- zahl infolge der mangelhaften Kost unterernährt und die Erwach- scnen so geschwächt, daß sie für Krankheiten sehr anfällig sind. Man sieht überall gelbe Gesichter, schmale, kränkliche Züge und willen- s lose, schlappe Körper. Die Missionare versuchen die Indianer durch Predigten von der Hölle einzuschüchtern. Es wird zwar kein Indianer direkt seines Glaubens wegen verfolgt, aber es ist ihnen verboten, ihre religiösen Feiern zu begehen»nd den Großen Geist anzubeten. Die amerikanische Regierung hat Volksschulen für etwa 25 000 Indianerkinder eingerichtet. Mit sechs Iahren werden sie ihren Eltern fortgenommen und in entlegene Schulen geschickt, wo sie bis zum vollendeten achtzehnten Jahr bleiben müssen. In diesen Schulen müssen sie bei Wasser und Brot hungern und werden brutal be- handelt. Es kommt vor, daß Knaben, die etwa versuchen, aus der Schule zu fliehen, an ihr Bett angekettet oder in einen Keller ge- warfen werden. Sie müssen in überfüllten Schlafsälen schlafen. Epidemien sind in diesen Schulen nichts Seltenes. Den halben Tag werden sie mit Arbeiten beschäftigt, die oft ihre Kräfte übersteigen. Ein Besucher einer solchen Indianerschule inspizierte die Küche und fand dort alles mit Fliegen und Fliegcnschmutz bedeckt. Ein Arzt berichtet von einer anderen Indianerschule, daß die Kinder dort weder Milch noch Butter, Eier, frisches Obst oder Gemüse bekämen. Als das amerikanische Rote Kreuz im Jahre 1924 die Volk»- schulen der Indianer und den Gesundheitszustand unter den dort be- findlichei, Kindern prüfte, wurde der erstattete Bericht lange unter- drückt und erst 1928 dem Kongreß vorgelegt. Dann wurde eine Mil- lion Dollar verlangt, um der Hungersnot unter den Indianern zu steuern. Im folgenden Jahre oerlangte Präsident jioover weitere 500 000 Dollar. Damit wurden dann die Schulkinder etwas besser ernährt. Minister Mastord stellte seinerzeit fest, daß die Regierung den Pottawatomi-Indianern eine halbe Million Dollar schuldete. Zwan- zig Jahre lang weigerte sich aber das Indianerbüro, diese Schuld anzuerkennen, und al? das schließlich gefchoh. wurde das Geld der Indioner mit dem Ankauf wertlosen Bodens und schlechter Gebäude vertan. Der Indianerhäuptling, der dcch das best« Stück Land be- kommen hatte, konnte von seinen vierzig Morgen nur fünf bebauen, und sein Haus war so schlecht gebaut, daß es fast lebensgefährlich war, darin zu wohnen. Das Martyrium einer aussterbenden Rasse wird durch diese Be- richte aufs neue in erschütternder Deutlichkeit gezeigt. __, ♦-i-».G, VV erth, Ritt um Jßeben und l'iue aeUgenöffifdie f iiifiedlerin Die Gräfin Vitalesci, ein bekanntes Mitglied der ersten Ge- sellschaft von Rom, faßte aus unbekannten Gründen den ehrenwerten Entschluß, sich von der lärmenden Welt zunächst auf ein halbes Jahrzehnt zurückzuziehen. Um recht gemütlich und vor ollem „standesgemäß" Einkehr halten zu können, ließ sich die Dame eine einfache Einsiedlerhütte in 2400 Meter Höhe erbauen. Auf dem Monte Generoso, an der schweizerisch-italienischen Grenze. Eine Drahtseilbahn verbindet die.„Hütte" mit dem Luxushotel im Tale. und die Gräfin Vitalesci mit Speis und Trank zu versorgen'. Zentralheizung, Warmwasscr, elektrische Anlagen und sonstige Be- siandteile des„zivilisierten Komiort" ergänzen die lchljchje Aus- statiung. Die Spesen verschlangen 50 000 Lire. Eine Well- abgeschicdcnheii in solchem Milieu muß«gentlich ganz erträglich Kavalleristentage tun not! Denn: Siegreich woN'n wir Frankreich- um Geld bitten! Major Heinrich belastet Kränzen. Verteidigung verzichtet auf die„Ltnglaubwürdigkeitszeugen". Die Beweisaufnahme im Franzen-Prozch ist geschloffen. Die von der Derieidigung mit so großem Tamtam angekündigte Beweis- führunz gegen die Glaubwürigkeit des ZNajor» Heinrich ist im Sonde verlaufen. Auf zehn„linglaubwiirdigkdtszeugen" hat die vcrteidi- gung gestern verzichtet. Die drei Zeugen, die vernommen wurden. wußten wohl die entlegensten Dinge vorzubringen, konnlen aber nichts über die angebliche llnglaubwürdigkeit des Majors Heinrich aus- sagen. Die Bekundungen des Major Heinrich waren aber dies- mal nicht weniger sicher und überzeugend als feine Aussagen in Braunschweig und im Prozeß gegen Guth. Züt Dr. Zranzen waren sie vernichtend. Als erster wird der PolizeioberVachtmeifter II« bei vernommer». Er hatte am 13. Oktober auf dem Potsdamer Plaiz die Führung eines Kommandos. Die Menge, in der sich Landwirt Guth befand, wurde mehrmals zum Auseinandergehen aufgefordert, wie der Zeuge behauptet, etwa zehnmal. Pannkreistofelr, waren auf- gestellt, jedoch nicht auf dem Potsdamer