BERLIN Nonnerstag 23. M 1931 10 Pf. Nr. 340 B 1X0 48. Lah?gsng ErfcheinttSglich außer Sonntag«. Zugleich Abendausgabe de«.Vorwärts". Bezugsoreis beide Ausgaben 8b Pf. xroWoche, 3,60 M. pro Monat. Redaktion und Expedition: Berlin SW68,Lindenßr.3 Fernsprecher: Dönhoff CA 7) 292—297 f,\£lH0usj6 Anietgenpreis: Die einspaltige Vonpareillejeile So Pf.. Reklameieile s M. Crmäßigunaen nach Tarif. Postscheckkonto: Vorwa'rtS-Verlag G.m.b.H� Berlin Nr.»7 S36.— Der Verlag behält sich das Recht der Ablehnung nicht genehmer Ameigen vorl Mmsterbesuche in Berlin Stimson, Macdonald und Henderson kommen V. 8c?t. London. 23. Juli.(Eigenbericht.) Die Londoner Konferenz ist heut« mittag zu Ende gegangen. Die abschliehcnde Resolution ist noch in der letzten Sitzung an ver« schiedenen Stellen abgeändert worden. Insbesondere ist beschlossen worden, daß eine Kommission von Finanzsachverstän- d i g e n durch die zentralen Notenbanken und die BIZ. einberufen wird, um die Entwicklung der finanziellen Lage Deutschlands zu prüfen und die Durchfährung der Stillhalteaktion zu regeln, serner insbesondere auch um die Frage der Zuführung neuer kurz- sristiger Kredite zu erwägen. Man hat außerdem ausdrücklich die Mitteilung des Reichs- kanzlers in den Beschluß aufgenommen, wonach die Deutsche Gold- diskontbank und das jüngst gebildete Garantiesyndikat der deutschen Wirtschaft in eine zukünftige Kredit aktion eingeschaltet werden können. Das alles sind freilich nur Wechsel aus die Zukunft. An positiven Maßnohmen enthält der Konserenzbericht nur die zwei schon bekannten Punkte: Stillhaltekonsortium der Bonken, die noch Kredite In Deutschland liegen haben und die sich ver. pflichten sollen, sie nicht zurückzuziehen: 2. Verlängerung des lOo-Millionen-Dollar-Rediskontkredits um weitere SV läge. Unter diesen Umständen ist es erklärlich, daß die deutsche De- legation besonderen Wert auf die Feststellungen legt, die in der Einleitung der Resolution enthalten und die in der Tat von großem psychologischen Wert sind: erstens, daß die gefährliche Entwicklung in Deutschland ausschließlich durch Zurückziehung ausländischer Kredite verursacht worden ist, nicht aber durch die totsächliche wirtschaftliche und budgetäre Loge, zweitens, daß die Gefahr,.die Deutschland droht, die ganze übrige Welt ebenfalls bedroht. Dazu wird in dieser Einleitung ebenfalls betont, daß diese Kündigung von ausländischen Krediten durch die Erschütterung des Vertrauens des Auslandes hervorgerufen worden ist. Indem die Deklaration betont, daß der Mangel an Bertrauen nicht durch die Wirtschaft und Budgetlage Deutschlands gerechtfertigt ist, bringt sie indirekt aber unmißverständlich zum Ausdruck, daß der einzige Grund dieser Bertrauenskrise die politische Lage Deutschlands ist. Die ll>7 nationalsozialistischen Abgeordneten, die 77 kommunisti- schen Abgeordneten und der ganze bürgerliche Mischmasch einschließ- lich der Deutschen Volkspartei, der bisher hinter den Nazis herge- laufen ist, sie alle tragen die Verantwortung für die deutsche Finanz- kalamität. Die Londoner Konferenz bildet jedenfalls keinen Abschluß, sondern nur eine Etappe. Es ist zwar nicht vorgesehen, ob. wann und wo sie wieder zusammentrifft, ober die Tür ist sür eine Zusammenkunft in den letzten Worten der Deklaration offen- gelassen worden:„Wenn diese Maßnahmen durchgesührl werden, werden sie die Grundlage sür eine dauerhaftere Aktion bilden, die noch folgen soll." Die deutschen Minister reisen erst am Freitagmorgen nach Verlin zurück, am Sonnabendabend wird S t i m s o n, am Sonntag- abend werden Macdonald und chenderson die Reise nach Verlin antreten. Ein Termin für die Reise Lavals und B r i a n d s steht noch nicht fest. Grundsätzlich soll der Gegenbesuch der Franzosen vor der Genfer Völkerbundsvcrsammlung, also ver- mutlich Ende A u g u st, stattfinden. Kein Reichstag. Brüning Sonnabend in Berlin- Dietrich soll nach London Der Aeltestenrat des Reichstags hat heute vormittag die Einberufung deS Reichstags gegen die Ttimmen der Nationalsozialisten, der Deutschnationalen, der Kom- munisten und des Landvolk abgelehnt. Von 577 Abgeordneten haben sich nur 243 für die Einberufung aus- gesprochen. Tie Verhandlungen in London über daS Stillhalte- konsortium»»erden fortgesetzt, dazu wird die Antvesen- heit von Finanzminister Dietrich gewünscht. London erhöht Diskont. London, 23. Zuli. ver Diskontsatz der Bant von England wurde heute von t'A auf 3A Proz. erhöhl. j lim/Bt.146/ WSlOBI. Beim, Bimemn. 23. M ml Die Rote Fahne Jentralorgan der Ko«muaiftischeu Partei Deutschlands(Sektion der«ommuulstlscheu Internationale) «mM——» V«U»«: fkzliu T». ftktu dcrfe U. XtLt Bt Benllu S4SL G«sch»s»s�tt»— Bctit«—•— fei U*»to*17 QH •ilchetnl täglich oafcet Montag» lelegr.-vdresZe:«otsahue verN»/ Postschetktaut», Vrrfl»«S 27170, vereinigte Zettoagsverlage Berlin C Kl. vleganderstt. U. Mtneeffbo« pro noch« 7» w.. Borna.«.— n. ctnn lad, tu Verl» ond Orten mV eigener gostelluna.— vostbep» ttafftL«eft-Q. aek» txo OL:«tretkdand tn Inland 4.50«JL: nach de» Ausland 4.« VL Begründet von Starl Liebknecht und Rosa Luxemburg Natitgenpreio: Dt« Ug„»«lL SRiaioutettetl« O»U agelpaU. Ierlv.Ill>»et—. BlU IJO- NfbeiUrowilU»nd«l»«M»BvUo»«— Klein NnieUtto: tertn»« 20 gl. llederschrkf,»» SO W, NrdettnM.rV fBett»«. Heraus a VoUcsentschekl! Nach Mussolinis Muster. Die KPD. für das blutgierige faschistische Regime. Das Zentralkomitee der KPD. ruft heute seine Anhäiz�er dazu auf, sich am Volksentscheid der chakenkreuzler, der chugenberger und des Stahlhelms zu beteiligen. Das Zentralkomitee Hot plötzlich ent- deckt, daß es sich um einen„roten" Volksentscheid handle. Leiden die Herren an Farbenblindheit oder bekennen sie sich schon ganz offen zur roten Hakenkreuzfahne? Auf jeden Fall hat das gleiche Zentralkomitee vor gar nicht so langer Zeit ganz anders über die Aktion ihrer heutigen Freunde geurteilt. In der„Roten Fahne" vom 15. Februar dieses Jahres hat es einen Aufruf ver- öffentlicht, worin es wörtlich hieß: „Die Faschisten— von den Nazis bis zu Dolkspartci mit dem Stahlhelm als vorgeschobene Firma— wollen mit ihrem Stahl- Helmvolksbegehren die preußischen Futtertröge für sich erobern. In Preußen wollen sie die Hochburg ihreS blut- gierigen faschistischen Regimes nach dem Muster Mussolinis errichten. Di« Hitler-Partei hat in Thüringen und Brounschweig zu Genüge bewiesen, daß sie genau so wie die Brüning und Dietrich im Reich oder wie Vraun und Severing in Preußen den Aoung-Plan auf Kosten der werktätigen Massen„erfüllen", die Arbeiterschaft unterdrücken und die Steuerschraube skrupellos an- fetzen. Ja, die Frick und Franzen übertrumpfen noch die Minister der übrigen Länder." Hier ist also mit aller Deutlichkeit gesagt worden, welches Ziel der Stahlhelm und seine hakcnkrcuzlcrische und deutschnationale Ge« folgschaft sich mit dieser Aktion gegen Preußen gesetzt hat. Dann aber geht es in dem Aufruf folgendermaßen weiter: „Die Reaktion von Stahlhelm und der schweriudustricllen Volkspartei bis zu hugen- berg und kzitler ruft zum„Volksbegehren". Aber diese parlamentarische Komödie, während die Massen hungern und Hol leiden, während Millionen um ihr nacktes Dasein ringen, ist ein Hohn auf das Volk! vom Volksbegehren wird niemand satt! Rur im Kamps kann sich das arbeitende Volk seiner Feinde erwehren und sein Recht verschaffen." Jetzt macht die Kommunistische Partei diese„parlamentarische Komödie" mit, jetzt unterstützt ihr Zentralkomitee diesen Hohn auf das Volk. Die Einheitsfront von Hitler über Hugenberg und Major Stefani bis zu Thälmann ist fertig. Die Kommunistische Partei ober steht in oller Nachlheit da: als Helfershelfer der brutalsten Reaktion, als Schrittmacher und Lock- spitzet für den Faschismus! Dokument der Weltrevolution. Historische Minuten im Ministerium des Innern. Dienstag, den LI. Juli, abends zwischen 7 und 8 Uhr, erschien im preußischen Ministerium des Innern der Landtagsabgeordnete Schwenk(Komm.) mit allen Anzeichen größter Aufregung be- hastet. Er überreichte dem Ministerialdirektor Dr. K l a u s e n e r(Z.) einen Brief, der einige Fettflecke, anscheinend nicht von Margarine, sondern von bester Butter herrührend, aufwies. Als Inhalt ergab sich ein Stück Durchschlagspapier mit Schreibmaschinenschrist und zahlreichen hastig hingeworfenen handschristlichen Korrekturen, ohne Kopf und ohne Stempel. Dies war das berühmte Ultimatum der KPD. an die preußische Staatsregierung. Schwenk hatte sich in seiner großetz Aufregung offenbar ver- laufen, denn zuständigkeitshalber hätte er das Schriftstück nicht im Ministerium des Innern, Unter den Linden 72/74, sondern im Staatsministerium. Wilhelmstr. 69, abgeben müssen. Die„Rote Fahne" berichtete gestern morgen stolz, daß die preußische Regierung um 11 Uhr vormittag zusammentreten werde, um zu dem Ultimatum der KPD. Stellung zu nehmen. Augenzeugen sind bereit, aus ihren Diensteid zu nehmen, daß man sich im weie«»- lichen darauf beschränkte, das historische Dokument etwas köpf- schüttelnd zu betrachten. Sodann erging die bekannte Antwort Severings, daß die preußische Regierung es ablehne, Maßnahmen, die zum Schutz von Ordnung und Sicherheit getroffen worden seien, zum Gegenstand eines politischen Tauschhandels zu machen. Das historische Dokument bleibt vorläufig bei den Akten. Später soll es dem Kriminalmuseum des Polizeipräsidiums überwiesen werden. Kommunisten kriiisieren. Die schwere Sihung des ZK.— Opportunistische Trickpolitik jämmerlichster Art. Die„Arbeiterpolitik", die Tageszeitung der KPD.-Opposition, äußert sich zu dem Beschluß der kommunistischen Parteiführung schroff ablehnend. Sie berichtet, daß Münzenberg am Dienstag in einer Versammlung gesagt habe, der Beschluß sei„in einer schweren Sitzung" gefaßt worden, und sie fügt hinzu, daß im ZK. der KPD. ofsenbai die schwer st en Differenzen wegen dieses Schrittes bestehen. Zur Sache selbst führt sie aus- „Aus diesem Ultimatum spricht nicht Kraft und Zielklarheit. sondern Ohnmacht und Verwirrung. Es ist eine Scheinaktion. die gewählt wird, weil die Führung der Partei sich zu einer wirk- lichen Aktion unfähig fühlt. Es klingt beinahe wie ein schlechter Scherz, in Wahrheit ist es opportunistische Trickpolitik der jämmerlich st en Art, wenn in dieser Lage die Kommunistisch« Partei Deutschlands einen„Massenmobilisierung" verkündet(nicht durchführt)— für par- lamentarische Neuwahlen. Diese» rein opportunistische parlamentarische Manöver tritt nicht nur an die Stelle wirklich revolutionärer Vorbereitungs- Bessere AMungen mit SeuWmd! Londoner Konferenzergebnis in Paris gut aufgenommen pari». 23. Zuli.(Eigenberichts Die bürgerliche französische presse bemüht sich, das Ergebais der Londoner Konferenz als befriedigend hinznsledem Sie gibt zwar zv. dah Deutschland keine grohe Erleichterung in seiner schwie- rigen Lage erhalten werde, ober sie betont, daß das wichtigste Ergebnis der Konferenz eine Verstärkung des Vertrauens zwischen Frankreich und Deutschland sei. die der Haltung des Reichs- kanzlers zu verdanken wäre und die vielleicht in einer mehr oder minder nahen Zukunft eine umfangreiche Hilfsaktion zugunsten Deutschlands ermögliche. In diesem Sinne schreibt das„Petit Journal", daß die deutschen Minister keine neuen Kredit« erhalten würden, weder kurz- noch langfristige. Die Konferenz v e r st o p s e die Löcher des ge- platzten Fasses, aber sie beginne nicht, das Faß neu zu füllen. Brüning bringe jedoch nach Berlin mangels klingender Münze oder eines Moratoriums eine Art unwägbare Unterstützung mit, aus der Deutschland, wenn es wolle, einen gewissen Nutzen ziehen könne. Deutschland sei nicht isoliert, es könne sich auf die noch schüchterne aber gemeinsame Hilfe der Gläubigerländer stützen. Schließlich seien die deutsch-französischen Beziehungen seit den Pariser Unterhaltungen, die in London fortgesetzt wurden und weitere Folgen haben würden, deutlich besser geworden. In dieser Hinsicht könne man die offene Haltung des Reichskanzlers und seinen Wunsch, mit Frankreich zusammenzuarbeiten, nicht genug würdigen.