BERLIN Dienstag 21. M 1931 W Pf. M 336 B 1 66 t-3. Organs erfchtlsttislich außer Gonntag«. Auzltich AdendauSgate des.Vorwärts�. Bezugspreis deide Ausgaben Sä Pf. pro Woche,».SOM. pro Monat. Redaktion and Expedition: Berlin SWks.Lindenstr.s Fernsprecher: Dönhoff(A 7) 292—297 Anzeigenpreis. Die einspaltige Nonpareillezeile so Pf., Reklamezeil« 5 M. ErmüKigunaen nach Tarif. Postscheckkonto: DvrwärtS-Verlag G. m. b. H.. Berlin Nr. s? sss.— Der Verlag behält sich das Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor! m Slraftmsahren gegen Danalwrstand Konkurs über den Nordwolle-Konzern heute vormittag eröffnet Bei der StaatSanwaltschast 1 in Berlin schwebt ei« Strafverfahren gegen den Vorstand der Darmstädter «nd Rationalbank(Danatbank). Sachbearbeiter ist StaatAanwaltschaftsrat Grüneberg. Dem Bernehmen«ach ist die eingehend« Anzeige, die das Borgehen der Staatsanwaltschaft hervorgerufen hat» auf die Rechtsvertreter der Gebrüder L a h u s e n zurückzuführen. Di« betrügerische Ronzernleitung und die Bankleitung scheinen seht mit gegenseitigen Gnt« hüllungen herauszukommen. Nordwolle in Konkurs. Sanierungsverhandlungen zerschlagen. Bremen, 21. Zuli. Li« Znfiizpresse steile teilt mit, daß über das vermögen der ftorddeulschen Wollkämmerei und Kammgarnspinnerei. Bremen, heute morgen der Konkurs eröffnet worden ist. Die vier stellvertretenden Vorstandsmitglieder und Reichsonwalt Dr. LI f. fchih find beim Konkursrichler erschienen und haben erklärt, daß die Gesellschaft zahlungsunfähig ist. Zum Sonkursverwaller wurde Rechtsanwall Dr. h e i n e m a n, Bremen, ernannt. Der letzte Akt der Nordwolle-Tragödie hebt an. Die Sanierungs» Verhandlungen haben zu keinem Ergebnis geführt und mutzten a b- gebrochen werden, da sich die Gläubiger nicht zum Still» halten, d. h. zur Stützung des heruntergewirtschafteten Konzerns entschließen konnten. Den Ausschlag für diese ablehnende Haltung der Gläubiger hat ganz zweifellos dl« oerwerfllchc und verbrecherische Art der Geschüftsleilung bei der Nordwoll« gegeben, die in ihren Einzecheiten erst jetzt nach und nach bekannt wird und eimn moralischen Tiefstand enthüllt, der In der Geschichte der Wirtschaftsskandale seinesgleichen sucht. Der grötzte deutsche Wollkonzern mit den erstklassigsten Be- trieben geht also in Konkurs. Der Vergleich mit dem Zusammen- bruch de« Stinneskonzerns tm Jahre 1925 und der rlesenhaften Berramschung der Stinnesbetriebe drängt sich auf. Nur dah diesmal Jakob Goldschmidt, der damals der Schlächter des Stinnes- konzerns war, heute selbst auf die Schlachtbank muh. Die entscheidende Frage bei dem Konkursverfahren ist, was aus der Belegschaft des Nordwolletonzerns wird. Roch im September vergangenen Jahre» betrug die Belegschaft de» gesamten Konzerns 17 600 Mann und bei der verhältnismäßig befriedigenden Wollkonjunktur in Deuischland dürfte der Belegschaftsstand zur Zeit noch fast 14 ovo Personen umfassen. Um das Schicksal von 14.»leck«. Verlin. Verlag: Vorwärts Verlag G. m. b.£>., Berlin. Druck: Vorwärts Buch, druckerei und Berlagsanslalt Paul Singer& Co.. Berlin SW 68, Liadenkrafie 8. Sietjn 1 Beilage. RelchshaKen-Theater Anfang£»] Uhr Stettiner Sänger vom 16. 7. bis 22. 7. „Alles verrückt!" Sommerpreise. Sül BarUroitt 826« Tlgl. B u.«1/2 U. H. u. H. William« Lee Gall- Ensemble Orlg. awdlrlwln«« Bob Ripa Mit Brandt n«. pi« Aza Tlgl. S II. au 3t«. 2, 5 u. SU LEHÄR- OPERETTE Du Land des Lücheins Kaie« erUktu Prelje Deotsdiei TDeater 8 Uhr Der BBuptmann von ROpenidi e Carl Zuckmayei Rigig; Heinz Hilpert Die Komödie Täglich 8i/i Uhr Dienst am Kunden HD Cmt Bois ond Mix Hmun Regie: Hang Depp« RurlOrsfenilamin- Theafer Bismarck 448/49 Die schöne Helena von lacanes onenDnffi Regit: M« Rein»««» Komisene aper Frledrichstr. 104 Sift Uhr Frauen haben das gern... IlZusIkal. Schiraak ton Arnold Musik t. Walt. Kollo Somincrpr.OJia-7.00 metropot-iheater Täglich»>/« Uhr Die Toni aus Wien Mady Christians, Michael Bohnen B esonders wirksam sind die KLEINEN ANZEIGEN Im „Vor wlrl»14 und trotzdem NdilllSN HA&M _ lMW Keuaiifönt Berlins BETRIEB KEMPINSKlV J PROGRAMM für die Zeit vom 21. bis 23. Juli KINO-TAFEL PROGRAMM fQr die Zeit vom 21. bü 23. Juli CDOG Potsdamer Strafe 35 W, 5, 7, 9, S. 3, 5, 7, 9 Uhr 1dl heirate meinen Mann mit Trade Berliner. Igo Irin. SxOkc Szakall Rheinstrage 14 �-clche) W. ab 5.15, S. ab 3.15 Uhr Die Müternaditsiaxe mit Harry Plel Riff and Raff als RcTolverhelden OdeOD, PotjdamerStr.75 W. 6.7.9. 