Morgenausgabe Mittwoch «|||- S'ÄaÄsoÄI"®:■■ MMs WfTT Ml I■■ Ii MMW»! �- Auswärts ilZ Pf. einschließlich 60 Pf. Postzeitun gs- DS»! IW W>|H|�\ WM iW«» j 72 PI.P-stbeslellg-biihren. Ausland». �gsß!|L_H| W> �W WM»<. MW--- � ri- elnspall. N-np-relllezell«»o f okonnemeni 6.— SR. pro URonat; für I I Hj �W �W �W �W �W WW WW �W NeNnm-z-il« s.— RM.„Kleine« Lind» nili ermäßigtem Drucksachen«!»Ml M �W �W WW WW MW �W— H WW 1 zeigen" da- f-ttg-dru-kt» Wort 2- s S.— M. vM| I �W■■ WML �ML �H\ W» H»W �HbudHy/ �ulSssig nvei s-tlgedrncki« Wortes. n- WM I WW W �W MWV �W WW weile» Wort 12 Pß Radeo ll. Tai %£zsr*s£zzstss■ J M � M XH srÄz Wj�M- � � tn�Jü- �IhrftriTr». �RTil�i'!* m�e �8�� anzeigen Zeile 40 Pt. Anzetaenannahi � 4iX™*WÄÄl-' Frankreich trägt eine schwere Verantwortung für Europa— zum zweiten Male im Verlauf dreier Wochen. Mit Recht weist heute morgen der„Daily Chronicle" darauf hin. Frank- reich solle einsehen, daß es mit einem einzigen Schlage dos jähr- hundertealte Ziel einsichtiger französischer Politik, nämlich wirkliche Freundschaft mit Deutschland, erreichen kann. Frankreich würde dadurch nicht allein den ungünstigen Eindruck verwischen, den seine Haltung im Kampf um den Hoover-Plan gemacht hat. Wenn es in diesem Augenblick von sich aus. ohne kleinliche politische Forderungen zu stellen, in der kredilaktion die Führung er- greift. dann würde es das H a u p t v c r d i e n st an der Rettung aus der deutschen Krise tragen, und in Deutschland würde diese Handlung?- weise nicht vergessen werden. Frankreich bringt kein Opfer und geht kein Risiko ein, wenn es mit dieser Krcditaktion gleichzeitig eine neue Basis deutsch-französischer Wirtschaftszusammenarbeit schafft, die eine tragsähigerc Grundlage der Politik darstellt als machtpolitische Instrumente und ein lückenloses Bündnissystem. Auf dieser Basis würde es Deutschland wesentlich erleichtert werden, sich auch über politische Fragen in eine Unterhaltung einzulassen. die nur durch die bedauerliche politische Hochspani.ung eine so un- erwünschte Zuspitzung erfahren haben. Der deutsche Besuch in Paris würde unter diesen Umständen die günstigsten Aussichten auf eine Verständigung eröffnen, die den Wünschen beider Länder entgegenkommt, ohne dem einen von ihnen ein inner- wie außen- politisch gleich untragbares Diktat aufzuerlegen. Der stärkere Partner kann mit größerem Recht von der Freiwilligkeit seiner Zugeständnisse reden, ohne sich der Gefahr auszusetzen, eine Polittt nutzloser Vorleistungen zu treiben. Wieder einmal blickt die Well nach Paris. Die Frage an Frankreich ist zugleich eine Frage an das europäische Schicksal! Der Leiter der verkehrsobleilung bei der sowjetrussischen Handelsvertretung in Warschau, Wolsowicz, hat der Aufforderung, noch Moskau zurückzukehren, nicht Folge geleistet und von der polnischen Regierung das Asylrecht erbeten. Nr. 325» 45. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Mittwoch, 45. Juli 433! Zuchthaus wegen 16 Mark. Sind Postaushelfcr Beamte?— Opfer veralteter Paragraphen. Im Mai bcrichtcte der„V o r w ä r t s" nun einem Studenten, der als P o st a u s h c l f e r einige Gelddriefe unterschlagen hatte, Die ganze Beute machte 16 Mark, Schulden hatten den jungen Mann Mi der großen Dummheit verführt. Er fand verständig« Richter, die ihm als P o st a u s h e l f e r nicht die Bcamteneigen- schaft zuerkannten und ihn deshalb statt zu einem Jahr Zucht- Haus, zu sechs Monaten Gefängnis verurteilten. Wir hatten die vernünftige Einstellung der Richter und des Staatsanwaltes lobend erwähnt. Das rief den Gcncrolstaotsanwalt beim Kammer- gcricht auf den Plan. Er ordnete die Einlegung der Berufung an und so kamen die Verfehlungen des Studenten vor die zweit« Instanz. Die fünf Richter der Strafkammer übten keine Nachsicht mit dem Studenten. Sie weigerten sich, einer Auslegung des Gesetzes zu folgen, die es gestattet hätte, vom Zuchthaus abzusehen. Im Gegensatz zur ersten Instanz erklärten sie, daß auch das bloß mechanische Sortieren von Briefen, mit dem der Student als Postoushelfer beschäftigt war, ihn als Beamten im Sinne des Gesetzes kennzeichne und verurteilten ihn zu einem Jahr Zucht- Haus— wegen 16 Mark. Der Verteidiger des unglückseligen Studenten, Rechtsanwalt Gladc, hat gegen dieses Urteil beim Reichsgericht Revision ein- gelegt. In der Begründung sagt er: Der � 359 StGB, spricht ausdrücklich davon,, daß es sich um Personen handeln muß, die„an- gestellt" sind— dann erst sind sie Beamte: sie werden durch eine staatliche Bestallung berufen. Ihre Einstellung ist durch eine einseitige Verfügung erfolgt. Hier aber lag ein Privatdien st vertrag vor. Es war deshalb zu prüfen, ob der Postaushelser mit öffentlich-rechtlichen Verrichtungen betraut war, die von der Staatsgewalt abzuleiten und den Staatszwecken zu dienen bestimmt sind, ob er etwa den Zustellungsdienst ausübt und somit auch Zustellungsurkunden auszufertigen hat, oder ob er mit rein mechanischer Arbeit, z. B. dem Sortieren der Briese beschäftigt wurde. Das letztere war aber bei dem Studenten der Fall. Dies die staatsrechtlichen und juristischen Gründe. Die rein menschlichen Gründe wären aber, daß der§ 359 StGB., wie viele andere Paragraphen, die mildernde Umstände nicht kennen, v e r- a l t e t sind und unbedingt geändert werden müsien. Es ist schließ- lich doch ein Unterschied, ob jemand als Beamter angestellt ist, oder bloß vorübergehend Aushilfearbeit verrichtet. Der Staatsanwalt, der vor der Strafkammer auf Zuchthaus plaidierte, hat sich übrigens bereit erklärt, selbst eine Milderung des Urteils anzuregen. Hiiler-Burschen als Erpresser. „Adolf Hitler wird uno schon herausholen!" Das große Schöffengericht in Köln verurteilte vier junge Leute zu Strafen von 2 Jahren Gefängnis bis zu 6 Iahren Zucht- haus. Die Berurteilten hatten sich verschiedentlich in.Köln die schwersten Verfehlungen zuschulden kommen lassen, indem sie ihre Opscr unter Anzeigeandrohung auf Grund des oft in dieser Richtung mißbrauchten 8 t75 erpreßten. Nach dem Urteilsspruch be- schimpften die Bestraften die Richter, nannten sie„Lumpen" und „Verbrecher" und krönten ihren Wutausbruch in dem Ruf:„Adolf Hitler wird uns schon herausholen!" Tragödie in Berlin N. ©thüffc auf die geschiedene Frau. Der Z4iährige Schlosser Max N o w s ch»ersuchte gestern seine 51 Zohre alte geschiedene Arou in ihrer Wohnung am Zionskirch- plaß 4 zu erschießen. Frau 7t. erlitt glücklicherweise nur leichte Verletzungen. Der Täter brachte sich dann einen tödlichen Schläfen- schuß bei. Seit der Scheidung wohnte Nowsch von seiner Frau getrennt; er war wieder zu seiner Mutter noch der Ackerstr. 173 gezogen. Gestern nachmittag suchte N. seine frühere Frau auf und versuchte eine Aussprache herbeizuführen. Die Frau lehnte aber iede Unterhaltung kurzweg ab. Darüber geriet Nowsch derart in Er- regung, daß er eine Pistole zog und aust seine geschiedene Frau zwei Schüsse abfeuerte, von denen einer in die Brust traf. Auf die Schüsse eilte ein Untermieter, der Kaufmann Struck, herbei. Auch auf ihn feuerte Nowsch. ohne jedoch zu treffen. Struck und Frau Nowsch, die nur ungefährliche Verletzungen erisfteiz.�hattt!,. liefen aus her Wohnung und alarmierten die Polizei,� Als�. mehrere Beamte erschienen, fanden sie Nowsch tot auf; er hotte die Waffe gegen sich selbst gerichtet. Chauffeur vom eigenen Auto totgedrückt. Auf furchtbare Weise ist gestern der 45jährige Autodraschken- besitzer Heinrich Kahle aus der S t e p h a n st r a ß e 57 ums Leben gekommen. Kahle mußte an seinem Auto in der Garage Lehrter Straße 27/30 an den Vorderrädern eine Reparatur vornehmen. Zu diesem Zweck hatte er den vorderen Teil des Wagens auf zwei Klötze montiert. Die 5)ölzer waren jedoch nicht genug gesichert, und als der Droschkenbesitzer gerade unter dem Auto arbeitete, rutschten die Klötze weg. Der Mann wurde von dem niedersausenden Wagen buchstäblich erdrückt. Der Unglückliche konnte nur nach als Leiche gebargen werden. Klugkatastrophe bei Moskau. Bombenflugzeug abgestürzt.— Acht Tote. Moskau(über lstowuo). 44. Juli. Amtlich wirb mitgeteilt: Gestern ereignete sich 414 Kilometer von Moskau entfernt ein schwere» Flug- zeugunglüek. Erneuerungsarbeiten der Gleise dienen sollte», waren bar- rikadcn mäßig aus dem Gleis aufgebaut. Ein zufällig über die Brücke kommender Mann sah den Aufbau auf den Schie- nen, lief sosort den, herannahende» D-Zug entgegen und brachte ihn durch Winken mit seiner Taschenlatern« kurz vor der Barrikade zum Holten. Die Untersuchungen der Kriminalpolizei sind bisher ergebnislos verlaufen. Von I. ILF und F. PETROW Ostap, der diesem Gespräch mit Interesse zugehört hatte, mischte sich ein:„Hör zu Papachen! In Paris herrscht auch eine Epidemie." „In Paris?" „Jawohl! Fahr nach Paris, dort wirst du verdienen. Du wirst zwar mit dem Visum einige Schwierigkeiten haben, aber mach dir nichts draus. Wenn dich Briand liebgewinnt, so wirst du nicht schlecht leben. Du bekommst am Ende noch die Stelle eines Leibsargmcifters bei der Pariser Stadtbehörde. Und hier gibt«s eigene Sargmeister genug." Bezentschuk sah wild um' sich. Keine Toten lagen auf dem Platz, trotz der Versicherung seines Freundes Prusis. Die Leute standen munter aus ihren Beinen, manche lachten sogar. Der Zug trug die Konzessionäre, das Kolumbus-Thcatcr und andere Menschen längst schon ins Weite, und Bezentschuk stand immer noch verloren vor seinen Särgen, Seine Augen brannten mit unauslöschlichem gelben Feuer in die anbrechende Dunkelheit hinein. Eine wunderbare Nachtauf der Wolga. Links vorne auf der Personenplattform des Landungs- platzes der Wolgaschiffahrtsgesellschaft, unter den Tafeln mit Aufschriften, wie:„Der Dampfer ist an die Ringe anzubinden" —„Man bittet, das Gitter zu schonen"—„Die Dampfer dürfen bei Landung und Abfahrt die Kaiwände nicht be- rühren", stand der große Kombinator mit seinem Freund und Mitarbeiter Worobjcw. Die Fahnen wehten im Wind über dem Hafen. Der Rauch, gekräuselt wie Blumenkohl, stieg aus den Rauchfängcn der Damvfer empor. Arbeiter zogen mit Eisenhaken große Baumwollballen herbei. Gußeisernes Geschirr, Häute. Drabt- bündel, Kisten mit Glas, Mühlsteine, grell gestrichene land- wirtschaftliche Maschinen, hölzerne Heugabeln, Obstkörbe in Stoff eingenäht und Hcringfässer lagen auf dem Steg. Der Dampfer„Skrjabin" war noch nicht da, was Wo- robjew sehr beunruhigte. „Was haben Sie nur?" fragte Ostap,„Nehmen Sie an, „Skrjabin" wäre schon da. Wie wollen Sie auf den Dampfer kommen? Selbst wenn wir das Geld für die Schiffskarten hätten, wäre es unmöglich, weil dieser Dampfer keine Passa- giere aufnimmt." Ostap hatte im Zug mit dem Mann von der hydraulischen Presse, Metschnikow, gesprochen und von ihm alles erfahren. Der Dampfer„Skrjabin" war vom Volkskommissariat für Finanzwesen gemietet und nahm die Route von Rischni-Row- gorod bis Stalingrad. Bei jedem Dorf, bei jeder Stadt statte der Dampjer Halt zu machen und eine Ziehung der Los- anleihe vorzunehmen. Zu diesem Zweck kam von Moskau eine Ziehungskommission mit, eine Kanzlei, ein Blasorchester, ein Kino-Operateur, Korrespondenten der führendes Zeitun- gen und das Kolumbus-Thealer. Das Theater sollte unter- ivegs Vorstellungen geben, in denen die Idee der staatlichen Anleihen popularisiert wurde. Bis Stalingrad wurde das Theater von der Ziehungskommission finanziell unterstützt, später beabsichtigte es im Kaukasus und in der Krim einige Gastspiele auf eigenes Risiko zu geben. Der ganze Apparat, der aus Moskau gekommen war, hatte seine Zelte auf der Plattform aufgeschlagen und stand in Erwartung des Dampfers da. Die zarten Geschöpfe mit ihren Koffern und Reiseplaids saßen auf Drahtbündeln. Sie behüteten ihre Schreibmaschinen und sahen ängstlich nach den Arbeitern hin. Ein Bürger mit blauschwarzem Bärtchen saß auf einem Prellstein. Auf seinen Knien lag ein ganzer Stoß emaillierter Täfelchcn. Auf dem obersten konnten Neugierige d>e Aufschrift lesen:„Rechen- abteilung". Vor einem versiegelten Panzerschrank patrouillierte ein Wachmann auf und ab. Am Kai stand Persizki, der Reporter der„Werkstatt", und verfolgte durch einen Gucker mit acht- fachcr Vergrößerung dos Treiben aus dem großen Nowgoroder Jahrmarkt. Er stampfte nervös mit den Füßen, erfuhr, daß noch fünf Stunden bis zur Ankunft des„Skrjabin" blieben und ließ sich dann mittels eines Elevators in die Stadt schaffen. Agafia Tichonowna saß im Schatten der hydraulischen Presse auf einem von Worobjews Stühlen und kokettierte mit dem Balalaikavirtuosen, einem korrekten jungen Mann mit europäischem Benehmen. Der Birtuase fühlte sich in diesem Milieu sehr behaglich. Er saß in graziöser Hzltung auf einem von Worobjews Stühlen und ignorierte vollkommen den lim- stand, daß Galtin, Maltin, Palkin, Tschalkin und Salkind, alle fünf, sich mit nur zwei Stühlen begnügen muhten. Die Konzessionäre schlichen wie Schakale um die Stühle herum. Besonders der Balalaikavirtuose reizte Ostap auf. „Was ist das für ein Zeisig?" flüsterte er Ostap zu. „Jeder Trottel kann sich aus Ihre Stühle setzen. Das sind die Früchte Ihres Scharwenzelns, Ihres banalen Benehmens!" „Warum geben Sie mir keine Ruhe?" winselte Worob- jew.„Ich weiß nicht einmal, was„Scharwenzeln" ist." „Schade. Scharwenzeln heißt, jungen Mädchen den Hof inachen und dabei schlechte Absichten haben. Ihr Leugnen ist überflüssig. Lisa hat mir alles erzählt. Ganz Moskau wälzt sich vor Lachen. Alle kennen Ihre Scharwenzelage." Und die Kompagnons drehten sich, still miteinander zankend, um die Stühle herum. Der Balalaikaoirtuose lud Agafia Tschonowna zum Mittagessen auf dem Dampfer„Pariser Kommune" ein, der neben dem Landungssteg stand. Die Orchestermitglicder seufzten auf»nd begaben sich in eine kleine Taverne„Das Floß". Die Konzessionäre wurden lebhafter. „Sollen wir es vielleicht riskieren?" sagte Ostap plötzlich und näherte sich unwillkürlich den Stühlen.„Sic nehmen zwei und ich zwei und wir laufen! Ha? Teufel noch einmvl, wäre es schon so weit!" Er sah sich um. Sic hätten die steile Roschdenswenski- Straße, auf der sich die Lastmagen drängten, hinauflausen müssen. Und es wäre nicht leicht gewesen, sich durch die Ar- beitermenge den Weg zu bahnen. Ostap wurde traurig. „Wir werden doch mitfahren müssen! Aber wie? Schlimmstcnsalls könnten wir mit der„Pariser Kommune" bis Tsarizin fahren und dort auf das Theater warten, aber Geld! Geld! Ach, Kissa, Kisia. der Teufel soll Sie holen! Sehen Sic endlich ein, wie niederträchtig Sic sich benommen haben?" Die Freunde liefen zum Kai, dem sich der Dampfer „Skrjabin" bereits näherte. Er trug auf seinen Borden Holz- schilder mit bunten Zeichnungen riesengroßer Obligationen. Der Dampfer brüllte wie ein Mammut oder sonst ein Tier, das in prähistorischer Zeit die Dampfsirene ersitzt hat. Das Theaterbiwak belebte sich Die Angestellten der Ziehungskommission liefen von den Straßen her zum Dampker. Der dicke Platon Plaschtuk war in eine Sta"bwolke gehüllt.