Morgenausgabe 7lr. 341 A 122 4S.Zahrgang Zvöch-nWch SV Pf, monatlich SfiO M Im voraus zahlbar, Postbezug 4.32 M. einschließlich 60 Pf. Postzntungs- und 72 Pf. Postbestellgebühren. Auslands» obonnement 6.— M. pro Monat; für Linder mit ermäßigtem Drucksachen» vorto v.— M. He De?„vorwärts� erscheint wochentäg« lich zweimal. Sonntags und Montags einmal, die Abendausgabe für Berlin und im Handel mit dem Titel„Der Abend- Illustriert« Beilage„Boll und Zeit-. Ferner„Frauenstimme-. „Technik-,„Blick m die Bücherwelt-. .2ugend-Lorwärt»-u.»Stadtdeilage� W•wf». Berliner Vottsblatt Jreiiag 24. Zu« 1931 Groß-Äerlin 10 Pf. Auswärts 15 pf. Dl««Inf palt Nonparetllezetle SO Pf. Aellamezeil« 5,— RM.„Kleine An- zeigen" das fettgedruckte Wort 2ö Pf. (zulassig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 12 Pf. Rabatt lt. Tarif. Stellengesuche dos erste Wort 15 Pf, jede» weitere Wort 10 Pf. Worte über IS Buchstaben zählen für zwei Worte, Arbeitsmarkt Zeile 60 Pf. Familien- anzeigen Zeile 40 Pf. 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Dazu ist man in den Methoden, die Wirtschaft von der staatlichen Seite her zu be- cinflussen, noch zu unsicher, und sind die Verhältnisse in den verschiedenen Ländern noch zu verschieden. Wenn man sich in der gemeinsamen Erkenntnis fand, daß man dem freien Spiel der Kräfte nicht untätig zusehen dürfe, weil es un- weigerlich in den Abgrund führe, und wenn man allgemein zu begreifen schien, daß internationale Gemeinschaftsarbeit ollein imstande sei, dem Uebel an die Wurzel zu gehen, so war das schon ein großer Fortschritt. Wahrscheinlich hätte ein besserer Erfolg erzielt werden können, wenn es gelungen wäre, zuvor die politischen Mei- nungsoerschiedenheiten zwischen Deutschland und Frankreich vollständig zu bereinigen. Herr L a v a l und Herr Brüning hoben sich, wie es scheint, in vollkommener Harmonie und Höflichkeit dahin geeinigt, daß eine solche vollständige Be- rcinigung aus psychologischen Gründen in diesem Augenblick noch nicht möglich sei. Nach ollem, was bisher über die Unter- baltungen» die sie miteinander führten, bekannt geworden ist. kann man keinem von beiden aus ihrem Verhalten einen Vor- wurf machen. Die Verhältnisse waren eben stärker als sie. Eine Einigkeit zwischen den drei finanziellen Großmächten Amerika, England und Frankreich bestand weder über den sachlichen Inhalt des Rettungsplans, noch über die Voraus» seßungen, unter denen er ins Werk zu setzen war. Es ist höchst zweifelhast, ob sich Amerika an einer großen An- leihe beteiligt hätte, wenn Frankreich sie bedingungslos an- geboten hätte. Da Frankreich dies nicht tat, hatte Amerika gegen fein Vorgehen gleich zwei Einwände: denn erstens war es überhaupt gegen eine von Staats wegen eingeleitete große Anleihe, und zweitens war es erst recht gegen politische Bedin- gungen. Hätten sich die finanziellen Hauptmächte auf einen gemeinsamen Plan geeinigt und auf gemeinsame Bedin- gungen, die sie Deutschland vorschlagen wollten, so wäre die Annahme des Gesamtvorschlags durch Deutschland wahrschein- lich gewesen. Umgekehrt konnte eine deutsche Regierung von einer einzelnen Macht nicht Bedingungen annehmen, die von den andern Mächten nicht anerkannt, ja am Ende sogar offen mißbilligt wurden. Das war die Lage der deutschen Regie- rung in Paris und in London, und die französische Regierung war klug genug, sie vollkommen zu verstehen. Was in London erreicht wurde, ist ein kleines Pro» g r a m m, von dem man bei einigem Optimismus erwarten darf, daß es Deutschland helfen wird, seine furchtbaren Schmie- rigkeiten zu überwinden. Vorqussetzung dabei ist freilich, daß aus eigener Kraft die alleräußersten Anstrengungen zum gleichen Ziele gemacht werden. Auf diese Weise kann es ge- Winnen, das Vertrauen zu festigen und den aufs schwerste ge- störten Wirtschaftsverkehr wieder in normalen Ganz zu bringen. Diese Hoffnung wird bestärkt durch die Tatsache, daß das Londoner Ergebnis kein einmaliges und endgültiges, sondern nur ein vorläufiges ist, und daß der Weg zur Verständigung mit Frankreich— und damit zum großen Programm— nicht verbaut worden ist. Hätten die Konferenzen von Paris und London zu einer Verschärfung des deutsch-sranzösischen Gegensatzes geführt, wie sie von der Nationalistenpresse auf beiden Seiten betrieben worden ist, dann wäre die Loge viel trostloser, als sie heute ist. / Niemand in Deutschland will eine Unterwerfung unter Frankreich, niemand will eine Demütigung. Aber jedermann sollte heute begreifen, daß die Zeit zu Haß- und Rachegesängen gegen unfern westlichen Nachbar nicht geeignet ist. Kindisch ist der Glaube, ein Deutschland, das sich in Feindschaft gegen Frankreich versteift, könnte irgendwo in der Welt Bundes- genosienschasten und finanzielles Vertrauen finden. Mehr denn je ist antifranzösische Haßpolitik Politik des natio» nalen Selb st mords. Deutschland wird in diesen Tagen den amerikanischen Außenminister S t i m s o n und bald danach den englischen Ministerpräsidenten Maedonald und den Außenminister Henderfon als Gäste empfangen. Etwas später sollen L a o a l und B r i a n d folgen. Für den Herbst rechnet man dann auf«in« neue Konferenz. Auf diese Weise ist dafür ge- sorgt, daß die mternatümale Fühlungnahme«cht abreißt. Ende der Konferenz. Die Schlußerklärung.— Reichskanzler Brüning gibt Erläuterungen. London, 23. Juli. Tie Londoner Sieben-Machte-Konferenz hat heute nach ihrer Schlußsitzung folgende Erklärung veröffentlicht: Di« übermäßigen Zurückziehungen von Kapital aus Deutschland haben eine akute finanziell« Krisis erzeugt. Diese Zurückziehungen sind verursacht worden durch einen Mangel an vertrauen, der nicht durch die wirtschaftliche und budgetöre Loge des Landes gerecht- fertigt ist. Um die Aufrcchterhalwng der sinanziellcn Stabilität Deutschlands sicherzustellen, die wesentiich ist im Interesse der gesamten Welt, sind die auf der Konferenz vertretenen Regierungen bereit, zusainmenzu- wirken, soweit es in ihrer Macht liegt, um das Vertrauen wieder- herzustellen. Die aus der Konferenz vertretenen Regierungen sind dereit, zur Erwägung durch die Finanzinstitute in ihren Ländern folgende Vorschläge zur Erleichterung der unmittelbaren Lage anzuempfehlen: l. daß der ZentroWankkredit von lOO Millionen D a l l a r. der vor kurzem der Reichsbank unler den Auspizien der Äank jür Inier noli anale Zahlungen gewährt wurde, bei seiner Fälligkeit für einen Zeitraum von drei Monaten erneuert wird. 2. daß gemeinsame Maßnahmen von den Finanzinstituten in lM verschiedenen Ländern zwecks Aufrechterhaltung des »mfanges der Kredite getroffen werden, die sie bereits Deutsch- land gewährt hoben. Die Konferenz empfiehlt, daß die Bank für Internationale Zahlungen eingeladen wird, ohne Verzug einen Ausschuß von Vertretern zu errichten, die von den Gouverneuren der Zentralbanken ernannt sind und der daran interessiert ist, die unmittelbaren weiteren Krcditbedürfnifse Deutschlands zu untersuchen und die Möglich- ketten der Konvertierung eines Teils der kurzfristigen Kredit« in langfristige Kredit« zu prüfen. Die Konferenz hat mit Interesse eine Mitteilung Dr. Brünings mit Bezug auf die gemeinsam« Garantie zur Kenntms genommen, die vor kurzem von der deutschen Industrie zur Verfügung der Golddiskontbank gestellt wurde. Die Konferenz ist der Ansicht, daß eine Garantie dieser Art es möglich machen müßte,«ine gesunde Grundlage für die Wieder- ausnahm« der normalen Operationen des internationalen Kredits zu verschaffen. Die Konferenz ist der Ansicht, daß, wenn dies« Maß- nahmen durchgeführt werden, sie eine Basis für eine daraus folgeiche permanentere Aktion bilden werde, Brünings Erläuterung. „Der Ausgong der Konferenz ist«in sehr guter,"' mit diesen Worten leitete Reichskanzler Dr, Brüning die Besprechung mit den deutschen Pressevertretern sofort nach Schluß der Londoner Sieben-Mächte-Konferenz ein. Zu der Konferenzerklärung äußert« der Reichskanzler, daß die Formulierung der Beschlüsse in sehr weitem Maße im Sinn« der deutschen Wünsche erfolgt ist..Heute", so sagte Dr. Brüning,.„sind noch einig« Dinge geändert worden, die uns an» genehm waren. Sie sehen, daß es sich um eine Zwischenlösung handelt: mit einer Schnellösung aus langfristiger Basis hatten wir nicht gerechnet, und wie ich in Paris bereits Gelegenheit hatte zn sagen, ist, ganz abgesehen von den technischen Schwicrlgkeitcn einer solchen internationalen Anleihe, die monatelange Vorbereitungen er- fordert, von Anfang an klar gewesen, daß eine Einigung über eine solche Anleihe zur Stunde wenigstens zwischen Amerika, England und Frankreich gor nicht erzrelbar ist. Ich sehe ganz ab von etwaigen politischen Bedingungen. So ist es z. B. ganz klar, daß auch die Verfassung der Bereinigten Staaten es ihnen unmöglich ge- macht hätte, an einer langfristigen Anleihe teilzunehmen. Dazu kommt die Lage des Londoner Kapitalmarktes, die zur Zeit ein« solch« Anleihe wohl als gänzlich ausgeschlossen erscheinen läßt. Infolgedessen haben wir uns darauf beschränken müssen, daß erstens der IlXI-Mllionen-Dollar-Kredit, der am 16. August abläuft, verlängert wurde, und zwar um drei Monate, und zweitens haben wir, worauf es vor allem ankommt, dafür gesorgt, daß nicht weitere kurzfristige Kredite abgezogen werden. Der Reichskanzler führt« weiter aus: Erreicht sind nur Zwischenmaßnahmen, und es ist unbedingt ersorderlich, dos Volumen des deutschen Kredites im Ausland in absehbarer Zeit-u vergrößern. In dem letzten Satz der amtlichen Verlautbarungen über den Abschluß der Londoner Konserenz ist diese Vergrößerung des Volumens als Grundloge der Aktion für die künftigen Er- eignissc bezeichnet. Um diese Dinge zu beschleunigen, hat sich die Rcichsregiernng bereits mit Herren in Verbindung gesetzt, die Deutschlands wirlschosts- und Finanzloge prüfen und sich gutachtlich äußern sollen. Dir? ist notwendig, UNI dem Ausland die verwickelte Loge Deutsch- lands klarzumachen. Die amerikanischen Delegierten haben vor- geschlagen, daß die Natenbonkpräsidentcn ein Komitee von Bank- sachverständigen ernennen, das die Möglichkeiten prüfen soll, die kurzfristigen Kredite in langfristige umzuwandeln. Deutschland hat durchgesetzt, daß, während die BIZ. dieses Komitee formell bilden soll, die Mitglieder vonden Notenbanken ernannt werden und nicht von der BIZ. Der Reichskanzler führte ferner noch aus, daß später durch- aus die Möglichkeit langfristiger Anleihen bestehe. lieber diese Frage hatten die deutschen Delegierten mit dem amerikani- schen Staatssekretär S t i in s o n und dem Schatzkanzler Mellon eine Unterredung. Der Zeitpunkt für den Gegenbesuch der sranzösischen Minister in Berlin ist noch nicht festgelegt. Es ist jedoch darüber gesprochen worden, daß dieser Gegenbesuch vielleicht kurz vor Gens erfolgt. Aber dies ist ebenso wie der Besuch der deutschen Minister in Rom noch völlig in der Schwebe. Reichsoußenminister Dr. Eurtius teilte noch mit, daß die Sachverständigen, die über die Sachlieferungen und die Ueber- leitung des Hoover-Planes zu beraten hätten, bis auf weiteres in London bleiben und untereinander die Frag« regeln würden, um dann den Regierungen Bericht zu erstatten. Das eigentlich« Verfahren steht jedoch noch nicht fest. Die Schlußreden. Zum Schluß der Sieben-Mächte-Konferenz sprach Minister- Präsident Laval die Hoffnung aus, daß die Besprechungen der Auftakt zu einer Reihe weiterer Erörterungen seien, die zu ein:r politischen deutsch-sranzösischen Zusammenarbeit führen mögen. Staatssekretär S t i m s o n unterstrich die Bedeutung der Aus» sprachen zwischen Deutschland und Frankreich und äußerte seine Zuversicht, daß sie in der ganzen Welt das Vertrauen be- f e st i g e n würden. Bezüglich der Konferenz erklärte der Staats- sekretär, daß er Zeuge eines sehr bedeutsamen Ereignisses gewesen sei, dessen Ergebnisse er mit Spannung erwarte. Außenmimstcr G r a n d i erklärte, er hoffe, daß das Ende der Konferenz der Be- ginn einer neuen Atmosphäre in der ganzen Welt und besonders hinsichtlich guter Beziehungen zwischen den europäischen Nationen sei. Reichskanzler Dr. Brüning sprach im gleichen Sinn und dankte der britischen Regierung für die Veranstaltung und Leitung der Konferenz, dem französischen Ministerpräsidenten für die freundlichen Worte, die Laval besonders auch an die deutsche Ab- ordnung gerichtet hatte. Prüfung der Situation Deutschlands. Das Komitee ausländischer Bankiers, das zur Prüfung der Finanz- und Wirtschaftslage Deutschlands schon in den allernächsten Tagen in der Reichshauptstadt eintreffen wird, soll sich aus Sir Robert Kindersley, dem Direktor der Bank von England, so» wie dem amerikanischen und dem schwedischen Berater dieses In- stituts zusammensetzen. Außerdem wird die BIZ. in Basel ein Komitee einrichten, das gemeinsam mit Deutschland die Wirksam» keit der in London beschlossenen Maßnahmen ver» folgen soll. Von dem Ergebnis dieser Beratungen soll es abhängen, ob zugunsten Deutschlands weitere Maßnahmen internationaler Zn» sammenarbeit ergriffen werden sollen. MacdonaldS und Eurtius' Urteil. Beim Verlassen der Foreign Ostice erklärte M a c d o n a l d, daß er von den Ergebnisien der Konserenz recht befriedigt sei. Es sei nicht leicht, zwischen sieben Mächten«in Abkommen zu erzielen. Deutschlands innere Slufgabe ist jetzt, entweder weitere Hilfe über die jetzt gewährte hinaus überflüssig zu machen, oder aber sich wenigstens so lange aufrecht zu erhalten, bis die Zeit zu weiterreichenden Maßnahmen internationaler Art reif geworden ist. Das erste ist wahrscheinlich unmöglich, das zweite mutz möglich fem. weil es einen andern Weg nicht gibt. Es gilt also, Maßnahmen zu treffen, die den Wirt- schaftsverkehr von seinen akuten Lähmungserscheinungen be- freien und den Massen das Leben erträglich machen. Doneben gilt es zu erkennen und nach der Erkenntnis zu handeln, daß ahne eine Politik der Verständigung die Heilung der deut» schen Wirtschaft uumöglich ist. An die kommunistischen Arbeiier! Wollen sie sich zu Lunkerknechten machen lassen? Am 9. August sollen sich neben den uniformierten Stahl- helmern und den Hitler-Iünglingen unter der roten Fahne mit dem Hakenkreuz und der schwarzweißroten Stahlhelm- sahne die kommunistischen Arbeiter in die Abstimmungslokalc drücken und sollen dort ihren Stimmzettel für die Errichtung der Stahlhelmherrschaft in Preußen abgeben. Unter Schwarzweißrot und der Kaiserkrone— so will es die kommunistische Zentrale. Herr Duesterberg, der Bundesführer des Stahlhelm, hat in der neuesten Nummer der Bundeszcitung„Der Stahlhelm" die Parole für den 9. August ausgegeben. Sie lautet: „Der große geistige Kampf um Deutschlands Freiheit ist in ein neues Stadium getreten! Trotz der ungeheuren Notlage können wir ihn erfolgreich bestehen, wenn endlich starke nationale Regierungen in Deutschland führen. Deshalb alle Kraft« eingesetzt für den bevorstehenden Volks- entscheid in Preußen! Der Sieg des nationalen Gedankens wird ein neues, gereinigtes, sittlich und religiös er- neuertes Volk neuer Blüte entgegenführen!" Das also ist die Parole, die nunmehr nach dem Willen der kommunistischen Zentrale auch für die kommunistischen Arbeiter gilt. Es ist die Pirole des schwarzweißroten Fa- schismus. Ran an die Urnen mit dem Stimm- zettel für Hugenberg, Duesterberg und Hitler! Die kommunistische Zentrale nennt dies einen„roten Volksentschei d". Es gibt nur etwas Rotes dabei— nämlich die Schamröte, die jedem klassenbewußten Arbeiter in Deutschland ins Gesicht steigt, gleichgültig, ob sozialdemo- kratisch oder kommunistisch, wenn er an die Bundeshilfe der kommunistischen Zentrale für Hitler und Hugenberg denkt! Roter Volksentscheid! Während des Stahlhelmvolks- bcgehrcns, das diesen Volksentscheid einleitete, wurden viele auf dem platten Lande durch den schamlose st en Terror der Großgrundbesitzer und des Stahlhelm zum Einzeichnen gepreßt. Wer sich nicht für die Großgrund- besitzer einschreiben wollte, wurde mit Kündigung und Ar- beitslosigkeit bedroht. In einem Stahlhelmflugblatt hieß es: „wer sich nicht einträgt, gegen den wird auch in bezug auf das Arbeitsverhältnis in der Fabrik die notwendige Konsequenz gezogen werden." Diese Aktion des schamlosesten Unternehmer- und Agrarierterrors gegen die Arbeiter— das nennt heute die Zentrale der KPD. einen„roten Volksentscheid". Der einzige Unterschied ist nur der, daß heute die kommunistischen Führer noch d i e Arbeiter an die Wahlurne für die Reaktion treiben wollen, die bisher selbst gegenüber dem Agrariertcrror noch ein steifes Rückgrat gezeigt haben! Das hätten sich die o st e l b i s ch e n G r o ß g r u n d- b e s i tz e r, die nach den Steuergeldern der preußischen Steuerzahler gieren, nicht träumen lassen, daß die kommunistischen Arbeiter zur Aufrichtung ihrer Klassendiktotur abkommandiert werden! Der kommunistische Arbeiter, der den Parolen seiner Führer folgen wollte, würde seinen Stimmzettel für die oft- elbische Iunkerkaste abgeben. Die Triarier Seiner Majestät, geführt von dem I a- n u s ch a u e r und dem Grafen o. Kalckreuth, wollen in Preußen wieder werden, was sie unter Wilhelm waren— und die kommunistischen Arbeiter sollen ihnen dazu verhelfen. Sie wollen das wilhelminische Preußen wieder haben wie zur Zeit der Dreiklassenherrschaft: das ist der tiefere Sinn des Volksentscheids! Roter Volksentscheid für die Junkerherrschaft— weiter konnte die Perversität der kommunistischen Führer nicht ge- trieben werden. Wollen die kommunistischen Arbeiter Junker- knechte werden? aber wenn man es erreicht habe, so sei es von der größten Wichtigkeit. Nach der Konferenz betonte Reichsaußcnminister Dr. C u r t i u e, daß während der Tage in Paris und London es nicht zu politischen Dertrauenskundgebungen gekommen fei, was in den ganzen Rahmen der Verhandlungen auch nicht hineingepaßt hätte, da diese in erster Linie finanziellen Charakter getragen hätten. Es hätte sich neue Gelegenheit zur Fühlungnahme ergeben, und man müsse hoffen, daß die Unterlagen, die jetzt geschaffen worden seien, in Zukunft ausgebaut werden. Zwischenfall um Snowden. London, 23. Juli.(Eigenbericht.) „Daily Telegraph" berichtet, daß auf der gestrigen Vormittags- fitzung der Schatzkanzler S n o w d e n die„herausfordernde Be- merkung" getan hätte, die Zeit fei gekommen, um die K r i e g s l a st e n zu erleichtern. Diese vielleicht nicht ohne Vorbedacht gemachte Anspielung auf eine Verminderung der Reparationen hätte den Zorn der Franzosen erregt, die dann aber sehr befriedigt ge- weson seien, alz Staatssekretär S t i m s o n, wenn auch aus ver- fchiadenartigen Gründen, dazu Stellung genommen und angedeutet hätte, er glaube, dieser Punkt gehöre nicht zum Thema der augenblicklichen Erörterungen. Abschieds szene Macdonald-Äriand. Loadon, 23. Juli. Als auf dem Bahnhof Macdonald und Briand sich zu einer T o n f i l m a u f n a hm c stellten, sprach Macdonald, indem er seine Hand liebevoll auf Briands Schulter legte, von einem schwer er» rungcncn Erfolg und van einer Botschaft der Hoff- n u n g, daß sich dieser Erfolg für ganz Europa und die ganze Welt auswirken möge Das Echo in Krankreich. pari», 23. Juli.(Eigenbericht.) Am Sonnabend vormittag wird im Ministerrat La v a l über dle Londoner Konferenz Bericht erstatten. Die Pariser Abendpresse sucht das gering« Ergebnis der Londoner Konferenz zu begründen. Der„Jntransigeant" führt es darauf zurück, daß England und Amerika zu sehr um ihre eigenen Interessen besorgt wären und von Frankreich nur Kredite verlangt hätten, um ihre in Deutschland festgelegten Gelder zurückzuziehen. Allein Frankreich habe aus der Angelegenheit etwas mehr als sein eigenes Wohl herausholen wollen. Es habe Deutschland die Mittel zu seinem Wiederausbau angeboten, ohne sich dabei um Bant- geschichtcn zu kümmern. Frankreich habe die Schwierigkeiten und die Leiden eine» Voltes vor Augen gehabt, das früher fein Gegner war. in dem es jetzt aber nichts anderes als einen Nachbarn zu sehen wünsche. Frankreich wolle von ganzem herzen Deutschland vor drm großen Zusammenbruch bewahren, obgleich es dabei nichts zu verlieren habe. Die Zeitung spricht die Hoffnung aus, daß Deutschland den guten Willen Frankreichs verstehen werde. Der„Tcmps" ertlärt. man könne nicht überrascht sein, daß das Ergebnis der Londoner Konferenz diejenigen Deutschen enttäusche, die sich Illusionen über die Möglichkeit gemacht lzötten, eine beträcht- liche Hilfe ohne jede Gegenleistung zu erhalten. Nachdem die nationalistische Agitation der Hitler und Hugenberg, die norv der Schwerindustrie und von konservativen Kreisen unterstützt wurde, eine Vertrauenskrise hervorgerufen habe, sei es ein schwerer ürrlum, anzunehmen, daß ollein die Drohung mit dem versinken Deutschland» tu da» uatiooalsozialistlsthe Chaos oder iu die kommunistische Anordnung genügen würde. Frank- reich zu bestimmen, scwe Milliarden in den Abgrund der deutschen Not zu werfen, ohne die Gewißheit einer langen Periode der Sicherheit zu erhalten. In der Politik stelle jedes unnütze Opfer einen Fehler dar. Frankreich wolle dem notleidenden deutschen Volk aufrichtig zu Hilfe kommen, aber es könne diese Hilfe nur mit gutem Gewissen und im Interesse oller auf der Basis der deuffch-sranzösischen Zusammen- arbeit gewähren, die tatkräftig zu der endgültigen Befestigung des Friedens beitragen müsse. Der sozialistische Führer Leon Blum macht im„Populaire" Frankreich für das magere Ergebnis der Londoner Konferenz verantwortlich. „Hände hoch" in Sevilla. Oer verschärfte Velagervngszostand. Madrid. 