Morgenausgabe Nr. 349 A 176 48.Iahrgang Wöchentlich SSPf� monatlich 3.60 im voraus zahlbar, Postbezug 4,32 M. einschließlich 60 Pf. Postzeitungs- und 72 Pf. Postbestellgebühren. Auslands- obonnement 6,— M. pro Monat; für Länder mit ermäßigtem Drucksachen- porto 6.— M. 4- Der„Vorwärts� erscheint wochentäg« lich zweimal. Sonntags und Montags einmal, die Abendausgabe für Berlin und im Handel mit dem Titel.Der Abend". Illustrierte Beilage.Volk und Zeit". Ferner.Frauenstimme". �Technik",.Blick in die Bücherwelt". .Iugend-Dorwärts"»..Stadtbeilage" Berliner Voltsblatt Mittwoch 29. Juli 1951 Groß-Äerlin 10 Pf- Auswärts 15 pf. Die einspalt. Nonpareillezeile 80 Pf. NeNamezeile 5.— NM.„Kleine An- zeigen" das fettgedruckte Wort 25 Pf. (zulässig zwei fettgedruckte Worte), sedes weitere Wort 12 Pf. Rabatt IL Tarif. Stellengesuche das erste Wort IS Pf, jede» weitere Wort 10 Pf. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Zeil« 60 Pf. Familten- anzeigen Zeile 40 Pf. 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Indessen gerät dos Räderwerk der Wirtschaftsmaschinerie infolge des gestörten Zahlungsverkehrs noch weiter ins Stocken. Die fälligen Zahlungen bleiben aus, der Auftragseingang stockt, die wirtschaftlichen Umsätze schrumpfen weiter ein: die Steuer- cingänge sind völlig unzulänglich, den öffentlichen Finanzen drohen neue Schwierigkeiten. Die Ausrechterhaltung selbst der ohnehin bereits gewaltig reduzierten B e s ch ä f t i- gung der Betriebe scheint infolge der unzureichenden Betriebsmitteloersorgung und der weiteren Lähmung der Wirtschaft gefährdet. Solange die Unklarheit und die Unsicherheit der Zahlungsverhältnisse andauern, kann die not- wendige Beruhigung nicht eintreten. Reue Gefahr ist im Verzuge! Die Reichsbank �nd die Reichsregierung müssen endlich mit der Politik des Zauderns und der Halb- heiten Schluß machen, müssen volle Arbeit leisten, damit end- lich der Zahlungsmechanismus wieder in Gang gesetzt wird. Ohne weitere Verzögerung muß der normale Zahlungs- und Ueberweisungsverkehr, ein funktionsfähiges Bank- und Kreditwesen wieder hergestellt werden. Nicht einmal der Ueberweisungsverkehr für größere Kapitalbeträg«. auf dem die ganze Wirtschaftstätigkeit der Großunternehmungen ruht, ist bis heute zustande gebracht worden. Die Banken waren selbst nicht fähig dazu, diesen wieder zu organisieren: die Bmiken, die sich stärker fühlten, scheuten sich, das Risiko für die mutmaßlich Schwächeren einzugehen. Reichsbank und Reichsregierung müssen noch einmal den Versuch machen, daß sofort der gesamte Ueberweisungsverkehr ein- schließlich der entscheidend wichtigen Großüberweisung wieder flott gemacht wird. Wenn auch hier sich ein end- gültiges Versagen der Banken herausstellen sollte, so müßte Votfalls unter Mithilfe des Reichs die Rückkehr zum störungs- freien Ueberweisungsverkehr bewerkstelligt werden. Nachdem das private Bankwesen bereits in so großem Umfange vom Reich gestützt werden mußte, nachdem das Reich große Risiken und Garantieleistungen für die privaten Banken übernommen hat, erscheint es uns allerdings bereits als eine Selbstverständlichkeit, daß sich das Reich durch Auf- fichtsorgaile gegenüber den Banken h i n r e ich e nd e Möglichkeiten des Einblicks und der Ein- flußnahme schafft. Ohne diese Kontroll- und Lenkung?- Möglichkeiten erscheint uns ein derartig großes Engagement, wie cs das Reich eingeangen ist, schon jetzt kaum mehr ver- antwortbar. Den Großbanken gegenüber hat das Reich alle nur er- denklichen Hilfsleistungen gewährt. Dem privaten Bank- wesen hat man soeben durch die Zwischenschaltung der Akzept- und Garantiebank mit erheblichem Risiko für das Reich die Möglichkeit zu neuer Geldbeschaffung gegeben. Für das öffentliche Bankwesen dagegen ist so gut wie nichts geschehen. Man wird es im Volke nicht be- greifen können, daß man mit nicht übersehbaren Risiken ein- seitig den Großbanken und ihrem Kundenkreis Hilfe leistet, dagegen die völlig risikolosen Ueberbrückungsmaßnahmen für die Sparkassen und die sonstigen öffentlichen B a nk e n bis heute nicht getroffen worden find. Soll etwa den Sparkassen, die den Betriebsmittelbedarf der kleinen und mittleren Gewerbetreibenden befriedigen, die die Spar- groschen der kleinen Leute betreuen und nach gesetzlichen Vor- schriften volkswirtschaftlich vordringlichen Anlagezwecken zu- führen, die selbstverständliche augenblickliche Liquiditätshilfe versagt werden? Wir möchten eine derartige Einstellung der Reichsbank und der Reichsregierung— eine einseitige Be- günsligung der Großbanken, der größeren Unternehmungen und der großen Kapitalbesitzer, dagegen Interesselosigkeit gegenüber den öffentlichen Banken, gegenüber den Klein- und mittleren Gewerbetreibenden und den Sparermassen der «rwerbstätigen Bevölkerung— für unmöglich halten. Die breiten Massen haben trotz der Leiden, Sorgen und Be- unruhigung der letzten Zeit noch immer eine erstaunliche Selbstdisziplin an den Tag gelegt, aber auch das Boll sieht, was hier vorgeht! Wir fordern, daß unverzüglich den öffentlichen Bonken her Anschluß an den Wechselverkehr ermöglicht wird, daß sie Deutsch-englische Besprechungen. persönliche Fühlungnahme soll sortgeseht werden. AmkNch wird mitgeteilt: Die Besprechungen zwischen Brüning, Curkius, ZNacdonald nnd Henderson, die heule vormittag in der Reichskanzlei begannen, wurden heute nachmittag in einem weiteren freundschaftlichen Ge- dankenauslansch fortgesetzt und beendet. Einer der hauptgegenstände der Besprechung war die Frage, wie die Beschlüsse der Londoner Konseren; am besten in konstruktiver weise in die Praxis umzusehen wären. Die englischen «nd deutschen Rlinister besprachen weiterhin die allgemeine Wirt- s ch o s t, l a g e und die Maßnahmen, die zur Beseitigung der gegen- wärligen Schwierigkeiten aus wirtschaftlichem Gebiet gelrossen wer- den könnten. Die Inkraftsetzung des internationalen Arbeits- zeilobkommens für den Bergbau wurde in Erwägung gezogen. Das Abrüstungsproblem wurde im Zusammen- hang mit den Vorbereitungen für die kommende Abrüstungskonfe- renz erörtert. Die Besprechungen trugen einen außerordentlich frenndschaft- lichen Charakter nnd es herrschte allgemein llebereinstimmung darüber, daß die persönliche Fühlungnahme, die durch die Zusammenkünste in Ehequers, Paris und London in so glück- licher weise geschaffen wurde, fortgesetzt nnd ausgebaut werden müßte. Zusammenkunft bei Otto Rraun. Di« Mitglieder der englischen Arbeiterregierung verbrachten die Mittagsstunden des Dienstag bei dem preußischen Ministerpräsidenten. Anwesend waren neben dem Gastgeber und den beiden Ehrengästen die aus Wien für einen Tag zurückgekehrten Partei-»nd Fraktionsvorsitzenden Wels und B r e i t s ch e i d, Reichsminister a. D. Dr. H i l s c r d i n g, der preußische Innenminister Severing, der Kultusminister Grimme, die Staats- sekretäre des Handelsministeriums und des Landwirtschastsministe- riums Staudinger und Krüger, der sächsische Gesandte G r a d n a u c r, der Leiter der Forschungsstelle sür Wirtschafis- Politik Naphtali. Am Nachmittag waren die englischen Gäste und Otto Braun aus Einladung des Reichskanzlers aus den Seen in der Umgebung Berlins, wobei die Bormittagsbesprechungen über die politische Gesamtlage sortgesetzt wurden. Henderson aus Berlin abgereist. Der englische Außenminister h e n d e r s o n Hot am Dienstagabend um 21.59 Uhr mit dem Rordexpreß Verlin wieder verlassen. Räch den bisherigen Dispositionen wird Macdonald Mitt- wochvormitlog Verlin im Flugzeug verlassen. Kampf für Abrüstung. Die Oienstag-Gihung des internationalen Kongreffes. Wien, 28. Juli.(Eigenbericht.) In der Dienstagsitzung des Internati.' analen Kongresses führten Möller-Schweden und A l b a r a-Holland den Borsitz. Der internationale Sekretär Friedrich Adler teilte mit, daß ein« Unzahl Begrühungstelegramme eingegangen sei, darunter auch von sozialistischen Parteien, die der Internationale noch nicht angeschlossen seien, so von Irland, Südafrlka und Kanada. Unter lebhaftem Beifall ergriff dann Rogi-Zapan dos Wort, der in englischer Sprache die S o l i d a r i t ä t der japa- nischen Sozialdemokratie mit der Internationale verkündete und «ine Botschaft des japanischen Parteivor stände? Professor A b e verlas:„Wir entbieten den Bruderparteien, den Vorkämpfern des Sozialismus, Grüße und Glückwünsche. Auch wir leiden unter der Spaltung der Arbeiterschaft, aber wir halten un- vcrbrüchlich daran fest, daß nur der Weg der Demokratie zum Sozialismus führt und zur Befreiung des Proletariats. Die japa- nischc Arbeiterbewegung ist besonders gefördert worden durch die russische Revolution von 1917 und durch den Wahlsieg der englischen Arbeiterpartei von 1924. Unsere Augen sind gerichtet auf das, was die britische Arbeiterregierung an sozialistischer Aufbau- arbeit leistet." Otto Zriedländer-B erlin spricht für die sozialistisch« Studenteninternationale: „Unsere Organisation besteht seit 1926. Ihre Mitgliederzahl ist in- zwischen von 4500 auf 10000 gestiegen. Der Intellektuelle ist mehr und mehr zum Ange st eilten geworden und eingereiht in das große Heer der Schaffenden. Er befindet sich in den Reihen der Arbeiterschaft. Der auf den Hochschulen herrschende Faschismus ist die größte Gefahr für die Arbeiterbewegung. Von den etwa 130 000 reichsdeutschen Studierenden sind mindestens 6 0 P r o z. faschistisch gesinnt. Das sind die künftigen Aerzte und Richter des deutschen Volkes. Wir müssen alle Kraft zur Bekämpfung dieser Gefahr aufwenden. In Litauen konnten wir dazu beitragen, daß IL Freunde vom Tode gerettet wurden. Auch ist der polnische Ge- nasse C i o l k o s z durch unsere Bemühungen vor dem Gefängnis bewahrt worden. Wir protestieren auch hier gegen die Verfolgung unseres Genossen Louis M o u l i n, der vor das faschistisch« Sonder- gericht kommen soll und fordern Sie auf, sich unserm Protest gegen diese Knechtung der Wissenschaft und gegen dieses Unrecht anzu- schließen."(Lebhafter Beifall.) Anschließend wird die Abrüstungsdebatte fortgesetzt. Vom Kon- greß lebhaft begrüßt spricht zunächst der parlamentarische Sekretär des britischen Außenministers Arthur Henderfon, Philipp Baker: „Wir wollen ein« Welt erkämpfen, die frei ist vom Kriege. Di« Abrüstung kann nicht mehr hinausgeschoben werden. Von den Regierungen, die den Kriegsächtungspakt unterzeichnet haben, ver- langen wir, daß sie die Folgerung ziehen und ihr feierliches Ge- läbnis erfüllen, die Waffen zu strecken, die nun nutzlos geworden sind. Wir stellen den Völkerbund in den Dienst der Abrüstung. De Brouckere und Arthur Henderson haben gezeigt, was Männer von Mut für die Förderung der Wrüstung auch im Völkerbund tun können. Jeder Sozialist muß es als seine Aufgabe ansehen, ein Wächter des Völkerbundes zu sein, damit dieser sein« Aufgabe, die Abrüstung durchzusetzen, besser erfüllt als in der Vergangenheit. Wir fordern die Gleichberechtigung oller Staaten und Völker in bezug auf die Abrüstung. Unsere deutschen Freunde machen wir darauf aufmerksam, daß General von Seeckt vor einigen Wochen erklärt hat, wenn die Abrüstungskonferenz nicht sofort für alle Staaten die gleiche Abrüstung vorschreibe, wie sie für Deutschland besteht, müsse Deutschland die volle Abrüstung z- sreiheit sich wieder nehmen. Richt in der Aufrüstung der besiegle« Länder, sondern in der allgemeinen Herabsetzung der Rüstungen liegt der Fortschritt. Es wird nicht lange dauern, bis die Abrüstung in den anderen Staaten soweit gebracht ist, wie bei den seinerzeit besiegten Ländern. Wir schließen uns vollkommen der Forderung van Jouhaux an, daß die Entwaffnung international kontrolliert werden muß, und daß die Gewerkschaften die besondere Auf- gäbe haben, in den Rüstungsfabriken die genaue Beachtung der Einschränkungsvorschriften zu überwachen und durchzusetzen. Der deutsche Rüstungsindustrielle von Gontard hat gezeigt, wie man aus Blut Gold machen kann. Bor dem Kriege hat er mit der sranzäsischcn nationalistischen Presse konspiriert und es ist ihm gelungen, in den „Figaro" und in das„Echo de Paris" Artikel hineinzubringen, die die reiche Ausrüstung der französischen Armee mit Maschinen- gewehren schilderten, wodurch auch Deutschland zur Nachahmung gebracht wurde und Gontard goldbringende Aufträge erhielt. Dieser Mann hat aber seinen Angestellten Bullerjahn auf viel« Jahre ins Zuchthaus gebracht. Unter Sozialisten kann kein Zweifel darüber mit Hilfe der Spitzeninstitute und unter Einschaltung der Akzept- und Garantiebank und evtl. unter Hergabe zusätz- licher Sicherungen Zahlungsmittel von der Reichsbank er- halten können. Zum mindesten müssen die Sparkassen und öffentlichen Ranken in der gleichen Stunde, zu der die pri- vatcn Banken wieder den vollen Zahlungsverkehr aufnehmen sollen, instandgesctzt merden, in vollem Umfange die Ab- Hebungen befriedigen zu können. Das ist nicht nur ein selbst- verständliches Gebot der Gleichberechtigung, sondern auch eine Voraussetzung zur Beruhigung und Entspannung der ge- samten Lage und eine Voraussetzung zur Wiederherstellung des Vertrauens. All diese Maßnahmen dulden keinen Aufschub mehr. Deckungsgrenze und Diskonthöhc dürfen kein Hin- dernis sein. Es ist lange genug zum Schaden der gesamten Volkswirtschaft und der öffentlichen Banken gezögert worden. Reichsbank und Reichsregierung müssen unvcr züglich in der aufgezeigten Richtung handeln! Volksentscheid der Bankrotteure. Hugenberg nimmi die Bundeshilfe der Kommunisten an.