Morgenausgabe Tu. 331 A 120 4S. Jahrgang Wöchentlich SVPf� monatlich Z.6V M im voraus zahlbor, Postbezug 4,32 M. einschließlich 6O Pf. Postzeitun gs» und 72 Pf. Postbestellgebühren. Auslands« adonnement 6,— M. pro Monat; für Länder mit ermäßigtem Drucksachen» porto 6,— M. * Der.Vorwärts� erscheint wochentäg« lich zweimal. Sonntags und Montags einmal, die Abendausgabe für Berlin und im Handel mit dem Titel„Dee Abend** Illustrierte Beilage„Bolf und Zeit- Ferner.Frauenstimme- „Technik-,.Blick in die Bücherwelt- .Iugend«Dorwärt»-u.„Stadtdeilage- P> Nerliner VoWblatt Mittwoch 22. Juli 2931 Groß-Äerlin*ß0 Pf. Auswärts 15 pf. Die e Inf palt Nonpareillezeile 80 Pf. Neklamezeile 5,— RM.„Kleine Anzeigen" das fettgedruckte Wort 25 Pf. (zulässig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 12 Pf. Rabatt lt Tarif. Stellengesuche das erste Wort lS Pf„ jede- weitere Wort 10 Pf. Worte Über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Zeile 60 Pf. Familien» anzeigen Zeile 40 Pf. 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Diese unerwartete Wendung hat im Augenblick die Franzosen so stark betroffen, daß bei ihnen am Nachmittag davon ge- sprachen wurde, daß die Konserenz spätestens am Mittwoch abend ergebnislos auseinandergehen würde. Niemand hat diese Drohung wirklich ernst genommen. Ebensowenig hat der neuc Angriff Frankreichs auf die Bank von England und aufden Pfundkurs, der heute wieder zur Zurückziehung von Gold in Höhe von rund 76 Millionen Schilling führte, die Engländer einzuschüchtern vermocht. Eng- land ist entschlossen, mit Amerika für eine unverzügliche Hilfe an Deutschland einzutreten und sich dabei jeder politischen Demütigung Deutschlands zu widersetzen. Die Ankündigung, daß Macdonald und Hendcrson er- wägen, ihren verschobenen Besuch in Berlin unmittelbar im Anschluß an die Londoner Konferenz zu machen und daß sie vielleicht sogar zusammen mit Brüning und Curtius nach Berlin reisen würden, ist die direkte Antwort auf olle Ein- schüchterungsversuche. Zwei Punkte standen im Lordergrund der Diskussionen einer Komiteesitzung der Finanzminister mit Brüning unter dem Vorsitz von Macdonald. Sie hatte einen vorwiegend technischen Charakter Es handelte sich hauptsächlich um zwei Fragen: 1. Bildung eines Stillhaltekonfor- t i u m s aller ausländischen Banken, die in Deutschland kurz- fristige Kredite investiert haben und die sich verpflichten sollen, keine Kündigungen und Zurückziehun- gen mehr vorzunehmen, eventuell zur Umwandlung dieser kurzfristigen Kredite in eine langfristige Anleihe. 2. Gewährung eines R e d i s k o n t k r e d i t s an die Reichs- dank, um ihr die Möglichkeit zu geben, ihre normale vierzig- prozentige Notendeckung zu erreichen und neue Z a h- l u n a s m i t t e l in Umlauf zu setzen. Auf diesen zwei Grundgedanken bauen sich mehrere Vorschläge auf, die von den einzelnen Delegationen am Donnerstag der Voll- konferenz unterbreitet werden. Auch Frankreich wird sich dieser internationalen Aktion kaum mehr verschließen können, zumal die Amerikaner mit Nachdruck erklären, daß sie entschlossen seien, wenn es anders nicht gehe, die Aktion ohne Frankreich, dafür mit England, der Schweiz, Holland und Japan durchzuführen. Frankreich hat sich durch seine bisherige Haltung in eine peinliche Isolierung hineinmanövriert. Daran ist nicht so sehr Laval schuld, als der Finanzminister F l a n d i n, der den reaktionären Tardieu-Flügel vertritt. Laval ist auf außenpolitischem Gebiet noch weniger erfahren, aber er ist anscheinend guten Willens, und er dürfte, gestützt auf Briand und Petri. den Rückzug rasch antreten. Die Briten sind jedenfalls heute abend über den Ausgang der Konferenz sehr optimistisch und man zweifelt nicht daran, daß s p ä t e st e n s Donnerstag eine Vereinbarung erzielt wer- den wird. (Siehe auch 2. Seite.) Der ZGB. tagt in Berlin. Die erste Zusammenkunst des Borstandes.' Gestern fand gewisiermaßsn die feierliche Einweihung des Sitzes des Internationalen Gewerkschafts- b u n d e s noch der Uebersiedlung in Berlin statt. Der Borstand des JGB. tagte zum erstenmal in Berlin und nahm diese Gelegen- hcit war. um die Vertreter der gewerkschaftlichen Spitzenorgani- sationen, der Sozialdemokratischen Partei, der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion, der internationalen Berusssekretariate, soweit sie in Berlin ihren Sitz hoben, sowie die Vertreter der sozialdemo- kretischen Arbeiterpresse einzuladen. Citri n«, der Generalsekretär der englischen Gewerkschaften und Vorsitzender des JGB. hielt die Begrirtzuiigsrede, in der er besonders auf die Krise hinwies, die Deutschland heute erleidet. Das deutsch« Volk habe seit dem Kriege Ungeheures erduldet, und die Krisen seien fast nicht zu zählen, die es durchgemacht Hobe. kein Volk der Erde Hobe so viel gelitten wie das deutsche Volk. Es sei bewundernswert, nut welcher Gelassenheit, mit welcher Ausdauer und Hartnäckigkeit das deutsche Volk und besonders die deutsch? Arbeiterschaft diese Krisen uberwunden habe. Der Inter- nationale Gewerkschastsbuud, der minmehr in Berlin seinen«itz habe, sei stolz daraus, die deutschen Gewerkschaften ZU seinen Mit- gliedern zu zählen. Wir in England, sagte Citrine, haben seit Jahren die deutschen Gewerkschasten als ein Musterbeispiel ent» schlossenen und zähen Aufbauwillens betrachtet. Unter den An- wesendcn befänden sich die Genossen Wels, Breitschcid und «>? j p a r!, deren Namen nicht nur für Deutschland, sondern für die ganze Welt einen guten Klang haben. Wir haben das Ver- trauen, daß die deutsche Arbeiterklasse auch diese Krise, die woht die schwerste oller Krisen ist, die es je durchgemacht hat, siegreich überwinden wird. Die Genossen Wels und L e i p a r t antworteten dem Präsiden- tcn des?GB. für die deutschen Organisationen, Genosse Georg Kuppler, Sekretär der Bauarbellerinternationale, im Namen der Vertreter der internationalen Berusssekretariate. Genosse Wels ging besonders auf die schwere Finanz- und Wirtschaftskrise ein und sagte, daß es für den JGB. vielleicht von Nutzen fein würde, wenn er an der Stelle seinen Sitz habe, wo die Wirtschaftstrsse, die heute die ganze Welt erschüttert, am stärksten brandet. Genosse Leipart erklärte für die deutschen Gewerkschaften, daß sie die hol)« Ehre der Sitzoerlegung nach Berlin wohl zu würdigen wüßten und daß sie, wie in der Vergangenheit, sso auch in der Zutunk'. bescheidene und eifrige Hlilglieder des 3sen Kräften unterstützen. Käppler gab der Ueberzeugung Ausdruck, daß das innig« Zu- sammenarbeiten zwischen dem JGB. und den internationalen Berufssekreatriaten auch in Berlin gewährleistet sein würde. Im Anschluß au die einfache aber herzliche Begrüßungsfeier- lichkeit fand ein Rundgang durch die Räume des JGB. statt, der seinen Eitz im Herzen des proletarischen Südosten, in der Köpenicker Straße, aufgeschlagen hat. Jeder Prunk ist hier streng vermieden. Es sind helle, einfache Arbeitsräume, in denen die Zentrale der internationalen Gewerkschaftsbewegling nunmehr tätig sein wird. Die Vorstandssitzung, die gestern stattfand, faßte eine Reihe bedeutsamer Entschlüsse. Es wurde eine Entschließung und ein Aktionsprogramm zur internationalen Abrüstung ausgearbeitet, die zunächst der Exekutiv« der Sozialistischen Arbeiter- Internationale und dann dem Internationale» Sozialistischen Kongreß in Wien zur Beschlußfassung vorgelegt werden. Wir können daraus jetzt schon mitteilen, daß unter anderem in allen Ländern große internationale Meetings vorgesehen sind, di« gemeinsam von den Gewerkschaften und den sozia- lsstischen Parteien veranstaltet werden. Es soll in allen Ländern ein Petitionssturm entfacht werden, um auf die Regierungen und die Abrüstungskommission des Völkerbundes einzuwirken. Es ist weiter beschlossen worden, die S o n, m e r s ch u l e des JGB. in diesem Jahr in Oxford abzuhalten, und zwar vom 23. bis 29 August im Ruskin College. Ferner ist beschlossen worden, im nächsten Jahr die Studienreise nach dem Fernen Osten, und zwar nach Japan, China und Indien vor- zunehmen. An den Verhandlungen des Vorstandes des JGB. nahmen zu diesem Punkte auch Vertreter der japanischen Gewerk- schasten teil, die diese Reise dort vorbereiten sollen. Schließlich wurde die Lage der Gewerkschaften in den Balkanländern eingehend besprochen und beschlossen, daß der Generalsekretär Mitte September nach Bulgarien, Jugoslawien, Griechenland und dann nach Aegypten fahren soll, um di« dort bestehenden Zwistigkeiten zu beheben.___ Hefter Gehälter kann verfügt werden. Verfügung über Gehaltsüberweisungen nach dem 25. Zuni Durch die letzte Notverordnung ist sichergestellt, daß über Gut- haben, die aus Ueberweisungen für Gehalts- Zahlungen nach dem 2S. Juni entstanden sind, frei o e r f ü g t werden kann. Selbswerständlich wird auch in künftigen Nowerordnungen Jiber die Abwicklung der Bankseiertoge die freie Verfügung über derartig« Beträge gewahrt dlelben. Reparationen, Kriegsschulden, Abrüstung. Von den Frankfurter Beschlüssen zum Hoover- Borschlag. Von Elmil Vanderrelde. Der Vorschlag Hoooers war wie ein Lichtstrahl aus einem gewitterschwangeren Himmel erschienen. Kaum acht Tage später waren die Ereignisse über ihn hinweggegangen. Und heute treten alle Erwägungen zurück hinter der katastrophalen Lage in Deutschland, hinter der internationalenNot- w e n d i g k e i t, um jeden Preis Abhilfe zu schaffen. Wer nicht das Unheil für unausweichlich ansieht— in welchem Falle alle weiteren Diskussionen nutzlos wären— muß, selbst wenn er gestern noch gewisse Lösungen als„endgültig" ansah, zugeben, daß der Plan Hoovers dringender denn je die Problem- reihe: Reparationen, Kriegsschulden, Abrüstung aufwirft. Es werden bald zehn Jahre vergangen sein, seit die So- zialisten der hauptsächlich daran beteiligten europäischen Staaten(Deutschland, England, Belgien, Frankreich und Italien) in Frankfurt im Jahre 1922 folgende, kurz darauf von der Internationale ratifizierte Lösungsvorschläge über die einzelnen Punkte ausarbeiten: 1. Reparationen, aber beschränkt auf die direkten Schädigungen, welche die Zivilbevölkerung erfahren haste. 2. Streichung der Kriegsschulden. 3. Beendigung der militärischen Okku- pationen und Herabsetzung der Rüstun- gen mit de in Ziel, zu einer allgemei- nen, gleichzeitigen und kontrollierten Abrüstung zu gelangen. Derartige Vorschläge finden heute mehr und mehr An- Hänger auch in Kreisen, der Sozialdemokratie fernstehen. Aber es bedurfte erst der bitteren Lehre, welche die unheilvollen Ergebnisse der entgegengesetzten Politik zei- tigten, bevor sich ein Teil des Bürgertums in diesem Sinne umstellte. Auf Antrag des Generals Smuts und mit Zustimmung von Lloyd George wurden die Militärpensionen in die Re- parationen einbezogen, deren Summe dadurch zu astronomi- scheu Ziffern anschwoll. Später mußte man allerdings den Gesamtbetrag auf ein immer noch enormes, aber weniger übertriebenes Maß reduzieren, ohne aber die Militärpensionen wieder herauszunehmen. Das Endergebnis bestand darin, daß gerade denjenigen Ländern, welche am meisten unter dem Krieg gelitten haben, nämlich Frankreich und vor allem Belgien, der Anteil an den Annuitäten aus dem Dawes- und dem Boung-Plan auf einen viel geringeren Prozent- s a tz herabgedrückt wurde, als wenn man sich auf die Wieder- gutmachung der direkten Schäden beschränkt hätte. In bezug auf die Kriegsschulden hat sich bekanntlich Eng- land von Anfang an prinzipiell für deren Streichung ausge- sprachen. Es stellte sich auf den Standpunkt, von seinen Schuldnern nicht mehr zu fordern als den Gegenwert dessen, was es selbst an die Vereinigten Staaten zu zahlen hat. Diese dagegen hoben sich bis jetzt unnachgiebig gezeigt. Nachdem sie während der Zeit ihrer Neutralität aus dem Handel mit den kriegführenden Staaten gewaltige Gewinne erzielt hatten, weigerten sie sich nun, von ihren Forderungen gegenüber Europa auch nur einen Deut nachzulassen. Sie haben sogar Belgien die Befreiung von seinen Kriegsschulden verweigert, welche ihm von Wilson versprochen wurde und von Frankreich und England in vollem Umfang gewährt worden ist. Hoover erklärt die amerikanischen Schuldforderungen auch heute noch als unantastbar. Er hat lediglich ein Morawrium vorgeschlagen, das seinen Schuldnern erlauben soll, Atem zu schöpfen. Er lehnt jeden Schuldennachlaß ab, obwohl er in Paris am 3. August 1918 erklärt hatte:„Ihr schuldet uns keine Dankbarkeit für das, was die Vereinigten Staaten ge- tan haben, denn es handelt sich um die gemeinsame Verteidi- gung." Wenn er dennoch Zahlungsaufschübe und Fristen ge- währt unter der Bedingung, daß die andern desgleichen tun, was es sie auch koste, so tut er dies— und er verbirgt es auch nicht— im wohlverstandenen Interesse der Vereinigten Staaten selbst; seine Schonung Europas, und ganz besonders Deutschlands, entspringt keineswegs gefühlsmäßigen Erwä- gungen. Bei den militärischen Okkupationen bedurfte es des Miß- erfolgs an der Ruhr, um die früheren Alliierten zu deren vor- zeitigen Beendigung zu bewegen. Aber wenn auch die Okku- pationen aufgehört haben, die Rüstungen dauern weiter an. Was sür ein schöner Lorwand für die Nichtarmullicnmg der Kriegsschulden ist für die amerikanischen Großkopktalisten das Schauspiel, das die Regierungen Europas bieten, die mitten in der schwersten Krise Milliarden ausbringen, um die Lasten ihres Militär apparates noch zu erhöhenl In einem Zeitpunkt, da Deutschland am Ende seiner Kräfte ist, wo es, um die für die Rettung seiner Wirtschast erforderlichen Operationen durchführen zu können, an die So- lidarität der internationalen Finanz appellieren muß, setzt es zwar das Budget der Reichswehr um fünfzig Millionen Mark herab, weigert sich jedoch, die freundschaftlichen Vorschläge, zum Beispiel aus England, auszuführen und irgend etwas an den Ausgaben für feine Marine abzustreichen. Was Frank- reich und Belgien betrifft— eben, da die Annahme des Vor- fchlages Hoovcrs in ihre Einnahme ein schwer auszufüllendes Loch reißt—, beharren ihre Regierungen trotz der sozialisti- scheu Proteste darauf, Milliarden auszugeben, um gegen Deutschland, das, zumindest an der Westgrenze, keine Festun- gen besitzen darf, Festungsgürtel zu errichten. Wer sieht unter diesen Umständen nicht, daß zwischen den Problemen der Reparationen, der Kriegsschulden und der Rüstungen Be» Ziehungen bestehen, über deren Anerkennung sich die Sozia- listen seit Frankfurt einig sind, und von denen man, wenn der Orkan vorbei ist, wieder sprechen wird müssen, sobald durch die unwiderstehliche Gewalt der Dinge die Politik und die Pläne von früher der Revision unterzogen werden. Es ist gerechtfertigt, daß, wie in Frankfurt und Hamburg be- schloffen wurde, die Reparationsleistungen auf die d i r e k t e n Schäden beschränkt werden, die der Z i v i l b e v ö l k e- rung durch die Invasion zugefügt worden sind. Es ist andererseits, wenn man Europa aus den katastrophalen Schwierigkeiten, in denen es sich befindet, besteien will, not- wendig, daß die vollständige Streichung der Kriegsschulden mit Hilfe eines gerechten Ausgleichs gestatte, die dann noch übrigbleibenden Wiedergutmachungsverpflichtungen auf ver- hältnismäßig kleine Beträge herabzusetzen. Aber vor allem und über allem ist es unerläßlich, wenn man nicht will, daß alles im Abgrund versinkt, an den Militärbudgets scharfe Kürzungen vorzunehmen. Benedikt K a u t s k y hat in einem Buche, dessen Lektüre nicht genug empfohlen werden kann, darauf hingewiesen und mit Zahlen belegt, daß, wenn man die Gesamtheit der Schulden, die aus dem letzten Krieg erwachsen sind, mit den Ausgaben vergleicht, die für einen künftigen Krieg gemacht werden— für einen Krieg übrigens, den alle Staaten geächtet haben—, sich eine bemerkenswerte Gleichheit der Lasten ergibt, die auf Staaten wie England, Frankreich und Deutschland, liegen: die einen zahlen mehr für ihre Rüstungen, die andern für die Begleichung ihrer Schulden: aber im Endergebnis sind alle fast gleich stark belastet. Somit beherrscht das Problem der Abrüstung letzten Endes olle anderen Fragen. Der vergangene Krieg wird nur dann auf befriedigende Weise liquidiert werden können, wenn man den ruinösen Vorbereitungen für das ein Ende setzt, was manche den nwrgigcn Krieg zu nennen wagen. Andern- falls— jedermann beginnt sich darüber Rechenschaft abzu- legen, und die Ereignisse in Deutschland öffnen den Blindesten die Augen— gehen wir einer wirtschaftlichen, politischen und sozialen Katastrophe entgegen. Alle Moratorien der Welt werden nicht verhindern, daß überall dort, wo der siegreiche Vormarsch des Proletariats von den Regierungen eine Po- litik materiell ins Gewicht fallender sozialer Reformen erzwingt und jeden Angriff darauf abwehrt, diese Sozialpolitik unvereinbar wird mit der drückende Lasten hervor- rufenden Rüstungspolitik. Beides zugleich— Sozial- Politik und Aufrüstung— ist unmöglich. Der Rüstungswahnsinn führt zum Krieg und in den Abgrund. Mit einem Wort: immer mehr wird zur selbswerständlichen Wahr- hcit der Satz:„Europa wird abgerüstet oder es wird nicht mehr fein." Hugenbergs Mannen. Snffchließungen der deuffchnationalen Reichstagsfraktion. Die dcutschnationale Reichstagsfraktion hat am Dienstag in Berlin zur wirtschaftlichen und politischen Loge zwei Resolutionen angenommen. Die eine fordert Ueberwindung der Krise„aus eigener Kraft".„Aus eigener Kraft" sagt« chugenberg— da ging er hin und pumpte 28 Millionen tun der Danntbank. Die zweite Entschließung wendet sich gegen Verbote rechts- flehender Zeitungen. Die Herrschaften wünschen, daß nur links- radikale Blätter oerboten werden. Zu Verteidigern der Preßfrciheit sind sie nicht qualifiziert. Zahwngssperre und Tetephongebühren. Von der Reichspostvcrwaltung erfahren wir, daß jeder Fern- s p r e ch t c i l n e h m e r, der infolge der Sperrung feines Bank- guthabens die Telephongebühren nicht pünktlich zahlen kann,«ine Frist zur Zahlung erhält, die erst drei Tage nach Ablauf der Bankfeiertoge beendet ist. Wegen der Zahlung»- nersäumnisse wird keine Sperrung des Fernfprechanschlusfes statt- finden. Oer ZollunionStprozeß. Wo bleiben kfie Rechte Osutschösterreichs? 5)aag. 21. Juli.(Eigenbericht.) Vor dem Haager Internationalen Gerichtshof rückte der deutsche Vertreter Dr. Bruns die Frage der„Unabhängigkeit" Oesterreichs in den Mittelpunkt der Verhandlungen. Er wandte sich dagegen, daß man nur von den durch Oesterreich übernommenen Verpflichtungen, aber nicht non den von Oesterreich durch die Verträge erworbenen Rechten spreche. Auch nach der französischen Denkschrift könne Oesterreich normale Verpflichtungen übernehmen. Nirgends fei Oesterreich in den Verträgen die Freiheil genommen, selbständig Verträge zu schließen und handelspolitische Abmachungen zu ver» einbaren. Ein Abrüstungsprogramm der französischen Regierung ist ver- öffenllicht worden. Das ausführliche Schriftstück enthält eine Fülle non Zahlen der Truppenstände, wie sie sich unter der ersten Ab- rüstungsdebatte stellen würden. Das Pkogramm ist eine Vorlage für die Genfer Abrüstungskonferenz, die zahlreiche Regierungsvor- fchläge vorfinden wird. Kommunisten motten Hitter. Kommunistische Teilnahme am Stahlhelmvolksentscheid gegen Preußen. vi« Kovnmmtstische Partei hat beschlosien. sich in die Front der Hiller. Hugenberg, Seldte und Düsterberg gegen die Preoßenkoalilion einzureihen und sich an dem Volksentscheid zu beteiligen, den der Stahlhelm in die Wege geleitel hat, nm eine extreme Rechtsregtcrung in Preußen herbeizuführen. -i- Die Kommunistische Partei will das offene Bündnis mit den faschistischen Kräften in Deutschland vor ihren Anhängern damit beschönigen, daß sie der preußischen Staatsregierung ultimative Forderungen stellt. Diese Forderungen lauten: 1. Herstellung der vollen Pressefreiheit, Versammlungssreiheir für die Arbeiterschaft, Außerkraftsetzung der Notverordnungen und Zwangsmaßnahmen im preußischen Staatsgebiet. 2. Sofortige Zurücknahme aller Abbaumahnahmen gegen alle Unterstützungsempfänger, insbesondere der Erwerbslosen, sowie die Zurücknahme des Geholkdabbaues für die unteren Beamten. 