23. Zu«.(Eigenbericht.) wie ernst die Lage in Sevilla ist, gehl am besten daraus hervor. daß der Znnenminster in der Nacht zum Donnerstag die genaue Anzahl der Toten und verletzten nicht angeben konnte: er deutete aber an. daß die Zahl erheblich sei. vei einer ungewöhnlichen Hitze mußte sich die Polizei und die Zivilgarde bis in die Nacht hin- ein andauernder schwerer Fcucrübcrfälle von Syndikalisteu und Kommunisten erwehren, so daß sich der Militärbefehlshaber in Auoa- luficn schließlich genötigt sah, einen verschärften Belagerungszustand zu verhängen, wobei damit gedroht wird, ans Gebäude, in dcneu sich Syndikalisten befinden, mit Artillerie vorzugehen und Flugzeuge zur Erkundung der versteckten Streikenden einzusehkn. Weiler wird angekündigt, daß auch ans Zusammenrollungen von mehr als 4 Personen ohne Ankündigung geschossen wird. Die Stadt war abend» ohne Straßenbeleuchtung und vollkommen ausgestorben. Kavalleriepatrouille« gehen durch die Stadt. Am Mittwoch mußten alle Passanten mit „Hände hoch" die Straßen passieren, wobei sie oon der Polizei nach ihren Pässen durchsucht und sofort verhaftet wurden. sobald es sich um Kommunisten oder Syndikalisten Handelle: so ist die Zahl der Verhaftelca Im Laufe des MIllwoch auf 50l> gestiegen. Die Syndikalisten ließen am Millwoch vielfach bei ihren Kundgebungen Frauen vorangehen, um die Zivilgarde am Schießen zu»erhindern. In huelya und Ierez de Fronlera wurde Militär zu- sommengezogen. weil man den Generalstreik befürchtet. Kapitalsiüchtlinge an der Arbeit. Oeuffche Marknoten haben in der Schweiz ein Aufgeld. An der Baseler Börse wurden gestern und heute größere Posten Marknoten zum Kurse von 122 gesucht. C» wird vermutet, daß diese Gelder von den Kapitalflüchtlingen benötigt werden, um dem Anmeldungszwang bei der Reichsbank zu entgehen. In den Zeitungen find auch Inserate erschienen, in denen die Ablösung von Schweizer Kre» diten angeboten wird. Auch hier handelt es sich um Kapitalflücht- ling«, die aus diese Weis« ihr Gell» wieder unbemerkt in» Inland bringen wollen. Anwendung der Presseverordnung. Eine FiegierungserNärung in Landbundblättern. Die preußische Staatsregierung hat auf Grund der neuen Presse- Notverordnung mehreren Landbundblättern eine Entgegnung aus den Aufruf des Reichslandbundcs zugehen lassen, der den Dorwurf der „Sabotage der Oschilse" gegen die preußische Staatsregierung er- -hoben hat. In der Entgegimng wird den Lesern der Landbund- presse Ja h l en mo ö« r ia l über die ge wattigen Lei- stungen Preußens für den Osten gegeben, das unseren Lesern längst bekannt ist. Für die Anwendung der Pressenotverordnung gibt der Amt- liche Preußische Pressedienst folgende Begründung: „Die preußische Staatsregierung steht auf dem Standpunkt, daß von dem ihr durch die Notverordnung gegebenen Recht der Ent- gegnung auf Artikel und andere Presseäuherungen nur äußerst zurückhaltend und ohne jede Engherzigkeit und Kleinlichkeit Gebrauch gemacht werden soll. Der preußische Minister- Präsident hat sich jedoch entschlossen, einer Anzahl von Landbundblättern eine Entgegnung zum Abdruck auf Grund der Notverordnung zugehen zu lassen, weil der in diesen Blättern abgedruckte Aufruf des Vorsitzenden des Reichslandbundes, des Grasen Kalckreuth, den Vorwurf der„Sabotage der Osthilfe" durch die preußische Staatsregierung wiederholt, obwohl er schon mehrmals, insbesondere im Preußischen Landtag durch eine Re- gierungsertlärung, widerlegt worden ist. Gegenüber einem der- artigen Angriff, der sich über objektive Tatsachen einfach hinwegsetzt, m u ß t e von dem Recht Gebrauch gemacht werden, den Lesern dieser Landbundzeitungen von dem wahren Sachverhalt Kenntnis zu geben." Durchlöcherung des Ausreisezolls. Wandervereine sind befreit. Der Rcichsminister der Finanzen hat für die Ausreisegebühren- Perordnung folgende weitere Erleichterungen getroffen: Die Ausreisegebühr oon 100 M wird nicht erhoben: 1. Für den Grenzübertritt nach D o n z i g zum Zweck des Be- fuchs der Danzigcr Festspiele(Zoppotcr Woldoper). Ein Beftciungs- vermerk der Paßbehörde ist in diesen Fällen nicht erforderlich. Es genügt, wenn an der Grenzübergangsstelle an der Paßkonttolle als Zweck des Grcnzübcrttitts der Besuch der Festspiele angegeben wird: 2. Für Mitglieder solcher Vereine, deren ausgesprochener Zweck « war es für unsere Mitglieder, als sie gleich nach Eingang der letzten Abrechnung etwas über unseren Mitgliederbestand erfuhren- Da es ein großer Teil genauer wissen möchte, teilen wir mit, daß sich unter den 2812 neuen Mitgliedern in Berlin 1776 Männer und 1036 Frauen befinden, die wir begrüßen können.— Die in.dieser schweren Zeit gewonnenen Mitglieder werden erst recht treu zur Fahne der SPD. stehen und beachten erst recht die Parole: I.A.: Alex Pag eis. die Pflege des Manderns und des Wandersports in einem deutschen Grenzgebirge oder in einem Gebirge ist, das sich in einem an Deutsch- land angrenzenden Lande befindet, für den Grcnzübertritt in das jeweils benachbarte Land. Als Vereine, die die Pflege des Wandersports in diesem Sinns zum Zwcke haben, gelten: 1. Der deutsche und öfter- reichische Alpenverein, 2. der Deutsche Alpen- o e r e i n E V. Berlin, 3. der Verein der Naturfreunde, 4. der Schweizerische Alp entlud, 3. der Erzgeb irgs- Verein, 6. der Riesenge birgs-Verein, 7. der B e s k i- denverein, 8. der Karpathen-Verein. Ein Befreiungsoermerk der Paßbehörde ist auch hier nicht er- forderlich: es genügt beim Grenzübcrttitt die Vorzeigung der Mit- gliedskarte des betteffenden Verein. Die Befreiung erstreckt sich auch auf Ehefrau und Kinder. Llnsterblicher Hakenkreuzschwindel. Sie wollen von Lahosen ablenken. Di« nationalsozialistische Provinzpresse müht sich ab, um ihre Leser von den Zusammenhängen zwischen den Wirffchoftsgroh- Verbrechern La Husen und der nationalsozialistischen Bewegung abzulenken. Das Geld oon Lahufen haben die Nationalsozialisten genommen, aber nachdem er im Gefängnis sitzt, wollen sie nichts von ihm gewußt haben. Der älteste Schwindel ist ihnen zu einem Ablenkungsmanöver gerade gut genug. So hat die nattonalsozialiftisch« Provinzpressc die erlogene Behauptung wieder aufgewärmt, daß Jakob Goldschmidt oon der Danat- dank dem„Vorwärts" 800 000 M. geliehesi, ja sogar geschenkt habe. Der Verlag des„Vorwärts" hat dem„Westdeutschen Beobachter" in Köln, der diese alte Lüg« in besonders dreckiger -Form oerbreitete, die folgende Berichtigung geschickt: „Es ist nicht wahr, daß der„Abend", das Abendblatt des „Vorwärts", 800 000 M. von Jakob Goldschmidt erhalten hat. Wahr ist vielmehr, daß der„Vorwärts"-Verlag G- m. b. H-, der das sozialdemokratische Zentralorgan, den„Vorwärts", und das Abendblatt„Der Abend" herausgibt, in keinerlei Beziehungen zu Jakob Goldschmidt steht oder gestanden hat. Es ist nicht wahr, daß in einer Gerichtsoerhandlung der Tatbestand zugegeben werden mußte, daß der„Vorwärts" bzw. „Der Abend" 800 000 M. von Jakob Goldschmidt erhalten hat. Wahr ist vielmehr, daß durch mehrere rechtskräftige und veröffentlichte Urteile diese verleumderische Bc- hauptung widerlegt und die vom Verlag des„Vorwärts" verklagten Personen in allen Fällen zu Geldstrafen bzw. Gefängnisstrafen verurteilt wurden." Es fft sehr unvorsichtig von der nationalsozialfftischen Presse, den Namen Jakob Goldschmidt und Danatbank zu erwähnen, fft doch inzwischen unwidersprochen öffentlich festgestellt morden, daß Herr Hugenberg. der Bundesgenosse des Herrn Hitler, von der Danatbank des Herrn Jakob Goldschmidt 23 Millionen Mark Kredit« erhalten hat! Darüber ober schweigt die Hakenkreuzpropogando fein stille. Haussuchungen bei Ikaiionalsozialifien. Erfolgreiche Aktion der Frankfurter Polizei. Franksurt a. AI.. 23. 3uli. Die Frankfurter Polizei hat heute am frühen Morgen«ine größere Aktion gegen die Nationalsoziali st en unter- nommen. Die Aktion war von gutem Erfolge begleitet. In erster Linie galt es festzustellen, woher die zahlreichen ungesetzlichen Flugblätter stammen, die in den letzten Wochen von den Nationalsozialisten verbreitet wurden. Außerdem suchte die Polizei zu ergründen, ob es Tatsache sei, daß die National- sozialistcn Material aus dem Polizeipräsidium er- halten hatten. Kriminal- und Schutzpolizei besetzten die Gauleitung, die Kreisstelle, das SA.-Büro, die Redoktion des Lolksblottes und die Geschäftsstelle der NSDAP, in Höchst. An all diesen Orten wurden Durchsuchungen vorgenommen. Wie die Polizei versichert, ist sie mit dem Erfolg durchaus zufrieden. In der Nähe von Moskau ermordet wurde der Mitarbeiter der OGPU-, der ehemalige Chef der gesamten Krimmalpolizei in Ost- sibttien, K r u m i n. von zwei Unbekannten. Nr. 341* 45. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Freitag- 24. Juli 1931 80000 im Wiensk Stadion. Ein Tag flammender Begeisterung für den Arbeitersgort. M. J. Wien. 23. Zulu(Eigenberichi.) Der grohe Zlusmarsch der Wettkämpfer im wiener Stadion am Donnerstag war ein Schaustück ersten Ranges. Zu Rationen geordnet, marschierten unter den Zanfarenklängen der Schuh- bundkapellen die an den wetttämpfen teilnehmenden Sport- lerinnen und Sportler in das weite Rafeaoval, stürmisch durch Händeklatschen und Hochrufe begrüht. Die finnischen Frauen waren in ihren, dem griechischen Vorbild uachgefertigteu Hängekleidern erschienen, während bei allen anderen Ländern auch bei den Frauen die kurze Hose und das ärmellose Hemd eingeführt sind. 8 0 0 0 0 Menschen— soviel saht das neue Stadion— sahen die Resten des internationalen Arbeitersportes. 400 Wettkämpfer ans Deutschland und 800 aus Oesterreich flankierten nach vollendetem Aufmarsch die unteren Gruppen, unter deneu sich aktive Teilnehmer aus England und sogar Amerika befanden. Die Spitzen der Behörden, so Bürgermeister S e i tz, Professor Tandeler, der Gesundheitsdezernent Wiens, und Reichstags- Präsident Lobe wohnten dem Aufmarsch bei, der mit dem bunten Sportdreß, den Flaggen der Nationen und den roten Sturmfahnen ein farbensprühendes Bild ohnegleichen bot. Für die Sozia- listische Arbeiter-Internationale, die ob nächsten Sonntag in Wien tagt, begrüßten B r i d o u x- Belgien, für den Technischen hauptausschuß Bühren- Leipzig Sportler und Zu- schauer. Der gemeinsame Gesang der Internationale beendete die Feier. Neue internationale Netorde. Bei den leichtathletischen Ausscheidungskämp- f e n am Donnerstag wurden schon einige neue Bestleistungen erzielt, die für die Qualität der Kämpfer aufschlußreich sind. So brauchte Walter- England für das 1l>0-Met«r-Laufen der Frauen 12,4 Sekunden und in der olympischen Stafette der Männer siegt« zwar Oesterreich, aber Deutschland stellte als Zweiter mit 3.41,3 Minuten einen neuen deutschen Rekord auf. Bei den Schwimmtämpfen schuf W i m m e r- Oesterreich über 1500 Meter freien Stil mit 22.58,6 Minuten einen neuen internationalen Rekord. Auch die Schwerathleten nahmen ihre Aufgaben so ernst, daß drei Oesterreicher, die ja bekanntlich im Kraftsport hervorragende Könner haben, ebenfalls neue internatio- nale Bestleistungen erreichen konnten, hausknotz(Fliegengewicht) riß beidarmig 69,70 Kilogramm, Auer(Federgewicht) brachte es auf 89 Kilogramm und Hangel(Leichtgewicht) griff 102 Kilogramm. Arktisfahrt des„Zeppelin Um 5 Uhr nachmittags voraussichtlich in Berlin. Friedrichshasen. 23. Juli. Friedrichvhasen steht heule wieder im Zeichen des Zeppelins. Von Stunde zu Stunde wächst der Autoverkehr. Omnibusse, bis vou Luzern kommend, sind überfüllt und alle haben den Luftschiffbau zum Ziel. Der Zustrom zur Zeppelin-Halle ist sehr groh. Das Lust- fchisf liegt sahrklor in der Halle und wird andauernd von zahlreichen Besuchern befichtigt. Freitag vormittag 9 Ahr wird das Luftschiff zu seiner Arktissahrt starten. In Berlin erfolgt abends gegen S Uhr die erste Zwischenlandung zur Aufnahme von Dost. Proviant und Brennstoff. Da Berlin eine bedeutend tieserä Höhenlage als Friedrichshafen ha«, kann das Luftschiff dort noch mehr belastet werden, und zu den 550 Kilogramm Proviant und 12 Tonnen Brennstoff, die hier im Schiss untergebracht sind, wird in Berlin noch mehr ausgenommen werden. Die zweite Zwischenlandung erfolgt am Sonntag, dem 28. Zult. in Leningrad, hier wird etwa ein Tag Ausenthall genommen. Die Besatzung erhält in Leningrad die eigentliche Polar» äusrüstung. Wann das Luftschiff mit dem Eisbrecher„Mali. gyn" zusammentrifft, läßt sich noch nicht mit Bestimmtheit fest- stellen. Di« Funkstation des Lustschiftes wird während de» Arktisfluge» dauernd mit zwei Mann besetzt sein. An Stell«, de» «inen Arbeitsplatzes find jetzt zwei für den Funkverkehr«ingerichtet worden. Das Luftschiff wird versuchen, die Wettermeldungen zu er- halten und eigene Berichte abzugeben. Die wissenschaftlichen Teilnehmer. Die Namen der wissenschaftlichen Teilnehmer an der Arktis- fahrt des Luftschiffes„Graf Zeppelin" sind: Professor Eamoilo- witsch, wissenschaftlicher Expeditionsleiter: Hauptmann a. D. Bruns als Gehilfe des wissenschaftlichen Expeditionsleiters; Prof. Weikmann, Leipzig, als Geophysiologe; Prof. Carolus, Leipzig, als Geophysiologe: Prof. Moltschanow, Rußland; Prof. Asberg, rufst- scher Luftfahrtsachverständiger: Diplomingenieur Basse, Berlin; Diplomingenieur Aschenbrenner, München; Dr. med. Kohl-Larsen, Aero-Geodät aus Allensbach am Bodensee als Expeditionsarzt, Dr. Ljungdahl, Schweden; Eommander Smith von der USA. Navy und Lincoln Ellsworth im Auftrage der American Geographie Society. Die wissenschaftlichen Ziele. Bei dem geplanten Fluge handelt es sich nicht um einen Bor- stoß des Luftschiffs zum Nordpol, sondern um eine Forschungsfahrt an die Nordgrenzen des asiatischen Kontinents. Da» Unternehmen wird in erster Linie der Klärung wichtiger meteorolo- g i s ch e r und geographischer Fragen dienen, deren Bedeutung für die Durchführung des kommenden Lustverkehrs nicht hoch genug veranschlagt werden kann. Die Fahrt liegt damit in der Linie, die auch von dem Ozeanflieger v. Gronau mit dem Flugzeug verfolgt wird und die eine Erkundung kommender Luftver- k e h r s m.ps kich keit en no ch A m e r i k a. und Assen aus nördlicher-Route zur Berkü�uaA der. Flugjtreckeixche, weckt.. Die Er-. zielung von Rekordleistungen ist nicht geplant. Di« gesomt-n Kosten des Unternehmens werden durch Vermittlung der veranstaltenden Forschungsgesellschaft aus den verschiedensten, an der Erforschung der Arktis interessierten Kreisen in einer Anzahl von Ländern ausge- bracht. Deutschland ist Hieron nur in geringem Maße und nur mit privaten Mitteln beteiligt. Oeffentliche Mittel werden nicht in Anspruch genommen. Besonders umfangreich ist die Unterstützung, die das Unternehmen in russischen und Nordamerika- nischen Kreisen gefunden Hot. Durch Rußland sind schon heute er- hebliche Aufwendungen für den Empfang und die weitere Der- sorgung des Luftschiffs mit den erforderlichen technischen hilf?- mittel» gemacht worden. Großseuer in Halensee. Zwei Feuerwehrleute schwer verletzt. Ein umfangreicher Dachsluhlbrand, der gestern am späten Räch. mittag im Hause Katharinen st r. Z ausbrach, beschäftigte ein große» Feuerwehrausgebot mehrere Stunden lang. Zwei Feuer. w e h r l e u t e erlitten bei der Löschaktion schwere Der. le Hungen und mußten in» Krankenhaus übergeführt werden. Das Feuer hatte bei seiner Entdeckung fast den D a ch st u h l des ganzen Borderhauses in einer Länge von etwa 45 Meter erfaßt. Das Dachgebälk und viel Bodengerümpel, das in den Dachkammern lagerte, brannte bei Erscheinen der Feuerwehr. die nacheinander mit acht Zügen anrückte, bereits lichterloh. Die Flammen hatten schon auf die angrenzenden Seitenflügel- dachstühl« übergegriffen und nur unter größten Anstrengungen gelang«s, hier wenigstens die Gefahr durch starkes Wassergeben aus zahlreichen Schlauchleitungen größter Kaliber abzuwenden. lieber zwei mechanische Leitern, über die Treppenhäuser und von den Nachbardächern aus wurde das Flammenmeer stundenlang bs- kämpft. Der Straßenabschnitt muhte durch ein starkes Schupo- aufgebot abgesperrt werden, da unaufhörlich brennend« Balken und glühendheiße Mauerblöcke polternd in die Tiefe sausten. Ein junger Feuerwehrmann, der erst kürzlich geheiratet hat. wurde von niederstürzenden Schuttmassen g?» troffen. Der Beamte brach bewußtlos zusammen; die rechte Schulter ist ihm offenbar zersckMettert worden. Der Verunglückte wurde zusammen mit einem anderen Feuerwehrmann, der erheb- liche Brandwunden erlitten hatte, ins Krankenhaus gebracht. Die Aufräumungsarbeiten dauerten bis in die späten Abend- stunden hinein an. Besonders schwer haben wieder die Wohnungen der oberen Stockwerke gelitten, in denen durch herabdringende Wasiermassen erhebliche Verwüstungen angerichtet worden sind. Mißglückter �aubüberfall. Kontorbvte das Opfer zweier junger Nävber. Am Donnerstag nachmittag gegen 1 Uhr sollte der Kontorbote Willi G e r o d t aus der Alten I a k o b st r a ß e 172 im Auftrage der Norddeutschen Buchdruckorei und Verlagsanstalt, Ritterstraße 50, vom Postamt 68 in der Lindenstraße Wertmarken holen. In einer Ledertasche führte er 1070 M. bei sich. Als er sich an dem Toreiugang zum Postamt befand, wurde er plötzlich von zwei Männern angefallen, die ihm die Tasche mit Inhalt ent- rissen und die Flucht ergriffen. Auf die Hilferufe des Überfallenen Kontorboten bemühten sich zahlreiche Passanten des Täters habhaft zu werden. Einer der beiden jungen Burschen, der die Tasche geraubt hatte, warf seine Beute unterwegs weg. Während einer der Verfolger die Tasche aufraffte und sie dem Lehrling zurückgab, liefen die andern weiter hinter den Tätern her. Es gelang ihnen, einen derselben an der Ecke Markgrafen- und Lindenstroße, den andern vor dem Hause Lindenstratz« 103 festzuhalten. Beide wurden nach dem nächsten Polizeirevier gebracht, wo sie als der 23 Jahre aste Schlosser Frädrich aus der Boxhagener Straße und als der 20 Jahre aste. Bäcker Hart au» der Lenbachjtraß« seftgestellt werden konnten. Vettte-Täter sind dem Raubdezernat-.im Pvl'zeipräpdwm Berlin übergeben worden. Vier Reichsbeamte unter Anklage. In der Strafsache wegen der Veruntreuung von Gel- d e r n beim Reich? am t für Landesaufnahme hat die Staatsanwaltschaft I Anklage erhoben gegen den Regienrngsinspektor B l u h m, den Verwaltungsamtmann Wolfs und die Ober-Regie- rungssekretäre B a e r und W e n d t wegen schwerer Amtsunter- schlagung. Sämtliche vier Angeklagte besinden sich in Untersuchung?- Haft.— Das Verfahren gegen den Ober-Regierungssekretär Schäfcr ist eingestellt worden. Von I ILF und F. PETROW Der Weltmeister steckte das Geld in die Tasche seines grünen Rockes, rief den Anwesenden noch seine Vorlesung und die Seance des Simultanspiels auf hundertfechtig Schach- brettern ins Gedächtnis, verabschiedete sich liebenswürdig und begab sich in den Klub„Gemütlichkeit" zum Rendezvous mit Worobjew. „Ich verhungere", sagte Worobjew mit krächzender Stimme. Er-saß hinter dem Kassaschalter, hatte aber noch keine Kopeke eingenommen und war nicht einmal imstande, Brot zu kaufen. Ein grünes Drahtkörbchen lag vor ihm, das für die Einnahmen bestimmt war. In kleinbürgerlichen Häusern legt man Messer und Gabeln in solche Körbchen. „Hören Sie, Worobjew." rief Ostap,„unterbrechen Sie für anderthalb Stunden Ihre Kasfaoperationen. Gehen wir zum Mittagessen. Unterwegs werde ich Ihnen die Situation darstellen. Uebrigens müssen Sie sich rasieren und säubern lassen. Sie sehen direkt wie ein Vagabund aus. Ein Welt- meister darf unmöglich solche verdächtige Bekannte haben." „Ich habe keine einzige Karte verkauft", teilte ihm Wo- robjew mit. „Kein Unglück. Das Geld wird gegen Abend da fein. Die Stadt hat mir schon zwanzig Rubel für die Organisation eines internationalen Schachturniers anvertraut." Wozu brauchen wir also noch die Seance des simultanen Schachspiels? flüsterte der Administrator.