- Diese Wiederannäherung sei schon an sich ein Element des Vertrauens, und es hänge von der deutschen össentlichen Meinung ab, daß sie Frücht« tragen werde. Auch der„Matin" begrüßt die Verbesserung der deutsch-sranzöjischen Beziehungen und der„Petit Parisien" er- klärt, daß die deutschen Minister entgegen den Behauptungen der englischen Zeitungen bei der französischen Delegation die bereit- willigste Unterstützung gefunden haben. Dom französischen Standpunkt aus stellen die Pariser Zeitungen fest, daß die von der französischen Regierung vor Beginn der Kon- ferenz aufgestellte These, nämlich keine Kredite cchne finanzielle und politische Garantien, von Laval aufrechterhalten worden ist. Amerika nicht zufrieden. Washington, 23. Iuli.(Eigenbericht.) 3n maßgebenden amerikanischen Finanzkreisen betrachtet man das Ergebnis der Londoner Konserenz als durchaus nicht zu- frieden stellend. Es herrscht allgemein die Anficht vor, daß die Krise in Deutschland trotz der Londoner Konferenz fortdauern wird, solange das Reparation»- und Schuldenproblem nicht von Grund auf gelöst wird. Immerhin herrschen hinsichtlich der Gewährung langfristiger Kredite an Deutschland zwischen den maßgebenden Rankgruppen starke Meinungsverschiedenheiten. Nor die Minorität der Banken, darunter zwei Großbanken, hat sich bisher zu einer Srcdithilfe bereit erklärt, während die Mehrheit zunächst die Auswirkung der Londoner Vereinbarung abwarten will. Sauerwein: Politische Konzessionen waren unmöglich pari», 23. Juli. Sauerwein begrüßt es im„Matin", daß die deutsche. Abordnung nicht dazu gezwungen worden sei, irgendwelche politische Garantien anzunehmen. Das Telegramm der deutschen nationalen Parteien an den Reichskanzler beweise zu deutlich, daß auch nur der leiseste Versuch der deutschen Unterhändler, irgendwelche an sich neben- sächlichen Rechte des Bersailler Vertrages aufzugeben, in Deutschland einen Sturm der Rechtskreise gegen die Regierung ent- fesseln würde. Im Augenblick, wo das Schicksal der preußischen Regierung durch ein« Volksabstimmung auf dem Spiel stehe, sei es von größter Bedeutung, diesen Kreisen keineneuenWaffen in die Hand zu geben. Der Sturz der preußischen Regierung würde unweigerlich von schwerwiegenden Folgen für die Reichs- regierung sein, die in diesem Fall, selbst wenn sie irgendwelche Garantien übernommen hätte, deren Durchsührung nicht sicherstellen könnte. Leon Blum bedauert im„Populaire" das Schicksal der Pariser und Londoner Besprechungen. Es sei schwer, so betont er, die Enttäuschung und Bitterkeit zu verbergen, wenn man daran denke, daß eine so günstige Gelegenheit verloren ge- gangen sei. Aus den Besprechungen in Paris und London hätte eine ehrliche deutjch-französische Annäherung hervorgehen können, eine allgemeine Anstrengung zur Abrüstung und damit die Fest- legung des Friedens. Jetzt müsse man sich fragen, wo das arme Europa hingeführt werde. Oer Tee der 40000. London, 23. Juli. An der Garten-Tee-Gesellschaft im Buckingham-Palast, die am Donnerstagnachmittag stattfindet und zu der der König auch die Teilnehmer an der Londoner Ministerkonferenz geladen hat. werden ungefähr 10000 Personen teilnehmen. Der Tee ist die letzte große gesellschaftliche Veranstaltung der Londoner„Saison". Reihen von offenen Zelten sind in dem königlichen Garten errichtet, in denen den Gästen Tee und olle Arten von Erfrischungen gereicht werden. Das Königspaar nimmt den Tee in dem PrunkzeU ein, dos bei den Krönungsfeierlichkeiten in Delhi(Indien) Verwendung fand. Das Zelt ist ganz in Gold und Purpur gehalten. LlSA.-Gewerkschaften für Schuldenrevision. New park. 23. Juli.(Eigenbericht.) Der Vorsitzende des amerikanischen Gewerkschaftsbundes forderte in einer öffentlichen Erklärung die Revision der Reparationen und interalliierten Schulden. Das hoooer-Iahr oerzögere die endgültige Abrechnung. Im Verlauf des Winters wird die Exekutive der ameri- konischen Gewerkschaften wahrscheinlich das Schuldenproblem von neuem aufrollen. arbeit zur Mobilisierung— es verhindert positiv die Vorberek- tung wirklicher revolutionärer Massenaktionen: Arm in Arm mit Nationalsozialisten. Deutschnotionalen und Stahlhelm treibt es die sozialdemokratischen Arbeiter geradezu in die Arme von Seoering und Leipart zurück. Alle Worte vom Kampf gegen den Faschismus helfen nicht, gegenüber der Talsache einer gemeinsame« Aktion, einer tatsäch- iichen Einheitsfron« der KPD. mit den faschistischen Organisationen. In der„Aktion" selbst wind der kolossale Propogandaapparat der Faschisten die KPD. erdrücken. Die KPD. wird nur als Nachtrab der Faschisten erscheinen. Wie aber will die KPD. die Borbereitung wirklicher revolutionärer Aktionen durchführen, nachdem sie die sozialdemokratischen Arbeiter geradezu mit Keulenschlägen von sich weggetrieben hat?" „Dieses Ultimatum", so schließt die oppositionelle kommunistische „Acbeiterpolilkk",„ist ein schwarzer Tag für den Kommunismus in Deutschland. Es ist ein katastrophales versagen in entscheidender Stunde." Angst, Angst, Angst! Aus Angst und P a n r k hat die kommunistische Parteileitung die Unterstützung de» schwarz-weiß- roten Volksentscheids beschlossen, den jetzt die„Rote Fahne" ihren Lesern in einen„roten" Volksentscheid umzulügen versucht. Das edle Blatt hat natürlich alle Hände voll zu tun, um seinen Lesern die ver- räterischen Helfersdienste der APD. für den Faschismus zu ver- schleiern. Deshalb behauptet es unter der knalligen Ueberschrift „Die A n g st d e r F a s ch i st e n", dah die Entscheidung der Kam- munistischen Partei zugunsten des Volksentscheides„imLagerder Faschisten Schrecken und Bestürzung hervorrufe". Es läßt sich sicher gar nicht beschreiben, welch entsetzlich« Angst die Hitler, Hugenberg und Seldte befallen hat, als sie vernahmen, daß die KPD. bereit sei, ihre Anhänger für die Errichtung des Faschismus in Preußen zu mobilisieren. Man hat diese Angst ja schon früher ausbrechen sehen, wenn im Preußischen Landtag die kommunistische Fraktion geschlossen für die dtutschnationalen Mißtrauensvoten gegen dos Kabinett Braun gestimmt hat. Die selbstzufriedenen und lächelndenMiencnder Junker auf der Rechten, sobald Schwenk oder Kasper von der Tribüne die Gefolgschaft der KPD. ankündigten, waren natürlich nur ein« wohleinstudierte Maske! Rote Zahne verteidigt Scharfmacher! Die bankrotten Wirtschastsfährer sollen unschuldig sein. Die„Rote Fahne" ist heute zum Organ zur Verteidigung der Scharfmacher geworden. In chrem Esser, in die Volksentscheids- front der Hitler, Hugenberg und Düsterberg einzurücken, sst sie in eine Einheitsfront mit den Scharfmachern von der Ruhr getreten. Der Ausruf der Sozialdemokratie gegen die Schuld der bankrotten Wirtschaftsführer und des Kapitalis- m u s hat ein Wutgeheul der Scharfmacher von der Ruhr hervor- gerufen. In Plakaten und Flugblättern suchen sie sich zu verteidigen. In einem dieser Flugblätter, herausgegeben vom Langnam- Verein, dem Sitz der sozialen Reaktion, lesen wir die Sätze: „Der parleivorstand, der parleiausschuß und die Soutroll- kommission der SPD. hat unterm 14. Juli eine Kundgebung beschlossen, die dem Kapitalismus und insbesondere dem deutschen Unternehmertum, die Schuld an den Schwierigkeiten, unter denen wir gegenwärtig zu leiden haben, in die Schuhe schieben will. Aber auch der deutsche Arbeiter wird leicht die Kundgebung als ein plumpes Abienkungsmanöver nach dem bekannten Rezept „Hallet den Dieb" erkennen." Das ist die plumpe Manier, mit der die bankrotten Scharf- macher sich zu verteidigen suchen! Ein Hohnlachen der gesamten Arbeiterschaft antwortet dem Gestammel der Kapitolssten. Die„Rote Fahne" aber hat sich diese Sähe des Unternehmerflugblatts zur Verteidigung des tapita- listischen Systems und der Scharfmacher fast wort- wörtlich zu eigen gemacht! Heut« morgen, in ihrer Nummer 140, schreibt sie die folgenden Sätze, die auf immer ein historisches Dokument in der Geschichte der KPD. bilden werden: „Da bläht der„vorwärts" seine Backen und schreit auf ein- mal von der„Schnldderbankrottenrapitalistischen wirlschastsführer". D>e Herren SPV.-Führer ahmen da« Beispiel de, ertappten Diebe» nach. Für nicht, wollen sie aus einmal verantwortlich sein." Wahrhaftig, sie hat die Schuld der bankrotten Wirtschaftsführer auch noch in Anführungsstriche gesetzt! Ganz als wenn sie vom Langnamverein bezahlt wäre. Es darf nicht wahr sein, daß die kapitalistischen Wirsschastssllhrer bankrott sind, es darf nicht wahr sein, daß sie die Schuld am Zu- sammenbruch tragen! Der Haß gegen die Sozialdemokratie macht die komnmmstssche Führung zu blinden Verteidigern der Kapitalisten. Die Dinge haben ihre Konsequenz! Wenn die Kommunistische Partei sich an eine saschistische Aktion hinten anhängt und gemein- same Sache mit den Faschisten macht, unterliegt sie der Gefahr, daß sie sich auch die Ideologie des Unternehmertums, des Austraggebers des Faschismus, zu eigen macht. Jeder Arbeiter mtt gesundem Klafseninstintt wird dies« Verteidigung der Scharfmacher durch die„Rote Fahne" wie einen Schlag ins Gesicht empfinden! Dos ist ein sauberes Arbeiterblatt, das ein Flugblatt der schlimmsten Scharfmacher von der Ruhr gegen die stärkste deutsch« Arbeiterpartei nachdruckt, um gemeinsame Sache damit zu machen! Zeiigemäßes. Oer Nationalverband Oeuffcher Offiziere fordert. Die„Deussche Zeitung" gibt bekannt: In einer Stellungnahm« de» Nationalverbandes Deutscher Offiziere zu der französischen Denkschrift in der Abrüstungsfrage wird unter Hinweis darauf, dah Frankreich jede Abrüstung ver- weigere, gefordert, zu erklären, daß Deutschland aus Gründen seiner Sicherheit nunmehr gezwungen sei, die Aufrüstung in Angriff zunehmen. Na denn man lost Wir haben', ja dazu! tin vriaUeoHi-Sfenkmal in IZicn In Wien wird am 1. August ein Denkmal für Giacomo Matteotti enthüllt. Die Hausgemeinschaft des Matte- o t t ih o f e s hat das Denkmal errichtet und die Gemeinde Wien wird es in ihr« Obhut übernehmen. Die feierliche Enthüllung. zu der auch die Delegiertendes Internationalen Soziali st enkongrefses eingeladen sind, wird nach Ansprachen von Dr. Wilhelm Ellenbogen und Filippo Turati vollzogen. Eine Matteottifeier der italienischen Flüchtlinge wird das Fest beschließen. Eme neue Klassenkampfftont. Die Millionäre gegen die Milliardäre! Eine neue Front de- Klassenkampfes mit ganz ungeahnten Per- spettioen eröffnet der Hugenbergsch«„Tag", der seine Betrachtungen über die Londoner Konferenz mit folgenden Worten anhebt: „Die Milliardäre sind erschrocken. Die Säulen ihres Reichtums wanken. Abgründe tun sich auf. Astronomische Geldbeträge zcrslattern in nichts. Längst beschwich- tigte Sorgen melden sich wieder. Alte Gefahren erregen neue Furcht. Es muß etwas geschehen. Das was"ge- schieht, nennen wir die Siebenmächtekonsercnz in London. Aus der Nähe gesehen, sind hier die Inhaber der Weltmacht ver- sammelt. Aus der Ferne gesehen, erscheinen sie jedoch wie Ma> rionetten, die ein Schattenspiel auf goldenem Hinter- gründe, an unsichtbaren Drähten gezogen, gravitätisch und zwecklos vollführen." Der Millionär Hugenberg läßt also den verhetzenden Klassen- kämpf gegen die Milliardäre führen. Ein geistvoller Franzose hat einmal gesagt:„Man ist immer noch(so radikal man sein mag) der Reaktionär von irgendwem." Hugenberg variiert dieses Wort: „Man ist immer noch(so reich man sein mag) der Proletarier von irgendwem." Der Millionär Hugenberg sst der arme Proletarier der Milliardäre, gegen die er seinen erbitterten Klassenkamps sührt. Vielleicht nicht ohne Grund. Bei 23 Millionen Mark Schulden an die Danat..,, Ein iüchiiger Kreisverireier. Äestraster Vertrauensbruch eines Hitler-Abgeordneten. In einer Kleinen Anfrag« eines nationalsozialistischen Landtags- abgeordneten war Beschwerde darüber geführt worden, daß der Landrat des Kreises Schleusingen in Suhl in der Kreisous- schuhsitzung vom 12. Mai das Kreisausschußmitglied Otto Reitz bei Eröffnung der Sitzung von der Teilnahme aus- geschlossen und gleichzeitig Reitz von seinem Amte suspen- d i e r t habe, weil er durch einen Artikel im„Suhler Beobachter" die Schweigepflicht gebrochen Hobe. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt,, stellt der Preußisch« Minister des Innern in seiner Antwort auf die Kleine Anfrage fest, daß es n i ch t z u t r i f f t, daß der Landrat Gaertig in Suhl in der Zkreisausschußsitzung am 12. Mai d. I. das Kreisausschußmitglied Reitz vom Amt suspendiert hat. Der Landrat hat vielmehr lediglich den Genannten ersucht, an der frag- iichen Sitzung des Kreisausschusses nicht teilzunehmen. Reitz hatte nämlich trotz wiederholter nachdrücklicher Ermahnungen zur Wahrung des Dienstgeheimnisses in einem am 17. April 1S31 erschienenen, van ihm selbst verfaßten und mit seinem Namen linterzeichneten Artikel die dienstliche Schweigepflicht verletzt. Der Landrat glaubte, aus Grund dieses Vorfalles nicht mehr die Sicherheit dafür zu haben, daß Reitz nicht auch weiterhin in pflichtwidriger Weis« Vorgänge aus der Kreisausschuß- sitzung der Oeffentlichkeit zur Kenntnis brachte, und sah sich deshalb zu seinem Ersuchen veranlaßt. Reitz hat dem Ersuchen des Landrats trotz anfänglichen Sträubens schließlich doch freiwillig Folge geleister. Der Regierungspräsident in Erfurt hat durch Ver- fügung vom 18. Juni d. I. gegen Reitz wegen der von diesem be- gangenen Pflichtverletzung das förmlich« Disziplinar- verfahren mit dem Ziele der Entfernung aus dem Amte ein- geleitet und ihn gleichzeitig vorläufig vom Amte suspendiert. Zu irgendwelchen Maßnahmen gegen den Landrat in Suhl besteht auf Grund dieses Sachverhalts keine Veranlassung. Der Goldstrom nach pari«. Der Goldstrom au» London hält in- folge der günstigen Goldarbitrage unvermindert an. Am Mittwach sind wieder 0300 Kilogramm Gold im Werte von 10714 Millionen Franken in Flugzeugen hier eingetroffen. Granatenlager ausgcsunden. Ein Granatenlager wurde am Strande des Badeortes Mariakerke bei Ostende entdeckt. Es soll sich um ein ehemaliges deutsches Munitionslager handeln. Das Meer, das sich nach und nach ins Land einsrißt, hat es bloßgelegt. Es wurden 70 Granaten von 105 Millimeter, 78 von 77 Millimeter und 3 von 130 Millimeter ausgegraben. Staatsrat Professor D. Dr. von Rümelin gestorben. Im Alter von 70 Iahren starb gestern nachmittag der Professor der Rechts- Wissenschaft und Kanzler der Universität Tübingen, Staatsrat l). Dr. Max von Rümelin. Frankreich— Deutschland Gin Interview mit Leon Iouhaux Oeuische Grzieher reisen durch Frankreich In diesen Tagen haben sich 30 Berliner Lehrer auf den Weg nach Frankreich gemacht, um einen möglichst lebendigen Eindruck von französischem Wesen zu gewinnen, um das Verständnis für den Nachbarn zu stärken. Ihr Führer ist ein Mann, der durch seine genau« Kenntnis Frankreichs, die er sich durch jahrelangen Aufent- halt vor dem Kriege und durch wiederholten Ausenthalt nach dem Kriege erworben hat. besonders dazu geeignet ist. Es ist der Ber- liner Bürgermeister, Genosse Dr. O st r o w s k i, vom Verwaltungs- bezirk Prenzlauer Berg. Nach den guten Erfolgen, die man mit dem Schüleraustausch erzielt hat, wird auch hoffentlich dieser Reis« Erfolg beschieden sein. Man kann noch so viel schreiben und lesen, einen wirklichen Eindruck vom Wesen des andern Volkes kann man immer nur gewinnen, wenn man unter ihm weilt. Erst dann wird das wirkliche Verständnis für Wesen und Handlungsweise des an- dern Volkes kommen, wird man seine Handlungen richtig zu werten vermögen. Genosse Ostrowski, der Führer der Berliner Lehrergruppe, hat über Zweck und Ziel der Reis« ungefähr folgendes geäußert: Die Reise ist keine Vergnügungsfahrt. Di« Teilnehmer geben ihre Ferien daran, um in 25 Tagen ganz Frankreich zu durchqueren. Die Reiseroute geht über Le Havre. Bordeaux, Toulouse, Nimes, Marseille, Grenoble, Lyon. Ueberall werden die Reisenden von französischen Freunden empfangen werden. Ueberall will er immer wieder betonen: nicht die Isolierung des einzelnen Volkes, nur die gemeinsame Arbeit der europäischen Staaten kann einen wirklichen Wiederaufbau bringen. Die letzte Etappe der Reise ist das Herz Frankreichs, ist Paris. Dort wollen die Mitglieder der Studienreise an der Jean Jaures- Feier teilnehmen. Genosse Dr. Ostrowski, der das französische Volk kennt und liebt, äußerte vor der Abfahrt den Glauben, den wir all« mit ihm teilen, daß auch im französischen Volke in allen seinen Schichten Verständnis und Bereitwilligkeit lebt, in gemeinsamer Arbeit mit Deutschland und dem übrigen Europa am Neuaufbau mitzuhelfen. Auch Frankreich ist friedenshungrig. Bei jedem Zusammentreffen mit den Franzosen soll immer wieder auf dieser Reise der Gedanke Ausdruck finden, daß dem Frieden nur dadurch gedient werden kann, wenn män sich rückhaltlos zu dem Friedensgedanken bekennt und das Bekenntnis durch praktische Arbeit unterstützt.„Die französische Annäherung und die europäisch« Wirtschasts- und Kulturgemeinschaft müssen kommen, wenn wir uns als Kulturvölker Europas nicht ganz aufgeben wollen". Mit diesen Worten, die in der augenblick- lichen Situation besondere Bedeutung haben, klingt die ErNärung Dr. Ostrowskis aus. Mit dem besten Willen und großen Hoffnungen ist die Lehrergruppe auf ihre Reise durch Frankreich gegangen-, wohl wissend, daß Böswillige diesen Annäherungsversuch an dos Nachbar- voll auch hier wieder übel auslegen werden. Sie bekennen sich trotzdem offen zu ihren Zielen in dem Bewußtsein,' daß sie damit ihrein Vaterland besser dienen als die, die aus Militärtagen mit den Massen rasseln und heuchlerische Reden halten. Es wird nicht leicht sein, im Laufe so weniger Wochen«inen wirklichen Eindruck von Frankreich und dem französischen Volk zu bekommen, das in den verschiedensten Landesteilen auch außer- ordentliche Wesensverschiedenheiten ausweist, aber ein hervorragender Führer, der Land und Leute kennt, steht zur Verfügung. Hoffentlich wird man auch in Frankreich dem ehrlichen Bestreben der Berliner Lehrer, fremdes Wesen verstehen zu lernen, das richtige Verständnis entgegenbringen._ W. E. Jur 20 Mark mit der Eisenbahn. Für einen Fahrpreis von 20 M. würde man in Deutschland von Berlin bis Marienbod(393 Kilometer), in der Schweiz von Berlin bis Bayreuth(409 Kilometer), in England von Berlin bis Weimar(249 Kilometer), in Italien von Berlin bis Danzig(506 Kilometer). in Frankreich von Berlin bis Augsburg(600 Kilometer), in Oesterreich von Berlin bis Boden-Baden(720 Kilometer), in Polen von Berlin bis Ostende(915 Kilometer), in Ungarn von Berlin bis Budapest(1005 Kilometer), in Amerika von Berlin bis Chemnitz(211 Kilometer) gelangen können. Amerika ist osso das teuerste, Ungarn das billigste Land hin- sichtlich der Fohrpreise. Deutschland steht im Verhältnis zu den übrigen Ländern noch in der Mitte. -Zß, soviel du willst." „Du kannst essen, was und soviel du willst, für 60 Cents!" Diese Anzeige, die kürzlich in großen Plakaten an einem Rew-Porker Restaurant erschien, bracht« eine solche Menge Gäste in das Lokal, daß der schlaue Einfall bald Nachahmung fand. Es gibt jetzt schon etwa ein Dutzend von Gasthäusern, die aus diese Weise den durch die Wirtschaftskrise gesunkenen Besuch wiederbeleben und damit gute Geschäfte machen. Die Einnahmen sind um 20 Prozent und mehr gestiegen, trotzdem dem Appetit der Gäste keine Grenzen gesetzt werden. Es hat sich bald gezeigt, daß nur etwa 10 Prozent der Besucher die ihnen geboten« Gelegenheit mit allen Krästen aus- nutzen: die übrigen essen nicht mehr, als sie auch sonst zu sich nehmen würden. Alle Gastwirte, die diese Parole ausgegeben haben, wissen Fälle von erstaunlicher Gefräßigkeit anzuführen. Da erschien z. B. ein Mann, der dreimal Leber mit Zwiebeln bestellte, dann zweimal Gemüsesalat aß, Melonen, Bisquit, süße Speise und dazu vier Tassen Kaffee und einen Cocktail aus Tomatensaft schlürfte. Eine Frau aß ununterbrochen eine halbe Stunde lang und war dann nicht imstande, das Lokal zu verlassen. Im allgemeinen wird aber Nicht mehr verzehrt, als für 2,50 Mark geliefert werden kann. Am meisten essen die Fremden und finden nichts Erstaunliches dabei. Die New-Vorker aber sind mißtrauischer: sie wollen nicht recht glauben, daß man bei dieser Art Geschäft auf seine Kosten kommen kann, und lassen sich von dem Geschäftsführer versichern, daß dabei ganz gut verdient wird. Toscaniui dirigiert den„Parsisal". Im Rahmen der B a y- reuther Festspiele fand Mittwoch die erste ,.Porsisal"-Aus- führung statt, die ihre besonder« Weihe durch die erstmalige Stab- führung Toscanims bei diesem Werk erhielt. Vor ousverkaustem Haus gaben Orchester, Solodarsteller und Chöre ihr Bestes und ver- einigten sich zu einer überragenden Leistung. Schrumpfung der deutschen Büchercrzeugung. Nach den im Buchhändler-Börsenblatt veröffentlichten Zahlen über die Bücher- erzeugung des ersten Halbjahrs 1931 ist die Abnahme der Reu- erscheinungen, die schon 1930 gegen 1929 ziemlich bedeutend war, noch weiter fortgeschritten. Während im Jahre 1929 in der Zeit vom Januar bis Juni 6570 Neuerscheinungen gezählt wurden, und diese Zahl 1930 noch 6297 betrug, ist sie im Jahre 1931 auf 5973 zurück- gegangen. Der Rückgang in diesem Jahr betrögt also gegen 1930 etwas mehr als 5 Proz.,' gegen 1929 aber fast 10 Proz. Auch die Aussuhrziftern zeigen deutlich einen Rückgang. Man kann die all- gemeine Umsatzschrumpsung in diesem Jahre bisher auf durchschnitt- (ich 15 Proz. schätzen, An den Sitzungen des Vorstandes des Internationalen Gewerk- schaftsbundes, der gegenwärtig in Berlin tagt, nimmt auch einer seiner Vizepräsidenten, der Generalsekretär der französischen Gewert- schaften Leon Jouhaux t«il. Wir haben die Gelegenheft wahr- genommen, um Jouhaux, dessen Persönlichkeit und Einfluß weit hinausreichen über den Kreis seiner Tätigkeit innerhalb der fran- zösischen Gewerkschaftsbewegung, zu befragen über die in Frankreich vorherrschende Auffassung, das Verhältnis zwischen Deutschland und Frankreich betreftend. Wir haben Jouhaux ein« Reihe von Fragen vorgelegt, die er uns bereitwilligst und ohne ihnen auszuweichen beantwortet hat. Wir geben im folgenden der Reih« nach die Fragen und die Antworten Jouhaux' wieder. Frag« 1: Wie verhüll sich nach Ihrer Meinung die Grund- auffassung des französischen Volkes gegenüber Deutschland? Antwort: Das sranzösifche Volt ist in seiner Gesamtheit Deutschland nicht feindlich gesinnt. Der Franzose ist im allgemeinen friedfertig, der Haß dauert bei ihm nicht, er liebt die Ruhe. Außer gewissen Polittkern und einer gewissen Presse, die genährt werden durch die Handlungen und Gesten der deutschen Nationalsozialisten, hat niemand in Frank- reich feindlich« Absichten gegenüber Deutschland und den Deutschen. Ich will selbst hinzufügen, ohne zu fürchten, mich zu irren, daß die öffentliche Meinung in Frankreich einer parlamentarischen Mehrheit nicht folgen würde, wenn diese gegenüber Deutschland eine Politik der Demütigung beabsichtigte. Wenn der Durchschnittsfranzose die Achtung vor den Friedens- oerträgen fordert, so geschieht dies, weil er glaubt, daß davon der Frieden selbst abhängt. Jedes friedliche Verfahren, dessen Ziel die notwendige Abänderung des gegenwärtigen Status ist, wird von unserer öffentlichen Meinung angenommen. Frag« 2: Glauben Sie an die Möglichkeit einer deutsch- französischen Verständigung, die nickst nur ein äußerer Schein, sondern eine wirtschaftliche und politische Gemeinschaft ist? Antwort: Ich glaube an eine deuffch-fvanzösisch« Verständigung, die die Grundlage jeder Neuregelung in Europa bilden wird. Ich hätte gewünscht, daß man, um sie zu verwirklichen, die gegenwärtigen Umstände benutzt, mit dem Ziele, ein« wirtliche „neue A e r a" zu schaffen, durch eine breite deuffch-sranzöstsche Verständigung, indem man den allgemeinen politischn Rahmen dieser Verständigung umreißt, innerhalb dessen die wirtschaftlichen und finanziellen Abmachungen und Organisationen eingereiht würden, die dies« Verständigung beleben, ihre Stabilität und Ver- vollkommnung sichern und beiden Völkern und Europa die Elemente des Vertrauens geben würden, die zur Entwicklung ihres Reich tums und ihrer Zukunft notwendig find. Frag« 3: Welches ssnd nach Ihrer Meinung die Bedingungen einer derartigen Gemeinschaft? Antwort: Die Grundlage solcher neuen Beziehungen werden gebildet durch wirtschaftliche Ueber«inkomme n. Diese Uebereinkommen können die Sanierung der Wirtschaft der beiden Länder und besonders der Wirtschaft Deutschlands bringen. Di« wirtschaftliche Regelung und eine normale Friedenspolitik würden die Beseitigung der Krise sichern und einer allgemeinen Herabsetzung der Zolltarife oder der Klausel der Meistbegünstigung die ganze Tragweite und Bedeutung zu geben imstande sein. Diese Reu- organisation dürste sich nicht nur aus das Festland beschränken, sondern müßte ihre Zusammenarbeit auch auf kolonialem Gebiete ausdehnen. Diese Zusammenarbeit müßte zum Ziele haben, di« Neuregelung Europas, um aus wirtschaftlicher Grundlage eine Gemeinschaftsarbeit oller herbeizusühren. Frag« 4: Gibt es in Frankreich einflußreiche Teile der öffent- lichen Meinung, die praktisch die Verwirklichung einer deutsch- französischen Verständigung ins Auge fassen, mit dem Ziele enger. inniger Beziehungen der beiden Länder, die auf di« Vereinigten Staaten von Europa hinauslausen? Antwort: Es gibt nicht nur einflußreiche Teile unserer öffent- lichen Meinung, die diese Annäherung und diese Neuorganis ition Europas wünschen, es ist die große Mehrheit des fran» zösischen V o l ke s. die so denkt und ihre Gedanken zum Aus- druck bringt durch ihre Organisationen und durch ihre Abstimmungen. Frage 5: Wie kommt es, daß all« französischen Regierungen immer di« Sicherheit Frankreichs gegenüber Deutschland in den Vordergrund stellen, obwohl Deutschland faktisch entwaffnet ist, d. h. daß die französischen Regierungen da» Recht, wenn nicht die Pflicht Frankreichs betonen, zu rüsten, und di« Pflicht Deutschlands abzurüsten, selbst unter die Grenz«, die der Vertrag von Der- sailles gezogen hat? Antwort: Das ist in Frankreich eine politisch« Frag«, die ihre scheinbare Rechffertigung bisher gesunden hat in den geräuschvollen Kundgebungen der Anhänger Hitlers und Hugenbergs und— es ist notwendig, das auszusprechen— in der Nachsicht, die di» verschiede- nen deutschen Regierungen gegenüber diesen reaktionären und kriegerischen Elementen auszuüben schienen. Alle Motiv« und Ursachen des Mißverstehens zwischen Frankreich und Deutschland müssen beseitigt werden durch eine Politik der direkten Aus- spräche und der Desavouierung jeder Nationalist!