BERLIN Zreitag 24. M 1931 10 Pf. Nr. 342 B 121 48. Jahrgang Anzeizenprei«: Die elnspaltigeNonrar�illezeile So Pf„ Reklamcteile S M. CrmSßigunaen nach Tarif. Postscheckkonto: Vvrwa'rts-Verlag G.m. H.H.. Berlin Nr. 37 53«.— Der Verlag behält sich da« Recht der Ablehnung nicht genehmer Anieigen vor! Erscheinttiglich außer Sonntag«. Zugleich Abendausgabe de«.Vorwärt«'. Bezugsxrei« beide Ausgaben 83 Pf. pro Woche, 3,60M. pro Monat. Redaktion und Expedition: BerlinSW68,Lindenstr.3 Fernsprecher: Dönhoff(A 7) 292—297 Von Stalin zum Stahlhelm Das kommunistische Aufgebot für Prinz Auw:' Wieder Sporer- Schlangen Die Erhöhung der Auszahlungsgrenze von 5 auf 10 Prozent Negierung des Mondes. Oer geistige bankrott der Kommunistischen Partei. Das Zentralkomitee der KPD. erläßt einen Aufruf für den Volksentscheid des Stahlhelm und der Hakenkreuzler. Dieser Aufruf ist das gratcskeste Fabrikat, das jemals die kommunistische Parolenfabrik verlassen hat! Es gibt nur einen Ausdruck, um diese„Politik" und diese Begründung zu bezeichnen: Krampf! Wie sie sich drehen und winden, um die Stahlhelmaktion auf kommunistisch zu frisieren! Wer den kommunistischen Arbeitern solches zuzumuten wagt, der muß sie verachten wie Ruth Fischer, die sich höhnend rühmte, sie könne kommunistischen Arbeitern die Parole „Regierung des Mondes' vorsetzen, und sie würden sie fressen! Hier sind einige Glanzpunkte der neuen„Regierung des Mondes": „Mit ihrer Politik sind Braun und Severing die Bahn- b r e ch e r des Faschismus geworden." Deshalb müssen sie von Kommunisten und Stahlhelmern Arm in Arm gestürzt werden, damit der Stahlhelm regieren kann. Wunderbare Logik! „Der jetzige Preuhen-Londtag, dieses Werkzeug Brauns und Severings, muß verschwinden!" ... damit ein Landtag zustande kommt, der ein Werk- zeug der Hitler, Hugenberg und Düsterberg ist! „Die Kommunistische Partei reicht bei der Durchführung des Boltsentscheids den sozialdemokratischen Arbeitern die Bruder- Hand.. indem sie gemeinsame Sache mit den schlimmsten Feinden der Arbeiterschaft macht und sie hinter 1918 zurück- werfen will! Diese Bruderhand für die sozialdemokratischen Arbeiter umklammert fest den Stimmzettel für den Stahl- Helm, für die kaiserlichen Generäle und die Hohenzollern- prinzen. „Sie zeigen, daß nur die Kommunistische Partei d-r Todf-ind der Hitlerschen Reaktion ist." Natürlich, nur aus Todfeindschaft will die KPD. Hitler zur Herrschaft in Preußen verhelfen! Wir bedauern die kommunistischen Arbeiter, die sich plötzlich für den Faschisten- marsch auf Berlin begeistern sollen! Wir bedauern sie, wenn wir an die geistige Hilflosigkeit denken, in die sie versetzt werden! Am 19. April rief ihnen die„Rote F a h n e" zu: „Kein Werktätiger darf sich verleiten lassen, g e- incinsam mit den Mord- und Streik- brecherbanden der Nazis und des Stahl- Helms, gemeinsam mit den Börsenfürsten, Junkern und Jnflationsgew innlern für deren Volksbegehren aufzumarschieren!" Heute heißt es: macht gemeinsame Sache mit den Mord- und Streikbrecherbanden der Nazis und des Stahlhelms, gemeinsam mit den Börsenfürsten, Junkern und Jnflatbns- gewlnnlern! Jetzt ist es an der Zeit, in allen Betrieben die kommu- nistischen Arbeiter über den h i l f l o s e n Krampf der kommunistischen Politik aufzuklären! Wir möchten den kommunistischen Arbeiter sehen, der auch nur ein Wort der Entgegnung zu stammeln weiß auf die einfache Feststellung, daß er auf Befehl der Thälmann, Heinz N e u m a n n und Münzenberg seinen Stimmzettel abgeben soll für den P r i n z e n A u w i I Wie macht man Weltrevolution? Man verhilft den alten Generalen und den Hohenzollernpriimen zur Macht in Preußen. Es heißt nicht mehr„Heil M o s k a u!". sondern „Heil Prinz Auwi!" Am 19. April 1931 schrieb die„Rote Fahne": „Wie wenig dieses faschistische Volksbegehren eine Angelegenheit der werktätigen Massen ist, zeigt die Tatsache, daß einer der eifrigsten Propagandisten für dies« Stahlhelm-Aktion neben der Presse des Großkapital! st en und Jnflationsgewinnlers Hugenberg— die „Berliner Börsenzeitung", das Drgan der von den Nazis so„bekämpften" Bankfürfteu und Börsenjobber ist."? Die seit gestern etwas gelockerte Zahlungsweise hat heute wieder bei den Sparkassen zu einem außerordentlich lebhasten Geschösts- verkehr geführt. * Wie in der vergangenen Woche und am leisten Montag stellten sich in den frühen Morgen st unden schon zahlreiche Sparer vor den einzelnen Filialen der Städlischen Sparkasse an. So standen heute früh selbst vor denjenigen Zahlstellen wieder Schlangen, die in den vergangenen Tagen«inen fast normalen Zahlungsverkehr aufzuweisen hatten. Jnjolgedessen mutzte die Polizei zur reibungslosen Regelung der Auszahlungen heut wieder Doppelposten stellen. Auch vor der H o u p t k a s l e am Mühlendamm sind die Ansammlungen von Sparkunden wieder stärker, reichen allerdings nicht an den Masienai�rang heran, wie er in der vorigen Woche noch zu beobachten war. Allgemein sind die Sparer enttäuscht, daß die Freigrenze nur von 20 auf 30 Mark Das war ganz richtig! Heute aber hat sich zu der Presse des Herrn Hugenberg und dem Scharfmacherorgan„B e r- liner Börsenzeituna" nach eine weitere Provagan- distin für den Stahlhelm gesellt: die„Rote Fahne"! Sie schwört nicht mehr aus Stalin, sondern auf den Stahlhelm! Sie sind nickt mehr Stalinisten, sondern Stahlhelmistcn! Wir verstehen die Verzweiflung der kommunistischen Ar- beiter, denen jetzt von allen Ecken und Enden der Ruf: S t a h l h e l m i st e n! entgegenschallen wird. Voller Ver- zweiflung fordert das Organ der Rechtskommunisten, die „A r b e i t e r p o l i t i k", eine Aktion gegen den Stahlhelm- Volksentscheid und gegen die Stahlhelmisten von der KPD.- Zentrale. „D i e M i t g l i e d e r der KPD. müssen von sich aus eine Aktion gegen die Beteiligung am Volks- erhöht worden ist und nicht, wie ursprünglich beabsichtigt war, auf 30 Mark. Es mutz hierzu allerdings gesagt werden, daß bei der Vielzahl der kleinen Konteninhaber, die nur über den allern otmen- digsten Spargroschen verfügen, die 30-Mark-Grcnze nicht dos Eni- scheidende ist. sondern die jetzt auf 10 Proz. hcrousgejetzte Repartierung der Auszahlungen. Wer also ein Sparguthaben von 250 Mark besitzt, konnte bis Mittwoch nur 12,50 Mark ab- heben, ab heute auch nur 25 Mark. Die kleinen Sporer erreichen also ohnedies die 30-Mark-Grcnzc nicht. Es wird darauf hingewiesen, daß auch in der Zeit vom Donnerstag bis zum Dienstag nur einmal Abhebungen gemacht werden dürfen. Auch im Berliner Banken» iertel herrscht heute ein lebhafterer Verkehr. Einesteils werden Summen für Löhne und Gehälter abgehoben, andererseits können ab heute wieder Schecks vorgelegt werden. Allerdings unterliegt die Einlösung der Schecks noch den allgemeinen Beschränkungen des Zahlungsverkehrs.. I entscheid organisieren. Es ist dies ihre Pflicht, wenn sie nicht wollen, datz die kommunistisch« Bewegung, daß die Kommu- nistisch« Partei in der heutigen Situation, einer Situation von rcvo- lutionärem Charakter, als selbständige Kraft ausgeschaltet und da- durch zugrunde gerichtet wird." Die sozialdemokratischen Arbeiter müssen jetzt den tom- munistischen Arbeitern zeigen, wohin sie eine Politik führt, die mit der Parole„Regierung des Mondes" sie einst verhöhnte und die sie heute zum Stimmvieh für den Prinzen Auwi, den General von Mackensen und den Exkronprinzen machen will! Wer die sozialdemo- kratische Erziehung vergißt, wer den soliden Boden der deut- schen sozialdemokratischen Arbeiterbewegung verläßt, der wird von Stufe zu Stufe weiter heruntergestoßen, und schließ- sich heißt es dann, auf Befehl der kommunistischen Zentrale: Bon Stalin zum Stahlhelm! Kongreßbeginn in Wien Büro und Frauenkonferenz Wien, 24. Juli. Unter dem Vorsitz Vanderveldes trat gestern das Büro der Sozialistischen Arbeiter-Jnternationale zusammen. Anwesend waren: G i l l i e s- England, B r a ck e- Frankreich, W e l s- Deutschland, Albarda-Hollond, Mocller-Schweden, Grimm-Schweiz, Modigliani- Italien, Abramowitsch-Rußland, Baucr-Ocsterreich, Adler(Sekretär) und van Roosbroeck(Kassierer). Das Büro beriet über die Orga- nisation und das Arbeitsprogramm des Kongresses. An dem heutigen Beginn des Internationalen Sozialistischen Frarentongresses nahmen etwa 300 Frauen, Delegierte von Sterlchl von der Arbeiter Olympiade im SporUeil 27 Ländern, teil. Rationalrätin Adelheid Popp hielt im Namen der sozialistischen Frauen Oesterreichs die Begrützungs- anspräche an den Kongreß, in der sie u. a. auf den Aufstieg der sozialistischen Frauenbewegung hinwies, deren Vertreter in zahl- reichen Ländern auch wichtige Ministerposten besetzen konnten und der Ende 1939 1 282 586 Frauen angehörten. Das Ziel der sozialistischen Frauenbewegung mützte sein: noch mehr Einfluß zu gewinnen als bisher und insbesondere auf die Gestaltung des Mutterschutzes und die Verbesserung der Lage der Ar- beiterinnen hinzuwirken. Sodann begrüßte Bürgermeister S e i tz im Namen der Sozialdemokratischen Partei Oesterreichs den Kongreß. De Brouckkre entbot die Grüße der Sozialistischen Inter- nationale, wobei er u. a. ausführte: Die gegenwärtigen Ver- Hältnisse zeigen, daß die menschliche Gesellschaft mehr Zu- sammenhalt, mehr Liebe, mehr Familiengeist braucht. Den Frauen steht hier eine große Aufgabe bevor. Zum ersten Thema:„Die Wirkung der politischen Reaktion auf die Frei- heit der Frau" sprach Toni Sender- Deutschland, die am Schluß dem Kongreß eine Resolution vorlegte, die u. a. besagt: Der Faschismus bedroht nicht nur die allgemeinen sozialen und politischen Errungenschaften, sondern er gefährdet auch im besonderen die politischen Rechte der Fron und ihre Unabhängigkeit in Gesellschaft und Beruf. Er peitscht die nationalistischen Leiden- schaften auf. Die iu der Sozialistischen Arbeiter-Jnternationale zu- sommengeschlossenen Frauen sind sich daher ihrer Pflicht bewußt, im Kampfe gegen Faschismus und Reaktion in vorderster Front stehen zu müssen. Kein Hubertusstock. Außenminister Sttmson am Sonnabend hier Der amerikanische Außenminister Stimson wird am Sann- abendnachmittag um 5.06 Uhr in Berlin eintreffen. Der Besuch gilt als inoffiziell. Der englische Außenminister Hendcrson wird am M o n t a g- vormittag 8.38 Uhr in Berlin eintreffen. Ministerpräsident Mac- donald wird im Flugzeug auf dem Lustwege am Montagnach- mittag im Flughafen Tempelhof eintreffen. Die englischen Minister werden im Hotel K a i s e r h o f absteigen und bis Mittwoch in Berlin bleiben. Der Besuch von Hubertusstock fällt aus. Es wird heiß. Heute Mittag 30 Grad Wärme in Verlin. Unter dem Eiofluh eines ständigen Druckanstieges hak sich das wekker seil gestern grundlegend geändert. Es herrsch« endlich schönstes Sommerweller und die vielen Aerienreisenden, die schon olle Hoffnungen auf eine baldige Wetteränderung aufgegeben hatten, dürfen aller Voraussicht„ach für die zweite Hälfte der grosteu Zerien auf einigermaßen beständige» Sommerwetter rechnen. Wenn auch nicht mit Sicherheit eine längere Schönwetterperiode vorausgesagt werden kann, so ist doch wenigstens für die n ä ch ft e n Tage mit heiterem und sehr warmem Wetter zu rechnen. Allerdings bringt die starke Temperatursteigerung die Gefahr zu Gewitterneigungen mit sich. Ein kühler Ge- witterregen kann aber bei der Hitze nur wohltuend empfunden werden, im allgemeinen dürfte aber die Regenperiode zu Ende sein. Unser Gebiet steht unter dem Einslutz eines weitverbreiteten H ochs, das mit seinem Kern über Polen und Westruhland liegt. Dos Hochdruckgebiet dehnt sich noch weiter»ach Norden aus. Ein- über Island lagernde starke Depression dürfte für Mittel- curopa kaum eine Gefahr bedeuten, da über ganz Westeuropa süd- lichc Winde hinwegslietzen, was nach Ansicht der Meteorologen für die Wetterlage nicht ungünstig ist. In Berlin stieg das Thermometer, das um 8 Uhr 21 Grad Wärme anzeigte, mittags bis auf 30 Grad. Die Skgla zeigte ober weiter Neigung, noch höher zu gehen. Noch vor drei Tagen betrugen die höchsten Temperaturen knapp 15 Grad. Macht Schluß! Die Ausreifesteuer faktisch aufgehoben. Die Ausrcisesteuer ist ein verunglücktes Experiment. Man soll sie schleunigst wieder ausheben und den paar Leuten, die sie bezahlt haben, ihr Geld zurückgeben. Ein solcher Entschlutz scheint uns würdiger und ehrlicher als die jetzt beliebte Methode, in die Verordnung durch„Ausfüh- rungsbestimmungen" so lange Löcher zu schießen, bis nichts mehr von ihr übrig bleibt. Seit gestern genügt der jederzeit leicht zu vollziehende Eintritt in einen Wander- oder Gebirgsverein, um sich die Bc- sreiung von der Ausreisesteuer zu sichern. Wer muh denn überhaupt noch zahlen? Höchstens ein ganz dummer Kerl, der von den zahl- reichen Wegen zur Steuerumgehung keinen einzigen kennt, oder ein Pechvogel, der ganz plötzlich über die Grenze muß und keine Zeit mehr hat, sich Steuerfreiheit zu verschaffen. Es ist genug der Verwirrung oder Verärgerung und der wirt- schaftlichcn Schädigung. Man gebe zu, daß es cin Miggrifs war und man korrigiere ihn schleunigst! Arbeiiergespräch. Was die kommunistischen Arbeiter zu den Stahlhelm- Kommunisten sagen. Die rechtskommunistische„Arbeitcrpolitik" gibt das folgende Stimmungsbild aus einem Grotzbetrieb wieder: „Wie sich praktisch die neueste„Leistung" der KPD.-Führung in den Betrieben auszuwirken beginnt, darüber die nach- stehenden wahrheitsgetreuen Arbeitergespräche in »in-m Berliner Grotzbetrieb. �Nun mutz ich mir ja einen Stimmschein besorgen, damit ich in iicincr llrlaubszeit wählen kann", sagt ein Kollege zum KPD.- Genossen. „Wählen? Wann und was willste denn wühlen?" fragt dieser erstaunt.. „Na, am 9. Zlugust ist doch der Volksentscheid!" „Mensch, biste denn verrückt geworden, von wem haste Kenn det, der Volksentscheid geht doch vom Stahl- Helm und den Nazis aus, damit haben doch die Arbeiter nichts zu tun", erwidert aufgeregt der Genosse. ,Ma, nu hör aber uff", sagt da der Kollege,„eben hat mir erst dein Genosse D. gesagt, daß sich die KPD. daran be- t e i l i g t." Betroffen sieht uns der Genosse an. Ich spreche mit ihm, mache ihm in kurzen Worten die politischen Auswirkungen dieses Schrittes der KPD.