„Wir können noch Prügel davontragen. Und mit zwanzig Rubeln können wir gleich den Dampfer.Karl Liebknecht besteigen, ruhig noch Stalingrad fahren und dort auf da? Kolumbia-Theater warten. Hoffentlich wird es uns gelingen, dort die Stühle zu unter- suchen. Dann sind wir reich und olles wird uns gehören" Mit leerem Magen soll man nicht solche dumme Sachen sagen. Das wirkt schlecht auf das Gehirn. Wir werden mit zwanzig Rubeln vielleicht bis Stalingrad kommen. Wo aber ist das Geld, für das wir uns ernähren sollen? Die Vitamine, mein teurer Genosse Vorsitzender, bekommt man nicht umsonst. Hingegen kann man von den expansiven Wossjukiern für die Vorlesung und die Seance noch dreißig Rubel bekommen." „Man wird uns durchprügeln!" sagte Worobjew bitter. „Sicher ist ein Risiko da. Es ist nicht ausgeschlossen, daß man uns oerprügelt. Doch habe ich eine Idee, die jedenfalls Sie in Sicherheit bringen wird. Vorläufig gehen wir die hiesige Küche verkosten..." Gegen sechs Uhr abends betrat der satte, rasierte und nach Kölnischwasser duftende Weltmeister den Kassaraum des Klubs „Gemütlichkeit". Der satte, glattrasierte Worobjew verkaufte munter Karten. „Wie steht's?" fragte der Weltmeister leise. „Dreißig Eintrittskarten und zwanzig Spielbewilli- gungen." „Sechzig Rubel. Schwach, sehr schwach!" „Wieso schwach? Bender, sehen Sie nur die Menschen- menge! Man wird uns unbedingt verprügeln!" „Denken Sie nicht daran. Wenn es so weit ist, haben Sie immer noch Zeit, daran zu denken. Vorläufig aber lassen Sie sich nicht stören! Lernen Sie handeln!" Eine halbe Stunde später waren fünfunddreißig Rubel in der Kassa. Das Publikum im Saal wurde unruhig.„Schließen Sie den Schalter. Geben Sie das Geld her!" sagte Ostap. „Und jetzt: hier haben Sie fünf Rubel, gehen Sie ans Ufer, mieten Sie für zwei Stunden ein Boot und warten Sie am Ufer auf mich, hinter der Scheune. Machen Sie sich meinet- wegen keine Sorgen. Ich bin heute sehr gut in Form." Der Weltmeister trat in den Saal. Er fühlte sich frisch und wußte bestimmt, daß der erste Zug-2—-4 keine unangenehmen Folgen hoben konnte. Andere Züge waren noch im Nebel, das genierte aber den großen Kombinator nicht. Er hatte sich schon aus hostnungsloseren Partien herausgewunden. Man empfing den Weltmeister mit Händeklatschen. Der nicht sehr große Klubsaal war mit bunten Fähnchen geschmückt. Eine Woche vorher hatte hier ein Tanzabend der Gesellschaft „Rettung aus Ertrinkungsgefahr" stattgesunden, wovon die Devise, die an der Wand hing„Rettung den Ertrinkenden— menschliche Teilnahme den Ertrinkenden" zeugte. Ostap verneigte sich, streckte die Arme von sich, als wehre er die unverdiente Ehrung ab, und betrat das Podium. „Genossen!" sagte er mit sehr schöner Stimme.„Genossen '-nd Bröd«r im Zeichen des Schacbspieles, das Thema meinerheutigen Vorlesung wird dasselbe sein wie dos der Seance, die ich vor einer Woche und, wie ich gestehen will, nicht ohne Er- folg in Nifchni-Nowgorod gehalten habe. Das Thema meines Vortrages ist.Fruchtbare Ideen für die Spieleröffnung'. Was ist, Genossen, Spieleröffnung, was ist ein Anfangsspiel und was ist, Genossen, eine Idee? Genössen, die ersten Züge sind »quasi nna fantasia'. Und was ist, Genossen, eine Idee? Die Idee, Genossen, ist der Menschheitsgedanke, der sich in die lo gische Schachform gewandelt hat. Mit unserer kleinen Men- schenkraft können wir das Schachbrett beherrschen. Das hängt von jedem einzelnen Individuum ab. Zum Beispiel jener blonde Herr in der dritten Reihe. Nehmen wir an, er spielt gut..." Der blonde Herr in der dritten Reihe errötete. „Und der schwarzhaarige Herr dort, sagen wir, spielt schlechter." Alle wandten sich um und sahen auch den schwarzhaarigen Herrn an. „Was sehen wir also, Genossen? Wir sehen, daß der blonde Herr gut und der schwarze Herr schlecht spielt. Und keine Vorträge werden die Beziehungen zwischen diesen Kräften ändern, wenn nicht jedes einzelne Individuum sich separat im Domen-... ich wollte sagen Schachspiel trainiert. Und jetzt Genossen, werde ich Ihnen einige lehrreiche Geschichten aus der Praxis unsere geehrten Hypermodernisten Cabablanca, Lasker und Dr. Grigorjew erzählen..." Ostap erzählte seinen Zuhörern einige alte Witze, die er noch in seiner Kindheit in der„Blauen Zeitschrift" gelesen hatte, und beendete damit das Intermezzo. Alle waren über die Kürze des Vortrages etwas erstaunt. Der Einäugige blieb mit seinem einzigen Auge an den Schuhen des Weltmeisters hängen. Doch der Beginn der Seance des Simultanspieles ließ in dem einäugigen Schachspieler vorläufig der Verdacht nicht austommen. Er half die Tische zum Spiel vorbereiten. Dreißig Schachamateure machten sich zum Kampf gegen den Weltmeister bereit. Viele waren sehr aufgeregt und schauten jeden Moment in die Schachlehrbücher, um in ihrem Gedächtnis die komplizierten Variationen aufzufrischen, mit deren Hilfe sie die Partie erst nach dem zweiundzwanzigsten Zug aufzugeben hofften. Ostap blickte auf die Reihen der„Schwarzen", die ihn von allen Seiten umgaben, ferner auf die geschlossene Tür und bc- gann seine Arbeit. Er näherte sich dem Einäugigen, de? in der ersten Reihe saß und zog mit dem Bauer von-2 auf«4. (Fortsetzung folgt.) Räuberprosa von heute. Zuchthaus und Gefängnis für Spernau und Genossen. Iuwelenraub in der Kanonierstraße—. Masken, Pistolen. Ver- wegcne Autojagd der Räuber.... Der Atem vergeht einem fast vor lauter Räuberromantik. Und wie prosaisch, wie nüchtern hört sich das alles im Gerichtssaal an. Wie prosaisch die Lebensläufe der Räuber und ihre Beweggründe, die Aussührung der Tat und die Haltung vor Gericht. Sehen so Räuber aus? Die Zeiten der Räuberromantik sind in Westeuropa endgültig vorbei. Spernau ist Räuberhäuptling. Bis 1926 ganz schwerer Junge. Er ist über 49 Jahre alt, hat das Gefängnis satt. Von 1926 bis 1929 arbeitet er, wird krank, heiratet, zieht mit der Frau nach Berlin, findet keine Beschäftigung, handelt mit Lumpen. Es reicht aber nicht zum Leben, und er meldet sich arbeitslos, erhält 13 Mark Unterstützung wöchentlich. Die Frau macht ihm Vorwürfe, seine Vergangenheit erhält über ihn von neuem Gewalt. Zum Ein- brechen fehlt ihm bereits der Mut! er ist aus der Uebung gekommen. Es geht ihm wie irgendeinem Neuling: der Raub scheint weniger kompliziert und schneller zum Ziele zu führen. So begeht er den ersten Ueberfoll auf die Kasse des II-Dahnhoss Onkel-Toms-Hülle. Seinen Komplicen Baumgart, Kley, Stolle, Iakubowski und Genz ist ähnlich ergangen. Kley ist stellungsloser Mixer. Genz arbeits- loser Chauffeur, Stolle arbeitsloser Mechaniker. Fast alle geistig minderwertig und alle straffällig. Iakubowski wurde im Krieg verschüttet und leidet an verschiedenen psychotischen Störungen. Das also sind die Räuber. Ihre Beweggründe zu den Raubüberfällen entsprangen in geringcrem oder höherem Maße stets der Rot. Wo bleibt hier die Romantik? Als Spernau nach dem Ueberfall in der Siedlung Cäciliengarten seine 2399 Mark bekommen hatte, wollte er Schluß machen. Mit diesem Gelde konnte er einen kleinen Handel beginnen oder sich mit seiner Frau eine Zeitlang über Wasser halten, bis er Arbeit finden würde. Die Polizei war ihm aber bereits auf der Spur, sein Haus Tag und Nacht bewacht. Der Boden wurde ihm unter den Füßen heiß. Zurück ins Gefängnis wollte er nicht— so beschloß er. Deutschland zu verlassen. In Leipzig kleidete er sich neu ein, kehrte nach Berlin zurück, beglich seine Schulden, kaufte sich für 300 Mark einen falschen Paß. bezahlte 399 Mark einem Kapitän, der ihn nach Schweden mitnehmen sollte— da war das Geld alle. Ohne einen Pfennig konnte er nicht ins Ausland. So fand er sich mit dem Mittelschwergewichtler Paulich zusammen, der noch seiner Aburteilung harrt, und verübte den Raub in der Kanonierstraße. 49 999 Mark waren die Juwelen wert. Iakubowski erhielt sie zum Verkauf, hätte die Polizei die Juwelen nicht in seiner Wohnung gefunden, Paulich hätte sie in Holland verkloppt. Ein Regiesehler wurde aber allen zum Berhängnis: Iakubowski hatte dem Chauffeur Radtke statt zur K a n c n i e r st r a ß e 11, wo der Raub ausgeführt werden sollte, zur I ä g e r st r a ß e 11 dirigiert. Die Nummer seines Wagens war notiert worden, er zog es deshalb vor, sich bei der Polizei zu stellen. Das Märchen, das er auftischte, klang so schön, daß man ihn sofort dabehielt. Also auch hier von Romantik keine Spur! Und schließlich die Haltung der Angeklagten vor Gericht. Der Räuberhäuptling Spernau kann mitunter vor innerer Ve- wegung nicht weitersprechen, er muß sich die Augen wischen. Er ist direkt von einer Wahrheit?- sucht befallen. Er kramt aus und belastet auch seine Komplicen— allerdings nicht mehr, als sein Geständnisbedürfnis es erfordert. Auch die Haltung seiner Mitangeklagten ist wenig heroisch. Sie stehen da gesenkten Hauptes, auf den Gesichtern Furcht vor der zu erwartenden Strafe. Die Räuberromantik dieser Angeklagten erinnert höchstens an Hintertreppenromane. Einer von den Angeklagten holt einen Ring aus der Tasche und überreicht ihn der Kassiererin vom U-BaHnHof Onkel-Toms-Hütte, bei der er geraubt worden war, eine Geste; ebenso kitschig wie effektvoll. Die Zeit der Räuberromantik ist endgültig vorbei! Das Schöffengericht erklärte die Mitglieder der Räuber- bände Spernau schuldig ges gemeinschaftlichen schweren Raubes, der Beamtennötigung und des unerlaubten Waffenbesitzes. Es wurden verurteilt der Anführer der Räuber- bände Franz Spernau, wegen schweren Raubes in drei Fällen zu acht Jahren Zuchthaus, Baumgart und Adolf Stolle wegen schweren Raubes in zwei Fällen zu je vier Jahren Gefängnis, K l e y zu zwei Jahren sechs Monaten Gefängnis, G a a z und I a k u- b o w s k i zu je zwei Jahren Gefängnis und R a d t e wegen Beihilfe zum schweren Raube zu einem Jahr Gefängnis. Sämtlichen Ange- klagten wurden die bürgerlichen Ehrenrechte auf fünf Jahre ab- erkannt. Die Untersuchungshaft wurde angerechnet. Das Verfahren gegen Werner Stolle wegen Begünstigung wurde vertagt und es soll mit der Anklage gegen den Arbeiter Oskar Paulich, dem erst kürzlich festgenommenen weiteren Mitglied der Räuberbande, ver- bunden werden. Das Dahlienwunder. Immer prächtiger, vielartiger und zahlreicher hat sich die märkisch« Dahlie in den letzten Jahrzehnten entwickelt, weil viele Züchter und Liebhaber Freude an ihr gefunden haben. Usber- sieht man die sommerlichen Parkanlagen und Laubeirgelände, dann wird das Auge gebannt und entzückt von einer schier unüberseh- baren Fülle an Blütenpracht und Reichtum der Formen und Farben. Vollwertig sind sie gewiß nicht alle, ja manche haben sich selbst über- holt, aber schön sind sie in ihrem Blühen. Der persönliche Ge- schmack und.die Freude des Dahlien-Lieb hobers kaim sich hier un- begrenzt entwickeln, und es ist kein egozentrischer Sport, den er hier betreibt, alles erfreut sich an der mannigfaltigen Blütenszenerie. Trumps ist ein niedriger, gedrungener Blattwuchs, verbunden mit großen, schöngeformten Blüten in leuchtender Farbe, die auf kräftigen Stielen ausrecht über dem Laube stehen. Daß Dahlien und Georginen zwei verschiedene Blumen seien, ist«ine irrige Ansicht. Als im Jahre 1799 diese Blumenart aus Mexiko in Europa eingeführt wurde, standen bei ihrer europäischen Tause zwei Botaniker Pate: es waren dies der Schwede Dahl und der Petersburger Professor Georgi. So erhielt der Täufling zwei Namen, die sich bis auf den heutigen Tag er- halten haben. Zlls sich die„Dahlie" immer stärker in den Vorder- grund gedrängt hatte, wandte man die Bezeichnung„Georgine" hauptsächlich nur mehr auf die Pompondahlien mit ihren tüten- förmig gedrehten, dicht und kugelig zusammenstehenden Blüten- zungen an. In der mexikanischen Heimat der Dahlie, wo es keine schädlichen Nachtfröste oder gar Frostmonate gibt, ist dieses Kind der stebtropischen Zoeie Amerikas eine ausgesprochene Sonnenblume, und die ersten Herbstnachtfröste sind schon ihr großer Feind. Die eßbaren Knollen der Dahlie sind uns zum Verspeisen zu schade, denn wir lieben den prächtigen Reichtum der sattgrünen Dahlienbüsche mit ihren farbenfrohen Blütenkärbchen und ihren mannigfaltigen Farben. Ob es die zartlila Riesenblüte mit gelbem Grund, oder die feurige Scharlachrote mit ihren gedrehten Bllltenzungen ist, ob sie hellgoldbraun, zur Mitte hellviolett verschwimmend, schimmert. oder die tiessatte Purpurfarbe mit silbriger Rückseite zeigt, wir ivissen nicht, welcher wir den Vorzug geben sollen. Die Edeldahlie zeichnet sich durch dichtgesüllte, große Blüten von lockerem Bau, mit gedrehten, oft krallenartig gebogenen Blütenzungen aus. Eine reiche Farbenskala vom samtigen Rotbraun, dem leuchtenden Ziegelrot, einem sanften Lila oder hauchgarten Lachsrosa zum kräftigen Schwefelgelb, dem schweren satten Purpurviolett bis zum schneeigen Weiß breitet sich in sommerlicher Schönheit vor uns aus. Aber auch die einfachen, nichtgefüllten Dahlien, unter ihnen besonders die Zwergdahlien, erfeuen sich großer Beliebtheit. Bon Mitte Juli bis Anfang September gibt die schöne, ob chrer prächtigen Gestalt im Mittelpunkt aller Blüten stehende Dahlie unseren Gärten ihr Gepräge: sie versinnbildlicht mit ihrer strotzenden Reife und Farbenpracht gleichsam den Höchststand der Natur, dos verschwenderische Schenken aus dem vollen Schoß der immer aufs neue Gebärenden. Vom Spion zum Falschmünzer. Er hatte kein Glück mit seinen Fünfmarkstücken. Unter der Anklage des Münzverbrechens standen gestern der Zljährige Zahntechniker K. und seine Zbjöhrige Braut. Fräulein A. vor dem Gericht. K. erzählte dem S ch ö s s e ng e ri ch t Berlin-Mitte, daß cr im Weltkrieg als Spion tätig gewesen und dreimal zum Tode verurteilt worden sei. In den letzten Iahren ist er wiederholt bestraft worden und hat sich meistenteils in Irren- oder Strafan st alten aufgehalten. Zuletzt wohnte cr mit seiner Braut in Berlin und versuchte mit Hilfe einer Schau- bude auf einem Rummelplatz Geld zu verdienen. Als ihm dies nicht gelang, fabrizierte er eines Tages auf eine frühere Aeußerung seiner Braut, daß man sich eigentlich sein Geld selbst machen müßte, mit Hilfe seiner technischen Vorkenntnisse 3-Mark-Stückc, die ihm aber so schlecht gerieten, daß er die Geräte wieder vernichtete und die Münzen, ungefähr 15 Stück, in die Ecke einer Schublade schob. In Tagen großer Not erinnerte sich nun seine Braut an dieses falsche Geld und nahm es ohne Wissen ihres Verlobten heraus, um dafür Lebensmittel einzukaufen. Nachdem sie einige Münzen verausgabt hatte, fielen die Geldstücke auf, und sie wurde fest- genommen. Vor Gericht war das Brautpaar geständig und bat um mildernde Ilmstände. K. wurde zu 8 Monaten Gefängnis und seine Braut zu 4 Monaten Gefängnis verurteilt. Die Frage der Bewährungsfrist soll noch vom Gericht geprüft werden. Kunstnoi bringt Aoikunst! Einer spielt 22 Stunden lang Klavier. Aus einem kleinen Bierlokal in der M o tz st r a ß e erklingen Tag und Nacht— von drei bis sechs Uhr morgens muß ganz, ganz leise gespielt werden— bald heitere, bald klassische Weisen. Ein Mann hat sich verpflichtet, 72 Stunden lang pausenlose Musik zu machen: er hat schon so eine kleine Vorübung hinter sich, da er in seinem Kino am Viktoria-Luise-Platz tagtäglich von Anfang bis zu Ende der Vorstellungen spielt, und zwar nicht bloß Klavier, nein: Er bedient mit seinen zwei Händen und Füßen ein ganzes Orchester. Vom Klavier zum Harmonium, vom Schlagzeug zur Vogelpfeife, es wird getrillert, mit Kastagnetten geklappert und mit dem Glockenspiel geklingelt. Aber trotz seiner vielseitigen musikalischen Kunstfertigkeit konnte er die Kinobesucher nicht in hellen Scharen anlocken, und nun will er sehen, auf dem Wege der Höchstleistung den schlechten Geschäftsgang mit seinen traurigen Begleiterschei- »ungen auszugleichen. 24 Stunden hat er jetzt hinter sich und ist noch ganz vergnügt und munter, hat nur 13 Zigaretten und einige belegte Brötchen zu sich genommen. Für das Schlappmachen sind Kognak mit Ei und stärkende Tabletten in Bereitschaft. Ein paar neugierige Passanten stecken den Kopf zur Tür hinein und verschwinden wieder: am Abend soll es besser werden, das wünscht sich der Wirt und sein Dauermusikant. Gemeinsinn, nicht Selbstsucht. Die Möglichkeit der Beschaffung und Verteilung guter Bedarfs- güter zu niedrigen Preisen ist das wirtschaflliche Fundament jedes Konsumvereins. Aus dieser Tatsache allein schöpft die Konsum- Vereinsbewegung aber nicht die Kraft zu ihrer machtvollen Auf- wärtsentwicklung: denn diese wirtschaftliche Grundlage ist auf egofftischen Motiven aufgebaut. Daß auch der Egoismus schöpfe- rische Kräfte in sich birgt, hat die vorwärtsstllrmende industrielle Entwicklung der verflossenen kapitalistischen Wirtschaftsperiode be- wiesen. Aber alles, was der Individualismus geschaffen hat, hat er für den einzelnen auf Kosten der anderen ge- schaffen. Aus dieser Tatsache ergibt sich die Unzufriedenheit und Unruhe, die die kapitalistische Wirtschaft hervorgerufen hat, und das Aufbegehren weiter Volkskreise gegen sie. Das Ziel genossenschaftlicher Gemeinschaftsarbeit ist es nun, wirtschaftlichen Fortschritt, Besserung der menschlichen Lebensbedin- gungen zu erreichen: der eine soll sich für den anderen einsetzen, damit es ihnen beiden besser geht. Cr soll nicht, wie der Kapitalist es tut, seine Lage teils durch Bekämpfung und Vernichtung des anderen zu heben suchen. Dieses Gemeinschaftsidcal, das in der Konsumvereinsbewegung lebendig ist und allen ihren Mitgliedern ins herz gepflanzt werden muh, macht ihre geistige und kulturelle Ueberlegenheit gegenüber dem privaten Handel aus. Die Konsum- Vereinsbewegung führt zur Gemeinwirtfchaft, in der seder für alle und dadurch für sich selbst eintrift. Folgen der Moiorraserei. Sechs schwere Llnfälle an einem Tag. In der Frankfurter Allee wurde am Donnerstag vor- mittag der 34jährige Händler Max U r b a n s k i aus der Bürgerheim- straße 98 in Lichtenberg, in W e i ß c n s e e in der Berliner Allee 236 die 16jährige Schülerin Luzi P u d e k o aus der Lothringenstraßc 32 aus Weißensee, in der Rheinstraße in Fr i e d e n a u der 38 Jahre alte Monteur Willi Tamouschat aus der Dürerstraße 11 in Lichterselde von Motorradfahrern angefahren. Alle drei erlitten schwere Verletzungen und mußten in Krankenhäuser ge- bracht werden. Vor dem Hause Müller straße 141 fuhr am Donners- tag nachmittag der 33 Jahre alte Motorradfahrer Robert Schweitzer aus der Ackerstraße gegen ein Pferdefuhrwerk. Der Motorradfahrer mußte mit Verletzungen an den Händen dem Vir- chowkrankenhaus zugeführt werden.— An der Kreuzung der Pots- damer und Hauptstraße in Zehlendorf stieß Donnerstag gegen 2 Uhr ein Motorrad mit einem Radfahrer zusam- m e n. Letzterer, der 23 Jahre alte Friseur Paul B e i s c aus der Steinmetzstraße 33 erlitt dabei Verletzungen und mußte sich ins hindcnburgkrankenhaus begeben.— In der Scharren st raße Ecke Wilhelm-Platz in Charlottenburg stürzte der 25jShrige Diener Karl Thiede aus der Nehringstraße 4 mit seinem Motorrad, so daß er innere Verletzungen erlitt und in das Krankenhaus Westend eingeliefert werden mußte. Auiounsall eines jungen Paares. Aus dem Krankenhaus entlassen— wieder ins Krankenhaus Bon einem tragischen Geschick wurde gestern ein junges Ehepaar heimgesucht. Die 22jährige Ehefrau Else des 29jährioen Buchdruckers Erich h. aus der Malmöer Straße wurde Donnerstag morgen von ihrem Mann aus dem Krankenhause abgeholt und das Ehepaar nahm zur heimfahrt eine Kraftdroschke. Di« Droschke stieß an der Eck« Schul- und Exerzierstraße mit einem Geschäftsaulo zusammen. Dabei erlitt der Mann Schnittwunden im Ge- ficht und die Frau Prellungen an Kopf und Arm. Das Ehepaar wurde zur nächsten Rettungsstelle und von dort in das Virchow-Krankenhaus gebracht. Sewstmorö eines indischen Studenten. In einer Pension in der G r o l in a n st r a ß e, in der viele ausländische Studenten verkehren, erschoß sich am Dienstag vormittag der indische Student M a r a i n S i n g h. Er brachte sich, im Bette liegend, einen h e r z s ch u ß bei, der seinen sofortigen Tod zur Folge hatte. Wie festgestellt wurde, hatte S., der 22 Jahre alt war, gestern abend eine heftige Auseinandersetzung mit einem ihm befreundeten deutschen Mädchen, die zum Bruch des Verhältnisses geführt hat. In einem an die Kriminalpolizei hinterlasienen Briefe hat der Student, der von Hause aus sehr begütert ist. die Regelung seines Nachlasses getroffen. Seine Leiche wurde in das Schauhaus! geschafft. I Flugzeugexplosion in Tondern. Zwei Fliegeroffiziere im Führersitz verbrannt. Tondern. 