8.3,5,7, 9 Uhr „M.- Frltz-Lang-Fllm Turm stralj c 12 Kletaa.i mit Dita Parle». Gustav FrShlldi Ein dämonische. Weih mit Lnpino Laue Alexanderstr. 39-40 (Pas tage) Den ganzen Tag geöffnet, Stgs. ab 3 Uhr Die Maske fällt mit Lbsl Arna, Anton Potulner Luttspieleinlage: Zwei Hunde und ein Knochen ■ Wd.tan E Primus-Palast Potsdamer Str. 19 Ecke Margaretensir. Wochentags 5.15. 7.15. 9.15 Uhr Sonntags 3.15, 5.15. 7.15. 9 15 Uhi 4. Monat! Der Schrecken der Garnison mit Felix Bressart Jugendliche haben Zutritt W Fried ilch««adt W Franziskaner Oeorgensiraße(Ecke Friedrichstratte) Der JOngste Leutnant mit Ramon Novarro Vagabandenliebdien mit R. Deuj T Annen des Beiprogramm Moabit ftlTUSnOI Bühne Sonntags 5 U. Perleberger Str. 29. Deutscher Ton- und Sprechfilm: Der Bergführer von Zakopane mit Domenico Gamblno Tonbeiprogramm— BOhnentehan Welt-Kino SÄM Alt-Moabit 99 lOöproz, Tonfilm; Das gelbe Hans des King Fn mit Charlotte Sosa Tonbeiprogramm— Ton woche � Charlottanbura W Kant-Lichtspiele Kamstr 54(an derWilmersdorler Str.) W. 5,-7, 9 Uhr S. 3, 5, 7. 9 Uhr ,M." Frllz-Lang-Tonfilm D Wilmersdorf D Atrium Bcba-Palasl Kaiserallee, Ecke Berliner Stratte Wegen Renovierung vorübergehend gesdslo Titania-Palast Steglitz, ScbloBstr. 5, Ecke Outsmuthsstr. Tonfilm-Uraufführung; Elisabeth v_ Oestcrrelcfa(Leidensweg einer Frau) mit LH Dago ver, Paol Otto Beiprogramm— Tonwochcn schau g lohlondorf-Mitte b Zeli Wochentags 7, 9 Uhr Sonntags 5, 7, 9 Uhr Potsdamer Str. 40 Stg. 3 Uhr: Jugendv Tonoperette: Der Bettelsindent mit H. H. Bollmann— Gnies Bclprogr. %jf- f£ Marlendorter Wochentg. L ia-lal Tonlich tsptelc 7 U. 9 Uhr Chausseestr. 305 lOOproz. Tonfilm; Die Million, Rend Clairs Meisterwerk Tonbeiprogramm > Tompolho«> TiVOli Berliner Str. 97 Beg. 7, 9 U. Stgs. 3 Uhr: Jug.-Vorst lOOproz. Tonfilm: Panik In Chlkago mit O. Tschechowa Pal nnd Patacbon anl Frclcistüfen NnuKBlln Mercedes- Palast Hermannstrale 212, Ecke Jägerstratt« Woch. 6'/», 9 Uhr. Stg 5. 7, 9 Uhr Kriminattonfilm: Das gelbe Hans des Klng.Fu Tonwoche— Beiprogramm Auf der Bühne; 2 Palmeros, Sensationsluftakt Montag u. Dienstag Erwerbslosentage d_»üdwestnn E Lichtspiele Südwest Blücherstr. 12 W. V«7. So. ab 5Uhr lOOproz. Tongroteske: Oer mann, der seinen MOrder»acht mit Hctaz Rühmann— Gnies Beiprogramm FUm-Poiast Kammersale Teltower Str. I W. 6J0, 9, Stg. ab 5 U lOOproz. Tonfilm: Das gelbe Harn das Klng-Fn mit Charlotte tusa Student sein, wenn die VeilAen blühn mit Franc~ Süden Primus-Palast Am Hermannplatz, Urbanstr. 72fT0 W. 6.30, 9, So. S. 7, 9 Uhr Heute bis Donnerstag! Tonfilm-Doppelprogramm: »ad es mit Liedern mit AI Jolson, Sonny boy KUmei mit Gustav FrühHch, Dita Parlow— Beiprogramm Montag und Dienstag Erwerbslosentage Th. am Moritzplatz Beg.: Wöchig, ab 6.30. 9. Stg. ab 4-30 U. Tonfilm: Der Mann, der«einen MOrder sucht mit L. Deycrs, H. Rühmann— Dazu; Die geborgte Fran Südosten Luisen-Theater Reichenberger Str. 34 Anf. W. ab 6Va U. Stg. ab 5 U. 2 große Schlager: Rivalen im Well- rekord— Sensationsfilm; Erde, großes russisches Flimwerk Stella-Palast Köpenicker Stratte 11—14 Wochtgs. 7 u.9 IL, Sonntags 5, 7, 9 Uhr Der sensationelle Tonfilm: Kinder vor Gericht (Prenzei-Prozett) Tonbeiprogramm- Bflhnenschaa Sternwarte— Treptow Dienstag 8, Donnerstag 8 Uhr: In den Alpen, ein Film von der gewaltigen Schönheit des Hochgebirges »ElySlUm Prenzlauer Allee 56 Wochent. ab 7, Sonnt ab 5 Uhr: Tonwodtenschan Der größte Tonerfolg; Regle: Piltz Lang— Flora-Lichtsp. W. 6'ij. 9 U., Stg. ab 4 U. Tonfilm: Seine Freundin Anette mit LI<«1 Arna— Wettlaut um den Mann mit Bebe Daniels » 0�ta',» Germania-Palast Frankfurter Allee 314 Wochemgs. 6.30 U., Sonntags ab 5 Uhr 100 proz. Tonfilmlustspiel: Der wahre Jakob mit Felix Brecaari, Ralph A. Roberts, Anny Ablers. Paul Henkels- Beiprogramm— Auf der Bühne; Hanlo.dergrobeZanberer Schwarzer Adler AFÄ Woch. 5, 7, ca. 9, Stg. 3, 5. 7, 9 U. Tonfilm: Fra Diavolo(Der Teufels- bruder) mit Tino Paltlcra Tonbetprogramm V. T. Lichtspiele vU°". Frankfurter Allee 48 W.5, So. 3 Uhr Auf vielseitigen Wunsch: Der kcuiche Josef m. Felix Bressart Beiprogramm Babylon, am Bülowplalz Wochentags ab 6.30 U Sbd., Stg. ab 5, letzte 9.10 U. 100 proz. Tonfilm: „M", Kriminaltonfilmerfolg Regie; Friix Lang Bühne: Varlelfc > Wcu-Uch tan borg � Kosmos-Lichtspiele LOckstr. 70 Wochent. 7, 9 Uhr Sonntags 5. 7. 