Morgenausgabe Nr. 333 A 168 -tS.Zahrgang Wöchentlich 85 Pf� monatlich 3,60 M. im voraus zahlbar, Postbezug 4,32 M, einschließlich 60 Pf. Postzeitun gs- und 72 Pf. Postbestellgebühren. Auslandsabonnement 6,— W. pro Monat; für Länder mit ermäßigtem Drucksachen» porto 5,— M. * Der w23orro5rts# erscheint wochentäg. lich zweimal. Sonntags und Montags einmal, die Abendausgabe für Berlin und im Handel mit dem Titel.Der Abend". Illustrierte Beilage„Dolt und Zeit". Ferner.Frauenstimme-. �Technik-,.Blick in die Bücherwelt". .Iugend-Vorwärt»-u..Stadtbeilage� Berliner SoitSblatt Sonntag 19. Juli 1931 Groß-Äerlin 15 Pf. Auswärts 20 pf. Die elnspalt. Nonparetllezeile 80 Pf. Reklamezeile S.— RM.„Kleine Au- zeigen" das fettgedruckte Wort 25 Pf. (zulässig zwei fettgedruckte Worte), jede» weitere Wort 12 Pf. Rabatt lt. Tarif. Stellengesuche das erste Wort iL Pf* jede» weitere Wort 10 Pf. Motte über 15 Buchstaben zahlen für zwei Motte. Arbeitsmarkt Zeile KO Pf. Familienanzeigen Zeile 49 Pf. Anzeigenannahm« im Hauptgeschäft Lindenstraße 3. wochen- täglich von 8V, bis 17 Uhr. Der Verlag behält sich da» Recht der Ablehnung nicht genehmer 2lnzeigen vor! Jeutvalsesan der sozialdemokratischen-Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindcnstr. 3 Fernspr.: Dönhosf(A 7) 292—297. Telcgramm»Adr.: Sozialdemokrat Berlin. Borwärts-Verlag G. m. b. H. Postscheckkonto:Berlin57öZö.—Bankronto:BanrderArbelter, Angestellten und Beamten, Lüldenstr. Z, Dt.B.u.Disc.-Ges., Dcpositenk., Jerusalemer Str. 65/66. Guier Anfang in Paris. Rückhaltlos offene Aussprache. V. ZcK. Paris, 18. Juli.(Eigenlicricht.) Die erste Begegnung zwischen den deutschen und den französischen Ministern scheint dach günstiger verlausen zu sein, als man nach der offiziellen Begleitmusik der hiesigen Presse befürchten mußte. Die Abendblätter hatten sich übereinstimmend die zweifache Parole zu eigen gemocht, die, wir mir versichert wird, vom Minister- Präsidenten L a v a l ausgegeben worden war: 1. Frankreich braucht keine freinde Vermittlung und wird sich allein mit Deutsch- land ouscinaiidcrsetzen, und 2., die französischen Minister werden o» der Londoner Konferenz überhaupt nur dann teilnehmen, wenn sie sich vorher grundsätzliä, in Paris mit Dr. Brüning und Dr. Curtius geeinigt haben. Diese Tonart hat die Engländer und Amerikaner stark verstimmt. Namentlich M a c d o n a l d soll sich über die Art, wie die französische Regierung damit drohte, die von ihm angeregte Londoner Konferenz durch ihr Fernbleiben zu torpe- dicren, wenn es in Paris nicht nach ihrem Willen gehe, so erbost sein, daß er chcnderscn ersucht hat, Paris bereits am Sonntag- nachmittag zu verlassen, um an einer Kabinettssitzung Montag früh in London teilzunchinen. Es scheint in dieser Pariser Prcssctonart viel offiziöser Bluff zu stecken und wahrscheinlich auch die Rücksichtnahme aus den natio- nälistischen Teil der Regicrunzsinehrheit. Der Empfang der deut- scheu Minister am Rordbahnhos war durchaus herzlich: zweifellos hat die Tatsache ihres Vefnches die allgemeine Atwosphäre wesentlich gebessert. Die Besprechungen selbst haben bisher einen durchaus freundlichen Verlauf genommen. Das amtliche Kammuniqu« ist gemeinsam verfaßt worden: besonders ist der Schlußsatz, der als das Ziel der Aussprache die Herbeiführung eines dauernden Einoernehmens' zwischen den beiden Völkern bezeichnet, von Laool und Brüning ausdrücklich vereinbart worden. An Offenheit Hot es bei dieser mehrstündigen Aussprache nicht gefehlt. Dr. Brüning hat die finanziellen und wirtschaftlichen Nöte Deutschlands rückhaltlos geschildert und auf die Rüstungen der mitteleuropäischen Länder hingewiesen, während La v a l dargelegt Hot, wie die französische öffentliche Meinung über gewisse Porgöiige der letzten Monate in Deutschland— Zollunion, Panzerkreuzerbau, Stahl Helmparade usw.— urteilt. Hinsichtlich der finanziellen Garantien, die Frank- reich an das Zwei-Milliorden-Anlechc-Projekt knüpft, scheint sich eine gewisse Annäherung anzubahnen, zumal der Gedanke einer Art Finanzkontrolle über D�, Ischland wieder fallen gelassen wird.' Es bestätigt sich immer mehr, daß diese für Deutschland be- sonders unangenehme Idee eines Rückfalls in die Zeiten und Methoden des Dawcs-Planes ursprünglich von Amerika lanciert worden mar, und zwar vom ehemaligen Reparationsagenten P a r- kerGilbert.der jetzt Geschäftspartner des Bankhauses Morgan ist, und daß diese Absicht van Frankreich erst nachträglich aufgegriffen wurde. Jetzt geht die Debatte nur noch darum, welche m a t,e r i- e l l c n Garantien Deutschland für den Zweimilliardenkredit bieten wird, wenn der Zeitpunkt kommt, wo er in eine langfristige inter- nationale Anleihe umgewandelt werden kann. Daß eine restlos« grundsätzliche Einigung über alle sinanz- technischen Einzelheiten und politischen Probleme nicht schon bei dieser ersten Aussprache erzielt wenden würde, war vorauszusehen. Zur Nervosität besteht deshalb kein Anlaß. Ein« zrneite rein deutsch-französisch« Ministcrbegcgming ist für Sonntag nachmittag in Aussicht genommen, für den Vormittag eine mehr internationale Besprechung, an der auch Hendcrson, Stimson, Grandi und Hymans teilnehmen werden. Die Absicht der französischen Regierung hinsichtlich der politi- schen Probleme ist, eine gemeinsame dcutsch-französische Deklaration ziistande.zubringcn, in der d«r Wille zur künftigen aufrichtigen Zu- fommenarbeit der beiden Völker feierlich verkündet wird. Inwieweit die oben angeführten Einzelfrogen dabei Erwäh- nunq finden. wenden, ob das m. einer Form geschieht, die für die deutschen Minister annehmbar ist, oder ob man sich mit allgemeinen Versicherungen des gegenseitigen guten Willens begnügen wird, dos ist eben die Frage; sie zu lösen, wäre natürlich leichter, wenn nicht auf beiden Seiten die Minister auf die Nationalisten ihres Landes Rücksicht nehmen müßten, und wenn man nicht über- flüssigerweise auf beiden Seiten die eigene bürgerliche Presse auf Parolen festgelegt hätte, die sich in ihrer Totalität natürlich nicht durchsetzen lassen, wenn man zu einer Einigung gelangen will. Am Abend stattete der amerikanische Staatssekretär Stimson der deutschen Botschaft«inen längeren Besuch ab, wo er mit Dr. Brüning und Dr. Eurtius Bekanntschaft schloß und mit ihnen die schwebcnden Probleme eingehend besprach. Eine Erklärung Brünings. Bei der Ankunft auf dem Nordbohnhof hotte Reichskanzler Brüning dem Vertreter der Haoas-Agentur folgende Erklärung für die Presse übergeben:„Der Plan unserer Pariser Reise, der schon seit einigen Wochen gefaßt war, hat heute noch größere Be- deutung bekommen. Es handelt sich jetzt nicht mehr allein um Be- sprechungen, die zur Klärung der ollgemeinen Lage dienen sollen," es handelt sich im Gegenteil um besondere wirtschaftliche und finan- zielle Problehre, die nicht nur Deutschland, sondern auch ganz Europa betreffen. Vielleicht hat aber diese neue Wendung der Dinge ihre Vorteile, denn in der gegenwärtigen Lage, die die enge Verstrickung der Interessen aller Völker klar hervortreten läßt, sind wir alle gezwungen, eine gemeinsame Anstrengung zu machen. um in loyaler und vertrauensvoller Zusammenarbeit die INiltcl zu finden, eine uns olle berührende Krise zu überwinden und aus diese Weise den Völkern zu beweisen, daß, wenn man auf ollen Seiten guten Willen zeigt, man aus schwierigsten Lagen herauskommen kann. Deshalb freue ich mich über die dem Außen- minister und mir gebotene Gelegenheit, mit der französischen Regie- rung die Fragen zu besprechen, die unsere beiden Länder inter- essieren und vor allem die Fragen, welche in den letzten Zeiten e r n st c Beunruhigung hervorgerufen hoben. Ich habe die feste H o s s n u n g, daß es uns gelingen wird, diese Fragen zu lösen und das französische Volk von unserem aufrichtigen und loyalen Willen einer Mitarbeit an der Organisation des Friedens zu über- zeugen. Wir wollen zu einer vertrauensvollen Zusammenarbeit mit Frankreich gelangen, weil wir genau wissen, daß ohne diese Zusammenarbeit der Wohlstand Europas und das Gedeihen der Welt nicht gesichert werden können. Wir hoffen, daß wir, wenn beide Völker, die von gegenseitigem Respekt und Vertrauen beseelt sind, ihre besten Kräfte vereinen, lim die Probleme zu regeln, die uns beschäftigen, befriedigend« Lösungen finden können/' Um 16,30 Uhr begann im Innenministerium die deutsch- französisch« Konferenz zwischen Brüning. Earlius. von Bülow, reu stocsch und dem Dolmetscher Dr. Kchmidl sowie tanal. Briond, Flondiv, Pi--tri. Bcrlhelet und dem Dolmetscher Professor fjosnard pon der französischcn Bolschaft in Berlin. Die Ministcrkonfcrenz im Innenministerium war um 17.20 Uhr beendet. Die Unterhaltung der deutschen und französischen Minister wird am Sonntagnachmittag fortgesetzt werden. Am Sonntag- vormittag um zehn Uhr ist im Arbeitszimmer Lavals eine Konferenz aller Länder, die an der Londoner Konferenz teilnehmen sollen und deren Vertreter gegenwärtig in Paris sind. Herzlicher Empfang. Paris, 18. Juli.(Eigenbericht.) Die Pariser Bevölkerung hat Reichskanzler Brüning und Reichs- außenminister Curtius bei ihrer Ankunft einen unerwartet herz- lichen Empfang bereitet. Die Minister wurden auf dem Bahnhof von Ministerpräsident L a v a l, Außenminister B r i a n d, Unterstaatssekretör Francois Poncet sowie den Generalsekretären des Außen- und Innenministeriums herzlich begrüßt. Das gesamte Personal der deutschen Botschaft war natürlich zum Empfang er- schienen. Als die Minister aus dem Bahnhof heraustraten, wurden sie von einer mehrere tausend Personen zählenden Menschenmenge mit Rufen:„Es lebe der Frieden! Nieder mit dem Kriege!* usw. empfangen. Zaghoste Pfiffe von Nationalisten und Royalisten wurden durch neue Rufe„Es lebe der Frieden" erstickt. Die Sympathiekundgebungen wiederholten sich, als Brüning, Curtius und Botschafter von Hoesch gemeinsam im Auto den Bahn- Hof verließen. Unmittelbar hinter ihnen folgten der französische Ministerpräsident und der Außenminister, die mit Hochrufen begrüßt wurden. Kurz vor 14)� Uhr trafen die deutschen Minister in der deutschen Botschaft ein. Inzwischen hatten sich im Hof des Innenministeriums zahlreiche Journalisten und Photographen eingefunden, die die Ankunft der deutschen Minister erwarteten. Die Eingangspforte des Ministeriums war zu Ehren der deutschen Gäste mit Palmen und Hortensien ge- schmückt. Kurz vor ISsh Uhr traf der Reichskanzler mit Staats- sekretär Gerth im Innenministerium ein. Vorher hatte er im Palais des Präsidenten der Republik seine Karte abgegeben. Der Reichs- kanzle r ipurde sofort in das Arbeitszimmer des Ministerpräsidenten geleitet, eine Aussprache unter vier Augen folgte. Innerpolitischer Befund. WederDrittesReich noch Sowjetdeutschland inSicht Wie in den Jahren 1914, 1918 und 1923 schwebt auch jetzt wieder auf allen Lippen die Frage, was aus Deutschland wird. Das Ergebnis der Pariser und Londoner Besprechungen wird zur Beantwortung dieser Frage einen wichtigen Veitrag liefern. Aber man darf sich die Dinge nicht so vorstellen, als ob nach dem Zustande- kommen einer großen Auslandsanleihe alles wieder so wäre wie vorher. Auch dann wird erst in harten Kämpfen die innere Entscheidung gewonnen werden, die Entscheidung darüber, was aus Deutschland wird. Der Zustand, den wir jetzt über uns ergehen lassen müssen, ist der einer Reglementierung des ganzen wirtschaftlichen und politischen Lebens durch Verordnungen. Die Allmacht des Staates feiert Triumphe. Die vom Reichs- Präsidenten eingesetzte und gestützte Regierung verfügt über eine Fülle von Befugnissen, wie sie eine kaiserliche Regierung von ehedem nicht einmal im Traum sich angemaßt hätte. Was bleibt also denen noch zu wünschen übrig, die immer nach der„st a r k e n Führung" geschrien haben— wenn nicht das eine, daß diese Führung nicht immer so führt, wie sie es wollen? In der Tat geht das innere Ringen in Deutschland jetzt darum, ob die großkapitalistischen und großagrarischen Inter- essentenhaufen die Staatsgewalt für sich allein beschlagnahmen dürfen, oder ob ihnen die Vertretung der Arbeiter- k las so noch ein gewisses Gegengewicht bieten soll. Der Einfluß der Arbeiterklasse auf die Entschließungen der Regierung Brüning ist gering. Andernfalls wäre eine Verordnung wie die vom 5. Juni nicht möglich gewesen. Immer noch ergeben sich aber aus dem Vsstehen einer starken Sozialdemokratie und der Unmöglichkeit, sie völlig auszu- schalten, gewisse Hemmungen. Diese Hemmungen zu be- seitigen und damit einem hemmungslosen Interesienten- rcgiment die Bahn zu öffnen— das ist der eigentliche Sinn des Kampfrufs:„Los von der Sozialdemokratie!"„Nieder mit dem Marxismus!" Es ist ein politischer Gewinn der jüngsten Entwicklung, daß die Rolle der Nationalsozialisten ganz eindeutig geworden ist. Es gibt keinen sichtbaren Unterschied mehr zwischen Hitler und H u g e n b e r g. Hugenberg aber ist mit seiner Partei der unbedingteste, rücksichtsloseste und schärfste Vorkämpfer einer schrankenlosen Kapitalherr- s ch a f t. Vom sogenannten„Sozialismus" der Nationalsozia- listen zucken nur noch ein paar armselige Reste in den Vlättchen der Otto-S t r a ß e r- und S t c n n e s-Richtung. Davon abgesehen, ist die Maskerade zu Ende, und jedermann sieht, daß die B r a u n e n v on h e u t e gar nichts anderes als die Gelben von gestern find. Als eine extrem-nationalistische Bewegung wird die Hitler-Bewegung in Zeiten wie den jetzigen immer noch auf Zulauf, besonders aus den desorientierten Massen des Mittel- ftandes, zu rechnen haben. Aber der Elan, die Stoßkraft, die diese Bewegung durch die Verbindung eines nationalen mit einem sozialistischen Idealismus zu gewinnen schien, ist rasch verpufft und verraucht. Gewiß, man soll sich nicht in falsche Sicherheit wiegen. Dennoch kann man sagen, daß der Nationalsozialismus heute weniger gefährlich ist, als er es nach seinem Wahlsieg im Herbst vorigen Jahres war. Der große Aufklärungsfeldzug, den unsere Partei gegen ihn führte, hat seine Früchte getragen. * Wann aber werden endlich die Arbeiter, die der k o m- m u n i st i s ch e n Fahne folgen, bemerken, wohin sie sich ver- laufen haben? Wir stehen heute unleugbar in einer schweren Krise des kapitalistischen Systems, und wenn sich die Dinge wirklich so entwickelten, wie die Kommunisten es sich vor- stellen, dann müßte die bolschewistische Weltrevolution heute oder morgen kommen. Aber wo ist der kommunistische Führer, der an sie glaubt? Die kommunistischen Führer können, wie sie das in früheren kritischen Zeiten immer getan haben, auch diesmal der„verräterischen SPD." die Schuld daran geben, daß eine sogenannte„revolutionäre Situation" nicht ausgenützt werden kann. Aber eine Revolution, die durch das Uebelwollen einiger Bösewichte verhindert werden kann, ist eben keine! Eine wirkliche Revolution bläst alle Hindernisse, die auf ihrem Wege liegen, fort wie der Gcwittcrwind den Staub. Mit moralischen Vcrdonncrungcn der Sozialdemokratie und großsprecherischen Verheißungen haben sich die kom- Munistischen Arbeiter nun seit dreizehn Iahren abspeisen lassen. Und was ist erreicht worden? Der Kommunismus hat die Sozialdemokratie geschwächt, ohne selber entscheidende Kraft zu gewinnen. Er ist noch viel viel weiter davon ent» sernt, eine Kraftprobe riskieren zu können als der National- sozialismus. Ein kommunistisches Blatt schloß gestern seine Kritik an der neuen Presseverordnung mit der pathetischen Versicherung, es werde nicht aufhören, für Recht und Freiheit zu kämpfen. Das klingt sehr schön, aber leider haben die K o m m u n i st e n bisher noch nicht einmal an- gefangen, das zu tun. Immer wenn das Parlament vertagt ist, fordern sie stürmisch seine Einberufung, und wenn die Pressefreiheit eingeschränkt wird, verlangen sie ihre Wieder- Herstellung— aber von einer grundsätzlichen Erklärung für parlamentarische Demokratie und Pressefreiheit bleiben sie nach wie vor meilenweit entfernt. Fangen sie nun doch an zu begreifen, was die politischen Rechte der Demokratie für die Arbeiterklasse bedeuten? Geht ihnen doch langsam ein Licht darüber auf, daß Großmäulig- ketten und gelegentliche Prügeleien mit Schutzleuten noch keine Revolution sind? Mit dem Tag, an dem die kommu- nistischen Arbeiter diese Dinge klarer sehen würden als bisher, würde ein neuer Abschnitt in der inneren Geschichte Deutsch- lands beginnen. Die Sozialdemokratie will die Wieder- Herstellung der vollen Demokratie! Je eher die Notverordnungen verschwinden können, die die politischen Freiheiten einschränken, desto besser ist es. Aber diejenigen haben kein Recht anzuklagen, die es selber soweit getrieben haben. Und wirklich und ehrlich kämpft für politische Freiheit nur der, der mit uns die Verwilderung und Verrohung des politischen Lebens bekämpft. Auch wenn es noch schlimmer werden sollte als bisher. hat weder der Faschismus noch der Kommunismus Aus» ficht auf einen entscheidenden Sieg. Ihr Eegeneinanderspiel stärkt die bürgerliche Mitte und gibt ihr, trotz der Schwäche ihres Anhangs, die Möglichkeit, diktatorisch zu regieren. Einer Verstärkung des sozialdemokratischen Ein- flusfes wirken die beiden extremen Richtungen gleichmäßig entgegen, und damit stärken sie beide den bürgerlichen Einfluß. Die Zukunft gehört weder dem Sowjetstern noch dem Hakenkreuz. Auch in künstigen Krisenstürmen wird die bür- gerliche Mitte die Herrschaft behalten— solange bis die wachsende Einsicht der Arbeiter die Macht der Sozial- demokratie entscheidend stärkt. „Selbsthilfe." Ein Exzeß rechtsradikaler Ignoranz. Der Reichslandbund hat eine Erklärung erlassen, mit der ein Druck auf die deutschen Vertreter in Paris ausgeübt werden "soll. Der Reichslandbund. gez. Graf von Kalckreuth.er» klärt glatt:„ein Nachgeben gegenüber politischen Forderungen würdedieöffentlicheOrdnunginDeutschland z e r st ö r e n." Da wird n e u e i ns a m e H e tz e angekündigt. Die Abteilung der rechtsradikalen Reaktion, die sich unter der Firma Reichslandbund verbirgt, will das Scheitern der Verhandlungen. Deshalb stellt sie ein sogenanntes „Selbsthilfeprogramm" auf. Der Kernpunkt ist: k ü n st l i ch e Geldschöpfung. Die fehlende Golddeckung soll ersetzt werden durch— eine rechtsradikale Reichsregicrung. Warum nicht gleich Milliardenausgaben auf der Basis von Hugenbergs Schulden bei der Danatbank? Das wäre nicht minder solide! Der Reichsetat soll auf die einfachste Weise saniert werden: das Reich stellt seine Zahlungen teilweise cj n, die Arbeitslosen erhalten kein Geld mehr, sondern Suppen— an denen natürlich die Landwirtschaft ver- dienen will— und auf die übrigen staatlichen Verpflichtungen werden nur prozentuale Teilzahlungen geleistet. Unternehmer und Landwirte sollen von öffentlichen und sozial- politischen Leistungen befreit werden, und im übrigen führt Deutschland die S e l b st b l o ck a d e ein. Dann kommt das wahre Paradies! Steuern zahlen nur die Arbeiter und Angestellten, Wofür? Für die Osthilf«: denn darauf dürfen natürlich nicht nur prozentuale Teil- Zahlungen gewährt werden. Dies wahnwitzige Programm ist die beste Begründung dafür, daß alle Anstrengungen unternommen werden müssen, um Deutschland vor diesen bösartigen politischen Ignoranten zu retten!_____ Hugenberg gegen Westarp. Die befreiten Oentschnationalen. Die Deutschnationalen, die in diesen Tagen eine sehr starke Ak- tioität entwickeln, verbreiten ein Flugblatt, in dem„die genialen im Inland und Ausland weithin beachteten und anerkannten Pläne des Parteiführers Hugenberg" besungen werden. Der Name Hugenberg findet sich in jeder Zeile mindestens einmal, manch- mal auch zweimal.„Hilgenberg führt",„Hugenberg zeigt den Weg ins Freie" usw. Zum Schluß aber heißt es: „In unaufhaltsamem, festem, aufwärts führenden Schritt dringt die von ihren iveich und entnervt gewordenen Mitarbeitern befreite Deutschnationale Dolkspartet vor, als seste ftaotspolitifch« Organisation aller wahrhaft nationalen Kräfte und als Hort der auf wirtschaftlicher und kultureller Selbswerantwortung aufzu- bauenden Nation! Und Hugenberg führt die Organisation derer, die um Leben und Existenz dieses Volke» ringen." Dies ist ein Kapitel der Geschichte vom Aufstieg und Fall der Parteidiktatoren. Einst war Graf W e st a r p in der Partei oll- mächtig. Jetzt macht sie für sich Reklame damit, daß sie ihn los- geworden ist. Wegen Entführung des ehemaligen finnischen Stoatspräfidente« Stahlberg wurde Ende vergangenen Jahres General W a l l e n i u s zu drei Iahren Zuchthau» verurteilt. Das höchste Gericht hat Wallenius freigesprochen und die Freiheitsstrafen der anderen Verurteilten zum Teil herabgefetzt. Do» Wahlergebnis in Ungarn ist: 19Y Anhänger der Regierung, wovon lä9 Bcthlsns Einheitspartei, 2l Chnstlich-Nationolc Wirt- ichaftspartei: zehn rechtestehende agrarische Oppositionelle, neun Deme�raten und Liberole. vierzehn Sozialdemokraten, zwei rechtsstehende Christlich-Opposiiionelle und zwanzig Parteilose, im ganzen 55 Oppositinetelle, Nach Lahusens Verhastung. Seine Verieidiger reichen Beschwerde ein. Bremen. 18. Juli. sEigenbericht.) Die Verteidiger der inhaffierken Brüder Lahusen find Als- b e r g- Berlin und Suhlenkampfs-Pauli in Bremen, ein Schwager der Lahufen. Gegen den Haftbefehl, der am Freitagabend um 9 Uhr ausgeführt wurde, haben die Verleidiger Beschwerde beim Oberlandesgericht eingereicht. Rechtsanmalt Suhlenkampff-Pauli veröffentlicht eine erste private Mitteilung, in der er im Namen der Inhaftierten erklärt, daß die Brüder Lahnsen angeblich nur im Interesse der Nordwolle zu den bisher gegen sie gerichteten Angriffen gc- schwiegen hätten. Ieht aber, wo sie in hast seien und eine in der Oesseutlichkeit unbekannte neue Oberleitung des Werkes phantastische Verlustzisferu verössentliche, könnten sie die im Interesse des Unternehmens geübte Rücksicht nicht mehr wahren und würden auspacken. Sie hätten„in wirtschaftlich schwerster Zeit für ihr Unternehmen und da» Vaterland da» Ihre mit allen Kräften restlos getan." Millionen verpulvern, dos Kapital der Aktionähl! vertun. Verschwendung treiben wie irrsinnige Fürsten und Könige, aus dem Erlös der Arbeit miserabel bezahlter Arbeiter und Angestellten Stenern hinterziehen und Kapitalien ins Aus- land verschieben, die Feinde des Staates, die Hetzer zu Krieg und Bürgerkrieg finanzleren— das nennen die WoNkönige sich restlos für das Vaterland einsehen! Durchführung des Verfahrens in Bremen. , Bremen, 18. Juli.(Eigenbericht.) Das Verfahren gegen die Brüder Lahufen wird nur in Bremen durchgeführt. Eine Anzeige, die von einem Ber- liner Juristen gegen die Lahusen bei der Berliner Staatsanwalt- fchaft eingereicht war, ist nachBremenüb erwiesen worden. Lahusen denunziert seine Freunde. Der Vetter aus Argentinien. Bremen. 18. Juli.