23. Juli. Am Donnerstagmittag übten zwei dänische Militär- slugzeuge, die von Kopenhagen gekommen waren, über dem hiesigen Flugplatz. Plötzlich hörte man eine schwere Explosion. Eins der Flugzeuge geriet in Brand und stürzte mit der Spitze voran zu Boden. Ms es gelungen war, die Flammen zu löschen, fand man die beide nJnsassen verkohlt auf dem Führer- sitz auf. Es handelt sich um den Piloten, Fliegerleutnant Petersen aus Kopenhagen, und den Beobachter, Offiziant La rfe n. Larfen hinterläßt Frau und zwei Kinder. Oer Mann, der den Scheck einlöste. Ein freches Gaunerstückchen. Gute Augen und scharfe Ohren haben einem unbekannten Manne zu der ansehnlichen Summe von 2000 Mark ver. Holsen. Der Bote einer Firma hatte in einer Bankfiliale am Spittel- markt einen Scheck über 2999 Mark vorgelegt und wurde angewiesen, bis zur Prüfung zu warten. Da der Bote noch andere Besorgungen hatte, ging er inzwischen fort. Wie üblich, wurde nach einiger Zeit der Scheck aufgerufen: es meldete sich aber zunächst niemand. Erst, als wieder ein Weilchen verstrichen war, kam ein Mann an den Zahltisch und fragte, ob der Scheck der Firma erledigt sei. Auf die bejahende Antwort gab der Mann richtig den Betrag des Schecks an und erhielt das Geld. Er hatte sich längst damit entfernt, als der richtige Bote nachfragte. Zweifel- los hat der Unbekannt« gleich zuerst neben dem Boten gestanden und die Zlusschrist lesen können: außerdem wurde cr durch de» Älufruf noch ausmerksam gemacht. Die Bank hat für die Ermittlung. des Fremden eine Belohnung von 299 Mark ausgesetzt. Er soll etwa 39 Jahre alt gewesen sein, dunkles haar und kleinen dunklen Schnurrbart gehabt und einen guten braunen Anzug ge- tragen haben. Personen, die über ihn etwas wissen, werden ge- beten, sich an den 1. Kriminalbezirk des Polizciamts Mitte zu wenden. Lohnlisten zur Polizei. Der Polizeipräsident teilt mit: Nachdem durch Erlaß des preußischen Handelsministeriums die Auszahlung von Lohngeldern durch die Banken von einer polizeilichen Abstempelung der Lohnlisten abhängig gemacht worden ist, hat der Polizeipräsident die P o l i z e i r e v i er e mit der Durchführung diefer Anordnung betraut. Die Interessenten müssen sich an dasjenige Polizeirevier wenden, das für den Sitz der in Frag« kommenden Firma oder einer ihrer selbständigen Unter- abteilungen zuständig ist. Billige Reise durch Deutschland. Reisen kosten Geld und Geld ist knapp. Um denen, die nicht verreisen können, doch etwas von den Schönheiten Deutschlands zu zeigen, aber auch, um Anregungen bei der Wahl von Reise- zielen zu geben und nicht zuletzt, um die geographischen Kenntnisse der Schuljugend zu festigen und zu erweitern, fit von der Groß- e i n kau f s- G e se l l s ch a f t Deutscher Konsumvereine m. b. h., Hamburg, kurz die„GEG." genannt, eine Serie von 72 Bildern mit Ansichten aus allen Teilen Deutschlands herausgegeben worden. Die gut gewählten Ansichten wirken durch den technisch vollendeten Drück geradezu künstlerisch und werden deshalb viele Freunde finden. Die Bilder liegen den Packungen der für die organisierten Verbraucher hergestellten GEG.-Zig a- retten und GEG.- Schokolade bei. GEG.-Erzeugnisse sind immer die Produkte gewissenhaftester Materialausleft und technisch hochstehender Verarbeitung. Man erhält sie in seinem Konsum- verein, wo auch das praktische Album, welches das Sammeln der Bilder erleichtert, für wenige Pfennige erworben werden kann. U-Bahn gestern und heute. Einstmals ein Geschenk für den Westen� fetzt Volksschnellbahn. Als London, Paris und New Jork schon längst ihre choch- und Untergrundbahnen hatten, da fühlte man sich endlich auch in Berlin dazu getrieben, eine elektrische Schnellbahn als Hoch- und Unter- grundbahn zu bauen. Die Kurzsichtigkeit der privaten Unternehmer dieses Baues ergab sich sofort daraus, daß niemand daran dachte, für den kommenden Großverkehr vorzusorgen und durch die City eine viergleisige, zumindest eine dreigleisige Bahn zu bauen, die imstande war, neben dem Lokalverkehr den durchgehenden Schnell- verkehr zu bewältigen. An den Folgen dieser Kurzsichtigteit wird Berlin noch Jahrzehnte zu leiden haben und der ganze Verkehrs- jammer, der jetzt auf den Citystrecken der U-Bahn herrscht, ist auf diesen unglaublichen verhängnisvollen Fehler zurückzuführen. Im Rahmen des endlich einmal großzügig gedachten U-Bahn-Baupro- gramms der letzten Jahre war bekanntlich die Verlängerung der neuen Lichtenberger Strecke über den Alexanderplatz hinaus durch die Känigstraße als diese längst notwendige Entlastungsstrecke für die City gedacht: sie wird vermutlich, zum Leidwesen des Publi- tums, das zwar sehr viel schimpft, sich aber sehr wenig um die wirk- lichen Ursachen kümmert, noch auf viele viele Jahre nur„gedacht" bleiben. Hier zeigen sich die verhängnisvollen Folgen eines keines- wcgs großzügigen Denkens einer privaten Borkriegs-Verkehrsgesell- schaft. Im Osten wurde gespart? Daß'man damals dann einen eigentlichen Hochbahnstrang durch den industrie- und gewerbereichen Südosten zog, war an und für sich anerkennenswert, blieb aber auch hier nur ein Versuch ohne Vollendung. Denn der Abschluß der Schnellbahn an der Warschauer Brücke wirkt vollkommen unerwartet und ist eine in den Anfängen sieckengebliebene Arbeit. Wie soll diese Strecke einmal als Hochbahn über die Reichsbahn ohne gewaltige, gor nicht abzuschätzende Um- baukosten weitergeführt werden? Auf der Strecke Gleisdreieck— Warschauer Brücke offenbarte sich aber auch, was bisher viel zu wenig beachtet worden ist, der rücksichtslose kapitalistische Erwerbscharakter dieser privaten Derkehrsgesellschaft. Während man die nach dem Westen führende Strecke über pompöse Sandsteinfundamente leitete, genügte für den proletarischen Osten die erbärmlichste trostloseste Eisenkonstruktion. Was aber, wenn nur der große soziale Wille vorhanden ist, trotz- dem mit Eisen geschaffen werden kann, sieht man an dem überwäl- tigend kühn konstruierten modernen Bahnhof Kottbusser Tor, der konstruktiv und verkehrstechnisch eine Sehenswürdigkeit ersten Ranges ist. Während die Schienenbettung auf der Weststrecke den Lärm nach Möglichkeit dämpfte, donnerten die Züge nach dem Osten wie wenn ein Gewitter herankam: Häuser und in den Wohnungen die Möbel erzitterten. Hinter dem Nollendorsplatz verschwand die 5>ochbah» respektvoll unter der Erde. Der Osten wurde von Anfang bis zum Ende auf billigen Eisenoiadukt durchfahren. Das Gleis- d r e i e ck wurde als Ingenieurkun st stück größter Art aller Welt gezeigt, bis eines Tages ein Zug dem andern in die Flanke fuhr, so daß der angefahrene in die Tiefe stürzte und viele Menschen in den Tod riß. Do war es mit dem Nimbus vorbei und das Gleis- lrcieck wurde kurzerhand aufgelöst. Oer verhäifchette Westen. Wer weiter sehen will, welch Aufwand getrieben werden konnte, wenn es um den verhätschelten Westen ging, der betrachte sich ein- mal sehr genau die U-Bahnhöfe Fehrbelliner Platz und .Heidelberger Platz. Der Bahnhof Fehrbelliner Platz wurde mit Cadincr Kacheln ausgelegt, weil die Cadiner Ziegelei dem Kaiser gehörte. Der Bahnhof Heidelberger Platz ist ein wahres Monstrum, denn wenn man ihn unvorbereitet betritt, glaubt man sich in die Krypta, das heißt die Grabkapelle eines alten Doms versetzt. Eine einzige ungeheuer kostspielige Geschmacklosigkeit. Die Domäne Dahlem ließ die U-Bahn dann über Wilmersdorf bis in ihr Gebiet führen: ein anderer Zweig ging bis zum Wilhelms- platz, ein dritter bis zur Uhlandstraße, ein vierter bis nach Schöne- berg. Man sieht ganz deutlich die Entwicklung: Der Westen bekam Schnellbohnen, der Osten muß sich mit seiner kurzen Quer- Verbindung bis zur Warschauer Brücke begnügen. Die übervölkerten Stadtteile im Norden, im Osten und in Neukölln blieben auf die vollkommen unzulängliche Straßenbahn angewiesen und niemand dachte daran, diesen proletarischen Stadtteilen Schnellverkehr zuteil werden zu lasten. Und nun haben Neukölln, Tempelhof. der Wedding. dichtbevölkerte Osten um die endlose Frankfurter Allee, der doch schon vor 20 Jahren eine Schnellbahn brauchte, dieses zeitge- mäße Verkehrsmittel. Durch wen? Etwa durch das Bürgertum? Da hätten diese Proletarieroiertel endlose Jahrzehnte warten können. Zwar wurde oft genug kritisiert, daß Berlin im Schnellverkehr hinter anderen Weltstädten herhinke und daß es unbedingt notwendig sei, das Schnellverkehrsnetz großzügig und die kommende Außen- bestedlung berücksichtigend auszubauen. Darin waren sich die Schrift- steller und Redakteure aller Parteien einig. Aber als es an die Ausführung ging, da ließen die parlamentarischen Vertreter dieser ideellen Forderungen von Großzügigkeit wenig spüren und es be- durfte aller Anstrengungen der Sozialdemokratie, um den Bau einiger unaufschiebarer Strecken wie die nach Neukölln, dem Wcdding und nach Lichtenberg endlich zur Durchführung zu bringen. Kann man sich denn diese Schnellverkehrsstrecken, die einige längst fällige Forderungen erfüllten, heute noch aus dem Bild der 4-Millionen- Stadt fortdenken? Kann man sich vorstellen, daß der Riesenverkehr durch Straßenbahn und Autobusse allein bewältigt wird? Un- möglich. Nur ein paar Worte zum Tarif. Vor dem Kriege hatte die U-Bahn zweiter und dritter Klasse. In der dritten Klasse kostete eine Fahrt bis zu fünf Stationen 10 Pf., darüber hinaus 1Z Pf., in der zweiten Klasse 15 und 20 Pf. Heute haben wir die gepolsterte Einheitsklasse, also richtig die zweite Klasse, und fahren für nur 26 Pf. nicht nur das ganze riesige Verkehrsnetz der Hoch- und Untergrundbahn ab, sondern können sogar noch umsteigen. Einer, der am Reichstanzlerplatz einsteigt, kann für 25 Pf. bis nach Köpe- nick und Friedrichshagen fahren. Das ist auf dem ganzen Erdball einzigartig. Die Versäumnisse des in seinem kommunalen Besitzstand durch das Dreitlassenwahlrecht gesicherten sorg- und energielosen Bürger- tums wurde durch die Jahre 1914 bis 1923 noch verschlimmert. Die Sozialdcmokatie, das rote Berlin hat dafür in den Jahren 1924 bis 1930 Großes und Unvergängliches geleistet, das für alle Zeiten in dem Bilde Berlins seinen Ehrenplatz behalten wird: Volksparks, Spiel- und Sportplätze, Schwimmbäder, Krankenhäuser, Erholungs- stätten, Schulen aller Art und vieles andere, und nicht zuletzt die Schnellbahnen, Einrichtungen, die dem Wohle aller Einwohner dienen, die sie heute auch nicht mehr missen mögen. Möge diese nicht hinwegzudiskutiercnde Tatsache, daß die Sozial- demokratie nicht negativ sondern positiv, nicht nörgelnd und kriti- sierend, sondern überlegend und das Erreichbare tuend, nicht nieder. reißend, sondern aufbauend für Gegenwart und Zukunft seit den Jahren nach der Jnjlation für Berlin tätig war, möge diese Tat- fache von dem Volk selbst endlich voll und ganz erkannt und niemals vergessen werden. 234 OOO Wohnungsuchende. Keine Besserung am Wohnungsmarkt/ Zu teure Neubauwohnungen. 234 000 Wohnungsgesuche, davon rund 40 000 als dringlich be- zeichnete, liegen bei den Berliner Wohnungsbehörden vor� Hieraus läßt sich jedoch noch lange kein richtiges Bild des tatsächlich Herr- schenken katastrophalen Wohnungselends machen. Aus diesen Ziffern ist weder zu ersehen, ob der betreffende Antragsteller einen Woh- nungstausch erstrebt, also bereits im Besitze einer Wohnung ist, vor allem aber fehlt der Ueberblick, ob der eingetragene Wohnungsuchende wirtschaftlich überhaupt in der Lage ist, die angeforderte Wohnung zu bezahlen. Täglich erscheinen bei den gemeinnützigen Baugesellschaften eine Menge Mietlustiger, die ihrem Einkommen nach ja überhaupt nicht daran denken könnten, den Preis einer Neubau- wohnung zu bezahlen. So ergeben die oben erwähnten Zahlen ein völlig unNares Bild über die Substanz der Wohnungs- onwärter: fachmännisch beurteilt würde sich die Ziffer der Wohnung- suchenden für Neubauten ganz ungeheuerlich verringern zugunsten der Altwohnungen, die allerdings bautechnisch und hygienisch völlig unzureichend sind, jedoch in bezug auf den Mietpreis immerhin noch eher erschwinglich erscheinen. So begrüßenswert der Siedlungs- gedanke für die Massen vom städtebaulichen und gesundheitlichen Standpunkt betrachtet auch ist, so werden all diese Vorteile in ab- sehbarer Zeit gerade jenem Teil der Bevölkerung, für den sie gedacht sind, wohl kaum zugute kommen. Es ist entschieden eine gesündere wirtschaftliche Basis, wenn der wirtschaftlich Schwache, über dessen Haupt noch dazu ständig das Damoklesschwert des Abbaues schwebt, in bescheidenen Altwohnungen seßhaft ist, statt nomadengleich als ständig Exmittierter von einer Schlafstelle zur anderen zu wandern. Sofern es die wirtschaftliche Lage gestattet, vollzieh» sich der Wohnungswechsel aus der Allwohnung in die Neubauwohnung ganz von selbst, denn wer es sich leisten kann, wird nicht eine Minute zögern, eine nach heutigen Begriffen höchst ungesunde, finstere und verbaute Alt- wohnung mitten im Großstadtstaub und Lärm gegen eine helle, freundliche, frei und sonnig gelegene Neubauwohnung einzuwechseln. Daß damit dem eigentlichen Siedlungsgedanken wenig oder gar nicht geholfen ist, weil ja gerade der erholungsbedürftige Werktätige darin nicht eingeschlossen erscheint, ist die bedauerliche Kehrseite der Me- daille. Auch die immer größer werdende Zahl leerstehender Luxus- und Großwohnungen, ja sogar Mittelwohnungen, beweist, daß der Bedarf sich heute fast ausschließlich auf billige Kleinstwohnungen erstreckt. Der Versuch, einen neuen Wohntyp in Gestalt Allerkleinstwohnungen für die Minderbemittelten zu schaffen, dürfte nach dem Urteil von Fachleuten auch bloß ein Versuch bleiben, weil diese Wohnungen kaum den bescheidensten Bedürfnissen Woh- nungsuchender entsprechen. Im Augenblick, da es wieder normale Verhältnisse gibt, würde niemand in solche Puppenstuben einziehen, Gesundbrunnen, Reinickendorf und endlich auch der geschweige denn darin verbleiben wollen. Den weitaus größten Verlust stellen augenblicklich die schätzungsweise 6000 leerstehenden Großwohnungen mit über 20 000 Zimmern dar, die einen täglichen ungeheuren Miet- und Zinsverlust repräsentieren: dies gilt nicht nur für Berlin, sondern auch für alle anderen deut- schen Städte, in denen sich überall eine gleiche Umstellung in der Schichtung der Mieter bemerkbar macht. Man will nun mit ollen Kräften daran gehen, durch Baukostenzuschüsse die Austeilung der Großwohnungen in Mittel- und Kleinwohnungen zu veranlassen. Man errechnete einen ungefähren Zuschuß von 600 Mark aus Haus- zinssteuermitteln pro Umbau, und Oberbürgermeister Dr. Sahm hat für Berlin, über dessen Hauszinssteuermittel bereits zum größten Teil im Vorjahre verfügt wurde, sich an die staatlichen Behörden ge- wandt, um aus dem Wohnungsfllrsorgefonds die notwendigen Zu- schllsse zu erhalten. Eine Nothilfe für Berlin und seine Dauerkrise zählt unbedingt zu den brennendsten Tagesfragen, und es muß— um den Berliner Altwohnungsbesitz vor einer Katastrophe zu bewahren— über die staatliche Hilfe hinaus etwas geschehen. Die Pläne von Jdealsiedlungen und Auflockerun- gen Berlins in seinen alten Teilen müssen leider einer besseren Zukunft vorbehalten bleiben. Vorläufig wäre schon sehr viel damit gewonnen, jedem dazu zu verhelfen, was nicht mehr als sein gutes Recht bedeutet: ein Dach über dem Kopf zu besitzen, um dessen Verlust er nicht stündlich bangen muß. Gchutnoi m Sieglitz. Neubau einer Volksdoppelschule dringend notwendig. Im Jahre 1929 wurde von den städtischen Körperschaften der Bau eines Schulgebäudes für die Ortstells Steglitz, Lank» witz und Lichte rfelde in der Erlen- und Eschenstraße ze- nehmigt. Durch die Anspannung der finanziellen Lage mußte in- dessen die Durchführung des Bauprojektes damals unterbleiben. Die Schulraumnot in Steglitz ist aber so groß, daß ein längeres Hinausschieben der Schaffung der unbedingt notwendigen Schulräume nicht mehr tragbar ist, hat doch der Bezirk Steg» l i tz allein in den letzten Jahren um mehr als 40 000 Ein- wohner zugenommen, ohne daß dort ein einziger Schul- räum errichtet worden ist. Im Haushaltsplan für 1931 sind deshalb auch 260 000 Mark eingesetzt worden. Da bei dieser geringen Bausumm« sich auch ein Teilabschnitt des projektierten und bereits genehmigten Baues nicht ausführen läßt, mußte ein neues Projekt aufgestellt werden, das die Schaffung von Schulräumen nach und nach, je nach dem Bedürfnis der Schule und der Finanzlage der Stadt ermöglicht. Das Bezirksamt Steglitz hat ein Vorprojekt ausgearbeitet und vorgelegt, das zu einem Teil Flachbau, zum anderen Teil Hoch- Ko�ise«veM Junger Spinat.........'Ii D*- JJ-JJ Junger Kohlrabi...... Vi 0». 0.38 Erbsen mit Karotten.. V, D«. 0.60 Prinzeßbohnen'Ii D«. 0.80 Brechspargel dünn..... Vi D». i.Zö Steinpilze..............?*• �9 Aprikosen, Früdn.... V' 0.95 Reinclauden...........'I, 0.95 Aprik.- Marm..•«>. 1 Pfd. Gl« 0.50 Pflaum.-Marm..eo.iPfdGla* 0.50 Apfel-Gelee...ca. 1 Pfd. Gl« 0.50 Vierfr.-Marmel ca. 2 Pfd. Elm. 1.00 Hartweizengrieß.....;• A 0.26 Hartgrieß-Wlakkarom-Pfd. 0.46 Eier-Hutchcn............. Burma-Reis.............. Moulmain-Reis......... PW. 0.28 Siam-Patna-Reis........ P"- 0.28 Rote Grütze......... V v" Vanille u. Mandelpudd. Pfd. 0.40 Kartoffelmehl...........«*.0.20 Sultaninen............ on~j San Backobst.............. 0n pw" 1 90 Kaffee................. an p,d- 1-90 Frkt. Apfelw. Ur. 0J0. 5 Ltr. 2.75 Bowlenwein....Itr. o.7S. 5 ltr. 3.5 Rheinwein...... Ur. 1.1B, 5 Ltr. 5.25 Nitteler Mo»i..ltr. it». f J-*- 5.00 Tarragona..... ltr. IJ», 5 Ltr. 4.75 Samos.......... ur. 5.50 Malaga......... Ltr. U3,- Ltr. 6.75 Johannisbaorw...Ltr. 0.7S, 5 Ltr. 3.50 Wermut, dt«!...Ltr. 1.10. 5 Ltr. 5.25 Cyder,»üft...... Ltr 0.7s.S Ur. 3.50 36er Fronkenweiler.. m- F• 0.80 30er Edesheimer......«".Fl. 1.00 Viertr.-/v>armci---------------- Ä® c c b Kl Kornähre.......... 1 Ltr. m. R.. ■""rMFMENPKONSE.VtN f E 1'* ÄÄÄ«"» Sch� 6'ine-Gou!� 400°r ot". 0.68 M�kreienflletjn o.i.....0« 0.65 F R I S C HE FISCHE Oelsardinen............-°°-|| Würstchen 5 Poar...."...D». 0.8 Italien. Sol. H.r.ng. Sal. Pfd. 0,70 Merced ea-Uko»"® Blauoeeren..............«d. 0.20 Johannisbeeren....... 2 Pfd. 0.3j Stachel beeren-. Strudeläpfel.............«*• 0.22 Weiß- u.Wirsingkohl an Pfd. 0.06 Rotkohl.................. Grüne Bohnen..... an 4 Pfd. 0.20 Wachsbohnen......... pfd- 1[*|0 Möhren.................. �°°° Schoten.................. � Einlegegurken........ 3 Pfd. 0.20 Schmorgurken........ 3«d- 018 Portug. Oelsardinen..2 o». 0.58 Makrelenfilet«n Oei•••'•?** jJ«®® Rollmöpse in RemouU-D». 0.65 Gabelbissen........ � 9 99 Pilchards i. Tom. 9 �0 Krabben....... Ot. 1.25, 0.8° 0.43 Salm................. r?' n'So Gewürzgurken........... D' 0.6" Kabeljau->."Lopt i- Gr.<-->«d- 0.16 Kabeljaufilet........<>"«*• � Seelachs o. K... Gr...»""*• O-19 Rotbars o.k...........-">«*° Lebende Krebse• an lOStudiO. Sülze......................«d- 0-48 Speckwurst...............«d- 0.85 Kons. Rot. Leberwurst Pfd. 0.50 Fleischwurst..............«d- 0.85 Dampfwurst.............«d- 0.88 Hausm. Leberwurst..... Pfd. 0.90 Jagdwurst...............«-t. 0.98 Feine Leberwurst....an Pfd. 1.08 Bierwurst.............. an Pfd. 1.08 Schinkenpolnische...... Pfd. 1.08 Cervelat, Salami..... an Pfd. 1.35 Schinkenspeck....... an Pfd. 1.48 Nußschinken............ P'd. 1.58 Wiener Würstchen..... Pfd. 0.98--- Speck mag. Pfd. 0.98, f»tt Pfd. 0.78 Bunte Schüssel....Sludt 250, 1.50 GEFLÜGEL UND WILD Sandku�en".�.''".� 1.50 Versch. Dessertstücke..... ä 0.10 Brioche-Strietzel..Stück 0.80 0.30 Brioche-Hörnchen Stüde 0.10 0.05 Weißbrote......... Stüde 0.M 0.20 Karst.-Roggenbrt. Stück 0.65, 0.45 Molkereibutter.......«a. l.2o Allerf. deutsdie Markenb. Pfd. 1.56 Feinst. Bratenschmalz.. Pfd. 0.56 Margarine..........>>/, Pfa. 0.50 Cocosfett.............. 2 Pfd. 0.75 SchweizerkäsevollfettanPfd. 1.32 Edamer, Hollander 4C)0ioPfd. 0.88 Tilsiter 20°io............... Pfd. 0.50 Munsterkäse 400io....... Pfd. 0.85 Steinbuscher volifett..... Pfd. O.TO Romadour 200jo......... Stüde 0.1 6 Harzer.............. Pfd.-Pok. 0.38 KUCHEN. GEBÄCK KONFITÜREN Wolga-Hühner...... an Pfd. 0.92 Fr. Suppenhühner...an Pfd. 0.94 Allerf. Pouletsca.450gr Stck. 1.60 Junge Gänse........ an Pfd. 0.92 Rehblätter............ an Pfd. 0.90 Cherry Brandy, Abtei- Ingwer, � Nuß-Curacoo.. Fl. � Fruhstöckf-Kakao stark entölt.... Ffd. Pf Hlmbeersaftl Sadctfl. 0.75, qr. PI. M.■ �80 ...Ltr. qr.«i. Orangeade 1( lote............... Ltr. M■ Kartoffeln iVQ neue 10 Pfd..»•.-an Pi- Pfirsiche an Pfd............. PL 25 Matjesher.*70 m Dos.. Inh. 6 Stüde Pf. J Lebend. Aale( an Pfd............. Pt» Gelee-Mischung........«d- 0.70 Frucht-Fondant........ Pfd. 0.80 Get. Schok.-Plätzchen.Pfd. 0.80 Eisbonbon...............«d- 0.70 Saure Bonbon Misdiung Pfd. 0.50 Teegebäck MUdiung...... Pd. 1.00 Erfrischungswaffeln....Pfd. 0.80 Herrenkringel..........«6 �00 Zigarren KarEtadt-Bomb«.Stück Gr. Karstadt 2 Stüde............