-Führung klar. Er antwortet noch niit einigen„Wenn" und„Aber". Cr will sich informieren, es kann doch nicht wahr sein. Zu Feierabend kommt er ganz niedergeschlagen zu mir. „Ich habe mir die Sache hin und her überlegt, die B e- teiligung der KPD. am Volksentscheid läuft ja auf eine direkte Unter st ützung der Faschisten hinaus!" Ein grotzes Kartenhaus revolutionärer Illusionen, Wünsche und Hoffnungen kracht zusammen." Sonnabend vormiitag Kabineiissihung Vor neuen Maßnahmen auf wirtschaftlichem Gebiet. Nach der am Sonnabend früh erfolgenden Rückkehr des Reichskanzler» Brüning und des Reichsautzenminijlers L u r t i u s wird voraussichtlich noch am Sonnabendvormitlag eine Sitzung des Reichskabinetts staltsinden, in der zunächst Brüning und Turtius über die Londoner Konseren; Bericht erstatten iverden. Außerdem werden auch die weiteren Blaßnahmen aus wirtschaftlichem und finanziellem Gebiet durchgesprochen, die nach dem Ausgang der Londoner Beratungen erforderlich sind. Die Beratungen über die Wirlschaftsmatznahmen dürsten mehrere Tage in Anspruch nehmen. Es ist anzunehmen, daß der Reichskanzler im Lause de» Sonnabend auch noch dem Reichspräsidenten Vortrag halten wird. Neue blutige Kämpfe in Sevilla. Vis jeht 20 Tote. Bl a d r i d, 24. Zuli.(Eigenbericht.) Am Donnerstag kam es in Sevilla und Umgebung wieder zu Zusammenstößen zwlsckicn Syndikalisten und der Polizei, als streikend« Syndikalisten Acrhaslele aus einem Aulobus befreien wollten und die Polizei cingrisf. entstand ein heftiges 5 e u e r. g c f c ch t, das vier Personen das Leben kostete. Insgesamt haben am Mittwoch und Donnerslag 20 Blenichen ihr Leben eingebüßt, 140 wurden verwundet, darunter viele sehr schwer. Auf Anordnung der Regierung sind in ganz Spanien die syndikalistischen 0rgonisalionen verboten worden. Ihre Zentralstellen wurden geschlossen, ihre Führer verhaftet. Zeppelin in Fahrt Glatter Start in Friedrichshasen/ Gegen 5 Llhr in Berlin Friedrichshafen, 24. Zuli. Da» Luftschiff„Graf Zeppelin" ist um g.47 Ahr zu seiner Arklis- fahrt gestartet. Der Ausstieg ging trotz ziemlich stanken Westwinde» glatt vonstatten. Die riesige Menschenmenze brach in begeisterte Hochrufe aus. Professor Samoilowitsch erklärte vor der Absohrt. er Halle es nicht für ansgeschlosicn. daß auf dieser Expedition neues Land entdeckt werde. Die Landung in Verlin wird gegen 17 Uhr erfolgen. Schon in be» frühen Morgenstunden stellten sich Hundert- von Menschen vor deni Werstgeläudc auf. ifin 8l- Uhr kamen die ersten Passagiere und Besatzungsniannschasten mit ihren Angehörigen, Dr.'Eckener in Begleitung seiner Eattrn und Tochter, in d-e Halle. Apparate für Tonsilmausnahmen und zur Uebertragung aus de» Rundfunk waren aufgestellt. Bon der Küche des Kuroarten- Hotels wird noch frischer Proviant in das Schijs gebracht. Schutzpolizei beamte erscheinen in der Halle, um die Abspcrrungsmatznah- inen diirchzusühren. Um 8.45 Uhr werden die Lustschissmotoren und der Elektromotor in Gang gesetzt. Im Büro von Kapitän Leh- mann hat Dr. Eckener noch eine kurze Unterredung niit den Luft- schifführern und mit dem Führer der Arktisexpedition, Samoila- witsch. 9.15 Uhr kommt der Omnibus on und bringt die Fahrgäste in die Halle, die alsbald an Bord des Schisses gehen. An Bord des Schisses sind 30 Besatzungsleute, darunter Dr. Ecken- c mit den Luftschisführern Lehmann, Flcmming, v. Schiller und Prutz sowie 16 Passagiere. Frostsicherer Wasserbattast. Das Lufischiss„Graf Zeppelin" wird voraussichtlich am Sonn- abendsrüh von Berlin nach Leningrad weiterfahren, wo gleichfalls nur ein nächtlicher Aujentlzalt vorgesehen ist. In Leningrad werden außer Benzin 3 Tonnen„frostsicherer Wasserballa st" eingefüllt: outzerdcm wird hier mit 5>ils- der von Friedrichs- Hafen nach Leningrad geschickten Wasserstoffanlage das Traggas er- jetzt werden. Bei der eigeniliihen Polarfahrt wird dos Luftschiff „Graf Zeppelin" so viel Betriebsstoff an Bord haben, datz sich dos Lustjchiss beim gleichzeitigen Arbeiten von vier Moybachmotoren 140 Stunden in der Luft halten kann. Es wird mit Auftrieb fahren, da das Luftschiff iin Gewichtsdurchschnitt um einige Tonnen leichter gemacht worden ist. Die Wetterbcdingungen werden vorläufig als lehr gut bezeichnet, und man nimmt an, datz das Thermometer im Polargebiet nur wenige Grade unter Null zeigt. Der Silldent- ein Schilldner der Aaliov Minister Grimme bei den republikanischen Siudenien Der kreis Berlin des deutschen Sludenlenverbandes vcranslaltele gestern im Plenarsaal de» Reichswirlschaslsrale» seine Der» sassungsfeier. Die hanptansprache hielt der prevtzische ZNinister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung, Dr. Grimme. Nachdem die Kammermusikvereinigung Milando zwei Sätze ans Franz Schuberts opus 163 zum Vortrag gebracht»nd der Kreis- leitcr stuck, zur. Fritz Wehn er kurze Begrühungsworte ge- sprachen hatte, nahm der Minister das Wort: „Ich brauche gewih nicht zu betonen, datz ich zu der Jugend, die zu unserem Staat, zur Deutschen Republik, aus einer inneren lieber- zrugtheit steht, mit einem Gefühl starker V-rbundenheit spreche. Sie ist um so stärker, als unser Staat sich in diesem Zlugcnblick in einer ganz großen und so starken Bedrängnis befindet, wie sie ihn seit Krieg und Inflation nicht getroffen hat. Wieder erleben wir, was es für jeden heißt, mit seinem Volt schicksalsverbunden zu sein. Es ist trotz alles Dumpfen und Lähmenden ein Stück Gemeinschafts- erlebnis, und gerade das Gefühl der Wegverhangenheit legt uns die Verantwortung auf, daß wir nicht unbedacht aus bloßen Trieben handeln. Dos trifft vor allem auch den Studenten, vom ersten Tage seines Studium« an ist und bleibt er. auch wenn er längst die Universität verlassen hat, ein Schuldner der Ration. Seine Studiengebühren sind nur ein Bruchteil dessen, was die Gesamtheit der Steuerzahler aufbringt, damit er zum Studium Gelegenheit hat. Niemals fvkl er vergessen, welches Vor- recht es ist, sich ein paar Jahre geistigen Dingen zuwenden z» können, ein Vorrecht, das kein Anrecht einschließt, sondern ein Geschenk, das eine Verpflichtung bedeutet. Es scheint nicht, als sei dies sittliche Bewntztfein in jedem, der sich auf den Hochschulen „studicrenshalber" ausholt, lebendig. Denn wer statt mit Kopf und Kollegheft, mit Tränengas und Fäusten seiner seltsam mißverstandenen Arbeit obliegl, besitzt dies Gefühl siltlicher Verpflichtung nicht, er, ein Schuldner der Ralion, wird zum Schädling der Ration. Vielleicht will er die Tatsache nicht wahrhaben, mit der jeder Studierende sich abfinden mutz, daß der Akademiker in Deutschland nie mehr die Rolle spielen wird wie in der Zeit des bürgerlichen Hochkultus! Gerade aus dieser Erkenntnis heraus aber darf er sich nicht zum Tröger unfruchtbarer Rebellion machen, sondern mutz das Positive suchen, das darin liegt, das Los des Pro- letariats zu begreifen und nach dem Zusammen» finden von Student»nd Proletariat zu streben. Was heißt Student sein? Richks anderes als sich im Stadium der ZNeinungssuche befinden! Studieren heißt, den Weg von Vorurteil zum Urleil gehen und klarwerden wollen. Wie schmerzlich, daß es Studenten gibt, die einfach stehen- bleiben, noch ehe sie begonnen haben, die, statt das Dasein zu entdogmatisieren, Begrisfe, die ihnen zugeflogen sind, zum Dogma umabsolutieren. Wohl gebärdet sich mancher radikal, aber er sollte wissen, daß er das Wesen wahrer Radikalität nicht erkannt hat. Ein Student kann nicht radikal genug sein, er soll nichts ungeprüft lassen und mir ans seine eigene Schau trauen. Das ist erste Voraus- setzung zu echter Führerschaft. Der Radaustudent hat diese Un- abhängigkeit niemals gegenüber Programmen und Schlagworten gewonnen. Wer führen will, muß auf Nachlaufen verzichten. Es gibt keine besondere studentisch« Ehre, es sei denn die eines unbeirrten Willens zur Sache. Der Student verdränge aus seinem Denken das Schlagwort und gelange zur Erkenntnis, daß wir nur weiterkommen, wenn wir an die Stelle der Dumpfheit und der übernommenen Vorurteile geklärte Begrisfe setzen. Wer diesen Sinn des Studiums bezahl, kann sreilickz nur mit Scham über den Wangel an diesem Sinn für die studentische Ausgabe an die Vorkommnisse aus den Universitäien in den letzten Wochen denken. Sie waren ein verrat am Sinn de» Studiums und an der Universitätsidee. Student ist nur, wer Freiheit zur autonomen Selbstverwaltung ford?rt und für das Wachsen der eigenen Person benutzt. Diese Freiheit der Entscheidung entspricht jener Haltung, die Weimars Verfassung van jedem deutschen Bürger fordert. DerStaat von Weimar ist das Palladium dieser Freiheit. Wer ober schon in feinen Studienjahren die blinde llnterwersung unter einen fremden Willen propagiert, der unterhöhlt die Voraussetzung des Studiums: Die akademische Freiheit. 3n einem viklaturstaat gibt es nicht die Freiheit, daß jeder werden kann, woraus sein Wesen angelegt ist. eine Freiheit, wie sie die soziale Lemokralie erstrebt. Darum vergäße unser Staat seine Pflicht gegenüber seiner eigenen Idee, die nicht Einförmigkeit, sondern Mannigsaltigkeit der Person- lichkeitcn verlangt, und er vergäße seine Pflicht gegenüber der Ilni- versität zugleich, wollte er die Idee der Freiheit nicht schützen gegen jeden Totengräber freien Wachstums.(Lebhhafter Beifall.) Freiheit kann unmöglich heißen, jede Meinung wild wachsen lassen, und Freiheit ist nur möglich auf dem Fundament der Anerkennung dieser Freiheit. Mit aller Deutlichteil ist deshalb zu betonen, daß. wenn gegen die Stoßtrupps der Feinde der Arbeilssreihcit aus den Universitäten die überlieserlen Mittel zur Ausrechlerhaltung der Ordnung nicht ausreichen, dann vom Staat neue zu schassen sind. Da gibt es kein Paktieren, weil hier nicht mehr bloß Richtung gegen. Richtung steht. Hier steht die Möglichkeit der freien Meinungs- äußerung und ihrer Unterbindung im Kampf auf Tod und Leben. Es handelt sich nicht mehr um«inen Ringkampf zwischen dieser und jener Meinung, sondern uin Schutz der Meinung»- freiheit gegen Mcinungsuntcrdrückung.(Stürmische Zustimmung.) Welche schmerzliche Verwirrung der Gefühle, wenn jemand gegen diese Freiheit Stunn läuft und sagt, er tue es aus Lieb« zur Freiheit der Ration! Die Freiheit der eigenen Ration aber beding! zugleich die Freiheit der anderen Rationen. Wie groß die Not um diesen Kampf ist. das zeigen diese Wochen internationaler Hochspannung wahrhaftig zur Genüge. Die Not sollte uns freimachen von Illusionen und uns nicht Illusionen mit Ideen verwechseln lassen. Deutich, akademisch und Ethos der beut- schen Republik ist der Imperativ: Werde ein idee-ersüllter, ak�r illusiensloser Mensch! Das Deutschland des Geistes und des freien Willens verlangt den heroischen Studenten, der mehr am Bau der Zukunft hilft als der Lärm aller Reden und als aller Rodau, der immer dem am nächsten liegt, der von Heroismus am weitesten entfernt ist. Es ist ein harter Weg, er führt durch Hunger und durch Rot.„Wi sitt davör, wi möt dadör", sogt der Nieder- sachj«. Hart oder nicht hart, wir müssen geradeaus marschieren, weil wir oerspüren, daß die deutsche Nationalidee bei uns ist. Ich danke Ihnen, daß Sie dies durch Ihr Bekenntnis zur deutschen Republik bezeugen."(Stürmischcr, anhaltender Beifall.) Der junge Chor sang ,F)ebt unjrc Fahnen in den Wind". Es sprachen weiter Geheimrat Prof. Dr. F. M e i n c ck e von der Ilni- versität und Professor Dr. T i m p c von der Technischen Hochschule. Zum Schluß legte D i p l.- I n g. H e i n r i ch K a u n ein Bekenntnis der wahren studentische» Jugend zur Republik ab. Der gemeinsame Gesang der Nationalhymne beschloß die Veranstaltung, zu der viele wegen Ueberfüllung keinen Zutritt mehr hotten finden können. Elfjähriger Einbrecher. Veim nächtlichen Einbruch festgenommen. Eine große Ueberroschvng erlebte in der vergangenen Rachi der Wächter de» Grundstücks holzmarkkstraße 15—18, ol» der Hund plötzlich heftig cnschlug und durch die erbrochene Tür der Lebensmittelspedilion von S ch w i n s k y in das Innere der Räume lies. Es erhob sich sosort ein jammerndes 1j i l f e g e s ch r e i einer Kinderstimme, und als der Wächter sich den nächtlichen Besucher näher ansah, entdeckte er einen Dreikäsehoch, der unter den Lebens- mittel» schon Auewahl gehalten und ein Paket zusammengepackt lzatte. Da der Junge, der kaum älter als 11 bis 12 Jahre war, un- möglich ollein den Einbruch oerübt haben konnte, sah sich der Wächter nach den mutmaßlichen Helfern um, lind tatsächlich standen vor dem Grundstück zwei Jungen Schmiere, die beim Auf- tauchen des Wächters die Flucht ergriffen. Der jugendlich- Dieb wurde zum nächsten Polizeirevier gebracht. wo sich herausstellte, daß es sich um den elfjährigen Alfred Kosch aus der Kolonie Einigkeit an der Landsberger Chaussee handelte. Der Junge hat noch mehr aus dem Kerbholz, so hat er seit Februar überhaupt keine Schulbank mehr gesehen. Heute vormittag sind die Eltern des völlig verwahrlosten Kindes vernommen worden. Der Junge wird zweifellos einem Heim überwiesen werden. Benzmexplosion in der Garage. Ehauffeur gefährlich verleht. Bei Reiniyungearbclten In der Garage einer Wellpoppenfabrik in der Glasowstraße 46 47 in Neukölln erlitt heut« früh der bZjährige Ehavsseur Walker Zander au» der Rlngbahnstraße 16 lebensgefährliche Verletzungen. Zander war an einem Elektromobil beschäftigt und Hontiertc an dem Wagen mit einer Benzinkanne. Plötzlich explodiert« der Inhalt der Kanne, und der Chausseur erlitt am ganzen Körper schwere Brandwunden. Schwer verletzt wurde Z. in das Buckower Krankenhaus gebracht. 3)ie tKreditkrife und ihre ffleitung Orensen der SelbUhitfe.