Morgenausgabe Ar. 331 A 162 4S.Iahrg uofsen Dr. Oskar Pollak erhalten. Der neue Chefredakteur steht am Ende der dreißiger Jahre, hat den Krieg mitgemacht und war mehrere Jahr« Friedrich Adlers Kollege im Sekretariat der Sozialistischen Arbcitsr-Jnternationole in London und Zürich. Als AuVnpolititer in die Redaktion berufen, hat er auch in allen anderen Re.gorts gearbeitet und die Eignung zu seinem neuen Amt erwiesen, die auch durch Oskar Pallaks Aufsätze rn der wissenschaftlichen Monatsschrift„Der Kamps" dargetan ward«» ist. Amerika gegen Frankreich. Oeffentliche Erklärung in Washington. Washington. 17. Zuli. Das unverrückbare Ziel der amerikanischen Regierung, s o f o r. t i g e und möglichst langfristige Hilfe für Deutschland unter Beiseitefiellung aller nicht notwendigen Einzelheiten, wurde heute von Unterstaatssekretär Castle nach erneuter telephonischer Besprechung mit Stimson und einem langen Vortrag bei hoovcr mit vollster Deutlichkeit erneut betont. Ferner wurden zwei für das kommende Wochenende äußerst wichtige Punkte gänzlich geklärt: Man betrachtet den Besuch des Reichskanzlers Dr. Brüning bei Laoal lediglich als einen Auftakt zu der eigentlichen entscheidenden London er Konferenz und man betrachtet serner die bisher bekannt gewordenen französischen Voraussetzungen für eine Anleihe an Deutschland als„u n- diskutierbaren Versuchsballon". llnterstaatssekretär Castle teilte weiter mit, daß die französische Regierung, wie Stimson telephonisch mitteilte, talsächlich heute snih als Gegenlei ftung Deutschlands für eine in zehn Jahren rückzahlbare. von Amerika. Frankreich und anderen Ländern zu gewährende Anleihe in höhe von 500 Willionen Dollar, etwa verlangi habe, daß die Zolleinnahmcn Deutschlands gepsäu- d e t würden, daß ein Gläubigerausschuß die Verwendung dieser Einnahmen kontrolliere und ein B e st i m m u n g s- recht bezüglich etwaiger weiterer deutscher Ausländsanleihen habe, daß Deutschland seinen wchretat während dieser zehn Jahre nicht erhöhe und daß Deutschland während dieses Zeitraumes keinerlei politische Forderungen stelle, sondern den politischen und geographischen siatus quo respektiere. Castle bemerkte hierzu, hoover habe, als Stimson ihm diese Forderungen mitteilte, erklärt, daß Amerika sie unmöglich diskutieren könne und daß die französischen Staatsmänner nach einer Unterhaltung mit Dr. Brüning selbst einsehen würden, daß sie undurchführbar seien. Oie Meinungsverschiedenheiien inpans Die weitestgehenden Forderungen von Kabinettsmehrheit niedergestimmt. von diplomaiischer Seile wird dem Sozialdemokratischen Pressedienst mitgeteilt: „Die in einem Teil der deutschen Presie anläßlich der Pariser Reise des Reichskanzlers enthaltenen Mitteilungen über Forderungen des französischen Kabinetts an die Reichs- rcgierong sind zum Teil maßlos übertrieben, zum Teil falfchbzw. kombiniert. Richtig ist, daß Frankreich für die Gewährung einer Anleihe bestimmte Garantien wünscht und Drusichland um bestimmte Zusagen p o l i t i s ch c r Art ersuchen wird. Aber es ist weder daran gedacht, die Budgets des Reichs, der Länder und Gemeinden uokcr Kontrolle des wirlschastskomitees des Volke» buudes zu stellen, noch daran, die Gewährung einer Anleihe von einer Finanzkontrolle, wie sie seinerzeit bei der Annahme de» Dawes- Plans eingeführt wurde, abhängig zu machen. Ueberhaupt stellt das von der französischen Regierung am Donnerstagabend festgelegte Programm nur eine Verhandlungsgrundlage dar, das nach heftigen wciuungsverfchiedcnheiten innerhalb des Kabinetts zusiandegekommen ist." Dazu ist zu bemerken, daß die wiilcilungen der deutschen Presse über die Forderungen des französischen Kabinetts aus Ausführungen französischer Blätter zurückzuführen sind. wahrscheinlich haben die von ihnen wiedergegebenen verschiedenartigen Informationen ihren Ursprung in den Meinungsverschiedenheiten der französischen Kabinetlsmilglieder. England gegen Mnanzkonirotts. Loudon, 17. Juli.(Eigenbericht.) In politischen Kreisen Englands werden die französischen Forderungen, wie sie in der Presse erhoben werden und von deren Annahme die Gewährung einer deutschen An- leihe abhängig gemacht werden soll, viel besprochen. Die Mit- teilungcn haben eine Dämpfung der optimistischen Beurteilung, wie sie am Freitagvormittag bei den Politikern und in der City vorherrschte, bewirkt. Der Gedanke einer Kon- trolle der deutschen Zolleinnahmen wird nicht nur als für Deutschland unannehmbar angesehen, sondern auch vom englischen Standpunkt aus verworfen. England will zwar, wie das jeder Gläubiger wünscht, für das Geld, das es ausleiht, eine Sicherheit haben, eine ausländische Finanzkontrolle aber scheint für England mit der deutschen Souveränität unvereinbar zu sein. Der englische Ministerpräsident ließ sich am Freitagnachmittag von dem Gouverneur der Bank von England über den Standpunkt der englischen Wirtschaft zur G e w ä h r u ng e i n e r A n lc i h e an Deutschland unterrichten. Frankreich hat nach London noch nicht zugesagt. Paris, 17. Juli. Die internationale Konferenz, die am Montag in London eröffnet werden soll, hat bis zur Stunde nach einer Mitteilung der gewöhnlich gut unterrichteten„Information" noch nicht die offizielle Zustimmung Frankreichs gesunden, während alle übrigen Regierungen die englische Einladung angenommen haben, will Frank- reich seine Teilnahme von dem Perlauf der bevorstehenden Pariser Besprechungen abhängig machen. Reue Notverordnungen. Gegen die Kapitalflucht. Zochthausdrohong gegen Kapitalschieber. Die Verordnung der Reichsrcgieruug über die Kapitalflucht ist in' ihren Gruudzügeu fertiggestellt. Sic wird wegen redaktioneller Rcbcrarbeitungen jedoch erst am Sounabendvormillaz verösfcnklichk. Die Verordnung enthält eine allgemeine Aufforderung zur An- gäbe von ausländischen Guthaben und sagt den- jcnigca Kontoinhabern, die ihre Konten in einer bestimmten Frist angeben. Slrasfreihcil zu. wer jedoch trotz dieser Aufforderung seine ausländischen Guthaben verschweigt, kann außer mit hohen Geldstrafen, mit Gesüngui» bzw. Zuchthaus uod Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte bestrast werden. Die Verordnung soll zugleich die Möglichkeit vorsehen, mutmaßliche Kontoinhaber zn eidesstattlichen Versicherungen zu veranlassen. Die Lockerung der Banksperre. Die in Aussicht gestellte Verordnung über die planmäßige Lockerung der Bautsperre wird cbcufalls erst am Sonnabend verössentticht. Sie gibt dein kleinen Sparer die Möglichkeit, in der kommenden Woche von seinem Guthaben bi» zu 20 Mark abzuheben. Von den größeren Guthaben, deren Grenze in der Verordnung festgesetzt ist. können in den nächsten acht Tagen täglich je 2000 Mark abgehoben werden, während der Barvertehr von Bank zu Bank einen Betrog von 15 000 Mark am Tage nicht übersteigen soll. Die Reichsrcgierung plant ferner eine Verordnung, nach der jeder deutsche Kurgast, der ins Ausland reift, beim Grcuzüberlritt— der kleine Grenzverkchr wird ausgenommen— einen Betrag von 100 Mark an die Zollbeamten zu entrichten hat. Da jedoch gegen eine solche Maßnahme starke Bedenken bestehen, wird sie erst noch einmal überprüft werden. Eine solche lleberprüsung scheint uns d r i n g end geboten. Denn es geht nicht an, ein Ausreiseprivileg für diejenigen ein- zurichten, denen an einem Hundertmarkschein mehr oder weniger nichts liegt. Die Kapitalslucht wird man durch eine solche Bestim- mung gewiß nicht hemmen, denn wer Tausende ins Ausland bringen will, dem kommt es dabei auf hundert Mark wenig an. Dagegen werde« die zahlreichen proletarischen Reisenden, die heutzutage mit mühevoll zusammengesparten Groschen und auf aller- billigsten wegen ins Ausland gehen, um ihre Weltkenntnis zu er- mritern und der Völkerverständigung zu dienen, in brutaler weise an ihrem Vorhaben gehindert. Solche hörten müssen vermieden werden, wenn man nicht ganz nutzlos neue Erbitterung schaffen will. Reue presteverordnung. DerfthSrfier Benchtigungszwang.- Derfchärfie Verbots- bestimmungen. Der Reichspräsident hat am Freitagabend zur Bekämpfung politischer Ausschreitungen folgend« Rotoerordnuog erlassen: Auf Grund des Artikels 4S Absatz 2 der Rcichsvcrfasiung wird für das Reichsgebiet verordnet: ß 1. ver verautworllichc Schriftleiter einer periodischen Druckschrift ist verpflichtet, aus Verlangen der obersteu Reichs- and Laadcsbehördea oder der vou ihnen bestimmten Stelleu Kund» gebuugcu sowie Eutgcguuogea auf die in der period». scheu Druckschrift mitgeteilten Tatsachen ohne Einschaltung oder weglasiung unentgeltlich aufzunehmen. Ver Abdruck hat unverzüglich, bei Tageszettuugeu spätestens in der nach Eingang der Kundgebung oder Cutgeguung nächstfolgenden, für den Druck nicht bereits abgeschlosseueu Rümmer zu erfolgen. Die Kundgebung oder Entgegnung ist au der vom Einsender bestimmten Stelle, mit der von ihm bestimmten llebcr- schrift und in der von ihm bestimmten Schrift zum Abdruck zu bringen. Eme Stellungnahme zu einer Entgegnung in der glcicheu Rummer ist unzuläsiig. § 2. Druckschristen, durch deren Inhalt die öffentliche Sicherheil und Ordnung gefährdet wird, können polizeilich beschtaguahmt uud eingezogen werden. Periotüschc Druckschristen können verboten werden: 1. wenn der Vorschrift des§ l zuwidergehandelt wird oder 2. wenn durch ihreu Inhalt die öffentliche Sicherheit und Ordnung gefährdet wird. Die Vorschriften des 8 12 Absah 2. Z. 8 lZ. 8 lS Absah 1 der Verordnung zur Bekämpfung politischer Ausschreitungen vom 28. März 1931(Reich« gesehblatt Seile 79) gelten entsprechend. 8 3. Diese Verordnung tritt mit dem Tage ihrer Verkündvng in Kraft. Aktienrechtsreform durch Notverordnung. Unter Führung des Justizministeriums find die beteiligten Reichsministerien dabei, die seit Jahren erörterte Aktienrechts- reform auf dem Wege der Notverordnung vorzubereiten. Mit der Vorlegung des Projektes ist bereits in der nächsten Woche zu rechnen. Oer amtliche Devisenkurs. Die Technik des jetzigen Oevisenverkehrs. Die von der Rcichsbank am F r e i l a g festgesetzten Devisen- kurse weisen gegenüber dem Donnerstag nur ganz unwesentliche Veränderungen auf. Der Dollar wird mit 4,2130 M. bezahlt, das englische Psuud mit 20,48 M. und der französische Franken (100 Franken) mit 16,55 M. * Bei der jetzt durchgeführten Zentralisierung des Dcvijenverkehrs in Deutschland ist die Reichsbank die einzige Stelle, die Devisen abgibt. Um jede Spekulation zu verhindern, ist der freie Devisen- markt auf Grund der Notverordnung vom IS. Juli abgeschafft. Technisch vollzieht sich der Zahlungsverkehr mit Devisen derart, daß die wirtschaftlichen Unternehmungen, die Devisen zur Bezahlung van ausländischen Rohstoffen, Lebensmitteleinsuhren usw. benötigen, die entsprechenden Beträge bei der Reichsbank anfordern. Um irgendwelche Deoisenschiebungen zu verhindern, werden diese Unter- nehmen gezwungen, der Rcichsbank genaue Unterlagen über ihren wirtschaftlich notwendigen Bedarf vorzulegen. Wer diesen Nachweis erbringen kann, erhält die Devisen zu den amtlich f e st g e st c l l t e n Kursen, die, wie die gestrigen Notierungen zeigen, van den normalen Devisenkursen nur ganz geringfügige Abweichungen ausweisen. Wie wir hören, sind sür die Wiener Arbeiter-Olympiade Maß» nahmen getroffen, die für die Teilnehmer jegliche Schwierigkeit ausschließen. 3?r. 331» 48. Jahrgang *1. Beilage des Vorwärts Sonnabend, 18. Zuli 1931 Das 25-Pfennig- Wochenende Eine Vier-Secn-Wanderung— Rund um Schmöckwitz Schmöckwitz war einst eine Siedlung der Wenden, die den Platz geschickt zwischen dem Langen See, dem Z e u t h c n c r und dem Seddinsee mitten in dem weiten Waldgebict der Over- sprcc gewählt hatten. Fischsang. Jagd und ein wenig Ackerbau waren damals die Hauptbcschästigung seiner Bewohner. 5)cutc fahren die Eisenbahnen bis Schmöckwitz und die S t r a tz e n b a h n- l i n i c 8 6, aus die man, wenn man von der Innenstadt herkommt, in Köpenick, Schloßplatz, umsteigen kann, hinaus in das einstige Fischerdorf, das heute ein Teil des großen Berlin ist und zum ilb. Berliner Verwaltungsbezirk gehört. Die Fahrt von Grünau aus mit der Linie 86, der„Ufer- bahn", gehört wohl zu den reizvollsten im Gebiete des Berliner Straßcnbahnnctzcs. Allerdings muß man sich hüten, diese Bahn in den.szauptverkehrsstunden zu benutzen. Dann zeigt sie sich, trotz Zahlreicher Einsatzwagen, dem Ansturm der Ausflügler nicht mehr gewachsen. Daher gilt es, immer wieder den Rat zu befolgen, früh- zeitig an die heimfahrt zu denken. Bald nach dem Passieren des Bahnhofs Grünau erreicht die Bahn das Ufer des Langen Sees und gleitet nun zwischen See und Wald dahin. Sic fährt am Zweifel- haften Sportdcnkmal und bald darauf am Freibad Grünau vorüber. Auf der anderen Seit- des Wassers grüßen die Müggcl- berge mit ihren beiden Wahrzeichen, dem hölzernen Mllggclturm und der steinernen Bismarckwarte. Bald ist R i ch t e r s h o r n er- reicht, dessen Bootshaus vor einigen Jahren ein Opfer der Flammen wurde. Wohl an 100 Sportboote gingen damals verloren. Auch das chauptgebäudc wurde vom Feuer beschädigt. Bis Karolinen- h o f folgt die Bahn dem Wasserlauf der„Wendischen Spree", dann biegt sie rechts ab und erreicht alsbald die große Heerstraße, die sast schnurgerade vom Zentrum Berlins, etwa vom Schulzc-Delitzsch-Park aus in der Nähe der Prinzenstraßc bis nach Schmöckwitz führt. An der alten Schmöckwitzcr Kirche, der sich ein bescheidener, aber gut- gepflegter Kirchhof anschmiegt, ist die Fahrt beendet. Wer das Wandern liebt, sollte diesen Weg auch zu Fuß machen. Man kann bis Richtcrshorn am Wasser wandern, dann biegt man vorteilhost rechts in den Wald und geht bis zur Lake, einem verlandeten See, der jetzt aber nicht zu betreten ist. Man folgt dem Rande der Lake, die kurz vor Karolinenhof ihr Ende erreicht, und kann dann auf der erwähnten Straße oder durch den rechts angrenzenden Wald bis Schmöckwitz gehen. Wir gehen nun zur Schmöckwitzer Brücke. Hier bieten sich herrliche Ausblicke. Im Süden der Zeuthen er See, die Funktürme von Königswusterhausen und der spitze Kirchturm von Zeuthen. Links der waldbcdcckte Rauch- fangswerder, an dessen Ufern sich an warmen Tagen ein mun- tcres Badctreiben entwickelt. Im Norden zwei kleine Inseln, dzr W e i d c n w a l l und das W e r d c r ch e n, die Pravitbesitz sind und an der Grenze zwischen dem Seddinsee und dem Langen See liegen. Ungezählte Sportboote ziehen ihre Bahnen in dem ewig . unruhigen durch Motorboote und Dampfer.aufgewühlten WAsscr. Kurz hinter der Brücke biegt links ein Weg ab, der zur Seddin- Promenade führt. Wir folgen diesem idyllischcnl"baümübcr- dachten Pfad bis zum Spree— Oderkanal. Zuweilen lassen die Sträuchcr einen Blick auf die Seen, die Mllggelbcrge, auf den Gosener Berg frei. Dann folgen wir dem Kanal, lassen die Brücke links liegen und gehen in der Richtung auf Wernsdorf, bis der Weg rechts abbiegt und zu der kleinen Siedlung führt. Wernsdorf gehört bereits zum Kreise Beeskow-Storkow und hat durch seine Schlcuscnanlagen eine gewisse Berühmtheit erlangt. Wenig bekannt ist, daß das Wasser für den Spree— Oderkanal durch Pumpen von der Spree bzw. der Oder zur Kanalhöhe hinaufgeschafft werden muß, um die Berdunstungs- und Bersickerungsverluste auszugleichen. Nördlich der Schleuse liegt der W e r n s d o r f e r See, der immer mehr zu einem verwunschenen Schilfparadies wird und dessen Ber- landung ständig fortschreitet. Südlich von Wernsdorf dehnt sich der C r o s s i n s c e. Wer weniger begangenes Gebiet liebt, möge wieder Am Seddinsee über die Brücke zurückgehen und dann auf dem Rauchfangswerdcr, der auch Schmöckwitzer Werder genannt wird, den Ufern des Crossinsccs Zolgen, um später am Ufer des Zeuthener Sees cnt- lang zu wandern und nach Schmöckwitz zurückzukehren. Weglänge ab Schmöckwitz etwa 13 Kilometer. Feuer auf dem Magerviehhof. Ein gefistsrllöher D'ö'ch st'ü h lö r'ö n d" bräch gestern abend im Maschinen?