3. Sicherung der vollen und sofortigen Auszahlung aller kleineren Guthaben bei allen preußischen Spartassen. 4. Sofortige Aufhebung des Verbotes des Roten Frontkämpfer- bundes als der Kampforganisation gegen Nationalsozialisten und Stahlhelmer. Es ist selbstverständlich, daß diese Forderungen nicht ernsthaft gemeint sind, sondern daß sie nur die kommu- nistischen Anhänger über die Schändlichkeit des Bündnisses der Kommunisten mit dem Faschismus hinwegtäuschen sollen. Namentlich die vierte Forderung zeigt auf das deutlichste, daß es sich dabei nur um einen überaus verlogenen Versuch handelt. Wenn die Preußenrcgiemng nicht das Verbot des„Rotfrontkämpferbundcs" als der.Kampforganifation gegen Nationalsozialisten und Stahlhelme!" aufhebt, will die Kommu nl st ische Partei sich in die Front der Nationalsozialisten und Stahlhelmer einreihen, um ihren angeblich schlimmsten Feinden in Preußen zur Macht zu verhelfen! Stärker konnte sich die Kommunistische Partei nicht entlarven als mit dieser For- derung. Das Bündnis mit Hitler und Hugenberg zeigt der gesamten Arbeiterschaft, daß die Kommunistische Partei die wahren Interessen der deutschen Arbeiter verrät, daß sie sich jener Front anschließt, die die stärkste große deutsche Arbeiterpartei mit grimmigstem 5>asse verfolgt! Eben in dem Augenblick, in dem das deutsche Scharfmachertum gegen die deutsche Sozialdemokratie ausheult, weil sie die Schuld der bankrotten kapitali st ische n Wirt- schaftsführer unbarmherzig vor dem ganzen Volte an- geprangert hat, fallen die Kommunisten der Arbeiterschaft in den Rücken und gesellen s i ch au den Landsknechten des deutschen S ch a r sm a ch e rt u m s. Die vereinigte Front von Hitler, Hugenberg, Seldte, Düsterberg und Thälmann wird dennoch nicht zum Ziele ge- langen. Die Niederlage des Faschismus im Kampf um Preußen wird nach dieser Selbstentlarvung der Kommunisti- schen Partei zugleich zu einer eklatanten Niederlage der Kom- munisten werden. Oer neue Hoover-plan. Ausländskrediie sotten nicht abgerufen werden! Washington. 21. Juli. Der volle Text des amerikanischen Vorschlages, den Staats- sekretär S t i m s o n heute der Londoner Konserenz unterbreitete, lautet: „Der Kern des Problems ist die Wiederherstellung des Ver- trauens in Deutschlands Wirtschaft, in Deutschlanö wie im Aus- lande. Was die politisch« Seite anbetrifft, so hofft Amerika, daß die Völker Europas durch gegenseitiees Verständnis und guten Willen alle Reibungsflächen beseitigen, damit die Welt mit der politischen Stabilität Europas rechnen kann. Was die wirtschaftliche Seite anbetrifft, so ist die gegenwärtige Notlage durchaus eine Grifts kurzfristiger Lredilc. Der Hauptdruck auf Dsutschlands Wirtschaft in der Zeit der De- pression ist durch den gemeinschaftlichen Schritt der Gläubiger- mächt« mit der Suspendierunx� aller Zahlungen aus Regierung»- schulden für ein Jahr erleichtert worden. Deutschlanö hat aber sein Wirtschaftsleben zu einem sehr beträchtlichen Grade durch aus- ländisch« kurzfristige Kredite finanziert. Es liegt kein Grund vor, die Sicherheit der Gruirdlage, auf der diese Kredite ruhen, zu bezweifeln. Aber die in den letzten Wochen herrschend« ollgemeine Unsicherheit bracht« einen solchen Verlust an Vertrauen mit sich, daß Deutschlands Bank- und Kreditwesen einer sehr schweren Belastung ausgesetzt war. Diese Belaswng nahm zwei ganz bestimmte Formen an, deren Folge ein Abfluß der Bank- mittel und«in« Verminderung des Geld- und Devisenbestandes war. Erstens gab es eine Flucht aus der Mark in Deutsch- land selbst, zweitens wurden ausländische Depositen abgezogen und die Kredite ausländischer Banken beschnitten. Diese Bewegungen sind durch nichts zu rechtfertigen, und wenn sie durch eine gemeinsame Aktion aufgehalten werden können, so besteht kein Grund, daß die gegenwärtige Notlage nicht I sofort und endgültig überwunden werden könnte. Was das Nächst- liegende betrifft, nämlich die innere Flucht aus der Mark, so kann dies— und es geschieht dies bereits— erfolgreich bekämpft werden durch die entschiedenen Maßnahmen der deut- schen Regierung und der Reichsbank. Wenn die unberechtigte Besorgnis einmal überwunden ist, so kann der Patriotismus des deutschen Volkes sicherlich dazu ge- bracht werdeu, die Zerstörung des Kredites des eigenen Landes zu verhindern. Was die auswärtigen Kredite betrifft, so glauben wir, daß eine erste Annäherung an dieses Problem in der Aufstellung eines Pro- gramms besteht, eine Ve r l ä n g e r u n g der lausenden Kredite auf eine angemessene Frist ermöglicht. In diesem Zusammenhang nehmen wir an, daß diese Kredite zusammen mit der Befreiung von den Reparationen und dem sich aus der Behebung der Panik ergebenden natürlichen Gewinn genügen sollten, um den gegen- wältigen Bedarf der deutschen Wirtschast zu decken. Andererseits dürft« klar sein, daß, sofern für die Ausrechterhaltung der Kredite keine Mahnahme getroffen wird, ein Versuch, neue kurzfristige oder langfristige Kredite zu beschaffen, unwirksam sein würde. Bei der Entwicklung eines solchen Programms könnten die Länder, die Hauptbankzcntren besitzen, einschließlich der Vereinigten Staaten, Belgiens, Frankreichs, Großbritanniens, Hollands, Italiens, Ja- pons und der Schweiz und andere wichtige Bankzcntren es gut auf sich nehmen, ihren Bankiers anzfuempfchlen, in der Weise organi- sotorisch vorzugehen, daß es ermöglicht wird, die laufenden Kredite für Deutschland für einen angemessenen Zeitraum aufrecht- z u« r h a l t c n. Die Derantworwn.g für die Ausarbeitung der Einzelheiten eines solchen Programms und der Methoden, um� es mit gebührender Berücksichtigung des Schutzes für die Banken mid der Bedürfnisse der deutschen Wirtschast wirksam durchzuführen. sollte den Bankgemeinschaften der betreffenden Länder überlassen werden, und den Zentralbanken könnte das Vertrauen entgegengebracht werden, daß sie die notwendige Führerschaft in bezug auf das Zusammenwirken und die Leitung übernehmen. Derartige freiwillige Abmachungen sollten für die gegenwärtige Zeit ihre Ergänzung finden in einer strengen Kontrolle aller veoisentronsoktionen durch die Reichs- dank derart, daß die Integrität de« Programm» aufrechterholte« werden kann, und daß die Bonken, die daran teilnehmen, versichert fein können, daß keine willkürlichen Abziehunggn erfolgen weder von deutscher Seite, noch außerhalb Deutschlands. Das würde zur Slufrechtcrhaltung des Gesamtbestandes der Kredite aus jedem Lande beitragen. Würde ein derartiges System schnell zur Aussichrung gebracht, so wurde eine unmittelbare Wiederherstellung des Der- trauens die Folge sein, und in verhältniarnäßig kurzer Zeit die Notwendigkeit für eine Beschränkung dieser Art ver schwinden und dann wieder normale Berhältnifse zur Herrschaft gelangen. Für das Vertrauen auf ein solches Ergebnis besteht um so mehr Grund angesichts der Tatsache, daß das Programm der Vereinigten Staaten für die Suspension der Schuldenzahlungen jetzt wirksam ge- worden ist, und die Ereignisse, die der Ankündigung dieses Pro- gramms folgten, deutlich beweisen, daß die Befreiung von der Zahlung der gegenseitigen Regierungs- schuldc« in den Augen der Geschäftswelt die Grundlage fär ein erneutes vertrauen gelegt hat. Es sollte eine Kommission von der BIZ. ernannt oder auf irgendeine andere angemessene Weise gebildet werden, um ein Zu- sammenwirken in folgenden Punkten zu gewährleisten: I. Vorsorge im Einvernehmen mit den Bankinteressen in verschiedenen Ländern für die Wiedererneuerung des gegenwärtigen Bestandes der in Deutschland investierten kurzfristigen Kredite durch diese Länder zu treffen: 2. die unmittelbaren weiteren Kreditbedürfniffe Deutsch- londs zu untersuchen, und 3. Pläne für eine teilweife Umwandlung der kurzfristigen- in langfristig« Kredite während der nächsten sechs oder acht Monate auszuarbeiten. Amtliche Erläuiemug. wafhingkon. 21. Zull. Zu dem neuen Hoover-Plan gibt das Staatsdepartement folgende Erläuterungen: Durch die Befreiung von 400 Millionen Dollar Reparationszahlungen für ein Jahr ist Deutschland ein« erhebliche Hilfe gemährt worden. Die Handelsbilanz Deutschlands ist g ü n st i g, die Flucht aus der Mark fft aufgehalten und die innere Bankenlage ist durch die mutige Aktion der deutschen Regierung in Ordnung gebracht. Zunächst muß nun die Aufrechterhaltung des Umfanges der kurzfristigen Kredite gesichert werden, die sich jetzt noch in den Händen ausländischer Banken befinden und deren Betrag IM Milliarden Dollar geschätzt wird, hauptsächlich ge- wohnliche Handelswechsel, die durch viele deutsche Depositen und Kredite gedeckt sind. Selbstverständlich ist dies und kann dies nur eine rohe Schätzung fein. Der Vorschlag des Präsidenten besteht ganz einfach darin, daß die Bankiers und die Bankhäuser in allen Ländern ein Uebcr- einkommen treffen, wonach der gegenwärtige kreditumfang in jedem Land« aufrechterhallen wird und daß die deutsche Regie- rnng durch die Reichsbauk und aus andere weise eine stritte und vollständige Kontrolle über den Devisenmarkt ausübt. so daß kein Abfluß erfolgt, und daß hierdurch die Aufrechtcrhaltung des Gesamtkreditbetrages erreicht wird. Ein solches System des Zusammenwirkens, das durch die Aktion der deutschen Regierung ergänzt wird, wird den auf Deutschland von außerhalb aus- geübten Druck beseitigen und durch die Wiederherstellung des Vertrauens Deutschland in den Stand setzen, in dem normalen Ec- schästsgang die nötigen Zusatztredite sicherzustellen. Dieser Vorschlag hat nicht den Charakter eines ZNorakor'mm». sondern bedeutet nur die Aufrcchlerhaltuug des großen Kredit- umfanges, der in bezug aus Deutschland gegenwärtig besteht. Der Vorschlag gestattet der Welt, durch die Sicherstellung einer Stabilität in der deutschen Kreditstruktur zu einem normalen Ge- schästsgang zurückzukehren. Der erste notwendige Schritt muß darin bestehen, Zeit für die Entwicklung von Plänen für lang- fristige Anleihen zu geben, die kurzfristige Obligationen ersetzen fallen. Das Interesse, das Frankreich an einer solchen long- fristigcn Anleihe nimmt, ist ein deutlicher Beweis seines Wunsches für eine kooperative Lösung der Frage. Wieder ein Gchädlingsprozeß. Phvsphvntspcze vor Gericht. Rioskau. 21. Juli.(Ost-Expreß.) Obgleich erst vor wenigen Wochen Stalin ein« völlige Ab» kehr von der bisherigen Politik gegenüber den Fachleuten und In- genieuren ankündigte, stehen am 28. Juli in Moskau vor dem Obersten Gericht wiederum mehrere Ingenieure und höhere Angestellte der Phosphoritindustrie. die seit längerer Zeit sich als„Schädlinge" bc- tätigt haben sollen: sie sollen, um die Entwicklung der Phosphorit- industrie zu hemmen, im Auslande unvorwendbore und unnötig« Ausrüstungen und Geräte angekauft haben usw. Die Anklage lautet auf wirtschaftlich« Gegenrevolution, worauf Todesstrafe steht. Nr. 337- 4S. Jahrgang Mittwoch, 22. Juli il 931 Jugend ringt um UölKeruersiehen Ein nesuch bei der Auslauschschule in Hermsdon. Es ist ganz etwas Neues, was im Dienste der Völkerverständigung ebenso wie auf erzieherischem Gebiete in den Zlustauschschulen Deutschlands. Frankreichs. Englands und Spaniens angestrebt und scheinbar mit der Aussicht aus guten Erfolg eingeleitet ist. Wer die d c u t s ch- f ra n z ö s i s ch e Zl u s t a u s ch s ch u l e im landschaftlich herrlich gelegenen, mit luftigen hellen Räumen aus- gestatteten Dominikusstist in Berlin-Hermsdorf besucht, merkt, daß diese Veranstaltung, die gemeinsam vom f r a n z ö s i- schen Unterrichtsministerium, dem preußischen Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung und der Berliner städtischen Schulverwaltung durch- geführt wird, nichts mit den Austauschschülern zu tun hat, die ihre Ferien in Deutschland im gegenseitigen Wechsel bei verstöndigungs- freudigen Familien verbringen. Sicher wird auch diese Art von Austausch und Verstchenlcrnen von jedem Friedensfreund herzlich begrüßt. Aber in diesen von den Erziehungsbehörden der beiden Länder durchgeführten Anstalten wird mehr geleistet. Es handelt sich uni eine regelrechte Schule, in der Franzosen und Deutsche unter französischen und deutschen Lehrern einen Unterricht erhallen, bei dem Staatsbürgerkunde und die Kenntnis der Literatur und Kultur des andern Voltes im Vordergrund stehen. Wer einer solchen Unterrichtsstunde beiwohnt und vor dem Kriege die Schul- bank gedrückt hat, wünscht sich förmlich, noch einmal Schüler zu sein. Da wurde gestern im staatsbürgerlichen Unterricht die Wahl des Staatspräsidenten in Frankreich und Deutsch- l a n d durchgesprochen. Erst hält ein junger Deutscher, dann ein junger Franzose ein kurzes Referat, in dem er die einschlägigen Bestimmungen in der Staatsverfassung seines Vaterlandes klar legt. Dann folgt eine freimütige Diskussion, in der oft Schüler und Lehrer. Deutsche und Franzosen, in herzlichst ausgetragenen Gegensätzen zu einander stehen. Der Einblick in die fremde Sprache und noch mehr in Wesen und Fühlen des Nachbarvolkes erfährt durch solchen Uiücrricht selbst- verständlich die lcbhastest« Förderung. Der Leiter der Berliner Anstalten im Magistrat, Studienrat Schwarz, betonte ausdrück- lich in einer kurzen Ansprache, daß im Vordergründe dieses Aus- laujchcs auch dos Lernen stände und daß das viel wichtiger sei als ein bloßes oberflächliches Kennenlernen. Aus diesem Grunde begnügt man sich nicht allein mit dem fünfwöchigen Schulkursus, sondern im Rahmen der conationalen Erziehung, wie sie Minister Schwere Verkehrsunfälle. An der Ecke der S) as e n h ei d c und F i ch t c st r aß e stieß gestern abend ein mit zwei Personen besetztes Motorrad mit einer Autodroschtc zusammen. Der Führer des Rades, der 22jährige Wilhelm K u ß, und seine 2ljährige Begleiterin Margot G a u d e, die beide in der Joachimsthaler Straße in Cl)arlottenburg wohnen, er- litten schwere Kopfverletzungen. Die Verunglückten fanden im Urbankrankenhaus Aufnahme.— Vor der Hochschule für Musik in der H a r d e n b e r g st r a h e wurde gestern abend der öbjährige Fliesenleger Johannes F a b i s ch aus der Mctzer Straße 12 in Mahlsdorf schwer verletzt. F. wurde in das Wilmersdorfcr Kranken- hauch nach der Achenbachstraße gebracht. Die Kriminalpolizei ist bemüht, die Persönlichkeit einer Frau zu ermitteln, die am vergangenen Sonnabend auf der Straß« ver- unglllckte. Beim Uebcrschrcitcn des Fahrdammes wurde sie vor dem Grimme genannt hat, bleibt die Fühlung durch das ganze Jahr aufrechterhalten. In den Wintermonaten stehen die deutschen Schüler in ständiger Fühlung mit Angehörigen der französischen Kolonie. und das Gleiche ist in Frankreich mit umgekehrtem Vorzeichen der Fall. Damen und Herren der beiderseitigen diplomatischen Ver- tretungen haben sich zur Verfügung gestellt. Man trifft sich und unterhält sich freundschaftlich in der Sprache des Nachbarvoltes über Fragen der mannigfachsten Art bei einer Taste Tee. Neben dem stets hilfsbereiten Förderer Minister Dr. Grimme sind in Berlin hauptsächlich Stadtschulrat N y d a h l und Magistratsoberschulrat Heyn für die Bewgung tätig. Auch vom Auswärtigen Amt wird dieser Austausch nach best«« Kräften unterstützt. Es kann auch wohl keinem Zweifel unterliegen, daß im Rahmen seiner zur Zeit freilich nur allzu schwachen Kräfte auch der M a g i st r a t Berlin in den Säckel greift.- Wie herzlich das Einvernehmen zwischen französischen und deutschen Schülern ist, bewies eine Fahrt nach Bernau, die den Nach- mittag einnahm. Selbstverständlich ist ein solcher Ausflug nicht als reine Vergnügungsfahrt gedacht. Man besichtigte die alte Backstein- kirche, d« Wälle und Gräben, die durch den Hussitenkrieg historisch gewordene Mauer und in gemeinsamem Austausch taten Franzosen und Deutsche einen Einblick in die deutsche Kulturgeschichte. Der Magistrat von Bernau hatte im Anschluß an die vom Stadtarchitekten geleitete Besichtigung zu einer.Kaffeetafel geladen, bei der der Bürgermeister von Bernau in einer Rede auf die Wich- tigteit dieses Schüleraustauschcs für die Verständigung zwischen Deutschland und Frankreich hinwies. Die Jugend, so sagte er, ist bc- rufen, dieses Werk durchzuführen. Im gleichen Sinne äußerte sich Studicnrat Schwarz, der betonte, daß es in Frankreich gerade die kricgsgcbiete seien, die sich besonders an diesem Schüleraustausch beteiligen. Herr Laurent, der Direktor des Kollegs von Saint Pol bei Arras, wies darauf hin, daß die Begeisterung bei den französischen Pädagogen, für die Verständigung zwischen den beiden großen Völkern zu wirken, gleich groß ist, wie bei den Deutschen. Eine besondere Note erhielt der Tag durch die Anwesenheit einer Reihe ö st erreich!- scher V o l k s s ch ü l c r, die eine Feriensahrt durch Deutschland nach Berlin geführt hat. Der Bericht über den gestrigen Tag läßt sich nicht besser schließen als mit den Worten des österreichischen Philologen: Es mühte mit dem Teufel zugehen, wenn Deutsche und Franzosen sich nicht endlich aussöhnen und vertragen. Hause Wcihenburger Straße 3l) im Norden Berlins von einer Auto- droschke angerannt und zu Boden geworfen/ Man brachte:die Schwerverletzte nach dem Krankenhaus'am Friedrichshain, doch>-tst sie bereits in der- Nacht ver st o r b e n, ohne das Bewußtsein wiedererlangt zu haben. Die Leiche ist nach dem Schauhausc gebracht wor- den. Die Unbekannte ist etwa üb bis 55 Jahre alt, hat graues Haar und trug schwarzen Hut, braunen Mantel, schwarzes gestreiftes Kleid und schwarze Strümpfe und Halbschuhe. Die Zinssähe der Berliner»tadtbank. Die Berliner S t a d t b a n k hat aus Anlaß der Erhöhung des Rcichsbankdiskontsatzes den Habenzinssatz für täglich versiigbare Guthaben mit Wirkung vom lli. Juli 1931 in provisionsfreier Rechnung auf 8 Proz., in provisionspflichtiger Rechnung auf 9 Proz. festgesetzt. Dreisacher Mord! Ein naher Verwandter der Tat dringend verdächtig. Weiden(Lberpfatzj, 21. Juli. In Wcndersreuth bei Weiden wurde der Gastwirt « ch i e d c r und seine(Ehefrau in ihrer Wohnung c r- mordet ausgefunden. Ter Schädel der Frau wie» fünf B e i l h i e b e auf. Außerdem tvar ihr der Hals durchschlagen worden. Ter Mann, der vor dem Bette lag, war durch vier Beilhiebc auf den 5lopf getötet wor- den. Tas dreijährige.Kind der Familie, das ebenfalls durch einen Schlag schwer verletzt worden war, wurde noch lebend aufgefunden und in das Krankenhaus Neu- stadt-Waldnaab eingeliefert. Tort ist es im Laufe des Montag verstorben. Als mutmaßlicher Täter wurde der Bruder des Gastwirts Schieber verhaftet und in das Landgerichts- gefängnis Weiden eingeliefert. O'in Geständnis hat er noch nicht abgelegt. Petroleumbrand in Amerika. Bisher S Tote, 14 Gchwerverlehte. In der Rälze von Mount Pleafant(Michigan i geriet am Montag eine Pctroleumquelle in Brand. Bis- her wurden K Tote»nd 14 Schwerverletzte ge> borgen. Genosse Or. ZaSek verstorben. Genosse Dr. Jgnaz Zadel ist, 73 Jahre alt. einem schweren Blasenleiden erlegen. Seine Einäscherung hat bereits, seinem Wunsche entsprechend, in aller Stille stattgefunden. Mit Genossen Dr. Zadel ist ein alter Kämpfer, der van seiner frühesten Jugend her in den Reihen der Sozialdemokratie stand, dahingegangen. Ein aufrechter, unerschrockener, stets temperamcnt- voller Mensch. Seiner lleberzeugung brachte er manches Opfer. Von dem Vertrauen der Berliner Arbeiterschaft getragen, trat Genosse Zadel als erster sozialdemokratischer Arzt in die Berliner Stadtverordnetenversammlung ein, der er jahrzehntelang angehörte. Zahlreiche Einrichtungen des Ber- liner Gesundheitswesens sind auf seine Veranlassung geschaffen wor- den. Er war es auch, der zusammen mit dem ihm im Tode voraus- gegangenen Direktor der Berliner Allgemeinen Ortskrankenkasse, Ge- nassen Albert K o h n, es durchsetzte, daß die Betreuung der Ge- schlechtskranken in der Krankenversicherung auf eine neue Grundlage gestellt wurde. Unter seiner Führung erfolgte im Jahre 1912 der organisatorische Zusammenschluß der sozialdemokratischen Aerzte. Di« zahlreichen wissenschaftlichen und populären schriftstellerischen Arbeiten des Genossen Dr. Zadek betreffen die Gebiete der s o z i a l e n Hygiene und der Gewerbe h y g i e n e. Mehrere seiner Sehr i ftc n find in der. A r b e i t e r g e s u h d h e i t s b! b l i o t h e k ' ersch teilen, lieber däs Grab hinaus werkten die Sozialdemokratie, hie Berliner Arbeiterschaft' ünd Zie söziäldemokratischen Aerzte des Genossen Dr. Zadek stets in Ehren und in Dankbarkeit gedenken, Znstunfall auf Strecke Northeim— Nordhauscn. Wie die Rcichsbahndirektion Kastel mitteilt, hat der Per- sonenzug 290 auf der Strecke N o r t h e i in— N ordhausen gestern abend vor dem Bahnhof Catlenburg das Einfahrtssignal überfahren und ist dem Durchgangsgüterzug 6379 in die Flanke gefahren, wobei fünf mit Thomasmehl beladcne und zwei leere Güterwagen e n t g l e i st e n und umstürzten. Personen sind jedoch nicht verletzt worden. Eine Untersuchung wurde eingeleitet. Der Weltmeister selbst verlor indessen auch nicht seine Zeit. Er mietete sür drei Rubel einen Klubraum und begab sich in die Schachsektion, die sich aus Gott weiß welchen Gründen im Gebäude der Pserdezuchtanstalt befand. Ein einäugiger Mensch saß in der Schachsektion und las einen Roman von Spielhagen. „Weltmeister O. Bender", stellte sich Ostap vor und setzte sich an den Tisch.