Platz. Die Menge ist darauf aufmerksam gemacht worden, daß sie den Bannkreis verletzt. Rechteanwalt Dr. Sack versucht, den Zeugen in Widersprüche zu verwickeln. Ein Beisitzer, der am Guth-Prozeß als richterlicher Berichterstatter teilgenommen hat, erklärt: Die Verhandlung gegen Guth hat von Ist bis 18 Uhr gedauert. Es war nie von Bai�tkrcis- Verletzung die Rede. Weshalb haben Sie damals nichts davon gesagt? Der Polizeioberwachtmeister Albert hat die Polizeiwache am Potsdamer Bahnhof zwar in dem Augenblick betreten, alz sich dort Dr. Franzen befand. Er hat gehört, wie der wachhabende Beamte den Minister fragte, ob er in dem Zwang-geslellten den Abg. Lohse erkenne. worauf Dr. Franzen erwidert habe: Ja, das ist der Abgeordnete Lohse. Später sei auf der Wache davon die Rede gewesen, daß Guth sich einer Bannkreisverletzung schuldig gemacht habe. Darauf wird der frühere' Polizeipräsident Z ö r g i e b« l vernommen. Rechtsanwalt Dr. Sack: Herr Zeuge, hatten Sie am 11. Oktober «ine Unterredung mit dem Ministerialdircktor Dr. Klausner, in der Sie die Vorgänge auf der Polizeiwache am Potsdamer Bahnhof geschildert haben? Zeug«: Diese Frage kann ich in so umfassender Form unter dem Eid nicht beantworten. Daß ich an diesem Tage mit Ministerialdirektor Dr. Klausner eine Unterredung gehabt habe, ist wahrscheinlich, aber worüber diese Unterredung stattgefunden hat, kann ich nicht mehr sagen. Ich w«iß nur, daß'ch einen Bericht über die Angelegenheit erstattet habe. Rechtsanwalt Dr. Sack: Erinnern Sie sich, gejagt zu haben, daß Dr. Franzen sich dost benommen und als Ministerpräsident aufgespielt habe? Zeuge: Das kann ich nicht sagen. I ch b e z w« i f l e a b e r, s o etwas gesagt z u haben. Rechtsanwalt Dr. Sack: Wie ist es eigentlich gekommen, daß die Beamten eine Belobigung und eine Belohnung erhalten haben. Zeuge:. Das kam wohl daher, daß der Minister der Ansicht gewesen ist— das war auch meine Ansicht— daß, wenn einem kleinen Polizeibcamtcn ein Minister entgegentritt und er sich nicht einschüchtern läßt und seine Beamten- pfticht erfüllt, Grund besteht, ihn zu belobigen. Dr. Franzen: 5st in dem ersten Bericht bereits darüber gesprochen worden, was für Delikte mir zur Last gelegt werden? Zeuge: Soweit ich mich entsinne, war von Bannkreisoerletzung und Nicht- b e fo l gu n g die Rede. Als nächster Zeuge folgt Major Heinrich. Er schildert die Ereignisse am 13. Ottober auf dem Potsdamer Platz, wie die Menge trotz wiederholter Aufforderungen nicht weichen wollte und kommt dann auf.die Vorgänge auf der Polizeiwache am Potsdamer Bahn- Hof zu sprechen. Er' erklärt' mit aller Bestimmtheit, Minister Dr. Franzen gefragt zu haben: s, Können Sie diesen Herrn als den Abgeordneten Lobfe legitimieren", worauf Franzen ein« b e- iahende Antwort gab. Als er dann den Minister auf die Unter- schiede zwischen Bild und Person aufmerksam machte, meinte dieser: „Venn ich den Mann als Abgeordneten legitimiere, so können Sie ihn freilassen." Und als Major Heinrich darauf sagte, daß der Mann ja auf frischer Tat ertappt sei und sich einer Bannkreisverletzung schuldig gemacht habe, erwiderte Dr. Franzen:„Sie können ihn nur festnehmen, wenn es sich um ein Vergehen oder ein Ver- brechen handelt."„Darauf gab ich keine Antwort mehr," sagt der Zeuge,„ych hotte den Eindruck gewonnen, als ob der Staats- minister Dr. Franzen mich bluffen wollte." Major Heinrich bestätigte ferner, daß er bei der Besprechung iin Polizeipräsidium Dr. Weiß gleichfalls auf die von Guth begangene Bannkreis- Verletzung aufmerksam gemacht habe.. Bei dieser Gelegenheit habe dann Vizepräsident Dr. Weiß die Frage aufgeworfen, ob gegen Dr. Franzen unter solchen Umständen nicht Berdachl der Begünstigung vorliege. Ungeachtet dieser bestimmten Darstellung verbleibt Dr. Franzen bei der von ihm am ersten Verhondlungstoge gegebenen Schilderung der Vorgänge auf der Wache-, er bestreitet aber auch jetzt nicht,"gesagt zu haben, daß ein Abgeordneter bloß dann auf frischer Tat festgenommen werden könne, wenn es sich um ein Ver» brechen oder Vergehen handelt, er gab also hiermit selbst indirekt zu, daß er auf der Wache den Eindruck zu erwecken versucht habe, a t s fei Guth der Abgeordnete Lohfe. Zu einer äußerst scharfen Erwiderung des Majors Heinrich kommt es, als Rechtsanwalt Dr. Sack ihm zu unterstellen versucht. er habe sich in der Angelegenheit Franzen von politischen Ge- sichtspunkten leiten lassen und ihm vorhält, daß er in einer Ver- sammlung in Spandau gesagt habe, man müsse den Faschismus mit ollen Mitteln bekämpfen.