(Fortsetzung folgt.) Ende einer Soldatenlaufbahn Hamburg, 14. Zuli. Wie aus Ael gemeldet wird, berichtete der Kapitän des finnischen Dampfers„Teres", der sich aus der Reise von Thristiansund durch den Idordostseekanal nach London befindet, beim Einlausen in die holtenauer Schleuse, dah er am 12. 3uli, nachmittags, südlich Zstad(Südspihe Schwedens) ein auf dem Wasser treiben- des weihcs Boot ohne Besahung sichtete. Er sehte ein lemanntes Boot aus, das das treibende Iahrzeug, das voll Wasser war, längsseit an den Dampfer brachte. Ls war d i e deutsche Segeljacht„Klabautermann" aus Blankenese, deren Inneres ein Ehaos von Znoenlar aller Art bildete. Die Türen des Fahrzeugs waren eingeschlagen, der wast fehlte. Leichen wurden im Boot nicht gesunden. Es wird angenommen, daß die Bemannung bei dem lehten schweren Rordweststurm den Tod gesunden hat. Die Zacht wurde im Kieler Hasen durch die Schiss-pvNzei sichergestellt. In der Jacht wurden zwei Pässe aus die Ramen I. j. w e h b e r(Kaufmann), geboren 1907 in Blankenese, und Eh. T o l k e n. geboren 1907 in Altona, gesunden. wie der Blankeneser Segelklub hierzu mitteilt, hat die Jacht „Klabautermann" am 4. Juli mit vier Mann eine O st s e e s a h r l angetreten. An Bord befanden sich außer den schon genannten Personen noch der 26 Jahre alle Sohn des Eigentümer» Karl Basedow jun. und der gleichaltrige Aritz 5 topmann aus Schlesien, der früher in Blankenese ansässig war. Es muß damit gerechnet werden, daß die Vcsahung. die schon mehrfach die Ostsre befahren hat. ertrunken ist. 60 Jahre Berliner Ringbahn. Die erste Bahn von Moabit nach Tempelhof. Die Berliner Ringbahn kann in diesen Tagen ein kleines Jubiläum feiern: Am 17. Juli 1871, also vor nunmehr 60 Jahren, wurde ihr erster Bauabschnitt von Moabit über Stralau- Rummelsburg nach T« m p e l h o f und Schönebcrg zunächst dem Güterverkehr übergeben. Die Strecke war rund 24,5 Kilometer lang und viergleisig. Die Erössnung für den Personenverkehr folgt ein halbes Jahr später nach Fertigstellung der Bahnhofsanlagen am 1. Januar 1872. Die 15,03 Kilometer lange Schlußstrecke von Tempclhof über Charlottenburg nach Moabit, die also den„Ring" scizloß, wurde anschließend ebenfalls in Angrisf genommen und konnte am 13. November 1877 gleichzeitig sowohl dem Personen-, wie dem Güterverkehr übergeben werden. Noch heute nennen viele ältere Berliner die Ringbahn den „Verbinder". Diese eigenartig anmutende Bezeichnung hat ihre historische Berechtigung. Die Ringbahn ist nämlich die Nachfolgerin der sogenannten„Berliner Verbindungsbahn", einer nur dem Güter- verkehr dienenden Eisenbahn, die meist unter Benutzung geeigneter Ctraßcnziige außerhalb oder innerhalb der Stadtmauern vom Bahn- Hof der„Niedcrschlesisch-Märkischen Elsenbahn" aus eine Verbindung mit dem'Anhalter Bahnhof, Potsdamer Bahnhof,.liamburger Bahn- Hof und Stcttiner Bahnhof vermittelte. Oer Professor sür Schlangenkunde. Ein abgebrühter Heiratsschwindler bestrast. � Heiratsschwindler reisen gewiß pus Ja manchen Trick. Daß sich aber ein alter Zuchthäusler als indischer Professor für S ch l a ng e n f o r s ch u NL und Doktor dreier Zlaknltäten ausgibt und daß ihm das sogar geglaubt wird, dürste doch neu sein. Herr Werner Nehm, 45 Jahre alt, angeblich Kaufmann, war erst im Januar nach einer längeren Freiheitsstrafe aus dem Ge- fänznis entlassen. Schon im Februar ging er seinem alten Gewerbe noch. Aus dem simplen Herrn Nehm war ein indischer Herr Nemora geworden, ein bewährter Reptilienjägcr und Fachmann sür alle Fragen, die giftige Brillenschlangen oder harmlose Ringelnattern betreffen. Der indische Professor wurde durch Vermittlung eines Heiratsbüros mit einer Krankenschwester bekannt, der er phantastische Dinge nicht nur über seine Erfolge als Schlangcnnimrod, sondern auch über seine wissenschaftlichen Arbeiten als festangestellter Pro- fcssor an eijzer indischen Universität, vor allem aber auch über sein gerade zuunermcßlichesVer mögen erzählte. Auf seiner Urlaubsreise in Europa sei ihm nun leider das Geld ausgegangen, aber wenn ihm seine„liebe Braut" 250 M. gebe, könne er nach Indien zurückfahren und alles für die Hochzeit vorbereiten. Die Krankenschwester fiel, allzu gutgläubig, auf alles herein und gab ihr bißchen Geld. Herr Nehm-Ncmora verschwand ihren Augen, fuhr aber nicht nach Indien, sondern blieb in Deutschland. Gestern sahen sich die beiden vor dem Schöffengericht Neukölln wieder. Der alte Schwindler wurde zu einem Jahre Gefängnis verurteilt. 11 Monate Gefängnis wegen Fahnenflucht und Diebstahls. Man wundert sich stets von neuem, wie selbstmörderisch Men- schen ihre Existenz und sich selbst zugrunde richten. Sie sind wie innerlich verblendet. Es ist, als rutschten sie gegen ihren Willen immer tiefer hinab: eines Tages sind sie an dem Abgrund angelangt und wissen nicht wie. Das waren so die Gedanken und Empfindungen, als man sich gestern im Schöffengericht Berlin- Mitte einem Ge- freiten gegenüber sah. Was sehlte eigentlich diesem 29jährigen zu einem sorgenfreien Leben. Er war im Jahre 1926 zur Reichswehr gegangen, kam nach einer nur vierteljährigen Ausbildung zur Musik- kapelle, zwei Jahre später wurde er Oberschützc, es dauerte noch ein Jahr, und er war Gefreiter. Er hatte sein Monatsgehalt, dazu die Einnahmen von dem privaten Musizieren, in der Ferne winkte ihm die Abfindung oder eine staatliche Anstellung, er stand vor der Hochzeit, ein Kind war unterwegs. Plötzlich aber war in ihn der Teufel gefahren— was für«in Teuscl, erfuhr inan vor Gericht nicht. Eine Strafe folgte der andern:'Nachexerzieren, drxi Tage gelinden Arrestes wegen Schuldonmachcn und unbesugier Benutzung des Zivilanzugs eines Kameraden, Verweis, viermal hintereinander strengen Arrest wegen Ungehorsams und lirlaubsüberschreitung, 16 Tage Arrest wegen Nichterscheinens zum Dienst und schließlich 14 Tage wegen Urlaub- Überschreitens. Hier setzt die Katastrophe ein. Vielleicht empfand der Gefreite, daß es für ihn kein Halten mehr gab: jedenfalls befand er sich in einer Stimmung, in der jede noch so große Dummheit möglich wird— wenn nicht irgeird jemand da ist, der den andern von ihr zurückhält. Der Hauptmann hatte bereits an die vorgesetzte Behörde«ine Eingabe gerichtet, in der er um die f r i st l o s e Entlassung des Gefreiten wegen Unwürdigkeit ersuchte. Der Gefreite hatte davon keine Kenntnis. Vielleicht sind ihm aber irgendwelche An- fpielungen zu Ohren gekommen. Mag sein, daß er sich da gesagt hat: Jetzt habe ich nichts mehr zu verlieren. Daß man immer noch etwas zu verlieren bat, solange nicht alles verloren ist, daran wird er wohl nicht gedacht haben. Am 3. Juli— er sollte seinen vier- zchniägigeu Arrest antreten— kam er in die Kantine, und sah, wie der Kontincnvcrwalter, der gleichzeitig auch das Geld der Kapelle verwaltete, 1137 M. Musikcrgeld in einen Schrank legte. Als sich der Kamerad für einen Augenblick entfernte, nahm der Ge- freite das Geld und suhr in Zivil nach Köpenick. Er ver- brachte hier einige vergnügte Tage, verspielte in Berlin einen Teil des Geldes, bummelt« mit einem kleinen Mädchen und kam plötzlich zur Besinnung. Er setzte sich mit seiner Braut in Verbindung und erhielt den Rat, sich zu stellen. Er tat es nicht, verjubelte den Rest des Geldes und erschien schließlich mit 25 M. in der Tasche in der Wache seiner Rcgimcntskaserne. In einer Woche hatte er 1700 M. verjuxt. In Zuhörcrraum weinten Braut und Schwiegermutter. Der Staatsanwalt beantragte elf Monate Gefängnis. Der Gee freite bat, ihn aus der Haft zu entlassen, damit er heiraten könne« Der Vorsitzende meinte, er könne das auch vom Gefängnis aus tun« er möge es sich aber überlegen, ob er unter diesen Umständen über- Haupt das Recht habe, das Schicksal einer Frau au das seine zu ketten. Das Gericht verurteilte den Gefreiten zu elf Monaten Ge- fängnis._ Oie Sorgen möchten wir haben... Oer„Kampf" des Herrn Ludwig Zreiherrn von Egloffstein- Oertel. Es liegt eine gewisse Tragik in dem Schicksal dieses Ludwig Frei- Herrn von Egloffstcin-Oertel. Er führt seinen Kampf um das Adels- Prädikat, der heute nichts mehr wert ist und für i h n im Leben bloß ein Hindernis sein kann, mit einer unübcrtrefsbaren Hartnäckigkeit. Man entsinnt sich dieses Ludwig Freiherrn von Egloffstein-Oertel von seinen früheren Prozessen her. Hinterher hatte er sich eine würdige Existenz gegründet; er hätte alle Ursache, von sich nicht mehr reden zu machen. Der„Freiherr von Egloffstein" hat es ihm aber angetan. So stand er gestern vor Gericht wegen intellektueller Urkundenfälschung und Führung eines falschen Namens. Er ist fest überzeugt, das Recht auf den„Frciherrn" zu haben und ließ sich auch gestern nicht von seiner Ueberzeugung abbringen. Was tut? zur Sache, daß ihm schwarz auf weiß nachgewiesen wurde, sein Vater habe wegen seiner Verheiratung mit einer Bürgerlichen auf sein Adelsprädikat verzichtet und der König von Bayern ihm die Führung des Namens Oertel gestattet.„Mein Vater," sagte der Angeklagte, „hat ober auf dem Sterbebette mir das Vermächtnis gegeben, für den Adelstitel zu kämpfen. Der Verzicht, durch die Notlage meines Vaters erzwungen, war unsittlich. Und dann: der König hat im November 1918 vor seiner Slbdankung mir die Führung des Adelsprädikats„Freiherr von Egloffstein" wieder gestattet. Die Akten darüber sind Zwar verschwunden.„Der König von Bayern," meinte der Vorsitzende darauf,„wird wohl danmls andere Sorgen gehabt Huben." Und das Gericht verurteilte Ludwig Freiherrn von Eglofs- stein-Ocrtel zu 150 M. Geldstrafe.„In ihrem Privatleben," sagte der Vorsitzende,„können Sic sich nennen, wie Sie wallen, legen Sie sich meinetwegen einen K ö n i g s t i t e l zu; den Behörden gegenüber dürfen Sie ober das Adelsprädikot nicht führen!" Die Sorgen, die der Herr Freiherr hat! Hallenbäder sparen. Einschränkung bei den Warmbadeanstalten. Der„Vorwärts" hatte bereits vor einiger Zeit gemeldet, daß die angespannte Finanzlage Berlin zwingt, auch bei den Warmbade- anstalten Sparmaßnahmen durchzuführen. Eine besondere Fach- kommission, die mit dieser Aufgabe betraut wurde, hat jetzt ver- schieden« Beschtüsse-gesaßt, die-d-r stärkcreff. B-nutzyAg.,dcr Frei- bäder während der Sominermonate Rechnung tragen, zzm die erheblichen Unkosten, die durch die Warmbadcanstglten entstehen, zu einem wesentlichen Teil verringern zu können. So werden Warmbads- anstalten bis einschließlich 30. September nur an 12 Stunden täglich offen gehalten werden. Die Festsetzung der Betriebszeitcn wird durch die Bezirksämter unter'Berücksichtigung der örtlichen Verhältnisse erfolgen. Soweit es die örtlichen Verhältnisse zulassen, sollen in den Bezirken mit Freibädern die Schwimmhallen während des Monats Juli geschlossen werden. Der Sonntagsbetrieb wird bis einschließlich 15. September eingestellt, ebenso der Vereinsbetricb(mit Ausnahme des Stadtbades Mitle). Diese Regelung trifft auch für die Feste der Schwimmvercin« zu, die ja ohnehin während der Sommer- monate ihre Hebungen und Feste meist in den offenen Bädern durch- führen. Die Benutzungsdauer für die verschiedenen Bäderartcn wird für Schwimmbäder auf 45 Minuten, für Wannenbäder auf 30 Minuten und für Brausebäder auf 20 Minuten festgesetzt. Nashorn auf dem Eichenblätterpfad. Die Berliner Zoobesucher betrachten das Doppelnashorn immer mit ganz besonders freundlichen Gefühlen. Es ist ein sehr wert- volles Tier und kam als Ausbeute einer eigenen Fangexpedition. vor drei Jahren nach hier, wog damals zwei Zentner, heute wiegt es 17K> Zentner und kann bis 40 Zentner schwer werden. Dem Geist der Zeit entsprechend, wurde auch dieses gewichtig« Tier freigestellt. �Ilf sechs Kindern obdachlos. Heute werden die Verzweifelten exmittiert. Im Hause Koppenstrahe 48 bewohnte der stellungslose Metall- arbeiter W. mit Frau und sechs kleinen Kindern— das älteste zählt elf Jahre— seit vielen Jahren eine kleine Wohnung von Stube und Küche. Das allgemeine Elend hatte auch ihn nicht verschont, er wurde stellungslos, die Unterstützung reichte bei der großen Familie nicht hin und her und da eine mehrmonatige Mietschuld entstand, setzte ihn jetzt der Hauswirt vor die Türe. Und nun be- ginnt der fürchterliche Leidensgang der Verzweifelten, die neben allem Elend und oller Not nicht einmal mehr ein Dach über dem Kopfe haben. Gewiß, das Wohnungsamt weist ihnen eine ganze Reihe von Wohnungen nach und manche davon wäre für sie das Richtige gewesen, bloß s i- waren nicht das Richtige für den Herrn Hauswirt.„Haben Sie Kinder?" hieß es jedesmal im gestrengen Ton, und wenn der Mann die Frage bejahte und dann auch noch die Zahl der Kinder nannte, da lachte man ihm bloß ins Gesicht und wie» ihm die Türe. Nach tagclangcm Rennen machte die Frau einen Lagerkeller ausfindig und war glückselig, als sie mit der Besitzerin handelseinig wurde: zum Schluß aber meinte diese:„Sie wollen aber doch nicht etwa hier ooch schlafen, det jeht auf keen Fall." Und wieder war es Essig. Nun bleibt nur mehr der letzte Weg: das Asyl. Und davor zittern die armen Menschen, weil man sie da ganz voneinander reißt, ihnen die Kinder, die krank und schwächlich sind, forknimint.„Ach, wir Großen können ja in den Anlogen schlafen," meint die Frau,„wenn ich nur wüßte, wohin mit meinen armen Kindern? Zwei von ihnen sind schwer nierenkrank und alle zusammen sind schrecklich elend. Niemand aber gibt den Leuten Unterschlupf. Die paar Habseligkeiten stehen auseinander- getürmt, wehmütig sieht die Frau ihre wenigen Möbelstücke an, die sie sich groschenweise abgehungert hat. Wenn sie erst die Fuhrleute wegfahren, dann sieht sie sie kaum mehr wieder.