Morgenausgabe Nr. 345 A 124 4S.Iahrgang WöchenMch 8V Pf, movatklch 3.60 ZK im voraus zahlbar, Postbezug 4,32 M. einschließlich 60 Pf. Postzeitungs« und 72 Pf. Postbestellgebühren. Auslands« abonnement 6,— M. pro Monat; für Länder mit ermäßigtem Drucksachen- oorto S.— M. * Der �vorwärts' erscheint wochentäg- lich zweimal, Sonntags und Montags einmal, die Abendausgabe für Berlin und im Rondel mit dem Titel„Der Abend- Illustrierte Beilage ,Dolt und Zeit-. Ferner, Frauenstimme-, �Technik*.»Blick m die Dücherwelt-. ,Iugend-Borwärts-u..Stadtbeilage- Berliner voltsblait Sonntag 26. 3uli 1931 Groß-Äerlin 15 Pf. Auswäris 20 pf. Die c Inf palt Nonparelllezelle 60 Pf. ReNamezeile 6,— RM.„Kleine An- zeigen" da» fettgedruckte Wort 25 Pf. lzulässig zwei fettgedruckte Worte), jede« wettere Wort 12 Pf. Rabatt lt. Tarif. Stellengesuche das erste Wort 15 Pf, jede» wettere Wort 10 Pf. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmartt Zeile 60 Pf. Familien« anzeigen Zeile 40 Pf. 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Die städtischen Straßenbahnwagen lassen die Fähnchen an den Leitungsgestellen flattern. Im Konzert- haus, einem weitläufigen Prachtbau aus der Vorkriegszeit, geht es schon seit mehreren Tagen lebhaft zu. Die Konserenzen des Büros und der Exekutive sind vorüber. Die Tagung der f o z i a l i ft i f ch e n Kleinbauern und die Internationale Frauenkonferenz sind be- endet. Nicht weniger als 64 weibliche sozialdemokratische Parlamen- tarier aus vielen Ländern nahmen an der Konferenz teil. Am Sonnabendnachmittag begann der Zustrom zur E r ö f f- nung des Kongresses. Die Bühne des gewaltigen und ein- drucksvollen Saales ist rot verkleidet und durch die ganze Breite des Saales zieht sich der rote Tisch der sozialdemokratischen Presse oller Länder. Im grünen Pflanzenschmuck auf der Bühne leuchtet schneeweiß das Modell des Wiener Matteotti- Denkmals, das in wenigen Tagen feierlich enthüllt werden wird: der gemarterte Kämpfer, der die Arme zum Himmel reckt. Wohl 3006 Menschen wohnen der Eröffnungssitzung bei. Bielc Tausend« hatten vergeblich um Zulassung gebeten. Vorn sieht man in den Reihen der Delegierten. Karl K a u t s k y in erfreulicher Frische und neben ihm Filippo Turati, den das Alter noch nicht sehr zu drücken scheint. Lebhaft begrüßt nahmen Vandervelde- Belgien und S e i tz- Wien die Plätze des Präsidiums ein. Schutzbündler in schmucker Uniform tragen die roten Fahnen auf die Bühne, die als Gösch die Staatsfarbcn aller hier vertretenen Nationen zeigen. Ein markiges Orgelvorspicl und dann ertönt f r i s ch c r M ä n n e r- g e s a n g, die österreichische Parteihymne, das schlichte aber ein- prägsame„Lied der Arbeit". Zu Ehren der österreichischen Bruder- partei erhebt sich der ganze Kongreß. Ein moderner Freiheit?» ch o r folgt, worauf die Internationale ertönt. Unter lebhaftem Beifall ergreift Bandervelde das Wort zu seiner Eröffnungsrede: Seit 1914, wo die Internationale in Wien zusammentreten sollte, ist das Habsburger Reich in Republiken und Diktaturen zerfallen. Alle leben, wenn auch in ver- schiedenem Maße in einem Kriegszustand, der durch die Welt- krise nur oerschärft worden ist. Aber inmitten all dieser Schatten leuchtet ein Licht, unter all den Dingen, die gestürzt oder im Nieder- gang begriffen sind, gibt es etwas, das im Aufstieg, ohne Unterlaß im Ausstieg ist. Der Sozialismus und die kräftige Sektion der Intcr- nationale, die Partei des unvergeßlichen Biktor Adler, es ist die Sozialdemokratische Partei Oe st erreich s.(Lebh. Beifall.) Wien ist heute die rote Stadt. Wien ist das Bollwerk der sozialistischen Demokratie gegen den Osten. Durch die Grenzlinien der politischen Freiheit ist Europa in zwei Teile zerrissen, westlich die Demokratien, in denen die Arbeiterschaft ihre Machtposition besetzt und ihre Rechte erweitern kann, ö st l i ch davon Diktatur und Faschismus. Die Internationale versammelt sich in einem Augenblick, da dieser Kampf um die Demokratie besonders in Deutsch- land seinen Höhepunkt erreicht hat, wo die Entwicklung des Kapitalismus auf der ganzen Welt sowohl in politischer als auch in wirtschaftlicher Beziehung die ungeheuerlichsten Widersprüche her- vorbringt. In Deutschland sind die Schwierigkeiten aller Art un- erhört groß, die Gegensätze auf das schärfste zugespitzt und die poli- tischen und sozialen Folgen aufs äußerste bedrohlich, morgen nielleicht schon von tiesster Tragik. Es ist gewiß ein offensichtlicher Unsinn, wenn die Nationalsozialisten diese kritische Lage lediglich den L a st e n zuschreiben, die das Ergebnis des letzten Krieges sind. Die entscheidenden Faktoren sind sicherlich die erschreckende Ausbreitung der Arbeitslosigkeit, die Desorganisation der öffentlichen Finanzen, die Katastrophe der Spekulation und die furchtbare Verschärfung der Kämpse zwischen dem Klassen und Parteien, vor allem ober die Vertrauenskrise, die seit den unglücklichen Septemberwahlen von 1930 den Fortbestand des Regimes in Frage gestellt haben. In Europa, namentlich ober in Deutschland, besteht die Tatsache der wachsenden Unoereinba rkeik der sozialen Ausgaben, des Ergebvisses der Er- oberuvg des Rechtes auf Lebe» durch die Arbeiter. m!k dea Sriegslasten. den Kosten der Liquidierung des Krieges von gestern und den Kosten für die Vorbereitung dessen, was die Nationalsozialisten weniger heuchlerisch als andere sich nicht scheuen, den Krieg von morgen zu nennen. Die Internationale mußte nicht auf die harten Lehren der Tatsache warten, um diese Unvereinbarkeit festzustellen und der Oestentlichkeit bekanntzugeben. Wir erinnern daran, daß die Sozia- listen Deutschlands, Englands, Belgiens und die Italiens 1922 in Frankfurt folgendes Programm für die Liquidierung des Krieges aufgestellt hoben: Beschränkung der Reparationen auf die direkten der Zivilbevölkerung zugefügten Schäden, Streichung der darüber hinausgehenden Kriegsschulden, möz- lichst rasche Beendigung der militärischen Okkupation, Abrüstung. In ollen diesen vier Punkten haben die bürgerlichen Regierungen den genau entgegengesetzten Weg eingeschlagen. So fügte man zu der Reparationsrechnung die schwere La st der Militärpensionen hinzu. Als sich herausstellte, daß die geforderte Summe nicht nur die Zahlungsfähigkeit Deutschlands, sondern auch die Aufnahmefähigkeit seiner Gläubiger über- steige, wurde an diesem Prinzip trotzdem nichts geändert. Dadurch wurde der Anteil der eigentlichen Reparation am Gesamtbetrag und damit der Anteil Frankreichs und Belgiens verringert, also gerade derjenigen Staaten, die am meisten unter der Bcrwüstung des Krieges gelitten hatten. Statt das Prinzip der Annullierung der Kriegsschulden anzuerkennen, und die dahingehenden Borschläge Englands anzu- nehmen, statt die moralische, wenn nicht rechtliche Unzulässigkeit der Schuldforderung der Dereinigten Staaten festzustellen, der diese ein- zigen Gewinner des Weltkrieges gegen ihre ehemaligen Alliierten und Feinde erhoben und heute noch erheben, streiten sie sich unter- einander, wie Adissons Katzen, die in einem Sack eingeschlossen sind und sich gegenseitig zerfleischen, statt die Hand zu beißen, die sie eingeschlossen hält und sie erstickt. Alle diese Probleme werden hier unter dem dreifachen Gesichtspunkt der Abrüstung, der Arbeits- lofigkeit und des Kampfes um die Demokratie ernstlich anzufassen sein. Ich verstehe es zwar, wenn die französische und belgische Rc» gierung sich an die Ucberlegenhcit Deutschlands in bczug auf die Bevölkerungszahl und Offensivkraft einer Kader-Armee, obgleich Frankreich mehr.für lange Dienstzeit rekrutierte Freiwillige besitzt als Deutschland, klammern und vor allem auf die Möglichkeit, wenn nicht Wahrscheinlichkeit, geheimer Rüstungen und auf die Gefahr gewisser.Bündnisse sich beruft, sobald ihr nahegelegt wird, die„moralische und juristische Verpflichtung" von Versailles einzu- halten und ihren Rüstungsstand auf den Deutschlands herabzusetzen. Aber das ändert nichts an der Tatsache, daß die Abrüstung nicht aufgeschoben werden darf. da die Rüstungen die Welt mit unerträglichen Lasten bedrücken. Wir begrüßen die Anstrengungen der englischen Arbeiterregierung zum Nutzen der Abrüstung(lebhafter Beifall). Aber der Bund aller Völker für die Abrüstung braucht nicht erst geschaffen zu werden, er ist da, es ist unsere und die g e w e r k s ch a f t- liche Internationale. Nichts mehr wird die Arbeiter krieg- führender Länder daran hindern können, solidarisch zu bleiben, im Guten wie im Bösen und ihre Kräfte gegen diejenigen zu vereinen, die den Weltfrieden gestört haben. Die ganze Internationale ist heute von diesem Geiste beseelt."(Stürmisch langanhaltcnder Beifall, der sich nach der Uebersetzung von Dr. Oskar P o l l a ck- Wien, dem Chefredakteur der Arbeiterzeitung, noch stärker wiederholt.) Lebhaft begrüßt entbietet dann Bürgermeister Seih als Vorsitzender der Sozialdemokratischen Arbeiierpartei Deutsch- österreichs dem Kongreß den Willkommensgruh der überwiegenden Mehrheit des Voltes von Wien: Hier bemühen wir uns, unter den schwierigsten Verhältnissen, sozialistische Arbeit zu leisten: die werk- tätigen Massen geistig und körperlich widerstandsfähig zu erhalten, ist das tägliche Bemühen der Sozialdemokratie aller Länder. Wir kämpfen überall für Frieden und Demokratie. In vollkommener Ein- heit und Geschlossenheit, in brüderlicher Solidarität werden wir unseren Kampf fortsetzen, damit wir in historischer Stunde uns würdig unserer Sache erweise«. Sagen Sie dos olles in Ihrer Heimat, auf daß immer stärkere Reihen zu den Kämpfern des Proletariats stoßen und zu denen der neuen Welt, zu der internationalen Sozialdemokratie."(Brau- send« Beifall.) Auf Borschlog der Exekutive und durch Sekretär Friedrich Adler zur Kenntnis gebrocht, wird dann beschlossen, den zweiten Punkt der Tagesordnung zu betiteln:„Die Lage in Deutschland und Zentraleuropa und der Kampf der Arbeiterklasse um die Demo- kratie." lieber diesen Punkt wird Dr. Otto B a u e r- W i e n re- ferieren.— Mit dieser Abänderung der Tagesordnung wird die Eröksnungstogung beendet. Giahlhelmaufmarfch verboien. Aachener Regierungspräsident greift durch. Aachen, 25. Juli.(Eigenbericht.) Ein großer S t a h l h c l m a u f m a r s ch der mittelrheinischen Stahlhelmformation, der für Sonntag in Eschweiler geplant war, ist am Sonnabend mittag von dem Regierungspräsidenten in Aachen verboten worden. Geichzeitig wurde das Tragen der Stahlhelmuniform aus den Straßen und der Zuzug von Stahlhelm- leiiten durch Lastauto- untersagt. Wittkommen in Berlin! Macdonald, Henderson und Stimson als Gäste der Jtochsregierung. R a msa y Macdonald und Arthur He n der- s o n, der Ministerpräsident und der Außenminister Großbritanniens, treffen am Montag in Berlin zu einem offiziellen Besuch ein. Das ganze deutsche Bolk, soweit es nicht dem Chau- vinismus und der Sozialistenfeindlichkeit hoffnungslos verfallen ist, heißt die beiden führenden Männer der englischen Ar- beiterregierung herzlich willkommen. Sie sind die ersten Mi- nister einer Großmacht, die seit Kriegsende zu einem Staats- besuch in der Reichshauptstadt erscheinen. Besonders freudig begrüßt sie das sozialdemokratische Deutschland, denn sie sind nicht imr bewährte Freunde des deutschen Volkes, sondern auch Kämpfer für das gleiche Ideal des Völkerfriedcns und der Befreiung der Arbeiterklasse: sie sind, mit einem Worte, Parteigenossen. Unter ihrer Führung ist die Sozialistische Internationale unmittelbar nach dem Kriege wieder auferstanden, Arthur Henderstm war sogar bis zu seinem Amtsantritt ihr Borsitzender, Macdonald war in den ersten Jahren ihr Sekretär. In diesen Eigenschaften sind beide in den letzten zwölf Zahren wiederholt in Deutsch- land gewesen, das sie jetzt zum ersten Male als Minister offiziell betreten. Der Berliner Besuch ist die Erwiderung auf die Begeg- nung von C h e q u e r s, die um den 16. Juni stattfand und auf eine Initiative der englischen Staatsmänner zurückzu- führen war. Als die Einladung an den Reichskanzler und den Reichsaußenminister zu Beginn dieses Jahres erging, dachte noch niemand an die Möglichkeit, daß sich die Lage in Deutsch- land und damit in Europa so katastrophal zuspitzen könnte. Die englischen Minister beabsichtigten damals, vor allem das Abrüstungsproblem mit ihren deutschen Kollegen zu besprechen. Denn als Sozialisten erscheint ihnen diese Frage mit Recht als eine der wichtigsten der Gegenwart. Unmittel- bar nach seinem Amtsantritt ist M a c d o n a l d noch Washington gereist, wo er innerhalb weniger Tage jene grund- sätzliche Einigung mit der USA. über Flottenabrüstung er- reichte, die seine konservativen Vorgänger jahrelang verhindert hatten. Daraus entstand die Londoner Seemächtekanferenz im Winter 1936, deren positives Ergebnis die endgültige Ein- berufung der Weltabrüstungskonferenz erst er- möglicht hat. Mit freudiger Unterstützung durch den deutschen Ratsvertreter ist H e n d e r s o n zum Vorsitzenden dieser Kon- ferenz gewählt worden, die im Winter 1932 zusammentreten wird. Die Besprechungen von Chcquers sollten vor allem dazu dienen, ein positives Ergebnis dieser kommenden Genfer Konferenz, namentlich auf dem Gebiet der Abrüstung zu Lande, vorzubereiten. Aber die Zuspitzung der Weltwirtschaftskrise und der finanziellen Schwierigkeiten in Deutschland brachte es mit sich, daß in Chequers nicht mehr das Abrüstungs-, sondern das Reparationsproblem in den Vordergrund trat. Aus der Aussprache in Chcquers ist das Hoover-Moratorium entstanden: die englische Arbeiterregierung ist es gewesen, die unter dem Eindruck der Darlegungen Dr. Brünings auf Hoover einwirkte. Daß die psychologische Wirkung der Hoover-Botschaft nur von kurzer Dauer war und die Krise in Deutschland sich weiter ver- schlimmerte, war jedenfalls nicht die Schuld unserer englischen Freunde, sondern derjenigen Regierungen, die zwei kostbare Wochen verstreichen ließen, ehe sie sich zu einer Zustimmungs- erklärung entschlossen. Als sodann die deutsche Krise in eine Katastrophe auszu- orten drohte, griffen abermals Macdonald und Henderstm entschlossen ein. Sie beriefen eine Konferenz der Ministerpräsi- deuten und Außenminister nach London ein. Der Gegen- besuch für Chequers, der vor zehn Tagen in Hubcrtusstock statt- finden sollte, mußte infolgedessen verschoben werden. Auch dafür, daß die Ergebnisse der Londoner Konferenz so ungenügend waren, trifft Macdonald und Henderson keine Schuld, sie am allerwenigsten. Die Eröffnungsrede Mac- donalds auf der Londoner Konferenz war eine ftaatsmännische Leistung ersten Ranges. Wäre im Sinne seines Aktions- Programms gehandelt worden, so würde eine viel schnellere, umfassendere und wirksamere Hilfsaktion zustande gekommen sein. Aber England wurde selbst von Frankreich unter schwer- sten Druck gesetzt, es mußte seinen Versuch, Deutschland zu helfen, mit der Erschütterung seiner eigenen Finanzlage büßen. Es fand bei Amerika nicht den erhofften Rückhalt. Deutschlands innerpolitische Verhältnisse erlaubten dem Reichskanzler nicht, die Zugeständnisse zu machen, die Frank- reich für seine unerläßliche Mitwirkung forderte. Es ist wenigstens eine Zwischenlösung zustande gekommen, von der man am allerbesten in England weiß, daß sie nicht genügt und schon in nächster Zeit einer weitgehenden Er- gänzung bedarf. * Da sich die deutschen Staatsmänner erst vor wenigen Tagen von ihren britischen Kollegen getrennt haben, nachdem sie in London zahlreiche Besprechungen mit ihnen abhielten, hat der jetzige Berliner Gegenbesuch Macdonalds und Hen- dersons nicht mehr jene hochpolitische Bedeutung, die dem ge- planten Wochenendausflug nach Hubertusstock vor zehn Tagen zugekommen wäre. Es handelt sich unter den heutigen Umständen einmal um einen H ö f l i ch k e i t s a k t, der aus Gründen der Zweck- Mäßigkeit noch vor dem Ende der englischen Parlaments- session erfolgt, zumal vielleicht schon im September in Genf eine neue Konferenz nach der Art von London zusammentreten wird. Darüber hinaus ist es offenbar der Wunsch Mac- donalds und Hendersons, eben angesichts des für Deutsch- land ungenügenden Ausganges der Londoner Konferenz, ihre Sympathie und ihre Solidarität mit dem um seine Existenz schwer ringenden deutschen Volk zu d e m o n- st r i e r e n. So wird jedenfalls diese Reise in Deutschland und in der Welt aufgefaßt werden, und das deutsche Volk ist den beiden englischen Ministern für diese Geste der Freund- schaftinderRot aufrichtig dankbar. Indessen können die Berliner Besprechungen, trotz des formalen Charakters dieses Gegenbesuches und trotz der zeit- lichen Nähe der soeben beendeten Londoner Konferenz, auch einen positiven Nutzen haben: die deutschen und eng- tischen Staatsmänner werden sich zweifellos darüber aus- sprechen, was in der allernächsten Zeit geschehen kann und ge- schehen muß, um eine neue Konferenz bald zustande zu bringen, die größeren Erfolg verspricht. Ueber das gleiche Thema wird man sich heute auch mit dem amerikanischen Staatssekretär S t i m s o n unterhalten, der seit gestern in Berlin weilt und bis Montag nachmittag hier bleiben wird. Staatssekretär Stimson ist der p e r s ö n- liche Vertrauensmann Hoovers, und ollein diese Eigenschaft sichert ihm die herzlichste Aufnahme in Berlin. Denn es gibt gegenwärtig in Deutschland kaum einen aus- ländischen Staatsmann, der sich gleicher Popularität erfreut, wie der Berkünder des Feierjahres für interstaalliche Schulden. Stimson ist vorwiegend Außenpolitiker, auch er war nach Europa vor allem gereist, um die Abrüstungsfrage mit den Regierungen der Alten Welt zu besprechen und aus sie im Sinne einer Einigung auf der Weltobrüstungskonferenz einzuwirken. Sehr gegen seinen Willen und seine Neigung ist er aber in den Strudel der finanziellen Probleme hineinge.zogen worden, für die vor ollem sein Kollege Mellon zuständig ist. Er muß sich erst mit der komplizierten Materie, insbesondere mit der Lage in Deutschland vertraut, machen. Dazu bietet ihm der jetzige Aufenthalt-in Berlin die beste Gelegenheit. Die ausländischen Staatsmänner betreten den Boden der deutschen Republik in einem Augenblick, wo die Stimmung unseres Volkes durch schwerste Sorgen um die Gegenwart und noch mehr um die Zukunft gedrückt ist. Sie werden es daher begreifen, wenn bei aller Herzlichkeit des Willkommengrußes ihnen kein jubelnder Empfang bereitet wird. Der Dank für das, was sie bereits getan haben, ist ihnen gewiß. Vor allem ist es heute angebracht, daran zu erinnern, daß die frühere Räumung des Rheinlandes zum guten Teil das Werk der britischen Arbeiterregierung war, deren Minister das Gelöbnis erfüllten, das sie als sozialistische Politiker auf allen Konferenzen der Internationale seit Kriegsende ab- gelegt haben. Vielen mag dieses große Ereignis einer ent- fernten Vergangenheit angehören, obwohl es erst vor einem Jahr Wirklichkeit wurde. Wir aber, deutsche Sozialdemo- traten, Mitglieder der gleichen Internationale wie die Labour Party, deren Führer wir heute als Minister begrüßen, wir wollen nicht so schnell vergessen wie andere: ihre große Tat von damals gibt uns die Gewißheit, daß sie der deutschen Republik auchinZukunftals aufrichtige Freunde helfen werden, soweit es überhaupt in ihrer Macht gelegen ist! Festigung der Kreditwirtschast. Eine Garaniie- und Akzeptbank.