BERLIN Mittwoch 22. M 1931 10 Pf. N?. 338 B 169 43. Jahrgang Anzeizenxret«: Die einsxaltigeNvnpareillezclle So Pf.. Reklameitil« ü M. Crmäßigunaen nach Tarif. Postscheckkonto: Vorwärts-Verlag G.m.b.H� Berlin Nr. 37 536.— Der Verlag behält sich da» Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor! ErscheinttSglich außer Sonntag«. Zugleich Abendau«gabe de«.Vorwärts". Bezugspreis beide Ausgaben 85 Pf. proWoche. 3,60M. pro Monat. Redaktion und Expedition: BerlinSW68.Lindenstr.3 Fernsprecher: Dönhoff CA 7) 292—297 Günstiger Stand in London Eine gemeinsame Resolution ausgearbeitet— Morgen Schluß der Konferenz V. Lclr. London, 22. Juli.(Eigenbericht.) In der heutigen Vormittagssitzung, die bis kurz vor 1 Uhr dauerte, ist eine grundsätzliche Einigung über die wesentlichen Punkte einer Resolution erzielt worden, in der die Ergebnisse der Konferenz festgelegt werden sollen. Auch die Franzosen haben sich, wie auf deutscher Seite unterstrichen wird, durchaus positiv zu den Vorschlägen verhalten, die im wesentlichen dem neuen Hoover»Plan entsprechen und die Stärkung der Kredite Teutschlands und der Welt aussprechen. In der Einleitung der Resolution wird der Satz auf- gestellt, das» die Aufrechterhaltung der finanziellen Stabilität Deutschlands im wesentlichen den Interessen der gesamten Welt entspricht. Es wird sich dabei um Empfehlungen der Regierungen an die Zentralnotenbank handeln. lieber gewisse Einzelheiten, insbesondere über die Modalitäten des Rediskout-Kredits werden die Finanz- minister heute nachmittag noch beraten und an die Plenar- konferenz morgen vormittag berichten. Man hofft, daß die Konferenz morgen abend zu Ende gehen wird, so dah die deutschen Minister zusammen mit Macdonald. Henderson und vielleicht auch Stimson abreisen können. Auf deutsche Anregungen hin dürften internationale Finanzkapazitäten von der Konferenz beauftragt werden, unverzüglich an Qrt und Stelle, d. h. in Berlin, zusam- meuzutreteu und zu Prüfen, inwieweit die in London be- schlossenen Maßnahmen ausreichen und welche weiteren Maßnahmen den Regierungen evtl. empfohlen werden müßten. Aus den heutigen Mitteilungen geht hervor, daß die Londoner Konferenz nur zu einem vorläufigen Ergebnis gelangen wird, die jedoch in deutschen Kreisen als vor» läufig ausreichend angesehen wird. Eine spätere RegierungSkouferenz ist aber in Aussicht genommen. Absage an die Gtahlhelmifien. Die gebührende Antwort an die Bundesgenossen Hitlers. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, hat der preußische Innenminister auf das Schreiben der kommunistischen Landtagssraktion folgend« Antwort an den Abg. Schwenk erteilt: ..An die Landtagssraktion der Kommunistischen Partei, zu .Händen des Abg. Schwenk, Berlin. Auf Ihr Schreiben vom l. Juli teile ich Ihnen mit, daß die preußische Staatsregierung es ablehnt, Maßnahmen zum Schutze der öffentlichen Ordnung und Sicherheit zum Gegenstand eines politischen Tauschhandels zu machen. gez.: Severing." Autokatafirophe in Frankreich. Drei Personen im Auto verbrannt. Paris, 22. Zu«, Das große Radrennen der Tour de Zrancc war am Sonntag indirekt die Ursache eines schweren Automobilunglücks bei Desancoa. Drei junge Deute fuhren in einem Kraftwagen den Rennfahrern entgegen. Der Unglückswagen wollte einem Motorradfahrer aus- «eichen und raste dabei gegen einen vor ihnen fahrenden Lastwagen. Der Anprall war so heftig, daß der Denzinbehäller des Personen- wagen» plahte und der Srennsloss sich über den heißen Motor ergoß. Im Zlu stand der ganze Wogen im Alammev. Die drei Zllsafsea verbrannten bei lebendigem Leibe, da wegen der ungeheuren hiheentwicklung niemand die Verunglückten »US dem wagen befreien konnte. Morgen wieder Lohnzahlungen Beruhigung der Sparer Nachdem in der vergangenen Woche die fälligen Lohn- Zahlungen in Handel und Industrie glatt erfolgen konn- ten, steht am morgigen Donnerstag der zweit« Lohnzahltag im Zeichen der Notverordnung vor der Tür. Wie uns die beiden groß. ten Gewerkschaften Berlins, der Deutsche Metallarbeiter- verband und der Gesamtv erband, mitteilen, liegen auf den Ortsoerwaltungen dieser Verbände keine Nachrichten von den zahlreichen Betriebsvertrauensleuten vor, daß irgendwo die Lohn- Zahlungen etwa nicht erfolgen sollen. Beim Deutschen Bau- gewerksbund sind zur Stunde die Gewerkschaftsangestellten auf den einzelnen Baustellen noch unterwegs, um sich neben anderem auch über die Lohnzahlungen zu vergewissern. Im Laufe des heutigen Mittwoch hat sich das Sparer- Publikum weiter beruhigt. Bor der Lzauptkasie am Mühlendamm sind die Ansammlungen nur noch gering und nicht mehr mit denen vom Montag zu vergleichen. Ebenso ist das Bild vor sen einzelnen Filialen der Städtischen Sparkasse. Wie uns von der Direktion mitgeteilt wird, haben am Dienstag insgesamt 31 000 Kunden Beträge bis zu 20 M. abgehoben. Das sind 0000 Personen weniger als am Montag, wo, wie wir gemeldet haben, 37 000 von 900 000 Sparern sich Geld auszahlen ließen. Durch diese Beruhigung des Sparerpublikums wird es aller Vo--. aussicht nach möglich sein, am Freitag Beträge bis zu 50 M. auszahlen zu können. Die entsprechenden Verhandlungen mit den Sparkassen sind eingeleitet. Das Kabinett beräi. Wegen Finanzierung der Ernte. Das Reichskabinett befaßte sich am Dienstagabend in einer Sitzung, die bis nachts ein Uhr dauerte, u. a. mit der F i n a n- zierung der Ernte und den in dieser Frage, durch die Her- aussetzung der Lombardzinsen auf 15 Proz., auf- getauchten außerordentlichen Schwierigkeiten. Die Beratungen werden heute s o r t ge s e tz t. Es ist zu er- warten, daß die Regierung in diesen Tagen zur Behebung der Schwierigkeiten mit einem bestimmten Programm vor die Oefsent- lichkeit tritt. Auslandsreiseverkehr lahmgelegt Leere Auslandsschatter aus den Reisebüros Durch die Rotverordnung über die Erschwerung des Srenzüber- lritts ist feit gestern nacht 12 Uhr derReifeverkehrdeutjcher Staatsangehöriger noch dem Ausland so gut wie lahmgelegt. -e- Wie wir von der Direktion des Mitteleuropäischen Reisebüros erfahren, werden vom deutschen Rcisepublitum fast keine Fahr- karten nach dem Ausland mehr verlangt. Allerdings kann man nicht von einem völligen Stilliegen der einzelnen Auslands- schalter sprechen, da ja immer noch eine ganze Reihe von Ausländern zur Zeit in ihre Heimatländer zurückreisen: diese Personen fallen Genoffe Halter Scherenets OeneratlekretSr desOnlernaUonalen gercerkfcfiBfttbundfs, amtiert fetsst In SSerlln nicht unter die 100-Mark-Verordnung. Wer von Reichsdeutschen im Auslande zu tun hat, benutzte die bis Dienstagmittag abgehenden Züge, um noch vor 12 Uhr nachts die entsprechenden Grenzstationen überschreiten zu können. So haben große Maschinenfabriken, die Montagen im Auslande auszuführen haben, ihre Monteure bereits am Montag oder Dienstag früh ins Ausland geschickt, mn für diese Arbeiter nicht noch die 100 Mark zu zahlen. Das Mitteleuropäische Reisebüro hat sich zusammen mit den anderen großen Institutionen des Fremdenverkehrs sofort an das Reichsverkehrsministerium ge- wandt, um eine Aufhebung der 100-Mark-Verordnuiig durchzusetzen. Man steht in diesen Kreisen auf dem Standpunkt, daß die El- schwerung des Grenzübertritts nur die kleinen Leute schädigt, wer von vermögenden Personen zu irgendwelchem Zweck ins Ausland fahren will, wird es nicht schwer fallen, die Gebühr von 100 Mark zu entrichten. Die Berliner Gebührenstelle. Für die Entgegennahme dieser Gebühren hat das Berliner Polizeipräsidium im Zimmer 38a seines Ge- bäudes am Alexanderplatz eine besondere D i e n st st e l l e eingerichtet. Provisorisch ist ein Teil des großen Saals, in dem sich die Paßstelle des Fremdenamts befindet, für die Abstempelung der Reisepässe nach Zahlung der 100 Mark eingerichtet worden. Wie am gestrigen Diens- tag. also kurz vor dem Eintritt der Grenzsperre, herrscht auch am heutigen Mittwoch ein lebhafter Publikumsverkehr In dieser neuesten Dienststelle des Polizeipräsidiums. In der Hauptsache handelt es sich um Auskünfte, die verlangt werden, ob nicht die drakomsche'Verordnung doch nicht irgendwo eine Lücke gelassen hat, um ohne die 100 Mark über die Grenze zu kommen. Diese Möglichkeiten sind aber nur außerordentlich gering. Wie zu beobachten war. versuchen verschiedene Reiselustige sich als Auswanderer zu tarnen. Aus- wanderer brauchin bekanntlich die 100-Mork-Gebühr nicht zu ein- richten. Im Laufe des gestrigen Dienstag haben immerhin noch 89 Reichsdeutsche ihre Pässe abstempeln lassen und die 100 Mark bezahlt. Bildungsreisen unterbunden. Ganz außerordentlich schwer ist das R e i s e b ü r o d e s R e i ch?- ausschusses für sozialistische B i l d u n g s a r b e i t durch die Reisesperre betrofsen worden. Während für den Monat Iul> glücklicherweise alle Reisegesellschaften sich schon im Ausland bestndcn, ist die Lage für den kommenden August noch völlig ungeklärt. Am 1. August soll eine Reisegesellschaft nach Vornholm(Dänemarks ab- gehen, am 3. August eine nach der Südschwdz und so fori nach Paris, Tirol, der Adria und Italien. Wie uns das Reisebüro des Reichs- ausschusfes mitteilt, hat es sofort Schritte bei der Reichskanzlei unter- nonnnen, um eme Befreiung der einzelnen Reisegesellschaften von der lOO-Mark-Gebiihr Zu erreichen. Ein Ergebnis steht»och ans. Wer zahti-IVO M» bei Auslandsreisen? Durchführungsbestimmungen zur Notverordnung. Die Durchführungsbestimmungen zur �Notverordnung über die Ausreisegebühr bestimmen u. a.: Zuständig für die Erhebung der lkw-Mark-Gebühr Ist jede Pastbchörde in, Reich, ohne Rücksicht auf den Wohnort des Postinhabers. Die Ausreisegebnhr kann auch bei der Grenzübergangsstelle(an die Beamten der Pahkontrolle) entrichtet werden: in diesem Zolle sind l 5 0 RI a r k z u z a h l e n. Die Gebühr ist nicht zu zahlen: I. im„kleinen Grenzverkehr": 2. von Auswanderern, 3. von Personen, die im Ztuslande vertraglich tätig sind oder sonst arbeiten: hierzu gehören auch Angestellte usw. von Verkehr»- unternehmen alter Art. Mitglieder von Schifssbesohnngen und dcrgleiä)cn: 4. bei Kindertransporten: 5. bei S ch i s s s r e i s e n, die in Deutschland beginnen und enden:| 6. bei kurzen Auslandsreisen, die in Deutschland beginnen und enden, aber nicht mehr als 12 Stunden über ausländisches Gebiet führen: 7. bei G e s ch ä s> s r e i s e n, die von der zuständigen Polizei- behörde nach Anhörung der Handelskammer als„notwendig" be- scheinigt w«rden: 6. bei Reisen nach den abgetretenen Gebieten zum Besuch von Angehörigen„In dringenden Fällen": ?. von Patienten und Zöglingen der deutschen gemeinnützigen Anstalten in der Schweiz. Die Gebühr wird serner nicht erhoben, falls die Reise schon am 2l. jlnli begonnen wurde, der Grenzübertritt aber erst Im Laufe des heutigen Tages ersolgl. Oesterreich gegen Ausreisezolt. Vorstellungen in Berlin angekündigt. Wien, 22. Juli(Eigenbericht). Eine Abordnung aller Fraktionen des Bundesrates er- suchen den österreichischen Bundeskanzler am Dienstag, bei der Reichsregierung für Milderung der in Aussicht genommenen Be- steuernng von Auslandreifen einzutreten. Der Bundeskanzler ver- sicherte, dag er sich im Sinne der Wünsche der Abordnung i n Berlin einsetzen werde. Verhandlungen mit Oesterreich. Wie wir hören, sind zur Zeit Verhandlungen mit Oesterreich über einen Plan im Gang«, nach dem die Ausreisegebühr für Reisen »ach Oesterreich nicht generell, sondern nur von s p l ch e N Personen gezahlt werden soll, die ü b e r O e st e r r e i ch in das Ausland reisen. Die österreichische Regierung hat vorgeschlagen, von diesen Personen von sich aus die Ausreisegebühl von 100 M. zu kassieren und den Betrag an die Reichskasse abzuführen, während' aklo Deutschen, die in Oesterreich Erholung suchen oder einen längeren Aufenthalt nehmen wollen, von der Zahlung der Ausreisegebühr befreit werden sollen. Eine ähnliche Lösung ist für heute auch in bczug ans das Saar- gebiet zu erwarten. Der iniernaiionale Kongreß. Sozialistische Kleinbauerntagung in Wien. In Wien tritt am 24. Juli, 8 Uhr abends, im Arbeiterheim Favoriten, eine internationale Zusammenkunft von Vertretern so- ziolistischer Äleinbaucrnorganisationen mit folgender Tagesordnung zusammen: 1. Die i n t e r n a t i o n a l e A g r a r b a n k und die organisierte Kleinbauernschast. Berichterstatter: Ein Vertreter des Ver- bandcs der sudetendeutschen Kleinbauern und Häusler. 