(Eigenbericht.) Der Zerstörer des Nordwoll-Konzerns, Gustav Carl Lahusen, hat die Freiheit bis zu seiner jetzigen Verhaftung benutzt, um seine früheren Freunde und Kreditgeber aus das schwerste zu b e l a st e n. Er läßt durch einen Handelsredakteur der rechtsradikalen „Weserzeitung" einen Artikel veröffentlichen, in dem er den aus- si ch ts l o s e n Versuch unternimmt, die Schuld am Zusammenbruch des Nordwolle-Konzerns auf die Berliner Banken, insbesondere auf die Danat-Bonk, abzuwälzen. Durch diese Verteidigungs- Methode, die die Brüder Lahusen auch vor dem Antersuchungsrichter einschlagen, hoffen sie, sich die Schlinge vom Halse streisen zu können. Da im Aufsichtsrat der Danat-Bank einflußreiche V-r- wandte und Freunde von Lahusen sitzen(einige wie Senator Bömers und Generalkonsul S trübe sogar im Direktorium der Danat-Bank), läuft die Dcrteidigungsmethode Lahusens darauf hin- aus, diese seine Freunde dem Staatsanwalt zu de- n u n z i e r e n. Besonders pikant ist, daß Lahusen sich damit s e l b st beschuldigt, denn er ist ebenfalls Mitglied des Aufsicht? rates der Danat-Bank und hat somit vernachlässigt, sich selbst zu kontrollieren!! Dieser husorenrili Lahusens gegen die Banken ist gleichzeitig ein Schlag gegen die Nordwolle, die vor schwierigen Resormverhandlungen steht. Es ist daher verständlich, daß gleich am folgenden Tag der Aufsichtsrat und der stellvertretende Vor- stand der Nordwolle eine Erklärung in der Presse veröffentlichten, daß sie den Artikel zur Entlastung Lahusens und zur Belastung der Banken„nicht veranlaßt und von ihm vor seinem Erscheinen keine Kenntnis erhalten haben". Es ist dies das erste offizielle Abrücken des Konzerns von seinen verderbern. In dem von Lahusen inspizierten Artikel der„Wescrzeitung" war noch besonders bemerkenswert die Erklärung, daß„die Ultra- mare-Transaktionen"(zu deutsch: die Kapitalflucht und die Steuerhinterziehungen der Familie Lahusen) „durchaus nicht ungewöhnlich und aus der deutschen Steuer- gesetzgebung erklärlich" seien.— Das heißt wohl, daß die Lahusens Steuerhinterziehungen in großem Maßstabe betrieben haben, weil ihnen die deutsche Steuergesetzgebung nicht gefiel. Der dunkelste Punkt in den Finanztransaktionen(lies: Schie- bungen und Spekulationen) der Dynastie Lahusen ist das Verhältnis der argentinischen Niederlassung zur holländischen Ultramare. Es ist sehr wahrscheinlich, daß auf dem Umweg über Amsterdam einige Dutzend der von der Danat-Bank gepumpten Millionen in Argentinien gelandet sind. Wie die„Bremer Volkszeitung" meldet, hat sich vor einigen Tagen der Inhaber der Firma Lahusen& Cia in Buenos Aires(ein Vetter der vor dem Untersuchungsrichter stehenden Bremer Lahusen) auf einem Lloyddampfer eingeschifft, um zu seinen Vettern nach Bremen zu eilen. Dieser Vetter Lahusen wird also gerode zum Verhör seiner Verwandten vor dem Untersuchungsrichter zurechtkommen. Vielleicht ist er in der Lage, zur Aufhellung verschiedener dunkler Punkte vor dem Ber« nehmungsrichter beizutragen. Die Blutspur des Hakenkreuzes. Ivettes Todesopfer der Schießerei im Arbeitsamt. Darmstadk. 18. Juli. Die blutigen Vorgänge in dem Arbeitsamt von Groß-Gerau, dt«, wie gemeldet, bereits zu dem Tod eines Erwerbslosen geführt haben, erforderten seicher noch ein zweites Todesopfer. Heute gegen 1 Uhr mittags ist in dem Städtischen Krankenhaus von Groß-Gerau der Erwerbslose Hans Wehnhoefer, der am IS. d. M. von dem Nationalsozialisten Otto Stier angeschossen wurde, seinen Verletzungen erlegen. Nationalsozialist niedergeschlagen. Perleberg. 18. Juli. Eine schwere politische Bluttat spielte sich gestern abend in dem Nachbardorf Uenze zwischen jungen Leuten ab, als einige von ihnen die Internationale sangen. Nach dem darauf entstandenen Wort- Wechsel lief der bei dem Landwirt Otto Blunk beschäftigt« Karl Lent nach dem Hof seines Arbeitgebers, verfolgt von dem SA.-Mann Kersten. Als Kersten den Hof betrat, erhielt er hinterrücks von dem dort lauernden Lent einen Schlag mit einer Wagenrunge über den Kopf, so daß er besinnungslos zusammenbrach Kersten wurde schwerverletzt in das Pcrlebcrgcr Krankenhaus gs- bracht und ist dort seinen Verletzungen erlegen, ohne das Bewußtsein wieder erlangt zu haben. Der Täter wurde ver- haftet und dem Perleberger Amtsgerichtsgefängnis zugeführt. Blutiger Zusammenstoß in Krefeld. Angeschossener Schupo feuert in Notwehr. Krefeld, 18. Juli. Uober einen Zusammensioß, der sich in der vergangenen Nacht in Krefeld ereignete, wird amtlich mitgeteilt: In der vergangenen Nacht hörte ein Polizeibeamter in der Stephanstraße einen Schuß fallen. Er bemerkte dann an der Eck« Ostwall- und Schwertstraßc drei Männer, von denen der eine nach einer dem Beamten gegebenen Beschreibung als Schütze in Betrocht kam. Auf den Anruf des Polizeibeamten gab einer der Männer s o- fort mehrere Schüsse auf diesen ab. Der Beamte, der einen Steckschuß ins Knie erhielt, machte in der Notwehr ebenfalls von seiner Schußwaffe Gebrauch. Zwei der Männer trugen Bauch- schüsse davon. Sie wurden dem Krankenhaus zugeführt, der dritte flüchtete. Die polizeilichen Ermittlungen nach ihm sind im Gange. Am Tatort wurden acht Hülsen gefunden, die aus der Pistole des Täters stammten. Einen Waffenschein besaß dieser nicht. Von den Beteiligten gehört einer der Kommunistischen Partei an. Noch un- geklärt ist die Frage, ob vor dem Eingreifen de» Polizeibeamten ein politischer Zusammenstoß stattgesunden hat. Neue Krawalle in Trier. Polizei verschärst Abwehrmaßnahmen. Trier. 18. Juli. Da gestern abend in der Weberbachstraße wiederholt Passanten von Kommunisten belästigt worden waren, entsandte die Polizei dorthin eine Streife von fünf Mann, die von den Kommunisten mit Flaschen- und Stein würfen empfangen wurde. Die Beamten räumten darauf die Straße mit dem Gummi- kvüppel. Als die Kommunisten sich immer wieder zusammenrotteten und die Polizei erneut bewarfen, wurde da» Ileberfalkkommando alarmiert. Auch dieses wurde beschnnp-ft und mit Stemwürfen an- gegriffen. Die Polizei machte erneut vom Gummiknüppel Gebrauch. 17 Kommunisten wurden oerhaftet, darunter mehrere, die mit geladenen Schußwaffen versehen waren. An der Wohnung des Oberbürgermeisters, der Polizeichef ist, wurden die Fenster von den Kommunisten durch Steinwürfe zertrüm- m e r t. Wie von der Verwaltung mitgeteilt wird, soll nunmehr die Trierer Polizei mit Tränengosbomben ausgerüstet werden. Außer. dem soll die Feuerwehr mit ihren großen Wasserwagen bei Unruhen herangezogen werden. Beamtenbanken und Zahlungsverkehr. Erleichterung ab Montag. Einige größere Anzahl von Beamtenbanken sowie Spar- und Darlehnskassen der Beamten war bis jetzi nicht in der Lage, die von ihren Kunden angeforderten Gchaltsteile zur Auszahlung zu bringen. Die Preußische Zentralgenossenschaftskasse, bei der die Gehalts- Überweisungen aller der Reichszentralkasse deutscher Beamtenbanken angeschlossenen Institute zentral gesammelt sind, weigert sich, die ent- sprechenden Beträge freizugeben. Das Rcichsfinanzministerium hat auf Vorstellungen des Allgemeinen Deutschen Beamtenbundes hin jetzt ein« Verordnung in Aussicht gestellt, durch die ab Montag die reibungslose Ueberweisung dieser Gehaltssummen sichergestellt werden soll. Lebensmittelversorgung normal. Nuhige Abwicklung im Industriegebiet. Essen, 18. Juli. Auf Grund von Anfragen aus verschiedenen Teilen des Reiche» über die gegenwärtigen Absatzmöglichkeiten von landwirtschaftlichen Erzeugnissen im Ruhrgebiet ist durch Umfrage festgestellt wor- den, daß sich der Verkehr auf dem Lebensmittelmarkte durchaus normal abwickelt. Sowohl aus dem deutschen Erzeugungsgebiet als auch aus dem Auslande, das in gewissem Umfange an der Versorgung des Ruhr» gebiets mit Lebensmitteln beteiligt ist, rollen die Zufuhren in ge- wohnter Weise heran. Die Nachfrag« in einzelnen Artikeln ist natürlicherweise etwas schwächer geworden, so daß auch d i e Preise nachgebende Tendenz zeigen. Das radikale Spanien. Scharfe Bodenreform— entschiedener Linkskurs. Madrid, 18. Juli.(Eigenbericht.) Das Regierungsprojekt ber Agrarreform sieht die Zwangs« weise Enteignung von 750000 Hektar Land in den Provinzen Andalusien und Estramadura vor. Alle Güter mit über 200 Hektar Ackerboden oder 400 Hektar Weide werden von der Reform erfaßt. Für den Ankauf von Sämereien und zu Lohn, zwecken zahlt der Staat im ersten Jahre 120 Millionen Peseten(etwa 50 Millionen Mark). Die Aufteilung erfolgt durch Bauern, genossenschaften. Ucber die Entschädigung sollen die Cortes entscheiden. Auf einem Bankett der republikanischen Aktion erklärte der Kriegsminister, daß seine Partei gegen dieRechtsliberalen kämpfen müsse, in deren Reihen viele reaktionäre Elemente seien. Er könne nur so lange in der republikanischen Allianz bleiben, als dicss ausgesprochen links sei. Die Republik müsse Spanien eine durchaus föderative Gestalt geben. Das letzte Königs-Regim» müsse zur Verantwortung gezogen werden. * Nr. 333- 4S. Jahrgang 0�01�0 Gomlkog, 49. Iuli �S3i 'l&VC&ft/iH,£&* doxyenHUxfa In dieser H'otfie konnten die Eltern y.u ihren Kindern sagen:„Seht, einmal, so haben mir vor 15 Jahren Tag für Tag angestanden nach Kartoffeln, nach Margarine, nach Petroleum, und wenn mir Preßkohlen haben mollten, mußten mir nodi die Ei acht dazu, anstehen. Das nennt man Schlange stehen." Die Kleinbürger waren so kopflos, daß sie sogar die Warenhäuser bestürmten, die ihre Möbellager nicht einmal verkauften, sondern viermal; auf dem Tiefstand der Krise ist den Sadnvcrthandlern ein beinahe märchenhafter Kon junklu rauf sduvung in den Schoß gefallen. Und mer irgenclmo in München oder in Köln zu tun halle, der kam auf den Bahnhof und fand einen spärlich besetzten Zug vor, so spärlich, daß sich die beiden einsamen Fahrgäste in jedem Sdinellzugabteil getrost auf die Bänke ausstrecken und bis München schlafen konnten. Das mar zur jetzigen Ilodiftul des Reiseverkehrs auch nicht mehr seit zwölf Jahren dagewesen..Iber nun zn sagen, ganz Berlin hätte vor den Sparkassen Sddange gestanden. ganz Berlin hätte alle Speckseiten und alle goldenen Uhren aufgekauft, ganz Benin hätte auf seine Sommerreise in den Allgäu oder nach Norderney oerzidilel, das märe maßlos übertrieben. Denn die. halbe Million arbeitsloser Berliner fährt allenfalls nadi Tegel, kaum noch nach 11 unnsee; die Million Arbeitender, die knapp 30 Mark Nettolohn in der II odie. oerdienen, die leben von der Hand in den Mund und haben keine Sparkassenbücher, und die Arbeiterfrauen, die den auffälligen Käuferstrom der Kleinbürger in die Ilarenhäuser ziehen sahen, drehten ihr Portemonnaie um, gingen zum Krämer und kauften ein Pfund Reis und ein Pfund Erbsen.„Für alle Fälle", meinten sie,„aber mehr kann man von dem abgezählten 11 irtsdxaftsgeld nicht mehr erübrigen." So stand in den Mittagsstunden des kritischen Donnerstag schon fest: Berlin behält die Nerven. An der Kartoffelpreiswende. Dabei gnir e- noch ein wenig Glück im Unglück. Nämlich weil di« Zuspitzung der Krise in den Julimonat fiel. Denn der J»>i bringt regelmäßig di« Entspannung am L«bensinittelmarkt. Die Vorräte vom vergangenen Winter find endlich aufgebraucht und die Stände der Markthallen und der Grünkramhändlcr füllen sich mit frischem Gemüse. So tendiert erfreulicherweise alles wieder um den Groschen herum, das Pfund Mohrrüben kostet tv Pf., die grünen Bohnen kosten 10 Pf. das Pfund, die verschiedenen jungen Kohlarten sind für 12 Pf. das Pfund zu haben, nur die Zwiebeln find mit 18 Pf. noch recht teuer. Aber das wichtigste Merkmal der Entspannung am Lebensmittclmarkt ist wohl die Kartoffclwende. Die allen ivinterkartosseln, die noch hier und da zu haben sind, kosten 7l> Ps. bei 10 Pfund. Die neuen Ariihkarlosseln hghxn jetzt den gleichen Preis erreicht und nun geht es wieder abwärts mit dem Kartoffelpreis. Das ist gut so. Denn wäre die Sorgcnwoche beispielsweise in den Monat Mai gefallen, wo die Kartofselpreise van Tag zu Tag in die Höhe klettern, dann wäre sicher die Not losgegangen:„Aha, die Inflation ist da! Seht mal, wie die Preise steigen. Bald werden wir uns für einen Wochcnlohn wieder nur ein Pfund Margarine kaufen können." Statt dessen hoben wir gegenwärtig am Lebcnsmittelmarkt ein einigermaßen erträgliche? Preisniveau, Rückenfctt und Liesen kosten 60 Pf., Schweinebauch 6-5 oder 70, Schweinclebcr 100, Kaßlcr 95 und hier und da sieht man selbst Suppenfleisch für. 90 Pf. das Psunf). Denn, wie gesagt, jetzt noch steigende Lebensmittelpreise, das würde die Nervosität auf die Spitze treiben. Erwerbslose, Flugzeuge und Badewannen. Etwas archeres: Am 15. Juli sollte wieder einmal die Welt- rcvolution starten. Als Sturmbock waren, zum wievielten Mal» wohl, die Erwerbslosen ausersehcn. Aber die Erwerbslosen dachten gar nicht daran, bas Strahenpflaster auszureißen uud Barrikaden zu" bauen Die holten" sich wie Inimtr ühkö Uickerstützung ab, im übrigen gingen sie in den Lausepark am Bahnhos Wedding oder auf den Zickenplatz(Hohenstaufenplatz in Neukölln) und besetzten ihre Di-kuticrbänke»nd keine Rathäuser. Man seht sich hinzu und hört, was die Arbeitslosen erzählen. Erwerbslose denken eigentllm- lich. Zum Beispiel so:„Was soll das heißen, daß Luther dauernd Flugzeug fährt. Da wird immer gesagt, wir sind arm, wir hoben keinen Pfennig mehr, ober Luther fährt dauernd Flugzeug. Der soll dach Eisenbahn fahren." Kein Mensch wird unsere Arbeitslosen van der Notwendigkeit des Flugverkehrs überzeugen. Wenn man dann noch einem Arbeitslosen, der in der Krise ist und 11,85 M. Unterstützung in der Woche«hält, erzählen würde, daß ein Flug von Berlin nach Leipzig 35 M kostet, dann würde der Arbeits- Tor dem&oslsdwckaml tolmslag noch gefdiloffeit, tDoimerstaggaheslOOOO'IH-üBargeld lose glatt auf den Rücken falle». Die Diskiitierklubs auf den Gartenbönken entwickeln auch bauwirtschaftliche Forderungen. So einigten sich Donncrsiag die Bänke uin die Nazarethkirche, gegen- über vom Schulstraßen-Nachwcis, auf folgendes:„So, wie jetzt gc- baut wird, hat das keinen Zweck. Die Mieten kann keiner erschlvin- gen und die Wohnungen stehen leer. Wir müssen so billig bauen, daß auch fader rcinziehcn kann. Wozu macht man in jede Woh- nung ein Badezimmer? Da soll man unten im Keller einen schönen Badcraum inachen mit Wannen und Duschen und Brausen, da unten kann dann jeder baden." lieber so etwas knatschcn Erwerbslose tagelang, nicht über die Wcltrcvoiution. Rationalisierung beim Sargtischler. Natürlich machen sie sich auch Sargen um die Zukuast. Einer gibt folgendes zum besten:„Hört mal, Leute, ich bin min Tischler. Bin jetzt in der Krise, meine Stütze haben sie mir von 13,20 aus 11,85 M. gekürzt. Wo unsereiner nochmal Arbeit lierkricgen soll, ich weiß das nicht. Ihr kennt doch all: den Sargtischler Lehmann, da oben in der Seestraße. Der Mann beschäftigte früher zwölf Gesellen, lzeute noch zwei. Früher haben wir uns dämlich gehobelt, herite hobeln die Maschinen, so glatt wie ein Spiegel. Sieben Särge machten wir die Woche, für einen kiefcrnen kriegten wir 4,50 M. Für den eichenen gnbes 15 M. Einen seinen Tag lebten wir. Heute liegen wir auf der Straße, weil zwei Mann mehr Särge schassen als früher zwölf Mann, lind immer neuen Kram erfinden die." Wir schieben dann das Gespräch anss tägliche Brot. Darüber sagt der Tischler folgende?:„Ich bin lcdig. an Unterstützung bekomme ich auf den Monat umgerechnet nind 50 M. Davon muß ich 24 M. Miete bezahlen, kriege allerdings frühmorgens zwei trockene Schrippen und einen Topf Kaffee. Ich koch« selbst, hole mir zwei Pfund Spitzbeine sür 25 Ps.,.ein Psund Erbsen für 1? Ps. dazu, dan.» kommen ordentlich Kartossel» rein. Dävon esse ich mich zwei lag« lang satt. Und es schmeckt mir besser als in der Krücken- kllche. Außerdem gibt ja die Krücke Essen nur über den Wohlfahrt»- Vorsteher.(Krücke wird die städtische Volksspeisung genannt, weil da früher alte Leute hinkamen, die alle am Krückstock gingen.) So stümpert man sich durch und ist erst vierzig Jahre." Wohlfahrtsamt Wedding: Kleiderkammer. Man kann auch mal zum Bezirksamt Wcdding gehen. Hinauf in den ziveiten Stock, da, wo die Türen des Wohlfahrts- amts sind. Und setzt sich a-us die Bant vor der Kleiderkammer. Da warten die Armen aus ein Paar Schuhe oder aus eine Hose, aber kein Mensch will etwa das Bezirksamt in Klump schlagen. Solche Phantasien spuken ja nur im Karl-Liebknecht-Haus. Also da sitzt nun ein Artist. Der hat keinen Anzug mehr aus dem Leibe. sondern nur eine Anzahl von Fäbcn. Er machte früher Kraft- und Schönheitsakte.„Aber", so sogt er,„wenn ich mich wie ein Plunder- matz vorstellen komme, dann engagiert man mich noch nicht einmal auf einem Rummel. Jetzt sollen sechs Mann auf acht Tage nach Chemnitz. Jeder kriegt Fahrgeld und 50 M. Aber wenn ich keinen Anzug kriege, kann ich nicht fahren." Als der Artist nachher freudc- strahlend aus der Kleidcrkammcr komilit, sagen die anderen Warten- den:„Oooh. der inuß dach seinen Anzug bekommen haben. Wo die jetzt so knickrig sind und nur noch Hosen, Schuhe oder Windjacken geben." Da sitzt noch ein alter weißhaariger Mann. Der ist durch älrbeHslofer warten vor einem tKranhenhana auf WHIageasen einen merkwürdigen Umstand jetzt auf die Bank vor dem Wohl- fahrtsamt gekommen. Er war Kutscher aus einem Gut. Der Guts- Herr starb, die Frau wollte sich mit dem Gut nicht mcchr herumplagen und ließ es parzellieren. Verdiente ein Bombengeld, aber ein parzelliertes Gut braucht keinen Kutscher mehr. Nun steht der alte Mann da, ein Nervenleiden hat er auch noch. Aus Frankreich mitgebracht, vom Kriege her.„Mich will keiner mehr haben," sagt er traurig. Dann geht er in Sic Kleiderkammer und holt sich einen Schein sür ein Paar Stiefel. Kriegsbeschädigte. Auf der Kriegsbeschödigtenfllrsorge des Bezirksamts Neukölln war es etwas windiger. Da marschierten am Mit!- woch die bedürftigen Kriegsbeschädigten auf und wollten sich ihre Aufbruch nach Wien. Die ersten 800 Olympiafahrcr verlassen Berlin. Abends 8 Uhr auf dem Anhalter Bahnhof! Lebhaftes Menfehengewimmel, denn von allen Seiten rüetcn sie an. Alte und Junge,.Kleine und Große, in der blauen Sportblusc, im Sporthemd, Frauen und.Kinder dabei, unsere Arbeitersportler, die zur Olympiade nach Wien fahren! Am Rücken der Männer sitzt der gespannte Rucksack oder der Tornister aus der Kricgszeit, denn man mußte diesmal besonders reichlich Proviant mitnehmen: t8 Stunden Fahrt geben Appetit. Erst in Wien soll die deutsche Mark eingewechselt werden! Die letzten Stunden brachten dabei außer dem Reisefieber auch sonst noch so allerhand Aufregung durch die Alarmnachrichten über 100 Mark„Eintrittsgeld" nach Oesterreich und so weiter, gottlob hat es„sich aber alles»ach gemacht", wie einer der Sportgenosien berichtete. Gegen 9 Uhr öffnet sich die Bahnspcrre, und alles stürzt im Dauerlauf an den Zug. Rucksack oder sonstige Bagage stiegt ins Gepäcknetz. Dann springt man wieder heraus, denn draußen steht noch eine ganze Menge.„Was ist mit Ihnen, haben Sie keinen Platz mehr gefunden?"„I wo, wir sahrcn erst am Dienstag", meint ein junges Mensch.„So an die Hunderttausend werden wir schon sein", spricht er. und seine Augen leuchten voll ehrlicher Begeisterung. „Und die Wiener mögen uns gern, das wissen wir, die bereiten uns einen schönen Empfang." Dann erzählt er weiter:„Ein paar Hundert haben sich schon vor 4 Wachen auf die Strümpfe gemocht, damit sie ihre 750 Kilo- meter zu Fuß herunterreißen." Inzwischen geht die Uhr auf 21,30, die Abfahrtszeit ist heran. Schnell noch ein herzliches Lebewohl, dann macht es sich ein jeder bequem, so gut es eben geht. Ruhig, gut geordnet spielt sich die ganze Abfahrt ab, kein Hin- und Herlausen, kein aufgeregtes Lachen und Schreien,„Einsteigen", die Waggvntllren klappen zu. Jetzt drängt alles zu den Fenstern, drei, vier Kopsreihen hintereinander rufen Abschiedegrüße, winken, immer noch fliegen vereinzelte Worte her und hin, langsam rollen die Wagen an, der eine oder der andere läuft am Bahnsteig noch ein Stück neben dem Zuge her. Schon haben die ersten Wagen die Halle verlassen und in einen trüben, dunklen, gar nicht sommerlichen Sommerabend trägt der Zug die 800 Olympiafahrcr in die österreichische Hauptstadt. Sonntag nach- mittag»m 5 Uhr trifft er in Wien ein. Dann heißt es fix die Quartiere aiifsnchcn und die müden Glieder strecken. 28 Sonder- züge bringen Arbcitersportler aus allen Gegenden nach Wien, da- von entfallen auf Deutschland etwa 25 000 Kameraden. 40 Proz. werden in Privatquartieren untergebracht, die übrigen 60 Proz. in Massenquartieren. Wien. 18. Juli. Als Auftakt zur A r b c i t c r a l y m p i a d c, die ani Sonntag in Wien beginnt und die Woche über dauern wird, fand am Sonnabend abend die Ausführung eines Festspiels im Stadion statt, an der 4000 Menschen mitwirkten. Am Sanntag- vormittag folgt ein großer Kinderfestzilg, woraus um 11 Uhr die feierliche Eröffnung der Olympiade im Apollc-Theater vor sich gehen wird. pckIZI/W-TCPPlc«E-rs-. reineWollem.Frans�gelreueCopien von Perser-■ Stilmuster Teppichen-" WOLLPLÜSCH KISSENGADN HUDEN reine Kammaorn- 2wciteili<3,indqnthren,�| OC ivolle.qukeQuaiikjs mit WalbwollfüllunQ CHI,-rAi iclop.... öam.turl. GADDINENSTOEEE ca 150 W 45. 200, ca 230 � 33Ö ca 260 "330 Wäpa 1-1-1 nur Sponc/auer 5*32 slmmhi BOUCLE' Jacquard, mod Huster» 1 40000-H,-lhi(erf dflagun� vorGeridit Die Akflenversidierun�efeilfüiafi ohne ausreißende Konfroiic Die Kontrollosigkeit der privatwirtschaftlichcn Unter- nehnicn ist fast sprichwörtlich g«wordcn. Bald zeigte sie dieses, bald jenes Gesicht. Einmal ist es Herr Lahusen, der durch Kapitalflucht und sinnlose Spekulationen dem Staat ungezählte Millionen lostet, ein andermal«in Direktor oder Kassierer irgendeiner Aktiengestll- schaft, der Hunderttausende unterschlägt. Vor dem Schöffengericht Berlin-Mitte verantwortet« sich gestern der Chefbuchhalter und Kassierer Fritz Klar von der Deutschen Allgemeinen Bersiche- rungsgcsellschaft A.-G. wegen Betrugs und Urkundenfälschung. Seiner Firma ist er 140 000 M. zu stehen gekommen. Die Deutsche Allgemeine Bersicherungsgesel'- schaft gegen Feuer-, Einbruch-, Dicbstahlversicherung arbeitte mit der Deutschen Landesbank. Als diese von der IG.