— Volksenischeid für die bankrotten Kapitalisten. hugenberg läßt einen Aufruf für den schwarzrveißroten Volks- entscheid veröffentlichen, in dem er die Bundcshilfe der Kommunisten für den faschistischen Sturm auf Preußen annimmt. Der Aufruf beginnt: „Ein völliger Umschwung in der öffentlichen Meinung ist eingetreten. Mancher hat bisher am Erfolge des Stahlhelm- Volksbegehrens gezweifelt. Es schien ausgeschlossen, die 5)älfte der preußischen Stimmberechtigten für irgendeinen Volksentscheid auf die Beine zu bringen. Das i st jetzt ander s." Jetzt scheint es Herrn Hugenberg nicht mehr ausgeschlossen zu sein— durch die Hilfe der Kommunisten! Die Kommunistische Partei hat bei den innerlich bankerotten Faschisten neue Hoffnungen erweckt. Dies Geständnis Hugenbergs enthüllt rücksichtslos die schmachvolle Rolle der Kommunisten als Handlanger der Re- a ktio n! Der weitere Inhalt des Aufrufs ist der Versuch eines frechen Bolksbetruges, ein Hohn auf die Notleidenden und Erwerbslosen in Deutschland: „Not und Elend ringsum— Millionen von Arbeitslosen— Zusammenbrüche nunmehr auch großer Wirtschaftsunternehmun- gen— Geldkrise— unerträgliche Steuerlasten und-strafen— Gehaltskürzungen der Beamten— Verzweiflung des Arbeiters, Gewerbetreibenden und Bauern— Kürzung selbst des Ehren- und Opfersoldes der Kriegsbeschädigten. Alles, wie wir es vor- ausgesagt haben." Nein, nicht, wie sie es vorausgesagt haben, sondern wie sie es gewollt und herbeigeführt haben! Denn Hugenberg — das ist der Vertreter des deutschen Faschismus, der systematisch den Kredit Deutschlands unterwühlt und gegen die deutsche Wäh- rung gearbeitet hat. Hugenberg— das ist der Vertreter der Katastrophentreiber, die Not und Arbeitslosigkeit in Deutschland verursacht haben. Hugenberg— das ist der Mann des Kapitalismus, der Bundesgenosse der Wirtschaftsverbrcchcr, die den Nicderbruch herbeigeführt haben. Es ist allerdings eine Wendung in der öffentlichen Meinung in Deutschland eingetreten, ein großes Erwachenl Es ist eine Wen- dung gegen den Kapitalismus, gegen die falschen Heilsrezepte der deutschen Wirtschastssührer und gegen ihre politischen Landsknechte! Die Schuldigen an der Not heucheln jetzt Mitleid mit ihren Opfern, um sie für die Ablenkungsmanöver des schwarzweißrotett Volksentscheids cinzufangcn. Hugenberg, dessen Konzen, bei der Danatbonk mit 23 Millionen verschuldet ist, der Gesinnungsfreund des Wirtschastsoerbrcchers L a h u s c n, ruft die Arbeitslosen und die Notleidenden zu einer Aktion für den Kapitalismus und füp die bankrotten Wirtschastssührer— damit die Katastrophe noch größer werde, Not und Arbeitslosigkeit restlos über das ganze Volk komme! Das ist der Sinn des jchwarzweißroten Volksentscheids— und dafür sollen die kommunistischen Arbeiter eintreten. Sie sollert Helsen, den Entrüstungssturm des Volkes gegen die Schuldigen an der deutschen Krise, gegen die bankrotten Wirtschastssührer und die Faschisten aufzusangcn. Seite an Seite mit Hugenberg für die faschistische Diktatur! Hugenberg hat diese Bundeshilfe gnädig angenommen— die Schande der Kommunisten ist besiegelt! Das Anstandsgesühl der Bankrotteure. Ausgerechnet in der rechtsradikalen Zeitschrift„Der Ring" finden wir die folgende Betrachtung über die sogenannten Wirt- schastsfllhrer: „Weiter muß verlangt werden, daß Männer, die nicht den Beweis erbracht haben, mit den in heutiger Zeit gesteigerten Schmie« rigteiten in der eigenen Geschäftsführung fertig zu werden oder deren vorübergehende Scheinerfolge auf der Ausnützung einer Not- konjunktur beruhen, daß diese Manner ein Anstands. gefühl besitzen, ihre Ratschläge selber zurück- zuhalten. Gerade nach der Erfahrung der letzten Zeit sieht es hier noch nicht sehr hoffnungsvoll aus." Das ist ein Schuß ins Schwarze. Er fitzt, und er trifft bs- sonders die deutschen Schwert»du st riellen! Was aber das Anstandsgefühl anbetrifft, das hier von ihnen gefordert wird, so kann man nur eines feststellen: Fehlanzeige! Die Knechte des Adelsmarschalls. „Der Adelsmarschall" von Berg-Markicnen— Wilhelms Geschäftsträger in Deutschland— fordert in der.Kreuz-Zeitung" den„deutschen Adel in Preußen" auf, für den schwarze weißroten Volksentscheid zu stimmen. Wir empfehlen ein Inserat in der„Roten Fahne". sein, wer eher ins Zuchchaus gehört, der Industriell«, der mit dem Ausland gegen das eigene Land konspiriert, oder der Angestellte, der vielleicht seine Angestelltenpflicht verletzt Hot, um die Ehre seines Landes zu retten. Wir verlangen in der Entschließung c i n i n t e r- nationales Verbot der Bestrafung von Eni- hüllungen über verbotene Rüstungen, um solche Urteile, wie sie gegen Bullerjahn und gegxn viele andere ergangen sind, in Zukunft unmöglich zu machen. Wir wollen laut unserer Entschließung ein so großes Maß von Abrüstung erkämpfen als � gegenwärtig nur zu erkämpfen ist. Wenn man diese Beschränkung auf das Mögliche als unzu- reichend oder gar als einen Verrat bekämpft, so treibt man geradezu Defaitismus im Angesicht des Feindes. Man oerlangt von uns, daß wir ohne Rücksicht auf die anderen Länder vollkommen abrüsten, aber es ist klar, welche Schwierigkeiten einem solchen Vorschlag gegen- überstehen. Es ist lächerlich zu behaupten, daß die Erfüllung unserer Forderungen nichts bedeuten würde. Wir müssen, wie die Reso- lution weiter verlangt, eine weltumfassende Propa- g a n d a entwickeln. Nur unehrlicherweise kann man bestreiten, daß die Erfüllung unserer Entschließung keinen Fortschritt auf dem Wege der Abrüstung bedeuten würde. Sie würde aller Prestigepolitik einen schweren Stoß versetzen. Unseren bürgerlichen Gegnern geht unser Programm sicherlich viel zu weil, indem wir eine wirksame Einschränkung der Rüstungen fordern. Die englische Atolle ist von zwei Millionen Tonnen auf l.S Millionen Herabgesehl worden, weitere Ein- schränkungen sind bereits im Gange. Bei dem letzten£ufl- manöver von 1500 Flugzeugen über London, dem ich von der Terrasse des Unterhauses zusah, konnte ich mich eines grausigen Schrecken» nicht erwehren, wie das im Ernstfalle ausgehen würde. Und ich habe mich gefragt, was die gerade in London versammelten Minister einer ganzen Anzahl großer Staaten dabei gefühlt haben! Nach den Erklärungen von Fachleuten würde ein solches Aufgebot von Flugzeugen eine derartige Vernichtung anrichten, daß von London nicht viel übrig geblieben wäre. Wir fordern in der Ent- schließung auch die radikale Verwirklichung des Verbotes gegen den chemischen und bakteriologischen Krieg. Wir werden die Regierungen, die auf der Abrüstungskonferenz vertreten sind und die die Abrüstung erschweren oder bekämpfen, als Todfeinde der Menschheit ansehen und sie dementsprechend bekämpfen. Ein Scheitern der Abrüstungskonferenz würde eine sehr traurige Epoche für die Menschheit anbrechen lassen. Der französische Ministerpräsident,'selbst ein Konservativer, hat vor kurzem erklärt, daß er das Heil nur in der Zusammenarbeit von Deutschland und Frankreich sieht, worin die einzige Garantie für die Sicherheit Frankreichs liege. Damit ist die letzte Rechtfertigung für die Rüstungen verschwunden und die einzige Lösung ist natürlich die Abrüstung. Es wäre ein furchtbarer Pankrott für die Welt, wenn die Konferenz scheiterte. Die inter- nationale sozialistische Arbeiterschaft muß dafür sorgen, daß die Konferenz zu einem Erfolg wird."(Stürmischer Beifall.) Andersen-Oänemart: Die Kriegsgefahr wurzelt in den Resten des alten Systems, di« noch eine erschreckende Macht haben. Wir würden heule nicht vor der Abrüstungskonferenz flehen, wenn nicht die sozialistische Arbeiterklasse seil wahren ununler- krochen einen Druck aus die Regierungen und aus die öffentliche Meinung ausgeübt hätte. Wir kleineren Völker hoben keine Hoffnung, uns durch Waffengewalt zu behaupten. Wir sehen unsere Freiheit nur dann unbedroht, weim auch die großen Mächte abgerüstet haben. Wir in Dänemark sind eben daran, unsere Wehrmacht in eine Grenz- und See- Polizei umzuwandeln. Die Gesamtstärke soll 16 000 Mann be- tragen, und zwar sollen jährlich 1600 Mann durch vier bis fünf Monate ausgebildet werden und dann 12 Jahre zur Verfügung stehen— was aber nur für diejenigen gilt, die nicht vorher mitgeteilt haben, daß sie von diesem Dienst befreit sein wollen. Aus den übrigen über Zwanzigjährigen sollen die Einzustellenden ausgelost werden. Durch dieses System glauben wir die Bildung eines Berufsheeres zu verhindern. Außerdem sollen olle privaten Militärverbände jeder Art verboten und aufgelöst werden. Wir prolesiiercn gegen die schamlosen Verleumdungen, die in gewissen auch französischen Zeitschrislen erschienen sind und die behaupten, daß Dänemark mit seiner Seepolizci die Belle für die französische Flotte aus alle Fälle ossen halten mühte, wenn sie einem Freunde Frankreichs in der Ostsee beizustehen hätte. Wir wollen uns in Kämpfe anderer Staaten niemals einmischen, auch wenn Sir Austen Chambcrlain einem dänischen konservativen Journalisten eine ähnliche Vermutung ausgesprochen hat, wie eben die französischen Zeitschriften. Das dänische Volk wird sich niemals in irgendwelchen fremden Kriegsdienst verwenden lassen und die sozialdemokratische Presse der großen Länder sollte mit Rücksichts- losigkeit alle Anschläge gegen die dänische und gegen die allgemeine Abrüstung vereiteln."(Lebhafter Beifall.) Kirkwood von der englischen unabhängigen Arbeiterpartei sprach überaus temperamentvoll und unter satirischen Ausfällen auf die britische Arbeiterregierung und auf die Arbeiterpartei in dem Sinne, daß England ahne Rücksicht auf die Abrüstung der anderen selbst abrüsten müsse. Er machte Macdonald einen be- sonderen Vorwurf daraus, daß er mit Lloyd George und Baldwin zusammen auf einer großen Abrüstungskundgebung in der Albert Hall gesprochen hat, was von der erdrückenden Mehrheit des Kon- gresies mit Heiterkeit aufgenommen wird. Die Schlußaufforderung der Redners, keinerlei Kompromisse zu schließen und einen revolutio- nären Kampf gegen den Kapitalismus zu führen, findet den Beifall einer ziemlich kleinen Minderheit. Die nächste Plenarsitzung des Kongresses wird erst am Donners- tag abgeholten. Die Abrüstungsdebatte soll dann beendet werden. Gihung der polittschen Kommission. Diskussion über Otto Bauers Referat. Wien. 28. Juli.(Eigenbericht.) In der politischen Kommission des Internationalen Kongresse» wurde am Dienstag über da» Referat Otto Bauers meiter diskutiert. Es sprachen der englische Unabhängige Stephens. L<-i>n Blum- Frankreich. Dr. Leo Winter- Prag und als letzter -nit herzlichem Beifall begrüßt Dr. Hermann Liebermann- Warschau, der das Opfer des Pilsudskischen Schandregimes in Brest Litowsk gewesen ist. In der sehr hochstehenden Debatte spielte auch eine Erörterung über die Friedensverträge eine große Rolle. Die Beratung wird am Mittwoch fortgesetzt. Es wird wahrscheinlich eine Unterkommission zur Ausarbeitung einer Kundgebung eingesetzt werden. Auch die anderen Kommissto- neu setzen am Mittwoch ihre Arbeiten fort. Am Gchandpfahl der Geschichie. Die Kommunisten als Verbündete der Reaktion. Die Geschichte der Kommunistischen Partei bietet inter- cssante Parallelen zu der offenen Hilfsstellung, die die KPD. zur Unterstützung des faschistischen Bolksbegehrene bezogen hat. Im Jahrs 1925, anläßlich der Wahl des Reichspräfi- denten. fand im Zusammenhang mit der Herrschaft der „ultralinken" Ruth-Fischer-Zentrole auf Anweisung der Moskauer Exekutive eine erbitterte Debatte„über die Stellung zu den SPD.