2. Aussprache Uber ein internationales Borgehen der Kleinbauernverbände in der Zukunft. 3. Verschiedenes. Di« Parteien der Länder, in denen sozialistische Kleinbauern- vrganisationen noch nicht bestehen, werden eingeladen, einen agrarpolitisch orientierten Vertreter zu entsenden. Italien— die Fahnen senken sich. , Als am vergangenen Sonntag in der Eröffnungsfeier der Ar- beitcr-Olympiade zu Wien bereits die Fahnen von Lettland, Litauen, Jugoslawien, Norwegen, Holland, Dänemark, Polen, Rumänien und Ungern aufgezogen waren, immer von einigen Worten unsicht- barer Sprecher über jedes Land begleitet, da— hinter der Bühne schriller Ausschrei einer Frauenstimme: Italien! Alles sieht zur Bühne. Keine neue Sturnifohne erscheint, aber der rote Fahnen- wald senkt sich in stummer Trauer zu Boden. Und die Stimme des Sprechers hinter der Bühne mahnt prophetisch:„Verzaget nicht, die Zeit wird kommen. Noch nie ist in der Welt Martyrerblut umsonst geflossen!" Sekundenlange Stille. Dann dröhnt demonstrativer Beifall und der Fahnenzug vollendet sich. Zwei Toie in Dorimund. Ein Be Die am heutigen Mittwoch nach vierzehntägigem Verbot wieder erschienene„Rote Fahne" veröffentlicht in großer Aufmachung einen von dreizehn ehemaligen Osfizieren und Führern der nationalistischen Verbände unterzeichneten Aufruf, worin diese ihre ehemaligen Lfsizierskameraden auffordern, dem Beispiel Scheringers zu folgen und den revolutionären Weg Lenins zu beschreiten. Alle bürgerlichen Vorurteile müssen a b g e- schüttelt werden. Von den Unterzeichnern des Aufrufs be- zeichnet sich einer als ehemaliger Stahlhelmgaufllhrer, fünf bezeichnen sich als ehemalige nationalsozialistische Sturmführer, Führerschulleiter, Rcichsspielscharleiter, stell- vertretender Gauleiter. Man sieht längst nichts Auffälliges mehr darin, daß die Radika- linskis der einen Seite mit plötzlichem Ruck zu ihren angeblichen „Todfeinden" von der anderen Seite hinüberschwenken. Der lieber- tritt von Stahlhelm- und Naziosfizieren zur KPD. ist nur das getreue Gegenstück zum Einschwenken der gesamten KPD. in die Front des faschistischen Volksentscheids gegen das republikanische Preußen. Auf einen der dreizehn Unterzeichner aber müssen wir etwas näher eingehen: es ist der Graf S t e n b o ck- F e r m o r, der ehemalige Baltikumkämpfer und Verfasser eines viel gelesenen Buches„Freiwilliger Stenbock". Dieses Buch enthält Orgien der Greueltaten, sowohl der Roten gegen die Weißen wie der Weißen gegen die Roten. Aus der unabsehbaren Fülle zitieren wir aufs Geratewohl von Seite 80 die Schilderung des Grafen, wie er mit seinen Kameraden einen gefangenen bolschewistischen Kom- missar aushängt. Lassen wir Stenbock reden: „Der Kommissar steigt wie ein Schlafwandler, ohne zu zögern, gänzlich gleichgültig, auf den Stuhl. Steckt den Kops in die Schlinge. Schmidt reißt den Stuhl fort... der Kommissar steht unten am Boden— der Strick gerissen! Jetzt erst scheint der Verurteilte aufzuwachen, zu begreifen. Er bettelt um sein Leben. Als er unsere mitleidlosen Gesichter sieht, stößt er wüste Drohungen, Verwünschungen aus... Ich sehe meine Kameraden: in ihren Augen liegt grenzen- loser Haß, kein Mitleid, nur Ekel. In diesen Führern empfinden wir die Schuldigen für alle Ver- brechen, die über unser Land gekommen sind." Nun wird nach vielem Suchen ein neuer Strick aufgetrieben und die Prozedur geht nochmals los: „Aber als der Kommissar auf den Stuhl steigen soll, stößt er ihn mit einem Fußtritt um, wirft sich aus den Boden. Er strampelt mit den Armen und Deinen, beißt und spuckt um sich. „Los, los!" schreit Hellmann,„wir können mit dem Burschen nicht den gnnzenAbend verbringen!" Einer von den Henkern redet dem unglücklichen Bolschewis'.en gut zu. Aber: „Der Kommissar will nichts hören. Er schreit, flucht, schlägt nach allen Seiten. Jetzt stürze» sich Schmidt und noch drei schwere Leute auf den Dicken und umklammern ihn mit aller Gewalt. Schmidt brüllt auf: der Kommissar hat ihn tief i n die Hand gebissen. Doch nun heben Jdie Vier den Verurteilten hoch. Im Nu steckt der Kops in der Schlinge. Sie lasten den Körper schwingen. Schmidt umklammert die Beine des Ge- hängten, klammert sich mit seinem ganzen Körper- gewicht daran. Mit einem Ruck bricht das Genick des Kommissars. Einige wilde Zuckungen gehen durch seine Glieder. Dann hängt er leblos am Seil." Wir ersparen unseren Lesern die sehr ausführliche Schilderung Stenbocks über die Verfärbung und das Anschwellen der Leiche, um nach folgende weiteren Sätze zu zitieren: „Eine Abteilung(Stenbocks) hat einige Gefangene gemacht. Sie werden sofort neben der Landstraße abge- urteilt: fünf Männer. Sie stehen finster und ruhig. Als die Schüsse fallen, wende ich das Gesicht ab." Dieser Bolschewistenschlächter tritt jetzt als„Sympathisierender" in die Reihen der deutschen KPD. und wird von dieser mit Jubel empfangen. Wahrlich, die Brüder sind einander wert! ... als der Kampforgamsalion... Das schneidige Llltimaium der Kommunisten. Ein Ultimatum bedeutet«in Entweder— oder. Entweder du tust dieses, oder ich werde jenes tun. Auch das kommunistische Ultimatum an die Preußenregierung ist auf ein Entweder— oder gestimmt. Und das sieht in diesem Falle folgendermaßen aus: Entweder... sofortige Aufhebung des Verbotes des Roten Frontkämpfcrbundes als der Kampsorganisation gegen Nationalsozla- listen und Stahlhelmer. oder... die Kommunistische Partei wird sich beim Volksentscheid mit Nationalsozialisten und Stahlhelmern zu einer E i n- h c i t s f r o n t gegen das republikanische Preußen zusammenschließen als der Kampforgamsation gegen Nationalsozialisten und Stahlhcimer. Gesang der Massen. Sonnabend und Sonntag, acht Tage nach Stattfinden des Kavalleristentages, oersammelten sich in Dresden die sächsischen Arbeitersänger: Dresden, Leipzig, Chemnitz, Plauen, da, Erzgebirge und die Lausitz entsandten an die 15909 Sängerinnen und Sänger, Mitglieder unserer proletarischen Ehorverbände. Imposanter Aufmarsch der Massen im Zwingerhof, in dem sich om Sonntagnachmittag 49999 Sänger und Zuhörer versam- melten. Proletarische Verbundenheit in dem berühmten Gemäuer, das so seinen Zweck besser erfüllte als damals, da August der Starke- seine Tierhetzen und höfischen Feste in ihm inszenierte. In diesem großen Rahme» hörten wir Kampfgesänge von Uthmann. Der Frauenchor batte mit Lendvais„Nacht", der Gemischte Chor mit Gefters„Russisches Bauernlied" einen besonderen Erfolg. Drei Begrüßungskonzerte am Sonntagnachmitag übernahmen die Bereine des Gaues Dresden, die geschlossen in großen Chor- verbänden vor überfüllten Sälen Werke von Mozart, Beethoven, Schubert, Liszt(„Der entfesselte Prometheus"), Büttner, Korda (Freie Erde), Lendvai und Gerster— gut vorbereitete Leistungen— zu Gehör brachten. Neuzeitliche proletarische Musik, aus dem Verlag des Arbeiter-Sängerbundes, wurde von den Chören, die diese Dresdener Veranstaltung als erste Vorprobe sür das 2. Deutsche Arbeiter-Sänger- bundesfest in Nürnberg 1933 ansahen, in ausgiebigster Weise berück- sichtigt. Die Vogiländischen Volkschöre setzten sich für„Rote Fahne", ein proletarisches Chorwerk nach Dichtungen von Walter Schenk, vertont von H. W. Sachse, ein, der das gut volkstümliche Werk aus- gezeichnet interpretierte. Ottmar G e r st e r-Essen war mit zwei größeren Werken vertreten. Seine Musik zur„Roten Revue" und „Das Lied vom Arbeitsmann"(Dichtung von Alfred Auerbach) fanden bei unserer proletarischen Zuhörerschaft, die den großen Saal der Ausstellungehalle bis auf den letzten Platz füllte, be- geisterte Aufnahme. Dieses anspruchsvolle Werk, das von Frank- furt a. M. aus einen Siegeszug über ganz Deutschlarch angetreten hat, erfuhr durch 11 Chemnitzer und erzgsbirgische Arbeiter-Chöre eine vollendete Wiedergabe. In einem �-oapeils-Konzert setzten sich Leipziger Männer-, Frauen- nnd Gemischt« Chöre wiederum wie in Hannover 1928 für Erwin Lendvai ein. 14 Morgensing-:» auf den Plätzen der Stadt gaben auch denen, die die Saalkonzerte nicht besuchen konnten oder— nicht besuchen wollten. Gelegenheit, die Leistungen der Arbeitersänger zu überprüfen. Gäste aus Eng- land, der Schweiz und der Tschechoslowakei kamen zu dem Fest und bewiesen erneut, daß unsere Internationale lebendig ist. Die deutsche Arbeiterschaft kann stolz sein auf unsere sächsischen Genossen!___ W. il. Oer liierarische Nachlaß des Freiherrn vom Siein. Aus Anlaß der hundertjährigen Wiederkehr des Todestages des Freiherrn vom Stein, des Wegbereiters deutscher Frecheit und Ein- heit, haben die Reichsregierung, die preußische Staatsregierung und der Deutsche und der Preußische Städtetag die Veröffent- lichung seines gesamten literarischen Nachlasses veranlaßt. Hierdurch soll das Leben und Lebenswork des großen deutschen Staatsmannes dokumentarisch wiedergegeben werden. Das Werk umfaßt 6 Bände zu je etwa 49 Bogen(649 Seiten). Der I. Band, der durch Briefe von Steins Erziehern eingeleitet wird, führt bis zur ersten Entlastung Steins im Jahre 1897 und wird zum größten Teil aus bisher unveröffentlichtem Material bestehen. Der II. Band behandelt die Reformzeit 1897—1808. Der III. Band wird die Zeit der Verbannung und de» russischen Feldzugs(1399—1312) umfaßten, in die die ersten großen Denkschriften über die Wiederherstellung der Reichseinheit und der Reichsverfastung fallen. Der IV. Band beschäftigt sich mst der Zell der Freiheitskriege und des Wiener Kongresses(1813— 1815). Der V. und VI. Band bringen Steins Spätzoit(1816— 1831). Das Werk erscheint in Carl Haymanns Verlag, Berlin W. 8, Mauerstraße 44. Der Ladenpreis des einzelnen Bandes in Ganz- leinen beträgt 25 Mark. „Elisabeih von Oesterreich." Titania. Das Leben der Kaiserin Elisabeth von Oesterreich ist von Tragik umweht. Ihr Mann stand unter dem Pantoffel seiner zanksüchtigen Mutter, man nahm der jungen Kaiserin die Erziehung ihres Kindes, sie litt unter einer unglücklichen Liebe zu ihrem irrsinnigen Vetter, dem König von Bayern, als Erwachsener ging ihr Sohn als Mörder und Selbstmörder aus dem Leben, und sie selbst fiel dem Dylch eines Anarchisten zum Opfer. Dennoch— was geht uns diese höfische Reportage in heutiger Zeit an, wo Millionen Menschen vom Arbeitsprozeß ausgeschaltet sind und sich um das Allernotwendigste sorgen müssen! Auch haben wir wenig Interesse an den Menschen ihrer Umgebung, die nicht so viel Kraft hatten, um sich aus der von Hosschranzen ersonnen«» Etikette zu lösen. Wir können nur nach nachträglich empört darüber sein, daß diese schwachen Menschen ohne weiteres über Freud und Leid, Leben und Tod von Millionen Menschen verfügten. Das Volk hat inzwischen alle diese Herrschaften