BERLIN Dienstag 14. M 1931 10 Pf. Nr. 324 B 162 48. Lahrgang CrscheisttSglich außer Souatag«. Zugleich Abendausgabe de«„Vorwärts'. Bezugspreis beide Ausgaben 8S Pf. pro Woche, 3,eoM. pro Monat. Redaktion und Expedition: BerlinSW68,Lindenstr.3 Fernsprecher: Dönhoff(A 7) 292—297 Anzeigeupreis: Die einspattigeNoupareNlezeile 8« Pf., Reklamezeile s M. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto: VorwärtS-Verlag G.m.b.H.. Berlin Nr. 37 tm.— Der Verlag behält sich das Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor! An das deutsche Volk! Der Parteivorstand, der Parteiansschnst und die Kontrollkommission der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands haben in ihrer Sitzung vom 14. Juli 1931 solgende Kundgebung beschloffeu: Die Krise hat sich verschärft. Zusammenbrüche großer Industrie- und Bank- uniernehmungen zeichnen ihren Weg. Mik ihnen bricht die Lüge von der„marxistischen Mißwirtschaft" zusammen, die erfunden wurde, um von den wahren Schuldigen abzulenken: dem kapitalistischen System und seinen Vertretern. Die bankerollen Finanzmagnalen und Induslrieherzöge sind keine Marxisten. Sie sind enischiedene Verfechter der kapitalistischen Privatwirtschaft und Geldgeber der antimarxistischen Propaganda. Die Sozialdemokratie fordert seit Iahren unermüdlich die Stärkung des gemeinwirtschaftlichen Einflusses, die Unterstellung der kapitalistischen Riesenunter- nehmungen unter die wirksame Aufsicht des Staates. Ihre Forderung blieb unerfüllt. Jetzt verlangen die bankerotten BeKämpfer des Marxismus Rettung durch den Staat! Jetzt steht die Reichstegierung für zusammengebrochene Banken gut, jetzt übernimmt sie über sie die Aufsicht! Das kapitalistische Unternehmertum ruft nach Hilfe des Auslandes. Aber ein wesentlicher Teil dieses Unternehmertums hat deN verhängnisvollenWahl- sieg der nationalistischen Reaktion im September vorigen Jahres bezahlt und ihr kreditzerstörendes Treiben bis zum heutigen Tage mit allen Mitteln gefördert. In der Stunde höchster Gefahr fordern wir entschlossene Umkehr. Die Selbstherrschaft der Banken und der Schwerindustrie führt die Wirkfchaft in den Abgrund. Ihr muß ein Ende bereitet werden. Staatliche Hilfe ist nur gerechtfertigt, wenn der staatliche Einfluß im Interesse der Allgemeinheit dauernd gesichert bleibt. Eine gründliche Bereinigung d erWirtschaft muß herbeigeführt werden ohne Rücksicht auf Kapitalistische Sonderinteressen. Arbeiter und A n g e st e l l t e sind durch unbedingte Sicherung ihrer Ansprüche auf Lohn, Gehalt oder Unterstützung vor den verderblichen Folgen der Krise, deren unschuldige Opfer sie sind, zu schützen. Mit Nachdruck erneuern wir die Forderung nach Abänderungder Notverordnung vom 5. Juni' und nach Beseitigung des verübten sozialen Unrechts. Ausländische Hilfe in ausreichendem Maße tut not. Dazu bedarf es einer Außenpolitik der Verständigung, die weder mit herausfordernden Haßparaden belastet ist, noch auf leere Prestigebedürfnisse Rücksicht nimmt. Nicht kapitalistische Wirtschaftsanarchie, sondern geordneteWirtschafts- f ü h r u n g zum Nutzen des Ganzen! Nicht sinnlose Verzweiflungsakte, sondern planvolle Arbeit für das Volk und für den Sozialismus! Nicht Uneinigkeit und Spaltung der Arbeiterklasse, sondern festeEinigkeil. stärkste Entschlossenheit im Kampf gegen alle feindlichen Gewalten! Das ist die Forderung der Stunde! Heute abend neue Notverordnungen Sorge um die Fortführung der Wirtschast Das Reichskabinett wird sich heute nach der Rückkehr des Reichsbankpräsidenten Dr. Luther mit weiteren Maß. nahmen zur Umstellung der deutschen Wirtschast befassen. Es stehen neue Notverordnungen in Aussicht, die sich insbesondere auf die Fortführung der deut» schen Wirtschaft nach dem Ablauf der beiden Bank- stiertag« beziehen. Die drei oder vier Treuhander zur Abwicklung der Geschäfte der Tanat-Bank— die genaue Zahl steht bisher noch nicht fest— sollen heute ernannt werden. Mit einer Wiedereröstnung der Danat'Bank ist nicht zu rechnen. Der Reichspräsident kehrt am Mittwoch von Neudeck nach Berlin zurück. Keine Zahlungen an das Ausland mehr. Weder über die Banken noch über die Post. Das Reichspostministerium teilt mit: Da zur Zeit Börsenkursnotstrungen nicht stattfinden, ist es der Post bis auf weiteres nicht möglich, Einzahlungen auf Postanweisungen nach dem Ausland an» zunehmen. Die Postanstaltcn sind entsprechend ange- wiesen worden. Außerdem sind die P o st s ch e ck ä m t e r, ebenfalls wegen der Unterbrechung in Kursnotierungen an den deutschen Börsen, angewiesen worden, die bei ihnen eingehenden Ueberweisungen nach dem Ausland bis auf weiteres nicht auszu- führen. ch Die Durchführungsbestimmungen zur Verordnung über die Bankfeiertog« enthalten die Anordnung, daß die Banken keine Zahlungen an das Ausland vornehmen dürfen. Luther hat noch heute in Bafel verhandelt. Basel, 14. Zu«. lleber die heule vormittag geführten Besprechungen des Reichs- baukpräfideuten Dr. Luther erhält IE TB. folgende offizielle Blil- teilung: Bevor Reichsbeukpräfident Dr. Luther heute vormittag Basel im Zlugzeug verließ, hat er den präsidenteu der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich. Herrn Mac Sarrah. nachmals gesprochen und eine eingehende Unterhaltung geführt, in der auch im Hinblick aus die gestrigen Beschlüffe des Berwaltungsrats die gesamten in Betracht kommenden Probleme durchgesprochen worden sind._ Die Bankfeiertage. Zwei Tage lang keinerlei Auszahlungen. Die Verordnung zur Durchführung der Notverordnung über die Bankseiertage lautet: „Die Staatsbanken der Länder, die öffentlich-rechtlichen Kredit- anstalten, die Sparkassen, die Kommunalbanken, die Genossenschafts- danken, die Banken und Bankgeschäste, die Hypothekenbanken, Land- schasten. Stadtschaften und andere öffentliche und private Realkredit- institute und deren Banken bleiben in sämtlichen inländischen Nieder- lassungen mit ihren Geschäftseinrichtungen, Kassen und Wechselstuben für den Berkehr mit ihrer Kundschaft, ihren Gläubigern und Schuld- nern am Dienstag, dem 14. Juli 1931, und Mittwoch, dem 15. Juli 1931, geschlossen. Die Leistung und Entgegennahme von Zahlungen und Ueberweisungen an das In- oder Ausland, auf welchem Wege auch immer, sind nicht zulässig. Dasselbe gilt für den P o st s ch e ck v e r k c h r. Der Handel an den Wertpapierbörsen ist untersagt. Für die Berechnung von Fristen und Terminen, für Willens- erklärungen und Leistungen, die von einem Institut der in Absatz 1 genannten Art oder ihm gegenüber zu bewirken sind, gelten der 14. und IS. Juli 1931 als staatlich anerkannte Feiertage. Für die Hinterlegung von Aktien zur Teilnahme an General- Versammlungen darf, sofern es sich um den letzten Tog der Hinter- legungsfrist handelt, in den Hauptniederlasiungen der als Hinter- legungsstellen benannten Banken und Bankgeschäfte ein Schalter von 19 bis 12 Uhr geöffnet sein." Drei Bantfeiertage in Ungarn. Budapest. 14. Juli. Angesichts der schweren finanziellen Lage Deutschlands erschien es der ungarischen Regierung notwendig, Schutzmaßnahmen für die hiesige Wirtschaft zu ergreifen. Das Kabinell beschloß eine Verord- nung, nach der alle Geldinstitute ihre Schalter am 14., IS. und 16. Juli geschlossen zu halten haben.> Patentmedizinen. Wie Dentschland zu Tode kuriert werden soll. Jetzt ist die Stunde der„Retter', die ihre Patentmedizinen anbieten, um sich selber in Kurs zu setzen. Voran die Garde Hugen- bergs und Hitters. Die preist sich in der„D eu t s ch« n Zeitung' folgendermaßen an: „In dieser Stunde, nach den letzten verzmerselten SQ.?»Rufen an das Ausland der Aufruf des Letzten Aufgebots, der nationalen Opposition— es wäre eine weltgeschichtliche Tat gewesen! Und was dann? Nun, die nationale Diktatur hätte Mittel und Wege gewußt, ihr Vertrauenskapital wäre stark genug gewesen, um Durchgreifenderes zur Berhütung des inneren Zusammenbruches zu tun, als diese ein« Danat-Notver- Ordnung." Wir danken bestens für die„Mittel und Wege" der„nationalen Diktatur". Ihr Bertrauenskapital hat sich nach der Reichstagswahl vom 14. Septmeber 1939 herrlich offenbart: denn damals begann durch ihre Schuld die Welle des Mißtrauens gegen Deutschland sich zu heben. Die Leute von der„nationalen Diktatur" tragen ein ge- rütteltes Maß von Schuld an der Krise, die jetzt über Deutschland hereingebrochen ist. � Die„Deutsche Allgemeine Zeitung" preist eine andere Patentlösung an. Sie empfiehlt durch Dekret die Kaufkraft der Mark im inneren Verkehr um 39 Proz. zu steigern. Zu diesem Zweck sollen alle Bezüge. Löhne und Gehälter um 39 Proz. gesenkt werden, zugleich auch alle Tarife und Preise. Man stelle sich den Mechanis- mus einer durchgehenden Senkung aller Preise und Tarife durch Dekret vor, und stelle niir die Frage: wer wird dabei der Betrogene sein? Wie lange ist es her, daß die„DAZ." das Organ der Scharfmacher, die Patentmedizin des Garantiesyndikats mit Lobeshymnen begleitete und ihre Auftraggeber als Retter Deutschlands in den Himmel hob? Wer redet heute noch von dieser Patentlösung? Die„Deutsche Allgemeine Zeitung" aber ist lustig und munter in der Erfindung neuer Patentlösungen. Den Leuten, die sie sub- ventionieren, muß gezeigt werden, daß sie für ihr Geld etwas haben. Herr von Borsig hat eben erst eine Boraus- Zahlung von 1,2 Millionen Mark erhalten, die er später durch Lieferungen abdecken soll. Die Subventions- Wirtschaft ist in vollster Blüte, und die Unternehmerpresse lebt in dem angenehmen Bewußtsein, daß die Reichsregierung den Geld- gsbern der Scharsmacherpresje Subventionen zahlt, die dann zum Kampfe gegen die Reichsregierung zweckenffprechend verwendet »erben. Herr von Borsig erhält 1,2 Millionen, unb bie„DAZ." schreit nach einem„nationalen Konzentrationskabinett". Das finb bie wahren Patentmebizinen Oer Reichskommissar bei der Oanat. Staatssekretär a. O. Bergmann ernannt. Die Reichsregierung hat zur Durchführung der Verordnung oder die Varmstädler und Ratianalbank vom 1Z. 3uli 1931 den Staatssekretär o. D. Karl Bergmann in Berlin zum ersten Treuhänder für die Darmstädter und Rotionalbonk bestell». Dr. Kavl Bergmann war bereits vor dem Kriege in der Deutschen Bank als Direktor tätig. Bei Kriegsausbruch trat er in lben Reichsbienst über, und zwar arbeitete er über- wiegenb im Haag. Nach dem Kriege ist er der deutschen und internationalen Oesfentlichkeit hauptsächlich durch seine Verhandlungen mit der Reparationskommission bekanntgeworden, die er als Staatssekretär des Reichsfinanzministeriums führte. Er blieb auch dann mit der Leitnug der Reparationsoerhandlungen be- traut, als er im September 1921 aus bem Reichsbienst ausschied. Nach einer Zwischenzeit von drei Jahren, in der Bergmann wieder praktisch im Bankiergeschäft tätig war— er wurde 1924 Mitinhaber des Frankfurter Bankhauses Lazord, Speyer, Ellisen— trat er Ende 1927 als Reichskommissar für Reparations» fragen wieder in den Dienst des Reiches. Die Regierungen haben das Wort. Ohne sie keine Finanzhilfe.