„Eine alte Remise, einen Stall, oder sonstwas, wo ich meine Kinder verstauen kann", jammert die Aermste... Das war für das Nashorn selbst ein höchst bedenklicher und für die Zuschauer ein sehr interessanter Augenblick. Ihm war der Weg mit Eichenblättern bestreut, die es gern frißt. Das Nashorn stellte sich in die geöffnet« Tür, fraß ein paar Eichendlättcr, sicherte und ging dann vorsichtig wieder in dos Halbdunkel des Stalles zurück. Der Wärter kraute, streichelte es und redet« ihm gut zu. Dann ging es wieder ein paar Schritte vorwärts, um gleich darauf wieder im Stall zu verschwinden. Der Wärter konnte mit den köstlichsten Leckerbissen winken,.es nützte nichts; denn ein Rhinozeros bleibt ein - Rhinozeros, �es hatte sllrchtbate Äugst' mar der Freiheit. Dabei muß her Wärter bei der Behandlung eines'sölchcu Tieres' außer- ordentlich vorsichtig sein. Erschrickt es öder faßt" es irgendeine Be- wegung falsch auf, rennt es ihn blindlings um und ein Hornstoß kann einem Menschen den Tod bringen. Ferner kamen französische K a m p s st i e r c aus dem Rhone» delta in den Zoo. Es handelt sich um ein kleines, außerordentlich wendiges und ganz auf Verteidigung gezogenes und erzogenes Rind. Diese Tiere werden in ihrer Heimat zum Nationalsport be- nutzt. Den Rindern werden nämlich Kokarden an die Hörner ge- banden und der Mann, der übrigens unbewaffnet ist, der eine solche Kokarde abreißt, gilt als Held. Von den nach Berlin gelangten Rindern hat bisher eine Kuh gekämpft. Sic zerschmetterte einem Mann einen Arm._ Heuie Plädoyers in Lüneburg. Schluß der Beweisaufnahme im Scheuenprozeß. Lüneburg, 14. Juli. Zm Scheuener Fürsorgeprozeß wurde heute die Be- weisausnahme geschlossen. ZNorgen, Mittwoch, 8,15 Uhr, beginnen die Plädoyers. Oberarzt Dr. Bräuner, Leiter der Heil- und Pslegeanstalt Lüneburg, äußerte sich als Sachverständiger über psychiatrische Fragen. Bei sämtlichen Angeklagten seien keine Fälle schwerer Geisteskrankheit festgestellt. Dr. Bräuner wird dann über seinen Eindruck von Straube befragt. Der Sachverständige schließt sich den Ausführungen des Prof. Bondy an. wonach Straube nicht als Sadist anzusehen sei. Straubes Mahnahmen seien der Ausfluß seines Uubeherrschlseins gewesen. Straubes Verteidigung hat»och einige Zeugen bestellt. Der Erzieher Plaß, jetzt Leiter des Jugend- landheims Scheuen, teilt mit, daß auch im Erziehungsheim Struves- Hof Saalplatten vorkamen, die jedoch nicht geduldet wurden. Nach einer kurzen Pause werden alle übrigen noch gestellten Bcweisanträge abgelehnt. Vaier mii vier Kindern verbrannt. Furchtbare Tragödie eines Landwirtes. Bremen, 14. Juli. In dem kleinen Dorf Ohlenstedt im kreise Osterholz ka.n in der vergangenen Rächt auf dem Grundstück des Landwirtes See- dors ein Brand aus, der sich mit überraschender Schnelligkeit über das ganze Besitztum ausdehnte und dem der Besitzer und seine vier Kinder zum Opfer sielen. Wie sich herausgestellt hat, hat der Landwirt gegen Mitternacht das Feuer selbst angelegt, nachdem er seine vier Kinder im Alter von 11- bis 8 Jahren auf der Diele des 5)auscs versammelt und auch seine Pferde dort festgemacht hotte. k I N R I C HTU NG A EINRICHTUNG» Schlafzimm«r EUh» Med. Autsfetfung 493.— Küche lasiert eder farhifl 125.--» Schlaft. Geldbirke Sehr apart. Modell 650.— Küche lasiert oder farbig 125.— KAUFEN SIE JEZT- ES IST IHR VORTEIL HOCHWERTIG IN Q U A 1 1 T X T- N I E D R I G IM PREIS- ICHTUNG C E I N R I C H T U N O Sdilafz.BIrkO.OO 780.— Sp«is.z. Kauka- «uch Nufiboum 780.— Küth.fafh.ed.ln«. 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Schuld sind auch die Banken, die in so unverantwortlicher Weis« Kredite gewährten und ohne Kon- trolle dem Ausland« gegenüber gutsagten. Wo aber so viel Schuld zusammenkommt, da liegt ein Mangel im S y st e m. Es ist ein Mangel im System und nie zn begreifen. wie die Banken so weit mit der Kredithergabc und Empsehlungen an das Ausland gehen konnten, ohne selbst bei der Höhe der Kredite den Status des Unternehmens durch unabhängige Treuhänder prüfen zu lassen. Man erzählt, daß der Respekt vor dem Patriziertum der Familie Lahusen solche Prüfungen verbot. Um bremische„Patrizier" nicht zu verstimmen. setzte man das Vertrauen der Welt aufs Spiel! Vorkehrungen und Sicherungen sind nötig, um Wiederholungen zu vermeiden und neue Erschütterungen des ausländischen Vertrauens zu verhindern. Es muß sofort gehandelt werden. Dazu gehört in erster Linie eine wesentliche Verschärfung der Beaufsichtigung und Bachprüfung des Rechnungswesens der Aktiengesellschaften. Der Entwurf für das neue Aktienrecht fordert bereits, daß der Jahresabschluß der Gesellschaften unter Einbeziehung der zugrunde liegenden Buchführung und des Geschäftsberichts ge- prüft werden muß. Aber der Entwurf glaubt, daß es zur Zeit noch an einer genügenden Anzahl fachmähig vorgebildeter Wirt- schaftsprüfer fehlt und will deshalb die Vorschriften erst allmählich in Kraft setzen. Die inzwischen eingetretenen Ereignisse haben mit kaum zu überbietender Deutlichkeit gezeigt, wie notwendig es ist, hier sofort auf der ganzen Linie einzugreifen. Der Ansang zur materiellen Pslichtprüsung ist mit dem (besetz zur Lendenmg des Gesetzes über die privaten V e r- s icherun g suntern e h mu n gen vom 6. Juni tS31 gemacht ivorden. Danach ist der Rechnungsabschluß eines Verstcherungs- Unternehmens durch besonders dazu bestellte Wirtschaftsprüfer zu prüfen. Zugleich wurde mit demselben Gesetz die Geschäftsführung der vanfpartasfen einer solchen Prüfung unterworfen. Die Rotverordnung vom 5. Juni 1931 bestimmt ferner, daß Gemeinde» und Gemeindeverbände«ine Er- leichterung der Wohlsahrtslasten durch das Reich nur unter bc- stimmten Bedingungen erwarten können, dazu gehört auch„die regelmäßige Prüfung der H a u s h a lt s r e ch n u n g c n durch eine geeignet« und unabhängige Stelle". Den Kapitalverwaltungsgesellschaften gewährt die Rotverordnung Steuererleichterungen dann,„wenn die Gesellschaft sich verpflichtet hat, sich alljährlich einer Gcschäftsprüsung durch die Deutsche Revisions- und Treuhandgesellschaft A.-G. zu Berlin zu unterziehen". Diese Vorschriften sind schleunig st auf alle Aktien- gefellschaften auszudehnen, wobei Verschärfungen er- wogen werden müssen. Aber Borschriften allein besagen nichts; entscheidend ist die Durchführung: nach welchen Gesichtspunkten, von welchen Personen erfolgt die Revision, was heißt materielle Revision, wie weit gehen die Rechte der Wirtschostsprüser? Die Bedeutung dieser Revision muß darin bestehen, daß mit ihr letztlich auch eine Snt- scheidung über die Zweckmäßigkeit der Geschäfts- gebarung fällt. Die bisher zum Ausbau dieses Prüfungswesens befchrittenen Wege können nicht jenes Vertrauen der Ocffentlichkeit finden, wie es zur erfolgreichen Arbeit nötig ist. Als Ende 1930 die Einführung der Pflichtprüfung in nahe Sicht rückte, schlössen sich die Ver- cinigungen im Revisionswesen zum„Institut für das Re- visions» und Treuhandwesen" zusammen, das in enger Verbindung mit dem Deutschen Industrie- und Handelstag und mit Unterstützung des preußischen Handelsministeriums Grundsätze für die Zulassung zur öffentlichen Bestellung eines Wirtschastsprüfers und über die Organisation von Zulassungs- und Prüfungsstellen ausarbeitete. In der richtigen Erkenntnis, daß die Funktion der Wirtschaftsprüfer nicht an die Löndergrenzen gebunden werden kann, versucht« man unter Führung Preußens eine Ver- einbarung aller Länder zustande zu bringen, um eine einheitliche Regelung für das ganze Reich zu erzielen. Die Vorarbeiten schienen so weit abgeschlossen, daß am 30. Juni 1931 die Gründungssitzung der Haupt st eile für die öffentlich bestellten Wirtschaftsprüfer stattfand. Aus Grund der Ver- einbarung der Landesregierungen werden bei einigen Industrie- und Handelskammern Zulassungs- und Prüfungsstellen errichtet, die die Auswahl und Prüfung der Bewerber vorzunehmen haben. Die Richtlinien für die Prüfung und Zulassung stellt die Hauptstelle beim Deutschen Industrie- und Handelstag, der Spitzenorganisation der Industrie- und Handelskammern, auf. Die hauptstelle beim Industrie- und handelslag wird fast völlig beherrscht von Interessenten! Reben den Delegierten der Länder sind in der U e b e r z a h l die Vertreter sämtlicher S p i tz e n o r g a n i s a ti o n e n der Unternehmer und die Vertreter des„Berufs". Diese aber werden von dem Institut für Revisions- und Treuhandwesen benannt, das eine Gründung der Treuhandgesellschaften, also von Interessenten ist, die hier in der amtlichen Zulassungsstelle zu Richtern in eigener Person werden! Die Prüfungs- und Zulassungsbestimmungen, wie sie jetzt vorgesehen sind, lassen den Einfluß der Interessenten deutlich erkennen. Ihre Handhabung kann durchaus dazu führen, einzelnen Gesellschaften ein Monopol zu geben, das um so bedenklicher erscheint, als einige von ihnen als Tochtergesellschaften von Großbanken angesprochen werden müssen. Anderenfalls sind deutlich Bestrebungen erkennbar, das Amt der Wirtschaftsprüfer nur Akademikern vorzubehalten, was kein Vorteil ist! Die Wirtschaftsprüfung hat eine sehr große Bedeutung, sowohl für die Privatwirtschaft als sür die öffentlichen haushalte. Die freien Gewerkschaften haben deshalb von vornherein dagegen pro- testiert, daß hier der Industrie- und Handelstag. eine Unternehmerorganisation, von Staats wegen mit einer amtlichen Ausgabe betraut wird. Die Gewerkschaften vertreten mit gutem Recht die Auffassung, daß nach Artikel 1 65 der R e i ch s v e r f a s s u n g weder die. In- dustrie- und Handelskammern noch ihre Spitzenorganisationcn mit neuen Aufgaben von Staats wegen betraut werden können, ahne daß die Gewerkschaften hinzugezogen werden. Die Gewerkschasten konnten dabei ihren Rechtsstandpunkt vor allem auch daraus stützen, daß sie bereits seit Jahren eine klare und gründliche Gestaltung der Finanzen und eine schärfere Kontrolle der Unternehmungen gc- fordert haben, sie haben durch ihre immer wiederholte Forderung nach einer Durchleuchtung der Wirtschast vielleicht über- Haupt den Anlaß dazu gegeben, daß der Gedanke einer Pflicht- Prüfung in der Oefsentlichkeit so weitgehend Fuß gefaßt hat. Die Gewerkschaften fordern daher eine Beteiligung an der amtlichen hauptstelle, die künftig für das Prüfungs- und Zulaffungsivesen entscheidend verantwortlich sein wird. Die aktive Jnteressenahme der Gewerkschaften ist umso mehr gc- geben, nachdem auch die G e m e i n d e f i n a n z e n wenigstens zum Teil dieser Prüfung unterworfen werden sollen. Bei der dringlichen Notwendigkeit und Größe der Aufgabe sollte das Reich die Neuregelung des Revisions- und Treuhandwesens im Zusammenhang mit der Aktienrechtsreform sofort selbst in die Hand nehmen. Aber auch für den Reichswirts ch astsrot liegt hier eine Aufgabe vor, an der er nicht vorübergehen kann: wenn irgendwo, wäre hier sein Sachverständigenurteil erforderlich gc- wesen, anstatt der Dunkelkammer des Instituts die Regelung zu überlassen, das in seiner Zusammensetzung keine Gewähr für eine objektive Würdigung aller Gesichtspunkte bietet. Eine Institution wie die Wirtschaftsprüfung der Aktiengesell- schaften und Gemeindefinanzen kann nur erfolgreich arbeiten, wenn sie vom Vertrauen der gesamten Bevölkerung ge- tragen wird. Die Art, wie das Institut vorgegangen ist, die Prüfungsbestimmungen und die Zusammensetzung der Zulassungs- stellen, und schließlich die bewußte Ausschaltung der Gewerkschasten, sind nur geeignet Mißtrauen zu erwecken. Die Ver- j säumnisse bei der Nordwolle mit. ihren katastrophalen Auswirkungen auf die gesamte Kreditwirtschaft zwingen aber zum schnellen und entscheidenden Handeln: Reform des Aktienrechtes, die nur Erfolg verspricht, wenn durch die„Wirtschaftsprüfung" zugleich die Kontrolle der Verantwortlichen sichergestellt wird. Llsa aus dem Vormarsch. Strebt sie nach dem Tonfilm-Monopol? Eine Tagung, zu der die maßgebenden Mitarbeiter der U f a im In- und Auslände zusammenkamen, wurde von General- d i r e k to r K l i tz s ch Mit einer Rede eingeleitet, die in vielfacher Hinsicht von Interesse Ist. Zunächst wurde mitgeteilt, daß die Ufa, die im Jahre 1927 saniert werden mußte(55 Mill. Mark Abschreibungen!), in diesem Jahr: zum ersten Male wieder Dividende zahlen wird, da sich die flüssigen Mittel von 4 auf 9 Mill. Mark erhöht hätten. Die mit einem Kostenaufwand von 6 Mill. Mark erfolgte Umstellung auf Tonfilmproduktion scheint sich also gelohnt zu haben. Der Umsatz im Verleihgeschäft ist im abgelaufenen Gc- schäftsjahr um nicht weniger als 60 Proz. auf fast 20 Mill. Mark gestiegen. Er soll damit ein Drittel des ganzen deutschen Nerleihumsatzes erreicht haben. Die Kopieranstalt hat ihre Leistung um 50 Proz., von 20 auf 30 Mill. Meter gesteigert. Im Export sind die früheren Höchstexportumsätze übertrosfen worden. Die Expanswn des Theatergeschäfts wurde fortgesetzt. Im abgelaufenen Jahre sind 11 Theater mit 13 900 Sitzplätzen über- nommen und 10 Theater mit 8500 Sitzplätzen verkauft worden. Die Durchschnittssitzzahl der Theater ist von 800 auf 1000 gestiegen. Im Jahre 1931/32 werden weitere 16Theater. darunter mehrere Neubauten, der Ufa angegliedert werden. Im Ausland sind im ab- gelaufenen Jahre von der Ufa zwei Kinos in B u d a p e st und ein Uraufführungstheater in New Bork eröffnet worden. Den Bedarf Deutschlands an Filmen schätzte Klitzsch auf 160 bis 180 Film« je Saison. Davon könnte die Ufa selbst nur 25 bis 3 0 herstellen, da sonst die Qualität leiden würde(!). Des- halb stelle die Ufa„die Einrichtungen und geschulten Personale ihrer Ateliers jeder ernsthaften deutschen Produktionsfirma zur Ver- fügung". Die Kredithilfe für die ernsthaften(!) Firmen der Filmindustrie, die jetzt bereits in die Millionen gehen, soll erweitert werden. Monopol- artige Bestrebungen würden nicht verfolgt, da sie nicht zu ver- wirtlichen seien und„infolgedessen" von der Ufa nie er- wogen worden seien.„Der Film verträgt eben keine Politik." Mit dem letzten Satz wird Herrn Klitzschs Arbeitgeber, Herr Hugenberg, wohl kaum einverstanden sein; und viele Kino- besucher werden sich vergeblich fragen, warum die Ufa so häufig gegen tkie�e programmatische Erkenntnis handelt. Und'das Ab- leugnen der Monopolbestrebungen klingt wenig glaubwürdig. wenn man sich dabei lediglich auf die Unmöglichkeit ihrer Ver- wirtlichung beruft, was bedeutet denn die Ausdehnung der Kredit- Hilfe an die Produktionsfirmen anderes, als daß man sie sich gefügig machen will! wie soll ein ernsthaftes" Unternehmen seine ernst- haften Filmpläne ohne Rücksicht auf die Ufa verwirklichen, wenn die Ufa die Ateliers dafür bereitstellen muß. wenn die Ufa das Pro- duktionskapllal vorschießt, wenn die Ufa als Hauptabnehmer allein durch die Filmvorführung dos investierte Kapital herouswirlschaften kann! Günstiger Bericht der LG.-Karben. Lebhaste Nachfrage nach Kunstseide. Die chemische Industrie hat sich bisher als sehr wider st ands- fähig gegen die Krise erwiesen. Auch der Bericht der JG.-Farben- industrie A.-G. für das zweite Vierteljahr 1931 ist in einem in heutigen Zeiten seltenen optimistischen Ton abgefaßt. Der Absatz in Färb st offen und Färbereihilss- st o f f e n war gut behauptet. Der Absatz nach Uebersee konnte sogar erhöht werden, so daß Ausfälle auf anderen Märkten ausgeglichen wurden. Auch der Chemikalien-Absatz hat sich nicht verschlechtert. Das Geschäft in Düngemitteln und Stickstoff zeigte im Berichts- Vierteljahr«ine Belebung: der Umsatz im ganzen Jahr wird aber geringer als im Vorjahr bleiben. Im Absatz von photo- graphischen Artikeln war die saisonmäßige Belebung zu ver- zeichnen. Als günstig wird das Geschäft in Arzneimitteln bezeichnet. Der Absatzrückgang auf den Ueberseemärkten infolge Valutaschwierigkeiten(Südamerika, Ostasien) konnte auf anderen Märkten„voll" ausgeglichen werden. Lebhaft« Nachstage zeigte sich in Kunstseide. Leider wird VsrtDSSZSklS Qualität dafür keine Begründung gegeben. Doch wird auf die Bildung des ' Internationalen Kunftfeiden-Kartells hingewiesen i also dürfte es sich bei der gesteigerten Nachfrage umVoreindeckungendes Einzel- Handels handeln. Die zum JG.