„Ich möchte hier ausdrücklich feststellen," erklärte Major Heinrich,„daß meine politische Tätigkeit mit meiner dienstlichen nichts zu tun hat. Es wird mir kein einziger Fall nachgewiesen werden können, wo ich den sachlichen Boden verlassen hätte. Der Kampf um Preußen. Eine?tede Eeverings auf westfälischem Aezirköparieitag. Lielescld. 13. Juli.(Eigenbericht.) Auf einem„Preußentag" der Sozialdemokratie des Bezirkes Oefüiches Westfalen in Herford sprach der preußische Innenminister über das Thema:„Der Kampf um Preußen." Severing führte aus: Die Taktik der sozialdemokratischen Reichs- t a g s f r a k t i o n fei es gewesen, die den ungeheuren Krebitabstrom aus Deutschland, der uns schon vor einiger Zeit nahe an den Rand des Abgrundes gebracht habe, etwas abbremste, bis er jetzt verstärkt eingesetzt habe. Nichts fei verbrecherischer, als mit der Kreditwürdigkeit Deutschlands ein leichtsinniges Spiel zu treiben, wie es von der sogenannten„n ationalen Opposition" jetzt wieder beliebt werde. Deutschland gebrauche Kredit«, die es nur erhalten könne, wenn dos Ausland von einer vernünftigen deutschen Politik über- zeugt sei. Deshalb sei für unsere innere, ebenso sehr aber auch für die deutsche Außenpolstik eine starke Sozialdemokratie unbedingt notwendig.» Nicht nur um Preußen handele es sich in diesen Kampfes- wachen, sondern um ganz Deutschland, um dos Schicksal der deut- schen Arbeiterklasse. Unverblümt hätten die Deutschnationalen in einem Flugblatt zum Volksentscheid zum Ausdruck gebracht, daß. wer Braun stürze, damit auch dem Kabinett Brüning ein Ende bereite, hinter alldem aber stehe der Kampf gegen die Gewerkschaften, gegen Tarifverträge und Ar» beits recht. Deshalb die Front von den pommerfchcn Junkern bis zu den Schwerindustricllen des Ruhrgebictes, deshalb der Kampfruf nach„Beseitigung des Terrors der Gewerkschaften". Der tiefere Sinn des Bündnisses hugenberg— Hitler bestehe darin, die einen, die hugenbergcr, wieder zu den Herren zu machen, und die anderen, die hitler-Anhänger, dabei als Bogen- schützen zu benutzen. Das demokratische Preußen aber sei ihnen dabei im Wege, deshalb wolle man es beseitigen, deshalb wolle man die preußischen Berwalwngsstellen wieder mit dem antisozialen Geist von vorgestern erfüllen. Das Vorpostengefecht am 9. August sei von uns entschlossen abzuwehren. Notwendiger denn je sei darum in diesem Augenblick eine starke, klare, mutige und ge- schlossene Sozialdemokratie. Stark, um keine Bastionen den anderen zu überlassen; klar in der Erkenntnis, daß der soziale Mensch in der Verwaltung eine Notwendigkeit sei, daß die Gegner, wenn sie zur Macht kämen, aus Deutschland einen sozialen Friedhof machen würden, in dem der Arberter nichts mehr gelte; mutig und gläubig im gemeinsamen Kampf mit den Führern, um das zu ver- leidigen, was in langen, schweren Kämpfen errungen sei. Einen ernsten Mahnruf richtete Severing schließlich noch an die Opposition, jetzt taktische Haarspaltereien unbedingt zu unter- lassen, geschlossen und einig zusammenzustehen. Diejenigen, die in diesem Augenblick mit Aufrufen gegen die Taktik der Mehrheit der Partei an die Oefsentlichkcit träten, erwiesen der gesamten Arbeiter- bewegung den schlechtesten Dienst, vergäßen, daß im Lande um jeden noch so kleinen Fortschritt mit unendlichen Mühen ge- rangen sei. Wer ist der beste Deutsche? Der„Angriff" fagt: Ein Jude! Im„Angriff" gibt es einen Sportteil, der die deutschen Sport- belange auf rassereiner Basis hütet. Am Montag berichtet der „Sport im Angriff" über den Tcnnisländerkampf Deutschland gegen Südafrika. Der Berichterstatter ist nicht ganz befriedigt. Der An- blick des Publikums hat feine arischen Gefühle oerletzt: „Daß die Hälfte der Zuschauer von dem„auserwählten Volk" aeftellt wurde, ist wohl selbstverständlich. Man glaubte sich nach Jerusalem oersetzt und es war nur gut. daß man von dem sportlichen Geschehen so gefesselt wurde usw., usw." Ja, dieses sportliche Geschehen! Es Hot die durch den Anblick jüdischer Nasen beleidigten Seele des„Angriff"-Berichtcrstotters wieder ins Gleichgewicht gebracht. Denn die unlängst in Düsseldorf von den Südafrikanern glatt überrannten Deutschen konnten dies- mal einen klaren S i eg feiern, hauptsächlich infolge des Um- standes, daß die in Düsfeldorf fehlenden deutschen Spitzen- s p i c l e r diesmal zur Stelle waren. Und fo bricht denn der„An- griff" in die jubelnde Ueberschriftzeilen aus: Beim Tennisländerkampf gegen Südafrika. Deutschland siegt mit S: 2. Die Revanche für Düsieldorf mit den besten Deutschem Die Sperrung de» Wortes„besten" pührt nicht von uns, sondern vom„Angriff" her. Er hat damit sagen wollen, daß diese besten Deutschen auch wirtlich die besten waren. Und wer war der Beste der Besten?