-Arbeitern", zur preußischen Regierung und über die„Lehren der Präsidentschaftswahlen" statt. Die von der Zentrale der KPD. als Manuskript gedruckte Broschüre:„Die monarchistische Gefahr und die Taktik der KP D.", faßt eine Reihe wichtiger Dokumente zusammen, die die absolut prinzipicnlose Taktik dieser„revo- lutionären" Partei beleuchten. S i n o w j e w, der damalige Präsident der Komintern, sagt in seiner Rede zu den ge- nannten Problemen: „Wir können uns keinesfalls auf den Standpunkt stellen, uns ist es gleich, ab Monarchie, ob Republik. Dos ist alles andere als marxistisch, geschweige den leninistisch... Für unseren Klassen- kämpf ist die bürgerliche Demokratie— sie kann so schlimm sein wie sie will— in der Regel doch viel günstiger als die Monarchie." Sinowjew war gezwungen zu erklären:„Wenn Ebert am Leben wäre, würden wir fmt ihn stimmen? Gegen Iarres natürlich!" Und weiter, daß man genau zwischen Sozialdemokratie und Bürgertum unter- scheiden müsse, wenn es sich um bürgerliche Demokratie und Monarchie handele. Um wieviel mehr gilt das, was Sinowjew für die Monarchie sagt, für die verkörperte Konter- revolution: den Faschismus. In der„Resolution des Zentralausschusses über politische Lage, Aufgaben und Taktik der Partei" wird offen gesagt: ,.... müssen wir uns bereit erklären, mitderSPD. und den republikanischen Parteien von Fall zu Fall zusammenzugehen." Die Resolution verlangt ganz entschieden: „In einer Situation, wo unsere Partei dos Zünglein an der Waage zwischen einer Rechts- und einer sogenannten Linksregierung bildet, ist es durchaus zulässig, und unter bestimmten Verhältnissen geboten, eine solch« Parlamentstaktik zu befolgen, daß wir der „Link»"-Koalition gegen die Rechtskoalifion die Existenz ermöglichen." Selbst wenn man zugibt, daß diese Taktik von der„Ent- larvungsstrategie" bestimmt wird, so sieht jeder Arbeiter die phantastisch groteske Verwandlung der KPD. Damals hatte der Wahlsieg Hindenburgs sie in Angst und Schrecken vor der „monarchistischen Gefahr" gesetzt. Heute, wo der Faschismus mit allen Mitteln zur Macht strebt, und eine absolut reale Gefahr ist, geht sie zu einer Taktik zurück, die bereits 19 2 5 von den Verhältnissen als konterrevo- lutionär entlarvt war. Auf der Tagung dieses Zentralausschusses am 9. und 19. Mai 1925 hat der Vertreter der Moskauer Exekutive die damalige Politik der KPD. so charakterisiert: „Was ist das Argument, da» immer wieder uns entgegengehalten wird?„Die Kommunisten find die Verbündeten der Reaktion"— das ist da» Argument, mit dem man uns entgegentritt. Da helfen keine historischen Bedenken, da Helsen keine großen Erklärungen: in der breiten Masse der Arbeiterschast gellen wir zum Teil dennoch, trotz aller Opser, trotz aller Klassensustiz. trotz aller Schandtalen der Bourgeoifle, als Verbündele der Reaktion, als Helfer des Hindenburg-Regimes." Das war 1925. Jetzt, 1931, wird sich erneut Millionen-. fach der Schrei der Arbeitermassen erheben: Verbündete der Reaktion!— und vom Schandpfahl der Geschichte können keine Moskauer Ablaßzettel erlösen! Zahlungssperre bis Sude Luli. Rur ganz geringe Örleichieruagen bis Sonnabend. Amtlich wird mitgeteilt: Der Rest dieser Woche ist dadurch gekennzeichnel, daß zu deck für die regelmäßigen Lohn- und Gehallszahlungea bereitzustellenden Zahlungsmitteln noch die Anforderungea des Monatsendes hinzutreten. Es erschien daher nicht rat«. sam, darüber hinaus für die nächsten Tage eine umfangreichere Auflockerung des bisherigen Zahlungsverkehrs vorzunehmen. Die heute erlassene Verordnung der Reichsregierung sieht daher nur unwesentliche Erhöhungen der zahlbaren Beträge vor. Die beteiligten Stellen werden dafür sorgen, daß vom Beginn der nächsten Woche ab die Wiederaufnahme eines normaleu Zahlungsverkehrs eintritt. Die Erleichterungen, die bis zuni Wochenende eintreten, be- treffen einmal die Erhöhung der Barauszahlungsgrenze von 200 auf 300 Mark beim Kontokorrentguthabcn bei Banken, wäh- rend es hinsichtlich der Auszahlung auf Sparkonten und Sparbücher bei 30 Mark verbleiben mußte. Die Aus- Zahlung auf Kreditbriefe ist ebenfalls auf 300 Mark erhöht worden. Freigegebett zur unbeschränkten Barauszahlung und folgeweise auch Ueberweisung sind über die bisher bestehenden Fälle hinaus die Mietzinsen für Wohnungen und gewerbliche Räume, sofern der Konteninhaber nicht Einnahmen aus Lohn, Gehalt, Ruhegehall usw. bezieht, ferner zur Einlösung von Zinsrenten und Gewinn, anteilscheinen. Die Ueberweisungen sind im allgemeinen auf 4000 Mark täglich, also insgesamt 16 000 Mark bis zum Wochen- ende erhöht worden, und dem Ucberweisungsocrband wird der Tagesbetrag aus SO 000 Mark voraussichtlich auch weiter er- höht werden. Zur Wechselei nlösu ng sollen täglich 8000 Mark, also 32 000 Mark bis zum Wochenende ausgezahlt werden dürfen. Die Wechselprotestfristen sind entsprechend den bisherigen Regelungen wieder staffelweise etwas hinausgeschoben worden, während eine Verlängerung der Vorlegungsfrist für die nach dem 21. Juli 1931 ausgestellten Schecks nicht mehr notwendig schien. Im übrigen bleiben auch diesmal die Vorschriften über den Schuldnerschutz, über die Ausnahme der Reichspost, der Reichsbank und der Deutschen Golddiskontbank von den Vorschriften der Verordnung und die Vorschriften über die unbeschränkte Aer- fügungssreiheit über neue Konten und über überwiesene Gehalts- teile aufrechterhalten. Das Ltrieit gegen Mentimy. Geldstrafe und Einziehung der Schmiergelder. Dortmund. 28. Juli.(Eigenbericht.) Der frühere Rsichstagsabgeordnete des Zentrums N i e n t i m p wurde am Dienstagabend wegen Verstoßes gegen§ 12 des Gesetzes über den unlauteren Wettbewerb zu 1000 Mark Geldstrafe oerurteilt. Der Mitangeklagte Hundertmark erhielt die gleiche Strafe. Die Schmiergelder Nientimps in Höhe von 93 000 Mark und bei Hun>>ertmart in Höhe von 47 009 Mark wurden der Staats- lasse für oersallen erklärt. Die beiden Angeklactten Horeysek und Lindemann wurden freigesprochen. Die Erklärungen dieser Angeklagten, sie hätten im Auftrage bzw. im guten Glauben gehandelt, waren nicht zu widerlegen. Hr. 349• 48. Mraong*1,<�3dCi)�0 ��6 Mittwoch, 2». Juli 4931 Die Not einer Das Gericht ließ weit� Das Schöfscngcricht Berlin-Mille vcrurleille Frau Maria Vaake, die am 2. Oktober v. 3. gegen den Vizepräsidenten der Prenszischen Vau- und Ainanzdirektion Kühn ihren scharfgeladenen und entsicherten Revolver richtete, wegen Bedrohung zu zwei Wochen Haft. Der Fall dieser Frau verdient aber näher beleuchtet zu werden, weil engherziger Bürokratismus hier eine Frau, die verzweifelt um die Existenz ihres Mannes rang, zu einer sinnlosen Tat getrieben hat. Folgt man der Darstellung der Angeklagten, so verhielten sich die Dinge folgendermaßen: Ihr Mann, der mehrere Jahre in der Preußischen Bau- und Finanzdirektion als Bautechniker beschäftigt war, sollte gekündigt werden. Die- Frau sagte sich: Verliert der Mann die Arbeit, so findet er in der Industrie allein schon wegen seiner Schwerhörigkeit keine Anstellung. Sie erklärte sich bereit, auf einen Einspruch gegen die Kündigung zu verzichten, falls die Bau- und Finanzdirektion ihrem Manne die Ueberweisung von Bauaufträgen versprach. Die Van- und Zinanzdirektion gab zwar diese Zusicherung. brach aber ihr Wort. Der Mann erhielt sein Viermonatsgehalt, löOO Mark, die Bauaufträge aber blieben aus. Frau Vaake sprach zuerst in der Bau- und Finanzdirektion vor, suchte dann den damaligen preußischen Innenminister Grzesinski persönlich auf und hatte Erfolg: ihr Mann erhielt einen Bauauftrag. Er geriet ober in Differenzen mit dem Bauinspektor Sch., der Bauauftrag wurde zurückgezogen und ein andere Baufirma vorgezogen. Frau Vaake beging nun leider die Unvorsichtigkeit, einer dritten Person gegenüber in bezug auf den Bauinspektor Sch. die Vermutung auszusprechen, daß man dem Sch llX) Mark geben müsse. Diese Aeußerung wurde dem Vizepräsidenten Kühn hinterbracht. Es erging nunmehr ein Rund- Verzweifelten ehende Milde walten schreiben, daß ihr Mann keine Aufträge mehr erholten solle. Die Verzweiflung der Frau stieg von Tag zu Tag: sie sprach beim Vizepräsidenten jvühn vor und suchte auch den Ministerpräsidenten Braun aus. Das Auftragverbot gegen ihren Mann wurde nach Klärung der Angelegenheit mit dem Inspektor Sch. a u f g e h o- b c n, Herr Vaake erhielt trotzdem keine Aufträge. Mehr noch. Wandle er sich wegen Aufträge an andere Firmen unter Berufung aus seine frühere Tätigkeit bei der Bau- und Zinanzdirektion, so erteilte diese den Firmen über ihren früheren Bautechniker schlechte Auskunst. Die verzweifelte Frau wußte nicht mehr aus noch ein, sie richtete an den Vizepräsidenten einen Brief mit Rückporto, erhielt keine Antwort— der Vizepräsident war verreist— drang schließlich am 2. Oktober in das Kabinett des Vizepräsidenten Kühn und richtete gegen ihn die Wasfe. 3n der gestrigen Verhandlung blieb Vizepräsident kühn als Zeuge auf eine Frage die Antwort schuldig: Weshalb ist Frau Vaake von der Bau- und Finanzdirektion monate- lang hingehalten worden, ohne daß ihr der wahre Grund der er- folgten Kündigung und des Nichterteilens der Aufträge gesagt wurde. Der Zeuge sprach nämlich gestern von der Unfähigkeit des Bautechnikers Vaake, hätte man das der Frau früher gesagt, dann hätte sie gegen die Kündigung Einspruch erhoben und hätte nach der Entlassung des Mannes nicht den preußischen Minister Grzesinski, den Minister Braun, den Präsidenten der Bau- und Finanzdirektion Mooshake und wer weiß wen nicht noch alles be- lästigt.... Nach Ansicht des psychiatrischen Sachverständigen Dr. Leppmann findet die Tat, die der Sachverständige menschlich verständlich und verzeihlich nannte, ihre Erklärung auch in dem hysterischen Einschlag der Täterin. Autofahrt durch Deutschland. Vergnügungsreise mit falschen Schecks. Mit einem Scheckbuch über ein Bankkonto, auf dem er nur noch einen Betrag von 7 Mark zu stehen hatte, machte der 24jährige Herbert Elcrt mit einem geliehenen Auto Reisen durch viele Bade- orte Deutschlands, wobei er seine Hotelrcchnungcn und Einkäufe mit den wertlosen Schecks bezahlte. Bor dem Schöffengericht Charlotten bürg, vor dem er sich nun wegen Zechprellerei und anderer B e- trügcreien in 18 Fällen zu verantworten hatte, gab der Angeklagte an, daß er aus gutem Hause stamme und nur durch seine Bcrufslosigkeit aus die schiefe Bahn gekommen sei. Er habe sich als Landwirt, als Kaufmann und in verschiedenen anderen Berufen pcrjucht.- Als auch zuletzt. ein Fuhruy.ternchnM � das Ausfahre:! ivon.Bäckwaren fernen Ertrag mehr brächte, verlor er die Lufnam Leben und plante einen Selbstmord. Vorher wollte er aber noch die angenehmen Seiten des Lebens genießen. Dazu mietete er ein Privatauto und bezahlte die Miete dafür und alle folgenden Rechnungen mit den Schecks, die er noch von seinem früheren Bank- konto her besaß. Nachdem er sich eine Zeitlang in den ersten Hotels von Bad Reichenhall, Garmisch und Obersdorf auigehalten hatte. fuhr er über Thüringen, wo er ein Hotel in Oberhof erheblich schädigte, nach Berlin zurück, hier suchte er einen Chauffeur mit Kaution für seinen Privatwagen. Als der engagierte Chauffeur. der auch eine Kaution gestellt hatte, merkte, daß der Wagen dem Angeklagten gar nicht gehörte, zeigte er ihn an, so daß E. in Berlin scstgcnommcn wurde. Rechtsanwalt Dr. Klaus bat das Gericht um äußerste Milde für den jungen Mann, der mehr aus Unüber- l e g t h e i t gehandelt hätte. Das Gericht erkannte gegen den An- geklagten auch nur auf 10 Monate Gefängnis und rechnete ihm auf die hülste der Strafe die Untersuchungshaft an. Für den Rest der Strafe wurde dem Angeklagten Bewährungsfrist zugebilligt, wenn er innerhalb der nächsten drei Jahre den entstandenen Schaden wieder gut mache. Torpedoboot rammt GtettinerOampfer Aach einer nächtlichen Angriffsübung. Slellin, 28. Juli. Der Dampfer„S t a d t R ü g e n w a l d e", der sich aus der Fahrt von Stettin nach Kolbcrg.besand, wurde in der vergangenen Nacht in der Swinemündcr Bucht von einem abgeblendet fahrenden Torpedoboyt.der Deutschen Marine geranzml und so schwer de- schsdigti baß er In den hafeir von Swinemünde eingeschleppt werden, mußte»--'- v■'.v.........