Gebrüder Lahusen verhastet Vom Schloß in die Zelle/ Konkursverbrechen und Betrug aufgedeckt veium Sonnabend IS.M 1931 10 Pf. Nr. 332 B 166 48. Jahrgang Erfcheinttäglich außer Sonntags. Zugleich Abendausgabe des.Vorwärts". Bezugspreis beide Ausgaben 8ü Pf. proWoche, s,«iM. pro Monat. Redaktion und Expedition: Berlin SW68,Lindenstr. 3 Fernsprecher: Dönhoff CA 7) 29-2— 297 IbwtUfa AnzeigenpretStDie einspaltige Nonpareillezeile 80 Pf., Reklamczeile 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto: Vorwa'rtS-Verlag G. m. b.H.. Berlin Nr. 37 536.— Der Verlag behält sich das Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor» mikllungen des Uutersuchungsrichlers ergaben nicht nur zahl- reiche verstöhe gegen die Bestimmungen des Handelsgesehbuches, sondern auch konkursverbrechen. Betrug durch Zührung von Geheimkonten, falschen Buchungen und Einstellung fingierter Konten in die Bücher und Bilanzen. Cr handelt sich hier hauptsächlich um die Schiebungen mit der Amsterdamer Gründung Ultra Ulare, die das Sammelbecken für Kapitalslucht und Steuerhinlerziehungen des Konzerns geworden war. Hoch nicht aufgeklärt sind die Beziehungen der Ultra ZNare zur argentinischen Firma tahusen. Unbekannt ist auch, wo mindestens 100 Millionen von den verlorenen Geldern geblieben sind. Die Bevölkerung Bremens nahm die Meldung von der Ber- Haftung der Grohschieber und Grohbelrügec mit Genugtun ng auf und erwartet, daß das verfahren ohne Rücksichtnahme auf die wirtschaftliche Stellung der verhafteten und ihre zahlreichen einflußreichen verwandten in hohen und höchsten Stellungen der Gesellschaft des Staates und der Justiz rück- sichlslos dur chgefühul mkj. Oer jüngste Lahusen nicht verhastet. Die Staatsanwaltschaft hat bisher davon abgesehen, auch Friedet Lahusen, den dritten Bruder, in Haft nehmen zu lassen. Dieser Lahusen war nur in der Verkaufsorganisation tätig. Der Verdacht, daß auch er an den Straftaten seiner Brüder beteiligt war, scheint der Staatsanwaltschast noch nicht genügend ge- kräftigt. Wahrscheinlich trüber Sonntag Unter dem Einfluß eines von Irland nach dem Osten vorge- drungenen Tiefdruckgebietes, das heute früh mit seinem Hauptkern über der Nordse elagerte, ist abermals eine erhebliche Wetter- Verschlechterung zum Wochenende eingetreten. Seit heute vormittag regnete es unaufhörlich und erst in der Nacht zum Sonntag dürften die Nkederschläg« auf- hören. Zur Zeit sind aber erneut ozeanische Luftmassen, die an der Südseite der Depression entlanggleiten, im Anmarsch. Für Sonntag ist daher mit wechselnd bewölktem Himmel bei ver- einzelten Schauern zu rechnen. Achtung, Arbeiterolympiade! Am 23. Juli treten die Ausreisegebühren in Kraft. Die Reichsregierung plant heute die Herausgabe einer Verordnung gegen die Kapitalflucht, um den Devisen- abstrom, der durch den starken deutschen Reiseverkehr nach dem Auslande entsteht, einzuschränken. Es ist die Er- Hebung einer Ausreisegcbühr von Ivv M. für jede Person in Aussicht genommen. Wenn es auch Ausnahmen von dieser Vorschrift gibt, so soll durch diese hohe Gebühr doch erreicht»verden, daß der, der nicht aus zwingenden Gründen ins Ausland fahren muß, in Deutschland bleibt und auf diese Weise Beträge von mehreren hundert Millionen Mark an ausländischen Zahlungsmitteln erspart bleiben. Diese Bestimmung der neuen Kapitalfluchtverordnung wird a m 2 3. Juli in Kraft treten. Alle Teilnehmer der Arbeiterolympiade in Wien, die bis zu diesem Tage mittels Eisenbahn oder anderer Verkehrs» mittel die deutsche Grenze passieren, werden also ohne- dies von dieser Gebühr nicht betroffen. Da einige Sonderzüge aber erst am 22. abends den Ausgangsort verlassen und eventuell erst am 23. früh die deutsche Grenze passieren, so wird der Reichsfinanzminister an- ordnen, daß die Teilnehmer mit diesen Zügen ge» bührenfrei die deutsch« Grenze überschreiten dürfen. Dasselbe ist für die mit Festtcilnehmerkarten ausge- statteten Personen geplant, die zu Fuß oder mit anderen Verkehrsmitteln nach Wien gehen. Immerhin tun diese Teilnehmer gut, die Grenze biszum2 2. Julizu über- schreiten. (Siehe auf Sportteil!) Auf Wilhelms Spuren. Die Scharfmacher steigen zum Volle herab. Am 11. September 1918, genau zwei Monate vor dem Zusammenbruch, ließ Wilhelm IL die Kruppschen Arbeiter versammeln, um eine Rede an den schlichten Mann aus der Werkstatt zu halten. Der Zusammenbruch war bereits un- vermeidbar, in der letzten Verzweiflung stieg Wilhelm zum Volke herab.„Schon lange hat es mich in diesem Kriege zu Ihnen hingezogen", so begann er.„E s h ä t t e m a n ch e s anders gemacht werden können, und daß darüber hie und da Miß st immung herrscht. i st kein Wunder"— mit diesen Worten wollte er den heraufziehenden Sturm beschwören.„Es ist jetzt keine Zeit f ü r P arte i u n gen, w ir m ü sse n un s jetzt alle zusammenschließen zu einem Block"— so warb er um die Arbeiter. Mit der Anrede S i e begann er. Aber er konnte nicht aus seiner Haut. Seine Rede schloß: „Und nun lebt wo hl, Leute!" Die rheinisch-westfälische Schwerindu» st r i e, die Scharfmacher von der Ruhr, fürchten den Sturm. Der Ruf der deutschen Sozialdemokratie an das deutsche Volk, die Schuldigen zu erkennen und entschiedene Umkehr herbeizuführen, hat sie hart getroffen. Wie Wilhelm im September 1918, so wenden sich jetzt die Scharfmacher von der Ruhr an die Arbeiterschaft ihrer Betriebe. Sie haben in ihren Werken einen Gegenaufruf gegen die Kundgebung der Sozialdemokratischen Partei anschlagen lassen, in dem es heißt: An unsere Angestellten und Arbeiter! Schwere Wirtschaftsnot lastet auf allen Schichten der Bevölke- rung. Aufs äußerste bedroht ist die Lebensgrundlage jedes einzelnen. Im Kampf um den wirtschaftlichen Wiederaufstieg sind wir um Jahre zurückgeworfen. Die in den Dienst politischer Machtbe- strebungen gestellten rücksichtslosen Kreditkündigungen seitens unserer ausländischen Gläubiger haben die Blutleere unseres Wirtschafts- körpers verhängnisvoll offenbart. Selbst diese Stunde bitterster Not nützt die Sozialdemokratie aus, parteipolitische Geschäfte zu be- treiben, um ihre Selbscherrschaft zu stärken. In einem Kampfe, in dem Wertsleitung und Arbeiter mehr denn je auf Gedeih und Verderb zusammengehören, ruft sie in ihrer Kundgebung„An das deutsche Volk!" zu einem verhetzenden und zerklüftenden Klassen- kämpf auf... Mit aller Entschiedenheit weisen wir es zurück, daß einzelne von uns selbst aufs schärfste verurteilte Auswüchse privatkapitalistisch-r Betätigung aus durchsichtigen Gründen verallgemeinert und der Ge- samtwirtschaft zur Last gelegt werden. Solche unehrlichen Methoden brandmarken sich selbst als ein Versuch, die Schuld auf den anderen abzuwälzen nach dem Motto: „Haltet den Diebl Mit einzelnen Fehlhandlungen und Zusammenbrüchen einer mißhandelten Privatwirtschaft will man die tausendfach größeren Fehler und Mißstände der halbsozialisti- schen öffentlichen Wirtschaft verdecken. Es ist nicht wahr, daß das private Unternehmertum nach Rettung durch den Staat und nach der Hilfe des Aus- landes ruft... Nicht ein Kampf aller gegen alle, der die aufbauwilligen Kräfte lähmt und zerstört, sondern ein Kampf aller für alle ist dringendes Gebot der Stunde. Nur wenn wir, anstatt gegenein- ander zu hetzen, miteinander und füreinander zu- sammenhalten, dürfen wir hoffen, die deutsche Wirtschaft und damit das ganze deutsche Volt gegen den- Ansturm von draußen zu sichern. Verein für die bergbaulichen Interessen. Nordwestliche Gruppe des Vereins Deutscher Eisen- und Stahlindustrieller. Verein zur Wahrnehmung der gemeinsamen wirtschaftlichen Interessen in Rheinland und Westfalen. „Es hätte manches anderes gemacht wer» den können, und daß darüber hie und da Mißstimmung herrscht, ist kein Wunder"— so Wilhelm. Die Scharfmacher von der Ruhr reden jetzt von „Auswüchsen privatkapitalistischer Betätigung", von ein- zelnen„Fehlhandlungen", die sie„auf das schärfste ver- Bremen, 18. Juli. Die Ermittlungen des Untersuchungsrichters in Sachen des Zusammenbruches der Norddeutschen Woll- kämmerei und Kammgarnspinnerei in Bremen G. C. Lahusen haben nunmehr zu dem Ergebnis geführt, daß dringender Tatverdacht besteht, daß nicht nur, wie bisher angenommen. Vergehen gegen die Be- stimmungen des Handels gesehbuches, sondern darüber hinaus Konkursverbrechen und Betrug durch F ü h r u ng von Gcheimkonten, falsche Buchungen und insbesondere Einstellung sin- gierter Forderungen in Frage kommen. Darauf- hin ist am Freitagnachmittag auf Antrag der Ttaatsan- Waltschaft der Haftbefehl gegen die Angeschuldigten Karl und Heinz Lahusen erlassen und voll- streckt worden, weil nunmehr Fluchtverdacht gesetzlich begründet ist. Auf Schloß Hohehorst verhastei. Bremen, 18. Juli.(Eigenbericht.) Das Belastungsmaterial beim Untersuchungsrichter hatte sich derart angehäuft, daß eine Verhaftung der Brüder Lahusen nicht mehr zu umgehen war, da selbst der Untersuchungsrichter zu der Ueberzeugung kam. daß nunmehr v e r- dunkelungsgesahr und Fluchtverdacht vorliegen. Die beiden Brüder Gustav Karl und Heinz Lahusen wurden um 9 Uhr früh verhastet. Gustav Karl befand sich, als die Kriminalbeamten mit dem Haftbefehl vorsprachen, aus seinem Herrensitz Hohehorst gerade bei der Feier seines 44. Geburtstages. welch eine romantische und romanhuste Verhastungsszene! vom Prunkschloß mit den 117 Zimmern und den 12 marmornen Ladesluben in die Zelle des Unlersuchungs- gefängnisses! Heinz Lahusen wurde in feiner Bremer Wohnung verhaftet. Leide folgten bereitwilligst den Kriminalbeamten und gaben auch por dem Untersuchungsrichter bereitwillig Auskunft. Die Er- � ßuslav(Karl Jßahusen urteilen". Die schlimmsten Auswüchse in Deutschland— das sind die Unterschriften, die unter dieser Gegenkundgebung stehen. Die grandiosesten Fehlhandlungen in der deutschen Wirtschaft, die gewaltigste Kapitalvergeudung und Kapitalvernichtung entfällt auf das Schuldkonto dieser Leute. Sie tragen die Schuld an der Schwere der Wirtschasts- krise! Ihre Trustherrschast ist es, die die Lösung verhindert. Die Herren von Eisen und Stahl, die über die Zusammen- bräche anderer den Stab brechen— das ist der Gipfel des Pharisäertums! Sie reden vom„oerhetzenden und zerklüstenden Klaffen- kämpf", als ob nicht ihr ganzes Tun und Treiben eine einzige Provokation der Arbeiterschaft wäre. Es scheint, daß es an der Ruhr noch keine von den Scharfmachern provozierte Ar- beitskämpfe gegeben hat! „W ir muffen uns alle zusammenschließen zueinem Block"— so hieß es bei Wilhelm. Die Scharf- macher an der Ruhr beten ihm nach:„Rur wenn wir, an- statt gegeneinander zu Hetzen, miteinander und füreinander zusammenhalten..." Die Herrschaften werden geplagt von der Aug st und dem schlechten Gewissen! Sie predigen jetzt den Arbeitern Burgfrieden, die sie bisher mit brutalstem Lohndruck gepeinigt haben, gegen die sie die nationalsozialisti- scheu Banden besoldet haben. Die Arbeiterschaft wird diese wilhelminische Scharfmacher- j Proklamation mit Hohngelächter aufnehmen. Es genügt je- doch nicht, über die zitternden und keifenden Scharfmacher hohnzulachen. Es gilt, Erkennwisse aus ihrer Haltung zu ziehen! Sie haben mit der Spaltungsarbeit der Kommunisten und der verlogenen Demagogie der Nationalsozialisten spekuliert. Von beiden Parteien erwarteten sie Schwächung und Lähmung der Arbeiterfront. Vor den Schädlingen der Arbeiterbewegung haben die Scharfmacher