-Farbenindu- strie erworben wurde, stellte die Bersicherungsgesellschaft ihre Tätigkeit ein und ging in den Besitz eines Schweizer Konzerns über, die Tätigkeit wurde im ganzen Umfange wieder aufgenommen, zum Chefbuchhalter und Kassierer der alte Angestellte K. ernannt. Sein alleiniger Vorstand war Direktor Straube. Die gründliche Revision der Bücher am 27. März 1031 ergab ein Manko von 140 000 M. K. wurde gleich darauf flüchtig, stellte sich aber wenige Tage später bei der Polizei und war geständig, die fehlenden Summen gemeinsam mit Direktor S. unterschlagen zu haben. S. war aber bereits Mitte November 1930 nach einer langwierigen Krankheit g e st o rb e n. Di« Untersuchung ergab, daß bei der Bersicherungs» gescllschast fast jegliche Kontrolle fehlte. Entgegen der Anordnung der Aktionäre hatte S. die alleinige Postscheckkontrolloollmachti als der Schweizer Konzern es bemängelte, daß in der Person des K. sowohl Kasse als auch Buchhaltung vereinigt waren und daß er! obendrein noch die Handelsvollmacht bekommen sollte, schrieb S- zurück, daß von nun an die Kasse ein anderer 5ierr erhalten würde; es blieb aber alles beim alten. �Wie war aber K. zu seinen Ver< untrcuiingcn gekommen und wo waren die großen Summen gc- blieben? K. behauptet, Direktor S., der längere Zeit kein Gehalt bekommen hatte, habe nach Erneuerung der Finna von ihn, Vorschüsse in Höhe von 5000 M. erhalten. Als sie nicht zurückgezahlt werden konnten, habe S. ihm den Vorschlag gemacht, in der oben geschilderten Weis« zu Geldern zu kommen, zwei Drittel erhielt S., ein Drittel er. S. habe ihm ein Horoskop gestellt, daß er eine glückliche Hand habe und so habe er fast jeden Sonntag gewettet« Tatsächlich habe er einmal 12 000. das andere Mal 6000 M. ge- wannen, in der Regel aber verloren, 2000, 4000 M. usw. Er habe keinen Pfennig für sich verbraucht. Ganz so schienen die Dinge doch nicht zu liegen; K. hotte sich ein Auto gekauft, sich im Grunewald eine Wohnung neu eingerichtet usw. Von S. wurde dagegen behauptet, daß er äußerst einfach gelebt hätte. Allerdings wußte eine Stenotypistin zu bekunden. daß er sehr viel telephonierte und im übrigen hauptsächlich Privat- briefc und Horoskope diktierte. S., ein schneidiger, hoch- gewachsener Herr mit Monokel, betrieb nämlich Astrologie. Ob S. an der Veruntreuung der Gelder beteiligt war, konnte nicht mit Sicherheit festgestellt werden. K. erhielt wegen Betrugs und schwerer Urkundenfälschung c i n Ja h r G e f ä n g n i Zu seinen Gunsten wurde die Kontrollosigkeit der Dersichcrungsgesellschaft in die Waage geworfen. Znfatzwcke lkwfcrt, Sa, entweder betoinen fte gar nichts mehr oder nur noch ein paar Mark. Siehe zweite Notverordnung. Jetzt ging es natürlich los:„Also dafür haben wir unsere gesunden Knochen draußen gelassen, daß man uns jetzt mit unseren Familien ver- hungern läßt. Ihr vollgefressenen Bonzen wißt ja gar nicht, wie einem armen Kriegsbeschädigten zumute ist. Eine Schinde ist das alles." Und bums, nimmt ein vierzigprozentig Beschädigter, der infolge seiner Verletzung noch an einem bösen Nervenleiden erkrankt ist, seinen Krückstock und will den Beamten über den Schädel schla- gen. Im letzten Moment kann der Beamte noch seinen Arm vor- halten. Dann kommen Kriegerwitwen, die werden ans Wohlfahrts- mnt verwiesen, weil die zweite Notverordnung den Kreis der Unter- stützten so eng gezogen hat, daß sie Zusatzrente nicht mehr bekam- inen. Gleich hebt es an:„Darum sind unsere Männer draußen geblieben, daß wir jetzt auf dem Wohlfahrtsamt verrecken können. Am besten, man macht ein Ende." Und Frauen, nichts als Frauen. Am Zlbend sagten die Männer vom Neuköllner Bezirksamt:„Wie oft man uns in diesen Tagen Lump, Strolch und Verbrecher genannt hak. wir können das nicht mehr zählen. Als ob wir die Notoer- ordnung gemachr haben." Dem Züchter wird es zu viel. Oder wenn man wissen will, was die Glocke geschlagen hat in Berlin, dann muß man auf die Amtsgerichte in den Vororten gehen. Da hängen vor den Sitzungssälen ständig Termin zettel, auf denen steht geschrieben: Baugesellschaft Nordpol gegen Lehmann, Schulze. Müller, Schmidt, Kunze und Heinbusch und Kosemund. Gleich eine ganze Latte runter. Das sind olle die jung verheirateten N e u b a u m i e te r, die sich in den Vororten vor einiger Zeit eine Neubauwohnung genommen haben. Wunder- schön war alles, bis die Männer eines Freitags Feierabend geboten kriegten. Dann konnte man natürlich keine 80 oder 100 M. Miete mehr zahlen, nach drei Monaten kam die Exmission und jetzt stehen die jungen Leute vor dem Richter wegen der nicht bezahlten Miete. Alle haben eine Mietschuld von rund 250 bis 300 M. Fein sehen die jungen Männer und Frauen aus, tipp-toppe Bügelfalte und Lackschuhe, so wie sie den Hinmiel voller Geigen einzogen, sie können ja die Lackschuhe auch nicht auffressen, das macht nur Chap- lin.„Wo wohnen Sie denn jetzt?" fragt der Richter.„Im Keller." „Haben Sie Arbeit?"„Nein."„Erkennen Sie die Schuld an?" „Ja." Wie wollen Sie denn, nun abzahlen?"„Herr Rat, wir haben doch kein Geld."„Ja, aber Sie müssen doch..." Und dann waren wir alle Zeugen, wie der Richter explodierte und sich, der nur noch Not und Elend sieht, Luft machte:„So kann das ja nicht mehr weitergehen. Da baut sich einer eine ganze Straße voll Häuser, schließt fünfjährige Mietverträge ab, wälzt das glatte Risiko auf die Mieter ab, nirgends ist die Rede davon, wie es in zwei oder drei Iahren aussieht, nur der Mieter hat immer zu zahlen, nein. Aber was soll ich machen? Schreiben Sie: In der Klage- fache Baugesellschaft Nordpol erscheint für die Klägerin..." Weiß der Teufel, wo die Baulöwen ihr Geld von den exmittierten Ar- beitslosen herholen wollen. Feuer im Llniersuchungsgesängnis. Der Oachstuhl des Neamtenhauses in Flammen. Durch ein größere» Feuer wurde gestern abend der Vachstuhl des Deamtenwohnhause» im Unkersuchungsgesäng. niz Moabit nahezu völlig zerstört. Die Gefahr wurde kurz nach 18 Uhr bemerkt, als aus den Bodenluken bereits die hellen Flammen emporschlugen. Starke Rauchschwaden, die einen Teil des Untersuchungsgefängnisses ein- hüllten, gaben dem Gerücht Nahrung, daß im Gefängnis Feuer aus- gebrochen sei. Da der Umfang des Brandherdes nicht gleich zu erkennen war, eilten vier Löschziige unter Leitung des Brand- direktors Berg an die Brandstelle. Bei der starken Verqualmung konnten die Löschtrupps nur mit Sauer st offapparaten aus- gerüstet nach oben vordringen. Unter Einsatz von mehreren Schlauch- leitungen gelang es, dos Feuer schon nach halbstündiger Tätigkeit zu lokalisieren. Die Entstehungsursache des Feuers, das eine riesige Schar Neugieriger angelockt hatte, ist noch ungeklärt. Llmtausch ausländischer Zahlungsmittel. Vorschriften für Reisebüros, Hotels und Wechselstuben. Zur Notverordnung über den Verkehr mit ausländischen ahlungsmitteln hat die Reichsbank eine Bekanntmachung erlassen. anach dürfen private Wechselstuben, Reisebüros und Hotel» sowie Vahnhofswechselstuben der Deutschen Verkehrskreditbank A.-G.(Reichsbahn) inländische Zahlungsmittel gegen ausländische und umgekehrt Zug um Zug umtauschen. Der Gesamtbetrag der für Rechnung ein und derselben Person oder Firma bei einer oder mehreren Wechselstuben erworbenen ausländischen Zahlungsmittel darf innerhalb einer Kalenderwoche 10 0 Reichsmark nicht über st eigen. Die Wechselftuben. Reisebüros und Hotels sind verpflichtet, den täglichen Ueberschuß-in ausländischen Zahlungsmitteln, soweit er nicht in Scheidemünzen besteht, an die Reichsbank bzw. einer anderen Bank binnen drei Tagen abzuliefern, wenn die Reichsbank dieser anderen Bank die Befugnis zum An- und Verkauf von ausländischen Zahlungsmitteln verliehen hak. Diese Befugnis wird in derselben Bekanntmachung allen Kredit- instituten. die ein Reichsbankgirokonto besitzen, verliehen. Sie können ausländische Zahlungsmittel und Forderungen in ausländischer Währung kommissionsweise kaufen und verkaufen. Diese Kredit- institute haben die eingehenden ausländischen Zahlungsmittel un- v e r z ü g l i ch der zuständigen Reichsbankanstalt zuzuführen. Todesfahri im Auio. Direktor des KdW. tödlich verunglückt. Bei einem Zusammenstoß an der Ecke Bambcrger und VI o Iz st r a ß e zwischen einem privalaulo und einer Autodroschke wurde gestern abend der 45jährige geschöslsführcndc Direktor des kdw., Emil w a i l a. so schwer verletzt, daß er kurz darauf starb. Das Privatauto, das vom Prager Platz kam, wurde beim Ein- biegen in die Motzstraße seitlich von der Autodroschke ge- rammt. Der Anprall erfolgte mit solcher Gewalt, daß der Privat- wagen umstürzte und Direktor Waila aus den Fahrdamm geschleudert wurde, wo er mit einem Schädelbruch bewußtlos liegen blieb. Als ein Arzt zur Hilfe geholt wurde, war Waila seinen Verletzungen bereits erlegen. Die Leiche wurde van der Feuerwehr ins Achenbachkrankenhaus gebracht. Die Chauffeure beider Fahrzeuge blieben unverletzt. Beide Autos wurden so schwer beschädigt, daß sie abgeschleppt werden muhten. Von der Kriminalpolizei ist sofort eine Unter» suchung über die Schuldfrage eingeleitet worden. Falscher Kriminalbeamter gefaßt. Ein aufsehenerregender Vorioll ereignete sich gestern auf dem ?l n h a l t e r Bahnhof. Dort versuchte ein Mann, der sich füll einen Kriminalbeamten ausgab, einem Malerehepaar eine Anzahl Bilder zu„beschlagnahmen", konnte aber festgenommen werden. Das Ehepaar hatte mehrere Bilder bei sich, die es an Bekannte verkamen wollte, um Bargeld zu erhalten. Während dos Paar noch auf dem Bahnsteig auf den Zug wartete, trat ein Mann heran und wies eins Marke vor, die wie eine Paiizeimarke aussah. Der„Beamte" er- klärte, er gehöre zur Hamburger Kriminalpolizei und sei ans dee Suche noch Bilderdieben. Er verlangte, daß ihm die Gemälde einzeirr vorgezeigt würden, damit er dos Signum prüfen könne. Seien dia Bilder als gestohlen gemeldet, so müsse er sie beschlagnahmen. Ehe er seinen Schwindel aber noch durchführen und mit den Gemälden verschwinden konnte, war ein wirklicher Beamter dep Bahnhofswache auf das Treiben aufmerksam geworden und sah sich den„Kollegen" näher an. Die angebliche Polizei mark� erwies sich als eine grobe Fälschung, der ialschc Beomta wurde festgenommen und wird dem Polizeipräsidium eingeliefert werden. Im Wasserkübcl ertrunken. Ein bedauerlicher Unglücksfall ereignete sich heute mittag gegen 13 Uhr auf dem Grundstück Ingelstädter Straße 14 zu Kaulsdorf. Dort hatte der bei seinen Elcern wohnende 3 I a h r g alte Rudolf R o e r i n g, als er sich an einen aufgestellten, etwa SO Zentimeter tiefen Wasserkübel zu schassen machte, das Gleich» gewicht verloren und war in den Kübel gesollen. Trotzdem dos Kind nach kurzer Zeit aus dem Wasser wieder herausgeholt werden konnte, hatten die Wiederbelebungsversuche eines herbeigerufenen Arztes keinen Erfolg mehr. Der Brief Vater Fedors, den er in seinem in öblierten Zimmer in Baku an seine Frau in die Bezirks st adt N. schrieb: Meine teure liebe Katja! Mit jeder Stunde nähern wir uns unferm Glück. Ich schreibe dir in meinem möblierten Zimmer, nachdem ich in meiner Angelegenheit überall gewesen bin. Die Stadt Baku ist sehr groß. Man sagt, daß es hier auch Naphtha gibt, doch müßte ich mit der elektrischen Bahn hinfahren, und ich habe kein Geld. Die malerische Stadt liegt am Kaspischen Meer. Das Meer ist wirtlich sehr groß. Die Hitze hier ist unerträg- lich. Ich trage den Mantel über einem Arm, den Rock über dem andern, und mir ist immer noch heiß. Auch schwitzen mir die Hände. Ich muß oft Tee trinken. Und ich habe fast kein Geld. Es macht aber nichts, mein Täubchen Katerina Alexeewna, bald werden wir eine Menge Geld besitzen. Wir werden reisen und dann werden wir uns in Samara, neben unserer Fabrik niederlassen und werden Wein trinken. Ach Liebste, ich habe vergessen, dir von zwei schrecklichen Fällen, die mir in Baku zugestoßen sind, zu berichten. 1. habe ich den Rock deines Bruders, des Bäckers, ins Kospische Meer fallen lassen und 2. hat auf dem Markt ein Kamel aus mich ge- spuckt. Diese beiden Ereignisse haben mich sehr irritiert. Warum lassen die zuständigen Organe ein derartiges Benehmen gegen Reisende zu, um so mehr, als ich das Kamel nicht angerührt habe, ihm hingegen nur Angenehmes erweisen wollte— ich habe es mit einem Stöckchen im Nasenloch gekitzelt.— Den Rock haben eine Menge Menschen mit Mühe herausgefischt und er war ganz mit Naphtha getränkt. Ich weiß nicht, was ickl deinem Bruder, dem Bäcker, sagen soll. Mein Täubchen, halte vorläufig den Mund. Ißt Ewigneew noch immer bei uns zu Mittag? Ich habe diesen Brief noch einmal durchgelesen und sehe eben, daß ich dir von der eigentlichen Angelegenheit noch nichts berichtet habe. Der Ingenieur Bruns ist tatsächlich bei der Raphtho-Ge- sellschaft angestellt. Nur ist er momentan nicht in der Stadt Baku anwesend. Er ist in die Stadt Batum auf Urlaub ge- fahren. Die Reise von hier bis Batum kostet fünfzehn Rubel und einige Kopeken. Schicke mir telegraphisch zwanzig Rubel hierher und ich werde dich von Batum aus über alles tele- graphisch informieren. In der Stadt erzähle, daß ich immer noch in Woronesch, am Lager der kranken Tante weil«. Dein ewiger Gemahl Fedja. P. S. Während ich diesen Brief zur Post trug, wurde mir aus meinem möblierten Zimmer der Ueberrock deines Bruders, des Bäckers, gestohlen. Ich bin verzweifelt! Roch gut, daß es Sommer ist. Bitte aber deinem Bruder nichts zu sagen. Die Vertreibung aus dem Paradies Worobjew nahm das flache hölzerne Kästchen in seine zitternden Hände. Ostap durchwühlte in der Dunkelheit immer noch den Stuhl. Der Leuchtturin erglänzte. Ein golldener Lichtstreifen fiel auf das Wasser und schwamm daraus. „Zum Teufel!" sagte Ostap.„Es ist nichts mehr da!" Worobjew kniete atemlos beim Stuhl und steckte die Hand bis zum Ellbogen unter den Sitz. Er fühlte die Sprungfedern mit Fingern. Es war nichts Hartes mehr da. Ein übler Staub- geruch ging vom Stuhl aus. „Nichts mehr?" fragte Ostap. „Nein." Da hob Ostap den Stuhl in die Höbe und warf ihn weit weg über Bord. Man vernahm ein dumpfes Aufklatschen. Die Konzessionäre bebten in der nächtlichen feuchten Lust. Eni- mutigt kehrten sie in ihre Kajüte zurück. „So," sagte der Bruder,„etwas haben wir jedenfalls be- kommen." Worobjew nahm das Kästchen aus der Tasche und sah es staunend an. „Geben Sie ber, rasch! Was starren Sie es so an?" Das Kästchen wurde geöfsnet. Aus seinem Bode» befand sich eine patinierte Kupferplatte mit der Aufschrist:— Meister Gambs beginnt mit diesem Sessel eine neue Möbelserie. Petersburg 1865— Ostap las diesen Sotz laut vor. ,Wo sind ober die Brillanten?" fragte Worobjew. „Sic sind außerordentlich witzig, mein teurer Stuhljäger, — wie Sie sehen, sind Brillanten nicht da." Es war schmerzlich, Worobjew anzusehen. Sein schütter nachgewachsener Schnurrbart bewegte sich, die Gläser des Zwickers waren angelaufen. Es hatte irgendwie den Anschein. als schlüge er sich in seiner Verzweiflung mit den Ohren auf die Wangen. Die kühle deutliche Stimme des großen Kombinators wirkte wie immer magisch. Worobjew streckte seine Hände die Hosennähte entlang und schwieg. „Schweig nur, du Trauerfahne Kissa, schweig! Wie werden noch einmal über den blöden achten Stuhl lachen, in dem wir«in dummes Täfelchen gefunden haben. Rur Mut. Es find noch drei Stühle da. Neunundneunzig Prozent Chance." Im Laufe der Nacht bildete sich auf der Wange des bc- trübten Worobjew eine vulkanische Hitzblose. Alle Leiden, alles Mißlingen, all die Qual der Jagd nach den Brillanten ging scheinbar in diese Blase über, die perlmutterwciß, rot und blau erglänzte. „Machen Sie das absichtlich?" frggte Ostap. Worobjew seufzte konvulsivisch auf und ging, ein bißchen gebeugt wie eine Fischkanne, die Farben holen. Man begann mit den Vorbereitungen für das Transparent. Die Konzessio» näre arbeiteten auf dem oberen Deck. Und so begann der dritte Tag der Reise. Gleich am Morgen entspann sich ein kurzer Kamps zwischen dem Blasorchester und dem modernen Theatcrorchester um die Plätze für die Probe. Nach dem Frühstück näherten sich von zwei verschiedenen Richtungen gleichzeitig die feisten stattlichen Mitglieder des Blasorchesters und die schmächtigen Ritter der Esmarchkannen dem Achterdeck. Golkin setzte sich als erster auf eine Bank, die am Achtersteven stand. Als zweiter lief der Kornettbläsei hinzu. „Der Platz ist besetzt", sagte Galkin düster. „Von wem?" fragte der Kornettist bissig. „Von mir, Galkin." „Und vom wem noch?" „Von Palkin, Malkin, Tscholkin und Salkind." „Der Platz gehört uns." Bon beiden Seiten kam Sutkurs heran. Ohne zu einei Usbereinstimmung gelangen zu können, blieben beide Orchestei auf dem Platz und spielten beide hartnäckig drauf los. D« Töne, die nur eine Elektrische, die aus Glas fährt, hätte repro. duziersn können, zogen über den Fluß hin. Das Blasorchestei spielte einen Morsch des Kegsholmer Leibregiments, dos ander« Orchester einen Regcrtanz„Die Rehe am Zamsiesi-Fluh." Dem Radau wurde durch die persönliche Intervention des Vor- sitzenden der Ziehungskommission ein Ende gemacht. (Fortsetzung folgt.) Nr. 333• 48. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Sonntag, 49. Inli 4934 „Aus eigener Kraft?" Frankreich 1926— Deutschland 1931.— Läßt fich aus der Geschichte lernen? In der französischen Oeffentlichkeit spielt in den letzten Wochen ein Vergleich zwischen der gegenwärtigen Loge in Deutschland und der Lage Frankreichs im Jahre 1926 eine grotze Rolle. Seitdem der französische Ministerpräsident L a v a l in seiner Kommerrede während der Diskussion über den ßooucr-Plan daran erinnerte, daß Frank- reich 1926 aus eigener Kraft ohne jede fremde chilse seiner Schwierigkeiten cherr wurde, wird diese historische Erinnerung von französischer Seite ständig als Argument gegen die deutsche Politik in der gegenwärtigen Krise vorgebracht. Der Sinn dieses Arguments ist. Deutschland kann sich selbst helfen, wenn es dos will»nd die nötige Tatkraft dafür findet. Man gewinnt den Eindruck, daß auf diese Weise die Einstellung der breiten Kreise in Frankreich zu der Frage der ausländischen jhilfe für Deutschland und ihrer Bedingungen sehr stark beeinflußt wird. Die Schlacht um den Franken. Wir wollen nicht den Franzosen das Recht abstreiten, sich mit Stolz an die„Schlachten um den Franken" zu erinnern. Unsere politische Einstellung zu Poincare darf uns nicht hindern, seine bewunderswerte Mergle und Zähigkeit, die er in der w i r t s ch a f t- l i ch en Frage der Frankenstabllisierung 1926 an den Tag gelegt hat, anzuerkennen. Wir müssen auch bereit sein, aus den französischen Er- fahrungen jener Zeit zu lernen. Nichtsdestoweniger muß man den Vergleich zwischen Frankreich von 1926 und Deutschland von heute so durchführen, wie jeden historischen Vergleich, nämlich au sein- onderzuhalten, was vergleichbar und was unvergleich- bar ist. Es darf nicht übersehen werden, daß Frankreich 1926 vor wesentlich anderen Aufgaben stand und daß es diese Aufgaben unter wesentlich anderen politischen und Wirtschaft- lichen Verhältnissen zu lösen hatte als das Deutschland von heute. Zweiselsohne war die französische Lage 1926 sehr schwierig. Frankreich befand sich mitten in der Inflation. Die Ent- Wertung der französischen Währung nahm äußerst bedrohliche Aus- maße an. Im September 1925 kostete in Paris ein Dollar etwa LI Franken, so daß die französische Währung schon damals etwa drei Viertel ihres Wertes verloren hatte. Bis 22. Juli 1926 stieg der Dollar in Paris auf etwa 47 Franken. Dies« Entwertung des Geldes, die als eine Steigerung aller Preise im Innern fühlbar wurde, wirkte außerordentlich beunruhigend, namentlich auf die in Frankreich außer- ordentlich breit« Schicht der mitLeren und kleinen Sparer, die den Verlust ihres ganzen Geldes fürchteten. Es ist zum Verhängnis für die französischen linken Regierungen geworden, daß sie keine wirksamen Maßnohmen gegen die Geldent- wertung fanden. Die politische Erregung wurde..außer- ordentlich stark. Diele Ausländer, die in jener Zeit Frankreich be- suchten, kamen nach Hause mit dem Eindruck, daß Frankreich im Be- griff wäre, den Weg Italiens zu gehen. Jetzt ist dos schon längst vergessen, es ist ober nicht überflüssig, in Erinnerung zu bringen, daß damals viel von einem französischenFaschismu» gesprochen wurde. Man rechnete auch in Frankreich selbst mit schweren Er- schütterungen. C» gab eine starke Flucht au« dem Franken, und obwohl da» seit 1918 bestehende Verbot der Kapitalflucht immer noch in Kraft blieb, war die Kapitalflucht au» Frankreich außer- ordentlich stark. Die Franzosen finden seht eine starke Aehnlichkeit zwischen der gegenwärtigen deutschen Situation und den eben ge- schilderten Zuständen in Frankreich von 1926. Eine gewisse Aehnlich- keit läßt sich nicht bestreiten, sie wird aber maßlos über- trieben. Gewiß war die politische Lage in Frankreich damals sehr gespannt, sie ist aber mit dem politischen Zustand in Deutschland nach den Septemberwahlen von 1939 nicht zu oergleichen. Die über- wältigende Mehrheit des französischen Parlaments stand auf dem Boden der Demokratie. Irgendeine ernsthafte Gefahr eines Staatsstreiches war in der Wirklichkeit nicht vorhanden. Es gab keine Bewegung, die so stark das Vertrauen des Auslandes zu dem französischen Staat hat erschüttern können, wie die national- sozialistische Bewegung in Deutschland. Schon au» diesem Grunde allein war eine gleiche Erschütterung des Kredits,«ine Panik, wie wir sie erleben, In Frankreich ausgeschlossen und Hai nie statt- gesunden. Es ist freilich keine Entschuldigung für das deutsche Volk, daß es in einem solchen Maße dem nationalistischen Wahnsinn verfiel und an den Grundlagen des demokratischen Staates rütteln ließ. Daraus ergibt sich eine wichtige Lehre, daß auch für die wirtschaftliche Gc- sundung Deutschlands eine rücksichtslose Bekämpfung des rechtsradikalen Treiben» unbedingt not tut. Die Tat- fache der schweren Erschütterung de» demokratischen Staates und de: Vorhandenseins einer wirtlichen faschistischen Gefahr, die im Ausland als Gefahr des Bürgerkriegs und als eine Gefahr für den«uro- päischen Frieden betrachtet wird, war ober da, als die letzte Der- trauenskrife Deutschland gegenüber ausbrach. Die Franzosen pflegen darauf hinzuweisen, mit welcher Entschiedenheit die Regierung Poincare 192ö finanzielle Ordnung schafite. Seinerzeit wurde Poincare sogar vorgeworfen, daß er zu einseitig alle Probleme vor allem vom Standpunkt des Gleichgewichts der öffentlichen Finanzen sähe. Mögen einzelne seiner Maßnohmen ver- fehlt gewesen sein, im großen ganzen hat er zweifelsohne recht be- holten, wie er auch gegen die Kapitalisten, die ihm vorwarfen, daß er durch seine Art der Stabilisierung der Währung„die Konsumenten auf Kosten der Produzenten(lies: Unternehmer) begünstigt", recht behielt. Nun darf man dabei nicht übersehen, daß damals in Frankreich und in der übrigen Welt keinesolcheKrisewiediegegen- wärtige vorhanden war. Frankreich hatte insbesondere nicht entfernt eine solche Arbeitslosigkeit wie Deutschland jetzt gehabt,-wahrscheinlich nur ein Zwanzigstel davon. Die Erspar- nisse in den öffentlichen Ausgaben waren deshalb in Frankreich viel leichter durchzuführen, ohne die Gefahr, daß die Not der Opfer der Krise unerträglich wird. Die«irtschostlich notwendige Kaufkraft der Massen, die in Deutschland mit größter Mühe und wahrhaftig In einem Mindestmaß durch die sozialen Einrichtungen erhalten wird. wurde in Frankreich durch die Aufwertung der Rente» ärfolge d« Erhöhung des Geldwertes gefestigt. Dann kam Frankreich 1927, als seine wirtschaftliche Loge zusehends schwieriger zu werden begann, eine ollgemeine Besserung der Konjunktur in der Welt zugute. Schließlich waren Frankreichs Finanzen durch deutiche Reparations- Zahlungen auch damals schon entlastet. Von großer Bedeutung und für uns jetzt besonders lehrreich ist der Unterschied der Kapitalbewegung zwischen Frankreich und dem Ausland 1926 und derjenigen zwischen Deutsch- land und dem Ausland heute. Im Laufe von wenigen Monaten stieg der Franken so stark, daß der Dollar im Dezember 1926 in Paris schon nur 25.25 Franken gegen 47 Franken am 22. Juli 1926 kostete. Da mit der Steigerung des Franken gerechnet und dementsprechend auf seine Steigerung spekuliert wurde, wurden die Franken getauft und flössen Devisen nach