- schen Betätigung. Die nationalistischen Kundgebungen sini> es, die die Atmosphäre vergiften und die Furchtsamen sammeln um die Idee der Ausrechterhaltung des statu» quo. Frage 6: Glauben Sie, daß di« Nationalisten und Faschisten bei den französischen Parlamentswahlen im nächsten Jahre Aus- sichten auf Erfolg haben? Antwort: Ich glaub« nicht an den Erfolg der Reaktionäre in Volk steht links, und die Linke, ganz besonders aber die Frankreich im Jahre 1932. Fafchfften gibt es bei uns nicht. Das Sozialisten, werden bei den Wahlen im Jahre 1932 triumphieren. Kitschmuseum in Gefahr Gchreckenskammer des schlechten Geschmacks Beim Eingang in die Katakomben von St. Stephan in Wien dient ein Totenkopf als Weihwasserkessel. In der Allerheiligengruft- tirche des böhmischen Städtchens Sedletz hat man aus Menschen- knochen und Totcnschädeln Pilonen, Wappen, Lambrequins, Krön- leuchter und dergleichen zusammengestellt. Die Ute-Jndianer tragen menschliche Fingerglieder an einem perlengeschmückten Band« aus Menschenhaut befestigt als Halsbänder. Die Tibetaner verwenden Menschenhaut zum Ueberspannen von Tamburinen. In der Göttinger Bibliothek befindet sich ein in Menschenlcder gebundener „Hypokrates", im Museo Carnevalet in Poris ein ähnliches Buch, das die Konstitution von 1795 umfaßt. Der französische National- konoent soll die Gerberindustrie der Menschenhaut besonders ge- fördert haben: selbst heutzutage werden noch Bücher In Menschen- leder gebunden. Der Pariser Chemiker Barruel soll einen Ring besessen haben, der, obwohl eigentlich gewöhnliches Eisen, doch zu den Raritäten gezählt werden muh, da dieses Eisen nach und nach in ganz kleinen Mengen aus menschlichem Blute gewonnen worden ist, und eine Dame der Chikagoer Gesellschaft soll ein Halsband aus eigenartig präparierten peruanischen Menschenaugen besitzen. Ueber Tausend« und aber Tausende solcher Fälle der Un- geheuerlichkeit weiß der Direktor des Stuttgarter Landeegewerbe- museums, Prof. D. Gustav Pazaurek, zu erzählen, der es zu seinem Lebensziel gemocht Hot, gegen die Geschmacksverirrungen der Menschen anzukämpfen. Denn von Menschenschädeln und. Menschen- häuten angefangen bis zu Spinngeweben und Schmetterlingsflügeln gibt es wohl keinen Stoff, der sich nicht eine kunstgewerbliche Miß- Handlung hätte gefallen lassen müssen. Und es gibt kein zweites Uebel auf der Welt, das verbreiteter, tiefer wurzelnd, kulturloser »nd verbrecherischer wäre, als die Geschmacksverirrungen der Menschheit in ihren tausend Formen und— der Kitsch. Es gibt ein Museum in Deutschland, wohl einzigartig auf der ganzen Welt und das sonderbarste, das jemals gezeigt wurde, dos es sich zur Aufgabe machte, alle wertlosen und abschreckenden Pro- bukt« der menschlichen Geschmacklosigkeit planmäßig zusammenzu- bringen. Dieses Museum— dem Landesgewerbemuseum ange- gliedert— ist. au» einer gelegentlichen Sonderschau entwickelt, da» sogenannte Kitschmuseum in Stuttgart. Sein Begründer und Leiter ist der bereits erwähnte, durch feine Tätigkeit weltberühmt gewordene Professor Pazaurek. dessen Hauptaugenmerk darauf gerichtet war, die ewig gültige Regeln des guten und schlechten Ge- schmacks festzusetzen. Mit seiner Sammlung, die«in« Uebersicht der schlimmsten Vergehen sein sollte, mit denen eine spekulative Produktion das Geschmacksempfinden gewollt oder ungewollt ge- schädigt hat, erwarb er unvergleichliche Verdienste im Kampfe gegen die Mißgriffe der Industrie und gegen das Ueberhandnehmen des Kitsches im Geschmack des Publikums. Es wäre falsch zu glauben, daß der stürmische Jubel, mit dem die kunstverständige Welt das Kitschmuseum begrüßt hatte, wider- spruchslos verklungen wäre. Gewissen Kreisen der Industrie, die die Welt mit ihren billigen Erzeugnissen überschüttet, war diese In- stitution, die die Abkehr des Publikums vom Kitsch und seine Be» kehrung zum guten Geschmack anstrebte, von Ansang an ein Dorn im Auge, und es waren ihrerseits immer Bestrebungen im Gange, diese wertvoll« Sammlung aus dem Wege zu räumen. Doch scheint es, daß der Kampf um das Kitschmuseum in diesem Augenblick zu einem entscheidenden Punkt gelangt ist. Unter dem Einfluß dieser Jndustriekreise wird jetzt bei den württembergischen Staatsbehörden ernstlich erwogen, ob das Kitschmuseum nicht gänzlich oder teilweise aufgelöst werden soll. Wer hat Interesse daran, wird man fragen, daß diese verdienst- volle und ruhmreiche Sammlung, die populärste Sehenswürdigkeit Stuttgarts und«in Stolz der deutschen Museumskunst, auseinander- gerissen und vernichtet werden soll? Die kunstverständige Welt ver- langt ihr Weiterbestehen. Die breiten Massen ließen sich gern durch sie zu einem besseren Geschmack erziehen. Feindlich gesinnt sind ihr einzig und allein diejenigen, di« eine allzu große Popularität und Verbreitung der Bestrebungen des Kitschmuseums befürchtend, durch sein Weiterbestehen ihre Geschäftsinteressen gefährdet sahen: die- jenigen Industriezweige, deren Produkte zum abschreckenden Beispiel der Geschmacklosigkeit im Kitschmuseum aufbewahrt und verewigt worden sind. Man verachte nicht ihre Zahl. Die Ausdehnung der Geschmacks- verirrungen, die Grenzen des Kitsches find nicht weit genug abzu- stecken. Ein Blick in di« Schränke des Kitschmuseums genügt, um sich darüber ein Bild zu machen. Da sieht man u. a.: den Kölner Dom als Briefbeschwerer, Blumensträußchen aus abgeschnittenen Fingernägeln, Kaiserbüsten aus Schokolade und Seife, Aschenbecher aus Fischschuppen, Wilhelm II. als leuchtende Glasbüste einer Nacht- lampe, Senftöpfchen in Form diskreter Nachtgefäße, Stühle aus Hirschgeweihen, Bismarckkopf als Bierseidel, Damenbein als Schnurr- bortbürste, ein Stehqusmännchen mit den Zügen Hindenburgs, Seifen in Form nackter Menschen, Bucheinbände al, Schnapskisten, Thermometer in Reitpeitschenform, Geschützgranaten als Spieldosen. Kleiderhaken aus Bajonetten, Graf Zeppelin als Modebild usw. usw. Massenkitsch ist«ine Kulturgefahr. Dagegen zu kämpfen sollte man. che man an die Vernichtung der Stuttgarter Sammlung destkt, in allen Kulturzentren ähnliche Sammlungen gründen.-�osl. Professor Max von Rümelin, der Kanzler der Universität Tübingen, ist am Mittwoch im Alter von 70 Jahren gestorben. Der verstorbene Lehrer des römischen und deutschen Rechts hat sich in gleicher Weise um den wissenschaftlichen Ruf wie um die Ber- waltung der Universität verdient gemacht. Da» wiener Reinhardt-Seminar als Wanderbühne. Das Wiener Reinhardt-Seminar plant für die kommende Theaterspielzelt in Wien eine Reihe von Swdio-Ausführungen, mit denen dann im Lause der Saison auch andere österreichische Städte, die über kein eigenes Theater-Ensemble verfügen, bespielt werden. Die Gastspielreisen, die da» Reinhardt-Seminar bereits durch eine Reihe österreichischer Provinzstädte geführt hat. sollen auch nach Deutschland ausgedehnt werden. Mit einem besonderen Programm wird das Reinhardt- Seminar auch tu. Berlin gastieren. Räuberbande vor Gericht Oer Ltebersall auf �-Bahn Onkel Toms Hütte Dos Schöffengerichf Verlin-Mikie hall heule Abrechnung mil r'.ner verwegenen Räuberbande. Sie„orbeilete" mil Revolvern. Zllasken und Aulos. Aus ihr Konto kommen u. a. die Raubübersälle aus die Kasse des 21-Bahnhoss Onkel Toms hülle, aus das Vermal- lungsbüro der Siedlung Cäcilicngarlen sowie der Zuwelenraub in der Sanonierstrahe. Die letzte Tat wurde der Bande zum Verhängnis. Der Chauf- feur R a d t k e. der einzige unvorbestrafte unter den sieben Ange» klagten, erschien im Polizeirevier und erzählte ein Märchen, wie man ihn unter Vorhaltung des Revolvers gezwungen habe, ein? Fahrt außerhalb Berlins zu unternehmen. Der Chauffeur tonnte aber den Ausfragekünsten der Kriminalpolizei nicht widerstehen und bald saßen sechs weitere Mitglieder der Räuberbande hinter Schloß und Riegel: zweien gelang es, sich den Fängen der Polizei zu ent- ziehen, einer von diesen beiden, haulich, konnte vor wenigen Ta- gen festgenommen werden. Der Anführer der Bande ist der bereits mit Zuchthaus vorbestrafte 47jährig« Franz S p e r n a u. Neben ihm sitzen der Elektromonteur Leo Jakubowski, der Händler Fritz B a u m g a r t, der Mixer Max Kley, der Kaufmann Adolf Stolle und der Kraftwagenführer Heinz G a a z. Bei Jakubowskx Baumgart und Kley wurde bei der Verhaftung je eine Pistole gc- funden, bei Spernau sogar zwei scharfgeladene Revolver. Die Uebersälle, die den Angeklagten zur Last gelegt werden. bilden gewissermaßen nur«inen kleinen Ausschnitt aus der Vcr- brechertätigkeit der Bande. Die erste in der Serie der Taten, die heute zur Erörterung stehen, bildet der Raubüberfall aus die Kasse der U-Bahn Onkel Toms hülle. In der Nacht vom 19. auf den 20. Februar hörten der Zugabferliger und der Schaffner eilige Schritte die Treppe herunterkommen, im nächsten Augenblick riefen ihnen zwei maskiert« Männer zu: Hände hoch!, hi«ltcn ihnen Pistolen vor die Brust, ein dritter eilte zum Fahrkartenhäuschen und schrie die Kassiererin an: Gehen Sie raus! Das Geld her! In ihrem Schreck hatte dies« vergessen, die Alarm- glocke zu ziehen und gab das Geld heraus. Die Räuber ent- fernten sich ebenso schnell, wie sie gekommen waren, bestiegen ein bereitstehendes Auto mit laufendem Motor und jagten davon. Die Beute betrug nicht mehr als 141 M., die goldene Uhr und der gol- dene Ring der Kassiererin. In der Nacht vom 28. zum 29. März stahl die Bande ein«n Opelwagcn: sie plante einen Einbruch in der Soorstraße, aus dem aber nichts wurde. Ein Wächter ver- hinderte die Ausführung des Einbruchs, einem Polizeibeamten er- schien der Wagen, der an einer unbebauten Stelle hielt, verdächtig. Er ging an ihn heran, wurde mit den Worten begrüßt: Bubi, so geht das nicht, Hände hoch! und um seine Dienstpistole gebracht. Am 1. April d. I. drangen vier maskierte Räuber in das Verwaltungsbüro Cädliengarten 57 ein, zwei von den Eindringlingen hielten mit ihren Pistolen den Ver- walter und den Wächter in Schach,«in dritter schüttete das Geld, 13 009 M., in«inen Kohleneimer und weg waren si«. Auch diesmal wartete auf die Räuber ein Auto mit laufendem Motor. Schließlich der Ueberjall am 4. Mai in der K a n o n ie r st r a h«, der der Räuberbande zum Verhängnis werden sollte. Gegen 9 Uhr morgens befand sich die Hausangestellte Hedwig Großer auf dem Wege zu dem Iuwelengeschäft ihrer Herrschaft. Wie immer führte sie in einem henkelkorb einen Karton mit Juwelen, die nachts über in der Wohnung aufbewahrt wurden. Als sie die letzten Stufen der Treppe hinabstieg, erhielt sie von einem maskierten Räuber «inen derart wuchtigen Faustschlag, daß sie zu Boden stürzte, es war der vor kurzem erst verhaftete Paulich. Der henkelkorb wurde ihr aus der Hand gerissen, Spernau deckte mit einem Revolver in der Hand den Rückzug. Das Mädchen raffte sich vom Boden auf, schrie um Hilfe, lief den Räubern hinterher, Arbeiter versuchten ihnen den Weg zu versperren, wurden aber mit Revolvern in Schach gehalten. Die Räuber sprangen in ein Auto mit laufendem Motor und ent- kamen trotz der Verfolger im rasenden Tempo durch die Friedrich- straße. Der Chauffeur war Radtke, der am Nachmittag im Polizei- Präsidium erschien und«in Märchen aufzutischen versuchte. Die Verhandlung findet im großen Schwurgerichtssaal des alten Kriminalgerichts statt. Kommunistische Gireikreklame Woraus Erfolge gemacht werden Zur Zeit des stärksten Betriebes in der Landwirtschaft geht die KPD. in die Dörfer und organisiert Streiks. Es ist wirklich kein Kunststück, dabei den einen oder anderen Augenblickserfolg zu er- zielen, der nur solange vorhält, bis die landwirtschaftlichen Unter- nehmer aus dem stärksten Druck heraus sind, was oft nur ein paar Tage währt. Ein halbes Dutzend solcher Landarbeiterstreiks hat die„Rote Fahne" zusammengesucht und stellt sich nun mit dem Etikett versehen zur Schau:„Erfolgreiche Streiks unter Führung der NGO." Die Krampfersolge, mit denen die KPD. krebsen geht, um sie als Beispiele dafür anzuführen, daß auch jetzt erfolgreiche Streiks jeden Tag geführt werden können, wirken wirtlich nicht über- zeugend. Wenn die Gewerkschaften die Beilegung alle der kleineren tagtäglichen Differenzen in den Betrieben zu besonderen Erfolgen aufblühen wollten, dann hätten sie nur notwendig, in jedem Falle mit Streik zu drohen, um mit ähnlichen Streikerfolgen prahlen zu können wie die KPD. Die RGO.