keine Furcht, in ihnen sehen sie nur ihre Helfershelfer. Der feste Stoß der Sozialdemokratie jedoch, der sozial- demokratische Apell an das deutsch« Volk läßt sie er- zittern und treibt sie zur Abwehr. Die Scharfmacher wissen, daß der einzige feste und entschlossene Gegner ihrer Politik, ihrer sozialen und wirtschaftlichen Verbrechen die deutsche Sozialdemokratie ist. Kampf dem Scharfmacherwm heißt Anschluß an die Sozialdemokratische Partei., Nach Wilhelms Sturz hat Zwietracht die Arbeiterschaft zerrissen und ge- schwächt. In der Stunde, in der die Schuld der Scharfmacher riesengroß vor dem Volke steht, ist Einheit der Ar- beiterschaft, Sammlung hinter den Fahnen der Sozialdemokratie das Gebot der Swnde! Rigoroses Vorgehen in Dänemark. Oeuffche Bankguthaben gesperrt. Wie„Politiken" mitieill, haben die Hauptbanken beschloffen. während der Dauer der deutschen Notverordnungen den deutscheu Danken nicht zu gestatten, über ihre Guthaben bei hiesigen Banken zu verfügen. infolgedessen werden Zl k k r e d i t i v e, mit denen deutsche Banken ihre Kunden versehen haben, hier nicht honoriert, auch auf dänische Banken gezogene deutsche Schecks werden nicht eingelöst. Das Vorgehen der dänischen Banken ist in dieser rigorosen Art sehr unerfreulich. Diese Maßnahmen müssen sich dahin aus- wirken, daß deutsche Kapitalien in Dänemark festgehalten, anstatt zum Rückfluß gebracht werden. Insofern stellt der Beschluß der dänischen Bankwelt einen Schlag gegen die deutschen Bemühungen und die internationalen Wünsche in der Frage der Kapitalflucht aus Deutschland dar. Gesperrte Gewerkschastsgelder. Banken zahlen Gelder für Llnterstühungszwecke nicht ans, obwohl es Versicherungsgelder sind. Zahlreiche Gewerkschasten sind gegenüber ihren Mitgliedern in schwerste Verlegenheiten gekommen. Die Privatbanken haben sich auf den Standpunkt gestellt, daß die Auszahlung von bei ihnen angelegten Gewerkschaftsgeldern auch dann nicht erfolgen dürfe, wenn diese Gelder zu Unter st Übungszwecken benötigt werden. Die Gewerkschaften haben bei der Rcichsregierung Schritte unternommen, um dem ein Ende zu machen. Der Standpunkt der Banken ist unhaltbar. Bei der Zahlung von Gewerkschastsunterstützungen handelt es sich um statutenmäßige Verpflichtungen, die Versicherungscharakter tragen. Die Beiträge sind ausdrücklich zu dem Zweck eingezahlt, um in Fällen der Not wie bei einer Versicherung wieder ausgezahlt zu werden. Die Gewerkschaften und auch die Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten A.-G. sind mit vollem Recht der Auf- fassung, daß die entsprechende Notverordnung selbst im Z 1 Ziffer 2 b und c die Auszahlung für solche Unter st ützungs- gelber freigibt. Ausdrücklich nennt die Notverordnung Ver- pflichtungen aus privatem Versicherungsvcrhältnis, denen die Banken bei Anforderungen entsprechen müssen. Auffassung und Stand- punkt der Banken müssen deshalb revidiert werden. Selbstredend hat die Arbeiterbank nach dem Sinn des Gesetzes gehandelt und derartige Gelder an die Gewerkschasten ausgezahlt, wie die Arbeiterbank es auch für selbstverständlich gehalten hat, daß sie in dem gestern von uns behandelten Fall der Auszahlung von Guthaben an Arbeits- lose diese Auszahlung nicht oerweigerte. Er hat sich auch hier gezeigt, daß Gewerkschaften und Angehörige des arbeitenden Volkes gut getan haben, sich auf die Arbeiterbank zu verlassen. Börsen bleiben geschlossen. Der Berliner Börsenvorstand hat beschlossen, mit Rücksicht auf die Beschränkungen des Zahlungsverkehrs die Eröffnung der Wert- papier- und Metallbörse vorläufig auszusetzen. Sobald der Zahlungsverkehr es gestattet, wird über die Wiedereröffnung Beschluß gefaßt werden. Die Produktenbörse soll in dem bisherigen beschränkten Umfange, also unter Ausschaltung aller Termingeschäfte, tätig bleiben. Seeckls werke: Lehrbücher der Roten Armee. Der Krieg?- und Revolutionsrat der Sowjetunion hat beschlossen, die letzten Werke de- ehemaligen Oberbefehlshabers der deutschen Reichswehr, General von Secckt, in russischer Sprache herauszugeben und sie als Lehrbücher für die gesamte Wehrmacht der Sowjetunion zu empfehlen. Die Au-soabe dieser Bücher erfolgt aus eine besondere Empfehlung des Kriegskommissars Woroschilow und des Chefs des ruffischen Generafftabes Jegorow. Die Verordnung über die presse Nur äußerste Not rechisertigt sie Niemand wird sich darüber täuschen, daß durch die neue Verordnung über die Presse die Pressefreiheit auf das äußerste eingeschränkt ist. Zwar ist es noch lange nicht so wie in Italien oder in Rußland, wo neben der regierungstreuen Presse eine andere überhaupt nicht möglich ist. Es werden auch in Zukunft Zeitungen aller Richtungen erscheinen können, doch wird ein Teil der Presse nur durch stärkste Selbstbeherrschung sich sein Lebensrecht sichern können. Dieser Teil der Presse braucht nicht immer der extremradikale zu sein. Je nach der Lagerung der Macht- Verhältnisse, die sich räumlich und zeitlich ändert, können auch Zeitungen anderer Richtung, auch sozialdemokratische, die Härte der Verordnung zu fühlen bekommen. Es ist zuzugeben, daß die nationalsozialistische und die kommunistische Presse die neue Verordnung geradezu herbei- gezwungen haben. Sie, die grundsätzliche Gegner der Presse- freiheit sind, haben mit ihr den schamlosesten Mißbrauch getrieben. Die Gefahr, daß es durch Aufreizung von beiden Seiten zu gewalttätigen Zusammen st ößen kommt, die noch viel schlimmer sind als die bisher gewohnten, war von Tag zu Tag gestiegen. Die Behörden konnten in jenem Teil der Presse überhaupt nicht zu Worte kommen, sie und ihre Handlungen wurden heruntergerissen, ohne daß sich ihnen eine Gelegenheit zur Erwiderung geboten hätte. Das bevorzugte Berichtigungsrecht der Behörden läßt sich für die Dauer mit guten Gründen vertreten. Die Be- stimmung jedoch, daß sofortige Entgegnung nicht erlaubt ist, sowie die den Regierungen verliehene Befugnis, Blätter wegen Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung zu verbieten, ohne daß ein Rekurs an irgendeine Stelle mög- lich ist, trägt den Charakter einer ganz außerordent- lichen Notmaßnahme, die nur durch einen ganz außerordentlichen Notstand gerechtfertigt werden kann. In diktatorisch regierten Staaten ist die Unfreiheit der Presse gewollter Dauerzustand. Sie entspricht dem Sinn des Systems. In einer Demokratie kann die Beschränkung der Pressefreiheit nur ein durch letzte Not erzwungener und schwer zu ertragender Ausnahmezustand sein, der zu ver- schwinden hat in dem Augenblick, in dem die Ursachen ver- schwunden sind, die zu ihm geführt haben. Aufgabe der Sozialdemokratie ist, die Voraussetzungen dafür schaffen zu helfen, daß der Normalzustand der Demokratie und mit ihm die Pressefreiheit, so rasch wie möglich wiederher- gestellt werden kann! Die Handhabung der Verordnung. Für die Handhabung der neuen Notverordnung über die Presse werden heute in einer Konferenz der beteiligten Regierungsstellen mit Vertretern der Reichs- und der Preußischen Presseabteilung Aussührungsbestimmungen festgesetzt werden, damit ein« möglichst einheitliche Durchführung gesichert wird. Der Reichs- innenminister richtet an die Länderregierungen ein Schreiben des Inhalts, daß verantwortungsbewußte sachliche Kritik in anständiger Form weder erschwert, noch gar verhindert werden soll. Die Vergrdnung ist nur gegen Auswüchse gedacht und zu ihrem Erlaß scheint besonders auch die Darstellung einer recht unbekannten Zeitungskorrespondenz beigetragen zu haben, wonach die Beamten„Inflationsgeld" als Gehalt bekämen und dadurch ge- trieben würden, nach wertbeständigem Geld zu streben! Nach Erklärung von zuständiger Stelle soll die Kommen- tierung einer Regierungserklärung in der gleichen Nummer, wenn die Regierungskundgebung aus freiem Willen der betreffenden Zeitung veröffentlicht wird, nicht gehindert werden, muß aber eine Zeitung erst auf Grund der Verordnung zum Abdruck einer solchen Regierungskund- gebung verhalten werden, dann darf sie in der gleichen Nummer nichts dazu schreiben. Für die Beschlagnahme und Einziehung einer Druckschrift sind die Länderregierungen, in Preußen weiter der Ober- Präsidenten und der Regierungspräsident von Sigmaringen, sowie die Ortspolizeibehörden und für ganz Preußen der Polizeipräsident von Berlin zuständig. Für das Verbot periodischer Druckschriften gilt ungefähr die gleiche Zuständigkeit. Die Ausnahme von amtlichen Kundgebungen und Entgegnungen können in Preußen außer der S t a a t s r e g i e r u n g die Oberpräsidenten, der Polizeipräsident von Berlin und der Regierungspräsident von Sigmaringen veran- lassen. Auch Zeitungs- und Maternkorrespondenzen fallen nach offiziöser Erklärung unter den Begriff der periodischen Druck- schriften. Sozialisten gegen Frankreichs Bedingvngen Beruhigung muß Ergebnis der internationalen Hilfsaktion sein Paris, 18. Juli.(Eigenbericht.) Es ist nicht zu bestreiten, daß die sensationell aufgemachten Mit- teilungen eines Teils der deutschen und der französischen Presse über die finanziellen und wirtschaftlichen Bedingungen für die Gewährung des SM-Millionen-Dollar-Kredits die Atmosphäre der Verhandlungen nicht gerade verbessert haben. Ein Teil der natio- nalistischen französischen Presse hat dies bereits eingesehen, denn er bemüht sich, die Forderungen Frankreichs jetzt in wenig täte- gorischer Form darzustellen. Das ist besonders beim„Echo de Paris" der Fall, das er- klärt, daß die Hypothek für die deutschen Zölle und die Kontrolle für die Verwendung der Gelder vor allem einen p s y ch o l o- g i s ch e n Wert und nötigenfalls die Bedeutung eines Alarm- signals haben. Auch die politischen Forderungen seien, wie das „Echo de Paris" vom französischen Standpunkt aus bedauert, nicht als bindende Versicherungen aufzufassen, selbst wenn sie in der von der französischen Regierung ausgearbeiteten Form in vollem Umfange angenommen werden sollten. Die Handlungen, die man von Deutschland oerlangen könne, um seinen guten Willen zu beweisen, zum Beispiel den Verzicht aus den Haager Prozeß über die Zollunion, seien nicht zahlreich und alle Texte seien ziem- lich zweideutig. Die Idee des politischen Moratoriums sei vagc: das Moratorium könne von Menschen unterzeichnet werden, aber die t�reignisie und Unglücksfälle ließen sich nicht in Fesseln legen. Die Idee der Achtung der Verträge sei auch nicht sehr deutlich. Die gegenwärtigen Verträge könne jeder ohne große Anstrengungen zu seinen Gunsten auslegen. Natürlich, so fügt das„Echo de Paris" hinzu, habe Laool Recht, wenn er die gegenwärtigen Umstände be- nutz«, um von Deutschland neueVersprechungen zu erhallen. Die Wirksamkeit der internationalen Verpflichtungen hänge von der Kraft derjenigen ab, denen gegenüber sie eingegangen werden. In diesem Sinne sei eine Verstärkung der stanzösischen Politik und das endgültige Aufhören der Aera Briand die Vorbe- dingung für den deutsch-französischen Annäherungsversuch. ver sozialistische„Populaire" bekämpft energisch die Auffassung de«„Echo de Paris". Löon Blum schreibt:„Ohne Zweifel über- nimmt die französische Regierung die Znitiative für die Hilfsaktion. so wie wir es verlangt haben. Aber zu gleicher Zeit macht sie. um einen Teil ihrer Mehrheit zu befriedigen, die Hilfsaktion von materiellen Pfändern und Kontrollen abhängig. Sie ordnet sie politi- schen Beruhigungsmaßnahmen unter, die nur Resultat, aber