Morgenausgabe Nr. 335 A 169 4S.Iahrgang Wöchentlich SS Pf, monatlich 3.60 371 im voraus zahlbar, Postbezug 4,32 3K. einschließlich 60 Pf. Postzeitun gs- und 72 Pf. Postbestellgebühren. Auslands« obonnement 6.— M. pro Monat; für Länder mit ermäßigtem Drucksachen» porto 6,— M. ♦ Der.Vorwärts� erscheint wochentäg» Uch zweimal, Sonntags und Montags einmal, die Abendausgabe für Berlin und im Handel mit dem Titel.Der Abend". Illustrierte Beilage.Voll und Zeit". Ferner.Frauenstimme". �Technik",.Blick in die Dücherwelt", ,2ugend-Dorwärts"u.»StodtbeUagc* P> Berliner vowöblatt Dienstag 21. Juli 1931 Groß-Äerlin IT PI Auswärts 15 pf. Die eins palt Nonpareillezeile 80 Pf. Netlamezeile b.— RM.„Kleine An« zeigen" das fettgedruckte Wort 25 Pf. (zulässig zwei fettgedruckte Worte), jede« weitere Wort 12 Pf. Rabatt lt Tarif. Stellengesuche dos erste Wort 15 Pf, jede« weitere Wort 10 Pf. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Zeile 60 Pf. Familien- anzeigen Zeile 40 Pf. 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Die auffallendste Tatsache der heutigen Eröffnungssitzung der Londoner Konsereiiz ist, daß ein Absatz der ursprünglichen pro- grammatischen Rede Mocdonalds im englischen Kabinett am Vormit- tag vereinbart worden war, nachträglich aber abgeändert und er- gänzt wurde. lieber den Plan einer internationalen An- leihe sagte Macdonald, er habe erfahren, daß manche Schwierig- ketten überwunden werden mußten, um eine Anleihe auf dem Lon- doner Markt unterzubringen. Vielleicht sei die Anleihe die Losung, vielleicht ober auch nicht. Dann hieß es im ursprünglichen Text: „Das Problem ist. zu oerhindern, daß das Kapital, welches sich bereits in Deutschland befindet, zurückgezogen werde." Dieser Satz fit nun gestrichen und wie folgt ersetzt und ergänzt worden: �Der andere Weg wäre, das Problem direkt anzugreifen, indem man die hmere Lage veuffchlands so stärkt, daß wir der well Gewißheit setner Stabilität verschaffen können, daß nicht nnr weitere Kapitalentziehungen verhindert werden, sondern daß nach das fremde Kapital in Deuffchland erhöht wird." Dieser Satz ist offenbar auf Grund einer Rücksprach« mit Siiiffmi und Mellon unmittelbar vor ber Eröffnung der Konferenz und anfchemend in vollem Einverständnis mit dem Reichskanzler Dr. Brüning hinzugefügt worden. Dies wünde bedeuten, daß dem Plan einer großen internationalen Zwei-Milliarden. a-a leihe, der von Frankreich lebhast propagiert, aber zugleich mit Mitifchen Forderungen verknüpft wurde, ein neuer Gedanke ent- gegengesttzt wird: der Gedanke eines sogenantcn„Stillhalte- kredits", den die amerikanischen und englischen Banken unter llnrftänden auch ohne Frankreich aufzubringen imstande wären. Ein solcher Stilthaltekredtt, dessen chöhe noch nicht genannt wird, würde zur Berfügung der Reichsbank stehen, um die normale Golddeckung wieder hinzustellen. Dieser Kredit könnt« je nach Bedarf in Anspruch genommen werden und stünde auf alle Fäll« bereit. Es liegt der Präzedenzfall der Bank von England vor. die vor zwei Iahren, als der Pfund kurs erschüttert war, einen solchen Kredit von Amerika erhielt, ohne daß es überhaupt nötig war, auf ihn zurückzogreffen. In der gleichen Richtung liegt die Erklärung des Reichs- konzlers D� Brüning, der in der heutigen Sitzung sagte, daß es in Deuffchland auf zweierlei Dinge ankomme. Erstens die Ver- Hinderung weiterer Kapitalabzüge und zweitens die Wiederher- ftellung der oicrzigprazeniigen Eolddeckungsgrenze. Die Abendkonferenz. Nach der heute abend im Zimmer des Premierministers im Unterhaus abgehaltenen ersten Konferenz der sieben Mächte wurde folgendes Kommunique ausgegeben: Die erste Sitzung der internationalen Konferenz fand unter dem Vorsitz des britischen Premierministers in seinem Zimmer im Unter- Hause heute nachmittag um K.Zl) Uhr statt. Der Vorsitzende eröffnete die Konferenz, indem er die Delegierten willkommen hieß. Er gab eine Erklärung ab, in der er Ursprünge und U r- fachen d e r K r i s e, die zu der augenblicklichen Lage geführt hat, auseinandersetzte, desgleichen die Wichtigkeit der Aufgabe der Konferenz. chcrr L a v a l gab der Konferenz einen Bericht über die Zusammenkünfte, die in Paris stattgefunden haben und setzte den E e i st auseinander, in dem die Besprechungen zwischen den fran- zösischen und den deutschen Ministern eingeleitet wurden. Er legte im einzelnen die Stellung Frankreichs in der bevorstehenden Debatte dar und drückte von neuem die choff- nung loyaler Zusammenarbeit zwischen Frankreich und Deutsch- land für die Mederherstellune de- Vertrauens und des Kredits in der Welt aus. Dr. Brüning bestätigte den Geist der Zusammenarbeit und drückte seine Dankbarkeit siir die Gelegenheit der Pariser Besprechungen aus. Er gab hieraus eine Darlegung mit statistischen Angabe» über die finanzielle Lage Deutsch- fands und die Maßnahmen, die getroffen worden sind, um ihr zj. begegnen. Er drängte auf die notwendige Unterstützung zur Besserung(Relief) der Lage. Hierauf wurden Fragen des Ver- fahren? erörtert und dann die Sitzung bis morgen vertagt. Eine Plenarsitzung der Konserenz wurde auf ll> Ilhr vor- mittags im Foreign Office festgesetzt. Die in dem Kommunique erwähnten Ausführungen Dr. Brü- nings galten hauptsächlich der deutschen Krise und der Finanzlage Deutschlands. Er hob hervor, daß vor allem zwei Erfordernisse er- füllt werden müssen: Ein Aufhören der Abrufung der fremden Kredite und eine Er- höhung der Golddecke der Reichsbank. In seinem Schlußwort faßte Maedonold noch einmal die Aus- fichrungcn Lavals und Brünings zusammen. Die Verhandlungen wurden in einem außerordentlich versöhnlichen Geiste geführt. Mac- donald behielt den Reichskanzler Dr. Brüning und den Reichs- außcnminister Dr. Eurtius zu weiteren Besprechungen im Unter- Haus zurück und nahm mit ihnen das Abendessen ein. Außer dem britischen Premierminister und den beiden deutschen Ministern nahmen an' dem Essen teil: der britische Schatzkanzler S n n w d e n, Außenminister Hcndersan und der Ständige Unterstaatssekretär im Foreign Office, Sir Robert B a n s i t t a r t. Reue Notverordnungen. Reamtengehälter für August. Zahlung in zwei Noten. In einer neuen Notverordnung wird die Reichsregie- rung bestimmen, daß die Bcanüengehälter für August am 3l. Juli nurzurffälftc ausgezahlt werden und der Rest des August- geholtes am ll). August zur Auszahlung gelangt. Die Reichsregie- rung hat sich zu diesem als einmalige N a t m a ß n a h m e bezeichneten Schritt auf Grund der gegenwärtigen gespannten Kassenlage des Reiches veranlaßt gesellen. Erfassung der Gieuerrückstände. 5 proz. halbmonatliche Verzugszuschläge. Amtlich wird mitgeteilt: In den letzten zwei Wochen sind die Steuereingänge außerordentlich stark zurückgegangen. Dos ist ein unerträglicher Zustand, der den ganzen Benvaltungsapparat auf die Dauer lahmlegen würde. Deshalb ist ein- pünktliche Steuerzahlung dringend erforderlich. Ilm dieses Ziel zu erreichen und den ordnungsmäßigen Ein» gang der Steuern des Reiches, der Länder, Gemeinden und Ge> meindeverbändc zu gewährleisten, ist am Montag eine Derord- nung über Zuschläge für Steuerrückgänge er- lassen worden. Diese Berordnung enthält im wesentlichen die gleichen Bestimmungen, wie sie im Dezember 192? durch die zweit« Steuernowerordnung getrasfen wurden. Die wichtigste der Be- stimmungen lautet dabin, daß für rückständige Beträge an Em- kolUwenMi«. Äorperjchaftsjteuer, Vermögenssteuer, Erbjchajts- steucr, Umsatzsteuer. Grundsteuer, Gewerbesteuer, Llauszinsstcuer für die Zeit vom 1. August 1931 ob Verzugszinsen in Höhe von 5 P r o z. halbmonatlich erhaben werden. Eine Erhebung von Verzugszuschlägen findet jedoch insoweit nicht statt, als die Steuerbehörde für die rückständige Steuer Stundung bewilligt hat. Gestundete Steuern sind, soweit nicht zins- lose Stundung bewilligt ist, mit jährlich S bis 12 Proz. zu verzinsen. Für die sogenannten Aufschubzinsen(insbesondere bei Zöllen) beträgt der Zinssatz in Zukunft IV Proz. jährlich: doch bleibt es für Beträge, die vor der Berkündung der neuen Berordnung aufgeschoben worden sind, bei dem bisherigen Zinsfuß. Oer Fall Lahufen im Landiag. Große Anfrage der sozialdemokratischen Fraktion. Die sozialdemokratische Fraktion hat im Preußi- schen Landtag folgende Große Anfrage eingebracht: Der Bremer Nardwolle-Konzern. der unter Leitung der Fa- milie Lahusen steht, ist mit einer Schuldenlast van 230 Millionen Mark zusammengebrochen. Die Gründe dieses in der Wirtschaft?- geschichte beispiellosen Wirtschaftskrachs sind Zweifel- los zum Teil krimineller Natur. Nach Zeitungsmeldungen sollen die verantwortlichen Mitglieder der Familie Lahusen be- trügerische Handlungen auch aus preußischem Gebiet be- gangen haben. Ist das Staatsministerium bereit, soweit preußisch« Zuständigkeit gegeben ist, mit allen verfügbaren Kräften der Krimi- nolpolizei und der Staatsanmalffchast diesem ungeheuren Wirt- jchastsverbrech« uachzugeheu?. Die presse-Verordnung. Keine kleinliche Handhabung! Von Carl Severing. Die Presseverordnung des Reichspräsidenten vom 17. Juli dieses Jahres gibt den Behörden unleugbar weitgehende Ein- griffsmöglichkeiten in die Bewegungsfreiheit der Presse. Es ist deswegen nicht verwunderlich, daß die Presse selbst die Verordnung nicht gerade freundlich aufgenommen hat. Die Organe der äußersten Radikalen von rechts und links nennen sie das Ende der Pressefreiheit, aber auch von den Zeitungen, die im allgemeinen die Politik der republikanischen Regie- rungen unterstützen, sind Zweifel an ihrer Notwendigkeit und Zweckmäßigkeit, mindestens aber an ihrer loyalen Durch- führung geäußert worden. Es ist daher wohl nicht ganz über- flüssig, zur Behebung unbegründeter Bedenken auf folgendes zu verweisen: Als im Frühjahr die zuständigen Steffen des Reiches mit den Ländervertretern weg£j der Bekämpfung politischer Aus- schreitungen Fühlung nahmen, ist damals schon empfohlen worden, um gesetzliche Vorschriften vorstellig zu werden, wie sie etwa in der neuen Prcsscoerordnung enthalten sind. Daß derartige Vorschristen jedoch nicht in die Notverordnung vom 28. März d. I. aufgenommen worden sind, ist wohl dahin zu deuten, daß alle zuständigen Stellen der Legislative und Exe- kutive bemüht gewesen sind, Einschränkungen der Pressefreiheit nach Möglichkeit zu ver- meiden. Inzwischen hat sich die wirtschaftliche Notlage be- trächtlich verschlimmert, gleichzeitig hat aber auch die politische Verhetzung eine weitere Verschärfung erfahren, an der die Behörden nicht achtlos vorübergehen können, wenn sie die Pflichten ihres Amtes nicht gröblich vernachlässigen wollen. So ist die neue Presseverordnung entstanden. Aber auch die Form ihrer Inkraftsetzung beweist, daß an eine Knebelung der Presse nicht gedacht ist. Sie ist nicht in die Bestimmungen der Verordnung vom 28. März hineingearbeitet worden, son- dcrn präsentiert sich als Sonderoerordnung, deren Notstands- bcstimmungsn sehr leicht wieder aufgehoben werden können, ohne andere von Dauerbedarf mitzureißen, sobald der Rot- stand selbst beseitigt ist. Wer heute diesen Notstand leugnet, gehört zu den unheil- baren politisch Blinden oder ist ein böswilliger Ignorant. Ein Blick in die radikale Presse belehrt jeden, der sehen will, daß den gräßlichen Bluttaten, die heute leider zu olltäglichen Erscheinungen geworden sind, in vielen Artikeln dieser Presse erst der Etimmungsbodcn bereitet wird, aus dem die vielen politischen Roheitsdelikte erwachsen. Hier ist die genannte Presse weniger Mundstück, als vielmehr Macher der öffent- lichen Meinung, die schließlich eine Bluttat, verübt an einem politischen Gegner, als etwas ganz Natürliches betrachtet. Dos können die Behörden unmöglich dulden. Das will aber auch das Publikum und selbst die Presse nicht geduldet sehen. Die täglichen schriftlichen und mündlichen Vorstellungen aus den Kreisen aller Bevölkerungsschichten beweisen es. Es beweisen aber auch die gelegentlichen Mahnungen der Presse.„Wie lange darf so etwas noch in Deutschland gedruckt werden?-- fragte vor kurzem ein großes Blatt in berechtigter Empörung über einen nationalsozialistischen Schmäharffkel.„Es ist zu verlangen, daß die Polizei diesen Dingen eine größere Aufmerksamkeit schenkt",— mahnte ein anderes Blatt der Reichshauptstadt, als es auf die alarmierenden Jnflations- parolen der kommunistischen Presse aufmerksam machte. Ja, die Polizei! Die Polizei soll alles! Die Polizei soll nach den Wünschen ihrer 51ritikcr streng und mild, zur Stelle und abwesend sein, heute die Augen aufschlagen und morgen zudrücken. Die Polizei soll„scharf zupacken" und„hart wer- den"— wenn, um ein altes hausbackenes Wort zu gebrauchen, das Kind ertrunken und alles davon überzeugt ist, daß nun- mehr der Brunnen zugedeckt werden muß. Die Polizei soll aber auch den Bürger Redakteur oder den Bürger Verleger nicht behelligen—„das sei ja unerhört—, so solle lieber den wirklichen Verbrechern nachgehen, da finde sie Betätigung genug" usw. So ollmächtig, wie in diesen Anschauungen und Vorstellungen die Polizei eingeschätzt wird, ist sie aber nicht. Wir leben in einem Rechtsstaat, in dem für Polizei- millkür kein Raum sein sollte. Die Polizei kann nicht beliebig scharf zupacken und nicht beliebig duldsam sein. Sie hat den Gesetzen Beachtimg zu verschaffen und dadurch die Sicherheit des Einzelnen und die Ordnung im Staat zu schützen, llnd wenn dazu die gesetzlichen Bestimmungen nicht reichen, müssen sie ergänzt werden. Die weitgehend eu, weil Jehr iiclpbarcn Bestimmungen 4 Macdonalds Konferenzrede Finanz vor Politik /Das Vertrauen muß wieder hergestellt werden Conbon, 20. Juli. In der Rede, mit der Macdonald die erste Sitzung der Sieben- möchtekonferenz eröffnete, sagt« er u. o.: Während der letzten zwei Jahre ist die Wirtschaftslage der Welt durch einen noch nie dagewesenen Preis stürz aus dem Geleise gebrocht worden. Der Welthandel hat einen archaltenden und verhängnisvollen Rückgang erfahren. Der Fall der Preis« hat die Lasten aller Schuldner sehr vergrößert. und hat budgetäre und finanzielle Schwierigkeiten für all? Schuldner- lönder mit sich gebracht. Ihre Wirkungen sind in der stärksten Form von den Staaten empfunden worden, die ich internationale, industrielle und finanzielle Staaten nennen möchte. Die sehr b e- sondere Lage Deutschlands sowohl als Exportstaat als auch als Schuldnerstaat hat alle Problems, die bei den anderen Staaten eine weniger kritische Form angenommen haben, in ganz besonders starkem Grade auf Deutschland konzentriert. Die deutsche Regierung hat die Steuern erhöht und ihrem Volke Opfer auferlegt, aber sie hat sich gezwungen gesehen, im vorigen Monat zu erklären, daß sie nicht weiter gehen könne und daß sie von ihrem Recht, einen Aufschub ihrer Verbindlichkeiten unter dem Poung-Plan zu erklären, bis die Situation sich gebessert hat, Ge- brauch zu machen gezwungen sein werde. Dies beunruhigte die ausländischen Kreditgeber, von deren Unterstützung Deutschland im großen Maß« wahrend der letzten sechs Jahre abhängig war und Zurückziehungen von kurzfristigen Krediten folgten in sehr großem Umfang. Bis zum 18. Juni schien die Lage fast hoffnungslos, als das Antlitz der Welt in einer halben Stunde durch die dramatische Ankündigung des Angebots Präsident hoovers sich änderte. Die Geschichte wird diese Entscheidung als«inen Akt seltenen Muts und seltener Staatskunst bezeichnen. Es war' keine Kleinigkeit, das Volk der Vereinigten Staaten, das so weit von Europa ent- fernt ist und selbst mit einer heimischen Depression zu kämpfen hat, auszusordern, ein Jahr lang alle Ansprüche auf interstaatliche Schul- den zu suspendieren. Meiner Ansicht nach aber war es ebenfalls eine Handlung gesunden Geschäftssinnes. Ihre Wirkung war zu Beginn e r st a u n l i ch. Nicht nur hob sich der Wert der Aktien mit einem Sprung, auch die Warenpreise zogen an. Kriegsschulden und Reparationen sind nicht sich selbst liquidie- rende Verpflichtungen, wie Anleihen für produktive Zwecks gemacht worden sind. Sie können nur durch den Export von Gütern in die Gläubigerländer bezahlt werden, oder, soweit der Bewegung von Waren Hindernisse im Wege stehen, durch Goldexportc. Auf diese Weise biete die Zahlung von Reparationen und Kriegsschulden in Zeiten wirtschaftlicher Depression besondere Schwierigkeiten. und das Bewußtsein, daß diese Schwierigkeiten bestehen, schwäch« das Vertrauen der Inve stören und dieser Umstand wie- derum vergrößere die ursprünglichen Schwierigkeiten, so daß ein Lirculus vieiosus geschaffen wird. Der gordische Knoten war für einen Augenblick durch des Präsidenten wohltätiges Schwert erfolg- reich durchschnitten. Aber ausländische Kredits wurden weiterhin aus Deutschland zurückgezogen. Es ist von dem deutschen Finanz- minister erklärt worden, daß zwischen 150 und 200 Millionen Pfund Sterling ausländischer Devisen kürzlich von Deutschland