«»'*«».'- M-n ef&rvii«vein* TsJ r i c dr i ch s- selbe aus. Die Feuerwehr eilte mit drei Löschzügen unter Leitung des Branddirektors Gamincr an die Brandstätte. Die Situation war in der Zwischenzeit außerordentlich bedrohlich geworden, da starker F u n k c n f l u g die angrenzenden Gebäude gefährdete. Das Dach- g e s ch o ß des Maschinenhauscs mit Einricksiungsgegcnständen brannte in einer Ausdehnung von etwa 100 Quadratmeter völlig a» s. Aus vier Schlauchleitungen mußte nahezu zwei Stunden lang Wasser gegeben werden, che es gelang, das Feuermeer cinzu- dämmen. Die E n t st c h u n g s u r s a ch c des Brandes ist nach ungeklärt. Neuer Bankraub. Die Täter mit 3000 Mark entkommen. Gin dreister Naubüberfall wurde nuf die Filiale der Commerz- und Privatban k in F ü r st c n b c r g in M e et 1 c n b u r g verübt. Zwei maskierte und mit Pistolen bewaffnete Männer drangen dort ein und er- beuteten eine srlnvarzlcdernc Tasche, die 3000 Mark enthielt. Mit der Beute sind sie geflüchtet und entkam- m c n. CS besteht die Vermutung, daß es sich um Berliner Verbrecher gclmndclt hat. Cb die Räuber ein Sluto zur Verfügung hatten, steht nicht fest. Die Filiale der Bank liegt in der Nähe des Bahnhofes. An die Geschäftsräume schließt sich die Privatwohnung des Bankvorstchers S e e d o r f an. Er hatte mit seiner Frau am Donnerstagnachmittag einen Spaziergang unternommen und kehrte gegen 8% Uhr zurück. Während die Frau in der Privaiwohnung verblieb, begab sich See- darf nach dem Geschäftszimmer, um dort noch Abrechnungen fertig- zustellen. Kurz vor 9 Uhr klingelte es an der Eingangstür der Wohnung, und Frau Scedorf öffnete selbst. Bor ihr stand ein mos- kierter Mann, der sofort den Fuß zwischen die Tür schob und die erschrockene Frau mit der Pistole bedrohte. Bon dein Schrecken überwältigt, brach die Frau ohnmächtig zusammen. Der Maskierte ging dreist durch die Wohnung hindurch, gefolgt von seinein Kom- plizcn, der nach ihm eingetreten war. Jin Kassenzimmer bedrohten beide Scedorf mit den Waffen, einer ging an den offenen Schrank heran und bemächtigte sich der Tasche, die 3000 Mark enthielt. Die Bankfiliale hat keine» tclephonischen Anschluß, und so war es See- dorf nicht möglich, sogleich die Polizei zu alarmieren. Er mußte sich auch um seine erkrankte Frau bemühen. Eine spätere Suche, die von der Ortspolizei unternommen wurde, verlief erfolglos. Bon dein llebcrfall ist auch das Berliner Raubdczcrnat verständigt worden und hat die Rachsorschungen aufgenommen. Der eine der Täter ist vermutlich der Mann, der am Nachmittag in der Bank einen Fünfzigmarkschein wechseln wollte und dabei die Gelegenheit aus- kundschaftete. Die Täter werden beschrieben, der erste' ctnxi Ende der Zwanziger mit dunkler Schicbermütze und dunklem Regenmantel. Der zweite: etwa i,7.Z Meter groß mit Heller Mütze und Hellem Mantel. Beide hatten s ch w a r z s c i d c n c Masken vor den Gesichtern. Die Tasche in den Aalfängen gefunden. Am Frcitagvormittag meldete sich bei der Polizei in Fürsten- bcrg ein Fischer meist er, der die leere Geldtasche abgab. Er hatte sie gefunden, als er nach seinen A a l f ä n g e n sehen wallte. Einer der Räuber muß sie also,-- nachdem er das Geld heraus- genommen hatte, meggcworsen haben. Vaiermord eines Sechzehnjährigen. Essen. 17. Juli. Eine furchtbare Bluttat spielte sich in einem hapse in der Kap- sladtstraße ab: Der Ibsährige- Arbeitslose Johann Th e i s brachte feinem im Bett liegendem 4Zjährigen Vater mit e i tt e m Beil mehrere Schläge bei, von denen jeder einzelne tödlich gewirkt haben muh. Der Täter stellte sich kurz daraus selbst der Palizei. Der Ermordete hatte seinem Zungen wiederhast heftige Vorwürfe gemacht, weil er abends oft spät nach Hause kam und sich in Wirtshäusern aufhielt. Im Institut für Sexualwissel, schast findet der nächste sexual- wissenschaftliche Frageabcnd an, Montag, dem 20. Juli, abends 8 Uhr, im Ernst-Hneckel-Saal, In den Zelten 9a(Eingang Garten- portal), statt, llnkastenbeitrag 0,20 93?., Erwerbslose die Hälfte. Vöde I. ILF UND F. PETROW Alle liefen, einander stoßend, auf den Dampfer und stiegen in den kühlen Ziehungssaal hinab. Nach Prüfung der Siegel auf der Maschine wurde ein Kind aus dem Publikum ausgewählt. Die Trommeln mit ihren Glasfenfterchen blitzten, drehten sich und hielten inne. Ein barfüßiger Knabe versenkte zögernd seine Hand in jeden Zylinder, der Reihe nach, nahm die zigarcttcnähnlichen Papierröllchen heraus und übergab sie den Mitgliedern der Kommission. Der Ziehungsapparat zeigte mechanisch die Ziffernkombi- Nationen an. Die Räder drehten sich, man rief die Num- mern aus. Oftap lief auf einen Augenblick in den Saal hinein, überzeugte sich, daß alle Passagiere des Dampfschiffs im Ziehungs- saal waren, und lief wieder auf Deck. „Worobjew", flüsterte er,„ich habe eine wichtige künstle- rische Mission für Sic. Stellen Sie sich beim Ausgang des Korridors der ersten Klasse auf und bleiben Sie da stehen. Wenn jeinand kommt, so beginnen Sic laut zu singen." Der Alte stlitzte.„Was soll ich denn singen?" „Jedenfalls nicht: Gott behüte den Zaren. Etwas Leiden- schaftliches—„Acpfelchcn" oder„Das Herz der Schönen". Aber gnade Ihnen Gott, wenn Sie ihre Arie nicht rechtzeitig intonieren!... Das ist kein Expcrimenticrthcatcr! Ich werde Ihnen den Kopf abreißen!" Der große Kombinator klatschte mit den Füßen und tief in den Gang, der mit Wcichselholz getäfelt war. In einem großen Spiegel spiegelte sich einen Moment lang seine Gestalt. Er las das Schild an einer der Türen: Nik. Sestrin. Re- gisfeur des Kölumbus-Thcatcrs. Die Gestalt im Spiegel verschwand. Dann erschien der große Kombinator wieder darin. Er hielt einen Stuhl mit gebogenen Beinen in der Hiand. Er lief durch den Gcng, kam auf das Deck hinaus, �ah Worobjew an und lr'g den Stuhl zum Berschlag des Steuermanns. Es war niemand in dem Glashäuschcn. Ostap trug den Stuhl hin und sagte HÄchnzch? t&x; bisUG Nächst Merbeu. 3chk habe alles überlegt. Hierher kommt niemand außer uns. Decken wir den Stuhl mit Plakaten zu, und sobald es dunkel wird, schaun wir sein Inneres nach." Eine Minute später war der Stuhl mit Holztafeln und Stoffen bedeckt und nicht mehr zu sehen. Worobjew wurde wieder vom Goldfieber gepackt. „Warum können wir ihn nicht in die Kajüte tragen?" fragte er ungeduldig.„Wir könnten ihn sofort untersuchen. Und wenn wir die Brillanten finden, gehen wir gleich ans Ufer." „Und wenn wir sie nicht finden? Was dann? Was werden wir mit dem Stuhl machen? Sollen wir ihn dann vielleicht dem Bürger Sestrin zurücktragen und sagen: Eni- schuldigen Sie bitte, wir haben Ihren Stuhl gestohlen, zu unserm Bedauern aber haben wir nichts darin gefunden: also bitte, da haben Sie ihn wieder, leicht beschädigt. Wollen Sie das so machen?" Der große Kombinator hatte wie immer recht. Worobjew kam vor Beschämung erst zu sich, als er auf Deck die Ouvcr- türc auf den Kannen und Bierflaschen spielen hörte. Die Ziehungsopcrationen waren für heute beendet. Die Zuschauer saßen am User und gaben gegen alle Erwartung geräuschvoll ihrer Befriedigung über das Ncger-Ensemblc Aus- druck. Galkin, Palkin, Malkin, Tschalkin und Salkind hatten stolze Mienen, als wollten sie sagen: Seht ihr! Und ihr hobt behauptet, daß die breiten Massen es nicht verstehen werden! Die Kunst findet immer Bcrständnis. Hierauf spielten die Kolumbus-Schauspieler auf der im- provisierten Bühne ein kleines Baudeville mit Sang und Tanz, das davon handelte, daß Wawila fünfzigtaufend Rubel gewann und was das für Folgen hatte. Als zweite Nummer trat der Balalaikavirtuose auf. Sein Anzug und der Scheitel, der da» Haar kerzengerade zerschnitt, forderten Mißtrauen und ironische Ausrufe heraus. Der Virtuose setzte sich nuf die Bank, schab seine Krawatte zurecht und begann in langsamem Tempo eine Liszt-Rhapsodic zu spielen. Er beschleunigte allmählich den Rhythmus und erreichte den Kipfel der Balalaikatechnit.'Die Skeptiker wur- den besiegt, man fühlte aber keinerlei Enthusiasmus. Hierauf spielte der Birtuose ein Volkslied. Das Ufer erblühte in Lächeln. Die Balalaika kam in Bewegung. Sie flog hinter den Rücken und man vernahm von dorther:„Wenn ein Herr eine Kette hat, hat er noch lange keine Uhr." Sie flog in die Luft, und mährend ihres kurzen Fluges wurden ihr eine Reihe der schmier' gsten Variationen entlock'. Dann kam die Reihe an Georgette Tiraspolsky. Sie führte eine Herde junger Mädchen in Kopftüchern mit sich. Die Vorführungen endeten mit rujfljchcn NaUonaltanzen, Wieder brüllte der Dampfer, und die Sonne floh er- schrockcn hinter Wolken. Die zweite Nacht brach an. Der Wirtschaftsverwalter kam zum Kapitän. Hinter ihm schritt der technische Direktor der Brillantenunternchmung. „Das ist unser Maler", sagte der Wirtschaftsverwaltcr, „wir müssen ein Transparent an der.Kommandobrücke bc- festigen. Kann man dieses Transparent an der Kommando- brücke befestigen? Bon da aus wäre es nach allen Seiten hin sichtbar." Der Kapitän aber verbat sich kategorisch jegliche Verzierung der Brücke. „Sie könnten es ja daneben anbringen." Der Wirtschaftsverwalter wandte sich an Ostap:„Paßt es Ihnen, Genosse Maler, neben der Kommandobrücke?" „Jawohl", sagte Ostap mit einem Seufzer. „Also bitte! Beginnen Sie gleich morgen früh mit der Arbeit." Ostap dachte mit Grauen an den Morgen. Er sollte die Gestalt eines Sämanns, der Obligationen sät, aus Pappen- decket herausschneiden. Diese künstlerische Prüfung war zu schwer für den großen Kombinator. Wenn er auch mit den Buchstaben irgendwie zurechtkam, so war er total unfähig, den Säer auszuführen. „Ich mache Sie darauf aufmerksam", sagte der Dicke, „ich werde mit Waßjakow die Abendziehungen machen und wir können ohne Transparent nicht arbeiten." „Seien Sie beruhigt", sagte Ostap und sein Interesse galt mehr dem heutigen Abend, als dem morgigen Tag,„das Transparent wird fertig werden." Eine windige sternenhelle Nacht senkte sich auf den Dampfer nieder. Die Insassen der Zichungsarche schliefen ein. Die Löwen der Ziehungskommission schliefen. Es schliefen die Lämmer der Kanzlei, die Böcke der Buchhaltung und die Kaninchen der Kassa. Nur das saubere Paar schlief nicht. Der große Kombi- nator trat eine Stunde nach Mitternacht aus der Kajüte. Der stille Schatten des treuen Kissa folgten ihm. „Eines von beiden", sagte Ostap,„entweder oder." Sic stiegen auf das Oberdeck hinauf und näherten sich geräuschlos dem Stuhl, der mit Holztafeln bedeckt war. Ostap nahm vorsichtig die Tafeln ab, stellte den Stuhl auf die Beine, biß die Zähne zusammen, löste den Ueberzug mit einer Zange los und fuhr mit der Hand unter den Sitz. Der Wind lief über das Deck. Am Himmel leuchteten die Sterne. Tief unten zu ihren Füßen plätscherte dos schwarze Wasser. Die Ufer waren nicht zu sehen. Worobjew erzitterte wie im Fieber..,Da ist es!" sagte Ostap mit erstickter Stimme. l�Halleu Sie esT.(Fortsetzung folgt.)< Der Eindringling aus China. Die Wollhandkrabbe ist auf dem Rückzüge. Seit einiger» Iahren klagen die Fischer in allen deutschen Flüssen bis nach Mitteldeutschland hinein über das Ueberhand- nehmen der großen und massigen Wollhandkrabben, die den Netzen und Fanggeräten beträchtlichen Schaden zufügen sollen. Auch in der Spree sind diese unerwünschten Gäste aufgetaucht; sie verfügen über eine außerordentliche Lebenszähigkeit und geradezu ungeheure Ausdauer bei Landwanderungen. Von diesen Eigen- schaften legten sie eine Prob: ab, als sie dem industriell verjauchtcn Spreewasser entstiegen und die steilen Böschungen hinaufwanserton, wo sie dann von einer schau- und beutelustigen Menge mit Stöcken erschlagen wurden. Diese Wollhandkrabben stammen aus China, von wo sie:>zch Europa eingeschleppt wurden und jetzt unsere Küsten» u.'d Linnen- gewässer bevölkern. Hierbei ist eigentümlich, daß sie im Bereich der Ostsee und den ihr zufließenden Gewässern noch nicht heimisch ge- worden sind, während das gesamte Nordsecgebiet von ihnen durch- setzt ist. Nach den wissenschaftlichen Befunden über die Schädlichkeit der Wollhandkrabben und die Maßnahmen zu ihrer Vertilgung scheinen zunächst die Befürchtungen über eine Behinderung dcr Fischerei oder gar über deren Lahmlegung etwas stark übertrieben zu sein. Andererseits sind die Klagen der Fischer namentlich in den Unterläufen der Flüsse nicht unberechtigt. Die Fischerei- biologische Abteilung des zoologischen Staatsinstituts in Hamburg hat jetzt eingehende Forschungen über die Wollhandkrabben und ihre Verbreitung angestellt und dabei ist diese Forschungsstelle zu iem Ergebnis gekommen, daß ihr Hauptvcrbreitungsgebiet nicht das Süßwasser, sondern die mäßig salzige Brackwasserzonc ist. Vor ollem wurde aber festgestellt, daß die Wollhandkrabben für ihre Fortpflanzung immer das Salzwasser aufsuchen. Das bedeutet aber, daß sie eine Rückwanderung aus den Binnen wässern in die Seewasserzone antreten und auf die Dauer lich im Süßwasser nicht aufhalten und vor allem nicht vermehren können. Dieses wichtige Forschungsergebnis ist immerhin ein Trost, denn das massenhafte Auftreten dieser Riesenkrabbcn in unseren Flüssen hatte den Fischerkreiscn nicht ohne Grund eine neue Sorge l ereilet. Wenn also die Wollhandkrabben schließlich doch nicht«o-.efährlich sind, wie es ursprünglich schien, und wenn sie trotz>hrer vieU gerühmten Widerstandsfähigkeit auch das Spreewajser v'cht vir- tragen können, so sind sie doch lästige und unbrauchbare Gesellen. Ihr Import aus dem fernen Osten ist der deutschen Fischerei jedenfalls sehr unerwünscht gewesen und der Abwehrkampf hat bereits auf der ganzen Linie begonnen. Neuantagen im Volkspark DReHberge. Das Wunderwerk aus Sanddünen. Nachdem erst kürzlich Berlins jüngste Grünanlage, der Dolkspark Mariendorf, seiner Bestimmung übergeben wurde, sind jetzt auch weitere Neuanlagen des im Jahre 1929 eröffneten Volks- parks Rehbergc dem Publikum zugänglich gemacht worden. Sämt- liche Arbeiten wurden ausschließlich mit Hilfe von Wohlfahrtsarbei- tern durchgeführt. Der Volkspark Rehberge, eine der größten Park- anlagen Deutschlands, ist mit seinem Wassersportplatze und den Uferwegen am Plötzensee 118 5)ektar- groß. Wie erinnerlich, sind die Neuanlagen aus Sanddünen erstanden, auf denen sich früher einmal märkische Kicfernwaldungen ausbreiteten. Die prächtigen Anlagen wurden durch einen neuen Uferweg bereichert, der sich am Plötzcnscc in schönster landschaftlicher Umgebung entlangzieht und der von herrlichen Blumen umrahmt ist. Eine neue Teichanlage wurde ebenfalls geschaffen, die von vielen Vögeln bevölkert wird. Dcr Volkspark Rchberge trägt— wie der Volkspark Mariendorf— in idealer Weise allen Anforde- rungen der erholungsbedürftigen Großstadtbevölkerung Rechnung. Buddelplätze und Planschbecken, Wiesenflächen und Sportplätze, ein modernes Sporthaus, ein Tanzplatz für gymnastische Uebungen und Volkstänze stehen neben abtpcchslungsreichen Wegen für den Spazier- gängcr zur Verfügung. Raus aus Verlin! Reichshauptstadt verliert in einem hawen Jahr fast 30000 Einwohner. Wenn sich im vergangenen Jahr 1930 in der Bevölkerungs- entwicklung der Reichshauptstadt nach jahrelanger Zunahme die Einwohnerschaft auf Grund der Wanderungsgewinne erstmalig in- folge des Ueberschüsses der Fortziehenden über die Zugezogenen ein Wanderungsverlust von rund 8S00 Personen ergab, so hat die Ten- denz des Wegzugs aus Berlin im Laufe der ersten sechs Monate dieses Jahres einen neuen verstärkten Impuls erfahren. Nach den jetzt vorliegenden Ermittelungen des Städtischen Statistische» Amts belief sich der Zuzug nach Berlin in der