Morgenausgabe Ar. 329 �66 4S.Iahrgang Wöchentlich SV Pf» monatlich 3.60 M. im voraus zahlbar. Postbezug 4,32 M. einschließlich 60 Pf. Postzeiwn gs- und 72 Pf. Postbestellgebühren. Auslands- obonnement 6.— M. pro Monat; für Länder mit ermäßigtem Drucksachen- porto 5,— M. Der.Vorwärts� erscheint wochentäg- lich zweimal, Sonntags und Montags einmal, die Abendausgabe für Berlin und im Handel mit dem Titel„Der Abend". Illustrierte Beilage„Volt und Zeit". Ferner„Frauenstimme". �Technik",„Blick in die Bücherwelt". .Jugend-Vorwärts"u.»Stadtbeilage� Berliner volkSbiatt Kr«, tag 12. 3uli 1931 Groß-Äerlin 10 Pf- Auswärts 15 pf. Die etnspalt. Nonpareillezeile 80 Pf. Netlamezeile b.— NM.„Kleine Anzeigen" da» fettgedruckte Wort 25 Pf. lzulassig zwei fettgedruckte Worte), jede» weitere Wort 12 Pf. Rabatt lt. Tarif. Stellengesuche das erste Wort IS Pf» jede» weitere Wort 10 Pf. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Zeile 60 Pf. Familien» anzeigen Zeile 40 Pf. 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Der Kredit soll zunächst von den sranzöfischcn, amerikanischen und englischen Notenbanken über- nommcn und später in eine internationale Anleihe umgewandelt werden. Um die Anleihe unterbringen zu können, werden von Deutschland gewisse finanzielle Garantien für die Vcr- zinsung und Tilgung der Anleihe verlangt. Man denkt dabei etwa an eine Garantie durch den Ertrag der Zölle oder die Einnahmen der RcichShahn. Im Zusammenhang mit diesem Anlcihcpla«, der dem Reichskanzler o-ffizicll während seiner Anwesen- hcit in Paris unterbreitet werden soll, will man in Paris auch die politischen Beziehungen zwischen Frankreich und Deutschland erörtern, ohne allerdings von politischen Garantien für dir Gewährung des Kredits zu sprechen. Aber man wird die Rcichsregierung ersuchen, durch c n t- sprechende Maßnahmen zu beweisen, daß sie aufrichtig für die internationale Zusammen- arbeit vor allem mit Frankreich eintritt. Abreise aus Berlin heute abend. Der Reichskanzler und der Reichsautzen- m i tt i st e r werden in Begleitung des Staatssekretärs im Auswärtigen Amt von B ü l o w und des Staats- sekretärS im RcichSfinanzministerium Schaffe r am Freitagabend nach Paris abreisen und dort am Sonnabendnachmittag gegen 4 Uhr eintreffen. Die Per- treter der Reichsregicrung bleiben bis Sonntagabend in Paris und werden von dort nach England reisen. Bor der Abreise des Reichskanzlers nach Paris wird das Kabinett noch zwei Verordnungen beschliehen, und zwar eine über die Kapitalflucht und eine zweite über die Frage, in welchem Umfange die Banken weiter Auszahlungen vornehmen können. ES ist mit einer weiteren Auflolkerung der Bank- sperre zu rechnen. Beschluß des pariser Ministerrates. Paris, 16. Zuli. lE'grnbericht.) Das stonzösische Kabinett trat am Dcmnm-tagabcnd um 17 Uhr zur Beratung der Lage in Deutschland zusammen. Kurz vor 2<)'A Uhr verlieh Ministerpräsident Laval das Elysec und verlas im Znnenminisicrium folgendes Kommunique: „Der Ministerrat hat die durch die deutsche Währungskrise in Europa geschaffene Lage geprüft. Ministerpräsident Laval Hot über die Unterredungen Bericht erstallet, die zwischen der französischen Regierung und S l i m s o n sowie henderson stattgefunden hoben. Auhenminister B r i a n d hat seinen Kollegen von der b e- vorstehenden pariser Reise des Reichskanzlers Brüning und des Rcichsaußenminifters Eurtius Mitteilung gemacht. Räch der Unterredung, die die deutschen Vertreter mit denen der sranzosischen Regierung haben werden, werden bereits am Sonnabend in Paris Verhandlungen mit ollen anwesenden Regicrungsvertretern eingeleitet werden. Der ZNinisterrat hat ferner die Zlktionsmiitel geprüft, für die die französische Regierung die Initiative übernehmen und die geeignet sein würden, den Kredit und das Vertrauen in Europa wiederherzustellen. Er Hot gleichfalls die finanziellen Garantien und die politischen Beruhigungsmaßnahmen erörtert. die die Aktion begleiten müssen." Der Gnai d'Orsay hat dem deutscheu Bolschaster nach dem Ministerrat mitteilen lassen, daß Reichskanzler Brüning und Außenminister Eurlins in Paris willkommen seien. Die Londoner Konferenz. X London. IS. Inkl. Reuter meldet: An dcr am kvmmeodeu Montag stattsindeudcn Miaisterkonfcrenz werden Macdonald, Heuderson und Suowd«««As Mitglivher der eng- tische» Delegation teilnehmen. Die Besprechungen wer- de« gegen S Uhr abcndS beginnen. Macdonald wird den Vorsitz übernehmen. Wirtschaftliche und finau- zielte Probleme sollen den Gegenstand der Tagung bilden, deren Zweck darin besteht, die deutsche Krise zu mildern und ein Ueberspringen auf audere Länder zu vermeiden. Stimson offiziell nach London delegiert. Washington. 16. Juli. Uotcrstaatssekretär Castle gab heute die Erklärung ab, daß er soeben vom Weißen Hause aus mit Stimson in Paris tele- phonisch gesprochen habe. Daraufhin habe Präsident Hoover beschlossen, Staatssekretär Stimson zu dcr für Montag einberufenen Londoner Konferenz der Regierungschefs Deutsch- lands, Englands, Frankreichs, Italiens nnd der Vereinigten Staaten als offiziellen Vertreter der amerikanischen Regierung zu entsenden. Als Zweck dcr Konferenz wurde dem Vertreter des WTB. von hoher Regicrungsfcite bezeichnet:„Formulierung eines sorgfältig überlegten, auf lange Sicht berechneten Planes zur Unterstützung Deutschlands auf breit- möglichster Grundloge sowie Beilegung der Differenzen zwischen Berlin und Paris, welche die tatkräftige international« Zusammen- arbeit bisher erschwerten." Weiter wurde dem Vertreter des WTB. Oer AOGB. zur Lage. -15. Sitzung des Ausschusses des Allgemeinen Oeuischen Gewerkschasisbundes. Am 16. Juli 1331 trat der Ausschuß des ATGB. zu seiner 13. Sitzung zusammen, um sich mit dcr gegen- wärtigen Wirtschafts- und Finanzlage zu be- fassen. Nach einem eingehenden Referat von L e i p a r t und einer auSgiebigen Debatte wurde dcr Bundes» vorstand beauftragt, mit aller Entschiedenheit seinen Einfluß auf die ReichSregierung auch weiter dahin geltend z« machen, daß sie ihre Zusicherungen bc- stimmter Erleichterungen der Notberord» nung vom 5. Juni einhält, daß sie bei den Anleihe- Verhandlungen etwaige Prestigcriicksichten den Lebensnotwendigkeiten des deutschen Volkes unter- ordnet und den Bestrebungen der rechtsradikalen Parteien mit weit größerem Nachdruck entgegen- tritt als bisher. ★ In feinem Referat ging Leipart«inleitend auf die politischen Ereignisse seit der letzten Bundesausschußsitzung am 20. Juni ein. Er schilderte insbesondere die bedeutsame Rolle, die gewisse poli- tische Forderungen des Auslandes bei den bisher ergebnislosen Anleiheverhandlungen gespielt haben, Forderungen, deren Erfüllung bekanntlich zuerst van englischer Seite der deutschen Regierimg nahegelegt wurde. Offiziell seien dies« Forderungen allerdings bisher der Reichsregierung nicht übermittelt worden. Der Bundesvorstand ist dcr Meinung, daß in diesem Zusammenhang die Gewerkschaften heute vor allem zwei Forderungen an die Reichs- regierung zu richten haben: Erstens, alles zu tun. um eine Verhandlungsgrundlage für eine Verständigung mit Frankreich zu schassen, zweitens aber, sich endlich zu energischen Maßnahmen gegen das unverantwortliche Vorgehen der Rechtsradikalen in Deutschland zu entschließen. Es ist heute üblich, in dcr Presse, sogar in der den Gewerkschaften keineswegs unfreundlich gesinnten Tagespreise von dcr„Ohnmacht der Gewerkschaften" zu reden. Daß diese Einschätzung nicht den Tat- fachen entspricht, wird sich sehr schnell zeigen, wenn die Rechtsradi- taten nicht nur in Worten, sondern mit der Tat den Versuch machen würden, einen Umsturz herbeizuführen. Die Gewerkschaften müssen jedenfalls für jede Situation gerüstet sein. Bei dem Sturm auf die Banken ist selbstverständlich auch die Arbeiterbank, und gerade sie, in Mitleidenschaft gezogen worden. Sie hat nicht nur, wie alle Banken, den Ansturm auf ihre Sparkasse über sich ergchen lassen müssen, sondern die Kommunisten haben die willkommene Gelegenheit benutzt, ihre Hetze gegen die Gewerkschaften mit besonderer Schärfe auch gegen die Arbeitcrbank zu betreiben. Die Arbeiterbank hat da» vertrauen, daß sie sich in den abgelaufenen Jahren erworben hat, glänzend gerechtfertigt. Sie hat am letzten Montag voll ausgezahlt, während andere Banken und die Sparkossen zumeist nur geringe Teilbeträge auszahlten. Auch heute wäre sie durchaus in der Lage gewesen, weiterhin Aus- Zahlungen in erheblichem Umfang durchzuführen, ohne ihre Liquidi- tat zu gefährden, aber sie ist jetzt selbswerständlich ebenso an die Dar- schrifteu der neuen Lerordnungen gebunden rote die anderen Banken. In dem Garantiesyndikat der deutschen In- d u st r i e, dessen Freiwilligkeit bekanntlich nur durch Verordnungs- zwang gesichert werden konnte, ist die Arbeiterbonk in dem Ausschuß, der für die Verteilung dcr Kredite maßgebend ist. nicht vertreten, obwohl gerade die Leitung der Arbeitcrbank besonders berufen wäre, bei einer objektiven und zweckentsprechenden Kreditverteilung mitzuwirken. Die Arbeiterbank ist bisher auch ebenso wenig wie die anderen Arbeitnehmerbanken in Deutschland zu den Verhandlungen zugezogen worden, die die Regierung in der letzten Zeit mit den anderen Banken geführt hat. Die Arbeitnehmerbanken werden gemeinsam vorgehen, um diese, im volkswirtschaftlichen Interesse sehr bedenkliche Ausschaltung der gemeinnützigen Banken zu beseitigen. In der Aussprache wurden folgende Gesichtspunkte hervorgehoben: In maßgebenden Kreisen des Auslandes bestehen keinerlei Be- denken dagegen, die Notverordnungen unter sozialen Gesichts- punkten vor allen zugunsten der Erwerbslosen abzuändern, wenn dadurch der finanzielle Ertrag nicht beeinträchtigt werde. Im Ausland gelten die deutschen Gewerkschaften und die deutsche Sozialdemokratie als der einzig reale Faktor, auf dem sich die Kreditwürdigkeit Deutschlands gründen kann. Das Ausland erblickt in ihnen und ihrer Entschlossenheit den Bestand der Republik zu sichern, die Garantie der politischen Ber- Hältnisse in Deutschland. Die Finanzpolitik der Regierung habe keine klare Linie gezeigt. Die Bankfeiertage hätten vor dem Zusammenbruch dcr Danatbank durchgeführt werden müssen. Eine energische Bekämpfung der Kapitalflucht müsse mit der größten Schärfe gefordert werden. Hauptaufgabe sei, dieWährungzuerhalten. Zu diesem Zwecke sei Verteuerung des Kredits unbedingt notwendig. Die im Augenblick notwendige Vermehrung der Umlaufmittel bedeute selbst- verständlich keine Inflation, sondern nur eine Maßnahme gegen bc- stimmte Deflationscrscheinungen. Reform des Aktienrechts und wirksame Kartell- und Monopolkontrolle müssen im Ausland das Vertrauen in eine ordentliche Wirtschafts- führung in Deutschland stärken. Das Schlagwort der Selbsthilfe fei gefährlich, wenn damit der Gedanke verbunden werde, daß die deutsche Wirtschaft sich aus der internationalen Kreditwirtschaft herauslösen könne. Leipart konnte am Schluß dcr Aussprache als einmütige Mei- nung des Bundesausschusses feststellen, daß der Bundesvorstand seine Bemühungen energisch fortsetzen solle, die von der Reichsregicrung bereits grundsätzlich versprochenen Erleichterungen derRot- Verordnung vom S. Juni 1931 durchzusetzen und darauf zu dringen, daß die Reichsregierung nichts unterläßt, was zu einer Verständigung mit dem Ausland, vor allem auch mit Frankreich führen könne, um die Kreditverhandlungen zu einem positiven Abschluß zu bringen. Insbesondere müsse die Regierung ober zu einer klaren Entscheidung gegen die rechts- radikalen Parteien gedrängt werden, deren hemmungsloses Vorgehen die schwersten wirtschaftlichen sowie unübersehbare innen, mch außenpolitische Gefahr«» herausbeschwört. mitgeteilt, es handele sich um eine Notkonferenz zur Ve> kämpfung eines Notzuftandcs, und Stimson werde sich an der Dis- kussion ebenso beteiligen wie die Mitglieder des Völkerbundsrates bei ihren regelmäßigen Genfer Sitzungen. Natürlich werde er jedoch keinerlei politische Bindungen eingehen; er werde vielmehr in freundschaftlichstem Geiste zwischen Deutschland und Frankreich zu vermitteln suchen, denn beste Beziehungen zwischen Berlin and Paris seien Bor- bcdingungen sür eine Nothilsc, die die deutschen Finanzen auf eine wirklich lebensfähige Basis stelle. Stimsons Neiseplöne seien durch die obige Entscheidung er- heblich umgestaltet worden und man könne zur Zeit nicht übersehen, wann er nach Berlin reisen könne. Amerika erhoffe von der Londoner Konferenz eine wesentliche und erkennbare Besserung der politischen sowohl wie der wirtschaftlichen Lage. Italien, Belgien und Japan nehmen auch teil. Brüssel. 16. Juni. Die belgische Regierung hat sich bereiterklärt, an der Minister- konferenz in London teilzunehmen.(Japan hatte sogar als erste Regierung die Einladung angenommen. Als Vertreter Italiens kommt Auhenminister Grandi. D. Red.) Pfundkurs leidet. London. 16. Juli.(Eigenbericht.) Der englische Ministerpräsident machte am Donnerstag im Unterhaus ofsiziell davon Mitteilung, daß er seinen mit Henderson geplanten Wochencndbesuch in Berlin aufgegeben habe, weil Dr. Brüning sich zur Reise nach Paris entschlossen habe. Die deutschen Minister werden nach den Pariser Unterhaltungen zusammen mit Henderson nach London reisen. Wie sehr auch England an der Lösung der europäischen Wirt- schaftskrise interessiert ist, zeigte sich ani Mittwoch und am Donners- tag, als der P f u n d k u r s durch im Interesse größerer Liquidität erfolgter Abziehungcn von französischen Guthaben aus London gegenüber dem Franken weit unter Münzparität sank. In dieser Woche hat infolgedessen die Bant von England nicht weniger als sieben Millionen Pfund Gold abgeben müssen. Zusammen mit den Erschütterungen, die die deutschen Schwierigkeiten in der City auslösten und noch auslösen können, lassen diese Vor- gänge im Interesse des englischen Kreditsystems eine schleunige Stabilisierung der Lage in Europa dringlich erscheinen. politische und Börsenentspannung in Paris. Paris, 16. Jüli.(Eigenbericht.) Im Anschluß an die englisch-französisch-amerikanischen Be- ratungen gab der amerikanische Botschafter zu Ehren Stimsons ein Essen, an dem u. a. Ministerpräsident Laoal, die Minister B r i a n d und F l a n d i n, der englische Außenminffter H e n d e r- s o n und der Botschafter Lord Tyrrell teilnahmen. Die Nachricht von dem deutschen M i n i st e r b e s u ch ist in politischen und Finanzkreisen mit großer Besriediguag aufgenommen worden und hat zusammen mit den scharfen Maßnahmen der Rcichsregierung in bezug auf die Kredit- einschränkung und die Kontrolle des Devisenmarktes zu einer merklichen Entspannung der Lage beigetragen. Der „T e m p s" schreibt, man habe den Eindruck, daß die Verhandlungen in eine neue Phase«intreten und man könne mit der Möglichkeit einer weiteren Besierung der Lage rechnen. Die Pariser Börse hat auf die günstigen Nachrichten mit einer starken Hausse reagiert. Wenn die Kurse auch noch nicht die Verlust« vom Mittwoch wieder einholen konnten, so war die Haltung des gesamten Marktes doch von der Eröffnung bis zum Schluß fest. Die Bank von Fsnnkreich zoa um 266 Franken an, die Banque de Paris um 166 Franken, Suezkanal-Gesellschaft um 475 Franken, die Aoung- Anleihe um 45 Franken. Auch das englische Pfund war etwas fester, blieb aber unter dem Goldpunkt, was in offiziellen Kreisen sehr beunruhigte, da dadurch neue Goldcinfuhrcn nach Frankreich hervorgerufen werden, an denen man wegen der damit verbundenen Erhöhung des Notenumlaufs kein Interesse hat. Treppenwitz der Weligeschichie. Gestern morgen, unmittelbar vor dem Beschluß über die Reise der deutschen Minister nach Paris, erschien in der„Deut- schen Tageszeitung" ein Aufsatz:„Es geht auch ohne Frankreich/' Arbeitslose und Sparkassen. Eine Lücke, die sofort geschlossen werden muß. Die Feiertage der Banken und Sparkassen haben für Arbeits- lose, die entweder noch keine Unterstützung oder kein« Unterstützung mehr beziehen, ganz besonders unerträgliche Härten gebracht. Es gibt hier und da immer noch Arbeitslose, die einige Notpfennig« für allerschlimmste Zeiten von früher her aufgehoben haben. Daß auch solchen Arbeitslosen aus ihren Sparkonten keine Auszahlungen gemacht werden, ist eine unerträgliche Lücke im Gesetz. Es gibt kein Gesetz, daß nicht Härtebestimmungen vorsehen müßte. Die Arbeits- losen können sich durch eine Stempelkart« ausweisen. Ihnen müßte die Gelegenheit gegeben werden, wenn sie noch ein paar Notpfennige haben, darauf zurückgreifen zu können. Honorare sollen als Löhne gellen. Eine Eingabe des Schriftsteller- Schohverbandes. Der Schutzoerband deutscher Schrift st eller ist im Reichsfinanzministcrium vorstellig geworden, daß unter die Zahlun- gen der Gehälter und Löhne der neuen Notoerordnung auch die Honorare der Journalisten, Pressevertreter und sreien Schriftsteller fallen, da diese bei Lage der Ding« heute durchaus in die Kategorie der Lohnempfänger fallen. Slaalsanwall legi Berufung ein. Gegen Franzens Freisprechung. Die Staatsanwaltschaft beim Berliner Landgericht I hat gegen da» freisprechende Urteil de» Schöffengericht» Berlin- Mitte im Prozeß gegen den braunschweigischen Staatsminister Dr. Franzen Berufung eingelegt. kein Reichskommissar für Wirtschaft und Iiaanz. Wie an zuständiger Stelle verlautet, ist der Reichsregierung van einem Plan, Geheimrat Schmitz(JG.-Farben) zum Reichskommissar für Finanzen und Wirtschaft zu ernennen, nicht» bekannt. Die Lage im Zieich. Erfreuliche Beruhigung. Plllnchen. 16. Juli.(Eigenbericht.) Der am Donnerstag nach der Oeffnung der Banken einsetzend- Publikum-verkehr wickelte sich in voller Ruhe und Ordnung ob. Größere Ansammlungen gab es nur an den Filialen der Städti- schen Sparkofle, die erst in den Mittagstunden mit den Auszahlungen beginnen konnten, da die Sparkasse bei der Rcichsbant kein Guthaben besitzt und die Hcrbcischoffung des Geldes erst durch Ueber- schreibungcn von anderen Banken möglich war. Die Abwicklung in Hannover. Hannover. 