-Farben-Konzern gehörigen Spreng st off-Unt ernehmen find im Berichtsvierteljahr in der Dynamit A.-G. vorm. Alfred Nobel u. Co., Hamburg-Köln, zu- fammengefaßt worden. Die finanzielle Lage des IG.- Farben-Konzerns ist nach wie vor glänzend. Bankschulden sind nicht vorhanden. Nachspiel zum Lndustriebau- Skandal. Waren die Bilanzen gefälscht? Die Verwaltung der A.-G. für Verkehrswesen machte auf der Generalversammlung die Mitteilung, daß sie ihren Pro- zeß gegen die Schlesische Portland Zementindu- stri« A.-G. und deren Direktor von Bentivegin lSchultheiß-Ostwerke-Konzern) in erster Instanz gewonnen habe. Diese sind vom Landgericht I zur Herausgabe von 2,97 Mil- lionen Mark Verkehrswesen-Aktien und zur Zahlung von 0,3 Mil- lionen Mark in bar verurteilt worden. Damit ist di« erste Entscheidung in der Frage nach den mehr als merkwürdigen Umständen bei dem Zusammenbruch der I n d u st r i e b a u H etd u. F r a n ck e A.-G. gefällt worden. Die Begründung durch das Gericht bleibt abzuwarten. Bekanntlich wur- den bei dem Zusammenbruch von Industriebau von dem damaligen Mehrheitsaktionär A.-G. für Verkehrswesen(Dr. Lübbert) gegen den Vorbesitzer der Aktienmehrheit Schlesische Portlano- Zement(von Bentivegin, Ludwig Katzenellenbogen) die schwersten Vorwürfe erhoben. Die Bilanzen von Industriebau der letzten Jahre waren falsch: Dividenden wurden ausgezahlt, als tatsäch. tich schon hohe Verluste entstanden waren. Der Vorwurf von Dr. Lübbert ging dahin, daß die Vertreter des Oftwsrke-Konzerns im Aufsichtsrat gewußt hätten, daß die Bilanzen falsch waren — dannt wurde die Klage auf Aufhebung des Kaufvertrags über die Induftriebou-Aktien begründet. wenn das Gericht dieser Begründung gefolgt Ist— und nach dem Urteil kann man nichts anderes annehmen—. dann mästen die Aufsich'sratsmitglieder S-ihenellenbogcn und von venkinegin von der Unrichtigkeit der Bilanz gewußt haben. Damit würde der Skandal um den Zusammenbruch der Industriebau A.-G. Immer ärger. Dana hätte wohl der Slaolsanwalt in der Angelegenheit noch ein wichtiges wort mitzureden! Mehr ausländische Maschinenausträge. Nach den Mitteilungen des Verein» Deutscher Ma» schinenbauan st alten war im Juni eine Belebung der An- fragetätigkeit sowohl aus dem In- als auch aus dem Ausland festzustellen. Der Auftragseingang aus dem Inland blieb unbefrie- digend. Dagegen zeigten die Auslandsbestellungen gegen- über dem Vormonat auf einige große Abschlüsse hin eine, wenn auch nur geringe Belebung. Die durchschniUliche Wochenarbeits- zeit lag etwas unter 42 Stunden. Der Beschäftigungsgrad betrug 43 Proz. der Sollbeschäftigung. Für das erste Halbjahr 1931 wird mitgeteilt, daß die Inlands aufträge um 39 Proz. unter dem Stand des ersten Halb- jahres 1930 und um 16 Proz. unter dem Stand des zweiten Halb- jahres 1930 lagen. Die Auslands aufträge blieben um 26 bzw. 12 Proz. hinter den beiden Halbjahren 1930 zurück. Der Befchäfti» gungsgrad ist nach einer vorübergehenden Frühjahrsbelebung wieder zurückgegangen und betrug im Durchschnitt des ersten Halbjahre» 1931 nur noch 43, S Proz. der Sollbeschäftigung gegen SS Proz. im Durchschnitt 1930. Die durchschnittliche Wochenarbeitszeit betrug im verflostenen Halbjahr rund 42 Stunden gegemlber annähernd 4S Stunden im Durchschnitt 1930. Sarstadt wird vorsichtig. Grünplatz statt Warenhaus. Nach den starken Verlusten aus der allzu raschen Expansion mutz der Kar- 'tadt-Konzern seine Ziele erheblich zurückstecken. Jetzt ist der lon, in Hamburg gegenüber dem Verwaltungsgebäude im. nieder- gerissenen Varackenoicrtel ein neues Warenhaus zu errickäen, auf- gegeben worden. Da Karstadr von dem Kaufvertrag über oas frag- liche Grundstück zurückgetreten ist, muß der Konzern an den Ham- burgischen Staat eine(inzwischen ermäßigte) Entschädigungssumme zahlen. Das Baugelände soll in einen Grünplatz verwandelt werden. lischen Eisenbahnen. Die Bruttoeinnahmen betrugen 184 836 382 Pfund Sterling gegenüber 19S 409 S23 Pfund Sterling im Jahre 1929, und der Gütertransport ist von 329 S78 743 Tonnen im Jahre 1929 auf 304 361 107 Tonnen zurückgegangen. Die Kohlentransporte betrugen 193 288 726 Tonnen, was um 13 841 383(über IS Proz.) weniger ist als im Jahre vorher. Ein französisches Kohlenkartell. Di« französischen Kohlenzechen iben eine mengenmäßig« und gebietliche Abfatzregelung für ein hr beschlosien. Grundlage ist die Produktion der letzten beiden Jahre. Die französische Regierung hat eine �sofortig« Einschrän- eneinful N kling der Kohli ihr um 20 Proz. angekündigt. Zlttaiet, LidtUpiele usw. Staatstheater Geschlossen. Abonnements-Einladung (Cr die Spielzeit 1931/32 QreSar Pralsabbau, wesentliche Verbesserung einzelner Platzgruppen durch Vorverlegung, sehr bequeme Zahlungsbedingungen. Aameldiingeo nehmen in der Zeit von 10 bis 2 Uhr entgegen: für die StaaKoper und das siaaliuae Mwawielliaiu: Abonnem-Büro Oberwallstr.22, Fernsprecher; Merkur 9024, für das MaalLMUiierttieaier; Abonnem.-Büro: Charlottenbg., GrolmanstraBe 70, Fernsprecher; Steinplatz 6715. Komiscne oper Frledrichstr. 104 SVt Uhr Frauen haben das gern... Musikal. Schwank von Arnold Musik r. Walt. Kollo Sommerpr. 0.30• 7 3)0 scaV�IIpI'Aza Barbarossa»2M Hol- B u.»VjU. H. u. H. Williams Lee Oall- Ensembla trif. 3Whlrlwlndi Bob Rlpa Ostia Brandt nn, Letzter Tag!| Die große R■ VU I Das Brasilianische� Kaleidoskop Monn snn Pnennm Tägl. 5 u. 8"T St?.2.5u.«>° Reichshallen-Theater Anfang| M| Uhr Stetftiner Sänger vom 9. bis 15. Joll Zum Schluß „Alles veriückt!" Winfer ♦ Qcirierv 18.15»dt Flora 3434 Raudun erlaubt 1 Ballett Eduardowa, 10 Brox, I dflidtys, Mary- Erik- Panl Erholungmchcnbe finben jreunb. 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Best.E 7 Weichs. 3422 WM Miel 8 Uhr Der Haoptmann von ROpenldi v. Carl Zuckmayet legh; Seim Mimt Die KomSdle Täglich rh Uhr Dienst am Kunden m tmt Bois iDd MtiHuuD Regie: Hans Deppe Kurfürsfendamni- Töeater Bismarck 448/49 | 8'/« Uhr") Die schöne Hnlnna roalacqiiBionenhaöi RBpi«: Uai Beiniami Am 13. Juli, nachmittagB 1/t6 Uhr, verstarb plötzlich und nnerxrartet in Bad Kissingen, wo er sich zur Kur aufhielt, unser lieber, langjähriger r«ktor Heinrich Königs im 72. Lebensjahre. Mit ihm verlieren wir einen eifrigen, treuen Mitarbeiter der Kma. Ueber 35 Jahre war er unermüdlich für unseren Betrieb tätig. Sein Andenken wird uns stets unvergeßlich bleiben. Die üeberführung nach Berlin hat bereits stattgefunden. Der Tag der Beisetzung wird noch bekanntgegeben. Dieses zeigen tiefbetrübt an C Janisze wski, Buchdruckerei und Verlag Die Gcschäftsleihmg Bindfaden Kordel, Pack* tri cke. Pack- n. Seideapapiere, Pappen Billige Elnkaaiaiiaclle KarlDaub 814, Wallet rage 75/ Telephon t F 7, Jannovüz 4814 Bekanntmachung. auf Grund de, ß 288 der Zteichsver. Iicherungsordnung wird die 0ekatrant»n- knst« der Maurer in Spandau mit der Ocfstcanfcntaffc für da»»aurer- getoeeba jo Setiin vereinigt Die Aenderung tritt mit Ablauf de» Monat» Juli 1S31 in Kraft. Jorftedend« Enlfche.dung hat da» Ober- oerflcherungsamt Berlin unterm 29. Juni 1931 getroffen.(S 291 91950). Eine weitere Bekanntmachung wegen der notwendigen Ueberlettungsgejchüst« und di«»u welchem Termin der bisherige Gefchaftsraum der Ortskrankenkaffe der Maurer»u Spandau noch al» vorüber- gehend« Zweigstelle»u gelten hat, wird alsbald nach Beichlufffaflung beider Au»- ichllffe der«äffen erfolgen. Orfskrankenkaste für da» Maurergewerbe zu Verlin. Beraiauu Atflgct ntchard»renad Vorsitzender. Schriftführer. Am 12 Juli verschied nach längerer Krankheit unsere liebe Tochter Margarete Stopsack In tiefer Trauer Lndvlg Stopeack n. Fran Die Einäscherung erfolgt am 18. Zuli. nachmittdg» 3>.- Uhr, im Krematorium Baurnfchulenweg. Danknagung Für die überau» zahlreichen Beweise herzlicher Teilnahm« beim Hinscheiden meine» unvergt guten Bater» tzllchen Manne» und Karl Pohl sagen wir auf dtelem Weg« allen Be- teiligten unseren herzlichsten Dank. Im Namen der trauernden Hinter- bliebenen Ww. Paaline Pohl. Am Sonnabend, dem 11. Juli, eni- schlief noch langem, schwerem, mit Geduld ertragenem Leiden mein lieber Mann, guter Bater. Schwiegervater, Opa. Bruder, Onkel und Schwager .4uxust Villain im 60. Lebensjahre. Im Namen der trauernden Hinter- bitebenen Marie Villain, geb. Damerow und Kinder. Die Einäscherung findet am Mittwoch. dem 15. d. Mi», abend» 8V, Uhr. im Krematorium, Gerichtstr. 87—33, statt DeMs Metallarbeiter-ITeriHiiil VerwaUnngoaleHe Berlin Todaaanzaigen. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Rohrleger Aognst Villain am 11. Juli gestorben ist. Die Einäscherung findet am Mitt- woch, dem 15. Juli. 20>a Uhr, im Krematorium Gerichtstraße statt. Am 12. Juli starb unsere Kollegin Margarete Stopsack Die Einäscherung findet am Don- ncr,tag. dem I«. Juli. 17> St»ll»ng»»uch»i Obanehrift»- wort 15 Pf-, T»*twort 10 Pf./ Anz»ig»n, wolch» für dl» näehit» Numm»r b»w'mmk»lad, muman bi» 4>/, Uhr nachm. im Varian, Und»n,tr. 3, od»ravch in �mtllchan Vorwörts-Filiolanund-Au»gab»tt»ll»n abg»g»b«nwin I uerHauie| Teppichbau, Sali Lefevre. Berlin, feit 49 Iah> ren nur Vranien- straffe 158. Sah. lungserleichterung ohne Aufschlag. Epe- »iaikaialoa kosten. frei._' Tapete» öaillat. Kolonie. straff- 9. j Iwi« j Bate»tri>atraken .Brirnisstma-. Me. tallbettrn. Auflege, Matratzen, Thaise. longue». Baller. Etargarberstraff« achttehn.KeinLaden kaufen Sie polierte Schlafzimmer, Birke, Mahagoni, Ahorn, Birnbaum, Nuffbaum, schon von 650,— Mark an? Nur im geäfften Möbelhaus de« Süd. Osten». Moritz Hir- schowitz, Skalitzer. straff« 25, Hvrhbahn Koitbuffer Tor; An. dreasstraff« AN, g«. genüber Leiser. 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Angebote mit Zeugnisabschriften oder genauen Angaben über bisherige Tätigkeit unter„A. 76" an die BVorwärts"-Bzpeditioh Markus stmße 36 erbeten. Das Fest der SOOO. Die Jugendbewegung in den Kleingärtnerverbänden. Wie sich das gesunde Prinzip einer Sache trotz aller Wider- stände durchsetzt, zeigt der Aufstieg der Kleingartenbewegung. Diese fleißigen Laubenkolonisten, oder, wie sie sich auch gern nennen hören, „Pflanzer", lassen sich gern zum Vorspann für Ideen der Entwick- lung gebrauchen. Wer die I u n g f e r n h e i d e so vor 20 Jahren kannte, wird sich mit Schrecken der verrufenen Einöde erinnern. jheute ist sie ein blühender, gepflegter Park mit Promenaden, Seen und Badeverkehr, der Erholungspunkt für den Westen und Norden Berlins. Die Laubenkolonisten bezeichnen sich mit Recht als Pioniere dieser Wandlung, denn ihre alten wunderschönen Törten, die sich in breiten Grünstreifen vor den Wald lagern, haben wie an anderen Orten auch hier die Entwicklung erst reif gemacht. KS B e r e i n e mit etwa 4 6 0 0 Familien, die im Bezirksverband der Klein- gartner Charlottenburg-Tiergarten organisiert sind, finden hier eine Freistätte, ihres Glückes-, eines Glückes, das in unseren Notzeiten besondere Bedeutung besitzt. Am Sonntag hatte der Bezirksverband im Volkspark Iungfernheide eingeladen, um eine neue Seite der Kleingartcnaufgaben der Oeffentlichkeit zu zeigen, nämlich die Jugendpflege. Auch diese Jugendpflege innerhalb der Vereine ist ein Akt der Selbsthilfe. Hunderte von Kindern, die sonnengebräunt und gesund in den Kleingärten heranwachsen, waren in dem Natur- thcater auf grünem Rasen vereint, um bei gymnastischen Uebungen, Spielen und alten Volkstänzen zu zeigen, wie stark ihre eigene Anteil- nähme an diesen Dingen ist. Etwa 6000 Menschen sahen dieser Ver- anstaltung mit hellster Begeisterung zu. Und man kann, ohne zu übertreiben, sagen: Keine Schule und kein Zwang kann Leistungen an Gewandtheit, Grazie und vollendetem Spiel ausweisen, wie diese auf freiwillige Arbeit aufgebaute Darbietung der 5lleingärtner. B e- sondere- Lob verdienen. die freiwilligen Jugend- h e l f e r, die Mütter und Väter aus den Laubenkolonien, die in den langen Sommermonaten fremde Kinder wie ihre eigenen Kinder betreuen. Mit Stolz zeigte sich der neue Tambour-Chor mit Pfeifen und Trommeln: auch einen Schalmeienchor besitzt der Bezirks- oerband. Unsere Genosien von den Arbeiter-Samaritern haben sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen: Eine neue Abteilung, die sich nur aus Kleingärtnern zusammensetzt, ist das Ergebnis. Als abends die langen Züge der Vereine mit ihren Bannern und froh- licher Musik zwischen dem Grün der Gärten zum Festplatz des Kleingartenvcreins„Gemütlichkeit" heimwärts zogen, um sich bei Kaffee und Kuchen für weitere Taten zu stärken, mag mancher Spaziergänger ihnen verwundert nachgeschaut haben. Wer die Klein- gärtnerbewcgung jedoch kennt, der weiß, daß um dieses kleine Stück friedlichen Gartens schwer gekämpft und um seine Erhaltung viele Opfer gebracht werden müssen. Vor achtZahren. Gegen Körperverletzung mit Todeserfolg vor Gericht. Wen» ein Mensch sich wegen einer Tat zu verantworten hat, die er vor acht Jahren beging: wenn in der Zwischenzeit geheiratet, gearbeitet, sich nichts zuschulden kommen ließ: so kann er sich erklärlicherweise- mit der Tatsache, daß er nun auf der An- klagebavk sitzt, nur schwer aussöhnen. Es ist weiter nicht verwunderlich, daß der 66jährige Wächter Sch., der vor dem Landgericht 411 wegen Körperverletzung mit Todeserfolg steht, nur unter großen Hemmungen die Er- cignisse darstellt, die ihn aus die Anklagebank gebracht haben. Aller- dings ist dieser Wächter, geschwächt durch Alkohol unv dürch schwere Arbeit, ein Mensch, der von Natur aus gewalttätig zu sein scheint und mehr als einmal wegen Körperverletzung Strafen über sich hat ergehen lassen müssen. Das Objekt des Streites war in diesem Falle l600 bis 2000 Mark wert— zu einer Zeit, da eine Straßenbahn- fahrkarte 120 Mark kostete. Man lebte damals im Jahre 1923. Der Sachverhalt ist schnell erzählt: Sch.'s Freundin brauchte Geld. Sie tat, was alle zu jener Zeit machten, sie beschloß, ihre letzten Schmucksache» zu verkaufen: ein« Brosche und einen Anhänger. Ein flüchtiger Bekannter des Sch., Mar T e s ch e n, erklärte sich bereit, die Sachen bei einem Goldarbeiter loszuschlagen. Er erhielt sie, man ging zusammen in eine Wirtschaft. 