— Blum für französische Initiative. Paris, 14. Juli.(Eigenbericht.) Im„Matin" wird die Ansicht der BIZ.— d. h. in dort ver- tretenen sran,;ösischen Bankkreisen— über die deutsche Krise so sor- muliert:„Die BIZ. glaubt, daß die sehr ernste und tragische Krise, die Deutschland durchmacht, der Rückschlag der Krankheiten, an denen die ganze Welt leidet, auf einen nationalen Organismus sei, der der Ansteckungsgefahr durch Vernachlässigung hygienischer Mahnahmen preisgegeben ist." Man sei in Basel der Meinung, daß man Deutsch- land helfen, aber zugleich die Gelegenheit benutzen müsse, seine Politik auf den Frieden zu orientieren und zu versuchen, es vor Irrtümern zu bewahren, die ihm schon sehr teuer zu stehen ge- kommen sind. In den nächsten 24 Stunden hätten die Regierungen das Wort, besonders die sranzösische Regierung, ohne die niemand in der Welt etwas unternehmen könne, um Deutschland zu retten. Das„Petit Journal" erklärt gleichfalls, Deutschland büße jetzt für den Irrtum, sich ganz Europa widersetzt zu haben, aber es würde andererseits ein nicht geringerer Irrtum Europas sein, wenn es nicht daran denke, daß Deutschland zu ihm. gehört. Die wirtschaftlichen und sozialen Interessen der Nationen seien s o i n- einander verstrickt, daß das Unglück des einen zugleich auch das des anderen sei. Die Zeitung verlangt daher, daß sich die ver- antwortlichen Staatsmänner so schnell wie möglich an einem Tisch versammeln, um über die Rettung Europas zu beraten. Leon Blum verlangt im„Populaire", daß Frankreich endlich die Initiative ergreife, um das notwendige Werk der Rettung Europas einzuleiten. Es handele sich nicht darum, irgendwelche Vorbedingungen von Deutschland zu verlangen, denn allein frei- willige und aufrichtige Verpslichtungen hätten Wert. Frankreich -könne zur Stunde noch den Ruin verhindern, in den es selbst hinein- gezogen würde. Es könne den Frieden auf einer klugen und schnellen Edelmütigkeit ausbauen. Jede Stunde zähle, morgen werde es vielleicht zu spät sein. Londoner Beurteilung der Lage. London, 14. Juli. „Financial News" berechnet, daß London an den Verlusten der D a n a t- B a n k mit 8 bis 9 Millionen Pfund beteiligt ist, die sich auf etwa 29 Häuser verteilen. Es fei klar, daß keine der deutschen Banken ihre ausländischen Verpflichtungen erfüllen könnte, wenn die Mark sinke. Aus diesem Grunde mühte die Stützung-- aktion der Mark schnell erfolgen.„Financial Times" tritt der in Amerika verbreiteten Auffassung entgegen, daß deutsche Staats- angehörige bis zu 89 Prozent für den Ansturm auf ausländische Währungen verantwortlich gewesen seien. In allen wohl unter- richteten Kreisen bestände kein Zweifel darüber, daß die gegen- wärtigen Schwierigkeiten in erster Linie aus das Zurückziehen amerikanischer Guthaben zurückzusührcn wären. „Daily Herald" berichtet, daß Deutschland vor einer politischen Umwälzung stände. Wenn nicht in den nächsten zwei bis drei Tagen entsprechende Hilfe käme, so könnte dies zum Rücktritt des Ka- binetts Brüning, möglicherweise auch zum Rücktritt Hindenburgs und dann zu einer Diktatur der Nationalisten und der Natio- nalsozialisten führen. Amerikanische Stellen seien der Ansicht, daß ein Kredit von l'A Milliarden Mark nicht mehr genüge und daß der doppelte Betrag notwendig sei. Die englischen Staatspapiere hätten am Montag morgen 79 Millionen Pfund im Werte verloren. Ein englischer Ztat an Krankreich. London. 14. Znli. Zn einem Leitartikel vertritt„Daily Chronicle" die Auffassung, daß Frankreich die Entscheidung in der Hand habe. Bisher habe die französische Politik zumindest den Eindruck entstehen lassen, daß sie die finanzielle Rotlage Deutschlands zur Erpressung von Zugeständnissen benutzen wolle. Dies sei ein taktischer Fehler. Das Blatt schreibt:„Garantien", die mit solchen Mitteln erpreßt worden sind. würden wertlos sein. Aus der anderen Seite gibt es einen Weg. auf dem Frankreich die sich bietende Möglichkeit mit ungeheurer Wirkung ausnutzen könnte. Frankreich sollte einsehen, daß es mit einem einzigen Schlage das jahrhundertealte Ziel einsichtiger französischer Politik, nämlich wirkliche Freundschaft mit Deutschland, erreichen kann, wenn es jetzt, ohne Bindungen zu stellen, das deutsche Volk von der furchtbaren ihm drohenden Gefahr befreit, hat es eine Garantie, wie sie ihm kein Vertrag und keine Armee verschassen kann. Frankreich würde in den Augen der well und Deutschlands als die Ration dastehen, die Deutschland vor der Zerstörung bewahrt Hot. Eine solche Handlung könnte keine Ration jemals vergessen. Die Gefahr, die dem Frieden und der wohlsahrl der Welt unmittelbar droht, ist die Loge Deutschlands. Durch die Beseitigung dieser Gefahr würde Frankreich nicht nur Deutschland, sondern die ganze Welt zu seinem Schuldner machen, wird es großzügig genug fein, sich der großen Gelegenheil gewachsen zu zeigen? Keine Kreditverlängerungen in New yorf. Rew Port. 14. Juli. Die gestrigen Nachrichten aus Deutschland werden hier, ins- besonder« in Finanzt reisen, mit Peunochigung verfolgt, lieber den Die Notgroschen der Sparer Wer bildet den Sparerstamm der Sparkassen Wer gestern nach dem Bekanntwerden des Danot-Zusammen- bruchs durch die einzelnen Stadtteile Berlins kam, konnte überall die tiefe Erregung feststellen, die dieses Ereignis in weitesten Kreisen der Bevölkerung ausgelöst hatte. Besonders vor den Spar- kassen der Sbadt Berlin stauten sich lange Schlangen von Sparern, die im ersten Schreck bereits ihre sauer ersparten Groschen verloren sahen. Wenn sich ober auch die Vorgänge vor und in den Sparkossen ohne besondere Zwischensälle abspielten, so hinterließen die Diskussionen, die auf der Straße zwischen einzelnen Gruppen hin und her gingen, doch einen unerfreulichen Eindruck.„Da Qeichloffene StankrSume stehen sie nun und zittern um ihr Geld" und„Schadet ihnen gor nichts, daß sie jetzt ihr Geld verlieren, sie haben es doch nur wegen der dicken Zinsen hierher getragen", so konnte man verschiedentlich Bemerkungen hören. Man soll derartige harte und ungerechte Worte nicht auf die Goldwaage legen, denn die, die sie aussprachen, waren ganz offen- sichtlich langfristige Arbeitslose, die durch ihr anhaltendes Elend den Blick völlig dafür verloren haben, daß es in erster Linie Proletarier sind, die sich bei der Sparkasse eine kleine Reserve für schlechte Zeiten zurücklegen. Lassen wir einmal die Erhebungen der Sparkassen über die Zu- sammensetzung der Sporer selbst sprechen, sie beweisen schlagend, daß die überwältigende Mehrheit der Spareinlagen sich aus kleinen und kleinsten Sparbeträgen zusammensetzt. So verteilten sich Ende 1939 die Spareinlagen bei der Sparkasse der Stadt Berlin in Höhe von rund 399 Millionen Mark auf 869 493 Sparbücher. Das Durchschnittsguthaben eines Sparbuches stellte sich aus 317,88 Mark. Noch deutlicher aber wird die proletarische Zusammensetzung des Sparerpublikums aus folgenden Zahlen: Von sämtlichen Sparkonten entfielen im Jahre 1930 bis 20 Mark bis 100 Mark 100—500 Mark 29,08 Proz. 18.25 Proz. 25,71 Proz. Fast die Hälfte der Sparkonten, nämlich mehr als 47 Proz., besteht also aus kleinen und kleinsten Ersparnissen bis zu 199 Mark und fast drei Biertel sämtlicher Spareinlagen entfallen aus Betröge bis zu 599 Mark. Ueber 1999 Mark Einlagen verfügten nur 12,28 Proz. und über 5999 Mark nur der oerschwindende Teil von 1,91 Proz. der Sparkonten, die Geschäftsleute, Hauswirte usw. unter- halten. Auch die Rückwirkungen der Wirtschaftskrise auf die Sparkassen lassen ganz klar erkennen, daß die werktätige Bevölkerung den Stamm der Sparer abgibt. So wurde festgestellt, daß 1928 noch 291 947, 1929 noch 154 999 Sparbücher, dagegen in dem schweren Krisenjahr 1939 nur noch 89188 Sparbücher neu eröffnet wurden. Auf der anderen Seite mußten, je länger die Arbeitslosigkeit anhielt, die Notgroschen um so mehr herhalten. während 1928 die Rückzahlungen nur 61 Pro;, der Einzahlungen ausmachten und 1929 bereits 76 Proz., erreichten die Auszahlungen 1930 mit 91 proz. soft die höhe der Einzahlungen. Diese Tatsachen beweisen, daß die Masse der Spareinlagen Notgroschen der Arbeiter, Angestellten und kleinen Beamten für schlechte Zeiten darstellt, die in der jetzigen schweren Krise bereits auch in stärkstem Umfang herhalten mußten. Es zeigt sich in der Zusammensetzung der Sparer aber auch, daß eine Panik, ein An- stürm auf die Sparkassen das Falscheste wäre, was die Sparer selbst tun könnten. Jeder einzelne von den Hunderttausenden Berliner Sparern und von den Millionen deutscher Sparer ist mit der Masse untrennbar verbunden. Eine Panik würde nur ganz Wenigen nützen, die ihre Einlagen herausbekämen, dem Millionenheer der Sparer aber schwersten Schoden zusügen. Jeder muß sich schließlich sogen, daß es den Sparkassen auch bei stärkster Flüssighaltung der Spar- kassen nicht möglich ist, sämtliche Einlagen, die ihnen im Laufe von Jahren zugeflossen sind, innerhalb weniger Tage aus- zuzahlen, da derartige Operationen schwer st e Erschütte- r u n g e n der mit den Sparkassen zusammenarbeitenden Kreise, in erster Linie öffentlicher Körperschaften, zur Folge haben müssen. Kaltes Blut und Selbstdisziplin sind für den Sparer daher in diesen aufgeregten Tagen ein dringendes Gebot der Stunde. Umfang der deutschen kurzfristigen Berbindlichkeiten am hiesigen Platze herrschen widerstreitende, voneinander abweichende Aus- fassungen, da objektive Grundlagen fehlen. Unterrichtete Finanz- kreise versichern, daß große Institute, vermutlich auf die Einwirkung der Federal Referoebank hin, bisher in bemerkenswerter Weise die Nerven bewahrten und zum mindesten bis zu den letzten Tagen Zurückziehungen vermieden. Als schwächste Posten werden kurz- fristige Verbindlichkeiten deutscher Kommunen und kleiner Verbände angesehen, die schon seit längerer Zeit fortlaufend prolon- giert wurden in der Hoffnung aus langfristige Umwandlung— eine Hosfnung, die sich nicht verwirklichte. Derartige Akzepte seien. wie in Finanzkreisen erklärt wird, hier nicht plozierbar, und die Geldgeber müßten daher an Sicherung bzw. Liquidation denken. Deutschland soll sich selbst helfen. Rew Park, 14. Juli. Die Ereignisse des Montag scheinen der Regierung in Washing- ton die Ueberzeugung gebracht zu haben, daß die deutsche Finanz- läge bei aller noch vorhandenen Unsicherheit keineswegs mehr so hoffnungslos schlecht ist wie Ende der letzten Woche. Es ist ganz offensichtlich, daß verantwortliche amerikanische Politiker die Lösung der Krise in erster Linie von entsprechenden Maßnahmen der Reichsregierung erwarten, und nichts ist kennzeichnender für diese abwartende Hastung der amtlichen Kreise, als die unverhohlene Besriedigung über die von Hindenburg verfügten Bankfeiertage. Man hat in Washington das Gefühl, daß die Krise nicht nur durch die Berschleppungsmanöver der Franzosen bei den Per- Handlungen über den Hoooer-Borschlag, sondern in fast gleichem Maße auch durch das Ausbleiben der erforderlichen Schritte seitens der Reichsregierung herbeigeführt wurde. Hinter der Zeit zurück. Neueste Notverordnung in Mecklenburg nicht durchgeführt. Schwerin, 14. Juli.