9 U. Vorverkauf ab 5 Uhr Im Westen nichts Nene« Karten an Mitglieder und Angehörige des ADCB. und angeschL verbände WalOanse« Schloßpark FOm. Böhne Berliner Allee 206—210 6L0. 9 Uhr Zwei Tonflimel Panik In Chlkago mit Olga Tschechowa, H. Rehmann Ant Tigerjagd In Indien Kino Büsch AVN« Alt-Friednchsfeide 3 lOOproz. Tonfilm; Ein Banchenltcd an» Heidelberg mit Betty Blrd, Bramewetter, Willy Barst Gate* Beiprogramm— Woche ■—»—■ Alhambra Wochent 5, 7. 9 U., Sonnt. 3, 5, 7, 9 U Tonlustspiel: Er ond seine Schwester mit A. Ondra Tonbeiprogramm Pharus-Lichtspielc Müllers tr. 142 W.5.7.9U, Ltg. 3.5,7, 9U. lOOproz. Toniilm: Vornntersnchang mit Albert Baasermann, Chart. Ander Matroseiutrcidte ■""""""* Palast-Theater Breite Straße 21 a W. 7 u. 9, Stg. 5, 7, 9 U Nur drei Tage; Tonoperette: Liebeswaller mit LIL Harvey, F ritsch Tonbeiprogramm Filmpalast Tegel Äf Stgs. 2 u. JgrL-Vorst W. 6. Stg. 4>/, U. Tonoperette: Die FfirsterchrUil mit Irene Elsinger. Panl Richter, Oskar Karlwet*— Gnies Beiprogramm > Henniaadort U Fiimpalast Stg. Ä* Berliner Stratte 59 Stg. 2 U. Jug.-Vorst Tonfilm: Er ond seine Schwester mit A. Ondra. Roda Roda.VI. Bo Dm Mfgesefahaete Bclprogr« dBeflage Dienstag, 21. Jofi 1931 BrrffinmO Wi* Ityhßwfik Recht— ¥erl»reehen— Psyche Torüehläge zu einer Reehtsref orm/ Von P« Skawrna, Pretoria SelegenLich eines Mordprozefles, der m vieler Beziehung dem des Masienmörders Kürten ähnelt, entwickelte sich zwischen mir— als Sachverständigen— und dem Staatsanwalt(Judge) folgendes Zwiegespräch: Staatsanwalt: Sie halten den Angeklagten also für geisteskrank? Sachoer st ändiger: Nein, Euer Lordschaft, für anormal. Staatsanwalt: Dann sind Sie wohl einer von denen, die alle Verbrecher für anormal halten? Sachverständiger: Nein, Euer Lordschaft. Staatsanwalt: Was verstehen Sie dann unter einem normalen Verbrecher? Sachverständiger: Wenn ein normaler Mensch unter anormalen Umständen eine anormale Tat begeht. Staatsanwalt(schüttelt verständnislos den Kopf): Also, cherr Doktor, wenn ich Sie mit einem schweren Hammer auf den Kopf schlage, Ihnen Ihre Uhr abnehme und mich aus dem Staube mache, bin ich dann normal oder anormal? Sachverständiger(lächelnd): Sie würden es niemals tun, Euer Lordschaft, es sei denn unter anormalen Umständen. Staatsanwalt(nach einer Bewegung, die ausdrücken soll: „hoffnungslos'): Sie würden also jedenfalls keinen Verbrecher be» strafen? Sachverständigert Das ist nicht mein Amt, Euer Lord- schast. Ein erstes Sichberühren fremder Welten. Der«Richter der alten Welt will strafen. Das ist sein Ziel. Dahin will er auch den Sach- verständigen treiben. Hat es aber einen Sinn, zu strafen? Das ist, was in den Antworten des Sachverständigen durchklingt. Va« Scimld-Strafe-Prinzip Man straft, well man meint, daß Strafen bessern oder doch zum mindesten abschrecken. Das mag bis zu einem bestimmten Grade richtig sein, zumal, wenn es sich um unentwickelte Geschöpfe, das heißt Kinder, handelt. Aber auch hier ist der Erfolg des Lohn- und Strafprinzips anerkannterweise begrenzt. Bei Erwachsenen ist er meinen Erfahrungen nach auf ein Minimum reduziert. Ein südafrikanischer Pfarrer(H. I. Batts), der längere Zeit Gefängnis- pfarrer in Pretoria war, gibt in einem Artikel äußerst interessante Beispiele hierfür und beantwortet die Frage, ob Strafe bessert, negativ. Er fand, daß viele Gefangene ihre Muße im Gefängnis dazu benutzten, um neue Diebstähle usw. vorzubereiten. Er sagt selbst: „Unlortunately I have found in th© majority of cases that have com© ander my notic©— and they are very m�ny— that persona who embark on a carreer o! crime do not reform because they suffer ponishment for their wirong doing."(„Unglücklicherweise habe ich in der Ueberzahl der Fälle, mll denen ich zu tun Halle— und das sind sehr viele gefunden, daß Personen, die sich einmal auf die Bahn des Der- brechens begeben, sich nicht darum bessern, weil sie für ihre krimi- nellen Taten Strafe zu erleiden haben.') Der Kürten-Prozeß zeigt außerdem, wie durch die Strafe selbst(z.B. Dunkelarrest) kriminelle Tendenzen posi» tiv gefördert werden können. Auch die Ansicht, daß die Strafe zum mindesten andere abschreckt, Verbrechen zu begehen, ist kaum haltbar nach dem, was wir über die grausamen Strafen Chinas und die große Häufigkeit von Ver- brechen in diesem Lande wissen. Wenn man trotz dieser Einsichten, die keineswegs neu sind, nicht von dem Lohn- und Strassystem absieht, dann wohl darum, weil es sehr tief in den religiösen