„Ich will bei Ihnen ein Schachturnier, auf mehreren Brettern gleichzeitig veranstalten." Das einzige Auge des Wassjukier Schachspielers öffnete sich bis an die von der Natur zugelassenen Grenzen. „Einen Augenblick, Genosse Weltmeister!" rief der Ein- äugigc.„Bitte, nehmen Sie Platz. Ich komme gleich wieder." Und der Einäugige l:ei davon. Ostap besah das Zimmer der Schachsektion. An der Wand hingen Photographien von Rennpferden, auf dem Tisch lag ein verstaubtes Geschäftsbuch mit der Aufschrift: Bilanz der Sachsektion für das Jahr 1925. Der Einäugige kehrte mit einem Dutzend Bürger verschie- denen Alters zurück. Sic traten der Reihe nach zu Ostap heran, drückten ihm respektvoll die Hand und stellten sich vor. „Auf meiner Durchreise nach Kasan," sagte Ostap stockend, "ja, ja, die Seance findet heute abend statt, kommen Sie bc- stimmt. Und momentan müssen Sie mich entschuldigen, ich bin jetzt nicht in Form, etwas ermüdet vom Karlsbader Turier." Die Schachspieler von Wassjuki hörten Ostap mit geradezu kindlicher Zärtlichkeit zu. Ostap jubeltx im stillen. Er fühlte, wie neue Kräfte und eine Fülle von Schachideen in ihm aus- wuchsen. „Sie wissen gar nicht," sagte er,„wie weit die Technik im Schachspiel vorgeschritten ist. Wissen Sie, Laster verwendet all- zu banale Tricks. Es ist nicht mehr möglich, mit ihm zu spielen. Er betäubt leine Gegner mit Zigarrenrauch. Und er raucht ab- sichtlich billige Zigarren, damit der Rauch»nanaenehmer ist. Die Schachwelt ist beunruhigt." Der Weltmeister ging auf lokale Themata über. „Warum ist das Schach in der Provinz kein eigentliches Denkspiel? Ihre Schachsektion zum Beispiel: Warum heißt sie einfach Schachsektion? Das ist langweilig, meine Lieben! Warum nennen Sie sie nicht irgendwie schöner, echter, schach- gemäßer? Das würde die breite Masse für den Klub inter- essieren. Sie sollten Ihrer Sektion zum Beispiel den Namen geben,.Schachklub der vier Springer' oder.Rotes Endspiel' oder.Verlust und Qualität bei Gewinn des Tempos'. Das wäre schön! Das klingt!" Diese Idee fand Beifall. „Wirklich," sagten die Bewohner von Wassjuki,„warum sollen wir unsere Schachsektion nicht ,Klub der vier Springer' nennen?" Da die Leitung der Schachsektion anwesend war, organi- sierte Ostap als Ehrenvorsitzender eine regelrechte Sitzung, bei der einstimmig beschlossen wurde, die Schachsektion unter dem Namen„Vier Springer" zu führen. Der Weltmeister verfer- tigte eigenhändig— er brachte dabei seine Praxis vom „Skrjabin her in Anwendung— ein Schild aus Karton, auf dem er die vier Springer und die passende Aufschrift zeichnete. Diese wichtige Maßnahme versprach ein Aufblühen des Schachgedankens in Wassjuki. „Schach!" sagte Ostap.„Wissen Sie, was Schach ist? Sie bringen nicht nur Kultur, sondern auch die wirtschaftliche Lage vorwärts. Wissen Sie, daß Ihr Schachklub.Vier Springer' bei rationellem Vorgehen die Stadt Wassjuki vollständig ver- ändern kann?" Ostap hatte seit gestern nichts gegessen und deshalb waren seine Reden besonders schön. „Ja," rief er,„Schachspielen bereichert das Land! Wenn Sie auf mein Projekt eingehen, so werden Sie über Marmor- treppen auf den Kai steigen. Wassjuki wird das Zentrum aller zehn Bezirke werden. Was haben Sie früher vom Semmcring gehört? Nichts. Und jetzt ist dieser Ort reich und berühmt, nur weil dort Schachturniere veranstaltet werden. Deshalb sagte ich: man muß in Wassjuki ein internationales Turnier veranstalten." „Aber wie?" riefen alle. „Eine einfache Sache," antwortete der Weltmeister,„meine persönlichen Verbindungen und Ihre Arbeit— das ist alles, was wir zur Organisation eines internationalen Schachturniers in Wassjuki brauchen. Denken Sie nur, wie schön es klingen wird:.Internationales Schachturnier in Wassjuki, 1928'! Die Teilnahme Jos,' Raoul Capablancas, Emanuel Lasters, Al- jechins, Niemzowitschs, R.'tis, Rubinsteins, Maroczys, Vidmars und Doktor Grigorjews ist gesichert. Ncbstdem ist auch mit meiner Mitwirkung zu rechnen!" „Aber das Geld!" stöhnten die Wassjukier.„All denen wird man doch zahlen müssen. Viele Tausende! Woher werden wir das Geld nehmen?" „Alles ist im voraus überlegt", sagte Bender.„Das Geld werden wir sammeln." „Wer wird bei uns so wahnsinniges Geld hergeben? Die Bewohner von Wassjuki...!" „Woher denn! Die Walljukier werden kein Geld zu zahlen haben. Sie werden es bekommen! Das ist doch unendlich ein- fach. Liebhaber des Schachspiels werden doch aus allen Welt- teilen zu einem solchen Turnier der größten Weltmeister herbei- kommen. Hunderttausende von Menschen, von reichen Leuten, werden nach Wassjuki strömen. Vor allem wird der Schiffs- verkehr den Transport einer solchen Menge Menschen nicht be- wältigen können, infolgedessen wird die Bahnvrrwaltung end- lich die Eisenbahnlinie Moskau— Wassjuki bauen müssen. Das ist eins. Zweitens Gasthäuier und Wolkenkratzer für die Gäste. Drittens Ausblühen der Agrarwirtschaft im Umkreis von tausend Kilometern— man wird die Fremden verpflegen müssen— Gemüse, Früchte, Kaviar, Schokolade, Bonbons. Viertens ein Palast für das Turnier. Fünftens Bau von Ga- ragen für die Autos der Fremden. Zur Weiterleitung der fen- sationellcn Resultate des Turniers wird man eine mächtige Radiostation bauen müssen. Und was die Eisenbahn Moskau— Wassjuki betrifft— zweifellos wird auch sie nicht imstande sein, alle Menschen, die kommen wollen, nach Wassjuki zu bc- fördern. Sa wird noch außerdem ein Aero-Transport ins Leben treten müssen. ,Groß-Wassjuki', reguläre Aero-Ver- bindung mit allen Weltteilen, inklusive Los Angeles und Mel- bourne..." Eine blendende und verführerische Perspektive eröffnete sich den Wassjukipatrioten. Das Zimmer weitete sich. Die ver- faultee Mauern der Pferdczuchtkiste fielen zusammen und an ihrer Statt erhob sich ein gläserner dreißigstöckiger Palast gegen den Himmel. In jedem seiner Säle, in jedem Raum, ja sogar in den wie Geschosse auf und ab rasenden Aufzügen saßen nach- denkliche Menschen und spielten Schach auf den mit Malachit inkrustierten Schachbrettern. (Fortsetzung folgt.) i Neubau, der notwendig war. Ein Wort an die Hasser und Neider der Krankenkassen. Lm Bann der Olympiade. Wien für den Smpfang der Arbeitersportler gerüstet. Wien, 21. Juli.(Eigenbericht.) Wien steht bereits ganz im Bann der Olympiade. Fahnen in allen Arbeitervierteln, und, obwohl noch kaum ein Viertel der erwarteten Gäste angekommen ist, sieht man überall Trupps von Mädeln und Burschen, die, von Wiener Sportlern geführt, durch die Straften ziehen. Kommen die Gäste in eine der groften Wohn- bauten der Gemeinde Wien, die über und über mit Blumen, Transparenten und Fähnchen geschmückt sind, so sind sie bald der Mittelpunkt des ganzen Hauses, das Fragen und Antworten und Begrüften nimmt kein Ende. Aber nicht nur Wien hat sich geschmückt. An der W e st- bahn st recke, über die die deutschen Sportler kommen werden, sind auf freiem Feld in der Nähe der gröfteren Ortschaften Fahnenmaste aufgestellt, und dazwischen ist de Gruft gespannt:„Frei-Heil, Euch Arbeitersportlern aus aller Welt!" Den Auskunftsslellen auf den Bahnhöfen haben sich eine U n- zahl freiwilliger Helfer zur Verfügung geslelll. Diese kleinen Büroräume sind de« ganzen Tag über voll. Immer wieder sieht man einen Trupp mit einem Führer davongehen, während der nächste Zug schon in die Halle rollt und neue Gäste bringt. Eine einzige Sorge überschattet heute noch die Feslesfreude: ob die angemeldeten Z0 000 deutschen Gäste auck) wirklich alle kommen. Sie sollen sich, hört man die Vuartiergeber überall sagen, wegen der Mark keine Sorge machen. Die Wiener Arbeiter brennen daraus, den deutschen Freunden ihre Stadt zu zeigen. Leider läßt das Wetter zur Zeit noch zu wünschen übrig, so daß die Farbenpracht in der Stadt zunächst nicht ganz zur Gelhing kommt. Schnell vor Torschluß nach Wien. Abfahrt der beiden letzten Sonderzüge zur Arbeiterolympiade Letzter Termin, zum alten Preise nach Oesterreich zu fahren! Am gestrigen Abend fuhren um 19,30 Uhr und um 21,30 Uhr die letzten Sonderzüge mit unseren Anbeitersportlern zur Olympiade nach Wien; 800 Reisende waren in dem einen, 900 in dem anderen Zug. Wieder sah man das frohe, buntbewegte Bild der Massen; diesmal herrschte die Jugend vor, frische Jungens und Mädels mit hellen Augen und strammen Schritten, den Rucksack auf dem Buckel und— aller Unbill und Mißgunst des Schicksals zum Trotz— wahrhaftig noch Sonne im herzen! Lange vor Zugabfahrt ver- sammelte sich alles auf dem Bahnsteig, eine schier erdruckende Fülle, weil ja die Besatzung des zweiten Zuges natürlich ebenfalls schon zur Stelle war. In geordneten Reihen marschierte man an, dann wurden die Plätze belegt und bis zum Türzuklappen und Signal- pfiff gab es noch allerhand zu sprchen und zu lachen. Die Nach- zügler, die noch ganze zwei Stunden vor sich hatten, waren froh, «in wLnig Unterhaltung zu haben. Da gab es über den stattgehabten Weltkindertag um Berlin am Sonntag noch allerhand zu berichten und Meinungen wurden ausgetauscht, wie die Oester- reicher den ihren gestaltet hätten. In allen Gesichtern konnte man die Freude lesen, ein par Tage raus zu kommen aus der Riesen- stadt, andere fröhliche Menscheri, � gleichgefinnte Brüder und Schwestern sehen und kennenzulernen. Wenn auch die Bahnfahrt lang und beschwerlich ist— so viele Stunden auf der Holzbank dicht bei dicht, das will schon was heißen— aber Spaß machts doch. Und in Wien wird man die österreichischen Kameraden be- grüßen und mit ihnen in einer Reihe marschieren zum Auszug bei Sport und Spiel, zur Demonstration für Luft, Sonne und Freiheit! Alles Bedauern gilt den Vielen, die mit dem Rad oder gar zu Fuß den weiten Weg unternahmen und vielleicht, wenn sie den Termin der Paßfrciheit versäumten, wieder umkehren müssen. Nas Llrteil im Abireibungsprozeß. Ein Zahr Gefängnis für die weise Frau, Geldstrafen für die anderen. Das Landgericht III verurteilte im Abtreibungsprozeß Frau h. wegen gewerbsmäßiger Abtreibung zu 1 Zahr Gefäng- n i s, von den angeklagten drei Ehefrauen die Frau 71. an Stelle einer an sich verwirkten Gefängnisstrafe zu einer Geldstrafe von 100 Mark und die beiden anderen Frauen zu je 7 0 Mark G e l d st r a s e. Zwei der angeklagten Ehemänner wurden wegen Beihilfe zu je ZS Mark Geldstrafe verurteilt, der dritte angc- klagte Ehemann freigesprochen. Die Gerichtsverhandlung offenbarte wieder einmal den ganzen Widersinn des§ 218. Nicht umsonst begründete der Staats- anwalt seine Strafanträge mit dem Hinweis darauf, wie sehr um- stritten der Z 218 ist, und auch das Urteil des Gerichts mag ge- rade aus diesem Grunde, besonders für die angeklagten drei Ehepaare, so milde ausgefallen sein. Frau h., die es mit den jungen Mädchen bestimmt nicht schlimm gemeint hat, wird an ihrer Strafe schwer zu tragen haben. Alle drei angeklagten Ehefrauen waren zu ihr gekommen, weil sie vor der Ehe keine Kinder haben wollten. Nur die Frau N., die später gegen sich die Anzeige er- stattet hatte, ist auch nach der Ehe, wie sie behauptet, auf Beran- lassung ihres Mannes, erneut zur Frau h. gegangen. Die beiden anderen sind jetzt Mütter. Nicht ganz unglaubwürdig schien es, daß Frau N. wie auch ihre Schwiegermutter und ihr Verlobter, wegen ihrer epileptischen Anfälle das Kind nicht zur Welt kommen lassen wollten. Wegen dieser Anfälle hatten sie einen Arzt aufge- sucht. Der Arzt soll gesagt haben, daß die Epilepsie unter Uin- ständen erblich sei. Darauf gingen sie zu einem Frauenarzt. Dieser erklärte aber, daß die Epilepsie noch kein Grund sei, einen Eingriff vorzunehmen. Auf diese Weigerung hin fanden K. mit seiner Braut den Weg zu Frau h. In der letzten Zeit ist wiederholt der im vorigen Jahr in Angriff genommene Neubau des Verwaltungsgebäudes der Allgemeiaen Ortskrankenkasse der Stadt Berlin, der an der Rungestraße hinter dem Märkischen Museum errichtet wird, Gegenstand heftiger und teilweise höchst unsachlicher Pressekritik gewesen, einer Kritik, an der sich leider auch Blätter der Linken beteiligt haben. Man faselte wieder einmal von einem Luxusbau der Krankenkasse, und wenn man im Ton bittersten Vor- wurfs davon sprach, daß dieser Bau an die S Millionen Mark kosten werde, so sei vorweg bemerkt, daß bis zur vollen voraussichtlich im nächsten Jahr erfolgenden Fertigstellung im ganzen 3000 Arbeiter und Handwerker yuf diesem Bau zeitweilig Arbeit, Lohn und Brot finden werden, ein Umstand, den die Kritiker doch nicht außer acht lassen sollten. Um aber allen weiteren Vorwürfen und Einwen- düngen zu begegnen, ist es notwendig, die Voraussetzungen zu diesem Neubau zu erörtern. Als am 1. Januar 1914 die Allgemeine Ortskrankenkasse errichtet wurde— älter ist die AOK. nicht—, wurden in ihr nicht weniger als 42 bis dahin bestehende Ortskrankenkassen zusammengefaßt. Die beiden größten der zusammengelegten Krankenkassen war die Ort s- krankenkasse der Kaufleute mit 80 000 Mitgliedern und die Allgemeine Ortskrankenkasse mit 120 000 Mit- gliedern. Als Verwaltungsgebäude für diese gewaltige Anzahl Mit- gliedcr muhte man wohl oder übel, da die Vorarbeiten für den Zusammenschluß erst im Jahre 1913 begonnen wurden, eines der bestehenden Gebäude nehmen und man entschloß sich zu dem in der Klosterstraße befindlichen heute noch benutzten Verwaltungshaus der alten Ortskrankenkasse der Kaufleute. Aber damals, also Anfang 1914, waren sich alle Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertretcr der AOK. bereits darüber einig, daß dieser Bau nur ein Notbehelf sein kannte und daß unverzüglich an den Bau eines zentralen Verwaltungs- Hauses gegangen werden müsse. Der Krieg machte, wie in taufenden anderen Fällen, auch hier olle Projekte zunichte.'Aber die Notlage wurde immer größer und namentlich in der Inflation zeigte sich die absolute Unzulänglichkeit der Räume. Der Kasse war nämlich die Verpflichtung auserlegt worden, an Stelle der Polizeibehörden die Ausgabe der Invaliden- karten zu bewirken. Wegen des damals bereits bestehenden furcht- baren Raummangels konnte die Kasse diese Verpflichtung nicht über- nehmen, selbst dann nicht, als der Oberpräsident mit Zwangsmaß- nahmen drohte. Eine Besichtigung durch das Polizeipräsidium er- gab, daß die Einwände der Kasse berechtigt waren. Und nunmehr war es der Obcrpräsidenl der Provinz Brandenburg selber, der der Kasse aufgab, schleunigst ein neues vcrwallungsgcböude zu errichten, und der sich auch weiterhin wiederholt nach dem Stand der An- gelegenheit erkundigte. Die völlige Unzulänglichkeit der vorhandenen Räume zeigte sich in gefahrdrohender Weis«, als im Jahre 1929 die Grippe- epidemie ausbrach. Damals wurde das Haus Klosterstraßc von Scharen von Kranken überflutet, so daß auch die Beamten schwer- ster Zlnsteckungsgcsahr ausgesetzt waren" Es mußte"etwas ge- schehen, im Interesse der Kranken selber und im I n t e r- esse 0«r auf das unerträglichste" zusammengepferchten A n g e- st e l l t e n, wenn man nicht eines Tages mit einer Katastrophe rechnen wollte, die dann der Krankenkasscnleitung bestimmt die schwersten Vorwürfe«ingebracht hätte. Der Vorstand der Kasse, der aus 14 Arbeit- nehmern und 7 Arbeitgebern besteht, beschloß einstimmig den Neubau des Verwaltungsgebäudes. Der Ausschuß, der aus 60 Versicherten und 3 0 Arbeitgebern sich zusammen- setzt, stimmte mit allen gegen nur 2 Stimmen oiescm Beschluß zu. Die Arbeitgebervertretcr setzen sich aus Angehörige aller bürger- lichcn Parteien zusammen; zu den Arbeitnehmer- und Versicherten- l Vertretern gehören auch Angehörige der christlichen Gewerkschaften- � Und nach sehr eingehender Prüfung und Erwägung stimmte Ende 1929 auch die Aussichtsbehörde dem Plan zu. Was also wollen die Kritiker, die diesen Ehrennamen kaum noch verdienen, sondern eher als Kritikaster, Nörgler und Unruhestifter bezeichnet werden sollteki? Die dringende Notlage war vorhanden, alle behördlichen Zustimmungen lagen vor. Den Bauplatz hatte in weiser Borsorge die Kasse schon vor Jahren besorgt, das Geld war auch zurückg«legt worden. Wenn erst der Neubau steht, wird man die bisherigen Verwaltungsgebäude in der Kfostcr- st r a ß e und in der K ö p c n i ck e r Straße zu sehr annehmbaren Preisen, die die voraussichtlichen Gesamtunkosten des Neubaues ganz erheblich herunterdrücken werden, verkaufen. Etwa 3000 Ar- b«iter und Handwerker werden nacheinander auf dem Bau Arbeit und Lohn finden. Der Neubau liegt in de» 5händen des als Krankenhauserbauer bestens bekannten Spezialisten, des Berliner Architekten Gottheiner, der selbstverständlich die Verpflichtung hat, auf das rationellste und sparsamste zu bauen. Allerdines, und das sollten sich die Kritiker ganz besonders merken: Dafür, daß Architekt und Bauherr gezwungen find, das außer- ordentlich teure deutsche Eisen zu verbauen, können sie nicht. Ferner wird durch den Neubau von d«n Versicherten nicht ein Pfennig mehr Beitrag verlangt, noch werden die Leistungen herabgesetzt. Im Gegenteil, die AOK. Berlin ist dafür bekannt, daß sie geringe Beiträge erhebt und hohe Leistungen gewährt. Wenn nun nach diesen Dingen alle die, die hiervon noch nichts gewußt haben, Lust verspüren, sich diesen„Millionenpalast der Krankenkasse" einmal anzusehen, so tun sie gut daran. Allerdings werden sie sich auf«ine Enttäuschung gefaßt machen müsien. Außer einer Anzahl von Eisenträgern, die aus dem Baugrund hervor- ragen, ist am Köllnischen Part noch nichts zu sehen. Aber mancher. lei anderes gibt es gerade in jener Gegend noch zu sehen. Ein paar Schritte weiter steht man in der Straße Am Köllnischen Park vor dem eindrucksvollen Verwaltungsgebäude des Holz- arbeiterverbandes. Dicht daneben liegt, mit einer äußerst vornehmen Fassade, das Gebäude der Landesversicherunes- anstaft Berlin. Biegt man um das Märkische Museum herum, so sieht man ein gewaltiges Gerüst aufragen, daß den E r w e i t e- rungsbau der Bank für Arbeiter, Angestellte und Beamte in der Wallstraße birgt. Daneben der seit Jahren stehende, schön gestufte Bau Tauts, das groß« Verwaltungs- haus des ADGB. Nun wieder zurück, am Märkischen Museum vorbei, zur Waisenbrücke. Geradezu die im- panierende Front des Vcrwaltungshauses der Etädti- fchen Gaswerte und nach rechts hinüber die sehr schlichte Front des Verwaltungshauses des Reichsbundes der Kriegsbeschädigten, Kriegsteilnehmer und Kriegerh Unterbliebenen. Das alles sind Häuser, die nich: den Hcrrschasts- und Machtgelüsten eines einzelnen dienen, sondern der Gesamtheit, im besonderen dem arbeitenden Volk. Wenn sich jetzt gegen den Zweckbau der Ortskrankenkasse, wie in allen solchen Fällen, künsllich angefachte Empörung bemerkbar macht, so aus keinem anderen Grunde, als daß die vereinigte bürgerliche Sozialreoktion das große Gebäude des deutschen sozialen Versicherungswesens