nicht Bedingung sein sollten und die nur wert haben würden, wenn sie spontan angeboten. aber nicht auserlegt werden. Dieser Fehler ist schwer. Die französische Regierung annulliert ans diese Weise zum großen Teil die moralischen Wirkungen ihrer Handlung." Der„Matin" erklärt, daß vor dem ersten Besuch Brüning- bei Laval der weitere Gang der Verhandlungen abhängen werde. Wenn dieser Kontakt günstig sei, würden die deutschen und sran- zösischen Minister zusammen beraten und daran werde sich die all- gemeine Konferenz mit den übrigen hier vertretenen Regierungen anschließen. Wenn das Prinzip der französischen Hilfsaktion zuge- lassen werde, würde man sich nach London begeben, aber wenn man für diese Londoner Konferenz eine präzise Formel erhalten wolle, müsse man klar folgendes sagen: sie schließt kein Schieds- gericht und keine Ausdehnung der Verhandlungen in sich. Zwischen Frankreich und Deutschland gebe es keine Vermittlung irgendeiner Wacht oder einer Internationale. Die Meinungsverschiedenheiten müßten unter vier Augen geregslt werden. Ebenso dürfe in London der Gegenstand der Beratungen neben der finanziellen und wirffchastlichen Krise Europos und ihre Beseitigung keine Erweiterung erfahren. Wenn sich die französische Regierung nach London begebe, dann werde sie das mit größtem Vergnügen tun, denn das werde bedeuten, daß die Pariser Ver- Handlungen stuchtbar gewesen sind. Wenn dies nicht der Fall ist, sei es vergebens darauf zu hoffen, daß eine Ablenkung oder eine Vermittlung von irgendwelchem Nutzen wäre. Die letzten Er- klärungen des„Matin" sind dazu bestimmt, der englischen Auf- fassung entgegenzutreten, daß die Pariser Verhandlungen nur Vor- Verhandlungen seien und daß eine endgültige Entscheidung erst in London fallen werde. Im Karwendelgebirge verschollen. Kapellmeister der Berliner Staatsoper verunglückt. Innsbruck, 18. Juli. Der Kapellmeister der Berliner Staatsoper. F e i n s i n g e r, der zum Sommeraufenthalt bei Verwandten in Scharnitz weilt, unternahm am Montag und Dienstag eine Bergtour in das Karwendelgebirge. Am Dienstag brach er vom S o l st e i n- Haus auf, um über den Solsteinkamm zum Brandjoch zu wandern. Von dort wollte er nach Scharnitz zurückkehren, ist jedoch dort nicht eingetroffen, so daß die Befürchtung besteht, daß er einen Unfall erlitten hat. Gegenwärtig sind acht Rettungsexpeditionen auf der Suche nach Feinsinger. Es wurde das ganze Gebiet, das er durchwandern wollte, abgesucht, bisher aber nichts gefunden. Am Mittwoch vormittag hat ein Jäger Rufe aus der Nordwand der Hohen Warte gehört. Die Nachforschungen in diesem Ge- biet fortgesetzt. Rote Scheinwerfer über London. London. 18. Juli. Montagabend um 6 Uhr, wenn die Minister zusammentreten, wird über London ein schwerer Kampf entbrennen. Die großen Manöver der Luststreitträfte, an denen sich 280 bis 290 Flugzeuge aller Art beteiligen, unter Leitung des Oberkommandierenden der Luftkräfte Englands, Lustmarschall Sir Eduard Ellington, werden die Abwehr des Lustangrifses einer kontinentalen Macht die Hauptstadt zum Gegenstand haben. Flugzeugabwehr- geschütze werden nicht verw-ndet werden, doch sollen rote Scheinwerfer die Operationen in der Luft unterstützen. Ein besonderer Versuch bei den diesjährigen Manövern ist die Erprobung von Bombenflugzeugen in dem Verteidigungssystem. Im ganzen nehmen sechs Tagesbombengeschwader und vier Nachtgeschwader an den Manövern teil. Sämtliche Flugzeuge werden die volle Kriegs- ladung tragen. Doch wird keine scharfe Munition verwandt. Die Operationen der Flugzeuge müssen gemäß den Sicherheitsvor- schriften außerhalb eines Kreises von 10 Meilen um London und in einer Höhe von etwa 2000 Meter stattfinden. Kommunist im Generalstab. Wegen Spionage für Sowjetunion erschossen. Warschau, 18. Juli. Am vergangenen Mittwoch wurde wegen Spionageverdacht der polnische Generalstabsmajor Demkowski verhaftet. Vor das militä- rifche Standgericht gestellt, bekannte er sich als überzeugter Kommu- nist zur Spionage, wurde zum Tode verurteilt und heute nacht erschossen. Feierlicher Protest. Jählings packt mich ein(Srahnsen Und es überläuft mich kalt: Nicht mal vor den Herr'n Laihusen Macht der Staatsanwalt jetzt Halt! Aus dem Schlosse Hohenhorst« Hat er sie hinweggerafft, Und bei Hunger und bei Dorste Schmachten sie in Kerkerhaft. Was hat dem Formaljuristen Plötzlich das Genick gesteift, Daß er an zwei frommen Christen Bester Herkunft sich vergreift? Di« Justiz gibt eine Blöße Hier sich, die gen Himmel schreit: Denn ein Diebstahl solcher Größe Grenzt bereits an Ehrlichkeit. Sicher darf der Staat nicht dulden Einbruch, Portemonnaiediebstahl. Aber die Nordwolle-Schulden— So entsteht doch Kapital! Ja, ich ftage Sie: Wo bliebe Des Besitzes Majestät, Wenn es auch dem großen Dieb« Plötzlich an den Kragen g«hts Sinnlos, sperrt zu kleinen Lumpen Ihr die Bremer ins Verließ! Schickt sie, Geld für uns zu pumpen, Statt des Brüning nach Paris! Wer die Danat ausgesogen Und selbst Goldschmidt reingelegt, Sicherlich und ungelogen Siegreich der auch Frankreich schlägt! Kreuz wendedich Rückwärts, Leierkasten und EK. II. Das rasende Auto. Gerichtliche Aufklärung grundloser Beschuldigungen. Bor dem Vertehrsgericht des Schöffengerichts Berlin-Mitte hatte sich heute der Ajährige Volontär Harald T e ch e r t wegen fahrlässiger Körperverletzung zu oerantworten. Es handelt sich hierbei um den Autozusammenstoß, bei dem auch der Präsident des Norddeutschen Lloyd, Dr. H e i n e ck e n, erheblich ver- leßt wurde. Der Fall hatte dadurch besonderes Aufsehen erregt, daß der Führer des Lastkraftwagens, mit dem das Privatauto zusammen- gestoßen war, gegen Dr. Heincckcn Schadenersatzansprüche erhoben hatte und auch eine Strafanzeige erstattete, indem er behauptete, daß Dr. Hei necken am Steuer gesessen habe. Diese Behauptung hat.der Anzeigende aber nachher zurückge- nommen, denn durch Augenzeugen wurde bei den gerichtlichen Er- Mittelungen festgestellt, daß diese Beschuldigungen falsch gc- wesen waren. Nicht Dr. Heinecken, sondern der Angeklagte hatte den Wagen gefahren. Die irrtümliche Annahme war dadurch ent- standen, daß bei dem Zusammenstoß die Insassen des Privatautos infolge des starken Anpralls durcheinandergeworfen und daß Dr. Heinecken nachher bewußtlos und blutüberströmt neben dem Steuer am Boden gesunden worden war. Der Angeklagte selbst war nach dem von ihm angerichteten Unheil ver- schwunden und er hatte auch zunächst aus Furcht vor Strafe de- hauptet, daß er den Wagen nicht gefahren Hab«. Jetzt hat er es aber gestanden, er behauptet nur. daß er an dem Unglück insofern keine Schuld habe, als fein Wagen infolge der Feuchtigkeit ins Schleudern geraten fei. Der Angeklagte hatte einen vor ihm fahrenden Bollewogen überholt und war gleich darauf mit dem ihm entgegenkommenden Lastkraftwagen zusammengestoßen. Die Anklage legt ihm«in Verschulden zur Last, weil er bei dem Ueberholen eine übergroße Geschwindigkeit entwickelt hatte. Zu der Verhandlung sind eine Reihe von Augenzeugen ge- laden, jedoch ist Dr. Heinecken nicht als Zeuge vorgeladen, fondern von den Insassen des Autos nur Generaldirektor Kossoda, der neben Dr. Heinecken saß. Raubüberfall auf eine Kassenboiin. Aktentasche mit �300 Mark Inhalt geraubt. halle, 1». 30(1 Eine Kassenbotin des Magistrats, die Gelder zur Verwaltung de, Gertraudensriedhofs brachte, wurde gestern kurz vor dem Haupt- portal de, Friedhof» überfallen. 3hr wurde die Aktentasche mit 1300 Mark Inhalt, die in Lohntüten verpackt waren, geraubt. Die Räuber bedienten sich eine» Auto», mit dem sie entkamen. Neue Krawalle an der Ruhr. Wieder Schießerei in Gelsenkirchen. Gelsenkirchen. IS. 3uli.(Eigenbericht.) Am Freitagabend kam es hier wieder zu schweren Zu- sammenstößen zwischen kommunistischen Vemonstrantea, Erwerbslose» und der Polizei. Als etwa 1000 junge Burschen wieder den Versuch machten, in Geschäfte einzudringen um zu plündern, schritt die Polizei ein. Aus der Menge wurde aufdiePolizeigeschossen. Ein Polizei- beamter wurde verwundet. Die Polizei zog darauf Derstär- kungen heran. Bei einer neuen SSuberungsaktion wurde sie an der Ecke Margareten» und Florastrahe von der Menge wieder an- gegriffen. Die Polizei machte jetzt ebenfall» von der Schuß» waffe Gebrauch. Drei Demonstranten wurden schwer ver- letzt. Später fand man im kommunistischen Voltshaus zwei weitere Verletzte, die sich verborgen gehalten hatten. m e n.(eniatxrdgovcumlhwybfskpz chckj ssssisthq.äöützll ,7(!— Insgesamt wurden in der Nacht 33 Personen sest- genommen. Di« von zahlreich«» Beamten der Kriminalpolizei unterstützt« Schutzpolizei konnte die Ruhe gegen 1 Uhr vollständig wicher herstellen. Weitere Festnahmen stehen am heuttgen vor, piittag»och Muffolini-Kult im Mozartsaal Oer Faschismus im Film Merkwürdiges Land, merkwürdige Demokratie! Monatelang haben wir kämpfen und ein neues Gefetz schaff«» müssen, um den Film„Im Westen nichts Neues" wenigstens in geschlossenen Kreisen aufführen zu können. Die öffentliche Aufführung ist nach wie vor verboten. Wer den Film sehicn will, muß«iner Organisa- tion angehören, bei deren Mitglieder dieser Film keinen Ausbruch von Tobsuchtsanfällen veranlaßt. Das Geschrei der Strohe und einig« Mäuse haben genügt, um dem Großteil des deutschen Volke» diesen im Grunde harmlosen, keineswegs provokatorischen, aber die Wahrheit über den Krieg verkündenden Film vorzuenthalten. In demselben Mozartsaal aber, in dem seinerzeit die Premiere dieses Films stattfand, wird öffentlich und sogar für Jugendliche ein Film zur Verherrlichung des Faschismus und Militarismus auf- geführt! Und noch dazu ist es«in italienischer Film, der unter dem Decknamen„Dos neue Italien" sich versteckt und angeb- lich ein Tatsachenbericht über das achte Jahr des Faschismus geben will. In Wirklichkeit aber Ist dieser Film die maßloseste Propaganda für den italienischen Faschismus und seinen Götzen Mussolini, und er klingt aus in einer endlosen Parade, worin die ganzen Herrlich- keiten des italienischen Machtdünkels in pompösester Form vor- geführt werden. Wir kennen den Text, wir kennen die Melodie: wir haben im alten Deutschland von diesem Plunder der Paraden, der kaiserlichen Kostümmaskeraden und der Ansprachen an die Hurra- kanaille gerade genug gehabt. Aber auf dem Umwege über Italien soll offenbar dieser Film für die Hitlerei Agitation leisten. Die Film- zensur hat diese Herausforderung des deutschen Volkes glatt durch- gelassen. Alle die Argumente, die gegen die öffentliche Aufführung des Films„Im Westen nichts Neues" vorgebracht wurden, sind hier mit einem Male haltlos geworden. Die öffentlich« Ruhe und Ord- nung wird hier offenbar nicht gestört werden, obwohl schon gestern bei der Premiere Schreie laut wurden, die ein deutsches Erwachen verlangten und Heilrufe auf Hitler ausboten. Merkwürdige» Land, merkwürdige Demokratie! Wenn man die Verdienste de» Faschismu» um den Aufbau eines neuen Italiens vor Augen führen wollt«, müßte man Statistiken geben, die zeigen, wieviel mehr Straßen, Eisenbahnen, Schiff«, Moschinen im neuen Italien hergestellt werden, wieviel mehr für Kultur und Unterricht und Wohlfahrtspflege geschieht. E» müßte gezeigt werden, wie das Niveau der Masse gehoben ist, vor ollem auch wie die Masse reif gemacht ist zur Selbstverwaltung und Mit- schöpfung. Davon ist natürlich keine Rede, es werden nur Schau- gerichte