Frankreich. Trotzdem blieb«in größerer Teil des geflüchteten französischen Kapitals im Ausland. Die französischen Sapitalisten waren nicht viel„patriotisch«" als die deutschen. Auch in der Zeit, als ausländische Kapitalien in Frankreich fest ange- legt wurden, und man in Frankreich die Gefahr der„Ueberfremdung" der stanzösischen Wirtschast auf die Wand malte, waren viele franzö- sifche Kapitalisten sehr wenig geneigt, ihre ausländischen Guthaben in ihrem Vaterland wirtschaftlich nutzbar zu machen. Poincare scheute sich vor der Bekämpfung der Kapitalslucht nicht. Wie der amerikanische Volkswirt Prof. Rogers bezeugt, der die Vorgänge jener Zeit in Frankreich gründlich untersuchte, hat die Regierung Poincare von den Vorschriften des Gesetzes, durch welches die Kapitalflucht verboten wurde,„rücksichts- losen" Gebrauch gemacht. Leider spielte sich dos meistens unter Aus- schluß der Oeffentlichkeit ab, so daß wir keine richtige Vorstellung von den angewandten Methoden haben. Man hörte aber von den Kon- s l i k t e n, die zwischen der Regierung und manchen Industrie- lonzernen entstanden, indem die Regierung drohte, diesen Konzernen alle Bankkredite in Frankreich abzusperren, falls sie nicht ihre ausländischen Guthaben zurück- bringen. Und die Regierung, die ihre grundsätzliche kapitalistische Einstellung nie verleugnete, sand die nötige Rücksichtslosigkeit den „Wirtschaftsführern" ge�nüber. An diesen Kampf um das ins Ausland geflüchtete Kapital wird jctzt in Frankreich erinnert. Das meint man, wenn der deutschen Regierung Tatenlosigkeit gegenüber der deutschen Kapitalfl-uht vor- geworfen wird, und es läßt sich nicht bestreiten, daß diese Vorwürie bis in die letzten Tage berechtigt waren. In diesem Vunkt scheint uns der h i st o r i s ch e Vergleich, mit dem wir uns hier befaßten, am meisten begründet und lehrreich zu sein, wie überhaupt die weitgehende Abhängigkeit von privatkapitalistischen Interessen der Reichsregierung mit Recht vorgeworfen werden darf. Dagegen erscheint aus Grund dieses Vergleichs die Behauptung, daß Deutschland jctzt ohne Auslandshilse auskommen könne, nicht als schlüssig. Alle Sünden der älteren und der jüngsten Vergangenheit zugegeben, muß anerkannt werden, daß die deutsche Wirtschast durch die Erschütterungen der letzten Zeit so viel Blut ver- loren hat, daß eine ausländische Unterstützung sehr heilsam werde» kann und sehr nötig ist. Aber auch wenn vom Auslande die Fori»«- rung nicht erhoben worden wäre, ist dem Gedanken voll zuzustimmen, daß Deutschland aus eigener Kraft alles Notwendige tut, um seine wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse so zu ge- stalten, daß die vorhandene Vertrauenskrise behoben werden kann. Weltsyndikat für Aluminium? Produktion, preise und Kartelle während der Krise. Gegenwärtig wird zwischen der europäischen und amerikanischen Aluminiumindustrie über die Möglichkeiten eine» Weltsyndikat» für Aluminium verhandelt. Bisher standen sich bekanntlich beide Gruppen, von denen jede rund die Hälfte der Weltproduktion kon- trolliert, konkurrierend gegenüber. Die Aluminiumindustrie der Vereinigten Staaten und ebenso Kanada», auch eines. Teil», der norwegischen Ssluminiumerzeugung, 'werden von der A l» m ini u m E o. o f A m« ri ea kontrolliert, die von der Unternehmerfamilie Mellon beherrscht wird. Der jetzt in Paris weilende amerikanische Schatzsekretär Andrew Mellon ist «in prominente» Mitglied dieser Familie. Die europäischen Aluminiumerzeuger sind seit einer Reihe von Jahren kartellmäßig organisiert. Dies Kartell läuft Ende 1931 ob. Nachdem die wichtigsten Verbrauchsländer, insbesondere die Ver- einigten Staaten, Deutschland und die Schweiz, sich durch Zoll- mauern vor unerwünschter Aluminiumeinfuhr geschützt haben und in der letzten Zeit der Wettbewerb zwischen der europäischen und der amerikanischen Gruppe auf einigen Märkten verschärst in Erscheinung trat, wäre normalerweise mit Ablauf des Kartellvertrags eine weitere Zuspitzung der Marktlage zu erwarten gewesen. Die Krise hat jedoch bereits zu empfindlichen Minderungen des Aluminiumverbrauchs geführt: sowohl die deutschen als auch die amerikanischen Aluminiumbetriebe arbeiten nur mit einem Teil ihrer Leistungsfähigkeit. Nachdem einige Jahre lang die Aluminium- erzeugung der Welt ununterbrochen gestiegen war und im Jahre 1929 einen Stand erreicht hatte, der mehr al» viermal so groß war als vor dem Kriege, brachte da» Jahr l939erstmaligeinenRück- schlag in dieser Entwicklung. Hiervon wurden in der Hauptsache diejenigen Länder betroffen, die stärker für den Export arbeiten. Wie ungleich sich der Rückgang der Produktion auf die ein- zelnenLänder verteilt und wie gleichzeitig einzelne Länder noch «ine erhebliche Produttionsausdehnung durchführen tonnten, zeigt die folgend« Zahlenübersicht: Aluminiumerzeugung in 1999 Tonnen 1929 1939 Deutschland 32,7 39,9 Frankreich....... 29,9 29,9 Schweiz 29,7 22,4 Norwegen....... 29,1 20,5 Großbritannien..... 13,9 19,4 Italien......... 7,4 8,0 Oesterreich....... 3,7 3,5 Spanien........ 1,0 1,0 Bereinigte Staaten... 102,1 103,9 Kanada........ 42,0 34,9 Dementsprechend gingen auch bereits im vergangenen Jahre die Gewinne der großen Äluminiumgescllschaften zurück, am stärksten in den Vereinigten Staaten. Gewinne großer A l u m i n i um- G e s e l l s ch a f t e n. «uchett 1929 1930 Der. Staaten Aluminium To.os America Dollar.... 24,13 19,87 u. Kanada Deutschland. Verein. Aluminiumwerke Reichsmart 3,76 2,64 Schweiz.... Aluminiumindustrie, Neu- Schweiz. Fr. 11,76 8,97 Hausen Frankreich.. Pöchiney............... Franz. Fr. 63,19 53,79 Die Preise für Aluminium sind in Europa durch den Weit- bewerb kaum erschüttert: zwar wurde im vergangenen Jahre nach langem Zögern eine Preisermäßigung vom Kartell durch- geführt, aber im Gegensatz zu fast ollen übrigen industriellen Roh- stoffen ist seit dieser Zeit, d. h. seit Oktober vorigen Jahre,, der Aluminiumpreis unverändert geblieben. Lediglich auf dem Hokbzeugmarkt kam es zu Beginn des Jahre« zu einem ver- schärften Wettbewerb, der auch in einem Druck auf die Preise seinen Ausdruck fand. Land Gesellschaft Im Mai diese» Jahres fanden in Pari» Besprechungen der Kartellmitglieder statt, in denen auch die Preis- Probleme aufgerollt wurden. Infolge de» Tiesstande» der Kupfer- preis« tonn eine vermehrte Verwendung von Aluminium nur er- wartet werden, wenn der Aluminiumpreis dem Kupferpreis in weit stärkerem Ptgße al? bisher angepaßt wird- Die Preise wurden jedoch bisher nicht gesenkt. Es steint auch kein« Absicht zu bestehen, ist absehbarer Zeit«ine gesunde Preispolstlk wieder einführen zu wollen. Eine Verständigung der europäischen Gesellschaften mit den Amerikanern kann natürlich nur dann Zweck haben, wenn man sich darüber einig ist, daß da» Kartell Ende 1931 auf eine Reihe van Jahren verlängert wird. Fall« man sich dann mit den Ameri- kanern über die künftige Absatz» und Preispolitik einig würde, wäre die monopolistische Beherrschung de» Aluminium» durch einige wenige Gruppen gesichert. Gegenseitige Bankengarantie. Regelung des lleberweisungsverkehrs. Am Sonnabend ist e» nach tagelangen Bemühungen gelungen. da» sogenannte kleine Slillhallungskonsortium zu- sammenzubringen. Es Handell sich um die Gründung einer Ueber- Weisungsstelle, der zunächst 43 Banken— darunter das sogenannte Preuheakonsortium. zu dem auch die Arbeilerbauk gehört— be« lelligt sind. Man denkt daran, diese Organisation, deren Geschäfts- sührung bei der Golddlskontbant liegen dürste, auf weitere Baaken auszudehnen.— Bei der Gründung der neuen Organisation gehl mau darauf au», im Rahmen der bevorstehenden Auflockerung der Regierungsbestimmungen für die Auszahlung bei deu Banken den Aeberweisung»v«rk«hr der Banken unter sich wieder mehr in Sang zu bringen. Da» hat gewisse Hemmungen. Es können unter Umständen bei diesem oder jenem Znstitvl allzu starke Anforderungen austreten, die über die flüssigen Mittel de» Unternehmen» gehen. Zn diesem Fall hak die lleberweisuag»- stelle einzuspringen. Diese kann zunächst da» von den beteiligten Banken auszubringende Garantiekapilal von S Millionen Mark in Aaspruch nehmen. Darüber hinaus kann sie die erforderlichen Be- träge aus die beleillglen Baaken umlegen. Weiter find gewisse Sicherheitsventile geschaffen worden. So soll fürs erste die Ueber» Weisung pro Konto 15 000 M. nicht übersteigen. Außerdem find Richtlinien für die Gesamtsumme der Auszahlungen aufgestellt. Erhöhte preise für Kunstseide. Steigende Absahziffern. Da? internationale Kartell für Viscose-Kuusts«d« nimmt feine Tätigkeit am 1. August auf. In welcher Richstrng«« wirken wird, dafür gibt es bedeutsame Vorzeichen. Das Einverständnis der Unternehmer wirkt sich nämlich schon jetzt in Preiserhöhungen für Viscose-Kunstseide aus. Dabei bemüht man sich, einige Geschick- lichkeit zu bewahren: man hat die Preise nicht einheitlich erhöht, sondern hat versucht, einerseits auf die Gestehungskosten des liefernden Werkes, andererseits auf die Möglichkeit neu auftretender Außenfeitertonkurrenz Bedacht zu nehmen. Das letztere wird dos Entscheidende sein: nur die Angst vor der Auhenseiterkonturrenz hält die Kartelle davon ab, die Preise über Gebühr zu erhöhen. Der Absatz hat in der letzten Zeit nicht unerheblich zugenom- wen. Ob nun die Lager beim Einzelhandel so stark geräumt sint», daß man jetzt stärkere Einkäufe machen nmß, ob die Furcht vor der Tätigkeit des Kartells zu Voreindeckungcn gefichrt Hot, ist nicht zu entscheiden. Die JG.-Farbenindustrie Hot im ersten Halbjahr 1931 mehr als das Doppelte au Agfa-Travis-Seidc abgesetzt, alz in der gleichen Zeit des Vorjahres', und auch die anderen Produzenten haben bessere AbsatzMfcrn zu verzeichnen gehabt— Gruod genug jux die ttnteruehrner. sofort die preise zu erhöhe». Zweifellos trägt man sich mit der Absicht weiterer Preiserhöhungen: vorerst will man die Auswirkungen der internationalen Ver- ständigung abwarten. Schon jetzt ist danach klar, was die Ver- brauch er von dieser neuesten kapitalistischen„Planwirtschast" bei der Kunstseide zu erwarten haben— höhere Preis«, weiter nichts! Mahnung der Konsumvereine. Die Lage der Konsumgenossenschaften während der Bank- feiertage. In der„Konsumgenossenschaftlichen Rundschau" nimmt Vollrath Klepzig vom Zentralverband deutscher Konsum- vereine eingehend Stellung zur Beunruhigung der Sparer. Er betont, daß der Sturm auf die Banken und Sparkassen die Durch- führung der im Interesse des gesamten Volkes notwendigen Gesun- dungsmaßnahmen erschwert und stellt dann fest: „Die im Zentraloerband deutscher Konsumvereine zusammen- geschlossenen Verbraucher, die den Sparkassen der Konsum- genossenschaften ihre Notgroschen anvertraut hoben, zeigen zum weitaus größten Teil auch für die augenblicklichen katastrophalen wirtschaftlichen Erscheinungen und Zusammenhänge das notwendige Verständnis. Eine kleine Minderheit dieser Verbraucher scheint allerdings jetzt auch den Kopf zu verlieren, indem sie ohne genügende Begründung auf eine vermehrte Auszahlung der Spareinlagen durch die Konsumgenossenschaften drängt. Bisher haben die Konsum- genossenschaften des Zentralverbandes allen Anforderungen der Mitglieder auf Auszahlung von Spareinlagen in vollstem Maße Rechnung getragen. Nachdem jedoch durch die Not- Verordnung der Reichsregierung vom 13. Juli 1931 die Einführung von Bankseiertagen erklärt worden ist, haben sich die Konsum- genossenschaften den Bestimmungen dieser Notverordnung zu beugen. Die vorübergehende Schließung der konsum- genossenschaftlichen Sparkassen braucht daher in den Kreisen der sparenden Konsumgenossenschastsmitglieder keine Beängsti- gung wachzurufen. Die Sparkassen der Konsumgenossenschaften sind von den allgemeinen Geldverkehrsbedingungen abhängig. Sie können also nicht ihre eigenen Wege gehen. Ihr Handeln ist den gleichen Voraussetzungen unterworfen, die für den von der Reichs- dank zu regelnden allgemeinen Geldverkehr der Banken und öffent- lichcn Sparkassen gelten. Die augenblickliche Geldknappheit wird nicht nur die Banken und öffentlichen Sparkassen, sondern auch die Sparkassen der Konsumgenossenschaften zwingen, die von den Sparern geforderten Spareinlagen-Auszahlungen auf ein e r t r ä g- liches Maß zurückzuschrauben. Unter keinen Umständen läßt es sich verantworten, daß große Sparbeträge ohne eine ausreichende Begründung abgehoben werden. Die Spareinlagen der Konsumgenosienschaftsmttglieder sind durch das Vermögen der Konsumgenossenschaften durchaus gedeckt und gesichert. Die Konsumgenossenschaften haben in den letzten sechs Jahren eine so vorsichtige Wirtschafts- führung erkennen lassen, daß ihre Gegner die von ihnen geübte Sorgfalt neiderfüllt kritisieren. Daher ist jeglicher Zweifel an der Sicherheit der konsumgenossenschaftlichcn Spar- einlagen unberechtigt."_ 3. P. Morgan kommi nach Europa. Der Chef der Morgan-Bank, I. P. Morgan, befindet sich wie alljährlich auf einer Reise nach Europa: am 29. Juli wird er in England erwartet. Offiziell wird es auch diesmal heißen, daß Morgan lediglich zu Erholungszwecken Europa bereist. Es ist aber aus all seinen früheren Reisen bekannt, daß jedesmal große Transaktionen bei seiner Anwesenheit in Europa vorbereitet wurden. An den reinen Erholungscharakter der Reise wird man diesmal noch weniger zu glauben brauchen als sonst. Außenhandel der Vereinigien Staaten. Starker Rückgang im 1. Halbjahr 1931. Der Außenhandel der Vereinigten Staaten von Nordamerika ist im ersten Halbjahr dieses Jahres im Ver- gleich zur gleichen Zeit des Vorjahres st ä r k e r noch als der deutsche Außenhandel zurückgegangen. Die Ausfuhr ermäßigte sich von 2976 Millionen Dollar(8,7 Milliarden Mark) im ersten Halbjahr 1939 auf 1316 Millionen Dollar(Z,S Milliarden Mark) im ersten Halbjahr 1931: das ist ein Rückgang von fast 19 Proz., während die deutsche Ausfuhr in der gleichen Zeit nur um 25 Proz. sank. Auch die Einfuhr ist— ein Zeichen für die Wirtschafts- krise in den Vereinigten Staaten— stark zurückgegangen: von 1736 Millionen Dollar(7.3 Milliarden Mark) auf Hill Millionen Dollar(4,7 Milliarden Mark). Der Rückgang der Einfuhr machte mehr als ein Drittel aus(in Deutschland gerade ein Drittel). Während aber der deutsche Ausfuhrüberschuß sich wesentlich— auf 1968 Millionen Mark— erhöhte, ging der ameri- konische Ausfuhrüberschuß von 349 Millionen Dollar(1,4 Milliarden Mark) auf 296 Millionen Dollar(865 Millionen Mark) zurück. Der deutsche Ausfuhrüberschuß ist also im ersten Halbjahr 1931 höher als der amerikanische gewesen. Die Entwicklung in Frankreich. Die französische Außenhandelsbilanz für die ersten sechs Monate des Jahres 1931 zeigt folgende Ziffern: Es wurden eingeführt 39 939 353 Tonnen im Werte von 23 291 864 999 Franken. Das bedeutet gegenüber dem gtetchen Zettraum de« Porsahrs, eine Verminderung um 418 459 Tonnen im Werte von 3 629 857 999 Franken. Ausgeführt wurden 15 322 995 Tonnen im Werte von 16 234 633 999 Franken, was eine Verminderung von 3 355 259 Tonnen im Werte von 6 392 699 999 Franken gegenüber den ersten sechs Monaten 1939 bedeutet. Die Exportverluste durch die Welt- Wirtschaftskrise sind also sehr beträchtlich. Gewinnabschluß im Kahn-Konzern. Heidelberger Schnellpressen A.-G. gut beschäftigt. Der zum Richard-Kahn-Konzern gehörigen Schnellpressen- sab ri k A--G. Heidelberg ist es im Geschäftsjahr 1939 ge- lungen, den Vorjahrsumsatz nahezu zu erreichen. Dieses Unterneh. mcn Hot im Jahre 1929 durch Fusion die Maschinenfabriken C. Maquet A.-G., Heidelberg, und„Mag", Geislingen, sich angeglie- dert. Der Rohllberschuß ist im Jahre 1939 mit 9,38 Millionen Mark nur um 15 Proz. geringer als im Vorjahr gewesen. Die Dividende auf das 2-Millionen-Kapital aber wurde um fast ein Drittel, von 19 auf 7 Proz., herabgefetzt, dafür wurden die Abschreibungen von 9,23 auf 9,25 Millionen Mark erhöht. Für Verbesserung der Betriebe wurden 9,3 Millionen Mark ausgegeben, über Unkostenkonto natürlich. Das Warenkonto zeigt mit 1,1 Millionen Mark einen fast unveränderten Bestand: die Forderungen sind geringfügig, auf 9,96(9,99) Millionen Mark zu- rückgegangen. Stärkeren Rückgang zeigten die Schulden und An- Zahlungen der Kundschaft, von 9,53 auf 9,49 Millionen Mark. Alle übrigen Schulden werden in einem Posten ausgewiesen mit 1,46(1,28) Millionen Mark: darin sind auch Rückstellungen enthalten, in welcher Höhe, bleibt unbekannt. Die Bilanz zeigt also ein recht günstiges Bild, und zweifellos ist der Rückgang der Gewinnziffern nur auf„vorsichtige" Bilanzierung zurückzuführen, da nach Mitteilungen der Verwaltung auf der Generalversammlung die Gestehungskosten wesentlich oermindert werden konnten. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres war das Unternehmen weiterhin gut b e s ch ä f- t i g t, so daß die Umsatzziffern kaum hinter denen des Vorjahres zurückgeblieben sind._ Amerikanische Automobilkrise. Die Automobilproduktion der Vereinigten Staaten liegt noch immer erheblich unter dem vorjährigen Stand. In den ersten sechsMonaten 1931 betrug sie 1,63 Millionen Wagen gegen 2,31 Millionen in der gleichen Zeit des Vorjahres. Stuhlverstopfung. Nach den an den Kliniken für innere Krank- hellen gesammelten Erfahrungen ist das natürliche„Franz-Josef"- Bitterwasser ein äußerst wohltuendes Abführmittel. 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Montag, den 20. Juli 1931: Schlolipark Sieglitz, Steglitz, SchIo$stra$e 48 bis einschl. Donnerstag, den 23. Juli 1931: Rote Mühle, Berlin, Kurfürstendamm— Union-Lichtspiele, Berlin. Charlottenburg, Berliner Strafe 116— Lichtspielhaas Charlotten- bürg. Wilmersdorfer Strafe 55-56— Odemn-Licfatspiele, Berlin- Pankow, Berliner Strafe 55-54- Germania-Palast, Berlin, Frankfurter Allee 513- Passage-Lichtspiele, Berlin, Unter den Linden 22- Wefdenhof-Licbispiele, Berlin, Fricdrlchsira�e 136(an der Weidendammer Brücke) vom 21. bis einschl. Montag, den 27. Juli 1931: Kosmos-Lichtspiele, Berlin-Lichtenberg, Lücksir. 17— Markgrafen- Lichtspiele, Berlin, Markgrafendamm 34 Böte Stralauer Allee vom 24. bis einschl. Donnerstag, den 30. Juli; Bürgergarten» Berlin-Reinickendorf-Ost, Hauptstraße 51 W.B.T. Berlin-Ober schöneweide. Siemensstraße 18 vom 28. Juli bis einschl. Montag, den 3. August: Jägerhaus, Grünau r ab 30. lull 1931: Ala-Lichfspiele, Reinickendorf-West, Scfaarnwebersfraße 36 Ab Montag, den 26. Juli, werden täglich für die ersten Vorstellungen Karten an Arbeitslose zum Preise von 80 Pf. gegen Mitgllcdsanswels und Stempelkarte abgegeben Allgemeiner Deutscher Gewerkschoftsbund Ortsausschuß Barlin Allgemeiner freier Angestelltenbund Ortskartall Berlin Allgemeiner Deutscher«eamtenbuntf Bezirksausschuß Graß-Berlin iezirksausschuB für sozialistische Bildungsarbeft Deutscher Freidenker-Verband/ Ralchsbannar Schwarz-Rot-GoM Volksbühne E. V./ Kartell für Arbeitersport und Körperpflege Reichsbund der Krieg« beschädigten, Kriegsteilnehmer und Kriegerhinterbliebenen lAb nachmittags 4 Uhr Gr. Konzert Täglich: Tanz im Freien Auf dem Schaustellungsplatz: Tier-Kindergarten und Tier-Schule Terrarium- Aquarium■ Insektarium. Ferien. Abonnement.. Berliner nihTria N•■ fc• 1 1 B. wLahn8tr. 74/75J IL. Broiler 4�S�PreiSä!)6aü! Billig wie noch nie! Inlette f Oberbett.. 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Platz 15, 160, 2U. Ferner liefen: Eisen Hut, Hermann Almers, Siatantia, Blanker Hans, David Dillon, Saar Maid, Coeur Bube, Adria. Preis von Wernigerode. 1. E. Rosenbcrgs Tattck lJauh sr.); 2. K-- valla: 3, Vielgeliebter: 4. Zorita. Toto: 49(ital. 90). Platz: 19, 20, 15, 18. Ferner liefen: Elfenbein, Putte. Hedwig. Jngara, Brpnhild, Ursula, Eyklame, Edellindc, Peter Nurmi, Pctronia, Constantin Frisco, Cyklon, Fabnla. Preis von H-r,burg. 1. Stall Petersburgs Legaliw(P, Finn); 2, Ncrb: 3. Paulinus. Toto: 12(ital. 12). Platz: 10, 10. Ferner lieün: Senator Biewer. KARSTADT U-BAHNHOF HERMANNPLATZ• DERKARSTADT- BAH N H O F en .wstcÄ:""""'t. ...... Maoganafceaba.irorbakfllMB I »rfiÄ®0-c"». QrHe>n ... *•/"""Ifb* Lockerung der Rankensperre. Don Montag bis Mittwoch: 20 M. vom Sparkonto— 100 M. vom Bankkonto. Auf Gruud der Verordnung des Reichspräsidenten vom 15. Juli 1331(Keichsgefehbl. I 5. 365) wird verordnet: Artikel 1. In der Zeit vom 2 0. bis 2 3. Zuli 1931 gelten für den Zahlungsverkehr der von den Vaakfeiertagen betroffenen Institute folgende Bestimmungen: 8 l- Die srcdiknstitule dürfen an Kontoinhaber Barauszahlungen ohne besondere Zweckbestimmung nicht über 5 proz. des am 19. Zuli 1931 vorhandenen Guthabens, insgesamt aber höchstens 100 Reichsmark leisten. Bei Guthaben aus Sparkonten oder Sparbüchern(bei Banken, Sparkassen aller Art und Genossenschaften) beschränkt sich der Betrag auf hoch- stens 2 0 Mark: die Auszahlung kann vom Rachweis eines Bedürfnisses abhängig gemacht werden. Auf jeden Kreditbrief, der vor dem 14. Zuli 1931 aus- gestellt ist, dürfen bis zu 100 Mark ausgezahlt werden, wenn der Berechtigte sich außerhalb seines Wohnortes aufhält. Unbeschräukt dürfen Barauszahlungen geleistet werden. soweit der Empfänger die Zahlungsmittel nachweislich benötigt zur Zahlung von Löhnen. Gehältern. Ruhegehältern, Versorgungsgebühr- nisten und ähnlicheu Bezügen. Arbeitslosen- und Krisenunlerstützun- gen und Leistungen der öffentlichen und freien Wohlfahrtspflege lZürsorge). Lcistnngev an Versicherte der Sozialversicherung und wiederkehrende Leistungen au VnPcherte aus anderen öffentlichen oder privaten Verficherungsverhältnisten. Steuern. Gebühren und sonstige öffentlichen Abgaben, soweit nicht bargeldlose Entrichtung möglich ist. Frachten, wenn der Empfänger die Benachrichtigung einer Verkehrsunternehmung über den Eingang von Gütern vor- legt, Geldbeträgen an die Reichsmonopolverwaltung für Bravnt- wein, soweit nicht bargeldlose Entrichtung möglich ist. 8-. Die Annahme von Einzahlungen unterliegt keinen Be- schränkungen. Heber Guthaben, die nach de« 15. Zuli 1931 aus Bar- einzahlungen in Reichsmark, durch den Verlauf von ausländischen Zahlungsmitteln und Forderungen in ausländischer Währung oder aus Ueberweisungeu von Konten, die einer Beschränkung nicht unter- liegen, entstanden siud, kauu frei verfügt werden. Das gleiche gilt für die nach dem 25. Zun! 1931 an die SrediUnstitute überwiesenen Löhne. Gehälter, Ruhegehälter, versorgungsgebührniste und ähnliche Bezöge. 