16. Juli. Der Bantenschluß hat hier zu irgendwelchen bemerkenswerten Ereignissen nicht geführt, abgesehen davon, daß an den Spar- lassen vorübergehend größere Ansammlungen von Leuten cnt- standen, die Gelder abheben wollen. Der Verkehr wickelte sich den Verhältnissen entsprechend normal ab. Die Stadtverwaltung beabsichtigte, jedem Inhaber eines Kontos bei der Städtischen Sparkasie auf Verlangen bis zu 26 Mark auszuzahlen. Diese Absicht ließ sich jedoch nicht verwirklichen, da eine solche Zahlung nach der Notverordnung der Reichsregierung nicht zulässig und die Reichsbank die erforderlichen Zahlungsmittel nicht zur Ver- fügung stellen darf. Einzahlungen hoher als Auszahlungen. Weimar, 16. Juli.(Eigenbericht.) In Thüringen haben am Donnerstag bei vielen Bankinstituten bzw. Sparkassen die Einzahlungen die Auszahlungen überschritten. In vielen Fällen brachten di« Sparer Beträge zu den Kasten zurück, die am Montag abgehoben worden waren. Die Lohngelder-Auszahlung in Leipzig. Leipzig. 16. Juli. Die Geldauszahlungen zum Lohntag sind in Leipzig nicht ohne Schwierigkeiten durchzuführen gewesen. Die Banken sahen bald ein, daß weitgehendes Entgegenkommen, namentlich den kleineren und mittleren Betrieben gegenüber, unerläßlich sei. Die Forderung der Beglaubigung der Lohnlisten erwies sich schon in der ersten Dienststunde als undurchführbar. Sehr unerfreulich machte sich die Tatsache bemerkbar, daß zwar reine Lohngelder ausgezahlt werden, die Mittel ober verweigert werden, die insbesondere das Leipziger Verlagsgeschäft für Versandkosten in umfangreicher Weise benötigt, da be- kanntlich die Post das Porw nicht stundet. Zu ernsteren Zwischen- fällen ist es nirgends gekommen. Lediglich in einer Zweigstelle der Städtischen Sparkasse im Osten Leipzigs wurden von unerkannt entkommenen Burschen verschiedene Fensterscheiben zertrümmert. Ln Köln wieder größere Einzahlungen. Köln, 16. Juli.(Eigenbericht.) Der Verkehr an den Banken und Sparkassen in Köln vollzog sich am Donnerstag i n R u h e. Es wurden zum Teil sogar e r- hebliche Einzahlungen gemacht. __ j. Schärfste Devisenkontrolle. Berliner Polizeipräsidium richtet Sonderdezernat ein. Der Polizeipräsident teilt mit: Auf Grund der Notverordnung des Herrn Reichspräsidenten vom 15. Juli 1S31 über den Verkehr mit ausländischen Zahlungsmitteln und der Notverordnung über die Verössent- lichung von Kursen ist beim Polizeipräsidium einSonderdezer- n a t gebildet worden, besten Leitung Kriminalrat Vorwerk über- nommen hat. Dieses Sonderdezernat ist mit der Aufgabe betraut, Verstöße gegen die genannten Verordnungen mit allen verfügbaren Mitteln zu unterbinden. In Verfolgung von Straftaten, die sich gegen die genannten Verordnungen richten, wird der Polizeipräsident di« Be- schuldigten umgehend dem Schnellrichter vorführen lasten. Ausländer, die sich eines Verstoßes gegen di« in Frage kommenden Verordnungen schuldig machen, werden unnachsichtlich in Zwangshast genommen, ausgewiesen und zwangsweise über die Grenze abgeschoben. OieZeniralifierungdesOevfsenverkehrs Eine Erklärung der Beichstank. Di« Reichsbank gibt bekannt: Auf Grund§ 1 Satz 2 der Verordnung über den D«rk«hr mit ausländischen Zahlungsmitteln vom 15. Juli 1931 werden die Kreditinstitute, die bisher mit der Reichsbank in Diskont- verkehr standen, ermächtigt, kommissionsweise für sie De- visengeschäste zu betreiben. Die Kreditinstitute haben die eingehen- den Zahlungsmittel an die für sie zu st ändige Reichs- bankanstalt abzuführen. Die Geschästsführung der Oanai. Sine ErNärung der Staatskommissare. Die Treuhänder der Danatbank Bergmann und Dr. Schippel verösfentlichen folgende Erklärung: „Die Geschäfte der Darmstädter und Nationalbank werden von den bisher hierzu berechtigten Personen mit den bisher g ü l t i- gen Unterschrift«« unter unserer Aufsicht und nach unseren Weisungen weiter geführt. Gemäß Artikel 3 der Ver- crdnung zur Durchführung der Verordnung des Reichspräsidenten über die Darmstädter und Nationalbank vom 13. Juli 1931 erteilen wir unser« Zustimmung zu den Will«nserNärungen, die der laufende Geschäftsbetrieb der Bank mit sich bringt. Ausgenommen hiervon sind: Die Einräumung neuer und die Erhöhung bereits bestehender Kredite ebenso wie die Aufnahme von Krediten durch die Bank. Die Banken- und Wirischafiskonirolle. Gerüchte und Tatsachen. In der bürgerlichen Presse ist in den letzten Tagen mehrfach von einer Staatsaufsicht über die Banken und von einer Kontrolle über die Wirtschaft durch Einrichtung eines Wirtschaftskommissariats die Rede gewesen. Auf der anderen Seit« hört man, daß die Pläne wieder fallen gelassen seien. Demgegenüber ist es wichtig festzustellen, daß diese Pläne aller- dings das Reichskobinctt sehr intensiv beschästigt haben. Es sollte sich um eine Wirtschasts- und Bankenkontrolle handeln, die den Ein- blick in Banken und große Unternehmungen sichert, die dem be- treffenden Wirtschaftskommissar alle Vollmachten erteilt und ihn zugleich der Rcichsbank und Reichsrcgicrung gegenüber zu jeder Auskunft verpflichtet. Von sich aus sollte der Kommissar zu e i g c n e r Initiative verpflichtet sein, wo das öffentliche Interesse es erfordert. Aus der Sache heraus ist es ganz natürlich, daß für ein solches Amt der mehrfach genannte Generaldirektor Schmitz der JG.-Farben-Jnduftrie-A.-G. als Unternehmer und Interessent nicht in Frage kommen konnte. Von den offiziellen Stellen werden diese Absichten jetzt wohl deshalb mit besonderem Nachdruck als fallen ge- lasten bezeichnet, weil man diese an sich notwendige und sehr sinn- volle Einrichtung jetzt zu«iner harmlosen Angelegenheit umbiegen möchte. Man spricht jetzt nurnoch voneinem Wirtschasts- berater des Kabinetts, nachdem offenbar der Widerstand au» privaten Wirtschastskrciscn sehr wirtsam gewesen ist. Eigentlich ist es merkwürdig, daß diese Banken- und Wirtschaftskontrolle nicht in demselben Augenblick eiiigeMrt worden ist, in dem das R«ich sich zur Uebernahme von Bankengarantien genötigt gesehen hat. Das Reich übernimmt Garantien, ohne deren Tragweite übersehen zu können. Die Danat zum Beispiel ist so außerordentlich weitgreifend in der ganzen deutschen Industrie tätig gewesen und auch mit anderen Großbanken verknüpft, daß allein um dieses Falles wegen ein staatlicher Wirtschaftskontrolleur am Platze gewesen wäre. Es liegt auch die Notwendigkeit vor, wenn beunruhigende Gerüchte über große Firmen oder große Objekte auf- treten, daß diesen sofort mit allem Nachdruck nachgegangen werden kann, um die Tragweite der Behauptungen und die möglichen Folgen für das Reich sofort abschätzen zu können. Deshalb wäre es durchaus vernünftig, wenn das Reich sich durch einen derartig mit allen Machtoollkommenheften ausgestatteten Kommissar wenigstens orientieren könnte. Der Staat muß sich und die Gesamtheit gegen Ueberraschungen und mögliche Gefahren schützen, die in so schwierigen Zeiten wie jetzt eintreten können. Darum darf die Frage der Banken- und Wirtschaftskontrolle unter gar keinen Umständen auf die leichte Schulter genommen oder durch das Feigenblatt eines Beraters der Reichsregicrung zur Bedeutungs- losigtest oerklejnert werden._ Freunde der Sparer? Die Schvldigea heucheln Mitleid mit den Opfern. Di«„Nachtausgabe" des Herrn Hug«nb«rg spielt sich als die Freundin der kleinen Sparer auf, die gestern vor den Spar» kästen standen, um ihre Konten abzuheben. Sie klagt jetzt über die Schwierigkeiten, die die aus der Krise geboren«» Notverordnung«» über die kleinen Sparer gebracht haben, und gebärdet sich als die Wahren» der Ruhe in Deutschland. Die Leute d«s Herrn Hugenberg buhlen um die Gunst der klein«» Sparer, nachdem ihre unverantwortliche Politik vereint mit der Unfähigkeit der von ihnen gepriesenen Wirtschastsführer den Niederbruch des deutschen Kredits hervorgerufen hat. Die kleinen Sparer, die jetzt ängstlich vor den jkvsscn Schlange stehen, müssen sich bei den bankrotten Wirtschoftssührern und vor allem bei Herrn Hugenberg für das bedanken, was jetzt über Deutschland hereingebrochen ist. Das sind die Schuldigen, die sich jetzt heuchlerisch als die Freunde der Opfer ihrer Politik auf- spielen! Arbeitsdienst vor dem Reichsrat. Teilweife Berücksichtigung gewerkschaftlicher Proteste. Der Reichsrat hielt am Donnerstag unter dem Vorsitz des Staatssekretär Dr. Z w« i g e r t eine öffentlich« Sitzung ab. Mit Stimmenmehrheit genehmigte der Reichsrat den Artikel 12 der Verordnung über die Förderung des sreiwilligen Arbeitsdienstes. Nach der Verordnung kommen als Beteiligt« für den freiwilligen Arbeitsdienst in Betracht die Bezieher von Arbeitslosenunterstützung und Krisenfürsorge. Für sie kann die Unterstützung ein- heitlich aus höchstens zwei Mark woch«ntäglich für eine Dauer von höchstens zwanzig Wochen festgesetzt werden, auch wenn hier- durch von den sonst geltenden Bestimmungen abgewichen wird. Auf volkswirtschaftlich wertvolle Arbeiten kann ein Betrag von 1,56 Mark gutgeschrieben wenden, der imrerhalb einer bestimmten Frist zur Erwerbung einer Siedlerstelle oder eines Eigenheims Verwendung finden muß. Soweit besondere Reichsmittel zur Verfügung gestellt werden, kann die Reichsanstalt die Unterstützung von zwei Mark täglich auch solchen Arbeitsdienstwilligcn gewähren, die wegen ihrer Jugend noch nicht bezugsberechtigt für die Arbeitslosen- oder Krisen- Unterstützung sind und als Arbcitsdienstwillige beschäftigt werden. Der Berichterstatter bemerkte, bei der gegenwärtigen Finanz- läge würden solche Mittel zur Zeit kaum zur Verfügung stehen. Von den Gewerkschaften seien verschiedene Bedenken gegen die Verordnung geltend gemacht worden, denen dadurch Rechnung getragen werden soll, daß die Ablehnung der freiwilli- gen Arbeit' im Sinne dieser Verordnung nicht als Ar- bcitsunwilligkeit ausgelegt werden darf. Die Der- ordnung sagt weiter, daß die A r b e i t e r s ch u tz b e st i m m u n- gen auch für die Arbeitsdi«nstwilligen gellen und daß die Zusam- menfastung von Arbeitsgruppen im freiwilligen Arbeitsdienste nicht für politische oder staatsfeindliche Zwecke miß- braucht werden darf. Die Zustimmung des Reichsrats ist nur er- forderlich für den Artikel 12 der Verordnung, der bestimmt, daß d e Gemeinden verpflichtet werden, gegen angemessene Entschädigung Unterkunft und Verpflegung für die Arbeitsdienstwilligen zur Ver- fügung zu stelle». CK Nr. 329* 43. Jahrgang i. Beilage des Vorwärts Kreitag, 47. Iuli 4931 kerlin de�vakrt die Ruhe. Lohnzahlungen glatt erfolgt.— Stiller Donnerstag-Nachmittag. Obgleich die Reichshauptfladl da» Zentrum des wirlschoft- iichen tirisenhcrdes bildet, hat seine Bevölkerung am gestrigen kritischen Donnerstag eine bemerkenswerte Ruhe bewahrt. Diel dazu beigetragen hat die Sicherung der fälligen Lohnzahlungen. Wie uns auf Anfrage vom Deutschen Metallarbeiterverband mitgeteilt wird, liegen auf dem Nerbandsbüro keine Beschwerden über nur teilweise erfolgt« oder völlig ausgeblieben« Lohnzahlungen vor. Auch die führenden Metall- konzerne wie Siemens und die AEG. haben ihre laufenden Ber- bindlichkeiten gegenüber den Belegschaften reibungslos erfüllt. Das gleiche wird uns vom Gesamtverband und von der Bau- gewerkschaft Berlin mitgeteilt, eben wie in der Metall- industrie sind also auch im Verkehrs- und Baugewerbe keine Klagen über Nichtzahlen fälliger Löhne laut geworden. In der ch o l z- industrie erfolgen die Lohnzahlungen im allgemeinen erst am Freitag, und hier erwartet man keine Schwierigkeiten. Soweit der Deutsch« cholzarbeiterverband an seine Mitglieder Arbeitslosen- oder Jnvalidenunterstützung zu zahlen hatte, sind auch diese Summen gestern anstandslos ausgezahlt worden. Im übrigen hatte sich das Stadtbild schon im Lause der Mittags- stunden erheblich beruhigt. Räch und nach verschwanden die.Schlangen" vor den Filialen der Städlischen Sparkasse, ebenso lösten sie?» die zahllosen„Diskutierklubs", die dem Stadtbild de» Vormittags ein besonderes Gepräge gaben, auf. Die großen Ansammlungen vor den Sparkassensilialen in den Morgenstunden waren in der Hauptsache darauf zurückzuführen, daß viele Spar- konteninhaber den genauen Text der verschiedenen Notverordnungen nicht auseinanderhielten und somit glaubten, es würden auch Aus- Zahlungen für private Zwecke vorgenommen. Nachdem sich die Schlangestehenden von der Zwecklosigkeit ihres Bemühens überzeugt hatten, zogen sie wieder ab. Wild« Gerüchte über Tumulte vor den Sparkassenfllialen, die gestern vormittag an verschiedenen Ecken der Stadt austauchten, stellten sich schnell als vollkommen au» der Lust gegriffen heraus. Wesenllich zur Beruhigung haben auch die Aus- Zahlungen de» Postscheckamts beigetragen. Wer gestern im Besitz eine» gespickten Postscheckkonws war, konnte einen Barbetrag bi, zu 10000 M. ohne weiteres abheben. Ebenso zahlten die Geldbrief- träger in normaler Weise ihre Beträge au». Vorzeitig beendete Ferienreisen. Ein etwas stille» Bild machen dagegen die großen Bahnhöfe der Reichshauptstadt. Hier hat sich, desgleichen an den Schaltern de« Mitteleuropäischen Reisebüros, die Zuspitzung der Krise merklich ausgewirkt. Wenn auch von einem panikartigen Zurückgehen des Reiseverkehr», wie am Anfang der Woche, nicht mehr die Rede sein kann, so hat doch der Personenverkehr noch nicht sein normale» Bild wiedergewannen. Durchschnittlich sind, die Züge mit 00 Proz. besetzt. Bei der Unsicherheit im geschästlichen Leben werden, Augenblicklich nur unausschiebbare Reisen unternommen, ganz abgesehen davon. daß es den bresten Massen der Arbeitnehmer nach den Lohn- und Gehaltsabzügen an Barmitteln für größere Reisen fehlt. So mußten zum Beispiel von der Reichsbahn in Aussicht genommene Wochen» »ndfahrten nach ferneren Gegenden wegen zu geringer Teilnehmer- zahl abgesagt werden. Der Lebensmittelmarkt bietet da» üblich« Bild, auch die Zufuhren von Au»land»obst und -gemüse, da» in Devisen bezahlt werden muß. sind glatt erfolgt. Fälle wie am Montag und Dienstag, wo Schlächtereien schon in den Mittagsstunden ihre gesamten Vorräte an Speck, Schinken und einigermaßen haltbarer Wurst ausverkauft hatten, sind gestern nicht mehr zu beobachten gewesen. Das Publikum hat sich schnell genug davon selbst überzeugt, daß von einem Stocken der Lebensmittel, Versorgung Groß-Berlins nicht im geringsten die Rede sein kann. Es steht auch zu hoffen, daß der heutige Biehmarkt glatt vonstatten geht, wo es bekanntlich am Dienstag zu Zwischenfällen mit den Viehhändlern kam, die das Lebendvieh nur gegen bar an die Engrosschlächter abgeben wollten. Später hat man jedoch auch am Dienstag Vieh gegen Schecks verkauft. Einen überraschenderweise guten Geschäftsgang hatten in den letzten Tagen Möbel-, Konfektions- und Wäsche- g e s ch ä f t e. Wer noch rechtzeitig bis zum vorigen Sonnabend Gelder bei Banken und Sparkassen abgehoben hatte, macht« aus Angst vor einer zweiten Inflation die berüchtigte„Flucht in die Sachwerte". Es fragt sich, wer bester gefahren ist, derjenige, der sich wahllos Sachwerte anschaffte oder diejenigen� die ihr Geld auf ihren Konten ließen, um ruhigere Zeiten abzuwarten, denn die be- sonnenen Konteninhaber kommen jetzt in den Genuß bettächtlich ge- stiegener Zinssätze. Im allgemeinen läßt sich sagen, daß die ruhige Lage zweifelw» bewirkt wurde durch die reibungslose erfolgte Auszahlung an die Lohn-, Gehalts-, Arbeitslosenunterstützung»- und Rentenempfänger. Die Vorgänge bei den Banken haben die breiten Massen unmittelbar nicht betroffen, in größerem Umfange auch die Vorgänge bei den Sparkassen nicht. Das ist ein beredter Beweis dafür, wie verarmt der überwiegende Teil der Berliner Bevölkerung ist. Fahrt vorsichtiger! Wieder 35 Tote und 4424 Verletzte in Verlin. Mit der erhöhten Zunahme der Kraftfahrzeuge in Verlin und ihre stärkere Benutzung auch zu Ausflügen forderten die Verkehrs- Unfälle im Monat Juni eine erhöhte Anzahl von Opfern. Die Statistik im Juni für Berlin zählt 2543 Verkehrsunfälle, an denen 5081 Wegebenutzer beteiligt waren(2745 Unfälle im Vormonat— die Zahlen in Klammern geben immer die Vergleichszahl des Vor- monats an). Dabei entfallen auf die 44 908 Personenkraftwagen 1225(1345), auf 10 004 Last- und Geschäftswagen einschließlich Elektrokarren 505(559), auf Last- und Geschäftskraftwagen mit An- hängern 52(50), auf die 1741 Zugmaschinen 9(0), auf die 8895 Kraft- droschken 705(742), auf die 788 Kraftomnibusse 57(82), auf 41 94? Krafträder und Kleinkrafträder 048(710), auf die 2118 Triebwagen und 1820 Anhängern der Straßenbahn 172(105), auf di» Hand- wagen 44(48), auf die Treträder 889(952) und auf di« Fußgänger 502(547). Auf die einzelnen Tage der Woche verteilen sich die Unfälle folgendermaßen: Sonntag 252, Montag 421. Dienstag 343, Mittwoch 293, Donnerstag 293. Frestag 380, Sonnabend 407. Bei der Verteilung dop Unfälle auf hi« einzelnen Gtundtm entsyllen di« wenigsten auf die Stunde Lwijchen �4 und S.jjijx moraen»(17) und die meisten auf die Stunde zwischen 10 und 17 Uhr(228). Bei den Unfällen wurden im MonatJuni25 männliche und 5 weibliche Personen g e t ä t« t sowie 700 männliche und 405 weib- lich« Personen perletzt. An den Folgen der in den Vormonaten erlittenen Verletzungen sind im Monat Juni 5 Personen gestorben. Die meisten Ursachen zu den Unfällen waren zu schnelle» Fahren (190), Außerachtlassen de» Vorfahrtsrechts 159, vorschriftswidriges Einbiegen 144, Unterlassen de» Warnungszeichens(05) und Fahren auf falscher Straßenseite 05. Durch Unachtsamkeit oder Spielen auf der Fahrbahn wurden 159 Unfälle herbeigesührt. Diese hohe Zahl müßte die Eltern veranlassen, die Kinder über die Gefahren de» Spielens auf der Straße und Fahrbahn aufzuklären. Wegen Fahr- losfigkeit wurden 12 Personen die Führerscheine entzogen. Durch Trunkenhett des Fahrers wurden 37 und durch Trunkenheit von Fuß- gängern 12 Unglücksfälle herbeigeführt. Flucht in die Sachwerte. Kauflustige Verliner. Die unbegründet« Inflatlonsangft— wir leiden ja unter Erschomungen, die Zeichen für das Gegenteil einer Inflation sind(Geldknappheit, sinkende Preise, hohe Zinssätze) hat in den letzten Tagen zu einer starken Umsatzbelebung im Berliner Einzelhandel geführt Die Flucht aus der Mark in die Sachwerte hat also wieder eingesetzt. Das hat das eine Gute, daß das Geld wieder in denVerkehr kommt und so etwas zur Ueberwindung der Zahlungsmittelknappheit beiträgt. Man darf auch annehmen, daß die Geschäftsleute das eingenommene Geld zum großen Teil sofort bei den Banken einzahlen, da sie fast alle bei diesen v e r- schuldet sind und jetzt für ihre Bankschulden sehr hohe Zinsen zahlen müssen(mindestens 15 Prozent). Es wurden nicht nur lebenswichtige Dinge wie Möbel, Kleidung, Wäsche, Schuhe usw., sondern auch wertvolle Gegenstände — als Anlagew«rtel--wie Teppiche, Pelze und ähnliches ge- kauft. Und bezeichnend genug, von letzteren wurden gerade Waren in hohen Preislagen besonders gefragt. Seit langer Zeit ist ts wieder üblich geworden, daß die geforderten Preise ohne w e i- teres gezahlt wurden! In der T e x t i l b r a n ch e wurden, gegen olle Kaufgewohn- Helten, schon jetzt Wintersachen gekauft, und zwar vor ollem teure Stücke. Die Ucberlegung, daß die Preise wohl nicht wetter sinken werden, da der Preisrückgang der Rohstoffe zum Stillstand gekommen ist, dürfte dabei wohl keine Rolle gespielt haben. Vom Schuhwarenmarkt wird berichtet, daß sich Angstkäufe namentlich in Arbeitervierteln bemerkbar gemacht hätten. Auch die Möbelbranche hatte am Montag und Dienstag einen'starken Käuferandrang zu verzeichnen. Ganz vorsichtige Leute machten sofortige Lieferung zur Bedin- gung. Ob das lebhafte Montagsgefchäft der Warenhäuser auf Angstkäufe zurückzuführen ist, ist schwer festzustellen, da die Warenhäuser Sonntags durch Zeitungsreklame stets Sonderangebote machen. Vielfach wurde did Feststellung gemacht, daß Käufer ohne b e- stimmte Wünsche in den Geschäften erfchienen: sie wollten eben nur ihr Geld anlegen und kauften dann allerlei zusammen, was sie gerade fanden. Verhandlungen über den VVG.