und moralischen Anschauungen unserer Zeit verankert liegt, und weil man— wenn vielleicht auch nicht eingestandenermaßen— fürchtet, daß das Fallenlassen des einen ernste Nachwirkungen auf das Bestehen des anderen haben wird. Der Unsinn des Paragraphen 5 1 Man hat gesagt, daß der Kürten- Prozeß die Psychiater und Psychologen vor ein Rätsel gestellt hat, das sie nicht imstande waren, zu lösen. Das stimmt keinesfalls. Meiner Ueberzeugung nach bilden die Untersuchungen des deutschen Psychiaters E. Kretschmer und seiner Nachfolger die Grundlage für die Erklärung eines Verbrechens wie das Küttens. In einer umfangreichen Arbeit, die auf Unter- svchungen an über hundert Kriminellen basiert ist, hat W. A. W i l» l e m s e aus meinem Institut auch den Fall Kürten gewürdigt. Wich- tig für unsere Diskussion hier ist, 1. daß es nach den Untersuchungen Kretschmers keine strenge Demarkationslinie zwischen normal, anormal und geisteskrank gibt, sondern daß die Uebergänge gleitend sind. Mit anderen Worten, daß wir es beim anormalen Temperament nur mit einer Steigerung des normalen Temperaments zu tun haben: 2. daß sich im großen und ganzen drei große Tem- peramentsgruppen unterscheiden lassen, die auf der patho- logischen Seit mit großen Krankheitsgruppen in Beziehung stehen: 3. daß eine biologische Affinität(Verwandtschaft in chemischem Sinne) zwischen diesen Temperaments- bzw. Krankheitsgruppen und bestimmten Körperbaugruppen besteht. Lange vor Kretschmer war bereits bekannt, daß Gefühle einen entscheidenden Einfluß auf unseren Vorstellungsver- lauf haben. Kretschmer hat aber noch deutlicher herausgearbeitet, wie die Temperamente als Ganzes auch den geistigen Habitus eines Menschen bestimmen. Diese Arbeiten Kretschmers sind bereits vielfach auch vom kri- minell- biologischen Standpunktk behandelt worden(Lenz, Willemse u. a.) und man hat auch gefunden, : daß bestimmte Typen von Verbrochen mit bestimmten Körper- und Temperamentstypen zusammengehen. Dasselbe konnte ich in meinen Untersuchungen über Energieformen und Kriminalität konstatieren. Ins Allgemeine übersetzt bedeuten diese Feststellungen, die in ihrer Bedeutung für die Entwicklung von Psychologie, Psychiatrie, Erziehung und Rechtsprechung nicht überschätzt werden können, daß, so wenig wir eine nennenswerte Kontrolle über unsere Körperformen haben, so wenig haben wir sie über unser Geistesleben, das heißt auch über unsere Taten. Wir werden als Wesen von bestimmten Körper- und Geistes- struktur geboren und sterben als Wesen der gleichen Struktur, nach- dem Alter, Erziehung und Umgebung uns bis zum bestimmten Grad geformt, in unserem Wesen aber unverändert gelassen haben. Vom Standpunkt des Individuums aus wäre es danach in der Rechtsprechung unsinnig, jemanden für etwas zu bestrafen, was er im Grunde nicht ändern kann. Um es in eine krasse Form zu bringen: Niemand ist nach dem oben Gesagten für seine Taten verantwortlich. Und wenn jemand kriminell wird, so liegt das daran, daß in ihm das Verhältnis zwischen sozialen Hemmungen und Energie(Antrieb) nicht aus- geglichen ist, wie es bei dem normalen Menschen der Fall ist. Diese Tatbestände machen die Unsinnigkeit des Paragraphen S1 deutlich und legen eine gründliche Reformation der Rechtsprechung nahe. Wie muß diese neue Rechtsprechung nun beschaffen fem, um den Ergebnissen unserer neuen Einsichten zu entsprechen? Schon das von uns verworfene Schuld-Strafe-Prinzip hat außer der individuellen auch eine soziale Seite, die ich teilweise an- gedeutet habe. Man will abschrecken. Außerdem aber will man die Gesellschaft vor dem gefährlichen Individuum schützen.(Siehe Be- richt des„Vorwärts' über Kundgebung der Liga für Menschenrechte über„Kürten und die Todesstrafe'.) In extremen Fällen(Todesstrafe, lebenslängliche Freiheits- strafen) ist das konsequent. Wie aber kommt dieses„Recht der Volksgemeinschaft' in allen anderen Fällen zur Geltung? Bleibt doch, wie wir gesehen haben, der Mensch nach seiner Ge- fängnisstrafe derselbe. Also weiter eine Gefahr für die Gemeinschaft! Hier liegt eine andere Schwäche des Schuld- strafe-Prinzips. Das Recht der Volksgemeinschaft gegenüber dem In- dividuum ist in seiner sozialistischen Natur durchaus wert, Angel- und Ausgangspunkt der neuen Rechtsprechung zu werden. Es muß allerdings konsequent gewahrt werden, ohne dabei die Freiheit des Individuums mehr als notwendig zu beschneiden und ohne von dem