(Eigenbericht.) Einige Schweriner Banken hatten heute früh zwischen 8'� und 9 Uhr ihre Schalter noch geöffnet. Sie konnten die Auszahlungen in vollem Umfange befriedigen. Aus den kleinen Städten des Landes wird gemeldet, daß gegen 19.39 Uhr die Sparkassen noch keine Kenntnis von der Notverordnung des Reichs- Präsidenten hatten und deswegen noch ihre Auszahlungen fortsetzten._ Getreide-Termingeschäste verboten. Maßnahmen des Börsenvorstandes. Der Börsenvorstand zu Berlin, Abteilung Produktenbörse, hat angeordnet, daß handelsrechtliche Lieferungsge- schäfte in Getreide in dieser Woche nicht abgeschlossen werden dürfen und verboten sind Die Prompt- und Lokonotierun- gen der Produktenbörse finde» wie üblich statt. Der Börsenoorstand hat die auswärtigen Börsen von diesem Beschluß in Kenntnis gesetzt. Wetter für Berlin: Warm und wieder zeitweise heiter, aber später wieder Gewitterneigung, Winde aus südlicher Richtung.— Für Deutschland: Nach vorübergehender Besserung wieder westost- wärts fortschreitende Eintrübung mit neuen Niederschlägen und Gewittern. Arbeitslose erhalten Geld. Keine Stockung in der Auszahlung der Unterstützungen. Die Auszahlung der Arbeitslosenunterstützungen gehO allenthalben glatt vor sich. Tie Bankfeiertage haben keinerlei Rückwirkungen auf diese Auszahlungen, weil dieselben durch Kredite der Reichsbank gesichert sind. Ruhe vor den Bankgeschästen. Es war heute ein ungewohnter Anblick, inmitten des pulsieren- den Lebens der Weltstadt die Geschäftsräume sämtlicher B o n k e n, Spartassen und Kreditin st itute und deren Filialen und sogar der Wechselstuben für das Publikum geschloffen zu sehen. Selbst das Postscheckamt mußte geschlossen bleiben. Nur die Reichsbank machte eine Ausnahme. Für den Geld- und Zahlungsverkehr blieb nur die R e i ch s p o st übrig. Aeußerlich machte sich eine Beunruhigung des Publikums vor den Banken selber wenig oder gar nicht bemerkbar. Rächiliche Gtraßenschlacht in Reukölln. Kommunist bei der Verfolgung getötet. Einen schlimmen Ausgang nahm eine Schlägerei zwischen h a k e n k r c u z l e r n und k o m m u n i st e n. die sich in der vergangenen Rächt gegen Mil Ahr an der Ecke Hermann- und Karlsgarten flraße in Rcukölln abspielte. Ein Kommunist, der 25jährige Arbeiter Richard Lieh aus der Okerstraße 5, wurde von einem Polizeibeamten durch herzschuß gelötet. Eine Gruppe Nationalsoziali st en, die von einer Versammlung in der Hasenheide kamen, gerieten mit einem größeren Trupp Kommunisten in Neukölln in eine Schlägerei. Dabei wurden drei Hakenkreuzler durch Messerstiche und Schlagringhiebe verletzt. Einer der Verletzten muhte mit einer Gehirnerschütterung ins Urban-Krankenhaus gebracht werden. Als das alarmierte Ueber- fallkommando auf dem Kampfplatz erschien, ließen die Gegner von- einander ab und flüchteten. Die Beamten nahmen ihre Verfolgung auf und in der B o d d i n st r a ß e konnten drei Beteiligte, nach- dem einige Schreckschüsse abgefeuert wurden, gestellt werden. Als die Beamten näher kamen, griff der Arbeiter Ließ in die Tasche. Ein Polizeibeamter fühlte sich dadurch bedroht, da er glaubte, der Mann wolle eine Waffe ziehen, feuerte selbst und traf so unglück- lich, daß der Getroffene mit einem Herzschuß tot zu Boden sank. Mehrere Personen wurden festgenommen und der Politischen Po» lizei übergeben. Tagung des parteiausfchuffes. Der Parteiausschuß trat heute vormittag im Parteihaus zu einer Beratung der wirtschaftlichen und politischen Ge- samtsituotion zusammen. Vor Eintritt in die Tagesordnung gedachte Genosse Otto Wels in ehrenden Worten des Andenkens des kürzlich verstorbe» nen Borsitzenden der Kontrollkommission, de-, Genossen Wilhelm Bock. Als Mitglied der Kontrollkommission wurde sodann vom Parteiausschuß die Genossin Lore Agnes bestimmt. In einer vor» angegangenen Sitzung hatte die Kontrollkommission den Genosse» Hengsbach.zum ersten Vorsitzenden, B r e y l zum zweiten und Krumenerl zum Schriftführer gewähll. Tor der �Berliner Sparkalle am IS. Professor Nernsts„Wunderflügel" Revolutioniemng der Musik durch„Elektroakustik Die„Elektroakustik", die Erzeugung von Tönen auf elektrischem Wege, ist noch der Meinung von Fachleuten berufen, das Gebiet der Musikerzeugung völlig zu revolutionieren und alle bisher ge- bräuchlichen Musikinstrumente wie Klaviere, Geigen, Blasinstrumente usw. vollständig zu verdrängen. Professor N e r n st, einer der hervorragendsten Physiker, hat in aller Stille in Verbindung mit dem Elektro-ftonzern Siemens und der Klavierfabrik Bechstein einen „W underflügel" konstruiert, der auf elektro-akustischem Prinzip beruht. Er sieht genau so aus, wie ein kleiner Flügel und verfügt über Tasten, die den bisher gebräuchlichen vollkommen gleich sind, hat aber keinen Resonanzboden, und auch dos Innere des Flügels ist von dem normalen unterschieden. Die Töne werden nämlich rein elektrisch im Lautsprecher erzeugt. Diese elektrischen Töne, die wir zum ersten Male bei der„Aethermusik" des russischen Professors T h e r e m i n gehört haben, haben die seltsame Eigenschaft, in ver- schiedenen Klangfarben erscheinen zu können, die von dem Betätiger des Musikinstrumentes hervorgerufen werden können. Ein elektro- akustischer Flügel ist aus diesem Grunde nicht wie die bisherigen ähnlichen Musikinstrumente an ganz bestimmte Ton- und Klang- färben gebunden, sondern er gewährt die Möglichkeit, die verschieden- artigsten Instrumente bzw. ihre Töne wiedergeben zu können. Pro- fesior Rernsts„Wunderflügel" gestattet, darauf 1. Klavier, 2. Harmonium, 3. Spinett zu spielen, 4. Rundsunk zu empfangen, 5. einen Schallplattenopparat mit Verstärkung im Lautsprecher zu hören. Es ist also beinahe ein Universal-Jnstrument, das sich außerdem noch sehr schön anhört. Musiker stehen diesem ersten Wunderslügel noch skeptisch gegenüber, weil sie mit überlieferten Begriffen rechnen. Die Zukunft wird zeigen, ob dieser Wunderflügel totsächlich die großen Hoffnungen erfüllt, die man auf ihn setzt. Das erste In- strument ist bereits fertiggestellt. Man hielt die Anfertigung streng geheim, um mit einer vollendeten Tatsache vor die Welt zu treten. Jetzt aber konnte dieses Zauberinstrument bereits einem geladenen Kreis von Sachverständigen vorgeführt werden, und da es sich vor- züglich bewährte, so wird seine Massenanfertigung durchgesührt. Im Herbst soll der Flügel bereits zu kaufen sein. Gegenüber den bisherigen Instrumenten hat er noch den Vorzug der Billigkeit, denn er wird voraussichtlich nur die Hälfte kosten, wie die bisherigen Flügel. In Fachkreisen wird dieser„Wunderslügel" als eine technische Sensation angesehen, die berufen ist, auf dem Gebiete der Musik- wiedergäbe umwälzend zu wirken. Es handelt sich dabei nicht etwa um einen Apparat, der von außen durch elektrische Wellen, wie etwa ein Radioapparat, betätigt wird, also, der Musik empfängt, sondern um ein richtiges Musikinstrument, mit dessen Hilfe Musik gemacht wird. Nur erfolgt diese Erzeugung der Töne nicht durch Anschlagen von Hämmern an gespannte Kupferseiten, wie bei dem Hammer- klavier und dem Flügel, sondern aus elektrischem Wege durch elek- irische Schwingungen, die mit Hilfe von Schwingkörpern und an- deren elektro-akustischen Mitteln und durch Lautsprecher hörbar ge- macht werden. Damit hat die Geschichte des Musikflügels einen neuen Abschnitt der Entwicklung erhalten Der Flügel ist bekanntlich ein Musikinstrument, das nicht tafel- förmig, sondern slügelförmig gebaut ist. Er hat seinen Namen schon vor der Erfindung der Hammermechanik, die ungefähr 2l)l> Jahre alt ist, und die offenbar von einem Florentiner Instrumentenmachcr Cristofori erfunden wurde. Diese Ersindung fiel ungefähr in das erste Drittel des 18. Jahrhunderts. Sie bedeutete die größte Revolu- tion aus dem Gebiete der Herstellung von Klavieren und Flügeln. Seit dieser Zeit sind die Musikinstrumente zwar in vielen Hinsichten verbessert worden, aber im Prinzip ist eine Aenderung nicht ein- getreten. Erst der„Wunderflügel" von Pros. Nernst bringt eine wesentliche Neuordnung, die allerdings eine völlige Umgestaltung der heutigen Grundsätze darstellt.— Im Zusammenhang danrit sei daran erinnert, daß sich in der letzten Zeit ein deutscher Dorffchullehrer namens Jörg Mager einen hervorragenden Namen auf dem Gebiete der Elektroakustik gemacht hat. Er hat eine elektrische Orgel konstruiert, deren Töne rein elektrisch erzeugt werden, durch sogenannte Wagnersche Sieb- ketten und durch verschiedene Stromkreise, die mit Lautsprechern verbunden sind. Die elektrischen Schwingungen werden durch Schwingkörper erregt. Diese Orgel soll ein wahres Wunderwerk sein, und Frau Wagner, die Witwe Siegfried Wagners, sowie der Generalintendant Tietjen haben, als sie von dem Wunderinstrumeat Magers hörten und von den überirdischklingenden Tönen, die er auf elektrischen Wegen seinen Schwingkörpern zu entlocken oersteht, bei ihm neue Gralsglocken bestellt Wirth weist Kränzen zurecht. Erlaß ollgemeiner Versammlungsverbote unzulässig. v raunschweig. 14. Juli.(Eigenbericht.) Auf eine Beschwerde des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold, Gau- leitung Braunschweig, wegen des Verbotes des Gautages am 18. und 19. Juli durch Franzen, hat der Reichsinnenminister folgende Antwort erteilt: „Der Erlaß allgemeiner Versammlungsverbote, in denen nicht eine bestimmte Versammlung mit bestimmter Begründung, son- dern bis auf weiteres alle Versammlungen verboten werden, ist auf Grund der Verordnung gegen politische Ausschreitungen nicht Wenn er selber Richter wäre... Amtsrichter Kränzen zum Angeklagten Kränzen:„Sagen Sie mal, AngeNagter, für wie dumm halten Sie mich eigentlich, daß ich Ihnen alle Ihre Ausreden glauben soll?!" zulässig. Ich habe sämtliche Landesregieningen hierüber unter- richtet und Braunschweig ersucht, derartige allgemeine Verbote auf- zuHeben." Bisher hat Franzen diesem Ersuchen Wirchs nicht entsprochen, offenbar ist es dem Naziminister peinlich, auf Veranlasiung des Reichsinnenministers zum zweitenmal eine Niederlage zuzugestehen. Das erstemal gri>s Wirth beim Verbot des„Volksfreund" ein, indem er es verkürzte....