Morgenausgabe Tu, 327 A 165 4S.I berliner VottSbla« Oonnerstag 16. 3uH 1931 Groß-Äerlin 10 Pf. Auswäris 15 pf. Die eknspalt. Nonpareillezeil« 80 Pf. Neklomezeile 8.— RM.„Kleine Anzeigen" das fettgedruckte Wort 2ö Pf. lzulässig zwei fettgedruckte Worte), sede» weitere Wort 12 Pf. Rabatt lt. Tarif. Stellengesuche das erste Wort 13 Pf, jedes weitere Wort 10 Pf. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmartt Zeile 60 Pf. Familie»» anzeigen Zeile 40 Pf. Anzeigenannahme im Hauptgeschäft Lindenslrahe 3. wachen- täglich von 8�/, bis 11 Uhr. Der Verlag behält sich da» Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vorl Jentealoesan der SoziawemoSvatilchen Oavtei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstr. 3 Fernspr.: Dönhoff(A 7) 292—297. Telegramm-Adr.: Sozialdemokrat Berlin. Vorwärts-Verlag G. m. b. H. Postscheckkonto: Berlin 37 539.— Bankkonio: Bankdcr Arbeiter, Angestellten und Beamten, Lindenstr. 3, Dt.B. u.Disc..Gel., Depositcnk., Jerufalcmcr Str. 95/66. Die neuen Nowerordnungen. Banken bis Sonnabend nur für Lohngelder geöffnet.— Erlaß einer Oevisenverordnung.— Michsbankdiskont 10 Prozent. Heute öffnen die Banken wieder ihre Schalter. Zur ge- regelten Abwicklung des Verkehrs soll ihnen die erste der neuen Rotvereordnung helfen. Es sollen vor allem— und das entspricht der Forderung, die im Aufruf der Sozialdemokratischen Partei erhoben wurde— die Lo h n- Gehalts- und Rentenauszahlungen gesichert werden. Bis zum 16. Juli dürfen nur derartige Auszahlungen vor- genommen werden. Ob mit der Verordnung und den von den Banken gefaßten Beschlüssen erreicht wird, daß wirklich alles überall klappt, muß abgewartet werden. Die Frage, wie die notwendigen Zahlungsmittel beschafft werden, ist noch nicht gelöst. Da die notwendigen großen Aus- iandsanleihen einstweilen nicht aufzubringen sind, sieht man nur zwei Möglichkeiten: ein längeres Moratorium oder eine Vermehrung der Zahlungsmittel hei Herab- ietzung der Deckungsgrenze unter 40 Proz. Gegen ein Moratorium werden mit Recht die allerschwersten Bedenken erhoben — man befürchtet, daß es den allgemeinen Zusammenbruch nicht verhindern, sondern eher fordern würde— und so bleibt totsächlich als das kleinere Uebel nur die Vermehrung der Zahlungsmittel über das bisherige Deckungsverhältnis hinaus. Der Zustand, der jetzt besteht, ist das Gegenteil einer Inflation, eine ins Unerträgliche gesteigerte Ver- knappung der Zahlungsmittel, an der in erster Linie nicht der Staat sondern die Privatwirtschaft leidet. Die Behebung dieses Zustandes ist noch keine Inflation und wird, wenn man richtig vorgeht, auch nicht zur Inflation führen. Die sozialdemokratische Forderung nach Sicherung der Löhne, Gehälter und Unterstützungen kann nur dann erfüllt werden, wenn die Reichsbank unverzüglich der Wirtschaft gegen Warenwechsel Zahlungsmittel zur Verfügung stellt. Eine vorübergehende Herabsetzung der Deckungsgrenze ist gesetzlich nicht möglich und wirtschaftlich nicht gefahrlos ohne eine entsprechende Erhöhung des Diskonts. Die Reichsbank kann auf dem Geldmarkt nicht den billigen Jakob spielen, sonst wachsen die Ansprüche, die man an sie stellt, ins Ungemesiene. Ob die jetzt erfolgte Erhöhung des Diskontsatzes von 7 auf 10 Proz. und des Lom- bardzinsfatzes auf 15 Proz. ausreichend sein wird, muß man bezweifeln. Es gibt Sachverständige, die jetzt schon Sätze von 20 bis 30 Proz. nennen! Daß solche Zinssätze normalerweise nicht zu ertragen sind, bedarf keiner näheren Ausführungen. Aber ein hoher Diskontsatz ist immer noch leichter zu ertragen als der Zustand, daß jedermann zur Reichsbank läuft, weil er dort das Geld am billigsten bekommt! Die Reichsbank muß sich nicht nur durch einen hohen Zinszaun vor übermäßigen Kreditansprüchen sichern, sie wird sich auch die Kreditwerber etwas genauer ansehen müssen. Wer über Auslandsguthaben und Devisen verfügt, soll erst diese flüssig machen, bevor er sich von der Reichsbank Mark leiht. Der Kredit der Reichsbank darf nicht dazu mißbraucht werden, die Devisenhamsterei zu finänzieren! Mit der Regulierung des Devisen Verkehrs beschäftigt sich die zweite der neu erlassenen Notverordnungen. Die Reichsregierung unterstellt die ausländischen Zahlungs- mittel einer Bewirtschaftung, um die notwendigen Devisen herbeizuschaffen, die zur Finanzierung der Einfuhr und zur Befriedigung ausländischer Forderungen nötig sind. Zu diesem Zwecke ist der Ankauf und Verkauf von Devisen und fremden Noten bei der Reichsbank zentralisiert worden, er darf nur noch durch die Reichsbank erfolgen. Das Termin- geschäft in ausländischen Zahlungsmitteln ist verboten worden, um Spekulationen gegen die Mark zu unterbinden. Der Berliner amtliche Devisenkurs wird künftig für das ganze Reich Gültigkeit haben. Darüber hinaus enthält die Notverordnung Bestimmun- gen zur Bekämpfung der Kapitalflucht nicht. Bei allen Maßnahmen, die getroffen oder noch zu treffen sind, erhebt sich die Frage, ob sie dazu dienen sollen, die aus- ländische Krcdithilse zu ersetzen, oder ob sie nur die deutsche Wirffchaft so lange über Wasser halten sollen, bis die aus- ländische Äredithilse kommt. Dazu ist zu sagen, daß es Maß- nahmen, die die Kredithilfe ersetzen können, nicht gibt, es sei denn, man schreckte nicht davor zurück, das Volk den furcht- barsten Entbehrungen auszusetzen. Selbst der Desperadoplan des Herrn Schacht, so gut wie alle Sozialausgaben zu streichen, würde dazu nicht ausreichen. Von den p o l i- tischen Folgen gar nicht zu reden... Bei dieser Gelegenheit sei ausgesprochen: Je weniger Herr Schacht von sich reden macht und je weniger die Reichs- regierung ihm Gelegenheit gibt, von sich reden zu machen, desto besser ist es! Herr Schacht in seinem gegenwärtigen Geisteszustände ist eine außen- und innenpolitische Gefahr. Die aufdringliche Reklame, die ein Teil der Presse für ihn treibt, ist nur geeignet, diese Gefahr noch deutlicher zu machen. Kein Schacht und kein Desperadoplan kann an der Tat- fache etwas ändern, daß die deutsche Wirtschaft, um wieder flott zu werden, eine starke Kapitalzufuhr aus dem Auslande braucht. Daß diese Kapitalzufuhr eine rein Wirtschaft- liche Angelegenheit ist, die am besten so wenig wie möglich mit politischen Tagesfragen, wie Schissbau, Zoll- union usw., in Verbindung gebracht wird, das ist eine Wahr- heit, die in diesem Blatt täglich gepredigt wird. Hoffentlich wird das Ausland sie verstehen; die Vorgänge, die sich gestern an der Pariser Börse abspielten, sind hervorragend ge- eignet, dieses Verständnis zu fördern. Ob es gelingen wird, das Ausland ganz auf unfern Standpunkt zu bringen, muß abgewartet werden. Ver- ständigung ist aber nicht anders möglich als so, daß man sich gegenseitig entgegenkommt, und wer in dringender Not auf Suche nach Anheihen geht, der darf nicht von vornherein eine Haltung einnehmen, die jedes Entgegenkommen von seiner Seite ausschließt. Die Einnahme einer solchen Haltung und die Erweiterung des nationalistischen Einflusses auf die Reichsregicrung würde ungefähr soviel bedeuten, daß der Schuldner seine Verhandlungen mit dem Gläubiger durch einen wohlgezielten Fausthieb auf dessen Nase eröffnet. Darum Ablehnung jeder nationalistischen Politik der Herausforderungen! Und nie wieder Schacht! Abbau der Bankfeiertage. Verordnung des Reichspräsidenten über die Wiederaufnahme des Zahlungsverkehrs nach Bankfeiertagen, den Verkehr mit Devisen und über Kursveröffentlichungen. Aus Grund de» Art. 4S Abs. 2 der Rcichsvcrfassung wird verordnet: 8 l. Die Reichsregierung ist ermächtigt, die Wiederaufnahme des Zahlungsverkehrs nach vontseiertagen zu regeln. Sie kann Maßnahmen zum Schuh gegen die Folgen der Erklärung von Sank- seiertagen und der Regelung der Wiederaufnahme des Zahlungs- verkehrs treffen. 8 2. Die Reichsregierung ist ermächtigt, Vorschriften l. über den Verkehr mit ausländischen Zahlungsmitteln und Forderungen in ausländischer Währung in Anlehnung an die Devisenordnung vom 8. November 1324(Reichsgesehbl. I, S. 7Z0). 2. über die Veröffentlichung von Kursen von Wertpapieren und Metollen zu erlassen. Verordnung über die Wiederaufnahme desZahlungsverkehrs nach den Bankfeiertagen. Auf Grund der Verordnung des Reichspräsidenten vom IS. Jull 1931 wird verordnet: §1. (1) Noch Ablauf der für den 14. und IS. Juli 1S3I erklärten Reichsbankdiskont 10 Prozent. Oeckvngsgrenze unter 40 Prozent gesunken. Tie Reichsbank teilt mit: Mit dem heutigen Tage ist die Gold- und Tebisendcrkung der Reichsbank unter 40 Proz. gesunken. Tic gesetzlich erforderliche Ermächtigung des Generalrats ist hierfür eingeholt worden. Die Reichsbank hält es nicht für richtig, mit der Erhöhung ihres Diskontsatzes zn warten, bis die im 8 29 des Bankgesetzes angegebenen Voraussetzungen vor- liegen, sondern hat in Vorausnahme dieser Verpflichtung bereits heute mit Wirkung vom IS. Iiuli d. I. ab den Diskontsatz auf 10 Proz. erhöht. Gleichzeitig ist der Lombardsatz auf 15 Proz. fe st gesetzt worden. Bankfcicrtage ist ein Zahlungsverkehr nach den folgenden Bestim« münzen aufzunehmen. (2) Die von Sen Bankfeiertagen bctrossenen Institute mit Ausnahme der Privatnotenbanken und der Deutschen Golddiskontbank dürfen Barauszahlungen in der Zeit vom 16. bis einschließlich 18. Juli 1931 nur leisten, soweit der Empfänger die Zahlungsmittel '• nachweislich benötigt zur Zahlung von a) Löhnen, Gehältern, Ruhegehältern, Versorgungsgebührnissen und ähnlichen Bezügen, b) Arbeitslosen- und Kriscnuuterstühungen und Leistungen der öffentlichen und freien Wohlfahrtspflege lZür- sorge), c) Leistungen an versicherte der Sozialversicherung und wiederkehrende Leistungen an Versicherte ans anderen össentlichca oder privaten versicherungsoerhältnissen. cl) Steuern und sonstigen össcnllichen Abgaben, soweit nicht bargeldlose Entrichtung möglich ist. (3) Die Vorschrift des Abs. 2 gilt entsprechend für den Heber« weisungsoerkehr. Ileberwcisungen sind jedoch unbeschränkt zulässig a) soweit sie erforderlich sind, um die in Abs. 2 zugelassenen Barauszahlungen zu ermöglichen, b) soweit sie sich innerhalb des» selben Instituts vollziehen, c) soweit dadurch Zahlungen zur Durchführung des Gesetzes über Arbeitsvermittlung und Arbeitslosen- Versicherung bewirkt werden, ä) soweit Leistungen an einen Ber- sicherungsträgcr zur Erfüllung einer Bcitragspflicht bewirkt werden. (4) Die Annahme von Einzahlungen unter- liegt keinen Beschränkungen. Ucbcr Guthaben, die aus Bareinzahlungen in Reichsmark nach dem IS. Juli 1931 entstanden sind, kann frei o e r f ü g t werden. 8 2. Insoweit die Institute nach der Vorschrift des Sj 1 Barauszahlungen und Ueberweisungen nicht vornehmen dürfen, gelten die Vorschriften des tj 1 Abs. 2 der Durchführungsverordnung vom 13. Juli 1931(Reichsgesetzbl. I S. 361) und des Artikel 2 der Zweiten Durchführungsverordnung vom 14. Juli 1931(Reichsgesetzbl. l <5....) auch für den 16., 17. und 18. Juli 1931. Diese Tag« gelt.m als staatlich anerkannte ollgemeine Feiertage im Sinne der Wechsel« ordnung und des Scheckgesctzes. 8 3- Wird ein Schuldner durch die Erklärung von Bankfciertagcn oder die zur Regelung der Wiederaufnahme des Zahlungsverkehrs getroffenen Maßnahmen ohne sein Verschulden gehindert, eine Zahlungsverb indlichkcit zu erfüllen, so gelten die R e ch t s f o l ge n, die wegen der Nichtzahlung oder der nicht recht- zeitigen Zahlung noch Gesetz oder Vertrag eingetreten sind oder ein- treten, als nicht eingetreten. Die auf Gesetz oder Vertrag be- ruhende Pflicht zur Zahlung von Verzugszinsen wird hierdurch nicht berührt. Der Schuldner kann sich auf die Vorschrift des Satz 1 nicht berufen, wenn er es unterläßt, die Verbindlichkeit unverzüglich noch Beseitigung des Hindernisses zu erfüllen. Die Devisenverordnung. Schwarzer Tag der pariser Börse. Oeutschenflucht aus Krankreich/ Mark wird nicht gewechselt. Verordnung über den Berkehr mit ausländischen'Zahlungsmitteln. Auf Grund der Verordnung des Reichspräsidenten vom 15. Juli 1931 wird oerordnet: 8!- Ausländische Zahlungsmittel und Forderungen in ausländischer Währung dürfen gegen inländische Zahlungsmittel nur von oder durch Vermittlung der Reichsbank erworben und nur an die Rcichsbank oder durch ihre Vermittlung abgegeben werden. Die Reichsbank kann die Befugnis zum An- und Verkauf(kommissionsweise oder für eigene Rechnung) anderen Kreditinstituten oerleihen. Die Reichsbank kann von der Vorschrift des Abs. 1 Satz 1 Aus- nahmen zulassen. 8 2. Termingeschäfte in ausländischen Zahlungs- Mitteln oder Forderungen in ausländischer Währung oder in Edelmetall gegen inländische Zahlungsmittel sind verboten. 8 3- Zahlungsmittel im Sinne dieser Verordnung sind Geldsorten (Mllnzgeld, Papiergeld, Banknoten und dergleichen), Auszahlungen, Anweisungen, Schecks und Wechsel. Forderungen in ausländischer Währung im Sinne dieser Ver- ordnung sind Forderungen, bei denen der Gläubiger Anspruch auf Zahlung in effektiver ausländischer Währu ig hat. Als Forderungen in ausländischer Währung gelten nicht ausländische Wertpapiere. Edelmetalle im Sinne dieser Verordnung sind Gold, Silber, Platin und Platinmetalle in den im Handel mit solchen Metallen üblichen Formen. 8 4. � Ausländische Zahlungsmittel und Forderungen in ausländischer Währung, für die eine amtliche Notierung in Berlin er- folgt, dürfen gegen inländische Zahlungsmittel zu keinem höhe- ren als dem l e tz t b e k a n n t e n amtlich in Berlin notierten Briefkurse erworben oder abgegeben werden. Der Kurs für Auszahlungen ist auch für Geschäfte in Geldsorten maßgebend, wenn für die Geldsortcn kein besonderer amtlicher Kurs notiert wird. Wird ein besonderer Kurs notiert, so gilt er nur für Geschäfte in Geldsorten. 8 S. Ausländische Zahlungsmittel und Forderungen in ausländischer Währung, für die eine amtliche Notierung in Berlin nicht vorliegt, dürfen gegen inländische Zahlungsmittel zu keinem höheren als dem lehtbekannlen, von einem Ausschutz der Berliner Bedingungsgemeinschaft für den Wertpapierverkehr als Briefkurs ermittelten und in der Presse veröffentlichten Preise erworben oder abgegeben wsrden. Ausländische Zahlungsmittel und Forderungen in ausländischer Währung, für die weder eine amtliche Notierung in Berlin ersolzl, noch gemäß Abs. 1 Preise ermittelt und veröffentlicht werden, dürfen gegen inländische Zahlungsmittel zu keinem höheren als einem Preise erworben oder abgegeben werden, der auf der Grundloge einerseits eines letztbekannten ausländischen Briefkurses dieses Zah- lungsmittels und andererseits des letztbekannten amtlich in Berlin notierten Briefkurses der Währung des ausländischen Börsenplatzes errechnet ist. 8 6. Geschäste, die gegen eine Vorschrift der§§ 2, 4 oder 5 ver- stoßen, sind nichtig................. Die Nichtigkeit kokin nicht zum Nachteil von Personen geltend gemacht werden, die den die Nichtigkeit begründenden Sachoerhalt beim Abschluß des Geschäftes nicht kannten. 8?- Die§§ 2, 4 bis 6 gelten nicht für Geschäfte, die mit der Reichs- dank oder der Deutschen Golddiskontbank abgeschlossen werden. 8 s- Als inländische Kurse ausländischer Zahlungsmittel dürfen nur die amtlichen Notierungen der Berliner Börse oder ihnen gleichgestellte Preise veröffentlicht werden. 8 9. Der Reichswirlschastsminister oder die von ihm bestimmte Stelle kann von jedermann Auskunst über im eigenen oder fremden Namen und für eigene oder fremde Rechnung ab- geschlossene oder vermittelte Geschäfte mit ausländischen Zahlungs- Mitteln und Forderungen in ausländischer Währung fordern, ins- besondere Vorlage der Bücher und sonstigen Bc- lege verlangen. Der Rcichswirlschaflsministcr kann anordnen, daß ihm oder der von ihm bestimmten Stell» gegenüber die Richtigkeit einer Aus- kunft nach Abs. 1 eidesstattlich versichert wird. 8 10. Mit Gefängnis und mit Geldstrafe bis zum Zeh» fachen des Wertes der ausländischen Zahlungsmittel, der Forderun- gen in ausländischer Währung oder der Edelmetalle wird bestrast, wer vorsätzlich 1. dem§ 1 zuwider ausländische Zahlungsmittel oder Forde- rungcn ausländischer Währung gegen inländische Zahlungsmittel erwirbt oder abgibt; 2. dem 8 1 zuwider den Erwerb oder die Ab- gab« von ausländischen Zahlungsmitteln oder Forderungen aus- ländischcr Währung gegen inländische Zahlungsmittel vermittelt; 3. ausländische Zahlungsmittel oder Forderungen in ausländischer Währung gegen inländische Zahlungsmittel zu einem höheren als dem nach den 88 4, 5 zugelassenen Preise abgibt oder erwirbt oder einen solchen Erwerb vermittelt; 4. Termingeschäfte in ausländischen Zahlungsmitteln oder Forderungen in ausländischer Währung oder in Edelmetallen gegen inländische Zahlungsmittel abschließt oder vermittelt. Wird eine der Handlungen fahrlässig begangen, tritt nur die Geldstrafe ein. An die Stelle einer Geldstrafe tritt bei Nichtbeitreib- barkeit Gefängnis. Mit der im Abf. 1 bezeichneten Strafe wird ferner bestraft, wer vorsätzlich zu einer im Absatz 1 mit Strafe bedrohten Handlung auffordert, anreizt oder sich erbietet. Neben der Strafe können die ausländischen Zahlungsmittel und Forderungen in ausländischer Währung,.auf die sich die strafbare Handlung bezieht, zugunsten des Reichs eingezogen werden, auch wenn sie dem Täter oder einem Teilnehmer nicht gehören. Die Einziehung unterbleibt, wenn der von der Einziehung Betroffene nachweist, daß er von der Straftat weder Kenntnis hatte noch haben konnte, er von der Straftot auch keinen Dorteil gehabt hat. Erweist sich die Einziehung als nicht durchführbar, so kann das Gericht nachträglich durch Beschluß die Einziehung des Wertes an- ordnen. Der Feststellung des Wertes der Zahlungsmittel und der Forderungen ist der nach den Vorschriften dieser Verordnung er» rechnete mittlere Kurswert im Zeitpunkt der verbotenen Handlung zugrunde zu legen....� Paris, 15. Zuli.