zu Fall bringen möchte. Das ist aber dasselbe kümmerliche Bürgertum, das sich olle zehn Finger leckt, wenn es nur die bombensicheren Liescrungsausträge des Staates, der Gemeinden, der Gewerkschaften, Krankenkassen, Baugenossenschaften. Konsumgenossenschaften. Arbeiterbanke» be- kommen kann, ilnd dieses selbe Bürgertum läßt dann seine Iour- nalisten los, die sich heute schon über die Klubsessel unterhalten, die angeblich einmal den Neubau der Krankenkasse zieren werden. Eine Behauptung, die ihre Berechtigung offenbar aus der Tatsache saugt. daß die bürgerlichen Generaldirektoren und Direktoren ihre kummer- vollen Tage in vorbildlicher Bescheidenheit zwischen einem aus Eier- kistenholz gefertigten Mobiliar verbringen. Wer weiß, ob es nicht doch besser ist, daß die drei Kinder der Frau K. nicht zur Welt gekommen sind. Sic machte den Eindruck einer schwer psychopathischcn Frau. Sie lebt jetzt von ihrem Mann geschieden. Hätte sie für die drei Kinder zu sorgen, es wäre ihr nicht leicht geworden, sich durchs Leben zu schlagen. Kahenhehe zur Hundedressur. Oaö ist Tierquälerei, keine erlaubte Dressurprüfung. Die wiederholt aufgeworfene Frage, ob das Hetzen und Würgen von Katzen zur Dressur von Jagdhunden erlaubt ist oder ob es unter den Begriff der Tierquälerei fällt, be- fchäftigt augenblicklich das Amtsgericht Neukölln. Vor diesem Gericht hatten sich gestern zwei Hundebesitzer, der Kaufmann B o s n i ck und der Förster Presch, unter der An- klage der Tierquälerei zu verantworten. Es handelte sich um Vor- fälle, die sich im Juli vorigen Jahres in Waßmannsdorf ab- gespielt hatten. Bosnick wollte seine Jagdhunde zur Herbstprüfung „scharf machen", und band zu diesem Zweck mit Unterstützung von Presch einer seiner Katzen die Pfoten so zusammen, daß sie sich zwar noch bewegen, den Hunden aber keinen allzu großen Schaden zu- fügen konnte. Dann wurden die Jagdhunde auf das Tier ge- hetzt, das noch flüchten konnte, dann aber von Bosnick mit einem Eisenstock niedergeschlagen wurde, worauf die blutende Katze von den Hunden gewürgt wurde. Im zweiten Fall handelte es sich darum, daß der Forster im offenen Revier eine 5)auskatze nieder- schießen wollte, sie aber nur anschoß. Das schwerverletzte Tier schleppte sich so nahe an bebaute Grundstücke heran, daß der Jagd- beamte nicht mehr schießen konnte. Als er sie daraufhin mit dem Stiesclabsatz tottreten wollte, biß sich die Katze an dem von dem Förster an der Leine geführten Jagdhund fest, so daß der Förster sie mit der Hundepeitsche wegschlagen mußte und sie mit Fußtritten tötete. In beiden Fällen hatte die Staatsanwaltschast Tierquälerei für vorliegend erachtet. Die Angeklagten nahmen für sich das Recht in Anspruch, im Interesse der Dressur ihrer Hunde so zu verfahren. Wegen der besonderen Umstände hätten sie keinen Gnadenschuß auf die blutenden Tiere abgeben dürfen, und es sei ihnen als einziges Mittel nur übriggeblieben, die Katzen totzuschlagen. Ein Sachver- ständiger betonte, daß bei jeder Frühjahrs- und Herbstprüfung von Hunden in der geschilderten Weise Katzen und Füchse verwendet würden, daß man ihnen aber gegebenenfalls einen w o h l g e- zielten Fangschuß beibringe. Auf Antrag des Staats- anwalts beschloh das Gericht weitere Zeugen sowie einen S a ch- verständigen aus dem Lager der Tierfreunde zur Entscheidung dieses prinzipiellen Rechtsstreits zu laden. Nach dem Urteil der allerweitesten Kreise des deutschen Volkes liegt ohne Zweifel Tierquälerei und keine erlaubte Dressur- Prüfung vor. Nachtragsanklage im Fall Heckcndorf. Die Staatsanwaltschaft Potsdam hat«in« Nachtragsanklage erhoben gegen die Brüder Franz und Walter Heckendorf wegen gemeinschaftlicher Hehlerei, begangen an Diebesgut, das aus einem Einbruch bei Dr. Hahn in W a n n s e e herrührt. l)� GROSSE RUNDE SCHNE EWEISSE SEIFENSTÜCK NUR NOCHOJ� $ Polle sLavefic/e/feife ffifw d$ü$&aten deutschen Banken.' Auch der Verein der Stahlindustriellen Nord- w e st hat seine Beauftragten vorgeschickt, um die Geschichte des jetzigen Zusammenbruchs zu fälschen. Wir sprechen von dem Offenen Brief an den Reichskanzler Brüning, den Dr. Reichert. deutschnationaler Reichstagsabgeordneter und Geschäftsführer des Vereins der Stahlindustriellen Nordwest in der„Deutschen Allge- meinen Zeitung" veröffentlicht hat. Außer durch das Tributsystem sei die gegenwärtige Katastrophe durch die long- und kurz- sristige Auslandsverschuldung Deutschlands zu erklären, die un- tragbare Zinszahlungen zur Folge habe. Auch diese Behauptung über die Ursachen der gegenwärti- gen K a t a st r o p h e ist eine Legende. Die wirtschaftliche Vertrauenskrise, die zu einem Run der aus- ländischen Banken auf ihre deutschen Devisenguthaben geführt hat, besteht längstens seit 1931. In den Jahren 1929 und 1930 sind nur noch sehr wenig langfristige Ausländsanleihen nach Deutschland ge- kommen. Die kurzfristige Verschuldung ist in diesen Zeiten ge- wachsen, weil die langfristige durch Schacht verhindert wurde. Daß kein Anzeichen einer Vertrauenskrise bis zum Jahre 1931 vorlag, ergibt sich aus der Tatsache, daß die kurzfristige Verschuldung 1929 und 1930 weiter zunehmen konnte, Allerdings halte schon seit dem September 19 30 eine politische Vertrauenskrise eingesetzt, die sich immer schärfer auswirken tonnte. Die nationalsozialistische Welle, nationa- listtsche Filmverbote. Stahlhelmparaden und die Seeckt-Reden unter- gruben die politische Vertrauensatmosphäre in Europa. Dafür tragen in erster Reihe die Leute um Dr. Reichert die Verantwortung. Diese politische Vertrauenskrise wirkte sich im Herbst 19 3 0 in elner Diskonterhöhung und im Verlust von einer Milliarde Devlsen aus. Sie blieb in den ersten fünf Mo- naten 1931 in ihren Wirkungen labil, aber doch bedrohlich. Die gegenwärtige Katastrophe aber begann ziemlich genau mit dem 15. Mai, als man in Deutschland eine Diskontsenkung erwartete, der beginnende Run des Auslandes auf seine Guthaben diese Dis- kontsenkung aber unmöglich machte. Am 15. Mai war nämlich bestimmten Kreisen des Inlandes und sehr bald auch bestimmten Kreisen des Auslandes die gefährliche Lage des Rordwollc-Konzerns bekanntgeworden, und da der Rordwolle-Konzern erheblich an das Ausland verschuldet war. diese Verschuldung zugleich über die Darmstädter und Rationalbant erfolgt war. wurde der offene Ausbruch der wirtschaftlichen Vertrauenskrise des Auslandes gegenüber Deutsch- land unvermeidlich. Was sich von Mai bis Mitte Zuli abspielte. war nur noch die Offenbarung der Zustände, die bis Milte Mai in Deutschland eingetreten waren. Der Zusammenbruch der Oester- reichischen Kreditanstalt ließ es nur noch als möglich erscheinen, daß der Zusammenbruch der Nordwolle und die Gefährdung der Danat auch an den deutschen Großbanken nicht spurlos vorübergehen könne. Nur dadurch ist es auch zu erklären, daß das 5)oover-Feier- fahr das Mißtrauen de» Auslandes so unzu- reichend bremsen konnte, wie es schließlich geschehen ift. Frankreichs Widerstände kamen nur erschwerend hinzu. Die lang- und kurzfristige Verschuldung Deutschlands kann also die gegenwärtige Katastrophe nicht ursächlich herbeigeführt haben. Herr Dr. Reichert macht die Symptome verantwortlich sür die Krankheit. Wir wollen uns h e uck e auf die Klarstellung dieser beiden Fälle von versuchter Geschichtsfälschung beschränken. Wir werden die Legendenbildung weiterhin mißtrauisch beobachten und für ihre rechtzeitige Zerstörung Sorge tragen. was sich wirklich in der gegenwärtigen Wirlschaftskalastrophe Deutschlands enthüllt, das sind schwerste Fehler im Aufbau des Wirtschafls- und Kreditsystems, deren Ursachen in der Vergangenheit liegen, deren Auswirkungen die Oeffentlichkeit viel zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt hat und die sich nun heute in einer Gefährdung der deutschen Gesamtwirtschaft äußern. Der eine Krankheitsherd liegt bei den Kartet l- und monopolistischen Industrien. Diese Industrien sind zu Rentnerindustrien geworden, bei denen alle Kapita- listen und Banken— zu Unrecht— darauf spekulieren, daß es wegen der hier vorliegenden Marktbeherrschung zu einem wirklichen Kapitalrisiko nicht mehr kommt. Die Aktien dieser Industrien haben für die Banken und die Spekulanten den Charakter festverzinslicher Papiere angenommen, die in sich einen Anspruch auf Renten tragen. Man hat aber übersehen, daß in diesem festen Renten- anfpruch eine Störung der Markt- und Wirts chafts- gefetze begründet ist und daß die Behauptung der Kartellindustrien, ihre Marktbeherrschung widerspreche nicht den Grundsätzen der freien Wirtschaft,«ine gefährliche Fiktion ist. Die Störung der Markt- und Wirtjchaftsgesetze verlangt eine volkswirtschaftliche Kompensation durch eine weitgreifende und planmäßige Staatskontrolle bei der Preisbildung und in der Slapitalverwen» dung bei den Siartell- und M o n o p o l i n d u st rr e n. Der zweiter Krankheitsherd liegt in dem in» d u st r i e l l e n F i n a n z i e r u n g s s y st e in, wie es von den deutschen Großbanken durchgeführt wird. Wir sind nicht der Meinung, daß es ein Fehler sei, daß die deutschen Großbanken als Depositenbanken zugleich auch Kapitalanlage- oder Investitionsbanken sind. Die tiefere Ursache für das Versagen der deutschen Groß- danken liegt in erster Linie bei der mangelnden Staatskontrolle über die Kartell- und Monopolindustricn. W c i l K o h l e, E i s e n, Kali, K u n st s e i d e, Stickstoff, Zement durch ihre nionopolistische Organisation rentner- und risikolose Industrien in der Vergangenheit zu sein schienen, weil die deutschen Großbanken miteinander u m d i e W e t t e l i e f e n bei der Kreditgewährung an diese Industrien, deshalb kam es zu jenen Fehlinvestitionen auch auf der Grund- läge kurzfristiger Auslandskredite, die der gegenwärtigen Kata- strophe ihren Stempel ausdrücken. So kam es auch zu der Vernachlässigung und schlcch- teren Behandlung aller anderen Industrien bei der Kreditgewährung, bei denen dos Kapitalrisito den Großbanken zu groß und zu unkonttollierbar erschien. Die Mißhandlung des Aktionärs und des Kapitalmarktes in Deutschland, wie sie durch die Konzern- und Trustverwaltungen sowie durch die Groß- danken erfolgte, war nur eine Begleiterscheinung dieses schwersten Fehlers im deutschen Kredit- und Wirtschaftssystein. Den Widersprüchen im deutschen Banken- und Wirtschaftssystem kann man aber wiederum nur dadurch begegnen, daß der zentralen Kapitalsammlung, wie sie durch die deutschen Großbanken erfolgt, eine staatliche Kontrolle der Kapitalleitung und Kapitalverwendung übergeordnet wird. Solchen Notwendigkeiten in der deutschen Wirtschaftspolitik darf durch Legendenbildung über die Ursachen der gegenwärtigen Kata- strophe der Weg nicht verbaut werden. Die deutsche Wirtschaft ist tatsächlich viel niehr wert, als das Ausland heute glaubt und die schlechte privatkapitalistische Wirtschaftsordnung es erscheinen läßt. Die organisierte Arbeiterschaft muß und wird deshalb ihrerseits alles daran setzen, den gegebenen Notwendigkeiten zur Durchführung zu verhelfen, nachdem von den Privatkapita- listen Einsicht und Umkehr nicht zu erwarten ist. Krediikrise und Staatskontrolle Prof. Wagemann schreibt im letzten Wochenbericht des In- stituts für Konjunkturforschung unter anderem fol- gendes: „Die Konsequenz der Entwicklung ist, daß die Kredite bei säntt- lichen Banken zu gleicher Zeit einzustieren drohen, daß also von den führenden Kreditin st ituten weder einzelne geopfert werden können, ohne das ganze Kreditwesen ins Wanken zu bringen, noch einzelne sich aus einem Zusammenbruch retten können. Einen völligen Zusammenbruch des Kreditwesens kann man nur auf- halten, wenn man für ein gleichmäßiges Vertrauen zu allen führenden Kredttinstituten sorgt, d. h. wenn aus dieser G e- meinhaftung auch eine ausdrückliche Gemeinbürgschaft wird. Eine Abwicklung, die ja nur allmählich erfolgen kann unter der Voraussetzung, daß die tatsächlich immobilisierten Gelder auch als solche behandelt werden, setzt eine gemeinsame Pla- n u n g voraus. Der Mobiliarkredit ist durch diese Entwicklung eine öffentliche Angelegenheit geworden, ebenso wie im vori- gen Jahrhundert das Notenbankwesen und wie es schon seit langem zum größten Teil der Immobiliarkredit ist. Auch der Mobiliarkredit verlangt eine zentralisierte Kontrolle und jedenfalls eine weit stärkere Beherrschung durch das Zen- tralnoteninstitut, als es bisher der Fall war. Letzten Endes sind es Fehler des Kreditsystems, die die jetzige Situation herbeigeführt haben, Fehler, die durch eine durchgreifende Reform zu beseitigen sind. Die Ausgabe, die hier zu lösen ist, ist außerordentlich groß. Es handelt sich aber— und darin liegt ein starkes Argument für eine hoffnungsvolle Betrachtung der gegenwärtigen Lage— nicht um den Mangel von wirtschaftlichen Kräften und Entwicklungsmöglichkeiten, sondern nur um O r g a n i- sations schwächen, die ein fester Wille zu überwinden ver- mag." Nicht alles in Bremen ist pleite! Bremer Vulkan zahlt wieder 8 proz. Dividende. Der Bremer Bankier I. F. Schröder ist an der Aufgabe. eine Sanierung der deutschen Werftindustrie durch Aufbau eines großen W e r f t t r u st s(Deschimag) herbeizuführen, gescheitert. Ge- scheitert vor allem deswegen, weil er immer nur an die z u s a m- mengebrochenen Unternehmen herankommt, weil die gesunden deutschen Werftunternehmen außerhalb seiner Kombinationen blieben. Die von Schröder unabhängige Bremer Vulkan und Ma- schinenfabrik in Vegesack, die Bremer Konturrenz der De- schimag, verteilte für das Geschäftsjahr 1930 wieder(wie seit 1926) eine Dividende von 8 Proz. Die Mehrheit des 10-Millionen- Mark-Kapitals besitzt die Familie Thyssen. Der Rohgewinn ist von 1929 zu 1930 von 3,74 auf 3,39 Mil- lionen Mark zurückgegangen. Weniger stark war der Rückgang des Reingewinnes, der sich von 1,0 auf 0,98 Millionen Mark er- mähigte, da nicht nur die Abschreibungen(0,82 gegen 0,87 Millionen Mark), sondern auch die Steuern und die sozialen Lasten niedriger als im Vorjahr waren. Der Wert der Anlagen wird mit 6,02(6,74) Millionen Mark ausgewiesen Mehr als doppelt so hoch sind die flüssigen Mittel(Bankguthaben, Kasse. Devisen, kurzfristige Forderungen), die sich von 13,1 auf 14,3 Millionen Mark erhöhten. Fertiggestellt wurden im Berichtsjahr sieben Neubauten mit 65 000 Tonnen Tragfähigkeit, darunter drei Schiffe für fran- zösische Rechnung. Der Auftragsbestand ist mit wachsender Verschär- fung der Krise zurückgegangen, so daß auch die Belegschaft schr stark verringert wurde. Zurzeit sind drei Tankmotorschiffe(davon eins für englische Rechnung) mit zusammen 44 000 Tonnen Trag- fähigkeit im Bau, während zur gleichen Zeit des Vorjahres noch 71 500 Tonnen Schiffsraum in Arbeit waren. Der Konkurrenz- kämpf um die Aufträge ist nach Mitteilung der Verwaltung sehr scharf gewesen: doch habe bisher der Bremer Vulkan auch bei den billigsten Angeboten immer noch ver» dient. Der Abschluß des Bremer Vulkan zeigt also, daß die Lage der deutschen Werftindustrie nicht allgemein so katastrophal ist, wie man manchmal annehmen könnte. Verwst-Abschluß bei Büssing. Absah auf die Halste zurückgegangen. Die Automobilwerke H. Büssing A.-G. in Braun- schweig schließt das Geschäftsjahr 1930 mit einem Verlust von 0,6 Millionen Mark(im Vorjahr kleiner Gewinn) ab. D e r U m- satz ist von 34 Millionen Mark im Jahre 1929 auf 17 Millionen Mark im Jahre 1930 zurückgegangen. Freilich war der Abjatzrückgang mengenmäßig nicht so stark, da die Preise nicht unerheblich infolge der starken Konkurrenz ge- senkt wurden. Dieser schlechte Aussall hat seine Ursache in dem Geschäftsrückgang für S ch w e r l a st w a g e n; im Jahre 1930 ift eine starke Umstellung der Abnehmer vom schweren auf den leichten und schnellen Lastwagen erfolgt. Die Abschreibungen wurden etwas erhöht, von 0,54 auf 0,58 Millionen Mark. Die Bilanzziffern für die Anlagen sind kaum verändert! aber die Vorräte werden mil 5,0 Millionen Mark nicht unwesentlich niedriger als im Vorjahr(6,2 Millionen Mark) ausgewiesen. Die Forderungen sind von 1,4 auf 1,3 Mil- lionen, die Schulden von 7,1 auf 6,7 Millionen Mark zurück- gegangen. Im Herbst vorigen Jahres hat die Büssing A.-G. gemeinsam mit der Nationalen Automobilgesellschaft, Oberschöneweide, die Büssing-NAG. Vereinigte Nutzkraftwagen A.-G. gegründet, in die beide Grllnderunternehmen ihre Lastwagen- fabrikation einbringen werden. Die Beteiligung der Büssing A.-G. ist in die Bilanz mit 2 Millionen Mark, der Hälfte des Ka- p i t a l s des neuen Unternehmens, eingesetzt worden. Dafür werden unter den Passiven Einbringungsverpflichtungen ebenfalls in Höhe von 2 Millionen Mark ausgewiesen. Der Geschäftsgang im neuen Jahr hat sich nicht gebessert. Mehr Gilbergeld. Erhöhung der Münzenausgabe um 50 Prozent. Eine Verordnung vom 18. Juli hat das M ü n z g e f e tz vom 30. August dahin geändert, daß das Münzenausgaberechi des Reiches und der Reichsbank von 20 auf 30 Mark je Kopf der Bevölkerung erhöht worden ist. Es wird also bald mehr Silbergeld in Deutschland geben, und die Lohn- und Gehaltszahlun- gen werden mehr in Münzen als in Noten erfolgen. Man will mit dieser Maßnahme der Knappheit an Zahlungsmittel, begegnen, die durch die G e l d h a m st e r e i in den letzten Wo-' noch so empfindlich verschärst worden ist. jiifred mermk.lflacM awi&litßiifer E» war eine dunkle, naßkalte Nacht. Schmutziggrauer Nebel lag über dem schlafenden Fluß, der träge vorüberzog. Drüben am Kai sah man die Schatten schwerfälliger Frachtdampfer, deren Lichter durch den Dunst blinkten. Wir lagen langausgestreckt auf den Bänken des Fährhäuschens und warteten auf den Morgen. Das letzte Fährboot war längst fort. In der Ferne schlug eine Glocke eips. Hinter dem Ponton plätscherte unruhig ein kleines Rettungsboot. Ab und zu rieb es seinen hölzernen Leib an den Pfählen! dann wieder fuhr es eine kleine Strecke davon und zerrte knarrend an seiner Kette. Wir waren am Einschlafen. Das Wasser gluckste unaufhörlich unter dem Boden des Häuschens! ein eintöniges, ermüdendes Geräusch... „... Heute nacht kommt Kapitän Ohlsen.. meinte der alte Bootsmann nebenhin und sog nachdenklich an seiner Pfeife, daß sein Gesicht einen Augenblick sichtbar wurde. „... Wae ist mit ihm?" fragte der lange Ostpreuße schlaf- trunken. . Kapitän Ohlson kommt hierher und sucht seine Frau", erwiderte der Bootsmann langsam. „Seine Frau?— hier?!" fragte der Lange verwundert und richtet sich etwas auf. .La,— denn hier hat sie sich vor gut fünfundzwanzig Iahren ertrunken..." Der Bootsmann sog einige Male bedächtig an seiner Pfeife, ehe er fortfuhr:„... Ohlson holte damals Kopra aus der Südsee. Fuhr einen der besten Segler der Süd-Compagnie und war als verwegener, waghalsiger Bursche bis nach Auckland hinunter be- kannt.— Eines Tages lag er mit seinem Kasten vor Kauria, wo eben eine neu« Handelsniederlassung gegründet war.— Hört ihr zu?" .La!" „Wir nahmen also Ladung auf, die von den Wilden mit ihren Brandungsbooten umständlich herangeschafst wurde. Die Kerl« waren nicht wenig aufgeregt, als sie mit ihren Booten längsseits kamen. So'n Riesenschiff, wie Ohlson seinen Kasten, hatten sie in ihrem Leben noch nicht gesehen.— Waren übrigens hübsche, statt- liche Burschen, die Kaurianer, und immer vergnügt, und immer lustig. Dennoch muß ich sagen, Jungs, daß wir um die Kerle weniger verlegen waren als um die Weiber. Die Mannschaft war einfach toll nach diesen Frauenzimmern, die mit Blumen geschmückt am Ufer standen und den lieben langen Tag zu uns herüberstaunten und winkten. Kinder, wenn Ohlson da nicht bald Landurlaub ge- yeben hätte, hätte es'ne Meuterei gegeben!— Nun war Ohlson selber kein Kostverächter. Wir kamen also an Land, und der Ver- treter gab«in großes Fest. Mächtiger Tanzbetrieb zur Harmonika. Und das nachts unter Palmen. Kinder, die Fete hat drei Tage gedauert: dann war der Rum alle..." „Na, wir stechen ja wieder in See, und was glaubt ihr?