5iier verschwand Tesche» plötzlich. Sch. ahnte nichts Gutes, suchte ihn überall und ging schließ- lich zur Polizei. Teschcn blieb unauffindbar. Am späten Abend traf Sch. ihn ganz unerwartet in der Nassauischen Straße. Er rief ihm zu:„Hände hoch, es hat keinen Zweck, hier noch zu fliehen Sie werden verhastet." Gleich darauf zog er seine Pistole und schoß den Fliehenden nieder. Tesche» erhielt einen Bauchschuß und starb. Sch. wurde in Untersuchungshaft genommen. Nach seiner Eni- lasiung verschwand er. Er wurde steckbrieflich verfolgt, war aber dirgends zu finden. Er heiratete, lebte unter seinem richtigen Namen: trotzdem konnte ihn der Steckbrief nicht erreichen. So vergingen acht Jahre. Heute steht der 66jährige vor Gericht und muß sich m>.t Mühe an das Jahr 1923 zurückerinnern. Auch die vielen Zeugen werden ihr Gedächtnis anstrengen müssen. Letzte Vorstellung des Kcmarque-Ailms! Die Deutsche Liga fü'r Menschenrechte läßt am Mittwoch, dem 16., und Donners- tag, dem 16. Juli um 7 und 9 Uhr die letzten Vorstellungen des Films„Im Westen nichts Neues" im Mozarrsaal stattsinden. Karten- verkauf nur im Mozartsaal. Rektor Genosse Hugo Eichhoss von der 44. Gemeindeschule ist soeben im Alter von 65 Jahren einem laugen, schmerzvollen Leiden erlegen. Der Verstorbene ist bekannt geworden durch seine ernsthaften und beachtenswerten Bestrebungen, die schweren Fragen des Rechts bereits in der Schule an die Jugendlichen heranzubringen. Sein Buch„Erziehende Rechtskunde" legt von seinen Bemühungen Zeugnis ab. . Vsbrenck 4er Ferien- und Reisezeit kann der„Vorwärts4* und der„Abend44 auf jede Dauer allerorts bezogen werden Touristen und Wanderer fordern das Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutsch lands bei den Bahnhofsbuchhandlungen, Zeitungs- Kiosken, Buchhandlungen und sonstigen Verkaufsstellen. Sommerfrischler lassen sich den„Vorwärts** bei einer Aufenthaltszcit bis zu einer Woche per Kreuzband nachsenden. Das Porto beträgt wochentags 10 Pf., Sonntags 15 Pf.(pro Woche 70 Pf). Bei längerem Aufenthalt ist der „Vorwärts** auf dem billigeren Wege der Postüberweisung zu beziehen, welche die Hauplexpedition vornimmt. Indicsem Falle kommen zu dem Abonnemcntsbetragc nur die Postbcstellgebühren von 72 Pf. pro Kalendcrmonat. Wenn Nachscndung der Zeitung gewünscht wird, ist die in Frage kommende Ausgabestelle oder die Hauptexpedition des„Vorwärts44, Berlin SW 68, Lindenstraße 3, möglichst eine Woche vorher zu benachrichtigen. Laubenkolonisten wird der„Vorwärts" durch Bolen zugestellt Genaue Bezeichnung der Laube ist ertordeilich. Postabonnenten müssen die Nachsendung unter Beifügung von 50 Pf. in Marken mindestens 2 Tage vor der Abreise schriftlich bei der Zustell- Postanstalt beantragen. W- Berlin SW«8, Linden.troBe 3 vorwärts— V©rlQQ Fernsprecher Dönhoff 293*297 Allgemeine Weiterlage. >!4JuLi �93<1 abds. w, t 0woll swrbcn. Ueder seine Kraft hinaus hat er, selbst noch während seiner Kranfbeif. für bie Partei gewirkt und qcarbeiiet. Gbre seinem Andenken. Die Ginäsdierung findet am Donnerstag, 10. Juli, 18 Uhr, im Krematorium Kerid)tstratze statt. Rege Beteiligung erwartet der Abteilung»- varstanb. 3». Abt. Am It. Juli starb unser lieber Genosse Rettor chiigo Eichho ff, Wilhelmstr. 117. Jugenderziehung in Berhivdun« mit Rechtskunbe waren sein Lebenswerk. Ehre feinem Angebenke». Beisetzung: Dannerstag, 10. Juli, W/i Uhr. Dreifa I tigkeitsfriedhaf. Bergmannstr. 10. K. Abt. Unsere langjährig« Genossin Margarete S t o p s a ck ist verstorben. Ehre ihrem Anbevken. Einäjdierung: Donnerstag. 16. Juli, 17 ii Uhr, Krematorium Baumschulenweg. Um rege Beteiligung wirb gebeten. lt»s. Abt. Unser Genosse Hermann Goepel, Adiershei, Genossensdiaftstrotze, ist am Sonntag verstorben. Ehre seinem Andenken. Einäscherung: Donnerstag, 16. Juli, 18 Uhr, Krematorium Bainnschulenweg. Um reg- Beteiligung wird gebeten. IZg. Abt. Die Beisetzung der Urne unseres verstorbenen Genossen Otto Kasten findet Donnerstag. 16. Juli, Uhr, auf dem Pankower Friedhof, Am Bahnhos Schönhotz, statt. Wir bitte» um rege Beteiligung. ül Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Verlin Slnsendung« kör diese Robrtt nur an da< IuarnMefreidrUt 75erfi* 03B ifftdenftrafc 5 Heule. ZNittwoch, 15. Juli, um 19M Ahr. Gesuabbruaaea II: Christianiaftr. zS:„stugendsrogen auf dem Parteitag". — Ges»i>dbru»>>ei> RF.: Ausiprache über Fattenardeit._ Tempelhoi: Götz- stratze 8:„Rauschgifte oder Korperpktege".— Sricbtichgselbc: Gunterstr. 11: „Jugend und Partei".— Lichtenberg-Ritt«: Schärnmrber Str. 20;..Zsrahzäsisch« Arböiierbewrgung".— Lichtenberg Rorbwest: Dossestr. ü;„Tagrsvolitil"..— Pank»« III: Kilsingrnstr. 18;„Wie soll die Arbeit in der Zirkunst aussehen?" — Ariedeichshagea: ssriedrichstr. 87:„Der 14. Juli in der Arbritrrbewegung". — V»hb»d»rs: Wachtelstr. 1:„Die Bedeutung der Gewerkschaften". Serbebezirt Lichtrnberg: Mvrgen gusaminenfunft aller Fahrtieilnehmer im Jugendbeim Sunterstr. 11. Weriebezirt Prenzlauer Berg: Zniainmentunft der Ferienfahrttellnehmer im Jugendheim Sonnenburger Str. 2tl. Werbebezirt Kreuzberg: All« Gruppen gehen zu unserer Zreibenlerkund- gebung um 20 Uhr im Gesundheiishaus am Urban. Gewinnauszug 4. Klasse 37. Preußisch-Süddeufsche Slaats-Lotterie. Ohne Gewähr Nachdruck verboten Aus jede gezogene Rummer sind zwei gleich hohe Gewinne gefallen, und»war je einer auf die Lose gleicher Nummer in den beiden Abteilungen I und II 2. Ziehungstag' 14. Juli 1931 In der heutigen Bormittagsziehung wurden Gewinne über 400 M. gezogen 37B327 108134 130762 187151 106270 133356 356819 380979 52261 53667 212006 229991 320072 333804 164854 390869 77418 234058 341 795 4»»Winne|U 5000 M. 195314 373685 4»eiBmn« III 3000 OT. 171348 349663 8»»Winne in 2000 M. 17714 88481 329113 24»«Winne ,» 1000 M. 49896 59285 73890 205638 225971 230290 268777 311834 330644 30».Winne I« 800 M. 61375 62563 93136 168292 200715 219855 284631 299758 312339 56»-Winne|» 500 M. 33161 38824 50560 136943 142727 151156 184574 210194 211795 238043 239949 246914 262093 216245 217910 354972 272446 374342 233020 Vn der heutigen Nachmittagsziehung wurden Gewinne über 100 M. gezogen 2»»Winne|» 50000 M. 133280 4«.Winne ,11 10000 M. 69925 196860 2«.Winne|U 5000 M. 376174 4».Winne in 3000 M. 122815 250641 6«»Winne 1« 2000 M. 186257 189007 213452 24 Gewinn« w 1000 M. 76566 98516 136999 145787 164144 169800 170272 202760 287109 288949 325388 336224 46»»Winne in 800 M. 14795 35179 39536 49663 67399 791 82 94013 95702 97559 109164 129044 134578 149900 155752 212669 215343 241677 336239 356734 361020 362136 371302 371885 36«.Winne in 500 M. 20926 73668 82520 83193 106046 113437 120087 126284 130029 13S24I I4843S 153911 267404 307031 353382 357291 370271 392284 (itanHllit gerechliertigl ist unser Enlschluss, den Zigarrenmarkt zu revolutionieren. Reue Herstellungsmethoden waren notwendig. um dernr- tige vorzügliche duaiitäten so billig zu iiefern wie wir. Oer kluge Raucher aber nutzt den Sturm. den wir auf dem Zigarrenmarkt entfachten. Er greift begeistert zu dem ungeheuren Vorteil: KREHTER ItlDIRIIER IQJt KBinOberseB-Zigarre und doch nur Zigarillos; KLE1T1E ITIDIHIIER Stiilk B« ffiembrandt macht bankrott &lcUe des großen IHalers nach drei arbciisr eichen 3 ahr&ehnlen Ilach drei arbeitsreichen Jahrzehnten, in denen ihm Seid und Ruhm reichlich zugeströmt waren, machte der große Moler Rembrandl, dessen Geburklag sich am lS. Juli zum ZZS. Male jährt. Bankrott.. Man kann nicht sagen, daß seine Zeitgenossen von diesem Ereignis bewegt und betrosfen waren. 3m Gegenteil, tief befriedigt über den. wie man fand, wohlverdienten Zusammenbruch des hochfahrenden, eigenwilligen Malers, schloß man die Akten über einen Skandal, der schon lange den Aerger und die Entrüstung der guten Bürger wach gehalten hatte. Rcmbrandt lebte in Amsterdam nach dem Tode seiner jungen Frau mit einem Mädchen zusammen, das ihm ohne den Segen der Kirche ein Kind schenkte Man nahm das recht übel auf, besonders da das Zusammenleben trotz der Verwarnung des Kirchen- rats und der ärgsten kirchlichen Strafe, der Ausschließung vom Abendmahl, kein Ende fand. Sicherlich hätte der Künstler das Mädchen geheiratet, wenn er sich's hätte leisten können Aber er war durch das Testament seiner ersten Frau, das ihm den Rieß- brauch eines kleinen Vermögens zusprach, gebunden. lieber die heikle Lage, in der sich der Künstler befand, sind wir gut unterrichtet. Er hotte schon längst durch sein herausforderndes Wesen und seine Selbstherrlichkeit den Unmut der„Gesellschaft" her- vorgerufen. Einstmals ein guter„Portraitmaler", hatte er seine Kundschaft allmählich eingebüßt. Ein zeitgenössischer Maler Hot das damit erklärt, daß Rcmbrandt oft seine Auftraggeber monate- lang warten ließ. wenn er beim Malen war. gewährte er auch dem ersten Monarchen der weit keinen Zutritt. Das paßte den reichen Herren und Dämen natürlich nicht. Roch etwas kam hinzu. Im Jahre IfvtO hatte der vierundreißig- jährige Maler einen wichtigen Auftrag erhalten. Ein ganzer Schiitzcnuerein meldete sich, siebzehn vornehme Herren, von denen jeder l Gulden anlegen wollte. Rcmbrandt hat sie in der be- rühmten„R a ch t w a ch e" porträtiert. Zum erstenmal erhielt man statt einer sozusagen„gestellten" Gruppenaufnahme ein bewegtes, lebendiges Gruppenbild. Der Erfolg war— ein Protest! Die vor? nehmen Herren waren höchst unzufrieden und bestellten bei einem heute längst vergessenen Maler ein„besseres" Bild. Das hat Rcmbrandt geschadet. Ein italienischer Zeitgenosse nannte die „Nachtwache" verkleckst und konfus. Unbegreiflich schreibt er, daß manch« Leute für Zeichnungen dieses Malers, auf denen nur wenig oder gor nichts zu sehen ist, dreißig Gulden ausgeben! Uebrigens sehe Rcmbrandt sehr plebejisch und häßlich aus. Er sei schlecht ge- kleidet, wische sich immer die Pinsel am Anzug ab. Ein anderer Kritiker tadelt, der Künstler halte zu wenig aus seinen Stand, er gebe sich immer mit niedrigen Leuten ab. Daran war viel Wahres. Rcmbrandt hat viel lieber arme Schlucker gemalt als reich« Dandys, die es bezahlen konnten. Allein 26 seiner Gemälde zeigen uns Bettler und Vagabunden. Wie wir ihn aus seinen 27 Selbstporträts kennen, war er tatsächlich kein feiner und kultivierter Mann, sondern eher ein derber, un- betümmertcr Bauer, allerdings mit einer phantastischen Neigung .zu Maskerade und Putz. Diese Eigentümlichkeit, cmsrcmdctc ihn den nüchtern, denkenden holländischen Pa.trizicrkrcisxn noch mehr. Wie er seine vFrau chnd späkr �ein Mädchen-gemalt hat� das war einfach.empöre�.. JDos lockere Frühstücksbild, das heut« in Kassel hängt: Rcmbrandt mit seiner Frau auf dem Schoß hebt ein Glos zum Betrachter hin— prost! Oder gar Gonymed, der nackte Götterknabe, dem vor Angst, weil der Adler ihn packt, etwas höchst Unanständiges passiert—> das waren Provokationen, die man damals sehr deutlich empfand. Man hatte noch zu sehr die harmonische Sinnlichkeit der italienischen Meister im Kopse, als daß man den krausen Humor des Zeitgenossen verstehen wollte. Venn Rcmbrandt„A d am und Eva" gestallelr, wurden ein paar wilde Höhlenmenschen daraus, dumpfe, belastete, tierhoste Wesen, und darin lag eine deutliche Kritik am„Sündenfall". So täppische Trolle sollten aus einer Laune heraus das Schicksal des Menschengeschlechts entschieden haben? Dies alles hatte der Maler schon auf dem Kerbholz. Er hatte seine Frau— als„Bji n a e" nackt gemalt.(Das Bild hängt in Leningrad.) Er hatte feine Konkubine, wie eine Fürstin herausgeputzt, porträtiert. Gar nicht zu reden von dem Bilde, in dem zwei lüsterne Greise Rembrandts Geliebte im Bade überfallen. („S u f a n ne im Bade", jetzt im Kaiser-Friedrich-Muscum, Berlin.) Offenbar war es ihm gleichgültig, wie die Bürger von Amsterdam über ihn dachten. Gesellschaftlich lebte er isoliert. Er war ein Stubenhocker, der zu Hause sein Glück und sein Leben siechte und fand. Er kaufte gern alte, prunkvolle Kleider und Massen- stücke: die hingen bei ihm herum: damit staffierte er seine Modelle aus. Seine Leidenschaft waren alte Bilder und Schmuck. Und da» rührt nun an den letzten Punkt, durch den er seinen Mitbürgern unheimlich wurde: seine Teilnahme am Kunsthandel. Er halle eine schnurrige Art. wenn er Gelb hatte, oll« Vilber und Zeichnungen erster Meister auf Auktionen zu übersteigern. Gleich beim ersten Angebot erhöhte er de« Preis derart, daß kein anderer mehr zu biete« wagte. Das tot er, um der Kunst, wie er sagte, Achtung zu verschaffen. Zahllose prachtvolle Bilder gelangten auf diese Weise in seinen Besitz. Sa hat er einmal„H e r o und Leander" von Rüben» für 637 Gulden ersteigert und mußt« später froh sein, dafür 536 Gulden beim Weiterverkauf zu erzielen Für einen Halb ein hat er tausend Gulden geboten. Für ein Skizzenbuch de» von ihm hoch- geschätzten Lucas von Leyden zahlte er 627 Gulden. Als ihm die Preise für seine eigenen Kupferstiche nicht hoch genug erschienen, ließ er sie in ganz Europa zu jedem Preis aufkaufen, um ihren Wert zu steigern. So brachte er z. B. in Amsterdam ein Blatt mit der Auferstehung des Lazarus an sich für fünfzig Gulden, obwohl er selbst davon die Kupfcrplatte besaß Der Erfolg war tatsächlich eine Wertsteigerung der im Handel befindlichen Stücke Seine Radierung„Jesus segnet die Kinder", eine besonders hervor- ragende Leistung, erzielte gleich beim ersten Verkauf den Preis von hundert Gulden, daher:„Hundertguldenblatt I"(Heute kostet ein guter Abzug davon etwa dreißigtausend Mark!) Aber im ganzen hat Rcmbrandt sich durch derartige Spekulationen und Käufe zugrunde gerichtet. Er konnte die Zinsen für das einstmals so teuer erworbene Haus nicht mehr erschwingen. Er mußt« ein Darlehen ausnehmen, und seine Gläubiger veranlaßt«» bei der ersten Gelegenheit den Konkurs des unsympathischen Schuldners. Rembrandts Sammlungen ollein wurden vor der Versteigerung auf etwa IS 666 Gulden geschäht. Dazu kam dos hau». da» er für 13 606 Golden erstanden hatte. Das Inventar, da» damals ausgenommen wurde, nennt uns ZS3 kunstgegenfländc in Rembrandts Besitz. Cr hatte Werke von Rubens, Tizian, Mantegna, Raffael, Giorgione und andern großen Meistern. Van Dürer besaß er neben zahllosen Stichen das ganze..Marien- lebe n". Alle diese Werke wurden damals verramscht. Der Ge- samterlös der Auktion belies sich auf nur 11 677 Gulden. Bettelarm ging Rcmbrandt davon. Er, der vorher fünfzehn Räume mit Kunst- werken vollgestopft hatte, zog jetzt mit seinem Mädchen und seinen Kindern in eine Mietstube ein. Die Kunsthändler von Amsterdam aber mochten ein gute» Geschäft, denn Rembrondt war zwar UN» beliebt, ober berühmt. Schon eül Jahr nach der Auktion brachten die Bilder van ihm zehnfachen Bcrstcigerungsprcis Die„Ehebrecherin" z. B wurde vom Ersteigerer damals für 1566 Gul- den wciterocrkaust. Rembrandts Bankrott war mehr als persönliches Mißgeschick. Der Künstler selbst fand rasch seine Arbeitskraft wieder. Sein reif- ftcs Werk, die„S t a a l m e e st e r s", heute in Amsterdam, entstand wenige Jahre danach. Aber die Nachwelt hat durch diesen Ver- mögenszusammcnbruch einen Verlust erlitten, der ganz unermeßlich ist Denn zahllose Werke des Meisters selbst, die im Auktionsinvcntar aufgezählt sind, existieren nicht mehr. Sic wären uns sonst erhalten geblieben