vom Hoszeremonicll erlöst. Der Spuk ist verschwunden, und während hier in Berlin im Kientopp eine Trän« der Rührung zerquetscht wird, findet in Wien die Arbeiterc-lympiade statt. Vom Film selbst ist zu berichten, daß Lil D a g o o« r fast märchenhaft schön als Kaiserin ist. Die hochdramatischen Szenen liegen ihr nicht, und die Tragik steht ihr auch nicht besonders, aber sie rauscht mit so viel Anmut durch den Film, daß man diese Frau wirklich gerne sieht. Paul Otto bietet eine außerordentlich inter- essante Leistung als Kaiser Franz Joseph. lieber Adolf Trotz' Regie hingegen ist nichts Bemerkenswertes mitzuteilen. c. l>. Vor derArkiisfahri des„G?afZeppelm" Vor Antritt seiner Expeditionsfahrt in die Arktis unternahm dos Luftschisf„Gras Zeppelin" Mittwoch früh nach eine Werk- stättenfahrt unter Führung Dr. Eckeners. Zur Arktisfahrt wurde dos Luftschiff in seinem Aeußeren und Inneren verschiedentlich um- gebaut. An Stelle der alten Gondelpufser der Pastagiergondel sowie der Hinteren Motorengondel wurden größere, stabilere, mit wasserdichten gummierten Ueberzügen enrgcbaut. Ebenso wurde der Bodenbezug der Passagiergondel mit einem wasserdichten vertauscht. Von außen erkennbar sind auch neue Entlüstungsanlagen, und in zwei der Hinteren Schlafkabinen sind Durchlaßschächt« eingebaut, in denen Film- und Photoapparate zur Aufnahme bereit liegen. In der Mitte des Luftschisses wurde ein größerer, mit Türen ver- sehener Durchlaßschacht eingebaut. An diesem will der russische Ge- lehrte Moltschanow einen gasgefüllten Ballon ablassen, der eine Höhe von 15 909 Meter erreichen soll. Außer einem Meßapparat ist in den Ballon ein Funksender eingebaut, der drahtlos über die Temperatur- und Fcuchtigkeitsmssiungen berichtet. Zniernationale Zdo-Konferenz. Die internationale Tagung, die die Anhänger der Welthilf»- sprach« Ida vom 18. bis 29. Juli 1931 in L a u e n b u r g(Elbe) vereinigte, wählte zu ihrem Vorstand als Präsidenten Heinrich Pens(Dessau), als Dizepräsidentcn Sweetlovc(London), Schrift- führer Heinz Jacob(Berlin). Am ersten Verhandlungstag wurde ein Vorschlag vom Oberpostinspektor Ambro» behandelt und ange- nommen, Ida als international- Sprache im Pofwerkehr zu oerwenden. Der Vorschlag geht dem Postministerium al» offener Brief zu. Der öffentliche Vortragsabend stand im Zeichen Ostwalds:„Ivo. ein« Forderung des Tages." Heinrich Peus sprach über die Not- wendigkeit einer zweiten Sprache für all«. An humorvollen Bei- spielen zeigte er die sprachlich« Ueberlegenheit des Ida gegenüber anderen Hilfssprachsystsmen und den sogenannten natürlichen Sprachen, die, wie der Redner nachwies, auch zum großen Teile künstlicher Schöpfung ihren Ursprung verdanken Daraus sprachen Delegierte aus England, Frankreich und Schweden. Der Engländer wies nach, daß Englisch niemals Weltsprache werden kann. Das ist auch Gewerkschastskampf! ilSAV über �20 Millionen Mark Ltnierstühungen Unsere Gewerkschaften sind keine Unterstützungsveceimgungen. Ihre Unterstützungseinrichwngen sind lediglich Mittel zum Zweck, notwendige Mittel. Die freien Gewerkschaften können sich die Großzügigkeit der„Revolutionäre" nun einmal nicht leisten, die Arbeiterschaft zu wirtschaftlichen Kämpfen aufzurufen, ohne ihr auch nur die geringst« Sicherheit dafür zu bieten, daß sie auch während des Kampfes noch essen und trinken kann. Deim das ist die notwendigste Dorausseßung für die Ausdauer im Kampfe. Zu„spontanen" Aktionen freilich, zu Verzweiflungsaktionen sind Hungernde leichter zu haben und zu gebrauchen,„klassenbewußte Unorganisierte", die den Gewerkschaftsbeitrog„sparen". Verantwortungsbewußtsein der Führung wirkte bei solchen Aktionen nur hemmend, deshalb darf es nicht erst aufkommen. In einer Zeit, wie die deutsche Arbeiterschaft sie jetzt durch- leben muß, trotz gesetzlicher Arbeitslosenversicherung, in einer Zeit derart riesiger, langandauernder Arbeitslosigkeit tritt der direkte gewerkschaftliche Kamps notgedrungen zurück, die Notwendigkeit der Unterstützung der arbeitslosen Mitglieder tritt in den Vordergrund. Nun sind di» Unterstützungseinrichtungen der Gewerkschaften, auf dein Grundgedanken der gegenseitigen Soli- darität beruhend, so sorgfältig getroffen, daß sie für gewöhnliche Verhältnisse vollkommen ausreichen. Sie sind jedoch nicht berechnet für Zeiten einer derart langen und schweren Zeit der Krise. Wären sie auf dem Versicherungssystem aufgebaut, dann würden sie viel- fach längst leistungsunfähig geworden sein. Die Gewerkschaftskassen haben jedoch in den beiden letzten Iahren dem ungeheuer starken Ansturm der Unterstützung fordernden Mitglieder standgehalten. Sie haben nicht nur die satzungsmäßigen Unter ftützungs- betrüge ausgezahlt, vielmehr darüber hinaus, soweit es möglich war, noch Sonder Unterstützungen an ausgesteuerte Mitglieder gezahlt. Aus den Angaben, die wir in den Auszügen über die Jahres- berichte der Gewerkschaften für 1930 brachten, geht hervor, welchs Unsummen zur Unterstützung der Mitglieder erforderlich waren. Allerdings sind es zusammengenoimnen längst nicht sooiele Mil- Honen, wie sie der Nordwollekonzern verschleudert hat. Aber es sind trotzdem ganz gewaltige Summen, die die Gewerkschaften gezahlt haben, um ihre Mitglieder über Wasser zu halten. Doch bevor sie gezahlt werden konnten, mußten sie erst mühsam von den Mit- gliedern aufgebracht werden. Die organisierten Arbeiter bringen aus voller Erkenntnis der Notwendigkeit ihres Zusammen- schlusses die Veitragsopfer in der Gewißheit, daß ihre Gewerkschaft sie in der Zeit der Not nicht im Stiche läßt. Das Vertrauen, das die Arbeiterschaft in ihre Gewerkschaften setzt, haben die Verbände in der Krise glänzend gerechtsertigt. Die Arbeitslosenversicherung stände zweifellos besser da, wenn sie einige Jahre Zeit gehabt hätte, Reserven anzusammeln. Hätten die Gewerkschaften im Vertrauen auf dies« Versicherung ihre Einrichtungen eingeschränkt und dem- entsprechend auch ihre Beiträge, dann wäre es ihren arbeitslosen Mitgliedern noch schlechter ergangen als ohnedem. Trotz des großen Geschreis des Unternehmertums in Deutsch- land über die hohen Soziallasten steht es mit unserer So- zialoersicherung auch ohne Notverordnungen keineswegs so gut, als daß die Gewerkschaften darauf verzichten könnten, ihre besonderen zusätzlichen Einrichtungen beizubehalten. Das zeigt sich am beut- lichsten darin, daß der jüngste Zweig der Gewerkschastsunterstützung, die zusätzliche Inoalidenunterstlltzung, zumal von den älteren Mtgliedern außerordentlich lebhaft begrüßt wurde. Mit diesen Betrachtungen ist das Thema keineswegs erschöpft. Doch sollte an allen den Stellen, die es angeht, wohl beachtet werden, was die Gewerkschaften während der Krise leisten und geleistet haben, um ihre arbeitslosen Mitglieder und damit deren Frauen und Kinder nicht dem Elend und der Verzweiflung anheimfallen zu lassen. Und auch die mittelständlerischen Kreise, die sich vielfach gegen die Ar- beiter und ihre Gewerkschaften wenden, können sich ungesähr aus- malen, wie die Dinge ständen, wenn die freien Gewerkschaften im letzten Jahre nicht über 109 Millionen ausgezahlt hätten, die dem Handel und Gewerbe auf dem schnellsten Wege zugeflossen sind. Die Gewerkschaften haben einen Teil der Kaufkraft rekon- struiert, die von den Wissenschoftsführern des privatkapitalistischen Systems vernichtet wurde. Die Rolle der Gewerkschaften als Kulturfaktor tritt auch in diesem Zusammenhang deutlich in die Erscheinung. Was ein Ltnternehmer sagi. Unseren Wirtschastsführern ins Stammbuch. Dem Vertreter von„Dagens Nyheter" hat Henry Ford jetzt zwar nur wiederholt, was er schon früher geäußert hat, doch ist es nicht überflüssig, die„Wirtschaftsführer", denen seine Mahnung gilt, daran zu erinnern. „Der einzige Ausweg aus den heutigen Schwierigkeiten heißt Arbeit und nochmals Arbeit. Scharlatane und Theoretiker des Wirt- schaftslebens haben als einziges Mittel zur Ueberwindung der De- pression die Senkung der Löhne angepriesen. Ich oerstehe: Diese Herren niöchten die große Krankheit auf eine Weise heilen, die dem Arbeiter die Lasten ausbürdet. Sie vergessen dabei, daß eine Herabsenkung der Arbeitslöhne die Kaufkraft der Menge verringert, was die Situation erschweren anstatt verbessern würde, Berauben Sie die großen Massen der Möglichkeit, Geld aus- zugeben, das heißt vernünftig auszugeben, und Sie unterminieren die Basis eines gesunden Wirtschaftslebens aufs schwerste. Ich ziehe es vor, sechs Arbeiter je sieben Stunden zu beschäf- tigen als zwölf Menschen dreieinhalb Stunden. Dadurch schaffe ich ihnen die Möglichkeit, den hohen Lohn zur allgemeinen Geld- Zirkulation zu benutzen, Einkäufe zu machen, kurz, an der Wieder- belebung der Wirtschast mitzuarbeiten. Die wichtigste Prämisse dazu ist die tätige Hilfe des Unter- n e h m e r s. Ich habe die Löhne meiner Angestellten nicht gekürzt, sondern ich habe sie mitten in der Krise erhöht, von dem Gesichts- punkt ausgehend, daß ich durch diese Lohnerhöhung die Kaufkraft meiner Arbeiter steigere und damit das Uebel bei der Wurzel packe." Wie geheht wird. der Betrieb Blomke u. Bleckmann in Ennigerloh still- gelegt, und die Firma„G e r m a n i s" stellt den Betrieb ein. Zum 15. August hat das Werk„M a r k" in Neubeckum die Still- l e g u n g beantragt. Am Dienstag waren Stillegungsverhandlungen festgesetzt für die Wicking-Werke I und ll Lengerich i. W. Auch diese Betriebe sollen vollständig geschlossen werden. Ein Leser schreibt uns: Auf dem von der Stadt Berlin seiner- zeit angekauften Gelände in Britz zur Errichtung einer V e r- suchsanstalt für Flugwesen, das wegen der Sparmaß- nahmen nicht seinen Zwecken zugeführt werden kann, werden gegen- wärtig Erwerbslose beschäftigt. Einem Spießer in Britz ärgerte das und er mochte seinem Aerger mir gegenüber in folgen- den Worten Luft: „Dort werden jetzt ungelernte Arbeiter zu Landarbeitern um- geschult. 290 Mann sollen dort sein, aber 19 arbeiten nur. Die anderen liegen in der Baracke und pennen. Dafür bekommen sie 1 Mark pro Stunde und noch dazu Mittagessen. Wenn der Auf- feher kommt und sie zur Arbeit anhalten will, bekäme er Prügel." Der Bekannte, ein Anhänger des alten Systems, sucht natürlich die Schuld auf den jetzigen Magistrot abzuwälzen. Um den Mann aufklären zu können, bitte ich um gefällige Mittsilung des wahren Sachverhalts. Auf eine Anfrage ging vom zuständigen Bezirksamt Neu- kölln jetzt folgende Antwort ein: „Die in dem Schreiben angegebenen Behauptungen entsprechen n i ch t d e n T a t s a ch e n. Es handelt sich um W o h l f a h r t s- erwerbslose, welche das verwahrloste Flughafengelände ri- golen. Die Leistungen werden durch drei Aufseher kontrol- liert. Die Leute, welche minderwertige Arbeiten vollbringen, wer- den nach Prüfung des Falles in der Regel entlassen. Die Bezah- lung erfolgt nach Tarif. Mittagessen wird nicht gewährt. Daß hin und wieder Schwierigkeiten vorkommen, ist bei einer so großen Be- legschaft(189 Mann) und der verschiedenartigen politischen An- schauungen erklärlich. Bei Ausschreitungen ist bisher stets sofortige Abhilfe geschaffen worden." Wenn unterernährte Erwerbslose, worunter sich Schreiber, Schneider. Musiker und Friseure befinden, die nie im Leben im Freien gearbeitet haben und mit Spaten und Hakke nicht umzu- gehen verstehen, nicht so schuften, wie es jener Spießer wünscht, dann wird gehetzt, gehetzt gegen den angeblich„roten" Magistrat. Es wird immer noch stillgelegi. Osnabrück.. 