(Eigenbericht.) Die Pariser Börse hatte am Mittwoch den schwärzesten Tag zu verzeichnen, den sie je erlebt hak. Die Er- schütterungen des kursnivcaus wurden besonders dadurch begünstigl, datz die Zahlungstermine in Frankreich nicht wie bei uns aus das Ende des Monats(Ultimo), sondern aus die Mitte des Monats (Medio) fallen. Dadurch wurde der Geldbedarf stark gesteigert. was zum Verkauf von Wertpapieren führte. Die Aktien der Bank von Frankreich gaben zu Beginn um SSO Franken— in Frankreich wird nicht wie bei uns in Prozenten notiert— nach. Trotz Interventionen konnte der Verlust nur aus 455 Franken gedrückt werden. Die übrigen Papiere schlössen mit niedrigsten Kursen. Der Credit Dyonnais, die ausschlaggebende Kreditbank in Frankreich, büßte pro Aktie ZOO Franken ein, die Banque de Paris 265 Franken und die Suezkanalgesellschast 580 Franken. Die Poung-Anleihe gab von 715 auf 600 Franken nach. Auf dem Devisenmarkt war das englische Pfund schwach, während die M a r k n o t i z gestrichen war. Da ein offizieller Markkurs nicht vorhanden ist, lehnen die Pariser Banken die Ein« wechselung von deutschen Reichsbanknoten ab. Die deutsche Botschaft ist daher seit Mittwoch von zahlreichen deutschen Touristen umlagert, die weder ihre Hotelrechnungen be- gleichen noch die Rückreise antreten können. Die Botschaft gibt ihnen das Rückrcifebillett bis zur deutschen Grenze, lehnt aber die Um- wechslung der Markb«träge in Franken ab und empfiehlt den Tou- risten. ihre Koffer in den Hotels alsPfand zurückzulassen. Di« Sachen sollen dann später von der Botschaft eingelöst werden. Frankreich kündigt Kredite in London. Im Zusammenhang mit umfangreichen kredilkündigun- gen der französischen Banken in London und der internationalen Loge sehte am Mittwoch an den internationalen Börsen eine sensationelle Abwärtsbewegung des englischenPsunds ein. Das Pfund ging gegen den französischen Franken aus 123 zurück. nachdem die Usance noch vor wenigen Tagen bei 124 hielt. Später war eine Erholung auf 12Z,40 zu verzeichnen. Gegen New Park schwächte sich das englische Pfund vorübergehend aus 4,84 V, ob und konnte sich erst später auf 4,85 IL erholen. Auch an den übrigen weltbörsenplähen lag dos Pfund auherordentlich matt, und zwar gegen Zürich 24,98 und gegen Amsterdam 12,02. Angesichts dieser empfindlichen Abschwächung der englischen Währung, durch die die Goldpunkte unterschritten wurden, ist mit starken englischen Goldabgaben zu rechnen, gegen die sich England allerdings durch ein verbot der Goldausfuhr schützen kann. Panzerschiffdebatte in Paris. Srimsons und Hendersems Bermittlungsversuch. London, 15. Iuli. Noch pariser Meldungen will henderson in Paris die Rolle eines Vermittlers zwischen Frankreich und Deutschland spielen. Henderson»volle versuchen, Frankreich zur Ausgabe des geplanten 2Z OOO-Tonnen-Schlachtschiffes zu bewegen, falls Deutschland in einen Verzicht aus den neuen Panzerkreuzer einwillige. Paris. 15. Juli.(Eigenbericht.) Der amerikanische Staatssekretär S t i m s o n traf am Mittwoch- nachmittag von Rom kommend in Paris ein. Am Donnerstag dürfte eine französisch-englisch-amerikanische Ministerbesprechung stattfinden, in der außer über die deutsche Zur Sicherung der Geldstrafe oder der Einziehung kann das Vermögen des Angeschuldigten ganz oder teilweise beschlagnahmt werden. 8 Ii- Mit Geldstrafe wird bestraft, wer vorsätzlich oder fahrlässig 1. Kurse ausländischer Zahlungsmittel verössentlicht, die nach§ 8 nicht verössentlicht werden dürfen, 2. die vom Reichswirtschaftsminister oder von ihm bestimmten Stelle erforderten Auskünfte nicht, nicht in bestimmter Frist, unvoll- ständig oder unrichtig erstattet, oder die Bücher oder sonstigen Belege nicht, nicht in der bestimmten Frist oder unvollständig vorlegt. 8 13. Der Reichswirtschaftsminister wird ermächtigt, die zur Durch- führung dieser Verordnung erforderlichen Rechtsverordnungen und allgemeinen Verwaltungsvorschriften zu erlassen. Er kann anordnen, daß und in welchem Umfange bei Zuwiderhandlungen gegen die Durchführungsbestimmungen die Strafbestimmungon der 88 10 bis 12 Anwendung finden. Verordnung über die Veröffentlichung von Kursen. Auf Grund der Verordnung des Reichspräsidenten vom 15. Juli 1931 wird verordnet: 8 1. In öffentlichen Bekannt nrachungen oder in Mit- t e i l u n g e n, die für einen größeren Personenkreis bestimmt sind, dürfen Angaben, die sich auf Preise beziehen, zu denen aus- ländische Zahlungsmittel, die Reichsmark und Wertpapiere gehandelt, angeboten oder gesucht worden sind oder sein sollen, nicht g c- macht werden, es fei denn, daß es sich um amtlich fest- gestellte Kurse einer Börse handelt. Die Reichsregierung kann Ausnahmen zulassen. 8 2. Die Vorschriften des ß 1 gelten entsprechend für Termin- geschäste in Kupfer, Zink, Zinn und Blei. 8 3. Wer den Vorschriften des 8 1 oder 2 zuwiderhandelt, wird mit Gefängnis bis zu 6 Monaten und mit Geldstrafe oder mit einer dieser Strafen bestraft. Banken und Lohnzahlungen. Wie WTS.-Handelsdienst hört, haben die Mitglieder der Strmpelverdnigung einschließlich ihrer sämtlichen Filialen beschlossen, Gelder zu Lohnzweckcn nur an denjenigen Stellen abheben zu lassen, an denen bereits früher die Mittel zu Lohnzwecken ab- gehoben worden find. Außerdem»verdcn die Banken die Zahlung zu Lohnzweckeu i Krise über das Flottenabrüstungsprobl.>em gesprochen werden soll. Man vermutet, daß Stimson aus Rom einen Vermitt- lungsvorschlag für eine französisch-englisch-italienijche Einigung in der Flottenobrüstungsfrage initbringen wird. Auf einige am Bahnhof von Journalisten an ihn gerichtete Fragen antwortete Stimson, daß seine Demarchen in Rom zu keinem konkreten Ergebnis geführt hätten. Er glaube jedoch, daß Frankreich uiid Italien sich über die Flottenabrüslung einigen werden. Seine Rolle bestehe nicht darin, Ratschläge zu erteilen. Er begnüge sich damit, A n- regungen zu geben und entgegenzunehmen. In bezug auf die deutsche Krise erklärte Stimson, er sei nicht nach Paris gekommen, um zu sprechen, sondern um zu hören. Valuta-Hyänen bei der Arbsii. betrügerische Manipulationen auf Grenzbahnhöfen. Neu-Bentschen, 15. Juli. Obwohl die Reichsmark an der Warschauer Börse nach wie vor zun» Kurse von 211(ein Zloty gleich 47 Pfennig) notiert wird, ist am Fahrkartenschalter des polnischen Grenzbahnhofes Bc Nischen seit Dienstag der Zloty gleich Mark erklärt worden. Schlimmer noch hat man deutsche Reisende in den Wechsel- st u b e n auf dem Bahnhof Bentschen behandelt. So ist es hier be- könnt geworden, daß einmal für 50 Mark 17 Zloty, ein ander- mal für 30 Mark gar 4 Zloty ausgezahlt worden sind, während in Wirklichkeit für diese deutschen Marksummen rund ge- rechnet 100 und 60 Zloty hätten gezahlt werden müssen. In allei» Fällen liegt offensichtlicher Betrug vor. Moniag Europakonferenz in London. Wie wir um 1.30 Uhr morgens aus London cr- fahren, hat Macdonald»nit Zustimmunfl der UTA. zu Montag abend tt Uhr die Ministcrpräsidcntri» ein- schließlich Brüning zu einer Konferenz eingeladen „angesichts der ernsten Lage in Teittschland". Kommunistische Panikmache. Gewissenlose Aufputschung von Arbeitslosen. Stuttgart, 15. Juli.(Eigenbericht.) Im Anschluß an eine von kommunistischer Seite einberufenö Erwerbslosenverfammlung kam es am Mittwochmittag in Stuttgarl mehrfach zu Straßendemonstrationen,.zu deren Zer» streuung ein großes Aufgebot von Polizei nötig roar. Zur Aufputschuvg der Erwerbslosen war von den Kornmunisten das Gerücht ausgestreut worden, daß das Wohlfahrts» und Fürsorgeamt den Unterstützungsempfängern Gutscheine statt Geld ausgehändigt habe. Die Stadtoerivaltung bezeichnet diese Gerüchte als völlig unwahr. Oer zweite Oanat-Kommisiar. D>« Reichsregierung Hot auf Grund der Verordnung über dis Darmstädler und Nationalbant vom 13. Juli 1931 den Reichs. bankdirektor Schippe! in Hamburg zum zweiten; Treuhänder für die Darmstädter und Nationalbank bestellt. davon abhängig machen, datz ihnen Lohnlisten vor« gelegt werden, die von den örklich zuständigen Industrie- und Handelskammern abgestempelt find. Die Mitglieder der Slempclvereinigung haben wciierhin be. schloffen, folgend« Zinsänderungen mii Wirkung vom 16. Iuli 1931 eintreten zu lassen: Sollzinsen 13 Prozcnl zuzüglich der üblichen kreditprovifion; Habenzinsen für fällige Gelder»« provisionssreicr Rechnung 8 p r o; e n l, in provisionspflichtiger Rechnung 9 Prozent. Für neu eingezahlte Gelder, die keinerlei gefehlicheq Auszahlungsbeschränkungcn unterliegen, werden in provifionssrcier Rechnung 4 P r o z e n k und in provisionspflichkigcr Rcch»mng 41- Prozcnl vergütet. Wird Hitler regierungsfromm? Das Interview der„Llnited preß" dementiert. „United Preß" teilt mit, daß die angebliche Aeußerung Hitlers über Brünings Kampf, der zugleich Deutschlands Kampf fei, in ihrem Interview init dem nationalsozialistischen Parteiführer nicht enthalten ist. Es scheint sich also um ein Mißverständnis der Berichterstattung zu handeln. Die Meldung, die zunächst in'der„DAZ." auftauchte. von vornherein für unwahrscheinlich zu halten, lag allerdings kein Grund vor. Denn daß der Entscheidungskampf gegen „die Machthaber" und„das System" auf der ganzen Linie abgeblasen ist, bestätigte gestern sogar der„Angriff" des Herrn Goebbels, indem er schrieb: Es hat leider den Anschein, als ob in gewissen„nationalen'' Kreisen der Mut vor der Verantwortung und vor den Schwierig- leiten der bevorstehenden Aufgaben zu schwinden beginnt, und datz man in diesen Kreisen bereits mit«inem etwas umgebildeten Kabinett Brüning zu sympathisicren beginnt. Dann wäre allerdings die Regierung Brüning und die Regierung Braun-Seoering in Preußen, sowie das ganze marxistische System wieder einmal mit Hilfe der schlappen und un- entschlossenen Rechtskreise gerettet, die jetzt vor der letzten Konsequenz zurückschrecken und den Mut in einem Augenblick sinken lassen, wo die Entscheidung dicht bevorsteht! Sehr im Gegensatz zu dieser Aeußerung des Goebbels- Blattes erklärt der Hauptmann a. D. G ö r i n g in der TU.: Die Partei steht noch wie vor auf dem Boden der Verfassung. Schon aus Vernunstsgründsn mutz sich jeder heute sagen, daß die Partei nur abzuwarten braucht, bis das Schicksal der Er- rettung Deutschlandz die Bewegung rufen wird. Ich fasse zusammen: Wir warten ab." Damit stellt sich Herr Göring in die Reihen derer, die der „Angriff"„die schlappen und unentschlossenen Rechtskreise" nennt und zu denen sicherlich auch Hitler selber gehört. Nr. 322» 48. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Donnerstag, i.G. Juli 4931 Soziale Bautätigkeit. Die Sonderschau der Stadt Berlin auf der Bauausstellung. Was für eine unübersehbare Fülle von Totsachen und An- regungen architektonischer Art die große Bauausstellung bietet, kann man erst ahnen, wenn man sich in einzelne Abteilungen vertieft, die uns näher cmgetzen. Da ist gleich in Halle I die Sonderschau der Stadt Berlin. Man kommt zunächst durch die verwirrende Bielsälligkeit der internationalen und der deutschen Ausstellung für Städtebau und Wohnungswesen, bevor sich das Spezialgebiet unserer Beichshauptstadt, in drei große Abteilungen gegliedert, zeigt: in der Milte der kommunale Hochbau mit Parkoerwaltung usw., rechts die Wohnungsfürsorge, zur Linken der Tiesbau. Sehr übersichtlich ist nun dies« Schau im einzelnen leider nicht gestaltet. Man sollte sich aber die Mühe nehmen, hier, wo einmal die Möglichkeit geboten wird, sich einem umfasienden Ueberblick über die Riesenleistung Berlins in sozialem Bauen zu verschaffen. Es lohnt, und man wird stolz auf seine Heimatstadt. Die Schau besteht in Photographien, Grundrissen, vor ollem in sehr anschaulichen farbigen Modellen. Man hat sich damit oft sehr große Mühe gegeben. Das Riesenmodell des U-Bahn-Systems Alexander- p l atz mit den wirklich funktionierenden Zügen, die überaus ver- lockenden Zukunftsmodelle vom Messegelände, von den Müggelsee- und Wannseestrandbädern, vom Umbau der Iannowißbrücke, von unsern Kläranlagen und Rieselfeldern müsien jeden Besucher an- ziehen, ein prachtvolles Riesenspielzeug für Erwachsene und Kinder. Es ist die beste Propaganda für Berlin und die einzig richtige Anlwori auf die schnöden Gehässigteilen aller Rumpelstilzchen tu den Provinzblättern gegen unsern„Wasserkopf". Am unmittelbarsten berührt uns alle die Tätigkeit der W 0 H- nungsfürforge. Man hätte hier vielleicht mit etwas mehr Detail den Gegensatz von schlechter aller und von heutiger Wohnungs- art demonstrieren können, wie sie in dem großen Rundsaal mit den gemallen Gegenüberstellungen von Beispiel und Gegenbeispiel symbolisch gegeben worden ist(„So oder so?"). Hier sieht man natürlich die einzelnen Gemeinnützigen Heimstättengesellschaften von Tempelhof, Heerstraße, Wilmersdorf, Berlin-Ost, Pankow usw. mit ihren ausgedehnten Modellen und Photosammlungen: wobei die Großsiedlung Siemensstadt, die Gchag und Primus in architekto- nischer Hinsicht am besten abschneiden, da hier bewährte Baumeister wie Saloisberg, Gropius, Höring, Taut, Scharoun und andere mitwirken. Britz, Siemensstadt, Zehlendorf, Lichtenberg, Wohnstadt Karl Legten treten stark hervor. Für sich haben die Baugenosi enschasten ausgestellt, ihre Propaganda ist auf sehr wirkungsvolle und neuzeitliche Weise mit dauerndem Laut- fprecher, plastischer Landschaft mit Kuppelhorizont und Himmels- schreibet und schöne Photos organisiert: und mit Recht, wenn sie auf so ausgezeichnete Resullate weisen können, wie z. B. den reizenden„Sonnenhof" von Gutkind in Friedrichsfelde, der in vieler Beziehung ein Musterbeispiel kollektio-sozialex Wohnkultur darstellt. Daß man die neuzeitlichen Blassen guarliere in ihrer musterhaften Art. für hygienisches, praktisches, zeitsparendes und schönes wohnen der ZMuderbemitlclten zu sorgen, wirklich eindrucksvoll nur beim Besuch einer gebauten Siedlung selbst kennenlernen kaun. versteht sich von selbst. Hier kann durch Modelle und Aufnahmen nur eine Ahnung davon gegeben werden und ein Ueberblick über die gewaltige soziale Leistung der letzten Jahre, ermöglicht durch Organisation und Zu- schußleistung aus der Hauszinssteuer. Der Mittelteil enthält die öffentlichen Bauten Berlins: leider nach Ressorts und Bezirksämtern eingeteilt und nicht nach Bauaufgaben, was den Betrachter etwas verwirrt. Allein die Schulbauten der letzten Jahre in allen möglichen Stadtteilen zeugen von dem großartigen Kulturwillen der Stadt. Die ungeheure Bielfelligkett der Lösungen kann man hier kennenlernen beim Vergleich etwa der geschlossenen Baumasse des vortrefflichen Dorotheen-Lyzeums in Köpenick von Max Taut, dem Musterbeispiel einer modernen Schule, und den ungemein ausgedehnten Horizontalanlagen der Volks-Doppelschule in Charlottenburg-Nord von H e l m k e mit ihrem Paoillon-System und dem merkwürdigen Projekt der Zehlendorfer Zinnow-Waldschule, die wie ein kleiner Stadtkomplex aussieht. Die meisten Schulbauten halten sich an den allmählich herausgebildeten Typus einer teilweisen Umbauung des Schulhofes: das hübsche Landschulheim Hermsdorfer Mühle von B r ä u n i n g, die ausgezeichnete Volksschule Wolfs- garten in Köpenick, pavillonartig aufgelockert, die II. Hilfsschule Spandau von L u d 0 r f, vor allem der großartige Entwurf P 0 e l- z i g s für die Berufsschule Kreuzberg in Hufeisenform, gerundet, mtt einem zentralen Sonderbau für die Aula, der imposante Neubau der Schöneberger Fontaneschule, und so noch eine ganze Anzahl. Man erfährt leider nicht überall, was schon gebaut und was bloßes Objekt ist. Der Ehrgeiz der Bezirksämter— getreues Abbild deutscher Kleinstaaterei— hat eine genaue Scheidung nicht zugelassen. Der soziale Aufgabenkreis einer Riesenstadt ist fast unübersehbar. Man lernt mit Erstaunen kennen, was es bei uns alles zu bauen gibt: neben einem Rentnerheim in Sieglitz(von Frey- müller) ein Obdachlosenheim in Neukölln(hervorragender Riesen- bau von B 0 n a tz und R e i ch l e) und ein Jugendheim an der Steglitzer Paulsenstraße, ebenfalls von Freymüller, eine glän- zend organisierte Jugendherberge int großen. An Krankenhäusern sehen wir den langgestreckten Bau von Freiberg m Moabit, die gewaltige sechsstöckige Erweiterung des Urbanhauses von Hei- nicke, die Kliniken des Virchowhauses in der Seestraße von Hennings und mehrere Röntgeninstitute, wie den ernsten Bau am Krankenhaus Westend von E r a m e r. Dazu gehört der in einem Waldbestand weit verstreute Komplex der Kinderheilanstalt in Buch von Hennings, der etwa 20 langgestreckte, flachgecheckte weiße Pavillons in symmetrischer Anlage enthält. Ein vier- geschossiges Altersheim in Mariendorf von V r ä u n i n g rivalisiert an modernem Geist mit dem schönen Stadtbad in der Gartenstraße (Berlin-Mitte) von T e s s e n 0 w und I a l k m a n n, mit einer aus- gezeichneten Schwimmhalle. Dann kommen Verwaltungsbauten: die Stadtbank Wilmersdorf von G r ü d e r und Betten st ädt, ein sehr modern sachlicher Bau mit schnittiger Fassade, das in feiner noblen Zurückhaltung musterhafte Rathaus an der Zehlendorfer Hauptstraße(von dem die Unterschriften behaupten, es sei von T e s s e n 0 w, während der Katalog es Job st Siedler zuschreibt): und schließlich eine erbauliche Ueberraschung, Entwurf eines dritten Verwaltungsgebäudes für Berlin, den ganzen Raum zwischen Rot- haus I und II im Zentrum einnehmend, teilweise bis zu 10 Stock- werken emporsteigend: ein in seinem monotonen Vertikalismus im- panierender Monumentalbau von E r m i j ch, mit dem wir vorläufig bestimmt verschont bleiben werden. Als erfreulichste Anlagen größten Stils find die riesigen Strand- bäder von Müggel- und Wannsee zu buchen, die hoffentlich einmal ganz nach den herrlichen Modellen von Wagner, Hennings und Ermisch ausgeführt werden: das Müggelseebad fast noch schöner. Ein anschaulicher Ueberblick über die neuen Volksparks Berlins beschließt den Reigen: man sieht, was Berlin in den letzten Jahren hier nachgehott hat gegenüber einer unsozialen Vorkriegs- zeit: Tempelhofer Feld und Gärten, Fischtal, Jungfernheide, Oranke- see, Wuhcheide und vor allem die gewaltigen Rehbergs sind als wahre Volksgärten im besten Sinn entstanden, nicht im Bezirk der Wohlhabenden, sondern im Norden und Osten. Interessant, neben den schönen Photos, vor allem das große Modell der Rehberge. Das Tiefbauamt zeigt ausgedehnte Modelle: Straßenbau (erschreckend in der Scheußlichkeit des leider sehr wahrheitsgetreu wiedergegebenen Zustandes ein Modell des Potsdamer Platzes), Stadtentwässerung mit Kläranlagen und Rieselfeldern, Westhafen und Brückenbau, dessen verschiedene Modelle sehr lehrreich sind. Daß hier von sozialen Absichten, aber auch von Kunst keine Rede sein kann, ist selbswerständlich. Das Tiefbauamt kann es auch nicht lassen, auf sein unglückseliges und kunstfeindliches Projekt der Mühlendamm- schleuse durch zwei Modelle hinzuweisen, die den heutigen und den von ihm gewünschten Zustand im Vergleich zeigen: in einem Maßstab und einer Ausführung, die keine klare Einsicht und Stellungnahme gestatten und darum verwirrend auf die ganze Frage wirken. ?aul F. Schmidt. Der Staatsanwalt im Scheuen-ProzeO. 27« Jahre Gefängnis gegen Straube beantragt. Lüneburg. 