„. polnisch-rusfische Annäherung? Rundfunkfreundschast auf deutsche Kosten. Schon sott einiger Zeit hörte man aus Warschau, daß die offizielle Presse Ptlfudskis bemerkenswerte Annäherungsversuche an Eowjetrußland unternimmt. Seit dein Besuch der polnischen In- dustriellen in der Sowjetunion regte sich der Geschäftsgeist in Warschau und verlangte«ine Besserung der Beziehungen zum Lande Stalins. Kürzlich erschien in der Zeitung der polnischen Regierung, „Gaseta Poiska", ein aufsehenerregender Artikel, der bei dem halb- offiziellen Charakter der Zeitung als von der Regierung inspiriert angesehen werden muß, um so mehr, als der Inhalt dieses Artikels jetzt auch von dem vollkommen offiziellen polnischen Rundfunk mit anerkennendem Kommentar verbreitet wird. Man war in Warschau in dieser Sendung zunächst bemüht, der Sowjetregierung zu be- weisen, daß der Rapallovertrag stets eine einseitige Freund- s ch a f t der Sowjetregierung zu Deutschland war. Deutschland da- gegen hätte Moskau nur als«in Werkzeug seiner Politik miß- braucht. Im Warschauer Funk wurde die Frag« gestellt, wie- lange Moskau noch unter dem Protektorat Deutschlands, das heute ganz westeuropäisch orientiert sei, stehen wolle. Polen pflege in der letzten Zeit die besten Beziehung« n zu Sowjetruß- l a n d. Da die wichtigste Aufgabe für Rußland die Durchführung. des Fünfjahresplanes sei, ohne Störung vom Ausland, sei doch für beide Seiten ein Ostlocarno erwünscht. Im Rundfunk wunde hinzugefügt, daß bei einer Neuorientierung der Polenpolitik der Sowjewnion Polen bereit wäre, sich an der b e s s a r a b i s ch e n Frage desinteressiert zu erklären und sogar die Union mit Rumänien zu brechen. Auch Moskau beginnt, andere Tön« gegenüber Polen anzu- schlagen. In außerordentlich freundlicher Weis« sprach man im Moskauer Rundfunk über die Arbeit des polnischen Gesandten Patek. Man scheint in Moskau die Schreie der verfolgten polnischen Kommunisten nicht mehr zu hören; jedenfalls machte man Ver- beugungen vor dem Lande Pdlsudfkis. Der Adjutant des Marschalls erwiderte dann in Warschau die Kompliment« selbst. Stalin und Pilsudski Hand in Hand! Varckhausens geheimnisvoller Tod. Vernehmung der Ehefrau. Die Ehefrau des in der Rachl zu Montag erschossen aufgefundenen Dr. jur. Ernst Varckhausen aus den Zellen 19 ist am Montag abend um 10 Uhr von ihrer Reise zu- rückgekehrt. Lei ihrer Vernehmung gab sie an, daß sie weder die blauweiße Krawatte, noch die Browning-Pistole im Besitz ihres Mannes gesehen habe. Obwohl bereits feststeht, daß Dr. Borckhausen sich seit Iahren in Zahlungsschwierigkeiten befunden Hot, hat sein« Ehefrau von der finanziellen Lag« keine Ahnung gehabt. In bezug auf die von Borckhausen abgeschlossenen Versicherungen ist inzwischen folgendes festgestellt worden. Im Jahre 1926 hatte Barckhausen«ine Lebensversicherung über 1S0 000 M. abgeschlossen, sie verfiel aber wegen nicht gezahlter Prämien. Später erzielte Dr. B. mit der Versicherung insofern ein Abkommen, daß ein Teil der früher entrichteten Prämien zurückgegeben wurde und der Versicherungsteilnehmer freiwillig aus dem Vertrag« ausschied. B. schloß dann mit einer anderen Versicherung die schon erwähnten Verträge für Lebensversicherung über 1 000 M. und Unfall mit Todeserfolg in gleicher Höhe ab, Diese Derstcherungeu laufen noch. Deutsche Kunstgemeinschast Brandgeschädigte Künstler. Der Brand des Münchener Glaspalastes hat eine ungewöhnliche Zahl lebender deutscher Künstler betroffen, da die Internationelle Ausstellung einen sehr großen Umfang hatte. Nur wenige von ihnen konnte die Deutsche Kunstgemeinschast in ihrer jetzigen Ausstellung zeigen, um ihrerseits etwas zu dem großen Hilfswerk beizutragen; sie nahm dazu im wesentlichen Werke aus dem eigenen reichen Besitz. Von Münchenern sieht man die hellen Ehiemsee-Landfchaften von Rudolf S i e ck und viele Alpenbilder von Reiser, Poetzci- berger, E. Heider u. a.; von Berlinern vor allem ausgezeichnete Landschaften von Kraus köpf in seiner� kräftigen, individuellen Farbeigkeit; Potsdamer Ansichten von P h. F r a n ck, dann Spiro, Klossowski. Röhricht: zwei tressliche Landschaften von F ritsch, und vor allem einen sehr outen„Kanal mit Dampser" von Arnold Bode. Oelbilder. und Aquarell« von Greig- b e r g e r, die sich über zwei Räume ausdehnen, enttäuschen leider durch schwächere Haltung. Vom übrigen ragen zwei Gemälde von S ch r i m p f durch ihre stille, sanfte Anmut hervor. p. k. scb. Erwerbslosenbildung in Mrnberg. Schon seit geraumer Zeit wird der Erwerbslosenbildung in Nürnberg ganz besonderes Augenmerk geschenkt. Der Kreisverband Mittelsranken für freie Volksbildung hat sich die Aufgabe gestellt, nahezu alle Kultur- und Kunststätten zum Dienst an der Weiter- bildung der Erwerbslosen heranzuziehen. Insbesondere die städtischen Kunstsammlungen wurden nunmehr restlos den Zwecken der Erwerbslosenbildung zugeführt. Außer regelmäßiger Führung des Direktors der städtischen Kunstsamm- lungen, Professor F. T. Schulz, durch die städtische Galerie, bei denen ständig die Höchstzahl der Teilnehmer überschritten wird, wer- den nunmehr den Erwerbslosen auch die Fränkische Galerie, die Kunstausstellung in der Noris-Halle, das städtische Musikhistorische Museum Neupert und die Fayencensammlung der Stadt im Rathaus zugänglich gemacht, ebenso die jetzt der Stadt Nürnberg gehörige Folterkammer aus der Burg.. Weiterhin finden für Erwerbslose regelmäßige Führungen durch das Germanische Museum, das Bayerische Gewerbemuseum, durch die Sammlung der Naturhistorischen Gesellschaft, durch die Sommer- ousstellung des Germanischen Museums sowie durch das Straßen- bahndepot statt. Es. sind Filmvorführungen im Verkehrsmuseum, Borführungen im Planetarium sowie allgemeinbildende Lichtbilder- vortrüge eingerichtet worden. Stenographiekurse und sportliche Kurse werden abgehalten, und weiterhin finden Wanderungen zu Fuß und zu Rad, die hauptsächlich mit naturhistorisch-geologischcn Erläuterungen verknüpft sind, stärksten Anklang. dl. dl. dl. Der schwedische Schriftsteller Tor Hedberg. Mitglied der schwe- dischen Akademie, ist an den Folgen einer Gehirnblutung gestorben. Der Ausbau der russischen Presse. Aus Anlaß des„Tages der Presse", der vor kurzem in Moskau stattgefunden hat, bringen die Sowjetblätter nähere Mitteilungen über den Ausbau des Zeitungs- wejens in den letzten Iahren. Die Gesamtauflage der Sowjet- Zeitungen, die 1927 7,3 Millionen Exemplare betrug, ist 1931 auf 27,5 Millionen angewachsen, hat sich also fast vervierfacht. Im Einklang mit dem Fünfjahrplan soll jeder Landesbezirk eine eigene Zeitung erhalten, wodurch die Gesamtzahl aus 3000 erhöht würde, während bisher nur 1100 erscheinen. Sehr zugenommen hat die Zahl der Fabrik- und Werkzeitüngen, die sich 1928 auf 200 belief, jetzt 1800 betrögt. Die Sowjetpresse verfügt gegenwärtig über ein Heer.von 2,7 Millionen Korrespondenten, die sich aus Arbeitern in den Fabriken und Bauern auf dem Lande rekrutieren. Die Staats- Unterstützung ist für 1931 mit 180 Millionen Rubel angesetzt. Der zweitgrößte Meteorkrater entdeckt. Nach dem Bericht der australischen University Museum Expedition, der in Adelaide ein- getroffen ist, erhebt Australien den Anspruch, den zweitgrößten Meteorkrater de? Welt zu besitzen. Der größte ist bekanntlich vor einiger Zeit in Sibirien entdeckt und durch eine Expedition aufge- klärt worden. Die Kunde von diesen ungeheuren Erdlöchern wurde im vergangenen Jahr von einem Goldsucher aus Mittelaustralien gebracht, und daraufhin gintz Prof. Kerr Grant mit einer Expedition aus, die 13 zusammengehörige Krater über 10 Kilometer südwestlich von Henbury am Finkefluß feststellte. Die Krater Häven verschiedene Größe von 10 bis 220 Meter im Durchmesser. Der größte ist 50 Fuß tief, und 800 Trümmer von Meteoriten wurden darin verstreut auf- gefunden. Dies« MetaUstücke, die bis zu 50 Pfund wogen, waren vollständig oxydiert. Die Gelehrten glauben, daß die Krater viele tausend Jahre alt sind. Pas Uka-Programm liebt für die ProduklianSzeit 1931x32 7 dramatische Mrrchfilme, 2 ernste und 7 heilere Musttsiline, 4 Possen und Schränke und 22 Kurzfilme vor. Das Ivallner-Thealer, das in den letzten Iahren mcdr oder weniger geglückten Experimenten aller Art gedient hat, wird am 23. Juli unter der Direktion Richard Handweil als ausgesprochenes Bolkstheater wieder er- öffnet werden. Zur Eiöffnuna ist der Schwank„Familie Hanne mann' ge- wählt. Bessere Plätze losten M. 1,25 cinlchliehlich Garderobengebuhr und Proaramm und dazu gibt es noch in der Pause einen warmen oder kalten Imbitz gratis. Der Vorverkauf an der Kasse beginnt bereits Sonnabend. Ncger-Revue-Operette in Berlin.& Avli führt im Deutschen Künstler-Theater Louis Douglas mit seinem Ensemble die Revue- operette„Louisiana" aus. In der Operette wirke» u. a. die Iudile« Singers»rit, Ab igs Hauptrolle Louis Douglas. Kommunistisches Präludium Zum Frankfurter Gewerkschaftskongreß Nachfolger des von der Vildfläche verschwundenen kom- niunistisch-revolutionarcn Gewerkschaftsstrategen Merker ist Ä Ulbricht, den damit auch die Aufgabe zufiel, den Gewerkschofts- kongreß herunterzureißen, wochenlang, bevor er zusammentrat. Von den Zwischenüberschriften seines Artikels in„Betrieb und Gewerkschaft" brauchen wir nur zwei zu nennen, um dessen Tendenz zu kennzeichnen:„Der ADGB. als Instrument der Faschisierung" und„Der ADGB als Streik- bruchzentral e". In der kommunistischen Betrachtung ist„die Tätigkeit des ADGB von Hamburg bis Frankfurt ein einziger Beweis für den Bankrott ihrer wirtschaftsfriedlichen Theorie". Diese„Analyse" wiederholt sich in Verbindung mit der weiteren Erzählung:„Auf der Grundlage der tiefsten Wirtschaftskrise beschleunigte sich die Faschisierung der reformistischen Gewerkschaften... aber gleich- zeitig wuchs im Rahmen des revolutionären Aufschwunges die RGO. zur revolutionären Gewerkschaftsbewegung und schuf rote Einheitsverbände als gewerkschaftliche Massenorganisationen der Arbeiter. Der ADGB. ist schon nicht mehr der Allgemein« Deutsche Gewerkschaftsbund, denn in stürmischem Tempo wächst die RGO. zum roten Gewerkschaftsbund, zu der Klassenorganisation des Millionenheeres der deutschen Arbeiter, Arbeiterinnen, Angestellten und Jugendlichen." Dem stürmischen Tempo steht