23. Juli. Dos Z e m e n t m e r k„Atlas" in Paderborn hat der g e- samten Arbeiterschaft zum?9. Juli gekündigt. In Neubeckum hat das Werk Phönix am vergangenen Sonn- abeich das gesamte Werk geschlossen. Am 29. Juli wird Oachstuhlbrand in Moabit. Ein Feuerwehrmann verunglückt. Ein großer Dachstuhlbrand rief heule in den ersten Morgenstunden vier Löschzüge der Jeuerwehr nach dem Wohn- grundstück Bremer Straße 60 in Moabit. Kurz nach drei Uhr bemerkten Passanten auf dein Dach des Vorderhauses starken Feuerschein. Die alarmierte Feuerwehr rückte zunächst mit zwei Zügen an, mußte beim Eintreffen an der Brand- stelle jedoch zwei weitere Züge zur Hilfeleistung heranziehen, da der obere Teil de« Gebäudes derart verqualmt war, daß der Umfang des Feuers nicht zu erkennen war. Ueber mehrere inechanische Leitern und über die Treppenhäuser drangen die Löschtrupps nach oben vor. Ein Feuerwehrmann erlitt eine schwere Rauch- Vergiftung. Er wurde von Kameraden in Sicherheit gebracht und in das Moabiter Krankenhaus eingeliefert. Erst nach über einstllndiger angestrengter Löschtätigteit konnte die Gewalt des Feuers gebrochen werden. Durch herabdringende Wassermengen ist in den Wohnungen der oberen Stockwerke er- heblicher Schaden angerichtet worden. Die E n t st e h u n g s- Ursache ist noch unbekannt. 500 Sozialdemokraten in Kopenhagen. Sine gelungene Wochenendfahrt Berliner Arbeiter. Der ursprüngliche Wochenendgedanke sah nur Fahrten in die nächste Umgebung Berlins vor. Seit einiger Zeit machen sich aber Bestrebungen geltend, die das Wochenend weiterausgestalten wollen. Fahrten an die Ostsee und in den Harz werden schon regelmäßig durchgeführt. Der Reichsausschuh für sozialistische Bildungsarbeit, dem eine Reiseabteilung ongeglie- dert ist. hat diese Woche eine Wochenendfahrt nach Kopenhagen veranstaltet. Trotz der ernsten wirtschaftlichen Situation, die vor allem auf den Geldbeutel des Proletariers drückt, war es durch den außerordenllich niedrig gehaltenen Preis fünfhundert Berliner Arbeitern möglich, ihr Wochenende auf der Ostsee bzw. in Kopenhagen zu verbringen. Unmittelbar von der Arbeitsstätte kamen die meisten Teilnehmer am vergangenen Sonnabend zum Stettiner Bahnhof. Die Butterstullen und den Kartoffel- salat in dem Ruhsock oder in der Wochenendtasche, die Schlafdecke aufgeschnallt und die wasserdichte Pelerine übergezogen, denn es goß wie mit Mollen, als der Sonderzug sich in Bewegung setzte. Die neueste Notverordnung und das schlechte Wetter tonnten die Stim- mung nicht beeinträchtigen. Der Himmel hatte Einsehen. Jedes blaue Eckchen und jeder noch so winzige Sonnenstrahl wurde be- jubelt. In Stettin klärte es sich auf. Der silberweiße Dampfer ,.O d i n" zog leicht seine Bahn in dem Strom und später im Haff. Bei herrlichem Sonnenuntergang, aber bei bewegter See, zollte mancher der Wochenendbegeisterten dem Meer seinen Tribut. Doch auch das nahm ein Ende. In der Früh des Sonntags legte das Schiff in Kopenhagen an. Fast zehn Stunden Ausenthalt in der Stadt mit den vielen Türmen. Zahlreiche dänische Genossen erneuerten ihre Freundschaft mit den Berliner Arbeitern. Die Sonne goß chre goldenen Strahlen über den Sund, als„Odin" die Anker lichtete. Die Rückfahrt in der hellen nordischen Iulinacht über die Ostsee war fast allein ein Erlebnis und eine Entspannung von der Alltagsarbeit. Kurz vor Sonnenaufgang in Swinemünde, um 8 Uhr wieder an der Drehbank, an der Schreibmaschine oder am Schaltbrett in Berlin. Aber mit der Erinnerung an ein schönes. starkes Erlebnis. 10000 Mordwaffen verm'chtei. Die Rew-P orker Polizei hat etwa 19909 Revolver, Dolche, Schlagringe und andere Mordwaffen, die innerhalb des letzten Jahres bei Verbrechern gefunden wurden, in der Nähe von Sandy Hook an einer tiefen Stell« ins Meer verfenkt. „Brüning ermordet." Verdächtige Gerüchtmacher. Am 19. Juli verbreitet« sich in vielen Städten Rordmährens das Alarmgerücht, daß Reichskanzler Dr. Brüning ermordet worden sei. Der Ursprung der Nachricht geht auf den Unfug eines Schwarzsenders zurück, der sich mit den Worten meldete: „Hier Radio Berlin!" und dann folgende Mitteilung machte:„In Paris ist soeben Reichskanzler Dr. Brüning, während er in die deutsche Botschaft fuhr, durch drei Schüsse ermordet worden." Die tschechoslowakischen Behörden haben alle Maßnahmen ge- trofsen, um den Schwarzsender ausfindig zu machen. Vorbeimarsch abgebrochen. Zwischenfall bei einer Kriegerparade. Am 12. Juli feierte das Bürgerkorps im niederösterreichischen Wiener-Reustadt das 799jährige Bestehen. In historischen Kostümen marschierte man dahin. Plötzlich sah man etwas abseits der Ehren- gaste eine feldgraue Uniform mit breitem goldenem Kragen. Der Mann zog seinen Säbel und das Dürgerkorps defilierte vor ihm: es war sehr feierlich, bi-z einig« Buben am Straßenrand herausprusteten:„Iefsas na, der hat ja an' Holzsäbel!" Peinlichste Ueberraschung: Donnerwetter, die alte Exzellenz, vor der das Bürgerkorps die Ehrenbezeugung leistete, trug wirtlich einen Holzsäbel, einen Kindersäbel aus einem Spiel- Warengeschäft, und war gar keine Exzellenz, sonoern ein Renten- empfänger aus Gloggnitz, der sich«ine Uniform angezogen und goldene Borten angenäht hatte! Der Mann wurde verhaftet: aber da es kein Gesetz zum Schutze der heiligsten Bürgerkorpsgefühle gibt, mußte man den alten Rentenempfänger wieder freilassen. Er hat sich um das Gelingen des Festes vor allem verdient gemacht. Die Lockerung des Zahlungsverkehrs. Eine vierte Notverordnung. Amtlich wird folgende vierte Verordnung über die wieder- aufnähme des Zahlungsverkehrs nach den Laukfeierkagen ver- öffenllichl: „Auf Grund der Verordnung des Reichspräsidenten vom 15. Juli 1931 tReichsgefehblatt I, Seite 365) wird für den Zahlungsverkehr der Institute, für welche die dritte Verordnung über die Wiederaufnahme des Zahlungsverkehrs nach den vankfeiertagen vom IS. Zuli 1931(Reichsgefetzblott I. Seile 376) gilt, verordnet: Artikel 1: Beauftragt ein Kontoinhaber ein Institut, einen van ihm akzeptierten Wechsel ganz oder zum Teil einzulösen, so sind hierfür Barauszahlungen und Ueberweifungen zu- lässig, soweit sür solche Einlösungen das Konto des Auftraggebers nicht mit mehr als 3000 Reichsmark für einen Tag belastet wird. Artikel 2. wer in den Zöllen des Art. 1. 8 1 Absah 3 oder § 3 Absatz 1. Rr. la, der dritten Verordnung über die Wiederaufnahme des Zahlungsverkehrs nach den Bankseierlagen vom IS. Zuli 1931 sReichsgesehblall 1. Seite 376) vorsöhlich unrichtige Angaben macht, um eine Barauszahlung oder eine Uebec- Weisung zu erwirken, wird mit Gefängnis bis zu drei wo- naten und mit Geldstrafe oder mit einer dieser Strafen bestraft. Artikel 3. Diese Verordnung tritt am 2 2. Zuli 1931 in Kraft.__ Ein physikalisches Kabinett bei der Treptower Sternwarte. Die neuere Entwicklung der Astrophysik hat insbesondere viele Be- rührungspunkte mir der Atomphysik geschaffen. Der Astronom spricht ebenso von der Enfftehung der Spektrallinien und den Elektronen wie der Physiker. Um den Besuchern der Sternwarte die Grund- begriffe der Spektralanalyse, der elektrischen Strahlungen und Leucht- erscheinungen zu geben, ist ein physikalisches Kabinett, dos seit Anfang Juli im Anschluß an das Astronomische Museum gezeigt wird, geschaffen worden. Ein Vogelnest aus einer Lokomotive— davon hat man bestimmt noch nicht gehört. Dieses Tieridyll fft in einem pomrneirschen Ort Tatsache geworden. Ein Rotschwänzchenpaar hat sich in einen: Hohlkörper hinler dem Puffer ein Rest gebaut. Bor wenigen Tagen sind fünf junge Roffchwänzchen aus dem Ei gekrochen, die sich ebemo wohl fühlen, wie die Alten: die Stöße, denen die Puffer naturgemäß ausgefegt sind, stören die Tierchen nicht im geringsten. Das Fahr- personal betreut die Rotschwänzchen aufs beste, um die Tierchen nicht zu verlieren. Tu» ThomaZ-Miiuzrr-Festspiel in Bad Frankenhause» wird zunächst weitere 1» Tag- bis 3, August täglich gespielt. Verautwortl. Mr die Redaktion: Kerbcrt Lep re, Berlin: Anzeigen: Tb. Slecke. Bcrli». Lerlaa: Dorwärt» Derlaa(B. m. b. S>., Berlin. Druck: Vorwart» Vach- druckerei und Dcrlagsanslalt Paul Singer& Co.. Berlin SW CS. Liadenstrake S. Sier,» 1 Beilaae. Btrkaroiu 82S6 Tis). 5 u. 31/äU. H. u. H. Williams| Loe Gall- Ensemble Ori|.3Whlrlwund Grenzstreitigkeiten mit den italienischen Behörden. Und dos alles in unmittelbarer Nähe des großen Hofens von Fiume, der jetzt nahezu leer ist, weil Italien kein Hinterland siir ihn hat und zudem wenig nördlich der noch größere Hafen von Trieft auch italienisch geworden ist! In Susac war es mit der deutschen Sprache au?. Weil ich entgegen den Gepflogenheiten der Reisenden nicht den Durchgangs- zug benutzt hatte, sondern viel im Land« gewandert war, mußte ich mich vor Ueberschreiten der Grenze bei der politischen Polizei melden und hatte Schwierigkeiten, sie Zu finden und mich verständlich zu machen. Da aber alles in Ordnung war, kam ich bald unbehelligt über die Grenze. Wilhelm Tictgen. ffieise durch Jugoslawien 3>ie dalmatinische Jiüjte— Sin Stichkanal als königlicher ZMafen Sccdze mis cclleF Weif UchlKngl Urb eile p Olympiade im Hund" tunkl Während der Dauer der Arbeiterolympiade wird der Wiener Rundfunk(in Berlin auf Welle S16 sehr gut zu empfangen) täglich Berichte und Sportreportagen von den Wettkämpsen auf der Olympiade lendem Der„Aufmarsch der Nationen" am 23. Ouli um 18.45 Uhr wird auch auf dem Berliner Rundfunk übertragen. Außerdem übernehmen die Sendung die deutschen Sender: Breslau, Königsberg, Mühlacker und Frankfurt. Die anderen Sender: Leipzig, München, Hamburg und Langen- bcrg haben es nicht chr nötig gefunden, die Eröffnung der großen Arbeiterolympiade in ihrem Programm anzusetzen! Angeblich aus „programmatischen Gründen"! Komisch, bei der kleinsten bürgerlichen Modereportage kennt man diese Gründe nicht. Um die Herren Intendanten zu begeistern, gehört anscheinend der Dollarpreis Schmeljngs. Das große wahre Sportfest der internationalen Arbeiterschaft scheint nicht interessant genug! Dieser Fehler ist noch durch eine Programm- änderung zu korrigieren. Also bitte, man liebt doch sonst so Pro- grammänderungenl Hundtunk und HoliliTtt Als vor acht Iahren die ersten Rufe menschlicher Stimmen im Aethcr erklangen, da lächelte man mitleidig über die ersten be- geisterten Radiohörer und nannte sie„Radioten". Das Radio war eben eine technische Spielerei, die man nicht ernst nahm. Was dann innerhalb einiger Jahre folgte, war phantastisch. Aus der technischen Spielerei wurde ein Kulturinstrument ersten Ranges. Millionen strömten dem Rundfunk zu und über ganz Europa spannten sich Antennen. Die Politik aber nahm den Rundfunk immer noch nicht ernst, und welch große Kämpfe kostete es manchmal, um einen Minister vor das Mikrophon zu bringen! Der Rundfunk wuchs aber immer mehr und Staatsmänner aller Länder begannen einzusehen, daß im Rundfunk der Demokratie ein wertvolles modernes Mittel in die Hand gegeben wurde. Hier war der langersehnte Kontakt mit! den Bolksmassen. So begann der Rundfunk schon vor einigen Jahren ein Instrument der Politik zu werden. Aber erst in den letzten Monaten konnte man merken, daß der Rundfunk auch ein Faktor in der hohen internationalen Politik zu werden beginnt! Wenn früher der deutsche Reichskanzler der Regierung eines anderen Landes etwas zu sagen hatte, dann flitzten die geheimms- vollen diplomatischen Noten. Jetzt wählte Brüning zum ersten- mal den Rundfunkt und hielt seine historische Rede an Frankreich vor den Ohren ganz Europas! In dieser schweren Krisenzeit standen