- Mitwirkung von Reich und Reichsbank. Wichtige offene Kragen. Oer Landfriedensbruch von Weilheim« Staatsanwatt beantragt insgesamt �2 Jahre Gefängnis. München, 25. Juli.(Eigenbericht.) Das Plädoyer des Staatsanwalts imWeilheimer La n d- friedensbruch-Prozeß zog aus der Beweisaufnahme den eindeutigen Schluß, daß die Sprengung der sozialdemo- kratischen Versammlung organisert war und die blutige Schlägerei mit dem Absingen des Horst-Wesiel-Liedes in- szeniert wurde. Er forderte deshalb die Verurteilung sämtlicher 27 SA.-Leute zu G e f ä n g n i s st r a f e n in Höhe von 3 bis g Monaten, ins- gesamt 122 Monaten und in Konsequenz dieses Antrages die Frei- sprechung der angeklagten 6 Reichsbcnncrleute mit Ausnahme eines einzigen, für den er 2 Monate Gefängnis wegen schwerer Körper- Verletzung verlangte. Die 5) ö ch st st r a f e von 9 Monaten hat der Anklagevertreter dem Postassistenten I b l e r. dem sogenannten SA.-Beobachtcr, zugedacht mit der Begründung, daß seine Straftat (Verletzung des Telegraphengeheimnisses) an den Grundlagen der staatlichen Existenz nage. Das Urteil wird im Laufe der Woche gefällt. Bombe explodiert in Reapel. Drei Personen verleht. Rom, 25. Juli.(Eigenbericht.) In der belebten Geschäfts- und Cafehausgolcrie Neapels explodierte am Sonnabcndnachmittag eine Bombe. Drei Per- fönen wurden verletzt. Die Fensterscheiben der Galerie gingen in Trümmer. Bon den Tätern sehst jede Spur. Als die Explosion bekannt wurde, veranstalteten die Faschisten Neapels Demon- i strationen. Amtlich wird gemeldet: Um den möglich st schnellen Abbau der jetzigen De- schränkuagcn im Zahlungsverkehr herbeizuführen, haben sich das Reich und die nachstehend benannten Berliner Kreditinstitute aus Anregung der Reichsbant und unter Mitwirkung des Reiches zu einer Gemeinfchastsaktion entschlossen. Hierdurch soll auch ermöglicht werden, die Darmstädter- und Rationalbank, sür deren Kreditoren das Reich die Ausfall- bürgschaft übernommen hat, wieder in den Zahlungsoertehr e i u- zuschalten. Um die ersorderlichen Mittel zu sichern, wurde unter der Firma„Akzept- und Garantiebank A.- G.* eine Aktiengesellschaft mit einem Kapital von Zl>0 Millionen Mark gegründet. Diese Gesellschaft wird da- reibungslose Funktionieren des Zahlungsverkehr» durch Zurverfügungstellung der ersorderlichen Mittel gewährleisten. Die hierfür notwendigen Kredite sind gesichert. Es handelt sich um folgende Gründerbanken: Bank für deutsche Jndustrie-Obligationen, Berliner Hand«ls-Ge- sellschaft, Commerz- und Privatdonk A.-G., Deutsche Bank und Disconto-Gesellschast, Deutsche Golddiskontbank, Deutsche Rentenbank-Kreditanstalt(Landwirtschaftliche Zentralbank), Deutsche Vertehrs-Kredit-Bank A.-G., Dresdner Bank, Mendels- fohn u. Co.. Preußische Staatsbank(Seehandlung), Reichs-Kredit-Gesellschaft A.-G. -i- Di« Gründung der Garantie- und Akzeptbank ist für die Flott- machung der deutschen Kreditwirtschaft ein wichtiges Er- e i g n i s. Di« bisherigen Lockerungen des Zahlungs- und Erleicht«- rungen des Kreditverkechrs waren absolut unzureichend. Wir haben schon darauf hingewiesen, daß bis zum 28. Juli ein« vollständige Lähmung in der privaten und in der öffentlichen Wirtschafts- sowie Berwaltungssphär« wahrscheinlich gewesen wäre, nicht weil es eigentlich an Zahlungsmitteln fehle, sondern an Krediten und Kredit- unterlagen. Wir hatten gefordert, daß Reichsregierung und Reichsbank in kürzester Frist dafür sorgen müssen, daß Kreditquellcn erschlossen und Kreditunterlagen geschaffen werden. Der erste wichtig« Schritt in dieser Richtung ist jetzt getan. Die Kründung der Garantie- und Akzeptbank ist«in« Gemeinschafts- aktion des Reiches, der Reichsbank und einer Anzahl großer Banken, und zwar auch der Bank der Reichsbahn, der Preußischen Staatsbank, der Rentenbank-Kreditanstalt und der Golddiskontbank. Das Kapital, das in erster Linie die Haftung darstellt, wird von den beteiligten Banken zirsammengeschossen. Dos Ziel ist der möglichst schnelle Abbau der jetzigen Beschränkungen des Zahlungsverkehrs, eine an sich ungenaue Formulierung, da offenbar die Vergrößerung des Kredit Umlaufs das Ziel der Aktion ist. Der Abbau des inneren Bankenmoratoriums, das wegen der ungenügenden Kredit- möglichketten über de« 28. Juli notwendig hätte svrtqeführt werden müssen, soll erreicht werden. Erfreulich rst; daß' mttr an die Verstärkung des Rentenmarkumlaufs neben der Reichsmark nicht mehr zu denken scheint. Die Schaffung neuer Kreditmöglichkeiten dürste so erfolgen, daß die genannten Grunderbanken unter sich und auch auf andere solche Bankinstitute Wechsel ziehen und daß diese Wechsel von der Reichsbank diskontiert werden. Damit wird die Kredtt- dürre, die nach den ausländischen Geldkündigungen unerträglich ge» worden ist, grundsätzlich beseitigt werden können. Daß man dabei auch an die Flottmachung der D a n a t- B a n k sür den Zahlungs- oerkehr gedacht hat, ist sinnvoll. Da» bedeutet ober noch nichts für das endgültig« Schicksal der Darmstädter und Nationalbonk. Das amtlich« Kommunique läßt aber außerordentlich wichtige Fragen offen. Es muß schleunigst darüber Klar- heit geschaffen werden, ob dos R« i ch auch hier außer der Beteili» gung am Kapital eine Garantie übernehmen wird, und ob die Reichsbank ein« Verteuerung des von ihr neu zu gewährenden Kredits ins Auge gefaßt hat. Eine Diskonterhöhung halten wir für unvermeidlich, wenn nach der nun folgenden Aushebung der Restruktionen der notwendige Druck für die Rück- zahlung eingefrorener Kredite ausgeübt und das Ausland die neue Aktion mit Vertrauen begrüßen soll. Mit ebenso großer Dringlichkeit sind auch noch andere Fragen zu klären. Wir wundern uns darüber, daß unter den Gründen, so erstklassige Banken wie die Preußische Zentral- Genossenschaftskasse, die Bank der Arbeiter, Angestellten und Be- amtcn und auch die Deuffche Girozentrale für die Sparkassen nicht genannt werden. Es wäre unverantwortlich, wenn der Finan- zierungsbedarf der Genossenschaften, der gemischt« irt- schaftlichen Betriebe der vom Reich finanziell preis- gegebenen Kommunen unberücksichtigt bleiben sollten. Wäre dos der Fall, dann kämen die Sparkassen und die Genossen- schasten bei der Beseitigung der Bankseiertoge gegenüber ihren Ein- legem im Verhältnis zu den privaten Banken so in Nachteil, daß ihr Ansehen gefährdet würde. Erst wenn in diesen entscheidenden Fragen positive Ant- worten vorliegen, wird man den neuen Schritt auch wirklich günstig beurteilen. Börsen-Rowerordnung. Die Abwicklung der Termingeschäfte. Am 11. Juli hat die letzte Börse stattgefunden. Die Reichs- regicrung ist durch Notverordnung ermächtigt worden, die Ab- Wicklung von Geschäften zu regeln, deren Erfüllung durch die Schließung der deutschen Börsen und durch die Einstellung amt- licher Kursfeststellungen erschwert oder unmöglich ge- macht wurde. Auf Grund dieser Notverordnung wurden folgende Durchführungsbestimmungen erlassen: Die Ansprüche auf Lieferung gekaufter Ware und auf Zah- lung des Kaufpreises werden für Geschäfte nach Z 67 des Börsen- gesetzes(handelsrechtliche Liefergeschäfte in Getreide) ausge- hoben. Es werden Liquidattonspreise von der Obersten Landes- behörde nach Anhörung des Börsenvorstandes festgesetzt. Die Differenz zwischen Kaufpreis und Liquidationspreis ist am 15. August zu zahlen: vom 1. August bis zum 15. August ist diese Differenz mit 12 Proz. zu verzinsen. Für Termingeschäfte in Wertpapieren hat der Börsenvorstand Bestimmungen zu treffen. Der Berliner Börsen- vorstand hat beschlossen, daß die auf Ultimo Juli abgeschlossenen Börsentermingeschäste er st Ultimo August fällig sind. Das gleiche gilt für Gelddarlehen für Wertpapiergeschäfte, die auf s e st e n Termin abgeschlossen wurden. Die Gelddarlehen mit tag- licher Kündigung werden vom dritten Börsentage nach Wieder- eröffnung der Börse fällig. Die Zinssätze(mit Ausnahme der Deportsätze) erhöhen sich um die Hälfte der für Juli vereinbarten Sätze. Darlehen, die nicht für Wertpapiergeschästc bestimmt waren, sind am vereinbarten Tage fällig: täglich kündbare Gelder sind am 31. Juli fällig. Wer ohne sein Verschulden Verbindlichkeiten nicht er- füllt, hat nur Verzugszinsen zu zahlen. Die gesetzlichen oder vertraglichen Folgen wegen Nichterfüllung treten nicht ein. Ein solcher Schuldner muß aber nach Beseitigung des Hindernisses unverzüglich erfüllen. Die Oevisenablieferung. Donnerkitog Fnstablavf.— Weitere Durchführung«!- bestimmung. Die Frist zur Ablieferung oder Anzeige von Devisen im.. Gesamtbetrag von 20 OOst Reichsmark und meh*'. läuft nur noch bis zum 29. Juli 1931 und wird nicht ver- l ä n g« r t. In einer wetteren Durchführungsverordnung ist bestimmt, daß Ehegatten, die nicht dauernd voneinander gettennt leben, und serner Eltern und die mit ihnen in häuslicher Gemeinschaft lebenden Kinder ihre Devisenbeträg« zusammenzurechnen haben, und daß anmeldepflichtig auch Währungskonten bei inländi- sch« n Kreditinstituten sind. Fristverlängerung für Dermögenssteuererklärung. Wie das Reichsfinanzministerium mitteilt, werden die Fristen sür die Abgabe der Vermögens st euererklärung, für die Anzeige von Beteiligungen und für die Steueramnesti« ollze- mein biszumAblaufdes31. Augu st d. I. verlängert. Zu den Vorschriften über die Steueramnestie werden demnächst eingehende Durchführungsbestimmungen erlassen werden. Oie Gieuerzahlungen mit Schecks. Erleichternde Bestimmungen des Finanzministeriums. Amtlich wird mitgeteilt: Der Reichssinanzminister hat in dem Bestreben, den Steuer- pslichtigen die Entrichtung ihrer Steuerschulden möz- lichst zu erleichtern, die Finanzkassen. Zollkassen und Ober- finanzkasscn angewiesen, bis auf weiteres entgegen der bisherigen Regelung auch indossierte Schecks, Kundenschecks und Orderschecks als Einzahlung anzunehmen, wenn diese Schecks auf Geldanstalten ausgestellt sind, die am Sitz der Kasse. an die die Einzahlung entrichtet werden soll oder an einem dem Sitz« dieser Kasse unmittelbar benachbarten Orte liegen. Gerüchte um Schacht und Luther. Soll der Posten des Reichswirtschaftsministers beseht werden? In den letzten Tagen wurde viel von einer möglichen Demission des Reichsbankpräsidenten Dr. Luther ge- sprachen, und der politisch ebenso geschäftige wie unzuver- lässige ehemalige Reichsbankpräsident Dr. Schacht wußte dafür zu sorgen, daß auch sein Name im Zusammenhang mit Personaloeränderungen an wichtigsten Stellen immer wieder genannt wurde. Wie wir dazu hören, denkt der Reichskanzler Brüning ebensowenig daran, Dr. Schacht mit wichtigen Missionen zu betrauen, wie daran, einen Rücktritt des jetzigen Rcichsbankpräsidcntcn Dr. Luther zum jetzigen Zeitpunkt gut- zuhcißen, den ja formell der Generalrat der Reichsbank und der Reichspräsident zu akzeptieren hätten. Es wird auch von der endgültigen Besetzung des Postens des Reichswirtschaftsministers gesprochen; als Kandidat wird hartnäckig das Vorstandsmitglied der JG.- Farbenindustrie A.-G., Heinrich Schmitz, genannt. Nach dem Gesichtspunkt des wirtschaftlichen Gesamtinteresses wird man einer Kandidatur des Generaldirektors Schmitz, der Zweifel- los einen ausgezeichneten internationalen Namen hat, nur nach Maßstäben des geringeren politischen Uebels gegenüberstehen können. Außerordentliche Vollmachten soll der zukünftige Wirtschaftsminister nicht erhalten. Freilich hätte er sehr große Möglichkeiten zur inneren Gesundung der privaten Wirtschaft beizutragen. Generaldirektor Schmitz ist der Leiter der Finanzgeschäfte des JG.-Farbentrusts. Seine Fähig- keilen als Finanzmann werden sehr gelobt. Er hat, abge- sehen von der Stickstoftabteilung, die IG.-Farbenindustrie A.-G. vor übergroßen Fehlinvestitionen bewahrt und den Riesenkonzern finanziell sehr stark zu halten gewußt. Man wird aber beachten müssen, daß man in der Vergangenheit auch mit anerkannten Führern der Privatwirtschaft in der Staatsverwaltung oft Fiasko gemacht hat. -i°» Der„Sozialdemokratische Pressedienst� meldet: Das Rcichskabinett trat am Sonnabend bald nach der Rückkehr des Reichskanzlers und Reichsaußenministers nach Berlin zu einer kurzen Sitzung zusammen, in der die Pariser Besprechungen und die aus der Londoner Konferenz behandelten Probleme erörtert wurden. Vorher hatte der Reichskanzler dem Reichspräsidenten Bericht erstattet. Nachmittags wurden unter dem Vorsiß des Reichs- kanzlers und in Anwesenheit des Reichsbankpräsi- denken Dr. Luther im Reichsfinanzministerium die Gesamtheit her schwebenden aktuellen Wirtschafts- und Finonzfragen besprochen. Diesen Verhandlungen werden Besprechungen des Reichskanzlers mit dem preußischcn Ministerpräsidenten folgen. Die Hoffnung, daß nach der Rückkehr des Reichskanzlers die Grenzsperre restlos fallen würde, hat sich nicht erfüllt. Man sieht zwar in fast allen Ressorts ein, daß diese Verordnung wirt- schafllich unmöglich- ist, aber man ift neuerdings entschlossen, sie aus politischen Gründen bestehen zu lassen. Nr. 345• 48. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Sonntag, 26. Juli 4934 Im letzten halben Jahre haben 30 00 0 Menschen Berlin oer lassen. Das ist die Einwohnerzahl einer deutschen Mittelstadt. Wer im Statistischen Jahrbuch des Deutsdien Reiches nachblättert, der findet auf dem 30 OOO-Punkt genau die Stadt Konstanz und ringsherum Schweinfurt, Lüdenscheid, Stendal, Iserlohn, W ilhelmshaoen und Kolberg. Man kann sich nun überhaupt nicht vorstellen, daß Stendal oder Kolberg eines Tages vom Erdboden verschwinden sollten, daß 30 000 Menschen eines Tages spurlos in alle Winde verweht sind. Dagegen in Berlin merkt kaum jemand etwas davon. Nur alle halben Jahre kommt die Bevölkerungsstatistik heraus, da liest man eine magere Lokalnotiz: Berlin wird kleiner. Weiter nichts. Und wer sich dann noch die Mühe machen wollte, nadi- zurechnen, wieviel 30 000 von 4 300 000 sind, der bekäme so kleine Bruchzahlen, daß er mit Promille rechnen müßte. Trotzdem besteht die Flucht aus der Weltstadt. Wenn sich die 5000, die in dieser schweren Zeit allmonatlich Berlin verlassen, noch einmal versammeln würden, dann wäre das eine riesige Demonstration: 5000 Menschen mit Sack und Pack, mit Kind und Kegel, die Frankfurter Allee herunterziehend, der Heimat zu. Das märe eine Sensation, dieser allmonatliche Auszug der 5000. Aber so ist es ja nicht. Tropfenweis und unbemerkt versickert dieser Menschenstrom irgendwo auf einem Dorf oder in einer kleinen Stadt. Das Fräulein aus der Neumark. Die Menschen, die von Berlin gehen, brauchen nicht immer Ar- beislose zu sein. Das wäre grundfalsrf), olle Berlinflüchtigen als halbverhungerte Arbeitslose hinzustellen. So leicht läßt sich die ganze Frage nicht über einen Kamm scheren. Da kam zum Beispiel mit der letzten Konjunkturwelle, die nun schon lange verebbt ist, ein junges frisches Mädchen aus der Neumart nach Berlin. Sie war in den ersten zwanziger Jahren, wollte mal ein wenig die Welt sehen, denn der elende Trott in der elterlichen Wirtschaft war ihr gründlich über: immer in aller Herrgottsfrühe die Kühe melken, ewig die Schweine füttern und dann ins Heu oder auf den Acker, um Rüben zu setzen, nein, sagte sich das Mädchen, da fahre ich lieber nach Berlin und werde ein Fräulein. Es gelang ihr noch gerade vor Toresschluß. In einer Konditorei wurde sie hinters Büfett gestellt, bekam ein schwarzes Kleid an und eine weiße Schürze davor, ver- kaufte Kuchen, schenkte Kasfeevein oder Schnäpse, und jeder sagte zu ihn Fräulein. Alles sah. vzunderschyn. aus.,.Bei�. Lichte. besehen allerdings nicht mehr.