serviert, e» wird ein« ins Unendliche verlängert« Wochen- schau präsentiert. Aber was will das beweisen, daß stattliche Häuser gebaut, Sümpfe trockengelegt werden und fleißig Sport ge- trieben wird! Solche Bilder können aus jedem Land vorgeführt werden, ohne daß damit eine wirtschaftliche Blüte oder gar ein kultureller Ausstieg bewiesen würde. Nicht gezeigt aber wird, wie der Faschismus alle politischen Freiheiten in den Boden gestampft hat. wie er die Freiheit des Wortes, der Versammlung und der Koalition vernichtet hat und«ine Tyrannei errichtet hat, die den Arbeiter zum Sklaven degradiert. Nicht gezeigt wird, mit welchem Terror der Faschismus jede anders Meinung unterdrückt, ihre Ver- treter ins Gefängnis oder in die Deportation führt oder zur Flucht ins Ausland treibt. Die Kanone, der Dolch und der Meuchelmord am Gegner(Matteotti) sind heilig gesprochen. Wehe dem, der die Hand nicht hochhebt zum Faschistenruf und zur vergötzenden Anbetung Mussolinis! Die Freunde des alten Italien erkennen das Land und die Menschen in diesem faschistischen Italien nicht wieder. Wenn dieser Amerikanismus die Wesensart des Volkes umändern sollte, so wird es alle die Eigenschaften, durch die es sich um die Kultur der Mensch- heit verdient gemacht hat, verlieren und ein Ameisenhaufen werden, der Güter produziert. Bezeichnenderweise kommt in dieser ganzen Heerschau der wirtschaftlichen Renommage auch nicht eine Szene vor, in der auch nur im entferntesten das Wirken des Geistes ficht- bar wäre. Armes Italien, wenn das deine Zukunft ist, armes Deutschland, wenn die Verehrer der Blechmusik und des Hurra- schreiens unser Vaterland dazu degradieren könnten! Die Filmzensur hatte vorgeschrieben, daß diese Italienparad« für Jugendliche nur zugelassen wird, wenn man einen deutschen Kulturfilm hinzufügt. Als solche Beigab« wurde uns ein hübscher M a s u r e n f i l m mit stillen landschaftlichen Reizen gespendet. Besser zu dem italienischen Vorbild aber paßte die zweite Zugabe, die Vorführung eines pommerschen Heldenhains mit Runensteinen und verstiegenen Symbolen aus dem Nibelungenzeitalter, der an nationaler Verrücktheit das denkbar Möglichst« leistet. G. B e c c e hat den Italienfilm mit einer aufpeisschendsn Musik untermalt, die immer wieder die Faschistenhymne al» Leit- thema verwendet. o. „Halleluja." Der große Negerfilm. Als dieser Negerfilm erstmalig vor einem Kreise von Inter- essenten gezeigt wurde, war gleich jeder von der überragenden Be- deutung des Werkes überzeugt. Doch machten die Nur-Geschäfts- leute Einwände mannigfacher Art. Sie erzählten wieder, daß das Filmpublikum unheilbar verkitscht wäre und man ihm unmöglich einen Film bieten könne, der außerhalb der europäischen und ameri- konischen Gefühlswelt lieg«. Doch ergaben die Berliner Urauffllh- rung und die vielen weiteren Aufführungen«in wesentlich anderes Bild. Inzwischen ist eine geraume Spanne Zeit vergangen, aber „Halleluja" blieb unvergessen, und das Stammpublikum der Ka- mera, das seinem Theater gegenüber die eigenen Wünsche äußern darf, verlangte erneut nach„Halleluja". Und nun sieht man wieder auf der Leinwand King V i d o r s einzigartige Reportage. Dieser Regisseur wuchs unter Negern auf, darum fühlte er die Berufung in sich zu diesem Film. Er und drei bekannte Negerfchauspieler sind besessen von Ihrer Aufgabe, Ihre Kunst ist konzentriertes Gefühl. Aus dem echten Milieu wächst die Größe ihrer Leistung, die sich wiederum ins Ganze einfügt und es nicht einen Augenblick erdrückt. Wir sehen nicht den feuilletonistisch ausgenutzten zufälligen Eindruck, wir bemerken nicht angelesene Ge- danken, die in eine Serie schöner Bilder komponiert wurden, wir erleben Negerleben in seinem Ueberschwang der Gefühle. Was bei uns albern ist, ist bei ihnen heiliger Ernst. Sie fallen von einem Extrem ins andere, kennen keine Hemmungen, keinen Uebergang, sind ganz Gefühl. Tiergleich können sie dem Augenblick leben. Tanz ist bei ihnen keine erlernte Kunst, Tanz ist bei ihnen Lebcnselement. Er ist Selbsthilfe der Primitiven. Sie sind rührend naiv: da läßt sich z. B ein Negerpaar, das schon elf Kinder miteinander hat, trauen, weil die beiden überzeugt find, daß sie eine glückliche Ehe miteinander führen werden. Doch über alle auch dort üblichen For- malitäten hinweg predigt diese wunderbare Figur der alten Neger- mama das Hohelied der Mutterliebe. e. b. Oer Zahresbenchi des Volkschores. Der Berliner Bolkschor(Dirigent: Dr. Ernst Zander) versendet seinen 8 7. Jahresbericht. Zum ersten Male seit seinem Be- stehen hat es auch dieser größte aller Berliner Arbeiterchöre nicht vermocht, ein eigene« Chorkonzert mit Orchester und Solisten zu veranstalten. Während früher die Volkschor-Konzert« stet» überfüllt waren, ist in den letzten Jahren, besonders infolge der Mufiküber- fütterung der großen Massen durch Rundfunk, die Hörcrzahl für künstlerische Konzerte so stark verringert, daß jedes große Konzert ein Defizit von mehreren tausend Mark bedeutet. Der Volkschor mußte sich daher aus unbegleitete A-cappella-Sonzerte und auf Mitwirkungen beschränken, die so zahlreich waren, daß an die Mit- glieder oft starte Anforderungen gestellt werden mußten. Auch der I u g e n d chor wie der Kinder chor des Volkschors, die beide unter Leitung von Walter H ä n e l sich günstig entwickelt haben, sind mehrfach in der Oeffentlichkeit hervorgetreten. Von mehreren Seiten, insbesondere von der Stadt Berlin, hat der Bolkschor im abgelaufenen Jahre Zuwendungen erhalten, die es ihm ermöglichten, trotz der großen Arbeitslosigkeit feine wich- tige kulturelle Mission in der Arbeitermustkpslege in vollem Um- fange zu erfüllen. In den schweren Zeiten, mit denen auch der Volkschor in allen feinen Abteilungen hart zu kämpfen hat, sollte er von allen Genossen und Genossinnen, deren Musikoerständnis und Musitbegeiftervng von dem Surrogat der Rundfunkmusik nicht be- friedigt wird, nach Kräften unterstützt werden. Die aktive Teil- nähme am Gesang und innerlichem Erleben eines Kunstwerkes kann durch kein passives wahlloses Hören ersetzt werden. Wer darum Lust und Stimme zum Singen hat, der melde sich in den Chor- proben, Freitag abends von 8 bis 10 Uhr. in der Aula Koppen- strah« 76(beim Schlesischen Bahnhof), in denen Männer und Frauen vom 18. Jahr an aufgenommen werden. Monatsbeitrag einschl. Sängerzeitungen 1,10 Mark(Arbeitslose frei). Zuhörende Mit- glieder zahlen den halben Beitrag. Der Jugendcho.r(14— 13 Jahre) übt jeden Donnerstag von 8 bis 10 Uhr in der Aula, An- dreasstr. 16a, der Kinderchor«bendafelbst. Donnerstags von 146 bis'-48 Uhr.— Im August wird der Bolkschor beim Inter- nattonalen Textilarbeiter-Kongreß da« Lied vom Arbeits» mann von Gerster zur Berliner Erstausführung bringen. Giudie und Bild. Unter diesem Titel eröffnete das Kupfer st ichkabinett (das jetzt im Sommer Dienstags und Freitags auch bis 7 Uhr abends geöffnet ist) eine vielseitig fesselnde Ausstellung. Original- Zeichnungen, die das Kabinett selbst besitzt, sind da neben Reproduktionen derjenigen Kunstwerke gehängt, für die jene Vorstudien und Skizzen den alten Meistern gedient haben. Es sind stolze Reihen edelsten Besitzes, die der Betrachter da studieren. in denen er in die Werkstatt der großen Meister«indringen kann. Mit Dürns Aposteltöpfen für die Münchener Tafeln, mit Grüne- wald» Studien für die Verkündigung des Isenheimer Altar» setzt e, in Deutschland«in; in Jtali«n folgen Montegna» tanzend« Muf« für den Parnaß de» Louvre, Rassael» Kinder für sein«„Madonna �mtt dem Tuchfenster'; und cm» den Niederlanden sind Breugel» Vorlag« für den Stich des Alchymisten Rubens' ruhende Frau für den Madrider Liebesgarten, Rembrandts Entwurf für die Staal- m«est«rs zur Stelle. Schon diese paar Namen mögen einen Begriff geben, in welcher geistigen Höh« sich das künstlerrfch« Bild dieses Ausftellungsfaales IMt. Von ersten Eingebungen des Bildgedankcns, wie ihn etwa Rembrandt für sein jetzt in der N«mes-Auktion versteigertes Fabius Maximus-Bild festhält, geht es zu den durchgcführtesten Vorlagen, die der unmittelbaren Uebertragung auf di« Bildtafel oder die Mauer des Fresko dienten, bis zu Naturstudien, deren Formgehalt Genaueres bietet als die Ausführung im fertigen Werke— gerade bei Grünewalb, zum Beispiel seiner imposanten Zeichnung eines Männerkopfe», den er für den Johannes seiner jetzt in Karlsruhe be- findlichen Kreuzigung umgearbeitet hat, läßt sich das verfolge». Und wie vieles ist auf dem Wege von dem vorbereitenden Papier bis zum fertigen Werke an Ideen liegen geblieben: etwa in der Wochen- stube, in der Dürers Marienleben beginnt, oder in den intimen Studien der großen italienischen Wandmaler wie des Tiepolo wird eine Ahnung solch unausgeschöpsten inneren Reichtums deutlich sichtbar. Ailmgagen sind Löhne. In Filmkreisen ist Beunruhigung ent- standen wegen der Auszahlung der Tageshonorare. Aus Anfrage der Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehörigcr bei der Reichs- konzlei erklärt diese, daß Tageshonorare unter den Begriff Löhne fallen, somit auszuzahlen sind. Sollten sich irgendwo Schwierig- keiten ergeben, ist die Vermittlung der Handelskammer anzurufen. Domorganist Walter Fischer ist im Mter von 59 Iahren ge- starben. Er hat sich um die Einführung der modernen Orgelmusik in den verschiedenen Kirchen, an denen er tätig war— zuletzt in der Domkirche—, verdient gemacht. Ein Standortskatalog der polisifchen Tageszeitungen, die in deusschen Bibliotheken nachweisbar sind, wird vom Deutschen In- ftttut für Zeitunx�kunde in Berlin vorbereitet. Fragebogen, die zu diesem Zweck an die Deutschen Bibliotheken versandt wurden, ver- anstalten Erhebungen über etwa 30tX> deutsche Zeitungstitel. Glockenmuseum in Laucha. Die alte Glockengießerstadt Laucha erhält demnächst ein Glockenmuseum. Der aus Hessen gebürtige Meister Johann Georg Ulrich hat die Glockengießerei im Jahre 1732 in Laucha begründet, und seitdem haben über 5000 Glocken die Werkstätten der Familie Ulrich verlassen. Das Gießeveigebäude steht aber schon seit einigen Jahren leer: um es nicht weiter un- benutzt stehen zu lassen und um dem Gründer der Glockengießerei ein würdige» Andenken zu schaffen, foll es jetzt als Museum ein- gerichtet werden. Palästina wird cleklrilizierl. Am Jordan werden drei große Wasserkraftwerke errichtet, der See Genezareth zu einem Staubecken umgebaut, um da» Gefälle de« Flusses zwischen feinem Ursprung am Hermon bi» zum Toten Meer, zusammen 1000 Meter Höhenunterschied auszunützen. Dadurch werden dauernd fünf Mllionen Tonnen Wasser täglich verfügbar. Das erste Werk in Jisr-el- Mujameh, das durch einen Kanal mit dem Parmuk, dem Nebenfluß des Jordans, verbunden ist, wird setzt vollendet. Es Ist in Privat- besitz und llefert 18 000 kS. Dt» v»ll»bllhn« hat einen neuen Prospekt herausgebracht, der in über- �chtlicher Form nicht nur alle« Wissenswerte über die Bedingungen der Mitgliedschaft und de» Iheaterbeiuchs enthält, sondern auch einen Ueher- blick über die geplanten künstlerifchen Leistungen gibt. Der Prospekt ist te lämtlichen 200 ZshlfUgco d« Pollsbuhu« vchÄLich. Eine zeitgemäße Gründung „Verein der geschädigien Vußlandspezialisten" Die ungeheure Arbeitslosigkeit in Deutschland und die kommu- »istische Schönfärberei über Sowjetrußland, haben schon manchen deutschen Facharbeiter bewogen, sein Bündel zu schnüren, um in dem �einzigen Arbeiterstaat