— Am zweiten Tag kriegen wir heraus, daß Ohlson eine von den braunen Schönheiten mitgenommen hat. Hatte sie natürlich fest unter Ber- schluß in seiner Kabine. Er war rein toll auf seine Eroberung. Sie nicht minder... obgleich sie oftmals merkwürdig traurig in die Fern« lugte..." „Er hat sie mit hierhergenommen?" .Ln Antwerpen ging er mit ihr von Bord, kleidete sie ein und ließ sich mit ihr trauen. Er war mächtig stolz auf seinen Fang und konnte kaum abwarten, bis wir hier ankamen. Natürlich stolzierte er alsbald mit seiner jungen Frau von Bord, um sie der Bekannt- schgst zu präsentieren. Und was glaubt ihr?— Die Leute grinsen, all» er sie als sein« Frau vorstellt.'Ne Wilde von der Südse« als Frau— das glaubt chm kein Deubel. Die Leute halten das für «inen guten Witz und grienen unverschämt, wenn er sie vorstellt.— Ohlson regte sich zuerst nicht schlecht darüber auf, aber dann bracht« er sie einfach in einer kleinen Pension unter und zog allein« los, wenn er in Gesellschaft ging..." Der Bootsmann richtete sich auf und stopfte seine Pfeife. „... Die Frau hatte natürlich gleich gemerkt, was los war. Am Tage traut« sie sich kaum auf die Straße, weil die Leute ihr nochgafften, als sei sie ein Wundertier. Ohlson ging nur abends mit ihr spazieren. Er war ein guter Kerl, aber die Leute kriegten doch fertig, ihm diese Frau zu verübeln. Er war ausfallend oft angetrunken und landete dann erst morgens in der Pension. Die Frau stand in solchen Nächten ununterbrochen am Fenster und sah mit ihren großen Augen auf die Straße hinunter... Zwei Tage vor der Ausfahrt macht er eine kleine Abschieds- runhe. Gegen elf kommt er mit der Frau des Kapitäns Bruhns aus Soetjens Grogkeller. Bruhns ist noch unten und spricht ein paar Worte mit dem Wirt. Ohlson kommt also mit der fremden Frau auf die Straße, als er im gleichen Augenblick seine Frau zu sehen glaubt, die ihn von der nächsten Ecke her anstarrt. Ohlson geht sofort aus sie zu, als sie auch schon davonjagt. Ohlson ruft und rennt dann hinter ihr her. Er folgt ihr laut rufend zum Hafenfleth, wo sie seinen Blicken entschwindet.— Ohlson läuft in die Pension. Seine Frau ist nicht dort. Er wartet eine kurze Zeit, rennt wieder auf die Straße, sucht sie— und findet sie nicht. Er kehrt wiederum in die Pension zurück und wartet, wartet. Gegen Morgen alarmiert er die Polizei..." Der Bootsmann machte eine kurze Pause, bevor er weitersprach: „Am andern Morgen hört er auf der Polizei, daß sich gegen Mitter- nacht ein« Frau von diesem Fährponton hier ins Wasser gestürzt hat. Man hatte versucht, sie zu retten, aber sie war bis weit in die Strömung hinausgeschwommen und dann fortgetrieben. Niemand hatte sie erkannt, niemand richtig gesehen! aber Ohlson ahnte sofort, daß e» seine Frau war. Zwei Tage lang hals er sie suchen— aber man fand sie nicht.— Sie wurde nie gefunden..." Es war eine Weil« sehr still im Raum. Der Bootsmann machte ein paar tiefe Züge aus seiner Pfeife.„... Ich habe noch manche Fahrt mit Ohlson gemacht. Er war ein ruhiger, menschenscheuer Mann geworden, der nur das Nötigste sprach. Zu seinen Leuten war er von unbestechlicher Gerechtigkeit. Ja, er sorgte sich auch außerhalb des Dienstes um sie, ohne viel Worte zu machen.— Wir fuhren damals Salpeter von Chile, während die„Charlotte" den Südseedienst machte. Es war auf Ohlsons Wunsch geschehen, denn er wollte nicht nach Kauria zurück... Bis dann, fast zehn Jahre später, diese eigenartige Geschichte passiert«, die ihm das Patent kostete. Das Schiff lag im Hafen von Balparaiso und sollte am nächsten Morgen Ladung übernehmen, als Ohlson mitten in der Nacht Befehl gibt, alles segelklar zu machen. Di« Mannschaft gehorcht verwundert, und gegen Morgen verläßt der Segler den Hasen und nimmt Kurs auf die Südsee. Nach l? Tagen geht der Segler im Hafen von Kauria vor Anker, und Ohlson geht von Bord. Er erklärt dem erstaunten Vertreter der Süd-Compagnie, daß er seine Frau suchen wolle. Der Vertreter erwidert ihm fassungslos, daß sie doch schon vor zehn Iahren er- trunken sei, wie er gehört habe. Aber Ohlson gibt sich mit dieser Auskunft nicht zufrieden. Er geht eine Tagereise weit ins Innere, fragt auf den Pflanzungen umher, erkundigt sich bei den Stammes- Häuptlingen. Niemand hat sie wiedergesehen! man erinnert sich ihrer kaum noch... Natürlich bekam die Reederei schnell genug Wind von Ohlsons Ausflug. Und natürlich war es aus mit chm, als er heimkehrt«. Er zog zu seiner Schwester, die vor der Stadt ein kleines Haus besaß, und hier haust er seitdem. Es heißt, daß er sich an einer Schiffsbaufirma beteiligt hat: Genaues ist darüber nicht bekannt. Er sucht keine Gesellschaft auf und niemand besucht chn mehr. Er ist ein scheuer Einsiedler geworden, mit dem niemand etwas an- fangen tonnte. Zudem hatte man immer das Gefühl, als höre er nicht zu, wenn man mit ihm sprach. So hätte man chn vielleicht längst vergesien, wenn er nicht die sonderbare Gewohnheit hätte, an so dunklen, nebelschweren Nächten, wie diese, hierher zu spazieren und von diesem Ponton stundenlang ins Wasser zu sehen.— Er glaubt, daß niemand von seinen nächtlichen Ausflügen hierher weiß, — aber alle Bekannten wissen es: man hat ihn oft genug beobachtet. — Hast du noch eine Zigarette da, John?— Danke." Man sah nur die glühenden Spitzen brennender Zigaretten durch das Dunkel fahren. Aber plötzlich horchten wir auf. Der Boots- mann fuhr hoch.„Pst— Zigaretten aus!"— Langsam kam ein schwerer Schritt über den Steg und näherte sich dem Ponton. Lautkos hatten wir uns erhoben und starrten durch das kleine Fenster hinaus ins Dunkle. Wir hörten unsere Herzen schlagen, als der Schatten Ohlsons immer näher kam. Er hatte den Kragen seines Wettermantels hochgeschlagen: der Schirm seiner Mütze beschattete das bleiche Gesicht. Nun stand er auf dem Ponton, nahm die Mütze vom Kopf, strich aufatmend die Haare zurück. Dann trat er an die Bordschwelle und ging langsam um den Ponton herum, den Blick unentwegt auf das Wasser gerichtet. Cr kam an dem offenen Fährhäuschen vorüber. Wir lehnten eng an den Wänden und oerhielten den Atem. Er sah uns nicht. Wir glaubten, ihn leise vor sich hin sprechen zu hören, als er sich wieder nach der anderen Seit« entfernte. Dort stand er eine Weile und starrte unablässig nach der Mitte des Stromes und zu den Schatten der Dampfer hinüber. Langsam begannen wir uns wieder zu rühren, aber der Teufel wollte, daß eines der Bankbretter zu knarren begann. Wir sahen, wie Ohlson zusammenfuhr. Erschrocken starrte er zu dem kleinen Fenster des Fährhäuschens hinüber, und plötzlich drückte er die Mütze ins Ge- jicht und ging hastig davon. Seine Schritte verhallten irgendwo. Wir sprachen noch eine Weil«, dann hingen wir schweigend unseren Gedanken nach. Doch es dämmerte schon im Osten, ehe uns das eintönige Plätschern des Wassers in den Schlaf sang. Spanifche Wolksmoral Das ist ein löblicher Grundsatz, dem man in Spanien huldigt, und mit dem man da genau so weit, manchmal vielleicht auch noch weiter kommt als wir nervösen Mitteleuropäer mit unserer auf- geregten Hastigkeit. Im sonnigen Süden ist dieser Grundsatz ge- wissermaßen Naturgesetz, hervorgerufen durch das Klima, die Hitze. Alles spielt sich da etwas langsamer, gemütlicher, beschaulicher ab. Aber sei es die pomadige Gleichgültigkeit irgendeines südspumschen Krämers, der einen nach längerem Warten mit morgenländischem Fatalismus in einer Form bedient, die die Meinung zuläßt, daß es ihm mindestens genau so lieb ist, wenn die Kundschaft wieder mit leeren Händen aus seinem Laden geht, damit er sich nicht erst durch ihre Wünsche in seiner Bequemlichkeit stören zu lassen braucht, oder sei es die sprichwörtlich gewordene Unpünktlichkeit der Eisenbahnen, die mitunter Stunden beträgt: die Einheimischen haben dagegen nichts einzuwenden! Sie sind es so zufrieden, kennen es nicht anders. Nur wir, denen die preußische Kasernenhofpünktlichkeit an- erzogen ist, werden dabei nervös und denken, wir müßten gleich aus der Haut fahren. In einem Bankgeschäfte stehen vor dem Schaltcrfenstcr eine Reihe Menschen. Einer nach dem andern wird bedient: löslich, freundlich. Auf einmal kommt ein Bekannter des Schalterbcamten an die Reihe. Freudige Begrüßung. Fragen nach dem Wohlergehen, Lachen, längeres Prioatgespräch. Vor dem Weggang bietet der Ab- gefertigte dem Beamten noch seine Tabaksdose und Zigarettenoapier an. Der dreht sich davon langsam und gewissenhaft eine'Zigarette und setzt sie in Brand. Und da man vom Rauchen viel mehr Genuß hat, wenn man dabei nicht beschäftigt ist, so setzt derweilen der biedere Bankmann seine Tätigkeit aus und schmaucht behaglich, hinter dem Schalter auf und ab gehend, seine Zigarette auf. Dann erst, nach Minuten, geht der Betrieb weiter, höflich, freundlich. Draußen wird unterdessen die Menschenschlange immer länger. Ich stehe mitten drin wie auf Kohlen. Doch niemand murrt:— » Ein Stierkampf ist für uns eine grausame und rohe Angelegen- heit. Nicht so für den Spanier! Für ihn ist jede„Corrida" ein höchst interessante» und belustigendes Schauspiel(oder war e« wenigstens unter der Monarchie). Je blutiger und scheußlicher der Kampf sich abwickelt, desto größer ist da» Vergnügen, desto lauter der Beifall. Dagegen ist nun nichts zu machen. Ländlich-- Mich! In Malaga kam ich eben aus der Arena heim in mein Quartier. Noch aufgewühlt von dem Gesehenen, wo man Stiere und Pferde gehetzt und gejagt und schließlich grausam getötet hatte, wo das Blut unschuldiger Tiere in Strömen geflossen war.„Warum?" Einer Schaustellung zuliebe! Da treffe ich aus der Treppe die Mutter meines Quartierwirtes, eine hochbetagte Greisin mit schneeweißem Haar. Mit strahlenden Augen, wobei sie wahrscheinlich in Erinne- rungen an ihre früher gesehenen Stierkämpfe schwelgen mochte, fragte sie mich:„Nun, Sennor, war es nicht sehr schön?" Ich war verblüfft! Ein solch verabscheuungswürdiges Spiel, solch grausiges und sinnloses Schlachten findet eine Frau, eine Mutter„sehr schön"! Seltsamer Geschmack! Seltsames Volk! ,« In der ersten Zeit meines Aufenchaltes in Spanien wunderte ich mich über folgendes: Gab man in irgendeinem Geschäft Silber- geld in Zahlung, so nahm der Verkäufer das Geldstück in die Hand und warf es auf einen neben der Kasi« liegenden flachen Stein. Später wurde mir der Grund dieses Tuns klar: Es war eine Probe, ob das Geld echt war, oder ob es sich um Falschgeld handelte. Und es schienen sehr viele falsche Münzen im Umlauf zu sein, die sich aber, sowohl äußerlich sehr gut nachgemacht, durch ihre Zusammen- setzung verrieten. Wurden sie nämlich aus den Stein geworfen. so blieben sie mit dumpfem Klange liegen, während die echten Silberstücke mit� einem hellen Tone hoch in die Luft sprangen. Hatte man nun als unkundiger Ausländer einmal Falschgeld angedreht bekommen, so war es natürlich schwer, es wieder loszuwerden. Beim Wechseln einer Banknote in einer großen Buchhandlung hatte man mir einmal einige solcher Falsifikate mit aufgehängt, die ich scheinbar ewig mit mir herumschleppen sollte, denn überall gab man sie mir nach der natürlich negativ ausfallenden Steinprobe wieder zurück. Erst nach vielen Versuchen gelang es mir. sie wieder an den Mann, oder richtiger, an eine Frau, zu bringen. Von da ab war ich aber etwas klüger und wechselte mein Geld nur— wie es übrigens alle vorsichtigen Spanier tun— in den Staatsbanken. Da hat man wenigstens die Gewißheit, echtes Silbergeld zu erhalten. * Während eines Stierkampfes saßen neben mir zur Linken zwei junge Burschen von vielleicht lö bis 16 Iahren, in blauem Leinen- anzug, schwarzer Baskenmütze, Bastschuhen, als Sonntagsschmuck ein weißes Schaltuch um den Hals geschlungen. In meiner linken Iackentasche hatte ich Erdnüsse stecken, die ich während der Vor- stellung knabbert«. Außerdem in der gleichen Tasche einen„Dura", ein L-Peseta-Stück. Das war natürlich leichtsinnig. Als ich voll Spannung den aufregenden Vorgängen in der Arena zusah, ent- fernten sich plötzlich unauffällig meine beiden Nachbarn. Sie kamen auch nicht wieder, trotzdem ich einen Papierfächer von chnen, den sie mir voller Liebenswürdigkeit kurz zuvor geliehen hatten, noch in meinen Händen hielt. Als ich wieder nach einer Nuß greife, bemerke ich das Fehlen des Geldes. Alles Durchwühlen der Tasche hatte selbstverständlich keinen Zweck; dos Geld war verschwunden und mit ihm die beiden Burschen, die sich wahrscheinlich längst in dem vieltausendköpfigen Gewühl einen anderen Platz gesucht hatten und sich nun ihres Raubes fteuen mochten. Sie etwa wieder- zufinden, war aussichtslos. Ich hatte es ihnen ober auch zu leicht gemacht. Offenbar hatte der neben mir Sitzende nur einmal heim- lich meine Nüsse probieren wollen; dabei war ihm das Silberstück in die Hand geraten und natürlich daran hängen geblieben. Groß- zügig hatten sie mir dafür ihren Fächer überlassen, den ich nun als Andenken behielt. Ein immerhin etwas kostspieliges Andenken, wenn man überlegt, daß sein Wert kaum S Pfennige betragen haben dürfte. Kuäolk Lcdveiäzr. Wom Arbeiter sunt Qelehrlen Wer kennt Carl Cristian Bruhns, dessen Todestag sich am 25. Juli zum 50. Mal« jährt? Er hat nicht im Vordergrunde des öffentlichen Lebens gestanden, und deshalb werden auch nur die wenigsten von ihm gehört hoben. Aber den Freunden der Natur- Wissenschaften und besonders der Sternkunde wird der Name Bruhns sicherlich schon häufig begegnet sein. Weniger bekannt wird aber den meisten der Lebensweg dieses Mannes sein, den ein glückliches Geschick und eine außerordentliche Begabung zu den höchsten Höhen der Wissenschast emportrugen. Bruhns war ein Kind des Volkes, hervorgegangen aus der Arbeiterklasie. Am 22. November 1830 ist er zu P l ö n in Holstein geboren. Seine Eltern waren einfache, wenig bemsttelte Leute aus dem Arbeiterstand«. Nach der Schulzeit kam der junge Bruhns nach Berlin, um hier ein Handwerk zu erlernen, und wurde— Schlossergeselle. Bis zu seinem 18. Lebensjahre ging er diesem Berufe nach, ohne irgendwelchen Ehrgeiz nach einer besonderen Position zu verraten. In seiner fteien Zeit aber, wenn Hammer und Schraubstock ruhten, beschäftigte er sich gern mit mathematischen Aufgaben. Das entwickelte sich bei ihm zu einer Art Liebhaberei, wie bei manchen Leuten heutzutage das Kreuzworträffelraten. Zu- fällig wurde einmal der große Humboldt auf den jungen, intelligenten Schlossergesellen aufmerksam und sprach mit dem be- deutenden Astronomen Encke darüber, dem damaligen Direktor der Berliner Sternwarte, der außerdem Sekretär der Preußischen Akademie der Wijsenschosten und Ordinarius an der Berliner UmoerMt war. Encke suchte den jungen Mann gelegentlich aus und machte die EMdeckung, daß in Bruhns ein außerordeMlich be- achtenswerte» rechnerisches Talent steckte. Ein paar mathematische Aufgaben, die Encke ihm aufgab, löste er zu dessen vollster Zufrieden- heit. Daraufhin veranlaßt« ihn der Sternwartendirektor, die blaue Bluse auszuziehen und sich dem Studium der Astronomie und Meteorologie zu widmen. Gleichzeitig verschaffte er ihm eine Stelle als zweiter Gehilfe an der Berliner Sternwarte. Hierbei zeichnete sich Bruhns durch seine Geschicklichkeit und seine gute Auffasiungs- gäbe bald derartig aus. daß er schon nach zwei Iahren mit der Arbeit eines ersten Assistenten der Sternwarte betraut werden konnte. Aber noch ganz andere Aemter und Titel sollte der fleißige, begabte Mann bekommen. Mit dreißig Jahren wurde er als Professor der Astronomie an die Universität Leipzig berufen und bald darauf zum Direktor der dorfigen Sternwarte ernannt. Damit begann eine außerordentlich fruchtbare Tätigkest für ihn. Bei jeder Gelegenheit setzte er sich bei der sächsischen Re- gierung für den Ausbau der wissenschaftlichen Forschungsinstitute ein, und drei Jahre nach seinem Amtsantritt waren schon 22 gut ausgerüstete meteorologische Stationen errichtet worden, denen sich später noch sieben weitere anschlössen. Mit hellem Blick erkonnte er auch, daß die naturwissenschaftliche Forschung, wie ja überhaupt alle Kulturarbeit in der Well, international sein müsse, und daß die von Menschen geschaffenen staatliche� Grenzen Hindernisse für ihre Entwicklung sind. Seinem Organisationstalent gelang es tatsächlich, ein internationales meteorologisches Komitee' ins Leben zu rufen und damit überstaatliche Vereinbarungen über wetterkundliche Untersuchungen usw. zu schaffen. Wie wichtig in jeder Beziehung die Arbeiten der Wissenschaft für die Menschheit sind, mag hier daraus hervorgehen, daß die sächsische Landwirtschaft, die häufig durch unvorhergesehenes schlechtes Wetter große Verluste bei den Ernten hatte, sich mit der Bitte an Bruhns wandte, ihr durch wetter- kundliche Voraussagen zu helfen. Mit Temperament nahm der gelehrte ehemalige Arbeiter sich dieser Angelegenheit an, und auf seine Veranlassung wurde in Verbindung mit der Hamburger Seewarte ein Wetterprognosedienst eingerichtec, der zu den ersten Unternehmungen dieser Art in Europa gehörte. Außerdem hatte er sich auch mit einer großen Zahl astronomischer Aufgaben befaßt, und viele wertvolle wissenschaftliche Veröfsent- lichungen zeugen von seinem ungeheuren Fleiß. Auch die Verooll� kommnung und Neugestaltung der Leipziger Sternwarte ist zum großen Teil auf seinen Einfluß zurückzuführen, und hier gelang e» ihm obendrein, sechs neue Kometen zu entdecken. ch Seine letzten Lebensjahre waren durch Krankheit verdüstert, so daß er viele Ehrenämter, u. a. den Vorsitz der Leipziger Gesellschaft für Erdkunde, aufgeben mußte. Am 25. Juli 1881 beendete der Tod das arbeitsreiche Leben dieses verdienstvollen Mannes. Noch heute erinnern sich manche allen Leute in Leipzig, wo er eine bekannte und beliebte Persönlichkeit gewesen ist, gern an ihn. Die Arbeiter- klasse aber darf stolz sein aus Carl Christian Bruhns, der zwar nicht einer ihrer politischen Btfreiungskämpfer gewesen ist, aber auf dem ebenso wichtigen Gebiete der Wissenschast Bedeutendes geleistet hat. Wie viele talentvolle Menschen mag es noch unter den Arbeitern geben, die befähigt wären, der Menschheit Großes zu schenken, die aber, durch die verkehrte und ungerechte Gesellschaftsform zu einer ungeeigneten Tätigkeit oerurtelll und nicht durch ein gütiges Geschick begünstigt, niemals zur Entfaltung ihrer Begabung kommen können! Erich Krug. Wie ist Ihre Hüftweite, Fräulein? Im Arbeitsnachweis für Mannequins In der Vessel st raße, einer Seitenstraß« der oberen Fried- richstraße, befinden sich die Amorsäle. Wo einst, als die Friedrich- straße noch das Vergnügungs-, Fremdenverkehrs- und Bauernfänger- viertel war, Musik ertönte und das Tanzbein ges6)wungcn wurde, hier gehen in den Bormittagsstunden Menschen aus und ein, die nicht Vergnügen, sondern Arbeit suchen, alte und junge, ober freudlos fast alle. Das Arbeitsamt Mitte hat hier Facharbeitsnach- weise untergebracht, Musiker, Filmdarsteller sind es vor allem, die sich hier einfinden. Den ganzen Vormittag strömt es hinein und heraus, an der ehe- maligen Stätte des Vergnügens gibt sich jetzt die Not ein Stelldichein. Und wie Schemen einer besseren Vergangenheit dieses chauses wirken einige pelzbekleidete, geschminkte junge Mädchen, die jetzt mit den anderen ihren Weg durch das Tor nehmen. Aber der Schein trügt, sie sind ebenfalls arbeitslos, trotz Pelz und Schminke gehen sie stempeln, und zwar im„Arbeitsnachweis für Mannequins". Der verhältnismäßig kleine Raum ist mit ein paar Tischen und Stühlen ausgestattet, an den Wänden hängen Bilder von bekannten Helden der Leincwand— zu anderer Zeit befindet sich hier ebenfalls der Nachweis für Filmdarsteller— in der Ecke hinter einem Schreibtisch sitzt die Leiterin des Nachweises, von den Eintretenden meist persönlich begrüßt. Man kennt sich untereinander, und wenn eine Neue kommt, ist die erste Frage der Leiterin:„Was haben Sie für Hüft» weite, Fräulein?" Diese durchaus sachliche Frage ist not- wendig, denn die Körpermaße werden in die Kartothek aufgenommen, es sind die Qualitätsbezeichnungen, nach denen bei Anforderungen der Modcfirmen die Mannequins vermittelt werden. Die heutige Mode bevorzugt schlanke, große Figuren, mittlere Größen sind schwer unter- zubringen; aber eine elegante Frau bekommt immer Stellung, ver- sichert mir die Leiterin. Die jetzt gangbaren Maße sind in der Groß- konfektion Hüftweite 96 bis 102, lmd in den besseren Mnßsalons 90 bis 94. Sechshundert Mannequins gibt es in Äerlin davon sind zweihundert ohne Beschäftigung. In fester Stellung sind die vierhundert Beschäftigten jedoch ebenfalls nicht, denn nur wenige große Firmen haben heute noch ständige Mannequins, die meisten werden auf kurze Zeit, für eine Saison, für ein paar Wochen oder gar nur sür eine Modenschau engagiert. Der Betrieb wird jetzt recht lebhaft im Nachweis. Da kommt ein schlankes Mädchen herein, sehr elegant, aber sie spricht nicht so. Sie gibt einen Zettel zurück:„Das war nichts, die woll'n so'ne Sport- figur haben, aber'n bisken voll". Können Sie Mäntel anziehen? wird sie von der Leiterin gefragt, denn es sind von einer Mäntclsirma einige Mannequins verlangt worden.