� Dg kam eine zwölfftündige Arbeitszeit her-: aus, von mittags 12 bis mitternachts 12, und wenn die Gäste weiter- kneipten, wurde es noch später. An Lohn gab es 17 Mark in der Woche und Essen und Trinken dazu. Aber von diesen 17 Mark, die auf den Monat gerechnet 70 Mark wurden, mußten Z0 Mark für das Zimmer gezahlt werden. 15 Mark macht heute bei jedem Werktätigen ohne Gnade das Fahrgeld aus, dann sollten Kleider sein, Schuhe und Strümpfe, und zum Schluß blieb herzlich wenig übrig. So kündigte das Fräulein aus der Neumark ihre Stellung. >,Nein", sagte sie,..da stehe ich mich ja zu Hause viel besser. Bei uns kommen selbst während der Ernte kaum 12 Arbeitsstunden für eine Frau heraus, und hier geht das Winter wie Sommer so lange. Was nützen mir die 17 Mark, wenn die Hälfte davon für die Woh- nung drauf geht. Zu Hause wohne ich bei meinen Eltern umsonst, habe mein Essen und Trinken, wogegen ich hier in Berlin alle meine Spargroschen zusetzen mußte. Nein, ich tausche die Neumark nicht mehr gegen Berlin ein." In Berlin fliegen eben keine gebratenen Tauben umher. Das ist nur der große Irrtum der Provinz. Ein dezimierter Beruf. Als zweiter typischer Fall sei nunmehr ein Arbeitsloser vorgestellt, den die Rationalisierung überflüssig gemacht hat. Im Jahre 1891 ging am Himmel der deutschen Glasindustrie«in strahlender Stern auf: die Glashütte in Stralau. Wie ein Magnet zog dieser Betrieb die Glasmacher aus allen Gauen Deutschlands an. In den besten Zeiten arbeiteten dort 359, 369 Flaschenbläser, von denen machte jeder seine 169 bis 189 Flaschen pro Tag, und am Wochenende bekamen sie ihre 45 oder 59 Mark aufs Brett gezahlt. Stolz waren die Glasmacher, und mit ihren ausgearbeiteten Lungen waren sie obendrein noch die besten Sänger im ganzen Arbeiter- sängerbund. Boshafte Menschen sagten allerdings, das käme wohl mehr von den dauernd geschmierten Kehlen, wo auf je 199 Flaschen- bläser immer 8 Jungens kamen, die sogenannten„Schmierer", die hatten weiter nichts zu tun, als den ganzen Tag Kaffee, Bier oder Wasser herbeizuschleppen für die ausgedörrten Kehlen der Glas- macher. Es war eine Schinderei, das ganze Glasmachen, aber ein einträgliches Gewerbe. Und so kamen die Westpreußen wie die Holsteiner nach Stralau. Eines Tages, es war während des Krieges, wurde eine Flaschenmaschine amerikanischen Patents aufgestellt. Die machte in je 24 Stunden 18 999 Flaschen. Dann kam die zweite Maschine, die machte gleich 24 999 Flaschen, also Bierflaschen und ähnliche einfache, und nach dem Kriege, da stand den Handbläsern der Verstand still, da kam die dritte Maschine, und die machte 36 999 Flaschen den Tag: Nun standen die armen Handbläser da mit ihrem Talent, von dem sie rühmen, daß sie keine Buttermamsell und kein Krämer betrügen könne. Denn wenn ihnen jemand statt der verlangten 259 Gramm Butter nur 235 Gramm in die Hand stecken wollte, dann merkten sie das sofort, weil auf diesem Fingerspitzengefühl für Unterschiede des Gewichts die halbe Glas- macherkunst beruht. Wenn der Flaschenbläser eine 759-Kubikzenti- meter-Flasche blasen will, dann nimmt er dazu 399 Gramm Glas- masse. Diese 399 Gramm wiegt er nicht ab, sondern das Gewicht hat er im Gefühl, er nimmt nicht 319 Gramm, denn dann würde der Boden zu dick werden und die Flasche hätte nicht 759 Kubik- Zentimeter Inhalt. Das machten sich dann die Maschinen allein. Zumal noch die Schillermaschine kam, die außer auf Fassonslaschen aus jede ge- wünschte Flaschenart eingestellt werden kann, denn die amerikanischen 36 999er-Maschinen, das waren gegen die Schillermaschinen unge- schlachte Klötze, weil sie nur 36 999 Flaschen immer in der gleichen Art herstellen konnten. Jede Schillermaschine hat von 19 Flaschen- Wieder hinter dem Pflug. bläsern immer 9 überflüssig gemacht, jetzt sitzen noch in der ganzen großen Stralauer Glashütte 16 Handbläser. Die anderen haben oersucht, als Arbeitsmänner im Bau- oder Verkehrsgcwcrbe unter- zutauchen, einigen ist es gelungen, anderen nicht. Und diese andere» sind dann eben zurück aufs Land gefahren und beackern jetzt wieder ihre Scholle wie einst in jungen Jahren. Neulich hat ein Glas- macher, der wieder Bauer geworden ist, an seine Stralauer Freunde geschrieben:... ich fühle mich hier wohler, als wenn ich Arbeits- loser in Berlin wäre..." Fremd in der Heimat. Dann hat mit dem Strom der Dreißigtausend eine betagte Dame Berlin hinter sich gelassen. 27 Jahre hat sie das Berliner Pflaster getreten, es war alles schön, so lange ihr Mann lebte, der ein Prokurist war. Aber der segnete dann das Zeitliche, und für die Frau blieb nur noch eine Rente. Gut, sagte sich die Frau, wenn ich wieder in meine Heimal ziehe, nach dem schönen Neckarwestheim im Amte Lauffen. dort kann ich billiger und geruhsamer leben. Diese Rechnung mit der Lebenshaltung stimmte. Zwei Stuben und Küche, die kosten in Neckarwestheim 28 Mark im Monat, das Brot, das backen die Schwaben selbst, Gemüse hat auch jeder, soviel er will, Butter, Eier, Fleisch, alles ist billiger, wobei sich die Preise von Berlin mit denen von Neckarwestheim noch herzlich schlecht ver- gleichen lassen, weil man dort unten eben Selbstversorger ist. Aber etwas anderes: die Frau dachte, wenn sie nunmehr nach 27 Jahren wieder in das stille Dorf einzieht, das nicht einmal Bahnstation ist, dann würde man sie mit offenen Armen empfangen. Das Gegen- teil war der Fall. Die Frau ist in ihrer Heimal eine Fremde. Wer 27 Jahre lang Berliner Asphalt getreten hat, der ist ein anderer Mensch geworden. Wenn zum Beispiel die Frau in ihrer Heimat in einem besseren Kleid, wie es in Berlin alltäglich ist, auf die Straße geht, dann fragen die Frauen:„Nu, wo wolle Sie hi, gange Se zur Hochzit?" So ist das. 4 999 999 Berliner kennen nicht ihren Pastor, aber in Neckarwestheim, da komnit allen voran der Pfarrer. In Berlin kräht kein Hahn danach, wenn eine Frau ins Wirtshaus geht, in Nsckarwestheim würde die Frau einmal tötenblaß, als sie' mit ihreb Töchter im Wirtshaus ein"Glas Wein trank,»Nd der� Pfarrer kam herein. Und als dann die beiden Frauen den Gottes- diener fragten, ob es denn so schlimm wäre, wenn eine Frau ins �Wirtshaus geht, sagte er:„Ach nei, durchaus nit, nur wege de politiseker Racheakt in Wien Verhaftung des Täters.— Bisher keine Aufklärung. Wien, 25. Juli.(Eigenbericht.) Im IS. Wiener Gemeindebezirk wurde eine schwere Blullat verübt. Zn seiner Wohnung wurde dort der 32 Jahre alle Sausmann Georg Semmelmann von einem Wanne namens Egon S p i e l m a n n, der nach den bei ihm vorgefundenen Papieren angeblich aus Zürich slamml, durch zwei Revolverschüsse in de» Kops gelötet. Der Täler versuchte zu flüchten, es gelang jedoch, ihn auf der Straße einzuholen und der Polizei zu übergeben. Da sowohl der Erschossene wie auch der Täler in der kommunistischen Bewegung eine Rolle gespielt haben sollen, wird vermutet, daß es sich um ein politisches A l t e n t a t handelt. Spielmann hüllte sich bisher über die Gründe seiner Tal in Schweigen, so daß erst die weiteren polizeilichen Ermittlungen Klarheil bringen werden. Die Wiener Polizeibehörden haben an das Ber- liner Polizeipräsidium das Ersuchen um Mithilfe an der Aufklärung des Verbrechens gerichtet. Der Leiter der Politischen Polizei im Berliner Polizeipräsidium, Regierungsdirektor Goerke, hat jede erdenkliche Mithilfe zugesagt. Es ist damit zu rechnen, daß die Berliner Polizei den Wiener Behörden bereits am Montagvor- mittag mit einem längeren Bericht über die Persönlichkeit des Täters und seines Opfers in allen Einzelheiten dienlich sein kann. Nach den bisherigen Ermittlungen der Wiener Polizei scheint es sich um einen vorbereiteten Plan zu handeln. Georg Semmelmann hat sich allem Anschein nach seit einiger Zeit von der Partei abgewendet. Wie es heißt, soll er Beziehungen zu anderen Parteien gesucht haben. Hier glaubt man auch das Motiv zur Tat zu erkennen. Ilm eine Preisgabe politischer Geheimnisse zu ver- Hindern, mußt« Semmelmann, der früher sehr eifrige kommunistische Agitator, aus dem Wege geräumt werden. Aus Rache an dem Ab- trllnnigen ist der Mord zweifellos seit längerer Zeit geplant gewesen. Der Mörder verweigert jede Aussage, man hat jedoch ein Lichtbild des Ermordeten und einen Plan des Bezirks, in dem Semmelmann wohnte, bei ihm gefunden. Das deutet darauf hin, daß Spielmann sein Opfer persönlich wohl gar nicht gekannt und mög- licherweise im Auftrage gehandelt hat. Es hat sich weiter heraus- gestellt, daß der Erschossene noch eine Funktion in der Kommunisti- schen Partei ausübte. Er soll trotzdem die Absicht gehabt haben, seine Erfahrungen als Kommunist publizistisch zu verwerten. In den Taschen des Täters wurden bei seiner Verhaftung 659 Schillinge ge- funden. Der Ermordete soll in sehr schwierigen finanziellen Ver- Hältnissen gewesen sein. Die Entführung des Kommunisten Braun. Senimelmann ist der Berliner Politischen, Polizei keine unbekannte Persönlichkeit, vor etwa drei Jahren machte er bei der Entführung des Kommunisten Braun aus dem Untersuchungsgefängnis Moabit von sich reden. Semmelmann drang mit mehreren Komplicen in das Sprechzimmer des Untersuchungs- nchters ein und befreite Braun sowie eine ebenfalls in Haft befind- liche Komnuinistin Olga Benario. Die Täter wurden nach einiger Zeit ermittelt. Bei seiner Festnahme nannte sich Semmelmann Dr. Hans Fink. Der Trick verfing aber nicht und Semmel mann wurde bald entlarvt. Im Mai 1928 wurde dann Semmel- mann-vom Reichsgericht zu einer Freiheitsstrafe von 2K- Jahren verurteilt. Die Strafe hat er verbüßt. Lange hörte man nichts mehr von ihm, bis ihn jetzt in Wien, wo er mit seiner Frau wohnte, die Kugel des Rächers ereilte. Die Untersuchung dürfte noch weitere■ Ueberraschungen bringen. llei'tfedem Jetzt1? per Pfund SFF:dZ"o Fe'««6 Betten f�ige BettOnlette Halbdaunen 3.95 0berbetten• 6-05 9—*3&5 Oberbetten. 3.75 7.75 11.5o| Schleißfedernl.90 Unterbetten 4.65 7.40 11— Unterbetten 2.95 6.20 1 0.75 J Daunen..... S.so Kissen... 2.05 2.90 4.20 Kissen...1.251,95 3.�5' Seit 1886 mm- Gustav Melalibellsl eilen/ Bettwäsclie sein* preiswert! FronkJj�erA|itf Prinzen-Str. Ecke Sebastian- Strasse Wilrn ersdorfer 5tr. Ecke Bismarck-Straße Die Olympiade in Wien. Neue deutsche Rekorde der Leichtathleten— Den Entscheidungen entgegen. M. J., Wien, 26. Juli.(Eigenbericht.) Eine Reihe ereignisreicher Konkurrenzen wurden auf der 2. Zlrbeiter-Olympiade in Wien ausgetragen. Das Wetter ist den Teilnehmern treu geblieben, so daß man nach dem eifrigen Training die Sportler in Höchstform befindlich bezeichnen kann. In der Leichtathletik fielen auch am Freitag wieder eine Anzahl internationaler und nationaler Rekorde: der nicht mehr junge Leipziger Wagner, der auch in Verlin bestens be- kannte Langstreckenläufer, stellte über 1500 Meter eine neue deutsche Bestleistung mit 4: 4,3 Minuten auf. In der Schweden- stasfel für Männer brachte Finnland eine internationale Bestleistung mit 2: 00,6 Minuten zustande, und in der kleinen olympischen Stafette für Frauen lief Deutschland mit 54.Z Sekunden eine inter- nationale Bestleistung heraus. Diesen beiden bemerkenswerten deutschen Erfolgen gesellte Srüger-Deutschlond eine weitere hinzu, indem sie beim Speerwerfen der Frauen 37,33 Meter warf. Dann holte sich noch Schüller-Deutschland«inen nationalen Rekord im 400-Meter-hürdcnlausen mit 1: 0t, Z Sekunden und im gleichen Wettbewerb Bauer-Oeslerreich mit 58,8 Sekunden. Diese deutschen Erfolge sind um so bemerkenswerter, als der deutsche Arbeitersport lange nicht alle verfügbaren Kräfte für Wien mobilisieren konnten, da eben die Wirtschaftskrise zu schwer auf den einzelnen und auf den Vereinen lastet. So mancher mußte zu Hause bleiben, der hier in Wien ein gewichtiges Wort mitgesprochen hätte. Weiter wurde auch das große 25-Kilometer-Laufen rund um den Prater abgehalten, das auf der ganzen Strecke von riestgen Zuschauermengen beobachtet wurde. Salmi-Finnland siegte in 1,04 Stunden, ihm folgte sein Landsmann Püppenan in 1: 35.4 und Penzl-Oesterreich in 1: 42,46. Die Deutschen fielen gänzlich aus. Leit." So hat diese Frau nach 27jähriger Abwesenheit vom Schwabenlande ihre Heimat nicht mehr erleben können. Sie sehnk sich zurück nach Berlin. Gewiß sind die Berge schön, aber die Leit... Heu riecht besser als Oel. Da haben wir noch einen Fall herausgefischt aus dem Strom der Dreißigtausend. Ein Mann, der heute verheiratet ist. Er ist aus Ostpreußen, sie aus Brandenburg. Er kam nach dem Krieg als Achtzehnjähriger nach Berlin. Fand Arbeit in einer Kranfabrik, war geschickt und anstellig, verdiente sein Geld und blieb in der Fabrik. Er heiratete, Kinder hatten sie nicht, da ging die Frau auch arbeiten. Für das Huhn im Topf am Sonntag war gesorgt. Bis 1931 das schwarze Jahr kam. Beide wurden arbeitslos und statt der 50 Mark des Mannes und der 30 Mark der Frau lagen jede Woche nur noch 25 Mark Unterstützung auf dem Tisch. Daraus fuhr der Mann ins Dorf seiner Frau. Das war im Juni, wo er herumhörte, ob die Bauern denn nicht einen ostpreußischen Jungen für die Heumahd gebrauchen könnten. Natürlich brauchten sie einen, gaben ihm Essen, Trinken, Schlafen und einen Taler für den Tag dazu. Das machte er 14 Tage lang, er fand die Luft ganz schön auf dem Dorf, besser als in der alten stickigen Bude, und nun muß der Mensch Glück haben: er fährt dorthin und sängt im Amtsbezirk einen Handel an. mit Wäsche, Schuhen und Kram in dieser Rich- tung. Die Grundlage ist verhältnismäßig günstig, weil die Gegend ein paar Ziegeleien hat mit Wanderarbeiterschaft, da braucht der eine ein Hemd, der andere mal eine Hose, der dritte ein Paar Stiefel, und immer ist der Mann drei Sechser billiger. Das reizt. So einigermaßen läßt sich das Geschäft an. Dann kostet die Woh- nungsmiete nur 18 Mark, das Liter Milch 20 Pf., aber abgesehen davon lebt der Bauer ja ganz anders, genügsamer, zufriedener. Das schließt nicht aus, daß er Sonntags Himbeeren mit Schlagsahne ißt, aber dann sind die Himbeeren vom Busch, und die Sahne hat er selbst geschlagen. Alles kostet ihm keinen Pfennig bares Geld. Wie man sich aus der anderen Seite einen Bauern, der sich Oelsardinen oder Italienischen Salat kauft, fast gar nicht vorstellen kann. So mag dem Mann sein Handel viel weniger einbringen, als hier in Berlin jein Wochenlohn war, trotzdem ist er zufriedener. Denn da er nur ein Jahrzehnt in der Weltstadt war, hat er ohne weiteres den Weg ins Dorf zurückgefunden. Und es werden noch viele gehen müssen, denn die Tage werden hart, ehe wir 1932 schreiben können. Todesopfer der Militärflisgerei Fünf Tote auf polnischen Flugplätzen. Flugzeugkatastrophen haben in den letzten Togen eine bedenk- liche Reihe von Todesopfern gefordert. Ein neues schweres Unglück wird aus Warschau gemeldet: Ueber der polnischen wilitärpilotenschule in D e m b l i n waren zwei Schulflugzeuge ausgestiegen, in jedem von ihnen befand sich als Lehrer ein Hauptmann, als Schüler ein Korporal. Beim Manövrieren gerieten die Flugzeuge aneinander und stürzten ab. Sämtliche vier Insassen wurden ge- lötet. Einer der beiden houptleute, Hauptmann Orlosz, war der Leiter der Pilotenschule, zugleich einer der bekanntesten polnischen Flieger. Ein anderes Flugzeugunglück, das ebenfalls ein Todes- o p f e r forderte, ereignete sich gestern über dem warschauer Militärflugplatz Mokotow. Der Motor eines Militärflug- zeuges explodierte in der Luft: der Flieger, ein Oberleutnant, ver- suchte sich durch Fallschirmabsprung zu retten, der Fallschirm blieb jedoch am bereits niederstürzenden Apparat hängen. 6 Toie beim Moiorbooiunglück. Heising for», 25. Zuli. Zn der Rühe von villmanslrand kenterte heule aus dem S a i m a a s e e ein mit sieben Ausflüglern besetztes Motorboot. Rittmeister Lönnralh, seine Frau und drei Töchter, sowie ein Unteroffizier fanden den Tod in den Wellen. Die Hauslehrerin, eine Deutsche, Annemarie Schmitt, konnte sich durch Schwimmen auf eine 400 Meter von der Unglücksstelle entfernte llnsel retten. MS»«- rÄ „Sie sind ein Feigling! Mir hat man beinah den Kopf weggerissen und ich mache mir nichts daraus. Ich bin froh und munter. Wenn man den Reingewinn von fünfzig Rubeln in Betracht zieht, so ist es ein anständiges Honorar für eine Beule auf Ihrem Kopf." Indessen war den Verfolgern ein Licht aufgegangen und sie begannen einzusehen, daß der Plan, Wassjuki in New- Moskau zu verwandeln, zunichte geworden fei und daß der Weltmeister im Begriffe war, die Stadt der leibeigenen Waff- jukier fünfzig Rubel davonzutragen. Sie stiegen in ein großes Boot und ruderten gegen die Mitte des Flusses. Dreißig Menschen waren in dem Boot eingepfercht. Jeder einzelne von ihnen wollte den Weltmeister persönlich vor Gericht bringen und mit ihm abrechnen. Der Einäugige kommandierte die Expedition. Sein einziges Auge glänzte wie ein Leuchtturm in der Nacht. „Haltet den Weltmeister!" schrie man aus dem überfüllten Boot. „Vorwärts, Kiffa!" sagte Ostap.