- Dis Teranltvoriung der Sieichsbank/ Ton Ludolf miferding Im neuesten Heft der �Gesellschaft" vcr- öffentlicht Rudols chilferding unter dem Titel „Unheimliche Tage" Betrachtungen über die deutsche Krcdittrisc, denen wir das solgende entnehmen: Die Jlhsieluwg der Jlushmdsgufimbcn. Die Fortdauer der Devisen- und Goldabzüge bewirkte einmal die immer raschere Annäherung an den Punkt, a» dem die Devisen- und Goldbestände der deutschen Wirtschaft erschöpft sein würden. weitere Zahlungen an die ausländischen Gläubiger nicht mehr geleistet werden könnten. Da es sich um private Verpflichtungen der deutschen Banken und Industriellen handelt, würden diese zahlungsunfähig werden, denn die Deutsche Reichsbonk wurde, auch wenn sie sich um die Deckung der Noten gar nicht bekümmerte und ihren ganzen Gold- bestand für die Zahlung d»? Auslandsschulden einsetzte, damit die Erfüllung der Au-landsforderungen trotzdem nicht ermöglichen kvnnen. Denn die Auslondssorderungen dürsten auch jetzt noch trotz der erfolgten Rückzahlungen, die seit Mai mehr als zwei Milliarden betragen, die in Deutschland vorhandenen Devisen um inindestens zwei bis drei Milliarden Mark übersteigen. Die Fortdauer der Abzüge durch das Ausland mußte also zur rasch fortschreitenden Erschöpfung der Devisen- und Goldbestände der Reichsbank und der Devisenbestände der Banken, damit zur Zahlungseinstellung der Banken und anderer Devisenschuldner führen. Es ist ober unmöglich, alle Gold- und Devisenbestände völlig verschwinden zu lassen. Die Fortdauer der Zahlungen müßte also bald aushören, indem man ein Moratorium für die ausländischen Zahlungen, also die Aufhebung der privaten Erfüllungsverpflich- tungen, von Staats wegen statuierte— eine Art wirtschaftlicher Staatsstreirf). Ein solches Moratorium würde Deutschland aus dem weltwirt- schaftlichen Kreditverkehr mit einem Schlage ausschalten. Die Einfuhr würde zunächst vollständig stocken: neue Einfuhr würde nur gegen bare Zahlung, d. h. gegen Hingabe von Gold und Devisen, die nur im geringsten Umfang noch verfügbar werden, erfolgen können: aber auch die Ausfuhr, die zu einem sehr beträchtlichen Teil vom Ausland finanziert wird, würde zunächst in Verwirrung geraten: es müßten schwer durchführbare Maßnahmen ergriffen werden, um die Ablieferung der Exportdeoisen an die Reichsbonk zu sichern, um mit ihnen den dringendsten Einsuhrbedarf sicherstellen zu können. Die inländische Produktion würde durch das Versagen des Außenhandels sofort s ch w c r st e Rückschläge er- leiden: wir würden zu Maßnahmen der Zwangswirt- s ch a s t genötigt sein. Grensen der SelbSlhilfe. Es gibt gegen die Abzüge des Auslandes keine enlscheidende Abhilfe von innen her. Man nmß einsehen, daß„na t i o n a l e Selbsthilfe" in einer solchen Paniksituation nur sehr be- schränkte Möglich keifen hat und keine, die nicht auf die Wirtschaft' katastrophal zurückwirkten. Deshalb muß es ober st es Ziel bleiben, die Kreditab Ziehungen zum Stehen zu bringen. Dazu gehören einmal Verhandlungen mit den Auslandsgläubigern, um sie zu bewegen, stillzuhalten und weitere Kündigungen zu unterlassen. Da augenblicklich schon durch die Bontfeiertage ein zeitweiliges Moratorium besteht, die Zahlungs- einstellung bei Fortdauer der Abzüge unvermeidlich würde, ist eine solche Vereinbarung, die freilich schon früher hätte oersucht werden müssen, wohl zu erreichen. Das souveräne Mittel bleibt aber die Erlangung eines neuen Kredits, hoch genug, um das Mißtrauen der Gläubiger zu be- siegen und die Ersüllungsmöglichkeil sicherzustellen. lknd deshalb ist es richtige Politik, wenn die Regierung alles daran- setzt, einen solchen Kredit zu sichern. Den Kun im dnnern. Zum zweiten hat das Mißtrauen des Auslandes sich nach innen fortgepflanzt. Die Goldabzüge haben der Reichsbonk die Jnne- Haltung der Notendeckungsgrenze immer mehr erschwert und zuletzt uninöglich gemacht. Die Position der Großbanken war geschwächt. Di« Schließung der Darmstädter und Nationalbank löste schließlich den Run auf alle Banken und Sparkassen aus und führte zur vor- übergehenden Schließung und dann zur äußersten Beschränkung der Auszahlungen sämtlicher Geldinstitute. Die Kreditorganisation hörte aus zu funktionieren.* Zur Beseitigung der Panik gibt es nur einen Meg. die Besriedi- gung des Zahlungsmittelbedarfs. die Auszahlung der zurück- verlangten Einlagen. Funktionieren der Kreditorganisation bedeutet, daß der größte Teil der Zahlungen durch Schecks, durch Uebertragungen auf den Bank- kanten, kurz„bargeldlos" beglichen wird. Beim Versagen der Kredit- vlganisation müssen alle diese Zahlungen bar, im gesetzlichen Zahlungsmittel, also in Noten, erfolgen. Die Note ersetzt die Kreditzahlungsmittel. Die Zahlungsmittelmenge. die Gesamtzirkulation, wird nicht vermehrt, nur die eine Zahlungsmittel- ort durch die andere ersetzt. Davon Inflation zu befürchten, während es sich nur um Kompensation einer plötzlichen, ungeheuerlichen Kon- traktion de» Zahlungsmittelumlaufs infolge Einstellung der Bank- tätigkeit handelt, ist— Ignoranz. Aber die Note soll ja in der Panik nicht nur Zirkulationsmittel anderer Art ersetzen, sondern auch der Zurückzahlung der Guthaben dienen. Nun diese Guthaben, die Depositen, waren ja gerade die Grundlagen, auf denen der Scheck-, der ganze bargeld- lose Verkehr beruhte: solange sie nicht zurückkehren, bleiben eben die auf Kredit beruhenden Zahlungsmittel kontrahiert und der erweitert- Notenumlauf erforderlich. Aber was geschieht mit den Noten, die zur Auszahlung der Guthaben verwandt werden? Der größte Teil wird zunächst eingesperrt, thcsauriert. Soweit dies geschieht, die gc- hamsterten Noten also nicht als Zirkulationsmittel funktionieren, können sie überhaupt keinen Einfluß auf die Preis- geftaltung ausüben. Ein anderer Teil wird vielleicht in Devisen zu verwandeln gesucht. Aber hier wirken Restriktion, Diskonterhöhung und Devisen- ordnung aufs äußerste hemmend. Ein« größere Gefahr kann hier nicht entstehen: denn die Wirtschaft steht unter dem Druck der Knapp- heit an Mark: nötig, um ihre fälligen Verpflichtungen zu erfüllen. Schließlich werden vielleicht Sachwerte angeschafft. D:? Noten fließen aber dann an den Verkäufer der Waren. Wird er b:i der Kreditrestriktion, bei der Befürchtung, bereits eingeräumte, jetzt außerordentlich verteuerte Kredite zurückzahlen zu müssen, mit den Noten etwas anderes tun können, als sie für feine Verpflichtungen bereitzuhalten, Löhne oder Rohstoffe zu bezahlen und den verbleiben- den Rest in die Bank einzuzahlen, die er wieder für sicher hält? Die Teranlrcorlung der fteidisbanh. Der B o r g a n g, um den es s i ch handelt, hat also mit Inflation nicht dos gerin gfte zu tun. Inflation entsteht und kann nur entstehen, wenn Noten für außerwirtschaftliche Zwecke, für den Bedarf des Staates gedruckt werden. hier ober handelt es sich um ein wirlschaftliches vedürfnis, um den Ersah der kreditzirkulalion durch Roienzirkulation. Die Reichsbonk aber hol gezögert, dieses einzige Mittel anzuwenden. Sie hat gefürchtet, die Deckungsgrenze allzusehr herabzusetzen, ob- wohl die absolute Deckungshöhe mit der Sicherheit der Währung nichts zu tun hat. Als 1847 die Kreditkrise in England zur Panik führte, suspendierte die Regierung am 25. Oktober die erst drei Jahre vorher in Kraft getretene, als Allheilmittel gegen olle Geldkrisen gepriesene Peels-Act, beseitigte damit die gesetzlichen Fesseln der Notenausgabe, und in kurzem war die Panik vorüber. Dasselbe wiederholte sich zehn Jahre später, und wieder wurde im November 1857 das Bankgesctz suspendiert. Und dieselbe Lekche erteilen die Paniken, die 1907 das amerikanische und 1927 das japa- nifchc Kreditsystem erschütterten. Hölle die Reichsbank nach diesen Lehren gehandelt, die Schließung der Danalbank, die vankfeieriage und der Run hätten uns erspart bleiben können. Jedenfalls ist das teilweise und ungeordnete inländische Moralorium. das sie bedeuten, keine Lösung. Den» dieser Zustand kann unmöglich lange fortdauern. Sollen die Banken wieder funktionieren, dann müssen sie die an sie gestelltem Ansprüche befriedigen, dann müssen sie zahlen, und zahlen können sie, solange der Kreditverkehr stockt, nur mit den Noten der Reichsbank. 5m Gegensatz zur Krise, die vom Zlusland durch seine Zurückziehungen hervorgerufen ist und nur mit dem Ausland zusammen gelöst werden kann, läßt sich der Krise, die durch die Panik im Innern erzeugt worden ist, mit eigenen Mitteln, durch Selbst- Hilfe herr werden, und der Zwang der Ereignisse, der Zwang. die Funktion der Banken, des Kreditsystems wiederherzustellen, wird diese Mittel erzwingen. Längeres Zögern der Reichsbank würde mur die Heilung hinausschieben! Sie Filmkrife: Stummer oder Tonfilm? Von Hans Taussig In der Filmindustrie und im Kinogewerbe spielt sich gegenwärtig ein Kampf ab, von dessen Auswirkungen sich der Außenstehende nur entfernt«in Bil>d machen kann. Es ist auch in Filmlaienkreisen be- könnt, daß seit der Zeit des unumschränkten Regimes des Tonfilms mehrere Lichtbildtheaterbesitzer trotz der Diktatur der Verleih- konzerne und der Produzenten mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln versucht haben, sich gegen die Vergewaltigung ihres Ge- fchmacks und ihrer geschäftlichen Dispositionen zu wehren, und dem stummen Film treu zu bleiben. Der weitaus größte Teil der Licht- fpieltheaterbefitzer jedoch hat sich dem legalen oder illegalen Zwang, sich zum Tonsilm zu betehren, nicht entziehen können, und hat eine Tonfilmapparotur eingebaut, die nun den Erzeugnissen diefer neuesten Unterhaltungsgruppe diente. Der Tonfilm kann jetzt, da er ein Alter von zwei Jahren erreicht Hot. endlich Gelegenheit geben, nach seinen Meriten und Fehlern umfassend beurteilt zu werden. Trotz aller Anerkennung, die man der gewiß noch jungen und recht unfertigen Tonfilmtechnit zollen kann, bleibt bei der Betrachtung der künstlerischen Seite der Angelegen- heit ein großes Manko zu konstatieren, das zunächst einmal in der Unfähigkeit vieler leitender Köpfe des deutschen Films, sich Kräfte und Könnev heranzuziehen, zu suchen ist. Es blieb eine leichte Praxi«, die in der Technik geläufig war: man nahm, ohne erst mit Neulingen zu experimentieren, die alten Kräfte der stummen Film« heran, und erzog sie-- nicht, wie es richtig gewesen wäre, zum optischen und akustischen Denken, sondern zur Transponierung der alten, bereits muffigen und recht verstaubten Schablone des stummen„Geschästsfilms" in die neue Dimension. Was aus dieser Praxis entstand, ist bereits mehrfach zu be- wundern gewesen: wer an der Kintoppmanier der Militär- und Heidelberg st osse, der Wiener Grinzing- r o in a n t i t und dem groben Kasernenhofhumor seinen letzten und innersten Gefühlen �Sesriedigung sindet, mag immerhin dieses Genre Film, das mit Kunst nichts, auch nicht das Geringste gemein hat. erträglich finden. Im allgemeinen jedoch— und zur Besserung des Niveaus ist das nicht unwichtig— hat der größte Teil des Publikums diese Art von Filmen abgelehnt, und sich zu einer ernsteren Aufsassung bekehren lassen, die am deutlichsten in den Demonstrationen ihren Ausdruck findet, die man jüngst auch in Lichtspielhäusern kleinerer Orte erleben tonnte. Man ist heute soweit, nicht jeden Unsinn widerjpruchslos über sich ergehen zu lassen, man ignoriert den Kitsch und hält sich an das Gute. Wie man im täglichen Leben jedes Unglück auf ein schwarzes Schaf abzuwälzen bemüht ist, so haben die Lichtspieltheatcrbesitzer in dem Prinzip„Tonsilm" den Sündenbock gefunden, an dem sie ihre Wut über die minderwertige Qualität der Filmproduttion der letzten Zeit auslassen zu können glaubten. Der Tonsilm aber ist ebensowenig an der systematischen Verschlechterung des Filmniveaus schuld, wie die Radfahrer am Weltkrieg. Er gab vielleicht den An- stoß zur Produktion leichterer Stoff«, weil seine Technik, seine Dreh- arbeit, zu teuer ist, weil die Miete nebst Lizenz- und Patentabgaben derartige Summen verschlingt, daß sich die Filmproduzenten in den weitaus meisten Fällen zunächst genötigt sahen, an irgendeiner Stelle zu sparen. Und da sich am Rohmaterial— im Tonfilmfalle also am Ton, der ja tatsächlich das Teuerste am Tonsilm ist— leider nicht sparen läßt, so sparte man-- am Stoff. Und zwar am Tuch, statt an der Elle... um diesen Vergleich zu gebrauchen. Man ersparte sich durchdachte, teuere Drehbücher und Manuskripte, man ersparte sich die vielen Unannehmlichkeilen, die es mit Autoren und Bearbeitern gibt, und-- ersparte sich auch eines: das Risiko nämlich, aus der alten, bewährten Erwägung heraus, daß es mit guten Geschästssachsn. mit Kasernenhofsilmen. Eheschwänken und Wiener herzensromantit kein Risiko gibt. Solche Sachen gehen angeblich immer. In Wirklichkeit- sieht die Sache natürlich ganz anders aus. Das gute Publikum, dem man durch Jahre und Jahrzehnte immer und stets eine gut- Sache in Serien vorsetzen mußte, dem mau einreden wollte, daß es, wenn ein Wiener Film gut war. nun auch alle anderen derartigen Stoffe bedingungslos akzeptieren müsse-- das Publikum streikte. Es fand die neuen Tonfilme in der alten Form grauenhaft, unerträglich—— und mied die Theater. Zuerst die kleinen, dann die großen. lind der Ruin eines Systems, eines Seriensnftems, dos sich in der Filmindustrie Mit einer bewunderns- werten Ausdauer festgefressen hat, war da. Jetzt ist man in der Filmindustrie so weit, einzusehen, daß man mit der Geduld der„Kundschaft" doch zu selbstherrlich umgesprungen' ist. Die Scheinerfolge großer ,. Kassenfüller" hoben sich später, bei kühlerer Aufnahme, als 5?ereinsälle herausgestellt, und nun. endlich. hat man sich zur Produktion ernsterer Stoffe und Themata durch- gerungen. Wahrscheinlich zu spät. Denn überall da, wo man bewußt oder nicht bewußt aus den geschäftlichen Erfolg losarbeitet, wo man Skrupeln und Rücksichten außer jeder Acht läßt-- gerade da Hot man sie zu nehmen. Und der Film, das wichtigste Instrument zur Beeinflussung der großen Masse, mutz vorsichtiger gehandhabt werden, im besonderen in der Gestaltung feiner Ausgaben und Stoffe, als das bisher meist der Fall war. Da tonn auch eine Geschmackszensur, die in der letzten Zeit oft und von reformistischer Seite sogar mit betonter Heftigkeit gefordert wurde, nichts ändern: es ist nur zu bedauern, daß erst eine trostlose Serie von Hoffnungs-- lofigteiten einsetzen mußte, ehe man sich auf der Praduzentenseite zur Einsicht und zur Ueberlegung bekehren ließ. Freilich darf nicht vergessen werden, daß man sich auch in rein regietechnischer Hinsicht die schlimmsten Fehler und Unmöglichkeiten zuschulden kommen ließ, ehe man das große Wunder des Tonfilms und seine unerhörten Möglichkeiten in gestaltender Hinsicht richtig einschätzen lernt«. Der Tonsilm steht heute, regietechnisch und niveoulich, auf dem Nullpunkt. Die Tatsache, daß in großen Lichtspielhäusern wieder stumme Filme laufen, sollte auch den arrogantesten unter den Per- fechtern des tönenden Bildes zu denken geben. Wattner-Theaier neu eröffnet. „Familie Hannemann." Den Mut soll man loben, wa man ihn trifft. Dorum sei hier auf Richard h a n d w e r t aufmerksam gemacht, der mit den Mitteln des Theaters,— bei niedrigsten Eintrittspreisen, freiem Programm, freier Garderobe und Erfrischung,— den Thcatermörder Kintopp bekämpft. Der Spielplan des Wallner-Theaters wird gründlichst umge. stellt: denn er soll in Zukunft weder dein politischen Theater noch dem Problcmstllck dienstbar sein, sondern einzig ein Vermittler froher Laune werden. Zur Erössnung fand sich die allbekannte„Familie hannemann" auf der Bühne ein, die sich ein junger Rechtsanwalt selbst an- dichtete, um seiner Tante Jutta aus Kalkutta das Geld aus der Tasche zu ziehen. Als dann die Geldgeberin höchstpersönlich auf der Bildslächc erscheint, setzen die üblichen Verwicklungen ein, die mit einer Serie von Verlobungen ihren Abschluß finden. Unter der Regie von Hugo G a u- h a m m wurde dieser Schwant nett gespielt. Die dankbaren Rollen wurden gut aus- genutzt, und bald war ein inniger Zusammenhang zwischen Bühne und Zuschauerraum geschaffen. Man freute sich über den Humor von Marianne B r a t t(Tante Jutta), Richard S c n i u s(Dietrich Bollerkopp) und Richard Handwerk(Sanitätsrat Mummelmann), Rudolf K o ch- R i e h l gefiel als der Rechtsanwalt in tausend Nöten und Hans Pargo machte sich ganz vorzüglich in seiner Doppelrolle. Wenn das Wallner-Theater sich bei der geplanten Pflege des Bolksstücks und der Schwanke von Plattheiten fernhält, kann es eine Ausgabe crsüllen. Es wird dann freudig von denen begrüßt werden, die das lebende Theater höher schätzen als die Tonfilmtonserve. e. st. Tagung der enlschledenen Schulresarmer. In Berlin wird vom 2. bis 5. Oktober der Bund entschiedener Schulreformer eine öffeNt- liche Tagung über..Jugend, Erziehung und Politik" ab- halten. Die Eröffnungsrede hält' der preußische Minister für Volks- bilduna, A. Grimme Der erste Tag ist der„Problematik der Politik", der zweite der„Erziehung im Kampfseld der Politik", der dritte der„Jugend und Politik" gewidmet. In einer Boltsversamm- lung sollen Redner der verschiedenen Jugendbünde über die politische Aufgabe der Jugend sprechen. Marliß Sonneborn wird die „Problematik der Jugend und die nationale Erziehung", Oberstudien- direktor Dr. Bömbcck„Uebernationale Gesinnung und pazifistische Erziehung" behandeln. Furtwängler in Bayreuth. Das Ereignis der Wöldner-Spiele war am Donnerstag das Erscheinen Furtwänglers am Pult im Festspielhaus: er dirigiene zum erstenmal ein Werk in Bayreuth. stark kontrastieren die beiden großen Bayreuther Dirigentenpersön- lichkeiten Toscanini und Furtwänglcr. Furtwängser faßte die Tristan- Musik herb und scharf kontrastierend an.