verloren worden sind— ein« Riesensumm«, die mehr als den Wert zweier Reparationsannuitäten darstellen. Die Tropfen der zurückgezogenen Devisen wurden zum Fluß, der Fluß zum Strom und der Strom zur Flut, bis der unver- m eidliche Zusammenbruch erfolgte. So hoben wir nicht nur die Maßnahmen zu erörtern, die nötig sind, um Präsident Hoovers Vorschlag in die Tat umzusetzen, son- dern wir haben darüber hinaus noch die dringende Notlage zu besprechen, die sich seither in Deutschland entwickelt hat. Andern- falls wird es schwierig sein, die Flut einzudämmen, bevor sie ganz Zentraleuropa über. wältigt hat. mit Folgen sozialer, politischer und rein finanzieller Art, die kein Mensch abschätzen kann. Wenn der ausländische Investor sein nor- males Vertrauen zu Deutschland behalten hätte, so würde Deutsch- land seither gesichert geblieben sein und wir würden uns heute nicht unter diesen Bedingungen treffen. Bezüglich Deutschlands Budget, seine Handelsbilanz, seine wirtschaftlichen und industriellen Organisationen sind große Anstrengungen gemacht und Opfer gebracht worden und die Lage zeigte keine grundsätzlichen Schäden. Unsere Ausgabe ist daher mit einem Wort das vertrauen des ausländischen Investors zu Deutschland wiederherzustellen. Dieses Problem hat offenbar sowohl politische als auch finan- ziell« Seiten, aber die Aufmerksamkeit der Konferenz muß sich auf die letzteren konzentrieren. Die Tatsach«, daß wir alle heute hier zusammengekommen sind, ist in sich selbst eine Bekundung des von allen Seiten bestehenden Wunsches, die herzlichen Beziehungen aufrechtzuerhalten. Darf ich an dieser Stelle wagen, den Geist zum Ausdruck zu bringen, in dem wir entschlossen sind, an unsere Arbeit heranzu- gehen. Wir sind hier als Vertreter unserer verschiedenen Notionen, aber wir sind auch hier in einem Geiste kooperativen Willens, entschlossen, unsere Beratungen mit einer Verein- barung zu beenden, die nicht nur den Erfordernissen der gegen- wärtigen Krise begegnen wird, sondern auch eine Zeit aufrichtiger und gegenseitiger Bemühung um Befriedung der aufgeregten Ge- müter neu eröffnen wird. Zunächst wollen wir uns alle selbst zugestehen und bekennen, daß es einige Punkte gibt, denen der«ine oder andere van uns ni ch t zustimmen kann, weil die öffentliche Meinung, der gegenüber wir loyal bleiben müssen, es uns nicht erlauben wird. wir find nicht hier, um etwas zu erzwingen oder um jemand zu Fall zu bringen, oder um jemand zu demütigen. Wir sind hier, um zu verstehen, um in objektiver Weise unsere Probleme zu erwägen, um daran zu denken, wie eng wir in wesentlichen Dingen voneinander abhängen und einander anzupassen und uns auf etwas zu einigen, was jeder von uns vor sein Parlament zu bringen, erklären und zur Annahme bringen kann. Dos Problem besteht darin, zu verhindern, daß das Kapital, das bereits in Deutschland ist, zurückgezogen wird. Es kann keine Frage geben über die innere Stärke der deutschen Wirtschaft, vorausgcfetzt, daß sie die Hilfsquellen hat, die fle benötigt. Es war zu diesem Zweck, daß Präsident Hoover für all« Schulden, Reparationen und Kriegsschulden eine Suspendierung für ein Jahr vorschlug. Dies bedeutet für Deutschland eine wirklich« und sehr bedeutende Erleichterung. Sie wird sich vielleicht al» nicht genügend herausstellen. Dies ist ein Punkt. den wir später untersuchen können. Aber ich denke: unser erster Schritt ist, mit der größtmöglichen Beschleunigung über die Mittel zu entscheiden, durch die dieser Plan endgültig in die Tat umgesetzt werden kann. Ich betone„ mit der größtmöglichen Beschleunigung�. Die Zeit ist uns feindlich. Jeder Tag erhöht die Gefahren eines Zusammenbruchs, der über die menschliche Kontrolle hinausgeht. des preußischen allgemein« SemSrechis raffe# eine Anwendung auf die Presse nicht zu. Die Vorschriften des Republik- fchutzgesstzes und der Verordnung vom 28. März zeigen er- hebliche Lücken, die ein Einschreiten bei Gefährdung der öffent- lichen Sicherheit und Ordnung nicht möglich machen. Die Behörden können zwar Blätter verbieten, die zum Ungehor- sam gegen Gesetze auffordern, Religionsgesellschaften verächt- lich machen oder leitende Beamte des Staates beschimpfen. Sie konnten bisher aber nicht einschreiten, wenn in Artikeln der radikalen Presse über die Krise auf dem Geldmarkt das Publikum in die ärgste Panik- und Verzweiflungsstimmung geradezu gehetzt wurde. Sie mußten es geschehen lassen, daß die ärmsten Opfer der Wirtschaftskrise, die Erwerbslosen, in die Auffassung versetzt wurden, als sollten sie durch eine Ein- stellung der Unterstützungszahlungen buchstäblich dem Hunger- tode überantwortet werden. Man wird zugeben müssen, daß diese Dinge schwerere politische Ausschreitungen sind, und die Ordnung im Staate und den Staat selbst mehr gefährden können als eine Ministerbeleidigung. Darum mußte aber auch gegen derartige Exzesse ein Einschreiten der Behörde ermög- licht werden. Daß die Form, in der das nun durch die Pressever- ordnung geschieht, zu wünschen übrig läßt, wird kein Kun- diger bestreiten wollen. Statt klare, zweifelsfreie Tatbestands- Merkmale als Grund zum Verbot aufzuführen, bleibt es dem Ermessen der Behörde überlassen, zu entscheiden, ob durch den Inhalt einer periodischen Druckschrift die össentliche Sicherheit und Ordnung gefährdet und damit der Verbotsgrund gegeben wird. Das gewährt weite Vollmachten, vermehrt aber auch in demselben Maße die Verantwortung der mit der Verbots- ausführung betrauten Stellen. Die Verordnung weist übrigens dieselbe Formulierung auf, die im§ 1 Ziffer 4 der Verord- nung vom 28. März gewählt ist, und man darf daraus fol- gern, daß es bei der wachsenden Mannigfaltigkeit der Er- scheinungsformen in den politischen Kämpfen von heute sehr schwer, wenn nicht gar unmöglich sst, mit einer weiteren Epe- zialisierung der Verbotsvoraussetzungen alle Fälle zu treffen. Es kommt darum alles auf die Ausführung der Verordnung an, und daß die in Preußen von der Regierung Braun nicht kleinlich gehandhabt wird, bedarf keiner Betonung. Der Buchstabe der Verordnung soll nicht töten, der Geist ihrer Ausführung aber schützen und erziehen. Die neue Vorschrift, die den verantwortlichen Schriftleiter einer Zeitung verpflichtet, auf Verlangen der obersten Reichs- und Landesbehörden Kundgebungen oder Entgegnungen auf- zunehmen, kann bei richtiger Handhabung gute Früchte tragen, wird in ihrer Wirkung auf die Presse selbst jedoch vielfach überschätzt. Es wird sich sehr bald herausstellen, daß die Sorge der Presse, als ob die Regierungen mit dieser Be- stimmung jede Zeitung sozusagen zu einem unfreiwilligen „Reichs- und Staatsanzeiger" machen könnten, unbegründet ist. Soll die Bestimmung überhaupt einen Sinn behalten, dann darf von ihr nur in seltenen Fällen Gebrauch gemacht werden. Eine andere Praxis würde die Einrichtung stumpf machen und der Staatsautorität auch nicht gerade zuträg- lich sein. Bei Berichtigungsgefechten kommt selten etwas her- was dem Lesepublikum als Richtigstellung eingeht. Das weiß jeder Redakteux..mast darf annehmen, daß..von dieser Erkenntnis auch die Regierungen durchdrungen sind— oder durchdrungen werden. Die Behörden Preußens begegnen sich mit der Presse in dem Wunsche, daß sich die Verordnung als überflüssig erweisen und recht bald wieder verschwinden möge. Das wird sie an dem Tage, an dem die Presse aller Parteien zur alten Selbstdisziplin zurückkehrt und außer der Freiheit der Presse auch die Freiheit der anderen anerkennt und achtet. Die Presse für Pressefreiheit. iHeichsarbeiisgemeinfchast zur Rotverordnung. Die Reichsarbestsgemeinschast der Deutschen Presse, in der die deutschen Redakteure und Verleger vereinigt sind, erklärt: Die Reichsorbeitsgemeinschast der Deutschen Presse muß ver- langen, daß auch in dieser Notzeit des deutschen Volkes die Pressefreiheit unbedingt gewahrt bleibt. Di« Frei- heit ist dos Lebenselement der Presse, unentbehrlich für die Er» füllung ihrer Pflichten gegenüber Volk und Staat. Die Reichsarbeitsgemeinfchast erkennt an, daß die Verant- »Ortung der deutschen Presse als Trägerin wichtigster öffentlicher Interessen heute besonders groß und schwer ist. Sie verurteilt daher aufs schärfste jeden Mißbrauch der Presse» f r e i h ei t. Sie kann aber in der Notverordnung zur Bekämpfung politischer Ausschreitungen vom 17. Juli 1951 kein geeignetes Mittel zur Bekämpfung politischer Ausschreitungen der Presse er» blicken. Die Notoerordnung verstößt, von technischen Mängeln ganz abgesehen, gegen die elementaren Grundlagen des Lebens und der Freiheit der Presse, besonders dadurch, daß es in das subjektive freie Ermessen zahlreicher Behörden gestellt wird. in dem Inhalt von Zeitungen eine Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung zu erblicken und Zeitungen deshalb zu oerbieten. So behindert die Verordnung in ihrer jetzigen Form auch die Mitarbeit und Kritik der verantwortungsbewußten Presse und führt damit schwere Gefahren für die Meinung?- und Urteils- bildung in der Oeffentlichkeit herauf. Die Reichsarbeitsgemeinschaft der Deutschen Presse erhebt des- halb gegen diese Verordnung entschiedenen Widerspruch. Sie gibt ihrem Befremden darüber Ausdruck, daß ei« so tief. eingreifende Verordnung erlassen worden ist, ohne daß ihr al» der zuständigen Berufsvertretung Gelegenheit gegeben wurde, vorher Stellung zu nehmen. Die R�ichsarbeitsgemeinschoft ist pflichtgemäß unverzüglich in Verhandlungen mit den zuständigen Stellen eingetreten, um di« Aushebung der unerträglichen Bestimmungen dieser Verordnung gegen die Pressefreiheit zu erlangen. Einstweilen hat die Reichs» regierung zugesagt, auf eine liberal« und nicht schikanös« Hand- habung hinzuwirken. Wir verweisen hierzu auf di« Ausführungen des preußischen Innenministers S e v« r i n g, di« wir in dieser Nummer unseres Blattes veröffentlichen und schließen uns lebhaft seinem Wunsche an, daß die Verordnung bald über- slüssia werden und versäbwinden möge. Im Preußischen Landtag Hab« die Deutschnational«# wegen der Presseverordnung interpelliert. Das sind schon die richtigen Vorkämpfer der Freiheit! Ein zweites Schreiben Wirths. Der Reichsminister des Innern empfing am Montag den Bor- stand der Reichsarbeitsgemeinschaft der Deutschen Presse zu einer eingehenden Aussprache über die zweite Verordnung des Reichspräsidenten zur Abwehr politischer Aus- schreitungen vom 17. Juli 1931. Zur Verhütung von Mißverstand- nissen hat der Reichsinnenminifter in einem zweiten Schreiben an die obersten Reichs- und Landesbchörden ergänzende Richtlinien für die Handhabung der Verordnung herausgegeben, in denen es heißt: „Die Verordnung gestattet nur, die Aufnahme solcher Kund- gebungen oder Entgegnungen zu oerlangen, die von der Behörde ausgehen, die das Ersuchen stellt, also amtlich« Verlautbarungen dieser Stelle sind. Das Recht, eine periodische Druckschrift zu ver- bieten, wenn durch ihren Inhalt die össentliche Sicherheit und Ordnung gefährdet wird, setzt voraus, daß ein« bestimmte in der Druckschrift erschienene Veröffentlichung die Annahme einer solchen Gefcchrdung begründet. Wegen ihrer Tendenz als solcher darf eine Zeitung oder Zeitschrift also nicht oerboten werden. Dies ergibt sich rechtlich schon daraus, daß in der Verordnung die Grundrechte und insbesondere das Verbot des Artikels 118 der Reichsverfassung, eine Druckschrift wegen ihrer geistigen Richtung als solcher zu oerbieten, nicht auf» gehoben sind. Bei dieser Gelegenheit gebe ich mit Rücksicht auf die durch die neue Perordnung gewährte einschneidende Verbotsbesugniz, einem Wunsche der Reichsarbeitsgemeinschaft der Deutschen Presse folgend, noch der Erwartung Ausdruck, daß die Darlegung von Be- schwerden in allen Fällen ohne jede Verzögerung erfolgt." Die unhaltbare Ausreisesteuer. Derkehröminisier beantragt Aufhebung der Derorduung. Im Reichsrat, der am Montag zu einer kurzen Sitzung zusammengetreten war, protestierten zahlreiche Ländervertreter in Anwesenheit des Reichsfinanzminister» heftig gegen die Be- steuerung von Auslandsreisen. Das R e i ch» v e r- kehrsministerium hat die Aushebung der Notverordnung beantragt. Unterdessen beschäftigt« man sich am Montag im Reichsfinanz- Ministerium mit den Durchführungsbestimmungen für di« Besteue- rung von Auslondsreisen. In Anbetrocht der endlosen Proteste gegen die Verordnung, di« inzwischen zu Tausenden bei der Reichsregierung»angelaufen pich, beabsichtigt man zahlreiche Milderung«#.€e soll weder die Einreise nach Danzig noch die nach dem Saargebiet be» steuert werden. In der Praxis führt das dazu, daß ein großer Teil des Verkehrs nach den Weststaaten über das Saargebiet vor sich gehen wird. Außerdem ist geplant, Auslandsreisen, die aus zwin- genden Gründen, wie z. B. in Todesfällen vorgenommen werden müssen, von der Besteuerung zu befreien. Die Folge wird sein, daß man sich vom Ausland her unter Angabe zwingender Gründe tele- graphisch Reisen bestellt, ahne daß die Behörden die Möglichkeit haben, jeden einzelnen Fall genau nachzuprüfen. Machen sie den- noch den Versuch dazu, so bedeutet das eine neue, die Sache wirklich nicht lohnende Belastung des Behördenapparates bzw. neue öffent- liche Geldausgaben, denn schließlich kosten die Recherchen nicht nur Zeit, sondern auch Geld. Die Verordnung ist eben in der Praxis unmöglich. Entweder führt man sie strikte durch und ruft damit, eine ungeheure Erbitterung hervor, die schon nach wenigen Tagen zur Aufhebung der Verord- nung führen muß, oder man macht wenigstens für die dringendsten Auslandsreisen Ausnahmen und dann wird sich bald zeigen, daß die ganze Verordnung für d i« Katze i st. Wozu also erst expcri- menticren, wenn man von vornherein von dem Mißerfolg über- zeugt ist? Nur weil die Verordnung nun einmal erlassen ist? Auffchrei der Scharfmacher. Die Geldgeber der Hakenkreuzler zetern über Volksverhessung Die Anprallgerung der Schuld der bankrotten Wirtschasts- führer durch die Sozialdemokratische Partei hat die Schuldi- gen hart getroffen. Eins der ausgesprochensten Scharfmacher« organe neben der„Deutschen Allgemeinen Zeitung" und der „Berliner Börsenzeitung", die„B e r g m e r k s ze i t u n g", tobt gegen uns: „In Preußen regiert Herr Severing. Er wird bestimmt dem „Vorwärts" zum Beispiel niemals ein Haar krümmen, obwohl es in Deutschland kaum ein Blatt gibt, das die V o l k s v e r- hetzung so systematisch und in der Wahl der Mittel so unbedenklich betreibt, wie dieses Organ der größten preußischen Regierungspartei." Wenn wir die Schuld des kapitalistischen Systems und der bantrotten Wirtschaftsführer anprangern, ist dies— Dolkeoerhetzung. Wenn aber die„Bergwerkszeitung" und vor allem die ihr nahestehende nationalsozialistische Presse die niedrigste und gelpissenloseste Hetze bis zur Aufreizung zum Mord betreibt— was ist das? Die Herrschaften scheinen geglaubt zu haben, daß das deutsch« Volk ihnen für ihren grandiosen Bankrott noch Ehren» pforte« errichten würdet Ar. Z3Z» 4»/I«hrg<>ng �.» Oiensia». 21. Juli 1931 Todesopfer der Danatbank, Selbstmord eines Fabrikbesitzer-Ehepaares. 