-Herrschoften müssen schon in ziemlicher Verlegenheit um den Nachweis erfolgreicher Streiks unter ihrer Führung fein, wenn sie derartige„Erfolge" konstruieren. Aber sie gebrauchen für ihre„Massenstreik"-Agitation solche Erfolgsbeispiele und machen sie sich mühsam zurecht.„Täglicher Kleinkrieg in allen Betrieben... durch Streik" ist ihre Losung, die sie an den Mann zu bringen suchen. In den industriellen Großbetrieben machen sich die„Re- volutionäre" mit solchen„Erfolgen" doch nur lächerlich. Und wenn sie sich gar in Positur werfen: Seht unsere Streik- erfolge! Wo bleibt der ADGB? Dann muß man un- willkürlich lachen. Die KPD. gebraucht„viele Streiks in allen Betrieben", allein die„Derräterpolitik der ADGB.- Führer" ist schuld daran, daß die Gewerkschaften sich der„sieg- reichen Führung der KPD." nicht zur Verfügung stellen und ihr nicht die nötige Munition liefern. Weil aber die„reaktionären Gewerkschaften" solche„erfolgreichen Streits", wie sie unter Führung der RGO. gemacht werden, nicht mitmachen wollen, bleibt „nur eine revolutionäre gewerkschaftliche Kraft" und das ist die glorreiche RGO.l„Die von ihr geführten Streiks find Beweis dafür."— Laßt dem Schreihals seine Bulette. Raubüberfall auf Oahrlehnskasse. Die Taier entkommen. Am Mittwochabend regen TVi Uhr wurde der Rendant Schob der Darlehnskasse in Lange ndorf bei Weißenfels von zwei unbekannten jungen Männern überfallen. Schob, der im Geschäfts- zimmer noch zu tun hatte, versuchte, sich den Räubern gegenüber, die mit vorgehaltenen Revolvern das Geld forderten, zur Wehr zu fetzen und schlug kräftig auf sie ein. Die Waffen der Täter scheinen aber nicht geladen gewesen zu sein, denn geschossen wurde nicht. Aus die chilserufe des Rendanten ergriffen die beiden Burschen ohr>e Beute die Flucht und entkamen aus ihren Fahrrädern, die sie auf der Straße abgestellt hatten. Beide waren etwa 23 bis 25 Jahre alt und von mittlerer Größe. Es hat den Anschein, als ob sie nicht aus der Gegend stammten. Der Landrat hat aus ihre Ergreifung eine Belohnung von ö00 M. ausgesetzt. viratenauto auf der Landstraße. Das Rätsel der Nummer IE 45 TOS gelöst. 3n der Barle! straße wurde am Rkillwoch ein s ü h r r r- loses Auto mil dem Kennzeichen 1 E. 45105 aufgefunden, das in seinem Innern zahlreiche Blulspriher auswies. Die Polizei glaubte auf die Spur eines Verbrechens geraten zu sein, was sich auch im verlause der Rachsorschungen bestätigte. Der Wagen war einem Oranienburger Arzt am Montag g e st o h l e n worden. Die Diebe, offenbar eine aus vier Mitgliedern bestehende Bande, benutzte dos Auto zu Einbrecher- fahrten und zu einem verwegenen räuberischen Ueberjall auf einen Kellner. Das Opfer war der frühere Maschinenbauer L ü ck, der als Aushilfskellner in einem Lokal bei Ncuschulzendorf be- schäftigt ist. L. war am Dienstag nach Beendigung seiner Arbeit zum Bahnhof gegangen, um nach Hause zu fahren. Der Zug war aber bereits fort und so entschloß sich Lück nach Eichwalde zu laufen, wo er mit der Straßenbahn Anschluß gehabt hätte. Während L. an der Haltestelle wartete, kam aus Richtung Erkner ein Privotouto heran, dessen Insassen nach dem Wege nach Grünau fragten. Als Lück erklärte, daß er den gleichen Weg habe, erboten sich die vier. ihn mitzunehmen, damit er ihnen den Weg zeige. Kurz vor der Ortschaft Alt-Schulzcndors fielen die Autoinsasscn über den Kellner her und versuchten ihn auszurauben. Lück segte sich heftig zur Wehr und es gelang ihm, die Tür aufzureißen und von dem langsam fahrenden Auto abzuspringen. Unter Hilferufen flüchtete der lleberfollenc. Die Räuber, die zunächst Miene mochten, ihm zu folgen, ließen von ihrem Opfer ab, als ein Nachtwächter mit schußbereiter Pistole hinzurilte. Die Banditen sprangen ins Auto und rasten davon. In dem Wagen hatte die Polizei eine Brieftasche gefunden, die offenbar einer der Banditen verloren hatte. Die darin befindlichen Papiere lauteten auf den Nomen Waldemar S ch i l l a ck aus der Steinstraße in Lichtenberg. Sch. wurde heute früh aus dem Bett heraus verhaftet. An eine Vernehmung war bisher nicht zu denken, da der mutmaßliche Autoräuber erst kurz zuvor schwer betrunken heimgekehrt war. Mit der Festnahme der übrigen drei ist bald zu vcchnen. paddelbooiunglück aus der Ostsee. Zwei junge Leute ertrunken. Swinemünde. 23. Juli. Am Neuendorfer Strande fanden Landjägerbeamte die Leiche eines jungen Mannes. Nach den vorgefundenen Papieren handelt es sich um den 18 Jahre alten Vermessungslehrling Gerhard F r e y t a g aus Küstrin. Die weiteren Ermittlungen ergaben, daß Freytag und der 22 Jahre alte Bäcker Hugo Esch aus Küstrin am 9. Juli von Swinemünde aus mit einem Paddelboot abge- fahren find, um, wie sie ihren Eltern mitteilten, nach Rügen zu fahren. Am Strande zwischen Neuendorf und Heidebrink wurde am 11. Juli ein Paddelboot„Planet" angetrieben, das den beiden jungen Leuten gehörte. Es besteht kein Zweifel, daß auch Esch den Tod in den Wellen der Ostsee gefunden hat. Orei Menschen suchten den Tod. Gelbmordtragödie aus Not. Liegnitz. 23. Juli.(Eigenbericht.)' Zn der Rächt zum vliltwoch schieden durch Gasvergiftung drei Menschen aus dem Leben. Es handelt sich um die erst 2Zjährige Margot Raspe, ihren 16jährigen Bruder und deren 4Sjährigen Onkel Franz vyhlidal aus Wien. Die Raspe hatte vor kurzer Zeit ihre Mutler verloren und wollte nun mit hilse ihres Bruders und Onkels das von der Muller geerbte weih- und kurzwarengeschäst sorlsühren. Durch die verschlimmerte Wirtschaft- liche Lage mußte das Geschäft schließlich geschlossen werden. Da die drei Menschen keinen anderen Ausweg mehr wußten, beschlossen sie. gemeinsam aus dem Leben zu gehen. Sie machten sich noch ein paar angenehme Stunden und kauften sich für ihre letzten Pfennige wein und Leckerbissen. Dann schrieben sie A b i schiedsbriefe, in denen es hieß, daß es ganz gleichgültig sei. wie man die Leichen beerdige. Man könne ja eventuell die leeren Kisten benutzen, die noch auf dem Boden stehen. Erst in den Räch- Mittagsstunden des Mittwoch fand man die Leichen auf. Gerüsteinsturz in Halensee. Zwei Arbeiter schwer, ein weiterer leicht verletzt. Aus dem Reubau der Reichsposiverwallung in der Cicero? straße 7 in Halensee ereignete sich heute früh ein folgenschwerer Gerüsteinsturz, bei dem drei Arbeiter verletzt wurden. Auf einem Laufbrett waren gegen 8.15 Uhr drei Handwerker beschäftigt. Plötzlich brach eine morsche Ouerstange und die Arbeiter stürzten aus beträchtlicher Höhe hinab. Die Zimmerleute Willi Schweizer aus Schönwalde und Heinrich E i ck aus Lübars mußten mit erheblichen Verletzungen ins Westendkrankenhaus ge- bracht werden. Der dritte Verletzte kam glücklicherweise mit leichten Abschürfungen davon. Eine polizeiliche Untersuchung ist sofort ein» geleitet worden. Oer neue Ltniversitatsrektor. Dr. Heinrich Lüders wurde gestern gewählt. Der Senat der Berliner Universität wählte gestern den Professor für indische Philologie. Dr. Heinrich Lüders. zum Rektor der Berliner Universität. Oie Abstempelung der Lohnlisten. Auf den zuständigen Polizeirevieren. Der Polizeipräsident teilt mit: " Nachdem durch Erlaß des preußischen Handelsministeriums d i e Auszahlung von Lohngeldern durch die Banken von einer polizeilichen Abstempelung der Lohnlisten ab- hängig gemacht worden ist, hat der Polizeipräsident die Polizei- r e v i e r e mit der Durchführung dieser Anordnung betraut. Die Interessenten müssen sich an dasjenige Polizeirevier wenden, das für den Sitz der in Frage kommenden Firma oder einer ihrer selbständigen Unterabteilungen zuständig ist. Schwerste Schäden durch Ausreisezoll. Mehrere Schnellzüge bereits eingestellt. München, 23. Juli.(Eigenbericht.) Ab heule werden die D-Züge 12S und 125 der Strecke München— Kus st ein— Meran bis aus weiteres eingestellt. Die Reichebahndirektion ist der Auffassung, daß infolge des starken Rückganges des Reiseverkehrs durch die Ausreise- slcuer eine Ausrechlcrhaltung der beiden Züge nicht mehr erforder- lich und vor allem nicht mehr lohnend ist. Sozialer Geist in Hinierpommern. Ein feiner Mann ist der Gemeindevorsteher S t r ö m e r in Schwarz-Dammerkow in Hinterpommern. Am 2. Februar dieses Jahres wurde der Landarbeiter O. Sch. aus der Arbeits- lofenoersicherung ausgesteuert. Seine Familie besteht aus fünf Köpfen: darunter sind drei Kinder unter 13 Jahr«». Er wandte sich an den Gemeindevorsteher um Wohlfahrtsunterstlltzung. Er er- hielt aber weder Unterstützutzng noch Nachricht. Aus Gnade und Barmherzigkeit wurde der Arbeiter dann von mitleidigen Seelen vom 27. April bis 2. Mai beschäftigt. Seitdem hat er wieder weder Arbeit noch Unterstützung. Das Kreiswohlfahrtsamt Stolp be- willigte für den Juni eine Unterstützung von 30 M. Der Gemeinde- Vorsteher aber erklärt dem Arbeiter, als dieser um Auszahlung der Unterstützung bat, er solle sich das Geld bei den Bauern im Dorfe zusammenbetteln. Laß sie betteln gehen, wenn sie hungrig sind! So löst man in Hint«rpomm«rn die soziale Frage. Die Aufsichtsbehörden sollten sich schleunigst den hintcrpommerschen Menschenfreund einmal vorknöpfen. welter für Berlin: Fortdauer des beständigen und warmen Sommerwetters. Für Deutschland: Im Nordwesten Bewölkungs- zunähme, sonst allgemein beständig mit weiter ansteigenden Tempc, raturen. L-rantworlt. Mr die Nkdaltion: Scrbert gepMr, Sttlin; An, eigen: Zb. Slot«. Berti». Berlag: Voewärts Verlag®. m. b. S.. Berlin. Druck: Vorwärts Buch. druckerei und TerlagsanNalt Paul Singer S: Co.. Verlin CW 68. Lindenstrake Z. Hierzu l Beilage. UM! Ttiealer 8 Uhr Zum 150. Male Der Rauptmann von Köpenid; ärA Dr. Maria Faßbender: 4km Kind wird„Diebin" Eine Mutter kommt in die Sprechstunde. Unter Tränen erzählt sie, was geschehen ist und bittet um Hilfe. Sie lebt mit ihrem Mann in guten, geordneten Verhältnissen, sie haben nur eine Tochter, die jetzt 15 Jahre alt ist. Ihre einzige Sehnsucht war es, der Tochter eine gute Erziehung angedeihen zu lassen, damit sie später einmal Lehrerin werde. Sie schränkten sich ein, sie sparten, damit das Mädchen eine höhere Schule besuchen konnte. Bis jetzt war sie gutartig, gab nie zu Klagen Anlaß, aber vor einigen Tagen, erzählt die Mutter weiter, sei etwas Merkwürdiges geschehen: Das Mädchen hatte in der Schule das ihr anvertraute Geld g e st o h l e n, außerdem einen Wertgegenstand einer Mit- schülerin weggenommen. Lehrer und Eltern standen vor einem Rätsel: es schien fast aus- geschlossen, daß dieses stille, fleißige und intelligente, das größte Vertrauen der Schule genießende Mädchen eine Diebin sei— und doch war es so. Das Mädchen gestand dann später unter Tränen alles. Was sollte hier geschehen? Wie sollte man dem Kinde und den Eltern helfen? Da der Diebstahl in der Schule geschehen war, mußte der Lehrer als erster eingreifen. Cr stellte das Mädchen zur Rede, machte ihr bittere Vorwürfe, sagte ihr, von nun an könne er gar kein Vertrauen mehr zu ihr haben, war enttäuscht, zeigte seine Verachtung und bat die Eltern um Herausnahme des Kindes aus der Schule. Bald wußte von dem Vorgefallenen nicht nur