Zeit vom 1. Januar bis 30. Juni 1931 auf insgesamt 113 342 Personen, denen aber ein weit stärkerer Strom von Fortziehenden— insgesamt 136 384 Personen— gegenüberstand; dcr sich aus der Wandcrungsbewcgung ergebende Unterschied bedeutet für die Stadt einen Einwohneroerlust von 23042 Per- s o n e n. Die Ursachen für die verstärkte Abwanderung aus der Reichshauptstadt stehen— abgesehen von dem durch Ver- setzung von Beamten usw. entstehenden Verlust— in ursächlichem Zusammenhang mit der zunehmenden Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage weiter Schichten der Bevölkerung und den geringer werdenden Verdienstmöglichkeiten infolge dcr an- haltenden Arbeitslosigkeit, Hemmend auf den Zuzug mögen auch die wiederholt veröffentlichten Warnungsplakate vor dem Zuzug in die Rcichshauptstadt gewirkt haben. Die Einwohnerzahl Berlins beläuft sich damit auf Grund der vorläufigen Zahlen am 1. Juli 1931 auf 4302400 Personen gegenüber 4 332 000 am 1. Januar 1931; der Gesamtrückgang dcr Bevölkerung beträgt somit 29600 Personen. Neben dem durch Abwanderung bedingten Einwohnerverlust(23 042) weisen die natürlichen Faktoren der Bevölkerungsbewegung— Geburt und Tod — schon seit langer Zeit in Berlin eine negative Tendenz auf, d. h. der Stcrbcübcrschuß ist größer als die Zahl dcr Geburten, so daß sich zusammen mit dem Fortzugsiiberschuß ein Einwohnerrückgang um rund 29 600 Personen ergibt. Martyrium eines Kindes. Schnelljustiz durch Hausbewohner. Durch das energische vorgehen eines Meters hat die Kriminalpolizei von den schrecklichen Mißhandlungen erfahren, die ein kleines Kind erdulden mußte. In einem Hause in der Marienburger Straße wohnt ein 24 Jahre altes Mädchen, das Mutter von drei außerehelichen Kindern ist. Das eine ist im Waisenhause untergebracht, die beiden anderen, darunter die 2','j Jahre alte Tochter Anita, hat die Mutter zurückgeholt, um die Unterstützungsgelder zu bekommen, Bei ihr haust in dcr Wohnung auch ihr jetziger Bräutigam. Dem Paar war das kleine Mädchen anscheinend im Wege, denn der Mann suchte auf jede Weise, dem Kind fühlbar zu machen, daß es lästig sei. Es wurde an den Armen herumgerissen, mit Kopf und Körper gegen Tür und Mauer gestoßen und mit einem Kleiderbügel e r b a r- mungslos geschlagen. Das gellende Geschrei des armen Kindes hatte schon oft genug die Mieter im Hause erregt. Ein tat- kräftiger Mann griff endlich zur Selbsthilfe, Er drang in die W o h n u n g e i n, langte sich den Herrn Bräutigam und verabfolgte ihm eine wohlverdiente Tracht Prügel, Die Nachforschungen dcr Kriminalpolizei ergaben, daß der Zorn der Hausbewohner wirklich berechtigt war. Das bedauernswerte Kind war weit über das Maß geschlagen worden und stark unterernährt. Es wurde der Mutter abgenommen und in geeignete Pflege gegeben. Dcr „Bräutigam", dcr durch feine Anzeige die Aufmerksamkeit auf sich gelenkt hat, wird sich vermutlich wegen fortgesetzter Kindcsmißhand- lung zu verantworten haben. Lokaltermin an der Friedhofsmauer. Vor dem Ende des Prozesses gegen die 20 Kommunisten. Der Prozeß gegen die zwanzig K o m m u n i st e n, die be- schuldigt werden, am 24. März d, I. eine Gruppe Nationalsozialisten überfallen und sie beschossen zu haben, hat sich, wie das leider bei „politischen" Prozessen der letzten Zeit gang und gebe geworden ist, ins Uferlose ausgewachsen. Statt der ursprünglich geladenen 30 Zeugen sind etwa 7 5 vernommen worden. Das Gericht hat mit einer geradezu pedantischen Genauigkeit sämtliche Behauptungen der Zeugen und dcr Angeklagten nachgeprüft, die dahin gingen, nicht die Kommunisten hätten die Nationalsozialisten über- fallen wollen, sondern umgekehrt die Nationalsozialisten die Kam- munisten, und die Schüsse der Kommunisten wären nichts anderes gewesen als eine Antwort auf die Schüsse der Nationalsozialisten. Gestern abend fand an der Mauer des Friedhofs der Zluferstehungsgemeinde ein Lokaltermin statt. Es sollte nachgeprüft werden, ob die Schüsse so gefallen sein konnten, wie die Zeugen behauptet hatten. Gegen'A8 Uhr abends fuhren an der Fried- Hofsmauer Lichtenberger Straße in Hohenschönhausen eine Anzahl Polizeiautos mit den Angeklagten, Richtern, Verteidi- gern, Staatsanwälten und Zeugen vor. Man hatte sich bereits vorher den Schauplatz angesehen, auf dem in derselben Nacht drei Stahlhelmer von einem Trupp Kommunisten überfallen worden waren, das Lokal von Kuß, in dem die Nationalsozialisten an jenem Abend ihre Versammlung abgehalten hatten, und auch das Lokal von Vogel, aus dem die Kommunisten aus den Ruf„alle heraus, die Nationalsozialisten kommen" herausgestürmt waren. Von dcr Friedhofsmauer ging es dann in die im geraden Winkel abgehende Greinerstrahe, von hier aus wollen die beiden Polizeibeamten, die sich gegen 12 Uhr nachts auf der Streife befanden, zuerst Rufe, dann Schüsse gehört und auch den Lichtschein von den abgegebenen Schüssen gesehen haben. Es wurden zuerst von der Friedhofsmauer aus in dcr Richtung zur Greinerstraße Versuche mit einem Schein- werser angestellt, sodann ähnliche Versuche in der Richtung von dem Laubengelände, das dcr Mauer gegenüberliegt. Es konnte dabei festgestellt werden, daß die Beamten von dem Standort, den sie angegeben hatten, den Lichtschein nicht sehen konnten. Ein ähn- liches Ergebnis zeigten die gegen 11 Uhr angestellten Versuche mit Schußwaffen. Der Lichtstrcifen von den abgegebenen Schüssen war nicht zu sehen. Rommunistentheater in der„Neuen Welt". Wenn eine Partei zu einer großen Versammlung aufruft, dann muß sie zum mindesten in der Lage sein, einen Saal wie den dcr „Neuen W e l t" bis auf den letzten Platz zu füllen. Gestern, als die K o m m u n i st e n zu einer Arbeitslosenkundgsbung durch An- schlüge an den Litfaßsäulen und andere Propaganda eingeladen hatten, blieb der Saals zu fast einem Viertel leer. Die kommunistische Kanone, Herr Heinz NeumanNt redete, wobei der Aufwand an Stimmstärke und der Inhalt des Gesagten im bekannten Gegensatz standen. Wer trägt die Hauptschuld an unser» Sorgen? Jedes Kind errät Neumanns Antwort: Die Sozialdemokraten! Wer tritt allein — man bittet nicht zu lachen— für die Polizeibeamten ein? Die Kommunisten! Wer ist ein wahrer proletarischer Kämpfer? Dcr Herr Reichswchrlcutnant a. D. Schcringer! Die Verständigen unter den Zuhörern gingen vor Schluß der Versammlung. Man kann es ihnen wirklich nicht übelnehmen. Llm die Eparkassenguchaben. Ein Beschluß des Auffichtsrats. Unter dem Vorsitz des Stadtkämmcrcrs Genossen Asch fand eine gemeinschaftliche Sitzung des Aussichtsrats der Sparkasse der Stadt Berlin und des Bcrwaltungsrats der Berliner S t a d t b a n k statt, deren einziger Tagesordnungspunkt ein Bericht des Vorstandes-sibr»' die.augenblickliche' Lage war.� Aus diesem Bericht geht hervor, oaß die Anlegung der Gelder dieser"Institute so vorsichtig gewesen ist, daß unter den gegenwärtigen Umstände.» keinerlei Gefahr für die Sparer und Kunden besteht. Trotzdem ließen sich die Kommunisten die Gelegenheit zu einem demagogischen Vorstoß nicht nehmen und beantragten, daß allen Einlegern mit einein Einkommen bis zu 5000 Mark und allen kleinen selbständigen Existenzen ihre Einlagen sofort voll zurückgezahlt werden sollten usw. Es war dem Genossen Dr. Weinberg als Sprecher dcr sozialdemo- kratischen Fraktion ein leichtes, nachzuweisen, daß dieser Antrag nicht nur gesetzlich Unzulässiges verlangt, sondern auch unweigerlich zum Ruin der Sparkasse und der Stadtbank führen und die Einleger um ihre Notpfennige bringe» würde. Der Antrag verfiel selbstverständ- sich der verdienten Ablehnung, Dafür gelangte der folgende Antrag des Genossen Dr. Weinberg zur Annahme: „Es sind bei den zuständigen Stellen sofort Schritte zu tun, um eine ZluszaHlung von Sparguthaben an Sparer zu ermöglichen, die arbeitslos geworden sind oder werden und die Karenzzeit bis zum Bezug der Erwerbsloscnunterstützung noch nicht zurückgelegt haben, ebenso an Kleingewerbetreibende und freie Berufe zur Aufrecht- erhaltung ihrer Existenz." Cines Abenteurers Schicksal. Als paleloimarder zu 1 Jahr 3 Monaten Gefängnis verurteilt. Das väterliche Erbe scheint dein 21jährigen T, nicht gut be- kommen zu sein. Sem Vater wa» Vlantagenbesitzer in Indien. Als seine Frau, eine frühere Krankenschwester, nieder- kommen sollte, schickte er sie in das Hospital von 5) o n g k o n g. Zwei Jahre später beging der Plantagenvesitzer Selbstmord. Die Frau mit dem Junge» kehrie nach Berlin zurück. Sie heiratete hier zum zweitenmal. Bis zum 12. Lebensjahr ging es mit dem Jungen gut. Daun machte er Schwierigkeiten. Er kam mit dem Stiefvater schlecht aus, wcchselle mehrmals die höheren Schulen, 2% Jahre fuhr er als Mairose, Als er nach Berlin zurückkehrte, fand er keine Arbeit Er heiratete, beging ganz unbedeutende Diebstähle und verlor;-den Halt mit dem Tode seiner Mutter. Zeitweise war er auch in einer Neroenheilanstalr untergebracht. Dann lernte er den Kaufmann L. kennen. Die Freunde spezialisierten sich auf Paletatdiebstähle. So suchien sie einen Anwalt auf, angeblich, weil T. durch ihn die Scheidlmgsklage gegen seine Frau betreiben wollte, und nahmen beim Weggehen einen Frauen- mantel mit. Ein anderes Mal kamen sie zu einem Anwalt wegen airgeblichcr Schadenersatzansprüche, die T. wegen eines. rlittenen Autounfalls zu stellen beabsichtigte. Mit ihnen verschwand dcr Pelz eines Bankiers, eines Klienten des Anwalts. Ein drittesinal suchten sie einen Zahnarzt heim, auch diesnial ging ein Paletot mit. T. nahm vor Gericht die ganze Schuld auf sich und deckte gewissermaßen L. Dieser behauptete, bloß den Hehler gespielt zu haben: schon angesichts seiner vielen Borstrascn hatt» er es nicht gewogt, sich eines Rückfalldiebstahls schuldig zu machen. Das Gericht verurteilte T. zu 1 Jahr 3 Monaten Gefängnis, L. zu 2 Jahren Gefängnis, Sie nahmen beide das Urteil nicht an. Besonders betroffen schien durch die über ihn verhängte Strafe T.„Ich bin kein geborener Verbrecher," sagte er.„Ich möchte für meine Frau und mein Kind arbeiten. Der Tod meiner Mutter "hat mich ganz aus dem Geleise gerissen. Wenn ich eine hohe Strafe bekomme, gehe ich zugrunde." Sonnenglut über dem Balkan. 46 Grad im Schatten- Viele Dorf- und Waldbrände. Belgrad, 17. Juli.(Eigenbericht.) Die surchlbare hihc, die in der letzten Zeit die Balkanhalbinsel heimgesucht Halle, erreichte Donnerstag ihren Höhepunkt, wie aus Bisch gemeldet wird, zeigte dort das Thermometer 4 6 Grad im Schallen und fast 60 Grad in der Sonne. Belgrad hatte in den letzten Tagen 40 Grad im Schatten. Erst Freitag ist ein sühlbarer Temperaturrückgang eingetreten. Die Morgenblättcr bringen aus allen Teilen des Landes Meldungen über die katastrophalen Folgen der Hitze. Das Dorf Wladimirowac im südlichen Banat wurde Donnerstag nachmittag ein Raub dcr Flammen. 30 Gebäude sind dort niedergebrannt. Die Lösch- arbeiten waren infolge des Wassermangels aussichtslos. Im Dorfe Tinea an der Lika fielen 14, im Dorfe Ludbreg bei . Karlstadt(Kroaieen) neun Häuser den Flanun«» zum Opfer. Außer> dem wurden in Serajewo fünf und in Mostar drei türkische Häuser eingeäschert. Auch-W a ld b r ä n d s von c,i-c s i gen Ausmaße n sind entstanden. Bei Agram wurden 15 0 Morgen Wald vernichtet. Das Feuer konnte erst eingedämmt werden, nachdem zwei Insanterieregimentcr zu den. Löscharbeiten herangezogen wurden. Bei Neugradiska in Slavonien brennen 2000 Morgen Wald. Ebenso sind auf einer Strecke von 1-5 Kilometern die Wälder zwischen Serajewo und Pale durch Funkenslug aus einer Lokomotwe in Brand geraten. Bei Gottschee wurden die ausgedehnten Forsten des Fürsten Auerjperg ebenfalls durch Funkenflug entzündet. An zahlreichen Stellen des Landes haben sich kleinere Waldbrände ereignet bzw. wurden Mühlen und einzelne Häuser eingeäschert. Scheuenprozeß ohne Straube. Oer prügeldirektor befindet sich in Hannover. Lüneburg. 17. Juli. Im Schcuen-Prozeß kamen nach dem bereits gemeldeten Zwischenfall wegen des Fehlens des Hauptangeklagten Straube die Verteidiger dcr übrigen Angeklagten der Revoltegruppc zu Wort. Dr. Strauß- Lüneburg griff auf die allgemeinen Gesichts- punkte, die bereits durch Dr. Löwenthal herausgestellt wurden, zurück. Er hob hervor, daß unsere Zeit trotz Bevorzugung dcr Jugend bei einer gewissen Vernachlässigung des Alters an dcr Für- sorgeerziehung entgegen den Versprechungen der Reichsversassung vorübergegangen sei. Auf der Anklagebank habe vor allem das falsche System gesessen. Es sprachen hierauf die übrigen Lüneburger Anivälte für die restlichen Angeklagten der Revoltegruppe, Sie plädierten auf Freispruch bzw, Einstellung des Verfahrens, zum mindesten Einräumung einer Bewährungsfrist. Das Gericht zog sich sodann zur Beratungspause über den Haftbefehl gegen Straube zurück. Noch Wiedereröffnung der Sitzung erklärte Straubes Verteidiger, sich nunmehr veranlaßt zu sehen, bekanntzugeben, daß Straube aus Anrakcn seiner beiden Verteidiger am Donners- tagabend nach 5)annover gefahren sei und sich dort in einer von ihm gemieteten Wohnung aufhalte. Der Vorsitzende verkündete hierauf, daß Haftbefehl nicht er- lassen werde. Fluchtverdacht bestehe nicht, desgleichen, nachdem die Beweisaufnahme geschlossen sei, keine Verdunkelungsgefahr mehr. Die Verhandlung wurde auf Sonnabend vertagt. Am Sonnabend kommen noch die übrigen Verteidiger zu Worte, Der Montag und Dienstag nächster Woche»verde» den Beratungen des Gerichtes vorbehalten. Mit den» Urteil ist dann ivahrscheinlich am Mittwoch zu rechnen. Gegen Messer ui»d Revolver! Anläßlich dcr Entlassung der von Nazis schwer verletzten Rcichsbannerkamcrade» B l e i l und Z o che r aus, dem Krankenhaus veranstaltet der Ortsverein Tier- garten am Montag, den» 20, Juli, 20 Uhr, eine große Kundgebung im Nationalhof, Blllmvstraße 37, in dcr auch einer der verletzten Kameraden sprechen wird. Genosse Rudolf Worbs, Bärwaldstraße 59, ist, wie er uns mit- teilt, nicht erst seit 20 Jahren, sondern bereits seit 1888 2lbonnei»t des„Vorwärts", 7lr. 331• 48. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Sonnabend, 18. Juli 1931 Reichsbankausweis vom 15. Juli. Notenumlauf mir 4162 Millionen.