— Das war der deutsche Spitzenspieler Daniel Prenn. Wirklich, das„sportliche Geschehen" muß fesselnd gewesen sein, wenn darüber die rassischen Instinkte eines ,.Dngriff"-Redakteurs derartig entschlummerten, daß er einen Juden zum besten Deutschen beförderte! Defizithaushalt in Bayern. Gesamtmindereinnahmen 53 Millionen. München, 13. Juli.(Eigenbericht.) Der vor einem halben Jahr aufgestellte bayerische Staatshaushalt, der in feinem ordentlichen Teil mit rund 899 Millionen Mark in Einnahmen und Ausgaben ausgeglichen war, wurde durch die Entwicklung der Wirtschaftskrise vollkommen über den Haufen geworfen. Der Rückgang an Ueberweifungssteuern aus dem Reich beträgt schätzungsweise für Boyern rund 43 Millionen und die Minder- einnahmen bei den Londesfteuern belausen sich auf 23 Mil- Iioncn Mark. Zusammen mit anderen Einnahmenrückgängen ergibt sich eine gesamte Mindereinnahme von über 83 Millionen Mark. Durch Verschiebungen van Ausgaben aus dem ordentlichen und dem außerordentlichen Haushalt, durch geringere Schuldentilgungsquotcn, durch die Einnahmen aus den Kürzungen der Beamtengehälter und durch eine Reihe weiterer Drosselungen von Etatstostcn gelang es, die Gesamtausgaben um rund 69 Millionen auf rund 797 Mil- lionen Mark herabzusetzen, so daß immer noch ein ungedeckter Fehlbetrag von 28.6 Millionen bleibt. Da die Re- gierung über die Deckung dieses Fehlbetrages keine neuen Vorschläge zu machen weiß, wird der Haushalt für 1931 als Defizithaushalt ausgewiesen.___ Ossiziersklnb in Manila überfallen. Bei einer großen Kund- qebung für die Selbständigkeit der Philippinen, die in Manila statt- fand, drangen 299 Eingeboren« in die Anlagen de» amerikanischen Armee- und Marineklubs und bewarfen die Offiziere und deren Frauen mit Steinen. Zwei amerikanische Offiziere wurden getötet. Es wurde Polizei ausgeboten. An den Straßen-Demonstrationen nahm ein sehr großer Teil der Bevölkerung teil. Keine amtliche Femebildfälschung. Reichsgericht erledigt nationalsozialistischen AgitationS- schwindet. Wer die Agitation der Nazis kennt, der weiß, daß sie im Grunde im ewigen Wiederkauen von ein bis zwei Dutzend abgestandenen Agitationslügen besteht. Eine dieser unsterblichen Lügen war bisher die Behauptung, daß im Berliner Polizeipräsidium ein Femebtld gefälscht worden sei, um.die Nationaisozialisten in unwahrer Weise zu belasten. Wegen dieser Behauptung wurde"vor einiger Zeit der„Angriff" verboten. Er beschritt den Beschwerdeweg gegen dieses Verbot und das Reichsgericht hatte sich mit der Sache zu beschäftigen. Dos Reichsgericht hat. die Beschwerde verworfen und dabei ein- wandfrei festgestellt, daß von einer amtlichen Fälschung nicht die Rede sein könne. Im Jahre 19ZS sei. so führt das Reichsgericht aus. anläßlich eines Ermittelungsversahrens gegen den Gehcimorden der„Ritter zum feurigen Kreuze" die auf dem Bild dargestellten Ordens-Insignicn. die Kreuze, Toten- köpfe, Zzepter, Leuchter, Gesichtsmasken und 8 weiße Mäntel beschlagnahmt worden. Um die Ver» wendungsart der beschlagnahmten Gegenstände in dem Strasoersah- ren gegen die„Ritter vom feurigen Kreuze" genau erkennen zu lassen, hätten Kriminalbeamte des Polizeipräsidiums die Mäntel an» gezogen und das später als„Femebild" bezeichnete Bild gestellt. Diese Aufnahme sei in einer Pressekonferenz des Polizeipräsidiums auf Treiben verschiedener Zeitungen in mehreren Abzügen zur Berfügung gestellt worden. Ausdrücklich hebt das Reichs- gericht hervor, daß da» Polizeipräsidium die presse über die Enl- stehung de» Bildes unzweideutig informiert und bei hinausgobe de» Bilde» nochmals aus dessen Bedeutung aufmerksam gemacht hol. Das Polizeipräsidium sei daher für eine unzulässige Verwendung des Bildes in der Presse in keiner Weise verantwortlich. Damit ist auch diese Agitationsbehauptung der Nationalsozia- listen als eine ihrer üblichen Verdrehungen gekennzeichnet. Arbeiter und Kapital. Beschlüsse der Landarbeiier-Lnternationale. Der Kongreß der internationalen Land- orbeiterföderation, der dieser Tage in Stockholm srattfand, befaßte sich im wesentlichen mit drei Fragen: Agrar- krise und Landarbeiterschast, Verhältnis zwischen Landarbeiterlohn und bäuerlichem Verdien st und Wohnungselend der Landarbeiter. Für die ersten beiden Fragen gab der Sekretär der Föderation, Schmidt- Berlin, die Diskussionsgrundlage. Seine Ausführungen fanden ihren Niederschlag in einer Entschließung, die vom Kongreß einstimmig angenommen wurde. Schmidt führte au»: In allen Ländern