3n fcinrt Villa in der hohcnzollernstrahe 10 wurden am Moniag der 64 Jahre alle Aabrikbcsiher Arthur Zasse und seine S4 Zahrc alle Ehefrau Emma, geb. Böhm, mit Veronal ver- giftet tot aufgefunden. Gerüchte wollen wissen, dah das Ehepaar freiwillig aus dem Lcdcn geschieden ist, da Josse befürchtete, durch de» Zusammenbruch der Donal-Bank sein gesamtes Vermögen zu verlieren. Zu der Tragödie erfahren wir noch weitere Einzelheiten? Joffe war mit seiner Gattin zur Kur in A i x l c s'B a i n s in Frankreich gewesen und erst am Sonntag nach Berlin zurückgekehrt. Joffe ist Inhaber einer mittleren chemischen Fabrik in der Alcxandcrstraßc Z7a, die seit über 30 Jahren besteht und in Acrztc- kreisen gut bekannt ist. Die 26 Jahre alte Tochter des Ehepaares ist Mitinhaberin des Betriebes und wird die Fabrik weiterführen. Bon dem Rcchtsbeistand des Fabrikbesitzers, dem Rechtsanwalt Dr. Fuchs, wird uns mitgeteilt, daß Jaffa seit mehr als 30 Jahren auch Sunde bei der Danat- Bank war. Sein Kredit war vielleicht gedeckt, wurde ober von Joffe nur zu einem Niertcl in Anspruch genommen. Auf Grund der Vcrord- nungcn war aber nichts ausgezahlt worden, so daß in dem Betriebe, der sonst keine geschäftlichen Schwierigkeiten hätte, Stockungen in den Lohnzahlungen für die Arbeiter entstanden. Nach der Rückkehr des Ehepaares am Sonntag waren der Prokurist und der Rechtsbcistand noch zu Besprechungen in der Wohnung ge- wcscn und hatten sich gegen Abend verabschiedet. Bei der Unter- rcdung war zur Sprache gekommen, daß die Bank verlangt hotte, Jaffa sollte eine Tratte unterzeichnen, die er in drei Monaten ein- lösen niüßtc. Der Fabrikbesitzer hatte sich geweigert mit der Be- gründung, daß er nicht voraussehen könne, wie die Lage in einem Vierteljahr sein werde. Es widersprach seinem stark ausgeprägten Ehrgefühl, ZZerpflichtungcn einzugehen, für die er augenblicklich nicht garantieren konnte. Nachdem der Rechtsanwalt und der Pro- kurist das Haus verlassen hatten, muß das Ehepaar zu dem Eni- schlich gekommen fein, freiwillig und gemeinsam aus dem Leben zu scheiden. Aus Abschiedsbriefen geht unzweifelhaft hervor, daß die Ehefrau mit dem Entschluß einverstanden gewesen ist. Ein zweites Ehepaar begeht Selbstmord. Wenn bei dem Selbstmord des Fabrikbesitzers Josse und seiner Gattin besondere Gründe mitgesprochen haben mögen, so dürfte bei dem zweiten Doppclselbstmord die nackte Not die Triebfeder gewesen sein. In ihrer Wohnung im Gartcnhause Erasmus st raßc 1 in Moabit wurden am Montag der 48 Jahre alte Händler Karl ch a r t m a n n und seine 43 Jahre alte Ehefrau Emma mit Gas vergiftet tot aufgefunden. Da die Wohnung im Erdgeschoß liegt, fiel es den Nachbarn auf, daß sich den ganzen Tag hindurch niemand von den Eheleuten zeigte. Man schöpfte Verdacht und benachrichtigte Polizei und Feuerwehr. Die Wohnung mußte mit Gewalt geöffnet werden. Der Händler Hartmann war bereits tot, feine Frau konnte nach langen Bc- mühungcn der Feuerwehr ins Leben zurückgerufen werden, war aber so stark mitgenommen, daß sie nach dem Moabiter Kranken- Hause gebracht werden mußte. Ob sie zu retten sein wird, ist noch ungewiß. Hartmann hat zusammen mit seiner Frau früher, als er noch selbständiger Kaufmann war, bessere Tage gesehen. In den letzten Jahren ernährte sich das Paar kümmerlich vom Straßen- Handel. Wie man von den Nachbarn hört, stand das Paar jetzt vor dem Nichts, da es durch unglückliche Geschäfte alles verloren hotte. Sensation im Kommunistenprozeß. Zwei Echupobeamte unter dem Verdacht des Meineides. Der Prozeß gegen die zwanzig Kommunisten. der seil vielen Wochen das Landgericht III wegen der Vorfälle von Hohenschönhausen beschäftigt, brachte gestern zwei Sensationen. Die erste betraf die Aussage zweier Schupobeamten G. und D. Sie hatten, wie erinnerlich, behauptet, bei ihrer Streife in der Metzer Straße Schüsse gehört und das Aufblitzen van L i ch t st r e i f e n gesehen zu haben. Der neulich an der Friedhofs- maucr in der Lichtenberger Straße abgehaltene Lokal- termin befaßte sich in der Hauptsache mit der Feststellung, ob es möglich sei, von der Metzer Straße aus überhaupt das Aufblitzen der Schüsse zu sehen. Die Beamten blieben bei dem Lokaltermin bei ihren ursprünglichen Aussagen. Das Ergebnis' verlief qbcr n s g a- t i n. Nun meldete sich gestern ein Zeuge, der erst durch den Lokal- tcrmin auf die ganze Angelegenheit aufmerksam geworden war, und erklärte unter seinem Eide, daß die beiden Wachtmeister im Augen- blick, als die Schüsse fielen, sich im Lokal„Zum S ü d w e st a f r i- t a n e r". Ecke Straßburger und Lichtenberger Straße, befunden und erst nachdem die Schüsse gefallen waren, sich zum Tatort begeben hätten. Als Rechtsanwalt Dr. Broh eine Gegenüberstellung dieses Zeugen mit den beiden Beamten beantragte, meinte der Vorsitzende mit besonderer Betonung, daß dies angesichts der eindeutigen Aus- sage des Zeugen überhaupt nicht mehr erforderlich sei. Trotzdem soll am Mittwoch auch noch der Wirt des Lokals gehört l werden. Gegen die beiden Wachtmeister wird höchstwahrscheinlich ein Weineidsverfahren eingeleitet werden. Sie haben anscheinend, um nicht gestehen zu müssen, daß sie während der Streife im Lokal ein Glas Bier getrunken haben, vor Gericht die Unwahrheit gesagt. Es sind ältere Beamte, jeder von ihnen zählt etwa 40 Jahre. Uebrigens ist von nationalsozialistischen Zeugen bereits früher be- hauptet worden, daß die Schupowachtmeister die Lichtenberger Straße entlanggekommen seien. Die zweite Ueberraschung brachte die Aussage eines Zeugen, der in der Tatnacht vom Balkon seiner Bekannten in der Metzcr Straße gesehen haben will, daß die Nationalsozialisten zuerst ge- schössen und etwa zwanzig Schüsse abgegeben haben. Der Zeuge machte einen ganz ausgezeichneten Eindruck. Dos Gericht beschloß, auch die W o h n u n g s b e s i tz« r, die sich augenblicklich in Bayern befinden, als Zeugen zu laden. SvvvvWochenend-BesnchsremsiderBeuteiusstclluiig Je mehr sich die Bauausstcllung ihrem Ende nähert— sie wird am 2. August ihre Pforten schließen—, um so stärker ist das Besucherinteresse in breiten Publikmnskreisen. Das vergangene Wochenende brachte'nicht weniger als 30 000 Be- such er aus das Ausstellungsgelände, darunter zahlreiche aus- wärtigc Gäste. So brachte am Sonntag allein ein einziger Sonderzug aus Thüringen über 1000 Besucher zur Ausstellung, Da trotz wiederholter Mitteilungen Gerüchte, die von einer Verlängerung der Bauausstcllung wissen wollen, nicht ver- stummen, sei wiederholt darauf hingewiesen, dnß eine V e r l ä n- g e r u n g über den 2. August d. I. hinaus wegen der tcch- nischen Vorbereitungen für die komnicnden Herbstausstellungen unmöglich ist. Vor dem Llrteil in Lüneburg. Heute berät das Gericht im Straube-prozeß. Lüneburg, 20. Juli. Der hculigc verhandlungslag im Scheuener Zur- sorgeprozeß war durch die Repliken des Staaksanwall, und des Nebenklägers, der die Zöglinge der Rcvollegruppe vertritt, ausgefüllt. In sehr scharfen Worten verlangte der Staatsauwalt im Gegen- fatz zu der Ansicht, die auch von uns nach seinem Plädoyer geäußert wurde, die BestrafungderZöglingc aus der Revolte- grupp'e. Er sagte unter anderem, daß er entsetzt gewesen sei über die von der einen Seite(Rechtsanwalt Löwenthal) erfolgte Ver- herrlichung der Revolte. Er brandmarkte so den Schaden, der aus einer politisch aufgezogenen Verteidigung entsteht. Die revol- tierenden Zöglinge hätten keinen Zweifel darüber haben können, daß ihre Knüppel eine Waffe darstellten und daß ihre Handlungs- weise ungesetzlich war. Auch der Tatbestand der versuchten Nötigung Straube gegenüber sei erfüllt. Zweifellos sei Straube zum Vorgehen gegen die Anstifter der Revolte berechtigt gewesen. Er habe sich aber nicht der Burschen aus der Topskratzergruppe und der von ihm angewandten Waffen und Mittel bedienen dürfen. Die Notwehr sei für Straube nicht mehr gegeben gewesen, als die revol- tierenden Zöglinge auf den ersten Schuß geflohen seien. hieraus sei Straubes verhallen in der Verhandlung als Ausfluß seines schlechten Gewissens und seines mangelnden Wutes zur Wahrheit zu erNären. Der Nebenkläger bedauerte, daß man in der Beurteilung der Taten Straubes bei 1926 stehen geblieben wäre und nicht bis 1914 zurück- gegangen sei. Wenn der Zögling Ledebour nicht gestorben wäre, würden vielleicht die hunderttausend Fürsorgezöglingc weiter unter der Fuchtel einer brutalen An st altser Ziehung leiden müssen. Er schloß mit den Worten: Es ist eine Schmach, solche Zu- stände zu dulden. Aus den Ausführungen des Staatsanwalts K a st c n d i e ck sei am Tage vor der Urtcilssällung herausgestellt, daß der Vertreter der Anklagebehörde eine Bewährungsfrist für die Zöglinge aus der Revoltegruppe, wie er ausdrücklich belonte, nicht abgelehnt hat. Bei dem Strofantrag gegen Straube, so sagte er weiter, fiel als strafocrschärsend ins Gewicht, daß die Prügelstrafe für alle Heime und Anstalten durch das Landesjugcndamt generell verboten war. Nach kurzen Ausführungen der Lüneburger Offizialverteidiger wurde die Verhandlung geschlossen. Der Dienstag ist den B e- ratungen des Gerichts vorbehalten. Straube wieder in Lüneburg. Auf Aiisüchön seknrs Verteidigers ist der hauptangeklagke im Zürsörgcprazeß, Straube, wieder nach Lüneburg zurückgekehrt tmiTHat an der Nachmiltagssitzung teilgenommen. Der Prozeß wurde auf Zreitag 15 Uhr vertagt. Unwetter über Stettin. lieber.Stettin ging am Montagmittag ein Gewitter mit schwerem Wolkenbruch nieder. Das Unwetter, das fast eine Swnde lang anhielt, hat durch Ueberschwemmung von Kellern usw. vielen Schaden angerichtet. Die Feuerwehr wurde etwa sechzigmal alarmiert. Von I. IIP UND F. PETROW An diesem Tage hielt der Dampfer zweimal an. Bei Kos- modemjanfk blieb man bis zur Dämmerung. Es wickelte sich dos übliche Programm ab. Das Einleitungsmeeting, Ziehung, Auftreten des Kolumbusensemblcs, des Balalaikospielers und die Tänze am Ufer. Die ganze Zeit über arbeiteten die Kon- zessionäre im Schweiße ihres Angesichts. Einige Male kam der Wirtschaftsvcrwalter nnd kehrte dann wieder zu seinen eigentlichen Pflichten zurück, nachdem man ihm versichert hatte, daß alles gegen Abend fertig sein würde. Tatsächlich war die Arbeit am Abend beendet. Ostap und Worobjew trugen das Transparent zur Kommandobrücke. Der dicke Wirtschaftsverwalter lief vor ihnen her und streckte die Arme gegen die Sterne. Mit gemeinsamer Anstrengung wurde das Transparent an der Brücke befestigt. Es erhob sich über dem Personendeck wie ein Feuerschirm. Der Elektrotechniker führte binnen einer halben Stunde die Elektrizitätsleitung her- an und montierte drei Glühlampen hinter dem Transparent. Rechts vor dem Dampfer waren bereits die Lichter der Stadt Wassjuki zu sehen. Der Wirtschaftsvcrwalter rief alle Insassen des Dampfers zur feierlichen Besichtigung des Transparents herbei. Worob- jew und der große Kombinator standen bei dem noch unbe- leuchteten Transparent und blickten von oben her auf die Ber- fammlung. Jedes Ereignis auf dem Dampfer wurde von der fchwim- wenden Konzlei unendlich wichtig genommen. Die Stenoch- pistinnen, Diener, technischen Arbeiter, Schauspieler und die Dampscrmannschaft versammelten sich auf Deck und sahen an- gestrengt hinauf. „Vorwärts", kommandierte der Dicke. Das Transparent wurde beleuchtet. Ostap sah auf die Menge hinab. Ein rosa Licht legte sich aus die Gesichter. Die Zuschauer lachten. Dann wurde es still und eine strenge Stimme unten sagte:„Wo ist der Wirtschafts- Verwalter?" Die Stimme war so streng, daß der Verwalter wie rasend die Stufen hinablief. „Bitte, sehen sie nur," sagte die Stimme,„bewundern Sie Ihre Arbeit!" „Gleich wird man uns hinauswerfen", flüsterte Ostap Worobjew zu. Der Dicke flog wie ein Geier auf das obere Deck. „Nun, wie ist das Transparentchen? fragte Ostap frech. „Versteht man, was ich wollte?" „Packen Sie Ihre Sachen!" schrie der Wirtschaftsvcr- walter. „Warum die Eile?" „Sa— a— mein Sie Ihre Sachen! Und scheren Sie sich weg." „Mein Dickcrchen, wie gut Ihnen derartige Reden passen." „Hinaus!" „Was? Und das Geld?" „Sie werden vor Gericht kommen! Mit unserem Chef ist nicht zu spaßen!" „Schmeißen Sie ihn hinaus!" hörte man die Stimme von unten. „Nein wirklich, gefällt Ihnen denn das Transparent nicht? Ist es denn kein gutes Transparent?" Es hatte keinen Sinn mehr, das Spiel fortzusetzen. Der„Skrjabin" näherte?!>+> Wasi'iuki und man sah bereits Die erstaunten Gesichter der Wassjnki-Bewohner, die sich am Ufer versammelten. Eine Bezahlung wurde den Konzessionären kategorisch verweigert. Man gab ihnen fünf Minuten Zeit zum Packen. Die Konzessionäre blieben am Ufer stehen nnd sahen zum Dampfer hinauf. Das Transparent leuchtete gegen den schwarzen Himmel. „M— ja," sagte Ostap,„ein ziemlich wildes Transparent- chcn. Eine elende Ausführung!" Eine Zeichnung, die den Eindruck gemacht hätte, als wäre sie mit dem Schweif eines störrischen Maultieres ausgeführt worden, wäre im Vergleich mit Ostaps Zeichnung ein Muscumsfchotz gewesen. Statt des Säcrs, der die Obligationen sät, hatte Ostarps scherzende Hand einen Klotz mit Zuckerhut- köpf und dünnen Armen gezeichnet. Hinter den Konzessionären leuchtete der Dampfer und tönte Musik und vor ihnen auf dem hohen Ufer war mitter- nächtliche Dunkelbeit, Hundegedell und das Tönen der weiten Harmonien der Welt. „Ich resümiere, unsere Situation ist folgende." sagte Ostap, immer noch optimistisch.„Passiva: kein Heller Geld, drei Stühle fahren aus dem Fluß hinweg, wir besitzen kein Obdach. — Arfino; ein Wolgaführcr, Ausgabe aus dem Jahre 1926. Da ich ihn brauchte, war ich gezwungen, ihn in der Kajüte von Mr. Simbaewitfch zu entlehnen. Es ist schon einmal so, daß man selten in der Lage ist, eine Bilanz ohne Defizit zu machen. wir werden auf dem Kai übernachten müssen." Die Konzessionäre machten es sich auf den Kaibänten be- quem. Ostap las beim schwachen Licht einer Petroleumlampe aus dem Führer: „Auf dem rechten Ufer der Wolga die Stadt Wassjuki. Hier wird Holz exportiert, Herz, Lindenbast und Matten. Der Ort liegt fünfzig Kilometer von der Eisenbahnlinie entfernt. Die Stadt hat achtzehntausend Einwohner. Sie besitzt eine staatliche Kartonnagenfabrik, die dreihundertundzwanzig Ar- beiter beschäftigt, eine kleine Fabrik für Gußeisengeschirr und einer Lederfabrik, ferner eine Bierbrauerei. Von Lehran- stalten außer den Bürgerschulen ein Förstertechnikum." „Unsere Situation ist viel ernster, als ich anfangs gedacht lzabe", sagte Ostap.„Ich habe das Gefühl, daß es ein unlös- bares Problem fein wird, aus den Bewohnern von Wassjuki Geld herauszuschlagen. Und wir brauchen nicht weniger als dreißig Rubel. Erstens Essen und zweitens müssen wir.den Ziehungsdampfer zuvorkommen, um dem Kolumbus-Theater in Tsarizin auf festem Boden zu begegnen." Worobjew rollte sich zusammen wie ein alter magerer Kater nach dem Kampf mit einem jungen Gegner, einem heiß- blütigen Beherrscher der Dächer und Böden. Ostap ging die Bänke entlang, dachte nach und kom- dinierte. Gegen zwei Uhr nachts war ein vorzüglicher Plan fix und fertig ausgearbeitet. Bender legte sich neben seinen Kom- pagnon nieder und schlief ein. Ein interplanetarer Schach kongreß Ein großer hagerer alter Mann mit goldenem Zwicker in einer kurzen sarbbeklexten schmutzigen Hose schritt am folgen- den Morgen durch die Straßen der Stadt Wassjuki. Er klebte handgeschriebene Plakate an die Mauern: 22. Juni 1927. Im Saal des Klubs„Gemütlichkeit", findet eine Vor- lcsung über dos Thema:„Furchtbare Ideen für die Spiel- eröffnung" und eine Seance simultanen Schachspiels auf hun- dertsechtig Schachbrettern statt. Austreten' des Weltmeisters O. Bender. Jeder hat sein eigenes Schachbrett mitzubringen. Zahlung für ein Spiel sechzig Kopeken. Eintritt zwanzig Kopeken. Beginn pünktlich sechs Uhr abends. Administrator K. Michelson. _ Oortjetztog folgt.) j Der Flug in die Arktis. �Graf Zeppelin" bereit. Zriedrlchshafen. 20. 3uIL(Eigeuberlchk.) Das Luslschiff„Graf 3 e rp c l i n", bas am kommenden Frei- lag zu feiner sechskägigen Arkiisfahrt aufsteigen wird. ist für die Zwecke dieser Fahrt umgebaut worden. Schon in den nächsten Tagen wird die letzte Werkstätten- fahrt ausgeführt werden können. Die Paffagiergondel ist voll- kommen verändert. An Stelle des bisherigen Bodenbezuges ist eine wasserdichte gummierte Hülle getreten. Man konstruierte einen stärkeren und größeren Puffer, der eine Wasserverdrängung von etwa S bis 8 Tonnen aufweisen soll. Der Peilring hängt jetzt sieben Meter unter der Bugspitze, weil die Peiloersuche gezeigt haben, daß er zu nahe der Funkstation lag. Neue Entlüftungsanlagcn find eingebaut worden. Für photographische Aufnahmen wurde in einem ziemlich weit hinten liegenden Raum ein Durchlahschacht eingebaut. Ein solcher befindet sich auch ungefähr in der Mitte des Schiffes. An dieser Stelle will der russische Luftfahrtsachver» ständige Professor M o l t s ch a n o w einen gasgefülltcn Ballon von etwa 2 Meter Durchmesser ablassen. Dieser Ballon ist mit einem Gewicht beschwert, das beim Aufstoß auf das Eis automatisch aus- gelöst wird. Man rechnet damit, daß dieser Ballon bis 18 009 Meter aufsteigen wird. Außer dem Meßapparat führt er einen besonders konstruierten F u n k s e n d e r von geringem Gewicht, der die Wissenschaftler im Luftschiff drahtkos über die gemessenen Temperatur- und Feuchtigkeitsverhältnisse unterrichten soll. Für die Bodensorschung steht eine Reihe von Schlauchbooten zur Verfügung, die dieser Tage aus dem Bodensee ausgeprobt wurden. Auf diesen Gummischlauchbooten sollen Eisschlitten, Zelte, Proviant usw. befördert werden. Außerdem stehen ein Rettungsboot aus Gummi und zwei Kajaks zur Verfügung. Für die magnetelcktri- fchen Messungen ist unter Beseitigung sämtlicher Stahlteile ein Schlafraum hergerichtet worden. Die Passagiergondel, aus der sämtliche Möbel usw. entfernt sind, enthält nur einen ein- zigen etwa 2 Meter langen Tisch, zu dem noch Sitzgelegenheiten aus Leichtmetall angefertigt werden. Ebenso ist der gesamte Pro- viant in der zweckentsprechendsten Weise untergebracht-, um weiteren toten Ballast zu vermeiden, hat man sogar den größten Teil der Küche abmontiert. Drei Mannschaftsaufenthaltsräume müssen der Unterbringung der zahlreichen wissenschaftlichen Instrumente dienen, die Schlafräume sind verkleinert. Das Luftschiff, das Zwischenlandungen in Berlin und Leningrad vornehmen wird, hat außer den 16 Fahrttcilnehmern 29 Mann Besatzung. Die gesamte Fahrtstrecke hat eine Länge von 10 000 Kilometer. Wissenschaftlicher Expeditionsleiter.ist Professor Samoilowitsch. sein Assistent Hauptmann a. D. Bruns. Wir schreiten. Arbeiter-Feierstunde im Nundfnnf. Unter dem Titel„Wir schreiten" veranstaltet« da« Arbeiter- Kultur-Kartell Berlin eine Feierstunde vor dem Mikrophon des Berliner Senders. Bon klangschönen musi- laiischen Vorträgen des Jungen Madrigalkreijes und des Kammer-Sinfonie-Orchesters umrahmt wurde die An- spräche, die Felix Stössinger hielt. Zu dem Programmwort „Wir schreiten" zeichnete er zwei Bilder: den Marsch in die Freiheit der Natur und den Marsch in die Freiheit des Daseins. Auch der Weg, der die Arbeiterschaft an den Feiertagen hiimusführt in Sonne, Luft und Schönheit, ist mehr als nur ein Weg zu körper- licher Befreiung von der Enge der Proletarierviertel. Die Arbeiter- sportbewcgung vereint ein Heer Gleichgesinnter, die nicht wie die Spießer von einst im Sport ihre Weltanschauung sehen, sondern die froh miteinander Sport treiben, weil sie sich eins wissen in ihrer Weltanschauung, in ihrem Glauben an die Zukunft der Arbeiter- schajt, in ihrem Ringen um diese Zukunft. Aber dieser Marsch in die Zukunft führt durch die Arbeitstage. Wir schreiten vorwärts. Schritt für Schritt, ein großes, zielbewußtes Heer. Niemals wird ein Tag jäh und unverhofft die Wendung bringen, die der Arbeiter erstrebt, niemals wird es plötzlich heißen: der Kapitalismus ist gestürzt, die sozialistische Wirtschaftsordnung regiert von heute an. Man kann wohl politische Machtstellungen plötzlich verändern, niemals aber ein Wirtschaftssystem, noch weniger eine Wirtschaftsgesinnung. Seit Jahrzehnten ringt das sozialistisch« Prinzip gegen das kapitalistische: unaufhaltsam gewinnt es an Boden. Die neue Zeit steigt auf, die alte, morsch«, neigt sich dem Untergang entgegen. Die kapitalistische Wirtschaftsordnung ist eine Schande— diese Feststellung wurde kürzlich von keinem anderen gemacht als von dem amerikanischen Multimillionär Owen Poung, dem Mann, nach dem der Poung-Plon benannt ist. Er äußerte sich in einem Interview:„Daß in einem Winkel der Erde das Korn verfault, während in einer anderen Gegend die Leute verhungern, ist ein Schandfleck auf der Maschmeri« des Kapitalismus. Wenn Menschen da sind, die arbeiten wollen, und andere, die Arbeit brauchen, so ist die Arbeitslosigkeit eine Schande für das kapitalistische System." Stössinger betonte, daß diese Aeußerung eines Kapitalisten eine geivaltige Veränderung des Denkens beweise. Niemals wäre vor dem Kriege eine ähnliche Feststellung von solcher Seite möglich gewesen. Die allgemeine Erkenntnis vom Untergang des Kapitalismus ist der Anfang der sozialistischen Weltordnung.