8Z. 1. Reber Weisungen sind unbeschränkt zulässig: soweit sie ersorder- lich sind, um die in 8 1 Abs. 3 zugelasseneu Barauszahlungen zu crmöglicheu, soweit sie sich inaerhalb desselben Zustiwts vsllzieheu. soweit dadurch Zahlungen zur Durchführung de» Ge- sehcs über Arbeitsvermittloug und Arbeitslosenversicherung bewirkt werden, soweit Leistungen au einen Dersicherimgströger zur Erfüllung einer Beitragspfiicht bewirkt werden, aus Guthaben, über die gemäß§ 2 Abf. 2 frei verfügt werden kauu. 2. Zwischen allen von den Bankfeiertageu betrofsenen Kredit- instituten, insgesamt bis zur höhe der Hälfte des jeweiligen Gut- Habens des Auftraggebers uud höchstens bis insgesamt 2000 Mt. und nur auf ein bereits bestehendes Konto eines Dritten bei einem voa den Bankfeiertageu betroffenen Institut. Don den weiteren Bestimmungen der Äoteerordnung, die in den folgenden Artikeln überragend technisch« Ding« behandelt, inter» essiert in erster Linie der Artikel 4. wonach die Deutsche Neichspost, die Reichsbank und die Deutsche Golddiskontbank hinsichtlich des Zahlungs» und Ueberweisungsoerkehrs keinen Beschränkun- gen unterliegen. Das Postscheckamt wird also nach wie vor seine Vollauszahlungen beibehalten. Ferner sind in der Not- Verordnung noch besondere Strasbestnnmungen für Vergehen im Scheckverkehr vorgesehen._ Gegen politische Ausschreitungen. Richtlinien znr Onrchführvng der Verordnung. Der Rcichsminister des Innern Dr. W i r t h hat zur Ausführung der zweiten Notverordnung des Reichspräsidenten zur Abwehr politischer Ausschreitungen vom 17. Juli 1931 in einem Schreiben an die obersten Reichs- und Landesbchörden Richtlinien her» ausgegeben, in denen es heißt: Die Verordnung soll eine verantwortungsbewußte sachlich« Kritik iu anständiger Form an den Maßnahmen und Kundgebungen der Reichs- und Landesbehörden weder unter» binden noch erschweren. Sie hat den Zweck, der»runaeuvergistung entgegenzutreten. wie sie im polikl scheu Kamps durch verschweiguag und Eni- skeöung wahrer uud Behauptung falscher Tatsachen in letzter Zeit iu bedauerlichem Amsang geübt worden ist. Zu diesem Zweck wird den obersteu Reichs» und Landesbchörden innerhalb ihres Zuständigkeitsbereichs sowohl das Recht eingeräumt, die Aufnahme von Entgegnungen zu den von der Zei- tung aufgestellten Behauptungen zu verlangen, wie auch die Möglichkeit gewährt, ihrerseits die Aufnahm« von Kundgebungen zu verlangen, an deren Bekanntwerden«in öffentliches Interesse besteht, die die Zeitung aber trotzdem nicht veröffentlicht. Eine Stellungnahme zu solchen Kundgebungen steht den Zeitungen nach wie vor frei. Nur zu einer amtlichen Entgegnung ist eine Erwide- rung in der gleichen Nummer ausgeschlossen. "Dos Recht, die Aufnahm« von Kundgebungen zu verlangen. soll beschränkt bleiben auf Veröffentlichungen öffentlichen Charakters, an deren Bekanntwerden ein erhebliches öffent- liches Interesse besteht. Eine kleinliche Handhabung der verordaung ist unbedingt zu »er werden. Auch ist darauf Bedacht zu nehmen, daß zu einer Mitteilung der Zeitung stets nur«ine amtliche Entgegnung eingesandt wird. Die Reichsregierung mird zum Zweck der Herstellung der in dieser Beziehung erforderlichen Einheitlichkeit die Presseabteilung der Rerchsregierung mit der Aufgabe betrauen, sämtlich« von den oer» schiedenen Reichsrefsorts gewünschten Kundgebungen und Ent» gegnungen entgegerqunchmen. Es dürste sich empfehlen, daß die Länder in gleicher West««ine«inheitlicheStellefür diesen Zweck bestimmen. Es ist aber auch erforderlich, daß bei der Hand- hobung des§ i der Verordnung die nötige Einheitlichkeit zwischen Reich und Ländern hergestellt wird. Es muß vermieden werden, daß von Reich und Land ohne gegenseitiges Einverständnis in derDbe« Sache Entgegnung«» oeröffeutlicht werden. Hugenbergs Z�ettertraum. Und es geschah, als der große Alfred hugenberg entschlummert war, daß ein Engel zu ihm trat. Der sprach:«Zeuch aus, mein Sohn, und schlage mit der Schärfe dieses Schwertes die Feinde des natwnalen Deutschlands." Alsbald aber trat ihm entgegen der Widersacher. reitend aus dem Behemolh, der dem höllischen Pfuhl ist entstiegen und der da heißet Marxismus. Der Retter Hugenberg aber dachte sie zu schlagen mit der Schärfe des Schwertes.... And siehe, es wuchsen ihm Schwingen, er schwang sich empor und schrie: Zhr lieben deutschen Landsleute, richtet Eure Herzen auf. denn jetzt komme ZEH!" ihn hing und ihn niederriß in das rauhe Reich der wirflichfeiti Die Gebühr für Auslandsreisen. Die Verordnung tritt am Mittwoch, dem 22. Juli, in Kraft. Die Verordnung, die jede Auslandsreise mit einer Gebühr von 100 Mk. belegt, ist in ihren Wirtungen wahrhaftig nicht durchdacht. Die Absicht ist, zu verhindern, daß von Ferienreisenden deutsches Geld im Ausland ausgegeben wird, und dadurch For- derungen gegen Deutschland entstehen. Aber— die w i r k l i ch zahlungsfähigen Reisenden, die viel Geld im Ausland ausgeben, lasten sich durch IVO Mk. nicht abschrecken. Man rechnet darauf, mit dieser Maßnahme die deutsche Devisenposition zu verstärken. Aber— wenn Deutschland Auslandsreisen Deutscher abdrostelt, werden ähnliche Maß- nahmen anderer Länder antworten, und es be- steht eher die Aussicht, daß im Endeffekt die deutsche Devisen- Position eher gedrückt als gestärkt wird. Die Gebühr trifft alle Reisen, nicht nur Ferien- und Er- holungsreisen. Welche wirtschaftlichen Hemmungen, welche Schikane, welche unglaublichen Härten dadurch entstehen müssen, ist unübersehbar. Und dann: Zoll auf den Besuch bei abgeschnürten deutschen Minderheiten? Man spielt mit dem Gedanken, für dzese Gebührenerhebung einen eigenen Apparat aufzuziehen, und ihn mit Hilfe der in Z 3 vorgesehenen Verdoppelung der Gebühr auf 2 0 0 M k. zu finanzieren. Also ein Zoll zur Finanzierung eines neuen, wirklich überflüssigen Apparats? Vor ollem aber: es ist denkbar ungeschickt vom psycho- logischen Standpunkt aus, eine derartige Absperrungs- maßnahm« in eben dem Augenblick zu verordnen, wo als stärkstes Argument für Deutschland seine unlösbare Der- knüpfung in Weltwirtschaft und Weltverkehr im Vordergrund steht, und wo wir all« Ursache haben, nicht über Kleinigkeiten Differenzen mit unseren Nachbarländern zu erhalten. Einer ernsthaften Beratung in einem parlamenta- rischen Ausschuß oder im Parlament hätte das Projekt dieser Verordnung nicht standgehalten. Von den harten, tief ein- schneidenden, durch den Niederbruch erzwungenen Maßnahmen der letzten Tage hebt sich diese Verordnung seltsam ab. Es mangelt ihr das Gewicht und die Ernsthaftigkeit, die Voraussetzung jeder Notverordnung sein muß. Der Wortlaut der Verordnung. Auf Grund des Artikel»§ 48 Abs. 2 der Reichsverfaffung wird verordnet: § 1. 1. Für jede Reise eine» Reichsangehörigen, der im Inlande seinen Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt hat, in das Ausland, wird eine Gebühr von 109 Mark erhaben. Die Gebühr ist vor An- tritt der Reste bei der zuständigen Paßbehörde zu entrichten, die die Entrichtung in dem Paß vermerkt. Die Gebühr flieht in die Landes- koste. 2. Die Vorschriften des Abs. 1 finden auf den klemen Grenz- verkehr keine Anwendung. 8 2. Ein Reichsangehörigcr(§ 1). der ohne den Vermerk lß 1) Zahren erkannt werden. Bei fahrlässiger Zuwiderhandlung tritt Strafe im Sinne der Steuer- gcsährdung ein. Die Vorschriften über das Stcuerstrafverfahrcn gelten entsprechend. K 7: Durch die Verpflichtungen gegenüber der Rcichsbank wird bei Vcrmögenserklärungen die Verpflichtung der Anzeige ausländi- scher Zahlungsmittel und Forderungen in ausländischer Währung an das Finanzamt nicht berührt. Zu diesem Zwecke sowie im Hin- blick auf die Vorschriften über die nachfolgende Steueramncstie wird die Frist für die Abgabe der Vermögens- crklärung bis zum 31. Juli 1931 verlängert. Wer die Erklärung abgegeben, anzeigepflichtige Werte darin jedoch nicht angegeben hat, hat dies nachträglich bis zum 31. Juli 1931 gegenüber dem Finanzamt zu tun. Wer bis zum 31. Juli ftciier- Pflichtige? Vermögen einer bestehenden Rechtspflicht zuwider dem Finanzamt nicht anzeigt, wird wegen Steucrzuwiderhandlung bc- straft, bei vorsätzlicher Zuwiderhandlung bis zu Zuchthaus zu zehn Jahren. Zweiter Abschnitt: Sieueramnestie. K 8; Wer st« u« r p s l i ch t i g e s V e r M'ö gen, Ein- k o in m e n oder steuerpflichtigen Erwerb santrog einer bestehenden Rechtspflicht zuwider der Steuerbehörde nicht angegeben hat, wird von Strafe und von der Verpflichtung zu Rachzahlungen frei, wenn er in der Zeit seit Verkündung dieser Vorschrift im Reichsgeschblatt bis zum Ablauf des 31. Zuli 1931 nicht an- gegebene Werte dem zuständigen Finanzamt, einer anderen Rehärdc der Reichsfinanzverwallung oder der zuständigen Gewerbesteuerbehörde anzeigt. Die Befreiung von der Nachzahlungspflicht erstreckt sich auf Per- mögcnssteuernachzahlungcn, die auf die Zeit vor dem 1. Januar 1931 entfallen, auf Nachzahlungen auf die Jahresleistungen nach dem> Aufbringungsgesctz und Nachzahlungen auf solche Zahlungen fiir die Aufbringungsumlage, die vor dem 13. August 1931 fällig waren, aus Einkommensteuer- oder Körperschaftsstcucrnach- Zahlungen, die auf Stcuerabschnitte entfallen, die vor dem 1. Jamiar 1930 geendet haben, und auf Gewerbesteuernachzahlungeii, die aus die Zeit vor dem 1. April 1931 entfallen. Straffreiheit und Bc- freiung von Nachzahlungspflicht treten nicht ein, wenn eine Steuer- behörde bereits vorher Kenntnis von den Werten erlangt und dies aktenkundig gemacht Hot(z. B. Einleitung eines Strafverfahrens)- Dritter Abschnitt: Steueraufsicht. § 9: Die Reichsabgabenordnung vom 22. Mai 1931 wird durch folgende Bestimmung ergänzt: Wer nach den bei der letzten Aer- anlagung getroffenen Feststellungen Reineinkünfte gehabt hat, die eine gewisse vom Rcichsfinanzminister zu bestimmende Grenze überschreiten, ist verpflichtet, seine Ein- und Aus- gaben forllaufend aufzuzeichnen und alljährlich eine Zusammenstellung über sein Vermögen anzufertigen. Für Einzel- fälle kann das Finanzamt widerruflich Erleichterungen bewilligen. Die Prüfungsbestimmungen werden entsprechend ausgedehnt. Prüfung und Nachschau sind danach auch insoweit zulässig, als es sich nicht um die Verhältnisse des Unternehmers oder des Unternehmen?, sondern um die Aufklärung der Verhältnisse von Arbeitnehmern handelt, die im Dienst des Unternehmers oder Unternehmens gestanden haben oder stehen. Vierter Abschnitt: Schlußvorschristen. K 10: Wer von dem Vorhaben oder der Ausführung einer in dieser Verordnung mit Strafe bedrohten Handlung glaubhafte Kenntnis erhält, ist v e r p f l i ch t e t. der Behörde Anzeige zu erstatten. K 11 ermächtigt die Rcichsrcgierung zu ergänzenden Rechts- und Vcrwaltungsvcrordnungen. K 12; Diese Verordnung tritt mit ihrer Verkündung in Kraft. Den Zeitpunkt, wann die Vorschriften des ersten und des zweiten Abschnitts sowie die Vorschrift des K 10 außer Kraft treten, bestimmt die Rcichsregicrung. -i- Die jetzt von der Rcichsregicrung endlich erlassene Ver- ordnung gegen die Kapital- und Steuerflucht entspricht im großen und ganzen einer Forderung, die von der Sozialdemokratie in den letzten Jahren immer und immer wieder erhoben worden ist. Sie hat in den letzten Monaten in unserem Volke derartig Fuß gefaßt, daß die Reichsregierung schließlich nicht mehr umhin konnte, ihr zu entsprechen. Es ist eine Verordnung, die im ganzen Volke Anklang findet und begrüßt werden wird. Rur die von ihr betroffenen Schieber werden sich gegen sie wehren. Die Reickisregierung erwartet von der Verordnung starke Rückflüsse an deutschen Werten aus dem Ausland. Sic rechnet zunächst mit einem Betrag, der zwischen 500 Millionen und einer Milliarde schwankt. Gewerkschaftliches siehe 3. Beilage. Verantwortlich fiir Politik: Biet« Schiff: Wirtschaft:®.»Ii nn»I SM«: !>cwcrkichofts>>cwe!>una: ffriebr. Gfcbirn; Feuilleton:?r. Zobn S«ikow,ki: Lokale, uni> Eonftiaes: ifriZ»arftälit: Anzeiaen: Tb. Motte: sämtlich in Berlin. Verla«: Vorwärts-Lerlaa S. m. b. S.. Berlin. Bruck: Borwärts-Buchdruckeret ..n» Verlagsanstalt Paul Einaer u. Co.. Berlin ß®. 6S, Linbcnstrake l Äicrjn 4 Beilagen. WERTHEIM BiWaeAnoabot. Leipziger Str.(Versand-Abt.) Königstraße Rosenthaler Str. Moritzplatz Bemberg-Kunstseide i Adler-Krepp, weiß, für Sport und Reise, Meter X»7o /-vi i � r-i reine Seide, helle Pastell- O. I- UOUppiOn färben........ Meter �.45 reine Seide' 9ute Qualität Q r\r\ IVIarOCam für Kleider..... Meter O.90 /■> a i i»_ bedruckt, reine Crepe deChine5«�«960�; o.90 Bau mwol[-Musselin� 39 Pf. 48 Pf. 75pf. Was chkunstseide entzück. Druckm. Meter Pastell-Kunstseide Bedruckt Voll-Voile große Musterauswahl, doppeltbreit, Meter 95 Pf. 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Die Metallarbeiter in Opladen fordern vom Gewerkschaftskongreß, die choltung des Bundesausschusses zu miß- billigen und an Stelle der reformistischen, staatserhaltenden Politik den„revolutionären Älassenkamps" einzusetzen. Ein Reichs- betricbsrätckongrcß unter Hinzuziehung der freigewerk- schastlichen Vertrauensleute der Arbeitslosen, Sozialrentner und Kriegsbeschädigten soll den außerparlamentarischen Kampf organi- sieren, ein einheitliches proletarisches Kampfprogramm aufstellen, Bezirkskongresse einzubsrusen. um die weitere Mobilisierung der Arbeiterklasse einzuleiten. Immerhin fordert dieser Antrag die ein- hcitliche Arbciterfront unker Führung der freien Gewcrkschaflen. nicht unter Führung der RGO. In Delitzsch hoben sich die Orts- gruppen der Eisenbahner, de? Baugewerksbundes und des Gesamt- verbände? auf eine umfangreiche Entschließung festgelegt, die zur Durchführung einer Reihe von Forderungen die sofortige Masseu- Mobilisation fordert und die sofortige Anwendung der Waffe des Streiks, sofern auf anderen Wegen kein Erfolg erzielt wird. Die Metallarbeiter in Stuttgart mißbilligen die vom ADGB. durchgeführte Politik,„die allen sozialistischen Grundsätzen wider- spricht". Sic fordern ebenfalls die Organisierung des einheitlichen Kampfe? der gesainten Arbeiterklasse. Die Metallarbeiter sind überhaupt am stärksten an den Anträgen beteiligt. Von den 55 Anträgen insgesamt rühren 32 von Ortsvcrwaltungen des Metallarbeiterverbondes her imd drei Anträge bat der Hauptvorstand des Metallarbeiterverbandcs eingebracht. Die Leipziger Metallarbeiter haben allein sieben An- träge gestellt. Die Kieler vier, die Chemnitzer vier und außerdem je einen gleichlautenden Antrag mit den Berliner Metallarbeitern und den Zimmerern in Chemnitz und Zwickau. Unter den Her- kunftsorten der Anträge ist Chemnitz neunmal vertreten. Die Metallarbeiter in Gevelsberg sind mit zwei Anträgen vertreten, ebenso viel wie die Berliner Metallarbeiter stellten. Eine engere Beziehung scheint zwischen dem Antrag, des Zim- mererverbandes in Chemnitz und dem der Zimmerer in Zwickau und der Maler in Wcißenfels zu bestehen. Die Antröge fordern wörtlich gleichlautend, zu beschließen,..........■• die Notverordnungen der Brüning-Regierung zu beseitigen. Zu diesem Zweck wird dT Vorstand des ADGB. beauftragt, die Mobilmachung durch Masienstreiks, große Demonstrationen, stet- gernd bis zum Generalstreik, schnellstens in die Wege zu leiten.„Das Ziel muß sein: Beseitigung der Brüning-Diktatur". Und dann? Das Endziel? Solche Anträge verraten allzu deutlich ihre Ouelle. Ein Antrag der Metollarbeiter in Gevelsberg will die Gewerkschaften und Arbeiterparteien beauftragt wissen, zu ver- silchen, die Forderungen derSPD.und KPD. zu kom- dinieren, mit deren Durchführung es gelingen wird, den Reichs- hausholt zu balancieren und die Wirtschaftsmöglichkeiten derart zu gestalten, daß Arbeits- und Existenzmöglichkeitcn für alle ge- schaffen werden, ohne daß die breiten Massen in ihrer Lebenshaltung und ihren Rechten beschränkt werden". Gibt es denn wirklich noch so viel echte Naivität? Echt„revolutionäre" Ungeniercheit spricht aus dem Antrag der Metallarbeiter in Freiburg i. Schi. Er beschuldigt die Führer des ADGB. und der Gewerkschaften,„die offensten Handlangerdienste für diesen Plünderungsseldzug der Brüning-Re- gierung(die Notverordnung) geleistet zu hoben". Wenn derartige Anträge auch nur gestellt werden, wie dieser, der„mit aller Entschiedenheit" die Haltung der Führer des ADGB. vom Kongreß verurteilt wissen will, dann hoben sie für die KPD.-RGO. ihren Zweck schon erfüllt. Die Metallorbeiter in Torgelow sind radi- kaler als ihre Stuttgarter Kollegen. Sie fordern die Herabsetzung der Altersgrenze in der Altersoersicherung auf 55 Jahre und Erhöhung der Renten, während in dem Stuttgarter Antrag, der einleitend die vom ADGB. durchgeführte Politik durch den Kongreß mißbilligt wissen will, die Herabsetzung der Altersgrenze auf 60 Jahre gefordert wird. Bestände in absehbarer Zeit auch nur die entfernteste Möglichkeit für die Durch- führung dieser Forderung der Torgclower Metallarbeiter, dann könnte man sich sehr wohl dafür erklären. Sie läßt sich infolge der Rationalisierung und der Auslese auf dem Arbeitsmarkt, ganz ab- gesehen von seiner Ueberfüllung, durchaus begründen. Die Berliner Metallarbeiter erwarten vom Bundes- vorstand, daß er gegen jeden Lohnabbau wirkt, für Lohn- erhöhung zum Ausgleich für die durch Zoll- und Steuerlasten er- höhten Lebenshaltungskosten, für Preisabbau unter Kontrolle van Organen der Arbeiterschaft(Gewerkschaften und Genossenschaften), für den gesetzlichen Siebenstundentag, gegen jede Verschlechterung der Sozialpolitik und Sozialversicherung, sowie für die Abwälzung der Lasten des Noung-Plancs auf die Besitzenden. Die Metall- arbciter in Kaiserslautern fordern, der ADGB. soll sich um- gehend mit der W ä h r u n g s f r a g c befassen und mit ollen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln für die Stabilisierung des Preis- Niveaus eintreten. Die Umwälzungen der Wirtschaft und die Vierzigstundenwoche bildet den 3. Punkt der Tagesordnung des Kongresses, wozu fünf Anträge vorliegen. Die Forderung der 4l)-Stunden-Woche wird teil- weise verquickt mit der Propagierung der„Einheitsfront" und der Organisierung und Anwendung der außerparlamentarischen Machtmittel. Der Vorstand des Musikerverbandss fordert neben der gesetzlichen Verkürzung der Arbeitszeit auf zu- nächst 40 Stunden durchgreifende gesetzliche Mahnahmen zur B e- seitigung des Doppelverdiener- und Schwarz- arbeiteru n w e s e n s. Zum 4. Punkt der Tagesordnung: Oeffentlichc und private Wirtschaft liegt nur ein Antrag vom Bundesvorstand des Baugewerks- bundes vor, der das Bauwesen zu den wichtigsten Aufgaben der öffentlichen Wirtschaft in Staat und Kommunen erklärt und daraus seine Forderungen ableitet, die darin ausklingen, daß die Gemeinden eine weitsichtige Badenvorratswirtschaft betreiben und den Boden- wucher nachdrücklich bekämpfen. Entwicklung und Ausbau des Arbeitsrechts. Dieser Tagesordnungspunkt hat acht Antrüge aufzuweisen, die durchweg rein sachliche und wichtige Forderungen enthalten. Die Anträge betreffen die Verbesserung des Betriebsrätegesetzes, das Berufsausbildungsgcsetz, die Einschränkung der Sanntagsarbeit und die Urloubsfragc, abgesehen von den eingehenden speziellen For- derungcn des Baugewcrksbundes. Der Antrag der Stuttgarter Holzarbeiter macht sich die Lösung der Urlaubsfrage sehr leicht, indem er unterschiedslos 14 Tage Ferien für alle Ar- beiter und Arbeiterinnen fordert. Sechs Anträge betreffen die Abänderung der Bundes- s a tz u n g e n und die letzten 14 Anträge betreffen Sonstiges. Die Metallarbeiter in Brügge fordern den Ausschluß aller freigewerk- schastlichen Reichstagsabgeordneten aus ihrer Gewerkschaft, die bürgerliche Regierungen tolerieren„und somit Notverordnungen oder sonstigen der Arbeiterschaft feindlichen Gesetzen ihre Zustimmung geben müssen". Die Chemnitzer Metallarbeiter fordern als Organisakiovsgrundlage die Betriebe. die Nivellierung der Beiträge für alle Verbände und eine einheitliche Festsetzung der Leistungen. Die Zimmerer in ZwIckalTuiiviChemmtz 1 fordern Borbereitungen, um den Lohnabbau durch G e n e r a l-' streit abzuwehren. Die Chemnitzer Metallarbeiter wollen die Spitzengehälter der Gewerkschaftsangestelltcn auf 600 Mark beschränkt und die übrigen Gehälter dementsprechend gestaffelt wissen, während die vorerwähnten Zimmerer fordern, daß die Spitzengehälter 100 Proz. des Tariflohns nicht übersteigen dürfen. Die Berliner Metallarbeiter wenden sick> gegen die Aufnahme von Anzeigen privatkapitalistischer Ver- sicherungsgcsellschaften in den Zeitungen des ADGB. Die Stuttgarter Metallarbeiter fordern restlose Bedarfsdeckung bei den Konsumgenossenschaften. Ihre Leipziger Kollegen wenden sich gegen die A rb e i t s d i e n st p s l ich t und den„freiwilligen" Arbeitsdienst. Der Hauptvorstand des Metallarbeiterverbandcs will die Verordnung zum Schutze gegen Bleivergiftung ausgedehnt wissen und fordert, daß der nächste Kongreß in seine Tagesordnung den Punkt „Frauenarbeit und Gewerkschaften" aufnimmt. Der Verbandstag der Fabrikarbeiter will die Sozialvcrsicherungsoesetze als Schutzgesetze im Sinne des ss 823 BGB. erklärt wissen. Damit nicht fortgesetzt daran herumgepfuscht werden kann. Er fordert weiter, alles daranzusetzen, um den K 898 der Reichsversicherungsordnung zu beseitigen. Dem Frankfurter Gewerkschaftskongreß fehlt es nach allem an Anträgen nicht, selbst nachdem er zur Tagesordnung übergegangen ist über die zu seiner„Entlarvung" von der„Opposition" in eini- gen Versammlungen durchgedrückten Anträge. Die Gewerkschaft deutscher Lokomotivführer-teilt uns bezüglich des Artikels„Deutsche Eisenbahner für Rußland gesucht" in Nr. 319 des„Vorwärts" mit, daß sie keine Vermittlungsstelle für Lokomotivführer oder Lokomotivschlosscr nach Rußland eingerichtet hat. Sie sei um Auskunft crsrcht worden, unter welchen Bedin- gungen Rußland deutsche Lokomotivbedienstete in Dienst stellt und habe noch Einholung van Informationen über die Einzelheiten durch Rundschreiben an ihre Ortsgruppen Zluskunft gegeben, also lediglich ihrer Jnsormationspflicht genügt. Der Vorstand habe da- bei besonders betont,„daß für jeden einzecr Rcichsanstolt aus den Reihen der christlichen Gewerkschaften, sondern beim Spruchsenat des Reichsvcrsicherungs- amts. Aoiprogramm der Bankangestellten. Richtlinien des Allgemeinen Verbandes. Der Z e n t r a l v o r st a n d des Allgemeinen Verbandes der Deutschen Bankangestellten hat sich in seiner Sitzung vom 17. Juli mit der akuten Krise Danatbank sowie mit der allgemeinen finanz- politischen Situation befaßt und folgende Richtlinien beschlossen: "..Der Zentrakvorstand va-ru rt e H t auf das s chS rfst daß ,f>ie ubrjmm.G r o ß b q.15� e, n jücht bereis gewesen sind, unter Garantie' des Reiches durch eine entsprechende Stützungsaktion dieZ ä hlu n g s e 1 n stell ü ng der Danatbank mit allen ihren unheilvollen Begleiterscheinungen zu verhindern. Durch diese von: Streben noch Prestige und Prosit in gleicher Weise bestimmte Politik der übrigen Großbanken haben diese die bereits vorhandene Krise bis zur Panik gesteigert und es so verschuldet. daß dos ganze Bankgewerbe und mit ihm die gesamte Wirtschaft an den Rand einer Katastrophe gebrocht worden ist. Die Ab- wendung dieser Katastrophe macht jetzt ein Mehrfaches derjenigen Opfer erforderlich, die bei solidarischer Hilfeleistung gegenüber der Danatbank nötig gewesen wären. In dieser Situation verlangt der Zentralvorstand zum Schutze der unmittelbar bedrohten Angestellten der Danatbank, daß 1. die zum vchutzc der'Depositäre der Danatbank aus- gesprochene Rcichsgarantie in vollem Umfange auf die ver- traglichen Rechte und die sozialen Errungenschaften der Angestellten der Danatbank ausgedehnt wird: 2. auf das gewissenhafteste g e p r ü f t'w i r d, ob nicht die Danatbank nach Ueberwindung ihrer akuten Schwierigkeiten— eventuell unter Reichsbcteiligung— als selbständiges Institut er- halten bleiben kann. Darüber hinaus fordert der Zentralvorstand