der Welt" ein neues, besseres Leben anzulangen. Fast alle aber haben den Staub Staliniens bald wieder »on den Füßen geschüttelt, um alle Erwartungen betrogen, mit lenen sie die Reise in das gelobte Land angetreten hatten. So ging es auch den Speziali st en des Baufachs, die }(S) gestern in einem Lokal in Charlottenbürg ein Stelldichein gaben »nd darüber berieten, wie sie am schnellsten zu ihrem Recht, vor tllem aber, wie sie zu ihrem Geld kommen können, das ihnen in Rußland vorenthalten wurde. ks waren fast ausnahmslos gereifte Männer, die nicht auf Iloße Versprechungen hin ihre Familien verlassen und nach Ruh- kind Arbeit angenommen hatten. Sie standen meist schon viele Jahre iei der bekannten Berliner Firma Aktiengesellschaft für Kauausführungen, Bülowstraße 90, in Arbeit, als die �irmenleitung Anfang vorigen Jahres an sie mit der Frage heran- >rat, ob sie nicht bei ihrer russischen Zweigfirma, der„G a s o" ick Bioskau, eine Stellung annehmen möchten. Die Verträge, die ihnen |ier in Berlin vorgelegt und von ihnen in Moskau unterzeichnet vurden, sahen auch gar nicht schlecht aus. 390 bis S00 Rubel, b. h. mehr als 600 bis 1000 Mark monatlich, bewilligte man ihnen tn der Stellung als Polier, Schacht- oder Maschinen- Meister, wovon sie bis zu SV Proz., jedoch nicht mehr als 100 Rubel im Monat, ihren Familien in Deutschland überweisen lurften. Die Praxis jedoch zeigte, daß man in Rußland zwar solche Verträge in der Tasche tragen, ans ihre Erfüllung aber lange warten kann. Die„Gaso" zog wohl treu und brav dze Ueberweisungen nach Deutschland ein, will sie angeblich auch der für die Ueberweisung zuständigen amtlichen Stelle in Rußland übermittelt haben, was diese in vielen Fällen wiederum b e st r e i t e t, aber nach Deutschland kamen für einzelne Quartale gar keine Ueberweisungsgelder oder in viel geringeren Beträgen, als sie die Spezialisten in Ruhland eingezahlt hatten. S0 bis 60 Rußlandspeziolisten, die inzwischen nach Deutschland zurückgekehrt sind, haben nun noch Lohnforderungen in höhe von rund 100 000 Mark, davon einzelne bis zu 3000 und 8000 Mark. Keine Stelle will jetzt aber für diese Forderungen„zuständig" sein. Die Aktien- gesellschaft für Bauausführungen in Berlin will nur B e r- m i t t l u n g s st e l l e für die„Gaso" in Moskau gewesen sein, während in den Zeugnissen der Spezialisten die„Gaso" als ihre russische Abteilung bezeichnet wird. Die„Gaso" wiederum befindet sich in Liquidation, und die russische Botschaft weiß nicht, ob der russische Staat die Aktiven und Passiven dieses Konzessionsunternehmens übernommen hat. So geht nun zwischen den um ihren Lohn Geprellten ein langatmiger Brief- Wechsel zwischen der A.-G. für Bauausführungen, der russischen Botschaft, dem Auswärtigen Amt usw. vor sich, der den Geschädigten noch Geld kostet, ihnen aber bis jetzt noch keinen Pfennig einge- bracht hat. Während so die Briefe zwischen Ruhland und Deutsch- land hin- und herpendeln, sitzen sie hier mit ihren Familien ohne Arbeit und beziehen zum größten Teil noch nicht einmal Arbeitslosenunter st ützung. So schlecht es ihnen im Augenblick auch geht, sind sie doch alle einer Meinung: „Auch mit dem schönsten vertrug nie wieder nach Rußland!" Denn solche Verträge, wie sie mit den Direktoren der Kon- Zessionsbetriebe abgeschlossen werden, die allein in einem Monat Ueberweisungen bis zu 1800 Mark vorsehen und die auch gehalten werden, schließt man mit einem Arbeiter, und sei er der tüchtigste Spezialist, n i ch t ab. Da die Zahl der auf diese oder ähnliche Art in Rußland um ihre Verdienste Be- trogenen in Deutschland in die Hunderte geht, beschloß die Der- sammlung zur besseren Vertretung der Interessen dieser Eni- täuschten die Gründung eines Vereins der ge schädigten Rußlandspezialisten, dessen Anschrift ist: M a x B u r g- schat, Berlin-Charlottenburg, Kaiserin-Augusta-Allce 88a, III. Dieser Fall zeigt nicht nur, daß es ein sehr gewagtes Unter- nehmen ist selbst mit dem besten Vertrag nach Rußland zu gehen, gar nicht davon zu reden, wenn man einen Vertrag nicht hat und völlig auf die Gnade der Sowjetbehörden angewiesen ist. Er zeigt aber erst recht, was in Sowjetrußland möglich ist, wenn es sich um Arbeiter handelt. „Hier, Emil, sind deine Papiere." Borsig steckt 1,2 Millionen ein und schmeißt alte Arbeiter hinaus. Uns wird geschrieben: „Mein Bruder ist seit 1896, also 38 Jahre, bei der Firma B o r s i g in Stellung. Er glaubte den Versprechungen der In- Haber, daß sein Lebensabend gesichert sei und war deshalb stolz, bei einer solchen Firma arbeiten zu können. Daß der Kopitalismus keine sozialen Hemmungen hat, sollte mein Bruder dieser Tage am eigenen Leibe zu spüren bekommen. Am 26. Juni, 8 Minuten vor Feierabend, kam ein kleiner Büroangestellter und sagte ihm wörtlich:„Hier, Emil, sind deine Papiere; du bist entlassen, es ist keine Arbeit mehr da für dich." Daß ein Mensch, der 33 Jahre einer Firma gedient hat, bei solcher Handlungsweise aus allen Himmeln stürzt, ist verständlich. Er ist allerdings nicht der einzige, dem es so geht. Man sollte aber meinen, daß eine sich so sozial gebärdende Firma, die ihr Kapital sicher durch die Inflation gerettet hat, ihre Versprechungen einigermaßen hält. Aber keine Spur. Nachdem schon lange ver- kürzt gearbeitet wurde, nun plötzlich der glatte Rausschmiß als Mann von 89 Jahrenl Es wird aber bestimmt beruhigend auf diese Arbeiter wirken, wenn sie im„Vorwärts" lesen, daß die Brüder Borsig selb st keine Not leiden; denn im Abendblatt vom 14. Juli steht, daß Borsig 1,2 Millionen Mark er- halten hat. Aus Grund der famosen Notverordnung erhält der Entlassene nun die erste Unterstützung in vier Wochen von sage und schreibe 12 Mark, vorher muß er aber noch 2 Mark an Fahrgeld verfahren zum Stempeln, von Heiligensee nach Reinicken- darf, pro Woche zweimal." * Wie heißt es doch in dem Aufruf der Schwerindustriellen an „ihre" Arbeiter und Angestellten?„Nur wenn wir, anstatt gegen- einander zu hetzen, miteinander und füreinander zu- sammenhalten, dürfen wir hoffen, die deutsche Wirtschaft und damit das ganze deutsche Volk gegen den Ansturm von draußen zu sichern." Herr Borsig, der Vorsitzende der Vereinigung der deutschen Arbeitgebervcrbände aber, steckt eine Subvention von 1,2 Millionen ein und läßt einen Arbeiter, der 33 Jahre für ihn geschuftet hat, kaltschnäuzig auf die Straße werfen. Wie heißt es weiter in dem Aufruf der Schwerindustriellen?„Solche unehrlichen Methoden brandmarken sich von selbst." 523 Häuser in Flammen. Ein tschechisches Dorf total vernichtet. Rosenberg. 18. Juli. Gestern früh entstand in der Gemeinde V a z e c(Bezirk Liptoosky So. Mikulas) in einem Wohnhaus ein Brand, der rasch eingedämmt werden konnte. Der Wind cntsachte das Feuer aber neuerdings, und in kurzer Zeit stand die ganze 873 Häuser zählende Gemeinde in Flammen. Bis zu den Mittagsstunden fielen dem Brande mehr als 3 30 Häuser zum Opfer. Es konnte noch nicht festgestellt werden, ob auch Menschenleben zu beklagen sind. Zahl- reiche Personen wurden zum Teil schwerverletzt. An der Brandstätte erschienen zahlreiche Feuerwehren aus der nahen und weiteren Umgebung. Durch das Feuer wurden auch das Pfarramt, die Schule, das Postamt,' das Gemeinde- a m t und das Notariat vernichtet. Tränengas in Koblenz. Koblenz. 17. Juli. Am Freitagabend kam es in der Kastorstraße, wo schon in den letzten beiden Nächten kommunistische Ausschreitungen stattgefunden hatten, verschiedentlich zu Ansammlungen. Die Polizei riegelte die Straße und die angrenzenden Strahenzüge ob und zerstreute, um Ausschreitungen vorzubeugen, die Zusammenrottungen mit Tränengasbomben. Mord an einem Viehhändler. Oer Tote im Oderbmch. Von der Slaalsanwaltschast Frankfurt a d. O. ist die Landeskriminalpolizeistelle Berlin, Inspektion A, ersucht worden, zur Klärung eines Todessalles geeignete Ermilllungen an- zustellen. Für Rlilleilungen aus dem Publikum, die hierzu beitragen können, ist eine Belohnung von 800 Vi. ausgeschrieben. Es handelt sich um den Tod des Viehhändler» Ernst Merten, der am 1. März 1902 in G o l z o w im Oderbruch ge- boren war und dort auch bis zuletzt wohnte. Merten wurde am 7. Juni d. I. bei der Försterei K o r n b u s ch als Leiche aus der Oder gelandet. Unter das Jackett des Toten war ein 41 Pfund schwerer Stein geknöpft. Es tauchte deshalb die Vermutung auf, daß Merten Opfer eines Verbrechens geworden sei. Die Nachforschungen haben nun folgendes ergeben: Merten handelte hauptsächlich mit Kühen, die er im Oderbruch aufkauste und an Molkereibesitzer in Groß-Berlin versandte. Er trug daher stets größere Summen Geldes bei sich. Einwandfrei steht fest, daß er am 2. Juni 1931 am Nachmittag eine Kuh auf dem Bahnhof Gusow im Oderbruch für einen Berliner Käufer verladen hat. Er selbst fuhr mit dem Zuge 20.29 Uhr von Gusow ab und traf um 22 Uhr aus dem Schlesischen Bahnhof in Berlin ein. Das ist die letzte Spur, die von Merten gefunden werden konnte. Seit diesem Zeitpunkt hat man ihn weder gesehen, noch etwas von ihm gehört. Er muß bei der Ankunft in Berlin noch im Besitz von etwa 600 bis 700 M. gewesen sein; bei der Leiche wurde aber kein Geld mehr gefunden. Für die Aufklärung wäre es nun wichtig, zu erfahren, ob jemand, der Merten kannte oder mit ihm geschäftliche Verbindung unterhielt, ihn noch nach dem 2. Juni ge- sehen oder gesprochen hat oder darüber Auskunft geben kann, ob Merten für die 600 bis 700 M. etwas gekauft hat. Wer kann sagen, weshalb Merten wieder nach dem Oderbruch zurückgefahren ist und was er in der Nähe der Försterei zu tun hatte? Zweckdienliche An- gaben werden unter Hinweis auf die Belohnung an die Mord- inspektion A im Polizeipräsidium Berlin, Zimmer 82, oder an die Staatsanwaltschaft in Franksurt a. d. Oder erbeten. weller für Berlin: Wechselnd bewölkt bei ziemlich frischen westlichen Winden, einzelne Regenfälle.— Für Deutschland: Sortdauer des herrschenden, wenige beständigen Wetters. Theater der Woche. Vom 19. Juli bis 27. Juli Theater mit wechselndem Spielplan: Deutsch«» Theat««- Der Hauptmann pon Köpenick.— Knrsiirstendamm- Theater: Die schöne Helena.— Di-»omödi«: Dienst am Kunden.— Komisch« Oper: sZrauen hoben das s-rn.— Deutsche» Küustleetheate«! Nesrörepn« Louisiana.— Metrupol-Tdeatcr: Die Toni aus Wien.— Zlose-Theatri: Ma. dam« hat Ausganp. Sartenbühue: Unter der blühenden Linde.— Theater in de« Klosterftrahe: Das Mädchen aus der-fiirsorge.- Pia*«: Das.�nd des Lächelns.— Wintergarten, Tealai Internationales Variete.— Sieichshallen. Theater: Etettiner Singer. Rachmillagsveranstaltungen: Rose-Theatee: ZS. Madame hat Ausgang,«artenbühae: Konzert und Variete.- Theater ia der Klosterstrah«: 19., 26. Die Hase.-«lutergartca: IS., 25., 26. Internationales Variete.— Seal»: Internationales Variete. Erstaufführungen der Woche: Montag. Rose-Theater:„Madame hat Ausgang". Verantmortl. kür die Redaktion: Serbert«epere. Verlin: Anzeigen: Th.«locke, »erlin. Verlag: Vorwärts Verlag E. m. b. s.. Berlin. Druck: Vorwärts Buch. druckerei und Verlagsanstalt Paul Singer äe Co.. Berlin SW 6S. Lindenftrah« J. Hierzu 1 Beilage. � T kealet, Licklspiele usw. j faßt !Rose's spcechen! Bitte sehen Sie •Ich bei uns ans Nor bis 19. Juli: „Der Herr mit d. Fragezeichen" Es spielen: Hermine Sterler Maria We«i Carl de Vogt Harden, Schweizer Goebel, Alischul Dahlke, Wilde Mont bis Sonnb, 8 u U. Sonntag Z**, 5", 9 Uhr Beancht anaer Sommer- Theater 2 Wir zeigen: 8 Internationale Varlet®-Nummern Es treten auf: Lotte Werkmeister Carl Braun. Außerdem Gr. Konzert u. abds. 815 das Singspiel: „Unter der blühendenLinde" Wochentags 550 Uhr Sonntags 500 Uhr ROSE-THEATER Gros,t,rÄur,,r U-Bahn Strausbg. PI. Votrerk.