„Wenn sie uns einholen, kann ich für die Sicherheit Ihres Zwickers nicht bürgen." Beide Kähne schwammen den Strom hinab. Die Eni- fernung zwischen ihnen wurde immer kleiner. Ostaps Kräfte ließen nach. „Ihr werdet uns nicht entkommen, ihr Schufte!" schrie man vom Boot. Ostap antwortete nicht. Er hatte keine Zeit. Die Ruder sprangen mit jedem Schlag aus dem Wasser hervor. Wasser drang ins Boot. „Vorwärts!" spornte sich Ostap leise an. Worobjew quälte sich zu Tode, hie Gegner triumphierten. Ihr Boot schnitt dem Kähnchen der Konzessionäre von links her den Weg ab, sie suchten den Weltmeister gegen das Ufer zu drängen. Ein trauriges Schicksal schien den Konzessionären zu winken. Die Schachspieler sahen den sicheren Sieg vor sich und versammelten sich in ihrer ungeheuren Vorfreude aus der Ein ruheloser Liebhaber. Nebenbuhler getötet.— Drohbrief an die frühere Verlobte- Ein junger Bursche ist vier Jahre mit einem Mädchen ver- lobt, behandelt sie brutal, wird wegen Körperverletzung ver- urteilt, sie versöhnt sich inimer wieder mit ihm, schließlich l ö st sie das Verlöbnis. Drei Wochen später lauert er ihr und ihrem neuen Freund auf, stellt ihn zur Rede. Der junge Mensch lehnt eine Auseinandersetzung ruhig ab, fährt mit dem jungen Mädchen in einer Taxe davon, der frühere Verlobte folgt in einer anderen Taxe, stellt seinen Nebenbuhler noch eiwnal zur Rede, dieser winkt wieder ab— es kracht ein Schutz, der Nebenbuhler stirbt an der Verletzung. Das Gericht verurteilt den Totschläger zu vier Iahren Gefängnis, die Tat grenze hart an Mord— heißt es in der Urteilsbegründung. Der Verurteilte, es war der 24jährige N., findet im G e- fängnis keine Ruhe. Seine Gedanken umkreisen immer wieder die Frau, die er vier Jahre sein eigen nannte. Sie beherrscht bald sein ganzes Wesen, seine Wach- und seine Nachtträume. Er ist ein fleißiger Arbeiter, ein guter Gefangener: er gibt keine Beranlassung zu Klagen. Auch er hätte über nichts zu klagen, wenn nicht immer wieder die Gedanken an die verlorene Geliebte gewesen wären. Sie ist an allem schuld, durch sie ist alles gekommen. Er verfolgt vom Gefängnis aus ihr Leben und Treiben, erfährt, daß sie ein Jahr nach seiner Verurteilung geheiratet hat. Sie ist glücklich, und er?... Da kommt er auf ein ganz oerrückten Gedanken. Durch einen Mitgefangenen schmuggelt er einen Brief hinaus an seine frühere Verlobte. Aus dem wirren Inhalt schälen sich mit Klarheit folgende Sätze heraus: Wenn Sie oieleicht eine Grete K.— das ist seine frühere Verlobte— kennen, so sagen Sie ihr, daß«in Gnadengesuch an den Reichspräsidenten meine Strafhast ungeheur erleichtern könnte. Sie hat mir für alles abzubitten, denn sie ist schuld an meinem ganzen Unglück. Tut sie das nicht, so begehe ich Selbstmord, aber mit Begleitung. Und dann soll sie den Fluch, den sie in der Verhandlung gegen mich ausgesprochen hat, zurücknehmen. Die junge Frau zeigt den Brief ihrem Mann, dieser erstattet Anzeige wegen Bedrohung. 5onn»«,g, 2. �vg.,14'/2 Uhr, im Stadion Neukölln gegen Krieg und Kriegshetze für Frieden u. Völkerverständigung rechten Bordseite, um sich sofort, mit vereinten Kräften, auf die Konzessionäre zur stürzen. „Schützen Sie ihren Zwicker, Kisia," rief Ostap oerzweifelt und warf die Ruder beiseite, es wird gleich losgehen!" „Meine Herren," rief Worobjew plötzlich, es war, wie wem) ein Hahn kräht,„werden Sie uns wirtlich schlagen?" „Und wie donnerten die Stimmen der Wassjukier, die sich bereit machten, in den Kahn der Konzessionäre zu springen. In diesem Augenblick ereignete sich etwas, was für alle ehr- lichen Schachspieler der Welt beleidigend war. Das Boot neigte sich und wurde an der rechten Bordseite vom Wasser überflutet. „Vorsicht!" schrie der einäugige Kapitän. Es war aber schon zu spät. Zu viele Menschen beschwerten die Bordseite des Wafsjuki-Dreadnoughts. Als man die Schwer- kraft auszugleichen suchte, war es schon zu spät, das Boot schwankte nicht mehr, es tippte um, im vollen Einklang mit den Gesetzen der Physik. Ein einziger Schrei störte die Stille der Gegend. „Uau!" tönte das langgezogene Stöhnen der Schachspieler. Alle dreißig Schachliebhaber befanden sich im Wasser. Blitz- schnell kamen sie an die Obersläche empor und klammerten sich an das umgekippte Boot. Als letzter erschien der Einäugige. „Ihr Idioten!" schrie Ostap zurück.„Warum prügelt ihr euern Weltmeister nicht? Wenn ich nicht irre, hattet ihr die Absicht, dies zu tun." Ostap kreiste mit dem Boot um die Schwimmenden. „Ihr seht doch ein, ihr Wassjuki-Jndividuen, daß ich euch jetzt einem nach dem andern ertränken könnte, aber ich schenke euch das Leben. Lebt weiter, teure Bürger! aber spielt um Gottes willen kein Schach mehr! Ihr könnt doch einfach nicht spielen, ihr Kretins! Worobjew, wir fahren weiter! Auf Wiedersehen, einäugiger Schachamateur! Ich fürchte, daß Wassjuki niemals zum Weltzentrum werden wird. Ich glaube nicht, daß die Schachmeister zu solchen Idioten, wie ihr es seid, gekommen wären, wenn man sie noch so sehr dumm gebeten hätte. Adieu, ihr Liebhaber der großen Schachemotionen! Es lebe der Klub.Vier Springer'!" Die Reise Der Morgen fand die Reisenden in der Nähe von Tsche- boksary. Ostap schlummerte am Steuer. Worobjew arbeitete schläfrig mit den Rudern. Beide zitterten noch von der nächt- lichen Kühle. Ein rosa Dämmern erblühte im Osten. Worob- jews Zwicker wurde immer klarer. Die ovalen Gläser glänzten im Morgenlicht. Abwechselnd spiegelten sich beide User darin. Vor Gericht sahen sich der verschmähte Liebhaber und seine frühere Verlobte wieder. Es war kein freudiges Wiebersehen. Wünschen Sie Ihrem früheren Verlobten immer noch Schlimmes? fragte der Vorsitzende unter Anspielung aus den„Fluch*, den sie in der Totschlagsverhandlung gegenüber dem Angeklagten aus- gesprochen hatte. Nein. Ich will nur nichts mehr mit ihm zu tun haben, er soll mich in Ruhe lassen, ich fürchte mich vor seinen Drohungen. Einmal hat er sie bereits wahrgemacht: auch damals schrieb er mir Drohbriefe, dann tötete er meinen Freund. Der Angeklagte bestritt, eine Drohung ausgesprochen zu haben. Mit dem Brief habe es eine ganz besondere Bewandtnis gehabt. Ich hatte in Tegel um«ine Ueberweisung in die höhere Stufe gebeten, es wurde mir abgelehnt. Dann bekam ich aber in der Schlosserei Beschäftigung und fühlte mich glücklich. Ich sollte als Dreher angelernt und an die Drehbank gestellt werden. Da kam meine Einstufung in die zweite Stufe und ich sollte nach Plötzensee. Um in Tegel zu bleiben, beschloß ich, über mich ein« Arreststrafe heraufzu- beschwören. Zu diesem Zweck schmuggelte ich den Brief heraus. Ich erhielt tatsächlich eine Arreststrafe. Das Gericht schenkte dieser Erklärung des Angeklagten keinen Glauben. Es verwarf seine Berufung und beließ es bei dem Urteil in der ersten Instanz. Zu den vier Iahren Gefängnis kommen also noch drei Monate hinzu. Zeppelin in Leningrad. Leningrad. 25. Juli. Bei glänzenden atmosphärischen Verhältnissen erschien das Luftschiff„Gras Zeppelin* am Horizont um 20 Uhr 7 Minuten örtlicher Zeit. Räch einer Schleife über der Stadt landete das Lust schiff glatt um 20 Uhr 45 Minuten aus dem Flugplatz Rowaja Derewnja. Japaner auf Europaflng in Tempelhof gelandet. Gegenwärtig befinden sich der japanische Student K u r i m u r cr als Pilot mit dem Beruisflieger und Trainer der Fliegergruppe an der Universität, Professor K u m a k a v a, auf einem Europa- Rundflug. Sie trafen gestern nachmittag auf dem Tempel- hoser Feld, das den Gästen zu Ehren die japanische Flagge gesetzt hatte, ein. Die Flieger waren am Donnerstag in Königs-� berg eingetroffen und gestern früh 7.45 Uhr nach Berlin gestarlci.� Die Flieger beabsichtigen, von Berlin aus Brüssel, dann London, Paris, Rom und Neapel anzufliegen und wollen von dort aus mit dem Dampfer die Heimfahrt antreten. Der Haupt- zweck des Fluges ist das Studium des deutschen Segelfluges, das der japanischen Bevölkerung großes Interesse abgezwungen hat. Die Flieger werden sich etwa eine Woche in Deutschland aufhalten. Ehemalig« Kriegigesangene, die in früheren Jahren Mitglied der NE.K. Ortsgruppe Neukölln waren, werden gebeten, zu einer unverbindlichen Zu- sammenkunft und Aussprache am Mittwoch, dem 23. Juli, 20 Uhr, im Lokal von Lichtenstcin, Bergstr. 144, zu erscheinen. Schriftliche Meldungen nimmt Kamerad Erwin Barsanti Neukölln, Schudomastr. 0, Gartenhaus 3 Trp., entgegen. Die blauen Kuppeln von Tscheboksary schwammen wie Schiffe vorbei. Der Garten im Osten ward immer blühender. Die Knospen wandelten sich in Vulkane und begannen Lava zu speien. Die Vögel am Ufer verursachten einen unerhörten Spektakel. Der goldene Bogen des Zwickers glänzte in der Sonne und blendete den Weltmeister. Die Sonne ging auf. Ostap öffnete weit die Augen, dehnte sich, daß die Knochen krachten und das Boot sich gegen eine Seite neigte. „Guten Morgen, Kiffa," sagte er gähnend,„ich komme mit einem Gruß zu dir und muß dir berichten, daß die Sonne aufgegangen ist und ihr heißer Strahl über den Blättern bebt..." „Das Ufer", meldete Worobjew. Ostap zog den Führer heraus und las.„Meiner Meinung nach ist das Tscheboksary. So, so... Wir machen auf die be- sonders schön gelegene Stadt Tscheboksary aufmerksam... Kiffa, ist die Stadt wirklich so schön gelegen?... Derzeit hat Tscheboksary 7702 Einwohner... Kissa! Lassen wir die Jagd nach den Brillanten und vergrößern wir die Bevölkerung von Tscheboksary um zwei Menschen. Was? Das wird sehr effektvoll werden... Wir werden ein.petit» Chevanx' etablieren und werden mit diesen kleinen Pferdchen ein großes Stück Brot verdienen..." In dem sich aber die Freunde dem Ufer näherten, wurde ihre Aufmerksamkeit auf einen Gegenstand gelenkt, der mit dem Strom vor ihrem Boote herschwamm. „Der Stuhl!" rief Ostap.„Administrator! Da schwimmt unser Stuhl." Die Kompagnons ruderten zum Stuhl hin. Er schaukelte auf dem Wasser, drehte sich, senkte sich ins Wasser und kam wieder hervor, wobei er sich von dem Kahn der Konzessionäre etwas entfernte. Das Wasser strömte frei hinein in sein van- dalisch zerstörtes Innere. Es war der Stuhl, her auf dem„Skrjabin" demoliert worden war und sich jetzt langsam ins Kaspische Meer begab. ..Guten Tag, mein Freund!" rief Ostap.„Wir haben uns lange nicht gesehen. Wissen Sie, Worobjew, dieser Stuhl er- innert a'n unser Leben. Auch wir schwimmen mit dem Strom. Man versenkt uns, wir kommen wieder herauf, wenngleich wir meiner Meinung nach niemandem eine Freude damit machen. Niemand hat uns lieb, außer der Polizei interessiert sich nie- wand für uns, und auch die liebt uns nicht. Niemand kümmert sich um uns. Und wenn es den Schachamateuren gestern ge- jungen wäre, uns zu ertränken, so wäre von uns nur das Pro- tokoll der Leichenbeschau übrig geblieben."(Forts, folgt.) Mcmeine klllWMerUewmS Die Not der Katzenfreundinnen. 35 Mark unter falschem Namen erbettelt. Ein Bild tiefsten sozialen Elends entrollte ein« Verhandlung vor dem Schöfsengericht Berlin-Mitte. Anfang dieses Jahre- wurden zal)sreiche Pfarrer Berlins angerufen und um Unterstützung einer notleidenden Konzertsänge. rin gebeten. Der Anruf erfolgte angeblich von einer Frau v. Sauden im Auftrag« des„Künftlerdienft�. Man glaubte anfänglich, daß man es mit einer raffinierten Schwindlerin zu tun habe; wie sich dann aber herausstellte, hatten die Pianistin und Musiklehrerin S. und die Konzertsängerin f)., zwei Frauen in vorgerückten Jahren, die einst bessere Tage gesehen hatten, aus bitterster Not gehandelt. Sie waren jetzt angeklagt wegen Betrugs und Urkundenfälschung. Frau H. war aus ihrer Wohnung hinausgesetzt worden und von der anderen Angeklagten, die selbst in größter Not war und�nur von Unterstützungen lebte, aufgenommen worden. Sie hatten nichts zu essen und, wie sie versicherten, hätte sie die Not ihrer hungemden Katzen am meisten gejammert. Jede von ihnen hatte nämlich fünf Katzen zu betreuen, die sie auf der Straße aufgelesen hatten, weil sie ausgesetzt worden waren,. Der Staatsanwalt ließ die Anklage wegen Urkundenfälschung fallen und glaubte, daß den Angeklagten mit einer Geldstrafe wenig geholfen sei. Er beantragte daher wegen Betrugs je drei Tage Gefängnis mit Bewährungsfrist. Das Schöffengericht»er- urteilte die Angeklagten zu je 6 Mark Geld strafe oder einen Tag Gefängnis und stellte ihnen auch Rätenzahlungen in Aussicht. Im ganzen hatten die beiden bedauernswerten Frauen durch ihren verkappten Bettel 3 5 Mark erhalten. Jugendliche Gäste aus England. Die Vertreter der Berliner Schulbehörden hatten gestern die Freude, 20 junge Gymnasiasten und 3 Lehrer aus der Industriestadt Sheffield um 22 Uhr auf dem Bahnhof Fried- richstrahe zu begrüßen. Unsere englischen Gäste werden in chohenlychen auf der Aufbauschule, die unter der besonderen Betreuung des preußischen Ministeriums für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung und der Berliner Oberschulbehörde steht, ihre Ferien zusammen mit deutschen Kameraden verleben. Oberstudien- rat Fischer sprach Begrüßungswort« im Namen des Magistrats. Ein englischer Lehrer dankte, ein Vertreter der englischen Botschaft sprach weitere Worte freundlichster Begrüßung. Die Jugend aus Sheffield wird sich jetzt mit Deutschen und Franzofen zusammen- finden, und es besteht kein Zweifel, daß diese Zusammenarbeit fruchtbar sein wird. Wie wir erfahren, wird am kommenden Donnerstag der preußische Minister füh Wissenschaft, Kunst und Volksbildung zu- fammen mit dem Oberbürgermeister Dr. Sahm, sowie dem eng. fischen und dem spanischen Botschafter den Aufbauschulen in Hermsdorf und Hohenlychen einen Besuch abstatten. Selbstmord oder Unglücksfall? Auf einen Selbstmord oder einen Unglücksfall beim Baden dfutet ein Kleiderfund, der an der S ch i ll i n g s b r ü ck e gemacht wurde. Am Donnerstag abend gegen 11 Uhr fand ein Arbeiter auf dem südlichen Ufer gegenüber dem Restaurant„Böhmer- wald* eine blaue Kniehose, einen grauen ärmellosen Pullover, ein Paar gute Strümpfe mit rotem Rand und ein Paar neue schwarze Badeschuhe. In der Hosentasche befanden sich Gutscheine ver- schiedener Berliner Firmen, die Badeschuhe tragen mit Bleistift die eingezeichneten Buchstaben B. P. Mitteilungen zur Feststellung des Eigentümers der Sachen erbittet die Vermihtenzentrale des Polizei- Präsidiums._ Der Reichsbund der Sriegsbeschädiglen. Kriegsteilnehmer und Kriegerhinterbliebenen ruft zu Montag, dem 27. Juli, nachmittags 5 Uhr, zu einer Protest Versammlung in Kliems Festsälen, Hasenheide, auf. Der Bundesvorsitzende des Reichsbundes, Kamerad Hans N o a, wird über die Auswirkung der Notverord- n u n g in der Lebenshaltung aller Arbeitnehmer, deren Einkommen aus öffentlichen Mitteln fließt, berichten. dem 4. August Rote Fahnen Im LahntaL Deutsche, Ocstcrrcidicr, Franzosen, Dänen und Polen als Freunde. Bon Berlin kommend, steigt man in der oberhes-sischen Stadt Gießen in eine kleine Nebenbahn um, die von hier aus bis zu dem alten Bischofssitz Limburg führt. Mühsam schlängelt sich die Linie am vielfältig gewundenen Ufer der Lahn entlang, oft muß sie sogar in kürzeren Tunnels durch die sich ihr entgegenstemmenden Berge geführt werden. Dies Land ist fruchtbar, und der gebirgige Boden bringt nicht nur eine gute Ernte, sondern enthält auch noch reich« Mincralschätze. Di« Eisenwerke von Buderus in Wetzlar sind bekannt, und selbst in den vielen anderen winzigen Ortschaften stehen klein« Fabriken und Mormorwerkstätten. Es sind nur wenige Kilometer bis zum Rhein, und abseits vom großen Touristenstrom verbirgt sich in diesem reizvollen Seitental«in« abgeschlossene, stille, paradiesische Schönheit. Mitten drin liegt die große Kinderrepublik Lahntal. Schon vom Zug aus kann man die weite Zeltstadt sehen: ein buntes Gewimmel von Gelb, Grün, Orange, Blau und viel Weiß. Große Spitzzelte, wie das englische Militär sie hat, und kleine Hauszelte in geschlossenen Gruppen heben sich leuchtend vom satten Grün der Täler und Wälder ab. Darüber wehen viel« rote Fahnen und Wimpel. Von Villmar aus, dem nächsten größeren Dorf, kommen wir durch einen steilen Waldweg zunächst zum Naturfreundehaus. Am Eingangstor mit der blau- roten Inschrift: Kinderrepublik Lahntalhalten uns«in Jung« und ein Mädel mit roten Binden am blauen Kittelarm an:„Ausweise bitte, wir sind hier Wache." Drohend legt sich ein Balken quer über unseren Weg. Erst noch langen Verhandlungen, nachdem wir uns gründlichst legitimiert hatten, bekommen wir freie Passage. Das alles wird von zehn- bis zwölfjährigen Kindern ausgeführt, die ihre Sache so ernst nehmen, daß kein Erwachsener zu helfen