««in« Tempi more« straff. Das Orchester, da« Furtwängler vor Monaten für die Festspiele zusammengestellt Hot, spielte unter seiner Leitung sehr ausgeglichen. Lujo Vrenlano gibt demnächst im Eugen, Diederichs-Aerlag in Jena seine umfassenden Lebenserinnerungen heraus, die neben den Familienerinncningen vor allem fein Wirken und feinen Kampf um die sozialpolitische Entwicklung Deutschlands enthalten von den 1860« Jahre» bis zur Gegenwart. Im Deutsch«« Kiinftler-Tbeatcr findet am»l. Juli eine Nachtver- stellung um 11 Uhr der„Schaystneker-Truppe" statt. Zur Uraitttühriing gelaunt der Schwant„Ter f r ö h l r ch e N e t ch§ t a g" von Alexandr Dcckcrle. Abenteurer Gras Stenbock. Ist Noöke an Gtenbocks Faulheit schuld? Unsere Feststellung, dag der Henker der lettischen B o l s ch e w i st e n von 1919, Graf Alexander Stenbock- F e r m o r, jetzt als„Sympathisierender" den Aufruf der elf Ossi- ziere für die Kommuni st en unterschrieben hat, ist der„Raten Fahne" sehr peinlich. Die vom Grafen Stenbock in seinem Buch „Freiwilliger Stenbock" selbst bezeugten Greueltaten kann die„Rote Fahne" freilich nicht leugnen. Aber sie findet eine famose Ausrede: an den Greueln der baltischen Weitzen und des Grafen sei— Koste schuld. Run ist die„baltische Landeswehr" nach Stenbocks eigenem Zeugnis bereits Ansang Dezember 1918 gegründet worden, also zu einem Zeitpunkt, als in Deutschland von Roske als Wehrminister noch keine Rede war. Aber auch dar- über hinaus bezeugt der Graf Stenbock mit grötzter Freimütigkeit die wirklichen Gründe, die ihn in die Landeswehr getrieben haben. Sein Buch beginnt nämlich mit folgender„Borstellung": „Damals, Ende 1918, war ich Schüler in einem Rigaer Real- gymnasium. Keine Aussicht auf Versetzung wegen Faulheit, Zerfahrenheit und B e r t r ä u m t h c i t. Dezember 1918 in Riga! Alles geht drunter und drüber. Die Reichsdeutschen ver- lassen das Land, bolschewistische Truppen stehen vor der Stadt. In grötzter Hast wird die„Battische Landeswehr" gebildet. Die gc- samte Jugend von Riga— Studenten, Schüler, Adlige und Bürger — meldei sich begeistert. Ich bin sofort dabei— mein erster Gedanke:„Endlich mal eine somose Gelegenheit, die verfluchte Schule für längere Zeit zu schwänzen."... So kommt es denn, dah ich als Frontsoldat den Feldzug gegen die Bolschewicken mitmache. Begeisterung und Faulheit treiben mich und dann noch etwas anderes: eine u n- bändige Gier nach dem Leben, nach wildcnund wüsten Abenteuern." Nun fragen wir die„Rote Fahne" um alles in der Welt: Was kann Noske für die Faulheit des Gymnasiasten Stenbock?— Aber ein anderes scheint uns einleuchtend: die„unbändige Gier nach wilden und wüsten Abenteuern" läßt sich jetzt offenbar am besten für einen Landsknecht von der Gesinnung des Grafen Stenbock in der kommunistischen Partei austoben, wo man— siehe Volksentscheid— zwar keine Spur von politischer Vernunft mehr findet, aber desto mehr politisches Abenteurertum. Deutschlands Reparationslast— verhindert die Wiederkehr des Vertrauens. London. 24. Juli. Die„Times" überschreibt ihren Leitartikel über die Londoner Konserenz mit den Worten„Eine verpatzte Gelegenheit". Deutschland habe weder eine langfristige Anleihe noch einen kurz- fristigen Kredit erhalten. Soweit also neues Geld in Frage komme, werde Dr. Brüning mit leeren Händen nach Deutschland zurückkehren. Wenn die Gläubigermächte versprochen haben, die in Deutschland befindlichen Gelder nicht zurückzuziehen, so sei das zwar wichtig, aber man könne es kaum ein Ergebnis nennen, das der eindrucks- vollen internationalen Konferenz würdig sei, so übereilt diese auch einberufen worden sei. Es würde in der Tot mützig sein, wenn man die Enttäuschung verheimlichen wolle, die allgemein in England über die mageren Ergebnisse einer Zusammenkunft empfunden werde, die so viel hätte dazu beitragen können, um die Welt wieder auf den Weg der Wohlsohrt zurückzuführen. Es fei nicht schwierig, die Gründe hierfür zu finden. Bon Anfang an sei die Konferenz an der Erörterung der grundlegenden Fragen verhindert gewesen. Solange Amerika die Erörterung der Sriegsschuldensrage und Frankreich die Aussprache über die Reparationen ablehnten, iei es klar, daß eine Dauerregelung für Deutschlands wirtschaftliche Probleme nicht gefunden werden könne. „Solange die Lasten der Reparationen in ihrer gegenwärtigen Form über Deutschland hängen, wird es unmöglich sein," so sagt die ..Times' wörtlich,„hinreichendes Vertrauen in fein: finanzielle Zukunft wiederherzustellen." Ohne ausländisches Kapital werde Deutschland nicht in der Loge sein, sein wirtschaftliches Leben zu erhalten, es sei denn, daß der Lebenszuschnitt so herabgesetzt werde, datz es politisch und wirtschaftlich eine G e s a h r für die übrige Welt werden könne. Was soll im nächsten Juli geschehen, selbst wenn Deutschland von politischen Unruhen verschont bleibt? Eine Rückkehr zu den früheren Verhältnissen sei kaum möglich. Es müsse entweder eine Revision derReparationcn erfolgen, oder nian werde vor dem Chaos srrhen, denn man könne sich nicht vorstellen, datz Europa nach-.ehn Iahren wieder zu dem System der Sanktionen zurückzukehren wünsche._ Beamienbank Bremen schließt Schalter. Illiquidität durch die Reichsbankmaßnahmen. Bremen, 24. Juli. Die Bcamtenbank Bremen teilt mit: Die finanzielle Erschütterung Deutschlands Hai auch die Beamten- bank in Bremen e. G. m. b. H. in Mitleidenschaft g c- zogen. Sie sieht sich genötigt, zunächst ihre Schalter zu schließen. Die Eingänge, die sonst im regelmäßigen Geschäftsgang die Aus- Zahlung der Verbindlichkeiten der Genossenschost gewährleisten, blieben infolge der restriktiven Maßnahmen der Reichsbank aus. Die vorhandenen Werte der Bank lassen sich nicht so schnell realisieren, um im Augenblick die notwendigen Aus« Zahlungen zu ermöglichen. Den gegenwärtigen Zustand der Zahlungsstockung zu überwinden, ist sie bemüht. Die Hauptsache ist, datz die Interessenten in Anbetracht der vorhandenen Werte der Gc- nossenschaft warten und damit dazu beitragen, eine günstige Gc� staltung der Dinge zu erreichen. 24-Slunden-Kabinett in Chile. Das neue chilenische Kabinett, das erst am Mittwoch gebildet worden war, ist bereits am Donnerstag wieder zurückgetreten. Das vorige Kabinett hat sich wenigstens eine Woche lang halten können. Ivelter für Berlin: Fortdauer des heiteren und sehr warmen Wetters.— Für Deuljchland: Im Wellen Gewitterneigung sonst überall beständig. nz Rillionen Zigaretten wurden im Jahre 1950 in der tonsumgerwsscn. schaftlichen Zigarettenfabrik der Groöcinkaufs�Scsellschast Deutscher Cansum- verein- hergestellt. 29 Millionen Zigaretten mehr als im Jahre vorher: hinzu- kmnnicn 8? Millionen Zigarren der z konsunigeiwssenschastlichen Zigarren- fabriken, Ii Millionen Zigarren mehr als im Jahr- 1929.— Dieser Mengenumsatz und die Uinsatzstcigcruug trotz erhöhter steuerlicher Belastung sind Lc» weise fllr die hervorragende©Ute der genossenschaftlichen ssabrikate, die in eigenen ssadrikarionsstälte», aus bestem Material, unter tariflich geregelten Arbeitsbedingungen, in hngicnisch mustergültig eingerichteten Bctricbsraumcn erzeugt werden. OXZG-Tabaifabrikate find in chrotz-Bcrlin einzig und allein erhältlich in den Adgabestellen der Konsum. Genofleaschaft Berlin und Umgegend fsichc Anzeige in der heutigen Ausgabe unserer Zeitung). Vcrantwortl. für die Redaktion: Herbert Lepere, Berlin: Anzeigen: Th. Slocke, Berlin. Brrlag: Vorwärts Verlag G. m. b. S., Berlin. Druck: Vorwärts Buch. brucknci und Berlagsanftalt Paul Singer& Co.. Berlin SW 68. Lindenftratzc 8. Hierzu l Beilage. Dsatidies Mm 8 L'hr Der Hauptmann von ROpenldk v. Carl Zuckmayei Pegie: Heinz Hilpert Die Komödie Täglich SVz Uhr Dienst sm Kunden von Ciiti Bois llill! Mai Hansen Regie; Hans Deppe Berliner nik-TriO N« B k 5 1 1 n. Lahnatr. 74/76J Künstler von internationalem Ruf begeistern allabendlich WinJet i, Garten i Tagl. 8 15 0. Flora 3434 Raudien erlauM Sannabend und Sanntag je 2 Tarstellungea 4 Uhr u. 8a Uhr. 4 Uhr kleine Pr. Betten-FOrst Bcriin- Nenbülln Hermannstraße 33 Borlln- , Tempelho) Berliner Gegröndet 1908 Straße 132 Telephon: F2 Neukölln 1424 GEG-Zigaretten Neptun........ stück 4 Phantis Stück dQ Kisil.......... stück 5 Pf. Gastaide....... Stück£ Pf. in Packungen zu 10 und 25 Stück GEG-Zigarilios ArgO leicht....... Stück H Pf. Diocana mild und fein... Stück 7 Pf. Handarbeit mittel... stück A Pf. Dezima gehaltvoll.... Stück 3 ff- Sonja hochfein..... 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S 3.5.7.9U Fritz-Lang-Film Alexanderstr. 39-40 (Passage) Den ganzen Tag geöffnet, Stgs. ab 3 Uhr Wir schalten um auf Hollywood Eine Rcpormge-Revue mit Nora Gregor« Faul Morgan, Adolphe Menfoo, Heinrich George Dick u. t>of in Spuk nm Miücrnacfa: g west.n a Pnmus-Palast Potsdamer S«. 19 Ecke Margaretenstr. Wochentags 5.15. 7.15, 9.15 Uhr Sonntags 3.15, 5.15. 7.15. 9 15 Uhr Oer Schrecken der Garnison mit Felin Bressari .'ugendliche haben Zutritt Franziskaner T?guhkrinv0o; ab vorm. Georgens'raße(Ecke Friedrichstraße) Anna Karenina mit Greta Garbo Kampf um die Erde Gr. Tonbeiprogramm Kultur- u. Wochenschau Moabit Artushof Bühne' W. 6.30 U. Bühne Sonntags S U. 'erleberger Str. 29 100 proz Tonfilm; Der Tanzhmar mit Grell The Imer, Oskar Karl wcU, E' nsl Verehe» Tonbeipr.: Gr. lastige Bühncnschaa Zettlenderf-Mme 3 Zeli W: 6-« u 9 05 U W eu-mno Sonnt, ab 4.45 U. Mt-Moabit 99 lOOproz Tonopcrelte: Ich glaub' nie mehr an eine Frau Tonbclprogramm- Tonwodhe g* Charlottenbura Kant-Lichtspiele Kamsir. 54(an der Wilmersdorfer Str.) W. 5. 7. 9 Uhr S. ab 3 Uhr „M." Fritz-Lang-Tonfilm B Wilmersdorf M Atrium Beba-Palast Kaiserallee, Ecke Berliner Straße Wegen Renovierung vorübergehend geschlossen g Sehöfictserg V Titania Schöncbg. Hauptstraße 49 Sonntags 3, 5. 7, 9 Uhr lOOproz. Tonfilme: Boxfilm; Schmeling— Stribllng Das Geheimnis der roten Katze mit S.Arno W frieäewau""fc Kronen-Lichtspiele Rheinstr. 63 Wochentags 7, 9 uhr Sonntags 5, 7. 9 Uhr Tonfilm: Panik in Chikago mit Olga Tscfaechowa, H. Rchmann Beiprogramm j Steglitz M Titania-Palast Steglitz. Schloßstr.ä. Ecke Gmsmuthssir. Tonfüm-Uraulfühiung: Elisabeth von Oeslerreich(Der Leidensweg einet Frau) mit Uli Oagover, Paul Otto Tonbciprogr,— Tonsrotfacascban Wochentags 7, 9 Uhr Sonntags 5. 7, 9 Uhr Potsdamer Str. 49 Stg. 3 Uhr: Jugendv, Die Blomenfrau von Lindenau mit R. Müller, H. Niese Jugendl. Zutritt Vf~ f{ Moriendorler Wochentg. i l€t �4.1 Tonliehtsolele b' j, 9 Uhr, So. ad 5 U Sonnt 3U..)ugend-Vorst. Chausseestr. 305 lOOproz. Tonfilm; Panik in Chikago mit O, Tscbediowa, Hans Rehmann Pal und Paladhon auf Freiersfü$en Tivoli Berliner Str. 97 Beg. 7, 9 U. Stgs. 3 Uhr: Jug.- Vorst. Der große Fritz-Lang-Film:»M" Gnies Beiprogramm V MeuRölln 8 Mercedes- Palast Hermannstraße 212, Ecke Jägerstraße Woch 6V*t 9 Uhr. Stg 5. 7, 9 Uhr 100 proz.Tonfilme:Weltmeisterschafts Kampf SchmcllB�— Stribling uick und Doi in Spufc um Mitternacht Auf der Bühne: Gastspiel der berahmten 10 Akkordeon-Harmonists Tönende Wodienschaa Montag und Donnerstag: Erwcrbs- losentage Lichtspiele Südwest BIQcherstr. 12 W. V>7. So. ab 5 Uhr lOOproz. Tonfilm: VoruntcrsadiaDg mit A. Bassermann, Gast. Frühlich Ca« Kalan Film-Palast Kammersäle Teltower Str. 1 W. 6J0. 9, Stg. ab 5 U lOOproz. Tonfilm: Der Liebescxpre� mit Dina Gratia, Georg Alexander, Jos. Schmidt— Oer geheimnisvolle Kavalier mit Talmadge i ROGRAM für die Zeit vom 24. bis 27. Juli Süden Primus-Palast Am Hermannplatz, Urbanstr. 72/76 W. 6,9 Uhr, So. 5. 7, 9 Uhr Tonoperette: Walzerparadfes mit Charlotte Snsa, JosbWedorn u. a Bühne: Jos6 Wedorn. Hauptdarstellerin des Films singt Freitags, Sonnabend und Sonntags Schlager aus Walzer paradier Gastspiel Kopenhagener Tanzrevue Montag und Donnerstag Erwerbslosentage Th. am Moritzplatz Tonfilm: Der falsche Ehemann mit Maria Paudier, Job. Riemann Mann aus dem Jenseits m. L. Brooks Luisen-Theater Reichenbcrger Str. 34 Anf. W. ab OVa U. Stg. ab Vfi U Die große lustige Tonfilmrevue: Wir schalten am auf Hollywood Dick und Dof in Spuk um Mitternacht Stella-Palast Köpenicker Straße 11—14 Wochtgs. ab b'h U., Sonntags ab Vh U. Der große Fritz-Lang-Tonfilm: Beiprogramm— Bfihnenelnlage Sternwarte— Treptow Sonnabend 8 Uhr, Montag 4,6,8 Uhr In den Alpen, ein Film von der gewaltigen Schönheit des Hochgebirges Nordosten "hlysium Prenzlauer Allee 56 Wochent. ab 7. Sonnt, ab 5 Uhr; TonwodienrchaD Tonfilm; Die Firma heiratet mit Robert«, Ch. Ander Grohe Bühncnschaa Flora-Lichfsp. L�bZV W. 9 U., Stg. ab 4 U. Tonfilme: Seitensprünge mit Gerda Maaras Boxtonf iim: Schmeling- Stribllng 3 Osten J Germania-Palast Frankfurter Allee 314 Wochemgs. 