«glich t.11-1 U.3-9Ü. Tel. Best. ET Weichs. 3422 8.15 Olli Flora 3434 Raudteo erlaubt Balleli Eduardowa, 10 Brox» 4RicbySg Mary- Erik- Paul nw. SonnabenJ uni Sonntag je 2»orslellnngen 4 und Uhr. 4 Uhr kleine Pr. VolKsbUhnel Theater am BOlowplati. 8'/« Uhr Der Mann des| SdiickaaU Die Komödie der Irrungen Deotsdiei Theater 8 Uhr Der Hauptmann von KOpeniik v. Carl Zuckmayer Regia: Beinz Hilpert Die Komödie Täglich 8i* Uhr Dienst am Kunden top Cnrt Bois md Mai BanseD Regie: Hans Deppe KnrfQrslendamm- Theater Bismarck 448/49 |«i/s Uhr| Die schöne Helena van sacques Otleimadi Bcgl«: mar Reinhard! Täglich S'/« Uhr Die Toni aus Wien Mady Christians, Michael Bohnen Komische Oper Frledrichstr. 104 fflk Uhr Frauen haben das gern... Musikal-Schvank von Arnold Musik v. Walt. Kollo Sommcrpr. 0.50-7.00 Barharotu 925» Hol. S u. 81/] U. H. Ii. H. Williams Lee Qail- Ensemble Orl|. awhlrlwinds Bob Ripa Calla Brandt isv. PLAZA Nur b.SI.Julll LEHÄR- OPERETTE DAS LAND DES LÄCHELNS BETRIEB KEMPIHSKlO An unsere Mitglieder I Die Konsum-Genossenschaft hat auch weiterhin im Rahmen derNotverordnungen die baren Auszahlungen bei ihrer Sparkasse getätigt; sie hat darüber hinaus bare Auszahlungen vorgenommen, die zur Vermeidung unbilliger Härten angemessen waren. Ferner haben wir in unseren Warenhäusern und im Möbeliager Waren auf Sparguthaben abgegeben. Wir haben also unseren Mitgliedern gegenüber mehr geleistet als irgend eine andere Sparkasse oder irgend eine Bank. Die Konsum-Genossenschaft wird auch in der am Montag, dem 20. Juli 1931, beginnenden Woche im Rahmen der gesetz- lichenVorschriften bareAuszahlungen vornehmen und Waren abgeben. Wir halten esaberfür unsere Pflicht, unseren Mitgliedern erneut anzuraten, nur solche Gelder abzuheben, die sie tatsächlich brauchen. Es ist unsinnig, Gelder von der Sparkasse abzuheben und sie zu Hause liegen zu lassen. Es wäre auch falsch, Waren aller Artzu hamstern, womöglich noch gar solche Waren zu kaufen, die im Haushalt und in der Familie nicht nützlich verwendet werden können. Die aufderSparkasse ver- bleibendenGelder bringen Zinsen. Dieser Zinsen geht verlustig, wer seine Spargelder zu Hamsterzwecken benutzt. Zahlreiche Mitglieder sind von derNer- vosität nicht erfaßt. Sie denken nicht daran,. ihr e Spargelderabzuheben und sie zu verschleudern, sondern sie zahlen nach wie vor bei unserer Sparkasse ein. Berlin-Lichtenberg, den 18, Juli 1931 Konsum- Genossenschaft Berlin und Umgegend e.G. m.b.H. Der Vorstand ? Landre-Breithaupt EDELWEISSE {Beilage Sonnabend, 18. Juli 1931 BrrffwHl to�wosA Kühl war der Morgen, silbergrau lag das Wasser der Havel im schwachen Lichte des heraufkommenden Tages. Schwingend fühlte ich das leichte Ruderboot unter mir durch das Wasser gleiten. Zart und blaß kam das Frührot über die Kiefern des Ufers, gewann schnell an Ausdehnung und Farbe und strahlte bald in feuriger Glut. Ich muhte mich beeilen. Bis zu der Rohrbank, an der ich angeln wollte, war es noch eine gute Stunde. In immer gleichem Rhythmus krümmt und streckt sich der Körper, und bald empfindet man die Luft nicht mehr als kühl. Links von mir schwimmt ein Wasservogel, merkwürdig tief liegt sein Körper in den Wellen. Schnell ist das Boot in seiner Nähe. Es ist ein G ä n s e s ä g e r w e i b ch e n. Braun der Kopf, grau die Schwingen und die Unterseite hell. Auf seinem Rücken sitzen sechs weiß und dunkel gefleckte Junge. Die langen Strecken können die kleinen Dinger noch nicht allein schwimmen. Als wen» ein Motorboot voll vergnügter Insassen die Wellen durchschneidet, so zieht die Mutter mit ihren Kindern dahin. Jetzt bekommt sie wohl Hunger. Sie senkt den hübschen Kopf mit dem gezackten Schnabel etwas und taucht. Das geht so schnell und ohne Wellenbildung, daß die Kleinen gar keine Zeit finden, auszusteigen. Plötzlich müssen sie schwimmen. Piepsend huschen sie hin und her und ent- decken die Mama auf einmal zwanzig Meter weiter. Mit emer unglaublichen Schnelligkeit rennen die leichten Tierchen wie der selige Petrus über das Wasser und haben schnell den Sitz auf Mutters Rücken wieder eingenommen. Bald bin ich am Ziel. Die beiden Stangen stehen in zwanzig Meter Entfernung vom Röhricht im Grund. Ich habe sie am Abend vorher eingerammt und befestige jetzt den Kahn an ihnen. Bald ist der Angelkram in Ordnung Ich werfe eine H e ch t a n g el aus und lege sie fest, damit ich sie nicht zu halten brauche. Dann setze ich mich auf die andere Seite des Bootes und angele auf Rot- federn, Plötzen und Bleie. Ganz ruhig liegt das Wasser, nur ein Hauch läßt die dichte grüne Wand des Röhrichts sich be- wegen. Es ist ein strahlender Morgen geworden. Laut tönt der harte Ruf des Rohrsängers, kärre, kärre-kiet. Im reißen» den Flug kommen vier Tafelenten angesaust und fallen nicht weit von mir ein. Es sind Paarenten. Dunkelbraun die beiden Weibchen, reizvoll gezeichnet die Erpel. Rostrot ist ihr Kopf, schwarz Hals und Brust und silbergrau die Flügeidecken. Steif, wie aus Holz geschnitten, sitzen die zur Klasie der Tauchenten gehörenden Tiere nach dem Einfallen. Dann kommt Leben in sie. Fortwährend tauchend, holen sie sich ihre Nahrung vom Grunde. Da, schneller Flügelschlag, eine aufschäumende Linie im Wasser und eine neue Tafelente,«in Erpel ist da. Sofort umwirbt er heftig eine der Enten, doch deren Männchen greift den Störenfried augenblicklich an. Ein kurzer Kampf, Wasser spritzt, Flügel schlagen, und schon streicht der Eindringling dahin, von wo er kam. Bis vor wenigen Jahren sah man Tafelenten auf den Seen um Berlin herum nur als Wintergäste. Offenbar ist aber eine leichte Verschiebung des Verbreitungsgebietes eingetreten, denn seit zwei bis drei Jahren ist diese Entenart auch bei uns als Standwild oertreten. Ganz in Anspruch genommen von der Beobachtung der Enten vergaß ich meine Angeln. Die Hechtangel liegt unbeweglich, ober die Pose der anderen wandert stetig nach links. Jetzt ein kleiner --ßtr* Bogen, uqd tief wird der Federkiel unter Wasier gezogen. Ein leichter Anhieb und rausziehen. Es geht ziemlich schwer, und doch lande ich nur eine handlange Plötze. lIch fange mehrere Fische in dieser Größe, dann geht eine gut halbpfündige Rotfeder «in die Angel. Kaum habe ich sie über Wasser gezogen, fällt der wunderbar gold» und rotblitzende Fisch ab. Doch die Fische beißen jetzt schwächer. Hin und wieder eine Zkleine Güster, zwischendurch ein paar Gründlinge, die ich aufhebe, da sie sich gut zum Beködern der Hechtangel eignen. Nun hat cs ganz nachgelassen. Wahrscheinlich ist es schon zu warm. Wie schläfrig man wird! Libellen surren blitzend vorüber. Eine Zwergrohrdommel, unsere kleinste Reiherart, kommt mit schwerem Schlag ihrer hellgelb und dunkel gezeichneten Schwingen über das Wasser gezogen. Rauschend fällt sie im Rohr ein, und geschickt saßt der kleine Stelzvogel an einem Halm Fuß. Da— ein Rütteln von Holz! Die Stange der Hechtangel be- wegt sich. Im Moment, als ich bei ihr bin, verschwindet der Schwimmer. Ich merke sofort, starker Hecht. Mit großer Schnelligkeit wurde der Schwimmer unter Wasser gerilsen, jetzt ver- schwindet das erste von den Korkstücken, von denen fünf auf die Länge der Angelschnur verteilt sind, um sie oben zu halten. Sofort folgt das zweite, und als auch der dritte Kork verschwunden ist, haue ich an. Den Kescher in der Linken, hebe ich mit der Rechten die Stange. Sie biegt sich wie ein Bogen. Ich gebe nach. Wollte ich den offenbar mehrpfündigen Fisch mit Gewalt landen, würde nur die Schnur reihen. Sowie der Bursche merkt, ich gebe Schnur, will er ins Rohr. Wenn ihm das gelingt, bekomme ich ihn nicht. Er dreht dann die Schnur um die starken Rohrhalme und schlägt sich los. Ich ziehe also die Schnur langsam, aber unnachgiebig ins offene Wasser. Nun geht er immer hin und her. Ich übe leichten Druck aus, damit der Hecht müde wird. Dann plötzlich mache ich eine Attacke. Ich ziehe, was ich kann. Und beinahe wäre die Ueberrumpelung geglückt. Zwei Meter vom Bord des Bootes schäumt und strudelt das Wasser, und ich sehe den wild schlagenden Hecht. Weit aufgesperrt der Rachen mit den scharfen Zähnen. Der Kopf länger als eine Männerhand. Aber auch der Fisch hat seinen Widersacher gesehen. Er ver- doppelt seine Anstrengungen und arbeitet so rasend und mit solcher Kraft, daß ich ihm wieder Schnur geben muh, wenn sie nicht reißen soll. Mit großer Schnelligkeit geht er auf den Grund und will — ein neuer Trick— unterm Kahn durch. Ich kann ihn noch gerade davon abbringen. So geht es eine Weile hin und her. Immer muß ich aufpassen, daß der Hecht die Schnur nirgends herumlegt. Aber jetzt wird er matt. Langsamer werden seine Bcwegrngen, und nun hole ich ihn heran. Ganz vorsichtig, immer näher, jetzt heraus mit dem Bengell. Ein letztes, wütendes Schlagen, doch schon habe ich ihn im Kescher und im Boot. Ein Kerl, drei- viertel so lang wie mein Arm. Wie eine Stahlfeder schnellt sich der gestreckte blitzende Körper mit den goldenen Flecken im Boot hin und her, ich muß aufpassen, damit er nicht über Bord geht. Ich packe ihn, meine Hand umfaßt gerade den Rücken, so stramm ist der alte Bursche, und greife nach dem kurzen Holzschlägel. Wild schlägt die Schwanzflosse, das kalte, blaßgelbe Räuberauge starrt mich an, der Riesenrachen schnappt. Ein wuchtiger Hieb mit dem Schlägel über den Kopf, der Hecht streckt sich, die Flossen zittern und er liegt still. Zur Sicherung noch den Stich hinter den Hals- wirbel, dann löse ich den Haken aus. Nun, da der Fisch ruhig vor mir liegt, kommt die Aufregung und Freude des Jägers über die Beute nach. Die Hände fangen an zu zittern, und ich fitze ein paar Minuten ganz still. Dann wird der Hecht in Schilf verpackt und in die Spitze des Kahnes unter die Laufbretter gelegt, dort bleibt er schön frisch. Er wog, wie es sich später herausstellte, fünf und sin halbes Pfund. Jetzt wird vor allem ausgiebig gefrühstückt. Dann löse ich den Kahn und schiebe ihn, was verboten ist, in das Schilf. Die Sonne sticht unbarmherzig. Ich knicke Rohrhalme von rechts und links über das Boot, und unter diesem sonnendurchleuchteten grünen Dach schlafe ich ein. Nie empfindet man den Genuß des Eindufelns so, wie an einem Sonnentage im Boot oder im Heu auf einer Wiese. Ich mochte wohl zwei bis drei Stunden geschlafen haben, als ich mein grünes Bersteck verließ. Als ich den Kahn aus dem Schilf gedrückt hatte, war ich überrascht. Die große, in strahlender Hellig- keit flimmernde Wasserfläche, war wie besät mit Booten aller Art. Bor allem waren es Segler, die mit ihren leuchtend weißen Le'.nwandflächen dem eindrucksvollen Bild den Reiz gaben. Dieser breit und ruhig dahinfließende Strom mit seinen von frohen, lärmenden Menschen bevölkerten Ufern, gab einen überwältigenden Eindruck gesunder Lebensfreude. An einem solchen Tage muß man aufpassen, damit man niemanden rammt. Besonders der Ruderer. der der Spitze des Bootes den Rücken kehrt, stößt bei solchem Ver- kehr, wenn niemand am Steuer sitzt, leicht ein anderes Fahrzeug an. In gleicher Richtung mit mir fahren einige Segler. Sie kamen jedoch, da der Wind nicht günstig stand, nicht schneller