„Nee, ich bin oben zu schmal." Ja, dann ist heute nichts zu machen, denn für ein anderes Angebot ist ste wieder zu dünn. Ein junges Mädchen kommt, aber die Leiterin zuckt bedauernd mit den Achseln.„So ein zerbrechliches Figürchcn wie Sie ist ja nirgends unterzubringen. Wieviel haben Sie denn jetzt, Fräulein N.?" „Ich habe sehr viel abgenommen, ich habe nicht einmal mehr 87. Aber ich trinke jetzt Milch und Sahne, vielleicht komnic ich wieder auf 90."„Na schön, dann werden wir weiter sehen." Sic bekommt ihren Stempel und geht wieder. Sic ist krank, und sie wird vielleicht niemals wieder„auf 90" kommen. Aber sie hofft. Sie hoffen alle in diesem Hause. Eine andere kommt ebenfalls mit einem Zettel zurück, auch sie hatte vergeblich vorgesprochen. Mit ihr ist nichts mehr zu machen. versichert die Leiterin, denn sie ist bereits 35 Jahre, und in dem Alter ist ein Mannequin, wenn es sich nicht gerade um eine sehr schöne Frau handelt, nicht mehr unterzubringen. Diese Frau ist zu alt, von vieler Arbeit verbraucht, und selbst der reichliche Gebrauch von Puder und Schminke macht ihr müdes, abgespanntes Gesicht nicht mehr jugendlich. Aber ein Mannequin soll schön und jugendlich aussehen, sie soll graziös Kleider und Mäntel tragen und den Anschein erwecken, daß die Kleider oder Mäntel jugendlich und schick machen, denn dann kauft die„gnädige Frau". Mannequin zu sein ist durchaus kein Amüsierbcruf, wie oft geglaubt wird. So eine Modenschau am Nachmittag und Abend ist ein ununterbrochenes und anstrengendes An- und Umkleiden: und beim Vorführen darf man nicht abgespannt und müde aussehen, denn das lächelnde Gesicht gehört zum Kostüm. «.Ganz Dame" Das Mannequin muß„ganz Dame" sein, den eleganten Kleidern. die sie vorführt, entsprechende Wäsche und Schuhe selbst besitzen— wie sie das Kunststück fertigbringt, diese Eleganz von der Entlohnung, die diesen Ansprüchen keineswegs entspricht, zu, bestreiten, ist ihre Sache. Darum kümmert sich die Firma nicht, sie verlangt nur und zahlt für eine Modenschau am Nachmittag und am Abend 10 M. Der zahlungskräftige„Freund" ist also eine stillschweigende Boraussetzung. Das Leben dieser Mädchen steht oft in schroffem Widerspruch zu den eleganten Kleidern, die sie vorzuführen haben. Sie entstammen meist einem proletarischen oder kleinbürgerlichen Milieu, und der„Prinz", der im Film zwar stets erscheint, kommt im wirklichen Leben nur ausnahmsweise. Einige Jahre leben sie in einem Halbglanz, bis es eines Tages heißt: zu alt. lind bereits mit dreißig Iahren beginnen selbst in besseren Zeiten die Schwierigkeiten, eine Stellung zu bc- kommen. Dann muh der Beruf gewechselt werden, und das ist sehr schwierig, denn sie haben meist keinen anderen Beruf gelenit. Manche waren früher Verkäuferin oder sonstwie in der Konfektion tätig, sie gehen nach Möglichkeit in ihren alten Beruf zurück. Andere arbeiten als Heimarbeiterinnen, aber für alle ist die Zeit der schönen Kleider vorbei. Ein paar Jahre währt das trügerische Glück und die Hoff- nung, einmal ein Leben lang und nicht nur oorführungsweisc elegante Kleider tragen zu dürfen. Aber das Ende ist hier wie überall das proletarische Schicksal: zu alt— arbeitslos---. Schießerei in Verlin SO. Bundesgenossen vom Volksentscheid gegeneinander. vor dem hause Lausißer Platz 18 kam es zwischen Rechts, und Linksradikalen zu einer Schießerei. Dabei wurde der 17jährige Hans h o f s m a n n aus der Waldemarftrahe 22 durch Bauchschuß schwer verletzt. Er mußte nach dem Bethanien- krankenhaus überführt werden. Der 18jährige Gerhard Schmidt. Lauslher Platz 17, erhielt einen Schuh Ins Gesäß, während der 17jährige Heinz Perghammer, Kör- p e n i ck e r Straße 20, duräz Schlagringhiebe am Kopf erheblich verletzt wurde. Die Täter konnten, trotzdem die Polizei sofort ihre Verfolgung aufnahm, entkommen. An der Sampfskälte wurden mehrere Patronenhülsen gesunden. Polizei in der Kommunistenzentrale. Abgeordneter Gohlke festgenommen und wieder entlassen. Das Karl-Liebknecht-Haus am Bülowplatz wurde gestern nach- mittag von der Polizei nach verbotenen kommunistischen Druck- schriften durchsucht. Die polizeiliche Aktion, die um 14 Uhr begann und gegen 16.30 Uhr beendet war, wurde mit einem größeren Auf- gebot von Kriminalpolizei, Beamten der Abteilung I A und Schutzpolizei durchgeführt. Der kommunistische Landtagsabgeordnete Gohlke, der die Beamten in ihrer Amtshandlung zu behindern versuchte, wurde festgenommen, später aber wieder freigelassen. Einige hundert verbotene Broschüren und Zeitschriften wurden von der Politischen Polizei beschlagnahmt. Zu weiteren Zwischenfällen ist es während der Durchsuchung nicht gekommen. Ör betrog Kleinhändler. Ein lange gesuchter Schwindler verhastet. Ein Schädling, der besonders Straßenhändlcr und kleine Geschäftsleute betrogen hat, wurde gestern endlich scstge- n o m m c n. Es ist ein Betrüger, der schon seit mehreren Wochen gesucht wurde. Der Festgenommene ist ein 26 Jahre alter Kaufmannslehrling Ernst Kühn. In der Maske eines Justizwachtmeisters sprach er z. B. bei einem Straßenhändler in der Nähe des Kriminal- gcrichts vor und erzählte, daß er zusammen mit mehreren Kollegen eine größere Bestellung auf Zigaretten ausgeben wolle. Die Summen beliefen sich jedesmal auf 300 bis 400 Mark. Der Händler, erfreut über den lohnenden Auftrag, beschaffte die Waren und wurde von dem falschen Beamten mit in das Gebäude genommen. Unter dem Borwande, daß die Vorgesetzten von der Bestellung nichts erfahren dürften, brachte der Gauner den Händler in ein leeres Zimmer, hieß ihn warten und o e r s ch w a n d mit den Zigaretten. Einen Händler, der dem Lieferanten gegenüber zur Zahlung der Ware verpflichtet war, hat dieser Trick an den Ruin gebracht. Gestern kam Kühn wieder zu einem Zigarcttenhändlcr und bestellte für 450 Mark Tabakwarcn, die angeblich für die Tombola des Sport- klubs„Nixe" in Tegel bestimmt sein sollten. In einem Nestau- rant in der Nähe nahm Kühn die Zigaretten in Empfang und machte sich dann„auf die Suche nach dem Kassierer". Zum Glück paßte der Händler auf den Besteller scharf aus und sah ihn mit den Paketen durch einen Hinterausgang verschwinden. Er eilte ihm nach und konnte ihn festnehmen lassen. Ein Auftrag des Sportklubs war natürlich in'-i ch k erleilti Den' schlimmsten Streich hat Kühn in der vorigen Woche einer Zigarettenfabrik gespielt. Bei ihr bestellte er 26 000 Zigaretten, die einen Wert von etwa 1000 Mark haben. Sic sollten sür das Berforgungsamt in der General-Pape-Straße geliefert werden. Der Chauffeur, der sie brachte, wurde von Kühn in die Kantine gebracht und, während er dort ahnungslos wartete, machte sich der Betrüger mit den beiden großen Kartons aus dem Staube. Der betrogene Chauffeur muß die Summe ersetzen. Wo Kühn die ergaunerten Waren gelassen hat, steht noch nicht fest, er verweigert darüber jede Angabc. Es ist nicht bekannt, wie viele Straßenhändler und Geschäfts- lcutc durch den Burschen geschädigt worden sind. Wer von ihm Bestellungen angenommen hat, wird deshalb ersucht, sich an die Dienststelle V 3 im Polizeipräsidium zu wenden. Cin Küßchen in Ehren... Aber Beamte können dabei nicht arbeiten. In dirsrr Zeit, in i>kr alle M-nsä)ea niedergedrückt hcrumgcli-n, gtandcn wir, der folgenden drolligen Inschrift Raum geben zu tSunen. Wir sind seit dem 30. Mai dieses Jahres verheiratet und in den Düroräumcn gegenüber einem bekannten Berliner kommunalen Verwaltungsgebäude beschäftigt. Da stille Zeit ist und wenig Arbeit, standen wir am Fenster und freuten uns, daß wir bei dem fürchter- lichen Regen, der soeben niederprasselte, im trockenen saßen. Und küßten uns ab und zu. Nach einigen Tagen klingelt das Telephon, der Chef wird verlangt. Meine Frau ist selbst am Apparat. Ein städtischer Beamter(sicher ein Junggeselle oder ein unglücklich Ver- heirateter) beschwert sich über das Küssen. Meine Frau sagte sofort, daß doch der Herr nichts dagegen haben könne, wenn sich verheiratete Leute mal einen Kuß geben, und wenn es nun auch mal zufällig am Fenster ist.(Wenn wir uns im Raum küssen, können«s die Herren nämlich auch sehen, da die Gardinen immer zurückgeschlagen sind.) Außerdem scheinen die Herren wohl nichts anderes zu tun zu haben, als dauernd die gegenüberliegenden Räume zu beobachten. Darauf erwiderte der Herr, es wäre doch ablenkend, die Damen und Herren lachen immerzu. Wir sind stolz darauf, daß wir es vermögen, die beamteten Damen und Herren in dieser traurigen Zeit etwas aufzuheitern, und da Lachen gesund ist, können wir aü.ch stol�'däraüf' sein, zur Gesundheit der Beamten uud Angestellten beigetragen zu haben. Kann denn unser Küssen wirklich stören, oder spielt nur der Neid bei den Herren die Rolle? Interessant ist es nämlich, daß sich Beamte mit weiblichen Angestellten einer Firma dieses Hauses per Fenster verständigt und getroffen haben. Ich glaube, daß dies wohl noch mehr von der Arbeit ablenkt als unser Änß: denn ein Küßchen in Ehren kami uns niemand verwehren, auch die 5)erren Berliner Beamten nicht! Orkan über Lublin. !t5 Personen getötet und viele schwerverleht. Warschau, 21. Juli.(Eigenbericht.) Ein schwerer Orkan hat am Montag die kongreßpolnische Stadt Dublin heimgesucht. Eine Windhose von großer Srast deckte fast sämtliche Häuser der Stadt ab, entwurzelte Bäume und warf Autos und Eisenbahnwaggons um. Ein Teil der Stadt liegt völlig in Trümmern. Personen wurden von der Windhose ersaßt, hochgerissen und aufs Straßcnpflastcr oder an die 5)äusermauern geschleudert. Etwa 15 Personen sollen ge- lötet und viele verletzt sein. Da die telcgraphische und tele- phonische Verbindung mit Lublin gestört ist. fehlen noch genauere Angaben über die Zahl der Opfer und den Umfang der Katastrophe. Giftschlaugen sind keine Haustiere. In N e st o m i tz(Tschechoslowakei) hatte der Besitzer eines Garten-Restaurants eine Anzahl giftiger Schlangen ge- zähmt und ihnen Bewegungsfreiheit in seinem Garten eingeräumt. Die Schlangen waren so dressiert, daß sie auf das Pfeifen des Wirtes herankamen, sich an ihm wie Katzen rieben und sich überhaupt sehr gesittet zeigten. Niemals wurde ein Fremder von ihnen angegriffen. Als die Behörde von diesem Idyll Kenntnis erlangte, gebot sie dem Wirt, die Tiere zu vertilgen oder wegzugeben, da sie nicht als Hausticrc gehalten werden dürfen. Der Gastwirt berief gegen.diese Entscheidung, doch wurde seine Berufung ab- gewiesen.. Nisnmehr wurde das Urteil auch vollstreckt. Eine' Gen- darmeriepatrouille erschien im Restaurant und tötete die Schlangen. Die toten Schlangen wurden auf die Polizei mitgenommen!"" Rücksichtslose Fahrzeugführer. In ihrem Kampfe gegen rücksichtslose Fahrzcugführcr hat die Polizei im Monat Juni 2124 Strafoersügungen und 1482 Verwarnungen erlassen. Darunter befinden sich 347 wegen vorschriftswidrigen Fahrens und 465 Verwarnungen, 105 Strafverfügungen wegen Geräuschbclästigung und 30 Vcrwarnun- gen, 404 Strafverfügungen wegen Ucbertrctung der Drojchkenord- nung mit 176 Verwarnungen, 275 Strafoerfügungen wegen Parkens an verbotener Stelle und 262 Verwarnungen, 219 Strafverfügungen und 248 Verwarnungen wegen sonstiger Verstöße. Opfer der Bruderliebe. Zwei Schweizer Bergführer, die Gebrüder Ogi�, hatten vom Lötschtal aus mit einer Partie von zwölf Schweizer Touristen die Besteigung des 3700 Meter hohen Lauterbrunncr B r e i t h o r n s unternommen. Beim Abstieg glitt der eine Führer, Fritz Ogi, aus und stürzte und trug erhebliche Verletzungen davon. Sein Bruder wollte ihm zu Hilfe kommen, glitt aber seinerseits aus und stürzte über eine hohe Felswand auf ein Schnccscld, wo er mit einem Schädelbruch liegen blieb und auf dem Transport ins Tal verstarb. Verkehrsrückgang überall! Im Laufe der ersten sechs Monate dieses Jahres wurden von den L-Bahnen(Stadt-, Ring- und Vorort- bahnen) nur rund 209 Millionen Personen gegenüber 232,8 Millionen in der gleichen Zeit des Vorjahres befördert, so daß sich eine Verkehrsabnahme um 23,8 Millionen Fahrgäste oder nahezu 10 Prozent ergibt. „Im Westen nichts Neues", der Antikriegsfilm, der mit unver- mindertem Erfolg für die Mitglieder der freien Gewerkschaften, der Sozialdemokratischen Partei und anderer Organisationen gegeben wird, läuft noch bis zum 30. Juli in einer Reihe von Lichtspiel- theatcrn.(Siehe Inserat in der Sonntagsausgabe des„Vorwärts".) 1 jj* m»a«u IS* Biaül 30%l3vä 23*Sii"U|» Silin lin-OeiW»» Zigarillos: KLEIRE IHD IRRER StückJftft Die Plaza hat sich als Sommerprogramm mit dem Tastspiel des Mctropol-Theaters eine reguläre Operelte verschrieben: Das Land des Lächelns, in der bekanntlich Richard Tauber mit der Musik Franz Lehars große Triumphe errungen hat. Die Hauptrolle des chinesischen Gesandten wird durch Kammersänger Igo G u t t m a n n verkörpert, der sein Bestes gibt und reichen Bei- fall findet. Im zweiten Akt gefielen durch ein Tanz- und Gesangs- duett Victor C o l a n i und Irma B c r l o s so ausgezeichnet, daß sie unter dem stürmischen Beifall dieselbe Szene von Anfang bis zu Ende wiederholen mußten. Grete S c d l i tz' glänzende Sanges- kunst zog das ganze Haus in ihren Bann. Die musikalische Leitung war bei Marco Großkopf in besten Händen. Für die Szenen- bilder, übrigens die glänzende Originalinszenicrung des Metropol- Theaters, zeichnete Rudolf S ch ö n w i e s e. Sehr erfreulich und anerkennenswert, daß man den Versuch inacht, dem Publikum des Ostens eine moderne Operette zu bieten, die es sonst nie zu sehen bekoinmt. Sollte eine Fortsetzung dieses Vorhabens auch mit an- deren Operetten nicht niöglich fein? Vom l. August ab wird in der Plaza wieder das Variete einkehren. Die Plätze werden, den Zeitumständen entsprechend, erneut herabgesetzt, für die erste Vor- stellung 30 Pfennig bis 1 Mark, für die zweite 60 Pfennig bis 2 Mark. parieinachrichien|M| für Groß-Rerlin ffiinfcnbungcn für bicff Wubtif pnb stet» an ba» Bejirkasetretariat ® p r Ii n SW 68, Ltnbcnstrahe ü, 2. Hof, 2 Treppen rechts, zu richten. Beginn aller Veranstaltungen Uhr. sofern keine besondere Zeitangabe! heute. Mittwoch, 21. Juli: 4. Abt. 20 AaUabend bei Brandis, Stralau«! Str. 10. Referent: Hans Knnstmann: Scziehungsfragrn. 8. Abt. Mitgliederversammlung im Nationall>of. Viilowstr« 37. Referent: Genosse Göving: Wirtsäiaftokrise— Kapitalkvisle. 20. Abt. 20 Uhr Mitgliederversanunlung bei Dabbert, Schmlstr. 06(nwiyt 36). Referent: Genosse Äechtsamvalt Dr. Klee: Der Kampf um ein neues Sexual. strafrecht. 23. Abt. Abteilungsv e rsammlunq fällt heute aus. Nächste im August. .53. Abt. Die Mitgliederversammlung fällt heute aus. 81. Abt. 20 Uhr Mitgliederversammlung im Gesellschaftszimmer des Rats« kellers ssriodenau. Thema: Wirts6)afts?rise— Währungskrise? Referent: Genosse früti Naphtali. 83. Abt. Achtung. Vezirtsfiihrer! Die gelben. Gintrittg�arten fitr die Der. fassungsfcier sind für Erwerbslose kostenlos abzugeben. Morgen, Donnerstag. ZZ. Juli: 9. Brei». Site stillt yottnerüfan nngcfc�le Srciroorfhiitbaittmn« fnbrt bei Broib, SolflrinitdK Sir. 60, ftott. 12. Buis. Von 16 bi» 18 Übt Znsammrnlnnft bet rrwrrbolofe» Partei srnolfr» bei Schellhäse, Steglitz, Vhornstr. iZo. Senoffe Dr. Schiefinger spricht über ba» Thema!.Wie lebt der Arbeiter in Gowjeirntzlaab?-' Notmcnbige Fahr. ausgabeit werben erstattet. Bein Verzehrzwang. 43. Abt. Die Abteilung beteiligt sich an bem Baffeekochen der ssrauen im Poikspark Neulölln. Frauenveranskallung. 2. Brei». Die Geitossinttett beteiligen ftch am Donnersiaq, bem 23. Aull, am Bousttm-Basseelocheu im»Barishofi'. Bezirksausschuß für Slrbeilerwahksahrk. Freitag, 24. Juli, pünktlich 1-1 Uhr, Treffpunkt der Teilnehmer gur SMichti. gung de» Strafflcfäiigiiiffcs Tegel Bahnhof Pankow-Nordbahn. Wetterer Treff. punkt lü Uhr Haltestelle Tegel, Eefängnis. Arbeitsgemeinschaft der Sindersreunde Groß-Verlin. Gruppe Mari» Dcmmning. Wir treffen nns Donnerstag nm 7 Uhr Falken- ecke znr Babefohrt nach Rahnsbarf. Bobezeng, Essen und 60 Pf. Fahrgeld mit- dringen..Nestfalken go Pf. Fahrgeld. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation I 44. Abt. Unsere Genossin Iebro, Admiralftr- 6, ist verstorben. Ehre ihrem Anbenken. Einäscherung Donnerstag- 23. Juli, IC, Uhr, Kreinaiorium Bauui- fchulenwog. Rege Beteiligung erwünscht. Sozialistische Arbeiterjugend Groß.Berlin ■ awsendungen für diese Rvbri? nur an das Iugendsekretart«. -Ler-ltn GW 68. ülnbcnftrafir 3 heule, Mittwoch, 22. Juli: Gesundbrunnen II: Ehristiantastr- 38. Fvnfiahresplan-— Aclmhaltzvlatz! Aula Danziger Str. 23. Dreijahresfeier.— Tcmvclhos: Götzstratze. Bamerad- stl)aft uub Freundschaft.— Ablershost Bisniarrkstr. 1. Sozio listtsel>e Jugend. nttcrnationole.— Falkenberg! Guishof. Erste Hilfe he! Unglücksfällen.— Friebrichshagen: Friedrichsir. 87. Zehn.Minuicn.Refcrate.— Lichienberg-Mitict Scharnweberstr. 20. Anti-Briegsabcnd.— Mahl-dorft Melanchthoustr. 63. Die Partei tittb ihre Ziele.— Pankow TU; Die Kirche in der Barikatur. Werbebezirk Neinickenborf: Werbebezirksvorfwnidssttzung im Heim Wittenau lNeue Schule) tun 10% Uhr. Werbebezirk Nenlölln: Eprechstunbe von 17Z7 bis 1SZ4 Uhr Gonghoferstraße. Tpielirttppc 1S>7. Uhr Banner Strotze. Werbebezirk Oberfpreet Werdebezirksvorfiandssitzting ISZH Uhr im Heim Schöneweide, Berliner Str. 33. Werbebezirk Tiergarten! Sprechchorprabe für Frankfurt 10'.� Uhr pünktlich im Heim Lehrter Str. 18. Alle Frankfurtfahrer ntüffen erscheinen. Werbebezirk Prenzlauer Berg: 20 Uhr Sanncnburger Sir. 20 Festausschutz. sitzung. Jede Abteilung entsendet einen Vertreter. Sport. Internationales Jagdrennen in Karlshorst am 2l. Juli. Tiamant-Hürbcnrcnncn: 1. Clcinaiis lMüschcn): 2. Optant! 3. Rcnt- meistcr. Toto: 10:10. Platz: 11, 20, 12:10. Ferner liefen: Tarnkappe, Gold- barsch, Dicdcrich, Sonnblick. Looise-Jagbrcnncn: 1. Rößling(Ahr): 2. Gerwin? 3. Minncklang. Toto: 20:10. Platz: 15, 20, 28:10. Ferner liefen: Kili, Persca, Neuer Ulster, Frauengunst. Nordpol-Hiirbcnrenncn: 1. Geselle(Schäfer): 2. Hclgoländcr: 3. Assuan. Toto: 05:10. Platz: 10, 18, 34:10. Ferner liefen: Silvius, Ina(angch.), Wintcrmärchcn, Ouccn Ann, Pccpcr, Notcnstcin, Hidigcigci. Siurmdogcl-Flachrcnncn: 1. La Furka(dc la Forest); 2. Präfcct; 3. Mika. Toto: 25:10. Platz: 14, 13, 17:10. Ferner lies: Conkiircnt. Berliner Internationales Jagdrennen: I. SZarlas lA. Kallcy); 2. Fritz Fromm; 3. Tark Way. Toto: 43:10. Platz: 15, 13, 10:10. Ferner liefen: Mcnelaos, Felsen, Sc Bourdcur(angch.), Oper lgcs.), Porto Flip(gcf.), Grimouchou(angeh.), Kabeii-Jagdrennen: I. Lconatus(Bismark); 2. Jngwcldc; 3. Energos. Toto: 32:10. Platz: 10, 22, 10:10. Ferner liefen: Elvira, Großvcsier, Fuhr- mann, Idee(gef.), Kismat(gef.), Tosella, Hochwald, Advill, Madelung. Thn-mir-nix-Jagbrenncn: 1. Abt. 1. Böckcrschuß lWolsf); 2. Paroli; 3. Sonntagmorgcn. Toto: 20:10. Play: 14, 22, 10:10. Ferner liefen: Edu, Gulbrand(gef.), Meute, Servus, Sachse.