ein« Reihe von Maßnahmen zur Bereinigung der augenblicklichen Gesamtsituation. sofortige einschneidende Maßnahmen gegen Devisenhamsterei und Kopitalflucht, Aufhebung des Bankgeheimnisses und anderes mehr, und schließlich die sofortige Ausmerzung der in der Notverord- nung vom 5. Juni enthaltenen sozialen Ungerechtigkeiten. Konstiktgefahr im Maßschneidergewerbe 200 Anträge zur Lohnverschlechterung. Der Arbeitgcberverband für dos Maßfchneidere.ewerbe Hot den Reichstarifvcrtrag zum 31. Juli 1931 gekündigt, um neben der sechs- prozentigen Lohnsenkung ein« weitere Verschlechterung der Lohn- und Arbeitsbedingungen durchzusetzen. Der Reichstorifvertrag für die.Herren- und Damenschneider«! enthält die Lohngrundlage für die Stücklohn- und Zeitlohnarbeiter. Ohne den Stundenlohn, wie er im gesondert abgeschlossenen Lohnabkommen festgelegt ist, zu be- rühren, beabsichtigen die Unternehmer durch eine Veränderung der Lohnbasis eine Lohnkürzung von etwa 17 bis 20 Proz. Daneben sollen noch die sozialen Aesiitnmungen verschlechtert werden durch Vermehrung der zutässiAen Ueberftunden, Abschaffung der Feiertagsbezohlung bei Zcitlohnarbeitcrn und viel andere mehr. Die Arbeitgeber haben nicht weniger atz 2 SO A b ä n d e» runf, santrägc gestellt, von denen sich allein etwa ZOO auf die Lahnbestimmungen beziehen. Der Deutsche Bekleidung-arbeiterver« bqnd hat fhenfolls Abändcrungsanträge gestellt, die sich in erster Linie auf die Einführung der Bierzigstundenwoch«, Garantielohn und andere Lohnsicherungsbestimmungen beziehen. Für«ine Anzahl TarifpoMonen, die nachweisbar in der Akkordberechnung zu tief liegen, wird Erhöhune, beantragt. Obwohl eine ernste Durchberatung der beiderseitigen Antrage mindestens eine Woche in Anspruch nehmen dürste und beide Par» feien davon überzeugt sind, daß eine Verständigung in Par- teiverhandlungen unmöglich erscheint, hat der Arbeitgeberoer» band die Hinzuziehung eine? unparteiischen Kollegiums vorläufig abgelehnt. Er hat sich überhaupt bemuht, die Verhandlungen zu erschweren und zu- verschleppen. Die Kündigung läuft nun schon den dritten Monat. Nun sollen endlich die Parteiverhandlungen am 2. Juli in Eisenach beginnen. Der Arbeitgeberverband will offenbar aus taktischen Gründen über den Ablauftermin am 1. August hinau-kommen, um dann möoglichst freie Hand zu be- kommen. Di« zur Zeit 40 000 Beschäftigten in der Herren- und Domen- schneiderei werden sich aber keineswegs diktatorischen Abbaumatz- nahmen fügen. Die Organisationen werden gerade jetzt das Eni- weichen der tariffeindlichen Unternehmer aus vertraglicher Ge- bundenheit verhindern. Der Arbeitgeberverbano selbst hatte bei einer früheren Vertragserneuerung die Bestimmung herbeigeführt, daß Handlungsfreiheit erst dann besteht, wenn nach er- gebnizlosen Parteiverhandlungen nochmals vor einer zentralen Schied-stelle verhandelt worden ist. Immerhin bestehen im Bc- kleidugsgewerbe hartnäckige Auseinandersetzungen bevor. Es wird gut fein, wenn die Bekleidungsarbeiter ihre Augen offen halten. £ Der Reichsverbavd für das Schneidcrge werbe(Innungen) hat den Beitritt ocks Vertragskontrahent angemeldet und wird als Bevollmächtigter von 75 Innungen, in denen Arbeitgebergruppen gebildet find, an den Verhandlungen zum erstemnal teilnehmen. Betriebs- unöBeamten-Eisenbahnerräie Lhre Tätigkeit und ihre Forderungen. Die Vollversammlung der Betriebs- und Beamtenräte der Orts- gruppe Berlin im Einheitsverband der Eisenbahner Deuffchlands am 17. Juli nahm zuerst ein vorzügliches Referat des Genosse» Dr. L u ck o w über die Hoover-Aktion und die augenblicklich« politische und wirtschaftliche Lage entgegen. Hermann Schultz gab einen Rückblick über die Betriebsräte wählen und die Arbeit der Betriebs- und Beamtenräte im letzten Amtsjahr. In der Ortsgruppe Berlin erhielten die Listen des Einheitsverbandes wiederum die weit- aus größte Stimmenzahl, womit die Hoffnungen der Gegner, be- fonders der RGO., enttäuscht wurden. Die Abbaumaßnahmen sowie die Durchsichrung der Unfall« Verhütungsvorschriften geben den Betriebsvertrshmgen noch immer reichliche, wenn auch nicht immer dankbare Arbeit; ebenso die Beobachtungen der Dienstdauervorschriften und ihre Auswirkungen. M i e tz. vom Betriebsrat bei der RBD., berichtete über dessen Tätig- teit und erläuterte wichtige Verfügungen und Erlasse der Haupt- Verwaltung und der RBD. Lokführer Herold verbreitete sich über die Arbeitspraktiken im Bezirksbeamtenrot. Di« Tätigkeit des Ortsräteausschusf-s schildert« Schultz, der hauptsächlich Fragen der Petriebsrätsperordnung und des Tarifvertrages zu erledigen hatte. Der Ortsverwattung wurden 318 Be- tmbsraissitzungen und 165 Betriebsversammlungen gemeldet und zum größten Teil von Vertretern derselben beschickt. Außerdem wurden die Betriebsräte einzelner Gruppen zur Bearbeitung engerer Berussfragen zusammengezogen. Der örtliche Räteausschuß wurde neu gewählt. Ts gehören ihm außer einem Vertreter der O�tsverwakiung als Vertreter der Lohnempfänger Georg Mietz, Wilhelm Seidel und Willi Krüger, als Beamte Karl Schüler und Otto Pötschkc an. In einer Entschließung protestieren die Betriebs- und Beamtenräi« des Cinheitsverbandes der Eisenbahner, Ortsgruppe Berlin, gegen die fortlaufenden Belastungen der ärmsten und niedrigst entlohnten Klassen, der Lohnempfänger und Beamten, und verlangen eine dem Einkommen und dem Besitz entsprechende höher« Heranziehung der bessergestellten Kreise und dafür Entlastung der minderbemittelten Volksgenossen. Die Spitzenorganisationen, ADGB., ADV. und AsA-Bund werden aufgefordert, mit aller Energie darauf hinzuwirken, daß eine Abänderung der Notverordnung, besonders auf dem Gebiete der Sozialversicherung und der Arbeitslosenfürsorge erfolgt. Die Kür- zungen der mittleren und niedrigen Einkommen sollen unbedingt einer Nachprüfung unterzogen werden. Ferner soll von der Regierung die schleunigst« Aktion zu einer großzügigen Arbeitsbeschaffung in die Wege geleitet werden. Außerdem wird schärfste Handhabung der Maßnahmen gegen die Kapital- flucht und-verschiobung gefordert. Di« Versammelten erwarten, daß jedem Bestreben reattiouärer Kreise bei etwaigen Versuchen zur Machtergreifung im Staate mit allen Mitteln entgegengetreten wird und geloben, ihren ganzen Ein- fluß und ihre voll« Kraft einzusetzen, um die Spitzenorganisationen in diesem Kamps zu unterstützen und ihnen zum Erfotge zu verhelfen. Renteukürzung und Beitragserhöhung. In der Angestelltenpensionskasse der OReichsknappfchast. Die außerordentlich« Hauptversammlung der Angestellten- abteilung der Reichsknappschaft am 17. Juli in Ber- lin, die sich mit der Finanzlage der Pensionstasse und der Durchführung der Notverordnung beschäftigte, hat durch Aenderung der Satzung eine Reihe von Kürzungsmaßnahmen beschlossen. Die fchwerwiegendste davon ist die Verminderung der Ruhegelder, Witwen- und Waisenrenten der Ange- stelltenpenfionstasse um 10 Prozent mit Wirkung ab 1. Juli 19Zl. Im gleichen Ausmaße find diese Leistungen bereits ab 1. März gekürzt worden, so daß innerhalb von vier Mo- naten«in Rentenabbau um insgesamt 20 Pro- zent erfolgt ist. Trotz der«infchneideijden Rentenkürzung wurde noch der Beitrag mit sofortiger Wirkung um 0,6 Prozent h e r a u f g e f e tz t: der gesamte Pensionskassenbeitrag beträgt dem- nach jetzt 11 Prozent in jeder Gehaltsklasfe. Die Beschlüsse wurden mit den Stimmen der Unternehmer sowie der Angestelltenoertreter des GDA. und Gedog-R. d. B. gefaßt; die Vertreter des AfA-Bunde» hoben dagegen gestimmt. Der an- moi'goitislsi' im Rundfunk veramtaUet vom Arbeiter- Kultur- Kartell am Sonniap, dem 19. Juli, von 10,50 bb 11,50 Uhr „WIR SCHREITEN" Variationen über üas Themar Wann wir schreiten.... Dr. Herb. Marx Kammer.Sinfonieorchesrer, Dirigent Edvard Pendler(Erstaufführung) Ruf............................ Alfons Petrold Gedicht, gesprochen von Eva Gottgetreu Sc! Sonne in Nächten(Text von Max Qrünbaum)... Ernst U. Knorr (Aus dem Preisausschreiben des Soziatistischen Kulturbundes) Der junge Madriealkreis, Dirigent Walter Rhode Wir wollen neu die Welt erbauen.............. Max Parthel Anmarsch........................... Kurt Kläber Zwei Gedichte, gesprochen von Eva Gottgetreu Auf den StraHen zu singen(Text von David Weber).... Hanns Eisler Der junge Madrtgalkreis „Im Schritt geh mit!'* Ansprache, Felix Stössinger Andante cön tnoto, opus 6................... Josef Sur Kammer-Sinfonieorchester, Dirigent Edvard Pendler Arbeiterlied......................... Josef Luitpold Die jungen Arbeiter...................... Kar) Brdger Zwei Ged-chte, gesprochen von Eva Gottgetreu Arbeitermarsch(Text von Björnson)............. Armin Knab Wann wir schreiten(Text von Herrn. Claudius)........ M. Englert Der junge Madrigalkreis wesende Regierungsvertreter erklärte, daß der Reichsarbeitsminister die Beschlüsse genehmigen würde. Der Vorgong in der Angestelltenpensionskasse zeigt mit er- schreckender Klarheit, daß die ungünstigen Wirkungen der Rationa« lisierung und Wirtschaftskrise im Bergbau, sowie die Unzulänglich- keilen der Notverordnung restlos auf die Arbeiterschaft abgewälzt werden. Die Großpensionen bleiben u n- angetastet, aber die Sozialrenten werden in uner- härter Weise gekürzt. Für diese gibt es keine juristischen Bedenken. Die RGO. im Aschinger-Konzern. Sie verrät iste Interessen der Delegfchast. „Tadeln ist leichter, als besser machen!" Das mußten zu ihrem Leidwesen die Leutchen von der RGO. erkennen, nachdem sie infolge einer maßlos demagogischen Hetze bei den Wahlen zum Betriebs- rat bei Aschinger immerhin einen gewissen Erfolg erzielt hatten. Denn wer z. B., wie es der Fall gewesen ist, den Küchenmädchen predigt:„Wollt Ihr besseres Essen haben, dann müßt Ihr RGO. wählen!" der muß dann auch einmal zeigen, was er leisten kann, wenn er auf der RGO.-Liste gewählt ist. Run hatte der Zentralverband der Hotel-, Restaurant- und Easc-Angestellten am Mittwoch nach dem Hackeschen Hof die Aschinger-Belegschaft zu einer Versammlung eingeladen, die Über Erwarten stark besucht war. Der Berliner Bevollmächtigte des Zeniraloerbande», Genosse Schneider, hielt fürchterlich Ab- rechnung. Unter jubelnder Zustimmung der Versammelten sagte Schneider:„Entweder sind die aus der Liste der RGO. gewählten Vertreter zu dumm, um im Betriebsrat die Rechte ihrer Wähler zu verteidigen, oder sie sind böswillig, weil sie nichts Bessere« zu tun wissen, als den Parolen der KPD. zu folgen." Von den verschiedenen Dummheiten, die auf das Konto der RGO.-Leut« gehen, fei hier nur die«in« erwähnt, die denn auch dem Faß den Boden ausschlug und die Veranlassung zu der Ver- sammlung bot: der Vorsitzende des Betriebsrat» hotte der Direktion zugestanden, daß dem Personal sechs. Tage Lohn«inbe» halten werden, anstatt des im Tarifvertrag vorgesehenen einen Tages! Dozif sollt« der Zentral-Berband als Tarif kontrahent feine Zpstimmtzng geben. Er hat es natürlich nicht getan, und die An- gesteiften de» ffschinger-Konzerns haben den einbehaltenen Lohn ausgezahlt erhalten. Die RGO. aber ist gerichtet. Lohnabbau in Rew Uork. Verkehrsgasellschasteu an ver Gpihe. New Hort. 18. Juli.(Eigenbericht.) Die New-Porker Verkehrsgefellschaften haben starke Lohnkürzungen und zugleich neue erschwerte Arbeit,- bedingungen für ihr Personal beschlossen. Di« durch die Lohn- reduzierungen hervorgerufenen Ersparnisse werden aus 750 000 Dollar beziffert. Die Eisenbahnkonzerne kündigen gleichfalls starke Lohnreduzierungen an. Di« Arbeiterschaft ist durch die Maßnahmen der Lerkehrsgesell- schaffen außerordentlich beunruhigt. E» sind Streiks zu befürchten. Die provisorische Regierung Ealaloaiens unter der Führung von Oberst Marcia hat einen Erlaß herausgegeben, worin bestimmt wird, daß nur die H a s« n a r b e i t e r in Barce- lona Arbeit bekommen, die im Besitz eines Mitgliedsausweises der syndikalistischen Föderation sind, d. h. einer Organisation, die bisher bedeutend weniger Einfluß unter den Hafenarbeitern hatte als die, die den Beitritt zum spanischen Gcwerkschastsbund beschlossen hat. Iugendgruppe des ZenirolverbondeS der Angestellten Mocg.'it. Siontop, finden folacnbc Seeanftndunsen statt: Oebbtng: Juzeybheim Turiner Site Scestrage. AusIPracheabenb:»Was geht in her Politt! vor?". Seiter: Hol».— Ättg: Stäb tische» Zugend he im(Rathauo). Att»üprad>e:„Togrspolittsche Rundschau", Ref.: Buuzes.— Wetheviee: Zugeitb- heim Pislvrtusstt. St. Mr lesen proletarische Dichtungen.— Urba«: Zugend- heim Habrecht, Sech iSarcherftroße. Politische(Satire(Abend eigener Aus» gesialwng).— Spiele im Freie» ab lg Uhr auf dem Donrinirus�pielplah in (önebcrg. Sozialistische Arbeiterjugend Groß- Berlin . M, ncr- fiorb unjet langjähriger Kollege und Reoisor Holnrlch Königs im 72. Lebenijahr. Ehre seinem Andenkeit. oop vorstand. Die EitMchetung findet am Montag. dem 20. d. M. nachm. 5 Uhr, im Krematorium Baumschuienweg statt. Dsntsäer Kgläliartieitef-ftM| Vervaltangsatelle Berlin Todesanzeige. Den Mitgliedern tut Nachricht, daß unier Kollsge, der Klempner KllLtsv LSodeodsgell geb. 12. Januar 1663, am 16. Juli gestorben ist Ehre seinem Andenken! Die Einäscherung findet am Dien», tag. dem Z>. Juli. Ii'/, Uhr, im Ate- maiorium Baumschulenmeg statt. Rege Beteiligung wird erwartet. via OrlsTerwaUnng. Von der Reise surlluk! Dr. Moeller OnneUerstr. BS. DankMasane Für die überaus herzliche Teilnahme beim Ainscheiden unserer un- vergeßlichen Tochter imsreie stopsacR lagen wir ans diesem Wege unseren hetziichsten Dank Eodwig Sloptaek and Frsa Neurann, Eidestr. 16, Zill dt« Deweiss herzlicher Teil- nähme dehn Hinscheiden meine» lieben Mannt» Kicbar«! Wulf! dankt herzlich EUisbeth Wnltf. Ciichen! nur Küchen Himmel Schönhauser Tor Gesehanke von bleibendem Wert sind billig ä früher Leipziger StraBo 97 8. Gosshart GfOtföSnk'SdtStkS luweteo, Uhren, Gold- u. Silberwaren""«r iMWloll«s.Z7 U Er. 333* 45. Jahrgang 4. Beilage des Vorwärts Sonntag, 49. Iuli 4934 Smil SSönnelydte: Stil Der tahltöpsige Assistent, der Vorstand des Wagenvcrteilungs- kontores war, hob den Kopf vom Schrcibpult, als ein hoher, junger Mann mit feingebürstetem Zylinder und in elegantem, schwarzem Mantel zur Türe hercintrot. Der Assistent erhob sich unwillkürlich.(5r meinte, das müßte irgendeine hochstehende Persönlichkeit sein, vielleicht ein Gesandtschaftssckretär oder ein Ministcrialbcamter, der sich in irgendeiner Angelegenheit hier im Kontor einfand. Der junge Mann trat an die Schranke, und mit einer untodel- basten Bewegung lüftete er den Zylinder und stellt« ihn mit dem lliand noch oben hin. Sein Gesicht war schmal, fein, fast blutlos. Der Mund schmal, energisch, zielbewußt, die Augen lebendig und intelligent. Das volle schwarze Haar war vielleicht ein wenig zu pomadisiert. Er sah wie ein vollkommener Weltmann aus. „Verzeihung", wogte der Assistent zu bemerken, indem er, um genau so würdig wie der Fremde auftreten zu können, die tinten- lvefleckien Finger auf dem Rücken des dünngeschlissenen Kontorjakctts verbarg,„womit kann ich dienen?" „Ich würde gern um ein Exemplar der Zugliste für die vorige Woche bitten." „Die Zugliste?" wiederholte der Assistent, als oerstünde er nicht recht.„Fahrtvcrteilung der Lokomotiven?" „Ja, bitte", antwortet« der junge Mann. „Ja... ja aber..." stotterte der Kontorvorstand,„mit... mit wem Hab ich die Ehre?" „iheizer 238 Blumenhöj. Ich fahre Eilzugtouren, mit dem alten Lokomotivführer Bölling." Der Vorstand des Wagenverteilungskontores wäre vor Er- staunen fast in die Erde gesunken. „Oh... Sie... Sie sind cheizer?" „Ja", antwortete Blumenhöj und blickte den Assistenten fragend an. „Ja... ja... ich will die Liste heraussuchen... bitte schön... ein Exemplar der... Zugliste sür... für vorige Wach«..." Er blickte den jungen Mann genau an. Er konnte sich von seinem Erstaunen nicht erholen. „Ra... das ist also Heizer 238 Blumenhöj?" „Jawohl, Herr Assistent", antwortete der jung« Mann mit fast militärischer Höflichkeit und Präzision. Die Rollen waren plötzlich vertauscht... Blumenhöj nahm die Zugliste, faltete sie sorgfältig zusammen, zog ein rote» Lederetui aus der Brusttafchc und steckte die Liste in eine» der Fächer. Dann verbeugte er sich leicht, setzt« den Zylinder auf den feinen, frisierten Kopf und verließ mit einem kurzen„Guten Tag" das Kontor. Das war also Heizer 238 Blumenhöj, neulich von Aarhus nach Kopenhagen versetzt, bisher Güterzugstouren, nun in, Nachteilzug- dienst beschäftigt, Mitglied des Hauptoorftandes der liberalen Linkspartei, eifriger Eisenbahnmann, werdender Politiker, glänzender Redner, Mitglied des Lokomotivmannschaftsausschusscs, ein voll- �omnrener Gentleman, der, ohne an feinen Talenten zu zweifeln, sich anscheinend hohe..Lcben»ziele gesetzt hatte. War das Heizer..Blymep- höj? vielleicht zukünfligcr Abgeordneter? Mitglied des Finanzous- schusses? und vielleicht einst Mitglied des Ministeriums? Wer wußte, ob nicht eben der zukünftige Verkehrsminister des Landes da eben aus der Türe gegangen war?... Wie elegant er war! Ein Weltmann im wahrsten Sinne des Wortes. Seine Augen leuchteten gradezu vor Weitblick, Begabung und hohen Zielen. Die Augen blickten weit über den Kessel und die Vcntilkästcn der Lokomotive hinaus! Sie blickten über die Well! Kurz« Zeit darauf kam der Assistent in irgendeiner Angelegen- heit in den Lokomotivschuppen und sah Blumenhöj zufällig in einer ganz anderen Situation. Er kniete vor den großen Trcibrädern einer R-Maschine und schmierte die Pleuelstangen. „Guten Tag, Blumenhöj", sagte der Assistent. „Guten Tag." Eine ganz andere Figur, dachte der Assistent. Niedergeschlagen, einsam, klein, fast hilflos, fand er. So verändert kam Blumenhöj' dem Zlssiftenten vor, daß er aus lauter Neugierde einen der Nachtheizer fragte, der im Lampenraum stand und die Lokomotiv- lampen prüfte, was denn mit Heizer Blumenhöj los wäre. „Ach, so hat er die letzte Zeit immer ausgesehen", antwortete der Nachtheizer.„Man sagt Liebeskummer. Er ist unglücklich verliebt, der arme Bursche. Er soll in die Tochter eines feinen Mannes in Aarhus verliebt sein, wo er früher war. Doch sie können sich nicht kriegen. Denn sehen Sie, Blumenhöj ist ja bloß Heizer, und er ist nicht fein genug, verstehen Sie..." Es stand wirklich schlecht um Blumenhöj. Der alte Lokomotiv- führer Bölling fand auch, daß sein Heizer all den Glanz verloren hatte, er war in seinem Anzug nicht mehr so peinlich wie sonst. Bölling fand, daß auch Blumenhöjs Interesse für seine politische Karriere� nachgelassen hatte. Und das war ihm ganz und gar nicht ähnlich. Er mußte ja ein andrer geworden sein. Er mußte ja krank sein. Er mußte krank sein vor Liebe zu der Reichen- Monns-Tochter in Aarhus, die er anscheinend nicht bekommen konnte. Er sah schlecht aus. Sein schmales, feines Gesicht war schmaler geworden und spitz. Er geht ja vor die Hunde, dachte Bölling. Der alte Lokomotivführer erfuhr durch einen Kollegen aus Aarhus, daß sie Elsie von Sten hieß. Elsie von Sten? wieder- holte Bölling vor sich hin, das klingt vornehm. Natürlich muß Blumenhöjs Zukünftige so etwas mordsfeines heißen. Das paßt akkurat zu ihm. Ja, Herrgott! Nun hatte er sein 5?erz an Elsie von Sten verloren. Da war nichts dagegen zu machen. Tragisch war bloß, daß er sie nicht bekommen konnte. Eine Zeit verging, und Bölling kam es vor, als könnte man eine Besserung in Blumenhöjs Befinden spüren. Würde er sie dennoch kriegen? Bestand vielleicht eine Möglichkeit, daß er und Elsie von Sten sich kriegten? Blumenhöj begann wieder, unauf- gefordert von seinen politischen Interessen zu sprechen. Er kam wieder zu sich, und im Laufe von kurzer Zeit tauchte der elegante Weltmann in 5)eizcr 238 Blumenhöj wieder auf. Er wurde gleich- sam übermütig. Er wurde hochnäsig. Er schien die ganze Welt beherrschen zu wollen und sprach von seinen Zukunftsplanen als Politiker... Teufel nochmal! dachte Bölling, er hat wohl Wind in die Segel bekommen, von Elsie von Sten... Seine alte Sicherheit kehrte zurück. Er war wieder vollkommen 5)err über sich und schwang mit ritterlicher Geste den Zylinder, wenn er Freunde und Kollegen auf der Straße traf. Teufel nochmal! dachte Bölling, nichts auf der Welt kann ihm die Fußfeste rauben, er steht, wo er steht! Eines Abends, als sie vor Abgang in H. hielten, um den Nachtexprcß zu fahren, war Blumenhöj in feiner Selbstsicherheit und im Gefühl seiner eigenen zukünftigen Bedeutung geradezu komisch. Bölling war es ein bißchen unbehaglich, daß sein Heizer ein so sympathischer junger Mann war, mit guten Manieren, viel zu guten Manieren. Er paßte eigentlich gar nicht in den Lokomotiv- leutestand. Was sollte denn das heißen: mit einer Schaufel Kohle in der Hand vor dem Feuer stehen und über Aesthetik und Lite- ratur und Michelangelo sprechen? Wer war dieser Michelangelo eigentlich? Na, dos war der Maler, der alte, aus Italien, dachte Bölling und öffnete für den Dampf, daß die Lokomotive vor Kraft und Lust, schnell zu fahren, sich geradezu bäumte... „Ich meine, daß die Liberalen bei der nächsten Wahl Fort- schritte machen werden", rief Blumenhöj durch den Lärm und schüt- telte eine gewaltige Schaufel Kohle über das knisternde, weiße Feuer. „Sooh— meinen Sie das?" antwortete Bölling uninteressiert und blickte fest geradeaus nach den Signalen. „Ja, das meine ich, Meister." „Sooh? Sooh? Na, das glauben Sie!" unterbrach ihn Böl- ling und fügte hinzu:„Hoben wir genug Wasser im Tender?" „Ja, wir kommen aus... Ja, mit der Tatsache müssen wir rechnen... Wenn das Ministerium den Standpunkt der Rechten." „Possen Sic auf die Signale auf!" brüllte Bölling durch den Lärm. Zwei grüne Signale sausten vorbei. Der Expreßzug donnerte durch eine nachtstille Station. Er ist größenwahnsinnig, dachte Bölling. Er kennt die Minister und die Politiker. Er endet vielleicht auch mal als etwas sehr Großes... „Solange die Regierung durch eine kluge Politik sich die Mehrheit dos Reichstages erhält", fuhr Blumenhöj fort und er- griff die Kohlcnschaufeln,„ist die Opposition infolge der Verfassung machtlos." Ist denn der Teufel in ihn gefahren? murmelte Bölling vor sich hin. Er endet noch als Staatsministcr. Nichts in der Welt kann ihn aus dem Gleichgewicht bringen. Er spricht, als beherrschte er die ganze Welt. Er scheint dazu geboren zu sein, das Ruder des Staatsschiffes in der Hand zu halten. Oder er ist vollkommen verrückt. Der Zug eilte durch die Nacht, brauste über die Schienen, bohrte die keilförmige Rauchkammcrtür wie einen Pflug durch das Dunkel. Dicht über den Schienen leuchtete der'•Feuirkosten von tausend Glitten und Funken, die durch das' Schütteln der Lolo- motive durch den Rost hinabficlen. Die Räder wirbelten über die schweren, blanken Schienen, die das einzige waren, was man in der pechschwarzen Nacht vom Bahnkörper sehen konnte. Plötzlich er- klang von den Ventilen ein Zischen, als wäre da vorne etwas zer- fprungen... „Wir verlieren Dampf", rief Bölling, als er sah, wie weiße Dampfwolken das Führerhaus und die Scheiben bedeckten.