- Es handelt sich um einen kleinen Dampfer von nur 100 Tonnen Ladefähigkeit. Die Besatzung besteht einschließlich des Kapitäns aus sechs Personen, von denen niemand verletzt wurde. Der Dampfer hatte gestern nachmittag Stettin mit Stückgütern für Kolberg vcr- lassen. Er wurde bei dem Zusammenstoß mit dem Torpedoboot von: Bug bis zum ersten Schott eingedrückt, blieb aber dicht, so daß die Ladung allem Anschein nach nicht beschädigt worden ist. Das Torpedoboot hatte bei einer Angrifssübung mit- gewirkt, die in der letzten Nacht mit dem Linienschiff „S ch l e s i e n" in der Swinemünder Bucht stattfand. Das havarierte Schiff wurde von dem Torpedoboot selbst in den Swinemünder Hasen eingeschleppt. „GrasZeppelin"bei„Maan zusehen, wie sich aller- liebste Mädchen und Frauen mit allerliebsten Löwenbabys photo- graphicren lassen. Man freut sich der vielen Tiere und vergißt auf ein paar Stunden die eigenen Sorgen. Knaiiernde Krasträder. Ein Erlaß des Potsdamer Regierungspräsidenten. Wie der Amtliche Preußische Pressedien st mit- teilt, hat der Regierungspräsident in Potsdam Maßnahmen ge- troffen, den immer unerträglicher werdenden vorschriftswidrigen Lärm der Krafträder entgegenzuwirken. Er hat deshalb alle im Bezirk im Polizeidienst Tätigen zu gemeinsamen Kampfe gegen die Rücksichtslosigkeit einzelner Kraftradfahrer aufgefordert. Als strafrechtliche Grundlage hierzu dient die Verordnung über Krastfahrzeugverkehr vom 15. Juli 1930, da nach Z 3 Abs. 1 dieser Verordnung die Kraftfahrzeuge verkehrssicher und so gebaut, ein- gerichtet und ausgerüstet sein müssen, daß jede Belästigung von Personen und Gefährdung von Fuhrwerken durch Geräusch, Rauch, Dampf oder üblen Geruch ausgeschlossen-ist. Die Abführung der Verbrennungsgase bei Verbrennunsmaschinen hat unter A n- wendung ausreichender schalldämpfender Mittel zu geschehen: das Ende des Aubspuffrohres darf nicht nach abwärts gerichtet fein. Die Anbringung von Auspuffklappen und andere Maßnahmen, die es ermöglichen, die Schalldämpfer in ihrer Wir- kung abzuschwächen oder auszuschalten sind verboten. Nach der Verordnung ist der Führer eines Sraftfahrzeugs be- sonders dafür verantwortlich, daß eine Belästigung von Personen oder Gefährdung von Fuhrwerken durch Geräusch. Rauch oder üblen Geruch in keinem Falle eintritt. Bei Zuwiderhandlungen gegen die vorangeführten Vorschriften kann neben der B e st r a f u n g des Kraftfahrzeugführers und auch des Halters oder Eigentümers eine Untersuchung des Kraft- fahrzeugs auf Kosten des Eigentümers, darüber veranlaßt werden, ob es den nach Maßgabe der Verordnung zu stellenden Anforde- rungen entspricht. Genügt das Kraftfahrzeug diesen Anforderungen nicht, so kann seine Ausschließung vom Befahren der öffent- lichen Wege- durch die Zulossungsbehörde verfügt werden. Die Ausschließung eines Kraftfahrzeugs ist bei bei Feststellung vorschrifts- widriger Beschaffenheit auch ohne vorangehende Untersuchung möglich. Zum Zwecke einer wirkungsvollen Bekämpfung der vorschrifts- widrigen Geräusche haben neben unregelmäßigen Kontrollen alle Polizeibeamte die Verpflichtung, knatternde Kraftfahrzeuge festzustellen und zur Anzeige zu bringen. Ein aufgeklärter Naubiiberfall. In der Nacht zum 19. Juli wurde in Lichtenrade ein Ueberfall auf ein junges Mädchen verübt. Die Tochter eines Gast- wirtes B. aus der Kaiser-Wilhelm-Straße in Lichtenrade pflegt nach Geschäftsschluß die Kasse in die Privatwohnung der Eltern zu bringen. Im Hausflur wurde sie von zwei Burschen überfallen. Das Mädchen setzte sich kräftig zur Wehr. Auf Hilfe- rufe der Ueberfallcnen flüchteten beide Burschen, ohne etwas er- beutet zu haben. Vom Raubdezernat der Kriminalpolizei wurden die Nachforschungen aufgenommen. Einer der Beteiligten, ein 23 Jahre alter Karl Eggebrccht, wurde im Asyl in Berlin fest- genommen. Den Helfershelfer will Eggebrecht nicht näher kennen. Selbstmord auf den Schienen. Am Dienstag früh gegen 5.30 Uhr fanden Streckenwärter auf dem Bahnkörper zwischen Spandau und R u h l« b e n die Leiche eines Mannes, der sich hatte überfahren lassen. Er muß nach dem Befunde den Kopf auf die Schienen gelegt haben, denn der Kopf war vom Rumpfe getrennt. Der Selbstmörder ist noch nicht bekannt. Papiere oder andere Ausweise wurden bei ihm nicht gefunden. Er macht den Eindruck eines Künstlers. Der Tote trug dunklen Pullover, dunkle Sporthose und hat schwarzes, lockiges Haar. Mitteilungen zur Feststellung der Persönlichkeit erbittet die Kriminalpolizei in Spandau. Grimme bei den Austauschschülern. Der preußische Minister für Wissenschaft, Kunst und Volks- bildung, Dr. Grimme, besucht heute zusammen mit dem spa- nischen Botschafter C a st r o und dem Berliner Oberbürgermeister Sahm die französischen, englischen und deutschen Schüler und Schülerinnen an den Austauschschulen für cvnationale Erziehung in Herwsdorf und HoHenlAchen. Zugzusammenstoß in Bayern. Sieben Eisenbahnbeamte verletzt. Rcgensburg, 28. Juli. Wie die Reichsbahndirektion Rcgensburg mit- teil», stieß am Montag um 14.40 Uhr der Eilgütcrzug 5Zll bei Kilometer 118,4 der eingleisigen Hauptbahnsireckc Landshul—■ (Eisenstein in der Nähe des Bahnhofs Zwiesel in einer Krümmung auf einen Arbeiterzug. Fünf Wagen des Eilgüterzuges und ein wagen des Arbeitszugcs sind entgleist. Vom Zugpersonal der beiden Züge wurden sieben Wann leicht verletzt. Die Strecke ist gesperrt. Der Personenverkehr wird durch Umsteigen ausrecht erholten. Der Unfall wurde durch vorzeitiges Ablassen des Eilgüterzuges in dem belebten Streckenabschnitt verursacht. Eine nähere Untersuchung ist im Gonge. Oer Tod im Siembruch. Ein Toter, drei lebensgefährlich Verletzte. K r o n a ch(Obersranken), 28. Juli. In einem Steinbruch bei Rcichcnbach kam ein Ucberhang ins Rutschen. Sechs Arbeiter wurden von den Steinmasscn ersaßt. Ein Arbeiter wurde a uf der$ f c lle getötet, dres Arbeiter lebensgefährlich verletzt. Die übrigen erlitten leichtere Verletzungen. Zwei tödliche Llnfälte. In der Hohenschönhausener Straße ereignete sich gestern abend«in tödlicher Verkehrsunfall. Der 17jährige Schlächter Willi Hey mann aus der Hobrechtstraßc in Neukölln versuchte mit seinem Fahrrad noch vor einer herannahenden Straßen- bahn die Straßenkreuzung zu übergueren. Der junge Mann hotte jedoch die Entfernung unterschätzt und wurde überfahvcn. Mit einem Schädelbruch und schweren inneren �Verletzungen wurde H. zur Rettungsstelle nach der Landsberger Straße gebracht, wo er unter den Händen des Arztes starb. -i- Im Freibad Plötz ensee ging in den gestrigen Abendstunden der Löjährige Arbeiter Franz Buck aus der Huttenstraßc 21 beim Schwimmen plötzlich unter. Obgleich Hilfe schnell zur Stelle war und der Verunglückte schon nach kurzer Zeit geborgen werden konnte, blieben die Wiederbelebungsversuche ohne Erfolg. Die Leiche wurde ins Schauhaus gebracht. Beurlaubuno im Wagistrak. Stadtschulrat N y d a h l ist vom 27. Juli bis einschließlich 23. August d. I. beurlaubt. Seine Ver- tretung übernimmt Herr Stadtbaurat Wagner. Umleitung der Omnibuslinie A 24. Wegen Gleisbauarbeiten an der Kreuzung der Andreas- und Breslauer Straße fahren die Omnibusse der Linie A 24 in Richtung Neukölln ab 29. Juli mit Betriebsbeginn Lange Straße bis Andreasstraße, Andreasstraße. Eine Reisegesellschaft von deutsch-amerikanischen Sozialisten, be» treut von dem uns nahestehenden gemeinnützigen Verkehrs- und Reiseoerein in Hamburg, befindet sich zur Zeit auf einer Rundreise in Deutschland. Hamburg, Leipzig, Dresden, Wien und München wurden besucht, Nürnberg, Mainz und Köln stehen noch bevor. Ihren Abschluß findet die Reise in Berlin, wo u. o. die Betriebe der Konsumgenossenschaft in Lichtenberg, das große konsumgenossenschastliche Warenhaus in der Oranicnstraße mit seinem gewaltigen Erweiterungsbau, der Flughafen und das Stadion, die"vielgestaltigen Betriebe des „V ö r w ä r t s"- H a u s e s, das Hauptgebäude des ADGB., das Metallarbeiter ha us und schließlich auch die Gräber von Auer, Singer, Wilhelm Liebknecht und Rosa Luxemburg auf dem Friedrichsfelder Friedhof besucht werden sollen. Der Besuch in findet in der Zeit vom 3. bis 5. August statt. (eriedru Berlin W Sozialistislhe Arbeiterjugend Groß-Verlio Einsendungen für diese Iwbrik nur an tas ZugradfefrctorUt Berlin GW 68, rindenffrafte 9 AbteiUmgsleiter: Heute, spätestens Freiwg, nriissen säantlichv für fttanffuct nnter Leistmi� der AnjahlunA vorgenommen Verden. heule, Mittwoch, 19* Uhr. Weste»: Arbeitskreis bei Rickert, SteiiiMetzstr. Z&i:„„Republik, das ist nicht viel?"— ke!u»bbrun»c» II: Christianiastr. 88:„Tagespolitil"— Reichen. beraee Biertel: Reichenberger Str. b«: Zsunktionärsitzung.— Tempelh»': Götz. straxe:„Sa war der Krieg!"— Köpenick I: Griinauer Str. 6: Funttionbr» Versammlung.— Friedrichshagen: Frisdrichstr. 87;„Jugendbewegung im Ausland".— Mahlsdsrs: Melanchrhanstr.«8: Aditgliederversanunlung.— Pankow R.-F.: K»ssinocnstr. 48:„Meine Erlebnisse in Italien". «erbebezirk Prcazlaaer Berg: Eonncnburger Str. 20: 20 Uhr, Sewerksthaft«. ausschuKsihung. Werbedezirk Krenzbcrg: Britzer Str. 80: IS Uhr, Ausammsntunit tey BiHirm-gsobleude. Nr. 349• 48. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Mittwoch. 29 Juli 1931 Schärfer gegen die Kapitalflucht? Das ausländische Bankgeheimnis als Hindernis. Von dem Mitinhaber eines bekannten Berliner Bankhauses wird uns geschrieben: London brachte eine Atmosphäre der Verständigung, in der Hoffnungen reifen können. Wer die Gelder im Inland sind knapp, und die Wirtschaft lebt von einem Tag zum anderen— in Er- wartung neuer Geldzufuhr. Das Ausland hat nicht genug Vertrauen zu unserer Vermögensverwaltung. Wenn wir ehrlich fein wollen, müssen wir zugeben, daß unsere eigenen Wirt- schaftlcr seit langem nur geringes Vertrauen zum eigenen Lande besaßen— sonst hätten sie nicht Summen ins Ausland geschafft, die beute nach der Schätzung maßgebender Finanzleute die ansehnliche chöhe von 5 bis 8 Milliarden erreicht haben. Ist es nicht erste Pflicht der Wirtschaft, vor allem dieses eigene Kapital auf schnellstem Wege wieder ins Land hinein zu bekommen? Ist es nicht Pflicht der Regierung, mit allen Mitteln hierfür zu sorgen? Dazu genügt aber nicht die Rotverordnung über Devisenabgaben. Die Straf- und Steuerfreiheit für zurückfließende Devisen sind zwar zusammen mit dem hohen Bankdiskont vielleicht ein gewisser Anreiz für viele kleine Leute, die ängstlich einen Notgroschen im Aus- land gesichert hatten und dafür schweren Herzens auf Zinsen fast vollkommen verzichteten. Aber das find meist Summen bis höch- stens Sl) 000 Mark. Diese Summen, addiert, ergeben nicht vielfache Milliarden. Die großen Vermögen von sechs- bis sieben st elligen Zahlen sind im Ausland durch Strohmänner auf Namen, angelegt, die in den jeweiligen Ländern häufig und unauffällig sind:(„Nielsen" in Kopenhagen,„Brown" in London und so fort). Diese Vermögen bleiben im Ausland unangetastet, denn sie sind nicht aufzufinden, und auch die höchsten Strafen können solche skrupellosen Mitbürger nicht in Unruhe versetzen. Da das gesamte Ausland ficht, daß ein Wirtschafts- Zusammenbruch Deutschlands unheilvollste Folgen für die anderen Länder nach sich ziehen muß, will es nicht aus Mitleid, sondern aus Gründen des Selbstschutzes helfen: man will durch diese Hilf« die eigene Wirtschast sichern. Wenn das nicht so wäre, dann hätten wir kein Chequers, dann hätten wir kein Paris und London erlebt. Aber neue Gelder einem Lande geben, das von maßgebenden Inländern selbst für schwach gehalten wird, ist unvernünftig: jeder Finanzmann trägt da schwerste Bedenken. Es mühte von deutscher Seite angeregt werden, daß uns das Ausland mithilft, unsere eigenen Kapitalien hereinzubekommen. Rur falls dag gesamte Ausland dos Bankgeheimnis in bezug aus deutsche Bankkunden aus kurze Zeit lüftet, werden die eigen- nühigen Herren sich gezwungen sehen, ihre Gelder in Deutsch- land anzugeben. Jeder Vorsteher einer Depositenkasse, jeder Leiter einer Bank weiß, wie ein Konto zustande kommt und woher das Geld eingelaufen ist. Wenn diese Herren von ihren Regierungen angewiesen würden, alle neueren Gelder deutschen Ursprungs zu melden, so würde Plötz- lich eine Summe zum Vorschein kommen, die bestimmt höher wäre als die Anleihesumme, die der Reichskanzler für not- wendig erachtet und die er nicht erhalten hat. Außerdem würde das Ausland sehen, daß wir wirklich bis zum äußersten gewillt sind, uns mit eigenen Mitteln zu sanieren und Landsleute, die ein Verderb für die Wirtschaft sind, hart an- zufassen. Ich weiß als Bankier, daß es nicht ganz leicht sein wird, in Ländern wie Holland, der Schweiz, Dänemark, Schweden, England und Frankreich solche Verordnungen durchzubringen— aber ich weiß auch, daß jeder ausländische Staat heute gern eine unangenehme und unbequeme Arbeit über- nimmt, die, selbst wenn sie augenblickliche Verluste und Schäden mit sich bringt, doch vielleicht den Zusammenbruch Deutschlands und damit nicht nur Deutschlands verhindern kann. Nur wenn ganze Arbeit getan wird, läßt sich ein greisbarer Erfolg erzielen. Darum sollten Verhandlungen in dieser Richtung unbedingt begonnen werden: wahrscheinlich wird in Berlin schon bald Gelegenheit dazu sein. Gründung der Akzeptbank. Das Neich stellt nur 2 von 15 Aufsichtsratsmitgliedern. Die Reichsbank teilt mit: Am Dienstägnachmittag fand in den Räumen der Reichsbank die Gründungsversammlung der Akzept- und Garantie- dank statt. Die bekanntgegebenen Gründer, ausschließlich Berliner Firmen, haben zusammen mit dem Reich das gesamte Kapital über- nommen. Zu Mitgliedern des Aufsichtsrats wurden bestellt: Reichsminister a. D. Dernburg, Direktor Bieber, Berliner Handelsgesellschaft, Direktor Dr. Bötzkes, Bank für Deutsche Induftrie-Obligationen, Dr. Frank, Deutsche Bank und Disconto-Gesellschast, Dr. Frisch. Dresdner Bank, Präsident Klepper, Preußische Zentralgenossenschaftskasie, Direktor Lipp, Deutsch« Rentenbank-Kreditanstalt, Generalkonsul Dr. Paul K e m p- n e r. Mendelssohn u. Co., Min.