allabendlich Minister vor dem Mikrophon in Berlin und erklärten selbst jedem Bürger des Landes die von ihnen erlassenen Gesetze. Da merkte man, wie wichtig der Rundfunk sedem demokratischen Staat sein muß. Am Sonntag, als Brüning und Curtius in Paris weilten, fanden sie doch zwischen all den Konferenzen Zeit, am Pariser Mi- kiophon dem sranzösischen Volke freundschaftliche Grüße zu über- mittel« und neben ihnen stand Henderson und sprach auch einige Worte für den Frieden Europas. Das französische Volt hörte den deutschen Kanzler Seine Stimme drang in jedes französische Haus und wird für den Frieden mehr getan haben, als früher zwanzig Orden an das Staatsoberhaupt. Kunst mit"Bockwuvsl Die„Deutsche Allgemeine Zeitung" ist das ausgehaltene Blatt des schwerinduftriellcn Scharfmachertums, das subventionierte Organ der wirtschaftsmächtigen Herren von Kohle und Eisen. Es hat seine (oder vielmehr: seiner Geldgeber) besonderen Ansichten über Politik. Aber es hat auch, wenigstens im politischen und also den innersten Ernst des Lebens widerspiegelnden Teile, seine besonderen Ansichten iiber Kunst. Die„DAZ." mag sich nicht den Kopf darüber zerbrechen, od Bildungstheater oder Gesinnungstheater das Richtige fei. Das sind „pompöse Schlagworte" für sie, saule Ausreden sür schlechte Gc- schäste, lächerliches Kemächcl von Leuten, die keine anderen Sorgen haben. Gar die sozialen Zeitstücke, die sie„soziale Clcndsstückc" nennt, bedeuten ihr nicht mehr als ein sadistisches Vergnügen brillantenfunkelnder Kurfürstendammbewohncr. In diesem Stadium ihrer radikalen Skepsis gegenüber allem, was andere, wenn nicht alz Kunst, so doch immerhin als ein Problem der Kunst bezeichnen, verweist das Blatt, nicht etwa ironisch, sondern mit dem schönen Eifer eines übersprudelnden Enthusiasmus und vorn auf der ersten Seite, auf zwei leuchtende Beispiele: auf das Rose-Theater und das Wallner-Thsoter. Jenes schere sich einen Teufel um alle Literatur und erziele mit grobgezimmerten Handfestigkeiten erfreulich volle Kassen, und dieses habe vor, das Geistige mit dem Stofflichen zu oer- binden und gegen ein Entree von 1 Mark, außer einem tüchtigen Schwank) in der Pause noch eine Bockwurst zu verabsolgcn. Das Sprachrohr der Schwerindustrie klatscht begeistert Beifall zu dieser Lösung der geistigen Bcdürfnisfrage. Hier würden doch end- lich einmal„nahrhaftere Dinge gereicht als die wässerige literarische Sauce". Man kann innerhalb der künstlerischen Fragestellung über alles mögliche diskutieren Es ist durchaus erlaubt, über Piscator, über das Tendenztheatcr, über die Dokumentenliteratur negativer Mei- nung zu sein: aber worüber bislang doch eigentlich nicht gestritten wurde, das ist dies: daß es Kunst und Unkunst gäbe und daß. gleichviel wie man sie interpretiert und welche man als ihre Merk- zeichen erachtet, die Kunst der Unkunst vorzuziehen sei. Die„DAZ." bringt es fertig, sich laut und deutlich für den Klamauk und gegen die 5iunst zu erklären. Die geistigen Hintergründe sind klar genug: Kunst, die wahre Kunst, ist eme gefährliche Sache: sie neigt zum Denken, zum Zerdcntcn der Dinge, sie hat die Anmaßung, neben dem Reich staatlich fundierter Machtverteilung das souveräne Reich de» Geistes zu stabilisieren. Aber Leute, die im Theater nicht er- hoben, nicht hinauegehcben sein wollen über das Geltende, die sich gemächlich ausfeixen und eine Wurscht fressen wollen: die sind be- guem, von denen hat man wenig zu befürchten, das sind die Zu- sriedenen und Harmlosen. Hier laßt un» 5)ütten... Eisenhütten bauen! Kulturbolschewismus sagen sie zu allem, was nicht in ihren Kram paßt, was sich geistig bemüht, wa» dort ein Problem sieht. wo sie auf Konvention und Tradition verweisen. Es gibt auch einen K u l t u r k a p i t a l i s m u s. Die„DAZ." hat sich zu ihm bekannt und hinter ihr steht eisern und aufrecht die Wirtschaftsgroßmacht der Industrie. Dieser Kulturkapitaliemus geht bei keinem Reinhardt und keinem Piscator und in keiner Volksbühne vor sich, sondern im Rose- und Wallner-Theater und Knatsch mit Bockwurst lind seine feierlichen Jnsignien. Hans Lauer. All das zeigt, was der Rundfunk dem 20. Jahrhundert ist. Der Rundfunk kann eins starke Säule de» Friedens werden. Die Wichtigkeit dieses technischen Wunders wird in der Politik immer größer. Deshalb gilt es mehr als je für die friedensgesinnten, werk- täligen Massen ganz Europas, Anteil am Rundfunk zu nehmen! Die Kriegshetzer haben auch die Wichtigkeit des Radios erkannt und werden versuchen, es in den Dienst ihrer mörderischen Ziele zu stellen. Deshalb muß der Kampf um den Rundfunk mit aller Schärfe geführt werden, damit die Wellen immer und in allen Ländern dem Fortschritt, der Menschlichkeit und dem Frieden dienen! I�atKan Gurdus. Qualralien speicblJ Das muß man immer wieder feststellen: Wer sich an ein Kurz- wellengerät setzt, muß das Wundern verlernen! Sitzt man da in seinem Zimmer inmitten Berlins, draußen braust die Stadt im Herzen Europas und im Lautsprecher tönt eine Stimme:„Hallo, hier der Sender in Bandoeng-Java!" Javanische Mustk, fremdartige Klänge auf Tausend« und Zehn- tausende Kilometer Entfernung klingen vom Radio und mischen sich in das Hupen der Berliner Autos aus den geöffneten Fenstern____ Laute zweier Erdteile! Bei dem ungünstigen Sommerempfang auf den Rundfunk- wellen, das heißt den Wellen zwischen 200— 2000 Meter, setzt man sich jetzt öfters an den Kurzwellenempfänger. Vorige Woche war es eine außerordentliche Freude, zum erstenmal den austra- lischen Sender Sydney auf Welle 34 zu empfangen. Am nächsten Tage schaltete man wieder auf Sydney und da tönte über die Ozeane, Meere und Erdteile eine Stimme im Laut- sprecher:„Hallo Sydney.., Workers- Programm!"(„H a l l o Sydney, Arbeiter-Program m.") Aufgeregt horchte man auf und dachte: Wenn der Empfang nur so gut bleibt! Der Cmp- fang blieb gut und mau hörte aus Australien eine Arbeitersendung! Zunächst erzählte ein Arbeiter aus seinem Leben. Er sprach von der schweren Zelt, die er bei seiner Einwanderung mitgemacht hatte. Da saß man nun in Verlin und hörte«in Arbeiterschicksal aus Australien und es schien, als verschwinde die Riesenentfernung, als spreche der Mensch neben einem... Dann sang ein Arbeiterchvr australische Arbeiterlieder. Auf einmal aber tönte aus Sydney das Lied:„Brüder zur Sonne..." und hingerissen sang man mit den Genossen aus Australien mit! Zum Schluß tönte di« Inter- nationale und ein Mitglied der sozialistischen Partei in Sydney sprach warme Worte an alle Genossen von fern und nah...„Freund- schaft!" riefen wir in den Lautsprecher, als könne man auch uns in Australien hören. dl. G. Wie bSeien... Bei der großen Friedenskundgebung in London wurde die Rede Macdonalds auf die englischen Sender übertragen. Ein Kriegsblinder sprach einen Tag darauf, auch aus London. Worte für den Weltfrieden und sagte, daß hoffentlich alle Kriegsverletzten der Welt die Friedensworte Macdonalds gehört haben, um auch einen Friedensbund zu bilden. Seit der Stalin-Reformrede senden alle Sowjetsender Aufrufs an die Arbeiter, in welchen verlangt wird, gegenüber den neuen Werksdirektoreu strengsten Gehorsam zu bewahren. Schroff sprechen die Sowjetredner zu den Arbeitern. Disziplin st rasen werden angedroht! Schon einmal sprachen wir über die Sensationsgier einiger europäischer Radiosender. Auch diesmal wurde die Krise in Deutsch- land von einigen Auslandssendern zu unverantwortlicher Panik be- nutzt. In England ist da» Fernsehen soweit vervollkvmmnet. daß man hofft, größere Hörspiele bald auch optisch zu senden. Das Radiotheatsr marschiert! Richard Tauber, der in London große Erfolge feierte, sang im Londoner Rundfunk deutsche Lieder. 'Die tschechischen Militaristen sind bemüht, ihren Gesinnungs« freunden in USA. alles nachzumachen. Auf all« tschechischen Sender wurde ein Luftangriff zwecks Luftpropaganda übertragen. Im ungarischen Rundfunk werden Hörspiel« gesendet, die die Schrecken des weihen Terrors verherrlichen! Man hörte nicht die Schreie der Taufende von Hingemordeten.... Ein ergreifendes Bergarbeiterdrama hörte man vom Schweizer Rundfunk. Der türkische Rundfunk ist von der Regierung in den Dienst der Europäisierung des Landes gestellt worden. Man ist sogar be- müht, in den Türken den Geschmack für die europäische Musik zu wecken. Der irische Rundfunk(Sender Dublin) hat sich jetzt auch ent- schlössen, Arbeiterstunden zu senden. � Buck €fn£eben um Heinrich Steine Wenn für Karl Marx in einer bissigen Stunde die Lebens- gefährtin seines großen Dichter-Freundes nichts war als„dies Sau- meusch, das den armen Heine zu Tode gequält hat", so stimmt der Marxist Walther Victor in seinem mit Bildern und Vignetten aus der Zeit anmutig geschmückten Büchlein„Mathilde" mit dem Untertitel„Ein Leben um Heinrich Heine"(E. P. Tal u. Eo., Verlag, Leipzig-Wicn) die Gegenstrophe zu dieser verständnislosen Aeußerung an, und das Non jurare in verba rnagdstri, das Nicht- auf-des-Meisters-Worte-schwören, wird hier wirklich zur Ehrensache. Denn ob die Vorzüge der geborenen Mi rot auch mehr auf dem Gebiet des leckeren, lockenden Fleisches als des gepflegten, gescheiten Geistes lagen, ob sie nach Victors treffendem Wort„ganz wenig denkender Mensch und sehr viel singender Vogel" war, so hat sie doch gerade durch ihre animalischen Tugenden den Poeten unbändig glück. lich gemacht: vielleicht, nein sicher, bedurfte der gesteigert Geistige, um eine entspannende Ergänzung des eigenen Ichs zu finden, eine ganz ungeistige Partnerin, die nie zur Erörterung knifflichcr Probleme die blanke Stirn krauste, sondern nur plauschte und lachte und küßte. Mochte Mathilden? manchmal selbstsüchtige Fröhlichkeit dem kranken Heine auch gelegentlich aus die Nerven fallen, so wird das böse Wort von Marx doch durch eine ganze Blütenlese von Gedichten Lügen gc- straft, die den Gesamttitel führen könnten„Hymnus auf Mathilde". Weit spannt sich der Bogen der Empfindungen von jenem heiteren: Es kommt mein Weib, schön wie der Morgen, Und lächelt fort die deutschen Sorgen! bis zu dem innig-inbrünstigen Gebet aus der„Matratzengruft": Ich war, o Lamm, als Hirt bestellt, Zu hüten dich auf dieser Welt. Das Buch Victors ist dem behandelten Gegenstand kongenial: gor nicht problematisch, gar nicht wissenschaftlich, gar nicht historisch. materialistisch, sondern leicht hingeplaudert, in hellen Sommerfarbcn gehalten, durch Charme für sich einnehmend Eine Messerspitze Wisienschastlichkeit hätte vielleicht auf Seite 72 nichts geschadet, wo Victor sich mit der Abwehr der Gerüchte, daß Heine Mathilde ge- schlagen habe, beschäftigt und meint:„Es muß irgendwer derartiges behauptet haben, denn K o h u t würikv es sonst nicht so betont demen- tieren." Aber ja! Der„irgendwer" war des Dichters eljässisch- französischer Famulus Alexandre W e i l l, der in seinen„Intimen Erinnerungen" auskramt:„Heine pflegte seine Frau zu prügeln wie der erste beste Droschkenkutscher": im Anschluß schildert er eine solche angeblich selbsterlebte Szene, die nicht sehr überzeugend klingt. Weill indessen war das, was der Frankfurter einen„Schlechtschwätzer" nennt, und Victor tat gut, auf dieses Geklatfch kein Gewicht zu legen, da er dem beglückend„vollschlanken" Du:nmchen, Mathilde geheißen, mit seinem.Buch ein rosenumkränztes Denkmal setzte. Hermann �Vevclel. 