vorwärts als ich. Ich verließ nun die Hauptverkehrsstraße und bog in eine Bucht ein. Hier lag das Wasser still und glatt, nur wenige Boote fuhren. Nicht lange und ich war an der Mündung eines Verbindung s- g r a b e n s. Ich zog die Riemen ein, setzte mich hinten auf den Steuersitz und gebrauchte nur ein Ruder, wie es die Fischer machen. Es war schön unter den alten Erlen. Durch das dichte Laub konnte man kaum den Himmel sehen, nur hin und wieder blitzte em Sonnenstrahl durch die smaragdene Fülle. Das Wasser, tiesgrün mit goldenen Reflexen, umspielte die freiliegenden Wurzeln. Ueber Meterhöhe ragten sie in bizarren Formen aufwärts, ehe sie in den Stamm übergingen. Unwillkürlich ist man an solchem Ort leise. Ich glitt lautlos dahin, vorsichtig taucht das Ruderblatt ins Wasser, ein Druck nach hinten, und nur ein schwacher Wirbel entsteht beim Herausziehen des Ruders. Da plötzlich schießt es blitzend und funkelnd an mir vorbei, dicht über den Wasserspiegel dahin, wie ein fliegender Saphir. Der Eisvogel, einer der kleinsten Fischräuber, ver- schwindet an einer Krümmung des Grabens. Hell klingt sein schriller Ruf. In die feierliche, wunderbare Stille tönt nur der welche, lockende Ruf des Pirols. Lauschend halte ich mich am Ufer fest. Auf einmal entsteht auf dem Grund eine Bewegung. Ein Krebs ist im Begriff, im Wurzelwerk zu verschwinden. Ich greife schnell zum Kescher. Vorsichtiges Eintauchen, doch wie ich das Netz dem Krustenträger nähere, ist er in feiner Höhle verschwunden. Einige Schläge mit dem Ruder auf die Wurzelknorren oberhalb des Masters, lasten ihn wieder zu Tage kommen. Unmerklich schiebe ich das Netz unter den Krebs, was wegen des weichen Sandes nicht schwer ist. Ein ziemlich starker Kerl. Vielleicht sind noch mehr da! Wahrhaftig, überall krabbeln sie. Mancher rückt ja auch aus, denn die Kerlchen sind, wenn erst mal in Bewegung, außerordentlich schnell. Aber nach einer Stunde habe ich über dreißig Stück. Nun rutschen sie, tiefbraun und glänzend im Vorderteil des Bootes herum, versuchen an den Bootswänden hoch- zukommen, fallen aber immer wieder zurück. Bis morgen abend kommen sie in eine Kiste, in die ich Brennesseln sammle. Ich verlasse den stillen Graben. Die Sonne steht schon tief, und die Luft ist etwas frischer geworden. Hunderte von Booten ziehen alle in einer Richtung zurück zur Groß st ad t. Es ist, als wenn ein ungeheures Tier die Menschenscharen wieder aufsaugte, die es für einen kurzen Tag in Sonne und Licht freigab. Jetzt taucht ein Schlepper auf. Sechs Zillen hängen in Abständen an ihm. Wie eine Reihe von Walfischen inmitten einer Schar Heringe erscheinen die riesigen Holzkähne zwischen all den heim- kehrenden kleinen Booten. Als die letzte Zille in gleicher Höhe mit mir ist, sehe ich einen Schwärm von Paddlern an ihrem Steuer hängen. Ein paar schnelle Schläge, und auch ich habe mich an- gehängt. In den Booten, mit wenig Ausnahmen, alles Pärchen. Ich werde sofort angeulkt, da ich allein im Boot sitze. Ob ich meine Braut verloren hätte, fragt einer. Ein anderer will mir seine Begleiterin leihen, wenn ich sie gut behandle. Entrüstung bei der Dame. Jetzt sieht plötzlich eins von den jungen Mädels die Krebse im Boot herumwandern. Großes Gequieke bei den Damen, neues Anpflaumen von feiten der Herren. Die Tierchen wären ja so zutraulich, und ob ich mit den Hummern bei Sarosani austreten wolle. Jetzt fängt ein Grammophon an zu spielen. Es ist ein Schlager, und alle singen oder pfeifen mit. Es ist mächtig lustig. Auf einmal ein sausendes Pfeifen über uns, alles guckt hoch. Nur wenige Meter über unseren Köpfen fliegt ein Schwanen- pärchen. Leuchtend im rosigen Licht des Abends, weitklafternd die enormen Schwingen, ziehen die Vögel über uns hin. Die Hälse lang ausgestreckt, entschwinden die scheinbar ruhig fliegenden Tiere mit großer Schnelligkeit. Ich schaue ihnen nach, als ich einen kurzen heiseren Schrei aus der Luft höre. Ich kann den Rufer nicht sofort entdecken, aber nun sehe ich ihn. In großer 5)öhc zieht ein Fisch- reihe r nach Hause. Sein Flug ist schwer, als hätte er an den ge- raubten Fischen zu tragen. Immer gleich ruhig, in gerader Linie, fliegt er in das rote Gold des versinkenden Tages____ Text und Zeidinungen von Hans Volker Hyan. 18. Bundestag �Solidarität� 500 neue Ortsgruppen� über 100000 neue Mitglieder Im fesllich geschmückten Saale des„Tolosseums" in München wurde der 18. Bundestag des Arbeiter-Rad- und Kraftfahrbundes„Solidarität" in Anwesenheit von 14l> Teilnehmern feierlich eröffnet. Der Bundesvorsitzende Nie mann entbot, nachdem der vom Männergesangverein„Ariern" unter Stabführung seines Dirigenten Hans Bögner vorgetragene Chor„Empor zum Licht" verklungen war, den Teilnehmern und Gästen, den Vertretern der Behörden, der Sozialdemokratischen Partei, der Gewerkschaften und der Ar- beitersportorganisationen herzliches Willkommen. Er konnte auf die Tatsache verweisen, daß der Bund vor 23 Jahren seine Tagung ebenfalls in den Mauern Münchens abgehalten hat. Dieses Viertel- jahrhundert Zeitspanne umfasse ein gewaltiges Stück der Aufwärts- entwicklung des Bundes. Gleichzeitig mit dieser Rückschau auf die vergangenen 23 Jahre könne das Jubiläum der Genossen Zimmer- mann und Sachs vom Bundesvorstand begangen werden, die heute ein Vierteljahrhundert innerhalb des Vorstandes tätig seien. Das gleiche Jubiläum können die Gauleiter Bandermann und Feig be- gehen. Die herzlichen Glückwunschworte des Vorsitzenden an die verdienten Genossen wurden mit Beifall aufgenommen. Das Bild, das der Bundesoorsitzende von der Entwicklung seit dem letzten Bundestag in Hamburg vor drei Iahren entwarf, war gerade in Anbetracht unserer heutigen wirtschaftlichen Nöte besonders erfreu- lich. In den letzten drei Jahren tonnten 300 neue Orts- gruppen, über 100<100 Mitglieder und 10 000 Schüler dem Bunde zugeführt werden, ein Erfolg, der zu einem berechtigten Stolz Veranlassung gebe. Auch der Werbemonat Juni habe ausgezeichnete Erfolge gebracht und man könne mit einem Neuzugang von 23 000 Mitgliedern rechnen. Der Bundesvorsitzende gedachte dann in ehrenden Worten der seit dem letzten Bundestag mit Tod abgegangenen Bundesgenossen, zu deren Ehrung sich der Bundestag von den Sitzen erhoben hatte. Im Namen der Ortsgruppe München sprach Bundesgenosse Stelzer herzliche Begüßungsworte, ihm folgte der Vorsitzende des Gaues 20, Bundesgenosse Karl E b e r t, der auch seinerseits den Bundestag in Münchens Mauern willkommen hieß. Das Stadt- amt für Leibesübungen hatte als Vertreter Studienrat Vehr ent- fandt, die sozialdemokratische Stadtratsfraktion ihr ältestes Mitglied, den verdienten Altbürgermeister Eduard Schmid; für den sozial- demokratischen Parteivorstand Münchens war Reichstagsabgeord- neter Hans Unterleitner erschienen, der in seinen Begüßungsworten sinnvoll den Gedanken der Solidarität unterstrich und darauf ver- wies, daß die Sozialdemokratie gerade in München, dem Hort der nationalsozialistischen Arbeiterfeinde, einen besonders schweren Kampf zu führen habe Als Vertreter der sozialdemokratischen Reichstags- fraktion und des Reichsausschusses für Leibesübungen sprach Reichs- tagsabgeordneter Genosse Schreck markige Worte der Begrüßung, wobei er die Notwendigkeit der Stählung des Körpers neben der Erziehung zur geistigen Erkenntnis unterstrich. Ihm schloß sich Sportgenosse Wildung für die Zentralkommission für Sport und Körperpflege mit beifällig aufgenommenen Begrüßungsworten an. Nach Erledigung der Wahl der Leitung des Bundestages, in die sich die Bundesgenossen Göbel und Bandermann teilen, der Wahl der einzelnen Kommissionen und zweier Geschäftsordnungs- anträge wurden die Beruatungen auf Freitag vertagt. * Sonntagsrennen der Arbeiter-Radfahrer Schönerlinde-Zerpenschleuse und zurück heißt diesmal die Strecke, auf der die Rennen ausgetragen werden. Dieses Straßenren- nen ist das letzte vor der Olympiade in Wien. Alle Fahrer von Rang haben wieder ihre Meldungen abgegeben. U. a. haben sich Fahrer aus Luckenwalde in die Startliste eingetragen. Ebenso starten die Sieger der Ausscheidungskämpfe in Frankfurt a. M., U n g e r und S a ch t l e b e n, die mit diesem Rennen gleichzeitig ihr Training für die Olympiade in Wien abschließen. Sammelstart um 3 Uhr früh am Königstor. Das Umkleidelokal ist in Schönerlinde, Restaurant Schützenhaus. Alle Fahrer müssen bis 6.30 Uhr zur Stelle sein. Hund um Berlin bei Rütt Neumanns Ueberrasdmngssieg im Straßenrennen Walter Ruits Idee, auf der Aschenbahn des Polizei- Stadions ein kleines„Rund um Berlin" in Szene zu setzen, fand beim Publikum starken Anklang. Die Veranstaltung sollte so gut es ging eine Kopie eines Straßenrennens abgeben und wenn es auch nicht so recht klappte, das Publikum nahm das Ganze freundlich auf und kargte weder mit Beifall noch mit anfeuernden Zurufen. StartI In ruhiger Fahrt legt das 24 Mann starke Feld Kilo- meter auf Kilometer zurück. Ein Ausreißversuch G i e s e s verpufft. Geschlossen passiert das Feld nach 10 Minuten die Abwerfkontrolle Oranienburg. Wissel, der beim Passieren eines Bahnübergangs zu Fall kommt, verliert Zeit, doch 0er Retter in Gestalt seines Freundes Lehmann bleibt vom übrigen Felde zurück und zieht Wissel so heran, daß er wieder Anschluß findet. Nach 30 Minuten ist die Einschreibekontrolle Bernau erreicht; weiter geht's, der Ver- pflegungskontrolle Erkner zu. Noch ist das Feld geschlossen. Das wird anders, als Königswusterhausen mit einer Zwangspause von 3 Minuten naht. Nickel, Funda, Maidorn und Kanto- r o w i c z reißen aus. gewinnen schönen Vorsprung und können nach Beendigung der Zwangspause die zweite Gruppe überrunden. Dann stoßen Feder, Engelmann und Scheu! vor. Diesmal ist es Giese, der zurückbleibt und für diese Gruppe Schritt- macherdienste leistet. Der Rundengewinn gelingt, so daß jetzt sieben Mann die Spitze bilden. Bevor nach 110 Minuten die Stempelkontrolle in Trebbin passiert wird, geben Kuhn und Feder das Nennen auf. An der Stempelkontrolle geht es lustig zu. Jeder Fahrer erhält, bevor er weiter fahren darf, einen Stempel auf den Oberschenkel. Inzwischen unternehmen noch Neu- mann und Schwemmler einen erfolgreichen Vorstoß. Doch damit hat Ncumann noch nicht genug. Er geht noch einmal davon und da das Feld die von dieser Seite drohende Gefahr nicht erkennt, vollzieht er abermals die Ueberrundung und hat damit den Sieg sicher. In den Punktwertungen, die alle 20 Minuten ausgefahren wurden, w ir Ehmer am erfolgreichsten. Ergebnis: 1. P. Neumann 67,900 Kilometer: eine Runde zurück: 2. Maidorn-Dresden 12 Punkte; 3. Funda 3; 4. W. Nickel 2; 5. Schenk-Dortmund 2; 6. Engelmann 2; 7. Kanto- rowicz 1; 8. Schwemmler 0 Punkte. Die übrigen zwei Runden zurück. .Aus den Boxringen Freiluftkampfabend auf dem Gesundbrunnen Auf dem Norden-Nordwest-Platz am Bahnhof Gesundbrunnen standen sich gestern abend in einem zur Meisterschaft des Branden- burgischen Box-Verbandes zählenden Mannschaftskamps die Vereine Heros und Hermes gegenüber. Die Partie endete unentschieden, nachdem Heros schon mit 8:2 Punkten in Führung gelegen hatte. Durch dieses Resultat hat sich Hermes die Führung in der Tabelle gesichert. Im Fliegen- gewicht verlor Klemp(Heros) gegen Steingräber, von bekannten Leuten gewannen Moehl, Christmann, Bächler und Lütke(sämtlich Heros) sowie Daniel und Behm(Hermes). * Der frühere deutsche Weltergcwichtsmeister