— Weniger als vor einem Jahre. Die Rcichsbonk ist die einzige Bank, die keine Bankfeier- tage Hot. Allerdings find in den? Rcichsbankausweis vom 15. Juli, der jetzt veröffentlicht worden ist. die Anforderungen für Lohn- zahlungcn usw., die seit dem lö. eintraten, nach nicht enthalten. Die Reichsbank hatte in der ganzen Woche vom 8. bis 15. Juli auch Krcditeinfchränkungcn durchgeführt. Infolgedessen hat sich das Geschäft der Reichsbank in erster Linie auf die B c- friedigung des Devisenbedarfs beschränkt. Das tommt auch sehr deutlich im Ausweis zum Ausdruck. Die Bestände der Reich»bonk an deckungssähigcn Devisen haben in der zweiten Juliwoche um 2i6,6 aus 124,4 Millionen abgenommen. Die Goldbestände haben sich um 55,7 auf 1366,1 Mil- lionen Mark verringert. Insgesamt hat die Reichsbank 302,3 Millionen an Gold und Devisen >n der zweiten Iuliwochc verloren. In dieser Ziffer kommt der »esige Ansturm zum Ausdruck, der trotz der choovcr-Aktion, weil das Ausland weiter Kredite kündigte, von den Banken auf die Währungsreserven der Reichsbank durchgeführt worden ist. Die Demfcnabgaben der Reichsbank find auch die choupt- Ursache für die Vermehrung der Wechsclbestände, der Lombarddarlehen und der Reichsschatzwechfel- b e st ä n d e. Die Banken haben bei der Reichsbank Wechsel dis- kontiert, Wertpapiere oder Wechsel beliehen und der Reichsbank Reichsschatzwechfel verkauft, um mit den erhaltenen Markbeträgen von der Reichsbank wieder die nötigen Devisen zu kaufen. So sind die Bestände an Wechseln um 121,8 auf 2676,8 Millionen, die Low- barddarlehen um 161,5 auf 386 Millionen— eine nie erreichte Rekordzifser— und die Bestände an Reichsschatzwechseln um 63,2 aus 76,6 Millionen Mark g e st i e g en. Für die zweite Monats- woche ist eine Zunahme des Kreditgeschäfts der Reichsbank in solchen Ausmatzen«ine unerhörte Ausnah mcerschei- ii u n g. Sie erklärt sich nur aus der vollständigen Aus- trocknung des deutschen Geldmarktes nach der Kün- digung der ausländischen kurzfristigen Kredite. Die Reichsbank ist die einzige Reserve, auf die die Banken heute zurückgreifen können. Der Notenumlauf der Reichsbant ist trotz der starken Zu- nähme in der Kreditgewährung nur sehr geringfügig, nöm- lich um 51,4 Millionen, auf 4161,8 Millionen angewachsen. Das ist begreiflich, da die hinausgegebenen Markbeträge bei den Devisenankäufen der Banken der Reichsbank ja sofort wieder z u- geflossen sind. Wie lächerlich es aber ist, jetzt von Inflation zu reden, die immer ihren Ausdruck in einem erheblich vergrötzerlen llolen- umlaus finden mutzte, dos zeigt die Tatsache, daß der jetzige Roten- umlaus von 4169 Millionen Mark noch niedriger ist als zum Beispiel am 15. Juli vorigen Jahre», und zwar obwohl das Ausland mit der Kündigung von nicht weniger als rund 2,5 Milliarden Mark ein so riesiges Loch in den deutschen Geldmarkt gerissen hat. Man muß wirklich von Verbrechern sprechen, wenn es Leute gibt, die heute von einer Inflation zu reden wagen. Wir haben nicht zu viel, sondern viel zu wenig Noten im Ilm lauf, und der ganze Jammer besteht ja nur darin, daß die Fähigkeit der Reichsbank, Noten auszugeben, viel geringer ist als der nach der Abziehung der ausländischen Guthaben vorhandene Bedarf. Was bedeutet die Unlerschreitung der Deckungsgrenze? Die Reichsbank hot die Dcckungsgrenze von 40 Pro z. unterschritten; das heißt, daß auch der geringe Notenumlauf von 4169 Millionen Mark nicht mehr zu 40 Proz. mit Gold und Devisen bedeckt ist. Gegenüber der Vorwoche ist die Deckung der Noten durch Gold und Devisen von 43,6 auf 35,8 Proz. zurück- gegangen. Das ist nicht deshalb geschehen, weil mehr Noten aus- gegeben worden sind, sondern deshalb, weil durch die ausländischen Kreditkündigungen wieder Gold und Devisen im Betrage von über 300 Millionen aus Deutschland davongeschwommen sind. Diese Unterschrcitung der Notendcckung hat die e i n z i g e F o l g c, daß die Reichsbank für den an der 40prozentigen Deckung fehlenden Gold- und Dcvifenbetrag ansReichz Proz. Steuer bezahlen muß, und datz sie den Wechseldiskont, das heitzt den Zins für Warenwechsel, hätte von 7 auf 8% Proz. erhöhen müssen. Aber es ist ja bekannt, datz die Reichsbank vorgestern den Wechseldiskont auf 10 P r o z. erhöht hat und den Zinssatz für Lombard- darlehen(Verpfändungen) sogar auf 15 Proz.. Sie hat den Kredit also viel stärker verteuert, als das Reichsbankgesetz es vor- schreibt. Sic hat es getan, damit noch weniger Kredit- anforderungen an sie herangebracht werden und damit die Erweiterung des Notenumlaufs, die ja durch Kredite erfolgt, noch mehr erschwert wird. Jammervolle Ausreden. Die bescheidene„Oeuische Allgemeine Zeitung".— Milliarden für Kehlanlagen. Jedermann wird begreifen, datz unser vorgestern veröffent- lichter Artikel über die furchtbaren Kapitalfehl- l e i t u n g e n in der deutschen Privatwirtschaft der Unter- nehmerpresse sehr unangenehm ist. Die„Deutsche Allgemeine Zeitung" hat sich auch verpflichtet gefühlt, zu antworten. Aber was sie geantwortet hat, ist so beklagenswert an Niveau und Geholt, daß sie die Sache der deutschen Unternehmer nur noch s-blechter gemacht hat, als sie ist. Klar, datz die„DAZ." der Miß- Wirtschaft in der Privatwirtschaft sofort die sogenannte Mißwirtschaft bei der öfsentlichen Hand gegenüberzustellen sucht. Sie meint, der„Vorwärts" scheue sich, etwa von den Zuständen bei gewissen öffentlichen Unternehmungen, zum Beispiel denjenigen Berlins zu sprechen. Die„DAZ." irrt sich. Der„Vorwärts" Hot von den öffentlichen Unternehmungen Berlins bisher sehr viel gesprochen. Und er hat von ihnen immer nur mit Stolz gesprochen. Wir bitten die„DAZ."— sie möge aber nicht wieder neue Ausreden gebrauchen—, uns zu sagen, wo bei den Berliner Städtischen Elektrizitätswerken Miß- Wirtschaft vorliegt, nachdem sich das ganze Aueland und so solide Rechner wie Herr Gerhard Oliven um die Bewag gerisicn haben. Sie möge dasselbe tun für die Berliner Gaswerke, für die Berliner Wasserwerke und für die sonstigen grohcn Berliner Betriebe. Besteht Mißwirtschaft bei der Berliner V e r- kehrs-Gesellschaft? Gewiß ist hier dem notwendigen Bedürfnis der Verkehrsausdehnung mit Rücksicht auf die hohen Zinsen des Geld- und Kapitalmarktes vielleicht etwas zu schnell Rechnung getragen worden. Aber wo sind bei der BVG. Fehl- investitionen, wo sind Millionen verschleudert? ZNan zeige tm« überhaupt in der gesamten öffentlichen Wirt- schaft Deutschlands Fälle wie Stinnes, Raiffeisen, Karstadt. Nord- wolle. Vauat usw. Wir bitten die„DAZ.", uns solche Fälle nach- zuweisen. Der„DAZ." ist offenbar selbst nicht recht wohl gewesen bei ihrem Hinweis auf die Mißwirtschaft bei öfsentlichen Betrieben. Sie Hot deshalb schnell die ganze Diskussion auf ein anderes Geleise geschoben. Sie versucht gar nicht, die Milliardensummen von Kapitalfehlleitungen und Fehlinvestititionen in der Privatwirtschaft zu leugnen. Dafür möchte sie aus einer Gegenüberstellung der Summen, die in der Privatwirtschaft neu angelegt wurden und derjenigen, die bei öfsentlichen Betrieben und in der Gemeinwirt- schaft Anlage fanden, den Beweis führen, wieviel v e r- schwcnderischer in der öffentlichen Wirtschaftssphäre gearbeitet werde als in der Privatwirtschaft. Sie beruft sich auf eine Ber- öffentlichung des Konjunkturinstituts über die„Kapital- bildung und Investititionen in der deutschen Volkswirtschaft von 1924— 1928" und stellt den Neuanlagen in der gesamten Privat- Wirtschaft von 8,5 Milliarden diejenigen in den„öffentlichen Be- trieben und der Gemeinwirtschaft" von 18,4 Milliarden gegenüber. Sie sagt, datz es keinen Geld- und Kapitalmarkt gebe, der das schnelle Tempo in der Ausdehnung öffentlicher Neuanlagen hätte aushalten können. Sie ruft anklagend aus:„Wie mußte durch dieses ungestüme Vordringen der unter sozialistischer Führung stehenden öffentlichen Unternehmungen die Privatwirt- schaft und die öffentlichen Bilanzen belastet werden!" Diese Verlegenheitsparade der„DAZ." ist geradezu jammervoll. Unter den Neuanlagen, die denjenigen der Privatwirtschaft gegen- ttbergestellt werden, befinden sich sämtliche Investititionen der Reichsbahn und der Reichspost. Stehen diese unter sozialistischer Führung? Wo sind hier die Fehlanlagen? Habe» dies« riesigen öfjenlllchen Betrieb« nicht schließlich ihre massenhaften Aufträge hinausgegeben an die Privatwirtschaft, und die Fehlinvestitionen der Privatwirtschaft sind dennoch eingetreten? Die ganzen Subventionen für die Landwirtschaft und auch für die Industrie sind in den 18,4 Milliarden enthalten, haben die Sozialisten diese Subventionen verursacht, sind die„Marxisten" für diese Sub- oentionen verantwortlich? Ist nicht hier zum mindesten die offen- barste private Mißwirtschast die Ursache von Staatsausgaben? Sämtliche Siedlungsfonds für die Landwirt- schaft sind in den 18,4 Milliarden enthalten. Der gesamte öffentliche Wohnungsbau ist mit über 5 Milliarden darin enthalten. Aber nicht genug damit! Die„DAZ." macht sich mit ihren Ausführungen geradezu lächerlich. In den Neuanlagen der öffentlichen Sphäre erscheinen nämlich auch alle dauerhaften An- lagen, die das Heer und die Marine errichtet haben! Und wahrscheinlich sind darin alle Schiffsersahbaulen enthalten. Außerdem ist in den 18,4 Milliarden eingerechnet alles, was die gesamte innere Verwaltung der Reichs-, Länder- und Ge- meindeoerwaltungen an Verwaltungsgebäuden, Krankenhäu- fern. Schulen, Schlachthöfen, Häfen usw. usw. errichtet haben. Sogar die Mittel für di« produktive Er- werbslosenfürforge und der Daueraufwand der Sozial- Versicherungen, zu denen die Arbeiter am stärksten beitragen, für Krankenhäuser und Erholungsheime sowie ähnliche Dinge sind in den 18,4 Milliarden enthalten. Die„DAZ." schätzt ihre Leser wahr- lich sehr niedrig ein, wenn sie mit solchen Gegenüberstellungen di« Kapitolverschwendung in der Pvivatwirtschast glaubt entschuldigen zu können, wenn sie sich schon nicht rechtfertigen kann. Außerdem aber— die„DAZ." hat nicht in einem einzigen Falle, wie wir es getan haben, Verschleuderung und Verschwendung von Kapital in der öfsentlichen Sphäre nachzuweisen versucht. Di«„DAZ." will aber auch— und wir finden das begreiflich— die S ch w e r i n d u ft r i e in Schutz nehmen. Für die schlechte und gefährliche Lage der Schwerindustrie macht sie politische Lasten verantwortlich, nämlich die Steuer-, Zins-, Reparations- und So- zialbelastung. Aber es ist ihr vollständig entgangen, daß ja auch die gesamt« übrige Industrie die gleichen Lasten zu tragen hatie. Die„DAZ." meint auch, daß die Investitionen der Schwerindustrie nicht über, sondern unter dem Durchschnitt der Privatwirt- schaft stehen. Sie hätten sich aber aus demselben Heft des Kon- junkturforfchungsinstituts davon überzeugen können, daß die Schwerindustrie mit 24 Proz. Neuanlagen weitaus an der Spitze sämtlicher deutschen Industriezweige steht. Wenn die „DAZ." hätte die Wahrheit sagen wollen, dann hätte sie allerdings auch feststellen müssen, daß die Abschreibungen in der Schwerindustrie mehr als das Doppelte sämtlicher Neuanlagen ausgemacht haben, und sie hätte sagen müssen, daß trotz dieser riesi- gen mit Monopolpreisen aus der Wirtschaft erpreßten Abjchreibun- gen die Schwerindustrie in ihre heutige Lage gekommen ist. Die„DAZ." hatte es gewiß nicht leicht, auf unsere Anklagen zu antworten. Wenn sie es aber so unzulänglich tun muhte, wie es geschehen ist, dann hätte sie besser geschwiegen. Zemcntobsah weiter rückläufig. Von 477 000 Tonnen im Mai sank der Zementabsatz im Juni auf 448 000 Tonnen gegenüber 523 000 Tonne» int Juni 1930. Reichsgelder für Rordwolle. Konkurs oder Vergleichsverfahren. Nach Erörterungen, die in der Presse angestellt werden, scheint man die Hoffnung noch nicht aufgegeben zu haben, doch noch R e i ch s g e l d c r für die Abwicklung der Nordwolle-Pleite zu«r- halten. Zunächst handelt es sich um die Frage, ab der Konkurs oder ein Vergleichsverfahren eröffnet werden soll. Natürlich sucht man letzteres zu erreichen; dazu braucht man aber Zeit, um mit den Gläubigern Verhandlungen zu führen. Um nun nicht bereits fällige Forderungen sofort auszahlen zu müssen, will man die „zuständigen Regierungsstellen" für ein kurzfristiges M o r a t o- rium für Nordwolle interessieren. Man denkt sich das so, daß bei Erlaß so zahlreicher Notverordnungen auch noch eine speziell für die Nordwolle erlassen werden könnte, die die Z a h- l u n g s p f l i ch t der Nordwolle eine Zeitlang aufhebt. Inzwischen könnte man wohl private Gruppen zur Aufbringung neuen Kapitals bewegen. „Um aber die wertvollen Betriebe in Gang zu halten, die Zlrbeiter weiter zu beschäftigen und die Werke nicht zu entwerten, wäre es zunächst nötig, für Löhne, Gehälter und notwendigen Rohmaterialeinkauf der nächsten vier Wochen ge- wisse Summen zur Verfügung zu stellen, deren Ausmaß als nicht zu erheblich bezeichnet wird" (.Bossische Zeitung").— Wer soll zur Verfügung stellen? Osfenbar doch die zu interessierenden„zuständigen" Regierungs- stellen! Wir glauben kaum, daß es nötig sein wird, den Betrieb der- jenigen Werke des Nordwolle-Konzerns, die wirklich gesund sind, mit öffentlichen Mitteln ausrecht zu erhalten; für diese Betriebe finden sich sicher Interessenten, wenn man nur e r n st h a f t an die Bereinigung des Nordwolle-Skandals geht. Wenn man aber im Interesse der beschäftigten Arbeiter Steuergelder auswirft— dann aus keinen Fall als verlorene Zuschüsse, sondern als bevor- rechtiglc Kredite! Tschechoslowakischer Auiomobilirust. Fusion von Afap und Kolben-Oanek. Die beiden größten tschechoslowakischen Automobilfirmen haben sich zu einer großen Gesellschaft zusammengeschlossen, deren jährliche Produktion zwischen 10 000 und 12 000 Automobilen liegen wird. Etwa zwei Drittel der tschechischen Automobil- Produktion werden in einer Hand vereinigt sein. Es handelt sich um die Afap, die vor etwa einem Jahr von den Skoda- Werken gegründet wurde, sowie um die Tschechisch-Mährische Kolben-Danek- Gesellschaft, deren Auto- mobile unter dem Namen P r a g a bekannt sind. Beide Gesell- schaften stehen der größten tschechoslowakischen Bank, der Zivnostenska Banca, nahe. Die Führung der neuen Gesellschaft wird bei den Skoda-Werken liegen, die von dem französischen Rüstungs- konzern Schneider-Creusot beherrscht werden. Ursprünglich bestand die Absicht, in diese Zusammenfassung auch noch ein drittes Unternehmen einzuschließen, nämlich die Tatra. Werke, die der Ringhoffer-Gesellschast gehören. Wenn jetzt auch die neue Gesellschaft dieses Unternehmen, das jährlich etwa 4000 Wagen herstellt, nicht milumsassen wird, so handelt es sich doch um eine wichtige Gründung. Die neue Firma wird nicht nur den hauptsächlichsten Teil des inländischen Bedarfs der Tschechoslowakei an Automobilen decken können, sondern wird sich mit großer Wahrscheinlichkeit auch mit dem Export befassen. Die Tschechoslowakei gehört im übrigen zu den wenigen Ländern, in denen sich selbst im Jahre 1930 die Automobilerzeugung gegenüber dem Jahre 1929 steigern ließ. 35,6 Millionen Auios Anfang 4934. Oer Automobilbestand der Welt. Nach Berechnungen des amerikanischen Handelsamts belief sich der A u t o m o b i l b e st a n d der Welt am 1. Januar dieses Jahres auf 35 805 632 Wagen, davon 29 933 137 Personenkraftwagen, 5 531 468 Lastkraftwagen und 341 027 Kraftomnibusse.(Auf den Wagen genau wird es wohl nicht stimmen. D. Red.) Trotz der all- gemeinen Wirtschaftskrise hat sich der Automo�tlbestand der Welt gegenüber dem Vorjahre weiter um 678 234 Wagen erhöht. Dieser Zunahme des Automobilbestandes steht eine Welt- Produktion von 4 109 231 Wogen im Jahre 1930 gegenüber. Das Mißverhältnis zwischen diesen beiden Zahlen beleuchtet deutlich die Bedeutung, die das sogenannte Ersatzgeschäft für die Automobil- industri« infolge des Anwachsens des Zlutomobilbeftandes bereits erlangt hat. Den größten Automobilbestand haben die Vereinigten Staaten mit insgesamt 26 697 389 Wagen zu verzeichnen. Es folgen Frankreich mit 1 459 650 Wagen, England mit 1 308 272 Stück, Kanada mit 1224 098 Stück. Deutschland an fünfter Stelle mit 679 300 Wagen, Australien mit 563 657 Stück, Argen- tinien mit 366 324 Stück, Italien mit 291 587 Stück. Brasilien mit 199 570 Stück und Spanien mit 189 650 Wagen. Die Liebe höret nimmer auf. Jakob Goldschmidts Aufsichtsrats- Posten. In der Generalversammlung der Consolidierten Alkaliwerke Westcregeln wurde Dr. Jakob Goldschmidt, Geschäftsinhaber der Danatbank, einstimmig zum Aufsichtsrai wiedergewählt. Es ist ein menschlich netter Zug, daß die Kollegen Goldschmidts, die ihm nicht immer grün waren, ihm auch nach seiner Pleite beistehen, bleibt ihm doch der Bezug von einigen tausend Mark erhalten, wenn auch jetzt ein anderer(nämlich der Treuhänder) f ü r i h n die Arbeit macht. Weniger nett vielleicht war der Hinweis des Vorsitzenden, datz die Gültigkeit der Wiederwahl von der Zustimmung des Gewählten abhänge— und datz auch ein freiwilliges Ausscheiden aus dem Aufsichtsrat gestattet sei! Feierschichten und Stillegungen. Die M a n s s e l d A.- G. für Bergbau und hüttcnbetrieb, Eisleben, hat sich oeranlaßt gesehen, in den kupserer zeugenden Betrieben Feierschichten einzulegen. Begründet wird diese Mahnahme mit dem Preissturz für Kupfer und mit Absatzschwierigkeiten; man will damit sonst notwendige Eni- lassungen vermeiden. Die Chemischen Werke Lothringen G. m. b. h.. B o ch u m- G e r t h e, die der JG.