66 Rätsel-Ecke des„Abend '«aiuiiiiiitiiiiiiinnmiuunimiriijyunitiiuuiuuuuimuiiuuiiiiniuiiuiiiUiuinuuiiiuujuuiiiuuumiiuiUMqiiiuiMiiiiiiuiiiiuiuimiiiiiUiuuimuiinuiuiiuuunuuyuuunnii Versteckrätse! In den Wörtern Parodie, Insterburg, Laterne, Verona, Ti» zian, Tokio, Vorname, Elefant, Erlangen, abgekämpft, Bermudas,! Mendelssohn, Taschentuch und Unrechtmäßirkeit ist je eine Silbe versteckt, die, richtig gefunden und aneinandergereiht, ein Zitat aus einem sozialistischen Kainpsliev ergeben. KI. Auszählaufaabe arte ntwo btde item diep imah blei rzwe ann— Die vorstehenden Vuchstabsngruppcn sind mit einer bestimmten Zahl auszu- zählen, und zwar so. daß die schon gefundenen Gruppen nicht über. sprungen werden. Die Lösung ergibt«inen in letzter Zeit oft aus» gesprochenen Satz. W. Kreu wsrträ'se! Waagerecht: 1 Frauenname: 3. Körperteil: 5. Schreib- Utensil: 8. schwedische Bezirks- stadt: 10. Stadl in Schlesien: 12. Gutschein: 14 weiche Sitz- släche: 15 griechischer Buchstabe: lö Möbeillück: 18 Edelgas: 21. Pelzlier: 22 Nebenfluß des Rheins; 23. Ab'chiedsgruß— Senkrecht: 1 Straußen- vogel: v nordische Göttin: 3. griechische Göttin: 4 Obst- Produkt. 6. PräsentierbretI: 7. deullcher Dichter: 9'Akten- behältuis: 11 langsames Ton- stück: IS. Windrichtung: lß Riesenschlange: l? Eingangs- öffnung: 19. Nebenfluß des Arno: 20. süddeutsche Schriststelle. H. B Silbenpfobiern, Au« den Silben a a ab bend bour bub che dam de di e e ga ger ger go in laus le le len lend li lot nen ran re rie sie te tha ti tie tur um van wol sind 14 Wörter zu bilden, deren Anfangs- und Endbuchstaben, beide Reihen abwärts gelesen, einen Ausspruch von Ooid wiedergeben.— Die Wörter bedeuten: 1. Tageszeit. 2. Glücksspiel. 3. Deutschen Politiker, 4. Fluß in Rußland 5. Pflänzling. 6. Stadt in Holland. 7. Wiedervergeltung. 8. Mus«. 9. Ruhegebot. 10. Schimpfwort. 11. Farbstoff. 12. Zustand der Rot. 13. Gewährleistung. 11. Kärperübung. K. LI. �iqurenräisel Die Buchstaben in neben- stehender Figur sind so zu ordnen, daß die senkrechten Reihen Wörter folgender Be> deuiung ergeben: 1 deutscher Bodeort: 2, Stadt im Rhein- land: 3. deutscher Freistaat: 4 Szene aus Wilhelm Tell; 5. Scbuhputzmittel.— Waagerechte Reihe: Gesetzliche Körper- schast.»ekr- Bisitenkartenrätsel DANIEL ALFR. L. SALDEN Durch Umstellung der Buchstaben ergibt sich der Name eines Arbeiterführers. Ks. Auflösungen in der nächsten Rätselecke. AuflSsunaen der letzten Rätselecke Kreuzworträtsel. Waagerecht: 5. Sozialismus: 10 Aloe; 11. Toga: 12. Geld: 13. Edom: 14. Eva. lö. Ino; 18. Stein: 20. Ost: 21. Drau: 23. Dame: 25. Heini: 2fi. Ahorn; 29. Lea: 31. Rot; 33. Don: 35. Pamir: 37. Eimer: 38. Palme.— Senkrecht: 1. Mole: 2. Ried: 3. Este; 4. Hugo; 5. Sagan: 6. Zola: 7. Larve; 8. Mode, 9. Samos; 14 Etui; 15. Aida; 17. Ode: 18. Sand; 19. Rahe; 20. Der; 22.. Rita: 24. Mond; 23. Halle; 27. Nonne; 28. Rom: 30. Eli; 31. Rar: 32. Tip: 34- Ohm; 30. Ra. Zahlcnrätsel: Werbt unablässig fuer die Partei und die Parteipresie. Schlüsselwörter: Berlin, Pause, Geld, Winter, Asse.» Silbenproblem: 1. vauertrab. 2. Aargau. 3. Saline. 4. wohlverlelh. 3. Ingwer. 6. Netzhaut. 7. Südostwind. 8. Eisenhütte. y. Leuchtturm. 10, Neumark. 11. Nansen. 12. Ukraine. 13. Neichcnbach. 14. Gigant. 15. Elbe.—„Das Winseln nur gebührt dem Knechte." Füllrätsel: 1. Maser; 2. Abend: 3. Taver; 4. Delft; 5. Orkon: 6. Remus; 7. Talmi; 8. Urion. Hunderttausend Arbcitcrsportlcr Zahlen von der Olympiade in Wien Wien, 22. Juli.(Eigenbericht.) Wer in der Welt kann wohl eine Organisation aufweisen, die es vermag, aus allen Teilen Europas, nein, der ganzen Welt Menschen eines Geistes, einer Gesinnung an einem Zentralpunkt zu sammeln— und das in einem, die Hunderttausend erreichenden Ausmaß? In Wien sind zur 2. Arbeiter-Olympiade Arbeitersportler von 17 Nationen vertreten, die Europaländer haben fast vollzählig beschickt, aus Deutschland sind allein ZllOOll junge, frische Menschen in 30 Sonderzügen gekommen, darunter 3000 aus Berlin. Frankreich sandte 200, England ebensoviel: es wollte mit seiner ersten Fußballmannschaft kommen, aber die Wirtschaftsnot. Arbeitersportler aus Palästina überbrachten Grüße der Sozialisten aus dem Orient. Wien im Zeichen der sozialistischen Arbeiter-Sportinternationalel Noch immer rollen die Sonderzüge in die Bahnhöfe, die festlich geschmückt sind mit dem Abzeichen der Internationale und den Fahnen der angeschlossenen Länder. Selbst die Straßenbahn wie auch die übrige Stadt hat Flaggenschmuck angelegt, und wo in den Hotels Sportler wohnen, da zeigt man die Fahne der Gastnation. �ein Wunder, daß viel Schwarzrotgold und viel Weißrot zu sehen ist. denn Deutschland und Oesterreich sind die stärksten Stützen der Arbciter-Sportinternationale. Es wird in den Büros fieberhaft an der Unterbringung der Sportlermassen gearbeitet, am Schwarzenbergplotz hat der General- stab sein Hauptquartier aufgeschlagen, 30 Menschen arbeiten hier hinter Kartotheken, Schreib- und Rechenmaschinen. In der Rotunde sitzen die Sporttechniker. die Zentralkomniission als Spitzenvertretung aller deutschen Arbeitersportverbände, dann der Arbeiter-Turn- und Sportbund und schließlich dos große Reisebüro der„Naturfreunde', das die Hin- und auch die Rückfahrt der Hunderttausend zu orga- visieren hat. Aus den neuen deutschen Notverordnungen ergeben sich hier tausend Schwierigkeiten. Sportler bekommen schwer österreichisches Geld, wenn sie deutsches mitbrachten, andere wieder kriegen von daheim nichts nochgeschickt, weil die Post schwer etwas durchläßt. Man hilft sich aus, so gut es geht. Pfänder in Gestalt von Fahr- rädern. Photoapparaten werden hinterlegt. Wie wird die Ein- lösung sein? Heute, Mittwoch, beginnt das Internationale Schach. t u r n i e r: es finden ferner Trainingskämpfe der Leichtathleten. kleinere Rad- und Motorradfahrten. Fußballspiele statt. Abends werden in den Bezirken Schachwettspiele und Sportlerumzüge für die Olympiade werben und am morgigen Donnerstag nehmen dann die großen offiziellen Weit kämpf« auf 39 Ortsplätzen ihren Anfang. Schlu$tag des Jubiläumssegeins 193 Boote am Start des FSV. Den Wettervoraussagen nach sollte das Wetter für den letzten Wettfahrttag, am Sonntag, äußerst unbeständig und windig sein. Viele Steuerleute wünschten sich auch eine steife Brise, um ihre Boote auch einmal nach vorn zu bringen und die Schwerwettertechni! zu beweisen. Wolkenfctzen, vom Wind gejagt, hingen am Sonntag- morgen am Himmel. Aber es mußte kurz vor dem Klarmachen der Boote wieder ein Regenschauer kommen, was viele Steuerleute veranlahte, im schützenden Hafen zu bleiben, da das Abschleppen der Boote am gleichen Tage noch bevorstand. Frisch wehte der Wind mit 5 bis 6 Sekunde nmetern Stärke und stark«insetzenden Böen über die Wettfahrtbahn, der besonders den Mannschaften in den kleineren Booten schwer zu schaffen machte und oftmals eine nasse Angelegenheit wurde, da es nasse„Buxen' gab. Weit hinausgelehnt hingen die Mannschaften am Boot, weil oft die Boote stark„ab- geritten' werden mußten. Pudelnaß stiegen viele Mannschaften aus den Booten, aber das Auge glänzte; das war ein Wetter für das Seglerherz! Mit einer halben Stunde Startvcrschiebung stellten sich 192 Boote den Startern, wovon 2 Boote wegen Havarie ausschieden und 2 Boote das Rennen aufgaben. Nach Schluß des Rennens standen vier Schleppdampfer bereit, um die Boote, nachdem die Masten gelegt waren, und das Gepäck in den Booten oerslaut war. abzuschleppen. Schlepper auf Schlepper legte von den Stegen ab, um die Boote wieder nach Brandenburg, Rothe- �now und nach den östlichen Berliner Gewässern zu bringen.„Gohe . Wind Ahoi!' so scholl es herüber und hinüber als Abschiedsgruß und l&achveltineZsterschaLten Vom 11. bis 30. August 193! in Kopenhagen Das Programm für die diesjährigen Weltmeisterschaften im Radfahren, die vom 22. bis 30. August m Kopenhagen stattfinden, steht jetzt in allen Einzelheiten fest. Den Auftakt bildet am Sonnabend, 22. August, vormittags, der Sommerkongreß de UCI. Nachmittags ab 6 Uhr werden die Vorläufe der Amateurflieger erledigt, während die Eni- scheidungsläufe für Sonntag. 23. August, nachmittags 4 Uhr. anbe- räumt find. Am Dienstag, 25 August, finden die Vorläufe zur Steher-Weltmeisterschast über 100 Kilometer statt. Der folgende Tag (25. August) bringt die über 170 Kilometer führende Straßen« Weltmeisterschaft für Berufsfahrer und Amateure, die als reines Zeitfahren mit Einzelstart ausgetragen wird. Am Donners- tag. 21 August, steigt um 6 Uhr� nachmittags der Endlauf zur Welt- Meisterschaft der Dauerfahrer über 100 Kilometer. Freitag- nachmittag werden die Vorläuse zur Weltmeisterschaft der Berufs- f l l e g e r abgewickelt und mit den Entscheidungsläufen der Professio- nalflieger findet die Weltmeisterschastewoche am 30. August ihren Ab- schluß. Di« ersten Meldungen für die Weltmeisterschasten sind m- zwischen eingegangen. Der Bund Deutscher Radfahrer entsendet die Amatcurflieger D a s ch- Berlin, F r a ch- Breslau und Popel- Dortmund sowie die Amateur-Straßensahrer Brandes- Hannover. Schöpflin und Rifch(beide Berlin). Wer die deutschen Interessen bei den Berufsfahrerwettbcwerben vertreten wird, steht noch nicht fest, doch ist anzunehmen, daß M. Engel, Oßmella und Steffes, sowie Weltmeister Erich Möller. Sawall und Krewer für die Bahnrennen in erster Linie berücksichtigt werden. Der italienische Verband hat bisher die Steher Manera und Gay, die Berufsflieger Martinetti und Piani sowie die Amateure Pelizzari und Mozzo genannt, während er sich über die Vertretung in der Straßenmeisterschaft noch nicht schlüssig ist. Herbwiirdiges aus Kopcnidk Man schreibt uns: Das Finanzamt Köpenick verwaltet im Kurpark Fried« r i ch s h a g e n einige städtische Tennisplätze, die ganz unoerständlicherweis« in Bausch und Bogen an den bürgerlichen Sportklub„Burgund' verpachtet sind. Da„T e n n i s- R o t G r o h- Berlin" in Friedrichshagen über eine starke Spielgruppe ver- fügt, beantragt« dieser Arbeiter-Tenntsverein Plotzstundsn für seine Milglieder. Der Descheid des Finanzamtes auf diesen Antrag lautete daß der Sportklub„Burgund'„Tennis-Rot' Platzstunden abgeben würde. Wenn es schon merkwürdig ist, daß ein Arbeiter. Sportverein von dem Finanzamt Köpenick der Gnade oder Ungnade eines bürgerlichen Vereins ausgeliefert wird, um seinen Sport be- treiben zu können, so ist es geradezu unglaublich, was sich dieser bürgerlich« Klub und das Finanzamt Köpenick noch weiterhin „Tennis-Rot' gegenüber leisten zu können glauben. Der bürger- lich- Klub verlangt« allen Ernstes von den Spielern von„Tennis- Rot',' die bekanwlich in der kurzen Bundeskleidung Tennis spielen. daß sie nur in der Kleidung des bürgerlichen Tennisbundes, also im Meid bzw. in den langen„Porzellanhosen'. spielen dürfte». Als dieses hanebüchene Ansinnen der Bürgerlichen von unseren Genossen als Zeichen dafür, daß man im nächsten Jahre wieder zum ehrlichen Wettkampf bereit ist. Ueberall, wo die Schleppzüge durch die Stadt gingen, standen die sonntäglichen Berliner, Boot für Boot im bunten Flaggenschmuck musternd und auch freudig zuwinkend. Ja, das waren Arbeitersegler, denen ihr unterwegs begegnet seid. Kommt und füllt die Reihen, wenn ihr noch abseits steht. » Resultate vom 19. Juli Auisleichskreiucer! Rik« 1:17:48.—(5«nbttf!c!Ten: Arg» 1:06:1(1.— 35-OuabtatmcUc.RtcUjMr: Iris 1:12:10.— Sö-Quirdratmrter.Nennjachten: Leicht- sinn 1:00:18.— 22«Ouabratmi!tcr.nat..Wnnenjollen: Iennt) 1:16:16.— 20.Qiiabtatm£lcr.9ienn|oncn A.;©cutll« 1:05:07.— ktlass« B; Deubel 1:15:00.— l5.Quabrotmelct.1Sfnnion«n: Han-lschwalb« 1:10:23.— ftlafTt E: Irrinisch 1:18:42.— IS.auobcatmetft.fflcnbtrjoDeii: grriheit IV 1:06:27.