nur noch der ADGB. im Wege. Der„sozialfaschistische" Einfluß muh erst vernichtet werden. Und diese„Vernichtung" ist denn auch„eine der Hauptbedingungen zur Durchführung der Volksrevolution unter Führung der Kom- munistifchen Partei". Auch der alte Ladenhüter der Kriegs- Vorbereitungen gegen die Sowjetunion wird wieder vorgeholt— trotzdem Herr Heckert in demselben Heft prahlt, die ganze kapitalistische Welt buhle um Aufträge bei der Sowsetunion, um von einer„Anti-Sowjethetze der sozialfaschistischen Bürokratie" faseln zu können, die einen Teil der Kriegsvorbereitungen der Bour- geoisie bildet. Die„Revolutionäre", die sich nicht genug tun können in den gemeinsten Beschimpfungen und gröbsten Verleumdungen gegen die Gewerkschaften und gegen die Sozial- demokratie, sie sind äußerst empfindlich gegen jede kritisch« Be- trachtung der Verhältnisse in Sowjetrußland. Sie, die sich selber im Hetzen nicht genug tun können, suchen jeden als Hetzer gegen die Sowjetunion zu beschuldigen, der irgendeine Tatsache erwähnt, die den Herren in Moskau unangenehm sein könnte. Sie haben dabei allerdings die Entschuldigung, daß sie als Angestellte der Berliner Moskaufiliale eifrig bemüht sein müssen um die Gunst der Moskauer Betriebsleitung; was allerdings für uns noch kein Grund ist, uns ihr Tretben ohne weiteres gefallen zu lassen. „Was kümmert dem ADGB. das Elend der Arbeiter, was kümmert ihn der Haushalt der Arbeiterfamilien" schreibt dieser Ulbricht, obwohl er wissen müßte, daß die freien Gewerkschaften Unsummen zur Unter st ützung ihrer Mitglieder, selbst für die Ausgesteuerten, aufgewandt haben und noch aufwenden müssen, obwohl er genau weiß, daß die KPD. samt ihrer RGO. mit dem stürmischen Tempo, den Arbeitslosen außer ihren„revolutionären" Reden nicht das geringste geboten hat, um ihr Elend zu lindern. Je größer das Elend, desto mehr kommt es der KPD., für ihre „Aktionen" gelegen. „Das Charakteristische in der Politik des ADGB. feit Hamburg ist im Zusammenhang mit der Verschärfung der Wirtschaftskrise und dem revolutionären Aufschwung die systematische Unterstützung der Durchführung des Faschismus mit Hilfe der Brüning-Regierung und die schnellere Faschisierung des ADGB." Der Schreiber spielt gar den Propheten:„Die Gewerkschaftsbürokratie wird in Frank- furt große Gesten gegen die Nazis vorführen. Dieses Theater soll die prinzipielle Uebereinstimmung des Faschismus und Sozial- faschismus oerdecken. Der Gewerkfchaftsapporat fei zu einem Instrument der kapitalistischen Klassenherrschast geworden", der auch bereit ist, eine faschistische Regierung zu unterstützen. Uns scheint denn doch, daß die Verwandtschaft zwischen Kozis und Nazis weit enger ist und durch derart unsinnige Behauptungen einstweilen noch verschleiert werden soll. Als Zweck der Uebung wird erklärt:„Der Kongreß des ADGB. ist für die RGO. und die roten Gewerkschaften ein Anlaß, die revolutionäre Fraktionsarbeit in den reformistischen Gewerkschaften tausendfach zu verstärken und die Mitglieder der reformistischen Gewerkschaften für den Eintritt in die RGO. bzw. in die roten Einheitsverbände zu gewinnen. Die Anhänger der RGO. würden in jeder Gewerkfchafi und in jedem Betrieb jede Möglichkeit be- nutzen, den Gewerkschaftsmitgliedern den Bankrott der reformisti- fchen Theorie und ihre streikbrecherische Politik zum Bewußtsein zu bringen" Die RGO. rüste unter Führung der KPD.(!) zum Massenstreik gegen Hungerdiktatur und faschistische Unterdrückung. Ihre Papageien werden inzwischen die Sprüche gegen den Gewerkschafts- kongreß nochplappern, vom Bankrott der reformistischen Theorie, der Faschisierung, der Streikbruchpolitik und den Kriegsvorbereitungen gegen das gelobte Land. Auf diese Walze, die in den Betrieben und Stempelstellen abrollt, jeien unsere Gewerkschastsgenossen schonend vorbereitet. 3. Internationale Sommerfchule für Lehrer. Vom 7. bis 13. August wird in Hamburg die 3. Jnter- nationale Sommerschule des Internationalen Berufssekre- tariats der L e h r e r im Internationalen Gewerkschaftsbund(Amster- dam) stattfinden, mit dem Hauptthema: Arbeiterschaft und Schule. Zu dem Thema werden zwei Hauptreferate gehalten wer- den von je einem namhaften französischen und deutsche» Fachmann, Boulanger- Paris, Prof. A. S i e m s e n- Jena. Ferner sind eine Reihe instruierender Nebenreserate, eine Fülle von Besichti- gungen und Kommifsionsorbeiten vorgesehen. Die ganze Beranstal- tung dient vornehmlich dein Zweck, Vorarbeit zu leisten für ein dem IGB. auf das Verlangen seiner letzten Stockholmer Tagung vor- zuschlagendes Schul- und Bildungsprogramm. Etwa 250 Lehrende aller Stufen(die freigewerkschaftliche Lehrer- bewegung umsaßt alle Schichten von Lehrern, vom Hilfslehrer bis zum Universitätsprofessor) werden aus Deutschland, Frankreich, Bel- gien, England, Holland, Oesterreich, aus der Schweiz und der Tschechoslowakei zu der Tagung zusammenkommen, internationalen Erfahrungsaustausch zu pflegen, aktiv am schweren Werk der Völkerverständigung mitzuarbeiten. Die Vorbereitung dieser bedeutsamen Tagung leistet die deutsche Gruppe des Berufssekretariats, die Allgemeine Freie Lehrergewerk- schaft. Die beiden vorhergegangenen Sommerschulen, die sehr wichtige und anregende Arbeit geleistet haben, fanden 1029 in Brüssel(mit dem Thema: Schule und Weltfrieden), 1930 in Poris-Suresnes(mit dem Thema: Die Einheitsschule) statt. Die internatioanle Friedens- arbeit des Berusssekretariats erstreckt sich auf die Förderung des Er- fahrungsaustaufches unter den verschiedenen Sektionen, Herausgabe von internationalem Sch'ullesestoff, Mitteilungsblättern, Beobachtung und möglichste Säuberung der Schulbücher von friedensfeindlichem Inhalt, Mitarbeit im IGB., im Völkerbund. Der Zusammenhang der internationalen freigewerkschastlichen Lehrerbewegung, deren einzelne Landesgruppen ungleich stark sind(insgesamt 120 000 Lehrer umfasiend), mit den im IGB. organisierten Millionen von Arbeitern und Angestellten gibt der Bewegung ihre besondere Schlagkraft und Bedeutung. Texiittonftikt in England. London. 14. Juli. Infolge der Ankündigung einer Lohnkürzung von 11,7 Prozent droht die Lage in den Wollwebereibezirken von Brad- ford und Shipley einen ernsten Charakter anzunehmen. Bereits am Sonntag haben sich 5000 Arbeiter verschiedener Spinnereien in diesen beiden Bezirken geweigert, die Arbeit zu den verkürzten Lohnsätzen fortzusetzen. 9Sg Mandate hoben die freien Gewerkschaften bei den Betriebsrätewahlen im Bezirk Hannooer erhalten und nicht 59, wie in Nr. 319 des„Vorwärts" versehentlich angegeben war. Berailt-w-rtl. Mr die Redaltion: Kcrdeet Severe. Berlin: An, eigen: Td.»locke. Berlin. Berlag: Vorwärts ZZerlag®. m. b. K.. Berlin. Druck: Vorwärts Bucki» druckerei und Verlagsanlialt Paul Singer Sa Co.. Berlin SW 6S. Lindenftrade 3. Sier,» 1 Beilaae. TolKsbtttine Iii seiet am Bälowplal:. S'/ä Uhr Der Mann des Schicksals Die KomAdie der Irrungen «M Theater 8 Uhr Der Haoptmann von RODenldt v. Carl Zuckmayei Regie; Heinz Hilpert Die Komödie Täglich SVa Uhr Dienst am Kunden von Cuit Bois am) Max Hansen Regie: KansDeppe Kursürsiendamm- Theater Bismarck 448/49 Die schöne Helena von lacones Otlencam Bepls; ftlax Bemnarfl. Komisene oper Friedrichstr. 104 SVs Uhr Frauen da den das gern... Musikai. Schwank von Arnold Musik v. Walt. Kollo Sommerpr. 0.50- 7.00 ffietroßOi-Theaisr Täglich 8':, Uhr Die Toni aus Wien Mady Christians, Michael Bohnen Barbarossa 9250 Hol. 6 u.«1/3 U. H. u. H. Williams Lee Gail- Ensemble Orle. äWhlrl winde Bob Rlpa Calla Brandt es». PLAZa Die| REVUE Das Brasiliemüc Nur bis| j IB. Juli SJ Restaiifrit Berlins! Winter 'Gcirren* 6.15»dt Flora 3434 bndieo erlnbt IV,_ 1 Ballelt Eduardova, 10 Brox, I Reichshallen-Theater Anfang|»| Uhr Stettiner Sänger vom 9. bis IS. Juli Zum SchiuB „Alles verrückt!" Obwohl die Banken am Dienstag geschlossen hatten, haben wir auch an diesem Tage den Wünschen unserer Sparkassengläubiger in jedem einzelnen Falle bis zu einem bestimmten Betrage entsprochen. Da es uns am Mittwoch nicht möglich ist, von den Ban- keruZahlungsmittel zu beschaffen, können wir am Mittwoch bare Auszahlungen nicht vornehmen. Dagegen werden In unserem Möbellager, Berlin S59, Gräfestr. 21 und in unseren Warenhäusern Waren auf Sparguthaben abgegeben. Konsum-Genossenschaft Berlin und Umgegend e. G. m. b. H. Der Vorstand. ROGRAMM für die Zeit vom 14. bis 16. Juli K I N O-T A F E L PROGRAMM für die Zeit vom 14. bis 16. JuU ] Potsdamer Strafe 36 W. 5, 7. 9, S. 3. S, 7, 9 Uhr Kinder vor Qeridit Rheinstrage 14 W. ab 5.15, S ab 3.15 Uhr Rose-Marle, ein Abenteuer in 8 Akten Baster Kcaton, der Fllmreporler Odeon, Potsdamer Str. 75 W. 5,7,9, S. 3, 5, 7, 9 Uhr ,M.- Fritz-Lang-Film Turm strafe 12 ss.Vi'u ... und da* 1*1 die Hanplsadie mit Nor* Gregor, Harry Liedtfce Alexanderstr. 39-40 (Passage) Den ganzen Tag geöffnet, Stgs. ab 3 Uhr Der Liebesexpreb mit Dloa Gratia, Georg Alexaader, Joteph Schmidt Jugendliche haben Zuiriti ■ wa.tan 1 Primus-Palast Potsdamer Str. 19 Ecke Margaretenstr. Wochentags 5.15. 7.15. 9.15 Uhr Sonntags 3.15, 5.15, 7.15. 915 Uhi 4. Monat! Oer Schrecken der Garnison mit Felix Breasart lugendliche haben Zutritt � Brtodrlctistade M Franziskaner GeorgenstraBe(Ecke PriedrichstraSe) TonlufTsoiel: Die CelkosbaroneS mit Greil Thelmcr- Gebeinen 1» von Irapnr— Woche*, and KaUarsdtna Moabit Ai-flicKrvf kl'»» a- W. 7, 9.15 Uhr Mnusnoi Bühne Sbd. u Sonnt. Perleberger Str. 29 4 45, 7, 9 15 U. lOOproz. Tonfilm: Im Werten nichts Neues. Geschlossene Vorstellung fflr die Internationale Arbeiterhilfe und angeschlossene Organisationen W: 4 45"• 9 05 U W CU-lVinO sonnt ab 4.45 U. Alt-Moabit 99 lOOproz. Tonfilm: Der Liebesexpre� mit Oina Gratia, Georg Alexander Tonbetprogramm— Tons* ochr Jugendliche haben Zutritt ff~«harlot�riGurg_�j| Kant-Lichtspiele Kamstr. 54(an derWilmersdorfer Str.) W. 5, 7. 9 Uhr Stg. ab 3 Uhr „M." Ein Fritz-Lang-Tonfilm � wilmersdörF��*� Atrium Beba-Palost Kaiserallee, Ecke Berliner Straße Täglich 7. 9.15 Uhr, Stg*. 5. 7. 9,15 Uhr Vorverkauf ll— 2 und ab 5 Uhr Sonntags 11—2 und ab 3 Uhr Die Million, Ren« Clairs wundervolles Meisterwerk a tehflnoborg» Titania Schöncbg. Hauptstraße 49 Sonntags 3, 5, 7, 9 Uhr Tonfilm: Im Westen nichts Nene* Geschlossene Vorstellungen für den ADGB. und angeschloss. Organisa t. Kronen-Lichtspiele Rheinstr. 65 Wochentags 7, 9 ulu Sonntags 5. 7, 9 Uhr Tonfilm: In Wien beb' leb einmal ein MBdel geliebt m. Grell Tbeimer, Fütter er, Verebcs— Beiprogramm ■ Sf IM«■ Titania-Palast s�Ä�u. Steglitz. Schloßstr. 