-Kredii. Bürgermeister Dr. C l s a ß und Sladkkämmerer A s ch halten am Mittwochnachmitlag die erste Besprechung mit dem Treuhänder der vanat-vonk. Die gesetzlichen Bestimmungen und die zahlung»lechnlschen Schwierigkeiten verhindern zur Zeit die ursprüng. lich in Aussicht genommene Regelung.<£» ist vereinbart worden, dauernd miteinander in Zählung zu bleiben uyd die Verhandlungen fortzusetzen, sobald die Situation weiter geklärt ist. Straube der Schauspieler. Lüneburg. 10. Juli. In' der Donnerstagoerhandlunz des Schsuenprozesse» ruchm nochmal» kurz der Staatsanwalt da» Wort. Er änderte seinen Strafantrag gegen Scherka von vier auf drei Monate Gefängnis und beantragte gegen Rump einen Monat Gefängnis. Der Verteidiger Dr. Löwenthal zeichnete das Bild Straubes, dessen schauspielerische Kraft so groß gewesen sei, daß sich das Landesjugendamt Berlin jahrelang habe täuschen lassen: er kritisiert« das völlig unzureichende Beschwcrdeverfahren, durch das Von ULF uno F. PETROW Der Dampfer pfiff zum zmeitenmol. Die Wolken ver- zogen sich erschreckt, hie Sonne wurde blutrot und versteckte sich hinter dem Horizont. Vn der Stadt entzündeten sich die Lampen und Laternen. Der betäubte einsame Worobjew schrie irgend etwas, man hörte ihn aber nicht. Das Knirschen des Krans begrub alle andern Töne. Ostop Bender liebte gewisse Effekte. Erst knapp vok l>em dritten Pfeifen, als Worohiew nicht mehr daran zweifelte, daß«r seinem Schicksal überlassen sei, tat Ostap, als be- merke er ihn. „Warum stehen Sic da wie ein Bräutigam? Ich dachte. Sie feien längst auf dem Dampfer! Gleich wird man die vampferstiege abnehmen! Laufen Sie rasch! Meine Herren, lassen Sic diesen Bürger durch! Hier ist der Passierschein!" Dem Weinen nahe betrat Worobjew den Damofer. „Ist das Ihr Junge?" fragte der Wirtschastsverwalter „Jawohl", sagte Ostap,„gefällt er Ihnen nicht? Em iypischer Junge. Wer behaupten wollte, er sei ein Mädchen, der werfe den ersten Stein auf mich." Der Dicke entfernte sich brummend. „Nun, Kissa". bemerkte Ostap,„von morgen an werden wir arbeiten müssen. Ich hoffe, daß Sie Farben zu mischen verstehen. Ich bin Maler und Sie mein Gehilse. Wenn Sie denken, daß dem nicht so ist. so laufen Sie schnell wieder ans Ufer."_ Schwarzgrüner Schaum kam unter dem Kiel hervor. Der Dampfer erzitterte. Das Geräusch der kupfernen Becken. Flöten. Kornette, Trombonen und Basse einte sich harmonisch zu einem wundervollen Marsch, die Stadt drehte sich vor den Blicken, schaukelte aus und nieder und verschwand hinter der linken Bordfeste des Dampfers. Der Dampfer, immer noch zitternd, wandte sich nach der Strömung hin und lief in die Dunkelheit. Ostap lag auf einem Ledersofa in der Kajüte erster Klasse, betrachtete den mit grünem Leinen überzogenen Kork- gürtel und befragte Worobjew.„Können Sie zeichnen? Schade. Ich kann es leider auch nicht.— Und können Sie Buchstaben malen? Auch nicht. Das ist sehr schlimm! Wir sind doch in der Eigenschaft als Maler hergekommen! Nun, zwei Tage werden wir unsere Untauglichkeit in dieser Be- ziehung verbergen können, dann aber wird man uns hinaus- werfen. In diesen zwei Tagen werden wir alles, was wir für unsere Zwecke brauchen, unternehmen müssen. Unsere Position ist schwierig. Ich habe in Erfahrung gebracht, daß sich die Stühle in der Kajüte des Regisseurs befinden. Es ist aber schließlich und endlich nicht so gefährlich. Die Haupt- fache ist, daß wir auf dem Dampfer sind. Bevor man uns hinausbefördert, müssen wir all« vier Stühle durchsucht haben. Für heute ist es schon zu spät. Der Regisseur schläft bereits in seiner Kajüte." Die Ziehung. Am andern Morgen war der Reporter Persizki der erst« auf Deck. Er hatte sogar bereit» eine Dusche genommen und sich zehn Minuten lang gymnastischen Uebungen gewidmet. Di« Menschen schliefen noch, der Fluß aber lebte wie am lichten Tag. Flöße— riesengroße Balkenflächen mit Häuschen daraus schwammen vorbei. Persizki nahm den Gucker und blickte nach dem Ufer. � „Barmino". las er drüben auf einem Schild- Die Leute auf dem Dampfer wurden wach. An einem dünnen Seil befestigt, flog dos Tau ans Ufer. Hierauf wurde das dicke Seil aufs Schiff gezogen. Die Dampferschrauben drehten sich mit rasender Geschwindigkeit, die halbe Breite des Flusses war schaumbedeckt. Der„Skrjabin" erzitterte von den heftigen Stößen des Motors und drückte sich mit der ganzen Bordseite ans Koiufer. Es war sehr früh, und man beschloß, um zehn Uhr mit der Ziehung zu beginnen. Die Bürotätigkcit aus dem„Skrjabin" mar genau so ge- regelt wie auf dem festen Land, sie begann um neun Uhr. Niemand änderte hier seine Gewohnheiten. Der auf festem Land zu spät in» Büro kam. kam auch hier zu spät, obwohl er unter demselben Dach schl'es. Die nackten Fußsohlen des großen Kombinotors wurden fast versengt, während er einen langen schmalen Leinen- streifen entlang schritt. Er war damit beschäftigt, eine Devise aufzumalen, deren Text er auf einem Stückchen Papier notiert hatte. „Alles für die Ziehung! Jeder arbestende Mensch muß di« Vbstgotionen der Staatsanleihe i» sein« Tasche haben! So sehr der große Kombinator seine Kräfte anstrengte, die mangelnde Begabung kam doch an den Tag. Die Auf- schrift kroch schräg nach unten, und da» Stück Leinwand schien für immer verdorben. Nun drehte Ostap mit Hilfe seines Jungen Kissa den Stoff auf die andere Seite und begann von neuem zu malen. Jetzt war er etwas vorsichtiger. Bevor er die Buchstaben zu zeichnen begann, zog er zwei parallele Linien mit einem mit Kreide bestäubten Spagat. Er schimpfte auf den unschuldigen Worobjew und de-- gann die Worte zu malen. Worobjew erfüllte gewissenhaft die Pflichten des Ge- Hilfen. Er lief um heißes Wasser hinunter, erhitzte den Leim, nieste dabei, schüttete die Farben in den Eimer und blickte unterwürfig in die Augen des strengen Malers. Die fertige Devise trugen die Konzessionär« hinunter, als sie trocken mar, und befestigten sie an Bord. Der Dicke, der Ostap ausgenommen hatte, lief ans User und pruste von dort aus die Devise. Die Buchstaben waren von verschiedener Stärke und neigten gegen eine Seite. Der Dicke dachte bei sich, daß sich der neue Maler mit all seiner Selbstsicherheit immerhin etwas mehr Mühe hätte geben können. Es war aber kein anderer Ausweg, man mußte damit vorlicb nehmen. Um halb zehn kam das Orchester ans Ufer und begann befeuernde Märsche zu spielen. Auf die Musck hin liefen die Kinder von ganz Barmino zusammen, und hinter ihnen kamen Männer und Frauen aus den Obstgärten herbei. Das Orchester spielte so lange, bis die Mitglieder der Ziehimgs- kommiffion an Land kamen. Das Meeting begann. Die Mitglieder des Kolumbus-Theaters sahen vom Dampfer auf die Versammlung hin. Man sah die weißen Kopftücher der Frauen, die sich ängstlich in einiger Entfernung vom Danspfer hielten, di« unbewegliche Menge der Bauern, die dem Redner lauschten, und den Redner selbst, der von Zeit zu Zeit lephast gestikulierte. Dann spielt« die Musik. Das Orchester wandte sich um und begab sich, ohne das Spiel zu unterbrechen, zur Dampserstiege. Das Volk zog ihm nach. „Einen Moment!" rief der Dicke vom Bord.„Genossen, wir werden gleich di« Ziehung der Anleihe vornehmen. Des- halb ersuchen wir alle, den Dampfer zu besteigen. Nach Be- «ndigung der Ziehung wird eine Vorstellung stattfinden. Darum bitte ich Sie. nach Beendigung der Ziehung nicht weg- zugehen, sondern sich am Ufer zu versammeln und von dort au» zuzusehen. Die Schauspieler werden auf dem Deck feWaas"(Fortsetzung folgt.) die Jungen zur Ohmnocht verurteilt gewesen seien. Der Ltaats- nnwalt habe sich grundlegend geirrt, als er Strafantrag gegen diese Jungen gestellt Hab«, die sich aufgelehnt hätten. Als' Verteidiger rufe er dem Gericht die Füll« von Elend, Not und unglücklich«» Zufällen, und von sozialen Ntißständen ins Gedächtnis, durch die diese jungen Menschen ohne eigene Schuld in Fürsorge gekommen seien, teilweise weil sie vor Prügel daheim geschlitzt werden und „Schutz finden" sollten. Keiner der Jungen sei Verbrecher gewesen. 2r. Löwenthal versuchte den Beweis zu führen, daß die Jungen aus dem Gefühl ihrer Rechtlosigkeit heraus die Revolte gemacht hätten und er forderte für die jungen Menschen den Freispruch. Llm vier Stück Seide. Selbstmordversuch im Kriminalgericht. Eine ausregende Szene spielte sich am ZNittwoch- mittag im Reuen Kriminalgericht vor der II. Großen Ferien- slrafkammer des Landgericht III ab. Schon lange vorher war eine Frau aufgefallen, die auf- geregt auf dem Gerichtskorridor herumlief. Plötz- lich stürzte diese Frau laut schreiend zu dem Geländer, das die Halle einfaßt, schwang sich hinauf und wollte sich aus dem dritten Stock- werk in die steingepflasterte Halle hinunterstürzen. Einem hinzu- springenden Schupowachtmeister gelang es mit vieler Mühe, die sich heftig sträubende und zur Wehr setzende Selbstmordkandidatin, die schon mit dem halben Körper herabhing, zurückzureißen. E» stellte sich dann heraus, daß es sich um eine Schneiderin Frau L. handelte, gegen die von der Strafkammer wegen Diebstahls ver- handelt werden sollte. Sie weigerte sich durchaus, in den Saal zu gehen und zitterte am ganzen Körper. Erst den Bemühungen des hinzugezogenen Gerichtsarztes gelang es, die Frau soweit zu be- ruhigen, daß sie, wenn auch noch zitternd, sich auf die Anklagebank führen ließ. Wie sich in der Verhandlung herausstellte, war die Angeklagte vom Schöffengericht wegen eines Warenhausdieb st ahls zu vier Monaten Gefängnis verurteilt worden. Sie ist auch schon wiederholt als gewerbsmäßige Ladendiebin bestraft worden. Gegen das Urteil hatte die Angeklagte Berufung eingelegt und behauptete nun, daß sie an dem Tage, an dem sie die Tat ausgeführt hatte, im Zustand der Bewußtlosigkeit gewesen sei, da ein Mann, mit dem sie hinter dem Rücken ihres Ehemannes sich in unerlaubte Beziehungen eingelassen hatte, gegen sie Erpressungs- versuche unternommen hatte. Auf Befragen mußte sie aber zugeben, daß sie mit voller Absicht vier Stücke Seide hatte stehlen wollen. Eine Detektivin hatte ihr das gestohlene Gut unter dem Mantel wieder hervorgeholt. Die Strafkammer verwarf die Berufung der Angeklagten, aber Landgerichtsdirektor Siegert stellte ihr Be- Währungsfrist in Aussicht. Das beruhigte die Angeklagte vollkommen. ZUgen— ohne Segen. Wolkendecken ziehen sich grau in grau über den wasserblauen Iulihimmel, der in flimmernder Sommerglut müßte braten, was im Jjerbste soll geraten. Ein regensatter violett schimmernder Dunst- hauch steigt hoch in die Baumwipsel empor, in denen wasserglänzend der Tag verträumt. Rcgenschwadcn nässen die Wälder, Wiesen, Felder, Straßen und Dächer. An den Kaminen hängen erdenhast, zerschlissen, grauschwarze Rauchsahncn. Menschen huschen mißge- stimmt unter dem Regen durch, der im Zenit des Sommers pro- grammwidrig und ungebeten seine Gastrollen gibt. Schon sammeln sich auf den Telegraphcndrähten die Schwalben, um in den ver- regneten Julisommertagen Herbst- statt Liebesgespräche zu halten. Nur die keifenden Schoren der Stare fallen in die reisenden Korn- äcker ein und halten überlaute Diskussion über die jetzige Lage, während die Natur ein dünnes Lied in alter Kirchentonart raunt. Regen und Wind haben strichweise den gelben Roggen geknickt, dessen Körner der Vollreife entgegensehen. Schon sind hier und da, wo am Boden liegende Schwaden leicht zum Faulen neigen, Randgassen cingemäht und regentropfende Garbenhäuschcn sehnen sich nach trockener Sonne. Gelblich schimmern die niedrigen Halme der long- begrannten Gerste, die in Julihitzc braten sollte. Raschelnd heben sich noch die grünen dicken Halme des Weizens mit ihren gedrungenen Fruchtkolben. Tiefgrün streut der 5)afcr seine Rispen aus, deren weißliche Spitzen»nd milchigen Körner noch im Wachstum stehen. Nur den Hackfrüchten kommt dieser Regen gelegen, deren Blattwerk in die Breite und Höhe schießt. Sparrig dehnt sich das Kartasscl- kraut auf Kosten der Knollen und treibt seine weißlichen, rötlichen und violett-bläulichen Blüten. In goldübersäten Pyramiden stehen die grün- und ockerfarbigen Lupinen, hier und da von ihren blau blühenden Schwestern durchsetzt. Regenglänzend hängen die riesigen Sicheln Ver Maisblätter an den markigen Stauden, deren Kolben grüngroue Haarbüschel aushängen. Daß anhaltender Juliregen unnütz ist, sagt ein Schalk in der Bauernregel:„Vor Johanni müssen die Priester um Regen bitte». Aber Johanni kann man's selber." Oachstuhlbrand in Charlottenburg. Die Feuerwehr wurde gestern nachmittag nach der Kaiser- Friedrich-Straße 33 in Charlattenburg alarmiert, wo im D a ch st u h l des Hinterhauses aus noch unbekannter Ursache Feuer ausgebrochen war. Die Flammen, die an dem Inhalt der Boden- verschlüge und dem trockenen Dachgebälk reiche Nahrung fanden, griffen schnell um sich. Durch starkes Wasscrgeben aus mehreren Schlauchleitungen konnte der Brandherd jedoch schon nach verhält- nismäßig kurzer Zeit auf seinen Herd beschränkt werden. vsokSvsI umBarckhausen. Ohne Zweifel Selbstmord. Di« Ermittlungen bct Mordkommission zur Klärung des mysteriösen Todes des früheren Generalkonsuls Dr. Varck- hausen haben manches bisher Unklare gelöst. Wie wir bereits berichteten, find am Mittwoch Kriminalbeamte nach Haoelberg gefahren und haben dort im Beisein von Sachver- ständigen das aus der Elbe gefischte Auto untersucht. Es konnte, nachdem so lange Zeit verstrichen war, nicht mehr festgestellt werden, ob Barckhauscn in diesem Wagen selbst in Havelberg ge- wesen ist. Man hat nur das Auto mit zwei Personen besetzt gesehen. Wie schon erwähnt, war Barckhausen einige Tage nach dem Ber- schwinden seines Wagens aus Berlin bei der Versicherungsgesellschaft erschienen und Hatte unter Andeutung, daß auch die Polizei nicht an da- Wiederauftauchen des Autos glaube, um eine Abschlagszahlung von 30(X1 M. ersucht, die jedoch abgelehnt wurde. Nach der Rückkehr der Frau Barckhausen nach Berlin wurde mit ihrer Hilfe festgestellt, daß aus der Wohnung eine Anzahl von Gegenständen verschwunden waren. Es waren drei Sparkassenbücher, eine lange goldene Damenhalskette, ein gol- denes Armband und ein« schwarzlederne Brieftasche, die Barckhausen persönlich gehörte. Zwei der Sparkassenbücher fanden sich in der kleinen Kassette im Damenschreibtisch, das dritte war im Besitz des Hausherrn. Auf den beiden ersten Büchern standen nur noch 14 bzw. 7 M., denn die früher vorhandenen Einlagen waren bei der Abreise der Frau und der Kinder nach Langeoog abgehoben worden. Das dritte Buch, das Barckhausen selbst in Verwahrung hatte, lautet« über 100 M. Wie mit 5illse der Städtischen Sparkasse ein- wandfrei festgestellt werden konnte, sind von dieser Einlage am 2. Juli d. I. 95 M. abgehoben worden, so daß nur noch ein Rest von 5 M. verblieb. Wo die Bücher mit den geringen Resten sich jetzt befinden, steht nicht fest, sie sind bisher nirgends aufgetaucht. Noch bemerkenswerter waren die Feststellungen über den Verbleib der Kette und des Armbandes. Diese beiden Schmuckstücke hat Barckhausen selbst am 3. 