-Dirigent Norden, Reichs- finanzmini st erium, Ministerialdirektor Dr. R e i ch a r d t, Reichswirtschaftsministerium, Direktor Friedrich Reinhardt, Commerz- und Privatbank, Direktor R i t s ch e r, Reichskreditgesellschaft, Direktor Schlesinger, Deutsche Ver- kehrstreditbank, Staatsfinanzrat K ö b n e r, Preußische Staats- bank(Seehandlung), Direktor Ehrhardt, Golddiskontbank. In die Direktion wurden berufen, vorbehaltlich einer Er- gänzung, Herr Direktor Julian L e i ck und Herr v. H e y d e- b r a n d. Der Aufsichtsrat wird unmittelbar zusammentreten, um die- für die Aufnahme des Geschäftsbetriebes notwendigen R i ch t- l i n i e n zu erlassen. Der Kreis der zugezogenen Firmen ist von vornherein auf Berlin und auch dort nur auf eine kleine Zahl von Firmen beschränkt worden, weil die Behandlung der von der Akzept- und Garantiebank A.-G. zu erledigenden Geschäfte erforder- lich macht, daß die beteiligten Firmen dauernd in enger Fühlung miteinander bleiben. Schon aus rein praktischen Gründen mußte deshalb der Kreis der beteiligten Firmen auf Berlin beschränkt werden und durfte auch hier nur eine kleine Zahl derselben in sich begreifen, weil sonst von vornherein unmög- lich gemacht worden wäre, die vielen mit der geplanten Wiederaus- nähme des Zahlungsverkehrs auftauchenden Probleme mit der Schnelligkeit zu erledigen, die angewandt werden muß, wenn etwas Gedeihliches zustande gebrocht werden soll. * Der Aufsichtsrat hat 15 Mitglieder. Von dem 2-Mark-Paßgebühr für Auslandsreisen eingeführt Hat, eine unglaublich kurzsichtige Maß- nähme. Als Folge hat sich nämlich bereits herausgestellt, daß das Ausland dazu übergeht, feine Staatsangehörigen von einem Kur- oder Vergnügungsaufenthalt in Deutschland abzuraten. Nunmehr sind es die deutschen Kurorte selber, denen vor der deutschen behörd- lichen Fürsorge himmelangst wird, weil sie befürchten, daß ihnen als Folge der Iw-Mark-Paßverordnung auch noch die zahlungs- fähigen Ausländer oergrault werden, und sie wehren sich gegen diese doch wieder«imnal aus„nationalen" Gründen getroffene Maß- nähme energisch. So selbstverständlich es uns erscheint, daß Deutsche, die noch das Geld haben, um reisen zu können, sich auf die Schön- hcit des eigenen Landes und auf die erwiesene Heilkraft seiner Bäder besinnen, so selbstverständlich erscheint uns eine fachliche Beurteilung der Auslandsbäder, Kurorte und Sommerfrische, die vielfach, wie in Böhmen und der Schweiz, im deutschen Sprechgebiet liegen. Nun liegt die Erwiderung nah«: Was kümmert uns das? Wer hat denn heute Geld zu Urlaubs- und Kurreisen? Dem ist Folgendes entgegenzuhalten: In steigendem Maß hat in den letzten Jahren die deutsche Sozialversicherung, hoben Angestellten- und Invalidenversicherung und die Krankenkassen die wunderbare Heilwirkung der deutschen Heilquellen und Bäder ihren leidenden Angehörigen zuteil werden lassen. Mag dies dem Kritiker auch nur als ein Ansang erscheinen, so ist es doch immerhin ein hocherfreulicher Anfang. Weiter haben die Gewerkschaften aller Richtungen, viele Staats- und Gemeindebetrieb«, auch private Großfirmen sowie gemeinnützige Organisationen eigene Erholungsheime in ganz Deutschland errichtet. Und aus diese Weise kommen— Beweis für die siegreiche Kraft des sozialen Gedankens— sehr viele Urlauber und Erholungsbedürftige in Bäder und Kurorte, in die sie aus eigener Kraft niemals kommen könnten. Außerordentlich beachtens- wert erscheint uns in dieser Hinsicht auch die Zuschrift der Allge- meinen Deutschen Gesellschaft für Ferien- und Erholungsheime Halb bedeckt 9wolkig,*bedeckC*RegeiVöGraupetn !Schn««,5Nebol,TGewitte(®WBdstilla In Ostdeutschland herrschte heute regnerisches Wetter, da sich in den Grenzgebieten zwischen der warmen kontinentalen und der kühleren ozeanischen Luft ein Tiefdruckgebiet über Polen und Ungarn entwickelte. Im äußersten Oberschlesicn stieg die Temperatur noch auf 31 Grad, während im übrigen Reiche durchschnittlich nur 29 Grad erreicht wurden. Das östliche Tief wandert jetzt nach Nordosten ab. Ein breiter westlicher Luftstrom wird daher jetzt über Mitteleuropa herrschen. Da die westlichen Luftmassen aus höheren Breiten stammen, werden die Temperaturen für die Jahreszeit ziemlich niedrig liegen. Allmählich dürfte aber das westliche Hoch nach Mittel- europa vordringen und etwas Besserung bringen. * Wetteraussichten für Berlin. Veränderlich mit Schauern, ziem- lich kühl, westliche Winde.— Für Deutschland. Im Süden zeitweise heiter und tagsüber mäßig warm, im übrigen Reiche wechselnd be- wölkt, strichweise Regenschauer. Voriräge, Vereine undVersammlungen. Reichsbanner„Schwarz-Rot-Gold". KefdiSftsffelle! Berlin S. 14. iccboffianftc 37— S8 Kol 2. St. RcirkSlln. Britz, 1. Äametobfdjoft, 1. und 2. gufl: Mittwoch, btil 28. Juli, Mifgliedereersamutluita bei Schultze. Zleufersfr. 47.— Iitnadonner: Mittwoch, 28. Juli, 28 Uhr, Mifaliederoersammlunn bei Priese, Weichselsfr. 8. Lidifbildervortreg.— Treptow(Orfsnerein), Iungbanner: Mittwod), 28. Juli, 20 Uhr, Probe im Jugendheim, Mederschdneweide, Berliner CfraKe(Rote Schule).— Mitte(Orfonerein): Mittwoch, 28., und Bonnerstog, 88. Juli, wird der Film»Im Westen nichts Neues" tflr die Mit- glieder un flino„Imperial", Rosenlhaler Str. 40/11(Am Hackeschen Markt), gespielt. Besud, wird empfohlen.— Tiergarten(Ortsoerein): Donnerstag, HC. Juli, 20 Uhr. allgemeine Funktioniinversammluna bei Berger, üevetzow- strahe 21.— Sonitätsfithrct: Donnerstag, 30. Juli, 20 Uhr, Sitzung im San» büro. «urzschrisiverein su«harsotienburg®. B.(Giichcilskutifchtiff). Jeden Dienstag und Freitag, ZiO—rtlO Uhr: htnfänger-, Fortbildungs-Redeschtist- lehrgänge. lleberfragunz der tkinheiteckurzschrist auf das Englische. Siemens. Ohettealfchult, Schlohstr. 27. «rbeifer.Abstinenten Bund. Be,irk«gruppe Ztrruzberg: Mittwoch. 28. Juli, A Uhr. alkoholfreie Gaststätte Stalitzer Str. 6.„Dir große Zeit-', Ref.: Gen. Ludewig.— Bezirksgruppe griedriit.-ham: Donnerstaa. 30. Juli. 20 Uhr, Jugendheim Diestelniener Str. 5(Weltliche Schule), Lichtbilder. Vortrag:„fielst den Alkoholkranken", Ref.: Gtn. Kaiser. Socialista Esperanto Asocio Cr.-Bcrlin. Ein membro devas aperi cn sia klubejo venontan merkredon au vendredon por seiigi, kie okatos kontran- milita manifestacio. Ni subtenas man partion k samtempe ni disdonos flugilojn— varbajn. Ni nc migras je la 2. 8. 31. 0/i Vt*aäe'sAapenctelsv$e typW föv Atins DAS GROSSE RUNDE SCHNE EWEISSE SEIFENSTÜCK NUR NOCH ZC parteinachrichten für Groß-Verlin Einsendung«« für diese Rubrik find /» stet» an da» Bezirkesekretarioi Berlin SW 6S, Lindenstraße Z, 2. Hof, 2 Treppen recht», zu richten Beginn aller Veranstaltungen 19% Uhr, sofern keine besondere Zeitangabc! heute, ZNittwoch. 29. Juli. 11. ltrcj, Schöncbeeg. Kreisniitgliedernerfammlung unr 20 Mir im Hesels. schastshaus hcp Westens, Hauptstr. 30. Referent: Genosse RopJjtnH:„Die nolitische Lage und die Londoner Konferenz". 42. Abt. Außerordentliche Funktioniirsißung bei Wiersdorf, Urbanstr. S. Donnerstag, Z0. Juli. 2. Krei». Alistung! Kirckenaustrittsversommlung! 20 lißr neronstoltct die »AI. und der ssrcidenlervcrband eine Kundgedunq in den Ärminiusliolle», Breiner Str. 73. Rirchenoustrittc können daselbst sofort beiin anroesrnden Rotor nollzogen werdcn. Legitimationspapierc sind zu dicfem Iweck mit. zubringe». 3. Krei«. Freidenker und andere Genosse» und Genol sinne» beieiligen sich an der Kundgebung der SAI. in den Andreos-Festsiilen, Andreasstraße. Ref.: Gen. Friß Schtnidt-Panlow. Kirchenauotritt kann daselbst vollzöge» werden. 7. Krei«. 20 Ulir, im Iugenicheim, Rosinenstr. 4, Vertretersißung der Jugend. weibe-Kommission. Programm, und Propaganda-Bcsprcchung der Jugend- weide 1032. 12. Krei«. Rrgelmäßige Zusammenkunft der er»>erb»losen Parteigenoflen am Donnerstag,.i«. Inli, pünktlich I» Uhr, bei Schellhase, Etegliß, Ahorn- straße tön.»enoffc Dr. Schlesinger spricht über da» Thema i„Wie lebt der Arbeiter in Sowjetrußland?" Rotwendige Zahrausgabcn werden erstattet. Kein Berzehrzwang. l>. Abt. Funttionärkonfcrenz bei Dobrohlaw, Swincnrllnder Str. 11. 33. Abt. 20 Uhr, Kundgebung der SAI. und Freidenker„gegen Kirche und Kulturreaktivn" in den Andreas-Feftsälen, Andreasstraße. Kirchenaustritt gegen eine Gebühr von 1 M. kann dortselbst vollzogen werde». Ins. besondere die jüngeren Genossen werden aufgefordert, an der Kundgebung trilzuuehmen. 37. Abt. Kundgebung der proletarischen Jugend gegen Kirche und Reaktion in den Andreos-Festsälen, Andreasstraße. Wer frei ist, beteiligt sich. Während der Ferien- und Reisezeit kann der„Vorwärts44 und der„Abend- auf jede Dauer allerorts bezogen werden Touristen und Wanderer fordern das Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutsch lands bei den Bahnhofsbuchhandlungen. Zcitungs- Kiosken, Buchhandlungen und sonstigen Verkaufsstellen. Sommerfrischler lassen sich den„Vorwärts44 bei einer Aufenthaltszeit bis zu einer Woche per Kreuzband nachsenden. Das Porto beträgt wochentacs 10 Pf., Sonntags 15 Pf.(pro Woche 70 Pf). Bei längerem Aufenthalt ist der „Vorwärts44 auf dem billigeren Wege der Postüberweisung zu beziehen, welche die Haupte.xpedition vornimmt In diesem Falle kommen zu dem Abonnementsbeirage nur die Postbestellgcbühren von 72 Pf. pro Kalendermonat. Wenn Nachsendung der Zeitung gewünscht wird, ist die in Frage kommende Ausgabestelle oder die Maupt- expedition des„Vorwärts44, Berlin SW 68, Lindenstraße 3, möglichst eine Woche vorher zu benachrichtigen. Laubenkolonisten wird der„Vorwärts44 durch Boten zugestellt. Genaue Bezeichnung der Laube ist erforderlich. Postabonnenten müssen die Nachsendung unter Beifügung von 50 Pf. in Marken mindestens 2 Tage vor der Abreise schriftlich bei der Zustell- Postanstalt beantragen W Berlin SW 68, lindenstraße 3 vorwärts- V erlag Fernsprecher Dönhoff 292-297 109. Abt. 20 Uhr, Versammlung der auf dem Boden der SPD. strhrnden Mitglieder der beiden Friedrichshagener Periaufsstellen des Konsums im Restaurant„StadttHeater"' am Marktplatz. Areitag, Zl. Juli. 143. Abt. Vorstands- und Bezirksführersitzung beim Gen. Lehmann. Arauenveranstalkungen.' 4. Krei». Di« Genossinnen treffen sich b«ut«. Mittwoch, IS. Juli, zum Art«. flug. wie beschlossen, um 10 Uhr Bahnhof Sartenfelde. Rachzügler treffen stell in Saatwinkci im Haus des Arbeiler�omoriter-Bundes dirnkt. 39. Abt. Donnerstag, 3t). Juli, ad l,h Uhr, im Volk Spork Neukölln, Kaff«»- kochen. Die Photos von drr Dampferfahrt sind zu haben. SSz. Abt. H«utr, Mittwoch, A, Juli, 20 Uhr, Funktionärinnenstßung bei der Genossin Konfmann, Briß, Dörchlöuchtrngstr. 3. 136. Abt. Die Genossinnen beteiligen sich heute, Mittwoch, 2S. Iuff, 1914 Uhr, an der ZSrrbeocrsammlung der Freien Turnerschaft bei Rochaus zweit» Gründung einer Frouen-Ttirn. und Gumnostik-Abteilimg. >39ii. Abt. Alle Genossinnen beteiligen sich am Tonnerstag, 39. Zuli, am Ans- flug nach Iörsfeld«. Treffpunkt S Uhr am Konfumhaus, Bezirksausschuh für Arbeiterwohlfahrl. l3. Krei» Temprlhof, Marien bors, Rarienselde, Lichtenu»«. Freitag, den 31. Juli, 19', z Uhr, Rathaus, Darfftr. 42, Sichttitgozimmer, Sißunq der Arbeiter. Wohlfahrt. Genossin Emmi Vodkttheimer jipricht über.Di« praktische Arbeit des Helfers in der sozialen Gerichtshilsc". Arbeiksgemeinschaft der Kinderfreunde Sroh-Berlin. Gruppe Köpenick. Wir beteiligen uns am Koffeekockun der lllg. Abt. auf dem Sporiplah„Eiche". Treffen heute. 12 Uhr, am Vahnhof Köpenick. Bade. anzug und Turnschuh« mitbringen. Freitag treffen wir uns um 16 Uhr am Bahnhof, 1S>3 Uhr vor der Badeanstalt Gartcnstraßc. S Pf. mitbringen. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation j 55. Abt. Unser Genosse Waldow ist im Alter von 30 Iahren verstorben. Ehre seinem Andenken. Einäscherung heute, Mittwoch, 2g. Juli, IZ'.H Uhr, Krematorium Wilmersdorf, Aahlreich« Beteiligung erbeten. 89. Abt. Am Sonnabend, 25. Juli, verstarb plößlich unser Genosse Franz Ondra. Ehre seinem Andenken. Trauerfeier: Donnerstag, 30, Juli, 13 Uhr, Krematorium Baumfchulenweg, Um rege Beteiligung wir» ge» beten. 195. Abt. Am Sonnabend, 25. Juli, verstarb unser Genosse Otto Bock. Ehr« seinem Andenken. Einäfchming: Freitag. 