die Klasse, sondern die ganze Schule. Das Mädchen war erledigt. Sie konnte und wollte nicht mehr zur Schule gehen: ZU Hause war es furchtbar, die unglücklichen und deprimierten Eltern machten ihr Vor- würfe, das Kind weinte, aß nicht— wurde ganz trübsinnig. Run fragen wir: Hat der Lehrer richtig gehandelt? Wem wurde geholfen? Doch nur der Schule selbst, die sich der Schülerin ent- ledigte, anstatt, was erzieherisch richtiger gewesen wäre, sich mit dem Fall näher zu beschäftigen. Wir müssen also mit„nein" antworten und diese Handlungsweise verurteilen. Solches Vorgehen kann dem Kinde für sein ganzes Leben schaden und aus ihm erst das asoziale Wesem machen, das es trotz seines Vergehens noch gar nicht ist. Die Eltern suchten daher anderweitig Rat und Hilfe. Sie kamen in die B e r a t u n g s st e l l e, und wir versuchten vor allem zu er- fahren, welche M o t i ve es waren, die das Mädchen bewogen hatten zu stehlen. Brauchte sie das Geld für irgendwelche Dinge, die sie zu Hause nicht bekam? Was tat sie mit dem Geld und dem Schmuck- stück? Denn es ist bei Kindern nicht gleichgültig, was sie stehlen ff' und was s i e mit dem Geld und den ge st ohleneu Dingen machen. Die Verwendung des Geldes und die Begleitumstände des Dieb- ftahls sind der erste Schlüssel zur Aufklärung der Ursachen, die zum Diebstahl geführt haben. Manchmal stehlen ja die Kinder, nur weil sie gerne naschen wollen, aber nie oder nur selten Geld für diesen Zweck bekommen. Doch nicht alle Diebstähle der Kinder sehen so aus und sind gleich zu werten. Die Ursachen des Diebstahls sind oft sehr kompliziert, und man muß sehr vorsichtig sein, bevor man ein Kind als wirklichen Dieb betrachtet und als solchen bestraft. Was tat nun unser junges Mädchen mit dem Gelde? Sie kaufts dafür einige Gegenstände für die Schule, schmückte die Klasse damit und erzählte, sie hätte es vom eigenen Gelde gekauft. Das Schmuckstück schenkte sie der Mutter: sie sagte, sie hätte es auf de? Straße gefunden. Nach wiederholten Rücksprachen mit Eltern und Kind erfuhren wir, daß sie zu Hause eine sehr strenge, wenn auch gut gemeinte Erziehung bekam. Sie durfte, obwohl sie 15 Jahre alt war, nie ohne Eltern und auch nicht mit Freundinnen weggehen. Ja, sie wurde geradezu von den Freundinnen isoliert aus Angst, sie könnte von ihnen Schlechtes lernen. Die beweglichen, bur- schitosen und selbständigen jungen Mädchen waren für die Eltern die„verdorbene Jugend". Ihr Mädchen mußte anders sein: das fiel schon durch die Art der Kleidung auf, die kindlich und altmodisch war, sie trug langes Haar und machte im ganzen den Eindruck einer Zehnjährigen. Sie wurde natürlich in der Schule als das brave Mutterkindchen gehänselt und ausgelacht, und wenn sie auch Lehrer und Eltern lobten, so genügte ihr das nicht: sie wa? mürrisch, gedrückt, einsam, sie fühlte sich zurückgesetzt. Wir haben erkannt, daß das sichtbare Motiv ihrer Handlungss weise das Geltungsbedürfnis war. Ihr Bravsein nützte ja nicht, damit imponierte sie den Mitschlllerinnnen nicht, also wählte sie impusiv ohne Ueberlegung und ohne selbst klar die Ursachen ihrer Handlungsweise zu kennen, diesen Weg. Sie wollte auffallen und von sich reden machen. Es wäre Sache des Lehrers gewesen, das zu erkennen und mit dem Mädchen darüber zu sprechen, sie in Schutz zu nehmen und die Eltern zu beeinflussen, ihre dem Kinde nur schadenbringende Er- ziehung zu ändern. Das ist dann nachträglich auch durch uns ge- schehen, und die Eltern zeigten sich sehr gelehrig und vernünftig. Das Mädchen kam in eine andere Schule und führt sich sehr gut. Aber diese Qual hätte ihr und den Eltern erspart bleiben können. Hermann 'krlcbniflc des Alltags Was uns mit ganzer Seele und mit vollen Sinnen packt, das haben wir erlebt, sei es der Schrei einer Geburtsstunde, eine wichtige Kundgebung, ein mitreißendes Theaterstück, ein erschütterndes Er- eignis auf dem Schlachtfeld der Arbeit oder ein geschichtlicher Vor- gang, wie die Ausrufung der Republik. Das alles sind Erlebnisse, die uns dem alltäglichen Trott unseres Daseins, die uns dem Alltag entreißen. Solche Geschehnisse und„Sensationen" aber können nicht jeden Tag eintreten, und wenn wir das trotzdem verlangen, dann ent- fremden wir uns dem Alltag und entwerten ihn. Der Alltag ist nicht dazu da, daß man ihn oerschläft oder verträumt, denn der Verlauf des Alltags ist ein Spiegelbild der wirtschaftlichen und kultu- rellen Verhältnisse unseres Landes und der sozialen und menschlichen Lage des einzelnen. Wenden wir uns also nicht vom Alltag ab, um uns den Wunsch- träumen des Wochenendes, der Ferienzeit, eines Romans oder irgendeines Films hinzugeben, sondern versuchen wir auch den grauen Alltag zu einem Erlebnis zu gestalten, indem wir die kleinen Einzelheiten unseres täglichen Daseins zu bewußten Er- lebnissen werden lassen. Natürlich soll der Alltag nicht verniedlicht und verkitscht werden, denn hier kommt es wie überall auf die richtige Verteilung von Licht und Schatten an. Doch der Erwerbstätige weiß vor lauter Arbeit und der Erwerbslose vor lauter Sorgen nichts mit seinem Alltag an- zufangen. Was bedeutet allen diesen Menschen der Alltag oder das Erlebnis des Alltags?— Aber gerade derjenige, der so tief im All- tag verstrickt ist, daß es für ihn kaum noch einen Festtag gibt, dem muß auch der Alltag das bißchen Lebensfreude geben, die ihm die Misere unserer Zeit noch gelassen hat. Wo wir in den Straßen, in der Straßenbahn, in den Fabriken und in den Hinterhäusern nur Hausreihen, lärmende Verkehrsmittel, Arbeitsstätten und trostlose Proletarierwohnungen sehen und nichts weiter, da ist der Alltag trüb und öde, und der bedrängte Zeitgenosse wird mit dem Gedanken daran nur noch mürrischer und verdrossener. Er gleitet dabei immer mehr in die Masse der N u r- U n z u f r i e- denen ab und wird so leicht eine Beute des volksfeindlichen Rückschritts. Also buchstäblich: die Augen auf! Ein Freund von mir hatte das richtig ersaßt. Er war zwar auch nur aktiver„Sozialversicherter", der die Alu-Karte in der Tasche hatte. Aber er war ein leidenschaftlicher Photoamateur, der nicht über die Straße gehen konnte, ohne die Steinsetzer bei der Arbeit, den Taxichaufseur beim Mittagsschläfchen oder den alten Bettler, der„zeitgemäß" militätische Ehrenbezeugungen machte, mit seiner Kamera einzufancjen oder doch als mögliche Motive für ein un- geknipstes Bild zu betrachten. Die Augen dieses— übrigens im ALB. organisierten— Arbeiterlichtbildners waren schärfer geworden: er beobachtete denkend die Menschen, die Häuser, die Autos und Fahrräder und dachte bobachtend daran, daß es nicht genügt, nur Menschen, Häuser und Fahrzeuge zu sehen, sondern daß es auch gut ist, sie soziologisch unterscheiden zulernen: den Generaldirektoren- typ, den Spießbürger, den Kaufmannslehrling, das teste Mädel, den Arbeitslosen. Und dann die Häuser: da wird zuerst die palastähnliche Stadt« villa eines Schwerverdieners aufs Korn genommen, und dann die zerfallene Fassade eines Hinterhauses— dabei ist es nicht einerlei, ob die monotone Wandfläche nur von öden Fensterhöhlen aufgeschlitzt wird oder ob ein durchlaufendes Gesims die Fläche quer unterteilt und ein alltägliches Regenrohr diese„architektonische Ausgabe" in der Längsrichtung besorgt.(Mein Begleiter murmelte etwas von „Bildwirkung".) Jedenfalls können zwei solche Aufnahmen von so verschiedenen sozialen Zuständen eine viel wirksamere Sprache führen als das lauteste Klassenkampfgeschrei. Diese Gegensätze richtig ge- sehen und gut beobachtet zu haben, das ist ein Erlebnis. Wer imstande ist, den Alltag bewußt zu erleben, der sieht auf der Strecke nicht nur Kraftwagen dahinsauscn, sondern er sortiert sie sich und denkt ein wenig darüber nach, was er gesehen hat und was es weiter zu beobachten gibt und zieht seine Schlußfolgerungen daraus. Der Alltag ist also voller Erlebnisse, voller trüber und doch auch wieder heiterer Ereignisse. Auch an diesen freundlichen Episoden wollen wir nicht vorübergehen, denn es ist doch so: wir wollen uns keinen Sand in die Augen streuen lassen, aber jedes kleine Bild von der Straße, aus dem Heim des Hofbewohners, kurz jedes Bild des Alltags, das uns erheitert— sei es ein lachendes Kind, ein witziger Zufall, eine scherzhaste Szene—, ermuntert uns und löst Lebensenergien in uns aus, die wir zum Kamps ums nackte Dasein ebenso gebrauchen wie zum Kampf um unsere sozialen Ziele. Donnerstag, 23. Juli 1931 Sascha Roleathal: Schönheitswettbewerb Die Zeiten sind betrüblich, denkt das Bürgertum. Man muß sich zerstreuen. Es sucht nach einem tröstenden Spielzeug und findet— das Kind. Wer hat das schönste Baby? Schönheit ist ein Wert. Schön- heit muß erhalten werden. Welches ist das schönste Baby? Wohl- gemerkt: das schönste. Nicht etwa das gesundeste, das klügste, das gemütvollste. Oder vielleicht schließt der Schönhcitsbegriff der Jury das alles mit ein? Vielleicht auch nicht. Wie dem auch sei. Die Preisbewerber wider Willen und Wissen sind die Kinder der Reichen. Ihnen ward Schönheit als Erbteil durch Generationen wohlgenährter, sorgsam gepflegter Körperlichkeit und Geistigkeit, als Gabe der Eltern und ihres eigenen wohlumstellten Lebens. Zum Ueberfluß wird die Jury Ueberfluß häufen. Nutzlos, zweck- los. Andere Kinder gibt es, die auch schön sein könnten, die geist- voll sind und seelenhaft. Ihnen fehlt Nahrung und Pflege. Sie könnten nur zu gut das Geld und die Sachen wohl gebrauchen, die als Preise ausgesetzt sind für die Schönsten. Aber sie können nicht glänzen mit äußerer Schönheit, mit Fülle der Gesundheit, mit Ausgeglichenheit der Züge, Ebenmaß der Formen. Ihre Wangen sind ausgehöhlt. Ihre Augen glanzlos, ihr Mund verzogen vor Entbehrung, ihr Ausdruck nervös und friedlos wie ihre Umgebung. Und wenn schon eins harmonische Schönheit bewahrt hat, die Mutter hat sicher kein Geld, um es zu photographieren für den Wettbewerb. Das schönste Kind unter den Ausgesuchten der Bewerberliste— wie sehr gleicht es einem anderen gleichaltrigen, mit gleicher engel- hafter Unberührtheit des Ausdrucks, mit ebenso in sich selbst ruhend klarem Blick, dessen gleicherweise formvollendetes Köpfchen, von einem Auto gestreift, vorzeitig in den Tod sinken mußte, mit all seiner Schönheit, weil seine Mutter, eine Wäscherin, kein Geld hatte, um ihm eine zuverlästige Aufsicht zu bestellen. Aber Mütter, die genügend Mittel besitzen, um die Schönheit ihrer Kinder zu behüten, werden belohnt für die Wohlbemitteltheit, die sie befähigt, schöne Kinder zu haben. Wer verbürgt jedoch, daß die preisgekrönten Kinder die Zu- kunftswertvollen find? Wie, wenn eitle Mütter, unbedachtsame Verwandte, schmeichle- rische Freunde so lange in Gegenwart des Kindes von seinem Sieg reden, bis es eines Tages begreifen lernt, daß man seiner Schön- heit huldigt. Dann wäre dieser Schönheit der zarteste Schmelz genommen. Das Kind müßte sie bezahlen mit der Schönheit seiner Seele. Eitel- kcit, Selbstüberschätzung, Hochmut, Geltungssucht, Unzufriedenheit könnten die Folge sein. Im Jahrhundert des Kindes treibt man Unfug mit der Schön- heit des Kindes. Man hat es eilig, Anwärter auf den Beruf der Schönheits- konkurrenz zu züchten, die Hunderte von Frauen in Eitelkeit, Ehr- geiz, Neid, Enttäuschung und Unbefriedigung ein nach der Schön- heitskrone lüsternes Dasein zu führen oerlockt. Wahrlich, ein der heutigen Frau unwürdiges und unethisches Unternehmen. Kinderschönheitswettbewerb? Gedankenloses Spiel mit der Seele des Kindes! Aellzk Volffheim: Ueber die kinöcrangkt Die meisten Kinder haben in ihrer frühen und frühesten Zeit Aengste zu überstehen. Solche Angst bildet sich beim Säugling, wenn er sich nach seiner Mutter sehnt, und entspringt— wie Freud es darstellt— wohl weniger dem Alleinsein an sich, als dem Wunsch, die geliebte Person bei sich zu haben. Es ist dies ein natürlicher Vorgang, den wir nicht schwer nehmen dürfen. Ebenso sollte man sich nicht wundern, wenn ein kleineres Kind vor Unbekannten zurück- schreckt und davon beunruhigt wird. Auffallend ist nur die V e r- s ch i e d e n h e i t der Stärke, in der die Angst auftritt, und man muh dort mit einer ererbten oder früh erworbenen Disposition rechnen, wo ein Kind ü b e r ä n g st l i ch ist und in einer über das gewöhnliche Maß hinausgehenden Weise Furchtsamkeit zeigt. Dieser Gradunterschied und auch das zu lange Anhalten der nur beim ganz jungen Kinde natürlichen