••«. sssrns* bau vorsieht. Der Neubau der voltsdoppelschul« soll insgesamt 30 Klassen umfassen. Mit hen zur Verfügung stehenden Mitteln von 250 000 Mark soll ein kleiner erster Unterabschnitt aus- geführt werden. Dort sollen 6 bis 8 Stammklassen und die sofort erforderlichen Nebenräume untergebracht werden. In Anbetracht der Dringlichkeit dieses Neubaues sollen die Arbeiten noch im Laufe dieses Sommers begonnen werden. Der Stadtverordnetenversammlung ist deshalb eine Vorlage zugestellt worden, mit der Bitte, sich mit dem Vorprojekt einverstanden zu erklären und die Einwillgung zum Baubeginn zu erteilen, sobald die speziellen Pläne und Kostenanschläge von den Zentralverwal- tungen geprüft und vom Magistrat genehmigt worden sind, wobei ausdrücklich gesagt ist, daß die Kosten für den Unterabschnitt sich im Rahmen der verfügbaren Mittel halten müssen. „K I", S-lloh, tkb-rs-ll!" Nach einer Meldung aus Paris wurden dort 600 automatische Melder nach der Art unserer Feuermelder auf den Straßen auf- gestellt, durch die der Poriser zu jeder Tages- und Nachtstunde die Polizei herbeirufen kann. Nach der Meinung der zuständigen Stellen bedarf es in Berlin einer solchen Einrichtung nicht, da dem Schutz- und Hilfe- suchenden hier der weitausgebaute Telephonanschluß zur Verfügung steht. Falls man einen privaten Telephonanschluß nicht erreichen kann, stehen zahlreiche öffentliche Fernsprechstellen zur Verfügung. Man kann unter Umständen(bei dringender Gefahr!) auch den Feuermelder benutzen, obwohl hier eine wesentliche Verzögerung entsteht, denn die Feuerwehr muß von chrem Apparat aus erst wieder die Polizei anrufen. In Paris, wo der Fernsprechverkehr nicht in dem starken Maße wie in Berlin ausgebaut ist, und die Häuser meist nur für sämtliche Mieter einen Apparat in der Portier- löge besitzen, mag die Aufstellung von Polizeimeldern darum einem dringenden Bedürfnis entsprechen. Polizeimelder gibt es übrigens in Berlin auch. An Schnittpunkten des Verkehrs, wie am Halle- schen Tor, Rathaus, Potsdamer Platz und anderen Stellen befindet sich«in dem Straßenpublikum meist unbekannter Telephonautomat in einem Kasten, zu dem nur der Verkehrsposten und die Straßenstreifwache den Schlüssel besitzt. Ist Gefahr im Verzuge, so kann der Wachhabende sehr schnell Verstärkung vom nächsten Revier heranrufen. Ruft man durch das Telephon das„U e b e r f a l l k o m- mando* herbei, so beachte man die folgenden Anweisungen, wie sie auch im Fernsprechbuch bekannt gegeben sind: Bei allen An- schlüssen mit Handbetrieb nehme man nur den Hörer ab und meld« dem Fräulein vom Amt„Ueberfall". Man gibt dann Namen und Wohnung an und ratsam ist es ebenfalls, die Lag« der Wohnung genau anzugeben. Wenn der Rufer bei großer Gefahr nicht mehr im Stande ist, dies« ergänzenden Angaben zu machen, so ermittelt die Post die Adresse des Anrufers und veranlaßt alles Weitere. Bei den neuen Selbstanschlüssen ist es jedoch notwendig, das direkte Anschlußzeichen für das Ueberfallkommando zu geben: es lautet f ü r das Ueberfallkommando„K 1", zum Unterschied der Ruf- nummer der Feuerwehr„K II" und des Rettungsamts „K III". Wer es besonders dringlich hat, für seine persönliche Sicherheit zu sorgen, wie Geschäftsleute, Juweliere, Lagerholter, Banken, wie auch Privatpersonen, denen ist zu empfehlen, sich einen direkten Anschluß an das„Ueberfallkommando" anlegen zu lassen. Be- kanntlich besitzt die Berliner Polizei ihr eigenes Fernsprechnetz, dos von einer Zentrole aus bedient wird. Gegen eine geringe Gebühr verbindet sie auch Prioatanschlüsj« mit diesem Netz. Der Apparat, der in wenigen Augenblicken da? llebetfallkömmando herbeizitiert, betätigt sich automatisch in der Art der Rotbremse bei Eifenbohnen. In der-Dienststelle des Ueberfallkommando?, wo eine Teilnehmer- liste aufliegt, ersieht der Beamte sofort, wer das Läutewerk in Tätigkeit gesetzt hat- und trifft seine Maßnahmen. Ein« viel verbreitete Meinung im Publikum sei am Schluß noch berichtigt, nämlich die. daß dos Herbeirufen des Ueberfollkommondos bezahlt werden müßte. Noch einer neuen Verfügung des Polizei- Präsidiums kann nur eine Aostenaufftellung erfolgen, wenn eine mißbräuchliche Alormierung erfolgt. Selbst dann, wenn durch Recherchen festgestellt wurde, daß nur ein« eingebildete Gefahr bestand und der Anrufer also in gutem Glauben gehandelt hat, sieht man von einer Bezahlung ab. Das Leitmotiv des Ueberfall- kommandos ist: eine Alarmierung soll erfolgen, sobald Gesundheit, Leben oder Eigentum von Menschen gefährdet sind. Neue Verkehrsampel. Am Oranienburger Tor ist eine neu« Verkehrsampel eingebaut« orden. Sie ist betriebssertig und wird am Freitag mit Betriebsbeginn eingeschaltet. Oezernatsveränderungen im Magistrat. Stadtbaurat Dr. Adler hat an Stelle des ausgeschiedenen Stadtrats Reuter das Dezernat für das Stadtreini- g u n g s- und F u h r a m t sowie den Vorsitz in der Deputation für das Stadtreinigungs- und Fuhrwesen übernommen. Ebenso ist der Dezernent für die Abteilung„Betrieb und Ausbau des Verkehrs- netzes" im Verkehrsamt geworden.— Stadtkämmerer A s ch und Stadtrat Jursch sind als Vertreter des Magistrats in den Auf- sichtsrat der Berliner Kraft- und Licht-A.-G., dessen Vorsitzender Bürgermeister Elsas ist, eingetreten. In den Aufsichtsrat der Berel ist Stadtkämmerer Asch, in den der Berliner B r e n n st o f f- G. m. b. H. Stadtrat K i n- scher, in den Aufflchtsrat der Strandbad Müggelsee G. m. b. H. und in den der Strandbad W a n n s e e G. m. b. H. ist Stadtrat Katz eingetreten. In den Aussichtsrat der W o h- nungsfürsorgegesellschaft Berlin m. b. H. tritt Stadtrat Heuer ein. Alkohol, ein Pflanzengift. Die Kinder der Parkschule in Riesa (Freistaat Sachsen) begossen die Grassamen des einen Topfes mit Wasser, die des anderen mit Stachelbeerwein. Als jenes Gras schon üppig emporgewachsen war, kam dieses noch nicht einmal heraus. Dieser Versuch zeigt, daß Alkohol für Lebewesen Gift ist._ Allgemeine Wetterlage. 23.JuLi 4934,abds. ©wolkenlos,® heiter,® halb bedeck: awoflog�bedecH-Regeiv�Graupeln ostscrzichung. — Steiuickeudors.vst: Lindauer Straße. Welt— Erde— Menschheit.— Reu. ksllu VIIT: Ab 18 Uhr Sportplatz Sonnenallee.— Britz: Ab 1» Uhr Spielen in der Königsheide.— Reukölla l uud V: Sanderstraße. Arbeitsgcmeinschast. — Reuköllu IV(R.-F.): Kanner Straße, Zimmer 2. Lichtbildervortrag: Geschichte der Arbeiterjugend. IS Ubr Treffen bei Ursel Kirchert,«odeftr. 9, Wir gehen werben.— ftüpltU Ii: Sonne aburger Str. 30. Der lozialtstisch- Staat(m). Werbebezirk Prenzlauer Berg: Alle heute nicht tageirden Gruvpen he- teiligen sich restlos l»>4 Uhr an der Kundgebung in Pankow. Lindenstr. 11. Straßenbahnen Nr. 47,»7. Achtung. Sruppenleiter! Schuleradressen an Erler, Ehodowiecklstr. 17.— Arnswalder Platz II: Treffpunkt für die Kundgebung Danzjger Ecke Greifswalder Straße. Werbebezirt Pankow: Kundgebung: Für sozialistischen Aufbau— Geg-n Faschismus und Kriegsgesahr. 20 Uhr in Schloß Schorchaufen, Zbederschön, haufen, Lindenstr. 11. Eintritt 10 Pf, Weebebezirk Bedding: IgiH Uhr im Heim Seestr. 84(Barack-nl Werbe. beztilsmitgllederversanrmlung, Nertzebeziri Neukll»: 18 Uhr'«tmeee Mtrb-tzeo'tksvnrsta nr zli»irr g im Tie- te-bü«, Zufamnrenilunkt mit- b-n, K?-'�«est»nd de».Paotei ist aus Montag verschoben. * Borauzeige, Donnerslaz, 30. Ztili Kundgebungen der P'lbungslchulen, „Gegen Sieche und Kulturreaktion". Nord(Weddina Reinickendorf, Tiergartens Arminiussale, NW,, Brem«?, Str. 72. Referent: R-ktar Fritz Schmidt. Zlord- oft(Prenzlauer Berg, Mitte, Pankow i Ledigenheim Pappelollee, Referent: Kars Schröder. Hft(Osten, Lickstenberq, Ob-rspree, Müggelsees Andreasfest. sille. Andreosstraße, Referent kölln, Tempelbos) Eaolbau' Lugon, West tSchöneberg, Westen, Teltow Kelztger Ecke Eisenacher Straße. Referent: Genosse Graul. Vriefkasten der�edattion. Geuosfi» ckttuich, Reuköllu. Wir bitten um Angabe Ihrer Adresse. Verantwortlich für Politik: Bietor Schiff; Wirtschaft: G. Klingelhoser: Dewerkschaftsbewegung: Friedr. Etzkoru: Feuilleton: Dr. John Schikowsli; Lokale, und Sonstige,: Fritz Karftödt; Anzeigen: Tb. Glocke: sämtlich In Berlin, Berlaa: Borwärts-Perlag G, m, b. H.. Berlin, Druck: Borwärto-Buckidruckerei und Berlagsänstalt Paul Einger u. Co.. Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Hierzu 2 Beilagen. WllpStWANSN Sülze.................... Pfd. 0,48 Speckwurst........... Pfd. 0,65 Fleischwurst.......... Pf 4- 0,85 tandleberwurst..... Pfd. 0,80 Mettwurst Ersch*. Art, Pfd. 0,88 Oarnpfwurst........... Pfd. 0,88 Jagdwurst............. Pfd. 0,98 tk. Leberwurst....... Pfd. 1,08 Bierwurst.............. Pfd. 1,30 Teewurst ff............ Pfd. 1,30 Zervelat oderSalami Pid.1,35 Fetter Speck...... Pid. von 0,78 Magerer Speck...Pfd. vod 0,98 Schinkenspeck....... Pid. 1,48 Nußschinken.......... Pfd. 1,58 Käse und Fette Romadour 20»;,...... Stack 0,16 FrühstUckskäseaoo/.sst. 0,25 Harzer................. Pfd. 0,33 Allg. StangenkäseWo.rtd. 0,64 BlockkäseTiio.ATt,20�fcPfd. 0,60 Steinbuscher voiuott, Pfd. 0,70 Tilslter voUfett......... tu. 0,82 Holländer 40«/,,......... Pfd. 0,88 Edamer 40»(#........... Pfd. 0,88 Molkereibutter....... Pfd. 1 ,28 Tafelbutter«Ji«f.(Mzrter), Pfd. 1,56 Molkereibutter»ii«riein«!. cid. 1 ,54 Margarine........... 2 pm.0,75 Rohschmaiz........... Pfd. 0,56 Bratenschmalz....... Pfd. 0,56 pj„_u_'Ir»lH* Hiuitra risene»uuoe todroaoolr. 'Kabeljau gr, 0. k...... Pfd. 0,16 •Rotbars............... Pfd. 0,1 8 'Seelachs gr., o.Kopf, Pfd. v. 0,1 6 •Island-Schellfisch Pfd. 0,22 ♦Kabel jaufllet....... kfd 0.24 Räucherwaren Bücklinge.............. Pfd. 0,48 Schollfischtzoriaciort, Pfd. 0,34 Seelachs geriacbert.. Pfd. 0,36 Rotbars geränebart..... Pfd. 0,44 Makrelen_geriu«b«rt...Pfd. 0,48 Makrelen in Tomtten, Dom 0,50 Heringssalat.......... Pfd. 0,70 Italienischer Salat kfd. 0,70 Mayonnaise........... Pfd. 0,70 Kolonialwaren Tafel reis............... Pfd. Patna-Reis............ Pfd. Weizengriess........Ptd, Hartweizengriess...Pfd. BruchmakkaronI..... Pfd. Eierbandnudeln..... Pfd. Pflaumen g«trocknet...Pfd. Kalif. Birnen getr..... Pfd. Kalif. Pfirsiche getr., Pfd. Kalif. Aprikosen g«tr., Pfd. KrUmelschokoladen- pulver.................. Pfd. Kaffee W»chgebr»Bnt,Pfd v. Koffeinfreier Kaffee Pfd. Kakao ot»rk entölt...... Pid. 0,16 0,28 0,30 0,26 0,46 0,46 0,28 0,58 0,62 0,70 0,86 1,90 3,85 0,62 Konserven rtos» Angebote unserer Wein-Abteilung Gemischtes Gemüse («bc(ein...................... 1 ,60 Gemischtes Gemüse mitulfei»..................... 1,— Leipziger Allerlei........ 0,78 Junge Erbsen mit Köretten 0,65 Junge Erbsen fei»........ 1,1 0 Junge Erbsen mitteHein.. 0,80 Junge Erbsen............ 0,65 Gemüse-Erbsen.......... 0,55 Sauerkirschen mir Stein..................... 0,98 Praisselbeeren.......... 1,30 Portug. Oelsardinen 5 Eort-üos. 0,93,3■liKlubdoe. 0,88 Schlemmerroulade ü> Eorgunder-Tunku... Dos« 0,80 Schweinebauch ohne Beilege.............. Pfd. 0,70 Schweineblatt....... Pfd. 0,78 Schweineschinken mit Bein................. Pfd. 0,86 Schweinekamm oder Schuft ohne Beilege... Pfd. 0,98 Schweinekotelett Pfd. von 1,04 Kasseler mild..... Pfd. von 0,98 Eisbein mit Bpitzbein, gepökelt.................. Pfd. 0,48 RUckenfett bntfertlg, ohne Schwine........... Pid. 0,64 Schweineköpfe m. Backe, Pfd. 0,34 Schweinenieren...... Pfd. 0,68 Hammel-Korderfleloch, Pfd-v. 0,94 Kalbekamm o. Beilage, Pfd. 0,70 Frisches Fleisch Kalbsbrust Pfd. TOB 0,80 Kalbskeule bis s Pfnnd schwer, ganz oder geteilt, Pfd. 0,83 Kai bskotelett..... Pfd. von 1,28 Kalbsschnitzel.. tu. von 1 ,80 Kalbsroulade gerollt, Pfd. v. i,Zg Suppenfleisch..... Pfd.v. 0,74 Schmorfleisch Kenle. ohne Knoches..... TU. 1 ,24 Rouladen.............. Pfd. 1,34 Roastbeef a Kn, Pfd. von 1 ,38 Gehacktes............ Pfd. 0,70 Rinderbacken........Pfd. 0,44 Rinderlungen......... Pfd. 0,30 Rinderherzen......... Pfd. 0,48 Euter.................... Pfd. 0,24 Gefrierfleisch Suppenfleisch....Pfd. von 0,64 HammelrUcken....... Pfd. 0,78 Schmorfleischneuiso.Kit.Pid.r. i ,04 Hammelkeule........Pfd. 0,73 Hammel-Vordertieiscii, Ptd.T.0,68 Rinderleber gefroren Pfd. 0,88 Hlinluier- oder H!rsäisaflzÄtt>,� 0,65 Äl.lö n 10,50 Wild und Suppenhühner(riseii, Pfd. v. 0,94 Suppenhühner£«t'or.,Pfd.T. 0,92 Brathühnchen..Stack von 1,08 Enten.............. Pfd. von 0,98 Gänse.............. Pfd. von 0,92 Tauben frisch.... Stück von 0,68 Obst und Strudeläpfel........... Pfd. 0,22 Kalif. Tafeläpfel..... Pfd. 0,38 Birnen................ 2 Pfd. 0,25 Pfirsiche.............. Pfd 0,25 Blaubeeren........... tu. 0,20 Johannisbeeren....2rfd. 0,35 Saure Kirschen....2 Pfd. 0,45 Zitronen.............. Dtsd. 0,42 Bananen.............. Pfd. 0,78 Tomaten............. 2 Pfd. 0,25 Neue Kartoffeln.......... Geflügel Rehblätter........ Pfd. von 0,98 Rehrücken........ Pfd. von 1.65 Rehkeule.......... Pfd. von 1 ,56 WlldschweinblattPfd-von 0,95 Wildschwainkeule..Pfd. 1,25 Wildschweinrücken Pfd. 1,25 Gemüsb Salat gro»M K6pf«..„. Kopf 0,06 Schmorgurken.....»Pfd. 0,18 Grüne Gurken..Stck. von 0,10 Schoten................ Pfd. 0,10 Möhren................. Pfd. 0,05 Grüne Bohnen.....»Pfd. 0,20 Puffbohnen.......*. 2 pm. 0, 1 5 Wirsingkohl........... Pfd. 0,03 Waisskohl............ ffd- 0,06 Rotkohl............... Pfd. 0,10 ............... to m 0,48 Oer große Erfolg. „Die Erklärung der nationalen Opposition schlug in London wie eine Bombe ein.. (Bericht der Hilgenberg.presse.) ZGL. zur deutschen Krise. (Solidaritätsaktion der Völker.- Kapital unter Kontrolle. Der Vorstand des Internationalen ßkwerkschast-bundes, über dessen Schlußtagung wir an anderer Stelle berichten, hat zur all- gemeinen Wirts chastskrise und zur deutschen Finanztrtse folgende Kundgebung beschlossen: „Die Anarchie des jetzigen Produktionssystems und die Fahrlässigkeit der Wirtschaftsführung im heutigen Kapitalismus haben noch nie zu einer so ernsten Krise gesührt. Der hemmungslose Kapitalismus, der dem Profitstreben der Monopol!« stischen Wirtschaft und der Herrschaft der Spekulanten freien Lauf läßt, hat in Deutschland zu einer finanziellen und wirtschaftlichen Katastrophe geführt, die in stch die ernste Gefahr eines allgemeinen Zusammenbruch» aller Kulturvölker birgt. Besonders diese neuesten Ereignisse haben das völlige Versagen des kapitalistischen Systems aufgedeckt und mit oller Deutlichkeit di« Richtigkeit der seit zehn Jahren vom IGB. vertretenen Forderungen erwiesen. C» ist äußerst erfreulich, feststellen zu können, daß die seit jeher von der Arbeiter- klosse verteidigten Prinzipien der international en Soli- darität und der gegenseitigen Annäherung der Völker unter der Gewalt der Geschehnisse unwiderstehlich die öffentliche Meinung für sich gewinnen. Ein« der dringlichsten Aufgaben der Arbeiterorganisationen aller Länder ist es, diese der Politik der Arbeiterklasse günstigen Umstände auszunutzen und die Anftrengun- gen für die Durchführung ihrer Forderungen zu verdoppeln. Im Augenblick stehen die Maßnahmen zur Rettung der deutschen und damit der europäischen Wirtschaft an erster Stelle. Die Initiative de» Präsidenten H o o v e r war ein entscheidender Schritt in der Richtung der politischen Befriedung und der wirt- i, schaftlichen Ankurbelung. Der Durchführung dieser Maß- nahmen, die in erster Linie finanziellen Charakter haben. stehen jedoch große politisch« Schwierigkeiten ent« gegen. Die Arbeiterklasse Deutschlands, Frankreichs, Englands und der übrigen Länder vermag durch das Beispiel ihrer unerschülter- lichen Solidarität in heilsamer und entscheidender Weise das zur« zeit in London unternommene Wert zu beeinjlussen. Damit dürfen aber die Bestrebungen zur Gesundung der Wirtschaft und zur Sicherung des Weltfriedens noch keineswegs beendet sein. Wenn die Opfer nicht vergebens sein sollen, so müssen die schädlichen Kräfte des individualistischen Kapitalismus beseitigt werden. Eine der wichtigsten Aufgaben ist ßreditbeschosfung für die(apitalarmen Länder mit dem Ziel. durch ei« großzügige» Arbeitsbeschassungsprogromm d«n rund ZS Millionen Erwerbslosen Arbeit und Verdienst zu geben. Voraussetzung für den Erfolg einer solchen Aktion ist di« Kon- trolle des Kreditsystems in ollen Ländern durch den Staat unter Mitwirkung der Arbeiterklasse und ein« Lohn- Politik, die die Kaufkraft der Massen wieder in Einklang bringt mit der gestiegenen Produktivität der mensch- lichen Arbeit. So wie es die erst« Aufgabe der dem IGB. angeschlossenen Organisationen ist, allen Einsluh aufzubieten, um die im Gange befindlichen Unterhandlungen zu einem guten Ende zu bringen, um die jetzt besonder» kritisch« finanzielle und politische Lage zu bessern. so ist es auch ihre gebieterische Pflicht, durch eine kraftvoll« und entschlossene Aktion die internationale Verbundenheit der Völker, den Weltfrieden und die Schaffung einer auf Vertrauen und Gerechtigkeit aufgebauten rationelleren Wirtschaft herbeizuführen, w'e sie in den Richtlinien der berufenen Organisationen der Arbeiter- klaffe festgelegt wurde." Oer Zahlungsverkehr. Leichte Lockerungen bis 25. Juli. Durch eine heule mittag vom Reichskabinett verabschiedete Verordnung wird der Zahlungsverkehr für die Zeit vom 24. bis 2S. Zuli ISZI in der Hauptfache in der bisherige« Weise geregelt. Lockerungen sind insofern vorgesehen, als die Sreditinfkilntc ermächtigt sind. Auszahlungen ohne besondere Zweckbestimmung iu höhe von 10 Proz. gegen bisher 5 proz. des Guthabens vom 24. Zuli dieses Zahres und höchsten» bis zu 200 Mark vorzunehmen(bisher 100 M.). wenn es sich um Bankguthaben handelt, und bi» Z0 Mark(bisher 20 M.). wenn es sich um Sparkonten oder Sparbücher handelt. Auf Reisekreditbriefe können bis 200 M. gezahlt werden. Ueberweifnngen sind innerhalb der von den Vankfeter lagen betroffenen Sreditinftitnte bte insgesamt 4000 M. unter den bisherigen Beschränkungen zulässig: innerhalb des neu geschaffenen lleberweisnngsverbandes wird voraussichtlich heute die Höchstgrenze ebenfalls erhöht werden. was die Verpflichtungen ans Wechsel« angeht, so ist einmal zugelassen worden, daß Barauszahlungen und Heber» Weisungen zur Einlösung von eigenen Akzeptverbind. lichkeiten ans wechseln, die vor dem 22. Zuli ISZI ausgestellt sind, bis zur höhe von täglich 5000 M. stattfinden dürfen, und onderersÄls ist staffelweise, je nach dem Fälligkeitstage, die Vrolestsrist für Wechsel verlängert worden, um den Akzeptanten die Einlösung unker Umständen auch in Raten zu er- möglichen. Die bisherige Ausdehnung der Bankfeiertjize auf den gesamten Scheckverkehr endel mit dem heutigen Tage, so daß eine Vorlegung von Scheck» wieder möglich ist. Um die Aufarbeitung der angchammelten Scheckbestände zu ermöglichen, ist die Vor- legungsfrist verlängert worden. Die Einlösung der Scheck, unter- liegt naturgemäß den allgemeinen Beschränkungen des Zahlung». Verkehrs. Im übrigen gellen die Bestimmungen der bisherigen ver- ordnung unverändert weiter, also insbesondere diejenigen über die neuen freien Konten, über die Freiheit der Verfügung über lausende Gchaltsbezügc. serner die Vorschriften des Artikels Z. die den S ch u l d n e r s ch u ß bezwecken, de» Artikels 4. nach denen Reichspost, Reichsbank und Golddiskontbank von den Vorschriften der Regelung ausgenommen sind, und des Artikels 5, der von den bestätigten Schecks handelt. so ovo statt LS 000 Mar? Lleberweisung. Um den bargeldlosen Zahlungsverkehr mit größter Wirksamkeit in Gang zu bringen, hat der Ue b e r w e isu n g s v e r b a n d der Banken beschlossen, den bisherigen Ueberweisungshöchst- betrag von 15 000 M. ab Freitag, den 24. Juli, auf 5V0V0 Mark zu erhöhen. Die Ueberweisungen erfolgen mit täglich höchstens 50 000 M. zu Lasten des Kontos des ein- zelnen Kunden der Verbandsmitglieder. Innerhalb einer Kalenderwoche darf jedoch nicht mehr als di« Hälft« des am narhergehenden Wockzensthluß vorhandenen Guthabensaldos zur lleberweisung gelangen. Das Reich stellt Ausgaben zurück. Mit Rücksicht auf die Kaffenlage. Das Reichsfinanznnnisterium weist im Zusammenhang mit der Frage der Kaffenlage des Reiches darauf hin, daß alles getan worden sei, um der gegenwärtigen Notlage Rechnung zu trugep.- Aste nicht unbedingt notwendigen Ausgaben seien einstweilen zurückgestellt. Roiverordnung und Oirektorengehälter. Eine Richtigstellung falscher Behauptungen. Eine Berliner Zeitung richtet heute gegen di« preußische Staats- rsgierung und gegen die Direktoren der im preußischen Besitz befind- lichen Gesellschaften Angriffe, weil angeblich die Direktoren dieser Gesellschaften, z.B. der„Preußag" und der„Preag", sich bei der zweiten Notverordnung ihr« Gehälter nicht hätten kürzen lassen. Hierzu stellt der Amtliche Preußische Pressedienst fest: Diese Behanptung ist völlig unzutreffend. Die Dinge liegen vielmehr so, daß bei sämtlichen preußischen Gesellschaften schon bei der ersten Notverordnung die höchsten GeHalter u m 2 0 P r 0 z.— analog denen der Staatsminister—, die übrigen Direktorengehäster um 10 Proz. gekürzt worden sind. Im gleichen Maß« wurden auch die ohnehin schon stark gesenkten Neben- liezüge, wie Tantiemen, herabgesetzt. Mit dieser Herabsetzung um 10 Proz. ist auch bei den kleineren Vorstandsgehältern das bei den preußischen Beamten anläßlich der ersten Notverordnung zur Anwendung gekommene Kürzungs- maß von 6 Proz. freiwillig wesentlich über- schritten worden. Es fft lediglich jetzt vereinbart worden, daß diese freiwillig zuviel bewilligte Kürzung von 4 Proz. auf die durch di« zweite Nowerordnung vorgeschriebcne Neukürzung in Anrechnung gebrocht wird. Diese Z�reinbarung steht auch mit der strengsten An- Wendung der Notverordnung nicht in Widerspruch. Der gegen die Staatsregierung und gegen di« im preußischen Besitz befindlichen Gesellschaften erhoben« Borwurf fällt hiernach in sich zusammen.. Reuer Anschlag auf den Rundfunk. Das geheimnisvolle Slnschliihkobel. Wuppertal. 