-Farbenindustrie und dem Lothringer Bergbou-Konzern nahesteht will zum herbst sogar den ganzen Betrieb stillegen, da der Stickstofsmarkt nicht aufnahmefähig sei— tatsächlicher Grund ist die Uebersetzung der Stickstoffproduktionsonlagen. Durch die Stillegung werden wieder 400 bis 500 Slrbeiter auf die Straße fliegen. Stillegung bei der Laurahütte. Die Laurahütte hat das Grob» blechwalzwerk infolge Auftragsmangels stillgelegt und die Arbeiter- schaft beurlaubt. Unglück in der Ton VL 58.&orfier An d«r Gasse, die mit Winkelzügen«imge der belebtesten Straßen der Stadt verbindet, war zwar das Schild mit der Bezeichnung Löwenstraße neueren Ursprungs, doch an der Natur des verhutzelten Gassenüberbleibsels hatte sich damit wenig geändert. Immer wieder, in einem Jahrzehnt wie im anderen, saßen zu- meist ältliche oder weißhaarige Menschen in oder vor den Häuschen. Immer aufs neue wurden goldglänzende Uhren am; gestanztem dünnem Messingblech unter Glasballons, daneben schadhafte Reiter- Pistolen, verschnörkelte Kommoden und schadhaste Miniaturen in den verlassenen Lädchen ausgestellt, an deren Türen schetternde Blech- glocken den seltenen Käufer meldeten. Kinder sah man kaum, und vorwärtstreibendes junges Blut rettete sich sobald wie möglich aus der muffigen in die bewegtere, herbere, auch sonnigere Luft der Umgebung, schwang sich in weitere Zonen. Das unter dem Gebot elterlicher oder verwandtschaftlicher Macht noch in der märchenhaft stillen Welt der Gasse ausharren mußte, dieses heranwachsende, dünn gesäte Geschlecht guckte sehnsüchtig zum engen Streifchen Himmelsblau wie zu mondbeglänzten Dächern auf, es erwartete Erlösung durch irgendeinen Zauberspruch oder plante spätere Empörung. Vielleicht war es gerade dieser Verzicht der Bejahrten, die den spärlichen jugendlichen Einwohnern eine tüchtige Prise herausfordern- der Keckheit, das heiße Verlangen nach lautem Streit wie nach irgend» welcher Betätigung schenkte. Die Jungen waren brüsk daherschrei» tendes Volk, die Mädchen marmorschön und bleich oder zigeuner» braun. Verhaltene Glut, Feuer in der Einsamkeit! Am Ende eines zeitigen Frühlingstages, als milder Atem selbst dos Reich der grauen Gasse berührte, huschte Frau Mechanikermeister und Verbandssekretär Wilholmine Helnze nach einem Nachbarhause, über dunklen Flur und knisternde Treppe. Rasch, noch bevor ihr Klopfen hinter der Stubentür verhallte, betrat sie die schon völlig von Abendschattcn beherrschte Wohnung des Schreinermeisters Moser. Frau Moser erhob sich aus den Rohrstuhlkissen, ging dem Be- such stumm entgegen. Die Frauen näherten ihre Gesichter in de? Finsternis auf Handbreite, tauchten die Blicke fest ineinander, fahn- detcn im Gegenüber nach tiefster Einsicht in den Ernst der Lage, von dem seit wenig Wochen verschiedene Häuser der Löwenstraße mehr oder weniger beschattet waren. Beide Frauen verstanden sich: ganz Mitgefühl hier, osfenkun- diger Dank für die Abendvisite dort. Und auf beiden Seiten feuchte Augen. „Frau Moser, Sie glauben schwerlich, wie weh mir Ihr« so schlimme Erfahrung tut! Auch m«in Mann läßt grüßen. Ueber die Unglücksbotschaft hat er fast seine geliebten Bücher vergessen, von denen er sich ungern trennt. Er fühle mit Ihnen, und was an ihm s«i. die Löwenstraße von schlechten Gästen zu säu-bern, da; solle geschehen. In der Aufregung, als«r von Ihrem Mißgeschick hörte, hat mein Mann die Flinte aus dem Schrank gerissen—" „Er b«obstchtigt—?" „Mindestens," so schimpft er,„gehöre sich«in Schreckschuß oder zwei für den Uebeltöter: richtiger nach ein« Ladung Schrot. Mein Mann wird bestimmt Rache nehmen, so erbost ist er. Noch am Sonntag hat er an Ihn Lieschen fürsorglich gedacht. Wilhelmine, so erklärte er mir, bereit? drei Häusern unserer Straße istmnwill- kdmmene Nochkommen! chast sicher. Warn« Moser» vor der gleichen Erfahrung. Ihr Lieschen ist zu gut dazu, das sollte To«, und Nacht behütet werden. Das war Sdnntag?, und schon heute wird uns brühwarm berichtet, daß auch Ihr Lieschen—. Frau Moser, liebst: Frou Moser, wohin gelangen wir in dieser zerrütteten Zeit!" „Daß sich gleich drei oder vier so hübsche Wesen von dem häß- kichen, ruppigen und struppigen Sünder in einigen unbeobachteten Minuten würden«inlullen lassen, das auszudenken, ging üb«r un- sevsn Verstand hinaus." „Ihr Lieschen, so meinte ich immer, würde nie in solche Älau«n fallen." „Wir haben si« angefaßt wie ein rohes Ei und sie umsorgt wie das einzige Kind. Vor zwei Wochen allerdings fiel uns ihre plötzlich« Unruhe und Putzsucht auf: darauf hätten wir- wohl mehr achten sollen. Auch weilte sie öft«r alz sonst am Fenster. Allein wer vermutet gleich ärgstes Erleben!" „Wo befindet sie sich, wenn man sich erkundigen darf?" „In der Kammer nebenan liegt si«, fast teilnahmlos.— Ein frecher Strick—!" „Wahrscheinlich siegte er. weil die schönere Konkurrenz fehlte," fuhr ein« ti«fe uoltmin« aus der Ofenccke dazwischen. „Ach, der Herr Moser ist zugegen!" begrüßte der Besuch den Houshmn. „Allemol ist er da und meint, zudringlicher katzenfreuntllicher Abhub habe leider glänzende Aussichten. Unerfahrene zu betören." „Und so etwas spricht der Herr Moser aus?" „Ja, mein« best« Frau Heinze, inein Mann macht mir bittere Vorwürfe, weil ich Lieschen zu selten in die frische Luft geführt hätte, unter Aufsicht—" statt sie jetzt Gaudieben auszuliefern. Der Beweis ist da!" trumpfte Herr Moser auf. Frau Heinze erinnerte begütigend an die Flinte ihres Mannes. Doch Herr Moser war mcht völlig! zufrieden.„Frau Heinze," brummte er,„wenn Ihr Herr Gemahl nach mehrfachem Skandal mit dem Pascha kurzen Prozeß macht, so kst«r mein«; Segens ge- «iß. Aber angebrachter wäre frühere Lynchjustiz gewesen, bevor die halb« Löwenstratz: am Pranger stand. Wie ich gestern im Ratzstübl« nernohm, ist auch Kohmanns Jüngste, kaum von der Tante der Frau angelangt—" ebenfalls vertrauensselig genug gewesen, auf heimliche Fensterpromenaden hereinzufallen. Sie haben recht gehört. Ich habe die Botschaft direkt aus Koßmanns Haufe, durch das Dienst- mädchen. Die Familie ist wie vor den Kopf geschlagen. Zerreißen könnte man den Uebeltäter, mit avec sogar, bei lebendigem Leibe." „Bei totem wäre die Mühe überflüssig!" spottete Herr Moser. „Verlassen Sie sich auf meinen Mann. Bis in die Knochen empört ist er besonders, feit Windlers Kleopatra Schicksalsgenossin Ihre» Lieschens ist und Jugend erwartet, von so einem charakter- losen Gesellen" „Kleopatra!" fuhr Herr Moser empor,„Kleopatra! Ja. wenn so hochtrabende Namen.vor Pech schützten! Die ganze verstiegene Windlers che Sippe hat man vor sich, wenn man den Namen ver- nimmt: Kleopatra! Man kann nur laut lochen, verehrte Nach- barin." „Mein Mann fühlt freilich anders." entgegnete Frau Heinze. „Er trauert um die Kleopatra. Den unergründlichen Blick der Mona Lisa habe si« besessen, behauptet«r, und einen herrlichen Körper." Abermals juchzte Herr Moser laut auf und schlug sich auf die Knie:„Kleopatra! Mona Lisa! Jetzt will ich Ihnen etwa? sagen, Frau Heinze: Ihr werter Herr Gemahl liest zu viel Bücher, ahm: ste zu verdauen: sonst verfiele er seltener aus so verbohrte B«r- gleich«. Mich wundert nur, daß«r bei dem Bösewicht nicht schon Minderwertigkeitskomplexe festgestellt hat." Verwundert horchte Frau Heinze auf.„Sie scheinen Gedanken zu lesen, Herr Moser. Gerade davon hat er wiederholt gesprochen. Trotzdem wird er den Schuldigen strafen. Zugunsten des Ansehens unserer Straße will er zugreifen: weiteres Aufsehen müsse unbe- dingt oerhindert werden. Da werde ihm jeder zustimmen, auch wer kein Moralist sei." Herr Moser zog den besseren Rock an, nahm den Hut:„Ach. die geschätzte Moral!" rief er.„Sie entschuldigen schon, Frau Nachbarin, wenn ich mich entferne. Der Dämmcrfchoppen im Rats- stllble muß nachgeholt werden, um den Aerger hinunterzuspülen. Gruß an den Herrn Gemahl, und«r solle mit seiner Donnerbüchs« keinen Unfug anrichten zu allem bereits vorhandenen Unheil." „Wiedersehen, 5)err Moser! Und nehmen Sie sich die peinliche Sache weniger arg zu 5)erzen." * Nachts gegen zwölf Uhr, als Windler» groß« weiße Katze Kleo- patra soeben die Ncrse an der Fensterscheib« platt stieß, weil an einem gegenüberliegenden Gebäude wohlvertraute, süß empfunden« atonale Mufit laut wurde, drückte der Mechanikermeister Heinze die Büchse kos, denn im Mondschein wandelte und sang der hckßßche verliebte Sünder, der Koter Mumm«. Mit Donnevgetöse flog eine Ladung Schrot in das Stadtviertel und zugleich bohrte« sich einige Körnchen in das weniger lebenswichtige Viertel des Katers. Entsetzt wich Kleopatra vom Fensterbrett; verstört, mit Wehe- rufen statt neuer Liebeserklärung, fauste ihr grauer Galan davon. Spornstreichs steuerte er seinem Stanöguortier zu, fauchte eine Treppe hinauf, nahm noch eine Stiege in gewaltigen Sätzen, bis er sich im vertrauten Speicherwinksl sicher fühlte. Da«rst wimmert« er gelockerter in sich hinein, beleckt« auch ausgiebig de» dick- fleischigen Sitz hinterer Minderwertigkeitskomplexe nach Freud in erbärmlichem Leide. Massakriert nach dem Wunsche des Herrn Heinze war er also zweifellos noch nicht. Verdammt und zugenäht! so etwa empfand er. Du begisbft dich mit deiner Liebe in die Löwenstraße; hübsche Tiere sehen dich an, mit bernsteinfarbenen Augen; aber ein Vertreter der Mensch- heit schießt, und du bist gezwungen, den Schwanz einzuziehen und zu flüchten vor einem Feuer, das fehl am Orte ist. Eine sonder- bare Welt, das darf man wohl sagen. Eine kotzenjammervolle Welt!— Er versann fich in bunte Phantastereien. Allein im folgenden unruhigen Schlafe gespensterte bereits die Absicht durch seine Träume, demnächst, statt in der Löwenstraße. in der Rheingasie sein Glück weiter zu versuchen, wo er eine an- lehnungsbsdllrstige orientalische Schönheit wußte, der unverbesser- liche Kater Mumm«. ftilmon ffiiemenfchneider SEu feinem#00. Todestag am 18, Juli Wie viele seiner Zeitgenossen in der stürmischen Uebergangszeit vom Mittelalter zur„Renaisiance" hat Tilman Riemenschneider ein vielbewegtes Leben geführt. Um 1460 in Osterode a. Harz geboren, führte ihn das übliche Wanderleben des Gesellen als Bildhauer an den Rhein über Kolmar, wo er wohl bei Schongauer gearbeitet hat, und Nürnberg schließlich nach Würzburg(148Z), wo er dann bis zu seinem Tode am 18. Juli 1S31 geblieben ist. Seine Werkstatt ver- sorgt« die Städte und Dörfer Unterfrankens mit jenen großen Schnitzaltären, von denen heute noch, nach vielen und gründlichen Zerstörungen, der Heilige Blut- und der Annen-Altar in Rothen- bürg o. Tauber und der in der Herrgottstirche zu Creglingen an Ort und Stelle zu sehen sind; während z. B. von dem gewaltigen Hoch- altar im Dom zu Würzburg, wie von dem Münnerstädter und zahl- reichen anderen nur Bruchstücke in öffentlichen und privaten Samm- lungen erhalten sind. Die späteren Umbauten der Kirchen von der Barockzeit bis zum 10. Jahrhundert haben uns unzähliger kostbarer Werke unserer großen Gothikcr beraubt. Riemenschneider Hot aber sein größtes und trogisches Erlebnis erst am Schlüsse seines Lebens gehabt. Er stand beim Bischof und Domkapitel von Würzburg, nicht minder bei der Bürgerschaft in so hohem Ansehen, daß er von ISO? bis ISZS Ratsherr und eine Zeitlang auch Bürgermeister gewesen ist. Der Bauernkrieg 1S2S ließ ihn, wie die Stadt Würzburg für die Unterdrückten Partei ergreifen, und noch der graufamen Niederschlagung dieser ersten großen Revolution hat auch er die Rache. des BUckzofs spüren müssen. der ihn einkerkerte und den Folterknechten uberäätwni tele M,t Muhe entging der große Meister dem Henkerstöde. und sicher ist, daß er seitdem nicht» mehr geschaffen hat Die Wut der Tyrannen hat diesen großen Geist zugrunde gerichtet. E» verdient bemerkt zu werden, daß dieses Jahr der politischen Wende 152S auch dos Schickfalsjohr der deutschen Kunst und Kultur gewesen ist. Wie man e» nehmen will, welche Gründe wirtschaftlicher, religiöser, kultureller Reaktion hier such zusammengewirkt haben: die große Zeit der deut- schen Kunst, die etwa ein Jahrhundert umfaßt, ist um die Mitte der zwanziger Jahre beendet; und nicht bloß darum, weil fast olle Großen in diesen Iahren gestorben sind. Die romantische Epoche hat schon vor hundert Iahren den Todestag Riemenschneiders, wie vorher den Albrecht Dürers, festlich begangen. Man empfand damals durchaus die geistige Verwandt- schaft mit dieser Zeit großartigen Aufschwungs und die Herrlichkeit der spätgotischen deutschen Kunst. Das superkluge 10. Jahrhundert hat dann in fast abenteuerlicher Weise an dem Bilde Tilman Riemenschneiders herumgemäkelt und aus seinem Werk alles Bc- deutende entfernen wollen. Es war kein Geringerer als Wilhelm Bode, der Riemenschneider den Creglingcr Altar und andere Haupt- werke aberkannte und au» ihm einen ziemlich mittelmäßigen Bild- schnitze? mochte. Die neuere Forschung ober hat ihm alle Werte zurückgegeben und die Größe dieser einzigartigen Persönlichkeit un- antastbar wieder hergestellt; ein seltsamer Beleg für die Fähigkeit der Kunstwissenschaft, mit der Linken Unheil anzurichten und mit der Rechten dem wahren Gefühl für das Unsterbliche zum Siege zu ver- helfen. Denn Riemenschneider ist ahne Zweifel einer der Großen in der Kunst, deren Wert al» unveräußerliches Gut der Menschheit immer erhalten bleiben muß. Er gehört in die Reihe der Genies, die das deutsche Empfinden von der Tragik des Daseins rein und vollkommen ausgedrückt haben; er gehört an die Seite von Grünewold, Veit Stoß und Rembrandt. Das spürt man unmittelbar vor seinen holz- geschnitzten Heiligengestalten, von denen das Deutsche Museum in Berlin eine köstliche Auslese in einem Räume versammelt hat sein positives Verdienst von Bode und seinen Mitarbeitern!). Die Ein- kleidung seiner Weltanschauung in die üblichen Gestalten der christ- lichen Legende kann auch eine ungläubig eingestellte Menschheit nicht irritieren. Es handelt sich bei diesen asketisch hageren Gebilden ebenso sehr um eine Wiedergabe katholischer Dorstellungen, als um das unmittelbare Erlebnis des menschlichen Leidens, das Riemenschneider in ihnen verkörpert hat. Oft genügt nur eine Hand, ein tränenloser Schmerzensblick der gequälten Kreatur, um uns das unermeßlich Tragische des Lebens mit tiefer Erschütterung wahrnehmen zu lassen. Ja, es ist so, daß selbst die Kleiderhülle um seine Figuren in ihrer wilden Zerknitterung als Symbol leidenschaftlicher Klage erscheint; daß wir in diesen hart gebrochenen Falten dasselbe Gefühl der Zer- knirschung und des Leidenmüsiens sehen, wie in seinen hageren Ge- sichtern und Gebärden. Gerode der Proletarier wird hier überoll das Mit-Leiden mit der Qual unerbittlichen Daseins erleben, einen Spiegel seines eigenen Elends in den Gestalten des großen Bildners sehen. Denn ihnen ollen, gleichgültig, wie ihre Nomensbejtimmungen lauten, ist von dem Meister das Zeichen der Lebensnot unouslöfch- lich eingebrannt. Doch wird man fein« Bedeutung völlig nur erfasien können beim Anblick eines der ganz erhaltenen Altäre, die man freilich in Ereg- lingen und Rothenburg im Taubertal aussuchen muß lschöne Pboto- graphien davon hat die Kunstbibliothek in der Prinz-Albrecht-Stroßc ausgestellt). Die Kunst der ausgehenden Gotik gipfelte in diesen mächtigen Gebilden, die die ganz« Höhe und Breite der Kirchenchöre einnehmen. Ihr Anblick wirkt heut« so überwältigend wie vor vier- hundert Jahre«, well pe zu den größte« Offenbarungen des mensch- lichen Geiste- gehören. Das System de» Aufbaues K kunstvoll gesteigerten Geschossen, das Zusammenwirken zahlreicher oft über- lebensgroßer Gestalten und Bildszenen in einem gewaltigen Architek- turgefllge, die Pracht der plastischen und farbigen, mit Vergoldung erhöhten Einzelheiten steht einzig da in der Kunst aller Völker und wird zur Erhabenheit gesteigert durch ihre Einordnung in das hohe Gewölbe des gotischen Chors und seine Raumschönheit. Faßt man den ergreifenden Eindruck der einzelnen Gestalten Riemenschneiders zusammen mit jener göttlichen Symbolik gotischer steil aufschießender Architektur von Altar und Kirchenchor, so muß man wohl gestehen. daß dies zu den stärksten und erschütterndsten Eindrücken der Kunst gehört.