5, Ecke Qutsmuthsstr. lOOproz. Tonfilm Die M.IIion, Ren« Clairs neuestes Meisterwerk— Tonbeiprogramm— T on wachen«(baa ZohlonderF-Mttt« Zcli Wochentags 7, 9 Uhr Sonntags 5, 7, 9 Uhr Potsdamer Str. 40 Stg. 3 Uhr: Jugendv. Spnk am Mittemacht Das Lied vom Leben Mm T v Mariendorf er Wochentg. 1. la-1*1 Lidrtspiele ab 7 Uhr Chausseestr. 305 lOOproz. Tonfilm Im Westen nfdits Nene», geschlossene Vorstellung für die Internationale Ar- beiterhiife u. angeschloss. Organisat Vorverkauf täglich ab 3 Uhr m TeenpclhoT 1 T*lVOll Berliner Str. 97 Beg. 7, 9U. Stgs. 3 Uhr: Jug.- Vorst lOOproz. Tonfilm; Spionade(Der Fall des Oeneraistabs- oberst Redl) mit LH Dagover, Theodor Loo*.— Dos groge Rennen » Weukölln 1 Mercedes-Palast Hermannstraße 212, Ecke Jägerstraße Woch 9 Uhr. Stg 5, 7, 9 Uhr Farbentonfilm: KSnlgd-Vagabnaden Beiprogramm— Foxtonwodie Auf der Bühne; Z Fettino«, Klinge an* Haw*l Lichtspiele Südwest Blücherstr. 12 W.>/,7. So. ab 5 Uhr ioopror Tonfilm: Borkott(Primanerehre) mit LH Dago ve r, Theodor Laos Ein besserer Herr m Fritz Kempers, W. Folgt— Beiprogramm FUm-Paiast Kammersäle Teltower Str. I W. 6-50. 9, Stg. ab 5 U lOOproz. Tonfilm; Liebe anf Befehl m.OlgaTscbecbovra, Job. Riemann— Der Ocpexhen- r eil er mit Ken Maynord Süden Primus-Palast Am Hermannplatz, Urbanstr. 72/76 Wo. 7. 9 O, Sbd. u. Stg. 5, 7. 9 U. Heute und folgende Tage: Im Werten nichts Nene». Sondervorstellung der Internationalen Arbeiterhilfe und ihrer Korporationen Auch Mitgl. and. Verb, haben Zutritt Vorverkauf ab 2 Uhr. Th. am Moritzplatz Beg.; Wöchig, ab 6J0, 9. Stg. ab 4.30 U, DImon des Meeres mit Wilh. Dielerle Kameliendame m Norma Talmadge Luiscn-Thcatcr Reichenberger Str. 34 Anf. W. ab 6>/3 U Stg. ab 5 U Tfir Lustspiel: PatnndPafadion anf Freiersföhen.— Ferner ein Flieger- scnsationstilm. Jugendliche Zutritt Stella-Palast Köpenicker Straße 11—14 Wöchig». 7 u.9 U.. Sonntags 5, 7, 9 Uhr 100 pror. Tonsprechfilm I Sonntag des Lebens m Camlila Horn Beiprogramm— Bahnenschao Sternwarte- Treptow Dienstg, Mittwoch Donnerstag 8 Uhr; ... den sdildcl er in die weite Welt, ein Weltreisefilm � MorösTstoa � � „Elysium Prenzlauer Allee 56 Wochent. ab 7, Sonnt, ab 5 Uhr; Tonwodtensdhan Im Werten nidbts Nene«. Karten an Mitglieder und Angehörige des ADGB. und angeschlossene Verbände Flora-Lichtsp. W. 6>,. 9 U.. Stg. ab 4 U. Tonfilme Mary mit Altred Abel, Olga Tsdiechowa- Die Jagd noch der Erbsdiett Ontan Germania-Palast Frankfurter Allee 314 Wochentgs. 6-30 U-, Sonntags ab 5 Uhr Der lustige lOOproz. Tonfilm; Der falsche Ehemann mit Maria Pandlcr, Johanne* Riemann Gate* Beiprogramm Auf der Bühne: Getfna nnd Sin*, Straßenmusikanten Wetaonsoo Luna-Palast Gr. Frankfurter Str. 121 Im Westen nirtit* Nene* Qeschl. Vorstell, f. Vereine, Gewerksch. Donnerstag: Kinder vor Gerldil Schwarzer Adler X,™*; Woch. 5, 7, ca. 9. Stg. 3.5.7.9U Tonfilm: Im Werten ntdit* Nene* Für Organisationsmitglieder und Angehörige. Vorverkauf ab 3 Uhr V. T. Lichtspiele v�orta Frankfurter Allee 48 W. 5, 7. 9 Uhr. Des großen Erfolges wegen noch einmal verlängeit: Im Westen nichts Nene* W Xantruiw M Babylon* am BOlowplat* Wochentags 7. 9.15 U Vorverkauf ab 2 Uhr 100 proz. Tonfilm: Im Westen nichts Nene* Ksrten an Mitglieder und Angehörige der Internationalen Arbeiter-Hilfe und angeschlossenen Verbände W Neu-Uehtgntserg"fc Kosmos-Lichtspiele Lückstr. 70 Wochent. 7, 9 Uhr Sonntags 5, 7, 9 U. 100 proz Tonfilm: Der Tan» gebt weiter mit Lissi Arn«, WUh. Dtcterle Tonbeiprogramm Schloßpark FUm- Bühne Berliner Allee 20b-210 6,30, 9 Uhr Tonfilm: Ich geh ans und da bleibst da mit Camilla Horn Zwischen den Seilen(Boxerfilm) > Priort rlctvsFIclg> Kino Busch U�",uhn Alt-Friedrichsfelde 3 lOOproz. Tonfilm: Die vom Rammelplatz mit Anoy Ondra, S. Arno, H. Kapier Belprogra Alhambra{kÄÄe3* Wochent 7, 9 U„ Sonnt. 5, 7, 9 U. Unwiderrufi. nur noch bis Donnerst: Im Werten nichts Neue* (Geschlossene Vorstellungen). Vor- verkauf täglich.______ Pharus-Lichtspiclc Müllerstr. 142 W. 5. 7,9 U, Stg. 3.5,7, 9U. lOOproz. Tonfilm; Oos Geheimnis der roten Katze mit Siegfried Arno Der Haoptmann von Köpenick mit Hermann Plcha ■ Pmnuow k Palast-Theater Breite Straße 21 3 W. 7 u. 9, Stg. 5, 7, 9 U, Neuaufführung: Tonlustspiel; S Tage Mlttelarrest mit Felix Brcssart, Fritz Scholz, Lade Englisch, Ida Wart Beiprogramm 1 Tnah' h FUmpalast Tegel Äf Stgs. 2 U- Jgd-Vorst. W. 6. Stg. 4'/. U. Im Werten nicht* Nene* Karten an Mitglieder und Angehörige des ADGB. und angeschl. Verbinde Filmpalast stg fX&a. Berliner Straße 59 Stg. 2 U lug.-Vorlt Da* antgezelchnete Schlagerprogramm föellage Dienstag, 14. Juli 1931 SprAbimD SiuSJaul&Ula jäk* to+uxLrü Wa� der Gericht�arzt lernt Besuch im ehemaligen Leichensehauhans Eine besondere Bedeuwng kommt dem Arzt alz Sach- verständigen vor Gericht zu. Seine Feststellungen sind auf den verschiedensten Gebieten notwendig. Ntcht nur, daß er über das geistige Niveau des Angeklagten befragt wird, schon bei der Tatbestandsaufnabme sind häusig medizinische Kenntnisse erforder- lich, bei Blutbestimmungen, Feststellung einer inneren Verletzung und so weiter. So ist der Beruf des Gerichtsarztes entstanden. Wo und wie man dazu ausgebildet wird, zeigt die solgende Reportage. Tote. Das Haus kenn ich doch? Das ist doch das Leichenschauhaus... Zu. Sogar das Schild„Geöffnet, Geschloffen" ist weg. Keine Bierkutscher mehr da: keine kleinen Mädchen. Ich weiß nicht, ob Sie auch das Leichenschauhaus in der Hannoverschen Straße gekannt haben. Ein großer Bau. In ihm wurden die eines plötzlichen und unbekannten Todes gestorbenen Menschen polizeilich verwahrt: die Leichen, deren Per- sonalien unbekannt waren, wurden hier öffentlich ausgestellt. Und im gleichen Haus befand sich das 1832 gegründete Insti- tut für Staatsarzn ei künde. Im letzten Jahr hat sich hier viel geändert. Das Schauhaus ist geschlossen worden. Statt dessen arbeitet die Polizei mit den inodernen Rekognoszierungsmethoden: Dermißtenkarthotek, Kleider- proben, Fingerabdrücke usw. Aus dem Institut für Staatsarzneikunde ist das„Institut für gerichtliche und soziale Me- dizin geworden. Dort werden die jungen Mediziner— vor ollem aber die künftigen Gerichtsärzte— mit all den Forschungsergebnissen ver- traut gemacht, die das Grenzgebiet berühren, an dem Medizin und öffentliches Interesse zusammenstoßen. Jeder Student der Medizin muß heute an diesem Institut eine Prüfung ablegen. Die Aerzte in dieser Anstalt stehen in enger Zusammenarbeit mit der Polizei, den Gerichten und den Bersicherungsbehörden. Am engsten ist der Kontakt natürlich zu der ja im Institut liegenden„Leichensammelstelle" der Polizei. Schon bei der Einlieferung der Toten stellt der Arzt die wesent- lichen Merkmale der Leiche fest: mutmaßliches Alter, Derletzungen, Todesursache, Algenbesatz und so weiter. Gibt der Staatsanwalt die Leiche nicht zur Beerdigung frei, well der Verdacht besteht, daß der Tod durch ein Verbrechen oder «inen durch andere verschuldeten Unfall eingetreten sei, dann erfolgt im Institut die Obduktion. Teile, die krankhaft verändert erscheinen, werden entnommen und— als kleinste Gewebestückchen— mikroskopisch untersucht.(An der Leiche selbst ist eine kunstgerecht vorgenommene Obduktion nach- träglich kaum festzustellen.) Alle Teile, die Spuren von Verbrechen aufweisen könnten, werden besonders untersucht, so der Herzmuskel, der Kehltopf, der Magensaft. Bei einer Schußverletzung ist es meist erst durch Obduktion möglich, die Schußrichtung festzustellen. Da» kann von entscheidender Bedeutung sein, wenn die Frage geklärt werden muß, ob S e l b st- mord oder ein Verbrechen vorliegt. Bei Unfällen zeigen oft nur die inneren Verletzungen, ob der Betreffende von vorn, von der Celle oder von hinten angefahren wurde. Auch bakteriologisch wird die Leiche untersucht. Die wissenschaftlichen Hilfsmittel sind heute so wert fortgeschritten, d a ß d i e T o d e s ursa ch e si ch stets fcststell»« läßt. Verbrechen. Weit schwieriger ist oft die Rekonstruktion des Todes- Vorgangs. Aber auch das gehört zu den Aufgaben des Gerichts- orztes. Er ist ständiges beratendes Mitglied der Mordkommission. Oft kann er der Kriminalpolizei wertvolle Fingerzeige geben. Mußte das Opfer überwältigt werden, so sind an der Kleidung des Täters häufig Haare des Getöteten hängen geblieben. Diese kann der Arzt unter dem Mikroskop sehr stark individuell unter- scheiden. Bei Blutspuren muß festgestellt werden, ob es sich um Msnschenblut handelt, wenn ja, aus welcher Blutgruppe es stammt, wie alt es ist und ob die Flecke Tropfen, Spritzer oder Schleuder- spuren sind. Auch mit dem Abformvcrfahren muß der Gerichtsarzt arbellen können. Wunden, die bald vernarbt und oerheilt wären, Schußöffnungen usw. werden nach dem„Pollerschen Verfahren" mit einer Masse ausgegossen, deren Schmelzpunkt nur wenig über der menschlichen Körpertemperatur liegt. So kann man auch am lebenden Menschen einwandfreie Rega- tive abnehmen, die später oft wertvolle Anhaltspunkte zur Idcnti- fizierung des Tatinftrumentes und somit zur Uebcrführung des Täters liefern. Gestörte und Simulanten! • Aber mehr noch als mit Toten und Sachen hat der moderne Eerichtsorzt mit dem lebenden Menschen zu tun. Denn die gericht- liche Medizin ist heute untrennbar mit der Berbrechenspra- phylaxe(Vorbeugung) verknüpft. Hier wird sie zur„sozialen Medizin". Menschen, die stets in Gefahr sind, wieder ins Kriminelle obzu- sacken, vor allem aber entlassene Strafgefangene und durch mißliche soziale Verhältnisse gefährdete Jugendliche müssen psychologisch be- raten und betreut werden. Wir wissen, daß das heute noch keines- wegs in ausreichendem Maße geschieht. Aber wenigstens wird jetzt endlich am„Institut für gerichtliche und soziale Medizin" den heran- wachsenden Aerzten diese Ausgabe gezeigt. Gleichzeitig rüstet man sie mit den notwendigen Vorkenntnissen au». Auch die Feststellung der Zurechnungsfahigkelt. Eid- fähigkeit, Glaubwürdigkeit und Entmündigung s- reife ist Sache des Eerichtsarztes. Da ist mll Apparaten wenig getan und auch mit dem„Verhör" kommt.man sellen wetter. Handelt es sich doch um Menschen, die dieser Untersuchung meist keineswegs sympathisch gegenüberstehen und die oft alle Ursache haben, andere erscheinen zu sollen, als sie sind. So kommt alles darauf an, das Vertrauen des zu Begut- Achtenden zu gewinnen, sich in ihn einzufühlen und ihn kennen- zulernen. Aussprache folgt auf Aussprache, bis endlich ein Punkt gefunden ist, bei dem das menschliche Interesse des Patienten er» wacht und er„auftaut". Aber um ein wirklich vollständiges Bild zu gewinnen, müssen auch die Pantomimik, die Art, wie einer Beweise führt und sich verteidigt und die Schnelligkeit, mit der er reagiert, in den Kreis der Beobachtungen