6.30 U., Sonntags ab 5 Uhr Das große spannende Tonfilmwerk: „M- mit Gnstav Gründgens. Pcler Lorre. Regie: Fritn Lang Dazu da« gute Beiprogramm WeiOensee Schloßpark Film. Bühne Berliner Allee 206— 210 6,30, 9 Uhr Zwei Tonfilme! Panik in Chikago mit Olga Tscbediowa, H. Rehmann Anf Tigerjagd In Indien Kino Busch Alt-Friedrichsfelde 3 lOOproz, Tonfilm: Nur vier Tage; Tonlusifpiel: Schadimatt mit Siegfried Arno, Gerda Maorn. Lost. Beiprogramm— Wochenschau Schwarzer Adler Xiie" 99 Woch. 5, 7, ca. 9, Slg. 3, 5, 7. 9 U. 3 Tonfilme: Schachmatt- Dick und Dof in Spnk um Mitternacht- Boxkampf Schmeling— Slribiing V. T. Lichtspiele v™«". Frankfurter Allee 48 W.S, So. 3 Uhr Der Original-Boxkampf-Tonfilm: Sthmeling— Slrihling Tonoperette: Der Tanzhusar mit Oskar Harlwcis Beiprogramm c Zentrum Babylon« am BQIowpIatz Wochentags ab 6 30 U Sbd., Stg. ab 5, letzte 9.10 U. 100 proz. Tonfilm: „M", Kriminaltonlilmerfolg Regie; Frilz Lang Bühne: Variett D JMeu-lichtcnlsera"h Kosmos-Lichtspiele Lückstr. 70 Wochent. 7, 9 Uhr Sonntags 5. 7. 9 U. Vorverkauf 2 Stunden vorher Im Westen nichts Neues Karten an Mitglieder und An des ADGB. und angeschU Verbände Norden Alhambra Wochent. 5, 7. 9 U., Sonnt 3, 5. 7. 9 U. 100 proz. Tonfilm: Panik in Chikago mit Olga Tscfaechowa Tonbeiprogramm Pharus-Lichtspiele Müllerstr. 142 W. 5. 7.9 U� 5tg. 3.5.7.9U. lOOproz. Tonfi.m: Der Tanzhusar mit Grell Thermen Vcrcbcs, Oskar Karl weis Riff und Raff als Revolverhelden Pankow 3 Palast-Theater Breite Straße 21 a W. 7 u. 9, Stg. 5, 7. � U. lOOproz. Tonfilm: D-Zug U hat Verspätung mit Charlotte Susa Der Stumme von Portici mit Ida Wüst, Szökc Szakall, Arno m 1 e 9 e d fr Filmpalast Tegel suSte 2'' Stgs. 2 U. Jgd.-Vorst W. 6. Stg. 4>,4 U. Tonfilm: Liebe auf Befehl mit Olga Tschechow«.— Das Lied der Freiheit (Der Kapitän der Carde; Hennigsdorc- Filmpalast Stg. Berliner Straße 59 Stg. 2 U. lug.-VorSt. Tonoperette: Die FSrstercfaiistl Frühling Im Lllasachtal Vellage Freitag, 24. Juli 1931 ferMml England- Frankreich- Deutschland-USA zwei unpolitische Befrachtungen zu einem politischen Thema Heinrich Hemmer: „Wir"? Wer Augen hat zu sehen, kann setzt die sich in das Buch der Ewigkeit einritzenden kleinen Abschnittchen im Nölkererleben und Volkscmpfinden deutlich in ihrem Werden betrachten. Die Halle cmcs großen Berliner Hotels, wo Ausländer durchströmen und aus- ländische Zeitungen einströmen, eignet sich als Beobachtungsposten hierzu vorzüglich. Vor nicht vielen Tagen noch kamen sie, wie es in ihrer reservierten Art liegt, ohne ein anderes Wort als über den Zeitungspreis zu verlieren, hier durch. Engländer und Amerikaner, legten die Münzen hin und verschwanden mit dem gekauften Packen Papier— und wie gesprächig, wie warm sind sie nun plötzlich geworden, diese Kühlen. Keiner, der sich nicht beim Ladenhalter danach erkundigte, wie's uns geht, den armen Deutschen:„Und was steht denn da drin in Ihrer Zeitung, ich kann's nicht lesen... ye-, es mutz geholfen werden"— sie fühlen es auf einmal als ihre Pflicht, dieses einzige Exemplar eines nicht zum Hotelpersonal gehörigen Deutschen, das sie vor Augen haben, zu beruhigen, ihm zuzureden, von dem sie noch vor kurzem keine Notiz nahmen... und wieder und wieder klingt das lange nicht gehörte, kaum i- gebrauchte Wort„w i r" an mein Ohr: Deutsche und Anglosachsen, ..wir"—! „Wir"? Jawohl: wir! Ich war mein ganzes Leben auf eins germanisch-angelsächsische Völkerfreundschaft eingestellt; sie ist mein Credo und das Credo der besten Menschen, die ich kenne... ich kann mir anders die Welt gar nicht recht rund vorstellen, nicht kam- plctt:— sie ist mir Verstandes- sowohl wie Gcmütsbedürfnis, ich habe zeitlebens unverdrossen und unbezahlt daran gearbeitet sich und viele andere hüben und drüben), obwohl nie ein Resultat zu sehen war, nichts Erfreuliches, alle diese Jahre, wohl ober der Völker- b r a n d und die tristen Jsolationsjahre hinterher... ein UmKkwung Jetzt sitze ich in dieser Hotelhalle und schnüffle mal wieder in den altbekannten riesenhaften Blättern herum, mit denen man sich bequem zudecken oder ein Abendessen kochen kann, da klingt wohltöncnd das Wörtchen„wir" an mein Ohr. Und mein Auge hat in den sonst so stacheligen englischen Zcitungszeilen, die Jahr- zehnte wie eine Löwenhccke gegen uns aufgerichtet waren, nicht eine Silbe gesunden, die den empfindlichsten der Deutschen das Bc- drückende unserer Lage fühlen ließe. Die gleichgültigsten der jl Menschen legen plötzlich das rührendste Zartgefühl an den Tag. I Was bedeutet dos> Das bedeutet vieles, man mutz nur verstehen. Wir sind leicht geneigt, von r ei n ä u ß e r l ich e r D: s Z i P l i n zu sprechen, wo es sich bei diesen politisch reifsten Völkern um eine innere Ordnung handelt. Wenn Angelsachsen warm werden, wenn ihr Tiefstes das Oberslnchliche besiegt, so ist das ollemal ein Zeichen, daß sich in ihrem politischen Denken ein Umschwung vollzieht, der instinktmäßig zu seiner Unterstützung einen Ge- finnungs-, einen Sympathieuinschwung mit sich führt. Es ist sympto- matisch, daß die Angelsachsen uns Deutsche(nach mehr als drei De- zennien) urplötzlich anders sehen. Nicht mehr als Gefahr! Ge- fahr? Ja, ja, ich weiß wohl(und die'? wissen wollten, wußten? auch zu beiden Seiten des Kanals), daß seit 13 Jahren... Ist das nicht der berühmte Schriftsteller 5)..., Herr Lodcnhalter, den der Hoteldirektor soeben grüßte? Er ist's, und wuppdich hat ihn schon ein französischer I o u r n a l i st am Arm und zieht ihn debattierend in die Bar. Fragt der Franzose den Deutschen auch wohlwollend, wie uns jetzt zumute ist? Nein. Er kommt, genau wie seine Zeitungen, mit hunderterlei penibel-vorsichtigcn Erwägungen in bezug auf alle Gefahren deutscherseits, die sich ein - Volk ausdenken kann. Ein Volk, das die beklagenswerte Neigung besitzt, andauernd von deutscher Seite Gefahren für sich zu wittern, Indessen muß man gcrechtcrweise zugeben, daß die französischen Argumente an und für sich weder unstichhaltig noch unehrlich sind. Die Franzosen betrachten uns(in der Angst, in der sie sich nun einmal befinden) wie Herr Poiret mit der Lupe. Was immer wir tun— und wir haben ja nicht immer recht getan— erscheint ihnen zu einem Gesahrenmoment aufgebläht. Arrangieren wir nicht augenblicklich gerade eine Gesellschaftsreise noch dem Nordpol, wir Deutschen! Sind nicht unserc, die deutschen transatlantischen Schisfahrtsgesellschaften wieder au die erste Stelle gerückt? Ist nicht der ganze deutsche Wiederausstieg lwie schlecht auch immer fundiert) das Erwachen eines. Tot- geglaubten? Werden sie nicht ewig fortfahren. Dummheiten zu begehen, die deutschen Siegsriede und Schmelinge? Also ist oller Grund zur Vorsicht vorhanden. Was nützt uns Franzosen(wird der Journalist dem Herrn H... sagen), was nützt unsere ganze un- geheure Befestigung und die soweit durchgeführte Entwaffnung Deutschlands, wenn dann die Deutschen vermittels ihrer Kraft doch imstande sind... usw. Der Glaube an Deutschlands Kraft war bis vor kurzem geradezu phantastisch im Ausland. Mau traute uns(auch die Engländer und Amerikaner taten dies in den Nachkriegsjahren) die ungeheuerlichsten Prometheuskunststückchen zu.(Und warum sollte diese Kraft nicht - neue Macht im Gefolge haben?) Tja, und angesichts dieser teils wirNichen, teils eingebildeten deutschen Volkskraft handelt es sich jetzt darum, ob man sie als ein destruktives oder ein k o n- st r u k t i v e s Element im Völkergeschehen auswerten will. Die Franzosen schätzen uns bis zum heutigen Tage als ein Ncga- t-oum, die A n g l o I a ch s e n erst seit gestern als sin Positivum ein. Das Kuriose Das ist eben das Kuriose an dem Stückchen Geschichte, das jetzt vor uns vorüberzieht: Tatsachen und Argumente nützen rela- tiv wenig, solange sich nicht die psychologische E i n st e l l u n g derer geändert hat, die über uns urteilen. Poris! Ein scheinbar belangloses Wort, eine Geste, ein Zufall, ein Irgendetwas. . auf den Seelenzustand des französischen Volkes Wirkendes könnte in Paris den gewünschten Umschwung herbeiführen(an dem unsere Volksvertreter ohne sichtbaren Erfolg gearbeitet habenl. Das beweist die in allen Pariser Blättern bis ins Detail ausgemalte und dra- matisch wiedergegebene Szene, wo Brüning die Sonntagmorgen- messe in der N ü t r e- D a m c- K i r ch e anhört und der französische Prediger über den Frieden spricht. Im kühlen Dunkel der Kirche mag sich da für einen Moment ein anderes„Wir" auf die Zungenspitzen der christlichen Gemeinde gedrängt haben. Man fuhr nach London, wo sich der Umschwung automatisch vollzog. Wo man unsere Not nicht mehr als die eines gefährlichen Gegners beargwöhnt. Von London ist man jetzt mit den Angel- sachsen auf dem Weg nach Berlin. Sind das übrigens nicht hypermoderne Methoden? Man läßt die Dinge nicht mehr ihren langsamen vor Ausgang längst über- holten diplomatischen Um- und Irrweg gehen, sondern führt sie auf eine gangbare Route. Man sieht nicht mehr durch die Augen der Gesandtschaft, sondern kommt selbander an Ort und Stelle, um sich vorn Stand der Dinge zu überzeugen. Das ist nicht nur ein historischer Moment, sondern auch eine unerhörte Neuerung auf dem Umwandlungsweg von Politik in Geschichte. Nun! Man wird klar sehen in Berlin, zweifelsohne, weil der psychologische Moment gekommen ist und weil die Männer dazu herkommen. Man wird sehen, wie es aussieht in unserem Haus, sehen, was not tut. Unsererseits sollen wir uns ober jetzt auch klar vor Augen halten, was das große„Wir" bedeutet: Deutsche und Angelsachsen. Wir sind Vettern, die gegen einander Geschichte ge- macht haben— wer besitzt so reiche Phantasie, sich auszumalen, wie wohl die Welt aussähe und wie es sich lebte, wenn wir es mit- einander täten! Wir sind nicht nur zwei nach verschiedenen Rich- tungen ausgeschlagene Aeste eines Stammes— wir sind f i ch er- gänzende Naturen und besitzen jeder das, was dem anderen zu seiner Vollendung abgeht. Wir sind die Triebkräftigeren, Vorwärtsstürmenderen, jene die Stabileren, Weiseren, Politischeren, Gewiegteren. Wir sind Spezia- listen der äußeren Ordnung, sie der inneren Ordnung. Ich hotte vor langen Jahren zwei Maschinenschreibseiten sich er- gänzcndcr Eigenschaften zusammengestellt und las sie herunter, bei einem öffentlichen Vortrag in Sidncy, ober als ich bei Küche und Keller angelangt war, rief mich der englische A d m i r a l mitten in einem Satz zu sich.und lud mich ein, auf die Admiralität zu fahren, denn er war Vorsitzender der onglo-germon kriendship soriety, der eng lisch-deutschen F r e» n d s ch a ft S g e s c l l- schost� London. Er glaubte auch an das„Wir" und erzählte mir von englischen Prominenten, die ebenso daran glaubten. So fest wie daran, daß Leib und Seele zueinander gehören— aber beim Admiralitätsdiner war er kühl-wiirdevoll und ging nicht viel auf nieinc übermütige Begeisterung ein(es ist das auch nicht fashionobel). Nur in Momenten eines großen politischen Umschwungs wird der Engländer warm: das ist das Barometer. Tetix stösslnger: Franhreich gegen USA. Es besteht kein Zweifel mehr, daß Amerika durch die Welt- k r i s e einen inneren Wandlungsprozeß erlebt, dessen Ein- tritt nach vor wenigen Iahrcck nur wenige voraussahen.„Amerika beginnt sich zu europäisieren", hat vor kurzem der Berliner Publizist Richard Lcwinsohn in einem Rundsunkbericht über seine amerikanischen Eindrücke festgestellt.„Amerika wird großjährig", heißt ein neues im Verlag der Deutschen Verlagsqnstolt(Stuttgart) erschienenes Buch des fraipzösischcn Notionolötonomen Andre Siegfried, der uns schon vorher das weitaus beste Buch über Amerika geschenkt Hot.„Amerika wird nicht eher sein moralisches Gleichgewicht finden, bis es endlich das Phantom des Puritaners vertriebe« hat." Das ist eine Feststellung von Andre M a u r o i s in einem Essay„Die drei Phantome Amerikas" in der„Neuen Rundschau". Es ist wichtig für uns, von diesen Feststellungen Kenntnis zu nehmen. Es wäre aber ganz verkehrt zu erwarten, daß sich Amerika in absehbarer Zeit von den ivescntlichen Kräften, die seine Gestalt geformt haben, trennen könnte. Die amerikanische Zivilisation ist ein Phänomen geworden, mächtiger als diejenigen, die sie geschaffen haben. Wie die Vereinigten Staaten sich auch cnt- wickeln mögen, sie werden den Wesensunterschied zwischen der curo- päischen und der amerikanischen Zivilisation sobald nicht überwinden. Solche Feststellungen zu treffen, ist allerdings nur möglich, wenn man vom Rausch der Begeisterung zur Nüchternheit zurück- gesynden hat, zu der Europa, auf Grund seiner eigenen Leistungen, wahrlich berechtigt ist. Obwohl es auch in der deutschen Literatur schon an kritischen Werken über, ja gegen Amerika nicht fehlt, hat doch vor allem Frankreich prinzipiell gegen die amerikanische Zivilisation Stellung genommen. Die kritiklos« Be- geisterung deutscher Amerikabücher hat ja nicht nur in Deutschland selbst eine Opposition gegen diesen Amerikabyzantinismus hervor- gerufen, sondern ihn schon im Ausland zum Gegenstand der Satire gemacht. Im„Sam Dodsworth" stellt Sinclair Lewis einen deutschen Professor dar, der die in allen Ländern lästigen Ungezogen- Helten von Sam und seiner Frau philosophisch erklärt und entschuldigt. Auch George Duhamel läßt es sich in seinem neuen Büch gegen Amerika nicht nehmen, den deutschen Amerikabyzantinismus zu glossieren. Er spricht von den jungen Deutschen, die, wenn sie von ihrer ersten Reise über den Ozean zurückkehren, New York zwar gar nicht übel, aber nicht mehr amerikanisch genug finden. Eine sehr hübsche satirische Beobachtung. »» Amerika ist nicht Europa" Diesem Taumel der Amerikabegeisterung hat Frankreich stets die Skepsis einer schwer zu erschütternden Geistigkeit entgegengestellt. Schon seit Iahren lassen es gerade die ihrer Verantwortung bewußten französischen Intellektuellen nicht an Bemerkungen fehlen, die mit oller Klarheit nicht Frankreich allein, sondern Europa vor Amerika in Schutz nehmen. In der Belletristik haben Paul Morand und Luc Durtain, jener tragisch, dieser satirisch, das Wesen der amerikanischen Kultur in Frage gestellt. Frankreichs stärkster Essayist Andre Suarez erklärte bereits vor etwa vier Jahren:„Die Grundlage und erste Anwendung des europäischen Prinzips besteht in der