23. Juli. Erst ganz kürzlich hatte« Kommunisten versucht, stch durch ein« besondere Anfchlnßleitung in den hauplkabel de» Langen- berger Sender» einzuschalten, um auf diese weise eine Agita- kionsrede hatten zu können. Diese wurde aber von den llebcr- wachungsbeamlen in ihren ersten Ansängen vereitelt. Jetzt ist von bisher unbekannten Tätern ein zweiter Anschlag auf den Sender versucht worden. In der Nacht zum Mittwoch wurde, wie erst jetzt bekannt wird, die Entdeckung gemacht, daß das zur Sendeanlage führende Hauptkabel teilweise bloßgelegt war und daß in dem nahegelegenen Waid««in Anfchlußkabel auf ein« Strecke von 150 Meter ge- legt worden war, das offensichtlich mit einem Mikrophon ver. Kunden werden sollte. Ferner wurden zwei gummiisolierte A b- zweiglsltungen von etwa 70 Meter Läng« gefunden. Das Befprechungskabsl selbst war noch nicht erreicht. Es wird an- genommen, daß auch dieser Anschlag von kommunistischer Seite ausgeht._ Die ungarische Königsproklamation Dtto Habsburg» wird vom Pariser..Populaire" teilweise veröffentlicht. Otto nennt sich darin auch König von Kroatien, Slawonien und D a l m a t i e n, also national und staatlich jugoslawischer Gebiete. Es liegt in der Macht Frankreichs, die schwere Friedensgefährdung einer Wieder» Aufrichtung des nngarffchen Königtums zu verhindern. Zniernationale im Radio. Lleberiragungen aus Wien. Am 24. und 23. Juli berät in Wien die Cxekutwe kulturelle und technische Fragen des Rundfunks. Den Vorsitz führt Nationalrat Z e le n ka- Wien, das Sekretariat besorgt Zwertbroek, der Vorsitzende der holländischen Arbeiter-Radio-Organisotion, di« bereits über 120 000 Mitglieder zählt und einen eigenen Sender besitzt. In der Exekutive ist auch der Arbeiter-Radio-Bund Deutschlands durch den Vorfitzenden Curt B a a k e vertreten. Der auch in Deutsch- Inad zu empfangend« holländische Sender Hilversum überträgt am heutigen F r e i ta g von 18.40 bi« 19 Uhr die Schlußrede Zelenkas und morgen, Sonnabend, von 15 bis 16 Uhr die E r ö f f- nungsreden de» Kongresses der Sozialistischen Arbeiterinter- nationale: V a nd« rv«ld«- Brüssel und Sei tz- Wien, am Sonntag von 5 bis 9 Uhr morgens eine Reportage der Arbeiter- Sport-Olympiode. lieber die Beschlüsse der Arbeiter-Radio-Internationale berichtet der„Avbeitersunk" ausführlich in der nächsten R-ummer. Internationale Krauenkonferen». Auf der Internationalen Frouen-Kanferenz in Wien am Donnerstag und Freitag find 27 Länder vertreten. Di« Kon- fsrenz ist wesentlich stärker beschickt als alle voraufgegangenen inter- nationalen Frauenkonferenzen. Das Recht auf Zollunion. Darlegung im Haag. Haag. 23. Juli. Vor dem Internationalen Gerichtshof wie». am Donnerstag vor- mittag Professor Dr. Kaufmann in Fortsetzung seiner Ausfüh- rungen darauf hin, daß der Abschluß einer Zollunion kein«»- falls von vornherein durch da» Genfer Protokoll ausgeschlossen sei. Der Text des Protokoll- fetz« voraus, daß es außer verbotenen Zollunionen, die die wirffchoftlichs Unabhängig- keit Oesterreichs verletzten, noch ander« gebe, di« nicht perboten feien. Der Völkerbundsrat habe 1922 Oesterreich aufgefordert. mit den Nachfolgestaaten Handelsabkommen größeren Aus- maßes, mit anderen Worten Zollunionen, abzufchlteßen. Das Pro- tokoll beruh« auf dem Grundsatz vallkammencr Gegenseitig- keit. Sei«ine solche Zollunion nicht gestattet, dann frage es sich, welche Farm ein« Zollunion hoben müsse, damit sie Oesterreich ob- schließen dürfe! Di« gegenwärtige Krise sei u. a. daraus zurückzu- führen, daß größere Zollgebiete für den Absah der Erzeugung der Staaten notwendig seien.- Das Problem der Zollllnion sei gestellt und werde auf der Tagesordnung bleiben. Sollte die geplante Zollunion die Un- abhöngigkeit Oesterreichs verletzen, so gelte dies auch für di« Un- abhängigkeit aller Staaten, die bei einer liberalen Form von Zollunionen Portner feien. Der Völkerbundspakt gestatte die Bildung von Sloatengruppen, während di« regionalen Ueberein- kommen vom Völkerbund empfohlen feien. Deutschland und Oester- reich behalten laut dem Protokoll das Recht, Handelsvertrage mit dritten abzuschließen. Dies fei aber kein rein formales Recht, wie Frankreich dies behaupte. Die französische Regierung hob«»ine lange Liste von angeblichen Beschränkungen ausgestellt, die Oesterreich nach der geplanten Zollunion auferlegt würden. Man habe es aber in Wirklichkeit mit Bestimmungen zu tun, die der Unabhängigkeit keinerlei Beschränkungen auferlegten, die mit den internationalen Verpflichtungen unvereinbar seien. Beschlagnahme einer nationalsozialistischen Zeitschrift. Die natio- nalsozialistische Zeitschrift„Deutsche Revolution" ist heute wegen eines Artikels„Zusammenbruch der Dresdner Donk" poli- zeilich beschlagnahmt worden, weil der völlig unzutreffende Inhalt des Artikels geeignet ist, Unruhe in die Bevölkerung zu tragen. Bernhard Shaw ist in Moskau, um sich selbst über die Zustände zu informieren. Er interessiert sich vor ollem für Ehe- und Familien- recht, sowie für den Komps gegen das Analphabetentum' Show wird u. 0. auch mehrere Kollektivwirtschaften besichtigen. Dem Gefangenentransport entwischt ist der ostoberschlesische Kommunist Wjeczorek, ehemaliger Abgeordneter. Er sollte in die Strafanstalt Wronte zur Strafverbüßung gebracht werden. Auf dem Kättowitzer Bahnhof veranstalteten seine Freunde ein Gedränge und schon war er weg. Da» Kardinalkollegium beriet in Rom unter Teilnahme von 21 Purpurträgern zwei Stunden. Ihren Haiiptinlialt sollen die Zustände in�S p a ni e n gebildet haben. Der Papst soll mitgeteilt haben, der«streit mit Italien werde in absehbarer Zeit ein gutes Ende finden. WERTHEIM Zutandung von 5 M an. Obst, GamGsa u. lakM vardarbÜdw Arfikal wrdan nicht zugesandt Setvit(Derrat» Frische Fleisch Kalbskamm... Ptund 0.76 Kalbsbrust'M*ph,nd 0.80 Schweinebaudi p�nd 0.70 Sdiwelneblatt"' 0.78 Sdiwelneschinkenptd. 0,86 Liesen 0.60 Gulasch 0.90 Rückenfett'>r#,,*rti&nd 0.64 Querrippe....p«»--» 0.65 Roastbeef mi«>cn«t>,ptd.1.f0 Raucherwaren Flundern"pSUÜIS. an 0.36 BQddinge'piSÜdvoITan 0.48 Spickaale Pfund V«, an 2.30 Wurstwar en Dampfwurst wu�'pm. 0.88 Mettwurst(Braunsdiw�rt) 0.88 Leberwürste�.«. 08 Leberwurst 1 30 Holsteiner«.35 Speekfe«0.78magar, Pfd. 0.96 Käse u. Fett BriekSse voiif.it, 2 ea.h 0.25 Camembert mond.sdvü 0.24 Blodikäse{Sibfäü�fund 0.60 Emmenfhal.Arf 4 Port. Sdrtl. 0.64 Margarine" �«0.75 Molkerelbufter Pfund 1.28 Obst u. Gemüse Tomaten. Pfund 0.12 0.18 Blaubeeren... Pwnd 0.20 Johannisbeeren p�d 0.35 Musüpfel___.2 pfund 0.45 Wirsingkohl"'*"� 0.06 Rotkohl...... Pfund 0.10 Grüne Gurken vontn 0.10 Möhren"älhnM 4 Pfund 0.20 Fische Kabeljau">�'�0.16 Retbars"•"•p�S' von.n 0.18 Kabeljaufilet Pfd. Bratsdioilen 0.24 • 2 y.UIn 0.45 (SWfge £ehensmitte1 25p. Konserven � Apfelmus........ 0.65 Pflaumen........ 0.72 Aprikosen H.rb. Frucht 0.95 Pflrsidiekalif� halb* Frucht 1.18 Erdbeeren f. Do» o.« 1.20 Kolonialwaren Bruchreis 0.1 4 0.16 Kartoffelmehl. Pfund 0.20 Haferflocken..Pfund 0.26 Reisgrief)..... Pfund 0.20 HartgrieH.. Pfund aja 0.26 Sago 0.34 Taploka».« 0.50 Spaghetti...Pfund a�t 0.65 8r. u. Schnittbohnen 0.52 Leipziger Allerlei■. 0.78 Karotten g.«hnm»o.. 0.36 Junge Erbsen»Kr m* 1.25 Brudispargelohnaicapfal.22 Wein Prall* fOr V, Flaich* ahn* Ola* Roddes Urquell Frankfurt ar Apfel valn 0.40 1930 Oberhaerdfer.... 0J3 1930 Obermoseter..... O.W 1928 Hetflodier Steingrube.__ RiaDIIng.gahaltvoUerKhamhaiia US Waln vom Fat zu billige« Prallen Pfälzer Bowlenwein. Liier 0J0 Tarregona u. Wermufh Liter 1.00 Muskateller...... Liter U0 Wiener 1 Würstchen Paar Schweizer diru,*/4 fett, Pfd. 76 p«. Neue Kartoffeln 10 Pfund eOPf. Matjesheringe neue, 2 Stück von an K»ff aa frisch gebrannt IXOTTee eigene Rösterei 1.90 2.60 3.00 3.40 3.80 Himbeersaft m. Kirsch gedunkelt mit Sektflasche 1 20 ysasbA 1 Xlt&a.\ x... � X hellet. LieUispieU usw. Staatstheater Geschlossen. AAonneiiients-Einlailung für die Spielzeit 1931/32 GroBer Preisabbau, wesentliche Verbesserung einzelner Platzgruppen durch Vorverlegung, sehr bequeme Zahlungsbedingungen. 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Die widerlidien Fliegen sind die Träger lebenagefährlidier Krankheiten. Es ist nachgewiesen, daß Fliegen Scharlach, Kin- derdiarrhoe, Typhus nnd andere anstek- kende Krankheiten übertragen. Töten Sie die Fliegen, ehe die Fliegen Sie töten. — Zerstänben Sie Flit. Flit vernichtet Fliegen, Mücken, Schnaken, Flöhe, Ameisen, Motten, Bettwanzen, Schaben und deren Eier. Flit-Zer- stäubung ist für Insekten tödlich, für Menschen jedoch unschädlich. Bequem anzuwenden, fleckt nicht. Verwechseln Sie Fht nicht mit anderen Insektenvertilgungsmitteln. 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Lothar bewunderte die formale Meisterschaft an Hamsuns frühem Werk. Zum Stoff hatte er keine Beziehung. Er sah. daß geschlissene Satzbauten sich zu klug gebauten Kapiteln schichteten: er fühlte nicht die Grausamkeit des Milieus. Er sah runde, unbelastete, glasklare Wortgruppen: er fühlte nicht den Gehalt der Worte. Er hatte, nach fleißigem Studium eines medizinischen Fachwerkes, ge- nau geprüft, ob und wo Hamsun die körperlichen und seelischen Niederschläge eines sich fortlaufend vertiefenden Hungergefühls exakt traf. Er freute sich der korrekten Resultate dieser Prüfung, die zu- gunsten des Dichters ausfiel. Lothar kannte den Hunger nicht. Kurz und gut: Lothar, deffen Gehirn vorzeitig trainiert war. wußte nicht, daß hinter der gestrafften Form eines Bildes von Feininger oder hinter der Konstruktion einer Bachschen Fuge etwas stand, was überhaupt erst die entscheidende Voraussetzung zu dieser Meisterschaft der bildnerischen oder n musikalischen Architektur aus- machte: die Idee, der Glaube, das Erlebnis.(Lothar hätte Philo- löge werden müssen). 0 Lothar studierte Medizin. Nach sechs Semestern traf ihn das Erlebnis. Es begegnete ihm in der Erkenntnis der Situation der proletarischen Menschen. Er sah, daß innerhalb der gesellschaftlichen Ordnung notwendig sich Klassen gebildet hatten, deren eine den Prosit, deren andere die Not einsteckte. Also: die Ordnung war falsch. Lothar sah den Tatbestand und, nach wie vor der folge- gerechte Denker, zog des Konsequenzen. Aber, für Lothars Lebens- form entscheidend, der gedanklichen Erkenntnis erwuchs das herz- liche Erleben. An der Schwelle vom Jungen zum gereiften Manne begnadet« ihn. der bisher in leeren Zirkeln dachte, das Gefühl. Alles, was er sann, gewann Tiefe. Den blassen Gedanken verfärbte der durchblutete Wille zur Tat. Der innere Ilmschwung stellte ihn auch in äußeren Gegensaß zu seiner bisherigen Welt. Eine Brücke gab es nicht. Die Familie schloß ihn aus, dos Corps schloß ihn aus, das(von den Eltern ihm) gewählte Mädchen floh ihn, um sich zwei Monate später mit Herrn Senator Knoll zu verheiraten. Laute Mannenworte von ewiger Mannentreue, leise Liebesworte von ewiger Liebestreue verloren ihr Gewicht. Lothar belächelte diese Kapitulation kleiner Menschen vor großer Ehrlichkeit. Er lebte im bezwingenden Gefühle seiner Er- kenntnis. Er wollte ein Künder werden.(Lothar hatte die Rechnung ohne sich selbst gemacht. Der Wille war da, a er die Kraft fehlte. Er hatte denken, ober nicht. Handels gelernt.) t vtift-''" 1' y* f.fitrt.» Lothar, fanatisch selbstbewußte entzog sich jeder Möglichkeit, in einem Betriebe der organisierten Arbeiterschaft, wo er seine Arbeits- kraft hätte erziehen und der hohen Idee praktisch dienschar machen können, sich wenigstens der geringsten wirtschaftlichen Garantien zu vergewissern. Er erteilt« Nachhilfeunterricht und lebte vom kümmer- lichen Erlös. Seine Gedanken aber flössen in Dramen, die keiner spielte, in Romane, die keiner druckte, in Feuilletons, die keiner verstand. Fünf Jahre bitterer Not spiegelten Gesicht und Körper. Qual- voller noch als der äußere Mangel war ihm das Gefühl des Un- verstandenseins. Er schrieb und schrieb, niemand aber reagierte auf die Flut der geschriebenen Gedanken. Sein Aeußcres war allmählich so derangiert, daß die Leute ihre Kinder dem seltsam mageren Mann mit dem immer bewegten, bläulich-bleichen Gesicht nicht mehr zum Hilfsunterricht anvertrauten. Er lebte jetzt davon, den Tages- zeitungen kleine Berichte zu liefern, unter welchen Umständen, bei- spielsweife, ein Pferd gestürzt war oder das Platzen eines Auto- reifens beinahe, also beinahe ein Unglück verursacht hätte. -i° Lothar saß hüstelnd und fiebernd in seinem niedrigen, feuchten, lichtarmen Kellerraum: die linke Hand umkrallte ein Stück trockenen Brotes, aus dem morsche Zähne gierig Fetzen rissen: die Rechte flog nervös kritzelnd über knisternde Papierbogen. Die Ordnung seiner Gedanken verfiel mit dem Verfall seines Körpers. Morgen hatte er Geburtstag. Er wollte sich, da ja keiner da war, der ihn in dieser Beziehung ersetzen konnte, eine Freude machen. Er schrieb sich einen Brief, dessen Umschlag er, ein großes Opfer, mit einer richtiggehenden Freimarke versah. Am Morgen des Geburtstages also brachte ihm der Briefträger einen Brief ans Bett. Lothar öffnete mit stolzer Ruhe den Umschlag und las: Hochverehrter Meister! Noch ganz erschüttert durch die Lektüre Ihres. Dramas.„Der halbe Gott" teile ich Ihnen mit, daß die Vorbereitungen für Bühnen- vertrieb und Drucklegung bereits getroffen sind. Mit Ihrer gütigen Erlaubnis habe ich mich mit den zuständigen Instanzen zwecks Ver- leihung des Kleistpreises für Sie in Verbindung gesetzt. In tiefster Ehrfurcht ergebenst Julius Eäsar. Lothar lehnt« sein knapp überspanntes Skelett an einen Laternenpfahl. Er hörte das Gebrüll einer dicht geknäuelten Menschenmasse. Er schleppte feinen Körper in die Richtung des johlenden Mcnfchenballens und gewahrte, daß es einem offenbar großen Manne zu huldigen galt. Er begann auch, ohne den Gegen- stand der Begeisterung zu kennen,„Hoch" zu rufen und war bald der Lautesten einer. Es gelang ihm, durch die Masse hindurch das Gesicht des bejubelten Mannes zu sehen, der in einem eleganten Auto saß. Blitzhaft durchzuckte ihn hierbei die Erinnerung an ein grinsendes Schimpanscnweibchen, das er einmal im Zoologischen Garten gesehen hatte. Er erkundigte sich, wer denn der Mann wäre. Verächtlich zischte ihm eine ob dieser Dummheit entsetzte Greisin ins Gesicht:„Sie Idiot, das ist doch der Boxer." Lothar rief„Hoch, hoch, hoch". Immer wieder. Er sah, wie so oft, wieder diese verflixten roten und grauen Punkte vor seinen Augen tanzen, er spürte wieder den bösen Druck an der oberen Magenöffnung, schmeckte wieder den bitteren Geschmack im Munde. „Hoch" rief er noch, als er heimwärts rannte. Er schnellte über Straßen und Plätze, schwang die Arme in die Luft und rief„Hoch". „Hoch" rief er, als er in seinem Keller vor dem halbblinden Spiegel stand. In seinem Kopfe wirbelte das ganze Wörterbuch des Boxsportes: Uppercut, Clinch, linker Gerader, trockener Rechter, Fuß- arbeit. Knock out.„Hoch" rief er. Das Wort„Knock-out" hatte es ihm angetan. Seine rechte Faust traf in hartem Schlage die spiegelnde Fläche. Die Linke folgte. In wollüstiger Kampfgier trommelten nun die blutenden Fäuste den in krachenden, splitternden Scherben sich spiegelnden Feind..Hoch" girrte er. Besessen wuchtete nun der. ganze Körper in einem vom hemmungslosen Rhythmus des Irrsinns gepeitschten Tempo gegen das berstende, klirrende Glas. „Hoch" rief er noch, als er zuckend am Boden lag..Hoch" röchelte noch der schäumende Mund, als ein erlösendes Recken des Körpers in die dem Tode gerechte Lage brachte. An der Beerdigung nahmen ein Pfarrer, ein Totengräber und Lochars Wirtin teil. Die Nachbarn waren zu Haufe geblieben, da der Boxer um diese Zeit den genauen Verlauf seines letzten Kampfes durch den Rundfunk schilderte. Pfarrer und Totengräber waren zur Tellnahme beruflich verpflichtet, während die Wirtin vom Boxen nichts verstand. Jlmflug ins wilde8uropa Ganz Europa ist dem Touristenverkehr erschlossen. Aber noch gibt es, abseits der großen Verkehrsstraßen, Gebiete in unserem alten Erdteil, die sich die Romantik der Wildnis bewahrt hoben. Diese weltfremden Gegenden liegen nicht einmal weit: auf schwedischem Boden, in Lappland, und sie sind von Stockholm mit der Eisenbahn bequem zu erreichen. Das wilde Lappland beginnt in Gullioara, von wo unzählige skandinavische Touristen abwechslungsreiche, wenn auch anstregende Wanderungen ins Landesinnere unternehmen. Von Gullioara geht es nach Porjus: der Weg ist 8 Kilometer weit. Er ist um so bemerkenswerter, als er dem Lappländer die Vorstellung seiner Hölle gegeben hat. Man kann nur den Eisen- bahnweg benutzen: die ganz« Strecke ist ein in seiner Trostlosigkeit einzigartiger Sumpf, eine leblos«, beklemmende Oede. So stellt sich der Lappländer die Hölle vor. Ab und zu sieht man ein Bahnwärter- Häuschen, Inseln inmitten der Einsamkeit. Die Siedlung von Porjus erinnert an die ersten Goldgräbersiedlungcn aus- Alaska, Ln ein- fachen Blockhäusern spielt sich' daS'Lebmk�vsr'KolkSnisteN Mb? Dabei hat Porjus eine außerordentliche wirtschaftliche Bedeutung. Dort befindet sich das Kraftwerk, das elektrische Energie an ganz Schweden liefert. Die Anlage ist ein Wunder der Technik, zumal die Arbeit in der unwirtlichen Gegend eine bedeutende Tat darstellt. Von Porjus ist in einer Stunde Harspranget zu erreichen: ein neuer Weg führt über den großen Lulleoftrom, der sich mit rasender Geschwindigkeit durch die Felsen zwängt. Er schäumt, kocht und dröhnt: es ist, als konzertiere ein ohrenbetäubendes Höllenorchester. Schaumfontänen spritzen zwischen schwarzen Feldern: ein Schauspiel von majestätischer Schönheit, wie man es sonst nirgends in Europa bewundern kann. Geht man den wilden Bergstrom entlang, so stößt man auf eine'große Siedlung. Es sind zwanzig modern aussehende Villen, Markthallen und Industrieanlagen. Der Wanderer freut sich, Charles IV. IVeldon: Begeht nicht der Mensch, der von hündischem Verrat spricht, wenn er tückischsten Menschenverrat meint, selbst Verrat an jenem Geschlechte, dos er sich seit Jahrhunderten in Treue verbunden wähnt, dem der Hunde? Oder hat die Sprache irgendwie im tiefsten Grunde Recht? Vielleicht kann der folgende Bericht helfen, Antwort zu finden. Verloren in der Unendlichkeit des Indischen Ozeans, in sondiger Flachheit sengender Sonnenglut und peitschenden Stürmen schutzlos preisgegeben, liegt eine kleine, hufeisenförmige Insel, die nur oul Karten größeren Maßstabes als Juan de Nova eingezeichnet ist. Kaum jemals legt an dieser Küste ein Schiff an, denn hier gibt es keine Bevölkerung, mit der man Handel treiben könnte, keine Bodenschätze, um derentwillen eine Landung lohnte. Juan de Nova ist die Insel der Hunde/ Jahrhunderte hindurch war sie völlig unbewohnt. Piraten aller seefahrenden Nationen füllten hier ihre Wasserbehälter und versorgten sich mit Kokosnüssen und Schildkröten. Dann beeilten sie sich, die unheimliche Insel wieder zu verlassen. Nur auf Hunde übte die Insel eine geheimnisvolle Anziehungskrast aus. Hunde aller Rassen, aus Europa, China, Ostindien entliefen ihren Eigentümern und mußten zurückgelassen werden. Immer mehr schwoll die Huniebevölkerung von Juan de Nova an. Es waren nicht die Vertreter der edelsten Rassen des Hundegeschlechts, die auf Piratenschiffen die Meere durchkreuzten. In wahlloser Vermischung vermehrten sie sich hier, und ein Bastardgeschlecht wuchs heran, das nichts von der Stimme und der Witterung des Menschen wußte. Wie Wölse in Rudeln jagend, ein mächtiges Heer von Hunden, die wenig mit der überkommenen menschlichen Vorstellung vom Hunde- geschlechte zu schaffen hatten. Festgerammt in den Korallenriffen von Juan de Nova fault das Wrack des Schoners„Tottenham". Von Tulear auf Madagaskar stach eines Morgens der alte Kapitän C ollin. abgetakelt wie die stolzen Dreimaster. deren Gebieter er einst gewesen war, nur begleitet von seinem ein- zigen Freunde Cäsar, dem Schäferhund, in See. Vielleicht gab es an Oer Küste von Juan de Novo noch einiges Strandgut zu bergen, dessen Verwertung ihn der Geldsorgen für einige Monate entheben würde. Die Nacht brach ein. als er landete. Nahe der Küste schlug er sein Zelt aus, bereitete sein Abendessen und erlegt« für Cäsar einen der Papageitoucher, die durch die Dämmerung nestwärts eilten. Unheimlich ertönte sein Schuß durch die unendliche Stille. Ztema war Collin eingeschlafen, als Ihn Casars gereiztes Bellen aufweckte. Er hielt Umschau, aber nichts Gefahrdrohendes war zu entdecken. Dann, wie von einer unwiderstehlichen Macht bezwungen. raste Cäsar davon und verschwand hinter einem Felsen. Kein Rufen hielt ihn zurück. Wohl wußte Collin von den Hunden der Insel. Aber er wußte nicht, daß die seit Generationen in Freiheit lebenden Hunde von Juan de Nova sich von ihren in der Gefangenschaft der Menschen befindlichen Brüdern unter anderem auch dadurch unterschieden, daß sie nicht bellten. Die Hunde von Juan de Nova hatten das Bellen verlernt, oder besser gesagt, sie hatten es. die Sprache der Menschenknechte, nie erlernt. Sie riefen einander durch ein un- heimlich vibrierendes Jaulen, das mit keinem anderen Tierlaut verglichen werden kann. Manche behaupten sogar, daß jedes Hunde- rudel der Insel, die in genau umgrenzte Jagdreviere eingeteilt sein soll, seine eigene Sprache hat. Collin war ein wenig besorgt, als sich Cäsar nicht wieder zeigte. Aber, der Müdigkeit nachgebend, hüllte er sich in seine Decke und schlief ein. Er träumte, daß sich Cäsars Kops, seltsam schnuppernd und mit seltsam glühenden Augen, über ihn beuge... Oder war das Wirklichkeit? Als der Morgen dämmerte, geschah das Furchtbare. Dies war kein Traum, sondern entsetzliche Wirklichkeit. Plötzlich war Cäsar, geifernd und mit bebenden Flanken, über ihm, böse knurrend, mit wolfsgleichen Lichtern, seine mächtigen Vorderfüße gegen Collins Brust stemmend und ein grimmiges Gebiß der Kehle des Liegenden nähernd. Gerade konnte der Kapitän noch seinen Revolver hervor- ziehen. Aber sein Schuß ging fehl. Wieder sprang ihn sein Freund mit tückischem Knurren an. Aber diesmal machte ihn ein mächtiger Tritt der schweren Seemannsstiefel des Angegriffenen für einige Augenblicke kampfunfähig. Collin sprang in sein Boot und stieß ob. Gerade rechtzeitig. Denn, mit einer riesigen Dogge als Führer an der Spitze, wälzte sich nun ein unheimliches Rudel struppiger Köter mit fletschenden Zähnen, ohne einen Laut von sich zu geben, an das verlassene Zelt heran. Und Collin gewahrte, wie sie sich mit wölfischem Urlaut über Cäsar stürzten und ihn zerfleischten.