„Wir schreiten"— wir, das zielbewußte Proletariat. Nur die lebendige Idee, die das 5)eer der Arbeitenden zu diesem„Wir" zusammenschließt, kann zum Ziel vorwärtsführen, das ein« stumpfe, von Diktatur getriebene Masse niemals erreichen kann, das sie nie erfüllen könnte. Mit uns zieht die neue Zeit: so schreiten wir der besseren Zukunft unauf- haltsam entgegen. Oer Oanaikredii der BVG. Aussprache im Stadtverordnetenausschuß. Die Stadtverordnetenversammlung halte bei der Be- ratung der Vorlage des Magistrats über die Ucbernahme einer Bürgschaft für den Danatkredit der B V G. einen Ausschuß von 25 Mitgliedern eingesetzt. Dieser Ausschuß hat, wie der Stiidtische Nach- richtendienst mitteilt, am Montag, dem 20. Juli, unter dem Vorsitz des Stadtverordnetenvorstehers Haß getagt. Der Magistrat war vertreten durch Oberbürgermeister Dr. S a h m, die beiden Bürgermeister Dr. Elsas und Lange und Kümmerer Asch. Zur Vorbereitung dieser Sitzung hatte der Ober- bürgermeister einen von Bürgermeister Dr. Elsas, zugleich in seiner Eigenschaft als Lorsitzender des Aufsichsrats der BVG., auf Grund der Akten der BBG. und des Magistrats angefertigten Bericht über die Entstehung des am 30. April 1930 abgeschlossenen Kreditvertrages mit der D a n a t b a n k den Mitgliedern des Aus- schusses vor der Sitzung zugehen lassen. Dieser Bericht wurde zum Gegenstand einer eingehenden Aussprache gemacht. Die Beratung des Ausschusses wurde daraufhin vertagt. Heckendors-prozeß Ansang August. Die Brüder bleiben weiter in Hast. Bor dem Potsdamer Schöffengericht fand der Hastprüfungs- tcrmin gegen den Maler Franz Hcckendorf und seinen Bruder Walter statt. Das Gericht lehnte nach«inständiger Verhandlung den Antrag auf die Entlassung der beiden aus der Haft wegen Flucht- und Verdunkelungsgofahr ab. Franz Heckendorf verbleibt in Potsdam, während fein Bruder, der gegenwärtig im Moabiter Untersuchungsgesängnis sitzt, erst zur Hauptoerhandlung nach Potsdam gebracht werden wird. Die Verhandlung wird schon Ansang A u g u st zur Durch- führung gelangen. Vorläusig sind die beiden wegen zweier großer Diebstähle angeklagt. Der erste Fall betrifft den Einbruch bei dem Bildhauer Kolbe in Wannsee. Das Brüderpaar fuhr dort mit einem Auto vor und während der Maler„Schmiere" stand, stahl sein Bruder aus dem Garten eine große Bronzestatue im Werte von 3000 Mark. Gegen Walter ist die Anklage wegen eines weiteren Einbruchsdiebstahl erhoben, den er gemeinsam mit einem noch nicht ermittelten Tüter am 5. Februar verübt hat. Sie stiegen in die verschlossene Villa des Fabritbesitzers Görnitz in Geltow ein und stahlen eine Radierung von Rcmbrandt, eine Zeichnung von Lieber- mann, ferner weitere sieben wertvolle Bilder von Liebennann, Stcinert u. a. Die Diebe nahmen auch zwei kostbare Teppiche und zwei Brücken mit. Wie man erfährt, schweben noch weitere Ermittlungen gegen die beiden Brüder, so daß möglicherweise bis zur Haupwechandlung noch eine Nachtragsanklage erhoben wird. Eine surchibare Mordtat. Fürsorgezöglinge bringen einen Kameraden um. Kopenhagen, 20. Juli. In der dänischen Erziehungsanstalt Braaskov- gaard bei Horsens haben zwei Zöglinge, ein ISjähri» ger, der erst vor einer Woche in das.Heim gekommen tvar, und ein 17jährigcr einen anderen 17jShrigen Zögling ermordet. Di« beiden Zöglinge wollten fliehen. Der dritte merkt« dos. Darauf lockten ihn die beiden auf den Boden, indem sie sagten, er solle mit ihnen Ratten fang en. Als er dorthin kam, erschlugen sie ihn mit einer Axt, versteckten dann die Leiche und gingen zunächst zu einem Fußballkampf. Als es dunkel war, versuchten sie zu fliehen. Der eine wurde spät abends in einem Kornfeld gefunden, der andere von der Polizei in H o rf c ns aufgefangen. Als er ver- hastet wurde, stellte er die zynische Frage:.Kann ich mehr als acht Jahre dafür bekommen?" Der Ermordete ist von seinen beiden Kameraden furchtbar zugerichtet worden. 3V mal Keuerwehralarm. Lleberschwemmungen durch Gewitter. Das kurze Gewitter, das gestern abend über Berlin niederging, war in einzelnen Stadtteilen von'eitlem wokkenbruchartigen' Regen begleitet. Im Westen Berlins, in der Umgebung des Kur- fürstendammes, und im Norden wurden durch den Regen zahlreiche lleberschwemmungen verursacht. In einigen Fällen drangen die Wassermassen in Wohnkcller sowie Lagerräume ein und richteten erheblichen Schaden an. Die Feuerwehr wurde insgesamt 30mal alarmiert, um bei lleberschwemmungen Hilfe zu leisten. Heraus aus dem Gefängnis und hinein. Die Aot der Vorbestrasten. Bon der Zeit der ungeheuerlichen Not werden selbstverständlich die Vorbestraften, schon an und für sich haltlosen Menschen, ganz besonders in Mitleidenschaft gezogen. Die Wohlfahrtsämter sind nicht in der Lage, ihnen in dem Maße wie früher zu Helsen, von Arbeit kann gar kein« Rede sein. Das wirkt sich auch in der Tätigkeit der Gefangenensürsorge aus. Die Zahl der Hilfesuchenden ist im steten Steigen begriffen: es sind darunter auch solche Vor- bestrafte, die schon seit langem keine Hilfe in Anspruch genommen, sich also eine Reihe von Jahren gehalten haben. Oft ist es aber so, daß man von den Leuten sagen kann: Heraus aus dem Ge- sängnis— hinein ins Gefängnis! So standen jetzt vor dem Schnellschösfengericht zwei Angeklagtenpaare, auf die dieser Ausspruch durchaus paßte. Das erste Angeklagtenpaar hatte sich wegen Betruges und Urkunden- fälschung zu verantworten. Der eine von den beiden, ein vierzig- jähriger Mann, der erst im Juni das Gefängnis verlassen hatte, war geständig, einen Entlassungsschein auf den fingierten Namen Lehmann gefälscht zu haben, außerdem eine Arbeitsbescheinigung. Sein Komplice hatte einen polizeilichen Anmeldeschein abstempeln lassen und war mit den drei Papieren in das Wohlfahrtsamt Tier- garten gegangen, in der Hoffnung, er würde auf diese Papiere Unterstützung erhalten. Es wurde aber im Gefängnis Tegel nach- gefragt: ein Gefangener unter dem Namen Lehmann war gar nicht entlassen worden. Der Unterstützungsuchcnde wurde verhaftet und bald darauf sein Kollege. Vor Gericht sagte der Vierzigjährige: Meine Herren Richter. Im Männerheim der Heilsarmee in der Büjchingstraße, wo ich von der Gefangenenfürsorge untergebracht worden war, geht es sehr traurig zu. Was mir da alles angeboten wurde, möchte ich gar nicht erzählen. Im Gefängnis, da wird uns wohl geholfen, das gebe ich zu. Aber, wenn wir raus sind, da finden wir eben keine Arbeit.— E r erhielt sechs Monate Ge- fängnis und sein Komplice vier Monate Gefängnis. Das ander« Angeklagtenpaar L. und B. verantwortete sich wegen eines versuchten Einbruches. B. war erst im Mai vom Schnellschösfengericht zu sechs Monaten Gefängnis oerurteilt worden. Seine Freundin bot, ihn aus der Host zu ent- lassen, sie würde auf ihn aufpassen. Der Vorsitzende ermahnte sie damals, auf ihren Freund auch wirtlich gut aufzupassen. Run stand er bereits wieder vor Gericht. B. hatte erst am 19. Juni eine Strafe von 3 Jahren 3 Monaten Zuchthaus verbüßt. Er erhielt 1 Jahr Zuchthaus, B. ein Jahr Gefängnis. L. nahm die Strafe sofort an. B.'s Freundin weinte ebenso herzzerbrechend wie das erstemal. Von einer Haftentlasinng konnte aber jetzt keine Rede mehr sein. Ins eigene Fleisch geschnitten. Die Folgen der„Flucht in die Sachwerte". 3n den aufgeregten Tagen der vergangenen Woche hat man wiederholt feststellen können, daß nervöse, allzu ängstliche Gcmüier sich allzu schnell von einer Panikstimmung gefangen nehmen liehen, deren Zeche jetzt die gesamte Berliner Bevölkerung zu zahlen hat. So wird gegenwärtig in den Arbeiterbezirken viel das Anziehen der Fettpreise diskutiert. Infolge von Angst- köusen bei Rückenfett und Schwcincliesen haben sich die Pfund- preise dieser Lebensmittel durchschnittlich u m IX) Pfennig c.7. er Höcht. Man malle in den kritischen Tagen der Vorwoche im- s aufgeregten Gesprächen die Schrecken eines Bürgerkrieges an die Wand und suchte sich vor allen Dingen einen vollen Schmalztopf zu verschaffen, mit dem„man es schon sllr ein paar Tage wird aus- halten können". Natürlich waren unter solchen Umständen die -Läger der Ladenschlächtcr allzu bald geräumt und die Folge davon ist, daß die Fettpreise bei dieser überraschenden Konjunktur plötzlich gestiegen sind. Aehnlich oerhält es sich mit den übertriebenen Möbel- und Wäschekäufen. Kleinere Möbelhändler, die während der letzten Krisenmonate nur ein ganz schwaches Geschäft hatten, konnten ihr« Läger vollkommen räumen: nicht nur das, ihre Werk- statten sind auf geraume Zeit hinaus mit Aufträgen versehen. Bor- geld zum Ankauf dieser Möbel war nicht nötig, es genügte, wenn der Kunde dem Möbelhändler sein Sparbuch, aus dem sich ja ein- wandfrei der Stand seines Guthabens ergab, übereignete. Die Folge davon ist,"daß die Möbelpreise über Nacht ihren Tiesstand überwunden haben und wer in diesen Tagen einen wirklichen Bedarf an Möbeln hat, kann sie nicht mehr so preiswert wie vor dem schwarzen Montag des Danat-Krachs erstehen. Auch die Waren- Häuser des Konsumvereins wurden in der vorigen Woche außerordentlich stark in Anspruch genommen. Für die zurück- gelegten Notgroschen wurden schleunigst Waren, besonders Kleidung. Wäsche und Möbel eingetauscht. Der«indringliche Mahnruf des Vorstandes der Genossenschaft zur Vernunft stoppte hier den Run. Nicht minder ins eigene Fleisch geschnitten haben sich die Kurorte im Deutschland benachbarten Ausland. Von einigen rühmlichen Ausnahmen abgesehen, weigerte man sich nach den ersten Hiobsbotschaften aus Deutschland, noch Reichsmark in Zahlung zu nehmen. Die Reisenden sahen sich außerstand«, ihren Auslandsaufenthalt fortzusetzen und reisten ab. Sie waren mit Recht nicht gewillt, sich von irgendwelchen die Konjunktur nutzenden Devisenspekulanten übers Ohr hauen zu lassen. Wer jedoch gestern durch die Berliner City ging, wo besonders Unter den Linden viele ausländische Reisebüros für den Fremdenverkehr ihres Landes werben sollen, konnte in den Schaufenstern dieser Büros große Plakate sehen, auf denen versichert wnrde, daß an allen Plätzen des betreffenden Auslandes die Reichsmark zum amt- lichen Kurs gewechselt und in Zahlung genommen wird. Inzwischen ist aber der Rückstrom der Reisenden im vollen Gange, wie der Zugverkehr auf den großen Fernbahnhöfen beweist: es scheint, daß die Reue zu spät kommt. MÄCICII* Würze MA<3GIS Suppen 1 Würfel für 2 Teller 4npffl - 28 verschiedene Sorten- MAGGI* Fleischbrühe 5 Würfel nur 4Q pfo (= 1 Stange) IO Jlr. 335• 48. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Dienstag, 21. Juli 1931 Die Fremdwörter vom Tage. Kleines Wörterbuch zur gegenwärtigen Finanzkrise. Die wirtschastfichen Vorgänge, bis sich augenblicklich ins»ige der schweren Krebiterschiüterimg in Deutschland abspielen, sind ihrer Natur nach in den Zusammenhängen außerordentlich schwer zu ver- stehen und in den Erscheinungsformen verwirrend für den Laien und für den Fachmann. Was in Tausenden von Aufsäßen erläutert und in Millionen von Gesprächen erörtert wird, wird aber noch um einen Grad schwerer verständlich und verwirrender, als es in der Sache selbst liegt, durch die unvermeidlich« Anwendung einer Fülle von Fachausdrücken, die nieist nicht aus der deutschen Sprache stammen, sondern Fremdwörter sind. Wir glauben deshalb, dem Bedürfnis unserer Leser zu dienen, wenn wir in oller Kürze einige der wichtigsten Fachausdrücke erläutern, die heute in aller Mund« sind, die der Laie ober nicht immer richtig verstehen kann. Fangen wir gleich mit dem Gebiet an, das leider heut« die größte Wichtigkeit gewonnen hat, mit den Fremdwörtern rings um die Pleite. „Insolvenz" ist die Zahlungsunfähigkeit eines Unter- nehmen?. Die Zahlungsunfähigkeit kann ein« vorübergehende sein. Es kann nach der Zahlungsunfähigkeit der völlige Zusammenbruch dadurch verhindert werden, daß die Glärubiger dem Schuldner ein „M o r a t o r i u m", d. h. einen befristeten Zahlungsausschub ge- währen. Ein solcher vereinbarter Zahlungsaufschub ist ein pri- vates Moratorium. Ein gesetzliches Moratorium liegt dann vor, wenn entweder für alle Schuldzahlungen oder für bestimmte Arten von Schulden(Teilmoratorium) durch den Staat der Schuldner zeitweis« von der Zahlungspflicht befreit wird. Bon einem Aus- l a n d s Moratorium spricht man, wenn dieser gesetzliche Ausschub der Zahlungsverpflichtungen sich im besonderen auf Schuldverpflichtungen an ausländische Gläubiger bzw. Schuldverpflichtungen in sremder Währung bezieht, von einem Inlands Moratorium, wenn der Zahlungsaufschub inländische Zahlungsverpflichtungen betrifft. Ist die Zahlungsunfähigkeit eines Unternehmens nicht nur vor- übergehend, wird ihm ein Zahlungsausfchub nicht gewährt, so gerät das Unternehmen in„Konkurs", d. h. es wird nach besonderen gesetzlichen Vorschriften die gleichmäßige Befriedigung der Gläubiger aus dem vorhandenen Dermägen durchgeführt und dos Unternehmen aufgelöst. Gelingt es, diese Auflösung ohne den gesetzlichen Konkurs- npparat in freier Vereinbarung zwischen Schuldner und Gläubiger durchzuführen, so spricht nwn von einer„stillen Liquidation" des Unternehmens. Die Erschükkerung des ganzen Kreditgebäudes ist gegenwärtig entstanden durch einen„R u n"(deutsch: rennen, sprich rön) auf die Banken. Bon einem Run spricht man dann, wenn gleich- zeitig ein« außerordentlich große Zahl von Gläubigern der Banken oder Sparkassen ihr Guthaben zurückverlangt. Da das Geschäft aller Banken und Sparkassen darauf beruht, die bei ihnen gegen Verzinsung eingezahlten Gelder ihrerseits wiederum zinstragend an- zulegen, ist keine Bank und keine Spartass« in der Lage, im Falle eines Runs, d. h. einer gleichzeitigen Abziehung großer Teil« der Guthaben, sofort über die nötigen baren Zahlungsmittel zu verfügen. Der Run muß deshalb zwangsläufig zur zeitweiligen Schließung der Kassen führen. Der Grad, in dem den Verpflich- tungen der Danken oder Spartasien flüisiig«, d. h. sofort in bares Geld umzuwandelnde Bermägensanlogen gegenüberstehen, ist die „Liquidität" der Kreditinstitute. Ein Institut ist„liquide", wenn es in hohem Maße in der Lage ist, Rückforderungen von Gut- baben bor auszuzahlen; es ist illiquide", wenn das Gegenteil der Fall ist. Der Kredit, der Unternehmungen oder Privatpersonen von Banken eingeräumt wird, hat verschiedene Formen. Di« eifach« .Zurverfügungstellung eines Guthabens bei der Bank heißt Buch- Kredit oder„Konto-Korrent-Kredit". Der Konto-Korrent- Kredit" ist„gedeckt", wenn dem Kreditgeber besondere Pfänder in Gestalt von Wertpapieren, Waren oder Grundstücksbeleihungen ge- geben sind,„ungedeckt", wenn er mir auf dem persönlichen Ver- trauen zu der Zahlungsfähigkeit des Schuldners beruht. Ein« andere Form ist der„D i s k o n t- K r e d i t", d. i. der Ankauf von Wechseln durch die Bank unter vorherigem Abzug des Zinssatzes bis zur Fälligkeit des Wechsels. Der Zinssatz, der bei diesem Wechselankauf zum Abzug gebracht wird, heißt der„Die- k o n t s a tz". Da die Reichsbank ihren Kredit in der Hauptsache in der Form des Ankaufs von Handelswechseln vollzieht, ist der fiir den Reichsbankverkehr maßgebend« Zinssatz der Reichsbank- Diskont. Neben dem Ankauf von Wechseln gibt es bei der Reichsbank auch die B e l e i h u n g von Wertpapieren und von gewissen börsen- mäßig gehandelten Waren. Diese Kreditgewährung gegen Ver- Pfändung nennt man.Lombard-Kredit". Der Zinssatz, den die Reichsbank dafür berechnet, ist der Lombardsatz. Wenn ein Bankinstitut seinerseits Wechsel ankauft, also dis- kontiert, uud dann später diese Wechsel weiter verkauft, z. B. an die Reichsbank, oder wenn die Reichsbant von ihn angekauft« Wechsel an andere Institute, z. B. ausländische Notenbanken, weiter verkauft, so spricht man von einem„Rediskont". Die Einräumung der Möglichkeit, solche diskontierten Wechsel weiter zu verkaufen, nennt man „Rediskont-Kredit". Eine andere Kreditform, die im internationalen Berkehr eine wesentliche Roll« spiest, ist der„R e m b o u r s- K r e d i t"(sprich etwa: ramburs). Der Importeur, d. h. der Kaufmann, der Waren einführt, muß i» de? Regel überseeische Lieseranten dadurch bezahlen, daß er das„Akzept", d. h. den angenommenen Wechsel einer BaNk, zur Verfügung stellt und daß gegen die Aushändigung dieses Akzepts die Berschifsungsurkunden über die Waren(Konnossemente) ausgehändigt werden. Diese Kreditgewährung, die mit der Finan- zierung des Einfuhrgeschäftes zusammenhängt und durch die Verschiffungsurkunden besonders gesichert ist, kann durch aus- ländische oder inländische Bonken erfolgen; sie erfolgt oft auch in der Form, daß der Importeur den Kredit von der inländischen Bank erhält, die inländische Bank chrerseits wieder den Kredit von aus- ländischen Banken bekommt. In allen Fällen spricht man bei diesen Geschäften vom Rembours-Kredit.