miteinbezogen werden. Denn während in früheren Zeiten noch die Denkfähigkeiten und die Weltanschauung im Mittelpunkt des Interesses des Gutachters standen, versucht man heute immer mehr Einblick auch in das Ge- fühls-, Willens- und Triebleben zu erlangen. Die moderne Kriminal- Psychologie hat erkannt, daß diese unter der Oberfläche schlummern- den Regungen, Hemmungen und Antriebe bei der Begehung jeder kriminellen Handlung ausschlaggebender sind, als der„Verstand". Auch bei der Begutachtung von Entmündigungsfällen legt man auf den Schatz angelernten und unverdauten Wissens nicht mehr viel Wert. Es kann einer sehr wenig von Geschichte wissen und trotzdem ein guter Straßenhändler sein. Ausschlaggebend darf allein sein, wie ein Mensch mit seinen Aufgaben fertig wird, wie er sich in seinem Kreis behauptet. Hin und wieder kommen auch ausgesprochen« Simulanten. Leute, die hinter dem„Jagdschein"— dem Paragraphen 51— her sind, oder sich von geistigen und körperlichen Mängeln andere Vorteile versprechen. Aber der moderne Gerichtsarzt begnügt sich nicht mit der triumphierenden Feststellung: das ist ja alles Schwindel. Denn er weiß, daß Simulation, Autosuggestion und Krank- heitsüberzeugung meist ineinander übergehen. So säuberlich lassen sich die Dinge nur in Lehrbüchern trennen. Väter und Verletzte. Nicht weniger bedeutungsvoll als im Strafprozeß ist die Rolle des Gerichtsarztes in Zivilsachen. In Schadenersa�-klagen spielt die Feststellung der Ver- letzung eine überragende Rolle. Auch hier wird manchmal versucht, dem Arzt ein Leiden vorzumimen. Da kommt ein Mann hereingehumpelt und erklärt, er habe ganz schreckliche Schmerzen im Oberschenkel: er könne kaum mehr gehen. In solch emem Fall läßt es sich nicht vermeiden, daß man ihm einmal auf die„schmerzende" Stelle drückt. Der Mann schreit prompt und laut. Aber der Arzt sieht sich die Pupillen an. Ver- größern sich diese nicht im Moment des Druckes„schreckhaft", so war alles nur Wehgeschrei. Zur einwandfreien Nachprüfung macht man dann eine Röntgenaufnahme.(Es fei gesagt, daß der- artige Simulanten heute absolut zu den Seltenheiten gehören.) Auch in Alimentationsprozessen wird der Gerichts- arzt oft zur Erblichkeitsbestimmung herangezogen. Aber das In- stitut bildet ihn nicht nur in der Blutgruppenuntersuchung aus. Son- dern hier werden alle Möglichkeiten einer vergleichenden Erb- f o r s ch u n g mit in Betracht gezogen, so die Haar- und Augen- färbe..Besonders wertvolle Anhaltspunkte liefern alle vererbten Entarwngserscheinungen: überzählige Fingerglieder, verwachsene Ohren, mongoloide(schräge) Augenstellung. Hat das Kind ein Muttermal, das die Mutter nicht hat, wohl aber der mutmaßliche Vater an genau der gleichen Stelle— denn Muttermal kann auch vom Vater kommen!— so kann man mit ziemlicher Sicherheit annehmen, daß der betreffende Herr der Papa ist. Allerdings müssen, um die Vaterschaft einwanofrei nachzuweisen, eine ganz« Reihe derartiger Merkmale zusammentreffen. Schon die Beispiele zeigen, wie unendlich groß der Aufgaben- kreis eines Arztes ist, der überall da zuständig fein will, wo medi- zinische Dinge und öffentliches Interesse sich begegnen. Sie beweisen, wie wichtig es ist, daß wir an der Berliner Uni- versität ein Institut haben, das die Medizinstudenten auch auf diesen Grenzgebieten ausbildet. Aber vor allem freuen wir uns, zu sehen, daß diese Aus- bildung unter Berücksichtigung der neuesten Er- tenntnisse der Kriminalpsychologie und mit voller Beachtung auch aller sozialen Momente vor sich geht.?eter Elmann. Flaclihans/ Hochhaus?/ Em Schlußwort Die Antworten, die auf das von mir aufgeworfene Problem des Wohnhochhauses von feiten der Herren Max Wagner und Pro- fessor G r o t j a h n im„Abend" veröffentlicht wurden, beruhen auf einer Verkennung. oer von mir gestellten Frage. Ich muß noch ein- mal trat aller Deutlichkeit betonen: Der Kampf geht nicht gegen das Wohnen im Flachhaus, dessen Vorzüge allgemein bekannt sind, sondern gegen da» mtttelhoche drei, bis fünfstöckige Etagenhaus zugunsten eines zehn- bis zwölfstöckigen Hochhauses. Was nützt der Traum vom Eigenheim im Garten, wenn nicht gleichzeitig ein praktischer Weg zu seiner Erfüllbarkeit gewiesen wird. Aus wirtschaftlichen und städtebaulichen Gründen ist es völlig undurchführbar. den Etagenbau abzuschaffen und nunmehr nur noch Einsamilien- Häuser zu bauen. Die öffentliche Hand möge alles daran setzen, den Flachbau, dort, wo er verkehrstechnisch am Platze und wirtschaftlich durchführbar ist, kräftig zu vermehren! Aber gleichzeitig gilt es, die noch viel dringlichere Ausgabe zu lösen, den praktisch unent- behrlichen Etagenbau zu verbessern und die Na- tur, deren Einwirkung Herr Professor Grotjahn mit Recht für lebenswichtig hält, auch an diese Wohnungen so viel wie möglich heranzubringen! Das ist nur mit Hilfe des Wohnhochhauses ohne wirtschaftliche Ver- fiuste zu erreichen und deshalb ist es an der Zeit, diese Wohnform endlich in die Praxis des öffentlichen Wohnungsbaues einzugliedern. Zahlreich« angesehene Hygieniker und Aerzte sind auf Grund missen. schaftlicher Feststellungen zu der Ansicht gelangt, daß auch in der gut belichteten und besonnten Etagenwohnung gesunde Kinder heran- wachsen können, um so mehr, wenn ihnen in der Nähe der Woh- nung Auslaufmöglichkeit im Grünen gegeben wird, und daß nicht die Äteinheit der Wohnungen, sondern deren ungesunde licht- und luftarme Anlage sowie mangelhafte Ernährung Hauptursache von Entwicklungskrankheiten sind. Also fort mit der unhygienischen Mietkaserne allen Stils, die keine Distanz und also auch keine reichliche Begründung des Erdbodens ermöglicht. Dos Wohnhochhaus dagegen sichert weite Ab- stände und breite Parkflächen, in denen Erwachsene und Kinder— auch ohne„schulmeisterliche Aufsicht"— reichlichen Bewegungsraum im Freien und unmittelbar an ihrer Wohnstätte finden. Ich glaube also, daß man in Zukunft dazu übergehen wird. nebeneinander das Flachhaus und das Hochhaus zu pflegen, unter Ausschaltung der drei- und vieretagigen Miethäuser. Meine starke Befürwortung des Wohnhochhause» entspringt der Erkenntnis, daß der allgemein beliebte Flachbau kaum der Verteidigung bedarf, der Wohnhochbau dagegen bisher vom Gesetzgeber und den Fachleuten stiefmütterlich behandelt worden ist, zumal auch die technischen Mög- lichkeiten früher zu seiner Durchführung noch nicht ausreichten. Die Gründe, die zu dem Wohnhochhaus treiben, sind also viel- fälliger Natur. Der Architekt, der sich dieser Frage annimmt, wird also, nicht wie Herr Professor Grotfahn irrig annimmt,„wenn überhaupt, nur ganz flüchtig daran denken, daß in dem Ge- bäude jahrhundertelang Familien wohnen, Kinder aufwachsen und Greise, Kranke, Ermüdete sich erholen sollen". Die Kennzeichnung des modernen Architekten liegt vielmehr gerade darin, daß er die Bielfeitigkeit seines Berufes wieder erkannt hat und das Ziel seiner Tätigkeit darin sieht, alle notwendigen sozialen, wissenschaftlichen, technischen und gestalterischen Fragen zu neuen baulichen Einheiten zusammenzufassen. Malier Gropius. „Flüssiges Brot"? Eine Kundgebung gegen den Alkohol Der von der Arbeitsgemeinschaft sozialistischer Alkoholgegner herausgegebene„Zeitungsdienst für die Arbeiterpresse" oerbreitet folgende Kundgebung: Die Brouindustrie Hot ee in dieser Zeit der Massenarbeitslosig» keit und Massennot für angebracht gehalten, mit Hilf« ganzseitiger Inserate für einen vermehrten Biergenuß zu werben. Unter Be- rufung auf die Wissenschaft behauptet sie. daß dos Bier einen außer- ordentlich hohen Nährwert besitze und die Bezeichnung„flüssiges Brot" verdiene. Der Alkoholgehalt des Bieres sei für den mensch- lichen Körper nicht nur harmlos, sondern nützlich. Demgegenüber erklären wir: Die Behauptungen des Brau- gewsrbes stehen im Gegensatz zur wissenschaftlichen Erkenntnis und sind geeignet, durch die Begünstigung der heute nach herrschenden Trinkanschauungen und Trinksitten dem Volk»- wohl schweren Schaden zuzufügen. Das Bier kann nicht als Bolksnahrungsmittel empfohlen werden. Der in ihm enthaltene Nährwert ist unverhältnismäßig teuer, und der in ihm enthalten« Alkohol gefährdet die Ge- sundheit und Leistungsfähigkeit des Menschen. Man bezahlt gegen- wärtig die Nährwerteinheit im Bier dreimal so teuer wie in der Milch, siebenmal so teuer wie im Brot und fünfzehnmal so teuer wie in der Kartoffel. Der Minderbemittelte, der sich mit„flüssigem Brot" zu ernähren versucht, vergeudet also sein Geld. Dabei ist noch gor nicht einmal berücksichtigt, daß bei dieser Methode dem Körper weniger Mineralstoffe und weniger Vitamine zugeführt wer- den al» bei natürlicher Kost. Die Brauer weisen darauf hin. daß in dem Bier 3,5 bis 4 Proz. Alkohol enthalten sind, während der Kornbranntwein etwa 38 Proz. Alkohol besitzt. Aber sie unterlassen es. hinzuzufügen, daß da» Bier nicht aus Schnapsgläsern getrunken wird! Mit einem Becher Bier wird dem Organismus ebensoviel Alkohol einverleibt wie mit einem Gläschen Likör. Vielen unserer Volksgenossen schadet auch mäßiger Biergemch, well sie gegenüber dem Alkohol eise He- sondere Empfindlichkeit besitzen, sich leicht an den Alkohol gewöhnen und dann gewohnheitsmäßig auch größere Biermengen genießen. In der Nachkriegszeit hat sich der Alkoholismus wieder aus- gebreitet und über zahllose Familien Krankheit und Siechtum, wirt- schaflliches und sittliches Elend gebracht. An diesem Unglück ist das Bier in erheblichem Grade mit schuld. Das deutsche Volt Hot im letzten Jahre weit über 4 Mil- liarden Mark für alkoholische Getränke ausgegeben. Der größte Teil dieser ungeheuren Summe ist für Bier aufgewendet worden. Wir begreisen, daß die Vertreter der Brauindustrie bemüht siyd, einen Rückgang des Bierverbrauchs und eine Schmälerung ihre» Profit» zu oerhüten. Aber es ist nicht zu verantworten. wenn dieses Streben mit den Lehren der Wissenschaft und den Er- fordernissen des Voltswohls gerechtfertigt wird. „Im Interesse der Gerechtigkeit, der Wahrheit und des Glücks unseres Volkes" darf nicht zum Mehrtrinken aufgefordert werden. Es muß vielmehr die Losung lauten: Nahrungsmittel und sonstige nützliche und nötige Dinge soviel wie möglich— alkoholische Getränke sowenig wie möglich! Geh. Med.-Rat Prof. Dr. Abderhalden, Direktor des Physia- logischen Instituts der Universttät Halle. Geh. Obermed.-Rat Prof. Dr. Abel, Direktor des Hygienischen Instituts der Universität Jena. Geh. Rot Prot. Dr G. A sch a f f e n b u r g, Direktor der Psychi- attischen Klinik, Köln. Prof. Dr. G a u p p. Direktor der Psychi- attischen Klinik Tübingen. Prof. Dr. A. Grotjahn, Professor der Sozialen Hygiene der Universität Berlin. Geh. Rat Prof. Dr. K i ß k a l t. Direktor de» Hygienifchen Instituts der Universität München. Geh Med.