Schuld-Strafe-Prinzip Gebrauch zu machen. Die nene Form der Rechtsprechung Wir werden zu diesem Zweck nach wie vor Richter und Advo- katen nötig haben, die die rein rechtliche Seite eines Verbrechens aufklären. Handelt es sich um Rechtsbrechung oder nicht? Hat der Angeklagte die Rechtsbrechung verursacht oder nicht? Und so weiter. Nehmen wir an, daß das letztere der Fall ist, so hört hier der eigentliche Wirkungsbereich des Richters vorläufig auf und die Funktion des Psychologen beginnt. Seine Aufgabe ist nicht, festzustellen, ober der Angeklkagt« zu- rechnungsfähig ist, oder ob er's im Augenblick der Tat war.... (Meiner Meinung nach braucht man in der heutigen Form der Rechtsprechung gar keinen Sachverständigen dazu. Denn in den Fällen, in denen das Gericht bereit ist, von dem Paragraphen S1 Gebrauch zu machen, kann gewöhnlich ein Blinder mit dem Krück- stock fühlen, daß der Täter geisteskrank ist.) Die Aufgaben des Psychologen in der neuen Form der Recht- sprechung würden folgende sein: 1. Festzustellen, ob der Angeklagte normal ist oder nicht. 2. Im bejahenden Falle, das heißt, wenn die Tat mehr aus den Umständen erwachsen ist, als aus dem Individuum, so liegt kein Grund vor, etwas gegen den Angeklagten zu unternehmen. (Leitung ist notwendig.) 3. Im verneinenden Falle gilt es, weiter festzustellen, wie das abnormale Individuum zu behandeln ist, um die Gesellschaft vor ihm zu schützen. In allen Fällen würde der Befund des Psychologen zum Ge- richt zurückgehen und es märe nun Aufgabe des Gerichts, entsprechende Maßnahmen zu ergreifen. Das heißt also, daß eine solche Reformation der Rechtsprechung notwendig auch eine Reformation des„Strafvollzugs' nach sich zieht.— Gefängnis und Zuchthaus sind nach dem Gesagten in ihrer bisherigen Form unsinnig. Besserung der Umstände des täglichen Lebens(Berufsschule usw.) in leichteren Fällen, ständige Ueberwachung in anderen, kämen für die in Frage, die für das ge- sellschaftliche Leben zurückgewonnen werden können. In allen an- deren Fällen aber zeigt sich eine gewisse Härte dieser neuen Recht- sprechung. Wo immer es sich erweist, daß ein Angeklagter sich als Gefahr für die Gemeinschaft erweist, muß er dauernd von ihr isoliert werden, wenn sein Vorgehen, für das er vor das Gericht gebracht wurde, auch gering sein mag. Man braucht ihn deshalb nicht in ein Gefängnis zu stecken. Man kann in abgelegenen Teilen Deutschlands Arbeiterkolonien gründen, wo solche Individuen— selbst verheiratete(nach vorheriger Sterilisierung)— unter ständiger Aufsicht leben können, ohne dem Staat eine Bürde zu sein. Gefährlichere Fälle würden natürlich gründlicherer Kontrolle bedürfen. Man mag solches Schema utopisch nennen. Ich behaupte, das augenblicklich herrschende ist in der negativen Richtung unvorstell-, barer, als das von mir vorgeschlagene in der positiven. Hierfür einige Beispiele: In dem Fall, von dem diese Betrach- tungen ausgehen, handelt es sich um einen rückfälligen Mörder. Nach dem ersten Mord, für den er nicht für schuldig erkannt wurde, erkannten wir, daß es sich um einen Fehlspruch handelte und daß deshalb unter Umständen ein zweiter Mord zu erwarten war. Der zweite Mord ereignete sich nur wenige Monate nach dem ersten. Nach seiner Verurteilung bekannte der Angeklagte noch eine ganze Reihe von früheren Morden einschließlich des ersten. In einem anderen Fall, der noch bezeichnender ist, wurde ein Schwachsinniger nicht weniger als Svmal verur- t e i l t u nd bestraft. Man berechne, was dieser einzelne Mensch dem Staat kostet. Er wurde 50mal verhaftet, 50ma[ verurteilt. Sümal für kürzere oder längere Zeit im Gefängnis verpflegt und in einer Anzahl von Fällen wurden selbst die Berufungsinstanzen seinetwegen in Anspruch genommen. Bei einer rechtzeitigen Erkennung seines Geisteszustandes hätte er in einer Schwachsinnigenanstalt unter geeigneter An- leitung seinen Lebensunterhalt oerdienen können. Es ist augenscheinlich, daß eine Reformation der Rechtsprechung, wie die von mir vorgeschlagene, das Problem der„Todesstrafe' nicht berührt. Es hängt alles davon ob, wie man das„Recht der Ge- meinschaft' mit Bezug auf das Weiterleben gemeingefährlicher In- dioiduen interpretiert. Wenn man aber schon für die„Beseitigung gemeingefähr- licher Elemente' ist, so muß man konsequenterweise auch für die „Beseitigung gemeinschädlicher Elemente" sein, zum Beispiel der Idioten, der unheilbar Geisteskranken usw. Denn