— Schließlich noch ein paar Fremdwörter aus dem Gebiet der Währung. Die Reichsbanknoten sind bis zu einem gewissen Prozentsatz ge- deckt durch Gold(gemünztes Gold oder ungemünztes Gold, das un- gemünzte nennt man Barren) und durch Devisen.„Devisen" sind entweder Wechselsorderungen in einer fremden Währung(Valuta) oder Zahlungsanweisungen(Schecks) auf Buchforderungen bei ausländischen Banken in fremder Währung. Als Notendeckung kommen nur Devisen, die aus eine fremde Gold Währung lauten, in Betracht. Der Teil des Notenumlaufs, der nicht durch Gold oder Devisen gedeckt ist, ist durch reichsbankfähige„Diskonten" ge- deckt, d. h. durch Handelswechsel, die höchstens drei Monate lausen und in der Regel die Unterschrist von drei, in Ausnahmefällen auch nur von zwei zahlungsfähigen Firmen tragen. Das Verhältnis zwischen zwei Währungen, z. B. Mark und Dollar, das dem Goldwert chrer Münzen entspricht, von 1 Dollar— 4,20 Mark, nennt man die„P a r i t ä t". Steigt der Wert über den Goldwert, d. h. über den Paristand, so Hot das im Wert gestiegene Geld ein Aufgeld, das man„A g i o"(sprich etwa: aschio) nennt. Sinkt der Wert unter den Paristond, so spricht man von dem„Dis- a g i o".(Die gleichen Begriffe werden bei Wertpapieren ange- wandt, wenn der.„Kurs", d. h. der Berkaufswert, über dem Nenn- wert, dem Paristand, steht— oder wenn er unter dem Paristand, unter 100 Prozent, steht— Disagio.) Der Handel in Wertpapieren und in Devisen, wie auch in manchen Waren, spielt sich ab als „K a s s a- H a nd e l", wenn sofort das Wertpapier bezogen und be- zahlt wird. Daneben gibt es den„Te r m i n- H a n de l" oder den „Termin-Verkehr", bei dem die Kauf- und Verkaufsabschlüsse zur Lieferung und Bezahlung für einen späteren Zeitpunkt abgeschlossen werden. Für Devisen ist der Terminverkehr, mit dem sehr oft eine Spekulation auf die künstig« Entwerwng einer Währung verbunden ist, hurch die neue Notverordnung verboten. Die Berliuer Produktenbörse hat fest vorigen Montag den Terminverkehr in Getreide eingestellt. Das sind einig« Fachausdvücke, die man heute kennen und ver- stehen muß, von denen wir ober nur wünschen können, daß sie so bald wie möglich wieder aus den Tagesgesprächen der Nichtfachleute verschwinden mögen. F. X. Die wichtigsten Diskontsätze. Seit den Septemberwahlen 2& und 3 fache Kreditverteuerung in Deutschland. Unter dem Druck der Finanz- und Kreditkrise hat die deutsche Reichsbank am 16. Juli den Diskontsatz von 7 auf 10 und den Lombardsatz von 8 auf 15 Prozent erhöhen müssen. Am 13. Juni erst hatte die Reichshank den Diskontsatz von 5 aus 7 und den Lombardsatz von 6 auf 8 Prozent erhöhen müssen, nachdem der Beginn einer Krediterschütterung unverkennbar geworden war. Am 9. Oktober vorigen Jahres mußte der Diskont schon von 4 aus 5 Pro- zent heraufgesetzt werden, weil die Septemberwahlen mit ihrer Stärkung des Rechtsradikalismus für die Reichsbank enorme De- vis«m>erluste(fast eine Milliarde Mark) gebracht hatten. Wir stellen die Diskontentwicklung auf den wichtigsten Kapitalmärkten vom September 1930 bis heute gegenüber: September 1930 Ende Juli 1931 Berlin..... 4 Prozent 10 Prozent(seit 16. 7. 31) New York... 2l/3. 1'/,.(. 8. 5. 31) London.... 3, 2>/z„(. 15. 5. 31) Paris..... 2'/,. 2(. 3. 1. 31) Zürich..... 2'/,. 2(. 23. 1. 31) Amsterdam... 3« 2„(, 16. 5. 31) Diese kleine Tabelle, aus der die Preisentwicklung für das Betriebskapital(hauptsächlich Wechselkrehit) in den einzelnen Län- dern abzulesen ist, ist sehr lehrreich. Seit dem September vorigen Jahres ist der Wechselkredit— entsprechend der Freisetzung von Kapital durch die Krise— in allen Ländern außer Deutschland noch billiger geworden. In Deutsch- l a n d ist der Wechselkredit ans 2 f a ch e, der Lombardkredit sogar auf das 3fache verteuert worden. Dadurch wurde die Arbeit»- losigkeit in Deutschland uferlos vermehrt, die Konkurrenzfähigkeit gegenüber dem Ausland, das ja mit viel billigerem Kopital pro- duziert, unabsehbar verringert. Mit einem so fürchterlichen Preis müssen die Dummheit der Raziwähler vom 14. September, das Filmverbot„Im Westen nichts Neues", die Stahlhelmparaden und die Seeckl-Reden und der Hochmut unserer privatkapitalistischen„wirtschaftssührer" bezahlt werden, deren katastrophales versagen seht zutage liegt. Denn im Dis» kont messen sich in erster Linie die Solidität der Wirtschaftsführung und das Vertrauen, das das Ausland der wirtschaftlichen und po- litischen Geltung eines Industriestaates entgegenbringt. DerTanz um die Einsuhrscheine Wie man Eierkuchen macht, ohne Eier zu zerschlagen. Die landwirtschaftlichen Intereffentenoerbände und die Handelskammern, in denen Getreidehändler Einfluß besitzen, versuchen jetzt mit allen möglichen Mitteln, für die Wiederbelebung des Einfuhr- fcheinsystems Reklame zu machen. Der neueste Dreh bei dieser Agitation besteht in der Behauptung, daß sich Deutsch- land durch einen Export von 500000 Tonnen Getreide 50 Millionen Devisen beschaffen könnte. Leider vergessen diese Neunmalklugen, daß man keinen Eierkuchen machen kann, ohne Eier zu zerschlagen. Bei einem größeren deutschen Getreideexport, zumal wenn er sich in der Form einer ungeregelten Aussuhr von vielen Getreidehändlern abspielt, entsteht durch gegenseitige Unterbietungen ein derartiger Preisdruck auf dem Weltmarkt, daß deutscher Weizen höchstens zu 80 Mark, Roggen höchstens zu 60 Mark je Tonne verkäuflich sein werden. Der Gesamtverkaufswert von 250 000 Tonnen Weizen und 250 000 Tonnen Roggen beträgt also nur 35 Millionen Mark. Um aber diesen Export durchführen zu können, müßten E x- portprämien gezahlt werden, die dem Unterschied zwischen den Weltmarktpreisen und den Inlandspreisen entsprechen. Herr Schiele will den Weizenpreis auf 250 Mark je Tonne halten. Das Reich müßte also die Differenz zwischen 250 und 80 Mark— 170 Mark je Tonne, das sind für 250 000 Tonnen 4214 Millionen Mark, und. für Roggen bei einem Inlandspreis von 180 Mark Exportprämien von 30 Millionen Mark zahlen. Dieses einfache Rechenexempel, bei dem die Eier teurer find als der Eierkuchen, konnten diese Rat- geber für Beschaffung von Devisen anscheinend nicht lösen. Diesen Leuten kommt es auch gar nicht daraus an, ob das Reich 70 Mil- lionen Exportprämien zahlt oder nicht! Ein gleich tolles Stückchen leisteten sich di« w« st- deutschen Handelskammern in einer Kundgebung zur Verwendung der neuen Getreideernte. In einem Atemzug fordern sie die Wie»treinführung von Einfuhrscheinen und pflegliche Be- Handlung der Außenhandelsbeziehungen. Ueber di« innere Gegensätzlichkeit dieser beiden Forderungen haben sich die Herren aber anscheinend keine Gedanken gemacht. Jedenfalls wer- den sich die deutschen Auslandsbeziehungen zu jenen Ländern nicht gerade freundlich gestalten, die durch deutsches Getreide beglückt werden, das mit Hilfe von Exportprämien ins Ausland gepumpt wird. Die Armut am Geiste dieser Sorte Wirtschaftssührer wird auch durch folgende Gegenüberstellung schlaglichtartig beleuchtet. In der erwähnten Kundgebung behaupten die westdeutschen Handels- kammern, daß mit der Wiederbelebung der Einsuhrscheine eine. Frachtersparnis erzielt würde, weil dann das ostdeutsche Getreide in das benachbarte Ausland und dafür ausländisches Ge-, treide nach Westdeutschland aus dem ihm frachtlich günstiger ge- legenen Auslande gebracht wird. Zur gleichen Zeit wird in einer Veröffentlichung der Schisfahrtskreise festgestellt, daß durch die Aufhebung der Einfuhrscheine ein Ausfall von 50 Prozent im Frachtverkehr entstanden sei. Infolgedessen fordern auch sie die Wiedereinführung der Getreideexportprämien. Die einen wollen also Einfuhrscheine, damit Frachtersparnisse ensitehen, und die anderen wollen Einsuhrscheine, damit mehr Getreide ein- und ausgeführt, also mehr Getreide spazierengeführt wird. So sieht Wirtschaftspolitik von Interessenten aus! Nichts anderes als Profitgier ohne Verständnis und ohne Rücksichtnahme auf die Allgemeinheit. Oer Garantieverband der Banken. Der am Sonntag von uns angekündigte Garantieverband der Banken(Ueberweisungsverband e. L.) wird morgen seine Tätigkeit aufnehmen. Wie in einer offiziellen Notiz mitgeteilt wird, handelt es sich um eine unter Führung der Reichsbank entstan- dene Selbsthilfeaktion der Banken, um den bargeld- losen Zahlungsverkehr wieder in Gang zu setzen. Schecks und Wechsel sind zunächst von diesem Ueberweisungs- und Abrechnungsverkehr ausgeschlossen. Ueber die betelligten 44 Firmen dürfen täglich höchstens 15000 Mark zu Lasten des einzelnen Kunden der Banken zur Ueberweisung gelangen Neue, nach dem 13. Juli errichtete Konten werden bei dem Ueberweisungsverkehr nicht beerücksichtigt. Das erste Geschäftsjahr läuft vom 18. Juli bis zum 31. Dezember 1931. Mitglieder des Vorstandes sind bisher Direktor Ehrhardt EMS Katarrhe, Asthma, Emphysem, Grippefolgen, Rück- stände von Lungen- und Rippenfellentzündung, Herz- und Kreislaufstörungen Trink/, Bade#, Inhalations«, Terra tn kuren Unterhaltungen und Sport jeder Art /Zeitgemäße Preist EMSER WASSER/ PASTILLEN/ QUELLSALZ KÖNIGIN von SABA Lrtfc GARBÄTY, tmt ber vsotschen ColbMgfouffimrf unti fier ftugiwitietwiSt ReichS- Bonfbirettor Lübcke. Die Ucberwachung der Geschäftsführung des Vorstandes erfolgt durch einen Arbeitsausschutz von min» bestens fünf Mitgliedern, die von der Mitgliederversamnilung ge» wählt werden. Der GesamtbetragderVerpflichtungen oller Mitglieder gegenüber dem Verein darf 100 Millionen Mark nicht überschreiten. Für eintretende Verluste haftet zunächst ein von den Mit- gliedern gezeichneter Gorantiefonds von S Millionen Mark. Darüber hinausgehende Verluste werden nach einem kombinierton Prozent- Verhältnis umgelegt, da» sich zu je einem Drittel aus der Quote beim sogenannten Preutzenkonsortium(43 Banken zum Verkauf von An- leihen), aus dem Anteil an den fälligen Zinsen und dem Anteil der mit dem Verein getätigten Umsätze errechnet. Als Sicherheit haben die Mitglieder Wertpapiere oder Wechsel bei der Bank des Berlmer Kassenvereins zu hinterlegen und dem Verein zu verpfänden. Die Bewertung und Güte- Prüfung hinterlegter Wertpapiere und Wechsel erfolgt nach dem Ermessen der Deutschen Golddiskontbank. Das Depot von Sicher- heiten mutz verstärkt werden, wenn die Golddiskontbank oder der Verein das von dem einzelnen Mitglied verlangen. Abberufung öes Aufsichtsratsvorsitzenden. Was ist bei der A. Geydel& die. A.-G. los? Am Sonnabend tagte die Generalversammlung der Buch- druckerei A. Seydel u. Cie. A.-G. Eine Generaloersamm- lung, die schon rein äußerlich durch das starke Aufgebot von Rechts- anwälten als etwas Besonderes gekennzeichnet war. Die Erwartungen wurden nicht getäuscht. Nach handelsrechtlichen Debatten, die man am treffendsten mit Rückzugsgefechten des Aufsichtsratsvorsitzenden bezeichnet, wurden alle Punkte über die Bilanz- und Gewinnverteilung vertagt. Jedoch nicht aus finon- ziellen Bedenken— der Vorsitzende betonte ausdrücklich die sehr gute Fundierung der Gesellschaft—, sondern weil die Bilanz vom Aufsichtsrat nicht genehmigt war. Wie wir erfahren. hatte die Hälfte des Aufsichtsrates dem Vorsitzenden,' Rechtsanwalt Dr. Alfred Friedmann, vorher ihre Vollmachten ent- zagen. Die Hauptaufmerksamkeit konzentrierte sich daher auf den Punkt der Tagesordnung:„Abberufung des Aufsichtsrates". Ab- gesehen von den Hintergründen der ganzen Angelegenheit(der Schatten Jakob Goldschmidts zieht im Hintergrund in einem Anzug aus Nordwolls vorüber) zeigte eine scharfe Kontroverse mit dem 9irfr'titT 6 er ArSeffaichiaer tm Luffchtsrai, daß Bar Vorsitzende des Aufsichtsrats nicht der geeignete Wann zu sein scheint, die Geschicke einer grötzeren Aktiengesellschaft mitbestimmend zu leiten. Da alle anwesenden Aktionäre augenscheinlich ebenfalls dieser Meinung waren, wurde Dr. Friedmann kurzerhand ab- berufen. Im Anschluß daran wurde der gesamte Aussichtsrat mit neuen Männern besetzt, von denen die Aktionäre ein ersprießlicheres Arbeiten im Sinn« der Gesellschaft erwarten. Die Bilanzpunkte der Tagesordnung werden in einer demnächst stattfindenden General- Versammlung erledigt werden. Man hörte bisher von 12 Proz. Dividendel Hier scheint noch manches Dunkel aufgeklärt werden zu müsien. Unhaltbare Zieichsbankpolitik. Dsrvbergehenbe Kastenschönerigkeiten der Landesbank der Ziheinprovinz. Seit längerer Zeit schon leidet die Landesbonk der Rheinprooinz unter Kassenschwierigkeiten. Nach unserer Kenntnis sind diese Schwierigkeiten Ende Juni sichtbar geworden; seitdem wird an ihrer Behebung gearbeitet. Verluste irgendwelcher Art liegen nicht vor. Die Ursachen der vorübergehenden Jl- liquidität biegen in der Kündigung von Krediten und in den durch die große Arbeitslosigkeit in den Industriestädten des Westens verstärkten Hemmungen der Gemeinden, fällige Kredite zurückzuzahlen. Bon den großen rheinischen Städten wird alles getan, um die Illiquidität schnell zu beheben. Man denkt in erster Linie daran, den wertvollen Aktienbesitz großer Städte am Rheinisch- Westfälischen Elektrizitätswerk der Landesbonk der Rheinprooinz als Kreditunterloge zur Verfügung zu stellen. Dieser Aktienbesitz dürfte nominell mindestens vierzig Millionen Mark betragen. Der Pro- vinzialoerbond Rheinprovinz, der Provinzialausschuß und der Landeshauptmann der Rheinprovinz weisen darauf hin, daß die Landesbonk der Rheinprovinz unter der Garantie des Staates verwaltet wird und daß für die Verbindlichkeiten der Landesbank der Provinzialverband haftet. Abgesehen von dieser öffentlichen Haftung seien sämtliche Verbindlichkeiten der Landes- dank durch Forderungen an die rheinischen Kommunen und durch erst st ellige Hypotheken gedeckt. Es kann heute gesagt werden, daß der Kampf, den wir kürzlich wegen des Aktienbesitzes der rheinisch-westfälischen Großstädte am RWE. geg« M SaffafGwng bfcr Reichsbanb führen mußten, daß diese Städte ihre RWE.