15. Juli. Der 20. Berhandlnngstag im Scheuener Für- sorgeprozeß war durch das Plädoyer des Staats» anwaltschastsrats Kastendieck ausgefüllt. Der Vertreter der Staatsanwaltschaft beavtragte gegxu den frühere« Direktor Straube 2 Jahr« 3 Monate Gefängnis und gegen die angeklagten Zöglinge Strgfen. die zwischen 3 Wochen und 6 Monaten Gefäng- nis schwanken. Der Staatsanwalt legte zu Beginn feiner Anklagerede dar, daß dieser Monstreprozeß mit Recht die Allgemeinheit inter- cssiert habe. Deutschland wartet auf das Urteil in diesem Prozeß. Freilich habe das Gericht sich nicht mtt den Bestimmungen über die Fürsorgeerziehung und der Anordnung für«ine solche, sondern nur mit den Straftaten der Angeklagten zu beschäftigen. Im Mittel- punkt des Plädoyers stand die Begründung des Strafantrags gegen Straube. Die männlichen und weiblichen Erzieher wären ganz offensichtlich bestrebt gewesen, Straube zu schützen. Nach seiner Ueberzeugung hätten mehrere von ihnen nicht die weiße Weste, wie sie das Gericht glauben machen wollten. Die Glaubwürdigkeit der Zöglinge in Zweifel zu ziehen, habe Straube am allerwenigsten das Recht. Er mache einen kläglichen Eindruck. Bielleicht sei der Grund für sein Verhallen vor Gericht darin zu suchen, daß Straube es Zahrelang verstanden Habe, das Landesjugmdamt ........ durch.falfchc Berichte zu täuschen. und daß er nun auch versuche, das Gericht in derselben Weise hinters Licht zu führen. Die Revolle sei nicht auf schlechtes Essen, Schmutz usw., sondern vor ollem darauf zurückzuführen, daß Straube sich die„T 0 p f k r a tz e r g r u p p e" hielt, Schmeichler, mit denen er sich umgab, weil sie seine schwache Seite erkannt hatten. Der Staatsanwalt erinnerte dabei an das vom Landesjugendaml INS erlassene neue Prügelverbot, von dem Straube Kenntnis hatte. Er streifte die ungerechte, brutale Selbstjustiz, das schwarze Gericht. den Schlafentzug, und gab der Ueberzeugung Ausdruck, daß Straube von all diesen Dingen Kenntnis gehabt habe. Straube fei Von I. IIP UND F.PETROW Galten, Palkin, Tschalkin und Salkind eilten aus dem Gasthaus„Das Floß" herbei. Träger arbeiteten bereits an dem Panzerschrank. Die Akrobatil-Instruktion Georgette Tiraspolski schwang sich mit einem akrobatischen Satz auf den Dampfer. Das Blasorchester der Ziehungskommission schritt über die Landungsbrücke. Widerwillig musterte es die Mitglieder des Theaterorchesters, die mit Saxophonen, Flexatonen, Bier- flaschen und Esmarch-Kannen beladen waren. „Klystierbandel" sagte der Klarinettist, als er an ihnen vorbeiging. Galkin, Paltin, Tschalkin und Salkind reagierten mcht darauf, doch schworen sie im stillen Rache. Die Ziehungstrommel hatte man auf einem Ford-Last- wagen hierhergeschafft. Sie stellten eine komplizierte Kon- struktion Mit sechs sich drehenden Zylindern dar, die von Glas und Kupfer glänzten. Im Ziehungssaal bereitete man«ine Estrade vor, nagelte Plakate und Aufrufe an die Wände, stellte Holzbänke für die Besucher auf und montierte die elektrische Leitung an die Ziehungstrommeln. Die Schreibtische hatte man im hintern Teil des Schiffes untergebracht. Aus der Kajüte der Stenotypistinnen war dos Klappern der Schreibmaschinen vernehmbar, dazwischen mischte sich Lärm und Gelächter. Der blasse Mensch mit dem blau- schwarzen Bärtchen ging auf dem Dampfer umher und be- festigte emaillierte Täfelchen an die Türen:„Buchhaltung"— „Registratur"—„Kanzlei"— Maschinenabteilung". Den großen Tafeln fügte der Mann mit dem Bärtchen noch kleinere hinzu:„Eintritt ohne Anmeldung verboten"—„Kein Emp- fang"—„Fremden Eintritt verboten"—„Alle Auskünfte in der Registratur". Im Salon der ersten Klasse wurde eine Ausstellung von Papiergeld und Bons arrangiert. Sie rief Galkins, Tschal- kins, Malkins und Sallmds Empörung hervor. „Wo werden wir eigentlich zu Mittag essen?" regten sie sich auf.„Und was werden wir tun, wenn es regnen sollte?" „Ach, ach", sagte Nikolaus Sestrin zu seinem Assistenten. „ich kann nicht mehr! Was glaubst du, Serjoscha, könnten wir nicht ohne diese Menschen arbeiten?" „Was fällt Ihnen ein, Nikolaj Konstantinowitsch! Die Künstler sind einmal an den Rhythmus gewöhnt." Bald entstand ein neuer Spektakel. Die fünf Musiker hatten erfahren, daß der Autor der Vorstellung alle vier Stühle in seine Kajüte geschleppt hatte. „So— so", sagten sie ironisch.„Wir werden auf unseren Betten proben müssen und Nikolaj Konstantinowitsch und seine Frau Gusta, die in keinerlei Beziehung zu unserem Ensemble steht, werder/aus vier Stühlen sitzen. Wir hätten vielleicht auch gerne stnsere Frauen mit!" Der große Kombinator sah vom Ufer böse nach dem Dampfer hin. Wieder tönte Geschrei vom Dampfer her. „Warum haben Sie es mir nicht früher gesagt?!" schrie ein Mitglied der Kommission. „Wie konnte ich denn wissen, daß er krank wird!?" „Gott weiß, was das ist! Fahren Sie also in die Kunst- stelle, man soll uns einen Maler schicken." „Wohin soll ich fahren? Es ist sechs Uhr abends. Die Kunststelle ist längst geschlossen, lind der Dampfer fährt in einer halben Stunde weg." „Also werden Sie selbst malen müssen. Sie haben fitr die Maldekoration des Dampfers die Verantwortung über- nommen und müssen die Folgen tragen!" Ostap lief schon die Dampfertreppc hinauf und stieß die Träger, jungen Mädchen und die Schar der Neugierigen mit den Ellbogen. Am Eingang hielt man ihn zurück. „Ich habe mit dem Bürger dort zu sprechen." „Das geht uns nichts an. Um�den Dampfer zu betreten, brauchen Sie einen Erlaubnisschein." „Genosse!" schrie Bender.„Sie! Sie! Dort der Dicke! Der einen Maler braucht!" Fünf Minuten später saß der große Kombinator in der Kajüte des technischen Direktors und verhandelte wegen der Arbeitsbedingungen. „Also Genosse", sprach der Dicke,„wir brauchen folgendes: künstlerisch ausgeführte Aufschriften und Plakate, Fertig- stellung des Transparents. Unser Maler hat die Sache an» gesangen, ist aber krank geworden, und wir haben ihn nn hiesigen Krankenhaus lassen müssen. Selbstverständlich über- nehmen Sie auch die Aufsicht über die ganze künstlerische Arbeit. Können Sie das übernehmen? Ich mache Sie auf- merksam, es ist viel Arbeit." „Jawohl, ich werde Sie zufriedenstellen. Ich kenne mich in solchen Sachen aus." „Und können Sie gleich mit uns fahren?" „Das wird sich nicht so ohne weiters machen lassen, aber ich werde trachten." Ein großer schwerer Stein fiel dem Wirtschaftsverwaller vom Herzen. Der Dicke fühlte sich unbeschwert wie ein Kind und sah den Maler mit glänzenden Augen an. „Und die Bedingungen?" fragte Ostap frech.„Sie müssen wissen, daß ich kein Aushilfsdiencr bin." „Die Bedingungen sind die gleichen wie die der Kunststelle." Ostap bemühte sich, eine Grimasse zu schneiden, was ihm mcht ganz glückte. „Dazu die Verköstigung", setzte der Dicke eilig hinzu,„und sine separate Kajüte." „Nun gut", sagte Ostap mit einem Seufzer,„ich bin einverstanden. Ich habe aber noch einen Jungen, einen Asssstenten mit mir." „Was den Jungen betrifft, fo weiß ich nicht, was ge- fchehen soll. Ich habe keinen Kredit für einen Assistenten ausgesetzt. Wenn Sie ihn auf eigene Rechnung mitnehmen— bitte sehr. Er kann in Ihrer Kajüte wohnen." „Also abgemacht, erledigt. Mein Junge ist aufgeweckt. Er ist an eine spartanische Lebensweise gewöhnt. Aber Kost werden Sie ihm geben?" '„Er soll in die Küche kommen. Das Weitere wird sich finden." Ostap bekam einen Passierschein für sich und den Jungen und trat auf das Deck hinaus. Er fühlte eine große Be- friedigung, als er den Schlüssel zu seiner Kajüte in den Händen spürte. Es mar das erstemal in seinem Leben, daß er einen Schlüssel und eine Wohnung besaß. Er hatte mir kein Geld, doch befand er sich in nächster Nähe der Stühle. Ostap steckte die Hände in die Taschen und spazierte an Bord umher, ohne den am Ufer gebliebenen Worobjew zu beachten. Worobjew mochte ihm Zeichen, erst schweigend, dann wagte er es, leise zu winseln. Bender ober war taub. Er kehrte dem Vorsitzenden den Rücken und sah aufmerksam zu, wie die hydraulische Presse in den Kielraum gesenkt wurde. Die letzten Borbereitungen gingen vor sich. (Fortsetzung folgt.) Wohnraum- keine Wohnungen Enlwurle uon Wohnungstellungen in der„neihaudi". Eines der wichtigsten Probleme, die Wohnfrage, harrt noch innner der Lösung. Auf der einen Seite die stetig anwachsende Zahl leerstehender Wohnungen— es gibt kaum ein Haus, das nicht mit Vermietungsplakaten geschmückt ist— auf der anderen Seite, der weit tragischeren, eine Legion von Mensche», die, eng zusammen- gepfercht, in elenden Wohnlöchern hausen, weil für sie eben keine passende, erschwingliche Wohnung vorhanden ist. Hausbesitzer und Architekten, die sich zu einer Arbeitsgcmein- schast zusammengeschlossen haben, zeigen in einer Ausstellung in der ..Heibaudi", Potsdamer Straße 123b, wie diese Frage am besten zu lösen wäre. Das bautechnische und vor allem das sinan- zielle Problem ist ein überaus schwieriges, denn es ist jedes Haus auf seine Bauart, jeder Stadtteil auf seine Bevölkerungsziffer, die wirtschaftliche Beschaffenheit seiner Bewohner hin zu berücksichtigen. So legte man vorerst den Haustyp fest, den man in Einfamilien- haus, Haus mit einem seitlichen Hofslügel, mit zwei seitlichen, mit seitlichem und mittlerem Hofflügel und Eckhaus gliederte; der Cha- rakteristik des betreffenden Stadtteiles und der damit verbundenen Vermietmöglichkeit soll sowohl in bautechnischer, wie in Wirtschaft- licher Beziehung Rechnung getragen werden. Nach der bautechnischen Seite hin will man die Umbauarbeiten auf möglichst wenig Stellen konzentrieren, die vorhandenen Treppenhäuser durch Anbringung von Aufzügen als Zugang möglichst vieler Wohnungen nutzbar machen: vor allem will man das Entstehen ausgesprochener Hinterhofwohnungen nach Möglichkeit vermci- den und so aufteilen, daß zumindest ein Vorderraum geschaffen wird. Der größtmöglichen Raumnutzung soll durch Anlage von Kochnischen bzw. Kochschränken, dann durch Bade- und Aborträume, die nicht an der Außenwand liegen, Rechnung getragen werden. Man ist also nach Kräften bestrebt, Kleinwohnungen zu schassen, die sowohl in wirtschaftlicher wie in bautechnischer und wohnkultureller Beziehung allen Erfordernissen entsprechen. Es wäre zu wünschen, daß sich all diese Versuche baldigst praktisch auswirken können, um der Wohnungsnot und ihren traurigen Folgeerscheinungen beizukommen. Die Ausstellung ist täg- lich von 10 bis 18 Uhr, Sonnabends bis 14 Uhr geösfnet. Jeden Mittwoch und Freitag von 16� bis 17� Uhr findet in Anwesenheit der Architekten eine Beratungsstunde statt. Schnelle und ireue Helfer. Unsere Feststellungen,„Mit sechs Kindern obdachlos", haben einen Parteigenossen, Fabrikbesitzer K. aus der Köpenickcr Straße, veranlaßt, sich der verzweifelten Menschen anzunehmen. In aller Frühe holte er gestern die ganze Familie mit seinem Lastauto ab, stellte die Möbel sicher und gewährte ihnen in seiner Fabrik Unter- k u n f t. Außerdem veranstalteten Mitglieder seiner Gewerkschaft unter sich eine Geldsammlung, die sie den Notleidenden bereits über- wiesen haben. Die Not der Kinderreichen. Oer(Schrei nach gesunden Wohnstätten. Das Elend der Wohnungsnot ml� all ihren verheerenden Folgeerscheinungen erreicht seinen Höhepunkt bei den kinderreichen Familien; in winzigen wohn- löchern, die nie der Strahl der Sonne trifft, hausen Vater und Mutter mit 5. ö und oft auch noch mehr Kindern. Der einzige einfenstrige Wohnraum ist angefüllt mit Schlaf- gelegenheiten. Ein paar Holzbetten, ein Kinderbettchen, ein altes Sopha, und wenn es nicht anders geht, wird auf dem Fußboden auf ein paar alten Decken genächtigt. In der kleinen Küche steht das Bett der Eltern, daneben der Kinderwagen mit dem Jüngsten. Deswegen hat aber noch lange nicht jedes Familienmitglied fein eigenes Bett, immer-müssen zwei, oft auch noch mehr Geschwister gemeinsam schlafen, die Luft ist dick zum Schneiden, und alle Krank- heitskeime finden fruchtbarsten Boden. Je kleiner die Kinder sind, desto tragischer wird das Wohnmilieu; ängsllich und rallos drücken sich die blassen Würmer in dem engen Raum herum, überall sind sie der verzweifelten Mutter im Wege, die immer vor dem Augen- blick bangt, wenn sie Hunger fühlen. Wo der Mann lange— bei vielen sind es schon Jahre— ohne Arbeit ist, da hockt Frau Sorge riesengroß bei Tisch. Unterstützung und sonstige Beihilfen reichen nicht her und nicht hin, denn überall muß behördlicherseits gespart werden, und so fehlt es oft an dem Notwendigsten. Nicht genug an dem, sind diese bedauernswerten Menschen auch dem Herrn Haus- wirt meist ein Dorn im Auge, und er begrüßt mit Freuden die Gelegenheit, sie an die Luft zu setzen. Und nun beginnt des Jammers höchste Steigerung: Alle Türen sind ihnen verschlossen, weil kein Hauswirt Familien mit Kindern, und schon gar nicht mit solch großer Anzahl, aufnehmen will. Bei der Lockerung der Wohnungs- schutzgesetze und der Seltenheit kleiner, billiger Wohnungen kann sich solch Hausgestrenger seine Leute nach Belieben wählen. Als vor einigen Tagen im„Vorwärts" die Notiz erschien, daß die Gemeinnützige Wohn st ättenbaugesell schast in Verbindung mit dem Reichsbund der Kinderreichen mit dem Bau von 180 Wohnungen begonnen hat, die gerade kinderreichen Fa- Milien zugute kommen sollen, da lief eine wahre Hochflut von Briefen ein; in jedem war das jetzige Wohnmilieu geschildert und wenn man sich durch Augenschein informierte, dann sah man, daß die Wirklichkeit noch viel erschütternder war... Gestorben sind 3702(4403) Personen, darunter im Alter von 0 bis 1 Jahr 214(28S). Die Zahl der Zugezogenen betrug 17 852(20 480), die der Fortgezogcnen 23 1ö7(23 781), so daß sich für den Monat Juni ein Fort zugsüberschuß von S31S(3301) ergab. Danach stellte sich die Bevölkerung der Stadt Berlin am 1. Juli 1031 auf 4 302 416. Llngeschützter Bahnübergang. Wer Personen im Auto durch Güterzug getötet. w c hl a r. 15. Zuli. Ein furchtbares Autounglück hat sich heute abend in dem benachbarten Ort Burgsolms ereignet. Das Auto eines Bauunternehmers aus Philipp st ein. das mit fünf Personen beseht war. wurde an einem ungeschützten Bahnübergang von einem noch Wetzlar fahrenden Güterzug ersaßt. 150 Bieter weit bis an eine über den Solmsbach führende Eisenbahn- brücke milgeschleist und vollkommen zertrümmert. Der Bau- Unternehmer, seine Frau und zwei erwachsene Töchter wurden zu Tode gequetscht, eine dritte Tochter so schwer verletzt, daß an ihrem Auskommen gezweifelt wird. Land- leute. die aus dem Felde arbeiteten, hatten vergeblich versucht, durch Zeichengeben das Zugpersonal zu verständigen. Llrieil im Einbrecherprozeß. 5 Jahre Zuchthaus für jeden. Das Schöffengericht verurteilte die Angeklagten Römer und Behrens wegen gemeinschaftlichen schweren Raubes zu je fünf Jahren Zuchthaus. 5 Jahren Ehr- vertust und Stellung unter Polizeiaufsicht, Behrens außerdem zu einer Woche Gefängnis wegen unerlaubten Waffenbesitzes. Der Angeklagte Fleischer wurde nur wegen unerlaubten Waffen- besihes zu 4 Monaten Gefängnis verurteilt. Arme kleine Mannequins. Im abstürzenden Flugzeug getötet. Paris. 15. Zu». Ein französisches Verkehrsflugzeug, daß heute früh in E a n n e s nach Poris aufgestiegen war. ist südlich von Grcnoble wegen ungünstiger Sicht gegen eine Bergspihe geflogen und a b g e st ü r zt. Der Pilot und zwei Passagiere wurden gelötet, zwei weitere Passagiere schwer verletzt. Die Passagiere waren Mannequins eines großen Modehauses. ein Prügelpädagoge. Man könne sich wohl vorstellen, doß� einem Erzieher einmal die Hand ausrutsche. Davon könne bei Straube nicht die Rede sein. Die von Straube immer in den Vordergrund gestellte Notwehr habe nirgends vorgelegen. Bei Straube könne mst Recht von der Tragödie der Unfähigkeit gesprochen werden. Alle Mitdcrungsgründe, die den Jugendlichen zugebilligt werden könnten, müssen bei Straube fortfallen. Das was Straube aus den jungen Menschen gemacht habe, bilde eine große Gesahr für die Allgemeinheit. Im Falle Straube müsse auch das Abschreckung?- Prinzip der Strafe Anwendung finden. Angesichts der vernichtenden Beurteilung der Erziehungstätigkeit Straubes durch den Staatsanwalt müssen die hohen Anträge gegen die Jugendlichen, die zum Teil bis zu 6 Monaten Gefängnis gehen, Verwunderung erregen. Die Gründe für die Rs- volte sind vom Staatsanwalt klar erkannt und dargelegt worden. Junge, zum Teil unbestrafte Menschen ins Gefängnis zu schicken, weil sie sich gegen eine vom Staatsanwalt als rechtswidrig anerkannte Behandlung wehrten, widerspreche dem Rechtsgefühl und stärkte nur den asozialen Trieb der jungen Menschen. Ebenso handelten die Angehörigen der Topfkratzergruppe nur auf erteilte oder angc- nommene Anordnung ihres Vorgesetzten, des Direktors Straube. Sie für ihr ganzes Leben deshalb mit einer zum Teil recht hohen Ge- sängnisstrafe zu belasten, wäre gleichfalls gegen jedes gesunde Rechtsempfinden. Der Schuldige ist Straube, nicht die Zög- iingc, mögen sie nun geschlagen worden sein oder geschlagen haben. Der kalie Schlag. Wenn man von einem„kalten Schlag" hört, d. h. von dem Einschlag eines Blitzes, der nicht zündet, neigt man zu der Annahme, daß durch solch eine Aeußerung der Naturgewalt kein wesentlicher Schaden angerichtet werden kann. Die Wirklichkeit sieht anders aus. In Waidmannslust wurde ein kleines Fachwerkhäuschen, das die Zweizimmerwohnung eines jungen Ehepaares enthielt, von einem solchen kalten Schlag betroffen. Der Blitz sprang von einem Baum auf das Mauerwerk über, durchschlug die Wände an ver- schiedenen Stellen mit solcher Gewalt, daß Mauer st ücke von mehreren Quadratmetern Umfang herausgedrückt, Fenster aus den Fassungen gehoben und Holzverschalungen total zersplittert wurden. Möbel wurden zertrümmert und einzelne Teile weit ins Zimmer geschleudert, die Wohnungseinrichtung ist unter Putz, Kalk und Steinen begraben. Etwas Merkwürdiges: Die sonst unbeschädigt gebliebene Wanduhr vermerkt die genaue Zeit des Einschlags— sie blieb stehen. Ein großer Teil der Hausgeräte ist in Trümmer gegangen, Rohrleitungen und Regengossen sind von den Außen- und Innenwänden heruntergerissen. Ein trostloses Bild. Die Wohnungsinhaber sind durch einen im doppelten Sinne glücklichen Umstand vor körperlichem Schaden bewahrt geblieben. Während die junge Frau in einer Klinik einem Kind das Leben schenkte, blieb der Mann die Nächte bei Verwandten. Und doch entbehrt der Fall nicht einer gewissen Tragik. Wenige Stunden nach dem Einschlag betrat die ahnungslose junge Mutter, die aus der Klinik entlassen worden war, mit dem Säugling ihr Heim, das von freundlichen Händen am Abend zuvor entsprechend hergerichtet und zum Empfang mit Blumen geschmückt war, und das nun einen trostlosen Eindruck machte. Die glückliche junge Mutter hatte sich den Empfang in ihrem bescheidenen stillen Heim anders vorgestellt. Gegen die Rachitis! Eine Musterheilstätte im Bezirk Friedrichshain. Einige Zahlen seien vorausgeschickt: Im Berliner Bezirk Friedrichs Hain leben auf knapp 880 Hektar 338 000 Menschen. Hunderttausend Wohnungen sind dort vorhanden, davon 83 000 Klein- und Kleinstwohnungen in alten Mietskasernen. Unhygienisch, verwohnt und zerfallen. In diesem Bezirk