während bei den Verbrechern— beim heutigen Stand der Wissenschaft— eine absolut zulässige Prognose nicht möglich ist und während sie unter geeigneter Ueberwachung noch Arbeit für die Gemeinschaft leisten können, besteht bei der anderen Gruppe häufig nicht einmal das primitivste Interesse am Leben. Sie bedürfen dauernder Pflege (Bindung wertvoller Arbeitskräfte), ohne auch nur zur geringsten Gegenleistung fähig zu sein. Außerdem sind sie bei mangelnder Be- wachung mindestens ebenso gefährlich wie irgendein Verbrecher. Noch eine Veränderung erfordert die reformierte Recht- sprechung, und zwar die Schaffung kriminal-biologischer Institute. wie sie zum Teil schon in vorbildlicher Weise in München und an- deren Städten Deutschlands existieren. Diese kriminal-biologischen Institute, in denen alle Messungen, Untersuchungsresultate usw. aufbewahrt werden, würden dem Psychologen das geeignete Material bieten, aus Grund dessen er seine Kenntnis des Phärotyps(des Menschen, wie er im Augen- blick ist) des Angeklagten zu der des Genotyps(des Menschen wie er ist und wurde) erweitern kann, ohne den eine soziale Pro- gnose immer sehr unzuverlässig sein wird. Um alles zusammenzufassen: Wenn alle Reform der Recht- sprechung sich nicht verzetteln will, so ist es nötig, von dem bisher angewandten Schuld- Strafprinzip zu lassen und durch das der Leitung und Vorbeugung zu ersetzen. Das bedeutet, daß dem Kriminalpsychologen ein breiterer Raum in der Recht» sprechung geschaffen werden muß. VU»intnAvlK»It der Speisepilze In der„Deutschen Medizinischen Wochenschrift' vom Februar 1331 finden sich interessante Mitteilungen über den Vitamingehalt von Speisepilzen und Pilzgerichten aus der Feder des durch seine Forschungen bekannten Prof. A. Scheunert und aus der des Dr. I. R e s ch k«. Die Verfasser betonen zunächst, daß der Wert de? Pilze als Nahrungsmittel nicht unerheblich überschätzt wird. Die stickstoffhaltigen Verbindungen sind nämlich nur zum Teil wertvolles Erweis, die stickstofffreien Teile aber seien nicht so weitgehend verwertbar wie man vielfach annimmt. Unbestreitbar sei dagegen der geschmackliche Wert der Pilze, der auch verdauungs- und ernährungsphysiologisch bedeutungsvoll sei. Die Forschungen über den Vitamingehalt der Pilze lassen die Frage betr. Nährwert der Pilze in neuem Lichte erscheinen. Dos Ergebnis der Unter- suchungen ist kurz folgendes: 1. Die Pfefferlinge haben einen beträchtlichen Gehalt an Vitamin A. Entsprechende Versuche ergaben die Tatsache, daß der Vitamingehalt der Pfefferlinge bei allen küchenmähigen Zu- bereitungsarten unverändert erhalten blieb. Auch die sterilisierten Pfefferlinge gaben zu Bedenken keinerlei Anlaß. 2. Die untersuchten Steinpilze zeigten keinen spürbaren Bitamin-�-Gehalt. Die Leipziger Forscher wessen aber darauf hin, daß man dem Steinpilzgericht durch Braten in Butter sofort den Vitamin-�.- d e r Fortschritt. Unsere Werbcprobe, so erklärte der Referent, muß sein: Werk- tätige rodelnde Kinder gehören in den Ar. beiter-Rad- und Kraftfahrerbund„Solidarität!" Die anschließende Aussprache ließ das lebhafte Interesse der Delegierten für die Jugendbewegung erkennen und wurde um 14 Uhr auf Montagvormittag 8 Uhr vertagt. 'ftmr de France Einzel* und Länderklassement bisher unverändert Die letzte Woche der Tour de Frame hat begonnen, jeder Tag bringt die„Giganten der Landstraße" dem Endziel näher. Bis nach Paris, wo dieses schwerste und längst« Sttoßenrennsn der Welt am Sonntag sein Ende erreicht, sind es aber immer noch mehr als 1000 Kilometer. Die am Montag erledigte 18. Etappc von Aix-l«s-Bains nach Eoian am Genfer See war nicht allzu schwierig. Der 204 Kilo- mcter lang« Weg wies nur Zwei größere Steigungen auf, den 910 Meter hohen Cal de Tamifc(66 Kilometer) und einige 30 Kilo- meter weiter den 1470 Meter hohen Col des Zlrravis. Angesichts des schlechten Wetters zeigte keiner der noch im Rennen befindlichen 44 Teilnehmer Lust zu großen Taten, das Feld blieb fast durchweg geschlossen, nur die schwächsten und die von Defekten betroffenen Fahrer fielen zurück. Kurz vor dem Etappcnziel benutzte der Bei- gier Demuysere einen günstigen Augenblick und enteilte dem Felde. Er erreichte das Etappcnziel, das sich am Ende der 700 Meter langen Geraden des Ouai de Blonay in Evian befand, mit einem Vorsprllng von 48 Sekunden vor dem 32 Mann starken Gros des Feldes. Den zweiten Platz erspurtete sich Leducq gegen Stöpel, Max Bulla, Goedhups und Ch. Pelissicr, alle übrigen gleichzeitig angekommenen Fahrer, darunter auch die gesamte deutsche Mannschaft mit Thierbach, Siegel, Metze, Geyer, Buse und Sieronski wurden auf den 7. Rang gesetzt. Wesentliche Veränderungen im Einzel- und Länderklasscment haben sich nach der 18. Etappe nicht ergeben.. Berliner Boxer in Leipzig Am Sonnabend, dem 18. Juli, weilte die Doxmannschaft der Sportlichen Vereinigung Lichten berg-Friedrichsfcldc in Leipzig und trug mit der Mannschaft von„Sofia" einen Kampf aus. Trotz des Regens wohnten über 700 Zuschauer der Veranstaltung bei. Im Fliegengewicht bezog Gloger-L.