Angfterscheinungen weisen darauf hin, daß man es mit einer beginnenden Neurose— der„Nervosität", wie es landläufig heißt— zu tun hat, der man Ausmerksamkeit schenken muß. Die tief eingreifende Wirkung ausgeprägter Aengstlichkeit wird jedem offenbar, der Menschen zu beobachten weiß. Die Persönlich- keit kann sich nicht entfalten, wenn Hemmungen ein freies Denken und Handeln unterbinden. Das Glück eines Menschen hängt oft von kleinen und kleinsten Dingen ab, die den Erwachsenen behindern, die aber ihre Wurzeln im Erleben des kleinen Kindes haben. Das Zurückweichen vor allem Neuen z. B., das im Berufsleben und bei der Anknüpfung von Beziehungen zu anderen sehr erschwerend wirken kann, ist häusig eine Folgeerscheinung frühkindlicher Ein- drücke, die nicht abgebaut wurden und daher weiter nachwirkten. Wir können nicht im einzelnen auf Angsterschcinungen eingehen, die dazu geeignet sind, lebenshemmend zu wirken, der Hinweis auf die Bedeutung der Furchtsamkeit muß hier genügen. Es fragt sich nun, ob die Umgebung des Kindes tatsächlich vor- beugend Einfluß gewinnen kann, und ob sie es vermag, der bereits entwickelten Angst eines Kindes entgegenzutreten. Ein paar Beispiele können unseren Gedankengang am besten illustrieren und uns helfen, die soeben gestellten Fragen zu beantworten. Ein vierjähriges Mädchen wollte gern mit seiner Mutter aus- gehen, obgleich ein außerordentlicher Sturm draußen wütete. Die Mutter wollte das Kind nicht mitnehmen, stieß aber bei der Kleinen auf heftigen Widerstand. Begütigend mischte sich eine zufällig an- wescnde Frau in die Debatte und erzählte dem Kind, daß kürzlich irgendwo eine Gleichaltrige vom Sturm fortgeweht sei. Das wirkte, und ohne weitere Schwierigkeiten blieb das Kind nun zu Hause. Dieser„pädagogische" Augenblickserfolg klang aber höchst un- angenehm nach: Von diesem Tage an ängstigte sich das Mädchen, bei windigem Wetter auszugehen. Die Angst blieb ihr bis an die Grenze des Erwachsenseins und behinderte sie in verschiedener Hin- ficht. Wir wollen dahingestellt sein lassen, ob in diesem Kinde nicht bereits eine Neigung zur Aengstlichkeit geschlummert hatte, ausgelöst wurde die Furcht vor dem Winde jedenfalls durch eine achtlos hin- geworfene Bemerkung. Wir sehen daraus, wie vorsichtig man Kindern gegenüber sein muß. Dch�ede Art ooa AoMädagogit. lü« durch Androhungen etwas zu erreichen sucht, für einen modern eingestellten Erzieher nicht mehr in Frage kommen darf, kann uns gerade dies Beispiel zeigen. Auch der nachwirkende Einfluß einer zu strengen Erziehung auf die Eni- wicklung eines jungen Mannes soll uns als Beweis dienen, wie man Aengstlichkeit züchten kann. In der Familie dieses Jünglings hatte der Vater eine übermäßige Herrschsucht gezeigt, alle zitterten vor ihm, alle taten nur, was er wollte. Dies kam bereits im Ver- halten der Kinder zum Ausdruck, die sich unfrei gaben und die Angst vor dem Vater auf die meisten anderen Erwachsenen übertrugen. Besonders bei dem ältesten Sohn hatte sich das Gefühl heraus- gebildet, nichts allein zu können, immer andere um Rat fragen zu müssen. Er brauchte gewissermaßen einen stärkeren Berater, un- bewußt suchte er stets jemanden, vor dem er Angst haben kannte. Auch hier wird verschiedenes zusammengekommen sein, um die Ent- wicklung des Sohnes in diese Richtung zu treiben, es liegt aber nahe, das Verhalten des Vaters als den Untergrund der Fehlentwicklung des Sohnes zu nehmen. Um- dem Msttehen olm-'AngsterscheinungeN'bei-Linderu-oor� zubeugen, muß man ober nicht nur angstmachende Momente, soweit man dies kann, auszuschalten suchen, man sollte auch direkte Vorbeugungsmittel anwenden. Hierzu gehört vor allem das Bemühen, die Kinder schon früh an Selbständigkeit zu gewöhnen. Statt sie— so wie es manche Mütter lieben— an uns zu binden, indem wir sie von uns abhängig erhalten, sollten wir erkennen, daß eine gut gelungene seelische Lösung des Kindes von seinen Eltern eine durchaus wünschenswerte Erscheinung ist. Die Kinder dahin zu führen, daß sie selbst etwas können, sich selbst dadurch viel zu- trauen, ist ein wichtiges 5)ilfsmittel gegen das Auftreten von all- gemeiner Aengstlichkeit. Ausschließen wird auch die beste Erziehung freilich nicht, daß aus dem unbewußten Seelenleben des Kindes Beunruhigungen wirksam werden. Wo Angsterscheinungen auftreten und sich verstärken— man denke an die Angst vor einem bestimmten Tier, vor Gewitter, Feuer usw.—, wo sie sehr starken Einfluß auf das Kind ausüben, wird eine heilpädagogische Behandlung eingreifen müssen, damit nicht aus kleinen Anfängen— die oft nur ein �Symptom sthwererer�Störungen.sind—-ein nachhaltiges llebel wird. Erste Tage der Olympiade Immer noch Teilnehmer im Anrollen— Die ersten Fußballspiele M. J. Wien, 23. Zuli.(Eigenbericht.) Sie am Sonntag mit der großen Begrüßungsfeier im Apollo- «heater eröffnete Zweite Arbeiterolympiade nimmt heute, Donners- tag. mit den offiziellen weltkämpfen ihren fparllichen Anfang. Wien ho» in den lehlen Togen recht schlechte» welter gehabt. Erst am Mittwoch klärte sich der Himmel, wenn auch hie und da nach drohende Wolken standen. Alle Hoffnung ist daher aus die nächsten vier Tage gcseht, an denen die Sportler oller Disziplinen zu wort kommen sollen. Gleich der heutige Großkampftag bringt eine Füll« vielversprechender Ereignisse, besondere in der Leichtathletik. wo sich die Finnen im Kampf mit den Deutfchen viel vorgenommen haben. Abends um 7 Uhr findet im Stadion ein Aufmarsch der Wettkämpfer aller an der Olympiode beteiligten Länder statt. Bei dieser Gelegenheit werden der deutsche Sport- führer D ü h r c n- Leipzig und der Führer der belgischen Arbeiter- Sportbewegung B r i d o ux- Brüssel zur Elite der Arbeiler-Sport- internationale sprechen. Mustergüttig ist die Organisation, di« die Wiener Arbeiter- Sportgenossen für die Olympiade geschassen haben. In langer Vorarbeit wurde olles geregelt, was für Anrollen, Ankunft und Empfang, Unterbringung, Verpflegung, Führung, kurz für da» leib- lichc und geistige Wohl von Hunderitetesend Sportlern nötig ist. In einer Unzahl von Ausschüssen, die in der'Rotunde ihren Sig hoben, werden die Frage- und Bittsteller abgefertigt: hier fragt einer nach Post, die aus der Heimat einen Geldnachschuß bringen sollt«, dort verhandelt im Auftrag« von 23 taubstummen Arbeiter« sporllen, ein Sprecher um einen Fahrtausweis für i,20 M., der zu wenig eingesandt wurde. Meldungen und Ausweise sollen über- «instimmen, wer ist da verantwortlich für das fehlende Geld? Inzwischen kommt wieder eine Kolonne Rad- und Motorrad- fahrcr an, die«ine Zielfahri nach Wien sührte. Unier den gestern angekoinmenen Radfahrern bcsinden sich drei aus Sieier- mark, 91 aus der Tschechoslowakei, hunderte aus Niederösterreich. viele aus Deutschland. Au« sechs Ländern und ll>8 Stödten wurden am Mittwoch noch 30 000 Gäste erwartet. Fast erscheint es unfaßbar, wo diese Tausende und aber Tausende untergebracht werden sollen, aber dennoch werden die Sportler aus der Schweiz, aus Lille, Paris, aus Tirol, Holland, selbst aus Finnland geleitet und versorgt werden. In Landsmannschaften sind die Quartiere eingeteilt, so daß die Schäflein beisammen bleiben. Massenfeste zu feiern im Gegensatz zum Individualsport der Bürgerlichen ist schon immer das Borrecht der Arbeitersportlcr ge- wesen. hier in Wien feiert man das größte Fest seit der Ersten Olympiade Im Jahre 1S2Z in Frankfurt am Main. Man braucht dazu keine„olympischen Dörfer", in denen die Wettkämpfer unter strengster Kontrolle gehalten werden, wie man es da tut, wo alles auf den Mann, nichts auf die Idee gesetzt wird. Im Arbeiter- spart ist jeder sich selbst und— Ersolg sozialistischer Erzlehungs- arbeit— damit der Allgemeinheit verantwortlich. So werden die kommenden Wettkämpfe, zu denen allein aus Deutschland 400 Kämpfer aller Sportarten gemeldet sind, wahren Sport in des Wortes bester Bedeutung bringen. Die TieHerafahii Die Arbeiter-Motorradfahrer haben«ine Zielftrnfohrt nach Wien veranstaltet. In der Meldestatwn Spinnerin am Kreuz sind 22 Teilnehmer, darunter drei st e i r t s ch e und 19 reichsdeutsche Fahrer eingetroffen. In der Meldestation Floridsdorf sind 93 Rad- sahrer und l6 Motorradfahrer a>, gelangt. Unter diesen Fohrern sind zwei Oberösterreicher und 91 T s ch c ch o sl o wo t c n. In der Meldestation Mario Brunn sind 179 Radfahrer und 43 Motorrad- fahrer eingelaufen. Bon den Radfahrern sind drei Niederösterreicher, olle anderen Fahrer sind aus Deutschland. Die IFuHbaiier aus Palästina Gestern vormittag langte in Wien die Olympiamannschaft Palästinas an. Sie wird an der Olympiameisterschaft mit den bekannten Spielern Stern und B e r g c r teilnehmen. Stern war einst eine der tüchtigsten Kräfte des Wiener Professionalvereins hakooh, während Borger zu den Hauptstützen des Budapcster Vereins FTE. zählte. Das erste Fußballspiel: Wiener Tkeustadt— Riga 4: 2. Das Fußball Wettspiel Wiener Neustadt gegen Riga, das gestern auf dem herbslplatz in Wiener Neustadt vor zahlreichen Zuschauern aus- getragen wurde, endet? mit einem Sieg 4:2(3:0) der Wiener Neustädter. Reichstagspräsident Löbe in Wien. Der Präsident des Deutschen Reichstages, Paul.Löbe, Ist gestern in Wien eingetroffen. Er wird als Vertreter der deutschen Sozialdemokratie die Veranstaltungen der Arbcitcralympiade besuchen und an dem Sonntag beginnenden Kon- groß der Ardeiter-Jnternationale teilnehmen. Dreihundert Daddotboote angekommen. In Kuchelau, im Boots- Haus der Naturfreunde, sind am Mittmochnachmittog 300 Paddelboote der Arbeiter-Wassersportler aus Deutschland und Oderöstemtch eingetroffen. Ein kleiner Irrtum So überschreibt der Berichterstatter der Diener„Arbeiter- Zeitung" folgende nette kleine Geschichte: Ein großer Trupp Engländer kommt an. Der Kollege aus der Wiener Redaktion spricht einen schwer an einem riesigen Koffer schleppenden Engländer unter 5)eranziehung oller seiner englischen Sprachkenntnisie an und fragt nach der Zahl der Angekommenen. Verständnislose Verschwiegenheit bei dem englischen Lastträger. Darauf nochmalige Frage des Sohne» vom Donaustrand. Endlich ein Ausleuchten tn den Augen des anderen:„Ah, t bin jo gar ka Engländer, t trag eahna nur 's Gepäck!" Schluß des„Solidarität"- Bundestages München, 23. Juli. In der Fortsetzung, der Aussprache über die Iugendbewe« g u n g wurde dem ehrenamtlich tätigen Bundesjugendleiter Genossen Nasemann von allen Seiten Anerkennung gezollt. Der Bundes- Vorsitzende Niemann wies darauf hin, daß auch die Bundestagsdele- gierten sich verjüngt hatten. Im Alter von 21 bis 30 Jahren sind 11 Delegierte, von 31 bis 40 sind 33, von 41 bis 50 sind 44, von 51 bis 60 sind 32 und im Alter von über.60 Jahren 6 Delegierte. Genosse Nasemann erklärte in seinem Schlußwort mit Nachdruck, daß es im Reich lediglich die bayerisch« Staatsregierung sei, die die Kinber der Arbeiterjugend von den sportlichen Veranstaltungen der Arbeiterschaft fernhalte. Au? der Füll« der zur Jugendbewegung eingereichten Anträge wurde u. a. angenommen: Neue Zusammeu- setzung der Bundesjugendausschiisse und der Gaujugendausschüsse. Anschluß an den Reichsausschi.ß der deutschen Iugenoverbänd«! Iu- gendmitglieder bis zum vollendeten 20. Lebensjahr gehören der Iu- gendabteilung an, zahlen jedoch nach vollendetem 18. Lebensjahr den vollen Bundesbeitrag. Ablehnung der hauptamtlichen Anstellung eines Bundesjugendleiters. Gegen die kommunistischen Spalter nahm der Bundestag einen Antrag an, in dem gegen die von der KPD. angeordnete Zerschlagung des Arbeitersports energisch pro- testiert wird. Die kommunistisch« Parole„Für Einheit im Arbeiter. spart" sei ein großer Schwindel. Alle Bundesmitglieder, die eine solche Taktik unterstützen, sind als Schädlinge im Arbeitersport an- zusehen und von ihren Aemtern zu entheben. Di« Bundesmitglieder verpslichten sich, Fraktions. oder Zellenbildungen im Bunde, gleich welcher Porteirichtungen, weder vorzunehmen noch anzugehören. Ein weiterer angenommener Antrag besagt, daß die Ortsgruppe zwei Wochen vor einer Wahl(Reichs- oder Landtagswahl und volksab- ftimmung) Vergnügen oder andere Veranstaltungen nicht abhatten dürfen. Alle Bundesgenossen müssen sich in den bevorstehenden Kämpfen den Kampforganisationen der Arbeiterschaft zur Verfügung stellen. In einer einstimmig angenommenen Entschließung protestierte der Bundestag scharf dagegen, daß Leuchtzeichen(Rückstrahler) in Preußen ab 1. Oktober für ungültig erklärt werden und verlangte, daß die bisherigen Leuchtzeichen weiter beibehalten werdsn. Di« neuen Bundesfatzungen, deren redaktionelle Aenderungen angenommen wurden, treten am 1. Oktober 1931 in Kraft, für di« Haftpflichtunterstützung der Motorradfahrer erst am 1. Januar 1932. Gegen drei Stimmen wurde der bisherig« Bundesvorstand ein- stimmig wiedergewählt. Der Ort des Lundesausfchusses verbleibt in Dresden. Der nächst« Bundestag findet 1934 in Magdeburg statt. tfossenstur� auf Budapester Bahn Vier Schwerverletzte, darunter ein Deutscher Budapest. 