findet man viele Opfer der Rachitis, die dort in den Familien oft chronisch ist. Seit Jahren hat die Stadt Berlin den Kampf gegen das Krllppeltum ausgenommen, und ihre Erfolge gegen die Rachitis sind unbestritten groß. Als Mustereinrichtung für ganz Deutschland ist im Bezirk Fricdrichshain, an der L a s k e r st r a ß c, zur vorbeugen- den Bekämpfung dieser Krankheit und ihrer Folgeerscheinungen eine Tagest ur st ättc geschaffen wonde», in der die Mütter, wenn sie morgens zur Arbeit gehen, ihre Kinder in Pflege geben können. Keine Walderholungsstätte, sondern mitten im Häuscrmeer eine Wies« mit leichtgebautcn Baracken, damit die Sonne in alle Winkel scheinen kann. Hier wird die Rachitis mit natürlichen Mitteln be- kämpft. Licht, Luft und Gymnastik. Die Dauer der Be- Handlung schwankt nach der Schwere der Fälle von 6 bis 8 Wochen bis auf einige Monate. Gegen die Einschleppung von Insektions- krankheiten ivendcn besondere Rcinlichkeitsmaßnahmen getroffen. Tägliche Bäder bei der Einliefcrung in die Anstalt und eigene Anstaltskleidung für die Kinder. Peinlichste Sauberkeit beim Essen und seiner Zubereitung, farbige Kennzeichnung der Eß- und Trink- aeschirrc. Die Anstalt besteht erst wenige Jahre, ihre Heilerfolge sind aber sehr groß. Weit über tausend K rüppelkinder sind dort gesundet und wurden vollwertige Menschen für den Lebens- kämpf. Die Mehrzahl der kleinen Patienten entstammt den arnien und ärmsten Familien. Nur wenige Eltern können für ihre kranken Kinder die Kurkosten selbst tragen, zum Teil springen auch die Krankenkassen lotsend ein, in der Hauptsache aber ist es die ft ä d t i f ch e Wohlfahrt, der die Unkostendeckung zufällt. Diese Tatsache beleuchtet blitzartig das Kinderelend im Bezirk Friedrichs- Hain. Taufende von Kindern leben dort. An ihnen vollzieht di� Tagcekurstätte mit ihrer aufopfernden Betreuung ein Werk wahrer Menschenliebe. Berlin nimmt ab. Nach den vorläufigen Feststellungen des Statistischen Amts der Stadt Berlin wurden im Monat Juni 1931: 2977(Mai 1931: 4418) Ehen geschlossen. Lebendgeboren wurden 3306(3685) Kinder. Heinrich Königs gestorben. Einer der ältesten Parteigenossen Berlins. Heinrich Königs, ist soeben gestorben. Schon als junger Buchdruckergehilse gehörte er in Berlin deni Verband der Buchdrucker an und ivar überall in der Zlrbeiterbewegung tätig. Hervorragenden Anteil nahm er am Neunstundenkampf der Buchdrucker im Jahre 1891 bis 1892. Er war Mitbegründer der Konsumgenossenschaft Berlins und später mehrere Jahre deren Aussichtsratsmitglied, zu- gleich war er Kassierer der Arbeiterbildungsschule und Mitbegründer der Volksbühne, in der er bis zum Tode als Revisor tätig war. Weiter war er Mitglied der Presse- kom Mission als Vertreter des früheren zweiten Reichstags- wahlkrcises, in dem er mehrere Ehrenämter bekleidete. Bei der Gründung des Reichsbanners trat unser Genosse sofort als Mitglied bei und war auch in der Sport- und Kulturbewegung tätig. Seit einem Jahr pensioniert, schloß er sich den„Alten Barden" der Buchdrucker Berlins an. Genosse Heinrich Königs trat im Jahre 1895 in die Buchdruckerei C. Janiszewski ein und übernahm das Amt als Faktor. In dieser Tätigkeit wirkte er bis zu seiner im Jahre 1930 erfolgten Pensionierung. Noch stark und rüstig, glaubte er, sich einige Jahre der Ruhe hingeben zu können. Leider trat sehr bald«in starkes Herz- und Nierenleiden auf, das am 13. Juli seinem Leben ein Ende machte. Mit ihm ging ein guter braver Mensch, ein treuer verdienter Parteikämpfer dahin, dessen Ge- denken in Ehren gehalten werden wird. Genügend Seefische aus deutschen Fängen. Hamburg, 15. Juli. Zu den gestern gemeldeten Vorgängen in Homburg, wo dänische Fischautos vergeblich versuchten, ihre Ware nur gegen dänische Kronen abzusetzen, gibt der R e i ch s- S e e f i s ch- ausschuß bekannt, daß die deutsche Seefischerei in der Lage ist, den Bedarf an Seefischen aus deutschen Fängen vollkommen zu decken und daß kein Mangel an deutscher Ware besteht. Die Produktion könne vielmehr, so wird weiter mitgeteilt, noch in erheblichem Maße gesteigert werden. Die Konsiimgenossenschasl Berlin und Umgegend teilt uns mit, daß sie das Warenhaus I, Oranienstraße 164/165, wegen des großen Andranges heute erst um 11 Uhr öffnet. Berlegung der Girokasse I nach der RoWraße. Um bei der Wiedereröffnung der Hauptsparkassc am Mühlendamm Verkehrs» störungen zm verhüten, hat die Direktion der Städtischen Sparkasse angeordnet, daß die Girokasse k, die besonders Lohn- und Gehaltszahlungen zu leisten haben wird, nach Roß- straße 29/30 verlegt wird. lleber den britischen Blinislerpräsidenlen Bkacdonald und den Außenminister hendrrson, die am Freitag zu einem Staatsbesuch in Berlin eintreften, spricht am Donnerstag, dem 16. Juli, abends 19 Uhr, der Redakteur des„Vorwärts" Genosse Victor Schiff im Programm der Aktuellen Abteilung, Vortragsreihe: Wovon man spricht. 0/; vral/e'sZ-OPenc/e/pei/e SCHNE EWEISSE fähjßßünd' föwy&ifw �och�* Die erfle Kinderrepublik sieht! Nestfalken ziehen in ihr Lager ein. Man schreibt uns: „Freundschaft!"„Freundschaft!" tönt's hinüber und herüber. Wir �find in Blankensee angelangt, und kurz nachdem unser Zug die Station wieder verläßt, dampft mit großem Lärm ein langer Zug heran.„Die Berliner kommen!" Ja, die Berliner sind es. Alle Berliner! 2000 Jungens und Mädels im blauen Gewand. 300, die kleinsten, die Nestfalken, steigen aus. Der Zug setzt sich wieder in Bewegung. Er muß 1700 Jungfalken und Rote Falken nach Brodten bringen, in die Kinderrepublik„Lübecker Bucht!" 3S0 Nestfalken marschieren! Zehn Minuten Marsch und vor ihnen liegen große Wiesen. Feste, langgestreckte Gebäude, barocken- artig, stehen da.„O. wie Fliegerhallen sieht das aus!" Ja, es waren auch Fliegerhallen. Noch im vorigen Jahre war dieses Gelände Flugplatz. Jetzt liegt es so da. Die große Halle mit chren mächtigen Schiebetüren, in der Flugzeuge bisher Unterkunst fanden, bietet ab heute S00 unserer kleinsten Falken Raum. Sic werden in dieser Halle essen, sie werden spielen und viel Freuden erleben. Die hellen, luftigen Schlafräume, zu beiden Seiten von der Halle aus zu erreichen, bieten reichlich Raum. Ach,' noch viel mehr könnten untergebracht werden. Ein Krankenzimmer gibt erste Hilfe, und in ernsteren Fällen, wo vielleicht einige Tage das Bett gehütet werden muß, sorgt eine etwas weiter entferntgelegene Baracke für Unter- kunst. An der Längsseite„unserer Halle" liegt gleichfalls eine Baracke, die die Küche und den Waschraum— den schönsten Aufenchalt aller— beherbergt. Ein Waschraum überdacht, nicht freigelegen wie -n Namedy und„Lübecker Bucht", aber mit gleicher Anordnung: Wasserrohre von 60 Meter Länge, aus denen zu beiden Seiten in ie Vi Meter Abstand das„liebe Naß" sprudelt. Kaum das eigene Wort ist zu oerstehen. Alles jubelt, kreischt, springt und spöttelt. Dann die Umgegend! Weit und breit schönste Landschaft. Ein langer Fußweg führt durch eine Schonung hindurch. Dann Wiesenland zu beiden Seiten, an drei bis vier Häusern vorbei, und vor uns liegt er, der Blankensee! Wirklich blank spiegelt sein Wasser. Eingezäunt ringsherum mit Wald Wald an Wald reiht sich weiter an. Ein wunderbares Gelände für Wanderungen und für Spazier- gänge. Weiter hinten ragen die Türme von Lübeck ins Land. In zwei bis drei Stunden Marsch ist die Hansastadt zu erreichen. In den nächsten Tagen werden mehr und mehr Kinderrepublikcn erstehen! Jungfalken und Rote Falken aus allen Gegenden Deutsch- lands werden sich zusammenfinden. Ihre Parole ist: Freund- schaft, Ordnung, Solidarität! Wir setzen dazu: A r b e it e r ki n d er e r o b ern d i e W e l t! Sonnenwende der Arbeiterkinder. Bald zehntausend Berliner Arbeiter und Sozialisten vereinigten sich, um gemeinsam mit den Falkengruppen der Kinderfreunde das Fest der Sonnenwende auf dem Wassersportplotz am Plötzen- s e e zu begehen. Gegen i&lO Uhr nachts fornrte sich im Schein der Fackeln der riesige Festkreiz um die Terrasse des Sportplatzes. „Euch allen zum Gruß, Freundschaft!" erscholl es aus dem Munde von Tausenden von Arbeiterkindeni, neue Fackeln stammten aus und der Junge Chor ließ„Wach auf!" von Wagner erklingen. Unter Begleitung des Berliner Falkenorchesters führten die Nest- ialken einen Laternentanz um den großen Holzstoß auf. Plötzlicher Trommelwirbel zwang alle Blicke auf die Freitreppe, auf der sich ein imposanter Ausmarsch von Fackel- und. Wimpclträgern vollzog. Bon mehr als 300 Falken gesprochen erschollt der Ruf: Es kommen die Funken, Es knistert die Glut. Erwache zum Leben, Du flammendes Blut! Und wie aus der Erde hervorgezaubert, bricht die Riesensimnwend- flamme in die dunkle Nacht empor, alles in weitem Umkreis mit einem rötlichen Lichtschein überflutend. Am Feuer vereint nun olle Anwesenden durch begeistertes Mitsingen das Kinderfreundelied „Unser die Sonne". Einig« Lieder des Jungen Chors und der gs- ineinsam« Gesang der International« steigerten die Begeisterung. Aus der Mitte des großen Festkreises erschallt der Ruf: Zum Schluß stimmt mit uns ein in ein dreifaches Freundschaft, das alle» Arbeiterkindern der ganzen Welt gehören soll. Freundschaft! erschallt es aus dem Munde aller Anwesenden. Die herrliche Feierstunde war zu Ende. Mit dem Gesang, der Falkenlleder zogen die Gruppen wieder in das 5)äuserineer Berlins zurück._ Aachilicher Lteberfall als Racheakt. Kolonist schwer verletzt.— Die Täter entkommen. Ein schwerer nächtlicher Ueberfall ereignete sich in der Kolonie Werder in Neu-Tempelhos. Der 40 Jahre alte Gustav Baum, der in der Zossener Straße 36 seine Wohnung hat, besitzt in der Kolonie eine Laube, in der er zur Sommerzeit auch nächtigt. In der vergangenen Nacht drangen mehrere Leute in sein Häuschen ein und fielen über den Mann her. In der Dunkelheit kam es zu einer Schlägerei, es fielen auch mehrere Schüsse. Baum wurde schwer am Kopfe oerletzt und brach hilferusend zusammen. Die anderen Kolonisten, die den Lärm gehört hatten, eilten herbei, konnten ober die Täter nicht mehr fassen. Baum mußte nach dem St. Josephs-Krankenhause gebracht werden. Er konnte noch nicht vernommen werden, da sein Zustand bedenklich ist. Wer die Ein- drtnglinge waren und aus welchen Gründen der Ueberfall verübt wurde, ist daher noch ganz unklar. Es ist möglich, daß ein R a ch e- a k t vorliegt, möglich auch, daß der Angriff von politischen Gegnern des Baum ausging. Die Kriminalpolizei in Tempelhof wird die Untersuchung einleiten._ Genosse Rudolf wurbs, Bärwaldstr. 39, 1. Hof, r. bei Felter, seit 20 Jahren Abonnent des„Vorwärts", wird am 16. Juli d. I. 70 Jahre alt. Jugend auf neuen Wegen. Tagung des republikanischen Siudentenbundes. Nach seiner vor 14 Tagen in Neustrelitz stattgehabten Nord- deutschen Arbeitstagung hatte der Deutsche Republikanische Studentenbund für den 11. und den 12. Juli in Schloßund Park Wörlitz bei Dessau eine Mitteldeutsche Arbeits- t a g u n g angesetzt, die angesichts der wechselnden politischen und wirtschaftlichen Not unseres Volkes der ernsthaften Auseinander- setzung mit Form und Inhalt der deutschen Republik dienen sollte. Annähernd 130 Studierende der Berliner Hochschulen, der Uni- versitäten in Leipzig, Halle, Erlangen und Frankfurt a. M., der Hochschule in Hannover, ferner Bertreter des der freideutschen Jugend nahestehenden Leipziger Leuchtenburg-Kreises und des Republika- Nischen Schülerbundes, mit anderen Sympathisierenden etwa 200 Personen, sanden sich im Lauf des Sonnabendnachmittag in dem stillen nur durch seinen weltberühmten Park bekannten anhaltinischen Städtchen Wörlitz zu einer Tagung ein, die eingeleitet wurde durch eine stimmungsvolle Abendfeier in dem Raum der Frr- Uchtbühne im Wörlitzer Park. Der anhaltinische Ministerpräsident Heinrich De ist richtete an die Studenten ernste und eindringliche Worte, in diesen schweren Stunden der bisher geleisteten ungeheuren Arbeit eingedenk und bereit zu sein, sie zu verteidigen. Er kenn- zeichnete die Erfolge, die in Anhalt durch gemeinsames Arbeiten von Sozialdemokratie und Demokratie erreicht worden sind. Den Hauptvortrag der Sonntags-Tagung hielt Regierungsrat Hans Muhle-Berlin über das Thema:„Ueberwindung des Faschismus". Muhle charakterisierte in temperamentvollen, leidenschaftlichen, treffenden Ausführungen die Unzuoerlässigkeit des deutschen Bürgertums seit 1813, das sich in seinen besten Vertretern damit begnügt hat. die Welt anzuschauen und darüber zu philo- sophieren, aber versäumt oder verzichtet hat. sie zu verändern. Tief beschämend das uneinheitliche Nationalempfinden dieses Bürgertums, das sich nach innen im Schimpfen und Lärmen, aber nach außen im Betteln äußert. Wo ist der Staats- mann, der die Fähigkeit und die Kraft hat, dem Bürgertum die Blödheit seines Nationalempsindens vor Augen zu halten? Erschüt- ternd und niederdrückend auch die Unfähigkeit und die U a- ehrlichkeit der Wirtschaftsfllhrer. Mit den den Massen abgepreßten Steuergroschen wollen sie ihre Betriebe wieder aufbauen lassen, zugleich aber wollen sie mit diesen ihnen zur Verfügung gestellten Geldern den Nationalismus finanzieren. Man darf auch nicht vergessen, daß der deutsche Kapitalismus in der deutschen Bürokratie gesinnungsverwandte Helfer hat, der- ivomenenaislirl nach Kopenhagen am kommenden Sonnabend/Sonntag ab Berlin und zurück zu dem außergewöhnlich billigen Fahrpreis von 20,- Mark(Bahn und Schiff). Teilnehmerkarten bis Freitag bei den bekannten Stellen oder beim Reichs- ausschuß für sozialistische Bildungsarbeit, Berlin SW 68, Lindenstraße 3 selben Bürokratie, die für die Notverordnung verantwortlich ist. Die junge Generation muß diesen Tatsachen gegenüber härter, be- stimmter, konkreter werden. Die stärkste Stütze der deutschen Republik sind und bleiben die in der Sozialdemokratischen Partei oereinigten proletarischen Massen. Dann sprach, jubelnd begrüßt, der Senior und langjährige Führer der anhaltinischen Sozialdemokratie, Heinrich Peus. Er verlangte, daß führende Männer niemals an sich selber denken dürfen, sondern ihre ganze Kraft für die Sache, für das Volk einsetzen müssen. Der Student Günter Heinrich aus Potsdam sprach über„Neue Wege zum sozial! st ischen S t a a t". In außerordentlich klugen und ruhigen überraschend fach- lichen und kenntnisreichen Ausführungen charakterisierte er das gegenwärtig geltende Kräfte- und Machtverhältuis und die sich daraus ergebenden Möglichkeiten oder Unmöglichkeiten tatsächlicher, politischer, wirtschaftlicher und kultureller Arbeit im sozialistischen Sinn. Er zeigte der Studentenschaft die vielen bereits schon er- rungenen wichtigen Machtpositionen und entwickelte den Plan einer besonders gearteten psychologisch begründeten Bauern- und Landarbeiter-Propaganda. Die Alten, so meinte er in ehrlicher Ueberzeugung, haben Gewaltiges geleistet, das wir mit Einsetzen unseres Lebens schützen müssen, und wir Jungen wollen nach dreißig Jahren sehen, ob wir imstande gewesen sind, dem freien Wahlrecht auch noch den Sozialismus hinzuzufügen. Referendar Nathan aus Magdeburg sprach über„Jugend und S t a a t". Seine an sich interessierenden Ausführungen waren leider allzu abstrakt und wirkten oft konstruiert. In der Aussprache warnte Dr. Haubach-Berlin eindringlich davor, politische sowie seelische Probleme auf Paradoxien abzustellen und erneut in den schweren Fehler zu verfallen, über den Ruf nach Taten das eigene Handeln zu vergessen. Mit einem starken, warmherzigen Appell an den Kampf-, Opfer- und Bereitschaftswillen der studentischen Jugend, schloß der Begründer des Bundes, Regierungsassessor Walter Kolb, die von einem außerordentlich starken Tatwillen geleitete Tagung. Während der Vorabend und die Tagung selbst bis in den späten Sonntagnachmittag hinein sich in der absoluten Stille eines in natio- naler Spießigkeit schlummernden Landstädtchens abspielte, brachte der Sonntagabend einen großartigen Abschluß. Die Autos sausten, von schwarzrotgoldnen Fahnen überwallt, durch das stille einsame Land mitten hinein in eine republikanische Demonstration größten Stils. Da hatte sich auf dem größten Platz der Landeshauptstadt Dessau das gesamte Reichsbanner aufgestellt und Tausende säumten den Platz. Ein gewaltiger Zug bewegte sich durch die Straßen zu dem großen Lokal unserer Partei, dem Tivoli, wo vor überfülltem Saal Dr. Haubach und der hallesche Universitätsprofeffor Hertz sprachen, und wo sich zum Schluß alle Studenten, Arbeiter und Bürger in dem packenden Treugelöbnis zum deutschen Einheitsstaat und zur deutschen sozialen Republik zusammenfanden. Unzulängliche U-Bahn. Stiefmütterliche Behandlung der Dahlemer Strecke. Die Berliner U-Bahn hat eine einzige richtige Aussluglinie, die über Dahlem nach der Krummen L a n k e; bereits an der Station Thielplatz führt sie an den Grunewald heran und gewährt von da ab bei jeder der drei folgenden Stationen unmittel- bar Zugang zum Grunewald. Diese Tatsache ist natürlich den Ber- linern längst bekanntgeworden, so daß die U-Bahnstrecke nach Krumme Lanke sich steigender Beliebtheit und damit steigender Benutzung erfreut. Das geht am Vormittag los, wenn in der Schulzeit die Schulklassen Hinaussahren. Aber schon in der ersten Nachmittags- stunde setzt der starke Zustrom aller Ausflügler ein. Leider hat die Betriebsleitung der U-Bahn diesem Zustand bisher, trotz mannigfacher öffentlicher Kritik, keine Rechnung getragen. Die nach Krumme Lanks durchfahrenden Züge verkehren nur alle zehn Minuten und sind, wie es bei dem Andrang unbedingt notwendig wäre, nicht einmal Achtwagenzüge, sondern nur Sechs- wagenzüge, die gar nicht imstande sind, die Massen einigermaßen anständig und bequem zu besör- d e r n. Kommen dann von der vierten Nachmittagsstunde an die Angestellten und Beamten aus den Büros und Arbeitsstellen, so entsteht eine unerträgliche Uebcrfüllung, die sogar so weit geht, daß Personen Gefahr laufen, nicht mitzukommen. Im Innern herrscht ein fürchterliches Gedränge. Immer wieder müssen Personen, die mitten in Berlin einsteigen, bis zur Endstation, also über eine halbe Stunde stehen. Es ist unbedingt notwendig, daß im Sommer entweder alle fünf Minuten durchgehende Züge fahren, oder die Züge von mittags um 1 Uhr ob auf acht Wagen vergrößert werden Die U-Bahn hat sich weiterhin sehr unbeliebt dadurch gemacht, daß sie den Fahrplan dieser Strecke statt zu verbessern, verschlechtert hat, indem sie in den Bormittagsstunden statt alle zehn, jetzt sogar alle 12Minuten einen Zug verkehren und daß sie die aller- ältesten Wagen laufen läßt, deren Benutzung kaum noch zu rechtfertigen ist. Der Zwang zu sparen darf nicht so weit gehen, dem erholungsbedürftigen Publikum eine Beförderung zuzumuten, die den selbstverständlichen Forderungen nach Bequemlichkeit und Hygiene in keiner Weise mehr entspricht. Die heutigen Zustände aus der Dahlemer Strecke sind unerträglich und sollten nun endlich schleunigst gebessert werden. » Während der letzten Monate sind in verschiedenen Berliner Außenbezirken, namentlich im Norden, Osten und Süden, an den Autobus- bzw. Straßenbahnhalte- st e l l e n mehrere hundert Ruhebänke aufgestellt worden. Die Bänke zeichnen sich zum Teil durch eine besonders bequeme Form aus und werden von den'wartenden Fahrgästen gern benutzt. Die begrüßenswerte Neuerung hat besonders dort ihre Bedeutung, wo die Wagensolge nicht sonderlich dicht ist. Allgemeine Wetterlage. 