-F. eine Punktnicder- läge von Bremse- Sofia, da er über dessen Reichweite nicht hinwegkam. Im Bantamgewicht konnte Bcrndt-L.-F. in der zweiten Runde bei Schmidt-Sosia genau auf dem Kinn landen und diesen für die Zeit zu Boden schicken. Federgewicht: G r u b b c- L.-F. ist seinem Gegner Diete-Sofia technisch überlegen und schlägt ihn hoch nach Punkten. Leichtgewicht: P r c l l e r- L.-F. ist der besser«, jedoch verscherzt er sich seine Chancen durch einen Genickschlag, wofür er verwarnt wurde; er mußte sich mit Cubis-Sofia die Punkte teilen. Im Weltergewicht errang Schröder- L.-F. einen hohen Punktsieg über Gaing-Sosia. Mittelgewicht: Molinski-L.-F. und Lauenstein-Sofia trennen sich mit einem Unentschieden. Halbschwer- gewicht: Reimers-L.-F. konnte sich mit der Kampfesweise von Schumann- Sofia nicht abfinden und verlor nach Punkten. Das Resultat des Mannschaftskampfes ist somit 8:6 für Lichten- berg-Friedrichsfeldc. Am kommenden Donnerstag unter- nimmt die Berliner Mannschaft schon wieder eine Reise nach Sachsen, wo sie inehrere Kämpfe in und um Dresden abjolviert: man sieht, daß die L.-F.-Mannschaft viel beschäftigt ist. Jugendtreffen in Wildau Am 13. August trifft sich in Wildau die Jugend des 1. Bezirks des 1. Kreises im Arbeiter-Turn- und Sport- bund, um hier erneut die Stärke des Arbeitersports zu zeigen. Mit einem großzügigen Fackelzug von Königswusterhausen wird die Ber- anstaltung eröffnet. In dem romantischen Naturschutzgebiet wird die Kundgebung mit dem gemeinsamen Liede„Wann wir schreiten" eröffnet. Es folgen dann eine Rezitation. Gesang des örtlichen Mufit der Vlasabteiluirg der Freieu Sxort» Md Musikoereinigung Berlin. In dem unten liegenden See findet de? F a ck e l r e i g c n der Freien Schwimmer Grvß-Berlin statt. Die Ansprache hat der Genosse Ohl ig vom Hauptvorstand der Sozia» listischen Arbeiterjugend übernommen. Den Abschluß bildet der Be- wegungschor„Finale", ausgeführt von sämtlichen Bezirksvereins- Mitgliedern. Mit dem gemeinsamen Gesang der„Internationale" wird unter Abbrennung des Höhenfeuers sowie bengalischer Beleuch- tung der ganzen Schlucht die eindrucksvolle Kundgebung geschlossen. Arn nächsten Tage findet das Bezirksfest statt. Die Jugend wird sich um 9 Uhr im Heim auf dem Sportplatz zu einer wichtigen Tagung zusammenfinden. Das Erscheinen aller Iugendfunktionäre ist dringend erforderlich._ Ko.-Sicg Schönraths Ein grotjer Erfolg des Deutschen in England Der frühere deutsche Schwergewichtsmeister Hans Schönrath konnte bei seinem neuerlichen Austreten in England einen bemerkens- werten Erfolg davontragen. Er kämpfte in Leicester mit dem Engländer Reggie M e c n, der einer der besten Schwergewichtler des Jnselreiches ist. Meen begann mit horten linken Haken, aber es zeigte sich bald, daß ihn, Schönrath überlegen war. Der Krefelder setzte seinem Gegner hart zu. In der 6. Runde schlug er Meen das linke Auge auf und gegen Ende dieser Runde Jirach der Ringrichter das Geiecht zugunsten des Deutschen ab.«schönrath wurde also Sieger durch technischen ko._ Schrittmacher Werner Krüger gestorben Einer der bekanntesten deutschen Schrittmacher, Werner Krüger, der sich am Sonntag, dem 12. Juli, bei einem Rennen in K ö l,n durch Sturz schwere Verletzungen zuzog, ist in der Nacht zum Dienstag gestorben. Turnverein Natursrennde, Abt. Kenlölln. Badcabenb,(sreibad Eren�all-e. Trettpunkk 15' z Uhr, Äniabehnbof Reickölln. Bei ungünstiger Witterung INI Hein', Vergstr. Ä>. Kslissport Neukölln-Brij,. 