Notwendigkeit für die alte Welt, die Politik und den Geist Amerikas zu unterbinden. Amerika ist nicht Europa. Es ist Europas Stoff ohne Europas Form. Es ist die Maschine Europa, ohne den Geist Europas. Auf nichts, nicht einmal auf dem Gebiet der Mechanik, begründet sich der Anspruch der angel- sächsischen Nordamerikaner, das erste Volk der Welt zu sein, mag es sich mit diesem Anspruch auch den Völkern aufdrängen, die tausend- mal mehr Recht dazu haben. Frankreich und Deutschland müssen die unsichtbaren Agenten der geistigen Einheit Europas sein. Nichts wird in dieser Hinsicht werden, wenn nicht durch ihre eigene Kraft." Die Zahl der Franzosen, die mit gleicher Schärfe gegen Amerika und für Europa Stellung genommen haben, ist groß. Ihre Stellung- nahm« ist rein geistig und hat mit Politik meist wenig zu tun. Während das deutsche Volk dazu neigt, sich an politischen Gegnern durch Herabsetzung ihrer Kultur schadlos zu holten und politische Freunde durch Ueberschätzung ihrer Kultur zu verherrlichen, trennt die französische Kritik an Amerika politisch notwendige Freund- schaften van geistiger Opposition. Das gibt der französischen Literatur gegen Amerika ihre Unabhängigkeit. Auch die vernichtendste Beurteilung Amerikas erfolgt in einer Sphäre, die so weit ab von der politischen liegt, daß sie die politische eben deshalb weder be- rühren nach schädigen kann. Die französische Kritik an Amerika geht von der Idee der Dinge selbst aus und kritisiert auch die materiellen Absurditäten nur als Folgen der geistigen Grundlage des Londes. Di« Franzosen sind für diese Kritik in besonderer Weise gerüstet. Sie sind mit der Natur stark verbunden, sie hoben trotzdem in Poris die schönste, der Bevölkerungszahl nach drittgrößte Stadt der Welt geschaffen, die Geschichte der Naturwissenschaften und der Technik enthält kaum ein Phänomen und eine Leistung, an deren Beginn ein anderer Name als ein französischer steht, aber weder die Stadt, nach die Technik, noch die naturwissenschaftlickie Zivilisation haben vom Franzosen Besitz ergreifen können. Er hat sich ihnen gegenüber seine Ueberlegenheit bewahrt. Er hat nicht ver- gessen, daß die technischen Mittel nur dazu da sind, ein gestiges und individualistisches Leben herbeizuführen, und er lehnt deswegen, aus dem Grunde seines Wesens, eine Zivilisation ab, die dem Men- schen das genommen hat» was sie ihm angeblich geben wollte»: näuüich Zeit sür sich selbst, Freiheit vor den anderen und Glück. Von solcher Grundlage aus muß die französische Kultur die ainerikädtsche ab- lehnen, ohne Gehässigkeit, aber gründlich, restlos. Die Franzosen haben«inen Besitz geistiger Werte, die ihnen wichtiger sind als die ihrer Ansicht nach mittelmäßigen Vorteile, die sie dafür von einer Zivilisation am laufenden Band im Umtausch erhalten würden. Die Ablehimng Amerikas durch Frankreich muß daher einseitig sein. In diesem Falle ist aber E i n s c i t i g k ei t ein Vorzug. Und des- wegen ist dos durch und durch einseitige Buch„Spiegel der Zukunft" von Georges Duhamel(S. Fischer Verlag, Berlin IklII) ein« großartige Abrechnung, die den Gegensatz Frankreich- Amerika geistig stark und sprachgewaltig zum Ausdruck bringt. Wie das Buch von Andre. Siegfried als Sozialkritik, so ist das Buch von Georges Duhamel als Kulturkritik eine Abrechnung Europas mit der Ueberheblichkeit und der Miffionortendenz der amerikanischen Zivilisation. Sie ist trotz ihrer Einseitigkeit im wesentlichen, auf das es ankommt, uinviderleglich. Der Albtraum Duhamets Georges Duhamel ist als Dichter und Denker zu dieser Abrech- niing berufen. Er ist als bäuerischer Mensch der Erde und der Natur, als„Franzose aus Frankreich", wie er sich einmal nenn», dem G c i st e«ng verbunden. Wie sür jeden echten Franzosen be- steht das Leben sür ihn darin, das Wertvolle zu bewahren und es durch Weiterschossen zu bereichern. Duhamel ist viel gereist und hat Bücher der Sozialkritik neben� Romanen, Dramen, Gedichten ge- schrieben. Er dringt überall zum Wesentlichen vor. Sein Buch „Das neue Moskau"(Rotapfel Verlag) hat sehr schnell den Bolschewismus durchschaut und das Größere hinter ihm, das den Besucher fasziniert, entdeckt, nämlich Rußland selbst. In seinem Herr- lich geschriebenen Roman„G e w i t t e r n a ch t"(Insel-Verlag) stellt er die Erschütterungen der europäischen Weltanschauung durch den Krieg dar und die Verbindung mit kosmischen Kräften, die der ratio- nallstische Mensch nach einem solchen Erlebnis sucht, um sich neu auf- zubauen. Auch in Amerika suchte Duhamel eine neue Welt. Er fand eine Zivilisation, der europäischen tief unterlegen, eine phantastische Geschwulst, ein Chikago, das fremder uiib ferner sür einen Eyropäer ist als das Leben bei den Troglodyten von Matmata, ein Volk, er- jüllt von einem drohenden Stolz, der 100 Millionen Seelen gefährlichen Absichten berauschter Unternehmer auszuliefern vermag. Ab?r was hat diese Kultur geschaffen? Das teuerste Leben auf der ganzen Welt, Menschen mit allen Bequemlichkeiten aber mit dem Blick ab- gehetzter Raubtiere, ein Volk, das nur den Iahren nach, aber nicht dem Wesen nach jünger ist als Europa. Eine Zerstörung aller individuellen Kräfte, eine Vernichtung der Natur, die in Duhamel den Albtraum erregt, daß die Industrie aus Gründen der Rationylisie- rung beschließen wird, nur noch eine Sorte Blumen wachsen zu lasten, die besonders einträglich ist und sich gut konserviert. Wahrlich, sagt Duhamel, ein Gegensatz zu Frankreich, dessen Dauern aus ein und derselben Milch 100 verschiedene Käscsortcn produzieren, desftn geistig« Menschen keine höhere Bequemlichkeit kennen als„Schweigen, reine Luft, wahre Musik, Freiheit des Geistes, Heiterkeit der Lebens- weise". Die Ruhe und Sicherheit, mit der ein Dichter wie Duhamel, ein großer Friedenskämpfer und eine reine Seele, das europäische Jheal dem amerikanischen gegenüberstellt, ist imponierend. Ich wünschte, daß wir in Deutschland diese Gegensätze begreisen und durchdenken mögen. Sie werden uns lehren, daß Deutschland gerade wegen seiner Neigung, sich zu amerikanisieren, in seinem sranzösischen Nachbarn die glücklichste Ergänzung seines Wesens besitzt. Qevhavf Ucvtnann TUcslav: Die Qemcbichte der'Woche. gm im ftklenslauh Zllo!s Prambach, ein Justizbeamier im österreichischen Liädlche» Riinfljauä, brachte sich im Dienst eine kleine, soft un- bemerkte Schnittwunde bei. In diese drang Aktenstaub, und Pramdach erkrankte schwer an Blutvergistung. „Wsdann", fragte Alois Prambach mit angstvoll zitternder ■jumirie den Arzt, und sein linker, gesunder Arm wies aus den rechten, angeschwollenen, abgebundenen:„Amputieren werden Sie ihn nicht.. „Aber woher", beruhigte der alte Doktor mit forciert lauter Zuversicht.„Sie schlucken schön brav Ihre Medizin, und im übri- gen muß sich ver Körper schon selbst helfen. Sie sind ja alter Soldat, nicht wahr? Na also—, da werden Sie ja tapser sein. da wird das Blut die paar Staubkörnchen schon rausjchmeißen, passen Sie mal'auf... Aber Alois Prambach schüttelte den graubärtigen, graubrauigcn Kops.„Ich glaub's nicht, Herr Doktor." Der Arzt wurde noch lauter.„Aber Prambach! Wer ist denn hier der Arzt, he? Wer versteht denn hier was vom GesundwerZen, Sie oder ich, he? Und da wollen Sie mir nicht glauben?" „Das mit dem Gesundwerden—, das glaub ich schon eher, Herr Doktor. Aber das mit dem Staub—. das kann ich nun mal nicht glauben. Der Staub, mein ich, der kann da nicht schuld dran sein. Vielleicht war Rost am Federmesser..." „Warum soll's denn kein Staub gewesen sein, Prambach?" „Ich mein nur, daß der Staub, da wo man sein ganzes Leben drin heruntgewischt hat und herumgeatmct—, daß der nun mit einem Mole giftig sein soll, so arg giftig, das glaub ich nicht. Ich kann doch nicht all nieine Jahre im Gift gelebt haben, Herr Doktor!" „Dummes Zeug, Herr Prambach! Staub ist nix wie Schmutz, den können Sie ruhig einatmen, aber darum darf er doch noch nicht in eine offene Wunde kommen, das weiß ja jedes Kind! Also nur keine unnützen Gedanken machen, stilliegen, einnehmen, tapfer sein, komme morgen wieder. Grüß Gott derweil!" Der Arzt hastet geräuschvoll hinaus, schließt die Tür mit einem aiisniunternden Lachen. Draußen aber fährt er, leise und böse zischend, die hutzlige Frau Prambach an, die sich vor ihn drängt: „Warum haben Sie nicht eher noch mir geschickt, hc? Soll ich denn immer Wettlauscn machen mit dem Tod, he? Der ist immer schneller: zuvorkommen muß man ihm. sonst is aus." Frau Prambach hat die blaffen Augen weit aufgerissen:„Is denn so schlimm, Herr Doktor? Muß amputiert werden?" „Amputiert? Zu spät, liebe Frau, viel zu spät!" Er sieht den dürren Greisenleib der Frau zittern und besinnt sich.„Na, kann ja noch werden. Er redet ein bißchen— ein bißchen sonderbar daher, das ist aber das Fieber, Frau Prambach, sonst nicht?. Nur immer aufheitern, wenn er bei Besinnung ist, darauf kommt viel an. Servus bis auf morgen, servus, werden ja sehn!" So sagt der Arzt zu Frau Prambach, die ratlos zurückbleibt und nicht weiß, wie sie das machen soll: aufheitern—, aber zum Amtsrichter, der ihn abends am Stammtisch fragt, ob man den Kranken mal besuchen kann, oder ob's ihn zu sehr aufregt, zum Amtsrichter sagt er:„Gehen Sie nur hin, wenn's dem Mann eine Freude ist.... Ausregung oder nicht, da ist eh nix zu machen." Nein, es ist nix zu machen bei Alois Prambach, auch mit dem' Aufheitern nicht: er läßt sich nun mal nicht ausheitern. Das Fieber kommt und geht, kommt und geht in unerbittlichem Wechsel, wenn das Fieber da ist, dann träumt er, und wenn es weg ist, dann ver- arbeitet er seine Träume in seltsamen Selbstgesprächen, oder auch in Fragen an seine Frau, in lauter eintönigen Fragen, die keine Antworten ermöglichen und erwarten. „Siehst du, Alte", sängt er an,„jetzt eben hat mir geträumt, daß ich wieder Soldat war. Wie wir da umeinandgelaufen sind auf dem Kasernenhof und manchmal bei der Felddienstübung, wenn Sonne gewesen is, im Sand, und wenn Regen gewesen is, im Schlamm, die Zähne haben un? geblutet vom Sand und der Gaumen, und einmal hob ich mich in Dornen blutig gerissen, daß die Haut in Fetzen is gegangen, all dos Hab ich geträumt und der» malen erlebt, und nie nicht ist ein Gift drin gewesen. Glaubst du's mit dem Staub, Alte, glaubst du's? Ich nicht." „Geh", sagt die Alte,„red nit soviel, trink deine Medizin, Loisl, sei stad!" Und sie lächelt mühsam und kläglich. Alois schweigt und schluckt und schläft und fiebert wieder, und die schwarzen Schutzärmel, die auf einem Tisch unweit des Bettes stehen und Iackenarmel zu schützen vorgeben, die dennoch schon auf- gerieben sind von all den Jahren, während derer sein Ellbogen vor der schnörkelnden Feder her übers Holz der Pulte rutschte—, diese speckig, dunklen Hüllen seiner weiß.und zart und stubenschwach ge» wordenen Handgelenke schweben auf seine die Bettdecke zerkrallen- den Hände zu, ziehen sich darüber, au? dem Krallen wird ein imaginäres Schreiben, die Lippen stammeln nach:„Akt A X zweihundertsiebzehn, Beilage 5, Passus C...; es erscheint der und der und sagt aus dos und das... Unterfertigt: Der Amtsrichter. Im Austrage Alois Prambach." Ja, in der mufsig engen Konzlei sitzt er und schreibt und verhört, wirft ab und zu einen Blick über den Akws A X 217 zu dem Ankläger oder Beklagten A X 217, der vor ihm steht und eigentlich ein Mensch ist, ein Mensch, dem man seine Not oder seine Wut oder sein Alter oder sein Geschlecht eigent- lich ansieht, den man aber, trotzdem nach all dem fragt, als könne man'z eben nicht sehen..., man kann's ja hier auch nicht, denn nicht wahr, obwohl man von jedem Aktenstoß, den man aus dem Regal zieht, mit einem schnellen Puster den Staub bläst, das hilft nichts, der Staub wird eine graue Wolke, die schwelt im Raum und hängt gerade vor dem Gesicht von A X 217, wird immer dicker, die Wolke, wird Mauer, man muß laut brüllen, schimpfen, damit einen der hinter der Mauer versteht...: man sollte nächsten Sonntag mit Muttern mal einen langen Spaziergang durchs Städtchen machen, das Städtchen ist ja so klein, man wird bestimmt auch A X 217 treffen und grüßen und sehen, wie der oder die eigentlich aussieht, ober freilich, das Gehen in der herben Frischluft strengt an, man muß draußen immerzu husten, wie die von draußen e? hier drinnen tun, zwischen den Mauern aus Staub.... Dann leben die da draußen, die Rotbäckigen, Heißblütigen, Lachseligen, ein soviel schnellere- Leben als wir hier drinnen, es macht einen ganz krank und nervös, denn dle Nummern und Akten hier drin leben soviel langsamer..., man müßte aber doch«in paar von den Staub- mauern umpustcn, daß sie einen nicht erdrücken, mein Gott, man gehört doch wiederum zu denen draußen, man ist ein Mensch wie sie, auch so gut wie sie und so schnellebig. man ist ja gar nicht so bösartig und herzhart, los, Alois, los, spazierengehen mit Muttern, die hat lange nicht niehr richtig gelacht. Gott, wie wird di« her» trippeln neben eineni, mitten durch die Mauern, pusten, pusten...! Und Alois Prambach pustet im Traum, daß sein Gesicht so blau wird, wie es gestern nur sein rechter Arm war und wie es heute schon sein ganzer Oberkörper ist, und wie das Pusten allein e- nicht tut, stößt er mit dem gesunden Arm, und von fernher ruft Mutters Stimme:„Ruhig doch, Loisl, lieber Loisl, schön stad, trink deine Medizin, Loisl...." Es ist eh nix zu machen—; daran denkt der Richter, al? am dritten Morgen die Frau Prambach aufs Gericht gehutzelt komint mit der seltsamen Bestellung an den Iustizgehilsen und mit dem seltsamen Nummernverzeichnis: das sind Die Nummern der Akten. die der Iustizgehilfe unter den Arm nehmen und zu Alois Pram- dach hinüberbringen soll: und der Richter gestattet es: weil doch eh nix zu machen ist. Der Justizgehilfe ist sehr jung, er ist nicht erst vom Militär zur Justiz gekommen wie Alois, er hat mit sechzehn Iahren den Schreiberdienst angefangen: ganz bleichwangig und blödougig uns krummrückig ist der Justizgehilfe, er sitzt vor dem Bett und zittert ein bißchen vor Nervenschwäche, zittert in Alois Brambachs hoch- roten Fieberkopf hinein, und noch dazu muß er im Ausschnitt des Nachthemdes den blaugedunsenen Leib sehen, das ist furchtbar für ihn.... Alois ober läßt sich Die Akte umblättern, sucht mit der nicht verletzten Hand zu helfen:„Hier, Akt 198 Ac, den habe ich zu- lange liegen lassen, bitte Herrn Amtsrichter, Herr Amtsrichter möchte ihn schnell erledigen, die Leut warten schon lang, haben keine Zeit, die Leut, müssen so arg schnell leben, können nicht warten aus uns da drin; bstte Herrn Amtsrichter.... Und hier, Akt 341, hatte ich grad in Arbeit, mach ihn weiter, schnell, der Mann braucht sein Recht...." Er ist endlich fertig, es hat ihn sehr angestrengt, manchmal war etwas wirr, was er sagte, wirr von Schwäche und Fieber—, nun aber hält er den Iustizgehilsen noch zurück, greift fest um dessen dünnen Arm: „Ich möcht dir noch was sagen... mächt dir sagen, daß der Doktor doch recht hat mit dem Gift.... bloß anders als wie er denkt... anders. Siehst, wenn einer sechzig wird wie ich, und nachher stirbt er an einem Schnitt mit dem Federmesser und an einem bisserl Staub—, das war nicht gar so schlimm.... Aber daß er einen schon vorher vergiftet, der Aktenstaub, schon lang vor. her, das ist das Schlimme.. daß man blind wird und nicht mehr sehen kann, lungenschwach und nicht mehr atmen, eingesperrt wiid und nicht inehr weiß, wie die anderen leben, und gar nicht mehr mit ihnen leben kann, und das Leben siöenn Dienst vergißt—, schau, das ist das Allerschlimmste, für uns und für die anderen. Schon lang bin ich oergiftet gewesen, schon lang tot, bloß daß ich's nicht gewußt Hab.... Und ich wollt dir sagen: du bist jung... Mach's nicht auch so... wehr dich... Heirat... Hab Kinder.. geh Sonntags naus auf die Straßen und red mit den Leuten.... Pust den Staub zum Fenster naus, noch eh er auf dem Papier liegt. Schau dir die Leut an und nicht bloß die Nummern..., daß er dich nicht auch vergiftet, der Staub... pust, pust... Der Justizgehilse wird endlich losgelassen von dem presienden Griff, retiriert zur Tür.