3u(i vormittags in einer Pfandleihe in der Zägerstraße verseht. Von einer Bekannten der Familie wurde die Mordkommission dar» auf aufmerksam gemacht, daß eine schwarzledernc Brief- tasche des Barckhausen fehlte. Das stärkte natürlich die Annahme» daß ein Mörder sie mit sich genommen habe. Durch die weiteren Ermittlungen ist nun aber festgestellt, daß ein fremdes Verschulden gar nicht in Frage kommen kann. Sie hat bereits am Sonntag vormittag gegen 10 Uhr, also zu einer Zeit, da Dr. Barckhausen noch am Leben war, auf einem Sortiertisch des Postamts NW. 7 gelegen. Sie enthielt kein Geld, sondern nur eine an Barckhausen am 9. Juli aus Hamburg eingegangene Ansichtspostkarte und einen Bleistift. Die inneren Fächer waren an einer Seite aufgerissen. Dieses Post- amt besorgt auch die Leerung der Kästen, die zu den Bereichen kleinerer Nachbarämter gehören. In einein solchen Postkasten muß die Tasche zwischen den Briefschaften gesteckt haben und fiel mit in den Sack des ausleerenden Beamten. Am Mittwoch fano im Schauhaus die Sektion des Er- schösse nen statt. Der Befund ergab, daß nach der Richtung des Schußkanal- sehr wohl ein Selbstmord vorliegen kann. Der Sachverständige Prof. Dr. Brüning hat die am Tatort gefundene Browningpistole genau untersucht. Es ist eine Waffe älteren Mo- dells, mit der unzweifelhaft der tödliche Schuß abgegeben ist. Es muß ein aufgesetzter Nahschuß gewesen sein, denn im Laufe wurde .ein bauweißer Faden gestmden, der zu dem Stoff des Pyjamas genau paßt. Da Barckmann Kriegsteilnehmer, Flieger, gewesen ist, dürste er die Waffe au? jener Zeit noch im Besitz gehabt haben. Llm 40000 Mark geprellt. Wo ist der„Kaufmann" Leibowih? Durch eine geschickte Täuschung hat ein Hochstapler, der sich„Kaufmann" David Leibowih nannte, einen Gut- gläubigen um 40 000 Mark geschädigt. Am 4. April d. I. mietete der angebliche Leibowitz sich in der Holsteinischen Straße 35 in Wilmersdorf ein. Er war nur Untermieter und gab an, daß er einen größeren Betrieb für Im- mobilien- und andere Finanzierungsgeschäste einrichten wolle. Bei einem noch nicht ermittelten Drucker ließ er sich verschiedenfarbige Briefbogen und Umschläge herstellen, die folgenden Aus- druck trugen:„David Leibowitz, Berlin-Wilmersdorf, Holsteinische Straße 35, Telephon H. L. Pfalzburg 6364." Das groß aufgezogene Büro suchte nun geldkrästige Leute, die zu dem Unternehmen Ge- schästseinlagen beisteuern wollen. Leibowitz fand auch einen gut- gläubigen Mann, der ihm 40 000 Mark übergab. Er hörte dann nichts mehr, schöpfte Verdacht und mußte feststellen, daß Leibowitz sich mit dem Gelde aus dem Staube gemacht hatte. Zur Feststellung des Betrügers ist es von Wichtigkeit zu erfahren, in welcher D r u ck e r e i die Briefbogen und andere Schriftfachcn hergestellt sind. Es bestehen ftgrle Zweifel,, daß. Leibowitz der richtige Name des Flüchtigen war. Es. hürjt� sich vielmehr um einen intcrnatio-' nalen Betrüger handeln.' Immer soll Berlin bluten! Die immer weiter fortschreitende Absenkung des Grundwasserspiegels in Berlin hat die Ministerien ver- anlaßt, die Stadt Berlin darauf hinzuweisen, daß die Wasser- entnähme für industrielle Zwecke von der Zahlung von Schäden Zuschüssen abhängig zu machen sei. Die Gerichte, welche sich in der Folge voraussichtlich mit diesen Fragen zu be- fchäftigcn hoben worden, werden vor die Entscheidung gestellt, fest- zustellen, wo das öffentliche Interesse bei einer Wasscrförderung anfängt und aufhört.„Wie gestaltet sich aber", so fragt mit Recht die Halbmonatsschrift für sozialistische Arbeit in Stadt und Land, „Die G c m e i n d e", die diese Bestimmung in ihrer neuesten Nummer veröffentlicht,„die Entscheidung bei privaten Wasserfördcrungsgescllschaften, die doch gleichfalls den Wasserspiegel zuungunsten irgendwelcher Eigentumsinteresscn absenken?" Zu diesen privaten Wasserfördcrungsgesellschaften ge- hören, wie wir erläuternd bemerken wollen, auch die C h a r- lottenburger Wasser- und Jndustricwcrkc, die da- durch unliebsam bekanntgeworden sind, daß sie im Gegensatz zu den Berliner Städtischen Wasserwerken ihre Tarife für Kleinabnehmer unerhört hoch gehalten hoben.— Weiterhin nimmt in der„Ge- meindc" Genosse Alexander Stein in einem beachtenswerten Bei- trag Stellung zu dem Thema: Volkshochschule und Arbeiterschaft. Nazis überfallen Arbeiterjugend. In der vergangenen Nacht wurden 15 Mitglieder der Sozia- l i st i s ch c n Arbeiterjugend in der Kaiscr-Friedrich- Straße 25 in Neukölln von einer Horde Hakenkreuzlern an- gegriffen. Die jungen Genossen setzten sich heftig zur Wehr, und mit Hilfe des in der Zwischenzeit alarmierten Ueberfallkommanldos gelang es, mchrere der Hakenkreuzler festzunehmen. Die Burschen wurden der Politischen Polizei übergeben. Llngarischer Ozeanflug geglückt. Aeufundland-Llngarn in 26'/- Stunden. Budapest, 16. Juli. Das Flugzeug„Justice for Hungar y". das gestern um 17 Uhr(MEZ.) aus harbougrace(Reusundland) zum Ozean- slug nach Budapest gestartet war, landete heute um 7,30 Uhr abends etwa 50 Kilometer vor Budapest bei Bicske, nachdem der Benzin- vorrat ausgegangen war. Bei der Landung wurde der Propeller leicht beschädigt, die Piloten blieben unversehrt. Die außerordentliche Leistung der beiden Flieger wird durch dieses kleine Mißgeschick in keiner weise beeinträchtigt. Gerüsteinsturz in Budapest. Visher zwei Tote und 44 Verletzte. Budapest, 16. Juli. In der L a d i s l a u s g a s s c an der Peripherie der Stadt ist heute nachmittag das Gerüst eines vierstöckigen Neu» b a u e s aus bisher unbekannter Ursache plötzlich zusammen, gestürzt. Dabei stürzte auch eine Mauer ein. Bisher wurden zwb'i Tote und oievz'ehn Verletzte aus den Trümmern geborgen. Man vermutet, daß sich noch weitere Tote und Verletzte darunter befinden. Kathedrale in Philippopel eingeäschert. S o s i a. 16. Zuli. Gestern abend ist die katholische Kathedrale des Heiligen Ludwig in Philippopel vollständig niedergebrannt. 3n der Ka- thedrale befand sich das Grob König Boris'. Bon dem Gebäude sind nur die vier Umsassungsmauern stehengeblieben. Dem Brand sind zahlreiche Sunstgegenstände zum Opfer gefallen. Der Schaden wird aus 400 Millionen Lewa geschäht. Haftbefehl gegen papke. Der Vcrnehmungsrichter im Polizeipräsidium hat gestern gegen den Arbeiter Hans Papkc Haftbefehl wegen des Verdachts des Mordes und der Blutschande erlassen. Papke ist geständig, mit seiner Stiftochter unerlaubten Verkehr gehabt und sie im Grunewald vor- sätzlich getötet zu haben. verurteilte Nazis u»d Kozis. Vom erweiterten Schöffengericht Braunsberg (Ostpreußen) wurden 21 Nationalsozialisten und 1 3 K o m- m u n i st e n, die sich wegen Landfriedenbruchs anläßlich einer Schlägerei ausgearteten nationalsozialistischen Demonstration in Heiligenbeil zu verantworten hatten, zu insgesamt 112 Monaten 2 Wochen Gefängnis verurteilt. Alfred Grenander verstorben. In Berlin verstarb der be- kannte Architekt Alfred Grenander, der Erbauer zahlreicher Untergrundbahnhöfe. Grenander, ein feinsinniger Skan- dinavier von erstaunlicher künstlerischer Beweglichkeit, wirkte lange Jahre als Lehrer an den Staatsschulen für freie und angewandte Kunst. Er erreichte ein Alter von 68 Jahren. Die FCimst, einen guten Kaffee zu bereiten „Man nehme"— so heißt's ja im Kochbuch. Was für eine Kaffeesorte man nimmt, das gibt natürlich den Ausschlag für den Geschmack des Aufgusses. Wer Qualität wünscht, nehme Kaffee Hag. Es gibt keinen wohlschmeckenderen Kaffee als den feinen und milden Kaffee Hag, der edle Hochgewächse aus 4— 5000 Fuß Höhe enthält. Man braucht von Hag nicht mehr zu nehmen, als von anderem guten Bohnenkaffee. Fein mahlen, frisch kochendes Wasser aufgießen, umrühren, nach 8— 10 Minuten klar abgießen. Kaffee Hag muß wie jeder Kaffee frisch sein. Für längere Aufbewahrung gibt es Hag in Vakuumdosen (luftleer gepackt). Erst kurz vor Gebrauch mahlen. Wichtig vor allem.■ der coffeinfreie Kaffee Hag ist vollkommen unschädlich. Er schont Herz, Nerven und Nieren und kann keine Schlafstörungen verursachen. Aber der echte Kaffee Hag muß fiöfnw es sein. Hüten Sic sich vor Nadt- ahmungeni Coffeinfrei und• darauf kommt's ani ZOO 000 Soldafen werden gesucht. Nodi immer �Zentralnadiweis für Kriegsverluste und Kriegsgräber"« In Spandau sieht ein riesiges Gebäude: Einstmals als Kaserne sur ein Garderegiment bestimmt, dient es jetzt friedlichen, aber nn- jägtich traurigen Zwecken. Das ,Lentralnachwciscamt fiir Kriegsverlustc und Kriegergräber" wohnt in diesem Gebäude. Begründet wurde diese Stelle schon während des Krieges. Da- mals war das Amt in der Kriegsakademie in der Dorotheenstrahc zu Berlin und allen jenen bekannt, die angstvoll auf Nachricht über ihre Angehörigen warteten. Manch eine alte Mutter, manch ver- grämter Vater stand vor den unendlich langen Verlustlisten, die an der Hausfront angebracht waren. Aber das eine Gebäude ge- uügte nicht, um alle 13% Millionen deutscher Frontkämpfer im Auge zu behalten. Z w e i g st e l l e n wurden er- richtet und zwar in München, Dresden und Stuttgart. Mit 3000 Hilfskräften arbeitete man damals. Jedes Lazarett mußte täglich über Zu- und Abgang Buch führen und jeden Bericht an das Zentralanrt weitergeben. Dort wieder wurden von jedem Fall Karten angelegt, so daß man immer in der Lage war. über jeden verwundeten, kranken, vermißten und auch toten Krieger Auskunft zu geben. SSvll Meldungen kamen täglich an und 30 000 bis 40 000 Karten wurden täglich ausgeschrieben. Wenn man auch am An- fang des Krieges meist nur Verwundete und Vermißte buchte, so wurde allmählich immer mehr Arbeit notwendig. Auf Grund der Haager Konvention sind alle Staaten verpflichtet, sämtliche Ge- fangencn zu melden und so kamen aus den entlegensten russischen, polnischen, serbischen, französischen und belgischen Dörfern diese Mit- t-ilungen, die meist schwer zu entziffern waren. Das Amt war durch die Kartei stets in der Lage, über fast sämtliche deutschen Sol- baten Auskunft zu geben. Jeder Krieger wurde geführt. Diese nüchterne Zettelsammlung ist sicher die traurigste Chronik des Krieges und das, was diese Beamten erlebt haben, ist sicher genau so furcht- bar gewesen, wie das, was die Frontkämpfer draußen täglich sahen und erlebten. Und dennoch ist diese große Liste genau und exakt geführt worden. Als der Krieg beendet war, ging hier die Arbeit immer weiter. Man siedelte um und zentralisierte. Heute besteht nur noch die Stolle in Spandau und eine in München. 300 Beamte genügen und von Jahr zu Jahr wird man weniger Hilfskräste benötigen. Und doch, trotz aller Arbeit und Mühe sind es auch heute noch 200 000 Soldaten, die unbekannt verschollen sind. Auf den Feldern Flanderns, in den Karpathen, auf dem Meeresboden— irgendwo — unauffindbar. Und trotzdem denkt noch manche Mutter, daß sich eines Tages die Türe öffnen und ihr Sohn hereinkommen wird. Das Zentralnachweiseamt ist unausgesetzt bemüht, die 200 000 Un- ousfindbaren festzustellen. Ueberall hin, bis in die entferntesten Winkel der Erde, gehen die Verbindungen. Wie das Amt arbeitet. Außer der Suche nach den letzten Opfern des Krieges werden hier sämtliche Auskünfte gegeben, die ehemalige Kriegsteilnehmer gebrauchen können, so z. B. Bescheinigungen für Versicherung und Versorgung. Kriegstodesfälle werden beurkundet und zwar für die späteren standesamtlichen Eintragungen. Man braucht diese Urkunden für Erbschaftsang elcgenheiten, Grund- bucheintragungen u. o. Ueber 400 Erklärungen werden heute noch pro Monat ausgefüllt. Läßt sich jedoch der Verlust nicht aus Grund einwandfreier Belege nachweisen, ist aber andererseits .aus den vorhandenen Umständen mit einem sicheren Tod zu rechnen, so gibt das Nachweiseamt die amtliche Unterlage für die gerichtliche Todeserklärung, die dann die gleiche Rechts- kraft wie die standesamtlich beurkundete Eintragung besitzt. In letzter Zeit kommen auch viele Anfragen aus den ehemali- gen deutschen Gebieten. Aus Polenz. B. wollen che- inaligc deutsche Soldaten bescheinigt haben, daß sie während des Krieges irgendein Examen abgelegt haben, weil sie dann mit diesem Nachweis im polnischen Verwaltungsdienst wieder eine ähnliche Stelle erhalten können. Oder ans Elsaß kommen Anfragen über Bescheinigung der Dienstjahre im Heer, da Frankreich für seine und auch sämtliche elsässischen und lothringischen Kriegsteilnehmer bei Erreichung des 55. Lebensjahres eine Kriegs- rcnte zahlt. So sind die Anfragen und Anforderungen an das Amt recht verschieden. Auch Ersatzansprüche kommen noch recht häufig vor. Ein amerikanischer Zahnarzt z. B. hat während des Krieges eine Reise nach England unternommen. Sein Schiff ist von einem deutschen U-Boot torpediert worden, sein Leben konnte der Zahnarzt zwar retten, aber seine Instrumente gingen verloren, jetzt beansprucht er Ersatz. Ein anderer Fall. Ein gebürtiger Jta- liener hatte in irgendeiner Stadt Belgiens einen kleinen Laden, der beim Einzug der deutschen Truppen geplündert sein soll. Auch er stellt nun an das deutsche Reich Ansprüche. Auf Grund von Ab- machungen tagen von Zeit zu Zeit gemischte Schiedskommissionen, die alle Fälle regeln. Aber nicht nur die Krieger des Weltkrieges führt man hier, sondern alle Soldaten seit 1862, denn es kommen auch heute noch Anfragen und Erkundigungen nach Kämpfern aus dein deutsch-franzöfischen Kriege von 1870/71. Säle, Zimmerfluchten, Korridore— alles liegt voll von Papier und in den verschlossenen Extraräumcn befinden sich die Stammrollen aller R e g i- m e n t e r. Im ganzen sind 3 9 Millionen Karten ausge- füllt worden. Rechnet man alle Karteien zusammen— die Sorge um Erhaltung der Kriegsgräbcr kommt ebenfalls noch hinzu— so erlangt man die stattliche Anzahl von 6 0 Millionen ausgefüllten Karten. Die Stammrollen bilden 135 000 Bände. Die Namen find nicht nur nach den Regimentern, sondern auch nach dem Alphabet geordnet, denn allein der Name Müller ist 115 000mal und der Name Schulze S0 000mal vertreten. Daher wird auch immer wieder gemahnt, daß Anfragen ganz genau detailliert sein müssen. Interessant ist auch, daß natürlich ständig Anfragen kommen wegen der Versorgung der Baltikumer und Grenzschutzsoldaten, die zusammengefaßt„Ucbergangs- s o l d a t e n" genannt werden. Die Roßbach-Leute fallen nicht unter die Kategorie Soldaten, sie sind Privattruppcn wie che- mals die Söldner. In einem besonderen Raum werden die Gegenstände bewahrt, die man bei Toten fand und die nun als Erkennungsmerkmale zur Identifizierung dienen sollen. Uhren, Orden, Feldstecher, Helme, Brillen, Kompasse. Messer und mehr. Viele Gegenstände kommen noch heute; sie wurden von Bauern und Reisenden gefunden und als„letzter Rest des deutschen Heeres" mit nach Hause genommen. Jetzt packt diesen oder jenen die Reue und die mitgenommenen Sachen werden ohne Absender zurückgeschickt und kommen endlich hier in das Zentralamt, wo sie sortiert und geordnet werden. Viele Unbekannte hat man durch diese letzten Stücke feststellen können. Eine traurige Abteilung, die glücklicherweise vom Staat einige Mittel erhält, ist die Gräberfürsorge. 1 709 000 deutsche Soldaten liegen auf fremdem und 330 400 auf deutschem Boden; 409 000 liegen in Massengräbern. Die Heimat erweist ihren treuesten Söhnen die letzte Ehre, indem sie die Gräber schmückt und instand hält. Die Massengräber werden langsam aufgelöst und die Toten — nach nochmaliger Identifizierung— einzeln eingebettet. Hier arbeitet der Zentralausschutz gemeinsam mit privaten Organisa- tionen und verbessert ständig die Gräberlisten und Umbettungsproto- kolle, damit jeder Hinterbliebene weiß, wo fein Angehöriger be- graben liegt. Auch heute noch werden Ueberführungen vorge- »ommen. Man wandert in schwermütigen Gedanken durch das Riesen- gebäude. Ueberall ist man mit dieser traurigen Arbeit beschäftigt. Im Raum des Abteilungsleiters steht ein altes Mütterlein, das immer noch auf ihren Sohn wartet. Sit schreit es fast dem Be- amten ins Geficht:„Ihr habt mir meinen Sohn genommen, gebt mir ihn auch wieder!" Bedauernd zuckt der Herr Beamte die Achseln. Gerne möchte er die alte Frau trösten— er kann es leider nicht Zanz, denn 200 000 deutsche Krieger liegen tot in unbekannter Erde. Mies unter dem Hammer... Tangokestiime, Reklam-Hefte und--- Leoparden. Die Umwertung aller Werte vollzieht sich rasend. Der Preis- stürz für ererbte und wohlerworbene, ehemals sehr teure Gegenstände des täglichen Bedarfs ist so gewaltig, daß man heute mit knapp hundert Work aus einer der vielen Bersteigerungen einen kleinen Wöbelladen zu- sammenkaufen kann. Was erst unter den Hammer kommt, ist rettungslos entwertet. Der teuerste Gobelin sinkt bis zur Grenze der Wertlosigkeit, wenn er erst mit dem Amtssiegel des Vollziehungsbeamten plombiert ist. Die Pfondkammern der Gerichte find nicht für den heuligen Waffenwarenverkehr gebaut, sie fassen nicht mehr die Pfandstücke, die Zwangsversteigerungen mehren sich von Tag zu Tag, und ganze Warenlager werden täglich zum Berkaus angeboten. Doch die Käufer fehlen, wenigstens die zahlungsfähigen. Früher sah sich der Laie, der auch einmal einen Gegenstand auf der Auktion billig kaufen wollte, einem sestgeschlosscncn Ring von Händlern gegenüber, der ihm die Preise hochtrieb. Heute ist auch dieser festgeschlosscne Ring gesprengt, die Händler kaufen nur noch ganz hervorragende Stücke, die sie selbst wieder schnell umsetzen können, denn für noch so wertvolle Ladenhüter haben sie kein Kapital mehr übrig. Das Arsenal der P f a n d k a ni m c r n ist u n- c r s ch ö p f l i ch. Radioapparate und Grammophone beherrschen zeit- gemäß den Markt. Schreibmaschinen stehen zu Dutzenden herum, alle Systeme sind vertreten, dazwischen Staubsauger, Höhensonnen, elektrische Bügeleisen und ganze Brat- und Kochherde. Diese über- aus reiche Auswahl verrät, wie die beliebtesten„Stotterartikel" auf ihrer Rückwanderung doch endlich in der Pfandkammer enden müssen. Möbel aller Stilartcn und Formate, bürgerlich und hochherrschastlich, Holz- und Polsterklasse, antike und moderne von allerhöchster Sachlichkeit, alles steht eng zusammen und übcreinandergekippt und wartet auf einen Käufer. Don Versteigerung zu Versteigerung, wochenlang, monatelang. Es gibt aber auch Dinge in der Pfandkammer, die in das tägliche Wareneinerlei doch eine bescheidene Abwechslung bringen. Es sind die Herrlichkeiten unter den Neuerscheinungen. Als Ver- treter der lebenden Flora: Palmen, Kakteen und Gummibäume, daneben modernste Erzeugnisse: fünf duftige, blauseidene Tango- kostüme, schließlich für die wirtschaftliche Hausfrau: zwölf Ballen handgewirkten Wollrips, und in einer Ecke: ein Harmonium für den Hausgebrauch zur Erhaltung freundnachbarlicher Beziehungen. Der literarische Feinschmecker findet eine komplette Leihbibliothek und funkelnagelneue Reclamhefte nach Auswahl. Jede Geschmacks- und Geistcsrichtung kommt auf ihre Kosten. Die Pfondkammern haben unerschöpflichen Inhalt und— niemand fragt nach dem Besitz- Vorgänger, niemand danach, wie viel Leid und Kummer, wie viele Sorgen und Tränen oft an manchen bescheidenen Möbelstücken hängen, die selbst b'ei billigstem Angebot� oft nicht einmal einen Liebhaber finden."" In jüngster Zeit werden auch Haustiere nicht mehr geschont. Die mit unbezahlten Steuern belasteten Hunde werden vom Magistrot schon seit Iahren im Tierasyl versteigert, und alles, was heute in einer gutmöbeliertcn Großstadtwohnung an lebendem Inventar vor- handen ist, ist nicht mehr sicher vor dem Zugrisse des Vollziehungs- beamtcn. Hunde und Kanarienvögel, sprechende, lachende und singende Papageien, Affen und Aeffchcn. Als Clou aller zoologischen Versteigerungen wurde erst jüngst in Schpncbcrg für Menschen mit besonders gearteter Tierlicbc ein männlicher Leopard, 214 Jahre alt, etwa% Meter hoch und 2 Meter lang ösfentlich meistbietend gegen Barzahlung einen: neuen Besitzer von Rechts wegen zuge- sprachen. Die Zeiten sind für Mensch und Vieh eben gleich schlecht. Alles kommt unter den Hammer. Die beitreibendc Gerechtigkeit macht heute nicht einmal mehr vor der blutgierigen Bestie halt. Das ist schlimm, sehr schlimm, aber— Heil uns!