braucht. Sie liegen auf der Lauer und fangen jeden ab, der unberechtigt ins Lager will. In dem Haus ist das Hauptquartier der Lagerleitung: Küche, Büro, Zeitungsverlag, alles in wenigen Togen durch gemeinsame Arbeit entstanden. Der Präsident H. Kraft aus Frankfurt a. M. «mpfängt uns, in der Badehose dasitzend, in scin«m Büro. Trotz des Sonntags hat er keine Ruhe. Er muß telephonieren, Lebens- mittel reklamieren, Post fertig machen, nach dem Essen schauen und doch immer noch für alle gleich hilfsbereit sein. Wir hören, daß das Lager über 800 Gäst« haben wird, wenn alle Gemeldeten vollzählig eingetroffen sind. Die deutschen Kinder sind meist aus der näheren Umgebung Hessens und Frankfurts, aber einige Sachsen haben sich natürlich auch bis hierhin durchgedrückt. Daneben sind im Austauschverfahren junge Freunde aus allen umliegenden Ländern in dieses im Herzen von Deutschland liegende Lager gekommen. Ueber hundert Dänen, noch mehr Oe st erreicher und viele Polen und Franzosen geben ein internationales Gemisch vieler Sprachen. Aber alle sind in gleicher Kluft: der blaue Kittel mit dem roten Falken«int sie zu einer großen Gemeinschaft. Das Zeltlager liegt auf einem Wiesenplatz jenseits der Lahn. Eine improvisierte Fähre bringt dauernd die Leute von einem Ufer zum anderen. Das Gelände selbst muhte von über sechzig verschiedenen Bauern gepachtet werden; ein erschreckendes Beispiel für die Landzerstückelung in Deutschland. Große Anschläge vor den einzelnen„Dörfern" künden in ver- schiedenen Sprachen die Ergebnisse der neuesten Wahlen an. Ein solches kinderfreundelager ist die Urzell« wirklicher Demo- kralie und ünternationalität. Die Kinder verwalten sich selbst. Ihre Helfer sind nicht über-, sondern nebengeordnet und können nur durch ihre Kräfte und Er- fahrungen hervortreten. Der Tag beginnt mit gemeinsamen Freiübungen und Massengesang. Dann kommen Spiele, Ausflüge, kleine Arbeiten, Herrichten des Lagers. Trotz wechselndem Klatschregen, kaltem Wind und fliehenden Wolken ist die Bande quietschvergnügt. Das bös« Wetter kann der frohen Stimmung nichts anhaben. Vor dem Po st a m t stehen lange Reihen und warten auf den ersten Gruß aus der Heimat. hier dürfte auch die einzige deutsche Bank sein, die noch voll auszahlt und selbst an einem Sonntag keinen Feiertag hat. Das Arbeits- a m t gar hat Beschäftigung in Menge abzugeben. Aber hier drängelt sichs gar nicht. Was sollen sich auch die glücklichen Be- wohner dieses Jdealstaates nach Arbeit umsehen, wo doch so vor- bildlich für sie gesorgt wird. Da ist als Grundlage das Essen: reichlich und nahrhaft. Die polnischen Kinder sollen zum erstenmal so weißes Brot gesehen haben. Dagegen ist den verwöhnten Dänen der Kaffee nicht stark genug. Aber sonst sind sie alle begeistert von der vorzüglichen süddeutschen Küche. Die tüchtigen Frauen an den Riejenkesseln schwitzen aber auch den ganzen Tag, um all die hungrigen Mäuler, die in dem als Speiseraum eingerichteten Bierzelt Hallo schreien, zu befriedigen. Noch weniger aber fehlt es an Unterhaltung. An schönen Tagen wird natürlich vor allem in dem niedrigen, klaren Wasser der Lahn gebadet und auf den weichen Wiesen in der heißen Sonne gesaulenzt. Der nahe Wald birgt viele Geheimnisse und wie schön ist es, nach Herzenslust darin herumstrolchen zu können. Die kleinen schlanken Körper werden rasch braun und abgehärtet. Ver- gessen sind die steinernen Höhlen daheim, und nur ein Wunsch be-. herrscht die frohen Herzen: daß es immer so bleiben möge. Trotz krachendem Donner und niederströmenden Güssen aber hiellen die tapferen Scharen der Blaukittel mit ihren vielen roten Wimpeln aus, bis die einzelnen Führer ihr Treuegelöbnis abgelegt hatten und mit der Internationale und einem trotzigen „Freundschaft" all der übrigen Lager und demonstrierenden Kindersreunde gedacht war. st. m. Berufung Giraubes. Wiederaufrollung des Scheuen»Prozesses. Der im Lüneburger Fürsorgeprozeß wegen Zöfacher Miß. Handlung zu zwei Iahren Gefängnis verurleille Anftallsleiler S l r a u b e hat gegen dieses Urteil Berufung eingelegt. so daß der ganze Scheuen-Prozeß noch einmal aufgerollt werden wird. Auch wenn der gegebene Tatbestand hier oder da im Laufe dieses Berufungsverfahrens, in dem die bisherigen angeklagten Fürsorgezöglinge als Zeugen auftreten werden, in einem anderen Licht erscheinen sollt«, so wird die vom preußischen Wohlfahrts- Ministerium geplante Neuordnung der Fürsorge» erziehung nach wie vor Notwendigkeit bleiben. Oberregierungs- rat Kurt Kämper, der Referent für Fürsorgeerziehung im preußischen Wohlfahrtsministerium, verlangt in einer program- matischen Erklärung, daß die Fürsorgeerziehung in Zukunft mehr vorbeugenden Charakter tragen und auf Anordnung der Fürsorgeerziehung nach vollendetem 18. Lebensjahr verzichtet werden soll. Im übrigen soll die Aussicht über die Fürsorge- anstallen, die im Fall Scheuen zweifellos versagt hat, v e r s ch ä r s t und der Rechtsweg der Beschwerde für die Zöglinge ausgebaut werden. Auch ist eine intensivere Zusammenarbeit zwischen Für- sorgeverbänden und Jugendämtern geplant, wie überhaupt von allen im Fürsorgewesen tätigen Personen«in größeres Maß von pädagogischem Wissen und Können verlangt werden soll. Ich hin glücklich dass ich SchwarzWeiss entdeckt Habel Ich will nicht von der billigsten Massen- Ware enttäuscht werden, aber auch nicht mehr ausgeben als unbedingt erforderlich ist. Nun habe ich nach langem Suchen endlich die richtige Zigarette gefunden. SchwarzWeiss ist Ja auch viel mehr als eine landläufige 4 Pfennig Zigarette; vor allem ist sie mild, aromatisch und bekömmlich. Noch jemals 5 Pfennig anlegen? 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Juli nachmittags 6 Uhr FTH Ab nachmittags 4 Uhr Gr. Konzerl Täglich: Tanz im Freien Auf dem Schaustellungsplatz: Tier-Kindergarten und Tier-Schule Terrarium- Aquarium- Insektarium. Ferien- Abonnements. »0LZ Kennen zu Karlshorst Sonntag, den 26. Juli, nachmittags 3 Uhr Gr. Karlshorster Hürden-Ausgl. "�STroFianbohn W 57, 88,119■ Vorprfrbohn S«hdnh.-RcinicKendf. Parteigenossen finden freund!. Auf- nähme, reichlich. Ver- pflegung, 5 Mahlzeit., TN. 3.76 pro Tag, Garten mit Liege� wiese direkt amöause, nahe Wald u. Bahn. Sldert«srüez. Hsrrleneesen. He» Sommergäste stnben freunbl Aufn im schiiu. gel. Land- hau» bei guter und reichlich. Verpflegung. Ichäner Garten aar» Hanben. Preis 3,50. Frau L. Zickield Harriehausen, Harz 126 — Große Trauring-Fabrilc- verkauft fugenlose Trauringe direkt an Private Katalnij gratis Garantieschein 1 Ring 333 gestemp.nurS.JObis 7.50 Mk 1„ 585_ leicht 8.—. 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Juli 1931: Union-Lichtspiele, Charlottenburg, Berliner Straße Lichtspielhaus, Charlottenburg, WUmersdorfer Straße Kosmos-Lichtspiele, Lichtenberg Markgrafen-Lichtspiele, Markgrafendamm 34, Ecke StralauerAllee Alhambra-Lichtspiele, Treptow, Treptower Chaussee Stadt-Theater, Friedrichshagen Südpalast, Neukölln, Knesebeckstraße bis einschließlich 30. Juli 1931: Bürgergarten, Reinickendorf-Ost, Hauptstr. 51 WBT.-Lichtspiele, Oberschöneweide, Siemensstr. 18 Hohenzollern-Kino, Friedenau, Handjerystr. 64 Filmpalast Puhlmann, Schönhauser Allee 148 Imperiai-Theater, Rosenthaler Str. 40/41 bis einschließlich 31. Juli 1931: Jägerhaus,Grünau,Bahnhofstr.l ab 27. Juii 1931: Tivoli-Lichtspiele, Tempelhof, Berliner Str. 97 ab31.Jull1931: Ala-Lichtspiele, Reinickendorf-W., Scharnweberstr.36 Für Erwerbslose werden gegen Vorzeigung des Mitgliedsausweises und der Stempelkarte für die 1. Vorstellung(wochentags 5 Uhr resp. 7 Uhr, Sonntags 3 Uhr resp. 5 Uhr) Karten zum Preise von 50 Pfg. ausgegeben. Allgemeiner Deutscher Gewerkschaftsbund Ortsausschuß Berlin Aligemeiner freier Angestelltenbund Ortskartell Berlin Allgemeiner Deutscher Beamtenbund Bezirksausschuß Graß-Berlin Bezirksausschuß für sozialistische Bildungsarbeit Deutscher Freidenker-Verband/ Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold Volksbühne E. V./ Kartell für Arbeitersport und Körperpflege Reichsbund der Kriegsbeschädigten, Kriegsteilnehmer und Kriegerhintorbliebenen Komische Oper Friedrichstr. 104 6V2 Uhr Frauen haben das gern... Muslkal. Schwank von Arnold Musikv. Walt. Kollo Sommerpr. 0.50- 7.00 � r-*' Vb'sfcr.F?:-j-.■■ r— 4_• ßfumensiieniign'-- � hj � jeder Art •liefert preiswert Paul Golletz vormals Robart Meyer Marlannenstr. 3 FS, Oberbaum 1303 Reichshailen-Theater „Alles verrückt!" Stettiner Sänger Von der Reise znrtlck Dr. Erich Hurwitz Facharzt für Beiprleiden ... Schönhansjer Allee 87 ■mjiis5£ti- siSm-, AUSSTELLUNG 2schliesstam -AUGUST Das große Ausstellungsprogramm für jede Witterung: Trachtentänz« und Tanz im Deutschen Dorf« Ausstellungs-Tonfilm. Kino* Sonder. Veranstaltungen im„Haus Ring der Frauen- Täglich von 9 bis 8 Uhr. Funkturmgarten und Deutsches Dorf bis Mitternacht geöffnet Nach 8 Uhr abaads für Autitallungibasuchar fralar eintritt, für NichtauittallungsbaBuchar 30 Pfannig Ich habe mein Büro von Friedrichstraße 48 nach Hardenbergstratje ia(am Knie) verlegt. Neben meiner allgemeinen Praxis übe ich von jetzt ab die Facbanwaltschafi für das Gebiet des Verwaltungsrechtes aus, Berlin-Charlotlcnburg 2. Hardenbergstr. 1a. Telefon: C I Steinplatz 2647. Emil Roth, Rechtsanwalt und Notar, Fachanwalt für Verwaltun�srecht, t Das Wiener Festspiel. Oer Sozialifienkongreß bei den Ztrbeitersportlern. Wim. 2S. Juli.(Eigenbericht.) Den Auftakt zu dem großen Festzug. der alle Arbeiter der Ar- bsfterolympiade durch die Straßen Wiens führte, bildet« gestern abend das Festspiel der Viertaufend. Wiederum war das ungeheure Oval von 80000 Z u- schauern besetzt. In den ersten Reihen hotten all« Teil- nehmer des Kongresses der Sozialistischen Arbeiter-Jnternationale Platz genommen. Reben den ausländischen Führern sah man von deutschen und österreichischen Führern Otto Wels, Crispien, Breit- scheid, Lobe, Hilferding, Friedrich Adler. Bürgermeister Seitz, Pro- fessor Tandler und viele andere. Ein Festspiel der Viertausend, das den Sturz der Kapitalmacht und den Sieg der sozialistischen Arbeiterbewegung symbolisiert. fand jubelnden Beifall. Ein herrlich.anzuschauender Fackelzug ging durch die Haupt- all«, die Pratcrstragc, den Schottenrine, zum festlich beleuchteten Rathaus. Ein schwerer Llnfall. Wien, 25. Juli. Ein Lastauto aus der Umgebung von Wien, auf dem sich unae- fähr 40 Schutzbündler befanden, stieß auf dem Gürtel nächst der Alserstraß« mit einem Straßenbahnwagen zusammen. Hierbei wurden 13 Personen, die sich auf dem Lastauto befanden, verletzt. Drei von ihnen haben schwere Verletzungen erlitten. Oer korrupte Abgeordnete. Beginn des Prozesses gegen Aientimp. Dortmund, 25. Juli.(Eigenbericht.) Vor dem erweiterten Dortmunder Schöffengericht begann am Sonnabend der Prozeß gegen den früheren Reichstagsabgeordncten des Zentrums, den Syndikus des Westfälischen Bäckerinnungsver- battbes und früheren Stadtoerordnetenvorsteher HansRientimp- Bochum wegen unlauteren Wettbewerbs. Mitangeklagt sind der ehemalig« Direktor der„Geweba", der Großeinkaufsgenossenschaft des Bäckerinnungsoerbandcs, Hundertmark, der Direktor der Dortmunder Mühlcnwerke H o r e y s e k und der Margarinesabrikant Linde mann aus Daberg bei Bünde. Die Anklage wirft Rientimp vor, im ganzen etwa 154000 M. Schmiergelder erhalten zu haben, die er nnt Hundertmark geteilt hat. Don Lindemann rühren etwa 13 800 M., von den Dortmunder Mühlenwerken etwa 140 500 M. her. Die Anklage nimmt ferner als crwiefsen an, daß die Beträge gezahlt wurden, damit die Fabrikate der beiden Firmen von der Großeinkaufs- genosienschaft bevorzugt wurden. Bei der Feststellung der Personalien ergibt sich, daß Nientimp und Hundertmark bereits wegen Steuerhinterziehung best rast sind. Sie haben 23 000 bzw. 14000 M. Einkommensteuer hinterzogen. Nientimp erklärt, er habe die Gelder für sein« literarischen und rhewrischen Bemühungen erhalten, einmal in der Bekämpfung de» ausländischen Einflusses auf den deutschen koi�ernsreien Margarine- markt und zum anderen für die Wahrnehmung der Interessen der gesamten deutschen Mühlenindustrie. In diesem Sinne sei der frühere Direktor der Dortmunder Mühlenwerke, Brandenburg, an ihn herangetreten. Nientimp erhielt dafür 1 Prozent von ollen Mshllieferungen für die„Geweba". Der Angeklagte Horeysek hatte behauptet, Nientimp sei an Brandenbutg herangetreten, was Rien- t�np heftig bestreitet. Di« Beteiligung Horehseks an den Schmiergeldern erklärt Nientimp mit der Gründung einer gemsin- samen Großagentur zum Vertrieb von Margarine. Horeysek habe für Vorarbeiten viel Geld aufwenden müssen. Unter den Zeugen befindet sich auch der Reichstagsabgeordnet« I o o», der Nientimp seinerzeit während seines Aufenthalt» in der Eifel im Austrag der Zentrumspartei aufgesucht und wegen der An- klagen in der Oefsentlichkeit interpelliert hat. Ein bißchen Geschichtsuuierricht Was sind Ruten und Beile? Di«„Rote Fahne" entrüstet sich in chrer Sonnabendauzgabc über einen Artikel, den Genosse Haubach in der„Reichsbanner- Zeitung" über die Pressenotverordnung veröffentlicht hat. Er hat dort u. o. folgendes geschrieben: „Die Verfassung braucht mehr wirkliche Volksrechte und weniger Rechte des einzelnen und schließlich Ruten und Beile, um diese Rechte mit Strenge zu sichern." Dieser Satz hat bei der„Roten Fahne" eingeschlagen. Sic nennt das ein faschistisches Bekenntnis und bezeichnet die Ruten und Beile als Hoheitszeichen Mussolinis. Der Ausdruck.Hoheitszeichen Mussolinis" ist ausgezeichnet. Die Verehrung der„Roten Fahne" für Herrn Mussolini geht immerhin weiter als unsere Abneigung. Daß Mussolini und seine Partei Hoheitszeichen besäßen, ist von Mussolinic und seiner Partei nie be- hauptet worden. Das Gereds von den Hol>eit»z«ichen stammt von den Verbündeten der„Roten Fahne", ihren Volksentscheidskollegcn vom Braunen Haus. Aber das ist nicht so wichtig, wichtiger ist, daß die„Rote Fahne" anscheinend keinen Dunst hat, was die Ruten und Beile eigentlich sind. Sie sind weder das Hoheitszeichen Mussolinis, noch sind sie ein von ihm erfundenes Parteiabzeichen, sondern ein von Mussolini geklautes Zeichen der alten römischen Rc- publik. Ruten und Beile sind im alten Rom die Zeichen der republikanischen Staatsgewalt. Sie sind also uralten republikanischen Ursprungs und haben diesen geschichtlichen Zusammenhang bislang nie verleugnet. Die französische Revolution von 1789 hat Ruten und Beile als Zeichen der Volkssouveränetät gebraucht, und bis zum heutigen Tage gehören Ruten und Beil« zu den Zeichen und Sym- bolcn, unter denen sich das republikanische Frankreich sammelt. Es wäre unnütz, diese Ding« besonders zu unterstreichen, da die geschicht- (iche Bedeutung von Ruten und Beilen auch bei der geschulten Ar- beiterschaft nicht unbekannt ist. Bei der„Roten Fahne" aber klappt weder das politische Abc, noch das grundlegende geschichtliche Wissen, über das zum mindesten ein politischer Redakteur heute verfügen sollte. Die„Rote Fahne" hat als miserabler Abcfchütz« der Politik wieder einmal ihre Ausgaben nicht gelernt. Sie kommt einen Platz zurück und dürste zweckmäßigerweise die hiermit erteilte Belehrung zwanzigmal abschreiben._ ZNaslcy völlig zerplatzt. Außer Sir Oswald und Lady Mos- ley selbst besteht die„Neue Partei" jetzt nur noch aus einem Zlbgeordneten. Der Abgeordnet« John St r a ch« y und der Sekre- tär der„Neuen Partei", Allan N o u n g. haben ihren Austritt aus der Partei erklärt. Strachey war Mitbegründer der Partei. Ireub. bollötidischer Finanzmimstcr während des Krieges, ist 72jobrig im Haag gestorben. Die Thronerklärung OOas von Habsburg. An maßgebender ungarischer Stelle wird mit größtem Nochdruck festgestellt, daß die Meldungen über ein« Thronerklärung Ottos von Habsburg Geburten der Phantasie sind. Gruppenaufnahme. Zur Erinnerung an den gemeinsamen Volksenischeid-193-1. Oeutschnationale Mordhetze. Eine wilde Kunkiionärversammlung. Die Saat einer gewissenlosen Volksoerhetzung geht auf Zwangsläufig ist die nicht mehr zu überbietende Agitation der Deutfchnationolen, die sogar die Demagogie der Nationalsozialisten zu übertrumpfen sucht, in das Fahrwasser einer unoer- hüllten Mordhetze geraten. Schon auf der kürzlich veranstalteten Kundgebung der Deutsch» nationalen in der„Neuen West" zeigt« sich in den hageldicht fallen- den Zwischenrufen aus der Versammlung, daß die Hetz« bei den rechtsradikalen Massen den Boden für eine poliklsche Alcuchelmordstlmmung geschaffen hat, die sich in nichts von der aufgewühlten Stimmung unterscheidet, die zu der Ermordung von Erzberger, Rothenau und Gareis führte. Welchen Umfang diese Meuchelmordstimmung in d«utschnatio- nolen Kreisen angenommen hat, zeigte sich mst erschreckender Deut- lichkeit auf der deutschnationalen Funktionärver- s o m m l u n g, die am vergangenen Freitag in Haverlands Fest- sälen abgehalten wurde. Das politisch« Niveau dieser Versammlung wird dadurch gekennzeichnet, daß ein prominenter Redner den BcichsbonkprSsidcnten einen verantwortungslosen Lumpen und den Reichsauhenminister Curtiu» einen Strolch nannte. War