-- Seit jenem Vorfall ging es mit Collin völlig bergab. Er endete im Irrenhause. Denn er hatte allerlei sonderbare Gewohnheiten angenommen, von denen die unerklärlichste die war, daß er, wo er einen Hund an einer Leine gewahrte, diese zerschnitt und sich In fremde Gehöfte schlich, um die Wachchunde von ihren Ketten zu befreien.(Einzig autorisierte. Uebersetzung.von Leo Korten.) endlich eine Menschensiedlung in der Oede der einzigartigen Berg- landschaft erreicht zu haben. Er betritt die Stadt: aber das Grauen erfaßt ihn— sie ist tot! Keine Menschenseele läßt sich blicken. Es scheint, als ob eine plötzliche Naturkatastrophe oder ein feindlicher Angriff olles Leben mit einem Schlag vernichtet habe. Düster gähnen die leeren Fenster der Villen, und unheimlich still ist es in den ver- lassenen Industrieanlagen. Was bedeutet dieser Spuk? Die tote Stadt ist eine lebendige Erinnerung an das Ende der Kriegskonjunktur in Skandinavien. Dort sollte ein Kraftwerk ent- stehen, um das benachbarte Norwegen mit Strom zu beliefern. Nach Kriegsende brach aber auch in Skandinavien eine starke wirtschaftliche Krise aus. Die norwegische Industrie war plötzlich lahmgelegt, und es bestand dort kein Bedarf an elektrischer Kraft aus einem ftemden Lande. So wurde die Stadt, die einer blühenden Zukunft entgegen- zugehen schien, über Nacht verlassen. Verfolgt man den Weg weiter, so- erreicht man die Siedlung Iokkmokk, die wie alle anderen Siedlungen dieser Art, sich Kirchstadt nennt. Pie.Kirchstadt Iokkmokk stellt den gewöhnlichen Typ einer menschlichen Siedlung in Lappland dar. Behördliche Anstalten ver- leihen dieser Parodie auf eine Stadt ihr Gepräge— Kirche Und schule, Apotheke und Bezirksamt. Die Bevölkerung besteht aus Waldarbeitern und Bauern, die im Kampfe mit der unwirtlichen Natur ein hartes und entbehrungsreiches Leben ftisten. Am südlichen Ende der Stadt befinden sich zwei Wegweiser— eine Sehenswürdigkeit in ganz Lappland. Der eine Wegweiser zeigt den Weg nach dem Maitum-Wasserfall, der andere enthält die vielsagende Inschrift: „Zum Hinrichtungshügel." Vor vielen Menschenaltern ist dort ein Lappländer gehenkt worden. Seitdem hat man von Mord in dieser Gegend nichts mehr gehört. Die Erinnerung an diesen Dorfall ist in der Bevölkerung heute noch lebendig. Die Siedlung von Maitum besteht aus nur vier Gehöften und liegt an einem schönen kleinen See, der der Siedlung den Namen gegeben hat. Ringsum brausen Bergströme und stürzen Wasserfälle in die Tiefe. Mancher Weg endet an einem Abgrund, in den sich ein Wasserfall ergießt. Berglandschasten von erhabener Größe wechseln mit öden Sumpfs trecken. Die Begegnung mit einem Bären, der auf gefällten Baumstämmen herumspaziert, ist keine Seltenheit. Stößt man in der Wildnis auf eine Hütte, so kann man sie getrost betreten. Man wird überall mit der größten Gastfreundschaft empfangen. Die Menschen leben dort in einer kaum vorstellbaren Abgeschiedenheit, aber dafür sind sie auch von den Begleiterscheinungen der Zivilisation verschont geblieben und haben sich ihre Ursprünglichkeit bewahrt. ITlillionen aus Quano Der Guano, dos Zersetzungsprodutt der Exkremente und Kadaver von Seevögeln, vor allem von Pelikanen und Pinguinen, die in Millionen die peruanische Westküste und die ihr vorgelagerten Inseln bevölkern, wurde als unübertreffliches Düngemittel schon bei den Inkas verwendet. Humboldt brachte im Jahre 1802 die ersten Proben von Guano nach Europa und machte dort das wert- volle Düngemittel bekannt, das. feit. nahezu hundert Jahren in Europa geschätzt wird und einen begehrten Handelsartikel darstellt. Die Guanolager Perus, die man für unerschöpflich hielt, sind zwar durch den jahrhundertelang betriebenen Raubbau stark zusammen- geschmolzen, doch findet auch heute noch ein« deständige Guano- bildung statt, die die peruanische Regierung durch geeignete Maß- nahmen nach Möglichkeit fördert. So hat man nicht nur für gute Rist- und unbegrenzte Ernährungsmöglichkeiten der Guano produzierenden Vögel gesorgt, sondern auch die Guanogewinnung auf den der Küste vorgelagerten Inseln während der Nistzeit der Vögel verboten. Zluch wird der Abbau der„Guaneras", der Guanolager, immer nur auf einer Insel vorgenommen und während der vier- bis fünffährigen Abbauperiodc auf der einen Insel der Arbeits- betrieb auf den anderen Inseln eingestellt, um den Vögeln Ruhe und Zeit zur Wiederauffüllung der Borräte zu gewähren. Die Erschließung und Ausnutzung der„Guaneras" war frühkr zwei Privatgesellschaften überlasse». Im vorigen Jahre kaufte die Regierung die Abbaukonzefston, für die die Gesellschaften 800 000 englische Pfund jährlich bezahlten, zurück und nahm den Betrieb in eigene Regie. Die Gesellschaft hatte aus der Guonogewinnung fast den doppelten Ertrag der Iahrespacht eingenommen, so daß Peru heute für eigene Rechnung 12 Millionen Mark bei dem Ge- schüft verdient. Man braucht dabei nur darauf zu verweisen, daß die Vögel Jahr für Jahr 110 000 Tonnen stickstoffhaltigen und 15 000 Tonnen phosphatischen Guaso, insgesamt also 155 000 Tonnen, produzieren, und daß das Guanophosphat zu einem Preise von 80 Mark je Tonne verkauft wird. Es muß jetzt gehandelt werden! Das ganze Wirischasts- und Giaatsleben kommt ins Stocken. Was die Londoner Verhandlungen für die deutsche Wirtschaft an praktischen Erfolgen bringen werden, ist ungewiß. Sicher ist«s, daß Deutschland, das heißt hier die Reichsbant, für die nächsten Wochen keine zusätzlichen Kredite vom Ausland erwarten darf. Dennoch war London alles weniger als negativ Das wichtigste Ergebnis ist die Empfehlung der Regierungen, daß die ausländischen Gläubiger Deutschlands die noch bestehenden Kredit« nicht kündigen sollen. Geschieht das, so ist das ein nicht gering zu veranschlagender Gewinn. Die ausländischen Gläubiger, das heißt die Banken in Amerika, England, Frankreich, Schweiz und Holland, haben selbst ein starkes Interesse daran, nicht zu kündigen. Die Amerikaner dürfen ihr Anleihepublikum nicht enttäuschen, das für Deutschland rund 8 Milliarden langfristige Anleihen gezeichnet hat, die nicht gekündigt werden können. Die europäischen Banken- gläubiger müssen wissen, daß eine weitere Verschlechterung der Loge in Deutschland das Kredit- und Kapitalsystem ihrer eigenen Länder über den Haufen werfen muß. Wir halten es deshalb für einiger- maßen wahrscheinlich, daß weitere Kündigungen nicht vorgenommen werden. Auch für die Zukunft liegen die Dinge nicht ungünstig. Di« Empfehlungen der Regierungen lauten dahin, daß man Deutsch- land in der Zukunft mit langfristigen Anleihen unterstützen sollte und daß dafür die Vorbereitungen zu treffen sind. Das vorgeschlagene Beobachterkomitee in Berlin kann dabei gute Dienste leisten. Deutschland muß aber beachten, daß es per Kasse, d. h. für die nächsten Wochen wesentlich auf sich selbst gestellt ist. Wenn die obigen Tcrminaussichten sich erfüllen sollen, muß es erstens sich gründlich selbst helfen und zweitens zukünftiges Ver- trauen des Auslandes rechtfertigen. Alle Schwierigkeiten liegen in Deutschland bei der Entschluß- und Aktionskraft der Reichsbank. Die Reichsbank hat ein« Chance: durch die Devisen- und Kapitalfluchwerordmingen kann sie vielleicht ab 28. Juli eine Auffüllung ihres Deoisenvorrates erfahren. Da wir aber in Deutsch- land jetzt vonTagzuTag disponieren müssen und die Lähmung des Wirff'chasts- und Staatslebens nicht nur von Tag zu Tag, sondern von Stunde zu Stunde größer und gefährlicher wird, ist auch schon der Termin des 2 8. Juli ein zu weit entfernter Termin. Die Reichsbank darf mit einem Erfolg der Kapitalflucht und Devisen- Verordnung nicht so rechnen, daß sie mit Rücksichr cuf den 28. Juli jetzt notwendige Maßnahmen unterläßt. Geschähe das, so wäre eine Lähmung des Wirtschafts- und Staatslebens von kaum vorstellbaren Ausmaßen die wahrscheinliche Folge. Gegenwärtig liegen die Dinge so, daß in der Privat- Wirtschaft Zahlungseinstellungen möglich sind bei Firmen, die an sich ganz ausgezeichnet stehen, deren Zahlungsunfähig- k e i t aber eintritt, weil sie ihre Forderungen nicht ein- treiben können. Das ist eine einfache Folge des zwar ge- "■»ckerten, aber immer noch bestehenden inneren Bankenmoratoriums. Nicht nur laufende Verpflichtungen an Lieferanten können auf diese Weise nicht erfüllt werden, sondern auch die Lohn- und Gehaltszahlungen sind bedroht. Di« Banken können schließlich nicht mehr auszahlen, als bei ihnen eingezahlt wird. Die Einzahlungen hängen aber wiedcr davon ab, wieviel die Ranken auszahlen dürfen. Da die Auszahlungen nicht ausreichen, felstt für die Betriebe die Luft zum Atmen. Diese Lage macht es un- bedingt notwendig, daß Reichsrcgierung und Reichs- ba n k gemeinsam für größere Kredit« sorgen. Es Handell sich hier um unbedingt notwendige Maßnahmen zur B c- kämpfung der Deflation, um Maßnahmen, die in ihrem Ergebnis das Gegenteil der Inflation sind. Wir halten es für richtig, wenn die Reichsbant auf die vorhandenen Deckungsbestände keine Rücksicht mehr nimmt und darüber hinaus, eventuell unter Vermehrung der Zahl der Unterschriften, auch Bank- und Industrie- Wechsel in größerm Maßstab« diskoMiert. Da es gegenwärtig ums Leben und nicht um die Kosten geht, und da auch die Bereinigung im Wirtschaftsleben als Folge eines erhöhten Diskontes nur nützlich sein kann, darf das Ausmaß des Dis» kontes kein Hindernis sein. Eine Diskonterhöhung ist auch dos Mittel, den Mißbrauch von Kreditinanspruchnahmen zu oerhindern. Es brennt aber nicht nur in der Wirtschast, sondern auch im Staatund inden Gemeinden. Selbst die Auszahlung des halben Beamtcngehalts zum 1. August ist jetzt ungewiß. Bei den Gemeinden häufen sich die Schwierigkeiten, die Unterstützungen zu bezahlen. Von den möglichen politischen Auswirkungen braucht man nicht zu sprechen. Aber auch hier liegen einfache und klare Wege zur Ueberwindung der Schwierigkeiten zutage. Die Reichsbank hat kürzlich auf Lombardunterlage den Sparkassen einen Kredit von 100 Millionen eröffnen können. Dieser Kredit brauchte nicht entfernt voll in Anspruch genommen zu werden. Der hier beschrittcne Weg muß ausgebaut werden. Die öffentlichen Banken und öffentlichen Unternehmungen müssen ermächtigt werden, Wechsel zu ziehen, die dann, und zwar eventuell auch unter Ver- mehrung der Zahl der Unterschriften, von der Reichsbant dis- kontiert werden. Die öffentlichen Stellen, die diese Wechsel ein- reichen, haben dann die Möglichkeit, die weitergegebenen Kredite lombardmäßig zu sichern. Bei den Gemeinden sind viel- fach Wertpapiere vorhanden: die Wertpapierbestände der Sparkassen können hinzugezogen werden. Auch hier würde eine entsprechende Diskontpolitik einem Mißbrauch vorbeugen. Auch andere Wege führen vielleicht zum Ziel. Das Ziel aber muß erreicht werden, von dem wir sprechen. Deutschland befindet sich in der Lage, daß es geld- und krcditmäßig ausgehungert ist. Der Milliardenverlust ausländischer Kredite, die in Deutschland umliefen, und die Bantenfeiertage mit ihrer weitgehenden Außerkraftsetzung der Ueberweisungen sind die Ursachen. Die gegenwärtig bestehende Blutleere muß be seitigt werden: ihre Beseitigung ist eine Notwendigkeit, die in wenigen Tagen erfüllt sein muß. Diese Art Selbsthilfe steht nicht im Widerspruch mit den Londoner Besprechungen und wird, wenn sie energisch und mit den nötigen Sicherungen durch- geführt wird, das ausländische Vertrauen in Deutschland nur stärken, Schrumpfung des Welthandels Starke Länderverschiedeuheiten in der Entwicklung. Daß der allgemeine Absatzrückgang in sinkenden Ziffern de» Weltaußenhandels zum Ausdruck kommt, ist selbstverständlich und ollgemein bekannt. Wie verschieden sich jedoch die hauptsäch- lichsten Ein- und Ausfuhrländer der Erde dieser allgemeinen Ten- denz gegenüber verholten, wie insbesondere die Entwicklung bei den europäischen Ländern von der der überseeischen Gebiete abweicht, ist weniger bekannt. Wie die nochfolgenden Ziffern, die wir den in Rotterdam er- scheinenden„Oekonomisch-Stotistischen Berichten� entnehmen, deutlich veranschaulichen, zeigte sich die Krise bereits im Jahre1S2S darin, daß sich die Ausfuhr der überseeischen Rohstoff- und Agrar- länder verringerte, wahrscheinlich weniger mengen- als wertmäßig, d, h. infolge allmählich sinkender Preise. Will man für die Einfuhr- seit« dos Jahres 192S trotz der noch ziemlich gleichartigen Ent- wicklung eine Tendenz feststellen, so läßt sich nur sagen, daß im Durch- schnitt die Einfuhr der europäischen Industriestaaten etwas weniger gestiegen ist als die Einfuhr der Ueberseeländer. Entwicklung des internationalen Außenhandels41) so ist das einmal hierauf zurückzuführen, außerdem auf den Um- stand, daß die Bereinigten Staaten außer Fertigerzeugnissen auch heute noch in großem Umfang agrarische Produkte und Rohstoffe (Weizen, Mais, Kupfer, Erdöl, Baumwolle usw) ausführen. schärften Ausfuhrrückgang und entsprechend der dadurch verminderten Kaufkraft auch eine empfindliche Schrumpfung ihrer Einfuhr. Im Jahre 1931 ist nun— Neuseeland bildet eine Ausnahme— die Ausfuhr dieser Länder weiter zurückgegangen, jedoch nicht in dem Grade, wie die Aussuhr der Industrieländer zusammengeschrumpft ist. Dagegen hat sich die Einschränkung der Einfuhr bei den meisten Agrar- und Rohstoffländern in raschem Tempo fortgesetzt. am stärksten bei Brasilien und Australien, deren Einfuhr 1931 gegenüber 1928 um etwa 7 0 P r o z. zusammengeschrumpft ist. Die verminderte Kaufkraft dieser Länder trifft diejenigen industriellen Länder am stärksten, die an ihrer Warenversorgung am meisten beteiligt sind: in erster Linie die Dereinigten Staaten, in zweiter Großbritannien. Wenn von ollen Industrieländern die Ver- einigten Staaten den stärksten Ausfuhrverlust aufzuweisen haben, *) Di« angegebenen Ziffern, denen der Wert, nicht die Meng« der«in- und ausgeführten Waren zugrunde gelegt ist, beziehen sich jeweils auf die ersten oixx Monate der angegebenen Jahre. Endlich Handelsvertrag mit Llngarn. Tteue Anwendung des Dorzugszoll-Sysiems. Die Handelsbeziehungen zu Ungarn waren bisher nur durch ein vorläufiges Meistbegünstigungsabkommen geregelt. Noch dreijährigen Verhandlungen ist jetzt in Genf ein d e u t s ch- u n- garischer Handelsvertrag unterzeichnet worden, der wie der Handelsvertrag mit Rumänien auf dem Vorzugszoll- system(Präferenz-System) aufgebaut ist. Das wichtigste Zugeständnis Deutschlands an Ungarn besteht in einer Ermäßigung des W e i z e n z o l l s um 25 Proz.(18,25 M. statt 25 M. je Doppelzentner). Gleichzeitig kommt Ungarn in den Genuß der Rumänien zugestandenen Vorzugszölle für Mais und Gerste, während andererseits der ermäßigte Weizenzoll auch Rumänien gegenüber zur Anwendung kommt. Weiter ist Ungarn ein Einfuhrkontingent von 80 000 Fettschweinen zugestanden worden, das wegen der hohen Zölle aber von Ungarn kaum aus- genutzt werden dürste. Eher wird das bei dem Einfuhrkontingent von S000 lebenden Rindern möglich sein. Weitere Zugeständnisse wurden von Deutschland mit Rücksicht auf die G r o ß l a n d w i r t- s ch a f t nicht gemacht. � Ungarns Entgegenkommen besteht in der Zollherabsetzung für zahlreiche Jndustrieprodukte, so für Textilien, Eisenwaren, Chemikalien. In Kraft treten kann dieser Vertrag aber erst nach der An» nahm«(Ratifizierung) durch den Reichstag und das ungarische Parlament und nach der Zustimmung aller bisher meist- begünstigten Länder. Da hierüber noch sehr viel Zeit ver- gehen kann, plant man den Abschluß eines deutsch-ungarischen Uebereinkommen». zunächst nur die Teile des Handels- Vertrages in Kraft zu setzen, die von der Vorzugsbehandlung durch Deutschland nicht berührt werden. Abschlüsse deutscher Aktiengesellschaften. Rückgang der Gewinne und Dividenden. Das Statistische Reichsamt hat die bisher veröffentlichten Ab- schlüsse der deutschen Aktiengesellschaften aus der Zeit vom 1. Ok- tober bis 31. Dezember 1930 aufgearbeitet. Es handelt sich um 1423 Aktiengesellschaften mit einem Aktienkapital von 1 1L Milliarden Mark(etwa 50 Proz. des Rominalkapitals aller am 31. Dezember bestehenden Gesellschaften). Gegenüber dem Jahr 1929 hat sich die Rentabilität verschlechtert. Der Ueberschuß aus Jahresreingcwinn und-Verlust ergab im Jahre 1930 nur 505 gegen- über 728 Millionen Mark im Vorjahre, im Verhältnis zum bilanz- mäßigen Eigenkapital 4,1 Proz. gegenüber 5,9 Proz. im Vorjahre. Der Konjunkturruckgang wirkte sich nunmehr auch dahin aus, daß die Dividenden, die im Vorjahre trotz Abnahme der Gewinne noch hoch gehalten wurden, zurückgegangen sind, und zwar von 7,4 Proz. des dividendenberechtigten Aktienkapitals im Jahre 1929 auf 5,5 jkoz. im Jahre 1930. Dabei hat, der Konjunkturlage ent- spkechend, eine gewisse Fundierung der Schulden staft gefunden: die langsrfftige Verschuldung hat um 1337 Millionen Mark zu- genommen, die kurzfristige Verschuldung ist um 961 Millionen Mark zurückgegangen._ Bilanz der Credttanstalt. Die Ziffern nach der Sanierung. Jetzt wird die Bilanz der Oesterreichischcn Credit« anstalt vom 31. Dezember 1930 veröffentlicht. Die Summen. die dem Unternehmen zur Sanierung erst in diesem Jahre zu- geflossen sind und.die Veränderungen des Kapitals, sind bereits be- rücksichtigt, so daß die Bilanz bei einer Summe von 1885 Millionen Schilling(1 Schilling 59 Pfennig) ausgeglichen ist. Zum ersten Male sind auch alle Ziffern aus der F u s i o n mit der Boden- kreditanstalt(die Fusion wurde für die aufnehmende Ereditanstalt ein riesiges Verlustgeschäft) aus den entsprechenden Konten ver- rechnet worden. In die Gewinn- und Vcrlustrcchnung sind als Einnahmen die aufgelöste offene Reserve von 39,6 Millionen Schilling und die 100 Millionen Schilling aus dem Buchgewinn aus der Kapitalherabsctzung und aus der Ucberzahlung auf die neuen Aktien eingesetzt. Diese 100 Millionen setzen sich zu- sammen wie folgt: 7,5 Millionen stammen von den v e r n i ch t e t e n Aktien des Hauses Rothschild: 29,38 Millionen sind der Buch- gewinn aus der Herabsetzung des Kapftals von 117,5 auf 88.13 Millionen: 63,12 Millionen sind die Summe, die der öfter- reichische Staat, die Nationalbank und Rothschild über den N o m i n a l b e t r a g der neu aufgenommenen Aktien hinaus gezahlt haben. Auf der Sollseite der Ertragsrcchnung werden die Der- luste aus Effekten- und Konsortialgeschäften auf 10,5 Millionen. die übrigen Verluste(Abschreibungen auf Schuldner und Be- teiligungen) mit 148,5 Millionen Schilling ausgewiesen. Einem Verlust von 159 Millionen stehen also zur Verlusttilgung bestimmte Summen in Höhe von 139,6 Millionen Schilling gegenüber, so daß 19 Millionen Schilling Verluste aus den sonstigen Ein- nahmen der Gewinn- und Verlustrechung gedeckt worden sind. In der Bilanz erscheinen die Forderungen mit 1382 Mil- lionen Schilling: davon entfallen auf das Inland 70 Proz. Als Verpflichtungen der Bank werden Kreditoren mit 1359 Mil- lionen Schilling und verzinsliche Einlagen mit 316 Millionen Schilling ausgewiesen. Die Erhöhung des Kapitals um 52,5 von 125 auf 177,5 Millionen Schilling ist bereits berücksichtigt: dafür erscheinen unter den Aktiven Forderungen für Einzahlungen auf die Kapitalerhöhung und zur Verlusttilgung in Höhe von 152,5 Millionen Schilling(152,5 Millionen abzüglich 52,5 Millionen er- geben 100 Millionen: vgl. Ertragsrechnung). Bon dem Gesamt- kapital sind die alten Aktien(88,13 Millionen) das Stammaktien- kapital, während die neuen Aktien(89,37 Millionen, übernommen vom österreichischen Bund, der Nationalbank, zum kleineren Teil auch von Rothschild) das Vorzugsaktientapital darstellen. Stillegung trotz glänzender Vefchästlgung? Auf der Generalversammlung der Berlin- GubenerHut- f a b r i k A.