45Jull 4934,ab. sseri-nmanderung Grünau, Eidnvald«. Schmdckw-.tz. Führung: Herr Kraatz. Treffpunkt: Bahckhos Grünau, Westausgang. 9 Uhr vormittags. Mitglieder frei, Gäste 0,20 M. Bereiaigaag der Freunde von Rcligwa aad völkersriedea. Gen. Pfarrer Blwer von der THnitatisrirch» Charlotttnburg svricht am kommenden Sonntag. 10. Juli, 9 Uhr, über den Berliner Rundfunksender im Rahmen einer relizissen Feierssunde über das Thema„Eni: in der Natur". Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Berlio Einsendungen für diese Bubeil nur«u da» Zugendfekret-el«. Derlln SW«. Tindcaflraä« 3 Abteilungsleiter! Letzter Termin für sieltlageranmeldungen Freitag der 17. Juli. heute, Donnerstag. Ib. Juli, um 19� Uhr. Arnswalder Platz II: Rastendutgt Sir. 16:„Gegnerische Iugendv-rbande". — Nordosten II: Danziger Sir. 6s:..».ollfragen".— Andreasvlatz ll: Brommy' ssratze l: �tehrlings'ragen�.— Koitbusi r Tor: Britzer Str. S7/3V:„Im Schatlen der Grotzssadt".— Köpeaicker Viertel: Tressen ttM Uhr, roter Treff.„Im Schatten der Großstadt".— Reichevberger Viertel: Btitzei Str. 27/30:„Im Schatten der Großstadt".— Westend: Svortplatz Westend:„Franksurt-Abend". — Neukölln VI: Jugendheim Schterkcstratze: Funktionärsitzung.— Tegel: Bahn- hosstr. 3: Sexuelle Fragen.— Norden: Lortzing. Ecke Graunstratze:„Unsere Außenpolitik".— Reinickendors.West: Politische Lage. Wcrbebeziri Mitte: Jugendheim Kiipenicker Str. 92, Fusiammenkunst der Gruppenrevisoren. Werbebezirk Westen: Politischer Arbeitskreis im Heim Rosinenstr. 4. Alle interessierten Genossen sind eingeladen. Werbebezirk Teltow-Kanal: Heimabend in Wannsee. Tiisatsr, t-kiikpusls usw. 'VciMia/ i�iAP"Vi, zzz»/ Sai�uu/ Hau i[it/ i»/ Vei � ) Staatstheater Geschlossen. Abonnements-Einladung für die Spielzeit 1931/32 Großer Preisabbau, wesentliche Verbesserung einzelner Platzgruppen durch Vorverlegung, sehr bequeme Zahlungsbedingungen. Anmeldongen nehmen in der Zeit von 10 bis 2 Uhr entgegen: für die Staalsoper und das SloailK&e S Aauspletnaiis: Abonnem-Büro OberwaIIstr.22, Fernsprecher: Merkur 9024, für da* StoolL SAUlerlbealer; Abonnem.-Büro: Charlottenbg., Grolmanstraße 70, FerlispreClier: Steinplatz 6715 Winrer «Cjcirrerv 8.15 Ohl Flora 3434 Raiidien iilzudl 1 Ballcii Eduardowa, 10 Brox, I 4Richys, Mary- Erik- Paul osw. m BirbtroiM 92S( Tis). S u.#1/2 U. H. u. H. Wlllltmi Lee Gail- Ensemble Ori|. 3Whlrlwlnil> Bob Ripa Coli« Brandt usw. VolKsDUlme Theater am Bfllowplalz. 8>b phr Der Mann des Scfalcktalt Die Komddie der Irrungen HAJJSjffiLAND Jiugunch Kestaurant Berlins BETRIEB e KEMPINSKIt Reichshallen-Theater Anfang|»| Uhr Stetftiner Sänger 1 vom 16. 7. bis 22. 7. „Alles verrückt!" NmUTage vom 16.-31. Juli Gastspiel de« Berliner Metropol- Th eaters LEHAR- Operette DAS LAND DES LÄCHELNS Täglich 5u.8,sUhr Son ntags 2)5u.8,5U. UnserePreise; 5o:fs 'bis 2." Sommerpreise. Komiscne Oper Frledrichstr. 104 8V» Uhr Frauen haben das gern... Musikai. Schwank von Arnold Musik t. Walt. Kollo Sommerpr. 0.50■ 7.00 ifietropoi-Ttieaier Täglich 8«i. Uhr Die Toni aus Wien Mady Christians, Michael Bohnen Roses spcechen! Bitte»ehen Sie »Ich bei uns an: Nur bis 19. Jluli: „Der Herr mit d. Fragezeichen" Es spielen: Hermine Sterler Maria Weil Carl de Vogl Harden,Schweirer Goebel, Alfechul Dahlke, Wilde Moni- bis Sonnb ,8" U. Sonntag 2»°, S», 9 Uhr Besucht unser Sommer- Theater! Wir zeigen: 8 internationale VarletC-Nnmmern Es treten auf: Lotte Werkmeister Carl Braun. Außerdem Gr. Konzert u.«bds. 818 das Singspiel: „Unter der blühendenlinde" Wochentags 5» Uhr Sonntags 500 Uhr Deatsdies Theater 8 Uhr Der Haaptmann von KöDenldt v. Carl Zuckmayer Regle: Beim Hilpert Die Komödie Täglich B'h Uhr Dienst am Kunden von Ctirt Eois und Hai Bansen Regie: Hans Deppe Koriarstendamin- Theater Bismarck 448/49 MM - *'*&}?.'■"-C ?<>*•':' BANK UNO SPARKASSE ALLER ARBEITNEHMER IST DIE BANK DER ARBEITER, ANGESTELLTEN UND BEAMTEN, 8 BERLIN Zentrale: S 14, Wallstraße 65 Depositenkasse: SW 66, Lindenstraße 3 Zinsen für Spareinlagen: bei täglicher Kündigung... bei monatlicher Kündigung. SV- bei vierteljährl. Kündigung. 6 0/0 5% --6/'"i'" y t,;.•• A � t DüntsdieillletallatlieiHrliaiil Die schöne Venvallunfisiiiiloueder! Heiana' Freitag, den 17. Juli, keine«itzvug vonlacqussonenhadil1'"«-rwaU-ag. Reale; Max Reinhardi i Dle OHrrerwaitang. Biumenspenden Jeder Art liefert preiswert Paul Golletz vorm.U Robort Meyer llarlannenntr. 3 FB. Oberbau« 13C3 ROSE-THEATER ertrÄur,'r Ü-Bahn Strausbg. PI. Vorrerk. täglirb r.l 1-1 tu3-9ü- Tel.Best.E7 Weich8.3422 UNSER ROMAN IlF-PETROW,„DIE 12 STÜHLE" erschien soeben IN BUCHFORM erhEltllch Big Puchhandlunn I. H. W. In Leinengeschenkband M 6,— brosch.„ 3,50 BERLIN SW68 LINDENSTR. 2 DIETZ mn iin! Land bieitit immer uierlDesföndig! Schecks aller Banken, auch oanat-Bank. nehmen wir statt har!- Bei Barzahlung io Prozent Rabaiti Trotzdem niedrigste Ausnanmepreisei Birkenwerder, Bauparz ab 1.80 Ausk. u. Auto Bahnhof Lehniiz. Oranienburg-Gartenstadt.Wasser-u Bauparz. ab u.90. Ausk. u. Auto Bhf. Lehnitz. Borgsdorf, dir. am Bhf., Bauparz. ab 2.75, Ausk u. Auto Bahnhot Lehnitz. Alt-Glienicke bei Adlershof, Bauparz. ab 1.70 Ausk. a. d. Gel. a. d Schö.nefelder Chaussee, Linie 84. Auskunft auch jederzeit telephonisch und mündlich im Büro der f* RA RA" Boden- u. Bauseseiischatt nlluH m. h. 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Unter finanziellen Sicherheiten bereit— politische „Stabilisierung". Paris, 15. Zuli. Die havasazcniur beschäsiigi sich in einer Auslassung mil den heule in Paris skallgesundcnen Unterredungen zwischen Slaots» sekretär Slimson, Staatesetretar henderson und Ministerpräsident Laval, und stellt weitere Unierhandlungen sür morgen in Aussicht. Außerdem wird in der Auslassung daraus hingewiesen, daß der französische M i n i st e r r o l, der am Freitag zujammenlrilt. sich ebenfalls mit dem Problem beschäftigen wird, das heute der Gegenstand der Aussprache der verschiedenen Minister gewesen ist. nämlich mit der Arage einer eventuellen sinanzicllcn Hilfe sür Deutschland. Es heißt in dieser Auslassung: So wie die Dinge augenblicklich liegen, wird die össentliche Meinung Frankreichs, die weil davon entfernt ist, sich über die gegenwärtige Lage in Deutschland zu freuen und ohne die Verantwortlichkeit der Lage zu untersuchen, sich nicht weigern, einer eventuellen finanziellen französischen Mitwirkung ins Auge zu blicken. Die französische össentliche Meinung verkenn! in der Tal nicht, daß der Krieg eine mehr und mehr engere gegenseitige Abhängigkeit der Völker zur Folge gehabt hat und Frankreich verneint nicht die Verpflichtung der internationalen Solidarität. Aber die Erfahrungen, die man in den letzten Jahren mit den Beziehungen zu Deutschland gemacht habe, dürfen salaler Weise die Leiter der französischen Politik nicht dazu führen, das französische Nationalvermögen in gewogten Operationen anzulegen. Deswegen kommt für Frankreich nicht in Frage, Deutschland Kredite zu eröffnen, ohne daß es als G e g e n l c i st u n g s u b ft a n- Z i e l l e Garantien liefert, welche durch ein gemeinsames Ab- kommen der interessierten Finanzminister festgelegt werden müssen. Die ins Auge gefaßte Operation wird talsächlich von solchem Ausmaße sein, daß sie nicht ohne die Mitarbeit der a m e r i k a n i- schen, englischen und französischen Banken gelingen kann, die sich zu einer gemeinsamen Anstrengung vereinigen müssen und die ihnen gleiche Rechte und gleiche Interessen geben würden. Es versteht sich von selbst, daß diese technischen Bedingungen nicht genügen würden, um die deutsche Währung zu retten, wenn sie nicht während der Periode der Wiederaufrichtung von einer politischen Stabilität begleitet sein werde, ohne welche ein internationales vertrauen und ohne welche Kredite nicht möglich sind. Die Städte in der Krise. Ihre Zahlungsfähigkeit muß erhalten bleiben. Der engere Vorstand des Deutschen Städtetages beriet in An- Wesenheit des Rcichsinncnministers Dr. Wirth, des Präsidenten des Deutschen Sparkassen- und Girovcrbondcs Dr. Kleiner und anderer Vertreter der Reichs- und Staatsbehörden eingehend d i e Finanz- und Wirtschaftslage der Städte und der öffentlichen Banken. Dieser Frage kommt deswegen gegenwärtig ganz besondere Be- deutung zu, weil von der Zahlungsfähigkeit der öffentlichen Kassen die Lebensmöglichkeit weitester Schichten der Bevölkerung abhängt, und zwar nicht nur wegen der Gehälter und Löhne, sondern auch wegen der U n t c r st ü tz u n g e n an die Fürsorge- berechtigten, insbesondere an die Wohlfahrtserwerbslosen. Man war sich darüber vollkommen einig, daß sofortige Schritte ergriffen werden müssen, um die Zahlungsfähigkeit der öffentlichen Kasten zu sichern und sobald wie möglich wenigstens einen beschränkten Zahlungs- und Wirtschaftsverkehr wieder auf- zunehmen, zugleich aber den völlig ungerechlfertiglcn Abhebungen bei den Sparkassen entgegenzuwirken, die zum größten Teil nur aus übertriebener Nervosität zu erklären sind. Es bestand ferner darüber Ucbereinstimmung, daß die Spar- kosten in derselben Weise behandelt werden müssen wie die übrigen Bank- und Kreditinstitute. Es ist deshalb nach Ansicht des Städte- tages notwendig, die Sparkassen ebenso wie die Banken in die Lage zu versetzen, von den ihnen gesetzlich zustehenden Lombardie- rungsmöglichkeiten bei der Rcichsbank Gebrauch zu machen. Das bezieht sich in erster Linie aus die Kommunal- a n l e i h e n. Ferner muß dafür gesorgt werden, daß ausreichende Zahlungsmittel auch bei den öffentlichen Kreditinstituten bereitstehen. Alsdann würden die städtischen Sparkassen durchaus in der Lage fein, ihren Verpflichtungen im Interesse der Gesamt- heit zu genügen. Die Städte vertrauen auf den gesunden Sinn ihrer Bevölkerung und werden zu ihrem Teil daran mitwirken, die Krise zu überwinden. Llniersuchung wegen der Roggenstützung Dr. Baabe stellt Antrag auf Difziplinarverfahren. Wegen der im Roggen-Untersuchungsausschuß des Reichstags erhobenen Anschuldigungen hat Dr. B a a d e beim Reichsernährungs- minister in seiner Eigenschaft als Reichskommissar bei der Deutschen Getreidehandelsgesellschast die Einleitung eines Disziplinar- Verfahrens gegen sich beantragt. Im Einvernehmen mit Dr. Baabe wird der Reichsinnenminister zum Zwecke der Durch- führung dieses Verfahrens die Aushebung der Immunilät beim Reichstag beantragen. Bis zur Erledigung des Difziplinarver- fahren? ist Dr. Baabe auf eigenen Antrag beurlaubt worden. Wie wir erfahren, hat auch Staatssekretär z. D. Hagedorn wegen der im Untersuchungsausschuß gegen ihn erhobenen Vorwürfe ein Disziplinarverfahren gegen sich beantragt. Keine Vollstreckung von Todesurieilen. Zwei Begnadigungen in Bayern. München. 15. Juli.(Eigenbericht.) Laut amtlicher Mitteilung hat das bayerische Staatsministerium dos gegen den Mädchenmörder Weigclt in Koburg vcr- hängte Todesurteil in lebenslängliche Zuchthaus st rase umgewandelt. Wcigelt hatte die Verkäuferin Martha Heublcin in Koburg ermordet. Durch Ministcrratsbeschluß wurde auch der vom Schwurgericht Fürth zum Tode verurteilte Leonhard Baumann zu lebens- länglichem Zuchthaus begnadigt. Baumann hat seine Geliebte, die Dienstmogd Anna Stinzendörfer in Moosbach ermordet Die verkrachten Wirischafisführer. Sozialistischer Cortes-Prasident. Madrid, 15.?uli. Ilpsgenbericht.) Tas spanische Parlament trählte den Tozialisten Besteiro zum Präsidenten. Tic Wahl erfolgte mit 363 gegen 2 Stimmen. „An unserer Ltnsähigkeii ist nur der Marxismus schuld!" Kränzen moralisch verurteilt. Kreispruch nur wegen mangelnden Beweises. Nach andcrthalbstündiger Beratung verkündete dos Schössen- gericht Berlin-Mitte gestern um'/-Z Uhr folgendes Urteil im Prozeß gegen den braunschweigischen Staatsminister Dr. Franzen: Der Angeklagte wird auf kosten der Staatskasse freigesprochen. Der Freispruch erfolgt wegen mangelnden Beweises. Vernichtende Urteilsbegründung für Kränzen. In der Urteilsbegründung führte Amtsgerichtsrat H e r z f e l d etwa folgendes aus: Das Gericht hatte in erster Linie zu prüfen, ob sich der Landwirt Guth eines Vergehens oder eines Vcr- brechen? schuldig gemacht hat. Am 13. Oktober war es am Potsdamer Platz zweifelsohne zu einem Auflauf gekommen. An einem Auflauf kann ein jeder teilnehmen. Des Vergehens des Auf- laufes aber macht sich derjenige schuldig, der der dreimaligen Auf- fordcrung der Polizei, auseinanderzugehen, nicht Folge leistet. Das Gericht hat das Vergehen des Auflaufes beim Landwirt Guth vcr- n e i n e n müssen. Mit dieser Feststellung hätte sich dos Gericht eigentlich begnügen können, da die Verneinung des Ver- gehen? des Auslaiifez beim Zeugen Guth eine strafbare Be- günstigung durch den Angeklagten Dr. Franzen ausschließt. Es Hot aber auch das weitere Ergebnis der Beweisaus- nähme einer rechtlichen Würdigung unterzogen. Guth spielte sich auf der Wache als L o h s e auf, er ließ Dr. Franzen herbeirufen, damit dieser ihn legitimiere. Dr. Franzen veranlaßte den Abgeordneten Lohse mitzugehen. Das Gericht ist nicht der Ansicht, daß zwischen Dr. Franzen und Dr. Lohse unter- weg? die Rede vom festgenommenen Guth gewesen ist. Das Gericht hat den Eindruck, daß der Landlagsabgeordneke Lohse die Polizei bewußt angelogen und erst hier im Gcrichtssaal die Wahrheit gesagt hat. Es war Ihm peinlich, einem angesehenen Frakrionsmitglied gegenüber ein- zugestehen, daß er dein Landwirt Guth seinen Ausweis gegeben und daß dieser sich der Polizei gegenüber Lohse genannt hat. Wenn es anders gewesen wäre, so hätte Lohse Dr. Franzen nicht allein die Suppe ausessen lassen, die er und Guth ihm eingebrockt hatten. Hätte Dr. Franzen von dem wahren Sach- verhalt gewußt, er häitc dann auch nicht Lohse zur Wache mit- geschleppt. Weil Lohse aber Dr. Franzen über den wahren Sach- verhalt nicht unterrichtet hotte, hielt er sich auf der Wache die ganze Zeit im Hintergrunde, um sich nach dem Eintreten des Majors Heinrich sofort zu drücken. Lohse spielt in diesen Prozeß eine äußer st unerfreuliche Rolle. Was das Verhallen des Dr. Franzen auf der Wache betrissl, so unterliegt es gar keinem Zweifel, daß er daran mitgewirkt hat. den wahren Sachverhalt zu verschleiern und an dem Befrciungs- versuch Gukhs teilgenommen hat. Selbst wenn die Dinge sich so abgespielt haben sollten, wie Franzen es darstellt, so hat er auch dann Guth als Lohse legitimiert. Er wußte, daß es darauf ankommt, die Identität des Fest- genommenen festzustellen. Dos war Lohse klar, mußte also dem Angeklagten, der Lohse an Intelligenz nicht nachsteht, gleichfalls klar sein. Es ist ausgeschlossen, daß an ihn derartige törichte Fragen gestellt worden seien, wie er behauptet, er wußte, was man von ihm wollte. Er hat sich bcgrisftich der Begünstigung schuldig gemacht. Das Gericht ist der Ansicht, daß die Fragen an den Angeklagten in präziser und klarer Form erfolgt sind. Ein so alter und erfahrener Beamter wie der Kriminalassistent Graf weih, wie er zu fragen hat und der Zeuge Guth hat bei der richterlichen Vernehmung aus- gesagt, daß er bereits im Begrisfe war, die W a h r he i t zu sagen, es aber unterlassen hat, nachdem Dr. Franzen ihn als Lohse identifiziert hatte: er wollte ihn nicht bloßstellen. Bei der Prüfung der Frage aber, ob der Angeklagte Dr. Franzen gewußt hat, daß Guth sich eines Vergehens schuldig gemacht haben sollte, ist doz Gericht zu einer Verneinung ge- kommen. Bei der Beurteilung der Aussage der Polizeibeamten war zu berücksichtigen, daß sie an jenem Abend auf der Polizeiwache nicht daran gedacht haben, daß sie später einmal in dieser Sache vernommen werden würden. So haben sie sich die Ereignisse hinter- her rekonstruieren müssen. Der Kriminalassistent Graf Hot be- kündet, daß ihm bei Erteilung des Auftrages die Identität Guths festzustellen, von einer Bannkreisverlctzimg nichts gesagt worden sei. Das Gericht ist auch der Ansicht, daß eine Belobigung der Beamten, die an und für sich durchaus gerechtfertigt war, erst nach Beendigung der Angelegenheit hätc ausgesprochen werden sollen, da sie sür die Beamten zu einer Fehlerquelle werden konnte. Das Gericht ist somit nicht überzeugt, daß dem Angeklagten gegenüber von einer Bannkreisverletzung durch Guth die Rede gewesen ist. Andererseits stellt dag Gericht fest, daß die Begünstigung durch Dr. Franzen bereits vor Eintritt des Majors Heinrich stall- gefunden Halle. Guth hotte seine Ausweise schon zurückbekoipmen, er wäre entlassen worden, wenn er nicht selbst eine lange Rede darüber gehalten hätte, daß er sich nun wegen Verletzung der Immunität be- schweren(!) würde. Das Gericht hat es als erwiesen erachtet, daß Dr. Franzen dem Major Heinrich gegenüber von der Immunität des Abgeordneten gesprochen hat. Auch daß er auf die direkte Frage, ob er in dem Fe st genommenen Lohse erkenne, eine bejahende Antwort gegeben hat: das Gericht hat sich aber nicht davon überzeugen können, daß Major Heinrich dem Angeklagten von dem Vannkreisvergehen des Festgenommenen Mitteilung gemocht Hot. Für den Angeklagten � spricht sein Ausspruch, daß Abgeordnete bloß dann festgenommen � werden können, wenn sie wegen Vergehens oder Ver- brechen? auf frischer Tat ertappt worden sind. Dieser Ausspruch hätte aber nur dann Sinn, wenn Dr. Franzen der Annahme war, daß dem Festgenommenen Guth bloß die Führung des falschen Nomenz zur Last gelegt werde. Das Gericht hat keinen Anlaß, an der Lauterkeit der Persönlich- keit des Angeklagten zu zweifeln. Das ist aber die Tragik dieses Falles, daß dieser sonst makellose Mann, der für sein Land in seinem Sinne gewiß das Beste will, in einen Konflikt geraten war, bei dem in ihm die ethischen Hemmungen, die er als Richter natürlich besaß, nicht aufkamen und er so eine Handlung begangen hat, die wenn auch nicht strafrechtlich zu fassen, doch keine legale Handlung war, und lediglich in Wahrnehmung von Parteiinteressen vorgenommen worden ist. Das Gericht ist somit zum Frcispruch gelangt, weil die Vortat des Zeugen Guth nicht den Tatbestand eines Vergehens enthält, in bezug auf Guth subjektiv die Voraussetzungen des Ver- gehen? des Auflaufes fehlen und