durch diese aufreizenden Beschimpfungen die Ber- sammlung schon in wilde Erregung geraten, so steigert« sich diese zu wüsten Tumulten, als ein Stadtverordneter in den Saal brüllte, man müsse jetzt zu allem bereit sein und dürfe auch nicht vor einem Mord zurückschrecke«. Diese nackte Aufforderung zum politischen Meuchelmord wurde von der Hälfte der etwa 300 Delegierten mit tosendem Bei- fall aufgenommen, während der andere Teil der Versammlung über diesen hemmungslosen Ausbruch politischen Hasses sichtlich erschrocken protestierte. Die Zurechtweisung, die der Ver- sammlungsleitcr Lavcrrenz dem Rufer erteilte, ging in dem Tumult unter. Hoffnung auf Hugenbergs Sieg. Oie Kommunisten sollen es schaffen. Die„Deutsche Zeitung" meldet: „Bar über 300 Vertrauensleuten und Ortsgruppennorsitzenden des Landesverbandes Berlin der Deutschnationolen Volkspartci sprach der Landesverbondsvorsitzende Direktor Lawerrenz, M. d. R., eingehend zur politischen Lage. hugenberg werde bald zur Macht gelangen, und man müsse ihm mehr als je Vertrauen entgegenbringen. Jeder einzelne soll sick der Schwere der Verantwortung voll be- wüßt sein, denn zwölf Jahre sozialdemokratischer Mißwirtschaft seien nicht schnell zu überwinden. Dazu gehöre vor ollem Geduld. Das gsschäftsführende Vorstandsmitglied, Oberstleutnant Müller- L o e b n i tz, gab alsdann die Anordnung für die D u r ch f ü h- r u n g des Volksentscheids bekannt. Die gesamte Partei- Organisation habe sich als mobil zu betrachten. In der Aussprache kain allerseits der fest« Wille zum Ausdruck, sich nicht unter der Not zu beugen, sondern zäh zu kämpfen, bis der Sieg am 9. A u g u st errungen sei." Zum selben Thema bemerkt der„A n g r i s s" des Dr. Goebbels: „Gleichviel wie auch die Motive feien: das Eintreten der Kommunisten für den Volksentscheid gibt dieser hochwichtigen Aktion einen so starken Gesamtouslrieb, daß mit einem vollen viege am 9. August jetzt e r n st l i ch g«> rechnet werden kann." Aber die Kasse? Einen bitteren Tropfen gießt in den überschäumenden Becher der Hoffnung das Organ der christlichen Gewerkschaften,„Der Deutsche". Er schreibt: „Es geht Hugenbergs„Hausmacht" schlecht. Bei der Danat- bank häiyzt er mit noch 16 Millionen, bei der Dresdner, wie ver- lautet, mit noch mehr, mit 20 Millionen. Als Unterlagen für diese umfangreichen Kredits sind Sicherheitshypotheken aus Häuser, Ver- Pfändung von Maschinen, Forderungen und Beteiligungen ge- geben. Die Parteikassen sind leer. Die Parteimitglieder waren nie willige Zahler, sie sind es natürlich heute noch weniger. Di« Industrie hält den Daumen auf den Beutel, und der Land- bund kann nicht mehr. Der Hugenberg-Konzcrn ist also in Gefahr und die Partei finanziell pleite." Moskau, hilf! Volksentscheid-Autosahri. Oie Kommunisten auf den Trittbrettern. Wie der„Vossischen Zeitung" aus Kvburg mitgeteilt wird, will der„Nationale Deutsche Automobilklub", dessen Präsident der frühere Herzog von Sachsen-Koburg und Gotha ist, am Tage de» preußischen Volksentscheides(den die„Rot« Fahne" den roten Volksentscheid nennt!), eine allgemein«„Volksentscheids- Zielfahrt" nach Preußen veranstollen. Zur Teilnahme sollen Fahr- zeughalter und Fahrer zugelassen sein,„die außerhalb preußisch?« Gsbiet» ein« oder mehrere in Preußen wahlberechtigt« und mit Stimmscheinen versehene Persönlichkeiten an einen beliebigen Ort in Preußen auf beliebigen Fahrstraßen bringen wollen". Den Kommunisten wird hierbei gestattet werden, auf den Trittbrettern der feudalen Auws mitzufahren bzw. sich mit Fahrrädern hinten anzuhängen! Sie werden sich dadurch sehr ge- ehrt fühlen und infolge der lockenden Aussicht, auf den Trittbrettern fürstlicher Fahrzeuge stehen zu dürfen, mit verdoppeltem„revo- lutionären Elan" die Aktion der Schwarzweißroten unterstützen. Volksentscheid ist Dummenfang! Als man noch die Wahrheit sagte... Wahrend der Verbotszeit der„Rot«n Fahne" erschien in Berlin ein hektogrophiertes Ersatzblatt, das sich gleichfalls„Die Rote Fahne" nannte und alle Zeichen der Echtheit trug. Von der ersten bis zur letzten Zeile diente dieses Ersatzblatt dem linientreuen Stalimsmus. Darin war nun folgendes zu lesen: Am 9. August findet der Bolksentscheid des Stahlhelm gegen die Preußenregierung statt: da lohnt es sich, auf die Rolle des Stahlhelm in Prcußen-Deutschland und seinen neuesten Dummensang hinzuweisen. Der Stahlhelm war es, der durch sein« weißen Garden, die er in den Tagen der deutschen Revolution gegen die um ihre Freiheit kämpfenden Arbeiter hetzte, dieses jetzt zusammen- brechende System erst aufbauen half. Und in der jetzigen Brüning-Regierung sitzt sein Kamerad Treviranus. Er hat also diesem System die»tange gehalten. Nicht der Marxismus, sondern der Kapitalismus bricht zusammen! Und jetzt meldet sich der Stahlhelm, um durch noch schärferen Terror den Kreihelt»- kämpf der Unterdrückten ,u bekämpfen, und für die Schmarotzer zu retten, was zu retten ist. Wir haben keinen Anlaß, Sevcring-Preußen zu verteidigen, sondern bekämpfen es auf das entschieoenstc. Aber wir wollen nicht den Teufel mit Beelzebub avstreiben. Nicht» andere, bedeutet nämlich die Unterstützung des Stahlhelm-Volksentscheids. Die Nummer, in der das zu lesen steht, trägt das Datum „Juli 193l" und nimmt auf den Bankkrach Bezug. Sie muß also nach dem 14. Juli hergestellt sein. In Berlin wurde sie noch gestern aus der Straße, das Stück zu 5 Pf., verkauft. Dummenfang! Und jetzt treibt die KPD. selbst dem Stahlhelm die Dummen zu! Nationale Würdelosigkeit. Südtirol abermals von Tlazis verleugnet. Rom. 25. Juli. Die Meldungen, daß der Münchener Nationalsozialist Dr. Frank. M. d. R., in einer Jnnsbrucker Studentcnverfamm- lung gesagt habe, das künftige Deutschland werde von S a l u r n bis zur Nordsee reichen, hatten in politischen Kreisen Italiens tiefe Verstimmung ausgelöst. Run ist in der Redaktion des„Gior- uale d'Ztalia" ein Beauftragter Dr. Franks erschienen, um in dessen Ramen und im Rame« der Rationalsozwllstischen Partei um eine Richtigstellung der falsch wiedergegcbenen Rede Dr. Franks zu ersuchen. Frank Hobe nur von einem Deutschland gesprochen, da» vom Brenner bis zur Nordsee reiche. Er habe außerdem betont, daß das Problem Södtirol nie Gegenstand ciner veba!«e zwischen Deutschland und Italien sein könne, wie dies anch dem Standpunkt des Parteiführers Hitler entspreche. Krauenarbeit in der Wirtschast. Zniernaiionale Krauenkonferenz. Wien, 25. Juli.(Eigenbericht.) oin weiteren Verlauf der Beratungen der I n t e r n a t i o- .lalcn sozialistischen Frauenkonferenz, die unter dem Vorsitz der Reichstagsabgeordneten Frau I u ch a c z- Deutschland fortgesetzt wurden, wies die ungarische Abgeordnete Anna Kelhly als erster Diskussionsredner zu dem Referat von Toni Sender darauf hin, datz die ungarische Frau in einem den Europäern geradezu unglaublichen Elend lebe. Frau Rosenlhal(Jüdischer Arbeiterbund Polen) erklärt, daß auch in Polen der Faschismus die ganze Arbeiterbewegung unter- drücke. Am meisten litten darunter die Ar b e i t e r i n n e n. Die jüdische Arbeiterfrau stehe aber nicht nur der allgemeinen politischen Reaktion gegenüber, sondern auch der national-jüdischen Reaktion, dem Kleritalismus und dem Zionismus. Toni Sender bemerkt in ihrem Schlußwort, daß noch vor einigen Jahren in der Internationale oft der Meinung Ausdruck gegeben worden wäre, als sei der Faschismus nur eine italienische Erschei- nung. Die Entwicklung der letzten Jahre habe ober gezeigt, daß es gegen den Falchisms keine immunen Länder gebe. Die von der Rcferentin beantragte Entschließung wird ein- stimmig angenommen. Sie ruft die Frauen auf, sich in die Front des kämpfenden Proletariats gegen Faschismus und Kriegshetze einzureihen.« Das Referat über «-Die Krau in der Wirtschaft erstattet die Abgeordnete Fanni Blallny-Tschechoslowakei. Sic erklärt, man dürfe nicht die Arme sinken lassen, sich nicht in das schein- bor Unvermeidliche fügen. Die Frauen wüßten, daß sie ihre Forde- rungen am besten erreichten, wenn sie die Schlagkraft der arbeiten- den Massen stärkten. Heute begnüge sich die Frau nicht mehr, mittels der Arbeit lediglich existieren zu wollen, sondern sie wolle menschenwürdig als seelisches, geistiges Wesen leben können. Die Möglichkeiten der Lebenshaltung seien heute düster und bedroht, aber das Lebenszielseihellundsroh. Die Frauen müßten als Vorkämpferinnen des Sozialismus wissen, daß die Frauen und die Jugend frei sein würden, wenn das Ziel erstritten sei.(Leb- hafter Beifall.) Elisabeth Vibbius Pelelier(Holland) referiert über das Thema: „Die Frau in der Landwirtschaft."„Wir fordern für die Landarbciterin die gleichen Schutzmaßnahmen wie für die industrielle Arbeiterschaft. Wir sprechen den proletarischen Frauen aus dem Lande unsere Sympathien aus und rufen sie auf, sich in den Fach- organisationen zu vereinen und in der Sozialistischen Partei, damit sie mit den anderen Frauen zusammen den Kampf um die Ver- besserung chrer Lebenslage führen können."(Lebhafter Beifall.) Zsabella Blume(Belgien) referiert über das Thema:„Die Hausfrau": Man müsse sich klar darüber sein, daß die Haus- frauen mehr Funktionen hätten als die der augenblicklichen Mit- Wirkung in der Wirtschast oder der augenblicklichen Gegenwarts- fragen. Sie hätten auch die sozialistische Wirtschast vor- zubereiten. Von dieser Konferenz solle ein Kampfruf an die sozialistischen Frauen und 5)ausfrauen hinausgehen, sie möchten sich in stärkerem Maße dessen bewußt sein, daß sie es feien, die an dem großen Gebäude der sozialistischen Wirtschaft mitzuarbeiten haben. (Lebhafter Beifall.) In der N a ch m i t t a g s s i tz u n g referiert über den Punkt „Die Hausgehilfin" Jenny L. Adamson(England). Mit leb- bostem Beifall begrüßt, führt sie aus: Der Beruf der Hausgehilfin ist gewiß einer der ehrenhaftesten Berufe, weil er ja für das private Wohl des einzelnen zu sorgen hat. Trotzdem ist die Hausgehilfin das Aschenbrödel unter den erwerbenden Frauen. Sie muß länger arbeiten und für weit geringeren Lohn als die Fabrikarbeiterin, sie ist vereinsamt und hat weniger Freiheit. Wir müssen dafür sorgen, daß hier Abhilfe geschaffen wird. Wir bitten die Konferenz, einen Gruß an die Millionen Frauen hinauszusenden, die wenig beachtet, bescheiden und als Aschenbrödel ihre Arbeit ver- richten müssen. Wir müssen ihnen Mut einflößen, damit sie die Ehrlichkeit und Wichtigkeit ihrer Arbeit erkennen und damit wir in solidorischer Zusammenarbeit aller erwerbenden Frauen uns zu- sominenschließen für eine bessere Welt.(Lebhofter Beifall.) Louise Schröder(Deutschland) erklärt in der Debatte über die vier Referate als Berichtcrstatterin der Sozialen Kommission der interparlamentarischen Union, die vierzig Länder umfaßt, daß diese Kommission sich bereit erklärt Hobe, die Anwendung des Washingtoner Abkommens auf die Landarbeiterinnen zu fordern. Dem möge sich auch die Konferenz anschließen. Die Aufgabe bestehe darin, Aufklärung in die beklagenswerte Landarbciterinnen- bevölkerung zu tragen, nicht nur im Interesse der Landwirt- schoft, sondern auch im Interesse der gesamten Arbeiterschaft und ihrer Zukunft.(Lebhafter Beifall.) Zowson(England): Die sozialistischen Frauen müssen sich neben den Mann stellen. Das schöne Wort„sie müssen ihren Mann stellen" darf keine leere Phrase sein. Wir haben die Ausgabe, eine wirklich ollumfassende Internationale zu werden, die Frauen des Fernen Ostens und nicht zuletzt auch die russischen Frauen in unsere Reihen auszunehmen. Blume(Belgien): Wir wollen das tragische Schicksal Rußlands vermeiden, wo der Mangel an Kontakt und an Verständnis zwischen Industriearbeiterschaft und Landbevölkerung zu großen Schwierig- teilen geführt hat. Wir wollen als Frauen rechtzeitig helfen, hier eine Brücke zu finden. Wichtig wäre auch, daß die Wohnungen der Landbevölkerung verbessert werden. Dieser wichtige Punkt sollte in die Revision einbezogen werden.(Beifall.) Dr. Marion Philipps(England): Im englischen Unterhaus wurde die Einsetzung einer öffentlichen Konsumenten kom- Mission durchgesetzt, die der erste Schritt sein soll zu einem Arbeitsrecht der Hausfrauen. Diese Kommission hätte festzustellen, welche Schritte einzuleiten sind, um eine vernünftige Preiserstellung durchzusetzen. Diese Kommission wird sich, das müssen wir ver- langen, daher auch mit der Zollsrage beschäftigen müssen.(Beifall.) Gould(England): Wir müssen fordern, daß alle Kinder die volle Zeit in der Schule verbringen und nicht durch irgendwelche Schul- besucherleichterungen aus der Schule herausgeholt werden, um er- wachsene Arbeiter brotlos zu machen.(Beifall.) Kluszynska(Polen): Polen hat als erstes Land die Achtstunden- konvention unterschrieben. Jetzt ist ober die ganze soziale Gesetz- gcbung zu einem Spiel der faschistischen Regierung geworden. Es gibt jetzt keine autonomen Krankenkassen, sondern in der ganzen Versicherung entscheiden Kommissare. Auf dem Lande ist es noch viel schlimmer, weil sich die Regierung auf die Großgrundbesitzer stützt.(Beifall.) Hanna(Deutschland): Wir müssen uns auch mit dem Kampfe gegen die Erwerbsarbeit der verheirateten Frau be- schäftigen, der sich zu einem Kampf gegen die Frauenarbeit über- Haupt auszuwirken beginnt, unter der Devise: Die Frau gehört ins Haus. Aber wir wissen, daß nicht die Frau schuld ist an der Arbeitslosigkeit. Die Unterbindung der Erwerbsarbeit der verheirateten Frau würde nur zu einem ganz geringen Maße auf den Arbeits- markt Einfluß haben. Iii Deutschland gibt es hauptberuflich erwerbstätige verheiratete Frauen 3 700 000 Davon arbeiten aber nur ungefähr eine halbe Million auf bezahlten Arbeitsplätzen. Sie könnten also theoretisch durch eine andere bezahlte Arbeitskraft ersetzt werden. Praktisch wäre aber auch das nicht der Fall, weil die übergroße Mehrzahl dieser Frauen aus Not arbeitet und sich auf dem Arbeitsmarkt an- bieten würde, wenn sie aus der Arbeit entfernt würden. Der Kampf gegen die Erwerbsarbeit der verheirateten Frauen ist ungerecht, cm- menschlich und unzweckmäßig.(Beifall.) Else Paul(Tschechoslowakei): Auch unsere Bewegung in der Tschechoslowakei hat sich in dem leten Jahrzehnt von einer reinen Industriearbeiterbewegung zu einer Bewegung des gesamten Industrie- und Landproletariats entwickelt. Von der gesamten er- werbstätigen Bevölkerung der Tschechoslowakei, die etwa 7 Millionen beträgt, entfallen 2% Millionen, also etwa ein Drittel auf die Land- Wirtschaft, davon sind wieder«ine Million Arbeiter und Angestellte ohne eigenen landwirtschaftlichen Besitz. Aber auch unter denen mit eigenem landwirtschaftlichen Besitz sind zehntausendc Klein- dauern und Häusler, auf die unsere Bewegung nicht ver- zichten kann.(Lebhafter Beifall.) Bibbius-Peletier(Holland): Auch wir sind dafür, daß Aus- bildungsmöglichkeiten in Fachschulen für junge Mädchen und Frauen, die sich für den Haushalt interessieren, eröffnet werden, aber die Grundloge kann nur der ollgemeine Schulunterricht sein, der deshalb nicht oerkürzt werden darf. Agoston(Ungarn): In Ungarn gibt es auch keine Arbeits- l o s e n v e r s i ch e r u n g für die Industriearbeiter, es gibt keine �?-Stunden-Woche, sondern die Arbeiter arbeiten oft bis zu sechzig Stunden in der Woche.(Lebhaste Bewegung.) I u ch a c z(Berlin) schloß die harmonisch verlaufene Tagung mit herzlichen Dankesworten für Wien und die Internationale Fraucnorganisation. (Gewerkschaftliches siehe 2. Beilage.) Verantwortlich für Politik: Virtor Schiff: Wirtschaft:®. itlinftclhöfcr: Dcwerlschaftobewcauna: ikrirdr. Sfikorn: ZZeuilleton: Dr. Ioh» Schikowski: Lolalcz und Sonsiiacs: iZrlk Karftädt: lln.-riacn: 3fc. Slock«: sämtlich in Berlin. Verlan: Vorwärts-Verloa E> m. d. H.. Berlin. Druck: Borwärto-Buchdruckeret „nd Verlagsanstalt Vau! Singer». Co. Berlin SW. KS. LindeustraKe Z. Kirrzn Z Beilagen. WERTHEIM Extra-Preise ** Vjf uflBHHI IB!■ IB n H(■!■ iiiiiiniuiiiiiiiiiiiiiiuiillHHiiiiilliilliliuuiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiliiiiiiiiiiiiiiiinniiiiiiiMiuiiiiiiiiiiiniiiiiiiHiiiiniiiiiiuiiHiiiiiiiiniUiiiniiiiiiiiiiiiiiininiiiiiii Leipziger Str.(Versand-Abt) Königstraße Rosenthaler Str. Moritzplatz Wlrtschafts- Artikel Emaille Kasserollen ohne Ring, grau 0.35 farbig 0*40 Sdunortopfe ohne Ring�u0.50 farbig 0.55 Konsole m» Mah.............. 0.85 Schusseln mit seifnapf...... 0.75 1.10 Sdieuergarnihir........... 1.45 Waschbecken Porzellanform...... 1.95 Bazar wanne w.iz 0.90 Mülleimer w.ifv 1.75 1.60 Waschtöpfe ohne Ring, verzinkt, von an 2.65 Toilette'Eimer mit Draht-«f Rohr- � � Z* bügol!•*3" bügel 3•*'3 Brotkästen_ ml» kleinen Fehlern* O.UU Stahlwaren Backenbesteck.. 0.45 Ebbesteck Eb*nro!!tr'.i 1.90 E6- u. Dessertmesser««c Alpaka, gesdimiad. 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Der sich an der Südseite der englischen De- pression nach Mitteleuropa ausbreitende kühlere ozeanische Lust- körper hat. wie erwähnt, bereits Westdeutschland in seinen Bereich aufgenommen: er setzt zur Zeit seine Ostwärtsbewegung mit unver- änderter Geschwindigkeit fort. Daher müssen wir für unser Gebiet mit baldigem Uebcrgang zu kühlerem Wetter und Neigung zu ein- zelncn Schauern oder Gewittern rechnen. welter sür Berlin: Meist stark wolkig, kühler, Neigung zu einzelnen Regenschauern oder Gewittern.