-Aktien zu verkaufen Härten, mit der Aktion zusammenhängt, die diese Städte jetzt�zugunsten der Landesbank der Rheinprovinz unternehmen. Da die Reichsbank wußte, daß es sich in diesem Falle um eine Hilfsstollung für die Landesbank der Rheinprovinz Handelle, erscheint das Vorhallen der Reichsbonkleiwng noch verurteilenswerter als bisher. Auch das von uns kürzlich geschilderte Verfahren den Reichsbank, �den Sparkassen Lombardkredite gegen Verpfändung von Staotsanlechen zu verweigern und der noch immer fort- dauernde Zustand, daß Kommunalanleihen von der Reichsbank nicht beliehen werden, obwohl sie mündcl- sicher sind, wirken sich immer verderblicher aus. Schon wird gemeldet, daß ausländische amerikanische Finanziers auf dem Wege feien, um sich die Finanzschwierig- feiten der rheinisch-westfälischen Städte durch den Erwerb öffent- licher Werksaktien und durch die Ausdehnung der ausländischen Herrschaft in der deutschen Kraftwirtschaft zunutze zu machen. Wielonge noch will die Reichsregierung einer solchen Reichsbonkpolttik mit gekreuzten Armen zusehen? Will man warten, bis die Großstädte des industriellen Westens vollends zu- sammenbrechen? Gibt es in Deutschland jemand, der dafür die Verantwortung übernehmen will? Z T Auch rankreich Hai Mai stark rückgängige Stahlerzeugung. «ine Rohstahlerzeugung von 604 000 onnen gegen 835 000 Tonnen im Mai voyigen Jahres; der Rück- gang beträgt also über zwanzig Prozent. Von Januar bis Mai wurden Zchl Millionen Tonnen erzeugt gegen 4,06 Millionen Ton- nen in der gleichen Zeit des Vorjahres. Für die fünf Monats be- trägt der Ruckgang also etwa 18 Prozent. Diese stark rückgängige Stahlerzeugung Frankreichs ist ein deutlicher Beweis für das scknelle Tempo, in dem auch die französische Wirtschaftskrise Fortschritte macht. Das Büro des Kommissars für die Osthilfe eröffnei. Am 13. Juli 1031 hat der.Kommissar füy die Oschilf«, Landstelle Berlin, sein Büro in Derlin-Friedenau, Rhynstr. 45/46, Tel. Rheingau 4330, eröffnet. Die Landstelle Berlin ist zuständig für Entschuldungs- anträge aus der Provinz Brandenburg sowie aus den östlich der Elbe gelegenen Teilen der Provinz Sachsen und des Freistaates Anhalt. Die bisher zum Bezirk der Landstelle Schneidemühl gehörigen brandenburgischen Kreise verbleiben bis auf weiteres bei der Land- stelle Schneidemühl. Ilisciföi", Lichtspiele usw. Staaftstheater Geschlossen. Abonnements-Einladung für die Spielreit aroBar Pr«l«abbau, wesentliche Verbesternng «Inreiner Pietzgruppen durch Vorverlegung, sehr bequeme Zahlungsbedingungen. AomelduDgen nehmen in der Zelt von 10 bis 2 Uhr entgegen- für die SUalMper und das SlaoiUdie SdiaiUDleUMiu: Abonnem-Büro Oberwal Istr. 22, Fernsprecher; Merkur 902a. für das stnalL SdUUermealer: Abonnem.-Bßro: Charlottenbg., Qrolmanstraße 70, Fernsprecher; Steinplafr 6715. Barbarossa 925« Tim. s u. si/:u. H. u. H. Wllllama Lee Qail- Eneemble Orl|. SWhlrlwInOi Bob Ripa Calla Brandt aa«. PLAZA Tipl. S U. 815 StQ. 2. S U. 815 LHHÄR. OPERETTE Du Land des Lächelns blaaarUltenPralia Winfer * Qcirren* 8.15 lllv Flora 3434 Raute erlauU I I balleli Cdoardova, 10 Broz, LUNAi 9'" FEUERWERK mmm Mnugun# Berlind BETRIEB KEMPIHSKIlJ Berlin spricht i-.4.••--f,. v" vo'ti ROSE-THEATER Wod>exü«gs ft1* Uhr Soontag» Ä48 u, 9 Uhr i;Madame hat Ausgang" mltTraute Rot«, Armin Schweizer, Arno, Fischer, Biging�arden, Wächter, Dahlke, Freund, HoflFmann, Rosen, Wilde. Prefaai O.SO— 3 M Besucht das einzige Sommer- Theater Berlins! Das Weltstadt- Variete- Programm mit LaOti« Werkmeistor und Carl Braun. 8.15: Singspiel ,, Unter d. blühenden Linde" m. Hans Rpse, Kanisch, Güllich, Mikulski, Byron, Pyrmont, Hofer. Wochtgs. 5.30, Stgs. 5 U. Preises 0.60— 2 M Gr, Frankfurter Str. 132. U-Bahn Strausberger Platz.— Stäglger Vorverkauf 11— 1 und 5—9 Uhr.— Tel. Bestellung. E 7 Weichsel 3422 ROSE- THEATER- ABONNEMENT Der bllligrete und beste organisierte Theaterbesuch. Persänl. Anmeldg. werd.tägl. v. 10-7 Uhr Im Rose- Brettl engen. 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Die Beerdigung hat dereit, statt- gefunden. vi« OiUeei valtaag. Berliner Fahnenfabrik Fischer 4 Co..Wallstr.84 0-B.lnuUir8ckt.l8 MtrkiMSto-ast h.i. Kapitän- Kautabak schmeckt mir doeb am besten! KLEINE ANZEIGEN auiiiuiiuiuuuuiiimiiiiiiiiiHniiuiiiiiiiiiiiHiiiiiiüuiiii Uebei-schriftswort 25 Teztwort 12 Pf. Wlederholungsrabatt:10mal5 Proz. 20 mal oder 1000 Worte AbschJuB 10 Proz. 2000 Worte 15 Proz. 4000 Worte 20 Proz./ Stellengesuche: Ueberschriftswort 15 Pf� Textwort 10 Pf./ Anzeigen, welche lür die nächste Nummer Gestimmt sind, möseen bis 4i/a Uhr nachmittags im Verlag, Undenstr. 3, oder auch In sämtlichen Vorwärts-Filialen und -Ausgabestellen abgegeben sein vernams j Shuleum SziDat, Kolonie� straste 9. Selegenheiti Moderne Kronen, Tischlarnnen. chrauunophone, Sinrichtungslo ffer. zodraucht, spott- >illig. Linschmann. Etisadethuser 82. hieidungsziucha, wasena usiu. Wenig getragene Kaoaliergarderobe ran MillionSren, Merzten, tlnwLlten. ffabelhall dillige Preise. 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Da bietet eine Lady„kultivierte Partnerschaft" an und eine„Dame der Gesellschaft"„seriöse Gesellschaf- t e r", eine dritte arrangiert„T e e n a ch m i t t a g e mit hoch- künstlerischem Programm" und zwangloser Geselligkeit vornehmster Kreise. Mit einem Wort, es klingt alles so schön nach Talmi, daß einem die Neugierde keine Ruhe läßt, sich dies plumpe Schwindelmanöver einmal in der Nähe zu besehen. Im Heim der Vermittlerin. Nachdem man vorher seinen Besuch angekündigt hat, sucht man die Ordinationsstunde solch moderner Seclentrösterin auf. Hierbei entpuppt stch die Lady als waschechte Berliner Schlummermuttsr, die„Dame der Gesellschaft" als möbliertes Fräulein, dos sich schein- bar von diesem Metier eine Sanierung der Finanzen erhofft: bei den anderen arbeitet sogar der Gatte im Geschäft mit und es über- bietet der eine den anderen an schönen und vielversprechenden Redensarten. Der Vorgang selbst spielt sich überall in der gleichen Weis« ab: Von einem Mädchen wird man in die gute Stube geführt, allwo die Dame des Hauses, mit Notizblock und Bleistift bewaffnet, am Schreibtisch thront und sofort ein ebenso liebenswürdiges wie gründliches Interview mit der Eintretenden eröffnet. Sic will neben den vollständigen Personalien alle, ober auch die kleinsten und ver- borgcnsten Herzenswünsche in Bezug auf den Partner wissen. Nicht nur, ob er oder sie blond oder braun, dick oder dünn, groß oder klein zu sein hat, sondern auch, mit welchen gesellschaftlichen, sportlichen, künstlerischen Interessen, hervorstechenden Charaktereigenschaften, Sprachkenntnissen und Lebensanschauung er aufwarten muß. Bei solch gründlicher Analyse des Individuums, das doch einzig dem Zwecke geselligen Zusammenseins dienen soll, kann man sich beim besten Willen eines heimlichen Lachens nicht erwehren. Denn wo fände sich das menschliche Kleinod? Ausgerechnet bei Frau T? Und wird sie auch wirklich gewissenhaft das Vorhandensein all der ge- wünschten Vorzüge physischer und psychischer Natur überprüfen? Nachdem die Gute den Wunschzettel genau notiert— ein« andere Geschäftsfrau hatte hierfür sogar einen vorgedruckten Fragebogen in Bereitschaft— stand der springend« Punkt, die Berappungsarie, zur Debatte. Hier wichen die geschäftlichen Gepflogenheiten der ein- zelnen etwas auseinander: die eine verlangte 2S Mark, die andere Iv Mark, die Lady bloß S Mark und eine ganz Noble erklärt«, sie nähme von den Damen keine Vorausbezahlung, weil die meistens ja doch nichts übrig hätten: dagegen stelle sie anheim, sich, nachdem die Sache zum Klappen gekommen, zu revanchieren. Nachdem Madame nun nochmals die unbedingte Vornehmheit und seriöse Art ihrer Kandidaten hervorgehoben hatte, erbat sie in den nächsten Tagen zu Vorstellungszwecken den Besuch der Auftraggeberin. So haargenau fiel die Ausführung des ihr erteilten Auftrages bei Besichtigung des Objektes allerdings nicht aus. Aus einem großen, älteren, kultivierten Mann war ein kleines, spitzbauchiges, ungemein salopp wirkendes Herrchen geworden, dessen Annäherung etwa so ausfiel, wie sich Männer in animierter Stimmung mit einer Bannaid zu unterhalten pflegen. An Deutlichkeit ließ die Konoer- sation nichts zu wünschen übrig und er war baß erstaunt, keine „Gegenliebe" zu finden. Schließlich hätte er doch der Dame 20 M a r k an Einschreibegebühr und weitere 10 Mark für die Vermittlung der Bekanntschaft bezahlt: und man kann begreifen, daß sich der Mann reichlich geneppt fühlte. Wenn nur alle Tage ein solch Dummer kommt, hat die Dame eine ganz schöne Einnahme. -tSOOO reisen nach Wien. Ausfahrt für Arbeitersportler gebührenfrei. Wien, 20. Juli.(Eigenbericht.) Der Aufmarsch zur Arbeiter-Olympiade ist in vollem Gang«. Das Gros der deutschen Olympia-Fahrer wird am Mittwoch hier erwartet. Mit 40 Extrazügen werden am Dienstag und Mittwoch etwa 13000 Teilnehmer zur Arbeiter-Olympiade nach Wien fahren. Durch die von der Reichsregierung verordnete Ausreisegebühr in Höhe von 100 M. war die Durchführung dieser Reise bedroht. In eingehenden Ver- Handlungen konnte das Reichssinanzministerium inzwischen davon überzeugt werden, daß eine Erhebung per Gebühr für die Teil- nehmer an der Arbeiter-Olympiade nicht»ur eine ungerechtfertigte Härt«, sondern auch eine schwere finanzielle Schädigung der Teil- nchmer und der Reichsbahn bedeuten würde. Das Reichssinanz- Ministerium hat deshalb die in Frage kommend«» Zoll- und Paßstellen an der Rcichsgrenze angewiesen, alle Teilnehmer an�trev Arbeiter-Olympiade, die im Laufe des 22. und 23. Juli Mit den von der Deutschen Reichsbahn gestellten S o n de r z ü g c n die Grenze passieren, gebühren- frei ausreisen zu lassen. Es ist demnach anzunehmen, daß irgend- welche Schwierigkeiten bei der'Ausreise der Olympiadc-Tcilnehmer nicht entstehen. Wettrennen auf der Mähmaschine. Sin Kleid in 4? Minulen. Inmitten der vielgestaltigen, mehr oder weniger inleresiantcn Rekordleistungen bot der S ch n e i d e r i n n e n- W c t t b e w e r b im„Orpheum", Hasenheide, ein recht lebendiges, wirtlichkeitnahcs Bild. Auf der Bühne, inmitten einer Waldszenerie, rattern fünfzig Nähmaschinen: fünfzig Beinpaare treten im ?v-Zugtempo, flinke, geschickte Hände führen den Stoff, und die Wangen färben Ehrgeiz plus Windeseile puterrot. Rasch sausen die langen Nähte den Stöfs entlang, dann wird gedreht, gewendet, und weiter surrt die Nadel: Aermel und Halsausschnitt einfassen, die Nähte rasch nachsehen, Fäden verknoten, und im Bogen fliegt das fertige Stück links an den Jurytisch, wo Name und Nähzeit der Schneiderin notiert und dann die Sauberkeit der Arbeit geprüft wird. Es ist nicht gesagt, daß die Erste am Ziel auch die Trägerin des ersten Preises sein muß, da die Sauberkeit d e r A r b e i t mitentscheidet. Der ganz Fixen, die in dem kurzen Zeitrauni von 47 Minuten das Kleid lieferte, folgten in kürzeren und längeren Ab- ständen die anderen. Den Wettbewerb veranstaltete eine Schnitt- musterfirma, die die Schnitte lieferte, und einige Käufhäuser, die gemeinsam mit den übrigen Veranstaltern die Preise stifteten. Es beteiligten sich zu gleichen Teilen Berufs- und Privatschneiderinnen, und es gab für die Siegerinnen aus beiden Lagern je einen ersten Preis von 100 M., einen zweiten von 75 M., einen dritten, vierten und fünften von 50 M.> 35 M. und 25- M. und einen sechsten in Form einer siebentägigen Spreewaldfahrt: außer- dem erhielt jede noch eine Ehrenurkunde. Leer ging niemand aus, denn wer nicht Erste und auch nicht Sechste ward, für den winkte als Trostpreis der Erlös der Arbeit: zum Schluß des Wettrennens auf der Nähmaschine wurden nämlich die fertigen Kleider, schön gebügelt und am Lebendnwdell vorgeführt, an den Meistbietenden versteigert. War für ein Stück kein Käufer da. dann erhielt die Schneiderin ihre Arbeit selbst als Anerkennung. Bei Konzert. Blitzlichtphotographie und Tonfilmausnahm« ging die Sache vor sich. Die Idee der Veranstaltung ist recht originell, hoffentlich hat sie nicht den bitteren Nachgeschmack, daß solche Bravourleistung als Norm aufgestellt wird; wer weiß übrigens, wie lange es dauern wird, und es meldet sich die..Rekordbrccherin"! Damit aber auch die kleine Gesellschaft auf ihre Kosten kommt, fand zwischen der Nähzcit eine g>-oß« Kindermodenschou mit anschließender Preisverteilung statt. Nach einer kurzen Ruhepause waren die fleißigen Beine schon wieder in Bewegung: diesmal ober nicht an der Nähmaschine, sondern auf dem Tonzparkett. Französische Friedensfreunde.in Deutschland. Freiburg i. V.. 20. Juli. Der 11. Kongreß der Internationalen Gesellschaft für den Frieden(„.Action Internationale Demoeratique pour la Paix") beginnt in diesem Jahre in Freiburg im Brcisgau am 4. August und tagt dann außer in Ireiburg auch in Konstanz und auf der Insel Reichenau. An der Kongreßreise nehmen nach einer Mitteilung aus Paris u. a. mehr als 100 Franzosen teil. Du und das Planetarium. Das Berliner Städtische Planetarium hat neuerdings em Frageschreiben mit folgendem Text ausgelegt:„Um den Herbst- Arbeitsplan des Planetariums vorzubereiten, bitten wir auch arm Ihre freundliche Mitarbeit. Sie würden uns sehr zu Dank verpflichten, wenn Sie freundlichst, sofern es Jbre Zeit er- laubt, die Frage beantworteten:„Welche Wünsche haben Sie für die'Arbeit de- Planetariums?" Wir ver- sprechen uns von Ihrer sreundlichen Aeußerung Anregungen, die wir gern durchführen werden, sofern es nur in unserer. Kraft steht." Folgeschwcrer Erdsturz in Ungarn. Budapest, 20. Juli. Bei Erdarbeiten in der Gemeinde Gutorfölde hat sich ein folgen- schwerer Erdstmz ereignet, bei dem fünf Arbeiter getötet wurden und zwei lebensgefährliche Verletzungen er- litten haben. Die Frau des einen Todesopfers ist irrsinnig ge- worden. Insgesamt waren 20 Personen verschüttet. Brentano schwer krank. Der bekannte deutsche Sozialpolitiker Luja Brentano liegt im Münchener Josesinenkrankcnhaus schwer krank danieder. Er ist von einem Blasenleiden befallen, sein Zu- stand ist bedenklich. Lujo Brentano steht im 87. Lebensjahr. W SoziMifSe Arbeiterjugend Groß-Serlio Sivsendunaen für die»« wit de» erste,>b. trilungoleitcrn bei Tandow, Alensburgee Str. 3. 4. Abt..-chtabenb bei Brandis, Siralauer Sir. 10. 10. Abt. 20 Uhr Diskusstansabend hei Landow. Flensburger Str. 3. 20. Abt. 20 Uhr Miiglicderpersammlung Schulstr. 38 bei Dabbert. Referent: Genosse Rechtoanwaki Dr. Klee: Der Kampf um ein neue» Serualstrafrecht. 28. Abt. Der angekünbigte gemeinsame gahlabend mehrerer Gruppen in den Schwedter Festsalen findet lüdit statt. Vielmehr ist Zahlabrnd wi» üblich: Gruppe i; Schw edier Str. 23. Referent: Genosse Ströbel:.Llassenkompf und Sozialdemokratie". Gruppe III: Rechenherg, Ghorincr Str. 40. Rase. rent: Dr. Friedrich Hertneck:..Der grotzo Bankkrach".— Gruppe IV; Iänecke, Hagenauer Str. 5. Gruppe V: Bartheldt, Wörth er Str. 10. Gruppe VI: Maatz, Prenzlauer Allee W2. Gruppe II fällt au». 30. Abt. Die Miigliederpertammkung im Juli fällt au». 33. Abt. Die DUtgliedorversammlung fällt au». 37. Abt. Witglieberoersammlung im Schnliheiß.Patzeichoser, Lanhckberger Allee 24—27, kleiner Saal. Diskussion über Parteita» und Nowerordmrng. Parteibuch mitbringen. 42. Abt. Die Abioilungspersammlung im Juli fällt au». 43. Abt. 20 Uhr Abteilungopenfammlung bei Roabe», Fichte str. 2S. Referent: San» Pleitner: Unsere Wirtschaftskrise und die Hvover-Aktion. 02. Abt. Gruppe der jüngeren Genossen im Jugendheim Treptower Str. 95, am Hertzbergplatz. Kurt Arnold spricht über:„Der Artikel 48 der Reich»- Verfassung." 00,. Abt. Knsammenkunsi sienger Sozialdemokraten»m 20 Uhr in der Halle am Hufeisen. Dr. Muhle: Die Jungen in unserer Zeit. 102. Abt. Arbeitsgemrinsdtaft Bsa-Hof. Reu-Tirdli, Falkenhogen, Reue Krug. allee St. Genosse Dr. Theodor Haubach. Pressechef im Polizeiprässdimn Berlin. Thema:„Vom Umbau de» Slaales". Donnerslag, 2Z. Juli: 0. Keri». 20 Uhr Sitzung de» Kreieoerstanbe» mit den Abteil»ng»leitern. Jede Abteilung muh»ertreten sein. 108. Abt. Miigliedernersaimnlnng im kleinen Saal de» Siaddtheatrr», Fried- richsir. 6. Baeirag: BanNrach— Währungskrise— Pariser Verhandlungen lt. a. Referent: Genosse Usermonn. Arauenveranslaltungen. 7. Abi. Heute, Dienstag, 2l. Juli, lO'ä Uhr, Besichtigung tc» Warfenhauses in der Alien Iakobsir. 33—35. Treffpunkt 10 Uhr vor dem Waisenhaus. 137. Abt. Die für Mittwoch, 22. Juli, geplante Besichtigung des Waisenhauses kann nicht stattfinden. Nähere» wird noch bekanntgegeben. Arbeitsgemeinschaft der Sinderfreunde Grojz-Scrlin. Frei» Sieglitz. Alle Helfer kommen zur Elterirorrsammlung am Donner». tag, dem 23. Juli, um 20)4 Uhr, nach Lichierselde, Lokal Quandt. Hindtm- bnrgdamm 31. Referat:„Erste Hilfe bei UngNicksfällen" sSenossin Pinkus) und Besprechung de, Piertagesahrt. Gruppe Köpenick. Falken, die am kostenlosen Schwimmunterricht hei den freien Sdlwininiern teilnehmen wollen, müssen am Mittwoch, dem 22. Juli, von 15)4 bi» 17 Uhr im Jugendheim sein. Badezeug mitbringen. Donnerstag. 8 Uhr, treffen wir uns zinn Besuch des Frei bade, Rahnsdorf am Bahnhof Köpenick. Essen und 40 Pf. mitbringen. Sterbetafel der Groß« Berliner Partei- Organisation 120. Ab«. Unser lieber Genosse Wilhelm Priefcrt, Kolonie Petersaue, am Triftweg, ist verstorben. Ehre fernem Andenken. Einäscherung findet Dienstag, 21. Juli, 17 Uhr, im Kremotarium Bamnsthulenweg statt. Allgemeine Wetterlage. ZUckuti 4934.aMs. W& "»5 �24 D wvlkeoivliS besser.N«oekannten Nomen» mag in dem Tier die Erinnerung an die aste Heimat erweck! haben." B. Ehrenmänner! « Ehemalige Offiziere und Grofipensionäre verleumden Minister. Stuttgart. 