weil es nicht nachgewiesen werden konnte, daß dem Angeklagten auf der Polizeiwache von der Bonn- kreisoerletzung des Guth Mitteilung gemacht worden war. Die Begünstigung der Uebertretung ist aber keine strafbare Handlung im Sinne des Gesetzes. Der braunschwcigische Polizeiminister Franzen hat trotz des Freispruchs eine eklatante moralische und politische Niederlage erlitten. Der Freispruch er- folgte, weil Franzen sich der B e g ü n st i g u n g einer llc Vertretung schuldig gemacht hat, während ihm die Begünstigung eines Vergehens nicht nachgewiesen wurde. Die„Nachtausgabe" des Herrn Hilgenberg fälscht dies Urteil um in eine„persönliche Rechtfertigung Franzens". Diese„persönliche Rechtfertigung" sieht so aus: Das Gericht stellt fest, daß Franzen an dem Versuch der Befreiung des Guth teilgenommen hat, daß er den wahren Sachverhalt zu verschleiern gesucht hat. Das Gericht stellt fest, daß Franzen dem Polizeimajor Heinrich gegenüber erklärt hat, er erkenne Guth als den Abgeordneten Lohse. Das Gericht stellt fest, daß sich Franzen begrifflich der Begünstigung schuldig gemacht habe. Das Gericht stellt fest, daß Franzen eine Handlung be- gangen habe, die strafrechtlich nicht zu fassen sei, die aber keineswegs legal sei. Derartige Feststellungen mögen der„Nachtausgabe" mit ihren bescheidenen Ansprüchen an die Integrität rechtsstehen- der Politiker als„Rechtfertigung" erscheinen— sür einen ehemaligen Richter und jetzigen P o l i z e i m i ni ste r eines Landes sind sie schlechthin vernichtend. Was wird Herr Hitler, der die Legalität so laut be- schworen hat, zu seinem nicht legalen Mini st er sagen? Nach diesem Urteil stellen wir fest: an der Spitze der Polizei des Landes Braunschweig steht ein Minister, der die preußische Polizei angelogen hat, der ihr bei Amtshandlungen in den Arm fiel, und der sich nicht legaler H a n d l u n- gen zur Befreiung eines Verhafteten schuldig gema6)t hat. Kampf der Arbeitslosigkeit! Internationale Maßnahmen gegen die Aot! Der Direktor des Amts Berlin des Jnternoticinolen Arbeits- omtes, Genosse Willy Donau, schreibt uns: Di« deutsche Wirtschaft wird von heftigen Fieberschauern ge- schüttelt. Unter dem Druck der Krise häufen sich die Z u s a m in e n- bräche. Sie vcrgröhern dos Elend der Arbeitslosigkeit. chofsnungslojigkeit greift Platz: denn nirgends und in keinem Land ist am Horizont ein„Silberstreifen" sichtbar, der eine Zerteilung des Gewölks ankündigt. Noch ist von einer internationalen Aktion zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit nichts zu spüren. Nach anfäng- licher Bekämpfung der Vorschläge des Internationalen Arbeitsamtes scheint man sich aber nunmehr doch in der internationalen Diskussion daraus zu einigen, daß die Jnangrisfnahme von öffentlichen Arbeiten aus internationaler Grundlage ein Ausgangspunkt für eine aktive Konjunkturpolitik sein kann. Wir verkennen nicht, daß einer solchen Aktion Hemmungen im Wege stehen, die nicht leicht zu überwinden sind. Man braucht ja nur an die bremsende Wirkung der Ausführungen des Direktors der Wirtschaftsabteilung des Völkerbundes in der letzten Sitzung des Unterausschusses für Arbeitslosigkeit der Europakommission zu er- innern. Trotzdem sind die kürzlich gefaßten Beschlüsse des Zlrbeits- lofenausschusses von Bedeutung In der internationalen Diskussion ist nun wenigstens ein A u s- gangspunkt für eine praktische und großzügige Politik zur Be- kämpfung der Arbeitslosigkeit gegeben. Es ist unbestritten, daß öffentliche Arbeiten in Krisenzeiten in manchen Ländern eine Ver- Minderung der Arbeitslosigkeit bis zu einem Viertel der Gesamtzahl her Arbeitslosen herbeigeführt haben. Von dieser Tatsache aus- gehend, beschloß der Ausschuß einstimmig, die K r c d i t k o m m i s< s i o n des Europaausschusses dringend zu ersuchen, für die Inangrifs- nähme internationaler öffentlicher Arbeiten die ersordcrliche dauernde Zusammenarbeit herbeizusühren. um die notwendigen langfristigen Kredite flüssig zu machen. Der Ausschuß ist der Meinung, daß die Verwirklichung solcher Pläne sowohl den gegenwärtig in Europa brachliegenden Kapitalien geeignete Anlagemöglichkeiten bietet, als auch zur Verminderung der Arbeitslosigkeit beiträgt. Dieser Beschluß wurde gesaßt auf Grund von Vorschlägen ver- schiedener Regierungen zur Inangriffnahme von öffentlichen Arbeiten mit Hilfe internationaler Kredite. Die deutsche Regierung hatte in ihrer Antwort an das Internationale Arbeitsamt auf die Wichtigkeit der Erschließung neuer Arbeitsmöglichkeiten hingewiesen und mitgeteilt, daß die Inangriffnahme öffentlicher Arbeiten im s deutschen Reich aus dem Gebiete des Wegebaues, der elektrischen Energieverteilung, der Bodenverbesserungsorbeiten und der Arbeiten zum Schutz gegen Ueberschwemmungen mindestens 4 bis 5 ZNillionen Arbeitstage zusätzlicher Art schassen würden und daß dazu ein langfristiger Kredit von 100 Millionen Mark zu niedrigen Zinssätzen ersorderlich sei. Der K r e d i t a u s s ch u ß der Europakommission soll Mitte A u g u st zusammentreten. Es ist zu hoffen, daß er die Sicher- stellung großzügiger öffentlicher Arbeiten durch Bereitstellung von internationalen Krediten unterstützt, damit auf einem wichtigen Ge- biet die immer wieder betonte europäische Zusammenarbeit endlich verwirklicht wird. Von Bedeutung ist auch der Beschluß des Arbeitslojigkeitsaus- schusies für das Zusammenwirken der Arbeitsvermitt- lungsämter aller europäischen Staaten, wenn er auch nicht die große unmittelbare Wirkung zur Bekämpfung der Wirtschaftskrise hat wie die Durchführung öffentlicher Arbeiten. Es soll eine Konferenz der Zentralstellen der europäischen Arbeitsvermittlungsämtcr stattfinden, an der auch je ein Unter- nehmer- und je ein Arbeitervertreter des Verwaltungsrates dieser Aemter teilzunehmen hätte. Zweck der Konserenz soll sein: die Schaffung eines Austauschdien st es zur regelmäßigen Arbeitsmarktberichterstottung, die Schaffung von geeigneten Maß- nahmen, um die Vermittlung von Arbeitskräften von einem Land In ein anderes zu erleichtern und schließlich eine Aussprache über die Methoden der Arbeitsvermittlung der verschiedenen Länder. Es handelt ssch also um eine Arbeitsnachweis-Konferenz für olle Länder Europas. Schon dieser Beschluß ist zu begrüßen, denn er erscheint geeignet, die bisher fehlende Zusammenarbeit auf einem wichtigen Teilgebiet des Arbeitsmarktes herbeizuführen. Diese Kon- ferenz, die übrigens als ständig« Einrichtung gedacht ist und die von Zeil zu Zeit zusammentreten soll, kann ein wirksames Instrument der europäischen Annäherung und Zusammenarbeit auf sozialem Gebiet werden. Sicherlich werden schon auf der ersten Tagung sofort Probleme austauchen, deren llebcrwindung unter dem heutigen System der gegenseitigen Abschnürung der nationalen Arbeitsmärkte nicht möglich ist. Aber Rom ist ja auch nicht an einem Tage erbaut worden. Sicher wird die Konferenz der gewerkschaft- lichen Forderung auf Wiederherstellung der Freizügigkeit der Arbeitnehmer nicht aus dem Weg gehen können. Der Arbeitslosigkeitsausschuß der Europa-Kommission hat auch noch eine Entschließung über die W a n d e r u n g s b e w c g u n g an- genommen, nach der aus lange Sicht ein großzügiges Programm intcrnationalerSicdlungspolitik von den zuständigen Organen des Völkerbundes aufgestellt werden soll. Der Ausschuß regt eine planwirtschastliche Regelung der landwirtschaftlichen Sied- lung in neuen, bisher vielfach noch unbebauten Ländern an. Sein Vorschlag ist zweifellos von Interesse, auch wenn einer boldigen Ver- wirklichung viele Schwierigkeiten entgegenstehen. Für die vielen Millionen Menschen, die arbeitslos und hoff- nungslos als Opser der kapitalistischen Wirtschaft auf der Straße liegen, muß neue Arbeit geschaffen werden. Hoffentlich führen die Beschlüsse des Europa-Ausschusses recht bald zu einer aktiven Beeinflussung der jetzigen Krise. Es geht auch ohne Krach! Die Empörung der Arbeitslosen. Bon einem Arbeitsomtangestellten wird uns geschrieben: Wenn man zurzest auf irgendein Büro der Sozialversicherung kommt, und ganz besonders auf ein Büro der Arbeitslosen- Versicherung, so merkt man die furchtbare Erregung, die innerhalb der deutschen Bevölkerung zurzeit tobt. Die Arbeits- losen, wie auch die übrigen Sozialversicherten, erfahren von dem Abbau chrer Renten und Unterstützungen. Sie fühlen ssch dadurch in ihrer Lebensexistenz bedroht und lassen horte Worte sollen nicht nur über ihr Schicksal, sondern sehr oft auch über die Leute, die weiter nichts tun als die Gesetze auszuführen: über das Personal der Sozialversicherung. Alles Schimpfen an diesen Orten ist wirklich unangebracht. Auch das Personal der Sozialversicherung hat mit den schwersten Sorgen zu kämpfen. Die Gehälter sind in unerträglicher Weise abgebaut worden. 11 Proz. Abzüge im Durchschnitt und dazu die Hälfte der K i n d e r z u l o g e für das erste Kind, das macht insge- samt bei den einzelnen zwischen 30 und 150 Mark Abzug im Monat aus. Daneben ist auch noch eine Personolvermin- d e r u n g einhergelaufen, deren Ende noch nicht abzusehen ist. Tausende von Angestellten der Sozialversicherung befin- den sich im gekündigten Verhältnis und wissen noch nicht, ob sie nicht morgen oder übermorgen in die Reihen der Arbeitslosen zurückkommen. Wozu also Kroch mit den Angestellten dieser Aemter? Der An- gestellte selbst weiß, wie bitter der Abbau der Sozialoersichcrung für den einzelnen ist. Er weiß es besser, als jeder Gesetzgeber, weil er die Fühlung mit dem Publikum seit jeher hat und weil er sehr oft selb st ein früherer Arbeitsloser ist, der erst durch das Ansteigen der Arbeitslosigkeit in diesen Beruf gekommen ist. Der Angestellte der Sozialversicherung und ganz besonders der der Arbeitslosenversicherung kann nichts dafür, daß er Gesetze aus- führen muß, die die Reichsregierung durch Notverordnung erlassen hat und die nun für die Arbeitslosen ab 6. Juli sich äußerst hart auswirken. Das Schimpfen an diesem Platz ist falsch am Platze, es hindert auch den reibungslosen Verkehr mit dem Publikum, da jedes Schimpfen und jedes Krachmachen lediglich von der Arbeit abhält. Letzten Endes leiden also in der Hauptsache die Arbeitslosen selber durch langsamere Absertigung, wenn sie an unangebrachter Stelle ihrer an sich berechtigten und verständlichen Erregung Luft machen. Kür allgemein verbindlich erklärt. Die Angestelltenabkommen in der berliner Metallindustrie. Das Gehaltsabkommeu vom 26. März 1931 und das Abkommen über sturzarbeit vom 30. Zonuar 1931 bis 26. März 1931 für die kaufmännischen und technischen Angestellten in der Berliner Metall- Industrie ist mit Wirkung vom 1. Juli 1931 für allgemeinverbindlich erklärt worden. * Das erste Abkommen vom 30. Januar 1931 wurde infolge der Kurzarbeit notwendig. Für jede verkürzte Arbeitsstunde wurde ein Gehaltsabzug von 4,5 vom Tausend als zulässig erklärt, jedoch nur bis höchsten? 15 Proz. des Monatsgehalts. Der Urlaub, ebenso die Zeit der Kündigung, ist voll zu zahlen. Die Gehaltsvereinborung vom 26. März setzte das Gehaltsab- kommen vom 1. April bis 30. September 1929 wieder in Kraft, was«mem Gehaltsabbau um 6,55 Proz. gleichkam. Das Sonderabkommen vom 30. Januar wurde dahin geändert, daß der Höchstobzug bei Kurzarbeit in der Zeit vom 1. April bis 31. Juli 1931 nicht bis zu 15 Proz., sondern nur bis 10 Proz. gehen darf. Diese Abkommen wurden nur unter dem Zwang der Verhält- nisse getroffen. Sie gelten bis zum 31. März 1932. Im gestrigen Abend berichteten wir eingehend über die zunächst vergeblichen Bc- mühungen der Angestellten der Metollindustrie, die Abänderung des Sonderabkommens vom 30. Januar durch dos Abkommen vom 26. März zu verlängern, dos heißt mit den Abzügen infolge Kurzarbeit auch weiterhin nur bis zu 10 Proz. zu gehen, anstatt bis zu 15 Proz. Die reichlich spät erfolgte Erklärung als allgemcinver- kindlich betrifft lediglich die dem VBMI. nicht angeschlossenen Berliner Metallbetriebe, für die diese Abkommen nun ebenfalls Geltung hoben. Arbeiiskammerwahlen im�uhrbergbau Konzentrierter Kampf gegen die freie Gewerkschaft. Die Arbeiiskammerwahlen für den Ruhrberg- bau haben folgendes endgültiges Ergebnis: Von 1 64 341 gültigen Stimmen der Arbeiter erhielten: Bcrgbauindustric- arbeiteroerband 58 103 Stimmen(7 Mandate), Christen 43 605(6). Deutscher Arbeiter(Gelb) 12 067(1) und RGO. 50 566 (6).. Die Wahlbeteiligung betrug rund 70 Proz. Die national- so z i o l i st i s ch e Liste war für ungültig erklärt worden, da sie den gesetzlichen Bestimmungen nicht entsprach. Von 16 874 gültigen Stimmen der Angestellten erhielten: A s A- B u n d 3893 Stimmen(3 Mandate), Verband der Bergbau- angestellten 2525(2), Gewerkschastsbund der Angestellten 4621<3) und die Arbeitsgemeinschaft der Bergbauongestellten(gelb) 5835<4). Die Wahlbeteiligung betrug rund 83 Proz. Der Bergbauindustriearbeiterverband hatte mit 8 Mandaten ge- rechnet. Bei der letzten Wahl hatten die Kommunisten keine eigene Liste aufgestellt. 1925 hotte sie mit eigener Liste 6 Mandate erhalten. Der Wahlkampf ist in der Hauptsache gegen den Bergbauindustrie- verband geführt worden: Christen und Kommunisten bedienten sich dabei wenig anständiger Methoden. Die Erfolge der Gelben cnt- sprechen weder der außerordentlichen Förderung, deren sie sich von Unternehmerseite erfreuen, noch ihrer Voraussage, sie würden die gewerkschaftliche Position„zertrümmern". Die Werkmeister zur Aowerordnung. In einer stark besuchten Kundgebung des Bezirks Berlin-Bran- denburg des Deutschen Werkmeister-Verbandcs im großen Saal der Germania-Säle referierte der Leiter der sozial- politischen Abteilung Dr. C r o n e r über die Notverordnung vom 5. Juni und deren Auswirkungen. Die Kundgebung fand ihren Niederschlag in einer einstimmig angenommenen Entschließung, in der es heißt: Die Notverordnung bringt keine Sanierung des Reichs, wohl ober eine Verschärfung des Elends und eine ungemessene Steigerung der Empörung über die unverhüllts Sozialreaktion, die gegenwärtig Deutschland beherrscht. Sie ist angefüllt mit kleinlichen bürokratischen Schikanen, die die Erbitterung ins Ungemessene steigern müssen... Die Ereignisse nach dem Erlaß der Notverordnung, der Zusammenbruch größenwahnsinnig aufgeblähter Unternehmungen, die Kapstalflucht, deren Ausmaß die deutsche Wirt- schast in ein« Katastrophe trieb, zeigen, wo eine harte Hand der Reichsregierung in erster Linie am Platze wäre, um dem drohenden Zusammenbruch zu begegnen. Die im DWL. organisierten Werkmeister sind nach wie vor bereit, zur Rettung der Republik und zur Sicherung der von den Gewerkschaften erkämpften Sozialpolitik Opfer zu bringen. Sie ver- langen ober aus das entschiedenste, daß diese Opfer ollen Schichten des Volkes nach ihrer Leistungsfähigkeit auferlegt werden und daß die Bestimmungen der Notverordnung, die eine einseitige Bc- l a st ü n g der Arbeiter und Angestellten darstellen, sofort a u f g c- hoben werden. Protest der Bankangestellten. Der Allgemeine Verband der Deutschen Bankangestellten hattä zu gestern abend noch den Germaniasälen eine Mitgliederversomm- lung einberufen, die leider schwach besucht war. Das dürfte in der Hauptsache darauf zurückzuführen sein, daß der eigentliche Grund zu dieser Protestoersammlung die Sperre der Gehaltszahlung, durch die Erklärung der Banken, am 16. Juli die Gehälter zu zahlen, weg- gefallen ist. Referenten des Abends waren die Derbandsvorsitzenden Marx und Emonts, die scharfe Kritik an dem kapitalistischen Wirtschaftssystem übten, auf dessen Konto in erster Linie die augenblickliche Ver- wirrung koinme. Ebenso scharf kritisierten die Redner die verantwortlichen Regierungsstellen, die gegen die Panikmacher der Wirtschaft und Bankwelt nicht mit der nötigen Schärfe vorgehen. E>i*> stimmig nahm die Versammlung eine im Sinne der Ausführungen der Referenten abgefaßte Entschließung an. Aordwest-Verhandlungen vertagt. Bis zum 24. Juli. Dortmund. 15. Juli. Die unter dem Vorsitz de» Schlichters von Westfalen für die Eisen- und Stahlindustrie der nordwestlichen Gruppe geführten Lohnverhondlungen wurden aus Freitag, den 24. Juli, vertagt, um das von dem Schlichter von beiden Parteien vorgclcotc umfangreiche waterial im einzelnen zu prüfen. Gescheiterte Lohnverhandlungen. llnternehmer von der �ohncbbaupsychose noch nicht geheilt. Im linksrheinischen Braunkohlenbergbau sind die Parteiverhandlungen über die Löhne und Arbeits- zeitverträgc, die zum 31. Juli gekündigt wurden, gescheitert. Die Unternehmer fordern 10 Prozent Lohnabbau und Abbau der sozialen Zulagen um 25Prozent. Die Arbeiter verlangen dagegen die 40-Stunden-Woche bei 12 Prozent Lohnausgleich. Am Donnerstag finden Schlichtungsverhandlungen statt. Ein hartes Ltrteil. Die Politik der Fieichsregierung. Wiederholt Hot der R e i ch s a r b e i t s m i n i st e r an der A g r a r; o l l p o l i t i k, die die Lebensmittelpreise künsUich steigert, Kritik geübt. Die Reichsregierung aber bemüht sich, das hohe Preisniveau des Getreides zu. stabilisieren. Im Hinblick aus die zu erwartende günstigere Weizen ernte soll eine Orga- nisotion für den ExportvonWeizen ausgezogen werden. Man will nach der Ernte mit Verlu st preisen exportieren, um die Preis« in Deutschland hochzuhalten. Dazu bemerkt die freigewcrkschastlichc Holzarbeiter.; ei- t u n g:„In der Reichsregierung ist anscheinend eine Arbeitsteilung in der Weise vorhanden, daß der Reichsarbeitsminister durch scharfe Reden die Arbeiter zu beruhigen sucht, während der Reichsernährungsmini st er in gesteigertem Maß? die Au?- Hungerungspolitik fortsetzt, die sein Kollege so abfällig kritisiert. Das ist eine Politik mit doppeltem Boden, mst der schleunigst aufgeräumt werden muß. Die Löhne in Amerika. Gewerkschosten erstreben Gtobiiisierunq. New Park. 15. Juli. Der Präsident des Amerikanischen Gewerkschastsbundes, Green, erklärte in einer Rede, die gegenwärtige Depression sei schlimmer als die Handelskrise vom Jahre 1893. Er sprach den Wunsch aus, daß Präsident Hoover eine Industriekonserenz einberufe, die die Erhaltung der Löhne auf ihrem gegenwärtigen Stande be- schließen solle. f Freie GeVerkschofts-Iugend Berlin Heute, um W? Uhr, taaeu die Kruppen: Nöpenjck: Jugendheim Gritnauer Sir. 5(Stahe Bahn hos Srnndlorefeldi. Bunter Slbercd.— Kefunibrunnon: Jugendheim Siotc Schule, Kolenburger Str. 2. Die israu im Erwerbsleben.— Dchönbausee Tor: Jugendheim Zieckstr. lg(Feuer, wedrhan»), Di« Kewertschasten im neuen Rupland.— lempelbos: Kruppen heim Lyzeum Kermaniasir. 4—6. Der Zugang zum Jugendheim erfolgt durch den Eingang aus der Hinteren Seite der Schul», Kasisirahe. Was ist Sozialismus?— Sübastcu: Reichenderger Str.