— ftlafTc B: Lturmgcsell 1:17:50.— lö-Quabratnlktkr.Kalbrennioll-n: Frikba 1:18:12.— 20.O>:abraUnet»r-Wanbrrb>llkn: Teufel 1:12:06.— 10-Quairotmettt.äl«nnloIlcit A; Ebith n 0:38:30.— Klasse B; ffrcchbadn 0:40:4".— U)-Luabratmeter.Wanber- iallen A;«nnrtin 0:38:02.«lasse E; Pik AK 0:43:11.— 12.«lasse Auszlelch». kreuzet; Zaunkönig 1:05:51.— 13.«lasse Auegleichakreuzer: Iupu II 1:06:4».— 14.«lasse Fl-ss-nkieler: Cifct« 1:10:00.— 20.QuabraNneIer.»ielbo»te A; Alraune 1:09:20.—«lasse E; ZOLuabratmetrr.Iollenkreuzer: Pelial II 1:07:48. — IS-Ouabratmeter-Iollenkreu�r: Pachant 1:15:44.— 18.«lasse Ausgleich». jollenkreuger: Lotten» 1:10:40.— 19.«lasse: Pirat 1:12:04.— 20.«lasse: Au». gl-ichsiollenkr-uger: Alraune 1:06:5«.— 31.«lasse AusaleuS»i°ll-n: de.Se 1:02:06.- 22.«lasse: Rixe 166:09.— 23.«lasse: Piefk« 1:03:42.- 24.«lasse: Cftlonb H 1:07.00._ 25.« lasse: Sonsia 1:04:30.— 26.«lasse: Möwe 0:31:50. — 27.«lasse: Sturmvogel 0:38:34.— 28.«lasse: flrüuiel 0:36:28.— 29.«lasse: Puste Mal 0:36:44.— 80.«lasse: Ttchinx 0:52:30._ 31.«lasse: Hannelar« 0:33:11.~r 32.«lasse: ssolirmbu» IV 0:37:01.— Bei bcn Au»9leich»bvoten ist die berechnete Zeit angegeben. selbstverständlich abgelehnt wurde, beschwerte sich„Burgund" beim Finanzamt Köpenick mit dem Erfolg, daß der bürgerlich« Sport» klub„Burgund" das Recht erhielt, die Arbeiter-Tenniefportler, die nicht in der bürgerlichen Kleidung spielen wollen, voin Platz zu ver- weisen. Es dürste an der Zeit sein, daß sich das Bezirksamt Köpenick einmal um diese Handlungsweise seines Finanzamtes kümmert, ehe die Angelegenheit weitere Kreis« zieht. Dem hohen Finanzamt Köpenick müßte es eigentlich an und für sich schon klar sein, daß sich Arbeitersportler von einem bürgerlichen Verein nicht die Zllei« dung vorschreiben lassen. Berliner Jagdrennen Zwei schwere Stürze Am Schlußtag der Internationalen Berliner Rennwoche wurde in K a r l s h o r st das Internationale Berliner Jagdrennen zum Austrag gebracht, das über eine Streck« von 5500 Meter geht und mit 30 000 M. und einem Ehrenpreis ausgestattet ist. Das franzö- fische Pferd Parias(Reiter Kalley) gewann das Rennen, in dem der Deutsche Fritz Fromm das Tempo diktiert hatte, aber nur mit 5 Längen zurück Zweiter werden konnte.«Dart Way' brachte den Franzosen den dritten Platz ein. Einen schweren Sturz gab es in diesem Rennen am Ciscnbahnbach. Oper, der Borjahrssicger, und Porto Flip stürzten, ihre Reiter, Hauser und Leutnant von Holthey, wurden, an» scheinend schwerverletzt, von der Bahn geschafft. �VUS--Autorennen gesickert Der Allgemeine Deutsche Automobilklub kann für sein am 2. August aus der Avus stattfindendes Automobilrennen «inen ausgezeichneten Nennungsschluß verbuchen. Einige der her» vorragendsten Fahrer des In» und Auelandes werden sich ein Stell- dichein geben. Rudols Earacciola, der große Sieger vom Nürburg- ring, fehlt ebensowenig wie Hans v. Stuck. M. v. Drauchitsch, von Morgen. Burggaller, G:af Kalnein. Prinz zu Leiningen. Das Ausland ist durch so hcroorragend« Kräfte wie Nuvolari, Maserati, Hartmann, Premoli. Graf Luram. Decaroli u. a. m. i>ertr«ten. Insgesamt gingen 34 Nennungen ein. Wieder Boxkämpfe in der Bodebrauerei Der neugegründete Boxring in der Bockbrauerei, Fidicin- straße 2— 1, leitet am Freitag, dem 31. dieses Monats, die Ber. liner Saison mit einem großen internationalen Pro- gramm ein. Es ist dem technischen Leiter Zirzow gelungen, für die Premier« die zur amerikanischen Klasse zähl«nd«n Andy Wallaee(Schwer- gewicht) und den Neger Billy de James(Halbschwergewicht) zu verpslichten. Als Gegner sind erstklassige national« Leute in Aussicht genommen, mit denen die Verhandlungen vor dem Ab- schluß stehen. Auch das Rahmenprogramm wird gut fein, liegt doch bereits die Untekfchrift des deutschen Bantamgewichtsmeisters Georg P f i tz n e r vor Sehr zu begrüßen ist es. daß sich der Der- anstalter entschwsfen hat. trotz der Berpflichtung der teuren Aus- länder die Eintrittspreise den wirtschaftlichen Verhältnissen ent» sprechend rapid« herabzusetzen. E» werden nur Sitzplätz?, beginnend mit 1 Mark, verkauft, so daß auch jeder Unbemittelte unserer großen Boxsportgemeinde für den Preis eines Kinobilletts in der Lage ist, sich ein großes internationales Box- Programm anzusehen. -i- Der in Amerika lebende deutsche Schwergewichtler Teddy S a n d w i n a mußte neuerdings eine Niederlage einstecken. Er kämpfte in Brooklyn bei New Bork mit dem wenig bekannten Amerikaner Steve Hamas, von dem er bereits in der 3. Runde durch k. o. besiegt wurde. Noch schneller wurde der junge, talentierte Amerikaner Charley Retzlaff mit dem starten Italiener Ralph Ficuciello fertig, der sich schon in der 2. Runde auszählen lassen mußte. Interessant ist übrigens, daß Max Schmeling den er- wähnten Charley Retzlaff für einen der zukunftsreichsten Schwer- gewichtler Amerikas hält. -ARBEJTEH mSSBALL Jugendwerbetag in Neukölln Am vergangenen Sonntag veranstaltete der Fuhballverein Minerva 23 im Neuköllner Stadion einen Fußball- werbetag der Jugend. Dem Rufe waren nicht weniger als 14 Mannschaften aus der Provinz und Berlin gefolgt. Wenn die Veranstaltung trotz des schlechten Besuches zu einem vollen Erfolg für die Jugendbewegung der Fußballer wurde, so ist das auf die in freundschaftlicher Art durchgeführten Spiele zurückzuführen. Die Spiele endeten mit folgenden Resultaten: Lichtenberg I zweite Mann- schaft gegen Wilmersdorf 1 5:1(3:0); ASV.-Neukölln gegen Brandenburg 10:0; Minerva 2 gegen Adler-Frankfurt 1:5(0:3): Saxonia gegen Hertho-Kllstrin 2:0(0:0); Luckenwalde I gegen Brandenburg 0: 0: Minerva gegen Eintracht-Landsberg 2: 3(1: 1): Minerva gegen Rormannia Iii(1:0). Pankow spielte mit der zweiten Männermannschaft gegen Lichtenberg I zweite Mannschaft. Nachdem die Pankower bis zur Pause mit 2: 1 in Führung lagen, gelang es den Lichtenbergern i» der zweiten Halbzeit noch den Ausgleich zu erzielen. Mit dem unent» schiedenen Resultat von 2: 2 wurde das Spiel beendet. e- Der freie Fußballverein Minerva 28. Neukölln, ruft alle Jugend« lichen seines Bezirks im Alter von 14— 18 Jahren, die Fußball spielen wollen oder das Fußballspielen erlernen wollen, auf, sich Freitags auf dem städtischen Sportplatz Neukölln, Platz 4, oder Sonnabends ab 18.30 Uhr bei Schröder, Steinmetzstr. 52, Ecke Schillerpromenade, zu melden. Die Schüler treffen sich Freitags ab 19 Uhr im gleichen Lokal. Zum l'ode Werner Krüger» Wie wir bereits im gestrigen„Abend" mitteilten, ist der ö3jährige Schrittmacher Werner Krüger seinen Verletzungen, die er sich bei einem Sturz am Montag auf der Kölner Radrennbahn zuzog, erlegen. Mit dem Tode Krügers verliert die Stehersparte im deutschen Radsport wohl ihren routiniertesten Schrittmacher. Krüger kam End« 1900 als Zwanzigjähriger zum Radsport, wo er sich als Amateur bald ersolgreich betätigen konnte. 1901 wurde er Berufe- fahrer und fand sich al« Rennfahrer und Schrittmacher gleich gut zurecht; 1903 führte er den Schweizer Amateur Audemars in der in Kopenhagen ausgefahrenen Weltmeisterschaft zum Siege. Später hatte er dann verschiedene»bekannt« Fahrer an�dcr Rolle, so Buisson- Frankreich, Anton Huber-München, der hinter Krüger auf der Bahn in Hannover mehrere Rekorde ausstellt«, und die Weltmeister Robl und Dickentmonn schlug, ferner Salzmann-Heidelberg, Demke-Berlin und Bedell-Amcrika. Auch Ianke und nicht zuletzt Arthur Stellbrink bedienten sich erfolgreich seiner Schrittmacherdienste. Nach dem Kriege war Krüger für Appelhans, Lewonow, Bauer, Wegmann- Schweiz, Sawall und Möller tätig. 1927 zog er, nachdem er sein Abschiedsrennen mit Möller an der Rolle siegend beendet hatte, die Lederjacke qus, angeblich für immer, um als Veranstalter in Breslau und Berlin z» fungieren. Wenige Jahre später aber sah der massige Mann wieder auf der Maschine, führte zunächst Krewer und bis zu seinem Sturz den Belgier Thollembeek. Meisterschaft der Deutschen Meere Der Danziger Schwimmverein bringt sein 29. ins ternationales Schwimmfest am 25. und 26. Juli in Z o p p o t zur Durchführung. Im Rahmen der Veranstaltung gc- langt in traditioneller Weise auch die M e i st e r s ch a s t der Deutschen Meere über 1500 Meter zum Austrag. Leider vermißt man unter den Teilnehmern den Titelverteidiger Stein- Hauff(Friesen-Berlin). Für ihn könnte Reglin(Spandau 04) die Meisterschaft nach der Reichshauptstadt bringen. Aussichtsreich« Be- werber sind weiterhin Meier(München) und Kiebarth(Danzig). Bei den Damen verteidigt Fräulein Runzler(Friesen-Berlin) ihre Meisterschaft mit besten Aussichten: sie hat es in erster Linie mit Fräulein Sowa(Danzig) zu tun. Bon den übrigen Wettbewerben bringt das Kunstspringen eine neuerlich� Begegnung zwischen dm brandenburgischen Meister Neumann(Spandau) und Viebahn(SE.» Berlin), dazu kommen Linge(Dresden) und Losch(Königsberg). Neumann und Linge treffen auch im Turmspringen zusammen, für das noch der Studentenweltmeister Ziegler(SC.-Berlin) ge- meldet hat._ SMle Bünii-Union«. V.«bttilmig Obcrspre«: SonnftHag, 28, Juli, 18 Uhr, Scalningäobcnb, Busbilduna für Nichischwimmkr. 20 Uhr. Abteilunosmilglicbrrversammluna im Bootshaus. Ahtrilunq Kavcl: Donnrrs- tag, 23. Juli, 18 Uhr, Trainin gsabeirb. Eannabrnb, 2». Juli, Pfiichtsahrt»ait, ���Prbc�trr-Tamarltcr.Bunb«i. B.,«olonne Berlin. Brieftasche mit Ausweis «r. 1137 uns Armbiltdr Nr. 1187 ssick verlorengegangen: bi'lc werben hiermit Ar ungültig«rtliirt. ssinscr werben gedetcn, äultn Erstattung be» Fahrgeldes bi« Sachen noch der Grossen Hamburger Str. 20 3U Übermitteln. .Frei, Ruderer. D-relniguag 1912." Sitzung am Treitag. 24. Juli, 20 Uhr, im„StraiuMchloss", Oberschöneweib«. Ilebungsabenb jeden Dienstag und!?">. tag ad 17 Uhr im Bootshaus. Mitgllrder werden ausgenommen, gutzchrist: H. Wadsaci, Oberschllneweidc. Grosspr. 22. Aret, galtdootlahm Berlin». B.» Zusammenkllnft»: Donnerstag, 23. Juli. 50 Uhr. Gruppe Norden: Jugendheim Brunnenplatz. Schönstedtstr. 1, Doetrog: Gen. Dr. S. Nestriepke:„Ernst ist da- Leben, heiter die«uust." Gruppe Nord. rsten: Abend fällt au». Betrillgung bei Gruppe Nord»n. Gruppe Silbosten: „Schlestsch« Heimo i", Reu, Friedrichstr. 1 lWaiscnbriickei, Vortrag Über ilMe- technii. Spieladende: Mittwoch» ab 18 Uhr. Gruppe Norden und Nordosten: Humboldthain, Gruppe Siidosten Treptower Spielwiese Nr. 1. Gäste überall willlommen. Arbeiter. Rab. und«eastsahrer-Bnnd„Solidarität", Gau», Beulet l, Berlin. «raltsahror! Abt.«reuzberq fährt am 26. Juli nach Pötzer Borbersee. Start: 3 Uhr, Hermannplatz. Abt. Obcrlchönnveibe fährt am 26. Juli nach«lein- «öri». Start: 6 Uhr, Bilhelwinenhofstr. 64. Abt. Moabit fährt am 26. Juli nach Morbcllinsce. Start: 7 Uhr. Wtclefstr. 47. Abt. Lichtenberg fährt gm 56. Zuli nach Wotzens«. Start: 6 Uhr, Odcrstr. 18. Abt. Edarsoltenburg fährt am 26. Juli nach Licnewitzse«. Start: 7 Uhr. Bilmersdorfer Str. 21. Abt. Pankow hat am 26. Juli tziel am Start um 7 Uhr, Berliner Str. 82. Freie Sass«rsahr»r ESpcnick t»24. Am Donnerstag, 23. Juli, um 26 Uhr, Vorstands!, tzung bei Heene, Köpenick, Gartenstr. 