23. Juli. Bei einem Radrennen mit Motorführung gerieten am Mitt- wochabend in einer Kurve zwei Motorführer und vier Fahrer aneinander. Der Benzinbehälter einer der Schritt- machermaschinen explodierte und all« vier Fahrer stürzten kopfüber zur Erde. Die Menge drängte in größter Panik von den Tribünen auf di« Bahn, so daß die Polizei schließlich mit blanker Waffe die Leute von der Bahn entfernen muhte. Die vier Fahrer, und zwar der deutsche Fahrer Clemens Großimmlinghaus sowie drei ungarische Fahrer erlltten schwere Verletzungen und mutzten tn» Krankenhaus gebracht werden. Der Zustand der Verletzten ist bedenklich. Besonders schwer verletzt ist Großimm- linghous, der außer einer Gehirnerschütterung innere Verletzungen und schwere Brandwunden erlitten Hot., Die ersten Sonntagsrennen bei Rütt Rabrennbahn Dolizei-Slodion, kesselstr. 4. Nach seinen bisherigen Abendrennen veranstaltet W. Rütt sein erstes Sonntags- rennen am Sonntag, dem 26. Juli, nachmittags 4 Uhr, im Polizei- Stadion. Berufsfahrer und Amateure finden reiche Betätigung. Neben dem Hauptereignis des Tages, einem 50-Kilom«ter-Mann- schaftsrennen nach 6-Tage-Art, wird von den Berufsfahrern noch«in der in letzter Zeit so wenig gesehenen Hauptfahren sowie ein Ausscheidungsfahren bestritten. Die gesamte Berliner Rennmannschaft hat ihre Meldung abgegeben, desgleichen auch der Dresdener M a i d o r n und der Dortmunder Schenk. Äarhmidlungsn mit weiteren auswärtigen Fahrern schweben noch. In Frage kommen die Breslauer Preuß, Resiger, Kießlich oder die Hannoveraner Bernhard und F r i ck«. Auch die Amateurrennen versprechen guten Sport. Erstmalig gelangt ein Vereins-Mannschoftsrennen über 6 Kilometer zum Aus- trag. Hierzu haben Argo, Post-Sport-Verein und Ger« mania-Charlottenburg ihr« ersten Mamlschaftut gemeldet. In jeder Mannschaft starten 5 Fahrer. Der dritte Fahrer wird gewertet. Ein Vorgabefahren über 5 Runden für Amateure vervollständigt da» Programm. Leginn der Rennen 4 Uhr. Sdimeltngs Gegner Mar Schmelings Manager Joe Jacobs ist bekanntlich in Amerika geblieben, um für seinen Schützling Kampfverträge abzu- schließen. Er äußerte sich kürzlich über die voraussichtlichen Gegner Schmelings, von denen er anscheinend nicht viel hält. An die erste Stelle setzt Jacob» Jack S h a r k e y: ein guter, gefährlicher Boxer, der aber nicht mehr genug Stehvermögen hat, um mit Schmeling 15 Runden gehen zu können.— Camera: Wenn es auf Gewicht und Größe ankäme, könnt« der Italiener Champion werden, er ist aber noch zu wenig routiniert und auch kein großer Nehmer.— Tommy Loughran: Der best« Boxer, den«« gibt, aber ohne jeden Punch.— Walker: Besitzt all« Gaben fiir einen Champion in seiner Gewichtsklasse, aber nicht für die Schwergewichte.— Eampolo: Stark und groß, aber langsam.— P a o l i n o: Ein starker, kantiger Veteran, der sein« best« Zeit gehobt hat. AI« den besten Boxer von der jungen Garde bezeichnet Jacobs Charlie R e tz l a f f. der bald«Inen der besten Plötz« einnehmen und später auch für einen Titelkampf in Frage kommen werde. Aus dem Kampf mit Carnera wird wegen Schmeling» Augenverletzung in diesem Jahr nicht» werden. Abend~Trabrcnncn zu Mariendorf Die Abend-Trabrennen werden am Freitag, 24. Juli, in Mariendorf fortgesetzt. Da» abwechslungsreiche Programm weist eine Reih« interessanter Entscheidungen auf und verspricht wieder aus- gezeichneten Spart auf der ganzen Linie. Im Mittelpunkt steht eine Steherkonturrenz, der als internattonaler Ausgleich ausgeschriebene Preis von Baden-Baden über 2800 Meter. Ein starkes Feld erprobter Steher wird an den Start kommen und sich auf der langen Strecke spannende Kämpf« liefern. Im Preis von Iffezheim verputzen sich Dreijährig, wie Amworch Mio unsi Prisma gegen I gute ältere Pferde. Der Preis von Schluchsee hat die Riesenzah! von 54 Nennungen erhalten und wird voraussichtlich geteilt werden. Die Rennen beginnen wieder um 6 U h r. Sporlsesi des Rugby-Berbondes. Am kommenden Sonntag oer, anstaltet der Brandenburgisch« Rugby-Derband auf dem Hubertus- Sportplatz, Warmbrunner Straße, morgens 10 Uhr, das alljähr- liche Leichtathletikfest, das fast sämtliche Aktiven der angeschlossenen Vereine im Wettkampf sehen wird. Das Programm enthält einige interessante Konkurrenzen(u. a. ein« Pendelstafsel mit Rugbyball und eine 15 x 200.Meter.Staffel) und dürfte angesichts der Tat- fache, daß viele namhafte Berliner Leichtathleten gleichzeitig Rüg- b y s p i e l« r sind und an den Wettkämpfen teilnehmen,«inen er, folgreichen Lerlauf nehmen. Das Sportfest wird bis Mittag abge- wickelt sein._ Stcic Sport, uo» Schüznive«ii>!gpn».®onalsmUgIirMto«tfammJumt de» Hauptvcrems ant Donnerstag, 25. Juli, 20 Uhr, bei Steche, Meher Str.-»• IWrftanSetiftuim um 1»H Uhr abends. Volkssport R-utoll-.Sri». Männer, und JuNAMäbchen.GiMnastitscuppcn: Frei tag, 24. Juli, Punkt 20 Uhr, brsondercr U-vungsabend fUr«usfUhrung M Z!eot dllner Stadion tÄnti-Nriegeiuirbgebun« d«r Partei), olles ist ,ux Stelle!— Slotusu für August.MitteNungsblatt nur bis Freitag. 24. Juli, Icfcie Post. flu Wen sqiftan, Periin-Brit,, swngwsstr. 02, später voll kommen»Mkckios. Radsflhrcr.Solidarität", Touren für Sonntag, 26. Juli. Weschäftsstell«: R. Rothoartl), Lrrlin Sffi. U, Schönoberger Str. 170 1.«bt.- Werlsce� Start Z vllr, BstloÄtr. 5S, bei Kroll. 2. Abt.: Rads, und Kram, nach dem Wer.s-c, Start 5 und 10 Uhr, Robbe, Mrfsrnbachstr. 56. 8. Abt.: wrrlsee, Start Ittj Uhk, Rartannenpiap. 6. Äbt.: Stolzenhagencr See, Start 6 Uhr, gelt, Kopenbaaener Str. 17. t>, Äbl.t Stolzenhaqrner See. Start 6 Uhr, Schreider, Trtktstr. 65. Abt. Friedrichoval»(grnvüchic): Stadt, und Krasts. Sttenidsre, Ewrt 6 Uhr, Petersburger Platz. Abt. Lichtenberg: Werlsre, Stört 6 Uhr, Aentel, Oderstr. IZ. Abt. Reakölln: 25. und 26. Juli, Werlsee. Start 1« und« Uhr, Sahen, ollernplatz. Abt. Wilmer�ors: Wense«, Start 7 Uhk, Lau, Sildegardstr. 14.«dt. Weihe». (tc: Stotuuihaacner See, Start 6 Uhr, Antotiplatz. Abt. Charlotenburg: Dutfrlssic bet RehbrUcke. Start 6 Uhr, RritUcr, WUmersdorser Str. 21. Abt. Moabit: Lenitzsee. Start 6 Uhr. Wiclefsir. 17.«dt. Schötieb««! w-rlsee. Statt b Uhr. Stiert, Tderostr. Ich Abt. treptow-VatunschuIenweg: Frauen-See, Start 6 Uhr. Vahnhof?-:.mschultN»eg. Abt. DherschSnrweide: Krosstuser. Start 6 Uhr, Emmerich, AMtirlm1 n-nhontr, 64.«chtun«! JlNifttleiter: Am 8. August findet eine Beoirloiugendaussahrt nach der Jugendherberge Alleirhof statt. Die Jrrtichtorsahrt ist auf den IZ. August nach Paetz bei chrohbeeswn venegt. Achtung! Adt«!ti»ig»>e!tcr. Am Freitag. 31. Juli, findet im Gewerkschottohaus Sic Gencroloersammtung um 13 Uhr statt. Delegierte entsenden. Am 14. August wird Im Wrwerk'chasttchauo der Derich: vom Bundestag gegeben. Der IZ. und 1«. August Ist»0» allen Touren fr«!,uha>t,n, da Sausternfahrt und Jdalieivtsche Stacht in Paed bei Broßbersten.__ Tonriflen-Pere,!, Die„RalurftcunM�, Centrale Wie». Freitag, 24. Juli, 20 Uhr: Abt, Dharlottenburg. Sprrestr. 20:.Familie und tapilatifbtfch« Witt. schastoarbnung". Zaltboot-Adteilung, Vfltlopark Rnrtölln(Pn. 10 Uhr K. Fr. PL). AM. Britz, Ehausserstr, 48: Soziale Wände rsttdbten. Jugendgrupp« S»m» boldlhaui, Schönstcdtstr. 1: Heimspiele. Abi. Treptow. Slsenstr. 8: Allerlei. Abr. Lichtenrade: Badeabend in Mahlow. Abt, Pinetaplatz, Lortzina» Ecke Wraunstratze. Abt. Mldost. Britzer Sir. 27: Spielabend. Foto Osten, Franksurter Alle« 307. Foto-Neukällu. Bergstr. 29. Abt. Schänhanser Vorstadt, Rasten. bürget Str. 16: Diskussion. Montag 27. Juli, 20 Uhr: Fowgemoinsckiaft, Johan nisstr. 15: Vortrag der Firma Seitz:„Di« Seltzer Kleinkaniera"(Licht- bilict). Malgemeinschast, Wrangeistv. 128. Fahrt der Abt. Neukölln am 25. tu 26. Juli. Tiefenser.Fauler See. Uebernachten Hei bei eng. Treffen 16,30 Uhr, ZUnobahnhof Neukölln, gug 1730 Wriezener Bahnsteig. De« Futzballoereii,.Eiotracht-Spand,»" sucht zum 16. Jult Gogner ftip zwei Männermannrchasten nitf eigenem ober lbegnero Platz. Ansroqen an Seimann Weber. Spandau, Falkenhagener Skr. 6Z,»der Fkritag, ab 20 Uhr, C 7 Spandau 1338. Rückschau. In etwas sehr reichlichem Abstand zum ersten Teil folgte die Fortsetzung der Veranstaltung„M ozart erzählt sein Leben". Dr. Erich F 0 r t n e r führte die Hörer durch die Periode von„Idomeneo" bis zu„Figaros Hochzeit", eine Spanne Zeit von nur fünf Jahren/die aber für Mozart ein« Wendung von großer Bedeutung brachte: seine Lösung von der erzbischöslichcti Residenz Salzburg und seine endgültige Uebersiedlung nach Wien. Ein Brief an den Vater gibt einen Einblick In die Vorgänge, die zum Bruch mit dem Erzbischof führten. Weil Mozart nicht an dem vom Erzbischof gewünschten Termin nach Salzburg zurückkehren kann, überschüttet ihn dieser, der gerade ebenfalls in Wien weilt, mit einem Kübel Schimpfworte, unter denen„Lumpen" und„Lausbub" sich mit allen möglichen schönen Zusätzen wiederholen. Mozart, der, wie man seinem Brief entnehmen kann, manche ähnliche Abtanze- lung schon über sich hat ergehen lassen, reißt die respektvolle Geduld. Er entschuldigt sich deswegen vielfach bel seinem Dater und erklärt ausführlich, was der Erklärung schon gar nicht mehr bedarf. Aber diese Kindlichkeit, die nicht nur Unterwerfung unter die väterliche Autorität ist, bleibt ein charakteristischer Wesenszug Mozarts während seines ganzen Leben». Darum hatte Dr. Fortner recht, wenn er ihn immer wieder durch einzelne Briefstellen unterstrich, die den Herrscher im Reiche der Muflt al« rührend bescheidenen, kindlichen Menschen offenbaren. Gerade dieses Doppelbild von Mozart führt zum Ver- ftändnis seiner Kunst, die so lebensnah und so alltagsfern zugleich ist und die immer beglückt, wann und wo sie erklingt. Durch die schöne, anspruchslose Veranstaltung Dr. Fortner» wird sie gewiß manchem Hörer noch näher gebracht. Im Programm der aktuellen Abteilung wurde verspätet, aber doch— leider— nicht zu spät, eine Einführung in die B e d e u t u n g der wirtschaftstechnischen Ausdrücke gegeben, mit denen diese Krisenzelt die Tagesnachrichten durchflochten hat. Was geboten wurde, war mehr als eine trockene Ausdeutung der Vokabeln: es zeigte die Begriffe in Ihrer Entwicklung und ihren Zu- sammenhängen mit weltwirtschaftlichen Vorgängen. Aber dieser eine Vortrag konnte zu wenig geben: eine ergänzende Veranstaltung wäre wünschenswert. Tes. Donnerstag, 23. jnli. Berit*. 16.00 Unterhaltungsmusik. 17.10 Vogclwelt in der Grflllsladt(Dr. Oskar Helnrolh). 17.30 Ministerialrat Dr. Schlottmann; Die politischen Partelen In den modernen Demokratien. 17.55 Konzert. 1. Lieder(Chafi Lukas. Sopran; Nägel: Kapellmeister Karl Schmidt). 2. Chopin: a) Polonaise B-Dur, 0p. 71. Nr. 2: b) Varlallbns brillantes, 0p 12(Rose Ctkln, Klavier). 3. a) Reger; Marli Wiegenlied; b) Strawinsky; Pastorale(Charl Lukas).'4. Chopin: Zwei Etüden A-Moll und Cis-Moll. op. 10(Rose Ctkin). 18.40 Mitteilungen des Arbeitsamts. 16.45 Wien: IL Afbeiler-Ojympiade. Aulmarach der Nationen. 19.15 Dr. Wollgang Pohl: Soiielpolitltehe Umschau. 19.40'Heitere Lieder. 20.00 Reisen Sie In Berlin. 20.55 Praktische Wochcnend-Ratschläge. 21.00 Tages- und Sportnachrichten. 21. 10„Turandol", Komödie von Carlo Gozzl. Uebertragung und Funkbearbei- tung von Alfred Wolfcnsleio. 22.15 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. AnschlltBettd Tanzmusik. Kenlgisveeterhaaeen. 17.00 Dr. H. Michaelis und Maria Knoop: Musik Im Märchen. 17.30 C. M. Holzapfel; Fliegen als inneres Erlebnis. 18. 00 Dr. Ludwig Herz; Wie man Vor 40 Jähren telsle. 18.30 Jens Lützen; Ratschläge für AmateurphofOgraphen. 18.55 Weiler für die Landwirtscholt. 19.00 Bockelmann: Spaßmacher, Narren. Humoristen bei Shakespeare. 19.30 Min.-Rat Dr. Moritz: Qrünlandwirtschalt und Anpassung des Feldbetzam ungsptanes an die neuzeitlichen Bedaflsvcrhiltnissc, 20.00 Königsberg; Konzert, 81-00 Loipaigt„SaUburg". Mhj,