„Er hat halt Fieber", sagt Frau Pram- dach entschuldigend. Und sie drückt Alois in die Kissen:„Red nit soviel, Loisl, holt dich gut, daß' besser wird----* Alois Prambach redete zwar nicht mehr—, aber es wurde nicht besser. Er starb an Blutvergiftung durch Aktenstaub. 'e Buch 3)ie Juduflrialisiensng der Sowjetunion Unter diesem Titel veröffentlicht G. Engelbert Graf in der neuen Reihe„Sozialistische Zeitfragen"(Berlag Laubsche Buchhandlung, Berlin, Preis 40 Pf.) ein Heft von 32 Seiten, das in über- sichtlicher und verständnisvoller Weife die bisherigen Ergebnisse des Fünfjahresplanes auf dem Gebiet der Industrialisierung der Sowjet- vnion zusammenfaßt. Es wäre jedoch zweckmäßig gewesen, wenn Graf auch die Probleme der Kollektivierung der Landwirtschaft in Kürze behandelt hätte. Die Bemerkungen Grafs über den st r u k- t U r e l l e n Unterschied des russischen vom europäischen Sozialismus — hier liegt für unsere Leser das Hauptproblem— verbleiben in ziemlicher Allgemeinheit. 1- �laz'vr. 3)as Slandbuch des Sieichs Das vom Reichsministerium des Innern herausgegebene und in Carl Heymonns Verlag, Berlin, erschienene„Handbuch für das Deutsche Reich 1931", 45. Jahrgang(Preis in Leinen gebunden 7,89 M.) vermittelt allen Wirtschaftskreisen und Be- Hörden den Aufbau der Reichsoerwaitung. Es bringt nach dem Stande von Anfang 1931 die Zusammensetzung des Reichstags, des Reichsrats und des Reichsroirtschaftsrars, die Gliederung der ge- samten Reichsverwaltung sowie die Aufgabelt und die Zuständig- leiten der einzelnen Reichorgane. Auch sind die Reichsvertretungen der Gemeinden und Gemeindeverbände, die Reichsorganisationen der öffentlichen Berussoerbände und die Zentralen der Religions- gesellschaften aufgeführt. Ferner enthält das Reichshandbuch An- gaben über den Berwastungsaufbau der deutschen Länder, ihren Staatshaushalt und die Zusammensetzung der Landesregierungeiu SANDSPIELPLÄTZE Das Programm der heutigen öffentlichen Grünflächen- Planung be> schränkt sich nicht mehr auf die Schaffung reiner Zieranlagen mit Blumenbeeten und hüb- scheu Szenerien, sondern sieht in weitestem Maße Zweckanlazen vor mit reichlichen Sitzgelegenheiten, Spiel- und Sportplätzen, Tummelwiesen, Planschbecken u. a. m. Auch der Privatgarten- besitzer, wenn wir einmal den Kleingärtner mit diesem Titel be- denken wollen, sollte für sich neben schönen Gartenbildern nütz- lichen und ästhetischen Inhalts Einrijfstungen fordern, die eine au?- giebige Benutzung seines Gartens hinsichtlich der Körper- und Ge- sundheitspflege möglich machen. Gerade heute, wo wir im Zeichen intensivster Körperkultur stehen, ist insbesondere der Garten dazu berufen, Plätze zu schaffen, auf denen Sport und Gymnastik in freier Luft und Sonne getrieben werden können. Wenn nun auch der Kleingärtner durch die Wartung seines Besitztums genügend und zwar zwangsweise„Sport und Gym> nastik" treibt, so darf dabei doch nie übersehen werden, daß der Kleingarten neben seinem praktischen Zweck den Kleinen und Aller- kleinsten eine schöne Jugend schenken soll. Darum müsien vor allein die Kinder eine Fläche, ja wenn möglich einen Gartenteil haben, wo sie nach 5)erzenslust spielen und tummeln, wo sie turnen, baden und planschen, klettern und schaukeln können. Wir haben erst kürz- lich auf die Notwendigkeit einer kleinen Lager- und Spiel- wiese hingewiesen und in einem besonderen Aufsatz die Konstruk- tion eines Kinderplanschbeckens an Hand von Zeichnungen erläutert. Dazu gehörte immerhin eine genügend große Fläche und einige Mittel. Aber auch in dem kleinsten Garten wird sich eine geschützte Ecke finden, die sich zu der wirtlich billigen Anlage eines Sand- spielplatzes, wie er in der Skizze dargestellt ist. eignet. Ein solcher Platz soll so liegen, daß Lust und Sonne unge- hindert Zutritt haben und die Beaufsichtigung von der Garten- laude aus nicht durch Bäume oder Sträucher erschwert ist. Ge- wöhnlich wählt man eine Größe von 3 Meter im Geviert und eine Einfassung aus 5)olzbohlen, Ziegel- oder Betonmauerwerk, um das Verstreuen des Sandes in die Umgebung des Platzes zu verhindern. Die Holzkonftruktion ist zwar trotz der üblichen Im- prägnierung gegen Fäulnis mit Karbolineum oder ähnlichen Mitteln weniger dauerhaft, aber doch empfehlenswerter als die Verwen- dung von Steinmaterial, da sich die Kinder weniger gefährlich schlagen oder verletzen können. Aus diesem Grunde sind auch alle Teile der Holzkonftruktion zu hobeln und zu glätten, vorstehende Ecken und Kanten zu vermeiden oder doch jedenfalls abzurunden. D e r R a n d wird durch eine 5 Zentimeter starke und etwa 25 Zentimeter breite Holzbohle gebildet, die an senkrecht in die Erde ge- triebene Pfosten von einer Stärke von 12X12 Zentimeter befestigt wird und die nicht höher als etwa 40 Zentimeter über der inneren Sandoberfläche liegen soll. Ist der Spielkasten genügend groß, so kann man in der Mitte einen runden oder viereckigen Spiel- tisch einsenken, der auf der gleichen Höhe wie die Einfassung-- bohle liegen muß. In dem zweiten, schon etwas komfortableren Borschlag ist die Einfassungsbohle zu Bänken ausgebaut: einen Teil dieser Seitenbänke wird man zu einem Kasten mit oufklapp- barem Deckel ausbilden, in dem di- Sandspielgeräte— Schaufeln. Holzformen zum„Kuchenbacken" und was es sonst noch für schöne Sachen gibt— aufbewahrt werden. Sehr lustig sieht es aus, wenn die einzelnen Teile der Holzbänke verschiedenfarbig mit einem wetterfesten Oblanstrich bemalt werden. An Sand haben wir ja in der Umgebung von Berlin keinen Mangel; wenn wir ein genügend tiefes Loch buddeln, stoßen wir auf sandige Schichten, die uns überreichlich die Füllung unseres San(>sp'ielkastens liefern: schöner ist freilich der weiße Dünen» fand oder reiner Flußsand. J -w> iJ Die S ch ü t t u n g soll?l) bis 80 Zentimeter tief sein; die Grubensohle muß fest gestampft werden oder noch besser mit Ziegelsteinen flach abgedeckt werden(deren Fugen aber nicht abgedichtet werden dürfen, um den ungehinderten Abzug des Regen- wassers nicht zu beeinträchtigen), damit sich das umgebende Erdreich bei tieferem Buddeln nicht verschmutzt. Aus dem gleichen Grunde find auch die Seitenwände bis zu der ange- gebsnen Tiefe zu verschalen. Besonderes Augenmerk ist darauf zu richten, daß der Sandkasten nicht von Hunden, Katzen oder Hühnern verschmutzt wird, unter Umständen muh der Platz mit einer s-ldstschließenden Tür abgesperrt werden. Sehr lehrreich und erzieherisch wirkt die Anlage von einigen Gartenbeeten in j- mm-ft unmittelbarer Nähe die Sandkastens, die von » J den Kindern selbst besgi, gepflegt und natüe- —•; rmm zjch auch abgeerntet werden. Dazu der schon eingangs geforderte Tummelrasen, vielleicht noch eine lychaukel oder gar das Plansch- decken, und daß Paradies für die Kinder ist geschaffen. 14.? r. Pohlenz. > Jutiku,-| V Erster Kampftag in Wien Fußball-, Handball-., Leichtathletik- Vorentscheidungen M. J. Wien, ZZ. 3ulu(Eigenbericht.) Der Donnerstag war der e r ft e Kampftag der 2. Arbeiter» vlympiode in Wien. Das Bild an der Rotunde, dem alten Aus- ftellungspalafl, der jehigen Abwicklungsslelle für die Wünsche und Anliegen der TeUnehmer, hat sich gegen den Bortag völlig verändert. Die Röhe vieler Sportplätze, insbesondere des großen, neu erbauten Stadions, läßt den großen Platz vor der Rotunde zum Sammel- punkt für alle und alles werden. Ein Sporttrachtenfest wickelt sich vor den Augen des Deobachters ab: blaue Wanderkittel und gelbe Leverknie- Hofen überwiegen, doch sieht man auch Bayern in ihren Loden mit den Hirschhcrnknöpfen und dem Münzenbehang. Schutz- b ll n dle r und Reichsbannerleute haben einen Friedens- pakt geschloffen, Samariter in der weißen Mütze und dem Kreuz auf der Armbinde eilen geschäftig zu ihren Dienststellen, aktive Wettkämpfer treten»n Sportdreß an, dazwischen rattern Eilboten aus Motorrädern und die Autos der Sport- und Festausschüsse, die überall zu gleicher Zeit sein möchten und doch immer da fehlen, wo sie gerade gebraucht werden. Und dieses bunte, sportliche Leben spielt sich im großen P roter park, Wiens Treptower Park, ab. Fünf Minuten der Stadt zu stehen die Budenstraßen der Schausteller, abends beginnt hier der Betrieb im„Affenporadies" oder auf der»Raupenbahn" oder im »Schottischen Ponnykarujsell". Da herrscht ein Betrieb. Eine Liliputeiscnbahn befördert Lauffaule wie auf der Bauausstellung in Berlin um den ganzen Komplex. Aber jetzt am Bor- und Nach- mittag sind nur die Trink- und Würstelstände geöffnet und die Buden mit„Olympiaseife", das Stück zu 3» Groschen(18 Pi.), Schokolade, Waffeln, Keks, Nußstongen, Speiseeis! Diese Berliner Erfrischung?- speisekorte ist auch hier bekannt und es ist gut, daß unsere Arbeiter- sportler und die tausend Schlachtenbummler die Erfrischungsbuden inehr frequentieren als die Bier- und Weinlokale und die Cafes, die man in Wien nun wirklich nicht zu suchen braucht. Inzwischen beginnen auf den Sportplätzen die Fußballer und die Handballspieler mit ihren inlernativnalen Wetslerschasls- spielen. Die Vorspiele der einzelnen Länderteoms werden bis zum Sonn- abendabend erledigt sein, so daß dann die Entscheidungsspiel« am Sonntag ausgetragen werden können. Ueberhaupt fallen fast alle Hauptentscheidungen erst am Sonntag, so in der Leichtathletik, im Schwimmsport, im Radsohren, bei den Schachspielern. Als Auftakt zu den internationalen Schachwctlkämpsen ging Mittwoch ein kombinierter Weit kämpf der österreichischen Provinz gegen Wien auf 50 Brettern vor sich. Nach einem fast fünfstündigen zähen Ringen lautete das Endergebnis dieses bedeut- famen Wettspiels mit 36!»: 13it Punkten zugunsten der Wiener Mannschaft. Dabei konnte festgestellt werden, daß sich die Provinz auf den Spitzenbrettern vollauf bewährte. Während des ganzen Tages kamen aus ollen Teilen Europos die angemeldeten Schach- spieler ins Turnierlokof. um ihre geistigen Kräfte zu messen. Lrgdtame in FreundschaÜstrelfcn Selbstverständlich nehmen die Ballspiel Mannschaften die Gelegenheit wahr, neben den Meisterschaftsspielen Freund- schaftstrefsen zu veranstalten, die in ihrer Bedeutung für die ofsiziellen Spiele oft nicht unterschätzt werden dürfen. So endete das Freundschaftsmatch in Faust ball zwischen dem öster- reichischen Olympiateam K l a g e n f u r t und der oberösterreichischen Mannschaft Atnang-Puchheim mit einem überraschenden Sieg der Oberösterreicher. Das Olympiateam Klagenfurt wurde also SS: 38 geschlagen! Das Freundschaftsmatch zwischen den Fußball- Mannschaften Gaswerk St. Voith und Tirol endete mit einem sicheren Erfolg der Wiener. Sie siegten mit 4: l)(2: 0) Toren, die von Cckenhofer. Aigner, Kirbe» und Anhör geschossen wurden. Dem Spiel, das auf dem Cricketer Platz ausgetragen wurde, wohnten 6000 Zuschauer bei. Die ersten Schwimmergcbnisse Im Stadionbad begannen heute auch die ersten Ausscheidungen für die Schwimmkonkurrenzcn. Im Rückenschwimmen für Männer über 200 Meter lauteten die Ergebnisse: 1. M. Scherrbarth(Deutschland) 2: 45,8. 2. Remmler (Deutschland) 2: 59,4. 3. A. Krivola(Finnland) 3: 0.8,6. 4. h. Kulla (Oesterreich) 3: 15. Das M ä n n e r f r e i st i I s ch w i m m e n über 100 Meter brachte Hawlik-Oesterreich in 1.06,5 Minuten vor Smale-England 1.07 und Werner-Deutschland 1.03 an sich. In die Entscheidung im Frauen-Rückenschwimmen über 100 Meter kommen: Marie Klein-Ungarn, Frida Kollar-Oesterreich, Hulda Petersen-Nor- wegen und Paula Umlauf-Oesterreich. Einen neuen inter- nationalen Rekord im Bru st schwimmen stellte Anton Bayer- Deutschland mit 2.57,6 Minuten auf. Baonananen- Finnland blieb nur'st» Sekunden zurück, Hölz-Oesterreich benötigte 3.07 und Mattern-Deutschland 3.07,4 Minuten. SdnveratWetüc— Ringen Fliegengewicht: Schramm-Deutschland gegen Mörkelsberger- Oesterreich. Kräfteverhältnis ziemlich einseitig zugunsten des Oester. reichers. Schramm wurde nach kurzem Kampf verletzt und der Kampf abgebrochen. Hunficker-Deutschland gegen Krankhala-Finn- land. Kräfteverhältnis gleich, Kampf nach langer Dauer unent- schieden abgebrochen. Natterer-Oesterreich gegen Steglich-Deutsch- land. Steglich nach 55 Sekunden Sieger. Wiringer-Oesterreich gegen Sawoleinen-Finnland. Kräfteverhältnis anfangs gleich, später ge- winnt Sawoleinen die Ueberhand und siegt nach 4 Minuten 55 Se- künden. Der nächste Kampf: Franz Mörkelsberger-Oesterreich gegen Schmidt-Deutschland wurde wegen Verletzung des Oesterreichers ge- strichen. Konccny-Oesterreich gegen Taver-Tschechoslowakei. Ein recht langwieriger Kamps: obwohl Konecny dauernd im Vorteil war, siegte er erst nach 9 Minuten 20 Sekunden. Lrste Lcichiaihietik'Ergcbniuc Zehnkampf, Hürden 110 Meter: 1. Naumann-Deutschland 16.3 Sekunden, 2- Schenner-Oesterreich 16.3 Sekunden, 3. Kohvakka- Finnland 16.4 Sekunden. Kugelstoßen: Di« Finnen hoben eine glänzende Technik und gute Beinarbeit: Naumann-Deutschland ist durch seinen wuchtigen Körperbau im Vorteil. Erster Naumann, Deutschland 13.04 Meter. 