ist zur Zeit eine strukturelle Aenderung der landwirtschaftlichen Produktion im Gonge. Die Weltwirtschaftskrise Hot die Agrarkrise noch oerschärst. Für die Landarbeiter bedeutet dos einen schweren Kampf um ihre Existenz. Alle Arbeitskräfte in der Land- und Forstwirtschaft müssen sich gewerkschaftlich zusammen- schließen, wenn sie nicht unter die Räder kommen wollen. Es ist ein unmöglicher Zustand, daß einseitig den Unternehmern in der Landwirtschaft die Existenz gesichert wird, und es ist eine unerträgliche Zumutung an die Landarbeiter wie an die Arbeiterschaft überhaupt, sich in ihren Lebensonsprüchen zugunsten von Unternehmer» einzuschränken, die nicht wirtschafte» können. Das wertvollste Produktionsmittel, der Grund und Boden, muß im Dienste des gesamten Volkes bewirtschaftet werden. Der Boden muß zum tüchtigsten Landwirt wandern. Die wahnsinnige Ueber- treibung der Schutzzollpolitik bedeutet nur eine Unter- stützung der Unfähigkeit. Eine Neugestaltung der Handelspolitik ist daher im Sinne der Beschlüsse der Ar- beiterinternationale unbedingt notwendig. Die Theorie einer Gruppe von Agrarwissenschaftlern, wonach das Einkommen der mit ihren Famllien selbst arbeitenden Landwirte als Arbeits- verdienst bezeichnet und im Stundenlohn errechnet wird, muß abgelehnt werden. Die Untersuchungen, durch die bewiesen werden soll, daß der Bauer weniger Einkommen habe als der Lohnarbeiter, sind von vornherein völlig verfehlt. Es wird mit falschen Argumenten gearbeitet. Das Einkommen des Bauern und des Landarbeiters läßt sich nicht auf den gemeinsamen Nenner eines Stundenlohns bringen. Wirtschaftliche Schlüsse, die aus einem solchen Nenner gezogen werden, beweisen also nichts. Eine Neuordnung der Agrarpolitik nach den skizzierten Grundsätzen ist eine sehr ernste Forderung; denn der augenblickliche Zustand: lleberfluß an Produkten und Hunger der Massen muß zwangsläufig zu einer Explosion führen. Die Landarbeiter- schost oller Länder ist bereit, an einer Neuordnung der Dinge in der Landwirtschaft mitzuarbeiten, damit ein vernünftiger Ausgleich innerhalb der Weltwirtschaft, vor ollem auch zwischen Stadt und Land, und damit ein Ausgleich der sozialen Spannungen eintritt. Die Londarbeiterschaft ist sich darüber im klaren, daß diese Um- stellung in der Agrarpolitik nicht durch Rückwärtserei er- ziest werden kann. Sie ist daher auch bereit, alle Bestrebungen zu unterstützen, die der Förderung des technischen Fortschrittes in den landwirtschaftlichen Betrieben aller Länder dienen. So weit dafür öffentliche Mittel gegeben werden, verlangt die Arbeiterschaft eine entsprechende Mitwirkung. Die Wohnungsoerhältniste der Londorbefter erörterte D u n c a n, der Vorsitzende des schottischen Landarbeiterverbandes. Er begründete mit seinen Ausführungen eine Entschließung, die vom Kongreß ebenfalls einstimmig gebilligt wurde. Darin wird mit besonderem Nachdruck darauf hingewiesen, daß unter dem Land- arbeiterproletariat vor allem ein Bedarf an Häusern vorhanden ist, die den Bedürfnissen einer Familie entsprechen und moderne hygienische Ansprüche befriedigen. Die Unterbringung von Landarbeftern in Häusern, die dem Arbeitgeber gehören, sei einer der Hauptgründe der Ver- nochlässigung der Landarbeiterwohnung. Dieses System hindere die Landarbeiter, an den Verbesserungen teilzuhaben, die sich andere Arbeiter längst gesichert hätten. Das Werkwohnungswescn mache den Landarbeiter vollkommen abhängig. Auch der Landarbeiter müsse wie andere Arbeiter an den Vorteilen der Wohnungsver- befferung Anteil haben. Ein staatlich geförderter Bau von Wohnungen auf dem Lande, die vom Landarbeiter gemietet werden können, sei das Ziel. Das bisherige Exekutivkomitee der Föderation wurde wieder- gewählt. Sekretär bleibt Schmidt- Deutschland. Der Sitz der JLF. bleibt in Berlin. Der Kongreß wird künstig alle drei Jahre stattfinden. Der Föderation ist der Landarbeiterverband von Palästina, der 11 972 Mitglieder umfaßt, beigetreten. Die Wandlung des Bolschewismus. Wohlwollen der Kapitalisten. Stalin, der Obergewaltige des Sowjetstaates, fand mit seiner Rede zur stärkeren Wiedereinführung kapital! st ischer Grundsätze in die russische Wirtschaft in der kapitalistischen Presse ein sehr wohlwollendes Echo. So schreibt die„Kölnische Zei- tung", die„neuen" Methoden Stalins seien keine„Kapitulation" des bolschewistischen Staatskapitalismus vor dem bürgerlichen Privat- kapitalismus, sondern lediglich die Einfügung eines neuen Eiche- rungsfoktors für die Durchführung des gegenwärtigen Fllnfjohres- plan?. An dem starren Wirtschaftssystem müsse natürlich