«6 iFeuerwehrhaus). Reichstagsfihung. — Moabit: Jugendheim Lehrter Str. 18—10. Gemeinsamer Spaziergang zur Schiffejuaei'dherlierge.— Staaten; Jugendheim IT. Valksschttle. Gartenstadt, Äirchplah(Enddaltestelle Autoaus 31).- Sleu-Lichtenberg: Jugendheim Gunter. strahe 4t. Unsere Jüngsten prabicren's mal.— Landaderger Plag: Kruppen- heim Diestelmeyer Str. ö. Gewerkschaften. Staat und Raloerordnung.— Lichteubeeg: Jugendheim Hauff, an der Lessingstrahc Licder.Adcnd.— Jugend- gruppe bc» Verbände» der Nahrungsmittel- und Keträntearbeiter, N. 34, Reue Schönhauser Str. 4 T. Gutheil kommt m: seiner Rienrelse.— Iugenhgruppe de» Deutschen Beklelbungsnrbeiter-Verband?»: Spielen im Treptower Park, Spielwiese 8, ab IS Uhr. Zuqendgruppe des Zentralverbondes der Angestellten Leute, Donnerstag, folgende Veranstaltungen: Pantaw-Riederschä»- Hausen: Jugendhelm Kärschstr. 14 sgrostes gunmert. Distusstansabend im Freien. Wir treffen uns vor dem Jugendheim.— Osten: Zugendhelm der Schul« Litauer Str. 18. Ausspräche über tagespolitische Fragen.— Treptow: Jugendheim der Schule Wildcnbruchstr. 53(Zugang von der Graehstrasje in Treptows. Wir üben mit Frih Weihstock neue Lieder.—.Fee!« Angestellten- banl e.». m. n. Seschäftsstunden non 20 bis 22 Uhr im Verbandshaus.— Spiele im Freien ah 10 Uhr Spa-tplah Junpsernheidr. Sportplah Humbaldt- Hain und im Schtüerpark und ab 18 Uhr Sportplatz Tiergarten. Berantwprtlich kür Politik:«ietar Lchisk: Wirtschaft:®.«llngelhöker: Kcwrrkschaftsbewegung: Friedr. Ehkarn: Feuilleton: Dr. John Schikawski: Lokales und Sonstiges: Frig»arftädt: Anzeigen: Th. Klocke: sämtlich in Berlin. Verlag: Vorwärts-Verlag K m. b. S.. Berlin. Druck: Barwärts-Buchdruckerel „nft Berlagsanstalt Paul Sinaer u. Eo.. Berlin SW 68, Lindcnstrghe 1 Hieran 2 Beilagen und»Frouenftlmme-. Zur Gesiefets-Braimang bei Sonnen- bädern verwende man die reizmildernde und kühlende Creme Leodor— fettfrei In roter Packung: feNhallig in blauer Packung,— Tube 60 Pf. und I Ml. Wirksam unterstützt durch Leodor-Edelleise Stück 60 Ps. Zu haben in ollen Chlorodont-Tsriaussltellelb Nr. 327* 48. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Oonnersiag, 16. Juli l£3l Milliarden für Jehlanlagen. Ist die Bankrottwirtschast des Privatkapitals„schlechthin dummes Zeug"? Die„vetiksdic Allgemeine Zeitung", das Leibblatk für die Znlereiseu scharfmacherischer Unternehmer, hat sich mit dem Aufruf„An das deutsche Volk" der Sozialdemokratischen Partei beschäftigt. Sie bezeichnete die Kritik des Aufrufe» und des„Vor- wärls" an der privakkapitalistischen UZirtschaslssührung als„schlechthin dummes Zeug". Wir lassen hier eine kleine erschütternde Auswahl aus der Betätigung deutscher Wirlschastssührer aus den letzten Zahren folgen. Wir hassen, daß die„OAZ." den Beweis führen wird, daß diese„Leistungen" deutscher Wirtschastssührer als Dokumente wirtschaftlicher FührerquaNkät angesehen werden müssen. In der Schwerindustrie wurde das Kapital zu Hunderten von Millionen oerschleudert. Der Ruhrmontantrust kam nur zu- stände, weil seinen Gründern eine um mindestens ein Drittel zu hohe Bezahlung gesichert wurde. Der Enquetebericht über die Eisen- industrie mußte feststellen, daß die Schwierigkeiten der Schwer- industrie„struktuellcr" Natur sind, das bedeutet, daß überspannte Leiskungssähigkeit und große Kapilolsehl- leilungen die Schwerindustrie bewegungsunfähig gemacht haben. Der Kurs der Stahlvereinsaktien steht bei 35 Proz. In der Glanz- konjunktur Hot die Eisenindustrie 16 Millionen Tonnen abgesetzt. In den Eisenverbänden entfielen aber allein auf die sechs großen Kon- zsrnwerke Beteiligungen im Betrage von 18 Millionen Tonnen. Um die Kartell- und Monopolherrschaft der Eisenverbände komplett zu machen, hat man 86 bis 96 Millionen Mark für den An- kauf von Außenseiterfirmen hinausgeworfen. Die Folge war die wucherische chochholtung der Eisenpreise in Deutschland und eine unabsehbare Schädigung der hochwertigen Ber- arbeiter- und Exportindustrien. Man hat Erzlieferungs- oerträge mit Schweden geschlossen, die bis 1942 etwa 266 Mil- lionen Mark Verluste bringen können. Von den deutschen Banken wurden die dafür erforderlichen Kredite beschafst: unkontrolliert kannten diese Kredite sehr häusig in Fehlanlagen fest- frieren. Die Bewegungsunfähigkeit der Banken hat vielfach in der Mißwirtschaft der Schwerindustrie chren Grund. Bei der Steinkohle liegen die Dinge nicht viel besser. Eine beispiellose Rationalisierung, die die Kosten erheb- lich senkte, ließ die Kohlenpreise unberührt. Auf Halde liegen jetzt für mehr als 266 Millionen Mark Kohle; diese Kohle wird nicht oer- kaust, weil die Banken mit ihren Krediten stillhalten und stillhalten müssen. Ein großer Teil der Kokereien muß abgeschrieben werden. Sohlen- und Elsenfyndikate waren und find da» schwerste Hemmnis für den Preisabbau. Die Leistungsfähigkeit der Stick st offindustrie übersteigt den Bedarf bei weitem. Nach ihrem Ausbau hat sie eine Leistung?- fähigkeft von über 1,2 Millionen Tonnen. Auch in guten Zeiten be- trug der Absatz des Stickstoffsyndikats nicht viel mehr als die Hälfte. In den nicht ausgenutzten Stickstoffanlagen stecken Dutzende von Millionen, die verzinst und in zu hohen Stickstoffpreisen bezahlt werden müssen. Soweit die Schwerindustrie daran beteiligt ist, sind auch hier große Bankkredite eingefroren, hat auch hier die Kon- trolle der Aussichtsräte und der Banken versogt! Jetzt sind Stickstoff- zölle eingefiihrt worden, um die Gefahren der Ueberkapazität zu bannen. Die deutsche Kunstscideindustrie war das Feld unge- heuerlicher Fehlfpekulationcn und Fehlausbauten. Die Leistungs- fähigkeit kann auch in guten Zeiten nicht entfernt ausgenutzt werden. Zeugen für die Mißwirtschaft sind die Kursstürze der Glanzstoff- akten von 866 Proz. auf 166. Bei Auslandsgründungen sind die schwersten Verluste eingetreten. Im Vau befindliche neue Werke der Sunstseideindustrie. dle schon Millionen gekostet haben, sind zn Ruinen geworden. In der Z e m e n t i n d u st r i e stand einer Leistungsfähigkeit von 15 bis 16 Millionen Tonnen im Jahre 1929 und im Jahre 19.Z6 eine Ausnutzung von nur 25 bis 35 Proz. gegenüber. Za wenigen Jahren sind für den Werksausbau in der Zement- industrie 366 Millionen Mark regelrecht verschleudert worden. dazu kommen mehrere Dutzend Millionen sür den Ankauf und die Bekämpfung von Außenseitern, d. h. für die Hochhalloug der Kartellpreise. Beim Wickingkonzern, der größten der deutschen Zement- Unternehmungen, erwartet man jetzt eine Kapitalzusammenlegung auf ein Fünftel, weil schwerste Verluste eingetreten sind. Der Kurs der Wickingaktien ist unter 17 Proz. gesunken. Der Fehlausbau wurde größtenteils mit Bankschulden durchgeführt, die Kontrolle der Banken hat auch hier versagt; die Forderungen an die Zementindustrie sind meist eingefroren. In der L i n o l e u m i n d u st r i e hat eine jahrelange Aus- dehnungspolitik mit dem Ehrgeiz, ein europäisches Monopol zu schaffen, ebenfalls zu den schwersten Verlusten geführt. Bei den großen Ueberseereedereien wurden Bankkredite zum Bau von Schiffsriesen verwendet und die Tonnage so unwirtschaftlich aus- gedehnt, daß auch in besten Zeiten keine Möglichkeit ihrer vollen Verwendung besteht. Bei den Werften hat die Rivalität der Banken zu Fusionen geführt, die sich als Fehlschläge erwiesen haben und die zu großen Verlusten führten. In der deutschen Aulomobilinduflrie. vielfach von ehemaligen Militärs geleitet, ergaben sich allein bei drei Firmen in kurzer Zeit Verluste von 56 Millionen Mark, die Gesamtverluste sind mindestens auf 166 Millionen Mark zn schätzen. An eine Ausuützung der Leistungsfähigkeit stst nicht zu denken. Auch hier hat die Rivalität der Großbanken jede vernünftige Aufbau- Politik unmöglich gemacht. In der T e x t i l i n d u st r i e ist die Leiswngsfähigkeit für Baumwolle und Baumwallwaren viel zu groß, weil man auch hier wie in der Eisenindustrie dos verrückte Prinzip verfolgt hat, die ganze mit Elfaß-Lothringcn verlorene Leistungs- fähigkeit in Deutschland wieder aufzurichten. Die Beträge, die hier durch eine falsche Politik und mangelnde Voraussicht der sogenannten Wirtschaftsführer verwirtschaftet worden find, gehen in die Milliarden. Diese Mllliarden tragen in Mehrexport als Krisenzeichen. Im �1. Halbjahr eine Milliarde Ausfuhrüberschuß /SSIMill.Goldausfuhr im Juni Die Außenhanoclsziffern für den Monat Juni.zeigen einen Ausfuhrüberschuß von 139 Millionen Mark. Gegenüber Mai(266 Millionen Mark) ist der Aussuhrüberschuß nicht unerheblich zurückgegangen, er ist ober bedeutend höher als im Juni vorigen Jahres(97 Millionen M.). Die Ermäßigung des Ausfuhhrüberfchusses ist eine Folge der erhöhten Einfuhr wie der rückläufigen Ausfuhr. Die Einfuhr ist von 585 Millionen Mark im Mai auf 667 Millionen Mark im Juni gestiegen, hauptsächlich infolge Erhöhung der Einfuhr von Roh- st offen. Eine günstiger« Gestaltung der Konjunkturlaee darf man daraus noch nicht ablesen, da die Steigerung der Rohstoffeinfuhr dafür zu gering ist und sich auf eine ganze Anzahl von Waren ver- teilt. Immerhin spiegelt sich doch in den höheren Einfuhrziffern für Textilrohstoffe und Kalbfelle und Rindshäute die verhältnismäßig gute Beschäftigung der Textil- und Lederindu- strie. Wenn aber auch die Einfuhr von Eisenerzen zugenom- men hat, so ist das nur ein Zeichen für die miserablen Lieferanas- vertrüge der Schwerindustvie, da ja die Eisenerzlager übervoll sind. Außenhandel im Zum(in Millionen Mark) BarevgrupPeu 1. Lebende Tiere... 2. Lebensmittel u.(Betränte..... 8. Rohstoffe und h-lb- sertige Baren... 4. ffertige Baren.. Zusammen 1—4. b. Gold und Silber Die Ausfuhr ist von 747 Millionen Mark im Mai auf 713 Millionen Mark im Juni zurückgegangen; dazu sind noch Re- parationsfachlieferungen von 33 Millionen Mark(im Mai 37 Mil- lionen Mark) zu rechnen. Bon dem Gesamtrückgang von 37 Mil» lionen Mark entfallen 26 Millionen Mark auf den Rückgang der Fertigwarenausfuhr. Doch ist dieser Rückgang nach An- ficht des Statistischen Rsichsomts überwiegend auf das weitere Sin- ken des Preisniveaus zurückzuführen, das sich im Monat Juni um weitere 3 Prozent ermäßigt hat. Uebrigens pflegt vom Mai zum Juni stets ein saisonbedingter Rückgang der Ausfuhr einzutreten, der in diesem Jahre sogar erheblich geringer als im Dorjahve war. An dem Rückgang der Fertigwarenausfuhr waren Textilwaren mit 12 Millionen Mark und Eisenwaren mit 11 Mil- lionen Mark beteiligt. Außerordentlich bemerkenswert sind diesmal die Außenhandels- Ziffern für Gold und Silber. Die Ausfuhr, die im Mai nur 2,6 Millionen Mark betragen hatte, erreichte den Rekordbetrag von 576,4 Millionen Mark; davon waren 5 67 Millionen Mark Goldabgaben der Reichsbank. Von den Gold- fendungen gingen 391 MillionenMark nachFrankreich, 76 Millionen Mark nach Holland, 74 Millionen Mark nach Belgien und 26 Millionen Mark nach der Schweiz. Auch die Einfuhr von Gold und Silber erhöhte sich, von 29,4 auf 47,8 Mil- lionen Mark. Darunter waren G o l d b« z ü g e der Reichsbonk aus Rußland(22 Millionen Mark) und Großbritannien(17 Millionen Mark). I m ersten Halbjahr 1931 betrug die Gesamteinfuhr 3766 Millionen; sie ist um nahezu 1 Milliarde g e r i n g e r als im zweiten Halbjahr 1936 und um mehr als 1,8 Milliarden geringer als im ersten Halbjahr 1936 gewesen. Wenn auch«in bedeutender Teil dieses Einfuhrrückganges auf Preissenkungen zurück-',- ft-hren ist, so bleibt doch ein starker mengenmäßiger Rück- aang, der sür die außerordentlich schlechte Beschäftigung der deutschen Wirtschaft bezeichnend ist. Die deutsche Handelsbilanz halbjährlich(in Millionen Mark) Zeit Eissuhr 1. Lialdiahr 1980 ?. Ha!biiikr mi 1. Halbjahr 1931 Ausfuhr(mit Repara- Ausfuhr- tions-Lachl'eferungen) Überschuß 5 M3 6 206 663 4 677 S83» 1 r>3 3 700 4 768 1 OOS Noch etwas stärker als die Einfuhr ging im ersten Halbjahr 1931 die Ausfuhr zurück, um mehr als ein« Milliarde Mark auf 4768 Millionen Mark; gegenüber dem ersten Halbjahr 1936 betrug der Rückgang allerdings nur 1,4 Milliarden Mark. Der Aus- fuhrüberschutz von 1668 Millionen Mark im ersten Halbjahr 1931 i st daher etwas geringer als im 2. Halbjahr(1153 Millionen), aber bedeutend höher als im 1. Halbjahr 1936(663 Millionen). Gegenüber falschen Argumenten muß also wieder festgestellt werden: die.Aktivität" der Handelsbllanz allein hilft der deut- schen Volkswirtschaft m keiner Weise. Sie ist jetzt ein Zeichen der Krise. hohem Maße, da die entsprechenden Kredite weitgehend eingefroren sind, zur jetzigen Lähmung in der deutschen Kreditwirtschaft bei. Im A u s l a n d, wo ja Fehlinvestitionen auch nicht unbekannt sind, kennt man diese Dinge sehr genau. Karstadt und besonders Nordwolls mußten als Signal wirken. Die ausländischen Kreditkündigungen nahmen nicht zuletzt deshalb kein Ende. Wir glauben, daß die deutsche Oesfentlichkcil diese erschütternde Kritik der Tatsachen an der Wirtschaftsführung deutscher Unternehmer nicht als„schlechthin dummes Zeug" betrachten wird. Sie wird vielmehr mit der Sozialdemokratie der Auffassung sein, daß ohne weltgreifende Kredit- und wirtfchafts- kontrostc in Deutschland, ohne stärkste regufterende und kon- trollierende Einflußnahme des Staates auf das Wirtschaftsleben es einfach nicht mehr geht.» Eine erfreuliche„Berichtigung" Um den kommunalen Aktienbesih am NWE. Wir waren vor einigen Tagen genötigt, unter der Ueberschrift „Kommunalfinanzen und Aktienbesitz" eine Frage an die Reichsbank zu richten. Wir mußten uns auch einer ungerechten Hetze gegen die Preußische Elektrizitäts-A.-G. publizistisch annehmen. Es handelte sich um die Frage, ob die Reichsbank den Verkauf der in kommunalem Besitz befindlichen Aktien am Rheinisch-Westfälifchen Elektrizitätswerk verlangt hat und zum anderen um die Abwehr eines unter den jetzigen Verhältnissen un- qualifizierbaren Angriffes aus„fachmännischen Kreisen", den die „Deutsche Allgemeine Zeitung" veröffentlicht hat. Von der Reichsbank haben wir keine Antwort bekommen, wohl aber von der Direktion der Rheinisch-Westfälifchen Elektrizitätswerke A.- G. in Essen. Zum größten Teil ist das Schreiben der RWE.-Direktion erfreulich, wir werden gleich sagen, worum. Im übrige» wird festgestellt, was wir gern wieder- geben, daß das RWE. mit den Angriffen in der„DAZ." nichts zu tun Hot. Eine Veröffentlichung des RWE.-Schreibens auf Grund des Pressegesetzes kommt, das weiß wohl auch die Absenderin, nicht in Frage. Sie wäre ja auch überflüssig, da der Wortlaut des Schreibens mindestens der„Rheinisch-Westfälischen Zeitung" zuge- gangen ist, die sich entsprechend sür das RWE. und gegen den .LZorwärts" äußerte. Erfreu lieh in dem Schreiben der RWE.-Direktion ist die erneute Feststellung, ,chaß wir(die Direktion der RWE.— d. Red.) stets auf dem Standpunkt gestanden haben und stehen, daß das RWE. in seiner Form als gemischtwirtschaftliches Unternehmen erhalten bleiben muß, und daß vor allem die versorgten Kommunal- verbände des Westens am RWE. beteiligt bleiben müssen". Die RWE.-Direktion unterstreicht also nochmals die auch von uns wieder- gegebene Auffassung von Dr. Silverberg und des Präsidiums des RWE. Wir sind gerne bereit, jetzt alle Zweifel an dem Ernst dieser Auffassungen fallen zu lassen. Aber auch das RWE. wird uns kaum verübeln dürfen, daß wir nach dem Angriff der„DAZ." dazu neigen durften, gewisse Zweifel vermutend zu äußern. Im übrigen hat kürzlich die Dammert-Korrespondenz auch für die breitere Ocffentlichkeit die Feststellung ge- bracht, daß dem RWE. eine Strukturänderung des gemischt- wirtschaftlichen Ehorakters des Unternehmens durchaus unerwünscht wäre und daß der kommunale Einfluß unverändert aufrecht er- halten werden muß. Zugleich werden hier auch die Gerüchte be- dauert, durch die die Beunruhigung hervorgerufen wurde. Da das RWE. jetzt keinesfalls mehr für diese Gerüchte verantwortlich gemacht werden darf, belassen wir es gern bei unserer Frage, die wir hier an die Reichsbonk gerichtet haben und hoffen, daß von dort noch Antwort kommt. Wir bedauern natürlich auch, daß wir das RWE. zu Unrecht in die Nähe des Verdachts gebracht haben,. selbst das Ansehen eines Konkurrenzunternehmens wie der Preag und des preußischen Staates herabsetzen zu wollen. Unsere Genugtuung über das Bekenntnis der privaten Aktionäre und der RWE.-Leitung zur gemischtwirtschaftlichen Form im RWE. und auch unser Bedauern über die andeutungsmäßig ge- machte Unterstellung, das RWE. greise die Preag an, möchten wir aber sehr gerne auch für olle Zukunft gesichert schen. In der Vergangenheit haben wir— und vielleicht auch andere— oft genug bemerkt, daß faires Vorgehen und publizistische Gewissen- haftigkeit vom RWE. nicht immer ganz so groß geschrieben worden sind, wie wir es in diesem Falle gern unterstellen. Wir erinnern nur an die Elcktrokämpfe im Saargebiet. In diesen Dingen soll noch einiges zu erwarten sein. Wir würden uns sehr freuen, wenn die RWE.-Leitung uns auch hier nicht enttäuschen wird. Wir kommen ja schließlich nicht aus Uebermut zum Sündigen, sondern weil wir wie gebrannte Kinder das RWE.-Feuer etwas scheuen. 1,5 Millionen für preußische Kleinbahnen. Die Preußische Staatsregierung hat einen Gesetz- cntwurs vorgelegt, der zur weiteren Förderung des Baues und der Erhaltung von Kleinbahnen 1,5 Mill. Mark bereitstellt. An sich wird der Bedarf für diese Zwecke auf über 16 Millionen angegeben. Bei der gespannten Finanzlage ist es aber nur möglich gewesen. 