— daß wenigstens der Berliner Bär— unpfändbar ist. KARSTADT tfafhMwIkß V.............................- BUTTER UND KÄSE Molkereibutter.......... Pfd. 1-28 Allerf. deutsche Markenb..Pfd. 1.52 Margarine..........'Vt P'd- 0.50 Cocosfett.............. 2 Pfd. 0.75 Bayr. Schweizer..... on Pfd. 1.32 Edamer, Holländer400/0Pfd. 0.88 Fromage Bleukäse..... Pfd. 1.60 Tilsiter 20»)o............... Pfd. 0.50 Limburger vollfett........ Pfd. 0.76 Steinbuscher voiifett..... Pfd. 0.72 Harzer................ an p,d- J-�O Edelharzer in Coli. 2 Rollen.. 0.25 ..........._ unLONIALWAREN WURST-WAREN WEINE, SPIRITUOSEN - f-i.x a i*» n an s l»r 0 75 Vanille u. Mandelpudd.PH. 0.44 Rote Grütze............. O oO Kakao-Pudding........."j. 0.65 Eier-Bandnudeln-Pfd. 0.46 Eier-Figurennudeln..... Pfd. U.OS Hartweizengrieß....... Pfd. 0.26 Kartoffelmehl........... ffd.? 20 SQ|re...................... P'd. 0.48 Kons Rot- Leberwurst Pfd. 0.50 Sülzwurst................ O-o® Hausm. Fleischwurst.... Pfd. 0.85 Jagdwurst..............."d- 0.92 Braunschweiger.........«d. 0.80 Bauernleberwurst...... Pfd. ü.bö ff. Leberwurst........... PW- 1.05 Bierwurst................. � HS Kümmelwurst........... Pfd- 1-08 Cervelatwurst..........."d. l.lö Schinkenspeck....... on Pfd. 1.4b tue..——-.-«i o b ki Nußschinken. J-Oo ■MICHEN, GEBACK K Q N f I TU REN 1°---.EnUSEE UND WILD Dreimastkeks f. Torfen...Pfd. 0.90 Saure Bonbon Mischung Pfd. 0.50 Saure Drops............ 0-50 Gelee-Mtschung.•■•••••P'd. 0-70 Gef. Schok.-Plätzchen-Pfd. 0.80 Haushaltkakao.•...... �Pfd. 0.95 Bruchreis.. Tatelreis... Sultaninen.. Korinthen--. Kaffee....... .an Pfd. 0.14 ....... on Pfd. 0.16 ........ an Pfd 0.48 ....... an Pfd. 0.48 ........ an Pfd. 1.90 Frkt. Apfelw. Ltr. o.m, 5 itr. 2.75 Johannisbeerw... ltr. 0.75, 5 Ltr. 3.50 Bowlenwein....Ltr. 0.75, 5 ltr. 3.50 Moselwein..... Ltr. 1.M, 5 Ltr. 5.75 Tarragona..... Ltr. i.oo, 5 Ltr. 4.75 Samos..........ltr. 1.10, 5 Ltr. 5.25 Malaga......'.-Ltr. i.m, 5 ltr. 5.75 Wermut, dtsdi..Ltr. 1.05, 5 Ltr. 5.00 Cyder,»00...... Ltr. 0.75, 5 Ltr. 3.50 20 junger Kohlrabi......'/» 0». Junger Spinat.........'Ii D». Junge Brechbohnen.-Mi Di. Erbsen mit Karotten..Vi Di. Steinpilze...............'U D«. Stachelbeeren........ Vi Di. Aprikosen,'(« Früdite...1/' D». Senfgurken............ Vi Ds. Johann.-Marm. ea.2Pfd.Eim. Aprik.- Marm.-ca. 2 Pfd.Eim. Pflaum.-Marm..».2 Pfd.Eim. Kirsch- Marm....ca. 2 Pfd.Eim. GEMUSE 0.38 0.38 0.48 0.60 1.20 0.60 0.95 0.65 1.10 1.10 1.10 1.10 Stachelbeeren....... an Pfd. 0.1 3 Johannisbeeren...... 2 Pfd. 0.30 Pfirsiche............... an Pfd. 0.38 Pflaumen.............»" Pfd. 0.42 Grüne Bohnen........ 3 P'd- 0.22 Schoten................. 2 P'd- 0.25 Möhren...............••3 Pfd- 0.20 Weiß- u. Wirsingkohl..Pfd. 0.07 Tomaten.............. on Pfd- 0.1 6 Rotkohl................... P�1- JJ-IZ Wachsbohnen........ 3 Pfd. 0.28 Zitronen-.-.......... Dti. an 0.42 Königskuchen......... Stuck 0.50 Berliner Pfannkuchen- Dti. 1.00 Obsttorten............. Stüde 1.00 Div. Obstkuchen....... Stüde 0.1 0 Brioche-Hörnchen Stüde 0.10 0.05 Brioche-Strietzel.Stüde 0.60 0.30 Wickel-Klöben......... Stüde 0.50 Mecklb.Schwarabrotco.3ViPfd.jjO LEICHTVERDERBLICHE WARE ist vom Vorland ausgo- schlosson. Z o» o n d ungnur bot Bo Stellung*• M. S.OO an SPEZIAL-FLEISCH- VERSAND-WAGEN aer,......................... oOer Frankenweiler.. m.fl. 0.80 30er Laubenheimer..m.Fi. 1.10 30er Niersteiner......"i.Pl. 1.20»»»»"-......... s»** e c c e Kl 27er Graves..........."i. PI. 1.65 wqCHENEND KONSERVEN DELI KATE55EN Kornähre.......... 1 Ltr. m. Fl. 3.75 �___ j:___ ft« n AR Obstschaumwein..... Fl. 1.25, 1.00 FRISCHE FISCHE Wolga-Hühner......<-" Pfd. 0.92 Fr. Suppenhühner--an Pfd. 0.30 Allerf. Poulets.......... Stüde 1.60 Junge Gänse........ an P'd°-� Rehrücken............an Pfd. 1.30 Kabeljau o. Kopf i. Gr. an Pfd. 0.14 Kabeljaufilet........ an Pfd. 0.22 Seelachs O. K.>. Gz..-an Pfd, 0.18 Lebende Aale........ an Pfd. 0.95 Lebende Krebse-an 10 Stüde 0.40 Hausmannskost.......... Ds. 0.75 Rinder-Goulasch.400 gr Ds. 0.68 Schweine-Goul.-400 gr Ds. 0.68 Würstchen 3 Paar......... Dl. 0.50 Würstchen 5 Paar......... Ds. 0.85 Schweinskopf in Gels«.-Di. 0.75 Italien. Sal., Heringi Sal. Pfd. 0.70 Mayonnaise, Remoul. Pfd. 0.70 Franz. Oelsardinen..... Ds. 0.48 Brislinge.JnOel, Tomatsn Di. 0.80 Makrelenfilet in Oel..... Ds. 0.65 Gewürzgurken........ Vi Di. 0.60 Mixed. Pickles...... Di. 0.70 Rollmöpse in Remoul— Di. 0.65 Fetfhe ringe in Tom....... Di. 0.88 Pilchards i. Fischsoße-Di. 0.50 Matjesheringe neu«, 3 Stüde--an Ptg Ä»# Neue Kartoffeln AO .0 Pfd............... Pfg.OÖ 1930er Nitteler eoo iMoielw.) Ltr. 1.05, 5 Ltr.«# 1930er Niersteiner*00 ioi« v. faß. Lt. 1.25, 5 Lt. Himbeer- od. Kirsch- saff gr* Sektfl. 1.15 Vi Fl.'** einschl. Glas Orangeade EQ >1. H. M. 1.00,>1, Pl—.Pf. Senfgurken«90 «/, Dos«............•••M. I Schmor- u. Einlege- gurken 4 Pfd..... Pfg- «BINSMITTtt-ABTUlUNGIN stehen unt.r itändig.r l Kontroll««in«« Nahrungsmittol- Chomlkors und»in«» Tierarzt»* Die Soziologie eines Panemezirks Wahre Arheiterpanei hieiht die sozialdemoHraile! Ein Berliner Bezirksführer d«r Sozialdemokratischen Partei schreibt uns- ..Di« Sozialdemokratie wird sichtlich die Partei des Klein» bürgertums, außerdem vergreist sie, die wenigen Arbeiter, die aus schlecht angebrachter Anhänglichkeit noch ihre Beiträge zahlen, haben sich längst verbittert von aller Aktivität zurückgezogen usw." So ungefähr sieht das Bild aus, das sich eine freundliche tHegnerpresse von der deutschen Sozialdemokratie macht. Es Hot auch nicht» genützt, daß der Parteioorstand im letzten Jahresbericht an 5zond von statistischen Zusammenstellungen dos Gegenteil von dem allen festgestellt hat. Diese Statistik war— was„bei den Wels und Bartels wohl selbstverständlich" ist—„gefälscht". Es sei daher einem erwerbslosen Bezirksführer, der weder „Bonze" noch„Bonzenanwärter" ist, gestattet, die sozialen Verhält« nisse der von ihm betreuten Parteigenossen zusammenzustellen. Da« bei sei bemerkt, daß es sich um einen Stimmbezirk im hohen Norden handelt. Von 900 abgegebenen gültigen Stimmen entfallen auf unser« Partei etwa 300 bis 350. Diese Wähler verteilen sich auf IS Häuser mit 45 Aufgängen. Von den 300 bis 350 sozialdemokra« tischen Wählern sind 54 in der Partei organisiert. Es besteht also ein Organisationsverhältnis von etwa 1: k. Außerdem wohnen in diesem Bezirk 7 Jugendgenossen, 4 Jungfalken und 3 junge Arbeiter- fportler. Diese 68 Genossen verteilen sich auf 36 Haushaltungen, davon befinden sich 14 in Hinterhäusern, 11 in den oberen Etagen und 12 im ersten bzw. zweiten Stockwerk der Vorderhäuser. Von de« 54 organisierken Sozialdemokralen sind 12 Ehefrauen. Unter den verbleibenden 42 Mitglieder sind ihrer Berufsstellung nach 4 Beamte, 10 Angestellte, 18 Arbeiter. Weitere 10 Mitglieder sind erwerbslos. Von den 14 Beamten und Angestellten befinden sich nur 6 in sicheren und leidlich gut bezahlten Stellungen, in der Kommune(3), in der Gewerkschaft(2) bzw. im Arbeitsamt(1). Zu- sammen mit zwei Ehefrauen der genannten sechs Bessersituierten (Höchstgehalt 450 M.) wohnen also in diesem Bezirk 8 Mitglieder, die man, wenn man sehr weitherzig ist, ihren Einkommensverhält- nisten nach zum„neuen M i t t e l st a n d" rechnen könnte. Alle übrigen 46 Mitglieder gehören ihrer Stellung und ihren Ein- kommensverhältnisten nach zweifellos zum Arbeiterstande. Genau genommen ist es aber von allen 54 Mitgliedern nur ein mittlerer Kommunalbeamter, der nicht der proletarischen Klaste entstammt. Mit der„Verbürgerlichung" der SPD. ist's also nicht weit her. Die Alterszusammensetzung ergibt folgendes Bild: über 55 Jahr« alt find— 6 Genossen und Genossinnen, von 40—55 Jahre alt sind 24.», bis 40 Jahre alt sind..... 24 Von letzteren stehen 13 im 31. bis 40. Lebensjahre und 11 sind 18 bis 30 Jahre alt. Außerdem gehören noch 14 Jugendliche und Kinder sozialdemokratischen Organisationen an. Von Vergreisung kann also auch nicht die Rede sein. Und wie steht es mit der Müdigkeit, der Verärgerung und Un- inleressierthei«? von den 54 Mitgliedern sind 29 als regelmäßige Versammlungsbesucher zu bezeichnen. Diese stehen bis auf 4 ältere Genosten ohne weiteres zu jeder Parteiarbeit zur Verfügung. Aber die anderen 24 werden doch wenigstens von der„Korruptheit angewidert" wegbleiben? Die Gründe sind recht nüchterner Natur. Drei Genosten bleiben wegen chronischer Erkrankung von aller Parteiarbeit fern, sechs Genosten sind beruflich durch Nachtarbeit oder durch dienstliche Reisen verhindert. Acht Genossen sehen den Schwerpunkt ihrer Tätigkeit in anderen Arbeiterorganisationen. Vier Mütter konzentrieren sich auf ihre häusliche Arbeiten, und nur hei vier Parteimitgliedern sind Gründe für ihre Passivität nicht zu erkennen oder vielmehr nicht an- zuerkennen. Politische Verärgerung ist es aber gewiß nicht, die sie von der Erfüllung ihrer Pflichten abhält. Der einzig Verbittert« ist ein Erwerbsloser, dessen Frau ein kleines Geschäft innehat. Verbittert wegen der Konkurrenz durch die Konsumverteilungsstelle, von der wir ihn weder befreien können noch wollen. Wir stellen aus diesem einen Beispiel fest, was in Berlin noch vieltausendfach bewiesen werden kann. Die Parteigenostenschaft ist proletarisch zusammengesetzt. Die Alterszusammensetzung ist günstig und die Aktivität der Mitglieder steht außer allem Zweifel. Ilans Willi George. Märldsdic Reidcngulsiedlinig. Eine Fahrt nach Fehrbellin. Das historisch« Städtchen Fehrbellin, das am Rand« de» Großen Rhin-Luchs zwischen den beiden Bahnstationen P a u» l i n e n a u e und N e u r u p p i n liegt. Hot den Mut gefunden, die Heimsiedlung in der Mark oorwärtzzutreiben. Die Stadt erwarb die fiskalisch« Domäne Fehr- belli«, um sie in«in« Rentengutsiedlung umzuwandeln. E» handelt sich um etwa 1800 Morgen gutes Ackerland, dos unweit des>n der Näh« fließenden Rhin links und rechts der Tarnower Ehausse« liegt.- Da, großzügig« Unternehmen wird.von. der„Feh f. b»l l.«. 1,08 Suppenhühner friuh.rtd. i.O,SQ Hühner g«frares...Ffd. tob0,92 Ganse.............. Pfd.TOB0,92 Enten.............. ffd.TovO.SS Wildkochfleisch Pfd. tobO, 30 Rehkeule......... Pfd. tob 1,65 Wildschweinblatt PM.». 0,95 Wlldachweinrücken„__ odsr Wlldtchwelnkeul«.. Pfd. von 1,25 Wuratwaren ..Pfd. 0,48 Bierwurst,.. ...»Pfd. 1,20 Teewurst f*ln.......... Pfd. 1 ,25 Zervslatwuret....... Pfd. 1 ,85 Salamiwurst,,........ Pfd. 1,36 Fetter Spack...... Pfd. von 0,75 Magerer apeck...rfd. von 0,98 Somnkenspaok....... Pfd- 1,48 NuBschlnken..........Pfd. 1,66 Wiener Würstchen..Pfd 1,00 Konserven Kaiserachoten............ 1,45 Junge Erbsen«sbr fein... 1,25 Junge Erbsen«ast»........ 1,10 Junge Erbsen mittslfsiB.. 0,80 Junge Erbsen............ 0,65 GemUso-Erbsen.,,....... 0,65 Gemischt Gemüse Mb. 1,40 Harzer......... Ailglluer Stangenkäse »»;,................... Pfd. 0,48 Stelnbuacher T»Uf»te, Pfd- 0,72 Dänischer Schweizar_ ao-i,...................... pfd. 0,76 Tilsitor voiifett......... Pfd. 0,80 Edamer tv-i»........... Pid. 0,88 >/, Voss Gemischtes Gemüse mittslfsiB..................... 1,— Junge Erbsen M«."H Kimhn 1,15 Junge Erbsen"iit«if.,".«»ntni\0,80 Stangen-Schnittbohnen 0,70 Stangen-Brechbohnen 0,76 Stg.» Perlbrechbohnen 0,98 1930er Edenkobener n£0 19 PlaschfB O.SO....... Fl«aelift"|00 1930er Kreuznacher n 70 ■wiOji. Njhml«, 10 a 7,00, Fluok« U,/0 Prell« ohne Flwohe Johannisbssrwsln. raUOt ~''" ifi'•'' Billige Weine u. Fpuchtsäfte. it. 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Dose 0,58 ca. 7 Pfd Tqbalt 1 ,90 ■ 0,96 Feuerberfl, Botwein. 1,10 I92der Liaser.Niaderbg.M5 1 SaSer Rüdasheimar... 1 ,00 1929er Zeller schwarz. Harrgott............. 135 I0P1. 8,00 0,00 10,50 14.00 18.00 17,50 Himbeer- od. Kirschsaft j jg "h Dtllitidt, IS tektll. 10,50, SelnIL Deutscher Weinbrand »bgelagerte Qoalitit....... Liter Obst und Gemü»e Johannisbeeren....aPfd- 0,30 Blaubeeren......... 3 Pfd. 0,40 Saure Kirschen..... Pfd. 0,25 Zitronen.......... Dtid-voa 0,42 Kalif, Tafeläpfel..... kfd 0,38 Tomaten............... kfd 0,16 Pfirsich«.............. kfd 0,38 Bananen............ spm. 0,78 8alat grosse K»pf«..... Kopf 0,06 Grüne Bohnen...... Pfd. 0,07 Puffbohnen............ Pfd. 0,10 Grüne Gurken..Sick, von 0,10 Behmorgurken..... ePfd. 0,20 Schoten............. apfd. 0,25 Möhren.............. 8 Pfd. 0,20 Rotkohl................ Pfd. 0,12 Welsskohl............ Pfd 0,07 Wirsingkohl........... Pfd. 0,07 Kartoffeln.......... io Pfd. 0,68 c-«II«" Hägtsrn riSCne entw«edreustr. "Kabeljau gr., e. it, Pfd. tob 0,14 "Seelachs gr., o.Kopf, Pfd. r. 0,18 •Rotbars................ Pfd 0,22 •Kabeljaufilet....... Pfd. 0,22 ♦Schellfisch mit Kopf, Pfd. 0,22 Kolonialwaren Tafelreis............... Pfd. 0,16 Italienischer Reis... Pfd. 0,24 Weizengriess........ Pfd. 0,30 Hariweizengriess...Pfd. 0,28 Bruchmakkaroni..... Pfd. 0,46 Eierbandnudeln..... Pfd. 0,46 Pflaumen get rock net... pw. 0,28 Kilif, Birnen geuook, Pfd. 0,88 Kalif. Anrikosengetr., Pfd. 0,70 Kalif. Pfirsiche gstr., Pfd. 0,62 Krilmelschokoladen- pulver................. Pfd. 0,85 Kaffee trieob gsbrsBBl, Pfd.v. 1,90 Kakao ttu-k SB«»»...... ptd. 0.52 Das Weltkrankenhaus. „Sie hätten bedenken sollen, Madame, daß diese Krankheit sehr ansteckend ist." Betrug mit der Osthilfe. Ein ostpreußischer Dftitergutsbefiher erschwindelt 154000 Mark Osthilfe. Llrteil: 400 Mark Geldstrafe. Stalins Rede. Rückzug oder Llmgehungsmanöver? Voll?stsr Grsrwy. Der Wunsch ist der Vater des Gedankens. Die letzte Rede Stalins hat in bürgerlichen Kreisen unverhüllte Schaden- freudc und kaum verhüllte Hoffnungen hervorgerufen. Man sprach von einem geschichtlichen Wendepunkt, von einem Kurs- Wechsel, ji; von einer Rückkehr zur halbkapitalistischen Nep. Nichts davon ist richtig. Der bolschewistische S a u l u s ist nicht zum kapitalistischen Paulus geworden. Mit Recht wies bereits der„Vorwärts" darauf hin, daß die taktische Um- stellung Stalins vielmehr„ein neues Experiment ist, um das noch größere Experiment des Fünfjahresplans aufrechterhalten zu können". Also kein Aufgeben des Experiments. Nur die Mittel zu seiner Verwirklichung sollen nunmehr modifiziert, und zum Teil geändert werden. Es besteht eine gewisse Achnlichkeit zwischen der taktischen Umstellung Stalins von heute und seinem Rückzug im vorigen Frühjahr. In beiden Fällen kam die Wendung im letzten Moment von oben, um der Wirtschaftsschwierigkeiten Herr zu werden und die spontane Gährung von unten zu vereiteln. Im vorigen Jahre wurde der Rückzug durch die verheerenden Folgen der Agrarpolitik veranlaßt. Aber der Rückzug stellte sich bald als Schachzug heraus. Die Zwangskollektivierung war nicht aufgegeben, nur das Tempo sollte verlangsamt, und die Druckmittel sollten geändert werden. Dasselbe gilt jetzt für den jüngsten Rückzug Stalins auf dem Gebiet der Industrie. Die Zielsetzung bleibt unverändert. Aber der drohende Zusammenbruch der überstürzten Industrialisierung veran- laßte Stalin, die bisherigen Methoden der Produktions- steigerung, die offenkundig versagten, einer Revision zu unter- ziehen. Der Ton macht die Musik. Der Ton der Stalinschen Rede ist merkwürdig verstimmt. Vielleicht das wichtigste in ihr sind gewisse Eingeständnifle und Feststellungen. Sie kamen den zahlreichen kritiklosen Bewunderern der„kritiklosen Plan- Wirtschaft" etwas unerwartet. Aehnlich wie die bürgerlichen Kreise in Europa noch vor kurzem das amerikanische„Wirtschaftswunder" bestaunten, so steht jetzt ein nicht unbeträchtlicher Teil der Arbeiterschaft dem sowjetistischen Wirtschaftswunder kritiklos gegenüber. Dabei wird die Aufwärtsbewegung in Sowjetrußland gleich der inzwischen gescheiterten amerika- nischen Prosperity als eine ewige betrachtet, obgleich die sowje- tistische Prosperity— zum Unterschied von der amerikanischen — statt Verbesserung, eine Verschlechterung der Lage der russischen Arbeiter mit sich gebracht hat. Die sowjetistische H o ch k o n j u n k t u r, die mit feinem un- geheuren Gründertum verbunden ist, dauert immer noch an. Aber es mehren sich beunruhigende Symptome eines heran- reifenden Umschwungs. Bekanntlich sollte die Industriepro- duktion im laufenden Jahre um 45 Proz. gesteigert werden. Indessen bezeichnet Stalin die tatsächliche Durchführung des Jahresplancs als„buntscheckig". Während einige Industrie- zweige in den. verflossenen 5 Monaten ihre Produktion um 20 bis 45 Proz. im Vergleich zum Vorjahre erhöht haben, haben die anderen ihre Produktion nur um 6 bis 10 Proz. und weniger gesteigert. Das Schlimmste nach Stalin ist, daß zu den im Rückstand befindlichen Industriezweigen die Kohlen- gewinnung und die Metallurgie, also die entscheidenden Zweige der Schwerindustrie gehören. Dadurch wird der Fünf- jahresplan, der auf die Schwerindustrie eingestellt ist, ungemein gefährdet. Stalin polemisiert zwar gegen die„Spießbürger um die Partei", die behaupten, daß das Produktionsprogramm für 1931 unreal und undurchführbar sei. Aber er muß selbst zu- geben, daß die Lage ernst ist, indem er die wunden Punkte des Experiments enthüllt: Mangel an Kapital, Mangel an quali- fizicrten Kräften. Auch auf dem Gebiete der Industrie wurde das„Schwind- ligwerden vor lauter Erfolgen" zum Verhängnis. Man er- weiterte die Produktionsprogramme ins Uferlose. Man spielte mit der Inflation. Man träumte von geldloser Wirtschaft und vernachläsflgte jegliche kaufmännische Wirtschaftlichkeit. Die Staatsbank, dachte man, wird schon alles bezahlen! Nun kam die Stunde des Erwachens. Stalin stellt in seiner Rede fest, daß die finanzielle Grundlage des Fünfjahresplan ins Schwanken geraten ist. Die bisherigen Hilfsquellen der Kapitalaufhäufung reichen für die weitere for- eierte Entwicklung der Industrie nicht mehr aus. Dutzende von Milliarden Rubel sind in die Schwerindustrie hineingesteckt worden.