— Jür Deutschland: Nur im Nordöstlichen Deutschland Fortdauer des bestehenden Wetters, im übrigen Reiche kühleres und bewölktes Wetter mit einzelnen Schauern und Gewittern. Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Serlio CTnfenCnmani Wr dl-s«»ibrU nur a M ZunenefehctarUt Sellin GW 6a. Clnbenffrafi« 3 heule, Sonnlag. 26. Juli. aiasoollirt Plaj, II: Steffen U Uhr Danziger Site GreifswatSer Sttahe. BcdeKeiiH mitbringen.— Schönhauser Borstavt: 19 Vb Uhr Heimabend Schön» fließer Str. 7. ZNorgen, ZNonlag, 27. Juli. Nordosten II: Danzlget Sit. M. Daaicke 3. Soge»politif.— L«nfa: vochumer eitQfcc ib. Sogcooolitit.— Moabit I: ffioltcnferftt. 20— A. Humnristifchrr Erziehung.— TtfZnHnuser Borftadt: Sonnenbutgct Sit. 20. Unsere Echupo.— Andreooplof, II: Bromninftr. 1. Reliolöfe Eozioliften,— Friedrichohai»: Diestef, nreyerstr. 5—6. Eine Eerichtsvcrhandlung. Norbefprechung der ZeUIagerteilnehrier Namedy. A Uhr Bortragesaal, Lin, denstr. z(Achtbildervortrag). * Boranzeige. Sonnenotog, 30. Juli, Shmbgebungcn der Bundesfchulen: „Degen Kirch- und Kulwrreottion". Ro:d(Webdiiij,, Reinickeiitotf, Tiergarten) Ärmininosble. NW., Bremer Etr. TZ. Referent: Rektor fftifc Schmibt. Nordost(Prenzlauer Berg, Milte, Panlomi Ledigenheim Parpelallee. Referent: Karl Schrdder. Oft(Osten, Lichtenberg, Oberspree, Müggelsee) Anbreasfest. fiile, Andreaostrahc. S.rcrcnt; Frih cchaiibt, Panlow. Süd(Rreuzbccg, Ren. kölln« Scmpcliujf) Saalbau Neukölln, Bergstraße. Referentin: Rlare Meyer. Lugan. West(Schöneberg, Westen, Teltowlänal) Aula ber Hohenzollernschule, Telziger Elte Eifenacher Straße. Referent: Genosse Graul. Doriräge, Vereine undVersammtungen. Reichsbanner„Schwarz-Rol-Gold". Getchiiftostelle: Berlin s u. Eebaltianstr 82-3« Sok 2. Tr Montag. 27. Zul>. Tiergarten. I. Kameradschaft, öitun« der ♦ Gruppen, und Blockführer bei Schmidt, Wirlefftvaße. Reukölln. Br.fci 1. Kameradschaft, 3. tzug. 20 Uhr Mitgliederverirmmlung bei John, Deserstr 41. Pankow(Ortsverein). Sie Turnhaller.abenbe falle» heute fvwi« Montag 3. Angn.st, aus.— Dienstag, 26. Juli. Prenzlauer Berg(jung- hanner) 13-% Übt Jugendheim. Beginn 20 Uhr. Referat:..Mittel und Wege zur rvlitifchen Schulung". Obleute und B�ockführer sorgen für restlose Be- IfUiguno fteerzbetg(Ortsverein). 30 Uhr Vollversammlung mit Angehörigen Schul che:».Ausschank. Safrnheide 22—31. Tambourkorpz mit Instrumenten. Akiive Kameraben Bundeskleidung.— Donnerstag, 30. Juli. S-nitätsführer. 20 Uhr Sifcung im(Baubüro.— Sauvorftnnt. Montag, 27. Juli, 20 Uhr, findet der für da» jungbamier bereits angekünbgte Vortrag des Kameraden Dr. Kotb über Freiherrn vom Stein und leine Bedeutung für die heutig« Zeit im ju- gendheim, Friedrich- Ebrrt. Saal, Frankfurter Allee 307, statt. Ardeiter. Rndio-Dund Deutschland» e. B., Ortsgruppe«erltu. Friedrichs. felde: Lokal Tempel, Gudrunstr. 7. Moniag, 27. Juli, technische Plauderei. Leitung: Genosfe Ing. B. Voigt, 20 Uhr.— Friedeichshain: Lokal Wertalla, Lohenloheste. 3 Dnnnersiag, 30. Juli, Kraftverstürker-Bouabent, 20 Uhr.— Krruzberg.Temp-lhof: Lokal Thiele, Fürbringerstr, 9. Freitag, Zl, Juli, tech. nii'che Plauderei, 20 Uhr.— Lichtenberg: Lokal Kämmerlein, R:gaer Str. 30—51. Freilag. 31. Juli, Bauodend, 20 Uhr.— Neukölln-Treptow: Lokal Egger», SaiseiFviedrich.Str.«. WttLtog, XL Juli, faUUitellec Bortrag. Referent: Gr- müt SWaunn,»Uhr." WM Helallarlieiter-VeM VerwalhmgMlcilc Berlin Todesanzeige. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Werkzeugmacher Max Kohn am 22. Juli gestorben ist Die Beerdigung findet am 26. Juli, vormittags 10 Uhr, von der Leichen- balle des Jiibifchen Friedhofs in Weihensee aus statt. Rege Beteiligung wirb erwartet. Nackrul Am 23. Juli starb unser Kollege, dee Former Oskar Harnisch Die Beisetzung hat bereits statt- gefunden. Ehre ihrem Aodeukeu! vi« OrteTervaltaag. Danksagung Für die Beweise herzlicher Teil- nähme bei der Einäscherung unseres lieben Vater» Richard Lange danlen wir auf diesem Wege allen Parteigenossen und den Kollegen de» tzeniralv,"-:»de» der Arbeits* invaliden herzlichst. A. ii.iirttz, geb. Lange DtotsdiffMWMtall Montag, de» 27. Zfuli, abdo 7 Ahr. Im Gewerklchoftsha»», Cngelnfer 24/23(Saal I) Brzndien- Versammlunö der Met&Uformer nnd Bemfs- äenossen Tagesordnung: l Borirag des Kollegen Wilhelm Hilfchner: ,,Die augenblickliche wirtfchaitliche Situation". 2. Branchenangelegenheiren. Die Kollegen der Epritzgußbetriebe. Zinn-, Zink- und Blei-Giexeroien find hierzu eingeladen. Zahlreiche Beteiligung wirb erwartet. Mitgliedsbuch legitimiert. Olenutag, den 26. Zoll. abend» 7 Ahr. im verbondshao» Cinienfteob« 83/86(Saal I) Tersammiand aller Formenbaoer, Modell' sdilosser sowie Bcparafnr- sdilosser der Gießereien Tagesordnung wird in der Verfamm- lung beianntgegeben. Zahlreicher Besuch wird erwartet. Mitgliedsbuch legttimierr. Mtlkrooch, de» 2?. Fall, add». 7:» Ahr, Im Sitzungssaal II da» veedandihanfe», Öinienftr. 83-86, Eiagoag», ElsSsser Skr. 86/88 Versammlonü aller»eiallardeUer Im Flnzellmndel Tagesordnung: I. Bericht von den Verhandlungen vor dem Schlichtungsausfchuß. 2. Stellungnahme dazu Besonders eingeladen sind die bei ben Firmen Held. Herzog. Israel, Tietz. Wertheim, Kaufhaus des Westen». Gerfon, Karstadt u. a. befchästiglen Metollarbeiter. Um möglichst pünktliches Erscheinen wird ersucht. vi« Orirvei-valiang. ersteigere�Ä8.,� Montag 27. Juli, ab 10 Uhr, und folgende Tege: Beilin, Oronlenstr. 51 AnzQge und Mäntel, für Herren n. Knaben Anzog- n. Ulsterstoffe öffentlich meistbietend gegen bar, ohne Aufschlag Arfliur Sdieäniliaf beeid. Versteigerer, Schaperstr. 3t.jl »im. Billig wie noch nieS Inlette f OberbcU.. Mk. v.»0, tO.-. I».- KUsen____. 2.55, 2.85, 3.50 rot, lörkUdr, Mokko. Steppdecken..... Mk. 19.50 Daancc decken....» 52.— W«nder., Wochenend- Decken in allen Preislagen I SffieMteaterii and Daancn zo den bekannten billigen Preisen. Pel Elpkeof GTeft«rclBl|lattcnkonzert. 15.20; Zum 100. Geburtstag der llieosophin Helene Petrowna Blavatzky. 15.40; Das europäisierte Bagdad. 16.05; Jugendstunde. 16,30: Unterhaltungsmusik. 17.30: Bücherstunde. 18: Lieder. 18.20: Menschen und ihre Arbeit. 18.45: Interview der Woche. 19.15; Unterhaltungsmusik. 20.30:„Pygmalion", Komödie von Bernhard Shaw. 22.05: Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Mittwoch, 29. Juli: 6.30: Funkgymnastik. Anschließend: Frilhkonzert. 12*30; Wettermeldungen für den Landwirt. 14; Schallplattenkonzert. 15.20; Becrcnobstkultur. 15.40; kobert Schumann zum 75. Todestag. 16.05; Moderne amerikanische Klavier- Musik. 16.25: Programm der Aktuellen Abteilung. 16.55; Jugendstunde. 17.15: Staatsform und Wirtschaft. 17.45; Johannes Urzidfl liest eigene Dichtungen. 18.15: Mitteilungen des Arbeitsamtes. 18.20; Openettenmusik. 19 30: Philosophische Gespräche. 20; Ein Mensch mit Büchern und Schallplatten. 20.50: Tages- und Sportnachrichten. 21: Robert-Schumann-Konzert. 22.15; Zeitberichte. Danach: Tanzmusik. Donnerstag, 30. Juli: 6.30: Funkgymnastik. Anschließend: Frühkonzert. 12.30; Die Viertelstunde für den Landwirt. 14: Schallplattenkonzert. 15.20; Sparsamkeit am falschen Fleck. 15.40: Rathaus und Presse. 16; Konzert. 17: Jugendstunde. 17.25: Hclsingfors. die weiße Stadt im Norden. 17.45; Politische Gegnerschaften. 18.10: Zu Unrecht vergessene Dichter. 18.40: Aus Stettin: Volkslieder. 19.05: Mitteilungen des Arbeitsamtes. 19.10: Das Theater stellt sich um. 19.40: Politische Zeitungsschau. 20: Aus Salzburg:„11 Matrimonio Segreto", komische Oper von Cimarosa. 22.30: Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Danach: Tanzmusik. Freitag, 31. Juli: 6.30: Funksymnastik. AnschlieBend: Frühkonzett. 12.30: Wettermeldumen für den Landwirt. 14; Schallplattenkonzert. 20.20: Wunder Amerikas. 15.40: Wiener Wohnungswesen. 16.05: Psychologische Plauderei über den Wen- kiimpfer. 16.30; Teemusik. 17.50: Jugendstunde. 18.15: Das neue Buch. 18.25: Mitteilungen des Arbeitsamtes. 18.30; Wohnungs- und Städtebautragen auf der Berliner Bauausstcllung 1931. 19: Studenten diskutieren. 19.40: Neue Unter- tialtungsmusik. 21: 5 Minuten: Wegweiser ins Wochenende. 21.05; Tages- und Sportnachrichten. 21.15: Dichtung und Wirklichkeit. Danach: Tanzmusik. Rundfunks. Sonnabend, 1. August: 6.30: Funkgymnastik. Anschließend Frühkonzert. 12.30; Wettermeldungen für den Landwirt. 14: Schallplattenkonzert. 15.20; Jugendstunde. 15.40: Zwei Flauen reisen im Auto durch die Welt. 16.05: Blasorchester-Konzert. 18: Die Erzählung der Woche. 18.30; Balladen. 19.30: Wovon man spricht. 19.55: Mitteilungen des Arbeitsamtes. 20: Bayreuth von damals. 21: Tages- und Sportnachrichten. 21.10:...Wunschspiegcl". Eine Kabarettrevue. Danach: Tanzmusik. Königswusterhausen Sonntag, 26. Juli: Ab 6.30: Uebertragung aus Berlin. 15.30: Stunde des Landes. 17.50; Aus feinen Zonen. 18.20: Bernhard Shaw zum 75. Geburtstag. Anschließend: Uebertragung aus Berlin. Montag, 27. Juli: 16: Aus Berlin: Nachmittagskonzert. 17: Pädagogischer Funk. 17.30: Purcell, ein Klassiker der englischen Musik. 18: Mönch tum im Protestantismus. 18.30: Bücherstunde. 18.55: Wetterbericht für die Landwirtschaft. 19: Alchemie und moderne Chemie. 19.25: Stunde des Landwirts. Anschließend: Viertelstunde Funktechnik. 20.45: Bilder vom heutigen Rußland. Deutschlandsendcr: 20: Aus Königsberg: Konzert. Anschließend: Uebertragung aus Berlin. Dienstag, 28. Juli: 16: Aus Leipzig: Naämittagskonzert. 17: Die Frau auf dem Throne. 17.30; Gespräche mit Siebzehnjährigen. 18: Die Organisation der dänischen L andwirtschaft und ihre Rückwirkung auf Nordschleswig seit der Abtrennung 1920. 18.30: Wie sind die Alpen entstanden? 18.55: Wetterbericht für die Landwirtschaft. 19: Land und Leute in Südafrika. 19.30: Weltpolitische Stunde. Dcutschlandsender: 20.15: Uebertragung aus Berlin. 22.05: Politische Zeitungsschau. Anschließend: Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Danach: Aus Hamburg: Tänze und Märsche aus Operetten. Mittwoch, 29. Juli: 16: Aus Leipzig: Hörbericht aus dem Robert Schumann-Museum in Zwickau. 16.30; Aus Hamburg: Nachmittagskonzert. 17: Pädagogischer Funk. 17.30: Robert Schumann zum 75. Todestag. 18: Sommerferien im nördlichen Fismeer. 18.30: Der Brief im deutschen Geistesleben. 18.55: Wetterbericht für die Landwirtschaft. 19: Stunde des Beamten. 19.25; Mein Afrikaflug von Elli Beinhorn. Deutschlandsender: 20: Aus Köln: Wagner-Abend. 22: Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Danach: Uebertragung aus Berlin. Freigewerksdiaftlim erganislßrte Mstoinnio! Dienstag, den 28. Juli, 7 Uhr, im Saal I des OeM'crkscbaftshaases Engciufer 24/25: VersaasBisnlsfinsl aller freigewerkscbaitlich organisierten Taubstummen. Tagesordnung: 1. Die gegenwärtige Wirtschaftskrise. Referent: Kollege Schlimme(ADQB)— 2. Aussprache. Die Frauen aller Taubstummen können an dieser Versammlung teilnehmen. Alleemelner Dcafsöier GewcrksüiBSIsDand GrtsaussßiuB Berlin. Donnerstag, 30. Jnli: 16: Aus Berlin; Nachmittagskonzert. 17: Der Philosoph Max Stirner. 17.39: Die üarlenblume des Monats. 18: Grundrißgestailung des modernen Wohnhauses. 18.30: Praktische Ratschläge für Amateurpholographen. 18.55: Wetterbericht für die Landwirtschaft. 19: Bücherstunde. 19.30: Stunde des I andwirts. Deulschlandscnder: 20« Aus Leipzig: Die vier Temperamente bei dem Verlust der Geliebten von Carl Maria von Weber. 20.30: Aus Leipzig: Tanz-Abend. 22.15; Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. AnschlieBend: Uebertragung aus Berlin. Freitag, 31. Juli: 16; Aus Leipzig: Nachmittagskonzert. 17: Pädagogischer Funk. 17.30: Lustiges Abenteuer von Sochtschenko. 18: Der Kampf des Handwerks im Zeitalter der Maschine. 18.30: Moderne Glasmalerei. 18.55: Wetterbericht für die Landwirtschaft. 19: Wissenschaftlicher Vortrag für Aerzte. 19.30: Die Well des Arbeiters. Dentschlandsender: 20: Aus München: Lustiges aus SOddeutschland. 20.45: Aus Köln:„Was frag ich viel nach Geld und Out", Komödie von Hans Müller-Schlösser. Anschließend; Uebertragung aus Berlin. Sonnabend, 1. August: 16: Aus Hamburg: Nachmittagskonzert. 17: Blumen und Menschen in Hawai. 17.30: Viertelstunde für die Gesundheit. 18: Französisch für Fortgeschrittene. 18.30: Veraltete Wahrheiten. 18.55: Wetterbericht für die Landwirtschaft. 19: Deutsche Städlebilder: Leipzig. 19.30: Stille Stunde, bcutsch- landsender: 20: Aus Hamburg: Wochenende. Anschließend; Uebertragung aus Berlin._ Sport. Rennen zu Hoppegarten am 25. Juli. Preis hott Trosedow: 1. Null OuVert(Nastenberger); 2. Windrose? 3. TarquiniuS Superdus. Toto: 22:10. Platz: 13, 15:10. Ferner liefen: Ab- schied, Fra Diavolo. Preis von Hohengöhren: I. Manitoba IG. Streit): 2. Turmaras: I. Amön. Toto: 48:10. Platz: 13. 37, 53. Ferner liefen: Minneland, Fhe» ring Rcaiernnge-rat Sigillns, Guntram. Panlchen, Verflißnteiimtcht, Doppelwaise, Rose rf Jericho, Adclsschwcstcr, Feronia, Augusta, Mon- dantin, Epona, Zlrbeit. Remlin-Rcnnen: 1. Fandem(Sasdit): 2. Impressionist: 3. Lansranchi. Toto: 181:10. Platz: 47, 32, 42. Ferner Ittsen: Kamerad. Lcbcnskünstlcr, Francesco, Georgia, Alpcnsliegcr, Gcnio, Edelknabe, Lc Mauvais, Tarn- schild. Bascdow-Rcnnen: Wolkcnslug(Grabsch) ging über die Bahn. Preis von Neuhaus: 1. an der Wien(Zchmisch)p 2. Filmcnau; 3 Immerfort. Toto: 32:10. Platz: 14 12:10. Ferner liefen: Auch einer, Boniburg. Preis von Eharlottenthal 1. Machbuba ITarras): 2. Janus: 3. Tenor. Toio: 68:10. Platz: 16, 12, 11:10. Ferner liefen: Abneigung, Nebukadnezar, Schwadroneur, Belas, Symmetrie, Palastwache, Alemannia. Preis von Briggow: 1. Grenzmark IBlume): 2. Heuchler: 3. Nomos; 4. Morgenwind. Toto: 46:10. Platz: 16, 74, 18, 48:10. Ferner liefen: Fia« metla, MorcianuS. Gilgamesch. Kerkncr, Fürstenlind, Patgulli, Eroica, Trianon, Idylle, Notcnstcin. 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VermleiangsbOro In Keahau woOemaqllüi 14— iß utr, Sonnt. 10—13 llllr. Tel. lost. Bansa 2433 Verwailnngsbüro Dsorbeiwngsn noch nicht in ihrem Besitz waren und der Wortlaut des Getesiestextes keine ander« Bearbeitung zuließ. Die Arbeitslosen, die von der ungünstigen Auslegung betroffen wurden, müssen auf ihrem zuständigen Amte deswegen vorstellig werden. Sie werdsn ohne Schwierigkeiten das Geld für die zu Unrecht verhängte Warte- zeit nachgezahlt bekommen. Sollte es ihnen dennoch verweigert werden, müssen sie beim Spruchausschuh des Arbeitsamtes dagegen Einspruch erheben. Arbeitszeiiabkommen gekündigt. Oer Nordwestlichen zum i. Oktober� Essen. 25. Juli. Die am Tarifoertrog beteiligten Mctallarbeiterver- bände für die Nordwestliche Gruppe der Eisen- und Stahlindustrie haben den Unternehmern mitgeteilt, daß sie das am 1. Oktober ab- laufende Arbeitszeitabkommen kündigen. Forderungen wurden von den Verbänden in dem Kündigungsschreiben nicht aufgestellt. Ueber Annahme oder Ablehnung des Lohnschieds- f p r u ch c s für die Metallindustrie der nordwestlichen Gruppe werden erst die zu Sonntag einberufenen Funktionärkonferenzen der Verbände entscheiden. Das Abkommen läuft hier am 30. Sep- tember ab. Oer Lohnabbau in der Metallindustrie. Die Llnternehmer fordern noch mehr. Nach einem Bericht des Deutschen Mctallarbeiterverbandes be- standen im Oktober 1930 in 14 Berufsgruppen der Metallindustrie 861 Verträge, die für 38 576 Betriebe mit 1 489 344 Beschäftigten abgeschlossen waren. Gekündigt wurden von den Unternehmern bis zum 31. März d. I. 333 Verträge, wodurch 2 6 61 1 B e- triebe mit 1 627 362 Beschäftigten, gleich 68,8 Proz. aller tariflich Gebundenen, vom Lohnabbau betroffen wurden. Am meisten wurde die Gruppe„Allgemeine Metallindustrie" in Mitleidenschaft gezogen. Ihr Anteil betrug 92,7 Proz. aller Beschäftigten. Inwieweit sich dieser Lohnabbau auf die Gestaltung der Du r ch- fchnittsoerdienste auswirkte, wurde für die stärkste Gruppe, die gelernten Facharbeiter, festgestellt. Sie betrugen in Berlin: bei ständiger Lohnarbeit bei Akkordarbeit im Jahre 1927.... 112.6 Pf. 118.6 Pf. .. 1928.... 128.6„ 132,6. .. 1929.... 136.6. 135,6. .> 1936.... 128.6. 135.6. bis�l. März 1931.. 