2. Kuparinen-Finnland 12,46 Meter, 3. Schenner-Oesterreich 11.99)4 Meter. * Amerika grüßt die Olympiade. Im Büro der Arbeiter-Olympiad« ist aus Amerika«in Tel«- gramm salzenden Inhalte» eingelangt:»herzlichst« Grüße der 2. Olympiade des Weltproletariates. Möge sie Helsen, die Arbeiter der ganzen Welt brüderlich zu vereinen. Arbeiter-Turn- und Sport- bund Amerikas." Zeltlager der deutschen Arbeiterpaddler. hundertfünszig Faltboote aus allen Landstrichen Deutschlands, zur Donau und nach Wien heruntergeschifft, sind ebenfalls ein- getroffen. Di« tapferen Paddler, die in den letzten Tagen gegen sehr viel Unwetter zu kämpfen hatten, lagern in Zelten am Arbeiter- Strandbad. Das Arbeiter-Strandbad befindet sich an einem stillen Seitenarm der Donau. Immer noch Teilnehmer au» aller Welt! Am Donnerstag trafen noch in Wien ein: 500 Münchener, 70 Jugoslawen, 50 Norweger, heute, am Freitag, kamen an: 1000 Prager, 70 Rumänen, 1000 Brünner, 1150 aus Mährisch- Ostrau, 400 aus Pilsen. Die Deutschen nieder in Front 21. Etappe der Frankreich-Rundfahrt Di« ausgezeichnete Fahrweise der Deutschen hielt auch auf der am Donnerstag ausgefahrenen 21. Etappe von Colmar nach Metz über 192 Kilometer an. Wenn es zu einem Etappensiege auch diesmal nicht ausreichte, so zeigten unsere Vertreter doch wiederum in recht eindrucksvoller Weise, daß sie der besten internationalen Klasse völlig ebenbürtig sind. Schon sind mehr als 4000 Kilometer schwierigsten Geländes bewältigt und noch immer zeigen die Deutschen eine Frische. die erstaunlich wirkt, man merkt ihnen die Anstrengungen der langen Fahrt kaum an, und wenn es irgendwie gilt, eines Aus- reißer, habhast zu werden, so kann man sicher sein, die Unsrigen sind am ehesten dabei. Auch die Tagesstrecke des Donnerstag nahm einen durchaus normalen Verlaus, in slottem Tempo ging es über den 940 Meter hohen Col du Bonhomme, dann über Saint Die, die Kontrollen Luneoille und Nancy nach Metz, wo eine 29köpfige Gruppe, darunter sämtliche Deutschen, zum Endkamps rüsteten. Stöpel war noch am schnellsten von unseren Fahrern, ober er konnte den spurtstarken Italiener Di P a c c o nicht am Siege hindern und mußte sich mit dem zweiten Platz vor Pelissier, Bulla, Dewael« und Bernard zufriedengeben. Die übrigen 23. darunter auch Thizr- dach, Metze. Geyer, Aus«, Sieronski und Siegel, wurden gemeinsam aus den 7. Platz gesetzt. Dann folgten weitquseinandcrgezogen die übrigen 13 Fahrer. Es stehen nun noch drei Etappen bevor, und zwar Metz— Charleville(159 Kilometer), Charles ille— Mala(271 Kilometer) und Malo— Paris(313 Kilonreter), und wenn keine Ueberroschunzen eintreten, wird sich an der Gesamtklassierung mit Magne als besten Einzelsahrer und Belgien als bester National- Mannschaft nichts mehr ändern. Wcifccnsce 1900 gegen Helios-Neukölln heute abend findet Im Karlsgarten- Neukölln. Karls» aart-enstrah« 6/11, der fällige Mannschoflsboxturnierkampf zwischen WFC. 1900 und der kombinierten Mannschast H,llo»-N»ukölln statt. WFC. Hot au» seinem vorhergehenden Kampf gelernt und tritt mit feinen besten Kämpfern an. Folgend« Paarungen werden in den Ring gehen: Fliegengewicht: Biesold(WFC), Schiller(Helios:. Federgewicht: Thiele(WFC.), Lehmann(Helios). Leichtgewicht: Schulz(WFC.), Arenz(Neutölln). Weltergewicht: Wachowiak (WFC.). Donner(Neukölln). Mittelgewicht: Britfch(BBV.-Meister). Lendsried(Neukölln). Halbschwergewicht: Borch Is(Helios). Malender(WFC.). Im Bantamgewicht stellt WFC. keinen Gegner und ist für Röhler(Neukölln) der sehr gute Pierentz(Post) ein- geladen worden. Ein sehr guter Doxobend, der sich sehen lassen kann. Beginn der Kämpfe abends 8 Uhr im überdachten Garten. MLndUocUV Die Wochencndspiele Am heutigen Freitag stehen sich Frei« Sport- Vereinigung Tegel, 1. Männermannschaft, und Freie T u r n e r s ch a ft Marwitz 1 um 19 Uhr in Tegel, Gras-Rödern- Korso, gegenüber. Am Sonnabend FTGB.-Friedenau, 1. Man» nermannschaft und FTGB.-Nordring-Turn-r 2 um 19 Uhr in Friedenau, homuthstrahe. FTSB.-Norden 3. 1. Männermannschaft, tritt gegen die 1. Männermannschaft der Sozialistischen Studenten um 19 Uhr im Bolkspark Rehberge an: die Jugendmonnfchasten FTGB.-Spandau 1 und Volkssport Wedding 2 spielen um 19 Uhr in Spandau, Seeburger Straße. Am Sonntag hat der Turn- und Sportverein Kaulsd orf. Käpenicker Sraße. alle Mannschaften beschäftigt. Es spielen die Frauen um 10 Uhr gegen FTGB.-Baumschulenweg, die 3. Männermannschaft gegen Sportklub 1930 2 um 14.20 Uhr, die Iugendmannfchaft gegen Eintracht-Mahlsdorf um 15.30 Uhr, die gleichen 2. Männermannschaften um 17.30 Uhr und die 1. Mäpner» Mannschaften um 18.40 Uhr. In Klau-dorf spielen die Jugend- mannschast gegen FTGB.-Süd«n 2 um 13.50 Uhr. die 2. Männer. mannschast gegen Sportklub Grün-Weih 1 um 15 Uhr und die 1. Männermannschaft gegen FTGB.-Lankwitz 2 um 16 Uhr, Frledrichsthal 1 empfängt in Frtedrtchsthal um 14 Uhr Schönwalde. Nauen und Bötzow treffen sich in Nauen um 17 Uhr und FTGB.» Friedenau hat um 14 Uhr in Friedenau, Ossenbacher Straße, Ruhls- darf als Gegner._ Vcreinsvorsfändc des I.Kreises« ATSB. Für die am D!«nstqg. dem 4. August, im Poststadto» B»rlin. Lehrter Straße, stattfindend- Internationale Sportveranstaltuna swd Plakat« und B»rkoufskarten in der Krtisgeschäftsstell« b«im Genossen Richter in Empfang zu-nehmen. Jeder Verein sorge dasür. daß das Wcrhematerial sowie karten abgeholt werden._ Der Kreisvorstanv. Sporlfest der Unbekannken. Mit 420 Teilnehmern von vierzig Vereinen aus Berlin und her Mark veranstaltet der S p o r t v e'r- ein der BBC. am Sonntag, dem 26. Juli, 13 Uhr, im BVG.- Stadion in Lichtenberg(Siegsfiedstraße) sein erstes Sportfest, welches nur für die medrigste(4.) Leistungsklass« ausgeschrieben ist, unter der Devise:„Sportfest der Unbekannten". -ARBEiTEfL TUS&ALL 1. gegen 3. Bezirk Aus dem Sportplatz in der Neuendorfer Straße in Spandau stehen morgen um 18 Uhr die A u s w a h l m a n n» schaft«n de» I. gegen den III. Bezirk gegenüber. Schon einmal machten die Bezirke den Versuch, ihre Mannschaften gegen- einander spielen zu lassen. Im Oktober des vergangenen Jahre? trennten sich die Mannschaften nach vollkommen gleichwertigem Spiel mit dem unentschiedenen Resultat von 2:2. In diesem Jahr sollte es den Vertretern des III. Bezirks ein leichtes sein, ihren Widersachern eine Niederlage zu bereiten. Dadurch, daß die Lichten- berger nach Stettin fahren, ist es dem I. Bezirk nicht möglich, die spielstärkste Mannschaft aufzustellen. Die Mannschaften werden sich in folgender Ausstellung gegenübertreten: t.'Bezlrk: Streuber (Normannia) Stahlberg (Eiche) Boß Level (Minerva)(ASB.-Neukölln) Linie OllchewsK (Eintracht)(Spandan 2ö) Tank (Bntad) Löhs« (Butad) Z. Bezirk Wehmeicr (Osten) Becker Bartsch (Oderspree) Eichhorn (Rowawes) Korhr (Kladow) Behnke lZiauen) Bommel (Oderspree) Snindoke (Südost) Nollmann zierau (Rormannia)(Oberspree) Stolle Behnke (Spandau 25)(Nauen) Meißner (Eintrachl) Lustig (Niadow) Vor diesem Spiel stehen sich um 17 Uhr zwei Iugendmann- schasten gegenüber. Auf dem Norden-Nordwe st-Sportplatz, am Bahn- Hof Gesundbrunnen, erhält Adler 08 wieder auswärtigen Besuch: K o t t b u s 9 3, der diesjährige Bezirksmeister im 16. Kreis, wird den Pankowern gegenüberstehen. Vor diesem Spiel, das um 18.30 Uhr beginnt, treffen sich die zweiten Mannschaften von Adler 08 und chansa 31.— Am Sonntag finden folgende Gesellschaftsspiele statt: ASV.- Neukölln gegen Neuruppin. Eiche-Köpenick gegen Eintracht-Reinicken- darf. Strausberg gegen Minerva 2. chanfa 31 gegen Weißensee aus dem Meteorplatz in der Christianiastraße. Wansdorf gegen Saxonia, Freie Scholle gegen Vorwärts-Wedding. Spandau 25 gegen Schöne- berg. Butab gegen Kladow. Brieselang gegen Elsthal. Klausdorf gegen Friedersdorf. Zweite Mannschaften: ASV.-Neukölln gegen Neuruppin. Eiche gegen Eintracht. Eiche 3 gegen Eintracht 3. Hansa 31 gegen Weißensee. Freie Scholle gegen Vorwärts. Span- dau 25 gegen Schönebcrg. Butab gegen Kladow.— Jung mann- schatten: Brandenburg gegen Staaken. Nowawes 2 gegen Brandenburg 2. Nowawes 1 gegen Wilmersdorf. Freie Scholle gegen Minerva 2. Vorwärts-Wedding gegen Adler 08. Lichten- verg 1 gegen Drewitz. Saxonia gegen Minerva 1. Lichtenberg I 1 gegen Biktoria-Stettin. Beginn der Spiele: Erste Männermannschaften 17 Uhr. Zweite Männermannschaften 15,15 Uhr. Die Iugendmannschaften beginnen■ zu verschiedenen Zeiten. * Lichtenberg I sucht zum kommenden Sonntag für die zweite Mannschast noch einen Gegner auf eigenem Platz. Anfragen heute ab 20 Uhr unter E. 5, Lichtenberg 0866. Sieie Spart- ank SchLtzro-Varriviguiig. Abt. Prenzlauer Bera: Turnen iii »er Schul« Lnchener Sir. 07-08 mm lZrriinq von I9Vj— 32 Uhr. Sonnabend, SS. Sirti: DUrctrn zur Pflichtfohrt um 18 Uhr bei Zieche, Motzer Str. �2«(Gäste- schießen lüllt am). Freie Kann ilnian»»oß Berli,«. Abt. Sderfprec: Sonntag, 2«. Juli, i Uhr, Logerfohtt nach der Kleinen Krampe. Erscheinen Pflicht! Rückschau. j Die Sendung„Salzburg" wurde von Leipzig an den Deutschlandsender weitergegeben. Unter den vielen färb- und sonn- losen Städtebildern eins, das einen plastischen Umriß hatte. Die Stadt erstand vor den Hörern ans Geist und Form. Hier war das Zurückgreifen in die Vergangenheit berechtigt; denn diese Vcr- ganginheit gab dem Gesicht der Stadt die charakteristischen Züge. Ein« aktuelle Reportage beabsichtigte diese Sendung nicht, die Ge- genwart als zeitgeschichtlichen Begriff, nicht als Gebundenheit an den Tag wertete. Es wurde das Stadtbild gestaltet, wie es der künstlerische Mensch erlebt; eine Feriensendung, eindrucksvoll, fern vom Alltag. Musik unterstützte das Wort. Di« Mozartstadt, die dem künstlerischen Geist des Meisters so schwere Fesseln anlegte. und die ihm so bittere Demütigungen brachte, ist durchtränkt mit s«in»n Melodien. Es ist, als hätten sie ihr die musikalische Weihe gegeben, die immer wieder musikfrohe und Musikschaffende Menschen anzog. Von all dem wußte Dr. Erich F o r t n e r in seiner Dar- bietung ein lebendiges Bild zu geben. Aber er hatte dieser schönen, beschwingten Veranstaltung doch einen schweren Bleiklotz angehängt: einen historischen Rückblick, der dadurch für den Hörer nicht er- träglicher wurde, daß er als Schulpensum eines Salzburger Kindes aufgesagt wurde. Glücklicherweise gibt es wahrscheinlich in ganz Salzburg kein,, das diese Aufzählung aller Geschehnisse, die vor Christi und nach Christi Geburt und zur Zeit von Mohammeds Flucht und der Kreuzzüge und in allen dazwischen liegenden Zeiten in. um und mit Salzburg sich ereigneten, hätte wirtlich geben können. T>s. Freitag, 24. Juli. Berlin. 16.03 Otto fieljer: Am Arbeitstisch des Sportredakteurs. 16.30 Unterhaltungsmusik. 17.20 Prof. Karl Üanghammer: 90 Uhrc Berliner Kunstlcben. 17.40 Die alten Vororte und die Peripherie Berlins(Dr. Max Osborn), 18.00 Oerhart Pohl: Eine Spanienreise(mit Schallplatten). 1S.4S Kitzler: Die mittlere Ostmark und das Sternbcrger Ländchen. 19.10 Df. Josef Räuscher: Politische Zeitungssehau. 19,25 Das neue Buch. Dr.. Q. J. Wolf- Verlorene Malcrromintiker.(A«t Mikrophon; Prof. Dr. Wilhelm Waetjold). 19.40 Chorgosärge. 30.00 Interview der Woche. 30.30 Wir sind 8Q weit. K�bzrettrevue von Mas Kolps. 22.00 Wetter-, Tagesr ynd Sportnachrichten. Abendunterhaltung, Königswusterhausen. 16.00 Leipzig: Nachm'ttagskcnzert. 17.60 Dr. Gerb. Lehmann: Philosophische Arbeitsgemeinschaften. 17.30 Dr Knottcrus-Meycr: Aus dem Familienleben der Tiere, 18.00 Dr. H. Ludwig. Wie kontrolliert der Industrielle sein Budget? 18.38 William Wauer: Die Siegesallec in Berlin. 18.55 Wetter für die Landwirtschaft 19.00 Wissenschaftlicher Vortrag für Tierärzte. 19.30 Dreigespräch yber die religiöse Gedankenwelt des Arbeiters. 30.00 Min.-Dirigent Dr. Mäntzschfl; Die Stellung der Presse in Sowjetrußland. 20.30 Hamburg: Sinfonicabend. 21.25 Leipzig; Deutsche Volkslieder. Lleberflüssige Vereinsgründung. „Michsverband deuffcher Heimarbeiter." Den Heimarbeitern in Deutschland fehlt es nicht an Organisa- tumcn, sondern zu einein großen Teil noch an der Erkenntnis der Notwendigkeit, sich ihrer zuständigen Organisation anzuschließen. Die Heimarbeit ist derart spezialisiert, daß eine allgemeine Interessen- Vertretung, wie die neue Gründung sie verspricht, selbst wenn sie im übrigen einwandfrei wäre, durchaus unzweckmäßig ist. Die Gewerkschaften haben nicht daraus gewartet bis die Herren in dein neuen Reichsoerband ihr Herz für die Heimarbeiter entdeckten. Sie sind seit Jahrzehnten bemüht, die Verhältnisse der Heimarbeiter in der Kleider- und Wäschekonfektion, der Spielwaren-, der T a b a k i n d u st r i e, der Blumen- und Federnfabrikalion, kurzum dem gesamten Gebiet der Heimarbeit zu verbessern. Der neugebackene Reichsverband leitet seine Existenzberechtigung aus der Notverordnung ab. Doch bevor er gegründet war, haben sich die zuständigen Organisationen, auch die christlichen und Hirsch-Dunckerschen Gewerkschaften, für die Heimarbeiter eingesetzt. Den bisher noch immer nicht organisierten Heim- arbettern und-arbeiterinnen kann nur dringend geraten werde», sich der für ihre Branche zuständigen und zuverlässigen Gewerk- s ch a s t a n z u s ch li e ß e n und sich unter keinen Umständen ver- leiten zu lassen, der neuen anonymen Reichsvcrbandsgründung bot- zutreten, der jedwede Erfahrung auf dem Gebiete der Heimarbeit mangelt und auch die nötige Kraft und Macht, den Heimarbeitern zu helfen. Auch für die Heimarbeiter gilt di« Mahnung! Hinein in die freien Gewerkschaften! Linter„siegreicher" Führung der AGO. Fünfzig Mann ans! der Arbeit gebracht. Der kommunistische Einheitsoerbond der Metallindustrie kann wieder einmal einen großen„Erfolg" buchen. Vor etwa lä Tagen gelang es ihm, in der E l e m e n t e f a b r i k von B u m k e in der Vereinszimmer i Gebr. Löffler Berlin Ol 7, Ostbahnhot[224 Kartpifteigroßhandlung kaufen und verkaufen alle Sorten Speisekartoffein waggonweise BuficMleinze PtSlaaEeen In aallen Sdaattdellcsn in allen Butter-„an Kasegeachäften zu haben. 210 Siempelfabrltt Werner& Schade Berlin N, Kastanienallee 4i FernsptcchanschluB HumboldtlOI I-10I. liefert Kaotsdiuk- und Metallstempel prompt Iii if Bosenmiiier Str. 11-12 3SäIe,6Vereinsziinmer zu Versammlungen und Festlichkeiten „Hawag" Heizung, Lüftung, Be- und Entwässerung (R. 202 NOl8, Landsberger Sir. 92, Tel.: AIex.9130/1 Grollgarage Ifordbalmhof J. 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