„Woher wurden diese Milliarden geschöpft?"— fragt Stalin und antwortet selbst:„Aus der Leichtindustrie, aus der Landwirtschaft und aus dem Staatshaushalt". Stalin verrät hiermit das Geheimnis der ursprünglichen „sozialistischen" Kapitalakkumulation. Sie bestand bisher in der ungeheuren Drosselung des Dolkskonsums, in den überhohen Preisen für Fertigwaren, in der Ausplünderung der Bauernschaft durch die„Preisschere", durch die Steuer- schraube, durch die gewaltsame Getreidebeschaffung zu festen Spottpreisen. Ein Drittel des Volkseinkommens wurde auf diesem Wege dem Moloch der Industrialisierung zum Opfer gebracht. Jetzt aber versagen nach Stalin diese drei Hilfs- quellen. Insbesondere die Landwirtschaft, die in aller Eile„re- konstruie.'t wird, fordert seGsl immer größere Milliarden- summen vom Staate. Es bleibt nach Stalin nur ein einziger Ausweg, nämlich, die Schwerindustrie selbst, die in den letzten Jahren Milliarden und Abermilliarden verschlungen hat, cnd- lich rentabel zu machen, um den Fünfjahresplan vom Scheitern zu retten. DieRentabilitätd er Schwerindustrie zu er- möglichen, ist das eigentliche Ziel. Die Arbeitsleistung muß er- höht, die Gestehungskosten müssen herabgesetzt werden.— sonst wird das gesamte Experiment scheitern. Daher die Einstellung der Hetze gegen die Spezialisten, die noch nicht ausgerottet sind, daher die Umwandlung der Wirtschastssührer zu tatsächlichen Betriebsleitern, viel- mehr Fabrikdirektoren, daher die Anerkennung des Königsberg. 16. Juli.(Eigenbericht.) Der Rittergutsbesitzer Willi K r o e ck auf Tiefentkamm im ostpreutzischen Kreise Wehlau beantragte am 19. September 1928 Osthilfe. Seine Ehefrau hatte auf dem Gut ein« Hypochek von 50 900 M. stehen. Gleichzeitig mit dem Antrag auf Osthilse stellten sich eheliche Differenzen ein. Die Frau verlangte eine Entschädigung. Es wurde ihr der gesamte Viehbestand im Werte von 60 000 M. übereignet. Im Jahre 1927 mar Tiesentkamen auf 556 800 M. geschätzt worden. Nach dem Antrag auf Oschilfe verlangte die Landesbank neue Schätzung. Am 31. Januar 1929 erfolgte die neue Abfchützung. Der Rittergutsbesitzer führte dabei dem Taxator den prächtige« Viehbestand vor. verschwieg aber, daß da» Vieh ihm nicht mehr gehörte. Infolge dieser Täuschung wurde die frühere Schätzung für zutreffend erklärt. Am l5. April 1929 wurden 154000 M. aus Mitteln der Ost hilf« ausgezahlt. Trotz dieser ansehnlichen Subvention machte Herr Kroeck Bankrott. Bevor das Gut unter den Hammer kam, oerschleuderre Prinzips des differenzierten Arbeitslohnes, daher die Abschaffung der Fünftagewoche, daher die rücksichts- loseste Durchführung des Grundsatzes der kaufmännischen Berechnung von oben bis unten. Ob die neuesten Richtlinien, die im Munde Stylins soviel wie Staatsdekrete find, ausreichen, um den Mangel an ökonomischen und kulturpolitischen Voraussetzungen für den sozialistischen Aufbau zu ersetzen oder wenigstens das Gelingen des Fünfjahresplancs zu sichern, bleibt dahingestellt. Man kann wohl eine Arbeiteraristokratie mit dem Mittel des diffe- renzierten Arbeitslohnes aufzüchten, man kann aber dadurch die Arbeiterklasse als Ganzes nicht auf eine höhere Stufe heben. Man kann zwar die dezimierte Intelligenz zur Mitarbeit auf- fordern, man kann aber nicht bei Fehlen der geistigen Freiheit die notwendige Arbeitsfreude und schöpferische Initiative der technischen Intelligenz sichern. Man kann die weitere Durch- führung der technologischen Seite des Fünfjahresplanes mit neuen Antreibe- und Verlockungsmethoden versuchen, man kann aber nicht mit der gepanzerten Faust der Diktatur die ökonomischen Gesetze vergewaltigen. Die letzte taktische Umstellung Stalins ist nicht nur ein wirtschaftlicher, sondern auch ein parteipolitischer Schachzug. „Unsere Politik,— versichert Stalin,— besteht gar nichtinderVerwandlungderkommunistischen Partei ineine abgeschloss�eneKast e". Damit hat er das offene Geheimnis verraten, daß die bolschewistische Partei in den Augen der Arbeiterklasse und des ganzen Volkes als eine K a st e, als ein privilegierter Herrscher- st a n d gilt. Die von Stolin in seiner Rede aufs neue ver- suchte Liebäugelei mit den„Parteilosen" unterstreicht nur die wirkliche Sachlage". Stalins Rückzug ist als Umgehungsmanöver gedacht, das eine Atempause bringen soll. Faschisten greifen papstvLügen" an. Brutale Erwiderung auf die Botschaff. Rom. IS. Juli. Da» Direktorium der Faschistischen Partei, da» unter Borsitz Mussolinis im Palazzo VcNezia tagt«. Hot zu der kürzlich erschie- ncnen päpstlichen Enzyklika folgende drei Erklärungen angenommen: 1. Das Direktorium der Faschistischen Partei protestiert auf da» bestimmteste gegen die Behauptungen einer kürzlich erschienenen päpstlichen Enzyklika, wonach der Eid der Schwarzhemden mit Rücksicht auf dos Brot, die Laufbahn oder da» Leben abgegeben werde. Di« Schworzhemden hoben bewiesen, dqß sie auf Brot, Lauf- bahn und auch das Leben verzichten können, wenn es für das Baterland oder die faschistische Revolution notwendig ist. Di« schwer« Be- leidigung wird deshalb zurückgewiesen, mit der man versucht hat, Frau Kroeck den Viehbestand für 36 000 M. und stellte das Geld ihrer zwanzigjährigen Tochter als Bietungskaution zur Der- fügung. Die Tochter ersteigerte das Gut. Di« Familiensanierung war geglückt, die ehelichen Differenzen, die zur Schiebung gehört hatten, hörten prompt auf. Der Herr Rittergutsbesitzer lebt jetzt mit seiner Frau in Köslin von den Erträgnissen des von der Tochter verwalteten Gutes. Die Staatsanwalt erhob wegen der Schiebung mit dem Vieh- bestand Anklage gegen Herrn Kroeck wegen Betrüge«. Im Prozeß beantragt« der Staatsanwalt gegen den Rittergutsbesitzer 6 Monate Gefängnis. Das Urteil lautete auf— 400 vi. Geldstrafe. Nach dem Empfang von 154 000 M. Osthilf« und einem Bankrott, der Familie und Gut auf so günstige Weise aus Kosten der Gläu» biger gesund gemacht hat, wird Herr Kroeck diese 400 M. mit Vergnügen bezahlen. Derartige Schiebungen mit der Osthilse, noch mehr ober der- ortige Urteile müssen in der gegenwärtigen Situation autzervrdent- lich provozierend wirken! j ihre durch Opfer schon bewiesene Treue zu erniedrigen. Di« Fa- schistische Partei ist nicht eine Partei wie die übrigen früheren und gegenwärtigen Parteien, sondern eine Kampforganisation militärischer Art, die eine Revolution gemacht hat und die die Pflicht hat, diese gegen jeden zu verteidigen. 2. Da» Direktorium der Faschistischen Partei lehnt mit Eni- rüstung und mit genauer Kenntnis der Tatsachen die Behauptungen ab, die in dem kürzlich vom Vatikan an das Ausland gerichteten Appell enthalten sind, wonach die Freimaurer wieder zu An- sehen in den Reihen der Partei gelangt seien. Die Haltung der Faschistischen Partei war und ist in dieser Beziehung außerordentlich klar. Das Direktorium der Faschistischen Partei wacht, um zu ver- meiden, daß die alten Ueberbleibsel der dcmokratisch-steimaurerisch- liberalen Kreise in irgendwelcher Weise wieder irgendwelche Tätig- keit— und sei es nur am Rande des Regimes— wiederaufnehmen können. Nach dieser Klarlegung stellt das Direktorium der Faschi- stischen Partei das unerhörte Bündnis fest, das sich zwang»- läufig zwischen dem Vatikan und der Freimaurerei gebildet hat, die heute durch die gemeinsam! Feindschaft gegen den faschistischen Staat verbunden sind. 3. Das Direktorium der Faschistischen Partei protestiert gegen die Lügen und wendet sich gegen die Behauptungen, die in einer aus vatikanischer Quelle stammenden ausländischen Note gegen die faschistischen Knabenoerbände B a l i l l a enthalten sind, die die Kraft, der Stolz und die Sicherheit des faschistischen Regimes sind, und erklärt, daß es niemandem erlaubt sein darf, eine große Orgo- nisation zu verleumden, für die Tausende von streng ausgewählten Faschisten, Tausende von Lehrkräften der öffentlichen Schulen und 2000 Kapläne arbeiten, eine Organisation, die diejenigen vorbereiten soll und vorbereiten wird, die die faschistisch« Revolution fortsetzen werden. Das Direktorium fordert olle Faschisten auf, daran mit- zuwirken, daß der faschistische Knabenoerband bald unter den Fahnen de» Littorenbündels die neuen Generationen voll ständig ver- einigt. 75 Mark Geldstrafe! Oer Tarif für freche Ehrabschneider. Lischosswerda, 16. Juli.(Eigenbericht.) Das Amtsgericht Bischofswerda verurteilt« den nationolsozia- listischen Bezirksleiter in Bautzen. Hartwig, wegen Beleidi- gung eines sozialdemokratischen Ortsgruppenoorsitzenden zu 75 Mark Geld st rase. Hartwig hott« den Sozialdemokraten, der einige unerhörte Schweinereien in der nationalsozialistischen Ortsgruppe aufgedeckt hatte, als«inen ganz ausgekochten Lügner, Verleumder und eine erbärmliche Kreatur bezeichnet. Hartwig ist wegen verschie- dener Delikte, darunter auch wegen Betrugs, vorbestraft. Unter der Anklage der Banknotenfölschung saß er schon in Untersuchung»- hast. In der Begründung des Urteils betont« der Richter, daß Hart- wig eigentlich wegen der schweren Beleidigungen eine Gefängnis- straf« oerwirkt habe, daß da» Gericht aber Milde habe walten lassen, weil die Beleidigungen im politische» Kamps« ersolgt sind- Zieht die Konsequenzen! Wirischastsdemokraiie muß an Stelle der Wirtschastsautokraiie treten. Die lebensgefährliche Krise, in die Deutschland plötzlich gestürzt ist. hat nicht etwa zur Ursache die Finanzkalamität der öffentlichen Verwaltung. Es sind auch nicht Fehlleitungen der öffentlichen Wirt- fchaft, die die Finanzen Deutschlands und seine Kreditfähigkeit in Gefahr gebracht haben. Es sind ausschlietzlich— dos muß in diesem Augenblick immer wieder ausgesprochen werden— die F e h l- leitungen der Privatwirtschaft, die katastrophale Un- fahigkeit her sagenannten Wirtschaftsführer, die kriminelle Nachlässig- keit der verantwortungsvollen Persönlichkeiten der Privatwirtschaft, die Deutschland in die gegenwärtige Situation gebracht haben. Es gibt keinen Betrieb der Arbeiterschaft von irgend- welcher Bedeutung, wo jemals eine so skandalöse Mißwirtschaft ge- trieben worden ist, wie in den Unternehmungen, deren Leiter für sich besonders immer in Anspruch genommen haben, dem Staate Weisungen zu erteilen und den Einfluß der Arbeiterschaft ouszu- schalten. Wäre die Forderung der freien Gewerkschaften auf Durch- führung der Wirtschastsdcmokratic verwirklicht, dann würde eine derartige Mißwirtschaft niemals möglich geworden sein. Es ist ganz ausgeschlossen, daß Arbeitcroertreter jemals die Manipulationen der Lahusen zugelassen hätten. Es ist ganz ousge- schlosien, daß bei einer vollen Verwirklichung der Wirtschaftsdemo- kratie, dos heißt, wenn die Arbeiterschaft ein entscheidendes Mitbestimmungsrecht in der Wirtschaft genießt, eine sogenannte Rationalisierung durchgeführt worden wäre, die aus- gebaut ist auf die Brotlosmachung von Millionen von Arbeitern, verbunden mit einer kurzfristigen Ver- schuldung an das Ausland. -Durch Selbstfinanzierung und kurzfristige Verschuldung sind riesige Anlagen errichtet worden, die heute außer Betrieb sind, wahrend man gleichzeitig einen großen Teil der Belegschaften auf die Straße warf. Diese angebliche Rationalisierung haben unsere sogenannten Wirtschoftsführer in selbstherrlicher Autokratie durch- geführt. Ein Lahusen, ein Goldschmidt, ein Flick und wie sie alle heißen, hätte es entrüstet abgelehnt, wenn die Vertreter der Beleg- schaft gefordert hätten, bei der Leitung der Betriebe ein entscheidendes Wort mitzureden. In ihrer grenzenlosen Ueberheblichkeit waren und sind sie der Meinung, daß die Arbeiterschaft nicht befähigt sei, große Wirtschaftsbetriebe zu leiten. Nun, wir hoben weder in den Konsumvereinen noch in den Sozialen Baubetrieben, in der Volksfürsorge und in den zahlreichen anderen Unternehmungen der Arbeiterschaft jemals«inen derartigen Ausammenbruch erlebt, wie sie heute in 0er Privatwirtschaft an der Tagesordnung sind. Deshalb muß mit der Wirtschaftsautokratie des Kapitals Schluß gemacht und an ihre Stelle die Wirtschaftsdemokrotis gesetzt werden! Das ollein sichert uns vor der Wiederkehr ähnlicher Katastrophen. Es muß ober auä) ausgesprochen werden, daß die Katastrophe in diesem Ausmaße nicht möglich gewesen wäre ohne den uncr- hörten Druck aus die Löhne und Lebcnsbcdin- gungcn der Arbeiterschaft, der mit Hilfe der Reichsregie- rung ausgeübt worden ist. Wenn die Textilinduftriellen, wenn die Schwerindustrie, wenn die chemische Industrie, das heißt die In- dustrien, wo die niedrigsten Löhn« gezahlt werden und die längste Arbeitszeit herrscht, gezwungen gewesen wären, ausreichende Löhne und Arbeitsbedingungen zu gewähren, dann hätten sie nicht die Möglichkeit gehabt, Hundertc von Millionen zu verschleudern, dann wären die Herrschaften nicht schließlich größenwahnsinnig geworden und hätten nicht mit dem deutschen Volksvermögen und mit dem deutschen Kredit Hosard gespielt. Auch diese zweite Lehre muß aus der jetzigen Katastrophe ge- zogen werden. Die Herrschaften, die sich bisher angemaßt hoben. im Nomen der Wirtschaft zu sprechen, hoben den Deweis erbracht, daß sie dazu am allerwenigsten geeignet sind. Sie müssen schleunigst unter Kuratel gestellt werden. Stärkung des Einflusses der organi- fierten Arbeiterschaft ist die unmittelbare Folgerung, die sich aus der Katastrophe der Privatwirtschaft ergibt. Krise und Gewerkschaften. Was getan werden muß. Bom A f A- B u n d wird uns geschrieben: Dieselben kapitalistischen Kreise, die jahrelang jedes Eingreifen des Staates in die Wirtschaft mit aller Schärfe ablehnten, verlangen jetzt, daß der Staat ihre Verluste übernehme. Die freien Angestelltenverbände werden alle Versuche mit Entschieden- heit bekämpfen, die das Risiko der Krisis einseitig aus die Schultern der Arbeitnehmer abwälzen wollen. Sie bleiben bei ihrer alten Forderung auf Aenderung der Notverordnung, die ober nur dann Ersolg hoben kann, wenn zunächst ein« Beruhigung des Kreditsystems erreicht wird. Dazu gehört auch, daß die Ange- stellten nicht selbst durch überstürzte Abzüge von den Sparkassen weitere Hemmungen im Geldverkehr schassen. Im gegenwärtigen Augenblick kommt alles darauf an, den Zahlung»- mittelverkchr zu sichern und das Vertrauen zur Wäh- rung zu erhalten. Wir fordern von Reichsbank und Reichsregierung, daß sie unter ollen Ilmständen den Geldbedarf für die Zahlung der Löhne, G«hälter und Unterstützungen sicherstellt. Wir sind bereit, alle geldpolitischen Mahnahmen zu unterstützen, die geeignet sind, den geregelten Zahlungsverkehr wieder herzustellen. Wir sind uns ober dabei bewußt, daß alle Maßnahmen nur dann ihr Ziel erreichen, wenn es gelingt, das Vertrauen des In- und Auslandes zum deutschen Kreditsystem wiederzugewinnen. Neben den unbedingt fortzusetzenden Versuchen, ausländische Mittel zu erhalten, gehören dazu sofortige ein- schneidende Maßnahmen geg«n die Devisen- Hamsterei u n d K a p i t a l f l u ch t. Zu diesem Zwecke erscheinen uns diplomatisch« Schritte geboten, um weitere Kredite und eine internationale Rechtshilfe gegen die Kopitolslucht zu erhalten. Die van den Gewerkschaften seit jeher geforderte verschärfte Monopoltontrolle und die geplante Aktienrechts- reform ist beschleunigt durchzuführen. Vor allen Dingen fordern wir eine verschärfte Haftpflicht der ver- antwortlichen Wirtschoftsführer, eine stärkere Publizität und die Pflichtprüfung aller Aktiengesellschaften. Der Anfang muß damit gemacht werden, daß eine Untersuchung gegen diejenigen eingeleitet wird, die durch ihr verantwor- tungsloses Verholten di« Sicherheit des Kreditsystems, das Schicksal von Wirtschast und Volk aufs Spiel gesetzt haben. der Abbau bei der Neichsknappschast. Durch Verordnung des Zieichsarbeiisministers. Die Notverordming vom 5. Juni stellte für di« Pcnsionskasscn Reichsknappfchaft aus Reichsmitteln insgesamt 70 Millionen Mark zur Verfügung und nerlangte, daß die Deckung des noch bleibenden Fehlbetrages durch Satzungsänderung sichergestellt werde. Der Vorstand der Arbeiterpensioirskasse hatte daraufhin der Hauptoersammlung Vorschläge für Einsparungen ge- macht. Die Hauptversammlung hatte aber jede Kürzung der Leistungenobgelchnt. Nunmehr hat der R e i ch s a rb e i t s m t n i st« r die erforder- lichen Acnderungen der Satzung für die Arbciterpensionskasse vor- genommen. Sie lehnen sich eng an die einstimmige» Beschlüsse des Vorstandes der Reichsknappschaft an. Die Reichsmittel werden nun- mehr der Reichsknoppschaft in den von der Notverordnung vor- gesehenen monatlichen Beiträgen zufließen. Die Kasten der Ratio- nalisierung— die Schwierigkeiten der Knappschaft sind eine direkte Folge dieser sogenannten Rationalisierung— werden also auch auf die Sozialrentner abgewälzt. Heimarbeiter und Nowerordnung. Kundgebung des AekleidungSarbeiter-VerbandeS. In der Generalversammlung des Bekleidungsarbciterverbandes am 14. Juli referierte P l o o g über die Auswirkungen der neuen Notverordnung insbesondere für die Heimarbeiterinnen und Heim- arbester der Bekleidungsindustrie. Die einzelnen Bestimmungen der Notoerordnung wurden gebührend beleuchtet und auf die Un- gttechtigkeitcn hingewiesen, die in den einzelnen Bestimmungen der Notoerordnung enthalten sind. Besonders kroß müßte sich die Not- Verordnung auswirken, wenn die Heimarbeiterinnen und Heim- ärbestcr von der Versicherungspflicht vollständig ausgeschlossen würden. Rund 180 000 Arbeitskräfte würden damit vollends dem Elend preisgegeben sein. Folgende Entschließung wurde einstimmig angenommen: „Die Generalversammlung erklärt ihr volles Einverständnis mit der vom Bundesausschuß des Allgemeinen Deutschen Gewcrkschafts- bundes am 20. Juni gefaßten Entschließung zur Notverordnung vom 0. Juni 1931. Im besonderen fordert sie, daß die Heimarbeiter und Hausgewerbetreibenden der Bekleidungsindustrie m der Arbeitslosen- Versicherung belassen werden. Ferner Vorschriften, welche bestimmen, daß auf ein Lohnbuch für eine Arbeitskrost in der Woche nicht mehr Arbeit ausgegeben werden darf, als von einem Bctriebsarbeiter in der betriebsüblichen Arbeitszeit geleistet wird. Des weiteren, daß die Verdien st grenze für die Krankenversicherungspslicht erhöht wird und daß die Arbeitgeber auch zur Beitrogsleistung für diejenigen Haus- gewerbetreibenden herangezogen werden, welche vor der Verordnung vom 18. Oktober 1930 versicherungspflichtig waren, um es den Arbeitgebern unmöglich zu machen, wegen der Leistung von Sozial- beitrügen Heimarbeiter und Hausgewerbetreibende von der Bc- schöftigung auszuschließen." Geht nichi zur See! Der Verband deutscher Kapitäne und Schiffs» o f f i z i e r e warnt dringend vor der Ergreifung des see» männischen Berufs in der Handelsmarine. Der Kapitäns- beruf ist überfüllt, und an Seeleuten der Mannschastsgrade ist ein so großer U e b e r f l u ß vorhanden, daß, wie wir bereits mit- geteilt haben, gesetzlich eingerichtete seemännisch« Annohmestellen dazu übergegangen sind, die A n n a h m e l i st e n für neu sich meldende unbefahrene junge Leute und tellweise sogar schon für befahrene Leichtmatrosen und Matrosen zu schließen. Der Zustrom neuer Schisssoffiziere von den staatlichen Seefahrtschulen hält ununterbrochen an. Das bedeutet nur Stellenlosigkeit, zumal der Ausbau der deutschen Handelsflotte abgeschlossen ist und die Schaffung von neuen Schifssoffiziersstellcn auf neu gebauten Schiffen also nicht mehr in Aussicht steht. Zm Arbeitskonflikt der Elbeschiffahrl ist nach wiederholten, wochenlang sich hinziehenden Verhandlungen nunmehr eine E i n i- gung erzielt worden. Nach der Vereinbarung beträgt der Wochen- lohn für die Zeit vom 1. Juli 1931 bis 31. März 1932 für Maschinisten 57,20 M., für 1. Dampfersteuerlcute, Kahnschiffssührer und 2. Maschinisten 49,70 M., für 2. Dampferstcuerleutc und 1. Heizer 45,80 M., für Decksleutc und Heizer 41,80 M. Den Arbeitern der Kölner Zord-Werkc. di« erst vor wenigen Wochen unter großen Feierlichkeiten eröffnet worden sind, ist mit- geteilt worden, daß der Betrieb aussetzen muh. Angeblich besteht Mangel an Betriebsmitteln. Die Arbeiter sind aber der Mei- nung, daß Absatz mangel herrscht. Schon in der vergangenen Woche ist nur an drei Tagen gearbeitet worden. Freie Gewertschafts-Iugenö Berlin Heut«, um WA Uhr, tagen irie Gruppen: Gruppeuhtim. Bismarckstr. 