und bereicherten noch den ge- wältigen Eindruck von der Schofscnskraft dieses Künstlers, dessen Werk überhaupt nur zu zwei Dritteln auf uns gekommen ist. Dr. Hermann Pör�gen. 8rnH Sifcher:„ÄÄ8 IfiaChtC CfCld*' Die konsolidierte Bourgeoisie verhüllt ihre Gottheit, das Geld. Sie kostümiert es mit allerhand glänzenden Stoffen, sie redet von der Volkswirtschaft, von der Ordnung und von der Kultur, wenn sie das Geld meint, sie versteckt ihre schamlose, hemmungslose Bc- Ziehung zu dem geliebten Scheusal, wie sie andere zweifelhafte Be- Ziehungen wohlerzogen versteckt. Sie täuscht ein ehrbares, solides Verhältnis vor, sie ist mit dem Geld sozusagen glücklich verheiratet, und man legt keinen Wert darauf, daß die Gottin sich prostituiert, daß ihre Herkunft und ihr Charakter vor oller Oeffentlichkeit be- sprachen werden. Natürlich tun sie alles fürs Geld, aber in distin- guierter Form, Intimitäten verschweigend und das Legale, das Staatserhaltende, Gottgewallte der Gcldocrmehrung voll Würde betonend. Nur wenn man es ihnen nehmen will, das hübsche, dos teure Geld, dann vergessen sie ihre gute Kinderstube, werden sie zu rabiaten, unappetitlichen Tieren, die fauchend und schnaubend ihr Liebstes verteidigen. Sonst aber präsentiert sich das Geld der Bourgeoisie in großer Toilette und ist aus gutem Bankhaus. Vor einigen Jahren aber noch war das anders, in der phan- tastischcn Zeit der Inflation. Damals hatte das Geld die zerfetzten Kleider und Hüllen herimtergerissen, um nackt und zügellos vor die Menschen zu treten. Damals tanzte es frech und vcrhurt durch die Welt, machte keine Geschichten und gab sich nicht brav und gesittet, glitt von 5)ond zu Hand und provozierte Skandale, torkelte durch die Bars und wirbelte stockbesoffen durch die Banken, wußte nichts von Pastorenpathos und ließ sich als Göttin feiern. Und immer, wenn ich die biederen Redensarten von der Volkswirtschaft und ihrer Sanierung höre, erinnere ich mich an eine Szene, deren Zeuge ich damals mar. Man hatte keinen Heller im Sack und keine Stellung in Aussicht und keine Hoffnung im 5ierzen, morgen, übermorgen leben zu können, und saß nach Mitternacht in irgendeinem Kasfeehous und ließ sich von der Musik betäuben und wartete auf das Wunder, das plötzlich da sein konnte. Die Luft war von Möglichkeiten überfüllt und der Pessimismus so ungeheuer, daß er in das romantische Vor- gesühl einer sensationellen Wendung umschlagen konnte. Schlimmstenfalls machte man ein Ende— stets begleitete uns der Tod und hauchte uns mit seiner Kühle an. So saßen wir wieder, wartend auf nichts, wartend jaus alles nach einem Tage verzweifelten Jagens hinter dem Phantom irgendeiner Arbeit, irgendeines kleinen Verdienste« her-«»- fa hon- Heer, und meinten, ün. Laufe der nächst««' Stunden werde der Wert d«-' Geldes so radikal Stürzen, daß wir unseren Kaffee, unseren Kognak umsonst getrunken hätten, daß der Kellner uns noch einige Tausende herausgeben würde, die allerdings den Preis einer Strahenbahnkarte nicht decken könnten. So saßen wir... Da trat ein Kerl in das trübe Lokal, tappte sich langsam an der Wand entlang, ein fleischiger Kerl mit roten Fäusten und ge- waltigem Specknacken, irgendein Viehhändler oder Valutenschicber aus Montenegro oder Rumänien, was weiß ich! Das viehische Gesicht war aufgedunsen, aus kleinen, roten Augen stierte der Kerl die Gäste an, einen noch dem anderen. Er roch penetrant nach Alkohol, mußte unbändig viel getrunken haben, konnte sich nur mit Mühe aufrecht erhalten. An einigen Tischen schob er die Masse:, seines Körpers vorbei, plumpste dann dumpf auf einen Sessel und bestellte lallend und mit fremdem Akzent eine Flasche Champagner. Hierauf schien er minutenlang zu schlafen. Auf einmal hob er den Kopf und brüllte die Musikanten an. Mit gröhlender, grunzender Stimme verlangte er irgendeinen Schlager, der damals überall gespielt wurde. Die Musikanten aber beachteten den„lästigen Ausländer" nicht— bis der lästige Aus- länder sich unvermittelt und jäh in einen„distinguierten Fremden" verwandelt«. Er zog nämlich grinsend und unablässig mit dem Kopf nickend, eine gewaltige Brieftasche aus dem von Brotenfoft und Champagner besudelten Rock, entnahm ihr eine groß- Banknote. knüllte sie zusammen und wors sie den Musikanten zu. In diesem Augenblick stockten oll- Gespräche, verstummten alle Geräusche. starrten alle Augen hypnotisiert der Banknote nach. Der Kapell- mcister fing sie auf. verneigte sich, die Musik brach schrill und mitten im Takt ab— und in der nächsten Sekunde ertönte die Melodie, die der massive Gast gewünscht hotte. An allen Tischen wartete man gespannt, ob nach diesem Prolog noch etwas folgen werde... Und es folgte noch manches, es wurde sehr sonderbor i» diesem Kaffeehaus. Nach drei Minuten warf der Kerl den Musikanten wieder eine zusammengeknüllte Bantnote zu, noch drei weiteren Minuten abermals, und so ging das eine Viertelstunde long weiter. Niemand sprach mehr, an ollen Tischen wurde es geisterhaft still, in allen Gesichtern fieberte wachsende Erregung. Und jedesmal, wenn eines der kostbaren Papicrgcschosse durch die von Zigarettenrauch strotzende Luft flog, hiclren die Menschen den Atem an, verkrampstcn sie zuckend die Hände. Der Betrunkene �onntc das bewußt nicht wahrnehmen, ober er schien es zu wittern, schien es zu riechen uno mit tierischer Lust zu genießen. Ein Rausch des Vcrschwendens, ein Rausch primitivster und fürchterlichster Macht hatte ihn überwältigt. und seine Hände, seine roten fleischigen Hönde, waren zu Automaten geworden, die eine Banknote nach der anderen nehmen, zerknittern und schleudern mußten, die gar nicht mehr anders konnten. Es schnürte uns langsam die Kehle zu, wir mußten uns zurückholten, um nicht über ihn herzufallen. Er zcrquelschlc alle Menschenwürde mit seinen Fäusten, spielte mit Menschcnskjicksol«, Fangball. Nach einiger Zeit variierte er seine Beschäftig, mg. warf mit- unter einem der Kellner einen Gcldknäuel vor die Füße— und widerwillig bückten sich die Kellner, das entehrende Geld, dos sie so brauchen konnten, vom Boden aufzulesen. Wie sollte dos olles enden, wie sollte die gualvollc Spannung sich entladen? Und es geschah, was niemand erwartet hatte. Ein Gedanke, ein wüster Gedanke wühlte sich loncsam aus. dem Fleifchfumpf dici s aufgequollenen Gesichtes. Und langsam hob der Kerl eine große Banknote empor, wie ein« Hostie dieser Gesellschasi, und langsam brannte er mit der glühenden Asche seiner Zigarre ein Loch in sie, das wcitcrfraß und größer wurde und immer größer und schließ- lich über da» Papier triumphierte. Da explodierte die überladene Atmosphäre:-ein Schrei der- iHnt..tzer.Bxrzweifiung prallte empor, an- allen- Tischen sprangen die Menschen auf. stürzten mit gespreizten Fingern, geballten Fäusten auf den Betrunkenen los. In wenigen Sekunden hätten sie ihn niedergeschlagen wie ein Tier, wenn— ja, wenn das nackte Geld nicht den Aufruhr zu Boden geworfen hätte. Buchstäblich zu Boden geworfen. Denn der Kerl richtete sich ein wenig auf, nahm ein Büschel Banknoten und warf sie wie einen Hansen welker Blätter über die Anstürmenden: Die stutzten, stackten, sahen die Blätter leise fallen— und haschten in wilder Gier nach dem wehenden Geld, beugten die Köpfe, krümmten die Rücken, versuchten, die Beute an sieh zu raffen, sie in ihre Taschen zu stopfen. Eine Sekunde lang hatten sie gezögert, hatten sie gegen das Unmenschliche, gegen das Erniedrigende solchen Tuns sich gemehrt— dann wurden sie zu hungrigen Wölfen, die um ein Stück Fleisch einander die Zähne in die Gurgel schlagen. Keuchend, ächzend, stöhnend balgten sie um die Banknoten, die unter den Tischen lagen, die feucht und schlüpfrig wurden von ausgegossenem Wein und Schnaps Und grinsend, monoton mit dem Kops nickend, die leere Brieftasche schwenkend, glotzte der zum Dämon gewordene Viehhändler in das Chaos... Ich habe das nackte Geld gesehen— und mag es sich nun in allen Kostümen oerbergen, mir denen es die Bourgeoisie bekleidet, ich sehe es immer so wie damals in dem Kaffcehaus'der Inflationszeit. 3)er �Bildhauer Wilhelms IL Zum 100. Qeburlslag von fteinhold ißegas am iö. Juli Rcinhold Begas, in seiner Jugend der„Reformator der mo- derncn Plastik" genannt, in seinem Alter der unduldsame Hüter einer unfruchtbar gewordenen Uebcrliefcrung, hat das Stadtbild Berlins mit einer großen Zahl von Monumentalbauten so wesentlich beeinflußt, daß man auch heute noch nicht gleichgültig an ihm vorübergehen kann. Er war der anerkannte Liebling Wil- Helms 1 1., der ihm seine Aufträge ohne Berücksichtiguno vieler her- vorragender Mitbewerber übertrug. Die Frage liegt nahe, wie weit dennoch seine Erfolge künstlerisch berechtigt waren. Begas, der Sohn eines Historienmalers, Schüler und Patenkind von Rauch, wuchs in der Zeit des klassizistischen Epigonentums auf, jener blutleeren Kunstrichtung, die aus der reichen Welt der griechischen Kunst einige Züge herausgriff, zu strengen Lehrsätzen vereinigte und auf diesem Wege einer völligen künstlerischen Er- ftarrung entgegensteuern mußte. In anderer Umgebung finden wir den Fünfundzwanzigjährigen in Rom wieder: angeschlossen an den Kreis der Feuerbaeh, Böcklin und Lenbach. Hier weitet sich sein Blick: hier sind die Kräftequellen, au» denen die ersten freien Arbeiten des jungen Künstler», darunter der„Raub der S a b i n e r i n n e n", ent- sprangen. Aber der junge Bega» hatte auch Eigenes zu geben, etwa die besonders reizvollen Kinderdarstellungen, und manches von ihm au» der Zeit nach seinem Weimarer und Pariser Aufenthalt ließ Großes von ihm erwarten, so z. B. die Figuren der„Geschichte" und der„Philosophie" an seinem Schillerdenkmal. Seine technische Meisterschaft aber bezeugt deutlich ein kleines bronzenes Petschaft- figürchen, das von Rom aus in Hunderten von Exemplaren a!» „Antike" verkauft wurde. Der Neubelcber der Borockplastik, der Bahnbrecher des Natura- lismus hatte seine Fllhrcrrolle angetreten. Aber dies« Roll- sollt- er nicht lange behalten, denn die Gunst des Kaisers hott- ihn wider seine Natur dazu ausersehen, den imperialistischen Gedanken mit gesteigertem Palhos und bilderreicher Sprache in Riessndenkmälern von Erz und Stein zu verherrlichen. Ucberlebensgroße allegorische Figuren, kränzcwersende Viktorien, siegreiche Kaiser,.. Solchen Ausgaben war Begas nicht gewachsen. Niemals erzielte er einen geschlossenen Gesamteindruck. Es blieb bei lebensvollen Einzelheiten, so z. B. dem Relief„Krieg" am Kaiser-Wilhelm-Denk- mal, das eine von Hunger ausgemergelte Mutter mit ihrem sterben- den Kinde zeigt. Aus seinem Atelier, dem größten des damaligen Berlin, sind neben vielen anderen erste Künstler.unserer Zeit, wie Gaul, T u a i l l o n und K r o u � hervorgegangen. H. E. .Ein jüdisches Aentrolmuseum in Prag. All« Denkwürdigkeiten, welche in irgendeiner Beziehung zum Judentum in den historischen Ländern stehen, sollen in einem Museum systematisch erfaßt werden. Dieses Museum, das in Prag errichtet werden soll, wird einen chrono- logischen� Ueberblick über die Entwicklungsgeschichte des Judentums geben� So soll u. a. ein genaues Register aller jüdischen Friedhöfe und Synagogen mit Photographien angelegt werden, und Archiv.-, Gcdenkbücher sowie andere' Schriften und Bücher in das Präger Zcntralmuscum überführt werden. Dolchstoßlegende, ade! Goebbels verhöhnt die Oorchhaltepolitik. Es ist das Schicksal der Leute, denen Lüge und Verleum dung zur Gewohnheit geworden ist, sich tn unbewachten Momenten zu verraten. Dies passiert am Dienstag dem „Angriff" des Herrn Dr. Josef Goebbels, der seine Betrachtungen zur Krise mit folgenden Worten beginnt: Sämtliche Banken. Sparkassen und übrigen Geldinstitute im Reiche bleiben heute und morgen aus Anordnung der Regierung geschloffen, da man sonst fürchtet, das;— trotz aller beruhigenden Erklärungen von offizieller Seite, die sich genau so fchSn anhören wie die„Durchhalte"-Aufrufe während de» Kriegsende»— am Donnerstag und Freitag nicht genug Geld da ist, um die fälligen Lohnzahlungen zu bewirken. „... die sich genau so schön anhören, wie die Durch- halte-Ausruse während des Kriegsendes"— da ist die Katze aus dem Sack! Dos alte Kommunisten- herz des neugebackenen P a t e n t p a t r i o t e n hat sich verraten. Jahrelang haben die völkischen Zlpostel vom „Dolch st o ß" der Sozialdemokratie geschrien, durch den „der zum Greisen nahe Sieg" verhindert worden sei. Und innerlich haben sie sich dabei, wie der„Angriff" beweist, über die Durchhaltepolitik lustig gemacht, was sie während der letzten Äriegszeit sehr vernehmlich getan haben. Es sind genau die gleichen Leute, die der Sozialdemokratie„Verrat" aus den entgegengesetzten Gründen nachschreien, das eine Mal wegen des„DurchHaltens", das andere Mal wegen des „Dolchstoßes". Der Artikel des„Angriff" beweist aber auch noch ein Zweites: das nämlich, daß die Leute, die heute von dem „greifbar nahen Endsieg" schwätzen, der nur durch die Sozial- demokratie vorhindert worden sei, selber an eine Möglichkeit des DurchHaltens in der letzten Kriegszeit nicht geglaubt haben. Es gibt ja unter den nationalsozialistischen Führern genug— gerade der„Angriff" kennt diese Leute—. die während des ganzen Krieges als Reklamiert«, als U n- abkömmliche und Untaugliche daheim gesessen haben. � Diese Herrschaften, denen der Krieg nur solange Spaß machte, als andere ihr Leben und ihre Gesundheit opferten, waren natürlich in den letzten Kriegsmonaten, als das große„Auskämmen" angekündigt wurde, sehr ne r v ö s und keineswegs mehr kriegsbegeistert. So mancher, der sich beute stolz mit dem Hakenkreuz ziert, hat damals in schlottern- der Angst, daß er noch herankommen könnte, über die Durch- baltevolitik geschimpft und den Frieden um jeden Preis ge- fordert. Heute sitzt er in irgendeiner Naziredaktion und schreibt über den Dolchstoß und den Landesverrat der Sozial- demokratie. Am Dienstag hat sich im„Angriff" solch ein edler Geist oerraten. Er hat, ohne es zu wollen und zu ahnen, der Dolchstoßlegende den Dolchstoß versetzt! Zollsubveniionen für das Ehemiekapiial Eine Verordnung des Zieichsfinanzministers. Der„Deutsche Rcichsanzeiger" veröffentlicht eine Reihe von Zollönderungen, die durch Verordnung de» Reichsfinanzministers und '"'des Rcichswirtschnftsmimster» erl offen werden. Der Zolltarif wird '�stlr eine große Aalst chemischer' Produkte,''lind zwar- für fasr olle Stickstoffprodukt« grundlegend geändert/' Für Ammoniakwafser, Salpetersäure, kohlensaures Ammoniak, Dleinitrat und salpetersaures Natron(darunter auch Chilesalpeter), auf die bisher keine Zölle erhoben wurden, werden jetzt Einfuhrzölle von 8. 12, 80. 