noch vielerlei geändert werden, denn der Mensch bleibe im Grunde derselbe: ein Mensch mit prioatwirtschaftliche», kapitalistlschcn Instinkten. Dem Stalinismus fei diese Erkenntnis erst in den letzten Monaten gekommen. Weil er sich ihr widersetzt habe, weil er die Kraft der kommunistischen Idee überschätzt habe, sei der Aufbau erschwert worden. Der Stalinismus werde im Laufe der Jahre wohl noch weiter nach rechts abirren zu einem„kapitalistisch durch- setzten Bolschewismus" hin. Dadurch werde er aber der andern Welt nicht weniger gefährlich. Also: Bolschewismus„kapitalistisch durchsetzt". Ein neuer Macht- staat, ein„roter" Imperialismus, aber keinwirklicherSozia- l i s m u s, geschweige denn Kommunismus. Bei dieser„neuen Per- spektive" denkt man unwillkürlich an den Abschluß des Franziskus- Kapitels in der Geschichte der Stadt Rom im Mittelalter von Gre- gorovtus. Es heißt da: bald erfreute sich der neue Orden großer, reicher und mächtiger Klöster in aller Welt; die Armut ober blieb draußen— vor dem Kloster. Ein neues Gewerkschastshaus. Ein Zeichen der inneren Krast. In Frankfurt o. M. ist in der Nähe 0er Wilhelm»brück« am Sonntag ein neues Gewerkschastshaus von der fteiorganisierten Arbeiterschaft eingeweiht worden. Es ist ein Hochhaus van acht Stockwerken und ein neues wirkungsvolles Stück des Ufeobildes am unteren Main. Erbaut wurde es von den Architek- ten Taut- Berlin und Hoffmann. Die Einweihung dieses Gewerkschaftshaufes inmitten der größten kapitalistischen Pleite der letzten Jahrzehnt« ist symbolisch. Zeigt sie doch, wi« kerngesund und gut fundiert die Gewerkschaft-- bewegung fft. Sie ist allerdings nicht aufgebaut auf zweifelhafte Kredirspekulationen und schwindelhafte Spekulationen, sondern aus der Treue der Mitglieder, unter deren Kontrolle sie stehen. Und deshoßb bestehen die Gewerkschaften siegreich die furchtbar« Probe der ungeheuren Arbeitslosigkeit. Die Erntestreikhehe der Kommunisten. Kein Grund zu Besorgnissen. Vom Deutschen Landarbeiter-Verband wird uns geschrieben: Wir haben bereits auf das krampfhafte und unverantwortliche Bemühen der Kommunisten hingewiesen, die Landarbeiter in einen Erntestreik zu Hetzen. Verschiedene Rechtsblätter, allen voran die „Deutsche Tageszeitun g", sehen in dem Treiben der Kom- munisten eine Gefahr für die Landwirtschaft, die nicht ernst genug gswertet werden könne. Es sei höchste Zeit, daß die Staatsregierung Veranlassung nehme, für ein« UMerbindung der roten Terrorversuchc Sorge zu tragen. Zu dieser Nervosität, bei der man sich fragt, ob sie nicht ge- künstelt ist und der Erreichung bestimmter Ziele(StärkUiNg der Idee des freiwilligen Arbeitsdienstes, Ausbau der Technischen Not- hife) dient, liegt nicht der geringst« Grund vor. Bis jetzt ist es den Kommunisten fast nirgends gelungen, die Landarbeiter für ihre Parolen zu begeistern. Wo gestreikt wurde, folgte die Pleite auf dem Fuße. Die Landarbeiter sind dank der Schulungs- und Aufklärungsorbeft des Deutschen Landarbeiter- Ver- band«» einsichtsvoll genug, um zu erkennen, daß mit wilden Erntestreiks in dieser Zeit nichts erreicht, dafür aber unendlich viel verdorben werden kann. Die Abfuhr der Kommunisten mit ihrer Erntestrcikhetze bei den Landarbeitern, wäre noch größer, wenn die Schlich- tungsin stanzen die Mahnung des Deutschen Landarbeiter- Verbandes beachtet und es bei den diesjährigen Lohn- und Tarif- bewegungen unterlassen hätten, den landwirtschaftlichen Uifter- nchmern bei der Verwirklichung ihrer Lohnabbaubeftrebungen bc- hilflich zu sein. Was die Landarbeiter bei der diesjährigen Lohn- und Tarifewegung erleben mußten, ist Wasser auf die Mühlen der K o m m u n i st e n und geeignet, ihnen ihr ver- hängnisvdlles Spiel in stärkstem Maße zu erleichtern. 723 000 Wohlfahrtserwerbslose in Preußen. Geringer �Rückgang im Mai. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, sind nach der Erhebung des preußischen Statistischen Landesamts vom 31. Mai 1931 in Preußen 797 669 vom Arbeitsamt anerkannte Wohlsahrts- erwerbslose gezählt worden gegenüber 799 769 Ende April, so daß sich im Mai eine Abnahme um 2199 Wohlfahrt-erwerbslose oder 9,3 Proz.