2, Männcrabteilung, T-ienstgg, 21. u. 2S. guli, i. August, ob 18 Utzr, Epiel uiD Eport, Tresttburgcr Ufer, Leitung: Ecnoste Frommholz. Rückschau. Im Programm der Deutschen Welle sprach Felix S t ö s s i n g c r über„Das Kindcrelend in Rußland. Nach bolschewistischen Quellen." Cr betonte, daß olle Zitate, aus die sein Vortrag sich stützte, Veröffentlichungen entnommen seien, die die bolschewistische Zensur passiert haben, daß es sich also keinesfalls um irgendwelche tendenziösen Entstellungen handele. Die Witwe Lenins schätzte die Zahl der verwahrlosten, in Horden das Land durchstreifenden Kinder auf 7 bis 8 Millionen, Lunatjchärski im Jahre 1928 sogar auf 9 Millionen, eine Summe, die die Gesamtbcvölkcrung von Sachsen, Württemberg und Baden ausdrückt. Statistische Erhebungen in Rußland haben festgestellt, daß 33 Proz. dieser Kinder aus Bauernfamilien, 23 Praz. aus Arbeiter-, 10 Proz. aus Handwerkerfamilien stammen und daß kaum 1 Proz. zu dem nicht werktätigen Teil der Bevölkerung gehört. Lunatfcharski führr den immer neuen Zustrom zu diesen Kinderhorden auf die Z er�, störung der Familie zurück. Stössinger wies darauf hin, daß es noch eine andere Quelle gibt: die Kinderarbeit. In einem Staat, in dem laut amtlicher Feststellung von S'A Millionen Landarbeitern 638 000 Kinder sind, die 14 bis 16 Stunden täglich für wenige Rubel im Monat arbeiten müssen und die dabei noch ge- prügelt werden, und in dem mit achtjährigen Kindern gewerk- schaftlich registrierte Arbeitsverträge abgeschlossen werden, ist es kein Wunder, wenn immer neue Scharen zu diesen freien, durch das Land wildernden Kinderhoroen stoßen. Reisende Ausländer be- kommen die wenigen Musteranstaltcn gezeigt, mit denen Rußland für sich als„Land der Kinder" Reklame macht. Lange Zeit hat sich das'Ausland tatsächlich dadurch täuschen lassen: heute ist die furcht- bare Erkenntnis schon fast überall durchgedrungen, daß in der Sowjetunion zwar einige hundert oder tausend Kinder tatsächlich den Segen moderner Jugendfürsorge genießen, daß aber Millionen in grauenvollem Elend aufwachsen und verkommen. In der Reihe„Wovon man spricht" behandelte Geheimer Justizrat Professor Dr. Heilfron die neuen Notver- ordnungen, soweit sie sich mit der Regelung des Zahlungs- Verkehrs und der Kapital- und Steuerflucht befassen. Die Be- stimmungen über die Auszahlungen von Geld ohne Zweckangabe aus Bank- und Sparguthaben kommentierte Professor Dr. Lxilsron dahin, daß nur eine einmalige Auszahlung von höchstens 20 bzw. 100 Mark, nicht etwa eine tägliche Auszahlung dieser'Summen in Frage kommt. 2luch die'Angehörigen freier Berufe erhalten kein? höheren Auszahlungen. Steuern müssen pünktlich entrichtet werden: auch die Banken müssen Ileberwcisungen von Steuern in jeder Höhe vornehmen. Das Postscheckamt ist wie die Reichsbant nicht von der Notoerordnung betroffen und leistet infolgedessen Baraus- Zahlungen in jeder Höhe. Es kann jedoch jetzt nicht etwa durch Ueberweisung von einem Bankkonto auf ein Postscheckkonto die Notverordnung umgangen werden: solche Ueberweisvngen sind un- zulässig. Wer«in Konto bei der Danatbank hat, kann zur Zeit darüber in keiner Weise verfügen. Tos. Vievstax. 2l. luli. Berlin. 16.95 Unterhsltimzsmusik. 17.30 Bacherstunde. Reisen in fernen Ländern.(Am Mikrophon; Dr. Alphons Nobel.) 1*.00 Mozart. I.Variationen C-Dur. 2. Sonatine C-Dur, Nr. 6(Susanne Fischer, Flügel). 18.25 Dr. Eckart Kehr: Untertan oder Staatsbürger? 18.55 Zithermusik. 19.50 Mitteilungen des Arbeitsamts. 20.00 Breslau:„Die Nummer läuft!" 21.00 Tages- und Sportnachrichten. 21.10 Musikalisches Kuriositäten-Kabinett. 1. Mozart: Spiegelkanon für zvef Violinen. 2. Liszt: Hcxameron. Variationen für Klavier(Thalbcrg, Czerny, Merz, Pixeis und Chopin). 3. Paraphrasen über ein Originalthcma für Klavier(dreibändig)(Liszt. Cui, Liadow. Borodin, Rimsky-Korssakow). 4. Streichquartett über den Namen„Bclaicf"(Rimsky-Korssakow), Liadow, Borodin. Citasunow). 5. Reger: Ewig dein, Salonstück für Klavier, op. 17 523. 6. Busoni: Nachtrag zu Siegfried Ochs*„Kommt ein Vogel geflogen" im Stile verschiedener Meister(aus dem Nachlaß). 7. Hindomith: Ouvertüre zu„Der flieger Je Holländer"(für Streichquartett). 22.00 Wetters Tages- und Sportnachrichten., Konigswusterhauscn. Ifi.on Leipzig: Nachmittagskonzert. 17.00 Dr. Mario Krammer; Elisabeth von England. 17 30 CiroGmann: Die chemische Produktion Deutschlands. 15.00 Prof. Dr.-Ing Siedler: Die Qroßstadtsiedlung. 15..30 Prof. Dr. O. E. Meyer: Entstehung der Alpen. 18.55 Wetter tür die Landwirtschaft. 19.00 Dr. Max Jordan: Land und Leute in Kanada. 19 30 Dr. Demuth: Die deutsche Krise— von außen gsseLen. 30.00 Langenberg: Tanz im Ereien. ÄU5t2UX) ücbcrtragung yoo Hamberg