24 und 12 Mark je Doppelzentner festgefetzt. Vei Superphosphaten. wo bisher ein allgemeiner Satz von SO Pf. bestand, durch Handelsverträge Sie Einfuhr oder unverzollt war, wird der ollgemeine Satz auf 12 Mark je Doppelzentner erhöht. Auf andere sttckstoffhaltige Düngemittel wird ein Zoll von 12 Mark je Doppel- zontner erhoben. Damit hat die Reichsrcgierung erfüllt, was in der zweiten Notverordnung vom 3. Juni der deutschen chemischen Industrie versprochen worden ist. Die Notoerordnung vom 5. Juni fall dem Schutz der deutschen Wirtschaft dienen, und zwar soweit Notstände vorliegen. Wir haben schon früher auf die llnheuerlichkeit hingewiesen, die in der Gewährung van Stickstoff- zöllen liegt. Die einzige Wirkung dieser Stickstoffzölle ist die Aus- schaltung der ausländischen Konkurrenz aus einem Gebiet, dessen technische und' wirtschaftliche Ueberlegenheit bisher der Stolz der deutschen Chemieindustrie war, und schließlich die Gefährdung der Chemieausfuhr selbst, wenn andere Länder folgen. Man muh die 'Regierung Brüning beneiden, daß sie in diesem Augenblick keine größeren Sorgen hat, als die Einführung von Stickstoffzöllen. Lim Beckers Auslieferung. Oer Mörder dem Landesgericht eingeliefert. Wien. 14. Zuli. Der ln Wien verhafkele deutsch« Ralionalsozialist Becker wurde dem Landesgericht eingeliefert. Dem deutschen Auslieferung». begehren wird nur dann stattgegeben werden, wenn die Begehung des Totschlag» als gemeine» verbrechen beurteilt wird. Sollte der Totschlag jedoch im Verlauf eine» politischen Streites erfolgt fein, so wird dem Au»lleferung»begehren nicht stattgegeben. Gästeflucht in Belgien. Mark nicht mehr eingelöst. Brüssel, 14. Juli.(Eigenbericht.) Au» den belgischen Seebädern mußten am Dienstag viele Deutsche in ihre Heimat zurückkehren, da es ihnen unmöglich war. ihr deutsches Geld zu wechseln. In Blankenbergs wurden am Dienstagmittog nicht weniger als 500 Fahrkarten nach Deutschland ausgegeben. Ganze Pensionen sind durch diese Vor- kommnisse leer geworden. Deutsche Automobilisten, die mü ihrem Wagen nach England wollten, wurden nicht befördert, da sie nur deutsches Geld hatten. Aeltestenrat tagt Freitag. Präsident Lobe hat den Aclteslcnrat de» Reichsloge» für Freitag. den 17. d. V1„ vormittags II Ahr. einberufen. Die Einberufung ist auf Grund der deukfchnatioaalcn, nationasiozwllstifchen und kam- nnmisttfcheu Anträge erfolg«, um über die Einberufung de, Reichstag» Beschluß zu f-ffeu. Was ein Reichsbankpräsident können muß... Luther übt, von einem Mugzeug ins andere überzusteigen. Droht eine neue Inflation? Ein aufklärender Rundfuukvortrag. Die Aufregung der deutschen Bevölkerung über die Ereignisse der letzten Tage hat den Berliner Rundfunk veranlaßt,«inen der be- kanntesten volkswirtschaftlichen Wissenschaftler, ProfefforBonn, über das Thema„Droht eine neue Inflation?" sprechen zu lassen. Dieser Portrag, der von zahlreichen Sendern im Reiche übernommen wurde, ist' umsomehr zu begrüßen, als die Vorgänge der letzten Zeit in der Tot in weiten Kreisen des deutschen Volkes ein« neue Jnflationspanik erzeugt haben."... Professor Bonn führte aus:. Von allen wirtschaftlichen Schicksolsschlägen ist eine Inflation fei weitem das schrecklichste Er-, eignis und von allen Völkern, die eine Inflation durchgemacht haben, ist das deutsche Volk dasjenige, da« den Inslotionsfchrecken bis zur Neige ausgekostet hat. Daher ist die Unruhe und die bange Frage des Volkes, ob eine neue Inflation bevorstehe, durchaus verständlich/''"•"'"""nee«-, f,« ii'niff-••' Man müß aher doch die ghn; rmchststbe Frage auswerfen,' ob "zwischen der Lage, die ISIS bfs'1023'zü dir furchtbaren Jnsthtion ge- führt hat, und der heutigen Situation auch'nur die geringste Aehnlichkeit besteht. Eine Inflation entsteht doch dadurch, daß der Staat Ausgaben macht, die er mit feinen Steuereinnahmen nichtdecken kann und zu deren Deckung er auch wegen fehlenden Vertrauens keine Anleihen erhält. Der Staat fetzt dann die Notenpreffe in Bewegung, pumpt also zusätzliches Rotengeld in das Land, all« Preise steigen, dementsprechend wächst der Roten- bedarf des Staates wieder weiter und so schwillt allmählich die Lawine an, wie wir es in höchster Steigerung 1923' erlebt haben. Heut« liegen aber die Ding« ganz anders. Di« Regierung hat durch rücksichtsloseste Sparmaßnahmen und Ausgabedrosselungen den Etat in Ordnung gebracht. Sie ist dadurch und mit Hilfe des Hoover-Planes sogar in den Stand gesetzt, nicht nur ohne neue Verschuldung auszukommen, sondern sogar alt« Schulden abzudecken. Man muß unter den gegenwärtigen Umständen diese Zurückhaltung kurzfristiger Reichsschulden als eine ganz einzigartig« Leistung an- sprechen. von dem Reiche droht also der Währung heute keine Gefahr. Wenu der Etat nichi allein balanciert, sonder» sogar Schulden abgedeckt werden können, ist von dieser Seit« eine Inflation niemal» zu befürchten. Wie ist ober Deutschland in die jetzige furchtbare Situation ge- kommen, wenn der Reichsetot in Ordnung ist? Die Ursachen liegen aus privatwirtschastlichem Gebiet. Die Inflation hat Deutschland arm gemacht, und es ist zu seiner Entwicklung a u f fremde Hilf« angewiesen. So hat sich die Ausnahme von ausländischen Krediten seit mehr als fünf Jahren zu einem Dauer- z u st a n d entwickelt.. Diese Kredite, die die deutschen Banken aus- genommen hoben, sind von diesen an die Industrie, die Landwirt- schast, den Handel, das Handwerk und den Berwhr weitergegeben worden. Bon den 4 Milliarden, die die deutschen Banken dem Aus- lande kurzfristig schuldeten, sind in der kurzen Zeit von noch nicht einem Zahr rund 2 Milliarden abgehoben worden, von denen etwa 1,6 Milliarden wieder in das Ausland zurückgekehrt sind. Diese anhaltenden enormen Geldkündi» gungen hängen zum Teil mit der allgemeinen politischen Beunruhig gung zusammen, zum andern hat der Zusammenbruch der Oester- reichischen Kreditanstalt, eine der größten Banken des europäischen Kontinents in der gesamten ausländischen Bankwelt eine panikartige Angst vor Einlagen auch in Deutschland erzeugt. Die Finanzlage der deutschen Banken wurde durch diese Ab» rufe natürlich enorm angespannt und da sie dem Auslande nicht Reichsmark, sondern Dollar, Pfunde oder Gulden schulden, haben sie in starkem Umfang an den Gold- und Devisenbeständen der Reichsbank gezehrt. Da die Reichsbonk dos 2M>soche ihres Gold- und Devisenbestandes in Roten umlausen lassen kann, so hat da» Zusammenschrumpfen der Sold- und Deviseuvorräl« oathr- (ich eine entsprechende Schrumpfung de» Geldumlauf, itu La»« zur Folg«. Hier liegen die Ursachen für die.«norme Geldknappheit. Die Unruhe, die diese Entwicklung erzeugte, hat natürlich all« Welt in Deutschland nervös gemacht. Wer denkt aber bei dem Sturm auf die Banken und Sparkassen daran, welch ein un- geheurer Schaden durch einen solchen Run angerichtet wird. Wie sollen auch die bestsimdierte» Banken, die mit Milliarde» fremder Gelder arbeiten, in der Lage sein, diese Summen sozu» sagen im Handumdrehen flüssig zu machen. Wie sollen die Sparkassen, die die Spargelder in Goldhypotheken angelegt haben, sofort die zurückgeforderten Gelder zur Verfügung stellen'? Woher soll die Wirtschaft, wenn die Vonken und Sparkasten ausgeleert find, und das zurückgeholte Geld zu Haufe wieder im Sparstrumpf oder im Tischkasten arbeitslos liegt, ihre not- wendigen' Velrlebsmittel zu Lohnzahlungen und andere laufende Ausgaben hernehmen? Man spricht von Notstandsmaßnahmen der Regierung, aber so» viel steht fest, daß Rotstandsmaßnahmen besonderer Art gar nicht notwendig wären, wenn jedermann seinen Kopf oben behielte. Wir stehen in einer Krise des deutschen Kredites und hoffen, daß das Ausland uns hilft. Wie aber soll das Au-Sland' hilfsbereit sein, wenn die- deutsche Be- ' o ö IT« r'ü n g f d l b st Te i n Ber trat»« n M ehr zu Deutsch« land« Zukunft hat. Im Interesse des Bolksganzen ist heut« jede Kopflofigkeit zu vermeiden und Selbstvertrauen und Selbstdisziplin find jetzt die best« Tat. Durchführungsverordnung erlassen. Ergänzung der Verordnung über Vonkfeiertage. Die Reichsrcgierung hat folgende weitere Durchführung»- Verordnung zu der Verordnung des Reichspräsidenten über Bankfeiertage vom 13. Juli 1931 erlassen: 2. Verordnung zur Durchführung der Verordnung de» Reich». prösideuten über Bankfeiertage vom 13. Juli 1931, vom 14. Zuli 1931. Auf Grund der Verordnung des Reichspräsidenten vom 13. Juli 1931, Reichsgesetzbl. 1 S. 361, wird oerordnet: Artikel 1. Die auf Grund der Verordnung des Reichspräsidenten vom 13. Juli 1931 festgesetzten Bankfeiertage gelten als st a a t l i ch �anerkannte allgemeine Feiertage im Sinne der Wechselordnung und. des Scheckgesetzes.. � Artikel 2 sind im gerichtlichen, verwaltungsgerichtlichcn und ver- maltungsbehördlichen Verfahren für die Zahlung von Gebühren. Auslagen oder Vorschüssen oder für den Nachweis einer solchen Zah» .lungsfristen vorgesehen, an deren Ablauf sich Rechtsnachteile knüpfen und fällt der letzte Tag der Frist auf einen Bankfeiertag, so endet die Frist nicht vor Ablauf einer Woche nach dem letzten Bankfeiertage. 3. Diese Verordnung tritt mit Wirkung vom 14. Juli 1931 in Kraft."'~'_' Die Haltung der Kapitalsmärkte. Gespanntes Abwarten in New Li ort. New Nock. 14. Juli. das Jnteresse der Washingtoner Regierung und der Rew-Porker Finanzwelt richtet sich auf die zu erwartenden Maßnahmen der Reichsregierung sowie auf die Pariser Zusammenkunft Stimson— Henderson— Briand. Im allgemeinen spiegelt die stetige Haltung der Börse und die leichte Befestigung der deutschen Anleihen und der Reichsmark ein« Stimmung ruhigen, wenn auch gespannten Abwarten? wider. In Washington tagte am Dienstag unter dem Vorsitz Hoovers der übliche Kabinettsrat, dessen Arbeiten ausschließlich den Bor» gangen in Deutschland gewidmet waren. In New Park trat der Vollzugsausschuß, der Bundesreservebank zusammen, die vermutlich noch am heutigen Dienstag beschließen wird, in Verfolg des Baseler Beschlusses ihren Anteil an. dem 100-Millioncn-Dollar-Krcdit eben- fall» um drei Monate zu verlängern. London. London. 14. Juli. Di« Londoner Börse lag heute verhältm'Kmäßig säst und der Grundton ipar gegenüber dem Vortag kaum wesentlich veränd«?.'. was aber njcht oerhinderte, daß verschiedene Werte, darunter auch deutsch« Bond» sich leicht erholen konnten. Der Wechselku:'» der Reichsmark war weiter gebessert und zum Schluß ziemlich stetig. Oer Nordwolle-Gkandal. Geschundene Arbeiter.— Gubveniionierie Hakenkreuzler. „Der Textil-Arbeiter", das Organ des Deutschen Textilarbeiter- Verbandes, beschäftigt sich in seiner nächsten, am 17. Juli erscheinen- den Nummer eingehend mit dem N o r d w o l l e- Skandal. Wir entnehmen ihm folgende Ausführungen: Wenn heute die Presse ausführliche Berichte über diesen neuesten und bisher kaum übertrosfencn Wirtschaftsskandal bringt, so wird «ine wesentliche Seite dabei vergessen. Es bleiben unerwähnt die Quälereien und Schikanen, die Wahnsinn ige i> Ausbeutungs Methoden und Lohn Prellereien, die in diesem größten deutschen WollkoiiLern planmäßig betrieben wur- den. Das Objekt dieses kapitalistischen Ausbeutungsverfahrens waren die Textilarbeiter. Dies alles geschah unter dem Motto „Rationalisierung". Eine Schar von Ingenieuren verfolgte die Arbeiter aus Schritt und Tritt und maß jede ihrer Bewegungen mit der Stoppuhr. Das Produktionsgebiet des Konzerns umfaßt die Verarbeitung der Rohwolle bis zur fertigen Strickware, schließt also Sortiererei, Wäscherei, Kämmerei, Spinnerei, Zwirnerei, Färberei, Strickerei und handelsfertige Aufmachung in sich ein. Sogar eine Anzahl Neben- betriebe unterhält der Konzern. Von den in Deutschland vorhan- denen rund zwei Millionen Wollspindeln besitzt der Konzern allein 25 Proz. 3m Mai 1928 zählte er insgesamt 28 1Z1 Beschäftigte, im Februar 1931 aber nur noch 19 247. Diese Zahlen kennzeichnen einen Entwicklungsgang, wie er für den, der die Arbeit der Konzernleitung nicht stets verfolgt hat, schwer vorstellbor ist. Denn die Entlassungen im Konzern sind, im ganzen gesehen, nicht etwa auf schlechten Geschäftsgong zuückzuführen, sondern eine Folge der angespannten Rationalisie- tu ng. Ein wüstes Antreibersystem griff Platz. Jeder ein- zelne der 13 Konzernbetriebe— von denen einer in Neudeck in Böhmen liegt— erhielt den Besuch der A b b a u k o m m i s s i o n, welche durch Verminderung der velegschastsmilglieder und Verteilung der da- durch gesteigerten Arbeit auf die übrigen Kopse die„Rentabilität" der Werke.zu erhöhen suchte. Wenn das noch mcht genügte, wurde der Gang der Maschinen beschleu- »igt und, selbstverständlich, die Akkordsätze gekürzt. Auch das versprach noch nicht den gewünschten Erfolg, und so führte man schließlich ein besonderes Prämicnsystem ein, dos den Arbeiter, wollt« er �auch nur eine bescheidene Lohnhöhe erreichen, zwang, über l seine Kräfte hinaus zu arbeiten. Nach diesen Andeutungen wird es nicht verwunderlich erschei- j »en, daß die Konzernleitung auch in anderer Hinsicht sehr forsch! Banken sperren Gehätter! Unerträgliche Auslegung der Notverordnung. Die von der Rcichsregierung für Dienstag, den 14. und Mitt- woch, den 15. Juli d. I. vorgesehenen Bankfeiertage haben unter anderem dazu geführt, daß die Großbanken den Beschluß gefaßt haben, die im Bankgewerbe tariflich festgelegte Gehaltszahlung am Medio nicht vorzunehmen. Begründet wird diese Haltung der Banken teilweise damit, daß die Kundschaft der Banken sich darüber beschweren könne, wenn die Angestellten zwar ihre Gehälter, die Kunden aber nicht ihre Depositen erhielten. Andere Banken wiederum begründen ihre Haltung damit, daß die Ausführungsbestimmungen der Notverordnung auch die Auszahlung der Gehälter an Bankfcicrtagen verbiete! Der Allgemeine Verband der Deutschen Bank- angestellten hat demgegenüber an das Reichskobinctt ein Tele- gramm gerichtet, in dem verlangt wird, daß im gleichen Um- fange wie die Depositäre der Danatbank auch die vertrag- lichen Rechte und die sozialen Errungenschaften der Bankange- stellten durch Reichsgarantie geschützt werden sollen. Mit Rücksicht auf die Auslegung, die die Notoerordnung vom 13. Juli durch die Banken erfährt, hat der Allgemeine Verband der Deutschen Bankangestellten am gestrigen Tage schärfsten Protest gegen di« Hinausschiebung des Gehaltszahlungstermins bei den zuständigen Ministerien sowohl wie bei den Bankleitungen angemeldet und keine Zweifel darüber gelassen, daß eine weitere Hinauszögerung der austrat. Die Welt wäre ihr erst vollkommen erschienen, hätte es keine organisierten Arbeiter gegeben, die sich der Verwirklichung der Grundsätze der Bremer Leitung nur allzuoft entgegenstcmmten. Be- sondere Aufmerksamkeit wurde deshalb der Heranzüchtung gelber Wcrkvereine gewidmet, jenen Gebilden, die so bekannt sind, daß wir sie nicht näher zu beschreiben brauchen. Und als die H i t l e r e i in Deutschland aufkam, war es nicht erstaunlich, daß man sich auch ihrer be- diente in der Annahme, daß