(im April Zunahme um 27 295) ergibt. Im Per- gleich jum September 1939 liegt di« Wohlfahrtserwerbslofenzahl des Berlchtsmonats noch um 269>166 oder 58,2 Pro.;, höher. Benick- sichtigt man auch die vom Arbeitsamt nicht anerkannten unterstütz- ten Wohlfahrtserwerbslosen(am letzten Stichtag 15 399), bei denen zumeist die Anerkennung nur am Stichtage noch nicht ausgesprochen gewesen ist, so ist di« Gesanftzahil der von den preußischen Bezirk-- fürsorgeverbänden oder Gemeinden laufend unterstützten Wohlsahrts- erwerbslosen von rund 730 099 Ende April auf 723 999 Ende Mai zurückgegangen. In den Großstädten— besonders in Berlin, Altona, Wuppertal, Dortmund, Bielefeld und Stettin— ist im Berichtsmonat allerdings ein«rneuter Zugang sestzustellcn, während in den kreisangehörigen Städten und Landgemeinden infolge der saison- mäßigen Belebung des Arbcitsmarktes sich eine langsam fort- schreitende Entlastung bemerkbar macht. Die Llnfälle im preußischen Bergbau. Rückgang im Lahre 1931. Im Deutschen Neichsanzeiger und Preußischen Stootsanzeiger nam 9. Juli wird die Unfallstatistik des preußischen Bergbaus für das Jahr 1939 veröffentlicht. Die Statistik ist wi« in den Borjahren gegliedert, nur werden an Stelle der Unfälle mit einer Avbeitsunsähigkeit oon mehr als 13 Wochen die mit einer Arbeitsunfähigkeit von mehr als 8 Wochen nochgewiesen. Die Statistik ergibt folgendes Bild(die Zahlen des Vorjahres sind in Klammern beigefügt): Insgesamt ereigneten sich auf 1900 Mann der Belegschaft 196,88(211,29) Unfälle, von denen 2,59(1,98) tödlich waren und 65,24(62,65) eine Arbeitsunfähigkeit von mehr als 4 Wochen zur Folge hatten. Im Steinkohlen- b ergbau entfielen auf 1999 Mann der Belegschaft 2l6.41(234,62) Unfälle insgesamt, davon 2,97(2,12) tödliche und 72,9(68,8) Unfälle mit einer Arbeitsunfähigkeit von mehr als 4 Wochen. Sowohl beim gesamten preußischen Bergbau als auch bei den einzelnen Bergbau- zweigen mit alleiniger Ausnahme des Erzbergbaus hat sich der Rückgang der Gesomtunsälle fortgesetzt. Die Zunahme der t ö d- l i ch e n Unfälle ist auf die schweren Unglücksfälle auf den Stein- kohlengruben Wenzeslaus und Anna II zurückzuführen, bei denen 151 und 271 Bergleute zu Tode gekommen sind. Keine wirtschaftliche Vereinigung. Oer kommunistische Landarbeiter-Derband. Die KPD. hat mit ihren Gewerkschaftsgründungen Pech. Jetzt muß sich auch, der kommunistische Landarbeiteroerbond, der sogenannte„Einheitsverbond der Land» und Forstarbeiter", bescheini- gen lassen, daß er nicht b e r e ch t i g t ist, Land- und Forstarbeiter vor den Arbeitsgerichten zu vertreten. Di« Bescheinigung stammt vom Arbeitsgericht Stallupönen und hat solgenden Wortlaut: „In Sachen des Deputanten O. Sch. in Bruckchöfen, Kläger, gegen den Gutsbesitzer Emil Fritzel in Gr.-Degesen, Beklagten, Prozeßbeoollmächtigter: Geschäftsführer Kluge, Stallupönen. wird di« Vertretung des Einheitsoerbandes der Land- und Forstarbeiter nicht zugelassen, weil dieser Verband keine wirt- schaftliche Vereinigung von Arbeitnehmern im Sinne dos 8 11 ArbGG. ist. Der Verband ist nach 1 der Satzung der RTO. angefchlossen, die Beschlüsse der RGJ. sind jür ihn bindend. Jedes Verbandsmitglied wird zugleich Mitglied der RGO., es werden an die RGO. Beiträge gezahlt(ljZ 3, 10 der Satzung). Der Verband stellt sich somit als Teil eines politischen Ver- band es dar. Es werden damit politische und nicht rein wirtschaftliche Ziele versolgt." Der Feststellung des Arbeitsgerichts ist kaum etwas hinzu- zusetzen. Tatsächlich sind die angeblichen Gewerkschaften der KPD. nur gegründet worden, um kommunistische Politik zu treiben. Die Landorbeiter können aber auch aus dieser Entscheidung entnehmen, daß sie an die falsche Adresse geraten, wenn sie sich durch den„Einheitsoerband" vertreten lassen. Angriff aus das Tarifrechi. Eine österreichische Zie�ierungsvorlage. In der österreichischen Angestelltenschaft herrscht große Erregung. Die Regierung hat Gesetzesoorlagen ein- gebracht, wonach bei der K r e d i t a n st a l t, bei den Bundes- t h« a t e r n und aller Voraussicht noch bei der D o n a u- D a m p s- schiffahrtsgesellschaft alle Dien st Verhältnisse, die auf Kollektivverträgen beruhen,„ungeachtet ent- gegen st ehender gesetzlich er oder vertraglicher De- st i m m u n g e n" eine Gefährdung des ganzen Kollek- tivvertragssystems. Der Bund der freien Gewerkschaften sowie die Organisationen der Bank- und der Bühnenangestellten er- heben dagegen schärfsten Protest. Sie haben in ihrem Abwehrkampf die ganze Arbeiterschaft hinter sich. Der Vorstoß gegen den Kollektivvertrag ist eine Art Revanche für den Angriff der Sozialdemokratie auf die R i e s e n g e h ä l t c r und Riesentantiemen unfähiger Wirtschafts- f ü h r e r. Unter dem Druck der öffentlichen Meinung und de- Haupt- ausschusses des Nationalratcs mußte sich die Regierung bequemen, eine Vorlage einzubringen, wonach„Sonderverträge" der Direktoren und der Kreditanstalt erlöschen, und die Pensionen dieser Direk- toren auf 15 999 Schilling pro Jahr herabgesetzt