31. Juli. 17 Uhr, Krematorium Baumschulenweg. Um reg« Beteiligung wirb gebeten. 11». Abt. Unser Genosse Eduard Franke ist am Fsteiiag. 24. Juki, tödlich vre. unglückt. Ehre seinem Andenken. Einäscherung: Dvnnersiag, 30. Juli, 13«; Uhr, Kreinoiorium Baumschulenweg. Um zohlreiäx Beteiligung wird gebeten. Staststheater Geschlossen. Abonnements-Einladung fllr die Spielzeit 1931/32 Großer Preisabbau, wesentliche Verbesserung einzelner Platzgruppen durch Vorverlegung, sehr bequeme Zahlungsbedingungen. Anmeldangen nehmen in der Zeit von 10 bis 2 Uhr entgegen: für die llaolgoper und das Staalltdie Sdiansplelhans; Abonnem-Büro OberwaMstr.22, Fernsprecher: Merkur 9024, fllr das staalL sdiiiierthealer: Abonnem.-Büro: Charlottenbg., OrolmanstraBe 70, Fernsprecher: Steinplalz 5715. Winter �Qarren� ü 6.15 Uhr Flora 343 l Raodien trlaubl Balleil Edaardowa, 10 Brox, Ricfays« Mary— Erik- Paal nsw, H. u. H. WILLIAMS LEE GAIL- ENSEMBLE IVhirlwinds usw. Komiscne oper Friedrichsir. 104 8'fc Uhr Frauen haben das gern... Muslkal. Schwank von Arnold Musik v. Walt. Kollo Sommerpr.0S0-7.00 Täglich zweimal artistische Darbietungen auf dem Freilichtpodium Mittwoch, den 29. und Freitag, den 31. Juli Vorwahlen Sonntag, 2. Aug. Hauptwuhl zur Traumlaiiil-SdiöahBitskDniain Bewerberinnen melden sich im Verwaltungsbüro„Traumland". Reichshallen-Theater „Alles verrückt!" Stettiner Sänger Anfang|*»| Uhr Deotsdiei Tteater 8 Uhr lititi illtfllmuitei Der Hauptmann von KOpenlik v. Carl Zuckmayer Rtgii; Heinz Hilpert Die Komödie Täglich 8-b Uhr letite luffühnipcen Dienst am Kunden top Curt Bois und Mn Hanstn Regie: Hans Deppe RnriflrstoDdamm- Theater Bismarck»48/49 Die schöne Helena »Oll lacgoes onunbaDi Regle: Max Beinoordi metropoi-iheater Täglich 89, Uhr Die Toni aus Wien Mady Christiins, Michael Bohnen Bekanntmachung. (59) E. I. J. 103 30(118. 30) 15. Skrassache gegen den Schriftsteller Dr. Joseph G o e d h e I s. Berlin- Wilmersdorf, Württembergisdie Straße 27/28, wegen Beleidigung. Das Schöffengericht Charlottenburg, Abteilung 59. in Beriin-Moadit. hat am 15. August 1930 für Recht erkannt: Der Angeklagte wird wegen Beleidioung der Reich'sregierung zu einer Geldstrate oon 600 RM. ersaßweise 30 Tagen De' sängnis und zu den Kosten des Ben fabrens verurteilt. Dem Reichskanzler wird die Befugnis zugesprochen, die Verurteilung des Au- geklagte» auf dessen Kosten innerhalb 4 Wochen nach Zustellung des rechts» kräftigen Urteils an den Reichskanzler durch einmalige Einrückung des erken- nenden Teits dieses Urteils in die Zeitungen:.Der Angriff"..Borwäris". .Bertiner Tageblatt",.Deutsche Allge» meine Zeitung" und„Berliner Lokal- anzeigcr- öffentlich bekanntzumachen. Ferner hat dlc II. große Strafiammer des Landgericht» III Berlin am 29. April l93l für Recht erkannt: Das Urteil wird dahin abgeändert, daß der Angeklagte wegen Beleidigung der Reichsregirrnng zü 1000 RM— ein- raufend Reichsmark— Geldstrafe, ersaß- weise zu 50 Tagen Gefängnis und zu den Kosten des Berfahrens verurteilt wird. Publtkationsdefugnis und Einziehung». anordnung bleiben bestehen. Dg« Urteil ist vollstreckbar, GROSSDEST I LL ATI O N Prinzessinnenstrasse 17 Ritter- Ecke erandenburgstr. Unserer Genossin und Genossen - St.ll.ngesuch.: Oberjchriftswort 15 Pf., T.xtwor» 10 Pf./ Anzeigen, welche für di. nächste Nummer bejtimmi sind, müssen bis 4Vi Uhr nachm. im Verlag, lind.nsir. 3, oder auch in sämtl. Vorwärts-Filiol.n und-Ausgabestellen abgegeben sein | uerHUuie| Teppichhau. Emil Lestore, Berlin, seit 49 Iah» ren nur Oranien- straße 15». Kah. lunaserleichieruna ohne Anffchlag. Epe. ziolkawioa kosten. irei._* Tapeten Szillot, Koloniestraße 9. 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Oie Interessenten gegen die Abrüstung. r. Der internationale Sozialistenkongreß in Wien debattiert über das Abrüstungsproblem. Wo wäre die Abrüftungsfragc, wenn nicht die Sozialisten aller Länder sie immer wieder stürmisch gefordert hätten! Die Presse der Scharfmacher bc- müht sich, die Wirksamkeit der sozialistischen Arbeiterinter- nationale für die Abrüstung herabzusetzen— sie will nicht Ab- rüstung, sondern Aufrüstung der besiegten Völker bis auf den Stand der Siegesvölker. Die„Berliner Vörsen-Zeitung", das eine Sprachrohr der bankrotten Wirtschaftsführer in Deutschland, ergeht sich in schmutzigen Beschimpfungen des Kongresses und seiner Teil- nehmer: Nach dem Grundsatz, daß das Volk nun einmal betrogen werden will, kleiden sie ihre Lügen in das betörende Mäntelchen der Humanität und jonglieren mit der Friedensphase und Völkerversöhnungvor ihrem ebenso urteilslosen wie beifallsfreudigen Publikum. Von Humanität wollen die journalistischen Handlanger der Rüstungsindustrie so wenig wissen wie von Frieden und Völkerverständigung— damit kann man keine Geschäfte machen wie mit Kanonen und Tanks! Das Scharfmacherorgan tobt gegen Otto Wels wegen ' seines Bekenntnisses zur deutsch-französischen Verständigung. Sie nennt das„bedingungslose Unterwerfung Deutschlands an die französische Machtpolitik". Sie hetzt gegen die deutschen Sozialdemokraten: „Die Ahnungslosesten aller Ahnungslosen aber sind die deut- schen Ideologen des Sozialismus. Sie sitzen mit gläubigen Köpfen vor den ausländischen sozialistischen Auguren und möchten sich vor Hingabe schier selb st entleiben, wenn diese im Dienste fremdländischer Machtpolitik stehen- den politischen Geschäftemacher die nationale Selbstent- äußcrung des deutschen Volkes verlangen." Ein anderes Scharfmacherorgan hat nun gleichzeitig die „ausländischen sozialistischen Auguren", diese„im Dienste fremdländischer Machtpolitik stehenden politischen Geschäfte- macher" wegen ihres Eintretens für die Abrüstung mit Bei- fall bedacht. Die„Deutsche Allgemeine Zeitung" verzeichnet die folgende Stelle der Rede de Brouckdres als besonderes Verdienst: „Trotz der klaren Versprechungen von Versailles haben die westlichen Nachbarn Deutschlands noch fast ihr« gesamte Heeresmacht unter den Waffen. Für Frankreich ist das ein Schrecken, für Bel- gien ein« Dummheit. Wenn wir vielleicht auch noch nicht unsere Regierungen zwingen konnten, die feierlichen Versprechungen zu halten, so müssen wir«s immer wieder versuchen. Das gilt bc- sonders sür Frankreich... Die Formel:„Erst Sicherheit, dann Abrüstung" ist lächerlich und purer Hohn. Selbstverständlich muß man Schiedsgerichte einführen. Aber welche Sicherheit ist gegeben in einem Europa, das von Waffen starrt, und solange jeder Un- , zufriedene an die Waffen appellieren kann? Auch Sanktionen lehnen.. wir ab, deren Notwendigkeit, man gegen Friedensbrüche beDuptet."''* Drastischer ist eine Lüge kaum zerstört worden, als der Schwindel gegen den Wiener Kongreß durch den Widerspruch zwischen den beiden Scharfmacherorganen! Jeder noch so knappe Bericht über die Wiener Verhandlungen ohrfeigt im übrigen die Hetze der„Berliner Börsen-Zeitung". Aber dies Scharfmacherorgan zitiert ebenfalls de Brouckdre: „Ihr Genossen aus Deutschland, die Ihr heute die Last, aber auch die Ehre des schwersten Kampfes tragt. Eurer Haupt- feind, derStahlhelm, dieHitlerbande, i st z u g l e i ch die Ursache der wirtschaftlichenSchwierigkeiten, mit denen heute das deutsche Poll ringt und die sich unendlich ge- steigert haben, bis zur Weltkrise. Ueberoll seien Kräfte am Werke, um einen neuen Krieg herbeizuführen, der eine schwere Bedrohung der Demokratie bedeuten würde. Ein Sieg der Reaktion in Deutschland, so erklärte der Redner, würde eine Kriegsgefahr für ' Europa bedeuten." Das ist es, was die giftgewollte Hetze des Scharfmacher- organs hervorgerufen hat! Daß de Brouckere für die Ab- rüstung der Siegermächte gesprochen hat, war schon Grund genug zur Erregung, daß er aber auch noch die faschistische Reaktion in Deutschland gebrandmarkt hat, hat einen Wut- anfall ausgelöst. Denn die Hitlerbanden und der Stahlhelm sind eine Zükunftshoffnung der industriellen Scharfmacher, eine Hoffnung auf internationale Konflikte, auf deutsche Rüstungen, und damit auf Geschäfte mit Kanonen. Die innige Verbundenheit schwerindustrieller Scharfmacher und faschistischer Organisationen tritt hier glänzend zutage, zu- gleich aber auch die Verbundenheit der nationalistischen poli- tischen Hetze mit der Profitgier der Rüstungsindustrie. Das eine wie das andere ist heute wie früher eine Strömung der Verständigung der Völker, eine Drohung gegen den Frieden. Der Wiener Kongreß zeigt die Kampfftont gegen die Kriegsrüstungen wie gegen die dazugehörige nationalistische Verhetzung. Der Aufschrei des Organs der deutschen Rüstungs- interessenten zeigt, wie richtig diese Front ist! Die Herrschaften hatten wohl die geheime Hoffnung, mit Hilfe von Rüstungs- auftrügen den Folgen ihres Bankrotts als Wirtschaftsführer zu entrinnen?_ Besteiro Cories-Prasident. Die provisorische Regierung bleibt im Amt. Madrid, 28. Juli.(Eigenbericht.) Die Nationalversammlung wählte den Sozialisten Besteiro end- gültig zu ihrem Präsidenten. Nach der Wahl defilierten sämtlich« Minister und Abgeordneten einzeln an dem Kammerpräsidenten vorbei. Im Anschluß daran hielt der Präsident der provisorischen Re- gierung Zamora eine Rede über die Pflichten und die Bedeutung der Nationalversammlung. Der ihm zuteil gewordene Beifallssturm läßt bereits darauf schließen, daß die Nationalversammlung ent- schloffen sst. die provisorische Regierung endgültig tn ihrem Amte zu bestätigen. Zwei„Machipoliiiker", die ein heißes Eisen angesaßi hatten! Mardonald und „Oer Idealismus der Jugend aller Völkt Ursachen Ministerpräsident Macdonald und Außenminister Henderson empfingen gestern mittag im„Kaiserhos" die deutsche Presse, deren Vertreter so zahlreich erschienen waren, daß der für den Empfang bestimmte Raum nur ausreichte, weil sie sich im großen Halbkreis stehend um die englischen Staatsmänner gruppierten. Macdonald gab einleitend seiner Freude darüber Ausdruck, nach Berlin ge- kommen zu sein, um den Londoner Besuch der deutschen Minister zu erwidern, über den man sich in England sehr gefreut habe. Der Zweck seiner Anwesenheit in Berlin sei, die persönliche Fühlung- nähme mit den deutschen Staatsmännern, die in London angebahnt worden ist, fortzusetzen. Dabei biete sich Gelegenheit,«inen Ueber- blick über die Lage zu gewinnen, wie sie sich seit der Londoner Konferenz ergeben hat. Macdonald betonte, daß er erneut die Ueberzeugung gewonnen habe, daß die Qualitäten des deutschen Volkes. seine wirtschaftliche und seine finanzielle Stärk« auch diesmal über die gegenwärtigen Schwierigkeiten'hinwegbringen werde. Er gebe zu, daß noch weitere Schwierigkeiten zu überwinden seien. Aber er sei überzeugt, daß die Deutschen sich al» Volt hindurchringen würden und daß kein Deutscher seine Nation im Stich lassen werde. Der Deutsche sei mit Recht ein stolzer Staatsbürger, und dieser Stolz werde ihm die Kraft geben, die Schwierigkeiten zu überwinden. Wenn sie überwunden seien, dann heiße es, durch eine Zusammenarbeit der Völker die Beruhigung der internationalen Atmosphäre herbeizuführen. Um dieses Ziel vorzubereiten, seien die deutschen Minister in England gewesen, und aus dem gleichen Grunde weilten die englischen Minister jetzt hier. Zum Schluß unter- strich Macdonald noch, wie erfreut man in England über den überaus freundlichen Em p f a n g gewesen sei, den die englische Flotte bei ihrem kürzlichen Besuch in Kiel gesunden habe. In all dem glaube er Anzeichen für ein lange dauerndes, freund- schaftliches Verhältnis zwischen den beiden Ländern zu sehen. An die Abgabe dieser Erklärung schloß sich ein reges- Frage- und Antwortspiel zwischen den britischen Ministern und den Presse- Vertretern an, das sich auf die britische Abrüstungspolitik, auf den Kampf gegen die Wirtschaftskrise, auf das Hoover-Feierjahr und auf die Goldabzüge aus England bezog. Mit großer Entschiedenheit lehnte Macdonald die frühere britische Politik der..dalonce ok power" ob, die in diametralem Gegensatz zu der Politik seiner Regierung stehe. Die Labour-Politik sei umgekehrt auf die Zusammenarbeit der Völker eingestellt: in ihr werde sicherlich auch die Abrüstung erzielt. Auf die Frage nach den möglichen Methoden zur Beseitigung der wirtschaftlichen Schwierigkeiten meinte der Minister, es sei nötig, in steigendem Maße die finanziellen Mittel der Völker gemeinschaft- lich zur internationalen Entlastung zu verwenden, die Handels- abkommen zu vermehren und den Protektionismus niederzuringen, dessen Uebertreibung die Welt zum Bantrott führen müßte. Henderson fügt aus eine Zwischcnfrage erläuternd hinzu, daß die britische Regierung seit zwei Jahren an der