— 2. Abt. I. Enzian(Hauser); 2. Marburg; 3. Monima. Toto: 01:10. Platz: 17, 15, 17:10. Ferner liefen: Gawan, Patriarch, Logina, Fechter, Radames. Mgemeine Weiierlage. Im Bereiche eines feuchten nordwestlichen Luftstromes bestand am Dienstag in ganz Deutschland veränderliches und recht kühles Wetter mit verbreiteten, meist leichten Regenschauern. Die Tempe- raturen lagen noch niedriger als am Vortage und zwar blieben sie überall unter 20 Grad Celsius, in Westdeutschland sogar unter 18 Grad Celsius. Mit dein kräftigen Druckanstieg über dem mitt- leren Europa wird sich das westeuropäische Hochdruckgebiet lang- sam ostwärts ausbreiten, womit eine Besserung unseres Wetters verknüpft sein dürste. Voraussichtlich wird diese Wettcrbesserung jedoch nicht von langer Dauer sein, da sich an der Rordscitc des Hochs von England her wieder sehr feuchte ozeanische Luftmassen nähern. 4- Welleroussichlen für Berlin. Vorübergehende Besserung des Wetters und wieder etwas wärmer, keine nennenswerten Nieder- schläge, mäßige westliche Winde.— Für Deuischland. Uebcrall vor- übergehende Besserung des Wetters mit höheren Temperaturen, nur im Nordosten noch etwas unbeständig mit leichten Schauern. Tjisatsr, Lichtspiele usw. Staatstheater Geschlossen. Abonnements-Einladung für die Spielzeit 1931/32 Großer Preisabbau, wesentliche Verbesserung einzelner Platzgruppen durch Vorverlegung, sehr bequeme Zahlungsbedingungen. Anmeldungen nehmen in der Zeit von 10 bis 2 Uhr entgegen: für die StaalSOper und das Slaatlidie Sdiauspielhaus: Abonnem-Büro Obcrwallstr.22, Fernsprecher: Merkur 9024, für das siaalL SdUllertbealer: Abonnem.-Büro: Charlottenbg., Grolmanstraße 70, Fernsprecher: Steinplatz 6715. Barbaroua 925« Ttgl. B u. 81/2 U. H. u. H. William, Lee Gall- Ensemble Orlfl. 3Whlrlwln4a Bob Rlpa Gill» Brandt n«. «MW» Ffergnugung� Restdufönt Berlins BETRIEB KEMPlHSKlO Reichshallen-Theater Anfang|*| Uhr Stettiner Sänger vom 16 7. bis 22. 7. „Alles verrückt!" Sommerpreise Winter * Qcirrem 8.15 lllik Flora ZM Raotlteo erlaobt PLAZA Täfll. 5 u. 815 Stg. 2. 5 u. 815 lehär- OPERETTE Da« Land Lächelns leint erhöhlen Preise n Mittwoch, den 22. Juli nachmittags 6 Uhr ' ■ Ballett Ednardowa, 10 Brox, DBöfsdies Iheater 8 Uhr Der Hauplfflann von Röpeniik v. Carl Zuckmayer Regit: Hein Hilpert Die Komödie Täglich 8V2 Uhr Dienst am Kunden von Curt Bois uni) Max Hansen Regie: Hans Deppe Kuriürsfendamra- Theafer Bismarck 448/49 QvTÜhr] Die schöne Helena von lacques Ollenhadi Reale; Hau Relnhardi Komisctie oper Friedrichstr. 104 8'/, Uhr Frauen haben das gern... Mnsikal. Schwank von Arnold Musik t. Walt. Kollo Sommerpr. 0.50-7.00 ffletropol-Theater Täglich S'/eUhr Die Toni aus Wien Mady Christians, Michael Bohnen Jeder Art liefert preiswert Paul Oolletz vormals Robert Meyer Marfannanstr. 3 F 8, Oborbaum 1 303 KLEINE ANZEIGEN IIHIIIIIIIIIIIINIimilllillHIIIIIIIIIIilllllllllllllllllllllllllllll Ueberschriftswort 25 Pf., Taxtwort 1 2 Pf. Wiederholungsrabatt: 10 mal 5 Proz, 20 mal oder 1000 Worte Abschluß 10 Proz., 2000 Worte 15 Proz. 4000 Worte 20 Proz:/ Stellengesucher Ueberschriftswort 15 Pf., Textwort 10 Pf'-V Anzeiger», welche für die nächste. Nummer Destimmt sind, Müssen bi8 4l/aUhr rrachmittags im" Verlag, Lindenstr. 3, oder auch fn" sämtlichen Vorwärts- Filialen und -Ausgabestellen abgegeben sein UNSER ROMAN ILF-PETROW,„DIE 12 STÜHLE" erschien soeben IN BUCHFORM in Leinengeschenkband M 6,— erhältlich brosch.„3,50 Buchhandlung BERLIN SW 68 I. H. W.■£b LINDENSTR. 2 Berlin spricht ROSE-THEATER Wod>enl«*« S" Uhr Sonntags S46 n. 9 Uhr „Madame hat Ausgang'' mltTraute Rose, Armin Schweizer, Arno, Fische�Biging.Harden, Wächter, Dahlke, Freund, HofTmann, Rosen, Wilde. Preiset 0.50— 3 M Besucht das e i n z ig-e Sommer- Theater Berlins! Das Weltstadt- Varieli- Programm mit Lette Werkmeister und Carl Braun. 8.15: Singspiel , tUnter d. blühenden Linde" m. Hans Rose, Kanisch, Güllich, Mikulski, Byron, Pyrmont, Hofer. Wöchig«. 5.30, Stgs. 5 U. Preleei 0.60— 2 M Gr. Frankfurter Str. 132. U-Bahn Strausberger Platz.— 6tlolaer Vorverkauf 11— 1 und 3—9 Uhr.— Tel. Bestellung. 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In Nr. 14 der Deutschen Eaaldesitzer. Zeitung vom 2. Aprii 1931 habe id) unter der Ucbcrschrist„Zigareltenlicinhandel— ei» Geschäft?" einen Aufsatz veröffenUicht, worin die BehanpNing ansgestclli ist, datz der Reichsfinanzmininer a. D. Dr. Siifcr» ding, der während seiner Amiszeil dem Neemtsmakonzern 29,5 Millionen RM. Steuerschulden erlasse» habe, von diesem Konzern für seine Tätigkeit in seinem Ans- sichisraic!nJ.ihresgehaitvonI2v 499,— Marl. Woh». berechlignngsscheni. „Bairriand", Tem- p-lhaf. Aldoin» ftvatz« S,* Hakenkreuzprozeß in Bayern. Die Hitlerseuche ia der Verwaltung.- Justiz wie? München. 21. Juli.(Eigenbericht.) In dem großen Landsriedensbruchprozeß inWeil» heim(Oberbayern), wo gegenwärtig über eine von den Nazis angezettelte sehr blutig verlaufene S a a l s ch l a ch t verhandelt wird, stellte sich heraus, daß die Hitlerpartei auf den Post» ämtern, wo sie unter den Beamten über Anhänger verfügt, sogenannte SA.-Bevbachter eingerichtet hat, denen die Ausgabe zufalle, alle unter dem Schuß de» Amtsgeheimnisse» stehenden dierstlichen Vorgänge von politischer Bedeutung ihrer Partei zu melden. Am Sonntag, dem 1. Februar dieses Jahres, sprengten die Nazis eine sozialdemokratische Versammlung in Murnau, in der der sozialdemokratische Abgeordnete Auer, München, referierte. Die Folgen waren eine schwere Schlägerei, völlige Demolierung des Lokals mit rund 3000 Mark Sachschaden und eine erhebliche Anzahl Schwerverletzter. Wegen dieser Vorgänge stehen jetzt 26 SA.-Leut« fiitlers und 7 Angehörige des Reichsbanners in Wcllheim vor Gericht. Sie haben sich wegen schweren Landfriedensbruchcs. verabredeter Versammlungssprengung, Verletzung des Tele- graphengeheim nisscs und anderer Delikte zu verantworten. Die beabsichtigte und organisierte Dersammlungssprcngung ist ein- wandfrei nachgewiesen durch einen bei den Gerichtsakten liegenden geheimen Sturmbesehl, den der SA.-Führer Rößler am 23. Januar an alle„Grus und Truf im Sturm LZ' erlassen hat. Noch am gleichen Tage erhielt die sozialdemokratische Parteileitung München» Kenntnis von diesem Befehl und richtete ein Darnungstelegramm an ihre Moruauer Parteifreunde. Dieses Telegramm wurde den Nazis sofort durch den Postassistenten Iblar vom weilheimer Postamt verraten. Jbler ist nämlich der sogenannte S A.- V e o b o ch t« r für den Weil- heimer Bezirk und in dieser Funktion dazu bestimmt, olle dienst- liehen Vorgänge von politischer Bedeutung der chakenkreuzpartei- leitung zur Kenntnis zu bringen. Das Schriftstück, mit dem er in diesem Falle das Amtsgeheimnis preisgab,- befindet sich ebenfalls bei den Akten des Staaksanwalts. 5?auptangeklagte sind der Bezirksleiter der Nazis, Englbrecht, SA.-Eturmführer, Ingenieur Rößler und der SA.» Truppenführcr Gastwirt Pichler, die in der Anklageschrift des Staats- anwaltes als die Rädelsführer des Landfriedens- b r u ch e s bezeichnet sind. Eine Haussuchung bei dem erstgenannten Angeklagten förderte ein Maschinengewehr mit Ersatz- teilen zutage. Die Vernehmung der angeklagten Hakenkreuzler ergab bisher keine wesentlichen Momente. Ihre Aussagen waren auf Leugnen abgestellt und zeigten eine beinahe wörtliche Uebereinstim- mung. Ihre im Untersuchungsprotokoll gemachten Teilgeständnisse bezeichneten sie als erpreßt und gefälscht. c*ne daß der Gerichtsvor- sitzcnde dagegen, etwas einzuwenden hotte. Er schwieg selbst, als der angeklagte Reichsbahninspektor Weiß unter Berufung auf das be- rüchtigte Schondwerk Zarnows die Justiz als Dirne der Republik bezeichnete. Auf einen empörten Hinweis des Lcr- leidiger» der Reichsbanncrangeklagtcn meinte der Staatsanwalt, in dem Buch Zarnows sei ja nur die preußische und nicht die bayerische Justiz gemeint. Frecher Ton eines Beamten. Professor vom„Dritten Reich" an derFrankfurterAkademie? �• Die Landtagsabgeordnete Gepchsin Berta Jourdan hatte unlängst eine kleine Anfrage wegen des an der Frankfurter Akademie amtierenden Professor Dr. Ernst Krieck, seines Zeichens Lehrer der Pädagogik, eingebracht. In dieser Anfrag« war aus- geführt, daß Professor Krieck anläßlich einer Sonnenwendseier in der Nacht vom 20. zum 2t. Juni in seiner Festrede lebhafte P r o p a- ganda für das Dritte Reich entfaltet und diese mit den Worten j)eil dem Dritten Reich" geschlossen habe. Das Staatsministcrium war gefragt worden, was es gegen diesen Propa- gondistcn des Dritten Reiches zu tun gedenke? Hierzu versendet Professor Dr. Ernst Krieck eine„Er- k l ä r u n g' an die Presse, in der er den obenstehenden Tatbestand im wesentlichen zugibt. Er entschuldigt sich lediglich damit, daß seine Rede auf„Symbol! k" eingestellt gewesen sei und daß das„durch- aus der religiöegeschichtsphilosophischen Sphäre angehörige, nun- mehr 70()jährige Symbolwort(I) vom Dritten Reich„eben auch nur„symbolisch" gebraucht und seine Linie ausdrücklich von dem 1202 verstorbenen Zisterzienser Abt Joachim von Flores über Lcssing zu Moeller van den Bruck gezogen wurde." Also, was in seinem pädagogischen Lehrfach Professor Dr. Ernst Krieck wahrscheinlich als eine schulbuben mäßige Ausrede bezeichnen würde. Dafür sucht dieser Profesior vom Dritten Reich, was ihm an sachlichen Argumenten fehlt, durch eine freche Pro- v o k a t i o n am Schlüsse seiner Erklärung zu ersetzen. Dort heißt c» nämlich: Diese„kleine Anfrage" stellt offensichtlich den unter dem Schutz der Abaeordnetenimmunitot leichtfertig begangenen Tatbestand der Beamtenbeleidigung, der üblen Nach- rede und der falschen Anschuldigung dar. Ihr Tenor ist eine einzige öffentliche Verleumdung. Gegen solche privilegierte Ehrabschneiduno bietet leider das Recht dem Staatsbürger keinen Schutz. Frau Jourdan ist hiermit aus- gesordert, ihrerseits mich zu verklagen, damit sie Gelegenheit er- hält, ihre Behauptungen vor Gericht zu beweisen und ich Gelegen- heit erholte, die von ihr getriebene Bespitzelung und De- nunzation gebührend öffentlich zu entschleiern. Ein Ausweichen müßte als ehrlos(1!) gelten. Wenn Herr Professor Krieck durch dieses Schreiben an die Presse den Beweis erbringen wollte, daß er für das Amt eines Staats- beamten an sich und für das eines Lehrer der Pädagogik(!) speziell völlig ungeeignet ist, so ist ihm das durch seine Erklärung hundertprozentig geglückt. Wer, auf unrechten Pfaden ertappt, seine. Wut hierüber's» wenig zu meistern weiß und wer der Volksver- tretung gegenüber einen derart unverschämten Ton anschlägt, der gehört nicht insAmt, am allerwenigsten an eine Lehrstelle für Pädagogik. Da» In Schveidcmühl netgelandete pelnische Militärflugzeug bot weder Waffen noch eine Pbotokamero mitgesührt: die Flieger sind zu je drei Tagen Hast verurteilt worden.— Der 2Zjähr,ge Elettrotechniker Me schert au« Wittstock o. d. D. geriet mit drei anderen bettelarmen deutschen Jungwanderern auf polnische» Gebiet und erschoß den Grenzwehrsoldaten Nowakowski, der die Burschen verhasten wollte. Nach Deutschland zurückgeflüchtet, wurden die Burschen oerhastet und dem Amtsgericht Meseritz eingeliefert. Zw belgischen Kongostool soll der Distriktskommissor Ballot, der sich nach einem Dorfe bei Leopoldville begeben hotte, um einen Angriff auf einen Kaufmann zu untersuchen, von Eingeborenen ermordet worden, sein Leichnam gekocht und aufgefressen und dann der Orteoerwalter angegriffen worden sein. Polizei rettet« ihn. im Kampfe wurden sieben Eingeborene getötet, später noch etwa mno/bacm. durch Majchweugewehrj-u-er.______ Die Schwerindustrie. Sil ,/Herr Minister, den„Vorwärts" verbieten! Er heht gegen uns Generaldirektoren und bezweifelt unsere Genialität!" Brüning aufhängen! Deutschnationale Heilsrezepte in der„Aeuen Welt". Die Deutschnationale Volkspartei hatte gestern ihre Anhänger zu einer Kundgebung für das Bolksbegehren zur Auflösung de» Preußischen Landtags aufgerufen. Vorsichtshalber hatten die Ver- anstalter die Kundgebung in«inen Saal der Neuen Welt verlegt, da sie von vornherein eine auch nur einigermaßen volle Besetzung des Sportpalastes für aussichtslos hielten. Aber auch die Räum- lichkeiten in der Neuen Welt, besonders die Tribünen, hätten noch einigen Zuzug oertragen können. Mit dem prahlerisch verkündeten Massenandrang zum Volksbegehren scheint es also bei Hugenbergs nichts zu sein. Als Redner traten Hugenbergs enger Mitarbeiter Dr. Bong, ehemaliger Finanzminister in dem Siebentageregirn« von Kapp und der aberschlestsche Abgeordnete Dr. Kleiner auf. Herr Bang hatte sich zum Thema die Reparations- und Erfüllunaspolitik in erster Linie ausgewählt und was er an prahlerischen Phrasen über die„Erfolge" einer nationalistischen Reparationspotitik, d. h. einer Politik der gänzlichen Zahlungseinstellung vorbrachte, unterschied sich in nichts von seinen sattsam bekannten Reichstagsreden. Bei alledem unterliefen ihm aber einige Wahrheiten, die festgehalten werden müssen. Wenn Herr Bang z. B. erklärt, daß der deutsche Spießer nicht sieht, wie schamlos er von der Presse, seiner geistigen Nährmutter, be- logen wird. Im Hinblick aus. die Duldsamkeit der Leser der Hugenberg-Press« müssen wir Herrn Bang zugeben, daß er damit in» Schwarze getroffen hat. Im weiteren Berlauf semer Rede setzte Bang mit einer wüsten hetze gegen den Reichskanzler Brüning ein. Unter bewußter Entstellung der Tatsachen legte er die Eni- wicklung der letzten Monate so dar, als ob England und Amerika Deutschland schon vor dem Hoovcr-Plan aus den Klauen des Hab- gierigen Frankreich hätten reißen wollen, daß aber Brüning und sein Kabinett diese Hand ausgeschlagen hätten. Diese Darstellung verfehlte ihre Wirkung nicht. „Er soll nur zurückkommen", erscholl es drohend von den Tri- bünen.„Aushängen" kreischte eine Frauenstimme unter dem x brüllenden Beifall der entfesselten ZNasie. Natürlich ließ es Herr Bang auch nicht an den wüstesten Aus- fällen gegen Preußen und gegen die Sozialdemokratie fehlen. Die Ansprache des zweiten Redners Dr. Kleiner steigerte die Erregung im Saal bis zur Siedehitze, bi» zur offenen Mordhetze verstiegen sich die massenhaften Zurufe. die aus der Versammlung den Redner zu immer wüsteren Aus» fällen hinreißen sollten. Einen Augenblick schien es Herrn Kleiner selbst angst vor den eigenen Worten zu werden, denn er sah sich selbst genötigt, die Tribüne um etwas mehr Mäßigung zu bitten. Einige Minuten später aber goß er schon wieder Oel ins Feuer. Die Forderung des„Vorwärts" an die Regierung, den Kampf gegen die nationalistischen Umtriebe mit allen Mitteln aufzunehmen, bezeichnete Klemer als eine ausgesprochene jüdische Unverschämt- heit.(Zuruf von der Tribüne: Ab killen!) Der Nationalist sei heute in Deutschland vogelfrei, gehetzt und verfolgt. Wer aber ein« Volksbewegung schlage, müsse gewärtig sein, daß wieder ge- schlagen wird.(Tosender Beifall. Zuruf: Aber nicht nur mit der Faust!) Der unselige gottverfluchte Zeitgeist müsse abgewürgt werden. Ein Kennzeichen dieses Zeit- geistes sei, daß Spekulanten gewinnen(und Hugenberg? D. Red.), anständige Menschen verlieren, Arbeitende darben und Bonzen prassen.„Wer schuftet, geht leer aus, aber die Schufte leben in Saus und Braus."(Gebrüll und Beifallsgetrampel.) E» ist gut so. fuhr der Redner fort, daß ein Zentrumskanzler die Erfsillüngskrise zur Erfüllungskatastraphe fuhren muß. Brüning erntet die Saat Mathias Erzbergcrs. Das ist gut so!(Toben der Tribünen.) Di« Zentrumspartei sei das Unglück Deutsch- lands, denn sie habe die deutsche Seele dem gottlosen Marx:»- mus ausgeliefert. Wir brauchten heute einen Staatsmann von eisernen Nerven und schöpferischem Geiste, und ein solcher Mann ist ganz allein Hugenberg. Die Regierung, die Deutschland jetzt habe, sei eine Regierung, die ihr Gewerbe im Umherziehen be- treibe. Hetr Dr. Curtius sei nur zu ertragen, wenn er schweigt. Als er in London etwas von sich gab, war dem nationalen Deutsch- land so zumute, daß es selbst am liebsten etwas von sich gegeben hätte. Wenn ein nationaler Schriftsteller geschrieben hätte, die französische Sicherheit sei erst gewährleistet, wenn der letzte Deutsche sich an seinen Hosenträgern ausgehangen hätte, so rufe er ins Land hinaus: Wir wollen uns nicht aufhängen. Gaaz andere Leute gibt es, die sich aufhängen könnten.(Wilder Tumult, Rufe: Brüning, Brüning! Nach Helsen!) Die Ausreisesteuer. Abbau noch vor dem Inkrafttreten. Di« Ausführungsbe st im münzen zu der Notverord- nung über die Besteuerung von Auslandsreisen sind am Dienstagnachmittag fertiggestellt worden. Sie dürften d e Notverordnung in der Praxis ziemlich wirkungslos machen. Aus Prestigerücksichten hat man davon abgesehen, die Ver- ordnung sofort aufzugeben. Inzwischen hagelt es von allen Seiten Protest« gegen die Ver- ordnung, namentlich von wirtschaftlichen Organisationen. Der Zentralverband des Deutschen Bank- und Bankiergewerbes, der Deutsche Industrie- und Handelstag, d:e Hauptgemeinschaft des Deutschen Einzelhandels, der Reichsocrband de» Deutschen Groß- und Ueberseehandels und der Reichsoerband der Deutschen Industrie haben gemeinsam den zuständigen Regierungsstellen gegenüber die Not- wendigkeit hervorgehoben, mit sofortiger Wirkung überoll dort Aus- nahmen zuzulassen, wo überwiegende wirtichaftlich« Gründe gegen die Erschwerung von Aublaiidsreisen sprechen. Solche Ausnahmen sind vor allen Dingm nötig für nochgewiesene Gc> schäftsreisen. für die Entsendung von Arbeit- n e h m e r n in das Ausland zur Ausführung von Auslandsaufträgen deutscher Firmen, also in erster Lime v?n Monteuren und Schisse- befotzungen: auch für gewisse Bildungszwecke seien Ausnahmen er- wägenswert. Schließlich wird betont, daß der Erheliingsreijeverkehr auf deutschen Seeschiffen von deutschem Hafen nach deutschem Hafen wirtschaftlich überhaupt nicht als Auslovdsreis« gelten dürfe und an- zusehen sei und daher ebenfalls von der Gebührenerhebung ausge- nommcn werden sollte._____ Kundgebung des Saargebiets. Treu dem deuifchen Reich und Volk. Saarbrücken, 21. Juli. Im Landesrat gab am Schiuß der Sitzungsperiode Abg. K i e. fer(Zentrum) im Namen sämtlicher bürgerlicher Parteien und der Gozialdemotrati« eine längere Erklärung zur gegenwärti- gen politischen Lage ab: Es ist der sehnlich« Wimfch der Saor- bcvölkerung, daß die jetzigen Londoner Verhandlungen zu einer wahren Verständigung zwischen Deutschlaiü) und Frankreich führen, die die nationale Ehre und die politische Freiheit des deutschen Volkes unangetastet läßt. Die Bevölkerung des Saorgebiets will baldigeWiederoereinigungdes ganzen Gebietes und Vol- kes mit dem angestammten Vaterland. Die gegenwärtigen Vorhand- lungen müssen auch diese Wiedervereinigung bringen. Angesichts der ernsten Bestrebungen der internationalen Politik, zu einem Zufam- menarbeiten im Dienste Europas und der Welt zu gelangen, muß es tief bedauert und aufs schärfste verurteilt werden, daß die Propaganda für die Domanial-Schule und den Saarbund mit verschärfter Heftigkeit in vielen Bergmannsorten betrieben wird und in der jetzigen zermürbeichen Existenzunsichecheit die be- treffenden Bergleute in Angst und Unruhe versetzt werden. Es zeugt nicht von edler uich verständnisbereiter Gesinnung, wenn verschiedene Gruben ver waltungen, entgegen der Er- flärung des Generaldirektors Guilleaume, diese Propaganda nicht nur dulden, sondern auch fordern. Wir müssen hiergegen protestieren und die Regierungskommission an ihre Pflicht zum Schutze ge- quältcr Menschen erinnern. Alle Bergleute fordern wir auf, ge- schlössen der gekennzeichneten Propaganda W i d e r st a n d zu leisten, weil in dieser geschlossenen Abwehr das beste Gegenmittel gegeben ist. Maßnahmen der Regicrirngekommission zum Schutze und zur Förde- rung des Geldverkchrs sowie zur Zluszahlung der Löhn«, Renten und Gehälter sind zu ergreifen und durchzuführen, ohne damit die Betriebe mit Buchungen oder Belastungen zu belegen. Gleich- zeitig ermahnen wir unser Volk, sich nicht von Unruhe und Angst erfassen zu lassen, sondern der deutschen Währung zu ver- trauen. ver neue amerikanische Oellrusl. Der Zusammenschluß der Standard Oil Co. of New Park mit der V a e u u m O i l C o. wird in der Weise erfolgen, daß die neue Gesellschaft da» Kapital dieser beiden Riescnkonzerne übernimmt. Die neue