1,5 Mill. Mark sür den Kleinbahnfonds anzufordern. Mit diesem Betrag soll im wesentlichen eine Erneuerung von Kleinbohnstrecken durch- geführt werden, wobei man in erster Linie auf den Osten und aus die Verhütung der Stillegung unbedingt verkehrsnotwendiger Kle'" bahnen Bedacht nehmen will. Alexander v. Sacher lHaioch: ZJtflVH 1 1 Der Zlpothekergehilfe packte erregt seine spitze, gerötete Nase und zerrte daran aus Leibeskräften. Das tat er immer, wenn er vor un- gewöhnliche, plötzliche Entscheidungen gestellt wurde. Dann sagte er heiser, im Frageton: „Drillinge"--- Dicker Rauch hing in der Luft des Raumes. Alle Gegenstände, die Tische, Stühle und Menschen verschwanden fast in dieser enormen Rauchwolke. Das Büfett mit Fräulein Mizzi, der Kassiererin, glitt wie ein Schiff durch den Qualm, die Spiegel waren erblindet, das Licht der ausgebrannten, elektrischen Birnen am billigen Kronleuchter lämpfte verzweifelt gegen die Dämmerung an und hinten, in einer Ecke, stand Piderka mit dem Bratfchenmann und dem Klarinettisten und ließ durch den Rauch zarte Melodien herüberklingcn Roten Wein trank ich im Traum, Aus den Beinen steh ich kaum... Diese berühmte Begebenheit spielte sich im Cafö„Zum grünen Daum" ab. Ich brauche wohl nicht erst zu sagen, daß es sich um dos vornehmste Cafe des Städtchens handelte. ---„Drillinge", sagte der Apothekergehils« nochmals und deckte jäh entschlossen die Karten aus. Seine Miene zeigte ein seit- sames Gemisch von Unverschämtheit und Angst. Michael Buda, sein Gegenüber, hob den struppigen, kugelrunden Kopf und starrte den Gehilsen an. Seine Augen waren verglast, denn es ging gegen halb ein Uhr nachts und sie hielten bereits bei dem zehnten Liter. Im Gegensatz zum Apothekergehilfen schien Michael Buda in diesem Moment ungewöhnlich ruhig zu sein. Undurchdring- lich schimmerte sein Gesicht zum Gehilfen herüber. Eine Mimite ver- strich, die einer kleinen Unendlichkeit gleichkam. Dann jagte Michael mit eintöniger Stimme: „Vierlinge". Der Apothekcrgehilse, der sich inzwischen, von unerträglicher Spannung erfüllt, vorgeneigt l)attc, siel leblos in seinen Sessel zurück. Nach einer Weile kramte er aus seiner Westentasche einen lächerlich kleinen Bleistiftstummel hervor und schrieb aus ein Blatt Papier unter ehre lange Zahlenkolonne weitere 1 Krone 30 Heller dazu. Das war so eine liebe Gewohnheit und diente mehr zur Wahrung des äußeren Ansehens vor dem Ober Stanislaus. Denn niemals dachten der Gehilfe oder Michael Buda ernstlich daran, diese Spielverluste zu begleichen. Abend für Abend saßen die zwei Freunde im„Grünen Baum" und pokerten, während sie— je nach dem Stand ihres momentanen Kredites— größere oder kleinere Quantitäten Erlauer vertilgten. „Genug für heute!" rief Michael Buda plötzlich und fuhr sich verzweifelt in den wilden Haar schöpf. Dann sagte er, den Freund jäh anblickend:„O, Freundchen, schwerer Kummer plagt mich. Es ist kaum auszuhalten." „Ich ahnte es gleich, denn du siehst bedrückt aus." Dies sagte der Apothekergehilfe mit teilnehmender Stimme, aber in seinem Herzen tanzten tausend kleine, übermütige Teufel und er ompfand bei Michael Budas zerquältem Anblick verwerfliche Schadenfreude. Dieser Apothekergehilfe war als großer Nichtsnutz und alberner Spaßvogel bekannt, verfügte über eine ausschweifende Phantasie, der er durch das Lesen nie endenwollendcr Fortsetzungs- romanc zu ihrem Rechte verhalf. Der niederträchtige Kerl ahnt«, was in Michael Budas stürm- bewegter Brust vorging, denn natürlich handelte es sich um Fräulein Leoni?, die Tochter des Gemischtwarenhändlers Perlfaster. Fräulein Leoni«, ein langaufgeschossenes, blondes Mädchen, mar das holde Ziel von Michael Budas geheimen Sehnsüchten. Zwar hatte er noch nie mit ihr gesprochen, aber als er sie vor etwa fünf Tagen am Abendkorso zum ersten Mal« erblickte, stürzte die Welt um ihn zusammen und er empfand plötzlich jenes bekannte Schwindelgsfühl, das uns bei„Liebe auf den ersten Blick" zu be- fallen pflegt. Seither war er wie ausgewechselt, er vernachlässigte seine Arbeit(d. i. ging überhaupt nicht mehr ins Amt), aß nicht mehr und magerte sichtlich ab. Dafür trank«r unmäßig, um feinen Kummer zu ersäufen. Der Apothekergehilfe hatte das Auf- keimen dieser Liebe beobachtet, stand jedoch der Herzenswahl seines Freundes verständnislos gegenüber. In seinen Gedanken verglich er Fräulein Leoni« mit einer dürren Bohnenstange, fand sie völlig reizlos, überdies hatte sie schadhafte Zähne. Anderenteils hatte er genügend oft erfahren, daß Liebe blind sei, und behielt daher sein Urteil über Leonis für sich. „O, o," seufzte- Michael Buda und stierte mit verglasten Augen vor sich hin. In diesem Augenblick kam dem Apothskcrgehilfen ein teuflischer Einsall. „Du müßtest ihr eine Serenade bringen," sagte er einfach. Michael Budas Kopf fuhr mit einem Ruck im, die Höhe und er starrte mit leiichtendsn Augen wie geistesabwesend in die Luft. Dann sprang er auf, ergriff die Hand des Gehilfen und schüttelte sie bc- geistert: „Das ist es! Das ist das Richtige!" Mit diesen Worten wollte er davonstürzen, aber der Apothekergehilfe ergriff ihn noch rechtzeitig am Rockzipfel: „Es ilt jetzt halb eins," sagte er.„Ilm ein Uhr schließt Stanis- laus das Lokal, Piderka ist also erst noch eins verfügbor. Bis dahin wirft du dich wohl oder übel gedulden müssen." „Meinst du," antwortete Michael verwirrt und setzte sich wieder. Das wollte der Gehilfe. Und jetzt legte er los. Er erläuterte die Einzelheiten der beschlossenen Serenade. Dabei kicherte er immer wieder still in sich hinein, denn er wußte, daß Fräulein Leoni« am gleichen Nachmittage für fünf Tage zu ihrer Tante auf dos Land gereist war. Michael Buda hingegen— so vermutete der Gehilfe— wußte die? nicht. Aber darin irrte er sich. Denn zwar hatte Michael Buda in seiner Verzweiflung die ganze Zeit über dieser Titsache nicht gedacht, ober jetzt plötzlich durchschoß ihn blitzartig die Er- kennt/nis, daß eine Serenade ja unter solchen Umständen mehr als lächerlich wäre und im gleichen Augenblick sah er dem Gehilfen miß- t ramsch in die Augen. In dessen Gesicht war Schadenfreude zu lesen. Kein Zweifel, dieser Kerl wollte ihn in der Nacht Pidcrkos Lieder vor einem Fenster aufspielen lassen, hinter dem niemand wohnte.„Warte, Halunke," dachte Michael Buda, als er in seinen Erwägungen bis hierher gelangt war.„Ich will dir's zeigen!" Er erhob sich, trat vor den noch immer still vor sich hinlächelnden Ge- Hilfen und gab ihm von rechts und links ein paar Schallende hinter die Ohren. Der Gehilfe sprang empört auf, öffnete und schloß ein paar Mal den Mund, konnte aber keinen Ton hervorbringsn. Inzwischen kehrte Michael Vuda ruhig an seinen Platz zurück, setzte sich nieder und murmelte nur noch: „Du weißt, weshalb du sie bekommen hast. Ich kenne dich, du nichtsnutziger Schwadronneur." Der Gehilfe wußte es und schwieg. Nach einer Weile brüllte Michael: „Stanislaus, noch eine Flasche!" Stanislaus watschelte durch den dicken Rauch herbei, brachte die Flasche und füllte beide Gläser. Der Gehilf« wollte erst seinen Anteil gekränkt zurückweisen, besann sich jedoch dam» anders. Sie tranken schweigend. Eine halb« Stunde später, kurz vor der Sperr- stunde, waren sie bereits wieder in angeregter Unterhaltung. Michael Buda schlug sich ein ums andere Mol schallend auf die Schenkel und lachte unbändig. „--- Verdammter Kerl! Eine Serenade für den Mond spielen zu lassenl Wobei mir einfällt, daß Seine Hoheit, der Herr Kreisrichter, letzthin einen mächtigen Rcmfall erlebte. Du weißt doch, wie er nach Fräulein Jlusch verrückt ist. Auch er nahm Piderka mit, von diesem weiß ich den Hergang der Geschichte. Jlusch wohnt in der Türkengassc, dorthin zogen sie also, Piderka, der Bra fläze nma im und der Kreisrichter. Kennst du das Haus, in dem Jlusch wohnt? Nein? Es ist ein längliches Haus, und es steht eine Laterne davor. Das Fenster rechts von der Laterne ist ihr Fenster. Der Kreis- richter irrte sich jedoch in seinem Dusel und ließ Piderka mit dem Bratschenmann links von der Laterne Aufstellung nehmen. Dort spielten sie nun bis zum Morgengrauen die feurigsten Lieder, wöh- rcnd der Kreisrichter, an die Mauer gelehnt, schnarchte. Und weißt du, was dabei herauskam, hahaha?" „Ich weiß es nicht", entgegnete der Gehilfe, sich interessiert vorneigend. „In der Morgendämmerung sah nun Piderka zufällig von seiner Geige aus. Er sah auf und wäre fast auf den Hintern gefallen vor Ueberraschung, denn er erkannte, daß er die ganze Zeit über vor einein blinden Fenster gespielt hatte. Hoho! Vor einem Fenster ohne Glas und Rahmen, einem zugemauerten Fenster. Merkst du was?" Michael Buda lachte so, daß sein Bauch wackelte, der Tisch zitterte und die Gläser aneinanderklangen. Fräulein Mizzi, die Kasienfe«, fuhr aus ihrem.Halbschlummer aus von Meftm dröhnenden Lachen. Auch der Gehilse lachte, und zwar so, daß ihm die Tränen üb« die Wangen liefen. In diesem Augenblick rief Stanislaus laut und schallend: „Spcrrstnuunde!" Die zwei einzigen Gäste des Cafes erhoben sich und torkelte» Arm in Arm in die Nacht hinaus. An der Rathousccke trennten sich ihre Wege, lachend schüttelten sie sich di« Hände und noch immer lachend entfernten sie sich nach verschiedenen Richtungen. Der Gehilse, der unsicher auf den Beinen stand, fuchtelte mit seinem Spazierstock in der Luft herum und grölte Piderkas Lieb- lingslied vor sich hin: „Roten Wein trank ich im Traum..." Dann fiel ihm wieder der Kreisrichter und das zugemauerte Fenster ein, und da er gerade an der Ecke der Türkenstraße vorbei- kam, dachte er, vor sich hinkicherird:„Ich maß mir die Stelle ansehen, hihihi, ein zugemauertes Fenster." Er nähert« sich der denkwürdigen Stelle. In diesem Hause wohnte Jlusch, die Flamme des Kreis- richters. Hier stand jene gewisse Laterne. Der Gehilfe fuchtelte mit dem Stock in der Luft herum. Er konnte die Laterne in der Dunkel- heit nur schwer erkennen. Er lachte glucksend, dann stieß er mit dem Stock zu. Eine Scheibe klirrte, der Gehllfe starrte blöde vor sich hin. Kurz darauf blitzte ein Licht auf, die Türe öffnete sich und heraus stürzte ein großer Mann im Nachthemd, der dem Gehilfen wie ein Ungeheuer vorkamr. Das Ungeheuer stürzte auf den Ge- Hilfen los, hieb ihm ein paar schallende Ohrfeigen herunter und ver- setzte ihm überdies noch einen kräftigen Fußtritt. Da kam Be- wegung in den Gehilfen, der bis jetzt mit offenem Munde erstarrt dagestanden hatte. Er nahm einen Anlauf und stürmte die dunkle Straße hinab, um wenigstens unerkannt zu entkommen. Im Laufen dachte er an Michael Buda und ballte die Faust. m. SoHSehenko: SbOltlOV dCT Der Zug hat zehn Minuten Aufenthalt. Das Publikum stürmt die Wagen. Ein ältlicher Bürger mit einem Sack auf dem Rücken bahnt sich eiligen Schrittes den Weg durch die Menge. Mit hängen- den Ohren und blasser Hautfarbe hat er das Aussehen eines In- tcllektuellen, der augenscheinlich wenig auf Gymnastik gibt und noch weniger auf regelmäßige Versammlungsbesuche. Der Sack auf seinem Rücken ist von beträchtlichem Umfange. Was er wohl darin haben mag? Sicher keine Tannenzapfen, sondern Weizen oder Speck, am ehesten wohl Mehl. Wahrhaftig, aus den Nähten sickert Mehlstaub. Der Assistent des Stationsvorstehers läßt seinen Blick über die ihm anvertrauten Reisenden hinschweisen und erblickt den Sack- träger. Er gibt dem Geheimpolizisten einen Wink: Hab Acht auf den da! Wieder ein Beweis dafür, daß Spekulanten und Sack- träger die Erntezeit benutzen, um ihr Schäfchen ins trockne zu bringen.—„Vierzig bis fünfzig Spekulanten entführen täglich dem Dorfe das kostbare Getreide", sagt er zum Geheimpolizisten.„Es ist ein Jammer!" Aechzend hat der Intellektuelle feinen Sack in den Wagen bug- siert und unter der Bank verstaut. Run sitzt er da mit unschulds- voller Miene. Der Diensthabende sagt zum Geheimpolizisten:„Mir ist, als hätte ich den Alten da schon mal gesehen. Ganz recht, in der vorigen Woche. Er verstaute da irgendwelche Säcke und Körbe im Coupc1." „Man muß seinen Ausweis fordern und fein Gepäck unter- suchen", sagt der Kriminalbeamte. „Haben Sie die Güte, Ihren Sack aufzuladen und uns zu folgen!" wenden sich die Beiden an den Passagier. Der wird weiß wie eine Leinwand.„Worum handelt es sich? Ich fahre nach Mos- kau. Hier find meine Ausweispapiere. Ich bin Doktor der Me- dizin." „Natürlich! Alle seid ihr Doktoren! Doch gleichviel, haben Sie die Güte, ohne weitere große Redensarten auszusteigen!" „Aber der Zug kann unterdessen abfahren." „Keine Ursache zur Beunruhigung für Sie. Um so mehr, da Sie ohnehin wenig Aussicht haben, mit diesem Zuge zu fahren." Der Reisende atmet schwer, faßt sich ans Herz, an den Puls. Aber da hilft kein Vaterunser; er muß wohl mit. Er holt den Sock hervor, lädt ihn auf und geht hinter den Andern her. „Man sollte den Spekulanten, die die frische Ernte ausführen, einen gehörigen Denkzettel geben: dann würde alles mit einem Schlage ein Ende haben. Mach mal den Sack da auf und laß sehen, womit er vollgestopft ist!" „So schnürt ihn doch selbst auf, wenn ihr wollt! Ich bin doch nicht euer Handlanger. Ich muß mich überhaupt wundern, wss- halb ihr euch ausgerechnet an mich gehängt habt." Der Sack wird aufgeschnürt. Zu oberst liegt ein Laib Brot. „Ah, ein netter Doktor! Stopft sich den Sack mit Brot voll. Ausgezeichnet! Wollen mal den Sack ausschütten." Der Sack wird ausgeschüttet. Armselige Wäsche, Unterhosen. Aus einer alten Decke kommt ein Instrumentenkasten zum Vorschein. Ein paar wissenschaftliche Bücher sind auch dabei. Das ist alles! Die beiden Vertreter des Gesetzes ergehen sich in Entschuldi- gungen:„Wir packen alles wieder ein. Fahren Sie, bitte, unbe- sorgt ab!" Der Doktor der Medizin sagt:„Das alles ist überaus beleidigend für mich. Als Doktor der Medizin in der Vorstoßtruppe der Kol- lcktivwirtschaft dürste ich alles andere beanspruchen, als aus dem Wagen geschleift zu werden und mein Gepäck durchwühlt zu sehen." Kaum ist das Wort von der Kollektivwirtschaft und der Vorstoß- truppe gefallen, als der Station-chcf am ganzen Leibe zu zittern beginnt und sich in wiederholten Verbeugungen ergeht.„Bitte gütigst zu entschuldigen: es war ein bedauerlicher Mißgriff... Der Sack hat uns eben irregeführt." „Den Sack habe ich von den Bauern. Meine Frau, die eben- falls Doktor der Medizin ist, hat den Koffer aus der Kollektivwirt- schaft nach Moskau mitgenommen. Ich selbst bin wegen der plötz- lich ausgebrochcnen Magenepidemie zurückgeblieben. Sie entsinnen sich wohl: ich half meiner Frau damals das Reisegepäck verstauen." „Ja, ja, ich entsinne mich schon." In größter Hast wird alles wieder in den Sack gepackt, und höchst persönlich trugen die Beiden ihn in den Wagen. Sie be- sorgen dem intellektuellen einen Platz, drücken ihn sorglich in die (Elte, damit er. ermüdet und erschöpft von dem unliebsamen Erleb- nis, nicht zu sehr durchgerüttelt werde, reichen ihm die Hand und bitten noch einmal um Entschuldigung.„Wir bedauern aufs tiefste. einen Mann beunruhigt zu haben, der sich im Kollektiv abplagt, die Leute zu heilen, und noch einen Monat über die festgesetzte Frist dableibt wegen einer Magenepidemie. Wir bitten inständigst um Verzeihung" „Na, schon gut. Sorgt nur, daß der Zug bald abfährt! Mir dreht sich alles im Kopfe herum von eurem Uebereifer." Der Geheimpolizist und der Stationschef verneigen sich ehrcr- bictig und verlassen den Wagen.„Auch in dieser Gesellschaftsklasse sind nicht alle Hundesöhne," meinen sie zu einander. Es gibt doch noch welche unter ihnen, die von Ort zu Ort wandern, um ihr Wissen und ihre Kraft dem Volke zu opfern." Der Zug setzt sich in Bewegung. Rechtzeitig hat der Station?- chcf noch in höchsteigener Person ein paar Zeitungen erstanden und reicht sie dem Reisenden durch das Fenster hinein.„Etwas zu lesen", sagt er.�„Die Zeit wird leicht lang unterwegs." Das Signal ertönt. Der Stotionschef und der Kriminalbeamte greifen an die Mütze. Die Lokomotive gibt Volldampf: der Zug setzt sich in Bewegung. lAus dkm Russischen übertragen von Banba Waldenburg.) Hegen Enlen kämpfen Vlillionäre mich rergebens... Sie hatten sich in den Kops gesetzt, großangelegte Wildente» jagten zu veranstalten. Da sie Geld wie Heu hatten, gründeten sie eben in der Röhe von New Pork eine Musterfarm für die Bögel und „züchteten" sie sozusagen künstlich, um sie dereinst niederknallen zu können. Den ganzen Sommer hinvnrch fütterten gutbezahlte Pfle- ger die braven Wildenten, die ihr Schicksal zufällig nach der Insel oerschlug, mif der sich die Farm befand. Man könnte beinahe an- nehmen, daß es sich in Wlldentenkreijen herumgesprochen hatte, daß da unö da«in Wildentendorado enfl'tanden sei, denn die dummen Tiere kamen in hellen Scharen. Sie ließen sich füttern, sie wurden Tag für Tag fetter und ihre Zahl erreichte in wenigen Monaten etwa dreitausend. Horrido, freuten sich die jagdlustigen Millionäre der besten New Porker Gesellschaft, dos gibt im Winter eme Wils- entcnjagd, wie sie die Bereinigten Staaten noch nicht erlebt haben. Der Winter kam. Der Tag der Sensationssagd wurde angesetzt. Die Wildenten flüchteten verwirrt vor den Treibern. Aver nicht allzu schnell. Denn sie waren viel zu dick unö fett geworden. Und das Fliegen haben sie grundsätzlich ausgegeben. Horrido, die wackeren Jäger mußten unverrichteter Dinge heimwärts ziehen. Denn gegen zahm gewordene„Wild"-Entcn kämpfen leiter Millionäre auch vergebens. ä>ie lieffle Schachlanlage der TCell In Morro Belho in Brasilien befindet sich die einer britischen Bergroerkgesellschast gehörige gleichnamige Goldminc, die den Tiefenrekord im Weltbergbau hält. Englische Mineningenieure haben dort eine Schachtaniagc geschaffen, die nahezu 2,4 Kilometer in die Erte hinabrcicht. Das ist die grüßte Tiefe, in der gegenwärtig Men- scheu arbeiten. Die Entfernung von der Sohle de? Schachts bis an die Oberfläche ist so groß, daß der Abstieg in mehreren Etappen erfolgen mutz. Vermittels Fahrstühlen, Drahtseilbahnen und zuletzr mit einem starken, an Stahltrossen hängenden Kippwagen. Die erste Etappe, die der atemraubenten Fahrt in den Schacht, ist ein Nieder- gleiten in Fahrstühlen bis zu einer Tiefe von über 700 Metern. Dann werden die Wagen gewechselt, um in mehreren Falletopp m von je 150 Metern bis zum Grunde zu gelangeir, so daß der ganze Wegi von der Oberfläche bis zur tiefsten Sohle und zurück meist vier Stunden in Anspruch nimmt. Auf der Sohle des Schachts herrscht eine mörderische Hitze. Zur Bekämpjung der Temperatur und der schlechten Stickluft dient eine Lüftungsanlage, die die unteren Gale- rien und Qucrgäng« mit Luft versieht. Oben arbeitet eine zweite Anlage zur Lustkühlung mit Jnduktionsventilotoren, die in der Minute 30 000 Kubikmeter Luft in die Tiefe pumpen. Die Not- wendigkeit dieser Anlagen ergibt sich ohne weiteres aus der Tat- sachc, daß die Temperatur an den Schachtroänten etwa 60 Grad Celsius beträgt._ A?« Wefanlen bleiben konferraliv In Bangkok residieren bekanntlich die heiligen Elefanten von Siam. In der Mitte der Stadt der auf Flößen stehenden Bambus- Häuser besintet sich die ummauerte steinerne königliche Residenz: hier sind auch die Gemächer der weißen Elefamen. Luxusreisenden ist gegen entsprechende Entlohnung erlaubt, den Rüsseltieren ihre Aus- Wartung zu machen. Bisher war der Tierbesuch mit keinerlei be- sonderen Zeremonien verbunten. In Zukunft soll dies anders wer- den. Die heiligen Elefanten sind wenig fortschrittlich. Ais sie neu. lich von Amerikanern besichtigt wurden, benahmen sie sich äußerst nervös und zeigten deutlich ihren Unwillen. Sie waren Zweifels- frei, so meint es zumindest das Hofpersonal, über alle Maßen empört wegen der wenig standesgemäßen Bekleidung der Besucher, die sämtlich in schlichten Toiiristcnanzügen erschienen waren. Um den Aergcr der Tiere nicht wieder zu erregen, kam nun ein Uka? heraus, wonach nur Gäste in großer Galatoilette zugelassen weroen. Tja, die Elefanten können sich es leisten: sie bestehen heute wie zu- vor auf strikte Einhaltung der fpanischeo Hofettkett«,