- G. vormals A. Cohn wurde mitgeteilt, daß die Fabriken zurzeit sehr gut beschäftigt seien. Wenn aber der äugen- blickliche Zustand einige Wochen andauern sollte, daß Gelder von den Banken nicht zu erhalten und Wechsel nicht unterzubringen seien, werde man st i l l e g e n müssen, da die L o h n g e l d e r nicht mehr beschafft werden könnten. Wenn diese Ansicht nur einigcrmaßenzutreffendist.sozeigtsichandiesem Beispiel eines glänzend-rentierenden Unter- nehmen», daß es zur Zeit keine dringendere Auf- gäbe gibt, als den normalen Zahlungsverkehr wiederherzustellen. Weiter erfuhr man. daß zwar die Fabriken voll beschäfttgt sind. daß aber die Zahl der Deschästtgten weiter vermindert wurde. da man zwei Fabriken zusammenlegte. Dadurch hätte man 0,2 Mil- lionen Mark Ersparnisse erreicht. Die Rekorddividende von 12 Proz. soll erst nach Eintritt normaler Verhältnisse ausgezahlt werden._ Zunehmende Walzwertsproduktion im Juni. Die Produktion der deutschen Walzwerke- ist im Juni g c- stiegen. Arbeitstäglich wurden 21564 Tonnen erzeugt gegen 20 608 Tonnen im Mai und 25 058 Tonnen im Juni vorigen Jahres. Die Besserung dürfte auf Reichsbahn- und Sowjetaufttöge zurück- gehen._ Gewinne amerikanischer Elekirofinanz. Die public: Utilitv Holding Corporation of America, eine der wichtigsten amerikanischen Dachgesellschaften für amerikanische und nichtamerikanische Elektrizitätsgesellschaften, veröffentlicht den Bericht über ihr er st es Geschäftsjahr. Es handelt sich um diejenige Gesellschaft, die in den letzten Monaten auch in Deutschland Fuß gefaßt hat. Ihre wichtigsten europäischen Beteiligungen sind: Berliner Kraft und Licht A.-G., Ver- einigte Elektrizitätswerke Westfalen. Continental« Elektrizitäts- Union(Preußen-Elektra), Union Llectrigne Rurale(Frankreich), Grohherzoglich-Luxemburgische Elektrizitäts-Gesellschast. Der Reingewinn der Dachgesellschaft betrug 2,35 Millionen Dollar, also rund 10 Millionen Mark. Als Anschaffungspreis aller Beteiligungen nennt der Bericht 95 Millionen Dollar(über 400 Millionen Mark), doch hatten diese Aktien am 31. Mai infolge der Kursrückgänge der letzten Zeit nur noch einen Börsenwert von 60,2 Millionen Dollar oder 250 Millionen Mark. Die American and Foreign Power Co., d. h. diejenige Dachgesellschaft für ausländische Elektrizitätsunternehmungen, die der amerikanischen Ceneral Electric Co. nahesteht, verzeichnet«inen Reingewinn von 24,2 Millionen Dollar, während sie vor einem Jahre 25,5 Millionen Dollar erzielt hatte. Der Gewinn- rückgang ist hier wie bei fast allen elekttizitätswirffchafllichen Fi- nanzierungs- und Beteiligungsgesellschaften minimal. Ende März betrug das gesamte Vermögen dieses Konzerns nicht weniger als 573 Millionen Dollar, d. h. über 2,4 Milliarden Mark. Diskonterhöhung auch in Budapest. Die ungarische National- dank hat ihren Diskontsatz von 7 auf 9 Proz. erhöht. Die Bant wurde durch die gesteigerte Inanspruchnahme ihres Kredits und durch die Gesichtspunkte der Anpassung an die internationale Geldmarkllage zu dieser Erhöhung veranlaßt. wachsender Auftragsbestand bei Berlin-Karlsruher. Auf einer Aufsichtsratssitzung der Berlin- Karlsruher Industrie- werke wurde die— heute leider seltene— Mitteilung gemacht, daß der Auftragsbestand erneut gewachsen sei. Das Unternehmen produziert vor allem Präzisionsmaschinen und Werkzeuge. Griechenland gegen die deutsche Zigarettensteuer. Die Verbände der Tabakhändler Mazedoniens und Thraziens erklären in einer Eingabe an die Regierung, daß die neue deutsche Zigorettensteuer den deutschen Markt verhindern wird, etwa 3.5 Millionen Kilogramm gute griechische Tabake aufzunehmen. Di« Verbände ersuchen die'Regierung, Maßnahmen zu ergreisen, um die griechische Tabakaussuhr nach Deutschland zu jch ützeu, Die Feuerprobe der Noi. Die Täiigkeii des Berliner Orisausschusses des AOGB. Der Ortsausschuß Berlin des ADGB. legte gestern abend in ber Iohresplenarversommlung im Gewerkschoftshaus Rechnung ab über seine Tätigkeit im vorigen Jahre. Da den Delegierten ein umfangreicher gedruckter Geschäftsbericht vorlag, der im„Vorwärts" am Dienstag ausführlich schon besprochen wurde, beschränkte sich der Vorsitzende des Ortsausschusses Genosse Bredow darauf, mit einigen großen Strichen die vorjährige Tätigkeit des Ortsausschusses zu umreißen. Eine Unmenge von Arbeit war gerade im vorigen Jahr auf dem Gebiete der A r b ei t s l o s c n h i l f e zu leisten. Infolge der manchmal recht sonderbaren Einstellung der Reichsonstalt hatten die Mitglieder des Ortsausschusses sowohl im Landesarbeitsamt wie auch in den einzelnen Arbeitsämtern oftmals einen schweren Stand, um ihren Auffassungen und Forderungen Geltung zu verschaffen. Das war besonders hinsichtlich der Bestrebungen nach einer so- genannten„Bereinigung" der Facharbeitsnachweise der Falli- die allem Anschein nach auf eine Zersplitterung der Fach- abteilungen hinauslaufen. Auf dem Gebiete des K r a n t e n k a s f e n w e s e n s hat der Ortsausschuß ebenfalls, soweit er darauf Einfluß hat, seine Pflichten nicht vernachlässigt. Das gleiche gilt auch hinsichtlich der W o h- nungswirtschaft. In engster Zusammenarbeit mit der Gehag war der Ortsausschuß bestrebt, für die werktätige Be- volkerung gesunde und vor allem erschwingliche Wohnungen zu schaffen. Wenn das Bestreben, billige Wohnungen zu bauen, nur geringen Erfolg hatte, so ist daran weder der Ortsausschuß noch die Gehag schuld, sondern die Politik der Finanzierung des Woh- nungsbaues. Die ständig auch vom Ortsausschuß erhobene Forderung, endlich das Arbeitsgericht in menschenwürdigen Räumen unterzu- bringen, ist in diesem Jahr wenigstens zum größten Teil erfüllt worden. Noch nicht erreicht wurde die ebenfalls schon lange vom Ortsausschuß geforderte organisatorische Einheitlichkeit des L a n d e s- arbeitsgerichts. Außerordentlich in Anspruch genommen wurde im Berichtsjahr das Arbeitersetretariat, das zum ersten Male seit seinem Bestehen über 1l>l1l)l) Besucher zählte. Allein die Zahl der Schriftsätze hat sich gegenüber dem Jahre 1929 um fast 2W1(> aus 7529 erhöht und die der Vertretungen von Ratsuchenden vor Gericht von 1654 im Jahre 1929 aus 1939 im Berichtsjahre. Erfreulich ist, daß die Zahl der chörer in der Gewerk- s ch a f t s s ch u l e trotz der katastrophalen Arbeitslosigkeit mit i n s- gesamt 4029 chörern erheblich höher war aks in den Vor- jähren. Genosie Bredow konnte zusammenfassend mitteilen, daß auch im vorigen Jahr mit allen Körperschaften, die der freigewerkschast- lichen Arbeiterbewegung nahestehen, ein gedeihliches Zusammen- arbeiten möglich war. Er schloß seinen Bericht mit der Erwartung, daß auch das laufende Geschäftsjahr der Berliner Gewerkschaften trotz der Anfeindungen von links und rechts ebensowenig erschüttern werde wie das im vorigen Jahr der Fall war. Die Billigung der Tätigkeit des Ortsausschusses im vorigen Jahr kam nicht nur in dem Verzicht auf jede Diskussion über den Geschäftsbericht zum Ausdruck, sondern auch in der einstimmigen Wiederwahl der be- soldeten Sekretäre des Ortsausschusses, Genossen Bredow, Wiegle, Sprung und Zittcl sowie der übrigen unbesoldeten Vorstandsmit- glieder. BeschWe des ZGB. Organisatorische Stärkung und Ausdehnung. Der Vorstand des Internationalen Gswerkschaftsbundes hat gestern feine Tagung in Berlin, über die wir bereits berichteten, beendet. Es wurden eine Anzahl von wichtigen Beschlüssen gefaßt. Nachdem der Vorstand die Anfragen vevschiedener Länder Süd- a m e r i t a s wegen des Anschlusses an den 3<5 58. zur Kenntnis genommen hatte, wurde das Sekretariat beauftragt, die Verhandlungen mit diesen Organisationen weilerzuführen und dabei ihren Wünschen so weit wie möglich«ntgegenzukomnien. Es sollen auch Verhandlungen angebahnt werden mit den übrigen südameri» konischen Gewerkschaften, damit der Einfluß des IGB. auch dort ge- fördert wird. Es besteht die Absicht, gelegentlich der nächsten Ar- beitskonferenz in Gens mit sämtlichen Vertretern von Südamerika engere Fühlung zu nehmen, um zu einer südamerikanischen Gewerkfchastskonferenz zu kommen. Der Generalsekretär Genosse Schevenels gab einen ein- gehenden Bericht über die Tagung des Internationalen Arbeiter innenkomitee», ein Unterausschuß des IGB., in Lausanne. Die Anregungen dieser Konferenz führten zu verschie- denen Beschlüssen des Vorstandes des IGB., die dazu dienen sollen, diesen Anregungen Rechnung zu tragen. So wurde u. a. beschlossen, eine allgeme ine A rb eit e ri n n e n k o n f c r e nz im Jahre 1933 in B r üss e.l im Zusammenhang mit dem Jnternatiönahm Gewerkschaftskongreß abzuhalten. Der Vorstand des IGB. beschloß serner die Unterstützung verschiedener Landeszentralen, die sich in finanziell schwieriger Lage befinden nnd infolgedessen in ihrer gewerkschast- lichen Arbeit stark gehermnt sind. Ebenso wurden in der Sitzung die Delegationen bestimmt für die Kongresse, zu denen der IGB. in der nächsten Zeit eingeladen ist. Der Borstand beschoiftigte sich weiter mit einer Reihe von internen Finanzfragen und nahm auch verschiedene Mitteilungen entgegen über die Fragen, die in der nächsten Zeit in Genf zur Derhondlung kommen werden. Eine eingehende Disklufsion über die kritisch« Wirt- schaftslage in Deutschland und den übrigen Ländern fand ibren Niederschlag in einer Kundgebung, die wir an anderer Stelle veröffentlichen. Die nächste Vorftandssitzung des IGB. wird wiederum in Berlin stattfinden, und zwar am 27. und 28. Oktober d. I. statt im September, weil ttn September viele Vorstandsmitglieder durch die Teilnahme an Kongressen ufw. verhindert sind. Heute Lohnverhandlungen fürNordwest Arbeitszeitverhandlungen später. Essen. 23. Juli. Die Lohnoerhandlungen in der Eisen- und Stahlindustrie der nordwestlichen Gruppe werden morgen vormittag unter Vorsitz des Schlichters wieder aufgenommen werden. Da der Lohntarif am 1. August abläuft, so wird damit gerechnet, daß es morgen zu einem Schiedsspruch kommt. lieber die Arbeitszeit wird nicht verhandelt, vielmehr soll dies« Frage späteren Verhandlungen vorbehalten bleiben, zumal das Arbeitszeitabkommen erst am 1. Oktober abläuft. Die Gewerkschaften hatten sich, wie erinnerlich, in einem Schreiben an die Unternehmer für Einbeziehung der Arbeitszcitverhandlungen in die Lohnverhandlungen ausgesprochen, um beide strittigen Punkte zu- sammen zu erledigen, doch waren die Unternehmer hiermit nicht«n- verstanden. Der Grund dieser Ablehnung ist leicht verständlich. Die Unternehmer möchten die Löhn« noch weiter drücken, lehnen jeden Lohnausgleich ab, so daß eine Verkürzung der Arbeitszeit dadurch unmöglich wird._ Freiwilliger Arbeitsdienst. Ein Titel ohne Mittel. Di« Ausführungsoerordnung zum freiwilli» gen Arbeitsdienst wird noch in dieser Woche herauskommen. Von den zuständigen Ministern ist sie bereits unterschrieben. Der freiwillige Arbeitsdienst kann also jetzt steigen— soweit Geld da ist. An diesem Punkt sieht es aber sehr schlecht aus. Die Gemeinden können in der Finanzierung des Dienstes keine großen Sprünge machen. Allem Anschein nach haben auch die Propagandisten des freiwilligen Arbeitsdienstes selbst keine großen Erwartungen. Sicherlich stammt von ihnen die Meldung, wonach der Dienst deshalb noch nicht durchgeführt werden könne. well die Reichsanstalt zur Zeit noch keine größeren Beträge frei- machen könne. Dies« Meldung stimmt nicht ganz: denn die Reichsonstalt gibt ja überhaupt nur Zuschüsse im Rahmen der Unterstützungsein- sparung. Da«- Haupthindernis liegt, wie gesagt, bei den Kommunen: sie haben keine Mittel zur Beschaffung von Arbeitsmatcnnt. Arbeitskleidung und zur Sicherung der Unterkunft der Freiwillige». Auch der freiwillige Arbeitsdienst ist eine Utopie wie die Ar- beitsdienstpslicht, weil es an Geld fehlt. Wenn eines Tages aber wieder Mittel vorhanden sein sollten— nun dann wird man wahrscheinlich weder einen freiwilligen noch einen unfreiwilligen Arbeitsdienst brauchen: denn dann wird sich auch der Arbeitsmarkt wieder bessern. Auf all« Fälle muß vor unüberlegten und schlecht finanzierten Experimenten dringend gewarnt werden: denn sie führen hoch- stens dazu, die Landstraßen noch mehr mit mittel- und obdachlosen iDanderern zu füllen. Eine Vermehrung der Landstreicher kann aber wohl kaum der Zweck der Uebung sein. „Ztoie Arbeitgeberweisheii." „Deutsche Zeitung" gegen BVG. Ueberschrift:'„Rote Arbeitgeberweisheil bei der BD©.", Untertitel:„wenn die Sozialdemokraten einen Betrieb führen". Dann geht's los:„Die Direktton der Berliner Verkehrsgesellschast, an ihrer Spitze der sozialdemokratische Direktor B r o l a t, hat onge- ordnet..." Es folgt die von uns am gleichen Tage erwähnte Ein- legung einer Feierschicht im Monat, woraus diese„Deutsche Zeitung" die Nutzanwendung für ihre Zwecke zieht: „An dieser unerhörten Maßnahme des sozialdemokratischen Di- rektors Brolat können die BVG.-Angestellten. und Beamten wieder einmal erkennen, wie es mit den Versprechungen der Sozialdemokraten �bestellt ist." Und in diesem Sinne weiter. Kennt die„Deutsche Zeitung" die Verhältnisse bei der BVG. nicht, dann darf sie nicht darüber räsonieren. Kennt sie sie aber, dann hat sie diese Kenntnis ihren Lesern verschwiegen, um von den vier gleichberechtigten Direktoren der BNG„ worunter der deutschnationale Direktor Zange- m e i st e r, einen herauszugreifen, der Sozialdemokrat ist und nur deshalb, weil er Sozialdemokrat ist. Wir könnten darauf hinweisen, daß Herr Zangemeister für die Verkehrsregelung zu sorgen hat, daß dessen Name an der Spitze der Anordnung steht und nicht der des Direktors Brolat. Das wären Tatsachen, entgegen der demagogischen Mache der „Deutschen Zeitung". Doch weder der Direktor Zangemeister, noch der Direktor Brolat, noch sonst irgend jemand in der BVG. ist daran schuld, daß die Verkehrsmittel der BVG. einen so ungeheuren Ausfall an Fahrgästen haben, der täglich 890 009 bis 1 Million bettägt. Die Arbeitgeberweisheit, wie dieses Blatt sie meint, bestände in diesem Falle darin, einen Teil des Personals aufs Pflaster zu werfen. Die„rote Zlrbeitgeberweis- h e i t" aber zeigt sich darin, durch Maßnahmen wie diese Feier- schicht Entlassungen zu vermeiden. Daß das Personal, das ohnehin schon unter dem Verkehrsrückgang zu leiden hat, von dieser mit Lohnausfall verbundenen Feierschicht nicht begeistert, sondern recht unwillig darüber ist, ist ohne weiteres erklärlich. Allein die über- große Mehrzahl des iperjonals der BVG. muß es sich trotzdem verbitten, daß ein Blatt wie die„Deutsche Zeitung" sich scheinbar als Anwalt der Arbeitnehmerintercssen aufspielt, um von diesem vorgeschobenen Posten aus einen politischen Gegner herunterzu- reißen und mit ihm seine Partei. Wenn das Blatt seinen Lesern von„Arbeitgeberwcis- h e i t" und über Betriebsführung berichten will, mag cs sich mit dem verkrachten Nordwollekonzern und der Danatbank in Verbindung setzen. Die Folgen des Nordwolle-Skandals. Die Arbeiter müssen es ausbaden. Die Auswirkungen des Zusammenbruchs des Nordwolle-Konzerns auf die Wollweberei und Tuchindustrie haben sich, wie der neue Reichsarbeits- marktanzeiger vom 22. Juli feststellt, bereits in verschiedenen Bezirken bemerkbar gemacht. 58«troffen werden Niedersachsen(Kurz- arbeit in Bremen, bevorstehende Entlassungen in Northeim und Nord- Horn), Rheinland(bevorstehende größere Entlassungen, vermutlich auch Betriebsstillegungen in der Aachener Tuchindustrie), Sachsen (Zurückziehung von Austrägen im Leipziger Bezirk, vorläufig Eni- lassung von 115 Arbeiterinnen, Kurzarbeit für 1000 Arbeiter in der Spinnereiabteilung und vorsorglicher Stillegungsantrag, ferner Schwierigkeiten bei zwei Betrieben in den Bezirken Lugau und Thalheim) und schließlich Bayern(bevorstehende Entlassung von 200 Arbeitskrästen bei einer Kammgarnspinnerei in Kaiserslautern). Wer zahlt Krisenlohnsteuer? Die wesentlichen Bestimmungen. Der Krisenlohnsteuer unterliegen alle Lohn- und Gehaltsemp- fänger, die lohnsteuerpflichtig sind. Von der Lohnsteuer unter- scheidet sich die Krisenlohnsteuer jedoch wesentlich in den Be- freiungs- und Ermäßigungsvorschriften. Wäh- rend bei der Lohnsteuer der Netto arbeitslohn zugrunde gelegt wird, d. h. also der Lohn nach Abzug der steuerfreien Betröge (Existenzminimum, Werbungskosten, Sonderleistungen und ga- milienermäßigungen), unterliegt der Krisenlohnsteuer der Brutto- arbeitslohn. Steuerfreie Beträge kennt also die Kriseylohnstcuer nicht. Zum Arbeitslohn gehören alle Gehälter, Besoldungen, Löhne, Gratifikationen und sonsttge Bezüge, also auch alle Eni- schädigungen, die einem Arbeitnehmer aus Grund eines Dienst- Verhältnisses gewährt werden, z. B. Entschädigungen bei Eni- lassungen, Abkehrgelder usw. Außerdem ist zu berücksichtigen, daß, wenn ein Arbeiter von mehreren Stellen Lohn bezieht, an jeder Arbeitsstelle die Krisensteüer gesondert" zu berechnen ist.' Zum steuerpflichtigen Arbeitslohn gehören n-i ch t d i e Aufwandsentschädigungen, die nur in Höhe des nach- gewiesenen Dienstauswandes gewährt werde» oder die tatsächlichen Aufwendungen nicht übersteigen und die das Finanzamt in voller Höhe als Dienstaufwandsentschädigungen anerkannt hat. Sind diese Boraussetzungen nicht erfüllt, so fallen auch die Aufwands- entschädigungen in voller Höhe unter die Krisenlohnsteuer. Das ist auch dann der Fall, wenn ein Teil der Dienstaufwandsentschödi- gungen bei der Lohnsteuer als Werbungskosten anerkannt und steuerfrei ist. Bare Auslagen, die dem Arbeitnehmer vom Arbeitgeber gesondert ersetzt werden, z. B. Reisekosten, Tage- Fleisch SchweinebauchPtt.0.70 Schinken m»».... 0.86 Blalt......... 0.78 Kamm u. Schuft. 0.98 Kotelett... pid. abt.04 RQckenffettbrau, na. 0.64 Kalbskamm... 0.70 Bug u. Brust... 0.80 Keule........ 0.88 Hammalverderfl... 0.94 Schmorfl. o Kn, 124 Suppenfleisch, 0.74 Bratwurst..... 0.88 Eisbein mit sp.«.. 0.48 Schweineieber. 0.88 Schweinenieren. 0.68 Kavier.... cid.«o 0.98 Rinderlunge. pid0.30 Rinderbacken.. 0.44 Euter........ 0.24 suppeniiaiine d 0.75 Suppenhühner"m 0.94 Brathünnchen- 1.0S Banse gefroren Pfund 0.60 HirsdiHocniieischabO.SS Verkauf soweit Vorrat! Mengenabgabe vorbehalten I Obst Oemüse Tomaten.. Pllrsiclie.. Blaubeeren Bananen... Strudelapfel Zitronen. . 2 Pfd 0.25 ...Pfd. 0.25 ...pid. 0.20 ..2PM.0.78 .. z Pid. 0.45 . Dfid ab 0.35 Wurstwaren soize...... pm. o.48 Spechwurst.. p» 0.65 fieiscbuiurst...pid.o.85 Berliner mottwurst pid. 0.95 lt. Leberwurst �7.08 Fetter Specii...ptd.o.78 schinhenspecH..pid.i.48 WlrslegKobl...pm. 0.06 tueiBkohi____ pid. o.06 Rotkohl..... ptd. o.io Satatgurhen... �>0.12 scbraerBurken.. Pfd. 0.06 Itlöbren gewiachen, Pfd. 0.05 Kolonialwaren Hartgriefl....pid 0.26 Puddiegpuluer. 0.44 Kaltscbalenpuluer ptd.o.48 KrBm.-SchoH.-Polv. pm.o.85 Kartottetmebi. pm 0.20 ttartgried nudeln. pm. 0.40 Eierbrncbmakkar. pm0.46 Räucherwaren Bücklinge dtsch...pid.o.48 schelltisch....pw 0.34 Seelachs..... pw.o.36 Seeaal...... p(d.o.6o Bratheringe vi-i.tr.-D«. 0.66 Beisardinen»>»... 0.95 Käse FrdhstuchshasezooMzstO.is Roinadour 20°/... st 0.1 6 BrlekBse vom... 2 Eck. 0.25 Biockhäse tu««, an, pm 0.60 steinbuscher vom., ptd 0.70 Tilsiter verb»Ioser 1,50 M. Zurück Sonntag gegen 19 Uhr.. Gruppe Köpenick. Sonttabenö Nachtfahrt nach Lehnest. Treffen st Uhr am Bahnhof. Essen für 2 Tage. Schlafsack. Ghnapf usw. mitbringen. Unkosten: Nestfallen 2 M., alle anderen 2,25 M. Zurück Sonntag gegen 1S>,. Uhr. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 125. Abt. Am 20. Juki verstarb unser Genosse Richard Lange. Ehr« seinem Andenken. Die Beisetzung hat bereits stattgefunden.— Am 22. Juli ist unier Genosse, der Gastwirt Gustav Fistner, verswrhen. Ehre seinem Andenken. Beisetzung Sonnabend. 25. Zuli. 14'4 Uhr, Gemeindeftiedlstck Roclckestraste. W:r erwarten zahlreiche Beteiligung. Voriräge, Vereine undVersammlungen. # Reichsbanner„Schwarz-Rot-Gold". Geschäftsstelle: Berlin S 14. Sebostianstr 37—38. So> 2. Tr. Freitag, 24. Juli. Eharlottentmrgrt»ver«in). Plitgliedervrrfamm. lung im»Eden.Palost" �taiser-Friedrich�Str. 24. Referent: Käme- rad Prinz zu Löwenstein. Wilmersdorf fOrtsoereinl. Sämtlich« Kameraden. nehmen an der Versammlung von Eharlottenburg im Eden-Palast teil.— Sonnabend, 25. Juli. Schön eweide.Iabanniithal lOrtsverein). 20 Ubr Mit. gliederversommlung in der Brllckenklause, Brücken, Ecke Spreestrage.— Ganoorftand. Eisenbahner, die gewillt find, zur Bundesverfassungsfeier nach Koblenz am st. und 9. August zu fahren, melden sich schriftlich»der tele. phänisch sosort im Eaubüro,_ Pereioigunq der Freunde von Religio» nnd Völkerfriede». Die Rund- funkrede de» Genossen Pfarrer B l e i e r von der Morgenfeier am 19. Aull ist im Druck erschienen und durch Genossen Schönherr, Berlin-Steglist, Schön. hauser Str. 14, für 20 Pf. zu beziehen. Arbeiter. Abstinente», Bund, Beziilsgropoe Reulöl»,»crgnstaltct am Sonn. abend, dem 25. Juli, 20 Uhr, in Mariendorf. Renlöllncr Straße, Kolonie Alpental, einen Vortrag über:»Neuzeitliche gärungslose Früchlevcrwertung". Eintritt frei. Esperanto-Geselschast Eharlottenburg. Montag, 27. Juli. 20 Uhx, Kon. ditorei Wolter, Eharlottenburg, Bismarckstr. 114(Knie), Klubzimmer, Kon. versationsabend. Gäste willkommen. Filmzauber aa der Krumme» Sänke. Unter dieser Devise findet am Sann. abend, dem 2S. Juli 1931, da» die-iöhrig« Sonunerfest des Verbandes der Filmaufnahmeleiter Deutschlands E. B. in Frist Unger» Eafe-Restauront „Krumme Lante", Zehlendoof-Dest, Alfenstr. 139—141 iNahe U-Bahnhof Kruiran« Lanke) statt, zu dem stämtliche prominenten Schauspieler und Schau. spirl« rinnen ihr Erscheinen zugesagt haben. Varkauf soweit Vorrwt Mengen absodo verbeh alten unserer STRUMPFWAREN- Abteilutg ÜeivcniMkcn aus rainer gestrickt aus kOnstl. Waschseide. sehr gute Qualität» modernen Farben !Kindmlr9iH|>fe § ausreinerWolle, farbig, gute Qualität■ Paar.