Gesellschaft w'rd ein Aktienkapital von 1 Milliarde Dollar, also 4.2 Milliarden Mark, haben. Ihr Name lautet Soeony Voeuum Corporation. Der Name Socony war bisher die Börjenabkürzung der Staudard Oil Co. of New Jork. Heimarbeiter und Notverordnung. Sollen die Hungernden die Opfer sein? Eine besondere Grausamkeit der Notverordnung liegt in dem Versuch, die Heimarbeiter aus der Arbeitslosen- Versicherung zu verdrängen. Wird diese Absicht durch- geführt, dann bedeutet das für die Aermsten der Arbeiter eine geradezu ungeheuerliche Härte: denn das Heimarbeiterelcnd hat in diesen Tagen der allgemeinen Not wahrhastig nichts von seiner Schouerllchteit verloren. Die freien Gewerkschasten lassen zurzeit in den wichtigsten Heimarbeiterbezirken neue Besichtigungen und Beobachtungen durch- führen, um die Arbeits- und Unterstützungsverhältnisse an Ort noch ein- mal genau nachzuprüfen. Die Elendsbilder, die bei dieser Nachprüfung sichtbar wurden, sind erschütternd. Erschreckende Armut tritt überall zum Lorschein. Die Unterernährung ist etwas Selbstverständ- liches. Sie ist so schlimm, daß z. B. die aus den thüringischen Heim- arbeitergebieten zu einem Erholungsurlaub in die Sommerfrische verschickten heimorbeitertinder nicht imstande waren, das ihnen vorgesetzte bessere Essen zu genletzen, well der Magen so geschwächt war, daß er eine kräftiger« Kost nicht mehr bewältigen konnte. Fleisch gibt es in der Heimarbeiter- famllie so gut wie gar nicht. Die Arbeitszeit ist durch- schnittlich 14 bis 16 Stunden. Di« Entlohnung fürchterlich. So erzielt z. B. eine Heimarbeiterfamilte in Lauscha (Thüringen), die Christbaumschmuck verfertigt, und aus fünf Köpfen hesteht, bei Beschäftigung des Batcrs, der Mutter und eines Kindes im Monat netto 25 Mark Cohn. Ein Qualitätsarbeiter unter den Mastenmachern, d. h. ein Heimarbeiter, der Maskenaugen herstellt, erhält für die Ber- fertigung eines Auges, wozu er eine halbe Stunde braucht, ein- schließlich Materialien 36 bis 56 Pf. Eine Herausnahme der Heimarbeiter aus der Arbeitslosen- Versicherung wäre nichls anderes als eine Brutalität. Schon die letzte Verordnung des Verwallungsrats vom Oktober vorigen Jahres, wonach Heimarbeiterfamilien mit mindestens drei Familien- angehörigen oder zwei familienfremden Hilfskräften aus der Der- sicherung ausschieden, war eine sehr schmerzliche Härte: denn es liegt ja auf der Hand, daß eine helmarbeitersamilie sich nur über Wasser halten kann, wenn möglichst viel Familienangehörige mitarbeiten. Schwarzarbeit kommt natürlich vor, und was nicht sein darf, darf und soll nicht sein. Allein, wo wird nicht gesündigt und wo wäre die Schwarzarbeitersünde verzeihlicher als bei den armen Teufeln der Heimindustrie? Wenn aber schon unbedingt Vorsorge getroffen werden soll, damit ja nicht einer der am Hungertuch nagen- den arbeitslosen Heimarbeiter ein paar Groschen zuviel erhält, braucht man doch nicht gleich das Kind mit dem Bade auszuschütten, dann läßt sich immer noch durch eine geeignete Kontrolle Abhilfe schaffen, vielleicht durch die Einführung von Arbeitsbüchern oder durch die Festlegung einer Pflicht des Arbeitgebers, alle Aufträge über die Arbeitsämter zu erteilen. Die Heimqrbeitergemeinden wehren sich verzweifelt gegen die Absicht, die Heimarbeiter aus der Versicherungspflicht herauszunchmen. Sie finden dabei auch die Unterstützung der Handwerkskammern. Beide, Gemeinden und Handwerks- kammern, fordern mit ollem Nachdruck, daß die Versicherungspflicht bestehen bleiben muß. Nur die Industrie- und Handels- k a m m e r ist dagegen. Für sie ist anscheinend die Parole der Arbeit- gebervereinigung maßgebend. Die Gemeinden kämpfen um ihre eigene Existenz mit ihrem Kampf um die Erhaltung der Arbeitslosenunterstützung für die Heimarbeiter. Denn die Gemeinden sind rettungslos dem völligen Bankrott ausgeliefert, wenn die ganze Wucht der Arbeitslosigkeit in der Heimindustrie auf sie fällt. Schon jetzt leben sie ja vielfach nur von Vorschüssen auf künftige Ansprüche. Das Mindeste, was man schon jetzt erwarten darf, ist zunächst eine Ausdehnung der Uebergangszeit für die Hausgewerbetreibenden und Heimarbeiter aus ein Jahr, ähnlich wie für die unständig Be- schäftigten durch die Novelle vom 12. Oktober 1929 eine Uebergangszeit von einem Jahr bis zur Regelung durch den Derwaltungsrot vorgesehen wurde. Vernunft wird Llnsinn, Wohltat plage. Annahme von Aushilfen wird zur Zeit bestrast! In der Arbeitslosenversicherung wird zurzeit die Annahme einer kurzfristigen Arbeit(Aushilfe) mit Verhängung einer Wartezeit bestraft! Der abgeänderte Wartezeitparagraph lautet jetzt in seinem dritten Abschnitt:„Hat die letzte Beschäftigung des Arbeitslosen vor der Arbeitslosmeldung weniger als sechs zusammenhängende Wochen gedauert, so v e r k ü r z t sich die Warte- zeit um so viele Wartetage, wie der Arbeitslos« seit der ersten Ar- beitslosmeldung, die auf den Erwerb der Anwartschaft folgte, bereits zurückgelegt hat." Da alle diejenigen, die vor dem 29. Juni in den Genuß der Ar- beitslosenunterstützung gekommen find, nur die damals vor- geschriebene Wartezeit, also eine kürzere als die heute vorgeschriebene zurückgelegt haben, so müssen sie alle bei Annahme einer Beschäiti- gung unter 6 Wochen noch soviel Wartetage durchmachen, wie die Notverordnung die Wartezeiten erhöht hat. Dos ist je nach dem Familienstand noch 4 oder 7 Tage. Als Anreiz zur Aushilfsarbeit fallt sonst die Wortezeit fort. Ein Fall aus der Praxis. Ein verheirateter Arbeitsloser mit mehr als 4 Familienangehörigen wurde am 4. Mai 1931 arbeitslos. Er stellte am S- Mai den Antrag auf Unterstützung und hatte noch damaligem Recht nur 3 Wartetage. Die Unterstützung lief also ab 6. Mai. Wenn dieser Arbeitslose jetzt eine Aushilfstätigkeit unter 6 Wochen annimmt, also z. B. nur für 4 Tage, so muß er nach neuer Antragstellung nochmals 4 Wartetage durchmachen, weil durch die letzte Notverordnung die Wartezeit für Arbeitslose mit 4 und mehr Familienangehörigen von 3 Togen auf 7 Tage erhöht morden ist. Es wäre wünschenswert, wenn der Präsident der Reichsanstoll für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung schnellstens durch einen Erlaß zu der Frage Stellung nimmt, in dem er die rechtmäßig abgegoltenen Wartezeiten nach altem Recht den Warte- zelten nach neuem Recht gleichstellt. Roistandsarbeiten in Preußen. In Preußen sind vom Januar bis März dieses Jahres bei Notstandsarbeiten, die aus Landesmittsln verstärkt geför- dert wurden, von Arbeitslosen insgesamt SS3 99S Tagewerke ge- leistet worden. Beschäftigt waren im Januar 16 425 Arbeitslose, im Februar 9879 und im März 1SS89. Auf Meliorationen ent- fielen SS 766 Tagewerke, auf Straßenbau 276 943, Kraftgewinnungs- anlagen 34 641, sonstige Tiesbauten 159 652, Baustoffherstellung und Herrichtnngen von Siedlungsgelände 23 327 und auf Anlage von Sport- und Erholungsplätzen 4332. An größeren Notstandsarbeiten, für die ein Förderungsbetrog von mehr als 166 666 Mark Landesmittel zugesichert war, sind in der Berichtszeit neu in Angriff genommen worden: im Regie- rungsbezirk Königsberg i. Pr.: Steinbahnoerbreiterungen bei 216 Kilometer Provinzialstraße, im R c n i e r u n g s b e z i r k L ü n e b u r g: Kanal- und Straßenbauten in Pelzen sowie Umbau und Verbreiterung van Provinzialchausseen, im Rcgierungs- bezirk Osnabrück: Umbau und Verbreiterung von Provinzial- chausieen und im Regierung sbezirk Wiesbaden: Bau der Umgehungsstraße Hattersheim— Gr. Höchst o. M. Vergebliche Bemühungen. �Landarbeiter lehnen kommunistische Erntestreikhetze ab. Vom Deutschen Landarbeiter-Verband wird uns geschrieben: Die„Deutsche Tageszeitung" berichtet in Nr. 333, daß in den letzten Tagen infolge der w ü st en Hetze der K o m m u- n i st e n auf verschiedenen Gütern im Kreise Delitzsch die Land- arbeiter die Arbeit niedergelegt hätten, weil ihnen vorgeredet wurde, die Gutsbesitzer konnten die Löhne nicht mehr zahlen. Zur Zeit werde auf dem Rittsrgut Günthcrwitz sowie bei mehreren Gutsbesitzern in Brodau gestreikt. Aus den einzelnen Ritter- gütern seien zum«chutze der Arbeitswilligen Landjäger verteilt worden. Dazu ist zu sagen, daß«s in der mitteldeutschen Landwirtschaft in den letzten Tagen in der Tat vereinzelt zu Landarbeiterstreiks nekommen ist. Falsch ist indessen, anzunehmen, daß das die Folge einer plötzlich entstandenen Begeisterung der Landarbeiter für die Parolen der Kommunisten ist. Auch die mitteldeutschen Land- arbeiter denken nicht daran, in den Kommunisten ihre In- teressenvertreter zu sehen. Das bewies besonders deullich die große Landarbeiterkundgebung, die der Deutsche Landarbeiter-Verband vor einigen Tagen in Hall« veranstaltet hat. Sie war von mehr als 4666 Landarbeitern besucht und es wurde dort einstimmig eine Entschließung angenommen, die das Verhalten der Kömmu- nisten und der RGO. auf das Schärfste verurteilt und zum Ausdruck bringt, daß nur die festgefügte Einheit und Geschlossen- heit in den politischen und gewerkschaftlichen Organisationen der deutschen Arbeiterklasse, der Sozialdemokratischen Partei Deutsch- lands und den freien Gewerkschaften Garantie dafür bieten, daß alle Angriffe auf die errungenen Positionen abgeschlagen werden und die Arbeiterklasse ihr Ziel, von den Fesseln des Kapitalismus befreit zu werden, erreicht. Die Landarb eiterstreits in der mitteldeutschen Landwirtschaft sind fast durchweg das Werk kommunistischer arbeit sloserJn- dustriearbeiter. In Güntherwitz fanden sich beispiels- weise 66 bis 76 von ihnen aus Delitzsch und Leipzig eigens zu dem Zweck ein, die Landarbeiter zum Streik aufzufordern. Die Landarbeiter verhielten sich ablehnend. Darauf wurden sie der- artig stark bedroht, daß sie es vorzogen, die Arbeit einzustellen. Das Vieh ist jedoch gefüttert worden. In dem Nachbarort B r o- dau ist es ähnlich gewesen. In zwei Betrieben wurde die Arbeit jedoch in dem Augenblick wiederaufgenommen, als sich die Landjäger zeigten. In den anderen Betrieben erfolgte die Arbeits- aufnahm« innerhalb 24 bis 48 Stunden. Von dem Bestehen einer Gefahr für die Einbringung der Ernte kann keine Rede sein. Die neueste kommunistische Aktion wird in wenigen Tagen mit demselben kläglichen Mißerfolg enden, wie alle anderen kommunistischen Aktionen vorher. Arbeiiszeiikürzung ohne Lohnausgleich. Aber auch keine Lohnkürzung. Köln, 21. üuli.(Eigenbericht.) Am Dienstag wurde für den linksrheinischen Braun- (ohlenbergbau folgende freie Vereinbarung abge- schlössen: Ab 1. September tjcrabfehung der Schichtzeil vongausS>! Stunden, der ArbeltszcitvonSlH auf 8 Stunden ohne Lohnausgleich. Dort wo der Betrieb es erlaubt und die Möglichkeit gegeben ist. kann mit Einwilligung des Betriebs- rats auch die Schichtzeil auf 8 Stunden herabgesetzt werden. Der bisherige Lohn bleibt bis zum IS. Oktober bestehen. Zn der Zeit vom 1. bis 15. Oktober soll über den Lohn erneut verhandelt werden. Damit wäre also der von den Unternehmern geplante zehnprozentige Lohnabbau zunächst abgewehrt. Die VGO. Hai Pech. Bei den BetnebSratswahlen iin Bezirksamt Neukölln. Zur Betriebsratswahl hatte die RGO. auch im Bezirksamt Neukölln eine zweite Lifte eingereicht. Sie hatte aber Pech: bei den Arbeitern erhielt sie nur 331 Stimmen und 4 Mandate, die Liste 1 der freien Gewerkschaften aber 621 Stimmen und 7 Man- d a t e, was eine Steigerung des prozentualen Anteils der Stimmen von rund 58 Prozent im Jahr« 1936 auf rund 64 Prozent im Jahre 1931 bedeutet. Bei den Angestellten war ihr Pech noch größer. Sie erhielt hier nur 26 Stimmen und, wie im Vorjahr, kein Man- dat, die Liste 1 dagegen 268 Stimmen und 8 Mandate. Dieses Ergebnis ließ der RGO. keine Ruhe. Sie suchte nach Einspruchsgründen. Es wurden welche gefunden, und zwar: drei Wähler waren trotz Einspruchs nicht nachgetragen worden, die Saisonarbeiter waren größtenteils nicht eingetragen. Auch die Wohl- fahrtserwerbslosen mußten auf Geheiß der RGO. gegen die Wahl Einspruch einlegen. Beide Verhandlungen fanden vor dem Arbeitsgericht statt. Trotz Rechtsbelehrung bestand der Vertreter der Wohlfahrtserwerbs- losen auf seinen Antrag— und wurde abgewiesen. Eine noch schlimmere Abfuhr erlitt der Antragsteller Rüdiger, der seinen Antrag zurücknehmen mußte. Das ist die Arbeit der RGO. Erst werden die Arbeiter wild gemocht und dann noch falsch beraten und im Stich gelassen. Keine Ahnung von P keinen Schimmer vom A�b?'t?r»-t,t. Keierschichi bei der BVG. Protest der Fanktionäre. Die Direktion der BVG. hat mit Wirkung ab 1. Iuü für das Fahrpersonal der Straßenbahn und mit Wirkung ab 16. Juli für das Fahrpersonal im Omnibus- und ll-Bahnbetrieb die Ein- legung einer Feierschicht im Monat angeordnet. Sie begründet diese Maßnahme mit notwendigen Ersparnissen und einem angeblichen Ueberfluß an Arbeitskräften. Der durch diese Feierschicht eintretende Lohnaussall beträgt 4 Proz. Gestern nahm eine Konferenz der freigewerkschastlichen Funk- tionäre des Fahrpcrsonals der BVG. zu dieser Anordnung der Direktion Stellung. Die Funktionär« mißbilligten dies« Maßnahme, die nicht im Einvernehmen mit den Gewerkschaften erfolgt ist. Sie gaben auch chrer Verwunderung darüber Ausdruck, daß bei den Lohnoerhandlungen im Mai dieses Jahres das Angebot der Gewerkschaften auf Arbeitszeit- Verkürzung von der BVG. abgelehnt wurde, während sie jetzt, nachdem ein Lohnabbau von 6 Proz. durchgeführt worden ist. von sich aus eine Arbeitszeitverkürzung und damit einen weiteren Lohnabbau vornimmt. Kampfesmeihoden der RGO. Kommunist wegen Körperverletzung verurteilt. In der Akkumulatoren« und Eleinentefabrik Sumte in der Chausseestraße brach vor wenigen Tagen ein wilder Streik aus. Vier Schlossern wurden ihre übertariflichen Löhne gekürzt. In einer von der RGO.— denn dieser gehörten die Schlosser an— einberufenen Belegschaftsversammlung wurde ohne vorhergehende Ab- stimmung./beschlossen", in einen Sympathiestreik ein- zutreten, obgleich die RGO. genau wisien mußte, daß die Arbeiterin- neu nicht organisiert sind und somit der Lohnkamps ergebnislos verlausen würde. 126 Arbeiterinnen folgten der Parole der RGO„ 86 erschienen im Betrieb und verrichteten wie üblich chre Arbeit. Was tat nun die RGO., um die Arbeitswilligen zur Nieder- legung der Arbeit zu zwingen? Sie dachte gar nicht daran, sie etwa von der Notwendigkeit des Lohnkampfes zu überzeugen. Sie griff zu anderen„Argumenten": sie schickte eine Horde junger Burschen aus, Arbeitslose, die mit dem Betrieb nichs zu tun hatten. Und als die Arbeiterinnen am Abend den Betrieb verließen, wurden zehn von ihnen in der Linienftraße überfallen und geschlagen. Als das Uebersallkommando erschien, waren die RGO.-Rowdies bereits gc- flüchtet: nur einer konnte verhaftet werden. Er hatte sich vor dem Schnellgericht wegen Körperverlctzung zu verantworten. Es war«in junger, arbeitsloser Schuhmacher, seit vierzehn Tagen Mitglied der KPD. Er bestritt, sich an dem Ueberfall beteiligt zu haben, behauptete,„ganz zufällig" des Weges gekommen zu sein. Er wurde aber v»n den Zeuginnen sowohl an dem Aussehen, als auch an der Kleidung wiedererkannt. Der Staats- anmalt beantragte drei Monate Gefäygnis. Das Gericht verurteilte den jungen Menschen zu einem Monat, billigte ihm eine Bewährungsfrist zu und entließ ihn aus der Haft. Der Bursche, der einen ziem- lich blöden Eindruck inachte, mag tatsächlich unter dein Einfluß seiner .bewußteren" Kollegen in die?lngelegenheit hineingeschliddcrt sei». Die Verantwortung für derartig« Kampsesmethoden gegen wehrlose Frauen sällt aber auf die KPD. zurück. Die Arbeiterinnen, die gestreikt haben, sind entlassen und arbeitslos. Von der RGO. erhalten sie gewiß keine Unterstützung. Generalstreik in Sevilla. Sevilla. 21. Juli. In Sevilla und der ganzen Provinz ist der Generalstreik ausgebrochen. Innenminister Maura erklärte ironisch, daß die Pläne der Streikenden die Zlbschafsung der Autorität, Erstürmung der Kasernen, Auflösung der Zivilgarde und Hinrichtung der Minister seien. Die Aussperrung in der dänischen Schuhindustrie ist nach dreimonatiger Dauer beendet. 4666 Arbeiter nehmen am Donnerstag die Arbeit wieder auf. Di« neuen Vereinbarungen sehen eine Lohnsenkung bis zu 8 Prozent vor. «MbottO der M»lcr. Lackierer,«astwichcr usw., zilialc»erlin. Pj W>4 Übt, im Eewcrlschastshmls, En««>uier 34—28, Eaai 4, rj Mitalicdervcrfaimnlllng. Tagesordnung: 1. Berichterstattung vorn Ber. s-Z lumdatag. 2, Diskussion und Verschiedenes. In-Anbetracht der Wichtig- f f keit der Togesvrbramg ist das erscheinen sämtlicher Kollegen unbedingt i I erforderlich. Berbondsbuch legitimiert. Ohne Vcrbandsbuch Um Zu- pj tritt. Der Vorstand. Z. Schiewann.;• chevosseulchast Deutscher«ühneuangehllriger. Heute, Mittwoch, 15 Uhr, im Ibartensaal des Zoologischen Gartens i Eingang Budapcster Straße, Adler- Portal), Gcnossenschaftsvcrsammlung. flutritt haben alle Blihnenangcbiimgen, welch« in den leßten 5 Iobren der Genossenschost Deutscher Bsthnen-Angebärigen angehört baden oder ihr noch angehör-i:«mit Ausnahme der Ausgeschlossenen), Eintrittskarten fiir Bülmenangehörigc, die nicht im Bosifc« eines gstltigcn Sc- nossewschaftsausweises stnd, können im Hause der SenossenZchost,«eithstr. 1l, »on 10 Uhr ab im MitgliodcrbSro, Zimmer 11, in Empsang genommen werden. Sdd�reie Gewerkschafts-Iugend Berlin Haute, lg>u Uhr, tagen die Gruppen: Baumschulcnweg! Jugendheim Baumschulenweg, Ernstste. I«. Spielabend in der Künixsheide,— Weißens«»? Gruppenhe-m Beißensce, Parkftr. 36. Lustigor Abend.— Humboldt: Iugendhoim Graun. Ecke Lortzingstraße. Nationalsozialismus.— Nordring: Schute Sonnenburger Str. 30. Im Grünen.— Tegel: Jugendheim Tegel, Schöneberger Str. 4 lerst um 20 Uhr). Wir diskutieren über den Partei. tag.— Südwesten, Jugendheim Porckstr. 11 sssabrikgebäudr). Literarischer Abend: Jack London und Trauen.— Ulughafeu: Sruppenheim Illughafenstr, 68 sU. Bahnhof Doddinstraße).— Neukölln: Jugendheim Neukölln, Bergstr. Zg lHoi). Die Frau im Berufsleben.— chpaudau: Jugendheim Lindenufer l. Alsred Gutheit: Lustige» und Heiteres.— Schöneberg: Haupistr. lä(Eartenhaus). Soziales Wandern.— Gesamtrerband: Baden in der Bosksbadeaustalt Älingrn- bcrg. Treffpunkt 18 Uhr vor der Badeanstalt. @Iugendgruppe des Zentralverbandes der Angestellten Heute, WUmoch. finden folgende Beranstoltungen statt: Gesund- brunnen: Iuerndheim Schönstedtstr. 1. Wir lesen aus:»Deutschland über alles".— Schönhauser Vorstadt: Jugendheim der Schule Nastanien- aller 81. Vortrag:„Als Arbeiter im Osten von USA." Nes.: M-eller.— Nord. oft: Jugendheim Danziger Str. 63. Vortrag:„Wandern und Schauen". Ref.: Peik.— Reinickendorf: Jugendheim Lindau:: Str. 3 sBaracke). Vortrag: „Wandertechnik und Nartenlesen". Ref.: Mener.— Stralon: Jugendheim der Schule Goßlerstr. 6l. Kurzreserat«:..Ein Tag au» dem Arbeataleben".— Oberspre«: Schute in Niedcrschöneweid«, Berliner Str. Zl, Eingang Hassel- werdcrstraßc. Lickstbildervortrag:»Ans nach Lübeck". Ref.: Hellbrunn.— Köpenick: Jugendheim Dahiwißei Str. IS i Gasanstalt, am Bahnhof Köpenick). Seut laßt uns fingen und fröhlich fein.— Neukölln: Jugendheim Böhmische traße 1—4, Ecke Katincr Straße. Abend Spaziergang nach Treptow.— Südost: Jugendheim Wrangelstr. 128. Bortrag:„Was geht in der Politik vor?" Ref.: Huhn.— Schöneberg: Jugendheim Hauptstr. 15 f Hofgebäude, Saässeirzimmcr). Seßler Appell für Lübeck.— Eharlottenbnrg: Jugendheim Spielhagenstr. 4. Liederabsud. Leiter: Weißenberger.— Spandau: Jugendheim Liudrnufsr 1. Badcabend.— Potsdam. Nowawe»: Jugendherberge in Nowawe«, Postesterstraße. Wir stugen und musizieren.— Sport» dteilung: Uedungeabeird 2:1 Uhr in der städtischen Turnhalle Prinzenstraße.— Spiel« im Freien ab 18 Uhr aus de« Sportplag Friedrichshain. Bcrantwortlich kür Politik: Sietot schiff: Wirtschaft: G. stlingelhöfer: Gcmerklchaftsb-wequng: Friede,«ßkorn: Feuilleton: Dr. John Schikowski: Lokale« und Sonstiges: Friß st-rftödt; An,«igen: Th.«lacke: sämtlich in Berlin. Verlao: Borwärtz-Berlaa G m. h.».. Berlin. Druck: Borwärts-Duchdruckerei and Berlaasanstalt Paul Einaer u. Co. Berlin SW 68, Lindenstraße 8