„Blumen- höj!" fuhr er fast kommandierend fort,„Sie müssen die Ventile schließen!" Der Heizer legte die Schaufel von sich. „Ja aber... soll ich..." Er schwieg und blickte den Führer an. „Ja!" rief Bölling,„Sie müssen die Ventile anziehen und schließen. Sie sind irgendwie undicht geworden. Bevor Sie hinaus- gehen, will ich Ihnen bloß sagen, daß wir neunzig Kilometer fahren... Sie verstehen..." „Jawohl, Meister", sagte Blumenhöj keck.„All right, ich werde das schon machen." Der Heizer stieg hinaus auf die Lokomotive. Bölling ließ den Regulator einen'Augenblick los und sprang auf die Seite hin- über, wo Blumenhöj verschwunden war. „Halten Sic sich gut fest!" brüllte Bölling aus vollen Lungen zum Schornstein vor. Ein fernes„Jawohl!" klang zurück. Der Lokomotivführer stellte sich wieder auf seinen Posten. Blumenhöj hatte ein paar schnelle Schritte vom Führcrhaus über die Radkästen gemacht. Er griff sicher mit den Händen vor sich. Er genoß seine Sicherheit und Bcherrschthcit, seine„stähler- nen" Nerven. Ihm war zumute, als herrschte er über die ganze Welt. Die Nentile würde er schon schnell kriegen! Das war für ihn eine Kleinigkeit. Der Luftdruck drückte ihn vom Kessel weg. Die gewaltige Ge- schwindigkeit brachte einen Sturm in seine Kleider. Ueber einem der großen Räder, das wie eine wahnwitzige Stahltrommel unter ihm wirbelte und raste, stand er einen Augenblick still. Er mußte oll seine Kraft zusammennehmen, um sich bloß festzuhalten, sich bloß festzuhalten, vorwärts zu kommen und sich festzuhalten. Er war doch die Sicherheit selber, nicht? Er war ja ein Weltmann... Plötzlich überkam ihn eine Schwache, ein seltsam weiches Ge- fühl... eine seltsam süße Enipsindung... Was war dos?... Ganz gegen seinen Willen dachte er an sie... Elsie von Sten.., Weshalb kam ihm dieser Gedanke an sie? Grade in dieser Sekunde der Gefahr? „Ich fürchte so, daß du mich nicht.. Ein Saugen und Stoßen in der Lokomotive. Der Expreß- zug rückte in eine Kurve. Die Lokomtive schlingerte über Weichen. Der Wind erfaßte ihn. Fegte ihn über Bord wie ein Blatt von einem Baum... Er verschwand im Dunkel... „Blumenhöj! Blumenhöj!" brüllte Bölling, der über das long« Ausbleiben des Heizers Unrat witterte.„Wo bleiben Sic denn, Mensch? Wo bleiben Sie denn?" Nur dos Hämmern der Räder antwortete ihm. Er fuhr ans Fenster und starrte hinaus. Zurück zur Segeltuchtüre. „Blumenhöj! Blumenhöj!" Cr sprang an die Signalflöt« und stieß acht-, neunmal das Signal aus. Er schlug die Vakuumbremse nieder, daß die Loko- motive auf den Schienen zitterte, als wollte sie aus der Spur springen. Der Zug hielt. Das Zugpersonal kam gelaufen. „Zurück! Zurück!" rief Bölling,„mein Heizer ist vdn der Maschine gefallen!" „Wo? Wo?" fragte der Zugführer. „Was weiß ich? Er ist verschwunden! Zurück! Zurück!" � Der Zug. rstckf.« an. Langsanz wie. ein�eichenzug Sie fanden ihn im Gras, auf der Böschung liegen... Er mar bei Bewußtsein, doch er lächelte so fern in Böllings 5)ondlatcrne. Heizer 238 Blumenhöj hatte bloß eine Gehirnerschütterung de- kommen. Nach einem kurzen Krankenlager überwand er sie. Er verheiratete sich mit Elsie von Sten an dem Tag, nachdem er Abgeordneter wurde. Und jetzt ist er Verkehrsminister. (Einzige, berechtigte Uebersechung aus bem Dänischen von Atolf Kobitzsch.) Jlui Orchideeniagd im llrirahl Ein französischer Forscher, der tief in den brasilianischen Urwald eingedrungen war, stieß unvermittelt auf eine kleine Hütte in einer Lichtung, die ihm bewohnt zu sein schien. Da es ihm nicht in den Kopf wollte, welcher Sonderling hier mitten im Urwald seine Lager- stätte aufgeschlagen habe, beschloß er, bis zum Abend zu warten, um zu sehen, wer sich als Bewohner dieser Hütte wohl einfinden werde. Seine Geduld wurde auch belohnt. Knapp vor Sonnenuntergang wurde die Gestalt eines breitschultrigen Mannes sichtbar, der seine Gäste mit unverhohlener Freude begrüßte und bereitwilligst Aus- kunft über sein Verweilen hier im feindlichen Urwalde gab. Er sei, so erzählte er lachend seinen erstaunten und ungläubigen Gästen, ein Jäger. Aber nicht ein Jäger aus lebendes Wild, auf Jaguare etwa oder Affen, sondern Jäger auf Blumen, und zwar auf Orchideen. Aber, wurde ihm ungläubig entgegengehalten, wo haben Sie denn ihre Orchideen? Wir sehen sie ja gar nicht. Stecken Sie sie denn ins Knopfloch? Lächelnd wies der seltsame Mann auf eine kleine hölzerne Trommel und öffnete sie. Kleine Knöllchcn kamen zum Vorschein, vorsichtig in faules Laub und Moos eingepackt. Das hier sind meine Orchideen. Die Blumen selbst würde ich nie mehr frisch zurückbringen, wenn ich sie gepflückt habe. Diese Knolle hier hingegen hält sich bei richtiger Behandlung mehrere Jahre lang keimfähig. Es gibt eigentlich nur ein einziges Unternehmen in der Welt, das Orchidcenjäger in seinen Diensten hat. Das ist eine Londoner Firma. Ihr Besitzer ist einer der berühmtesten Orchidecnzüchtcr der Welt und unterhält einen Handel fast über die ganze Erde. Sie glauben wahrscheinlich gar nicht, wie reich man durch Orchideenzucht werden kann! Die Wahrheit aber ist, daß einzelne seltene Exemplare bis zu tausend Pfund und darüber kosten. Teils sind es bei diesen ganz seltenen Orchideen solche, die man durch langwierige Züchtung acwonnen oder solche, die Orchidcenjäger wie ich im Urwald ent- deckten. Die Geschichte ist wahr. Es gibt tatsächlich eine ganze Anzahl Orchidcenjäger und man darf ruhig glauben, daß der Beruf eines solchen Jägers zwar recht interessant und zumindest ungewöhnlich. daß er aber auf der anderen Seite auch nicht ganz ungefährlich ist. Zahllos sind die Gefahren des südamerikanischen Urwaldes und oft ereignet es sich, daß der Jäger auf Orchideen plötzlich auf ganz anderes Wild stößt, auf das er eiAentlich gar nicht Jagd machen wollte. Nicht minder interessant, wenngleich auch etwas weniger gefohrenrcich ist der Beruf eines Kaktecnjägers, Kakteenjägcr gibt es beileibe nicht nur in Mexiko, wie man anzunehmen geneigt ist. Zahlreiche Südseeinseln, besonders solche, die wasserarm sind und recht viel direkte Sonnenglut erhalten, sind nicht minder das Ziel dieser Jäger. Auch ein Kakteenjäger denkt natürlich gar nicht daran, etwa einen mannesgroßen Kaktus init Stumpf und Stiel auszu» graben und seinem Auftraggeber mitzubringen. Er wird vielmehr kunstgerecht einen kleinen Ableger ablösen und diesen vorsichtig mit. Erde in einer Botanisicrtrommel verwahren. Der Hauptabnehmer für teure und seltene Kakteen ist eigentümlicherweise nicht Europa, sondern Japan. Ein Jäger anderer Art ist der Schmctterlingsjägcr, der auf der südlichen Halbkugel hundertfach vertreten ist. Es muß zweifellos einen äußerst komischen Anblick gewähren, wenn man irgendwo im Urwald einem tief in seine seltsame Jagd versunkenen Mann mit einem Schmetterlingsnetz begegnet. Aber auch diese Jagd ist nicht nur komisch, sondern auch gefährlich. Gefährlich vor ollem für die Gesundheit. Die schönsten und herrlichsten Schmetterlinge gedeihen in sumpfigen Gegenden. Wo Sumpf in den Tropen ist, da gedeiht auch das Fieber. Vielleicht die herrlichsten und farbenprächtigsten Schmetterlinge der Welt findet man in Guyana, und zwar im franzö- sischen Teil, der bekanntlich das Bagno für Schwerverbrecher enthält. Auch die Bagnosträflinge, die im Freien arbeiten, betreiben mit Vor- liebe im Nebenberuf den Schmetterlingsfang und verschaffen sich so einen willkommenen Nebenverdienst. Freilich erhalten sie durch ge- wissenlosc Händler nur«inen Bruchteil des Wertes ausbezahlt. SchOR Sparmarirta •iR« lltlehirtt«« ptetkOTj Cfstis \PEUttEHCOLD Packung 50 w* WERTIGE y-. 1>25 ftli. sma mtng: Jenny&rinm Wer diese Jenny ist, die einen Prinzen entführt hat? Nun, Jenny ist einer der berühmtesten Zirkus-Arbeitselefanten, der, von Besitzer zu Besitzer wechselnd, bereits über die ganze Erde gegangen ist. Ein jeder vom Bau kennt Jenny. Wenn ein Elefantenkutscher seine Stellung wechselt und kommt in einen Stall, in dem Jenny stcht; dann empfindet er herzliche Freude. Weil er sich aber, sobald er Jenny nur sieht, einbildet, er habe Glück, beachtet er zu seinem eigenen Vorteil alle die großen Vorgänge und die kleinen Zufällig- leiten, die für ihn Glück bedeuten. Jenny tampftc im Weltkrieg auf deutscher Seite. Im Argonner- wald bekam sie einen Schuß und seitdem ist sie rüssellahm. Sie kann den Rüssel nicht mehr hochheben, sie kann ihn nur noch hin- und hcrschlcnkcrn. Ein rüssellahmcr Elefant gilt im Zirkus nicht viel, jedoch wer die Rllssellahmhcit Jenny zum Vorwurf machen würde, der hätte es im selben Augenblick mit allen Zirkusmenschen ollergründlichst verdorben. Zur Zeit amtiert Jenny beim Zirkus Straßburgcr. Und wie die neunzigjährige Jenny den Prinz ent- führte, das sei hier erzählt. Ein Reigen kleiner Glühbirnen überstrahlt das Viermastenzelt, das auf dem Marktplatz der Stadt steht. Im Zelt erlebt eine große Menschenmenge ein Zirkuswunder nach dem andern, der Widerhall des Beifallklatschens erfüllt den ganzen Markt und hier draußen rattert schon ein Wagen nach dem andern über das Kopfsteinpslaster. Die nur für die Schau mitgeführten Tiere, die Affen, die Hyänen und die Pelikane sind bereits unterwegs nach der Rampe, die Braunbären und die Löwen, die als Nr. 1 und Nr. 2 des Pro- gramms arbeiteten, sind auch schon verpackt und jetzt werden gerade die einzelnen Teile des Tunnels und des Zcntralkäfigs in den dazu mitgeführtcn Packwagen geschoben. In all diesem Trubel steht, für Laicnaugen scheinbar uninteressiert, der Koloß Jenny. Sie steht allein, doch weiß sie ohne weiteres, wo sie vonnötcn ist. Sind die schweren Zugpferde vor einen Wagen gespannt und das Kommando Hühott erklingt, dann stemmt Jenny den Kopf hinten gegen den Wagen und schiebt ihn den Pferden auf die Hacken. Dadurch geht es vorwärts, als sei es so gar nichts, einen schweren Wagen heraus- zubringen. Stöhnt ein Traktor vor dem Wagen, kümmert sich Jenny nicht darum und leistet höchstens Schicbcrdienste, wenn die Maschine sich gar zu sehr krümmt und die Last hörbar und sichtbar Maschinen- kraft übersteigt. Doch ist Jennys Hilfe einem Traktor gegenüber nicht gor so selbstverständlich, sie erfolgt erst aus wiederholtes Zu- reden. Doch es hat nicht geregnet und man geht von einem Kopf- steiupflasterplatz weg, Jenny braucht nur einem Traktor zu Hilfe zu kommen. Doch, was ist das, Jenny wird nachgerade nervös. Die Zug- pfcrde und die Elefanten sind eingeschirrt und gehen nach der Bahn und Jenny steht hier, als sei sie eine zerbrechliche Nippfigur, als ob man sie gar nicht gebrauche. Das ist direkt«ine brüske Bcleidi- gung. Jenny hat in ihrem langen Leben bisher noch jeden Wagen aus dem Dreck geholt und jeden noch so unsicheren Elefanten nach der Bahn gebracht. Wagen auf Wagen rollt ab und Jenny steht allein, das Zelt liegt bereits auf der Erde, die Luftturner, die doch die letzten Artisten vom Platz sind, verpacken bereits ihre Apparate und Jenny steht noch allein. Was weiß sie davon, daß Herrchen heute von einem Automobil angefahren wurde und in einem Krankenhaus liegt und im Zirkus niemand gerne an ein fremdes Tier geht. Alle lieben sie Jenny, aber sie ist für sie das fremde Tier. Jeder Kutscher arbeitet mit seinem Elefanten, den er besonders gut kennt. Jenny hebt das Vorderbein, bildet die lebende Brücke und bettelt förmlich, es möge doch endlich jemand aufsteigen. Zu schieben gibts nichts mehr, nun will sie weggeritten werden, um ihre Arbeit auf der Bahn zu erledigen. Keiner kommt. Energisch hält sie Umschau. Da entdeckt sie Prinz, den Tigerschecken. Er ist ein Tscherkessenpfcrd, wird stets von Herrchen selbst nach der Bahn gebracht und der Tscherkeß ist jetzt eben von ihm gegangen, well er sich noch schnell die Hände waschen will. Doch Prinz hat das falsch aufgefaßt, er scharrt mit dem rechten Vorderfuß, die Augen kugeln ihm vor Angst fast aus dem Kopf und mit den Ohren telegraphiert er andauernd: „Jenny, sie vergessen uns, Jenny, sie vergessen uns." Da hat Jenny Mitleid mit der Jammergestalt. Sie reiht den angebundenen Prinz los und nimmt auch noch ein ziemliches Stück von der Zelkleinwand mit, die den Prmz wie eine Riesendeck« wn* wallt. Doch als Tscherkessenpferd.ist er es ja gewöhnt, daß der. Reiter immer in den unmöglichsten Stellungen an ihm baumelt, also behindert ihn die Zellleinwand durchaus nicht. Dann geht Jenny mit Prinz den gleichen Weg nach der Bahn, den sie bei An- kunft des Zirkusses gemacht haben. Diesen Weg kennen sie beide und sie landen ohne Umweg auf der Bahnrampe. Die liegt in Toten- stille da. Kein Wunder, Jenny hat ja nicht nach dem Rechten gesehen. Dann beginnt es furchtbar zu regnen, das imponiert den beiden nicht-, denn Prinz steht unter dem Riesenregenmantel von Zelt- leinewand fein zugedeckt, wie sich das für ein wertvolles Zirkus- pferd gehört und Jenny nimmt ein erfrischendes Bad. Sie rühren sich nicht, sie stehen wie für ein Denkmal gegossen. In der Stadt wird es inzwischen lebendig. Die Zirkusleute vermissen Jenny und Prinz. Es kommt Unruhe über die Straßen. Ein Elefant und ein Tigerscheck sind verschwunden. Und da man in der Stadt sehr wenig von Pferden versteht, wird aus dem braven Tscherkessenpferd ein entflohener Tiger und das schußbereite Ueber- fallkommando rast bei voller Scheinwerferbeleuchtung durch die nächtlichen Gossen und weckt verschlafene Bürger. Auf einmal schreit ein Elefantenkutscher:„Sagt mal, sind wir eigentlich auf derselben Bahnrampe angekommen?"„Nein, ist die Antwort. Da springt er im selben Augenblick in ein Automobil, brüllt:„Nach dem anderen Bahnhof!" und der Chauffeur saust los. Und da stehen auf der menschenleeren, düsteren Bahnrampe. eng aneinandergelchnt und leicht schlummernd— Jenny und Prinz. ffiörfenkrach im JtUertum Alles ist schon dagewesen— auch die Schwierigkeiten, mit denen Deutschland zur Zeit zu kämpfen hat. Börsenkrachs und Preisstürze hat es schon in uralter Zeit gegeben, und ein Moratorium ist sogar im ältesten Gesetzbuch der Welt, dem Hammurabis, ausdrücklich erwähnt und geregelt. Der Artikel 48 dieses Gesetzbuches lautet: „Wenn jemand eine vcrzinsbare Schuld hat, und ein Unwetter sein Feld verwüstet, oder eine Ernte vernichtet wird, oder wegen Wasser- mongcl Getreide auf dem Feld nicht wächst: so soll er in diesem Jahr dem Gläubiger kein Getreide geben, seine Schuldtafel im Wasser aufweichen und Zinsen für dieses Jahr nicht zahlen." Geld- und Kreditwesen sind ebenso schon in den frühesten Zeiten bekannt, von denen die geschichtliche Ueberlieferung berichtet: am Nil und zwischen Euphrat und Tigris blühten ja damals mächtige Reiche von hoher Kultur, von der wir immer wieder aus archäolo- gischen Funden erfahren. Im ptolemäischen Aegypten gab es bereits einen regelrechten Kupferkrach. Während das Verhältnis Silber: Gold schon damals 1: 15i-s war, eine Relation, die noch bis in die neuere Zeit hinein bestanden hat, hatte der Kupferwert ein anderes Schicksal. Zu Beginn der Ptolemäerzeit war das Wertver- hältnis Silber: Kupfer wie 120: 1. Wenige Jahrzehnte später sank 0. 5. Heinrich: UMiUernachlsSonne vor 3£ammerfeU An Bord des„Erling Jarl". In fünfzehn Stunden hotte sich das Lofotendampferchen glück- lich von N a r v i k nach S v o l v a e r durchgeschäukelt. Es gab bleiche Gesichter an Bord, obendrein eine kostbare Nachspeise zu Mittag Man ißt aber mit gemischtem Geschmack. Wenn dann noch einer erzählt, er wisse ein Allheilmittel gegen das Magen- gespenst, Hot er gespannte Aufmerksamkeit zu erwarten:„Man nehme ein Stück weichen Specks, tauche es an einem Bindfaden in Maschinenöl, schlucke es hinunter und ziehe es dann longsam wieder heraus..." Das Ungeheuer, das so etwas(in solcher Situation!) zu er- zählen wagte, war ein Rechtsanwalt ans Danzig. Beinahe hätte er mich strafverteidigcn müssen: ich traue nämlich Rechtsanwälten auch zu, für die Unschuld ihrer eigenen Mörder einzutreten, wenn sie der Himmel für die Zeit des Prozesses beurlaubt. ».» Svalvaer riecht vom Anfang bis zum Ende nach Klippfisch, was sogar dem Appetitgleichgewicht des panikerregendcn Juristen einen merklichen Stoß versetzte.(Das war eine Freude!) Steinhart hängen die Fische zu Tausenden an Holzgerüsten. Ihre Köpfe liegen einige Meter abseits in Haufen vor den Fischerhütten. Der Firma Johann Maria Farina in Köln empfehle ich aus Humanität, in Svolvaer eine Zweigfabrik zu gründen, denn der Mehrverbrauch von Eau de Cologne steigert sich hier ins Phantastische. Wenn es heute Mittag Fisch gibt, gehe ich schweigend in meine Kabine und„schreib« ein Feuilleton"(...wie mein Kollege C. auf der Amerikafahrt von einem plötzlich verschwundenen Berufsgenossen zu höhnen pflegte). Der ewige Tag ist auf die Dauer wenig erträglich. Man schläft unruhig. Mal am Tage, mal in der Nacht, je nachdem es den Schiffen einfällt die Häfen zu verlassen. Auch die Leute hier oben find von dem nachtlosen Sommer nicht so begeistert, wie nian glau- den möchte. So schlimm wäre die Winterzeit nicht, sagte mir ein Mann aus Narvik. Im Dezember sei es sogar zwischen 11 und 2 Uhr mittags so hell aus der Straße, daß man eine Zeitung lesen könne. Bissel wenig, denke ich mir. Nun wird es wieder Morgen. Richtiger Morgen: mit kühlem Wind, Ncbclkränzen um die Berge und— eine Zeitlang später— klarem Himmel, aus dem steil die Sonne ins Wasser sticht Träm- tärä, trämtärä... ein Ausflugdampfer fährt vorüber. Heimatliche Gefühle steigen auf, denn die Kapelle spielt genau so falsch wie bei unfern Vereinsausflügen. Drüben: frohe Stimmung an Bord. Bei uns herrscht frachtdampfcrliche Strenge. Nur ein junges Mädel, das olle Augenblicke aus der Küche aufs Deck springt, lacht über meine sonderliche Art, ihre Heimatsprache zu zerstören. Sie hat fast so blanke Augen wie das Wasser vor den grünen Ufcrbändcrn, die— ol» hätte Piscotor sie aufs laufende Band gesetzt— gleichmäßig vorüberglciten.(Man sage nicht: Pfui..., denn es sieht in der Tat sehr natürlich aus.) *.» Eben haben sich die wenigen Passagiere verkrochen. Es ist jetzt, während ich schreibe— Augenblick!— 0.12 Uhr mitternachts. An Bord ist alles still. Nur die Maschine rollt in gleichmäßigen Stößen. Wolkenloser Himmel über der glasklaren Flut. Wie eine Säule liegt der Widerschein der Mitternachtssonne, die über den Berg- zinnen steht, vor dem Schiff. Rötlich glänzt der Schnee auf dem Gebirge hinter Tromsö, der letzten Stadt vor Hammerfest. und aus den Fenstern ferner Häuser leuchtet's wie verstreutes Gold. Ein neuer Tag beginnt; noch im Leben des alten. In Tromsös Straßen, die ich vor einer Stunde durchschritt, war lebhafter Verkehr. Alte Frauen im Sonntagsstaat, junges Volk, Kinder, Männer mit blonden und weißen Haaren bummelten durch die taghelle Stadt zum Hafen hinunter. Kein Mensch dachte in dieser schönen„Nacht" ans Schlafengehen. Eben überholen wir einen Frachtdampfer, der nach Archangelsk unterwegs ist. Von Tromsö nichts mehr zu sehen. Es versank jäh wieder hinter den weißen, höckrigen Rücken. Andere Häuser tauchen an den Ufern auf. Wahllos verstreut, auf dem grünen Anger liegen sie wie von der Sanne frisch bepinseltes Spiel- zeug am Bergrand. Ein kühler Wind sammelt im Norden Wolken- fetzen und schiebt sie immer näher an den glühenden Feucrball heran, der nun wieder höher steigt. Mit dem alten Fyrvogter(Feuerwächter) Oewre vom Rök- fjord-Leuchtturm(in der Nähe von K i r k e n e s) muß ich ein grau- samcs Gesöff von Schnaps und Wasser trinken und obendrein ein Gesicht machen, als ob es gut schmecke. Dann sind wir in Hammerfest. Er fährt noch weiter nordwärts auf seinen weit- verlassenen Posten, wo es von Ansang August bis Mitte April ewige Nacht ist. Nur mittags dämmert's auf eine halbe Stunde. Der Alte schimpft über schlechten Kaffee an Bord und zwinkert dem jungen Kllchenmädel nach, das so blanke Augen hat. Gute Sicht... (Schlohweißes Haar stört nicht.) Das also wäre die Stadt, wegen der mancher in der Schule sich eine dicke Vier eroberte, weil er nicht wußte, daß es die nördlichste der Welt ist. Hm.— Sie klebt mit ihren grauen Dächern am grauen Gestein rings um eine kleine Bucht. Fast sieht man sie gar nicht von ferne. Im Städtchen selbst ist's warm. So still es drunten ist, auf den Bergen pustet der Wind un- ablässig. Kein Baum, kein Gesträuch hindert ihn. Nur wieder: verwittertes Gestein und Moos Raubvögel kreisen um die Felsen- nester; je höher man kommt, um so mehr gerät man unter die schwarzen Gesellen. Mit heiserem Geschrei fliegen sie in nächster Nähe aus und schießen steil hinab zum Meere. Hammerfest liegt wie ein dunkler Fleck in der Tiefe der Bucht. Kein Mensch bc- gegnct mir auf dieser Wanderung. Nur einmal, hoch droben, trottet eine Ziege den steinigen Weg entlang. Sic scheint regelrecht auf einem Ausflug begriffen zu fem, verfolgt, ohne abzuirren, den Weg talwärts in gleichen. Schritt und Tritt. Als sie an mir vorbei- kommt, sagt sie leichthin: mäh!, bleibt zwei Sekunden stehen, sieht sich um und geht weiter. Mehr sagen„'n Tag" sprechende Zwei- füßler eigentlich auch nicht, denke ich, und mache mir Borwürfe, I nicht gedankt zu haben.