-Rat Prof. Dr. Kruse, Direktor de» Hygienischen Institut» der Universität Leipzig. Prof. Dr. Kuhn. Direktor de« Hygienischen Instituts der Hessischen Landesuniversität Gießen. Geh. Med.-Rat Prof. Or. med. et. phil. R. O. Neumann, Direktor des Hygienischen Staotsinstituts Hamburg. Prof. Dr. Ernst R ü d> n, Direktor der genealogisch-demogrophischen S Abteilung der deutschen Fnrschungsonstalt für Psychiatrie Ptünchen. Prof. Dr. R. Graßberger, Direktor des Hygienischen Instituts der Universität Wien Prof. Dr. H. Reichel, Leiter der Abteilung für Sozialhygiene des Hygienischen Instituts der Universttät Wien. Zurück zum Bund Fn�ballklub Adler 08 läht seine Wiederaufnahme vollziehen Wie wir bereits in unserer Sonnabendausgabe berichten konnten, hat der Pankow er Fußballklub„Adler 08" seine Wiederausnahme in den Arbeiter-Turn- und Sportbund vollzogen. Die Pankower werden allen Interessenten der Ar- beiter-Fußballbewegung und auch darüber hinaus allen Lesern des „Vorwärts" noch aus der Zeit von der Spaltung her bekannt sein. War es doch Adler 08 vergönnt, als erster Berliner Verein die Bundesfußballmeisterschast nach Berlin zu bringen. Kurz bevor es einigen gewissenlosen Spaltpilzen gelang, der Arbeiterfußballbewe- gung jenen schweren Schlag zu versetzen, war es Adler geglückt, den Meisterschaftstitel an sich zu reißen. Noch sind die Kämpfe in oller Erinnerung. Die größte Zuschauerzahl, etwa 20 000, die die Ar- beiierfußballer auf die Beine zu bringen vermochten, sah den Kampf Adlers gegen Frankfurt am Main. Mit 5: i blieben die Pankowcr glückliche Sieger. Als es dann zur Spaltung kam und Adler sich aus die Seite der sogenannten„Opposition" stellte, herrschte drüben großer Jubel. Bald begann es jedoch, nicht nur bei Adler 08, sondern auch in ver- schiedenen anderen Vereinen, zu kriseln. Mehr und mehr machte sich die Erkenntnis bemerkbar, daß die Vereine nur zu politi- schen Zwecken mißbraucht werden sollen. Um nun diese Erkenntnis zu dämmen, schickte die sogenannte„Kampfgemeinschaft" ihre größten Kanonen in die in Frage kommenden Vereine. Noch gelang es diesen, die Krise zu beschwören. Am letzten Freitag kam es jedoch bei Adler zur Entscheidung. Die Kampfgemeinschaft schickte ihr größtes Geschütz, den kommunistischen Landtagsabgeordneten Zobel, ins Feld. Aber schon vor dem Beginn der Mitglieder- Versammlung mußte dieser, und mit ihm seine Kumpane von der Nordbezirksleitung der Märkischen Spielvereinigung, den Saal räumen. Die darauf stattgesundene außerordentliche Mitglieder- Versammlung beschloß mit allen gegen 2 Stimmen die Wiederauf- nähme in den Bund zu beantragen. Wie diese Bombe bei den ..Einheitssportlern" eingeschlagen hat, bewies die gestrige Notiz in der„Welt am Abend". Hier heißt es, daß nur 23 Mitglieder zur Versammlung erschienen seien und sich nur IS an der Abstimmung beteiligt hätten. Von einem Sieg der bundestreuen Bewegung könne also keine Rede sein. Vorher schreibt sie aber, daß die MSV. nichts verliert. Merkwürdig ist nur, warum denn solche Anstrengungen gemacht wurden, diesen Verein unter ollen Umständen an der Stange zu halten. Adler 08 wird nun am kommenden Sonnabend sein erstes Spiel im Bund machen. Zu diesem Zweck ist es ihnen gelungen, eine der spielstärksten Mannschaften aus dem Bundesgebiet zu oerpflichten. Leipzig-Südwest, bisher ungeschlagener Meister 1930 und 1931 im Leipziger Bezirk, wird auf dem Norden-Nordwest-Platz, am Bahnhof Gesundbrunnen, gegen die Pankower antreten. Alle Anhänger der bundestreuen Arbeiterfußballbewegung seien schon heute darauf hingewiesen. Bulla Etappensieger in Marseille Die Tour de France-Fahrcr Da auf der Sonntagsetappe die vorgeschriebene Mindest- geschwindigkeit von 30 Stundenkilometer nicht erreicht worden war, verfügte die Rennleitung für die 12. Etappe am Montag von Montpellier noch Marseille wieder getrennten Start, und zwar gingen zunächst die Tourenfahrer auf die 207 Kilometer lange Reise, während die„Asse" zwanzig Minuten später folgten. Die Gruppe der Tourenfahrer schlug sofort ein sehr scharfes Tempo ein und bald war das Feld weitauseinander gerissen. An der Spitze legte der junge Wiener Max Bulla eine höllische Fahrt vor, der nur der Italiener Pancera zu folgen vermochte. Die beiden trafen bereits eine halbe Stunde vor der in der Marschtobelle berechneten Zeit auf der Radrennbahn in Marseille ein, wo Bulla einen sicheren Sieg gegen den Italiener herausfuhr. Zwei Minuten später langte Pancera allein an, weitere drei Minuten später kamen van Vierst, Bernard und der Deutsche Nitzschke, die in dieser Reihen- folge über das Zielband gingen, während sich Ussat, der zweite deutsche Tourenfahrer, als Zehnter placierte. Die Asse legten weit weniger Ehrgeiz an den Tag. Sie konnten die Stortvorgabe von 20 Minuten nicht nur nicht einholen, sondern büßten darüber hin- aus noch 13 Sekunden ein. In Stärke von 30 Mann hielten die Asse ihren Einzug in Marseille, den Endspurt gewann Pelissier gegen Rcbry, Di Paco und die drei Deutschen Stöpel, Siegel und Metze. Auch Thierbach, Geyer und Sieronski befanden sich in der gleichen Gruppe, während Buse und Altenburger nicht unter den ersten SO Placierten zu finden waren. Ergebnis der 12. Etappe, Montpellier— Marseille, 207 Kilometer: 1. Bulla 6:22:07; 2. Catolini; 3. Pancera 6:24:14, 4. Von Vierst 6:27:45; 5. Bernard; 6. Nitzschke(dichtauf): 7 Henri 6:28:44; 8. Guiramand; 9. Fayolle(dichtauf); 10. Ussat 6:34:15; 11. Bayard 6:34:39; 12. Goedhuys; 13. Viaene 6:35:28; 14. van Grootenbruele 6:38:48; 15. Buttafocchi 6:42:04; 16. Benot 1 Lg.; 17. Eh. Pelissier 6:42:20; 18. Rebry; 19. Di Paco; 20. E t ö- pel; 21. Siegel; 22. Metze; 23(im gleichen Rang) Thierbach, Geyer, Sieronski, Ghyssels, Denzuysere, Vervaecke, Scheepers, De- waele, Battefini, Gestri, Gremo, Orrecchia, Pesenti Lamb, Pipoz, Antenen, A. Magne, Foure, Leducq, Morechal, Mauclair, Le Caloez, Peglion, Cepeda; 47. Brugere 6:42:30; 48. Büchi 6:43:20; 49. Ber- ton 6:43:27; SO. Oppermonn 6:44:22. Berufsringer im Euna-Fark Qrüncisen bezwingt Pietro Scholz Nach einer ungewollten längeren Pause veranstaltete am Sonn- tagabend der Internationale Ringerverband im Luna- Park einen interessanten und gut beschickten Kampsabend im Ringen. Es ist erfreulich, daß in den Reihen der Berufsringer die Match- kämpfe immer mehr Beachtung finden, denn diese einmaligen Kon- kurrenzen werden vom Publikum den mehrwöchentlichen Beranstal- tungen vorgezogen Heute wird von jedem Ringer stets der sofortige Einsatz seines Könnens verlangt; die Gegner müssen am gleichen Abend das Beste hergeben, das belebt die Kämpfe und verhilft dem Rmgfport auch in Berlin sicher wieder zu seiner alten Beliebtheit. Hoffentlich folgen recht bald weitere Matchveronstaltungen. Die erste Begegnung Tornow und W e i n e r t war völlig offen; der Deutsche entwand sich den aggressiven Angrissen des Finnen immer wieder mit großer Gewandheit. In der zweiten Runde überraschte dann der stärkere T. seinen Gegner in der 11. Minute durch eine kraftvollen Hüftschwung. Großes Interesse beanspruchte das Treffen der beiden Techniker G. G r ü n e i f e n- Schweiz gegen Pietro Scholz. Blitzschnell wechselten hier Stand- und Boden- kämpf. Der erheblich stärker gewordene Schweizer bedrängte oft sehr arg seinen Gegner, dessen gute Technik an dem schnellen und gewandteren G. abglitt. Erst in der dritten Runde fiel die Eni- scheidung: der seit langem unbesiegte Berliner erlag in der 18. Mi- nute einem blitzschnellen Ueberstürzer des Weltmeisters Grünsisen. 3egelihigta(* beim«Sturmvogel" Auf dem Segelslugplatz des„Sturmvogel" in Mitten- walde herrschte am Sonntag reges Leben. Schon von weitem grüßten die Farben der Republik, die auch die des„Sturmvogels" find. Mehrere tausend Besucher wurden vor Beginn der Flugvor- sührungen vom Kam. Dankwarth begrüßt. Er gab einen kurzen Ueberblick über Zweck und Ziele des„Sturmvogel". Ein Vertreter der Stadt Mittenwalde beglückwünschte den Veranstalter zu seinen bisherigen Erfolgen. Gen. Stadtrat Schneider vom Bezirksamt Neukön weihte hierauf das neue Segelflugzeug der Orts- gruppe Neukölln auf den Namen„Neukölln" und gab seiner Freude und Hoffnung Ausdruck, recht bald das neue Flugzeug in eleganten Kurven über Neukölln segeln zu sehen. Mit dem Sturmlied der Fliegerjugend wurde der neue Apparat den Berg hinauf zum Start- platz gebracht— nachdem vorher bereits ein gut geglückter Flachstart stattgefunden hatte. Weitere sechs Segelflieger zeigten mit sicheren Flügen if,r Können. Ein Segelflugmodell-Wettbewerb, an dem sich die Gruppe Friedrichshagen hervorragend beteiligte, fand allseitiges Interesse, wenn dabei auch einige„Abstürze" vorkamen und„Klein- holz" schließlich das Resultat waren. Es wurden Flüge von über einer Minute Dauer erreicht. Der Flugtag, vom schönsten Wetter begünstigt, brachte den Ver- anstaltern vollen Erfolg und war vielen Zuschauern ein unvergeh- liches Erlebnis. Die'Tennis-Serie Die Ueberraschung der Tennistreffen am vergangenen Sonntag war die Niederlage von FTGB. gegen Tennis-Rot-Neu- kölln in der /c-Gruppe für Männer. Der Bundesmeister Günther mußte eine herbe Niederlage durch Hanke-Neukölln hin- nehmen, er wurde glatt und ohne sonderlichen Widerstand ausge- punktet mit 6:3, 6:3. Das gesamte Treffen entschied Neukölln mit 10:8 zu seinen Gunsten Diese Begegnung stellte den gesamten Tabellenstand um. In Führung liegen jetzt Tennis-Rot Friedrichs- Hain, Tennis-Rot Neukölln und FTGB. In der Frauen-.4.» Gruppe konnte sich die FTGB. gegen Tennis-Rot Neukölln mit 10: 8 durchsetzen. Es wurden schöne und frische Kämpfe gezeigt. In der Frauen-B-Gruppe unterlag die Spitzenmannschaft Tennis-Rot Lichtenberg der FTGB. mit 5: 13. Auch in der Männer-H-Gruppe blieb die FTGB. gegen Tennis-Rot Friedrichshain mit 15:3 Sieger. Tennis-Rot Neukölln Holle sich dafür in der E-Gruppe für Männer«inen einwandfreien Sieg mit IS: 3 von der FTGB. Seriempiele am 19. Juli .�.-Gruppen sind spielfrei. Frouen-B: Tennis-Rot Friedrichs- Hain gegen Tennis-Rot Prenzlauer Berg, 14 Uhr, Friedrichshain; Tennis-Rot Eharlottenburg gegen FTGB. II, 9 Uhr, Charlollenburg. Männer B: Tennis-Rot Köpenick gegen Tennis-Rot Wedding, 9 Uhr, Köpenick; Tennis-Rot Lichtenberg gegen FTGB., 9 Uhr, Lichtenberg. Männer C: Tennis-Rot Prenzlauer Berg gegen FTGB. 8 Uhr, Prenzlauer Berg. Männer O: Tennis-Rot Ehar- lottenburg III gegen Tennis-Rot Weißensee I, 14 Uhr, Charlotten- bürg; Tennis-Rot Weißensee II gegen Tennis-Rot Eharottenburg II, 14 Uhr, Wcißenfee. S