1.?-it Stellung der grau in der Sozia lpplitir.— SRoiS- ring: Jugendheim, Schule Sonnendurger Str. 20. MirsorgeaniiaUe», Gefängniffe und Zuchthäuser— viffern sie den Menschen?—»«i»>ckend»rs.Os>. Jugendheim, Lindauer Straße«Baracke»). Bauproletcn spinnen.— Süden: Jugendheim. Wassertorstr. g. Wir„tagen" ab 18 Uhr UN ffluhbad Zklingenderg/ — Tharlzttenburg: Jugendheim. Spreestr. zo. Gin Tag in Pari».— Zeppelin. plah: Jugendheim, Turiner Elke Seestvahe. Bub und Mädel.— Spandau. WNHclmstndt: Jugendheim, Spvrtplah Scevurgo: Strohe. Wandern, Schaue» und Naturschutz.— Arn«wo Idee Platz: Pasdeurslr. 44— lOberrcaischule). Bunter Abend rn der Laubenkolonie.— Hermannplatz: Jugendheim, Sander» siratze 11, Eck- Hobrechtstrotz«. I0-M nu t en.Referat«:„3Bei» Bcvus". Zuqendgmppe des Zentralverbaudes der Angestellten Heute, tzreitag. finden folgend« Bcranstattungc» statt: Narben: Jugendheim, Lortzingstr. 19. Liederabend, Leitung: Wcitzenberger.— Südwest: Jugendheim. Yorckstr. U<2. Hof, Quergebäude, 1 Treppe, gimmer 6). Lichtbilderoortrag:„Das Parlament der Kaufmannsjugend", Ref.: HeNbrunn. — Berliner Druckerei,»ad Perlag»-»eselschast«. b. H., Gaschastolwndrn ocrn 20 ins 22 Uhr im Jugendheim, Sbertnstr. 12. Mitgliiederversatmnlung der Sport abtcilung um 20 Uhr im Verband-Haus.— Spiel« im Freien ab 18 Uhr auf dem Sportplatz.Einsame Pappel"«Rarden) und Spordpiatz Pankow, Risfingenstratz«. Verantwortlich für Politik: Victor Schill: Wirtschaft:». ltlingelhöser: Zewerkschaftsbeweguna: Friede. Etzkorn: Feuilleton: Dr. John Schikowski; Lokoleo und Sonstiges: Fritz starstädt; Anzeigen: Tb.»locke: sämtlich in Berlin. Verlag: Vorwärto-Verlag®. m. b. H.. Verlin. Druck: Borwilrls-Buchdruckeret »nd Berlagoanstalt Paul Singer u. Co.. Berlin SW. SS, Lindcustratze$ Hierzu Z Beilage». f WERTHEIM SctvaSi dfetfatt ,Zus«ndung von 5 M an. Obst, Gemüse u. leicht verderbliche Artikel werden nicht zugesandt Frisch. Fleisch Schweinebauch Pfund0.72 Schweineblatt""w 0.84 SchweineschinkenPfd. 0.88 Rückentett br4,,,r�und 0.62 Liesen 0.55 Gulasch 0.90 Kavier mllck gesalzen, Pfd. 0.88 Querrippe.... Ptund 0.62 Rlnderkamm"* 0.76 Sdimorfleisch 1.1 0�. 1.24 Roastbeef mit Knodi, Pfd. 1.1 0 Kalbskamm...ptund 0.75 Kalbsbrust 0.80 Kalbskeule 0.98 Kalbssdinifzel. ptund 2.00 Hammel-Vorderfl. 0.98 Fr. Bratwurst'""Ä 0.95 Fr. Rinderzungen pm. 1.05 Gebadetes---- ptund 0.66 Mierentalg aut*Äd1.40 Wurstwaren Hausmach.. Sülze p«� 0.48 Speck* u. Sülzwurst 0.65 Dampfwurst 0.85 M eftwursf(Braunschw.Ar») 0.90 LeberwUrstschilikMMin.* 08 Kümmelwurst 1.20 Leberwurst lÜH�fwws* 1.30 TeeWUrSf'eine u. grobe 1.35 Holsteiner ÄÄ 1-35 Spedl et 0.7 5 mager, Pfd. 0.95 Schlnkenspedc1,5 p�nd 1.48 Nußschinken �wV/pich 1.65 Gekochter Schinken n geschn.r o. Schwarte,*/, Pfd. Fische Kabeljaufilet P'-t. v. an 0.22 Rotbars...... Pfund 0.28 Zander 98n"pÄn.n 0.35 Lachs 9*,ror8nP�I«inc� 0.68 Leb. Krebse Mandel 0.60 Geflügel, Wild Tauben fritdv, stock von an 0.65 Suppenhühner pSv�n 0.90 Jg. Brathühne s 0.98 Brathühner P'und v. an 1.20 Hirschblätter Piund*. an 0.80 Rehblätfer P'und von an 0.98 Obst u. Gemüse Johannisbeeren Pfund 0.1 5 Tomaten....."und 0.16 Stachelbeeren 2 P'und 0.26 Pfirsiche...... Pfund 0.38 Kalif. Xpfel...»und 0.38 Bananen 2 p«und 0.78 Wirsingkohl 0.07 Rotkohl...... P'und 0.12 Radieschen.. 4 Bund 0.10 Grüne Gurken von tn 0.10 Grüne Bohnen 3 P'und 0.22 Sdimorgurken 4 P'und 0.20 Möhren gawatch. 3 Pfund 0.20 Kartoffeln neue iO Pfund 0.68 fSitttie £ehensmltte I Kabeljau 4 m ohne Kopf, ganze|9 pf_ , Pfd. 1----- Fische, Sdie*lfisch Pfund von an 22 P(. NeueMatjes- r Heringe 3���� Kaffee frisch gebrannt Pfund i ,90 2.40 2.80 3.20 3.60 Wein vom Pah zu bllligsn Preisen Liier Apfelwein........ 0.55 Johannisbeerwein.0.70 Pfälzer Bowlenwein 0.70 Markenbuffer tfl.. allerfeinste deutsche, Pfd,. 9 34 Himbeer- u. Kärschiaft'am '�Flasche ohn. Glas i 10 Kolonialwaren Bruchreis 0.14�'� Hartgrieft.. Pwnd o.» SchnittxNudeln P'd.»j« Makkaroni Bruch, ptd. o.« Puddingpulver Vanille- u. Mandel-Geschmack Schokolade-Geschmack Rote Grütze... p'und Saucenpuiver 0.16 0.26 0.46 0.46 0.44 0.64 0.60 0.68 Käse Ii, Fett Ramadou hatbfait, stock 0.18 Harzer-od.Spitzk&sexisi» 0.45 Blockkäse SÄ, 0.60 Emmenthal. Art 6sPaiil Cervieres: 3)er Spiegel WeUerrorherlage und Slratoiphäre Wenn auch die kurzfristige Wettervorhersage sich in vielen Fällen bewahrheitet, so sind ihre Angaben von absoluter Sicherheit doch noch weit entfernt, und langfristige Prophezeiungen der Wtte- rung können überhaupt nur mit größter Vorsicht gewagt werden. Das kommt daher, daß unseren Wetterkundigen doch noch zu viele Tatsachen unbekannt sind, die für die überaus verwickelten Vorgänge bei der Gestaltung unseres Klimas von entscheidendem Einfluß sind. Die modernen Meteorologen stimmen jetzt darin überein, daß unser- Houpthoffnung auf die Erreichung sicherer Voraussogen in dem Studium der höheren Luftschichten liegt. Unsere Wettervorhersage beruht sozusagen auf der Stratosphäre, auf der Erforschung jener Höhen der Luft, in die jetzt Prof. Piccard mit seinem Ballonausstieg so kühn vorgestoßen ist. Je mehr wir über die Faktoren erfahren lernen, die unseren alltäglichen Klimawechsel bestimmen, desto klarer wind es, daß die entscheidenden Vorgänge sich hoch über der Erdoberfläche vollziehen. Piccards Höhenrekord belief sich auf 16 Kilometer, aber Registrierballons, in denen keine Menschen waren, hoben Mitteilungen aus Höhen bis zu 35 Kilometer gebracht. Da sich ober die Luftschichten über unseren Planeten bis zu einer Höhe von etwa 166 Kilometer erheben, so ist mindestens noch drei Viertel dieses Raumes bisher ganz unerforscht, und neun Zehntel davon ist dem Menschen völlig verschlossen. Unser Unvermögen, die Verhältnisse in diesen Höhen kennenzulernen, ähnelt etwas dem gewisser Tiefseefische, deren körperliche Eigenschaften es ihnen unmöglich machen, bis in die Oberfläche der Meeresschichten aufzusteigen. Diese Bewohner der Tiefen wissen nichts von den Stürmen, die die Wellen der See hoch auftürmen, und wenn irgendwelche seltsamen Gegenstände von oben her zu ihnen herniederstnken, die traurigen Zeugen großer Kata- strophen, dann können sich die Fische gewiß nicht erklären, worum es sich dabei handelt. So geht es uns Menschen auch mit vielem von dem, was hoch oben in der Stratosphäre gebraut wird und dessen Folgeerscheinungen wir uns nicht erklären können. Doch der ziemlich hilflosen Wetterkunde kommt in neuester Zeit die Astronomie zu Hilfe, in dem sie Entdeckungen in den Bereichen der dem Menschen nicht zugänglichen Höhe unternimmt. Seit langem war bekannt, daß in den Luftregionen, die einige Kilometer über der Erdoberfläche liegen, die Temperatur beständig kälter wird An den heißesten Sommertagen sind häufig Wolken von Eisteilchen sichtbar, die über uns in Höhen schwimmen, die nicht unerreichbar erscheinen. Wenn man in einem schnellen Flugzeug eine halbe StUitde emporsteigt, so befindet man sich in Regionen strengen Frostes, und sogar die Hochgebirge der Tropen sind in Höhen über 5666 Meter mit ewigem Schnee bedeckt. Früher glaubten nun die Wettcrsorschcr, daß diese Abnahme der Temperatur mit wachsender Höhe fortschreite bis zu der größt- möglichsten Kälte von minus 273 Grad Celsius. Aber die Beoboch- tungen, die mit Hilfe von Registrierballons gemocht wurden, haben gezeigt, daß diese Anschauung unrichtig war und ungefähr in einer Höhe von 11 bis 16 Kilometer begann das Thermometer sich auf feinem Stande zu halten, ja sogar manchmal etwas zu steigen. Das war überraschend, aber in den letzten Jahren hoben theoretische Be- rechnungen und Forschungen zu Schlüssen geführt, die noch viel erstaunlicher sind. Aus dem Verhalten der Meteoriten schlössen die Astronomen, daß die Atmosphäre in einer Höhe von 45 bi» 66 Kilometer wenig- stens ebenso warm sein müsse wie die Luft an der Erdoberfläche. Diese Behauptungen sind jetzt bestätigt worden durch eine Theorie. die der Direktor der Kew-Sternwarte in England. D«� Whipple, aufgestellt hat. Er kam dazu durch mathematische Berechnungen der Tonwellen von Geschütz» oder Gewehrfeuer in ihrem Verlauf über England. Wem» solche Wellen in einer großen Entfernung von ihrem Ursprung aufgenommen werden, so kommen sie nicht senk- recht, sondern von oben her an. Sie werden von der Zone heißer Lust, die sich vieles Kilometer über dem Erdboden befindet, nach unten zurückgeworfen, und eme genaue Kenntnis ihrer Geschwindigkeit und des Winkels, unter dem sie herunterkommen, macht es möglich, die ungefähre Temperatur an dem Ort zu berechnen, von dem aus sie ihre Rückreise auf die Erde angetreten haben. Nach den Berech- nungen Whipples ist nun die Atmosphäre in einer Höhe von 56 bis 66 Kilometer stets wärmer als gewöhnlich die Luft über der Erde während der heißesten Sommerzeit, manchmal sogar beträchtlich wärmer. Die Hitze dieser sehr hohen Luftschichten steigt noch sehr viel mehr: man hat 65 bis 93 Grad Celsius Wanne errechnet, Grade, die viel höher liegen als jede bisher auf der Erde gemessene Hitze. So fand man z. B. am 11. Juli 1929 die Luft in einer Höhe von etwa 47 Kilometer auf dem Siedegrad, und zu gleicher Zeit wurde England von einer Hitzewelle heimgesucht. Inwieweit diese Riesen- temperaturen der höchsten Luftschichten mit solchen Hitzeperioden auf unserer Erde zusammenhängen, das müßte freilich erst nachgewiesen werden. Immerhin ist hier ein Weg gewiesen, der weitere Auf- fchlüsse über klimatische Bedingungen verspricht, die zweifellos auf unsere Witterung einwirken. Merkwürdig ist es auch uns vorzu- stellen, daß jemand, der mit einem Ueberballon oder einem anderen Apparat imstande wäre, in die mittleren Höhen der Atmosphäre auf- zusteigen, sich damit nicht nur der Gefahr aussetzte, zu erfrieren, sondern auch gebraten zu werden. Ate befle Stellung der ITell Die beste Stellung der Welt besitzt ein englischer Stations- Vorsteher. Dem Manne ist der Bahnhof in Mastoke in der Nähe von Coleshill in der Grafschaft Marwick anvertraut. Seit an- nähernd 26 Iahren. Und der Mann hat seit 1916 überhaupt nichts zu tun. Aus einem sehr einfachen Grunde: die Haltestelle Mastoke wurde gestrichen aus dem Fahrplan. Seit nunmehr vuno 14 Iahren hielt kein einziger vorbeifahrender Zug in der Ortschaft. Saust einer der Schnellzüge vorbei, steht der Herr Vorsteher in seiner schmucken Uniform auf dem Bahnsteig und leistet vorschriftsmäßig die Ehrenbezeugung. Somit ist seine dienstliche Tätigkeit erschöpft. Für diese anstrengend« Arbeit erhAt der Mann seit anderthalb Jahrzehnten das normale Gehalt eines Stationsoorstchers der englischen Staatsbahn. Hätte ein schnüffelnder Reporter das Geheim- nis nicht gelüstet, wäre es wohl zeitlebens so geblieben. Nun gehen die herrlichen Tage von Mastoke ihrem Ende zu: die einzige wirklich gute Stellung auf Erden wird rücksichtslos„abgebaut". Die Erfindung der Briefmarke geht auf den Engländer Rowland Hill, zurück, der im Jahre 1S36 eines Tages auf einer Reise in ein Wirtshaus in einiger Entfernung von London kam und hier be- merkte, daß das junge Dienstmädchen, dessen Bräutigam in London wohnte. Mühe hotte, Briese an ihn abzusenden, da der Bote jedesmal einen Schilling kostete. Rowland Hill merkte aber auch, daß das Brautpaar eine Methode erfunden hatte, Geld zu sparen und doch in Verbindung zu bleiben. Wenn nämlich das junge Mädchen einen Brief aus London bekam, gab sie ihn den Ueberbringer zurück mit dem Bescheid, daß sie kein Geld hätte, ihn zu bezahlen. Rowland Hill sah ober in der einen Ecke des Brieses geheimnisvolle Zeichenschrift und auf diese Weise erfuhr sie, daß es ihrem Bräutigam gut gehe, so daß sie den Brief zurückgeben und ilm nicht zu bezahlen brauchte. Dadurch kam Rowland Hill auf den Gedanken, eine billige Marke herzustellen, die aus den Brief geklebt wurde als Zeichen, daß er be- zahlt wäre, und dieses System hat dann den Siegeszug durch die ganze W-ke angetreten, „He, Jeannette! Beeil dich! Bring«inen Eimer Wasser rein!" Jeannette tritt in die große Küche. In der aufgerafften Schürze trägt sie ein Dutzend frische Eier, die sie soeben in den Sträuchern gesammelt hat. Sie läßt sich Zeit, legt die Eier eins nach dem anderen in einen großen Porzellantopf und meint:„Mutter Life, deine Hühner sind nicht faul!" „Bring' einen Eimer Wasser rein!" wiederholt die Alte, ohne weitere Antwort. Da trottet Jeannette trübselig aus der Küche. Der Eimer lehnt an der hohen Gartenmauer. Ein riesiger Kübel ist's mit einem drei Finger dicken Henkel, ganz verrostet und mächtig schwer. Sie nimm» ihn mit einem Ruck, der ihre ganze schlechte Laune ausdrückt. Der Eimer ist ein bißchen schwer für ihre Kinderarme. Sie ist erst vier- zehn Jahre alt, wenn sie auch aussieht wie sechzehn. Von klein auf ist sie Mutter Lises Ziehkind. Seit einem Jahre bezahlt der Staat nichts mehr für die Kleine. Vom dreizehnten Lebensjahr ab muß ein Kind sich selbst ernähren! Mutter Life hat dies Kind zur Arbeit erzogen und behandelt es auch als Dienst- mädchen. Sie verschont Ieannette weder mit Arbeit noch mit Schlägen.„Die Jugend," ist ihr Wort,„muß beschäftigt sein. Sonst wird sie verdorben, wie Rose, die Tochter von Mutter Helene, die eines schönen Tages nach Paris ausrückte. Ach ja: Paris!" Ieannette freilich denkt manchmal:„Rose war doch gescheit. Nichts brauchte sie zu tun. Immer war ihr da ein Verehrer auf den Hacken, der ihr die Arbeit tat. Was sagte sie nur den Jungen? Selbst Josef. Mutter Lises Aeltester, sonst ein Faulpelz— für sie bückte er sich nicht zwei Finger tief!— was tat er nicht alles für Rose! Die brauchte gewiß nie so einen Kübel zu schleppen! Die nicht!" Ieannette hat den Kübel nachdenklich bis zum Ziehbrunnen geschafft. Hineinlassen geht noch! Aber das Herausziehen ist fchwerl Langsam steigt der Eimer hoch, erscheint am Brunnenrand, bis an den Rand voll Wasser. Noch ein Ruck! Sie hebt ihn hoch und stellt ihn auf die Erde Uff! Da ist er! Ieannette schnauft, weitet die Arme, reibt sich den Rücken und ruht sich«inen Augenblick aus. Jetzt muß sie ihren Eimer wieder aufnehmen und nach dem Hofe zurückgehen. Sie beugt sich hinab. Der herrliche blaue Himmel mit all feinen weißen und rosa Lämmerwölkchen spiegelt sich im Wasser. Das ist zu hübsch! Ein duftender Wind bewegt die Wölkchen. Ieannette hat den Kopf gehoben. Jetzt will sie sehen, ob die große Wolke, die wie ein Vogel aussteht, sich auch im Wasser spiegelt. Sie wartet, atemlos über dem Eimer gebeugt. Was ist denn das? Da auf dem blauen Himmelsgrunde? Blaue Augen, rote Lippen, goldene Locken? Wer? Aber sie! sie! Ieannette! Ah... nein... doch! doch! Sie glaubt's kaum. So gleichmäßige Zähne hat sie? So volle Wangen? Das ist sie? Ieannette schaut und staunt. Zum ersten Male sieht sie sich. Sie ist begeistert. Ist sie nicht wundervoll? Sie betet sich an. Ganz nahe lehnt sie über dem beweglichen Spiegel und bestaunt sich. „Aber Ieannette! Mutter wartet!" Sie dreht sich um. Da steht Josef, die Sense auf dem Rücken. Er ist ein hübscher Kerl, 26 Jahre alt, mit lachendem Mund und von strammer Gestalt. Ieannette schaut den schweren, schweren Eimer an: sie denkt an die hübsche untätige Rose. Sie lächelt. „Josef, willst du mir nicht den Eimer tragen? Ich bin so müde." Cr sieht sie verdutzt an: Solche Dreistigkeit! Diesem kleinen Mädchen gegenüber war er immer streng, fordernd! Ieannette, das Arbeitspferd! Und so was will... Das Mädchen lächelt mit erhobenem Kopfe, ruhig, seiner sicher. Es senkt seinen klaren Blick kühn in Josefs Augen. Der staunt, als erblicke er sie zum ersten Male. Ja, aber die Ieannette! die Ieannette! Sie wiederholt:„Ich Hin so müde."-- Gestern hätte er die Achseln gezuckt.„Müde? Was geht's mich an?" Er gerät in Verwirrung. Er ringt nach Worten. Dann lächelt er, pufft sie neckend mit der Schulter und hebt den Eimer hoch. Und Ieannette folgt mit schlenkernden Armen, ein Lächeln auf den zarten Lippen. cs°"cht>at« Ueb-rs-tzun, von Ursel«ll-n „tKritik der reinen VernunH" 150 Iahre.sind es in diesem I-chr, daft Snunorniel Jteni int R-gver PeNaz I.!T. sorrtnoef) die„flnllf der reinen Vernunft" verSffenilichte. Jeder kenne die ungeheure Bedeutung diese, Wertes für unsere Leben» anfefjauunfl und Wissenschaft, weift um seinen Einsluft auf alle führen- den Geister der Neu-eit. Wir entnehmen den sollenden Abschnitt dem Buch„Die großen Denker" von Will Durant sOrell ssüftli Verlag). Was bedeutet dieser Titel?