6S. Sechzig Zahre Viihnengenoffenschast Von Max Hochöoef Vor Il> Iahren feierte die Genossenschaft der deutschen Bühnen- ongehörigen im Rathaus zu Frankfurt a. M. ein schönes Jubiläums- fest. Sic bestand seit SV Jahren. Noch weilte unter den Festteil- nchmer» der genialische Ludwig Barnay, der im letzten Julidriitel l87l zusammen mit klugen und mutigen Bühnenkünstlern zu Weimar den Zlrbeitsverband der Schauspieler gegründet hatte. Inzwischen sind die Gründer gestorben. Jede deutsche 5d'ultur, auch das Theater ist der grausamen Wirtschaftsbedrängnis verfallen. Entsetzlich grassiert unter den Bühnenangehörigen die Arbeitslosigkeit. Aus Verzweiflung närrisch gewordene Künstler versuchen, die Funda- mente ihrer Gewerkschaft, der einzigen Institution, die dem Uebcl steuern könnte, zu untergraben. Das Jubiläum, das jetzt nach bb Jahren zu feiern ist, vorläufig still, nicht im Jubel, nur in der Hoffnung, daß Deutschlands Aufstieg auch die Eröffnung der ge- schlossenen Theater und die Wiedereinsetzung aller jener Kräfte bringen möge, die heute trübselig und versorgt an verriegelte Tore pochen. Die Genossenschaft, die sich 187l in der Klassikerstadt Weimar ihr Statut gab, erfüllte trotz aller Enttäuschungen das, was die Schauspieler brauchten, um einer durch Tradition und staatlichen Schutz Norm gewordenen Unterdrückung des Menschendarstellers zu begegnen. Später als die Künstler der übrigen Nationen Europas rerlangten die deutschen Schauspieler soziales Ansehen und zweck- entsprechende Gesetzgebung. Wenn dem Preußenkänig Friedrich Wilhelm I., der einen Zahnreißer und Preisringer zum Ratgeber über monarchische Kunstpslege erhob, die Schauspieler nicht gefielen, dann peitschte er sie auf die Straße, und die Ausgetriebenen mußten in Berlin Unter den Linden Brot erbetteln. Selbst der romantische Friedrich Wilhelm IV., der dem Hofrat Louis Schneider, einem ge- wandten Komiker und. Organisator, die Freiheit ließ, ein wenig für alte und invalide Schauspieler einzutreten, spendete nur Worte und keine Pensionen für die Veteranen seiner Hofbllhne. Ja, auch in Weimar war der Unteroffizier wichtiger als der Künstler. Nachdem die beliebten Komödianten vor ihrem Großherzog gespielt hatten, wurden sie an der Lakaientafel abgespeist. Es geschah auch, daß Schauspieler ins Loch gesperrt wurden, wenn sie in ihrer Rolle ge- stottert hatten. Entlassen wurden sie erst, nachdem der Gefängnis- feldwsbel sie überhört und als besserungsfähig befunden hatte. „Wir sind nichts, was wir wollen, ist alles!" Diesen Spruch Hölderlins hat Barnay zum Geleitwort jenem Kapitel seiner Erinne- rungen gegeben, das die Anfangsgeschichte der deutschen Bühnen- aenossenschaft erzählt. Als die deutschen Schauspieler in Weimar ihre Genossenschaft gründeten, riefen sie die Weisheit des regierenden Kaisers und die Gunst des Reichskanzlers an. Trotzdem mußten sie ohne diese Gunst auskommen. Die meisten königlichen und fürstlichen Theater dachten, ihre Mitglieder zu bestrafen, weil sie sich der neuen Organisation anschlössen. Es geschah auch schon 1871, daß Direktoren ihren Künstlern den Reiseurlaub für Weimar verweigerten. Die deutschen Schauspieler achteten aber auf diese Schikane nicht. Sie gingen sehr ernsthaft in sich. Sie bezichtigten sich selber in einer ihrer Weimarer Kundgebungen, daß sie mit ihrer„Eitelkeit, mit ihrem Eigensinn und Mißverstehen" der Genossenschastssachc im Wege ge- wesen wären. Sie wollten sich läutern, damit sie würdig wären. „zum Priesterstand der Revolution" zu gehören. Priesterstand der Revolution— welch dekoratives, aber auch welch theatralisches Wort! Und doch klingt es im Munde der Menschendgrsteller nicht zu volltönend. Sie rechtfertigten es nachher. Das, was sie erreichten, mußten sie wirklich durch stürmische Revo- lution erkämpfen. Wenige Politiker und Volkswirte begriffen, daß die Schauspieler zur nützlichsten Produzcntengesellschaft einer ge- sunden Demokratie gehären. �Und heute, nachdem sie es endlich be- griffen haben, fehlen den Regierenden die öffentlichen Mittel zur Verwirklichung und Erhaltung alles dessen, was für die soziale Existenz der Schauspieler nötig ist. Desto dankbarer gedenke man der Männer, die nach Barnay da- Werk aufbauten und sicherten. Es sind besonders Hermann Nissen und G u st a v R i ck e l t. Nissen verlor Stellung und Ge- sundheit, weil er sich für die Schauspieler opferte. Rickelt spürte, daß auch die Künstler nur auf dem Boden der großen Arbeitsgemeinschaft oller Bürger gedeihen. Deshalb führte er die Bühnengenofsenschaft zu jener Gewerkschaftspolitik hinüber, die heute so heftig befehdet wird, aber noch nicht durch etwas Besseres ersetzt wurde. Am 4. Juli 1919 ging aus Rickelts Veranlassung von Rothenburg o. d. Tauber die Nachricht in die Welt, daß sich der deutsche Bühnen- verein, also der Verband der Direktoren, mit allen übrigen am Theater interessierten Verbänden, also auch mit der Deutschen Bühnen- genossenschaft, zu einem Arbeitskartell zusammengetan hätte. Gemeinschaftlich versicherten die Verbände,„daß die künstlerische Frei- heit nur dann gesichert ist, wenn die wirtschaftlichen Jnteressengegen- sätze durch die Beseitigung individueller Willkür, durch die Ausstellung von bindenden Regeln für den Geschäftsverkehr und durch die Ein- fetzung von obligatorischen Schiedsgerichten ausgeglichen werden." Dabei ist es geblieben. Die Bühncngenossenschaft, Teil der AsA, will und darf gerade in diesen Depressionszeiten nicht experimentieren. Sie muß das Tarifwerk überall dort schützen, wo überhaupt Vertrags- und Arbeitsmöglichkeiten vorhanden sind. Sie niutz das letzte Stück Wirklichkeitsboden verteidigen, auf dem sich die Schauspieler künstig noch behaupten können. Denn von zwei gleich gefährlichen Mächten wird dieses Gelände angegriffen: von den Theaterdirektoren, die dem Beispiel ihrer industriellen Lehrer folgen und den Herrn im eigenen Haus spielen möchten, und von jenen gutgesinnten, doch durch keine tragische Erfahrung zur Vernunft und Logik bekehrbaren Phantasten, die ihren Stand durch eine Sprungprozession vor dem sozialen Ver- fall retten wollen, anstatt mit allen komplizierten Realitäten des heutigen Wirtschafts- und Kulturkampfes zu rechnen. Die Geschichte der Deutschen Bühnengenossenschaft, die ich vor zehn Jahren schrieb, enthält nichts als den Beweis für die Notwendigkeit deutscher Real- Politik. Auch heute haben sich diese Bedingungen des Seins und des Werdens nicht geändert. Dienst am Kunden. Einige Wünsche an die Reichsbahn. In den Zeitungen und auf den Bahnhöfen macht die Deutsche Reichsbahnresellschaft Reklame für Fahrten in die schöne Mark und vor allem auch in di« N e u m a r k. Diese Reklame ist an und für sich zu begrüßen, denn gerade auch die Neumark ist reich an Naturschönheiten. Leider aber läßt die Bahnverbindung nach dort zu wünschen übrig. Es war schon in den letzten Jahren ziemlich schwer, bis nach S t e r n b e r g in der Neumork, eine ihrer schönsten Städte, zu kommen. Man hatte in Frankfurt a. d. O. ein« halbe Stunde und dann noch einmal dreiviertel Stunden in R c p p e n Aufenthalt. Nach dem Sommerfahrplan aber ist die Reise nach dort fast unmöglich. Seitdem läuft der Zug, der sonst 17.99 Uhr vom Bahnhof Charlottenburg nach Neu-Bentschen fuhr, nur noch bis Reppen. Dort müssen alle Fahrgäste aussteigen, und der Zug fährt zurück nach Frankfurt, um neue Fahrgäste zu holen. Nach dmviertelftündigem Aufenthalt in Reppen kann man dann mit dem gleichen Zug, mit dein man von Berlin gekommen ist, weiterfahren, vorausgesetzt, daß man noch einen Platz bekommt, da die Züge in dieser Richtung immer sehr besetzt sind und zudem in der Zeit von 13.28 bis 21.26 Uhr kein Zug von Frankfurt a. d. O. nach Neu-Bentschen fährt. Der Zug. der 17.99 Uhr von Perlin ab- fährt, ist erst 22.33 Uhr in Sternberg und erst 23.51 Uhr in Neu- Bentschen. Außerdem gibt es für diese Strecke nur bis Frankfurt a. d. O. Sonntagsrückfahrkarten. In Frankfurt muß man erst durch einen Tunnel von 490—599 Metern, um sich die andere Rückfahrkarte zu kaufen. Ein anderes: Der um 29 Uhr von Charlottenburg abfahrend« Personenzug hat in Breslau keinen Anschluß nach O e l s. Warum nicht? Der Zug erreicht Breslau um 5 Uhr morgens, während der Oelser Zug um 4.57 Uhr Breslau verläßt. Wegen Z Minuten muß der ermüdete Reisende bis 6.43 Uhr, also runL eindreioiertel Stunden, warten. Von Bahnbeamten wurde erklärt, daß sich eine Aenderung sehr gut ermöglichen ließe, aber es sei trotz Reklamation bis jetzt nichts geschehen. Auslandskredite für den Ausbau Gdingcns. Es liegen de? polnischen Regierung Offerten in- und ausländischer Finanzgruppen vor, die die Bereitstellung von Krediten für den Ausbau Gdingcns in Gesamthöhs von 17 Millionen Zloty anbieten. Die Regierung hat sich bereit erklärt, für die entsprechenden, von der Stadtverwaltung Gdingcns aufzunehmenden Anleihen die Ga- r a n t i c zu übernehmen. Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold, Ortsverein Treptow. Jung» banner, Mittwoch, 22. Juli, 29 Uhr, Probe im Jugendheim, Treptow, Wildenbruchstraße. Ivelter für Berlin: Wolkig, zeitweise aufheiternd, mit ansteigen- den Temperaturen, keine nennenswerten Niederschläge, südwestliche Winde.— Für Deutschland: Südliche Reichshälfte heiter und trocken, im Norden noch wolkig, im Nordwesten noch etwas Regen, allgemein wärmer. Rückschau. „Die Nummer läuft. Ein Hörbild aus dem Zirkusleben," Verfaßt von Manfred Georg und A. H. K o b e r. Auf- geführt in Breslau, übernommen vom Programm der Berliner Funkstunde. Das Werk war wohl für einen Juliabend mit zeit- gemäßerer Temperatur berechnet. Nur sehr hitzeerschlaffte Geister hätten mit wohlwollender Duldsamkeit diesem akustischen Kitsch- Volksstück folgen können, das Sichtbares zum Hörbild umzuformen glaubte, wenn es davon sehr lang und sehr breit erzählte. Manchmal ertönte ein gründlich inszeniertes Gelächter und belehrte den Hörer, daß die Verfasser an dieser Stelle etwas sehr komisch gefunden haben. Die Personen des Spiels redeten geschraubtes Zeug, und wenn sie es sentimental oder tragisch meinten, half Musik ihnen, sich gefühlvoll auszudrücken: das Scheiden des alten Artisten aus seiner Nummer untermalte ein leidvoller Trauermarsch. Und ein happz- vuä, wie es schöner und gemütvoller auch nicht der routinierteste Filmmanuskriptfabrikant hätte produzieren können, krönte das Werk. „M usikalisches Kuriositätenkabinett" im Pro- gramm der Funkstund«. Eine Darbietung, die ein wenig über das vorangegangene Hörspiel trösten konnte, voll Heiterkeit und Geist. Musikalische Witze, von genialen Musikern gemacht, von Künstlern reproduziert: durch kluge und dabei sehr knappe verbindende Worte und musikalische Zitate auch den Hörern verständlich gemacht, deren Ohren weder begnadet noch trainiert genug sind, um solche Veranstaltung ohne Kommentar genießen zu können. Te». Mittwoch, 22. Juli. Berlin. 1C.00 Hamburs: Nachmittasskonzcrt. 17.00 Dr. Eberhard Prcußncr: Vcranstaltuosen der Rcichsmuslkwochc. 17.30 Henry Purcell. ein Klassiker der engiischcn Musik. 18. 00 F. Scbrelber-Lofttfenburs: Berühmte historische Gaststättcti. 18.30 Otto Heuscheie: Der Brief im deutschen Geistesleben. 18.55 Wetter für den Landwirt. IV.00 Heßiein: Wirtschaftsnot und Bcrufabeamtcntnm. Königs wnsterhansen. 16.05 Aktuelle Abteilung. 16.30 Blasorchesterkonzert. 17.30*Dr. Wolf Zucker: Geheimbündc. 17.50 Neue katholische Lyrik.(Sprecher: Dr. Walther Petr�. Hannah Zweig). 18.15 Aktuelle Abteilung. 18.40 Mozart erzählt sein Leben(II. Teil). Eine musikalische Plauderei. (Sprecher: Dr. Erich Fortner.) 19.30 Heilfron: Rechtsfragen des Tages. 20.00' Eduard Künneke. Dir.: Der Komponist.! 22.00 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Tanzmusik. (föczivfe fUdcn-Wefien TUO-xmtlahrxnoverkslIHeo fi.m.b n. Charlottbg.,$chloOstr. 69, Wilh. 9223/24 Reparaturen sSmlllchcr Systeme Filiale TACO-AUTO-DIENST Carl Tanffepbacfa Bln. 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