man die Gewerkschaftsbewegung da- durch schwächen könne. Wenn man bedenkt, daß die„Patrizier" Lahusen das hohle Kreuz der hitler-Vewegung durch reichliche Subventionen zu stärken versuchten, wird man einen Bgriff von den Zielen der National- sozialistischen„Arbeiterpartei" bekommen. Was aus den Knochen aufreizend gering entlohnter Textilarbeiter herausgeschunden wurde, streuten die Herren Lahusen freigebig i n den Rachen der Hitlerschen und Goebbelsschen Achtgroschenjungen. Es ist nur die halbe Wahrheit, wenn dos„Berliner Tageblatt" dieser Tage schrieb, im Falle Nordwolle,„der ein Fall Lahusen ist, sieht man keine Tragödie, sondern die finanzielle und moralische Dekadenz von Abkömmlingen eines alten Patrizierhauses". Man muß zugleich feststellen, daß sich in dieser Dekadenz, in diesem Ber- fall, zugleich der Abstieg des ganzen kapitalistischen Systems widerspiegelt. Denn der Fall Lahusen ist ja kein Einzelfall. wenn er auch der größte seit Jahren ist. Aber wie oft offenbart sich denn die moralische Dekadenz des Besitzers eines Unternehmens bei einem Zusammenbruch? In den meisten Fallen erfährt ja die Oeffentliichkeit gar nicht die Anwendung jener Geschäftspraktiken, die einer vollkommen oerlotterten Moral entspringen. „Moralische Dekadenz" sst keine Ausnahmeerscheinung im heutigen Wirtschaftssystem mehr, sondern sie bildet den Boden, auf dem sich die großen kapitalistischen Transaktionen abspielen. Material für diese Behauptung bieten uns die vielen kapitalistischen Zusammen- bräche, betrügerischen Bankrotte, Gerichtsverhandlungen und Prozesse. Wenn man das ausspricht, muß man auch an die Hetze gegen die Betriebe der öffentlichen Hand denken, in denen angeblich Korruption das Szepter führt. Der neue Skandal des Nordwollekonzerns, der ja nur einer von den vielen der letzten Jahre ist, die sich in der Privotindustvie ereignen, zeigt, daß di« kapitalistischen Wirtschaftssührer außerhalb jeder Konkurrenz stehen! fälligen Gehaltszahlung zu den größten Komplikationen führen würde. Das Reichsfinanzministerium, das ausdrücklich mit einer ent- sprechenden Interpretation der Bestimmungen der Notverordnung angegangen worden ist, hat sich in Stillschweigen gehüllt. Schlichtung in der Krise. Eine aufschlußreiche Statistik. Das„Reichsarbeitsblatt" veröffentlicht in seiner Nr. Ig eine Statistik des Schlichtungswesens für das Jahr 1930, die wie die Jahresberichte der Gewerkschaften erkennen läßt, wie stark schon im vorigen Jahr die lohn- und tarifpolitische Aktivität der Gewerkschaften durch di« Krise gehemmt wurde.- Wurden im Jahre 1929 bei den Schlichtungsausschüsscn nach 6683 Schlichtungsversahren eingeleitet und bei den ständigen Schlich. tern 426, so waren es im vorigen Jahr bei den Schlichtungsaus- schössen nur noch 3760 und bei den Schlichtern 257 Verfahren. Ebenso ging natürlich auch die Zahl der an den Schlichtungsverfah- ren beteiligten Personen zurück. Die nachstehend in Klammern an- geführten Zahlen sind die entsprechenden Vergleichszahlen des Jahres 1929. An den Streitigkeiten vor den Schlichtungsausschüssen waren 3 917 595(6 457 569) Arbeiter und Angestellte beteiligt und an den Schlichtungsverfahren bei den ständigen Schlichtern und den in Sonderfällen vom Reichsorbettsmmisterfum besteOten Schlichtern 4 278132(4 893 713) Personen. Dieser außerordentlich starke Rück- gang erklärt sich wohl daraus, daß infolge der schlechten Konjunktur viele Arbeitergruppen von Tarifkündigungen Abstand nahmen. Erst nach dem Berliner Metallarbeiterstreik, zum größten Teil sogar erst in den ersten Monaten dieses Jahres, gingen die Unternehmer zur Offenfine und zur Kündigung der Tarifverträge über. Von den Verfahren vor den Schlichtungsausschüssen wurden 767(821) von den Unternehmern eingeleitet, 2858(5745) von den Gewerkschaften, 74(72) von beiden Parteien und 61(45) von Zlmts wegen. Die Streitfälle betrafen in 3063(5598) Fällen Ar- beiter, in 641(1019) Fällen Angestellte und in 56(66) Fällen beide Gruppen. Von den 3760(6683) Verfahren bei den Schlichtungsaus- schlissen wurden 2624(4809) vor der Schlichtungskammer erledigt, und zwar 1957(3705) durch Schiedsspruch und 333(522) durch sonstigen Beschluß, z. B. weil in der Kammer keine Mehrheit für einen Spruch zustande kam und das Schlichtungsverfahren deshalb eingestellt wurde. Der Rest der Verfahren wurde schon im Voroer- fahren oder noch früher erledigt. Von den 1957(3705) Schiedssprüchen der Schlichtung?- ausschüsse waren 157(214) bindend: 520(1119) wurden von beiden Parteien angenommen, 892(1741) von den Unternehmern, 296(448) von den Gewerkschatten und 92(183) von beiden Seiten abgelehnt. Von den 1280(2372) abgelehnten Schiedssprüchen erledigten sich 360(862) noch durch spätere Einigung, 257(514) durch Verbindlichkeitserklärung. 229(430) durch Ablehnung der Ver- bindlichkeitserklärung und 434(566) auf andere nicht näher bezeich- nete Weise. Von den 257(426) Schlichtungsverfahren vor den ständigen und Sonderschlichtern wurden 74(97) auf Zlntrag der Unternehmer, 118(253) auf Antrag der Arbeitnehmer, 50(47) auf Antrag beider Parteien und 15(29) von Amts wegen eingeleitet. Von den 190 (293) Fällen, die vor Schlichtungskammern bei den Schlichtern er- lcdigt wurden, geschah dies in 147(222) Fällen durch Schiedsspruch und in den übrigen Fällen durch vorherige Einigung oder einen anderen Beschluß. Von den 147(222) Schiedssprüchen wurden 43 (83) von beiden Seiten angenommen und 4(6) von beiden Seiten abgelehnt. 3(10) Schiedssprüche waren von vornherein bindend. 53(83) Schiedssprüche wurden von den Unternehmern und 44(40) von den Arbeitnehmern abgelehnt. Diese Steigerung spricht deutlich für die Tendenz der Schiedssprüche. Von den 101(129) abgelehnten Schiedssprüchen, die unter Vorsitz der ständigen oder Sonderschlichtcr gefällt worden waren, wurden 41(36) verbind- l i ch erklärt.?luch hier eine bezeichnende Steigerung, die den Druck der Regierung erkennen läßt. lieber 34(71) Sprüche erfolgte eine Einigung zwischen den Parteien. 13(7) Schiedssprüche wurden nicht für verbindlich erklärt und 13(15) Schiedssprüche wur- den auf andere, nicht bezeichnete Weise erledigt. Erwähnenswert ist schließlich noch, daß von den 826(1481) Versahren auf Verbindlich- keitserklärung 223(282) auf Antrag der Unternehmer, 597 (1180) auf Antrag der Arbeitnehmer, 1(4) von beiden Parteien und 5(15) von Amts wegen eingeleitet wurden. Diese Statistik läßt nicht nur die Einwirkung der Krise er- kennen, sondern auch die der Reichsregierung. Von oben begann der Druck auf die Löhne, mit der Wirkung, daß dadurch di« Krise noch verschärft und die Gesamtwirtschoft einem fast hoffnungslosen Schrumpfungsprozeß ausgeliefert worden ist. Wann ist Kündigungsiermin? Darf am ZN o n t a g gekündigt werden, wenn der letzte Kündigungstag auf einen Sonntag fällt? Das' Reichsarbeitsgericht hat diese Frage bejaht. In der Urteilsbegründung heißt es: Um diese bisher strittige Frage zu beantworten, darf man nicht am Wortlaut des§ 193 BGB. halten. sondern muß, wie bei jeder Gesetzesauslegung, auf Sinn und Zweck der strittigen Bestimmung zurückgreifen. 8 li>3 BGB. bringt den Rechte gedanken zum Ausdruck, daß— abgesehen von entgcgcnge- setzten Parteiobreden— an einem Sonn- oder Feiertag niemand «ine Leistung fordern und wider seinen Willen zur Vornahme von Rechtshandlungen gezwungen werden dürfe, vielmehr ist dafür der nächstfolgende Werktag gültig. Der Gesetzgeber bezrveckte, daß olle an einem Sonntag abzugebenden Willenserklärungen ohne Rücksicht darauf, daß dies zu einer Verkürzung der sonst nach 187, 188 BGB. zu berechnenden Fristen führen muß, rechts- gültig auf den nächst folgenden Werktag verlegt werden. Das Recht, auf Grund einer Kündigung das Angestellten- Verhältnis enden zu lassen, stand der Beklagten bis einschließlich des Sonntags zu. Da dieser Tag ein Feiertag war, konnte sein Ablauf ollein ihr Kündigungsrecht nicht vernichten. An Stelle des Sonn- tags trat vielmehr gemäß ß 193 BGB. zwangsläufig der folgende Montag, so daß die Kündigung dieselben Folgen hat, als wenn sie am Tage vorher ausgesprochen worden wäre. t�reie Gewerkschafis-Iugend Verlin Hcute. um NN? Ulir tO(KU die Gruppen:?>pumscholep'reo: Iuarnt» kirim Nairnischuliunpra. Ernststr. 16. UnlcrI-uNun,:ra!'rud.— Brisirn- (»c; Gruppenhrim Wri�rulrr, Parkst«. ZV. Gi-mrrNchatN". Sednadbau irnh Prri-nrnkung.— Humboldt: guarndlirim Graun. Gckc rortlingstrasr. ?Irbeitrid>6it»ngrn auf S-foHplattni.— Rardring: Schule, Svnnrntmrgrr Str. 20. Äkturllcs.— Tegel: Jugendheim Tegel, Sclianrbrrgrr Str. t lrrst um U Uhr). Musikabend— Schgllvlättrn.— Südmesten: Iugcnjihaim Porckstr. II iFabritgrbijgktrü Warum bin ich in der lsGI.? Zlughat«»: Grupprnhrim Triugbakenstr.«8( U-Bahnhof BodbinstraKe). Sirrnmartr. Besichtigung und Abrnbspazirrganq durch den Traptawer Bork.— ReukSll»: Jugendheim Rru- kdlln, Bergltr. 29 lHos). Dan laschiltischr Italien.— Spandau: Jugend, beim Lindenufer l. Doa Brtrirbarategesrtt.— Schöneherg: Haupt. fteaKr 15 l Gartenbaus). Schnurriars und.gnurr-ars im bitdfchrn Hügel.— ?»grndbcratnng»stelle: SIlwnarr Str. 30, I>. s links. Geöffnet 38' i Uhr bis lfli« Uhr. Dir Iugrudhrratungsstelle ist nenn 22. Juli bis 20. August R"- lchlöslrn.— Grfamtnrrband. ßachgruvpe Giirtnerri: 30 Uhr Iugendhrün Gngelufer 21/25, Gemrrklchaltshan-. Aufgang B ptr.„Wandern u. Schauen". «Iugendgruppe des Zentralverbandes der Angestellten Hent«. Mittmach, folgende Veranstaltungen: Gesundbrunnen: Jugend- heim Schönstedtstr. l. Vartrag:..Vom So»ialistengesett ,ur letiten Not- nerorditung", Ref.: Bunzel.— Lchönhauser Borstadt: Jugendheim der Schutt .ttastanienallee 81. Tage-xochtische Rundschau.— Rordolt: Jugendheim Donl»ig«r Str. 63. DIskufsion-abend:„Bürgerliche»Ith proletarische Jugend- drwegung".— Reiuickeudarft Jugendheim Liudauer Str. 2 lBaraste). Bor- trag:„Ält. Berliner Humor". Ref.: Scharfer.— Stralau: Jugendheim der Schule Goßlersrr. Ol. Wir üben neue Lieder.— Oberspree: Schule in Nieder- schönemeidr, Berliner Str. 8l, Gruganq Hasselwerder Straße. Arbeitsgeinein- schalt:„Die Angestelltenbewegiing", Leiter: Holz.— Köpenick.. Jugendheim DoMwihee Str. 15 l Gasanstalt), am Bahnhof Köpenick). Liederabend, Leiter: Weihmberger.— Renköll»! Jugendheim Böhmische Str. 1—4. Ecke Banner Straße. Vartrag:„Die gegnerischen Gemerkschaften— sind sie auch Brrtreter der Arbeitnehmer?", Ref.: Lehrer.— Südost: Zugendhrim Wrangelstr. 128. Wir gehen baden.— Dchäneberg: Jugendheim Hauptstr. 15 lHotgebäude, Sachsenrimmer). Bortrag:„zür und wider die Todesstrafe", Ref.: Lewinfii. — Eharlottcnbiirg: Jugendheim Epielhagenstr. 4.„Alt-Berliner Humar" lAbend eigener Ausgestaltung).— Spandan: Ittgendheim Ändenuser l. Bor. trag: �agespolit-lfche Rundschau", Ref.: Bernstein.— Patsdam-Nou-awe»: Bodeabend.— Sportabteilung: Uebung-obend, 20 Uhr, sn der stäbtischen Turn. l>alle. Prinzenstraße._ Spiele im Freien ab 18 Uhr auf dem Eporiploß Frirdrichahain. Berantwortlich für Politik: Bietor Schiff: Wirlschosf: G. illi-gelhesert Dewerkschaftsbeweaung: Friede. Ehkorn: Feuilleton: Dr. Zoh» Schikowzli: Lokales und Sonstiges: Frih� tlarstadt: Anzeigen: Td. Glocke: sämtlich in Berlin. Berlaa: Borwärts-Berlag® m b. H.. Berlin. Druck: Borwärls-Buchdruckeret „ad Berlagsanstalt Paul Sinaer u. Co.. Berlin SW 68, Lindenstraß- J. Hier,» 2 Beilagen. Die Beamten zur Krise. Kundgebung des Allgemeinen Deutschen Beamtenbundes. Der Bundesvorstand des Allgemeinen Deutschen Beomtenbundcs hat in seiner Sitzung vom 14. Juli, zu der Vorstandsvertreter oller ongeschlossenen Gewerkschaften hinzugezogen waren, einstimmig sol- gende Kundgebung an die freigcwerkschastlichen Beamten beschlossen: „Die Wirtschaftskrife ist durch den Zusammenbruch eines der größten deutschen Wirtschaftskonzerne und durch die Zohlungs- Unfähigkeit einer der gräßten deutschen Banken zur Wirtfchafts- katasttophe geworden.?lls Natmaßnahmen find die volle Reichs- garantie für die Danat-Bank, die Ermächtigung an die Regierung, Bankseiertage anzuordnen und ein« vorübergehende Schließung der deutschen Börse erfolgt: weitere Schutzmaßnahmen gegen die spckula- tioen Auswüchse des kapitalistischen Systems sollen dem Vernehmen nach von der Reichsregierung in den nächsten Tagen ergriffen werden. So sehr wir auch in diesen Vorgängen neue Beweise für die Lrüchigkeit und die UnHaltbarkeit der kapitalistischen Wirtschast er- blicken, so entschieden wenden wir uns aber gegen die rechtsradikalen und linksradikalen versuche, die gegen- wärlige Wirtschaftsnok zur Herbeiführung eines Ehaos auszu- nutzen. Ein völliger wirtschaftlicher Zusammenbruch würde nicht nur unsäg- liches Elend, Hunger und Verzweiflung über die deutsch« Arbeiter- tlasse bringen, sondern auch die Zukunftsausstchten auf Umwandlung der Wirtschaft im gcmeinwirtschaftlichen Sinne um Jahrzehnte zu- rückwerfen. Besonders uns steht klar vor Augen, daß ein Zusam- menbruch der deutschen öffentlichen Wirtschast und der sich daraus ergebende Zusammenbruch der öffentlichen Finanzen den schwersten Schlag gegen das Benifsbeanttentum bedeuten würde. Die Verschärfung der wirtschaftlichen Krise in den setzten Tagen hat auch die bis dahin latente politische Krise zum offenen Ausbruch gebracht. Mit wachsender Sorge hoben wir dos seit Locarno wieder gestiegene internationale Mißtrauen, insbesondere Frankreichs, beobachtet, das in beunruhigendem Maße durch die seit den Septemberwahlen immer offener hervorgetretenen nationalisti- schen Strömungen gefördert worden ist. Wenn auch wir eine Lösung der Reparotionssrage in einem für, das deutsche Volk, insbesondere für die deutschen Arbeiter, Angestellten und Beamten tragbaren Masse mit aller Eindringlichkeit fordern, so protestieren wir dennoch entschieden gegen die von der äußersten Rechten und Linken gcsor- derten Methoden, die nur d«r internattonalen Verhetzung dienen und in der Hauptsache für die gegenwärtige Kreditkrisis Deutschlands ver- ontwortlich gemacht werden müssen. Wir fordern vielmehr im Sinne der internationalen Zusammenarbeit der Gewerkschaften eine ayf internationaler Verständigung beruhende vertrauensvolle Zusammenarbeit der Völker, die allein eine endgültige Liquidierung der Kriegsschulden und de- Bölkermißtrauens herbeiführen kann. An unsere Kollegen aber richten wir in diesen Tagen den Appell, nicht die Nerven zu verlieren, sondern trotz oller Wirrnisse der Gegenwort den Glauben an die Richtigkeit der Ziele der freigewerkschaftlichen Beomtenbewegung aufrechtzuerhalten und sich in allcrprobtcr Disziplin besonnen, aber auch entschlossen hinter ihre Organisationen zu stellen, eingedenk dessen, daß die freien Gcmerkschasten der Arbeiter, Angestellten und Beamten sich schon mehr als einmal in Schicksalsstunden unseres Baolkes als der eherne Fels der demokratischen deutschen Republik erwiesen haben"