(Phllosophie über dem 70. Breitengrad.) der Wert des Kupfers auf ein Drittel, dann sogar auf ein Viertel des früheren, nachdem sich schon vorher im Großvcrkehr ein Agio für Silber ergeben hatte. Daß die uralten Kulturen im Zweistromland die Geldwirtschaft kannte», beweisen altbabylonische Texte aus dem 4. vorchristlichen Jahrtausend, die in der Nippur-Sammlung des Museums in Stambul aufbewahrt werden. Damals war Geld allerdings sehr teu�r; man forderte und erhielt einen Zins von 33VH Proz. Die alten Babylanicr kannten bereits Wechsel, und wie aus den Briefen Ciceros hervorgeht, bestanden schon im Altertum ein Scheck- und Girowesen, Hypotheken seit dem 6. vorchristlichen Jahrhundert. Im alten Aegypten herrschte bis zur Eroberung durch Alexander den Großen(331 v. Chr.) das„Oikos"-System,, die Wirt- schaft großer, in sich geschlossener Haushalte. Der größte Haushalt war der des Königs, der göttliche Verehrung genoß und von allen Erzeugnissen des Landes seinen Teil erhielt. So wurden die König: die größte Wirtschastsmacht des Reiches. Riesige Warenspeicher bei den Palästen dienten zur Aufstapelung der gewaltigen Gütermengen. Neben den Königen hatten sich die großen Tempel zu mächtigen Wirtschaftszcntralen entwickelt. Ihnen gehörten ausgedehnte Ländcreien, ganze Städte und leistungsfähige Handelsflotten. Auch im alten Babylonien waren, wie aus dem Gesetzbuch des Hammurabi hervorgeht. Getreidekammern und Warenspeicher ständige Emrichtungen, die, wie in Aegypten, den Königen und Tempeln, aber zum Teil auch Privatleuten gehörten. Auf die lagernden Güter tonnte Geld aufgenommen werden. So pflegten die Bauern, um sich über die Zeit zwischen Saat und Ernte hinweg- zuhelfen, bei den öffentlichen und' privaten Leihhäusern Anleihen auszunehmen. Ausgezeichnete Einblicke in die Anlage eines kdnig- lichen Warenhauses ergaben die Ausgrabungen des Palastes des Königs Sargon von Nimvc, der im 8. Jahrhundert v. Chr. regierte. In neubabylonischer Zeit erwuchs den öffentlichen Wirt« schaftsmächtcn eine Konkurrenz in den erstarkten Prioatuntcr- nehmungen. Von den„Gebrüdern Egibi" und der„Firma Massaru" wird berichtet, daß sie beträchtliche Geschäfte in Geld und Waren tätigten. Sie gewährten Privaten, aber auch den Königen Anleihen, zahlten auf Rechnung eines Klienten an einen anderen Geld oder Warbn aus, liehen Geld auf Zinsen und stellten gegen Entgelt ihre Lagerhäuser zur Aufbewahrung von Gütern zur Vcr- fugung. Der große Wendepunkt kam mit der Einführung der staatlichen Münzoberhoheit, die, soweit bekannt ist, zuerst von Lydien in Klein- osicn ausging. Der Handel gewann eine bis dahin unbekannte Aus- dehnung, und die Bedeutung des Geldverkehrs stieg. War bisher, besonders in den alten Agrarländern am Euphrat und Nil, der Besitz an Grund und Boden Werünaßstab, so setzte sich jetzt das Geld durch. Die Griechen, diese gerissensten Handelsleute des Altertums, erkannten die Vorteile des neuen Systems und führten es bei sich ein. Die anerkannten Wirtschaftszentralen waren die griechischen Tempel; ihre Macht beruhte auf der Sicherheit gegen Raub und Diebstahl, die sie für anvertraute Güter zu bieten hatten. Sie ließen sich das natürlich bezahlen, aber auch andere Geschäfte wurden von ihnen getätigt, Waren und Gelder gegen Zins ausgeliehen. Die reichsten Tempel waren in Athen, Delphi und Olympia. Gegen Ende des S. Jahrhunderts kam die private Konkurrenz auf, die von der Einführung des staatlichen Geldes profitierte. Ursprünglich nur Geldwechsel, entwickelten sich diese Unternch- mer bald zu einflußreichen Bankleuten, liehen Geld an Private und Gemeinschaften, beliehen mit Nutzen verpfändete Güter, erledigten Zahlung auf Order, kurz befaßten sich mit allen damals üblichen Bankgeschäften. Unter Alexander dem Großen durchdrangen die griechischen Handels- und Finanzleute den ganzen Orient. Von allen Ländern zuletzt nahm Aegypten den Gebrauch von staatlichen Münzen an. Ptolemäus II., der die Tradition der alten Pharaonen wieder aufnahm, machte Handel und Wirtschast zum Staatsmonopol. Oft genannt wird der Bankier Python, Direktor der Bant von Krokodilopolis, der weitreichende Beziehungen und mehrere Filialen unterhielt. Der Münzenumlauf war nicht sehr groß, der gesetzliche Zins für Warenbeleihungen betrug 2 Prozent im Monat. Neben den Geldbanten gab es die großen Getreide- und Worenbonkcn, deren System hoch entwickelt war und bereits Girokonten- und Warenscheckoerkehr erlaubten. Mit dem Emporkommen des römi- schen Weltreiches, dessen Finanz und Wirtschaft sich auf den gricchi- schen Errungenschaften aufbaute, verloren die orientalischen Volker ihre bisherige Vormachtstellung, und nach dem Zusammenbruch des Römischen Reiches sanken sie wieder in die primitivste Naturalwirtschaft zurück. ««. TEPPICHE Pa. P• r a• a n. 188 x 210 Mk, M.SO M, MC X 240 MX, 40. SO NIE Pa. B o ii c I« M. IM X m Mk.«I.SO 6*. 170 X MO Mk. 34. M I SO BILLIG! Pa. Velour CM. MX IM Mk. CO. NX IM Mk. 90.10 Wir nehmen Schecks. aller Banken Läufer-Stoffe Linoleum WILMELM/TRA/TE«SS unser SAISON-AUSVERKAUF beginnt am 1. August 1031 Einfenbmacn fflr bf«(« ShtSrif stad n« t i i■ PV M. Si-de-str-ße 3. parieinachrichten für Groß-Vertin stet,»» da» Bezirktletretariai 3. Hos. 3 See??«» recht», zu richte» Begi»« aller Beranstaltungea 19% Uhr. sofern keine besondere Zeitangabe! Heute, Sonntag. IS. Juli. 32. SM. Eitern der flinhtrftcimbc Gruppe. Paul Singer", die da« Zelt. laqcr aufsuchen wellen, fahren ab Schlesischen Babnhef 1.38 Uhr bi» �ürslenwalbe und werden daselbst von den Roten ssallcn abgeholt. Zh. Nbt. Alle Antrage gur Derlänaerung de«.Vorwärts". Befuge« frei bzw. ermäßigt sind bi» zun, 25. Juli 1981 beim Genossen Grüntet, Soppenstr.*S, einzureichen. 102.«bi. 12 Uhr Treffpunkt der SAZ. und Shwpatbisserende am Bahnhof Baumschulen weg zweck« Besichtigung der Bauauzstellung. Besichtigung für Zugendliche kostenlos. Morgen, Montag. 20. Juli. 3.»tri«, vchtunq,»r.isnritqlieder! R-ntaa. 20. Juli, 2« Uhr. findet im Rat-oualho,, Bvlowstr..17, eine Begt!lßung»kn»dg«b«-a für die na» de» Nationalsozialisten schwer»erlegten ZIeich»ban«etlawerade» Genosse» Blril »nd Zacher statt. Tie Genossinnen»nd Geaoffen»»erde» gebeten, sich recht zahlrajch an dieser»nndgebung»» beteiligen. 14.»tri«. Sissung de« Bilduna»«n»schuss-- im Parteibüra. 10.»rri«.»öpenick, Schlosistr. 27, wichtige»rei«voistond«sißung. 17. greis, ffunktionärlonferenz. 19 Uhr. an bekannter Stelle. 0. Abt. Montag ssunktionärloilferen, bei Tobroissaw, Swinemsinder Etr. 11. ?«. Abt. 29 Uhr wichtig« flunktionärsihuna bei Rcchenberg, Choriner Str. 49. 29. Abt. 29 Uhr Funktionärsitzung bei Kitschmann, Prenzlauer Allee 189. Dienstag. 21. Juli. 5.»rri«. Erweibolosoeinsannarntuoit Jugendheim, Tilfite, Str. 45.»»« 15 dt, 18 Uhr. Genosse HSdecke: Soziali»,»»,»nd Landwirts chast. Mufifa. lische UvterÜaltvng. 21.«bt. Abieilungsvorstandssifmng im Lokal Bosi, Barfusstr. 7. 29 Uhr. 94.«bt. 2» Uhr ssunktionärsitiung bei Reisch. Godiner Str. 10. Erscheinen oller chunktionärr unbedingt erforderlich. Daselbst um 19 Uhr Sißung de» «bteilungsvorstantes. 1«. Abt. Kolportogehelfersitzung bei Graß. Palisaden ilrasic 77. Bezirke, dl« noch keinen gemeldet haben. Bertreter schicken. 99a.«bt. 20 Uhr Funktionärsitzung Halle im Hufeisen. Mittwoch. 22. Iuli. S.«bt. Schwedter Fesisäl«, Schwedter Str. 21, MitgliedernersommllMg.— «uaust Riernann: Zur politischen Lage. ».«bt. 20 Uhr Mitgliederversammlung Rationalhof, Billowsir. 97. Referent wird ngch bekanntgegeben. 9.«bt. Zahl» und Diskussionsabend bei Faber. Stephanstr. 11.— llliire Mener-Lugau: Deutschlands Kulturpolilik in der Slachkrieoszcit. 15.«bt. Lokal Müsch, Brnnnenstr. 149. Mitgliederversamlnlung. Stadt» er- ordneter Sermann Arnberg: Berliner Kommunalpolitik seit 1929 und die wirtschaftliche Lage. 18.«bt. LSwenbrauerei, Sochstr. 2'4. Mitgliederversamurlung. Jockel Meier: Die deutsch« Finanzkrise. 21. Abt. Schraderhaus, Malplaguetstr. 14/18. Emil Barth: Zur politischen Loge. 25. Abi. 20 Uhr kleiner Saal des Saalkau Fricdrichshoin, Am Friedrichs. Hain 18—29. Mitgliederversammlung. Biktor Krüger: Die deutsche Finanz- krise. 28. Abt. Zahlabend bei Rechenberg, Choriner Str. 49. Dr. Friedrich Hert, neck: Die deutsche Finonzkrise. 49.«bt. Raabes Fesifale. Fichteltr. 29, Mitgliederversammlung. San« Blcttner: Unsere Wirtschaftslage. 57.«bt. Schillersaol, Bismarckstr. 110, Mitgliederversammlung. Clara Böhm- Echuch, M. d. SR.: Die Berantwortung der Partei. 58.«bt. Giskussionsabend im Lokal Franzen,»alckreuthsir. 5. Referent Gr- nasse Dr. Max Wolf. Frauenveransialtungen. 7.«bt. Wegen der Besichtigung de« Woisenhause« am 21. Juli bitten wir dir Dienstag. Ausgabe des.Vorwärts" zu beachten. 29.«bt. Der Frauenabenb fällt in diesem Monat aus. Dafür beteiligen sich die Genossinnen Dienstag, 21. Zuli, am Ausflug noch Saatwinkel. Treff- punkt 19 Uhr am Bahnhof Gartenfrld. Abfahrt Gesundbrunnen oder Wedding bi« Iungfernbrid«. umsieigen nach Gartcnseld. Nachzügler treffen sich Reftungiftelle des Arbeiter-Samariterbnnde» Saatwinkel. Sl.«dt. Besonderer Umstände halber rnnsi der Frauenausftug ou-faklen. Dafür beteiligen sich die Genossinnen reftlo» an dem demnächst stattfindenden Krei«i»»flug._ 49. Abt. Der Frauenabenb stillt au». Dafür ftndri Montag, 20. Juli, im Volkspott Neukölln ab>/>lS Uhr ein Kaffeeiochen statt. 49.«bt. Der Frauenabenb stillt au«. Dafür finbet Donnerstag, 29. Zuli lnicht wie zurrst vorgesehen war, Mittwoch, 22. Julis, im Volkspark Reu, kölln. Lokal am Gornisonfriedhof, ein Kaffeekdchen statt. 82.«dt. Zsiontag, 20. Juli, Kanlu-n.Kaffcckochou Im Parkrrktauvant Süden de. Die Genossinnen beteiligen sich bieran restlo». � � 94.«bt. Der Frouenabenb fällt au», doftir Mittwoch. 22. Füll, 15 Uhr, .»-ffeekochen im Volk-patt, Lokal Wolhtchän'e. Abt. Alle Genossinnen betriligen sich Montag. 29. Zuli, am»ms- kasseekochen in Tegel, Reichsbannerbootshau«, Ufersirosis. Vezirksausfchuß für Arbeikerwohlfahrt. 4.»rri». Dientiag. A. Zuli. Besichtiguna der Seime Tanneneck»nd Wold frieden in Lichtenrade. Treffpunkt 14.90 Uhr Endhaltestelle der Stoatzen. bahn 99. Van da 10 Minuten»lim Heim. Tanneneck ist erreichbar mit 99, umsteigen Hallefche« Tor. Reg« Beteiligung und pünktliches a-fchetnen wird Sozialistische Swdenienschast Verlin. Mediziollche F-chschafi. Montag. 29. IuD, adnids nicht lim 29. sondern um 16� A.ll)rechtstr. 11. S«ktio» UllisttfitSt. Mitylvederversammluna«n Mvn4aq. 70. IuN. TO Uhr. -irr: stttck�F-ck-ii� t" Arf I«i t»|iml„schüft. Mittwoch. 22. Zu«..Struktur. olmnent« der Verfassung". R«chtsanwalt Dr. Frankel:.Richterlich, Unabhängig. uw verf-ss-ngririrr. Donnerriag. 28. Zuli, 29 Übt, im Plenarlaal des Reich«. imnfchirftstat, Bellevueftratze. Es sprechen: Grnoss« Trimm«. Prof. Dr. Mei- necke. Prof. Dr. Timpe. Einlatzlorten im Bund und bei den Funktionare,,. Pros. Leberer, Heidelberg, spricht am Freitag. St. Juli. Über: ,X«»nisch-r Fortschritt und ArbriMossgeeit". 20 Uhr. in rinarn Hörsaal der Unipeosttät. � Sterbetafel der Groß« Berliner Partei» Organisation� »1.«bt. Unser Genoss« Hermann Liebig, Trislstr. 18, ist verftorben Shre leinttn Andenken. Elniistherrnz: Dirnstag, 21. Zuli, 17 b, Uhr, Krcma, tottlW, Wilmersdors. Um rege Beteiligung wird gebeten. Wochenprogramm des Berliner Rundfunks. Sonntag, 19. Juli: tZ6: rnnkffytnnastik. Anschließend: Prühkonrert. 8: für den Landwirt. 5.88: Morzenfeier. Anschließend Glockenzcllut des Berliner Doms. lö.M; Wettervorhersage. 10.80: Peierstnnde. 11.80: CUernstunde. 12: Aus Breslau: Mittafskonsert. 18�0: Vom Nörburzring: Internationales Rennen des AVD. 14: Jugendstunde. 14.30: Lieder. 14.45: Tanzstücke aus fünf Jahrhunderten. 18.10: David Lnschnat liest eizene Gedichte. 15.40: Nachmittagskonzert. 16.35: Von der Rennbahn Grunewald: Großer Preis von Berlin. 17.40: Leben und Arbeit in Indien. 18.10: Sonaten. 19: Heiteres und Nachdenkliches von Pritz Müller-Partenkirchen. 19.20: Unterhaltungsmusik. 20.20: Sportnachrichten. 20.30:«Potsdamer Straße I7a." Das Leben eines Hauses. Hörspiel von Werner Plnck. 22.18: Wetter-. Tizm- und Sportnachrichten. Danach Tanzmusik. Montag, 20. Juli; 6.80: Punkzymnastik. Anschließend Prühkonzert, 12.30: Wcttermcldunzcn für den Landwirt. 14: Schallplattenkonzert. 16.20: Frauenarbeit und Arbeits- markt. 15.40: Zoppot und die Waldböhnc. 16: Konzert. 17: Jugendstunde. 17.20: Soziale Kosmetik. 17.40: Renato Mondo liest eigene Novellen. 18: Weltwirtschaftskrise und kapitalistisches System. 18.30: Unterhaltungsmusik. 19.55: Mitteilungen des Arbeitsamtes. 20: Wovon man spricht. 20.30; Tages- und Sportnachrichten. 20.40: Sinfoniekonzert. Danach Tanzmusik. Dienstag, 21. Juli: 6.30: Firakgymnastik. Anschließend Prühkonzert. 12.30: Die Viertelstunde für den Landwirt, 14: Schallplattenkonzert. 15.20: Krholungsfürsorgc für Mütter. 15.40: Castel delPOvo, Neapels abenteuerliche Meeresburg. 16.05: Unterhaltungsmusik. 17.30: Bücherstunde.!8: Jugendstunde. 18.25: Untertan oder Staatsbürger. 18.55: Zithcrmasik. 19.50: Mitteilungen des Arbeitsamtes. 20: Aus Breslau: o,D}e Nummer läuft.*4 Ein Hörbild aus dem Zirkusleben. 21; Tages- und Sportnachrichten. 21.10: Musikalisches Kuriositäten-Kabinett. MUtwodi, 22, Jnli: 6.30; Fnnkgymnastik. Anschließend Prühkonzert. 12.30; Wettermeldungen für den Landwirt. 14: Schallplattenkonzert. 15.20: Das Reisen als Kunst. 15.40: Eine Viertelstunde Technik. 16.05: Programm der Aktuellen Abteilung. 16.30; Blasorchester-Konzert. 17.30: Jugendstunde. 17.50; Neue katholische Lyrik. 18.18: Programm der Aktuellen Abteilung. 18.40: Mozart erzählt sein Leben(eine musikalische Plauderei). 19.30: Rechtsfragen des Tages. 20; Konzert. 22; Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Danach Tanzmusik. Donnerstag, 23. Juli: 6.80: Funkgymnastik. Anschließend Prühkonzert. 12.30; Die Viertelstunde für den Landwirt. 14: Schallplattenkonzert. 15.20; Abenteuerliche Wanderung durch Peru. 15.40: En» Vormittag in Moabits Bclcidigungskammer. 16: Unterhaltungsmusik. 17.10: Jugendstunde. 17.30: tDie politischen Parteien in den modernen Demokratien. 17.55: Konzert. 18.40; Mitteilungen des Arbeitsamtes. 18.45: Aus dem Stadion, Wien: Reportage von der 2. Arbeiter-Olympiade. 19.15: Sozialpolitische Umschau. 19.40: Heitere Lieder. 20; Bunte Stunde für die DaheimgebHebenen. 20.55: Wegweiser ins Wochenende. 21: Tagesund Sportnachrichten. 21.10:„Turandot", Komödie von Carlo Gozzi. Danach Tanzmusik. Freitag, 24. Juli; 6.80; Punkgymnastik. Anschließend Prühkonzert. 12.30: Wettermeldungen fflr den Landwirt. 14; Schallplattenkonzert. 15.20: Jenseits der Rampe. 15.40; Reise im Auto. 16.05; Am Arbeitstisch des Sportredakteurs. 16.30: Unterhaltungsmusik. 17.20: 90 Jahre Berliner Kunstleben. 17.40: Jugendstunde. 18; Eine Spanienreise(mit Schattplatten). 18.45; Das Wochenende. 19.10: Politische Zhitungsschau. 19.25: Das neue Buch. 19.40; Chorgesänge. 20; Interview der Woche. 30.30; Wir sind so weit Kabarettrevue von Kolpe. 22: Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Danach Abendunterhaltung. Sonnabend, 25. Juli: 6.31h Punkgymnastik. Anschließend Prühkonzert. 12.80: Wettermeldungen für den Landwirt. 14: Schallplattenkonzert. 15.20: Jugendstunde. 15.40: Medizinisch-hygienische Plauderei. 16.05; Mandolincnorchcstcr-Konzcrt. 17: Die Erzählung der Woche. 17.30: Alte Musik. 18: Programm der Aktuellen Abteilung. 18.20: Unterhaltungsmusik. 20: Aus dem Festspielhaus Salzburg: ..Der Barbier von Sevilla". Komische Oper von Rossini. 22.30; Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Danach Tanzmusik, Königswusterhausen Sonntag, 19. Jnli: Ab 6.30; Uebcrtragung aus Berlin. 15.10: Die Kleinstadt- gerät in Aufregung. 17.45; Dichterstunde. 18 10: Menschen im Beruf. 18.35: Das Blutfest von Kerbe! a. Anschließend Uebcrtragung aus Berlin. Montag, 20. Jnli: 16: Aus Berlin: Nachmiftagskonzert. 17: Pädagogischer Funk. 17.30: Henry Purcell, ein Klassiker der englischen Musik. 18; Das Wesen des katholischen Möncbtums. 18.30: Die chemische Produktion Deutschlands. 18.55.S Wetterbericht für die Landwirtschaft. 19; Volksgedanke und Weltanschauung. 19.25: Stunde des Landwirts. Anschließend Viertelstunde Funktechnik. 20.45; Das Kinderelend in Rußland. 20; Deutschlandsender: Aus Königsberg: Konzert. 21.15: Aus Hamburg: Blasmusik. Anschließend Uebcrtragung aus Berlin. Diensfag, 21. Juli: 16: Aus Leipzig: Nachmittagskonzert. 17: Elisabeth von England. 17.30; Die chemische Produktion Deutschlands. 18; Moderne Bautechnik. 18.30; Wie sind die Alpen entstanden? 18.55: Wetterbericht für die Landwirtschaft. 19: Land und Leute ir. Kanada. 19.30: Volkswirtschaftsfunt. 20: Deutsch- landsender: Aus Köln: Konzert. 21: Uebcrtragung aus Berlin. 21.15: Ans Hamburg: Dreitausend Jahre Parlamente und Prozesse: Paulskirchc Frankfurt am Main. Historisches Hörspiel aus dem Jahre 1848. 22: Aus Hamburg: Nachrichtendienst. 22.20: Aus Hamburg: Aktueller Dienst. 22.30; Aus Hamburg: Konzert. Mittwoch, 22. Juli; 16: Aus Hamburs: Nachmittaiskonrert. 17: Pädarogischer Funk. 17.30: Henry Purcell, ein Klassiker der englischen Musik. 18: Berühmte historische Gaststätten. 18.30: Der Brief im deutschen Geistesleben. 18.55: Wetterbericht für die Landwirtschaft. 19: Wirtschaftsnot und Berufsbeamtentum. Anschließend Uebcrtragung aus Berlin. Donnerstag, 23. Juli: 16: Aus Berlin: Nachmittagskonzert. 17; Musik im Märchen. 17.30: Fliegen als inneres Erlebnis. 18: Wie mau vor 40 Jahren reiste. 18,30: Praktische Ratschläge für Amatcurphotographen. 18.55; Wetterbericht für die Landwirtschaft. 19: Spaßmacher, Narren und Humoristen auf Shakespeares Böhne. 19.30: Stunde des Landwirts. 20; Dentschlandsendcr: Aus dem Zoppoter Kurgarten: Konzert. 21; Aus Leipzig: Stunde der großen Städte. 22: Tages- und Sportnachrichten. Anschließend Uebcrtragung aus Berlin. Freitag, 24. Juli: 16: Aus Leipzig: Nachmittagskonzert. 17; Pädagogischer Funk. 17.30: Aus dem Familienleben der Tiere. 18: Volkswirtschaftsfunk. 18.30: Das Erlebnis am Kunstwerk. 18.55; Wetterbericht für die Landwirtschaft. 19: Wissenschaftlicher Vortrag für Tierärzte. 19.30; Die Welt des Arbeiters. 20: Die Stellung der Presse in Sowjetrußland. 20.30; Deutschlandsendcr: Aus Norderney: Sinfonieabend. 21,25: Aus Leipzig: Deutsche Volkslieder. 22.15; Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Anschließend Uebertragung aus Berlin. Sonnabend, 25. Juli: Ii: Au, Himburg: Nachmittagskonzcrt. 17: Versicherungsverbrechen und ihre Bekimpfnng. I7.J0: Viertelstunde fflr die Gesundheit. 18: Seemärchcn, Meeresspuk und Aberglauben anf See. 18.30: Ouerschnitt durch deutsche Zeitschriften. 18.58: Weiterbericht fflr die Landwirtschsft. 19: Warum Amerika ander« ist. 19.30; Stille Stunde. 20: Deutschlandsander: Aus Köln: Lustiger Abend. 22: Welter-, Tages- und Sportnachrichten. AnschiicBend Uebertragung aus Berlin. Vorträge, Vereine undVersammlungen. # Reichsbanner„Schwarz-Rot-Gold-. »efchäftsstell«: Berlin S. 14. Sebastianstr. 87—88. Hof Z. St Tiergsrte»(Ottsncmn); Montag. 29. Zuli, zur Kundgebung Zacher. Blril. Anrieten: 1. Kam,'radsd>tkt 1» Uhr, Eckunidt. 2. Kamerad» schalt 19 Uhr. RSstel. 3. Kameradschaft 19 Uhr, Rattonalhof. Bannerllridung: Spielleute mit Znstrumenten. Nachzügler Nationalhof.— Krenzbera ODtt». verein!: Kamerad Heinrich König, ist nerstorben. Einäscherung Man. tag. 29. Zuli. um 1? Uhr. Baurnschnlenweg. Alle dienstfreien Kameraden um lsith Uhr vor dem Krematorium.—»rri, vfteu: Dienstag. 21. Zuli, 29 Uhr, bei Hundert, El süsser Str. 88. Sitzung der Zuzrndfunf'ionäre de,»reise». Jeder Srttwerrin muH durch»tindesten, 8 Mann vertreten sein.—»rci» Wefttn: Dienstag. 21. Juli, 20 Uhr. Srririugend und Sepöckmarschmannschoft, Pserdemottt.—»Zergarte» tEportabteilung): Dienstag. 21. Juli. Training am bekannten Ort.— Prenzlaner Berg lOrtsvcrcinl: Dienstag, 31. Zuli. Kamerad. schaftmiersiaintnlungen in den bekannten Lokalen. Kameradschaft Arnswalder Platz: Dienstag. Ä- Zuli, Bortrag:.Der Kampf um Preutzen", Ref.: Kamerad Dr. Gillgw.— ReuIIllo-Britz l2. Zug. Kam. Eberl): Dienstag, 31. Zuli, 20 Uhr. an bekannter Stelle.— Wedding t Ort«verein): Donner»tag. 2Z. Juli, 19,M Uhr, Mitglioderverlanimlung in der Hochschulbrauersi, Bmrumrr Str. 31, Referat: „Die wahren Ursaäien de, Volksentscheid«»". Res-: Ministerialrat Han» Eo»lar. «rbeiter-Stenographe». Verband,»r»ppe Berlin. Fortschrittokurfe: Man- tag, Norden, 10'b— 2114 Uhr, Gemeindef-bule Schulstr. 99. 49—«9 Silben.— Drenstag, ReuMn, 1SV>— 2l'4 Uhr, Karl-Marr-Schule,«aifer.Friedrich. Sriatze 299/319. 49—79 Silben und 99—«0 Silben.— Norden, 10V4— OH Uhr, Gemeindeschule SSgilstr. 99.«9-89 Silben.— Nordosten. 29—22 Uhr, Gemeinde. schule Seneselderstr. 6, 90-120 Silben.— Donnerstag, Neukölln, 1914 bi» 2114 Uhr, Karl-Marr-Schule. Kacser.FriedttchStr. 209/219, Debottenschriftkurslu, 200 Sech«.— Norden, 1914— Ahz Uhr. Zvgendheim, Willdenowstr. 5, Zimmer 4, 120— 1B0 Silben.— Nordosten, 1914—2114 Uhr. Gemeindeschule Senefelder. str.«, 99— 100 Silben.— Osten, 1914— 2114 Uhr, Gemoindeschule Litauer Sri. 18, 80— 120 Silben.— Freilag. Neukölln, 1914—2114 Uhr. Karl-Marr-Schule. Kaiserri5riri>rid>Sri. 299/210, 80—130 Silben.— Anfange rlursc finden im Dep- tember statt. Auskunft erteilt der 1. Borsitzende Artur Thrissen. Berlin.Tegel, Brunowfri. 47 l. «rbriter-Radie.Auud Deutschland,«. Ortsgruppe Berli». Friedrichs- felde: Lokal Tempel, Gudrunstr. 7. Montag, 20. Zull,.Der Transformotor und seine Anivendung", Ref.: Gen. Brurmeier, 20 Uhr.— Friedrichshain: Lokal Wertalla, Hohenlohestr. Z. Donnerstag. 23. Juli, 20 Uhr, Kraftverstärker.Ba». abend.— Gesundbrunnen: Lokal Münzberg, Stettiner Str. öS. Freitag, 24. I»N, 20 Uhr, Au»sprawester gegenüber nicht Unterhalts- pflichtig. 2. Gegen den ablehnenben Bescheid können Sie Sinsipruch erheben. Der Einspruch ist an da, Wohlfahrtsamt zu richten.— E. M. Die Wahl hat am 23. April 1SZS stattgefunden.—®. B. 55. Da Sie ohne Einkommen sind, mssssen hie Beiträge in der Gehaltecklasse S ttnonatlich 4 M.) entrichtet iverden. Born 2. bis 11. Kalenderfahr müssen mindestens je 8 und später mindestens je 4 Beitragsmonate während eines Kalenderjahres nachgewiesen werden. D«r L uilapark veranstaltet am heutigen Sonntag ein Sonder-Jener- werk, das in seiner Schlutzfront ein pyrotechnische« Schaustück:„Der ZluK- brnch de? Vesuv" zeigt. Im Variet«°Teil arbeiten die bekannten Luft- und Paterre-Akrobaten„5 RicharbiniZ". „Wa, diesem Lande fehlt, ist eine gute Z-ci«..Zigam", sagte ein Präsident der Vereinigten Siaatcu von Amerika. Dem Mangel wurde abgeholfen, indem die Zigarren-Masichine erfunden wurde, und Amerika hotte nun seine preis» werte National.Aigarre. Was Deutschland bisher fehlte, war die lO-Pb-Zigarre nan hervorvagender Qualität. Ta kam ein Mann namens Krenter u»d führte die Maschine, die den Amcrilanern die Ratio nol-Zigarre gab und die sich in der ganzen Welt bewährt hat, in Deuifchlaird ein. Roch sochsnu-uatiger Arbeit befchästigt er»irka 3999 Arbeiter. Wie kommt es aber, daß wie ein Lauffeuer ein Artlkel in Deutschland bekannt wurde, wie es kaum bisher der Fall mar? Wahrscheinlich deshalb, weil erstaunenswert ist, wi? hier, in einer Zeit Wirt. fdXlftlicher Depression mit unglaublicher Energie, ein preiswerter Nalksartikel geschaffen ist. Wie sich die Ziuanzkril« auf dem Parzellenmarft auswirkt!! Zufolge des rissigen Umsatzes in den letzten Wochen ist es der Firma E. Seinzel u. Co.. wie ihre Inserate zeigen, mäglich, die an sich schon niedrigen Preise bis zu 39 Proz. hcrabznfletzen. Daß dadurch eine feiten günstige Gelegenheit nicht nur zur wertbeständigen Kapitalanlage,(enchetn auch gleichzeitig eine bedeutende Wert» steigerunq gewährleistet wird, bedarf keiner desonderen Erwähnung.— Die teinzelschen Siedlungen liegen an bequemen Borortsriecken und direkt an der erliner Etadtgrenze. teilweise mit städtischen Verkehrsmitteln zu erreichen. Wasserleitung und elektrisch Licht sind oorhanden. wa» schenk« Ichs Wa» wäre hierzu besser geeignet al« Uhren. Gold, und Silberwaren. Die altbekannte Finna Belmonte u. Co. bringt eine so reiche Auswahl von einfachster bis zu kostbarster Ausführung, datz man auch mit ge. ringen Mitteln einen wertbeständigen Gegenstand erstehen kann. In jedem Zmmer ist eine Uhr ersorbevlich. sei es ein.« Stand-. Kamin-, Schreibtisch, oder Dielenubr, für den täglichen Gebrauch eine Armbanduhr, Taschen, oder Sport. »che. Man beachte, datz die Firma Belmonte u. Co. ihr Hauptgeschäft von Leipziger Sriatze 90 wegen der untragbar hohen Miele nach Charlottenstratze 27 vettegt hat, Hengegen besteht ihr Zweiggeschäft Königsriatzc ZO in vollem Um. fange wetter. Grotzer Prri»»ob Deutschiand für Rotorräder. Das grätzte und bedeutendste Motorradrennen Deutflchlands wurde abermals ein überragender Erfolg drr Reifenmatte Dunlop. Sie Sieger aller 4 Klassen fuhren diese Weltmorlo. Der vorjährige Rekord wurde abermals unterboten. Seit Eröffnung des Züirbuig- rings 1907 sind in jedem Jahr dttnlopberrifte Maschinen als Sieger durchs Ziel gegangen! Immer wurde die schnellste Zeit auf Dunlop gefahren! äuch Sie weiden fernem Versuch die 20iS OOtOLNsi MEOAtaE- SALONIKI(MA�DON� C I■■ A*• k.vomsn, Kuntt- 9CI1IUpTOr teid*,f*lnfädig. 1 Qualität, gross. Farbsortiment, Stöoc■/■ � Corselets gUt ausgearb. 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