112,6„ 124,6„ Die Durchfchnittsvcrdicnste der Berliner Fachorbeiter verringerten sich demnach gegenüber dem Jahr 1936 bei ständiger Lohnarbeit um 16 und bei Akkordarbeit um 11 Pf. Das sind die höchsten Verdien st Verminderungen, die unter ollen Verbondsbezirken festgestellt wurden. Erst in weiterem Abstand folgte der Bezirk Hannover mit einem Abbau von 16 bzw. 7,4 Proz. Dieser Lohnabbau geht aber dem Unternehmertum noch nicht weit genug! Sie wollen jetzt bei der zweiten Lohnabbauwell« dos Versäumte nachholen. Die„Deutsche Allgemeine Zeitung" verlangt sogar eine Lohnkürzungvon36Proz. Zwar hat der Reichs- kanzler den Bankiers gesagt, daß Lohnsenkung der Wirtschaft keine Rettung bringe, aber die staatlichen Schlichter handeln anders. Die vor kurzem erfolgte zweite Lohnkürzung in der fächsi- fchen Metallindustrie ist cm deutlicher Beweis dafür. Die Belebung des Arbeitsmarktes hätte sicherlich noch größere Fortschritte gemocht, wenn die Kaufkraft nicht so erheblich geschwächt worden wäre. Darum kann es nur die eine Forderung geben: Schluß mit dem Lohnabbau und Anpassung der Preise an die gesunkene Kaufkraft. Landarbeiterlöhne einst und jetzt. Eine wertvolle Untersuchung. In der Landwirtschast fehlte es bisher an einer zuverlässigen Uebersicht über die Veränderung der Löhne gegenüber der Bor- kriegszeit. Die landwirtschastlichen Unternehmer machten sich das zunutze, indem sie immer wieder behaupteten, die Lohnsteigcrungcn seien erhebliche und keineswegs geringer als im Gewerbe und in der Industrie. In diesen Tagen ist nun im Verlag des Deutschen Land- arbeiter-Verbandes eine Arbeit erschienen, die als ein wertvoller Beitrag zur Frage der Entwicklung der Landarbeiterlohne in der Nachkriegszeit bewertet werden kann. Die Veröffentlichung betitelt sich:„Untersuchungen über die vergleichsweise Höhe der Land- orbeiterlöhne in Deutschland vor und nach dem Kriege." Verfasser ist der Diplomlandwirt Dr. Wilhelm Helmerking. Der Verfasser ist immer von Beispielen aus der Vorkriegszeit ausgegangen, wie sie in der Literatur zu finden waren. In der Hauptsache stammen die Beispiele aus dem Jahre 1913. Wo sie fehlten, hat der Verfasser sich älterer Erhebungen bedient. Den Bor- kriegslöhnen find die entsprechenden Tariflohnsätze für das Jahr 1928 gegenübergestellt worden. Bei den Deputatarbeitern, die die wichtigste Berufs- gruppe in der Landwirtschaft darstellen, ist Dr. Helmerking bei- spielswcise zu folgenden Feststellungen gekommen: In Ost- preußen betrug der G e s a m t l o h n vor dem Kriege 381.46 M.: im Jahre 1928 1 117,67 M. Daseist ein Mehr von rund 46 Proz. Erfreulich ist, daß Dr. Helmerking auch eine Untersuchung der Lohnverhältnisse nach der realen Seite hin durchgeführt hat. Setzt man den Borkriegslohn des vorstehend erwähnten Deputats- arbeiters gleich 166, dann betrug der Reallohn im Jahre 1928 83.6. Er hat sich also um 17 Proz. vermindert. Der land- wirtschaftliche Deputatarbeiter in Vorpommern hatte vor dem Kriege einen Gesamtlohn von 934,— M., im Jahre 1928 von 1256,16 M- Die Steigerung beträgt hier rund 33 Proz. Der Reallohn ist mit 88,1 um 11,9 Proz. gegenüber der Vorkriegs. zeit gesunken. Der Gesamtlohn des landwirtschaftlichen De- putotarbeiters in Schlesien ist von 685,86 M. in der Vorkriegs- zeit auf 1647,46 M. im Jahre 1928 oder um rund 56 Proz. ge- stiegen. Der Reallohn ist um 6,7 Proz. gestiegen. Der Gesamt- lohn des landwirtschaftlichen Deputatarbeiters in der Provinz Brandenburg ist um rund 55 Proz., der Reallohn um 1,7 Proz. gestiegen. Beim landwirtschaftlichen Deputotarbciter in Schleswig-Holstein liegt eine Steigerung des Gssamtlohncs um 46 Protz, dagegen ein Rückgang des Reallohnes um 8,5 Proz. vor. Zusammenfassend kann gesagt werden, daß die Landarbeiter im Durchschnitt aller Gruppen einen Reallohn erreicht haben, der ungefähr der Vorkriegshöhe entspricht. Unter diesen Umständen sind die Behauptungen der landwirt- schaftlichen Unternehmer über die Entwicklung der Lohnverhältnisse in der Landwirtschast nichts anderes als U e b e r t r e i b u n g e n, bei denen anscheinend der Wunsch eine große, wenn nicht die größte Rolle spielt, die Landarbeiter heute noch schlechter ge- stellt zu sehen, als sie es in der Vorkriegszeit waren. Verstaatlichung der Kohlenindustrie. Forderung der englischen Bergarbeiter. Der Jahreskongreß der englischen Bergarbeiter in Black- p o o l hat sich sehr energisch für die V e r st a a t l i ch u n g der englischen Kohlenindustrie eingesetzt. Er fordert in einer besonderen Entschließung, daß die Arbeiterpartei die Frage der Verstaatlichung, wenn sie nicht durch Gesetz bald gelöst werde, bei den nächsten Wahlen zur Hauptparole mache. Die Verstaat- lichung sei der einzige Weg, um die zersplitterte englische Bergbauindustrie lukrativ zu machen. Nur 814 Proz. der Ge- samtförderung oerteilten sich auf nicht weniger als 163 6 verschiedene Bergwerke, d. h. auf die Hälfte sämtlicher Gruben Englands. An Stelle des aus Gesundheitsrücksichten zurückgetretenen Tom Richards wurde Elbey Edwards, Labour-2�>geordneter, zum Präsidenten des Bergarbeiterverbandes gewählt. Edwards wird zusammen mit dem Sekretär E o o k die britischen Berg- arbeiter auf der am Dienstag in Wien beginnenden Sitzung des Ausschusses der Bergarbeiterinternationale vertreten. In Wien soll die Regelung der Quoten- und Preisfrage für die Genfer Verhand- lungen vorbereitet werden. Die Ar b"e sl'o.si"� 1c t 9 196.0 in D oai t s c Iii an<1 In 1000 P e rs 33J1.« *981.i H o n 1 1 s iä ur et s cTvait l *117.» 1 848.1 �,57 er» 1515.0 1155.1- I 1715., HaMir.l 17 I II 1 II 1 IT IHaBjkr 1927 1'9'28 1 929 1.930 1951 Siemens und Metallgesellschast. Oie Gasreinigung durch elektrische Hochspannung durch Zusammenarbeit spezialisiert. Die Siemens-Schuckert A.-G. und die Metallgefellfchaft-Frank- furt haben eine bedeutungsvolle Zusammenarbeit auf dem Elektrofiltergebict organisiert. Die bereits seit Jahren zwischen beiden Gesellschaften bestehende Patentgesellschaft soll ausgebaut, der beiderseitige Patentbefitz und die Forschung?- arbeiten sollen einer neuen Gesellschaft übertragen werden, deren Name Siemens- Lurgi- Eottroll- Elcktrofilter- G. m. b. H. für Forschung und Patentverwertung lauten soll. Durch diese Gründung wird die Errichtung von elektrotechnischen SpezialUnternehmungen unter Zusammenfassung der Interessen verschiedener Gesellschaften fortgefetzt. Es sei daran er- innert, daß Siemens gemeinsam mit dem Kokswcrke-Äonzern die Siemens-Plania-Werke A.-G. zur Herstellung elektrischer Kohle gegründet hat und daß außerdem gemeinsam mit der AEG. eine ganze Reihe Gemcinschastsgründnngen durchgeführt worden sind, die sich auf E i s e n b a h n s i g n a l g c r ä t e, Glas. Glüh- lanipen, Funkgeräte ufw. beziehen. Das ausschließliche Rechtzum Bau undzuin Vertrieb von Elektrofilteranlagen soll künftighin die Lurgi-Apparate- bau-Gefellschast haben, eine 1919 gegründete Tochtergesellschaft der Metallgesellschast, d�ren nur 166 666 Mark betragendes Aktienkapital der Muttergesellschait zu 166 Prozent gehört. Gleichzeitig mit dieser Vereinbarung wurden auch die Patentvcrträg« mit drei amerikanischen und einer englischen Firma ausgedehnt, so daß künftighin die Patente und Erfahrungen dieser vier Auslandsgescll- schaften der neuen Gesellschaft restlos zur Verfügung stehen. Das Elektrofiltergebiet ist in den letzten Jahren industriell außerordentlich wichtig geworden. Es handelt sich um die Reinigung von Gasen durch elekttische Hochspannung zur Verhütung von Rauchbelästigung oder zur Ge- winnung wertvoller Staubbestandteile. »�reie Gewerkfchafts-Lugend Berlin Hentk, Sonntag, folgend« B-vaiistaltung-n:»elnndbrunae«: Fahrt nach Er/ner.— IagenAgru»?« de» Sesamtoerbande», Fachgriippe Gärtnerei: Fahrt nach Ertner— Rüderidavf— Etransherg. Treff. Punkt 7 Uhr Bahnhof Stralau-Rummelsburg, Eingang Sonntagstrage. Un- kosten 1 M. Zuqendsiruppe des Zentralverbandes der Angestellten Morgen, Montag, finden folgende Veranstalti.ngen statt:«eddiag: Jugendheim Turiner ES« Se-Iftab«.. Auafhiracheabcnd:„«a» geht in der Politik vor?" Leiter: Holz.— Brig: Stättisches Zugendheim(Rathaus). „Die Fugend ist gegen Krieg."— Weihensee: Zugendheini Pistoriusstr. 24. Vor. trog:„Gemerkschaftstrageu". Referent: Lmvinfki.— Urban: Jugendheim Hoorecht. Ecke Sonderstrahc.„1014— 1018 zehn Millionen Tote— warum und wofür?"_ Besprechung der Ferieirfahrten im' AnschUih an den Reichsjugend- tag um 20 Uhr im Berdandshausc.— Spiele im Freien ab 19 Uhr auf dem D»mi mkuss pielplag in Schönrbcrg. Einsendungen für diese Rubrik sind « e r l i n SW KZ, Lindenstraste Z. Parteinachrichten für Gtoß-Be;lm stets an da» Bezirksfekreta�ot 2. Hof, 2 Treppen rechts, zu richten Beginn aller Veranstaltungen i9Vi llhr. sofern keine besondere Zeitangabe? Alonlag, 27. Juli. 1. Kreis. Ermeiierte tircisvorftandssitzung bei Dobrohlaw, Sroincmünd.r Strage 11. 4. Kreis Prenzlauer Berg. 18 Uhr kurze, wichtige Besprechung mit den Dv. teilung-Icitern bei Klug, Danzigcr Str. 71. 3. Kreis Fricdrichshoiu. 10'■ Uhr Kreisvorstandssihung mit den Abtcilungi, leiteru bei Reirsch, Cadincr Straße. Dienstag, 28. Juli, Erwerbslosenz», 'Irmmeukunft von 13 bis 18 Uhr im Jugendheim Tilsttcr Sir. 4—3. Referent: Genosse Sahnei:„Die seelisch:: Lage der Erwerbslosen". Genosse Bernstein: „Zeitbericht". «. Kreis. Kurze Besprechung mit den Abtcilungslcilkrn bei Krüger, Grimm. straße 1. Jede Abtsilung muß vertreten fei». 7.«reis. 2g Uhr Sitzung des Bildungsausschusses im Jugendheim Rosinen. straße 4. !>. Kreis. 20 Uhr bei Kraiß, Holsteinische Str. gg. Sitzung des Kreisvorftandes mit den Abtcilungsieiier». 14. Kreis. Sitzung des erweiterten Porswndes in alter Besetzung an bekannter Stelle. 17. Kreis. Abteilungsleiter! 1!) Uhr kurze. Besprechung in der„Vorwärts". Ausgabe, Boxhchgrncr Straße. 12. Abt. 23 Uhr Funttiouärveriammiung bei Schmidt, Wiclefstr. 17. 42. Abt. Abrechnung der B-zirksführcr bei Kohlte. Bergmannftr. SO. ah 90 Uhr. 94, Abt. 20 Uhr Versammlung der jüngeren Parteigenossen bei Schröder, Ctcinmetzstr. 52. Dienslag, 28. Iuli. 3. Krcis. 10 Uhr Kreisvorstonidssitzung mit den Abteilimgsleitern an be» kannter Stelle. l2. Kreis. Wichtige Sitzung tier Abteilungsleiter des Kreises und ihrer Stell- vertrete? Händelplcitz 2. Erscheinen dringend erforderlich. 18. Kreis. 20 Uhr Kreisvorstandssitzung bei Callas. � 15. Abt. Frauenausflug nach Schulzendorf. Treffen 10 Uhr Stettiner Vorort- bahnhof. Nachzügler Restaurant Hubertus, Schulzeudorf. 138. und L38. Abt. Jugendheim Roonstratze(Hcrmsdorf) Zusammenkunft der jüngeren Parteigenossen. Andere Mitglieder aus den Abteilungen kommen. Thema: Diskussion über den Leitartikel des„Vormärts" vom 20. Juli(Zeitung mitbringen!). Miikwoch, 29. Suli. 11. Kreis Schöneberg. Krcismitglicderoersammlunq um 20 llhr im Gesell- hchastshaus des Westens, Hauptstr..80. Referent: Genosse Raphtaii:„Die politische Loge und die Londoner Konferenz". S. Abt. Arbeitskreis junger Parteigenossen bei Richert, Steinmetzstr. 3Ga. 57. Abt. Fünttionäositzung bei Thunack, Wiciawdstr. 4. 77. Abt. Die für Mittwoch vorgesehene Mitgliederversammlung fällt aus, dafür KreismUgiiedirversammlmig(siehe Krcisnachrichtcn). 104. Abt. 20 Uhr Funktionärsitzung Berliner Str. 58, früher Tomalla. 2. Kreis. Voranzeige! Achtung. Kirchcnaustrittsversammlung! Donners loa. 30. Juli, 20 llhr, veranstaltet die SA I. und der Frcideukcrvcrband Bezirk Berlin eine Kundgebung. Kirchcuausiritte können daselbst sofort beim an, wescubcn Ziotar vollzogen werde». Lcgibimationspapicre siub zu diesem Zweck mitzubringen. Ort der Kundgebung: Arminwshallen, Bremer Slr. 73. 57. Abt. Voranzeige! Aunbgebung gegen Krieg, für Bölkcrsriedcn und Völker. Versöhnung. Sonnabend.>. Angust, LZls- Uhr, Schlütcr-Theater, Schlüter. straße>7. Borsührungssolge: Streiter heraus, Kämpfer hervor.(Film vom Parteitag in Leipzig.) Austreten des„Roten Kolleltivs". Ansprache des Genossen Pfarrer Blcier. Vorfnhruna des großen Anti-Kriegssilms:„Per- dun", llnlostcnbcitrag 60 Ps. Es ladet herzlich ein 57. Abt. drr SPD. Frllucnvcranstalkungcn. 2. Kreis. Dicnsiaa, 4. August, Dampfersahrt nach Ziegenhals. Abfahrt 8 Uhr Lessingdrllcke. Karten sind bei den Adtcilungsieiierinne» und be! der Kreis. leiterin, Lübecker Sir. 43, zu haben. 4. Kr»!». Mittwoch, 29. Juli, Ausflug. Wir fahren über Bahnhof Jungfern- heibe bis Earienselb(20 Pf.>, von dort kurzer Waldweg bis Saolwlntei. wo das Haus des Arbeitcr.Eamariter.Bundcs Zentraltreffpunkt ist. Daselbst ab 14 Uhr billiges Kafferkochen. Tassen und Kanne» sind mitzubringen. 5. Kreis. Montag, 27. Juli, ab 13 Uhr Kasfcekochcn in der Asten Taverne, Alt, Stralau. Liter 1 M. 6. Kreis. Freitag. Sl. Juli, lOls Uhr, hei Krüger, Grimmftt. 1, Funktio- närinnensttzung. 13. Kreis. Alle Genossinnen heteilige» sich am Konsumiafscekocheu am Rontag, 27. Juli, im„Birkcnwäldchcn", Tcmpclhof, Manteufscistraße. 17. Kreil. Dienstag, 28. Juli, 10>/- Uhr, bei Tempel, Eudrunstraße, Funkio. päritinensttzungr . 33. Abt,- Ii» diesem Monat sällb- der Fraucnabend aus. Näheres.. siehe Notiz des 5. Kreises. 59. Abt. Donnerstag, 30. Juli, ah 16'/: Uhr Kaffeekochcn im Voikspark Neukölln. 42.. Abt. Montag, 27. Juli, treffen sich die Eegossinnen ah 13 Uhr im Restaurant de« Volisporks Neukölln zum Kaifeetochen. 44. Abt. Mittwoch, 20. Just, gemütliches Beisammensein im Bolkspark Neu. kölln. Treffpunft 16 Uhr daselbst. 45. Abt. llmständebolber mußte von der Besichtigung des Altersheims Schön- Hölzer Heide abgesehen werden, dafür beteistgen wir uns am Dienstag, 28. Juli am Konsumkaffeclochen bei Bicler,„Altes Eierhäuschen". 53. Abt. Der Frauenabend im Just fällt aus. Dafür findet am Dienslag, 28. Juli, eine Dampferfahrt nach Lehnitz statt. Abfahrt pünktlich 0 Uhr Ehariottenburger Brücke(Bahnh. Tiergarten). Fahrpreis hin und zurück l M. 36. Abt. Die Genossinnen beteiligen sich am Dienstag, 28. Just, an der Ber- anfialtuna der 33. Abteilung. Dampferfahrt»ach Lehnitz. Abfahrt. 0 Uhr Ehorioitenburger Brücke am Saizufcr. Fahrpreis hin und zurück l M. 77. Abt. Donnerstag, 30. Juli, beteistgen sich aste Genossinnen am Konsum- kaffeekochen im Biktoriagarlen, Wilhclmsauc 114. 90. Abt. In diesem Monat haben wir an Stelle des Fraucuabcnds am Montag, 27. Juli, ca. 15 Uhr ein Treffen mit der Rudowrr Fraucngruppe im Justuspark in Rudow zum Kaffeekochen. 100. Abt. Montag, 27. Just, 13 Uhr, treffen sich die Genossinnen im Julius- pork zum Kaffeekochen. 108. Abt. Mittwoch, 20. Just, auf dem Sportplatz Eiche treffen sich die Ee- nossinnen zum Kaffeekochen. 110. Abt. Mittwoch, 20. Juli, Motorbootfohrt nach Wernsdorf stlosrngarten.. Treffpunkt 12"- Uhr Gelcllschaftshaus. Für die Mitglieder ist die Fahrt frei. Gäste zahlen 50 Pf.> 127. Abt. Der Frauenabend fällt aus. Dafür hoteiligen sich die Genossinnen ge- schlössen om Konsumkaffeckochc» der 138. und 286. Abgabcnstcllcn am Dienstag. 28. Juni, ab 13 Uhr km Saaibau Friedrichs Hain. 136. Abt. Dienstag, 28. Juli, ab 13 Uhr Kaffeekochen im Lokal„Zur letzten Minute" am Bahnhof Schönholz. >43. Abt Mittwoch, 20. Juli. 15 Uhr, Kaffcrkochen bei Jarius, Waidmanns. Inst, Fürst-Bismarck-Straße. Gcnossinnön anderer Abteilungen sind herz. iich eingeladen. Bezirksausschuß für Arbeiterwohlfahrl. Wir machen unsere Genossinnen und Genosse» auf den Vortrag„Wirt- ßchafts-Padagogik drr Voikshochfchuic und der Hochschule siir Politik" aufmerksam, der Montag/ 27,. Juli, 20>/h Uhr. Schinkeiplatz 6, staitfindet. Referent:, Frrtz Fricke. Leiter der Berliner Gcwcrksä'afisschuic. Eintrit frei. 0. ftreis. Dienstag. 38. Juli, 16', h Uhr, Besichtigung des Waisenhauses Rum- melsburg, Berlin-Lichienberg, Kauptftr. 7. Treffpunkt Bahnhof Charlottenburg 15 Uhr. Bahnsteig. Gäste willkommen. Nachzügler treffen sich im Restaurant Neit-Scriand, dicht beim Waisenhaus. Sozialistische Swdenkenschast Berlin. Funktionärsitzung allxr Sektionen om Montag, dem 27. Juli, 20 Uhr. im Bund.— Hochschule für Politik: Mittwoch, 20. Juli, 20!� Uhr, in der HfP. Es spricht der Genosse Emil Groß über:„Der Stochlhelm-BolksentschviH dcr�. Kommunisten". Die komniunistiscl)« Sttidentengruppe ist eingeladen.— Rote Spielschar, Sprechchor: Alle interessierten Genossen Donnerstag, W.. Juli, 14 Uhr. im Bund. Genosse Otto ZimmormamvLei'pzig wird referieren.— Handelshochschule: Mittwoch, 29. Juli. Genosse Dr. v. Waldheim spricht im Bund über:„Student und Gewerkschaften". Arbeitsgemeinschast der kindersreunde Grost-Berlin. Gruppe Lichterselbe. Treffpunkt zur Viertagefahrt noch Uetzdarf Donncrsiag, 30. Inst, 7U. Uhr, Bahnhof Lichterfride-Ost. Zurüj Sountag, 2. August, 2v'/t: Uhr, Bahnhof Lichtrrfclde.Ost. Mittwoch, 20. Juli, 17 Uhr, Obcrrealschulc. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 82. Abt. Unser lieber Genosse Dr. Ignatz Z-rdek ist am 17. Juli vcrstor!c». Die Einäscherung hat, dem Wunsche de« Verstorbenen, cntsprcchcud, in aller Stille stattgefunden. Die Abteilung bat in dem Verstorbenen nicht nur eine» treuen Genossen verloren, der der Partei mehr„als 30 Jahre ängshöric, sie beklagt darüber hinaus den Verlust des Freundes, d« bis zum Ende allen Seiwssen stets hilfsbereit zur Seite flaich. Ehre seinem Andenken. SctiOIISparmarke!) eine gleichartige Packung GffltjS Jede Packung enthalt MM SCHREIBT HEUTE AUF OLYMPIA! Industrie, Handel und Behörden kennen und schätzen die Vorzüge unserer SCHREIBMASCHINEN und BUCHUNGSMASCHINEN mit„SALDOMAT" Erleichterte Zahlungsbedingungen Schreibmaschinen mietweise Europa Schreibmj hlr» VerkäufsbUros; Berlin N 24 Berlin N 24, Friedrichstr. 110-112. Breslau, Kaiser- Wilhelm-Str. 88-90. Dresden, Neustädter Markt 11. Friedrichstr. 1 10-112 Düsseldorf. Oststr. 51. Erfurt, Mainzerhofplatz 13. Frankfurt M., Friedensstr. 2. Hamburg, Kaiser-Wilh.- Str. 25-31. Hannover. Am Schiffgraben 15. Köln, Weißenburgstr. 78. Leipzig C 1, Augustusplatz 7. Magdeburg. Otto-v.-Guerlcke-Str.1I. Mannhelm N. 7.5. 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