__ Paul F. Sdunidt. Weiße Wecke Der englische Forschunesreisende Bertram Thomas, desien Berichte über feine Durchquerung der arabischen«vandwüste gegenwärtig in der englisch-amerikanischen Presse zu erscheinen bc- ginnen, hat wieaer einen weißen Fleck, und zwar einen nicht un- beträchtlichen, von der bunten Karte der Well getilgt. Denn das von ihm erforschte Gebiet, nicht weniger als anderthalbmol so groß wie Frankreich, von den Küstenaradern als das Reich der D j i n n s, der bösen Dämonen bezeichnet, in das kein Weißer je Eintritt jand, war vor Thomas jo unbekannt, als ob«s auf dem Monde läz«. Der Wilstensano, so qcng dte Sac-e, yavr taul Nif Shrtieni ijuer Städte unter sich begroben, die zu einer Zeit blühten, da nock«nc Handelsstraße das ungeheure Sondmeer de» Inneren Südarabcen.- von Osten her durchquerte. Ob sich dort jruchtbore Oasen vor- sänden, ob barbarisch« Stämme dort lebten, wußte man ebensowenig wie, ob die Ueberlieserung zutresse, dos gewaltig« Flug- fandmasien den vorwitzigen Reisenden dort erstickten. Nun, Bcr- tram Thomas hat zwar keine alten Städte vorgefunden, ober den- noch eine der bedeutsamsten Forschertaten der letzten Zeit vollbracht. Hauptschauplatz des Kampfes der Wissenschast gegen das Un- bekannte wird wohl auch in der nächsten Zukunft die Antarktis sein, deren Erforschungsgeschichte schon heute unlösbar mit dem Namen des Admirals Byrd verknüpft ist. Ist die Antarktis ein großer Kontinent oder handelt es sich bei ihr um zwei Kontinente, die durch eine stets vereiste Meeresstraße voneinander getrennl werde»? Wie sind ihre mächtigen Gebirgsketten entstanden? Wie beschaffen ist der Einfluß dieser gewaltigen Eis- und Schneemassen auf das Klima der Welt? Don weit geringerem geographischen Interesse ist schon die Arktis, obwohl auch sie bald wieder durch das kühne Unter- nehmen von Hubert W i l k i n s, der im Unterleeboot zum Nordpol streben will, die Aufmerksamkeit der ganzen Welt auf sich lenken wird. Die Flüge von Amundsen, Ellsworth und W i l- kins haben esc außer Zweifel gestellt, daß es im Polarmeer nörd- lich der kanadischen arltischen Inseln kein Festland gibt, und e» be- steht nur eine äußerst geringe Wahrscheinlichkeit, daß in anderen unbekannten Teilen der Arktis Land vorhanden ist. Di« Arktis ist heute hauptsächlich für die Meteorologen von Interesse, da verläß- liche Wettervoraussagen ohne Stationen in diesem Gebiete nicht ge> macht weroen können. Aber auch die Tiefenmessung de, nördlichen Eismeeres ist von sehr großer Bedeutung, und ,zu diesem Zweck dient hauptsächlich die Expedition von Hubert Wilkins. Doch nicht nur rings um die beiden Pole gibt es Arbeit für Forscher. Der südamerikanische Kontinent hat gleich- falls noch gewaltige unentdeckte Gebiete aufzuweisen. Fast Nichtwissen wir vom patogonischen Eiakap, dem gewaltigsten kontinentalen Eiskap außerhalb der Polargebiete. Nörolich davon dehnt sich der Gran P a j o n a l aus, cin riesiges, grasbewachsenes Tafelland, das vielleicht eines Tages besiedelt werden und heute von feindlichen Indianerstömmen bewohnt wird. Große Teil« de-- Gran Chaco, zwischen Paraguay uno Bolioia, sind, obwoh! sie wiederholt Streitgegenstand für beide Staaten gewesen sind, nocl' unerforscht. Die Pampa de Sacramento ist nur sehr wenig bekannt, und aus dem Gebiete der Zuflüsse des Amazonenstromes, östlich vom brasilianischen Hochland, kommen phantastische Berichte über unbekannte Bolksstämme und alte Städte. Uno der größere Teil des Terriiorums zwischen den großen Zuflüssen des Amazonas in Bolioia, Ecuador, Kolumbien und Venezuela, sudlich vom Orinoko, stellt ein Gebiet dar. wo der weiße Mann nur in der Soge leot. Die Su6;e nach dem Ouellengebietc des Orinoko schließlich ist noch immer nicht abgeschlossen. Wenn wir etwa noch große Teile Zentraloustraliens. die man zwar durchquert, aber nicht eigentlich erforscht hat, da» Ungavaland im Norden der kanadischen Provinz Quebec, Teile Nordsibiriens. in die bisher nur Nomadenstämm« vorgedrungen sind. Teile der Wüst« Gobi, Tibets und der Lybischen Wüste er- wähnen, so dürfte die Aufzählung der unerforschten Gebiete der Erde wohl vollständig sein. Trotz Aeroplan, Unterseeboot und Radio dars man wohl die Vorausjage wagen, daß noch viel« Jahr« ver- streichen werden, bevor der letzte weiß« Fleck von den Landkarten verschwunden sein und das Antlitz der Erde keine Geheimnisse mehr bergen wir»».. Qr. L, K. billiger Sonnabend im Zoo. Am heutigen Sannabend, dem 18. d. M., kostet von 2 Uhr nachmittags ad der Eintritt in den Zoologischen Garten für Erwachsene nur 50 Pf., für Kinder nur 2Z Pf.; diefelbe Ermäßigung gilt für das Aquarium. Nachmittag 4 Uhr Konzert der Kapelle Artur Guttmann. Allgemeine Wetterlage. In vielen Gegenden Deutschlands war am Freitag eine Vc- ruhigung des Wetters eingetreten. Zu nennenswerten Nieder- schlagen kam es noch in West- und Nordwcstdeutschland. Jetzt zieht von Irland eine neue Depression heran. Sie wird auch unser Gebiet erreichen. Eine durchgreifende Umgestaltung der Gesamtwetterloge scheint noch nicht bevorzustehen. * Wetterausfichlen für Perlin. Zunächst trübe, später veränder- lich. erneut Regensälle, vereinzelt in Begleitung von Gewittern, windig.— Für Deutschland. Neue Wetterverschlechterung, nur im Nordosten anfangs noch wenig Niederfchlagsncigung. -Tili' r, u i ttinfenhiran» für diese Rubrik sind «erlin SB SS. Lindenstraß« 3, 0 parieinachnchien für Groß-Verlin stet, an da» Beiirkesetreteriat 2. Hof, 2 Treppen recht», zu richte», in Reu, Beginn aller Veranstaltungen 1 Ssb Uhr, sofern keine besondere Zeitangabe! heute. Sonnabend, IS. Juli. 12,. Abt.?leuß»rst»ttchtise �unktionärsißmia bei Schieb«. Schnlzendors. 20 Uhr Zahlabcnd im Lokal Erauinann, Nchflg., Schulzendorf. Vortrag! Morgen, Sonnlag, IS. Juli. «. Abt. Junge Genoffen-Fahrt stillt aus. Mr beteiligen uns an der Mh, rung durch die deutsche Vauausstelluna unter Leitung eines sachkundigen Genossen. Treffpunkt 8 Uhr Hachbahichof Bülowstraße. 15. Abt. Reichstagsbesichtigung. Treffen 12, SO Uhr, Portal S, Reichstagsufer. 24. Abt. Gruppe jüngerer Parteigenossen: Wanderung. Trcffpm:kt 7 Uhr oorinittags, Prenzlauer Allee Ecke Grcllstraße. 27. Abt. Ausflug nach Caativinkcl. Treffpunkt 8 Uhr, Bhf SchBnhmiser Allee. 91. Abt. Arbeilskreis junger Parteigenossen: t/z8 Uhr, Stettincr Bahnhof. Treffpunkt zur ssahet nach Meißnershof. Daselbst Referat des Genossen Sllpvarz über ,.12 Jahre Demokratie". Alle Genossen sind herzlich ein. geladen. Badcanzug mitbringen. 109. Abt. Fainilienausflug nach dem Restaurant„flitkeitial". Treffen 14 Uhr am Bahnhof Fricdrichs>iagcn. Abmarsch pünktlich) Uli Uhr. Beteiligung kostenlos. Arbeilsgemeinschaft der Sindersreunde Grob-Berlin. Arei» Friedrichshain. Sonntag, 19. Juli, Kreisfahrt nach Erkner zum Welttindertag. Treffpunkt 8 Uhr. Schleft-Ichcr Lahnhof. Kosten: Restsalken SO Pf., alle anderen Teilnehmer 00 Pf. Krri, Neukölln. Wir hcleiligc» uns am Weltkindertag in Zossen. Tresf. punkt für all« Falken und Helfer heute, Sannabcnd, um 14?i Uhr, am Bahnhof Neistölln. Für Falke» Privatquartier. Helfer Zugcndhcrdergc. Wimpel und große Fahnen mitbringe». Kreis Treptow. Wir beteiligen uns am Wcltkindcrtag in Erkner. Treff. punkt: Sonntag, 19. Juli, früh 9 Uhr, vor dem Bahnhof Erkner. Festbeitrag 2., Pt.— Gruppe Treptow. Treffpunkt am Sonirtagfrüh, 8 Uhr, vor dem Bahnhof Treptow. Bringt 8S Pf. und Badcilcidung mit. j Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 30, Abt. Unser Genosse Arthur Oppcrmann, Zorndorfer Str. 45 ist verstorben. Ehre seinem Andenken. Einascherung am Montag, 20. Juli, um ISzst Uhr im Krematorium Baumschulenweg. Wir bitten um rege Beteiligung. 43. Abt. Unser verehrter Genosse Heinrich Königs ist im 72. Lebensjahre nach kurzem schwerem Leiden verstorben. Jeder Genosse weiß, was wir an ihm verlöre»; unvergeßlich wird er uns bleibe». Die Einäsch>erunq stndet am Montag. 20. Juli, nachmittags 5 Uhr, im Krematorium Baum. fchulenroeg,»iefholzstvaße, statt. Um rege Beteiligung wird gebeten. W Sozialistische Arbeiterjugend Groß- Verlin Einsendvvaen fflt diese BudeU nur an da» Zagendletrelmk» Berlin SW 66. Tlndoigeab» 9 heule. Sonnabend, 18. Juli. Südwesten: Um 18 Uhr am Belle. Allianec.Plaß zur Fahrt nach dem Heide- see(Zeltbahnen mitbringen).— Hase!, Heide: 19 Uhr.Kottbusser Tor: Nachtfahrt zum Heidekee.— Süden: MV» Uhr Treffpunkt zur Fahrt Rot- Ecke.— Nor». »sten l: 18 Uhr Bahnhof Wcißensee: Fahrt nach Lank?. Werdedcziri Lichtenberg: Aelterenfahrt zur schwimmenden Jugendherberge am Peeßche. Treffpunkt 18 Uhr Stralau.Rummelsburg. Nachzügler direkt Jugendherberge. Morgcn. Sonnlag. 19. Juli. Neukölln IX: Fahrt in- Blaue. Tresfpunlt 7 Uhr Bahnhof Neukölln. Un. kosten 0,60 M._ Vorträge, Vereine und Versammlungen. # Reichsbanner..Schwarz-Rot-Gold". «eschikt«NelI»: Berlin S. 14. SedaNiaustr 87—38. Hok 2.?n Ättt, Süden. Montag, 20. Juli. Kreisversammlunq im Gaubüro. — Neukölln-Briß(3. Kameradschaft, 1. und 3. Zug). Montag, 20. Juli, 20 Uhr, an bekannter Stelle. 4. Kameradschaft. Montag, 20. Juli, 20 Uhr, Mitgliederversammlung bei Belker. Britz, Chausseestr. 92. Ref.: Kam. Scheele üder'..Moderner Strafvollzug".— Kreuzberq lZug 7 und 8). Sonntag, 19. Juli, morgens 7,30 Uhr. Untergrundbahn Kottbuüer Tor, Abfahrt nach Friedrichsfelde.— Klei, 8, Bezirk Bernau. Die für Sonntag. 19. Juli, an» aefetzie Peranstoltunq in Birkrnwtrder fällt ans. Dafür Bezirkesttzung>n Berlin, Lokal Sorgatz. Uferstr. 12. Jeder Verein«ntfendet«inen Lertrct««. So ging das Geld zum Teufel. 50000 Mark veruntreut, verschlemmt und verpraßt. F auer, 17. Zuli. sEigcnberichi.) Ein phanlaflischcs Doppelleben bildet den hinter- «rund eine» Sensakionsprozesses, der jetzt die erste Liegniher Aeriensiraskammer bcschäftigie. Auf der Anklagebank saß der vierzigjährige llenlmcister Gotlhils vlenn au» Lobris, llrei» Zauer, wegen Untreue, sortgesehlen Velrugcs, Urkunden- sölschung und unbefugten Wassenbesihes. Er hat seiner hcrrschasl unker gewissenlosestem INihbrauch seiner unbeschränkten vollmachten im Lause von rund drei Fahren elwa 50 000 Mark veruntreut. Blenn diente 12 Jahre beim Militär und wurde dann in Berlin Kriminalwachtmeistcr. Infolge schwerer Beruntreuungcn und Verschlungen verlor er sein Amt und wurde zu z w e i Jahren vier Monaten Gefängnis oerurteilt. Nach Derbügung der Strafe gelang es ihm, sich wieder versäiiedene gute Stellungen zu verschaffen. Zlm 1. Januar 1927 kam er schließlich zum Reichsgrafen von Wolken st ein-Tro st bürg auf Lobris. Es wurde ihm die gesamte Verwaltung der etwa ZOOll Morgcn großen Güter Lobris, Prosen und Merzdorf über- tragen. Blenn erhielt zuerst 259, dann 3 09 Mark monat- liches Bargehalt, sowie freie Wohnung, Deputat, Reisespesen usw. Die Reisen, die er unternehmen mußte, wurden ihm zum Verhängnis. Er führte ein eigenarkigrs Doppclleben. Während er zu Hause mit Frau und Tochter einfach und bc- scheiden lebte, trat er in Breslau und vor allem Berlin als Baron oder Freiherr von Blenn von den Pleßschen Gütern auf und lebte auf größtem Fuße. Trotz aller Selbftvorwürfe sei er immer wieder der Suggestion und Aerführung der Großstadt erlegen. Nachdem er einmal in die Liebich-Bar kam, sei es um ihn geschehen gewesen. Er verpraßte von nun an in den vornehmsten und teuersten Bcrgnügungs- und Luxuslokalen Ricsensummen. Er war in Berlin Stammgast bei Kempinski, im „Casanova", in der„Libelle" usw. Bei Sekt und schönen Frauen machte er Zechen von durchschnittlich 899 bis 1399 M. pro Abend. Im März 1929 stellte er den Rekord auf, indem er in einem Lokal in der Röhe des Anhalter Bahnhofs in Berlin an einem Abend allein 3S00 AI. ausgab. Auch auf zwei I t a l i c n r c i f e n verbrauchte er das Bielfache vvn dem, was er au Spesen erhielt. Ging ihm das Geld aus, so ließ er sich telegraphijch Gelder von Kunden seiner Herrschaft an- weisen. Nach Zlusdeckung seiner Verfehlungen floh er am 16. Juni 1939, angeblich in sinnlosem Zustand, dauernd schreiend, nach B c r l i n, wo er sich nochmals 399 M. erschwindelte. Auf dieser Fahrt hatte er eine Waffe bei sich, angeblich um S e l b st- m o r d zu verüben. Die ganzen Straftaten will er in einem Zustand der Unzu- rechnungssähigkcit begangen haben. Er führte diese darauf zurück, daß er im Kriege, w» er Flugzeugführer war, am 24. April 1916 mit seinem Flugzeug aus 139 Meter höhe abstürzte und schwer verletzt, wurde: auch bei einem Autounfall wurde er erheblich ver- letzt. Der medizinische Sachverständige bezeichnete ihn als einen haltlosen Psychopathen, der aber für seine wohlüberlegten Handlungen durchaus verantwortlich sei. Die übrigen Zeugen, darunter der Prinz von Rotibor, die ihn zu Hause kennen lernten, stellten ihm ein gutes Zeugnis aus. Das Lieg nitzer Schöffengericht hatte ihn wegen dieser Straftaten zu drei Jahren sechs Monaten Gefängnis und fünf Jahren Ehrverlust verurteilt. Das Berufungsgericht setzte die Strafe auf drei Jahre einen Monat Gefängnis fest und den Ehrverlust auf drei Jahre herab. Die llntersuchungs- Haft seit 7. Juni 1939 wird voll angerechnet, der Lzastbefchl aufrecht- erhalten. Das Urteil ist rechtskräftig, da Angeklagter und Staatsanwalt auf weitere Rechtsmittel verzichteten. 'Was faat 6er Bär? ii'»«ß i ///'/,4 Uhr, im Krematorium Bäumschulenweg, Kiefholzstraüe, statt. VoiKsbtlline Ihoalar an BJIowplat:. «>/- Uhr Der Mann des Schicksals Die Komödie der Irrungen BETRIEB KEMPIHSKlkL5 Komische Oper Friedrichstr. 104 «-/- Uhr Frauen haben das gern... Muslksl. Schwank von Arnold Musikv. Watt. Kollo Sommerpr. 0.50-7.00 Theater, Lichtspiele usw. Staatstheater Geschlossen. Abonnements-Einladung für die Spielzeit 1931/32 Großer Preisabbau, wesentliche Verbesserung einzelner Platzgruppen durch Vorverlegung, sehr bequeme Zahlungsbedingungen. Anmeldangen nehmen in der Zeit von 10 bis 2 Uhr entgegen: für die Ilaalsoper und das itaauidie Sdiaaspieihans: Abonnem-Büro Oberwallstr.22, Fernsprecher: Merkur 9024, für das StaalLSdiUlenheater: Abonnem.-Büro: Charlottenbg., QrolmanstraBe 70, Fernsprecher: Steinplalz 6715 BsrSaroiM 925S TSpl. 5 u. 8i/2 U. H. U.H. Wllllsmt Lee Gail- Ensemble Orlf. SWhlrlwIndB Bob Rlpa Oll« Brandt ,,» PLAZA |Nurb.31.Jull| LEHÄR- OPERETTE DAS UNO DES LÄCHELNS Berliner IIlk-TriO N• a k B 1 1 a. 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Srantiuxtorstr. tädöstSc.