werden. Aehn- liche Bestimmungen sollen auch für die hohen Künstlerhonorare der Bundestheater getroffen werden. Nur ungern rückte die Regierung den Riesenoerdienern auf die Pelle. So hat sie sich im Verkehrsau-- schuß mächtig gegen einen sozialdeenokratrschen Antrag gewehrt, der eine Aufhebung des Vertrags des entlassenen Generaldirektors der Bundesbahnen, Strafsella, forderte. Die Regierung kam m't der faulen Ausrede, sie könne nicht durch Gesetz vertragsmäßige Rechte aufheben. Jetzt plötzlich, wo es gegen die Kleinen gxht, kann sie es! Allerdings hat ihr die deutsche Resttsregierung im Dezember 1923, als sie praktisch den Achtstundentag bejeftigte, ein böses Beispiel gegeben.__..._ Foridauer des französischen Texiilstretts. Die Strciklage im n o rd fr a n z öfi s ch en Textil- gebiet von Roubaix und Toureoing hat noch immer keine wesentliche Aenderung erfahren. Nur ein Teil der Arbeiter, in der Hauptsache ch r i st l i ch organisierte, haben die Arbeit wieder ausgenommen. Der übergroße Teil der Textilarbeiter will den Streit fortsetzen, bis das Konsortium den von den nnab- hängigen Firmen angenommenen Vermftllmysvorschlag des Präsi- denken Laval angenommen hat. Die sozialistischen Stadtverordneten von Roubaix und Toureoing unterstützen die Streikenden nach Mög- lichkeit. Die Stadtverordnetenversammlung von Toureoing hat zu- gunsten der Streikenden einen neue» Kredtl von 300 000 Franken bewilligt. Durch Sammlungen de» Gewerkschaftsbnndcs find bisher IVi Millionen Franken ausgebracht worden. proiestversammlungen in Oberschlesien. Saltomiß. S. Juli. Di« Postbeamten und Postauqesteflte» sowie dfc Beamten. Angestellten und Maschinensührer der Staotsbohne» hoben am Sonn- abend in Kattowitz Versammlungen abgehalten, die sich mit der Frage der Kürzung der Bezüge beichöftigten. Sowohl de Postangestellten wie auch die Eisenbahn beamten forderten die Weiterzahlung der 15prozentigen Zulagen und von 20 Prozent der Wojewodschastszulagen. Während die Postbeamten ihre Dersamm- lung in ruhiger Form abhielten, xing es bei den EZsenbahnern sehr laut zu. Die Redner wurden oft mit den Rufen.Nieder mit der Sanacja!",.Fort mit Pilsudski!" unterbrochen. Schließlich wurde in einer Resolution dem Vorstand des Eisenbahnerverbandes auf- getragen, mit allen Mitteln einschließlich des Streits die bcrech- tigien Forderungen der Eisenbahner zu vertreten. AfA-Funktionäre der MctaMndvstrie; »eilte m Uhr. wichtige AsÄ.zill>lti»»SrIi«fer-», i» Haverl-md, (Wtlölcn, Reu- Friedrich. Ecke Rochftrohe. SogMortMniafl:»e eicht erft->ttu»q Uli» Velchluhloll»»« über fco« Ergedni» her--» gleiche» Tage arit dew«BR.1. gesührten Rerhandlungen über ei»-»euregctmlq he« idchMrh»it«abk»im»c!,s. Wegen»er Wichtigkeit b« T-g««rIN>lUlg ig bat Ericheiii«, girr«fA-Fmikti». »äre ber Ret-IIindvstri« Pflicht. die Mitglieder de»«fN-Met-lNartel» treffe, sich bereit»»m im Uhr im Zimmer 2 de» gleichen L-tal» einer Borbesprechn»«. Pi« Fvnltinnär« b', bciitschen Werlmeisterner bände, besuche» die an- gleichen Zöge nm| Zimmer 11. Warum gibt es in Frankreich s» wenig Arbeitslos«?— Reu Lichtenberg! Jugendheim v-unterstr. 41. RGO., Ragis und Gewerkschaften.— Frankfurter Allee: Stadt. Jugendheim, Litauer Str. lZ. Bortragsfortfeßung: Tic Sntwickliingsgcfchichte der deutschen freien Gewerkschaften.— Lichtenberg: Ingendhrim. Ovlfestr. 22. Wi« kann ich den Senollenfchastsgeifi in der Gruppe pflegen?— vftendc: Zugcndheim Karlshorst, Treskowalicc 44 lKanischulct. Heimbesprechung.— Treptow: Schute Wildendruchstr. SZ-.S4 tHortzinnner), Zugang Graehstraße. Gtmas über Geschlechtskrankheit««.— Zagendgruppe de» Zentralaerbailde, der Schuh mache«: IflVj Uhr im Jugendheim Große Frankfurter Str. 1«, Zimmer z. Untcrhaltungsabcnd. @Luqendqruppe des Zentralverbandes der Angestellten Heute sind folgende Veranstaltungen: Rordweft: Jugendheim Lehrter Straße lS/tü. Kolleg« Kunkel lehrt uns Schachspielen.— Lichteuderg: Jugendheim Gunterstr. 44. Vortrag:..Zwischen Himmel und Crlx". Ref.: Pilot Liedig.— Der Sprech, und P«wegung,chor übt ad 2N Uhr in d«r Turnholla Ba ruther Str. 2(1.— Spiele im Freien ab 1« Ahr auf dem Sportplati Tier- garten, im Echillerparl und aus der Wies« 7 im Treptower Park. Verantwortlich für Politik: Vietor Schiff: Wirtschaft: G.«li-ioelbäler- Scwcrkschaltsdcweauna: Frirdr. EZkorn: Feuilleton: Dr. Zohn Schikowski» Lokale» und Sonstiges: Frih Karstadt: An-eigen: Tb. Glocke: sämtlich in Verlin Verla,: Vorwärts-Verlag G m. b. H.. Berlin. Druck: Varwärts.Zuchdruckerel „ab Verlagsanstalt Paul Singer u. Co.. V-rlin SW.«Z, Lindenstrab« t, Hier,» Z Beilagen.