20. Juli.(Eigenbericht.) Vor wenigen Togen wurde gemel-det. daß der württembergische Staatspräsident Bolz, welcher der Zentrumspartei angehört, sich gegen Geruchte zur Wehr setzen müsse, nach denen er 200 000 M. nach der Schweiz verschoben und dort«in 5)aus«rwor. den haben soll. Ter in Böblingen ansässige Urheber dieser Ge- rüchte sei festgestellt worden und Bolz Hobe bereits Strafantrog gegen ihn gestellt. Der Name wurde jedoch nicht genannt. Dazu teilt die sozialdemokratische„Schwäbische Tagwacht" am Montag folgendes mit: „Der unter Anklage gestellt« Mann ist d«r M a j o r a. D. Palmer vom Flughafen Böbiingen. Di« Hintermänner, von denen er die Verleumdung übernommen hat. sind General a. D. Keim in Ulm und der nationalsozialistische SA.-Häuptling von Jagow. drei Pensionär« der Republik, drei Säulen deutscher Ofsiziersehre. Aus diesen Kreisen stammt die Ge- meinheit. Denn ein« solche ist es. das müssen gerade wir sagen, die wir als politisch« Gegner Bolz' seine persönliche Inte- grität durchaus anerkennen. Den Herren Nationalen ist die Geschichte mehr als peinlich. Es sind bereits Versuche im Gange, Major Palmer zu schützen. Davon kann jedoch keine Rede sein, daß wir solchem Beginnen tatenlos zusehen würden. Wir verlangen eine exeinplarische Strafe gerade gegen Leute, die ihre gesellschaftliche Stellung zum Kampfe mit so niedrigen persönlichen Mitteln aus- nützen ohne Rücksicht darauf, ob sie nur Geschoben« sind. Uebrigens eine nette Ironie. Der Major Palmer ist auf seinen Posten beim Böblinger Flughafen durch den Zentrumsmann Kaelin gekommen. Ein nachdenkliches Kapitel für das Zentrum, das über diesen Dank vom Hause Hakenkreuz etwa- erstaunt sein mag. Wir sind es nicht." Das Reich ist an der Lufthansa beteiligt und übt ein Aufsichtsrecht über sie aus. Will es länger dulden, daß an der Spitze des Böblinger Flughafens und der dortigen Pilotenschule ein Mann steht, der sich aus Haß gegen die Republik zur V e r b r e i- tung verleumderischer Beleidigungen gegen führende Männer hergibt? Erklärungen im„Klassenkampf". Der Verlag gegen den„Mahnruf" der Herausgeber. Im neuesten Heft des von Seydewitz und Rosenfeld heraus- gegebenen„Klassenkampf" findet sich auf der dritten Umschlagseite eine Erklärung des Verlags, in dem es heißt: Der in Nr. 13 der Zeitschrift„Der Klassenkampf" erschienene „Mahnruf an die Partei" bringt ober die Gefahr mit sich, daß der gemeinsame Boden verlassen werde, worauf der Mcinungskampf innerhalb der Partei geführt werden muß. Die E. Loubsch« Verlagsbuchhandlung G.m.b.H. hält es deshalb für ihre Pflicht, hiermit bekanntzugeben, daß die Ge- nassen, die die Inhaber des Verlage» sind, die politische Verantwortung für den„M ahnruf an die Partei" nicht übernehmen." Die Redaktton erläßt eine Gegenerklärung: „Zu der im Inseratenteil der vorliegenden Rummer veröffent- lichten Erklärung des Laubschen Verlags haben wir zu bemerken, daß die Redaktton des„Klassenkampf" von dem Verlag voll- kommen unabhängig ist und der Verlag selbstverständlich keinerlei >1?». politisch« Verantwortung trägt, fvr die politischen Handlungen der Herausgeber des.,.Klassenkampf. Ilm diese Tatsache festzustellen, hätte es der Erkläruno de» Verlags nicht erst bedurft, Wir selbst sehen auch keinen Anlaß, uns gegen die Veröffent- lichung dieser Erklärung zu wenden. Ob die Veröffentlichung dieser Erklärung notwendig war, mögen die Leser selbst ent- scheiden." Man kann au» diesem Erklärungskampf schließen, daß die Sonderaktton der Herausgeber des Klassenkampf" selbst in den Kreisen ihrer nächsten Freunde oerurteilt wird. Sachsen verbleiet propagandasahrten. Aber kein allgemeines Demonstrationsverboi. Dresden. 20. Juli.(Eigenbericht.) In einer amtlichen Verlautbarung stellt die sächsische Re- gierung fest, daß in Sachsen zunächst noch auf ein allgemeines Demonstrations- und Versaimnlungsverbot verzichtet werden könne. Dagegen habe das Gesamtminssterium beschlossen, Propaganda- fahrten aller Art, die von Mitgliedern politischer Per- einigungen oder zu polttischen Zwecken aus öffentlichen Wegen unternommen iverden, bis einschließlich IS. September dieses Jahres zu oerbieten. Ferner werden die Polizeibehörden in der Verlautbarung darauf hingewiesen, daß sie von den ihnen durch die neuesten Per- ordnungen des Reichspräsidenten übertragenen Befugnisse gegebenenfalls schnellstens Gebrauch machen sollen. In erster Linie sollen öffentliche Versammlungen sowie Ansaimnlungen und Aus» züge unter freiem Himmel, bei denen Zuzug ortsfremder Personen in Aussicht steht, verboten werden. Erfahrungsgemäß werde besonders durch solche Versammlungen die öffentliche Sicherheit und Ordnung gefährdet._ Sommer-Keldlager der Hitler-Jugend. Nähern verbietet Teilnahme baherischer Schulkinder. München, 20. Juli.(Eigenbericht.) Im Braunen Haus wurden fett Monaten Borbereitungen für ein Sommer-Feldlager der sogenannten Hitler- j u g e n d getroffen, das vom 19. bis 23. August im Bayerischen Wald durchgeführt werden sollte. Der bayerische Kultusminister hat nun die Beteiligung bayerischer Schulkinder an diesem Zeltlager verboten und angekündigt, daß gegen zuwiderhandelnde Schüler mit den Mitteln der Schulzucht und gegen die Eltern mit An- zeigen nach dem Polizeistrafgesetzbuch vorgegangen wird. Auch der S t a h l h e l m wurde mit einem Verbot bedacht. Seit dem IS Juli hat er auf dem früheren Truppenübungsplatz Lager Lechfeld bei Augsburg ein« größere Anzahl Stahlhelmer zusammen- gezogen, die unter der Maske einer sportlichen Veranstottunz für Arbeitslose sogenannte Hebungen abhielten. Nachdem vi« Behörden sich überzeugt hatten, wa» e» in Wirklichkeit mit diesem Stahlhelmsport für«in« Bewandtnis hat. wurde die Weiterfahrung de» Kursus untersagt.___ Selbstmordversuch de««esandtenmärder«. Im Geföngni, in Graudenz hat Kowerda. der im Jahr« 192? den Sowjetgesandten in Warschau, Woikow. ermordete,«inen Selbstmordversuch durch Oeffnung der Pulsadern begangen. Kowerda wurde seinerzeit zu lebenslänglichem Zuchthaus verurwA. da»» aber zu zehn Jahren Zuchthaus hegmchrgt. Oer Herr der zwölf Marmorbadezimmer Oer Eingelieferte: ,Äh, sagen Sie mal: wieviel Badezimmer stehen einem hier eigentlich zur Verfügung?� Oer Wiener Sozialistenkongreß Tagesordnung, Kommissionen, Krauenkonferenz � 1. Den Kpmpj, um die. 2. Die allasmeiiv Der Vierte Kongreß der Sozialistischen Arbeiter-Jnternationale wird vom 25. Juli bis 1. August im Konzerthaus in Wien stattfinden. Vor dem Kongreß tagt die Vierte Internationale Frauentonferenz der SAI., das Büro und die Exe- k u t i v e, sowie eine Reihe von Vorkonferenzen. Am 2S. Juli, 3 Uhr nachmittags, wird der Kongreß feierlich eröffnet werden. Die Eröffnungsreden halten Vandervelde, der Vorsitzende der Exekutive, und Seitz, der Vorsitzende der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Deutsch-Oesterreichs. Die Er- öffnungsfitzung wird durch die Radiostation Hiloerfum(Holland) übertragen werden. Die eigentlichen Beratungen beginnen am Montag, dem 27. Juli. Bormittags werden Kommissionen tagen, am Rachmittag um 3 Uhr findet eine Plenarsitzung de» Kongresse» statt. Die Tages- ordnung umfaßt folgende Punkte: Uuha lttnd Igemeine Lage der sozlalsstischsn Bern Kampf der Arbeiterklasse um die Demokratte. 3. Die Weltwirtschaftskrise und die Arbeitslosigkeit. 4. Bericht der Internationalen Frauenkonferenz. S. Bericht über die Tätigkeit der Exekutiv« und des Sekretariats der SAI. und organisatorische Fragen der SÄI. Für jeden Tagesordnungspunkt wird eine Kommission ein- gesetzt, in der die einzelnen Länder durch einen bi» vier Delegierte vertreten sind. Am Sonntag, dem 26. Juli, findet eine große Vlassenkundgebvng in den Straßen Wiens statt. An ihr nehmen außer den Wiener und den Arbeitern der öfter- reichischen Provinz auch Zehntausende ausländischer Teil- nehmer der Arbeitersport-Olympiade teil, die un- mittelbar vor dem Kongreß stattfindet. Die Delegierten und Gast- delegierten zum Kongreß werden von der Rampe de» Parlaments aus den Zug begrüßen. Das Sekretariat der SAI. legt dem Kongreß ausführliche, g e- druckte Berichte vor. Sie umfassen: eine polttische Uebersicht, einen organisatorischen Bericht, einen Bericht über die Frauen in der Sozialistischen Arbeiter-Jnternationale, einen Bericht über die angeschlossenen Parteien, sowie zum erstenmal eine Darstellung der Lage in jenen Ländern, in denen der SAI. Parteien nicht an- geschlossen sind. Die politische Uebersicht zerfällt in vier Hauptabschnitte, von denen der erste den Kampf gegen den Faschis- mus, der zweite den Kampf„um Arbeit und Brot", der dritte die Aktionen für die Abrüstung und der Schlußabschnitt die anderen weltpolitischen Probleme behandelt. Die Berichte werden nach dem Kongreß gemeinsam mit dem stenographischen Protokoll der Kongreßverhandlungen gedruckt erscheinen. Sie werden, ebenso wie die Berichte de» Marseiller und des Brüsseler Kongresses, ein wertvolles Nachschlagewerk für die internationalen Probleme des Sozialismus bilden. Die IV.Zntsrnationale Frauentonferenz. Bor dem Kongreß der Sozialistischen Arbeiter-Jnternationale wird eine Internationale Frauenkonferenz stattfinden. Sie beginnt am Donnerstag, dem 23. Juli, 3 Uhr nachmittag», im Kon- zerchaus in Wien, und wird vermutlich Freitag, den 24. Juli, be- endet werden. Die Eröffnungsansprache wird durch Radio über- tragen. Die Tagesordnung lautet: 1. Die Frau in der Wirtschaft. 2. Die Wirkung der politischen Reaktion auf die Freiheit der Frau(Referenttn Tony Sender). 3. Die Fortschritte der sozialistischen Frauenbewegung seit der Brüsseler Konferenz 1928(Reserentin Adelheid Popp). Die Frauen der sozialdemotrattschen Organisation Wien» o«r- anstalten zur Begrüßung der ausländischen Delegierten«in« Ler» sammlung der weiblichen Vertrauenspersonen»cm Wien i» großen Saal des neuen Gebäude« der Organisation der Hotel-, Gast- und Kaffeehausangestellten, Wien IV, Trettlstraß«, in der einige Bertreterinnen der ausländischen Delegattonen da» Wort ergreifen werden. Außerdem sind lünstlerifche Darbietungen, Musik und mehrsprachige Lieder und Rezitationen vorgesehen. Der Konserenz geht«in« Sitzung de» Internationalen Frauen- komttees voran.) Delegationen zum Internationalen SoziaUsteakoagreß. Täglich gehen noch Anmeldungen zum Internationalen Kongreß beim Sekretariat der SAI. in Zürich ein. Aber schon die bisherigen Mitteilungen der Parteien berechtigen zu der Schlußfolgerung, daß der Wiener Kongreß so zahlreich und repräsentativ beschickt sein wird wie keiner vorher. Von den bisherigen Anmeldungen seien hervor- gehoben: Aus Großbritannien sind bisher 42 Vertreter, unter ihnen der Parteivorsitzende Stanley H i r st und der bekannte Völker- rechtsverständige Philip Baker angekündigt. Aus Belgien kommen unter der Führung oon Vandervelde, De Brouckere und van Roosbroeck 44 Delegierte. An der Spitze der 40 Genossen und Genossinnen umfassenden dänischen Delegation wird voraussichtlich Staatsminister S t a u n i n g stehen. Deutschland hat bisher 97 Delegierte angemeldet, unter ihnen zahlreiche auch im Ausland wohlbekannte Genossen, so den preußi- jeher Lnnestmmister Sevevtqg, den Reichstagsprosidenten Löbe, m» dm'PÄteivKsitz�lid« Tri«p i e n, Bogel und Wels, den Fraktionsoorsitzenden B r e i t s ch e i d usw. Aus Frankreich sind vorläufig 25 Delegierte angemeldet, darunter LSon Blum, Bracke, Longuet, Renaudel, Paul F a u r e. Aus Schweden kommen 38 Delegiert«, geführt von Per Albin H a n s s o n und Gustaf Möller. Die holländische Delegation umfaßt 11 Delegierte, unter ihnen A l b a r d a, W i b a u t, O u d e g e e st, P l i e g« n. Die tschechoslowakische Sozialdemokratie entsendet 48 Delegierte, unter ihnen den Unterrichtsministcr Derer, den Vorsitzenden de» Senats S o u k u p, Dr. Lew Winter, Gustav H a b r m a n usw. Die 44 Genossen und Genossinnen starke Delegation der beut- schen Sozialdemokratie in der Tschechoslowakei steht unter der Leitung des Ministers für soziale Fürsorge, Czech. Aus den Vereinigten Staaten kommen 26 Delegierte und Gastdelegierte, unter ihnen Morris H i l l q u i t h, Harry L a i d l e r, Clären« Senior. Lettland sendet 17, Rumänien 11, die neu angeschlossene Ukrainische Radikal-Sozialistische Partei in Polen 9 Delegierte. Die Schweiz wird« durch 16 Delegierte in Wien oertreten sein, �lls Ga st delegierte werden am Kongreß u. a. fünf Vertreter der Sozialdemokratie Japans, sowie der Sekretär des Indischen Gewerkschafts- kongresses, B a k h a l e(Bombay), teilnehmen. Nachklänge zum Stahlhelmtag. Rowdytum Berliner Stahlhelmgruppen. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst der Antwort des preußischen Ministers des Innern auf eine Kleine Anfrage ent- nimmt, ist es aus Anlaß der Durchfahrt von Mitgliedern des Stahl- Helm zum 12. Reichsfrontsoldatentag des Stahlhelm in Breslau inHirschbergundUmgegend am 30. Juni und 1. Juli 1931 zu zahlreichen bedauerlichen Ausschreitungen gekommen. Die Schuld hieran trifft nach den eingehenden amtlichen Feststellungen fast ausnahmslos Berliner Stahlhblmgruppen, die der Hand ihrer Führer entglitten waren und sich der ruhigen«in- heimischen Bevölkerung gegenüber in unerhörter Weise benommen und Beispiele eines höchst verwerflichen Rowdytums gegeben haben. Bei den planmäßig betriebenen Ruhestörungen und Aus- schreitungen, die durch kleine Gruppen unter Leitung o r t s- kundiger Führer gleichzeitig an verschiedenen Stellen der Stadt durchgeführt wurden, war es leider nicht imnHr möglich, sie von vornherein zu verhindern. Gleichwohl ist es dank der auf- opfernden Tättgkett der Polizeibeamten gelungen, in zahlreichen Einzelfällen die Täter festzustellen und sie zur Anzeige zu bringen. Die in Hirschbcrg gemachten Erfahrungen mit der U n- zuocrlässigkeit der von der Stahlhelmleiwng für die Auf- rechterhaltung von Ruhe und Ordnung gegebenen Zu- sicherungen werden in tünfttgen Fällen zu einer besonders sorgsamen Wertung solcher Versicherungen Veranlassung geben und danach die Entschließungen der Polizeibehörden bestimmen. Zwei Tote an der serblsch-bulaarttcheu Grenze. In der Nähe der bulgarischen Grenze stieß eine südslawische Patrouille auf vier bewaffnete Leute, die, statt auf den Anruf stehen zu bleiben, das geuer eröffneten. Dieses wurde von der Patrouille erwidert. Da» ü wurden zwei Mann von der Land« getötet, während es den Heide» anderen gelang, über die bulgarische Grenze zu«ottaurmen. Keine Besserung der Krise! Zunahme der Arbeiislosigkeii in den Konjunkiurgruppen. Die Arbeitslosenstatistik der Fochverbände, die im Allgemeinen Deutschen Gewerkschastsbund zusammengeschlossen sind, zeigte Snde Juni eine Arbeitslosigkeit von 30,2 Proz> gegenüber 30,4 Proz. Ende Mai und 19,8 Proz. Ende Juni 1930. Die Kurzarbeit ist gestiegen von 17,1 Proz. Ende Mai auf 17,4 Proz. Ende Juni (12,3 Proz. Ende Juni 1930). Der ganz unwesentliche Rückgang der Arbeitslosigkeit gegen- über Ende Mai d. I. ist ausschließlich zurückzuführen auf die wenn auch nur geringfügig verstärkte Tätigkeit in den Saisongrup- p e n. Hier ist die Arbeitslosigkeit von SS.S Proz. Ende Mai auf S4,1 Proz. Ende Juni(3S,9 Proz. Ende Juni 1930) zurückgegangen. Eine Arbeitslosigkeit von 54,1 Proz. im Baugewerbe Ende Juni ist ober katastrophal. In den K o n j u n k t u r g r u p p e n ist die Arbeitslosigkeit, wenn auch nur geringfügig, g e st i e g e n von 24,7 Proz. Ende Mai auf 24,8 Proz. Ende Juni(1k Proz. Ende Juni 1930). Die Kurz- arbeit stieg in den Konjunktnrgruppen von 20,6 Proz. Ende Mai aus 20,9 Proz. Ende Juni(14,8 Proz. Ende Juni 1930). In den Saisongruppen blieb die Kurzarbeit mit 1,6 Proz. unverändert. chier ist wohl die Frage berechtigt, wie lange der Reichs- arbeitsmini st er noch warten will, um die 40-Stunden- Woche zur Durchführung zu bringen. Im einzelnen ist in fast ollen Konjunkturgruppen eine Per- s ch ä r f u n g der Arbeitslosigkeit eingetreten. Wenn im Metall- arbeiterverband die Arbeitslosigkeit von 30,4 auf 30,2 Proz. gesunken ist. so hat dagegen die Kurzarbeit von 26,2 Proz. Ende Mai auf 27,1 Ende Juni angezogen. Aehnlich liegt es auch bei den Bergarbeitern, wo die Arbeitslosigkeit von 14,9 auf 14,3 Proz. zurückging, dagegen die Kurzarbeit von 21,8 auf 23,4 Proz. stieg. Die wenigen Ausnahmen von dieser Verschärfung der Arbeits- lofigkeit sind in der Hauptsache aus S a i s o n e i n f 1 ü s s e zurück- zuführen. So ist die Arbeitslosgkeit bei den Holzarbeitern von 47,8 auf 47,6 Proz. und die Kurzarbeit von 11,2 auf 10,6 Proz. zu- rückgegangcn. Bei den Nahrungsmittel- und Getränke- arb eitern blieb die Arbeitslosigkeit mit 15,1 Proz. stabil, die Kurzarbeit ging von 18,6 auf 17,8 Proz. zurück. Bei den Tabak- a r b e i te r n sank die Arbeitslosigkeit von 26,1 Proz. auf 24,4 Proz., dagegen stieg die Kurzarbeit von 10,8 auf 12,6 Proz. Eine ähnliche leichte