-_____»itease.... Drei Forderungen. Aon der Mißwirtschast zur Wirtschastsführung. Von Fritz Naphtali. Die Anerkennung der Vordringlichkeit, dos erschütterte Kreditgebäude in diesem Augenblick zu stützen und den stocken- den Zahlungsverkehr, von dem eine Lähmung auf die ganze Wirtschaft ausgehen muß, zunächst mit allen Mitteln wieder in Gang zu setzen, darf den Blick nicht dafür trüben, daß in diesen Krisentagen ein Maß von kapitalistischer Mißwirt- s ch a f t vor der breitesten Oeffentlichkeit entrollt worden ist, das dazu zwingt, mit den Forderungen zur organischen Um- gestaltung der Wirtschaftsführung Ernst zu machen. Der Augenblick, in dem der Schleier zerrissen ist, hinter dem sich wirtschaftliche Fehlleitungen in großem Stile und einer Häufung von verantwortungsloser Mißwirtschaft im einzelnen verborgen hatte, darf nicht nur dazu dienen, einzelne Wunden auszubrennen oder zu verbinden, er darf nicht nur dienen zu einer„Sozialisierung der Pleiten", bei der das Reich helfend den kapitalistischen Risikoträgern beispringt, sondern er muß auch benutzt werden, um die seit langem notwendigen, aber auf Grund der Widerstände der Interessenten immer wieder ver- schleppten Reformen durchzuführen. Die Reformen, die den Weg von der kapitalistischen Mißwirtschaft zu einer plan- mäßigen Wirtschaftsführung und- kontrolle weisen sollen, und die wir heute als vordringlich auf die Tages- ordnung setzen, stellen nicht einen Sprung vom Kapitalismus zum Sozialismus dar, sie stellen nicht eine plötzliche Ueber- Windung aller Schäden der fteien privaten Verkehrswirtschast dar, die wir im Augenblick der Krise gar nicht für möglich halten, aber sie weisen die Richtung, in der die Entwicklung vorwärts getrieben werden muß, wenn man bei uns selbst und in der Welt das Vertrauen dafür gewinnen will, das nach den Erfahrungen der jüngsten Zeit die Mißwirtschaft nicht verewigt werden soll, sondern daß der Weg zu einer gesunden Wirt- schaftsführung gebahnt werden soll. Nicht von einzelnen Personen, nicht von irgendeinem mit mystischen Kräften ausgestatteten Wirtschaftsdik- t a t o r können wir die notwendige Anbahnung des Syftcmwandels erwarten. Dazu bedarf es vielmehr des Einbaus von Institutionen der Wirtschaftskontrolle und der Wirtschaftslenkung. Diese Institutionen müssen demokratisch aufgebaut sein, sie müssen bei der Arbeit der Wirtschoftslenkung das Monopol oder, man kann vielleicht richtiger sagen, die Inzucht des Kreises der sogenannten Wirtschaftsführer brechen und der Ge- semtheit der arbeitenden Bevölkerung, deren Anteil am Risiko falscher Wirtschaftsführung niemals deutlicher demonstriert worden ist als in diesen Tagen, den Weg frei machen zur Teilnahme an der Lenkung der Wirtschast, die unser Schicksal ist. Nicht das gesamte Programm der wirtschaftlichen Um- gestaltung soll in diesem Augenblick neu entrollt werden, sondern wir wollen uns begnügen, in diesem Augenblick drei Forderungen in den Vordergrund zu rücken, für deren sofor- tige Erfüllung auch unter Benutzung des Mittels der Notver- ordnung uns die Verhältnisie reif, ja, überreif zu sein scheinen. 1. Die Reform des Aktienrechts. Jahrelang Hot man unter der Hemmung der Interesienten gezögert, Miß- stände im deutschen Aktienwesen zu befestigen, und infolge- dessen hat man immer neue Mißwirtschaft sich entfalten lassen und neue Vertrauenserschütterungen erzeugt. Vom Favag- Krach bis zur Nordwolle ist ein langer Weg, der mit Leichen gepflastert ist. Es kommt jetzt nicht darauf an, jede Einzelheit der vorgeschlagenen Aenderungcn eines Ministerialentwurfes zur Aktienrechtsreform zu verwirklichen oder zu diskutieren. Aber es gibt einige Punkte, in denen unverzüglich die Reform in Kraft gesetzt werden muß. Die Verschärfung der Verantwortlich- k e i t e n und der Regreßpflichten von Vorstand und Aufsichtsrat der Aktiengesellschaften ist dringend notwendig, um das Gewissen zu schärfen, um zu verhindern, daß die Ver- antwortlichen, wie es so oft geschieht, mit einem blauen Auge davonkommen, während breite Masten der Bevölkerung die Kosten ihrer Mißwirtschaft zu tragen haben. Die Einführung der Pflichtrevisionen nach dem Vorschlag des Reichsjustizministeriuws muß unverzüglich durch- geführt werden, damit endlich die Veröffentlichung der Ver- waltungen der Aktiengesellschaften das Vertrauen genießen können, um das sie durch Bilanzschwindel und-Verschleierung in legalen und illegalen Formen in hohem Maße gebracht worden sind. Die Publizitätsvorschriften bei den Aktien- gesellschaften, deren Unzulänglichkeit bekannt ist, müsten sofort verschärft werden. Die Vorschläge des Reichsjustizministeriums, die manchen Fortschritt enthalten, können dabei zur Grund- läge genommen werden. Sie sind aber zu ergänzen vor allen Dingen durch die Verpflichtung der vollen Veröffentlichung aller Bezüge von Vorstand und Auf- sichtsratsmitgliedern. Die Publizität dieser Bezüge ist notwendig zur Hemmung des gerade in unserem Aktien- wesen außerordentlich scharf ausgeprägten Systems der Be- reicherung der Verwaltungsmitglieder, das auch dann zur An- wendung gelangt, wenn es dem Unternehmen schlecht geht, wenn die Aktionäre keine Dividende erhalten und den Ar- beitern die Löhne gekürzt werden.. Alle Publizitätsvorschriftcn werden aber unwirksam bleiben, wenn nicht eine Reichs in st anz geschaffen wird, die über ihre Einhaltung zu wachet� hat. Nach dem herrschen- den Recht bleiben olle Verletzungen der Publizitätsvorschriften so lange ungeahndet, bis es bei eitler Gesellschaft zum Krach kommt. In Zukunft muß es eine Instanz geben, die darüber wacht, daß der Brunnen der Verschleierung zugedeckt wird, be- vor das Kind hineingefallen ist. 2. Die Kontrolle der Kartelle, Trusts und aller monopolistischen Bindungen. Zur Krisen- Verschärfung, zur Fchlleitung von Kapital, zur Hemmung der Preissenkungen, die zur Krisenüberwindung auf den Gebieten der künstlichen Preishochhaltung notwendig sind, haben wenige Erscheinungen mehr beigetragen all» die Fehler der Preis- und ProduttionspoLttk der großen Monopolatstmijationen Sonntagsprediger Hugenberg ,Zhr lieben deutschen Landsleute, verzaget nicht. Denn sehet, ihr Kindlein, ich bin bei euch und bei mir sind 23 Millionen von der Danat-Bank.. Ltnhattbare Reichsbankmaßnahmen. Berechtigter Gemeinde- und Spartasfenbedarf einfach an die Wand gedrückt. In den deutschen Städten und Gemeinden, besonders in den- jenigen mit starker Arbciterbcvölterung und mit hohen Arbeitslosen- zisfern, besteht ein erheblicher Kassenbedars zur Auszahlung der Wohlfahrtsunter st ützungen. Dieser Kassenbedarf ist vorhanden und muß beftiedigt werden, bis die laufenden Steuern eingegangen sind. Außerdem müsten die Gemeinden, soweit die Steuern und Ueberweisungen nicht ausreichen, Kredite für die Unter- stützungszohlungen aufnehmen. Gegenwärtig ist es unmöglich, ohne weiteres von den Spar» lassen und sonstigen öffentlichen Banken die er- forderlichen Kredite zu erholton. Die einzige Kreditquclle ist für die Städte gegenwärtig die Reichsbank. Die Möglichkeit zur Befriedigung der kommunalen Kreditbedarfs ist dadurch gegeben, daß die Spar» lasten und�Kommunalbonken ihre seftverzinsluchen Kapstalanlagen— Staats- und Gemeindeanleih«» sowie Pfandbrief«— bei den Reichsbankstcllen und bei der Reichsbank in Berlin beleihen lassen. Berfuche dazu sind in den letzten Tagen gemacht worden. Die Reichsbankleitung hat jedoch die Lombardierung von Wertpapieren der Sparkasten und Kommunalbeamten rundweg abgelehnt. Sie lehnte sogar die Beleihung von Staatsanleihen und Pfand- briefen ab, die auch nach dem Gesotz bei der Reichsbank lombord- fähig sind. Selbstverständlich, daß sie die Beleihung von Kommunal- anleihestücken ablehnte, nachdem der unerhörte Zustand immer noch besteht, daß Kommunalanleihen, obwohl sie mündelsicher sind, von der Reichsbank schlechter behandelt worden als Pfandbriefe von Privatbanken und anderen Anleiheartcn, die nicht mündelsicher sind. Der Grund für dieses Verhalten der Reichsbant liegt in folgendem: im Generalrat der Reichsbank sitzen in erster Linie Vettreter der privaten Großbanken. Mit Zustimmung der Reichsbankleitung scheint da» gesamte Kredit- k o n t i n g e n t, das bei der Reichsbank zur Verfügung steht, einfach auf die Großbanken oerteilt worden zu sein. Wir haben Grund zu der Annahme, daß die Beteiligung der Sparkasten und Kommunalbanken an der Kreditgewährung der Reichsbant nicht ohne Absicht ausgeschlossen haben. Da die Re i ch s b a n k- l e i tu n g das geduldet hat und da sie sich auf der anderen Seit« über die unabsehbaren Gefahren im klaren sein muß, die mit der Ausschließung der Sparkassen und der finanziellen Aus- hungerung der Städte und Gemeinden verknüpft find, wird man in ihrem Vorgehen einen neuen Beweis unzulänglicher Vor- aussicht und Urteilsfähigkeit erblicken müssen. Wir halten es für unbedingt notwendig, daß dieser Zustand sofort beseitigt wird. Wenn die Reichsbank aus eigenem dazu nicht in der Lage sein sollte, so muß das Reich selbst Mittel und Wege finden, die Aushungerung der Gemeinden zu verhindern und die Städte und Gemeinden mit den erforderlichen Geldmitteln aus- zustatten. Wir halten es auch für nötig, daß das Reich den stärksten Druck auf die Reichsbank ausübt, um der ein- seitigen Bevorzugung der Privatbanken ein Ende zu bereiten, endlich die Lombardfähigkeit der Kommunalanleihen zu erzwingen und nötigenfalls auch jene Veränderungen im Reichsbank- g e j« tz herbeizuführen, die eine einseitige Benachteiligung der öffenllichen Wittschaft und der Gemeinden in Zukunft ausschließen. Beamienbund mahni zurBesonnenheii. Die Beamten müssen das Beispiel geben. Der Deutsche Beamtcnbund wendet sich in seinem Dr- gan„Der Beamtenbund" vom 17. Juli mit einem Aufruf an die Beamtenschaft, in dem es heißt: Nicht Nervosität, sondern Besonnenheit muß gerade jetzt von den Beamten an den Tag gelegt werden. Nur so nützen sie dem Volksganzen, sich selbst und jedem Einzelnen. Kein aus Panikstim- mung geborenes unüberlegtes Handeln, wie Hamstern von Zah- lungsmitteln oder Waren, wodurch die Sachlage nur verschärst wird, vielmehr durch das eigene Beispiel zur verständnisvollen gc- meinsamsn Ueberwindung der Katastrophenfrage beitragen, ver- langt der Ernst der Lage von den Beamten. Daß wir ständig auf dem Posten sind, in jedem Augenblick für etwa bedrohte Interessen der Beamtenschaft eintreten zu können, ist selbstverständlich. Zu- nächst aber gilt es, als Deutsche die über das deutsche Volk her- eingebrochenen schweren Gefahrentage unter Zurückstellung aller sonstigen Gegensätze zu überwinden. Deutschland. Wir haben deshalb seit langem aus Gründen der allgemeinen Wittschaftspolitik und der Konjunkturpolitik die Forderung nach einer weitgehenden öffentlichen Monopol- und Kattellkontrolle erhoben. Wir haben immer betont, daß der Träger einer wirtlich wirksamen Monopoltontrolle ein Reichs- amt fein muß, in dem neben den beamteten Kräften die Ver- treter der Wirtschaft, d. h. paritätisch die Vettreter der Unter- nehmer und der Arbeiter und Angestellten und die Vettreter der Konsumgenossenschaften, mitarbeiten müssen. Wir können hier auf die Darlegung von Einzelheiten verzichten. Der s o z i- aldemokratische Initiativgesetzentwurf vom 9. Dezember 1930, der alle notwendigen Bestimmungen enthält, liegt der Regierung vor. Es handelt sich jetzt nur dar- um, ihn unbekümmert um alle Jnteressentenwiderstände endlich in Kraft zu setzen. 3. Bankenaufsicht und Kapitallenkung. Der Fall der Danat-Bank hat gezeigt, daß die wahren Risiko- träger der Großbankinstitute nicht die Aktionäre, die bisher ihre Dividende erhalten haben, und nicht die persönlich haften- den Gesellschafter, die bisher aus Geschäftsgewinnen und Auf- fiichtsratstantiemen Millioneneinkommen bezogen haben, son- dern alle deutschen Steuerzahler sind, die bisher noch nie etwas von der Bank profitiert haben, jetzt aber für die Bürgschafts- übernähme des Reiches einstehen müssen. Es geht nicht an. daß die Oeffentlichkeit sich um die Führung der großen Kredit- institute erst dann kümmert, wenn sie zahlungsunfähig sind. Die Banken müssen in ihrer Geschäftsgebarung einer öffent- lichen Kontrolle unterworfen werden, damit das geschwundene Vertrauen in die Weisheit und Zuverlässigkeit ihrer Führung allmählich wiedergewonnen wird. Man kann dabei an die Einrichtung eines B a n k a u f f i ch t s a m t e s mit bestimmten Kontrollaufgaben denken. Es gibt dafiir in begrenztem Um- «a Vorbild in dem Reichsaufsichtsamt für Pttoatoer- ficherung. Dieses Vorbild darf aber nicht einfach kopiert werden. Es darf nicht in einem Bankauffichtsamt das Schwergewicht des Einflusses neben den notwendigen Beamten bei den Ver- tretern der Banken selbst liegen. Man darf die Böcke nicht zu Gärtnern machen. Damit hat man auch, wie der Fall Favag zeigte, bei der Privatversicherung schlechte Erfahrungen ge- macht. Man muß dafür sorgen, daß das Bankaussichtsamt de- mokratifch aufgebaut wird, daß neben den Sachwaltern des Staates auch hier die Vettreter verschiedener Wittschafts- zweige in Parität zwischen Vertretern der Unternehmer und der Arbeiter und Angestellten zusammenwirken. Es genügt aber nicht, daß das Aufsichtsamt für die Solidarität der An- lagen und der Geschäftsführung im Interesse der Bankeinleger sorgt. Darüber hinaus muß in Verbindung mit der Reichs- dank als dem zentralen Kreditinstitut der Wirtschaft ein Ap- parat derUeberwachungundLenkungdesKapi- talstroms aus den verschiedenen öffentlichen und privaten Kreditinstituten unter voltswirtschaftlichen Gesichts- punkten aufgebaut werden. Es kommt darauf an, durch die Einschaltung der volkswittschaftlichen Führung gegenüber den rein privatwirtschaftlichen Gesichtspunkten die ungeheuren Fehl- lettungen zu verhindern oder mindestens statt zu verttngern. die sich in der Vergangenheit aus den pttoatwirtfchaftlichen Operationen, die von den Banken oder mit Hilfe der Bank«n durchgeführt wurden, ergeben haben. Wenn diese drei dringlichsten Forderungen der Neugestaltung unserer Wittschaft(abgesehen natürlich von der not- wendigen Wiederherstellung eines gesunden Geldverkehrs) mit Energie und Kühnheit in diesem Augenblick der allgemeinen Verwirrung durchgeführt werden, dann wird von ihnen eine große Vertrauens st ärkung ausgehen. Denn man wird spüren, daß der Wille vorhanden ist, ornt der Mißwittschaft den Weg zur Wirtschaftsführung z»ffnd«a, Arbeiter, Angestellte, Beamte! Die gsajerkschnftlichen Spitzenkörperschasten»erfolgen mit ge. spannter Auftnerksomkcit die Entwicklung der wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse in Deutschland. Dos verantwortungslose handeln von Konzcrngcwaltigcn und Lonksürsten, die mangelnde Kontrolle der Grohunternehmungen, hat die innere Vertroucnskrisis heraufbeschworen, die über dem Zusammenbruch des Aordwolle-Konzcrns, im Sturz der Donot- Dank offenbar wurde. Die nationalistische Propaganda mit ihren Stahl helmparadcn rief das Mißtrauen der ausländischen Kreditgeber hervor. Kredit- kündigungen des Auslands, Kapitalflucht und Devisenhomsterei entzogen der deutschen Wirtschaft die notwendigen-.Zahlungsmittel und verursachten so die tiefgehenden Störungen dieser Tage, Wir verlangen: Sicherung der Lohn- und Gehaltszahlungen, sowie aller Sozial- renten und Erwerl�losenunlerstühungen. Abänderung der Rot- Verordnung vom S. Zuni lSZt. im Sinne unserer gewerk- schoftlichen Forderungen. Wir verlangen weiter von der Reichsregierung, daß sie, ohne Rücksicht auf politische Quertreibereien olles tut, um bei den inter- nationalen Verhandlungen in Paris und London große, longsristige Anleihen für Deutschland zu erreichen, um der deutschen Wirtschaft und damit der deutschen arbeitenden Bevölkerung die Lebensfähigkeit zu erhalten. Die Wicdergesundung des deutschen und europäischen Wirtschaftslebens ist nur möglich, wenn die Kaufkraft der breiten Massen der Bevölkerung durch Erhöhung des Reallohns gesteigert wird. Die Gewerkschaften lehnen energisch jede sozialpolitische Der- schlechterung ab. Sie dulden nicht, daß die arbeitende De. völkcrung die Sünden der„Wirtschastskapitänc" büßen soll. Die Gewerkschaften sind für jede Situation gerüstet! Je geschlossener und einiger sich die arbeitende Bevölkerung hinter ihre Gewerkschaften stellt, um so aussichtsreicher ist ihr Kampf. Bewahrt weiter Ruhe und Besonnenheit! Allgemeiner Deutscher Gewerkschastsbund. Ortsausschuß Berlin. Allgemeiner freier Angcstelltcnbund. Ortskartell Berlin. Allgemeiner Deutscher Beamten&und. Bezirksausschuß Berlin. Wo bleibt die 4V-E>tunden-Woche? Zuviel Ziücksichinohme