im Boxen, Hans S e i f r i e d, traf am Freitag im Wiener-Engelmann- Frei luft ring, der von 10 000 Zuschauern umsäumt war, auf den österreichischen Meister Peter H a n a, den er über 10 Runden klar nach Punkten schlagen konnte. Mittelgewichtsmeister Neu- b a u e r- Wien besiegte den Engländer Benny Singer in der 2. Runde entscheidend, und im Ausscheidungskampf zur Leicht- gewichts-Europameisterschaft behielt der Belgier L e n g l e tz über Blaho-Wien nach Punkten die Oberhand. -» Der bekannte Berliner Amateurboxer D a l ch o w(AEG.) hat seine Absicht, Berufsboxer zu werden, in die Tat umgesetzt. Unter Leitung von Hans Breiten st räter wird der frühere Europameister im Bantamgewicht bereits in Kürze fein Debüt als Profi geben. Zlaturfreunde-Olympia-Fahrer. Alle Teilnehmer, die am 1. August von Mittenwold nach Berlin zurückfahren, melden sich in Wien am Schalter der Sonderzugleitung am Donnerstag und Frei- tag bis 12 Uhr bei Damnitz. Wir fahren nach Wien! Heute abend um 21 Uhr Anhalter Bahnhof, Bahn- steig ö— Einsteigen! Abfahrt 21.30 Uhr. Vereine und Freundschaften möglichst von hier aus zusammenfinden! Unterwegs Umsteigen verboten. Die Nachricht durch den Rundfunk wegen der benötigten 100 Mark trifft für unsere Olhmpiafahrer heute und auch am Dienstag nicht zu! Wir fahren! Oehlschläger. * Bei der Arbeiterbank vollziehen sich die Auszahlungen in durchaus geregelter Weife. Wer in Sorge ist, weil er eine Auslands- reise plant und Schwierigkeiten bei der Geldumwechslung fürchtet, wende sich vertrauensvoll an die Arbeiterbank. * Ein Leser schreibt uns: Im Besitze eines Fahrtausweises nebst V o r b e- stellung von Zimmer und Pension für Wien kam mir der neueste Börsenkrach ziemlich ungelegen. Wie sollte ich meine Ausgaben in Wien bestreiten, ohne im Besitz von Devisen zu sein? Auf den Hinweis der Reichsbank in den Zeitungen, daß für notwendige auswärtige Reisen hinreichend Auslandsgeld ge- geben werden kann, ging ich freudigen Herzens zur R e i ch s b a n k. Auf meine Bitte am Schalter nach österreichischen Schillingen sah mich der Beamte ziemlich entsetzt an. In barschem Tone fragte er mich, was ich da wolle und womit ich meine Ausreise begründen kann. Bei der Vorlage des Ausweises von den Naturfreunden für die Fahrt. Wohnung und Verpflegung maß mich der Beamte zuerst vom Scheitel bis zur Sohle, und ich hatte den Eindruck, daß das Wort„Arbeiter-Olympiade" auf ihn wie ein rotes Tuch wirkte. Barsch erklärte er mir, daß für eine derartige Reise kein Auslands- göld gegeben werden kann. Ich sollte hübsch im Lande bleiben und mein Geld im Lande verzehren. Bums— Fenster zu. Ich war ja nicht ganz so schüchtern, wie der Herr hinterm Schalterfenster sich einbildete und begab mich zu dem zuständigen Abteilungsleiter. Hier bekam ich denn die Auskunft, daß ich nach der Iägerstraße hinüber müsse, und der dort anwesende Herr war sichtlich von dem Zweck meiner Reise,„Arbeiter-Olympiade", unangenehm berührt. Als er aber merkte, daß ich mich nicht abweisen ließ, bequemte er sich endlich dazu, mir mein Geld abzunehmen, um mich aus morgen wieder hinzubestellen, damit ich mir einen Reichsbankscheck über 200 Schilling holen kann. Vielleicht ist die Reichsbank so freundlich und unterrichtet ihre Schalterbeamten auch dahingehend, daß Reisende zur Arbeiter- Olympiade schon am Schalter die richtige Auskunft bekommen und nicht erst nach langem Herumlaufen so abgefertigt werden, wie sie es verlangen können. Willkommen zum Weltkindertag I Den Weltkindertag am morgigen Sonntag, 19. Juli, eröffnet das 2. Arbeiter-Olympia in Wien. Aber bereits am heutigen Sonnabend sammeln sich in allen größeren Orten die Kinder aller der Zentralkommission angeschlossenen Organisationen zu Nachmittags, und Abendfeiern. Ihr Arbeiterjungen und-mädel, sammelt euch frohen Herzens, laßt überall eure Wimpel und Fahnen wehen. Das frisch« Rot unserer Fahnen künde von eurem frohen Mut, für die gute Sache der Arbeiterschaft zu streiten. Nur zwei ganz knappe Tage seid ihr zum frohen Treiben zu- sammen, aber, so kurz der Aufenthalt auch ist, so schön soll er sein. Viele Hände haben für euch geschafft, und trotz schwerer, Wirtschaft- licher Notlage versuchen alle, euch den Aufenthalt, wo ihr auch seid, angenehm zu gestalten. Ob ihr Sonnabend bei den Abendfelern Ausschnitte aus eurem heimatlichen Uebungsbctrieb zeigt, ob ihr bei den sportlichen Wetttämpsen auf der Aschen- und Schwimmbahn eure noch jungen Kräfte meßt oder beim Sonntagsfcstzug in Reih und Glied marschiert, ihr könnt überzeugt sein: ihr seid überall willkommene Gäste! Guten Erfolg dem Weltkindertag am 18. und 19. Juli! Im t. Kreis Berlin— Brandenburg Für das Gebiet des I. Kreises(Berlin-Brandenburg) sind Bezirkskindcrtreffen geplant. Für den 1. Bezirk: Erkner: 2. Bezirk: Eberswalde; 3. Bezirk: Brandenburg: 4, Bezirk: Zossen. Diese Be- zirkskinderfeste beginnen bereits heute mit sportlichen Wettkämpfen und Abendfeiern. Am morgigen Hauptfesttag werden Hand-, Faust-, Völker-, Fußballspiele ausgetragen und die sportlichen Wettkämpfe zu Ende geführt. Die Nachmitwgsfesizüge fühcken zu den Festplätzen, wo nach der Massengymnastik der Kinder. Sing» spielen, Sondervorführungen der Kinder das Fest seinen Abschluß findet mit der Aufführung des Sprechchorwerks: ,�alloh— Ihr Arbeiterkinder der Welt!" Bei diesem Sprechchor werden alle Kinder der Bezirke mit Wimpeln und Fahnen aufmarschieren. CtroHer Preis von Berlin Die Grunewaldrcnnen am Sonntag finden statt Im Union-Klub zu Berlin fand am Freitag eine Sitzung statt, in der man sich über das Schicksal der Sonn- tagsrennen im Grunewald mit dem Großen Preis von Berlin im Mittelpunkt, zu entscheiden hatte. Sowohl wirtschaftliche Bedenken als auch solche politischer Natur hatten diese Zusammen- kunft veranlaßt. Man entschied sich dafür, die Rennen auf jeden Fall unter Dach und Fach zu bringen, da der Ausfall dieses größten Berliner Renntages dem deutschen Rennsport«inen schwer zu ver- windenden Schlag versetzen würde. Abwehr ist Pflicht! Unter dieser Ueberschrist veröffentlichten wir an dieser Stell- am Donnerstag einen Aufruf, in dem die Arbeitersportler zum Beitritt in die Abwehrformationen aufgefordert wurden. Um Miß- Verständnissen vorzubeugen, muß betont werden, daß es außer der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, sowie dem Reichsbanner, den Gewerkschaften und den Ar- beitersportoerbänden keine besonderen Abwehrforma- tionen gibt._ «»btiter-r-r».«ab Sportbui», gu§boBfp«tt«, i.#tei»».«.«n all« akteinsBcrdfini« bet SroK.B«rNn«r Vereine im A.-T.. u. SP.-V. Wlr bitten je einen»enoflm am Montag, 20. Juli,*ut Abholung der Plakate und Bor. verkaufskarten für Mnnland— 1. Nrei« am 4. August im Voststabion nach der«reisgeschäitsstelle ab 20 Uhr Zw entliendcn. lAusmeis mitbringen.)— Me lbrojz, Berliner �uhballvereins finden sich in der streiageschäfisstelle zur BorstSndekonferen, um 20 Uhr ein.... �.. Brdeiter.Zuhdoll. Lichtenberg i bat am Sonntag die I. und 2. Mannschaft von Bergfrlde zu einem Treundsch-ft-spiel auf dem Platz in der«vnaststrabe am Bahnh. Sita lau-Ruinmeisburg eingeladen. Beginn der Stnel« nm 14?» Uhr. Rückschau. Berlin brachte aus Leipzig einen Hörbericht von Josef Krähe:„Das erste deutsche Schauspieler- Parla- ment", zur Erinnerung an den Allgemeinen Deutschen Bühnen- Kongreß vom 17. bis 19. Juli 1871. Die Ausführung fand am falschen Platz statt; als Festspiel vor Mitgliedern der Bühnen- genossenschaft hätte sie ihr Publikum gefunden. Den Funkhörern hätte ein Vortrag viel mehr über die Bedeutung der Deutschen Bühnengenossenschast sogen können als dieser Hörbericht, der be- rühmte Schauspieler der Vergangenheit, die heute den meisten völlig unbekannt sind, in wenig dankbaren Rollen zeigte. Die Bearbeitung des authentischen Materials war nicht sehr geschickt; der Hörer wurde mit keinem ehrenden Gedenken irgendeines Unbekannten und anscheinend auch mit keiner sonstigen Protokolleinzelheit verschont. Vielleicht infolge Zeitmangels sprachen zudem fast alle Vertreter der Rollen sehr schnell, was zusammen mit einem sehr aufdringlichen Nachhall das Verständnis der Sendung ungeheuer erschwerte. Tss. Sonnabend, 18. JnlL B e r I I a. 16.05 E. Neberm«nn: Schachstunde. 16.30 Blasmusik aus vier Jahrhunderten. 18.25 Die Ersähluni der Woche(Sprecher: Gottfried Benn). 16.50 Robert Schumann. 1. Sonate A-MoM(Anita Suiovolsky, Violine; Berta Suiovolsky, Flüeel). 2. Lieder(Erich Domke. Baß: Plflrel: Julius B6r- aer). 3. Fanlaslestilcke(Anita und Berta Suiovolsky). 19.35 Dr. med. Qeor» Zehden: Wie wirkt das Wetter auf uns« Betinden? 20.00 Paul-Lincke-Abend. 22 00 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Tanimnslk. Königswustcrhansen. 16.00 Hamborg: Konzert. 17.00 Dorothea Hoter-D ernburg: Drei Eraren hinter der Ttr. 17.30 Prof. Dr. Adam. Walter StOlting: Efir und gegen den Gesundheitspaß. 18.00 E. Mahrholz: Seemärchen. Meeresspuk und Aberglauben auf See. 18.30 Kurd Klßhauer: Qlutofen-Sonne. 18.55 Wetter für die Landwirtschaft. 19.00 Dr. Kurf Zarek; Bücher der Wlrkllelikelt 19.30 Stille Stunde: Boten der Natur. 22.00 Wetter-, Tages- und Sportnachrichtem. 22.30 Hamburg: Ein Qauklerfesf. Sonntag, 19. Jnli. Berlin. 6.30 Funkgymnasllk. 8.00 Für den Landwirt. 8.25 Prof. Dr. H. Helmuth Wundsch: Elscherei-Wirtachalt 10.05 Wettervorhersage. 10.50 Feierstunde, veranstaltet vom Arbelter-Kultur-Kartell Berlin.„Wir schreiten." 1. Herbert Marx: Variationen über das Thema: Wann wir schreiten.(Erstaufführung.)(Kammer-Sinfonie-Orcb. Ltg.: Edvard Pendler.) 2. Alfons Petzold: Ruf(gespr. von Eva Oottgetreu). 3. Max Orünbaum: Bei Sonne, in Nächten.(Emst L. Knorr.)(Ans dem Preisausschreiben des Sozialistischen Kulturbundes.)(Der hinge Madrigalkreis; Dir.: Waller Rhode.) 4. a) Barthel: Wir wollen neu die Welt erbauen; b) Kliber: Anmarsch.(Eva Oottgetreu.) 5. Weber: Auf den Straßen zu singen. (Hanns Eisler.)(Der junge Madrigalkreis.) 6. Felix StSßlnger; Im Schritt geh mit 7. Josef Suk; Andante con moto, op. 6.(Kammer-SInfonia- Orchesler.) 8. a) Luitpold: Arbeiterlied; b) BrBger: Die jungen Arbeiter. (Eva Oottgetreu.) 9. a) BjOrnson: Arbeitcrmarsch.(Armin Knab); b) Claudius: Wann wir schreiten.(M. Englert. Der junge Madrigalkrels.) 14.00 Märchen.(Margarethe Merrbach.) 14.30 Lieder. Beethoven, Brahma, Schüft, Wolf.(Willy Hetzet. Bariton. Flügel: Julius Bürger.) 14.45 Tanzstocke aus fünf Jahrhunderten. 15.10 David Luscbnat liest eigene Gedichte. 15.40 Nachmittagskonzert. 17.40 Prof. Banneriea; Leben und Arbeit in Indien. 18.10 1. Haydn: Sonate F-Dur. 2. R. Strauß: Sonate Ea-Dur. op. 18.(Boris Schwarz, Violine und Josef Schwarz. Flügel.) 19.80 Heiteres und Nathdenkllches von Fritz Müller-Partenkirchen.(Sprechet; Max Kebrig-Korn.) 19.20 Unterhaltungsmusik. 20.20 Sportnachrichten. 20.30„Potsdamer Straße 17a". Das Leben eines Hauses. HSrsplel von Werne« Finck und Egon Jacobsohn. 22.15 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Tanzmusik. Könlgswusterhausem. 7.00 Hamburg: Hafenkonzerf. 11.30 Dr. Egon Weigl: Das häßliche Kind. 12.00 Breslau; Mittagskonzert. 13.30 Frankfurt: Uebertragung vom Nürburgring. 15.10 Dr. Leonhard Blaß: Die Kleinstadt gerät in Aufregung(von Will Vespeck 15.30 Wien: II. Arbeiter-Olympiade. 17.45 M Felix Mendelssohn; Grotesken und Kurzgeschidit««, 18.00 G. A. Ciasse: Der Lenchlturmwärter. 18.35 Armin T. Wegner; Das Blutfest von Kerbela.