Verwirklichung einer Wirtschaft- lichen Zusammenarbeit und Vereinheitlichung tätig mitwirke und ihren besten Sachverständigen hierfür u. a. den Genfer A r b e i t e n zur Lösung der wirtschaftlichen Fragen der europäischen Union zur Verfügung gestellt habe. Das Hoover-Jahr, so betonte Macdonald, sei ein außer- ordentlich wertvoller Beitrag zur Beilegung der augenblicklichen Schwierigkeiten. In bezug auf die Goldabzllge aus der Bank von England, von der immer noch und auch in Zukunjt das Wort gelte: „So gut wie die Lank von England". meinte Macdonald, es sprächen dabei viel Propaganda und psycho- logische Motive mit. England habe z. B. bei der Unterstützung Oesterreichs und Deusschlands willig seinen Beitrag zu den Bedürf- nissen der internationalen Zusammenarbeit gemistet und werde das auch weiterhin tun. Ein Vertreter der Stahlhelmpresse erwähnte, daß Mac- donald in seinem Toast für. Brüning am Montagabend von dem Idealismus der deutschen Jugend gesprochen habe. Macdonald erwiderte darauf, daß er von dem Idealismus und dem guten Willen der Jugend aller Völker gesprochen Hab« und daß nichts so fürchterlich sei. als wenn die v egeisterungsfähigkei» der Zugend aller Länder durch Feindschaft und haß verdorben und zerstört würde. Auf die Frage der Revision der Verträge gestellt, erinnert« Macdonald an sein« vor einigen Jahren im Reichstag der Stahlhelm. Oie Ltnterhaltung über die wirklichen »er Krise. gehaltene Rede und betonte, daß die Politik der englischen Arbeiter, regierung dauernd in dieser Richtung ginge. Die Probleme im Hintergrund. Auf die Frage des Vertreters des„Vorwärts" nach dem Gegenstand der Berliner Unterhaltungen erklärte Außenminister henderson. daß sie weit tiefer in die wirklichen Ursachen der deutschen und internationalen Srisis hineingingen, als dos Publikum sich im all- gemeinen vorstelle. Durch die freundschaftlichen Besuche der eng- tischen, deutschen und französischen Staatsmänner werde die not- wendige Vorbereitungsarbeit für spätere Verhandlungen geleistet. Die direkte deutsch-sranzösische Aussprache ist der nächste wichtige Schritt, der in dieser Richtung getan werden muß. Minister- präfideut Macdonald betonte, daß die Fortsetzung erzwun- geuer Exporte die internationalen Schwierigkeilen erhöhe. Oer Sperling. Der Rechtspresse ist eine Entdeckung von ungeheurer Trogweit« geglückt. Sie hat festgestellt, daß in unserer Wiedergabe der Rede Macdonalds ein Satz gefehlt habe, in dem Macdonald das Bibel- wort von dem Sperling zitiert, der nicht ohne Wissen des Schöpfers vom Dache falle. Der„Nationalen Opposition" mag es ja am wichtigsten er- scheinen, daß Macdonald von einem Sperling gesprochen hat: bei dem Niveau der nationalistischen Außenpolitik ist ein Sperling schon ein recht belangvoller Gegenstand. Uns erscheint im Augenblick im Zusammenhang mit England der Sterling allerdings wichtiger als der Sperling. Rettungsfusion in Sachsen. Dresden. 28. Zuli. Von zuständiger Stelle erfährt MTB.-Handelsdienst: Die Verwaltung der sächsischen Staatsbank und der Allgemeinen Deutschen Kreditanstalt in Leipzig haben die Vereinigung ihrer Znleressen beschlossen. Ausgehend von der Tatsache, daß unter den heutigen verhält- nissen das Bankgewerbe Deutschlands überseht ist. und daß ein Zusammenschluß beider Znstitule für das sächsische wirlschafts- leben eine kräftigere Stütze bieten kann als die getrennte Arbeit, erfolgt durch die Vereinigung beider Banken, über die schon feit längerem Erörterungen gepflogen worden sind, die Schaffung eines großen, besonders leistungsfähigen Bankinstituts. Es dürfte damit zu rechnen sein, daß andere Banken sich der Kombination anschließen. Die Durchführung des Zu- sammenschlusscs ist in der Weise geplant, daß unter der Firma ADCA— sächsische Staatsbank eine Kommanditgssell- schaft auf Aktien gegründet wird, neben der die sächsische Staats- bank für rein st a a t l i ch e Zwecke bestehen bleiben wird- Als ersten Schritt auf diesem Wege haben die sächsische Staatsbank und die ADCA eine offene Handelsgesell- schaft gebildet, in welche das gesamte Geschäft beider Instituts eingebracht wird. Demgemäß haften beide Banken für ihre Verbindlichkeiten gemeinschaftlich und unbeschränkt. Da gemäß Staatsbankgesetz der Staat sür die Verbindlichkeiten der Staatsbant volle Gewähr leistet, bedeutet dies die volle Garantie des Freistaates Sachsen für sämtliche Verbindlichkeiten beider Insti- tute. Die Beamten beider Bonken werden von dem gemeinschastlichen Unternehmen übernommen. Der Schritt beider Banken stellt eine bedeutsame Maßnahme zur Kräftigung des Wirtschaftslebens in Deutschland dar. Es dürste zu erwarten sein, daß das aus der Vereinigung hervorgehende mit Staatshaftung versehene große Institut der sächsischen Wirt- schaft einen verstärkten Rückhalt im In- und Ausland« ge- währen wird. 35 Tote in Ehile. Der zurückgetretene Präsident Ibancz Hot argentinssches Gebiet erreicht. Der chilenische Kongreß Hot ein vier- tägiges Moratorium erlassen. Infolgedessen haben gestern sämtliche Danken ihre Schalter geschlossen. Die Opfer der jüngsten Unruhen werden offiziell mit ZS Toten und SSV Verletzten angegeben. Gegenwärtig herrscht in Santiago Ruhe. Konflikt in der Schwerindustrie. Llm Lohn, Arbeitszeit und Arbeitsbedingungen. Gestern nachmittag fanden die Nachverhandlungen im Reichsarbeitsministerium über den Lahnschiedsspruch Nord- w e st statt. Das Arbeitsministerium bemühte sich, den Schiedsspruch zu einer freien Vereinbarung umzugestalten. Die Gewerk- schaften waren an sich bereit, dem grundsätzlich zuzustimmen, wenn eine Verbesserung des materiellen Inhalts des Schiedsspruchs, namentlich für die Hilfsarbeiter, deren an sich niedrige Löhne um S Pfennig pro Stunde gesenkt werden, von den Unternehmern zu- gestanden würde. Die Unternehmer boten nach langwierigen ge- trennten Verhandlungen nur eine ganz minimale Senkung des Lohnabzugs für die Hilfsarbeiter an, so daß die Gewerkschaften oller Richtungen das Angebot ablehnten. Nach dem Vorschlag der Unternehmer würden höchstens etwa 3000 Arbeiter eine Ermäßigung non 1 Pfennig Lohnabzug gegenüber dem Schiedsspruch erhalten haben. Die Gewerkschaften hätten aber durch die Zustimmung zu einer freien Vereinbarung die an sich untragbare und zu weit gehende Lohnsenkung anerkennen müssen. Einen Vermittlungsvorschlag der Gewerkschaften, wonach für die am schlechtesten entlohnten Hilfsarbeiter eine Ermäßigung des Lohnabzugs nach dem Schiedsspruch um 2 Pfennige pro Stunde ein- getreten wäre, lehnten die Unternehmer ab. Damit waren die Verhandlungen gescheitert. Der Reichsarbeitsminister wird nunmehr über den Antrag der Gewerkschaften auf verbindllchkeikserklärung des Schiedsspruchs zu en<- scheiden haben. Die Unternehmer der nordwestlichen Eisen- und Stahlindustrie sind in der Oeffentlichkeit noch nie wegen Bescheidenheit aufgefallen. Die Aussperrung, die sie im Herbst 1928 gegen den vom Reichs- yrbettsministerium für verbindlich erklärten Lohnschiedsspruch durch- führten, ist noch in aller Erinnerung, obwohl dieser Gewaltakt bald- drei Jahre zurückliegt. Die Forderungen die die Nordwestlichen den Metallarbeiterverbändcn unterbreiteten, nachdem ste den Rahmentarif zum 31. Mai d. I. gekündigt hatten, waren gleichfalls nicht bescheiden. Sie verlangten u. o. die Abschaffung der sozialen Zulagen, wie z. B. des Hausstands- und Kindergeldes, die Be- schränkung des Urlaubs auf höchstens 6 Tage, die Senkung des Akkordrichtsatzes von 15 auf 19 Prozent, die Kürzung der Zu- schlüge für Ueberarbeit und noch einiges mehr. Alles in allem liefen die Forderungen der nordwestlichen Eisen- und Stahlindustriellen auf einen Abbau des Nahmenlarifverlrages um 59 Prozent hinaus. Die Verhandlungen über die Erneuerung des Rahmen- tarifes führten schließlich zu dem Ergebnis, daß der alte Vertrag unverändert bis zum 3l. Mai 1932, also um ein Jahr ver- längert wurde. Diesen Erfolg mußten die Metallarbeiterverbänd« allerdings gegen die Konzession eintauschen, sich mit einer Ver- kürzung der Geltungsdauer des Lohnabkommens um zwei Monate einverstanden zu erklären. Der Ablaustermin des Lohnabkommens für die nordwestliche Eisen- und Stahlindustrie wurde vom 39. September auf den 1. August vorverlegt. Wenn die„Rote Fahne" gestern davon faselt, daß diese Der- einbarung ein Geheimabkommen sei, von dem die Mitglieder der Verbände und noch viel weniger die Arbeiterösfentlichkeit etwas er- fahren habe, so seien die kommunistischen Gewerkschaftsstrategen nur daran erinnert, daß wir im„Abend" vom 18. Mai d. I. über diese Vereinbarung berichteten und daß auch die Funktionär« der organisierten Metallarbeiter der Gruppe Nordwest dieser Derein- barung z u g e st i m m t haben. Die Führer der Metallarbeiter- gewerkschaften und deren Mitglieder waren sich darüber klar, daß mit der Vorverlegung des Ablauftermins des Lohnabkommens die Erhallung des Rahmenlarifverlrages für ein Zahr nicht zu teuer erkauft war, zumal die Unternehmer bereits ange- kündigt hotten, daß sie das Lohnabkommen zum 39. September zum Zwecke des Lohnabbaues kündigen würden. Die Vereinbarung über die Verlängerung des Rahmcntarifes enthielt u. a. auch die Bestimmung, daß über den Neuabschluß des Lohnabkommens bereits Mitte Juli verhandelt werden müsse. Diese Verhandlungen haben auch stattgefunden und nach ihrem Scheitern zu dem Schiedsspruch geführt, der eine Kürzung des Stundenlohnes des 21jährigen Facharbeiters von 78 auf 75 Pfennig, und eine Senkung der übrigen Löhne im Höchstfalle bis zu 5 Pfennige pro Stunde vorsieht. Dieser Schiedsspruch ist von den Metallarbeiterverbänden angenommen worden, von der Delegiertenkonferenz des Deutschen Metallarbeiter- Verbandes mit Zweidrittelmehrheit und ohne„äußerst stürmische Auseinandersetzungen" oder nach „stürmischen Auftritten", wie die bolschewistische Presse ihren Lesern berichtet. Nach der Ablehnung des Schiedsspruches durch die Unternehmer haben die Metallarbeitergewerkschaften die Verbind- lichkeitserklärung des Schiedsspruches beantragt. Schließlich ist von den Metallarbsiteroerbänden das Arbeits- zeitabkommen, das neben Rahmentarif und Lohnabkommen läuft, zum I. Oktober gekündigt worden, in der Absicht, endlich die dringend notwendige Verkürzung der Arbeitszeit in der nordwestlichen Eisen- und Stahlindustrie herbeizuführen. Die Arbeitszeit beträgt in der nordwestlichen Eisen- und Stahlindustrie mit Einschluß der weiteroerarbeitenden Industrie zur Zeit für ungefähr 3« proz. der Arbeiter 57 Stunden je Woche. für etwa 32 proz. 52 bis 54 Stunden, für annähernd 24 proz. 48 Stunden und für etwa 6 proz. noch 89 Stunden. Mit diesen skandalösen Arbeitszeiten muß endlich aufgeräumt werden! » Von einer nicht zu überbietenden Unwisienheit strotzt ein Kom- mentar der kommunistischen„Welt am Abend". Da heißt es wörtlich: „Die Unternehmer haben es jetzt jederzeit in der Hand, die Tarife zu irgendeiner Zeit zum Zwecke des Lohnabbaus zu kün- digen, und zwar nicht nur in Nordwest, sondern im ganzen Reich. Damit haben die Gewerkschaften sich selber als Totengräber des Tarifsystems enthüllt, nachdem sie schon durch die Zustimmung der Sozialdemokratie zur Aufrechterhaltunq der Notverordnung, die bekanntlich ebenfalls umfangreiche Lohnabbaumaßnahmen unter offenem Bruch der Tarife vorsieht, den Unternehmern die Bahn freigegeben haben zu einer neuen Generaloffensive auf die Löhne." Ueber die Zwecklüge, die Sozialdemokratie habe ihre Zu- stimmung zur Aufrechterhaltung der Notoerordnung gegeben, brauchen wir kein Wort zu verlieren. Was die Behauptung be- trifft, die Unternehmer hätten es nunmehr in der Hand, jeder- zeit im ganzen Reich die Tarife zu kündigen, find wir bereit, jederzeit 1999 Mark dem zu zahlen, der den Nachweis er- bringt, jemals«inen größeren Blödsinn veröffentlicht zu haben. Seufzend werden die Unternehmer feststellen, daß zwar ihr Wunsch der Vater dieses kommunistischen Blödsinns, dieser aber leider ein unerreichbares Ideal ist. Wirischastsführung? Aufgekauft— stillgelegt. Nienburg a. d. S., 28. Juli. Die Eoncordia, Portlandzement- und Kalk- werke A.