„Kritik" soll nicht„Kritisieren" bedeuten, sondern kritische Analyse: Kant greift die„reine Vernunft" nicht an. ausgenommen am Schluß feines Werkes, wo er chre Grenzen aufzeigen will, sondern hofft vielmehr, ihre Möglichkeit nachzuweisen und sie über die„unreine" Erkenntnis, wie wir sie durch die entstellende Vermittlung der Sinne erlangen, hinauszu- heben. Denn„reine" Vernunft soll Erkenntnis bedeuten, die nicht durch die Sinne gekommen ist, sondern von jeder sinnlichen Ersah- rung unabhängig besteht: sie ist Erkenntnis, die wir dank der inneren Natur und Struktur des Geistes besitzen. So fordert Kant gleich am Anfang Locke und die englische Schule durch die Behauptung heraus, nicht alle Erkenntnis stamme aus den Sinnen. Humc glaubte gezeigt zu haben, daß es keine Seele und keine Wissenschaft gebe, daß unser Geist nur in der Abfolge und Verknüpfung unserer Lorstellungen bestehe, und daß unsere Gewiß- Helten bloße Wahrscheinlichkeiten sind, die stets in der Gefahr schweben, von den Dingen durchkreuzt zu werden. Diese irrigen Folgerungen, sagt Kant, sind das Ergebnis falscher Voraussetzungen, denn Hume nimmt an, daß olle Erkenntnis aus „einzelnen und unterschiedenen" Empfindungen stamme. Solche Er- kenntnisse können selbstverständlich keine Notwendigkeit und unver- änderliche Abfolgegesetzc darbieten, die in Ewigkeit feststünden: und ebensowenig darf man erwarten, daß man die Seele zu„sehen" bekommt, sei es selbst mit den Augen des inneren Sinnes. Man kann zugeben, daß völlige Gewißheit der Erkenntnis unmöglich ist, sofern alle Erkenntnis aus der Wahrnehmung einer von uns un- abhängigen Außenwelt herstammt, die zu keinem regelmäßigen Vcr- halten verpflichtet ist. Was ober, wenn wir Erkenntnis haben sollten, die unabhängig von der Sinneserfahrung ist, Erkenntnis, deren Wahrheit für uns schon vor der Erfahrung, d. h.„a priori" feststeht? Das ist die Hauptfrage der ersten„Kritik". In ihr wird„die Frage aufge- warfen... wieviel ich mit...(der Vernunft), wenn mir aller Stoff und Beistand der Erfahrung genommen wird, etwa auszurichten hoffen dürfe". Die„Rritit" gestattet sich zu einer ausführlichen Biologie des Denkens, zur Untersuchung des Ursprungs und der Eni- Wicklung der Begriffe und zur Analyse der ererbten Strukwr de; Geistes. Hierin besteht, wie Kant glaubt, die gesamte Problematik der Metaphysik. ... Nach einem Jahrhundert des Kampfes zwischen dem ver- schiedentlich reformierten Idealismus Kants und dem ebenfalls um- gestalteten Materiolismus der Aufklärung scheint der Sieg Kant zu gehören. Selbst der große Materialist Helvetius schrieb parodoxer- weise:..Die Menschen sind, wenn ich so sagen darf, die Schöpfer der Materie." Die Philosophie wird niemals wieder so naiv sein, wie zu früheren, schlichteren Zeiten: sie mußte anders und tiefer werden, I weil Kant gelebt hat. \ Billige Wochenendfahrten. 1. Nach Kopenhagen am 18./19. Juli. 2. Wiederholung dieser Reis« am 1./2i AuHuss. Kosten der Fahrt(Bahn unv Schiff) 29 M. 3. Nach der Insel Rügen am August. Kosten der Fahrt (Bahn und Schisf) M. Die angegebenen Preise gelten für die Bahn- und Schiffahrt ab Bertin hin und zurück. Jedem Teilnehmer ist in der Bahn und auf dem Schiff sein Sitzplatz garantiert. Auf dem Schiff wird jede nur mögliche Bequemlichkeit geboten. Liege- stöhle stehen gegen eine geringe Benutzungsgebühr ausreichend zur Verfügung. Jedem bleibt es überlassen, sich selbst zu oerpslegen und Proviant mitzunehmen, also überflüffige Ausgaben zu sparen. Selbstverständlich stehen aber auch Eßwaren und Getränke auf dem Schiff zur Verfügung. Für die Teilnahme werden Gutscheine in Höhe des Kostenbetrag- ausgegeben(bei den Kopenhagen-Reisen auch Karten für zwei Zahlungen a 19 M.). Auf diese Gutschein- karten werden 14 Tage vor Beginn jeder Reise die eigentlichen Teilnehmerkarten misgegeben. Die Gutscheine sind an folgenden Stellen zu haben: Bezirksbildungsausschuß, Berlin SW. 68 Linden- straße 3? Buchhandlung Dietz, Berlin SW. 68, Lindenstr. 2; Zi- garrengeschäst Harsch, Berlin SO., Engolufer 24/25: Bank der Ar- beider,"Angestellten und. Beamten, S. 14, Jnselstr. 6: Zentralver band der Angestellten, SW., Hedemannstr. 12; VorwärtsspedÄionen: N. 65, Müllerftr. 34: N. 58. Greifen ha gener Str. 22: NW., Wil- helmshavener Str. 48: Charlottenburg, Sesenheimer Str. 1: Friedenau, Rönnebergstr. 3; Neukölln, Neckarstr. 2; Stralau-Rum- melsburg, Boxhagener Str. 62. Die Konsumgenossenschaft Berlin und Umgegend teiö mit, d»ß infolge des starken Zuspruchs das Warenhaus I, Berlin S., Oranienftr. 164/165, und das Möbelhau-, Berlin S., Graese- straße 21, von Freitag, den 17. Juli, ab bis auf weiteres nur von 11 Uhr vorm. bis 4 Uhr nachm. geöffnet sind. Zu ZNagistralsschulräten sind gewählt worden: die Rektoren Kellermann von der 16. katholischen Volksschule in der Niederwall- straße und W o y w o d von der 1. Volksschule im Bezirk Tempelhof. Stadtschulrat N y d a h l ist vom 16. Juli ab auf 4 Wochen beurlaubt. Seine Vertretung übernimmt Stadtbaurat Dr.-Jng. Wagner. 3m Zeltlager der Kindersreunde in Blankensee bei Lübeck ist am Sonntag, 19. Juli, Besuchstag. Die Kinderfreunde laden zu diesem Tage alle Parteigenossinnen und Parteigenosien herzlichst ein. | Xlteoier,£i XUealer. LicUlspiele usw. Staatstheater Geschlossen. Abonnements-Einladong für die Spielzeit 1931/32 GreBer Preisabbau, wesentUche Verbesserung einzelner Platzgruppen durch Vorverlegung, sehr bequeme binngs' Zahlungsbedingungen. Anmcldoagen nehmen In der Zeit von 10 bis 2 Uhr entgegen: für die StaalSOper und das Staallidie StbaDSpielhant: Abonnem.-Bflro Oberwanstr.22, Fernsprecher: Merkur 9024, für das StaatL Müllerflieaier: Abonnem.-Böro: Charlottenbg., Qrolmanstraße 70, Femsprecher: Steinplatz 6715. scaQ Bartaroiu 9256 itsi. b o. ai/jü. H. u. H. WIMIum Lee Gall- Entemble tri«, awhlrlwlndi Bob Rlpa Call« Brandt nw, PLAZA Nur b.31 Juli LEHÄR- OPERETTE DAS LAND „ DES LÄCHELNS BETRIEB ,1% KEMPIHSKI�J fußt (Rost spcecheu! Bitte«ehea Sie «leb bei an« an t Nur bis 19, Joll: „Der Herr mit d. Fragezeichen" » fielen: Hermine Sierler Maria West Carl de Vogt Harden, Schweizer Goebel, Altach nl Pah Ute, Wilde Mont bis Sonnb, S" U. Sonntag 2», 5», 9 Uhr unser Sommer- Theater! Wir zdffen: 8 Internationale VarletS-Nammern Bt treten«uf: Latte Werkment«r Carl Braun. Aaflfrdrm Gr. Konzert «.•bds. 816 das Singspiel; „Unter der blfihendenLinde" Wochentags 550 Uhr Soontags 500 Uhr ROSE-THEATER U-Bahn Strausbs- PI- Vorverk. täglich r.l 1-i U.3-9Ü. TeLBcst-E 7 Weich«. 3422 VoiKsbtUmc Theater am Bölowpteti. 8'h Uhr Der Mann de« Schidual« Die Komödie der Irrnngen netropoi-ibeater Täglich SV. Uhr Die Toni aus Wien Mady Christians, Michael Bohnen Man lacht— Man staunt— Man kreischt— Man quietscht— Jeder ist zufrieden im erwarten Somabeid mt Sonntag je 2 IcntiltaiQiB 4 und S" Uhr. 4 Uhr kleine Pr. Komiscae oper Frledrlchttr. 104 «>/» Uhr Franen haben das gern... Moslkal. Schwank vpn Arnold Musik t. Walt Kollo Sommerpr. 0JS0- IM DutidKi Tbuttr 8 Uhr Der Hanptmann von ROpenlik v. Carl Zuckmayer Hegie: Beim Hilpirl Die Komödie Täglich 8»h Uhr Dienst am Konden m Dirt Boii nd Ha Hamen Regie: Hans Poppe Rarfflrstendamin- Theater Bismarck 448/49 | 8V< Uhr"! Die schöne Helena von Ihctnin OtUnDadi Scale: HaxBelBharti Noch einem tatenreiohen Leben ist am 13. Juli in Bad Kissingen unser guter Vater und Großvater Heinrich Königs im Alter von 71 Jahren nach kurzem Leiden sanft entschlafen. Ida Königs Bänder und Enkelkinder Die Einäscherung findet Montag, den 20. Juli, 17 Uhr, im Krematorium Bau mschulenweg statt. iisun GENOSSENSCHAFT BERLIN U: UMGEGEND E. G.M.B.H. PlX1 ,eCnzt die Zunge nach e,n kühlen, erfrischenden Trank Wir empfehlen: Mark Himbeersaft, Kirsciisaft'�nd 0.60 Himbeersaft, Kirsebsaft�n�che 1.30 Himbeersaft, Kirschsaft«. �0 0.95 Himbeersaft, Kirschsaft1/, nasche 0.55 Orangeade........ �0 0.95 Jafforange.... nasche 1.0« und 1.00 Mark Erdbeersaft... �0«.« und 0.85 ApfeiSaft...,, Flasche 1.00 und 0.55 TraUbeilSaft rot und veiB.. Flasche 1.50 Pommiers Apfelsaft Kr..«» 1.45 1 KK FL 8.00, 4.20 I.JJ herb 1 CC FL S.OO, 4.20 InJu Poinmlers Apfelsaft Pommlers Apfelsaft T3f6lW3SS6r bergestollt mit aohtar Wlnshelmer Sola........, Flasche 0.1 5 KG-, Zitronen-, Himbeer-, Maitrankbrause n..«». 0.20 KG-Extra- und Nattabrause............. 0.23 Harrtg riess Är?0. TpES 0.26 Abgabe der Waren nur an Mitglieder, Aufnahmen werden in sämtlichen 38P Abgabestellen der KGB vollzogen. Zum. ThLttoJCdeutscAen.% urutes scAie/ien Schloß SchönhoU Stroßenbohn:**7, 57, 88.119 Vorortbahn. Schbnh.- RcmicKendP. Sauerkirsch- Marmelade beretleo S Opekta Sein«us Früchten gewonnen Rezept 3>/z Pfd. saure Kirschen(oder Schatten- morellen), netto, also entsteint gewogen (jedoch ohne Wasser), gut zerdrückt, mit vorerst 1 Pfd. Zucker zum Kochen bringen. Nachdem es auf der ganzen Oberfläche brausend kocht, noch 7—8 Minuten gründlich durchkochen, dann weitere 2»/, Pfd. Zucker hinzu(aber keinesfalls weniger), nochmals 1-2 Minuten gut durchkochen, Topf vom Feuer, 1 Flasche Opekta „flüssig" zu 95 Pfg., 1-2 Minuten gut einrühren. Auch aus sämtlichen anderen Früchten kann man köstliche Marmeladen mit Opekta bereiten. Es gibt auch Trocken-Opekta, das ist Opekta in Pulverform. Beutelcnen zu 25 und 50 Pfg. Vorsicht beim Opekta-Einkauf. Nicht zu verwechseln mit ähnlich lautenden Bezeichnungen. Opekta ist nur echt mit dem dampfenden 10-Minuten-Topf, OPEKTA-GESELLSCHAFT M'B'H' KÖLN-NIPPES BÜRO FÜR BERLIN: NW, Lüneburger Str. 24. Fernruf Hansa 3443 Klur flrtif in den vor NadiahmunnM Nur echt In den vor Nachahmungen gesetzlich geschützten Streifen» Packungen mit Namenszug. Kaufen Sie immer nur in einschlägigen Geschäften. Dort • wesdäp Säe gut«ad reeäi bedient Am Swnatag. bem 14. 3ull, ent. schlief nach kurzem, schwerem Leiben unser lieber Kollege Karl Struck im 59. Lebensjahre. Wir werben sein Anbenken in Ehren halten. Berlin. 1«. Juli 1931. Die Masdiiaeikaelzer der Firma Ullstein AG. Die Einäscherung finbet am Freitag. bem 17. Juli 1931, mittags 12 Uhr, im Krematorium Wiimersbori statt. Tedesanzelg« Am Dienstag, bem II. Juli,»er- starb im Sanatorium Babolsgriin bei Oberberg mein lieber Mann, unser guter Sohn Reinhold Dibring Dies zeigen tiefbetriibt an fta, Alna DIDring. geb. Sur» au Bermann DlBrlno nnl Praa Di« Beerbiaung finbet am Sonn» l>enb. bem 18. Juli. vorm. 11 Uhr, vom Friebhof Baumschttlenweg, Kies. abenb, bem vom F Holzstrahe, aus statt. Hetallarlieiter-TeniaDil Vervaltangsslelle Berlin Todesanseige. Den Mitgliebern zur Nachricht, baß unser Äollege, ber Arbeiter Berthold Lehmann geb. 27. Dezember 1880, am 14. Juli gestorben ist. Ehre seinem Andenleu! Die Einäscherung finbet am Sonn- abenb, bem 18. Zutt, 16 Uhr, im Are» matorium Baumschulenweg statt Rege Beteiligung wirb erwartet. Die OrtarereraUnng. Reichshallen-Theater Anfang I a| Uhr Sftettiner Sänger vom 16. 7. bis 22. 7. „Alles verrückt!" Sommerpreise. Liößtacteu leomtnem des Nacht«'die Bettwanzen ans ihren schmutzigen iVerstecken hervor, mn Ihnen den erquickenden Schlaf zu rauben.[Vernichten Sie das scheußliche Ungeziefer mit Fht. Flit vernichtet Fliegen, Mücken, Schnalcen, Flöhe, Ameisen, Motten, Bettwanzen, Schaben und deren Eier. Flit-Zerstänbnng ist für Insekten tödlich, für Menschen jedoch unschädlich'. Bequem anzuwenden, fleckt nicht. Verwechseln Sie Flit nicht mit anderen Insektenvertilgungsmitteln, Zerstäubt FLIT vnuiuj/ u o Jedes Wort 12 Pt. MfetadtalntlSH. (loljisig 2 frttgtdniiUi W»rti).- Stt&ngKodie das 1. VHt(fattgadnidrt) Ii«, jaiaswditm Wart 10 Pt. Wart» nit med, ab 15 loMatn dUn flr mi Warta. i verHauie\ Tapete» SAtUci, Äolsnie- |tra%« 9. KleidungssioAa. wasche usw. 3B»«tb getrogen. teil» auf Seide gearbeitet« Zackelta» fiifit, ffrackanHÜae, ©moftnooiuüß«- ©clltocfaruüfl«, Bauchanjllg«.!?rüb- jobt«. unö Sam- mcnnänlel, cril- Nössige neu«©et- berobt zu(tau- uenb billigen Preisen. Gelegenheit»- kauf« in Herren. und Damenuel«n. Leihhaus Louaicki. Prinzensirahe 105, «ine Trenve. Keine _ Lombardware,_ Hon nasalieren wenig getragene und neu« Zackett- anziig«, blau« rein- wollcneTwillanzllge, 33.— an. E molin,- anzsige. Krackan- zitge, Bauchan, ,ilg«, Ulster. Palewt», jede ffigur vastend. Herrenpelze.Damen, velz««norm billig. Leihhau» Friedrich. strasi« 2. Hallesches Tor. Sein« Lom- Hardware. I Mauel"| Patentinatranen .Primissima". Me. tallbetten, iluflege- matrasien. Chaise- longues Walter Stargarderstrasie achtzehn. 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Ringbahnstraße 7, sind gestohlen worden.— Sollten diese Dinge irgendwo als Ausweis benutzt werden, dann sind sie anzuhalten und an das Sekretariat einzuschicken. Unsere Mitglieder werden gleichzeitig dringend er» sucht, mehr auf ihre Mitgliedsbücher zu achten. I. A.: Alex P a g e l s. s- Peginn aller Veranstaltungen IS� Uhr, sofern keine besonder« Zeitangabe! Heute. Freilag. l7. Juli. 11. Kreis. Kreisoorstand-sitzung mit den«bteilnng»Ieitern bei Will, Marti». Luthbr-St«. 6». 32. Abt. Alle Kassenangel.'genherten sind w>m 18. Juki bis 8. August mit den» Genossen Herlitz, Fruckststr. 59, zu«rledigen. 95. Abt. Berichtigung! Bei der beutigen Beisetzung der Aschennrne handelt es sich um den Genossen Karl Pohl, nicht, wie irrtümlich angezebe», Karl Kohl. 117. Adt. Die Plaketten vom Sammerfest Mohlsdorf müssen abgerechnet werden. 119. Abt. Die in Aussicht genommeue Dampftrfahrt om 19. Juli findet nicht ftalt. Bezirksausschub für sozialistische Bildungsarbeik. Arbeitsgemeinschaft Paula Kuegofj. Heut«, IVA Uhr, Linden str. S, Arbeiter. bildungsfchul«. Arbeitsgemeinschaft der Sinderfreunde Groh-Lerliu. Ortsgruppe Köpenick. Freitag, 17. Juli, 17 Uhr, Badeanstalt Gartenstrasie. 5 Pf. imtbringeu. Sonntag, 19. Juli. 8 Uhr vormittags, Bahnhof Köpenick, Treffpunkt zum Wo ldkiudertreffen nach Erlucr. Essen und Trinken für den ganzen Tag mitbringen. Unkosten 40- 50 Pf. Montag, 20. Juli,>49 Uhr vor. mittags. Bahnhof Köpenick, oder 9 Uhr Badeanstalt Gartenstraße, treffen wir uns zum Baden. Krei, Reukälln. Wir finden uns heute um 17 Uhr auf dem Sonneupiatz ein. Bei anhaltendem Regenwetter sind wir Baracke, Gonghoser Straße.— Wcitkindertrefsen. Morgen, Sonnadend, treffen wir un« 146« Uhr am Baßn. Hof Neukölln zur Beteiligung am Welikindcrtreffcn in Zossen. Wimpil und große Fahnen urithringen. 17. Abt. Unser Genosse Kars Grdmann ist im Alter von 66 Fahren am Montag, 13. Juli, verstorben. Die Einäscherung findet am Sonnabend- vormittag, 11% Uhr, im Kcemalorium Eerichtstraße ftalt. Um rege Bc- teiligung bittet die Abteilmtgsloitung. 24. Abt. Am 14. Juli verstarb unser verehrter Genosse Oswald Ruder» mann, Ehodowieckistr. 10, im 62. Lebensjahre. Ehr« jleinem Andenken. Di« Beerdigung findet am Freitag. 17. Juli, 11 Uhr, von der neuen Hall« des jüdischen Friedhofes in Weißensee aus statt.— Am 12. Juli verschied nach schwerem Leiden unser lieber Genosse Arthur A l b i n u S, Marien- burg!c Str. 24, im 57. Lebensjahre. Ehre seinem Andenken. Die Bc- erdignng findet am Sonnadend, 18. Juli. 13ih Uhr, auf dem Zenlralfried» hos in Friedrichsselde statt. Rege Beteiligung wird«rwartet. EfJiB Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Lerlill OT l tw m«nsenbnngen für diese Ttabrtt aar-n da» Fuaendleteeiarlat ■LeU��H Berlin GW 68, Qnderrtieate 3 heule. Freilag. den 17. Juli um 19% Uhr: Moabit I: Waldenser Str. 20:„Gemeinschaftserziehung".— Moabit m: Lehrter Str. 18:„Tagespolitlb'.— Humboldthaiu: Putbusser Str. 3:»Bücher- stunde".— Ballon: Mandlstr. 2:„Arbeitersport und bürgerlicher Sport".— Hclmholtzplatz: Danziger Str. 62: �Lehrvcrtrag und Dfirklichtett".— Weißenlee: Porkstr. 36:„Der Fünfiahresplon".— Wörther Platz: Kastanienallee 82: �Kompfmethoden unserer Gegner".— Andreasplatz I; Brommnstr. 1:„Im Westtn nichts Neues".— Baltenplatz: Tllflter Str. 4/5:„Ein Streifzug durch Berlin".— Franlsnrte« Biertel: Frankfurter Allee 307: ,/Wie mache ich eine Fahrt".— Petersburger Biertel: Ebertnstr. 12:„Im Westen nichts Neues".— stralauer Biertel: Soßlerstraße, Schule:„Wege zum Sozialismus".— Friedenau: Offcnbacher Str. Ha:„Wie wandere ich am besten".— Schöne. berg IV: Hauptstr. 15:„Rußland".— Eharlottenbueg-Rord RF.. Kaiserin. Augusta. Alle« 97b:„Worin besteht in der jetzigen Sttuation die Aufgabe der Arbeiterschaft?"— Makiendors I: Dorfstt. 7:„Bölkcrbuwd und sozialistische Interuationolc".— Maeieudorf II: Morienfelde, Berliner Str. l2:„Faschis- mus".— Neukölln IV RF.: Kanner Strotze:„Worum«AI.?"— Reuköllu VM: Treffpunkt 18 Uhr Sonnenplatz zu Spiel und Sport.— Johannisthal: Rat. Haus:„Wirtschaftliche Aufftiegsmöglächietten des jugendlichen Arbeiters".— Treptow: Elfen str. 3:„Jugend und Partei".— Köpenick II: Dahlwitzer Str. 15: „Tagespelitrschc Fragen".— Lichtenberg-Rorb: Snnterstr. 44:..Tagespolitik". — Hermsdors: Roonstraße, Feuerwehr:„Erste Hilfe bei Unglücksfällen".— Wittenau:„Bon Ingendtagen".— Niederschönhaus«»: Linbenstr. 47:„Tages. Politik".— Lichteuberg-Rordwest: Heimabend fallt aus.— Renkölln VII: Berg- straße 29:„Freitörperkultur".— Fallplatz Ii:' Sonne nburgcr Str. 20:„Der Filnfjohresplau"._ Vorträge, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner„Schwarz-Rol Gold". Sekchäktsstell«: Berlin S. 14. EebaNianstr. 37—38. Hof 2. Tr. Schon ebcrg. Friedenau(Kameradschaft Nollendorft: Sonuobend, »S'w 1«. Juli, 18 Uhr. Antreten Finanzklause, Mllhlenftraße, zur Fahrt nach Potsdam mit Angehörigen. Fahrpreis 1 M.(Mondscheirffahrt). Andere Kameradschaften herzlichst eingeladen.— Reukölln-Britz sIungbanners: Sonn. abend, 18. Juli, 20 Uhr, Antroleu. Ringbahnhof Neukölln, zur Wanderfahrt. Ohne Bundeskleidung. Unkosten 1 M. Neichskaricll»«publik Oft«». Sonntag. 19. Juli, findet auf dem Sportplatz Friodrirtzsseld« das angekündigt« Wrttscheeßen statt. Beginn 10 Uhr. Erscheinen aller aktiven Schützen ist Pflicht. 46. Juli ewoll