Besserung ist bei den Fabrikarbeitern zu beobachten, wo die Arbeitslosigkeit von 24,3 Proz. auf 22,1 Proz. zurückging, während die Kurzarbeit von 8,5 auf 9 Proz. stieg. Diese ganz unwesentlichen Besserungen sind auf Saisoneinslüsse zurückzuführen. Insgesamt-verbleibt die Arbeitsmarktlag« u n- geheuer schlecht und droht sich noch wesentlich zu verschlechtern, noch bevor die winterliche Arbeitslosigkeit ein- setzt. Man muß nur hoffen, daß die Verhandlungen in London zu einem günstigen Abschluß führen und daß dadurch eine weitere Verschlechterung aufgehalten wird. Zu verlangen ist ober, daß der Reichsarbeitsminister endlich sein Wort einlöst und mit der 40-Stunden-Woche Ernst macht. Berliner Gewerkschaften 11930. Eine Knftnbilanz, aber kein Rückschlag. Die Jahresberichte einzelner Berliner Orlsverwaltungen der freien Gewerkschaften liehen die Befürchiung aufkommen, daß die Berliner Gswerkschofisbewegung im vorigen Jahr infolge der schweren Krise ganz beträchtlich an Terrain verloren hat. Der soeben veröffenilichtc Geschäftsbericht 1930 des Ortsausschusses Berlin des ADGB. zeigt jedoch, daß diese Befürchtung u n- begründet war. Spurlos ist das Jahr 1930 an den Berliner Gewerkschaften natürlich auch nicht vorübergegangen. Die Bilanz des Orts- ousschusiez des ADGB. weist einen Verlust von 13 911 Mit- gliedern aus, so daß am Jahresschluß 1930 in Berlin 379 65 3 Arbeiter und Arbeiterinnen frcigcwerk- schaftlich organisiert waren, mithin 3,53 Proz. weniger als Ende 1929. Die Zahl der männlichen Mitglieder hat sich um 16 624 oder 5,32 Pr«z. auf 295 452 verringert, die der weiblichen Mitglieder um 3635 oder 5,86 Proz. auf 58 397, wogegen jedoch die Zahl der freigewerkschaftlich organisierten Jugendlichen um 6348 oder 32,63 Proz. aus 25S04 gestiegen ist. Daß der Mitgliederrückgang nicht allein auf die ollgemeine Wirtschaftskrise zurückzuführen ist, sondern seine Ursachen zum Teil auch in dem völligen Wandel in einzelnen Berufen zu finden find, geht aus folgenden Beispielen hervor: Die Zahl der frei- gewerkschaftlich organisierten Musiker ging 1930 in Berlin von 2247 aus 1286, also um 42,77 Proz. zurück. Tonfilm und Radio hoben für immer eine große Zahl von tüchtigen Musikern um ihre Existenz gebracht, die keine Aussicht mehr haben, jemals roieder in ihrem Beruf Beschäftigung zu finden. Sie sehen sich natürlich nach Arbeitsmöglichkeitcn in anderen Industrie- uird Gewerbezweigen um und gehen ihrer alten Berufsorganisation verloren, während gleichzeitig die natürlich ausscheidenden Kräfte durch Nachwuchs nicht ersetzt werden. Die Ortsverwaltung des Schuhmacherverbandes verlor von Ihren 3034 Mitgliedern, die sie Ende 1929 noch hatte, im vorigen Jahr 1222 oder 40,28 Proz., so daß sie am Jahresschluß 1930 nur noch 1712 Mitglieder zählte. Auch dieser Mitgliederrückgang ist in erster Linie eino Folge der„Rationalisierung" der deutschen Schuhindustrie. Allein im vorigen Jahr ging in Berlin die Zahl der Schuhfabriken von 96 auf 75 und die der Beschäftigten von 4078 auf 2779 Personen zurück. Am Dezember waren von sämtlichen An- gehörigen dieses Berufes 7 5 Proz. arbeitslos, und der größte Teil der noch Beschästigtcn Kurzarbeiter. Wenn von den Kommunisten gerade in einer solchen Zeit die Spaltung der Berliner Ortsverwaltung des Schuhmacherverbandes durch- geführt wurde, die übrigens den Spaltern keinen Gewinn gebracht hat, so charakterisiert diese Handlungsweise die frevelhafte Gewissenlosigkeit der KPD. Der verhältnismäßig geringe Rückgang der Mitgliederzohlen in der gesamten Berliner Gewerkschostsbewegung beweist jedenfalls, daß das Bertraucn der Arbeiterschaft zu den freien Gcwcrk- schaften u n e r s ch ü t t c r t geblieben ist. Wenn man sich die L e i st» n g e n der Berliner Gewerkschaften vor Augen hält, die sie im vorige» Jahr trotz der Ungunst der Bcr- Hältnisse noch vollbacht haben, darf man ohne Ucbcrhcbung sagen, daß sie dieses Vertrauen.auch verdienen. Bei einer Gesamteinnahmc von rund 29?« Millionen Mark zahlten die Berliner Gewerkschaften im vorigen Jahr fast 13?) Millionen Mark an Unterstützungen. Davon entfielen allein auf die A r b e i t s l o s c n u n t c r st ü tz u n g fast 6 Millionen Mark, die K r a n k c n u n t c r st ü tz u n g 2,23 Mit- lionen Mark, die Unterstützung bei Streiks 1,93 Millionen Mark und die Jnvalidcnunterftützung 1,18 Millionen Mark. Schon für die Arbeitslosenunterstützung wurden im Berichtsjahr rund 2,39 Millionen Mark mehr ausgegeben als 1929, und für Streikunterstützung rund 1,32 Millionen Mark mehr. Die 1 o h n p o l i t i s ch e Aktivität der Gewerkschaften wurde durch die Wirtschaftskrise im vorigen Jahr'Zwar stark gehemmt, aber nicht lahmgelegt. Uebcr die Ergebnisfe der Lohnbewegungen liegen dem Ortsausschuß leider nur sehr unvollständige An- gabsn der einzelnen Verbände vor. Infolge der Haltung der amt- iichen Schlichtungsinstonzen war es für die Gewerk- schasien im vorigen Jahr gewrß schwer, den Abbauforderungcn der Unternehmer mit dem nötigen Gegendruck zu begegnen. Die Er- folge der Gewerkschaften hinsiästlich der Abwehr des Lähnabbaues wären ober bestimmt größer gewesen, wenn bei ollen Abwehr- bewegen gcv nicht der Ballast der Unorganisierten mitzuschleppen gewesen wäre. An den 352 im vorigen Jahr ge- führten Lohnbewegungen waren insgesamt 520 945 Personen beteiligt und davon waren 252 905 unorganisiert. Diese Zahl beweist viel überzeugender als alles„revolutionäre" Gerede, worin die Stärke der Unternehmer gegenüber der Arbeiter- schast liegt. An dieser Tatsache wird auch dadurch nichts geändert werden, daß sich«inge hundert Wortradikale in kommunistischen Sonderverbändchen zusammentun, um sich in dem Begeifern der freien Gewerkschaften zu erschöpfen. Gerade in Berlin Hot die Erfahrung im vorigen Jahre gezeigt, daß die Nutznießer dieser Zersplitterung lediglich die Unternehmer sind. Der Geschäfts- bericht 1930 des Ortsausschusses Berlin des ADGB. ist zwar im wahrsten Sinne des Wortes«ine Krisenbilanz, läßt aber die Er- Wartung zu, daß das anscheinend noch kritischere Jahr 1931 den Berliner Gewerkschaften so wenig Schaden zufügen wird wie das Jahr 1930._______ Oanaibankbelegschast zur Sanierung. Sicherung der Gesamtwirtschast und der Angestelltenrechte. Gestern waren sämtliche Angestellten der Danat- dank in den Kommersälcn versammelt und nähmen folgende Eni- schließung an: „Die am 20. Juli 1931 vollzählig versammelten Angestellten der Danatbank richten an oll« in Betracht kommenden Instanzen der Reichsregierung dos Ersuchen, daß alles geschieht, den Fort- bestand der Danatbank zu gewährleisten und d-?u 7200 Angestellten und deren Angehörigen, ,m ganzen über 20 000 Menschen, die E x i st e n z in ö gl i ch t e i t zu erhalten. Die Betriebsversammlung, erwartet eiwnütig von allen am deutschen Wirtschaftsleben Interessierten, daß sie alles tun werden, um der Danatbank über die augenblickliche Situation hinwcgzu- helfen. Diese Hilfeleistung ist nicht nur im Interesse der An- gestellten der Danatbank, sondern auch im Interesse der deutschen G e s a m t w i r t s ch a f t. mit der«ie Danatbank in jeder Beziehung aufs engste verknüpft ist, dringend geboten. Die Versammelten erwarten, daß diese Forderungen in schnellster Weise erfüllt werden, damit der Betrieb sobald wie möglich in vollem Umfange wieder aufgenommen werden kann und die Angestellten- schast von dem furchtbaren Zustand der jetzigen Ungewißheit bc- freit wird. Wenn aber den berechtielen Erwartungen der Angestellten und den Interessen der Volkswirtschaft nicht entsprochen werden sollte, dann müssen auf alle Fälle gesetzliche Maßnahmen, eventuell durch Notverordnung, getroffen werden, durch welche den Ange- stellten bei einer Betriebseinschränkung oder bei völliger Still- legung die im Betriehsriitegesetz bei Kündigungen vorgesehenen Rechic, d. h. vor allen Dingen das Einspruchsrecht bei dem Be- triebsrat, und entsprechende Abfindungssummen sichergestellt werden. Die gleiche Sicherung fordert die Versammlung für de Pensionäre des Institutes." Zweierlei Krisenunterstühung. ?ieichsarbeitsminister berichtigt Arbeitsämter. Der Reichsarbeitsminister hat endlich zu einer Frage Stellung genommen, deren Klärung schon längst notwendig gewesen wäre. ' Vor der Notverordnung vom Dezember vergangenen Jahres kannte man in der Krisensürsorge zweierlei Unter- ftützungsartcn: einmal die Krisenunierstützung nach der Aussteuerung aus der Arbeitslosenversicherung und zweitens die Krisenunierstützung auf Grund eines Nachweises von mehr als 13 Wochen versicherungspflichtiger Beschäfti- gung, aber weniger als 26 Wochen, die notwendig find, um Anspruch auf Unterstützung aus der Arbeitslosenversicherung zu haben. .Hat nun ein Arbeitsloser mit 26 Wochen versicherungspflichtiger Beschäsiigung vor Erschöpfung seines Anspruches auf Unterstützung ?lrbeit erhalten und wird er wieder arbeitslos ohne ein« neue Anwartschaft von 26 Wochen erworben zu hoben— was oft vorkommt—, dann hat er zunächst Anspruch aus Arbeitslosenunterstützung aus Grund der alten, nicht voll ausgeschöpften Anwartschaft. Ist diese erschöpft, so erhält er Krisenunterstützung insolge semer Aussteuerung aus der Arbeitslosenversicherung. Die Arbeits- ämter hoben jedoch die Notverordnung so ausgelegt, daß sie dem Arbeitslosen Krisenuntcrstützung auf Grund der zweiten, für den Bezug von Arbeitslosenunierftützung nicht ausreichenden Anwartschaft zahlten. Dadurch wurde der Arbeitslos« ge- schädigt, denn wenn er wieder in Arbeit tritt, mußte er noäimols 26 Wochen versicherungspflichtige Beschäftigung nachweisen, che er Anspruch auf Arbeitslosenunterstützung hatte. Die Zeit der An« wartschaft, während der er Krrsenunterstützung bezog, war für ihn bei Geltendmachung des Versicherungsonspruches verloren. In einem soeben erschienenen Erlaß erklärt der Reichsarbeits« minister, er habe „keine Bedenken, daß für Arbeitslose, die bei Inkrafttreten de?! Erlasses über Personenkreis und Dauer der Krisenfürsorge vom ll. Oktober 1930 bereits Ärisenunterstiitzung bezogen haben und die ihren Anspruch auf die Krisenunterstützung sowohl auf ihre Aussteuerung aus der versicherungsmäßigen Arbeits- losenunterstützung wie auch auf Erreichung einer kurzen An- w a r t s ch a f t stützen konnten, der Tatbestand der Aus- steuerung aus der versicherimgsmäßigen Arbeitslosenunter- stützung und nicht der der kurzen Anwartschast als maßgeblich angesehen wird.. Noch diesem Erlaß müßte auch der Arbeitslos« nach der Aus- steuerung aus der Arbeitslosenunterstützung erst Krisenuntcrstützung auf Grund der Aussteuerung und dann»och einmal Krisenunter- stützung auf Grund der neuen kurzen Anwartschast beziehen. Aber selbst wenn der Erlaß nicht soweit gehen will, wie man es auf Grund des Wortlautes annehmen kann, so kommt der grund- sätzliche Entscheid bestimmt zum Ausdruck, daß alle jene A n r c ch- nungen von K r i s e n b e z u g sz e i t auf Arbeitslosenunterstützung. die noch der Dezembernotvcrordnung nach Krisenbezug auf Grund kurzer Anwartschast erfolgten, in säst ollen Fällen zu Unrecht erfolgt sind. Wenn der Krisen- bezug noch der Aussteuerung aus der Arbeitslosenversicherung vor dem Krisenbezug nach kurzer Anwartschast vor- a u s g e h t, wie es der Erlaß klipp und klar sagt, so mußte in fast allen Krisenfällen auf Grund der Aussteuerung Krisenuntsr- stützung gezahlt werden. Diese Krisenunterstützung durfte aber auch nach der Dezembernotverordnung nicht bei Erfüllung einer neuen vollen Anwartschaft auf Arbeits- losenunterstützung angerechnet werden. Und diese Anrechnung ist überall in allen Arbeitsämtern erfolgt, weil man bier die Krise auf kurze Anwartschaft, also die anrechnungsfähige Krise vor der Krise auf Aussteuerung vorausgehen ließ. Jeder Arbeitslose, der auf Grund eines früheren Krisenuntsr- stützungsbezuges nach Erwerb eines neuen Versicherung?- mäßigen Arbeitslosenanspruches in der Dauer der Bezugszeit der Arbeitslosenversicherung gekürzt worden ist, wird daher gut tun. sofort beim Spruchausschuß gegen die An- rechnung der Krisenbezugszeit Einspruch einzulegen. In sast ollen Fällen werden die Arbeitslosen eine Nachzahlung er- holten oder aber die Bezugszeit der Arbeitslosenunterstützung erheblich verlängert bekommen. Internattonale der Arbeitsinvaliden. In Zürich fand dieser Tage die V. Internationale Konserenz der organisierten Arbcit-z invaliden statt. Dieser jüngst« Zweig der internationalen Arbeiterbewegung Hai in d-m letzten Jahren eine recht erfreuliche Entwicklung durchgemacht. Im Jahre 1924 waren bei der Gründung in Gens drei Länderorgoni- satioium mit etwa 160 000 angeschlossenen Mitgliedern vertret:». Seitdem hat sich die Zahl der angeschlossenen Organisationen ver- doppelt und die Miigliederzahl ist auf weit mehr als 500 009 gestiegen. Die Immer stärker zunehmende Aktivität bildet auch für die Zukunft die sicherste Gnindlage für einen gesunden Ausbau der internationalen Bereinigung. Nach einem Referat des Reichstogsabgeordneten Genossen K a r st e n- Berlin, das sich im wesentlichen mit dem Stand der Organisation und den zu überwindenden Schwierigkeiten, sow'e de» Zukunstsoussichien für die organisatorische Entwicklung bc- schästigic, wurden in Form einer einstimmie. ängciiomnieüsn E:st! schließung festere O r g a n i s a t i o n s r i ch i l i n i c n für die Internationche Bereinigung der Arbeit«iuxilidcn geschaffen. In der Entschließung ist ausgesprochen, daß die Vercinigmiz auf dem Boden der modernen Arbeiterbewegung steht und sich mit ihr verbunden fühlt. Die gemeinsamen Forde- rungcn auf sozialpolitischem Gebiet sollen durch Einwirkung ai.s die internationalen sozialen Institutionen verwirklicht werden. Tie Enischlichune. spricht ferner aus, daß als entscheidende Grundloge für gemeinsame erfolgreiche Arbeit absolute Freundschaft und Kameradschaftlichkeit erforderlich sei. Mit dem Internationalen Arbeitsamt wirkt die Internationale Bereinigung seit Jahren im besten Einvernehme» zusammen. Auf der diesmaligen Konferenz kam dos zum Aus- druck durch die Anwescntheit des Vertreters de? IAA., Herin Dr. Stein aus Genf, der gleichzeitig ein großangelegtes Reftrar über den Stand der internationalen Sozialpolitik hielt. In der Entschließung, die dazu einstimmig angenommen wurke. wird auf die verstärkten Schwierigkeiten in der Sozialversicheruvg aller Länder hingewiesen, als Folge unserer besonderen Zei'- erscheinungen: Rationalisierung, Arbeitslosigkeit, Kriegsfolgen, Wcltwirtschastsfolgen usw. „Obwohl es höchste Zeit ist", so sogt die Resolution zum Schluß,„soziale imd kulturelle Wiederaufbauarbcit in allen Ländern zu leisten, werden statt dessen die hierzu notwendigen Mittel für unsinnige Militärausgoben verschwendet. Die jetzt eingeleitete Neu- gcstaltung der internationalen Kriegsschuldensrage kann schließlich nur dann wirklichen Erfolg, haben, wenn an Stelle von Rüstungspolitik eine Politik der Kultur und Mensch- l i ch k ei t tritt." Freie Gewerkfchafis-Jugend Berlin Heute. WM Uhr, tagen die Gruppen: Milerahot: Sruppsuht!« Adler»- hef.»ismarckNr. 1. Wie gehen Sur Gruppe Schon eweide.— Schöne- weide: Jugendheim Riederichöileweide. Berliner Str. zt(Mädchen- schule im Keller.) Lird-rahenh.— Pankow: Jugendheim Kissingenstr. 4«. g. ö. Achtung. Achtung! Paniow sendet auf Welle.Kill-�tille".— Gewertschalt»!,«»-: Engelufcr 34—25, Saal 11. Ein Tag in Pari».— Wedding: IugeudheiiN «illdenvmsir. 5, 2 Treppen szimmer u. Bratpreiz. G-Ireidesöll- und die Not der Landwirtschaft.— Ren. Lichtende rg: Jugendheim Sunterstr. 44. Ter Kampf »m die Rohstoffe.— Zranlsurter Allee: Siädt. Jugendheim Litauer Str. 18. Mustkahend.— Llchtenderg: Jugendheim Dossestr. H. Die Arbeit der frei. gewcrtschaftlichen Zugendsentralc.— Ost-nde: Jugendheim Karle. hörst, Treatow- allce 44(Kant. Schule). Gerne rfschoften und Berufsschule.— Treptow: Schule Biltenbruchstr. 53—54(Hartjimmer), Zugang Graetzstrahe. Kunteidunt. Zugendgruppe des Zentralverbandes der Angestellten Heute, Dienstag, finden folgende Veranstaltungen statt: Rordwest: Zu- gendheim Lehrter Str. 15— ,4>. Lefeabend.— Lichtenberg: Jugendheim ©iimctftr. 44. Kurzreferate.— Der Sprech. m*6 Beivegungschor übt öb 20 übe der Turnhalle Baruther Str. 20.— Spiele im Treien ah ,8 Uhr auf den, Srortplati Tiergarten, im Schillerpart, auf der Miese 7 im Trepiower Park und ah 19 Uhr aus dem Tempelhofer(Zeld, fllughasen�ingoU!). B-rantwortlich Kit Politik:«irtot Schiff: Wirtschaft:«.«linqelhoier: Scwerkfchaktsheweauna: i? riebe. Sfcloca; fZeuilleton:®r. Zoh» Schilowoti: Sotolcä und Sonstiaes: fftill Karstadt: Anzeigen: Th.»lock«: sämtlich in Berlin. Berlaa: Dorwarts-Berlag®. m. b. H.. Berlin. Druck: Borwärts-Buchtruckerel „ad Vcrlagsanstalt Paul Sinaer u. Co. Berlin SW. 68, Lindenstrab« t Hier», 2 Beilagen. "W Sogar KeHenraucher schüfj Sogar Kettenraucher ichüfjen sich durch vor Katarrh und nadi Tabak rie- «hendera Ateml