-G. Nienburg a. d. S., beabsichtigt, ihren Betrieb vor- läufig stillzulegen. Die Stillegung soll in etwa vier Wochen erfolgen. Der Zeitpunkt der Wiederaufnahme des Betriebes läßt sich noch nicht voraussagen. Die vorläufige Stillegung soll auf Grund einer Vereinbarung, vorgenommen werden, die die Gesellschaft mit dem Norddeutschen Zementoerband getroffen hat. * Bor wenigen Tagen berichteten wir, daß wider Erwarten der Nerbandsoertrag des NorSdeutschen Zementkartells verlängert worden ist, obwohl seit Monaten olle Beteiligten aufs Platzen des Kartells gerüstet waren. Die Verlängerung kam dadurch zu- stand«, daß die drei Außenseiter, di« bisher das Kartell rück- sichtslos unterboten hatten, dem Verband beigetreten waren. Noch nicht eine Woche später kommt obenstehende Nachricht, daß«ins der Außenseiterwerke stillgelegt wird. Der Schluß ist sehr einfach: das Kartell hat sich die Beseitigung der Außenseiterkonkurrenz etwas kosten lassen, d. h. es hat" die Außenseiter einfach aufgekauft. Wieder einmal ist die Kopital- Verschwendung in der deutschen Zementindustrie an einem Beispiel festgestellt. Die Kosten tragen natürlich die Arbeiter und di« Verbraucher. Der Norddeutsche Zementverband hat die Produktion der billigen Zementsorten eingestellt, was einer Verteuerung des Zementbezugs um etwa 29 Proz. gleichkommt. So sieht die Kapital- Politik der deutschen Wirtschastsführer aus! Aochmals freiwilliger Arbeitsdienst. Was ist er nicht und was ist er? Was ist der freiwillige Arbeitsdienst nicht?„Er ist weder Ar- beitszwang noch modernes Sklaventum, nicht Soldatcnspielerei und nicht die Schaffung einer.Prätorianergarde der wirtschaftlichen und sozialen Reaktion', weder amtlich« Förderung des Lohndrucks noch öffentliche Organisierung von Streikbrechern noch schutzlose Aus- beutung der Arbeitskraft." Diese Definition des freiwilligen Arbeitsdienstes noch der negativen Seite hat in gewissem Sinn offiziellen Charakter. Sic stammt von Oberregierungsrat Benda-Berlin, der in dem soeben erschienenen neuesten Reichsarbeitsblatt(Heft Nr. 21) eine Art Ge- leitwort zur Verordnung über die Förderung des freiwilligen Arbeitsdienstes veröfsenllicht. Die Arbeitsämter und vor allem die Arbeiter selbst wissen jetzt also, was der freiwillige Arbeitsdienst nicht sein soll. Von besonderem Interesse in den Ausführungen Bendas ist die Unterstreichung der Freiwilligkeit des Arbeitsdienstes. Er sagt:„Nichts kennzeichnet besser die Verwirrung der Begriffe als da» Wort von der.freiwilligen Arbeitsdienst Pflicht', das in letzter Zeit des öfteren zu lesen war. Sie ist freiwillig im Beginn: niemand hat Nachteile vom Arbeitsamt zu gewärtigen, wenn er ihr i Freie Gewerkschaffls- Jugend Berlin SoBnebcad, den 1. Augvst 1931, im Seal des Film' und Bildemies der Siedl Berlin, Lereizowsir. 1-2 ANTi KR I EG S VE R ANST ALTU N G Film:„Die Somme." Martha lohn, Rezliailoaen Kapelle Sdiacbelhal, Musik Kostenbeitrag 30 Pfennig Einlaß 19 Uhr, Beginn I?>/, Uhr fernbleibt; jeder kann sich die Arbeit frei auswählen, die ihm liegt. Freiwillig in der Fortsetzung: Wem die Arbeit nicht zu- sagt, wer mit Unterkunft oder Verpflegung nicht zufrieden ist, wem die Kameraden nicht pasien, oder wer sonst Gründe zur Abwehr hat, kann fortgehen, ohne daß das Arbeitsamt ihm Schwierig- keiten bereitet. Hier liegt ein grundlegender Unterschied nicht nur gegenüber der Arbeitsdienstpflicht, sondern auch gegenüber der Ps lichtarbeit, di« die Unterstützung an die Bedingung knüpf:, daß der Unterstützte gemeinnützige zusätzliche Arbeit leistet, aber auch gegenüber der N o t st a n d s a r b e i t, die der Unterstützte bei Strafe des Unterstützungsverlustes annehmen muß, wenn nicht einer der besonderen gesetzlichen Ablehnungsgründ« gegeben ist." Vielleicht ist das Wort von der„freiwilligen Arbeits- d i« n st p f l i ch t" weniger ein Produkt der Verwirrung der Be- griffe, als vielmehr ein Ausdruck, der sehr treffend die ganze Situation des Kampfes um den Arbeitsdienst kennzeichnet. Man darf nicht vergessen, daß vor der Entdeckung des freiwilligen Arbeitz- dienstes die A r b e i t s d i« n st p s l i ch t das Lieblingsthema der Leute war, di« mit Vorliebe über die Faulheit der Arbeitslosen schimpften. Arbeitsdienst Pflicht— sie wollte man haben, und sie will man auch heute noch, wenn sie auch zunächst infolge der Kosten nicht in großem Stil durchgeführt werden konnte. Der freiwillige Arbeitsdienst ist nichts anderes als eine Art R ü ck z u g s st e l l u n g der Propagandisten der Arbeitsdienftpflicht. Die Freiwilligkeit des Dienstes ist kein Zugeständnis an die Gegner der Arbeitsdienstpflicht, sondern Taktik. Buchdrucker zu den Zeiiungsverboien. Eingabe des Verbandsvorstandes an den Innenminister. Die durch Zeitungsverbote entstandenen Schädigungen der Buchdruckereiarbeiterschaft haben den Vorstand des Buchdrucker- Verbandes veranlaß�, an den Reichsinnenminister eine Eingabe zu richten, der wir folgendes entnehmen: In den letzten Monaten haben die Verbote von Zeitungen und Zeitschristen erheblich zugenommen. Durch die Verordnung de» Herrn Reichspräsidenten vom 17. Juli 1931 zur Bekämpfung politischer Ausschreitungen wird die Zahl der Verbote von periodisch erscheinenden Druckschriften voraussichllich eine weitere Steigerung erfahren. Wir verkennen nicht, daß in politisch unruhigen Zeiten, wie den gegenwärtigen, besondere Maßnahmen getroffen werden müssen, die zur Erhaltung des republikanischen Staatswesens und seiner Einrichtungen für notwendig gehalten werden. Di« Verbote der periodisch erscheinenden Druckschriften, ganz besonders die Verbote von Tageszeitungen auf längere Zeit, wirken sich aber so aus, daß die Arbeiterschaft im Buchdruck« gewerbe die schwersten wirtschaftlichen Schädie gungen zu erleiden hat. Die im Buchdruckgewerbe beschäs- tigten Arbeiter sind nach dem Arbeitsvertrag gezwungen, alle Druckerzeugnisse, ganz gleich welcher politischer Richtung diese dienen, herzustellen. Die Buchdruckcreiarbeiter haben keinerlei Einfluß auf den Inhalt dieser Druckerzeugnisse und müssen daher auch jedwede Verantwortung dafür abzulehnen. Bei Zeitungsverboten hat die Arbeiterschaft di« schwersten wirtschaftlichen Schädigungen zu tragen, während di« Kreise, die die Verbote verschulden, meistens ohne oder doch nur mit Verhältnis- mäßig geringen wirtschaftlichen Schäden davonkommen. Die Redakteure, die doch in allen Fällen das Verbot einer Zeitung verschulden, erleiden keine wirtschaftlichen Schäden, und so geht es ebenfalls mit allen andern von den Verlagen angestellten Personen. Hauptleidtragende bei Zeitungsverboten sind die bei der technischen Herstellung der Zeitungen beschäftigten Buchdruckereiarbeitcr: Setzer. Drucker, Stereotypeure und Hilfsarbeiter. Unser Ersuchen geht nun zunächst dahin, daß von Zeitungs- verboten nur in den allerdringend st en Fällen Ge- brauch gemacht und die Verbotsdauer nicht allzu lange ausgedehnt wird, damit die für die Buchdruckerciarbsiterschaft daraus ent- stchenden Schäden möglichst ferngehalten werden. Das Verbot einer Zeitung soll doch eine Bestrafung des Herausgebers, des Verlegers und der Redakteure fein. Das Verbot in seiner jetzigen Form trifft aber diese nicht, sondern den völlig unschuldigen Arbeiter, der meist mit der kürzesten tariflich zulässigen Frist entlasten wird und auch noch die vor dem Bezüge der Arbeitslosenunterstützung liegende Wartezeit durchzumachen hat. In Fällen, wo sich nach Ansicht der Behörden ein Verbot nicht umgehen läßt, muß dafür gesorgt werden, daß die schuldlos brotlos geworöenen Arbeiter von Reichs wegen«ine Unter- stützung erhalten, die ihnen über die Verbotsdauer hinweg- hilft, und daß den Arbeitern sofort nach der Entlastung die Arbeits- losenunterstützung gewährt wird. Ein Pyrrhussieg. Nach dem Textilfireik in Nordfrankreich. Der Ausgang des Streiks der Textilarbeiter in Nordfrankreich ist zwar eine Niederlage für die Arbeiter und ein Sieg des„Konsortiums", der Unternehmerorganisation, die unter Führung des Herrn L« y steht, aber dieser Sieg ist z u teuer ertaust, um ein Ersolg zu sein. Der Streik hat zehn Wochen gedauert. Wenn das Konsortium die Absicht hatte, dem Lohnabbau auch in Frankreich eine Gass« zu bahnen, so ist sein Sieg zu kostspielig, um zur Nachahmung zu reizen. Bemerkenswert ist dabei, daß der Lohnabbau als wirr- sch astliches Glaubensbekenntnis zur Heilung der Krise, wie er in Deutschland seit Jahr und Tag gepredigt wird, in Fran'- reich bislang unbekannt geblieben ist. Wohl gab es und gibt ez auch in Frankreich als Folge der Krise«inen Lohnabbau. Doch ist dieser mehr eine Einzelerscheinung. Wenn ein Arbeiter oder An- gestellter, der arbeitslos ist, wieder in Stellung tritt, dann begnügt er sich manchmal mit ungünstigeren Lohnbedingungen. Als Kollektiverjcheinung kennt man den Lohnabbau in Frank- reich nicht. Auch die Schwerindustriellcn haben ihn niemals in Frankreich ihren Mitgliedern empfohlen oder den Versuch gemacht. unter Ausnutzung der Krise eine allgemeine Kürzung der Löhne durchzusetzen. Unbekannt sind in Frankreich auch die Unternehnier- syndizi und Professoren, die die Herabsetzung der Löhne als Ppraue- setzung für die Steigerung des Absotzes empfehlen. Es gibt agch keinen Arbeitsminister in Frankreich, der dieses Attentat aus der, gesunden Menschenoerstand zur politischen Glaubenslehre erhebt. Wenn jetzt etwa die Hälfte der 139 999 Arbeiter, die in Nord- frankrcich gegen das Diktat des Konsortiums gekämpft hoben, sich nunmehr unter dieses Diktat beugen müssen, so können sie es immer- hin in dem Bewußtsein tun, daß ihr hartnäckiger Widerstand Zweifel- los verhindert hat, daß andere Unternehmergruppen dem Beispiel der nordfranzösischen Textilindustriellen folgen worden. Wohl gibt es in Frankreich auch bürgerliche Blätter, die ganz offenkundig mit ihren Sympathien auf der Seite der Textilindustriellen standen. Die große Mehrheit der bürgerlichen Blätter, vor allem aber die Blätter, d'e eine große Auflage haben, standen mit ihren Sympathien ganz un- verhohlen auf der Seite der Streitenden. Wenn die K o m m u n i st c n, die in Nordfrankreich noch einigen Anhang haben, auch den Versuch machten, durch Klamauk und Straßenkrawalle die Führung an sich zu reißen, so hat die erdrückende Mehrheit der Streikenden sich um die Parolen der Kommunisten nicht gekümmert. Nur so war es auch möglich, mit Hilfe einer groß- zügigen Unterstützungsoktion den Widerstand der Arbeiter bis zu einem Punkte aufrechtzuerhalten, wo der Sieg des Konsortiums ein Pyrrhussieg werden mußte. Zur Beilegung des Tarifstreits im Schneidergewerbe ist vom Reichsarbeitsministerium Dr. Drahn als Schlichter bestellt worden._ f Treis Gewerkschafts-Iugend Berlin Sciltc>,m 19Vi Uhr togcn die(gtnppcn: B-umschtilcnwau Jugendheim Batrmlchul'nw-g. Ernststr. IS: In(iMpoI! tisch« ffro««n.— W-ißensee: Sruppknhkim Weißenlee, Patestr. Sfi: Die fvanzssssch« ftoirnnimc.— Knwboldi: Jugendheim Suurn. Ecke Lortzingliraße: Die Burschen»«stalten den Abend aus.— Sorbring: Schmie, Sonnen burger Str. 20; Berliner Sachen.— Südwesten! Jugendheim Aorckstr. Ii(Zabrifgedäude): Der ZGB.— Zieulelln; Jugendheim Bergstr. 29 GewerkschofNiche Tagespolitik.— Spandau: Zugendheim Lindenufer 1: BoMsmus und Wehrhafligteit.— Schönebcrg: Hauptstr. 15(©Ottenhaus); gristchristenschau. 0Iuqendsiruppe des Zentralverbandes der Angestellten H.-ut«, Mittwoch, finden folgende Beranstaltungen statt;©esundkrnnnen; Zugeredhelm Schönsted istr. i; Antik riegsodend.— Schön bauler Borstadt: Zugendheim der Schule klastareienallee 81; Brettspielabered.— Ztordoft: Zugend- heim Danziger Str. KZ; Portrag:„Wir sind gegen Krieg", Bes.: Löwi.— Neinickendorf: Augeredhoim Liredauer Str. 2(Baracke): Fideler Abend, Leitung: Buhle.— Stralau: Zugendheim der Schule Goßlerstr. Kl; Brettspiele und Lese- Abend.— vberspree: Schul« in Riebe rschöneweide. Berliner Str. 31, Eingang Hasielwerder Straße: Arbeitsgemeinschaft:„Aregestelltenbewegung". Leiter; Lh'j. — Köpenick: Zugendhe m Dahlwißer Str. 15(Gasanstalt, am Bahnhof Köpenick): Lese-Abend.— ReuköA»: Jugendheim Böhmische Str. 1—1, Ecke Kannerstrahe; Singe-Abend, Leiter: Weißstock.— Südost: Jugendheim Wrangelftr. 12«: W,r üben Stegreifspiele.— Schönebera: Jugendheim Sairptstraße 15(Hofgebäude — Sachsenzimmer). Vortrag;„Ri« wieder Krieg". Referent: Krug.— Eharlotteaburgln Zugendheim Spielhagenstraße 4: Bor trag;„Rüstet die Welt ab?", Referent: Zul. Diederich.— Spandau: Zugendheim Linden- nfrr 1:„Die Jugend ist gegen Krieg".— Botsdam-Rowawe«: Jugendherberge in Rowawes. Pniesterstraße; Antiiriegsabend.— Sportabteilung: Uebungs. abend, 29 Uhr, in der städtischen Turnhalle, Bringenstraße.— Spiel« im Freien ab 18 Uhr auf dem Sportplaß Friedrichshain. Verantwortlich für Politik: Dr. Gurt Geyer: Wirtschaft: G. Kliogelhöler: Gewerkschaftsbewegung: Z. Steiner: Feuilleton: Dr. John Schikowoki: Lokales und Sonstiges: Friß«arstädt: An, eigen: Zh. Glocke: sämtlich in Berlin. Verlag: Borwärts-Lerlag© m. b.£>.. Berlin. Druck: Borwiirts-Buchdruckeret „red Verlagsanstalt Paul Singer n. Co. Berlin SW. 68, Lindenstroße 8 Hier,» t Beilagen. 0 Zwischen 2 Zigaretten TableMen, das verhütet den Raucharkatarrh nimmt dem Atem den Tabakg»ruch 3