auf die Unternehmer. Die Chancen für die Arbeitszeitverkürzung sind in den Verhandlungen des Rcichsarbeitsministeriums mit den Unternehmern und den Gewerkschaften der Brau-, Keram-, Siegel-, Zement- und Glasindustrie nicht verbessert worden. Nach wie vor Höst das Ministerium daran fest, die Parteien sollen auf dem Wege freiwilliger Vereinbarung einen Weg zur Arbeitszeitverkürzung finden. Daß dabei nicht viel heraus- kämmen kann, steht längst fest. Die Unternehmer wollen van einer Arbeitszeitverkürzung nichts wissen. Wenn es nach ihnen geht, dann kann die Arbeitszeit- Verkürzung nur betriebsweise geregelt werden. Gewiß sind die wirtschaftlichen und technischen Verhältnisse in den einzelnen Bezirken und Betrieben zu berücksichtigen, sowohl in der Frage der Arbeitszeitverkürzung wie in der des Lohnausgleichs, und die Ge- werkschosten sind auch hier zu Entgegenkommen bereit: allein Mo vielfach offenkundig böser Wille vorliegt, geht es nicht ohne Zwang. * Für die mechanische Fensterglasindustrie soll eine neue Arbeitszeitregclung durch Einführung von vier Schichten zu acht Stunden vorgenommen werden, wobei noch jeder Schicht eine 24stiindigc Ruhepause eintritt. Diese Umstellung, die i m E n d e s f e k t c i n c 4 2- S t u n d e n- W o ch e ergeben würde, soll demnächst im Vcrwaltungsrat des IAA. in Genf zur Verhandlung kommen. Die technische Loge der mechanischen Fenstcralasindustrie erfordert zur Zeit noch einen durchlaufenden Betrieb. In der Flaschen- olasindustric kann, wenn am Sonnabend der Betrieb zum Stillstand semmt, von Montag ab wieder gearbeitet werden; in der mechanischen Fensterglasindustrie dagegen höchstens erst wieder vom Mittwoch ab. Für die B r a u i n d u st r i e ist in den Weinbaugebicten ein Absgtzriickgang bis zu 50 Pro.;., in den übrigen Gebieten bis zu 20 Proz. jest, zustellen. Bis jetzt gelang es nur in zwei kleinen süddeutschen Betrieben, einen annehmbaren Lohnausgleich bei Arbeitszeitverkürzung zu erzielen. Der Rcichsarbeitsminister ist gegen die Arbeitslosen mit einer Härte und Rücksichtslosigkeit vorgegangen, die ohne Beispiel ist. Nun es sich darum handelt, einen Teil dieser Arbeitslosen wieder in Arbeit zu bringen, kommt Herr Stegcrwold vor Irnitcr Bedenken und Rücksichten nicht zum Entschluß. Härten sollen vermieden werden. Bei den Arbeitslosen waren sie angeblich unvermeidbar. Wir sind der Meinung, die deutschen Unternehmer hoben das Recht vorwirkt, für sich eine besondere Rücksichtnahme zu verlangen. Und im übrigen treffen sie auch Härten bei weitem nicht so schwer wie die Arbeitslosen, denen man den Bissen Brot vom Munde fort- genommen hat. Konsiikigefahr im Maßschneidergewerbe Unerhörte Forderungen der Unternehmer. Der Arbeitgeberoerband für das Maßschneidcrgewerbe bat den Reichslarifvertrog zum 31. Juli 1931 gekündigt, um neben der im Frühiohr dieses Jahres erhaltenen sechs prazentigen Lohn- s e n k u n g eine weitere Verschlechterung der Lohn- und Arbeitsbedingungen durchzusetzen. Im Gegensatz zu vielen anderen Montelverträgen enthält der Reichstarifnertrag für die Herren- und Domenschneiderei die L a h n g r u n d l a g e für die Stücklohn- und Zeitlohnarbeitc r. Ohne den Stundenlohn, wie er im gesondert abgeschlossenen Lohnabkommen sestgelegt ist, zu berühren, beabsichtigen die Unternehmer, durch eine Veränderung der Lahn- bofis eine Lohnsenkung von etwa 17 bis 20 Prozent. Daneben sollen noch die sozialen B e st i in m u n g e n verschlech- tcrt werden, wie Vermehrung der zulässigen Ueberstundcn, Abschaf- fung der F c i e r t a g s ö c z o h l u» g bei Jcitlohnarbeitern und vieles andere mehr Im ganzen liegen von den Unternehmern nicht weniger als 250 Abänderungsan träge vor, von denen sich allein etwa 200 auf die Lohnbeftiinmungen beziehen. Vom Deutschen Bckleidungsarbeiter-Bcrband find ebenfalls eine größere Anzahl Abänderungsanträge gestellt worden, die sich in erster Linie auf die Einführung der Vi e rz i o st u n d c n w o che, Gorantielahn und andere Lohn- sicherungsbestimmungen beziehen. Für eine Anzahl Tarifpositionen, dje nachweisbar in der Akkordberechnung zu tief liegen, wird Er- höhung beantragt. Obwohl eine ernste Durchberatung der beiderseitigen Anträge mindestens eine Woche in Anspruch nehmen dürfte und beide Par- teien davon überzeugt sind, daß eine Verständigung in Parteiver- Handlungen unmöglich erscheint, hat der Arbeitgeberoerband die Hinzuziehung eines unparteiischen Kollegiums vor- läufig abgelehnt. Er hat sich überhaupt bemüht, die VerHand- lungen mit einer Anzahl undurchführbarer Forderungen zu er- schweren und sie auch zu verschleppen. Die Kündigung läuft nun schon den dritten Monat Nun sollen endlich die Porteiverhondlungen am 23. Jnli in Eisenach beginnen. Veide Parteien sind aber von einem negativen Ergebnis überzeugt. Es gewinnt immer mehr den?lnschein, als ob der Arbeitaeberver- band aus taktischen Gründen über den Ablouftermin am l. August hinauskommen will, um dann möglichst freie Hand zu bekommet,. Die zur Zeit 40 000 Beschäftigten in der Herren- und Domen- schneideret werden sich ober keineswegs den diktatorischen Abbau- maßnahmen fügen. Die Organisationen werden gerode jetzt den tariffeindlichen Unternehmern dos Entweichen aus vertraglicher Ge- bundenheit verhindern. Der Arbeitgeberverband selbst hotte bei einer früheren Vertragserneuerung die Bestimmung hineingebracht, daß Handlungsfreiheit erst dann besteht, wenn nach ergebnislosen Porteiverhondlungen nochmals vor einer zentralen Schiedsstelle vcr- handelt worden ist. Immerhin stehen im Bekleidungsgewerbe hart- näckige Auseinandersetzungen bevor. Es wird gut fein, wenn die Bekleidungsarbeiter ibrc Augen offen halten. Der Reichsverband für dos Schneidergcwerbc(Innungen) bat den Beitritt als Bcrtrogskontrohent angemeldet und wird als Bc- vollmächtigter von 75 Innungen, in denen Arbeitgebcrgruppen ge- bildet sind, an den bevorstehenden Verhandlungen zum erstenmal teilnehmen. 44. Gewerkschastskongreß Oeuischlands Vierter Bundestag des AOGB. Montag, den 31. Slügust, und folgende Tage findet in Frankfurt am Main, Palmengarten-Restouront. der 14. deutsche Gevoerkschafts- kongreß statt mit folgender Tagesordnung: l. Wohl der Kangreßlcitung und der Kommissionen; 2. Bericht des Bundesvorstandes(Berichterstaiter: Th. Lcipart, Bundcsvor- fitzender): 3. Di« Umwälzungen in der Wirtschaft und die Aierzig- stundenwochc(Berichterstatter: Prof. Dr. Lederer, Heidelberg); 4. Oeff«nilichc und private Wirtschaft(Berichterstatter: Oberbürger- meister Brauer, Altona); 5. Entwicklung und Ausbau des Zlrbeits- rechts(Berichterstotter: Bimdessekretör Nörpel); 6. Anträge zu den Bundessatziiygen: 7. Wohl des Bundesvorstandes; 8. Erledigung sonstiger Anträge. NoiverordnungsürdieReichsknappschast Die Kürzung der Leistungen verfügt. Die Notoerordnung vom 5. Juni stellte für die Pcnsionskossen der Reichsknappschaft aus Reichsmitteln insgesamt 70 Millionen Mark zur Verfügung und verlangte, daß die Deckung des noch verbleibenden Fehlbetrages durch Satzun'gs- änderung. sichergestellt werde. Der Vorstand der Arbeiter. pensionskasse hatte daraufhin der Hauptversammlung Vorschläge für Einsparungen gemacht. Die H a u p t'o c r s a m m l u n g hatte ober jede Kürzung der Leistungen abgelehnt. Nunmehr hat der Rcichsarbeitsminister die erforderlichen Aenderungen der Satzung für die Arbeiterpensionskassc vor- genommen. Sic lehnen sich eng an die einstimmigen Beschlüsse des Vorstandes der Rcichsknoppschaft an. Die Reichsmittel werden nunmehr der Reichsknoppschoft in den von der Natve''ordnung vorgesehenen monatlichen Beträgen zu- fließen. ORGO.-Lohn ist nicht Tariflohn. Landesarbeitsgericht gegen Lohnabbau der??GO. Im Oktober wurde, wie von uns seinerzeit berichtet, zwischen der „revolutionären Gemcrlschafhfr'�ofitian" und einem neuen«inheii- liehen Verlag der k o m m u» i i s ch c n Zeitungen:„Rote Fahne",„Welt am Abend" und„Berlin am Morgen", ein„Tarifvertrag" abgeschlossen, der die bisherigen Löhne und Arbeitsbedin- gungen des Austragepersonals dieser kommunistischen Zeitungen er- heblich verschlechterte. Dieser neue einheitliche Verlag nannte sich Allgemeine Zeitungs- und Zejtjchristenvertricbsgescllschast m. b. H. Die Berlage der kommunistischen Zeitungen hatten sich zu einem einheitlichen Verlag zusammengctan, angeblich aus Gründen der Rationalisierung, gegen die die KPD. sonst scharf zu Felde zieht, wenn sie sich nicht in kommunistischen Betrieben abspielt. Die„Rationalisierung" bei den kommunistischen Ber- lincr Zcitungsunternehmen»nd der famose Tarifvertrag der RGO. waren bekanntlich damit verbunden, daß die Löhne des Austrage- Personals u in 3 3>- Praz. gekürzt wurden. Dieser Vertrags- abfchluß erfolgte, ohne daß vorher die mit dem Gcsomtoerband (Dcrkehrsbund) abgeschlossenen Tarifverträge gekündigt worden wären. Ein großer Teil des Austragepersanals, der sich mit diesem „revolutionären" Vertrag nicht einverstanden erklären wallte, wurde kurzerhand auf die Straße gesetzt. In einer Klage, die eine entlassene Austrägerin der„Welt an, Abend" gegen ihren Spediteur anstrengte, entschied das Arbeits- gericht, daß der RGO.-Torifnertrag r e ch t s u n w i r k s a m sei, weil die alten Tarifverträge des Verkehrebundes mit den kominiinistijcheit Zeiiungsunternehmern noch zu Recht bestehen. Der Spediteur und somit die kommunistischen Zeitungsuntcrnehmcn wurden verurteilt, der Klägerin nicht nur den Lohn für die oierzehntägige Äün- digungsfrist zu zahlen, sondern darüber hinaus auch den D i f f e- renzbetrag zwischen dem neuen R G O.- L o h n und dem vom Verkehrsbund vereinbarten Tariflohn. Damit hatte das Arbeits- gericht entschieden, daß sich die KPD. nicht einfach über Verträge bstnvezsetzen kann. die. die Gewerkschaften für ihre Mitglieder abg!* schlössen haben. Gegen dieses Urteil legte der beklagte Spediteur Berufung ein, mit der er ober beim Land-sarbeitsgericht abgewiesen wurde. Das Landesarbettsgcricht machte sich im allgemeinen die Urteilsbegründung des Arbeitsgerichtes zu eigen, in der es u. a. heißt:„Parteien eines Tarijnertrages im Sinne des§ l der Tarii- vsrtragsardnung können nur t a r i f f ä h i g c Bereinigungen fein; diese Voraussetzung erfüllt aber dos Zcitungsaustrogcpersonal, vertreten durch eine gewählt« Lohnkommission, n i ch f." Diese Lohnkommission bestand nomlich nur aus RGO.- Leuten, die die Befehle ihrer kommunistischen Verleger gehör- somst entgegengenommen hatten. Damit ist also auch vom Landes- nrbeitsgericht bestätigt worden, daß das Austragepersonal der kam- mimistischen Verliner Zeitungen Anspruch auf B c z a h l u n g nach den Sätzen des Tarifvertrages hat. die der Ge- somtverband(Verkehrsbund) mit diesen Unternehmen abge- schlössen hat.___ Ein Monai Waffenstillstand. 3n den unter dem Vorsitz des Schllchkers für wefijol.'v ge- führten Ver Handlungen wurde zwischen dem Zechenv-rbond und den Orgonisolioncn der technischen und kausmännischei, Angeslcllien eine Vereinbarung dahingehend gclrossen, daß sowohl die Lohn- wie die Man t c ltarisc um einen Monat unverändert verlängert werden._ Die spanische Gireikbewegung. Madrid. 17. Juli.(Eigenbericht.) Der Telcpbon streik hält an. Die syndikalistische Streikorgonisation fordert für die streikenden Anuieftie. während die Telephonkompagnie vorlaufig jedes Entgegenkommen ablehnt. In Sevilla ließ der Zivilgouverneur 35 Streikende wegen Sabotage- akte verhaften. Streikende hatten die Linien nach Madrid. Bar- cclona. Valencia und Granada zerschnitten. In Eartagena streiken die Hafenarbeiter, in Barcelona die Kellner und bei Oviedo dw Metallarbeiter. Immer wieder flackern neue syndikalistische Teil- streiks auf. Die republikanischen Abgeordneten der Provinzen Andalusien und Estremadura überreicbten der Regierung eine Dentschrift, in der um die sofortige Gewährung eines lO-Millionen-Peseten- Kredits ersucht wird. Die Mittel sollen zur Ausführung öffent- licher Arbeiten und zu? Eindämmung der immer größer wer- dendcn Arbeitslosigkeit benutzt werden. Forischreiiende Erfolge in Aordfrankreich Verfehlte Spekulation des Textilkonfortiums. Poris. 17. Juli.(Eigenbericht.) Im nordfron.zösischcn Tcxtilgebiet von Roubaix-Tour- c o i n g streiken immer nach annähernd 100 000 Mann. Die Zahl der Firmen, denen gegenüber die Gewerkschaften die Wiederaufnahme der Arbeit gestattet hoben, hat sich erhöht. Daraus ergibt sich, daß zahlreiche Firmen den Vermittlungsvorschlag des Ministerpräsidenten bereits angenommen hoben. Das Konsortium hat eine schwere Niederlage erlitten. Seine Hoffnung, daß nach dem französischen Nationalfest die Arbeit m größerem Umfang wieder ausgenommen würde, hat sich n i ch l erfüllt._ Arbeiislosenhilfe. Im Verlag Relmar Hobbing ist eine 5)andausgabc des Gesetzes über Ä r b e Ü svermittlung und Arbeitslosenversicherung erschienen, die in zweifacher.Hinsicht mustergültig und daher für jeden zu empfehlen ist, der sich mit den Bestimmungen dieses Gesetzes öfter befassen mutz. Das 400 Seiten umfassende Werl ist noch dem lasen B.lattsystem hergestellt, so daß bei Aende- rungen des Gesetzes Erfatzblätter leicht eingefügt werden können, so daß es immer dem neuesten Stande der Gesetzgebung entspricht. Trotz dieser Neuerung, Idie auch bei vielen anderen Gesetzbüchern angebracht wäre, unterscheidet sich das Werk weder in der Form noch Güte des Eiubands oder Papiers von festgebundenen Büchern. Der Inhalt behandelt nicht nur, wie der Titel vermuten läßt. das Arbcitsloscnversichcrungsgesctz, sondern die gesamte Arbeitslosenhilfe. So werden in den Gesetzestext an ent- sprechender Stelle die Ausführungsvorschriften zu dem Gesetz eingeschaltet und Uberall. was sehr wichtig ist. die g r u n d- sätzlichcn Entscheidungen des Ncichsversicherungsamtes beigefügt, die für die Epruchbehörden fast die gleiche Bedeutung haben wie gesetzliche Vorschriften. So sindet man, um nur zwei Beispiele anzuführen, in-dem Werk die Ausführungsvorschriften zu dem Gesetz über die Entschädigung der gewerbsmäßigen Stellen- Vermittler vom 25. März 1931 ebenso wie die Verordnung über die Krisenfürsorge, die Verondnung über becufsüblichc Arbeitslosigkeit. über Kurzarbcitcruntcrstüitzung und nach vieles mehr. Auch noch in einem Anhang sind viele'Gesetze, die irgendwie mit der Arbeitslosen- Hilfe im Zusommenhang ftchcn, oder die w'chtigstcn Auszüge daraus abgedruckt, so daß man im diesem Werk alles aus dem Gebiete der Arbeitslosenhilfe sachlich geordnet beieinander findet. Das Handbuch ist eine Gemeinschaftsarbeit von Dr. Fritz Bcrndt. Dr. Bernhard Lehfeldt. D'r. Oskar Weigert, Margarete Ehlert und Dr. Friedrich Syrup, olsof von den ersten Sachkennern auf diesem Gebiet. Wenn auch der Preis des Werkes— in Ganzleinen mit Schraubverschluß 18 Marll und in festem Ggnzleinen 16 Mark— -ziemlich hoch erscheint, so dürfte seine Anschaffung diese Ausgabe infolge der Möglichkeit der' Blattauswechsehmg und der Zusammenfassung aller einschlägigen l�esetze auf dein Gebiet der Arbeitslosen- hilse in einem einzigen Saonmclband im Lause weniger Jahre bald wieder wettmachen. Die Disserenzen bei denn Fleischermeistcr Emil Brückner, Britz, Rudower Str. 14, sind beigelegt. Verband der Nahrungsmittel- und Gctränkcarbeitcr, Ortsgruppe Berlin. Zuczcndaruppe des �cnsralverbandes der Ana«siellten Spicle Frcicil ab 119 Uhr auf dem LporlxlaK Huindalbihain. 1 Perantworllich kilr Politik: B>.ctor Schisf; Wirtschaft:®. ittinaelhölcr! Zcwcrkschaftsbcwcauna: Rritlw. ttfc forn; Feuilleton: Dr. Zohn Schitowski: ko'alcz und conftiflts: Stift Snuflobt; Än, eigen: Th. Glocke: snmllich i» Berlin. Verlan: Vorwärts-Verlaq G m Ib.!>.. Berlin. Druck: Vorwärls.Vuchdrnckcret „nb Verlagsanstalt Daul Sinacri u. Do. Berlin SW 69, Linbenstralle ft. gier